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Für

Sina
[noch sieben Ja h ahre und vier Mona …] v ate
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____________________ Inhalt R R R R R R R R R R R R R R R R Warum ein kleiner Mord so schwierig ist Warum ein Mann tun muss, was ein Mann tun muss Frauentausch Warum Mordgedanken zur Liebe gehören Jeder Anfang ist auch ein Anfang vom Ende Entsorgungsprobleme und Gewissensqualen Erweckungsspiele Seidenstrümpfe Philosophisches Korsett Liebes- und vorbereitende Mordzeiten Spurensicherung und Geständnis Rettungsversuche Interessengeficke (Kopenhagener Deutung der Quantentheorie) Rote Pumps Wie ich als Prophet erfolgreich wurde Von einem uralten Apfelbaum und einer Wiese im Sonnenlicht Tarot, goldene Kugeln, und von einem Drachen, der mit seinem Schwanz die Sterne vom Himmel holt Gerechter Mord mit Apfelbaum Mörderische Heiratsgedanken Komplizen Philosophisches Ehekonzept Ursache, Plan und Wirkung Nonnenkleid und Bar Bizarr Natursekt Nachtrag Mein Profil Meine Bücher und Veröffentlichungen Meine Schutz- und Nutzungsrechte

R R R R R R R R R R R

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______ __________ ______ Warum ein kleiner Mo so schw W ord wierig ist Di brave Hausfrau liest im Blättche ie en von Lastern selten dus n strer Art, vo Marktpr fleißiger om reis Erzkokett tchen, vom Lustgreis au mit Fuß uch ßsackbart. Mein Gott, de enkt sich die junge Gat e ttin, mein G Gott! welch ein Spektakulum m! „Da schlanke Frauenzimm hat ihn …“ Ja was? Sie bringt sich as mer n ? reinw um. O F weg Frau! Die Ph hantasie hat Grenzen, s ist so en - es t sie ng gibt nicht v Nach w viel. wenigen Tou uren, wenig Tänzen gen ist’s st das alte gleiche Sp Der lieb die Knaben. Dieser Z tets e, piel. bt Ziegen. Die w die Männer laut und fett. Die mag bei See will d m eoffizieren liegen. Und d geht nur mit sich ins Bett. Hausbacken sch der r hminkt sich selbst das L Laster. Sieh hin - und Il llusionen fli iehn. Es gründen noch die Pädera h aster „Vere für Unzucht, Sitz Berlin“. ein Was ka der Men ann nsch denn m sich machen! Wie e sich anstellt und mit er verren Was Ne nkt: eues kann er nicht entfa achen. Es sind doch s stets dieselb Sachen ... ben n Geschenkt! Gesch henkt!
Kurt Tucholsky. y

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Die Gedank sind fre wer kann sie erraten Das ist ei ken ei, n n? ine gute Fr rage, wenn man die begrenzte Gedankenwelt des t durchsc chnittlichen Gehirns be n etrachtet. Es strebt ein E ndimensional nach
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Brauchbarkeit, etw wie der dürftige Inh eines Kr wa halt rokodilkopf der fes, nur die Reflexe „V e Vorwärts“, „Zuschnappe „Zurüc und en“, ck“

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____________________ „Verdauen“ kennt. Nur das scheinbar Naheliegende wird vom gewöhnlichen Kleinhirn als Möglichkeit akzeptiert, und was nicht sein kann, kann auch nicht erdacht werden. Geniale Ideen können in solchen Kleinhirnen nicht entbunden werden – das ist eine unumstößliche Tatsache, und dazu stehe ich. Für die Minimalgeister, die Untermittelmäßigen und die Bescheidenen sind die alltäglichen Dinge spannend, aber für mich, den grandiosen Gedankenschöpfer und Zuendedenker kann nur gut sein, was ich in den letzten Winkeln der verkommenen Seelen finde. Darum sage ich ehrlich und aufrichtig: „Aus meinem Wissen um die Abgründe der Realität schöpfe ich die Kraft, das zu tun was getan werden muss, aber nur weil ich muss.“ Wenn ich das, für das man mich mit einem läppischen Vorschuss bezahlt hat, mit den kritischen Augen des Genies betrachte, steht es für mich unumstößlich fest: Ein Mord ohne Gehirn führt zu einer hirnlosen Aktion. Hinterrücks meucheln und dann wie ein Schnitzel zu Schaschlik metzeln passt nicht zu meiner Wesensart, weil ich auch sensibel bin, und außerdem einen Auftrag habe, den ich erfüllen muss, und zwar schon bald, sonst gibt es gewaltigen Ärger. Alles vorbei Raoul Yannik. Morgen dann bist du tot. Ich spüre es überdeutlich: Nicht morgen, schon heute, jetzt, in diesem Moment bin ich tot, denn schon seit Stunden fühle ich nichts mehr. Bin ich ganzkörpermäßig so richtig mit allem Drum und Dran tot, oder ist nur mein Gehirn tot? Lebt mein Körper - noch?

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______ __________ ______ Ich denke, dass ich no denken kann, also b ich, aber so och bin sicher w das Amen in der Ki wie irche ist ein Tatsache: Keiner wir um ne rd mich w weinen, auf m meinem let tzten Gang – wenn ich meinen Auf ftrag nicht in nnerhalb de mir vorge er egebenen Ze erfülle. eit Um einen M Mord zu begehen muss ich wie ein ch Hochleistungsspor rtler trainieren. Quälen mühsam versuche ic die nd m en nsängste au meinem Kopf zu vert us treiben. Flü üsternd düstere Versagen und bewusst gesch hwindigkeit tsreduziert zähle ich vo hundert on ärts zend betrachte ich dab die Tür aus altem Ho Auf bei olz. rückwä und sitz diese v verschlossen Tür bin ic sehr stolz. Meinen A ne ch Auftrag hab ich be seit siebzehn Tage aber diese Tür habe ich vor vie Tagen en, e er eigenhä ändig mit fe einem Schm mirgelpapier abgeschlif r ffen und in d der Farbe K Kobaltblau ( (RAL 5013) glanzlackiert. Mit der kon nventionellen Aufwärt tszählmetho wäre ich in ode diesem Moment b der Sieben vor der runden Fün m bei r nfzig angeko ommen. Die Sieben, die dre plus vier, ist eine hei ei ilige Zahl, und die Fünf ist fzig die Zah der Freud Früher, im Altertum war jedes fünfzigste J hl de. m Jahr ein Jubeljahr, in dem d Sklaven wieder freigestellt, die Schulden die e er ackert, und die verpfän ndete Äcker und erlassen, die Felde nicht bea r rückgegeben wurden. Häuser wieder zur Im Wissen um die Folg und da ich mein gen, ass nen Verpflic chtungen nachkommen muss, abe in der un er nerschütterl lichen Ahnung von der Größe meine Genialität zähle ich abwärts. Noch bin g er t, ich in g guter Hoffnu dass du ung, urch diese Zähl-Übung mein Gehir Z rn
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wieder rbelebt werd kann. den Insgeheim hoffe ich, d spätest dass tens bei der fünf vor Ze r ehn eine schöne und rothaarige F Frau die kob baltblaue Tü öffnet und den ür

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____________________ gehirntoten Raoul, den optisch gutaussehenden Clyde mit festem Auftrag um Rat bittet, wie es weiland dem genialen Philip Marlowe1 geschehen ist. Mein Gehirn ist leblos und mein geistiger Horizont entwickelt sich zu einer imaginären Linie, die ich mit den vier Fingern meiner linken Hand ergreifen will, die sich aber beim Näherkommen von mir weg bewegt. Noch immer zählend, warte ich sehnsuchtsvoll auf die Reinkarnation meiner leidenschaftliche Bonnie, nicht blond getönt, sondern echt rot und mit grünen Augen wie Velma, die der Bankräuber Moose Malloy2 mit den Worten: „Süß, süß wie ein Spitzenunterhöschen“ präzise beschrieben hat. Ich unterbreche meine rituelle Zählung und sende ein kurzes Zwischengebet: „Bitte schick mir einen echten und unrasierten Rotfuchs“3 zum allmächtigen und gerechten Weltenlenker. Ich bewege mich nicht, denn jede Andeutung einer Bewegung könnte in meinem meditativen Zustand vom Allmächtigen als eine respektlose Geste interpretiert werden. Endlich ist die Drei vor Null angezählt, und sein Wille geschehe, in der Hölle meines Wohnzimmers. Ich höre das leise Geräusch eines sich in der veralteten Mechanik drehenden Bartschüssels.

1

Nach einer Romanfigur von Raymond Chandler in dem Film „Fahr zur Hölle Liebling“

mit Robert Mitchum
2 3

Aus dem Film „Fahr zur Hölle Liebling“ Etwa wie Velma oder Helen Grayle (Charlotte Rampling) aus dem Film „Fahr zur Hölle Liebling“

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______ __________ ______ Versteht sich „Bewegu ung“ von se elbst, oder ist Fortschritt nur eine reflexartige E Erschütterun in den un ng nzähligen N Nichtigkeiten einer n baren Ewigk keit? unfassb Ist sie es, u kann sie mich aus meinem unt und e m toten Zusta and erlösen oder wird sie mir lächelnd einen spitzen Ho n, d n olzpfahl ins kalte Herz sc chlagen, so w es Professor Abron wie nsius als He eilmittel empfoh hat? hlen Darf ich auf meinem S Stuhl bis zum Anbruch der letzten Stunde m des letz zten aller Ta sitzen b age bleiben, ode muss ich aufstehen, weil er ich schnödes Geld für einen A Auftrag bezü üglich eines oder bess s, ser mehrer Morde a rer angenomme habe? en Phantasie k kennt keine Grenzen, keine Türen keine Gitt e k n, ter, keine S Schlösser, nur Mauern aus luftigem Nichts. Di Beschäfti m ie igung mit me einer Phanta ist etwa Wunderb asie as bares. Nur m ihr kann ich mit n durch R Räume und Zeiten schw weben, ohn meinen K ne Körper zu bewege Mit Pha en. antasie kann ich die We verändern und Wün n elt nsche äußern die ich nic laut ausz n, cht zusprechen wage. Ich kann die n Vergan ngenheit nac Belieben verändern und wiede und imm ch n n er, mer wieder anders erle r eben. Meine Erin nnerung und meine Pha d antasie sche einen ein eingesp pieltes Team zu sein. D Eine gräb die Leichen aus, und die m Die bt d Andere spielt mit d Verwes e den sten. Geistv male ich mir in dies voll h sen Sekund denbruchtei aus, wa hinter der noch nich aufgestoß ilen as ht ßenen Tür ges schieht, und was ich mit meiner ro d othaarigen und grünäu ugigen
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Velma erleben we erde.

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____________________ Die blitzblaue Tür geht mit einem nicht unangenehmen, aber einige Tropfen Nähmaschinenöl vertragenden Geräusch auf. Ich bewege mich nicht, denn mein Gehirn ist ohne Leben. Sina ist schön, Sina ist gut, Sina ist geschmeidig, Sina hat blaue Augen und Sina ist momentan hellblond. Sina küsst mich auf die hohe Stirn, aber Sina ist nicht das, was ich mit jeder Faser meines Herzens herbei gesehnt habe. Eine Affäre mit einer verkommenen Frau der es vor Wenigem graut, kann über eine gewisse Zeit an- und aufregend sein, aber Sina ist zur langweiligen Gewohnheit verkommen. Oder wie der alte Nietzsche das Eisen zum Magneten sprechen lässt: „Ich hasse dich am meisten, weil du anziehst, aber nicht stark genug bist, an dich zu ziehen.“4 Das habe ich Sina noch nicht so deutlich gesagt, aber gelegentlich werde ich das nachholen müssen. Mein Gehirn ist tot und auch der Erweckungskuss der falschen Frau zeigt keine Wirkung auf meine niederen Reflexe. Aber Sina kann Gedanken lesen und sie besitzt eine seltene Fähigkeit. Sie kann tote Körper munter machen, wenn es für sie nützlich ist. Ein Mord ist etwas Besonderes, Sina war es vor langer Zeit. Heute ist sie nur noch Gewohnheit, etwa so wie das Fressen-SaufenFicken-Phänomen, das ich an anderer Stelle noch ausführlich beschreiben werde. Kurzentschlossen und trotz einem beigemischten Quäntchen Resignation, aber auf meine männliche Stärke vertrauend, entscheide ich mich wieder einmal für das Eine und gegen die geistige Auseinandersetzung mit meinem Auftrag.

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Aus „Also sprach Zarathustra“ Friedrich Nietzsche

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______ __________ ______ Wenn es m nicht gelingt, wird keiner um m weinen auf mir k mich n, meinem letzten Gang. Wird k m keine Sonne scheinen, klingt mir k e kein Glockenklang. Das sind düstere Aussicht Ich mus es tun, ab ich s ten. ss ber bin schwach. Nur w wegen mein untoten Konstitution kann ich an ner n h meinem momenta m anen Zustan nichts än nd ndern, und u unüberlegte es Handel würde meine Situati nur vers ln ion schlechtern – denke ich h. cht it d Nymphomanin, die Sina versuc mich mi Verve und wie eine N mit dem nackten H m Hintern auf einer heiße Herdplat sitzt, zu en tte inspirie eren. Ich we was sich gehört, denn ich durft in einer g eiß te guten Kinders stube aufwa achsen. Dan nkbar und unüberhörb seufze ic „Du u bar ch: Gute … und denk voller Ver …“ ke rzweiflung: „… ist das N Nekrophilie?“ Mir fällt ein dass mein Japaner seit einigen Tagen einen n, n Kolbenfresser hat, und sich nicht mehr bewegt. Das Geld für einen , b s neuen Motor mus ich mir no verdienen. Es ist ni ss och icht die schaft, sond dern mein n nüchterner Restverstan der mich nd, h Leidens spontan zu der Fra drängt, ob sich nicht die besonders verdä age ächtig machen, die sich z sehr enga zu agieren. Immerhin – in meinem Körper ist noch etwa Leben. Ich sitze m t as h ermattet, aber immer noch auf meinem Stuh und mein hl etwas e Perlon-Reißversch hluss musste sich mehr bewegen a ich, was e r als meinem destruktiv Gemüts m ven szustand se gelegen kam. Ich de ehr enke an Schuld und Sühne und Sina richtet sich auf. Ich sehe ihren a e vermes ssenden Blic zuerst vo meinem Antlitz, dann abwärts zu ck, on m meinen Füßen in d bequem Filzpantoffeln, dan wieder n den men nn
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aufwär Sie sagt nichts, und ich betrach ihre junge Gestalt v der rts. d hte vor kobaltb blauen Tür. Nicht die Tür, Sina sieh aus wie e blonder Vampir ht ein nach de Biss und vor der Rü em d ückkehr in die Familien d ngruft. Sie tu upft

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____________________ mit einem Papiertaschentuch ihren stark geschminkten Mund, und ich lese „Tempo“ auf kobaltblauem Grund. Kann man kommende Wirtschaftskrisen, oder sogar Katastrophen an einfachen Signalfarben erkennen? Wenn sich Frauen keine neuen Klamotten leisten können, trotzen sie dann dem Trübsinn mit leuchtendrotem Lippenstift?5 Wenn ich an die Geschichtsstunden in meiner Volksschule denke, dann erinnere ich mich, dass Pfarrer Kussmaul und unmündigen Kindern gelehrt hat, dass der Lippenstift in seinen Anfangsjahren nur von Tänzerinnen und Huren nachgefragt wurde, und von geschminkten Damen hätten wir uns als anständige, deutsche Jungs fernzuhalten, denn es wären keine, sondern solche. Erst viele Jahre später habe ich erfahren, dass früher, also etwa in den goldenen Zwanzigern, der rote Lippenstift als optisches Erkennungszeichen für eine Spezialität galt, die heutzutage unter dem Begriff „Französisch“ in aller Munde ist. Plötzlich verstehe ich die urgermanische Angst der Wacht am Rhein und die Vergänglichkeit alles Irdischen. Mein ganzes Leben, viele lange Jahre, kurze Tage und belanglose Episoden, ziehen in Sekundenbruchteilen an mir vorbei und mein Gehirn ist immer noch tot. Sina fummelt an ihrer Lippenstifthülse, und der patschrote Fettstift dreht sich vulgär aus der falschgoldenen Hülle. Mit geübten Strichen korrigiert sie die etwas verschmierten Lippen. Stecken handfeste Interessen dahinter, wenn Frauen zum knallroten Lippenstift greifen? Mir fällt ein, dass der Lippenstifthersteller
5

Über das Thema „Knallroter Lippenstift und Wirtschaftkrisen im Spannungsfeld der letzten

zweihundert Jahre“, habe ich ein interessantes Buch geschrieben, das in den nächsten Monaten veröffentlicht wird.

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______ __________ ______ REVLON die weltw N weite Stimm mungslage kurz vor dem letzten Bö m örsenCrash, in einem leg gendären W Werbespot zusammeng z gefasst hat. „On a y, always lipsti ick“, war die Botschaft Auch der e t. bad day there is a legendä Bill Clinton bekam Probleme mit dem Lip äre m ppenstift. Er r stolper nicht übe die Lewin rte er nsky-Zigarre wie oft fä e, älschlicherw weise behaup wird, so ptet ondern der rote Lippen nstift der Pr raktikantin Monica Lewinsky war verw wischt, nach hdem sie au dem intern als Oral-O us Office bezeich hneten Präs sidentenbür kam. Dar und an n ro ran noch mehr Zeitges schichtliches muss ich i diesen kle in einen Mom menten denk ken. Ich greife w die Man wie nnschaft vor dem Elfme schütze r eter end zum Ge emächt, abe ich habe keinen Biss gespürt. Dennoch ist mein er s Herz vo oller Zweifel. Werde ich trotzdem zum Vampir, oder bin ich nur h ein sen nsibel Geluts schter und kein durch einen Biss g geadelter U Untoter mit eigener Ritterb burg in Tran nssylvanien und mit vie elen durchgeknallten V Vasallen? Erst im Allt tagsgebrauc achtet man auf die k ch m kleinen Det tails. Viele Fr ragen gehen mir in bun Mischu durch d Kopf. Ge nter ung den eschah die Tat aus Liebe, gepaart mit Umsicht und Arglist? Hat sie ihre Bluse t u e et, mich hlend und in Liebe mot n tivieren wollte, geöffne weil sie m mitfüh oder au hausfraulicher Vorsi us icht, damit das gute Stück nicht zerknittert und be efleckt wird? ? Der Mensc lebt nicht nur von de Luft und der Liebe, a ch t er aber es atsache, dass Frau man nchmal ganz pragmatis sch ist nun mal eine Ta enken und a auch Dinge schluckt, um verborgenden m voraus- und mitde
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Ziele le eichter zu er rreichen. Ich bewege mit leicht geöffnetem Mund me e m einen Kopf e etwas nach vo Ich sehe, dass ihr K orn. Kleidungsst tück nicht befleckt ist, u und

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____________________ Sina knöpft die geöffnete Bluse zu. Sie beginnt mit ihrer Knöpfarbeit von unten und arbeitet sich nach der traditionellen Karrierefrauenmethode mit gesenktem Kopf und Knopf für Knopf gewissenhaft hoch. Für meine Gedanken muss ich mich nicht schämen, denn im Grund sind sie keusch, weil sie von der momentanen Angespanntheit meiner Sinne beeinflusst sind. Ich sehe Sina zu und ich denke nicht an das Fleischliche, das jung und prall aus dem schwarzen SpitzenBüstenhalter quillt, sondern an einen üppigen Mord, weil ich einen Mordauftrag habe. Schön blutig zubereitet soll er sein, aber wie soll ich es angehen, ich der sensible Frauenflüsterer Raoul? Vielleicht zuerst ein kleiner Mord zur Übung. Nur so, eher nebenbei, vor und zwischen der großen Langeweile, nur um zu testen, ob mein Gehirn noch lebt und vor den großen Sachen. Ich muss an meinen Auftrag denken, und das viele Geld das ich dafür genommen habe. Werde ich für die pünktliche Erfüllung meines Auftrags gelobt, und wurde ich auch gerecht entlohnt? Sina zum Beispiel, weiß von der Summe Geldes, die ich ohne nachzudenken genommen habe. Gegen meinen Willen gehen mir Fragen über Moral und Gerechtigkeit durch den Kopf. Wie würde ich mich als Unbeteiligter zwischen Mörder und Opfer verhalten? Für wen sollte ich Partei ergreifen, und wer gehört verurteilt und verdammt? Soll ich überhaupt zu einer Partei halten, oder nach dem Motto: „Was du nicht willst was man dir tut, das füg auch keiner Anderen zu“ auf meinen Gerechtigkeitssinn hören? Gibt es unter bestimmten Umständen ein Recht zu morden, vielleicht weil das Salär besonders

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______ __________ ______ hoch, o oder das Op ein ekelhafter Men pfer nsch ist? Mi hat man o ir oft bestätigt, dass ich sehr sympa athisch wirk aber Sina ist auch n ke, nicht Charme. Bin ich wegen meiner sen nsiblen Wes sensart ein ohne C geschützter Mann n? Sina unterb bricht beim vierten Kno von unt ihr Vorh opf ten haben. Sie hat noch drei v sich, abe sie sieht, dass ich mich in einem vor er m anspruchsvollen D Denkprozess befinde. Sie lächelt ve s erständig und senkt d dabei den blond gesträhnten Scho Ich sehe ihren Rück und opf. e ken im Spie ihren hochgerutschten Rock. Die Schuhe sind neu, d egel e denn unter d dem linken S Schuh, unm mittelbar vor also aus m r, meiner Position gesehe am Absat en tzansatz ist noch ein kleines, weiß Preisetik ßes kett. Sina ist nicht süß, wie das bereits erwähnte s Spitzen nunterhösch und sie hat kein bedeckendes Nichts am hen, e m Körper. Sina trägt nie Slips, un der Anblick ist trotz meiner nd z momen ntanen Lust tlosigkeit en ntzückend blank und fe b euchtglänze end, aber nicht ausreichend, um m zu weit mich teren Großt taten zu ver rleiten. Ich vers suche mich auf das We esentliche meines üblic m cherweise s schnell ansprin ngenden Tri iebs zu konz zentrieren, aber mein Intellekt sch hlägt mir ein schlaffes Schnippchen n. Kann Popo-Sex die Lös sung für me Problem sein? Ich eine me denke a meinen A an Auftrag und an einen Mord, oder auch an me d M ehrere, wenn m meine Auftr raggeber zufrieden sind und die Be d ezahlung st timmt. Die blaue T irritiert meine Über Tür rlegungen. Was liegt dahinter und wa wird wan und wie g as nn geschehen? Mein totes Gehirn sch ? s hmerzt
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und ich schließe die Augen. Sind Schmer h rzen nur Illu usionen, die e Schmer rzen bereite oder sin die Schm en, nd merzen in me einem Gehirn real, weil me Gehirn d ein doch noch l lebt, sich streckt, sich r räkelt und

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____________________ langsam, für Internet-Junkies scheinbar unendlich langsam in den binären Fragen und Antworten Modus schaltet. Wer mordet wann, wie, wo, wen und warum? Einfache Fragen, die keine ultimativen Antworten, aber Vermutungen und Spekulationen geradezu provozieren. Ich bin verzweifelt. Meine Gedanken schaffen es nicht, sich in die Tiefen eines genialen Charles Bukowski-Gehirns zu begeben. Zu jeder Tags- und Nachtzeit werden eine Menge Verbrechen begangen, die niemals aufgedeckt werden. Bei genauer Betrachtung der Umstände sind unaufgedeckte Verbrechen grobe Fehlleistungen der Täter. Grausame Morde mit viel Blut kommen in die Medien. Das ist gut für die Medien, das Publikum und darum auch für das Image des Mörders, und zugegeben auch bedauerlich für das Opfer. Ein unaufgeklärter Mord ist zwar eine intelligente Tat, aber ohne öffentlichkeitswirksame Aufmerksamkeit insgesamt schlecht, weil das Werk den Ruhm des Mörders nicht mehrt, und den meisten Menschen fehlt es an Phantasie, die großartige Tat in seiner ganzen Dimension zu begreifen. Oft kommt immer gut, aber nicht zu oft, ist meine Devise, denn ich bin nicht nur sensibel, sondern auch bescheiden. Zu viele Morde lassen die einzelne Tat zu einer schnöden statistischen Zahl verkommen, und phantasielose Wiederholungen nach dem immer gleichen Strickmuster langweilen mit zunehmender Häufigkeit das dekadente Publikum. Nur das richtige Mord-Mittelmaß macht sich gut in der Biografie. Aber was ist das richtige Maß für, sagen wir mal großzügig, die nächsten fünfhundert Jahre? Was ist der Goldene Mord-Schnitt, der mich aus den Niederungen der Alltags-Mörder

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______ __________ ______ heraus hebt und a den gold auf denen Thron der genialen Spezialisten n beamt? ? rn ber ert rechte Mein Gehir ist tot, ab mein Instinkt flüste mit ins r Ohr: „D musst da Mordproblem ander angehen, nicht statis Du as rs , stisch und auch nicht tec chnisch - eh psycholo her ogisch und v allen we vor eiteren Überleg gungen, vor rrangig gesc chlechtsspe ezifisch.“ Also versuc ich mich zu konzen che h ntrieren und stelle mir noch d einmal die Kombin nationsfrage „Wer mo e: ordet wen u warum? und ?“ Ich betrach die koba hte altblaue Tür und Sina r r richtet sich n nach getaner Dienstleis stung auf. Si zieht den Saum nach unten und ie n h d korrigie den richtigen Sitz ih grauen Rocks. Dan geht sie i die ert hres nn in Küche u schaut in den Kühlschrank, de sie hat einen trock und enn kenen Hals – s sagt sie, und beim Aufl d leuchten de Lichts füg sie beiläu es gt ufig hinzu: „ „Hast du he eute etwas mit viel Kno oblauch geg gessen?“ Ich habe, u ich spür den kalte Hauch de Todes, de aus und re en es er dem of ffenen Kühlgerät zu mir wabert. Ic war nicht beim Thai, ch t sondern ausnahmsweise beim Spanier. Aber ich ant m A tworte nich auf ht ihre Fra denn m age, manchmal is resigniert Schweig die bess st tes gen sere Wahl, b besonders w wenn man b genauer Betrachtun und nach dem bei r ng h Abwägen aller Vor und Nach rhteile festge estellt hat, d die geli dass iebte Frau un Gefährtin mit bösen Macken ge nd n n eschlagen is st. Was kann e sensible Raoul in so einer Situ ein er s uation tun? Für den Ma und Auftragsmörder gibt es mehrere Mö ann m öglichkeiten Ich n: erhebe meine Stim e mme und ta adele die Na achlässigkeiten der Dam me
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streng. Das wäre b einer No bei ormalfrau zw eine war achtungsgebietende, aber be Sina eine wirkungslos Geste, un bei ei w se nd Viola auch. Ich mu es mir ei uss ingestehen - meine Mu usen sind w wegen

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____________________ dauerhaft nachlässiger Führung äußerst disziplinlos geworden. Ich bin ein friedlicher und gewaltfreier Mensch und Auftragsmörder. Disziplin hat nun mal das vorrangige Ziel, Konflikte zu verhindern, oder zumindest für eine gewisse Zeit zur unterdrücken. Was soll ich tun, wenn mir Sina suspekt, und Viola langweilig geworden sind. Ist ein Mord unter solchen Umständen naheliegend und verzeihbar? Oder soll ich großzügig über die Unzulänglichkeiten der Frauen im großen Ganzen hinwegsehen? Das würde zeigen, dass ich souverän vergeben und vergessen kann. Das würde aber auch zeigen, dass mein Denkorgan tot ist. Spontan fällt mir eine Alternative ein, die zwar ungewöhnlich und nicht Jedermanns Sache, aber durchaus ehrenvoll ist. Um das Problem in kurzer Form zu umschreiben, muss ich an eine Kreuzfahrt mit einem Luxusliner denken. Wenn ich als verantwortungsbewusster Passagier erkennen müsste, dass es dem Kapitän, in meinem Fall der Kapitänin an den fachlichen Voraussetzungen zur Führung des Schiffes mangelt, oder sie sogar Böses gegen mich im Sinn hat, ist es dann nicht besser, das Übel zu beseitigen, bevor es mich beseitigt? Andrerseits laufe ich als zahlender, aber geist- und weitgehend rechtloser Passagier Gefahr, als irrer Meuterer eingesperrt zu werden, wenn ich die Kapitänin von ihrem Platz entferne und kurzerhand über Bord werfe, bevor sie es mit mir macht. Das ist für mich eine Denksportaufgabe, denn der Kapitän in meinem Beispiel Sina, hat trotz aller Missetaten immer noch das Recht und dazu den strafmildernden Frauenbonus auf ihrer Seite. Aber manchmal muss man als potenzieller Mörder auch Dinge tun, welche die Gefahren in sich tragen, und kurz entschlossen die mir lästig gewordene Sina der

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______ __________ ______ rauen S übergeb Oder an See be. nders und ku und bün gefragt Darf urz ndig t: man eine attraktiv Mörderin beseitigen ohne seel ve n n, lischen Scha aden zu e ordet? nehmen, bevor sie mich ermo Ich befinde mich nicht auf einem Schiff, und auf hoher See e t ttungsbootmäßig gese ehen, Männer immer benachteiligt Ich t. sind ret sitze au einem ha uf arten Holzst tuhl und in meinem Kopf ist nichts denn m s, mein G Gehirn ist un ntot. Die eigentliche, also d in der Tie verborg die efe gene Ursach für he meinen Zustand is mir mome n st entan entfa allen, aber irgendwo ha ich abe gelesen dass die M n, Mehrzahl de Frauen heimtückisch mit Gift m er h h mordet, denn Frauen sind sensibel, un Frauen morden nur, wenn sie s aus nd m sich der Kne echtschaft e eines despo otischen Ma annes befreien wollen. Ich bin sehr zart besaitet, sagt Vio Aber wird ein ola. empfin ndsamer Ma der mit Gift morde als tuntig Mann ann et, ger abgeste empelt? We erde ich mit dem Griff zum Gift zu einem sch t u hwulen, zukünft tigen Mörder mit einer Geliebten, deren Gef fühle und M Motive mir nicht mehr ganz geheuer sind, und mit der Frau meines be m u esten Kumpe die mir langweilig g els, geworden is und die ic nicht st, ch umtaus schen kann, weil sie irg , gendwie zur Familie ge r ehört? Ich rufe nach Sina und frage, ob ich nicht etw zu d was empfin ndsam für diese Welt w wäre. Sie kom zwei S mmt Schritte aus der Küche. Dann bleib sie in resp bt pektvollem Abstand ste ehen und sie schütte den Kopf Will sie m damit sag „Nicht s elt f. mir gen schon wied …“ der Verständni islos sieht sie mich an. An ihrem B Blick kann ic ch
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unschw erkenne dass sie denkt „der spinnt …“, und außerd wer en, dem den ged dachten Zusatz „… mal wieder“ al Wirkungs ls sverstärker f ihre für Einstell lung bezüglich meiner Person dran hängt. Sie sagt nichts aber e s,

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____________________ sie dreht sich um, denn sie hat noch in der Küche das zu tun, was Frauen in Küchen gern tun. Woran denken Frauen vor einem Mord? Denken Frauen überhaupt, oder denken Frauen zuerst an die mögliche Sauerei in der Wohnung, und dann an die Tat? Welche Rolle spielen Küchenkräuter bei einem sensiblen Giftmord. Schon die Äbtissin Hildegard von Bingen (die hat angeblich 1098 – 1179 gelebt) hat die giftigen Akeleien in ihrer „Physica“ ausführlich beschrieben. Auch Zauberkraft und Impotenz sollen Akeleien brechen können, was mich sehr wundert, denn Hildegard war eine Heilige, die sich aus den zwischenmenschlich-weltlichen Dingen hätte heraushalten sollen. Spontan stellt sich mir die Frage, ob moderne Frauen anders denken und handeln würden, wenn die Witwenverbrennung wieder ein fester Bestandteil unserer freiheitlichen, demokratischen Grundordnung wäre? Ein gestandener Mann ist nicht sensibel. Er darf nicht sensible sein, denn er ist seit Urzeiten Jäger und Sammler. Genetisch bedingt mordet er anders als Frauen. Der Mann nimmt seine QualitätsEdelstahl-Axt von der Loch-Wand seines wohlsortierten WerkzeugSideboards, er erwirbt eine neue, und zwar die beste Kettensäge mit elektronischer Zündung und großer Schnitt-Tiefe, oder er verwendet ein Gerät das schön laut ist - eine Pistole nicht mit fünf oder sechs, sondern mit sieben linksdrehenden Zügen, oder noch besser eine vollverchromte Pump-Gun. Ein Mann tut das, was ein Mann seit Urzeiten tun muss. Männer brauchen Krach, und wer schießen will, soll schießen, und nicht lange rumquatschen – so denken Männer. Ich dagegen habe einen Auftrag und ich brauche meine Zeit,

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______ __________ ______ um übe das Geräuschproblem als existe er enzielles und geschicht tliches nachzu udenken. nn-Krach-Ve erhalten vergleichbar m dem Sch mit hrei, Ist das Man den urz zeitliche Jäg nach dem Erlegen und vor dem Zerlegen der ger u m Beute a ausgestoßen haben, um den Weib m bchen in der Höhle zu signalis sieren: „We eiber ich kom mme, und die Schönste können s d en sich schon m nackig m mal machen“, und um den erfolglosen Losern in d n den Wälder zu verste rn ehen zu geben: „Jungs, versucht es erst gar ni s icht. Ich hab Frischfleisch u ich kann mir jetzt die leckerste Frischfle und n d en eischTorten aussuchen.“ Männern is der Geda st anke an das Putzen erst mal egal. D ist t Das Frauenarbeit. Hau uptsache das Mordwerkzeug ist machomäßig groß und ma acht einen H Heidenlärm Männer denken in gr m. roßen Dimens sionen. Frau morden still, denn Frauen den uen n nken nicht w weiter, was auch genetisc bedingt is ch st. Wenn ein M Mann Gift v verwendet, kann man d davon ausge ehen, dass er ein persön r nliches Prob blem bezüglich seiner P Polung hat. Vielleic ist er ein tuntige S cht ne Schwuchtel, oder eine damenwäschetrag gende Tunte oder soga Beides un noch vie mehr. e, ar nd el Gift ist unmännlich und heimtückisch un darum ve h nd erwendet ei in Mann k Gift. Ich bin sensib und ich will und mu ästhetisc kein h bel w uss ch morden – und ich bin keine Schwuchtel, denn ich lie Frauen. Muss n ebe ich jetz trotzdem martialisch Mordwer zt he rkzeuge ver rwenden? Ich sitze au meinem S uf Stuhl und be etrachte die kobaltblau Tür. e ue
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Mein G Gehirn begin zu arbei nnt iten. Noch ist es nicht t es besc tot, chäftigt sich nur mit dem T und ein Tod nem blitzbla auen Nachst trich, denn ich sehe, d ich etw unorden dass was ntlich beim Vorstrich ge V ewesen bin.

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____________________ Sina hantiert in der Küche und ich versuch mich auf das Problem der Entsorgung zu konzentrieren, das sich für einen passionierten Umweltfetischisten zu einer ernsten Angelegenheit entwickeln kann. Ich bin gesellschaftlich bestens konditioniert. Darauf bin ich stolz, und darum trenne ich auch den Hausmüll, so wie es von der Legislative vorgeschrieben ist. Meine ehemals ohne System gefüllten Müllsäcke landen aus Angst vor der Executive schon seit Monaten nicht mehr in der Tannenschonung im nahen Wäldchen. Säuberlich verschraubt und nicht zerdrückt bringe ich sogar die Plastikflaschen in den Supermarkt zurück, da wo sie herkommen, und zum Dank bekomme ich etwas Kleingeld in die Hand gedrückt, damit ich neue Plastikflaschen kaufen kann. Aber wohin mit einer Leiche? Wenn ich mit Werner ein ernstes Gespräch von Mann zu Mann führe, kann ich ihm mit gutem Zureden und etwas rhetorischer Geschicklichkeit seine Viola retournieren, denn er ist mein bester Kumpel und auch mein Steuerberater. Vielleicht findet er auch einen Weg, das Problem aus steuerlicher AfA Sicht durch Absetzung für Abnutzung anzugehen. Bei Sina sieht das anders aus. Ich kann sie zwar hübsch in eine Mülltüte stecken, aber nicht einfach am Waldrand ablegen, denn mein sensibilisiertes Umwelt-Gewissen würde mir unweigerlich unruhige Nächte bereiten, und unausgeschlafene Mörder sind schlechte Mörder. Die Frage der sozial und politisch korrekten Entsorgung steht unbeantwortet wie ein Menetekel an der kahl gekalkten Wand im Küchenraum. Sina lebt, sie ist immer noch hier und nicht dort. In welche Richtung ich auch denke, die Aufgaben kommen, bleiben und gehen,

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______ __________ ______ und es sind immer die gleiche r en. Je mehr ich über einen Mord und seine Vor- und h n d Nachbe earbeitung nachdenke, umso geringer wird m , meine Furch vor ht der eigentlichen T Schon aus Hautschüppchen, deren Durch Tat. hmesser kleiner als ein Haa ist, kann m DNA-M ar man Material isol lieren und e ein DNA-Pr rofil erstelle Unter so en. olchen Vora aussetzunge kann man nur en noch in einem Gan n nzkörperkondom gefah hrlos morde Der Beru des en. uf Mörders erfordert eine hohe Spezialisier t rung, die de Normalem chen vollkommen unbe ekannt ist. Mein gedan M nklicher Kon nflikt Sterblic zwische ethische ästhetisc en en, chen und pr raktikablen Werten wä ächst im Minute entakt. Ich brauche Rat und ru nach Sin „Sag ma Honey, wie e ufe na: al machst du das so? Hast du ein System?“ t ? “ Sina komm telefonier aus der Küche, und gibt mir m mt ren d mit erigiert tem Zeigefin nger vor ihr rem Mund zu verstehe dass ich z en, gefällig schweige soll. gst en Ich sitze, ic schweige ich betrac ch e, chte die kob baltblaue Tü und ür denke a einen Mord, oder b Erfolg au an mehr an bei uch rere in Serie e. det em erisch-gurre enden Lache ihr en Sina beend mit eine verführe Telefon ngespräch. Ich frage no einmal: „Du hast doch Erfahru och ung. Wie ma achst du das so - normalerweise?“ “ einen Handt tasche aus d abgezog der genen Sina kramt in ihrer kle Haut ei ines geschü ützten Repti Ich denk „Das Vieh hat ´s auc ils. ke: ch übersta anden“ und Sina antwo d ortet ohne von ihrem S v Sammelsuri ium im
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Beutel aufzusehen „Also ich nehm am li n: iebsten Plas stiktüten vo om EDEKA. Die sind re . eißfest und die Farben erinnern m irgendw an mich wie Eierlikö ör.“

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____________________ Mein Gehirn begreift nicht, denn es lebt noch nicht so richtig, oder nicht mehr, je nachdem und aus welcher Perspektive man die Funktionalität betrachtet. Außerdem habe ich etwas Schmerzen im Gulliver, wie Alex6 der Beethoven-Fan jetzt sagen würde. „Eddegga?“ frage ich verständnislos, und Sina antwortet dem Begriffsstutzigen: „… und braunes Paket-Klebeband. Das Durchsichtige reißt zu schnell und lässt sich schlechter abrollen.“ Ich überlege und bin ratlos, weil ich die Begriffe nicht sinnvoll mit meinem beabsichtigten Vorhaben und Sinas zwölf dahingegangenen fast-Ex-Ehemännern in gedanklichen Zusammenhang bringen kann. Sina sieht die Mimik meiner geistabsenten Verständnislosigkeit. Sie deutet mit ausgestrecktem Zeigefinger eine linksdrehend kreisende Handbewegung an. Ich gebe ihr murmelnd zu verstehen, dass mein Gehirn momentan etwas untot sei, und sie antwortet liebevoll: „Um den Hals Dummerchen. Das Klebeband um den Hals.“ Jede Methode folgt einem einfachen Ordnungsprinzip. Nur wenn ich den Zweck und die Technik verstehe, kann mein Gehirn auch das Motiv des Handelnden verstehen. Mit halbgeöffnetem Mund sehe ich Sina an, und sie erklärt mir kichernd und wie einem grenzdebilen Analphabeten: „Du nehmen Plastikdüdde und stülpen über aldes Kopp. Dann mussu nehmen Klebeband un viermal um faltiges Hals bis nix mehr Luft. Kapische?“ Jetzt verstehe ich Sinas Erfolgssystem, das immerhin schon

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Malcolm McDowell in dem Film „Uhrwerk Orange“

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______ __________ ______ zwölfm nicht ver mal rsagt hat. Sp pontan den ich daran, dass ich s nke schon länger nicht mehr an meine a meiner Hitliste auf den zweiten Platz auf H iegene Freu undin Viola gedacht habe. Viola ha ihre eigen at ne abgesti Method entwicke Sie will Werner mit destillierte Wasser de elt. t em umbrin ngen. Angeb blich soll die Behandlungsweise totsicher u die ese und unnatü ürliche Ursache nicht na achweisbar sein. r ante Arschlo (Werner, Violas Ehemann und Violas och d „Das milita Origina al-Ton) beko ommt ein Ja lang nur destillierte Wasser zum ahr r es Trinken Das entzieht dem Kö n. örper alle wertvollen M Mineralien u und Spuren nelemente, und nach einem Jahr bin ich Witw hat mir Viola in b we“ einem v vertrauliche Moment gesagt. en t Ich hab We erner, meinen besten Kumpel und Steuerberater in K d Personalunion gef fragt, ob er von der sog genannten Destilla ationsmetho im Span ode nnungsfeld von Geld und Ehe scho mal on was gehört hätte, und Werne hat geant er twortet: „Ja klar, das is a st wieder mal eine vo Violas Bi r on io-Spinnere eien. Ich soll nur noch ihr l gesund Bio-Was trinken, sagt sie, aber ich neu des sser utralisier ihr Geschw mit ein wätz nem gut eingeschenkte Weizenbier.“ en Nach dem fünften Bie habe ich Werner verlassen, der er W vermut tlich immer noch an se einem Destilla ationsneutralisierungsp programm mit Pilsbierc m chen und W Weizen arbeite et. Nach diese Gespräch unter Männern ist Vi wegen em iola schwer intellekt ren tuellen Män ngeln auf meiner Hitliste weiter ge m efallen.
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Unschw kann ich vorhersehen, dass Viola nicht so schnell zu wer h V o ur Witwe avancieren wird, denn Werner ist zäh und w bereits n t wie erwähn auch me Berater i steuerlich Angeleg nt, ein in hen genheiten, und

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____________________ darum eine schützenswerte Spezies. Sina klappert mit allerlei Gerätschaften in meiner Küche und ich rufe: „Aber wie bekommst du den Kopf in die Plastiktüte. Das macht doch niemand freiwillig?“ Sina kichert aus der Kombüse: „Schlaftabletten zerstoßen und in den Pudding. Am besten Waldmeister, wegen dem Geschmack. Dann kurz ziehen lassen und eine Stunde vor dem Mittagessen in den Kühlschrank. Eine Stunde nach dem Mittagessen die Tüte und dann das Klebeband.“ Sina ist weder sensibel, noch eine gute Hausfrau, denn Sina macht sich um das Entsorgungsproblem keine Gedanken, außerdem räumt sie nie die Küche auf. Andrerseits ist Sina eine erfahrene Heiratsschwindlerin, oder Subjektmanagerin wie sie sagt, mit einer langen Referenzliste, und hohem Einkommen, wenn man von den Viertausend Euronen einmal absieht, die sie mir noch schuldet. Ich sitze auf meinem Stuhl und betrachte gedankenverloren die kobaltblaue Tür. Mein Gehirn ist immer noch tot, und mein Körper zu schwach um aufzustehen. Ich muss an die alten Zeiten, die Guten denken. Früher war alles beschaulicher, geruhsamer und romantischer. Der ehemalige Chorknabe und Heiratsschwindler Henri Désiré Landru schaltete oder antwortete auf Heiratsanzeigen und hat so über zweihundert gutsituierte Muschis klargemacht. Das ist auch im modernen Internet-Zeitalter eine immer noch beeindruckende Kontaktmenge. Der alte Landru hatte viel Gefühl im Stift, und nach seinen Liebesbriefen brannten die mittelalten Damen im sprichwörtlichen Sinn. So ein literarisch unterfüttertes Vorgehen zeigt eine gewisse

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______ __________ ______ Größe, und Landru Stil komm meinen Vorstellung schon näher. us mt V gen Oder wie m Großva väterlic mein ater cherseits ge zu sagen ern n pflegte „Sohn“, da zog er i e: ann immer schm matzend an seiner Pfeife „merke dir für ´s L e Leben. Alte Hütten bren nnen schne und heiß. ell .“ Ich weiß, dass ich in der Vor-Internet-Zeit Lie ebesbriefmäßig gesehe auch ziem en, mlich gut w Elke, ein leider ve war. ne erblühte, strohbl londe Schön nheit mit br reitem Beck schlepp meine Br ken, pt riefe nach im mmerhin zw wanzig Jahre immer no mit sich herum. Ab en och h ber welche Menge an literarische Romantik kann eine Frau heutzutage e er k noch er rtragen? Da Internet i eine star und schnelle Konku as ist rke urrenz und ein Auffrischu n ungsseminar für Heiratsschwindler würde mir vermut tlich mehr a nur gut t als tun. Die Ziel lgruppe und Kontaktfra d age dürfte damit nicht das eigent t tliche Thema sein, sond dern eher die Frage d richtigen Portionier der n rung. Landru hat es noch vergleichsw tte weise gut. D hat elf oder Der auch m mehr Frauen und dazu e n einen niedli ichen, kleinen Wuschelhund mit einer Handsäg aus dem Pariser Warenhaus „Au Bon Marc ge ché“ sorgfält zerkleine und im K tig ert Kohleofen verheizt. Da geht heut nicht v as te mehr, d denn Kohleöfen sind se elten gewor rden, und d Einzelteile von die einsam mittelalten Damen passen nicht in die Zentralheizun Es men ng. sind ma anchmal die kleinen De e etails, die einen großar rtigen Plan scheite lassen. ern Ich komm i Grübeln und mein Gehirn ist im ins n G mmer noch wie tot. Es will sich nic bewegen weil zu einem intelligenten Mord cht n,
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an dern auch ein spektaku e ulärer Tator rt nicht nur die Tat a sich, sond gehört. . Tatort?

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____________________ Ort der Tat? Ort der zu begehenden Taten? Ich frage mich, wie sich ein neuer Papst in seiner Wohnetage verhält, wenn er feststellt, dass beim Umbau seiner Räume der Einbau der Toiletten vergessen wurde. Sagt er: „Aller Anfang ist schwer“, oder „gibt es hier nur Engel?“ Vielleicht betet er: „Nichts Menschliches ist uns fremd“, oder „hier ist nicht der Ort“, weil Engel keine menschlichen Bedürfnisse haben.7 Also hier in meinem Wohnzimmer geht es an den Wochentagen mordmäßig nicht, und aus Glaubensgründen auch nicht an den Sonntagen. Da hätten meine Katzen und meine polnische Putze etwas dagegen. Sina gibt mir einen Kuss auf die Stirn und flüstert: „Schatz, ich hab dir ein leckeres Frucht-Jogurt gemacht. Das Schüsselchen steht im Kühlschrank. Ich geh jetzt. Ich muss zur Arbeit.“ Ich denke: „Hunger hätte ich schon“ und ich lächle gedankenverloren, denn mein Gehirn ist untot, und etwas flau im Magen ist mir jetzt auch noch. Sina öffnet die blitzblaue und schlecht lackierte Tür. Sie dreht sich noch einmal um und wirft mir einen gehauchten AbschiedsHandkuss aus der linken Handfläche zu. Die rotlackierten Finger ihrer rechten Hand krallen sich in die zusammengenähte Haut des toten Reptils. Sie schließt die Tür und ich wanke mit schmerzenden Testikeln in die Küche, die nach meinem ersten Eindruck so ist, wie sie immer ist. Dann öffne ich die Kühlschanktür und denke spontan:
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Zitat sinngemäß aus „DER STERN“ 16/2004

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______ __________ ______ „Oh Jog golé“, denn aus den Au n ugenwinkeln sehe ich a auch eine zerknitterte, gelbe Plastiktüte vermutlic achtlos m dem link e e, ch mit ken h eße Pumps unter den Küchentisch geschoben. Ich schlie die Kühlsch hranktür un ich nehm an, dass auch das Lic im kalte nd me a cht en Raum e erloschen is st. „Sie schwe enkte eine C Champagnerflasche und begoss mich mit d dem Inhalt, es war eine prickelnde Begegnung“, sag ein r gte französ sischer Prof fessor über den ersten Moment des Kennenle ernens. Momen ntan steht e vor Geric weil seine Frau spu er cht, urlos verschw wunden ist. War das ei perfekter Mord, ode ist der Professor . in r er nur ein unbescholtener Bürge mit einem Hang zu a n er m alten Hitchc cock Filmen, der nach z , zehnjähriger Ehe nicht mehr angepisst im teu uren Champ pagnerregen stehen will? n Mit Champ pagnerflasch hat mit Sina auch a hen t allerlei geze eigt, und auch Viola ma nasse Spiele. Die Lei ag iche der Pro ofessorenfra au wurde nie gefunde und ich lasse das Näpfchen mi Sinas Jogh en, N it hurt tze dort ste ehen wo es steht. Wen die grau gestreifte N nn Nachbarskat wieder mal auf me r einem Balko herumst on treunt, habe ich für das süße e s Ding ein Leckerli. Ich habe im mmer noch Hunger und ich denke an das kleine d chinesische Restau urant an de Ecke, das jetzt einen neuen und immer er lächeln nden Besitze hat. Mein Gehirn ist nicht mehr ganz tot. E er n r Ein Restquäntchen Leben beginnt zu kombin nieren. Hat hierzulande schon e mal jem mand über d Frage na die achgedacht warum es keine toten t, s n
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Chinese gibt? Ich habe noch nie eine Tr en h h raueranzeig über eine ge en dahingeschiedene Chinesen gesehen. In Italien ist das nicht a en n anders. In Rom leben etwa zwanzigta a ausend Chin nesen. Keine kommt n er neu

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____________________ hinzu, keiner geht und die Zahl der Aufenthaltsgenehmigungen bleibt seit vielen Jahren konstant. Nur gestorben wird nicht. Die römische Polizei sagt, es habe vor fünf Jahren einen Fall von Einäscherung gegeben, und die Asche sei nach China geschickt worden. Es gibt keine Begräbnisfeiern, keine Bestattungsinstitute und keine Spur von toten Chinesen. Die römische Polizei hat eine Sonderkommission auf das Mysterium der toten Chinesen angesetzt. Die Ermittlungen der Sonderkommission „Tote Chinesen“ sind inzwischen ergebnislos abgebrochen worden.8 In Rom gibt es seit Jahrzehnten keine toten Chinesen, und die lebenden stehen in ihren Restaurants. Sie lächeln, sie schweigen und sie liefern frei Haus. Ich muss mit einer kleinen Übelkeit kämpfen, denn noch vor wenigen Tagen fand ich das chinesische Hühnerklein mit Reis sehr lecker. Wie schmeckt das Weichfleisch von Sina? Also bei einer Hungersnot im Gebirge würde ich, aber nur in großer Verzweiflung, an Sinas Oberschenkel und an ihren Pobacken mit dem linksseitigen Tattoo 4711 und an der rankenden Rose knabbern, denn das Fleisch ist fest und lecker. Ich setze mich wieder auf meinem Stuhl und betrachte das lackierte Holz der Tür. Die Zeit vergeht, und mit einem Pakt mit dem Teufel gibt es keinen Frieden. Mein Gehirn ist untot und ich habe einen Auftrag. Offensichtlich verstecken sich hinter dem eigentlich Selbstverständlichen die schwierigsten Probleme. Ist die Ursache der Vorläufer der Tat, oder entwickelt sich die

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Aus DER SPIEGEL 14/2007 Seite 134

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______ __________ ______ eigentliche Tat aus vielerlei U s Ursachen? Plötzlich hör ich das le P re eise Geräus eines sic drehende Schlüsse Ich schlie die Aug und sch ch en els. eße gen dann höre ich Sina leise Stim as mme: „Schat lebst du noch?“ tz, Soll ich lügen oder die Wahrheit sagen? Die Wahrheit is dass e s st, mein G Geist nicht m mehr mit me einem Gehirn korrespo ondiert. Ich öffne die schläfrigen Aug und antworte: „Ho gen oney, da bis du ja wied st der. u Hast du etwas vergessen?“ Sina lächelt verlegen u fast etw erschro und was ocken, und ich erinner mich, das Sina scho wieder ve re ss on ergessen ha mir die at, Viertau usend zurüc zu geben, die ich ihr schon vor M ck , Monaten ge epumpt habe, w sie weg einer kle weil gen einen Unpä ässlichkeit e etwas in Bedrän ngnis war, und außerde meine goldene Sparkassen-Eurocard em seit me ehreren Tag verschw gen wunden ist. Vor vier Mo onaten war die Liebe noch frisch und Sina meine r n vorrang präferierte Muse, a gig aber heute? ? Ob der Ber mit der B ruf Berufung zu Mörder positiv korr um reliert? Dieser Frage müss ich geleg ste gentlich mal nachgehen. Die dann n nahelie egenden Erg gänzungsfra agen wären dann: „We elche Berufe sind e für Mörder besond gut geeignet? Gib es Berufe, in denen ders bt überdu urchschnittlich viele Mö örder anzut treffen sind? Und Auge auf en bei der Berufswah Welche A r hl. Ausbildungs sberufe steh für geei hen ignete Schulab bgänger zur Verfügung “ r g? Ohne den a aktuellen Ze ensus zu Ra zu ziehen, also rein ate gefühls smäßig, käm Metzge und Apot men er thekerinnen in meine e n engere
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Auswah Für mich wären auc stark beh hl. h ch haarte Döne erbudenbes sitzer, Fleischw wurstherste eller, und an erster Ste asiatisch elle he Restaurantbetreib verdächtig. Von Zah ber hnärzten wu usste ich bis vor s

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____________________ wenigen Tagen nur, dass dieser Berufsstand durch eine hohe Suizidrate unangenehm auffällt. Dass Zahnärzte auch als Handelsunternehmer erfolgreich sein können, war mir neu, aber nichts ist unmöglich. In den USA steht derzeit ein Zahnarzt, zusammen mit drei Komplizen vor Gericht. Er soll Patienten nach deren Tod illegal Organe und Knochen entnommen haben, um sie en gros zu verkaufen. Bei seiner Vorgehensweise war er offensichtlich sehr erfinderisch. Damit der Diebstahl nicht auffiel, füllte er zusammen mit drei Helfern die Leichen mit OP-Handschuhe oder Schürzen wieder auf, bevor sie die Körper wieder zunähten. Entnommene Knochen ersetzen sie durch PVC-Rohre, damit die Leichen bei der Beerdigung äußerlich normal aussahen. Die vier Angeklagten sollen Körperteile von mehr als tausend Leichen entnommen und für viel Geld verkauft haben. Totenscheine und Organspenderausweise sollen die Angeklagten gefälscht haben. Ob der Zahnarzt über den oralen Umweg und beim Zahnsteinentfernen auf die inneren Organe und zu der hohen Zahl dahingeschiedener Kassenpatienten gekommen ist, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Spontan fällt mir ein, dass ich mich mal wieder bei Paul van Cre zum Gedankenaustausch melden könnte. Seit dem überraschenden Tod seines Schwiegervaters ist er zum Geschäftsführer avanciert. Aber Paul hat einen vollen Terminkalender und ich betrachte nachdenklich die vier Finger meiner linken Hand. Comicfiguren werden auch nur mit vier statt mit fünf Fingern gezeichnet, und das beruhigt mich ungemein.

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______ __________ ______ Ob Titti noch alle Finger hat? Ich kann sie nic fragen, denn cht Titania ist in Stammheim und steht unter strenger O d Observanz, weil sie verdächtigt wird, i ihren Mann und Pauls Schwiegerv n vater umgeb bracht zu habe Ich glaube das nich denn Tita kann ke en. ht, ania einer Fliege etwas e antun. Mein Gehir ist immer noch unto Kann ma Geld nur durch rn ot. an Fleiß od auch du der urch die Dum mmheit der anderen e r erwerben? L Leidet die Reinheit meine Seele unt dem We er ter ettlauf nach Geld und G h Gut? ch blem von ein anderen mehr aus einer ner n, s Sollte ic das Prob kapitali istischen Pe erspektive a angehen? Ei internat ine tional agierende Murder Inc. ersche mir als geniale Geschäftsidee So eine Firma eint e. könnte nach dem Gier-Prinzip auch in gr e p rößeren Dim mensionen funktio onieren. Die Grundvora e aussetzunge sind beka en annt. Ich ha abe einen A Auftrag, den ich ausfüh n hren muss, weil ich etw Geld w was angeno ommen hab was meinen Kühlsch be, hrank kurzz zeitig gefüllt hat, t aber m meine Seele dauerhaft b belastet. We ich die mir lästige enn Verpflic chtung in gr rößeren Dim mensionen betrachte, dann könnt aus te meinem kleinen Le eine dau m eid uerhafte Fre eude werde en. Zuerst lege ich überschlägig fest, wie viele A e Auftragsmor rde meine Murder Inc. in den näc chsten zwan Jahren realisieren nzig könnte Der geschätzte Umsa aus Auftragsmorden wird auf e e. atz n einem zum W Wertpapier g geadelten Sc chriftstück notiert. Dan wird der n nn Gesamtwert tranc chiert. Wer Interesse an einem Mo hat, kan ord nn einen V Vorzugsante oder sog mehrere an diesem Wertpapie eil, gar e m er
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erwerb und bek ben kommt als B Bonus einen schönen M n Mord zum Vorzug gspreis. Da a anzunehmen ist, dass viele Erwerb der Mur v ber rder Inc.-We ertpapiere k keinen Mor in Auftrag geben wo rd g ollen, sonde nur ern

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____________________ einen schwunghaften Handel mit meinen Murder Inc. Vorzugsanteilen betreiben wollen, muss schon wegen dem Gesetz von geringem Angebot und großer Nachfrage der Kurswert meiner ausgegebenen Zertifikate steigen. Die von mir prognostizierten und angebotenen Auftragsmorde werden zur Nebensache, denn für die Investoren sind nur noch die steigenden Kurse interessant. Wenn man die Geschäftsidee weiter denkt, könnte ein Syndikat, vielleicht die Mafia, eine Vielzahl meiner Murder Inc.-Zertifikate kaufen, und die Papiere zum Beispiel bei einer deutschen Großbank als Sicherheit für einen Kredit hinterlegen, um mit dem geliehenen Geld in RehaKliniken für misshandelte Ehemänner zu investieren. Damit würde der eigentliche Geschäftszweck meiner Murder Inc. – der klassische Mord – zur Nebensache. Wirklich wichtig werden dann nur noch steigende Kurse. Al Capone war der Erfinder der Geldwäsche. Er investierte die Gewinne aus seinen kriminellen Geschäften in Waschsalons. Das money laundering, die Geldwäsche, hatte seinen Namen. Mein System könnte als Mörder-Business ohne Mord in die Geschichte eingehen. Meine Gedanken drehen sich im Kreis. Ich weiß immer noch nicht, wie man einen Mord begeht. Ich habe einen Auftrag und Geld angenommen. Ich kann keinen Mord begehen. Ich soll einen Krimi mit einem schönen Mord schreiben, und ich habe eine Schreibblockade.

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______ __________ ______ Warum ein M W Mann tun muss, was e Mann tu muss m ein un

„60 P Prozent der Männer, die haben so ´nen Leichenfrust. Ha mit o alt Familie man hat s irgendw arrangie aber ma braucht abends e, sich wie ert, an einen der´s mal sagt.“ n,
Harald Schmidt, Ente ertainer

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Unter der D Dusche kom mmen mir die besten Id deen. Das w warme Wasser läuft an meinem Körp runter. Es wirkt ent r per tspannend und sogar d graue Al der lltag wird zu einem pha u antasievolle Ereignis. Ich en habe die Augen ge eschlossen u ich spüre die Regu und ungen ganz deutlich. Es kribbe in meinen Fingerspit elt tzen. Das w er, das i er wird ist groß, m mächtig und doch sensi d ibel. Wir sin ein unsch nd hlagbares T Team mein G Geist und seine Stärke. Ich spüre die Kraft und die Herrlic d chkeit für jetz und alle E zt Ewigkeit. Er wird den Fr rauen Vergn nügen bere eiten und den Männern eine Lehre sein. Noch nie war ich so sicher. Heute, e h und et ch sofort u jetzt muss es geschehen. Die Welt warte darauf. Ic liebe sie. Es w eine Vollmondnac um Held zu zeug und wir wird cht den gen r werden es tun. n e Bedacht ab. Dann verw . wende ich et twas Ich trockne mich mit B revitalisierende Bo ody-Lotion, die Gute fü besonder Anlässe, f ür re für meinen Körper, ich habe noch eine ande Lotion, a n h h ere aber nur die esen, meinen Body. Etw Eau de T n was Toilette ents spannt und versetzt mich in
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die sinn nliche Stimm mung für gr roße Taten. Ich muss es tun - jetzt und t sofort. Ich kleide m sorgfältig an und verwende s mich sogar frische hosen, obwo es nicht an der Zeit ist. Ich will los, aber zu ohl t uerst Unterh

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____________________ noch kurz, also ohne längeren Aufenthalt an den Kühlschrank. Ein großes Glas, gefüllt mit kaltem Orangensaft, gepresst aus frischen, spanischen Orangen, verstärkt meine sprühenden Gedanken. Frisch geduscht und erfrischt setze ich mich an den penibel aufgeräumten Tisch. Links liegt der Duden, schon etwas angestaubt, und dazu eine Ausgabe der neuen Rechtschreibung. Rechts eine kleine Auswahl silberglänzender Scheiben mit smoother Rockmusik aus den Endsechzigern und frühen Siebzigern. Sorgfältig putze ich meine Brille und lehne mich zurück. John singt: „Woman is the Nigger of the World ...“ Kritisch und etwas herablassend lächelnd sehe ich sie an. Sie steht vor mir. Schweigsam, dunkel glänzend und bereit auch ausgefallene Spiele zu spielen und meine Wünsche ohne Widerspruch zu erfüllen. Für einen Moment schließe ich die Augen und falte die Hände. Es sieht nur so aus, aber ich bete nicht. Es ist wie eine geheimnisvolle Zwiesprache mit ihr. Noch ist sie still wie es sich gehört, aber ich spüre ihre sinnliche Kraft. Ich möchte sie berühren. Ich zögere. Ich tu es. Vorsichtig drücke ich sie auseinander, und sie wehrt sich nicht. Warum auch, ich bin es. Sie kennt ihren rechtmäßigen Besitzer und Meister. Jetzt sehe ich ihn, den kleinen, etwas versteckten Power-Button. Das Knöpfchen ist schön und irgendwie ästhetisch. Ich lächle weil ich weiß, dass ich viele Dinge kenne, aber noch Unzähliges lernen muss. Ich berühre es vorsichtig mit der Fingerspitze des

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______ __________ ______ Zeigefin ngers meine rechten H er Hand. Ein le eichter Druc genügt, u sie ck und vibriert Ich höre le t. eise, fast zä ärtliche Töne. Es gefällt ihr. t Ich liebe di iese Momen der Erw nte wartung. Es ist wie mit e einem geniale Verbrech Der Cou kann nur gelingen, w en hen. up wenn man sich auf seinen Partner hundertprozentig verlass kann. Ich habe die beste sen Komplizin der Wel Ich weiß, nur ihr kan ich alle G lt. , nn Geheimnisse e anvertr rauen. Es ist wie bei de Mafia. Wenn drei Leute ein Geh t er heimnis kennen müssen zw sterben Bei uns is es anders. Sie lebt un sie n, wei n. st nd gehorcht nur mir. Ich behalte sie noch ei e inige Monate, aber dan nn suche ich mir eine neue, eine Jüngere. Davon weiß sie noch nic e e D chts, und sic sag es ihr auch nicht ch r t. Sie ist bess als die, d ich vorher hatte. Sie funktionie ser die e ert perfekt und sie kann schweig Jetzt schnurrt sie le t gen. eise, wie ein ne Katze d am Bauc gekrault w die ch wird. Ich bin ihr Gebieter, aber ist es so oder wün o, nsche ich mir, dass sie heu den aktiv Part üb ute ven bernimmt un mich intellektuell nd submis ssioniert? W es dann immer so sein? Wird sie, ganz in Wird n n schwar rzem Plastik über mich herrschen? Noch bin i k ? ich unentschlossen, aber ich lasse es sie nich spüren. D ht Disziplin und d Präzisio gehören zu unserem Spiel, und nur dann k on m d kann ich sie e benutzen wie ich e will. es as Gehorsam gehorcht si den Befehlen, um da zu tun wa zu ie as denke ich: „S braucht nicht lange Sie geht lo wie Sie t e. os tun ist. Lächelnd d akete.“ eine Ra
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beobachte i wie sie schnell hoch ich s hfährt. Sie ist gut Fasziniert b konditioniert. Ich h habe nicht lange dazu gebraucht, ihr alles

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____________________ beizubringen was ich mag. So wie ich es liebe, funktioniert alles perfekt. Vor mir erscheint in unschuldigem Weiß der Hintergrund meines Textprogramms. Eigentlich sollte ich mal ihre Festplatte aufräumen, aber dazu ist später auch noch Zeit. Ein Bestseller, ein Megahit und mein Bankkonto können nicht warten. Ich darf meine Leser nicht enttäuschen. Links oben blinkt sie, sie zwinkert mir zu. Sie kennt mich und wartet auf meine Befehle, immer willig und bereit. Es juckt mir in den Fingern, ich muss meine genialen Gedanken niederschreiben. Die Menschheit musste zu lange warten. Es muss jetzt entstehen – mein Buch, der Bestseller. Links oben blinkt der Cursor und wartet auf die ersten Buchstaben. Sie lebt, sie ist nervös, ich bin nervös, mir ist heiß. Sie gibt mir Zeichen, sie ist heiß. Wenn man liebt ist man verliebt oder man entliebt sich. Ich spüre meine genialen Gedankengänge und bekomme Durst. Die Steigerung von Durst ist durstig. Man ist satt, wenn man nicht mehr hungrig ist. Was mache ich danach, wie soll es weitergehen? Ich finde kein Wort für den Zustand, wenn man nicht mehr durstig ist. Ich gehe noch einmal zum Kühlschrank, aber frischer Orangensaft aus frisch gepressten Orangen ist aus. Kirschsaft ist auch nicht da, aber Wasser aus der Leitung gibt’s im Überfluss. Ein Glas kaltes, erfrischendes Wasser, frisch geklärt aus der Ruhr ist gut für die Kondition. Nach dem ersten Schluck fühle ich mich noch topfitter. Ich zögere. Leitungswasser enthält Pestizide und Östrogene. Ob sie die Pille nimmt, oder womöglich verseucht ist. Erst gestern, weit nach

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______ __________ ______ Mittern nacht waren wir doch z n zusammen in einem Ch wo ans hat, ständige Mensch nicht hingehen, un nackte Frauen und P hen nd Paare ihr Un nwesen miteina ander treibe en? Was soll die Scham, das checken wir später. Der zukünf ftige Bestsel entsteht. Vor mir is eine weiß Fläche un links obe ller st ße nd en blinkt d Cursor. Mir wird vo Glück sch der or hwindelig – ich bin geni und ial mir ist nach einem klaren Gra m appa. Warum heißt das Woh hnzimmer eigentlich W e Wohnzimme Es er? müsste Denkzimm heißen. Ist ein Frau e mer uenzimmer s etwas wie ein so Harem und wie wi es mir m den siebzig glutäugi ird mit igen Jungfra auen im Paradie ergehen? Sind die M es ? Mädels versc chleiert und ansonsten nackt, d n oder zic cken die ne vollfleischig und mit orientalisc ett t chem Doppe elkinn unterm Schmollmund rum? Ic bin voller spritziger Ideen für e m ch einen Bestsel ller. Im Hinterg grund läuft d Fernseh Er stört mich bei m der her. meinen Überleg gungen. Ich drehe mich um und sehe es vor m Ich h mir. erschre ecke, ich bekomme Ang und steh auf. Hint mir ist d gst he ter die Wand, rechts ist eine Wand u links auch. Nur vor mir gibt es noch und r s Ausweg. Bed dächtig nac Worten ringend gehe ich auf un ab. ch r nd einen A Ich schw weige, denn was ich vo mir sehe ist die Hölle und nicht das n or t Paradie es. vermehrt es sich ja und ich habe e nicht bem s d es merkt. Vielleicht v Ich setz mich wie ze eder zu mein Geliebten, an die T ner Tastatur me eines Compu uters und du urchsuche d Internet Aber ich f das t. finde nichts über
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seine Lebensgewo ohnheiten. W liebt es und wen? Es gibt nich den Wie s ht kleinste Hinweis über die W en Wachstumsphasen und d die Fortpfla anzungsme ethoden. Sex im Interne ist auch n x et nicht mehr das

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____________________ was es einmal war, aber mir juckt es in der Hand und ich kratze mich am Skrotum. Links oben blinkt der Cursor. Es ist die Aufforderung, meine Gedanken niederzuschreiben. „Miststück, du versuchst mich unter Druck zu setzen.“ Ich spreche es nicht aus, aber meine Gedanken sind frei. Ich muss mich gelegentlich mal entscheiden. Ich kann es nicht, ich habe keine Gedanken, ich fühle mich leer und ausgebrannt. Das Wasser schmeckt nach Leitungswasser. Ein Grappa würde mir und meinem Magen jetzt gut tun, aber Grappa ist auch aus. Bols blau ist noch da, aber ich hasse das Zeug, außerdem hat die Flasche schon Staub angesetzt. Das Geräusch des Fernsehers wird immer lauter und es ist immer noch da. Warum geht es nicht? Lebt es hier? Hat es keine natürlichen Feinde? Warum gebraucht es nicht seine Beine? Hat es Beine? Ich schaue vorsichtig über die linke Schulter. Es ist immer noch da und mein Bestseller wartet. Warum ist es sprachlos? Es gibt keinen Ausweg, der Cursor blinkt und sie schnurrt. Gibt die Maschine mir Signale? Will sie mir eine Botschaft senden? Ich verstehe sie gut, zu gut. Vor mir ist der Bildschirm meines Computers. Hinter mir ist das Geräusch des Fernsehers. Ich wage es nicht, mich dem Gerät zu nähern, es könnte Entsetzliches passieren. Ich habe Angst und ich liebe meinen Flachbildfernseher auch, aber anders. Nicht so wie meine Geliebte, meine schöne, schwarze Maschine, meinen saugeilen Computer.

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______ __________ ______ Er ist weiblich und sie gehört auc zu mir un zu meine ch nd em Leben, wie mein N Namen auf d dem selbstg getöpferten Namenssc n child am hen Tür. gedrehten Bändch an der T Ich muss je einen B etzt Bestseller sc chreiben. Ich bin dazu h n, n en, h h berufen ich weiß es. Ich kann es schaffe wenn ich es will. Ich gehe noch ei inmal zum K Kühlschrank zuerst an der Wand entlang dur k, rchs Wohnz zimmer, mic klein mac ch chend und etwas gedu am Fern e uckt nseher vorbei, schweigend und den B Blick auf me Ziel gerichtet zur Kü ein üche. it? nur er wigkeit Was ist Zei Zeit ist n ein leere Raum und in der Ew und in meiner Küc gibt es k che keinen Anfa und kein Ende. Ich bin ang n ganz en ntspannt im Hier und Jetzt. Meine Komplizin steht unter Strom. m e r Strom i gelb, abe welche Farbe hat Ze Die Küch hat zartb ist er eit? he blaue Fließen an den Wä n änden, und die Decke ist grau und müsste ma i d al wieder gestrichen werden. Die Spülmasc r chine muss ausgeräum mt werden damit sie wieder bef n, füllt werden kann. Ein immerwähr n render Kreislau von Pflich uf hten bis ans Ende mein irdische Tage - un ich s ner en nd kann de Elend nicht entkom em mmen. „Geiles Din Nur du b mein einziger Tros Du warte auf ng. bist st. est meine Befehle.“ Hab ich das gesagt oder gedacht? Sie möcht gestreich ? te helt werden Ich hab Bock auf sie und sie weiß es. Gedanken und n. Empfin ndungen wa arten darauf geschriebe zu werde und im f en en Kühlsch hrank ist nic chts. Er ist w und leer wie der weiß Bildschirmhintergr rund.
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Ich höre de Dialog zw en weier Fraue Die Stimmen komm aus en. men dem Fe ernseher. Ich fühle mic wie hinte Gittern un ch er nd

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____________________ leidenschaftlicher Sex in der Stadt ist nur ein Gerücht, wenn man verheiratet ist. Ich gehe einige Schritte auf und ab. Vier Schritte nach links und vier Schritte nach rechts, dann wieder zurück. Dann durchs Wohnzimmer zu ihr. Ich sehe auf meinen Bildschirm und ich sehe den Cursor. Sie hat auf mich gewartet, meine Sklavin ist gewohnt zu gehorchen. Aber warum drehe ich mich jetzt um? Es liegt immer noch auf dem Sofa. Eigentlich ist es ein putziges Wesen, wenn es mich nur verstehen würde - irgendwie. Ich schwanke zwischen Willen und Widerwillen. Es ist lustig, wie es sich stundenlang mit dem kleinen grauen Spielzeug beschäftigen kann. Eigentlich ist es ein pflegeleichtes Lebewesen. Ich denke an meine Kakteen, die brauchen mehr Zuwendung. Mir fällt Paul der Apostel ein, der vor langer Zeit zu den Korinthern sagte: „Ich bezwinge meinen Leib und bringe ihn zur Dienstbarkeit.“ Da hat er weise gesprochen, der alte Griesgram, und ich gehorche. Zwar treibt mich meine niedere menschliche Natur an, das zu tun was ich nicht für recht halte, aber allein durch die Kraft meines Geistes und meines Willens unterdrücke ich die von meinem schwachen Körper ausgehenden Versuchungen nach einem spontanen Mord. Ich zwinge meinen Körper, sich nach meinem Verstand zu richten. Ich muss mich um meinen zukünftigen Bestseller kümmern und setze mich wieder an den Tisch. Der Cursor blinkt mich zärtlich an. Ich höre das leise Schnurren ihrer Festplatte. Es sind Töne der Liebe und der Sinnlichkeit. Ich berühre ihre Maus. Es gefällt ihr und der Cursor zittert vor Erregung.

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______ __________ ______ Ob es imm noch mit seinem Sp mer t pielzeug rum mmacht? Ich drehe h mich ni icht um, aber ich höre es. Meine Nerven sind wie die Saiten N d einer Stradivari ge espannt. Ist der Fern nseher laute geworde Die Grap er en? ppa-Flasche ist e immer noch leer. I fühle mich ausgebr Ich rannt und w auf einer weit wie abgeleg genen Insel mitten im Ozean. Eins und unendlich ver sam rlassen. nd en Ich schaue auf den Bildschirm un dann sehe ich aus de Augenw winkeln eine kleine Bew wegung. Nicht das Sofa in meinem a m Wohnz zimmer ist s seine Lebensgrundlage. Es sind die Fingerspitzen. Sie e haben sich auf dem grauen Plastikkästch bewegt Ich habe e ganz m hen t. es deutlich gesehen. Ich habe es entdeckt. Es ist eine w s wissenschaf ftliche Sensati ion. Die Ene ergieströme verlassen den Körper und e r konzen ntrieren sich in den Fing h gerspitzen. Der Körper ist nur ein r lästiges Anhängsel. Vor unend s dlich langer Zeit habe i einen sc r ich chönen Körper geliebt. Er hat sich aus sgedehnt. Er ist ohne E E Energie und ich d habe Hunger auf e einen Chefsalat vom Ita aliener und eine Pizza Hawaii mit Käs der keine ist. se er Habe ich es nur gedac oder tatsächlich ausgesproche Ich cht en? höre ein Geräusch und es ber h reitet mir in meinen Oh n hren starke Schmer rzen. Hier in meinem R n Raum, aus meinem Wo m ohnzimmer, von meinem Sofa kommt eine me m enschenähn nliche Stimm die zu m me, mir spricht: „Ich arbeit den ganz Tag, du kannst dich auch mal u te zen h ums Essen k kümmern.“ Das Geräus des Fernsehers wir wieder la sch rd auter. Es stö mich ört
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immer mehr. Vor mir ist der w weiße Bildschirmhinter rgrund. Sie wird ungedu uldig, ich mu ihr mein Liebe zei uss ne igen. Meine Maschine lebt, e der Cur blinkt ä rsor ärgerlich un ich kann es ihr nicht übel nehm nd men.

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____________________ Ob das Geräusch des Fernsehers mit den Plastikkästchen zusammenhängt? Ich stehe auf und gehe vorsichtig ein paar Schritte auf das Plastikkästchen zu. Ich versuche danach zu greifen. Ich schaffe es nicht. Zeternd und keifend halten feuerrote Krallen das graue Plastikkästchen fest. Ich sehe den hasserfüllten Blick, der durch mich hindurch zu sehen scheint. Meine Hand zuckte zurück. Sind das noch die liebevollen und warmen Augen die ich mal kannte? Bin ich noch wesentlich, oder nur eine lästige Sichtblende. Lebt das unförmige Anhängsel noch oder wird es nur durch das graue Plastikkästchen am Leben gehalten? Vielleicht ist das Spiel mit dem Kästchen nur eine Art stille Revolution gegen die unerträglichen Lebensumstände in meinem Wohnzimmer? Soll ich das Kästchen einfach mit Gewalt an mich nehmen? Aber was geschieht dann mit den Fingern? Kann man sie von dem Kästchen lösen? Stirbt der unförmige Körper dann ab und was wird aus den Telenovelas, aus TVKaiser und den Fernsehgerichten? Könnte es sich nach mir überhaupt noch selbst versorgen? Wie wird es ernährt? Vielleicht mit aufgeschnittenen Brötchen, zwischen denen ein grauer Fleischklops liegt? Das Geräusch des Fernsehers wird wieder lauter. Ich habe Hunger, ich brauche Energie. Entweder das Kästchen oder ein Bestseller – ich gehe in die Küche und greife nach dem großen Messer im Messerblock. Langsam ziehe ich es heraus. Es ist ein japanisches Messer. Es liegt gut in der Hand und die extrascharfe Klinge des Messers blitzt. Ich höre eine disharmonische Stimme aus dem Wohnzimmer: „Kannst du endlich mal Abendessen machen, oder hast du schon wieder nichts eingekauft.“

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______ __________ ______ Ich denke a das Lebe mit mein Geliebte Der Curs an en ner en. sor blinkt z zärtlich: „Nu du bist m Leben. Nur dir geh ur mein horche ich. T es! Tu Tu es je etzt!“ Nur die Lie zählt. Ein Mann mu sich ents ebe uss scheiden kö önnen. Ich schreibe jetzt e Buch. Ein Mann lieb seinen Co ein bt omputer. Ic muss ch tun was ich tun muss.

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____________________ Frauentausch

„Frauen sind austauschbare Instrumente für ein stets identisches Vergnügen.“
Marcel Proust

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Du hast viel von mir erfahren und vielleicht kannst du mit mir fühlen. Noch vertrete ich die Meinung, dass Mord keine Lösung sein kann. Angesichts der rigorosen Beschränkungen durch die Legislative muss es für einen intelligenten Mann auch Alternativen geben. Darum behaupte ich, dass jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen ist, eines der letzten Tabuthemen aufzugreifen und zu diskutieren. Traditionelle Werte verfallen mit der gleichen Geschwindigkeit, wie das Anspruchsdenken des verwöhnten Bundesbürgers wächst. Kaum jemand erinnert sich an die Zeiten, in denen das bewahren des Bewährten noch lebensbestimmend war. Wir befinden uns am Anfang eines Jahrtausends des hemmungslosen Ge- und Verbrauchs. Grenzenloser Konsum inmitten einer hektischen Hetzjagd nach Neuem bestimmt das Leben des modernen Menschen. Altes, Störendes und Bewährtes wird immer schneller und gewissenlos entsorgt. Dieses „gelernte“ Verhalten der späten Wirtschaftswundergeneration hat auch Auswirkungen auf Liebe, Ehe und Partnerschaft. Es ist unübersehbar, die Keimzelle unserer Gesellschaft befindet sich in einem Strukturwandel. Wer hat noch Zeit und Lust, die Belastbarkeit emotionaler und vertraglicher Bindungen bis an die Grenzen zu testen? Niemand, und das ist eine

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______ __________ ______ bedaue erliche Entw wicklung, ab nun mal nicht mehr zu ändern. ber r Was sind d Ursachen Was kann man tun, und wo lieg die die n? gen Chance und Risik für den interessiert Mann? Diese Frage en ken ten en möchte ich hier un heute au e nd usführlich beantworten n.

Plötzlich, e unbewu erst usst, dann im mmer stärker spürt ma es an es ist so oweit. Eheli iche Lust ist nur noch abgehangen Vergange t a ne enheit. Unlust und Frust s sind die Rea alitäten. Wie über Nach hat eine e ht dere Art der Lähmung d vor lang Zeit viell r die ger leicht glückliche besond oder er rträgliche Beziehung be efallen. Sex Kommunikation und Rock x, ´n´ Roll werden zur leidigen P Pflicht und sind darum ein lästiges Muss. s s Nun weiß ich, dass der Grund für Liebe, Part r tnerschaft o oder Ehe nic nur das Körperliche ist. Es gibt auch noch andere Ant cht e triebe, die mir momentan nicht einfa r n allen. Doch bedauerlicherweise ve erfällt auch de allgemeine Gebrauc er chswert mit zunehmen t ndem Konsu und um zur Wo ohnzimmere einrichtung passt sie au nur noc durch uch ch Wegsehen. Vielleicht hängt m noch an ihr wie an einem alte man n n en Möbels stück und die Entscheid dung zwisch Behalte und Ents hen en sorgen wird vo Tag zu Ta und Woc für Woc hinausg on ag che che gezögert. Die Frage, warum solc chen Überle egungen ein oft langwieriger n Entsche eidungsprozess vorang geht, ist schonungslos u einfach und h beantw wortet. Ersatz muss zeit und koste tenintensiv b besorgt wer rden, und darin liegt die eigentliche Problemat e e tik. Jerry Lewis gab mir de wertvolle Tipp, das jeder Mann eine s en en ss
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Frau die Kopfschm merzen hat, sehr gern gegen eine a g andere eint tauscht, die wel lche verursa acht. Viellei icht hast au du die A uch Alternativen von n Verstei igerung, Tau usch oder A Abschaffung zwar prophylaktisch, aber g

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____________________ ohne greifbares Ergebnis durchdacht. Eine zeitgemäße Idee muss her und zwar schnell. Die Welt wartet darauf und hier ist sie, die überragende und erfolgreiche Lösung aller Probleme. Sie lautet: „Frauentausch.“ „Frauentausch“ klingt zunächst einfach und nach einem harmlosen Experiment für dekadente Großstadtbürger. In der Theorie tauscht Mann mit beliebig vielen Gleichgesinnten solange die Frau, bis der Zustand der größtmöglichen Zufriedenheit erreicht ist. Aber ohne perfekte Organisation und weitreichende Verbindungen scheitert das Vorhaben oft schon in der Planungsphase. Klare Regelungen für einen reibungslosen und sozialverträglichen Tauschablauf, ohne Einmischung des Gesetzgebers sind erforderlich. Was liegt näher, als die bewährte, soziale Marktwirtschaft, mit dem konträren Ideengut von Karl Marx zu kombinieren. Nur dann kann Frauentausch in der gewünschten Qualität und Tauschfrequenz funktionieren. Zum besseren Verständnis, werde ich dir die wirtschaftlichen und organisatorischen Zusammenhänge etwas näher erläutern.

In der durch kapitalistische Züge geprägten, sozialen Marktwirtschaft, die auch heute noch den Turbo-Kapitalismus in der Bundesrepublik Deutschland beeinflusst, bestimmen monetäre Tauschmittel (Geld) und Bedarf (Nachfrage) den Wert eines Gutes. Wenn für ein Wirtschaftsgut ein hoher Preis bezahlt wird, ist das Gut seinen Preis in der Summe des bezahlten Geldes wert. Wenn der Verkäufer einen Gewinn erzielt, hat er einen kapitalistischen Mehrwert erzielt, den der Gesetzgeber gerechterweise mit der

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______ __________ ______ Mehrw wertsteuer b bestraft. Oder anders ausgedrückt Der Verkä a t: äufer hat am Verkauf ein minderwertigen Guts verdient, was für d nes den ewegten Kle eingeist mor ralisch verdammenswe ist, aber ert linksbe letztendlich unseren Wohlsta erhält und den Fina and u anzminister r erfreut denn der v t, verdient mi it. In einer mo odernen und funktionierenden Fra auentausch hkultur gibt es keine unmo oralischen G Gewinne, denn zwei Nutzer tauschen gleichw wertige Güte Der ausb er. beuterische Mehrwert, den jeder e raffgier Händler als seinen Anteil auf eine Ware a rige n aufschlägt, entfällt Alle Resse t. entiments, d der dres die ssierte Man haben kö nn önnte, werden gegenstan n ndslos. Der neue Nutze hat zuerst einmal die er e Vorteile einer neuen Frau und auf die Na e d achteile mu der Ande erst uss ere mal kom mmen. Wen der Taus nn schgutempf fänger verst teckte Mängel früher oder später entdeckt, entsteht ihm kein Scha r aden, denn er tauscht sie einfach weiter und alle Beteiligten sind z t h d zufrieden. D Diese Vorgeh hensweise e entspricht einem bis da noch nie erreichten Ideal. ato e n Jetzt en ndlich ist da universell einsetzbar Volks-We (VW) für den as re eib Nutzer und Verwe ender in gre eifbare Nähe gerückt. D e Doch damit das m ntauschs au funktion uch niert, sind n noch einige Hürden System des Frauen zu über rwinden. Die gebrau uchte, aber meist für vielerlei Tätig gkeiten noc ch verwen ndbare Ehef frau muss zuerst mit ei iner klaren und allgemein akzepti ierten Wert tdefinition, vergleichba mit den b ar bekannten D DINNormen oder TÜV V-Zertifizieru ungen, vers sehen werde Nur dan kann en. nn
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nem alltäglic chen Gebrauchsgut ein von n aus ein Nützlichkeitserwägungen gep prägter Taus schwert ent tstehen. Oder anders, eher ver rbalpopulär ausgedrückt: Man tau uscht

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____________________ nur, wenn die Alte dem Neuen lecker serviert wird, damit er seine leckere Alte gern abgibt, damit man mal wieder etwas Leckeres, Frisches zum Nachtisch hat, und zwar so lange, bis einem das immer gleiche Leckerchen zum Hals raushängt. Damit kommen wir zur eigentlichen Problematik des Frauentauschs. Einerseits weiß ich, dass es unendlich viele Gleichgesinnte gibt. Ein weiterer Vorteil ist, dass in der Bundesrepublik Deutschland zurzeit etwa 20 Millionen tauschfähige Frauen verfügbar sind. Andrerseits verpuffen die Vorteile, wenn die eigene Frau bewegungslos auf dem heimischen Sofa rumliegt, eine ansprechende Tauschfrau dagegen vierhundert Kilometer entfernt, vielleicht im Bayerischen Wald, oder in Haag in Oberbayern unentdeckt und unbedeckt vor sich hin schmollt. Die eigentliche Schwierigkeit des Frauentauschs ist unter solchen Voraussetzungen nicht nur ein kommunikativ-logistisches Problem, sondern auch eine gigantische Netzwerk- und Marketingaufgabe, die nur mit Hilfe einer internetalen Frauen-Tausch-Plattform und einer schlagkräftigen Vermittlungsorganisation, ähnlich den bekannten Lebensversicherungsvermittlungsvertrieben zu lösen ist. Es bietet sich darum geradezu an, eine regionale, nationale und internationale Vermittlungsorganisation ins Leben zu rufen. Dieser gigantischen sozialen Aufgabe habe ich mich gestellt, und ich kann dir und auch interessierten Lesern die Gründung einer internationalen FrauenTausch-Börse (FTB) verkünden. In der ersten Phase können Tauschwillige ihre zu tauschende Ehefrau, abzulegende Geliebte, oder ganz Allgemein ein „Tauschobjekt“ (FTO) zur Registrierung in die FTB eintragen. Der

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______ __________ ______ Registr rierungsvorg gang ist einf fach und sc chnell. Koste entstehe in en en dieser Phase nicht Ein kurzer Fragenkata zur Bew t. r alog wertung de er hen ale higkeiten mu möglich uss hst optisch Merkma und Fäh wahrhe eitsgetreu a ausgefüllt w werden. Dazu einige Bild der der Tauschfrau „a la N Nature“ mit Vorder-, Se eiten-, Rück- und Detailansicht uploaden und an m meine bekannte Email-Adresse se enden und d die Registr rierung ist fe ertig. Ledigl bei erfo lich olgtem Taus fallen ge sch eringe Gebühr an, die bei den vielen Vorteile aber kaum ins Gewic ren en cht fallen. Und das ist noch nicht alles, denn es gibt noch mehr Vo t t n orzüge: Der Tau uschvorgang kann belie oft wie ebig ederholt we erden. Die e ersten Powers seller sind b bereits aktiv und als reg v gionale Vermittlungspa artner sehr er rfolgreich. Für risikofr reudige Inve estoren und interessier Frauen-T d rte TauschPartner (FTP) erge r eben sich rie esige Gewin nn-Chancen. Gern zeige ich e dir, abe auch solv er venten Investoren gege Kapitalna en achweis und einer Einlage ab zehntau e usend Euro die Möglich hkeiten an d diesem lukr rativen Markts segment zu partizipiere en. , vative Fraue entauscher einer Festzustellen ist noch, dass innov weltwe eiten Gemeinschaft von intelligent und akt n ten tiven Wissenden angehö ören. Damit du in der g t global verne etzten Welt der Frauentauscher dich nicht ein nsam fühlst, und Gleich hgesinnte u und Tauschwillige sofo erkennst bekomms du jetzt das geheime ort t, st e Erkennungszeichen zum Zuga in diese exklusiven Kreis. Bist du ang en t
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bereit? Streck jetz den Zeige ? zt efinger deiner rechten Hand horizo ontal aus. Da hältst du die Hand mit deinem ausgestreckten Zeige ann m efinger senkrec nach ob und etw fünf Zent cht ben wa timeter vor dein rechte Auge es

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____________________ (nicht das linke Auge, das rechte Auge und nicht „ins“ Auge, sondern vor dein Auge). Mit diesem Zeichen erkennen sich aktive Frauentauscher in der Menge der Unwissenden. Bitte praktiziere das Identifizierungsritual bei einer Ansammlung von mindestens zwei Personen, aber verrate dieses geheime Zeichen in keinem Fall an Uneingeweihte und schon gar nicht deiner tauschfähigen Frau. Alternativ empfehle ich, das beigefügte Frauentauschzeichen auszuschneiden, und gut sichtbar an der Vorder- oder Heckscheibe deines Fahrzeugs anzubringen.

Vielen Dank für dein konspiratives Mitwirken.

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______ __________ ______ Warum Mord W dgedanken zur Liebe g gehören

Aufhör wirst du zu fürchte wenn du aufhörst zu hoffen, de der ren u en, u u enn Hoffn nung folgt die Angst. Be eides ist das Merkmal e s eines abhän ngigen und in Erw wartung der Zukunft be r eunruhigten Gemütes. n Das lie hauptsä egt ächlich dara dass wir uns nicht a die Gege an, auf enwart einste ellen, sondern die Geda anken in we Ferne vorauseilen lassen. eite Die E Erinnerung bringt die Q der An zurück, die Voraus Qual ngst ssicht nimmt sie vo n orweg; niem mand ist nur wegen de Gegenwart er unglücklich!
Seneca, 5.Brie S ef

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Schüttle jet nicht mi tzt itleidig den Kopf. Was ich hier beschre eibe, hat sic tatsächlich so zugetragen. Aber du kannst es mir ch glauben, ich hätte auch den B Boden abge eleckt, auf dem sie ging Ich g. meine j jetzt nicht d begrenz Zeit mit meiner mir damals die zte rechtm mäßig, und m aus heut immer no unerklä mir te och ärlichen Grü ünden angetra auten Frau. Inzwischen sind einige Jahre verg n e gangen, und auch d meine Ehe ist Verg gangenheit. Ich meine Sina, also P . Petra, die sic Sina ch e r habe, oft au ganz and nannte und uch ders e, und wie ich später erfahren h vermut tlich auch im mmer noch nennt. Ich weiß, jetzt w es w wird kompliziert, und vielleicht klin es für dich irritierend, aber ich hätte ngt h es wirk klich und wa ahrhaftig un noch viel mehr getan, wenn sie es nd l e
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verlang hätte, wa sie aber n gt as nicht getan hat. Warum sie es von and e deren, aber nicht von m verlangt hat? mir t Auf diese F Frage weiß i bis heut keine Ant ich te twort, und i will ich

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____________________ auch nicht mehr darüber nachdenken. Vielleicht ahnte sie nur nicht, wie weit sie mit mir gehen konnte und was ich für sie zu tun bereit gewesen war. Du fragst dich, warum ich dir meine Erlebnisse mit Sina, also Petra, die sich Sina nannte, erzähle? Weil verheiratete Männer, wenn sie ein bestimmtes Alter erreicht haben, häufig von so einer Art Leichenfrust befallen werden. Die haben sich irgendwie mit ihrem Leben arrangiert, und das war´s dann – denken die. Bei mir war es nicht anders. Aber manchmal, ganz plötzlich und wenn du eigentlich nicht damit rechnest, meldet er sich - dein Überlebenswille. Er packt dich an deiner Seidenkrawatte, zieht langsam zu und spricht freundlich, aber doch bestimmt zu dir: „Sei einmal in deinem Leben stark und entscheide dich. Es gibt nur einen Mann im Haus. Vergiss die Selbstzusammenschraubregale mit Riester-Rente, die dem Trend deines Leibumfangs folgend immer größer werdenden Einkaufstüten, die unendlichen Abwaschdiskussionen die dich zum nutzlosen Domestiken degradieren. Vergiss den dir verordneten Deo-Roller und die widernatürliche Sitzpinkelei. Verscheuch die Rotznasen, die angeblich von dir sind und geh jetzt nicht zum gemeinsamen Durchgeknalltensingen in die Waldorfschule. Sperr jetzt und sofort deine die Gefahr witternde Frau weg, oder schick sie in die Küche wo sie hingehört. Sie soll nicht mitlesen und du musst dich nicht solidarisch zeigen. Sie würde es doch nicht verstehen. Sie hat hier nichts zu suchen, denn es geht um dein Leben …“

Du siehst, der Überlebenswille ist ein ziemlich dominanter Typ und das was er sagt klingt nicht nur für deine Ohren hart. Aber

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______ __________ ______ glaub e mir - eine ist so sich wie das Amen in de Kirche: Auch du es es her er wirst es eines Tage so und nicht anders erleben, w s es wenn du erst mal t mein A Alter erreich hast. ht Das soll jet nicht übe tzt erheblich klingen, denn das ist es nicht. Es ist auch nicht die scheinbare Weisheit des Alters, die mich z t zum Zyniker gemacht h Altersw r hat. weisheit gibt es nur als platte t Entschu uldigung für ein Samm melsurium ge elebter Erfa ahrungen. Warum es bei mir so w war? Mir ha mein Übe at erlebenswille eindrin nglich zugefl lüstert: „Raoul du musst durchhal lten und unter allen Umständen d Kapitula die ation verme eiden, auch wenn die Einschläge unaufh haltsam und immer sch d hneller nähe kommen. er .“ Was ich dir damit sage will, wirs du vielleicht verstehen, r en st wenn ic dir meine ganze Ges ch schichte erz zählt habe. An deinem gelangweilten Gesichtsausdruck kann ich de m eine Gedank ablesen Erzählte, und noch weniger gesc ken n. w chriebene Banalitäten anderer Leute int teressieren dich nicht w wirklich. Ich muss h zugebe meine Er en, rlebnisse sin auch nur Alltäglichk nd r keiten, die jedem von uns passieren können, wenn Zeit, Sc chmerz und Perspektiv sich ve nstellation b befinden, um sich gegenseitig die m in der idealen Kon chweißigen Hände zu s schütteln. angstsc Walk a mile in my sho auch we sich alles in dir geg den oes, enn gen beschw werlichen W des Vers Weg stehens strä äubt. Schon bald wirst du n dich an mich erinn n nern. Spätes stens dann, wenn du d verzwei dich ifelt fragst: „Sag mir wo die Jahre sind, wo sin sie geblie o nd eben?“
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Du sagst, d diese Frage stellt sich dir nicht, denn du hast noch d Zeit? W Wenn du dic da mal nicht irrst. In der ersten Hälfte dein ch nes Lebens kannst du alles erreichen und bewirken. Du hast Zeit. D s Du

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____________________ kannst üben, probieren und dir die „Hörner“ abstoßen. In der zweiten Hälfte vergeht die Zeit immer schneller und du brauchst mehr Zeit für das, was du dir vorgenommen hast. Am Ende steht immer und unausweichlich der Tod. Danach kommt nichts mehr. Deine Witwe wird ein paar Tränchen vergießen, und sie wird mit deinem Geld und deiner Rentenversicherung einen Jüngeren finanzieren, der einer Jungen mit großen Titten vormacht, er habe ehrlich verdientes Geld. Der Tod nimmt keine Rücksicht, ob du das, was du dir im Leben vorgenommen hast, auch erreichen konntest. So hast du es noch nie gesehen? Du hast noch nie bewusst an das letzte Drittel deines Lebens gedacht? Dein selbstgefälliges Lächeln kann mich nicht täuschen. Morbide Gedanken gehören zum Anfang vom Ende, wie der widerliche Gestank zu einem langsam verfaulenden Kadaver. Du schweigst betroffen? Die Falten in deinem Gesicht verraten dich. Du bist nachdenklich und bedrückt. Das ist gut so, denn das was ich dir jetzt berichte ist die reine Wahrheit und nichts als die Wahrheit, und es ist auch dein Schicksal. Wie ich es bemerkt habe? Ich denke, es war die Routine. Schleichend und zuerst vollkommen unbemerkt, fast wie von einem kurzen Tag auf den nächsten, der sich in nichts von seinem ereignislosen Vorgänger unterschied. Was hatte ich für eine Wahl? Ich konnte nichts dagegen tun. Alles, vom frühen Morgen bis in die Nacht war schon mal erlebt, und wie ein übriggebliebenes Fertiggericht immer wieder verdünnt und aufgekocht. Wenn du mich jetzt fragst, ob und warum ich alles so geschehen ließ, kann ich dir keine vernünftige Antwort geben.

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______ __________ ______ Doch, etwa hat sich v as verändert. Ich habe angefangen, n I nach den Ursachen mei iner Empfindungen erf forschen. Ich muss zuge eben, er ute ehr, spontan und imme öfter, aber nur damals und heu nicht me habe ic an einen klassischen Mord geda ch n acht. Nicht blutig wie e ein Steak, e eher gut ab bgehangen, raffiniert ge ewürzt und sorgfältig tranchi iert, um dan im Bewu nn usstsein, das eine Grun ss ndreinigung auch g die letz zten Spuren beseitigen würde, den geleerten Teller in di n n n ie Spülma aschine zur Reinigung z stellen. zu h es Die Gedanken sind ja bekanntlich frei, und e blieb auch bei der The eorie. Ich ha mich fü eine ande Tat ents abe ür ere schieden. Zu uerst habe ic begonnen, einige W ch Worte aneina ander zu rei ihen, aber e es waren nur Hülsen ohne Inhalt, die keinen Sinn ergaben. Dann entstan nden Sätze, und jetzt is so etwas wie ein umfangreiches Buch st s daraus entstanden n. Du möchte kotzen u meine morbiden G est und m Gedanken ni icht viele Seiten und das Lesen strengt dich zu seh an? t hr lesen? Es sind zu v Das ma acht nichts, du bist schon mitten drin – in me d einer, in dein in ner, unserer Geschicht te.

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Jeder Anfang ist auch ein Anfang vom Ende

„Schon seit der Steinzeit bis heute - und es wird bis in alle Ewigkeit so sein - ist es das unabänderliche Schicksal des gestandenen Mannes. An einem Morgen wacht man auf und stellt fest, dass die Ehefrau langweilig geworden, und was noch schlimmer ist, defätistisch das Gegenteil glaubt, obwohl man es ihr gesagt hat. Für den intelligenten Mann zur schweren Last wird die Gattin, wenn man entdeckt, dass das alte Fleisch zwar noch willig, aber der Verstand schwach ist.“
Paul van Cre

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Als ich anfing an diesem Buch zu schreiben, war ich eine männliches, jedenfalls dachte ich das, einundvierzigjährige und verheiratete Kreatur, die sich am Anfang vom gefühlten Ende sechzehn monotoner Ehejahre befand. Hinter mir lag eine relativ sichere Zeitspanne, in der ich nur hin und wieder an die Rente, und noch weniger an das Leben im letzten Drittel der mir vermutlich noch verbleibenden Zeit dachte. Warum ich so gleichgültig in den Tag hinein gelebt habe? Das ist einfach zu erklären. Der tägliche Albtraum von Maloche und Verbrauch hatte alles was im Leben wirklich wertvoll ist überlagert. Aber was ist wirklich wertvoll und was ist im letzten Lebensdrittel entbehrlich? Haus und gut gefülltes Bankkonto ist gut. Das ist keine Frage,

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______ __________ ______ denn es gibt dir die Freiheit, d zu tun was du inne das w erhalb deine er sozialen und hedo onistischen A Ansprüche tun möchte est. Frau ist gut wenn du Kinder hast Kinder sin gut, wenn du t, t. nd eine Frau hast. Kin nder ohne F Frau sind sch hlecht, und Frau und K Kinder sind au schlecht wenn du u uch t, unentwegt an die Freih denken musst. heit n „Du musst dir keine Sorgen mach alles w gut“, lau die hen, wird utet Theorie der Verdrä e änger. Ich b behaupte, dass die Sorg dann d gen beginnen, wenn die Erinnerungen verbla assen. und mmen unverhofft bega sich ann Eines schönen Tages u vollkom mein V Verstand zu regen und z strecken. Plötzlich s ich es vo mir. zu sah or Ich, der Rebell der vor langer Zeit die We verändern wollte, w zum r r elt war lustlose Schreber en rgärtner me eines kleine Lebens ve en erkommen. Rein . rechnerisch und unter optimi istisch kalku ulierten Vor raussetzung war gen ich etw zwanzig P wa Prozent abg gelebter Ver rgangenheit eines, und zwar d meines wertvollen Lebens mi einer mir vollkomme fremden Frau s n it en zusamm gewese von der man nicht behaupten konnte, da sie men en, r ass das Sch hießpulver e erfunden ha atte. Mein Lebensglas war nicht mehr voll. Es war auch nicht t halbvoll, die letzte Hälfte des Inhalts beg e gann sich im mmer schne eller zu leeren. Die Zeit wa wie im Flug mit eine Düsenjet an mir ar em t vorbeig gegangen und ich hatte sie brav, so wie es se jeher den e s eit n gesellsc chaftlichen Normen in einer zivilis sierten Gese ellschaft entspricht, ohne M Murren abge eleistet. Was mich n noch zusätz zlichen depr rimiert hatt war die te,
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unspek ktakuläre Au ussicht auf w weitere, kla strukturie Jahre d ar erte der letzten Hälfte meines Lebens, die wie graue Betonk klötze, nebe en denen Panzersper rren wie Spielzeug für Kleinkinder wirken mussten, K

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____________________ unbeweglich und unveränderbar vor mir lagen. Zu meinem Elend kam auch noch das tückische Zeit-RaumVolumen-Phänomen. Du hast noch nie etwas davon gehört? Dann will ich es dir in einer einfachen Form erklären. Je älter du wirst, umso schneller vergeht die Zeit in einem immer kleiner werdenden Aktionsradius, in dem du gefangen bist, während es aussieht, als ob sich alle Personen wie aufgedunsene Körper in einer Leichenhalle ausdehnen. Du musst mir zu meiner sensationellen Entdeckung nicht gratulieren. Mir wäre es lieber, ich hätte niemals darüber nachgedacht. Wie ich darauf gekommen bin? Ich habe Zeit-Raum-VolumenPhänomen das erste Mal vor etwa fünfzehn Jahren am eigenen Leib erfahren. Mir war der spontane Gedanke gekommen, dass eine Bahnfahrt angenehmer und auch sicherer sein könnte, als der Stress auf den überfüllten Autobahnen. Weg mit dem Risiko des ungehemmten Verkehrs, rein in die geregelten Abfahrt- und Ankunftszeiten. Einmal ganz entspannt im luxuriösen Intercity-Sessel zurücklehnen und die Fahrt genießen. Da saß ich also, zufrieden und mit einer guten Laune. Als Autofahrer achtet man ja nicht so darauf. Anfangs, sozusagen als unerfahrener Bahnfrischling, konnte ich mich noch am Blick aus dem Zugfenster freuen. Die Aussicht war schön und die farbenfrohe Herbstlandschaft, es war am Ende des dritten Jahresquartals, zog immer schneller an mir vorbei. Kennst du den dämmrigen Zustand, wenn man grenzenlos vertraut und plötzlich schläfrig wird? Die Aufmerksamkeit lässt nach,

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______ __________ ______ denn m hat es s behaglich gemacht Mit hochg man sich t. gelegten Be einen im häuslichen Fern nsehsessel ist diese Erf fahrung bes sonders sch hön. uht grennen, de der Will wird von der enn le Man ru und kann nicht weg Bequem mlichkeit manipuliert. Ich erinner mich noch genau, es war ein en re s ntspanntes G Gefühl der Sich herheit und des Vertra d auens, dama in meine komfort als em tablen Bahnab bteil. Von m zuerst un mir nbemerkt, fiel es mir im f mmer schwerer, mich au die vorbe uf eihuschende Landschaft zu konzen ntrieren. Di ie Häuser Wiesen, B r, Bäume und a auch die Kir rchtürme sa ich nur n ah noch als einen E Einheitsbrei. Die Zeit sc chien stehen zu bleiben und gleich n hzeitig immer schneller zu verrinnen Trotz der schönen He u n. erbstzeit wu urde die Farbe der Land dschaft mit der Dauer der Zugfahr immer gra d rt auer. Die Aug fielen m zu und ic hörte die Stimmen d Mitreise gen mir ch e der enden wie aus weiter Fer s rne. Dann begann sich etw zu verän was ndern. In me einem Wachtraum hörte ic zuerst eine leise, fas sanft flüs ch st sternde Stim mme, die sic nach ch und nach zu einem hysterisch sich üb m hen, berschlagenden Geschr rei steigert Es waren die gellen te. nden Worte: „Du sollst so lange mit diesem Zug fahren bis dass d Tod euch scheidet“ und eine riesige m n, der “ Hand m einem ausgestreckt Zeigefin mit ten nger deute a mich. In auf n meinem Traum sah ich einen Geisterzug vor mir, en m g ndlos auf fest verlegt Gleisen fahrend, jeden Tag und jede Nach und nie w ten ht wieder anhalte end, weil die toten See der Mit elen treisenden d Zug nic den cht mehr stoppen kon nnten. Es wa eine Fahr bis zum v ar rt vorbestimmten
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dem endgültigen Ende vor dem Ni ichts. Ende, d Ich bekam grauenhaft Angst und die Panik schnürte m den te d mir Hals zu. So war es nicht abges sprochen. Es war nicht die verspro E t ochene

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____________________ Sicherheit, es war eine raffiniert inszenierte Falle. Voller Entsetzen sprang ich auf und rüttelte an den Ausgangstüren, aber sie ließen sich nicht mehr öffnen, niemals mehr. Der Geisterzug fuhr stampfend und ratternd immer schneller und er hielt nicht mehr an. Für immer und ewig sollte ich dazu verdammt sein, in diesem Zug zu fahren. Immer die gleichen Erlebnisse mit den immer gleichen Mitreisenden, solange ich noch dahinleben würde. Dann sprach eine andere, eine gefährlich drohende Stimme von oben zu mir: „Kontrolle.“ Ich spürte eine feste Hand, wie eine hart zupackende Kralle auf meiner Schulter. Es war die pure Angst, die wie ein schweres Halseisen meine Lebensgeister abwürgte. Schweißgebadet und am ganzen Körper zitternd bin ich aufgewacht. Plötzlich sah ich klar. Mein Leben ist zu kurz und zu wertvoll. Ich musste etwas verändern, um zu überleben. ____________________

Resignation gehört nicht zu meiner Wesensart und ich neige nicht zu Depressionen. Im Gegenteil, ich war ein aktiver EheKonformist und damals stand ich mit beiden Beinen fest auf der Hochflor-Auslegeware. Doch was sollte ich tun? Mein Thalamus war wie betäubt. Ich fand nichts Schönes und Ästhetisches auch nicht mehr. Als lustvolle Geliebte und auch unter dem Aspekt der niedrigen Bedürfnisse im Rahmen des Gewohnheitsrechts war meine Ehefrau nur noch bedingt nutzbar. Sie war zwar willig, wirklich beschweren konnte ich mich eigentlich nicht. Sie gab sich für mich hin, wenn es an

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______ __________ ______ manchen Samstag in der N gen Nacht und nach der Spä ätausgabe d der Tagesth hemen mal wieder an der Zeit war. Aber Sex mit ihr erfo orderte Konzen ntration und Planung. E d Etwa so, wie wenn man als fanatis e n scher Autofahrer mit der Straßenba zum Zahnarzt fahren muss, w man ahn weil schon v vorher weiß dass man eine starke Betäubung ß, e gsspritze vo dem or komme enden Schm brauch Und nach der Einnah merz ht. h hme von Narkotika soll man ja bekanntlich nicht mehr schnelle Autos fa n m ahren. Darum schob ich d Bohrterm immer weiter hin die mine naus. Auch die erotischen W Wünsche me einer Frau b blieben mir vollkom mmen verbo orgen, obwo ich dach dass ich sie kennen ohl hte, h sollte. I wollte sie ja erfüllen, wenn ich einen Man oder ei Ich h ngel inen konkreten Bedarf erkannt hät tte. Was sollte ich tun? Ge ehorchen und leisten? Für meine Wünsche hatte sic schon lan niemand mehr inte ch nge eressiert. Ich musste mich zufrie e eden geben und mich fügen. Imm n f merhin hatte ich e vierzig lange Jahre überstanden und mir war nun m die Rolle des e mal e Haupta akteurs in einem Traue erspiel über die erfolgre eiche Domestizierung de Bestie Mann zugewi er iesen. Letztendlich gab es für b chen Destru uktion oder Kooperatio eine on, mich nur noch die Wahl zwisc ative gab es nicht. s Alterna

Ich muss dich nicht an nsehen, ich weiß es. De Gehirn b ein beginnt eiten. Du ha nachged ast dacht, du ha dich in deinem ast zu arbe Wohnz zimmer umg gesehen und du kannst jetzt mitde t enken. Spürst du
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es auch Das Umstellen der M h? Möbel und neue Bilder aufhängen reicht n r n nicht aus, und mit ein paar Du uftkerzen und softer M Musik ist es auch

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____________________ nicht getan. Weißt du noch was geiler Sex ist? Für mich war der erste Begriff nicht mehr existent und der zweite nur noch eine Betätigung unter vielen anderen, die irgendwie zu meiner Ehe dazugehören musste, wenn ich musste, weil sie wollte. Aber eigentlich waren es bei mir nur Banalitäten, so wie bei dir und bei jedem anderen, dem unerbittlich und schnell wie ein Intercity das fünfzigste Lebensjahr entgegen kommt. Routine, Besitzstand, Anpassung und Dauer sind die wesentlichen Bestandteile des ehelichen Zwangs. Meine Ehe sollte als Institution bewahrt werden und gleichzeitig wurde mein Recht auf Freiheit brutal vergewaltigt. Ich ließ es geschehen, obwohl mir schon lange klar war, dass unsere Bedürfnisse so unterschiedlich waren, wie sie unterschiedlicher nicht sein konnten. Aber noch konnte ich ganz gut damit vegetieren, denn es gab auch Angenehmes. Immerhin war die Wäscherei in meinem Ehekonstrukt nicht zu verachten. Das hatte Vorteile, denn ich musste nicht lernen, wie und wann man eine Constructa zum ordnungsgemäßen Funktionieren bringt und ich weigere mich bis heute, eine Bedienungsanleitung zu lesen. Meine Hemden waren immer ordentlich gebügelt, auch wenn ich an manchen Tagen dabei eingeschlafen bin. Das gleichmäßige hin und her des dampfenden Bügeleisens und der hasserfüllte Blick meiner Frau am Bügelbrett waren für meine Nerven zu viel. Sie hat mir mein Desinteresse am Bügeln noch Jahre danach vorgeworfen, als ob ich eine Erbsünde begangen hätte. Dabei hätte ich zu gern mit einer Anderen gebügelt, aber ich war verheiratet und daran durfte ich noch nicht einmal denken.

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______ __________ ______ Gegen die Küchenleist tungen kann ich im Na achhinein au uch nichts e einwenden. Die zubere . eiteten Spei isen waren schmackha und aft der Ser rvice still un hurtig. Al was ges nd lles sagt werden musste wa ja in n ar den vie Jahren schon weitgehend ges elen sagt. Meine Zelle war sauber, mit etwa hundertundachtzig a Quadra atmetern se geräumig und auch stilvoll mö ehr h öbliert. Ich h hatte als Rückzugsgefängnis alles w ich brau was uchte. Ein gu ausgestat ut tteter Hobbyr raum im Keller war vor rhanden, wo ich mich m kleinere o mit en Bastela arbeiten bes schäftigen k konnte, wen mir nach einer klein nn h nen Handar rbeit zumut war. te Lach nicht, auch du ha dir eine stille Ecke g , ast geschaffen, in die du dich zurückzieh kannst, wenn du zu dir selber finden wills h hen u st. Eigentlich und im Großen und Ga anzen konnt ich mich nicht te beklage Das mat en. teriell Erreic chte war zu ufriedenstellend. Die Vergan ngenheit hat mir, dur ein glück tte rch kliches Händchen in vie elerlei Geschä äften, einige finanziellen Wohlsta en and, erkenn nbar an sich htbarem Bauchu umfang und gleichzeitig abnehmender Haarfü beschert, was d g ülle nach Aussage meines Friseurs auf meine erhöhten Testostero s en n onl ühren war. Nur das bek kannte Plato-Zitat, nac chdem Spiegel zurückzufü nur Fra auen und Eu unuchen über eine volle Haarpracht verfügen kann n, ich bis heute nicht ganz nachv t vollziehen, da meine Libido zusam mmen einem Haupthaar eine d deutliche Fl luchtbeweg gung „nur w von weg mit me dem“ e entwickelt h hatten. Von meine Versicher er rungsgesells schaft bekam ich regelmäßig
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Briefe m Fitnessa mit angebote fü Senioren zugeschickt, und ich hatte ür immer etwas zum Essen und Trinken und meine Fer d rnbedienun für ng den Fernseher. All in allem konnte ich mit frohem Herzen les m

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____________________ behaupten: „Eigentlich geht es uns gut.“ Du ahnst es sicher schon, jetzt kommt das „Aber“, das immer und hundertprozentig auf ein Lob oder eine positive Aussage folgt. Der Zustand wäre noch schöner gewesen, wenn ich das „Gutgehen“ alleine mit mir und in grenzenloser Freiheit hätte genießen können.

Hast du schon mal an einen Mord gedacht? Wenn man es nüchtern bedenkt, und alle sentimentalen Gefühle weg lässt, kann es ein elitäres Vergnügen sein, dass sich nur Mutige gönnen. Ich bin nicht mutig. Eigentlich bin ich ein Feigling. Nicht die Tat an sich schreckte mich ab, sondern das Danach. Ganz pragmatisch betrachtet fehlt mir auch heute noch das Know-how für einen ästhetischperfekten Mord, mit anschließendem Vertuschen und Verstecken der Leiche. Als reinlicher Mensch hatte ich auch Probleme mit der zu erwartenden Sauerei auf dem Fußboden und in der Badewanne, und als öffentlichkeitsscheuer Mensch war mir etwas bang vor der zu erwartenden Publicity in den Medien. Dann sah ich wieder die Vorteile meiner Ehe. Sie schuf nicht nur die Ruhe die ich für meinen Narkoseschlaf brauchte. Ich entdeckte auch eine neue Form der Ehe-Kommunikation. Das fing mit der Ehesprache an, die das nicht mehr ausdrücken konnte, was ich tatsächlich wollte. Bei mir kam erschwerend hinzu, dass ich als Beteiligter das Verhalten der Menschen unter extremen Bedingungen studieren musste. Das ist etwa so, wie wenn du zusammen mit einer hungrigen Löwin in einen Käfig gesperrt wirst, aber beide wissen, wie der Kampf ausgehen wird. Die Löwin und in diesem Fall ich als Hauptdarsteller

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______ __________ ______ belauern sich gege enseitig, um in einem günstigen M m g Moment die e Reißzäh in den Hals des Sch hne hwächeren zu schlagen um ihn dann n, genüsslich ausblut zu lasse Du kanns dir sicher denken, da ich ten en. st r ass dabei d Kürzere gezogen hätte. den en Nicht dass ich mit Stre und blut eit trünstigen M Machtkämpfen leben m musste, die kamen in m meiner Ehe nicht vor. Es war mehr ein r freundlich-kooper ratives Ehe-Arrangement unter we eitgehend keimfre Klima-B eien Bedingunge wie in ein gut funk en ner ktionierend den Tiefküh hltruhe. Für eine mir fremd gewor r rdene Frau w ich ein nicht war weiter störender G Gegenstand mit der Be d estimmung zur Ernähru der ung Beteilig gten. Ich wusste genau, das mein Nut ss tzen jeden T auf dem Tag m ehelich Prüfstan genau ko hen nd ontrolliert wurde. Die P w Prüf-Formel war einfach und einprä h ägsam: „Sch Kohle ran Mann. N dann bis du haff r Nur st ein guter Ehemann Oder an n.“ nders, etwas salopper a s ausgedrückt t lautete die Formel: „No mone no hone e ey, ey.“ In Gedanke schrie ich „Ich bin verheiratet, holt mich h en hier raus“, a aber ich hat nicht den Mut, es la auszusp tte aut prechen und d Amnesty International war da amit beschä äftigt, öffen ntlich für die e Mensch henrechte e einzustehen - allen Wid n derständen zum Trotz, nur nicht fü meine. ür

e at Der scheinbar für alle Zeiten unabänderliche Zustand ta mir in der S Seele weh u ich war enttäuscht Nicht über meine Ehe und t. efrau,
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sie konnte nichts d dafür. Alles was mir in den Augen und Ohren unerträ ägliche Schm merzen bereitete, ihre Nörgeleien ihre ständ n, dige Unzufriedenheit u ihre ästh und hetischen und proport u tionalen

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____________________ Unzulänglichkeiten hatten ja eine Ursache. Aber bei wem sollte ich mich beschweren, die Gründe waren eindeutig in meiner Person zu suchen. Voller Bitternis musste ich erkennen, dass ich nicht den Mut und die Kraft besessen hatte mich aufzulehnen, also war ich mitschuldig. Ganz am Anfang hätte ich sie durch mein konsequentes Nein vor der Unterschrift beim Standesbeamten retten können, aber damals und angesichts der Umstände besaß ich nicht die Courage, so ein klares Wort auch deutlich hörbar auszusprechen. Nur auf mir lastete die gesamte Verantwortung, denn wir hatten uns Treue bis zum Tod geschworen, und sie hatte den Schwur so interpretiert, dass ich auch für ihr Wohlergehen zu sorgen hätte, bis zum bitteren Ende. Oft habe ich darüber nachgedacht, wenn ich nachts einsam auf dem Balkon oder einer regennassen Brücke stand. Mir war schon früh klar, dass ich ein schlechter Ehemann war und lebend ein noch schlechterer Ex sein würde. Ein verehrtes Leben nach meiner Ehe konnte es nur im aufgebahrten Zustand als Toter und nach Auszahlung meiner diversen Lebensversicherungen geben. Doch so weit ging meine Opferbereitschaft noch nicht. Alle meine Versuche, das unerträgliche Zusammenleben durch friedliche Mittel, wie zum Beispiel dadurch, dass sie sich einen Liebhaber nehmen, der sie, vielleicht durch mehr oder weniger sanften Druck gebraucht aber immerhin übernehmen würde, waren kläglich gescheitert. Niemand wollte sie und ich musste sie behalten, so wie sie geworden war. Unter diesen Umständen gab es nur wenige Möglichkeiten. Ich hatte nur die Wahl zwischen zwei Taten. Die erste war brutale

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______ __________ ______ Gewalt die andere der Ausbr t, e ruch. Als Me ensch mit e einer humanistischen Le ebenseinste ellung war die Entschei d idung schne ell fen. sste die g erte e getroff Ich mus mich, d eindeutig identifizie Ursache des Übels, aus der Ver rbindung un nserer Ehe entfernen, d e damit sie w wieder ruhig le eben konnte e. Der Zeitpunkt war so günstig wie nie. Jetzt, in dem Mom e ment, als ich d erste M begann m das Mal meine Geda anken niede erzuschreib war ben der rich htige Mome für Verä ent änderungen Veränderungen plant man n. t nicht am Anfang e einer Ehe. Das ergibt ke einen Sinn, denn die Hoffnungen auf einen guten A Ausgang üb berlagern die Bedenken und n der Gla aube an eine rosige Zuk e kunft ist noch so stark und unverr rückbar wie die Kraft in de Lenden. D e en Doch das lässt nach un am Schluss des nd Lebens bleibt zu w s wenig Zeit die kleinen Freiheiten zu genießen. F u Mittendrin, dann w wenn alle d denken, dass es am schönsten ist, müssen Veränderu n ungen mit a allen Mitteln herbeigef führt werde en. Aber waren meine Üb berlegungen triftige Gründe für einen n Ausbru mit allen Konseque uch n enzen? Komm mir jetzt nicht mit dem ur ralten Rat: „ hättet „Ihr miteina ander reden sollen.“ n Wir haben es nicht ge etan und es war gut so. Nach mein . nen Erfahru ungen ist de Rat, miteinander zu reden nur g er graue Theor rie. Tieferg gehende Gespräche nac langen Ehejahren fü ch ühren zu nic chts. Das hat einen Grund. Wenn d Gefühle abgestorbe sind, und die t die en d Einstell lung über die Wesensa des Partners als Vor art rurteil fest
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betonie ist, dann erzeugen Aussprache nur Kämp um abst ert n en pfe trakte Machtv verhältnisse mit kriege e erischen Erscheinungsfo ormen von Unterw werfung, Un nterdrückun und Beut ng tezügen. Eheliche

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____________________ Aussprachen enthalten brisanten Konfliktstoff in unvorhersehbarer Menge, ausreichend für viele Monate Ehekrieg. Verständnis, Akzeptanz oder eine faire Auseinandersetzung mit den Gefühlen des Partners ist nicht mehr zu erwarten. Ich wusste, wenn ich über meine spontanen Bedürfnisse offen und ehrlich sprechen würde, wären schwere Disharmonien unvermeidlich. Unbestreitbar war ich zu einem kleinen Ehefeigling verkommen, bei dem der Selbsterhaltungstrieb noch normal funktionierte. Heute, mit zeitlichem Abstand habe ich die uralte Kriegerregel verstanden, nach der die besten Kämpfer unverheiratet sind. Zu einer funktionierenden Ehe gehören Knebel und Fesseln, die die Namen „Bausparverträge“, „Kinder“ und „Versicherungen“ tragen. Zu einer guten Ehe gehören weder Rebellion noch Freiheit.

Für mich war es ein schwieriger Zustand zwischen Bewusstsein und Möglichkeiten. Ich wusste genau, was mir fehlt, aber ich hatte in meiner Situation nicht die geringste Chance es zu bekommen. Die Tür an meinen Käfig war fest verschlossen. Der Tag war nach strengen Regeln verplant und in der Nacht hatte ich, wie es der Brauch ist, Zuhause zu sein. Ich war Gefangener in meinem eigenen System von täglicher Produktion, Verbrauch und Ausscheidung, ohne die geringste Chance auf Veränderung des scheinbar immerwährenden Kreislaufs. Dabei war die Lösung für meine Probleme ganz einfach. Ich hätte seelsorgerische Hilfe benötigt. Natürlich hatte ich sehr präzise Vorstellungen von meiner persönlichen Seelsorgerin. „Sie“ sollte

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______ __________ ______ nicht nur meine se eelischen Q Qualen lindern, sie sollte auch mein e nen intellek ktuellen Ans sprüchen ge enügen. Ich brauchte e h etwas für m meinen Geist. A ja, fast hätte ich es vergessen. Meine Wu Ach s unschseelso orgerin sollte a auch noch m meinen ästh hetischen Vo orstellungen nahe kom mmen. Aber w waren die gutgebauten Retterin wo e nnen mit Hi igh-Heels am m schlank Fuß und stramm sitzenden Str ken d rapsen am g glatten Sche enkel, die mir in meinen Seelenqualen hätten beistehen können? Es i r b ist immer die gleiche Enttäuschu Wenn man die helfende Hand der ung. m d mal t, irgendwo zu finden, od wollen b u der bezahlt Leute m braucht sind sie ni werden n.

Du kannst es mir glauben. Ich gab mir alle M Mühe und ic habe ch mich überall umge esehen, sow es mein stark eingeschränkter weit n Bewegungsradius zuließ. Abe mein verz er zweifelter H Hilferuf: „Sag mir d, sie en“ d wo die Frauen sind wo sind s gebliebe blieb ungehört und ich es h cht kriegen stand e durch. Ich wurde nic schwul, weil ich keine Frau abk konnte Harald Sch e. hmidt sagte in einer ve e ermutlich äh hnlichen Sit tuation einmal: „Das ist nicht so wie b den Lesben.“ bei mir ss Zwar war m klar, das man in Notsituationen größere che anspruchten Lebenssta andard mac chen muss. Ich war Abstric vom bea auch be ereit, meine Bedürfnisse bis auf ein kaum no erträglic e och chästhetisches Minim mum zu red duzieren. Ab in meine näheren und ber em n weitere Bekanntenkreis gab es niemand, der auch nur annähernd en b h meinem Ideal ents m sprach. „Un nsere“ Freun und Bekannten nde
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bestanden aus Günter und se einer unförm migen Carm men, Agatha mit strähnigen Haaren und Rolf m Oberlipp n mit penbärtchen, Alfons un nd voluminöser Bärbe und ähnli unattrak el ich ktiven Zweierbeziehun ngen.

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____________________ Und die wenigen, mit vielen Abstrichen an meiner inneren Checkliste infrage kommenden, weiblichen Personen waren in einer für mich unzugänglichen Sicherungsverwahrung. In meiner verzweifelten Vorstellung mied mich das wahre Leben, als ob ich Mundfäule hätte. Es hatte mich übersehen, nicht mehr beachtet und mich allmählich vergessen. Ich war zu einer Art Relikt aus der Vergangenheit geworden. So ähnlich, wie wir heute mit wohligem Gruselschauer Dinosaurier und ähnlich ausgestorbenes Getier betrachten. Den größten Schock bekam meine labile Psyche, als ich mit Freunden in einer Szenekneipe saß und die zugegeben sehr junge und offensichtlich kurzsichtige Biernachschubverwalterin die neben mir Sitzenden reihum mit einem herzlichen „was kann ich dir bringen“ und mich mit einem kühlen „was möchten Sie trinken“ begrüßte. „Du bist Megaout“ war die unüberhörbare Botschaft und Jim Morrison sprach mich direkt und ohne Umschweife aus dem Jenseits an: „This is the end, my friend” und das musste ausgerechnet mir passieren. Immerhin lag ich mal drei Tage vor Woodstock, eingeschlossen im Dreck und zugekifft. Und nicht zu vergessen, ich hatte wie ein gut genährtes Karnickel für Love and Peace gevögelt, damit es die heutige Jugend mal besser hat. Ich konnte von mir behaupten „Ich war damals dabei“, und on the road again. Jimi hatte mir eine Foxy Lady versprochen, und ich hatte im Vertrauen auf die Versprechungen eine große Schallplattensammlung der späten sechziger, aber auch der frühen siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts zusammengetragen. Auch meine voluminöse und von

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______ __________ ______ meiner Frau gehas Comics r sste sammlung war beeindr w ruckend, un die nd Begriffe „Harley“ u „Easy R e und Rider“ waren mir nicht ganz fremd Mit d. solchen Verdiensten stand mir eine klein Freiheit m einem n ne mit bissche exzessive Freivöge für den Weltfrieden und dazu einer en em eln W n, kleinen Orgie hin u wieder, rechtmäßi zu. n und ig In meinen postkoitale Tagträum sah ich alles noch e en men einmal vor mir als ob es e gestern gewesen wäre. Siebze Jahr un r, erst n w ehn nd Stretch h-BH (mit M Metallbügel u verwirr und renden Haken, was zu einem ersten Tasttrauma geführt ha Die putz a at). zigen Bärchen auf den hellblau Frottee uen eslips unter den unübe erwindbaren Sloggi-Fes n stungen meiner ersten Lieb r ben. Der he ellblaue Haschischkuchen mit den silberne Liebespe en erlen. Die Freude über das lang er rsehnte Palästin nensertuch und mein e erster eigen Pflasters ner sein. Die De emos auf dem Kurfürste m endamm geg Imperia und irgendwas gen ales Weltum mstürzlerisc ches. Alles n noch verklärte Held nur dentaten eines schütte eren Vetera anen im Epiz zentrum de Spießigkeit. Meine er Diagno war klar und katastrophal ernü ose üchternd, da Alter ist nichts as für Feig glinge. Ich li an einer schweren Sinnkrise, fü jeden itt S ür Wissen nden sofort erkennbar. Die wenige noch leb en benden Jung aus gs „My Ge eneration“, Robert (de Niro), Mick (Jagger) und ich ware nach k en einer viel zu kurzen Zeitreise im mittlere Alter ang en gekommen. Mein stilles Leiden un mein verzweifelter S nd Schrei „Lass mich st er au h w t zu eine netten Fra die mich versteht“ waren nicht mehr zu übersehen. Aber e verstand mich niema es and, weil di Zeichen v ie von
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en haft w men einer gleichgültige Gesellsch nicht wahrgenomm wurden. In dieser sc chweren Ph hase fand ich bei Albert Einsteins t Relativitätstheorie Trost und Hilfe „Alle Relative ist modifizie en d es erbar“,

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____________________ und „die verbrauchte Energie für ein Problem, darf nicht größer sein, als der zu erwartende Energieschub für die Lösung“ waren sein Rat und meine allerletzte Hoffnung. Außerhalb meines kleinen Lebensraums wartete ein Universum der Möglichkeiten auf mich, den dressierten Ehemann. Mir wurde klar, ich durfte nicht länger säumen, denn ich war schon weit in den Jahren vor. Es war an der Zeit für einen Aufbruch in eine neue Welt. In eine Welt, die nur darauf wartete, von mir neu entdeckt zu werden. Meine Phantasie half mir über manch schlaflose Nacht hinweg. Ich war in hohem Maß anfällig für das, was man mit dem Begriff „Versuchung“ nur Bruchstückhaft umschreibt. Nur um meine egoistischen Bedürfnisse zu befriedigen, sah ich andere, vorzugsweise weibliche Menschen, nicht als gleichberechtigte und freie Subjekte mit einem Anspruch auf Respekt und Glück. Ich sah diese Wesen in verdammenswerter Weise (heute bereue ich es zutiefst) als seelenlose und nutzbare Objekte, über die man Ex-und Hopp verfügen kann, sofern man über die notwendigen Ressourcen verfügt. Ich weiß, solche Gedanken gehören nicht zu einer guten Ehe, und schon gar nicht zu einem moralisch gefestigten Menschen. Aber noch hatte ich die eitle Vorstellung, Herr über meinen eigenen Willen und der Beherrscher der Geschehnisse zu sein. In meiner Situation sah ich nur noch einen Ausweg: Exzessiver Sex bis zum Umfallen mit einer mir fremden, aber saugeilen Frau. Und dann geschah es. Mein Überlebenswille packte mich wieder einmal am Hals und flüsterte mit drohendem Unterton in der Stimme zu mir: „Bevor du an deinem moralischen Leben zugrunde gehst, musst du etwas ändern, sonst spreche ich nie wieder mit dir

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______ __________ ______ und ich werde dein Gehirn un deine Eie amputier h nd er rten.“ Ich nahm d diese unmis ssverständliche Drohun ernst und ng d beschlo meine E oss, Einstellung zu meinem bisherigen Leben zu ä m ändern. Dazu ge ehörte zuer einmal e umfassender Leben rst ein nsplan um m meine Absicht kunstvo zu verste ten oll ecken. Meine kriminelle Energie fin an e ng sich zu entwickeln und ich fan Spaß dar Ich beg n nd ran. gann, wie es sich s en tigen und ve erantwortungsbewusst Mensch ten hen für eine vernünft gehört, mit einer s , strategische Bestands en saufnahme. . Meine Vor raussetzung waren gut. Ich hatt damals das gen g te richtige Alter, dazu die Erfahr e u rung (dachte ich), das n nötige Klein ngeld (dachte ich auch), und die notwendige, gewissenlos Cleverness e g se (dachte ich ebenfa um mal etwas zu wagen. Den unbemerkten e alls) w n Ausbru aus eine sicheren Hochsiche uch em n erheitsverpf flegungsgefä ängnis, um nac einigen h ch heimlichen F Freigängen meine Rest t-Lebenszeit in Ruhe und Frieden und nur mi mir und meinen verk it m klärten Erinner rungen abzu usitzen. Bitte glaub mir, es wä nur eine ganz kleine eine winz b äre e, zige Flucht g geworden. „Nur einma kurz ausb al brechen und dann komm ich d sofort w wieder zurü ück“, verspr rach ich mir bei allem w mir irge r was endwie noch he war. Fü die Lust h eilig ür hatten mir meine Trieb die Erlaubnis m be gegebe Für mein Freiheit en. nen tsdrang hatte ich die G Genehmigun ng meines Geistes. Und mein zu beruhigend Gewisse erfand eine s des en Vielzah unschöner Bezeichnu hl ungen für meine liebe Ehefrau. Ve m ernunft und Mo oral? Es war mein rück ksichtsloser Wille, der d beiden die
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Stänkerer schon ir rgendwie üb berreden würde. Ich w w wollte nur no och einmal das unbesc chreibliche Gefühl frem mder, weiblicher Haut s spüren, und den frischen, vaginalen G Geschmack einer junge Unbekannten en

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____________________ auf der Zunge. Wenn jemand ein Anrecht darauf hatte, dann gab es nur einen auf der Welt: Mich. ____________________

Wie es im Leben so ist, man muss nur warten können, denn alles was geschieht, geschieht, weil es zu einem vorbestimmten Zeitpunkt so geschehen soll. Arglos stieg ich aus dem Zug, der mich in eine mir fremde Stadt gebracht hatte. Mit diesem kleinen Schritt, der ein großer Schritt für mein zukünftiges Leben sein sollte, beginnt der zweite Teil meiner Geschichte. Auch ich konnte meinem Schicksal nicht entrinnen, und die Liebe auf den sprichwörtlichen ersten Blick traf mich vollkommen unerwartet. Nüchtern, mit leichten Kopfschmerzen und an einem regengrauen Dienstag setzte ich vor meinem linken den rechten Fuß auf den Bahnsteig des Bahnhofs einer süddeutschen Stadt am Neckar, die aus für mich unerfindlichen Gründen ein sexuell verstörtes Käthchen zu einer Art Maskottchen erhoben hat. Der Grund meines Ausstiegs war eine an eine Freifahrkarte gebundene, berufliche Aktivität, weil es nicht zu meinen Gewohnheiten gehört, mich planlos von Bussen und Bahnen durch die Gegend kutschieren zu lassen. Ich sollte meine Meinung zu einem technisch-fachlichen Thema, anlässlich einer kleinen Veranstaltung vortragen und ich war gewillt es zu tun, denn es war ein gut bezahlter Auftrag für wenig körperliche Arbeit. An das Thema meines Vortrags kann ich mich nicht mehr erinnern und mit Einzelheiten meiner üblichen Ausführungen möchte ich dich nicht langweilen. Ich kann mich aber noch sehr gut daran erinnern, dass ich irgendwann zwischen den

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______ __________ ______ mehr o oder wenige schläfrige und geist abwesen er en tig nden Teilnehmern des Sem minars, klug blaugrau mich geb ge ue, bannt anseh hende Auge en wahrge enommen h habe. Wenn ich daran zurüc denke, dann hat alle mit der ck es langsam Verengu meines Blickfelds und der glei me ung u ichzeitigen Ausblendung der S Statisten be egonnen. Mitten in der Menge der M r tzenden Kör rper saß sie, mit einer A Ausstrahlun die ng teilnahmslos dasit mich au der Fassu brachte Endlich war sie da. „S auf die ich so us ung e. w Sie“ e lange u sehnsüc und chtig gewar hatte, und sie bega mit ihre rtet u ann er Präsenz den Raum zu füllen. m Ich weiß, ein vom rein Herzen kommende „Gott sei Dank“ nen es wäre in diesem sp n pirituellen M Moment ang gebracht gewesen. Ich habe den Dank vergesse denn ich war zu aufgeregt. Nach den lang en, h gen Jahren der Einsam und orgiastischen En mnthaltsamke verspürt ich eit, te en en er m zum ersten Mal de gerechte Willen de Götter, die behutsam und wohldurchda acht die Ges schicke des guten Men nschen leite In en. doch w ihrem u unergründli ichen Wolle hatten sie beschloss mich au en sen, us meinem Jammerta herauszuführen und meine durch seelische m al e Vergew waltigung er rzwungene Treue zu be elohnen. W Welcher Gott der t Wohltä war, we ich nicht aber ich nehmen mit gutem Gew äter eiß t, n t wissen an, das er männli und mir damals zug ss ich getan war, d denn er hat mir tte in seine unergrü em ündlichen W Wollen die Sc chönste der Nutzbaren und r n die Zwe eckdienlichs für mein kleinen Bedürfnisse geschickt. Ich ste ne B e spürte es sofort. S war da, d inspirier Sie die rende Engel die mein lin, n
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ses aufpoppen s sollte. Die den Auftrag hatte, mich sanft d h trostlos Leben a an der Hand zu ne ehmen, um mich ins geile Paradies mit Honigb s brot und lus stvollen Spie zu führ elen ren. In diese Momen verstand ich, em nt

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____________________ dass Verbrechen und Gesetze untrennbar zusammen gehören müssen, weil sie sich suchen und finden, und weil sie ohne den Anderen nicht existieren können. Obwohl ich bekennender Atheist und Ketzer war und auch heute noch bin, ist mein Glaube an eine überirdische und alles steuernde Macht seit diesen Minuten unverrückbar. Wir gehörten zusammen und nur wir waren das ideale Paar. Von mir war es gegenseitige Liebe auf den ersten Blick, denn ihre Gefühle kannte ich ja noch nicht, aber das was ich sah, war Versprechen genug. In diesem Moment des ersten Blicks konvertierte ich vom bekennendgläubigen Heiden zum Glauben an den Allmächtigen. Ich schickte ein Stoßgebet nach dem anderen in Richtung Himmel. „Hilf, Teufel mir die Zeit der Angst verkürzen, Mag´s schnell geschehen, was muss geschehen?“ Ich wollte dieser Frau nahe sein. Koste es was es wolle. Ich beabsichtigte sie zu besitzen, und sie, ich ahnte es noch nicht, war im Auftrag der Götter unterwegs, um mit mir zu spielen. Vielleicht fragst du dich, was die Götter damit zu tun hatten? Warte noch etwas, ich werde es dir erzählen. Ich bekam die Antwort auch erst einige Monate später. Zwar konnte ich allem wiederstehen, nur nicht der Versuchung, und schwach wie ich damals war, war ich mental schon vor langer Zeit aus meiner Ehe ausgebrochen. Aber meine Ängste und Skrupel wollten mich mit Macht ins ungeliebte Gefängnis zurücktreiben, nur damit meine Erinnerungen und meine schmerzenden Hoden mich später mal kräftig auslachen konnten. Was blieb mir anderes übrig? Ich brauchte qualifizierte Hilfe.

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______ __________ ______ Mein A Ausbruch mu usste professionell abg gesichert werden. Die etablierten Versich herungsges sellschaften konnten m dabei nic mir cht t em tigen Schöp pfers des Ho omo helfen, darum bot ich ihm, de allmächt (Erectu Sabiens, und darum um die Sor us) m rgen und Nö seiner öte Geschö öpfe wissenden Welten nlenker eine nach me en, einer Einsch hätzung interessanten Dea an. Ich fing an zu beten: „Wenn du mir dies Frau al se kannst du al von mir haben, und ich werde ihr lles r d e beschaffst, dann k Sexskla sein, sol ave lange sie es will“, war mein demütiger Vorsch s m hlag. Du wirs es nicht g st glauben, aber mein Gebet wurde e erhört, und meine Wünsche sollten in Erfüllung gehen. n

Inzwischen sind schon einige Jahre vergange und daru n n en um weiß ic nicht meh genau, w ch hr welcher Reiz es geschaf hatte, die z fft e Triebe in den längst vergessenen Brennk kammern m meiner Einbildungskraft zu entzünden. Vielleicht war es auc nur die ch me eresse an m meinen Ausführungen, d ich dam die mals, Annahm von Inte vermut tlich vollkom mmen fälsch hlicherweis als Anbetung meine se, er Person wegen meiner pseudo ointellektue ellen Ausfüh hrungen e. ass hochgradig anfällig interpretiert hatte Es kann auch sein, da ich nur h e uchung und süchtig nach Anerken d nnung für jede noch so banale Versu war. Zugegeben mit so ein n, nem Prachts stück vor de Nase war es er r chwer mich zum religiö motiviert Bittstell zu machen. h ös ten ler nicht sc Eigentlich war es e ziemlich plumper Versuch mich zu ein h V
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mpieren. Das banale Sch s hicksal woll sich meinen private lte en korrum Interes ssen bemächtigen und es wollte auch noch kr räftig geschmiert werden Andrerseits muss ma auch sag dass de Mensch im n. an gen, er

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____________________ Glauben stark sein sollte. Wären meine Gebete nicht erhört worden, wäre vielleicht alles ganz anders gekommen. Aber es hat sich nun mal so ereignet, und ich musste die Konsequenzen tragen. Ich, der Ketzer hatte dem Chefgott einen Deal angeboten, und für meine egoistische Einstellung hat er mich bestraft. Dafür bin ich ihm heute und wie es sich gehört dankbar. Denn die Erfahrung hat mich klug gemacht, und ich konnte mich mit der Gewissheit trösten, dass die Unerfahrenen und Mutlosen die Dummbeutel sind, denn ich hatte es gewagt. Am Schluss der Episode hat „Der da Oben“ alles von mir genommen. Ich hatte es ihm am Anfang versprochen und Versprechen soll man ja bekanntlich halten. Heute bin ich bei ihm schuldenfrei, jeder von uns geht seiner Wege. Er lachend mit seiner Beute und ich mit meinen Erfahrungen, von denen ich dir heute erzähle. Doch bevor ich mit meinen Erinnerungen zu weit abschweife, kommen wir zu dem denkwürdigen Tag in Heilbronn zurück. In meinen Augen war sie wunderschön. Allerdings denke ich heute, dass eine arglos hin und her huschende Maus beim Anblick einer schillernden Gift- und Würgeschlange so ähnlich empfindet. Es war der Beginn eines Prozesses, vergleichbar mit der Kernschmelze in einem Atomkraftwerk, der mein Leben und meine Zukunft verändern sollte. In diesen geheiligten Minuten bekam ich spontan eine mächtige Erektion. Gleichzeitig hatte ich den Faden meines Vortrags und dazu meine eisernen Grundsätze über die Heiligkeit der Ehe verloren, und dankbar über das Erstere, fand ich beide nicht wieder. Nun weißt du, und auch ich weiß es, dass es Situationen gibt, in denen sich auch eher zurückhaltende, weil verheiratete Männer,

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______ __________ ______ mutig u unverw und wundbar füh hlen. Für mich war der durchaus denkba Dolchsto an der H are oß Heimatfront nichts gege die en Heraus sforderung d graublauen Augen für die ich nur noch Augen der hatte. I eheliche Felde mo Im en oralisch unbesiegt, wur ich mit d rde dem Speer d Versuch der hung aus de Hinterha beworfen und an meiner em alt n schwäc chsten Stelle getroffen, dort wo ic aus Wohl e ch lstandsgrün nden nicht m mehr hinseh konnte. hen Wenn du m in dies mich sem Momen gefragt hättest: „Wa nt as würdes du tun? Z was wärs du bereit, um sie zu bekommen und st Zu st , n, um mit ihr an eine fernen Ort zu versch t en hwinden?“ Ich hätte d ohne zu z dir zögern gean ntwortet: „I ziehe hier und Ich jetzt ein Baströckc chen an und führe eine hawaiian d en nischen Fruchtb barkeitstanz auf, wenn es hilft.“ z n Du hast mi nicht gefragt, denn damals kan ich nnten wir uns noch nicht. Aber m Wille m mein musste als unabänderli u iche Folge a den auf Verfall meiner We ertvorstellun ngen gesche ehen. Denn nach diese Blick n em war es so gewiss, w die Sün zur Mor gehört – der reine E wie nde ral Engel wollte mich, und ich wollte sie, und alles andere, die Risiken, d s die oral mir etracht ihrer blitzenden Augen n Folgen und die Mo waren m in Anbe heißegal. herzlich und sche Du bist neu ugierig und möchtest wissen, wo m Gewis w mein ssen geblieb ist? Nat ben türlich war e noch da, und es war tonnensch es r hwer mit nie begangene Verstöße gegen die eine oder andere Mo en en r oral, die nicht die meine wa aren, gepfla astert. Mit dieser Last w es für m d war mich
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nicht le eicht. Über meine Gew wissensquale kam ich n hinweg, weil en nur ich mir einredete, dass die Be ewertung de Sünde eine simple F er Frage des Sta andpunkts s und die Gebote, die zehn mit d sei, e denen man auch

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____________________ dich gepestet hat, nur zur Versklavung des Mannes erfunden worden sind. Immerhin gibt es genug Menschen, die ohne Moral ziemlich glücklich leben, oder die intelligent genug sind, ihre eigene Moral zu entwickeln. Mit solchen Gedanken sah ich der Schlange in die blitzenden Augen, und ich wusste, dass meine geordnete Vergangenheit nur eine mit Auszeichnung überstandene Prüfung für zukünftige Vergehen sein konnte. Heute, mit einer zeitlichen und gefühlsmäßig abgekühlten Distanz kann ich Sina, also Petra, di sich Sina nannte, nur noch bruchstückhaft beschreiben. Eigentlich war sie kein reiner Engel. Sina war „das“ gut getarnte Verderben und ein ganz schlimmer Finger. Du möchtest, dass ich sie beschreibe? Ich versuche es, aber es wird mir nur unzureichend gelingen. Optisch hatte sie damals (echte) bis zum Rücken reichende, etwa bis zu der Stelle, wo bei erwachsenen Engeln die Flügel heraus wachsen, pechschwarze und leicht glänzende Haare, die jeden schwulen Friseur zu einem andächtigen Seufzen verleiten, was meine Theorie über die sichtbaren Merkmale der blonden Guten und der vorwiegend dunkelhaarigen Bösen ein weiteres Mal recht ansehendlich bestätigen konnte. Die Brille mit schmalem, schwarzem Horngestell gab ihrem Gesicht einen zusätzlichen erotischen Touch, den der intime Feingenießer und Kenner strenger Anleitung, üblicherweise mittelalten, und zwar den englischen Internatslehrerinnen aus den konsequenten frühen 50er Jahren zuschreibt. Das elegant mittelgraue Kostüm mit dem die für meine Begriffe vollkommene Figur betonenden, engen Rock stand ihr gut und ich konnte meinen Seitenblick ob der ästhetischen Perfektion nicht von ihr lösen. Ich

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______ __________ ______ musste unwillkürli an Vivienne Westw e ich wood denken (das ist di ie englische Designerin, die nie Unterwäsch getragen hat), die he n mäß t n, Frau im Kostüm sinngem gesagt haben soll: „Ein Mann der eine F nicht je eder andere Frau vorz en zieht, muss entweder b blind oder e Idiot ein sein.“ Vor mir saß eine Frau (nicht Vivie ß enne Westw wood, sonde ern Sina), d trotz, od wegen d ungewöhnlich schlichten Harm die der der monie ihres optischen Ge esamteindru alle Bli ucks icke auf sich zog und si h ie e ststück. Ich dachte nich mehr an meinen Auftrag, ht wusste es, das Mis sondern nur noch: „Schöne Frauen kann man übera treffen. E gibt n all Es sie in je eder Haar- u Hautfar nur nic in jeder Figur und fa und rbe, cht ast immer da wo ich n nicht bin. Ab das ist ein besonde Exemplar und ber e eres ich bin ihr nah.“ Ich weiß, m muss viele Wege gehen, bis e Mann zu man g ein um Mann w wird. Du me Freund, bist ein ges ein standener M Mann und d du versteh mich. De hst ennoch kann ich es nicht verhinde dass au ern, uch Frauen mitlesen und mit fiebrigen Augen und angeh n haltenem A Atem mit mir mitleiden. Darum mö r öchte ich me Leserin eine nnen sozusa agen prophy ylaktisch dar rauf hinweisen, dass bei mir Äuße erlichkeiten keine wesent tliche Rolle bei der Beu urteilung de Charakters eines Me es enschen spielen Für mich i meiner fe n. in einstoffliche Gesamth kommt es auf en heit den Me enschen an. Doch mein Triebe de ne enken da eh archaisc und her ch zum da amaligen Ze eitpunkt kon nnte ich noc nicht auf Sinas innere ch f Werte eingehen.
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cherdrang w geweck und meine motivatio war kt onale Mein Forsc Erregun stieg im gleichen Maße, wie meine Erwart ng tung an das s Ungew wisse.

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____________________ Zwar wusste ich von dem von mir sehr verehrten Friedrich Nietzsche, dass die sinnlichsten Männer vor den Frauen fliehen und den Leib martern müssen. Doch was hätte ich tun sollen? Ich floh nicht und mein Leib blieb an diesem Tag ungemartert. Auch mein klarer Verstand warnte mich eindringlich: „Lass es, aus diesem Blick können nur blaue Augen und verbrannte Erde entstehen.“ Es war mir egal. Mein Glauben, meine Restmoral und meine Grundsätze waren zusammen mit meinem Verstand auf der Flucht. Angesichts der leckeren Schnitte sah ich für meine Zukunft nur noch blau, und ohne dass ich es wusste, stand ich damit vor der vollkommenen Zerstörung des Bewährten und vor einem radikalen Neuanfang. Eigentlich ein Vorgang den jeder Revolutionär kennt und anstrebt, und es entsprach ja auch meinem Wunsch. Damals wusste ich noch nicht, dass Konformisten geheiratet, und Revolutionäre gemartert und erschossen werden. Nach meinem ersten Eindruck, und entgegen meiner sonstigen Angewohnheiten unauffällig aus den Augenwinkeln gecheckt, war sie höchstens fünfundzwanzig Jahre alt. Ein junges und gelungenes Exemplar der Gattung Frau. Nicht zu jung, aber alt genug um nicht zu scheu, sondern erfahren zu sein, wie der Kenner von gut zugerittenen Wildpferden gern sagt. Du musst es mir nicht sagen, ich weiß es. Auch eine Atombombe kann man optisch schön und proportional ästhetisch finden, aber dennoch rührt man so ein Mist-Ding nicht an. Das sagt einem schon der gesunde Menschenverstand. Im Gegenteil, jeder vernünftige Mensch hält einen respektvollen Sicherheitsabstand und zumindest seine Aktentasche schützend vor sein Gesicht. Denn die

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______ __________ ______ Optik sagt noch lange nichts ü über den Inhalt, das Ha andling und die d praktische Anwendung im All ltag aus. Da alles wuss ich, und ich as ste d hatte e mit dem e es ersten Blick in ihre blitzenden Aug vergess k gen sen. Dass m der dazugehörende, äußerst gefällig prop mich g portionierte e, weiblic Körper u die dezent bestrum che und mpften, sinn nlichen Schenkel zusätzlich inspirier hatten, se hier nur am Rand erw rt ei a wähnt. Doc noch ch ch rt ewechselt, und es sah n u nicht so aus als ob s, hatte ic kein Wor mit ihr ge sich die Gelegenhe bieten w e eit würde, denn ich bin im anbaggern mir n wildfre emder Fraue bis heute sehr ungeübt. en e In solchen mystischen Momenten der stillen Anbetung löst die n n n optisch Wirkung beim mitte he elalten Mann die Reaktion aus, für die r das Obj jekt geschaffen wurde Sie hat gezündet, bei mir e. eingesc chlagen (nic die Bom cht mbe) und den revolutionären Flächen nbrand der Veränderun ausgelös Welcher Sinneseindruck ng st. der ent tscheidende war, oder ob das Zusammenspie von mehr e el reren den in meiner durch Gewöhn nung und Ro outine verho ornten Seel le verstec ckten G-Pun der Sehn nkt nsüchte ber rührte, weiß ich bis heu ß ute nicht. D Doch von m unverges mir ssen ist ihr ungewöhnli u iches Parfüm das m, ich, der aufs äußer Sensibi r rste ilisierte mit allen meine Sinnen en wahrna ahm. Es war wie Opium von einer schweren, edlen Süße die r m e, meine durch eheb bedingte Allt tagsgerüche abgestum mpfte, orische Wah hrnehmung wiedererweckte. olfakto Als sie nach der Veran h nstaltung zie elstrebig zw wischen Büff und fet Small-T schlend Talk derte, folgte ich dem Duft mit groß e D ßem Abstan und nd
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so unau uffällig wie ein halbver rhungerter Hund einer geöffneten n Futterb büchse. Heu weiß ich dass die Wölfin schon damals w ute h, W wusste, dass sie mich am A e Angelhaken hatte. n

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____________________ Ich sah sie an, sie sah mich so bewusst gleichgültig an, als ob sie die Gedanken ihrer Beute lesen könnte. Ihr kaum sichtbares Lächeln galt mir und ich war der Gewinner, obwohl wir noch kein Wort miteinander gewechselt hatten. Dann fiel die kleine Handtasche, die sie unter dem linken Arm eingeklemmt hatte, auf den Boden. Ich, der abgebrühte Unternehmer und ehrsame Ehemann vergaß Sinn und Zweck meines geschäftlichen Aufenthalts. In einer metaphorischen Anwandlung dachte ich: „Es sind nicht die Widrigkeiten des Lebens mit der Hässlichkeit der Allerweltsnatur, sondern die Zuckungen des Zufalls, denen der einsame Mensch verfällt“, und sie beachtete mich mit der gleichen Aufmerksamkeit wie man als fanatischer Nichtraucher Zigarettenautomaten an grauen Hauswänden wahrnimmt. Für mich war die gefallene Tasche wie ein Wink des Schicksals und die Gelegenheit auf die ich intuitiv gewartet hatte. „Darf ich Ihnen helfen?“ war meine ob des Zwischenfalls zögernde Frage, um ohne eine Antwort abzuwarten, mich trotz meines noch nicht gänzlich auskurierten Bandscheibenvorfalls zu bücken um mit den Händen den Boden zu berühren. Hastig begann ich die kleinen Utensilien, die aus der Handtasche gefallen und auf dem Boden verstreut waren, einzusammeln. Nicht mehr unverbindlich lächelnd, sondern eher kühl, ohne sich zu bücken und ihrem kleinen Missgeschick größere Beachtung zu schenken, antwortete sie: „Bitteschön. Wenn es Ihnen Spaß macht.“ Wegen meiner Leibesfülle etwas zu laut keuchend, begann ich eine vergoldete Lippenstifthülle, dazu ein kleines silbernes Schminketui und ein Feuerzeug aus gebürstetem Metall mit

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______ __________ ______ ineinan nder verschlungenen w weiß-, gelb- und rotgold denen Ringe en zusamm zu such So unm men hen. mittelbar vo ihr auf de Boden nahm or em ich den subtilen Geruch der s n schönen jun ngen Frau be esonders in ntensiv war. Au meiner g us gebückten P Perspektive sah ich ihre dezent e bestrum mpften Bein und die roten Pumps mit den schmalen ne, Riemch die sich um ihre schmalen Knö hen öchel spann nten, und ich fühlte m das er Mal seit vielen Jahren wieder wie der dumme mich rste t schüchterne Schul ljunge, der regelmäßig von der ve g erhassten un nd rerin mit de ausrasier en rten Augenb brauen gleichzeitig angebeteten Lehr und dem streng na hinten g ach gebundenen Pferdesch hwanz aus d der Sindelfinger Kloste ergartengru undschule se obligat eine torischen Kopfnü üsse für Una artigkeiten e empfangen hatte. So vor der schönen Un nbekannten kniend, em n mpfand ich plötzlic ein längst verdrängtes Gefühl der familiäre Hingabe, das ch t d en , sich in dieser Inten nsität das le etztemal, un zwar anlässlich des ersten nd Mals vo vielen Jah or hrzehnten in einem Stu uttgarter Et tablissemen mit nt dem be ezeichnende Namen J t´aime, und in der Hand einer ä en Je älteren Helga z zum Rhythm von „I w mus want to hold your Hand wie von S d d“ Sinnen entlade hatte, un von dem ich dachte, dass ich es in diesem Leben en nd m s nie wie eder erleben würde. n Nach unendlich ersche einenden Se ekundenbru uchteilen w wohliger Erinner rungen an E Episoden au Kindheit und Halbsta us u arkenzeit wollte ich mic aufrichten, aber vor Aufregung fiel mir das kleine ch s Schmin nketui aus d Hand un mit einem metallisch klirrenden der nd m h n
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Geräus auf den Steinboden Ich bückte mich noch einmal un sah, sch n. e h nd dass es einen unsc s chönen Krat und der kleine Spiegel einen S tzer Sprung bekommen hatte. Beim schul ldbewussten Aufblicke sah ich ih en hre

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____________________ Zornesfalten zwischen den sorgfältig ausrasierten Augenbrauen und das mein zitterndes Tun ohne Worte missbilligende, hochgezogene rechte Augenlid. Als ich ihr mit schweißnassen Händen und kleinen Nervositätsperlchen auf der hohen Stirn das schmale Handtäschchen aus dem Leder einer weltweit geschützten Reptilien-Art übergab, nahm ich meinen ganzen Mut zusammen. „Entschuldigen Sie bitte, dass ich so ungeschickt war. Selbstverständlich ersetze ich Ihnen den Schaden. Darf ich sie als kleine Wiedergutmachung zu einem Glas Champagner einladen?“ Sie sah mich mit einem spöttischen Lächeln ihrer sorgfältig geschminkten Lippen an. „Ich weiß noch nicht, ob das eine Wiedergutmachung oder eine Strafe ist. Sie werden verstehen, dass ich mich normalerweise nicht so einfach von jedem X-Beliebigen ansprechen lasse.“ Dabei betrachtete sie mich mit einem durchdringenden, überheblichen Blick an, der einer kleinen Krämerseele zu sagen schien: „Du Winzling, sei froh, dass ich dich überhaupt ansehe.“ „Es ist mir ein Bedürfnis Ihnen den Schaden zu ersetzen“, war meine bittende Antwort. Ihr Lächeln veränderte sich zu einem Wohlwollen, das hungrige Alligatoren beim Betrachten eines mit verstauchtem Geläuf in halbhohem Wasser stehend, fetten Gnus, gern aufsetzen. „Gut, dann möchte ich Ihr Angebot ausnahmsweise annehmen. Mein Name ist Sina Sidonius, und wer sind Sie?“ Obwohl sie mir zugehört hatte und meinen Namen kennen musste, war ihre Frage eine pure Provokation, die meine Hoden zum vibrieren brachte. Ich wusste nicht, was ich darauf sagen sollte, aber

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______ __________ ______ die verheiratete Petra Krafft, alias Sina Sidonius ging mit dem S Bewuss stsein, den gewünschte Fisch an der Angel z haben, voran, en zu und ich dachte: „F diese Fra schwimm ich in ein Tonne d h Für au me ner durch die Niagarafälle, w wenn sie es verlangt.“ Aus den Au ugenwinkeln betrachte ich ihren Gang, die ete n wohlge eformten Be eine, und di Muskeln ihrer Schen ie nkel, die sich am h dünnen Stoff des e n engen Rock ihres Kostü so vort k üms trefflich abzeich hneten. Ich wusste, ich war in geschäftlichen Angelegenheiten h unterw wegs, und da arum versuc chte ich mic zu konze ch entrieren un an nd etwas a anderes zu denken. Ab vor mir ging mit wie ber g egendem Gang nicht der geräumig Volkskom sonder der Porsc unter den ge mbi, rn che Frauen. Als sie sich mit einem selbstbew h m wussten Läch an die Bar heln lehnte, sah ich, da sich der Rock ihres Kostüms etwas, für ass K unkund Laien k dige kaum bemer rkbar, zwisc chen den Be einen bausc chte. „Die Sau ha Strümpfe und keinen Slip an“ schoss es mi at e ir spontan durch den Kopf. n

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____________________ Entsorgungsprobleme und Gewissensqualen

„Das Mädel ist schön, schlank, führt einen netten Fuß. Unterm Dach mag's aussehen, wie's will. Darüber guckt man bei euch Weibsleuten weg, wenn's der liebe Gott Parterre nicht hat fehlen lassen.“
Friedrich Schiller, aus „Kabale und Liebe.“

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Die mir gesetzlich angetraute Frau war mir schon seit langer Zeit ziemlich gleichgültig. Trotz der markanten Tätowierung auf ihrem in den Jahren ausladend gewordenen Gesäß war das Zusammenleben mit ihr nur noch eine banale Gewohnheit, wie ein durchgesessener Cord-Sessel aus den 70ern, den man zwar vor Jahren, als er noch neu und beneidenswert exklusiv gewesen, begehrenswert gefunden hatte, aber in den vielen Jahren der Nutzung zu einem bequemen und etwas ausgeleierten Gebrauchsgegenstand geworden war. Bei Sina war es anders. Das war kein durchgesessener Alltagssessel, um bei meinem bildhaften Vergleich zu bleiben. Das war ein heißer Feuerstuhl. Instinktiv und sofort spürte ich, dass die junge und unverbrauchte Sina Sidonius purer Sprengstoff war mit dem ich trotz der Gefahren, die solchen Dinge nun mal als wesentliche Eigenschaft besitzen, zwar behutsam, aber doch ausgiebig zu experimentieren gedachte. Zu meiner Verteidigung muss ich dir gestehen, dass in diesen Minuten mein Mut nicht so groß war, wie ich ihn hier mit vielen Worten umschreibe. Ich wollte siegen, das war mal klar, aber ich

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______ __________ ______ hatte m meine kleinlichen Ängst und die Zweifel war auch da. Ganz te Z ren im Vert trauen und unter uns s sage ich es dir jetzt, und bitte erzä es d ähl nicht w weiter. Es ga Momente in denen ich mutlos u mit ein ab e und ner gemurm melten Ents schuldigung meinen go g oldenen Ehe ering wiede auf er meinen Finger stecken und die Flucht er n rgreifen wol llte. Zweifelsfre stand ich vor einer sc ei chwierigen Herausford derung, der sich jeder Feld h dherr vor ein großen Schlacht m ungewiss ner mit sem Ausgan stellen m ng muss. Zwar w wusste ich, dass ich die bebende F d e Festung erobern konnte. Ic besaß die monetäre Mittel un den ch e en nd unumst tößlichen W Willen in ein nem wankelmütigen Pr rozess von T und Tun wir dür rfen es nicht tun. Aber andre erseits lud s mich mit offenen Sc sie t chenkeln ein Was n. hättest du an mein Stelle ge t ner etan? Hätte du gekniffen und est weiner rlich den Rückzug angetreten? Die Menschen fliegen zum e m Mond u wagen den Schritt ins Univers und t sum. Der M ist nur n Mars noch ein Katzensprung entfernt, un mutige Männer erkunden die letzten nd M Winkel der Erde. U ich soll jetzt kneife Es wäre ein Verbre Und en? e echen an der Menschlich hkeit gewesen. Aber konnt ich sie au dauerha bezwing te uch aft gen? Jeder F Feldherr dass esitznahme die nicht zu vollständ ur digen weiß, d eine Be Beherrschung führ nur ein P rt, Pyrrhussieg ist. Besaß ich d Kraft, sie mir untert zu mach die e tan hen? Ein Wildpferd iten ist ja ke einfach Sache, ha ich mal g eine he ab gehört. Abe er zuzurei würde ich es schaf ffen, im Get tümmel mit der ungest t tümen Juge im end
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zu war nbar und zie emlich Sattel z bleiben? Immerhin w sie deutlich erkenn jünger, und die Sit tten und Ge ebräuche ha atten sich in den letzten n Jahrzeh hnten verän ndert, missionarsstellungsmäßig g gesehen. Es gab

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____________________ noch viele Fragen, auf die ich zu diesem Zeitpunkt noch keine Antwort wusste. Für meine Seele sehr belastend waren auch eher komplexe Ungewissheiten: „Sehe ich noch so attraktiv aus, dass ich auch ohne Unterhosen noch gut aussehe?“, oder „bin ich nicht zu alt, für so ein junges Ding?“ und auch eine andere Frage stand noch unbeantwortet im mentalen Raum: „Werden meine Kumpels auch beeindruckt sein, wenn ich sie vorzeige, was ich ja imagemäßig tun sollte, wenn ich sie bekomme?“ Auch die Fragen an meine potenzielle Leistungs- und dauerhafte Zuverlässigkeit war noch nicht abschließend beantwortet. Würde er so funktionierten wann er soll, wie er soll und wie lang er soll? Und wie soll ich wenn ich soll und auch will, sie aber anders will, weil das weibliche Wollen ja bekanntlich wirr und nicht immer klar und verständlich ist? Frauen haben da ja Vorteile. Sie können immer und ziemlich kompliziert beim Tricksen, Stöhnen und Schauspielern sein, habe ich mir sagen lassen. Mit schlagartig erwachtem Bewusstsein wurde mir klar, dass am Ort der Prüfung immer auch das Negative lauert. Aber der Vorfreude auf die vielen Dinge, die wir miteinander tun könnten, gab mir den Mut, um das schwere Los dieser von mir zu bewältigenden Bestimmung auf mich zu nehmen. „Herr Ober, zwei Gläser Sekt bitte.“ Im Allgemeinen mag ich das für mich sowohl geschmacklich, wie auch im Preis-Leistungsverhältnis für mich vollkommen unakzeptable Prickelgesöff nicht besonders. Dennoch gab ich mit einer generös und gleichzeitig weltmännisch wirken sollenden

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______ __________ ______ Handbe ewegung di obligatorische Beste ie ellung auf. M Satz w noch Mein war nicht ausgesproch als sie m zeigte, wer die Her im Ring ist, hen, mir w rrin er estik. Mit ei iner bestimmenden Ge legte si ihre este ie und we der Dome Hand auf meinen Unterarm u verbess und serte mit ein nem spöttis schen Lächeln ihrer sorgf n fältig geschminkten Lip ppen meine kleinmütig e ge Order. „Zweimal C Champagne und zwei Martinis. Und lassen S bei er Sie der Füllung ordent tlich die Pei itsche knallen.“ Ich sah sie nur an. Das war Stil un echte Ele s nd eganz und m mir fehlten die Worte für eine gepflegte Kon n nversation. „Stößchen. .“ Nur zu gern kam ich der Aufforde n erung nach und ich stie mein eß Glas vo orsichtig mit einem leis Klirren gegen das G der attr t sen g Glas raktiven jungen Frau, die m sowohl in Hingebu mich l ungsvorfreu als auch ude, erwartungsvoll an nsah. „Sie dürfen mich Sina nennen.“ n „Hallo Sina dann woll wir doch anstoßen. Ich bin der a, len h . r Raoul.“ “ den n Mit einem bezaubernd Lächeln sah sie mich an, und bevor ich weiterreden ko onnte, kamen aus ihren vollen Lip ppen die neckisc chen Worte: „Darf ich m an ihre Nüsse?“ mal chten Stich, ich vermut es , te Mein Herz zog sich mit einem leic war me sensiblere, die link Herzkam eine ke mmer, zusam mmen. So vi iel Offenheit war ich in der Öffen ntlichkeit ni icht gewohn und daru nt um
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e was er gen denn bis dahin wusste ich nicht w ich zu de Frage sag sollte, d nahm ich an, dass Frauen sch hüchterne und zurückhaltende We esen seien. Ich kannte v vom Hörens sagen zwar viele obszö Worte u die öne und

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____________________ wenigen Damen, die ich ansonsten gegen ein angemessenes Honorar gelegentlich frequentierte, waren üblicherweise älter, also aus Paritätsgründen in meinem Alter und darum in einem erkennbar gebrauchten Zustand. Doch im Hier und Jetzt dieses mystischen Moments war alles anders. In den Sekunden, die sich wie unmessbare Zeiten, angefüllt mit erotischer Spannung dehnten, begann sich in der atemlosen Stille zwischen den beiden Menschen an der Bar eine innige Bindung des Sehnens und Wollens aufzubauen. Der volle Mund der jungen Frau verzog sich zu einem Lächeln, als ob sie jede noch so komplizierte Windung meiner Gedanken lesen könnte. Ich war fasziniert, wie sich ihre Nasenflügel leicht und doch erkennbar krausten und ich sah das rosagesunde Zahnfleisch in ihrem Mund und die nassglänzende Zungenspitze, die beim Sprechen vorwitzig zwischen den prachtvoll weißen Zähnen sichtbar wurde. Unwillkürlich musste ich an eine schnaubende, rossige Stute auf einer nur unzureichend gesicherten Koppel beim Anblick eines erfahrenen Zuchthengstes mit dem Prädikat „Orgasmus-Garantie“ denken. Ohne meinem Blick auszuweichen griff sie mit der linken Hand nach dem Schälchen mit den Knabber-Nüsschen das vor uns auf dem grauglänzenden Tresen der Bar stand. Als ich die Sekunden der Überraschung überwunden hatte, griff ich auch danach und berührte wie zufällig ihre Hand. Erschrocken über meine Zudringlichkeit zog ich sie zurück. Sina nahm mit ihren sorgfältig manikürten Fingern zwei aus dem Glas-Schälchen und sah sie kurz an, bevor sie die salzigen Nüsschen in ihren Mund steckte.

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______ __________ ______ „Ich frag m gerade, wie viele Männer auf der Toilette ihre mich , M Schwän in der H nze Hand hatten und danac mit ihren Fingern in dem n ch n Schälch waren.“ hen “ Ich sagte nichts, bekam aber eine roten Kopf. Mit gese m en enkter Stimme und mit einem nur fü den Kenn erkennb e ür ner baren provozierenden Unterton, pla auderte sie weiter. Ich griff nach m meinem ampagner e einer mir un nbekannten Marke gefüllten Sektg n glas. mit Cha „Wie bei m meinem Man Zu kleine und zu we nn. eiche Nüsse und e schmec cken nach n nichts“, um dann das Sc chüsselchen etwas und mit n d einem f unhörb fast baren Klacke mit den rotlackierte Fingernä en en ägeln zu berühren und einige Zentime in meine Richtung zu schieben Leise, eter n. kaum h hörbar fügte sie hinzu: „Haben Sie größere?“ e e Ich musste husten und hätte das Glas fast um d mgestoßen. Die ehrliche Offenheit dieser schö t önen jungen Frau emp pfand ich als eine s überau erotisiere us ende Erfahrung, und die Spannkraft meiner d dezentgrauen Gabardinehose aus ei inem Trevira Mischgew webe hielt d dem überras schenden W Widerstand nur dank ei inem Qualit tätsReißverschluss aus guter deutscher Prod s duktion stan Plötzlich nd. h te , er schämt ich mich nicht mehr, Obszönes zu denken, aber imme noch, dass man mir vielleicht die sc chmutzigen Gedanken ansehen kö önnte. Darum gab ich mic in meine Verhalte so souver wie der ch em en rän r Repräsentant eine hochmora er alischen Gla aubensgeno ossenschaft Wie t. ein Vor rbild, unersc chütterlich und fest in seinen mor ralischen Grunds sätzen wollt ich erscheinen, und ich war es n te nicht. Und d dann,
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plötzlic hatte ich den entsch ch heidenden Schritt von d Ordnun zum S der ng Chaos i einen vol in llkommen n neuen, sinnl lichen Erfah hrungsberei ich getan. In diesem M Moment dachte ich, da ich denk sollte, aber ich ass ken

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____________________ ahnte auch, dass dieser Abend zu einem Hauptgewinn werden konnte, und Petra, die sich nur für mich Sina Sidonius nannte, dachte vermutlich das gleiche.

Die Konversation mit Sina empfand ich als eine inspirierende Erfahrung von unbeschreiblicher Größe. Wann hatte ich mit meiner, vermutlich in einem Anfall von Geistesdämmerung geehelichten Frau, jemals so geistreiche Gespräche geführt? Plötzlich verspürte ich die Leere meiner Ehe, so wie der Leibhaftige das Fehlen anfälliger Seelen in der Hölle. Ein kalter Schauer durchlief meinen Körper. Dort, in meinem grauen Alltag waren nur noch gleichbleibende Intervalle von Tag und Nacht, von Gebrauch, Verbrauch, Verfall und Tod. Aber hier, jetzt und an diesem Ort und mit dieser Frau lockte die pralle Fettlebe mit Dekadenz und Orgien bis zum abwinken. Wie mit der Kraft eines unzerstörbaren Elastikbands verbunden, fühlte ich mich zu ihr hingezogen. Als ich ihr, um das Gespräch nicht abreißen zu lassen, meinen Lieblingswitz vom einsamen Schäfer erzählte, der jeden Abend vor dem Schlafengehen seine Schafe durchzählt: „Ein, zwei, drei, hallo Schatzi, fünf, sechs …“, war es um mich geschehen. Meine im Wesen sehr nüchterne und im schöpferischen Geist sehr bescheidene Ehefrau verstand weder ihren Ehemann, noch meinen tiefgründigen Humor. Aber hier war eine schöne junge Frau, die mir mit einem herzlichen und aufrichtigen Lachen zeigte, dass sie die hintergründige Pointe nicht nur gehört, sondern auch begriffen hatte. Eine Frau, die wie gebannt meinen geistreichen Wortspielen

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______ __________ ______ lauscht und sich aufrichtig a meinen intelligenten Witzen er te, an i rfreuen konnte e. schelmische Mimik sah sie mich a Dann na en an. ahm sie Mit einer s einen k kleinen Schluck aus dem hohen Se m ektglas, bevor sie weite er sprach: „Der arme Schäfer ha nur ein Sc : e at chatzi. Wie traurig für i ihn, dass er beim Bock r kspringen nu zusehen darf.“ ur Einen Mom ment war ich über die mir bis dahin entgange h m ene, aber or rgiastisch-bedeutungsv interpre voll etierte Meta apher mein nes oberflä ächlich betra achtet, banalen Witzes verblüfft. Unwillkürlic s ch musste ich an die große und e e einmalige Liebe auf de ersten Blick L en denken aber dann verwarf ic das sich entwickelnd Hirngesp n, n ch e de pinst wieder Ich fühlte mich in der Gesellscha der inter r. r aft ressanten ju ungen Frau wo Eines w mir blitz ohl. war zartig klar. Ich, nur ich allein war d der Entdecker eines se elten schönen und dazu scharfsinn nigen Schmuc ckstücks un Sina dazu ausersehe meinen W beträc nd u en Wert chtlich zu steig gern. Sinas Vorsc chlag zwisch knappe und eine weiteren hen ern em Schlück kchen aus d dem hohen Sektglas: „T Trinkst Du a auch so gern den n echten Champagn ner?“ und oh eine An hne ntwort abzu uwarten: „La uns ass doch w woanders hingehen. Irg gendwohin wo nicht so viele Leute sind“, w e klang zu verlocken und ich n nd nahm etwas überrascht an, dass sie s t sei. vielleicht hungrig s Die warme Hand, die s sich mit sanftem Dr e sie ruck ziemlic weit ch Oberschenk legte, ve kel ersprach etw Verlock was kendes oben auf meinen O
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h hnung zu be ezahlen. Zuerst zögern nd, und ich beeilte mich, die Rech dann im mmer forsch ging ich mit Sina zu Ausgang Auf halbe Weg her h um g. em sah ich mich noch einmal um, und dann legte ich meinen Arm um

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____________________ ihre Taille, wie um zu signalisieren, dass ich mit dem mir zustehenden Gewinn aus dem Kampf und meiner wohlverdienten Beute als souveräner Sieger den Kriegsschauplatz verlasse. In der Tiefgarage drückte sich Sina an mich und an ein fremdes Auto. Ich erschrak, als sie mir mit heißem Atem ins rechte Ohr hauchte: „Ich will jetzt deine Kokosnüsse klackern hören“ und sich spontan vor mich kniete und den Plastikreißverschluss meiner Hose öffnete. Doch dann war es mir egal, was die zufällig Vorbeigehenden dachten, und Sina Sidonius flüsterte kaum hörbar: „Ich liebe die weichen, weißen Lollys“, denn mit vollem Mund soll man nicht zu viel sprechen. Dann dachte sie: „Verheiratete Schwänze schmecken irgendwie ganz anders“, aber das sagte sie mir noch nicht, sondern erst viel später.

Sina war eine begnadete Oraleuse. Sie sah mich mit gefülltem Mund und ihren blauen, pornografisch blitzenden Augen von unten herauf an, und mir blieb nichts anderes übrig als „Süßes Ferkel“ zu stöhnen und mit meinen Händen ihren Kopf zu ergreifen um ihn rhythmisch im angedeuteten Dreivierteltakt eines Wiener Walzers, der mir spontan in den Sinn kam, zu bewegen. „Du machst es mit so viel Hingabe wie eine zum Tod verurteilte Nymphomanin mit der Aussicht auf Aufschub der Hinrichtung“ wagte ich nicht zu sagen, als ich das erste Mal kam. Im gleichen Moment signalisierte die Alarmanlage des fremden Siebeners mit einem gellenden Ton die unerlaubten Erschütterungen. Der Klang war das weithin hörbare Erkennungszeichen einer

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______ __________ ______ beginnenden Beziehung die v verhängnisv volle Auswirkungen auf mein r f weitere Leben ha es aben sollte.

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Erweckungsspiele

Wer die große Liebe sucht, und sie gefunden hat, und sie auch noch festhalten und im ganzen Glanz erhalten will, und sich vielleicht auch so engagiert, als wäre es eine Lebensaufgabe, muss auch damit rechnen, dass er jeden Tag den Müll wegräumen muss, damit sie weiter strahlt.
Paul van Cre

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Magst meine Ava sehen?“ Sina kicherte leise vor sich hin und ich wusste nicht, was ich auf die Frage antworten sollte, denn ich kannte das Wort nicht, und Wikipedia war für mich momentan nicht verfügbar. Sina sah meinen ratlosen Gesichtsausdruck und sie beantwortete hilfsbereit meine unausgesprochene Frage – die gute Seele. „Es ist die Stelle zwischen meinem Anus und meiner Vagina. Magst sie mal sehen?“ Mir fehlten die Worte, denn so viel charmante Frivolität war ich nicht gewohnt. Aber dennoch war ich von der ansehendlich proportionierten und so schamlos direkten Gesellschaft mehr als nur sehr angetan. Ausserdem war ich von den virtuos-oralen und gleichzeitig aktiv-unkomplizierten Vorgehensweise meiner neuen Bekanntschaft inspiriert und voller Vorfreude auf die vielen Varianten in einer möglichen Fortsetzung. In Gedanken begann ich mir schon die Frage zu stellen, ob mir das sehr attraktive Hinterteil in dem die

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______ __________ ______ Figur äusserst vort teilhaft beto onenden Ko ostüm eben viel Freu nso ude bereite würde, w ihre mün en wie ndlichen Kü ünste, denn auf diese Kombin nation stand ich damal ganz beso d ls onders. Spontan fie mir ein ur el ralter Kneip penreim ein, den ich vo or Jahren anlässlich e eines Weite erbildungsw workshops über emphatische Verhan ndlungsführ rung von ein nem leicht angetrunkenen und a stotternden Kolleg gehört hatte. gen „Jetzt geht rund. Ers in den Po, dann in de Mund. Dann vor t’s st , en der Kat mit dem Hund.“ Ich musste läc tze m h cheln, aber er wagte nicht, das friv Gedacht auszuspre vol te echen, denn dazu habe ich eine zu gute n e u Kinders stube genos ssen. Als sie mich an der Rezeption eines nahelieg h genden Hotels mit einem v verlockenden Kichern fragte: „Sag mal Honey du hast d g y, doch bestimmt Durst. W Wollen wir u Champa uns agner aufs Z Zimmer brin ngen lassen? stimmte ich trotz m ?“, meiner für de Monat schon über G en Gebühr strapaz zierten Kred ditkarte sofo zu. An dem Abend kam es mir nicht ort d mehr a Plastikg an, den Visa gestattet auch T aufs geld nn Teilzahlung g. Außerd dem hatte ic in Erwart ch tung des vo ollkommene Kommen en ns vollkom mmen verdr rängt, dass ich mit allen Pflichten die ein Ehemann nun ma so hat, au noch ve al uch erheiratet war. w Sina bestel gleich zw Flasche mit der ti llte wei en iefsinnigen Bemerk kung: „Darling, du wills doch sich nicht, da wir im Zimmer st her ass verdurs sten?“ Ich war von der prakti n ischen und vorausschauenden Art t
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meiner geliebten S r Sina, die ich erst wenig Stunden kannte, h ge beeindruckt und m mehr dachte ich nicht, denn der w e weitere Verla der auf Nacht w für auch für mich m etwas Phantasie un im grossen war mit P nd

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____________________ Rahmen vorhersehbar, aber in den Details, das muss ich zugeben, doch überraschend inspirierend. Sina Sidonius, alias Petra F. aus dem Heilbronner Stadteil Neckargartach konnte mehr halten, als ich mir in meinen kühnsten Träumen vorzustellen wagte. Denn Sina zeigte mir, dem in der klassischen Sprint-Variante zwar geübten und darum oft frühzeitig das Ziel erreichenden, aber in der avantgardistisch-sexuellen Kür doch sehr Unerfahrenen, das Spiel mit zwei Sektflaschen, und dass es noch andere Variationen der Genüsse unter Einbeziehung aller Körperöffnungen gab, als Champagner in der konservativen Methode aus Gläsern zu trinken. Angesichts der Ereignisse war mir tiefgründig-philosophisch zumute. Ich dachte an Tucholsky, der als alter Geniesser, wohl um exquisite Sinnesfreuden wissend, einmal sinngemäss gesagt haben soll: „Ein Loch ist ohne den Rand und das Ganze drum herum wenig amüsant.“ In den Sekunden, in denen mir solche Gedanken durch den Kopf schossen, merkte man mir nicht an, dass ich dabei war, den Verstand zu verlieren. Ich konnte nicht mehr zurück, denn es war mir unmöglich, die Augen noch länger vor den Realitäten zu verschließen. Ich hatte das Glück, eine weise Erzieherin des reinen Sehens gefunden und vor mir zu haben. Plötzlich wusste ich, dass ich nur die Augen öffnen musste. Aber dazu bedurfte es einer dominierenden Anweisung, ähnlich dem Schicksal eines Neugeborenen, dem man mit einem leichten Klaps auf den Po die Anweisung gibt, endlich ein Lebenszeichen von sich zu geben. Mit mir geschah ähnliches, ich konnte wieder sehen.

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______ __________ ______ Sina war eine begabte Lehrerin, die sich beh e d hutsam meines morbid Körpers und meine nach Sinn den s er nlichkeit lechzenden Se eele annahm Eine war m. rme Dankba arkeit überk mich sc kam chon beim e ersten zaghaft Rendezv ten vous in dem Moment, als sich me Prinzipa mit m eine alin einer so ouveränen Bewegung eine Zigarette ansteck Ich war kte. unfähig ihr Feuer zu geben, o g, obwohl mei über jede Zweifel in en erhabe enes und nachweislich gutes Benehmen selbs in prekäre st en Situatio onen bekan ist. Mein Hände zitterten zu s nnt ne sehr, als sie langsam auf meine Gesicht, den ihr zustehenden Platz einnahm. m em Mein V Verstand wa wie geläh ar hmt, und ich bewunder was übe mir h rte, er war, ab ich beur ber rteilte es nic In diese Moment war ich wieder cht. em der reb bellischste M Mensch der Welt. Ich fühlte m wie de Rex diabo Sina stim mich er oli. mmte mir da völlig zu. Sie pfiff und ich ihr Rex ka auf allen Vieren an. In meiner h, am n Erinner rung höre ic auch heu noch ihr bestimme ch ute re ende Stimm die me, mir „mach die Aug auf“ befahl. Ich wa willenlos. Wer jemals in der gen ar gleiche Situation war, kann es nachvollziehen. Wir waren ein Paar en r wie Blit und Donn und die ersten gynäkologische Tests auf tz ner en f meinem Gesicht w m waren eine S Sensation. Es war die u E unvergesslic che Champ pagnerprobe für den Ke e enner. Der Austausch u A unserer e Körperf flüssigkeiten besiegelte den glorre eichen Sieg über meine g Unfreih mit dem heißen Dr auf meine persönliche heit m rink Unabhä ängigkeitserklärung. Ic kam und sie übernah cool me ch hm eine Gefühle Nur noch mit ihr wo e. h ollte ich in Zukunft alles erleben un nicht s nd
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mehr d Augen vo der Reali verschließen. Mein Phantasie war die or ität ne e so blind dass ich m beim be d, mir esten Willen nicht vorstellen konn wie n nte, sich die eses geliebt Wesen im Alltag an meiner Seit verhalten te m m te n

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____________________ würde. In meiner vernebelten Vorstellungskraft war es undenkbar, dass sich sogar Göttinnen im Alltag verändern. Als sie über mir war, wollte ich voller Lust hinausschreien: „Das Leben zieht nicht mehr an mir vorbei. Das nasspralle Leben setzt sich endlich auf mein Gesicht.“ Aber es gelang mir nur ein erstickter Laut, denn mit vollem Mund blieb mir nichts anderes übrig als das Gegebene zu nehmen und zu schlucken. Ich muss zugeben, ich war begeistert, denn solche Experimente wagte (oder kannte) selbst meine erfahrene, aber in der letzten Zeit doch zunehmend lähmend routinierte und wohl durch zu viel Vertrauen in das Bewährte sich nicht weiterbildende Jugendfreundin Viola nicht. Mit meinem Gesicht zwischen Sinas Schenkeln begriff ich endlich die Idee der Freiheit als das höchste und erstrebenswerteste Gut der Menschheit und des Mannes. Endlich war meine revolutionäre Kraft zurückgekehrt. Ich konnte wieder zwischen den Alternativen wählen, die den echten Mann von den Jungs unterscheidet. Sina verließ mich am frühen Morgen, nicht ohne mich noch einmal gekonnt mundmäßig zu verwöhnen. Nach einem ausgiebigen Frühstück im Continental-Style entschloss ich mich zu einem kleinen Stadtbummel und genehmigte mir dann ein Mietfahrzeug der Mittelklasse. Es war schon früher Nachmittag, als ich wie in Trance, mit weichen Knien und immer noch leichten Schmerzen in den Testikeln, aber ohne Gewissensqualen gemächlich, aber mit lauter Musik zurück ins heimatliche Sindelfingen zu meiner Frau und meinen Hypotheken fuhr. In Gedanken war ich bei meiner göttlichen Sina mit ihren höllischen Ideen, von denen ich bis zum Vortag nicht

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______ __________ ______ gewuss hatte, das es sie gab und die ic nicht me missen w st ss b, ch ehr wollte. Ich hatt in dieser Nacht viel gelernt, abe die für m wichtig te r er mich gste Erkenntnis war, da es einen gravierend Untersc ass n den chied zwischen einem Heiligen un einem Sü nd ünder gibt. Ein Heiliger hat eine E Vergan ngenheit, ab keine er ber rstrebenswe Zukunf jedenfalls nicht erte ft, s zu seinen Lebzeite Nur der Sünder hat eine Vergangenheit vo der en. on ren nd für er zehr kann, un die Aussicht auf eine Zukunft, f die es sich zu leben lo ohnt. Mal len w ozentig Das erste M seit viel Jahren war ich mir hundertpro wahrt sicher. Im Leben g es Dinge die für die Nachkommen aufbew gibt e, werden müssen. E ist doch s n Es sinnlos, dass etwas ges s schieht, wen nn nieman davon er nd rfährt. Was mir in diese Nacht geschehen ist er t, bekommt nur eine tieferen Sinn, wenn spätere Ge en enerationen davon n erfahre und dara lernen k en aus können. Nur darum hab ich diese Buch r be es geschri ieben.

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____________________ Seidenstrümpfe

Doch soll mein Urteilsspruch nicht zu einer einzigen Frau euch verdammen, Das kann verlangen, bei Gott, selbst eine Ehefrau kaum. Nein, amüsiert euch, doch bergt ein Vergehen sittsam im Dunkeln, Rühmet euch nicht groß eurer Schuld, wenn es einmal geschehn. Meide auch jedes Geschenk, das die andre könnt wiedererkennen, Wähle zum Seitensprung niemals die nämliche Zeit. Und dass dich nicht erwisch' im bekannten Verstecke die Freundin, darfst du mit jeder dich nicht treffen am selben Ort.
Ovid

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Du kannst es mir glauben, auf solche Gedanken kommt nur ein gestandener Mann, wenn er eine Affäre beginnt. Er möchte sich mitteilen, erzählen und mit Gleichgesinnten sprechen. In dieser Phase des Lebens ist es eine besondere Form von Freiheitsdrang und der Bestätigungssucht, die den mittelalten Grandseigneur befällt. Entdecker und Eroberer, von Alexander dem Großen bis, also jetzt fällt mir kein Name der mit dem letzten Buchstaben des Alphabets beginnt, ein, haben es getan, und wollten nur das Eine - Ruhm und Anerkennung. Aus einem einmaligen Seitensprung wurde eine Affäre und durch meine göttliche Sina bekam mein Leben wieder einen Sinn. Für mich war es tiefe und einmalige Leidenschaft. Ich spürte die quälende Liebe mit jeder Faser meines Herzens. Sie war ein Engel, und ich war ihr verfallen und kurz davor, so wie seit Jahrhunderten unzählige Ehemänner auch, zum Zigarettenautomat zu gehen (falls

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______ __________ ______ damals einer in de Nähe gew s er wesen wären) um dann für immer in der n r dunklen Nacht zu verschwind Zum Glück ahnte s nicht wie weit den. sie e hen Sie dere Mittel, um mir ihre Liebe zu zeigen. ich geh würde. S fand and Ich muss zu ugeben, ich war angenehm überra ascht, als m mir meine phantasievo Geliebt wie beiläufig den harmlos klingenden olle te Satz ins Ohr flüsterte: „Schatz (unauffälli s z ig-abschätzender Blick von oben nach unten u wieder zurück, daz ein kaum merkbarer, aber und zu m untersc chwellig vor rwurfsvoller Ton in der Stimme), w müssen für r wir dich ma wieder ei paar neue Hemden und Sweats al in shirts kaufen.“ „Was für eine gute Seele sie doch ist“ ging m spontan durch h mir den Kopf. Der Ged danke, dass sie nur mein Bestes w erzeugte ein will, e beruhig gendes Hoc chgefühl. Ob bwohl, eine kurzen M en Moment kam mir m der intu uitive Gedanke: „Ob sie mich vielleicht unattraktiv finde et?“ Aber bei ih hrem hinreiß ßenden Lächeln und de em verheiß ßungsvollen Blick mit d blitzend blaugrauen Augen n den den (läufige Geilheit pu waren d Zweifel schnell weg e ur) die s ggeblasen, d denn ich eder war ver rliebt und a arglos und d darum anfällig für Versuchungen je Art. Me ental berührt und auch höchst mo h otiviert, schloss ich aus dem s Satz, da jetzt der Prozess de heimliche Legalisie ass er en erung unseres äußerst illegalen V t Verhältnisse beginnen sollte, woz ich nach den es n zu Erfahru ungen der v vergangenen Wochen nicht gänzlic abgeneig war. n n ch gt „Liebling, w wenn du me einst, wann ist dein Ma wieder auf ann Geschä äftsreise? Dann können wir ja mal einen Einka n aufsbumme el machen“, war mei neutral klingende, aber doch b ine beschwingt
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ierte Einver rständniserk klärung. formuli „Schatz, du bist einfac der Beste war der freudig u ch e!“ umhals sfallende Au usruf, ohne dass ich die ganze Tragweite des Satzes e

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____________________ sofort und in seiner ganzen Tragweite begriff. Immerhin muss man ja eine aktuelle, oder besser mehrere Vergleichsmöglichkeiten haben, um das Prädikat „der Beste“ zu verleihen. Aber immer nur das Gute im Menschen sehend, machte ich mir über die kleinen Spitzfindigkeiten der Kommunikation keine Gedanken. Frohgemut ging ich, zusätzlich überzeugt von einem tiefen und treuherzigen Blick aus den ehrlichen und bereits erwähnten blitzblaugrauen Augen, auf den selbstlosen Vorschlag ein. Mir war in meiner emotionalen Vorfreude bewusst, dass Geiz in so einer Situation ziemlich ungeil wäre. Ich war ohne nachzudenken bereit, nicht nur in mich, sondern gegebenenfalls in Maßen auch in meine hingebungsvolle Geliebte zu investieren. Obwohl, für einen kurzen Moment kamen mir die Prioritäten in den Sinn. Die mir zugewiesene Rolle des außerehelichen Lustspenders beinhaltete nicht die Unterhaltsinvestitionen. Nüchtern betrachtet war es die Aufgabe ihres Ehegatten (ich vergaß zu erwähnen, dass meine Geliebte verheiratet war), und nicht die meine. Aber in der Liebe gibt es keine Ordnung und darum sah ich es als eine Art erster Bewährungsprobe meiner bedingungslosen Hingabe und meiner Potenz, der finanziellen. Liebe empörte Leserin, verehrter wissender und erfahrener Leser, deine Vermutung ist richtig. Der Autor war zum fraglichen Zeitpunkt etwas älter, und Sina war, wie du vielleicht schon weißt, sehr viel jünger und sich ihres schmückenden Wertes intui- und manipulativ bewusst. Aber du musst dich um mich nicht sorgen. Ich war und bin nicht so ein verliebter Trottel, der sich in einem letzten Anfall von zweitem Endfrühling von einer flittchenhaften Liebschaft

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______ __________ ______ irreleite lässt. Un verkleide wie ein Pfingstochse lasse ich m en nd en, P mich bis heu nicht. No hatte ic alle mein ästhetischen und ute och ch ne finanzie ellen Sinne zusammen, dachte ich h.

Wenn Frau einkaufe soll es ja und wie m hört, fü uen en, a man ür Männe eine Qual sein. Ich be er ehaupte, die Qualen be efallen ausschließlich verh heiratete M Männer. Das hat seinen Grund. Ma s an kennt d Ausgabe die egewohnheiten der Angetrauten u der und Einkauf fsvorgang is eine meh oder weniger lästige Pflicht zur st hr Vorrats sergänzung unter Berü ücksichtigun des verfü ng ügbaren und meist d zu gerin ngen Kapita als. Dagegen ve erhalten sic verheirat ch tete Männe im mittler er ren Alter, d vom Ehe die e-Alltag abgestumpft dahinvegetie eren, und die mit Umsich und Beda ht acht eine lei idenschaftli iche Affäre kultivieren, , vollkom mmen anders. Sie verfa allen unter Ausschaltun des Groß und A ng ßKleinhirns einem h hedonistisch Sorglos hen sigkeitssynd drom. Man k kann dieses V Verhalten a auch mit dem berühmt „Spiel m dem Feu ten mit uer“ bezeich hnen. Das Spiel mit dem Feuer beginnt dann, wenn die A m , Affäre über eine gewisse Zeit, so etw ein halbe Jahr nich aufgeflog ist. wa es ht gen Man(n) wird mutig denn er hat gelern mit dem Sprengstof und ) ger, nt, ff den Ge efahren eine jederzeit möglichen Explosion u er umzugehen. Außerd dem spielt d männliche Geltungstrieb eine besondere Rolle. der Solche Konstellatio onen sind d dann besond brisant wenn die Affäre ders t, im Verg gleich zu de legalen Verbindung und entgegen der sons er u stigen
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Gewoh hnheiten und Möglichk keiten sehr vorzeigbar i v ist. Du kannst das nicht na achvollziehe Du war noch nie in en? rst einer vergleichbar Situation? ren

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____________________ Es ist wie mit den Autos. Zur Fahrt ins Büro, zum Bio-Markt, oder um die Kinder von der Schule abzuholen nimmt man den dieselnden Familienkombi. Praktisch, geräumig, behäbig, etwas schwergängig in den Kurven und mit weicher, etwas durchgesessener Federung. Unauffällig, immer etwas unaufgeräumt, politisch korrekt und preisgünstig. Den sündteuren Sportwagen lässt man besser in der Garage, weil es einfach obszön wäre, sich bei Tageslicht damit zu zeigen. Andrerseits, wer hat schon mit einem Traktor viel Spaß, wenn man ein gut verstecktes, superheißes Gerät besitzt? Einige Landwirte in abgelegenen Gegenden und Naturfreaks, die einsam im Regen die Furchen ziehen vielleicht. Aber die richtige, die männliche Freude kommt nur auf, wenn man an schönen Sonnentagen voller Stolz zeigen kann, dass man so eine Höllenmaschine besitzt und dazu über die Fähigkeiten und die Mittel verfügt, die Kräfte zu bändigen. Oder „es ist nur schön, wenn du ohne auf die Kosten achten zu müssen, das Biest reitest“, wie mein Onkel, der Philosoph vor langer Zeit einmal sagte. Bei mir traf das alles zu, denn Sina war zum damaligen Zeitpunkt äußerst vorzeigbar und das Einkaufserlebnis versprach das Vergnügen demonstrativen Konsums. Ich war bereit, und dafür schäme ich mich auch heute noch, einem zwingenden Bedürfnis nachzugeben und die egoistische Botschaft auszusenden, die da lautet: „Ihr kleinen Ehekrüppel, seht euch meine Beute an, ich bin der Größte, ich kann mir so ein leckeres Schnittchen leisten.“ Mehr wollte ich in aller Bescheidenheit nicht. Sina verstand meine Sehnsüchte. Mit einem gütigen Lächeln sah sie mich an und dachte: „Heute werde ich ihn Mittagessen nennen.“

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______ __________ ______ Freu dich je mit mir auf einen Einkaufsbum etzt r mmel der besond deren Art.

Shoppen is für Frauen ein situationsbedingt zwiespä st n tes, ältiges Erlebnis. Der weib bliche Teil ei ines Ehepaa achtet a das fami ars auf iliäre Geld. M Mann und Frau halten e zusamme jedenfalls im es en, Allgemeinen. Zwei shopp pende Freundinnen verhalten sich wieder anders, h mehr b bummelig su uchend, um dann ein verträumtes Vor- und m v s Nachm mittägchen o ohne größer Geldausg re gaben im Ca zu beenden. afe Einzelne M Männer gehe los und erwerben da was zu en e as, erwerb beabsichtigt war. A ben Aber eine de ekorative er oder rstmehrm malig ausgef führte Affäre erkennt in ntuitiv die G Gunst der schwac chen Stunde Es geht darum, und das scheint ein weiblic e. d cher Urinstin zu sein, dem schwa nkt achen, also abwesende Teil unte en er Aufbiet tung aller psychologisc chen Tricks den verfügb baren Antei zu il entreiß um dam die Lebe ßen, mit ensgrundlag der legiti ge imen Verbin ndung zu zerst tören. Deko orative und frische Affä ären in män nnlicher Beg gleitung verwan ndeln sich in Sekundenbruchteilen in reißend Werwölfi n n de innen, die skru upellos die männliche Geberhand zerfleische wenn die en, e Kreditk karten nicht schnell gen gezückt werden. D wusste i t nug t Das ich nicht, d denn ich wa verliebt u darum übergab ich meiner ar und ü h angebe eteten Sina vertrauensv die stra voll ategische Te eamleitung und sie bestimmte die Ein nkaufsstätte nach eine uralten, und ich vermute en em
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sch en n genetis bedingte Code im weiblichen Gehirn. Vorzugswe und gan zufällig werden solch ausgesuc die eise nz w he cht, vom So ortiment erl lesen und daraus resultierend teu und eine uer,

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____________________ größere Auswahl hochmodischer Kleidungsstücke für Mann und Frau gleichermaßen vorrätig haben, und außerdem bei jungen Frauen total angesagt sind. Ich bekam den Part des Investors zugewiesen und vergaß vor lauter Freude den Rat eines bekannten Bankiers: „Investoren sind dumm und frech, sie wollen ihr Geld wieder sehen und sie wollen etwas dafür haben.“ Das Humankapital, in diesem Fall der verliebte Raoul und das süß stöckelnde Sahnestückchen als überaus vorzeigbare Begleitung, betraten Arm in Arm eine dieser durchgestylten Einkaufsstätten, in einer Straße, die es in jeder Großstadt gibt, und die beim Normalbürger üblicherweise als gut und teuer verschrien ist. Leise Musik empfing uns und mich traf der erste Satz vollkommen unvorbereitet: „Schatz guck mal da, die find ich toll!“ Wie befohlen guckte ich. Sina steuerte (mit dem souverän wirkenden Autor als noch benötigtes, aber eigentlich lästiges Anhängsel im Schlepptau) zuerst einmal, vermutlich um mich in Sicherheit zu wiegen und gegen meinen inneren Drang nach Wohlfeilem, zielstrebig auf die chromblitzenden Regale mit den hochmodischen Sweatshirts zu. „Oh Schatz, die stehen dir bestimmt gut“ war die emotional erregt klingende Stimme, die meinen Willen paralysierte, weil ich an anderes dachte. Ob des freudigen Ausrufs meiner süßen Sina und die Situation sofort durchblickend, begannen sich mehrere Verkäuferinnen unauffällig in einer strategischen Ausgangslage aufzustellen – immer bereit der Dame zum Nachteil des Herrn behilflich zu sein. Das sah ich nicht, denn ich war geblendet. Einen kurzen Moment sah ich vor meinem geistigen Auge einen jungen

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______ __________ ______ Wuschelhund, der das erste M in seine Leben auf einer üpp r Mal em pigen Somme erwiese her rumtollt und den man irgendwie n d i niedlich find det. Falls du dic schon ein ch nmal mit de Erziehung von kleine oder er g en mittelg großen Hund beschä den äftigt hast, weißt du wa ich meine Am w as e. Anfang lässt man n g noch alles d durchgehen weil die V n, Viecher ja so o niedlich und tapsig sind. Erst später merkt man, oft viel zu spät h g t, welche Fehler man im Unterr e n richt gemac hat, und man würde den cht e Köter a liebsten irgendwo a der Autobahn ausse am an etzen. ar de sigkeit in der Du errätst es, aber kla doch? Jed Nachläss Erziehu und in d Liebe ve ung der erkehrt die Kräfte ins G Gegenteil un mir nd ging es nicht anders. Unter so olidarischer Mithilfe vo geschulte r on em Verkau ufspersonal wurden für mich unmü r ündiges Opfer, einige ( (bitte beachte die Mehrz zahl) Shirts ausgesucht die niema (und ich schon t, and h gar nich mit wachem Versta anziehe würde, denn ich war ht) and en r damals keine Neunzehn mehr. Und jetzt kommt die hinterlistig s t e ge Falle, v der ich d vor dich, lieber m männlicher und darum unerfahrener m Leser e eindringlich warnen mö öchte. Falls du jemals in eine ähnli n ich gefährliche Situati geraten solltest, ac ion chte wie bei Schach a den im auf Wenn du bei der Eröffnu unachtsam bist un nicht i ung nd ersten Spielzug. W nkst, ist alles verloren. Du musst in jeder Seku s n unde das Sp piel mitden aktiv fü ühren und d darfst dich n niemals in die Defensiv drängen lassen. d ve Auch w wenn deine Augen etwa anderes sehen. as Diesen wer rtvollen Rat kannte ich nicht, und die strategische t h Okkupa ation der vie jüngeren Dame bega mit dem Satz: „Sch el ann m hatz,
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die sind super, ich zieh die ma für dich an, damit du siehst, wie die d al a u e aussehen.“ Welcher M Mann könnte schon wid e derstehen, w wenn der zw weite

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____________________ Satz mit einem unschuldigen Augenaufschlag (du erinnerst dich an die blitzblaugrauen Augen), und einer leicht vibrierenden, etwas abgesenkt, betont lockenden Stimme gesprochen wird. „Schahaatz, komm doch mit in die Umkleidekabine, dann musst du nicht draußen allein rum stehen.“ So viel Mitgefühl muss echte Liebe sein, dachte ich. Als aufgeklärter und phantasiebegabter, männlicher Leser wirst du wissen, was dann geschah. Es gehört zum Standardtraumrepertoire jedes gestandenen und auf ehelicher Sparflamme halbgar gekochten Mannes. Auch ich ging in die Falle. In der engen Umkleidemöglichkeit fand folgendes statt: Zuerst wurde langsam die Bluse aufgeknöpft und danach ausgezogen. Dazu muss natürlich auch die Jeans aufgeknöpft werden. Danach bückte sich meine wunderschöne Pretty-Woman, und ich war sozusagen gezwungen, ihren schmalen schwarzen String zu betrachten, der so prachtvoll den jungen Po teilt. Verehrte Leserin, geschätzter Leser, ich weiß, die katholische Kirche sieht „a tergo“ nicht so gern, und die Kaufhäuser ihre Kunden auch nicht. Aber was sollte ich, der verliebt-ahnungslose Raoul machen, wenn ich meinen Verstand angesichts eines sich verlockend dargebotenen Apfels (metaphorisch gesprochen) in ihrer Hand verliere. „Schaaatz, guck mal.“ Meine Brille war zwar wegen der bedrückenden Enge etwas verschoben und beschlagen. Aber ich guckte wieder, wie sie es mir sagte, denn ich konnte nicht anders. Es wäre gegen die Natur gewesen.

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______ __________ ______ Die Shirts f mich sta für anden ihr wirklich gut. Es war eine e Situatio in der m Schwächen übersp on, man pielen und E Entscheidun ngen treffen muss. Doppelt gibt, w schnell und gern gib eine and wer u bt, dere Wahl h der hilflo Mann nicht. hat ose Das Ergebn dieser Einkaufsejaku nis ulation, die, wie du dic ch sicher e erinnerst, fü den Besten unter Vielen und nu zu meine ür ur em Besten war, kann man nur mit allgemein Wohltat beschre nen ten eiben. Es war der aussich htslose Kam zwischen meinen kl mpf n leinen Genü üssen und dem unerwartet großen Limit meine Kreditkar er rten. Du meinst, ich hätte m falsch verhalten? Hätte ich über , mich v mein V Verhalten na achdenken s sollen? Mei Liebe ta ine adeln, knaus sern oder m sogar über ihr Verh mich halten besc chweren? Das konnte u und kann ni iemand von mir verlan n ngen. Ein weitere ich nehm an, typisch männlich Traum, ging in er, me her Erfüllun Ich kam nicht nur in den Genu eines kurzen Handy ng. n uss yQuickie in Verbindung mit ei es inem schne ellen aber ge ekonnten BlowJob. Ich durfte mic sogar, matt wie ich mich nun m fühlte, m fünf h ch mal mit (oder m mehr, ich we es nicht mehr so ge eiß t enau) großv volumigen Einkauf fstüten (ung gefährlich) und einigen kleineren (gefährlich weil n teurer Inhalt) absc chleppen. Warum ich es getan habe? Das is einfach zu erklären. I h st u Ich musste es tun, den der Weg mit der Be e nn g eute zur heimischen Hö ist öhle seit den Zeiten des Neandertalers Aufgabe des Man n nnes. Der M Mann ist nun ma der Jäger und Transp al porteur. Für alles andere ist das W r Weib
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zuständ und darin wird sich auch in den nächsten zehntausen dig h nd Jahren nichts ände ern. Über den Inhalt der Ei inkaufstüten machte ic mir noch keine ch h

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____________________ Gedanken. Als Mann muss man einfach mal hin und wieder etwas wagen. Aber nach meiner Erinnerung waren sie mit Folgendem befüllt: Zwei bunte Sweatshirts und zwei Jeans für mich. In den restlichen vier Tüten waren dann noch einige Kleinigkeiten für die Süße, da ich ja nicht als knickriger, alter Egoist dastehen wollte. Wenn dir, verehrter und sparsamer Haushaltsvorstand, meine Geschichte jetzt schon als nicht zu steigernde Folter erscheint, dann muss ich dich leider enttäuschen. Es gibt immer noch Steigerungen, auf die kein normaler (männlicher) Mensch mit wachem Verstand jemals kommen kann. Auf dem Umweg (beladen mit den Einkaufstüten) durch die Wäscheabteilung, die skrupellose Händler in ihren Hallen so angeordnet haben, dass es kein Entkommen gibt, lauerten weitere Gefahren. Unsensible Männer und miederschlüpfertragende Allerweltsfrauen können die Risiken und Folgen nicht beurteilen. Aber für sensitive Männer bedeutet die geballte Ansammlung von luftigem Nichts eine ernste, finanzielle Bedrängnis. Die Gefahr wird noch verstärkt, wenn der Geliebte seiner Geliebten alle Details seiner freudlosen Ehe erzählt hat. Junge, hungrige Frauen die sich in Affären befinden, haben einen vergrößerten Speicherchip für Benachteiligungen jeder Art und suchen früher oder später den Ausgleich. „Guck mal Schatz, da gibt’s die gleichen Seidenstrümpfe, die deine Frau auch immer kauft!“ Und schon schnappt die Falle zu. Ein unüberlegt gesprochener Satz vor vielen Monaten. Ein kleines Klagen in schwachen Stunden über die Verschwendungssucht meiner Ehefrau. Nichts war

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______ __________ ______ vergess sen. Jeder u unbedachte Satz wurde zur Herausforderung und e e zur moralischen Er rmahnung a die Gleic an chberechtigung und me einer chtung zur f finanziellen Gleichstell n lung meiner Frauen. r Verpflic Ältere und in den vielf fältigen, zw wischenmenschlichen Konstellationen er rfahrene De essous-Verk käuferinnen lauern wie n e hungrig Hyänen a ihre Opf denn sie kennen dieses Phäno ge auf fer, omen. Nur zu diesem Zweck halten s für Menschen wie m sie mich, vom B Besten das Teu uerste bereit. Ich hing in der Dessous-Abteilu fest, zu der ung Mann ja ein errege end-beklem mmendes Ve erhältnis ha Welcher echte at. Mann k kann schon dem sehnli ichsten Wunsch der Ge eliebten nac ch Seidens strümpfen, und dazu e aufregen ein nd-hauchdü ünnes Korse ett, streng englisch, so orgfältig han ndgearbeite und büste et enhebend m mit allen Zu utaten wide erstehen, w wenn es doch ganz selbstlos einem guten m Zweck, der ästheti ischen Freu des Inve ude estors diene soll? Und an en d diesem Ort, zwisch duftigen Körbchen winzigen Strings und m hen n, d hauchz zarten Kleinigkeiten hatte ich endl das Prin der Lieb lich nzip be verstan nden. Liebe ist der Zwa des Nützlichkeitspr ang rinzips unte er Berücksichtigung d Gewichtung. Oder anders ausgedrückt: M der Männer n er t Weib. müssen früher ode später bluten, sonst bockt das W Ich weiß, w dir jetzt durch den Kopf geht, aber es ist n was nicht so wie du denkst. Der Autor geh keinesfalls zu der w hört willensschw wachen Mann. Im Ge egenteil, mir wurde oft bestätigt, dass ich die t e Sorte M Hinterlist selbst ha armlos erscheinender Situationen schnell S n durchsc chaue und d natürlic die chen Hürden eines schw n weren Lebe mit ens
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Bravou meistere. Aber wie ic aus verlä ur ch ässlichen Qu uellen und d durch die intimen Gestän ndnisse einer Vielzahl betroffener und fast im r mmer finanzie ruinierte Männer e ell er erfahren habe, sind solche heimtü ückische

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____________________ Situationen alltäglich. Die meisten Frauen kennen die Beziehung des männlichen Willens zur Sinnlichkeit, die in solchen Situationen anschwillt und größer ist, als die zum virilen Verstand. Und sie nutzen diese kleine Schwäche brutal und schamlos aus. Darum möchte ich dir den Schluss der Geschichte nicht vorenthalten. Wie du vielleicht noch weißt, waren ich und meine wunderschöne Geliebte zum damaligen Zeitpunkt noch anderweitig verheiratet. Zum besseren Verständnis, jeder von uns mit einem anderen Partner. Aus diesem Grund wurden die erbeuteten Schätze in der von mir aus vorgeblich steuerlichen Gründen erworbenen Eigentumswohnung anprobiert. Die für mich bestimmten vier (nicht wie ich irrtümlich annahm zwei) Sweatshirts standen ihr eindeutig besser, als mir. Mit den zwei Jeans hatte ich mich auch ganz klar verkauft. Vermutlich lag es an unserem kurzen Aufenthalt an der Sushi-mit-Prosecco-Bar. Sie waren während des Transports kleiner und darum für mich zu eng geworden. Natürlich versprach mir Sina, dass sie mich in Zukunft von solchem Einkaufsstress verschont und mir die Mühe des Umtauschs abnimmt (oder sich das investierte Geld auszahlen lässt). Den Rest der Einkaufsbeute, das rote und figurbetonte Etuikleid, die Strümpfe aus feinster Seide und Nylon mit Naht, die hauchzarten, aber dafür exquisit teuren LaPerla-Slips mit passenden Büstenheben, dazu drei Paar Pumps mit Absätzen über 9 Zentimeter konnte ich zwar kurz betrachten, aber sie verschwanden und zusammen mit der sündteuren Korsage und der restlichen Beute im Schrank. Du wunderst dich? Es gibt eine einfache Erklärung. Sina traf eine sorgfältige, von Nützlichkeitserwägungen geprägte

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______ __________ ______ Entsche eidung. Ich kannte meine vergötte Sina ja ohne Verpa erte ackung. Es ergib doch kein Sinn, ei bt nen inen in und auswendig bekannten Inhalt g n wieder einzupacke damit m ihn wied auspack Niemand r en, man der kt. d würde so etwas tu Außerde leidet ja die Verpac un. em ckung darun nter, und we weiß, wann man sie später noch mal brauc er h chen kann (nicht Sina, di Verpacku ie ung). Meine Sina hatte in solchen Dingen eine sehr e e praktische Einstell lung. Darum vermute ich, dass sie kein Einzel ist. m e lfall Selbstb bewusste Fr rauen werde in jungen Jahren vo en on selbstb bewussten G Großmütter über raffinierte Verp rn packungstec chniken aufgeklärt. In dem Zus sammenhan erinnere ich mich no an mein ng och ne Großmutter mütte erlicherseits Die hatte auch imme sparsam wie s. er, die Res der Krieg ste gsgeneratio nun mal sind, die bu on unten Verpac ckungspapie von den Weihnacht und ere tsGeburt tstagsgeschenken und die bunten Schleifen fe säuberli ein ich wieder zusammen r ngefaltet un für beson nd ndere Geleg genheiten verwah hrt. „Ist der Beutel leer, lässt sich kein sehen m ne mehr …„ Das wusste ich nich aber den ht, nnoch bin ic nicht verbittert. Mic tröstet au ch ch uch heute n noch der Ge edanke, das meine Inv ss vestitionen nicht umso onst waren. Aber der N Nutzen von mir Ungezählter entsta nicht au and us r stenliebe, denn meiner Blindheit. Es war volkswirtschaftliche Nächs meine Nachfolger konnten da avon profitieren. Aber vermutlich ging es denen genau so, u wir konnten mit un und nserer Liebe einen wich e htigen
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Beitrag für das Bru g uttosozialpr rodukt in De eutschland leisten. Eventuell m möchtest du der vielleicht hoch verschuldet noch u, jahrelang seine Inv vestitionen abbezahlt, von mir ein geeigne nen eten

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____________________ Rat für ähnliche Situationen? Es ist nicht so wichtig, was „Liebe“ wirklich „ist“. Entscheidend ist das Wissen, dass mit zunehmender Dauer einer Verbindung, der Wert der Liebe vom „Nutzen“ abhängt. Mit voranschreitender Zeit muss man investieren können oder verzichten. Ich habe investiert, ich habe nicht verzichtet sondern genossen, und ich bereue nichts. Ich habe daraus gelernt und angenehme Erinnerungen an eine große Liebe. Liebe die mir geholfen hat, dieses Buch zu schreiben um dich vor Schaden zu bewahren. Tu ein gutes Werk und gib dieses Buch an Betroffene weiter.

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______ __________ ______ Philosophisches Korsett

„Kor rsetts sind e wunderbare Erfind eine dung. Sie wirken anz ziehend ohn auszuziehen und Fra kann sie mit ne au wenig Handgr gen riffen der Sit tuation, dem Rückgrat und der Ka m t arriere anpassen.“ “
Sina Sidonius s

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Früher ode später, er er rfahrungsge emäß später als früher wächst im gest tandenen M Mann, zuerst heimlich und unbewu u usst, dann immer stärker und drängender, der W r Wunsch nach Verände erung. Übliche erweise beg ginnt dieser Drang in der Zeit nach der stürmischen r h Jugend, dann wen der Mann in der Mit seines Le nn n tte ebens steht t. Erfahru macht b ung bekanntlich klug und er hat, was w im natür wir rlich auch gö önnen, in de langen Jahren des Kampfes um seine Existenz en K m viel gelernt. Er hat einen Baum gepflanzt ein Haus g t t, gebaut und d eder verlore Er hat hi und dort ein bisschen en. ier t vielleicht auch wie gt Mäuler gesto opft. Die harte Zeit mit viel t gezeug und viele hungrige M Arbeit und wenig Brot gehört zu seiner glorreichen Vergangenheit t g klich noch ze ehrt, so wie die Altvord e deren von von der er gedank Stalingrad, Woods stock, oder 14-18 - und er ist im Fe unbesi d elde iegt. Vielleic ist eine v cht vermögende Großtante bedauerli icherweise verstor rben und ha ihm, wenn er Glück gehabt hat, eine kleine at g ere
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Erbscha mit etwa Barem au einem st aft as us teuerneutra Verstec alen ck hinterla assen. s ach m. Beruflich und finanziell etabliert strebt er na Höherem

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____________________ Auch sein Lifestyle entspricht dem gehobenen Einkommen. Er fährt einen nicht zu auffälligen Obermittelklasse-Pkw mit sorgfältig kombinierter Edelausstattung und er joggt in den neuesten HighTech-Schuhen „Made in Taiwan“ mit amerikanischem In-Logo. Zum kleinen Büronachmittags-Rat-Race trägt er einen seriösen Anzug in Handmade-Optik aus Metzingen, und zur Seidenkrawatte aus Italien die passende mechanische Armbanduhr mit möglichst vielen Komplikationen. Die diskreten Zeichen seines exquisiten Geschmacks sind für Kenner unübersehbar. Sein ästhetischer Lebensstil ist die qualitative Metamorphose seiner sinnlichen Empfindungen. Um da hinzukommen, wo er sich jetzt befindet, war es ein langer Weg. Jetzt, in diesem Stadium des männlichen Lebens, ist der Unterschied zwischen echten Männern und Jungs am Offensichtlichsten. Aus dem ungeschliffenen Jungmann hat sich ein erfahrener Connaisseur entwickelt, falls er nicht resigniert vor dem Fernseher oder dem Daddel-Computer dahin dämmert. So etwa ab dem vierzigsten Lebensjahr möchte der arrivierte Mann, dass die Träume aus den revolutionären Sturm- und Drangjahren seiner Jugend zur Realität werden. Der Eine gönnt sich die vergötterte Harley und träumt von der grenzenlosen Freiheit, weit weg von Familie und Hypotheken, auf dem einsamen Ritt über die Route 66 von 68 und einem gepflegten 69er mit einer gutgeformten Neunzehnjährigen, und nicht von der runden Neununddreißigjährigen, in seinem Haus auf dem durchgesessenen Sofa, das er bezahlt hat. Der Andere erfüllt sich den langgehegten Wunsch nach der längst überfälligen, fülligeren Geliebten, und der Dritte legt sich eine umfangreiche CD-Sammlung längst vergessener

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______ __________ ______ Beat-St zu und investiert in eine 58er Corvette m tars n mit Weißba andreifen u Formen, neben den die aus den Fugen und nen geraten Ehefrau ziemlich bla aussieht Allen Män ne ass t. nnern geme ist ein die Seh hnsucht nac Reinem u Unverfä ch und älschtem au einer us glorreic chen Zeit, in der die W noch au phantasie n Welt us evollen Form men und nic aus kalte Funktion bestand cht en nen d. Manchmal, geprägt du urch sonntä ägliche Pflic chtbesuche bei der Großtante und den visuellen Eindrücke aus unachts a sam liegenden V Versandhauskatalogen aus Weiden und heruml Burgun ndstadt, kön nnen die vir rilen Jugend dträume auc zu einem alles ch m überlag gernden Leb bensziel we erden. Es ist nicht mehr die Frage, ob es t r das gibt, was man unerlaubte erweise und mit glühen d nden Wangen in der spä ätkindlichen Prägungsp n phase geseh hat. Ma weiß jet hen ann tzt, dass es das gibt. N s Nicht Zuhaus im heimi se ischen Woh Essberei das hnich, ist der f falsche, weil konformis stische Plat Da ist ma angepass da tz. an st, darf Ma es nicht, weil zwischen überfä ann älliger Wäsc und che notwen ndigem Abw wasch der u unpassende Platz ist un die notwendige nd Zeit und auch die Muse für de ästhetisc en chen Genus fehlt. Ehe bei ss er mmungslosen Geliebte die zum Lebensstil d gestand en, des denen der hem Manne gehört, w das Navigationsgerä zum mod es wie ät dernen Auto Es ist o. auch ni icht mehr d Frage, ob man es sic leisten ka die b ch ann. Jetzt e endlich kann M Mann es sich leisten. Er ist Schönge und For h eist rscher, er is wer st und we nicht jetzt, wann dann? enn

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Nicht nur a seinen äu an ußeren Attr ributen und seinen, nur Eingew weihten vers schlüsselt m mitgeteilten Träumen, i der erfah ist hrene Mann e erkennbar. Er ist nicht mehr der abhängige Täter, der blindlings

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____________________ seinen Trieben folgt. Jetzt, in diesem Alter überlagern Sinneseindrücke sein Tun und optische Reize beeinflussen sein durch feinsinnige Perfektion geprägtes, intellektuelles Streben. Er steht vor der Problematik, an deren Lösung sogar erfahrene Designer zu oft scheitern. Es ist die uralte Entscheidung zwischen der unerträglichen Leichtigkeit des seienden Seins oder dem monetären Nichts? Die oft überlebensnotwendigen Fragen sind: „Fügt sie sich, oder kann ich es mir leisten? Durch und ab welchem Druck dominiert die Verpackung das Verhalten? Folgt die Funktion der Form, oder hat die Funktion die Funktion, die ideale Form zu formen? Hat sie oder hat sie nicht? Trägt sie es, oder ist sie wirklich echt, die gertenschlanke und biegsame Taille?“ Ich kenne viele Männer und die Geschichte kennt ungezählte Größen, die zur Ergründung dieser existenziellen Fragen Frau und Kinder verließen, Schlachten, Königreiche und Vermögen verloren, um abhängig einer taillierten Geliebten Lola zu dienen, bis zum seelischen und finanziellen Ruin. Für sinnlich Abgestumpfte ist so ein fanatisches Verhalten unerklärlich. Solche Leserinnen und jüngere Leser bis vierunddreißig vollendeten Lebensjahren sind hier auch unerwünscht da vermutlich verständnislos. Es ist wie mit dem Essen. Currywurst und Schnitzel sind Bedürfnisbefriediger für die reduzierten Geschmacksnerven der breiten Bevölkerung. Auf dieser niederen Bedürfnisebene ist die Optik des matschig-aufgequollenen Gekröses im Pappschälchen Nebensache. Die Hauptsache ist die Beseitigung des Hungers. Rauf, gedankenlos reinstecken (die kleine Plastikgabel), runter in den Abfall mit dem Zeug, und zurück zum grauen Alltag mit seiner Maloche.

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______ __________ ______ Der welterfahrene Go ourmand hat vollkomm andere men Begierd Seine V den. Verlangen n nach Nahrun und das überrasche ng ende Arrangement sind gleichwert Faktore Sehr gut kann man diesen tige en. Verhalt tensprozess bei der Entscheidung zum Besuc eines bes s ch sseren Feinsch hmeckerrestaurants mit einer beli iebigen Anz von Ste zahl ernen über dr beobach rei hten. Die äst thetische Optik ist für den Genieß das O ßer entsche eidende Kriterium. Seine Ablehnu Akzepta oder ung, anz anbete ende Begeisterung wird durch das künstlerisc Arrange d che ement visuelle Eindrücke die sein t er e, tiefes Sehne nach übe en erraschende er Perfekt tion ansprec chen, bestim mmt. Über die Qualität der Zutate also en, den Bestandteilen der Speisen, wird nur am Rande diskutiert, d n denn die hoh handwer he rkliche Vera arbeitungsqualität ist unabdingbar re Voraussetzung und bekannt. Es ist die Anordnung d den perf die fekten, optisch Genuss bringt, und der in der Spitzenklas über den hen d sse n zusätzlichen Stern entscheide und damit die Konku et urrenz mit ihrer fetten u ungenießbaren Ha und ausmannsko im kalte Regen ste ost en ehen lässt. Mir wird of und besonders von oberflächlic ft o chen, weiblichen en, e u ch Lesern vorgeworfe dass ich schwierige Themen zu ausführlic und echtsspezifisch sehr ein nseitig beha andle. Aus langjähriger r geschle Erfahru und nac vielen Ge ung ch esprächen mit Betroffe m enen weiß ic ch auch, d mir in d dass diesem kom mplexen The ema nur wenige, sehr erfahre Männer intellektue folgen kö ene r ell önnen. Daru bitte ich dich, um h verstör und imm noch ko rte mer opfschütteln mitlesende Leserin u nd um
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Verstän ndnis für meine Ausfüh hrungen. Nu aus Paritäts- und ur Betroff fenheitsgründen, sozus sagen für de Fall der F en Fälle ist es m ein mir mensch hliches Bedürfnis, die d diffizile Prob blematik die eses speziellen

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____________________ Themas zu simplifizieren. Mein Freund, verehrte verheiratete und miederschlüpfertragende Leserin, es geht um Korsetts. Nicht um krankenkassengeförderte und auch nicht um rosmarinfarbene Gesundheitskorsetts. Es geht um das edel-klassische und handgearbeitete, mit spezieller Schnürungstechnik ausgestattete, die weibliche Figur, insbesondere die Taille der hingebungsvollen Geliebten (nicht die mit Hüftgold gesegnete Körpermitte der Ehefrau) in ästhetische Proportionen stilisierende Korsett. Vom Liebhaber im intimen Männerkreis auch verklärt-frankophil „Korsage“ genannt. Unbemerkt von der Alltagsfrau, missachtet von der Ehetroglodytin und von pseudointellektuellen Blickdichtstrumpfhosenfetischistinnen aus falsch interpretierten Glaubensgründen abgelehnt, beeinflusst es in ungeheurem Ausmaß den gestandenen, männlichen Mainstream-Bundesbürger. Führende Modedesigner haben es längst erkannt. Der Trend geht eindeutig zur schmückenden Geliebten, und nicht nur darum feiert das luxuriöse Korsett ein triumphales Insider-Comeback. Welche Mythen ranken sich darum und warum übt dieses altertümlich anmutende Kleidungsstück einen so extrem aushäusigerotischen Reiz aus? Liegt es an der feinen Schnürtechnik, oder ist es die konsequente, auf sinnliche Domestizierung ausgerichtete Verarbeitung, die den technisch versierten Perfektionisten begeistert? Gehen wir die Angelegenheit zuerst von der sachlichen Seite an. Oberflächlich betrachtet ist das Korsett ein formendes Kleidungsstück zum eleganten Ausgleich der natürlichen

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______ __________ ______ Uneben nheiten des weiblichen Körpers. Es ist auch e eher s n E ein selbstv verständlicher Aspekt, d ein gut dass tgeschnittenes Korsett die t unkont trolliert wuc chernde For in eine für das gesc rm f chulte Auge proportional ästhe etisch akzep ptable Facon bringt, un darum fü jede nd ür intellige ente Frau e zwingend notwendi ein d iges Utensil ist. Aber ei in Korsett hat noch m t mehr Funkti ionen, die ic dir an die Stelle e ch eser etwas ausführlicher erläu utern möch hte. Da Frauen im Allgeme einen, mit Ausnahme d begehrenden A der Geliebt im Beso ten onderen, ein wunder nen rbaren Instinkt für die Dinge besitze und alles bemerken, mit Ausnahme des en , Selbstv verständlich ist es m ein Bedü hen, mir ürfnis, auch meinen unerfah hrenen und darum auf d fklärungsbedürftigen Leserinnen d die unüber rsehbaren V Vorteile eine Korsetts näher zu br es ringen. Zuerst sei b bemerkt, da ein Kors das tiefs ass sett sitzende, weiblic Begehre nach Ver che en rtrauen und Ehrlichkeit erfüllt. Das mag d t s zunäch irritieren klingen, a hst nd aber es ist so und nicht anders. s t Vertrau und da ist allgem bekann kann eine uen, as mein nt, erseits nur durch Ordnun entstehe die andrerseits durc Regeln definiert wir ng en, ch rd. Regeln werden nu eingehalten, wenn Disziplin gefo ur D ordert, Missachtung gebü ührend best traft und be allfälligem Gehorsam auch ei m m Schutz gewährt wi Es ist wie mit den Leitplanken an der Aut ird. L n tobahn, die unk kontrollierte Ausbrech so lange verhinder bis der es hen e rn, Gesetzg geber eine Abweichun gestattet. Oder ande ausgedrückt: ng ers Ein Kor rsett erzeug Vertrauen durch Ord gt n dnung und S Sicherheit in einem n
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ungere egelten und darum unsicheren Leb ben. Für die karrierebewus Frau un noch mehr für die Le sste nd eiterin eines k kleinen Familienunternehmens, ka es eine faszinierende und ann

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____________________ vollkommen neue Erfahrung werden, nicht nur darüber zu reden, sondern Disziplin dort zu beweisen, wo es am schwersten fällt – im Alltag. Du verstehst nicht was ich dir damit sagen möchte? Ich werde es dir erklären. Natur kennt keine Ordnung und darum kann es im Naturzustand auch keine Ordnung geben, weil Regeln fehlen. Im Naturzustand gibt es willkürliche Ausdehnung und aussichtslose Kämpfe gegen wuchernde Pfunde. Darum ist die weibliche Natur letztendlich die Anarchie der Form und die Vergewaltigung der Willensschwäche unter schamloser Ausnutzung der Lethargie. Oder anders ausgedrückt: Ohne fachkundige, männliche Hilfe und Anleitung regiert das Chaos. Das kann man ändern, und du wirst die sogenannten, offenen Türen“ einrennen, wenn du ruhig und vernünftig mit deiner Geliebten über die Vorteile sprichst. Ein Korsett regelt schnürend die Dinge und formt behutsam. Das Korsett passt das biegsame Rückgrat den Bedingungen der Karriere an. Es beseitigt Ängste vor Unebenheiten und tief in der weiblichen Seele versteckte Zwanghaftigkeiten. Zusammenfassen kann man sagen: Ein Korsett befreit von geistigen, seelischen und körperlichen Hemmungen. Es vermittelt vertrauensvolle Sicherheit in einer gefährlichen Welt. Auch wenn es oft vermutet wird, der Zwang des Korsetts ist kein Instrument der Ungerechtigkeit und Unterdrückung, sondern ein Test des Charakters. Das mag dir oberflächlich betrachtet unverständlich erscheinen, aber es liegt auf der Hand. Stabile Stäbe

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______ __________ ______ bieten Schutz vor Nachlässigk keiten und ein gut gesc e chnürtes Ko orsett erzwing einen auf gt frechten un hochgem nd muten Gang. Die rückw wärtige Linie vo Kopf bis zum Hals w gerade Außenstehende om s wird e. interpretieren die Haltung int tuitiv als ma ajestätische Selbstsiche e erheit. Sie zieh Vergleic zum eig hen che genen, oft gebeugten R g Rücken. Das steht s nicht im Widerspruch zum falsch interpr m retierten Ro ollenbild des s frühen Feminismu der 70er und 80er Ja us ahre des letzten Jahrhu underts. Das Korsett ist die ultimative Versöhnun mit dem S ng Sexobjekt, d denn die Haltung und Atmung, der üblicherwe eher na eise achlässig daherk kommenden Frau, wird straff zum ästhetische Vorteil n d en korrigie Die konsequent ge ert. eschnürte Ta betont die Hüften Das aille t n. Rückgrat wird gest trafft und d Korsett zwingt dazu das Gesäß das z u, ß stramm einzuziehe m en. Aber die be ehutsame A Anleitung de Korsett s es stabilisiert n nicht nur den aufrechte Gang der über ihre Tragepflicht stolzen n en r T t Korsett tträgerin. Es versteht sich von selb dass zu einem Kors nur s bst, sett eine ho oheitsvolle K Kopfhaltung passt, die weder gese g enkt noch z zum Himme gewandt u ohne unruhigen Blick sein sollte. Die el und korsett ttragende Frau wird da arum auch niemals die Stirn in n sorgenv volle Falten legen, ode ängstlich die sorgfält ausrasierten n er tig Brauen zusammen n nziehen. Ein stimmiger Gesamtein n r ndruck zwisc chen Haltung Gang und Mimik ent g, d tsteht, wenn die sorgfä stilisier ältig rten und geschmückten Augenbra n auen zu den leicht fallenden n Augenliedern pass sen. Der Gesamteindru in Verbindung mit d uck dem
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fuchsig g-schnürend Gang in passendem Schuhwer mit schm den m rk malen Absätze über elf Zentimeter ist eine exq en r quisite Übu für den ung bekann nten und be egehrten Kn nackarsch au dem man Walnüsse uf n

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____________________ knacken kann (sofern man das will und Walnüsse zur Hand hat). Kein sündteures Fitnessstudioabonnement mit monatelangen Sit-up Quälereien kann solche Ergebnisse erreichen. Welches Korsett das Richtige für die Geliebte ist, bleibt persönlichen Vorlieben des Entscheiders vorbehalten. Das klassische Korsett ist aus edlem Stoff, aber dennoch fest und darum besonders zu empfehlen. Die oft gewünschten Latexkorsetts sind nichts für Anfängerinnen. Die Geliebte wird nach einer ersten und fachlich fundierten Belehrung die Notwendigkeit eines solchen, aber nicht aus Latex erkennt. Der Nachteil von Latex ist, dass das Material viel weicher ist und einen größeren Bewegungsspielraum zulässt, was wie bereits dargelegt und darum verständlicherweise nicht gut ist. Aus der Kindererziehung ist ja auch bekannt, dass jede Nachlässigkeit zur Ungezogenheit führt. Warum also Altbewährtes in Frage stellen? Anzumerken ist, dass es vorwiegend bei weiblichen Verwendern immer noch Wissenslücken über die korrekte Trageweise gibt. Verehrte Leserin, die Schnürung gehört nach hinten und die Häkchen, sofern welche vorhanden sind, nach vorn. Sollten elastische Bänder am unteren Rand angebracht sein, werden daran Strümpfe befestigt, die aus edlem Material von einschlägigen Markenfirmen und nicht vom Kaufhaus-Krabbeltisch sein sollten. An dieser Stelle ist eine kleine Fachbelehrung angebracht, weil das Wissen über subtile Feinheiten in breiten Bevölkerungsschichten weitgehend verloren gegangen ist. Seidenstrümpfe erzeugen beim Gehen, oder beim übereinanderschlagen der Beine ein erotisches Rascheln, das den Kenner um den Verstand bringt. Nylon mit Naht ist

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______ __________ ______ etwas f den Gen für nießer, und nasse Strüm mpfe sind n für den nur extrava aganten Ges schmack in privaten Örtlichkeiten In letztere Fall n. em sind au augensc uch chmeichelnd Latex un Bettlake aus gleich der nd en hem Materia zu empfe al ehlen. Aber auf diese Besonderheit komme ic in B ch einem anderen Be ericht ausführlich zurüc Nur so v sei aus e ck. viel einem erotischen Lehrbu verraten dass scho Großmüt ihren Tö uch n, on tter öchtern den Rat gaben: „Ein züchtiges Mädchen eine Manns s sperson seh leicht hr an sich zu fesseln v vermag, we sie ihm in den Stief pinkelt.“ enn fel “ Doch ich m möchte nicht zu sehr ab t bschweifen und darum komme wir zum ursprünglic en chen Thema zum Korse zurück. a, ett Zur richtige Schnürun gibt es die verschied en ng densten Ansichten und die Experten b e befinden sic seit Jahrz ch zehnten in e einem erbit tterten Glaube ensstreit. Au humanist us tischen und hedonistischen Aspek d kten hat die von mir präfer n riert empfoh hlene Schnü ürung nichts mit Gewalt oder Unterd drückung zu tun, aber v mit intelligenter Su viel ubmission. Aus Qualitä und Dis ätssziplinierung gsgründen s sollte die Schnürung vom an nbetenden Mann vorge enommen w werden. Die ese präzise Vorgehens e sweise hat e einerseits kö örperliche G Gründe, den die nn Schnürung des kla assischen Ko orsetts ist ve ergleichbar mit dem Sp der piel Kräfte b einem S bei Schwerlastk kran unter Voll-Last. An V ndrerseits si ind intellek ktuelle Ingenieurleistun ngen erford derlich, um durch eine raffinie Schnürerte -Hebelwirku und mit geringstem Kraftaufw ung t m wand das grö ößtmögliche Reduzieru e ungsergebni zu erreich Nur ein is hen. n erfahre ener Mann i dazu fäh ist hig.
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Du glaubst das nicht u unterste mir Sex und ellst xismus? Dann beobac chte doch m Frauen b mal beim einpar rken, und du wirst vers stehen. Kommen w nun zu w wir weiteren De etails, deren Beachtung nicht n g

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____________________ nur wichtig ist, sondern beziehungsexistenzielle Dimensionen annehmen kann. Zur Schnürung sitzt oder steht die Geliebte mit dem Rücken zum Mann, der mit der Aktion am oberen Ende des Korsetts beginnt und sich sozusagen zur Mitte vorarbeitet. Das Schnürband wird in die Ösen des Korsetts eingeführt. Die Schnürung sollte mit Bedacht und gleichmäßig überkreuz bis in die Mitte des Korsetts, also bis etwa in Taillenhöhe vorgenommen werden. Falls du kleinere StöhnGeräusche, oder ein „quäl mich nicht Liebling“ deiner Geliebten hörst, soll dich das nicht weiter stören, denn solche Laute sind normal und gehören zu den anregenden Sentenzen in einer ritualisierten Handlung. Bei eher seltenen, vielleicht ärgerlichen Protesten hilft der sachliche Hinweis, dass ein Korsett die effizienteste Methode zur Taillenreduzierung ist, oder die Drohung der sofortigen Trennung von der Unverständigen. Dann ist üblicherweise Ruhe im Quängel-Karton. Für die Geliebte von Vorteil ist, dass die Sorgen um den nicht vorhandenen, flachen Bauch verschwinden. Mit einem Korsett muss keine Frau mehr eigentümliche Substanzen aus schweinteuren, kleinen Döschen trinken. Außerdem wird das Hungergefühl unterdrückt, das ja bekanntlich für den fülligeren Bauch verantwortlich ist. Kleine Inspirationspausen sind zu empfehlen. Jeder Künstler hält hin und wieder inne, um sein Kunstwerk zu betrachten, zu verbessern und um kleinere Nachlässigkeiten zu korrigieren. In der Taillenmitte angekommen, beginnt der schwierige Teil. Achte darauf, dass das Schnürband nicht mehr überkreuzt wird.

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______ __________ ______ Führe d dann das Ba auf beid Seiten einmal doppelt durch d and den e die Ösen. D siehst jet auf beid Seiten eine Schlauf Anschließend Du tzt den e fe. schnürs du wiede überkreuz weiter. Wenn du an d unteren Öse st er W der n angeko ommen bist, zieh das Band von außen nach in nnen durch Ösen. In die b beiden Ende des Schn en nürbandes solltest du e sorgfält s eine tig gebund dene Schleif oder eine kunstvollen Knoten machen. Fü die fe en ür korrekt Knotente te echnik empf fehle ich ein nschlägige F Fachliteratu für ur Hochse eesegler, die im Buchha e andel zu erw werben ist. Nicht empfeh hlenswert is die Schnürband-End ohne Sa und st, den achKunstve erstand zus sammen zu binden. Zum Schluss k m korrigierst d das du Band und die Unebenheiten d Schnüru Die Tai der ung. illenreduzie erung erfolgt durch die b beiden Schla aufen in der Mitte der Taille. Falls deine Geliebte w angewiesen noch be wie ewegungslo steht os oder sit kannst d das Kors durch le tzt, du sett eichtes Zieh in die hen endgült Position bringen. A tige Abschließen solltest d noch nd du kontrol llieren, ob d Ösen akkurat parallel sitzen. Ein bereit die gehalte enes Lineal mit Millime eterunterteilung hilft bei der Abstandmessung u erzeugt ein hübsch Geräusc beim Auftreffen und t hes ch m l den auf dem jetzt prall abstehend Arsch der Geliebten. Wieder rholungen s sind zur Belo ohnung dur rchaus ange ebracht und d werden geschnürt gern entge n t egen genom mmen. Perfektioni isten halten das Kunstw n werk mit de bereit er gehalte enen Digital lkamera für die Nachw fest. Fal die Bänder zu r welt lls lang sin bindest du noch ein zusätzliche Schleife, oder falls nd, ne ,
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dadurch dein ästhetisches Em mpfinden ge estört wird, versteckst du die Bänder unter dem Korsettran r m nd. Leider gibt es über die optimalen Korsetttragezeiten ke e n eine

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____________________ allgemein anerkannten Empfehlungen. Nach meiner persönlichen Erfahrung, steht einer liebenden Geliebten ein Korsett zu jeder Tages- und Nachtzeit. Falls die Geliebte eine karrierebewusste Frau ist, sollte das Korsett auch beruflich getragen werden, denn der bereits erwähnte, selbstbewusst-schnürende Gang (ein dezent bestrumpftes Bein, leicht überkreuz vor das andere) ist für die Karriere förderlich. Wichtig ist, dass sich nicht nur der Körper, sondern auch der widerstrebende Geist der Frau an das Korsett gewöhnt. Ein motivierender Aspekt soll nicht unerwähnt bleiben. Durch den geraden Rücken stehen auch bei der fülligeren, etwas älteren Dame die Brüste wieder so stramm ab wie bei einer siebzehnjährigen Cheerleaderin. Das Letztere allerdings nur bei einem brustfreien Korsett. Damit komme ich nicht nur zu einem brisanten Teilaspekt, sondern auch zu einer ernsten Warnung für meine interessierten Leserinnen. Die Anschaffung eines Korsetts wird oft fälschlicherweise als rein weibliche Angelegenheit gesehen. Das ist falsch. Die Frau als solche mag zwar eine natürliche Beziehung zu allerlei nützlichen Wäscheteilen aus pflegeleichten Materialien haben, aber bei einem Korsett verhält es sich vollkommen anders. Der Korsetterwerb erfordert Erfahrung und großen Sachverstand für eine hochkomplizierte Aktion, über die die Frau aus verständlichen Gründen häufig nicht verfügt. Eine dem Autor vor den Erlebnissen mit Sina gut bekannte und der Erinnerung nach wohlgeformte, aber zeitweilige Gefährtin wollte gefällig sein und überredete, vermutlich voller Euphorie und

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______ __________ ______ Sehnen eine flach n, hbrüstige un beste Fre nd eundin als f fachkundige e Berater zu einer gemeinsam Korsett rin men t-Einkaufsto Die Ber our. ratung der wohlmeinende Freundin führte zum Erwerb eines billigen en n m n Korsett t-Machwerk das seine Namen noch nicht e ks, en n einmal ansatzw weise verdie ente. Die vo orher wund derschönen, schweren Brüste , wurden durch das falsche Kor n s rsett wie üb berreife Me elonen zerquetscht. Das K Korsett und die sich als Gefährtin a s angebotene Dame e sind nie wieder zum Einsatz g e gekommen. Über den V Verbleib der besten Freundin g es leider keine Hinw gibt weise. Diese erschütternde es Beispie einer sow el wohl mensch hlichen, wie auch korse e ettierten Tra agödie zeigt, d ausschl dass ließlich Män nner über den notwendigen, d ästhetischen Sachverstand ve erfügen.

Damit möc chte ich mei philosop ine phischen Be etrachtunge en vorerst abschließe und ich h t en hoffe, dass ich dir helfe konnte. F en Falls du dich fra agst, woher ich meinen reichhaltig Erfahru r n gen ungsschatz h habe, frag Sin Sie wird es dir gern erklären. na.

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Liebes- und vorbereitende Mordzeiten

In Pompeji und Herkulaneum fand man bei Ausgrabungen in die Mauern eingeritzte Sprüche wie diesen: „Hier entsinne ich mich, ein Mädel gevögelt zu haben. Nicht verrat ich's der Gattin, wenn sie vor Neugier auch platzt!“ ____________________

Die Sünde, also Sina wurde schnell zu einer mein Leben bestimmenden Gewohnheit, die ich nicht mehr missen wollte. Ich habe an die ganz große und an die ewige Liebe geglaubt, an gehauchte Treueschwüre und an gestöhntes Liebesgeflüster. Ich war verliebt und ich war meiner Sina bedingungslos treu. Aber das Gefühl des verliebten Herzschlags löste bei mir noch keine Überlegungen über die Ursachen und Folgen aus. Zwar war mir bewusst, dass die junge und unverbrauchte Sina Sidonius purer Sprengstoff war, aber ich bin lernfähig und wollte trotz der Gefahren, die solche Dinge nun mal als wesentliche Eigenschaft besitzen, behutsam und dauerhaft damit umgehen. Trotz und in aller Liebe setzte mein nüchterner Verstand nicht vollkommen aus. Aus vielerlei Gründen erschien es mir besser, wenn Sina zwar nach Bedarf verfügbar, gleichzeitig unter vorsichtigabhängiger Kontrolle, und zwar so, dass sie es nicht als solche empfand, aber sich in sicherer Entfernung vom heimischen Heilbronn aufhielt. Dieser Zustand war zwar für den Normalbürger nur schwer herzustellen, doch durch die langen Jahre als Unternehmer erfahren,

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______ __________ ______ wusste ich was zu tun war. Je war mein Alter kein Nachteil m e etzt n mehr. Aber ic durfte mi nichts vor ch ir rmachen. Mit zunehme M endem Alte sind er größere aber woh e, hlüberlegte Investitionen um der Konkur rrenzfähigke Willen nun mal notw eit wendig. Hotels waren, und das ahn ich intuitiv, für unsere Vorlieb sowohl a Reinlich nte ben aus hkeitswie auc aus Gerä ch äusch- und e eigentlich auch aus fina anziellen Gründen ungeeig gnet. Sina h hatte mir mit dem Hinw auf äuß weis ßerste Diskr retion zu verstehen gege eben, dass s glücklich und äußers ehrsam m sie st mit Mann aus d allerbest Heilbro der ten onner Gesellschaft einem honorigen M verheir ratet und eigentlich nic so sei, wie es vielleicht den An cht w nschein hätte. Nach wenig Wochen war ich zu der schne gen u ellen Entscheidung gekommen, dass w wieder einm der richt Zeitpun für eine mal tige nkt steuerm mindernde Investition gekommen wäre. Das Apparteme in n ent der obe eren Sindelf finger Innen nstadt mit einer großen und nicht e t einsehb baren Terra asse und dem Blick übe den Ort u gleichze auf er und eitig die ehe emalige Hau uswirtschaft tsschule, in der brave M Mädchen ehemals mit Zuc zur Ordn cht nung angeh halten wurden, das mir von einem ihm r m verpflic chteten Stuttgarter Bau uunternehm angebo mer oten worden war, n erschie mir, um d Angenehme mit de Nützlichen zu verbinden, en das em für die beabsichtig gten Zwecke am geeign e netsten. Sina Siodon liebte b nius besondere Spiele und i bewund S ich derte tum, der meiner Phant tasie nicht n nahe ka nur am, ihren Einfallsreicht ges erum zu dis skutieren, w übertra Die weit af. sondern ohne lang drum he
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ert. die Regeln waren von Anfang an klar definie Sina Sidonius war d ge rin Autor ein Nichts. Wenn sie mir mit ihrer N alleinig Hausherr und der A glocken nhellen Stim mme ins Ohr flüsterte: „Darf´s ein bisschen m mehr

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____________________ sein“, war es für mich wie eine göttliche Offenbarung und das Paradies. Aber ich war nicht so einfältig, nur wegen einer Frau den Verstand und noch mehr zu verlieren. Dennoch konnte ich es nicht leugnen. Schon nach wenigen Wochen begann Sina mein Leben in ungeahntem Ausmaß zu beeinflussen. Eigentlich hätte ich es ja wissen müssen und vielleicht ahnst du es schon. Es war der Anfang einer zeitlich ziemlich beschränkten, einer überirdischen und unendlichen Liebe für eine ziemlich kurze Zeit. Das ist aus meiner heutigen Sicht und mit etwas Abstand betrachtet, an sich kein weltbewegendes Ereignis. Solche Dinge passieren täglich an jeder Ecke. Jeder liebt Irgendwas und irgendwie irgendwann, hin und wieder und dann und wann für was auch immer. Jeder Fast-Verhungerte wird alles dran setzen, Dinge zu bekommen, die seinen Hunger stillen, und wenn es nur Fast-Food ist, und für Verdurstende sind sogar schlammige Wasserlöcher Zeichen des Himmels. Heute sehe ich das natürlich anders. Verliebtheit ist ganz offensichtlich nicht eine besondere Art der Kurzsichtigkeit, sondern ein Problem der Nahsicht. Wahrscheinlich hätte mir damals eine stärkere Brille genügt, um mich zu heilen, aber die hatte ich aus verständlichen Gründen nicht auf der Nase. Eigentlich war es nur ein triviales Spiel, das von unzähligen Frauen und Männern so oder so ähnlich jeden Tag gespielt wird. In diesem moralischen Zwiespalt gab es für mich mehrere Alternativen. Die erste Alternative war, die Sicherheit meiner Ehe zu wählen und auf jede wertvolle Erfahrung zu verzichten. Mein Gehirn und mein wacher Verstand hätten mir ja sagen

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______ __________ ______ können „Tu es. Da ist gut un vernünft n: as nd tig!“, aber d waren zum die damalig Zeitpun neutralisiert. Ich ha meine ü gen nkt abe über alles ge eliebte Sina ge esehen, ihr v verträumtes Lächeln und ich las in ihren blitz n zenden Augen:„Was kann es da noch helfen? Du verstehst nun einmal nichts u andere - so sei de wenigst es enn tens mein Hund“, wie Nietzsche in einer H n ähnlich Situation einmal ge hen esagt haben soll. Sie hielt mir ihre Finger n zum ab blecken hin und ich wusste genau wo sie vorh waren. her Welche gestande Mann m wachem Verstand k er ene mit kann da noc zur ch Normalität zurück kkehren. Du kannst immer noch nicht so richtig verstehen, waru ich um mich so hingegebe hatte? Ic werde es für dich, lie o en ch s eber verstän ndnisvoller, männlicher Leser in äh hnlicher Situation, und für d meine v verständnis slosen Leser rinnen in et twas einfach herer, also in geraffte Form erk er klären. Es w der freie Wille eines mündigen war e s n Bürgers der wähle musste. D eine bewusste Ents s en Der scheidung f den für Himme mit Sina u gegen seine (meine Ehe-Hölle getroffen hatte. el und e) e Selbst e dreiköpf ein figer Höllen nhund hätte mich nicht von meine e t er Unbeug gsamkeit ab bbringen kö önnen. Aber die Ep pisode mit S war nic nur der Himmel, so Sina cht ondern auch da vorausse as ehbare Ende meiner sic e cheren Ehe und meines s Wohlst tands. Was soll ich mich beschwer Vom er ren. rsten Mome an ent kannte ich das Risiko der riska anten Inves stition in me einen Gefühls shaushalt. E war scho immer so Je größer die erhofften Es on o: Gewinn umso hö ne, öher das Ris des Tot siko talverlustes Nur Feiglinge s.
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investie eren in ein konservativ Sparbuc mit Micke ves ch erzinsen.

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____________________ Spurensicherung und Geständnis

„Aufhören wirst du zu fürchten, wenn du aufhörst zu hoffen, denn der Hoffnung folgt die Angst. Beides ist das Merkmal eines abhängigen, beides eines in Erwartung der Zukunft beunruhigten Gemütes. Das liegt hauptsächlich daran, dass wir uns nicht auf die Gegenwart einstellen, sondern die Gedanken in weite Ferne vorauseilen lassen... Die Erinnerung bringt die Qual der Angst zurück, die Voraussicht nimmt sie vorweg; niemand ist nur wegen der Gegenwart unglücklich!“
Seneca, 5.Brief

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Es gibt eine goldene Regel in der Kriminalistik. Sie lautet: „Es gibt keine Regel.“ Aber es gibt auch einen weitgehend unbekannten Zusatz zur Darwinschen Evolutionstheorie, den ich dir verraten möchte. „Nur wer wirklich gut ist, überlebt.“ Das bedeutet, der Clevere wird nicht erwischt und die Durchfallquote ist hoch. Daran hätte ich denken sollen. Damals, in meinen jugendlich-revolutionären Sturm und Drangzeiten war es mir eine Berufung. Die gesellschaftsverändernde Forderung „macht kaputt, was euch kaputt macht“, war meine Losung für einen revolutionären Neuanfang. Aber die Wege des Schicksals sind unergründlich und die ohne nachzudenken gerufenen Sätze aus meinen aufrührerischen Jugendtagen sollten jetzt endlich in Erfüllung gehen. Der berühmte Zufall hieb mir mit voller Wucht seine Faust in die Fresse, und beim stolpern bin ich voll auf meine

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______ __________ ______ vorlaut Schnauze gefallen. te e Mein Freun ich bitte dich flehentlich: Falls du dich jem in nd, e mals so eine prickelnde Situation wie in diesem Buch b er en n beschrieben n befinde dann ac est, chte auf jed Kleinigkeit. Verleg ni de iemals dein Brille ne zusamm mit deinem Versta men and. Es sind nicht die g d großen Besond derheiten, e ist der winzige Stein der ein kun es nstvoll erste elltes Gebäud zum Eins de sturz bringe kann. Darum höre, lese und me en erke dir gut: Ble in jeder Sekunde da Tages achtsam wie e Luchs vo dem eib as ein or Überqu ueren einer Autobahn. Auch wenn du denkst, dass du alles n perfekt organisiert hast. In de kurzen Momenten d Zerstreu t t en M der utheit lauern die größten Gefahren. Zwar ist die Technik h n heutzutage e etwas weiter, aber vertra niemals einem Foto , au ohändler, od Jemandem der der dir ein Stück Papie als Quittu gibt. Es gibt gewiss er ung senlose Ges sellen, die ohn nachzufr ne ragen fertig entwickelte Fotos an f e fremde Men nschen herausg geben, die einen Abho olbeleg vorle egen, ohne sich gewiss senhaft zu informieren, ob die Abhole b ende auch dazu berech d htigt ist. Ich kann dir nur raten: Geh fremd, ent tferne sofor deine Spie rt egelreflexka amera, falls du so etwas n u noch besitzt Wirf das untaugliche Teufelsgerät in t. u den nächsten Müllcontainer u kauf dir umgehend ein digital und d les Fotogerät mit ausr reichendem Speicherp m platz. Aber a achte darauf, dass das Gerät gut und sicher in ei inem Tresor verwahrt i r ist. s ummerweis ein se In meinem Fall war es kein Stein, sondern du von mir verwechse elter Abholbeleg für die Fotos vom letzten m Geburt tstag der Familie. Nun w ich, da Fotos nu noch seh selten weiß ass ur hr
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beim Fo otohändler abgeholt w werden müs ssen. Daran kannst du erkennen, dass me Erlebnisse mit Sina schon ein Jahre zu eine nige urück liegen. Doch das soll dich nich irritieren, denn ausg ht gerechnet m mir,

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____________________ dem pseudokonformen Bewahrer des Unantastbaren ist es passiert. Jahrzehntelang hatte ich mich für die Umwelt engagiert. Ich habe grüne Bäume geschützt wo ich nur konnte und jeden wuchernden Busch mit den Augen des Kenners betrachtet. Greenpeace besaß mein volles Vertrauen. Jeder vollschlanke Wal, der nachts und im Regen verloren am Straßenrand herumstand, bekam von mir fünfzig Euro, damit sie sich was Warmes zum Essen und was Anständiges zum Anziehen kaufen konnte. Ich bin brav und politisch voll korrekt mit der mir umgehängten Strohtasche zum Einkaufen in den Bioladen und auf den Gemüsemarkt marschiert, obwohl mir nach leckerem Frischfleisch zumute war. Keinen bösen Gedanken hatte ich beim Aussuchen von Gurken, Feigen und anderem Obst. Ich habe mich mit meinem schmerzhaft gefüllten Beutel abgeschleppt. Immer mit dem Glauben an das Jute und die Kraft der Natur, die es zu schützen galt. Mein Herz war voller Liebe und schon morgens sang ich mit froher Stimme: „Wo wir uns finden, wohl unter Linden.“ Aber nicht Einer hatte mich davor gewarnt, dass grüne Wälder und pure Natur gefährlich sein können. Darum hör auf meinen Rat: Begib dich nicht in Gefahr. Falls es dich danach gelüstet, deinem Dachs mal die Natur zu zeigen, meide unter allen Umständen sonnige Waldlichtungen und bleib mit beiden Beinen auf den befestigten Wegen. Und falls du ganz sicher gehen möchtest, dann verlasse niemals die asphaltierte Bahn deiner Verpflichtungen. Die Leitplanken sind Regeln, die dich vor den Gefahren eines Ausbruchs bewahren. Wenn du meinen Rat befolgst, kann dir eigentlich nichts Schlimmes passieren. Du hast genug von meinen Ratschlägen und möchtest endlich mehr von Sina und von meinem Schicksal erfahren? Bei mir hat sich

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______ __________ ______ alles an nders entwi ickelt, denn ich hatte keinen Freund, der mir mit Rat n k und Hil zur Seite stand. Niemand war da um mich den lfe e d h, sinnenf frohen Natu urfreak zu s schützen. Ich soll nich so dumm herum red sondern endlich er ht m den n rzählen was geschehen ist t? Ja mein Fre eund, es ist bedauerlich und die G Grünen, abe auch er das Bün ndnis 90 we erden es nic gern hören wollen. Ich bin übe eine cht er geballte Überdosis Natur gest s tolpert. In meinem Fall brachten m aturaufnahm besond die herrlichen men, ders wunderschöne Na Detailaufnahmen auf der kleinen, versch hwiegenen W Waldlichtun ng, etwas a abseits am Hölzersee, im hohen Gras, dort w die Bäum G wo me beginnen und das Schilfrohr e endet, mein kunstvoll a n aufgebaute Zweies Frauen-ein-Mann-Beziehungs sgebäude mit lautem K m Krachen zum m Einstur Meine Eh rz. hefrau konn die wunderschönen Detailaufn nte n nahmen der ihr zwei fremd und seh nackten Frauen und des unbeka den hr F annten Herrn im hellen W Waldlichtung gslicht als ei indeutig ihr nicht zugehörige, r aber da nach nä afür äherer Unte ersuchung der vielen B d Bilder als me eine Körpert teile und m meinen nackten Arsch id dentifizieren. Denn sie war nicht ge epierced un Sina in m nd meinen Armen war eind deutig die scharfe Herrin der Silberringe, die sie aber nicht an den Fing e gern trug. Du bist ver rwirrt? Das Rätsel werd ich für dich sofort de entwirr Die Ges ren. schichte mit Sina war die immer g d gleiche, ban nale Geschic chte, die au Johann Wolfgang von Goethe schon selbs uch v st erlebt, und in seinem Faust II, im ersten Akt beschri ieben hat:
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hes msonst bega angen; „Welch Fest ich auch ersann, ward um Pfänderspiel und d dritter Mann, wollten nicht verfan n ngen.“ Es ist nun m unabän mal nderliche Tatsache. Mit einer t

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____________________ leidenschaftlichen Geliebten probiert man das aus, was man sich im trauten Heim nicht traut und auch niemals bekommt, weil man es nicht macht. Ja, ich gebe es zu. Meine Sina war nicht abgeneigt, sich mit frivolen Paaren zur Freizeitgestaltung zu treffen, und ich habe sie nicht daran gehindert, sondern auch mitgemacht. Denn mein Grundrecht auf ausschweifende Orgien wurde in meiner Ehe nicht nur brutal unterdrückt, sondern war auch unerwünscht. Meine verzweifelten Beteuerungen „Schatz, ich weiß wirklich nicht, wie die Fotos entstanden sind“ waren nur noch aussichtslose Floskeln. Von den Vieren war ich als Einziger deutlich zu erkennen. Im Nachhinein ist man immer schlauer. Ich hätte Sabine und Dieter noch deutlicher sagen sollen, dass ich beim fröhlichen Outdoor-Treiben nicht abgelichtet werden will. Auch mein beschwörendes Flehen „Schatz, es ist nicht so wie es aussieht“ war vergebens. Zwar gibt es für den Täter unzählige Wege und Verstecke, aber ich hatte die Hoffnung auf ebenso viele Möglichkeiten der Rettung aus meiner misslichen Situation. Aber es war eine trügerische Hoffnung. Eine sofortige, hochnotpeinliche Hausdurchsuchung meiner intimsten Privatsphäre brachte noch weitere Beweisstücke ans Tageslicht, und in Sekundenbruchteilen entstand eine nicht mehr zu stoppende Kettenreaktion die mich wie eine grausame Lawine überrollte. Angesichts der Beweislage hatte ich jedes Recht auf eine faire und wortreiche Verteidigung verwirkt. Meine Ehefrau bestand als Hintergangene auf ihre Anrechte und auf eine kunterbunte Mischung von Rache-, Schmerz- und Enttäuschungsgefühlen, und ich, der gewissenlose Frevler war der

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______ __________ ______ Furie w wehrlos ausg geliefert. Vielleicht fragst du dic jetzt beso ch orgt: „Wie k konnte so e etwas nur pas ssieren? Wa deine häu ar usliche Vollzugsanstalt nicht siche t er genug? Hattest du es nicht warm, trocke und gemütlich?“ ? u en Die Frage: „Wie konnt ausgerechnet mir so etwas nur te o passier ren?“ habe ich mir im N Nachhinein auch imme wieder ge er estellt. Damit m meine ich n nicht die vor rhersehbare Katastrophe am Schlu der e uss Episode mit Sina. D war als zwingend eintreffende Ereignis e Die e es abzusehen. Jede G Geschichte h eine Urs hat sache, einen Anfang, e ein Mittelteil und imm ein vorb mer bestimmtes Ende. Im N s Nachhinein hat mich vi mehr die Frage bew iel e wegt, was fü Ursachen zum ür Zusamm mentreffen zweier Menschen führt? Diese wichtige Frage k kann ich dir heute bean r ntworten. D Die Ursache ist der „richtige Auge enblick“, de dann erre er eicht ist, we die enn Schmer rzen und Le eiden am größten sind. Dann gibt es nur noch einen h Gedank ken: „Ich wi meinen u ill unerträglich Zustand sofort ändern.“ hen d Wenn du d in diese Zustand befindest, musst du nur noch dich em gleiche ermaßen Betroffene fin nden, und das ist nicht sehr schwe er. Leidend erkennen sich, oft ü de über hunderte von Kilo ometern hin nweg, denn es gibt ja das Internet. A s Auch bei mi musste ei ir infach passi ieren, ich kon nnte mich nicht dagege wehren. Damals war Sina die en wirksam Droge aller verfüg mste gbaren Mitt um mich von meine tel h en Beschw werden zu b befreien. Etwas habe ich daraus gelernt: Man sollte da Leben nicht e s M as
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nach de Länge de Tage bew er er werten, sond dern nach d Zahl der der Ereignisse. Nur aus Erfahrung werden geachtete Experten gen gemach Die Feiglinge und V ht. Versager bleiben brav zuhause hoc cken

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____________________ und fügen sich ihrem Schicksal. Oder wie ein leider inzwischen verstorbener Großonkel vor langer Zeit einmal zu mir sagte: „Sohn“, dann schwieg er einen Moment wie abwesend im Geiste. „Das letzte Mal, wo ich einer Frau vertraut habe, das war in Paris im Jahr 1940. Sie sagte, sie wollte nur schnell mal ´ne Flasche Wein holen gehen. Und zwei Stunden später sind die Deutschen in Frankreich einmarschiert.“ Dann saugte er mit einem schmatzenden Geräusch an seiner Pfeife und ich glaube mich zu erinnern, ein Tränchen, aber nur ein winziges, in seinen alten Auge gesehen zu haben. Nach einigen Minuten nachdenklichen Schweigens folgten kluge Worte eines langen Daseins, die ich dir nicht vorenthalten möchte: „Aber am Ende bedauerst du jeden Schuss den du nicht abgefeuert hast.“ Danach verfiel er in Schweigen und sprach bis zu seinem Lebensende nie wieder ein Wort. Solche unvergesslichen Leitsätze erfahrener Menschen haben den zukünftigen Lebensweg eines sensiblen jungen Mannes geprägt. Die Schlussszene meiner Ehe und meiner großen Liebe möchte ich dir nicht vorenthalten. Sie ist wichtig, damit du, falls du in eine ähnliche Situation gerätst, nicht in tiefe Hoffnungslosigkeit verfällst. Im nächsten Kapitel erfährst du, wie es mir weiter ergangen ist.

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Rettungsve ersuche

„Die So orgen um d deine Existenz bedeute nichts. Es sind nur sc en s chäbige Gefü ühle. Kontoa auszüge, Ve erträge, Besitz und Vers sprechen sind im Angesicht der Ewigkeit noch nicht einmal ein Windhauch A t t h. Für den denkenden Mens schen ist nur der Tod ein existenzielles Problem.“ “
Paul van Cre e

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Während d stressreichen Mona in dene ich alles m der ate, en mir möglich und auch den Versu unterna he h uch ahm, Unmögliches mög glich zu machen, nur um m meine gelieb Ehefrau zu besänft bte u tigen und um Ehe m und Besitz zu rette hatte ich naturgem wenig Zeit für Sina, und en, h mäß , weniger liquide Mittel. Z Zwar bestan noch Ho nd offnung auf einen noch w guten A Ausgang, ab letztend ber dlich befand mich in ein vergleic d ner chbaren Situatio wie der o Varus in der Schlac im düste on olle n cht eren Wald. In meiner bedingung r gslosen Kapitulationser rklärung wa weder Pla und ar atz noch w weniger Kapital für zwei Frauen vorgesehen. E war vorbei und Es gegesse Die gut getarnten F en. Feinde im dichten Gest d trüpp der Absicht und Ziele verhinderten meinen Durchblic ten ck. Dieser Zust tand ist an s nichts Besonderes Jeder der sich sich B s. schon m in so ein Situatio wiederge mal ner on efunden hat weiß, dass unter t s
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strengs Bewach ster hung der Be ewegungs- und Investit u tionsradius ziemlich eingeschr ränkt ist. Mir ging es ni icht anders. Ich stand u . unter r z licht zur abs soluten Bef folgung der mir strikter Observanz mit der Pfl

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____________________ vorgegebenen Regeln, garniert mit meiner bedingungslosen Unterwerfung. Die gemeinsame Haushaltskasse wurde argwöhnisch und Pfenniggenau kontrolliert und das Tageszeitkonto lückenlos überwacht, während das tränengeschmückte Vorwurfskonto Dehnungsstrapazen bis zur Schmerzgrenze erdulden musste. Ich gab mich als perfekter Büßer. Mein vollkommenes Wohlverhalten war mit dem kompletten, mir zu Verfügung stehendem Verwöhn-Aroma, beginnend bei Amsterdam (Blumen aus) bis Zerknirschung (absolute) garniert. Dazu kam mein tiefes und aufrichtiges Bereuen mit dem vollkommen unwirksamen Versprechen, es niemals wieder zu tun. In dieser Situation hätte mich jeder Blumenhändler adoptiert und sofort sein Geschäft durch einen größeren Anbau erweitert. Vielleicht interessiert es dich, was aus meiner sechzehnjährigen Ehe und meiner überalles geliebten Ehefrau geworden ist? Meine kurze Wohlverhaltensperiode hatte nichts bewirkt. Die seelischen Schmerzen, die ich ihr durch meine Affäre zugefügt hatte waren zu groß. Sie wollte Gerechtigkeit für sich und meinen Kopf, aufgespießt auf einer Stange und ausgestellt in der Donnerkuppel der hintergangenen Ehefrauen. Ich wollte es verdrängen, weil mir mein Glaube an das Gute m Menschen Halt gab. Immerhin steht schon in der Bibel geschrieben, dass man dem Sünder verzeihen soll. Aber es war offensichtlich. Sie beabsichtigte, über meinem auf einem Silbertablett liegenden, bluttriefenden Haupt, mit hochgezogenem Rock einen ausschweifenden Tanz zu Ehren von Nemesis aufzuführen, um dann meinen gespaltenen Schädel an ihrem Frauenstammtisch, auf dem

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______ __________ ______ Affenfe elsen der hintergangen Frauen, zur Beguta nen achtung im K Kreis herum gehen zu la assen. Was sollte ich tu Ich war nicht mehr ihr un? r sinhalt. Ich w das arm Würstchen im eigen Darm, d war me nen das Lebens zwar m mutig die Tat eigentlich Taten in Se begang und damit t, h erie gen, avantga ardistische Größe geze hatte, aber nur noc ausgezut eigt a ch tzelt am Tell lerrand lieg zu bleiben hatte. gen Zwar hatte ich nach m e meiner Mein nung meine Missetaten n ausgieb bereut u mich von meiner sc big um chweren Ge ewissenslast zu t befreie Aber me Ehefrau wollte mir nur noch v die Füße en. eine u r vor e kotzen. Ich war un blieb der Sündenboc für die Su nd r ck umme aller jemals r erlitten Verfehlungen, Dem nen mütigungen, Ungerecht tigkeiten un der nd alleinig Verursach aller ehelichen Mis ge her ssstände, st tellvertreten für nd alle Mä änner, die ja bekanntlic nur schla a ch achtreife Schweine sind Alles d. was wir in der Ver rgangenheit gemeinsam erreicht u geschaf t m und ffen hatten, verlor dram , matisch sein Wert und verkehrt sich ins nen te Gegent teil. Es klingt sc chrecklich, a aber du mus dich nich fürchten. Wenn sst ht du das alles verme eiden willst, bleib brav, bezahl dei Hypothe , , ine eken tz el Rente. Dann kann dir ni n ichts passie eren. und set dir ein Zie – deine R Wenn d trotz me du einer Warnu ungen in ein ähnliche Situation kommst, ne denk an mich. Mit dem schön Satz: „E tut mir so leid, ich wusste n t nen Es o nicht w ich tat“ lässt sich zu Beispiel ein Mord e was um einigermaße en entschu uldigen, und man geht über die le d t eidige Angel legenheit nach Aussprechen einer den Verhä ältnissen an ngemessene Strafe, w en wenn es
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g w ech günstig läuft nach der Bewährungszeit, wenn du Pe hast, nach fünf bis sieb Jahren, wieder zur Tagesordnung über. B einer ben Bei aufgeflogenen Aff färe wirkt es nicht. Mei düpierte Frau wollt s ine e te

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____________________ einfach nicht einsehen, dass die Ereignisse ohne ihre Mitschuld niemals geschehen wären. Sie wollte Gerechtigkeit – ihre Gerechtigkeit und nicht das was ich darunter verstand. Aber mir blieb noch ein unantastbarer, wertvoller Besitz. Ich hatte die unerschütterliche Kampfmoral der Heiligen auf meiner Seite. Ich ließ mich geduldig misshandeln und empfand mein Martyrium als verdiente Strafe, damit ich mich über andere erheben und predigen konnte: „Sehet her ihr mutlosen und verzagten Ehekrüppel, ich hab es getan, ich war so mutig, zwei Frauen gleichzeitig zu beherrschen. Das müsst ihr erst mal nachmachen, ihr erbärmlichen Ehewixer.“ Das konnte ich von mir behaupten, und ich, der optimistische Revolutionär war stolz darauf. Nun klingt mein Schicksal für dich vielleicht lustig, aber das war es nicht, denn die moralischen Gesetze hatten nicht nur bei mir kläglich versagt. Sie konnten meinen Zustand der Unfreiheit nicht länger erhalten. Mir war zwar bekannt, dass Befreiungskämpfe keine Fairness, sondern nur unversöhnlichen Fanatismus mit Nachtreten kennen. Aber als ich mich als Betroffener mitten im Scharmützel befand, war es eine ziemlich schmerzliche Erfahrung, dass enttäuschte Liebe kein Herz und kein Mitleid kennt. Ich musste erkennen, dass es in einer Ehe wie im Krieg zugehen kann, und Liebe und Lüge, geforderte Moral und schwere Regelverstöße zusammen gehören. Es war zwölf Uhr mittags, am dritten Tag nach Sylvester, als sie beschloss den Baum raus zu werfen und mich hinterher. Ich bat Gott um Vergebung, es hat nichts gebracht.

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______ __________ ______ „Wehe dem Besiegten war das Geheul der heisshungr m n“ G rigen Hyänen und mein ökonomischen Basis begann grö n, ne s ößere Risse am e Fundam ment zu zeig und zu wanken. Meine Frau u ihre gen M und Scheidu ungsanwält fanden, d jeder Besitz an üb tin dass B berflüssigen n Dingen Eigentum s und me Eigentum ein Verbrechen, sola sei, ein m ange es noch m gehöre u nicht ihr. mir und In ihrer des struktiven G Gemütsverf fassung konfiszierte sie als e Repara ation den mobilen, ehe emals untrennbaren Be esitz, um sic ein ch neues, standesgem mäßes Dom einzuric mizil chten. Der v verbleibend Rest de und dazu die Immobilien mit der schnuckligen Woh hnung für di ie diskreten Stunden mit Sina w n wurden durc das mess ch serscharfe S Schwert des Sch heidungsrichters unpar rteiisch gete Das Tei eilt. ilungsverhältnis war sie ebzig zu fünf Siebzig Pr f. rozent der ersten und z e zweiten Hälfte des verbliebenen Rest tvermögens fielen ihr zu. Fünfundzwanzig Pro s z ozent meiner noch verw r wertbaren Habseligkeite wurden zur Beute en raffgier riger Anwälte, die eine fairen Vergleich ausg en gehandelt h hatten. Die restlichen Erin nnerungen a gute Tage und die H an Hypotheken verblieben bei mir und meiner Bank die Hoffnung, dass ich die r, e ungsschulde eines fern Tages würde zurüc en nen w ckzahlen kö önnen. Trennu Das wa nicht viel, aber imme ar , erhin konnte ich als Aktivposten d die wertvo Erfahrun dass ma dann am meisten ge olle ng, an ehasst wird, wenn man einmal sehr g geliebt wurd verbuch de, hen.

Du findest meine Einstellung unm moralisch? Ich nicht, de ich enn
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habe eine sensatio onelle Entde eckung gem macht. Es gib zwischen den bt n Mensch univers gültige G hen sell Gesetze. Ein davon is das uralte nes st e Gesetz vom Zusam mmenwirken von Koste Nutzen, Stärke und en,

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____________________ Schwäche. Oder anders ausgedrückt: Die Investitionen müssen, wie bei einer altertümlichen Waage in etwa dem Nutzen entsprechen. Zeigt eine Seite Schwäche, schlägt die Waagschale aus und es entstehen Probleme. Eigentlich ganz einfach zu merken. Du glaubst das nicht? Vielleicht erinnerst du dich daran, wenn du gelegentlich ein beliebiges Justizgebäude in einer Stadt deiner Wahl betrittst. Eine junge, meist nur spärlich bekleidete und bedauerlicherweise blinde Dame mit einer Waage und einem Schwert in der Hand zeigt dir den richtigen Weg. Zweifle nicht an der ausgleichenden Gerechtigkeit, wenn sie wahllos um sich schlägt. Es ist aus ihrer Betrachtungsweise gerecht, denn jede Waage unterliegt unseren deutschen Eichgesetzen. So einfach ist Liebe zu verstehen.

Als Fan von Bertold Brecht musste ich zugeben, dass er Recht hatte. „Besitz besitzt - kein Besitz ist Freiheit.“ Am Ende des Trennungsprozesses war ich durch raffgierige Scheidungsanwälte und entsetzlich ungerechte Scheidungsgesetze pleite und abgemagert, aber frei von jeder Belastung durch Besitz. Es war ein grosses und heroisches Gefühl der Unabhängigkeit und der Sorglosigkeit, wenn man von meinem knurrenden Magen und den zugigen Übernachtungsquartieren in kalten Hauseingängen und unter Brücken mal absah. Wenig war mir geblieben. Schön war die Erinnerung an meinen letzten, den knittrigen 10-Mark-Schein mit der abgerissenen Ecke rechts oben. Die Deutsche Mark und der Geldschein sind Geschichte, wie meine Ehe. Auch mein Bauchumfang hatte während der Genesungsphase

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______ __________ ______ aus ver rständlichen Gründen z n ziemlich abg genommen Und auch meine n. Steuer- und Absch hreibungsdif fferenzen mit dem Finanzamt hat m tten sich rel lativ schnell erledigt. D l Denn nach der Investitio in meine d on e verlustreiche Bezie ehung konn ich nicht nur meine Ehe abschreiben, nte t e denn w wenn nichts mehr da ist dann gibt es nichts m t, t mehr zum Abschreiben. Heute mac chen mich d Bewusst das tsein und die Erfahrung stolz, g dass nu mutige M ur Menschen die Kraft aufbringen, mi gefährlich it hen Affären souverän umzugehen Das bedeutet nicht, d ich nun voll n n. dass Selbstm mitleid zerknirscht in m gegang bin und der Welt entsage. mich gen Ganz im Gegenteil solche Erf m l, fahrungen hatten mir g h geholfen, di Liebe ie und ihr Auswirku re ungen etwas gelassener zu sehen. Alles, alles geht s vorbei, doch wir si uns treu Da war ic mir ind u. ch hunder rttausendpr rozentig sich und in Gedanken w ich bei meiner her, war Sina, de mir Treue mit der ich ein neu Leben in Liebe und er en, ues n Frieden beginnen wollte. n

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Interessengeficke (Kopenhagener Deutung der Quantentheorie)

„Man muss den Männern zeigen, was sie sehen wollen. Stil ist, wenn unter einem Nerzmantel ein billiges Kleid aus dem Second-Hand-Shop wie ein schweineteurer Designerfummel wirkt. Und wenn es dazu nicht mehr reicht – Für eine Frau mit Phantasie ist Haut ist immer eine gute Alternative.“
Sina Sidonius

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Ich muss zugeben, es war eine schwere Zeit für mich, und ich war ziemlich eingeschränkt. Meine flüssigen Mittel, die mich bei sparsamster Haushaltsführung für ein ganzes Jahr ernähren sollten, reichten in der zweiten Januarwoche nicht einmal mehr aus meinen Jaguar zu füttern, der darum kurz vor dem Notverkauf stand. Zeitlich sah es auch nicht so gut aus, denn ich befand mich im Kampf um den kleinen Restbesitz aus meiner Ehe. Wenn ich überleben wollte, musste ich kämpfen, und ich war entschlossen, aus der Defensive zu retten was zu retten war. Aber ich befand mich nicht nur im Kampf um meine Existenz. Es war ein dreidimensionaler Mehrfrontenkrieg mit taktischen Manövern und neuen Allianzen. Hinter meinem Rücken spielte sich, von mir unbemerkt, eine lautlose Anpassung der praktischen Interessen ab.

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______ __________ ______ Am Anfang fiel es mir nicht weite auf. Aber in milden g er Nächte hörte ich immer öfte sibyllinisc Sätze vo Sina, wie zum en er che on e Beispie „Schatz, r mich heute Abend nicht an, ich geh heute früh el: ruf h e ins Bett oder „wir können u heute Abend nicht sehen, ich h so t“, uns hab starke Kopfschmerzen.“ Die für mic bestimmt Sätze hatten die gleiche Wirku wie ch ten ung betäub bende Nebelkerzen, mit dem Zwec die Gegend kunstvoll zu ck illuminieren und m vom Ta mich atort und de Taten ab en bzulenken. he öttin den sta arken Drang nach mehr g Tatsach war, dass meine Gö Zuwend dung verspürt hatte. Eigentlich w wäre das ein schöner Drang gewe D esen, wenn er sich nur auf mich, und nicht auf einen andere Sofortglä f en änzer konze entriert hätte. I Nachhinein kann ich es ihr auch nicht verü Im h übeln. Mein ne defizitä är-ökonomis sche Situati ließ ihr keine andere Wahl, als mir ion s die bes scheidene R Rolle des bescheidenen Nachpolierers zuzuwe n eisen. Meine Rolle hatte sich ohne m Wissen gewandelt. Ich war d mein der dritte M Mann und m musste irgen ndwie und möglichst schnell in de m er Kanalis sation verschwinden, je edenfalls so lange, bis m o meine finan nzielle Situatio nicht me so stinke würde, wie sie es ta Sie hat es mir on ehr en w at. nie ges sagt, aber Si war in d guten Ho ina der offnung, da ich dafür ass r Verstän ndnis aufbringen würde, denn ich war und bi tolerant. in Stelle endet mein Traum, von wa te ahrer Liebe und An dieser S treuen Frauen. Ich war verzw h weifelt, und ich verstand nicht meh was d hr, um mic herum ge ch eschah.
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„Warum tu sie mir da an?“ war die Frage a die ich z ut as r auf zuerst keine A Antwort wusste. In mei iner Not fan ich die Rettung in de nd er klassisc chen Physik mit ihren U k Unbestimmtheitsrelatio onen. Geho olfen

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____________________ hat mir die Kopenhagener Deutung der Quantentheorie, die ich allen Hintergangenen nur wärmstens zur Anwendung empfehlen kann. Mein Freund, ich sehe vor meinem geistigen Auge deinen fassungslosen Gesichtsausdruck. Aber die Physik kann auch dir in vielfältigen Liebesproblemen helfen. Ich werde es dir jetzt einfach und nachvollziehbar erklären. Als ich eines Tages dachte, meinen Schmerz nicht länger ertragen zu können, ging ich in einen nahegelegenen Wald, um mein Herzeleid hinaus zu schreien, und um einen Baum, einen wahren Freund zu umarmen. Dabei sah ich nicht nur seine dicken Äste, sondern auch eine kleine Quelle, und plötzlich verstand ich das Prinzip. Im Chaos der Liebe gibt es ein klar strukturiertes Verhaltensmuster, ähnlich einem quirligen Wasserstrudel. Lässt man einer sinnlichen Frau einen Ausweg, vielleicht weil sie sich langweilt, oder beruflich zu wenig belastet ist, dann ändern sich die Strömungsverhältnisse. Wasser verhält sich nicht anders. Öffnet sich links ein Ausweg, dann fließt das Wasser nach links. Achtet man nicht auf die kleinen Lücken auf der rechten Seite, dann fließt das Wasser nach rechts. Beseitigt man unbeabsichtigt ein Hindernis, dann fließt das Wasser genau an dieser Stelle. Hindernisse werden zuerst behutsam umspült, dann gewissenlos untergraben und zum Schluss rücksichtslos weggespült. Das klingt brutal, aber so ist nun mal die weibliche Natur. Mit dieser epochalen Entdeckung musste ich nur noch die Ergebnisse meiner Beobachtungen in nüchterne Mathematik übersetzen. Mein erster Schritt war, mit wachem Verstand und glasklarer Logik die Orte und die Zeiten zu bestimmen, an denen ich nicht wachsam gewesen war, denn nur dort konnten die

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______ __________ ______ Risiken gelegen ha n aben. Ich be egann die Bewegungsg größen, zum m Beispie fehlende Hindernisse unbewach Zeiten, el e, hte Auswei ichmöglichk keiten, denk kbare Orte und den Ak ktionsradius s meiner Geliebten zu identifizieren. Damit bekam ich eine Misc r h chung aus zwe Elemente Nämlich mehrere unumstößlic Tatsach ei en: h u che hen, und dazu den Grad meiner Ke d enntnisse der Tatsache Diese Mischung en. ein ergab e Faktum. Aber das hat mir noch nicht gereicht. Auch m h meine Nachlässigkeiten, mein Vertra auen in das Undenkbare und mein s n Verhalt musste ich bei meinen mathematischen B ten Berechnung gen selbstk kritisch beac chten. Und zum Schluss meiner An nalyse muss der ste Faktor „Perspektiv berücks ve“ sichtigt werd In dies Weise ko den. ser onnte ich mei unglückliches Liebes in sschicksal zi iemlich genau berechn nen. Meine wissenscha aftlichen Berechnungen ergaben e sehr präzises n ein Resulta Ich allein trug die Sc at: n chuld, denn ich war zu vertrauensvoll und zu gedankenlo gewesen os n. Das war ab nur ein T der Ursache, denn auch die ber Teil Perspektive in eine legalisier er rten Verbind dung mit m war mehr als mir erend. Die Q Quintessenz meiner Na z achforschun ngen ließ ke einen frustrie andere Schluss zu Ich war n en u: nicht länger Akteur mit verdientem t m Applaus für Höchs stleistungen Ich war zu nicht ma mehr im n. um al ten rum entbeh hrlichen, we nach Belieben eil Vorspann erwähnt und dar schbaren St tatisten deg gradiert. Sow hatte i es versta weit ich anden. austaus Alles w mir zuge was estoßen ist, war aus ein Wechse ner elwirkung de er
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Möglichkeiten und der einges d setzten Mittel unter Be erücksichtig gung von Zei und Zuwe it endung ents standen. Als kaserniert Beobach mit ter hter eingesc chränktem A Aktionsradi besaß ic keine Cha ius ch ance, die

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____________________ Ereignisse zu beeinflussen. Sina, meine große Liebe waren mir entglitten. Immerhin hatte ich die Möglichkeiten, den Tatort und die Objekte nur mit dem Einsatz meines Verstandes eindeutig identifiziert. Meine sinnliche Geliebte war die neue Geliebte Ihres Arbeitgebers, den ohne Moos ist nun mal nichts los. Jetzt blieb nur noch die Frage offen: „Welche Mittel hat die geile Sau zur optimalen Wirkung eingesetzt?“ Erst sehr viel später habe ich es, mehr durch Zufall erfahren. Sina hatte die Macht ihres roten, und bis dahin noch nie als schnöde Arbeitskleidung missbrauchten Kleides entdeckt. Die optische Wirkung des Kleides und der Seidenstrümpfe, die wir zusammen von meinem mühsam Ersparten gekauft hatten, muss sensationell gewesen sein. Ihr damaliger Arbeitgeber, der Inhaber einer mittelgroßen Heilbronner Druckerei, sah an einem verregneten Montagmorgen seine Aushilfsbuchhalterin inmitten der grauen Aktendeckel plötzlich mit ganz anderen Augen. Natürlich bin ich nicht so blind, um nicht zu wissen, dass achtzig Prozent aller Seitensprünge am Arbeitsplatz ihren Anfang haben. Meine Situation war also nicht die seltene Ausnahme, sondern die alltägliche Regel. Dir mein Freund, der du dich vielleicht in der bekannten SpätMidlifecrisis mit realen Alltagsfrustrationen befindest, möchte ich an dieser Stelle den ermutigenden Tipp geben: „Verzage nicht, Aussehen ist nicht so wichtig, es gibt immer Hoffnung, wenn du über die notwendigen Mittel verfügst, oder zumindest den Eindruck vermitteln kannst, dass du diese besitzt.“ An anderer Stelle werde ich

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______ __________ ______ dir dies Zusamme se enhänge etwas näher erklären. e Bei Sina ko onnte es nur verstandesgeleitet Lie auf den ersten r ebe n Blick m schweren Augentrüb mit n bungen gew wesen sein. Die optisch hen Werte ihres Brötch hen-Gebers gaben nich besonder viel her. M s ht rs Mein Nachfo olger war kle etwas k ein, kugelig und mit schütte eren, und noch wenige Haaren au dem Hint er uf terkopf. Dazu mit einer starken Te endenz auf die „weit über Fünfzig“ zu r ugehend. Mit solchen V M Voraussetzu ungen war er für Sina ein dankbare und dazu noch leicht zu erlegend ne e n de Beute. Kein Vergle mit einem Klassem eich mann wie es der sensib s ble Autor ist, der allen Anfechtun n ngen widers stehen kann wenn er w n, will, was aber nicht zu oft geschieht. In den ersten Momenten der Erkenntnis war ich ziemlic ch enttäus scht. Denn V Verlassen is die ehren st nvolle Variante im Liebesspiel und immer die bes ssere Altern native, als schmählich v verlassen zu u werden was ich als grobe Un n, ngerechtigke empfand Zwar ist e eit d. es etwas A Allgemeines dass Men s, nschen untr werden und Paradiese reu verlore gehen, ab wenn angebetete Engel fallen muss der Mann, en ber E n, im Geg gensatz zur F Frau, die üb blicherweise über ein N e Netzwerk vo on mitfühl lenden Freu undinnen ve erfügt, sein Elend einsa und am unverst tanden auskosten. Da saß ich nun, einsam und unen m ndlich trauri Zwischen ig. n meinem leblosen Mobiliar, m m meinem schw weigsamen Telefon, meiner tiefen H Hoffnungslo osigkeit. Die ersten dre Nächte, angenagelt a e ei am Kreuz s sind angebli die schw ich wersten, abe danach w er wurde es au uch
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nicht besser. Viele Nächte lag ich zitternd wach in m e g meinem zerwüh hlten Bett, m dem Bed mit dürfnis den Mond anzu uheulen, un nd morgen war ich u ns unausgeschlafen und sc chweißgeba adet, wie ei in

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____________________ Junkie auf kaltem Entzug. „Geheiligt und verflucht sei dein läufiger, geiler Arsch“ war noch einer der zahmeren Flüche. In meinen Träumen trieb ich, so wie ich es bei den Professoren Alibori und Abronsius gelernt hatte, einen spitzen Holzpflock mit harten und entschlossenen Hammerschlägen in ihr kaltes Herz. Mit Zweifeln und Verwünschungen über die Weiber, insbesondere die Eine, war ich damit beschäftigt, meine unerträglich schmerzenden Liebeswunden zu lecken. Wer die ganze Bandbreite zwischen Lust und Leiden nicht kennt, braucht mir nichts mehr über Liebe zu erzählen. Ich habe sie gespürt - die Kraft der Liebe in ihrer ganzen Brutalität. Wie mit dem Affen im Genick musste ich alle Höhen und Tiefen des Entzugs durchleben. Für mich gab es nur noch wenig Hoffnung, dass ich jemals wieder clean werden, und ganz bescheiden zum öden Alltag zurückkehren könnte. „Irgendwann ist jeder mal ein Verlierer. Die Kunst ist, es sich nicht anmerken zu lassen.“ Das war mein Trost und die Sätze murmelte ich wie ein tibetanischer Wandermönch seine Gebete, unentwegt vor mich hin. Einige Monate litt ich wie ein schwer verwundetes Tier in einer unzugänglichen Wildnis. Keine Krankenkasse half mir, aber ich hatte ja viel Zeit, meine Wunden ausgiebig zu belecken. Doch dann, langsam, ganz langsam setzte der Heilungsprozess ein. Endlich, auf dem letzten Drittel des Genesungsprozesses begann meine Liebe so schnell wie Vanilleeis in der Sonne zu schmelzen. Ich befand mich auf dem Weg zur Sonne zur Freiheit, zum Licht. Ich war endlich auferstanden aus der Krise, ich der Unkaputtbare, der Stählerne der alle Prüfungen des Lebens

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______ __________ ______ überste ehen kann.

Ich weiß nicht, ob du e weißt? Ohne Verpflichtungen z es O zu leben is ein wund st derbares Ge efühl der Un nabhängigke Jetzt ers eit. st spürte ich die herr rliche Ruhe der grenzenlosen Freiheit, ohne d den materie ellen Besitz meiner Ehe und ohne den sinnlic e chen Stress meiner außere ehelichen Ak ktivitäten. Ich musste mich um nic und nie m chts emand kümme Keine H ern. Heimlichkeit ten, war me Devise und ich hat kein eine tte Zeitpro oblem mehr r. Etwas möc chte ich dir g ganz im Ver rtrauen beic chten: Ich k konnte meine Leiden nich aus eigener Kraft mil ht ldern. So sta bin ich n ark nicht. Ein hoc chwirksame Gegenmit war not es ttel twendig, un ich möch dir nd hte das gro Geheim jetzt verraten. Lieb oße mnis besschmerzen können nur mit starken Liebesdrog bekämpft werden. Um meine Schmerzen zu n gen e n überleb musste ich mit eis ben, e sernem Willen und einer noch stärkeren Konditi meine K ion Körper bis aufs Äußerst belasten. te . Ich suchte willige und möglichst namenlose Gefährtinnen in n Serie fü ein paar S ür Stunden, un sie waren dienstber in allen nd reit Formen und in Üb n berfülle da. F Früher mit Besitz und E Ehestand w waren sie nirg gends zu finden, sie hat tten sich vo mir gut ve or ersteckt. Jet tzt konnte alle meine Gedanken lesen und wollten me Wünsc en n d eine che erfüllen Ich war in der Mehrz der Gebundenen u n. n zahl und Unerre eichbaren da Freiwild, der kapitale Bock, den es mit alle as n en Mitteln zu erlegen galt. n n
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Die tiefe De epression d vergangenen Mona beganne mich der ate en allmählich zu verla assen. Mein Optimismu und mein gute Lau n us ne une kamen wieder zurück, und die Tage wurden wieder heller. r

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____________________ Anschmiegsame Freundinnen, wie die mollige, aber umso obszönere Elke, die extrem gehorsame und schweigsame Susanne, die zur Begrüßung und ohne weitere Worte meinen Schwanz in den Mund nahm und nach einer Stunde und nach dem Putzen der Küche ohne zu sprechen wieder nach Hause ging, und nicht zu vergessen, die bis in die frühen Morgen unermüdliche Sandra, die sich bei mir die ersten Sporen verdienen konnte und die sich dank meiner Tipps und Ausbildung heute als hochbezahlte Domina einen Namen in der einschlägigen Szene machen konnte. Auch meine beste Freundin Viola hatte sich wieder um mich gekümmert, und dann gab es auch einige, deren Namen ich vergessen habe, die mir aber mit viel Hingabe über die kurzen Momente möglicher Rückfälle hinweg halfen. Im Gedenken an diese unbekannten Helferinnen möchte ich kurz innehalten und eine kleine Schweigeminute einlegen.

Dank der vielen und hilfreichen Objekte begann sich Sina aus meinem Gehirn zu entsorgen. Erst für einige Sekunden, dann für Minuten, und nach einigen Tagen waren es schon Stunden. Und irgendwann dachte ich mehr durch Zufall daran, dass ich schon lange nicht mehr an Sina denken musste. Ich war am Ende eines langen Wegs der Rekonvaleszenz angekommen. Immer immer wieder geht die Sonne auf, und eines Tages waren meine Liebeswunden nicht nur vernarbt, sondern verheilt. Meine treulose Göttin war nur noch ein kurzer Zwischenfall in meiner Vergangenheit, und unbedeutend für meine Zukunft. Ich hatte sie ganz einfach vergessen, dachte ich.

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______ __________ ______ Rote Pumps e

„Ich weiss wirklich nicht, ob Böses mit Bösem zu vergelten richtig b t ode falsch ist? Ich kann e nicht wiss weil ich nicht obje er ? es sen, h ektiv zwisc chen Gut un Böse unterscheiden kann. nd Aber we kann das schon?“ er
Sina Sidonius am 27. Ok ktober 2005

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Nietzsche h hatte wiede mal recht Man muss einem Hund nur er t. delt d n das Fell streicheln, sofort wed er mit dem Schwanz, und sein Fell knistert und sprüh Funken. D besonde ht Die eren Ereignisse hatten sich irgendw schon a wie angekündigt Es waren nicht die Vo t. orboten ein nes gewalti igen Nature ereignisses w beispielsweise die Beben bei einem wie Vulkanausbruch, b dem es z riesigen Rauchwolke kommt, bevor bei zu en rote Lava fließt un glühende Steine vom Himmel regnen. Im nd e m teil, g ut. ulsfrequenz war zwar e z etwas Gegent der Tag begann gu Meine Pu höher a sonst, de Susanne hatte am Vormittag die Küche a als enn auf Vorderfrau gebrac was sie immer sehr gewissenh und ohne cht, haft mich zu stören tat Draußen s u t. schien die Sonne in ein S nem samtwe eichen, milchig Licht du gen urch die besonders farb benprächtig erscheinen g nden Herbstb blätter der Bäume. Im Briefkasten waren keine Mahnun n ngen gewese sondern ein Scheck mit einer beträchtlich Summe als en, n k b hen verdien Lohn fü eine gute Arbeit. Am späten Na nter ür e m achmittag m musste
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ich zu m meiner größ ßten Überra aschung erfahren, dass der Scheck auch s k noch ge edeckt war, und der Filialleiter me , einer Bank k kam persön nlich hinter s seinem schu usssicheren Panzerglas hervor, um mir die Ha zu n s m and

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____________________ schütteln. Dann las ich auch noch, dass eine renommierte Fachzeitschrift einen längeren Artikel von mir veröffentlicht hatte und die Leserbriefe waren überwiegend positiv. Es war ein schöner Tag. Dann, ohne Vorwarnung geschah etwas womit ich niemals gerechnet hätte. Ein sensationelles und unvergessliches Ereignis. Das Telefon begann zu klingeln. Ich weiß, Telefone klingeln heutzutage nicht mehr, sondern erzeugen computerisierte Geräusche und für dich ist so ein Vorgang nichts Besonderes. Das Telefon signalisiert jeden Tag unzählige Male unzähligen Menschen, dass irgendjemand eine Reaktion erwartet. Für mich ist ein Telefonsignal normalerweise auch nichts besonderes, aber diesmal war der Ton anders. Er war verlockend, etwas zeitverzögernd, eine Nuance leiser als sonst, demütig bittend und doch bestimmend. Ich hatte es sofort gespürt und darum nicht sofort zugegriffen. Drei-, vier-, nein fünfmal ließ ich diesen besonderen Ton auf mich wirken. Ich sah die jungen Triebe an den Bäumen vor meinem Fenster, die Vögel zwitscherten ihr Lied im Geäst, und dann nahm ich den sich samtweich anfühlenden Hörer ab. Es war alles wieder da, ohne lange Anlaufzeit, die volle Dröhnung. „Sie“ war nach monatelanger Sendepause am anderen Ende der Leitung. „Schatz, ich wollte dich mal anrufen, wie geht es dir?“ war das leise gesprochene (eine bedingungslos-hingebungsvolle Sehnsucht spürte ich aus der Stimme heraus), rituelle Eröffnungsgambit und mir fiel fast der Hörer aus der schweißnassen Hand. „Hi Babe, lange nichts von dir gehört“ war meine zärtlich gehauchte Antwort. Der Telefonhörer begann in meiner Hand leicht

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______ __________ ______ und angenehm zu vibrieren. E war warm und ich sp Er m pürte die aufsteig gende Stärk so mäch wie scho lange nic mehr. E war, ke, htig on cht Es als ob s nie weg gewesen w sie wäre. Ich spü sie und sie war mir so ürte d hingebungsvoll nah wie noch nie zuvor. Sie wollte m und ich kann S mich h es nicht leugnen, i wollte si auch. Ich lehnte mic in meinem Stuhl ich ie ch m entspannt zurück. Aus dem R Radio kamen die melan n ncholischen Klänge von „Time is on my side“ von den legend dären Stone es. Ich, der Un ntote war w wieder im Sp Alles wa vergesse und piel. ar en wünschunge die Pest die ich ihr a den en, an niemals geschehen. Die Verw Hals ge ewünscht ha atte, meine obszönen Flüche, mei aussicht F ine tslosen Schreie nach endlo e osen Qualen, nächtelang in einsam men, dunkle en Stunde Als ob es nie gesche en. s ehen wäre. Meine Gött bedurfte tin e meiner und ich wa der Rette Der quali r ar er. ifizierte Fac chmann, der ultimat und une tive einholbare Lustspende Ein unvergesslicher er. Freund der Einzige der jetzt u in der Not noch he d, und N elfen konnte. Ich war der ambulante Nothelfer ohne Medicopter. Ich war nicht n der r h nur Retter, ich war der weiße, der starke Ritt mit blitz ter zender Rüst tung. „Ich konnte mich nicht melde, mir ging es nicht so gut“ war e mlich niedergeschlagen Antwort, die meine ehrlich ne die ziem mitfühl lenden Frag gen: „Ach herrje. Was ist den pass i siert? Was w war denn lo gerade provozie os?“ ezu erte. Nicht dass ich auf ums ständlich fo ormulierten Lügen scha war. arf So simp bin ich n pel nicht gestric Aber be Klang ih Stimme ckt. eim hrer e musste ich lächeln und lehnte mich ents e n e spannt in meinem Stuh hl
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zurück. Mit der lin . nken Hand ö öffnete ich meinen Gür und dac m rtel chte: „Verzei ihen ist wie eine Mehr e rkampfdiszip mit wei reichende plin it en Folgen. .“

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____________________ „Können wir uns treffen, ich erzähle dir dann alles ausführlich“ war die gehauchte, und ohne weitere Erklärungen, um Verzeihung bittende Antwort. Seit Monaten und zwischen ungezählten Atemzügen hatte ich diesen Moment herbeigesehnt, aber trotz aller Verwünschungen war ich in diesem Moment großmütig bereit der devot Bittenden zu verzeihen. Du musst jetzt nicht an meinem Verstand zweifeln. Ich bin nicht so schwach wie es vielleicht den Anschein hat. Die Ursache für mein Verhalten war in meinem unersättlichen Wissensdrang zu suchen. Erfahrungen sind wertvolle Bausteine des Lebens. Vergessen bedeutet, kostbare Erfahrungen zum Fenster hinaus zu werfen. Mein gutes Herz gierte danach zu vergeben, damit mein Verstand begreifen konnte, was warum und wie geschehen war, denn ich wollte meine Vergangenheit geordnet wissen. Ich vermute, auch du bist gespannt, was sich da ereignet hatte. Allzu viele Neugier-Qualen möchte ich dir nicht zufügen, darum werde ich die Geschichte in einer gerafften und dem Jugendschutz genügenden Kurzform erzählen.

Bitte glaub mir, ich hatte mich wirklich auf diesen Abend gefreut, und ich hatte die besten Absichten. Ich bin nicht nachtragend. Im Gegenteil, ich bin tolerant bis zur Schmerzgrenze und ich kann vergeben und vergessen wenn ich will. Aber mein Ziel für diesen Abend war in dominierender Liebe klar definiert: „Der Sieg muss vollkommen sein. Ich will die geile Mist-Sau am Boden und um Verzeihung bitten sehen.“

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______ __________ ______ In aller Bes scheidenhei mehr wo it, ollte ich nich und das ist nach ht, meinen langen Qu n ualen ja woh nicht zu viel verlangt hl v t.

Wir trafen uns in einem gut beste ernten, und darum d sündteuren Restau urant, das ic für diese Zwecke als besonders ch e s s geeigne ansah. Denn meine monetäre Situation ha sich durch den et S atte erhalte enen Scheck erheblich g k gebessert, was sie nich wissen ko w ht onnte, aber ich schamlos zu meinem Vorteil aus m szunützen g gedachte. was ommen, abe immer no hübsch aus, er och Sie sah etw mitgeno obwohl seit unserem letzten Treffen fast zwölf Mon t nate vergan ngen waren. Die langen schwarzen Haare floss weich u leicht im n sen und m dämmr rigen Licht g glänzend au die schma uf alen, makellos weißen Schulte der Sünd ern derin. Ihr lin nkes Ohr wa frei und i sah die d ar ich drei kleinen Ringe von vielen, nach meinem letzten Wiss n senstand dr reizehn, zwei an der linken Brustwarze drei an den Schamlip n n e, ppen, aber die Aufzählung führt jetzt etwas zu weit, den es waren nur die an ihrem nn n n zarten Ohrläppche zu sehen Das rote, schlicht-hochgeschloss en n. sene, die Figu vorteilha unterstre ur aft eichelnde Kleid stand ih gut, fast zu gut. hr Sie wus was sic gehört, und dass ma dem Sieg das rech sste ch an ger htmäßig ihm Zustehende präsentieren muss. Sie trug darunt das Lud n t ter, der kannte mich genau und wusste, dass ich es durchsc chauen mus sste, den sch hwarzen, glänzenden P Push-up BH (von meine Ersparte em en gekauft der ihre Brüste, was ich an ihr sehr liebte, so dekorat t), s s tiv anhob. Da Sina sch immer auf Eleganz bedacht w muss ich dir hon z war,
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en , h ragegewohn nheiten über de Slip nichts erzählen, denn ich habe ihre Tr ja schon ausgiebig beschriebe Der Verz g en. zicht auf üb bertriebenes Make-u und prot störend Schmuc unterstric den up tzig den ck ch

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____________________ würdevollen Anlass der paritätischen Friedenverhandlungen noch zusätzlich. Offensichtlich wollte sie auf die letzte Information, dass ich finanziell noch etwas defizitär wäre, anstandshalber Rücksicht nehmen. Eigentlich war es ein edler Zug von ihr, der Grundguten.

Schönheit bändigt bekanntlich allen Zorn, und auch ich war zahm wie ein Königstiger unter Drogen. Nur ein kleines Detail warf Fragen auf. Das makellose reine Erscheinungsbild wurde von der medizinischen Halskrause gestört, um die kunstvoll ein dekorativer Schal gewunden war. Zuerst wagte ich nicht zu fragen, aber dann bekam ich Antworten. Wie bereits berichtet, hatte meine Göttin ein Verhältnis mit ihrem Chef. Ich konnte an diesem Abend nicht erfahren, ob ich in der Anfangsphase der Liaison auch noch irgendwo mit im Spiel war. Viel wichtiger sind die unendlichen Gefahren in der klassischen Chef-liebtAngestellte Konstellation, vor der ich dich, sehr verehrte, in einem Abhängigkeitsverhältnis stehende Leserin eindringlich warnen möchte. Bitte präge dir die folgenden Merksätze gut ein. Vielleicht hängst du diese Sätze in einem neutralen Rahmen an gut sichtbarer Stelle deines Schlafzimmers, zum Beispiel an der Kopfseite über dem Ehebett auf.

1.

Merksatz: „Ehefrauen von gutverdienenden, aber etwas älteren Unternehmern sind nicht so blöd wie sie manchmal erscheinen, oder dargestellt werden.“

2.

Merksatz: „Männer oder Frauen in mittleren Jahren und mit

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______ __________ ______ mittlerem bis größere Vermöge haben m em en meist einen Partner, de er/die den D Diebstahl de anderen nicht ohne es fanatische Gegenwehr, verbunde mit unna en achsichtiger r Vergeltung hinnimmt. g .“ 3. Merksatz: „ „Frauen ver rteidigen wertvollen Be esitz wie hu ungrige Löwinnen, die monate elang lecker Kaninche vor sich h re en her hoppeln sa ahen, aber n nicht erreich konnten.“ hen 4. Merksatz: „ „Chefs werd nicht durch die Lie sondern durch den ebe, Sachzwäng zu Entsch ge heidungen und durch D u Druck zum H Handeln gezwungen Die willige Angestellt muss imm und n. te mer ausnahmslos irgendwann entsorg werden. Meist dann wenn gt n, es die fügsame Angest tellte am wenigsten er w rwartet und in d größter Ho offnung ist.“ “

Du musst n nicht traurig sein, denn es ist eine universelle Regel: g n e nehmendem Mannesalter wird die sinnliche Begierde im m e mmer Mit zun zugunsten des materiellen Be esitzes geop pfert. Die Lu lässt nac aber ust ch, nur Bar ist Wahr und bleibt. Darum verlassen C res res Chefs nur in n extrem Situationen, die so selten sind wie ein Bliz men zzard in der Wüste r Gobi, ih Ehefrau um sich m der gelie hre u, mit ebten Anges stellten für ein ganzes Leben zusa ammenzutu Du glaub das nicht? Dann ver un. bst rsucht mal ein nem Kind ein Bonbon w wegzunehm dann ve men, erstehst du, was ich dir s sagen möch hte.
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äterischen A Anzeichen, d der die Zuerst waren es die kleinen verrä

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____________________ Chefgattin unangenehm ins Auge sprangen. Ihr sonst so grauer und nörgeliger Ehemann begann sich wie über Nacht in einen bunten Vogel mit guter Laune zu verwandeln. Eine neue, schicke Lederjacke, modisch bunte Hemden und ein neues Aftershave wurden angeschafft. Er unterschrieb eine Beitrittserklärung für einen Fitnessclub, und vor dem verspiegelten Schlafzimmerschrank übte er heimlich in Unterhosen Posen. Und aus einem ersten Misstrauen wurde Gewissheit, als auf seinen Kreditkartenabrechnungen seltsame Ausgaben auftauchten, die irgendwie nicht zu seinem sonstigen Ausgabeverhalten passten. Der stille Ehefrauenaufschrei: „Seit wann geht der alte Sack in teure Restaurants und Hotels, wenn er steif und fest behauptet, er hätte an dem Tag nur lange Gespräche mit dem Steuerberater geführt“ war wohl das Fass, dass so voll war, dass es zwangsläufig überlaufen musste. Ein cleverer Privatdetektiv war schnell gefunden, der auf Geschäftskosten mit einer Rundumüberwachung des Verdächtigen begann.

Ich weiss, Schadenfreude ist ein verwerfliches Laster. Aber aus eigener Erfahrung kann ich eine hohe Dosis Schadenfreude nur empfehlen. Sie schädigt niemand. Sie regt die Sinne an, mildert Schmerzen und sorgt für genussvolle Stunden. Auch Gerechtigkeit ist ein wirksames Schmerzmittel, wenn man sich als ungerecht Verfolgter fühlt und sie nach vielen Demütigungen endlich bekommt. Dennoch blieben mir einige nachdenkliche Momente nicht erspart, die ich schweigsam, aber mit einer bedenklich gerunzelten Stirn kommentierte.

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______ __________ ______ Dann dachte ich, dass Wiederholungen Erfin ndungen de es Teufels sein müsse denn die Ereignisse führten da dass ich s en, e e azu, h bedingungslos zum Glauben a einen spirituellen Zy m an yklus in eine er gerecht Welt ko ten onvertiert b Alles im Leben wied bin. derholt sich und h lieber F Freund, vere ehrte Leser bitte gla rin, aubt mir, me Wandlung eine hatte e einen tiefen visuellen G Grund. Es ist erstaunlich was eine hoch t h, auflöse ende Kamer für detailgenaue Bild liefert. D Naturbilder ra der Die waren eindeutig u die nack und kten Tatsachen ließen sich nicht Meine vergö ötterte Sina hat all das, was ich dac wegdiskutieren. M chte, was sie nur mit mi macht, weil wir es er e ir rfunden hat tten, mit „ih hm“ versuch zu perfek ht ktionieren. Beeindruck kende Leistu ungen, festgeh halten auf b beeindrucke enden Fotos von bestec s chender Sch härfe und Qu ualität, in be esten Hotels, von dene ich imme dachte, dass en er diese seriös seien, mit einem gräulichen Druckereib , besitzer mit Brille und Bie erbäuchlein Die hinter n. rgangene Ch hefgattin fa and, überwä ältigt von den offensicht tlichen Bildqualitäten, dass es an der Zeit wä für äre, eine Au ussprache u unter versch härften Bedingungen. A Aber nicht s wie so, du es d vielleicht vorstellst, so mit Trän Geschir und dir t nen, rrWohnz zimmereckschrankzertr rümmern. Wirkungsvolle Rache ka W ann exquisite Formen annehmen, wenn man sie richtig plant. , n Die Fotos w wurden nich dem verliebten Meh ht hrfachbesteiger meiner verheirate r eten Ex-Affäre präsentiert. Diese k kleine Rache wäre e zu abge eschmackt u hätte n und nicht der Tra agweite der Folgen r entspro ochen. Die F Fotos bekam der Götte m ergatte, der Ehemann meiner r
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geliebten Sina, die eigentlich Petra hieß, diskret zug e gesteckt. In der verstän ndlichen Wu des Gehö ut örnten demolierte er zu uerst das gemein nsame Haus und die Inneneinricht s tung, was m eigentlich mir

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____________________ ziemlich egal war. Aber dann, sozusagen im Anschluss und als Routinetat, wurde auch Sina ausgiebig vermöbelt. Das Letztere hatte ich selbstverständlich treuherzig verbal und mit empört gereckter Faust aus vollem Herzen bedauert, und mit Tränen in den Augen als rohe Gewalt an Unschuldigen verdammt. Und zum Schluss, ich weiß, es ist schrecklich, aber weil der mit mindesten einem Zwölfender Geschmückte gerade so schön in Fahrt war, verformte er auch noch mit seinem Geländewagen den neuen roten hundertundzwanzigtausend Euro Chefsportwagen aus Zuffenhausen. Eher beiläufig erfuhr ich, dass beim Aussteigen auch noch das Gesicht des Chefs meiner Sina ziemlich verbogen wurde. Dass die unschuldige Sina wenige Stunden später ihren Job verlor und ihr Ehemann nach kleineren Tätlichkeiten die Scheidung einreichte war nur noch die logische Konsequenz aus den abscheulichen Begebenheiten. Hast du schon erraten, warum ich an eine überirdische, alles steuernde Macht glaube? Stell dir bitte, nur mal angenommen vor, der Privatdetektiv hätte im Zuge seine Ermittlungen festgestellt, dass meine sinnliche Göttin auch noch mit mir...? Die Folgen für mich wären nicht auszudenken gewesen. „Armer Schatz, es tut mir so leid für dich“ war meine heuchlerische Beteuerung. Dass ihre Not mir gut tat ahnte sie nicht, denn ich weiß mich den Situationen anzupassen. Es war mein mitfühlender Gesichtsausdruck, der zwischen Erschrecken und tiefster Anteilnahme, verbunden mit einem leichten Kopfschütteln und dem beherzten Ergreifen ihrer zarten Hände, ein perfektes, dramaturgisches Zusammenspiel ergab, und dem Anlass ihrer bedingungslosen Kapitulation mehr als gerecht wurde.

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______ __________ ______ „Du armes Ding, so etwas hast du nicht verd u dient“ flüste ich erte ihr ins O Sie hie den Kopf leicht gese Ohr. elt f enkt, während ich sie gleichzeitig mitfüh hlend in den Arm nahm Ich spürte wie ihre G n m. e, Gefühle und ihr Körper mir dem Krieg r r, gsgewinnler und retten nden, weil liquiden Strohha zuflosse Ich mus der gefa alm en. sste allene Göttin nur die H Hand reichen und sie in Barmherzig n gkeit wieder aufnehme Ich hätte es tun en. e können die Schlan war ber n, nge reit, vor mir zu krieche und die S r en Sohlen meiner Stiefel zu lecken. Aber plötzlich war das Gef r w fühl der Wä ärme verschw wunden. Ich spürte es ganz deutlich, da war nichts mehr, nicht h einmal mehr Mitle absolut Nichts und nur noch L eid, d Leere. Mein ne große L Liebe war erloschen. Plötzlich war mir nach e r einem kalten Bier, aber nicht das Sind delfinger Ge ebräu, das schmeckt nicht, ein sch s hönes gut gez zapftes Pils mit Krone w es sich gehört. Ich w wie g wollte nur n noch ein guter, ein gesc chlechtslose Freund se er ein.

Vielleicht m möchtest du noch erfah u hren, warum sich mein Liebe m ne so schn verflüch nell htigt hatte? Rote Lippen soll man bekanntlich h küssen, aber ich hatte keine L mehr. Es war nicht die Halskr Lust E t rause cht adenfreude. Es waren die Schuhe. Sina hatte rote . d und nic die Scha Pumps zum Kleid a Nicht da ich etwa an diese Kombinatio an. ass as on auszuse etzen hätte Ich finde h e. hochhackige Pumps an schönen e n Frauenfüßen sehr erotisch. Aber zum ers sten Mal sah ich ihre g großen Füße m anderen Augen. Ich hatte keine Lust mehr ihre Füße zu mit e r, küssen.
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Eines habe ich daraus gelernt: Erf e fahrene Me enschen sollten nicht m mehr zu den Personen z n zurückkehre die sie e en, einst geliebt t haben. Am besten scheint mir, Glück und Trennung an ihren En n d g nden

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____________________ zusammenzuknüpfen, dann kann man den Erfahrungsschatz leichter wegtragen. Man muss nur die Vergangenheit hinter sich lassen, bevor man weitermacht. Ich war frei, clean und entliebt. Ich hatte nur noch einen Wunsch: Schick mir jedes Jahr eine Weihnachtskarte, möglichst aus einem weit entfernt liegenden Kloster. Frohen Herzens und mit einem kleinen Lied auf den Lippen begann ich meine neue Freiheit zu genießen. Darum danke ich „Ihm dort oben“, dass er mir rechtzeitig und verantwortungsbewusst die Augen geöffnet, und mich gerettet hat.

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______ __________ ______ Wie ich als Prophet erfolgreich wurde a h

„Wenn ich an Früher denke, dann muss ich auch an die beschi n n issenen Zwä änge der Mo denken Damals war das Lebe unerträg oral n. w en glich. Wo ich auch hinsa überall s h ah, standen unü überwindlic Mauern und es che n gab viele ge efährliche Hindernisse. H Ein Tages ha ich eine Erleuchtu nes atte ung. Damit ich gut und in Ruhe leb kann, brauche ich einen freien Blick. d ben b t ht nes gezogen und dann, d Nehmt es mir nich übel – ein Nachts bin ich losg sie hat sich fa e anatisch gew wehrt, habe ich sie am Hals gepac e ckt, zug gedrückt und beerdigt – meine Mo oral. Jetzt sehe ich endlic klarer.“ ch ______ __________ ______

Männer ab dem fünfzigsten Lebe b ensjahr solle ja bekanntlich en ders g o t besond anfällig sein. Vielen geht es so und mir ging es nicht anders. Es war ein dieser Ta an dem einen ohn erkennba ner age, m ne aren Grund ein spiritue elles Gefühl befällt. Das kommt be gestand s eim denen dann vor, w wenn er spürt, dass die Karawane d Lebens ohne des Mann d einen w weiter gezog ist. Elvis, naja, der nicht, der s ja gen soll wieder rerweckt wo orden sein, aber Jim Morrison und Hendrix w d waren schon lange tot un ich hochg nd gradig auf Depression dosiert. Me D ein bester Kumpel hat sich mit dem Argum tte ment: „Man gönnt sich ja n sonst n nichts“ spon ntan eine 58 Corvette mit Weißb 8er e bandreifen und
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dazu ei 88er Ech ine htblondine aus Litauen gekauft. U ich, wo war n Und ich? Ich war imme noch auf der Suche nach dem Si meines h er n inn vergangenen und den wenige Jahren meines zukünftigen Leb en m bens.

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____________________ Ich befand mich mit einem Fuß in der Vergangenheit und mit einem Fuß in der Zukunft und auf die Gegenwart konnte man angesichts der Perspektiven nur noch urinieren, um es mal mit anständigen Worten zu rauszudrücken. Natürlich war mir die Aussichtslosigkeit meines Kampfes gegen den Verfall bewusst. Überlegung, Wille und Tun gehören nur in der Theorie zusammen und ohne zündende Idee, die beim kreativen Menschen nun mal von einer Muse kommt, sind die drei vorstehend erwähnten Absichten ziemlich wertlose Gesellen. Fragen über Fragen gingen mir durch den Kopf. Sollte ich wie ein Geschlagener liegenbleiben, mich im warmen Bett meiner mentalen Krise hingeben und das dräuende Gefühl zulassen, dass die unwiderrufliche Vergangenheit schon alles im Leben gewesen war? Zuerst zögernd, dann widerwillig und angesichts der Tatsachen resignierend begann sich mein Überlebenswille zu regen und er empfahl mir ein wirksames Mittel gegen destruktive Gedanken: „Steh endlich auf, du musst raus aus deinem Alltagstrott und dein Bewusstsein erweitern, damit du endlich klarer siehst ...“ Das klang vernünftig und ich hörte auf seine weisen Worte, denn gute Ratschläge können ja nicht schaden, solange sie nicht zu sehr schmerzen. Meine innere Stimme kann manchmal ziemlich penetrant sein. Sie hörte nicht auf zu reden und sprach weiter zu mir: „… geh zum Licht. Mach den Kopf frei. Nur du allein besitzt den Mut und die Freiheit, Neues zu wagen.“ Die Ansprache, meine persönliche Ansprache begann zu wirken. An diesem fortgeschrittenen Morgen spürte ich plötzlich ganz deutlich das impulsive Bedürfnis, mich, die Menschheit und ganz

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______ __________ ______ allgeme die Welt zu verändern. Doch noch fühlte ich mich et ein n twas schlaff und auch e einsam, mein Konto wa leer, und was noch ar mer h geweile. schlimm war, ich hatte Lang Da fiel mir ein, dass es vielleicht angebracht wäre, ange s a enehme Gesells schaft zu suc chen. Viola, meine bes Freundin und , ste n geflisse entliche Ber raterin in allen Lebenslagen war w wieder einm nicht mal erreich hbar, denn ihr Handy w abgeschaltet und Zu war uhause, am m heimisc chen Herd, am Staubsa auger, oder dort wo fle eißige Hausf frauen um diese Tageszei im Allgem it meinen besc chäftigt sind war sie nicht. d, Dann d dachte ich sp pontan an m meinen Friseur, den Kü ünstler der S Schere, den Me eister der Colorationen und der se n eichtgeistigen Inspiration. Aber w es mit Kü wie ünstlern so ist, entwed sind die schwul, der überbe eschäftigt, zicken rum, oder wollen sich bitten lassen. Mir sollte n n es nicht anders ge ehen, obwoh ich seit Ja hl ahren den S Status des treuen Stamm mkunden inn nehatte. Nac telefonis ch sch-rhetoris schen Überre edungskunst tstücken me einerseits und dem str u rengen Hinw weis, dass be Verweigerung der er ei rnste Notfal des Wechsels zur billigeren ll Konkur rrenz aus An natolien ein ntreten wür war er a rde, ausnahmsw weise bereit, mir einen k kurzfristigen Termin zu n uzuweisen. D saß ich a Da also, an einem heißen Dien nstagvormit ttag, zwölf Minuten vo 11 Uhr, und ich or spürte, dass ein sc , chlechtes Ka arma durch die heiligen Hallen me n eines sensiblen Friseurs schwebte. Er war entg gegen seine mir bekannten en Gewoh hnheiten sch hweigsam, f traurig. Seine Händ zitterten fast . de n erkennbar und auc ich begann etwas zu zittern, de er hatte ch u enn e
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s n quot verput und ich tzt, bereits ein kleines Fläschchen Veuve Cliq fürchte um mein Ohren un meine Attraktivität. Meine bes ete ne nd A . sorgte Frage, w den los wäre, wur mit eine unüberh was s rde em hörbaren Se eufzer

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____________________ und einem schlürfenden Schlückchen Veuve beantwortet. Dann platzte es fast schluchzend aus seinem Mund heraus: „Heute ist es soweit. Die Welt geht unter.“ Ich war sprachlos, aber nicht überrascht. Die Welt muss ja untergehen, wenn Frauen an der Regierung merkeln und dazu mit den gelben Pfuschen koalieren, und zu allem Elend eine Steuererhöhung nach der anderen das mühsam Ersparte bis weit ins Negative dezimiert. Ich wollte schon tief ergriffen mitleiden und in den Trauergesang der gepeinigten Steuerzahler einstimmen, als er fast hilfesuchend seufzend weitersprach: „Er hat es prophezeit. Heute um Punkt elf Uhr geht die Welt unter. Der Antichrist kommt und das Jüngste Gericht auch.“ Ich war erschüttert. Nicht nur ein Schicksalsschlag, sondern derer gleich drei. Das war selbst mir etwas zu viel. Nach einem Moment der Angst um meine Behausung und der Überlegung, was unter meinem Habseligkeiten wohl rettenswert, und was möglicherweise entbehrlich sei, fiel mir ein, dass ich nicht wusste, wer „Er“ ist, und darum war mir unbekannt, von wem er sprach. Auch in meiner Tageszeitung hatte ich nichts diesbezüglich über einen mysteriösen „Er“ oder anstehende Weltuntergänge, garniert mit jüngerem Gericht gelesen. Ein nervöser Blick auf die Uhr sagte mir, dass es inzwischen eine Minute vor elf Uhr war. Mein mahnender Hinweis: „Es ist eine Minute vor elf Uhr“ veranlasste den Meister der Schere zum andächtigen Innehalten. Er hörte auf zu schnippeln und ich ließ mich zu der vorlauten Bemerkung hinreißen, dass es im Angesicht des Antichristen, des Weltuntergangs und des Jüngsten Gerichts vollkommen sinnlos sei,

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______ __________ ______ weiterh seine üb hin berhöhten P Preise zu be ezahlen, den die Welt würde nn t ja doch untergehe und mit ihr der schn h en, nöde Mamm und all mon le Faulpel Finanzä lze, ämter und F Friseure sow wieso. Sein ärgerlicher Gesichtsausdruck gab mir unmissverstä k ändlich zu verstehen, dass Friseure se s elbst im Ang gesicht des Weltunterg gangs keinen Spaß verste ehen. Eisiges Schweigen war im Raum und der Zeig rückte r u ger unerbit ttlich auf die letzte Sek kunde, den Beginn der Stunde null und des Jün ngsten Geric vor. Da Grauen war bis in die leise chts as w summe enden Trock kenhauben spürbar. So ogar der Fön verstumm in n mte banger Erwartung des Unabw r g wendbaren. Als die end erscheinende Schw dlos weigeminute fast vorbe war, ei und der digitale Ze eiger mit kle einen, rucka artigen Bew wegungen die letzten Sekunden verschlang, erkannte ich blitzartig dass sich wie ein , g, roter Faden zu viele Verfehlungen durch mein n verhängnisvoller r k h nde armseliges Leben zogen. Vor Entsetzen krallten sich meine Hän in uen hnen seines schicken Fr riseurstuhls Meine Au s. ugen die blau Armleh waren schreckgew weitet und m meine Stirn- und Achse elnässe rsehbar. In d diesem ban ngen Moment sah ich e überdeut es tlich. unüber Für mic gab es ke Umkeh mehr. Ich der große Sünder und dazu ch eine hr h, e noch be ekennender Atheist un Ketzer ha zu lang der der V nd atte ge Völlerei und der Wollust ge efrönt. In diesem Stuhl war es def finitiv zu spät, um vom br reiten und b bequemen W des Lasters auf de steinigen und Weg en n steilen Pfad der Er rleuchtung z wechseln zu n.
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Halbbeschn nitten und u unfertig saß ich beim F ß Friseur, Corv vette und po olnische Blon ndinen aus Litauen waren plötzlic unwichtig ch g geword Nur no eine exis den. och stenzielle Frage war un nbeantwort tet:

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____________________ „Wie wird er reagieren, wenn ich armseliger Wurm mit schlechter Frisur es gezwungenermaßen wagen muss, so vor ihn, den Allmächtigen und zürnenden Weltenlenker zu treten? Wird er mich an der Pforte abweisen, oder in eines seiner Paradiese aufnehmen?“ Ein aus den Abgründen meiner Seele kommendes Sekundenstoßgebet, abgeschickt in die Richtung des Himmels und dazu ein aufrichtiges Bereuen erschien mir in diesen Sekunden angebracht. Vielleicht würde er mich, den beim Friseur um Vergebung flehenden Sünder doch noch vor dem ewigen Höllenfeuer retten. In den letzten Sekunden meines irdischen Daseins entschloss ich mich spontan der Gefahr zu trotzen und aufzustehen. Ich nestelte an meinem blaugeblümten Perlon-Umhang und in Erwartung der Flutwelle und der möglicherweise daraus resultierenden, nassen Füße wollte ich auf den blau bezogenen Stuhl steigen, aber mein Friseur hatte Bedenken wegen seiner neuen Schonbezüge. So blieb ich bang im bequemen Sessel sitzen und die Minuten vergingen. Der Zeiger rückte unerbittlich weiter und wir schwiegen. Inzwischen war mir etwas langweilig und durstig war ich auch. Mein Friseur öffnete das zweite Fläschchen der Witwe Cliquot und schenkte sich noch ein Gläschen ein, mich den mit trockener Kehle auf gnädige Aufnahme im Himmelreich hoffenden Sünder vergessend. Denn als Ungläubiger der an den Preisen rummäkelt hatte ich ja nichts anderes als den Tod durch verdursten in der kommenden Flutwelle verdient. Aber nichts geschah, die Sintflut blieb aus und niemand servierte mir ein junges Gericht.

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______ __________ ______ Inzwischen waren es e n einundzwan Minute nach elf U Ich nzig en Uhr. fühlte m etwas schläfrig un öde war das Warten auch. Ich dachte, mich nd n dass es an der Zeit wäre, zur S s t Stärkung un Erbauung ein Cafe nd aufzusu uchen. Der Maestro wa inzwische in einem Zustand vo ar en m on spiritue eller Champ pagnermelancholie, als das Salon-T s Telefon klin ngelte. Er griff zum Hörer. An seinem Gesicht sa ich, dass es eine froh m ah he aft d eudestrahle zurück. end Botscha war, und er kam fre „Wir sind g gerettet. Er hat es noch einmal geschafft. Er h mit h hat dem He gespro errn ochen und sein direkter Kontakt un seine Fürbitte r nd haben bewirkt, da der Welt ass tuntergang verschoben wird.“ n Die Haarschneidemaschine began wie ein a nn aufgeregtes s Kätzche zu schnu en urren und in drei Minut war ich wie ein Sch und n ten haf gegen m meinen aus sdrücklichen Willen millimeterkurz n z zurecht tgeschnitten. Mein wallendes Hau upthaar lag auf dem Bo oden. Ich hatt die verdi te iente Frisur eines gesch horenen Sünders und m musste zähnek knirschend d überhöh Rechnun bezahlen Außerdem die hte ng n. m fühlte i mich etw irritiert und kühl ums Haupt. ich was t Was war ge eschehen und warum ist nichts ge eschehen? H Hatte „Er“ ve ersagt, so wi mein Deo im Angesicht der drallen Brünetten ie o vom let tzten Samst tag? Erforde die qua erte alifizierte Pl lanung des Jüngste Gerichts mehr Zeit a angenom en als mmen? War ren organis satorische o oder bürokr ratische Sch hwierigkeite beim geregelten en Untergang der We aufgetreten? Oder hatte der An elt h ntichrist sei inen Zug ver rpasst und s nun in K saß Kleinmachnow oder so einem K onst Kuhkaff
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fest? Des Rätsels Lösung erg sich, als ich den Sa s gab s alon nicht verlassen wollte und um sofo ortige Aufklä ärung der se eltsamen

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____________________ Vorkommnisse bat. Mein sensibler Friseur war seit einigen Monaten Mitglied in der Gemeinschaft der Erleuchteten vom Heiligen Gral in den letzten Tagen. Nach seiner mit großen Kinderaugen erzählten Geschichte, war er nach langem Suchen endlich auf dem direkten Weg zu Gott und im Zustand des reinen Herzens mit spiritueller Erleuchtung durch allerlei Engelsgeflügel. Sein geistiger Führer, der Prophet (orientalisch, etwa so wie Nostradamus klingend, aber der korrekte Name ist mir entfallen) hatte verkündet, dass der Herr über einen besonders autorisierten Erzengel im Traum zu ihm gesprochen habe. Die Welt würde am Dienstag Punkt elf Uhr untergehen und die Gläubigen sollten sich sammeln, möglichst an einem etwas erhöhten Platz wegen der zu erwartenden Sintflut, und ihren irdischen Gütern entsagen. Das leuchtete mir ein. Wenn ich die Steuererhöhungsorgie sehe, dann weiß ich, dass ich allen irdischen Gütern entsagen muss, nicht nur weil mir das steigende Spülwasser meiner defekten Geschirrspülmaschine stinkt und die Brühe inzwischen bis zur Oberkante meiner finanziellen Unterlippe steht.

Auf meinem Weg ins nächste Cafe war ich gedanklich in mich gekehrt. Sollte dieses Erlebnis mein Leben verändern? Ich fühlte mich fit und auch frei ums schöpferische Haupt und offen für neue Ideen. Der Beruf des Heiligen, des Propheten mit einer Standleitung zum Allmächtigen erschien mir jäh als erstrebenswertes Lebensziel. Still setzte ich mich an einen kleinen Bistrotisch, der im hellen Sonnenlicht einsam und nachlässig abgeräumt am Straßenrand stand.

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______ __________ ______ Auch die gutgewachsene Bea die ich sei Jahren he a, it eimlich vere ehre, weil sie mir meine mittäglich Cappuc e en hen ccino immer mit einer routinie erten Handbewegung, angesiedel zwischen Verachtung für lt g nichtsn nutzige Män nner und we eiblicher Gr razie servier konnte m rt, mich nicht aus meiner t tiefen Ergrif ffenheit lock Ich starrte den ken. Cappuc ccino mit se einem weiße Trockenmilchschaum und den en sparsam darauf dr m rapierten Sc chokostreus an. Der Schaum ve seln r erging und ich sah, wie si die Streu in der dünnflüssigen, milchig h ich usel d braune Brühe auflösten. Aus meiner Pe en s erspektive w waren die Aussich hten trüb, aber die Lösung schwam erkennbar in dem weißen mm Kelch. E erinnerte mich an die Auflösung aller Mate in den Er e erie gang Univers und die dünne Brü an Beas Nachlässigkeit im Umg sen e ühe mit der Kaffeemas r schine. Er w das Sinn war nbild des Vergänglichen und n ein Zeic chen des we eltlichen Se im Span eins nnungsfeld zwischen dem unergrü ündlichen W Willen des P Personals un dem Wu nd unsch des Gastes nach ei inem orden ntlich gezapf ften Cappuc ccino. Spon ntan musste ich an e grüne M Marsmännc chen denken. Die Frage ob der Allmächtige a e, auch deren E Erlöser sein kann, oder ob sich sei Macht n auf die r ine nur irdische Gläubige aber nicht auf inkom en en, mpetentes Servierpers sonal beschrä änkt, dräng sich mir auf. gte Dann, inmi itten meine mystische Cappucci er en ino-Betrach htungen hörte ic eine eng ch gelsgleiche S Stimme wie aus weiter Ferne, die zu mir e r sprach: „Kann ich gleich abkassieren?“ : Es war wie eine Erleuc chtung. Sie, die Göttliche, eine, ne ein
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nicht eine, die Lich htgestalt ha zu mir gesprochen, und mir de atte g em Unwürdigen, die B Botschaft de Herrn verkündet. Ich war auser es h rwählt. Demütig sah ich zu ihr auf. Meine Augen waren mit Tränen gef u n t füllt

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____________________ und meine Stimme am Versagen. Im Strahlenkranz des Mittags-Lichts sah ich ihr blondgelocktes Haar glänzen und ich sprach die magischen Worte: „Ja du darfst.“ Jetzt wusste ich, mein Leben würde sich verändern. Ich hatte die für mich bestimmte Heilsbotschaft unverschlüsselt und auf direktem Weg empfangen. Ich, nur ich war der neue Prophet und dazu ausersehen eine neue Bewegung zu gründen und mit meinen bescheidenen Fähigkeiten zu führen. Oder wie der von mir sehr verehrte Friedrich Nietzsche zu mir sagen würde, wenn es ihm noch möglich wäre: „Mein Freund, du willst dich vervielfachen, verhundertfachen? Dann such nicht die Einsen, such die Nullen.“ Das leuchtete mir ein, aber wie sollte ich, der zukünftige Menschenfischer es anstellen? Wo meine Netze auswerfen und wie die Jünger um mich scharen? Wie sollte meine neue Bewegung heißen, und vor allem, wie sollte ich mich in Zukunft nennen? Wenn selbst der Papst seinen bürgerlichen Namen ablegen muss, dann durfte ich mich dem klerikalen Zwang eines eingängigen Namens keinesfalls entziehen. Fragen über Fragen schossen mir durch den Kopf und ich fand keine Antworten. Da fiel mir wieder meine Freundin Viola ein, die sich um die nachmittägliche Zeit von des Heimes Obhut und Pflege erholen muss und um diese Zeit gewohnheitsmäßig in einem bekannten Kaufhaus, bei ihrer Nageltante, oder im Bett ihres neuesten Lovers als Nageltante anzutreffen ist. Aber in solchen großen Momenten braucht man Freunde und der Kontakt war über das inzwischen wieder funktionsfähige Handy schnell hergestellt. Wir verabredeten uns im Bellini, in unserem bevorzugten Bistro, um

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______ __________ ______ Weiteres für mein berufliche Genesis zu besprechen. ne e

d Etage, in der zu Eine Stunde später saßen wir in der ersten E dieser Z nur ger Zeit ringer Publikumsverkeh herrschte Im Halbd hr e. dunkeln der kleinen Bar lau uschte Viola ergriffen meinen a m Erweck kungserlebn nissen vom Morgen. Ich hielt ihre Hand und s h sprach zu ihr, d der He über einen Engel zu mir gespro dass err u ochen habe, und , bekam zur Antwor „Und wa rt: arum hast du nicht dire mit ihm ekt tscht?“ gequat Mein vernichtender Blick, der die möglichen Strafen für so viel e n Blasphe emie schon in sich trug brachte di Ketzerin z g ie zum Schweigen. Ich dachte an das Gott teswort: „W ich lieb den weis ich Wen be, se zurecht und nehm ihn in Zuc t me cht“, und or rderte zur s spirituellen Erbauu zwei ext ung trastarke Ca aipirinia. Da sprach i weiter zur ann ich Ungläubigen. „Schatz, ich spüre, ich kann etwas bewegen. Und du kennst h . mich do ich hat schon im och, tte mmer eine spirituelle A s Ader.“ Viola sah m lächeln an und ih Antwort fiel entspr mich nd hre t rechend aus: „Ja ich weiß, d hast schon immer einen kleine Sprung in der a du e en n Empfan ngsschüssel Aber daru liebe ich dich ja.“ l. um Viola liebt mich. Von m meinen Gef fühlen übermannt sah ich sie an. Die oberste Sü ünderin, meine erste Sü ünderin, me Adeptin war eine auf dem Weg zu m dem Vater und Soh in Person m mir, hn nalunion. Be eim Anblick ihres gesenkten Haup musste ich spontan an die Taufe der k ptes e
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heiligen St. Afra de n enken. Nach der Überlieferung so deren Mu oll utter vor vielen hundert Jahren ein Bordell im Schwäbischen unterhalten t n haben. Der Bischo Narzißus, der zufällig und zweck allfälliger of g ks r

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____________________ Bekehrung das Bordell frequentiert hatte, soll so ergriffen gewesen sein, dass er sie wegen ihrer Leistung und die Mutter gleich dazu, in den ehrbaren Stand der Heiligen erhoben hatte. Nach solchen Taten gelüstete mich auch, aber in diesen Minuten brauchte ich nicht das mir bekannte Fleischliche vor mir, sondern Violas geistigen Rat. „Sag mal, ich weiß noch nicht welchen spirituellen Namen ich annehmen soll. Hast du nicht eine gute Idee?“ Mir schwebte etwas Eingängiges im prophetischen Spannungsfeld zwischen Moses, Hildegard von Bingen, Nostradamus und Merlin vor. Aber Moses hatte es ziemlich schwer, dem ungläubigen Volk seine Steintafeln zu verkaufen. Erstens gingen ihm welche kaputt, was ja auf einen ziemlichen Tölpel schließen lässt. Vermutlich war er auch dem Leistungsdruck seiner jungen Frauen nicht mehr gewachsen, als er auf einen hohen Berg stieg, um mit den Göttern ein ernstes Wort zu reden. Außerdem hatte er dann die Last mit den schweren Steintafeln und musste das alles auf seinem Buckel den Berg runter schleppen. Das war mir zu mühselig. Hildegard von Bingen erschien mir für einen Moment durchaus als erstrebenswertes Vorbild. Aber ins Kloster um würzige Kräuter in dicken Büchern zu pressen wollte ich dann doch nicht. Nostradamus war mir irgendwie zu durchgeknallt, obwohl sich Prophezeiungen mit Weltuntergängen traditionell immer gut verkaufen. Merlin war da schon fantasymäßig trendiger, aber dann dachte ich daran, dass ich in Chemie noch nie gut war. Alle möglichen Heiligen gingen mit durch den Kopf. Angesichts der erhöhten Platzierung im Gastraum dachte ich auch an den heiligen Simon, der dreißig Jahre, angekettet auf der

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______ __________ ______ Spitze e einer Säule gelebt haben soll, bev man ihn mangels vor Irrenau ufbewahrun ngsanstalten in die Wüs schickte als Violas lauter n ste e, Aufschrei die Stille der Stätte der Besinnung durchb e brach: „Ich h es, hab Johann das ist e nes, es.“ Die wenige Anwesen en nden in dem kleinen Bistro schauten zu m uns her rüber und d spontan Aufmerks der ne samkeitssch war mir einen hub r Momen peinlich. Immerhin k nt kannte man mich in de Bistro trotz n em geringe Verbindlichkeiten als guten Gas und ich hatte einen R zu er s st Ruf verliere Meine b en. beschwichtigende Hand dbewegung zeigte Wir g rkung und Vio begann ihre Stimme auf ein ve ola erschwöreri isches Nivea zu au senken n. „Johannes passt gut zu dir. Du ha so etwas Überzeuge u ast s endes. Und au ußerdem hat mir auch Fabienne ei iniges über deinen Johannes erzählt. Ich sehe e dir an der Nasenspitz an, der N es r ze Name gefällt dir.“ Das war es also, die Gerüchteküc brodelte hinter me s che e einem n gstem Nivea Ich war ahnungslos auf dem W der au. s Weg Rücken auf niedrig Erleuch htung. Imme um das S er Seelenheil der Verzweifelten kämp d pfend und um meines gr m roßen Name willen Schweres er ens S rtragen wollend, und die Welt denk wieder m nur an da Eine und nicht an da e kt mal as d as Andere Aber Viola hatte rech Der Nam Johannes gefiel mir immer e. a ht. me s besser. Er hatte w . wirklich etwa dass die Verbindung zwischen den as, g Myster des Alte rien ertums und der Moder schaffen konnte. Bruder d rne n Johann der heilige Johanne der gute Jonny, Big John der G nes, es, e g Gute, ja so wollte ich mich nennen un meiner zu nd ukünftigen Anhängersc chaft
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Vorbild vora gehen. an mit leuchtendem V Zwar hatte ich noch Bedenken. Im e mmerhin un soweit ic mich nd ch erinner konnte, lief das klassische Vorb nackt du rn bild urch die Gegend

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____________________ und nuschelte wie ein Drogenjunkie unflätiges Zeug. Aber es waren ja einige hundert Jahre vergangen und ich war mir sicher, dass solche kleinen Vorkommnisse eines großen Vorbilds vergessen und darum nicht weiter ins Gewicht fallen würden. Jetzt brauchte ich nur noch einen Namen für meine spirituelle Bewegung, die immerhin schon einen weiblichen Jünger hatte. Ich dachte an etwas Einprägsames, mit viel Licht und einer Menge Geist. Viola war von meiner Idee begeistert und gedanklich weiter. Kichernd sah sie sich schon mit demütig gesenktem Kopf. Den sündigen Leib in ein langes Gewand gekleidet, das bis auf die Füße reichen sollte. „Ja genau, so möchte ich dir folgen. Um die Brust möchte ich einen Gürtel aus Gold. Und darunter schwarze Strapse und sonst nichts.“ Ich wischte die Gedanken der Sünderin mit einer unwirschen Handbewegung beiseite und orderte den zweiten Caipirinia. Das Wetter war schön und durch die Fenster drangen die gleißenden Strahlen nachmittäglichen des Sonnenlichts. Wie ich darauf gekommen bin, weiß ich nicht mehr, aber spontan dachte ich an Beas gut gefüllte Bluse und an „oben Ohne“ und mir fiel mein erster Alfa Romeo, der rote Spider aus meinen aufrührerischen Jugendtagen, bewährt in der Zeit der Reifeprüfung ein. Das war es, meine neue Bewegung sollte diesen erhabenen Namen tragen. Nein nicht Alfa Romeo, sondern Alpha Lux, die erste illuminative Bewegung des Lichts. Auch Viola war begeistert, nachdem ich die Frage, warum ich unsere Bewegung nicht „Porsche Lux“, oder „Fiat Lux“ nennen wolle, mit einem strafenden Blick quittiert hatte. Ich nahm mir fest vor,

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______ __________ ______ solche lasterhaften Spitzfindigkeiten in Zukunft hart zu ahnden und Z t n die Blas sphemische im Wieder e rholungsfall gebührend mit dem S d Stock zu züchtig gen, wie es d altvorde die eren Prophe eten in ihren Schriften vorsahe en. Meine salb bungsvolle A Antwort mit dem bekannten Bibel t lzitat: „Mistst tück, diene dem Herrn in Furcht, und küsst ih die Füße damit u hm e, er nicht zürnt“ wurde mit einem listigen Lächeln qu t uittiert und ich orderte in weiser A und Voraussicht de dritten C e Aben Caipirinia für mich und den dritten fü Viola. ür Bis hierhin war die Grü ündung me einer neuen Glaube ensgemeinsc chaft erfolg greich verlau ufen. Der Name war gefunden, auch de Ort der heiligen Stät war von mir als irdis er tte scher Stellver rtreter, ausgestattet und legitimie mit dem göttlichen Willen ert m des Herrn, schon v vorbestimm Mein Wo mt. ohnzimmer sollte der r religiöse Mittelp punkt der w westlichen und östlichen Hemisphä werden. Das äre Weihev volle des schlichten Raums war ideal, da die Möblierung g mangels Masse vo jeher spa on artanisch-sty ylish war. Eine kleine Hürde auf dem Weg zum Erfolg, war das Feh e z hlen Heiligen Stuhls, der noc erworben werden m ch n musste, dazu noch u eines H einige g gefällige Engelsfiguren, die wie zu ufällig drapie meinen ert, n besche eidenen Wohnbereich, den zukünf ftigen Temp schmück pel ken konnte en.

Viola war v meiner Erleuchtung begeister und schon von rt n
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weiter, bei typisch fraulichen Themen. Lila, Rosé, Bl , h leu, oder ein zartes B Blutrot, war ihre bev ren vorzugten Farben der S F Saison, in denen sie als d devote Büß ßerin zu gehen trachtet Einen Mo te. oment wollte ich

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____________________ die Gedanken an modische Auswüchse empört zurückweisen. Der Herr würde die Seinen auch ohne Kleider erkennen und ich war mir sicher, dass ich Viola, stellvertretend für den Herrn, auch ohne Kleider an ihrem kleinen Tattoo auf der linken Arschbacke und dem kleinen Silberring links, sofort wiedererkennen würde. Aber dann verstand ich intuitiv das weibliche Drängen nach Zugehörigkeit und Schmuck. Wie sollten die Unwissenden, die Verblendeten und Oberflächlichen meine irdischen Jünger von der Masse der Ungläubigen und noch zu Bekehrenden unterscheiden können. Ich entschied mich spontan für lange, blutrot gefärbte Gewänder, die ich preisgünstig im Asien-Import zu erstehen gedachte, um sie dann zum Wohle der Gemeinschaft mit einem winzigen Aufschlag an die Novizen zu veräußern. Ich sah die Möglichkeiten zwischen Einkauf und Verkauf. Bei einem Einkauf von, sagen wir mal grob geschätzt, fünf Euronen, und einem Verkaufspreis von neunundneunzig Euros, multipliziert mit der Anzahl der möglichen Anhänger, so in der ersten Ausbaustufe schätzungsweise hundertvierundvierzigtausend, erschien mir der Gedanke durchaus erfolgversprechend. Damit war die Frage der einheitlichen Kleidung auch positiv verabschiedet. Mit der hoheitsvollen Handbewegung des zukünftig gutsituiert Erleuchteten orderte ich den vierten Kelch mit leckerem Caipirinia. Viola war von meinen spirituellen Gedanken sehr angetan und begann interessiert Fragen zu stellen. „Sag mal großer Guru, stimmt es, dass du jetzt immer die Wahrheit sagen wirst? Und wie ist das mit der verheirateten

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______ __________ ______ Nachba arsfrau. Dan solltest d aber Fab nn du bienne beich hten und die kann e ziemlich sauer werden …“ r was Mund Ich fuhr ihr verbal etw unwirsch über den vorlauten M und antwortete klerikal korre „Und du sollst kein anderen Götter ekt: u ne Weib ge emeinde. M Merk dir neben mir haben. Und das W schweig in der Ge das ma wenn du in meinem erlauchten Dunstkreis bleiben wi al, s illst.“ mit aut usch an ihre em Viola zog m einem la schlürfenden Geräu frischen Caipirinia. Das Geräu n usch erinner mich an meine rte Verpflic chtung zur Labung der Dürstenden. Ich zog d Vorlaute der en vergebend ihre Ha zu mir u sprach: „Fürchte dich nicht, denn ich and und bin bei dir“, und V Viola schob m gehorsa den leer Kelch hi auf mir am ren in, dass ich ihn mit sp h pirituosem M Manna fülle soll. Ich g die Order an en gab die dienstbaren, aber seltsam merweise se verschw ehr wommenen Geister weiter. . Was jetzt n noch fehlte, war ein Pro , ogramm. Ei Botschaft des ine Herrn, der durch m sprech sollte un die ich an die Gläub mich hen nd bigen auszuse enden geda achte, damit neue Gläu ubige in Sch haren komm men sollten. Doch das s sollte sich schwieriger als erwarte gestalten, denn et , ösen Visione und lallte zwischen en Viola bekam die ersten religiö n orten nur no unverständliches, a och aber spirituos einigen klaren Wo inspirie ertes Zeug. Mit wachem Geist vern m nahm ich di Worte meiner ie verwirr rten Anhäng gerin. Denn ich wusste von meine großen B n e em Bruder im Geis auch in s st, sybillinische Worten können sich Botschafte für en k h en die Ewi igkeit verste ecken. Dann erinnerte ich mich wieder an me n eine
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göttlich Eingebun vom früh Morgen und siehe da, der sec he ng hen n, e chste Kelch stand wie vo Engelshä on änden getra agen vor uns s. „Ja, du darfst“, war da Menetekel, das ich n as nicht aus de en

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____________________ Augen verlieren durfte. Es beinhaltete Abschreckung, Herausforderung und Liebe in einem Satz. „Du darfst, in Ewigkeit Amen.“ Nichts sollte mehr verboten sein, alle Zwänge von den Menschen genommen werden, alle Güter gleich verteilt werden, und Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit sollte herrschen, in alle Ewigkeit. Aber natürlich nur für die Anhänger der Bewegung Alpha Lux, deren schwere Sündenbürde ich als geringster Bruder unter den Geringsten symbolisch auf mich nehmen wollte. Was wir jetzt noch brauchten, war Musik. Etwas Modernes, Neues, etwas was es noch nie gab. Gitarren und Rap schieden als zu modisch und zu wenig innovativ aus. Flöten waren irgendwie zu brav. Obwohl ich mit fest vornahm, der ungehorsamen Viola gelegentlich noch die richtigen Flötentöne beizubringen. Aber das waren Gedanken, deren weitere Ausführung mir zu diesem Zeitpunkt unpassend erschien. „Posaunen, Posaunen kommen gut. Sieben Posaunen. Immer wenn die einen fetzigen Sound spielen muss etwas Dramatisches passieren. Und Nonnen müssen blasen. Nonnen in Lackdessous, so wie damals beim ollen Bohlen und der Nora-Tunte mit seinem Blue System. Das wäre stark.“ Ich dachte einen Moment an das fehlende Weihevolle, aber dann gefiel mir Violas Vision. Sie hatte das Zeug zu einer Heiligen und ich hob segnend die Hände und der Keeper verstand den Wink. Es war ein Wunder. Der siebte Caipirinia kam wie von göttlicher Allmacht getragen auf unseren geweihten Tisch. Ich sah die funkelnden Gläser und wusste, dass die Getreuen nur mit sieben

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______ __________ ______ Kelchen errettet w n werden können. Viola begann ob d Schwere ihrer b der e Verantw wortung lan ngsam auf d Knie zu rutschen un verschwa die nd and unter d dem Tisch um mir die F Füße zu küss und zu salben, so w es sen wie Traditio ist, oder so. Ja gena so sollte es sein. Ich nahm mein Hand on au ne und leg sie auf V gte Violas Kopf um sie mit sanftem Druck nach un s nten zu segnen Dann schloss ich die Augen und sprach leise seufzend: „Ja, du n. e : darfst“, und Viola tat wie ihr g geheißen. Und es war gut was sie tat, in U Ewigke Amen. eit mpörtem Blic zu Uns zu ck u Dann kam der Kellner um mit em spreche „Kann ic abkassieren.“ en: ch

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____________________ Von einem uralten Apfelbaum und einer Wiese im Sonnenlicht

„Ich kann mich nicht mehr erinnern, wo ich es gelesen habe. Es gibt eine Fähigkeit, die nur außergewöhnliche Menschen besitzen. Kaiser, Könige, Tyrannen, Päpste und Propheten besitzen diese besondere Gabe. Es ist Vorherwissen. Vorherwissen bekommt man nicht durch geheimnisvolle Erleuchtungen, also zum Beispiel durch den Tausch Anbetung gegen Eingebung. Erfahrung hilft auch nicht weiter, und nüchterne Schlussfolgerungen sind untauglich. Vorherwissen erreicht man nur durch loyale Informanten.“ ____________________

Vielleicht erscheint es meinen Lesern wie eine überraschende Neuigkeit, aber für gute Freunde lege ich hin und wieder die TarotKarten. Ich übe diese Tätigkeit gern und mit viel Enthusiasmus aus. In den vielen Jahren, in denen ich lernen und erfahren durfte, haben mir meine intuitiv-mentalen Fähigkeiten eine kleine, aber treue Anhängerschaft beschert, die ich menschlich gesehen, sehr schätze. Das Spiel mit den Karten ist für mich nicht nur ein Lernprozess, sondern auch ein Erfahrungsschatz, an dem ich euch, meine Freunde und Leser, teilhaben lassen möchte. Obwohl die Kartendeutung mit vielen Vorurteilen behaftet ist, kann ich von mir mit Fug und Recht behaupten, dass ich diese Tätigkeit seriös ausübe. Entgegen dem allgemeinen Trend des

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______ __________ ______ Sinnsuc chens und U Unsinnfinde sehe ich die Kunst des ens, h Kartend deutens nic unter es cht soterischen Gesichtspu unkten, sond dern als pragma atischen und bodenstä ändigen Ver rsuch die Zu usammenhä änge von Raum, Zeit un Ereignisse in einen vernünftige nd en en Zusamm menhang zu bringen. D gelingt mir nicht zu jeder Tage und u Das m u esNachtzeit, denn m manchmal be eginnt der Tag auch be mir mit T ei em os. geistige Nebel und gedanklichem Chao Davon und von noch viel mehr m möchte ich h heute berichten.

Kennst du das auch? E gibt Tage da ist das Leben wie eine Es e, Pralinenschachtel. Man sehnt sich nach Leckerem, a . t aber man w weiß nie, wa einen erw as wartet. Auch ich ahnte noch nichts Das hell, h s. strahlende Licht des Tages dr rang durch der leicht st d taubbedeck kten Fenster rscheiben, u sich dan erbarmungslos eine Weg durc die um nn en ch Ritze und Schlitze der das Son nnenlicht ab bhalten sollende, von m nur mir nachläs zugezog ssig genen Fensterbehänge Das fröhli e. iche Pfeifen der n Vögel im Geäst de Bäume vo meinem Fenster, erinnerte mich er or F spontan daran, da der frühe Vogel bek ass e kanntlich de Wurm fängt. Ich en icht, ob Vög bei der f gel frühen Gerä äuschprodu uktion gener rell weiß ni fröhlich sind, und eigentlich m ich kein Würmer zum Frühst h mag ne tück. Halb au ufgeschreck aber im H kt, Halbdunkeln noch schlaftrunken d dachte ich spo ontan an die uralte Vög e glerfrage: „W Warum haben manche Liebesp paare nichts anderes zu tun, als üb das ung s u ber gleiche Vogelgezwitscher von Lerche und Nachtigall zu disk kutieren.“
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Zuerst unendlich langs sam, dann sich doch et s twas schneller bewege end, begann sich mein Gehirn auf die gewohnten Hocht f touren

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____________________ einzustellen. Nur mein Wille zum Aufstehen war noch zu schwach. Daran, und an noch viel mehr erinnere ich mich genau, denn es sollte ein denkwürdiger Tag werden. Wenn ich mich richtig erinnere, war es der 10. Mai 2007 und kurz nach 8 Uhr. Es war ein Versuch der Zukunft, mich mit besonderen Ereignissen zu überraschen. An diesem Donnerstagmorgen bahnte sich die Ouvertüre zu einem Konzert an, von dessen Tragweite ich zu dieser frühen Stunde noch keine Ahnung hatte, denn ich befand mich, träumerisch gesehen, noch im Dialog mit meinen Vorfahren und körperlich im warmen Bett.

Die Geschichte die ich dir jetzt erzähle ist kein Märchen. Sie hat sich tatsächlich so zugetragen und sie begann mit dem penetrierenden Störsignal meines Telefons. Das Geräusch war der Befehl für eine, und zwar meine Reaktion. Es riss mich aus meinem Halbschlaf und unterbrach rüde meine wohligen Träume. Bis zu diesem Zeitpunkt, wenige Minuten nach 8 Uhr, wusste ich es noch nicht, aber Viola, meine allerwerteste und äußerst vollgutgeformte Freundin bat nicht um Hilfe. Du musst wissen, dass Viola das quälen im Blut hat. Es gibt solche besonderen Frauen, und Viola ist ein besonders exquisites Exemplar dieser Gattung. Wenn sie fordert, dann sofort. Meine Telefondomina rief nach mir, und ich wusste, auch das ist Teil meiner vorausschauenden Fähigkeiten, dass sie mir keinen schönen Donnerstagmorgen wünschen wollte. Eine unbestimmte Vorahnung sagte mit, dass ihr kompliziertes Liebesleben, direkte Auswirkungen auf mein Leben in den nächsten Tagen haben wird.

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______ __________ ______ „Hi, sag ma hast du h al, heute Abend eine halbe Stunde Ze für eit mich? K Kannst du m die Karte legen?“ mir en Violas etwa atemlosas -strenge, oh überflüs hne ssige Begrüß ßungsformalitäten und antwortheischende Pa ausen, aber doch r fröhlich h-aktive Stim mme am Te elefon ließ keinen wirks k samen Widers spruch zu. Sogar im Halbschlaf kon nnte ich ihre gute Laun e ne spüren, was auf ei inen erfolgr reichen Aus sflug aus ihr rem goldene Eheen Käfig, m anschlie mit eßender Fre eivögelei bis in die frühen s Morgen nstunden sc chließen ließ. Trotz me einem Dämm merzustand d konnte ich aus dem ersten ge e m esprochenen Satz schon so viele Informa ationen her raushören, dass jedes weitere Wo eigentlic w ort ch überflü üssig gewesen wäre. Wie du vielleicht weiß weiß ich was sich ge ßt, ehört und m mit meinem dynamisc klingende „Ja, natü m ch en ürlich hab ic Zeit“ ch beantw wortete ich halb aus de Tiefschla herausgerissen ihre Frage, em af um wenig erfolgre darüber hinwegzut eich täuschen, d ich noc im dass ch Bett lag um sofort ein geheuchelt-intere g, t essiertes „w ist denn was n passier nachzusc rt“ chieben. Nicht das m Violas Antwort au meine mitfühlende F mich uf Frage wirklich interessiert hätte. Nicht um dies Zeit, nich solange e h se ht ein zugege eben schöne Maiwette meine Au es er ufstehenerg zwischen der gie n schwer Entsche ren eidung von S und Nic Sein chtsein, ode Aufstehe und er en Liegenb bleiben, gna adenlos auf Sparflamm hielt. Me rhetoris f me eine sche Frage w in Wirkl war lichkeit nich anderes als ein präv hts ventiver Sch hutz
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vor abs surden Ford derungen. Z Zum Beispiel vor möglic chen Anleih zur hen Überwi indung vorü übergehend Zahlung der gsschwächen (dann hät ich tte kurzfris in den H verreis müssen), oder die F stig Harz sen Forderung n nach

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____________________ klarer Positionierung für die zuerst anfragende Partei bei eheliche Differenzen, was aktiv-aggressive Feindschaft der anderen Partei, und bei mir als Fluchtlösung einen sofortigen, stark ansteckenden, grippalen Infekt in Verbindung mit einer schweren Migräne nach sich gezogen hätte. Noch kannte ich die eigentlichen Ursachen nicht, aber die Kräfte der Wirkung fingen an meine Gedankengänge zu beeinflussen. Es war die Eröffnungsfrage von Viola, die nur dem Wissenden zwei Besonderheiten offenbarten. Erstens: Die Frage war keine Frage sondern eine Überraschung mit Folgen. Und die zweite Besonderheit - bei Viola dauert eine halbe Stunde üblicherweise und mindestens zweihundertvierzig Minuten mit der Chance auf unlimitierte Verlängerung der Redezeit in der ersten Halbzeit. Mit einer Gewissheit, die ich mit einer neunundneunzig prozentigen Chance fair bewerten konnte, wurden meine spontanen und geplanten Aktionen für diesen Tag mit Violas erstem Satz begraben. Mein Organizer begann wie erwartet und zusammen mit meinem Time-System auszuflippen und kollektiven Selbstmord durch einen Sturz aus dem dritten Stockwerk zu begehen.

Natürlich hatte ich eine mindestens zweihundertvierzigminütige halbe Stunde Zeit um meiner Freundin Viola die Nebel der Zukunft mit Hilfe der Tarot-Karten und meinen Fähigkeiten als Medium derselben zu lichten. Dafür gab es sehr pragmatische Gründe. Einerseits sagte mir meine Forscherneugier, dass neue psychologische Erkenntnisse der sexuell-

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______ __________ ______ zwische enmenschlichen Komm munikation darauf wart teten, von m mir entdeckt zu werde Zum and en. deren reizte mich die A e Aussicht auf eine f e, st , eventuelle Chance an Violas Liebesleben zumindes akustisch, wenn nicht so ogar körper rlich teilzunehmen. Denn Viola hat eine äuße erst promiskuitive Ade und ganz besonders dann, wen sie Lust a er, z s nn auf einen k kleinen Nachschlag hat was der Kenner weib t, blicher Psych auch he mit „Re estgeilheit“ bezeichnet Ganz nebe t. enbei hatte ich, wenn ich e mich richtig erinne an dies ere, sem Tag auc keine Lus mich aktiv zum ch st werbs zu be ewegen. Zweck des Broterw Nach einige taktische Fragen, die nur tem en en d mporär Viola as heitere Redefluss hemmen konnten, ge en s elang es mir die Ursache für r, das Bed dürfnis nach meiner Ge h esellschaft heraus zu fi inden. Die v mir vor noch ku unstvoll ver rborgende U Ursache für Veränderu r ungen war in n einem ihrer üblich hen, inszenie erten Ehekr räche ums liebe, weil fehlend Geld zu s de suchen. Wie du vielleicht noch weißt, ist Werner Steuerberater, h W , außerd dem Violas E Ehemann un mein bester Kumpe denn er nd el, bearbe eitet meine steuerlichen Angelegenheiten seh kostengü hr ünstig.

s m G druck, dass du Ich sehe es an deinem ratlosen Gesichtsausd keine A Ahnung hast wer „zum Teufel“ Vio ist? Wen ich den B t, m ola nn Begriff „Charm bei eine Frau defin me“ er nieren soll, dann fällt m spontan das mir n Zusamm menspiel vo Augen un Stimme ein. Für mic sind Aug und on nd ch gen Stimme der Schlüs zum mü e ssel ühsam Verb borgenen. D Daran erken du nnst
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schon, dass ich nic zu den O cht Oberflächlic chen gehöre Ich bin eh der e. her voyeuristische Ent tdecker, der sich mit he r eimlicher Fr reude an einem ästhetischen Gesa amtkunstwe erfreuen kann. Für mich ist es die erk n

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____________________ wahre Lust, die schwarzen Stellen in den Seelen und Gedanken sinnlicher Frauen zu finden, und Viola gehört dazu. Sie ist ein ganz besonders exzentrisches Exemplar der Gattung Frau. Nicht irgendeine wuschelig verhuschte Allerweltsfrau, Viola ist „die“ Frau. Eine Frau, die mit entwaffnendem Charme und besonderer Ausstrahlung ihre Intelligenz gut versteckt. Eine attraktive Frau (zumindest in meinen Augen) mit diesen kleinen Aufmerksamkeitsfängern, den kleinen Details, die nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprechen, und die die richtige Spannung im sonst perfekten gestylten Bild erzeugen. Viola ist achtunddreißig. Zumindest behauptet sie das. Es ist das Alter, in dem Frauen mit Haaren unter den Achselhöhlen und zwischen den Beinen, nach dem Sinn des Lebens suchen, weil sie die viel zu schnell vergangenen Jahre mit gelben Quitsche-Entchen, vereintem Singen in der Waldorfschule und engagierten Elternabenden verbracht haben - oder durch konsequente Selbstverwirklichung, zum Beispiel durch die erfolgreiche Leitung eines für den Ehemann steuersparenden, weil steuermindernd abzuschreibenden Kosmetik- oder Nagelbetriebs und mehrerer, ständig wechselnder Liebhaber jung geblieben sind. Viola hat sich frühzeitig für die zweite Kategorie entschieden, wodurch die zuerst beschriebenen Merkmale nachweislich entfallen. Obwohl ich mir den Rat von Sokrates zu Herzen genommen habe, dass man sich nur von der Last des Eros befreien kann, wenn man sich mit den weniger schönen Weibern einlässt, kann ich es nicht lassen. Viola ist schön und sie tut mir gut. Sie ist wie ein hoch dosiertes Kreativitäts-Aphrodisiakum, das meine Phantasie anregt. Sie besitzt dieses besondere Etwas, dass vorzugsweise die

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______ __________ ______ männlichen Sinne zum vibrier und die weiblichen auf „höch ren, e hsteGefahr-in-der-Gab bardine-Anz zughose-me eines-Mannes“ Alarm s stellt. Viola hat unzweife elhaft das besondere Etwas eines für ihre Bestimmung vollko ommenen W Wesens, das mir erst in den letzte n en Jahren bewusst ge eworden ist Vielleicht hast du es s t. schon beme erkt, ich kom mme etwas ins Schwärm Das is entschuld men. st dbar, denn a auch ich kann al llem wieder rstehen, nur nicht der Versuchung Natürlich schaue V g. ich mir auch gern ihre Gaudin nockerln und ihren cha armanten Po an, o ch ichbare Idea männlich al her der mic irgendwie an das meist unerrei Träume die Forme eine Cor e, en rvette aus den späten 5 d 50er Jahren n erinner rt. Viola hat in ihren Körp in einer Art kapitalistischem n per, r Tauschgeschäft, vi investier Eigentlich hat sie das Materielle nicht iel rt. h e selbst investiert, d denn Viola is ziemlich gut situiert mit Werner st g ratet, und si verfügt ü ie über gefragt Tauschwe te erte. Werne ihr er, verheir Mann u Lebensgefährte ha die laufen und at nden Invest titionen überno ommen, und sie dankt es ihm pflic d chtbewusst und vertrag gstreu mit den routinemä n äßigen Ehe-Gegenleistungen und den in Bildung gsbürgerkre eisen üblichen in- und aushäusigen a n Repräsentationsau ufgaben. Nach meiner Meinung haben sich die Renov g h vierungsarbeiten für Beid gelohnt. Sie ist ein a de absolut repräsentatives Jugendstilobjekt. Nicht m mehr ganz ju also ke Neubau mit verstec ung, ein ckten Macke en, aber au nicht du uch urch ein ständiges Kom mmen und G Gehen verw wohnt,
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obwohl Viola den nervenaufr reibenden Fulltimejob der Hausfra F au ausübt. Der anstrengende Ber der Haus und Haup ruf sptfrau bring es gt

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____________________ mit sich, dass Viola auch gewisse Ansprüche hat. Die geschmackvoll arrangierten, schmückenden Accessoires an Armen, Hals und sonstigen Körperteilen signalisieren selbst einem Blinden den diskretkultivierten Anspruch, dessen laufender Unterhalt das Monatseinkommen eines normal verdienenden Bürgers locker überschreitet. Ich vermute, ihre Ehe gibt ihr eine Art zusätzliche Sicherheit, unter anderem durch mehrere, unlimitiert einsetzbare Kreditkarten. Das alles und noch viel mehr ist an mir vorübergegangen. Viola ist Werners Angelegenheit, denn mit Werner ist sie verheiratet und ich mit ihm befreundet. Als nicht betroffener, aber subversiver Beobachter kann ich auf spannende Erzählungen hoffen. Ich weiß, Viola wird mir ein schmackhaftes Menü mit scharfen Gewürzzutaten servieren, die das Leben in der City schmackhaft und spannend machen. Sex, Liebe, Treue, Seitensprünge, Herzschmerzen, Eifersuchts- und Gelddramen werden sich mit hinterlistigen Machtund brutalen Kampfspielen abwechseln. Im Grund hat sich nicht viel geändert, seit die Menschen das finstere Mittelalter überstanden haben. Zivilisierte Menschen schlagen sich, jedenfalls nicht im Allgemeinen, manchmal nur im Besonderen, aber nicht mehr offensichtlich und für jeden erkennbar mit Knüppeln und schartigen Schwertern tot. Archaisches Verhalten passt einfach nicht mehr in unsere zivilisierte Welt. Dennoch wird im engen Freundeskreis diskutiert und es werden Ränke geschmiedet. Nicht anders ist das Verhältnis zwischen Viola und mir. Mit Viola diskutiere ich immer wieder gern, aber natürlich nur theoretisch, weil ich eine sowohl humanistische, wie auch konsequent pazifistische Lebenseinstellung

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______ __________ ______ kultivie Dennoc macht es Spaß, sozu ere. ch s usagen als D Denksportau ufgabe, über di unauffälli und schmerzvolle Beseitigung des geliebt ie ige B ten, aber au usgedienten Partners, s n sowie über unendlich-ewige und überras schend schn vergang nell gene Lieben sofern es nicht mein sind, n, ne zu diskutieren. Leb ist nun mal wie ein Mischung von Mono ben ne opoly und Me ensch-ärger r-dich-nicht dazu etwa Halma für die zarter t, as ren Seelen, und eine k , kleine Dosie erung Schac damit da Gehirn nicht ch, as einschläft. In diese Spiel geht es um Ob em bjekte, um Nutzen, Geld, r, d iert m Häuser Macht und wenn man alles addi hat, um Lustgewinn. Doch bevor ich mich zu sehr verpla audere, möc chte ich auf Viola und i f ihre Vorzüg zurückkommen. ge Viola ist ein dieser se ne eltenen Frau bei der das Zitat „ uen, r „der tung Prophe ist im eige et enen Land e Nichts“ eine ganz n ein neue Bedeut bekommt. Mein ge gehörte Rat erreic das Verf ern er cht falldatum o am oft gleiche Tag (oder Nacht). Od anders ausgedrück „Honey la es en r der a kt: ass lieber b bleiben, das ist zu gefährlich, wenn Werner e s etwas davon n erfährt t?“ „Ja, ich weiß doch“ ist ihre üblich Antwort. Ihr t he abschw weifender und gleichzeitig gelangw weilter Blick dazu der T k, Ton ihrer St timme sage mir, dass meine Laut zwar aku en te ustisch bei ih hr angeko ommen sind aber die W d, Worte als le eere Hülsen in ihrem ge eistigen Papierk korb geland sind. Vorwerfen kan ich mir n det nn nichts, denn n meiner Sorgfalts- u Aufbew r und wahrungspf flicht komme ich gern n nach. Ich hab Viola mit bestem Wi be issen und Gewissen an meinem re G n eichen
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Erfahru ungsschatz, bedingt durch mein re eiferes Alter teilhaben lassen. r, Sie weiß von mir, d ein wo dass ohlgeordnet Leben durchaus sei tes ine Vorteile hat, und d Spielen mit dem Fe e das euer Gefahr bedeutet. r

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____________________ Viola ist eine Frau und man kann nicht behaupten, dass es ihr an Intelligenz mangelt. Sie ist sogar so intelligent, dass sie meinen Überlegungen und Erfahrungen folgen kann, aber nur wenn sie will. Zum Beispiel ihre Ehe: Sie hat klaglos akzeptiert, dass sich der gesuchte Glückszustand nicht einstellen wird. Ich habe sie vor der Ehe gewarnt. Gut, ich gebe es zu, meine Warnung war etwas undeutlich, weil sie, wenn ich mich richtig erinnere, zum besagten Zeitpunkt auf meinem Gesicht saß. Aber Werner ist als Zahlenmensch nun mal zu spröde und Viola als kreative Frau zu sinnlich. Das bedeutet nicht, dass Steuerberater an sich spröde sind. Das wäre ein pauschales und plattes Vorurteil, dem ich mich nicht anschließen möchte. Viele Steuerberater, Großinquisitoren und Finanzbuchhalter sind im Grunde ihres Herzens nette, fröhliche Menschen mit einer kreativen Lebensführung. Es gehört in den Bereich der Märchen, dass solche Menschen, wie seelenlose Geschöpfe, ihre grauen Gesichter durch schwarze Kapuzenmäntel verdecken. Aber Viola und Werner passen nun mal nicht zusammen, sagt Viola und spricht Werner vermutlich aus dem Herzen. Jedenfalls hat Viola ihre abstrakten Vorstellungen von Glück und Freiheit in der Ehe mit Werner ziemlich reduziert. Dabei ist Violas Ehe ein faires und hochanständiges Geschäft, das den Regeln der klassischen Ökonomie des Tauschhandels entspricht. Beide haben ein pekuniäres Interesse am Vorteil. „Ich mach hin und wieder die Füße auseinander und er darf zwischendurch mal gucken, aber das muss ihm reichen. Für das was der mir bietet ist das genug. Soll er es sich doch selber machen, der Arsch.“

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______ __________ ______ Das finde ic auch. Ob ch bwohl und bei genauer Betracht b rer tung des Ang gebots ersc cheint mir V Violas Offert etwas zu substanzlo Es ist te os. wie ein spannende Film. Die Rocky Horr Show ist beim erste Mal n er ror t en noch lu ustig, der Un nterhaltung gswert nimm aber mit den mt t Wieder rholungen d deutlich ab, weil man die Gags frü d üher oder sp päter verinne erlicht hat. Das habe ic zu bedenken gegebe Auf mein ch en. ne insistierende Nach hfrage, hat V Viola dann zugegeben, dass sie de , en Tauschwert etwas aufgepimp hat. s pt „Manchma bekommt er als Zuga noch ein schnellen al t abe nen Blow-Jo oder ich mach es ih in seinem Büro mit der Hand. Dann ob, h hm kommt er vor zwö und nicht zum Mitta t ölf t agessen und ich muss n d nicht kochen n.“ Nicht gesag hat sie m dass die mündlichen und gt mir, handgr reiflichen Zu ugaben im e engen Zusam mmenhang mit ihrem g perman nent überzo ogenen Kon bei der örtlichen Sp nto ö parkasse ste ehen. Bitte ve erurteile Vio nicht, ich tu es auch nicht. ola h „Bei euch w keiner benachteili Ihr prof wird igt. fitieren ja vo on einem beiderseitig subjekt gen, tiven Gebra auchswert.“ “ Das ist mei fachlicher Rat und darauf bin ic sehr stolz Denn in ch z. Viola hält sich ausnahmsweise und konsequent daran. Nun sagst d vielleicht: „So etwas ist doch nicht moralis In du sch. r s nicht. Ich würde mich s sofort trenn nen.“ meiner Ehe gibt es so etwas n Das ist ein anständiger und loben nswerter Vo orsatz, aber bitte glaube mir. Solche Deals kom e mmen häufig vor, als du vielleich ger ht
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ss nem Arrang gement denkst. Denn alle Beteiligten wissen, das es mit ein nur Gew winner gibt Ich weiß a t. auch, dass Werner (Vio geliebte Gatte W olas er und log gisch denkender Zahlen nmensch) sehr nüchtern die Vorte und eile

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____________________ Nachteile gegeneinander abwägt. Ich habe für dich die Fakten in einer Kurzfassung zusammengefasst:

1.

Eine Full-time Haushälterin und frisch gebügelte Hemden sind nicht unter Zweitausend im Monat, wenn man die Lohnnebenkosten noch mit einrechnet, zu bekommen.

2.

Eine gute Köchin kostet noch einmal das gleiche,

3.

und ein Hausservicebewachungs- und Reparaturdienst für die rosarote Villa mit den vier Säulen vor der Tür dürfte ebenfalls mit der gleichen Summe zu Buche stehen.

4.

Nicht vergessen darf man, dass bei einer Angestellten Urlaubund Fehlzeiten, zum Beispiel wegen wechselnden Beziehungskatastrophen und Krankheiten wegen permanenter Überarbeitung noch zusätzlich einkalkuliert werden müssen.

Lange nachrechnen muss da niemand. Rein rechnerisch betrachtet, ist für Werner die Institution Ehe ein ziemlich gutes Geschäft. Eine Ehefrau ist im Unterhalt billiger, sofern das monetäre Zaumzeug stramm sitzt, und die Regeln klar definiert sind. Viola kann sich, sofern sie mit einem Taschenrechner umgehen kann, den Wert Ihrer ehelichen Dienstleistungen selbst ausrechnen. Und wenn Viola sich in ferner Zukunft auch noch selbst verwirklicht, und ihre seit längerer Zeit geplante berufliche Selbstständigkeit Früchte trägt,

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______ __________ ______ dann is das die pe st erfekte Lösu für eine gute Ehe. Viola ist ung e vorauss sichtlich so beschäftigt dass sie nicht mehr a „dumme t, auf en Gedank ken“ komm Sie hängt am Tropf von Werner der ihr be mt. t v r, eliebig den Ge eldstrom auf- und zudrehen kann, und Viola m muss spring gen wenn W Werner „Ho opp“ sagt, und sie muss knien, wen Werner „Platz“ s nn sagt, un das ist nicht schlech nd ht. Traum jedes Erfolgreich denn d Allerschö s hen, das önste Es ist der T kommt noch. Wer t rner kann di hundertp ie prozentig zu erwartend u den Verlust durch Vio Selbstverwirklichung in der Se te olas elbstständig gkeit auch no gewinn och nmindernd u damit Steuerspare mit sein und S end ner nächste Einkomm en mensteuere erklärung ge eltend mach hen. Bevor ich e vergesse, Viola hat beschlossen sich in den es , b n, n nächste Wochen beruflich zu engagiere um finan en en nziell unabh hängig zu werd Viola d den. denkt, sofer es ihre kn rn napp bemes ssene Zeit z zulässt, an die E Eröffnung e eines größeren Kosmet tikbetriebs m im Tren mit nd liegend Wellnes und Feng den ssg-Shui Ange eboten, abe es kann a er auch etwas v vollkommen anderes, v n vielleicht eine kleine Galerie oder sowas etwas. Wir werden es erleben denn ich werde dir z gegebene Zeit n n, zu er er n. och, darübe berichten Entscheidend ist jedo dass Viola endlich viel eigenes Geld verdienen möch um es Werner (ihr s hte, W rem Eheman nn), „dem m militanten A Arschloch“ (sagt Viola), mal richtig zu zeigen, denn g Werner ist ein Ped dant in Bezu auf unko ug ontrollierte G Geldausgab ben. Du siehst, V Viola gehör seit vielen Jahren zu meinem Le rt n eben. Ich hab mit Lust d Last ihre Freundsc be die er chaft auf mi genomm ich men.
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Das wa nicht imm einfach, aber dafür habe ich m eine Belo ar mer , r mir ohnung redlich verdient. Ic tausche meine Gese ch ellschaft geg ästhetis gen schen Genuss und augen s nfreundliche Gebrauc en chswert. Für Viola bin ic eine r ch

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____________________ Art allwissender Frauenflüsterer, der ihr den notwendigen praktischen und mentalen Schutz gibt, um es mit einer beliebig austauschbaren Anzahl von Frauen, Männern und Gegenständen zu treiben, und hin und wieder auch mit mir. Das ist nicht weiter schlimm, denn Viola hat noch andere, für mich unschätzbare Vorzüge. Viola benutzt mich. Du wunderst dich, dass es mir auch schon auffällt? Und vielleicht fragst du dich, warum ich mich benutzen lasse? Dafür gibt es eine einfache Erklärung. Ich verdränge ganz einfach das negative Benutzungsgefühl, und sage mir, es ist nichts weiter als ein kreativer Tauschhandel. Ich gebe die realen Werte meiner Gesellschaft gegen optisches Vergnügen und schmücke mich mit Werners dekorativer Frau ohne dafür zu bezahlen. Viola gestattet mir, dass ich sie als augenfreundliches Studienobjekt nach Belieben missbrauche. Nein, nicht so, wie du vielleicht empört denkst. Ich würde nie auf den Gedanken kommen, einen wertvollen Menschen wie ein seelenloses „Objekt“ zu benutzen. Viola ist eher ein vielsprechendes und inspirierendes Selbsterfahrungsversuchsbunny mit etwas Hirn. Wir ergänzen uns auf eine wunderbare Weise. Ich genieße ihre Gesellschaft und die Rolle, die sie mir zugedacht hat. Es ist der perfekte Tauschhandel. Wir sind beide zufrieden. Und manchmal bekomme ich, sozusagen zur Belohnung ein unterhaltsames Überraschungsgeschenk. Für Viola bin ich außerdem der ideale Alibigeber. Ich bin der unauffällige, beste Freund aus Jugendtagen. Einer dem man alles anvertraut und der optisch ungefährlich erscheint. Aber so bin ich halt und ich kann es nicht ändern. Warum mein bester Freund Werner mir in gutem Glauben,

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______ __________ ______ sozusag treuhän gen nderisch seine Frau anvertraut, ha einen ein at nfachen Grund. Ich entspre eche nicht g ganz dem de erzeit angesagten, männliche heitsideal. Ic trage ein Brille und habe etwa schüttere ch ne d as e Schönh Haare. Vermutlich erscheine ich darum harmlos, un in Werne h h nd ers Augen ungefährlic Aber gen das ist meine Stärk mein Au ch. nau m ke, ussehen wird zu meinem G u Gewinn in einer gnaden nlosen Gese ellschaft, de enn damit k kann ich mu den Vor utig rteil beim Wandel unte besonderer W er Berücksichtigung d Möglich der hkeiten des Objekts erg greifen. Aber auch Viola hat Vo orteile. Sie kann mit m meiner Hilfe so etwa drei- bis viermal in der W Woche, auf eine optisc legale We f ch eise, aus ihre ehelichen Versorgun er ngsanstalt ausbrechen um einmal in der a l Woche mit mir tie e efschürfende Gespräche über philo osophischalltäglic Ereignis zu führe Diese Ge che sse en. espräche sin von Viola als nd therape eutisch wer rtvoll deklar riert und da arum von W Werner (ihre em angetra auten Ehem mann) ausdr rücklich erla aubt. Früher, als ich noch ve erheiratet war, war es umgekehrt. Da w konnte ich Viola hin und wied als Alibigeberin einsetzen. Viola e der wurde zwar von m meiner dama aligen Ehefr intuitiv als Rivalin rau, v ehen. Aber d beruhigende Hinwe auf eine alte der eis e angese Jugendfreundscha aus Kinde aft ergartentag war Gru genug, das gen und Feuer d Misstrauens klein z halten. des zu Werner bin i gut befr ich reundet. Eig gentlich ist e mehr er Auch mit W mit mir befreunde denn manchmal geh mir seine buchhalter r et, ht e rischnüchterne Art ziem mlich auf de Geist. Ab was wür en ber rdest du an meiner
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de, ein er Stelle tun? Ich find dass es e feiner Zug von ihm ist, wenn e mir seine V Viola zur gef fälligen Nutzung überlä ässt, und au ußerdem me eine Steuera angelegenh heiten regelt Soll ich mich dann da t. m agegen weh hren?

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____________________ So viel Charakterstärke kann niemand von mir verlangen.

Doch bevor ich zu sehr schwärmerisch abschweife, kommen wir nun zu diesem denkwürdigen Donnerstag im Mai zurück. Nicht ausdrücklich von Viola angesprochen, aber aus den erhaltenen Informationsbruchstücken konnte ich größere Verwicklungen annehmen. Es war natürlich purer Zufall, und nur extrem misstrauische Gemüter könnten vermuten, dass Violas läufiges Saturday Night Fever vom voran gegangenen Wochenende und der pompös inszenierte Ehekrach in direkter Beziehung zueinander standen. Was auch immer die Ursachen waren. Meine Freundin Viola war an besagtem Samstag zur Nacht wegen der erlittenen, schweren ehelich-seelischen Verletzungen gezwungen, fluchtartig und unter dramatisch-theatralischem knallen mit Türen, das eheliche Haus zu verlassen, und einen Gastronomie-Betrieb, in diesem Fall als erste Anlaufstelle eine bekannte Cocktailbar (die an anderer Stelle noch öfter erwähnt wird) aufzusuchen, die als Treff für überwiegend kopulationsfreudige Menschen, also Singles und solche die sich dafür ausgeben, auch heute noch sehr zu empfehlen ist. Zurück blieb ihr ziemlich angesäuerter Werner, der nun in Ruhe sein Bier trinken, die Erbsen zählen, und die verschiedensten Fernsehprogramm testen konnte. Und bei Viola? Die Wut auf Werner war die Ursache für den zwangsläufigen Appetit auf Anderes und die emotional geladenen Werbeaktionen zeigten Wirkung. Zumindest die Wirkung, dass sie am darauf folgenden Donnerstag vollkommen euphorisiert meinen qualifizierten Rat bedurfte.

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______ __________ ______

„Ich freue m mich“ war m meine Donn nerstagmor rgenantwort Doch t. bevor ich sie wegd drücken kon nnte, kam schon die nä ächste Frage „Du, e: ich hab noch was v b vergessen. Sag mal (ku Pause in der ich nichts urze dagege zu haben hatte. Dan kamen st Worte d hörbare en n nn tatt das e Saugge eräusch an e einer Filterz zigarette un ein kurze Husten), k nd es kennst du eige entlich Fabie enne?“ Viola hat viele Freundinnen und ich kann mir nicht jede i en Namen merken. A n Außerdem si weiblich Namen f mich Sch und ind he für hall Rauch. Ich habe m aus Sich mich herheitsgründen an die sehr persö e önliche Frauenallroundans sprachen, w zum Beispiel „Schatz“, „Lieblin wie ng“ oder „H Honey“ gew wöhnt, die zu allen Gele egenheit in Freud und Leid passen und jede versehentliche Verwech hslung ausschließen. A Aber Fabienn war ein mir bis dahin nicht gelä ne äufiger, dur rchaus phantasievoll-fran nkophil kling gender Nam den ich nicht zuord me, dnen konnte e. „Ich bring s mit. Du h doch nichts dageg sie hast n gen?“ war d die mehr rhetorische Frage, die e eine, meine mögliche A Antwort und jeden d aren Einwan völlig überging. nd denkba Nicht dass ich wirklich etwas dagegen hätte. Ich empfin es h . nde als angenehme Be ereicherung meines Leb g bens, wenn wildfremde ühlschrank p plündern, meine Bude mit m Frauen meinen Kü ttenrauch und undefini ierbaren Pa arfüms schw wängern, me ein Zigaret Toilette enpapier ve erbrauchen und die Klo obrille bepin nkeln, weil s seit sie
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Erfindu der Brill und das ist ja immerhin schon e ung le, einige Jahrz zehnte her, im mmer noch n nicht gelernt haben, die eses überau nützliche us e Utensil hochzuklap ppen. Denn noch konnte ich eine ge e ewisse

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____________________ klammheimliche Vorfreude auf einen anregenden Abend nicht vollständig verheimlichen. Als kommunikativer Mensch ist es mir ein Bedürfnis, soziale Kontakte zu knüpfen, besonders dann, wenn schon im Namen eine erotische Frischfleischkomponente mitspielt, die mir sozusagen als Häppchen auf dem „silbernen Tablett“ serviert wird. Außerdem muss ich auch hin und wieder ans Geschäft denken, eine neue Klientin und ein kleiner Zusatzverdienst sind ja auch nicht zu verachten. „Wer ist denn Fabienne?“ war nur noch eine rhetorische Zusatzfrage, um mehr Hinweise zu bekommen. Du musst wissen, dass jeder fähige Kartendeuter weiß, das Vorherwissen die Zukunft entscheidend beeinflussen kann und daher gut fürs Geschäft ist. Bis zu diesem Moment ahnte ich noch nichts von dem unmittelbar bevorstehenden Energieschub der mein Leben verändern sollte. Du wunderst dich, warum ich als Mensch mit medialen Fähigkeiten die Zukunft nicht sehen konnte. Es gibt keinen Grund an mir und meinen Fähigkeiten zu zweifeln. Glaubst du ernsthaft, ich hätte am frühen Donnerstagmorgen und in den weichen Kissen und auch Pfühlen, denn ich lieg nicht gerne kühle, meine Tarot-Karten dabei?

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Albert Einstein hat einmal gesagt: „Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle.“ Oberflächlich betrachtet mag er recht haben. Ich behaupte, dass sich das Genie zwar nicht

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______ __________ ______ geirrt, a aber eine th heoretische fehlerhaft und daru lebensfremde e, te um Behaup ptungen auf fgestellt hat Das Schönste ist die Entdeckung und t. g Erbeutu des Ent ung tgegengesetzten, bevo die Konku or urrenz einem die m Gelegenheit vor der Nase wegschnappt. Diese, meine durch Lebens serfahrung g gewonnene Erkenntnis zusammen e s ngefasst, bezeich hnet man üblicherweis als Liebe. se

Eigentlich h hätte ich nu dem mo un, oralischen Zwang der erwach hsenen Bevö ölkerung folgend, aufst tehen müss um mein sen Tagewe zu begin erk nnen, aber a einem unbestimmt Gefühl heraus, aus u ten blieb ic im Bett liegen. Im im ch mmer noch halbdunklen Zimmer h verfing sich mei Gedanken in einem wirren Tag gen ine m gtraum von „was n ich tun würde wen und längst vergang nn“ genen Episo oden, die ich nicht h mehr ä ändern kann aber zu ge n, erne noch mal zu mein m nem egoistis schen Nutzen verändern würde, we ich zurü in die Ve n enn ück ergangenhe eit könnte was mir nicht möglich ist, denn ich bin ja no da. e, i och Warum mir in diesem Moment die kleine Ge eschichte ei infiel, weiß ic nicht meh Ich habe sie nicht se ch hr. e elbst erlebt Oft habe i den t. ich Satz „dafür bist du noch zu ju u ung“ hören müssen. Hin vorgeh m nter haltener Hand h man sie mir erzählt, manches habe ich als unwissend Kind hat , h s des zufällig gehört, und einiges w g wurde mir ve erschwiegen n. mal it, as 0 Es war einm vor sehr langer Zei so um da Jahr 1900 herum. Die Geschi . ichte hande von einem Mann, m einem elt mit schwar rzen Zwirbelbart und einer dicken, goldenen Uhrenkette an e
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seiner W Weste, die sich über se einem mäch htigen Bauc spannte. Er war ch ein stat ttlicher Man und zur damaligen Zeit, es herrschten and nn Z dere Schönh heitsideale, ein Frauens schwarm. Dieser Mann hatte in einer D n

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____________________ süddeutschen Goldstadt mit viel Erfolg und durch ein Netzwerk fleißiger Frauen die Abfälle der regionalen Schmuckindustrie an sich gebracht. Bei der Herstellung von Ringen und Armbändern fielen kleine Späne ab, die von den Frauen aus den Fabriken geschmuggelt, dem Mann übergeben wurden. Manchmal verschob er auch noch die jungen Frauen und insgesamt betrieb er ein florierendes und äußerst lukratives Unternehmen. Dabei hätte er es belassen sollen, denn weniger Fortune hatte er beim Glücksspiel. Darum wanderte er durch die einsamen Wiesen, Felder und dichten Wälder des Schwarzwaldes, weit weg von der besagten Goldstadt, immer auf der Flucht vor seinen rachsüchtigen Gläubigern, die ihm nach dem Inhalt seiner Brieftasche und dem Leben trachteten.

Auf seiner ruhelosen Wanderschaft durch die malerische Landschaft des einsamen Schwarzwalds traf er an einem heißen Frühjahrsnachmittag, es war Donnerstag der 10. Mai 1900, auf eine hübsche, früh verwitwete Agrarökonomin, die unter einem knorrigen Apfelbaum mit gestielten Blüten und doldigen Schirmrispen, inmitten einer wunderschönen Frühlingsblumenwiese saß. Die junge Frau war verzweifelt und von wirren Träumen über die ungewisse Zukunft geplagt. Trotz ihrer Gebete fand sie auf viele Fragen keine Antworten. Nervös und mit tiefen Seufzern, ließ sie immer wieder die glatten Perlen ihres Rosenkranzes durch die Finger gleiten. Ein kleines hölzernes Kreuz, das sie an einer dünnen Goldkette um ihren schönen Hals trug, brannte ihr auf der Haut, und auf ihrem großen, wogenden Herzen zeigten sich kleine, im Sonnenlicht schimmernde Perlchen von frischem Schweiß.

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______ __________ ______ Der Wande sah die entzückende Bäuerin mit Wohlge erer e efallen. Er war ein weiser Mann, und durch seine Erfahrung in der ra e gen auen er dt e nen Welt de Großstad geschult, ein Experte im Erkenn des Wesentlichen. Sein Kennerbli sah das Spannungsf zwische der ick feld en transze endenten Not der hübs schen, offen nsichtlich be egüterten Landfra und den realen Aspe au ekten für se weitere Lebenspla eine e anung. Intuitiv ahnte er, w v welche Mitt für den erwünschte Zweck tel e en einzuse etzen wären n. „Gott zum Gruße schö önes Kind“ waren seine gütigen W w e Worte. Leutsel zog er se lig einen steifen Hut und hielt in seine Wanderu n h er ung inne. D hübsche Bäuerin sah ihn neugierig an, den er war ei Die nn ine beindru uckende Ers scheinung u dazu ein schöner M und Mann. Obwo es ohl nicht sc chicklich wa nahm sie ihren ganz Mut zus ar, e zen sammen un mit nd zagend Stimme fragte sie ih „Verzeih mir Herr, woher kom der hn: ht , mmt Ihr?“ g h f ßstadt in diese „Mein Weg führt mich aus einer fernen Groß Einsam mkeit. Auch h bedürfen die Men hier nschen mein Hilfe und ner meinem weisen Ra Dann verschränkte er seine H m at.“ e Hände und w warf einen B Blick gen bla auen Himmel. Die junge F Frau vernah die rätse hm elhaften Wo und sie war, orte e wie es seit Urzeite das Wese des Weib ist, begi en en bes ierig mehr z zu en. erfahre „Mein Herr wenn Ihr von weit he kommt, k r, er könnt Ihr m mir vielleicht meine Ungewissheiten nehmen“ war ihre mit
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geschlagene Augen, z en zögernd aus sgesprochen Frage. ne niederg Er lächelte gütig und s sprach mit seiner tiefen wohlkling s n, genden Stimme „Steh auf mein Kind, damit ich dich ansehe kann.“ e: f , d en

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____________________ Und die hübsche Landwirtin tat wie ihr geheißen, denn sie war eine gehorsame Frau. Er legte seine gepflegte linke Hand auf ihre Hüfte und nahm ihre rechte Hand in die Seine und sprach: „Stelle jetzt deine Fragen, und ich werde sie gewissenhaft und mit reinem Herzen beantworten.“ „Mein Herr, ich werde von schrecklichen Träumen geplagt. Ich liege in der Nacht wach und sehe nur Finsternis um mich. Mein Geist fleht und mein Leib brennt wie Feuer. Was soll ich tun, was wird aus mir werden?“ Mit dem Sinn des Gourmands erkannte der Wanderer aus der fernen Großstadt die Not ihres Leibes. Er spürte durch die Kraft seiner Hand auf ihrer Hüfte, dass eine arme Seele darauf wartete, vor dem drohenden Höllenfeuer errettet zu werden. „Gutes Kind, ich verstehe dich, denn ich kann in den Tiefen deiner Seele die Zukunft sehen. Das brennen deines Leibes kommt von den Bewegungen der Welt. Spürst du wie sie sich bewegt?“ Sie sah ihn mit großen blauen Augen an, und sie antwortete unsicher: „Ja ich spüre es“ und ein leichtes Zittern durchlief ihren Körper und ihre köstliche, zur Überreife sich neigende Brust bebte. Der stattliche Wanderer sah ihr tief in die Augen und sie nahm einen fremden, angenehmen Geruch wahr. Plötzlich fühlte sie sich geborgen und sicher. Mit ruhiger und wohlklingender Stimme sprach er weiter: „Die Erde mein Kind, wird von einhundert mächtigen Ochsen gezogen und nur darum bewegt sich immer schneller. Und je mehr die Ochsen sich bewegen und sie ziehen und die fruchtbaren Wiesen zertrampeln,

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______ __________ ______ umso s schneller dreht sich die Erde. So la e ange, bis alle auf dem Kopf es steht.“ Die Landwi irtin verstan das Gleic nd chnis und m verhaltenem mit Atem la auschte sie seiner besc chwörend klingenden S k Stimme: „Und bald, sc chon sehr b wird da ganze Wa bald as asser der Flü üsse, der Se und een Ozeane auslaufen und alles, d fruchtba e die aren Wiesen die Felde und n, er Wälder überfluten r n.“ Der Wande deute a das Land um ihn he erer auf d erum und aus den Augenw winkeln sah er den äng h gstlichen Au usdruck in ih hren Augen. Hastig frage si ihn: „Wer weiß denn noch, das so etwas ge ie n eschehen w wird?“ Er sah sie m einem d mit durchdringenden Blick an, und sie wich seinem Blick etwas aus. m „Niemand kann die Zu ukunft aufha alten, weil n wenige nur Auserw wählte die G Gabe des Zukunftsblicks besitzen ...“ Mit eindrin nglicher Stim mme sprach er weiter: „… aber ich h h besitze diese selte Gabe, und darum weiß ich es g e ene w ganz genau Die u. Welt dr reht sich un der Tag is nicht mehr fern und schon bald steht nd st d d sie auf dem Kopf.“ “ Dann ergrif er ihre Hä ff ände und hi sie fest. ielt . „Mein Kind du besitzt jetzt ein ge d, t eheimes Wissen. Bewa ahre es gut in d deinem Her rzen, denn d bist jetzt eine Eingeweihte.“ du t Dann ließ e ihre Händ los, faltete seine Hä er de ände, richtete den Blick wieder gen H Himmel und sprach: „Gutes Kind, ich muss nu d un weiter. Denn mein Bestimm . ne mung ist die Botschaft zu verkünde und en
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viel Geld zu samm um eine Arche zu bauen, dam die Heilig und meln e b mit gen auch di Erleuchte ie eten in den letzten Tag errettet werden.“ gen t Dann streic chelte er mit den Finge erspitzen de Zeige- un es nd

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____________________ Mittelfingers seiner linken Hand flüchtig über ihre Stirn und ihre vollen Lippen. Er sah sie noch einmal an und ging dann mit langsamen Schritten weiter, ohne sich noch einmal umzudrehen. Aber der hübschen blonden Witwe war das nicht genug. Sie hatte schreckliche Angst und verspürte zugleich ein nie gekanntes, ohnmächtiges Gefühl der Hingabe. Sie hob ihr Kleid mit beiden Händen etwas an und lief hurtig hinterher um ihn zu fragen, was sie denn tun solle, wenn bald alles auf dem Kopf stünde und die Wasser der Flüsse und Seen kämen. Der Wanderer lächelte, denn auch darauf wusste er eine Antwort. Seine Stimme hatte einen ermutigenden, sonoren Ton, als er ihr sagte: „Nur bei mir mein Kind, bist du in Sicherheit. Dann kann nichts auf dich stürzen und die Wasser bleiben fern, denn ich werde schon bald und hier, genau hier auf diesem schönen Berg eine Arche bauen.“ Dann, nach einem bedenklichen Blick in den Himmel und zu den kleinen, weißen Wolken sprach er weiter: „Aber bedenke, nur wenn dein Glaube stark genug ist, und du jedem Irrglauben abschwörst, und nur wenn du mir vertraust wirst du errettet werden.“ Und so geschah es. Sie vertraute dem weisen Wanderer, denn zuvor hatte ihr noch niemand die reine unverfälschte Wahrheit gesagt. Da nahm er sie an der Hand und führte sie in die duftende Frühlingswiese, die mit herrlichen Gräsern und wilden Wiesenblumen bewachsen war. Dann sagte er zu ihr: „Braves Kind, ich werde dich jetzt ein Stück zur Helligkeit, zum Licht führen. Lege dich ganz flach auf den

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______ __________ ______ Boden, auf den Rü , ücken, dann kannst du nicht umfallen, wenn die n Erde sic bewegt.“ ch “ Und sie tat wie ihr geh t heißen. Da wusste der weise Wan w nderer, dass er eine gehor r rsame Anhä ängerin gefu unden hatte die auf ein e, Wunde wartete. er „Schau jetz in den Him zt mmel, zur Sonne, zum göttlichen Licht S der Erle euchtung. S mir was du siehst?“ Sag “ Sie tat wie ihr geheiße und sie sah ein gleiß en ßendes Licht und sie fürc chtete sich. Da legte er sich zu ihr und seine H r Hand war au uf ihrem g großen, poc chenden He Er hielt sie ganz fes in seinen Armen erz. st damit ihr nichts ge eschehe, we die Welt sich drehen würde, d enn denn er war ein guter Men n nsch. Und si iehe da, der Glaube de hübschen r er n blonden Bäuerin w stark un mächtig und die Dunkelheit ihr war nd rer Seele w weg. Sie sah ein leu war e uchtendes Strahlen am Himmel, fa wie S m ast ein flim mmerndes K Kreuz. Jetzt v verstand sie die Zukun und sie e nft jubilier denn de Herr war in ihr und sie hatte kei Angst m rte, er s ine mehr. Einige Generationen s später kann dir der Ur-Enkel der b blonden, aber zu ugegeben et twas einfält tigen Bäuer solche ku rin uriosen Geschic chten erzäh hlen. Aber d diese kleine Episode ist nicht gelog und t gen es ist ke Märche sondern es ist die Wahrheit. No heute s es, ein en, W och soll wie mir erzählt wu r urde, in eine kleinen Schwarzwald er S dgemeinde eine kleine G Gruppe Stre eng-Gläubig geben, die darauf w ger d wartet, dass die s Welt um mkippt und die darum prophylakt d tisch an eine Arche ba er astelt. Die Blumenwiese auf der ein wundersch höner, mäch htiger, etwa alt as
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orsch gewordener Apfe elbaum steh gibt es im ht, mmer noch. Ich und mo war da, ich habe ih berührt und ich hab seine Aura gespürt. Das , hn be leise W Wispern in de Blättern habe ich au gehört und ich lag mit en uch

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____________________ Angie sogar in der Blumenwiese, um das zu tun, was mein Urgroßvater getan hat. Aber das ist eine andere Geschichte Was lernen wir daraus? Wenn dich die Sünde mal wieder ganz arg plagt, und du nicht weißt, ob du davon loskommen kannst, oder ihr nachgeben sollst, dann beichte nicht bei einem Heiligen. Suche Rat bei einem erfahrenen Sünder. Nur hier wird dir geholfen. Vielleicht fragst du dich kopfschüttelnd, wo die Quintessenz dieser kleinen Begebenheit aus längst vergangenen Zeiten ist? Ich verspreche dir, dass ich schonungslos alle Geheimnisse lüften werde. Darum bekommst du jetzt aus erster Hand den erschütternden Bericht eines einsamen Kartendeuters, der mit einer Bestie kämpfen muss auf der eine rothaarige und nackte Frau reitet. Es ist ein schreckliches, feuerspeiendes Ungeheuer, das mit seinem Schwanz ein Drittel der Sterne vom Himmel fegt und Fabienne zu Füßen legt. Dazu erfährst du auch was Mister Kirk und das Raumschiff Enterprise mit meinen Erlebnissen zu tun hat. Und es wird das Geheimnis einer wunderschönen Blumenwiese im Schwarzwald, auf der ein uralter Apfelbaum steht, gelüftet. Aber das ist noch nicht alles. Ich habe alles daran gesetzt, um dich hier und jetzt in die geheimnisvolle Kunst des Kartendeutens einzuführen. Freu dich nun auf meinen schonungslosen Bericht.

____________________ Aus eigener, schmerzlicher Erfahrung weiß ich, dass jeder Mensch ein Sünder, und wo man auch hingeht die Hölle lockt. Die Engel, die das einladende Tor zu den Städten Sodom und Gomorra

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______ __________ ______ bewach sind alt und schwa geworde und die Federn fall hen t ach en, len auch au Wen wu us. undert es da noch, dass am Sündentor ein reg a s ger Betrieb herrscht. O b Oder wie Jo ohann Wolfg gang von Go oethe in ein ner vermut tlich ähnlich Situatio einmal sa hen on agte: „Es mö öchte kein H Hund so läng leben! D ger Drum hab ich mich der Magie erge h eben. Ob mir durch Geistes Kraft und Mund, nicht manch Ge s eheimnis wü ürde kund.“ “

Seit vielen Generation meiner Familie geh nen hören die mystisc chen Kennt- und Erken nntnisse der Zusammen r nhänge von TarotKarten, des Wünsc , chelrutenge ehens und des heilende Handauf d en flegens zum fes sten Bestan ndteil der Ko ommunikat tion, der Lus stbarkeiten und des Bro oterwerbs. M Manch ein V Vetter und die eine od andere T der Tante konnte sich dami in den gro en it oßen Weltw wirtschaftsk krisen zwar mühsam aber imm m, merhin über Wasser ha alten. Beson nders erfolg greich war ein naher Verwandter ur n rgroßväterlicherseits, d seine der mystisc chen Kenntn nisse, durch den praktischen Einsa seiner g h atz großen Wünschelrute bei gläubigen L Landfrauen, sehr erfolg greich verm mitteln konnte Der besag nahe Verwandte wa ohne jem körper e. gte ar, mals rlich zu arbeite damit so gesegnet, dass er End der zwan en, o de nziger Jahre des letzten Jahrhunderts umfangreichen Imm mobilienbes sowie sitz, fruchtb bare Äcker, Blumenwie esen und vie Apfelbäu ele ume sein Eigentu nennen konnte, die ihm von gläubigen An um e nhängerinne zum en Dank fü seine Leis ür stungen ver rerbt worde waren. en Bedaue erlicherweis beschrän se nkten sich die mentalen Fähigkeite n en
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meines Vorfahren auf den Ein s nsatz seiner Rute, auf r Zukunf ftsdeutunge und Hand en dauflegen. Als Verwalter des erbe A euteten Vermög gens war er eher eine Niete. Dazu kam das G r u Glücksspiel u der und

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____________________ Suff gab ihm letztendlich den Rest. Als verarmtes Genie, von seinen Gläubigern und verärgerten Ehemännern ungerechterweise verfolgt, fand man ihn eines Tages am unteren Ende eines kunstvoll verknoteten Stricks, der sich festgebunden an einem starken Ast eines knorrigen Baums, als deutsches Qualitätsprodukt, überraschenderweise als sehr haltbar erwiesen hatte. Das bedauerliche Schicksal war eine lehrreiche Mahnung für seinen hoffnungsvollen Nachkommen, es besser zu machen.

Die Verkündung der Wahrheit war für mich nicht immer einfach. Denn die Verpflichtung zur ökonomischen Ehrlichkeit erfordert nicht nur Größe, sondern auch Mut, das Unwiderlegbare auszusprechen, und wie ein bekannter Dichter vor langer Zeit einmal sagte, auch ein verdammt schnelles Pferd. Der Umgang mit der Wahrheit erfordert auch sensitives Fingerspitzengefühl. Denn hin und wieder erzeugt die nackte Wahrheit in Verbindung mit spirituellen Eingebungen über die Zukunft ein natürliches Akzeptanzproblem. Das ist nicht weiter schlimm, denn die Menschen sind von Natur voller Zweifel und Vorurteile. Darum vertraue ich darauf, dass nur der gerade Weg und meine Offenheit mich vorwärts bringen. Im Interesse meiner Klientinnen und meiner aufmerksamen Leser werde ich auch heute nicht davon abweichen. Denn der eherne Grundsatz jedes seriösen Zukunftsdeuters sollte die Suche nach der Wahrheit sein. Nur an der ungeschminkten Verkündung universeller Wahrheiten kann die gläubige Menschin den einzig Guten in der unübersehbaren Schar der Dilettanten erkennen. Nur die Verbindung von kreativer Ehrlichkeit

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______ __________ ______ und phantasievolle Interpret er tation der Wahrheit er W rgibt die ma agische Anziehungskraft, d ein erfolgreicher Ka die artendeuter als r unabdingbares We erkzeug ben nötigt. Mit dem Bewus d sstsein, dass die s Wahrheit schön ve erpackt, nie emals langw weilig wird, v vertrete ich h rückhaltlos meine eisernen Prinzipien. Wenn sie dir nicht gefal W r llen, habe ic auch noch andere. ch

Ich weiß, dass meine o okkulten Erkenntnisse von manch h unaufg geklärtem Lä ästermaul v verächtlich als mentale Voodoo a a er abgetan werden Ich weiß a n. auch, dass e viele Igno es oranten gib die die bt, geheim mnisvollen Z Zusammenh hänge der Ta arot-Karten als große n Irreführung einer g geistig besc chränkten Anhängersch ansehe Das A haft en. mag be vielen Pse ei eudo-Expert die sich laienhaft m der ten, h mit Kartend deutung, od was noc schlimme ist, mit obskuren der ch er Horosk kopereien befassen, so sein. In jed dem Bereich des Leben gibt h ns es Scha arlatane und Blender. M diesem Missstand muss auch der d Mit Wissen leben kö nde önnen. Die Kunst ist, si für das R ich Richtige zu entsche eiden. Denn nur das W n Wahre, Gute und Schöne kann im Vergleich zum Fals schen, Ober rflächlichen und Unehr n rlichen daue erhaft bestehen.

Nach meinen einleiten nden Worte möchte ich dich nun, und en, auch m meine sonsti igen Leserin nnen und Le sowohl bedachtsam an eser l die geh heime Kunst des Karten t ndeutens un der Zuku nd unftsbeeinfl lussung
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heranfü ühren. Einig streng ge ge ehütete Geh heimnisse w werde ich schonu ungslos offenbaren. Andere bleibe einer klei en inen, elitäre en Lesersc chaft vorbeh halten. Viele Geheimnisse werde ich nur dan nn

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____________________ aufdecken, wenn bei dir die höheren Stufen des Bewusstseins erreicht sind. Welcher Weg für dich wichtig ist und welche Geheimnisse du sofort wieder vergessen kannst, hängt davon ab, wie und für welchen Weg du dich entscheidest. Darum empfehle ich jetzt eine Entscheidung. Wenn du die Zeichen der Zukunft, vielleicht auch professionell zum Zweck des Brot- und Porscheerwerbs deuten möchtest, solltest du eine starke Persönlichkeit sein, die keine Zweifel an deiner Kompetenz, und keinen Widerspruch zulässt. Bitte schalte in diesem Fall dein Gehirn ein. Wenn du dich auf der anderen Seite als Rat- und Sinnsuchende befindest, vielleicht weil du dich in einer Lebens- oder Liebeskrise befindest, wende dich nur an dominierende Persönlichkeiten. Bitte schalte in diesem Fall dein Gehirn aus. Eine vorbeugende Teillobotomie ist eindringlich anzuraten. Aber woran kann man einen qualifizierten Kartendeuter wirklich erkennen? Ein (oder Eine, falls die Kartendeuterin weiblich ist) guter Kartendeuter zeichnet sich dadurch aus, dass er sich nicht in irgendwelche, nach Belieben zu interpretierenden WischiwaschiDeutungen versteigt. Ein guter Kartendeuter beleuchtet mit seinem strahlenden Licht eine ungewisse und verworrene Zukunft. Das wird von einem guten Kartendeuter (oder Propheten) einfach erwartet, und dazu zähle ich mich in meiner grenzenlosen Bescheidenheit. Ein positiver Nebenaspekt der seriösen Kartendeutung soll nicht unerwähnt bleiben. Wer die Geheimnisse der Zukunft virtuos erhellen kann, besitzt nicht nur spirituelles Geheimwissen, sondern

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______ __________ ______ auch ei sehr wirk in ksames Fasz zinations-W Werkzeug. Od anders der ausged drückt: Gute Propheten verfügen über starke emotionale e n ü e Anziehungskräfte, denen sich sinnliche Frauen mit v h F vorstehend genann nten Voraus ssetzungen nur schwer entziehen können. Fü die r ür Berufsw von Vo wahl orteil ist, we der Kar enn rtendeuter ü über besondere, spiritue ell-sensitive Erfahrunge verfügt. Dann wird er zum Wohl der e en Ratsuch henden, die Zukunft an der einen oder ander Stelle diskret e n ren beeinflussen, sofe die Bedü ern ürftigen mit tspielen und sich d uensvoll in s seinen Händ fallen la den assen, was h und wie hin eder, vertrau aber im mmer noch z selten vo zu orkommt. Leider gibt es auch Ris siken und Nebenwirkun ngen, an de enen die Anf fänger in de Zukunftse er erkennung oft genug sc o cheitern. An n einem praxisnahen Beispiel m möchte ich die Primärgefahr kurz d darstellen. meinen Anf fangszeiten hatte ich m meine spiritu uellen Früher, in m nisse zur allg gemeinen, u unentgeltlic chen Partyu unterhaltung Kenntn eingese etzt. Das wa zwar sehr nett von mir, aber mit zunehmender ar m Dauer w wirtschaftlich unbefrie edigend. Sch bald mu hon usste ich erkennen, dass de wissensch er haftliche Aspekt der Ka artendeutun und ng kostenlose Partyunterhaltung irgendwie nicht richtig zusamme g e en passten Erschwer n. rend kam hi inzu, dass mein guter C m Charakter m meinem Erfolg a außerorden ntlich im We stand. Ich musste die uralte und eg h schmer rzhafte Erfa ahrung machen, dass der Prophet im eigenen Land, n und sei kostenlos Rat, nich aber au gar nich wert sind In in ser hts, uch hts d.
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solchen Zeiten gab es für mic nur die Alternativen zwischen n b ch verhun ngern, oder einen gesel llschaftlich tolerierten, aber , energie everzehrend Job zu s den suchen. Die Entscheidu war, na e ung achdem

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____________________ ich einige Tage mit meinen Vorfahren mentale Zwiesprache gehalten hatte, schnell getroffen. Ich wollte weder unterernährt dahinscheiden, noch einen schweißtreibenden Job. Meine Intelligenz war gefordert, und sie hatte die wesentliche Aufgabe, wirksame Mittel für die erwünschten, ökonomischen Zwecke zu ersinnen. Es gab nur einen Ausweg aus diesem Dilemma, ich musste einen Weg finden, das Materielle mit dem Spirituellen zu verbinden. Außerdem fand ich es intellektuell erfüllender, wenn der menschliche Geist bewunderndes und kritikloses Staunen erzeugt, anstatt den Körper anzutreiben, damit dieser den Tag mit körperlicher, aber in der Mehrzahl geist- und kreativitätstötender Arbeit verbringt. Ich verspürte den unstillbaren Drang mich zu verzehnfachen, ja, ich gebe es zu, ich wollte mich verhundertfachen? Ich wollte viele Anhänger, die meinen Rat befolgten. Eines Nachts, beim Studium der Schriften der alten Meister hatte ich die Erleuchtung. Diskussionen mit den Einsen, den Experten führen in diesem Metier zu nichts. Oder wie Friedrich Nietzsche, der Meister einmal sagte: „Man muss die Nullen um sich scharen.“

Da ich schon immer ein Kopfarbeiter war, begann ich meine mentalen Fähigkeiten kommerziell zu perfektioniert. Ich sah den mir vorbestimmten Weg in der Pseudosublimation, und ich verschrieb mich dem Mysterium des „Warum“ und dem Weg zum gerne gehörten „Wie“ unter Berücksichtigung des Sinnlich-Körperlichen. Außerdem gab mir Oskar Wilde einen exquisiten Rat mit auf den Weg: „Wer die Frauen nicht hinter sich hat, bringt es in der Welt zu keinem Erfolg“ und dann stolperte er über eine Affäre mit einem

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______ __________ ______ adligen Stricher. P n Pech gehabt Oskar, abe kein Schw t er wanz ist so h wie hart das Leb ben. nun m ngskurs für angehende e Bevor wir n mit dem Einführun Kartend deuter begi innen, möch ich interessierten L hte Leserinnen und Lesern den strengen Bibelsatz „du sollst keine ande eren Götter neben mir hab ben“, zur W Weitergabe a deine zukünftigen K an Klientinnen a ans Herz legen. Wer zu dir kommt und Rat su u ucht, hat wie einer päpstlic chen Bulle o ohne Wider rspruch zu gehorchen. Erlaube nie g emals den Gla auben an fa alsche Proph heten. Lass keine Stern ndeutungen zu, n wenn d dich nich selbst dam beschäf du ht mit ftigst. Unter rsage Zwiesprachen mit neuro-lingu uistischen Kristallkugel der Konk K ln kurrenz. Falls de Klientin schon das eine oder andere Mal Rat und Hi bei eine n s a l ilfe den Karten gesuch hat, weise sie mit de dem Anla gebotener ht er ass Strenge darauf hin dass alles bisher Geh e n, s hörte falsch und von Scharla atanen ist. A Auch die von C. G. Jung dem Mitb g, begründer d der modern Psychia nen atrie bevorz zugte Schafg garbenstengelmethode e führte nur zu der E Erkenntnis, dass er nicht mehr wu usste, ob er seinen Morgen ntee nur mi einem, od mit zwe Löffeln Zu it der ei ucker trinken sollte. V Vergiss auch die Eingeb bungen weißgekleideter Schutzen ngel, nachts um die Geisterstunde herum. Sie können nic helfen. R cht Ruf zusamm mit deinen Klientinnen und la men auter Stimm diesen G me Götzen zu: „Ve erpisst euch, mein Meis und ich wir wissen Bescheid! ster h, n !“ Zur Demon nstration me einer menta Fähigkeiten werde ich alen e jetzt, zu usammen m dir, liebe Leserin, ab auch mit dir mein F mit e ber Freund
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und verehrter Lese die Initia er, ation vorbereiten. Du e erfährst jetz die zt ersten, universelle Geheimn en nisse der jah hrhundertea alten Kartend deutekunst t.

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____________________ Doch zuvor bitte ich dich aufzustehen. Wiederhole mit mir einen Schwur. Sprich mir bitte laut und deutlich nach: „Ich werde niemals die mir jetzt anvertrauten, universellen Geheimnisse weitergeben. Mit Ausnahme an meinen ältesten Sohn, wenn er das vierzigste Lebensjahr vollendet hat, und noch im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte ist.“ Du darfst dich jetzt wieder setzen.

Meine nächste, zunächst einfach klingende Regel für angehende Kartendeuter lautet: „Handle kreativ bevor die Dinge geschehen.“ Die darauf aufbauende Zusatzregel ist: „Achte darauf, dass deine präzisen Vorhersagen ausreichend Raum für Interpretationen lassen, sonst macht dir die Zeit und der Zufall einen dicken Strich durch deine Deutungen und du kannst dir den Strick nehmen.“ Was ich damit meine, ist am Beispiel der von mir verehrten Hildegard von Bingen, aber auch an dem geschätzten Nostradamus erklärt. Du kannst vorhersagen was du willst, und Katastrophen mit garantierter Rettung sind der Burner und kommen immer gut. Niemals darfst du, und ich meine wirklich niemals, das genaue Datum des Ereignisses nennen, außer du bist dir hundertprozentig sicher. Bei guten Nachrichten sieht es anders aus, aber das erkläre ich dir noch, wie das geht. Die ganze Tragweite der Zukunftsdeutung erschließt sich, wenn du deine Eingebungen auf eine höhere Ebene mit Erfolgsgarantie stellst. Vielleicht fragst du dich jetzt: „Eine Erfolgsgarantie? Gibt es sowas?“

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______ __________ ______ Ja, auch be der Karten ei ndeutung gibt es eine Erfolgsgarantie, g die du s oft wie m so möglich, soz zusagen als übergeordnetes (göttl liches) Zertifizierungskrön nchen deine Fähigkeit geben solltest. er ten Vielleicht k kennst du da uralte Zit „Der W ist das Z as tat: Weg Ziel.“ Das Zitat is falsch übe st erliefert. Ko orrekt müsst es lauten „Das te n: Ziel bes stimmt den Weg.“ hes ment wird dich von der Richtigkeit meiner Ein einfach Experim Behaup ptung überz zeugen. Bitt steh jetzt von deinem bequeme te t m en Stuhl auf und begi dich auf d Dach eines mindes ib das stens dreistö öckigen Hauses Nimm ein Blatt Papie in die Han und dann beuge dic so s. er nd ch weit wi möglich v Bitte ni ie vor. icht zu weit, denn sons kannst du nicht st u weiterlernen. Bitte lasse jetzt das Papier fallen. Die Flugbahn d e t r des Papiers verläuft ni s icht in einer geraden Li r inie. Auch d Falllinie vom die dritten Stock bis zum Boden l lässt sich nicht im Vora berechn aus nen. Der We zum Ziel wird nicht n von vielen kleinen klimatische eg nur en Besond derheiten be eeinflusst, a aber eines ist sicher, und diese Ga arantie kann ic dir geben Das Ziel, d Ereignis dass das B ch n. das s, Blatt auf dem Boden landen wird ist hunde d, ertprozentig vorherseh g hbar. Genauso ve erhält es sic mit der Kartendeutu Ein gut ch K ung. ter deuter kom mmuniziert s sozusagen auf einer hö a öheren Eben und ne Kartend gibt sich nicht mit den unbedeutenden Widrigkeiten des Leben ab. W ns wie m d ie s Es ist w mit dem göttlichen Willen und Wirken. Di Wege des Meisters sind für L Laien nun m unergründlich und sollen es au mal uch bleiben Nur er sie unbeirrb das in der dunklen Zukunft lieg n. eht bar gende
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Ziel.

Ich behaup meine e pte, ersten Erklä ärungen waren für

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____________________ interessierte und darum intelligente Leser nachvollziehbar und verständlich. Aber es gibt noch mehr Zeichen, an denen man einen guten Kartendeuter erkennen kann. Ein guter Kartendeuter weiß durch die konzentrierte Kraft seiner medial-mentalen Fähigkeiten, was seine Klientinnen suchen. Mir wird immer wieder die interessierte Frage gestellt: „Meister, wie machen Sie das genau?“ Das Geheimnis der Problemerkennung ist erlernbare Hyperästhesie. Es sind die vielen versteckten, unwissenden Menschen nicht zugänglichen Signale, die sich zu einem plastischen Bild vor seinem inneren Auge zusammensetzen. Wird es dir zu kompliziert? Ich weiß, der Weg zum erfolgreichen Kartendeuter und Propheten ist nicht leicht. Aber du brauchst dich nicht zu ängstigen. Ich bin bei dir und nehme dich, falls du weiblich und wohlgeformt bist, sogar an der Hand.

Jetzt nach dem Vorspann und als einführende Übung, möchte ich dir an einem praxisnahen Beispiel demonstrieren, wie die Kunst der Kartendeutung funktioniert. Nehmen wir einmal an, dass eine Ratsuchende zu dir kommt und auf deine unabdingbare Eingangsfrage: „Was möchtest du von den Karten wissen“ mit drei harmlos klingenden Gegenfragen antwortet. Die erste Frage könnte vielleicht lauten: „Gewinne ich nächste Woche im Lotto?“ Vorsichtig taktierende Klientinnen könnten unverfänglich fragen: „Gibt es nächste Woche besondere Ereignisse?“ Ergänzend und vermutlich könntest du auch mit der Frage:

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______ __________ ______ „Wird s nächste Woche mein Liebesle sich e eben veränd dern und en ndlich einer kommen, de mir den H er Hengst mach konfron ht“ ntiert werde en. Diese drei, thematisch wohl am häufigsten a h h auftretende und en, in der W Wortstellun nur leicht variierend Fragen, decken die ng t den mensch hlichen Grundbedürfni isse „Geld“, „Gier“ und „Geilheit“ ab. , d Darauf können die Tarot-Kart und der wissende K e ten r Kartendeute sehr er e se en genaue und präzis Antworte geben. Die erste Frage deiner Klientin ist schnell beantwortet u r t und lautet: „Ja du wirst nächste W Woche im Lo gewinn otto nen.“ Antworte b bitte mit ein nem nachde enklichen G Gesichtsausd druck, dem man das Erge ebnis der üb berragenden Denkleist tung ansieht Den t. gedach hten Zusatz: „Aber nur, wenn du einen hohen Betrag übe : , e n er fünfzigt tausend Euro einsetzt“ kannst du getrost ver “ rschweigen, aber , durch d deine Mimik vielleicht durch geru k, unzelte Stirn nfalten, unausg gesprochen im Raum st tehen lassen. Solche Fr ragen sind r reine Fangfra agen und da arum nicht weiter erwä ähnenswert um ernsth t, haft darübe zu diskutieren. Falls d er deine Klient was ziemlich tin, wahrsc cheinlich ist, keinen Gewinn in Eur hat, ist de Beratu , ro eine ung nicht fe ehlgeschlag Denn die Ratsuche gen. ende hat no etwas och Wertvo olleres als G bekommen. Nämli die Erfahrung, dass ihre Geld ich s Frage a die Karte zu unpräz und außerdem pro an en zise ovokativ wa Du ar. kannst sie in der n nächsten Sit tzung darauf hinweisen in Zukunf etwas n, ft ernstha after mit ihr rem zukünf ftigen Leben umzugehe Die Zuku n en. unft und das Schicksal verstehen b unqualif bei fizierter Beh handlung ke einen
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Spaß. Die Frage d deiner Klien ntin, und darauf solltest du bei ein nem Totalve erlust des Sp pieleinsatze streng hin es nweisen, hä präzise lauten ätte e

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____________________ sollen: „Gewinne ich nächste Woche mit meinem Mindesteinsatz und sofortiger Bezahlung des Beratungshonorars den Hauptgewinn in Höhe von mindestens einer Million Euro im Lotto?“ Dann wäre die Antwort eines guten Kartendeuters ein klares „Nein“ gewesen. Außerdem kann deine Klientin wohl kaum erwarten, dass für das geringe Beraterhonorar eine Million Euro zu bekommen ist. So weltfremd kann niemand mit einigermaßen klarem Verstand sein. Falls die Ratsuchende dennoch den Hauptgewinn getroffen hat, ist das nicht weiter schlimm. Bei einem Millionengewinn könntest du mit einem gemurmelten „mein Rat war eine Prüfung des Herrn“ antworten und du wirst als Held gefeiert und hast vermutlich bis zu deinem Lebensende ausgesorgt und Schwamm drüber. Du fürchtest um dein Gewissen und hast Angst, dass du mit deinen Prognosen danebenliegen könntest? Zwar kann sich auch ein guter Kartendeuter irren, aber das ist nicht weiter schlimm, denn nur die eintreffenden Vorhersagen bleiben im Gedächtnis seiner Opfer hängen und tragen zu seinem Ruhm bei. Die Falschen geraten schnell, oft schon nach wenigen Stunden in Vergessenheit. Ein empfindsamer Kartendeuter bekommt mit dem Hinweis auf unpräzise Fragestellungen, die Chance, seine Deutungen an die Ereignisse anzupassen und eine neue Kartenlegesession einzuberufen. Bei den Antworten auf die Fragen, die mehr in den Gefühlsbereich des Menschen tangieren, wird sich ein guter Kartendeuter nicht nur darauf verlassen, dass in der nächsten Woche „vielleicht“ etwas Ungewöhnliches passieren könnte, sondern er wird

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______ __________ ______ sehr so orgfältig die Gezeiten u die Gegebenheiten beachten, und und n dann aktiv die Ges schehnisse b beeinflusse Das ist nicht so schw en. wer, ch s was her wie es vielleicht klingt, und ic werde es für dich etw einfach darstellen. Ein guter K Kartendeute könnte au der Konstellation de er us er aufgedeckten Kart erkenne dass stö ten en, örende Einflüsse am An nfang oche zu erw warten sind. Das ist eine Vorhersag mit einer hohen e ge r der Wo Trefferquote. Niem mand hat am frühen Montagmorg alle Sinn m M gen ne mmen. Shopping am Sam mstag, lästige Ehepflichten, oder Ausfall beisam derselb am Sam ben mstagabend, Familienst , tress und En ndlos-Ferns sehen am Son nntag führen nur selten dazu, dass Frau (oder Mann) am n s r m Montag mit voller Energie sta g artet. Das ka annst du se leicht se ehr elber überprüfen. Versu mal an e uch einem Montagmorgen ein mensch hliches Wesen in einem A zu erreichen. Du wirst es nicht schaffen. Amt w t Dazu sollte du eine u est uralte Regel nicht unbe eachtet lass sen, Ursprung ve ermutlich im finsteren Mittelalter zu suchen ist. Sie m deren U lautet: „Unangene ehme Folter rungen entf falten ihre W Wirkung seh hr effizien wenn der Zustand d wohligen Zufrieden nt, der n nheit sofort in dauerh hafte Schme erzen umsch hlägt und möglichst lan anhält.“ m ng In unserer demokratis sch-freiheitl lichen Gese ellschaft kom mmen archais sche Folteru ungen mit glühenden Zangen eher selten vor. Z r Moderne Folterme ethoden ha aben einen eher subtile Charakte mit e en er verstär rktem Wirku ungsgrad. D Dabei spielt das präzise Timing eine große e Rolle, d denn es hat einen groß Einfluss auf das Res ßen sultat.
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ür es ming eder. Alltägliche Beispiele fü effiziente Foltertim kennt je Vielleic ist es dir auch schon aufgefalle dass Brie mit cht r n en, efe vollkom mmen absur rden Forder rungen, zum Beispiel v Finanzämtern, m von

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____________________ Gerichts- und sonstigen Behörden grundsätzlich an Frei- oder Samstagen eintreffen, aber niemals an Montagen. Das hat einen Grund. Der sadistische Quäl-Faktor hält durch das gezielte Wochenendtiming recht lange, zumindest bis zum Montag an. Daraus kann man mit einer hohen Treffergenauigkeit ableiten, dass an Montagen arbeitsame Menschen schlechtgelaunt auf Dinge reagieren, die sich schlechtgelaunte und graugesichtige Menschen an den Wochenenden ausgedacht haben, um braven Menschen das Wochenende zu versauen. Damit das notwendige, dramaturgische Spannungsfeld in deiner Kartendeutungssession auch aufkommt, musst du nicht nur die Zeichen der Zukunft richtig deuten. Um das Verlangen nach mehr Weisheit aus dem Mund des Meisters zu verstärken, gehört auch die richtige Würzmischung, bestehend aus überraschenden Störungen des langweiligen Alltags und optimistisch-verschwörerischen Prognosen dazu. Es ist wie bei einem Spitzenkoch. Sterne gibt es nur, wenn man über umfangreiche Kenntnisse der zwischenmenschlichen Gesetzmäßigkeiten und die Wirkung von gezielten Showeffekten verfügt. Für einen guten Kartendeuter und erfahrenen Propheten unabdingbare Voraussetzung, ist zum Beispiel das Wissen über die jahreszeitlich bedingten „schwarzen Tage“, die als Ursache für viele Ehekräche und Beziehungsfrust zu sehen sind. „Schwarze Tage“ häufen sich in der letzten Januarwoche. Das hat seinen Grund. Fast immer ist das Wetter in dieser Jahreszeit ungewöhnlich beschissen. Außerdem treffen in den grauen Januarwochen die vielen unbezahlten Kreditkartenrechnungen aus den vorweihnachtlichen

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______ __________ ______ Shoppingexzessen ein. Zuverl n lässig vorhe ersehbar ist ein größerer Krach m dem Fin mit nanzverwalt der ehelichen Geme ter einschaft, d der wegen der vielen h gelaufe heiß enen Kredit tkarten in sc chwere Depres ssionen mit unkontrolli ierten Wuta ausbrüchen verfällt. De er Verursa acher der M Misere ist sc chnell identi ifiziert. Es is der Ehega st atte (der Lo oser), der es trotz guter Vorsätze wieder mal nicht geschafft s r w hat, ein höheres Einkommen zu realisier Ein seherischer Hin n ren. nweis auf laut tstarke Kon nflikte und w wahrscheinl liche Ausbruchversuch aus he der Ehe ehölle in die Arme vers e ständnisvoll x-belieb ler, biger Tröste ist an er solchen Tagen ang n gebracht, w oft zutre weil effend.

Jede Jahres szeit hat ihr besonder Tücken. In den Mai- und re ren Juniwochen ist im Allgemeine das Wett ungewö en ter öhnlich schö und ön vorhers sehbar nimmt die Lebe enslust zu. Das wiederu sind gut D um te Voraussetzungen f einen he für eißen Liebe esmonat. Ab nicht nu die ber ur Lust nim im Frü mmt ühling zu. Be mittelalte und etwa unattrakt ei en as tiveren Klientin nnen bringe prophylaktische Warnungen vo Depressio en or onen eine kribbelnde Sp pannung in die Kartenlegesession. Auch die . mordrisiken im Mai sind nicht zu unterschätze In keine u en. em Selbstm andere Monat de Jahres ne en es ehmen sich so viele Me enschen das s Leben. Das lässt sich sogar wi issenschaftl belegen Die Extraportion lich n. nschein, die eigentlich positiv Dep e pressionsmindernd wirkt, Sonnen kann zu Auslöser für das Du um urchführen von Selbstm mordhandlu ungen sein, w die Betro weil offenen mit der nötige Energie v t en versorgt mit t
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frischem Elan und großem Ta m atendrang auf Suizidgef fühle reagie eren. Schuld ist vermutlich eine höhere Konzentration de durch die Sonne es e gebilde eten „Glückshormons“ Serotonin. Kartendeut die ihre ter

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____________________ Tätigkeit in oberen Stock werken ausüben, sollten aus diesem Grund an Sonnentagen die Fenster geschlossen halten und die Vorhänge zuziehen. Das alles, die Zusammenhänge der menschlichen Leidenschaften, die Auswirkungen des Wohnumfelds und noch viel mehr muss ein guter Kartendeuter wissen. Mit zunehmender Erfahrung erkennt ein guter Kartendeuter schon beim so genannten, ersten Blick, was seine Klientin wünscht. Zum Beispiel sind destruktive Entwicklungen zu erwarten, wenn die Fragen eher Stimmungsgedrückt mit einem Hauch von beherrschten Tränen, garniert mit einem kleinen Häufchen Elend, serviert in gebückter Haltung mit eingefallenen Schultern und griffbereiten Papiertaschentüchern und/oder kleinem Weinbrandfähnchen gestellt werden. Beherrschte Tränen kommen im Allgemeinen dann vor, wenn es sich um eine schon länger andauernde Beziehung mit vielfältigen, vorangegangenen Verletzungen handelt. Starker Tränenfluss verbunden mit hemmungslosen Schluchzern ist die gesteigerte Variante, wenn die Liebe frisch war und bitter enttäuscht wurde - du also eine für Tröstungen empfängliche, weil Verlassene vor dir hast, die büßen will und alles, aber auch wirklich alles zu tun bereit ist, damit sich das verlorene Glück wieder einstellt, oder die Rachegefühle befriedigt werden. In der schluchzenden, also der enttäuschten Fragevariante, die übrigens zwei Drittel aller Fragen an die Karten ausmacht, ist die erste, aber oft unausgesprochene Zusatzfrage: „Wieso geht er zu dieser … Fotze? Was hat sie was ich nicht habe?“

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______ __________ ______ Du kannst v den vulgärpopulären Begriff d in jeder vor der Altersg gruppe und j jedem sozia Stand gebräuchlic ist, wahlw alen g ch weise die verstärkenden Begriffe „o n ordinären“, „angemalte oder „a en“ alten“ einsetz zen. Wut und A Anzeichen vo bevorste on ehenden Ra acheaktione sind en Zeichen einer brüs n sken Zurück kweisung, die als persö önliche Demütigung verstanden wurd Diese fe de. einen Unterschiede sind allerdin nur bei weiblichen Ratsuchend festzustellen. Män ngs den nner verhalt sich and ten ders. Aber d darauf kann ich aus Solidaritätsgrü ünden hier nic weiter e cht eingehen. Ei paar Geh in heimnisse m möchte ich n noch für mich be ehalten. Wenn die F Fragen nach dem benö h ötigten Heng und den gst n besond deren Ereign nissen in de nächsten Woche, frö er öhlich mit einer angesp pannten Ner rvosität und keck herausgestreckt Brüsten d ten gestellt wird (volks t stümlich au „erwartungsvolle G uch Geilheit“ gen nannt), ist von deiner Klientin eine ne Liebe ausgeguckt, oder eue vorhers sehbar. In d fröhliche Variante lautet die der en e unausg gesprochene Frage an d Karten dann etwa: „Was passiert und e die d gibt es etwas, auf das ich achten muss?“ “ Oder anders ausgedrü ückt: „Sehe ich Ihn bald wieder un d nd werden wir den w n wunderbaren Schweinsk n kram wiede und imme er er wieder miteinande machen? r er ?“ Die Antwor des erfah rt hrenen Kartendeuters s sind Gegenf fragen nach de gewüns em schten Verla der Enga auf agements u sibyllinische und
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Andeut tungen über Lust, Laste und Leidenschaft, die immer w er wieder gern ge ehört werde und schon ergibt sich weiterer Bedarf für en, r r qualifiz zierte Deutu ungen. Diesen Vorgang kennt man im Business g n

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____________________ schon immer und ist bei deinem Lebensmittelhändler unter dem Begriff „Bedarfsweckung“ bekannt. Zum Beispiel, wenn man dir an der Wursttheke winzige Wurststückchen am Zahnstocher zum probieren anbietet, in der Hoffnung, dass du nach der prallen Wurst greifst. Dennoch ist emotionales Power-Kartendeuten nicht einfach zu erlernen, denn die Suchenden erwarten noch viel tiefer gehende Auskünfte und qualifizierte Antworten auf die unausgesprochenen Fragen, die in etwa in diese Richtung gehen: „Wird mein Mann (oder meine Frau) davon erfahren?“ „Wird jemand anderes davon erfahren und meinem Mann (oder meiner Frau) davon erzählen?“ „Wird der Seitensprung auffliegen?“ „Werden meine Lügen auffliegen?“ „Hat er eine Freundin oder Ehefrau?“ (Alternativ Freund oder Ehemann). „Lügt er (oder Sie) mich an?“ Unsensible Menschen würden auf solche Fragen mit einem einfachen „Ja“ antworten, und dann zum Alltag und den üblichen Sorgen und Nöten zurückkehren. Doch so eine banale Antwort wäre für die Suchende der absolute Frust und die Quelle wachsender Unzufriedenheit über die Dienstleistung ihres Propheten. Ein wissender und lebenserfahrener Kartendeuter wird sich niemals mit oberflächlichen Deutungen zufrieden geben. Der mentale Showeffekt und damit seine Reputation würden bedeutungslos verpuffen. Alle Fragen haben eines gemeinsam, es sind Hinweise auf die Richtung und Aufforderungen auf die jeder Profi-Kartendeuter

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______ __________ ______ wartet, denn jetzt kann er sei Fähigkeiten zur vollen Entfaltu , ine ung bringen und seinen wertvolle weil zu honorierend Rat n en, h den einbrin ngen. Irgendwann wird auch der zweite Teil der Fr h e rage an die Karten „Wird s nächste Woche mein Liebesle sich e eben veränd dern“ durch h aktives Handeln de Kartende s es euters zur Realität. R Du glaubst das nicht? Die Kraft de Evanesze hilft dir dabei. er enz Dieses Phänomen besagt, das mit zuneh s hmendem, z zeitlichem A Abstand reignis, auch präzise Au h ussagen an Schärfe ver rlieren. Ode er vom Er anders ausgedrück Der Rat des Kartend kt: deuters ist n nach wenigen Stunde nur noch bruchstück en khaft und da amit frei int terpretierba in ar Erinner rung. Wenn am komme n enden Woc chenende der prognost tizierte „feurige Hengst“ w weder aufge etaucht, noch seinen P Pflichten nachge ekommen is muss es G st, Gründe geb die aus ben, sschließlich in der Person der Suchen nden zu suc chen sind. Je eder Kaufm mann kennt d die Regel, d lautet: „ die „Das Schauf fenster mus ansprech ss hend dekoriert sein, da amit der Ku unde zugreif ft.“ Wenn sich nichts ereig gnet hat, war deine Klientin nicht ernstha bereit, w man von einer such aft was henden Frau eigentlich h erwarte sollte. Oder sie war nicht ausre en r eichend ges schmückt, w was man vo einem einigermaßen intelligent Mensch ebenfalls on n ten hen erwarte sollte. en Natürlich k kann man di Zukunft noch etwas mehr ie n beeinflussen, inde ein Karte em endeuter möglichst vie Fremdworte, m ele
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n emals versteht, in seine pythische Deutunge en en die kein Mensch je packt. O Oder ander ausgedrüc Je schle rs ckt: echter das A Allgemeinw wissen und das Gedächtn oder das Gehör der Ratsuchen nis, s r nden, umso größer

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____________________ wird dein Ruhm. An dieser Stelle ist es an der Zeit, mit der nächsten Lektion für angehende Kartendeuter zu beginnen. Am Beispiel meiner Freundin Viola und ihrem dringenden Bedürfnis, sich die Karten legen zu lassen, kann man die Zeichen erkennen, die wertvolle Rückschlüsse auf die kommenden Entwicklungen zulassen. Wenn jemand zum Beispiel ungefragt von seiner Ehe erzählt, dann weiß ein guter Kartendeuter, dass da nicht mehr viel läuft. Auch der Satz: „Du musst mir unbedingt die Karten legen“ ist ein Hinweis auf eine positiv-gefühlsmäßige Veränderung. Aus der Satzstellung erkennt der erfahrene Kartendeuter die Richtung und zieht seine Schlüsse daraus. Dazu kommen die oft überhörten Feinheiten. Das Druckwort „unbedingt“ besagt zum Beispiel, dass etwas geschehen ist (Vergangenheit und nicht mehr zu ändern), und sich eine Veränderung (Zukunft) mit ungewissem Ausgang für deine Klientin anbahnt. Das sind gute Voraussetzungen für einen Kartendeuter, denn wenn sich nichts ereignet, wird es komplizierter und er muss kunstvoll improvisieren. Oder anders ausgedrückt, du musst auf unfruchtbarem Boden sähen und hoffen, dass darauf das wächst, was dir deine Phantasie eingibt. „Unbedingt“ ist also ein Indiz für eine neue, also noch ungesicherte Beziehung mit der Hoffnung auf baldige Wiederholungen, oder eine für den Kartendeuter erfreulich dramatische Veränderung des Bestehenden zum Schlechteren. Hast du verstanden, was ich dir damit sagen möchte? Wenn es dir zu unverständlich war, oder dir dazu nichts einfällt, solltest du dir einen anderen Beruf als Broterwerb wählen. Ich kann dir dann

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______ __________ ______ nicht m mehr helfen. Denn nur besonders sensitive Ka s artendeuter r besitze eine wert en tvolle Eigen nschaft, die sie aus der Masse der Mensch herausragen lässt. Sie haben Phantasie u sie besi hen . und itzen die Gab der kuns be stvollen Red de.

Besitzt du P Phantasie? Dann möch ich dir d Macht de hte die er Phantasie an einem einfachen Beispiel demonstrier und ich bitte m d ren dich, m mir die A mit Augen zu sch hließen. Es ist eine klei ine Kreativ vitätsübung, damit du a eigenen Leib spürst welche , am t, unglaublichen Kräfte die Phan ntasie auf deine Gesch d hlechtsorgan ne konzen ntrieren kan Vielleicht erinnerst du dich eines Tages an diese nn. n psycho okinetische Ü Übung, wen du dein eheliches Li nn e iebesleben etwas auffrisc chen, und d Kraft der Phantasie gezielt eins die r setzen willst t. Bist du ber reit? Dann s schließe jetz die Augen und lehne dich zt n e entspannt zurück. Offen deinen Gürtel und den Reißverschluss deiner u s Hose. Jetzt stell dir bitte vor, dass du zwischen dein Händen ein nen hauchd dünnes Gew webe fühlst. Lass es lan . ngsam durch deine Fing h ger gleiten. Es ist ein K Kleidungsstü so viel kann ich dir jetzt schon ück, en. ch hrung mit den Fingersp d pitzen sagt dir verrate Nur durc die Berüh deine P Phantasie, d die Farbe des Kleid dass dungsstücks nur kokett s tes Schwar sein kann Es gibt keine andere Möglichkeit und keine rz n. e andere denkbare Farbe. Spürst du das feine Spitzen e, ngewebe un die nd zarten Nähte in de filigrane Gewebe. Es ist wie e verführe em en ein erischer Hauch auf samtwe eicher Haut. Es ist ein Kleidungsstü das me K ück, ehr
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enthüllt als versteckt. An dem Kleidungsstück haftet ein kaum m wahrne ehmbarer, s sinnlicher G Geruch. Man kann ihn n n nicht direkt riechen aber du w n, weißt, dass e da ist. Lass deine Au er ugen geschlossen.

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____________________ Siehst du beim fühlen des Gewebes auch eine Szene vor dir. Ich sehe sie genau. Die Bilder in meiner Phantasie erzeugen eine hochbrisante Mischung von visuelle Spannung und geistiger Regsamkeit. Ich sehe die Beine einer wunderschönen Frau, die sie aufreizend langsam übereinander schlägt. Ich höre das kurze Rascheln der Seide – es ist ein faszinierender Moment und ein erregendes Geräusch voller knisternder Neugier. Ich sehe ihre rotlackierten Fußnägel und ich spüre, dass sie einen Rock trägt. Hat sie hohe Schuhe an? Ich öffne die Augen. In meinen Händen halte ich eine billige Strumpfhose vom Krabbeltisch eines Kaufhauses. Ein ganz alltägliches Kleidungsstück.

Vollkommen unerwartet traf mich die volle Wucht der Phantasie. Meine Sinne waren so verwirrt, dass ich nicht mehr klar denken konnte. Die Ursache war ein kleiner, mutiger Schritt über die Türschwelle meiner Wohnung, und doch ein so großer Schritt, dass er zur Veränderung einer kurzen Zeitspanne meines Lebens führen sollte.

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______ __________ ______

Für e F die unver rgessen ne

Fabienne ne
[wo du a auch sein magst …]
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____________________ Tarot, goldene Kugeln, und von einem Drachen, der mit seinem Schwanz die Sterne vom Himmel holt

„Die Beschäftigung mit der Phantasie ist etwas Wunderbares. Es ist wie genialer Sex mit einer Unbekannten. Sie führt dich durch virtuelle Räume und du kannst Wünsche äußeren, die du nicht auszusprechen wagst. Mit Phantasie kannst du die Welt verändern und immer wieder anders erleben. Die Phantasie hat nur einen Fehler – sie ist eine Schlampe. Manchmal verbündet sie sich mit der Erinnerung. Die Erinnerung kannst du nicht beeinflussen. Sie tut was sie will. Sie gräbt die Leiche aus, dann wenn du es nicht erwartest, und die Phantasie spielt mit ihr. Nicht nur ich - wir sind dem Höllenteam hilflos ausgeliefert.“
Paul van Cre

____________________ „Wo bleibt sie denn. Es ist schon 20:32 Uhr. Sie müsste eigentlich schon seit einer halben Stunde hier sein.“ Nachdenklich betrachtete ich das für die Kartenlegesession unumgängliche Equipment. Meine Räume hatte ich gelüftet und auch aufgeräumt. Es war auch genügend vom dekorativen AldiChampagner im Kühlschrank, dem man die Herkunft nicht ansieht, der aber angeblich zu den Besten seiner Klasse gehört, und mein großer Tisch mit der schweren Glasplatte war sauber und ohne störende Fingerabdrücke. Die passende Musik, nicht Bum-BumHeavy, aber auch nicht zu smooth, nicht zu jung, etwas älter und mehr gefühlvoll um nicht zu sehr vom Wesentlichen abzulenken,

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______ __________ ______ wartete geduldig a meine B e auf Berührung des Start-Bu d uttons. Wie ein ein ngefahrenes Ritual geh s hören sie au heute no zu uch och meinem Leben. Ni m icht die Cha ampagnerfla aschen, son ndern die inspirie erenden Tag Abende und Nächte mit Viola. ge, e

Das Ereignis kündigte sich mit ein nem leisen K Klingeln und d zweiun ndvierzig Sekunden spä mit eine herrisch verlangenden äter em h Klopfen an meiner Wohnungs an. Vio war zur A n r stür ola Abwechslun mal ng ziemlich pünktlich, wenn man eine Stund hin oder her im n de r Anbetracht der Ew wigkeit als lä ässliche Sün sieht. nde Zuerst sah ich Viola. Ic müsste blind gewesen sein, we ich ch b enn mit me einem ab un aufgleitenden Blick nicht sofort erkannt hä nd t ätte, dass Viola unter der gut gesch hnittenen (und exquisi it-teuren), w weißen Hose einen von diesen, winzig hauchd gen, dünnen Strings trug, der sich wahrnehmb durch de dünnen Stoff der Ho abzeichnete. bar en S ose kaum w Ich läch helte anerke ennend und dachte an den lauen Frühlingsab d bend und die sämige Luft die für He e eldentaten geradezu g geschaffen w war. Schon d ganzen Tagen hatt ich mich an den sprießenden Tr den n te riebe der Bäu ume erfreut die einem inneren, ja t, m ahrmillionenalten (neh ich hm jedenfa mal an) Schema fol alls lgend sich emporreckten. Mein kleiner e grüner Kaktus und meine Sch d hwellkörper waren auf ein weitere es ndlichen Sto über Fre ory eude bereite ende Kapitel einer unen mbeziehung und freu gen udlose Ehen vorbereite n et. Geheim Viola über rtrat meine Türschwelle, umarmte mich kurz mit e
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einem gejauchten Küsschen links, und ei inem anged deuteten rechts im Vorbeig gehen, um dann zielstr rebig, als wä sie Zuha äre ause, mein Wohnz zimmer zu o okkupieren. Dann traf mich eine elektrisieren m nde

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____________________ Spannung zwischen mystischer Macht und Lichtwesen. Hinter Viola trat Fabienne, etwas zögernd wie ein scheues Wild, aus der Dunkelheit der funzeligen fünfundzwanzig Watt der Treppenhausbeleuchtung ins strahlend helle Licht, in mein Leben. Fabienne war da.

Irgendwann versiegen auch die Tränen, und die Wunden vernarben, die glühende Messer im liebenden Herz verursacht haben. Ich rede nicht von mittelalterlicher Folter, ich schreibe von Fabienne in der Vergangenheitsform, denn Fabienne gehört nicht mehr zu mir. Sie kam, sie sah mich, sie wusste was zu tun war, und nach der heutzutage üblichen Beziehungszeit zog sie weiter. Ich konnte es nicht ändern. Meine Kräfte reichten aus, das edle Wildpferd für eine viel zu kurze Zeit zu reiten, aber auf Dauer konnte ich das Biest nicht halten, und das stimmt mich auch heute, im gesetzteren Alter noch unendlich traurig. Zwar ist es schon viele Monate her, aber auch heute noch, empfinde ich die Besonderheit dieses ersten Moments als eine Erfahrung, die ein Mann nur einmal in seinem Leben erleben darf. Die förmliche Begrüßung war von hoheitsvoller Zurückhaltung ihrerseits geprägt. Nach einem schüchternen Lächeln und einem distanzierten Händedruck mit gesenktem Blick, ging Fabienne in mein Wohnzimmer, und da war es, das irritieren Unbestimmte mit direkter Wirkung auf den gut versteckten Schalter in meinem Gehirn. Ich konnte es nicht sofort deuten, aber es war real und nicht nur in meiner Phantasie vorhanden.

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______ __________ ______ Wie kann ich es nur w wagen, die unbeschreib u bliche Fabienne mit meinen bescheide n enen Worten zu beschr reiben? „Süß, wie e hauchza ein artes Spitzen nunterhöschen“ würde dem e hohen Anspruch n oberfläc nur chlich gerecht. Fabienne w nicht ihr richtiger Name, eigen war N ntlich hieß s sie Marion aber das w n, wusste ich d damals noch nicht. Fab bienne war auch nicht im klassischm -optischen S Sinn schön. Sie war auc nicht bes ch sonders interessant, jedenfalls nicht a den erst Blick. Eh auf den auf ten her n, iseren Blick den nur de erfahrene Connaisse k, er eur zweiten den präzi besitzt. Sie war au keine au . uch uffallende Erscheinung wenn man von g, n ihren la angen, feue erroten Haaren (nicht echt, aber zu einem str e rengen Zopf na hinten g ach gebunden) einmal absa Ich erinn ah. nere mich n noch an meine ersten Gedanken: „Das ist kein ec chter Rotfuc chs“, das ko onnte ich sofo an Ihrer Hautfarbe erkennen. Ansonsten war Fabienne eine ort A Frau wie viele and dere und doch etwas ga Besonderes, etwas anz s Einmaliges und nie Wiederkehrendes. e Sie hatte ein klassisches graues Pepitakostüm an. Du weißt P m nicht w Pepita is Das sind die kleinen schwarzw was st? d n weißen, etwa as verwirr renden Mus ster, die an ein Miniatu ur-Schachbr erinner Der rett rn. Rock w nicht kur do wie e heutzutag allgemein üblich ist, war rz, es ge , sondern reichte bi fast zu de Knien. Jetzt wusste i was Viv is en ich, vian wood (das ist die Design t nerin, die an ngeblich nie Unterwäsc e che Westw trägt) m meinte, als s den klas sie ssischen Me erksatz sagte: „Wer ein Frau ne im Kost tüm nicht je eder andere Frau vorz en zieht, muss entweder b blind,
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oder ein Idiot sein.“ Ich gebe es zu, all das und noch mehr registr s m rierte ich in Sekund denbruchtei ilen. An Fab biennes Bein waren neutrale, nen

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____________________ hautfarbene Strümpfe. An die schlichte weiße Bluse erinnere ich mich auch noch. Mein liebevoller Blick war an den kleinen, etwas bläulich schimmernden, dreieckigen Perlmutt-Knöpfen hängen geblieben, die meinen versteckten Beschützer-Instinkt wach riefen. Dann begann etwas anderes die Eindrücke in meinen Synapsen zu überlagern, und ich war irritiert. Es war weder ihre etwas zu frauliche Figur, noch ein ausgefallenes Parfüm. Es war im ersten Moment auch nicht die Stimme oder ein besonderer Blick. Und dennoch besaß Fabienne dieses gewisse Etwas, das meine Sinne zum vibrieren brachte. Ich vergaß alles um mich herum, obwohl ich außer der minimalistischen Begrüßungsfloskel noch kein Wort mit ihr gewechselt hatte. In diesem Moment war ich ihr für immer verfallen, unsterblich verliebt, aus dem Stand und ohne Probezeit und zweifellos nicht in Viola.

Die meisten Menschen träumen von der Liebe auf den ersten Blick. Aber Liebe auf den ersten Blick ist eine ziemlich oberflächliche Angelegenheit und etwa so zuverlässig, wie eine Diagnose auf den ersten Händedruck. Liebe auf Gehör ist eine viel stärkere Impression, und sie traf meine Sinne wie ein Faustschlag zwischen die geschlossenen Augen. Über 100 Milliarden Nervenzellen in meinem Gehirn begannen sich nur auf Fabienne zu konzentrieren. Meine Phantasie war wie ein Formel-1 Bolide angesprungen und ich wusste, ohne es zu sehen, welche hauchdünnen Dessous unter dem schlichtgrauen Business-Kostüm nicht vorhanden waren.

Fabienne ging an mir vorüber, hinter Viola her, durch mein Wohnzimmer zum großen Tisch an dem die Kartenlegesession

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______ __________ ______ stattfin nden sollte, und ich lau uernd wie ei Wolf, der eine läufig in r ge Wölfin gewittert h hinterher. Da war es wieder. K hat, e Kaum ehmbar, aber unüberhörbar - ein leises, kaum wahrnehm m mbares wahrne Klickern Ich wusst es genau. Das Klicke konnten nur diese n. te ern n mittelg großen goldglänzenden Kugeln sein. Die drei am weißen n Bändch mit eine kleinen goldenen Ring dran, durch den sich so hen em R schön d dekorativen Seiden die nbänder dur rchziehen la assen. Fabie enne trug sie intern und für mich u e d unsichtbar, aber offensichtlich nur für a r mich be estimmt, an mir vorbei. Fabienne hatte es ge n eschafft, den kleinen aber entsc n cheidenden Schalter in meinem Gehirn von „Neutral“ auf „abs solute Hinga auf dem kurzen W zur Liebe“ abe m Weg umzule egen. In dies sem Moment spürte ic Dieser D ch: Donnerstag im Mai, der mit lästigem R t Reagieren be egonnen ha atte, wird zu ur Heraus sforderung f einen ak für ktiven Kämp pfer.

Bevor ich e vergesse. Noch etwa fiel mir in diesen es . as n bedeut tungsschwe eren Sekund auf. Vio der Frem den ola mdkörper be egann mein äs sthetisches Stilempfind in einem bis dahin ungeahnte den n en Ausmaß zu stören, denn Viola sah so uns a scheinbar u grau aus wie und immer. Aber was s . sollte ich machen. Ich brauchte diese Frau no b och.

rinnen und auch du, mein wissend Freund. Meine m der . Liebe Leser Erfahru ungen kann ich dir für d dauerh dein haftes Liebe esglück nur ans Herz legen. Bitte p präge dir de alles ents en scheidenden Satz gut e ein:
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t ersteckten S Schalter im Gehirn des Opfers, leg ihn gt „Findet den gut ve um (de Schalter), und du em en , mpfängst die unendlich Liebe.“ e he Dieser Rat war kosten nlos, aber nicht minder wertvoll, u und

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____________________ darum möchte ich dir mehr zu der besonderen Situation an diesem Donnerstagabend erzählen. Drei fröhliche Menschen saßen zum gemütlichen Abendtrunk im gedämpften, genau begrenzten Licht einer einzelnen Lampe um einen großen Tisch mit einer schweren Glastischplatte. Sie tranken alkoholische Getränke und redeten über Dies und Das und andere belanglose Dinge. Viola erzählte mir ihre vollkommen uninteressante und langweilige Story, die an mir abtropfte wie Wasser an den Händen nach dem Versuch mit zu viel Öl Chickennuggets im Wok zu braten. Ich saß mit dem Rücken zur Wand und mir gegenüber, auf der anderen Seite des Tischs, Viola. Links von ihr hatte sich Fabienne etwas im Stuhl zurückgelehnt. Sie sah vor dem großen, goldenen Pseudo-Jugenstilspiegel von Ikea wunderschön aus und hörte zu. Zumindest tat sie so, mit diesem überheblich-interessiertungläubigen Gesichtsausdruck, den meine neuen Klientinnen beim ersten Mal gerne aufsetzen, um damit zu demonstrieren, dass sie es eigentlich nicht glauben, aber „nur so zum Spaß“ mal mitgekommen sind, aber doch gern mal sehen, was da passiert, und ob da überhaupt was passiert, weil es ja doch wahr sein könnte, was der da so erzählt. In solchen fordernden Situationen kann ich über mich selbst hinauswachsen. Besonders dann, wenn mich die Aufgabe reizt, bekennend Ungläubige zu bekehren. Dann gibt es für mich nur noch ein gültiges Gesetz - das meiner Sinne und Empfindungen. Und das gab mir die Berechtigung die Situation zu beeinflussen.

„Stell dir mal vor, was mir passiert ist. Werner ist am Samstag

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______ __________ ______ mal wie eder ausgef flippt und ic musste einfach mal einen klare Kopf ch e en bekommen. Ich war unterwegs.“ warst du den nn?“ war meine an Vio gerichtet m ola te „Ach, wo w Gegenf frage. Routiniert öffnete ich die erste Champagner rflasche und d entfern gedanke nte enlos das Pa apier am Fla aschenhals. Bildete ich es mir h nur ein oder war es tatsächlich da? Aus den Augenwinkeln sah ich n, h das kur erkenne rze, ende Aufbli itzen in Fabiennes Augen und das leichte Zittern der vollen und gut dur rchbluteten Lippen. n „Die hat sc chon viele Briefumschlä geleckt“ war mein äge “, n Gedank und ich musste läch ke, heln. War es der Anflug eines seltsam g versteh henden Läch helns? Dach hten wir in diesem Moment an da d as gleiche Spontan d e? dachte ich d danach „gei Sau“, aber ich wagte nicht, ile das Prä ädikat auszu usprechen. Viola zünde sich mit leicht fahrigen Handb ete t bewegungen eine n Zigaret an. Ich la den Warn tte as nhinweis „R Rauchen füg Ihnen und den gt d Mensch in Ihrer Umgebung erhebliche Schaden zu“, aber w hen r g en n wen kümme solche W ern Warnhinweise schon. Aus den Aug A genwinkeln verglich ich die Hä h ände. Fabien hatte gepflegte, fe nne eingliedrige Hände mit sor rgsam und t teuer instan gesetzten rubinrot gelackten nd n, Fingern nägeln. An d linken H der Hand war ein Fingernag abgebro gel ochen, aber da störte die Ästhetik d Gesamte as e des eindrucks n nicht besond ders. Der Gedanke „wer wohl für d Ersatz bezahlen mu r den b uss?“ ging m mir durch d Kopf. den
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achtete ich Violas Händ Kennst d den Film de. du m Dann betra „Fedora“? Mir fällt die Szene mit den we eißen Hands schuhen ein An n. den Hä änden kann man das wahre Alter einer Frau e e erkennen.

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____________________ Vielleicht sollte man eine Handschuhtragepflicht für Frauen ab fünfunddreißig und alle störenden Violas einführen. Violas Worte drangen an mein Ohr, oder waren es nur Hülsen ohne Inhalt? „Ich war im Bellini (eine Cocktailbar Anm. des Autors), und ich hab deeen Traumtypen kennen gelernt. So gut hatte ich mich schon lange nicht mehr unterhalten. Wir haben die ganze Nacht über alles Mögliche gesprochen. Er ist so einfühlsam und so ehrlich.“ Das also war die für mich absolut belanglose Neuigkeit, die mir Viola unbedingt erzählen wollte. Immerhin werde ich so alle zwei bis drei Wochen mit ähnlichen Erlebnissen konfrontiert und da schleift sich mein Wissensdurst schon etwas ab. Doch diesmal sollte der Abend folgenschwerer verlaufen. „Ihr habt euch die ganze Nacht unterhalten, war das nicht ziemlich lang? Und sonst habt ihr nichts gemacht? So kenn ich dich gar nicht?“ war mein listiger Einwand um das Gespräch aus der seichten Oberfläche der Bedeutungslosigkeiten, in die etwas spannenderen, in die intimeren Bereiche zu bekommen. Außerdem brauchte ich noch Hintergrundinformationen für die unmittelbar bevorstehende Kartendeutung. „Na ja nicht die ganze Nacht. Wir waren dann noch im (ein Hotel der besseren Klasse, dessen Name ich aus Wettbewerbsgründen nicht nennen darf). Und er sieht so gut aus. Er ist über eins neunzig groß und wie ausgehungert. Er ist zwar ziemlich älter, aber irgendwie süß. Er lebt in Scheidung und hat nur noch Stress mit seiner Frau.“ Das waren die gesuchten Informationen in komprimierter

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______ __________ ______ Form, u mehr b und braucht ein g guter Kartendeuter nic zu erfah cht hren. Die Zuk kunft meine Freundin Viola lag mal wieder w ein offenes er m wie Buch vo mir. Zum or mindest die E Ereignisse in den nächs sten vier W Wochen zeichne eten sich vo meinem g or geistigen Au ziemlich deutlich a uge h ab. Mein kurzer, an de richtigen Stelle dram er maturgisch b bedenklichstirngerunzelter G Gesichtsausd druck wurde von meine Freundin Viola e er n vollkom mmen ignor riert. Das wa nicht bes ar sonders sch hlimm, denn sie n war vie zu sehr mit sich und ihrem oberflächlichen Geplapper el beschäftigt. „Der hat ´n Firma mit über dreiß Leuten. Wir wollen uns am ne t ßig Freitag wieder treffen. Ich hab mir schon überlegt w ich es W n wie Werner beibrin dass ich morgen Abend (am Freitag) scho wieder nge, h on unterw wegs bin. Ich hab noch z h zwei alte Kinokarten. Ich erzähl ih hm, dass ich mit Fabien ins Kino in die Nachtvorstellu geh. Un h nne o, ung nd anschließend hat e dann stark geregnet und ich ko es t onnte nicht nach Hause. Das glaubt der Blödma garanti ann iert. Wie fin ndest du das s?“ Ich weiß au Erfahrung, dass Ehe ein Zustand ist, den m will, us d man weil ma daran gla an aubt, dass d andere dafür sorgt, dass man den der Glaube daran nic verliert. Aber die Hinterlist zwi en cht ischen zwei sich i liebend Eheleut verblüff mich imm wieder a Neue. I den ten ft mer aufs Ich fand au den Tric mit den a uch ck abgelaufene Kinokarten als Bewe für en eis einen K Kinobesuch der nicht st tattfindet, aber stattge a efunden hab ben soll, zie emlich gewitzt. So viel kleinkriminellen Versta hätte ic Viola and ch eigentlich nicht zu ugetraut.
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Ich schloss die Augen und legte meine Hände leicht m aneinander gedrüc vor meinen Mund, um die Sze bedeutu ckt ene ungsvoll auf mic wirken zu lassen. Ich sah in meiner Phanta ch u h asie, wie Vio im ola

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____________________ Abendkleid, mit der einen Hand das strassbesetzte Handtäschchen weit von sich gestreckt und den kleinen Finger gespreizt, und den anderen Arm, wie eine verlauste Kippensucherin bis zum Ellenbogen in einem stinkenden Mülleimer wühlt. Nur um bei einem einzigen Kino- oder Theaterbesuch mehrere abgelaufene Kinokarten aus dem Abfall zu sammeln, um sie dann Zuhause und irgendwann als Alibi für angeblich stattgefundene Kinobesuche wieder vorzulegen. Offensichtlich glauben die Menschen jede noch so verwegene Geschichte, wenn schriftliche Belege als Beweis vorgelegt werden. Dagegen fand ich die Ausrede mit dem starken Regen nicht sonderlich kreativ. Auch fand ich die Bezeichnung für Werner eher unpassend, denn Werner ist alles andere als ein Blödmann, für den er immer wieder gehalten wird. Vielleicht etwas seltsam, aber blöd auf keinen Fall. Ohne meine Antwort abzuwarten kam die rückversichernde Aufforderung: „Kannst du mir jetzt die Karten legen, ob da was draus wird?“ Mit dieser Aufforderung bekamen meine unbestechlichen Tarot-Karten die Befugnis, Licht in eine dunkle Zukunft zu bringen. Ich war das Medium einer unbekannten Macht, das Opfer meiner okkulten Kreativität und die Karten erwachten zum Leben und sagten mir, was zu tun sei. Ich öffnete das Mahagoniimitatbehältnis um die Karten zu entnehmen. Etwas lustlos und mit fahrigen Bewegungen begann ich die 80 Karten (das alte und von mir bevorzugte Crowley Tarot hat noch 80 Karten) zu mischen und verdeckt auf dem Tisch aufzufächern. Es war zwar höchste Konzentration angesagt, denn es

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______ __________ ______ ging ja immerhin u die Zuku meiner besten Fre um unft r eundin Viola Aber a. für mic war es gla ch asklare Präk kognition. Auch ohne T A Tarot-Karten konnte ich Viola m Wissen um die Tat e mein n tsachen, die erst noch e eintreten würden, präzise vorhersagen. Denn ich bi ein erfahrener , in Prophe und auße et erdem kenne ich sie zu gut. Aus den Au ugenwinkeln und in der etwas abg gedunkelten n Beleuch htung sah ic das kaum bemerkba aber distanziertch m are, spöttisc Lächeln meiner ne che n euen Angebeteten neben der Alten und eigentlich Überflüssigen. Normalerw weise bin ich bei meine Sessions die Ruhe se h en elbst. Selbst b bekennend Ungläubige bringen mich nur selt aus dem e m ten m Konzep Ich ruhe sozusagen ganz entspa pt. annt im Hie und Jetzt und er schweb mit mein mentale Eingebun be nen en ngen über d Unwisse den enden und Un ngläubigen. Das stärkt m im Bew mich wusstsein, t trotz schwe erer Anfeind dungen eine elitäre Wi e issenschaft zu vertrete Nur dann finde en. n ich den richtigen W zur Erle n Weg euchtung. Oder anders ausgedrüc Ich O s ckt: finde nur im Zusta der konzentrierten Leichtigkei des Seins die and it intuitiv Eingebu ven ungen die da arauf hinauslaufen, dass es zwar e einige Verwirr rungen gibt aber letztendlich und dank mein Hilfe der t, d ner überau befriedige us ende Zustan „alles wird gut, du b nd brauchst dir keine r Sorgen zu machen erreicht w n“ wird. Nur an diesem Ab n bend gelang es mir g wie o ährend Viola unaufhaltsam von ihr a rem irgendw nicht so richtig, wä Sockel stürzte. Sie war nur no schmückendes Mit zum Zweck. och ttel Wie ein etwas an ne ngeschlagen Blumenv ne vase die man nur noch stehen n
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lässt, w man sich an sie gew weil wöhnt hat, die man aber bei nächster Gelegenheit ersetz will. Ein benutzba Hilfe um sinnliche zen ne are m Freude herbeizuf en führen, dam die Knos mit spen sprießen und die

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____________________ blühende Blume ihren herrlich duftenden Kelch nur für mich öffnet. Aber ich brauchte die Blumenvase noch, denn wenn Viola zu früh und enttäuscht gehen würde, und auch da konnte ich in die Zukunft sehen, würde mich das Frauenklosyndrom voll treffen. Fabienne würde sich solidarisch zeigen und als unvermeidliche Reaktion ebenfalls aufstehen und auf Nimmerwiedersehen mitgehen und damit für immer aus meinem Leben verschwinden. Aus der Nessel Gefahr musste ich die Blume Sicherheit pflücken, wie mein alter Kumpel William S. zu sagen pflegte. Und das Risiko musste ich unter allen Umständen verhindern. In diesem Moment wusste ich noch nicht, wozu und wohin mich die Umstände treiben werden, aber mein zukünftiges Liebesglück stand auf dem Spiel. An diesem Beispiel siehst du sehr anschaulich, warum die Zukunft auch etwas mit intelligentem Timing zu tun hat.

Mein Gesichtsausdruck war optisch auf anteilnehmend verstellt und meine Körperhaltung bei der Geschichte meiner Freundin Viola. Aber mein unruhiger Geist empfand die Unruhe meines Ichs nur noch als einen sofort zu ändernden Zustand. In diesem Moment war ich ein sehr einsamer Mensch. Der Wächter in dunkler Nacht, der die Geschicke seiner Herde leitet. Ich spürte es überdeutlich. Es gab nur Alles oder Nichts, gewinnen oder verlieren, Lust oder Frust, vergleichbar mit den unendlich langen Sekunden eines Torwarts vor dem alles entscheidenden Elfmeter. Ich allein trug die Verantwortung für meine Zukunft. Nur an mir lag es jetzt, wie sich meine Zukunft und dazu die Geschichte der Menschheit entwickeln

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______ __________ ______ würden 9 n. Es war eine große und verantwor e d rtungsvolle Aufgabe. D Denn ich wusste ja, oder ich konnte es zumindest vermuten, dass Viola mit e h ihrer Fr reundin Fab bienne über mich und meinen göt r m tterähnliche also en, geschle echtslosen Z Zustand ges sprochen ha atte. In meiner Leistun ngsbeschreibung standen bis zu diesem Aben nur die nd bleischwer hängen nden Worte „Wir hatt mal was miteinander. e: ten s Aber da war vor m as meine Heira Jetzt ist er ein guter Freund mi at. e r it vollem Kühlschran Das war nichts Auf nk.“ fbauendes, Dynamisches, Spritzig Vermut ges. tlich gab es auch keine intime Bes schreibung d der Leckere und ke Qualitäts eien ein szertifikat. Es gab nur „ guter a E „ein alter Freund der hilft w d, wenn man ih braucht.“ hn Es war nich die Pool-P ht Position aus der ich sta s arten konnt es te, war der letzte Plat das Plätz tz, zchen der Verlierer. Ein unter Vi ner ielen, an den man sich n noch einige Stunden erinnert, aber nicht länger. Aus r schlechten Lage musst ich herau und mich zum Ziel te us dieser s vorkäm mpfen um zu siegen. Mit jeder Faser meines w pochen u wild nden Herzen wollte ich den Haupt ns h tgewinn und das war schwer. Bis z d zu diesen Minuten w meine se war eelische Ruh der norm Zustan der he male nd Dinge. Ich bewegte mich in vo orgeschrieb benen Freiheiten, so als ob meine Bewegunge ein träge Element meines Seelenfriedens en es m s
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Frei inter rpretiert nach dem Schmetterlings m seffekt des ameri ikanischen Meteo orologen Edward N. Lorenz, d

der 1972 v der American Association for t Advancement of Science einen Vortrag mit dem vor the t n m Titel Predic ctability: Does the Flap of a Butterfly’s Wings in Br razil set off a Torn nado in Texas? hielt. Es wird vermutet, dass Lorenz durc die 1952 erschienene Kurzgesch ch hichte Ferner Donner von Ray

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chte tritt ein Zeitr reisender versehe entlich auf einen Bradbury inspiriert wurde. In dieser Geschic rling und sorgt da adurch für Veränd derungen in der Gegenwart. Nach diesem Beispiel kann der G h Schmetter Flügelschla eines Schmetterlings am Amazo ag onas, eine Wette erkatastrophe in E Europa auslösen. .

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____________________ gewesen wären. Jetzt, im Angesicht eines höheren Ziels galt es nach Weiterem, Erhabenerem zu streben. Nur Darwin gab mir noch Halt und daran klammerte ich mich mit meiner ganzen Energie. Die Evolutionsgeschichte lehrt uns, dass nicht die Stärksten überleben, sondern nur die Kreativsten zum Ziel kommen, und das war mein Vorteil. Es war nicht mehr zu verdrängen. Das Gift der Lust entfaltete in meinem Gehirn seine volle Wirkung. Ich war in meine Gedanken nicht bei den Tarot-Karten. Im Geist war ich bei Höherem, und zwar zwischen den Schenkeln von Fabienne. Diese telepathische Botschaft eines sehr einsamen Kartendeuters musste ich nun durch meine spirituellen Fähigkeiten aussenden, ohne dass es zu sehr nach anbaggern aussehen sollte. Denn Götter baggern nicht, Götter müssen auch nicht um Zuneigung betteln, wie dahergelaufene Straßenköter. Götter empfangen die Ungläubigen und nehmen sie nach der Bekehrung huldvoll in ihre Gefolgschaft auf, denn Götter erfüllen einen sozialen Zweck. Götter regeln das Unverständliche. Sie müssen trösten können und die Aussicht auf Hilfe wahrscheinlich erscheinen lassen. Für Götter gibt es nur ein Mittel zur Läuterung der Schäfchen, und das ist Ehrfurcht. Nur daraus wächst der fragile Zustand absoluter Anbetung. Fabienne, die Ungläubige musste zuerst geläutert werden. Aber ich kannte sie erst seit etwa zwanzig Minuten, und wir hatten noch nicht mehr als zehn belanglose Worte gewechselt und zwei halbe Gläser Aldi-Champagner zusammen getrunken. Nach den üblichen drei Kartendeutungsrunden war meine Freundin Viola zufrieden gestellt. Sie wusste jetzt, sie würde sich in der nächsten Nacht mit Ihrem neuen Lover treffen. Das Hotel würde

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______ __________ ______ sie mit ihrer Kredit tkarte bezahlen und Werner müss gut verw W ste wahrt aber zie emlich saue zuhause i der rosar er in roten Villa m den Säulen vor mit der Tür bleiben. Die Karten lü r ügen ja nicht und ich ko onnte also vollkom mmen selbstsicher eine Erfüllungs e sgarantie für dies und d das abgebe und dass die progno en, s ostizierten Ereignisse, die so oder so r ausfalle könnten, auch so od anders eintreffen w en der würden, abe nur er wenn s Viola so verhalten würde wie ich es ihr empfohlen h sich o hatte, was sie garantiert nicht tun w e würde, denn dazu kann ich sie zu gut. n nte u ktion mit Vi war nur das Vorspiel, das Gep iola r plänkel Aber die Ak um von der Haupt n tsache, der zu erlegend Beute a den abzulenken. . h Trotz meinem emotional angespa annten Zust tand war ich mehr als nur zufrieden m meiner Leistung. Denn auch ic konnte m eine mit ch mir unausg gesprochene Garantie g e geben. Die Garantie, dass im Ansc chluss an die K Kartendeutungen für V Viola, die alles entscheidende Frag von ge der bis jetzt schwe eigsam, die Vorgänge scheinbar ge s elangweilt beobac chtenden Fa abienne kom mmen würd „Sag ma kannst du mir de: al, u auch m die Karte legen?“ mal en Und was so ich sagen Gibt es einen besser Beweis für oll n? e ren meine prophetisch Gaben? Die Frage kam wie de jährliche hen ? er Steuerb bescheid, und sie gab m die Mög mir glichkeit, en ndlich zu beweis dass ich die Zukunft veränder kann. Wä die Frage von sen, h rn äre Fabienn nicht ges ne stellt worde was eige en, entlich unde enkbar war hätte r, sich vie elleicht alles ganz ande entwicke s ers elt. Teilnahmslos und gela angweilt ers scheinend k kam meine mit
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etwas l leiserer Stim mme gespro ochene, einzig mögliche Antwort: „Aber klar doch“ verbunden mit ein nem unausg gesprochene „aber nu wenn en ur du dich sofort ausziehst und m deine wunderschö h mir w önen Titten zeigst“

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____________________ Nachgedanken und meinem kurzen direkten Aufblicken in ihre wunderschönen grünblauen Augen. Ich sah ihr leichtes, kaum merkbares Lächeln, ein leichtes Zucken ihrer Augenlieder und die großen schwarzen, etwas geweiteten Pupillen und ich verstand. Auch in diesem Moment stand die Neugier wie zu allen Zeiten an erster Stelle eines Problems, das gelöst werden will. Ich hob mein Haupt und richtete die Augen leicht gen Himmel. Dann bewegten sich meine Lippen zum lautlose Stoßgebet: „Herr, gib mir Keuschheit und Enthaltsamkeit - aber jetzt noch nicht. Gib mir dicke Eier und Kraft in den Lenden für das was kommen wird …“ Meine spirituell erscheinende Anrufungsgeste war beeindruckend – das sah ich an ihren geweiteten Augen. Dann gab ich meiner Adeptin die ersten Anweisungen. „Am besten ist, ihr wechselt den Platz, damit du mir genau gegenüber sitzt“ war meine unmissverständliche Aufforderung für Viola, ihren Hintern zu bewegen und den Platz für die göttliche Fabienne zu räumen. Voraushörbar antwortete Viola mit „ich wollte sowieso kurz zur Toilette.“ In diesem Moment wünschte ich mir, ich wäre nur für eine Minute Kommandant des Raumschiffs Enterprise. Mein erster und einziger Befehl wäre: „Scotty beam sie von der Klobrille, weit weg ins Universum! Mister Kirk, ich verspreche Ihnen, Sie bekommen danach sofort das Kommando zurück. Stopp Mister Kirk, einen Zusatzwunsch hätte ich noch. Bitte Kumpel, falls das mit der Klobrille nicht funktioniert, sorge dafür, dass sie von einer sofortigen Darmverstopfung heimgesucht wird.“

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______ __________ ______ Ich hörte fü einen kurzen Mome wieder d kurze, k ür ent das kaum hörbare Klickern b beim Platzw wechsel. End dlich war ich mit Fabien h nne und men. allein u konnte alles in die Hand nehm Fabienne saß mir jetzt gegenü über. Magische Schwad von Vio Qualme waberte den olas erei en durch d dämmr den rigen, rückw wärtigen Rau Nur die Lampe um. e verbrei itete ein genau auf die Tischplatte abgegrenz Licht. Im e ztes m Dämme erlich hatte Fabienne Haare ein wunder en es nen rschönen Schimm währen ihre weiß Bluse rein wie frisch gefallener mer, nd ße h r Schnee im hellen L e Licht strahlt Den Kop hatte sie l te. pf leicht gesen und nkt, im Geis sah ich die büßende Maria Mag st gdalena (die von 1533, nicht e die zen nsierte von 1 1566) von T Tizian vor mir. Bis zu diesen Minut m ten wusste ich noch nichts über F e Fabienne un doch lag sie schon o nd offen vor mir r.

Kartendeute erfordert nicht nur d Kraft für en t die Ich finde, K übergro oßes Engag gement, son ndern auch die Stärke, eine nahezu u überme enschliche V Verantwort tung tragen zu können. Ich war be ereit, diese sittliche Kraf aufzubrin ft ngen und be egann bewu langsam mit usst m, ter tisch wirkun ngsvoller Ko onzentration aber mit n, äußerst und opt routinie erter Finger rfertigkeit, d Karten für Fabienne und für m die f mich neu zu mischen. Ih Blick hing gebannt an den sensi hr g iblen Hände en virtuosen Kü ünstlers in e einer rituelle Handlung für eine en eines v exzessive Zukunft. Langsam u mit eine eleganten Hand- und . und er d Fingerb bewegung b begann ich d Karten auf dem sch die a hweren Glas stisch
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aufzufä ächern. Durch das Glas des Tis sches, an de ausgebre en eiteten Kart ten vorbei, sah ich ihre übereinan e nder geschlagenen Beine, und bei

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____________________ meinem kurzen Aufblicken das kleine unschuldige Silberkreuz an der dünnen Kette um ihren schmalen Hals am Ansatz zwischen ihren Brüsten. Fabienne erschien mir in dem diffusen Licht wie eine Heilige, und das Kreuz hatte noch keine Brandmale auf ihrer zarten Haut verursacht und sich auch noch nicht um 180 Grad gedreht. „Bitte zieh jetzt mit der linken Hand eine Karte“ war meine Aufforderung aktiv mitzuwirken. Fabienne war (oder ist, ich weiß es nicht) eine intelligente und selbstbewusste Frau. Es ist wie mit jungen Wildpferden auf der Prairie in Texas. noch nicht domestizierte Frauen gehorchen, solange die Machtverhältnisse noch nicht klar definiert sind, nicht widerspruchslos. Darum gab es eine von mir vorhersehbare Antwort auf meine klare Anweisung, und zwar die Frage: „Warum mit der linken Hand?“ Die erwartete Frage war die notwendige Aufforderung meine geheimen Kenntnisse zu offenbaren und meine Kompetenz Imagefördernd zu beweisen. Außerdem beinhaltete die Frage meines Opfers eine von mir forcierte Anweisung etwas näher zu kommen. Es war die erste Herausforderung, die ich mutig annahm. Ich begann entschlossen die unsichtbaren Intimgrenzen nach und nach einzureißen. „Die Mauern müssen fallen“, wusste schon Cato der Ältere, und ich war gewillt, der Aufforderung des alten Römers zu folgen. Fabienne spürte meine Nähe und sie wich nicht aus. Ich sah wie sich die zarten, kaum sichtbaren Härchen auf ihren Unterarmen wie elektrisiert aufstellten. Sie war mir schon zu nah, und nur meinem direkten Blick über den Rand meiner Brille hinweg in ihre grünblauen Augen, wich sie mit keusch niedergeschlagenen Augen

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______ __________ ______ etwas a aus. „Die linke H Hand ist die intuitive Hand die nur bei sehr e H r sensitiv Frauen vom Herzen kommt. Die linke Hand ist die Hand, ven D die Macht über die Karten un die Zukun ausübt. Es soll soga e nd nft ar Frauen geben, die mit ihren H Händen die Bewegunge der Welt en t spüren.“ Mit dieser Einweisung bekam sie von mir ihr erste We g re eihe. Mit einem neutralen „ „Ahja“ quitt tierte sie meinen kühnen ß. r, wusst, dass sie sich sch auf hon Vorstoß Doch mir und auch ihr war bew dem sc chmalen We der Erken eg nntnis befand. Fabienn war, über der ne Mehrza der norm ahl malen, der a ahnungslosen und gefü ühlskalten F Frauen stehend, im Kreis der wenigen, der sensi itiven Fraue mit Mach en ht aufgenommen. Ich spürte körperlich, wie die Spann h nung im Rau im um gleiche Verhältni wie der G en is Grad der Bee eindruckung anstieg. A g Auch Fabienn verspürt den spirit ne te tuellen Mac chtzuwachs und zog, ge ebannt von me einen okkult Fähigke ten eiten und Ke enntnissen, die erste K Karte. Es war die machtvolle Karte des Hohepriest e ters. Vorhersehbar kam die m erwartungsvolle Frage: „Was bedeutet die Karte?“ d he ndwerk und darum war meine Auskunft d Ich versteh mein Han l, e üssige Ausflüchte: „Die ese neutral klar, ohne Schnörkel und überflü Karte e entscheidet über die moralischen Probleme d Dualität, also der der Ana alogie der G Gegensätze von Gut un Böse, ode Himmel u nd er und Hölle. E ist das ba Es aldige Ersch heinen eines machtvollen Menschen zu s erwarte der durc unorthod en, ch doxes Verhalten auffäl und in de llt ein
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Leben t tritt.“ Die Wirkun des Satze ließ ich durch eine kleine, meditativ ng es erschei inende Paus in der ic mit halb geschlossen Augen se, ch g nen

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____________________ innerlich bis Zehn zählte, wirken. Dann kam meine explizite Suggestivfrage: „Kennst du zufällig so einen Menschen der in Zukunft in deinem Leben eine wichtige Rolle spielen könnte?“ Jetzt erfuhr ich aus ihrem schönen Mund, was ich schon intuitiv ahnte. Fabienne brauchte meine Hilfe, nicht irgendwann, nicht irgendwie, sondern sofort und mit Einsatz aller meiner mir zur Verfügung stehenden Ressourcen. Ihre zögernde und etwas verunsichert klingende Antwort war: „Nein eigentlich nicht, zur Zeit gibt es niemand auf den so eine Beschreibung passen könnte. Mein Mann interessiert sich nicht für solche Sachen.“ Nachdenklich erscheinend, mit leicht gerunzelter Stirn forderte ich sie auf: „Bitte zieh jetzt die nächste Karte.“ Meine Beute beugte sich etwas vor, und ich sah in diesem besonderen Licht, die ihre reinweisse Bluse und die zwei oberen, die geöffneten Perlmuttknöpfe (am obersten Knopf stand keck ein kleines Fädchen ab) besonders vorteilhaft zur Geltung brachten, dass sie einen schlichten unschuldig-weißen Büstenhalter trug. Ich sah auch, wie ihre unberingte Hand langsam aber zögernd über die Karten glitt. Das Gefühl, wie sich ihre Fingerspitzen meinem erigierten Gehänge näherten, war der phantasievolle Übergang von der Fiktion zur baldigen Realität. Sie überlegte kurz und zog dann eine Karte und vor meinen Augen begann sich alles zu drehen. Ich schwöre dir, es war kein billiger Kartenspielertrick, es war der pure Zufall. Sie deckte die elfte Karte auf. Die Karte der Lust. Ich hatte ein leichtes „Yang“ in meinem Ohr. Es war die Karte meiner Ying, und sie lag genau richtig, denn ich

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______ __________ ______ konnte nicht mehr ohne Fabienne sein. In diesem k e r I kurzen Mom ment anarchistischer Erkenntnis wu usste ich, da nichts m ass mehr so sein sollte n war. wie es gewesen w Sekunden v vergingen m sakralem Schweigen, und die mit m che ung em g karmisc Spannu in meine Wohnzimmer stieg ins Unerträgliche. Ich sah zuerst auf die Karte, d dann sah ich durch den Glastisch, dass h n ne reinander ge eschlagenen Beine neb beneinande er Fabienn die über gestellt hatte. Ich sah die schmalen Riem t mchen ihrer Schuhe, die eng e an ihren Fesseln anlagen. Mit meinem Griff nach de Sektkelc und t G em ch einem bedächtig t tiefen Schluck, der mir einige Seku unden Zeit z zum ästhetischen Nach hdenken ver rschaffte, begannen sic meine ch Gedank auf das Objekt meiner Begierd zu konze ken de entrieren. N Noch war me Neutra eine alität meine perfekte Ta arnung. Einen anderen Weg n zum Sie sah ich n eg nicht. Denn als seriöser Kartendeuter bin ich d r durch meinen autodidak n ktisch definierten Mora alkodex zur strikten Neutralität verpflichtet. Darum begann ich mit beto langsam und i ont mer überleg Sprechweise eine fachlich fun gter ndierte Deu utung. „Die Karte stellt nach uralten Übe erlieferunge die Hure en e Babylon dar, die m roten Ha mit aaren und gespreizten Beinen auf einem g löwenä ähnlichen Ti reitet. Diese besond schön stilisierte Karte ier ders symbol lisiert sexue Ekstase durch die Lust grenzenloser und nie elle L gekann Erfahru nter ungen.“ Aus den Au ugenwinkeln registriert ich jede V te Veränderun in ng ihrem B Blick. Sie sah die Karte dann mich an. Fabienn war eine ne e
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wunderbare Frau und sie hatt sich unüb te bertrefflich unter Kont trolle. Eine wa ahre Meiste der Mim und ein Beherrsch erin mik ne herin ihrer Gestik. Ich kon nnte an kein optische Gefühlsre ner en egung ihre Gedanken

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____________________ erkennen. Aber Fabienne verstand die Zeichen. Zwischen uns war eine unausgesprochene Einheit – ein knisterndes Band der Sinne. Wir spürten, wie unsere Herzen den gleichen Rhythmus der Beats annahmen. Sie hatte meine Botschaft empfangen und angenommen. Wir waren im Geiste bereit und vereint, und dann begann im Hintergrund die Toilettenspülung zu rauschen. Wilhelm Busch muss sich in einer ähnlichen Situation befunden haben, als er schrieb: „So wird oft die schönste Stunde, in der Liebe Seelenbunde, mitten durch- und abgeschnitten, durch Herbeikunft eines Dritten.“ Viola kam zurück. „Wie weit seid ihr“ war die ernüchternde Frage in einem Moment in dem zwei verwandte Seelen begannen telepathisch miteinander zu fingern. Mein scharf gesprochenes „bitte sei sofort still, sonst kann ich mich nicht konzentrieren“ und einem gedanklichen „sonst breche ich dir beide Arme und deinen faltigen Hals dazu“ stellte das Machtverhältnis im Raum wieder her. Verzweifelt nahm ich die schweißnassen Hände an meine pochenden Schläfen und schloss die Augen um den Strang meiner medialen Eingebungen wiederzufinden. Viola ahnte, dass man den Meister in solchen Momenten nicht stören darf und verzog sich schmollend aufs Sofa in den hinteren Rängen. Sie spürte überdeutlich, dass sie nicht mehr gefragt war, aber das war mir egal. „Das klingt interessant“ war Fabiennes neutrale Antwort. Intelligent wie sie war, zwang sie mich damit zur absoluten Offenbarung. Ich musste die Wirkung meiner Deutungen noch intensivieren, denn meine mediale Glaubwürdigkeit stand auf dem

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______ __________ ______ Spiel. „Bitte achte auf den Schwanz des Tieres.“ M diesem H s Mit Hinweis schob ich Fabienne die Karte und eine Le eselupe zu, die jeder Sa ammler von Briefmarken b benötigt, un die ich fü solche be nd ür esonderen Studien nzwecke immer bereith halte. Sie be etrachtete d Zeichen und die Figuren des Karten n nbilds und s mich da fragend und nachd sah ann d denklich an. „Was soll d bedeute das en?“ war ein rhetorisc Frage, d das ne che die Erkennen schon in sich trug, d n denn das Ka artenbild war eindeutig g. „Siehst du die Bestie, auf der die rothaarige nackte Frau u reitet? Sein mächt tiger Schwanz kann ein Drittel der Sterne vom n r m Himme fegen und nur für dic auf die Erde, dir zu F el d ch Füßen werfe en, wenn d es von ga du anzem Herz willst“ war meine s zen w sachkundige e Beschre eibung des Kartenbilds s. „In der Kom mbination m der zuer gezogenen Karte de mit rst es Hohepr riesters kan ich dir mit Bestimmt nn theit verspr rechen, dass ein s sehr int teressanter Mann in der allernäch r hsten Zeit in dein Leben n treten und dich fö ördern wird. .“ Fabienne w geplätte Ich sah es an Ihren g war et. e geweiteten fneten Mun Ich schw nd. wöre dir, ich h Pupillen und dem leicht geöff konnte nichts dafü Die Karte e ür. enkonstella ation ließ ke andere eine Deutun zu. Fabienne war ku davor, ei neue Lie zu finde Eine ng urz ine ebe en. Liebe zu einem ho ochinteressa anten und geheimnisvo g ollen Mann mit übersin nnlichen Krä äften, der sie zu neuen ihr noch u n, unbekannte en
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Lustspielen führen sollte. n Doch ich w verpflich zu schw war htet weigen. Ich, das Medium einer überird dischen Mac durfte k cht keinen Namen nennen. Auf die Ak . kteure

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____________________ musste Fabienne selbst kommen. In diesem Moment konnte ich nur darauf vertrauen, dass ich einem schlauen Mädel nur die richtige Richtung zeigen muss. Ihre subversive Neugier würde sie auf den richtigen, unseren gemeinsamen Weg führen. Nur Viola hatte keine Ahnung wer der Unbekannte sein könnte. Für sie gab es im näheren und entfernteren Bekanntenkreis keine identifizierbare Persönlichkeit mit solchen herausragenden Fähigkeiten. Viola war zu blöd und Fabienne stellte sich einfach dumm. Am meisten war ich von meinen spirituellen Fähigkeiten überrascht. Ich konnte tatsächlich die Zukunft nach meinen Vorstellungen gestalten. Viola, Fabienne diskutierten in fortgeschrittener Champagnerlaune noch einige Zeit über diesen „geheimnisvollen und unbekannten Mann“ der da auftauchen sollte und leerten noch zwei weitere Fläschchen Champagner. Aber es war mehr ein prickelndes Spiel der Katze, die zuerst um den heißen Brei und dann auf dem heißen Blechdach herum balanciert, um dann liebevoll aufgefangen zu werden. Kurz vor Mitternacht musste Viola zu ihren häuslichen Pflichten zurück. Fabienne wollte, angeregt von den Prophezeiungen, noch ein verträumtes Viertelstündchen bleiben und mehr über das Mysterium des „Sterne vom Himmel runterholens“ der Karten erfahren. Nachdem Viola mit den üblichen Küsschen verabschiedet und gegangen war, herrschte einen Moment eine sprachlose Spannung zwischen uns. Vielleicht kennst du solche Momente, in denen man nicht so recht weiß, was man sagen soll, um das Gespräch wieder in

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______ __________ ______ Gang zu bringen. M u Meist begin man mit einem „tja so ist es“, a nnt t a aber Fabienn war etwas schneller als ich, und fing mit d ne dem übliche en Kommu unikationsg geplänkel an n. „Hast du zu ufällig einen Steifen“ war ihre Ouv n w vertüre. In d diesem Momen klangen d Töne vo „I wanna be your do und die nt die on og“ schräge Stimme vo Iggy Pop aus den La e on p autsprecher Nach die rn. eser Nacht w wussten wir dass es fü Götter he r, ür eldenhaft ist, Dinge zu tun, von denen normale Mensche nicht zu träumen wa en t agen. Fabien nne Menschen m besonde kreativen Fähigkeite mit ers n en war im Kreis der M aufgenommen. Ich hatte die goldenen Kugeln abgeleckt und in h K n meiner Erinnerung höre ich h r g heute noch ihre gehauc chte Stimme die e, zum Ab bschied atem „sag g mlos geile Sau zu mir“ in mei Ohr flüste in ert.

Zwei kleine Probleme musste Fab e bienne noch lösen. Sie musste h eine gla aubhafte St tory zu erfin nden, warum sie erst am frühen M m Morgen im ehelichen Zuha ause ankam, und wohe sie die aufgeschürfte Stelle er e auf ihre Rücken hatte. Vielleicht hat sie es mit Kin em e nokarten versucht. ______ __________ ______

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____________________ Gerechter Mord mit Apfelbaum

Viele, wenn nicht alle Entscheidungen werden vom Standpunkt des „hier stehe ich und kann nicht anders“ beeinflusst. Daraus ergeben sich die Fragen: „Soll ich mich bücken, oder darf ich mich nach oben strecken?“ Die dritte Variante ist die rigorose Unterdrückung der Triebe.
Sina Sidonius

____________________ Ich habe mich oft gefragt, ob es so etwas wie gerechte Morde gibt. Die Antwort war nicht einfach, aber ich denke, dass Gewalt nicht gerecht sein kann, und ein Mord kann nicht als gerechte Tat legitimiert werden. Obwohl … Die Befreiung von einem unerträglichen Zwang, kann ein Grund sein, warum Menschen ihre Ideale verraten. Das Leben besteht nun mal aus Zyklen. Man kann sich nicht aus einem unbequemen Zeitabschnitt davon stehlen und sich in einen anderen schleichen, ohne Verrat am vorherigen zu begehen. Die Probleme verlagern sich nur. Wenn du jetzt noch Lust auf eine weitere, wahre und alltägliche Geschichte hast, dann bleib noch etwas bei mir. Es hat sich vor nicht allzu langer Zeit so zugetragen. Eine junge blonde Frau, sie nannte sich Marion, und ein kräftiger junger Mann, nennen wir ihn bei seinem richtigen Namen, es war Ralf, hatten im Vollbesitz ihres Verstandes beschlossen zu heiraten. Daran kannst du erkennen, dass das was ich dir erzähle, kein Märchen ist, sondern die reine und

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______ __________ ______ ungesc chminkte W Wahrheit. Marion und Ralf lebte glücklich und zufried in einem d en den m hübsch Haus in einem hübschen Dorf, weit drauß in einer hen , ßen r grünen und gesunden Umgeb n bung in der Nähe eines großen s schwar rzen Waldes Sie hatten sich zusam s. n mmengetan um einen Baum n, zu pflan nzen, und m ihrer Hände Arbeit, einem gün mit , nstigen Bauspa ardarlehen u einer M und Muskelhypothek ein blitzsauberes Haus mit einer blitzsaub beren und s schweineteu uren Einbau uküche auen. aufzuba Beide liebten sich sehr, und auch das Sexuel kam nich zu h lle ht kurz. W es die Gebräuche vorschreiben zeugten s im vorhe Wie n, sie er ausdisk kutierten Ab bstand von genau zwei Jahren, zur jeweils ge i enau berechneten Sams stagnacht, z zwei hübsch blondgel he lockte Kinde Es er. war ein schöne Z ne Zeit, und alle gedieh prächtig und wohlgeplant. es d Ralf war ein fleißiger u redliche Handwer und er rksmann, un wie nd es Trad dition ist, wa er auch d Ernährer der jungen Familie. E hatte ar der Er mit im Schweiß se eines Angesi ichts einen kleinen Han ndwerksbet trieb aufgebaut. Sein Be etrieb und d Haus wa das aren seine g ganze Liebe und e üllung eines Lebenstraums. Schon früh am M s n Morgen fuhr er zu die Erfü seiner A Arbeitsstelle, während Marion, da d aheim an de Basis, im er hübsch Haus mi der blitzsa hen it auberen Ein nbauküche für Pflege u und Ordnun sorgte. ng Marion war eine liebe evolle und nicht untalentierte Köchin und n zaubert der klein Familie die schmac te nen ckhaftesten Gerichte au den uf
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Tisch. A Ansonsten h hatte sie in dem schönen Haus auch viel zu tu Die un. Zeit, die ihr nach d Hausarb und der Beschäftig der beit r gung mit den Kindern übrig blieb konnte si mit große Nutzen zu Studien und für n b, ie em

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____________________ die Vervollkommnung ihrer Allgemeinbildung verwenden. Zeitschriften, Radiosendungen und die Fernsehsatellitenschüssel, über die sie alle gängigen Hausfrauenvorundnachmittagssendungen, außerdem die spannenden Talkshows und die Sendungen aus den Gerichten empfangen konnte, gaben ihr die Hilfe, sich auf die späteren Lebensjahre, in der nach einer Zeit und Denken ausfüllenden Beschäftigung verlangt wird, vorzubereiten. Marion hatte wirklich alles was sie brauchte und sie war glücklich. Sie hatte jede Freiheit und Ralf las ihr jeden Wunsch, von dem er dachte, dass sie ihn haben könnte, von den Augen ab. Wenn es ihre knapp bemessene Zeit zuließ, fuhr sie mit dem Bus ins nächstgelegene Einkaufszentrum. Das war nicht weiter kompliziert, denn die nächste, größere Stadt war recht komfortabel in etwa vierzig Minuten Fahrzeit zu erreichen. Aber das war nicht oft der Fall, denn die gemeinsamen Einkäufe erledigten Marion und Ralf mit Ralfs Auto am Samstagvormittag in einem realen Supermarkt auf der grünen Wiese. Und sie hatten alles was sie brauchten, denn die Tiefkühltruhen im Keller des hübschen Einfamilienhauses waren immer randvoll mit den leckersten Lebensmitteln gefüllt. Marion konnte sich frei und unabhängig bewegen, denn sie war eine moderne junge Frau. Sie konnte durch die weiten Wiesen und Felder, die sich an das kleine Dorf anschlossen, spazieren gehen. Und manchmal, an schönen lauen Frühsommernachmittagen, wenn die Luft lau, und die Sonnenstrahlen nicht mehr ganz so heiß waren, setzte sie sich auf eine verwitterte Bank unter einem uralten Apfelbaum und sah lange und nachdenklich hinüber, über die sattgrün gesprenkelten Blumenwiesen zum Kirchturm. Marions Welt

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______ __________ ______ war ros sarot und w wohlgeordne in dem Dorf in der N et, D Nähe des gr roßen, schwar rzen Waldes s. Wenn sie s in Gedanken versunken unter d so dem Apfelba aum saß, kam es ihr ma anchmal vor, also ob die Äste und Blätter des s Baums Geschichte aus längs vergangenen Zeiten wispern wü en st ürden. Sie spürte seine fa unheimliche Aura und Marion hatte das ast Bedürfnis sich an d mächtig Baum zu lehnen und ihn zu den gen z umarm Manchmal, wenn sie sich unb men. beobachtet fühlte, tat s es sie auch. D Dann war ihr ganz schw windelig und es kam ihr vor, als ob sich d r b die We bewegen und schon bald auf de Kopf ste elt n em ehen würde e. Abends, na vollbrac ach chter Tagesa arbeit baute Ralf und auch en Marion wohlgemu an ihrem Häuschen. Das war ab nur am A n ut ber Anfang der Ehe so. Marion war handwerklich nic so begabt und daru e n cht um hatte R viel an s Ralf seiner Mario zu kritisi on ieren. Mario sah ein, dass sie on reichlic ungeschickt war, und darum üb ch berließ sie im Laufe der Zeit m r ihrem R die han Ralf ndwerkliche Arbeiten. Darüber w Ralf sehr en . war glücklic denn er fand, dass Marion in der Küche besser aufge ch, d ehoben sei, und vom Baue Basteln u auch so nicht v verstehe d en, und onst viel en würde. Müde und glücklich vo der Arbe und der g on eit gesunden, f frischen Landluf ging Ralf mit seiner Marion früh zu Bett. So verging Ja um ft, f ahr Jahr un Ralf sprac schon ba mit Freu davon, w angene nd ch ald ude wie ehm erst das Rentnerle eben sein würde, wenn er eines Ta n ages alles abbeza und sein Kinder aus dem Hau wären. Ralf wusste dass ahlt ne use e,
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sie imm glücklich sein würd bis ans Ende aller Tage. mer den,

Mein Freun liebe Kin nd, nder und lie Erwachsene. An so ebe olchen

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____________________ Stellen enden normalerweise Märchen. Nicht so bei Marion und Ralf. In Marions dreißigstem Lebensjahr begann sich etwas zu verändern. Die Küche blieb immer öfter kalt. Marion fand nicht mehr die Lust ihren Lieben etwas Schmackhaftes zu kochen. Und noch eine schleichende Veränderung ging vor. Für die blonde Marion wurde das Leben in dem hübschen Haus in dem hübschen Dorf weit draußen in der grünen und gesunden Umgebung, in der Nähe eines großen schwarzen Waldes, von Tag zu Tag grauer. Man sah es ihr an und niemand wusste so recht, warum sich ihr Gemütszustand so schnell verschlechterte. Ärzte konnten ihr nicht helfen. Marion schlief schlecht und ihre Launen wurden von Tag zu Tag schlimmer, obwohl es den Beiden (oder Vieren, wenn man die Kids dazu rechnet) eigentlich recht gut ging. Am Anfang nahm Ralf die Launen seiner Marion auf die bekannte, leichte Schulter. Er suchte Gründe und dachte, es könnten vielleicht die Wechseljahre sein. Doch eines Tages überraschte die blonde und brave Marion ihren Ralf mit feuerrot gefärbten Haaren. Ralf verstand die Welt und ganz besonders seine Marion mit ihren verrückten Ideen nicht mehr. Aus der strohblonden Marion war über Nacht eine langmähnige rothaarige Fabienne geworden. Ralf war verzweifelt. Was würden die Nachbarn in dem kleinen Dorf, weit draußen in der Nähe des großen schwarzen Waldes wohl denken. Er sprach viel mit seiner Marion, manchmal leise und oft auch ziemlich laut. Manchmal, aber nur manchmal knallte er mit den Türen, aber nicht zu stark, denn die Türen in dem hübschen Haus waren teuer und sollten ein ganzes Menschenleben halten. Außerdem sollten die Nachbarn nichts vom Türen knallen

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______ __________ ______ mitbek kommen. Ab Marion ließ sich nic umstimmen. Mario ber cht on wollte nicht mehr die Marion sein, die sie war und R konnte nur n Ralf esigniert brü üllen: „Die s spinnt.“ noch re Die ungesc chickte Marion begann auch, sich für technisc che Geräte zu interess sieren, und sie kam auf wunderlich Ideen. Si f he ie wollte unbedingt e Handy h ein haben, obwohl Ralf ver rsuchte, seine Marion mit rationa Argum n alen menten davo zu überzeugen, dass das on s wunderschöne Ha doch ein Telefonanschluss b aus nen besäße. Abe er n h ht horchen, und eines Marion setzte sich durch. Sie wollte nich mehr geh Tages h hörte Ralf das Geräusch eines Han ndys aus Ma arions Hand dtasche, obwohl Ralf seine Erlaubnis zum Erwerb des Geräte nicht geg es geben hatte. Für Marion war es ein liebgewordene Ange n ne ewohnheit, bei schöne Wetter z dem eins em zu samen, uralten Apfelba aum zu gehen, unter d dem die verwitterte Ho olzbank stan Nur dort hatte sie d nd. t die Ruhe, ü über sich un die Welt nachzuden nd nken. Gern u oft und telefon nierte sie vo dort mit i on ihrem neue Handy. en Wenn sie d Gelegenheit fand und der Linie die enbus die richtigen Ab- und Ankunftsz d zeiten hatte denn sie musste ja vo Ralf zuha e, m or ause sein um ihn herzlic zu empfa m ch angen, fuhr sie in die n r nächst größe ere Stadt, u in verschiedenen Zeitungen kleine Inserate aufzugeb um ben, oder um andere, g m gleichgesinn Menschen kennen zu lernen. nte Manchmal nahm s auch das Familienauto, aber Ra war darü sie s alf über nicht se erfreut. Denn Fabie ehr . enne hatte die Angewo ohnheit, sehr
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schmut tzige Feld- u Waldwe zu befa und ege ahren, und R musste dann Ralf am Sam mstag sein F Familienaut gründlich putzen. to h Einmal war Ralf sehr v r verärgert. Beim Heraus sfahren aus der

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____________________ Garage hatte er Fußabdrücke an der Innenseite der vorderen Scheibe des Familienautos entdeckt. Marion war sehr verlegen, aber sie wusste nicht wie die Abdrücke da hingekommen waren, und auch die vielen anderen Fragen von Ralf blieben unbeantwortet. Wenn Marion in die große Stadt fuhr, über der auch heute noch ein großer, silberner Stern schwebt und sich langsam dreht, traf sie sich mit sympathischen Männern, die sie vorher noch nie gesehen hatte. Marion wollte lernen und Erfahrungen auszutauschen. Die Männer gingen danach wieder nach Hause, zu ihren Ehefrauen und Marion fuhr zurück in das schöne Dorf zu ihren Kindern und zu ihrem Ehemann. Von all dem ahnte Ralf nichts, denn Fabienne konnte schweigen und in dem hübschen Haus hatte sie immer ihr Handy abgestellt um Strom zu sparen. Vielleicht hätte es Ralf auch nicht interessiert, denn er war mit seinem Betrieb und der vielen Arbeit am Haus beschäftigt. Die heile Welt von Ralf sollte noch größer, noch schöner und perfekter werden. Nur für Marion war es keine schöne Welt mehr. Eines Tages erzähle Marion (oder Fabienne) einer neuen Freundin aus der großen Stadt, von dem Apfelbaum, und dass es ihr manchmal so vorkäme, als ob der uralte Baum zu ihr sprechen würde. Viola, Fabiennes Freundin fand die Geschichte spannend, denn sie besaß ein Gespür für Übersinnliches. Sie erzählte der staunenden Fabienne von einem guten alten Freund mit besonderen, spirituellen Fähigkeiten. Die rothaarige Fabienne war, wie es ihrem weiblichen Naturell entsprach neugierig. Sie wollte wissen, was aus ihr werden würde, in dem kalten Haus in dem hässlichen Dorf, weit draußen in einer schrecklichen und ungesunden Umgebung inmitten

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______ __________ ______ eines g großen schw warzen Wald in der eine Marion unglücklic war, des, e n ch und die rothaarige Fabienne nicht mehr leben wollt e e te. Wie die Ge eschichte we eiterging, is schnell er st rzählt. Marion verliebt sich in den Mann mit den spiritu n t uellen Fähig gkeiten. Es b beginnt eine lei idenschaftli iche Affäre und Marion die sich je Fabienn n, etzt ne nennt, betrügt ihren Ralf. Das ist keine besondere, v s b vielleicht no och erwähnensw werte, eher eine alltäg r gliche nicht einmal eine besonders e Affäre, wie sie schon seit Men nschengede enken imme wieder er mmt, und jedem von un passieren kann. Die Ursache für ns n vorkom Marion Veränder ns rung kann m auf eine banale Bin man e nsenweishe eit reduzie eren. Gewohnheitsmäß ßiger Gebra auch der Ehe erzeugt ein e unerträ ägliches Gef fängnis der Triebe. Für die Ehema r asochisten is der st Zwang der Regeln das höchst Glück auf der Erde, f die Ande die te f für ere Überwi indung ders selben, das erstrebenswerteste Ziel. Ein Apfe elbaum und der Zufall hab Fabienn den Weg zur Freiheit gezeigt. ben ne Eigentlich ist es die klassische Geschichte von Eva und den e e e unerträ äglichen Zus ständen im Paradies. Marion hat v M vom Baum der Erkenntnis genasc und die Z war reif für Veränd cht Zeit derungen. Was lernen wir daraus Wenn in der Küche zu oft die gleichen n s? te werden, wä ächst die Lust auf exotische Genüs sse Gericht gekocht w außerh des Par halb radieses, un Sex aus der Joggingh nd d hose ist nur r manchmal schön.

Vielleicht k kann es sein dass du an der Gesch n, n hichte etwas
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vermiss Wo bleiben Moral und Gerech st? htigkeit? Ein pauschales Urteil n wäre, M Marion zu v verdammen und Ralf zu loben, der für seine k u r kleine Familie sorgt, wäh e hrend die ge elangweilte Marion als rothaarige

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____________________ Fabienne auf dumme Gedanken kommt. Auch ich habe oft über Marion und Ralf nachgedacht und wie ich mich als Unbeteiligter verhalten würde. Für wen sollte ich Partei ergreifen, und wer gehört verurteilt und verdammt? Sollte ich überhaupt zu einer Partei halten, oder nach dem Motto: „Was du nicht willst was man die tu, das füg auch keinem Anderen zu“ auf meinen Gerechtigkeitssinn hören? Nach langen Überlegungen bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass wir gemeinsam über die Akteure meiner Geschichte und deren Taten urteilen sollten? Ich lade dich ein, ein gerechtes und moralisches Urteil zu fällen. Vielleicht hilft dir dieses kleine Spiel, wenn du eines Tages unverschuldet in eine ähnliche Situation geraten solltest.

Bevor du über Moral und Gerechtigkeit urteilst, betrachten wir noch einmal die handelnden Personen. Die erste Person ist Ralf, der immer noch ratlose Ehemann von Marion (der späteren Fabienne). Ralf ist ein Typ, den man, ohne ihn näher zu kennen, als „netten, kumpelhaften Kerl von nebenan“ bezeichnen würde. Ralf hat im Laufe der Jahre einen kleinen Handwerksbetrieb aus dem „Nichts“ aufgebaut. Ich finde, das ist eine beachtliche Leistung. Damit du die Situation etwas präziser beurteilen kannst, musst du noch wissen, dass Ralf und Fabienne in einem kleinen Dorf im Schwarzwald leben (oder gelebt haben). Zusammen hatten die Beiden mit vielen Eigenarbeiten ein Haus gebaut und ausgebaut. Es war Ralfs Lebenstraum. Aber die hohen Schulden „drückten“ und belasteten das Verhalten von Ralf. Seine Nerven „lagen blank“, wie man so schön sagt.

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______ __________ ______ Was wir bis jetzt noch nicht wisse ist, dass sich Ralf „in s h en n seinen vier Wände manchm etwas gehen lässt. Er ist eifers en“ mal g süchtig, was roh-choleris sche und er neigt zu leichten r vielleicht auch etw gefühlsr Gewalt ttätigkeiten, wenn er n nicht mehr weiter weiß Es konnte w ß. vorkom mmen, dass seine geliebte Ehefrau Marion (oder Fabienn u ne) gelegen ntlich eine O Ohrfeige be ekam, wenn sie nicht so „spurt“ w Ralf n o wie es sich vorstellte. A Aber die be eiden hatten sich arran n ngiert, und s sahen die klei ineren Tätlichkeiten als interne Fa s amilienange elegenheiten, die Außens stehende ni ichts anzugehen hatten. Eine ergänzende Infor rmation mö öchte ich dir nicht r vorenth halten. Ralf hat eine ge f elegentliche Schwäche für die hilfreichen e e Damen vom Straßenstrich. Al in allem stimmst du mir vielleicht zu, n lles m dass die guten Seit von Ralf bei näherer Betracht ten tung doch etwas verblas ssen. Aber b bitte behalte diese Insiderinforma ation für dich. Die rothaarige Fabienne (oder die früherer, blonde Mar e rion) habe ic dir schon ausführlich beschrieb Zum da ch n h ben. amaligen Zeitpunkt übte sie den Beruf der Hausfr und Mu e f rau utter aus und fühlte sich seit geraum Zeit in d ihr zugewiesenen Rolle nicht m mer der R mehr sehr w wohl. Sie war von der Eh mit Ralf u von seinem Verhalten etwas r he und enttäus scht. Oder a anders ausg gedrückt: „M Marion hatt als Fabien te nne keinen Bock mehr auf Ralf.“ A r Aber das ahnst du ja sc chon. Die dritte P Person in meiner kleine Geschich ist ein n en hte, nicht ders eicher Schri iftsteller, de wir aus D en Diskretions- und besond erfolgre Personenschutzgründen hier nur mit „R“ bezeichne können, u der “ en und
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bienne unte anderem kurz und liebevoll „me süßer er ein von Fab Schpatz genannt wurde. „R“ (oder „Sc zl“ t “, chpatzl“) wo ohnte zur damalig Zeit etw dreißig K gen wa Kilometer vo unserem Paar entfe in on m ernt

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____________________ einer süddeutschen Stadt über der auch heute noch ein heller Stern leuchtet. Du wirst verstehen, dass ich die Stadt aus Diskretionsgründen nicht näher bezeichnen kann. Mit etwas detektivischem Gespür und einer Portion Allgemeinbildung wirst du jedoch selber darauf kommen. „Schpatzl“ ist nach seinen nicht näher überprüfbaren Angaben Single, zumindest behauptet er das gern. Aber glaub ihm nicht zu sehr, denn er hat eine blühende Phantasie und schwindelt manchmal, aber nur in besonderen Ausnahmefällen. Zum damalige Zeitpunkt und nach seiner Scheidung übte „R“ seinen Beruf von Zuhause, einer kleinen, bescheidenen Dachgeschosswohnung aus, die den Vorteil hatte, dass er sie allein bewohnte, und dass sie bequem durch einen diskreten Tiefgaragenzugang zu erreichen war. Die Wesensart von „R“ ist mit den Begriffen „sensibler und verständnisvoller Frauenversteher“ plastisch und ausreichend beschrieben. Das alles musst du wissen, um ein abschließendes Urteil zu fällen. Du mein Freund bist jetzt Richter. Dir obliegt jetzt die Aufgabe, über Recht und Unrecht, über richtiges und falsches Tun zu urteilen. Bitte gehe Verantwortungsbewusst mit deinem Rat und deiner Entscheidung um. Bitte denke gut nach und lass dann deinem moralischen Empfinden freien Lauf. Beachte bei deiner Urteilsfindung auch die Auswirkungen. Denke dir eine gerechte Strafe aus, oder sprich frei. Ganz so, wie es dein Gewissen befiehlt, oder wie du dich vermutlich verhalten wirst, wenn du in eine ähnliche Situation gerätst. Um dich bei deiner Urteilfindung zu unterstützen, habe ich zehn Fragen für dich vorbereitet.

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______ __________ ______

1.

Kannst du V Verständnis für die Un s nzufriedenheit und die daraus resultieren nden heimlic chen Ausbruchsversuche von Fabienne aufbringen n?

2.

Wenn du d dafür Verstä ändnis aufbringst, darf sich Fabien mit nne einer „Notlüge“ die eg aus welc gal chen Gründen, immer noch eine Lüge ist und bleib herausreden? Falls d hier mit einem bt du „Ja“ urteils solltest d bedenken dass du d st, du n, dann in ähnlichen Fällen, vielleicht im eig genen Umfeld keine Eh hrlichkeit fo ordern darfst.

3.

Darf sich Fa abienne, un Berücks nter sichtigung ihrer schlim mmen, ehelichen S Situation mit dem sens siblen „R“ in Bett lege wo ns en, doch Ralf (nach Fabien nnes Aussag ein „blö ge) ödes und gefühlsrohes Arschloc ist, der es nicht and verdien ch“ e ders nt?

4.

Sind die Ha andlungen v Fabienn dadurch entschuldig da von ne gt, doch Ralf b bekannterm maßen gewa alttätig und gefühlsroh ist?

5.

Wer trägt a der Mise von Ralf und Marion die Schuld und an ere f d, was sollten die Beiden tun, um ih Ehe zu retten? n n hre

6.
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Sollte Mari ihrem R alles ges ion Ralf stehen und die Affäre m mit dem dubio osen „R“ bee enden? Ode soll Sie ih Affäre(n auch er hre n) in Zukunft verschweig gen?

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____________________ 7. Gibt es unter bestimmten Umständen ein Recht zum Mord, um sich aus einer unbefriedigenden Situation zu befreien? Oder ist es besser, nach dem Zitat von Friedrich Nietzsche: „Besser noch Ehebrechen als Ehe-biegen. Wohl brach ich die Ehe, aber zuerst brach die Ehe mich!“ zu leben.

8.

Gibt es eine Pflicht zur Lüge und zum Treuebruch, wenn ein „Unrecht“ verhindern werden kann, oder eine unerträgliche Situation abgemildert werden kann?

9.

Ist „R“ als Verursacher zu verurteilen, weil er die gutgläubige Marion mit allerlei spirituellen Taschenspielertricks auf Abwege gebracht hat?

10.

Ist Untreue wie Friedrich Schiller schon sagt, „nichts anderes als ein viehischer Prozess zur Stillung viehischer Begierden?“

Urteile jetzt über Moral, Unmoral, Treue, Untreue, Lügen und Ehrlichkeit. Ich freue mich auf dein gerechtes Urteil.

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______ __________ ______

Für

Vio Vi a V ola
[meine beste, nicht zu dünne Freun e ndin …]
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____________________ Mörderische Heiratsgedanken

„Eine Sexual- und Eherevolution ist im Anzuge. Es ist nahe liegend, dass der dadurch aufgerollte sehr verwickelte Fragenkomplex sowohl die Frauen wie auch die Jugend besonders beschäftigt. Sie leidet wie jene ganz besonders schwer unter den heutigen sexuellen Missständen. Sie rebelliert mit dem vollen Ungestüm ihrer Jahre dagegen. Das begreift sich. Nichts wäre falscher, als der Jugend und den Frauen mönchische Askese zu predigen und die Heiligkeit der schmutzigen bürgerlichen Moral.“
Wladimir Iljitsch Lenin

____________________

Gestählt durch Ehen und allerlei eheähnliche Beziehungen habe ich es irgendwie geahnt. Die Frau ist von ihrer Natur her zum Gehorchen bestimmt. Ihr ist das Glücklich machen anderer von der Natur aufgegeben. Liebe Leserinnen, ich höre die empörten Aufschreie, denn solche Sätze sind politisch vollkommen unkorrekt. Bitte bleibt besonnen. Gewalt ist keine Lösung. Man wird zwar so alt wie eine Kuh, aber man lernt immer noch dazu, wie schon Goethe (oder Schiller, wer es war ist mir momentan entfallen) einmal gesagt hat. Es ist nicht so wie ihr denkt und noch weigere ich mich, auch so zu denken. Obwohl, manchmal befallen auch mich die Zweifel. Die Zeiten ändern sich nun mal und auch ich muss umdenken lernen, um Neues

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______ __________ ______ und Un ngewohntes erfolgreich zu lehren. s h . Halten wir der Ordnu halber und mit küh ung u hlem Kopf d von die mir erm mittelten Fa akten fest: T Tatsache ist, dass das E Ergebnis me einer langjäh hrigen Feldforschungen nur einen Schluss zulässt. Selbst n vollkom mmen unabhängige und selbstbew wusste Frau schließe sich uen en ohne la ange Nachzu udenken irg gendeinem Mann an, v dem sie sich von e lenken und beherr rschen lasse Sie heira en. aten überle nach obe und egt en, entsorg geistig U gen Unterbemit tteltes ohne Rücksicht auf die Reg der e geln Genfer Konvention Die Ursachen für die mentale Betriebsblindheit nen. e sind no nicht erf och forscht. Abe es mag darin zu suchen sein, da er d ass Frauen einfach ein Art Meist brauche Entwede als Ehemann, ne ter en. er Liebhab oder al eine Art B ber, ls Beichtvater. Das musste zwar mal in aller . Deutlic chkeit und o ohne falsche Scham ges e sagt sein, aber diese lebensn nahe, aber w weitgehend vergessen Erkenntnis ist leider auch d ne nicht vo mir. Sie wurde von mir nur etw griffiger für den on was r sogena annten Gend der-Mainstr ream umformuliert, ist aber dem Sinn t nach vo dem von mir sehr geschätzten Arthur Scho on n openhauer, der , diese zeitlosen Sät in Parer und Para tze rga alipomena I (Über die II r) ch, was hat. Weiber ausführlic aber etw sperrig dargelegt h Die weitere Lektüre de Schopenhauerschen Textes mö e es n öchte ich dir e ersparen, denn ich kan die Richtigkeit der A nn Ausführunge en durch m meine Langzeitstudien mit meiner besten Fre r eundin und Muse Viola so ozusagen re epräsentativ beweisen. v

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e und e meiner Wie meine Freunde, u auch die treuen Leserinnen m Fachpu ublikationen vielleicht n n noch wissen ist Viola e vollkom n, eine mmen unabhä ängige Frau im mittlere Alter, wie unzählige andere Fra en e auen

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____________________ auch. Sie hat vor etwa sieben Jahren Werner geheiratet, um heute selbstbewusst mit beiden (sehr schönen und auch gut schließenden) Beinen mitten im Leben zu stehen, und als aktive Projektmanagerin das gemeinsame Leben zu meistern. Oder wie eine bekannte Staubsauger-Firma behauptet: „Sehr erfolgreich ein kleines Familienunternehmen zu führen.“ Wie auch immer es hinter den zugezogenen Gardinen einer gutbürgerlichen Villa und einer kleinen Familie mit gehobenen Ansprüchen zugehen mag? Tatsache ist, dass Viola und Werner eine wunderbare Ehe der gegenseitigen Akzeptanz als notwendiges Übel zur Erhaltung des gehobenen Lebensstandards führen. Mit GucciSchuhen aus Schlangenleder und mehreren Prada-Täschchen gut, aber nicht ausreichend versorgt, ist sich Viola in ihrem verflachenden Eheleben der psychologischen, aber auch der pragmatisch bedingten Vermengung todfeindlicher Werte nicht bewusst. Ich behaupte sogar, dass sie es sich auch nicht bewusst machen will. Leider ist auch dieser prägnante und durchaus erwähnenswerte Satz auch nicht von mir, sondern von dem bekannten Philosophen und Autor „Unbekannte Quelle.“ Dagegen hat Werner (Violas Ehemann, mein bester Kumpel und Steuerberater in Personalunion) durch sein Kapital als gutverdienender Steuerberater und Zahlenmensch ein Monopol geschaffen, dem sich Viola unterordnet. Wir wissen nicht, ob die Unterordnung freiwillig, oder durch Zwang erfolgt. Wichtig ist zu wissen, dass Werner über die Macht verfügt, und Viola die zugeteilten, wirtschaftlichen Privilegien genießt, ohne den Klassenkampf der Massen aktiv zu forcieren. Denn Viola kennt die

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______ __________ ______ Problem mit den Frau zu kämpfen hat, wenn sie mit billige me, nen h en Latsche an den Füßen und d en dazu einem kleinen Hunger im Bau auf uch, der freien Wildbah der gnad hn denlosen Eit telkeiten im Zwiespalt von m fortschreitendem Alter und steigenden Ansprüchen bestehen A n möchte e. Aus der Perspektive ve ersklavter Völker sind die Herrsch V henden immer die Blöden. Das weiß V Viola und Werner ahnt es auch, w ich W t weil es ihm gesagt habe. Aus diese und kein em nem andere Grund en bekommt Werner von seiner Viola die der Kapitalist tensau zustehe ende Verachtung zu sp püren. Andr rerseits verh sich Vio hält ola konseq quent nach d dem in Insid derkreisen bekannten und bewäh hrten Sklaven nfreiheitssy yndrom. Das Verhaltensmuster ist wissenscha s aftlich erforsc aber kau bekannt. Es lautet in Kurzfassu „gib Fu cht, um ung: utter mit Peitsche und d reichlich und in der Langfass das h“, sung: „Wenn man Sklaven in die Freiheit entläss kommen die meiste nach kurz Zeit n st, n en zer zu ihren Unterdrückern zurüc denn da gibt es zwa hin und w ck, ar wieder Peitsch henhiebe, ab auch Fu ber utter und Ar rbeit, und das gibt dem Leben m einen S Sinn.“ mmt nach meine Wissenst em tand keine Zwar bekom Viola n Peitsch henhiebe, ab wenn m die Züchtigung mit ehelichem ber man t m Psychostress gleichsetzt, dann kommt es auf das Gleiche raus. Dass s der n hr, Viola hin und wied dagegen aufmuckt stört Werner nicht seh ne nd enfalls für W Werner denn er kennt sein Macht un das ist gut so – jede h. und auch für mich
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Ich weiß, dass es jetzt zunehmend komplizie wird. Damit wir ert berblick nich verlieren, fassen wir aus Gründen der ht r den Üb chrono ologischen Ü Übersicht ku zusamm urz men: Als ehe emalige und d

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____________________ durchaus fanatische Revoluzzerin gegen vage definierte Ungerechtigkeiten in weit entfernten Ländern, mit offenem Ohr für die Nöte der Arbeiterklasse in nie betretenen Fabriken, dazu mit konsequente Engagement für den Schutz großer, möglichst knuffiger Tiere mit unschuldigen Augen, ist Viola gezwungen, als Sklavin des Kapitals ihre Menschenwürde und ihren Anspruch auf eine halbwegs menschenwürdige Existenz in Champagner zu ersäufen. Das sagte schon sinngemäß Wladimir Iljitsch Lenin, ein verstorbener sowjetischer Politiker, aber Wladi kannte die modische Fahrrad- und Biolädchenfolklore noch nicht, der sich Viola neuerdings verschrieben hat, wenn sie aus Imagegründen nicht ihr schnittiges MercedesCabrio zum Bio-Wochenmarkt in Sindelfingen ausfährt. Unstrittig müssen wir feststellen, dass Violas Ehe-Schicksal ein schreckliches Schicksal ist. Meine beste nicht zu dünne Freundin Viola muss bei vollem Bewusstsein das schwere Joch der Ehe ertragen. Aber wie es im Leben so und nicht anders ist. Der Besitz von Geld bestimmt nun mal den Grad der Macht und andererseits das Spektrum des zu leistenden Gehorsams. Andrerseits zahlt es sich für Viola auch aus, sich nicht zu sehr zu mucksen, wenn die Vorteile die sie genießt, von Werner zu sehr bemerkt werden könnten, denn Werner liebäugelt neuerdings mit der hübschen Praktikantin, und die ist nicht ohne, rein figürlich gesehen und dazu auch noch zweiundzwanzig Jahre jünger und sie glaubt vor und nach der Besorgung noch an Liebe und solche Sachen. Um das Thema mit einem weiteren, literarischen Zwischenstopp etwas aufzuhellen, bleibt mir an dieser Stelle nur die persönliche Feststellung, dass der Traum von einer perfekten Ehe nur

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______ __________ ______ ein Traum ist. Abe nach mein Erfahrung gibt es e zeitlich er ner eine befriste furchtlo Ehe, die durch Reg und Rie wie ein ete, ose e geln egel schwer rbewachtes Haus gegen mögliche Einbrüche abgesichert t werden kann. Oft vergessen w n wird, dass Regeln und Riegel auch R h Ausbrü üche wirkun ngsvoll verhindern solle was nur selten gelin en, ngt. Doch bevor ich den sprichwörtlichen „ro oten Faden“ meines Te “ extes tig , wir s ners rück. endgült verliere, kommen w zu Violas und Wern Ehe zur

eiliger Bund war natürlich, wie kö d önnte es Violas und Werners he anders sein, eine L Liebesheirat Ich kann mich sogar noch ziemlich t. deutlich an das fei ierliche Ereignis erinne Noch am Vorabend ihrer ern. m d Hochze saßen Vio und ich zusammen und wir fre eit ola euten uns auf den nächste Tag. Ich auf das reic en chhaltige Es ssen und die Abwechslu e ung vom gr rauen Single eleben zum verordnete Fröhlichs en sein, und Viola auf die fett Beute, ab das sagt sie natürlich nicht. Je te ber te edenfalls ni icht so deutlich. Ich fand un finde es a nd auch heute noch ment ergreifen tal nd, wenn s zwei liebende Men sich nschen unte so eindeu definier er utig rten Bedingungen zusammenfinde um zuer vor dem Notar, dann vor en, rst der Ges sellschaft, u zum Sch und hluss vor de Geistlichk in er keit Anwese enheit der u umfangreichen Mischp poke eine im mmerwähre ende Gemein nschaft einz zugehen. Di ieser dreifach abgesich herte Vorgang verspricht völlige R Rechts- und Gefühlssic d cherheit und besiegelt die d egoistis sche Rechte esicherung. Nur nebenbei erwähn wurde de nt er
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Umstan dass Vio am Morg ihres le nd, ola gen etzten Tages in Freiheit einen s t Ehevertrag in Liebe und Vertr rauen unter rschrieben h hatte. „Es ist nur eine Forma alität, wegen den Steue und so … n ern …“,

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____________________ sagte mir Viola beiläufig, aber ich hab es sofort erkannt. Es waren Werners kluge Worte aus Violas schönem Mund. Hätte ich ihr das so deutlich sagen sollen? Viola war in bester Vorheiratslaune und trotz zweier Fehlstarts noch nicht zu sehr eheverseucht. Endlich, nach zwei gescheiterten Ehen, war sie wieder Braut, und es sollte eine Liebesheirat mit allem Drum und Dran und einem kapitalen Goldfisch am Angelhaken werden. Werner dachte vermutlich ähnlich, aber wie ich ihn kenne, mehr an eine Fußkette um Violas schlanke Fesseln, mit einem möglichen Aktionsradius zwischen Küche, Waschmaschine und Bett. Viola befand sich an diesem Tag, auch am Abend, und auch noch vor dem Standesbeamten auf einer rosaroten Gefühlswolke. Treu und brav wie es sich für eine liebende Frau gehört, hatte sie der Gütertrennung und dazu dem Verzicht auf Zugewinn- und Versorgungsausgleich zugestimmt. Viola und Werner waren sich einig, denn es war ja nur eine unwesentliche Formsache, dass Viola auch auf nachehelichen Unterhalt (außer für die Zeit der Kinderbetreuung) verzichten sollte. Auch an später hatte Werner der Gute gedacht. Falls die Ehe scheitern würde, was einen Tag vor der Hochzeit undenkbar erschien, sollte Viola eine Abfindung von sensationellen 30.000 Euro erhalten. Frühestens aber nach einer zehnjährigen Ehe und keinesfalls vorher, oder bei einer kürzeren Ehedauer als genau abgezählte dreitausendsechshundertundfünfzig Tage. Zwar weiß ich, und jeder einigermaßen klar denkende Mensch auch, dass solche Eheverträge nach einem Urteil des Oberlandesgerichts München (Aktenzeichen 4 UF 7/02) unwirksam

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______ __________ ______ sind, ab das wus Viola nicht. Dabei sagt das Ur ber sste rteil eindeut tig, dass so ein Ehever o rtrag einer „ „gleichbere echtigten Lebens spartnerschaft" widerspreche, den er begün nn nstig den Mann. Die Frau müsse au nach de Scheidung ihren durc die Ehe uch er g ch rechtm mäßig erwor rbenen Lebe ensstandard beibehalte können. Die d en Richter sahen es in dem erwä r n ähnten Fall als erwiesen an, dass d der Mann b Unterschrift des Ve bei ertrags „sein dominan Lage" ne nte ausgespielt habe. Werner wa besser inf ar formiert un hatte and nd dere Vorste ellungen von ein nem durch s seine Arbeit tskraft finan nzierten Leb bensstandard einer Ex-Ehefrau. Er hatte in d Ehevertrag eine zu den usätzliche K Klausel aufgenommen, da Viola den Ehevertra in „freier ass ag r Willens sentscheidu ung" akzeptiert habe, und vermutlich mit dem u m weitere Zusatz, d sie bei Unterschrif auch im V en dass ft Vollbesitz ihrer geistige Kräfte ge en ewesen wär was sie nachweislich nicht war und re, n r oft auch nicht ist. Zur Belohnung für so viel Wohlverhalten dur v rfte Viola ih rostrote Uralt-VW P hre e Prollschüsse aus der P el Pink-Floyd Serie gegen e neues SLK Modell m Stern un geschma ein mit nd ackvoll nuancie ertem Lede an Echtho vertausc er olz chen, das W Werner günst und tig für sein Firma ste ne euerminder für erst mal drei lan Ehejahr rnd nge re geleast hatte. t

usste natürlich, und das dürfen wir ihm auch nicht Werner wu übelnehmen, dass das Timing und die Um s g mstände für
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gsabschlüss eminent w se wichtig sind Eigentlich weiß das jedes d. h Vertrag Kind, das zuerst m Bonbons gelockt wir und vorh in Auss mit rd, her, sicht der fast greifbaren Süßigkeite das Vers t n en, sprechen ab bgepresste

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____________________ bekommt, endlich brav zu sein. Und was war mit Viola und ihrem Verstand? Viola hat ihrer geistigen Tugend gefrönt, wie andere dem Rauchen. Nur darum hatte sie keine Alternative. Der Ehevertrag war ein Angebot, dass sie nicht ablehnen konnte. Werner wollte ihre Unterschrift auf dem Vertrag und dazu ihr schwaches Gehirn. Da Viola in meinem vorliegenden Buch auch als Frau Mustermann herhalten muss, ist es wichtig zu wissen, dass drei von vier Frauen das Thema Finanzen aus den verschiedensten Gründen ausblenden. Das geht aus der Commerzbank-Studie „Die Psychologie des Geldes" hervor. Viele Frauen agierten in Geldfragen weniger selbstständig als Männer. Die Mehrzahl verdrängt die Zahlen, Daten und Fakten der ehelichen Unternehmung regelrecht, und bürdet dem Mann die schwere Last der Finanzverwaltung und damit auch die gerechte Zuteilung der Kohlen auf. Das bedeutet, dass der Mann der Kapitän des Eheschiffs ist, und Viola, stellvertretend für die Mehrzahl der verheirateten Frauen, die Heizerin, die ein bisschen die Kohlen hin und her schaufeln und auch verbrennen darf. Das ist charaktervoll, denn wie wir aus der Geschichte der Seefahrt wissen, können Heizer auch ziemlich rabiat werden, wenn es nicht genug Kohlen gibt. Sie neigen zur Streitsucht, zur Revolution und verlassen wie die klugen Ratten auch gern mal vorzeitig das sinkenden Schiff, um auf einem sichereren Dampfer mit mehr Kohlen anzuheuern – metaphorisch gesprochen. Da Viola eindeutig zur Mehrheit gehört, gab es für seine keine diskutierbare Alternative, denn ihr Gehirn hatte ja bei der Planung von strategisch platzierten Streu-Engelchen, Tischordnung mit Rosen und unschuldig, weißem Hochzeitskleid mit

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______ __________ ______ Myrten nkränzchen (geschlosse schon ausgesetzt. en) Nach diese Vorgeschichte und zu Feier des kommend er ur s den Tages, gab es für m nur no die Ents mich och scheidung zw wischen Joh hnnie (Walke und Jim ( er) (dem guten alten Kumpel Beam aus dem schönen Kentucky). Mein G Glaube und meine Hoff fnung auf ei bessere Welt ine brauchten dringen spirituose Hilfe. Ich beschloss d Dinge lustiger nd die zu nehm als sie sind, denn ich hatte sie zu lange e men ernster genommen, als sie es verdien e nten.

Es war, wie es sich für eine Liebeshochzeit g e r gehört, im sc chönen Mai. Di Frühlingsluft war an diesem Vorabend besonders säm ie mig. Schon d Zusamm das mentreffen dieser Fakt toren hätte mir als War rnung vor der göttlichen Hinterlist e r erscheinen müssen. De aus Erfa m enn ahrung weiß ic dass der liebe Gott, wenn er es gut meint, ein ziemlic ch, s , ch nachtra agender Sch herzkeks sein kann. Zumindest sin seine göt nd ttlichen Wege u unergründlich, währen der Mens denkt, d er um e nd sch dass einiges ausgek kochter ist. An sich ist nichts dage egen einzuw wenden, wenn sich zwe ei Mensch zusamm hen menfinden, um eine ge ewisse Zeit g gemeinsam zu m leben. A Aber wer sich nur auf w weltlichen Versprechungen verläs der V sst, schließt nur einen unzulänglic chen Vertra Eine dop ag. ppelte oder noch , ache Absich herung ist vo Vorteil. J on Jeder weiß, dass besser, eine dreifa Verspre echungen n nichts bedeu uten und na Belieben gebroche ach en werden Zur vollko n. ommenen S Selbstaufgab gehört m be mehr. Und z zwar die
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Dienstleistung des Glockenge s eläuts und des Absegne durch den d ens weltlich und sichtbaren Vertreter des unsichtbaren Beherrsc hen chers der him mmlischen L Liebesmacht.

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____________________ Auch Viola und Werner wollten auf Nummer Sicher gehen und fanden sich nach dem Notartermin und dem standesamtlichen Ritual bei einem bei einer weltlichen Institution angestellten Großmeister der den Neigungen entsprechenden Glaubensrichtung ein. Es war ein feierlicher Vorgang, der nicht nur die Seele mit Weihrauch und rituellen Formeln angenehm ruhigstellte. Es war auch ein Vorgang des Abschieds und den Neubeginns. Der unbeschwerte Lebensabschnitt der weiblichen Unzuverlässigkeit neigte sich dem Ende zu, und der neue Lebensabschnitt mit geordneten Verhältnissen sollte nun für Viola beginnen. Angenehm an diesem Anlass war, dass man zu dieser Gelegenheit den Freunden, Verwandten und Bekannten mal so richtig zeigen konnte, dass man es sich leisten kann, das Opferlamm schön geschmückt zur Schlachtbank zu führen.

Zwar bin ich nicht überdurchschnittlich religiös motiviert, aber ich mache mir hin und wieder so meine spirituellen Gedanken. Ich dachte an „erlöse mich von dem Übel …“, und dass Ehen angeblich im Himmel geschlossen werden, wie der Dichter sagt. Blitz und Donner führen im Himmel eine ideale Ehe, auch das ist bekannt. Dennoch drängten sich mir misstrauische Fragen förmlich auf. Eine immer noch unbeantwortete Frage bewegt mich besonders. Auf der realen Mutter Erde leiten Blitzableiter die kritische, vom Himmel kommende Energie ins Erdreich ab – dahin wo nach der Legende der Teufel wohnt. Die irdische Kirche und der allwissende Herrgott im Himmel gehören untrennbar zusammen. Aber warum haben Kirchtürme und Kirchen Blitzableiter? Trauen die Kirchenbesitzer dem Partner in den Wolken nicht über den Weg, und braucht der Teufel göttliche

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______ __________ ______ Energie Solche Gedanken gingen mir du e? urch den Ko als ich V opf, Viola im schnee eweißen Hoc chzeitskleid sah. d Liebe Leser lieber erwachsene und durch Erfahrung rin, geläute Leser. Ich gehe dav aus, da ihr mora erte von ass alisch gefest und tigt im Vollbesitz eurer geistigen Kräfte seid. Darum mö . öchte ich eu die uch besond deren Ereign nisse dieser ergreifend Zeremonie nicht r den vorenth halten. Ich war gan dicht, soz nz zusagen hautnah dabe Es war ein ei. feierlicher Momen und ich m nt, muss zugeb auch ich durfte ben, erfolgre gegen die Tränen der Rührun ankämpf Meine eich ng fen. dreilagigen Papier rtaschentücher gaben mir noch we m eniger Auslauf fschutz als e zweiflü eine ügelige Slipe einlage, und ich zerknü d üllte zwei Ta aschentüche mit temp und ein weiteres so voce, aber mit er po, otto nervöse Händen. en . Zwar hatte ich beim G e Gang in die Kirche zuers etwas An K st ngst, denn das Zweifelh hafte ist nun mal das Ungewisse. A bekenne n Als ender Atheist und Frevle der vor la t er, anger Zeit auf einer Kir a rchenbank ( (siebte Reihe links) sogar einen erstk klassigen Ha and-Job mit entschlossenem ert G ossen hatte e, Mösengriff, garnie mit jubilierendem Gesang geno te chem Territo orium. Daru hielt um bewegt ich mich sozusagen auf feindlic ich beim Betreten der heiligen Stätte zue einmal sehr vorsic m erst chtig einen F Finger in das Weihwass serbecken – etwa so, w wenn m eine wie man glasklare Flüssigke prüfen w ob es sic um Salzs eit will, ch säure oder Quellw wasser handelt. Aber mir geschah nichts Böses. Das Kirch n hendach
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stürzte nicht ein, u ich dach im Schr etwas er und hte ritt rmattet an d den Vortag und an schwingende G Glocken.

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____________________ Ius primae noctis10 war zwar aus traditionellen Gründen das mir zustehende Recht an meiner Freundin Viola, das ich seit Jahren auch ausgiebig in Anspruch genommen hatte. Doch auch in Zukunft und nach Violas entscheidendem „Ja, ich will“ wollte ich schon aus Gewohnheitsgründen nicht darauf verzichten. Immerhin hatte ich als neutraler Berater, die feinen, die unschuldig weißen Spitzendessous mit ausgesucht und den perfekten Sitz fachmännische begutachtet. Du musst mich nicht schockiert verdammen. Ich darf das, denn ich bin Violas Vertrauer für alle Gelegenheiten. Doch etwas anderes hatte ich nicht bedacht. Eigentlich traf mich die Hauptschuld an dem absehbaren Desaster. Denn ich hatte die Kuh geschmückt, damit ein anderer, und zwar mein bester Freund sie zur Schlachtbank führen konnte. Bitte verurteilt mich nicht. Ich bin nicht so mutig, dass ich eine Märtyrerin, die im festen Glauben an das Gute und Reine ihre fanatischen Taten vollbringt, von ihrer Entscheidung abbringen kann. Immerhin, und das muss ich mir zugutehalten, habe ich Viola zuerst mit schönen Worten, dann mit deftigen Ausdrücken, und zum Schluss durch langsames zuschnüren ihres reizvollen Korsetts zu verstehen gegeben, dass eine Heirat schon immer ein Vorgang war, der nur mit der Erwartung verknüpft wird, dass sich der Besitzstand oder die Vorteile vergrößern. Wer geht schon bewusst das Risiko ein, sich durch eine Ehe zu verschlechtern. Niemand mit klarem Verstand heiratet freiwillig, wenn dauerhafte Nachteile zu erwarten sind. Alle
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Mit ius primae noctis (lateinisch „Recht der ersten Nacht“) wird das Recht eines Herrn bezeichnet, bei

der Heirat von Personen, die seiner Herrschaft unterstehen, die erste Nacht mit der Braut verbringen zu dürfen.

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______ __________ ______ andere Gründe sind nur hüb en bsche Schleifchen auf b bunter Verp packung um einen eigentlic sehr banalen Inhalt fürs latent schlechte ch sen mpen. Gewiss aufzupim Unwillkürlich muss ich an die guten alten Zeiten denken h n. Früher war irgendwie alles be esser. Heira aten war ein rein mate ne erielle Angelegenheit, be der handf ei feste Vorteile eine ents scheidende Rolle gespielt haben. Da amals wäre kaum jema auf die Idee gekom and mmen „aus Lie ebe“ zu heiraten. Auch wenn uns die Beschre h eibungen de er klassisc chen Liebes spaare aller Epochen et twas andere weismac es chen wollen. Es mag ja s . sein, dass h und wied tiefe Lie hin der ebesgefühle e vorhanden waren. Aber letzte . endlich stan der bruta Vorteil im nd ale Vordergrund der P Paarungsentscheidung, der dann a „Liebe“, als sozusag nachträ gen äglich gesch hichtsverfäls scht wurde. Liebe ents stand durch d Vermehrung des Be die esitzstandes zum Beisp durch d s, piel die Zusamm menlegung von Äckern und Höfen zweier Fam n n milien. Auch die h Verbind dung von St tammes- od Fürstenhäusern wa eine belie der ar ebte Variant um den F te Frieden zu s sichern und Länder zu v vereinen. D Die Liebe h sich im L hat Laufe des Zu usammenle ebens dann schon irgen ndwo und irg gendwann e eingefunden Aber solche banale H n. Heiratsgründe sind für die klassische L Literatur we geeignet. Besser k enig klingen Stor die rys, sich am Romeo-un m nd-Julia Prin orientie nzip eren, und ohne Umwege die zerebra Gemüt alen tszentren de weibliche Bevölker er en rung paralys sieren. Aus Inspira ationsgründen habe ich vor einiger Zeit in me h einem Liebling gsbuch aus der einschlägigen, spir rituellen Literatur
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geschm mökert. In der Bibel kan man übe den legen nn er ndären Köni ig Salomo lesen, wie er klug un besonne seinen Be on nd en esitz verwal hat. ltet Über siebenhunde Ehe- und dreihunde Nebenfrauen wurde von ert d ert en

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____________________ kastrierten Haremswächtern bewacht. Mohammed ist da anders, und zwar behutsamer vorgegangen. Er wollte sich und seinen Anhängern diesen Verwaltungsaufwand nicht antun, und begrenzte die Zahl der Ehefrauen. Pro Mann waren von nun an höchstens vier Ehefrauen gestattet, aber dafür war er für seinen ganz persönlichen Hausgebrauch auf die ganz, also die wirklich ganz jungen Mädelz spezialisiert. Sich selbst gestand er jedoch einen etwas größeren Harem von zehn Ehefrauen und zwei Konkubinen zu. Im alten China ging man etwas anders vor. Den Frauen wurden die Füße so lange bandagiert, bis sie mit ihren anmutig kleinen Füßen das Haus kaum noch verlassen konnten. An das mag Werner vielleicht gedacht haben, aber eine Ehe ist nun mal eine Vereinbarung über eine wechselseitige Dienstleistung mit gegenseitiger Bedürfnisbefriedigungsabsicht. Erst mit dem gegenseitigen Versprechen, die Bedürfnisse nach dem Grad ihrer Wichtigkeit zu befriedigen, entsteht eine ungeschriebene Übereinkunft, die das zeitlich begrenzte Zusammenleben regelt. Damit meine präzise und auf historischen Fakten begründete Beschreibung nicht zu ernüchternd klingt, wird die Ursache einer Eheschließung mit dem Begriff „Liebe“ ausgeschmückt. Oder hast du nur geheiratet, weil nur Nachteile aus der Verbindung zu erwarten waren? Bei Viola muss es reine und wahre Liebe gewesen sein, denn erst im Nachhinein entschied sich Viola für das Denken. Nicht vor ihrer Ehe, sondern in ihrer Ehe, und da war es schon etwas zu spät.

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______ __________ ______ Kom mplizen

„Men nschen sind nicht treu, weil sie es verspreche Wer kan von en. nn sich behaupten, alle Versprechen einz zuhalten? W hat noc nie Wer ch gelogen? Wer ha noch nie eine Regel gebrochen? Falls es so einen at g ? o Menschen gibt, schreibt mi Besser no meldet euch bei e ir. och, t einem er als Zoo, damit diese Mensch a Unikum dort ausgestellt wird. Es ist eine bit ttere Wahrheit: Liebes und Treue seschwüre si nichts anderes, ind als Ver rsprechen o ohne wertha altige Garan ntien. Darum plane kei Haus m in auf Liebes- und Treueschw d würe. Keine Bank gibt d darauf einen dir Kredit.“ ______ __________ ______

Bei Violas B Blick musste ich sponta an Alfred Hitchcock e an d k n, al aben soll, da sich der wahre Hor nur ass r rror denken der einma gesagt ha aus der Realität de Ehe entw r er wickeln kann Das fängt mit Mord a und n. t an geht üb Betrug u Trunksu ber und ucht bis zum Rauchen. Viola zog n m nervös an ihrer Zigarette, und vor ihr stand ein leeres Long r gdrink-Glas. „Du weißt j mit Wer ja, rner läuft es die letzte Z nicht m s Zeit mehr so gut. Eig gentlich kan ich ihn ni nn icht mehr se ehen. Ich üb berleg scho ob on, ich den blöden Ars nicht um n sch mbringen so oll.“ Das reale L Leben hält d doch immer wieder neu r ue Überraschungen b bereit. Ich se Viola an und bekomme das ehe n unschu uldigste Läch der Fra heln auenwelt un dazu einen Blick zur nd rück,
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der mir sagen soll: „Das ist do nur so dahergeredet, das ist n r : och d nicht ernst gemeint.“ Mir schieße alle mög en glichen Gedanken durch den Kopf. Ist das

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____________________ nun ein besonderer Versprecher nach bewährter Freudscher Tradition, oder ein hundsgemein-hinterhältiger Test, um zu prüfen, wie ich darauf reagiere. Versucht meine beste Freundin für alle Fälle, Grenzen zu überschreiten und weiß noch nicht, ob sie jetzt mit Vorwürfen „beschossen“, oder mit freudig ausgebreiteten Armen empfangen wird. Ich muss mich zumindest verbal etwas dagegen wehren, um nicht zum Komplizen ihrer Gedanken zu werden. Mein schwachhilfloser Einwand: „Wie kommst du denn darauf, so etwas denkt man nicht einmal ...“, wird von Viola wie erwartet beantwortet: „Das war doch nur ein Scherz.“ Ich lächle gequält. Um die makabre Situation zu entspannen, erzähle ich Viola einen Witz, den ich in einer älteren Ausgabe des Playboy gelesen habe: Nach gerade mal vier Wochen Ehe ruft die junge Braut schluchzend bei ihrer Mutter an. „Mutti, wir hatten heute unseren ersten Ehekrach.“ Die Mutter versucht die weinende Tochter zu beruhigen. „Das kommt doch in jeder guten Ehe vor.“ „Ja, aber ich weiß nicht, wohin mit der Leiche.“ Das herzliche Lachen steht Viola gut. Ihre weißen Zähne blitzen und die Atmosphäre an dem kleinen runden Tisch im Bellini, unserem Lieblingsbistro, ist entspannt, aber Viola spürt, dass ich nachdenklich geworden bin, denn sie spendiert mir ausnahmsweise ein kaltes Pils, was in Sindelfingen ein dünnes Bier und nicht empfehlenswert ist. „Hoffentlich denkst du nicht schlecht über mich …“ Ich versuche, nichts Schlechtes über Viola zu denken, und

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______ __________ ______ leere m dem Ged mit danken an e gut geza ein apftes Ruhrg gebietspils mein Glas. „… du weiß dass ich so etwas niemals tun w ßt, würde“ ist V Violas liebens swürdige An ntwort. Ihre Nasenflügel beben et e twas, und sie senkt wie die heilige Hild e degard von Bingen beim Anblick ihres Bischo mit ofs heruntergelassene Hosen, d en demütig den Blick. Trot n tzdem spüre ich es e eutlich. Viola impulsive Ausspruc war kein Scherz. Das war as er ch s überde ein Tes stballon, um festzustell ob und wie ich dara reagiere m len w auf e. Ich reagiere nicht, den ich weiß, und dazu m nn , muss man k kein Wissen nschaftler se sondern nur mal einen beliebigen Friedh ein, n hof besuch und die Inschriften auf den Gr hen rabsteinen s studieren, d dass das ges sundheitlich Risiko in einer Ehe nicht zu unterschätzen ist. he n Verheiratete Männer gehen hohe Risiken ein. Sie sterben e doppelt so oft und früher als unverheiratete Männe wenn sie mit d er, e einer emotional unausgeglich henen Frau zusammen sind. Ehem männer stressten un verärger nd rten Ehefrau gehen e zweifach uen ein von ges höhere Risiko ein an Herzer es n, rkrankungen zu sterben als n n unverh heiratete Mä änner. Verh heiratete Männer sind zwar oft Nichtra aucher, denn irgendwo muss ja ge o espart werden, dennoc sind ch sie tend denziell dicker, haben schlechtere Blutwerte und höhere e Cholest terinwerte als Singlemänner. eutig und un nübersehba Jede Form der Ehe s ar: schadet Es ist einde der Figur und der Gesundheit t. Viola kennt meine Ged t danken nich und das ist gut so. S ht, Sie
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saugt a ihrem Str an rohhalm. Ihr Glas ist leer und das saugende Geräus ist die unausgespro sch ochene Auff forderung, m zur mich revanchierenden T zu bewe Tat egen. Ich kü ümmere mic um frisch ch he

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____________________ Getränke und winke dem Kellner. Sie schweigt, ich schweige. Der Kellner kommt, nimmt die Order in Empfang und geht wieder. Wir schweigen immer noch und warten auf Getränke. Plötzlich sprudeln die Worte, etwas zu schnell gesprochen, um die Anspannung vollkommen zu verbergen, aus ihrem Mund. „Aber wenn ich an seine alten grünen Jogginghosen denke, kommt mir das große Kotzen. Der hat sie immer bis unter die Arme hochgezogen und das Hemd reingestopft. Und jeden Abend das gleiche Ritual. Der kommt nach Hause, streichelt seinen blöden Hund, öffnet seine Post an, holt eine Flasche Bier aus dem Kühlschrank, setzt sich vor den Fernseher und sagt dann endlich guten Abend. Und Sex! Ich glaube der weiß gar nicht mehr was das ist. Vielleicht treibt er es ja mit seiner Töle. Na ja eigentlich ist es ja ganz praktisch, er lässt mich in Ruhe.“ „Armes Schätzchen, du hast es wirklich schwer“ ist meine mitfühlende Antwort, die ich wirkungsvoll mit etwas abgesenkter Stimme und meiner körperlichen Zuwendung verstärke. Meine Hand liegt auf ihrem Unterarm, den sie nicht wegzieht, und ich spüre die Hitze ihres Körpers und denke spontan an Frenzy von Hitchcock, dem Meister. Trotz aller Sympathie für Violas Situation werde ich mich hüten, meine ehrliche Meinung zu sagen. Eigentlich finde ich das Verhalten von Werner ganz praktisch und durchaus akzeptabel. Ich begrüße meinen Geschirrspüler und meinen Fernseher ja auch nicht, wenn ich müde von der Maloche nach Hause komme. Denn eines ist

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______ __________ ______ klar, un man kann es sich nic oft genu ins Bewu nd cht ug usstsein zurück rufen: D Dinger h Die hätten ohne mich keine Existenzb e berechtigung und würden nutzlos in der Ecke, o n oder noch sc chlimmer b beim Händle er verstau uben, wenn ich mich ni icht jeden Tag abplage würde, um dem T en Stromli ieferanten m mühsa Angesch mein am hafftes zu geben. Aber das ist r wohl ty ypisch männ nliches Denken, und ni icht für die sensiblen O Ohren meiner angebeteten Viola be r estimmt. „Sag mal, d bist doch nächstes Wochenend auf diese du h W de em Semina brauchst du da dein Wohnung Ich muss mal zu mir selber ar, t ne g? s r finden und Ruhe h haben ...“ ist die Frage, die das bal ldige Ende u unseres Zusamm menseins ankündigt. N Nicht das ich da etwas d h dagegen hä ätte. Ich verleihe meine Wo ohnung ger zur allgem rn meinen Nut tzung für außere eheliche Esk kapaden. Ich freue mich auch, wen ich nach h h nn stundenlangen, nä ächtlichen S Spaziergäng im Rege endlich i gen en, in meine v verqualmte Bude zurückkehren, und erst ma die e u al überqu uellenden Aschenbeche leeren da Das ist e er arf. eine Beschäftigung, die einem Nichtraucher wie mir beso e w ondere Freu ude bereite Vielleicht sollte ich ihr meine Wohnung mal probewe et. t W eise „zum sich mal selb finden“ überlassen. ber Mir gehen edle Phanta asien durch den Kopf. Vielleicht sitzt h Viola st tundenlang strickend, oder mit einer anderen schönen n Handar rbeit beschä äftigt auf m meinem Sofa und hängt ihren Geda a t anken zur spu urlosen Bese eitigung Ihres Ehemanns nach, wä ährend sie n nach und nach meine Se ektvorräte dezimiert. Oder sie ma O acht mal wa ganz as
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ses. ge cht u Meine Wohn nung Pervers Ich wag ja gar nic daran zu denken. M müsste mal wiede richtig sau e er uber gemac werden, und auch m cht , meine Fenster Und wenn sie in ganz abartiger Stimmung ist, dann pu sie r. n utzt

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____________________ auch meine Küche. Ich schließe die Augen und in meiner Phantasie sehe ich sie auf den Knien den Fußboden schruppen. Es wäre vom ästhetischvisuellen Standpunkt betrachtet meine ganz private Rocky-HorrorKüchen-Show, oder die Emanzipation einer Sklavin aus der Unterdrückung durch einen Anderen in die Unterdrückung durch sich selbst. Ich muss mich beherrschen, dass ich nicht zu viel sage und durch ein verräterisches Grinsen meine Phantasie von der optischen Leine lasse. Ein kurzes, verklärtes Lächeln und die Zuflucht in den Rat der Bibel müssen reichen. „Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter, wie es sich im Herrn geziemt.“ Ich lächle immer noch und Viola versteht nicht was ich damit sagen will, und es ist gut so. Spontan muss ich an Katharina in Berlin denken, mit der ich gestern ausgiebig telefoniert hatte. Sie hat sich jetzt einen Putzsklaven zugelegt. Anscheinend gibt es in den spezialisierten Chatrooms im Internet eine Vielzahl williger Objekte für alle Zwecke. Mir stellt sich die Frage, die ich noch nie öffentlich zu stellen wagte: Warum gibt es nur männliche, bekennende Putzsklaven? Ich hab noch nie von Frauen gehört, die im superkurzen Lackmini, mit Netzstrümpfen und ohne Slip devote Fußboden- und Toilettenreinigungsarbeiten durchführen. Irgendwie schade. Aber solche wichtigen Fragen werden wohl wieder als typisch männlichchauvinistische Phantasie diffamiert, obwohl eine wissenschaftliche Untersuchung von der Mehrzahl der erwachsenen Menschheit

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______ __________ ______ händer ringend gew wünscht wir rd. Vielleicht v verstehst du nun, waru ich unter dem Druck der u um Ereignisse gezwun ngen war, m bereits vor Jahren entwickeltes mein Konzep zur Neuge pt estaltung der Ehe („EH HE2100“) zu überarbeit und ten in einer modernen Form zu veröffentlich Hier ist es. n hen. t

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____________________ Philosophisches Ehekonzept

„Gebt mir alles. Macht mir eine Freude. Nehmen ist viel schöner als Geben.“
Sina Sidonius

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Entweder es überzeugt, oder es überzeugt nicht.“ Dem Argument von Gabriele Pauli, der ehemaligen, leider erfolglosen und inzwischen weitgehen vergessenen Spitzenkandidatin für den CSUVorsitz, kann ich mich vorbehaltlos anschließen. Du erinnerst dich nicht? Du hast keinen blassen Schimmer wer Frau Pauli ist? Das ist die mit den schwarzen Handschuhen bis zu den Ellbogen und dem verruchten Domina-Blick. Na klingelt es im Kleinhirn? Frau Paulis vor einigen Jahren provokant vorgetragener Vorschlag, die Ehe auf sieben Jahre zu begrenzen, war zwar einleuchtend und entsprach dem Zeitgeist um das Jahr 2005 herum, doch verkrustete Strukturen in politisch-konservativen Kreisen verhinderten damals die Umsetzung. Für die erz-konservative CSU war der Vorschlag „völlig absurd“, und eine verheiratete, dafür aber stellvertretende Parteivorsitzende ließ sich zu dem Ausspruch hinreißen: „Sie (Frau Paulis Idee) ist für die CSU indiskutabel und widerspricht diametral unserem Grundgesetz.“ Diese unqualifizierte Bewertung einer durchaus diskutablen Idee konnte sich der Ehemann der Stellvertreterin nicht anschließen, denn er saß vermutlich gramgebeugt auf einer harten Holzbank im Hofbräuhaus, seinen Gedanken über einem mit gelblichem Getränk gefüllten Bierkrug

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______ __________ ______ nachhä ängend. Auch die Kirchen, allen voran die katholische in Bayern, waren e , mit klerikalem „Se schnell dabei und warnten vo einem enf“ or „Zerred den“ der Ins stitution Ehe mit dem Argument: „Niemand g A geht eine Eh ein, um s eines Ta he sich ages wieder zu trennen n.“ Das ist eine klare Ansa das ist wahr und d kirchlich Wort e age, das he überzeugt auch de am Hung en gertuch nag genden, wei geschiede il enen Zweifle Doch die Zeiten änd er. e dern sich sch hnell und di harte Rea ie alität überrollt die politische und re eligiöse The eorie. Die Ehe als eine nur durch den To aufzulöse s od ende Institu ution der Liebe und vert trauensvolle Partners en schaft befindet sich im Umbruch. Währen im Jahr 1 nd 1960 mehr als 500.000 Paare volle a er Vertrau in eine gemeinsam Zukunft den Gang zu Standes uen me d um samt wagten und 44.391 Ehen sche n eiterten, sie es heutz eht zutage vollkom mmen anders aus. Nur noch etwa 200.000 Pa aare brachte im en Jahr 20 den Mut auf, sich d bindend und verpflichtende J 008 das de Ja-Wort für ein gemeinsam Leben zu geben. De Trend zur Trennung von mes er „Bett u Tisch“ is ungebroc und st chen, denn über 380.00 Ehen wu 00 urden im letzt Jahr ges ten schieden. D unerbittliche Schwu gesproch im Der ur, hen Angesic des Her und im B cht rrn Bewusstsein der möglic n chen Folgen „Ich n: will dich lieben und ehren, in guten und in bösen Ta agen …“, wird , n telligenten Kollegin am m schnell vergessen, wenn man mit der int splatz mehr gemeinsam Zeit verb me bringt, als m der mit Arbeits windelw wechselnde Ehefrau, oder der gu en utverdienen Traumm nde mann
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mit wenigen Klicks in einer Pa s artnerbörse im Interne wartet. e et Zwar ist es für die Scheidung inzw wischen irre elevant, wer wen r zuerst b betrogen ha denn sei 1977 gilt in der Bund at, it desrepublik

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____________________ Deutschland das Zerrüttungsprinzip. Haupttrennungsgrund ist nach wie vor die sogenannte Untreue, der Seitensprung, oder die Affäre, die zwar oft zähneknirschend und zur Sicherung des Besitzstands verziehen, aber nicht selten unvergessen bleibt, um sich gegenseitig die Pest an den Hals zu wünschen. Du weißt es, ich weiß es, wir wissen es. Mann und Frau streben nun mal nach Neuem und Menschen sind nur in seltenen Fällen monogam veranlagt. Der (Liebes-)Traum vom untrennbaren Zusammenhalt in guten und in schlechten Zeiten scheint nur noch eine schillernde Seifenblase, und der Ehe-Albtraum die Realität zu sein. Zweitausend Jahre griesgrämige Gängelei und klerikale Vorschriften sind zu viel. Die Institution Ehe befindet sich in einem Umbruch – der Vorstufe zum Chaos. Fast scheint es so, als ob die Institution Ehe nur noch für Träumer und Idealisten eine erstrebende Lebensform ist. Für die Ausgeschlafenen ist es offensichtlich: Die angebotenen, traditionellen Leistungen entsprechen nicht mehr den Erwartungen. Oder anders, etwas nüchterner ausgedrückt: Die Investitionen entsprechen nicht mehr den dauerhaften Erträgen. Die vor Jahrzehnten noch unverrückbar erscheinenden Lebenszyklen – Geburt, Jugendjahre, beim weiblichen Lebewesen die Entwicklung vom Fräulein zur Frau, beim Jungmann nach der Zeit des fröhlichen „Hörner abstoßens“ die Metamorphose zum gestandenen Mann, mündeten zwangsläufig in der Heirat, dem sicheren Ehehafen auf Lebenszeit. Früher bedeute der Entschluss zum Bund fürs Leben für die Frau den frühen Übergang von der Mutter in den geachteten Stand der Witwe, und beim Mann vom schwer malochenden Ernährer zum baldigen Tod.

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______ __________ ______ Du zweifels an meine Worten? Dann schau dich auf d st en den Straßen um. Allein n nstehende, ältere Damen mit Gehhilfen sind in der Überza ahl. Früher, als verheiratet sein für da Fräulein e t as eher mehr, und für den Jungmann weniger, n n noch das ein nzige erstrebenswerte Lebens sziel war, ga es einleuchtende Gr ab ründe für eine Heirat. N der Nur Mann k konnte ein I Interesse da aran haben, dass „sein Frau, als die ne“ so Frau au die er dur seinen e uf rch eingeschrän nkten Aktions- und Bewegungsradius Zugriff hatt sich auss te, schließlich m ihm paa mit are, damit e sich siche sein konn dass de Nachwuchs auch von ihm er er nte, er n ist. Für die mit eingeschrä t änktem Aktionsradius g gehandikap Frau pte gab es nur einen h harten, ökon nomischen Deal für ein Bindung. Sie ne . musste ihm „treu“ sein, wenn sie von ihm ernährt w e “ n m werden wollte. Das Ergebnis war ein K Konstrukt, d unter de Begriff „ das em „Ehe“ mit de em idealisierten Überbegriff „Liebe“ legitimiert wurde, weil „Nutze en“ damals und auch h s heutzutage zu ernüchternd klingt. . Angeblich w waren in de fünfziger Jahre bis zu 40 Prozen der en r nt jungen Ehefrauen beim Gang zum Standesamt und zur Kirche i g in gesegneten Umstä änden. Ich d denke, dass es sich um ein Märche aus s en grauer Vorzeit han ndelt, denn der Vollzug des Liebes g sakts war da amals ja nur in der Ehe e erlaubt, und wer durch Willkür die Weckung n d e neuen Lebens verhindert verstieß gegen das Gesetz Gott und der Natur, s te, G tes r und die solches tun beflecken bekanntlic ihr Gewis e n ch ssen mit sch hwerer
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Schuld. . Knaus-Ogn war von den Kirchen auch nich gern gese nio n ht ehen, außerd dem mangel Aufklärun über die korrekte An ls ng nwendung

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____________________ ziemlich riskant. Kondome gab es beim Friseur oder mussten über Chiffre-Anzeigen bestellt werden. Die junge Beate (Beischlaf) Uhse war noch mit einem Vertreterköfferchen unterwegs um fachkundig selbst Hand anzulegen. Der Anspruch, dass Frau gezwungenermaßen unter- und ausgehalten werden muss, und nur auf Nutzen und Vorteil durch die Ehe aus ist, ist widerlegt und nicht mehr zeitgemäß. Die Frauen können aufatmen, und der Mann beruhigt seine Wahl treffen. Unwiederbringlich vorbei sind die unseligen Zeiten, in denen Frauen, vom männlichen Einkommen abhängig, eine Ehe lebenslang ertragen mussten. In einer modernen, gleichberechtigten Gesellschaft, können Frauen und Männer jeden Beruf ergreifen. Männer dürfen sich endlich ihrer Verantwortung als Hausmann besinnen, während ihre selbstständigen Frauen sich um sichere und gut bezahlte Jobs im Straßen-, Hoch- oder Tiefbau, oder bei der Stadtreinigung reißen, um ordentlich Geld für den Unterhalt und das Wachsen des kleinen, sehr erfolgreichen Familienunternehmens zu verdienen. Doch ohne ein gesetzlich verankertes, vollkommen neues Ehemodell wird der unerbittliche Schwur im Angesicht des Stellvertreters des Allmächtigen: „Ich will dich lieben und ehren, in guten und in bösen Tagen, bis der Tod uns scheidet...“ zur nostalgischen Makulatur in einer schnelllebigen Zeit, die von brutalem Nutzen mit gleichzeitigem und Ge- und Verbrauch bestimmt wird. Nicht nur die überholte Verpflichtung zur Liebe und Verehrung bis in den Tod, lässt das Modell der konventionellen (monogamen) Ehe zum Ladenhüter verkommen. Wenn die Ehe, wie

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______ __________ ______ ein ber rühmter Sch hauspieler e einmal sagte „Der gara e: antierte Tod jeder d schöne Beziehun ist“, sind es trostlose Aussichten für zukünftige en ng e n Genera ationen. Abe ich bin m sicher, dass die dram er mir matischen, gesellsc chaftlichen Veränderungen auch eine belebe e ende Wirkung auf unsere angeschlag gene Wirtsc chaft haben müssen. Es ist doch lo s ogisch: Durch k kürzere Ehe ezyklen wer rden sich mittelfristig d Umsätze der die e Anbiete von recyc er clebaren Ve erlobungs- und Ehering u gen, wieder rverwendba aren Brautausstattunge en, Lebens sversicherun ngsgesellsch haften und Eheberatun ngsunternehmen nachdr rücklich erhö öhen. Mein Inside er-Tipp: Tro Weltwirt otz tschaftskris konseque in se ent Branchen investieren, die mit den mensc t chlichen Leidenschafte zu en tun hab ben. Auch lu ukrative Ge eschäftsidee und ganz en ze Wirtsch haftszweige können au diesem Trend entste e us ehen. Ein mobiler Beratungsdienst von qualifizierten Scheidungsspezialisten, ode er Beerdig gungsunternehmen mi Spezialisie it erung auf sc chnelle Einäsch herung vor d Standesämtern etabliert, ersc den cheinen mir als r zukunft tsweisende Geschäftsideen. e

Doch komm wir zur men rück zur Politik. Tatsach ist, dass Frau he Paulis Idee so neu nicht ist, w schamlo von mir u meinem weil os und m errechtlich g geschützten Grundkonzept abgeku n upfert. Scho vor on urhebe einigen Jahren, un zwar vor Frau Paulis Wahlpolem habe ich in n nd s mik h mühevoller Arbeit ein ausger t reiftes und gerechtes Ehesystem f das g für
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d t. usgeschickt denke ich, dass t, dritte Jahrtausend entwickelt Dies vorau es an der Zeit ist, h und jet mein rev hier tzt volutionäres Gedanken s ngut einer b breiten, aufg geschlossen Bevölke nen erung nahe zu bringen.

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Der Kernsatz meiner Erfindung ist, wie bei allen großen Schöpfungen, überraschend einfach. Er lautet: „Funktionierende Ehen müssen sich am Lebensalter orientieren, und nicht die Menschen an den Ehen.“ Dieser revolutionäre Satz steht nicht in der Bibel, sondern ist von mir. Darum bin ich mir sicher, dass meine sensationelle Entdeckung geradezu bahnbrechende Auswirkungen auf die gesellschaftliche Entwicklung haben wird.

Ich weiß, du bist aus begreiflicher Not heraus neugierig und möchtest erfahren, wie man meine These in der harten Beziehungsrealität umsetzen kann. Vielleicht stellst du dir auch die Frage, ob meine bahnbrechende Entdeckung den Alltagstest dauerhaft bestehen wird? Ich kann dich beruhigen, ich habe, wie es sich für ein Qualitätsprodukt gehört, eine ausführliche Bedienungsanleitung entwickelt.

Ich stelle dir jetzt eine faszinierende, nein eine phänomenalen Geschäftsidee vor. Hoffentlich vergesse ich nicht, gleich morgen früh einen Kosten-Nutzen Plan zu erstellen und meine Bank um ein größeres Investitionsdarlehen zwecks baldiger Markteinführung und Verbreitung anzugehen.

In der ersten Stufe sollten Männer im Alter bis Dreißig, ausschließlich zehn Jahre ältere Frauen heiraten. Das hat für Frau und Mann gleichermaßen existenzielle Vorteile. Die ältere Frau kann den

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______ __________ ______ jüngere Mann mit ihrer Erfa en ahrung vor vielen Alltag v gsgefahren beschü ützen, und ih für seinen Karrierestart die no hm otwendige Motiva ation geben. Das erford für die Frau keine besondere dert Umstel llung ihres G Gefühlslebe denn de weibliche Drang zum ens, er e m jungen Mann ist genetisch be edingt und bricht in die b esem Alter besond stark durch. Man k ders kann es in bekannten U b Urlaubsorte zum en, Beispie auf Jamaic oder in d Dominikanischen R el ca, der Republik anschaulich beoba achten. Hier ist der Rat meines vor Jahrzehnt r t ten rbenen Groß ßvaters ang gebracht, de mir, dem damaligen er m n verstor Jungma Folgend ans Her gelegt hat „Junge, denk immer dran. ann des rz t: Auf alte Gäulen lernt man re en eiten, und alte Hütten brennen sc a chnell.“ Auch heutz zutage ist dieses Phäno omen im Ve erkehr anschaulich zu beob bachten. De junge Fah er hranfänger bekommt e zwar eine verkehrssichere, a aber nicht m mehr ganz ta aufrische Ro ostschüssel zum üben. S Später, wen er erfahren und ein guter Fahre geworden ist, nn er kann er sich ein sc r chickes Spor rtmodell leisten. Damit die K Kosten und der Nutzen für Frau und Mann in einem n n ausgeg glichenen Ve erhältnis zueinander st tehen, beko ommt die ältere Frau die ästhetisch Reize des jüngeren Mannes, s hen n sozusagen kostenlos und frei Haus. Auch die Gefühle sollen nic zu kurz h cht komme sollten a en, aber durch behutsame Anleitung i die richtige in Richtun gelenkt w ng werden. Wa arnen möch ich den j hte jüngeren, männlichen Partne Da er alt er. tersbedingt moralisch noch nicht t gefestig ist, beste die Gefa dass er auf illegale Ideen kom gt eht ahr, mmt. Um
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die Ver rbindung zu festigen, is das gegen u st nseitige Ver rsprechen a auf unendliche Liebe f zehn Jah und das Verbot de Lust auf fr für hre, s er remde Haut no otwendig. E ist in dies Lebensp Es ser phase noch nicht schwe aus er,

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____________________ der Not der jugendlichen Treue eine moralische Tugend zu machen. Sofern die Medien aufklärerisch tätig werden, kann man davon ausgehen, dass der jüngere Partner noch an seine Ideale glaubt und sich an den Treuschwur hält, was der älteren Frau sicher entgegen kommt. Um die Ehe in dem von mir mit „Phase 1“ bezeichneten Zeitraum auf feste, rechtliche Grundmauern zu stellen, müssen auch die gesetzlichen Voraussetzungen geschaffen werden. Verantwortungsbewusste Standesbeamte werden auf einen rechtsgültigen Ehevertrag mit Aufhebungs- und Ausgleichsklausel bestehen. Eine verbindliche Vereinbarung, dass am Ende des neunundzwanzigsten Jahres des Mannes die Ehe unwiderruflich endet, und das gemeinsame Vermögen gerecht geteilt wird, damit dem Mann sein gewohnter Lebensstandard erhalten bleibt, gehört somit in jeden seriösen Ehevertrag. Die zweite Phase meines Ehemodells beginnt im Mannesalter von Dreißig bis Vierzig. Es ist unumgänglich, dass der jetzt geschiedene Mann eine intelligente, gleichaltrige Frau heiratet, die seinen Geist inspiriert und ihn vorwärts bringt. Auch hier müssen gesetzliche Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit sich die Frau in dieser für sie schwieriger werdenden Lebensphase nur mit einem gleichaltrigen Mann verbindet. Mir ist bewusst, dass der Gesetzgeber die Vorteile sieht und die notwendigen Gesetze noch in dieser Legislaturperiode ohne größeres, parteipolitisches Gezänk verabschiedet wird. Mann und Frau haben in dieser Lebensphase die besten Voraussetzungen, um ihre Lebensziele zu erreichen. Die Partner

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______ __________ ______ können sich zwar auf lebensla n ange Treue einigen, un die Umse nd etzung des Par rtnerschafts smodells au versuchen, aber es sollten hin und uch s wieder gut verstec r ckte Ausbru uchsversuch zum Beis he, spiel wenn die Gelegenheiten gün nstig und da Risiko de Entdeckung gering is as er st, tolerier werden. D rt Damit wird ein hoher Bindungsgra in Verbindung B ad, mit einem geringe Freiheitsd en drang erreic cht. Am Ende des neunund ddreißigsten Lebensjah des Man n hrs nnes sollte a auch diese E aufgelöst werden, denn für die Frau ab V Ehe Vierzig beginnt jetzt die P t Phase von Se und Sinn Sie könnt die Rolle der ein n. te geschle echtslosen F Freundin un Beraterin des Mann überneh nd n nes hmen. Man kö önnte zum B Beispiel auc vertraglic vereinbaren, dass fü sie ch ch ür und ihr Lebensu ren unterhalt ge esorgt ist. Denkbar, abe nicht rea D er alistisch ist, dass sie als Ber raterin die V Verantwort tung für das gemeinsam s me Vermög übernim gen mmt, aber s sinnvoll wär die Veran re ntwortlichk für keit den Ha aushalt und die Erziehu der gem ung meinsamen K Kinder. Das hätte s viele Vo orteile, den die Frau a Vierzig könnte sich j nn ab k jetzt voll un ganz nd ihren H Hobbys widm men. Vielleicht w sie die Muse küsse und skur verschw wird en rril wurpelte Gedichte abfassen und im Int n ternet die Allgemeinhe damit pe A eit esten, oder w eine liebe Freundin als Schriftst wie tellerin dile ettieren und als d Traumf fängerin irgendwo zwis schen den Welten wan W ndeln. chen und st teuerlichen Details sind noch zu klären, d Die juristisc aber ich gehe davo aus, dass sich Heers on s scharen von Juristen w n wie ausgeh hungerte Löwen, die monatelang nur von Sala n atblättern e ernährt
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wurden auf die Ma n aterie stürz zen. Der Tipp mit den L Löwen ist üb brigens nicht vo mir, sondern nach m on meiner Erinnerung von Asterix und n Obelix, aus: „Aster und Obe als Gladiatoren.“ Ve rix elix eröffentlich im ht

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____________________ EHAPA Verlag Stuttgart. Ab dem vierzigsten Lebensjahr des Mannes beginnt Phase 3. Für den Mann muss es zur gesellschaftlich akzeptierten Pflicht werden, eine junge Frau zu heiraten, die höchstens fünfundzwanzig Jahre alt sein darf. Das hat für den Mann den Vorteil, dass die jüngere Frau für die allfälligen Alltagstätigkeiten im Haus noch formbar ist, und dazu den optischen Ansprüchen seines gehobenen Lebensstils genügt. Wissenschaftlich erwiesen ist, dass in diesem Alter junge Frauen noch anschmiegsam sind. Ich zitiere: „Sie wollen sich ganz in den Schutz der Herrlichkeit des älteren Mannes geben, sich darin geborgen fühlen dürfen. Dagegen ist das Wesen des Mannes von vielen Stunden konzentrierter Arbeit, schöpferischen Denkens und wissensdurstigem Forschen erfüllt.“ An dieser Stelle möchte dich den Urhebern dieser Erkenntnisse, Herrn Karlheinz Graudenz und Frau Erica Pappritz danken und das wertvolle Buch „Etikette neu“ der gleichnamigen Autoren empfehlen. Trotz einleuchtender Vorteile sind einige altersbedingte Vorsichtsmaßnahmen erforderlich. Der Mann muss strikt darauf achten, dass die geistigen Fähigkeiten seiner jungen Frau, also von einem niedrigen Level ausgehend, entwicklungsfähig bleiben. Außerdem muss er verpflichtet werden, seine Lebenserfahrung an seine junge Frau weiterzugeben. Dazu gehört unter anderem die konsequente Einhaltung moralischer Regeln, denn sonst läuft er Gefahr, dass die junge Frau sein enthusiastisches Engagement ausnützt. Mit dem vierundsechzigsten Lebensjahr des Mannes muss

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______ __________ ______ auch di iese Ehe unwiderruflich enden. Männer und Frauen sollten ihr M fünfund dsechzigste Lebensjah mit einem großen Fe dem Anlass es hr m est entspre echend feie Ab diese Lebensj ern. em jahr, im letz zten Lebens sdrittel, sollten sich nur gle eichaltrige F Frauen und Männer zu usammen tu Aber un. eine He eirat nach k klassischem Vorbild sollte gesetzlic untersag sein. ch gt Ich weiß, die Rentenve ersicherung gsträger bef finden sich in einer schwer finanzie ren, ellen Krise. Aber darauf kann mein Erfindun keine ne ng Rücksic nehmen Darum em cht n. mpfehle ich für eine Ve erbindung ab dem fünfund dsechzigste Lebensjahr eine Ges en sellschaftsfo orm, wie sie auch e in der f freien Wirts schaft bekan ist. Den nnt nkbar ist die Rechtsform einer e m GmbH (Gehst-du-m mit-bist-du-Hin) mit einem beliebigen Partne die er, bis zum biologisch Ende ha m hen alten soll. Au usnahmege enehmigung in gen begrün ndeten Fälle und nach Vorlage eines Atteste sollten für vitale en h es Männe möglich sein. er Weitere Inf formatione zu diesem Thema ve en m ersende ich an ernstha Interessi aft ierte gegen eine Vorab b-Schutzgeb bühr in Höhe von 65,19 E Euro zuzügli der gese ich etzlichen Mehrwertsteuer. Falls du mit meiner ba ahnbrechen nden Erfindu nicht ung einvers standen bist oder das Bedürfnis verspürst, m als t, v mich realität tsfernes Ma acho- oder C Chauvi-Schw zu bes wein schimpfen, m muss ich jegliche Anfein ndung empö zurückw ört weisen. Die A Anregung zu u m m L oteles und diesem Text bekam ich von den Herren Lenin, Aristo Friedric Nietzsche. Das Origi ch inalzitat des Letzteren (Auszug) lautet: s „Die Eh ist für die zwanziger Jahre ein nöthiges, für die dreißig ein he e r n ger
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nützlich aber ni hes, icht nöthige Institut: für das spät es f tere Leben w sie wird oft schä ädlich und b befördert d geistige Rückbildung des Mann die R g nes.“ Für Beschim mpfungen w wendest du dich vorzu ugsweise an Herrn n

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____________________ Nietzsche. Aber ich möchte dich warnen: Möchtest du dich wirklich mit einem der ganz großen, deutschen Philosophen und Denker anlegen?

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______ __________ ______ Ursache, Plan und W Wirkung

impflich hält, Frauen zu dienen, der erkenne mich „Wer es für schi schuld Schmac ertrage ich gern, we Venus m nur lan dig! ch enn mich ngsam quält, wenn mein Herrin sc , ne chön ist. Du Herrin nim mich als auf, u, mm so ich nehme alle Bedingun h ngen an. Die Bettgesetz diktiere d e ze du! meiner, und du wirst üb mich herrschen!“ ber Spotte m
Ovid

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Ich hatte sc chon mehre Wochen nichts mehr von Viola ere n a gehört. Sie hat mir irgendwie und doch nicht so wir . r n rklich gefehlt, denn ich war in monetären Angeleg r genheiten anderweitig beschäftig Um a g gt. zwölf U am frühen Mittag b Uhr bekam ich ganz überraschend ihre g en telefon nischen Anru Meine b uf. beste Freund wollte e din etwas Wicht tiges mit mir bespreche aber gan entgegen ihrer Gewo r en, nz n ohnheit war sie am Tele efon sehr einsilbig, und wie ich au dem Zusa d us ammenspie von el Stimmlage und kle einen Schluc chzern interpretieren k konnte, auc ch seelisch etwas niedergeschlag h gen. Echte Freunde helfen selbstlos, und wenn et u twas getan werden muss, dan muss es n mal get werden Wir n nn nun tan n. verabre edeten uns kurz und bündig im Be ellini, unserem Stamml lokal, und frö öhlich gestim begab ich mich au den Weg. Viola wart mmt uf tete schon u ungeduldig auf mich, w äußerst ungewöhn was nlich war, de enn
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Viola is chronisch unpünktlic Ich saß noch nicht, g st h ch. n genauer gesagt, mein G Gesäß hatte noch nicht die Sitzfläche des Stuh berührt, da hls brachte mir der Ke e ellner ein vo Viola geo on ordertes Ge etränk. Über diese

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____________________ großzügige Geste erfreut nahm ich an, dass Viola auch beabsichtigte, die Rechnung zu bezahlen. Vielversprechend klirrten die Eiswürfel im hohen Glas, und noch sah ich den Zusammenhang der Zeichen nicht. Viola sagte nichts und saugte dafür etwas zu geräuschvoll, ich musste unwillkürlich an eine verdurstende Kuh vor der Notschlachtung denken, nervös an ihrem grünen Happy-Hour-mit-buntemSchirmchen-Cocktail. Ihre sorgfältig und dunkelrot geschminkten Lippen zitterten leicht, fast unmerklich. Selbst im halbdunklen Ambiente der Bar waren die Tatsachen des Tages nicht zu übersehen. Meine schöne Freundin Viola sah entgegen ihrer üblicherweise perfekt durchgestylten Optik schlecht aus. Die Handbewegungen waren fahrig. Sie knibbelte mit dem Daumen ihrer linken Hand am kleinen Finger derselben. Ich sah zarte Hautfaltenkränzchen unter und neben ihren Augen, die mir bis dahin nicht aufgefallen waren, denn Viola ist seit mindestens fünf Jahren, wenn nicht sogar seit sieben Jahren Dreißig, also nimmer noch im besten Frauenalter. Dazu kamen halb fünf angerauchte und offensichtlich nervös ausgedrückte Zigaretten im PERNOD-Aschenbecher auf dem runden Bistrotisch, die mir eine eigenartige, sogar ungelöste Spannung signalisierten. Viola war offensichtlich sauer, und zwar richtig und nicht auf mich und das gab mir ein beruhigendes Gefühl. Heiter nach einem Gesprächsthema suchend, wurde ich von meiner besten Freundin radikal und verbal abgewürgt. Sie fiel mir, und das hasse ich besonders, ins unausgesprochene Wort. Ich senkte den Blick aufs Wesentliche und trank, brav ihren Worten lauschend, aus meinem hohen Glas. „Manchmal frage ich mich, wie ich mich nur so täuschen

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______ __________ ______ konnte Am Anfan ist der mi hinterher e. ng ir rgelaufen wie ein kleine er Hund. E war doch so ganz an Er h nders, so lie ebevoll ...“ „… der Dep dachte ich als Zusatz und spra es nicht aus, pp“ ach denn die Order ge ebot mir zu s schweigen. Außerdem ist Werner mein r bester Kumpel und dazu auch mein Steu d h uerberater in Personalu union. Dann, nach einer kurz Pause und einem le h zen eisen saugenden Geräus an ihrem Strohhalm „Steuerberater! Ich hätte es mir ja sch m m: denken können.“ n ollte ich frag aber ich unterließ es, denn Violas gen, „Was?“ wo Stimme wurde una e angenehm lauter, und mit dem be esonders vorwur rfsvollen Ton, der jeden mitfühlen n nden Mann augenblicklich zu einem v verzweifelten Rechtfer rtigungsversuch treibt, bekam ich volle , Kanne die erste Br reitseite vor den Bug: „Warum hast du mich nicht r „ gewarn Du bist d nt. doch sein Fr reund. Du musst doch e m etwas davo on gewuss haben …“ st “ Das war ke verstec eine ckte, sonder eine eind rn deutige Schuldz zuweisung a den Kom an mplizen, die Sau. Ich, de ich mir al er ls qualifiz zierter Karte enleger und Zukunftsdeuter einen guten Ruf d n erworb hatte, m ben musste für m zugebe dass ich nichts wus mich en, sste. Mit me einer Verant twortung fü Violas Zukunft hatte ich eindeutig ür e versagt Zwar erinnerte ich m noch va dass ich sie vor de t. mich age, h en Folgen einer zu schnellen Ehe gewarnt hatte, aber m e h meine ernst te Warnung war mit einem gehe echelten „h nicht auf mach wei hör f, iter, sonst k komm ich ni icht …“ und in der allge emeinen Vo orfreude
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unterge egangen wie die Titanic nach der Kollision mit ziemlich v viel gefrore enem Wasse er. Eigentlich h hatte ich ein ziemlich schlechte A ne Ausgangspo osition,

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____________________ denn alles was ich hätte einwenden können, wäre falsch gewesen. Mein leiser, mit einem „Aber...“ begonnener Satz wurde nicht registriert, denn gute Ratschläge geraten schnell in Vergessenheit und jeder fundierte Einwand wäre nichts anderes als eine schlechte Entschuldigung aus der Defensive gewesen. „Warum bin ich nicht aufgewacht, als er mir einen Tag vor dem Standesamt den beschissenen Ehevertrag hingelegt hat. Zu unserer Sicherheit hat er gesagt. Denn er ist ja selbstständig hat er gesagt. Und mir soll nichts passieren, falls die Geschäfte mal nicht so laufen. Das ich nicht lache!“ Ein kurzes, hastiges Ziehen an ihrer Filterzigarette unterbrach den vorwurfsvollen Monolog. Plötzlich erschien mir der Tag grau und deprimierend. Ich fühlte mich beschissen, ganz so als ob ich die Mitschuld an der unerfreulichen Ehesituation meiner Freundin Viola tragen müsste, und ich wusste immer noch nicht, was geschehen war, denn Viola ist zwar sehr redegewandt, aber eine schlechte Zuhörerin und manchmal auch keiner logisch aufgebauten Rede fähig. „Ja klar, ich war schon irgendwie beeindruckt. Das große Haus und so. Irgendwie tat er mir auch leid. Die ganzen Geschichten von seiner Ex, die ihn nur ausgenützt hat. Er war so sanft und einfühlsam. Warum bin ich nicht aufgewacht, als er mir die teure Uhr von seiner Ex erst zur Hochzeit geschenkt und einen Tag danach wieder weggeschlossen hat, kannst du mir das sagen?“ Natürlich hätte ich das kurz und knapp sagen können, aber ich schwieg besser. Bei genauer Beachtung der Umstände hätte ich mich auch nicht anders verhalten. Frauen und feinmechanische

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______ __________ ______ Präzisio onsgeräte sind eine Sac für sich und zum A che h, Abwasch trä ägt verheir ratete Frau schon aus s stilistischen Investition nsgründen k keine Uhr aus dem Haus Cartier, sondern alle s se enfalls ein gut gemacht tes Imitat. „Angeblich damit sie n h nicht gestoh wird. Je lauf ich mit so hlen etzt h einer b blöden Swat rum. Ein richtiger Erbsenzähler. Ich hab eine tch n Scheißw im Bauch!“ wut Ich war zwar ziemlich betroffen. Nicht wege der Uhr u en und nicht w wegen dem V Verhalten v Werner Die Uhr an Violas von r. n Handge elenk fand ich eigentlic sehr hübsch. Mehr k ch konnte man für n knapp unter fünfzig Euro nich erwarten und Gutes (die teure Uhr) ht gehört nun mal so orgfältig weg ggeschlosse en. Ich war bet troffen, und die Frage war immer noch nicht d geklärt, warum Vio wegen e ola einer Uhr am Arm so m m mitgenommen aussah. Intuitiv spürte ich, da da noch was war. Et ass twas gut cktes, etwas was man n einem guten, und z s nur g zwar nur de em verstec allerbesten Freund erzählen k d konnte. Die stramm ge e eschnürte U an Uhr Violas H Handgelenk war nur da Ablenkun k as ngsgambit. „Schätzche (meine übliche Frauenallrounda en ansprache u um eventuelle Verwec chslungen a auszuschließ ßen) du has natürlich recht. st Das mit der Uhr ist von Werner nicht bes t t sonders gro oßzügig. Ver rgiss es einfach Eigentlich ist er doch ein anstän h. h h ndiger Kerl.“ “ Ein kleiner Schluck Cappuccino, frisch gezapf und vom ft pomadierten Italie ener geliefe unterbra mein sc ert, ach cheinheilige es
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rum auch noch nicht beantwortet spürte t Mitfühlen. Ungefragt und dar ich, das Viola noc etwas anderes auf dem Herzen hatte. ss ch d „Sag mal, is da noch w andere passiert? Ich spür do st was es och,

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____________________ dich bedrückt noch irgendwas?“ Es war die befreiende Frage und jetzt platze es aus ihrem schönen Mund heraus. Sie musste es einfach jemandem erzählen. Jemand dem sie vertraut, den sie liebt und den sie verehrt. Ihrem allerbesten Freund Raoul. „Die Sau geht regelmäßig zu einer Domina und macht ihr teure Geschenke.“ Es war klar und unmissverständlich gesagt, und symbolisch lag das Geheimnis unverhüllt auf dem Bistrotisch. Ich musste zugeben, einen kurzen Moment war ich irritiert. Viola hatte etwas zu laut und etwas zu hysterisch gesprochen. Die anderen Gäste sahen neugierig auf ein Sensatiönchen hoffend zu uns her. Nicht das mich das gestört hätte, denn aus Andeutungen ahnte ich schon längere Zeit, dass Werner mit Chantal liiert ist, die zusammen mit Fabienne, Violas bester Freundin und gleichzeitig meine Ex-Affäre, einen kleinen Swinger-Club mit separatem Studio-Bizarr betreibt. Allerdings muss ich zugeben, dass ich das von Werner am allerwenigsten erwartet hätte. Werner der sanfte, der gut verdienende Unternehmer, der knallhart rechnende Steuerberater der jeden Cent vor dem Ausgeben dreimal auf Kosten und zu erwartendem Nutzen prüft. Der sensible der gute Werner, mein Freund und bester Kumpel unterwirft sich einer Domina und macht ihr teure Geschenke. Irgendwie fand ich das beeindruckend und gleichzeitig keimte tief in meinem Innern so etwas wie ein bewunderndes Neidchen auf, und ich dachte daran, dass ich mal wieder mit Fabienne telefonieren sollte. „Ich weiß nicht was ich tun soll? Ich weiß nicht wie ich damit umgehen soll. Kannst du mir helfen“

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______ __________ ______ So konnte ich sie gut leiden. Viola meine be Freundin hatte a, este Kumme und sie k er kam de- und reumütig mit ihren So d m orgen zu mi ir. „Schätzche bleib gan ruhig und mach dir k en nz d keine Sorgen, du musst d doch nicht d damit umge ehen, es wir doch mit dir getan“ war rd t meine diplomatisc Antwort. che Natürlich sagte ich ihr nicht, dass ich Werner irgendwie r s e versteh konnte. Tief in der Seele, gut versteckt und nur für w hen . v wenige Mensch zugäng hen glich lauern nun mal die wahren Se e ehnsüchte. Und die erzä man nicht der Ehe ählt efrau, auch nicht dem s für die Familie sich abracke ernden Ehe emann, sond dern allenfa und nur unter ganz alls r z bestimmten Vorau ussetzungen der Gelieb n bten, auch w wenn sie nicht geliebt, sondern allenfalls und zum gege d enseitigen V Vorteil genutzt wird. U Umgekehrt u wenn e Frau ein Affäre ku und eine ne ultiviert, mu der uss Mann d draufkomm men, was Fra sich ganz insgeheim wünscht, u das au z und ist nich immer ein ht nfach. Dann erinn nerte ich mich, dass auch ich gut v verborgene Lüste habe, v denen n von niemand etw weiß. Verlassen w nun für e was V wir einige Minute meine em en mpörte Freu undin Viola, denn eine meiner , Leidens schaften mö öchte ich di erzählen, aber bitte behalte das ir s Geheim für dich mnis h.

wachsender so mit zeh oder elf J r, hn Jahren hatte ich e Als Heranw ein mein Leben pr rägendes Sc chlüsselerlebnis. Es war nicht die ü r übliche jugendliche Erregu für Fußball oder die Mitglieds ung schaft im Ve erein
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cher junger Männer. Für das Erste war ich zu unsportl r ere lich, christlic andrers seits habe ich seit früh hester Kindh eine nachkriegsgep heit prägte Abneig gung gegen Koppelschlö össer, Unifo ormhemden und jede F n Form

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____________________ von Lagerfeuerromantik. Mich, den pubertierenden Jungen hatten mehr die geistigen und feinstofflichen Dinge begeistert. Meine Obsession konzentrierte sich damals auf gehobene Literatur der Buchgattung Science Fiction. Bücher über die Welt von Übermorgen hatten es mir besonders angetan und ich muss zugeben, auch bis heute inspiriert. Ich kann sogar behaupten, dass Buck Rogers, Tailspin Tommy und die intergalaktischen Reisen von Flash Gordon (die älteren, männlichen Leser wissen wen ich meine) meinen Lebensweg wesentlich mitgeprägt haben. Daran kannst du erkennen, dass mein Forscherdrang auch schon in jungen Jahren unergründlich war. Der heimliche Blick in die Zukunft erschien mir spannend und auch verheißungsvoll. Zum einen wusste ich als neugieriger und darum auch phantasievoller Mensch, sowohl körperliche, als auch geistige Qualitäten zu verbinden. Andrerseits empfand ich den Gang in die öffentliche Leihbücherei zu der blonden Bibliothekarin mit dem Pferdeschwanz (ein in den sechziger Jahren gebräuchlicher Ausdruck für eine sportliche Damenfrisur) als mystische Kulthandlung, denn ich war nicht nur literarisch interessiert, sondern hauptsächlich unsterblich, aber zu meinem damaligen, und auch heutigen Kummer unerreichbar (ich war zu jung, sie zu alt) in die unnahbare Dame verliebt. Der Leihbestand der von mir bevorzugten Buchgattung in der besagten öffentlichen Bibliothek bestand aus vier ziemlich abgegriffenen Büchern mit aufgeklebtem, glatt- und glänzendem Plastik-Schutzeinband. Es war natürlich purer Zufall, dass die vier Science Fiction Bücher im ersten Bücherregal (vorne rechts) ganz unten und genau gegenüber vom Schreibtisch der besagten

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______ __________ ______ Biblioth hekarin stan nden. Geprägt du urch ein kon nservatives Elternhaus konnte ich damals noch nicht das aus sdrücken was ich, der schwäbische Jungmann tief in s n meinem Innern em m mpfand. Heute und nac Jahrzehn ch nten des Suc chens weiß ic es. „Lass mich knien, lass mich schauen, las mich ster ch , s ss rben, lass mic leben“, w ch waren mein mannwerdenden, ab ne ber fragme entierten Ge edanken. Of verbracht ich ganze Nachmitta ft te e age damit, in kurzen Le ederhosen und mit ges senktem Ko kniend, den opf en nband der B Bücher zu fü ühlen, währ rend die weiche Plastikein Biblioth hekarin mit prüfendem aber gelangweilten B m, Blick aus ihr ren Augenw winkeln, mich nicht beachtete, um manchma wenn ich m al, vielleicht zu laut b blätterte, fas unmerklich die sorgf st fältig zu sch hmalen Strichen ausrasierten Augenb brauen zu heben. Mit g ganzen Herz zen sehnte ich mich da anach, dass diese myst s tische Stille in der Leihbib bliothek dur ein leise kaum hörbares Gerä rch es, äusch unterbrochen wür rde. Manchmal habe ic es gehört das leise, fast ch t, raschel lnde Geräus das nur dann entst sch teht, wenn Nylon an Ny ylon geriebe wird - we sie die S en enn Stellung ihr Beine ve rer eränderte, o oder sogar, w nur seh selten geschah, die Beine übere was hr B einander schlug. Du siehst, i kann mitreden. Den ich habe eine wicht ich nn e tige Lektion fürs spätere Leben ge n elernt. Sie la autet: Willst du etwas t Extrava agantes erle eben, bekom mmst du es nur geliehe und du m en musst dafür b bezahlen.“ Damals hab ich nach langen und sorgfältige Prüfunge und be d en en
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in wech hselndem R Rhythmus ei ines der Büc cher ausgel liehen. Ich h habe meinen Obolus be n ezahlt und n nachts mit fiebrigem Bl unter de lick er Bettdec im Schein einer fu cke, unzeligen Ta aschenlamp zu lesen u am pe und

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____________________ nächsten Tag mit hochrotem Kopf und stotternd zurückzubringen. Jedes dieser vier Bücher habe ich mindestens zwanzigmal ausgeliehen und nicht nur die Einbände, sondern auch der Geruch und jede Zeile ist mir auch heute noch gut in Erinnerung. Ich konnte aber nicht heraus bekommen, ob mich die blonde Bibliothekarin jemals so bemerkt hatte, wie ich es gerne gehabt hätte. Dazu war sie als Aufseherin über die stramm stehenden und akkurat sortierten Bücher zu beschäftigt. Nur ein einziges Mal durfte ich mich mit ihr ausführlich unterhalten. Genauer gesagt, sie hat mich angesprochen und ich habe mit hochrotem Kopf und schweißnassen Händen geschwiegen. Vermutlich dachte sie, dass meine Treue belohnt werden müsste. Exzentrisch wie sie nun mal war, empfahl sie mir einen Western, und zwar das Buch „Blonder Panther Rocky“ von Frank Wells aus dem Paul Feldmann Verlag. Bis heute hüte ich dieses Buch wie einen kostbaren Schatz, denn ich bin danach nie wieder in die Leihbibliothek gegangen. Die Leihgebühr von vierzig Pfennigen für sieben Tage, und die Nachgebühr in Höhe von zwanzig Pfennigen für je drei Tage bin ich ihr bis zum heutigen Tag schuldig geblieben, und dafür schäme ich mich. Später, es muss so um das Jahr 1966 gewesen sein, habe ich sie noch hin und wieder gesehen. Sie war die erste Frau die auf einem BMW-Kraftrad und in einer grünen Ledermontur durch Sindelfingen gefahren ist – eine unerreichbare Göttin in eng sitzendem Leder. Diese Erlebnisse sind mir auch heute noch so in Erinnerung, als ob sie gestern gewesen wären.

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______ __________ ______ Viele Jahre später, ich war inzwis e h schen gutbü ürgerlich verheir ratet und fre von jeder Sünde, es waren die s ei r späten sieb bziger Jahre d letzten J des Jahrhundert habe ich sie wiedergetroffen. In ts, h diesem Moment w m waren meine harmlose One-Nigh en ht-Liebeleien, meine Ehen, meine vergangenen Lieben nur noch d dünner Ersatzk kaffee. Plötz zlich wusste ich, was ic schon immer gesuch und e ch ht was mir wie die Lu zum Atm gefehlt hatte. Ich b uft men brauchte die harte e Droge. Das Irreale war meine brave Verg e gangenheit, der ich nicht , mehr h hinterher lau ufen durfte. Groß, schö und mit einem ästh ön hetisch proportionierten K Körper stand sie vor mir – ein Wes nicht vo sen on dieser W Welt. Eine m makellosen Herrscherin, die in me einer Phantasie schon lange vorha anden war. Ja meine Freunde. Damals war da alles noch anders. Lack, as Leder u Latex w und waren für de braven Bundebürger noch so w en weit entfern wie unser alter Mond von der Venus. Madonna und B nt r V Britney Spears tanzten noch nicht in S Straps-Netz zstrümpfen am Korsett auf t den Bühnen herum und sie v m, vollführten noch keine Bewegunge wie en drei Jah in Einze hre elhaft gehalt tene Nymph homaninnen. Des brav ven Michae Welt in d Vorstäd els den dten bewegte sich zwis schen Strump pfhosen und behaarter Muschi-Ma d r arianne. Plötzlich sp pürte ich de Stich in meiner linke Herzkammer. en m en Sanfte und ausdru ucksvolle Au ugen sahen mich an, du urch mich hindurc und nahm mich n ch men nicht wahr, denn ich sa klein und aß d unbede eutend, tief unter ihr a meinem mit rotem Samt bespa f auf annten
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Stuhl. D eng ges Das schnürte Led oder war es Latex, ich weiß e nicht der, w , es mehr, g glänzte wie mit nassen Morgentau n utropfen be eschlagen an ihrem K Körper. Ihr s sinnlicher M Mund verhie all das, w es im bi eß was iederen

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____________________ Alltagsleben niemals geben würde, denn Obszönitäten gehören nicht zu einer klassisch strukturierten Ehe. Sie besaß zweifellos etwas mehr Esprit als die Standard-Alltagsfrau an der Constructa. Staunend nahm ich zur Kenntnis, dass sie sich mit einer tiefen kehlig-vibrierenden Stimme gewählt ausdrücken konnte. Dazu war sie auch noch intelligent und belesen. Mit einer magischen Ausstrahlung, unnahbar und unberührbar, wusste sie was sie sagte. Meine neue Göttin war käuflich, nicht für jeden Preis und nur für einen exquisiten Kreis ausgesuchter Kenner, die es sich leisten konnten. Jetzt, dicht vor mir und überlebensgroß war die selbstbewusste Frau von der ich immer geträumt hatte. Auf der Kinoleinwand bewegte sich Gudrun Landgrebe als Domina in dem Filmmelodram „die flambierte Frau“ von Robert van Ackeren. Nie zuvor hatte ich ein vergleichbares Wesen in ähnlicher Vollendung gesehen. Dieser Film war der Auslöser zum Aufbruch in eine neue Welt. „Walk on the wild side“ wollte ich. Auf dem Weg in eine irreale Welt, jedenfalls für mich und nicht zu meiner Allerweltsehe gehörend. Das erste Mal verstand ich, warum sich brave nichtrauchende Ehemänner aufraffen, zum Zigarettenautomaten gehen, und ohne sich umzusehen, alle Brücken zur alten Welt abbrechen. Auch mir ist das Klischee von der bestrapsten und peitscheschwingenden Domina, die exquisite sexuelle Praktiken anbietet, nicht ganz fremd. Atemberaubend hohe High-Heels und mattglänzende Handschellen sind die verbotenen Zutaten des Spießertraums von der gleißend, schwarzledern glänzenden Domina, die es weder in der familienfreundlichen Neubausiedlung, und noch

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______ __________ ______ wenige im gerege er elten Ehealltag gibt. Es ist die geile Phantasie von e e einer M Meisterin im großen An und Fertig m ngmachen fü eine klein und ür ne auserw wählte Mind derheit, die es sich leist kann, ab so perve ist, ten ber ers dass man davon nur hinter de bekannte „vorgeha er en altenen Han nd“ spricht, weil man j selbst nic so ist. Di Domina ist die wahr ja cht ie re Königin unter den Frauen. Sie sorgt dikta n e atorisch für sozialen Au usgleich in einem bis zum Ü Überdruss g geregelten Alltag sorgt. A „I wanna be your dog“ ist der Wu “ unsch den sie gnädig ge egen nicht zu wenig Gel erfüllt. M gewählte Worten u einem u ld Mit en und altenglischen Inter rnats-Rohrs stock in der Hand, verfügt sie nach h Beliebe über eine gutsituierte Kundschaft, die wie ein Hund d en e das eingebläut bekommt, was sie eigentlich verdient. e Du siehst, i kann mitreden und nur das zählt in meine ich d er authen ntischen Sto ory.

Viola unter rbrach ihren Redeschw denn ve n wall, erärgert hat sie tte bemerk dass meine Augen g kt, geschlossen mein Kopf geneigt un die n, nd Hände wie zum Ge ebet gefalte waren. Nach einem A et Anstoß mit ihrem n er eine hm rechten Zeigefinge gegen me linke Schulter, nah ich ihre Stimme wieder wa und öffn e ahr nete die Augen. „Kannst du mir sagen, warum Mä u , änner zu ein Domina ner a gehen“ war ihre Frage, verbu “ unden mit einem verzw weifelt bittenden Unterto on. Ich hätte es ihr sagen können. Da Unerreich as hbare ist de er
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Schlüss Eine Ehe sel. efrau ist err reichbar und verfügbar Das ist de r. er Untersc chied. Aber sollte ich m auf ein endlose D r mich ne Diskussion m viel mit weiblic chem Unver rständnis einlassen? Viola ist zwar promiskuit r tiv

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____________________ orientiert und nach mehr oder weniger deutlichen Hinweisen auch gegenüber Neuem durchaus aufgeschlossen, aber mir war klar, dass sich ihr die philosophischen Aspekte von Dominanz und Unterwerfung ohne qualifizierte Ausbildung nicht erschließen würden. Zu sehr war und ist sie in dem Klischee gefangen, dass der hochkarätige Beruf der Domina (von mir auch Expertin für Nutzungsfragen genannt) nur mit Peitsche gleichzusetzen ist und das wäre etwa so, wie wenn man eine Currywurst aus der Dose mit einem fünf-Sterne-Menü vergleichen würde. Vielleicht hat der Beruf, das Bildungsniveau und dazu das Alter eine direkte Beziehung zu den nicht nur männlichen Phantasien von Macht, Ohnmacht, Führung und Unterwerfung. Ich weiß aus zuverlässigen Quellen, dass auch viele Frauen exquisite Spiele lieben, und ich kenne Einige, bei deren Phantasien sogar ich vor Scham einen roten Kopf bekomme. Astrid zum Beispiel liebt es, nackt und nur mit einem Hundehalsband geschmückt, unbekannten Herren vorgeführt zu werden. Sandra trägt tagtäglich und gehorsam einen unbequemen Edelstahlplug und Iris liebt es, zur allseitigen Nutzung, bestens in Plastikfolie verpackt und angeschnallt auf einem Strafbock zu liegen. Angie dagegen, bevorzugt auf Zehenspitzen stehend die hängende Variante mit kunstvoll abgebundenen und hochgeklammerten Brüsten. Alle vier Damen aus meinem näheren Bekanntenkreis sind konservativ mit ahnungslosen Ehemännern verheiratet und üben ehrbare Berufe aus. Auch Werner ist beruflich sehr erfolgreich und kann sich so ein ausgefallenes Hobby locker leisten. Nur Viola verstand nicht,

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______ __________ ______ warum ausgerechnet ihr Wer rner so eine überaus gr e roßzügige A Ader hatte, n nicht fü sie. Seine Domina wa ihm lieb u teuer u nur ür ar und und Viola ko onnte sich m einer hü mit übschen Sw watch rumsc chlagen. „Schätzche nimm es nicht so tr en, ragisch. Vielleicht hat W Werner seine re eligiöse Ade entdeckt. Eine Domi war früh einmal die er ina her Vorsteh herin eines Klosters. Oder er geht aus therap peutischen Gründe zu ihr und lernt neue Managem en menttheorie ...“ war m en mein untaug glicher Versu die Situ uch, uation ins Humorvolle zu ziehen, w mir H was natürlic gründlich misslang. ch h „Wenn die Sau schon viel Geld fü so eine au ür usgibt, waru hält um er mich dann so ku h urz?“ Auf Violas Frage war ich irgendwie gefasst, a aber ich ver rkniff mir einen Kommentar, denn nach meine Ansicht b er bekommt Viola von Werner mehr als g genügendes Haushaltsg s geld. Das Pr roblem ist, dass sie nicht auskommt. Plötzl konnte ich das kom lich mmende Un nheil damit n förmlic riechen, d ch denn ich spürte, dass ic wieder e ch einmal die Rechnu zahlen s ung sollte, und V Violas Zigar rettenverbra auch dazu. Sollte ich Viol auf die re la echte, die ri ichtige Fähr bringen, um alle rte finanzie ellen Proble eme zu löse en? Etwas unsc chlüssig, abe dann bes er stimmt nahm ich ihre schweißige Hand m mitfühlend in die Mein und sah ihr tief in die ne zu ch Augen, bevor ich z ihr sprach: „Schätzchen, du tust mir wirklic leid, t n k. st aber warum zahlst du es ihm eigentlich nicht zurück Domina is doch o Das du ch nicht so schwer. D kannst d doch auc …“
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Viola sah m mit gro mich oßen Augen an und ich sah, wie es hinter n s ihrer St zu arbeiten begann Das war die Chance, das Angenehme tirn n. d , mit dem Nützliche zu verbin m en nden, darum fügte ich d Wissen des m das

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____________________ Insiders spielend hinzu: „Außerdem verdienen die Damen gut und so ein Nebenverdienst nebenbei …“ Ich hatte den Satz noch nicht ganz ausgesprochen, da spürte ich intuitiv, dass meiner besten und mittelalten Freundin Viola der Beruf der Domina Spaß machen würde. „Du meinst ich kann das?“ „Natürlich kannst du das. Du siehst nach was aus. Du bist gepflegt und intelligent, und du hast doch keine Hemmungen. Du musst nur bereit sein, dazu zu lernen. Dann ist das ganz einfach.“ Insgeheim dachte ich an die Binsenweisheit, nach der Lehrjahre keine Herrenjahre sind. Ich musste lächeln, denn für einen Moment sah ich Viola als Auszubildende im ersten Lehrjahr, mit dem Feudel in der Hand. Doch dann war das Trugbild wieder verschwunden. Die Gelegenheit war günstig, und darum gab ich Viola den entscheidenden Tipp: „Deine Freundin Fabienne ist doch jetzt mit Chantal zusammen …“ „Ja ich weiß, aber ich kenn sie nicht. Mit Fabi hab ich nur noch wenig Kontakt. Sie hat mir mal erzählt, dass sie hin und wieder in einer Bar aushilft.“ „Schätzchen, das ist nicht ganz so. Chantal hat einen kleinen Club und Fabienne hilft nicht nur hin und wieder, sondern ziemlich oft und sehr aktiv da aus.“ „Das wusste ich nicht?“ Violas Stimme klang verwundert, aber ich war es nicht, denn Viola hat eine reizvolle Schwäche, sie kann nicht zuhören. „Das ist eigentlich keine Bar, das ist sowas ähnliches wie ein Swinger-Club und dazu gehört auch ein Studio. Chantal betreibt es

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______ __________ ______ und sie angeblich sehr erfolgr e reich …“ Viola sah m mit gro mich oßen Augen an und ein kleinen n nen Momen dachte ic dass ich vielleicht zu viel gesag hätte. Denn nt ch, u gt selbst e Blinder h ein hätte die ge elegte Spur sehen müssen, nur nic cht Viola, d nicht seh geschock eher bew die hr kt, wundernd ü über Fabienn ne sprach. . bi uch „Das hätte ich von Fab gar nicht gedacht. Die macht au sowas? Jetzt weiß ich, warum sie in der letzten Zeit so wenig Z hat. ? m Zeit Und da die neue Klamotte …“ ann en en „Genau“ stimmte ich Viola zu, be der endlic der Gros ei ch schen mit deu utlich hörba arem Klinge gefallen war. eln „Du meinst ich soll mal mit ihr re t, eden?“ „Ja das mein ich, und außerdem wolltest du doch w selbstst tändig etwa tun. Geld verdienen und so ...“ as d

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____________________ Nonnenkleid und Bar Bizarr
„Liebe Viola, es kann sein, dass du noch unschlüssig bist. Doch du solltest wissen, dass du eine wichtige Rolle in unserer modernen Gesellschaft spielen wirst. Mit deiner Berufswahl sicherst du das Wachstum der Wirtschaft und unseren Wohlstand. Du wirst mehr Besuche zu den ungeeignetsten Zeiten empfangen und frohem Herzen mehr Unbequemlichkeiten ertragen als die Masse der übrigen Berufstätigen. Wenn du deinen Beruf gewissenhaft ausübst – und davon bin ich überzeugt, bringst du mehr Freude, korrigierst mehr Fehler, gleichst mehr Differenzen aus, verschwendest mehr Kraft und Nerven und hörst dir mehr Sorgen und Nöte an, ohne deine Ruhe zu verlieren, als irgendeine andere Gruppe von Menschen. Wenn man über dich spricht, wirst du individuell und kollektiv abwechselnd in den Himmel gehoben und verdammt, man diskutiert über dich öffentlich und hinter verschlossenen Türen, in Herrenund Damenzimmern, in Bars und anderen geistigen Orten, von ebenso vielen Standpunkten aus mit derselben Heftigkeit wie in den Schlagzeilen seriöser und anderer Zeitungen. Fürwahr, meine Liebe. Wenn du deinen Beruf als Berufung siehst und mit Herz und Verstand ausübst, hältst du die Räder der Wirtschaft und den Geist der Menschen in Bewegung. Mehr kann von keinem Menschen gesagt werden. Deshalb sprich niemals abfällig über eine Domina, es sei denn, du möchtest ihr schmeicheln.
Frei interpretiert nach einer Rede von John F. Kennedy

____________________ Viola hat meinen Rat zum Herzen genommen und zu einer pekuniären Herzensangelegenheit gemacht. Sie hat lang mit Fabienne telefoniert, und trotz moralischer Bedenken den Entschluss gefasst, sich die „Sache“ mal ganz unverbindlich anzusehen. Niemand

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______ __________ ______ darf etw davon erfahren, darum sind hinter einem durchsich was h m htigen Spiegel und könne ohne dass wir beme werden die Ereign l en, erkt n, nisse beobac chten. Noch sehen wir nichts, aber wir hören laute Radio h omusik, unterbrochen von Verkehrsm meldungen. Du musst n nicht stehen Setz dich. Der mit rotem Samt n. . bespan nnte Stuhl is für dich b st bestimmt. Nur für dich mein Freun N nd, öffne ic jetzt den Vorhang, u ich führ dich auf d unbekan ch n und re dir nntes Terrain n. hen ogenen Tres aus dun sen nklem, Vor uns seh wir einen langgezo im gedrechselten Mahagonist gehaltenem Holz. Hinter dem T til Tresen befinde sich eine verspiegelt und beleuchtete Rüc et te ckwand. Vo dem or Spiegel sind fragile Glasregale angebrach auf dene wie in so l e e ht, en, olchen Etabliss sements üb blich, Flaschen mit hoch hprozentige Inhalt st em tehen. Das Am mbiente der Bar macht einen etwa plüschige Eindruck und r as en entspricht dem Sti der endsie il ebziger Jahr Vor dem Tresen ste re. m ehen drei Barhocker. Die Sitzfläche haben ein Plastikb en nen bezug mit schwar rzweißem Zebramuster r. Wir sehen Viola in Seit tenansicht, die mit übe ereinander geschla agenen Bein auf dem mittleren Barhocker sitzt. Viola hat nen m einen s schlichten, s schwarzen H Hosenanzug eine weiß Bluse und g, ße hochha ackige, schw warze Schuh mit kleinen Riemche um die K he en Knöchel an. Viola dreht uns noch die r rechte Schu ulter zu. Achte auf ihre Handbe ewegungen. Daran kan du erke nnst ennen, dass sie sich unbehaglich fühl In der lin e lt. nken Hand h sie ein hält
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Feuerze mit dem sie mit kleinen Bewegungen ne eug, ervös auf de en Tresen klopft. Viol raucht ein Zigarette und sie wippt mit dem la ne e m linken F Fuß. Vor Vio steht ein halbvolles Sektglas. D ola n s Daneben sie du ehst

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____________________ einen Sektkühler mit der Aufschrift „G.H. Mumm & Co CORDON ROUGE“ in dem eine leere Sektflasche mit dem Hals nach unten steckt. So wie es aussieht besucht Viola ihre beste Freundin Fabienne am Arbeitsplatz. Hinter dem Tresen siehst du Fabienne. Fabienne ist eine attraktive, feuerrothaarige Frau um die Dreißig und mit etwas fülligen Formen. Sie hat lange, bis zur Mitte ihres Rückens reichende Haare. Ihre Haare sind bis auf zwei kleine Strähnchen die ihr ins Gesicht fallen, streng nach hinten gekämmt und zu einem Pferdeschwanz gebunden. Fabienne ist sehr sorgfältig, fast übertrieben auffällig geschminkt. Jetzt dreht sie sich um und stellt eine ungeöffnete Sektflasche neben den Kühler. Sie geht nach rechts, bückt sich und verschwindet kurz aus unserem Blickfeld und kommt dann hinter dem Tresen hervor. Fabienne hat ein graues bis zur Mitte ihrer Oberschenkel reichendes, weites und verwaschenes Shirt an, das nicht so recht zu ihrer Erscheinung passt. Auf der Vorderseite des Shirts ist ein ehemals roter, jetzt ziemlich verwaschener Mund mit einer herausgestreckten Zunge aufgedruckt. Sie setzt sich neben Viola auf einen Barhocker. Man ahnt und kann es undeutlich erkennen, dass Fabienne unter dem Shirt Strümpfe, Strumpfhalter und einen BH trägt. Die dritte Person die du siehst ist Chantal. Chantal ist die „beste“ Freundin und derzeitige Lebensgefährtin von Fabienne. Chantal ist Mitte 40, und der sportliche Typ mit streichholzkurzen, hellblonden Haaren. Ob Chantal wirklich Chantal heißt, ist mir nicht bekannt. Ich vermute, dass es ein Künstlername ist, und in Wirklichkeit eine Inge oder eine Bärbel damit getarnt werden soll.

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______ __________ ______ Fabienne u Chantal betreiben einen kleinen, bezeich und hnen wir es d Einfachheit halber als Swinger der r-Club, für tolerante Ehepaa zu dem aber auch gutsituierte männliche Einzelpers are, e, sonen Zutritt haben, wen die Mischung stimm soll. nn men Chantal ist die Chefin des Unternehmens un sie sieht w bei nd wie Chefinn anscheinend üblich, beschäfti und etw gestresst aus. nen igt was Sie igno oriert Viola und achtet auch nicht auf ihre Fre t eundin Fabienne. Mit der rechten H r Hand notiert sie etwas. Sie zählt di Flaschen und t ie hin und wieder dre sie eine Flasche mi dem Etike nach vor oder d eht e it ett rn, stellt sie um. Chan hat ein rotes Klemm ntal mbrett in der linken Ha and. Sie dreht u noch de Rücken zu. uns en Chantal hat einen schw warzen, glänzenden Kimono an. H Hab noch et twas Geduld, gleich wirst du es se ehen. Der Ki imono steht vorne weit au Nur im Spiegel an de Rückwan kann man mehr verm uf. er nd muten als sehe dass sie darunter h en, e halterlose St trümpfe, einen kleinen n schwar rzen Slip und außer etw Schmuc sonst nichts anhat. was ck Vor uns und schwarzw gefleck döst Arm der weiß kt, min, Ladenh hüter und Chantals Req quisite für besondere F b Fälle mit Fel ll. Armin i eine Deu ist utsche Dogg und soll im Nebenbe ungebe ge i eruf etene Gäste v verscheuche Aber da ist Armin zu faul, de er ist „e en. azu n enn ein ganz Lie eber“ wie P Paula, die ju unge Frau, die von Chan als „polnische d ntal Putze“ bezeichnet wird, aber aus Chemn stammt t nitz t. Ich versteh dass du b dem An he, bei nblick unruh und auch hig h neugierig wirst. Bleib bitte ruhig und sag jetzt nichts Man darf uns g s. f
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nicht bemerken. D Doch zunäch möchte ich dir noc mehr von hst, e ch n Fabienn Viola un Chantal e ne, nd erzählen.

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____________________ Wie du vielleicht noch weißt, heißt Fabienne eigentlich Marion und hat wenige Tage nach ihrer Scheidung von Ralph auch ihre Affäre in die einsame Wüste der Verflossenen geschickt. Der, und das muss ich zugeben, ist darüber auch heute noch etwas traurig. Aber wie es im Leben nun mal so ist, muss Mann auch leiden und verzichten können. Nur in diesen Fähigkeiten zeigt sich die wahre menschliche Größe. Danke, das ist nett von dir, aber du musst mir kein zweites Papiertuch reichen. Tatsache ist, dass mich Fabienne vor etwa zwei Jahren verlassen hat. Der Grund waren keine Meinungsverschiedenheiten. Fabienne hat schlicht und einfach ihre bisexuelle Ader entdeckt, und wegen einem vorübergehenden Liquiditätsengpass konnte ich dem nichts entgegensetzen. Im Leben gibt es immer jemand, der besser ist. In meinem Fall war es Chantal. Chantal hat das Geschenk anders verwaltet. Ich halte viel von Demokratie und Mitspracherecht – Chantal nicht. Sie hat die Zügel strammer angezogen und öfter mit der Peitsche geknallt, aber immer ein Zückerchen in der schwer erreichbaren Rückhand gehalten. Darum ist Fabienne zu Chantal gezogen und lebt bis heute auch mit ihr zusammen. Ob sie glücklich ist? Ich weiß es nicht, aber das ist auch nicht wichtig. Bei Fabienne habe ich in Chantals Gegenwart keine Stich und keine Zukunft – jedenfalls nicht im Moment. Chantal gehört die Bar die eigentlich ein kleiner Club mit mehreren Nebenräumen ist. Im Keller befindet sich ein Studio, und im ersten Obergeschoß sind die Privaträume von Chantal und Fabienne. Den Keller, die Nebenräume und die Wohnung mit sechs

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______ __________ ______ Räumen im Oberg geschoß kön nnen wir nic besichtig cht gen, aber vielleicht werden uns Chantal oder Fabie enne noch e erzählen, was sich dort ab bspielt. Hab also noch e etwas Gedu uld. Chantal füh den Club sehr besti hrt b immend und man spür dass rt, sie die knallharte G Geschäftsfr ist, und alle „im Griff“ hat. Cha rau antal und Fabienne verd dienen Geld Geld in de notwendigen Menge um d. er e, einen g gehobenen Lebensstil, irgendwo angesiedelt zwischen C a Cartier, Prada u Gaultier kultivieren zu können Ich denke du kannst jetzt und n n. e, t gut ver rstehen, warum die finanziell unte erversorgte Viola die Nähe der neu uerdings gutverdienenden Fabienne sucht. Natürlich w werde ich m über die Moral kein Urteil erlau mir uben. Im Geg genteil, ich h großes Verständnis für die Sorgen und Nöte hab meiner besten und verheirate r d eten Freund din. Sieh genau hin. Fabien lächelt Viola an, un Violas u nne nd Nervos sität lässt merklich nach Fabienne möchte ihrer Freundin gern h. e helfen, und auch C Chantal hat das rote Klemmbrett a den Hän aus nden gelegt und auch sie lächelt Viola an, wäh hrend sie die Sektflasch e he öffnet. Diese Geste ist besond bemer ders rkenswert, d denn eigent tlich ist al roßzügig mit Freigetränken. Aber offensichtli Chanta nicht so gr ich macht sie in diesem Fall eine Ausnahme. Sie sieht V Viola gern, d denn Viola is attraktiv u würde sich gut ma st und achen, rein g geschäftlich und h frischfleischmäßig gesehen. g Chantal und Fabienne haben kein Geheimn e ne nisse vorein nander. Darum akzeptiert Chantal auc Violas eh ch heliche Rach hegefühle. A Als
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erfahre Geschäf ene ftsfrau weiß sie aber auch, dass Gefühle ange ß esichts der Ver rdienstmög glichkeiten n nachrangig sind, aber a Legitimation für s als

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____________________ das Tun gern wie ein flatterndes Fähnchen der Gesinnung verwendet werden. Viola hat die unübersehbar teuren Accessoires bei Fabienne gesehen, und sie ist entschlossen, etwas zu tun. Viola muss und will Geld verdienen, und zwar viel Geld. Noch weiß sie nicht so recht, wie sie es anstellen soll. Eigentlich will sie es Werner heimzahlen und dazu erscheint ihr die Peitsche als das einzige und geeignete Werkzeug in einem mittelalterlichen Folterkeller. Noch sind die drei Frauen allein. Die Bar ist noch geschlossen, aber die Gäste kommen garantiert, denn Chantal, Fabienne und auch Paula (die polnische Putze) sind gut in dem was sie machen. Fabienne dreht sich um und öffnet einen kleinen Metallkasten an der Wand. Mit einem deutlich hörbaren Klicken drückt sie einen Schalter nach oben. Das Licht wird heller und leuchtet den gesamten Raum aus. Viola sieht sich um: „Hübsch habt ihr es hier. So hab ich mir das nicht vorgestellt. Ich war ja noch nie in so einem Club.“ Natürlich ist Violas Satz unverschämt gelogen. Jetzt erst sieht man deutlich, dass das Interieur schon bessere Zeiten gesehen hat. Fabienne lächelt: „Was hast du denn gedacht? Dass wir hier eine versiffte Bude haben. Wir haben nur gute Gäste und das bringt richtig Geld.“ Viola: „Das freut mich für euch. Ich hab euch schon immer ganz fest die Daumen gedrückt?“ Violas Antwort klingt etwas zu übertrieben um ehrlich zu wirken. Chantal stellt kleine Glasschälchen auf den Tresen. Dann stellt sie Fabienne demonstrativ einen Beutel mit Nüssen hin.

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______ __________ ______ Fabienne reagiert nich Chantal schüttelt de Kopf und sagt ht. en d kurz un knapp: „S nd Schlaf nicht Füll die mal auf.“ t. Fabienne reißt die Plastikverpack kung und füllt die Schälchen mit Nüs ssen. Einige kullern auf den Boden Fabienne bückt sich und e n. e samme die verstreuten Nüsse vom Bod auf. elt den Chantal ach nicht a Fabienne Sie fragt ganz beiläu htet auf e. ufig ohne V Viola direkt a anzusehen: „Hast nicht Lust hin und wieder m t mal auszuhelfen. Du ka annst hier r richtig gut verdienen?“ v “ Viola zieht an der Ziga arette. Eine kleine Paus entsteht, bevor se , sie antw wortet: „Ich weiß nicht was müss ich denn hier machen. Ich h t, ste n hab so was noch n gemacht ...“ nie t Dann fügt s hinzu: „… interessie sie … eren würde es mich sch hon.“ Fabienne taucht wieder auf. In de linken Ha hat sie die er and Nüsse, die sie vom Boden auf m fgelesen hat. Sie vertei die Nüsse in den ilt e Schälch und ver hen rreibt dann darüber ihr Hände. re Chantal sch haut sie stre an. eng Fabienne zieht eine ab bfällige Grim masse zu Ch hantal und f flüstert dann zu Viola: „Da ist nicht s u as schwer, du unterhältst dich mit de en Gästen und achtes drauf, dass die Gläse immer vo sind.“ st er oll Viola sieht Fabienne a und dann in den Rau Sie antw an n um. wortet etwas u unsicher: „A Aber ist das hier nicht …“ … Viola sprich den Satz nicht aus, während Fa ht w abienne nac der ch Sektflasche greift und die Sek ktgläser füllt t. Chantal dre sich leic um und sieht über die rechte eht cht
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Schulte Viola kurz an. Sie sag etwas zu laut: „Ja sag´s ruhig, es ist ein er z gt Club. G verdien wir mit ficken.“ Dabei beobachtet sie Vio ob Geld nen ola, sie jetzt schockiert ist. Viola v t verzieht abe keine Mie er ene. Sie gre zum eift

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____________________ Sektglas und nimmt einen schnellen, hastigen Schluck. Am Glas kann man den Abdruck ihres Lippenstifts erkennen. Fabienne verzieht das Gesicht und schaut kurz an die Decke. Man sieht ihr an, dass sie es Viola schonender beigebracht hätte. Dann sagt sie mit beruhigendem Unterton in der Stimme: „Chantal hat doch nur einen Scherz gemacht.“ Chantal zählt wieder die Flaschen und murmelt etwas abfällig vor sich hin: „Spiel jetzt bloß nicht die Heilige.“ Viola achtet nicht auf Chantal. Ihre Antwort kommt sehr beherrscht, fast beiläufig: „Eigentlich wollte ich mich nur informieren, was eine Domina so macht ...“ Fabienne lächelt und beendet Violas Satz: „… wie man zur Domina wird, und was man alles wissen muss.“ „Eigentlich ja. Wenn ich bei euch im Club arbeiten sollte, wüsste ich doch gar nicht wie ich mich hier verhalten sollte, mit Fremden und so?“ Chantal spürt, dass eine angespannte Stimmung entsteht. Sie dreht sich wieder zu Viola, sagt aber nichts. Dafür antwortet Fabienne: „Da musst du dir keine Gedanken machen. Wenn du das willst, packst du das auch. Wenn du eine gute Ausbildung suchst und auch gut verdienen willst, bist du bei Chantal genau richtig.“ Um dann mit einem wissenden Unterton in der Stimme hinzuzufügen: „Sie kann das gut. Als Domina ist sie wirklich Spitze.“ Viola trinkt ihr Glas aus und Chantal füllt es wieder auf. Dann sagt sie zu Viola: „Wenn du dich ernsthaft entschlossen hast, dann gibt es mehrere Möglichkeiten. Wenn du hier im Club arbeiten willst, kannst du gut verdienen und hast auch noch viel Spaß. Das ist ganz

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______ __________ ______ anonym und wir h m haben nur nette Gäste. Am besten wäre, du s n siehst dir das erst mal zw oder dre Abende an, dann kan du dich wei ei a nnst h eiden, ob du das mach möchtest. Die Dom ist sozu hen mina usagen entsche die Krö önung. Dafür brauchst d Einfühlungsvermög und mus du gen sst etwas v Psychologie verste von ehen. Eines kann ich dir jetzt schon verspre echen – auf dich werde alle fliege f en en.“ Chantal sc chaut auf Violas Bluse. Ihr Blick sch heint durch den Stoff hi indurch zu g gehen. Chantals Kimon ist offen und für einen no Momen kannst du ihre nackt mit sch nt ten, hweren gold denen Ringe en geschm mückten Brü sehen. üste „Wenn du eine solide Ausbildung zu Domina bekomme g a en möchte müsstest du aber e mal hie im Club arbeiten. Das ist die est, erst er Voraussetzung, so wird da nichts. Wir bringen d alles bei. onst as W dir . Immerh hast du eine Verantwortung fü deine Gä hin ür äste.“ Fabienne b bestätigt Chantals Worte: „Das wa du hier le as ernst ist eigentlich unbezah hlbar. Das is wie mit dem Stricken. Wenn du es st d u einmal kapiert has verlernste das auch nicht mehr. st e .“ Für die Bem merkung erntet Fabien einen m nne missbilligend den on achtet nicht auf Chanta und redet weiter al t Blick vo Chantal. Fabienne a auf Vio ein: „Abe einfach is das nicht. Eine Domi ola er st ina-Ausbildu ung dauert auch seine Zeit …“ gänzt den S Satz: „… min ndestens dre Jahre. Un ei nd Chantal erg Manche kapieren das nie.“ „Was mach ihr denn hier so im Club. Also ic kenn sow ja ht C ch was
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Kommen da nur Männe …“ a er nicht. K „Nein, das ist ganz and ders. Wir sind ein Swin nger-Club. D Da komme vorwiege Paare. D kennen sich fast alle und das g en end Die geht

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____________________ ganz familiär zu. Wir haben Mittwoch bis Samstag von 18:00 Uhr bis 3:00 Uhr geöffnet. Samstags auch länger, je nach Betrieb. Montag so etwa ab 12:00 Uhr bis zum Nachmittag, da kommen die Sparsamen. Das sind die Paare, die verheiratet sind, aber nicht miteinander. Manchmal auch einzelne Hausfrauen. Dann geht’s am wildesten zu. Nicht was du jetzt denkst, sondern ganz seriös. Die futtern sich am Büffet durch und probieren das alles aus, was sie in ihrer Ehe nicht kriegen. Außerdem ist das hier billiger, als wenn die jedes Mal ein Hotelzimmer bezahlen müssen. Da ist natürlich ein ziemlicher Trubel, aber es macht ja auch Spaß wenn das Geschäft läuft.“ Fabiennes Erklärung scheint Viola etwas zu beruhigen. Sie lächelt und Chantal redet weiter. „Wir haben hier für jeden Geschmack etwas. Hier gibt’s eine Spielwiese, da können mehrere Paare rein und andere können zusehen. Wir haben auch einen Glory-Hole-Raum und im Keller ist mein Studio. Da finden die Sessions statt, aber nur auf Voranmeldung. Eigentlich könntest du mir dabei mal assistieren, dass du mal siehst, was da so abläuft ...“ Im Hintergrund hört man klappernde Geräusche, als ob ein Eimer hin und hergeschoben wird. Ein Staubsauger heult kurz auf und wird dann wieder abgestellt. Chantal macht noch eine Flasche Sekt auf und stellt sie auf den Tresen. Viola greift eifrig danach und schenkt aus der Sektflasche die Gläser wieder voll. Der Sekt schäumt und läuft über den Tresen auf Violas Hose. Viola rutscht vom Barhocker runter und versucht mit einer Serviette den übergelaufenen Sekt wegzuwischen. Man sieht dass ihr das kleine Missgeschick peinlich ist.

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______ __________ ______ Chantal kommt eilig h hinterm Tres und nim ihr die sen mmt Serviette weg. „Sc chätzchen, lass mich da machen. Das ist doch nicht as m.“ schlimm Sie kniet sich vor Viola und wisch mit einem Küchentuc über a ht m ch Violas H Hose. Viola will die Ber rührungen abwehren. Es ist ihr sic a chtlich peinlich Chantals Kimono ste etwas auf und man sieht ihre h. eht n schwer nackten Brüste. ren n Fabienne lä ächelt amüs siert und sie zu. Spür du die eht rst erotische Stimmun und den sich zwisch Chantal und Fabien ng hen nne anbahn nenden Kon nflikt. Fabienne n nimmt der n noch knieen nden Chanta das Küche al entuch aus der Hand und mit einem strafenden Blick wirft s es achtlo auf r sie os den Bo oden. Sie beachtet Chan nicht. Fabienne ste jetzt ne ntal F eht eben Viola: „ musst m den Gäs „Du mit sten lachen, das verbindet. Die Gä , äste wollen Spaß. Frust haben die Zuhause. Das brauche die hier n t D en nicht. Wenn d so etwas passiert, d dir s dann mach ein Erlebnis draus. Lass dich e s s gehen und spritz a nass. Da mögen die …“ alle as Chantal ste auf und stimmt zu: „Klar, wenn ich mit einem eht ist enehmer, al wenn ich einen hab, der ls Gast lachen kann i das ange und ufkriegt.“ den Mu nicht au Zögernd fra Viola: „A agt Aber was ist, wenn es z zum Sex kommt?“ Chantal und Fabienne antworten fast gleichzeitig: „Da m e n mach dir mal keine Sorgen, die sind hier alle se nett. Au d ehr ußerdem ma achst du nur das was du auch willst ...“ u t
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Dann redet Fabienne w t weiter: „Stö ihm wa vor, sag ih was öhn as hm er für e geiler He ein engst ist, da wollen die Kerle hören. Sag ihm dass as m, du sein Stute und heiß auf ih bist und solche Sach ne d hn hen.“

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____________________ Chantal greift unter den Tresen und legt einen großen Gummidildo zwischen die Sektgläser. Viola ist der Anblick und die Präsenz des Gegenstands sichtlich unangenehm. Fabienne lacht und redet weiter: „… die Männer wollen so eine Illusion von Zuneigung und Leidenschaft. Und dann musst du höllisch aufpassen, dass du nicht alles glaubst. Manche erzählen dir die aberwitzigsten Geschichten.“ Chantal lacht auch und macht beim Umdrehen ihren Kimono zu: „Am schlimmsten sind die Missionare, bei denen musst du besonders aufpassen, dass du nicht darauf reinfällst. Die wollen dich bekehren und wissen, wie du zu dem Job gekommen bist. Aber das kriegst du schnell mit. Je mehr die Sex mit Gefühlen verwechseln, umso besser fürs Geschäft. Dann denken die sie wären so gut, dass wir sie lieben.“ Fabienne spricht auch auf Viola ein: „Du musst dir nur merken, dass in unserem Job alles nur Show ist. Welcher Mann will für sein Geld nicht die Traumfrau haben. Und wenn er denkt, er hat sie gefunden, dann macht er alles für dich. Das macht Spaß, das wirst du schnell merken.“ Viola: „Aber ihr habt doch gesagt, dass das ein Swinger-Club ist, da kommen doch nur Paare rein habe ich gedacht?“ „Schätzchen, also rein theoretisch ist das ja so, aber manchmal ist das auch anders. Es kommt auf die Zusammensetzung an. Manchmal haben wir zu wenig Frauen, dann dürfen nicht zu viele Männer da sein, sonst fühlen sich die Frauen unwohl, oder wir haben zu viele Frauen, dann brauchen wir wieder mehr Männer. Gute Gäste

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______ __________ ______ lassen w auch all rein. Am Wochene wir lein m ende kommen fast nur Paare und da musst du b besonders e einfühlsam sein.“ s Chantal hat sich auf ei inen Barhoc cker neben Fabienne g gesetzt. Sie grei nach dem Sektglas v Fabienn und nimm einen ku ift m von ne mt urzen Schluck daraus. k Fabienne fä Chantal ins Wort: „… und zum Schluss will dein ällt l „ m Gast vo dir nur hören, dass d gekomm bist. Da musst du on du men natürlic schauspielern. Sag e ch einfach dass du einen M s Megaorgasm mus hattest Was denk du, wie d sich freu wenn er hört, dass e eine t. kst der ut er Zofe ge eknackt hat. Dann krieg du schne Stammgäste die rich gst ell htig Geld br ringen. Auß ßerdem kom mmen die sc chneller, we die nicht so eil verspan sind.“ nnt Chantal spi mit dem Gummidil und sieh Viola prüfend ielt m ldo ht von oben bis unten an. Viola fragt unsicher w wirkend: „Zofe?“ f e bienne hat einen Chantal geht nicht auf die Frage ein, und Fab unbete eiligten Gesi ichtsausdru und stec sich Nüs aus eine uck ckt sse er Glassch in den Mund. Einig Sekunde herrscht S hale ge en Schweigen, nur , unterbrochen vom qualvoll heulenden Geräusch ein vollen m G nes Staubsa augers. Dan fragt Viola: „Eigentli wollte ic ja nur als nn ich ch s Domina Was mac die denn so?“ a. cht n Chantal antwortet wie beiläufig: „Wir mache hier alles was e en s Spaß m macht. Vom Analsex mit einer volle Apfelsch en horleflasche bis e zum zertrampeln d Zinnsold der datensamm mlung des Gastes.“
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Viola scheint es für ein Scherz zu halten. S wirkt immer nen Sie noch unsicher. An ihrer Mimik kann man erkennen, dass ihr no n , och viele Fr ragen durch den Kopf g h gehen.

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____________________ „Aber was soll ich denn anziehen, wenn ich hier arbeite.“ Chantal und Fabienne sehen sich an. Fabienne flüstert Chantal etwas ins Ohr. Chantal nickt und Fabienne antwortet: „Da mach dir mal keine Sorgen. Wir haben da etwas besonders Scharfes für dich.“ Fabienne sieht Viola prüfend von oben bis unten an: „Ich glaub mein Nonnenkleid steht dir gut.“ Viola fragt ungläubig: „Nonnenkleid?“ „Das ist was Supergeiles, ich hab mir das machen lassen. Hat über 600 Euros gekostet. Das ist ganz aus Latex. Aber ich leih dir das aus. Ist ja schließlich eine Premiere. Du traust dich doch?“ Die Frage von Fabienne ist eigentlich keine Frage, sondern eine Aufforderung. Man sieht Viola an, dass sie noch nicht ganz überzeugt ist, aber den Job schon mal gern ausprobieren möchte. Außerdem ist es zeitmäßig gesehen auch günstig, denn Werner ist auf einer dreitägigen Weiterbildung über steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten für außergewöhnliche Aufwendungen. Fabienne antwortet: „Show gehört nun mal zum Geschäft. Und du mit deiner rattenscharfen Figur bringst das bestimmt. Du musst nur aufdrehen. Wenn du nur wie ne graue Maus rumsitzt und wartest, hast du kein Spaß und du kommst du nie auf deinen Umsatz. Stell dich auf den Tisch, mach einen Strip und mach die Tittis frei oder so was, dann kriegst du Fans die zahlen. Hauptsache du machst was Verrücktes, das bringt´s. Und wenn du das gut machst, dann zeig ich dir, was wir im Keller machen.“ Chantal dreht sich um und geht wieder hinter den Tresen zu ihren Flaschen. Im Hintergrund hört man das Geräusch eines

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______ __________ ______ umfalle enden Blech heimers. Ein Frauenst ne timme fluch mit sächs ht sischem Akzent.

Achte auf d linke Sei des Raum Zuerst s die ite ms. siehst du nu eine ur mte te. t schmob den Boden n geblüm Rückseit Es ist Paula, die mit einem Wis schrubbt. Jetzt hebt sie das Küchentuch auf. Paula h einen hat mten Kittel a und die b an blonden Haare unordentlich geblüm hochge esteckt. Pau ist die fle ula eißige „Mita arbeiterin“ von Chanta und al Fabienn die als M ne, Mädchen ZB (zur beso BV onderen Ve erwendung) für alles ihre Verwend dung findet. Paula ist blond, sie ha blaue Aug b at gen, sie räumt w und au sie achte auf Ordnu und hilf auch und wieder weg uf, et ung ft an der Bar und in d Nebenr den räumen aus Für gut za s. ahlende Gäs ste dient si auch als Z ie Zofe oder S Sklavin, und sie assistiert Chantal im Studio. Ihre Haar- und Augenfarbe und ihr unüberhörbarer, sächsischer Akzent verführen zu einseitig Vorurte n gen eilen. Das is aber st a e, falsch, denn Paula verfügt über erstaunliche Talente die von Fabienn misstrau ne uisch, und von Chantal abwertend honoriert d werden n. und s ur haut Fabienne u Chantal beachten sie nicht. Nu Viola sch kurz hin n. Das Telefon klingelt un der Anru nd ufbeantwor springt an. Du rter hörst d Ansage: „Hallo verehrte Gäste. Wir haben Montag bis die Samsta von 10:00 Uhr morgens bis 3:00 Uhr morgens geöffne ag 0 0 et. Montag ist unsere Happy-Ho mit viele Überrasc gs our en chungen un am nd
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Samsta ist unsere Motto-Party. Anmeld ag e dungen neh hmen wir ge ern entgegen.“

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____________________ Chantal ruft Paula zu: „Jetzt beeil dich mal, wir machen gleich auf. Und mach dir eine andere Frisur …“, und in Anspielung auf Paulas hochgesteckte Haare „… mit dem Hausfrauenwedel kannst du keinen Hund hinterm Ofen vorlocken ...“ Chantal geht zu Viola und nimmt ihre Hand. „Schätzchen, du hast ja immer noch deine normalen Sachen an. Geh mal nach hinten, da hängt das Nonnenkleid. Komm wir probieren das mal aus, hier wird’s gleich voll.“ Fabienne berührt Viola an der Schulter und schiebt sie leicht auf eine Tür an der Seite. Viola geht hinter Chantal zur Tür. Sie stolpert aber und fällt hin. Paula lacht. Fabienne geht hin und hilft Viola. Sie bückt sich, und das Shirt rutscht hoch. Einen kurzen Moment sieht man ihren Po. Chantal ruft: „Paula hör jetzt auf hier Krach zu machen. Und ich will heute Abend das rote Halsband von Armin an dir sehen.“ Das Licht wird etwas dunkler. In dem Moment kommt Viola aus der Tür. Sie hat ein langes Kleid an. Sie sieht aus wie eine Nonne. Ihre Haare sind unter einer Haube versteckt, nur Ihr Gesicht ist sichtbar. Das Kleid glänzt und ist aus Latex. Viola geht langsam und unsicher zur Bar und steht jetzt hinter der Bar. Man sieht, dass sie noch nicht weiß, was zu tun ist. Chantal schaut Viola von oben bis unten an und ihr Gesichtsausdruck hat die Mimik zwischen einem hungrigen Hai und einem Jäger der eine leichte Beute sieht. Mit etwas abgesenkter Stimme sagt sie zu Viola: „Du siehst ja süß aus …“ Und mit einem aufforderten Unterton in der Stimme: „Komm mach uns mal was zum trinken.“

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______ __________ ______ Fabienne sieht verwun ndert aus. Offensichtlic ist sie die O ch e Großzü ügigkeit ihre Chefin un Freundin nicht gewo er nd n ohnt. Chant sieht tal Fabienn Blick un fügt mit etwas laute Stimme hinzu: „Es geht nes nd erer e aufs Ha Mach u mal eine Büchsenöffner, das hebt die aus. uns en Stimmu ung.“ Violas weiß nicht, was damit gem ß s meint ist und fragt: „Wo find d o ich den Büchsenöf n ffner?“ Fabienne u Chantal lachen. Paula macht e abwert und eine tende Handbe ewegung. C Chantal sieh zu Paula und nimmt den Gummidildo ht u in die H Hand und he ihn mit einer drohe ebt enden Gebä ärde wie zum Schlag. Paula zieht etwas den Kopf ein und kichert. t n Chantal sag zu Viola: „Pass auf ic zeig´s dir Du nimms die gt ch r. st Cocktailgläser. Dan füllst du sie zur Hälf mit 43er Das ist die nn fte r. e bauchig Flasche, die da links steht. Dan nimmst d Büchsenm ge s nn du milch und füllst es etwas auf. Rühr es etwas um s m.“ Sie sieht zu wie Viola die Gläser vorsichtig fü u, v üllt. Paula grins und Fabie st enne lacht. „Und jetzt tu noch in j jedes Glas zwei Eisstüc und dan z cke nn Kaffeepulve obendrau Zur Deko er uf. oration. Und fertig ist d d der etwas K Büchse enöffner. Schau dir das Glas an. Er rinnert dich das an was s?“ Chantal dre sich zu d andere um: „So a eht den en aber jetzt zieht euch al mal um, damit es ge lle emütlicher wird.“ w

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____________________ Natursekt

„Ein züchtiges Mädchen mag eine Mannsperson sehr leicht an sich zu fesseln, wenn es ihm in den Stiefel pinkelt.“11 ____________________

„Trinke Wasser aus deiner Zisterne und was quillt aus deinem Brunnen.“12 Als Informations- und Ratgeber ist die Bibel eine unerschöpfliche Inspirationsquelle, denn exakt so und nicht anders steht es geschrieben. Spontan kam mir in den Sinn: „Frau und Mann sollten nicht nur meinen bewährten Beziehungsratgeber mit über vierhundert wertvollen Tipps, sondern auch die Bibel jederzeit griffbereit halten.“ Mit solchen, aber auch mit ähnlichen Überlegungen schloss ich das große Buch. Hüstelnd den Staub verwedelnd begann mich mit den alltäglichen Widrig- und Lustbarkeiten zu beschäftigen. Denn in präzise einer Stunde hatte sich meine derzeit zweitbeste Freundin13 Viola angekündigt, der es nach meinem Rat, meiner Gesellschaft und als krönenden Abschluss des ersten Oktobermontags, auch meines leckeren Champagners gelüstete. Nach einem ersten Check war alles Notwendige für einen inspirierenden Spätnachmittag im goldenen Frühherbst vorhanden. Ich war frisch geduscht, hellwach und geistig in einer überaus phantasievollen Verfassung. Mein Bett war für alle Fälle bereitetet,
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Aus „Der erotische Zitatenschatz“ Eichborn Verlag Seite 30 Die biblischen Zitate sind aus „Prediger 9.9.“ Absteigende Tendenz

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______ __________ ______ und nach einem kleinen Geru uchstest am Spannbett m tlaken entsc chied ich, das der knittr Überzu noch in einem erträg ss rige ug glichen Zust tand sei. Wie wir alle w e wissen, ist Viola ist eine eher rustik Frau, di trotz kale ie ihrem g gehobenen Lebensstan ndard, in be estimmten A Angelegenh heiten nicht zu sehr auf d für die Sache unwic u die chtigen Deta der ails Örtlichkeiten achtet. en w on „Alles was wir brauche haben wir dabei“14 ist eines vo Violas L Lieblingszita aten, das sie vermutlich irgendwo aufgeschnappt e o hat, um mir zu imp m ponieren. B Bevor ich vergesse es zu erwähnen Auch u n. mein Kühlschrank war an dies sem Monta gut gefüll denn Vio ist ag lt, ola eine Frau mit geho obenen Ans sprüchen, und ich geda achte, zwisc chen einbrec chender Dämmerung u alles in Allem bis etwa 21:30 U und Uhr, meinen persönlich Protzom n hen meter bis zu Anschlag um gsstift auf d der nach ob offenen Yannik-Fra ben n auenbeeind druckungssk zu testen. kala Pünktlich a die letzte Minute meiner aus E auf m Erfahrung geahnt hundert ten tsiebenundz zwanzigmin nütigen Stun Verspät nde tung traf Vio ein, und sie hatte zu Abwechs ola ur slung gute L Laune, was mir in Anbetracht meine für den Abend zurechtgelegten Plans sehr es n hren glitzer rnden Augen und ihrem selbstbew m wusst gelegen kam. An ih beschw wingten Gan konnte ic sofort erkennen, dass etwas ng ch geschehen war. Et twas was üb das Alltä ber ägliche hina ging. Ein aus n nur besten und intimsten, in allen i Erlebnis, dass sie n ihrem b keiten des L Lebens gest tählten und darum auc erfahrene ch en Widrigk Freund mitteilen k d konnte. Den eine Sünderin die er nn rnsthaft bei ichten
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Aus dem Film „Fahr zur H m Hölle Liebling“

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____________________ will weiß, dass sie in intimen Angelegenheiten nicht zu einem Allerwelts-Heiligen gehen sollte, sondern zu einem großen Sünder. Mein souveränes „mi casa es su casa“ und Violas etwas zu hektische Kurzumarmung mit den obligatorischen zwei flüchtigen Küsschen links, und dazu ein gehauchtes auf die rechte Wange, gaben meiner ersten Vermutung neue Nahrung. Neue Erlebnisse warteten auf Mitteilung, dich ich Ihnen, verehrte erwachsene und mittelalte Leserin, und selbstverständlich auch dir mein literarischer Feinschmecker-Freund, allerdings nur unter der Voraussetzung des Versprechens der absoluten Verschwiegenheit, mitteilen möchte. Dies vorausgeschickt ist es mir ein Herzensanliegen, thematisch nicht vorzugreifen, sondern bei der chronologischen Reihenfolge des Abends zu bleiben. Nachdem Viola, adrett und stilsicher im den die im zunehmenden Wohlstands-Überfluss proportionierte Figur exzellent betonenden Rock mit passender Bluse gekleidet, zielsicher und pfennigabsatzmäßig vor mir in mein Wohnzimmer gestöckelt war, begann ich in Sorge um mein frisch verlegtes Laminat leise zu beten, aber mich auch gleichzeitig mit den verschiedensten, biblischen Gedanken auseinander zu setzen. Hatte ich nicht erst vor wenigen Stunden in meinem theologischen Ratgeber gelesen: „Und erfreue dich des Weibes.“ Nicht für mein Laminat, sondern für Viola entschied ich mich in diesen spektakulären Sekunden, denn so steht es schon seit Jahrtausenden geschrieben, und nur darum darf, konnte und kann ich mich als gläubiger Mensch den präzisen Vorgaben nicht entziehen.

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______ __________ ______ Du möchte noch me aus der Heiligen Sch hören? Es est ehr hrift ? steht auch geschri ieben: „Sie ist lieblich wie eine Ga w azelle und holdselig n h ch nwörtlich wie ein Reh.“ Auch dem, und das kann ic dir ehren versichern, muss ich durch pe ersönlichen Augensche zusätzlic ein ch überzeugt, zustimmen, obwo Viola bei genauer Betrachtung der ohl i Details doch eher zum fraulic chen Typ Fra gehört, u holdselige au und Rehe nach meiner Erinnerung schlank sind. Aber da soll hier n r g as nicht zu einer U Ursache für zu ausführliche Erörterungen übe biblische er Wahrheiten und Ü Überlieferun ngen werde en. Nach dem beim mitteleuropäisch Zivilisat hen tionskonform misten übliche Vorgeplä en änkel und de routinem en mäßigen Fra agen mit mä äßigem Interes wie zum Beispiel: „ sse, m „Wie geht’s dir“, oder d darauf der folgend Gegenfrage: „Dank gut, und wie war de Wochenende“, den ke ein begann ich mit dem Gedanke an meine Investition in prickeln n en e n nde Lustber reiche, eine der vier vo meinem schwer ver e on rdienten Geld erstand denen Cham mpagnerflaschen mit dem besond d deren ALD*-PreisLeistun ngsverhältni 15 zu öffne Violas fr is en. röhliches Lächeln interpretierte ich i diesem k in kurzen Mom ment mit gro oßem Schar rfsinn, ch päter herausstellen aber leider vorschnell (wie sic erst drei Stunden sp son s sollte), als ein auf meine Pers fixiertes Interesse - vulgärpopulär auch al „erwartun ls ngsvolle Ge eilheit“ beze eichnet. Die Zustand war eser d mein H Hoffen, und auch mein Ziel für die kommende zwei Stun en nden an dies sem Montag gabend, und dazu steh ich auch no heute o d h och ohne Scham. Aber wie s oft im Leben, ist das sogenannt . so s te
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Aus Wet ttbewerbsgründe und um nicht in den Verdacht von unlauterer Sc en v chleichwerbung z geraten, zu

ist die Mar rken- und Herkun nftsbezeichnung u unkenntlich gema acht. Ich bitte me Leserinnen u Leser eine und um Verständnis.

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____________________ „vorausschauende Denken“ nur der untaugliche Versuch, Gesetzmäßigkeiten im zwischenmenschlichen Chaos zu vermuten, und zwar bevor Andere auf die gleiche Idee kommen. Violas offen zur Schau getragene Gefühle hatten eine andere Ursache, und darum kam es auch anders, als ich in diesen Minuten zu hoffen gewagt hatte. Meine derzeit zweitbeste Freundin nahm das langstielige Glas an ihre vollroten Lippen und sie schlürfte den ersten Schluck des prickelnden Champagners aus meiner vor- und fürsorglichen Bevorratung. Nach dem Absetzen des nun bis auf einen kleinen Rest geleerten Kelches war „du sag mal …“ ihre lauernde Halbfrage, vergleichbar mit dem Gambit beim Spiel der Könige. Nachfüllend, aber noch bei der Überlegung, warum man bei Rehen den hellen Fleck an der Rückseite „Blume“ nennt, und warum sonnenstudiogebräunte Mädels immer einen hellen Fleck am oberen Hinterteil haben (dort wo die Kerbe ausläuft, und üblicherweise das größte Stück des Slips sitzt), befand sich meine Phantasie noch vorfreudig-erektil auf Abwegen. Darum wusste ich nicht, was ich auf die Frage meiner Kleopatra sagen sollte. Doch mein Schweigen spielte keine Rolle, denn vermutlich hätte meine Antwort meine Viola nicht wirklich interessiert, denn Zuhören ist nicht ihre Stärke. „… du bist doch mein bester Freund und wir kennen uns doch schon seit zig Jahren?“ Dem konnte ich reinen Gewissens, unterstützt durch eifriges Kopfnicken zustimmen, obwohl ich an die erste Kennenlernzeit in den mittleren Achtzigern nicht so gern erinnert werden wollte. Ein

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______ __________ ______ Fehlsta bleibt im art mmer ein Fehlstart mit stark reduzierten Chan s ncen auf den ersten Pla Das hat sich seit de Antike un den Anfängen n atz. er nd der Oly ympischen S Spiele, bis h heute nicht geändert, u dieser M und Makel haftet m (neben anderen Vo mir orurteilen im zwischen m nmenschlich hen Bereich wie Kaugummi am S h) Schuh, und zwar bis zum heutigen Tag an. z m Du möchte erfahren was es damit auf sich hat? Dama est n, h als, also so vor etwa fü ünfundzwan Jahren bekam ich die Rolle de nzig es besten Freundes e eher unfreiw willig zugew wiesen, nicht ahnend, d dass damit a auch die untrennbare R Rolle des er rsten Verlierers verbun nden war. Du bist sch hockiert, abe du kanns mit mir fü er st ühlen? Dann n möchte ich dir me trauriges Schicksal, das mich nu seit viele e ein s un en Jahren verfolgt, ku erläutern. Die Fakte sind: Vio hat dama urz en ola als aktiv ve ersucht, mit mir zu kop t pulieren, un ich Blödm nd mann (oder Glücksp habe es durch übe pilz) erängstliche Passivität vermasselt. e Du fragst d dich, wie so etwas Irrep parables pas ssieren kon nnte? Es war me sensible Wesensart, verbunden mit dem Problem d eine m der situativ Bewusstwerdung, d mich, be ven die eeinflusst d durch äußer re Umstän kläglich scheitern ließen. Dam dir in äh nde, h mit hnlichen Fällen nicht das gleiche S Schicksal zugeteilt wird bekomms du jetzt einen d, st kostenlosen Rat unter Freund den: Falls du zu den Ge u ewinnern ge ehören möchte kann ich dir vom fa est, h alschen Ort (ein zugesc chneiter Wa aldweg) dringen abraten, weil er weg möglich Schneev nd gen her verwehungen zu unsiche ist. Die fa er alsche Jahre eszeit (Wint und zu k ter kalt), der Rücksitz
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eines g gammeligen VW Diesel-Passats (ab n bzuraten we zu eng und zu eil muffig) und der fa ), alsche Zeitp punkt kamen noch dazu Auch meine u. seelisch Belastu hen ungen waren nicht zu unterschätze Viola wa u en. ar

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____________________ damals noch blutjung, feurig und das erste Mal strikt und frisch verheiratet, und zwar mit einem in weitem Umkreis bekannten und mehrfach tätowierten, preisausgezeichneten Kickboxer und Anführer einer bekannten Motorradgang (sehr schlechte Voraussetzungen). Du wirst sicher verstehen, dass ich unter diesen kontraerektiven Bedingungen ziemlich unkonzentriert war. Ich kam nicht mal rein, weil sich alle meine Gedanken nur darum drehten: „Wie komm ich da unbeschadet wieder raus“ (aus dem zugeschneiten Waldweg und der gefährlichen Situation). Selbst mündliche Hilfe, die ich zwar dankend, aber frierend hinnahm, war in meinem Zustand hoffnungslos. Dennoch habe ich daraus etwas sehr Wichtiges für mein Leben gelernt. Für spontanen Sex gibt es eine universell einsetzbare Formel. Sie lautet: Zeit + Ort + Temperatur + mögliche Risiken = Chance. Und bevor ich es vergesse: „One-Night Stand“ hat nichts, aber auch gar nichts mit „der steht eine ganze Nacht“ zu tun. Meine Rolle als guter Violafreund hat sich seit meinem schlaffen Fehlstart sozusagen vergeistigt. Ich bin der beste Gefährte, der hin und wieder nippen, manchmal auch kosten, oft beobachten, aber fast immer nur die übriggebliebenen Krümel von Violas Exzessen, als kleine Genüsschen hingeworfen bekomme. Ich bin ein verfügbarer und verständnisvoll zuhörender Vertrauter, von dem man weiß, dass er so abgeklärt ist, dass ihm nichts Weltliches fremd ist. Und dem man alle Details beichten kann, weil man hundertprozentig sicher sein kann, dass er Verständnis für eine Sünderin aufbringt. Denn ein Gott, der ohne Hosen nicht kann, kann schweigen, und muss zur Strafe für seine Tatenlosigkeit schlaue

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______ __________ ______ Bücher schreiben. r Aber ich ve erplaudere mich in mei inen nostalg gischen Ged danken. Denn e eigentlich wollte ich dir die Ereigni r isse an diesem Montag gabend im Okto ober erzählen, und auß ßerdem geh es, was ic bis zu die ht ch esem Zeitpun nicht ah nkt hnte, um das Thema „N Natursekt“ u ich hatt auf und te Violas F Frage imme noch nich geantwor er ht rtet, weil ich mich wie mein h bayeris scher Stamm mtischkump Alex noc in einem längeren pel ch Denkpr rozess befan und nich so genau wusste, wa ich sagen sollte. nd ht as n „Ich kann d doch mit dir über alles sprechen?“ r “ Herrgott im Himmel. M wem au der große weiten W m Mit uf en, Welt, wenn n nicht mit mi sollte Vio über alle sprechen können? Ih ir, ola es n hre suggest Frage e tive enthielt bereits eine ko onditioniert-intuitive Antwort. Hätte ic ein klare „Nein“ au ch es ussprechen sollen? Dan könnte ic dir nn ch meine Erlebnisse n nicht erzähl len. Den meine Neugier nu spärlich tarnenden B e ur t Bescheid: „A Aber g n che Honey …“ (meine von Montag bis zu den Freitagen gebräuchlic Frauenallroundans sprache) wa darum au klar und präzise mit ar uch d mitfühl lendem Unt terton form muliert: „… du weißt do dass du mit d och, u mir alle sagen kan es nnst.“ Dem Reine ist nun m alles rein und behe ergriff ic ihre en mal n, erzt ch Hände. Viola war n . nervös. Die schmalen Hände ware etwas fie H en ebrig feucht und auch se heiß. Ich musste (m meinem metaphorischen ehr mit m Daume zwischen dem Zeige- und Mitte en n elfinger) an Dies und Da as denken aber Viola löste sich mit einem kleinen Ruc von mein n, a ck nen
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fürsorg glichen Berü ührungen, u wieder stilvoll zum geschliffenen Glas um s mit Stie zu greifen Sie nahm noch einen tiefen Schluck Champ el n. n pagner aus ihre Kelch, d ich eifrig und pflich em den g htbewusst m dem teu mit uren

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____________________ Prickler auffüllte, denn ich weiß ja, was sich als Gastgeber gehört, und außerdem schäme ich mich, denn ich wollte das Vorspiel unter Einsatz von perlenden Dopingmitteln verkürzen. „Also, ich hab dir doch erzählt, dass ich jetzt manchmal bei Fabienne16 in der Bar17 arbeite. Das ist ganz seriös18 und ich bin ja auch nur hinterm Tresen.“19 Natürlich wusste ich, dass Viola öfter, eigentlich seit einigen Wochen überraschend oft, in dem offiziell als BB Bar beschilderten, und in Kennerkreisen als Bar Bizarr bezeichneten Club aushilft. Die Gründe, warum Viola sich mit körperlicher Arbeit unter die Werktätigen mischt, sind vielfältig und berühren nur am Rande die ökonomische Emanzipation der Arbeiterklasse als großen Endzweck, dem nun mal jede politische Bewegung als unabdingbares Mittel unterzuordnen ist.20 Darum möchte ich hier auch nicht weiter darauf eingehen, denn ich bin eine überzeugte und „unheilbare Kapitalistensau, aber eine ganz Liebe“ – sagt Sina, und das ist wieder eine andere Geschichte, die nicht hierher gehört. „Aber Schätzchen, ich weiß doch, dass das ein ganz seriöser Job21 ist. Warum entschuldigst du dich dafür.“ Meine liberale Antwort gab Viola das beruhigende Gefühl, nichts Verbotenes (oder sogar gesellschaftlich Geächtetes zu tun),
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Fabienne ist momentan die beste Freundin von Viola. Mehr Informationen zu Fabienne gibt es in

meinem Text „Fabienne, Tarot, drei goldene Kugeln und von einem Drachen, der mit seinem Schwanz die Sterne vom Himmel holt
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Siehe auch mein Theaterstück „HURENBAR“ Ist es nicht (Anmerkung des Autors) Das war frech gelogen, aber wir wollen Viola verzeihen, denn sie kann manchmal nicht anders. Nach meiner voll korrekten Erinnerung, stammt dieses Zitat von Ernesto „Che“ Guevara. „Ist es nicht.“ Anmerkung des Autors.

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______ __________ ______ sondern einer achtbaren Tätigkeit nachz zugehen, zu der die Einwilli igung ihres Ehemanns nun mal nic erforder cht rlich ist. Erwähn nenswert ist noch, dass Viola als emanzipierte Frau und t s e Ehefrau von Wern (meinem besten Ku u ner m umpel und g gutverdiene endem Steuerb berater in P Personalunio kräfteze on) ehrende Arbeit nicht nötig hat - sa sie jeden agt nfalls und ic glaube Viola jedes W ch Wort, denn ich bin ihr best Freund, und sie wa bis zu dies ter ar sem Monta agabend me eine zweitbe Freund auf mein damalig Hitparad este din ner gen de. Sie nahm n noch einen S Schluck aus dem Glas, gab hinter s vorgehaltener Han ein kaum hörbares Rülpserchen von sich u nd m und redete dann schne weiter: „… und ich hab da am S ell h Samstag ein Paar n kennen gelernt. Also die sind sehr nett und wir haben uns ganz toll n u z verstan nden.“ Ich schwieg obwohl m viele bre g, mir ennende Fra agen auf me einer sonst so geschwät tzigen Zunge lagen. Vio interpret e ola tierte mein Schweigen als Des sinteresse u zog ein Schmollmündchen mit und t leichtem Heben de linken un sorgfältig gezupften Augenbrau er nd g n ue. „Ich kann doch alles m dir besp mit prechen, du hast es mir r ochen?“ wa Violas näc ar chste, mit le eicht geröte eten Wange dazu en, verspro etwas v vorwurfsvoll auf der zw weiten Hälft des Satze betont, a te es aber auch zu ustimmungs sheischend gesprochen Frage. Gleichzeitig s ne schob sie das leere Glas mit den Fingerspitzen in meine Richtung. Ich verstan die Signa und tat g nd ale gehorsam was getan w w werden musste. An dieser S Stelle möchte ich Sie lie Leserin, und natür ebe rlich
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auch di mein Fre ich eund fragen „Hätte ich an dieser Stelle das n: Gesprä abbrech sollen?“ äch hen “ Natürlich n nicht. Du hättest es an meiner Stelle nicht get und tan

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____________________ ich habe es im Spannungsfeld von Investition, Mangel und möglichem Nutzen und auch nicht geschafft. Und darum war es nicht nur für mich, sondern auch für euch meine lieben Leser wichtig, dass meine nun folgende Frage gestellt werden musste: „Schaaaahatz, erzähl doch einfach weiter. Was war denn nun mit dem netten Paar?“ Viola begann noch mehr zu erröten und sie senkte, wie weiland Maria die Sünderin, züchtig den Blick, was ihr angesichts der Umstände und des Ortes gut zu Gesicht stand. Eifrig begann ich ihren Kelch zu füllen, den sie auch sofort wieder zum rotgeschminkten Mund führte, was in diesem Moment entzückend aussah. „Nicht dass du jetzt schlecht von mir denkst, aber du weißt doch, dass sich in dem Club auch Paare treffen …“ Mit dem unwissenden Blick, der Scheinheiligen und GroßInquisitoren besonders gut zu Gesicht steht, sah ich meine beste Freundin an. „Was für Paare?“ war meine mit ahnungslosem Unterton und darum eine Antwort provozierende Frage nach mehr Details. „Tu doch nicht so. Das weißt du doch. Das sind ganz normale Pärchen, die hin und wieder etwas Abwechslung suchen.“ Viola ist manchmal etwas schüchtern und dann muss man ihr die sprichwörtlichen Würmer aus der hübschen Nase ziehen. Aber ganz weltfremd bin ich auch nicht und natürlich wusste ich vom Hörensagen, dass es solche Etablissements angeblich geben soll. Immerhin war es sogar mir zu Ohren gekommen, dass in dem besagten Club das Grundrecht der mündigen Bürgerin, und auch des Bürgers auf ausschweifende Orgien nicht nur auf der Liegewiese, sondern auch an der Schaukel und an der Lochwand vehement

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______ __________ ______ verteid wurde. A digt Außerdem wusste ich aus verlässlicher Quell dass le, Viola ebendort ein seriösen Ausbildun nen n ngsplatz bek kommen ha was at, esichts des F Fachkräfte- und Lehrstellenmange in der Re els epublik ja ange auch ni icht zu vera achten ist. V Viola und ich hatten ja v h vorher die V Vorund Na achteile ausgiebig disku utiert. Auße erdem wuss ich, dass meine ste s immer noch betrauerte Ex-Lia aison Fabienne (das Fe erkel)22, zusa ammen er n sgefährtin C Chantal („ge zur eh mit ihre Freundin und aktuellen Lebens Hölle“) dort seit ge eraumer Ze sehr erfo eit olgreich tätig sind. g hteweise hatte ich auch erfahren, dass es sich bei Violas h h Gerüch Arbeits sstätte um e einen sogen nannten Swinger-Club mit allem PiPaPo handelte, und im h hinteren An nbau ein sch hweineteures Studio fü ür konseq quente Erzie ehung betrie eben wurde e. Meine etw überheb was bliche, aber doch weltm männisch klingen Antwort „Aber klar das weiß ich doch. Ganz doof bin ich ja nde t: auch ni icht“ war zw neutral formuliert, aber auch als war , vertrau uensbildend Maßnahm gedacht und Viola begann ihr de me t, re Scham zu überwin nden und weiter zu erzählen. „Also die w waren so nett und die fanden mich auch f h thisch, und da bin ich m denen in den Klinik mit n kraum23 sympat mitgegangen.“ Ich sah Viola vielleicht etwas zu la an, den ihre Frage: „Du t ang nn weißt d doch, was ein Klinikrau ist?“ kam nach einig Sekündchen um m gen mit lauerndem Un nterton, viel lleicht um meine Nerve m enstärke zu testen, u hinterh her.
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Siehe au meinen Text „ uch „Fabienne, Tarot, goldene Kugeln und ein Drache, der mit seinem S , Schwanz

die Sterne vom Himmel hol lt.“
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Im Unter rgeschoß des Anb baus. Erreichbar durch eine Wend deltreppe.

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____________________ „Ja natürlich weiß ich, was ein Klinikraum ist. Ich war nur einen Moment verwundert, weil du mir immer erzählt hast, du würdest nur hinterm Tresen arbeiten und die Cocktails mixen.“ „Ja das mach ich ja auch, aber manchmal mach ich auch eine Ausnahme. Es sind ganz nette Gäste dabei und ein bisschen Spaß möchte ich ja auch haben.“ Mit einem neutralen „Aha“ sah ich das ein. Der werktätige Mensch hat nun mal das gewerkschaftlich garantierte Recht auf Freizeit, wenn der Job zu stressig wird. Außerdem ist es Viola hoch anzurechnen, dass sie in der allgemeinen Hartzler-Depression, bewundernswerte Initiative durch selbstlose Mehrarbeit auch in den Abend- und Nachtsunden zeigt. Meine Frage: „Und was ist dann passiert?“ war die logische Fortsetzung des Dialogs, denn es wäre, wie ich bereits geschrieben habe, unklug gewesen, nicht weiter zu fragen. „Ja also ich bin dann mit gegangen und die waren auch sehr nett. Sie heißt Petra und er heißt Peter.“ An dieser Stelle muss ich erwähnen, dass Viola sehr viel von der altchinesischen Foltermethode der sich langsam ins Unerträgliche steigernden Qual versteht. Bevor sie zum verbalen Kern der Sache kommt, kann es seine Zeit dauern, und gut Ding will Weile haben, wie der Kartoffelbauer, und auch die Sadisten gerne sagen. „Einszweidrei im Sauseschritt. Es läuft die Zeit …“ ging mir durch den Kopf.24 „Ja und, was ist dann passiert, mach es doch nicht so

24

Zitat von Wilhelm Busch.

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______ __________ ______ spanne end.“ War m meine etwas zu laute Antwort. Irge s A endwie hatt ich te auch da Gefühl, d Viola m as dass meine Nervo osität beme erkte, denn sie nahm n noch einen Schluck aus ihrem Glas und ich dachte nicht daran, s s, t noch ei Flasche vom Teuren zu öffnen ine n. „Schenk mir erst noch etwas nach, oder ist d Kühlsch h dein hrank schon leer?“ gurrt sie mit einem herzigen Lachen. Durch die te nde missverständ dliche Auffo orderung Umstän und durch die unm gezwun ngen, musst ich das tr te raute Zusam mmensein k unterbr kurz rechen, mit etw schmerz was zendem Rücken aufste ehen und zu Kühlschr um rank gehen. Denn wenn Champagner zu warm wird, schm n m meckt er ja nicht mehr u das ist n und nicht so moussierend, wie die Cha w ampagnerke enner in meiner Leserschaf wissen. Ic griff (mit entschlosse r ft ch enem Griff) zum ) Hals de zweiten C er Champagnerflasche und bewegte mich mit w weichen Knien u leicht sc und chwankend dem Gang zu urück ins W Wohnzimmer. Viola saß inzw wischen auf dem Bode Sie hatte ihre Pump ausgezog und en. e ps gen die Beine entschlo ossen geschlossen ange ewinkelt un mit ihren nd n Armen, wie zu einem zusätzlichen Schutz umschlun , ngen. Ich verstand das Signal, und ohne ein weit teres Wort zu verlieren stellte ich die z n e auf uchtisch. Da sah ich V ann Viola an. Flasche vor Viola a den Cou Sie sah mic an. ch Ich sah sie immer noch an, und dann versuchte sie die Sektflasche mit un ngeübten Fingern zu öf ffnen, das Luder. Ich nahm ih die Flasche aus der Hand, um d Angelege hr die enheit zu besc chleunigen und Viola re edete weite er.
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waren dann in dem Rau ...“ Viola zog kurz an ihrer um a „Also wir w Zigaret Meine H tte. Hand began zu zitterte, als ich ihr Champagn nn nerglas mit Inh und den Couchtisch mit perlen halt n h nden Tropfe versah. D en Dann

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____________________ nahm sie einen Schluck aus dem gestielten Kelch und hielt ihn wieder in meine Richtung, mit der unausgesprochenen aber unmissverständlichen Aufforderung die Leere mit Inhalt zu versehen. Ich tat es, aber Violas weitere Ausführung wartete ich nicht ab. Die Aufregung war zu viel für mich. Ich musste aufstehen und ins Bad gehen, um mir zwei kalte Umschläge auf die Stirn zu legen. Dazu ließ ich etwas eiskaltes Wasser über meine Handgelenke laufen, um meinen Kreislauf wieder auf einem normalen Niveau zu stabilisieren. Als ich meine Kontenance wiedergefunden hatte, sah ich auf die Uhr. Die Zeit war schon weit, fast zu weit fortgeschritten, und die Entscheidungen zum Wohl meiner Libido und unter Berücksichtigung des sich rapide verschlechternden Verfügungszustandes meiner plaudernden Freundin Viola musste jetzt, oder nicht mehr getroffen werden. Leidlich erfrischt ging ich zu meiner bald drittbesten Freundin25 zurück. Unaufgefordert, aber mit etwas schwerer Zunge vorwurfsvoll artikulierend, redete sie weiter: „… und ja, ich weiß dass du jetzt schlecht von mir denkst,26 wir hatten so etwas Ähnliches wie Sex.“ Ich sah Viola einen Moment streng an, bevor meine interessierte Gegenfrage kam: „Ihr hattet so etwas Ähnliches wie Sex? Hattet ihr Sex, oder hattet ihr keinen Sex. Hattest du und Peter Sex, oder du und wie heißt sie noch mal, Petra? Oder du und Petra und Peter, oder waren da noch Andere irgendwie und irgendwann daran beteiligt? Kann man eigentlich so etwas Ähnliches wie Sex haben?“
25 26

Sobald ich Ersatz gefunden habe. (Anmerkung des Autors) Womit Viola mit ihrer Vermutung nicht ganz falsch lag. (Anmerkung des Autors)

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______ __________ ______ „Also das is jetzt etwa komplizie st as erter ...“ Die Antwort v von Viola ka fast empört, so als ob ich ein elender und intolerant am e d ter Spießer wäre, der Viola (dem armen Mädel) auch nicht den gerings sten Spaß gö önnen würd de. „… und da ist ja auch n nichts Schlim mmes dabe Tu doch n ei. nicht so, als o dich das schockiere würde.“ ob s en Manchmal kann Viola richtig nett sein, besonders wenn sie t n ihre spitzbübische Art, verbun e nden mit einem hinter rlistigen pagnerläche drauf ha So ähnlic waren meine Gedan eln, at. ch nken. Champ Aber ic wollte nic als weltf ch cht fremder Spießer daste ehen und meine Antwor fiel souve rt erän versöhnlich aus. „Honey, du kennst mich doch. Mich kann do nichts m u och mehr erschüt ttern. Haup ptsache es h dir Spaß gemacht.“ hat In Gedanke war ich b der unau en bei ufhaltsam v verstreichen nden Zeit, de wie du w enn weißt, hatte ich Viola für den Abe und mir e f end r größere Nutzen b en bringend eingeplant. Denn auch ic habe ein Recht D ch auf ein bisschen Li iebe, ein bis sschen Fried ein bis den, sschen Freude – das wünschte ich m mit Violas Hand un Mund. mir nd In dem Mo oment, leide etwas zu spät, fiel m die chine er mir esische eit s er danken acht soll, ten Weishe ein, dass man besse auf seine frühen Ged denn si sind der A ie Anfang der Tat, und manchmal ko ommt es anders als man de enkt. Viola n nahm noch einen Schlu aus ihre Glas und schob uck em d es dann wieder in meine Rich n htung. Sie sc chwieg eine Moment, und en , ich tat das, was zu meinen Au u ufgaben geh hört.
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„Ich muss d noch etw erzähle dir was en.“ Als ob ich e nicht gea es ahnt hätte. Da war noch etwas. Etwas D was ma nicht dem Ehemann beichtet. Auch nicht d an m n A dem Pfarrer oder

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____________________ dem Tagebuch. Ein Geheimnis, dass Frau nur mit dem besten Freund, dem Verschwiegensten der Verschwiegenen, teilt. „Los jetzt erzähl schon. Was war da noch ...“ Ich lächelte meine zweitbeste Freundin an, aber tief in meinem Innern wuchs der Wunsch, einen spontanen Mord durch Erwürgen der Schlange zu begehen. Denn wenn ich etwas hasse, dann sind es intime Geständnisse, die nur scheibchenweise in der knapp bemessenen Zeit serviert werden. Aber ich bin ein geduldiger Mensch mit stahlharten Nerven. Dennoch war mein hysterisches Lachen nur mühsam zu verbergen. „… mir kannst du alles sagen. Wir sind doch uralte Freunde.“ „Ich bin verliebt.“ Gott und die Heiligen wissen es, ich bin kein gewalttätiger Mensch. Doch urplötzlich hatte ich das Gefühl, dass die Äderchen in meinen Augäpfeln das Ausdehnungsmaximum erreicht hatten, und meine Haare schlohweiß geworden waren. Ich verabscheue jede Form von körperlichen Auseinandersetzungen, aber es gibt Situationen, in denen sogar bekennenden Pazifisten zu Gewalttätigkeiten neigen. Mit großer Kraftanstrengung gelang es mit, mich und meine Triebe zu beherrschen, denn Viola ist ja wie bereits beschrieben sehr nett und lecker, oder wie ein bekannter Schwerverbrecher in einem klassischen amerikanischen Kriminalfilm sagen würde: „Süß, wie ein Spitzenunterhöschen“, um dann zwei Kugeln aus der verchromten Derringer in den Bauch zu bekommen. Nun ist mir nicht unbekannt, dass Zustände, die zum Beispiel den Gefühlshaushalt des Menschen betreffen, qualitativ nicht quantifizierbar sind, und als Schmonzetten und leichtes

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______ __________ ______ Frauenlesestöffchen, den lite erarisch inte eressierten Mann eher wenige interessie er eren. Als auf fmerksame Kenner (o er oder heimlic che Konsum mentin) meiner absolut authentisc t chen Erlebn nisberichte w weißt du auch dass Lieb (dieser sc h, be chöne und emotionale Zustand), b e beim erwach hsenen Men nschen zwar länger anh halten kann aber bei V n, Viola und nach meiner V Vermutung vom Mond den Gezei d, iten, des ntanen Zust tands ihrer Ehe, des Wohlverhalte ihres spröden W ens momen Ehemanns und vis suellen, beziehungswei monetär Gründe ise ren en aher ist der Zustand de Verliebtse bei me es eins einer bestimmt wird. Da promiskuitiven Fre eundin Viola üblicherw a weise zeitlich eng begre h enzt. Violas L Lieben werd nach ku den urzer Zeit zu abgelegte Kurzliebchen. u en Vermutlich wegen die erschüt h eser tternden Mitteilung verspürte ich ein plötzliches Schwindelg gefühl. Mit zittriger Stimme und d dickem Hals krä ächzte ich z Viola: „Sc zu chatz, ich bi gleich wie in eder da.“ D Dann ging ich ins Bad, um meine ka h alten Wickel zu erneue und im k ern kleinen Metalls schränkchen (neben de Tür, an der linken Innenwand m er meines Badera aums) nach einem kreis slaufstabilis sierenden M Medikament zu t kramen n. ischt und mit einem leichten m Als ich nur mäßig erfri Magengeschwür v vom Ort der Stille zurüc kam, plat es förmlich aus r ck tze Viola heraus: „Abe du denkst jetzt nicht schlecht vo mir. Verspricht er t on du mir das?“ Verzweifelt begann m Gehirn Fragen zu s t mein stellen: „We enn Liebe so anstrenge ist, kann es nur daran liegen, dass Mann und end
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Frau un nterschiedliche Startvo oraussetzun ngen haben. Wer will hat . verlore wenn sie hat, aber n en, e nicht will.“ Plötzlich wa mir klar, dass ar der Ma in vielen wenn nicht in allen zwischenme ann n, z enschlichen n

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____________________ Situationen eindeutig der Unterlegene ist. Mühsam beherrscht und transpirierend antwortete ich: „Also das ist ja nichts Neues, in wen bist du denn verliebt. In Peter, oder in Petra, oder etwa in Beide zusammen?“ Viola schwieg einen Moment und mit ihren blitzweiß gebleachten Zähnen begann sie etwas an der rechten Seite ihrer Unterlippe zu knabbern. Dann nahm sie einen Schluck aus dem Glas mit dem inzwischen der Zimmertemperatur angepassten Champagner. Verlegen begann sie mit der leeren Flasche zu spielen und das Papier vom Flaschenhals abzuknubbeln und dabei ein Schmollmündchen zu ziehen, denn ich sah nicht ein, noch eine dritte Flasche auf dem Altar der vergeblich Hoffenden zu opfern. „Eigentlich weiß ich es auch nicht so genau. Aber da war etwas, was ich bis dahin noch nicht kannte.“ In diesem Moment musste ich mir mit einem Taschentuch den Schweiß von der Stirn wischen. Meine Viola hatte etwas im sexuellen Bereich erlebt, dass sie noch nicht kannte. So etwas hätte ich von Viola nicht erwartet, denn ich, der einzige und ultimative Innovator im Hühnerstall der Gewohnheiten, dachte immer, dass Viola gegenüber Neuem nicht nur aufgeschlossen, sondern sogar freudig erregt auch alles schon probiert hat. „Jetzt erzähl schon, mach es doch nicht so spannend“ war meine ungehaltene Antwort, der ich den beschwichtigenden, aber mit druckvoller Betonung ausgesprochenen Zusatz: „Du weißt doch, dass du mir alles erzählen kannst“ hinzufügte. „Also gut, dann erzähl ich es dir. Also der Peter, der wollte, dass ich Strumpfhosen anziehe. Solche Dinger hatte ich schon ewig

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______ __________ ______ nicht m mehr angeha aber ich hab gedac die sind gute Gäste und abt, cht, d außerd dem ist das j nichts Schlimmes …“ ja “ Mit unvers ständigem B Blick sah ich Viola an, d weitersp h die prach: „Das de enkst du do auch? D ist doch nichts Schli och Das immes?“ Wortlos, ab an Schli ber immes mit Blut, und da an einen azu abgeschnittenen V Violakopf au einem Silbertablett d uf denkend elte schütte ich den Kopf. „Also, die Beiden sind gute Gäste und da ha ich die D d e, ab Dinger angezo ogen. So rich billige S htig Strumpfhosen vom Kra abbeltisch. P Peter auch, a nicht so richtig, aber eigentlich schon …“ also o An dieser S Stelle schwieg Viola, un ich dacht daran, da jetzt nd te ass die bes Gelegenheit wäre, a dem Fenster zu spr ste aus ringen, ode Viola er zu schu ubsen – aus dem Fenster, dem hohen. Viola hatte ein leicht gerötetes Gesicht und ich spürte, dass e G sie entg gegen ihrer Natur, kleinlaut war. Ich sah sie v r I verständnislos an, aber was konnte m eiserner Wille geg diese Fo mein gen olter ausrichten? Sie vers stand meine Mimik als Aufforderu zögern mehr von dem s ung, nd n zu erzählen, was s mir ohne sie ehin erzähle wollte. en „… also er z die Stru zog umpfhose über seinen Kopf?“ Inzwischen war es kur nach 22:0 Uhr. Meine Frage: „Wolltet n rz 00 ihr etw eine Bank überfallen klang da wa k n?“ arum nur mäßig überra ascht. Plötzlic verspürte ich eine bleierne Müd ch e digkeit und die Sehnsu ucht nach m meinem Trän nentuch. „Nein, sow mach ich doch nicht. Das weiß du doch … was h ßt …“
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flüstert Viola. te Ich wusste das nicht u darum schloss ich d Augen w zum und s die wie Gebet f eine arm verwirrt Seele. für me, te

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____________________ „… er lag so auf der Bank und ich sollte, also ich weiß nicht wie ich es sagen soll …“ „Ja was denn nun?“ entfuhr es mir barsch und für den von mir beabsichtigten Zweck des Abends etwas zu laut. Vielleicht hätte ich Viola an dieser Stelle und um diese Uhrzeit erwürgen sollen, aber ich hielt mich, angesichts der unbequemen Verhältnisse in deutschen Strafanstalten, wenn auch mühsam, aber immerhin noch zurück. „… ich sollte ein Lied singen.“ „Was solltest du?“ „Ich sollte ein Lied singen. Er wollte es, und Petra fand die Idee auch lustig.“ Ich schloss die Augen und nahm mir vor, meinen Vorsatz bezüglich des angedachten Mordes bei der nächsten passenden Gelegenheit, aber spätestens in den nächsten zehn Minuten zu realisieren. „Ja und, was für ein Lied habt ihr gesungen?“ „Soll ich es dir vorsingen?“ Mit offenem Mund und einer sich ankündigenden Kreislaufschwäche griff ich nach der Flasche von Johnny Walker mit dem schwarzen Label. Schwankend zwischen einem beherzten Schluck aus der Pulle, und einen kühnen Hieb gegen Violas Gehirnschale, antwortete ich mit krächzenden Lauten: „Ja, sing es mir doch auch mal vor.“ In diesem Moment erinnerte ich mich, dass Viola vor geraumer Zeit einen Bauchtanzkurs absolviert hatte, und ich musste trotz der Folter lächeln. Viola stand vom Boden auf. Dann hielt sie sich einige Sekunden am Kanapee fest, um dann ohne Pumps, aber in

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______ __________ ______ Strümp pfen, Rock u mit Blus vor mir zu stehen. D und se z Dann begann sie zu singen: „Es regnet es regnet, der Peter wird nass. M : t, , w Mach mich n nicht nass, m mach mich n nicht nass, m mach nur de bösen Pe nass.“ en eter Ich sah sie mit debil ge eöffnetem Mund an. M Viola sah m fragend an. mich d Ich wusste nicht, ob ic jetzt in die Hände klatschen, od aus ch der Verzwe eiflung wein sollte. A nen Aber bevor ich eine Ent tscheidung über die pas ssende Reak ktion und di mögliche Reaktion d ie e darauf treffe en konnte begann Vi hektisch zu erzähle e, iola en. „Ja und dan sollte ic auf ihn Pi machen. Also in sein nn, ch ipi . nen Mund. Und Petra s sollte sich s solange auf den Dildo-S Stuhl setzen Das n.
8 hat Cha antal27 so ge ewollt, und Fabienne28 hat zugese ehen und

mitgesu ungen. Ich s dich übrigens von Fabienne gr soll rüßen.“ „Die Sau“ g mir dur den Kop und Viola schaute verlegen ging rch pf, a auf das Sektglas. S s Spontan öffnete ich die letzte Champagnerfla e asche um Vio Glas zu füllen. olas An dieser S Stelle möchte ich die weiteren Bes w schreibunge des en Dialogs und des Ab s bends abbrechen. Abe dieses ers er schütternde e Beispie moralischen Verfalls erschien mir zu wertvo um in el oll, Vergessenheit zu g geraten. Da arum habe ich beschlos ssen, zu recherc chieren und das Thema „Champag d a gner, frisch aus der Qu uelle“ einer elitären Lese erschaft zur Diskussion zu stellen. r
27

Chantal ist die derzeitige Lebensgefährtin von Fabienne, die eigentlich Mar rion heißt, und die mich und

wegen Chantal ve erlassen hat, und die die momenta die beste Freu an undin von Viola is was st, auch Ralf w

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Chantal nic so gern sieht, weil Chantal seh eifersüchtig ist aber Fabienne n zum Persona und zu cht , hr t, nett al den Gästen sein muss, was gut für das Geschäft ist. n
28

Die derzeitige Lebensgefä ährtin von Chantal, über die ich se ausführlich in meinem Buch „Fabienne“ ehr n

habe. berichtet h

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______ __________ ______

Bei meinen Befragungen repräsenta n ativer Bevölk kerungsschich hten im geschlechtsreifen Alter konnte ich eruieren, dass quer durch alle soz zialen Schichte die Mehr en, rheit der kon nservativen bundesdeuts b schen Nachkriegsbevölker rung, eine du urch undefinierbare Ress sentiments geprägte genommenhe kultiviert hat. Das hat tiefverwurz eit t zelte Ursache die en, Voreing jedoch ü überwiegend auf mangelhafte Aufklä d ärung zurück kzuführen sin nd. Dennoc hat mich d breite Ablehnung des sensiblen Themas nicht davon ch die s abgehal lten, unparte eiisch, ohne Vorurteile ge egen unkonv ventionelle Neigung gen, nicht ein nseitig mit vorgefassten Wertungen oder Meinun ngen gegenüber den Abgründen des m menschliche Daseins, aber dennoch en h ngslos offen zu berichten Zu diesem Zweck habe ich mich vo n. e orrangig schonun über die Konsumgew e wohnheiten der erwachs senen Bunde esbürgerinne und en Bundesbürger informiert. Reprä äsentative Fa allbeispiele m möchte ich m mit icher Genehmigung der i interviewten Personen h darstelle n hier en. freundli

Zum Beispi hat mir d seit vier Jahren glüc iel die cklich verhe eiratet Sandra H. aus E. (4 und seit vier Jahren glücklich ve 43 erheiratet) bei einer vertraulichen Zusamme enkunft zwe einem Interview ecks bericht dass sie aus Gesundheitsgründ regelmäßig ihren U tet, den Urin, aber au manchm den ihre Liebhabe genießt. Sandra H. t uch mal es ers trinkt morgen vor dem Frühstück e halbes Glas vom er ns ein G rsten Mittelstrahl, und wie sie mir au glaubhaft versicher hat, soll d Eigenuri den e uch rt der in, sie liebevoll „mein Goldelixier“ nennt, zu diesem Ze n u eitpunkt von n besond intensiv ders vem Gusto sein. Auch tagsüber, vor oder nac dem t ch Essen, zum Salat o oder zum Kr rabbencocktail, verkost sie gern ein tet gutes T Tröpfchen. F Sandra H. ist Urin ein gesunde körpereig Für e er, gener Saft, de nicht nur die natürlic er r chen Abwehrkräfte stä ärkt.

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______ __________ ______ Ganz andere Vorlieben hat Ulrike S. (34 aus der Uckerm e mark und sei Septembe 2010 verliebt). Da sie seit vielen Jahren un it er n nter starkem Übergewicht zu leide hatte (m negativen Folgen au ihr m en mit n uf Liebesleben), war ihre letzte Hoffnung eine kombinierte HarnWasser r-Fasten-Therapie.29 Na einem vierwöchige Fasten ohne ach v en Nahrun ngsaufnahm wobei si in dieser Zeit nur den Eigenurin und me, ie n regiona Minera ales alwasser get trunken hat war es i gelungen das tte, ihr n, Körperg gewicht von hundertsiebenunddr n reißig Kilo auf siebenu undachtzig Kilo (ohne K Kleidung un Schuhe) zu senken. Zur nd Therap gehörten tägliche Ei pie n inläufe mit einem Urin n-Wasser-Ge emisch (70 Pro ozent Urin, 3 Prozent stilles Mine 30 eralwasser), um die Darmflora , zu reinigen. Ulrike S. hat das prickelnde Getränk mit heilender e G Wirkun nicht nur innerlich, s ng r sondern auc äußerlich angewend Um ch h det. ihre Ak zu behandeln, massierte sie zw kne weimal am T ihren Körper Tag mit ein bis zwei Ta altem U age Urin, der dur Anwärm auf dem rch men m Ceranfe auf Körp eld pertempera gebrach wurde, v atur ht vom Hals bis zu den s
30 Zehens spitzen ein.3 Wie sie m versicherte, hatte die kombinie mir erte

Harn-W Wasser-Fasten-Therapie eine gute, energetisc Wirkung auf e , che g den ges samten Org ganismus, m durchsch mit hlagendem Erfolg. Die Akne ist vers schwunden, und Ulrike S. hat mir gestern, anlässlich eine , e g es

29

Wie mir berichtet wurde, treten bei der kombinierten Harn-Wasser-Fasten , n-Therapie treten

fühle nur sehr selten auf, da die kö örpereigenen Sto immer wiede rückgeführt we offe er erden. Hungergef Ergänzend soll ein gutes Vit tamin-Kombipräp parat verwendet werden.
30

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Äußere A Anwendungen sin Einreibungen, Wickel, Packung Fußbäder un Gurgeln. Äußere nd , gen, nd

Anwendun ngen werden von erfahrenen Ther rapeuten zum Be eispiel bei Hautkr rankheiten, oder bei akuten und chronischen Krankheiten empfohlen. Dabei soll eine tief fgreifende Wirkung erreicht, und die ungskräfte des Kö örpers aktiviert w werden. Selbstheilu

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____________________ längeren Telefongesprächs, freudig ihre baldige Vermählung mit einem Agrarökonomen (Schweinemast) angekündigt. Bei meinen Nachforschungen konnte ich in Erfahrung bringen, dass Urinanwendungen auch weitgehend unbekannte und hochwirksame Anti-Aging-Effekte haben. Das hat auch die KosmetikIndustrie erkannt. Urin ist in den beliebten Urea Cremes vorhanden. Durch einreiben mit Urin wird die Haut straffer, geschmeidiger und besser in der Elastizität. Wie mir berichtet wurde, kann auch die Cellulitis sehr gut mit Urinwaschungen und Urinmassagen behandelt werden. Nun müssen die Unwissenden nicht ungläubig den Kopf schütteln. Jeder durchschnittlich informierte Esoteriker weiß, dass die Urintherapie auf eine lange Tradition zurückblicken kann, die sich bis ins alte Ägypten zurückverfolgen lässt. Die alten Ägypter waren Meister der Harnschau und Anwendung. Auch Hippokrates von Cos (460 v. Chr bis 375 v. Chr.) empfahl in seinen Schriften Urin als Therapeutikum.31 Natürlich spielen bei der Urintherapie nicht nur die Ernährung, sondern auch die Lebensgewohnheiten von Spender(in) und Empfänger(in) eine wichtige Rolle. Eine einmalige Anwendung, wie von Viola verabreicht, dürfte nur geringe, therapeutische Wirkung zeigen – von den geschmacklichen Nuancen und der allgemeinen Bekömmlichkeit einmal abgesehen. Wahre Kennerinnen und auch Experten achten auf ein stressarmes Leben, und auf gesunde Ernährung. Es ist wie in einer guten Küche. Das Essen lebt
31

Hippokrates ging davon aus, dass das Wesen der Krankheiten grundsätzlich in einer fehlerhaften

Mischung der Körpersäfte zu finden sei.

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______ __________ ______ vom Ge eschmack. W viel Ob und Gem Wer bst müse isst, de Verzehr von en Fleisch einschränk oder soga ganz unterlässt, und die Bude n kt, ar d nicht almt, bereitet der Gatti oder dem schwer arbeitenden in, m vollqua Ehemann einen be esonderen G Genuss. Der Urin bekommt schon nach n kurzer Zeit einen n neutralen G Geschmack und eine hü u übsch-gülde ene Champ pagnerfärbu Um zum Beispiel die Gattin sc ung. m d chnell an de en regelmäßigen Gen nuss zu gew wöhnen, kan seinen Ch nn hampagner auch mit Apf felsaft oder Orangensa zu einer Natursekt-S r aft Schorle mis schen, was jed doch den Ge enuss, frisch von der Quelle ersch h Q hwert. Phantasiev volle Frauen und Männ wissen s n ner schon seit Jahrhun nderten um die starke Kraft des Aphrodisiaku 32 Eine m A ums. bekann Mystikerin hat mir unter dem Verspreche der absoluten nte en Verschw wiegenheit, von der ab bhängig machenden W Wirkung von Urin bericht Inzwisch nachge tet. hen ewiesen ist, dass bei Mä ännern der Hypoth halamus33 m einem w mit wahren Feue erwerk auf d Frauenduft den reagier Erfahrene Frauen tu rt. e upfen statt Parfüm etw von ihrem P was hinter d Ohren, o die oder geben ihrem Herz n zallerliebste in Herzfo en orm gefrore enen Naturs sekt in den Long-Drink, ins Whisk , key-, oder in Pilsns Glas. Pa assende Eis sförmchen f das Gefr für rierfach hält der t Hausha altswaren-Fachhandel bereit. Für den intimen Hausgebr n rauch haben sich Eisförm mchen aus s silikonähnlic chem Material bewähr Die rt.
32

Ein schw wedisches Forsche erteam ließ Männ und Frauen an Düften riechen die sie aus ner a n,

östrogenha altigem Urin von Frauen gewonne hatten. Zum Vergleich durften die Probanden auch an en V Lavendel o oder Zedernöl sch hnuppern, während die Forscher die Gehirnaktivitä ihrer Versuchspersonen d ät mit Compu utertomographen überwachten. n
33

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Der Hypo othalamus ist ein Abschnitt des Zw n wischenhirns im Bereich der Sehn nervenkreuzung. Der

Hypothalamus steuert die v vegetativen Funk ktionen des Körpe und auch des Sexual- und ers (Quelle: Wikipedia) Fortpflanzungsverhaltens. (

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____________________ aus der Tiefkühle entnommen Eis-Herzen sind einfach aus der Form zu drücken. Ein goldenes Herz im Drink ist das ultimative und dekadente Give-away für Verliebte. Für Sicherheitsbewusste ist mein Hinweis auf das Verfalldatum gedacht. Urin nur dann gut ist, wenn er goldgelb schimmert.34 Es soll vorgekommen sein, berichtet Der Spiegel, dass sich bei zu warmer Lagerung Schimmel auf dem Urin bilden kann.

____________________

Bei Redaktionsschluss lagen die Termine für die nächstjährigen „Wet-Games“ noch nicht vor. Informationen zu den „Wet-Games“ und anderen „Golden-Shower“ Veranstaltungen bitte an meine Email natursekt@raoulyannik.de

34

Quelle: spiegel.de vom 31.03.2005

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______ __________ ______ Nachtrag

„R dich nicht über Din auf, die du nicht än Reg nge ndern kanns st.“
Sina Sidonius s

______ __________ ______ Ich habe di iese Geschic chte so geschrieben ha wie sie noch abe, e in mein Erinneru ist. Darum bitte ich meine Les ner ung h serinnen un Leser nd um Nac chsicht, wenn ich an de einen oder anderen Stelle zu se von er ehr dem was sich tatsä ächlich zuge etragen hat abgewichen bin. Den t, nnoch, und das kann ich b beschwören entspricht Vieles der nackten, n, r ungesc chminkten W Wahrheit, so schön sch o hrecklich sie auch ersch e heinen mag. Daher ist es nicht verwu underlich, wenn es in m w meiner Gesc chichte kleine Ä Ähnlichkeite mit noch lebenden oder inzwis en h schen verstor rbenen Pers sonen gibt. Persönlichk keiten die der Zufall, di ie Zwänge des Leben oder das Kalkül, so wie im richt e ns, s w tigen Leben für n, eine ku Zeit zus urze sammengef führt hat.

Vielleicht k kommt dir d eine ode andere Ep die er pisode beka annt vor. Du brauchst d nicht zu sorgen, un du musst mich nicht daran u dich u nd t erinner Mein Kapital ist meine Verschw rn. wiegenheit. Ich nenne keine . Namen und ich sch n hwöre dir, b allen He bei eiligen und b allem w mir bei was heilig is Die gena st: annten Akte eure, ihre Namen, die O und Ze Orte eiten sind vo mir frei e on erfunden. Du kannst be u eruhigt so w weiterleben wie du es gewohnt bist. A Aber du sieh auch de Erlebnisse sind so hst, eine
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alltäglic dass sie überall pas ch, ssieren könn nten, jede M Minute, jede Stunde überall au der Welt, schon imm und sola e, uf mer ange es Men nschen

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____________________ gibt. Eine Frau liebt einen Mann, ein Mann liebt eine Frau, sie schwören sich Liebe und vielleicht lieben beide auch noch etwas anderes. Wenn, ja wenn die Wünsche, die Ziele und die Zufälle nicht wären. Sollte also jemand vermuten, sich in diesem Buch wiederzuerkennen, dann fühle ich mich wegen meiner blühenden, aber realitätsnahen Phantasie geschmeichelt. Aber Ansprüche, welcher Art auch immer, können daraus nicht abgeleitet werden, denn der oder diejenige hat sich geirrt.

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______ __________ ______ Mein Profil

Raoul Yanni R ik

Geboren im Oktober 1 m 1950 in der damals bes schaulichen n, schwäb bischen Klei instadt Sind delfingen. Nach Abitur und Ausbild dung schloss sich ein län s ngeres, aus heutiger Sicht ziemlich nutzloses h Studium in Berlin a Heute, n m an. nach einer kurzen Ehe und andere k en Missgeschicken lebe ich aus L Lebens- und Liebesgrün d nden in Essen. Ich schreib Essays, Kurzgeschich be hten und Ro omane über die Abgrün der r nde Seele, ü über die Irrw wege der Li iebe, über das was sein könnte un was d n nd ist.

Meine Schreib-Werkstat www.raoulyannik.de tt: r are Meine Web-Tagebücher für Kommenta und Tipps: http://rao oulyannik.blogs spot.com/ und http://raoulyannik.wordpress s.com/ Kontakt u Fragen an m und mich: kontakt@ @raoulyannik.de e

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____________________ Meine Bücher und Veröffentlichungen

HEXENMACHT
Roman 560 Seiten Schweitzerhaus Verlag ISBN-10: 3939475211 ISBN-13: 978-3939475217 Im Buchhandel und bei Amazon erhältlich

Kurzgeschichten
Schweitzerhaus Verlag ISBN 978-3-939475-06-4

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