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Sergiusz Piasecki - Aufzeichungen Des Rote-Armee-Offiziers

Sergiusz Piasecki - Aufzeichungen Des Rote-Armee-Offiziers

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Einer der besten Kenner der totalitären Weltanschauung - Sergiusz Piasecki. Russischer Staatsbürger polnischer Abstammung. Schmuggler, Bandit, Schriftsteller. Zum Tode verurteilt, lernte er als junger Mann im Gefängnis die polnische Sprache. Sein erster Roman "Der Geliebte der großen Bärin" wurde Welterfolg.

In den "Aufzeichnungen" beschreibt der Schriftsteller in Form eines Tagebuchs Abenteuer eines jungen sowjetischen Offiziers im russischbesetzten Polen in den Jahren 1939 - 1945. Auf satirisch-bissige Weise werden auf der einen Seite die ( für einen Westeuropäer zuweilen exotischen ) Verhältnisse in der litauisch-weißrussischen Gegend um Wilna, auf der anderen Seite ein Soziogramm eines homo sovjeticus dargestellt.

Er ist eine Art Anti-Schwejk. Wo Josef Schwejk als einfacher Mann sich gegen die Absurditäten der Kriegsmaschinerie zur Wehr setzt, ist der Romanheld Michail Zubow ein Teil einer Maschinerie, die die Wirklichkeit ad absurdum führt.

Es geht um eine andere Welt. Nicht um die vom Mars oder von einem anderen Planeten. Es geht um eine der vielen Welten, die es in Europa gab und weiter gibt. Wir müssen sie nicht verstehen oder akzeptieren. Wir sollen aber zur Kenntnis nehmen, dass es sie gibt.

Einer der besten Kenner der totalitären Weltanschauung - Sergiusz Piasecki. Russischer Staatsbürger polnischer Abstammung. Schmuggler, Bandit, Schriftsteller. Zum Tode verurteilt, lernte er als junger Mann im Gefängnis die polnische Sprache. Sein erster Roman "Der Geliebte der großen Bärin" wurde Welterfolg.

In den "Aufzeichnungen" beschreibt der Schriftsteller in Form eines Tagebuchs Abenteuer eines jungen sowjetischen Offiziers im russischbesetzten Polen in den Jahren 1939 - 1945. Auf satirisch-bissige Weise werden auf der einen Seite die ( für einen Westeuropäer zuweilen exotischen ) Verhältnisse in der litauisch-weißrussischen Gegend um Wilna, auf der anderen Seite ein Soziogramm eines homo sovjeticus dargestellt.

Er ist eine Art Anti-Schwejk. Wo Josef Schwejk als einfacher Mann sich gegen die Absurditäten der Kriegsmaschinerie zur Wehr setzt, ist der Romanheld Michail Zubow ein Teil einer Maschinerie, die die Wirklichkeit ad absurdum führt.

Es geht um eine andere Welt. Nicht um die vom Mars oder von einem anderen Planeten. Es geht um eine der vielen Welten, die es in Europa gab und weiter gibt. Wir müssen sie nicht verstehen oder akzeptieren. Wir sollen aber zur Kenntnis nehmen, dass es sie gibt.

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05/11/2014

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Heute habe ich frei, es ist Sonntag, also schreibe ich weiter. Freitag habe ich ebenfalls
nicht gearbeitet, weil Frau Jozefa beim Frühstück zu mir sagte: „Zieh heute deinen guten
Anzug an und ruhe dich aus. Die Arbeit werden wir nächste Woche nachholen."
„Warum arbeiten wir heute nicht?"
„Es ist doch das Arbeiterfest, der erste Mai."
„Ihr begeht das Fest auch?"
„Wie es jedem gefällt."
Ein hinterhältiges Volk, diese Polen. Sogar unser proletarisches Fest eigneten sie sich
an. Aber nichts. Es war sogar besser so, weil ich müde war. Wir arbeiteten nur zu zweit,
und so war es schwer, alles rechtzeitig zu schaffen. In einer Kolchose würden unsere
Arbeit an die zwanzig Leute machen. Frau Jozefa hat einmal zu mir gesagt: „Arbeite, so
viel du kannst, denn hier bist du auf deinem eigenen Hof. Du arbeitest für mich, ich arbeite
für dich. Und beide arbeiten wir, um zu leben."
Es war sehr angenehm gewesen, das zu hören, obwohl ich - mit meiner Bildung –
eigentlich gar nicht arbeiten, sondern die Arbeit anderer überwachen sollte. Es sieht aber
so aus, als ob auch ich ein Gutsherr wäre, insbesondere wenn ich meine bessere
Kleidung anziehe, die Krawatte anbinde und die “Omega“ sichtbar mache. Ein sehr
angenehmes Gefühl ist das. Wäre es doch nur möglich, die in Wilno zurückgelassenen
Sachen zu holen, denn dann, könnte man sagen, wäre ich rundum zufrieden. Vor allem
die Drehorgel vermisse ich, weil ich ein gefühlvoller Mann bin und Musik genauso verehre
wie Wurst.

Stalin bin ich nicht mehr böse. Obwohl Ausländer, kümmert er sich, wie ich sehe, um
russische Interessen. Es war nicht seine Schuld, dass Hitler uns betrogen hat. Denn der
ist nun mal eine miese Bestie, die sich an keine Versprechen hält und ehrenvolle
Verpflichtungen bricht. Frau Jozefa hat mir das alles ganz genau erklärt, auch, dass Stalin
jetzt zusammen mit Polen, England und Amerika gegen Hitler kämpft sowie die
>atlantische Karte< unterzeichnet hat, in der steht, dass alle Nationen frei, ohne Furcht
und in Wohlstand leben sollen. Es ist angenehm, zu wissen, dass die Bourgeoisie endlich
verstanden hat, dass man ohne Freiheit nicht leben kann. Es gibt also Hoffnung, dass alle
Staaten freiwillig in die Sowjetunion aufgenommen werden. Man muss nur diese
imperialistische Pest, Hitler, besiegen. Dann wird es gelingen, eine Welt-Kolchose
aufzubauen, alle Kapitalisten, die Uhren und Fahrräder besitzen, abzuschlachten und mit
Hilfe des NKWD unseren russischen Sozialismus einzuführen.
Nach einem guten Essen ging ich in die Scheune, wo ich feierlich die “Internationale“
und das “Vater Unser“ anstimmte. Diesem kommunistischen Gebet passte ich eine schöne

revolutionäre Melodie an. So singe ich sie oft, zu Ehren unseres VATERS Stalin.

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