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11/12/2013

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BUSTER – Organische Boote für F125

Anforderungen und Konzeption
Autorenteam
Rolle FRB (3 Sitze, Stretcher für liegend Verletzten) (Fotos: ARGE F125)

G

egen Ende des Jahres 2003 begann die Formulierung der Forderungslage an das Waffensystem F125, in der die Organischen, d.h. im Schiff integrierten Boote ein wesentliches Element der Forderungserfüllung für die Haupt- und Nebenaufgaben des Waffensystems Schiff darstellen und den Schiffsentwurf in erheblichem Maße mitbestimmen. Die Entscheidung der Deutschen Marine zur Beschaffung einer robusten maritimen Plattform für Stabilisierungseinsätze mit bewaffneten, organischen Booten bildete die Grundlage für die als BUSTER 1 bis 20 benannten Boote der Fregatten der Klasse F125. Mit Abschluss des Bauvertrages F125 im Juni 2007 begannen die umfangreichen Arbeiten zur Detailspezifikation der organischen Boote. Sie sind für die Einsatzaufgaben XX Escort, XX Verbringung von Spezialkräften und XX (kooperatives) Boarding vorgesehen und dienen als flexibles Transportmittel für den Personal- und Materialtransport. Als Teil des Rettungsmittelkonzeptes der F125 können die Boote darüber hinaus für den Eigen- und Fremdrettungsfall als schnelle Bereitschaftsboote – Fast Rescue Boats (FRB) – eingesetzt werden. Mit vier gleichen Booten je Schiff, zwei davon permanent in der Rolle FRB zur Erfüllung der Vorgaben für das Rettungsmittelkonzept der F125 (ein FRB je Schiffsseite), wird eine sehr hohe Verfügbarkeit erreicht. Ein weiterer Vorteil dieses Konzeptes ist, dass kein zusätzlicher Platzbedarf auf dem Trägerschiff F125 für ein rein ziviles Rettungs- oder Bereitschaftsboot vorgehalten werden muss. Durch die Verwendung eines einheitlichen Bootstyps lässt sich der Aufwand für Ausbildung und Logistik deutlich verringern. Den funktionalen Anforderungen an die Organischen Boote entsprechend, benötigt die Marine ein Wasserfahrzeug mit einer hohen (Verbringungs-) Geschwindigkeit bei gleichzeitig großer Reichweite, einer (Einbootungs-) Kapazität zum Verbringen einer Gruppe von bis zu acht bewaffneten und umfänglich ausgerüsteten Soldaten, wie den Spezialisierten Einsatzkräften MaMarineForum 9-2013

rine (SEK M) sowie der Eignung des Bootes, auch bei ungünstigen Wetterbedingungen ein- und ausgesetzt werden zu können. Auslegungsbestimmend für den Bootsentwurf waren die militärischen Anforderungen nach einer Zuladung von ca. 2 t, einer Marschgeschwindigkeit von 20 kn (Knoten) bei mehr als 100 Seemeilen Reichweite und einer Höchstgeschwindigkeit von mindestens 35 kn. Umfangreiche Untersuchungen zur optimalen Anordnung der Boote auf dem Trägerschiff führten zur Integration von je zwei Booten je Seite mittig im Trägerschiff. Die Regeln der International Convention for the Safety of Life at Sea (SOLASRegeln) für FRB fordern das Aussetzen fünf Minuten nach einer Alarmierung. Die Wiederaufnahme ins Schiff bei ungünstigen Wetterbedingungen erfordert im Fremdrettungsfall eine sichere und leicht handhabbare Davitanlage1. Beide Vorgaben ließen sich letztlich nur mit einer Kombination aus Einarmdavit mit pendelarmer Lasthandhabung und Seegangsfolgeeinrichtung sowie einem auf dem Vorschiff angebrachten Vorleinenausleger erfüllen. Diese Davitkonfiguration bestimmte wesentlich den Boots- und den Schiffsentwurf sowie Anzahl und Aufgaben der drei für die Bootsführung benötigten Besatzungsmitglieder im Boot.

Die wesentlichen Leistungswerte der H1010 Boote (Geschwindigkeit, Bewaffnung, Zuladung, Sitzplätze, Ausstattung mit militärischer Kommunikation, Ausstattung für Fahrten im Seefunkbereich A3 sowie Länge und Breite) wurden übernommen. Optimierungsmöglichkeiten in Bezug auf das Seegangsverhalten konnten durch Verzicht auf die Beaching-Fähigkeit (Flacher Rumpf des H1010) genutzt werden. Die im H1010 nicht vorhandene Vorrichtung zum Aussetzen und wieder Einholen musste im Entwurf der Organischen Boote der F125 zusätzlich berücksichtigt werden. Im Einvernehmen einigten sich der Bedarfsträger Marine und das ehemalige Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (heute Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr) als Bedarfsdecker, dass die technischen Anforderungen an die seemännische Handhabung des Bootes für die militärischen Rollen nicht über die der SOLAS für FRB hinausgingen. Die detaillierten technischen Anforderungen an das Boot und seine Integrationsumgebung wurden schrittweise in Arbeitsgruppen zwischen dem Bedarfsträger und dem Bedarfsdecker abgestimmt. Konzeptionell schwierige Teilaspekte wie die Dynamik von Schiff und Boot im Seegang beim Ein- und Aussetzen wurden über Simulationen und Fahrversuche mit Vergleichsbooten analysiert. Die Zulassung der Boote, insbesondere als FRB, bedeutete eine für die Marinerüstung neue Herausforderung.

Zulassung
Gemeinsam mit dem Germanischen Lloyd konnte über eine Risiko- bzw. Äquivalenzanalyse die Einhaltung des mit der SOLAS-Regel verbundenen Schutzziels und damit die Zulassungsfähigkeit des 10,10 m langen Bootes als FRB nachgewiesen werden. Auf diese Weise wurde erstmals die Abweichung von der gemäß SOLAS für ein FRB vorgegebenen maximalen Länge von 8,5 m für Rettungsmittel ermöglicht. Beim Festigkeitsnachweis wurde ebenfalls Neuland betreten, da die verfügbaren Regelwerke für Fahrzeuge in Kunststoff-Verbundbauweise für dynamische

Spezifikationsprozess
Die Boote sind Bestandteil des Lieferund Leistungsumfangs der ARGE F125 im Bauvertrag Fregatte 125. Die Spezifikation konnte sich an zwei Vorbildern orientieren: Den für die SEKM im Jahr 2003 beschafften Einsatzbooten H1010 und den SOLAS-Regeln für Fast Rescue Boats.

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die Erprobung der Kommunikationsund Navigationsanlage sowie des Seegangsverhaltens. Bewertung. schnelles und in dieser Konfiguration völlig neues Fahrzeug erwiesen. Das Boot erfüllt alle Forderungen. vier gleiche Boote für Einsatzaufgaben in die neue Fregatte F125 zu integrieren und diese in das Rettungsmittelkonzept einzubinden. Dabei waren sowohl die zivilen Vorgaben für die Teilnahme am Seeverkehr im Seefunkgebiet A3 als auch die militärischen Anforderungen an weitreichende. offenen Boot zu erfüllen. Prototyping Um die Eignung des Bootes für alle Aufgaben zu überprüfen. im Bereich der Erfüllung der SOLAS-Vorgaben. beim Nachweis der Festigkeit und im Bereich der Integration der sehr umfangreichen Navigations. um nachzuweisen.a. insbesondere das Referat S3. sind die etwa 10 m langen Organischen Einsatzboote der F125 als Einsatzkomponente vorgesehen. Die technischen Änderungen wurden in einer weiteren Prototypingphase (Februar/ März 2013) überprüft und insgesamt po- Bau und Prüfungen Das in einer Mischbauweise aus Glasfaserverstärktem Kunststoff GFK und Carbonfaserverstärkter Kunststoff (CFK) gefertigte erste Boot hatte zunächst sämtliche für ein FRB einschlägigen Prüfungen zu absolvieren. Die Erkenntnisse aus diesen Erprobungen führten zu diversen technischen Änderungen am Boot. die erst mit externer Unterstützung (u. das Mehrkampfzweckschiff (MKS) 180. ebenso der Test der Wiederaufrichteinrichtung. Eine Erprobung des Bootes bei Schlechtwetter erfolgte – nach schrittweisem Herantasten an die den Bootsführer fordernden Fahreigenschaften des stark motorisierten Bootes – unter umfänglichen Sicherheitsvorkehrungen vor Helgoland. Fallteste des unvertrimmten Bootes aus drei Metern Höhe sowie des 45° vor.2 Anmerkung 1 Droptest 45° vorlicher Trimm Belastungen aus der schnellen Fahrt im Seegang keine geeigneten Aussagen lieferten. Auch für das neueste im Bereich Marinerüstung anstehende Projekt. Das Prototyping wird mit weiteren Erprobungen im Herbst 2013 abgeschlossen. Die Vorkehrungen hinsichtlich der resultierenden Zulassungsfragen und das Vorsehen einer umfänglichen Prototypingphase haben sich in der Nachschau betrachtet als notwendig und geeignet für ein derart kompaktes. Sie umfassten das Einrüsten der einzelnen Rollen. seitens der Technischen Universität Hamburg und der Ingenieur Gemeinschaft Nord) möglich wurden. dass das Antriebssystem (Motoren und Waterjets) einwandfrei funktioniert. dass die Besatzungen der F125 nur sehr geringe Anteile der waffensystembezogenen Ausbildung an Bord absolvieren müssen. Die Marine erhält mit den Organischen Booten der F125 ein Überwasser-Einsatzfahrzeug. sichere und verschlüsselte Kommunikation von einem kleinen. Schlechtwettererprobung anschließend 4 h gefahren. bisherige Erfahrungen Im engen Schulterschluss zwischen Bedarfsträger und Bedarfsdecker wurde 2004 die operativ und systemtechnisch sinnvolle Grundsatzentscheidung getroffen.und Kommunikationsausrüstung. Hierzu gehörten u. die für fünf ganz unterschiedliche Rollen an diese Boote gestellt wurden.5 m/s auf eine senkrechte Fläche (Impact-Test) und wurde  ein aus Holz oder Eisen gefertigter Kran nahe der Bordwand 26 MarineForum 9-2013 . die Robustheit der Konstruktion einfach und effizient zu prüfen. wird nach der Umrüstung auf den Serienstand Ende Februar 2014 als Schulboot an der Marinetechnischen Schule (MTS) in Parow seinen Dienst aufnehmen und dazu beitragen.und Navigationsausrüstung eine weitere Herausforderung dar. Diese zusammenhängend zu absolvierenden FRB-Nachweise konnten erfolgreich bestanden werden. Aufgrund der Forderung nach Einsatz der Boote im Seefunkbereich A3 – Einzelfahrer auf Hoher See – und der militärischen Auslegung als Seefunkstelle stellte die technische Umsetzung und Zulassung der Kommunikations. zum Teil mit Unterstützung der Sondereinsatzkräfte Marine (SEKM) bzw.a. Potenzial für die Übernahme weiterer Aufgaben ist grundsätzlich gegeben und kann nach Übernahme der ersten Boote durch die Deutsche Marine gemeinsam mit dem BAAINBw analysiert werden. Die größten technischen Herausforderungen lagen u. BUSTER 20 (bislang der Prototyp). Die Drehung des gesamten Geräteträgers um 90° ist das optisch auffälligste Resultat des gesamten Prototypings. Rechnerische Simulationen zur Belastungsermittlung und zum Festigkeitsnachweis. dass die Boote den geforderten Belastungen standhalten werden und einen bis dato nicht erreichten Grad an Festigkeit für Wasserfahrzeuge dieser Art aufweisen. Maritime Technologie und Forschung (WTD 71) und das Zentrum für Einsatzprüfung der Marine.sitiv bewertet. aber geeignet. a. In einem weiteren Test prallte das Boot seitlich mit einer Geschwindigkeit von 3. Die Arbeitsgemeinschaft (ARGE) F125 und die Herstellerfirma Fassmer begleiteten diese Erprobungen. Die Fallprüfungen aus vertrimmter Lage sind dem Regelwerk der SOLAS geschuldet und für ein Festrumpfboot mit umlaufendem Schlauchfender nicht zwingend erforderlich.  Autorengruppe BAAINBw Abteilung S. führten zu Änderungen in der Rumpfstruktur zwecks Erhalt des erforderlichen Nachweises. das in dieser Konfiguration und Leistungsfähigkeit weltweit einmalig ist und die operativen Einsatzmöglichkeiten des Waffensystems F125 wesentlich mitbestimmt. Das erste Boot. wurden 2012 umfängliche Erprobungen durch die Wehrtechnische Dienststelle für Schiffe und Marinewaffen.und achterlastig vertrimmten Bootes. der Marineschutzkräfte (MSK) durchgeführt.

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