Größter Geldwäsche-Fall aller Zeiten aufgeflogenSo funktionierte das System Liberty Reserve

• Liberty Reserve Das ist die Schwarzgeld-Bank Hier hat die Liberty Reserve ihren Sitz, in San Rafael de Escazu (Costa Rica)

29.05.2013 - 08:42 Uhr Es klingt wie ein Krimi – nur viel besser! Internationale Ermittler haben einen gigantischen Fall von Geldwäsche aufgedeckt – den größten in der bisherigen BankenGeschichte. Der Fall: Seit 2006 sollen Cyber-Kriminelle insgesamt sechs Milliarden Dollar (4,6 Milliarden Euro) aus kriminellen Geschäften mit Hilfe einer eigens gegründeten Internet-Bank Liberty Reserve gewaschen und versteckt haben. US-Staatsanwalt Preet Bharara: „Die Bank wurde bewusst für kriminelle Geschäfte geschaffen und organisiert. Es war im Grunde eine Schwarzmarktbank.“ Die Staatsanwaltschaft in New York warf dem in Costa Rica ansässigen Unternehmen am Dienstag vor, über seine digitale Währung die Milliarden Dollar illegal in den Wirtschaftskreislauf eingeschleust zu haben. Der Gründer der Plattform, Arthur Budovsky (39) wurde bereits am vergangenen Freitag festgenommen, allerdings nicht am Firmensitz in Mittelamerika, sondern in Spanien. Vier weitere Drahtzieher befinden sich ebenfalls in Polizei-Gewahrsam. Zwei Geschäftsleute sind auf der Flucht.

Am späten Vormittag gab die spanische Polizei das Bild der Verhaftung vom vergangenen Freitag heraus: Liberty Reserve-Boss Arthur Budovsky wird abgeführt WIE GROSS SIND DIE DIMENSIONEN? Staatsanwalt Bharara erklärte: 1 Millionen Nutzer hätten Geldtransfer-Firma für ihre Geschäfte genutzt, 20 000 kämen allein aus den USA. Nach bisherigen Ermittlungen soll es seit Gründung von Liberty Reserve 2006 55 Millionen illegale Geldtransfers gegeben haben. WIE HAT DAS SYSTEM FUNKTIONIERT? Liberty Reserve bot den Kunden ziemlich durchsichtige Geschäfte an. Das Prinzip: Der Kunde tauschte über einen Drittanbieter echte Währung gegen den Kunstwährung LR, dann wurde das Geld auf andere Konten überwiesen. Die Empfänger konnten die imaginäre Währung dann nur noch in echtes Geld zurücktauschen. Offensichtlich immer vorbei an den Behörden. DENN anders als regulären Banken unterlag Liberty Reserve keiner Kontrolle durch die Finanzaufsichtsbehörden.

Größter Geldwäschefall US-Behörden schließen Transfer-Bank

WAS HATTE DIE BANK DAVON? Für die Liberty Reserve war das Waschen des Geldes ein lukratives Geschäft. Um die Kunstwährung in echte Währung zurückzuwandeln verlangte die Geldtransfer-Firma eine Gebühr von einem Prozent der Summe und 75 Dollar-Cent als „Privatsphäre-Gebühr“ – denn die Kontonummern behielt die Bank unter Verschluss. WURDEN DIE NUTZER NICHT ÜBERPRÜFT? Nein! Eine Prüfung der Identität der Nutzer gab es nicht. UND: Nutzer mussten bei der Einrichtung eines Kontos auch sehr wenig Informationen abgeben, die Liberty Reserve in der Regel nicht überprüfte. So fanden die Fahnder beispielsweise Benutzernahmen wie „Joe Schwindler“. Dass den Liberty-Reserve-Macher völlig gleich war, wer sein Geld bei ihnen lagerte zeigt ein Beispiel aus der Ermittlungsarbeit:

So meldete sich ein verdeckter Ermittler mit dem Namen „Russland-Hacker“ an. Seine Adresse: 123 Fake Main Street, Completely Made Up City (123 Falsche Hauptstraße, Komplett Erfundene Stadt). Als Verwendungszweck für die Transaktion gab der Ermittler „Für Kokain“ an. Offenbar eine völlig gängige Praxis, denn der Geldtransfer klappte problemlos...

Nichts geht mehr: Die Webseite der Liberty Reserve wurde von den Behörden gesperrt WARUM LIEFEN DIE GESCHÄFTE ANONYM AB? Durch die Anonymisierung der Kunden konnten Aufseher und Behörden die Transfers nicht überwachen. Kriminelle auf der ganzen Welt sollen so anonym und nicht nachverfolgbar Finanztransaktionen abgewickelt haben. WELCHE KRIMINELLEN NUTZEN DIE BANK? Laut der New Yorker Staatsanwaltschaft fielen darunter Delikte wie Kreditkarten- und Anlagebetrug, Identitätsklau, Computereinbrüche, Kinderpornographie und Drogenhandel. Auch die Cyber-Diebe, die bei einem spektakulären Coup weltweit 34,5 Millionen Euro von Bankkunden raubten, nutzten Liberty Reserve.

Mehr zum Thema Geldwäsche 117

Geheimbericht enthüllt So hat uns Zypern betrogen!

Zypern hat es immer abgestritten, aber jetzt belegt ein Bericht der EU: In zyprischen Banken wird massiv Schwarzgeld gewaschen. mehr...

Wird der 500er abgeschafft? Der „schmutzigste“ Schein der Welt

Geldwäsche im Vatikan Ermittlungen in Papst-Bank

Liberty Reserve sei zur „Drehscheibe der Cyberkriminalität weltweit” geworden, hieß es in der Anklageschrift. WIE KONNTE DIE LIBERTY RESERVE 7 JAHRE UNBEHELLIGT AGIEREN? Der Fall birgt vor dem Hintergrund der Diskussion um die digitale Währung Bitcoin einigen Sprengstoff. US-Finanzaufsehern ist es ein Dorn im Auge, dass dieser Markt ohne staatliche Kontrolle auskommt. Sollten sich die Vorwürfe gegen Liberty Reserve als richtig herausstellen, hätten die Behörden bessere Argumente in der Hand für eine Regulierung. Staatsanwalt Preet Bharara sprach von „Wild West”-Methoden im Internetbankgeschäft.

„Wenn Al Capone heute noch am Leben wäre, würde er so sein Geld verstecken”, zitierte die „New York Times” Richard Weber von der US-Steuerbehörde IRS. In der Geldwäsche sei die „Cyber-Ära” angebrochen. WER IST DER KOPF DER BANDE? Bereits am Freitag waren Firmengründer Arthur Budovsky und vier weitere Personen in Spanien, Costa Rica und New York verhaftet worden. Der aus der Ukraine stammende Budovsky war 2006 nach einer Verurteilung zu fünf Jahren auf Bewährung nach Costa Rica geflohen. Budovsky ist kein unbeschriebenes Blatt. Laut Staatsanwaltschaft war der 39-Jährige bereits in den USA mit dem Liberty Reserve-Vorgänger „Gold Age“, einem illegalen Finanzdienstleister, aktiv. WIE GING DER BOSS INS NETZ? Nicht etwa in Costa Rice ging Budovsky den Ermittlern ins Netz, sondern auf einem Transit-Stop am Flughafen Madrid-Bajaras. Der Mann war auf dem Weg von Marokko zurück nach Costa Rice. Zur selben Zeit war die Polizei dabei, seine Residenz und seine Büros im edlen Wohnviertel „Las Terrazas“ in den Bergen von Santa Ana zu durchsuchen. WAS PASSIERT JETZT MIT DEN MILLIARDEN? Seit den Festnahmen vom Freitag ist auch der Internetauftritt von Liberty Reserve gesperrt. 25 Millionen Dollar wurden bereits aus dem Verkehr gezogen, 45 Konten gesperrt. US-Staatsanwalt Bharara machte den Nutzern der Firma wenig Hoffnung darauf, dass sie jemals etwas von ihrem Geld wieder sehen werden. „Wir sind dran und wir sind noch lange nicht am Ende.“ Mehr zum Thema Schwarzgeld

BILD-Report aus Zürich Sex und Drogen im Steuerparadies

Zürich, die Stadt, in der Geld gewaschen und gebunkert wird. BILD-Report aus Europas Zentrum für Steuerflüchtlinge. mehr...

Hoeneß & Co Die Steuer-Akte Deutschland

„Offshore-Leaks“ Stürzen über diese Daten Präsidenten?

WO WIRD NOCH ERMITTELT? Insgesamt waren Behörden in 17 Ländern in den Fall eingeschaltet – darunter Kanada, Norwegen, Schweden, die Niederlande, Großbritannien, Marokko, Lettland, Luxemburg, Zypern. Hongkong, Australien, China und Russland. Deutschland gehörte nicht dazu. WAS DROHT DEN DRAHTZIEHERN? Budovsky und seinen vier Partnern, die zwischen 27 und 46 Jahren alt sind, drohen Haftstrafen von bis zu 20 Jahren wegen Verschwörung zur Geldwäsche.

GIBT ES NOCH EINE ANDERE INTERNET-WÄHRUNG? 2009 wurde die virtuelle Bitcoin-Währung eingeführt, um internationale elektronische Überweisungen zu ermöglichen. Eine Teilnahme an diesem Zahlungsverkehr ist nur mit einem entsprechenden Bitcoin-Programm möglich, das den Besitz von Geld-Einheiten durch kryptografische Schlüssel nachweist. Finanz-Transaktionen werden dabei durch digitale Signaturen abgesichert. Das virtuelle Geld kann in Währungen wie US-Dollar, Euro oder Pfund getauscht werden. Zahlungen können anonym durch Pseudonyme durchgeführt werden, eine Identifizierung der jeweiligen Handelspartner ist dann nicht möglich. Die Zahl der Nutzer wird auf ca. 2,4 Millionen (2012) geschätzt. Mehr zur Internet-Währung Bitcoin

Bitcoin im freien Fall Die Welt zittert um das Geld der Zukunft

Manche halten sie für das Zahlungsmittel der Zukunft: Die Internet-Währung Bitcoin. Doch der Kurs stürzte ab. Warum? mehr... WELT.de präsentiert

VerwandtenaffäreAffäre kostet ersten SPD-Abgeordneten Amt

Weegee the FamousSo schmutzig hat niemand New York fotografiert

Kriminalität

Ihr persönliches BILD.de: Folgen Sie diesem Thema und verpassen Sie keinen neuen Artikel. So funktioniert's!

Was sagen Sie zum Schlag gegen die Gangster-Bank Liberty Reserve?

1.

GEHT EUCH NICHTS AN vor 43 Minuten und warum wird DEUTSCHLAND bei den Ermittlungen ausgeschlossen? Gibt es hier denn KEINE Schwarzgelder, keine Steuerbetrüger? Polieren wir uns wieder den Heiligenschein? Deutsche Scheinheiligkeit kennt wohl keine Grenzen.

Sign up to vote on this title
UsefulNot useful