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Die alten Thraker

Die alten Thraker

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Die alten Thraker.
Eine ethnologische U n t e r s u c h u n g
Wilhelm Tomaschek,

Die alten Thraker.
Eine ethnologische U n t e r s u c h u n g
Wilhelm Tomaschek,

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Inhalt.

Einleitung........................
I. Die paionisch-dardanische Gruppe ..........
Teukrerund Mysen S. 13. Pelagonen S. 17. Paionen S. 18.
Agrianen S. 21. Dardaner S. 23—26. Veneter S. 26.
II. Die phrygisch-mysiBche Gruppe ...........

1. Phrygen oder Brigen S. 27—33.
Edonische Stämme S. 33—39. Mygdoneu 8. 33—35(Be-
bryker und Dolionen S. 35), Kregtonen und Krusaier
S. 35. Sithonen S. 37. Edonen S. 37—39.
Odomanten S. 39. Bistonen 8. 40. Xanthier S. 41. Ki-
konen S. 42. Sa-ier S. 43. Sintier S. 44. Paiten und
Apsinthier S. 45.
2. Mysen und Moesen S. 47. Artakier, Kebrenier und Ska'fer
S. 50—62.

Seite

1—12

13—27

27—52

III. Die thrakischen Völkerstämme. ...........

a) Die südliche Gruppe S. 53—92.
Treren S. 53. Trallen S. 56.
Strymonier oder Maidobithynen S. 58—68. Bisalten S. 58.
Sinten S. 59. Maiden S. 61. Denseleten 8. 62. Bi-
thynen und Thynen S. 62—67. Dolongken S. 67.
Satren S. 68. Dier S. 71. Diobessen S. 72. Bessen
8. 72—80. Sapaier S. 69. Korpilen S. 69. Trausen
S. 70.

Odrysen S. 80. Bennen, Kainen, Asten S. 83. Samaier,
Koilaleten, Sialeten 8. 85. Namen auf -geri S. 87.
Triballen S. 87. (keltische Intrusionen, Reich von Tylis

S. 90).

b) Die nördliche oder getisch-dakische Gruppe S. 92—111.
Geten, Terizen, Krobyzen S. 92—98.
Agathyrsen und Trausen S. 99. Daken S. 101. Dakische
Bergstämme, Saboken, Besäen, Kostoboken, Karpodaken
S. 106—111.

IV. Allgemeines über die Thraken ...........
Culturunterschiede S. 112. Leiblicher Typus S. 115. Täto-
wierungS. 116. Kleidungund BewaffnungS. 118. Be-
hausungS. 120. Nahrungund Getränke S. 121. Waffen-
tänze und Spiele S. 124. Musik S. 125. Schriftwesen
S. 125. Sittlichkeit und Ehe S. 125. Todtenbestattung
S. 127. WitwenschlachtungS. 128. Todesverachtung
S. 129.

130

53—111

111—129

Die alten Thraker.

Eine ethnologische Untersuchung

von

Wilhelm Tomaschek,

corresp. Mitgliede der kais. Akademie der Wissenschaften.

II.

Die Sprachreste.

l. Hälfte. Glossen aller Art und Götternamen.
l. Die Glossen.

üie centrale Lage, welche die thrakische Nation zwischen
den Illyriern, Hellenen, Phrygen und Armeniern, den iranischen
Steppenvölkern der pontischen Region und den Litu-Slaven
innehatte, erweist im Verein mit den Nachrichten über den
physischen Typus die Zugehörigkeit dieser Nation zu der indo-
germanischen Sprach- und Völkerwelt. Schmerzlich wird von
den Forschern, welche die Sprache zuden wesentlichsten Merk-
malen eines Volksthums rechnen, die Thatsache empfunden,
dass wir von diesem wichtigen Bindegliede zwischen Ost und
West, Süd und Nord nicht die geringsten zusammenhängenden
Sprachreste besitzen; wären solche vorhanden, soerschiene die
indogermanische Sternblume um ein neues Blatt bereichert, und
eine klaffende Lücke in dem genetischen Zusammenhange der
alten europäischen Sprechweisen wäre ausgefüllt. Das, was
von den Hämus-Sprachen übriggeblieben, besteht jedoch nur
in wenigen unzusammenhängenden und überdies ungenauüber-
lieferten Wörtern oder ,Glossen' und sodann in Eigennamen,
deren Bedeutunghöchstens durch eine Art Divination errathen
werden kann. Diese geringen Sprachreste sind auf uns in
griechischer und lateinischer Umformunggekommen; man ver-
suche nur, armenische oder slavische oder arische Wörter mit

Sitzungsber. d. phil.-liist. Cl. CXXX. Bd. 2. Abh.

l

131

Ï

Ð. Abhancllung: Tomasche k.

dem griechischen Alphabet zu umschreiben, und sofort wird
das Unzulängliche dieses Versuches klar; ohne Zweifel besass
das Thrakische Laute wie i, dz, dz, c, c, s, die das Griechische
nur mühsam durch æ, ôæ, ó, óó, î auszudrücken vermochte.
Auf eine genaue Erkenntaiss des barbarischen Lautbestandes
müssen wir demnach von vornherein verzichten; in weit höhe-
rem Grade ist dies der Fall in Bezugauf die Flexionsformen
und die derivativen Elemente, um schon vom Satzbaunicht
zu reden! In einigen Fällen kann es uns glücken, unter
Zuhilfenahme der verwandten Sprachen das Wort auf eine
entsprechende Wurzel zurückzuführen; auch hat bereits die
Erkenntniss der indogermanischen Lautgesetze einen soer-
freulichen Aufschwunggewonnen, dass einfach aus gewissen,
vormals unwesentlich erschienenen, nunmehr aber bedeutsam
gewordenen Lautvertretungen auf die Stellungeines blos
fragmentarisch überlieferten Sprachschatzes im Kreise der
Schwestersippen ein bestimmter Schluss gezogen werden darf.
Der Sprachforscher befindet sich dabei in gleicher Lage wie
der Paläontologe, der selbst aus dürftigen Einschlüssen einer
Erdschicht deren Alter, sowie den genetischen Zusammen-
hangdieser Fossilien im Kreise der übrigen Organismen zu
bestimmen vermag. Der Versuch muss gemacht werden; un-
erträglich erscheinen dem Forschergeist die dunklen Stellen
und Lücken im Reiche der Erkenntniss; diese auszufüllen oder
mit einem schwachen Lichtschimmer zu erhellen, däucht ihm
rühmlicher, als im üblichen und billigen Nescimus zu verharren
und das Dunkel dunkel zulassen.
Indem wir uns zunächst den Glossen zuwenden, so sei
bemerkt, dass wir die einzige namhafte Sammlungderselben
dem jüngst verstorbenen Orientalisten Paul de Lagarde ver-
danken, in dessen .Gesammelten Abhandlungen' (Leipzig1886)
36 Wörter als thrakisch verzeichnet erscheinen; eines daruuter
(n° XVI) ist, was auch Lagarde zugibt, slavischer Herkunft;
es müssen aber, wie wir sehen werden, noch 20 Wörter aus-
geschieden werden, die entweder blosse Eigennamen enthalten,
oder deren thrakische Herkunft sich nicht erweisen lässt; so
bleiben denn nur 15bedeutsame Wörter zurück! Wir fügen
in unserer Sammlung36 neue Wörter hinzu, bei denen die
Möglichkeit thrakischer Herkunft erwogen werden kann, wofern

132

Die »Iten Thraker. II.

3

wir die ägäischen Küstendialekte, sowie das Bithynische und
Dakische miteinbeziehen; davon dürfen wenigstens 15sicher
für echt gelten. Sehen wir zu, ob es uns glücken wird, die
soermittelten 30 echten Glossen der Deutungnäher zu rücken.
Deutungsversuche hatte bereits Lagarde hie und da unter-
nommen; ebensoR. Roesler in seinem Aufsatze ,Ueber das
Thrakische' (Zeitschr. f. d. österr. Gymn. 1873, 105—116);
das Beste, was nach dieser Seite bisher geleistet wurde, rührt
jedoch von dem Sprachforscher A. Fick her, der in seinem
Werke ,Spracheinheit der Indogermanen Europas', Göttingen
1873, auf Grund der Sammlungen Lagarde's die phrygischen
sowohl wie die thrakischen Glossen behandelt hat; Fick's
Erklärungsversuche wurden noch jüngst vollinhaltlich von
H. Hirt angenommen, der in der Zeitschrift ,Indogermanische
Forschungen' (Bd. II, S. 143 ff.) die Frage erörtert hat, ob
das Thrakisc1

e zuden kentum- oder zuden 9atam-Sprachen

gehört habe.

É. Üãïõñïò- ä Ýöçâïò, èñÜêåò, EGud. 124, 14 Eust. zuo472,
ñ. 1788. Bei Homer ç 64 las Aristophanes von Byzanz Üãïõñïí
für Üêïõñïí im Sinne von Ü'ùñï·/; eine Dialektform Üãïõñïò für

Üùñïò ist jedoch unmöglich, G. Meyer, Gr. Gr., §. 218, 2. Ge-
hörte das Wort dem Dialekte der Griechen von Byzanz an,
so steht es für ÜãïñÑüò im Sinne von ÜãåëÞôçò, von der Wz.
Üãåñ-, vgl. Üãïñïò· Üèñïéóìá, Üãåñìüò und Üãõñìüò. Im Thrakischen
konnte die Wz. nur ger- (vgl. die Stammnamen auf -geri
Abh. I, 87) oder zer- lauten; dasa- müsste dann privativen
Sinn haben, wie in dem von Fick verglichenen skr. a-gru
zd. a-ghru,unvermählt, nicht zusammen hausend', von der
gleichen Wz. ger- (ger-) ,sich nähern, sich zugesellen'. Wir
halten an der griechischen Herkunft der Glosse fest.
l. Üëïã÷ïí äüñõ ôï óßäçñùí, èñáêúò, EM. 70, 37; äüñõ ôï
Üóé'äçñïí, Hesych. — Wie M. Schmidt vermuthet, falsche Lesart
für äßëïã÷ïí, vgl. Hesych. äßëïã÷ïò· Þ ÂåíäÀò, Êñáôßíïò åí èñïßôôáéò ·

üôé äýï ëüã÷áò öÝñåé, êõíçãåôéêÞ ïýóá. Schwerlich wird das seit
Herodot und den Tragikern bezeugte Wort ëüã÷ç, das Einige
für entlehnt aus semit. rumhu halten, Andere mit gall. ëáãêßá,
lat. lancia vergleichen, gleich der ðÝëôç, aus Thrake stammen;
es könnte in diesem Falle im Sinne von äïëé÷üóêéïí Ý'ã÷ïò, hasta
longa
(so nach 0. Schrader), für äïëüã÷ç stehen; vgl. altpers.
l*

133

A

II. Abhandlung: Tomaschek.

dranga »lang' und die ob ihrer langen Speere bekannten Ëïëïãêáé,
Dolongae. Verlassen wir diese unsichere Vermuthung.
Ð. Üñãéëïò· ä ìõò, èñÜêåò, Favorinus bei Steph. Byz. v.
"¢ñãéëïò. Glosse und Deutungsind einfach erfunden, ähnlich

•wie von Êáñäßá. Die edonisch-bisaltische Veste, welche den
Zugangzur Strymonmünde sperrte, war vielleicht nach dem
weisslichen Ufersande benannt; vgl. Hesych. Üñãéëïò· ëåééêüãåéïò,

Þ ãç óìçêôéò, und Üñãåëëá· ïßêçìá Ìáêåäïíéêïí, üðåñ èåñìáßíïíôåò

ëïýïíôáé; Ephor. b. Strab. V, p. 375Üñãßëëáé· êáôÜãåéïé ïßêßáé,

ïñýãìáôá ôùí Êéììåñßùí. Oder es vergleicht sich armen, argel
,Riegel, Hemmniss', was Bugge zuÜñêÝù, arceo, arx stellen will.
III. ¢ñßá ÝêáëåÀôï Þ ÈñÜêç ÷þñá, ùò êáé ÐÝñêç, Steph. Byz.
Richtigfasst diesen Namen Meineke als¢ñåéá, Land des Ares;

Üñéá hiess ausserdem eine Art Zwergeiche, Theophr. — Roesler
giengin die Falle und erblickte darin ein thrakisches ,Arier-
land' und in ÐÝñêç ein ,Bergland'. Im vollen Texte des Ste-
phanus stand aber: Ý'óôé äå êá; ÈñÜêç åßäïò é÷èýïò, Þ êáé èñáôôá
ÝêáëåÀôï êáúèÝôôá, ç ðÝñêç — wie schnell verwandelt sich das
Bergland in einen simplen Flussbarsch oder eine Sardelle!
2. balascae, èñÜêåò, G-loss. Labb. ed. Goetz II, p. 28; d. i.
gladiatores, parmularii. Das schwer deutbare Wort braucht
deshalb nicht für thrakisch zu gelten.

IV. âáóóÜñáé· ÷éôþíåò, ï¿ò Ýöüñïõí áßèñáêßáé ÂÜê÷áé, Hesych.;
Þóáí äå ðïéêßëïé êáé ðïäÞñåéò, An. Bekk. 222, 26; bassaris, vestis
qua Liber Pater utitur, demissa ad talos, lingua Thracum
schol. Pers. I, 101, mit dem falschen Zusatz: Thraces bassares
dicunt vulpes; ebensoschol. Lycophr. 771. 1343 âáóóÜñá· Üëþðçî,
èñÜêåò. Nur ägyptisch hiess der Fuchs uasar, kopt. basar,
baäor; die áëùðåêßá der Thraker hiessen vielmehr ÝâÞíïé. Als
Eigenname findet sich ÂÜóóáñïò, f. ÂáóóÜñá. Aus dem Indoger-
manischen lässt sich das Wort, das Pollux æ 59 den Lydiern
zuschreibt, schwer erklären; man könnte, wie für ags. basu
,purpura', an ein Derivat der Wz. bhä ,scheinen' denken;
armen, paicar ,coruscus, fulgens, nitidus' bedarf selbst der
Klärung. Lagarde S. 275nimmt gar zd. vare9a ,Haar, Zotte'
zuHilfe und beruft sich hiebei auf den Biberpelz der Anahita!
Roesler wendet sich an neupers. ba (praep.) -|- sar ,Kopf im
Sinne von capuzza; er konnte sinngemässes ba-äär ,vestis fluxa',
von säridan ,fluere' (skr. ksar), vergleichen. Vielleicht war

134

Die alten Thraker. II.

5

das Wort nicht edonisch-thrakisch, sondern kleinasiatisch, wie
âÜêêáñéò und viele andere; ÌÜéáñéò nannten die Karer ihren
Dionysos. Hat etwa ein phönikischer StofFname, wie âýóóï;,
syr. hebr. büz, bez, eingewirkt?
V. ÂåíäÀò'.Þ "¢ñôåìéò, èñáêéóôß, Hesych. Eigenname, keine
Glosse! s. den Abschnitt über die Götternamen.
3. âÝäõ- -'s^äùñ, Öñýãåò, Didymus b. dem. Alex. Strom. V,
p. 231 sqq.; citiert wird ein orphischer Vers, êáé âÝäõ ÍõìöÜùí
êáôáëåßâåôáé Üãëáïí ýäùñ, und eine Stelle aus Dion's Opfercere-
monien: êáé âÝäõ ëáâþí êáôÜ ÷åéñþí êáôá÷Ýïõ êáé Ýôå'é ôçí ºåñïóêïðßçí
ôñÝðïõ. Lagarde S. 285meint zwar, das Wort gehöre zuden
Ausgeburten der Gnostiker und Kabbalisten, die zu deuten
keinem Vernünftigen einfallen werde. Aus dem Umstande
jedoch, dass irgend ein Spassvogel ßss'-i in die Gesellschaft
nussknackerischer und seltener Wörter eingereiht hat, folgt
noch nicht, dass es gar nicht existiert habe. Das Wort war,
wie in Phrygien, so auch im edonisch-brigischen Küstenstrich
lebendig; in Bisaltia gab es eine edonische Veste ÂÝäõò, vgl.
Diod, XIX, 50 a. 316: öõãßíôá ôçò Âéóáëôßáò å!ò ÂÝäõí. Weiters
vermerkt Herodian in seinem Kanon der Namen auf -éñïò
(Choerob. p. 259, 22 Theognost. 71, 31 EM. 488, 7) einen süd-
thrakischen Ort Âåäý-ôéñïò, d. i. ,Wassergrube'. An den ein-
fachen indogerm. Stamm ued- fügen sich locative Charaktere (n,
r) an, welche dem Nominativ ÑÝäõ fehlen; ebensoarmen, get (Gen.
getoj) ,flumen', neben gedz (aus vedio), gidzin ,nass', engl. wet.
Zum Neutrum õäïò gehört die brigische Veste Uedessa, "Åäåóóá,
noch jetzt bulgarisch Vodina, von voda ,Wasser' benannt', õäáóé
ðåñéêëõæïìÝíç, Jo. Cantacuz. IV, 19; die Makedonen übertrugen
diesen Namen auf das aramäisch P L^Lct, äéá ôçí ôùí õäÜôùí
ñýìçí, St. Â.

4. âüëéíèïò· ä âïíáóóïò, Mirab. ausc. l, vielleicht ein myg-
donisches Wort mit dem Suffix -éíèïò, -uvöoe, dem wir auf phry-
gischem Boden mitunter begegnen; vgl. slav. -endoin govedo
,Ochse'. Die Griechen suchten in der Basisâïë-, wozusich
slav. volü ,Rind' vergleicht, den Sinn von âÜëëù, âüëïò, vgl.
Hesych. âÜëõíèïí Üöïäåééìá âõßò: das trächtige Rind soll, wenn
es im Bergwald lagerte und aufgescheucht wurde, siedend heisse
Excremente den Verfolgern zugeworfen haben — eine blosse
Volksetymologie! Das udische Wort belen ,Stier' verbleibe

135

g

II. Alhandinng: Tomaschek.

dem Caucasus; magy. beleny, bölöny ,Auerochs' dürfte ursprüng-
lich ,Elen' oder das ,falbe Thier' bedeutet haben, türk. bnlan.
5. ßovagoo?, das paionische Wort für den Wisent, Arist.
H. anim. II, l, sonst auch ßsvace^, ßc&vaso;, ßouvaso^ geschrieben
und mit Wandel desß zu[A unter Einwirkungvon v ^airoo?,
entstellt zu[Asvaito^, [AO'/OICTO;, [JI.OMOTO;?, [Ji.ovtrtA Arist. IX, 45etc.
Heimstätten des Thieres waren der Orbelos (AP. VI, 114—116)
und das Messapiongebirge an der Grenze der Paionen, Maiden,
Sinten und Agrianen; im fpiv.'x'i-.iw voEwo? Aoß-^pou erlegte Peuke-
stas einen gewaltigen Wisent (Addaios in AP. IX, 300); Herodot
VII, 126 wusste, dass im Quellgebiet des Echeidorosßoe? afpm
hausten, TÖV T« nspea uwepp,e-]'a6sa emTOC e<; °E\\r^oii:, yotteovca;
der paionische Prinz Apumio^, Sohn des Audoleon, sandte einen
Wisentschädel aus Erz nach Delphi, Paus. X, 13, l; die paio-
nischen, odrysiachen und getischen Stammhäupter tranken aus
mächtigen Stierhörn ern; das Wisenthorn, aus welchem Deke-
balos trank, war mit Gold eingefasst (Suid. v. 'K.iswi^ vgl.
n0

XVI. Das Wort ßovowsos, ^o-iaosoi; lässt sich aus dem Alba-
nischen deuten, gemäss dem illyrischen Ursprungder Paionen:
alb. böäj, med. bönem, ,stürze mich auf —, bespringe', z. B.
töp-a bönete (aor. u-bua); part. bönes .Bespringer, Stier', ersetzt
durch ital. pter ,toro'.

VI. Bouoßa-cos" rj "Ap-cspi'.i;, Qpaxe?, Hesych. — wiederum
blosser Eigenname, noch dazu verderbt und nicht einmal
tkrakisch! Gemeint ist die ägyptische ßo'Jßaorn;. Woher aber
der Beisatz 6paxsi;? Fiel etwa ein Bezugauf die thrakische
Be-;8^ aus? Die erste sicher thrakische Glosse liegt vor in
VII. ßp(a' T) •TriT.ii;, tb •ceiyo^ ^ eit' a-cpcT? v.ü^ Strab. VII,
p. 319, St. B., Hesych. etc. Eine beachtenswerthe Nebenform

ßp^os liegt vor in dem Ortsnamen Bpea, Ew. Bpearai, Catal. trib.
Att., Hesych., St. B.; im Ortsnamenverzeichniss werden uns
überdies die Formen ßpe, ßp(, ßpie; begegnen. Lagarde und
Fick vergleichen zd. vare, von var ,umschliessen, einhegen,
wehren, wahren'; dazuneupers. bärah, hart, bärü, us. bru ,arx,
castellum'. Man muss indess für ßpsa von einer europäischen
Grundform vere-ia, vre^a ausgehen, woraus vrea, vria, brea,
bria, bre, bri hervorgieng. Gleiche Bedeutunghat die Wz.
vel-, wozu armen, giut, geul, geöl', get (gen. geldz^ ,Dorf,
Landsitz' gehört.

136

Die alten Thraker. II.

6. ßp0>(>»v • 6 ßaXave6<; ,Bader, Barbier', ein spätes Wort bei
Theogn. can. nach Herodian; für thrakische Herkunft desselben
spricht das Vorkommen des thrakischen EigennamensBpiXü)';
z. B. auf einer Inschrift aus Lidzan bei Nikopolis an der Donau
C. I. III n° 6150. 7437: BRILO AULUZANI. Abzuleiten von
der Wz. bhri- neben bher-, zd. bar ,schneiden, scheeren, ra-
sieren', ir. berraim, npers. burridan; vgl. slav. brija, briti,
,scheeren', bricl, britva ,Scheermesser', alb. brisk(u); armen.
birel, brel ,sarculos abscindere', -bir ,abscindens, secans, fodiens,
z. B. hot-a-bir, getn-a-bir, bri6 .Laubmesser, Hacke'.

VIII. ßpit»3

' ^ Qp"11

'?) x

•al

MansSsvia ipurov &[i.Qwwto't TT) TCap'
ri^t ev 'As;a TI^T) xai •cb ave.py.« auTOu, Galen, de alim. facult. I, 13
(VI, p. 514); unser ,Emmerkorn, Einkorn'; das hieraus bereitete
Brot war grob und unverdaulich. Man hat skr. vrthi ,Reis',
afghan. wridze (pl.), neupers. bring, biring, guringund gr.
Spui;a, 5pw5a vergleichen wollen, wogegen nicht nur die Wort-
bedeutungvon ßpi^a, sondern auch der Verbreitungsgangder
Reiscultur spricht. Vielmehr bietet sich auch hier die Wz.
bhri- .schneiden', und -i;a ist blosses Derivationselement wie in
oXi^a, SOti^a und in zahlreichen Ortsnamen der phrygischen
Region. Wenn eine Glosse (ed. Goetz II, p. 260) ßpit^x durch
sica erklärt, sokann hiebei entweder an sica äy/sipläiov, Opoam.bv
S^osear/.ajJi.TCel; (p. 183) oder an sicale, secale ,Schnittkorn, Hafer
gedacht werden. Die Wz. bhrsg- ,rösten' steht wohl ferne.
7. ßpuTOi; • 6 -/.p(9tvoi; olvoi;, TCOV T'O ex, x.pi9^ wcvi, mit der
barbarischen Nebenform ßpou-co^' 10 e-/. •/.pi6öv TOp.a, Hesych.,
Herodian. u. A. Archilochus b. Athen. /, 447, 6: &s7t6p zap'

auXw ßpuTov ^ Qp^i'S w^p/^ •I'pu; sßpu^e. Hecataeus ebenda: IIxiovei;

itivouCTi ßpuTov aas wi xp'.6e(üv; Hellanicus: WIMOUSI (o'i IIatove^) ßpuTov

i-f. -cöv pit^öv, naOscitSp 01 Opax.gi; sx, TÖV x,pi6öv. Das Wort war
demnach bei den Phrygen, Thraken und Paionen gleich ver-
breitet und den Griechen wohl bekannt; längst haben die
Sprachforscher darin das Part. pf. bhru-to- ,Gebrautes, Bräu,
Brühe', lat. de-frutum, ir. bruthe, engl. broth, von ahd. briuwan,
altn. brugga, engl. brew ,brauen' erkannt; vgl. -fev-To-v.
IX. ßpuv/os' x.iOapos, Opanes, Hesych. — Fick nimmt x.iBapa
für ,Cither' und vergleicht die Wz. brenk- in slav. brecati,
breknati ,klirren, wiederhallen'. Wahrscheinlich aber bezeichnet
hier xiöapa eine wasserauspustende Meerfischgattung; vgl. die

137

8

ÃÉ. Abhandlung: Tomaechek.

Glossen âïýñõí÷ïò und âñéíêïò · ß÷èõò êçôþäçò, neben êßèáñïò- é÷èýò
und ÅêôÜñá, êôÜñá · åèíéêþò ú÷èýò. Die Wz. brenk- vielleicht auch
in dem thrakischen Personennamen Âñéíêá-îåñåýò.
8. ãáãýëç, ein spät bezeugter Localname der ,Dohle' aus
der hellespontischen Region, von der Wz. gag- ,gracillare', vgl.
lit. gagonas, russ. gogola.
Â'.èõíï'! êáé èñÜêåò êáé AuSoi ãáãõëáò

Ýóèßïõóéí. Du Cange.

×. ãÝíôïí · ôï êñÝáò, èñÜêåò, Herodian.; gewöhnlich pl. ãÝíôá ·
ôá êñåá, ìÝëç, óðëÜã÷íá, êáôÜ ãëþóóáí èñáêþí, Êáëëßìá÷ïò ,ãÝíôá

âïïò ìÝëäïíôåò', Suid. Hesych. Cyr. Zon. Eust. ad Od. p. 1854,
Iliad., p. 918. Fick verglich unüberlegt altn. kjöt n. (aus gendva)
,Fleisch'; genauentspricht ãÝíôïí einem gr. öáôüí (in Si-öáôïò,
ðñüò-öáôïò), Part. pf. ghn-to- ,geschlagen, abgehauen, abge-
schnittene von der Wz. ghen-, lit. gen : gon, slav. zen : gon, ir.
ben : gon, ahd. ban : gun, gr. èåí, öåí : öïí-, skr. han, gan. Der
velare Anlaut erscheint in der thrakischen Form bewahrt, den
palatalen finden wir in dem dakischen Pflanzennamen æçíá·

êþíåéïí Dioscor. IV, 79; ebensoarmen, gan ,Schlag, Hieb' neben
zenel ,mactare'; ir. gen ,Schwert'.
9. gestistyrum ,locus possessorum', etwa , Reichendorf'.
Acta S. Philippi, qui passus est sub Diocietiano a. 304 (Acta
SS. Oct. X, p. 55l) XII m. p. Hadrianopoli ad Hebri oram
,in villa, quae sermone patrioGestistyrum (var. Getistyrum),
interpretatione veroLatinae linguae locus possessorum vocatur;
ea possessioet fontibus habundat et nemore, ornata messibus
et vineis'. Als ich zuerst diese Glosse hervorzog, suchte ich
in gest- den Begriff ,possessor', in styro- den Begriff ,locus',
wobei ich thrakische Ortsnamen, wie Äïõñü-óÀïñïò, Êáðïý-óôïñïò,
Êáðé-óôïýñéá, Âçëá-óôýñáò, von der Wz. stau, einer Erweiterungvon
stä, verglich, während ich für gest- aus vest- die arische Wz.
vi(n)d- ,finden, erlangen', altpers. vista ü êåêôçìÝíïò (z. B. Vis-
tä9pa, npers. Gustäsp), armen, giut ,Fund, Gewinn', -giut
,findend', aor. 3. sg. e-git ,invenit, repperit', heranzog. Der
rumänische Gelehrte Hazdeudagegen nahm, in völligiranischer
Weise, gest-i-styrum für ,locus, qui (est) possessorum', wobei
-styrum als Gen. pl. êôçôüñùí füngieren soll, was wohl schwerlich
Billigungfinden wird. Die im Armenischen sohäufige Ver-
tretungdes v-Anlautes durch gauch für das Thrakische oder
doch für einen localen Dialekt desselben anzunehmen, ist aller-

138

Die alten Thralier. II.

9

dings gewagt; sollte für gest- etwa die Wz. ghed- ,fassen, er-
langen', welche palatalisiert in æÝôíá n° 15auftritt, herangezogen
werden dürfen?

10. óÝâá ,Siedelung, Wohnort, offenes Dorf, bei Hesych.
entstellt zuëÝâá· ðüëéò, õðü èñáêþí, werden wir in zahlreichen
Ortsnamen auf -äÝâ^, -deva, -Saaa, -dava bezeugt finden; dieses
echt thrakische Element gehört offenbar zur Wz. dhe, dhe, gr.
èç, Os- ,setzen, gründen', welche mitunter durch das Determinativ
-u, v erweitert auftritt, z. B. in gr. èÜfóóåí ,sass', èáfáêïò und

èüÑáêïò · èáêïò, èþêïò ,Sitz'. Sehr gut stimmt auch ir. däe, daoe
,Haus', vielleicht auch du ,0rt'. Eine andere Bildungist armen.
d-ir èÝóéò, èÝìá, èÞêç, èáêïò, von d-n-el ,ponere', Nom. verb. -di ,po-
nens'. An zd. daqyu, danhuwird Niemand denken, trotz zaza-
kurd. dau ,Dorf', dauän ,Dörfler'. Einen ganz zufälligen Anklang
bietet das georg. Wort daba ,Siedelung, Weiler, Dorf, von der
Basis da- ,nieder, abwärts', vgl. dabali ,niedriggelegen' u. ä.
11. ïßæá· áÀ'î, ËÜêùíåò, Hesych., wird schwerlich für áß'æá.

áÔãá gesetzt sein; vielleicht ist zuverbessern "Çäùíåò oder Ìáêå-

äüíåò. Auf thrakischen Inschriften des edonischen Gebietes findet
sich überaus häufigder Personenname Ëßæáò, Diza;diza konnte
,Ziege' bedeutet haben, vgl. germ. *dighä, ahd. ziga; für alb.
oi ,Ziege' nimmt C. Meyer als Grundform dighe(a) an. Ich
selbst halte meine Combination für höchst zweifelhaft.
12. äßæïò, auch ïßæá und je einmal auch ïåßîáò und ïÝîéïí
geschrieben, was auf die Aussprache deiza und dezi weist,
begegnet überaus häufigin der Nomenclatur thrakischer und
bithynischer Vesten, sodass man unwillkürlich an neupers.
dez, dez, diz und dezah, dezah, dizah, ,arx, castellum, murus',
altpers. didä (für dizä), zd. daeza, armen, dezn, dez ,tumulus,
agger', dizel ,coacervare', sowie an gr. ôåß÷ïò, ôïß÷ïò gemahnt wird,
von der Wz. dheigh, dhigh- ,bestreichen, verkitten, aufwerfen,
kneten'. Dieses Element findet sich, ebensowie âñßá, nicht auf
dakischem Boden, vielleicht, weil da alle Vesten von Traian
waren geschleift worden; aus dem Umstande, dass es sich nur
südlich vom Istros findet, braucht wohl nicht auf Entlehnungaus
dem Persischen geschlossen zuwerden; die Lautvertretung
widerspricht nicht dem sonstigen Charakter des Thrakischen.
13. ÝâÞíïé· Üëùðåêßäåò, Hesych.; Fuchsbälge waren die üb-
liche Kopf- und Fussbedeckungder Thraken und Bithynen;

139

10

II. Abhandlung : Tomasche ][.

denselben Ausgangzeigt der hessische Eigenname ESBENÜS.
In ÝâÞíïò ,indumentum ex pelle (vulpina, ovina, melis)' könnte
etwa die Wz. ev : eu ,induere' stecken. Anders erklären wir
das phrygische Wort ïõáíïàí Üëþðçî, nämlich als den , Vor-
sichtigen, Schlauen', von der Wz. uan, van- .aufmerken', die
auch in phryg. Ñáíáêô- ,Aufseher, König', in ÏõÜíáîïò, Ïõáíáîé'ùí
vorliegt; der Eigenname Ïõáíïõíü-âáñïò bei Latyschew II, n0

454
hat ivohl .Fuchsschwanz' bedeutet. — Oder ist bei Hesych.
ÝóâÞíïé zu lesen? Thrak. ezveno- könnte zur Wz. egh- ,spalten,
reissen, Haut abziehen' gehören, wie die bekannten Wörter
für ,Igel'; vgl. slav. jazwa ,Thierloch', jazwü ,Dachs', rum.
jezune etc.

XI. æáëìüò · äïñÜ Üñêôïõ, èñÜêåò, bei Porphyr, vita Pythag. 14.
zur Deutungdes NamensÆÜëìïîéò verwendet, ÝðåßãåííçèÝíôé
áõôù äïñÜ Üñêôïõ åðåâëÞèç. Eine ältere Schreibweise óáëìüò ergibt
sich aus dem herodoteischen ÓÜëìïîéò; ebensofindet sich neben
Áõëïý-æåëìéò die Form Áýëïý-óåëìéò; vielleicht war celm oder
celm die echte Aussprache. Bereits J. Grimm hatte skr. car-
man .abgezogene Haut^ Felldecke' verglichen; man fuge hinzu
zd. careman, afgh. tsarman, npers. carm, os. (siidl.) carm und
(dig. tag.) tsarm, in Zss. -dzarm, z. B. ars-dzarm ,Bärenhaut';
das Wort wird verschieden hergeleitet, bald von der Wz. sq'er-
ahd. sceran, gr. êå(ñù, bald von der Wz. q'el- ,hüllen', wobei
got. hilms, ags. heim verglichen wird; ja selbst gr. ðÝëìá, ags.
filmen, film ,Fell' hat man herangezogen. Ueberdies hat Fick
æáëìßò zu gr. ÷ëáì-õä- stellen wollen. Lagarde (S. 291) glaubte
aus der auffallenden üebereinstimmungvon æáëìäò mit pers.
carm für die Thraker oränische Abstammungannehmen zu
müssen; seine übrigen Vermuthungen übergehen wir.
14. æåéðïßôçò (Var. æåéðýôçò) bedeutete nach Hesych. Cyr.
Zon. ýðåñ÷ýôçò, ðåñé÷ýôçò ,Vergiesser, Verschwender'. Irgend ein
Chronist hatte den Namen des bithynischen KönigsÆåéðïßôçò,
Æåéðýôçò auf diese Weise gedeutet. Wir sehen hier eine Wz.
g'hei, thrak. æåé- .auswerfen, schleudern, vergiessen' durch den
causativen Charakter -p erweitert; -ïéôçò, -ýôçò, (aus-ïíôçò?) be-
zeichnet das Nomen agentis. Die Wz. o'heu : g'hu- ,giessen',
gr. ÷åõ : ÷õ- kann als eine durch -u erweiterte Form auf die
Basis g'hei- zurückgeführt werden; eine mit -bh erweiterte Form
wird uns in n° XIV begegnen.

140

Die alten Thraker. Ð.

11

XII. æåßñá- åßäïò ÷éôþíáò, Ýðéâüëá'.üí ôé êáôÜ ôùí þìùí öïñïý-
ì3íïí, Ýïéê'ïò Ýöáðôßäé, ï'é äå ºìáôéïí Óýñùí, ï'é äå æþíçí, Hesych., mit
dem Beisatz èñÜêåò, Phot. Lex. vgl. Pollux VII, 60 Þ æåöá
èñáêþí åßôå ðåñßâëçìá åóôßí åßôå æþìá. Nach Hdt. VII, 75war
die æåßñá ein weiter, über die Kniee hinabreichender und in der
Mitte gegürteter Reitermantel bei den bithynischen Thrakern;
sie war auch nach Xen. An. VII, 4, 4 länger und wärmer als
die hellenische Chlamys; der Stoff dazuwar bunt gefärbt —
daher die Glosse æåúñïí ðï'êßëïí, Üæåöïí · áðïßêéëôïí. Daneben
finden wir die DeutungÜæåéñïò · Ü'æùóôïò und æåéñïöüñïò · æùíïöüñïò.
Vocalschwankungzeigt sich in æéñáé · ÷éôþíåò ÜíÜêùëïé Hesych.,
æïõñÜ· æåöá, ÷ëáìýò und Þìé-æáñïí, DuGange. Für thrak. æåßñá,
aus zena, passt am besten die Wz. gher- im Sinne von ÝöÜð-

ôåóÏáé (÷åñïúí); minder gut die Wz. gers- ,zottigsein'.
XIII. æåôñáßá· Þ ÷ýôñá, èñÜêåò, Pollux X, 95; abweichend
æáôñåÀïí, cippus, DuCange. Würde das Wort jestra lauten,
so läge eine Ableitungvon jes- ,sieden' vor: ÷ýôñá æåé; gr. ÷ýôñá,

êýèñá gehört zur Wz. gheu- ,giessen', deren Basis im Thrakischen

æå'.- lautet; man würde somit æåúôñá oder æåéôñáßá erwarten. Die
Lesart bei Pollux steht nicht ganz fest.
XIV. æéâõèßäåò· á'é èñáóóáé, ïßèñÜêåò ãíÞóéïé, im Sinne von
åõãåíåßò, åõðáôñßäáé, Hesych. Fick erkennt darin eine thrakische Wz.
æéâ- ,leuchten, glänzen'; indem er lit. zibü ,glänze' pari. zibas,
zibant- ,splendidus, illustris' vergleicht; die vorausgesetzte Grund-
form ghib oder o'hi-bh- geht wohl auf die Basis fl'hei : g'hi-
,(Strahlen) werfen' zurück. Unter den Götternamen wird uns
ein thrakischer ZeusÆéâÝë-óïõñäïò begegnen; und der bithynische
Eigenname Æéâïßôçò (neben Æåéðï(ôçò) geht auf die gleiche Wurzel
zurück; überdies vgl. npers. par-zewand ,clarus'.
XV. æåéëÜ· ï ïßíïò, èñÜêåò, Phot. Lex.; æßëáé · ï ïßíïò ðáñÜ
èñáîß, Hesych.; vgl. den Canon des Herodian bei Choeroboscus
1187 An. Bekk. 124 und in Cobet's Excerpta Marciana 489:

ä æåëáò (æÞëáò), ôïõ æåëá (æÞëá), ôù æåëá (æÞëá) · ïýôù ëÝãåôáé êáôÜ
èñÜêáò ä ïßíïò, ôïýôïõ åõñßóêåôáé Þ äïôéêÞ ðáñ' Åõðïëßäé ÷ùñßò ôïõ ô

äéá ôï ìÝôñïí ^ôù æåëá óõãêåñáííýò'. Für den .ungemischten' Wein
finden im Griechischen die Formen ÷Üëéò und öÜëéò, vgl. ÷áëé-
êñçôïí ìÝèï Archiloch. b. Athen. I, 7, f und öáëéêñüí · Üêñáôïí,
Hesych.; 0. Schrader leitet ager Falernus von sabin. *fali ,hitzig,
Wein' ab; die Makedonen hatten das Wort êÜëéèïò· ïßíïò, Hesych.

141

10

II. Abhandlung: Tomaschek.

denselben Ausgangzeigt der hessische Eigenname ESBENUS.
In ÝâÞíïò ,indumentum ex pelle (vulpina, ovina, melis)' könnte
etwa die Wz. ev : eu ,induere' stecken. Anders erklären wir
das phrygische Wort ïßéáíïàí Üëþðçî, nämlich als den , Vor-
sichtigen, Schlauen', von der Wz. uan, van- ,aufmerken', die
auch in phryg. Ñáíáêô- ,Aufseher, König', in ÏýÜíáîïò, Ïõáíáîßùí
vorliegt; der Eigenname Ïõáíïõíü-âáñïò bei Latyschew II, n° 454
hat »volil ,Fuchsschwanz' bedeutet. — Oder ist bei Hesych.
ÝóâÞíïé zu lesen? Thrak. ezveno- könnte zur Wz. egh- ,spalten,
reissen, Haut abziehen' gehören, wie die bekannten Wörter
fttr ,Igel'; vgl. slav. jazwa ,Thierloch', jazwü ,Dachs', rum.
jezune etc.

XI. æáëìüò · äïñÜ Üñêôïõ, èñÜêåò, bei Porphyr, vita Pythag. 14.
zur Deutungdes NamensÆÜëìïîéò verwendet, Ýðå'é ãåííçèÝíôé
áõôù äïñÜ Üñêôïõ åðåâëÞèç. Eine ältere Schreibweise óáëìüò ergibt
sich aus dem herodoteischen ÓÜëìïîéò; ebensofindet sich neben
Áýëïý-æåëìéò die Form Áýëïý-óåëìéò; vielleicht war celm oder
celm die echte Aussprache. Bereits J. Grimm hatte skr. car-
man .abgezogene Haut^ Felldecke' verglichen; man füge hinzu
zd. careman, afgh. tsarman, npers. carm, os. (südl.) carm und
(dig. tag.) tsarm, in Zss. -dzarm, z. B. ars-dzarm ,Bärenhaut';
das Wort wird verschieden hergeleitet, bald von der Wz. sq'er-
ahd. sceran, gr. êåßñù, bald von der Wz. q'el- ,hüllen', wobei
got. hilms, ags. heim verglichen wird; ja selbst gr. ðÝëìá, ags.
filmen, film ,Fell' hat man herangezogen, üeberdies hat Fick
æáëìäò zu gr. ÷ëáì-õä- stellen wollen. Lagarde (S. 291) glaubte
aus der auffallenden Uebereinstimmungvon æáëìüò mit pers.
carm für die Thraker eränische Abstammungannehmen zu
müssen; seine übrigen Vermuthungen übergehen wir.
14. æåéðïé'ôçò (Var. æåéðýôçò) bedeutete nach Hesych. Cyr.
Zon. ýðåñ÷ýôçò, ðåñé÷ýôçò ,Vergiesser, Verschwender'. Irgend ein
Chronist hatte den Namen des bithynischen KönigsÆåéðïßôçò,
Æåéðýôçò auf diese Weise gedeutet. Wir sehen hier eine Wz.
g'hei, thrak. æåé- .auswerfen, schleudern, vergiessen' durch den
causativen Charakter -p erweitert; -ïßôçò, -ýôçò, (aus-Ýíôçò?) be-
zeichnet das Nomen agentis. Die Wz. ó heu : ffhu- ,giessen',
gr. ÷åõ : ÷õ- kann als eine durch -u erweiterte Form auf die
Basis g'hei- zurückgeführt werden; eine mit -bh erweiterte Form
wird uns in n" XIV begegnen.

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Die alten Thraker. Ð.

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XII. æåéñá· åßäïò ÷éôþíïò, Ýðéâüëá'.üí ôé êáôÜ ôùí þìùí öïñïý-
ìúíïí, Ýïéê'ïò Ýôïððßäé, ïé äå ºìáôéïí Óýñùí, ï'é äå æþíçí, Hesych., mit
dem Beisatz èñÜêåò, Phot. Lex. vgl. Pollux VII, 60 Þ æåöá
èñáêþí åßôå ðåñßâëçìá åóôßí åßôå æþìá. Nach Hdt. VII, 75war
die æåßñá ein weiter, über die Kniee hinabreichender und in der
Mitte gegürteter Reitermantel bei den bithynischen Thrakern;
sie war auch nach Xen. An. VII, 4, 4 länger und wärmer als
die hellenische Chlamys; der Stoff dazuwar bunt gefärbt —
daher die Glosse æåÀñïí ðïéêßëïí, Üæåéñïí · áðïéêéëôïí. Daneben
finden wir die DeutungÜ'æåéñïò · Ü'æùóôïò und æåéñïöüñïò · æùíïöäñïò.
Vocalschwankungzeigt sich in æöáß· ÷éôþíåò ÜíÜêùëïé Hesych.,
æïõñÜ· æåúñá, ÷ëáìßò und Þìß-æáñïí, DuCange. Für thrak. æåßñá,
aus zena, passt am besten die Wz. gher- im Sinne von ÝöÜð-
ôåóâáé (÷åñïúí); minder gut die Wz. gers- ,zottigsein'.
XIII. æåôñáé'á· Þ ÷ýôñá, èñÜêåò, Pollux X, 95; abweichend
æáôñåÀïí, cippus, DuGange. Würde das Wort jestra lauten,
so läge eine Ableitungvon jes- ,sieden' vor: ÷ýôñá æåé; gr. ÷ýôñá,

êýèñá gehört zur Wz. gheu- ,giessen', deren Basis im Thrakischen

æåé- lautet; man würde somit æåúôñá oder æåéôñáéá erwarten. Die
Lesart bei Pollux steht nicht ganz fest.
XIV. æéâõèßäåò- áßèñáóóáé, í. èñÜêåò ãíÞóéïé, im Sinne von
åõãåíåßò, åõðáôñßäáé, Hesych. Fick erkennt darin eine thrakische Wz.
æéâ- .leuchten, glänzen',, indem er lit. zibü ,glänze' part. zibas,
zibant- ,splendidus, illustris' vergleicht; die vorausgesetzte Grund-
form ghib oder g'hi-bh- geht wohl auf die Basis g'hei : g'hi-
,(Strahlen) werfen' zurück. Unter den Götternamen wird uns
ein thrakischer ZeusÆéâÝë-óïõñÂïò begegnen; und der bithynische
Eigenname Æéâïßôçò (neben Æåéôåßôçò) geht auf die gleiche Wurzel
zurück; überdies vgl. npers. par-zewand ,clarus'.
XV. æåéëÜ · ï ïßíïò, èñÜêåò, Phot. Lex.; æéëáé · ü ïßíïò ðáñÜ
èñáîß, Hesych.; vgl. den Canon des Herodian bei Choeroboscus
1187 An. Bekk. 124 und in Cobet's Excerpta Marciana 489:

ï æåëáò (æÞëáò), ôïõ æåëá (æÞëá), ôù æåëá (æÞëá) · ïýôù ëÝãåôáé êáôÜ
èñÜêáò Ýïßíïò, ôïýôïõ åõñßóêåôáé Þ äïôéêÞ ðáñ' Åýðïëßäé ÷ùñßò ôïõ ô

äéá ôï ìÝôñïí ,ôù æåëá óõãêåñáííýò'. Für den ,ungemischten' Wein
finden im Griechischen die Formen ÷Üëéò und öÜëéò, vgl. ÷áëß-
êñçôïí ìÝèï Archiloch. b. Athen. I, 7, f und öáëéêñÜí · áêñáôïí,
Hesych.; 0. Schrader leitet ager Falernus von sabin. *fali ,hitzig,
Wein' ab; die Makedonen hatten das Wort êÜëéèïò· ïßíïò, Hesych.

141

12

II. Abhandlung: Tomasche k.

Im Bereiche des Pangaios stand ein Hügel Æéëìéóóüò mit einem
Tempel des Sonnengottes Sabazios, Macrob. Sät. I, 18; in der
Basisæéëì- steckt wohl der Begriff des Sonnenglanzes und der
Sommergluth, vgl. altsl. glimo, engl. gleam. Wie für ÷Üë'.ò,
sowird auch für thrak. æåéë», æçëá, æéëá, æåëá die Wz. g'hele-
,hell sein, glänzen, glühen', gr. ÷ëßù heranzuziehen sein. Wie
wacker die Thraken, Männer und Frauen, dem Ungemischten
zusprachen und wie sie die Reste über einander ausgossen, ist
aus Platode leg. I, p. 637, e, sowie aus bildlichen Darstellungen
bekannt.

15. æÝôíá· Þ ðýëç, ÖñáãÝò, Phot. Lex. führen wir hier an,
weil sich das Wort in dem mösischen ÷ùñßïí Æçôíïõ-êüñôïõ (bei
Procop. de aedif.) vorfindet; der Ort lagetwa bei Cumakowa
am Isker, der hier aus dem Bergland hervortritt. Wahr-
scheinlich steht æÝôíá für æÝä-íá (vgl. Ðåôíåëéóóüò neben Ðåäíå-
ëéóóüò), und als Wz. wird g'hed- .fassen', engl. get, vgl. altsl.
gat ,Thor, Pforte, Oeffnung, Loch, Höhle, Verschlag' gelten
dürfen.

XVI. æÜìâñïò · ôñáãÝëáöïò áðü ÈñÜêçò Ýëèþí, Morelli Bibl.
mscr. I, 59; AP. IX, 300 ¢äïáßïõ åðßãñáììá åÅò Ðåõ÷Ýóôçí, ôáõñïí
ôïí êáëïýìåíïí æïìâñïí ëïã÷åýóáíôá; Nicetas Chon. p. 433 a. 1164

æïõìðñïò æþïí êáôÜ ôïõò Ôáõñïóêýèáò (åí ôïéò ïñåóé ôùí ÊïìÜíùí) öõü-

ìåíïí ìÜëéóôá êáé ôñåöüìåíïí. Wie Lagarde bemerkt, das slavische
Wort zabrü (zombrü), rum. zimbrü , Wisent, Bison'. Nach
Const. Jirecek wurde der letzte Wisent im Szeklerlande bei
üdvärhely 1775erlegt; während zahlreiche Orte bei den Süd-
slaven die Erinnerungan den turü ,Auerochse' bewahren, sind
nach dem zubrü benannte Orte weit seltener bezeugt.
XVII. èñáÜôôçò· ä ëßèïò, õðü èñáêþí, Hesych. Keine thra-
kische G-losse, etwa der generelle Ausdruck für ,Stein', sondern
griechische Nebenform für den èñáêßáò ëßèïò, d. i, ìáñéèÜí ,Braun-
kohle' n0

21.

16. êáëáìßíäáñ- ðëÜôáíïò, ¹äïíéåúò, Hesych. — Ein edonisch-
brigisches Wort? Zudeuten als ,astreicher Baum'? êáëáì-éí-
,astreich', von êáëáì- ,Ast', Wz. q'el- ,schlagen, brechen' (vgl.
êëÜäïò, êëáìáñüò, lat. calamitas)? dazuSap ,Baum', skr. däru,
npers. dar, gil. dal, maked. ïÜñõëëïò. Der .Leinbaum, Ahorn',
slav. klenü, altn. hlynr, hiess nach Theophrast im Dialekt der
Stagiriten êëéíï-ôñï÷ïò; ob in diesem ôñï÷ü; (etwa für óáñêüò um-

142

Die alten Thraker. II.

13

gesetzt) ein Ausdruck für ,Baum' steckt, ist sehr die Frage. Alban.
rapp ,Platane' wird zuslav. repina, von repij ,Stachel', gestellt.
17. êáìüëçò- ðñïóöéëÞò, bithynisches Fremdwort in einer
Inschrift aus Kyzikos, Mitth. d. d. arch. Inst. IV, p. 14: ÌÝíáíäñïò
ÌåíÜíäñïõ, êáìüëç, ÷áúñå neben Çïóåéäþíéå ÌåíÜíäñïõ, çñùò, ÷áßñå.
Die BedeutungðñïóöéëÞò ergibt sich aus ähnlichen Inschriften,
z. B. in Thasos (Conze p. 27) Çñüäïôïò Æåßðá, ðñïóöéëÞò, ÷áßñå
und (p. 36) Öáõóôïò Ìåó-åÚïïò. ðñïóöéëÞò, ÷áßñå. In den bithy-
nischen Frauennamen Êáìá- oder Êïìï-óáñýç, im dakischen
Como-sicus und dem Ortsnamen Êïìé-äáýá, finden wir ein ähn-
liches Element, wozusich recht gelegen die arische Wz. kam-
,begehren, lieben' bietet, skr. zd. käma, npers. kam, armen.
kam ,voluntas, desiderium', armen, kamöi ,amans, desiderans'?
Der in byzantinischer Zeit auftretende Name Êáìïõëéáíüò, woher
die kappadokische Veste ÊáìïõëéáíÜ, zeigt galatischen Ursprung,
vgl. gall. Camulus, Camulo-dunum.
18. êÜííáâéò, germ. *hanapis ,Hanf, soll nach Kluge aus
einer Sprache der aralo-kaspischen Region stammen; die Ger-
manen sollen es auf ihrer [vermeintlichen] Wanderungvon
Asien nach Europa aufgenommen haben. Allerdings wuchs
der Hanf im Skythenlande wild (alsÜãñéïêÜíáâïò, Hesych.)
und angebaut, wie denn noch jetzt Russland den meisten Hanf
erzeugt; aber auch Thrake besass viel Hanf, und die thrakischen
Frauen verstanden es, aus den Stengelfasern des Hanfes Zeuge
zu verfertigen, die an Feinheit den Linnen nicht nachstanden.
Germanen und Litu-Slaven können Stoff und Wort zunächst
von den Thrakern überkommen haben; es braucht aber auch
hier das Wort nicht entstanden zusein, eben so wenigwie in
Hellas. Vielmehr gehört es der mercantilen Sprache der Karer
und Phöniker an, welche den Stoff aus dem Norden bezogen
und zugleich die Bezeichnunghiefür allüberall verbreiteten.
Wie schon Hehn erkannt hat, kann das Wort êÜííá-âé-ò, êÜíá-
âé-ò durchaus nicht von êÜííá, hebr. kanah, assyr. kanu,Rohr,
Geflecht', getrennt werden; auch die lat. cana-ba .Rohrhütte,
Cantine' geht darauf zurück. Sumer. gin ,Hanf vermagich
nicht zu beurtheilen; dagegen scheint os. ganä, gänä ,Hanf
aus npers. kanaf entstellt zusein.
XVIII. êáðñþíôåò · ïßäñìçôéêþò Ý÷ïíôåò ðñïò óõíïõóßáí · Ýðáëïõíôï
äå ïýôùò ï'é èñÜêåò, Hesych. — Wiederum keine thrakische

143

14

H. Abhandlung: Tomasche t.

Glosse, sondern Epithet der ,springlustigen' Thraker bei den
griechischen Komikern; vgl. nazpo;;- TS aiSowv TOU avSpo;, y.aTCpa'.va-
i, x.aTti)(p£pi]s, aicsTOUx.aTCpou.
19. naT:ou!;or o'; IIui-iAaToi, Steph. Byz.; cattuzos barbari
(Thraces) Pygmaeos vocabant, Plin. — Die Sage vom Kampfe
der Zwerge mit den Kranichen haben Karer und Milesier dem
Norden übermittelt; in Thrake konnte sie um so eher Boden
fassen, als das Hebrusthal ein Hauptdurchzugsgebiet der Kra-
niche war, Ael. Hist. anim. II, l, 13. Nördlich von Odessos
gab es einen Ort rspciveia und im Hebrusbecken bei dem heu-
tigen Seimenly einen Ort Zervis, d. i. .Kranichen', indogerm.
o'ervi- .Kranich'. Die Zwerge oder Fäustlinge wurden auch
bald gefunden, und ein Ort nahe bei Geraneia hiess darum
Karroui.a. Das thrakische Wort naTloui^o-s ist ausxapTou!;o<; ent-
stellt; wir finden den weiblichen Eigennamen Kaptou!;a auf
einer Inschrift aus Maroneia, Dumont Mel. p. 445; als Wz.
bietet sich q'ert- .schneiden, abhauen, stutzen', vgl. lat. curtus,
slav. kratükü, armen, karc,pusillus, nanus'. Die Karer von
Tralles sollen die Pygmäen ToumuXo'. genannt haben. Steph.
Byz.: war das Wort durch die thrakischen Trailer dahin ver-
pflanzt worden, so geht es auf die Wz. teud : tud- ,stossen'
zurück; besser fasst. man es jedoch als einen lateinischen
Localausdruck, trüsulus (auch trossulus) oev [iiy-ptö way,u?, von
trüd- ,stossen'.

XIX. v.^y.0^' ir6a -ci«; xat Soitpiov T[ icapa 6pa^iv, Phot. Lex.
Sonst erscheint w^oc, als Synonym von IMTOOC, na-cava-piT;, ASOVTO-

TOä;ov; thessalische Frauen bereiteten daraus Liebestränke. Fick
vergleicht skr. gami ,prosopis spicigera', 9imbä eine Schoten-
pflanze. Wenn y-ii-jAO- abzutheilen, soliegt die Wz. qe : q6-
,begehren' zugrunde.

XX. x.oXotßpioiJ.oi;' 6pao«ov 'iy/r^a svoTCXiov xai Kapix.ov, Pollux
IV, 100; e OpaiMO? x.oXaßpwp.o«;, Athen. XIV, 629, d. Nur in
der BasisxoXa- steckt ein thrakisches Element; vgl. Hesych.

•AoXa • efäo^ opy^asw^ o xai ^icpii7[AO;, und x,oXesi xai x.oX(a • iccia TU;

Sp/Yjati;. Daraus bildete der Grieche sowohl v.o\:diaix<. • op^wsQctt,
als auch nöAaßpdi; • (D(ipTY; • aXXo[J.gv»;, x.oXaßpt^eiv
ox.'.pTav und x.oXaßpiop.oi;. Luftsprünge und Schwerttänze waren
bei den Thrakern im Schwange; dem Worte xs^a- liegt wahr-
scheinlich die Wz. q'el : qol- ,sich drehen, sich bewegen', skr.

144

Die alten Thraker. U.

15

car oder auch q'el : qol- .heben' zugrunde; zu ersterer gehört
auch slav. koles- ,Rad, Kreis, Rundtanz'.
20. xopjTixi ,capillati' heissen die dakischen Edelinge
niederen Ranges im Gegensatze zuden höchstangesehenen -.O-.o-
yopot, Cass. Dio 68, 9, Priscus fr. 5, lord. Get. 11. Es könnte
in der That ein ganz ähnliches Wort im Dakischen vorhanden
gewesen sein; wie sich pruss. kumetis, slav. kmett .Freibauer'
erklärt, ist eine offene Frage.
XXI. XTiOTOtf Tßv Qpoou5v wei, o? /(>)pi? fwailv.b^ i^öoiv, mö-

sisches Wort nach Posidonius b. Strab. VII, p. 296, der auch
OeooeßeT; T£ xai -Mimo^d-van. erwähnt. Fick S. 419 vergleicht lit.
skystas, slav. cistü .geklärt, rein', eigentlich .abgetrennt', von
Wz. skheid-, s/ti^i), c/tctos. Für xaicvoßaTai erwartet man y.aTivo-
ßorat oder -iroTai ,Dunstschnapper' als humoristische Bezeichnung
der mösischen Asketen im Munde der pontischen Griechen.
XXII. Xeßa' TCoXts, epaxe<;, Hesych.; s. Seßa n0

10.

XXIII. p.a-ra8ii;- Spyavov AaXTixov, gespielt bei den Mahl-
zeiten der odrysischen Könige, Athen. XIV, 637, a; Duris
nannte einen Thraker Ma-ySt; als Erfinder, auch Kantharos wies
das Instrument den Thraken zu, Pollux IV, 61, während An-
dere es alse&pT;(Ji.a AuSöv bezeichneten. Eine Art x.'.O.xpa, bespannt
mit 20 Saiten (21

/^ Octaven) über einem convexen Stege p-a^a;;;
davon y.a.'(d^w • ij/aXXti). Wahrscheinlich ein maionisch-phrygisches
Wort, von der Wz. ma(n)g- .künstlich fügen'.
XXIV. (AavSaxrji; • SSOJAO? /öpTou, TCOtpa TO?; xaTa Qpa)f»)v, Eust.
Hom. p. 828, vgl. p. 1162 (Ji.avSoix.ai, 0?$ Se(i[Jiouvra[ TO SpafiJiaTa.
Das Wort kam zuden Byzantinern durch armenische Ansiedler
und ist eigentlich Lehnwort aus iranischem bandaka, von der Wz.
bhendh, edonisch mend- (in MevSTi;) ,binden'; vgl. armen, vandak,
ap-a-vandak ,Band, Strick, Geflecht, Wehre, Verschluss'. Die
Eigenheit der altägäischen Küstendialekte, den Anlaut b, bh
unter Einfluss einer folgenden Liquida in m umzusetzen, be-
einflusste die Form selbst noch in später Zeit.
21. iJi.apiOA» Mirab. ausc. 41, lAap^eul; Hesych., eine im
Lande der Sinten und Maden vom Flusse Pontos (Strumica)
mitgeführte Steinart, mit Schwefelkies versetzte Braunkohle,
welche sich, befeuchtet, am Sonnenlicht entzündet; auch und Opoxtai; genannt. Das thrakische Wort gehört zur Wz.
mär- ,schimmern, glühen', vgl. skr. märici ,Flimmer', npers

145

Ð. Abhandlung: Tomasche k.

16

märu .pyrites', gr. ìáñßëç , Glühasche', russ. martt ,Schwüle';

óðßíïò weist auf spen- .leuchten', vgl. óêéí-è-çñ.

22. midne ,íßïõä' auf einer Inschrift aus Rom C. I. VI
n" 2819 a. 266: cives prov. Trac. ßç reg. Serdicense, MIDNE
Potelense. Das Nomen gehört, da d vor n nicht befremdet,
zur Wz. meith : mith- ,wechseln, verkehren, vereinigen, hausen',
lit. mintu,habito', slav. mesto,locus, habitatio', zd. maethana,
npers. methan, mehan ,Hausverband', Ìáéôþíéïí Ort am Tyras
bei Ptol.

23. ìßëôïò .Röthel' aiis Lemnos, ursprünglich wohl ein Wort
der lemnischen Insassen, schon im homerischen ìéëôï-ðÜñã)ïò
bezeugt. Die thrakischen Barbaren schminkten die Wangen
mit Röthel, wie die Libyer den Leib mit Ocker; vgl. den
thrakischen Eigennamen Ìéëôï-êýèçò. Wz. mele : ml- ,sudeln.
schmieren'.

24. ìïóóõí · Þ îýëéíç ïéêßá, åðáëîéò, ðýñãïò, Hesych. EM. schol.

Áñ. Rh., auch in Ortsnamen der phrygischen Region, sowie
am See Prasias, vgl. Ìüóóõíïò · 3õëüðïë;ò Athen. VIII, 345, e.
Der Sache wegen übertrugman das Wort auf die pontischen
Ìïóóýíïéêïé; doch heissen die thurmartigen Pfahlwerke in Dzaniq
cebni, daher die Ôæáðíßïåò bei Chalkokondyles, Kiepert, Ztschr.
f. Erdkunde 1890, S. 323. Die assyrischen Keilinschriften
nennen das pontische, den Tabala benachbarte Volk Masnaka,
vielleicht nach einem einheimischen Worte, vgl. gil. mäz ,Eiche'.
War ìüóóàí, eine Bildungwie ðïëôàí n° 30, phrygisch und edonisch,
so lässt sich armen, moith ,fulcrum' von Wz. mei : moi- ,auf-
richten, bepfählen' vergleichen; das EM. denkt an ìþ· óõíôéèþ.
XXV. ïëîéò · Üñêôïò, von Lagarde aus vermeintlichen
ÆÜëì-ïëîéò erschlossen, ist zu tilgen; ,Bärenfell' heisst os. ars-
dzarm. Im Thrakischen konnte der Bär nur äñóïò oder Ü'ñóïò
heissen, armen, ardz.

25. ðÜñïò und ðÜñá, einmal auch phara, wird uns als gene-
relles Element in zahlreichen thrakischen Ortsnamen begegnen,
z. B. in Bessa-para, was Fick mit ,Bessen-furth' deutet. Jedenfalls
liegt darin die Wz. pere : por-, durchdringen, ein- und ausfahren':
mit gesteigertem Stammvocal finden wir got. fera ,Seite, Gegend',
skr. zd. pä.ra jenseitiges Ufer, Ende, Seite'; doch magder
Sinn eher ,Fährte, Sammelplatz, Marktort, åìðüñéïí' gewesen
sein, oder auch ,Abtheilung, Clan', vgl. neupers. pärah ,Stück'.

146

Die alten Thraker. II.

17

An neupers. pahr (zd. *pä-thra), armen, parhak öñïõñÜ, z. B.
Bipi-ðáñÜ÷ ,Georgierveste' bei Jo. Lydus, ist nicht zudenken.
XXVI. ðÜñìç - èñáêéïí ïðëïí, Hesych.; parma èõñåüò, èñáêéêïí
äðëïí, Gloss. Labb. — die Schutzwaffe der Threces parmularii.
aber kein thrakisches Wort, sondern gallischer Herkunft, vgl.
ÐÜñìá'.-êÜìðï'. ,Rundschild-Kampen' bei Ptol.; R. Much vergleicht
altn. hvarmr .Augenlid' als Schutzdecke. Minder sicher sind wir
betreffsðÜëìç, palma; hier könnte das thrakische Aequivalent
zuðÝëìá, ags. filmen *pel-mii vorliegen; vgl. die Ortsnamen
Palma C. I. VI n" 2791, p. 721 und Palmatis (j. Kainardzi so.
von Silistria).

26. ðáñáâßç, Getränk der Paionen áðü êÝã÷ñïõ êáßêïíýæçò,
Hecat. b. Athen. X, 447, c: etwa para-bie ,Beitrank' aus par-
en-pie, alb. pie(ja) ,Trunk' von pift ,ich trinke'. In der dal-
matisch-pannonischen sabaia ,Hirsetrank' steckt die Wz. sab-
,schmecken, kosten', vgl. skr. sabar ,Nektar'.
27. ðÜðñáêåò êáé ôåëþíåò Fischarten im Prasias, Hdt. V, 16;,
ebensoðåðñáïßëç und ðåðñÀëïò, Hesych.; gefleckte Fische im
¢óôñáÀïò, Ael. XV, l; ëÜâñáî im See Bolbe, ãëÜíéò im Strymon,

ïåëêáíüò im See Derkos, andere Fischarten im bistonischen See —
lassen wir der Kürze wegen unerörtert.
28. ðÝñãáìïí · ðáí ôï õøåëüí, Þ áêñüðïëéò, "Éùíåò, Lex., ur-
sprünglich ein Wort des phrygischen und edonischen Sprach-
gebietes: ÐÝñãáìïò ôåß÷ïò ôï ÐéÝñùí, eine edonische Burg, Hdt.
VII, 192; ÐÝñãáìïí im Gebiet der bistonischen Xanthoi, Ptol.
Die echte Aussprache lautete wohl âÝñãâìïí, vgl. ÂÝñãá in der
Bisaltia, und die germanischen Ausdrücke ,Berg' und ,Burg'
von Wz. bhergh : bhrgh- ,sich erheben, hoch sein', 2) , bergen,
bewahren, schützen'; Wz. bhregh- ,sich erheben' in den Orts-
namen ÂñåãÝ-ïáâá und Âüñ-âñåãá, sowie in Bregmeni der perga-
menischen Landschaft.
XXVH. ðÝëôç, auch ðÝëôçò und ðÝëôïí èñÜêéïí ïðëïí, Hesych.
Suid., ein leichter, mit Ziegenleder bedeckter Rundschild ohne
Metallrand; Iphikrates führte diese Schutzwaffe für die Leicht-
bewaffneten ein, Aristophanes und Euripides gebrauchen ðÝëôçò
meist mit Bezugauf thrakische Dinge; ðÝëôá'.ò ðñþôïé èñÜêåò åðß
ôùí ßððùí Ý÷ñÞó÷íôï, dem. AI. Strom. É, 74; daher ðåëôïöüñïò
ÈñÜêç ÁÑ. II, 109. Abzuleiten von pel- ,falten, schichten, über-
ziehen' Fick Wb. I, 477; neben pel-to- geht einher pel-no-; zu

Sitzungster. d. phil.-hist. Cl. CXXX. Bd. 2. Abh.

2

147

U. AMiandlong: Tomaechek.

18

ðÜëëù dagegen gehört ðáëôüí ,Wurfspiess' und ðïëôüò- Ìçäéêïí

ôï Üêüíôéïí, Pollux.

XXVm. ðéôýç- ä èçóáõñüò, èñÜêåò, schol. Ap. Rh. 1,933;
abzutheilen ðé-ôýç, Praep. pi-, gr. åðß, skr. api (vgl. Ðé-Üóôáé an
der Ostseite der ¢óôáß) und -ôýç, von Wz. teu : tu- ,schwellen?
sich mehren' trans. ,zusetzen'; os. af-tauun , vermehren, zusetzen,
anhängen'. Der phrygische HerosÐßôáÑïò?
29. ðúíïí und ðßíïò · ä êñßèéíïò ïßíïò, Çáßïíåò, Aristot. b. Athen.
"gl. DuGange. Einfach .Getränk', wie slav. pi-vo ,Bier' neben pi-rü
,Zechgelage'; genauvergleicht sich alb. pine ,Trank', eig. Part
pine, geg. pime, pimune; skr. päna dagegen geht aufpö-nozurück.
30. ðïëôõí · ìäóóõí, åðáëî'.ò, îõëüêáóôñïí, Herodian. EM. etc.
Als Wurzel bietet sich pel : pol- ,füllen, schütten, Erde auf-
werfen', armen, hetel .schütten' (neben hol ,Erde', hol-a-koit,
hol-a-blur ,agger, tumulus'), lit. pil-ta-s aufgeschüttet',, pylimas
.Damm', pilis ,Burg', gr. ðüëéò, ðõëüò ðýëç. Thrakische Her-
kunft ergibt sich aus dem Namen des apsinthischen HerosÐüëôõò
und dem Synonym für AinosÐïëôõì-âñßá; vgl. C. I. Gr. n" 3141.
31. Ðïëßóôáé oder, wie man auch liest, Ðëåßóôïé hiessen bei
den Daken die beim Volke hochangesehenen Zaimoxispriester
und Asketen, Fl. losephus Arch. lud. XVIH, l, 5. Der besseren
Lesart Ðëåßóôïé dürfen wir gr. ðëåßóôïò, alte. flestr, von Wz. pel:
pol- ,füllen' eben sosicher zu Grunde legen wie dem apsinthischen
DionysosÐëåßóô-ùñïò, und zwar im Sinne von ðëåéóôïäõíÜóôáé.
Ahd. furisto,Vorderster' gehört zu ,vor' ðñï, dakisch pro; armen.
harust, gebildet wie werust ,supremus', bedarf noch der Klärung.

XXIX.ñïìöáßá" èñáêéïí ÜìõíôÞñéïí, Üêßíôéïí ìáêñüí, Hesych.;

Plut. Aem. Paul. 18 gebraucht die makedonische Form ñïìâáßá
und schildert sie alsâáñõóÅäçñïò; nach dem Vorbilde von Ennius
ann. XIV schreibt Liv. XXXI 39, 11 rumpia, wobei nicht etwa
an Wz. reup : rup- ,brechen, reissen' gedacht werden darf;
eher wird man sich auf skr. rabh- ,fassen, packen' berufen,
vgl. rambha ,Stütze, Karst', rambhin ,Lanze'; aus semit. rumhu
stammt kurd. rum, rym und mit parasitischem -b armen, erumb,
rumb ,sarissa', rmb-a-vor äïñõöüñïò. Das alte thrakische Wort
hat in bulg. rofeja, rufja, alb. rufeje, i'efeje die Bedeutung
,Geschoss, Blitzstrahl' angenommen, wie ital. saetta aus lat.
sagitta. Die falsche Erklärungñïìöáßá · ìÜ÷áéñá ward veranlassl
durch gr. ñÜìöç · ìÜ÷áéñá, êïðßò.

148

Die alten Thraker. Ð.

19

XXX. óáíÜðç· Þ ðéíïõóá ðëåßóôïí ï?íïí, Þ ïÅíïðüôéò, ìéá ôùí
Áìáæüíùí, welche der Stadt Sinope den Namen gab, schol. Ap.
Rh. II, 946; Philostephanus meinte: óáíÜðáé· ïßìÝèõóïé ðáñÜ èñáîßí;
den Óêýèáé dagegen weist richtiger Hesych. die Glosse zu. Denn,
wie Lagarde erkannt hat, an das Element óáíÜ- ist die arische
Endung-pa ,trinkend' hinzugetreten; jenem entspricht genau
das osische Wort für ,Wein' (südl.) san, (tag.) sän, (dig.) sänä,
sana; daher ,Weingarten' sän-don,. ,Weintraube' sän-äfsferä,
,Weinstock' sänäfseri-bäläsä: dieses Wort entstammt jedoch den
kaukasischen Aboriginersprachen: cerk. san ,Wein', san-ahs
.Weintraube', sanihd .Weinstock'; abchas. sana, cana ,Wein'
etc. Die Glosse sana-pä ist daher nicht thrakisch und nur der
Ausgangsarmatisch.

XXXI. óÜñáðÜñáé · êåöáëïôüìïé, Üðïêåöáëéóôáé, èñáêþí ôßíåò
ïÅêïàíôåò õðÝñ ôçò Áñìåíßáò, Strab. XI, ñ. 531. An die Treren
der Kimmerierzeit, die sich in Thrialethi angesiedelt hatten,
ist nicht zu denken; man denke eher an einen räuberischen
Kurdenstamm; das' Wort ist iranisch; vgl. npers. pära-pärah
kardan ,in frusta concidere'; .Kopfabschneider' heisst jetzt sar-
bur, sar-burrä, von zd. bar .schneiden', os. sär-khuär, -khardag.
Im Thrakischen hatte ðüñéò die Bedeutung,Schlächter'.
32. óÜñ÷ïò· Þ îýëéíç ïÅêßá, Âéèõíïß, Hesych.; êéâùôüò, Ü'ñêëá,
åëëçíéóôßäå óÜñðïò, Cyrill.; in der Bedeutung,Mehldöse' findet
sich das Wort bei DuCange: êåëëÜñéïí åí ù ïßóÜñðïé âñá÷ý
É÷ïíôåò Üëåõñïí Ôõôáíôï. Es gemahnt an óáñãÜíç, ôáñãÜíç und an
óïñüò. Thrakisch war es nicht.
33. óéñüò ä êáôÜãåéïò ïßêïò, Herodian.; óåéñïß granaria sub
terris, speluncae in Cappadocia ac Thracia, VarroRR. I, 57;
Theopomp und Demosthenes VIII, 45gedachten äëõñþí ôùí åí
ôïúò èñáêßïéò óéñïúò; von óéñï'é êñéèþí sprachen Soph. und Eurip. —
Im edonischen Lande gab es einen Ort Âåäý-óÚñïò ,Wassergrube',
bei den Odomanten finden wir Óúñéò oder ÓÝññá·, und nahe dem
Erginias stand der Ort Óéñï-êÝëëáé. Als die Treren Phrygien
brandschatzten, ernährten sie sich lange Zeit von den Vorräthen
der óéñï'é ðõñþí bei der Ortschaft Óõáóóüò, St. B.; siros fand
Alexanders Heer selbst in Baktriana; mit den griechischen und
italischen Oolonisten wanderte das Wort nach Baetica, daher
die spanischen silos. Nebenformen óéññüò und óåéñÜò. Lagarde
verglich armen, sirim (gen. äirmi) ,sepulcrum'; Prell owitz denkt

2*

149

II. Abhandlung: Toniasche 1ß.

20

an die Wz. tver- .fassen'. Für die Grundform kei-ro- böte
sich die Wz. kei- ,liegen, lagern' im Sinne von óéôïâïëþí; für
ker-K)- die Wz. ker : kor- jähren', lit. serti. Die Sikeler hatten
für óéôïâïëþí das italische Wort ñïãüò, rögus, von Wz. reg-; im
Armenischen finden wir /orel ,frumentum in siris asservare',
von ÷ïà ,puteus eavus, sirus'.
XXXII. óéôÜëêáò, Siegeslied der Thraker, Xen. An. V,
l, 6. ÓéôÜëêáò ist Eigenname und die Glosse zu streichen.
34. óýñâç · áõëüò, óõñâÞíç · áõëïèÞêç, óõñâçíåýò · áõëçôÞò, Êñáôßíïò
åí èñÜôôáéò, Hesych.; vielleicht Ausdrücke, die mit dem Culte
der Kotys zusammenhängen. Die Schlusssilbe -âç gehört der
Derivation an; die Basisóàñ- auch in gr. óõñ-éãã- (armen, srnk),
wozuPrellowitz lit. kiäuras, lett. caurs .durchlöchert, hohl' ver-
gleicht; es gibt auch eine Wz. sver, svir- ,pfeifen'; ahd. trumba
(italien. tromba, slav. traba) ,Röhre, Trompete' ist noch un-
aufgeklärt. Die mit dem Dionysoscult zusammenhängenden,
schwierigen Wörter èßñóïò, èéèýñáìâïò und óßêéííéò lassen wir

bei Seite.

XXXIII. óêÜëìç · ìÜ÷áéñá èñáêßá, ï'é äå óéïçñïëÜâïí, Hesych.
Phot. vgl. Pollux X, 165: Þ óêáëìÞ· îßöïõò üíïìá âáñâáñéêüí, Óï-
öïêëÝïõò åÅðüíôïò åí Ôñùßëù ,óêáëìç ãëñ äñ÷åéò âáóéëúò ÝêôÝìíïõó' Ýìïõò'.

Wie J. Grimm und Fick erkannt haben, geht das thrakische
Wort auf die Wz. sq'el- ,spalten' zurück, lit. skelti, alte. skilja
, trennen, schlachten', skälm f. (*skalma) ,Schwert'; vgl. die
thrakischen Eigennamen ÓêÝëçò, ÓêÝëë'.ò, Óêßëáò und Óêäëá-âñßá.
Woher stammt zaza- kurd. kalma, kalme ,Schwert, Säbel'?
XXXIV. óêÜñêç · èñáêéóôßáñãýñéá, mit der Variante ÜñãõñåÀïí,
Hesych. Phot. — Fick S. 420 fasst es als ,klingende Münze',
von Wz. sq'herg- ,klirren, knarren', skr. khargura ,8ilber'. Die
Schluassilbe -êç gehört der Derivation an; legen wir die Bedeutung
,Silbergrube, Mine' zugrunde, solässt sich die Wz. sq'er- ,kratzen'
scharren, schürfen, scheeren' heranziehen, die wir auch in
dakisch ïêéÜñç finden.

3&. óôýñï-.i ,locus' n0

9.

36. ôáñáâïóôåÀò· ïßðéëïöüñïé, die höchstangesehenen dakischen
Edelinge, gleich den ðéëïöüñïé ÁñìÝíéïé AP. IX 430, 2 und den mit
der êáõóßá bedeckten Makedonen, DioChrysost. b. lord, Get.
S. 11. In tara- erblickt lordanes tiara ,pileus', d. i. den per-
sischen ðúëïò ôéÜñáò Hdt. HI, 12, den Hesych. mit ïîýò erklärt,

150

Die alten Thraker. II.

21

als ob die persische Wz. tig- ,spitzigsein' zugrunde läge; wie

verhält sich dazuhindi cirah Syf-^·, npers. särah s,La? Man
könnte dakisch tara aus tä'ra, tn-tra, ôáéíßá deuten, von Wz.
ten- ,spannen'. Das zweite Element -âüóôçò sieht aus wie zd.
ba9ta, npers. bast ,ligatus', von Wz. bhendh : bhondh- ,binden'.

XXXV. ôïñåëëç ' åðéöþíçìá èñçíçôéêïí óõí áûëù èñáêéêüí,

Hesych. — Fick fasst es als onomatopoetisches Wort, wie unser
trallalä (oder wie gr. ôÞíåëëá, èñåôôá'íåëï, âëé'ôõñé etc.); aber die
Thraker werden schwerlich schon am Grabe des Verstorbenen
geträllert und gelallt haben; dies geschah erst beim Leichen-
schmaus, wenn sie des Weines voll waren. Eher steckt darin
eine Umschreibungtorel oder (nach armenischer Weise) toreal e
im Sinne ,er ist dahingegangen!', wie in der Nadowessenklage,
von der Wz. ter : tor- .hindurchdringen, (ins Jenseits) hinüber-
fahren', oder ein exhortatives torell^ ,wehklage!', zuôïñüò
,gellend', ôåôïñÞóù.

XXXVI. ÔñáëëåÚò· ìéóèïöüñïé èñÜêåò, ï'é ôÜò öïíéêÜò ÷ñåßáò
ðëçñïõíôåò ôïéò' âáóéëåõóéí, Hesych. — wiederum keine Glosse,
sondern Volksname, wie ¢óôñáëßáò ä èñáî, AySo(, Hesych.; Abth.
I, S. 56 fg. Den Eigennamen ÔñÜëéò werden wir als ,Hirt, Vieh-
züchter' deuten.

Soweit das Glossenmaterial. Ueberblicken wir die beiden
Reihen, sostellen sich als echte Glossen etwa folgende "Nummern
heraus: 3. VII. 6. VIH. 7. ×. 9. 10. 12. 13. XI. 14. XII. XIII.
XIV. XV. 15. 16. 17. 19. XX. XXI. 21. 22. 25. XXVII.
XXVIII. 30. 31. XXIX. 33. XXXIII. XXXIV. 35. 36. XXXV,
alsoim Ganzen 36 Wörter, von denen fast die Hälfte der
ägäischen Küstenregion zufallt, welche Spuren phrygischer
Sprechweise bewahrt hat. Das Ueberwiegen von æ an Stelle
der palatalen Media in echt thrakischen Wörtern fällt am meisten
auf; dazukommt wenigstens ein Beispiel (óåëì-, óáëìüò, später
æáëìüò XI) für die VertretungdesK, q' durch ó (c, c?); bemerkt
sei noch, dass sich der Anlaut óê- rein erhält, und dass v vor
r in b übergeht (ßpi'a). Die arischen Analogien fallen allerdings
sehr ins Gewicht; und doch lässt sich daraus keineswegs der
Schluss ziehen, dass das Thrakische, wie Lagarde meinte, einen
blossen iranischen Dialekt darstelle; schon die häufighervor-
tretende Ablautstufe e : ospricht gegen diese Annahme; wir

151

II. Abhandlung: Tom&scheli.

22

haben es vielmehr mit einer Sprache zn thun, welche im Ein-
klangmit der geographischen Schichtungvor Allem den Laut-
charakter der osteuropäischen Sprachen besitzt und sich sehr
nahe an das Armenische anschliesst, ohne jedoch in Bezugauf
den Sprachachatz mit dieser Sippe zusammenzufallen; das
Thrakische war eine Sprache für sich; sie hat einen stattlichen
Kern des indogermanischen Gutes bewahrt (Musterbeispiel hiefür

•VSVTOV X), zeigt jedoch daneben, auch sehr abgeschliffene Formen,
gleich dem Armenischen; an Bewahrnngdes Alterthümlichen
lässt sie sich mit dem Griechischen und Germanischen durchaus
nicht messen.

2. Die dakischen Pflanzennamen.

In dem classischen Werke wepl V\i]c, wcpn-^c des Pedanius
Dioskorides aus Anazarba, welcher unter Neroschrieb und
dabei dieselben Vorgänger Krateuas, Andreas, lulius Bassus
benutzte, die auch Plinius citiert, finden wir ganze Reihen von
synonymen Ausdrücken für Heilpflanzen aus den Sprachen des
Mittelmeergebietes; die älteren Uebersetzer und Editoren haben
diese Synonyma als unnützen Ballast einfach weggelassen;
Sprengel (praef. X. XVI) nahm sie als echt auf. Was die
dakischen Ausdrücke betrifft, so verweist er auf den Umstand,
dass die Daken seit lulius Caesar als mächtiges Volk hervor-
getreten waren und daher in jeder Hinsicht Beachtung ver-
dienten; Dioskorides, welcher mindestens Italien besucht hat,
konnte mit Bedacht auch dakische Kräuternamen aufzeichnungs-
werth befunden haben. Der gelehrte Lambeck hinwieder war
der Meinung(Comm. de bibl. Vindob. 2, p. 593), jene Synonyma
seien erst nachträglich in des Dioskorides Werk aufgenommen
worden; er verweist zumal auf die Nachricht des Galenus (de
fac. simpl. 6, vol. XI, p. 792 fg.), wonach Pamphilos, ein ale-
xandrinischer Grammatiker aus Aristarch's Schule, Verfasser
einer •itpaY[Jiar£(a itep'i TIÜV ßo-cavöv in 6 Büchern, darin ein allerdings
unvollständiges Verzeichniss von Heilpflanzen in alphabetischer
Ordnung(aßp6-t0(vov, ayvo;, S^fiwmi^, dtSi'avrov etc.) unter Berück-
sichtigungaller ihm erreichbaren Synonyma und des an die
Krauter sich knüpfenden priesterlichen und Volksaberglaubens
geboten habe; der Text in den beiden Wiener Handschriften

152

Die alten Thraker, n.

23

trage in Auswahl und Anordnungganz den Charakter jener

TcpaYiAfltTEi'a des Pamphilos; es fehlen ganze Reihen der von Dio-
skorides beschriebenen Pflanzen; dafür erscheinen die Synonyma
und zugleich sind Abbilder beigefügt, welche sich als spätere
Mache erweisen Das steht jedenfalls fest, dass die Wiener
Handschriften nicht den echten Text des Dioskorides bieten,
sie stellen aber auch, trotz aller Aehnlichkeit in der Anlage,
nicht das vollständige Werk des Pamphilos dar, da wir darin
beispielsweise die von Galenus angedeuteten Zaubersprüche und
Weiheformeln vermissen; auch verdient der Umstand Beachtung,
dass mitunter gallische und dakische Synonyma mit lateinischen
Ausgängen auftreten, was auf die Benützungeines lateinischen
Kräuterbuches aus der römischen Kaiserzeit hinweist. Auf ein
solches Kräuterbuch geht auch die fälschlich dem L. Apuleius
zugeschriebene Schrift de medicaminibus herbarum zurück,
welche allerdings eine weit willkürlichere Anlage, sowie starke
Verwerthungder plinianischen Beschreibungen zeigt; die Syno-
nyma jedoch werden darin bei vielen Pflanzen in derselben
Folge, mitunter sogar vollständiger wie in den Wiener Hand-
schriften verzeichnet; auch die Bildnisse stimmen übere^n.
Sowohl der griechische Text dieser Handschriften, wie d^r
lateinische des sogenannten Apuleius verdienten, sammt den
beigefügten Bildnissen, eine neue kritische, Reproduction — geht
doch die ganze pharmaceutische Wissenschaft des Mittelalters
auf diese beiden Werke zurück!
Während die darin enthaltenen ägyptischen, punischen und
syrischen Pflanzennamen die Aufmerksamkeit der Orientalisten
von jeher in Anspruch genommen haben, während ebensodie
gallischen Ausdrücke von Kundigen, z. B. Diefenbach, analysiert
worden sind, blieben die dakischen Synonyma in ihrem Dunkel
liegen. Allerdings hat Jakob Grimm in seiner .Geschichte der
deutschen Sprache' (I, S. 141—148) deren Wichtigkeit betont;
eine sonderbare Täuschungliess ihn jedoch darin eine wesent-
liche Stütze für seine Ansicht von der Gleichheit der Geten mit
den Goten erkennen! Hatte Grimm vorwiegend den deutschen
Sprachschatz zuderen Deutungherangezogen, sozogbald
darauf Leo(Ztschr. f. vgl. Sprachforschung1854, HI, S. 191 fg.)
den indischen Wortvorrath zu Rathe, gleichfalls ohne sonder-
lichen Erfolg; R. Roesler, L. Diefenbach und Tocilescu haben

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