Franz J.

Hinkelammert

Luzifer und das Tier:
Die okzidentale Legitimation von Herrschaftssystemen.

Die Methode der Kapitalismuskritik von Marx. Die marxsche Kapitalismuskritik ist ein Angelpunkt in der Entwicklung der bürgerlichen Wissenschaften. Sie beendet die bis dahin gültigen Vorstellungen von der Legitimität der kapitalistischen Gesellschaft und zwingt dazu, alle Begriffe der bürgerlichen Wissenschaften neu zu formulieren. Die bürgerliche Gesellschaft antwortet daher auf diese Kapitalismuskritik durch eine Umformulierung aller ihrer Grundlagen. Dies aber bedeutet, daß sie vor allem dadurch antwortet, die Methodologie der Wissenschaften in Frage zu stellen und Marx selbst jetzt methodologisch zu kritisieren. Diese methodologische Diskussion nimmt ihren Ausgangspunkt von der Frage der Werturteile in den Wissenschaften, die von Marx in einem ganz bestimmten Sinne aufgeworfen worden war. In der Marxkritik wird daraus die Behauptung, daß Sachurteile und Werturteile völlig unterschiedlicher Art sind, sodaß es keine Möglichkeit gibt, eines in das andere zu überführen. Ich werde hier von der Form ausgehen, in der die heutige bürgerliche Wissenschaft dieses fundamentale methodologische Problem sieht, um dann von da aus die marxsche Methode zu untersuchen. Ich gehe aus von einer Darstellung, wie sie Lyotard gibt: "Es sei eine geschlossene Tür angenommen. Es gibt im Sinne der Aussagenlogik keine Schlußfolgerung von Die Tür ist geschlossen zu Öffnen Sie die Tür. Die beiden Aussagen hängen von zwei Mengen autonomer Regeln ab, die unterschiedliche Relevanzen und daher unterschiedliche Kompetenzen bestimmen. Hier bewirkt das Resultat dieser Teilung der Vernunft in eine kognitive oder theoretische einerseits und eine praktische andererseits einen Angriff auf die Legitimität des Diskurses der Wissenschaft, und zwar nicht direkt, sondern indirekt, indem es aufzeigt, daß es ein mit seinen eigenen Regeln ausgestattetes Sprachspiel ist (wovon die Bedingungen der Erkenntnis a priori bei Kant den ersten Überblick darstellen), doch ohne jede Berufung, das praktische (übrigens auch nicht das ästhetische) Spiel zu reglementieren. So ist es mit anderen gleichgestellt." s. Lyotard, Jean-François: Das postmoderne Wissen.
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Lyotard, Jean-François: Das postmoderne Wissen. Ein Bericht. Edition Passagen, Graz-

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Ein Bericht. Edition Passagen, Graz-Wien, l986. S.118 Dieses Beispiel von Lyotard verdunkelt das Problem, anstatt es zu erhellen. Dies kann man zeigen, wenn man das Beispiel etwas ändert. Man würde dann fragen: Gibt es einen Übergang von der denotativen Aussage Diese Wand hat keine Tür zur präskriptiven Aussage Durchschreiten Sie diese Wand!? Beide hängen durchaus zusammen. Die denotative Aussage bezieht sich auf das gleiche Objekt, auf das sich die präskriptive Aussage auch bezieht. Aus der denotativen Aussage Diese Wand hat keine Tür folgt, daß die präskriptive Aussage Durchschreiten Sie diese Wand! etwas Unmögliches verlangt. Es folgt auch, daß, wer die Präskription zu erfüllen versucht, sich den Kopf einschlagen wird, ohne die Wand zu durchschreiten. Daraus wiederum folgt, daß die präskriptive Aussage illegitim ist, die Sachaussage kann sie deslegitimieren. Was man nicht kann, kann man auch nicht sollen. Dies ist ein altes scholastisches Prinzip, das zweifellos relevant ist. Es zeigt sich, daß alle formal präskriptiven Aussagen eines Wahrheitskriteriums bedürfen, das aussagt, ob die verlangte Handlung möglich ist oder nicht. Alle denkbaren formal präskriptiven Sätze teilen sich in zwei Klassen. Einerseits die präskriptiven Sätze, die etwas Unmögliches verlangen, und andererseits diejenigen, deren Erfüllung möglich ist. Die ersteren sind nur formal gesehen präskriptive Aussagen. Da ihre Erfüllung unmöglich ist, haben sie keine normative Gültigkeit deswegen, weil sie normativ nicht gültig sein können. Alle anderen hingegen stellen potentiell gültige präskriptive Aussagen dar, die, ihrer Möglichkeit nach, gültig sein können. Das Unterscheidungskriterium aber ist aus der präskriptiven Aussage nicht ablesbar. Nur Sachaussagen können es geben. Diese Sachaussage kann feststellen, ob die präskriptive Aussage normative Gültigkeit haben kann, nicht ob sie sie hat. Schreibt die präskriptive Aussage ein unmögliches Ziel vor, so kann die entsprechende Sachaussage allerdings die normative Ungültigkeit der präskriptiven Aussage feststellen. Insofern führt die Sachaussage zu einem Gültigkeitsurteil über präskriptive Aussage. Dieses ist notwendig ihrer Form nach negativ. Eine Sachaussage hingegen kann nicht wählen zwischen verschidenen präskriptiven Aussagen, die sich auf etwas Mögliches beziehen. Das Beispiel von Lyotard ist daher nicht vollständig. Es gibt "keine Schlußfolgerung von Die Tür ist geschlossen zu Öffnen Sie die Tür", aber nur deswegen, weil es möglich ist, die Tür zu öffnen oder nicht. Da es möglich ist, die Tür zu öffnen, führt keine Schlußfolgerung von Die Tür ist geschlossen zu Öffnen Sie die Tür. Wäre es nicht möglich,
Wien, l986. S.118

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die Tür zu öffnen - etwa, weil sie verriegelt ist -, so wäre die präskriptive Aussage durch eine Sachaussage wieder ungültig und als illegitim ablehnbar. Beziehen sich daher präskriptive Aussage auf ein unmögliches Ziel, so haben darauf bezügliche Sachaussagen eine normative Funktion. Sie enthüllen die präskriptive Aussage als fiktive Präskription, als fiktive Norm. Allerdings ist diese Funktion negativ, insofern sie präskriptive Aussagen für normativ ungültig und daher fiktiv erklären können. Dies ist die Brücke von den Sachaussagen zu den präskriptiven Aussagen. Folglich ist es falsch zu sagen, daß beide voneinander unabhängig ohne einen gemeinsamen Bezug seien. Es handelt sich um eine Art normativer Kraft von Sachaussagen. Das Sachaussage bestimmt, ob überhaupt eine Wahl gegeben ist. Sagt man mit Lyotard: Die Tür ist geschlossen ; Öffnen Sie die Tür! so besagt die Sachaussage, daß effektiv zwei Alternativen gegeben sind, nämlich die Tür zu öffnen oder nicht. Aber diese Sachaussage ist notwendig, um zu zeigen, daß es zumindest zwei nicht fiktive Alternativen gibt, die folglich potentielle Normen darstellen. Das präskriptive Urteil bestimmt eine dieser nicht fiktiven potentiellen Normen als effektive Norm. Eine weitere Sachaussage kann bei der Entscheidung nicht helfen. Ist aber keine Tür da, so ist die präskriptive Aussage: Öffnen Sie die Tür! eine Aussage, der man nicht Folge leisten kann. Sie fordert zu etwas Unmöglichem auf, und kann folglich keine Norm darstellen, sondern ist illusorisch. Dies ist die Leerheit jeder präskriptiven Aussage, die nur durch Sachaussagen konkretisiert werden können. Logik und Widerspruchslosigkeit helfen da nicht. Eine Wand zu durchschreiten, die keine Tür hat, enthält keinen logischen Widerspruch, obwohl es unmöglich ist. Ob also die Wand eine Tür hat oder nicht, entscheidet darüber, ob die Aufforderung, sie zu durchschreiten, potenziell eine Norm ist oder bloß eine Illusion, die keine normative Kraft haben kann. Daß Sachaussagen keine präskriptiven Aussagen entscheiden können, gilt daher nur dann, nachdem die Sachaussagen festgestellt haben, daß die präskriptive Aussage eine potenzielle Norm ist. Das aber bedeutet, daß eine Alternative besteht in dem Sinne, daß zwei Möglichkeiten zur Wahl stehen, die effektiv empirisch gegeben sein müssen. Es ergibt sich, daß Sachausgaben nur dadurch die Wahl von Alternativen bestimmen können, daß sie eine der vorgestellten Alternativen für unmöglich erklären. Ist die präskriptive Norm: Durchschreiten Sie die Wand!, so gibt es zwei Alternativen. Die Norm zu erfüllen, indem die Wand durch die Tür durchschreitet oder die Norm zu verletzen und sie nicht zu durchschreiten. Eine Sachaussage

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so hilft das Geschmacksurteil nichts. so ist es Selbstmord. Sie ergibt sich analog nur. Fleisch zu essen. Daß Fisch besser schmeckt als Fleisch. ist eine Geschmacksurteil. Über Geschmack läßt sich nicht streiten. zeigt nur die Konsequenz des Nicht-Essens auf: Es wäre Selbstmord. so wird das Geschmacksurteil sich ändern: Fleisch schmeckt dann besser als Fisch. Sie wirkt durch die Bedürfnisse hindurch. Handelt es sich aber um eine langfristige Situation. wird zum Weg. Im Fall der Wand. Nicht das Sachurteil zwingt dazu. Im ersten Fall ist die Determination durch das Sachurteil in der Wahlsituation impliziert. ob es Alternativen gibt oder nicht. und hat die Wahl zwei Alternativen. wenn Du Fleisch ißt. die weit konkreter ist als im Fall der Wand. Im zweiten Fall ist sie der Situation extern. Ist aber nur Fleisch serviert. so ißt man Fleisch. die zu durchschreiten ist. Fleisch zu essen. so entscheidet die Sachaussage die Wahl. weil ein Mensch stirbt. wirst Du sterben.kann diese Wahl nur entscheiden. umn durch Sachaussagen präskriptive Aussagen zu beurteilen. das den Selbstmord ausschließt. Nur wenn man den Selbstmord ausschließt. obwohl es nicht schmeckt. Schließen wir den Selbstmord aus. Sieht man jetzt von dieser Verbindung zwischen Sachurteilen und 4 . die zu durchschreiten ist. Das Sachurteil wäre: Da kein Fisch da ist. Tut man es langfristig. Dies gilt selbst für Geschmacksurteile. wenn wir annehmen. so werden wir diejenige wählen. so bleibt nur. Es zwingt nicht. Dann ist es wieder so: Schließen wir die Bereitschaft. und setzt ein generelles Urteil voraus: das Urteil. bestraft zu werden. nichts zu essen. Es zwingt nicht zum essen. Ein Sachverhalt. Die Sachfrage danach. wenn sie die Unmöglichkeit einer der Alternativen aufzeigt. ergibt sich eine solche Determination der Wahl nicht. Auch das andere Sachurteil nicht: Wenn Du kein Fleisch ißt. obwohl man lieber Fisch ißt. Ist die Sachaussage: Die Wand hat keine Tür. über das Sachaussagen nicht zu sagen haben. Fleisch zu essen. der durch ein Sachurteil ausgesprochen wurde. Fleisch zu essen. kein Fleisch zu essen. nichts zu essen. Wird der Selbstmord ausgeschlossen. kannst Du nur essen. Sachurteile bestimmen dann die präskriptiven Aussagen. aus. daß die Norm durch eine mit Gewalt ausgestattete Autorität gegeben wird. hat ein Geschmacksurteil verändert. entsteht der Zwang. Es bleibt natürlich die Freiheit. Ist also Fisch und Fleisch serviert. kann keine Sachaussage der Welt die Frage lösen. die durch die Norm vorgeschrieben wird. wenn er nichts ißt. sofern wir den Selbstmord ausschließen können. Die präskriptive Norm Durchschreiten Sie die Wand! ist ungültig und durch die Sachaussage aufgehoben. Es wird jetzt durch die Sachaussage entscheiden: Entweder Du ißt Fleisch oder Du ißt nichts. In diesem Fall gibt es eine Brücke.

so ergibt sich eine völlige Trennung beider. wenn ein präskriptives Urteil vorliegt. Die präskriptive Aussage: Sei kein Rassist! setzt voraus. So sagt es Lyotard: "Mit anderen Worten macht Nietzsche nichts anderes. daß mögliche Alternativen gegeben sind. eine mögliche Norm. S. scheinen Sachurteile dann irrelevant zu sein für präskriptive Urteile. Die Sachurteile werden jetzt als einzig wissenschaftlich angesehen. 5 . daß es eine mögliche Alternative ist. Die präskriptive Aussage Trink Coca Cola! setzt voraus. beweißt. daß immer Alternativen vorliegen. ob sie potenziell Normen sind oder einfache Illusionen. um dann zu zeigen. Auf dem Markt tauchen ausschließlich mögliche Alternativen auf.präskriptiven Urteilen ab. Daher geht man einfach davon aus. Daß etwas angeboten wird. und wieder kann eine Sachaussage keine Entscheidung bringen. daß der wissenschaftliche Wahrheitsanspruch ganz den gleichen Effekt hat. ist in einer Marktgesellschaft das Problem gar nicht existent. op. Der Markt ist daher jene Macht. aber er macht mehr. Man wählt zwischen beiden.Note! 2 Tatsächlich macht Nietzsche dies. Damit aber wird der Markt zur Sphäre der Entscheidungen." 115 s. daß auf dem Markt Rassisimus und NichtRassismus angeboten werden. In Deutschland machte man l930 noch pluralistische Veranstaltungen zwischen Juden und Antisemiten. in denen man die Standpunkte beider gegenüberstellte. Da im Fall. ein Sachurteil tatsächlich nichts entscheiden kann. und daß andere Getränke auch angeboten werden. 115. die sich auf etwas Unmögliches beziehen.cit. Die absolute Trennung zwischen Sachurteilen und präskriptiven Urteilen gibt daher die Marktsituation wieder. Die Werte sind zu etwas Individuellem geworden. 2 Lyotard. und über die präskriptiven Urteile gibt es kein rationales Kriterium mehr. Präskriptive Urteile. Denn er geht von der Selbstauflösung der Werte durch die Inversion aus. und wo niemandem die Vernunft helfen kann. daß Coca Cola angeboten wird. die nicht möglich sind. wenn er zeigt. die mögliche und unmögliche präskriptive Urteile voneinander trennt. Sie werden zu beliebigen Urteilen. führen zu keinem Angebot. Es ergibt sich ein Wertnihilismus. daß der 'europäische Nihilismus' aus der Selbstanwendung des wissenschaftlichen Wahrheitsanspruchs auf diesen Anspruch selbst resultiert. so kann man den präskriptiven Urteilen überhaupt nicht mehr ansehen. Fußnote. für das jeder selbst einsteht. Da aber der Markt wirklich ist. Sind die Sachurteile ausgeschlossen. Auf dem Markt gibt es keine Angebote. Folglich handelt es sich um eine mögliche präskriptive Aussage. und alles über den Markt läuft. die völlig leer sind. Über die Wahl zwischen den Alternativen kann ein Sachurteil nichts sagen. Sie können beides sein.

in der die Trennung von Sach.sodaß jeder wählen konnte. denn beides war möglich. daß der Fortschritt zu einer besseren Welt führt. Jahrhundert. Dies geschieht vor allem in Deutschland. dadurch. Gerade auch die sozialistischen Bewegungen nehmen diese Idee auf. die der Fortschritt verspricht. die allerdings diesmal ganz universal zu sein scheint und aus der ökologischen Krise erwächst. daß sie die Starken durch Moral schwächen und dann die Macht übernehmen. und eine Automatik zum Besseren enthält. aber Fortschritt als Machtzuwachs nimmt einen immer größeren Platz ein. und hat eine neue Blüte in den 50er und 60er Jahren dieses Jahrhunderts. Jetzt ergibt sich. Auf dem Markt konnte man Bücher beider Richtungen kaufen. jeder entscheidet gemäß seinen Werten. die auf etwas Unmögliches zielen und die folglich durch ein Sachurteil ausgeschlossen werden könnten. Der Verweis auf die Brücke zwischen Sachurteilen und präskriptivern Urteilen scheint daher rein ästhetisch zu sein. Nietzsche endeckt daher. In anderen Teilen der Welt bleibt der bürgerliche Fortschrittsoptimismus erhalten. Die Zeit. kritisiert er als Argument des Willens zur Macht von seiten der Schlecht-weg-gekommenen. Man muß daher die Moral überwinden. Man wählt auf dem Markt nicht das Bessere. Die Idee aber. ist daher auch die Zeit der ersten Krisis des Fortschrittsgedankens. Vorher war der Fortschrittsgedanke mit dem Übergang zu einer besseren Welt verknüpft. Danach kommt eine neue Fortschristtskrise. dem gemäß der Markt Fortschritt produziert. Indem sie das tun. Ist alle Wahl Marktwahl. was das Bessere ist. so gibt es keine präskriptiven Urteile mehr. oder ein Sophismus. um den Sozialismus überwinden zu können. Sozialismus erscheint daher als Kampf um die macht der Schlecht-weg-gekommenen. Kein Vernunftkriterium kann da eine Auskunft gegen. das sagen könnte. verknüpfen sie allerdings mit dem Übergang zum Sozialismus. weil es kein Vernunftkriterium gibt. Es fällt allerdings das Urteil von Locke und Smith weg. Das andere überlebt zwar. daß er mit dem Willen zur Macht verknüpft wird. Sie kritisieren den Kapitalismus als unfähig. Sie treten daher im Namen der besseren Welt an. wo die Gefahr der sozialistischen Bewegung für die Bourgoisie sehr klar ist. und bestimmt so das XIX.und Werturteilen durchgeführt wird. Von Locke bis A. Sie wollen auch nur Macht. können sie aber nur durch moralische Argumente bekommen. 6 . die bessere Welt. Denn die sozialistische Bewegung hat die Fortschrittsidee des Bürgertums völlig übernommen. daß der Fortschritt nicht zum Besseren führt. sondern ein Weg des Willens zur Macht ist. deren Idee das Bürgertum entwickelt hat. schreckt das Bürgertum vor dem Fortschrittsgedanken als bessere Welt zurück.Smith ist der Fortschritt als bessere Welt völlig unbestritten. auch herbeizuführen.

ob präskriptive Urteile sich auf ein mögliches oder unmögliches Ziel beziehen. Eine solche Wahlsituation läge immer dann vor. sodaß nur effektive Alternativen zur Auswahl stehen. die man hat. Er erklärt das präskriptive Urteil: Verwirkliche in der Gesellschaft die kapitalistische Ethik des Marktes! ein fiktives Urteil und damit den Kapitalismus für unmöglich. so handelt es sich um. Das bestreitet nicht den Wert der Gerechtigkeit.zumindest scheinbar . Die Wahlsituation impliziert dann folgendes Sachurteil: Sowohl Kapitalismus als Sozialismus sind effektiv möglich. sodaß keine von beiden Alternativen auf einer fiktiven präskriptiven Aussage beruht. Marx bestreitet gerade. 7 . wenn beide Alternativen gleich effektiv möglich sind. Beschreiben wir die Position von Marx als Wahlsituation. und nennt eine entsprechende Sozialismusvorstellung utopischer Sozialismus. Sie beziehen sich . in der angeblich der Markt alle fiktiven präskriptiven Aussagen ausschließt. und sie wäre eine Angelegenheit persönlicher Wertungen. daß es sich um eine Wahlsituation dieser Art handelt. zu denen Sachaussagen keinen Zugang haben. In dieser Wahl vertritt dann Marx die Position des Sozialismus gegen den Kapitalismus. Von diesen Beispielen aus können wir die Marxsche Kapitalismuskritik verstehen. Gleichzeitig konkretisiert dies den Wert der Gerechtigkeit in der Vorstellung von Marx: Gerechtigkeit ist Sozialismus als alternative Gesellschaftsordnung zum Kapitalismus. daß die Gerechtigkeit zur Wahl steht. so entsteht gar nicht erst die Frage. was man dann durch das Mehrheitsprinzip oder auch durch Gewalt tun kann. um präskriptive Urteile zu bewerten. sodaß Sachaussagen für den Bereich der präskriptiven Urteile keine Relevanz haben. Dabei geht sie von der Marktsituation aus.Geht man daher von der Wahlsituation auf dem Markt aus. die rational nicht abgeleitet werden können. Ein Sachurteil entscheidet die Wahl. denn sie geht von Sachurteilen aus. Es gäbe dann zwei präskriptive Urteile: Verwirkliche in der Gesellschaft die kapitalistische Ethik des Marktes! oder: Verwirkliche die sozialistische Ethik der Gerechtigkeit! Nach den Werten. In diesem Falle könnten Sachaussagen die Wahl nicht entscheiden. Auf dem Markt und durch ihn sind daher alle Werte entwertet. müßte man entscheiden. nicht eine argumentative Bezugnahme auf die Gerechtigkeit. sondern bestreitet. die Wahl zwischen Kapitalismus und Sozialismus.immer auf ein mögliches Ziel. Die Auseinandersetzung verschiebt sich daher auf eine Auseinandersetzung um den Markt.

wenn sie Bürgerrechte verkündet und nicht einmal die Zwangsarbeit der Läger im Widerspruch zu dieser Verfassung zu sein scheint. dann gibt es keine Werte mehr. da jeder Wert eben durch sein Gegenteil verwirklicht wird. in dem es zur Nächstenliebe wird. aus dem Recht auf den eigenen Körper die Legitimität der Folter ableitet. der durch den Markt erzeugt wird. Gerade das bürgerliche Naturrecht hat dieses bereits aufgelöst. aus der Freiheit die Legitimität der Despotie. so haben Werte keine konkrete Bedeutung. keine Nächstenliebe zu üben und in dem der Tod der überflüssigen Menschen zur Durchgangsstation der Harmonie unter den Menschen wird. genau dieser Gerechtigkeit entspricht. projeziert. sondern weilñ es sich selbst qua Struktur zur Gerechtiogkeit erklärt. Sind die Werte auf diese Weise zerstört. die Unversehrheit des Körpers durch die Folter. Jahrhundert. sodaß der Fortschritt diese völlige Zerstörung der Werte durch sein Versprechen einer besseren Welt kompensiert. Wenn Locke aus der Gleichheit die Legitimität der Sklaverei. die Gleichheit durch die Sklaverei. Zur Zeit von Marx existiert ein solcher rationaler. die vom ganzen Bürgertum gehört wird. wenn man ihnen einen rationalen Sinn geben kann. Wir finden dies bei Locke und Smith bereits vollendet. Die Werthaftigkeit des Fortschritts verdeckt die vollständige Aushöhlung aller Werte. was ist. Es wird die Forderung nach Gerechtigkeit annehmen. Nicht. Über welche Werte kann man reden. sondern können alles mögliche bedeuten. Alle Werte werden jetzt auf den Forttschritt. Wenn die Gerechtigkeit durch ihr Gegenteil durchgesetzt wird. die von Werten ausgehen könnte. wenn John Locke. gibt es keine Diskussion. daß ja das. ein Sklavenhändler ist? Wenn die US-Verfassung sich auf diese Gleichheitserklärung gründet. denn alle Werte sind durch die Existenz des Marktes verschluckt. Smith fügt dem explizit den Markt hinzu. konkreter Bezugspunkt für eine Wertediskussion überhaupt nicht mehr. daß diese der herrschenden Zwangsarbeit durch Sklaverei wiedersprechen könnte? Es ist die gleiche Aushöhlung der Werte. der die erste Gleichheitserklärung des Menschen abgibt. sodaß die Marktgesetze ihre eigentliche und einzige Verwirklichung werden. wie kann man dann noch über Gerechtigkeit sprechen oder irgendetwas von ihr ableiten? Da sie sie selbst und auch ihr Gegenteil bedeutet. die Freiheit durch die Despotie. der in einer objektiven Wurzel der Werte einmünden muß.Eine solche Wertdiskussison ist auch in dieser Zeit gar nicht mehr möglich. Man kann solch einem System gegenüber nicht mehr Gerechtigkeit verlangen. Über Werte kann man nur sprechen. Diese Vorstellung von der Welt ist bei Smith bereits abgeschlossen und bestimmt dann das 19. Jede Alternative wäre folglich ungerecht. Ist dies nicht der Fall. den Verfassungsvätern aber nicht einmal einfällt. die die Stalin-Verfassung des Jahres l936 in der SU erzeugt. Da kann man nicht mehr über Werte sprechen. folgt aus 8 . aber antworten. weil es Gerechtigkeit ablehnt.

Er muß folglich von der Sache ausgehen. Bd. daß der Kapitalismus destruktiv ist bis zur Zerstörung des Menschen und der Natur. von der großen Industrie als dem Hintegrund seiner Entwicklung ausgeht. Bd... als die Kirchenväter wußten. Die kapitalistische Produktion entwickelt daher nur die Technik und Kombination des gesellschaftlichen Produktionsprozesses. desto rascher dieser Zerstörungsprozeß. III. als die Kirchenväter wußten. der 'volonté éternelle de dieu'?" Marx. wenn sie sagten. 3 Dies ist der Grund. Wie in der städtischen Industrie wird in der modernen Agrikultur die gesteigerte Produktivkraft und größere Flüssigmachung der Arbeit erkauft durch Verwüstung und Versiechung der Arbeitskraft selbst. wie die Vereinigten Staaten von Nordamerika z. Und jeder Fortschritt der kapitalistischen Agrikultur ist nicht nur ein Fortschritt in der Kunst.100. Fußnote. S.. MEW 23. er widerspreche der 'justice éternelle' und der 'équité éternelle. das Arbeitsmittel als Unterjochungsmittel... und daher von der Sachaussage." (Karl Marx. wenn man sagt. Das Kapital. Je mehr ein Land. S.1. 528/530. er widerspreche der 'grâce éternelle'' der 'foi éternelle'.1. so sagt Marx über Proudhon: "Weiß man etwa mehr über den 'Wucher. muß Marx also zeigen. der 'volonté éternelle de dieu'?" Marx. warum Marx. Exploitationsmittel und Verarmungsmittel des Arbeiters. Damit die Option für den Kapitalismus ein fiktives präskriptives Urteil ist. dem sich die Arbeiterklasse des 19. wenn man sagt. Das ist der wirkliche Nihilismus der Werte. 23.ihr nichts. Er sagt dies etwa auf folgende Weise: "In der Agricultur wie in der Manufaktur erscheint die kapitalistische Umwandlung des Produktionsprozesses zugleich als Martyriologie der Produzenten. Karl: Das Kapital. MEW 23. er widerspreche der 'justice éternelle' und der 'équité éternelle. Karl: Das Kapital. den Arbeiter. die gesellschaftliche Kombination der Arbeitsporozesse als organisierte Unterdrückung seiner individuellen Lebendigkeit. S. jeder Fortschritt in Steigerung seiner Fruchtbarkeit für eine gegebene Zeitfrist zugleich ein Fortschritt im Ruin der dauernden Quellen dieser Fruchtbarkeit. den Boden zu berauben. indem sie zugleich die Springquellen alles Reichtums untergräbt: die Erde und den Arbeiter. Jahrhunderts gegenübersieht. und der 'mutualité éternelle' und anderen 'verités éternelles'. Fußnote. wenn sie sagten. 9 . MEW. sondern zugleich in der Kunst.B. Denn alle Grundlagen der Werte sind aufgelöst. wenn er zum Proletariat sprechen will. einen völlig anderen Zugang zu den Werten suchen muß.) 3 so sagt Marx über Proudhon: "Weiß man etwa mehr über den 'Wucher. er widerspreche der 'grâce éternelle'' der 'foi éternelle'.100. und der 'mutualité éternelle' und anderen 'verités éternelles'.

den Boden zu 10 . sodaß er das konkrete Leben der Menschen nicht auf lange Sicht reproduzieren kann. daß die Menschheit nicht weiterleben kann. die gesellschaftliche Kombination der Arbeitsporozesse als organisierte Unterdrückung seiner individuellen Lebendigkeit. Um weiterleben zu können.. muß sie ihre Produktionsverhältnisse an diese Überlebensbedingungen einer Reproduktion des konkreten Lebens anpassen und daher verändern. Marx nennt diese Alternative Sozialismus. Und jeder Fortschritt der kapitalistischen Agrikultur ist nicht nur ein Fortschritt in der Kunst. Wie in der städtischen Industrie wird in der modernen Agrikultur die gesteigerte Produktivkraft und größere Flüssigmachung der Arbeit erkauft durch Verwüstung und Versiechung der Arbeitskraft selbst. weil sie zerstören wollen. diese Zerstörung des Menschen und der Natur hervorbringen. das allgemeine Gesetz könnte man etwa so formulieren: eine Gesellschaft. durch nichtintentionale Effekte. das Arbeitsmittel als Unterjochungsmittel. die keineswegs als solche in der Absicht der Kapitalisten liegt oder liegen muß. muß sie diese Produktionsverhältnisse durch andere alternative ersetzen. sondern zugleich in der Kunst. deren Produktionsverhältnisse sich als unfähig erweisen. hat es zwei Ebenen: 1. daß die kapitalistischen Produktionsverhältnisse als solche. Es behauptet. die Anwendung dieser allgemeinen Form auf den Kapitalismus: der Kapitalismus ist eine Gesellschaft. Soll die Gesellschaft auf lange Sicht existieren. die diese Reproduktionsbedingungen erfüllen können. das konkrete Leben der Menschen und der Natur zu reproduzieren.Dies ist ein Sachurteil über den Kapitalismus. Als Gesetz formuliert. In der marxistischen Tradition wird es als das Verelendungsgesetz bezeichnet. Exploitationsmittel und Verarmungsmittel des Arbeiters.. 2. das diesen als große Zerstörungsmaschine des Menschen und der Natur darstellt und daher zu dem Schluß führt. wenn sie zum Kapitalismus keine Alternative findet. zerstört sich selbst und ist nicht auf lanage Sicht lebensfähig. deren Produktionsverhältnisse auf nichtintentionale Art Mensch und Natur zerstören. den Arbeiter. Bei Marx wird diese Kritik in folgender Weise zusammengefaßt: "In der Agricultur wie in der Manufaktur erscheint die kapitalistische Umwandlung des Produktionsprozesses zugleich als Martyriologie der Produzenten. die als nicht-intentionalen Effekt die Zerstörung des Menschen und der Natur schaffen. Marx führt dieses Argument in allen seinen Schriften nach l848 immer wieder aus. Die Menschen bringen diese Zerstörung nicht hervor. sondern weil sie sich zueinander in kapitalistischen Produktionsverhältnissen verhalten.

23.berauben. Es ist. und zwar in akkumulativer Weise. Marx ist hierin wahrscheinlich zu optimistisch. Diese Notwendigkeit ist dann die Folge einer Sachaussage und keiner Wertentscheidung." 4 Marx weitet diese Erklärung dann auf die Geschichte aus und behauptet. keine wählbare Option. Eine Wahlsituation kann angesichts dieses Sachurteils nur vorausgesetzt werden. Je mehr ein Land. die Mensch und Natur tendentiell zerstören. Schließt man sie aus. wenn man den kollektiven Selbstmord als möglich unterstellt. folgt tatsächlich. Im folgenden setzen wir seine Gültigkeit voraus. die durch Sachurteile nicht vorentschieden werden kann. um zeigen zu können. indem sie zugleich die Springquellen alles Reichtums untergräbt: die Erde und den Arbeiter . Die kapitalistische Produktion entwickelt daher nur die Technik und Kombination des gesellschaftlichen Produktionsprozesses. Für die Marxsche Kapitalismuskritik ist eine solche Ausweitung auf die Gesamtgeschichte keineswegs wesentlich. Ist es falsch. wenn sie den kollektiven Selbstmord verhindern will. Ist der Kapitalismus destruktiv.. Karl: Das Kapital. so wäre eine Ersetzung des Kapitalismus nur durch eine Wertentscheidung argumentierbar. Da es uns hier nur um eine Erklärung des Arguments von Marx geht. Es ergäbe sich 4 Marx. so ist jedenfalls tatsächlich der Kapitalismus auszuschließen. von der großen Industrie als dem Hintegrund seiner Entwicklung ausgeht. die die Reproduktionsbedingungen ihres konkreten Lebens durchsetzen müssen. können wir auf eine inhaltliche Diskussion des Verelendungsgesetzes verzichten. 528/530. wie die Vereinigten Staaten von Nordamerika z. S. daß alle großen Revolutionen erklärt werden können durch einen solchen Konflikt zwischen Produktionsverhältnissen. sondern behauptet. Insbesondere erklärt Marx auf diese Weise das Ende des römischen Reiches und seinen Übergang zum europäischen Feudalismus. indem er die Möglichkeit des kollektiven Selbstmords ohne weitere Begründung ausschließt. wie Marx sein Argument durchführt. daß die Option für den Kapitalismus ein fiktives präskriptives Urteil ist und daher nicht zur Wahl stehen kann. desto rascher dieser Zerstörungsprozeß. III. jeder Fortschritt in Steigerung seiner Fruchtbarkeit für eine gegebene Zeitfrist zugleich ein Fortschritt im Ruin der dauernden Quellen dieser Fruchtbarkeit. dann wäre die Wahl des Kapitalismus die Wahl für den kollektiven Selbstmord. sodaß nur die Option für den Sozialismus übrigbleibt. wenn das Marxsche Sachurteil über den Kapitalismus richtig ist.B. Ist es richtig. und akzeptiert das Sachurteil von Marx über den Kapitalismus. eine Alternative zur kapitalistischen Gesellschaft suchen muß. Das Argument von Marx enthält keine präskriptives Urteil. daß die Menschheit. 11 . und den Menschen. MEW.

direkte Definition.und Eigentumsverhältnisse so bestimmt.dann die Wahl zwischen kollektivem Selbstmord und Sozialismus. Man kann nur eine Gesellschaft wählen. Marx spricht daher davon. die die Probleme löst. Es ist die Gesellschaft. Das können einmal solche und einmal andere Produktionsverhältnisse sein. Sie sagt letztlich.und zwar als oberste alle anderen Werte hierarchisierende Ethik . Daher ist die kapitalistische Ethik durch einfache Normen bestimmt. Dies ist als solches kein metaphysisches Geschichtsgesetz. und zwar ein Gesetz der Geschichte. Ausgehend von der Wahlsituation zwischen Kapitalismus und Sozialismus. sondern ein ganz einfaches Ergebnis einer Methode. Das ist keine eindeutige. sondern nur als ein Verhältnis zu den Produktionsverhältnissen. der einen Zerstörungsmechanismus in sich hat. Sozialismus ist Freriheit egegenüber den Produktionsverhältnissen. Die Wahlsituation verändert sich also in eine Wahl zwischen kollektivem Selbstmord und Sozialismus. Der junge Marx definiert ihn als eine Gesellschaft. Diese Behandlung der Wahlsituation setzt allerdings voraus. die die Produktions. So etwas aber kann man nicht wählen. Sozialismus ist die alternative Gesellschaft zum Kapitalismus. sondern eine fiktive Alternative. daß sie nicht dem Zerstörungsprozeß des Menschen und der Natur unterliegt. die die Verkehrsverhältnisse (später Produktionsverhältnisse) selbst produziert. die aus der Kritik des Kapitalismus entsteht. insbesondere durch Privateigentum und die Erfüllung der Verträge. daß die beiden Alternativen sich ausschließen. Es bleibt nur eine einzige Alternative. daß diese Wahlsituation nur scheinbar existiert. zu existieren. da von den Produktionsverhältnissen her definiert ist. so hört die Wahlsituation auf. da dieser eine bestimmte institutionelle Organisation ist. Es ist allerdings sehr einfach. bestimmte Wahlsituationen mit Hilfe von Sachurteilen zu lösen. behauptet Marx also. die der Kapitalismus verursacht hat und nicht lösen kann. sondern eine Bestimmung. Daher muß jede in sich definiert sein. die institutionell bestimmt sist als 12 . die aber unbedingt gelöst werden müssen. damit die Logik eines Produktionsverhältnisses nicht den Menschen und die Natur zerstören kann. daß der Übergang zum Sozialismus ein Gesetz ist. den Menschen und die Natur zu zerstören. Kann man den kollektiven Selbstmord ausschließen. Der Kapitalismus ist keine effektive. der die Tendenz hat. Im Grunde läßt er sich nicht als Produktionsverhältnis bestimmen. nämlich der Sozialismus. Der Sozialismus ist aber nicht auf diese Art zu bestimmen. daraus ein metaphysisches Geschichtsgesetz zu konstruieren. daß der Sozialismus diejenige Gesellschaft ist. Wo diese Ethik verwirklicht wird . Dies ist beim Kapitalismus leicht.dort besteht der Kapitalismus. da er einen Zerstörungsmechanismus enthält.

diesen weiterentwickelt durch Gegenüberstellung mit dem Anspruch. notfalls durch extremen Konflikt. die diese Probleme lösen kann. Dies aber bestimmt.eine solche. Denn jede kann sich ja unter den Kriterien der Marxschen Kritik wieder als eine Gesellschaft erweisen. Er sucht eine definitive Bestimmung dessen. daß Mensch und Natur nicht zerstört werden. Sollte sich dann herausstellen. ist die. Die gibt es aber nicht. Geschieht also die Bestimmung durch die Lösung eines Problems. Der Kapitalismus kann durch das Privateigentum definiert werden. der Sozialismus aber nicht durch das Staatseigentum oder irgendein Genossenschaftseigentum oder ähnliches. Bei Marx gibt es viele Anssätze ein dieser Richtung. nicht durch eine Institution. Das ist eben die Freiheit gegenüber den Produktionsverhältnissen. Eine prinzipielle Position kann es da nicht geben. muß es eben eine andere sein. Daraus hätte er dann eine ständige Reformpolitik folgern müssen. so muß man dies eben angesichts der Überlebensbedingungen von Mensch und Natur eben tun. Was Marx daher aufzeigt. Stellt es sich aber nicht als nötig heraus. die bestimmt wird. sondern man wählt das. vom Kapitalismus ausgehend. auf welche Institution man zurückgreifen muß. so braucht man es eben nicht zu tun. Aus seiner Kapitalismuskritik würde dann die Freiheit folgen.mit den Überlebensbedingungen des Menschen und der Natur konfrontiert und sie ständig soweit verändert. die immer nur Instrument zur Lösung eines Problems sein kann. die das Proeblem definitiv gelöst hat. so könnte er allerdings nichts mehr darüber sagen. Die Institution. ohne ein eindeutiges instirtutionelles Kriterium nennen zu können. Will Marx daher eine definitive Gesellschaft dem Kapitalismus gegenüberstellen. Es gibt nur Kriterien des Urteils. die. so kann diese eben nur eine Gesellschaft ohne 13 . Lösst eine Institution es nicht. den Menschen und die Natur nicht zu zerstören. Aber man wählt keine Institution. die. sondern eine Entwicklung. Er ist ja durch die Lösung eines Problems bestimmt. die das Problem löst. nicht eine Gesellschaft. wohin eigentlich die Gesellschaft sich entwickeln muß. den Kapitalismus effektiv durch den Sozialismus abzulösen. was zur Lösung erfordert ist. und das muß sich herausstellen. Es würde sich nicht einfach um Reformen im Kapitalismus gehandelt haben. die den Menschen und die Natur zerstört und folglich wieder umgewälzt werden muß. Bleibt er dabei. Er kann dafür aber keine Institutionen anbieten. kann dadurch keine bestimmte Institution bestimmt werden. ist ein Prinzip der Änderung der Gesellschaft. Produktionsverhältnisse immer so zu ändern. daß man über den Kapitalismus hinausgehen muß. wie es diese Überlebensbedingungen aller verlangen. Sein Hauptargument aber ist anders. was Sozialismus ist und die dazu führen sollte. die Institionen kapitalistisch oder nicht .

Kein Markt. der die einzige Alternative sist. Da aber diese Definition des Sozialismus keineswegs die positiven Werte des Sozialismus bestimmt . Den Kapitalismus begreift er als Zerstörungsmaschine. Ihre Überzeugungskraft ist intuitiv. die er sieht. und stellt ihm den Sozialismus als Lösung gegenüber. die die Warenbeziehungen und den Staat abschafft. Jahrhundert entwickelt hat. sondern anti-institutionell definierten Sozialismus stellt Marx dem Kapitalismus gegenüber. Wo argumentiert wird.benutzt er den Fortschrittsbegriff. geschieht dies durch einen schlecht unendlichen Progreß. sodaß eine Gesellschaft vorgespiegelt 14 . das den Kapitalismus als Alternative ausschaltet und nur den Sozialismus übrig läßt. Es ist der radikale Gegenpol der kapitalistischen Gesellschaft. der durch sozialistische Produktionsverhältnisse abgesichert ist. Er erwartet daher eine immer bessere Welt aus einem Fortschritt. einer Fata Morgana.er hat ja nicht den Wert des Sozialismus nachgewiesen. durch den Fortschritt ein Weg in eine immer bessere Welt. der dem totalen Markt der bürgerlichen politischen Ökonomie die Abschaffung des Marktes überhaupt entgegenstellt. obwohl häufig mißbrauchtes Verfahren der Erfahrungswissenschaft ist. aber rational nicht argumentierbar. die methodologisch nicht gerechtfertigt werden kann. Daher stellt sich Marx überhaupt nicht die Frage. Man verlängert dann durch Projektion die technische Entwicklung ins Unendliche. so wie ihn das 18. keine sozialen Klassen als Bedingung dafür. sondern nur. Aus den Sachaussagen werden jetzt nicht einfach Alternativen ausgeschlossen. Er ist nicht nur. Daher konzepiert er den Sozialismus als klassenlose Gesellschaft.Institutionen sein. Diesen jetzt nicht institutionell. handelt es sich hier um die Konstruktion einer einfachen Projektion. kein Staat. Während aber die Diskussison der Möglichkeit von Alternativen ein völlig legitimes. die Produktionsverhältnisse geschmeidig den Bedingungen des Lebens von Mensch und Natur anpassen zu können. positiv gesehen. daß er die einzige Alternative ist . Aus der Unmöglichkeit des Kapitalismus schließt er auf die Möglichkeit eines so definierten Sozialismus. weil sie fiktive präskriptive Aussagen implizieren. auf die hin der Sozialismus sich bewegen wird. einzige Alternative. sondern ist. ab denn ein solcher Sozialismus überhaupt möglich ist. sondern positive Werte abgeleitet. um die bessere Gesellschaft abzuleiten. Der Wert des Sozialismus wird daher aus diesem Fortschrittsbegriff auf eine bessere Welt hin positiv unterbaut. negativ gesehen. Dieser Fortschrittsargumentation liegt seit Locke ebenfalls eine Verwandlung von Sachaussagen in Wertaussagen zugrunde. Das Argument ist ein Sachargument.

selbst bei Popper. sodaß die Entwicklung als Fortschritt erscheint. der durch das Postulat. Die Abstützung ist negativ. so bei den Futuristen der 60er Jahre. Sie war sehr explizit in der Kommunismusdiskussion in der SU zur Zeit von Chrustschew. daß jede Entwicklung von Werten in einem Raum vor sich gehen muß. ist eben die Epistemologie der Praxis. wenn sie durch die Marxsche Kapitalismuskritik abgestützt wird. Das. Auch in der optimistischen Version der heutigen offiziellen US-Ideologie ist sie noch weitgehend vertreten. abgesteckt ist. Aber sie hat keinen vorgeschrieben Weg. die ständig vor sich geht und von der Inversion wieder zerstört wird. Sie bestimmt. Daß Sachurteile sie nicht determinieren können. den Menschen und die Natur nicht zu zerstören. was dieses Argument von Marx ausmacht. 15 . Aber diese Schaffung der Werte kann nur die Wertkrise überwinden. Daneben ist aber längst eine pessimistische entstanden. An die Stelle des Fortschrittsmythos aber muß jene Freiheit treten. das ist eben der Raum der Freiheit.wird. Jeder Schritt der Entwicklung scheint dann eine Annäherung an dieses projektierte Ideal zu sein. die alle ihre Probleme gelöst hat. und in diesem Sinne geht sie durch Sachurteile hindurch. Die Fortschrittsmythologie ist eine illegitime Form dieser Determination. die darin besteht. den Menschen zu emanzipieren. Dieser Art Argumentation finden wir auch heute noch. Sie kann nur ausgehen von der Schaffung der Werte in den direkten menschlichen Beziehungen.

die man auf Erden verwirklichen kann.stellt sich die Menschheit immer nur Aufgaben. daß dies unmöglich ist.13. S. denn genauer betrachtet wird sich stets finden. Marx selbst kennt überhauapt keine ernsthafte Reflektion über dieses Problem der Faktibilität von Gesellschaftsvorstellung. MEW. weil sie ohne Widersprüche logisch möglich ist.Die Methode der Sozialismus-Kritik. In bezug auf diese Aufgaben. Daher sagt Marx: ". S. daß die Aufgabe selbst nur entspringt. nämlich in diejenigen.9. wo die materiellen Bedingungen ihrer Lösung schon vorhanden oder wenigstens im Prozeß ihres Werdens begriffen sind. was auf Erden in verwirklichbarer Form dann antizipiert wird. wie die bürgerliche Sozialismuskritik ausfallen wird. Sie wird an der Marxschen Sozialismusvorstellung anknüpfen und sie als "Utopie" kritisieren. die es nicht sind. Religiös sgesprochen. Die Menschheit hat sich immer Aufgaben gestellt. Jahrhundert an bis in die 60er Jahre dieses Jahrhunderts an die effektive Möglichkeit glauben konnte. Bd. Es ist heute kaum noch verständlich." MEW. daß eine solche Vorstellung logisch möglich ist. Karl: Zur Kritik der Politischen Ökonomie. die sie diese Aufgaben in den Himmel transponieren kann und sie damit als nicht-verwirklichbar aufhebt und sichtbar macht. Vorwort... Bd. die sich die Menschheit stellt. so ist völlig klar. Die Tatsdache aber ist. 5 Es ist doch in Wirklichkeit eher umgekehrt. Es handelt sich um eine Faktibilitätsgrenze. die nur im Himmel oder im Paradies verwirklichbar sind. ohne daß sie sie verwirklichen kann. wie man vom 19.9 Vorwort. hat daher immer die Religion eine Rolle gespielt. handelt es sich um diejenigen Vorstellungen. wobei der Himmel immer den Rahmen dessen vorgibt. eine klassenlose Gesellschaft ohne Staat und Warenbeziehungen an die Stelle des Kapitalismus setzen zu können. die verwirklichbar sind und diejenigen. und im Verhältnis zu diesen Aufgaben dann das bestimmt. 16 .13. Kaum jemand zweifelt noch daran. die die Gesamtheit aller logisch widerspruchsfrei denkbaren Gesellschaftsvorstellungen in zwei Gruppen aufteilt. Aber eine Vorstellung einer anderen Gesellschaft ist nicht deshalb schon verwirklichbar. die widerspruchsfrei gedacht werden können. die sie nicht verwirklichen kann. die den Gesetzen der Kontingenz 5 Marx. und solche. da sie ja in sich keine Widersprüche enthält. was sie verwirklichen kann. Sieht man die Marxsche Kapitalismuskritik aus der heutigen Perspektive. die sie lösen kann. Die verwirklichbaren Gesellschaftsvorstellungen sind daher immer Transformationen von nicht verwirklichbaren Vorstellungen.

In dieser Form lebte es weiter. sondern jetzt zu einem sozialen Mythos von der Marktharmonie umgewandelt. Es ist faktisch durch die Säkularisierung zum Verschwinden gebracht worden. sie in das Himmelreich zu verwandeln. ganz gleich welcher Konfession. sei es als Marktharmonie oder als anarchistisch-kommunistische Harmonie. war es völlig klar. Er spricht gerade die himmlische Dimension eines Denkens aus. Man konnte dann die Erde unter dem Aspekt des Himmel betrachten. Die Marktharmonie wurde zur großen innerweltlichen Erlösungsreligion. sodaß jetzt das Faktibilitätsproblem gar nicht mehr gesehen wird. Da die Vollendung im Himmel war. Genau hier ist auch der Realismus des Wunderglaubens. wenn auch schon im Abbruch. die der Markt anrichtet. denn er versetzte eine unmögliche Vorstellung der Gesellschaft in den Himmel und machte dadurch klar. Wenn sie der Himmel ist. ohne zu glauben. so wie es auch die vorherige bürgerliche Ideologie gar nicht sieht. daß man sie in den Himmel verwandeln müßte. daß die Antizipation des Himmels auf der Erde unter dem Gesetz einer Faktibilitätsgrenze steht. Marx sieht dieses Transformationsproblem gar nicht. braucht man nicht zu glauben. ohne aber das Problem der Faktibilität zu entdecken. Aber es ist nicht mehr das Himmelreich. das keine Faktibilitätsgrenze kennt. so kann man die Erde verändern. muß die volkommen gedachte Erde sein. sondern ein mit der Sozialstruktur verbundener Heilsmythos geworden. Das Himmelreich scheint auf der Erde zu sein. daß die Erde es sein kann. Der feudale Himmel des Mittealters war noch ein vollkommene Erde. eine himmlische Ergänzung der Zerstörung des Menschen und der Natur. Für die Entstehung der modernen Mythen vom Mythos der unsichbaren Hand über den Anarchismus bis zum Kommunismus ist dies ein entscheidendes Element. Anarchismus und Kommunismus haben dies weiterentwickelt. Der Glaube an den Himmel war realistischer als die bürgerliche Ideologie. Das Bürgertum hat das Himmelreich durch die Säkularisierung nicht zum Verschwinden gebracht. es ist der Himmel reiner Seelen. die für den Menschen nicht faktibel 17 . ohne ständig glauben zu müssen. aber jetzt ohne jegliches Bewußtsein des Problems der Faktibilität (was das Kontingenzproblem ist). Glaubt man an den Himmel als Neue Erde. Der bürgerliche Himmel hingegen spricht keine Faktibilitätsgrenze mehr aus. Der christliche Himmel der ersten Christen war es ganz ausschließlich. sodaß man ihn die Neue Erde nannte. Wunder sind logisch widerspruchlose Aktionen. wewil er der Himmel von Feudalherren ist. Es ist die Marktharmonie als Himmel gedacht. Ein Himmel. der diese Funktion ausübt. die nicht einmal einen Körper haben. hat einen solchen Himmel nicht mehr gehabt. Die bürgerliche Rewligion.unterworfen werden. daß sie unmöglich war.

Clark in seinen Grenzen des Möglichen projektiert in den technischen Fortschritt alle Wunder der religiösen. um ihre Auferstehung zu erleben. Indem man sie Gott zuschreibt. weil dieser Glaube heute selbst in den sozialistischen Ländern zusammengebrochen ist. Diese nimmt den Kapitalismus als innerweltliche Heilsreligion. Das heutige Christentum hat auch den Wunderglauben nicht mehr. daß hieraus keine Kritik am Kapitalismus erwachsen könne. ist er in die Antzipation von etwas verwandelt worden. der sogar die Auferstehung von den Toten einschließt: Millionäre lassen sich eineisen. daß sie für den Menschen nicht machbar sind. Er nimmt ihn als eine durch die Heilsreligion verdunkeltes Sozial und Wirtschaftssystem. Aber fällt ihm nicht einmal ein. (das zum ersten Mal von Smith dargestellt wird. Man weiß heute ganz allgemein. Indem der Sozialismus ohne jedes Bewußtsein von der Faktibilitätsgrenze konstruiert wird. vorbürgerlichen Tradition. muß man sich an die heute gültigen Mythen wenden.) Da der Markt zur Heilsreligion geworden ist. Er muß sie reproduzieren. sodaß ein Wunderglaube eben nur noch als Fortschrittsglaube möglich ist. ist ein Wunder. und streitet ihm die Faktibilität ab: dies tut er durch das Verelendungsgesetz. erklärt man ja. Will man allerdings verstehen. der diese Faktibilitätsgrenze entdeckt. daß er sie wieder zum Leben erwecken kann. daß es der Glaube an einen Mythos war. das auf lange Sicht der Fortschrittsmythos verspricht. wird die Faktibilitätsgrenze unsichtbar und führt dadurch zur Zerstörung den Mensch und Natur. Denn alles. Fortschrittsmythos ist ein säkularisirter Wunderglaube. Als solcher aber hat er die Säkularisation bestens überstanden. was der ins Unendliche projektierte technische Fortschritt verspricht. und kritisiert ihn folglich durch seine Fetichismustheorie. kann daher auch seinen Realismus nicht vertreten. Das ist heute so schwer. wie solch ein Glaube überhaupt möglich war. warum man ein ganzes Jahrhundert lang so sicher an die Faktibilität des Sozialismus als klassenlose Gesellschaft ohne Warenbeziehungen und ohne Staat geglaubt hat. Der Wunderglaube ist der Antipodo des Fortschrittsmythos.sind. wenn der technische Fortschritt soweit fortgeschritten ist. Soweit er in Sekten weiter praktiziert wird. allerdings in der Annahme. Ganz sicher ist es heute schwer vorstellbar. diese seine Kapitalismuskritik auf seine eigene Sozialismusvorstellung anzuwenden. kann er ja nur zu einer Neuauflage der bürgerlichen Heilsreligion führen. 18 . Marx ist der erste Autor. Der Fortschrittsmythos hat sich das Wunder angeeignet. Diese Entdeckung ist die Grundlage seiner gesamten Kapitalismuskritik. Die Bourgoisie glaubt sich absoluter Herr.

absolute Variabilität der Löhne). so sieht man die völlige Unfähigkeit auch heute noch. wie er in den 7oer Jahren entstand. das in einer innerweltlichen Heilsreligion befangen ist. in dem der Mythos von der klassenlosen Gesellschaft entstand. Wenn Reagan sagt: Wir haben keine Probleme mit dem Staat. unter denen sie argumentiert. daß eine ganze Arbeiterklasse über die Faktibilitätsgrenze hinaus an die Möglichkeit der klassenlosen Gesellschaft glaublte. Wenn man heute verstehen will. Dabei kann man die gesamte neoklassische Wirtschaftstheorie als ein großes Manöver interpretieren. und 19. dann kann man verstehen. eine Form. Man glaubt. 6 19 . die Faktibilitätsgrenze zu leugnen. als realistisch einstuft. warum heute die Bourgoisie völlig ohne Bewußtsein dieser Faktibilitätsgrenze vorgeht. der Staat ist das Problem. Ein Mythos hat über einen anderen Mythos gesiegt. gesiegt. dieses Problem zu erkennen. Jahrhundert war. die sich überhaupt keiner Faktibilitätsgrenzen bewußt ist. genau dasselbe zu tun. die Hölle? Ist diese Staatsabschaffung denn kein Himmel auf Erden? Kann man nicht in der Dritten Welt die Hölle studieren. der allen möglichen Facetten auftaucht. Man lacht nicht und man weint. der den Himmel auf Erden machen will. dann muß man zuerst verstehen. die Probleme der Faktibilitätsgrenze zu sehen. ohne jedes Fähigleit. Nach einer zeitlichen Abschwächung durch den Reformkapitalismus. sondern bleibt völlig ernst. um die Faktibilitätsgrenze unsichtbar zu machen (insbesondere durch die Voraussetzungen. hat über eine andere Form. warum auch die Arbeiterklasse des 19.B. Die Mythologie des Marktes ist wieder extrem geworden. sondern hat den Mythos des Marktes zum ausschließlichen und alles bedrohenden Mythos unserer Zeit werden lassen. und der Markt ist vor allem in den 8Oer Jahren wieder in alle seine Zerstörungsfunktionen eingesetzt worden. z. realistisch zu sein. die dieses Versprechen des Himmel erzeugt? 6 Wenn man versteht. wie er es im 18. ist heute der Markt als innerweltliche Heilslehre wieder so intakt. Jahrhunderts diese Faktibilitätsgrenze überhaupt nicht sah. warum die heutige Bourgoisie an den Mythos des Marktes glaubt. Die Kritik am Mythos der klassenlosen Gesellschaft ist nicht zu einer Kritik des Mythos geworden. Es handelt sich um einen aus der Säkularisierung entsprungenen Mythos des Okzidents. so bewegt er sich im gleichen mythischen Raum. wenn der Marktmythos gepredigt wird.Heute ist es vorwiegend das bürgerliche Denken. Wenn selbst Hans Albert den Mythos des Anarchokapitalismus. (Zitat!) Produziert nicht angeblich der. die vorher durch den Reformkapitalismus abgeschwächt waren.

er habe eine Tendenz zum Gleichgewicht. unfehlbare Sätze bilden zu können. Sie müßte pneumatisch sein. Alle Aussagen in Sprachform aber sind mehrdeutig und invertierbar. Jede Aussage hat mehrere Versionen der Interpretation und hat immer auch Inversionen. auf die hin sich die Utopien bewegen. Daher kanan es auch kein unfehlbares Wort Gottes geben. auf die Spitze führt und die Unfehlbarkeit des Papstes verkündet. und versteckt hinter dieser Kritik nur die Unmöglichkeit seines eigenen. Sie führt ihn dazu. als ob sie vollständige Faktenkenntnisse hätten. daß der Staat keine societas perfecta ist. Die Argumentation ist ähnlich wie die von Ratzinger. Vatikanum ihre Behauptung. die gerade 1870 im I. der die Gnade dazu hat. und kein Papst kann uns da helfen. daß es überhaupt keine societas perfecta gibt. Aber dahinter versteckt sich nur sein eigener Glauben. Wieder hat Unfehlbarkeit keinen Sinn. Die Bibel auch nicht. Daher sind unfehlbare Aussagen in Sprachform gar nicht formulierbar. kann aus dem Text der Aussage nicht hervorgehen. setzt folglich eine völlig eindeutige Sprache voraus. societas perfecta zu sein. daß Planung nicht möglich sei. Das aber ist nicht gemeint.Dieselbe Blindheit für die Faktibilitätsgrenze finden wir in der katholischen Kirche. der blind für die Faktibilitätsgrenze ist: er will sagen. Wir müssen sie also selbst finden. Ist es ein Wort. Jetzt überschreitet der Markt die Faktibilitätsgrenze. die ja folgen müßte. Unter allen möglichen Deutungen und Inversionen von Aussagen kann nur eine das Wort Gottes sein. indem behauptet wird. einsichtig für den. 7 20 . sei sie Kirche. wenn er richtig behauptet. Sie wird daher zum Begleiter dieser sekaularisierten Formen der societas perfecta. Wenn sie aber nicht möglich sind. die keine vollständige Faktenkenntnis haben. Auch die Kritik Hayeks an der Voraussetzung vollkommenen Wissens erreicht keineswegs ein Wissen von der Faktibilitätsgrenze. Daher wird er den Markt als die Institution bezeichnen. die das Handeln von Menschen. Welche es ist. 7 Einer schlägt dem andern die Unmöglichkeit seiner Projekte um die Ohren. nur die Kirche sei eine societas perfecta. dann ist es mehrdeutig und dann ist eine eindeutige Klarheit nicht möglich. Die Unfehlbarkeit setzt voraus. Nicht nur Marx sollte man nicht wie eine Bibel lesen. Das Problem der Faktibilitätsgrenze aber ist. so lenkt. sei er so unfehlbar wie er will. wenn sie sich auf die Totalität des menschlichen Lebens bezieht. Man kann einfach den Sinn der Unfehlbarkeit von Aussagen nicht ausdrücken. zu behaupten. Markt oder Staat. kann es sie auch nicht geben. Aber sie führt ihn überhaupt nicht zu einer Kritik am Markt.

Die erste relativ vollständige Ausarbeitung dieser Utopiekritik finden wir bei Max Weber. Ein Geschichtsgesetz haben sie beide. der Kapitalismus sei eine Fatalität. die zur konstituierenden Ideologie der sogenannten Freien Welt wird. Max Weber geht auf zwei Weisen auf diese Kapitalismuskritik ein. sozialistische Produktionsverhältnisse .als Produktionsverhältnisse ohne Warenproduktion und ohne Staat überhaupt herzustellen. die behauptet. darstellen. für das es nur eine einzige Alternative gibt. Die Vorgehensweise der bürgerlichen Utopiekritik läßt sich ausgehend von der Analyse. Hatte Marx gesagt. Diese ist jetzt der Kapitalismus. Wenn man den marxschen Ausdruck benutzen will. Indem sie sich auf diese Utopiekritik beschränkt. die durch Apellation an irgendwelche Werte entschieden werden kann. wobei die Marxsche Kapitalismuskritik einfach übergangen wird. ganz wie die Marsche Kritik vor. invertiert sie aber. Daher wird sie durch ein Sachurteil die sozialistische Alternative beseitigen. aber auf die Marxsche Kapitalismuskritik nicht einmal antworten. von denen behauptet wurde. Max Weber erklärt daher. methodologisch gesehen. daß die Kontinuität des Kapitalismus das Geschichtsgesetz ist. Die bürgerliche Kritik des Sozialismus geht jetzt. daß sie den Menschen und die Natur zu zerstören zwingen. daß es unmöglich sei. Daher wird sie ebenso wie Marx ablehnen. daß es keine Alternative zum Übergang zum Sozialismus gibt. Wir können dabei wieder von der Wahlsituation zwischen Kapitalismus und Sozialismus ausgehen. Auf dem Umweg über Popper verwandelt sie sich in die Utopiekritik der Zeit nach dem II. so ist jetzt die bürgerliche Sozialismuskritik eine Utopiekritik. sodaß wieder ein Ergebnis herauskommt. daß es keine Alternative zum Kapitalismus gibt. Max Weber und die Marxsche Kapitalismuskritik. War die Marxsche Kapitalismuskritik eine Kritik bestehender Produktionsverhältnisse. und sie haben es auf die gleiche Weise abgeleitet. daß es sich um Alternativen handelt. Sie wird sich als Utopiekritik entwickeln. Die Lösung ist spiegelverkehrt. Die 21 . so wird die bürgerliche Sozialismuskritik zum Ergebnis kommen. nur in spiegelverkehrter Form. wird sie sich in eine sehr simple Kapitalismusapologie einmünden. die wir von der Marxschen Kapitalismuskritik gemacht haben. Weltkrieg. so sagt die bürgerliche Marxkritik.Die bürgerliche Sozialismuskritik ergibt sich aus dieser Analyse.

Das Kapital. MEW. S. indem sie zugleich die Springquellen alles Reichtums untergräbt: die Erde und den Arbeiter.241 8 Damit wird die Kapitalismuskritik von Marx auf ein Sollen reduziert. speziell des sheiligen Thomas. 23. Und jener Gedanke.241 9 Karl Marx. wird es gerade in seiner Kulturbedeutung untergraben. in der Max Weber auf das Verelendungsgesetz eingeht.1956. mit einer Abstraktion aus dem empírischen Verlauf der Preisbildung. weltgeschichtliche Analysen. wenn die menschliche Geschichte weitergehen soll. Aus: Max Weber. Baumgarten. Tatsächlich bezieht sich Marx überhaupt nicht auf irgendein Naturrecht. d. weltgeschichtliche Analysen. 9 Marx spricht von einem Zerstörungsprozeß. MEW. Dann behandelt er sie tatsächlich als ein Sachurteil. 22 . S. Kröner. Stuttgart. Von der Scholastik an bis in die Marxsche Theorie hinein verquickt sich hier der Gedanke von etwas 'objektiv' Geltendem. Kröner. Politik.erste besteht darin. In dieser Betrachtungsweise verwandelt Max Weber die Marxsche Kapitalismuskritik in eine Aussage. im Verhältnis zu dem heute verwendeten idealtypischen Begriff der 'Stadtwirtschaft' des Mittelalters.h. so wie Max Weber Werturteile versteht. diese einfach auf ein Werturteil zu reduzieren. Erst recht steht es so mit dem berüchtigten 'Grundbegriff' der Nationaliökonomie: dem des wirtschaftlichen 'Werts'. aber damit gerade als völlig unbedeutend dargestellt.1956. zu dem die Wissenschaft nicht Stellung nehmen kann und auch nicht muß. daß der 'Wert' der Güter nach bestimmten. Eduard (Hrsg. Max Weber beschreibt auf folgende Weise dies 8 Weber. Das Kapital.gehabt und hat sie noch. Soziologie. S. Dies Sollen wird gefeiert als Kulturbedeutung. Er sagt daher: "So steht es schon mit der 'Idee' des 'Nahrungsschutzes' und amanchen Theorien der Kanonisten. hat unermeßliche Bedeutung für die Kulturentwicklung .) Stuttgart. S. 'naturrechtlichen' Prinzipien reguliert sein solle. Dies ist allerdings nicht die einzige Form. den wir oben besprachen." Karl Marx. Aus: Max Weber. obwohl er dies in einem entsprechend feierlichen Ton tut. III. der aufgehalten werden muß." Weber. 23. sondern auf ein Sachurteil: "Die kapitalistische Produktion entwickelt daher nur die Technik und Kombination des gesellschaftlichen Produktionsprozesses. Politik. indem es gefeiert wird. Allerdings. III. Seinsollendem. Max: Die "Objektivität" sozialwissenschaftlicher Erkenntnis. Soziologie.und zwar nicht nur des Mittelalters . 528/530. die wissenschaftlich nicht kritisioerbar und folglich auch nicht ernst zu nehmen ist. 528/530. Max: Die "Objektivität" sozialwissenschaftlicher Erkenntnis.

. Es ist offensichtlich. Diese sogenannte Verelendungstheorie ist in dieser Form heute ausdrücklich und ausnahmslos von allen Schichten der Sozialdemokratie als unrichtig aufgegeben. Das Verelendungsgesetz." Weber.. wenn sie der unterworfenen Klasse .wenigstens die nackte Existenz garantieren kann.Verelendungsgesetz: "Eine Gesellschaftsklasse wie das Bürgertum.. Daher seine Behauptung. wie sie Max Weber gibt. S. daß diese Theorie heute "ausdrücklich und ausnahmslos von allen Schichten der Sozialdemokratie als unrichtig aufgegeben" worden ist. aus der einfach alle konkreten Bezüge auf bestimmte Produktionsverhältnisse herausgestrichen sind.das sind die Lohnarbeiter . sodaß er sie nicht ernst zu nehmen braucht? Wo er zu widerlegen hätte. kann nur dann ihre Herrschaft behaupten. bestreitet er einfach den Wert der Theorie. Das kann aber die moderne Bourgeoisie nicht leisten.). wenigstens die nackte Existenz garantieren kann. meinen die Verfasser (des Kommunistischen Manifests F. kann nur dann ihre Herrshaft behaupten. Eduard (Hrsg): Tübingen 1964. so wie Max Weber es beschreibt. wenn ihre Mitglieder existieren. Max: Werk und Person. Das war bei der Sklaverei der Fall. daß eine Gesellschaft nur existieren kann.. Seit wann wird eine Theorie dadurch wiederlegt. Baumgarten.256 10 Es sichtbar. das war auch so bei der Fronhofverfassung usw. Ist sie gar keine Theorie. Die ganze Hilflosigkeit Max Webers dieser Theorie gegenüber führt ihn daher zu einem rein dogmatischen Gegenargument.256 23 . daß hier kein Naturrecht bemüht wird. Max: Werk und Person. Die Frage muß doch lauten: ist das ein Gesetz oder nicht? Gilt es oder nicht? Ein solches Gesetz sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein....H. Zu dieser Hilflosigkeit Max Webers gehört auch seine Bezeichnung der Verelendungstheorie als "sogenannte Verelendungstheorie".. Baumgarten. Es folgt einfach aus der Tatsache. Da hatten die Leute wenigstens die nackte Existennz gesichert und deshalb konnte sich die Herrschaft halten. S. daß Max Weber überthaupt kein Argument gegen diese Theorie hat. wenn sie der unterworfenen Klasse. wozu eben die Voraussetzung 10Weber. daß die sozialdemokratische Partei sie für unrichgig erklärt? Ist für Max Weber die Meinung der sozialdemokratischen Partei ein Wahrheitskriterium? Für die Geltung einer Theorie ist diese Meinung völlig gleichgültig. Eduard (Hrsg): Tübingen 1964." Dies ist die Formulierung des Verelendungsgesetzes. können wir folgendermaßen zusammenfassen: "Eine Gesellschaftsklasse.J.

Diese Art Argumentation nennt Marx das Verelendungsgesetz. Auch folgendes Werturteil ist die normative Form eines ähnlichen Sachurteils: man soll das Huhn nicht schlachten. daß eine solche Situation auch im Kapitalismus vorliegt und dieser daher durch eine neue Wirtschaftsordnung abgelöst werden muß. war die spekulative Sklavenaufzucht und der friedliche Sklavenhandel nicht ausreichend. weltgeschichtliche Analysen. wie ihn die Plantagen. Stuttgart. tut er es von dem Verelendungsgesetz aus. die nicht einfach abgetan werden kann. Nun hatte Max Weber gesagt: "Diese sogenannte Verelendungstheorie ist in dieser Form" nicht gültig. Der Sklavenpreis stieg anfangs rapide. weil inzwischen der Bedarf durch Umgestaltungen in der Wirtschaftsorganisation tief gesunken war. die Menschen zu reproduzieren. das goldene Eier legt. nach Varros Ideal. Es ist sehr wahrscheinlich. wenn Weber behauptet: "Von der Scholastik an bis in die Marxsche Theorie hinein verquickt sich hier der Gedanke 11 Weber. Nimmt man dies in Betracht.1956. weltgeschichtliche Analysen. was doch wahrscheinlich Aristoteles und Thomas bewußt war. Politik. eine funktionierende Arbeitsordnung zu sichern. Aus: Max Weber. Marx behauptet nun. Kröner. Leider aber sagt er uns nicht.51 24 . als wenn es sich um ein "Werturteil" handele. Politik. Soziologie. also ihre nackte Existenz zu erhalten. Eine Gesellschaft kann eben nur existieren. wenn sie sich dementsprechend verhält. S. so ist überhaupt die Webersche Beurteilung des aristotelisch-thomistischen Naturrechts als Werturteil zweifelhaft. Es gibt keinen Grund. Stuttgart. Es ist daher doch wohl falsch. Kröner. Max: Wirtschaft und Gesellschaft im Rom der Kaiserzeit. über das die Wissenschaft nichts sagen kann. es als ein "sogenanntes" Verelendungsgesetz zu bezeichnen oder es gar als "Werturteil" anzusehen.1956. betreiben sollten. es handelt sich doch um eine wissenschaftliche These. und wie ihn die Bergwerke bedurften. Sei dies nun richtig oder falsch.ist. daß diese zumindest ihre nackte Existenz sichern können müssen. S. . Soziologie. Akls Ergebnis ändert sie sich.51 11 Es wird eine Wirtschaftsorganisation beschrieben." Weber. weil die Versorgung des Marktes mangelte. Max: Wirtschaft und Gesellschaft im Rom der Kaiserzeit. sodaß sie wieder fähig ist. ohne es zu erwähnen: "Der Friede bedeutete das allmähliche Versiegen der Sklavenzufuhr: für einen Menschenverschleiß. ob sie vielleicht in anderer Form gültig ist. die nicht fähig ist. Wenn er allerdinsgs das Ende der Sklaverei im alten Rom argumentiert. Folglich drücken sie in normativer Form durchaus ein Sachurteil aus. Aus: Max Weber.in der Spätzeit des Reiches steht er umgekehrt außerordentlich niedrig. daß auch dieses Naturrecht unter dem Gesichtspunkt des Verelendungsgesetzes entwickelt worden ist.

indem er von der "sogenannten" Verelendungstheorie spricht und schließlich sogar die Meinung der sozialdemokratischen Partei als Autorität anführt. Zwischen beiden erscheint keine Brücke.190 Weber. sodaß die Sphäre der Ethik . S." Hier ist gar nichts verquickt. sondern alles klar. Es gibt eine berühmte Formulierung. daß die bürgerliche Gesellschaft den Menschen und die Natur zerstört. Die Marxsche Behauptung ist ja. besonders im §2. daß er sie nicht völlig durchhalten kann. S.. Grundriss der verstehenden Soziologie. durch die Max Weber seine Position in bezug auf das Verhältnis der Erfahrungswissenschaft und der Ethik ausdrückt: "Eine empirische Wisenschaft vermag niemanden zu lehren. Max: Die "Objektivität". S. besonders im §2. Im Kapitel "Soziologische Grundbegriffe" von "Wirtschaft und Gesellschaft" führt Weber diese Trennung geradezu manichäisch durch. was er soll.von etwas 'objektiv' Geltendem.. die empirisch zu diskutieren ist. Tübingen 1972." Weber.cit. dieses Problem der Reproduktion des Menschen und der Natur zu lösen. Max Weber aber entzieht sich der Argumentation. Max: Wirtschaft und Gesellschaft.alle Werturteile .der wissenschaftlichen Argumentation nicht zugänglich sind. (Weber.12/13) Danach kann die Erfahrungswissenschaft nur zweckrationale Urteile abgeben.12/13) 25 . 13 In seiner Wirtschaftssoziologie geht Weber auch von dieser manichäischen Position aus. Eine existierende Gesellschaft unterliegt daher immer diesem Gesetz. op.des Sollens . was er kann und .Max: Wirtschaft und Gesellschaft.unter Umständen .h. mit einer Abstraktion aus dem empírischen Verlauf der Preisbildung. Es ist die Frage danach. sondern nur. Dies aber kann sich nur in der Argumentation erweisen. Seinsollendem.190 12 Hier werden Sachurteile und Werturteile streng getrennt: Können und Sollen. Die Methodologie Max Webers. Grundriss der verstehenden Soziologie.völlig getrennt erscheint von der Sphäre der Sachurteile. Mohr. S. es zeigt sich aber bald. ob tatsächlich die bürgerliche Gesellschaft fähig ist. Mohr. Daher dieser Dogmatismus. während alle wertrationalen Urteile . die sich auf das Können beziehen. Aber offensichtlich will Max Weber die Auseinandersetzung umgehen.. Die Frage. Max: Die "Objektivität". weil ihre Entscheidungsmechanismen notwendig zu einem solchen Ergebnis führen. op. d.. ist eine andere.was er will. Er muß daher immer stärker die gegenseitige 12 13 Weber. Tübingen 1972.cit.

und wertrationalen Urteilen. ohne jemals eine methodologische Reflektion sei es seiner Wirtschaftssoziologie sei es seiner Sozialaismuskritik anzustellen. §9. Dies erklärt sich dadurch. gerechnet wird.44 26 . Die materiale Rationalität wird im Verhältnis zur formalen Rationalität jetzt als eine Restgröße aaufgefaßt. op. "Als formale Rationalität eines Wirtschaftens soll hier das Maß der ihm technisch möglichen und von ihm wirklich angewendeten Rechnung bezeichnet werden. daß er jetzt über den wirtschaftlichen Kalkül spricht. beide zu trennen. Der möglichen. op. Dieser Widerspruch zieht sich durch das gesamte Werk von Max Weber hindurch. mit technisch tunlichst adäquaten Matteln.Durchdringung von Sachurteilen und Werturteilen. utilitarische. In seiner Wirtschaftssoziologie spricht Max Weber nicht mehr von zweck. sondern von formaler und materialer Rationalität. rechenhaften Wirtschaftens wertrational oder material zweckrational bemißt. Soziologische Grundkategorien des Wirtschaftens.h. von Zweckrationalität und Wertrationalität berücksichtigen.44 14 Dies erklärt er weiter: "Dagegen ist der Begriff der materialen Rationalität durchaus vieldeutig. Wertmaßstäbe sind prinzipiell 14 Weber. die alle Entscheidungen erfaßt.cit. Diese sind höchst vieldeutig. sondern ethische. §9. die nicht aus dem Zweck-Mittel-Kalkül der formalen Rationalität folgen. In seiner dann folgenden Sozizalismusskritik gibt er diese manichäische Form der Trennung beiden Typen von Urteilen sogar auf. egalitäre oder irgendwelche anderen Forderungen stellt und daran die Ergebnisse des . in diesem Sinn rationalen. hedonistische. wobei der expliziten Methodologie seiner methodologischen Analysen ständig durch die implizite Methodologie seiner empiriebezogenen Analysen widersprochen wird. wie er insbesondere beim Geldkalkül vorliegt und der jetzt zum Modell zweckrationaler Urteile wird. S. Soziologische Grundkategorien des Wirtschaftens. nicht begnügt. Als materiale Rationalität soll dagegen bezeichnet werden der Grad." Weber.. wird oder werden könnte. unter welchen sie betrachtet wurde.cit.sei es auch formal noch so 'rationalen'. politische. Es zeigt sich als unmöglich. Es ergibt sich dann ein Abgrund zwischen seinen methodologischen und seinen empiriebezogenen Analysen. d. Er besagt lediglich dies Gemeinsame: daß eben die Betrachtung sich mit der rein formalen (relataiv) eindeutig feststeellbaren Tatsache: daß zweckrational. ständische. in welchem die jeweilige Versorgung von gegebenen Menschengruppen (gleichviel wie abgegrenzter Art) mit Gütern durch die Art eines wirtschaftlich orientierten sozialen Handelns sich gestaltet unter dem Gesichtspunkt bestimmter (wie immer gearteter) wertender Postulate. S.

45 Weber. Es ahandelt sich nicht um Werte.oder Naturalschätzungen vollzogen werden).3. die dieses formal rationale Handeln selbst konstituieren. op.cit. S.schrankenlos viele. Dieser Begriff ist also. op. Nr. das heißt: das formal rationellste Mittel der Orientierung wirtschaftlichen Handelns. §10." Weber. Weber beschreibt diese Situation wie folgt: "Die formale 'Rationalität' der Geldrechnung ist also an spezifische materiale Bedingungen geknüpft.cit. 'rechenhaften' Überlegungen ausdrücken kann und ausdrückt (zunächst ganz unabhängig davon. S. Geldrechnung. §9.und Kompromißprodukte.. op.45 17 Nun aber kommt erst das Problem der manichäischen Trennung von zweck.45 27 . welche hier soziologisch interessieren. Nr. Damit eine solche formale Rationalität gesichert ist." Weber. nicht: aktueller Geldgebrauch. §9.cit. wie diese Rechnungen technisch aussehen. der in Geld durchgeführt wird: "Rein technisch angesehen ist Geld das 'vollkommenste' wirtschaftliche Rechnungsmittel.und wertrationalen Urteilen. op. S. §9. S.. sondern um Werte. und die unter sich wiederum nicht eindeutigen sozialistischen und kommunistischen. op. §9..3. welche man ohne grundsätzliche 15 16 17 Weber. also Erzeugnisse von Marktkonstellationen. den Marktkampf (mindestens: relativ) autonomer Wirtschaften. §10. Geldpreise sind kampf. S. in welchem die ejeder rationalen Wirtschaft wesentliche 'Vorsorge' sich in zahlenmäßigen. ist daher das spezifische Mittel zweckrationaler Beschaffungswirtschaft.45 15 Die formale Rationalität gründet bei Max Weber auf dem Marktkalkül. auf die hin das formal rationale Handeln orientiert werden soll.. 'Geld' ist keine harmlose 'Anweisung auf unbestimmte Nutzleistungen'. S. Wertmaßstäbe sind selbstverständlich nur eine Gruppe unter dieser Mannigfaltigkeit. vor allem: 1." Weber. op.cit. ergeben sich materiale Bedingungen ihrer Existenz. wie sie die kapitalistische Unternehmung verwirklicht.cit. ob sie also als Geld.45 Weber.45 16 Formale Rationalität ist daher eine Rationalität. in irgendeinem Grade stets: ethischen und egalitären. daß die Geldform das Maximum dieser formalen Rechenhaftigkeit darstellt (natürlich auch dies: ceteris paribus!). Daher kann er sagen: "Formal 'rational' soll ein Wirtschaften je nach dem Maß heißen.cit. eindeutig wenigstens in dem Sinn.

" Weber." Weber. Dann aber steht sich nicht mehr formale und materiale Rationalität gegenüber. Er bemerkt den Widerspruch.im Fall voller Marktfreiheit . Strenge Kapitalrechnung ist ferner sozial an 'Betriebsdisziplin' und Appropiation der sachlichen Beschaffungsmittel. 3. §14. Rechnungsmittel aber nur in der Form des quantitativen Schätzungsausdrucks von Interessenkampfchancen. §14. daß die formale Rationalität eine Ethik impliziert.. Wer für diese formale Rationalität plädiert. eventuell Eltern). op. op. S.. die in ihr impliziert ist. sobald er über dass Wirtschaftssystem und nicht mehr über Einzelhandlungen innerhalb des Wirtschaftsystems spricht.cit. sondern: kaufkräftiger Begehr nach Nutzleistungen regelt durch Vermittlung der Kapitalrechnung material die erwerbsmäßige Güterbeschaffung. wenn diese materialen Postulate nicht erfüllt werden.cit.. und dann unter der materialen Voraussetzung weitestgehender Marktfreiheit.cit.und wertorientiertem Handeln auf einmal aufgegeben.absoluten 18 19 Weber. Daraus folgt aber. Er selbst hat seine eigene Methodologie aufgehoben. 2. S. gebunden. op.60 19 Es handelt sich um materiale Postulate. Formale Rationalität kann es nicht geben. Das ist jedenfalls die Meinung von Max Weber. die als materiale Postulate die formale Rationalität begründen. Nicht 'Begehr' an sich. deren Versorgung der Einzelne typisch übernimmt.cit..Ausschaltung des durch Kampf von Menschen mit Menschen geprägten Charakters der Preise beliebig umgestalten könnte.58/59 18 Durch diese Kampfkonstellation werden die Initiativen geschaffen: "Entscheidender Antrieb für alles Wirtschaftshandeln ist unter verkehrswirtschaftlichen Bedingungen normalerweise 1. sondern es stehen sich verschiedene Rationalitäten gegenüber. Das Höchstmaß von Rationalität als rechnerisches Orientierungsmittel des Wirtschaftens erlangt die Geldrechnung in der Form der Kapitalrechnung. der kann auch nur für die Ethik plädieren. op. für die Nichtbesitzenden: a) der Zwang des Risikos völliger Unversorgtheit für sich selbst und für diejenigen persönlichen 'Angehörigen' (Kinder.58/59 Weber. also: an den Bestand des Herrschaftsverhältnisses. ohne die sie nicht einmal gedacht werden kann. Max Weber hat hier die manichäische Trennung von zweck. Frauen. §13.60 28 . §13. wischt ihn aber einfach vom Tisch: "In Verbindung mit der . die jeweils eine amateraiale Ethik implizieren. S. S. sondern primär: Kampfmittel und Kampfpreis. weil er sie gar nicht aufrechterhalten konnte.

" Weber. von den persönlichen Gemeinschaften getragenen menschlichen Beziehungen. interessiert ist.59 20 Damit kommt er in Widerspruch zu seiner eigenen Analyse: "Formale und materiale. S. Möglichkeit nach selbst: in allen) Einzelfällen empirisch zusammentreffen. Dabei hat er uns doch gesagt. Diese Verwirrung entsteht. materialen Postulate begründen diese im Wesen der Geldrechnung liegenden Umstände die prinzipielle Schranke ihrer Rationalität. Folglich fallen sie nicht prinzipiell auseinannder. weil er einmal die materiale Rationalität als eine die formale Rationalität konstituierende Rationalaität ansieht. mögen sie auch in noch so zahlreichen (der theoretischen. menschliche Beziehung. Formale und materiale (gleichviel an welchem Wertmaßstab orientierte) Rationalität fallen unter allen Umständen prinzipiell auseinander. auch die intimste. in welche Menschen miteinannder treten können. welche von den Tauschpartnern erwartet wird und den Inhalt der Marktethik bildet. etwa um dessen Seelenrettung.. kein Ansehen der Person. §13. Wo der Markt seiner Eigengesetzlichkeit überlassen ist. kennt er nur das Ansehen der Sache. daß die unkontrollierteste 20 Weber. wie immer gearteten. ist die Qualität. weil er die materiale Rationalität einfach als Restgröße behandelt hat. und rationale Legalität. keine der urwüchsigen. S.Indifferenz gerade der formal vollkommensten Rationalität der Kapitalrechnung gegen alle. Jede. keine Brüderlichkeitsund Pietätspflichten. bedeuten. und dann wieder als materiale Postulate über das Ergebnis des Prozesses. Rationalität fallen unter allen Umständen prinzipiell auseinander". auch ddie noch so unbedingte persönliche Hingabe ist in irgendeinem Sinn relativen Charakters und kann ein Ringen mit dem Partner. unter allerdings völlig irrealen Voraussetzungen zu konstruierenden. insbesondere: formale Unverbrüchlichkeit des einmal Versprochenen. Diese ist eben rein formalen Charakters. die eine ganze Ethik ausmachen. Sie alle bilden Hemmungen der freien Entfaltung der nackten Marktvergemeinschaftung und deren spezifische Interessen wiederum die spezifische Versuchung für sie alle.59 29 . Die Verwirrung entsteht.. Sondern weil er spezifisch sachlich. Nicht weil der Markt einen Kampf unter den Interessenten einschließt. §13. Rationale Zweckinteressen bestimmen die Marktvorgänge in besonders hohem Maße. daß die formale Rationalität materiale Bedingungen hat. welche in dieser Hinsicht ungemein strenge Auffassungen anerzieht: in den Annalen der Börse ist es fast unerhört. In anderm Zusammenhang entsteht die gleiche Verwirrung: "Die Marktgemeinschaft als solche ist die unpersönlichste praktische Lebensbeziehung. am Interesse an den Tauschgütern und nur an diesen.

Die Marktvertgesellschaftung. Hrgb.sich selbst reproduziert: "Der heutige. Hrgb. Max: Die protestantische Ethik. l965. Wieder will er den Markt als formale Rationalität jeder Ethik als materialer Rationalität gegenüberstellen.45 30 ." Weber. Da er aber dogmatisch an diesem a priori festhält.382/383 21 Hier analysiert Weber in den höchsten Tönen das. S. Wenn es eine Marktethik gibt. und daher nicht als eine Sphäre behandelt werden kann. d. daß dieser "jeder Ethik als unter Brüdern verworfen" gilt. fällt er in Widersprüche. Der 'freie'. S.cit." Weber.der Marktethik _ und solchen Ethiken unterscheiden. München und Hamburg. was er selbst die Marktethik nennt. die sich auf die Ergebnisse des Marktes beziehen.h. op. deren er bedarf. Tatsächlich schließt die Marktethik alle ethischen Urteile über die Ergebnisse des Marktes aus. Eine solche absolute Versachlichung widerstrebt. die frei von aller Ethik ist. l965. ohne die er nicht gedacht werden kann. Der Markt ist in vollem Gegensatz zu allen anderen Vergemeinschaftungen.Unternehmer und Arbeiter -.45 22 Weber müßte daher in bezug auf diese Ethiken zwischen der den Markt selbst konstituierenden Ethik . dann muß der Markt doch ethischen Normen unterliegen. Siebenstern. daß der Markt schließlich selbst eine Ethik impliziert. Er spricht aber vom "durch ethische Normen nicht gebundenen Markt" und sagt. Seine aprioristische manaichäische Trennung von formaler und materialer Rationalität ist völlig unvereinbar mit den Ergebnissen seiner Analyse. Diese Marktethik erscheint schließlich bei Weber als eine Produkt der kapitalistischen Institutionalität selbst. durch Zeichen geschlossene Vereinbarung gebrochen wird. S. die immer persönliche Verbrüderung und meist Blutsverwandtschaften voraussetzen. die Brüderlichkeitsethik 21 22 Weber. op.cit.und unerweislichste. Siebenstern. S. entgeht aber der Tatsache nicht. Die Marktvertgesellschaftung. Sie ist eine Ethik. die . Johannes Winckelmann.382/383 Weber. München und Hamburg. und dann kann der Markt nicht jeder Ethik als verworfen gelten: zumindest doch der Marktethik nicht. Max: Die protestantische Ethik.einmal entstanden . jeder Verbrüderung in der Wurzel fremd. der durch ethische Normen nicht gebundene Markt mit seiner Ausnutzung der Interessenkonflikte und Monopollage und seinem Feilschen gilt jeder Ethik als unter Brüdern verworfen . zur Herrschaft im Wirtschaftsleben gelangte Kapitalismus also erzieht und schafft sich im Wege der ökonomischen Auslese die Wirtschaftssubjekte . allen urwüchsigen Strukturformen menschlicher Beziehungen. Johannes Winckelmann. wie anamentlich Sombart wiederholt in oft glänzender Form betont hat.

daß die Sozialwissenschaft nur von individuellen Handlungen sprechen kann. Sie ist eine aus dem ethischen Universalismus entstanden Ethik. denen das gesellschaftssystem vorgegeben ist.in diesem Falle vom Wirtschaftssystem aus . op. Wenn Max Weber dies zwar entwickelt.und Wertrationalität unterscheiden. daß die Marktethik zu einer antiemanzipatorischen Ethik geworden ist. spricht er von der Gesellschaft als Totalität und nicht von individuellen Erscheinungen innerhalb des Marktes oder innerhalb der gegebenen Gesellschaft.. Sachurteilen und Werturteilen unterscheiden. darf er eben dieser Art Soziologie nicht machen: "Alle denkende Erkenntnis der unendlichen Wirklichkeit durch den endlichen Menschengeist beruht daher auf der stillschweigenden Voraussetzung. Dann aber kann er keine Wirtschaftssoziologie machen. Folglich sind Zweck. eine Ethik zu sein. Indieser geht er von Einzelhandlungen aus. S. daß jeweils nur ein endlicher Teil derselben den Gegenstand wissenschaftlicher Erfassung bilden.. dann kann er eben nicht von der Gesamtheit dieser individueellen Handlungen sprechen. die innerhalb dieses Suystems stattfinden. Immer neu und anders gefärbt bilden sich die 23 Weber. Folglich kann er relativ eindeutig zwischen Zweckrationalität und Wertrationalität.und Wirtschaftssystem selbst spricht. hinterher aber leugnet. die "Objektivität".das in seiner Analyse der soziologischen Grundbegriffe einfach nur Rahmen war. die sich im Namen der von ihr entwickelten Marktethik gegen den ethischen Universalismus wendet. Wenn er glaubt.verwirft oder sogar verteufelt. In seiner Wirtschaftssoziologie hingegen spricht er vom Gesellschaftssystem . Weber selbst aber glaubt anatürlich. Sobald er aber über diese Gesellschafts. op. Es stehen sich diese Ethiken gegenüber. kann er eben nicht mehr in dieser vereinfachten Form Zweck. Sie hört deshalb aber nicht auf. die alle emanzipatorischen Ethiken im Namen der formalen Rationalität des Marktes verwirft.cit.212 31 . S. die "Objektivität". Wenn er das nicht will. und nicht etwa Zweckrationalität und Wertrationalität. daß nur er 'wesentlich' im Sinne von 'wissenswert' sein solle.212 23 Hierzu gehört auch: "Endlos wälzt sich der Strom des unermeßlichen Geschehens der Ewigkeit entgegen. so erliegt er der Illusion seiner Analyse der soziologischen Grundbegriffe. In unserer Gesellschaft führt dies dazu. Er hat es jetzt mit der Totalität aller Handlungen zu tun. Wenn er über den Markt spricht. von etwas ganz anderem zu sprechen als er es tatsächlich tut." Weber.cit.und Wertrationalität nicht mehr trennbar.

hat man dann etwa nichts über diese Gesamtheit ausgesagt? Wenn man sagt. daß er über die Gesamtheit spricht und zumindest fähig ist. daß man ihn nicht benutzen soll.in abstrakter Form . kann Weber eben nicht mehr auf dieser Ebene Zweck. solange nicht chinesische Erstarrung des Geisteslebens die Menschheit entwöhnt. Die "Objektivität". Die "Objektivität". um zu begründen. op. Der Markt wird als die Instanz analysiert. hat man dann etwa nicht etwas über die Erde gesagt? Wenn er jetzt schließt. Spricht er jetzt über den Markt. wenn man im Markt tätig ist.. daß dieses Verhältnis harmonisch ist. daß man nur individuelle Teile dieser Gesamtheit kennen kann. die immer eine Charakterisation der Gesamtheit ist. durch eine Begründung unterbauen. S. daß diese Gesamtheit am besten behandelt ist. Das ist die These von der unsichtbaren Hand. Sie ist eine These über das Verhältnis individueller Akte zur Totalität aller individuellen Akte. Da eine solche Analyse stattfindet. Folglich konstituiert er ja das Individuelle durch diese Negation der Gesamatheit. daß es eine solche Gesamtheit überhaupt gibt. Überhaupt ist dieser "unendliche Strom des Individuellen" ja nicht selbst etwas Individuelles. Kann man denn über sie nichts aussagen? Wenn man darüber nur aussagen könnte.227 32 . daß man nur über individuelle Ereignisse spricht? Er benutzt den Totalitätsbegriff. Hier wird nicht ein endlicher Teil der Wirklichkeit. Das aber setzt doch voraus. Wie kann man dann sagen.. die alle diese Handlungen untereinander koordiniert und in ein Verhältnis setzt.227 24 Seine Analyse des Marktes ist anders. was aus jenem stets gleich unendlichen Strome des Individuellen Sinn und Bedeutung für uns erhält. daß kein Mensch ins Zentrum der Erde gehen kann. Negation ist 24 Weber.." Weber. die behauptet. ihn nicht zu benutzen. daß man diese Gesamtheit nicht vollständig kennen kann. neue Fragen an das gleich unerschöpfliche Leben zu stellen. 'historisches Individuum' wird. op. welche die Menschen bewegen. Wenn er ihn wirklich nicht benutzen will. S.cit.und Wertrationalaität trennen und einander gegenüberstellen. sondern . dann hat er diese individuellen Teile als Teil der Gesamtheit in den Blick genommen. Zum Individuellen kommt er ja nur durch Negation der Gesamtheit. um zum Schluß zu kommen. Die Ausgangspunkte der Kulturwissenschaften bleiben damit wandelbar in die grenzenlose Zukunft hinein. dann soll er ihn auch nicht benutzen. sondern die Gesamtheit aller individuellen Vorgänge. so spricht er über ihn als die Organisation der Gesamtheit.Kulturprobleme. die auch auf die Negation des Totalitätsbegriffes verzichtet..cit. flüssig bleibt damit der Umkreis dessen.die Gesamtheit aller individuellen Handlungen zum Gegenstand der Analyse gemacht. ohne an sie zu denken. Dann möge er das Verbot. zu erkennen.

Dies aber bedeutet. so ist seine Ablehnung durch diese Argumentation selbst widerlegt. Alle Urteile über die Ergebnisse des Marktes gelten ihm als materiale Rationalität. daß kein Urteil bezüglich dieser Ergebnisse wissenschaftlich begründbar ist.Position. darüberhinaus. indem er ihn als negierten Begriff einführt. entledigt hat. Weber gemäß. Wertmaßstäbe sind prinzipiell schrankenlos viele. alle Bewertungen der Ergebnisse des Marktes verwirft. kann er nicht einmal darauf antworten. Seine hohe Wissenschaftlichkeit zwingt ihn daher dazu. Sie verwirft also jede Ethik. ja. die wissenschaftlich nicht argumentierbar sind. Würde er es tun. Max Weber bahuaptet hingegen ohne jede Begründung. die sich nicht aus Wertgesichtspunkten herleiten. Das aber kann man ja. nicht. daß materiale Kriterien in bezug audf das formal rationale Handeln des Marktes nur Wertkriterien sein können. Seiner Methodologie nach. so behauptet Marx. ohne über sie überhaupt zu argumentieren. das wissenschaftlich disqualifiziert ist. die durch diese Ethik begründet wird. statt Argumenten. wissenschaftlich eine Ethik zu begründen. Die Marxsche Kapitalismuskritik allerdings behauptet. daß er die Benutzung des Totalitätsbegriffes nur begründen kann. Weber ist damit zum Ergebnis gekommen. erklärt. daß diese Ergebnisse des Markthandelns keineswegs nur unter Wertgesichtspunkten kritisierbar sind. Hier ist die entscheidende Differenz zwischen Weber und Marx. die Marxsche Kapitalismuskritik zu verwerfen. daß es amateriale Kriterien über diese Ergebnisse gibt. Alle materiale Rationalität aber erklärt er als ethisches Urteil. daß die Marktethik unter Berufung auf die formale Rationalität. und die unter sich wiederum nicht 33 . die diese Ergebnisse zu beurteilen unternimmt. folglich als Urteil. die Weber einfach durch apriorische Definitionen zu beseitigen sucht: "Der möglichen. daß er sich der Marxschen Kapitalismuskritik durch Definitionen. die nichts bedeutet. Diese faktische wissenschaftliche Disqualifizierung aber versteckt er hinter großen Worten von einer angeblichen Kulturbedeutung. wenn die Vernunft sie nicht stützen kann. würde er unwissenschaftlich werden. in diesem Sinn rationalen. und folglich hat er als Wissenschaftler nicht auf sie zu antworten. Er behandelt sie als Ethik. Benutzt man die Terminologie von Weber. ohne sie überhaupt näher zu kennen. Max Weber. Die Bewertung der Ergebnisse des Markthandelns. Sollte sich herausstellen. die wissenschaftlich nicht begründbar sei. denn er würde versuchen.

Sie beruhen auf Argumenten. in irgendeinem Grade stets: ethischen und egalitären. Er behauptet.45 25 Diese sozialistischen und kommunistischen Wertmaßstäbe sind gerade nicht "ethisch und egalitär". das allerdings jetzt die gesamte Webersche Konzeption der formalen Rationalität prtoblematisiert. Im Weberschen Sinne. Wertmaßstäbe sind selbstverständlich nur eine Gruppe unter dieser Mannigfaltigkeit. Aber es ist kein ethisches Urteil. Politik. Soziologie. auf deren Existenz der Markt beruht. Wirtschaft und Gesellschaft. weltgeschichtliche Analysen. §9. Max Weber selbst hat ja mit einem solchen Urteil das Ende der römischen antiken Sklaverei begründet: "Der Friede bedeutete das allmähliche Versiegen der Sklavenzufuhr: für einen Menschenverschleiß. war die spekulative Sklavenaufzucht und der friedliche Sklavenhandel nicht ausreichend. sodaß in ihrer Konsequenz der Markt selbst zerstört werden muß. sondern ein zweckrationales Urteil. Da ist kein ethisches Urteil. Nr. Als solch ein zweckrationales Urteil mündet dieses Urteil allerdings in ein Urteil ein. Soziologie. op. Die "Wirtschaftsorganisation" muß umgestaltet werden. so beruhen sie nicht auf einer ethischen Argumentation.45 Weber.3. S. §9. op.1956.1956. Obwohl diese Wertungen das Resultat sind. Max: Wirtschaft und Gesellschaft im Rom der Kaiserzeit. S.der formalen Rationalität im Sinne con Max Weber ." Weber.ganz ebenso die Reproduktion der Faktoren. und wie ihn die Bergwerke bedurften.cit." Weber..cit. Kröner.51 26 Dies ist. weltgeschichtliche Analysen.51 34 . Stuttgart. hat aber nichts mit einem ethischen Urteil zu tun. Stuttgart. die wir im Zusammenhang mit dem Marxschen Verelendungsgesetz diskutiert haben. daß die Ergebnisse der Marktentscheidungen zur Zerstörung des Menschen und der Natur führen. ebenfalls ein Urteil materialer Rationalität. betreiben sollten. eine Argumentation im Rahmen einer materialen Rationalität. das kein Werturteil ist. ohne daß Max Weber es bemerkt. im Weberschen Sinne. S. Kröner. weil sie die Arbeitskraft nicht reproduzieren kann. nach Varros Ideal.3. S. das auf materialer Rataionalität begründet ist. Das ist. wie ihn die Plantagen. das die Rationalität der Marktentscheidungen bestreitet. Politik. Max: Wirtschaft und Gesellschaft im Rom der Kaiserzeit.eindeutigen sozialistischen und kommunistischen. Wo ist denn das Werturteil? Marx behauptet ebendies über die kapitalische Wirtschaftsorganisation. Aus: Max Weber. Marx behauptet daher. handelt es sich um ein zweckrationales Urteil. Aus: Max Weber. Nr. zerstören: den Menschen und die Natur. daß die Ergebnisse der Marktentscheidungen . Schon gar nicht stammt es aus egalitären Werten 25 26 Weber.

Aber das Problem. der formalen Rationalität selbst. Aber nicht nur des Markthandelns. Nehmen wir den Begriff von Max Weber. das wissenschaftlich diskutiert werden muß? Heute wäre es doch geradezu selbstmörderisch. Wenn heute die Naturzerstörung überhaupt die Existenz der Menschheit und damit auch die des Marktkalküls bedroht. Sie ist die Zweckrationalität der Gesellschaft als Gesamtheit betrachtet. Aber sie ist mehr als Kapitalismuskritik. sondern des Geldkalküls überhaupt. so betrachtet Max Weber den Staat unter dem Aspekt einer Bürokratie. über das die Wissenschaft gar nichts zu sagen hat. Sie ist dabei. Diese Problematik des Verelendungsgesetzes ist doch zweifellos eine ganz moderne Problematik. Aber diese materiale Rationalität ist eben gerade nicht eine Wertrationalität. daß die materiale Rationalität gerade den Bezugspunkt abgibt. weiter zu führen.der Geldkalkül der sozialistischen Länder . ist doch nicht reduzierbar auf ein Problem der Ethik.hat ganz genau das gleiche Ergebnis und ist im Sinne von Weber ganz genauso ein Kalkül formaler Rationalität. Gerade durch die Ergebnisse der formal rationalen Entscheidungen werden die Springquellen des Reichtums zerstört. zu der sie führt. Sicher. daß sie den Menschen zerstört. Denn das Kalkül der Wachstumsraten . Gerade heute zeigt sich. wo 35 . Wenn wir heute gegen die Zerstörung der Natur auftreten. Es ist das Problem der Zerstörung der Menschheit und. das die Menschheit heute mit der Naturzerstörung hat. die ihrerseits der formalen Rationalität unterliegt. daß die Marxsche Kapitalismuskritik recht hat. folglich. so ist dies doch ein Ergebnis des Markthandelns. oder um ein Existenzproblem. den Menschen und die Natur zu zerstören. auch Werte spielen eine Rolle.oder ähnlichem. So wie er die Unternehmung unter dem Aspekt der formalen Rationalität analysiert. unter dem die formale Rationalität zu befragen ist. Bürokratie und formale Rationalität. Überhaupt analysiert er die Entwicklung der formalen Rationalität sowohl unter dem Gesichtspunkt der Unternehmung. können wir sie wirklich enthüllen. und sie zerstört die Natur dadurch. die ihrerseits nicht auf einen Geldkalkül zurückgeführt werden kann. Nur durch eine Analyse der Ergebnisse der Entscheidungen. die Apologetik. die Max Weber von der bürgerlichen Gesellschaft gibt. so ist sie Kritik der Eigengesetzlichkeit der formalen Rationalität. Folglich müssen wir entdecken. handelt es sich dann wirklich um ein Werturteil.

" Weber. Gehalt. Gesellschaft. In beiden aber entsteht diese formale Rationalität.sie den Aspekt des Kapitalkalküls hat.cit. Wirtschaft Wirtschaft Wirtschaft Wirtschaft und und und und Gesellschaft. op. fachmäßiger Schulung und Arbeitsteilung.und Überordnung ruhenden Beamtentum dere ebenso eindeutige Maßstab der Modernisierung des Staates. S. festen Kompetenzen." Weber. S. Weber. Gesellschaft. Wirtschaft und Gesellschaft." Weber. daß das Bündnis zwischen Staat und formaler Jurisprudenz indirekt dem Kapitalismus zugute kam.cit. op. op. so ist der Fortschritt zum bürokratischen. noch zu besprechenden Sinne 'revolutionär' gewirkt." Weber. Gesellschaft. op. Die Bürokratie ist 'rationalen' Charakters: Regel. Wirtschaft und Gesellschaft. Wirtschaftsgeschichtlich wurde diese Tatsache dadurch von Bedeutung. wie man die voraussichtliche Leistung einer Maschine kalkuliert. Wirtschaft und Gesellschaft.578/579 S. S. des monarchischen ebenso wie des demokratischen. op.cit. deren Funktionieren wenigstens im Prinzip ebenso an festen generellen Normen rational kalkuliert werden kann.826 30 27 28 29 30 Weber. desto typischer wird für die Herrschaftsformen das Fehlen der Bürokratie und des Beamtentums überhaupt. das Produkt des römischen Genius. Mittel.817 S.825 S. auf Anstellung. op. wobei Max Weber die Entstehung der staatlichen Bürokratie als Bedingung für die Möglichkeit der Entwicklung der kapitalistischen Unternehmung ansieht. "Die bürokratische Struktur ist überall spätes Entwicklungsprodukt. Avancement. als auch unter dem des Staates. op.cit.825 29 "Der moderne kapitalistische Betrieb ruht innerlich vor allem auf der Kalkulation. Weber.826 36 . S. op. Aktenmäßigkeit. Ihre Entstehung hat daher überall in jenem besonderen.cit.578/579 27 Die formale Rationalität der Bürokratie ist bei Weber einfach die andere Seite der kapitalistischen formalen Rationalität.cit. Zweck. Pension. "Dagegen verfügte der Okzident über ein formal durchgebildetes Recht. wo sie den Aspekt der Bürokratie hat. wie dies der Vormarsch des Rationalismus überhaupt auf allen Gebieten zu tun pflegt.cit. Er braucht für seine Existenz eine Justiz und Verwaltung. S. Weber.817 28 "Wie der sogenannte Fortschritt zum Kapitalismus seit dem Mittelalter der eindeutige Maßstab der Modernisierung der Wirtschaft. Je weiter wir in der Entwicklung zurückgehen.cit. Wirtschaft und Gesellschaft. hierarchischer Unter. und die an diesem Recht geschulten beamten waren als Verwaltungstechniker allen anderen überlegen. 'sachliche' Unpersönlichkeit beherrschen ihr Gebaren.

. Wirtschaft und Gesellschaft. S.826 Weber. S. S. Sine ira et studio. "Der echte Beamte. die Elemente der materialen Rationalität darzustellen.cit. Wirtschaft und Gesellschaft.trotz seiner Vorstellungen . op. rituell-religiöse und magische Gesichtspunkte dürfen keine Rolle spielen" Weber. S. op. op... welche ihr als Tugend nachgerühmt wird: die 31 32 Weber.. auf denen diese formasle Rationalität als ihrer Bedingung beruht. Wirtschaft und Gesellschaft. 'ohne Zorn und Eingenommenheit'. sondern: 'verwalten'. diese modernen Betriebsformen (sind) mit ihrem stehenden Kapital und ihrer exakten Kalkulation gegen Irrationalitäten des Rechts und der Verwaltung viel zu empfindlich. unparteiisch vor allem. Ihre spezifische. S.826 31 Der Kapitalismus braucht "ein Recht. soll seinem eigentlichen Beruf nach nicht Politik treiben.833 34 37 .817 33 Hat er in dieser Weise die moderne Bürokratie als formale Rationalität analysiert. op. Wirtschaft und Gesellschaft.cit. das sich ähnlich berechnen läßt wie eine Maschine.cit."Denn. verlangt gerade diese 'Berechenbarkeit' des Erfolges. op. Wirtschaft und Gesellschaft. ihn auf Verantwortung des Befehlenden gewissenhaft und genau so auszuführen. dem Kapitalismus willkommene. Ehre des Beamten ist die Fähigkeit.cit. Die Bürokratie in ihrer Vollentwicklung steht in einem spezifischen Sinn auch unter dem Prinzip des 'sine ira et studio'.817 Weber. Wirtschaft und Gesellschaft.cit.die ihm vorgesetzte Behörde auf einem ihm falsch erscheinenden Befehl beharrt." Weber. heißt das hier.. S.cit. je vollkommener. speziell ihres technischökonomischen Unterbaues aber. op." Weber. S. Wirtschaft und Gesellschaft. so wird er dann dazu übergehen.833 34 "Die Eigenart der modernen Kultur.. je mehr sie sich 'entmenschlicht'. Wirtschaft und Gesellschaft.cit.cit. soll der Beamte seines Amtes walten. wenn ..817 32 "Das römischer Recht war hier (wie auch sonst) das Mittel der Ekrasierung des materialen Rechtes zugunsten des formalen." Weber. op. S.817 33 Weber. als ob er seiner eigenen Überzeugung entspräche: ohne diese im höchsten Sinn sittliche Disziplin und Selbstverleugnung zerfiele der ganze Apparat. ihr die spezifische Eigenschaft. Eigenart entwickelt sich umso vollkommener. op.

bewegten Herrn der älteren Ordnung verlangt eben die moderne Kultur. wie wir es anläßlich der Marktethik gesehen haben. Bei dieser Ethik handelt es sich um eine Form des Handelns. und nicht eine Ethik. wenn die Zweckrationalität selbst eine Ethik impliziert. op. die. S. wie Weber es in seiner Methodologie behauptet. wie 35 Weber.cit. die sich auf die Ergebnisse der formal-rationalen Entscheidungen der Bürokratie bezöge. gelingt. op. Haß und allen rein persönlichen. S. Wirtschaft und Gesellschaft. die von der formalen Effizienz der Bürokratie selbst gefordert wird und in ihr impliziert ist. die selbst eine Ethik ist und die andern Ethiken entgegengesetzt ist und sich mit diesen auseinandersetzt.und Gesellschaftssystem gesehen wird.562 36 Auf diese Weise hat Max Weber eine materiale Rationalität abgeleitet. 'Ohne Ansehen der Person' aber ist auch die Parole des 'Marktes' und aller nackt ökonomischen Interessenverfolgung überhaupt. Wirtschaft und Gesellschaft. Sobald die Zweckrationalität als formale Rationalität eines Wirtschafts. Wiedfer handelt es sich um eine Ethik des formalen Vorgehens selbst. Zweckrationales und wertrationales Hamdeln kann sich nicht so gegenüberstehen. Gnade. kann es keine formal-rationale Bürokratie geben. muß daher notwendigerweise auch diese Ethik auftauchen. Dankbarkeit. daß es sich um so etwas wie eine Ethik der Bürokratie handelt.cit. wie er das vorher an Hand der Marktethik für die formale Rationalität der Kapitalrechnung im Markt geziegt hatte. die ganz so Bedingung der formalen Rationalität der Bürokratie ist.cit. denn ohne die Erfüllung dieser Ethik. Aber Weber macht diese Tatsache wiederum nicht zum Gegenstand einer methodologischen Analyse. Wirtschaft und Gesellschaft. Hier taucht das gleiche Problem auf.563 35 "'Sachliche' Erledigung bedeutet in diesem Fall in erster Linie Erledigung 'ohne Ansehen der Person' nach berechenbaren Regeln. überhaupt allen irrationalen.cit. je komplizierter und spezialisierter sie wird.Ausschaltung von Liebe. S. für den äußeren Apparat. op. S. dem Kalkül sich entziehenden." Weber.562 36 38 . Statt des durch persönliche Anteilnahme. Gunst. desto mehr den menschlich unbeteiligten. op.563 Weber." Weber. Wirtschaft und Gesellschaft. daher streng 'sachlichen' Fachmann. Er ist sich durchaus bewußt. Wo diese formalrationale Bürokratie auftaucht. kann sie nur noch als eine Handlungsform gesehen werden. Empfindungselementen aus der Erledigung der Amtsgeschäfte . der sie stützt.

daß es sich um eine Ethik der Entmenschlichung des Menschen handelt. die auf diese Ethik angewiesen ist. deren Entstehen Weber im Puritanismus des 18. Madrid l983. Dasselbe folgt. 2 tomos.) Sie bringt dann eine Gesellschaft hervor.341 39 . handelt es sich tatsächlich um eine Ethik der "Entmenschlichung".Jahrhunderts in England ausführlich untersucht. ¿Sería Dios todo en todos si quedase todavía algo del hombre en el hombre?" ("Alioquin quomodo omnia in omnibus erit Deus.. y se confunden con la voluntad de Dios. Denn für alle formale 37 Bernhard von Clairvaux: Liber de diligendo deo.341) 37 Dies zeigt aber auch. vor allem auch der traditionalen Ethiken. Nr. Von den Vorstellungen anderer Ethiken her. daß man die Entstehung des Kapitalismus bis weit hinter den Puritanismus zurückverfolgen muß. wie später in der Ethik der formalen Rationalität. "Que nuestro gozo sea su misma voluntad realizada en nosotros y por nosotros. BAC. Madrid l983. Aber auch im Falle der materialen Bedingungen der formalen Rationalität der Bürokratie geht Weber dem Problem überhaupt nicht nach. Dies erklärt den Schein. Nr. stammt von Bernhard von Clairvaux." Und diese Berechenbarkeit dieses Erfolges wird eben durch die Ethik der Bürokratie und die Marktethik erst ermöglicht. Obras Completas de San Bernardo. I. die rationale. die realistische Form der Verwirklichung aller anderen Ethiken zu sein. und tatsächlich bedeutet es bei ihm schon dasselbe. analysiert es aber nicht. Aber an die Stelle dieser Ethiken tritt eben ein ebenfalls ethisch begründetes Handlungssystem. 2 tomos.. die anderen Ethiken gegenüber als Antiethik auftritt. Es handelt sich um eine Ethik. je mehr sie sich 'entmenschlicht'". daß hier ein Handeln ohne Ethik der Ethik gegenübersteht.Weber sagt. das im Namen seiner Ethik alle anderen Ethiken überrollt. asketische Ethik. Obras Completas de San Bernardo. nichts Menschliches im Menschen zu lassen. wenn man bedenkt. "Die Eigenart der modernen Kultur. die die Annullierung aller andern Ethiken zu ihrer Voraussetzung macht. I. "umso vollkommener (ist). Das Wort von der Ethik. verlangt gerade diese 'Berechenbarkeit' des Erfolges. die wahre.28. daß es sich um eine Ethik handelt. wenn sie überhaupt existrieren will. Todos los afectos humanos se funden de modo inefable. Er zeigt es.28. behauptet es sogar. BAC. si in homine de homine quidquam supererit?") ( Bernhard von Clairvaux: Liber de diligendo deo. Es handelt sich sogar um eine höchst anspruchsvolle. speziell ihres technisch-ökonomischen Unterbaues aber. deren Inhalt es ist.S. Das aber ändert nichts daran. Indem es sie überrollt.

Diese braucht natürlich eine materiale Rationalität. Entgegen den Resultaten seiner eigenen Analyse hält er daran fest: "Formale und materiale (gleichviel an welchem Wertmaßstab 38 Weber.die Zweck. Wirtschaft und Gesellschaft.826 40 .cit.cit.und Wertrationalität manichäisch gegenüberstellt . Sie ist die Gegenwart der formalen Rationalität in der materialen. der nichts weiter tut als die in der formalrationalen Kapitalrechnung implizierte Ethik durchzusetzen und aufzuzwingen. Diese Ethik aber kann nicht als der formalen Rationalität entgegengesetzte materiale Rationalität behandelt werden. S. op. Sie stehen daher nicht dem formal-rationalen Handeln gegenüber.Rationalität taucht ja jetzt eine doppelte Ebene ihrer Verwirklichung auf. einfach. braucht er eine Bürokratie. Damit können wir dann den Nachtwächterstaat als einen Staat bezeichnen. aber keine andere. deren Funktionieren wenigstens im Prinzip ebenso an festen generellen Normen rational kalkuliert werden kann. die in der formalen Rationalität selbst beresits impliziert sind. Beide Ebenen zusammen aber machen erst den Komplex des formal-rationalen Handelns aus. Folglich muß die Justiz auch diese verwirklichen. Tatsächlich ist ja die liberale Vorstellung des Nachtwächterstaats die eines Staates. sondern garantieren es und sind sein normativer Ausdruck.826 38 Wenn das stimmt. Sie können also mit Hilfe der Weberschen Methodologie . Die eine Ebene ist die des Kalküls von Handlungsalternativen. damit sie diese (Markt)-Ethik durchsetzt.überhaupt nicht verstanden werden. dann ist der Inhalt dieser Normen eben durch die formale Rationalität des Kapitalrechnung bereits vorgegeben. Weber sagt es. Er hat die Ethik der formalen Rationalität. S. in dem alle Staatsfunktionen darauf reduziert sind." Weber. weil die formale Rationalität ja auf ihr beruht. sodaß die gesamte Staatsverwaltung zu einer formalrationalen Bürokratie werden muß. und die andere ist die Sicherung der materialen Rationalität als Bedingung für die Möglichkeit dieser Kalküle. wie man die voraussichtliche Leistung einer Maschine kalkuliert. Damit er es kann. die formale Rationalaität der Kapitalrechnung im Markt zu sichern. wenn sie die Ethik der Bürokratie verwirklicht. die diese Funktion nur ausüben kann. Dieser Nachtwächterstaat ist repräsentiert eine Gesellschaft. op. deren einziges Prinzip die Kapitalrechnung im Markt ist. zieht aber nie Konsequenzen: "(Der Kapitalismus) braucht für seine Existenz eine Justiz und Verwaltung. Wirtschaft und Gesellschaft. Folglich handelt es sich um Normen. Der Staat verwaltet die Justiz.

aber insbesondere von Engels ausgeht und die auf der Marxschen Kapitalismuskritik beruht." Weber. daß die materiale Rationalität alle Rechenhaftigkeit zerstört und daher in das Chaos umschlägt. Es handelt sich drittens um die Kritik des Ethos der Massen. Sie mündet in die Behauptung ein. S.orientierte) Rationalität fallen unter allen Umständen prinzipiell auseinander. Innerhalb dieser Vorstellungswelt behauptet von Neurath die Möglichkeit einer Wirtschaftsplanung ohne Markt. §13. Sie mündet in die Behauptung von der Unmöglichkeit der Wirtschaftsrechnung im Sozialismus ein. daß die Logik der Bürokratisierung zu einer Versteinerung der Gesellschaft tendiert. 39Weber. Es handelt sich zweitens um die Kritik der Bürokratisierung. und stellt die Frage von Kapitalismus oder Sozialismus aals Frage von Markt oder Plan dar. obwohl es überall Zweifel und Kritik auslößt. Die hierauf bezügliche Argumentation von Max Weber stammt aus den Jahren kurz vor dem I.59 41 . S. Die Position von von Neurath ist eine Ausarbeitung einer Sozialismusvorstellung.Weltkrieg bis in die Zeit danach. die die individuelle Freiheit erstickt. Ein Buch von Otto von Neurath versucht zu zeigen. Es handelt sich erstens um die Kritik.59 39 Die Webersche Sozialismuskritik.und Kapitalrechnung verzichten kann.. Von der Sozialismuskritik Webers aus wird vielleicht verständlich. a. Wir können diese Sozialismuskritik hier auf drei Ebenen verfolgen. §13. daß eine sozialistische Wirtschaft durchaus auf die Geld. Es handelt sich um einen Zeitraum. in dem gerade in Deutschaland eine heftige Diskussion um die Faktibilität einer Wirtschaftsrechnung im Sozialismus einsetzt. Wirtschaftsrechnung und Sozialismus. Sie ist völlig polar und manichäisch.. warum er an der manichäischen Gegenüberstellung von Zweck.und Wertrationalität entgegen den Resultaten seiner Analyse festhält. Diese mündet in die Behauptung ein. wenn diese eine materiale Rationalität gegenüber der formalen Rationalität der Kapitalrechnung und der Bürokratie einfordern. die von den Kriterien wirtschaftlicher Rationalität ausgeht. die teilweise von Marx. Dies wird zur Position eines Teils der Sozialdemokratie.

daß Sozialismus notwendig sei. Aus diesem Müssen wird ein Sollen. wenn der Versuch gemacht wird. nämlich den Plan. op. wie sie in der Sozialdemeokratie vor dem I." Weber. Daher stellt er die Frage nach der Möglichkeit des sogenannten "Vollsozialismus". und übernimmt die polare.Max Weber antwortet innerhalb dieser Fragestellung. aber durch einfache Transformierung. Da gibt es kein Sollen.vor allem nach dem Tode von Marx . Er konfrontiert das Sollen mit einer Sachaussage. schloß er. Wirtschaft und Gesellschaft. die dort anagewendete Methodologie zu untersuchen. Sie wird daher bei ihm zur Frage danach.möglich? Die Frage hat nur Sinn. wie ihn von Neurath vertrat. Ist Planwirtschaft .in ihrer Logik den Menschen und die Natur zerstört. S. Da Marx dieser Meinung war. wenn man den Menschen und die Natur nicht zerstören will. 40 Weber.h. wenn dahinter die Überzeugung steht: Was man nicht kann. so hat dies seinen Grund darin.61 40 Nun war auch das Marxsche Problem übernicht. in den Worten von Weber: die formale Rationalität . Es kann wissenschaftlich nur gefragt werden: welche Konsequenzen wird sie (bei gegebener Form) voraussichtlich haben. die Geld. Das aber impliziert eine normative Bedeutung von Sachaussagen. op. ist in dieser Form natürlich kein wissenschaftliches Problem.cit. ob Planwirtschaft gemacht werden solle. ob man den Markt. daß man Zwischenpositionen ausschaltet und daher nur die Extreme übrig behält: Markt oder Plan. die behauptete. kann man auch nicht sollen.cit. Die enstscheidende Frage ist folgende: "Die Frage: ob man 'Planwirtschaft' (in gleichviel welchem Sinn und Umfang) schaffen soll. Dies geschieht dadurch. manichäische Zweiteilung. Es ist heute keine Frage mehr. sondern ein Müssen. d. Das Problem war die Kapitalismuskritik. die dann vor seit Engels . S. Wirtschaft und Gesellschaft.als Ersetzung der Marktwirtschaft .oder.61 42 . Wenn wir also dem Argument von Max Weber weiterhin nachgehen. Der Sozialismus aber schien nur möglich auf der Basis der Planwirtschaft. ersetzen kann.und Kapitalrechnung abschaffen und durch eine andere.als Vollsozialismus vertreten wurde und so in die Tradion einer der Linien der sozialdemokratischen Partei einging.Weltkrieg entstanden war. daß man den Markt mit seiner Geldund Kapitalrechnung nicht abschaffen kann. daß der Kapitalismus . was also muß mit in Kauf genommen werden. Gegenüber diesem Sollen argumentiert Max Weber jetzt mit der Frage nach der Faktibilität.

43 Aber auch das wäre keine Lösung: "Auch dann aber bliebe die Tatsache bestehen: daß die Naturalrechnung das Problem der Zurechnung der Gesamtleistung eines Betriebes zu den einzelnen 'Faktoren' und Maßnahmen nicht in der Art zu lösen ist.56) lösbar ist.55/56 Weber." Weber. op." Weber. oder: an einen diaktatorischen Machtanspruch" (Weber. daß das Sollen selbst deslegitimiert wird durch die Unmöglichkeit seiner Verwirklichung. op. op.cit.cit. daß also gerade die heutige Massenversorgung durch Massenbetriebe ihr die stärksten Widerstände entgegenstellt. op. Wirtschaft und Gesellschaft. da sie 41 Weber.cit.55/56 41 "Aber die konkrete Feststellung: ob nach den an einem konkreten Oert gegebenen standortwichtigen Umständen ein Betrieb mit einer bestimmten Produktionsrichtung oder ein anderer mit einer modifizierten rational wäre. S. und von einer rationalen 'Planwirtschaft' jedenfalls kann keine Rede sein. Wirtschaft und Gesellschaft. S. op.56 Weber. ist. dem kein Können entspricht. S. op. op. wenn man das Problem der geldlosen Wirtschaft nur resolut anfasse. op. das nur "in Anlehnung entweder: an die Tradition. geldrechnungsmäßig aber trotz der Unbekannten. Wirtschaft und Gesellschaft.cit. Wirtschaft und Gesellschaft. S..cit.. Wirtschaft und Gesellschaft. Wirtschaft und Gesellschaft. S."Mit der Annahme. erfinden lassen werde. solange in dem alles entscheidenden Punkt kein Mittel zur rein rationalen Aufstellung eines 'Planes' bekannt ist. Die Vollsozialisierung ist also keine Alternative zum Kapitalismus. Weber hatte angedeutet. S.56 42 43 44 Weber. mit denen stets zu rechnen ist. daß die Vollsozialisierung ein Sollen ausdrückt.cit. Wirtschaft und Gesellschaft.56 44 Hier ist jetzt das entscheidende Argument zu finden.cit. natural-rechnungsmäßig nur in ganz groben Schätzungen möglich. Wirtschaft und Gesellschaft. Daraus folgt." Weber.56 43 .56 42 Es entsteht folglich ein Problem. S.cit. S. eine im Prinzip stets lösbare Kalkulationsaufgabe. ist hier nicht geholfen: das Problem ist ein Grundproblem aller 'Vollsozialisierung'. daß sich ein Rechnungssystem 'schon finden' bzw.

und Weber kommt zum Ergebnis. als "Vollsozialisierung" verstanden.. daß diesem Sollen kein Können entspricht. Ein Sachurteil eliminiert folglich die Alternative. sodaß das Wirtschaftssystem zusammenbrechen müßte.. Und jetzt benutzt er es selbst. Auf sie gestützt. 44 . sodaß der Kapitalismus die einzig mögliche Alternative bleibt. Das Argument überrascht allerdings. Weber hat aber immer behauptet.. daß materiale Rationalaität Wertrationalität ist und daher wissenschaftlich nicht argumentiert werden kann. Das Argument ist sogar mehr: es ist die Anwendung des Marxschen Verelendungsgesetzes auf die sozialistische Gesellschaft. und es ist tatsächlich nicht sichtbar. soll man den Kapitalismus weiterführen. Im Sinne Max Webers ist es ein Argument materialer Rationalität. Dies geschieht in zwei Etappen. Darauf folgt eine umgekehrte Analyse: da es keine Alternative zum Kapitalismus gibt. daß der Kapitalismus eine Fatalität sei. Weber hatte dieses Verelendungsgesetz auf folgende Weise zusammengefaßt: "Eine Gesellschaftsklasse. Entscheidend für diese Webersche Ableitung von Werten im Namen der Wissenschaft ist das Argument. kann nur dann ihre Herrschaft behaupten. warum es sich um Wertrationalaität in dem Sinne handeln sollte. daß selbst die sozialdemokratische Partei nicht mehr auf diesem Gesetz besteht. das Weber letztlich benutzt. Hier wird natürlich im Namen der Wissenschaft ein Sollen abgeleitet. macht die NaturalWirtschaftsrechnung unmöglich. um die Unmöglichkeit der Natural-Wirtschaftsrechnung zu begründen." Tatsächlich. Nur die Tatsache. Folglich wird das Sollen im Namen der Wissenschaft deslegitimiert.. Jetzt verwendet er sie selbst. wenigstens die nackte Existenz garantieren kann.unmöglich ist. daß er sagt. dann würde dieser Mangel überhaupt keine Bedeutung haben. Es ergibt sich folglich ein neues Sollen: man soll beim Kapiatalismus bleiben." Er hatte uns erklärt. wäre die Massenversorgung durch einen solchen Mangel der Wirtschaftsrechnung nicht gefährdet. "daß also gerade die heutige Massenversorgung durch Massenbetriebe ihr die stärksten Widerstände entgegenstellt. Weber selbst drückt dieses Sollen dadurch aus. in der Weber dieses Wort versteht. Er sagt. Zuerst wird der Sozialismus als Sollen analysiert. daß diese Massenversorgung gefährdet ist. könnte man die Massen nicht mehr versorgen. wenn sie der unterworfenen Klasse.

Aus dieser Aussage von Engels folgt eben. S. die wissenschaftlich nicht möglich ist. 21. Wenn Marx eben dieses Argument in seiner Kapitalismuskritik verwendet. weiterhin die Marxsche Kapitalismuskritik abzulehnen. daß das doch Argumentation mit Werten sein soll. die darüber entscheidet. Brief an Joseph Bloch in Königsberg. F. Brief an Joseph Bloch in Königsberg. eine materiale Rationalität zu konzepieren. Wenn er Analysen macht. September 1890. S.463. in: MEW 37. London. erklärt er." Engels. Max Weber macht diese einfachsten Reflektionen nicht. 45 Es handelt sich um die gleiche Auffassung. Engels hat diese Argument wie folgt zusammengefaßt: "Nach materialistischer Geschichtsauffassung ist das in letzter Instanz bestimmende Moment in der Geschichte die Produktion und Reproduktion des wirklichen Lebens. London. daß es sich um eine naturrechtliche Argumentation handelt. In seinen Aufsätzen zur Methodologie aber kann man über diese Methode nichts lesen.463. die er in seinen Analysen anwendet. Diese Spaltung aber ermöglicht ihm. Mehr hat weder Marx noch ich je behauptet. schreibt er nicht über die Methode. wendet er eine Methode an. daß. obwohl er sie jetzt zur Kritik des Sozialismus benutzt. 45 . Auf einmal vergißt er. daß sie keine ethischen Argumente sind.allerdings sgegen den Sozialismus. 21.. September 1890. Wenn er als Methodologe schreibt. über die er als Methodologe niemals spricht. die keineswegs ein Werturteil impliziert. ist einfach nicht einzusehen. sie dann auch nicht durchgeführt werden darf. Nur deshalb ist sein Argument gegen die Vollsozialisierung ja richtig. Max Weber zieht ganz genau diesen Schluß. F. um Werturteile auszuschalten und zu deslegitimieren. Tatsächlich benutzt er doch wissenschaftliche Argumentationen. Denn die Produktion und Reproduktion des wirklichen Lebens ist eben die letzte Instanz. ohne sie überhaupt ernst zu nehmen zu 45 Engels. wenn die Natural-Wirtschaftsrechnung unmöglich ist und diese die Massenversorgung unmöglich macht. von denen er völlig richtig voraussetzt. Damit aber übernimmt er die Marxsche Methode. Ebenso benutzt er in seiner wissenschaftlichen Argumentation Argumente materialer Rationalaität. Ist es das auf einmal nicht mehr? Tatsächlich hat ihn die Logik seines eigenen Arguments hierhin geführt. Weber lebt offensichtlich in einer völligen Spaltung.. Wieso er den historischen Materialismus widerlegt zu haben beansprucht. in: MEW 37.

würde dann heraufdämmern. daß derartiges als eine Möglichkeit im Schoße der Zukunft liegt?" Weber.brauchen. Es folgt aus ihr sogar die Webersche Kritik am Vollsozialismus. weil die ganze Organisation dere elementarsten Lebensversorgung alsdann auf seine Leistung zugeschnitten ist. die ihn nicht 46 Weber. müßte er Marxist werden. Wer wollte leugnen. Bürokratisierung und Sozialismus. sodaß das Ergebnis nur eine totale soziale Erstarrung sein könne: "Eine 'organische'. den Sozialismus zu widerlegen. Theoretisch wohl denkbar wäre eine immer weitergehende Ausschaltung des Privatkapitalismus. Deshalb zieht er die Spaltung vor. Weber lehnt diese Kriterien ab. wenn es ihm darum geht.zur Methodologie erheben. Weber benutzt sie aber. durchaus möglich. daß dies zu einer völligen Lähmung der Initiative führen müsse. d. in dem die staatliche Bürokratie die Privatwirtschaft aufschluckt und daher alle wirtschaftliche Tätigkeit bürokratisch verwaltet. op. Er nimmt an. wenn Marx sie benutzt. Max Weber hält die Tendenz zu einer Bürokratisierung der Wirtschaft in einem Ausmaß.835/836 46 Weber ist geradezu fasziniert von dieser Idee einer "orientalischägyptischen Gesellschaftsgliederung". eine Alternative zum Kapitalismus zu finden. die wissenschaftlichen Charakters und nicht abstrakt ethischer Art sind. Aus der Marxschen Kapitalismuskritik folgt die Notwendigkeit. daß sie auf so unüberwindbare Wiederstände und Hindernisse stößt. S. b. die alles menschliche Leben erstickt: "Wo aber der moderne eingeschulte Fachbeamte einmal herrscht. .835/836 46 . S. Aber auch gegenüber einer solchen Tendenz besteht er darauf. ist seine Gewalt schlechthin unzerbrechlich. wenn man die Zerstörung des Menschen und der Natur verhindern will. op.cit.seine wirkliche Methode. daß sie schließlich daran zugrunde gehen müßte. Wirtschaft und Gesellschaft. wie er sie in seinen Analysen benutzt . Wirtschaft und Gesellschaft. Würde er seine eigene Methode .wennschon sie wahrscheinlich keine solche Kleinigkeit ist. aber im Gegensatz zu dieser: so streng rational. Aus der Marxschen Kapitalismuskritik folgt nicht mit Notwendigkeit der Vollsozialismus. Diese Kritik beruht auf Kriterien materialer Rationalität. wie manche.h. eine orientalisch-ägyptische Gesellschaftsgliederung . wie eine Maschine ist.cit.

" Weber.und Eisenbahnverwaltung ssind durchaus nicht irgendwie fühlbar andere als diee in den großen privatakapitalistischen Betrieben. wenigstens der Möglichkeit nach. S. Nur.835 48 Er sieht eine unentrinnbare Macht auftauchen. wenn der Orivatkapiataalismus ausgeschaltet wäre. Unfreier jedoch sind sie. Denn das leistet die Bürokratie ganz unvergleichlich viel besser als jegliche andere Struktur der Herrschaft. wie dies gegenüber der Marktwirtschaft möglich ist.cit.835 48 Weber.835 47 "Eine leblose Maschine ist geronnener Geist. ihrer Abgrenzung der Kompetenzen. op. S. Die jetzt neben und. S. Wirtschaft und Gesellschaft. op. op.cit.835 47 . nur in 47Weber. Geronnener Geist ist auch jene lebende Maaschine. daß sie dies ist. wie die Fellachen im altägyptischen Staat. träumen. allein. vielmehr: daß nun auch die Leitung der verstaatlichten oder in irgendeine 'Gemeinwirtschaft' übernommenen Betriebe bürokratisch würde. sie gelänge einmal: so würde sie praktisch keineswegs ein Zerbrechen des stählernen Gehäuses der modernen gewerblichen Arbeit bedeuten. der über die Art der Leitung ihrer Angelegenheiten entscheiden soll. Etwa wie in Ägypten im Altertum. die Menschen in ihren Dienst zu zwingen und den Alltag ihres Arbeitslebens so beherrschend zu bestimmen. die alles erfaßt und unter ihre Herrschaft bringt: "Die Lebensformen der Angestellten und Arbeiter in der preußischen staatlichen Bergwerks. S. Die staatliche Bürokratie herrschte. welche die bürokratische Organisation mit ihrer Spezialisierung der geschulten Facharbeit. wie es tatsächlich in der Fabrik der Fall ist. Das wäre der ganze Unterschied. Wirtschaft und Gesellschaft. das Gehäuse jener Hörigkeit der Zukunft herzustellen. Im Verein mit der toten Maschine ist sie an der Arbeit. in welche vielleicht einst die Menschrn sich. Wirtschaft und Gesellschaft.cit." Weber. gibt ihr die Macht. op. Aber gesetzt. Wirtschaft und Gesellschaft. weil jeder Machtkampf gegen eine staatliche Bürokratie aussichtslos ist und weil keine prinzipiell gegen sie und ihre Macht interessierte Instanz angerufen werden kann. ihren Reglements und hierarchisch abgestuften Gehorsamsverhältnisse darstellt. ohnmächtig zu fügen gezwungen sein werden.cit. sich also immerhin einigermaßen gegenseitig im Schach haltenden privaten und öffentlichen Bürokratien wären in eine einzige Hierarchie zusammengeschmolzen.kennen. wenn ihnen eine rein technisch gute und das sheißt: eine rationale Beamten-Verwaltung und -Versorgung der letzte und einzige Wert ist. gegeneinander arbeitenden.

cit." Weber. Sozialismus ohne Marktkalkül) argumentiert. S.cit. Das Argument der Wirtschaftsrechnung entschied er damit. irgendwelche Reste einer in irgendeinem Sinn 'individualistischen' Bewegungsfreiheit zu retten? Denn schließlich ist es eine gröbliche Selbsttäuschung zu glauben. S. daß sie sie unmöglich machen könnten. nicht aus Gründen. wie vorher die Versorgung der Massen. daß es Werte wie die individualistische Bewegungsfreiheit gibt. Jetzt arbeitet er mit dem Bild einer totalen Bürokratisierung.836 50 48 .auch der Konservativste unter uns . sodaß sie nicht einfach über sie hinweggehen kann. Diese Werte werden ganz so behandelt. "Errungenschaften aus der Zeit der 'Menschenrechte'" müßten sich einer solchen Entwicklung widersetzen. Wieder sehen wir uns auf ein Argument materialer Rationalität zurückgeworfen. Wirtschaft und Gesellschaft. werden sie zu ihrer Verteidigung reagieren. Dies wird daher zuz einer Grenze dieser Tendenzen zur Bürokratisierung. ohne diese Errungenschaften aus der Zeit der 'Menschenrechte' vermöchten wir heute . Werte. Sie sind da und die moderne Gesellschaft hat sie produziert und produziert sie noch.cit. die mit der individualistischen Bewegungsfreiheit unvereinbar sein müsse und die zu der Drohung führt. S. Ihre Erfüllung ist objektiv notwendig. op. Wirtschaft und Gesellschaft." Weber. Es handelt sich um Werte.836 50 Hat Max Weber in seiner Wirtschaftssoziologie mit der Unmöglichkeit einer Wirtschaftsrechnung im "Vollsozialismus" (d. die ihre Geltung voraussetzen. alle Entwicklung in altägyptischer Starre aufzuheben. op. sondern die da sind und Widerstand ausüben.überhaupt zu leben. die nicht einfach zum Verschwinden gebracht werden können. daß wir einer solchen Bürokratisierung widerstehen sollen.cit. sondern sagt. individuelle Bewegungsfreiheit zu erhalten: "Wie ist angesichts dieser Übermacht der Tendenz zur Bürokratisierung überhaupt noch möglich. op. und man spürt bei Weber sogar die Hoffnung. die zum Widerstand führen. daß im Vollsozialismus der Versorgung der Massen scheitern müsse und folglich dieser Sozialismus unmöglich sein müsse. so argumentiert er jetzt mit Werten. Weber sagt nicht etwa. Da die Menschen diese Werte haben. S. Wirtschaft und Gesellschaft.835 Weber. das wiederum nicht aus einem Sollen abgeleitet wird. 49 Weber.h. Wirtschaft und Gesellschaft.835 49 So fragt er nach der Möglichkeit. op.ganz unvergleichlich rationalerer und deshalb: unentrinnbarerer Form.

Als entstandene Werte wird dann ihre Wirksamkeit erklärt. daß die Wissenschaft von Werten sprechen kann. muß ja tatsächlich eine solche Bürokratisierungstendenz auf innere Widerstände stoßen. Wo sie auftritt. Schließen wir daher die Bereitschaft zu sterben aus. daß die Tendenz zur Bürokratisierung reiner Schein ist. wenn sie nicht gelten. Daher ist es tatsächlich wissenschaftlich möglich. wenn sie diese Werte als ihr Objekt analysiert. daß wir sterben. wieder in ihre Schranken verwiesen. In den methodologischen Schriften von Weber taucht dieses Argument ebenfalls nicht auf. ohne ihre Geltung wissenschaftlich beweisen zu müssen.auch der Konservativste unter uns . Weber spricht zwar davon. ohne ihre Geltung zu behaupten oder bestreiten.der Werttheorie. Es ähnelt übrigens . um überhaupt leben zu können. Hier aber sagt er etwas ganz anderes. Dies ist eine Art Verelendungsgesetz. die von den von ihr selbst produzierten Werten ausgehen. die Marx aus der Entfremdungstheorie ableitet. Es genügt zur Begündung der materialen Rationalität. ohne die Geltung dieser Werte zu behaupten. wird sie durch die Werte. Wir haben damit ein Argument materialer Rationalität. sodaß ihnen der Tod droht.ohne das zu wollen produziert. das von Werten ausgeht. so ergibt sich. ohne daß das Argument ein Sollen impliziert. Soweit die moderne Gesellschaft notwendig solche Werte der individualistischen Bewegungsfreiheit hervorbringt. das jetzt auf Werte angewandt wird. Er behauptet. so kann jetzt im Falle eines Verlusts dieser Werte die Menschlichkeit nicht mehr gewährleistet werden. Ohne zu sagen. Denn "ohne diese Errungenschaften aus der Zeit der 'Menschenrechte' vermöchten wir heute . es gebe Werte.Wieder wird mit einer materialen Rationalität argumentiert.überhaupt zu leben. sodaß ebenfalls 49 . können wir gar nicht mehr leben.methodologisch gesehen . ohne die wir gar nicht leben können. sagt er. Auch dort wird mit der materialen Rationalität von Werten argumentiert. daß bestimmte Werte entstanden sind und entstehen. Die Webersche Behauptung von der alles überrollenden Dynamik der Bürokratisierung wird dadurch durchaus relativiert. Ist das so. die sie selbst . die sie begrenzen. daß man die Entstehung solcher Werte erklären kann." Daher müssen wir sie verteidigen. daß sie gelten. zu denen die individualistische Bewegungsfreiheit gehört. und daraus wird auf einen Konflikt zwischen diesen Werten und der Bürokratisierung geschlossen. Es wird analysiert. und wenn wir sie verlieren. Ihre Geltung ist also eine Frage von Leben und Tod. Sie bringt dann die Widerstände selbst hervor. so müssen wir auf ihrer Geltung bestehen. So wie im Falle des Fehlens einer Wirtschaftsrechnung die Versorgung der Massen nicht mehr gewährleistet werden kann.

Daher sucht er den Grund in der Irrationalität der Massen. Für sie haben naturgemäß Recht und Verwaltung im Dienst des Ausgleichs der ökonomischen und sozialen Lebenschancen gegenüber den Besitzenden zu stehen . in ihrem Ethos: "Die 'Rechtsgleichheit' und das Verlangen nach Rechtsgarantien gegen Willkür fordern die formale rationale 'Sachlichkeit' der Verwaltung im Gegensatz zu dem persönlichen freien Belieben und der Gnade der alten Patrimonialherrschaft. Wirtschaft und Gesellschaft.der Tod droht. und diese Funktion können sie allerdings nur dann versehen. wenn es in einer Einzelfrage die Massen beherrscht .cit. wie sie die 'bürgerlichen' Interessen fordern. Formale Rationalität und Ethos der Massen. wenn sie weitgehend einen unformalen. kann er überhaupt keinen rationalen Grund mehr für das Entstehen einer sozialistischen bewegung mehr finden. sondern deren Möglichkeit bestritten wird. so haben wir es jetzt mit einem Argument zu tun. weil inhaltlich 'ethischen'. ('Kadi'-) Charakter annehmen. Wieder handelt es sich um eine Methode. S. nicht gedient. die aber in seinen methodologischen Schriften nicht nur nicht auftaucht. ohne die wir nicht leben können? Die Wissenschaft kann jetzt offensichtlich in der Form von Sachurteilen Werte ableiten.565 50 . Das 'Ethos' aber. Da Weber die Marxsche Kapitalismuskritik einfach ausgeblendet hat.565 51 51 Weber. op.und wir wollen von anderen Instinkten ganz absehen -.cit. Sahen wir bisher die Argumente Webers. Wirtschaft und Gesellschaft. stößt mit seinen am konkreten Fall und der konkreten Person orientierten Postulaten nach materieller 'Gerechtigkeit' mit dem Formalismus und der regelgebundenen kühlen 'Sachlichkeit' der bürokratischen Verwaltung unvermeidlich zusammen und muß dann aus diesem Grund emotional verwerfen. warum er dann überhaupt entsteht. mit Hilfe der Wissenschaft eine materiale Rationalität abzuleiten. die dem Sozialismus die Möglichkeit einer formalen Rationalität bestreiten. Wir können dann fragen: welches sind die Werte. Insbesondere ist den besitzlosen Massen mit einer formalen 'Rechtsgleichheit' und einer 'kalkulierbaren' Rechtsfindung und Verwaltung. was rational gefordert worden war. das den Ursprung des Sozialismus selbst treffen soll. S." Weber. dann bleibt natürlich die Frage. die von Weber zwar benutzt wird. Wieder haben wir eine Methode. Wenn der Sozialismus mit der formalen Rationalität nicht vereinbar ist. op. c.

Es sind "besitzlose Massen" die "emotional verwerfen. wenn es in einer Einzelfrage die Massen beherrscht" ist nicht mehr als ein "Instinkt". was rational gefordert worden" ist. daß der Sozialismus ein Produkt des Neides und des Ressentiments ist. Das "'Ethos' aber. der nach "am konkreten Fall und der konkreten Person orientierten Postulaten nach materieller 'Gerechtigkeit'" beherrscht ist. Sie wollen. ohne sich darum zu kümmern. Aber Weber hat sie nicht einmal in Betracht gezogen. ohne die ein Wirtschaftssystem nicht funktionieren kann. daß es aja eine materiale Rationalität gibt. Dieses Bild der besitzlosen Massen hat sicher mit der sozialistischen Bewegung nicht das geringste zu tun. und andererseits um jene Werte. weil er seine Methodologie gespalten hat zwischen seinen methodologischen Aufsätzen und der Methodologie seiner Argumentation. zu dessen Bewältigung schwer ein Ersatz aus der Mitte der Beherrschten zu improvisieren ist. obwohl er alle ihre Argumente benutzt. die bis heute immer mehr radikalisiert worden ist: "Die Beherrschten ihrerseits ferner können einen einmal bestehenden bürokratischen Herrschaftsapparat weder entbehren noch ersetzen . Es folgt dann der Schluß. weil inhaltlich 'ethischen'. die völlig wissenschaftlcich argumenetierbar ist. da er auf Fachschulung. Eine Ethik haben sie gar nicht. Weber kann es nur verbreiten. ('Kadi'-) Charakter" der Justiz und überhaupt der gesamten staatlichen Verwaltung. Stellt er seine Arbeit ein oder wird sie gewaltsam gehemmt. Daß es den besitzlosen Massen im Kapitalismus um beides geht. will er jetzt nicht sehen.Die ganze Verachtung Webers für die "Massen" kommt jetzt zum Ausdruck. wenn sie zur Kritik des Sozialismus nützlich scheinen. eine Propaganda. Es handelt sich eienerseits um die notwenige Versorgung der Massen. ohne die man nicht leben kann. daß "Recht und Verwaltung im Dienst des Ausgleichs der ökonomischen und sozialen Lebenschancen gegenüber den Besitzenden" stehen. In seiner Sozialaismsuskritik hat er sie aja ausgearbeitet. die die formale Rationalität bedrohen und die den "Besitzenden" gegenüber Vorteile herausschinden und irgendwelches Sollen durchsetzen wollen. Dafür wollen sie einen "unformalen. Statt jetzt mit dieser Methode die "besitzlosen Massen" zu interpretieren. Die ganze Kapitalismuskritik von Marx basiert aber darauf. durch den Weber sich in eine jahrhunderte alte Propaganda gegen die "besitzlosen Massen" einreiht. arbeitsteiliger Fachspezialisierung und festem Eingestelltsein auf gewohnte und virtuos beherrschte Einzelfunktionen in planvoller Synthese beruht. so ist die Folge ein Chaos. sieht er nicht mehr als "Instinkte" am Werk. daß sie ja damit die Rechtsgleichheit und die Rechtsgarantien zerstören. Daher vergißt er jetzt. Dies gilt ganz ebenso auf 51 . Man kann nur den Schluß ziehen. sondern nur ein "Ethos".

tut man dies. das als letzte Instanz die Tatsache begründet. die er doch gerade in der Diskussion der Gründe für die Bewegungen zum Sozialismus hin abgelehnt hatte: "Die Gebundenheit des materiellen Schicksals der Masse an das stetige korrekte Funktionieren der zunehmend bürokratisch geordneten privatkapitalistischen Organisationen nimmt stetig zu. einschließlich von Marx." Weber.570 52 . daß ein bürokratischer Herrschaftsapparat notwendig ist. op. 52 Weber. um den bürokratischen Herrschaftsapparat abzuschaffen. S.. Weber erklärt diese Tatsache aufs neue durch eine materiale Rationalität.cit. und der Gedanke an die Möglichkeit ihrer Ausschaltung wird dadurch immer utopischer. sondern. auch diese Abschaffung gefordert wurde). weil diese "Masse" der Meinung ist. ist doch gerade die Frage. daß nur dadurch dieses "materielle Schicksal der Masse" gesichert werden kann.dem Gebiet der öffentlichen wie der privatwirtschaftlichen Verwaltung. daß "das stetige korrekte Funktionieren der zunehmend bürokratisch geordneten privatkapitalistischen Organisationen" eben auch dieses materielle Schicksal der Masse sichert." Wieder ist es das materielle Schicksal der Masse. Wirtschaft und Gesellschaft. was rational gefordert worden" ist. die die "emotional verwerfen. Wirtschaft und Gesellschaft. "die Beherrschten ihrerseits ferner können einen einmal bestehenden bürokratischen Herrschaftsapparat weder entbehren noch ersetzen". müssen sie diesen Apparat aufs neue aufrichten. Max Weber legt hingegen einfach dogmatisch fest. op. daß "das stetige korrekte Funktionieren der zunehmend bürokratisch geordneten privatkapitalistischen Organisationen" das "materielle Schicksal der Masse" gerade bedroht. Es geht eben bei der Kritik des Kapitalismus und bei der Forderung nach dem Sozialismus gerade um dieses "materielle Schicksal der Masse" und keineswegs um die Abschaffung des bürokratischen Herrschaftsappparats als einer Forderung von Instinkten. Es handelt sich nicht notwendig um die Abschaffung des Herrschaftsapparates selbst (obwohl in der sozialistischen Tradition häufig. denn auch wenn sie siegen. Ob es das tut oder nicht. Die Gebundenheit des materiellen Schicksals der Masse an das stetige korrekte Funktionieren der zunehmend bürokratisch geordneten privatkapitalistischen Organisationen nimmt stetig zu. Aber die sozialistische Bewegung entsteht doch nicht. weil man glaubt.. Das behauptet jedenfalls das Marxsche Verelendungsgesetz. Selbst wo man die Abschaffung dieses bürokratischen Herrschaftsapparats fordert. S.cit.570 52 Sicher.

macht einen Aufstand gegen Gott. Deshalb gilt die luziferische Sünde als die Sünde des 53 Popper. kann er dann zum eigentlichen Ziel seiner Argumentation kommen. Es ist gleichzeitig das Problem des "Sein wollen wie Gott" und "Gottwerdung durch Revolution".: Das Elend des Historizismus. aber man beweißt es völlig "wertfrei". Diese Verteufelung des Gegners im Namen der Wissenschaft . Tübingen 1974. sehr viel weniger vorsichtig als Weber. Tübingen 1974.eine Hölle. Mit dem Schlachtruf: Wer ist wie Gott! tritt der Erzengel Michael ihm gegenüber und verstößt ihn in die Hölle. Man beweißt. sodaß er jetzt im Namen der Wissenschaft den Gegner als Teufel hinstellen kann. ist seit Weber nicht mehr aus der bürgerlichen Wissenschaft verschwunden." Popper. um sich an die Stelle Gottes zu setzen und den Himmel für sich zu erobern. die uns versuchen läßt.einer Wissenschaft. Dies ist das Luzifer-Problem. diese seine luziferische Sünde zu begehen: wie Gott sein zu wollen und das Himmelreich auf Erden zu erobern. Karl R. so gelangte auch ich zu dem Resultat."so ist die Folge ein Chaos"-." .. daß der Gegner ein luziferischer Teufel ist. Die Hybris. Popper. S. die dann in die jüdische-christliche Tradition projeziert wurde.VIII 53 . das uns in einen Sumpf lockt. höchster der Engel. verführt uns dazu. die angeblich gar keine Werturteile fällt -.: Das Elend des Historizismus.VIII 53 Es handelt sich bei diesem Mythos des Luzifer um eine mit der Christianisierung des römischen Imperiums einsetzende Transformation der griechischen Vorstellung von der Hybris und der römischen von der superbia. als Weg ins Chaos . nachdem es vorher bereits zu einer gängigen Argumentation in der anti-sozialistischen Propaganda geworden war.Indem aber Weber wiederum dieses Problem des Verelendungsgesetzes ausspart. Es handelt sich um ein Problem. beschreibt es auf folgende Weise: "Wie andere vor mir. Luzifer. Karl R. das Himmelreich auf Erden zu Verwirklichen. Max Weber führt es sin die Wissenschaft ein. das jetzt auf die sozialen Beziehungen übertragen wird. unsere gute Erde in eine Hölle zu verwandeln . daß die Idee einer utopischen sozialen Planung großen Stiles ein Irrlicht ist. das von Max Weber in die Sozialwissenschaften eingeführt wird."der Gedanke an die Möglichkeit ihrer Ausschaltung wird dadurch immer utopischer. diese zu verwirklichen. wo er jetzt als Fürst der Hölle residiert und die Menschen dazu verführt. wie sie nur Menschen für ihre Mitmenschen verwirklichen können. und den Versuch. S. obwohl sie mit dieser gar nichts zu tun hat. Er beschreibt daher das Ziel als Utopie .

Die Sünde des Luzifer ist der Gottesmord. die sich gegen die Invasion des Nazi-Deutschlands wehrten. Er unterliegt den Hexen. der gegen diese Expansion des okzidentalen Imperiums Widerstand ausübte. begangen die Sünde des Luzifer. die Christus kreuzigten. Jahrhundert zu einem wirksamen Instrument zur Legitimierung der Macht. die das Attentat auf Lenin verübte. Afrikaner. der Versklavung Afrikas und führt bis zum Antikommunismus des XX. Allende war ein Luzifer. denen. Kolonialländer. die die Macht ausüben und den Reichtum in ihren Händen konzentrieren. erscheinen als die Hochmütigen und die Stolzen. die sich gegen die Versklavung wehrten. erscheinen jetzt als die wahrhaft Demütigen. diejenigen. ein Luzifer.Stolzes und der Hybris.und Ketzerverbrennungen. Die Herrschaft. die der Antisemitismus mit der Luzifertradition hat. wurde des Aufstands gegen Gott und der luziferischen Sünde bezichtigt. wenn sie die Herrschaft nicht ertragen. Daher die enge Verbindung. die ihr Land gegen die Eroberer verteidigten. der Kolonialisierung. Formale Rationalität und wissenschaftliche Begründung der materialen Rationalität. schreibt sich in diese Tradition des Luzifermythos ein. Selbst für Stalin war jene Anarchistin. Max Weber hatte gesagt: "Die Beherrschten ihrerseits. sobald sie Widerstand gegenüber der Herrschaft ausüben. die um ihre Unabhängigkeit kämpften. sei es in der Form des Nazismus oder der sogenannten Freien Welt. die Sandinisten sind Luzifer. Araber. Indios. wenn er seine Sozialismuskritik auf die Dialektik von Utopie und Chaos gründet. während der Erzengel Michael auf der Seite der Demut kämpft. Die Juden. den Kreuzzügen. wird aber erst seit dem XI. an dessen Folgen er starb. können einen 54 . Jahrhunderts. Die Beherrschten hingegen. Max Weber. Aufstand gegen Gott. Dies verwandelt sie in Dämonen und Teufel. und er richtet sich gegen die Beherrschten. Dieser Luzifermythos unterliegt der gesamten okzidentalen Geschichte seit der Christianisierung des Imperiums.. die die Sünde der Hybris begehen. In dieser Form ist der Luzifer-Mythos immer ein Mythos der Herrschaft gewesen. Sowjets. Dieser Luzifer wurde in der imperialen Tradition immer mit der Kreuzigung Christi verbunden. die luziferische Sünde vorgeworfen wird. Hybris. die dann von der Herrschaft als solche behandelt werden. der Eroberung Amerikas. Jeder. die sich den Kreuzzügen entgegenstellten.

Wiederum geht dies auf den gleichen wissenschaftlichen Beweis zurück.. Ist der Herrschaftsapparat unvermeidlich. daß er ganz ebenso behaupten muß. Folglich handelt es sich um eine Ethik.570 55 . Daraus folgt. Die Wissenschaft kann also zwischen Ethiken unterscheiden. über materiale Rationalität urteilen zu können. deren Geltung beliebig ist. eine Ethik als unvermeidlich nachweisen und dadurch wissenschaftlich begründen zu können. die von Weber wissenschaftlich begründet wird und werden kann. daß diese Herrschaftsapparate eine materiale Rationalität implizieren.einmal bestehenden bürokratischen Herrschaftsapparat weder entbehren noch ersetzen. in denen er der Wissenschaft jede Möglichkeit abspricht.cit." Weber.. Sicher. Sie können sie ebenfalls weder entbehren noch ersetzen. Methodologisch betrachtet aber wendet er die 54 Weber. daß diese Ethik gilt. Nun hat er aber gezeigt. Sie implizieren also eine Ethik.cit. Dies ist das Ergebnis der Weberschen Analyse. Die Behauptung bleibt der Form nach ein Sachurteil. Er sagt vielmehr: es ist unvermeidlich. op. Die drei erwähnten weberschen Argumente zur Kritik des Sozialismus (hier immer als "Vollsozialismus" verstanden) stellen den Beweis für diese Aussage dar. Weber versteht sie daher als wissenschaftliche Aussage. Wirtschaft und Gesellschaft. Unter bürokratischem Herrschaftsapparat versteht Weber hier sowohl die privatwirtschaftlichen Bürokratien der Unternehmungen als auch die staatlichen Bürokratien. S. sollten sie ihn einmal zerstören. und anderen Ethiken. Auch die Geltung dieser Ethik ist unvermeidbar. Wirtschaft und Gesellschaft. op. Es ist offensichtlich konträr zu seinen methodologischen Schriften. Dieses Sachurteil aber behauptet jetzt. Weber behandelt also diesen "bestehenden bürokratischen Herrschaftsapparat" als Geschichtsgesetz. Weber sagt nicht: diese Ethik soll gelten. die er Marktethik und Moral der Bürokratie nannte.verzichten können. so ist auch die den Herrschaftsapparat konstituierende Ethik. Dies heißt aber. daß sie ihn wieder errichten müssen.570 54 Für die Beherrschten selbst ist also die Erhaltung des "bestehenden bürokratischen Herrschaftsapparats" unvermeidlich. deren Geltung unvermeidlich ist.Marktethik und Moral der Bürokratie . S. daß die Beherrschten nicht auf die Geltung der in der Ausübung der Herrschaft implizierten Ethik .

Wieder taucht ein Argument materialer Rationalität auf: das der angemessenen Versorgung der Massen. so folgt. Es ist unvermeidlich. Daher ist es unvermeidlich. Da ist überhaupt kein "Werturteil" impliziert. dessen Existenz andauert. Auch Marx will wissenschaftlich die Unvermeidbarkeit und daher Notwendigkeit einer Ethik ableiten.Wenn man dann Aristoteliker oder Thomist ist. daß eine Art aristotelisch-thomistisches Naturrecht gilt. Normen des Überlebens zu haben. wird er die eine oder die andere herausstellen. die Marx entwickelt hatte. Dies weitet er dann aus in: ein Herrschaftsapparat kann nur bestehen. daß ein Herrschaftsapparat unvermeidlich ist. Wir kommen wieder auf das Problem der Spaltung im Denken Webers. daß beide Recht haben. müßte notwendig untergehen. können einen einmal bestehenden bürokratischen Herrschaftsapparat weder entbehren noch ersetzen" so wird Marx diese Behauptung von Weber umdrehen: Die Herrschenden können die Beherrschten weder entbehren noch ersetzen. in der er selbst wissenschaftlich eine Ethik begründet. der im Ernst an die Methodologie glaubt.. Je nach ideologischer Konvenienz. wie es die Marktethik vom Standpunkt der Herrschenden aus ist. eine Geltung einer Ethik ableiten zu können. Vom Standpunkt der Beherrschten aus ist ein solches Recht ganz ebenso unvermeidlich. kann man sagen: es ist unvermeidlich. Er kann das tun. daß es unvermeidlich ist. Ein Herrschaftsapparat ist unvermeidlich. daß der Herrschaftsapparat sich um die Überlebensmöglichkeiten der von ihm beherrschten Menschen kümmert: tut er es nicht. Die gleiche Form. Sagt Max Weber: "Die Beherrschten ihrerseits. das Überleben der Beherrschten sichert. als dies Weber tut. Daraus folgt: Ein Herrschaftsapparat. Allerdings leitet Marx eine andere Ethik ab. die Max Weber lehrt. Es ist auch möglich. und ebenso unvermeidlich ist eine Überlebensnorm für die Beherrschten. daß ein Herrschaftsapparat. Denn auch Marx behauptet nie.gleiche Methode der wissenschaftlichen Begründung von Ethiken an. Da er der Meinung wäre. über die er herrschen könnte: nicht einmal das nackte Überleben würden die Beherrschten noch haben. ohne die man nicht leben kann. Auch hier handelt es sich um Werte. kritisiert er in Marx als unwissenschaftlich. So wie Weber behauptet. Wir haben dann im Namen der Wissenschaft einen ethischen Rahmen für die Gesamtgesellschaft abgeleitet. würde er sehr bald keine Beherrschten mehr haben. ohne ein 56 . daß die Frage der Versorgung der Massen mit der Zweckrationalität nichts zu tun hat und daher von der Wissenschaft nicht behandelt werden kann. so geht er unter. wenn es sowohl den Beherrschten als auch den Herrschenden eine Überlebensmöglichkeit läßt. da er zwei konträre Methodologien vertritt.

Alle Behauptungen über die Unvermeidlichkeit bestimmter Ethiken folgen aus Sachaussagen. Seine eigene Logik führt ihn zum historischen Materialismus zurück. Damit führt uns die Logik der Weberschen Argumentation . Tritt er in Konflikt mit der Möglichkeit. wenn sie solche individualistischen Bewegungsfreiheiten unterdrückt. damit er weiterhin Beherraschte hat. den er doch angeblich überwunden hat.Werturteil gefällt zu haben. Weber hat ja nicht nachgewiesen. sind dafür völlig überflüssig. Weber hat die Argumentationsstruktur des Marxschen Denkens überhaupt nicht überwunden.fast zurück bis zum berühmten Vorwort von Marx zur Kritik der Politischen Ökonomie aus dem Jahre 1856. Folglich muß sie auf Marktbeziehungen basieren. in dem die Wirtschaftsrechnung möglich ist. wenn er realistisch sein will. Jede Bürokratisierung . Soweit es so etwas gibt. die mit Ethik nichts zu tun haben. sondern beschreibt eine Stufe. Sicher. Aber er muß umstrukturiert werden. der nicht in utopischer Richtung überschritten werden kann. Das neue. denen gegenüber er Herrschaftsapparat ist. ist die Existenz eines Spielraums. bereits zitierten Formulierung: Die Beherrschten ihrerseits können einen einmal bestehenden bürokratischen Herrschaftsapparat weder entbehren noch ersetzen. Dafür hat er 3 Kriterien abgeleitet: 1. daß aus der Utopiekritik der Kapitalismus als einzige Alternative folgt. die doch unvermeidliche Überlebensnorm für die Beherrschten zu erfüllen. Daraus aber folgt die Konstituierung dieser Ethiken. was er hinzufügt. geschehe diese Änderung durch eine gewaltsame Revolution oder nicht. sondern nur amputiert. Der Herrschaftsapparat kann gar nicht in dieser metaphysischen Form zementiert sein. aber es ist nicht so. 57 . die dieser ersteigen muß.privatwirtschaftliche oder staatliche . Allerdings entsteht auch hier wieder eine Differenz zu der Weberaschen. ist allerdings die Utopiekritik. handelt es sich um Geschmacksurteile. Sie können ihn aber verändern. Jede Alternative zum Kapitalismus muß sich in einem Rahmen bewegen. Ohne Beherrschte geht das nicht. Aber sie führt nicht zum Widerspruch mit dem historischen Materialismus. muß er sich ändern.trifft auf ihre Grenze. die Beherrschten können den Herrschaftsapparat weder entbehren noch ersetzen. ohne die wir nicht leben können. Was er nachgewiesen hat. Es zeigt sich jetzt aber eine Grenze der Weberschen Formulierung: Die Beherrschten ihrerseits können einen einmal bestehenden bürokratischen Herrschaftsapparat weder entbehren noch ersetzen. Das glaubt er. 2. Das was Weber Werturteile nennt. wie das Weber hier darstellt.

die von ihm durchaus richtig abgeleitete materiale Rationalität des Standpunkts der Beherrschten so ausweiten zu können. Die Utopie selbst stellt sich als etwas heraus. die die Faktibilitätsgrenze beschreibt. Indem der Versuch. warum sie so leicht übersehen wird.das ist heute offensichtlich . die einen guten Teil der Krisen des heutigen Sozialismus erklären können. kann aus diesem Effekt auf die Faktibilitätsgrenze geschlossen werden. Sie stößt . das nicht verwirklichbar ist. der die Vorstellung einer anderen Wirklichkeit beinhaltet. daß das bürgerliche Denken sie völlig ignoriert hatte. Sie verwandelt sich in einen transzendentalen Begriff. Sichtbar ist sie aber nicht. Alle Transformationen des Kapitalismus müssen notwendigerweise diese Grenze beachten. Da es ein Problem der menschlichen Existenz selbst ist. die nicht durch instrumentales Handeln herstellbar ist. sodaß verständlich wird. Nur in diesem Rahmen kann sie ein der Möglichkeit nach legitimes Sollen ausdrücken. Ziele jenseits der Faktibilitätsgrenze zu verwirklichen. und daher um die Kritik des sozialistischen Utopismus. die Institutionalisierbar sind. Es handelt sich um die Beschreibung der Faktibilitätssgrenze in bezug auf den Sozialismus. Er trägt daher Argumente vor.sondern nur erschließbar. Das ist dann auch das Problem der Marxkritik. Sie verwandelt sich folglich in ein Sollen. von 58 .sie ist kein Gesetz der Erfahrungswissenschaften .. Hier trägt Weber etwas bei.3.an eben diese Grenzen. hängt von den Freiheitsspielräumen ab. Dies ist seine Utopie von der klassenlosen Gesellschaft. Nun ist die Existenz einer solchen Faktribilitätsgrenze nicht einfach ein Problem des Sozialismus. wenn sie realistisch und folglich erfolgreich sein wollen. Sie ist nicht empirisch sichtbar. ist es eben auch ein Problem des Kapitalismus und überhaupt jeder Institution. Nur als solches ist es natürlich ein Problem des Sozialismus. Alle Institutionen stoßen an diese Faktibilitätsgrenze. Marx glaubte daher. Die Vorstellungen von der Marktautomatik. daß die Herrschaft selbst von ihm als abschaffbar gedacht wurde. Die Marxsche Form des Überschreitens dieser Faktibilitätsgrenze ist allerdings schon die Reaktion darauf. dem kein Können entspricht. Es ist ein Problem der menschlichen Existenz und ihrer Kontingenz. Wie weit sie daher verwirklichbar ist. zur Zerstörung des menschliochen Zusammenlebens führt. sodaß ihre Verwirklichung nicht die Möglichkeit formaler Rationalität zerstört. Marx hat den Sozialismus ohne Bewußtsein von dieser Faktibilitätsgrenze konzipiert. Die Forderungen der Beherrschten müssen sich auf Werte beziehen. das offensichtlich Marx überhaupt nicht bewußt war. die Max Weber herausstellt.

Das ist eben nicht nur der Fall. wie die Utopiekritik benutzt wird. Faktibilitätsgrenzen zu erspüren. die auch die säkularen Ideologien zeigen. die über diese Faktibilitätssgrenze hinausgehen. Vatikanischen Konzil die Unfehlbarkeit des Papstes. 59 . um den alles zerstörenden Prozeß des Kapitalismus ohne Grenzen weiterführen zu können. die jetzt die Zerstörung von Mensch und Natur im Namen eines völlig irrealistischen "Realismus" als unvermeidbar in Kauf nimmt und eine unvergleichbare Agressivität gerade in Verteidigung der Irrationalität des Kapitalismus erzeugt. wie es im Kapitalismus geschieht. Er zeigt nicht das geringste Bewußtsein von einer Faktibilitätsgrenze. Daraus entsteht dann ein Kapitalismus. um dann allerdings im Gegenzug eine Lösung zu suchen. der im Namen dieses Realismus viel zerstörerischer wird. Zerstörerisch ist es. als es irgendeine Utopie je sein könnte. daß jedes Bewußtsein von der Faktibilitätssgrenze fehlt. Überhaupt scheint sich die Moderne dadurch auszuzeichnen. sondern ganz ebenso für die religiösen Äußerungen eben dieser Zeit. Daher handelt es sich auch nicht einfach darum. Jahrhunderts. Utopien zu verwirklichen.der unsichtbaren Hand. Dies aber ist gerade bei Max Weber sichtbar. Ziele zu verwirklichen zu versuchen. vom Liberalismus über den Anarchismus und den Sozialismus schließlich bis hin zum Nazismus. Die Marxsche Kapitalismuskritik hat ja gerade dieses Element herausgestellt. Dies gilt aber nicht nur für die säkularen Ideologien der Moderne. die die Faktibilitätsgrenze ganz genau so überschreitet. Es handelt sich um die gleiche Unfähigkeit. gegen die es dann möglicherweise überhaupt kein Gegenmittel mehr gibt. Wenn heute die Existenz der Menschheit und der Natur bedroht ist. daß sie keine Faktibilitätsgrenze zu akzeptieren vermag. Daher die zerstörerische Kraft. zerstörerisch ist. daß der Versuch. Unter dem Schutz und Schild der Utopiekritik erzeugt er die Vorsteellung einer kapitalistischen Fatalität. Gerade bei Max Weber wird es deutlich. wenn es um Utopien geht. der die Utopiekritik als Vorwand für eine Agressivität benutzt. in der alle diese Strömungen gleichzeitig existieren und sich bekämpfen. so ist dies nicht die Folge irgendeiner Utopie. die der Kapitalismus entfaltet hat und noch entfaltet. beschließt die katholische Kirche auf dem I. sondern das Resultat dieses angeblichen Realismus. In der zweiten Hälfte des XIX. wenn er den Kapitalismus behandelt. von der automatischen Tendenz des Marktes zum Gleichgewicht zeigen.

das ist die Alternative. das Überleben der Beherrschten zu sichern. Es zwingt die Gesellschaft dazu. und folglich geht er davon aus. S. op. Auchdies setzt voraus. Das Chaos aber ist nur ein Wort für den kollektiven Selbstmord. Würde man den kollektiven Selbstmord nicht ausschließen. S. Weber setzt voraus. Wieder ist vorausgesetzt. daß a priori der kollektive Selbstmord (oder sogar die Sterblichkeit selbst) ausgeschlossen wird. Ohne diese Übertragung aus dem 'Sein' in das 55 Weber. so zeigt er.570 werden nur relativ eindeutig dadurch. Wirtschaft und Gesellschaft. Wenn er die Möglichkeit einer unbegrenzten Bürokratisierung in Zweifel zieht. tut Weber dies im Namen von Werten der individualistischen Bewegungsfreiheit "ohne die wir nicht leben können". (Die Funktion des kollektiven Selbstmords) Alle Argumente. Es scheinen sich also wieder zweckrationale und Werturteile gegenüberzustehen. Die Wissenschaft kann daher nur eine materiale Rationalität begründen. sei es die von Marx oder von Weber. die herausgestellt wird. daß niemand das Chaos will.Die wissenschaftliche Begründung der materialen Rationalität und die Utopie. Auch zweckrationale Urteile Weber. indem sie die Alternative Leben oder Tod ausspielen. so werden wir eine ähnliche Feststellung machen. weil er den kollektiven Selbstmord als Alternative a priori ausgeschlossen hat. daß die Alternative das Chaos ist. weil sie sonst nicht weiterexistieren kann. nachgewiesen zu haben. daß der Herrschaftsapparat unvermeidlich ist. daß der kollektive Selbstmord ausgeschlossen ist. daß der kllektive Selbstmord auszuschließen ist.570 60 . die eine materiale Rationalität wissenschaftlich begründen. Wenn Weber die Unvermeidlichkeit des Herrschaftsapparats begründen will. wenn auch auf völlig anderer Ebene. jede ähnliche Darstellung nimmt aber eine Reihe von Voraussetzungen als selbstverständlich an. op. Dasselbe aber gilt für das Verelendungsgesetz von Marx.. tuen dies. Entweder der Herrschaftsapparat oder kollektiver Selbstmord. Aber er ist unvermeidlich nur. indem sie a apriori den kollektiven Selbstmord ausschließt. ohne daraus aber Konsequenzen zu ziehen.. Das Wertproblem der materialen Rationalität ist also dadurch gelöst worden. daß es verschoben worden ist. Wirtschaft und Gesellschaft. so könnte man keine Entscheidung fällen. So sagt er gegen Robert Liefmann: "Diese und . sondern auch als darüber hinausreichend ein für allemal gelten solle. daß das Interesse des Einzelnen über seinen Tod nicht nur faktisch hinausreiche.cit.cit. die es nicht sind: zunächst. 55 Max Weber erkennt dies durchaus. Gehen wir aber den zweckrationalen Urteilen nach.

Denn ohne sie kann man z. Stuttgart. Er hält dies einfach für eine nützliche Fiktion.. In: Eduard Baumgarten (Hergb. dann in einer 56 Weber. vorausgesetzt werden. sobald sie formalisierte Handlungsmodelle entwickelt. Daß der Einzelne die Interessen seiner Erben in Betracht zieht. allgemeine Gesetze abzuleiten." op. Diese sind nur durch Abstraktion von der Sterblichkeit des Menschen möglich. S. 56 Auf die Ablehnung eines faktischen Sollens .cit.. Die zu theoretischen Zwecken nützlichen Fiktionen der reinen Ökonomik können aber nicht zur Grundlage von praktischen Wertungen realer Tatbestände gemacht werden. 57 Weber. S. Soziologie. nicht von den Interessen perennierender Personen reden. Stuttgart. daß es eine Notwendigeit jeder Erfahrungswissenschaft ist. Max: Der Sinn der "Wertfreiheit" der Sozialwissenschaften.'Sollen' ist die betreffende.. Kröner. Den lebendigen Menschen werden hier vielmehr Interessenten substituiert . Weltgeschichtliche Analysen. ist die Ansicht von Liefmann auch nur theoretisch korrekt und dann freilich selbstverständlich richtig..mit einer Rationalität über den Tod hinaus zu handeln . was übrigens die Bedingung überhaupt dafür ist. geht ihr aber nicht weiter nach.. In: Eduard Baumgarten (Hergb. angeblich rein ökonomische Wertung nicht eindeutig durchführbar. 1956. Politik.cit.): Max Weber. (oder. Das ist eine für theoretische Zwecke nützliche Fiktion. Daher kommt die Sterblichkeit des Menschen in solchen Modellen nicht vor.B. daß es eben eine nützliche dann aber auch notwendige) theoretische Fiktion ist.296/297 57 Hier kommt Weber auf das Problem der begrifflichen Konstituierung der Zweckrationalität durch die Abstraktion vom Tode zu sprechen.. wenn 1." Weber. 1956.folgt hier die Behauptung. wenn sie vorkommt. ist aber keine rein ökonomische Begebenheit mehr. den lebendigen Menschen Interessenten zu substiuieren. Max: Der Sinn der "Wertfreiheit" der Sozialwissenschaften. die Kapital in Betrieben verwerten und um dieser betriebe willen existieren. Weber fügt hinzu: "Nur dann. Innerhaalb dieser theoretischen Fiktion werden als die lebendigen Personen durch perennierende Interessen ersetz. ausschließlich dauernde Rentabilitätsinteressen konstant gedachter Personen mit konstant gedachten Bedürfnissen als leitender Zweck. Soziologie. Ich glaube aber. welche 'Kapital' in 'Betrieben' verwerten und um dieser Bertriebe willen existieren. Politik.): Max Weber. -. op. Weltgeschichtliche Analysen.296/297 61 . Kröner..

so gibt es im Leben eben den Selbstmord und auch den kollektiven. der Tod aller.Weise. etwas Schlimmes sein. fällt die gesamte Sozialismuskritik von Weber. ohne die ein formales zweckrationales Modell nicht möglich ist. Es ergibt sich nicht einmal ein Grund. sondern die Rationalität überhaupt. daß man den kollektiven Selbstmord ausschließt. Wahrscheinlich 62 . Warum sollte das Chaos d. es sei denn. ebenso aber auch die Kapitalismuskritik von Marx. warum man eigentlich den Selbstmord ausschließen sollte. wann sie sterben) Die Abstraktion von der Sterblichkeit in formalen Modellen ist eine Folge ihrer Abstraktion von der Zufälligkeit. sondern von den Existenzbedingungen einer perennierenden Gesellschaft aus. die kontinuierlich im Zeitablauf reproduziert wird. Aber man lebt schließlich nicht dadurch. in der das Modell weiß. Daraus folgt natürlich kein Sollen. Dennoch ergibt sich die Paralelität: die wissenschaftliche Begründung der materialen Rationalität ist nur möglich. Daß die Wissenschaft auf den Ausschluß des kollektiven Selbstmords begründet ist. hin und verliert jeden Wert. Dies scheint dann das Gegengewicht gegen den Selbstmord gewesen zu sein. Es ergibt sich nur ein Rahmen des möglichen Lebens. daß der Verzicht a priori auf den kollektiven Selbstmord nicht nur die wissenschaftliche Möglichkeit der Ableitung einer materialen Rationalität begründet. Es scheint daher so. Der Katechismus gab die Antwort darauf. Dies aber ist die Abstraktion von der Kontingenz. auch wenn die Wissenschaft auf dem Ausschluß a priori des kollektiven Selbstmords gegründet ist. daß man die gesellschaft als perennierend voraussetzt? Setzt man die Gesellschaft nicht mehr als perennierend voraus. die durch den Ausschluß des kollektiven Selbstmords entscheidbar werden. Dieser kann sogar zweckrational geplant und durchgeführt sein. daß der Mensch sein Leben auf diesen Ausschluß gründen könnte oder auch sollte. wenn man a priori den kollektiven Selbstmord ausschließt. Die Sozialismuskritik von Weber und auch seine Auffassung von der in der formalen Rationalität implizierten materialen Rationalität der Marktethik aber argumentieren von einer Gesellschaft aus. nicht eine Leitlinie um zu leben. also unterstellt. Es geht um das. daß man dem Leben einen Sinn zuschrieb. daß die Gesellschaft kontuierliche Existenz hat.h. Nur deshalb kann das Chaos ein Argument sein. was man früher vielleicht einmal dadurch gelöst hat. bedeutet ja nicht. Die wissenschaftliche Ableitung einer materialen Rataionalaität erfolgt allerdings nicht ausgehend von den Interessen perennierender Personen. Außerdem. warum wir auf der Erde leben: "um den Willen Gottes zu tun und dadurch in den Himmel zu kommen". Wir können also durch wissenschaftliche Argumentation nur die Wertprobleme entscheiden.

Die Erde dem Himmel ähnlich zu machen. Um koherent zu sein. wenn diese das Denken an den Sinn des Lebens aufzwingt? Dadurch. Aber darum dreht sich alles: die Erde dem Himmel ähnlich machen. aufgelöst. Daher taucht jetzt die Forderung nach dem Lebensrecht . das durch keinen Tod. Durch diesen Sinn. daß man das Leben als Fülle denkt. ohne durch Übersehung der Faktibilitätsgrenze in neue Formen der Zerstörung der Erde einzumünden. um gelebt zu werden. Diese Utopie denkt positiv das. Der Sinn des Lebens aber ist ein Instrument der Herrschaft. denkt sie die Erde als Himmel: als diese Erde ohne den Tod. eines Lebens. konnte man den Schein schaffen. was sie bestätigt. Sie tut daher das.zusammen mit dieser Utopie auf. daher keine Faktibilitätsgrenze und daher durch keine Kontingenz mehr beschränkt ist. und das heißt eben. Auch wenn die Utopie dies häufig nicht expliziert. Wie aber kann man sich frei denken gegenüber der Herrschaft. sondern der rationale Ausdruck dafür. was das Urchristentum unter der Neuen Erde verstand. Werte abzuleiten und in die Wirklichkeit einzuführen. Sie ist die andere Seite der Wissenschaftlichkeit. hat man dann den Grund. die vom Diktat des Sinns des Lebens befreit und einfach das Leben bejaht. Sie denkt daher das Leben als Fülle des Lebens. Es ist die Utopie der Freiheit. Sie taucht auf gegenüber einem Herrschaftsapparat. wie man die Erde dem Himmel ähnlich machen kann. muß die Wissenschaft die Utopie einschließen. widerspricht daher sich selbst. Eine Wissenschaft. das ist das Wertproblem. als Leben ohne Herrschaft. die anti-utopisch wird.dem Recht. dasjenige. Als Utopie ermöglicht diese anarchistische Freiheit. Diese ist nicht ein neuer Sinn des Lebens. das zur Forderung der Achrtung der Überlebensmöglichkeit aller wird . auf dem man lebte. für einen Sinn zu leben. Die Utopie ist immer in ihrem Wesen anarchische Freiheit. was der Wissenschaftlichkeit jetzt Sinn gibt. Da man keinen Grund brauchte. obwohl als andere Seite desselben Phänomens. um wieder Grund zu finden.aber ist dieser Sinn nie der Grund gewesen. was die Wissenschaft auch tut. denkt sie das Leben ohne den Tod. daß das Leben keinen Sinn gebraucht. Das Problem eines rationalen Verhältnisses zu dieser Utopie ist daher in der Frage eingeschlossen. efektiv leben zu können. was in der Wissenschaft negativ den kollektiven Selbstmord a priori auschließt. so kommt sie implizit immer darauf hinaus. der im Namen 63 . die anarchistische Utopie. den man dem Leben gab. Dies ist. Man mußte dann den Sinn des Lebens auflösen. Da aber die Faktibilitätsgrenze letztlich die Gegenwart des Todes im Leben ist. Indem die Utopie die Erde als Erde ohne Kontingenz denkt.

Wo aber der Traum der Utopien des Lebens aufhört. Nicht nur ohne individualistische Bewegungsrechte. Gegen die Utopie des Himmels der Beherrschten setzt der Herrschaftsapparat die Utopie der Hölle der Herrschaft. die glauben. die sich nicht mehr mit Utopien auseinandersetzen muß. über deren Tor geschrieben steht: Wer hier eintritt. Die Nazis nannten diese als Himmel ausgegeben Hölle das tausendjährige Reich. er besteht immer darauf. und träumt jetzt seine eigene. Die Perfektion der Herrschaft ist der kollektive Selbstmord. daß Utopien Himmel sind. 64 . daß wer den Himmel auf Erden will. antiutopische Utopie: die Utopie einer Gesellschaft. Dies aber ist der wahrhaft zerstörende Utopismus. Es ist die Utopie einer Herrschaft. gerade ohne diesen Traum von der Fülle des Lebens kann man nicht leben. und die schließlich. Die Utopie einer Gesellschaft. in dem niemand mehr von tausendjährigen Reichen träumt. die Utopie einer Gesellschaft. um so zur Perfektion der Herrschaft zu kommen. in der der Herrschaftsapparat nicht mehr utopisch denkenden Beherrschten gegenübersteht. mit dem Menschean und der Natur. Der Herrschaftsapparat aber träumt davon. als die Hölle auf Erden wollen. daß die Utopie sin die Sünde Luzifers fällt. die beliebig über die Lebensrechte der Menschen und der Natur verfügt. die Hölle auf Erden schafft.der einer anti-utopisch interpretierten Faktibilitätssgrenze das Lebensrecht zerstört. Die Perfektion der Herrschaft aber ist der Tod. Diejenigen. eines Traumes von einem tausendjährigen Reich. die dann als Himmel ausgegeben wird. die die Hölle schaffen. die als Himmel ausgegeben wird. sich selbst zerstört. Die Utopie einer Herrschaft. diesen Traum von der Fülle des Lebens völlig zerstören zu können. in der man nicht leben kann. Diese anti-utopische Utopie ist auch die Utopie Max Webers. können gar nicht anders. Dieser Herrschaftsapparat argumentiert immer in bezug auf die Utopien mit der Faktibilitätsgrenze. Die anti-utopische Utopie wird dann zur Utopie des kollektiven Selbstmords. lasse alle Hoffnung fahren. Der Herrschaftsapparat stellt die Anti-Utopie gegen die Utopie. da bleibt nur der Tod.

des Kolonialismus.Jahrhundert werden diese emanzipatorischen Bewegungen weitergeführt und führen zu Massenbewegungen. Im Namen der Gleichheit aller Menschen entsteht die Ideologie der Sklaverei. obwohl sie diese Emanzipation als etwas interpretiert. der verschuldeten Bauern und.Nietzsche: Der Aufstand gegen die Gleichheit aller Menschen. Dies ist 65 . und sie legitimiert die bürgerliche Gesellschaft. Im XIX.Jahrhundert hingegen wird. Die Philosophie Nietzsches entsteht in einem Moment. Insbesondere die Emanzipation der Sklaven (sie führt allerdings zur Sklavenbefreiung in Haiti. ihre Funktionen der Stabilisierung der bürgerlichen Gesellschaft nicht mehr befriedigend erfüllt. Die französische Revolution erklärt daher 1794 die Emanzipation der Sklaven und ebenfalls die der Juden. aus der Gleichheit eine andere Konsequenz gezogen. die innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft und ausgehend von der Aufklärung. das sich durch einen Befreiungsskrieg unabhängig macht) wird nie durchgeführt und 18o2 von Napoleon die Zwangsarbeit durch Sklaverei auch rechtlich wieder eingeführt. Daher legitimiert sie im Namen der Gleichheit die Ungleichheit. in dem die bürgerliche Ideologie. die in der bürgerlichen Gesellschaft gegeben ist. Diese aber fordern jetzt die bürgerliche Gesellschaft heraus und verbinden die Forderung der Emanzipation des Menschen mit revolutionären Impulsen. und die Emanzipation der Juden wird bald wieder beschränkt. Im XIX. das im Inneren der bürgerlichen Gesellschaft selbst vor sich geht und mit ihr vereinbar ist. die Emanzipation des Proletariats. der Frauen. gegen die bürgerliche Gesellschaft. Ihre Basis ist die Gleichheitserklärung aller Menschen. der Rassen. des Rassismus und die Ausbeutung. die Emanzipation aller Menschen erträumt. indem sie diese erklärte menschliche Gleichheit invertiert. was in den zentralen Ländern ganz besonders durchschlägt. sodaß jetzt eine Serie emanzipativer Bewegungen beginnen: Emanzipation der Sklaven. Aber die französische Revolution führt zu einer Anerkennung der Emanzipationsbestrebungen in der Folge der Gleichheitserklärung aller Menschen. wie sie sich im 18. Diese emanzipative Gleichheit entsteht im Bürgertum selbst. In der französischen Revolution ist es gerade eine bürgerliche Revolution. insbesondere die Sklaverei und die Verletzung der Menschenrechte in allen ihren Formen. und es beginnt die Forderung nach der Emanzipation der Frau. der Kolonien. Gleichheit wird als Emanzipation aller Menschen interpretiert. der Juden.Jahrhundert gebildet hatte.

Diese hat ja zu den Emanzipationsbewegungen geführt. daß ein Zusammenstoß zwischen bürgerlicher Gesellschaft und den Bewegungen zur menschlichen Emanzipation bevorstand. wie sie am Anfang der bürgerlichen Gesellschaft selbst gestanden hatte. daß eine Emanzipation des Menschen nur gegen die bürgerliche Gesellschaft durchsetzbar ist und daher Revolution bedeutet. Er wird zum Führer eines bürgerlichen Aufstands gegen die Gleichheit aller Menschen. Alle diese Oppositionsbewegungen treten im Namen der Gleichheitserklärung aller Menschen auf. Das Bürgertum fühlt. Das Bürgertum kann daher nicht mehr auf die Ideologie der Gleichheit zurückgreifen. Dies aber bedeutet.Jahrhundert die gesamte bürgerliche Welt ergreift und im deutschen Nazismus nur 66 . die bisher einer der Grundpfeiler der bürgerlichen Gesellschaft war. Zum ersten Mal entsteht jetzt auch eine pazifistische Bewegung in Zentraleuropa und die Emanzipation der Frau wird zu einem dringenden Problem. Diese aber ist Ergebnis eines erfolgreichen Sklavenaufstands. um seine Macht und die Niederschlagung aller dieser Bewegungen zu legitimieren. zeigt daher die Bedrohtheit der Situation des Bürgertums. einer pro-slavery-rebellion. daß die Zwangsarbeit durch Sklaverei. der einen Befreiungskrieg gewinnt. Der indische Aufstand (Indian Mutiny) von 1857/1858 kann nur mit Mühe niedergeschlagen werden. die sich jetzt gegen die bürgerliche Gesellschaft selbst wenden. Es fühlte daher auch.Jahrhundert fühlt sich das Bürgertum tatsächlich durch die Emanzipationsbewegungen bedroht. In der zweiten Hälfte des XIX. die im XX.Jahrhunderts werden diese Emanzipationsbewegungen zum wichtigsten Problem für die Legitimierung der bürgerlichen Gesellschaft. In derselben Zeit wird in den USA zwischen 1865 und 1869 die Zwangsarbeit durch Sklaverei aufgehoben. Daher wird jetzt dem Bürgertum diese menschliche Gleichheit verdächtig und immer mehr definiert es sich gegen die Gleichheit aller Menschen.Jahrhundert setzt sich die Überzeugung durch. und 1885 wird der "Indian National Congress" gegründet. Im XIX. In der zweiten Hälfte des XIX.insbesondere die Folge der Forderung nach der Emanzipation des Proletariats. Nietzsche wird zum Philosophen dieser Reaktion des Bürgertums. Dabei ist die Unabhängigkeit Haitis wichtig: es handelt sich um die erste Sklavenbefreiung innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft. bedroht sein könnte. Es beginnen jetzt auch die ersten bedeutenden Befreiungsbewegungen in den Kolonien. daß es sich nicht mehr auf der Basis der Gleichheitserklärung aller Menschen legitimieren kann. Der Kommuneaufstand 1871 der Arbeiter von Paris führt zum ersten großen Völkermord an einer solchen Bewegung in einem zentralen Land.

so ist doch diese Konsequenz der Auflösung aller Werturteile in Sachurteile. deren wichtigste Ausführung das Gleichgewichtsmodell von Walras-Pareto wurde. Zuerst wird eine neue ökonomische Werttheorie entwickelt die sogenannte subjetive Werttheorie . Seit John Locke war die Eigentumsideologie aus einem bürgerlichen Naturrecht begründet worden. daß in ihr der maximale Nutzen verwirklicht wurde. daß alle Menschen gleich geboren sind.und darauf aufbauend.eine ihrer Ausdrucksformen fand. in der Weberschen Annahme der 67 . Alle traditionalen Begriffe werden umgedacht. Dieser Aufstand gegen die Gleichheit erfolgt gegen eine Gleichheit.eine utopische Abstraktion. Dieser Aufstand des Bürgertums gegen die Gleichheit aller Menschen führt zu einer Neudefinition aller Grundlagen der Wirtschaftsideologie. Werturteile haben dann überhaupt keinen Sinn mehr. entscheidet er sich dafür. da niemand sagen könnte. wenn er rational ist. Es entsteht erstmals ein rein abstraktes Gleichgewichtsmodell. wird jetzt zu einer Ideologie umgeformt. Aus der Entscheidung für das Wirtschaftssystem ist mit Max Weber ein Sachurteil gewortden. die durch Inversion der Gleichheit begründet worden war. und aus allen Wahlurteilen ist mit der subjektiven Werttheorie ein Sachurteil geworden. Wenn auch Max Weber eine gewisse Differenz zwischen Nutzenurteilen (als Sachurteilen) und Werturteilen bewahren will. ein Aufstand gegen die Emanzipation des Menschen. die am radikalsten der Neoliberalismus und insbesondere die Theorie vom "public choice" zieht. den Kapitalismus durch eine Eigentumslegitimation zu begründen. Der Konsument kalkuliert den maximalen Nutzen und. dessen Zentrum die Aussage war. Eine bürgerliche Ideologie. die ihrerseits als Aufstand interpretiert wird. Es ist ein Aufstand gegen den Sklavenaufstand. wie dies auch der Name sagt . Diese Neuformulierung hat zwei Etappen. Die bürgerliche Wirtschaftswissenschaft verabschiedet sich jetzt von dieser Beziehung. Da sie den Wert der Waren auf ein Nutzenkalkül reduziert. das dann den Namen des Modells einer "vollkommenen Konkurrenz" bekam. Damit wurde eine abstrakte Idealkonstruktion . Im Gefolge dieses Aufstands gegen die Gleichheit aller Menschen wird die gesamte bürgerliche Wissenschaft umgewälzt. die diese Gleichheit diabolisiert. Im Grunde kann er sich auch für nichts anderes entscheiden. um ihre Beziehung zur menschlichen Gleichheit zu beseitigen oder unsichtbar zu machen. was das überhaupt ist. wird aus jeder Wahl des Konsumenten jetzt eine Sachentscheidung. eine neue Theorie des wirtschaftlichen Gleichgewichts. denn jede Entscheidung wird tautologisch beweisen. Sie hört überhaupt auf. In ihrer Radikalität löst diese Konstruktion jedes Werturteil auf.zur Referenz der Legitimation des Kapitalismus.

Max Weber formuliert diese Beziehung dann als "formale Rationalität". das die Wissenschaft. Aber auf eine unvergleichliche Art hat er ihm einen Ausdruck gegeben. gegen die Ganzheit als Totalität. Werte erscheinen jetzt als etwas. Daher folgt der Aufstand gegen den Begriff der Gesellschaft als Ganzheit (als Totalität) und gegen die Utopie als Vorstellung einer anderen. wie sie auf der Grundlage von Max Weber insbesondere durch Popper entwickelt wurde. der die erste politische Aufstandsbewegung gegen die menschliche Gleichheit war. Er hat den Nazismus wesentlich beeinflußt. gegen jede Form von universalistischem Humanismus und daher gegen jeden Fortschritt. Er ist nicht seine Ursache. Er hat aber ebenso die Ideologie der sogenannten "Freien Welt" nach dem II. Die Moral selbst scheint sich in den Feind der Menschheit verwandelt zu haben. Vorher war die Beziehung genau umgekehrt: das naturrechtlich legitimierte Privateigentum legitimierte den Kapitalismus. im Namen der Vernunft Werte ableiten zu können. in deren Namen jetzt der Kapitalismus legitimiert wird und die ihrerseits das Privateigentum legitimiert.Grenznutzenetheorie bereits entghalten. gegen die Utopie als Vorstellung einer neuen Welt und damit gegen die Emanzipation des Menschen. So verwandelt sich der Aufstand gegen die Gleichheit in einen Aufstand gegen die Moral und gegen jede universalistische Ethik. aber auch das rationale Handeln stört. Der durch die formale Rationalität legitimierte Kapitalismus legitimiert jetzt seinerseits das Privateigentum. Schließlich aber ist jede universalistische Ethik mit der Vorstellung von einer neuen Gesellschaft verknüpft. wird alle Wertrationalität aus den Wissenschaften verbannt. Daher folgt der Aufstand gegen den Rationalismus. Die universalistische Moral und ihre Gleichheitsethik aber wurden begründet durch den Rationalismus der Aufklärung. Es folgt daher die Behauptung. und die Behauptung. wird zur Scheinwissenschaft und zu einer sinnlosen Aussage erklärt. gegen den Rationalismus. Sie werden zur Gefahr einer vernünftigen Ordnung der Gesellschaft. Der Aufstand gegen die Gleichheit wird folglich zu einem Aufstand gegen die Moral. an der sich diese Welt orientieren soll. wahren Welt. Indem jetzt die formale Rationalität das Naturrecht ablöst. Und heute 68 . Damit wird überhaupt allen Wertdiskussionen der Boden entzogen. in der sich die Gesellschaft im Namen der Ordnung gegen den irrationalen Einbruch der Werte verteidigen muß.Weltkrieg entscheidend beeinflußt. Es entsteht eine Vorstellung. daß die Wissenschaft zu Wertproblemen keine Stellung beziehen kann. Nietzsche formuliert als Philosoph diesen Aufstand. der alles spätere bürgerliche Denken beeinflußt hat.

daß es das genaue Gegenteil davon ist. Er ist Teil der Erziehungsbürokratie seines Landes. Als er wegen Krankheit nicht arbeiten kann. Alkohol zu trinken. In keinem Jahr schrieb er so viel Bücher. Da er Tiere liebt. als er sieht. man noch stoßen muß. Als er in den Krieg zog. Er hat eine schwache Gesundheit und nimmt sich daher bei Essen und Trinken in acht. denkt er sich auf seinen Spaziergängen ein Menschenideal aus. Aber. und arbeitet daher in den Jahren vor seinem Zusammenbruch mit einem fanatischen Tempo. Er weiß. das mit seinem tatsächlichen Leben nicht das geringste zu tun hat. Selbst einer möglichen Emanzipation der Natur setzt er die Sklaverei der Natur entgegen. Seine Gesundheit verbietet ihm. der vom Judentum und Christentum durchgesetzt wurde. allerdings ein bißchen kauzig und pedantisch. der Rassen. um die Peitsche 69 . Dabei ist Nietzsche persönlich eher menschlich und sogar mitleidig: er bricht endgültig zusammen. wie gerade im Jahre l888. Er hat zur Erklärung der Gleichheit aller Menschen geführt hat und ist in einem Aufstand gegen die Gleichheit niederzuschlagen. der viel zu feinsinnig ist.dieser Mann. der Kolonien.er. damit er falle. erhebt sich über den Schwachen . sodaß er sich auf Wasser beschränkt. die ihn 1889 zur geistigen Umnachtung führt. der ein Schwacher ist . Nietzsche ist ein friedlicher Mensch. des Proletariats. Alle diese Ideologien behandeln die Gleichheit aller Menschen als den wahren Feind aller menschlichen Gesellschaft. kann er sie nicht einmal zur Jagd totschießen. die ihm ein nur bescheidenes. Er leidet an einer unheilbaren Krankheit.den. eine Raubkatze. ist tierlieb und tut niemandem weh. Die Person Nietzsches. die ihm als Professor ein Gehalt bezahlt. Da liebt er den Krieg. sodaß alle Emanzipationsbewegungen sich bei ihm durch eine einzige Ursache erklären: den Sklavenaufstand in der Moral. der Sklaven. merkwürdigerweise. bezieht er eine Pension. daß ihm dies Schicksal bevorsteht. Nietzsche ist fasziniert von der Sklaverei. liebt die Berge. es sei denn. wenn er fällt. wie ein Pferd mißhandelt wird. ist eine blonde Bestie. die legitimste Form der Teilnehme daran.ist sein Einfluß in der US-Ideologie der Nationalen Sicherheit völlig unverkennbar. Er geht gern spazieren. Emanzipation der Frau. und es gibt keine Emanzipationsbewegung. Da ist er ein Herr von Sklaven . aber ausreichendes Auskommen gibt. Er ist geistreich. In aller Emanzipationsbewegung entdeckt er die Gleichheit. Weinend umarmt er es. tat er es als Sanitäter. die nicht von ihm denunziert würde.

Er hat Zorn auf die Schlecht-weg-gekommenen.fängt an. die den Sklaven zu beherrschen verstehen. Er empört sich gegen diejenigen. Er. Er sieht Blut spritzen und freut sich. und glaubt. Sklaven sollen sie bleiben. die dann eben doch gemacht werden wollte.Bestie Erlöser . Aristokrat. die schlecht riechen. Sympathische Spaziergänger. wohin sie gehören. daß sein durchaus bescheidenes Gehalt in Gefahr ist. Etwas. diese Leute. Ihr Aufstand ist Neid. so zu fantasieren. sondern nur einen Füllfederhalter. So geht er spazieren. der nur einen Federhalter in der Hand hat. das sich in eine eigene Welt verwandelte. Voller Ressentiments ist gerade er. Etwas. der scheinbar so friedlich spazieren geht und am Brunnen Wasser trinkt. das zu einer der größten Menschheitskatastrophen wurde. S. der sich Held und Heros dünkt. gemacht zu werden. glauabt er eine Schlacht zu kämpfen. Etwas. Und eines Tages machen sie das. das vielleicht gar nicht mit dem Willen ausgedacht wurde. Dabei ist es nur der Tau von den Blättern. Vikinger. Er hat von der Sklavenbefreiung in den USA gehört. er will zurückschlagen. mit dem er zornig einen Ast abschlägt. in dem die blonde Bestie . Dennoch. er empört sich über den Sklavenaufstand. die er nicht einmal kennt. Aber er träumt von Sklaven.und nicht nur die deutsche . Jetzt ist er Renaissancemensch. Sie sollen es niemals haben. ein solcher Füllfederhalter.505) 58 In Wirklichkeit hat er kein Schwert. III. und er zieht sein Schwert: es ist der Spazierstock. glauabt er ein Schwert zu ziehen. Etwas. die er für neidisch hält. was sie sich auf diesen Spaziergängen ausgedacht haben. 58 Nietzsche. an dem sich Seelen vornehmer und kriegerischer Abkunft verraten und erraten. homerischer Held. Alle Frauen sind für ihn zur Sklaverei geboren. Auf seinen friedlichen Spaziergängen. Eine ganze deutsche Mittelklasse . Sklaven will er beherrschen. und gibt sich solchen Phantasien hin. III. das man ein tausendjähriges Reich nannte und als solches empfand: ein Reich.die Schlechtweggekommenen. daß damit eine Welt untergeht. SkLaven will er haben. wenn er schreibt.auf einen Menschenrücken niedergehen lassen zu können.505 70 . denkt Nietzsche sich das tausendjährige Reich aus. die Hunde lieben und mit ihren Nachbarn streiten und sich wieder verstehen. von unendlicher physischer Kraft.auch ein Symbolon und Kerbholz-Wort. Wenn er mit sich selbst diskutiert. er fasziniert sich mit der Vorstellung von Herren. dahin schickte. sie nicht. S. am Brunnen Wasser trinkend. steigt die Berge herauf und wieder herunter. ist kann offensichtlich viel gefährlicher werden als ein Schwert." (Nietzsche. so wie es dann verwirklicht wurde: "'Das Paradies ist unter dem Schatten der Schwerter' . Vielleicht glaubt er sogar. Damit beginnt die Bestie ihren Höhenflug. die dem Sklaven recht geben.

1078 59 Er hat Feinde. Ich bin meiner Art nach kriegerisch. den Nietzsche geradezu zu einem metaphysischen Zusammenstoß hochstilisiert. sodaß Wagner nie verstehen kann. in der Höhenluft der Berge. alle verachtete. friedliche Kinder. daß man tief den Wert begreift.3. Man hat auf das große Leben verzichtet. II. Sie braucht Widerstände. Nietzsche. Feinde zu haben. und es gibt keine Möglichkeit. der Kämpfer. Nietzsche." GötzenDämmerung. In Wirklichkeit ists er völlig unfäshig. Aber vielleicht fällt Nietzsche nicht einmal ein. Ein andrer Triumph ist unsere Vergeistigung der Feindschaft. Konflikte menschlich auszutragen. Allerdings verwirklichen sie das. was vorher von ebenfalls friedlichen Leuten wie eben Nietzsche ausgedacht worden ist.966/967 60 59 II. so wie er. daß seine Träume eines Tages verwirklicht werden könnten.und Nachgefühl zur Schwäche. frühpensionierte Mittelklassenbürger sieht sich so: "Ein ander Ding ist der Krieg.." II. die es verwirklichen.Dies entspricht genau der paranoischen Welt.. Nietzsche selbst hingegen würde wahrscheinlich diese Leute wieder verachtet haben. und in ihrer Freizeit gehen sie wieder spazieren und hören klassische Musik. sind friedliche Leute wie Nietzsche. Diese schrecklichen Träume solch friedlicher Spaziergänger. die freundliche... lieben Spaziergänge und klassische Musik. Sie besteht darin. so glaubt er wenigstens. Angreifen gehört zu meinen Instinkten. wenn man auf den Krieg verzichtet . gut verpackt. für begeisterte. Feind sein können. kämpft gegen sie: in Selbstgesprächen und mit Tinte. jedenfalls ist es bedingt in jeder starken Natur. Dies zeigt gerade sein Konflikt mit Richard Wagner. Feind sein das setzt eine starke Natur voraus. Er vergeistigt seine Feindschaft. was da eigentlich geschehen sein soll: "Die Vergeistigung der Sinnlichkeit heißt Liebe: sie ist ein großer Triumph über das Christentum. die nur Wasser trinken und vielleicht sogar Vegetarier sind.1078 71 .. die den Nazismus hervorbringt. Moral als Widernatur. sie vor dieser Hinterlist zu schützen. kann man heute in den Fernsehfilmen studieren. die das US-Fernsehen für Kinder nach Lateinamerika und in die ganze Welt schickt. Auch die. Nr. folglich sucht sie Widerstand: das agressive Pathos gehört ebenso notwendig zur Stärke als das Rach. Da sind alle diese infernalischen Vorstellungen aufs neue dargestellt.

" II. damit sind wir Philosophen. inmitten unserer ungesunden Modernität. unter Umständen der Dankbarkeit. sondern Krieg. 1165/6 1169 II. Moral als Widernatur. S.. 60 61 62 63 64 65 Götzen-Dämmerung. das ist unsre Art Menschenliebe. "Nicht Zufriedenheit. der allerdings größenwahnsinnige Fantasien hat. es zu sein. Die Schwachen und Mißratenen sollen zugrunde gehn: erster Satz unsrer Menschenliebe. hier das Messer führen . wenn er ganz einfach das Buch eines anderen kritisiert und einen Federhalter führt. daß es eine Luft der Höhe ist.." (Der Antichrist.2. eine Art Karl May. Natürlich ist er ein Federhalterkrieger. Nr. "Im Gegenteil.mit einigen Seitensprüngen.2. II. weiß.1065 63 Er ist es aber nicht.966/967 Der Antichrist.1065 Ecce Homo.Nietzsche ist ein völlig normaler Durchschnittsbürger. 1165/6) 61 "Nichts ist ungesunder. und erkrankte sehr bald in dieser Höhenluft des Krieges. "-Wer die Luft meiner Schriften zu atmen weiß. obwohl er mit Sicherheit völlig unfähig wäre. Nr.. wir Hyperboreer!--" (1169) 62 ". als das christliche Mitleid.3. Krieg. II. die man bisher als tugendhaft verehrt hat. angreifen ist bei mir ein Beweis des Wohlwollens. die er führt. Fluch auf das Christentum." 1079 65 Er fühlt sich im Angriff. eine starke Luft. Nr. Nr.3.ich bin sogar eine Gegensatz-Natur zu der Art Mensch. 1066 64 Tatsächlich. sondern Macht. II." Ecce Homo. er macht aus ganz gewöhnlichen persönlichen Konflikten große Kriege: übrigens die einzigen Kriege. er lebt als völlig tugendhafter Mensch . Fluch auf das Christentum.3. Und man soll ihnen noch dazu helfen. Säbel. war er Sanitäter. Er fühlt sich als blonde Bestie. Als er am deutsch-französischen Krieg teilnahm. II. Hier Arzt sein.das gehört zu uns. S. nicht Friede überhaupt. 1066 1079 72 . Nr. hier unerbittlich sein. II.

Nr. der viele verborgene Schmutz auf dem Grunde mancher Naturen. auch die. Vor denen. Er fasziniert davon. Nr. wie schlecht die von unten riechen.Die Unreinheit des Unten-Liegenden.980/981 67 Er sieht Fäulnis. Der Ekel am Menschen. 35.1080 Götzen-Dämmerung. vielleicht in schlechtem Blut bedingt. II. 35. die schlecht riechen. Nr. wird durch das schlecht riechende Evangelium vergiftet: "Unter Umständen vergiftet eine solche aus Fäulnis gewachsene Giftbaum-Vegetation mit ihrem Dunste weithin. Die "Verbesserer" der Menschheit.das Innerlichste.rieche.1010 68 Nicht nur das Evangelium riecht schlecht. Nietzsche empfindet ständig Unreinheiten. wird mir fast bei der ersten Berührung schon bewußt...sie vergaß.980/981 67 Götzen-Dämmerung. Streifzüge eines Unzeitgemäßen.3. II. am 'Gesindel' war immer meine größte Gefahr . S.was sage ich? ... Von dem schlechten Geruch weg möchte er in die reine Luft. Streifzüge eines Unzeitgemäßen." Götzen-Dämmerung. den heiligen Augustin zum Beispiel. ihre Verwesung." II.1010 68 73 . Nr. das reine Sauberkeit sein sollte. II. das Leben. die es verbreiten: "Man lese nur irgendeinen christlichen Agitator.. um zu begreifen. S.. II. wie schlecht riecht es! " Götzen-Dämmerung. Es riecht schlecht.1080 66 Daher stinkt ihm das Christentum: "Wie armselig ist das 'Neue Testament' gegen Manu. um zu riechen. die 'Eingeweide' jeder Seele psychologisch wahrnehme . ihre Mißgebeurt. was für unsaubere Gesellen damit obenauf gekommen sind .. ihr Gift. auf Jahrtausende hin das Leben.3. Die "Verbesserer" der Menschheit. ihre Fäulnis. die Höhenluft. Die Natur hat sie vernachlässigt .. hat er Ekel: "Mir eignet eine vollkommen unheimliche Reizbarkeit des Reinlichkeits-Instinkts.. ihnen eine bescheidne Mitgift von 66 II. sodaß ich die Nähe oder .

II.1231/1232) 69 Dies.." (Der Antichrist.. II. Korruption. heilig zu lügen.. von anständigen.62. daß ein Wille über Europa durch achzehn Jahrhunderte geherrscht hat. 69 70 71 72 73 II.S.1231/1232 Der Antichrist. Die Evangelien stehen für sich.. Hierzu gehört Rasse.. II. Der Christ.. das schlecht riecht. ist der Jude noch einmal . " II.62. es sind nicht einmal Männer. . als der Kunst. diese ultima ratio der Lüge. von reinlichen Instinkten mitzugeben. um hier nicht völlig den Faden zu verlieren. Die Bibel überhaupt verträgt keinen Vergleich. II. Verwesung." (II.624 II. was Höhe hat: das Evangelium der 'Niedrigen' macht niedrig.1206/1207 74 . Im Christentum. welche Gott begraben? Riechen wir noch nichts von der göttlichen Verwesung? . II.. Die hier geradezu Genie werdende Selbstverstellung ins 'Heilige'.wie man mit dem Symbol 'Gott am Kreuze' alles Unten-Liegende.. Er erkannte daher: ". schlecht riechende Verwesung: ".dreimal selbst.. Man ist unter Juden: erster Gesichtspunkt. II. eine mehrhundertjährige jüdische allerernsthafteste Vorübung und Technik zur letzten Meisterschaft..1206 Nr. der Leichnam Gottes verwest: "Hören wir noch nichts vom Lärm der Totengräber.. aus dem Menschen eine schlimme Mißgeburt zu machen?"f Nr.1206) 70 Das aber ist Mißgeburt.achtbaren.. " (Der Antichrist.127/128 72 In den ersten christlichen Gemeinde schon riecht man diese Korruption: "Die Evangelien sind unschätzbar als Zeugnis für die bereits unaufhaltsame Korruption innerhalb der ersten Gemeinde.127/128 Der Antichrist.624 71 Auch den Tod Gottes riecht man.1206/1207) 73 Es ist der Geruch des Unten-Liegenden..auch Götter verwesen!. Unter uns.S.. den man in Paulus spürt. Schlechta.. Schlechta..S.S.scheint es denn nicht. kommt das ganze Judentum. macht einen Aufstand: "Das Christentum ist ein Aufstand alles Am-Boden-Kriechenden gegen das.

.1056/1057. . gleichsam verwesend. 74 75 Eine Mißgeburt bereitet sich vor: ". 'Das Heil kommt von den Juden. 1177/1178) 76 77 78 75 . S..jetzt ist das Gesetz tot.. so blaß. das bösartigste Attentat auf die vornehme Menschlichkeit.oder wenigstens in fortwährendem Absterben.624 1205 II.. schmutzig ist alles...' . aller ungesunden Quartiere der ganzen Welt!. 1177/1178) 78 Der Reinlichkeitsinstinkt.. Nr.624 76 Dahinter entdeckt er die schlechten Instinkte.. er blieb der Gott der Winkel. die ganze Erbschaft anarchistischer Umtriebe im Reich. Ständig verbindet er dieses schlecht-riechen mit der Verdauung und den Eingeweiden. so décadent.68. so schwach. Erstes Buch.S. zu einer ungeheuren Macht aufsummieren könne. Seine physische..1056/1057." Morgenröte. I...er blieb Jude.S.68.das Christentum hat es am grundsätzlichsten ausgesät. aus dem Menschen eine schlimme Mißgeburt zu machen?" Nr.1230 Morgenröte. und so kann nur ihr Gott sein: ". war bisher das größte. I.Dies war sein Augenblick von Damaskus:" (II.62. aber man merkt es allen seinen Büchern an. -" (1205) 77 Ungesund. Und er selbst. jetzt ist die Fleischlichkeit. tot . daß ein Wille über Europa durch achzehn Jahrhunderte geherrscht hat.scheint es denn nicht.. ein Gift: "Das Gift der Lehre 'gleiche Rechte für alle' . in der es wohnt. Die Unsterblichkeit jedem Petrus und Paulus zugestanden. II." (II. Er ist ständig mit seiner Ernährung und Verdauung beschäftigt. Nr. übrigens sehr schwache Kondition beschreibt er: 74 75 II. der Gott aller dunklen Ecken und Stellen.alles Heimlich-Aufrührerische . Erstes Buch. Er sagt es ausdrücklich im Ecce Homo. Nr.... einen Todkrieg aus den heimlichsten Winkeln schlechter Instinkte gemacht .. II.1230) ". S.62.

in München leben meine Antipoden.." 1084 "Alle Vorurteile kommen aus den Eingeweiden.." 1083. Der deutsche Geist ist eine Indigestion. von virtú im Renaissanace-Stil..wie hast gerade du dich zu ernähren. seine Hemmung." 1085 86 79 80 81 82 83 84 85 86 1084 1085 1085 1082 II. Aber er will wenigstens die Pose haben.1232) "Alkoholika sind mir nachteilig. sondern ihm dieselbe überhaupt vorenthalten kann: er bekommt sie nie zu Gesicht. Stattdessen projeziert er die Probleme seiner Eingeweide auf den deutschen Geist. die er doch so verehrt. Man muß die Größe seines Magens kennen. Seine Antipoden sind gerade jene Renaissance-Menschen. erste Voraussetzung einer guten Verdauung. nicht die des deutschen Geistes. was sein Schicksal ist. um aus einem Genie etwas Mittelmäßiges. 85 Was er uns mitteilt.. Alkohol . Was haben denn die mit solch einem Pedantismus zu tun? Er hat eine physische Kondition." 1085 79 80 81 ". er wird mit nichts fertig. seine Beschleunigung..aus betrübten Eingeweiden." 1083 82 83 84 Seine Antipoden leben nicht nur in München. Er beklagt sich über "die Herkunft des deutschen Geistes .die beiden großen Mittel der Korruption. etwas 'Deutsches' zu machen."Daß der Magen als Ganzes in Tätigkeit tritt.1232 1083 1083 1085 76 ." (II. den RenaissanceMenschen zu spielen. ein Glas Wein oder Bier des Tags reicht vollkommen aus. und wird dadurch lächerlich. weder die der Renaissance-Menschen noch der blonden Bestien. von moralinfreier Tugend zu kommen?" 1082 "Christentum. um zu deinem Maximum von Kraft." 1085 "Der klimatische Einfluß auf den Stoffwechsel. sind seine Probleme. das er eben zu ertragen hat. daß ein Fehlgriff in Ort und Klima jemanden nicht nur seiner Aufgabe entfremden. Sogar eine Genietheorie macht er daraus: "Eine zur schlechten Gewohnheit gewordene noch so kleine Eingeweide-Trägheit genügt vollständig. geht so weit. mir aus dem Leben ein 'Jammertal' zu machen .. die es ihm gar nicht erlaubt. Er posaunt genau das Gegenteil vom heraus.

.. Kranke verfolgen. kümmerlich.979/980 77 . Er ist krank. Die 'Verbesserer' der Menschheit. Die Moral hat krank gemacht: "Sowohl die Zähmung der Bestie Mensch. sie wird weniger schädlich gemacht.. sie wird durch den depressiven Affekt der Furcht. Physiologisch geredet: im Kampf mit der Bestie kann Krankmachen das einzige Mittel sein... machte man allerwärts auf die schönsten Exemplare der 'blonden Bestie' Jagd man 'verbesserte' zum Beispiel die vornehmen Germanen. Nr. wendet es gegen andere.. nichts weiß . II. sie schwach zu machen.Und das war ein Zeitgenosse Goethes! Dies Verhängnis von Spinne galt als der deutsche Philosoph . Im frühen Mittelalter.nichts wissen will. ein 'Christ'. Bei Rousseau unzweifelhaft die Geistesstörung.Realitäten freilich. Kurz. krank. durch Schmerz. 89 87 88 89 II. Kranke beleidigen.2.. Die Rankune des Kranken. wo in der Tat die Kirche vor allem eine Menagerie war. bei Voltaire eine ungewöhnliche Gesundheit und Leichtigkeit. So spricht er auch über Rousseau: "Das Krankhafte an Rousseau am meisten bewundert und nachgeahmt. sie zu verarbeiten. durch Hunger zur krankhaften Bestie. Er wendet sie agressiv gegen andere.508 Götzen-Dämmerung.. der Priester. jetzt will er krank machen.. durch Wunden. was noch stark und glücklich war. Da lag er nun. Die Zähmung eines Tieres seine 'Besserung' nennen ist in unseren Ohren beinahe ein Scherz. voller Haß gegen die Antriebe zum Leben. Die 'Verbesserer' der Menschheit. Nietzsche. der sein eigenes Schicksal vorhersieht.gilt es noch!.S. gegen sich selbst böswillig. voller Verdacht gegen alles.. ." III.Aus seiner eigenen physischen Schwäche macht der daher einen Grund zur Agression." (II.1172 III. Ganz so machtr er es mit seiner eigenen Krankheit.Nicht anders steht es mit dem gezähmten Menschen..S...508) 88 Nicht nur Kant wurde Idiot. die Zeiten seines Irrsinns auch die seiner Menschenverachtung und seines Mißtrauens.Über Kant sagt er folgendes: "Kant wurde Idiot. das macht gesund. als die Züchtung einer bestimmten Gattung Mensch ist 'Besserung' genannt worden: erst diese zoologischen Termini drücken Realitäten aus . von denen der typische 'Verbesserer'.Sie (die Bestie) wird geschwächt. und zeigt nicht die geringste Reife." Götzen-Dämmerung. Er begeistert sich an der Gesetzgebung Manus. Krank machen..1172) 87 Nicht nur Kant wurde Idiot. den der Priester 'verbessert' hat.

. II. um gesund zu bleiben: "Und wieder hatte(n) sie kein andres Mittel.Nr. als ihn krank zu machen .es war der Kampf mit der 'großen Zahl'. welches sie nötig haben. II. die Beherrschten siegen dadurch. . Insgleichen wird ihnen verboten. indem er die krank machen will. weder aus den Flüssen.980/981 90 Das hatten die Vornehmen .3. Sie sollen zu Kleidern nur Lumpen von Leichnamen haben.980/981 78 . von links nach rechts zu schreiben und sich der rechten Hand zum Schreiben zu bedienen: der Gebrauch der rechten Hand und des Von-links-nach-rechts ist bloß den Tugendhaften vorbehalten. auf deren Seite. Inzest und Verbrechen (. Die "Verbesserer" der Menschheit.Nietzsche nennt dies die "arische Humanität" .Der Erfolg einer solchen Sanitäts-Polizei bleibt nicht aus: mörderische Seuchen. die Tschandala. den Leuten von Rasse. ihn ungefährlich. die christliche Moral steht. welche durch die Fußstapfen der Tiere entstanden sind. ihre Wäsche zu waschen und sich selbst zu waschen. das ihnen aus Gnade zugestanden wird.Manu selbst sagt: 'die Tschandala sind die Frucht von Ehebruch. da das Wasser. Die "Verbesserer" der Menschheit. Die "Verbesserer" der Menschheit.979/980 Die Schlecht-weg-gekommenen. II.3. daß die 90 91 Götzen-Dämmerung. noch aus den Quellen. Nr. sondern nur aus den Zugängen zu Sümpfen und aus Löchern. die Beschneidung für die männlichen. die blonde Bestie. die an die Stelle der Zähmung tritt. die Abtragung der kleinen Schamlippen für die weiblichen Kinder anordnend. nur benutzt werden darf.980/981 91 Er war . Die "Verbesserer" der Menschheit. II. wie er glaubt.daß das Wasser.. II.. Nietzsche begeistert sich daran. jetzt besteht er auf seiner Gesundheit. den Durst zu löschen.' -" Götzen-Dämmerung..980/981 Götzen-Dämmerung..3.dies die notwendige Konsequenz des Begriffs Züchtung) . ihn schwach zu machen. wie Manu die Deklassierten seiner Gesellschaft zu behandeln vorschreibt: ".zu tun. wenn er nicht jetzt jene Schlecht-weggekommenen.3. daß sie den Vornehmen.durch die christliche Moral krank geworden.wenigstens indirekt . Sehr konkret scheint Nietzsche davon überzeugt zu sein. scheußliche Geschlechtskrankheiten und daraufhin wieder 'das Gesetz des Messers'. Es ist ihnen verboten." Götzen-Dämmerung. . krank machen. Der Vornehme kann sich nicht wehren. Nr. krank macht.2.. Das ist die Züchtung. Nr. Nr. noch aus den Teichen genommen werden dürfe.

die höchste Formel der Bejahung. Ausbeutung . sucht Höhenluft: "-Wer die Luft meiner Schriften zu atmen weiß. die überhaupt erreicht werden kann -.1. Nicht nur die Natur. erhebt.am größten.1. II. S.1128 III.Unrecht. II. eine starke Luft. der Ewige-Widerkunfts-Gedanke." III. Für den Höheren wird alles zum Sklaven.3. Als sprach Zarathustra. Wer so sehr vom schlechten Geruch verfolgt wird.3. wo der Mensch Kraft im Überfluß zu Diensten hat: die Wissenschaft ist darauf aus. diese Sklaverei der Natur herbeizuführen. Nr. Nr. Die. die schlecht riechen. 92 93 94 95 Ecce Homo. die Unten-Liegenden. mit der Unterschrift: '6000 Fuß jenseits von Mensch und Zeit'. 1066 Ecce homo." Ecce Homo. zu etwas Neuem. Lüge.861 III. denn es ist das Höhere: Nietzsche verkündet die Tierwerdung des Menschen. werden zu Sklaven. Nr.861 94 Der Mensch wird zu etwas Höherem. Dann bekommt der Mensch Muße: sich selbst auszubilden.859 95 Das Tier muß heraus. er wird es dadurch.christliche Moral ihn krank gemacht hat. die natürlich überhaupt nicht realisieren kann: "Im großen Menschen sind die spezifischen Eigenschaften des Lebens . Die Grundkonzeption des Werks. Höherem. weiß. 1066 92 In dieser Höhenluft entstand der Ewige-Widerkunfts-Gedanke: "Ich erzähle nunmehr die Geschichte des Zarathustra.859 79 . Neue Aristokratie. daß er sich über die Niedrigen. daß es eine Luft der Höhe ist. ebenso alle Menschen und unter ihnen besonders die Frauen: "Es kommt der Zeitpunkt.1128 93 In dieser Höhenluft genießt er seine Vornehmheit. " III. " Ecce homo. gehört in den August des Jahres 1881: er ist auf ein Blatt hingeworfen. Die Höhenluft. II. Als sprach Zarathustra. Nr. II. Der höhere Mensch ist der Barbar. S.

690 I.. II. das Tier muß wieder heraus. und den längsten Willen garantieren können. II. Von Bertold Brecht gibt es hierzu eine Persiflage. was Nietzsche sagt.250 97 98 Dies ist der kategoriale Rahmen.. Die vornehmen Rassen sind es. in dem Nietzsche philosophiert. . wo sie gegangen sind. es bedarf für diesen verborgenen Grund von Zeit zu Zeit der Entladung." sind die Titel. Im Lied von Orge. die prachtvoll nach Beute und Sieg lüstern schweifende blonde Bestie nicht zu verkennen . Sie stammt von Nietzsche. S." "Warum ich so klug bin. die eine direkte Antwort darauf ist." Erste Abhandlung."Auf dem Grunde aller dieser vornehmen Rassen ist das Raubtier.690 97 "Sozialismus oder Barbarei". ist das genaue Gegenteil dessen. Er verfällt in die Orgie einer seinen Fantastereien entsprechenden Eitelkeit. die der größten Härte gegen sich selber fähig sind. diese Alternative stammt nicht aus den 30er Jahren und auch nicht von Adorno oder Horkheimer. Eine herrschaftliche Rasse kann nur aus furchbaren und gewaltsamen Anfängen emporwachsen. das ist jetzt seine Lösung.11. Barbarei statt Sozialismus. in diesem Bedürfnis sind sie sich alle gleich. Problem: wo sind die Barbaren des zwanzigsten Jahrhunderts? Offenbar werden sie erst nach ungeheuren sozialistischen Krisen sichtbar werden und sich konsolidieren es werden die Elemente sein. Nr." "Warum ich so gute Bücher schreibe." I. sagt uns aber zumindest: "daß jeder Mann gerade so viel Eitelkeit hat. S. Diese Höhenluft verursacht bei ihm den Höhenkater. das Baal singt. den er auf Erden hab/ sei nicht die Rasenbank am 99 80 . als es ihm an Verstande fehlt. muß wieder in die Wildnis zurück . Nr..11.." III.786 96 Und jetzt will Nietzsche zuschlagen: "Um sich aus jenem Chaos zu dieser Gestaltung emporzukämpfen dazu bedarf es einer Nötigung: man muß die Wahl haben. unter denen er solche Sachen vorlegt.786 III. die den Begriff 'Barbar' auf all den Spuren hinterlassen haben. entweder zugrunde zu gehn oder sich durchzusetzen. die er ohne jede Selbstironie ausposaunt: "Warum ich so weise bin. zu hören: "Orge sagte mir: Der liebste Ort.250 98 99 96 Erste Abhandlung.

sei kein Hurenbett/ Und nicht ein Schoß. Frohe. 1205 81 . zu hören: "Orge sagte mir: Der liebste Ort. Hochherzige auf Erden. wo man zufrieden ist/ daß drüber Sterne sind und drunter Mist./ Ein Ort der Demut. Szene: In der Branntweinschenke. Fluch auf das Christentum.Dies ist der kategoriale Rahmen./ Orge sagte mir: der liebste Ort/ auf Erden sei ihm der Abort. II. in dem Nietzsche philosophiert. die Vornehmen. Von Bertold Brecht gibt es hierzu eine Persiflage. er. Bertold: Baal. Bertold: Baal. war bisher das größte. Die Unsterblichkeit jedem Petrus und Paulus zugestanden. der sich jetzt als der Vornehme. was Nietzsche sagt./ Orge sagte mir: der liebste Ort/ auf Erden sei ihm der Abort. Der Aufstand gegen die Gleichheit. als Ergebnis von Neid und Ressentiment./ Ein Ort der Demut. II. der Hochherzige gegen sie stellt: Wir. Die Vornehmen. weich. der nichts behalten darf. zu jedem Wachstum der Kultur einen Todkrieg aus den heimlichsten Winkeln schlechter Instinkte gemacht . -" (Der Antichrist. die eine direkte Antwort darauf ist. das bösartigste Attentat auf die vornehme Menschlichkeit. das Christentum hat jedem Ehrfurchtsund Distanz-Gefühl zwischen Mensch und Mensch. wo man zufrieden ist/ daß drüber Sterne sind und drunter Mist. Nietzsche spricht von der menschlichen Gleichheitsforderung als einem großen Entsetzen. dort erkennst du scharf:/ Daß du ein Mensch nur bist. ist das genaue Gegenteil dessen./ Sei nicht ein Beichtstuhl. warm und fett. 1205) 100 Er erträgt es nicht. den er auf Erden hab/ sei nicht die Rasenbank am Elterngrab. das Baal singt. warm und fett." Brecht. als einer Katastrophe für die Menschheit. gegen alles Vornehme. dort erkennst du scharf:/ Daß du ein Mensch nur bist./ Dies sei ein Ort. die "Unsterblichkeit jedem Petrus und Paulus" zuzugestehen./ Sei nicht ein Beichtstuhl./ Dies sei ein Ort. als Bedrohung aller Kultur: "Das Gift der Lehre 'gleiche Rechte für alle' .. gegen unser Glück auf Erden. das heißt die Voraussetzung zu jeder Erhöhung. sei kein Hurenbett/ Und nicht ein Schoß." Brecht. Szene: In der Branntweinschenke. der nichts behalten darf. das sind er und Elterngrab. 100 Der Antichrist. als Folge niedriger Instinkte. Im Lied von Orge.es hat aus dem ressentiment der Massen sich die Hauptwaffe geschmiedet gegen uns. weich.das Christentum hat es am grundsätzlichsten ausgesät. Fluch auf das Christentum. .

Schlechta. glauben sie. schließen sie. die Blut vergießen und Verbrechen begehen wollen. der Genie-gewordene Tschandala-Haß gegen Rom.das Christentum ist es. sprechen jetzt die Sprache einer angeblichen Vornehmheit. man zweifle nicht daran. es ist er. Lebensverneinung und Höllenglauben: "Paulus.. Schlechta. II.. Anarchie. wie man mit Hilfe der kleinen sektiererischen Christen-Bewegung abseits des Judentums einen 101 Der Antichrist. Christentum. Es ist ganz biedere Mittelklasse. Aristokraten zu sein. den status der Vornehmheit annehmen zu müssen und das nur dadurch tun zu können glauben. Sie können ihr Ressentiment nicht beherrschen und projektieren es folglich in die anderen. der Fleisch-.1206) 101 Sie. der wegen Gesundheitsproblemen frühpensioniert ist. der Jude. Judentum. Daraus.. christliche Werturteile sind es. die die Anerkennung des andern nicht ertragen können. die im Namen einer Analyse der Vergangenheit jene Vorstellung schafft. Indem sie das tun. Die Vornehmen sind alles ganz gewöhnliche Leute. daß Menschen ihre Menschenwürde verlangen. die sich bedroht fühlen dadurch.S." (Der Antichrist.. welche jede Revolution bloß in Blut und Verbrechen übersetzt! Das Christentum ist ein Aufstand alles Am-Boden-Kriechenden gegen das. projektieren in diejenigen. Was er erriet.die. Es entsteht dann eine Verbindung. Unsterblichkeitsglauben. gegen die 'Welt'. Mitglied der Erziehungsbürokratie seines Landes. den anderen als Person anzuerkennen. die jetzt glauben. um die Kultur zu fördern.. daß jede Kultur bisher auch barbarisch gewesen ist. wenn auch nur in ihrer Phantasie. das war. zu denen er spricht. fehlt diesen "Vornehmen" aber völlig. die darin besteht. II. die angeblich unter ihnen stehen. werfen jetzt der Gleichheitsforderung vor. inneren Umtrieben. daß sie anderen diesen status bestreiten. wenden sich gegen die Niedrigen.S. die doch in der Gesellschaftsskala keineswegs besonders oben stehen. und wenn der Glaube an das 'Vorrecht der Meisten' Revolutionen macht und machen wird . gegen die sich Nietzsches Aufstand richtet: die Verbindung von Gleichheit aller Menschen. Sie. der ewige Jude par excellence. was Höhe hat: das Evangelium der 'Niedrigen' macht niedrig.1206 82 . daß sie "jede Revolution bloß in Blut und Verbrechen übersetzt". den Neid und das Ressentiment. Die Vornehmheit. Sie. Sie. Dabei kennen sie sicher überhaupt keine Aristokraten: "Der Aristokratismus der Gesinnung wurde durch die SeelenGleichheits-Lüge am unterirdischsten untergraben. daß man Barbar werden muß. Sie wollen Sklaven haben.

sobald einmal die Kluft zwischen Juden und Judenchristen sich aufriß.. als dieselben Prozeduren der Selbsterhaltung. daß er den Unsterblichkeits-Glauben nötig hatte. Die "Vornehmen" haben sicher auch sehr viel mit der Erfindung der Hölle zu tun. gegen die Juden selber" an. das reimt sich nicht bloß. Schon Cicero in seinen anticatilinarischen Reden droht den Anhängern des Aufstands von Catilina mit ewigen Höllenstrafen. gegen die Juden selber anzuwenden... als eine Bekehrung Roms durch das Chruiastentum. Der Christ ist nur eine Jude 'freieren' Bekenntnisses. alles Heimlich-Aufrührerische." (S.daß man mit dem 'Jenseits' das Leben tötet. sie 102 S..' .'Weltbrand' entzünden könne.1230) 102 Dabei spielen auch Tatsachen gar keine Rolle: Paulus ist unter allen Aposteln derjenige. mit einer vollkommen unheimlichen Bewußtheit das Sein um jeden Preis vorgezogen haben: dieser Preis war die radikale Fälschung aller Natur. rassenverwandte Art von Größenwahn in der Welt war. selbst am Antisemitismus. daß schon eine verwandte. blieb letzteren gar keine Wahl..Dies war sein Augenblick von Damaskus: er begriff. sieht Nietzsche noch diese jüdische Wurzel. wie man mit dem Symbol 'Gott am Kreuze' alles Unten-Liegende. daß der Begriff 'Hölle' über Rom noch Herr wird .1208 83 . aller Realität. Nietzsche verbindet dies mit der antisemitischen Tradition: "Das ganze Verhängnis wurde dadurch allein ermöglicht. vor die Frage von Sein und Nichtsein gestellt. Die Juden bekommen jetzt die Schuld an allem.... Es wendet das. der ganz sicher nicht an eine Hölle geglaubt hat. das in geradezu bewundernswerterweise die Menschheit verdorben hat: "Die Juden sind das merkwürdigste Volk der Weltgeschichte. Rom hingegen glaubte an die Hölle. den Nietzsche..-" (S.1230 103S. Nihilist und Christ: das reimt sich. weil sie. die ganze Erbschaft anarchistischer Umtriebe im Reich . zu einer ungeheuren Macht aufsummieren könne.. die der jüdische Instinkt anriet. so wie er ihn vorfand. aller Natürlichkeit. der ganzen inneren Welt so gut als der äußeren. wie ihn das Christentum begründet hatte. der jüdische. während die Juden sie bisher bloß gegen alles Nicht-Jüdische angewendet hatten.1208) 103 Selbst im Antisemitismus. Die Juden werden daher von Nietzsche zu jenem Volk hochstilisiert. 'Das Heil kommt von den Juden. was "der jüdische Instinkt anriet. um 'die Welt' zu entwerten. für ein jüdisches Produkt hielt. Die Höllenvorstellung im Christentum ist wohl eher eine Bekehrung des Christentums durch Rom.

den er verachtet . S. Alkohol . welche heute ihre Augen christlich-arisch-biedermännisch verdrehn und durch einen jede Geduld erschöpfenden Mißbrauch des wohlfeilsten Agitationsmittels..haben.60. der Gott ist. Dritte Abhandlung: Was bedeuten assketische Ideale? Nr. oder man ist es nicht." (1184) 104 Diese Radikalität der Bosheit ist so groß. 19. der moralischen Attitüde. es steht niemandem frei.. die Religion. der Reihe nach. diese neuesten Spekulanten in Idealismus.. S. Nr. 106 Der Antichrist. Nr. Entweder ist man ein Tschandala.die beiden großen Mittel der Korruption. Nach dieser christlich-orthodoxen Vorstellung hat Jesus alle Menschen erlöst. 104 105 1184) Nietzsche. so wenig als angesichts eines Arabers und eines Juden... Die Juden sind damit das verhängnisvollste Volk der Weltgeschichte. daß Nietzsche selbst den Antisemitismus seiner Zeit . Dieser Antisemitismus stammt ja gerade aus der Inversion der Gleichheit. den Aufstand gegen die Gleichheit mit dem Antisemitismus zu verbinden. Friedrich: Zur Genealogie der Moral. ".. und Jesus.1232/1233) 105 106 Für die Kritik der Gleichheit ist diese Neubegründung des Antisemitismus durch Nietzsche und seine überaus heftige Reaktion gegen den Antisemitismus seiner Zeit besonders erhellend. in ihrer Nachwirkung haben sie die Menschheit dermaßen falsch gemacht. den Nietzsche vertritt. die Geschichte. den Kultus.als letzte jüdische Konsequenz ansieht. sodaß vor Gott eben alle Menschen gleich sind. Dritte Abhandlung: Was bedeuten assketische Ideale? Nr. hier noch frei zu wählen. Friedrich: Zur Genealogie der Moral. II. 19.. die Moral. ohne sich als die letzte jüdische Konsequenz zu verstehn. II." Nietzsche.. "Christentum. " (Der Antichrist. Nur so ist es ihm möglich. wie sie im Christentum vorgenommen wurde und sist daher Teil der Gleichheitsvorstellung. die Antisemiten. Die Entscheidung ist gegeben. ist er tatsächlich völlig unvereinbar mit dem Aufstand gegen die Gleichheit.. angesichts von Islam und Christentum.ich mag sie nicht. alle HornviehElemente des Volkes aufzuregen suchen. Soweit dieser Antisemitismus aus der christlichen Tradition stammt. An sich sollte es ja wohl keine Wahl geben. daß heute noch der Christ anti-jüdisch fühlen kann.60.1232/1233 84 ... Er wird gerade dadurch zum Begründer eines völlig neuen Antisemitismus. die Psychologie auf eine unheilbare Weise in den Widerspruch zu deren Natur-Werten umgedreht. Die Juden aber haben diese Erlösung nicht angenommen.

Diese Tat ist ihnen immer noch ferner als die fernsten Gestirne . Da sie diese aber ablehnen. Daß sie Gott getötet haben . Hören wir noch nichts vom Lärm der Totengräber. daß der tolle Mensch desselbigen Tages in verschiedenen Kirchen eingedrungen sei und darin sein Requiem aeternam deo angestimmt habe. ablehnen.. welche Gott begraben? Riechen wir noch nichts von der göttlichen Verwesung? .und doch haben sie dieselbe getan!' . die abgetragen werden muß. Aber sie sind zur Erlösung berufen wie alle anderen Menschen auch. wie er ihn in "Die fröhliche Wissenschaft" unter dem Titel "Der tolle Mensch" darstellt: "'Wohin ist Gott?' rief er. Sie werden verurteilt im Namen der Erlösung aller Menschen. sowohl die Erlösung als auch den Mord Gottes zu betrachten. in der auch die Juden erlöst sein könnten. Sie haben Gott getötet...den Gott der Erlösung aller Menschen .Man erzählt nur noch. Aber in der orthodoxen Theologie ist dieser Mord immer eine Schuld. nicht an dieser Erlösung teilnehmen zu wollen.ihr und ich! Wir alle sind seine Mörder! Aber wie haben wir dies gemacht?.getötet. indem sie die Juden denunziert. Ihre Ungleichheit wird ja gerade aus der Gleichheit aller begründet. Bei Nietzsche führt dies zu seiner Vorstellung vom Tod Gottes. Wörtlich genommen. muß man diesen Antisemitismus samt aller antisemitischen Ideologien. die ihn in säkularisierter Form weiterführen. die Gott gemordet haben.. sondern "Wir alle sind seine Mörder".'" 127/128 107 Hier ist jetzt die klassisch-orthodoxe christliche Vorstellung vom Gottesmord völlig umgedreht. wenn sie nicht die Grüfte und Grabmäler Gottes sind. Wenn man wie Nietzsche die Gleichheit selbst zum Feind erklärt.. So entsteht jetzt eine neue Form.es ist noch nicht bis zu den Ohren der Menschen gedrungen. Hinausgeführt und zur Rede gesetzt. habe er immer nur dies entgegnet: 'Was sind denn diese Kirchen noch. Es sind nicht mehr die Juden. Wie trösten wir uns. indem sie Christus töteten. Dies ist eine Verurteilung der Juden. Sie wird antisemitisch.. um schließlich doch noch an der Erlösung durch den auferstandenen Gott teilzunehmen. die Mörder aller Mörder?. 107 127/128 85 .ist der Grund für die Verurteilung.. Aber sie geschieht ja gerade im Namen einer Gleichheitsideologie. könnte dies auch die orthodoxe Theologie sagen. werden sie verurteilt.auch Götter verwesen!. 'ich will es euch sagen! Wir haben ihn getötet . Dies ungeheure Ereignis ist noch unterwegs und wandert .

und man riecht den Geruch dieser göttlichen Verwesung.wir müssen auch noch seinen Schatten besiegen!" 115 108 Gott ist tot. das Christentum. das der Glaube an diesen Gott bedeutet hat. die diesen Schatten Gottes weiter erhalten: das Judentum. Seine Leiche ist doch noch über der Erde. "Gott ist tot" bedeutet jetzt. Um seinen Schatten zu besiegen. überhaupt alles. muß man jetzt diejenigen besiegen. Das Verbrechen. Gott ist tot: aber so wie die Art der Menschen ist. dessen Schatten aber noch besiegt werden muß. aber wir müssen noch seinen Schatten besiegen. können daher nicht die Juden sein. den wir jetzt getötet haben.Und wir . Gott getötet zu haben. das dieser Antisemitismus verfolgt. Daher ist auch die Gleichheit tot. zeigte man noch jahrhundertelang seinen Schatten in einer Höhle . Der Tod Gottes ist jetzt der Tod der Gleichheit und dasher der Tod der Moral der Gleichheit. Ihn getötet zu haben. ihn geschaffen zu haben und weiterzuführen. indem man weiterhin die menschliche Gleichheit vertritt: "Ihr höheren Mernschen.wobei das Judentum die Wurzel des Übels ist . Er wird begraben. wohlan! Der Pöbel aber blinzelt 'wir sind alle gleich'. ein ungeheures Ereignis. Es ergibt sich ein Antisemitismus. der nicht mehr den Juden als Gottesmörder anklagt. Der Tod Gottes ist ja gerade die Erklärung einer Befreiung der Menschheit vom Judentum. ist eine Heldentat. dies aber dauert lange. 108 115 86 . man riecht es. Aber er ist noch nicht begraben. daß es diesen Gott überhaupt gegeben hat. wird es vielleicht noch jahrtausendelang Höhlen geben. Sie haben diesen Gott geschaffen. ist tot. "Nachdem Buddha tot war.haben diesen Gott geschaffen und am Leben erhalten. vor dem alle Menschen gleich sind. . und schon gar nicht Anarchisten oder Sozialisten. ist nicht. Die diesen Gott getötet haben. Denn alle diese . daß seine Zeit vorbei ist. Er verwest. den Anarchismus. das den Übergang in eine neue Geschichte beschreibt. sondern als Schöpfer und Erhalter eines Gottes. Jetzt aber ist er tot und "Wir alle sind seine Mörder". das Ereignis ist nicht abgeschlossen. Und wollt ihr dort reden.einen ungeheuren schauerlichen Schatten. auch nicht die Christen. in denen man seinen Schatten zeigt. was sich auf die menschliche Gleichheit gründet. Die Juden werden jetzt ganz anders gesehen: sie sind schuld daran. Sie sind die Begründer des Verhängnisses. dies lernt von mir: auf dem Markt glaubt niemand an höhere Menschen. Der Gott.Dies ist bei Nietzsche jetzt anders. Christentum und Sozialismus. Das Verbrechen ist. der schon tot ist.

Sein Tod ist die Auferstehung der "höheren Menschen". Aber der Pöbel glaubt es nicht. Nun erst kreißt der Berg der Menschen-Zukunft.wie als Also sprach Zarathrustra. Vom höheren Menschen. und daher kann er ohne Probleme Christentum und Atheismus auseinander ableiten: "Die Religionen gehen am Glauben an die Moral zugrunde. seid ihr wieder auferstanden. sich einen Gott 'jenseits von Gut und Böse' zu denken? Wäre ein Pantheismus in diesem Sinne möglich? Bringen wir die Zweckvorstellungen aus dem Prozesse weg und bejahen wir trotzdem den Prozeß? .Das wäre der Fall. Hat es einen Sinn.Nun aber starb dieser Gott.. Vierter Teil. wenn etwas innerhalb jenes Prozesses in jedem Momente desselben erreicht würde .853/854 87 . Vor dem Pöbel aber wollen wir nicht gleich sein. Es ist der Tod der Gleichheit aller Menschen im Namen des "höheren Menschen". II.'es gibt keine höheren Menschen..Nun aber starb dieser Gott! Ihr höheren Menschen. ob der Anarchismus oder Sozialismus atheistisch sind oder nicht. nun erst wird der höhere Mensch . Seit er im Grabe liegt. Spinoza gewann eine solche bejahende Stellung. Keineswegs geht es um die Behauptung.'Ihr höheren Menschen' .so blinzelt der Pöbel .853/854 110 Es geht darum. Eine solche Behauptung hätte für Nietzsche überhaupt keinen Sinn. daß es keinen Gott gibt. Ihr höheren Menschen. Mensch ist Mensch. Der christlich-moralische Gott ist nicht haltbar: folglich 'Atheismus' .sind wir alle gleich!' Vor Gott! . Daher interessiert es Nietzsche überhaupt nicht. Nun erst kommt der große Mittag. damit der Tod Gottes sich durchsetzen kann. insofern jeder Moment eine logische Notwendigkeit hat: und er triumphierte mit seinem logischen Grundinstinkt über eine solche Weltbeschaffenheit.daß der Übermensch lebe. Aus diesem Gott sind sie entstanden. Man muß darum kämpfen.und immer das Gleiche. II. Es geht ausschließlich um den Gott der menschlichen Gleichheit: "Im Grunde ist ja nur der moralische Gott überwunden. Vom höheren Menschen." III. der eben der Gott der Gleichheit aller Menschen ist. wir sind alle gleich. Vierter Teil. dieser Gott war eure größte Gefahr." Also sprach Zarathrustra. vor Gott .Herr!. geht weg vom Markt! Vor Gott! . Gott starb: nun wollen wir . 522/523 109 Gott ist tot. diesen Gott zu überwinden. Dabei hat diese These vom Tod Gottes durchaus keine atheistische Absicht. 522/523 109 110 III.

In der Tat.496 Nr..496 p." Nr." Nietzsche sucht vielmehr andere Götter: 111 III.sie ist eine bald heimliche..1178/1179) 113 Nietzsche wird daher die Schuldigen suchen dafür. .und so lange werden sie Volkksgötter sein -. das noch an sich selbst glaubt. die bisher gelehrt. fast jede Moral. sein Machtgefühl in ein Wesen. die man ihnen am Gottesmord zusprach: es ist die Schuld. seine Tugenden. ist eine Form der Dankbarkeit.sie haben seitdem keinen Gott mehr geschaffen.. es gibt keine andre Alternative für Götter: entweder sind sie der Wille zur Macht . Religion. Gott am Leben zu erhalten.16. bald laute und frische Verurteilung dieser Instinkte. II. um zu opfern. dem man dafür dfanken kann.. Daher sind wieder die Juden daran Schuld. Man ist für sich selber dankbar: dazu braucht man einen Gott. des creator spiritus im Menschen..967/968 114 Wo die Gleichheit erscheint. oder aber die Ohnmacht zur Macht . will abgeben.. Nr. ist von einem Instinkt des Lebens beherrscht -.4..16. hört das Leben auf. hat auch noch seinen eignen Gott. Zwei Jahrtausende beinahe und nicht ein einziger neuer Gott! Sondern immer noch und wie zu Recht bestehend. ...111 "Ein Volk. wendet sich umgekehrt gerade gegen die Instinkte des Lebens . Denn wo Gott lebt. Hier kommt dann eine Schuld der Juden zum Ausdruck. Das Leben ist zu Ende. das heißt jede gesunde Moral... II.1178/1179 Götzen-Dämmerung. wie ein ultimatum und maximum der gottbildenden Kraft. Moral als Widernatur. daß die Erlösung von der Erlösung nicht stattfindet. das heißt.. Wer reich ist. In ihm verehrt es Bedingungen. verehrt und gepredigt worden ist. Die widernatürliche Moral. Denn das Leben ist zu Ende. ein stolzes Volk braucht einen Gott.1176 112 Daher auch sein Ausruf: ". innerhalb solcher Voraussetzungen. II." Götzen-Dämmerung. kann der "höhere Mensch" nicht leben.1176 II.ob es keine andere Art Götter geben könne. daß dieser Gott weiterexistiert. Mit dem Anspruch auf 111 112 113 114 III. durch die es obenauf ist. wo das Reich Gottes beginnt: "Jeder Naturalismus in der Moral.. Moral als Widernatur.es projeziert seine Lust an sich.. dieser erbarmungswürdige Gott des christlichen Monotono-Theismus!" (II.967/968 88 .und dann werden sie notwendig gut. die schlimmer ist als die Schuld. wo das 'Reich Gottes' anfängt.4. II. Nr.

die die Moral der Niedrigen ist. die Juden.7. Die Juden sind es gewesen. ihr werdet auch ewig die Unseligen. II. 'die Machthaber' getan worden ist. Erste Abhandlung. wer die Erbschaft dieser jüdischen Umwertung gemacht hat. was die Juden gegen sie getan haben. nämlich 'die Elenden sind allein die Guten. Ohnmächtigen. gegenüber dem alle gleich sind. die einzig Gottseligen. Man weiß.. Dies Gewissen mit seinem Sündengefühl behandelt Nietzsche als die große Krankheit. 'die Gewaltigen'.. Moral und Gewissen. Daher sieht er die Moral als "Sklavenaufstand".. Niedrigen sind allein die Guten. Dadurch macht sie sie krank und zerstört ihre Lebenskraft. indem man ihre Werte umwertete. Daher kann man mit Gott nicht leben.7. für sie allein gibt es Seligkeit . Nr.. die sich durchsetzen. ihr Vornehmen und Gewaltigen. die Armen. die Leidenden.779/780 89 . der gesiegt hat: 115 Zur Genealogie der Moral. Hier wurzelt daher das Sündengefühl. ist nicht der Rede wert im Vergleich mit dem. die Grausamen. "Alles. die Gottlosen. was auf Erden gegen 'die Vornehmen'.die Gleichheit aller Menschen kann man nicht leben.. die Unersättlichen. Folglich sind sie unterworfen von einer Moral. Kranken. die diese Moral verursacht. unterwirft sich die Vornehmen und die Herren. Entbehrenden. 'die Herren'. das sich an seinen Feinden und Überwältigern zuletzt nur durch eine radikale Umwertung von deren Werten." Zur Genealogie der Moral. Verfluchten und Verdammten sein!.779/780 115 Die Umkehrung der Werte. Erste Abhandlung. S. S. also durch einen Akt geistigster Rache Genugtuung zu schaffen wußte. Nietzsche führt die Entstehung des Gewissens auf die Ethik der Gleichheit aller Menschen zurück. die Lüsternen. das in bezug auf einen Gott entsteht. Häßlichen sind auch die einzig Frommen. Eine Krankheit.dagegen ihr. II. von der die Menschheit befallen wurde. ihr seid in alle Ewigkeit die Bösen.. indem sie ihrer Machtausübung ein schlechtes Gewissen gibt. jenes priesterliche Volk. die gegen die aristokratische Wertgleichung (gut= vornehm = mächtig = Schön = glücklich = gottgeliebt) mit einer furchteinflößenden Folgerichtigkeit die Umkehrung gewagt und mit den Zähnen des abgründlichsten Hasses (des Hasses der Ohnmacht) festgehalten haben. Sie fühlen sich als Sünder und können ihre Macht nur noch ausüben im Namen der Tugend und der Moral selbst. die den Vornehmen angetan worden ist. Nr.

Aber sie wollen Macht. dennoch siegen zu können. II. 116 117 Erste Abhandlung.. wenn sie den Herrscher moralisch bezwingen.siegreich gewesen ist. um Macht haben zu können. II. die sich nur durch imaginäre Rache schadlos halten.782 117 Ihnen ist "die eigentliche Reaktion. die der Tat. Die Beherrschten können nur Macht bekommen. die der Krieger und die der Ackerbauern. Erste Abhandlung. weil er . Nr10. Aus dieser Willkür der Herrschenden stammt die Kultur. der sich dadurch auszeichnet. S. Erste Abhandlung. Das Ressentiment gebiert jetzt Werte. Nietzsche konzipiert eine Geschichtstriade. nachdem ihnen zwei Kasten. sie sind in diesem Sinne die 'Verschnittenen': sie haben den Priester und dann sofort den Tschandala. sich durchzusetzen. Nr7. versagt ist. verlorengegangen sind. die Beherrschten aber nicht. denen die eigentliche Reaktion. Gelingt es ihnen. Nr10. jener Rache. damit aber das Ressentiment. die in diesem Krieg verloren haben und ihn immer wieder verlieren werden. Daher entsteht in ihnen das Rachegefühl. S. Die Beherrschten sind ja gerade die. "-Der Sklavenaufstand in der Moral beginnt damit. welcher eine zweitausendjähriege Geschichte hinter sich hat und der uns heute nur deshalb aus den Augen gerückt ist. daß er Unrecht tut.782 90 . daß das Ressentiment selbst schöpferisch wird und Werte gebiert : das Ressentiment solcher Wesen.. die allerdings sich den Herrschern nicht mit denselben Mitteln entgegenstellen können. die im Judentum entstanden ist. II. Sie trifft aber schließlich auf den Widerstand der Beherrschten. die der Tat. die sie mit den Mitteln der Macht nicht haben können.780 Zur Genealogie der Moral. die dieses Mittel.". Folglich schaffen sie die Werte der Gleichheit aller Menschen. mit denen diese die Herrschaft errungen haben. wenn er seine Herrschaft ausübt. in der es einen ursprünglichen Zustand gibt. Dies Mittel ist der Krieg zwischen den Vornehmen." Erste Abhandlung. zuz einem erfolgreichen Instrument gestalteten: "Die Juden machen den Versuch. ihn also überzeugen. weil sie verlieren. II. Nur die Herren haben eine Stimme. daß die Herrschaft durch keine Moral der Beherrschten beschränkt ist.daß nämlich mit den Juden der Sklavenaufstand in der Moral beginnt: jener Aufstand.7. Dies aber ist die Tat der Juden. wenn die Mittel der Tat gelten. Folglich muß ihr Aufstand gegen die Herrschaft ein Aufstand der Moral sein. S." Zur Genealogie der Moral.780 116 Dieser ist aus der Rache geboren.. und aus dem Ressentiment der Vorwurf gegen die Herrschenden. Nr.. so können sie sich die Herrschenden unterwerfen. versagt".

"Psychologisch nachgerechnet. ist das jüdische Volk ein Volk der zähesten Lebenskraft. Hierin besteht das Genie der Juden. das sich als stärker herausstellt als die Tat der Vornehmen.696 Der Antichrist. Da sie es nicht durch die Tat konnten. daß ihm ein Gewissen eingeimpft wird. Sie wollten siegen. zu einem Aufbruch der Tschandala: der Ursprung des Christentums. durch die Moral. um herrschen zu können. das dann zum Sieg über die Herrschenden führt. das die Moral entwickelte. krank dadurch. eine priesterliche Art. daß er die Vornehmen durch das Gewissen krank macht. um aus ihnen etwas zu schaffen. décadence-Instinkte annimmt . sie haben sich mit einem non plus ultra des schauspielerischen Genies. um die Welt zu beherrschen dadurch.1184/1185 119 Die Juden sind keine décadence. Nietzsche behauptet sogar. Nietzsche kann daher geradezu bewundernd über die Juden sprechen. welches.696 118 Sie sind diejenigen. der hier über den Krieger siegt. II.Wie billig kommt es bei ihnen zu einem Bruch.nicht als von ihnen beherrscht. das stärker ist als jede Ja-sagende Partei des Lebens. Es ist der Priester. Die Moral der Gleichheit aller Menschen ein Instrument der Macht. indem sie Moral benützen. die Menschheit krank zu machen und die Begriffe 'gut' und 'böse'. 118 119 III. an die Spitze aller décadence-Bewegungen zu stellen gewußt (-als Christentum des Paulus-). die zur Erhebung der Beherrschten. daß sie sich ihm im Kampf stellen. 'wahr' und 'falsch' in einem lebensgefährlichen und weltverleumderischen Sinn umzudrehn. Die Juden sind das Gegenstück aller décadents: sie haben sie darstellen müssen bis zur Illusion.und Christentum zur Macht verlangende Art von Mensch. und als Mittel ihres Willens zur Macht einsetzten. Dasselbe sieht Nietzsche im Christentum wirken. Sie sind effektiver Gegenpol der Vornehmen." III. nur Mittel: diese Art von Mensch hat ein Lebens-Interesse daran. die das Modell geben. daß sie dies als Methode entdeckten. taten sie es als Priester. Die décadence ist. sondern weil es in ihnen eine Macht erriet. unter unmögliche Bedingungen versetzt. Sie siegen über den Vornehmen nicht dadurch. sondern ein Volk höchster Lebenskraft. II. die um die Macht kämpfen.-" Der Antichrist. mit der man sich gegen 'die Welt' durchsetzen kann. sondern indem sie ihn krank machen. der Schlecht-weg-gekommenen führt. für die im Juden.1184/1185 91 . Rache nehmen an den Herren. die hierdurch die Umwertung aller Werte der Vornehmen durchsetzen konnten. Es handelt sich um ein Instrument der Macht.

Vielerlei. "Die Juden sind aber ohne allen Zweifel die stärkste." Nr. sie zeigen aber jetzt nur an. II. zäheste und reinste Rasse. wie im christlichen Religionsunterricht bewundernd über Luzifer gesprochen wird: der höchste der Engel. 'sinnlich' in eins geschmolzen und zum ersten Male das Wort 'Welt' als Schandwort gemünzt.. das vom Besten und Schlimmsten zugleich ist: den großen Stil in der Moral.716 Nr.653 Nr. ist immer auch das Schlimme. von einer Schönheit und Klugheut und Macht. unendlicher Bedeutungen. wie sie selbst sagen und glauben .vielleicht verglüht. Ganz so spricht Nietzsche über die Juden.dankbar. Gutes und Schlimmes. liegt die Bedeutung des jüdischen Volkes: mit ihm beginnt der Sklavenaufstand in der Moral. 'gewalttätig'..653 Nr. in deren Nachschimmer heute der Himmel unsrer europäischen Kultur. sie verstehen es. 'das auserwählte Volk unter den Völkern'. die Furchtbarkeit und Majestät unendlicher Forderungen." II. vermöge irgendwelcher Tugenden. Sie sind wie der Luzifer für das orthodoxe Christentum: das Gute das sie haben.716 121 Als solche spricht er ihnen "Rasse" zu..ein Volk. 'böse'. S. das die Juden gebracht haben. die ihn nur etwas unter Gott stellt. die ganze Romantik und Erhabenheit der moralischen Fragwürdigkeiten .251. 195. wie Tacitus und die ganze antike Welt sagt. glüht . In dieser Umkehrung der Werte. begründet gerade ihre Fähigkeit. die man heute gerne zu Lastern stempeln möchte .717 92 .und folglich gerade den anziehendsten. ihr Abend-Himmel. dank welchem das Leben auf der Erde für ein paar Jahrtausende einen neuen und gefährlichen Reiz erhalten hat . Wir Artisten unter den Zuschauern und Philosophen sind dafür den Juden . der sich vor den 'modernen Ideen' nicht zu schämen braucht. selbst noch unter den schlimmsten Bedingungen sich durchzusetzen.ihre Propheten haben 'reich'. wie gefährlich Luzifer angeblich ist.251. "Die Juden . II.die Juden haben jenes Wunderstück von Umkehrung der Werte zustande gebracht.717 122 120 121 122 Nr. bewahrt er die Eigenschaften. II." Nr. 'geboren zur Sklaverei'.. verfänglichsten und ausgesuchtesten Teil jener Farbenspiele und Verführungen zum Leben. die jetzt in Europa lebt. 250.dank vor allem einem resoluten Glauben. die gleichzeitig ihre Gefährlichkeit sichtbar machen soll. auf geniale Weise das Böse zu tun: "Was Europa den Juden verdankt? . 195 120 Das Gute. 'gottlos'.250.etwa so. Nachdem er gefallen ist. und vor allem eins.. Er lobt sie auf eine Weise.

Einstweilen wollen und wünschen sie vielmehr. Wieder möchte er ihren Willen zur Macht retten.S. Nr. aber ihn jetzt auf neue Weise kanalisieren. Nr. II. die man heute gerne zu Lastern stempeln möchte. zum Beispiel der adelige Offizier aus der Mark: es wäre von vielfachem Interesse. wie sie die europäischen Völker kürzerer 123 Jenseits von Gut und Böse. sie verstehen es.. mit Auswahl.. wie es die Antisemiten zu wollen scheinen -. in Europa. daß sie nicht darauf hinarbeiten und Pläne machen.. Daraus gehen dann die Naivitäten der ferngelenkten Züchtung von Offizieren aus der Mark hervor.S. daß er ihnen den Willen zur Macht zuspricht. selbst noch unter den schlimmsten Bedingungen sich durchzusetzen. daß am unbedenklichsten noch sich die stärkeren und bereits fester geprägten Typen des neuen Deutschtums mit ihnen einlassen können. das stark genug wäre. dem 'ewigen Juden' ein Ziel zu setzen -. und man sollte diesen Zug und Drang (der vielleicht schon die Milderung der jüdischen Instinkte ausdrückt) wohl beachten und ihm entgegenkommen. Dabei hat er nicht den geringsten Zweifel. wie der englische Adel es tut. erlaubt." Jenseits von Gut und Böse. sogar mit einiger Zudringlichkeit. zu sehen.Wenn er sagt: ". hinzuzüchten ließe. so wie alle Antisemiten.251. diese "Rasse" sich zu eigen zu machen ohne den Willen zur Macht auf "jüdische" Weise auszuleben. die Juden bekehren und hofft darauf. vermöge irgendwelcher Tugenden. Er denkt wie jener Christ. steht fest. Es liegt auf der Hand. sie dürsten danach.und aufgesaugt zu werden. daß dies möglich ist: "Dann.das Genie des Geldes und der Geduld (und vor allem etwas Geist und Geistigkeit. ob sich nicht zu der erblichen Kunst des Befehlens und Gehorchens . endlich irgendwo fest.717/718 93 . daß sie die Welt durch das Gewissen krank gemacht haben und folglich zur Katastrophe für die Welt geworden sind.oder.251. daß sie diesen Willen zur Macht gerade dadurch durchgesetzt haben. wenn sie wollen .717/718 123 Er will sie jetzt zur Züchtung benutzen. wenn man sie dazu zwänge. ungefähr so.. wenn die Juden auf solche Edelsteine und goldene Gefäße als ihr Werk hinzuweisen haben. geachtet zu sein und dem Nomadenleben. II. Schon in "Morgenröte" 1881 wollte Nietzsche.in beidem ist das bezeichnete Land heute klassisch . der Züchtung eines neuen Deutschtums. der klug wie Luzifer sein möchte. ebenfalls. ohne in die Sünde Luzifers zu fallen. von Europa ein. woran es reichlich an der bezeichneten Stelle fehlt-) hinzutun." dann geht es gerade darum. jetzt schon das Übergewicht über Europa haben könnten. Es ist sein letzter Akt zur Bekehrung der Juden: "Daß die Juden.

Alle.und weniger tiefer Erfahrung nicht hervorzubringen vermögen und vermochten. dann ist er eben der Heidengott der Juden. Luther seems to have little hope of converting the Jews. Als Nietzsche einsieht.und wir alle. Then for a brief time he believed that most Jews would be converted. zu einer extremen Agressivität gegen die Juden überzugehen. His optimism was grounded in the naive assumption that their conversion would occure once papal scandals were ended and the loving gospel of Christi was preached clearly. p. Lewis W. wenn Israel seine ewige Rache in eine ewige Segnung Europas verwandelt haben wird: dann wird jener siebente Tag wieder einmal da sein. Nr. wie er ihn in "Zur Genealogie der Moral" 1887 ausruft. was Nietzsche wollte. außer den Schlecht-weggekommenen. . an dem der alte Judengott sich seiner selber. Between the treatise That Jesus Christ Was Born as a Jew (1523) and On the Jews and Their Lies (1543) he vacillated between a messianic hope for their conversion and a traditional hatred for these people who considered the savior of the world to have been the illegitimate child of Mary. darf er nicht mehr der Gott der Armen und Schwachen sein.1154 124 Der Judengott ist allerdings zum Heidengott geworden. daß dies nicht geschehen wird. um dann. Luther seems to have little hope of converting the Jews. Das würde Nietzsche feiern: "und wir alle. Then for a brief time he believed that most Jews would be converted. Damit er seine ewige Rache. His optimism was grounded in the naive assumption that their conversion would occure once papal scandals were ended and the loving gospel of Christi was preached clearly.1154 "At the outset of his career.358 94 . mündet er in einen rabiaten Konflikt ein." Spitz.: The Protestant Reformation (1517-1559) New York 1985. alle wollen uns mit ihm freuen!" Morgenröte. wie Nietzsche es nennt. nachdem diese Hoffnung schwindet. alle wollen uns mit ihm freuen!" Nicht alle. der Gott der Schlecht-weg-gekommen. seiner Schöpfung und seines auserwählten Volkes freuen darf. I. It was also based on the eschatological expectation that God's chosen people would be converted just before the second coming of Christ. wie Nietzsche sie nennt. in ewige Segnung verwandelt. Er macht eine ähnliche Entwicklung wie Luther. der am Anfang seiner Tätigkeit die Bekehrung der Juden erhofft. Tut der Gott der Juden das.205 I. Nr. 205. 125 (Nota: "At the outset of his career. It was also based on the eschatological expectation that God's chosen 124 125 Morgenröte.

daß der Wille zur Macht nicht die Lüge benutzen soll.659 (p. Die Moral allerdings führt diesen Kampf um die Macht auf kranke. die Moral als Lüge zu entlarven. sie ist sogar eine Krankheit. Between the treatise That Jesus Christ Was Born as a Jew (1523) and On the Jews and Their Lies (1543) he vacillated between a messianic hope for their conversion and a traditional hatred for these people who considered the savior of the world to have been the illegitimate child of Mary. p. so hat dies keineswegs die Bedeutung einer Erfüllung irgendeiner anderen. Daher ist sie für ihn etwas. Nietzsche ist daher ständig beschäftigt.II. indem man die Moral abschafft und an ihre Stelle das Bewußtsein setzt. also etwas zu überwindendes ist. das grundsätzlich negativ. den Menschen zerstörende Weise durch. Er erklärt die Moral als Produkt des Ressentiments der Schwachen. die in ihrer Folge die Herrschenden krank machen. wer gewalttätig in Werk und Gebärde auftritt . verlogene. normativen Moral: "Wer befehlen kann. Er bekennt sich zu dem was er tut." III.was hat der mit Verträgen zu schaffen. Moral heißt bei Nietzsche fast immer Moral auf der Grundlage einer Erklärung der Gleichheit aller Menschen.people would be converted just before the second coming of Christ." Zweite Abhandlung. daß der Wille zur Macht das Innere allen Lebens. Dies bedeutet keineswegs. Nr.. Daher spricht Nietzsche ständig über "die tiefe und verächtliche Verlogenheit des Christentums in Europa. von der man nur gesunden kann.17. die diese Grundlüge der Moral aufhebt. wer von Natur 'Herr' ist. Das wäre nur eine neue Moral. also auch der Moral ist. lügt er nicht.358) Moral und Wille zur Macht.: The Protestant Reformation (1517-1559) New York 1985. die die Moral als Instrument ihres Kampfes um die Macht benutzen. auch wenn er lügt. Nur Wahrhaftigkeit des Lebens kann die Krankheit der Moral überwinden. Nr. wenn sie die Wahrheit sagt.II.827 127 126 127 III. indem sie der Herrschaft Moralprinzipien aufzwingen. Die Moral aber ist eine Lüge.827 95 ." Spitz.130) 126 Obwohl Nietzsche durchaus von der Moral der Vornehmen spricht. Lewis W.17.659 Zweite Abhandlung.. Es handelt sich um eine Wahrhaftigkeit. Daher schafft Moral Krankheit. die selbst lügt. Sie unterminieren die Vornehmheit der Herrschenden.

nur umgedeutet.vielmehr frage man sich doch. die Fremde beginnt..785/786 96 .sie sind nach außen hin. in der sie sich gegenseitig ausschließen: ". nicht viel besser als losgelassene Raubtiere. 1184) 128 Beide befinden sich in einer polaren Beziehung. weil er ja die Normen setzt. lernte auch nichts als böse Feinde kennen und dieselben Menschen. Entbehrenden. die beide nicht durch Normenerfüllung definierbar sind: "Ich habe in meiner 'Genealogie der Moral' zum ersten Male den Gegensatz-Begriff einer vornehmen Moral und einer ressentimentMoral psychologisch vorgeführt. nur umgefärbt. die Leidenden." Erste Abhandlung. 1184 Erste Abhandlung. Aber Normen haben keine Geltung als solche. gilt ganz genau so von allen Gesetzen. Häßlichen sind auch die einzig Frommen. dort wo das Fremde. Stolz. Zartsinn. Der "Herr" gibt Gesetze und nutzt sie aus. In aller Strenge geantwortet: eben der 'Gute' der andern Moral. für sie allein gibt es Seligkeit .785/786 129 Diese Moral des Raubtiers ist für Nietzsche die ursprüngliche Moral. Niedrigen sind allein die Guten.11. die durch die Moral der Gleichheit unterminiert wurde: Die Juden sind es gewesen. II. und Freundschaft sich beweisen . die andererseits im Verhalten zueinander so erfinderisch in Rücksicht. die Armen. S.Was Nietzsche hier von Verträgen sagt. Selbstbeherrschung. der Mächtige. sondern nur abhängig vom Kriterium eines Willens zur Macht. Hier wollen wir eins am wenigsten leugnen: wer jene 'Guten' nur als Feinde kennen lernte. wer eigentlich 'böse' ist. Treue. im Sinne der Moral des Ressentiments. Nr. nur umgesehn durch das Giftauge des Ressentiments. Nr11. Kranken.dagegen ihr. Der "Herr" hat überhaupt mit Gesetzesnormen nichts zu schaffen. II. unterliegt aber den gesetzen nicht. die einzig Gottseligen. Daher kann Nietzsche jetzt von zwei einander entgegengesetzten Moralen sprechen.. die gegen die aristokratische Wertgleichung (gut= vornehm = mächtig = Schön = glücklich = gottgeliebt) mit einer furchteinflößenden Folgerichtigkeit die Umkehrung gewagt und mit den Zähnen des abgründlichsten Hasses (des Hasses der Ohnmacht) festgehalten haben. aber dies ist die jüdisch-christliche Moral ganz und gar. ihr 128Der 129 Antichrist. letztere aus dem Nein gegen die erstere entsprungen.. Ohnmächtigen.. er herrscht im Namen der Gesetzeserfüllung." (Der Antichrist. der Herrschende. eben der Vornehme. er steht über den Normen. nämlich 'die Elenden sind allein die Guten.

die tiefste und sublimste aller Arten Liebe -. als der Gegensatz des jüdischen Hasses emporgewachsen! Nein.7. die Gottlosen. was Tiefe hatte und böse war. II. Es ist nichts weiter als die Wertgleichung von gut= vornehm = mächtig = Schön = glücklich = gottgeliebt. weil sie dieser Grundtatsache des Lebens nicht ins Auge sieht und sie leugnet. Werte umschaffenden Hasses. das Umgekehrte ist die Wahrheit! Die Liebe wuchs aus ihm heraus. hinuntersenkten. weil die Wahrheit des Menschen und des Universums selbst eben der Wille zur Macht ist.7.. dessengleichen nie auf Erden dagewesen ist .Vornehmen und Gewaltigen. Gegen diese Moral spricht Nietzsche daher vom "Leben". die auf Beute ausgeht.780 131 Es ist eine Liebe. II. Denn das Ressentiment macht krank durch die Schaffung des Gewissens hindurch.. Nr8.. nämlich Ideale schaffenden." Zur Genealogie der Moral. Verfluchten und Verdammten sein!'. S. Es ist für ihn die wahre Moral.779/780 130 Diese Wertgleichung "gut = vornehm = mächtig = schön = glücklich = gottgeliebt" impliziert Nietzsches Moral der Vornehmheit. Nr. II." Erste Abhandlung. Die Moral der Gleichheit aber ist unwahr. die die Macht will. ihr werdet auch ewig die Unseligen. Die Moral der 130 131 Zur Genealogie der Moral. Daher schafft sie den Konflikt von Leben und Moral. die Lüsternen. Sie kämpft um die Macht. als seine Krone. Nr. Erste Abhandlung. als die triumphierende. Die den Menschen zerstört im Namen der Erlösung des Menschen. Nr. indem sie behauptet. und die daher Lüge ist. die Unersättlichen. in der reinsten Helle und Sonnenfülle sich breit und breiter entfaltende Krone. II. Daher ist sie Lüge des Gewissens. Daher hält er die Moral der Vornehmheit für eine Moral ohne Konflikte. mit dem die Wurzel jenes Hasses sich immer gründlicher und begehrlicher in alles. S. auf Beute.des tiefsten und sublimsten.780 97 . welche mit demselben Drange gleichsam im Reiche des Lichts und der Höhe auf die Ziele jenes Hasses. sie sei etwa als die eigentliche Verneinung jenes Durstes nach Rache. die den Verzicht auf das Gewissen einschließt. S.779/780 Erste Abhandlung. Moral der Gleichheit ist daher ein als Liebe versteckter Haß: "Das aber ist das Ereignis: aus dem Stamme jenes Baums der Rache und des Hasses..wuchs etwas ebenso Unvergleichgliches heraus. die Grausamen. des jüdischen Hasses .8. Erste Abhandlung. auf Sieg. keine Macht zu wollen. ihr seid in alle Ewigkeit die Bösen. eine neue Liebe. auf Verführung aus war. Daß man aber ja nicht vermeine.

33. Fernando: Nihilismo y Acción. und die Herrschaft der Moral ist Herrschaft im Namen der Moral: die Herrschaft. S. den es gibt. Sie ist nicht zu III. Zitiert nach: Savater.. Taurus. Die Moral kann nur die Herrschaft der Moral wollen.. wahr werden. der Gott von de Sade: "Cuando habeis visto que todo era vicioso y criminal en la tierra . Fernando: Nihilismo y Acción.o en Maldad porque os habéis extraviado por los senderos de la virtud. notwendig auch ein großer Schauspieler." III.. Madrid 1984. wie es sein Ideal ist. das jedes Opfer aufwiegt: um der Herrschaft der Moral willen . 132 Die Herrschaft der Moral ist Inmoralismus der Tat. fernes. die im Namen der Moral gewollt wird.les dirá el Ser Supre. "Freiheit von der Moral. auch die Attitude der Wahrheit.les dirá el Ser Supre. enfermedades. was er tut. der gute Gott. temblores de tierra. alles. der aber nichtsdestoweniger zu bleiben versteht. an den Standards der Moral gemessen.porque os habéis extraviado por los senderos de la virtud. was sie sagt. der Gott von de Sade: "Cuando habeis visto que todo era vicioso y criminal en la tierra . daß der Moralist damit kein geringeres Vorbild nachahmt.o en Maldad . Taurus. guerras civiles. als Gott selbst: Gott. huracanes? Al sacudir perpetuamente sobre vuestras cabezas las serpientes de la discordia. Ein großer Moralist ist. os persuadía de que el bien es mi esnecia? Imbeciles! Porque no me imitabáis?") de Sade: El día del Juicio Final. Madrid 1984. S. wo sie selbst moralisch werden. Zitiert nach: Savater.? Y cual es pues el acto de mi conducta en que me habéis visto bienhechor? Al enviaros pestes. ihr Fehler beginnt erst. muß er sub specie boni tun ein hohes. diesen größten Immoralisten der Tat. 132 98 . immer und notwendig unmoralisch. os persuadía de que el bien es mi esnecia? Imbeciles! Porque no me imitabáis?" de Sade: El día del Juicio Final. was er ist.? Y cual es pues el acto de mi conducta en que me habéis visto bienhechor? Al enviaros pestes. seine Gefahr ist. auch von der Wahrheit.688 s.Vornehmheit hingegn eenthält diesen Widerspruch nicht: sie tut das. um jenes Zieles willen.. ist daher. sein esse und sein operari auf eine göttliche Weise auseinanderzuhalten.. wo sie der Tugend nachgeben.688 (s. guerras civiles. enfermedades. daß seine verstellung unversehens Natur wird. anspruchsvolles Ideal! Ein göttliches Ideal! Und in der Tat geht die Rede.. temblores de tierra. huracanes? Al sacudir perpetuamente sobre vuestras cabezas las serpientes de la discordia. unter anderem.33.so lautet jener Kanon. Die Moralisten haben die Attitude der Tugend nötig. wo sie die Herrschaft über die Tugend verlieren.

trotz allem guten Willen zur Annäherung und Einverleibung.. das den Menschen unglücklich macht. denn das wäre die Rückkehr der Moral. daß ihm ein Schaden überhaupt nicht zugefügt werden kann außer in dem Punkte der Ehre. wo das Christentum herrscht oder einmal geherrscht hat: Sünde ist ein jüdisches Gefühl und eine jüdische Erfindung. "Sünde. sondern als Prunkworte." II.das läßt diesen ehrsüchtigen Orientalen im Himmel unbekümmert: Sünde ist ein Vergehen an ihm. Gerechtigkeit. S. heißt hier: bejahe den Willen zur Macht. Friedensliebe. denn du bist Willen zur Macht.668 Nr.135. "Christentum. Bis zu welchem Grade ihm dies in Europa gelungen ist. Sei was du bist. Ob mit der Sünde sonst Schaden gestiftet wird. Philanthropie.668 p. das spürt man am feinsten an dem Grade von Fremdheit." III. dem schenkt er auch diese Unbekümmertheit um die natürlichen Folgen der Sünde. keineswegs auf konkrete Konsequenzen der Sünde. Übermächtiger und doch Rachlustiger vorausgesetzt: seine Macht ist so groß. 'Nur wenn du bereust. nicht an der Menschheit! . Revolution. Hier ist ein Mächtiger. Aufhebung der Sklaverei. ob ein tiefes. Kampf mit falschem Bewußtsein.verurteilen. Es geht um das wahre Bewußtsein.. für etwas ganz anderes (ja Gegensätzliches!). an dem es ganze Geschlechter und viele ausgezeichnete Einzelne nicht haben fehlen lassen. Die jüdische 133 134 III. Wahrheit: alle diese großen Worte haben nur Wert im Kampf. II. so wie sie jetzt überall empfunden wird. es geht dasrum.135 134 Diese "natürlichen Folgen der Sünde" beziehen sich bei Nietzsche immer nur auf dieses Krankwerden durch das Gewissen. wäre falsches Bewußtsein.wem er seine Gnade geschenkt hat. der sich einbildet.72 133 Sie sind Kampf. weil sie krank macht. Kampf. weil sie Inmoralismus ist. etwas anderes zu sein als er ist. moralisch besser zu sein. Es geht nicht darum. von dem aus die Welt neu zu sehen und zu machen ist. Diesen Willen zur Macht abzustreiten. das einen Menschen nach dem andern wie eine Krankheit faßt und würgt . wahrhaftig zu sein.das ist einem Griechen ein Gelächter und ein Ärgernis: er würde sagen 'so mögen Sklaven empfinden'. als Standarte: nicht als Realitäten. den das griechische Altertum . weil sie heuchlerisch und verlogen ist. Sie ist zu verurteilen.immer noch für unsre Empfindung hat. alle Welt zu 'verjüdeln'. wachsendes Unheil mit ihr gepflanzt ist. gleiche Rechte. und in Hinsicht auf diesen Hintergrund aller christlichen Moralität war in der Tat das Christentum darauf aus. ist Gott dir gnädig' . aber Kampf unter falscher Flagge.eine Welt ohne Sündengefühle .131/132 99 .131/132 Nr.

Folglich protestiert er gegen das Gewissen.das läßt diesen ehrsüchtigen Orientalen im Himmel unbekümmert: Sünde ist ein Vergehen an ihm. Das wird bei Nietzsche jetzt umgedreht. der von allem Übel frei sein will. fällt bei Nietzsche weg. Hier wird von den natürlichen Folgen der Sünde. sondern das Bewußtsein von dieser Welt. ob ein tiefes. nämlich über Ungerechtigekit. er stößt mit einem bestimmten Gottesbegriff zusammen. sondern gegen das Gewissen. wie er endgültig durch Anselm von Canterburry definiert wurde. warum dann eigentlich ein Gewissen? Die Verachtung für den Menschen. Er protestiert gar nicht mehr gegen diese konkreten Folgen der Sünde. das doch gerade die "natürlichen Folgen der Sünde" einklagt. Hunger und Armut völlig abstrahiert. die neu ist: Wozu eigentlich das Gewissen? Diese Frage ist wirklich zu stellen: Wenn man mit der mittelalterlichen Orthodoxie und dem Liberalismus Lockes die "Befreiung vom Übel" als das wahre Übel ansieht. Sicher. das gegen die Folgen der Sünde gerichtet ist. Daß das Gewissen ja gerade gegen eine Krankheit. Tod. gibt es dort gar nicht. den von einem "orientalischen" Despoten. die nicht gegen den Mitmenschen gerichtet wäre. die dort eben Ungerechtigkeit. Das ist ganz sicher nicht der jüdische Gott. wohl aber der Gott der christlichen Orthodoxie. Wegen dieser natürlichen Folgen der Sünde entsteht überhaupt im Judentum das Gewissen. Der Protest gegen diese Folgen der Sünde führt zum Gewissen. sodaß die Sünde zu einem persönlichen Verhältnis des Individuums zu Gott wird. Seine Negation der Gleichheit aller Menschen ist doch nichts weiter als das. Eine Sünde. sondern führt sie nur zu ihrem Extrem. Genau wie diese wird er von den "natürlichen Folgen der Sünde" abstrahieren.Sündenvorstellung kümmert sich gerade um die "natürlichen Folgen der Sünde". der durch die Sünde in seiner Ehre egetroffen ist. Nietzsche hat überhaupt nicht die konkrete Welt im Auge. wachsendes Unheil mit ihr gepflanzt ist. haben alle doch gemeinsam. Nietzsche bricht gar nicht mit der Konsequenz dieser mittelalterlichen christlichen Orthodoxie. ohne daß über die natürlichen Folgen der Sünde. Daher ist die Sünde Gott gegenüber immer eine Sünde gegenüber dem Mitmenschen. Aber er wird eine Konsequenz ziehen. Die 100 . wird jetzt das Gewissen zu einer Krankheit. Hieraus folgt dann das: Rette Deine Seele! Man kann jetzt seine Seele retten. die faßt und würgt (nämlich gegen Ungerechtigkeit. Hunger. nicht an der Menschheit! " Da er die Sünde nämlich von ihren konkreten Folgen abgelöst hat. Daher diese Vorstellung von der Sünde: "Ob mit der Sünde sonst Schaden gestiftet wird. das einen Menschen nach dem andern wie eine Krankheit faßt und würgt . nämlich von Ungerechtigkeit. die "faßt und würgt". Hunger und Armut) entstanden ist. Hunger und Armut überhaupt gesprochen werden müßte. Armut sind.

in deren Tradition sich Nietzsche befindet. die die natürlichen Folgen der Sünde. Diese Herrschaftsausübung durch das Gewissen hindurch beginnt doch im römischen Reich vom 4. wurde im 11. In theologischer Form handelt es sich um die Ausarbeitung des Luzifermythos. In: Obras Completas de San Anselmo. sobald in seinem Namen die Herrschaft ausgeübt wurde. wie Nietzsche aus seiner Moralkritik eine Utopiekritik macht. ohne sie durch das Gewissen hindurch auszuüben? Sollte dieses Gewissen ein Krankheit sein. dann müßte doch wohl die Herrschaft eine Krankheit sein! Diese entscheidende Frage umgeht Nietzsche überall. warum sie eigentlich das Gewissen benutzen. . daß dieser Art Utopiekritik ja nur eine Radikalisierung jener Utopiekritik ist. Die Frage ist doch. Sie haben doch gar kein Gewissen. Aber diese werden doch überall marginiert. als das Gewissen zur Herrschaftsinstrument wurde. die solch ein Gewissen haben. Madrid l953. 592) 135 135 Anselm von Canterburry: De casu diaboli.mittelalterliche christliche Orthodoxie des Anselmus über Bernhard bis zu Thomas Kempis und vor allem der Liberalismus denken doch von dieser "Tschandala" genau so wie Nietzsche. 592 101 . Er ist sich dabei überhaupt nicht bewußt.p. sodaß im Namen des Gewissens alle verurteilt wurden. anklagten. obwohl es Richtungen gibt. BAC. das doch gerade dazu benutzt wurde. nachdem es tausend Jahre lang das zentrale Mittel der Herrschaft war. d. Bd. BAC. Madrid l953. Nun ist es in diesem Zusammenhang gerade interessant.Jahrhundert an. von den natürlichen Folgen der Sünde abgelöst. Das Gewissen ist zweifellos gerade als Reaktion gegenüber den natürlichen Folgen der Sünde entstanden. Sie hat doch offensichtlich Herrschaftsformen erlaubt. um auch zu herrschen. vom 4. Und das führt zur anderen Frage.Jahrhundert an. nämlich die Ungerechtigekit. In: Obras Completas de San Anselmo.h. und seither aus der Herrschaft nicht mehr verschwunden. . um zu herrschen. und 12. Aber ebenso zweifellos wurde das Gewissen. warum eigentlich jetzt Nietzsche das Gewissen abschaffen will. (Anselm von Canterburry: De casu diaboli. Bd.Jahrhundert durch die mittelalterliche Theologie systematisch ausgearbeitet. Die Grundlage der Utopiekritik. nämlich als Reaktion gegen die Ungerechtigkeit und folglich eng verbunden mit der Gleichheit aller Menschen und der Erlösung von allen Übeln. die Herrschaft zu stärken und den Beherrschten jede Legitimität ihrer Forderungen der Herrschaft gegenüber zu bestreiten? Gibt es eigentlich Herrschaft. die weit mehr Macht entwickelten als irgendeine Herrschaft vorher.p. das gegenüber der Ungerechtigkeit sprechen würde. Ist tatsächlich das Gewissen überflüssig geworden. die beginnt.

gleichsam verwesend. Man sollte ihm auch nicht a priori Rache unterstellen. auch im Gesetze sein! Mit Christus eins geworden . S. und Paulus hörte die Worte: 'warum verfolgst du mich?' Das Wesentliche.das heißt. I. . . um ihn selber dreht sich fürderhin die Geschichte! Denn er ist von jetzt ab der Lehrer der Vernichtung des Gesetzes! Dem Bösen absterben . Gott hätte den Tod Christi nie beschließen können. mit ihm gestorben . tot oder wenigstens in fortwährendem Absterben. 'es ist unvernünftig. Dennoch erkennt Nietzsche durchaus einen Wesenszug der Paulinischen Gesetzestheologie. den Lichtglanz Gottes auf seinem Gesichte. er hat den Gedanken der Gedanken.das heißt. wie es bei diesem Epileptiker nicht anders zugehen konnte: ihm. auch mit ihm der Vernichter des Gesetzes geworden. jetzt ist die Fleischlichkeit.das Schicksal der Juden. an welches er sich geschlagen fühlte: wie haßte er es! wie trug er es ihm nach! wie suchte er herum. S. Ob Paulus ein Epileptiker war oder nicht. auch dem Gesetze abgestorben!. was da geschah. Nr. erschien auf einsamer Straße jener Christus. er wird mit einem Male der glücklichste Mensch. aller Menschen scheint ihm an diesen Einfall. Man muß hierzu allerdings in Betracht 136 Morgenröte.1056/1057.Das Problem wird bei Nietzsche durchaus deutlich.68. der innerlich dessen totmüde war. hier und nirgends sonst habe und halte ich ja den Vernichter des Gesetzes!' Der Kranke des gequältesten Hochmuts fühlt sich mit einem Schlage wieder hergestellt. die moralische Verzweiflung ists wie fortgeblasen. Die ungeheuren Folgen dieses Einfalls. wenn überhaupt ohne diesen Tod eine Erfüllung des Gesetzes möglich gewesen wäre . Erstes Buch. auch dem Gesetz absterben. ist aber dies: sein Kopf war auf einmal hell geworden.68. 102 . I. den Schlüssel der Schlüssel. in der es wohnt..' hatte er sich gesagt.. jetzt ist nicht nur alle Schuld abgetragen. zugleich mit einer Vision. hier ist ja die vollkommene Rache. dieser Rätsellösung wirbeln vor seinem Blicke.das heißt.das heißt.. nein. Nr.nämlich erfüllt. im Fleische sein . denn die Moral ist fortgeblasen. vernichtet." Morgenröte. Dies führt nur zum Dogmatismus.1056/1057. 136 Sehen wir von den negativen Bezugnahmen auf Paulus ab. es zu vernichten. .. sondern die Schuld an sich vernichtet. wenn er über Paulus spricht: "Das Gesetz war das Kreuz. das Licht der Lichter. dem wütenden Eiferer des Gesetzes.nicht mehr es für seine Person zu erfüllen! Und endlich leuchtete ihm der rettende Gedanke auf. an diese Sekunde seines plötzlichen Aufleuchtens gebunden. spielt für ein Argument überhaupt keine Rolle. Erstes Buch. um ein Mittel zu finden. 'gerade diesen Christus zu verfolgen! Hier ist ja der Ausweg. dort am Kreuze!. jetzt ist das Gesetz tot.

das alle okzidentale Tradition bisher beherrscht. genau so wenig. Nietzsche kann so etwas nicht einmal denken. Die Fleischlichkeit ist eine Körperlichkeit. haben wir die bisherigen obersten Werte abzuschaffen. vernichtet nämlich erfüllt dort am Kreuze" ist.. Nietzsche spricht von Paulus nun als dem "Kranke(n) des gequältesten Hochmuts".Jahrhundert Paulus im allgemeinen und weitgehend noch heute ganz anders und als Vertreter des Gesetzes gelesen wurde. weil im 19. die Nietzsche macht. vernichtet". weil für diesen "die Moral. er ist "Vernichter des Gesetzes". demütig und bescheiden? Es ist wegen der paulinischen Körperlichkeit. hat daher mit Jesus nicht das geringste zu tun. die das körperliche Leben des anderen achtet und ermöglicht. so ist das nichts weiter als jenes Tabu. Man greift Jesus immer nur unter anderem Namen an. Nietzsche aber. Wenn Nietzsche Jesus nicht direkt anklagt." III. die Moral. tot".737 103 . Warum ist Paulus wegen dieses Grundes hochmütig. nennt Paulus Fleischlichkeit. Das ist wirklich die Theologie des Paulus. jetzt ist die Fleischlichkeit. Die Jesus-Interpretation.. der doch selbst die Moral abschaffen will. setzt sie in einer Form 137 III. der Tod Christi als "Erfüllung des Gesetzes". als "Vernichter des Gesetzes" Vertreter des Hochmuts? Nietzsche selbst wird sagen: "Schaffen wir die wahre Welt ab: und um dies tun zu können... Was ist nun Paulus gemäß Nietzsche? "Das Gesetz war das Kreuz. Die Körperlichkeit ist für Paulus solidarisch. Nimmt man dies aber in Betracht. Wer seine Körperlichkeit ohne Fleischlichkeit durchsetzt. "das Gesetz (ist) tot.. auch dem Gesetz absterben". Warum eigentlich? Warum ist Paulus. wenn überhaupt ohne diesen Tod eine Erfüllung des Gesetzes möglich gewesen wäre". wie es die mittelalterliche christliche Orthodoxie noch der Liberalismus kann. daß für Paulus Fleischlichkeit und Körperlichkeit keineswegs dasselbe sind. und "Gott hätte den Tod Christi nie beschließen können. nach Nietzsches Worten. Stattdessen attackiert er Paulus. bezichtet Paulus des Hochmuts. fortgeblasen. er hat "die Moral. Offensichtlich wollen doch.ziehen. Dies gilt vor allem deshalb. Das Fleisch verlassen. die den anderen menschen in seiner Körperlichkeit zerstört. bedeutet eine Körperlichkeit. beide die Moral abschaffen. wegen desselben Grundes. an das er sich geschlagen fühlte". Sie befindet sich in völliger Übereinstimmung mit der Theologie Jesu. Was Nietzsche die Leiblichkeit oder Körperlichkeit oder das Leben nennt. "Dem Bösen absterben .das heißt. so sind Nietzsches Aussagen über Paulus erstaunlich hellhörig. in der es wohnt.737 137 Nietzsche..

Zuerst Sklavenaufstand in der Moral.den Tod bringt. Hinter der Sklavenbefreiung seiner Zeit entdeckt Nietzsche christliche und vor allem paulinische Wurzeln. daß. in der er die Körperlichkeit des anderen achtet. Bei Nietzsche ist das genau umgekehrt. ihr Frauen Lamechs. Lamech sagte zu seinen Frauen: 'Ada und Zilla. Es ist die Tradition der christlichen Orthodoxie des Dem entspricht der Hymnus des Lamech: "Lamech nahm sich zwei Frauen.und das Gesetz ist die gesetzliche Herrschaft . einen Jüngling für meine Strieme. nennt Paulus Fleischlichkeit. hört meine Rede. Die Durchsetzung der Körperlichkeit hingegen. dann Lamech siebenund siebzigmal.. die er doch gar nicht will. Aber wieder ist Nietzsche in einer Tradition. Er fordert das Gesetz heraus und stellt sich über das Gesetz. ihr Frauen Lamechs. Keine Herrschaft wird jemals so etwas dulden. Lamech sagte zu seinen Frauen: 'Ada und Zilla. Das Leben ist für Nietzsche ein Kampf auf den Tod. Wieweit wer es tatsächlich "vernichtet".23-24) Die solidarische Körperlichkeit als Befreiung des Körpers. /Wird Kain siebenmal gerächt. die Herrschaft vernichtet. und er ist vornehm.'" (Gen 4. Nietzsche weiß ganz genau. kann dabei offen bleiben..23-24) 138 104 . daß das Gesetz . Zum.'" (Gen 4. ist vom Standpunkt Nietzsches und in Wirklichkeit auch . Nietzsche spricht von Hochmut. Folglich erhebt er sich über das Gesetz. horcht auf meinen Spruch! /Einen Mann erschlug ich für meine Wunde.Sklavenaufstand. einen Jüngling für meine Strieme. Im Namen dieser Utopie ist Paulus tatsächlich ein "Vernichter des Gesetzes". Paulus aber entdeckt. was die Griechen Hybris nennen.4. Sein Leben hat er gerade durch den Tod des anderen.4. wer das Gesetz vernichtet. die eine hieß Ada.. und der Sieger hat das Leben. Auch das ist richtig.. wie sie in der paulinischen Vorstellung dominiert. Paulus tut gerade das.19. 138 Dem entspricht der Hymnus des Lamech: "Lamech nahm sich zwei Frauen.durch.19. horcht auf meinen Spruch! /Einen Mann erschlug ich für meine Wunde. ihn daher nicht tötet. Nietzsche entdeckt dies entgegen allñer herrschenden Interpretation seiner Zeit. wenn er dieses Leben in allen körperlichen Dimensionen auslebt. die andere Zilla. die eine hieß Ada. /Wird Kain siebenmal gerächt. die durch den Tod des anderen erfolgt. daß die paulinische Körperlichkeit utopisch ist. Es handelt sich um die griechische Hybris. daß sie in eine emanzipatorische Utopie einmündet. dann aber Sklavenaufstand in der Wirklichkeit. dann Lamech siebenund siebzigmal. Nietzsche entdeckt. hört meine Rede.indest in transzendenter Perspektive handelt es sich bei Paulus um Vernichtung. die andere Zilla. die hier angeklagt wird.

so lautet jener Kanon.687 140 Wenn etwas ein Ideal ist. in der keine paulinische Gesetzeskritik mehr stört.. so ist alle Herrschaft. die nicht verwirklicht werden können.. Die gleiche Vorstellung von Hybris finden wir bei Popper. in Zukunft spazieren zu 139 140 III. aber auch bei Hitler. und die selbst keinem Gesetz unterliegt. Auf was soll sie sich denn sonst beziehen? Die Tugend wird doch nicht vorschreiben. das jedes Opfer aufwiegt: um der Herrschaft der Moral willen . wie kann man es dann verwirklichen? Würde man es verwirklichen oder verwirklichen können. nämlich die Vorstellung einer Welt. auch die Attitude der Wahrheit. hin und wieder Kaffee zu trinken. auch von der Wahrheit.688 139 Daraus schließt er dann: ". um jenes Zieles willen.. dann hat das einen entgegengesetzten Sinn. dann wäre es doch kein Ideal! Die Tugend bezieht sich auf Werte. bei Hayek. Wenn auch Stalin das Wort nicht benutzt.Mittelalters und des Liberalismus.. insbesondere auch die christliche und die liberale. Die Moralisten haben die Attitude der Tugend nötig.daß man die Herrschaft der Tugend schlechterdings nur durch dieselben Mittel erreichen kann. und nur deshalb überzeugt Nietzsche so sehr gerade in diesen Kreisen. folglich auch der christlichen Herrschaft. Aber das ist auch wieder so neu. mit denen man überhaupt eine Herrschaft erreicht. sondern die jenseits von Gut und Böse ist. in der es keine Utopie mehr gibt und in der nicht emehr im Namen der Moral die Unmoral vertreten wird. Hier erste entsteht etwas neues. Sie wird auch nicht vorschreiben. Nietzsche und die Abschaffung der Moral. die über dem Gesetz steht. die nicht mehr die Moral invertiert und im Namen der Moral die Moral verletzt.687 105 . Das tut man ja. Nietzscher allerdings trämt jetzt von einer anderen Herrschaft: eine Herrschaft. Wenn Nietzsche selbst die Abschaffung der Moral will." III...688 III." III. Aus diesem Grunde hat ja die christliche Herrschaft Paulus so völlig umgedeutet. Das ist die Tradition der Herrschaft. daß seine wahren Quellen überhaupt nicht mehr erkennbar sind. so würde er sicher im gleichen Sinne auch zustimmen. jedenfalls nicht durch die Tugend. Er will eine Herrschaft. die er einnimmt und nur radikalisiert. Sie spricht ja von Hybris in genau dem gleichen Sinne wie Nietzsche. Daher seine Kritik der Tugend der Moralisten: "Freiheit von der Moral.

was schwerfällt. rein um ihrer selbst willen. und ergibt sich daraus. daß ein Laster vorliegt. Dasselbe gilt für Gebote. sondern ein praktischer Rat. Moral wird erfüllt. also gegen den Genuß. muß es demjenigen gegenüber gebrochen werden. daß er herrschende Normen gebrochen hat. Man muß also die Moral auflösen. damit sie erfüllt wird. Sie wird aber vielleicht vorschreiben. Natürlich ist das eine Moral.Wer lebt. gerade deswegen. in denen das Gebot gebrochen werden muß. war die 106 . Jeder Genuß wird zum Zeichen dafür. versteckt hinter der Moral. und wo es keine Todesstrafe gibt. muß man die Interessen offenlegen. nie ausgedrückt wird. Der Mörder wird getötet. das durch die Moral.gehen. kann aber auch vieles andere verdecken und damit möglich machen. Das führt bis zu Wilhelm II. Wäre es möglich. man flieht vor dem Genuß um nicht ins Laster zu fallen. niemandem ein Leid anzutun. Die interesselose Moral wendet sich dann gegen die Begierde. Die Moral ist also heuchlerisch. Das wäre eine Tugend. Du sollst nicht töten. Das alles ist notwendig. Dies kann ein Gebot sein. das immer die gemilderte Form einer Todesstrafe ist. Die Moral bringt zwar das Kriterium der Wahrhaftigkeit hervor. Jedes Gebot ist utopisch. es zu halten. Selbst die Hilfe. die Wahrhaftigkeit aber schafft die Moral ab: "Aber unter den Kräften. die der normative Ausdruck von Tugenden sind. vertreten werden. der nur noch als Begierde gesehen wird. zeigt dadurch an. daß er lebt. dann wäre es ja keine Tugend. dem eine Operation mißlingt. Es ist aber unmöglich. Moral kann nicht einfach offener Ausdruck von Interessen sein. Sie paßt vor allem ausgezeichnet für die kapitalistische Gewinnethik. je mehr sie dieses Interesse leugnet. die ein Interesse verdeckt. der das Gebot bricht. auch die grausamste die wir uns vorstellen können. Tugend siost. zumindest sofern sie eine formale Ethik zugrundelegt. Nun geht alle Moral in gewissem Umfang auf formale Ethik zurück. eben weil es unmöglich ist. Das Gebot muß also immer begleitet sein von Ausnahmen. und sie ist es umso mehr. daß das Gebot notwendigerweise etwas unmögliches verlangt. Auch die Notwehr schafft Gelegenheiten. mit seinem: Deutsch ist. die. hat dieses Gebot. weil Morde geschehen. kommt er ins Gefängnis. Moral ist also heuchlerisch. tötet. und zwar mit Notwendigkeit. Wendet man jetzt das Keriterium der Wahrhaftigkeit auf die Moral an. Nietzsche entdeckte auf dem Boden der Moral ein Interesse. Darüber hinaus. wenn man es bisher nicht getan hat. Dann gäbe es keine Moral mehr. Das kann man ja. die als legitim gelten. Denn eine ehrliche Moral ist nicht möglich. eine Sache um ihrer selbst willen tun. die man dem Nächsten bringt: ein Chirurg. Jede Gesellschaft. Nicht nur. die die Moral großzog. es zu erfüllen. weil es unmöglich ist.

die durch ihre Heuchelei gesetzt waren. um den Willen zur Macht offen und ehrlich zu bejahen. Es ists gerade diese Wahrhaftigkeit. die man verzweifelt. und nicht hinter Moral versteckt.Wahrhaftigkeit: diese wendet sich endlich gegen die Moral.und jetzt wirkt die Einsicht in diese lange eingefleischte Verlogenheit. nennt Nietzsche den Willen zur Macht. Das hat ihn aber nicht besser gemacht. Der NaziImperialismus war stolz. derentwegen wir zu leben aushalten. sind sie Zeugen des stalinistischen Unrechts. welche uns jetzt als Bedürfnisse zum Unwahren erscheinen: andererseits sind es die. Wenn heute die Krimtartaren in ihre Heimat zurückwollen. Sie ist genau so richtig wie die nietzschesche Kritik an der Verlogenheit der Moral. Die Apatschen und die Navajos wollen auch nicht mehr in ihre Heimat zurück: es gibt sie nämlich gar nicht mehr. sondern weil er es war. das sich durch die Moral hindurch immer durchgesetzt hat. führt er zum Willen zur Abschaffung einer Moral. obwohl eine unglaublich weite Grenze. sondern schlimmer. in seiner von allen konkreten Inhalten abstrahierenden Form. wahrhaftig zu sein. Ein Wert. entdeckt ihre Teleologie. sind sie auch Zeugen der Grenzen der stalinschen Herrschaft: es gibt sie nämlich noch. Hätte aman nur die beiden zur Wahl. Wir konstatieren jetzt Bedürfnisse an uns. Dieses Interesse. Daher ihre Kritik am englischen Imperialismus. die die Nazis faszinierte. da es sie nicht mehr gibt. 141 III. Die Juden können nicht zurückwollen nach Osteuropa. nicht mehr schätzen zu dürfen . Der englische Imperialismus war grenzenlos heuchlerisch und verlogen. Dieser Antagonismus das.852 107 . und die der NaziImperialismus nicht kannte. Die Wahrhaftigkeit des Willens zur Macht hat nicht einmal diese Grenze. am "falschen Albion"." III. Nicht obwohl er heuchlerisch war.ergibt den Auflösungsprozeß. gerade als Stimulans. vertreten. Indem sie aber ihren Willen dafür ausdrücken.852 141 Der Auflösungsprzeß führt daher zur Anerkennung des wirklichen Interesses. in dessen Namen alle Werte abgeschafft werden. Wird er wahrhaftig. und wird darin nur noch vom heutigen US-Imperialismus übertroffen. Auch andere können nicht mehr die Wiedergutmachung des sgegen sie begangenen Unrechts fordern. Auch die stalinsche Herrschaft hat Grenzen. was wir erkennen. an denen der Wert zu hängen scheint. Die Heuchelei bedeutet eine Grenze der Unmenschlichkeit dieses Imperialismus. was wir uns vorlügen möchten. von sich abzutun. die schon vorher in einen Auflösungsprozeß eingetreten ist. gepflanzt durch die lanage MoralInterpretation. ihre interessierte Betrachtung . nicht zu schätzen und das. würde man immer den englischen vorziehen.

Es beweißt keineswegs. sagte Goebbels kurz vor dem Ende. ohne es zu sagen. den Willen zum Nichts. Aber daraus folgt überhaupt kein Schluß im Sinne von Nietzsche. die verwirklichbar sind. dann muß man versuchen. sondern in der Moral. ist etwas völlig anderes. daß sich hinter allem das Recht des Stärkeren durchsetzt. Erklärt man den Willen zur Macht. da jede Moral auf Interessen basiert. löste damit diesen Willen zum Nichts aus und versuchte den kollektiven Selbstmord. daß die Moral keine Wirksamkeit hat. und alles andere nur Vorwand oder Überbau. Zu sagen. man zerstört alles. daß die Heuchelei ein Teil der Wirksamkeit der Moral ist. dann zerstört man die gesamte Gesellschaft. daß die Heuchelei noch glaubhaft ist. Wenn es die Heuchelei gibt. um die Moral und das Gewissen abzuschaffen. die ohne Heuchelei gar nicht bestehen kann. beweißt das gerade. die sicher nicht besonders groß ist. Es beweißt nur. daß das Weltall erzittert". heißt das eben. als 108 . Das anzuerkennen. Wenn alle Moral durch Heuchelei und Verlogenheit hindurch wirksam ist. den man gar nicht gewinnen kann? Die bisher einzige Gesellscvhaft. Heuchelei und Verlogenheit soweit wie möglich zu überwinden. ist etwas völlig anderes. Die Moral hat dann doch eine gewisse Wirksamkeit. Die Unwirksamkeit der Moral aber folgt nicht. Wenn man dennoch nicht die Wahrhaftigkeit eines Willens zur Macht proklamiert. Eine Moral ohne Heuchelei kann man nur haben. kann man eine solche Moral auch nicht haben. Aus dem Willen zur Macht wurde der Wille zum Nichts. so kann man durchaus sagen. Wenn man die Tugenden nicht realisieren kann. Dies war der deutsche Nazismus. daß sich hinter aller Moral etwas wie ein Wille zur Macht verbirgt. Aber warum soll man denn diese minimale und doch häufig so wichtige Wirksamkeit der Moral zerstören. muß man bis zu einem gewissen Grade die Moral respektieren. dann muß man sie soweit wie möglich realisieren. als zu sagen. Hat man dadurch die Moral überwunden? Oder ist es nur ein Kampf gegen die Moral. und alle davon abgeleitete Moral verwirklicht sich durch Heuchelei und Verlogenheit hindurch. Da sie es nicht sind. "Wenn wir von dieser Weltbühne abtreten müssen. daß der Wille zur Macht der Moral zurgundeliegt. um angeblich wahrhaftig zu sein? Nehmen wir die Formulierung des Willens zur Macht an. daß der Wille zur Macht das Wirkliche ist. die Nietzsche gibt. wäre Wahrhaftigkeit. daß man nicht nur ein Heuchler ist. Beides ist richtig. nämlich soweit. so werden wir die Tür hinter uns zuschlagen. Wenn man heuchelt. als das Recht des Stärkeren zu erklären. Zu sagen. Tugenden sind unmöglich zu realisieren.Nun liegt der Schutz nicht in der Heuchelei. die im Namen der Wahrhaftigkeit den Willen zur Macht auf ihre Fahnen schrieb. wenn man Tugenden hat. so erklärt man. daß es irgendeine Moral noch gibt. Erklärt man das Recht des Stärkeren.

dans toute son âpreté ist übermenschlich. göttlich.nicht in der 'Vernunft'. und der übermenschlich. kenenen wir aus der Geschichte der Moral." Aus dem Nachlass der Achzigerjahre. cru. Als Typus der 142 143 III. sans mélange. er wird von Menschen nie erreicht. dans toute sa force. Dies ist ein Ideal..der Wille zur Macht an eine unüberwindliche Grenze traf. um ihre Gültigkeit behaupten zu können. wenn es beweißt. transzendent. höchstens gestreift. keine abgeschaffte Moral. Es ist die Frage nach der Faktibilitätsgrenze. oder war es nur der Zufall einer historischen Situation. der zu diesem Ende führte? Ist es möglich. Das Sachurteil illegitimiert dann die Norm. noch weniger in der 'Moral'. eine Welt ohne Moral zu schaffen? Wenn wir die Moral abschaffen sollen.1028 109 . wenn wir sie abschaffen können. Nietzsche stellt diese Frage überhaupt nicht. Aber der Macchiavellismus. göttlich. War sie wirklich unüberwindlich. Nr.687/688 Götzendämmerung. transzendent ist.687/688 142 "Thukydides und.2 II. der Principe Macchiavells sind mir selber am meisten verwandt durch den unbedingten Willen. Hier wird vom Typus der Vollkommenheit eines Handelns geredet. Jede Norm muß sich vor einem Sachurteil legitimieren." Götzendämmerung. Das haben schon Aristoteles und Thomas von Aquin gesagt. vielleicht. daß eine Norm nicht faktibel ist und daß es unmöglich ist. Nietzsche fordert ständig die Abschaffung der Moral. und den Willen zur Macht rein und wahrhaftig auszudrücken? Gibt es eine Welt ohne Moral? Das ist keine moralische Frage. daß diese Abschaffung der Moral selbst eine Moral ist. vert. Daß dies Ideal die Vernunft in der Realität ausdrückt. Das Sachurteil aber hat normative Kraft immer dann. die einen Hinweis geben könnte: "Nun wird kein Philosoph darüber in Zweifel sein. (Macchiavelli setzt geradezu die Moral voraus. nämlich der Macchiavellismus. und die Nietzscheaner auch nicht. sondern eine empirische: ist es faktibel und möglich.1028 143 Das ist nun gerade keine Abschaffung der Moral. Er macht aber eine Reflektion über Macchiavelli. so ist eine solche Norm nur dann gültig. Es ist jetzt die nihilistische Moral der ewigen Wiederkehr und des Willens zur Macht. der von Menschen nie erreicht wird.. sie zu verwirklichen. die Moral abzuschaffen. was der Typus der Vollkommenheit in der Politik ist. Es ergibt sich. sich nichts vorzumachen und die Vernunft in der Realität zu sehn . Nr. pur. aber die Forderung kommt er nicht hinaus. III.2 II. wenn auch eine Wendung gegen den ethischen Universalismus.

Er hängt von ihr ab. Nur nützliche Werte können sich in 110 . Er ist wie ein Rauschgifthändler. Um so willkürlich wie möglich zu herrschen. Würde der Principe die Moral abschaffen. Werte entstehen nur bei der Überzeugung. sie höhlt sie aus. Sicher ist auch der Principe daran interessiert. Dieser Moralkalkül setzt die Moral voraus. als objektiv gesellschaftliche Tatsache. Im Gegenteil. Dies bedeutet keineswegs. Er bewegt sich in ihrem Rahmen. daß dieser Macchiavellismus die Werte aushöhlt. in dem er unmoralisch sein kann. obwohl er für sich den Raum maximiert. um zu entstehen. dann muß eben der Princiepe die Moral fördern. in welchem Umfang er die Moral brechen kann. aber in jedem Moment daran interessiert ist. Er kann die Moral brechen nur im Rahmen der Moral. die um ihrer selbst wegen erfült werden. aber der Kalakül des Nutzens ist nicht der Grund. Der Principe denkt nicht daran. daß er die Moral braucht. die Überzeugung. wieweit er damit gehen kann und wieweit er die Moral respektieren muß. Aber richtig ist natürlich. daß diese Moral effektiv existiert. indem er die Moral soweit respektiert. Diese muß also irgendwo in der Gesellschaft hervcorgebracht werden. Ohne Moral könnte er ja nicht herrschen. hat damit gar nichts zu tun. der wer wird denn dann das Rauschgift bezahlen und produzieren? Innerhalb dieser Moral wird er dann einen Minimalkalkül der Moral anstellen. sind nutzlos und verlieren sich deshalb. daß Werte notwendig sind. daß sie nicht aufgehoben werden. Innerhalb dieses von der Moral selbst gesetzten Rahmens ist er unmoralisch. um den möglichen Raum für seine Inmoral zu beschreiben. Werte wachsen nicht aus dem Kalkül. Werte. Er wäre dann Nietzscheaner. um zu leben. die das Rauschgift verbietet. um zu herrschen. muß er dann innerhalb der von ihm geforderten Moral einen Minimalkalkül machen. der die Verbote umgeht. Er weiß.Vollkommenheit ist der Principe gerade der perfekte moralische Heuchler. wäre er ja kein Typus der Vollkommenheit mehr. um zu wissen. wie es seine Herrschaft erfordert. Nur innerhalb dieses von der Existenz der Moral gezogenen Rahmens kann er unmoralisch sein. um sie zu haben. Die Moral abschaffen. daß ihre Gültigkeit nicht aus einem Nutzenkalkül folgt. daß sie um ihrer selbst willen erfüllt werden müssen. Werte haben einen Nutzen. Der Principe macht einen Minimalkalkül der Moral. Die Möglichkeit des Principe setzt die Moral voraus. und herrscht. was die sogenannten Renaissancemenschen sind. schafft keine Werte. muß also wissen. Da ist von Abschaffung der Moral nicht die Rede und kann es auch gar nicht. Wenn die Moral notwendig ist. Nietzsche irrt sich völlig darin. daß alle zu Rauschgiftabhängigen werden. die Moral abzuschaffen. Er wird ihre Existenz fördern. Er kann nicht einmal wollen. um zu herrschen. Auch der Rauschgifthändler wird immer eine Moral fördern.

Werte verwandeln, aber sie tuen es nicht wegen des Nutzens. Sie entstehen durch einen Prozeß der gegenseitigen Anerkennung zwischen Wesen von Fleisch und Blut, die die Nutzensphäre einschließt. Aber erst die Anerkennung gibt ihnen ihre transzendente Bedeutung. Daher kann der Principe gerade zeigen, warum die Herrschaft im Namen der Moral ausgeübt wird. Nicht etwa weil die Herrscher moralisch sind oder sein möchten, sondern weil die Moral einen außerordentlichen Zuwachs an Macht bringt. Die Sündenvorstellung, wie sie sich insbesondere seit Augustin im Christentum durchgesetzt hat, ist eine Technik der Macht und überhaupt kein Sieg der "Niedrigen". Sie ist ein Sieg derer, die die Herrschaft ausüben. Daher stammt sie ja gar nicht von Jesus oder Paulus. Wenn Augustinus über den Sklavenaufstand spricht, verbietet er ihn. Er behauptet, daß er ein Produkt der Konkupiszenz sei. Der Sklave, der frei sein will, erliegt der Begierde. Nietzsche sagt uns, der Sklavenaufstand sei ein Produkt des Ressentiments. Der Sklave, der frei sein will, erliegt der Begierde des Ressentiments und des Neids. Soll dieser Unterschied so groß sein, um von Augustinus zu sagen: "Die Natur hat sie vernachlässigt - sie vergaß, ihnen eine bescheidne Mitgift von achtbaren, von anständigen, von reinlichen Instinkten mitzugeben.." (II,1231/1232)
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Von der Konkupiszenz sind wir zum Ressentiment gekommen, na und? Augustinus wird natürlich behaupten, daß die Fleischlichkeit, von der Paulus spricht, eben diese Konkupiszenz sei. Sie ist es aber nicht. Augustinus hat bereits die solidarische Körperlichkeit als der Vorstellung vom befreiten Körper bei Paulus völlig vergessen. Damit hat er eine Linie begründet, in der Nietzsche nur letztes Extrem ist. Ganz sicher aber kein Kritiker. Aber das, was Augustinus über den Sklavenaufstand sagt, das würde genauso auch der Prinzipe sagen und nichts in Macchiavelli widerspricht dem. Das ist doch Machttechnik, so wie sie heute auch gemacht wird. Genau die gleichen Dummheiten hören wir doch heute über die Auslandsschuld der Dritten Welt, über Befreiungsbewegungen, selbst über die Gewerkschaften. Allerdings ist richtig, daß Augustinus jetzt in eine Moral einmündet, die die Herren selbst mitbetrifft. Um den Sklavenaufstand als Konkupiszenz zu verurteilen, verurteilt er alles körperliche Leben, alle Reaktionen des Körpers, als Konkupiszenz. Aber da ist keine Spur von "Schlecht-weg-gekommenen", die dafür verantwortlich wäre. Denn
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diese fordern ihr Recht gerade im Namen des körperlichen Lebens, das Augustinus verurteilt und das Nietzsche, was sie betrifft, ganz genauso betrachtet wie Augustinus. Tatsächlich begründet Augustinus diesen Typ von Gewissen. Es ist ein Gewissen, das nicht, wie Paulus, den Köper befreien will, sondern das frei vom Körper werden will. Im Namen dieser Freiheit vom Körper verurteilt Augustinus jetzt die Befreiung der Beherrschten, die Befreiung der Sklaven. In der Herrschaft selbst entsteht jetzt dieses Gewissen, das aber nicht etwa die Herrschaft begrenzt, sondern ihr erst das gute Gewissen gibt. Das schlechte Gewissen von Augustinus schafft das gute Gewissen der Herrschaft. Gerade weil die christliche und danach die liberale Herrschaft ein so schlechtes Gewissen gegenüber der Körperlichkeit haben, haben sie ein so gutes Gewissen, wenn sie ihre Herrschaft gegen die Körperlichkeit der Beherrschten ausüben. Die Herrschenden zahlen mit ihrem schlechten Gewissen für das gute Gewissen, mit dem sie die Herrschaft ausüben. Indem sie dieses schlechte Gewissen allgemein machen, schaffen sie daher den Beherrschten ein schlechtes Gewissen für den Fall, daß sie sich von der Herrschaft befreien wollen. Denn die Beherrschten müssen davon überzeugt werden, daß ihre Forderung, frei zu sein, die Sünde der Konkupiszenz, oder des Ressentiment, oder des Neids ist. Alle gemeinsam unterwerfen sie sich einer antikörperlichen Moral, durch die hindurch die Herrschaft legitim wird. Es ist verständlich, daß Nietzsche hiergegen reagiert. Denn tatsächlich leiden auf diese Weise auch die Herrschenden an ihrer Herrschaft. Die Marxsche Entfremdungslehre drückt ebenfalls genau dies aus. Nietzsche möchte jetzt alles dies behalten, aber die Herrschenden von ihren Gewissensproblemen befreien. Nicht etwa, der Unterdrückung ein gutes Gewissen geben. Das hat sie ja schon. Die christliche oder liberale Herrschaft hat doch keine Gewissensprobleme gegenüber ihrer Herrschaft und hat sie auch nie gehabt. Es geht vielmehr um Gewissensprobleme, die dadurch entstehen, daß die Herrschaft ein gutes Gewissen hat. Dies sind aber die Gewissenprobleme der antikörperlichen Ethik. Ausschließlich hierum geht es daher bei Nietzsche. Folglich will er die Instinkte befreien, was nur ein anderes Wort dafür ist, daß er dem Körper wieder ein Recht geben will. Aber eben nur für die Herrschenden. Ein Recht auf körperliches Leben wird zur Sache einer Elite, die dieses Recht nur dadurch erwirbt, daß sie es den anderen bestreitet. Herrschende, die gesund werden dadurch, daß sie die andern krank machen. Da dies aber nicht mehr durch das Gewissen stattfinden kann, muß es jetzt durch die Erklärung der brutalen Gewalt geschehen. Nietzsche ruft daher nach den neuen Barbaren.

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Das ist nicht mehr Macchiavelli. Dieser will das Gewissen der Herrschenden auflösen, es aber für die Beherrschten weiterführen. Gewissen für die Beherrschten, Gewissenlosigkeit für die Herrschenden. Nietzsche will tatsächlich mehr. Überhaupt kein Gewissen, weder für die Herrschenden noch die Beherrschten. Dafür aber will er jetzt die Beherrschten einfach der brutalen Macht unterwerfen, ohne jede Legitimierung ihnen gegenüber. Denn diese müßte immer über das Gewissen geschehen.

Die Kritik von Gesetz und Gewissen. Nietzsche sieht nicht sehr klar, daß es zwei Formen von Gewissen gibt, die in der christlichen Tradition entstanden sind. Es handelt sich um das Gewissen im Sinne der paulinischen Gesetzestheologie auf der einen, und das Gewissen, das die Herrschaft propagiert, auf der anderen. Es handelt sich um die Moral der solidarischen Körperlichkeit und die antikörperliche Moral, die jeweils verschiedene Gewissensformen hervorbringen. Die erste fordert die Herrschaft heraus, die zweite ist gerade die Moral der Herrschaft. Sie haben ebenfalls unterschiedliche Sündenvorstellungen. Die paulinische Sündenvorstellung geht von einer solidarischen Körperlichkeit aus, in der die Gerechtigkeit darin besteht, das eigene Leben nur dadurch durchzusetzen, daß der jeweils andere sein eigenes immer auch körperliches Leben ebenfalls durchsetzen kann. Daher ist die Sünde mit dem Tod verknüpft: Sünde ist das, was den Tod bringt. Dieses führt zu einer gesetzestheologie, in der behauptet wird, daß das Gesetz in seiner Logik den Tod bringt, sodaß die Sünde durch die Erfüllung des Gesetzes geschieht. Sünde ist daher bei Paulus nicht primär Gesetzesverletzung, sondern sie geshieht in der Gesetzeserfüllung. Die Erfüllung des Gesetzes ist unter Kritik, nicht die Gesetzesverletzung. Dies entspricht ganz den andern Schriften des Neuen Testaments, vor allem den Evangelien. Jesus klagt nirgendwo eine Sünde an, die in der Gesetzesverletzung bestünde. Er klagt die Sünde in der Erfüllung des Gesetzes an. "Der Mensch ist nicht für den Sabbat da, sondern der Sabbat für den Menschen". Wenn der Mensch für den Sabbat da ist, dann führt die Gesetzeserfüllung zur Sünde. Jesus gibt daher auch den Gesetzesverletzungen kaum Bedeutung, obwohl er sie durchaus als Sünde bezeichnet. Aber da gilt ihm immer: "Wer von euch keine Sünde hat, der werfe den ersten Stein". Für dieser Art Sünden verlangt er nicht einmal Reue, um sie zu vergeben. Dies ist dann auch die ursprüngliche Auffassung der Kreuzigung Jesu. Sie wird nicht etwa den Juden angelastet, sondern dem Gesetz. Da die Sünde durch die Erfüllung des Gesetzes hindurch geschieht, sucht man die Sünde, die zur Kreuzigung Jesu führt, eben in der Erfüllung des

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an dem die Sünde geschieht. Nicht etwa irgendeines Gesetzes. Das Gesetz ist der Ort. in der der Schuldner. weil die Menschen das Gesetz nicht erfüllt haben. Die Logik des Gesetzes ist der Tod. Spätestens von Augustinus an.wird durch das Sündengefühl der Erfüllungsethik gerade verdeckt. und der Gesichtspunkt der Sünde. ist die Ethik der Herrschaft. um welches Gesetz sich handelt. Daher ist Jesus jetzt gestorben. ist der Sünder. Diese Ethik der Erfüllung des Gesetzes. Es ist eine Sünde. das dann ein falsches Gesetz wäre. Da sie aber der Grund eines ungeheuerlichen Völkermords an der Dritten Welt ist. Cicero) Je mehr dieses Sündengefühl der Erfüllungsethik entwickelt ist. die durch Gesetzeserfüllung begangen wird. kann der Körper sterben. da sie ja den Tod des andern als Produkt der Gesetzeserfüllung in Kauf nehmen muß. Heute spielt diese Sündenauffasuung eine Rolle in der lateinamerikanischen Kirche. Damit entsteht die Figur des Juden als Gottesmörder. ist hier völlig gleichgültig. Sie erklärt daher den körperlichen Tod als irrelevant und ersetzt den Körper durch die Seele. Dies etwa bei der heutigen Zahlung der Auslandsschulden Lateinamerikas. Ob das wirklich so war. die man innerhalb und durch die Legalität eines Gesetzes begeht. ist sie eben in diesem Sinne eine Sünde. Es ist auch die Ethik der heutigen Schuldeneintreibung von seiten der Dritten Welt. das römische Recht. Es ist die Ethik der Bezahlung von Schulden. sieht das Christentum die Sünde als Gesetzesverletzung an. Ein solches Christentum kann daher den Tod Jesu auch nicht mehr als Erfüllung des Gesetzes als solchem begreifen. 114 . der gegen das Gesetz Gottes rebelliert und die Sünde Luzifers begeht.überhaupt die eigentliche Sünde . Eine solche Ethik der Gesetzeserfüllung kann nur eine antikörperliche Ethik sein. Die Einziehung dieser Schulden ist natürlich legal. der nicht bezahlt oder nicht bezahlen kann. und nicht mit Gesetzesverletzungen. aber auch das bürgerliche Recht. nicht etwa Gesetzesbruch. Tatsächlich ist es dafür gleichgültig. (s. in der die Sünde Gesetzesverletzung ist.Gesetzes. wenn sie von "struktureller Sünde" spricht. und sie ist bürgerliches Gesetz. sondern allenfalls als Erfüllung irgendeiner Wahrsagung oder eines falschen Gesetzes. Es offenbart jedenfalls. das eben nicht das Gesetz Gottes ist. verschwindet schließlich fast völlig. Daß aber der Völkermord durch das Eintreiben der Schulden eine Sünde ist . Wer nicht zahlt. und die Kreuzigung Jesu ist Erfüllung des Gesetzes. Wenn die Seele lebt. folglich geschieht durch das Gesetz die Sünde. die durch die Gesetzeserfüllung stattfindet. daß diese ersten Christen die Sünde mit der Erfüllung des Gesetzes verbanden. der Schuldige ist. ein Geschichtsgesetz wie das Marktgersetz oder das des Sozialismus sein. Es kann das mosaische Gesetz.

aber den Esel meint. ist nach Nietzsche die Meinung des Paulus. weil un Tabu seiner Zeit respektierte. das Proberlm tatsächlich zu thematisieren. Staat und Herrschaft aber sind Verwaltung des Todes. auf Anarchismus.659 (p.659 115 . "Gott hätte den Tod Christi nie beschließen können.. daß die Konsequenz der Ethik der Überwindung des Gesetzes die Abschaffung des Staates und damit der Herrschaft ist. Er attackiert Paulus und meint Jesus. daß man sich auf das Christentum bezieht. daß Nietzsche den Sack schlägt. das in derselben Zeit ziemlich genau wie Nietzsche denkt. Im paulinischen Sinne handelt es sich um eine Neue Erde...also des Geldes und des Privateigentums . die Gerichtshöfe.. So stehen sich die Ethik der Aufhebung des Gesetzes und die der Erfüllung des Gesetzes gegenüber und schließen sich tendenziell aus. Aber es gelingt ihm nicht. Folglich kann die Neue Erde weder Staat noch Herrschaft noch Geld noch Privateigentum kennen: "Das ursprüngliche Christentum ist Abolition des Staates: es verbietet den Eid. über die Abschaffung des Staates und der Gesellschaft ." III. Nicht nur der Tod Jesu. es verschmäht die Reichen.. Sozialismus und Marxismus. dann ist es höchst unwahrscheinlich. den Aussätzigen jeder Art. Er respektiert damit ein umgekehrtes Tabu. wenn überhaupt ohne diesen Tod eine Erfüllung des Gesetzes möglich gewesen wäre. den Kriegsdienst. das es in diesen bürgerlichen Kreisen verbot 145 III.". Nietzsche sieht dies in einem gewissen Grade. die diese Erde ist ohne den Tod. daß die Erfüllung des Gesetzes der Tod ist. und können ohne die Verwaltung des Todes nicht bestehen.. das es verbot und auch hewute noch verbietet. die Vornehmen. obwohl man das nicht erwähnt.. Nietzsche sieht daher durchaus.desto weniger wird es noch ein Sündengefühl in der Ausübung der Herrschaft geben.spricht. die Selbstverteidigung und Verteidigung irgendeines Ganzen. Jesus direkt anzugreifen. Nietzsche bezog sich schon nur deshalb auf Paulus. in der Nietzsche lebt. Dies setzt eben voraus.. Jetzt aber attackiert er Paulus und meint den Sozialaismus. Dies ist auch die Vorstellung des ursprünglichen Christentums. es wächst heraus aus den Verrufenen und Verurteilten. Dennoch wird man bemerken. Wenn man in der Zeit. Man bezieht sich dann. Das Christentum ist auch Abolition der Gesellschaft: es bevorzugt alles von ihr Geringgeschätzte. sondern der Tod derer. ist das genau das Ergebnis.139) 145 Wenn man die Ethik der Überwindung des Gesetzes auf die Spitze treibt. denen die Erfüllung des Gesetzes aufgezwungen wird.

wie es Maria. die die Sünde ganz vorwiegend als Ergebnis der Gesetzeserfüllung. Die Ethik der Gesetzeserfüllung ist das aber gerade nicht. Denn Herrschaft heißt Gesetz. was Marx unter Fetisch versteht. der schmal. die überhaupt nicht staatstragend sind. sich mit Anarchismus. Jesus. die Ethik. was Nietzsche den Standpunkt der Niedriegen und Schlecht-weg-gekommenen nennt. Es ist eine Ethik der Herrschenden. Petrus und Paulus sind. Thomas von Aquin ist ein Mitglied des italienischen Adels. Tatsächlich ist der Weg von Paulus zu Marx kurz. und nicht einfach eine christliche Ethik. Wir haben also in der christlichen Tradition zwei sich bekämpfende Ethiken. der "Vornehmen".h. Er beweist durch seine häufigen Pauluszitate allerdings. Anselm von Canterburry ebenfalls und genauso Bernard von Clairveaux. und folglich als Ergebnis der Herrschaft ansieht. kurvenreich und schwer durchzustehen ist. Ganz anders als etwa der Weg von Paulus zur mittelalterlichen christlichen Orthodoxie. dann kommt man direkt und ohne viele Umschweife zur Marxschen Theorie des Fetischismus. die jetzt Gesetzesverletzungen als einzige Sünde zuläßt und deshalb eine Ethik der Herrschaft ist. Es ist daher eine Ethik vom Standpunkt der Schwachen. daß er diesen kennt.und weitgehend heute noch verbietet. Diese Männer machen Imperien. Es sind Männer. und es ist unvorstellbar. Augustinus ist ein vornehmer Römer. Was Paulus unter Sünde versteht ist dem. Wo nämlich Marx Paulus interpretiert (Heilige Familie. ganz außerordentlich verwandt. Sie sind "staatstragend" im Unterschied zu den Gründern des Christentums. Das sind keine "Schlecht-weg-gekommenen". Daher dieser enorme Zuspitzung seiner Attacken gerade auf Paulus. sodaß ein zumindest halbbewußter Einfluß durchaus möglich ist. gegen die dann die Ethik der Erfüllung des Gesetzes entsteht. breit und bequem zu gehen. Die Ethik der Überwindung des Gesetzes ist hingegen eine Ethik. Die letztere ist die Sündenethik. (s. der Mächtigen. Nimmt man die paulinische Gesetzestheologie und fügt in sie das Wertgesetz des Marktes als Gesetz ein. obwohl Marx wahrscheinlich seine Fetischismustheorie weitgehend unabhängig von der paulinischen Gesetzestheologie entwickelt hat. Lucifer y la Bestia) Dies gilt. Deutsche Ideologie) interpretiert er ihn ständig in der Richtung der christlichen Orthodoxie. Es entsteht zuerst die Ethik der Überwindung des Gesetzes. d. Ideologischen Waffen des Todes. Diese Männer führen den Okzident zur Eroberung der Welt und sie haben die Macht 116 . steinig. der Beherrschten und der Armen aus. Sozialismus oder Marxismus überhaupt auseinanderzusetzen. die die Herrschaft sichern und die Rechte der Ausübung der Herrschaft vertreten. daß ohne ihr Wirken die bürgerliche Gesellschaft entstanden wäre. Das ist nicht einmal völlig falsch. Die Ethik der Überwindung des Gesetzes ist das. auf das man diese Theologie bezieht.

des Imperiums entwickelt wie nie jemand zuvor. Wenn Nietzsche immer meint, daß sie schlecht riechen, dann fällt ihm gar nicht ein, daß vielleicht die Macht schlecht riecht, die gerade sie geschaffen haben. Allerdings ist die Ethik der Erfüllung des Gesetzes die Inversion der anderen Ethik der Überwindung des Gesetzes. Diese Inversion des Christentums geschieht in den ersten Jahrhunderten, stellt sich im 4.Jahrhundert klar heraus und bestimmt dann das gesamte mittelalterliche Imperium vom 11.Jahrhundert an. Das Christentum selbst ist das Instrument, mit dem die imperiale Herrschaft ihre Legitimität zurückgewinnt gegen eine Volksbewegung, die im Namen des Christentums stattgefunden hatte. Das Christentum, zu dem sich das vornehme Rom bekehrte, war nicht das Christentum, vor dem das vornehme Rom gezittert hatte. Das Christentum, vor dem dieses Rom gezittert hatte, war ein jüdisch-christliches Christentum. Das Christentum, zu dem sich das vornehme Rom bekehrte, war ein griechisch-römisches Christentum. Rom wehrte sich durch das Christentum gegen das Christentum. Das jüdisch-christliche Christentum war ein Christentum der römischen Sklaven und sonstigen Unterdrückten, das griechisch-römische Christentum aber war ein Christentum der vornehmen Herren Roms. Das jüdisch-christliche Christentum vermochte, der Herrschaft gegenüber den Menschen zu vertreten, der, weil er vor Gott gleich ist, der Herrschaft gegenüber ein Recht hat. Folglich erscheint ein Mensch, der von einer Neuen Erde träumt und diese Erde danach gestalten will. Er wird mit Paulus sagen und empfinden: Das Werk des Gesetzes ist der Tod. Was heißt: Das Werk der Herrschaft ist der Tod. und das heißt: Das Werk Roms ist der Tod. Dies ist das Thema der Apokalypse, des in den ersten Jahrhunderten meistgelesenen Teils des Neuen Testaments. Tod aber heißt körperlicher Tod: Hunger, Krankheit, Elend. Das griechisch-römische Christentum wird dies in sein Gegenteil verwandeln, indem es das Leben der Seele an die Stelle des Lebens des Körpers setzt. Dadurch antwortet es auf den drohenden Aufstand der Sklaven. Für diese ist alle Erlösung ein Prozeß, der von der Befreiung des Körpers ausgeht, den man dadurch begründet, daß das körperliche Leben des einen immer dann die Quelle aller Legitimität ist, wenn es das körperliche Leben des andern achtet. Das aber ist Aufstand, auch wenn es ohne jede politische Absicht egesagt wird. Diesen Aufstand aber konnte man nicht bekämpfen, indem man die Gleichheit eines jeden Menschen vor Gott leugnete. Folglich akzeptierte man die Gleichheit. Man bekämpfte den Aufstand, indem man die "wahre" Gleichheit des Menschen als Seele gegen die Gleichheit als Körper setzte. Die Ethik der Überwindung des gesetzes

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ist notwendig einbe Ethik der solidarischen Körperlichkeit. An ihre Stelle trat jetzt eine Ethik der reinen Seele, die weiterhin eine Ethik der Gleichheit bleibt, diese Gleichheit aber gegen die solidarische Körperlichkeit wendet. Dies wurde jetzt zur Ethik der "Vornehmen", und konnte adequat vor allem durch die platonische Philosophie interpretiert werden. Alle Menschen sind vor Gott gleich, aber sie sind es als Seelen, für die der Körper ein Gefängnis ist. Eine solche Vorstellung hat für Paulus oder Jesus nicht den geringsten Sinn. Sie ermöglicht aber, das Evangelium "vornehm" zu machen. Man konnte jetzt den drohenden Sklavenaufstand als Werk der Konkupiszenz denunzieren. Was die Gleichheit vor Gott anbetrifft, hatte man ihn ja aufgenommen, was aber die Gleichheit des körperlichen Lebens anbetraf, hatte man ihn zerstört. Dies insbesondere deshalb, weil jetzt die Beherrschten positiv angesprochen werden konnten in einer Situation, in der sie von vornherein gar keine realistische Alternative für das Imperium hatten: außer ihrer eschatologischen Hoffnung, die immer mehr in eine unbestimmte Ferne rückte. Nietzsche sieht nur sehr unbestimmt diese Inverssion des Christentums. Er beurteilt sie aber selbst moralisch, was eben überthaupt nicht adequat ist: "Moral als Werk der Unmoralität. 1. Damit moralische Werte zur Herrschaft kommen, müssen lauter unmoralische Kräfte und Affekte helfen. 2. Die Entstehung moralischer Werte ist das Werk unmoralischer Affekte und Rücksichten. ...'Unmoralität' des Glaubens an die Moral." III,866
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Offensichtlich entgeht ihm die Inversion. Er meint daher, daß dieses Christentum weiterhin paulinisch ist, aber die Unmoralität braucht, um diese Werte durchzusetzen. Die christliche Herrschaft ist anders. Sie konstituiert eine invertierte Ethik, in der diese Unmoralität gerade durch die Moral gefordert wird. Sie erklärt die Macht, der sie dient, als Moral. Wenn irgendwo je eine Ethik entstanden ist, die die Macht als Moral vertritt, so ist es diese christliche Ethik. Aber Nietzsche scheint diese Inversion zumindest zu erahnen: "Jeder nach Herrschaft strebende, aber unter einem Joch befindliche Instinkt braucht für sich, zur Unterstützung seines Selbstgefühls, zur Stärkung, alle schönen Namen und anerkannten Werte: so daß er sich hervorwagt zumeist unter dem Namen des von ihm bekämpften 'Herren', von dem er frei werden will (z.B. unter der Herrschaft
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chtisdtlicher Werte die fleischliche Begierde oder die Machtbegierde).Dies ist die andere Ursache der Falschheit. In beiden Fällen herrscht vollkommene Naivität: die Falschheit tritt nicht ins Bewußtsein... Die absolute Unschuld in der Gebärde, im Wort, im Affekt, das 'gute Gewissen' in der Falschheit, die Sicherheit, mit der man nach den größten und prachtvollsten Worten und und Stellungen faßt - alles snotwwendig zum Siege. Im andern Falle: bei extremer Hellsichtigkeit bedarf es Genie des Schauspielers und ungeheure Zucht in der Selbstbeherrschung, um zu siegen. Deshalb sind Priester die geschicktesten bewußten Heuchler; sodann Fürsten..." III,869 "Überall,, wo die Verstellung stärker wirkt, wenn sie unbewußt ist, wird sie unbewußt." III,870
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Er spricht jetzt von einem nach Herrschaft strebenden Instinkt, - dem Willen zur Macht - der sich unter einem Joch befindet. Das Joch ist angeblich diese paulinische Botschaft, die tatsächlich die theologische Formulierung der Jesusbotschaft ist. Er glaubt allen Ernstes, daß dies die Werte sind, die diesen Instinkt unter ein Joch bringen. Folglich sagt er, daß er sich nur hervorwagt, wenn er diese anerkannten Werte vorweist, und daher in ihrem Namen - als seiner Herren - sein Machtstreben durchsetzt dadurch, daß er es verleugnet. Natürlich ist es richtig, daß jetzt die Ungleichheit im Namen der Gleichheit gerechtfertigt wird, und folglich die Macht im Namen des Verzichts auf die Macht oder im Namen des Kampfes gegen diejenigen, die die Macht wollen. Da man sich gezwungen sieht, die Gleichheit aller Menschen anzuerkennen, muß man aus ihr die Ungleichheit begründen. Dies sist sicher die jetzt entstehenden moralische Heuchelei, auf die sich seither alle Herrschaft begründet. Was Nietzsche hingegen nicht sieht oder zumindest nicht sehen will er sagt es ja selbst, und es gilt auch für ihn: "wo die Verstellung stärker wirkt, wenn sie unbewußt ist, wird sie unbewußt" - ist, daß die Gleichheit, in deren Namen die Ungleichheit gerechtfertigt wird, eine ganz andere geworden ist. An die Stelle einer konkreten, von der Bedürfnisbefriedigung des Menschen ausgehenden Gleichheit ist die Gleichheit von Seelen getreten, die den Anspruch auf Bedürfnisbefriedigung als Konkupiszenz verurteilt. Das aber ist die Gleichheit der "Vornehmen" und der Herren. Daher ist das Ergebnis von Nietzsche völlig falsch, wenn er behauptet: "...die Moral als Gegenprinzip gegen die furchtbare Explosion der Mächtigen: nützlich für die 'Niedrigen'." III,867
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daß dies nicht Paulus wiedergibt. Das orthodoxe Christentum verurteilt diese genauso wie Nietzsche auch.Diese christliche Moral ist nicht nützlich für die Niedrigen oder sie ist es nur in einer völlig indirekten. Alles das. um sich zu legitimieren. ist das orthodoxe Christentum völlig auf seiner Seite. was seine Interpretation der paulinischen Gesetzestheologie anbetrifft. ist doch das. Die Abschaffung der "wahren Welt": die Utopiekritik von Nietzsche. Alles. Daher wird durch diese christliche Moral der Erfüllung des Gesetzes die gesamte Moral der Überwindung des Gesetzes. Es ist eine Moral. oder kann sie einfach darauf verzichten? Kann die Herrschaft darauf verzichten. der gar nicht existiert. nicht einfach zwischen dem Christentum und Nietzsche. Sie sieht genau das als Hochmut an. eigentlich das Gewissen einer Ethik der Erfüllung des Gesetzes. Es ist dies auch. ganz begrenzten Form. was Nietzsche völlig zu Recht als Botschaft des Paulus darstellt. Das. Wo Nietzsche vom Hochmut des Paulus spricht. Glaubt denn Nietzsche im Ernst. dort wird die orthodoxe Theologie doch mit ihm übereinstimmen. Aber es ist ein Konflikt zwischen der Herrschaft und Nietzsche. bezieht sich auf alle begrifflichen einschließlich aller ethischen Bezugssysteme für die 120 . verteufelt. was Nietzsche als paulinische Gesetzestheologie darsteellt. daß diese christliche Moral Jesus mit Paulus als "Vernichter des Gesetzes" ansehen wird? Ganz im Gegenteil. die die Niedrigen verurteilt. wird aber immer behaupten. im Namen der Gleichheit aller Menschen ausgeübt zu werden? Hier erst kommt ein Konflikt mit Nietzsche zustande. Was Nietzsche die "wahre Welt" nennt. Als solcher hat er auch einen Namen: er heißt Luzifer. ist vom Standpunkt dieses Christentums der Herren Teufelswerk und wird als solches angesehen. ist für das von der Herrschaft interpretierte Christentum gerade der Teufel. Die Frage ist daher eine andere: braucht die Herrschaft. was diese Botschaft ausmacht. Sie wird genau diese Behauptung als Werk des Teufels bezeichnen und Paulus und die Jesusbotschaft völlig verändern. Was die "Niedrigen" anbetrifft. Denn auch der Konflikt des Christentums ist ein Konflikt mit der Herrschaft. Nietzsche erkennt diese innere Dynamik des Christentums nicht. Nietzsche glaubt sich daher in einem Konflikt mit dem Christentum. die im Ursprung des Christentums gestanden hat. was die christliche Orthodoxie als Werk des Teufels denunziert.

wie wir sie unter Abstraktion von diesen Bezugssystemen wahrnehmen zu können glauben. der genauen Uhr und vielen anderen. Über der scheinbaren Welt erhebt der Mensch daher eine wahre Welt. meine Herren Mechanisten und Physiker. die gerade zur Lebenszeit Nietzsches einen außerordentliche Bedeutung gewinnt.973/974) Sicher würde er sie auch sehen in Vorstellungen wie dem mathematischen Pendel. Nr. Die vier großen Irrtümer.Beurteilung der Welt. Aber sie existiert auch in den Naturwissenschaften. Daher verleumdet die wahre Welt die wirkliche Welt. Die vier großen Irrtümer. wie viel Irrtum. der unendlichen Ebene. Diese wird dann zur "scheinbaren Welt". vom horrendum pudendum der Metaphysiker!" Götzen-Dämmerung. wie viel rudimentäre Psychologie ist noch in Ihrem Atom rückständig! . Es ist die emanzipatorische Utopie.973/974 121 . die Vorstellung einer Welt von Menschen. und durch Bezugnahme auf diese wahre Welt wird die wirkliche Welt in eine scheinbare Welt verwandelt. die gleich sind. deren Wirklichkeit eben die andere.3. verwandeln wir sie in eine bloße Welt des Scheins. Nr. ist der eigentliche Grund für diese Kritik der "wahren Welt".Gar nicht zu reden vom 'Ding an sich'. die ganze okzidentale Tradition vom Tisch fegen zu 150 "Und selbst noch ihr Atom. der Tugend und der Seele. sobald sie atatsächlich von großen sozialistischen Bewegungen aufgenommen wird. also einer Welt der Erscheinungen. als Kommunismus oder als Sozialismus. II. 150 Was er wiederum nicht erwähnt. um die es Nietzsche geht. die Vorstellung eines Himmels jenseits des Todes. uns gegebene Welt. läßt es aber klar werden. wie viel rudimentäre Psychologie ist noch in Ihrem Atom rückständig! . das Gewissen. II. Die wirkliche Welt scheint daher eine bloße Abweichung von der wahren Welt zu sein. ist daher die platonische Welt der Ideen. Hier entsteht gerade die Vorstellung der "wahren Welt". Nietzsche systematisiert dies nicht. Die wahre Welt sieht Nietzsche daher als eine Form der Verachtung für die wirkliche. die er jetzt mit der gesamten okzidentalen Tradition verbindet und gegen die er sich wendet. Die wahre Welt zerstört die wirkliche Welt. "Und selbst noch ihr Atom. das Ressentiment und die Dekadenz an. der Unsterblichkeit aller Menschen. Es ist die "wahre Welt" als Anarchie. Nietzsche sieht daher die Konstruktion solcher wahren Welten als den letztlichen Grund für die Moral. leert sie aus und schafft ein Vakuum. Um sich gegen Anarchie und Kommunismus wenden zu können.Gar nicht zu reden vom 'Ding an sich'. wie viel Irrtum. glaubt er. meine Herren Mechanisten und Physiker. Die wahre Welt.3. auf die sich Nietzsche bezieht. die wahre Welt ist. unterminiert sie. vom horrendum pudendum der Metaphysiker!" GötzenDämmerung. etwa in der Vorstellung des Atoms. Indem wir diese wirkliche Welt durch Bezugnahme auf die wahre Welt verstehen. die Vorstellung einer moralischen Welt.

. 151 152 Da diese "wahre Welt" sich im Gegensatz zur wirklichen Welt befindet. die etwas besserem führt. Sie zerstört das "Leben". was man 'Leib' und 'Fleisch' nannte: der Rest ist ein kleines Zubehör.. aber eine Krankheit. daß der Faden immer mächtiger wird . wie Herz. wie die Schwangerschaft eine Krankheit ist.829) Als dritte Phase dieser historischen Triade kündigt er daher die Erlösung von dieser Krankheit an." III. Immer sieht er diese wahre Welt im Gegensatz zur wirklichen Welt. sodaß er ein Geschichtsbild entwickelt. diese prinzipielle Aufgabe zu verkehren: wie als ob sie die Ziele wären!" III. ein Schattenreich. Die Aufgabe. ein Schattenreich. sobald er zur Krisis aller Vorstellungen einer wahren Welt führt: 151 "." III. aber eine Krankheit. II. Diesen Prozeß nennt Nietzsche den "Nihilismus". eine Scheinexistenz neben der wahren Existenz gedacht. das schlechte Gewissen. Nr.könnte doch die andre Welt die 'scheinbare' sein (in der Tat haben sich die Griechen z.das ist die Aufgabe.könnte doch die andre Welt die 'scheinbare' sein (in der Tat haben sich die Griechen z. Sie ist eine Krankheit.19. [". Diese Aufgabe entspricht dem Auflösungsprozeß. ("Es ist eine Krankheit. Aber nun sehe man. eine Scheinexistenz neben der wahren Existenz gedacht.681 122 . II. und so. Sie scheint ihm ein Monster. also eine Krankheit. wie die Schwangerschaft eine Krankheit ist.718 152 "Es ist eine Krankheit. Tugend. Geist förmlich sich verschwören. Nr.829 153 III. eine Neue Welt... die ganze Kette des Lebens fortzuspinnen.B. die sich von einer "wahren Welt" aus versteht. das unterliegt keinem Zweifel. die Welt von der Erlösung durchd die wahre Welt erlösen. das schlechte Gewissen.. Da ist dann ein Urzustand. die keine wahre Welt mehr braucht. Seele. die zur heutigen Krisis führt.. aber eine Krankheit.19." Zweite Abhandlung.B. in dem sich die Dekadenz seit Sokrates entwickelt.müssen. Seine Kritik der Moral bezieht sich daher letztlich auf diese Gesamtheit der wahren Welt... "Es liegt so unsäglich viel mehr an dem." Zweite Abhandlung. der innerhalb der Welt vor sich geht.718] Darauf folgt die Dekadenz mit ihrem Zerstörtungsprozeß der wirklichen Welt. das sich im Nihilismus selbst verschlingt. die heute zur Krisis des Nihilismus führt yund eine Lösung verlangt.681 153 Die Welt ist eine verkehrte Welt und sie muß wieder zu einer richtigen Welt werden. wie die Geburtswehen eine Krankheit sind. das unterliegt keinem Zweifel. in dem der Mensch noch keine verleumderische wahre Welt konstruiert hat oder in dem die jenseitige Welt gerade die scheinbare Welt ist. Daher muß man das Leben retten. löst sie die wirkliche Welt auf und wird zur Bedrohung.

oder selbst das Losgehen auf einen allgemeinen Nichts-Zustand . der Mangel an Gelegenheit. Alle Mächte des alten Europa haben sich zu einer heiligen Hetzjagd gegen dies Gespenst verbündet.4.das Gespenst des Kommunismus." III. steckt der Nihilismus. III. Das Gemeinsame aller dieser Vorstellungen ist. Alle Mächte des alten Europa haben sich zu einer heiligen Hetzjagd gegen dies Gespenst verbündet.676/677 p. der nicht darin ist: sodaß der Sucher endlich den Mut verliert. wenn wir einen 'Sinn" in allem Geschehen gesucht haben. Also die Enttäuschung über einen angeblichen Zweck des Werdens als Ursache des Nihilismus. daß mit dem Werden nichts erzielt." III. die Unishcerheit. Er sieht ihn auf drei Ebenen: als Nihilismus gegenüber dem Begriff des Fortschritts. Nihilismus ist dann dass Berwußtsein der langen Vergeudung von Kraft. nichts erreicht wird.. obwohl man es gesucht hat. sich irgendwie zu erholen. Es bricht also der Glaube an den Fortschritt zusammen... erstens... Dies ist eine Abwandlung der ersten Sätze des kommunistischen Manifestes: "Ein Gespenst geht um in Europa .461) 154 Nach Nietzsche ist dieser Nihilismus als Auflösungsprozeß bereits vor sich gegangen oder unterwegs. S. die Qual des 'Umsonst'..881. französische Radikale und deutsche Polizisten. der Papst und der Zar. Sondern: in einer ganz bestimmten Ausdeutung..35/36 155 Es gibt kein Ziel.und nun begreift man." MEW. irgendwo noch zu beruhigen . als habe man sich allzulange betrogen. in der christlich-moralischen. Metternich und Guizot.. Dies ist eine Abwandlung der ersten Sätze des kommunistischen Manifestes: 154 "Ein Gespenst geht um in Europa .. gegenüber dem Begriff der Totalität und gegenüber dem Begriff der Utopie einer Neuen Welt.881.ein Ziel ist immer noch ein Sinn." MEW..das Gespenst des Kommunismus. französische Radikale und deutsche Polizisten.676/677 123 . die Annäherung an einen allgemeinen Glücks-Zustand.. Metternich und Guizot."Der Nihilismus steht vor der Tür: woher kommt uns dieser unheimlichste aller Gäste? .oder Nichts-Zustand.. Jener Sinn könnte gewesen sein.461 155 III. der Papst und der Zar. daß ein Etwas durch einen Prozeß selbst erreicht werden soll:. Bd. auf 'soziale Notstände' oder 'physiologische Entartungen' oder gar auf Korruption hinzuweisen als Ursache des Nihilismus.4. Bd.die Scham vor sich selbst. Daher auch nicht für einen noch kommenden Glücks. S. es ist nicht für etwas da. Das Leben hat keinen Sinn außerhalb des Lebens. Er leitet dies folgendermaßen ab: "Der Nihilismus als psychologischer Zustand wird eintreten müssen.Ausgangspunkt: es ist ein Irrtum.

677 156 Es geht der Glaube an die Totalität verloren.und Abhängigkeitsgefühl von einem ihm unendlich überlegenen Ganzen.h. Sobald aber der Mensch dahinterkommt. Es ist immer noch die hyperbolische Naivität des Menschen: sich selbst als Sinn und Wertmaß der Dinge anzusetzen. wie nur aus psychologischen Bedürfnissen diese Welt gezimmert ist und wie er dazu ganz und gar kein Recht hat.677 124 .. Kurz: die Kategorien 'Zweck'. hat der Mensch diese Vorstellung von einem Wert durch die Totalität geschaffen.678 156 III.677/678 Da der Mensch seinen Wert aus dieser wahren Welt abgeleitet hat. noch mit dem Begriff 'Wahrheit' der Gesamtcharakter des Daseins interpretiert werden darf. noch mit dem Begriff 'Einheit'. welche sich auf eine rein fingierte Welt beziehen. entsteht jetzt das Gefühl der Wertlosigkeit: "Das Gefühl der Wertlosigkeit wurde erzielt. wenn durch ihn nicht ein unendlich wertvolles Ganzes wirkt: d.. bleibt als Ausflucht übrig. irgendeine Form des 'Monismus': und infolge dieses Glaubens der Mensch in tiefem Zusammenhangs. er hat ein solches Ganzes konzipiert. welche den Unglauben an eine metaphysische Welt in sich schließt. Um an seinen Wert glauben zu können.."Der Nihilismus als psychologischer Zustand tritt zweitens ein. um an seinen Wert glauben zu können.. wenn man eine Ganzheit.. mit denen wir der Welt einen Wert eingelegt haben. ein modus der Gottheit.welche sich den Glauben an eine wahre Welt verbietet. daß weder mit dem Begriff 'Zweck'.. diese ganze Welt des Werdens als Täuschung zu verurteilen und eine Welt zuz erfinden.. es gibt kein solches Allgemeines! Im Grunde hat der Mensch den Glauben an seinen Wert verloren... eine Systematisierung. als wahre Welt. selbst eine Organisierung in allem Geschehen und unter allem Geschehen angesetzt hat: so daß in der gesamtvorstellung einer höchsten Herrschafts...und Verwaltungsform die nach Bewunderung und Verehrung durstige Seele schwelgt.. welche jenseits derselben liegt. 'Sein'. Resultat: Der Glaube an die Vernunft-Kategorien ist die Ursache des Nihilismus. werden wieder von uns herausgezogen . so entsteht die letzte Form des Nihilismus.wir haben den Wert der Welt an Kategorien gemessen. 'Das Wohl des Allgemeinen fordert die Hingabe des einzelnen'.. die als Vorstellung des Ganzen dem Menschen einen Wert geben sollte.. Eine Art Einheit. Damit aber geht auch der Glauben ana eine utopische Zukunft (metaphysische Welt) verloren: "Der Nihilismus als psychologischer Zustand hat noch eine dritte und letzte Form.und nun sieht die Welt wertlos aus. 'Einheit'. .." III.." III." III.. aber siehe da. als man begriff.

daß das Ideal bis jetzt die eigentlich welt. Es ist die Verführung zum Nichts: "Mein Schlußsatz ist: daß der wirkliche Mensch einen viel höheren Wert darstellt als der 'wünschbare' Mensch irgendeines bisherigen Ideals: daß alle 'Wünschbarkeiten' in Hinsicht auf dern Menschen absurde und gefährliche Ausschweifungen waren. seine Kraft. durch die der Mensch sich zum Wertmaß der Dinge macht.. die große Verführung zum Nichts war.er erfindet eine Welt.-noch jetzt ist die Menschheit in Gefahr. seine Zukunftsgewißheit herabgedrückt hat. schafft die Hölle auf Erden. zur 'Wahrheit' und jedenfalls zum Richter und Verurteiler dieses Seins." III. daß jede zur Herrschaft gebrachte 'Wünschbarkeit' solchen Ursprungs bis jetzt den Wert des Menschen.h.. man sehe nur an.. "Das ist eine jammervolle Geschichte: der Mensch sucht nach einem Prinzip..673 p.157 Dies heißt: Wer den Himmel auf Erden will. von wo aus er den Menschen verachten kann. Das Ideal zerstört.. 125 .739/740 Man muß das Gute abschaffen.In der Tat. wieviel Wert seine Konzeption hat.Fortschritt. um diese Welt verleumden und beschmutzen zu können: tatsächlich greift er jedesmal nach dem Nichts und konstruiert das Nichts zum 'Gott'." III. ..und Wachstums-Bedingungen über der Menschheit als Gesetz aufhängen möchte. mit denen eine einzelne Art von Mensch ihre Erhaltungs. d. Teufelei und Ohnmacht erwiesen: woraus sich ergibt. von der Erlösung erlösen.. der Gifthauch über der Realität. ist gerade die Zerstörung der Wirklichkeit. da es die Menschheit ruiniert: ".225 Es ist der Ruf zur menschlichen Demut gegen den Hochmut der Hybris.. an einer lebenswidrigen Idealität zugrunde zu gehen..und menschverleumdende Kraft. man muß die Welt vom Ideal erlösen.In praxi hat sich derselbe Gott angesichts der wirklichen Beschaffenheit der Welt als Gott der höchsten Kurzsichtigkeit.daß ein hoher Grad von Macht in den Händen der höchsten Güte die unheilvollsten Folgen ('die Abschaffung des Übels') mit sich bringen würde?. Schaffen wir folglich den Himmel ab! "Und dieses Leben ruht auf unmoralischen Voraussetzungen: und alle Moral verneint das Leben -... was der 'Gott der Liebe' seinen Gläubigen für Tendenzen eingibt: sie ruinieren die Menschheit zugunsten des 'Guten'. Totalität und Utopie als Inbegriff aller "wahren Welt" werden jetzt als Hybris betrachtet..." III. Daß der Mensch sich als solchen betrachtet.671/672 p.

.960/962 Jetzt entsteht eine andere Welt: "Die wahre Welt haben wir abgeschafft: welche Welt bleibt übrig? die scheinbare vielleicht?. sind Kennzeichen des Nicht-Seins.. Verkleinerung. Geschichte eines Irrtums. daraufhin 'diese' Welt als scheinbar bezeichnet worden ist." III. Der Instinkt der décadence. die Moral. Es genügt. eines 'besseren' Lebens. haben wir die bisherigen obersten Werte abzuschaffen.6. Nr. ja. Verdächtigung des Lebens ins uns mächtig ist: im letzteren Falle rächen wir uns am Leben mit der Phantasmagorie eines 'anderen'.. daß nicht ein Instinktt der Verleumdung. begründen vielmehr deren Realität . haben wir die 'wahre Welt' abgeschafft. des Nichts man hat die 'wahre Welt' aus dem Widerspruch zur wirklichen Welt aufgebaut: eine scheinbare Welt in der Tat. die Moral selbst ist ein Spezialfall der Unmoralität. Ist auf diese Weise die Tyrannei der bisherigen Werte gebrochen.. insofern sie bloß eine moralisch-optische Täuschung ist..." II.. "Wie die 'wahre Welt' endlich zur Fabel wurde.. Gesamteinsicht: die bisherigen höchsten Werte sind ein Spezialfall des Willens zur Macht. der als Wille zur Macht auftritt. Zweiter Satz.963 Jetzt entsteht die wirkliche Welt als unmittelbare Welt.. daß wir die wahre Welt nicht mehr brauchen. in welchem das Unmoralische bis jetzt verurteilt worden ist. Es ist eine Welt.ist der Gegensatz.ein Symptom niedergehenden Lebens.Schaffen wir die wahre Welt ab: und um dies tun zu können. Die Welt scheiden in eine 'wahre' und eine 'scheinbare'. so wird eine neue Ordnung der Werte von selbst folgen müssen. II. Beweis: die absolute Unmoralität der Mittel in der Geschichte der Moral. Vierter Satz. Aber nein! mit der wahren Welt haben wir auch die scheinbare abgeschafft!" Götzen-Dämmerung. Dritter Satz. Die scheinbare Welt und die erlogene Welt . Von einer 'andren' Welt als dieser zu fabeln hat gar keinen Sinn. Die Gründe. Die "Vernunft" in der Philosophe. vorausgesetzt. in der sich als ihr Wesen eine "wahre Welt" ausdrückt..eine andre Art Realaität ist absolut unnachweisbar. die keine "wahre Welt" mehr 126 . welche mana dem 'wahren Sein' der Dinge gegeben hat." GötzenDämmerung. Es gibt keine Welt der Erscheinungen mehr. daß die Konstruktion der wahren Welt gerade der Grund für ihre heutige Auflösung ist: "Erster Satz.. sei es in der Art des Christentums. nachzuweisen. sei es sin der Art Kants (eines hinterlistigen Chriasten zu guter Letzt -) ist nur eine Suggestion der décadence .. in dem Sinne.737 Nietzsche glaubt jetzt zu entdecken. daß auch die Moral unmoralisch ist.. Die Kennzeichen.

. Absichten-haben.braucht. die Feindschaft. der Haß. . nachdem man ihn künstlich aus ihm herausgezogen und damit das Tun entleert hat. daß man den Täter wieder in das Tun hineinnimmt. seiner neuen Welt als einer "wahren Welt": "Die Konzeption dieses Werks. Wachsen-wollen und dazu auch die Mittel wollen.857 Aus dem Abwerten ist ein Wert geworden: ein Leben ohne Werte: "Wert alles Abwertens. nachdem man ihn begrifflich aus ihm herausgezogen und damit das Tun entleert hat. ist so viel wie Stärker-werden-wollen. grausam.. daß man den 'Zweck' wieder in das Tun zurücknimmt. Hier fehlt der Gegensatz einer wahren und einer scheinbaren Welt: es gibt nur eine Welt. Es ist wirklich eine neue Welt. Eine Art Welt mit einem wahren Bewußtsein ist entstanden.Aber ein Irrtum ist es. ist absonderlich düster und unangenehm: unter den bisher bekannt gewordenen Typen des Pessismismus scheint keiner diesen Grad von Bösartigkeit erreicht zu haben. sondern als die richtige Art zu leben: "Kritik der 'Gerechtigkeit' und 'Gleichheit vor dem Gesetz': was eigentlich damit weggeschafft werden soll? Die Spannung. . daß man das Etwastun. 'Ziele'. Zwecke-. sodaß auch die wirkliche Welt nicht emehr ins eine Welt der Erscheinungen umgewandelt werden muß. ohne Sinn!. der allem Geschehen inhäriert: des Willens zur Macht. aber nicht etwa als neuer Glückszustand. Ziele-. Die Werte werden zur Emanation dieses Willens zur Macht. Was aber ist die Vorstellung von einer Welt. Wollen überhaupt. mit dem Willen zur Macht auch die Mittel dazu zu wollen und sie nicht mehr unter dem Gegenteil zu verstecken. die 'Absicht'. Eine so beschaffene Welt ist die wahre Welt. Alle 'Zwecke'. die Nietzsche doch abschaffen wollte? Ist sie nicht ein Ideal? Ist sie möglich? Nietzsche selbst spricht jetzt von dieser." III. Wir haben Lüge nötig. Das Leben wird "wahr". die keine wahre Welt mehr braucht und daher die wirkliche Welt nicht mehr in eine Welt der Erscheinung eines Wesens verwandelt? Ist die Vorstellung einer solchen Welt nicht eine Rückkehr der "wahren Welt". um über diese Realität. und diese ist falsch. der sich offen und direkt in ihnen ausdrückt. widersprüchlich. auf welche man in dem Hintergrunde dieses Buches stößt. daß dergestalt 'das Glück' gemehrt wird.. diese 127 ." III. 'Sinne' sind nur Ausdrucksweisen und Metamorphosen des einen Willens.679 Der Wert ist jetzt darin.Meine Forderung ist. verführerisch. das 'Ziel'.

'Wahrheit' zum Sieg zu kommen, das heißt, um zu leben... Daß die Lüge nötig ist, um zu leben, das gehört selbst noch mit zu diesem furchtbaren und fragwürdigen Charakter des Daseins." III,691/692 Nietzsche sagt suns eben, daß es nur eine Welt gibt, aber daß diese die wahre Welt ist, die "falsch, grausam, widersprüchlich, verführerisch, ohne Sinn" ist. Er hat die gute Welt durch die böse Welt ersetzt, aber beide, die gute oder die böse, sind "wahre Welten", d.h. Utopien. Er hat eine Utopie begründet, die unter dem falschen Schein der Realität vorgestellt wird. Bei Nietzsche entsteht somit die Utopie einer Welt, die "falsch, grausam, widersprüchlich, verführerisch, ohne Sinn" ist. Es ist ein neues Reich Gottes, ein neues Evangelium: "Denn man vergreife sich nicht über den Sinn des Titels, mit dem dies Zukunfts-Evangelium benannt sein will. 'Der Wille zur Macht. Versuch einer Umwertung aller Werte'..." III,634 (p.30) Nietzsche erkennt durchaus, daß er wieder auf eine Utopie herausgekommen ist, obwohl es diesmal eine antiemanzipatorische Utopie ist: Wir haben die Lüge nötig,... um zu leben. ("Im großen Menschen sind die spezifischen Eigenschaften des Lebens Unrecht, Lüge, Ausbeutung - am größten." III,861) Angeblich aber war doch die Verlogenheit der Moral der Grund, sie abschaffen zu müssen. Jetzt aber kommt er zum Ergebnis, daß seine Welt der abgeschafften Moral ebenfalls eine Moral konstituiert, die notwendig verlogen sein muß. Da aber wendet er sich ab: "Niemand würde, wie es scheint, einer radikalen Verneinung des Lebens, einem wirklichen Neintun noch mehr als einem Neinsagen zum Leben ernstlicher das Wort reden, als der Verfasser dieses Buches. Nur weiß er - er hat es erlebt, er hat vielleicht nichts anderes erlebt! - daß die Kunst mehr wert ist, als die Wahrheit." III,693

Die Verwirklichung der Utopie: Die Hölle auf Erden. Tatsächlich, sein ganzes Argument ist zu Ende, wenn seine Abschaffung der wahren Welt zu einer neuen wahren Welt wird, wenn seine Vernichtung aller Utopien zu der Utopie einer Welt führt, in der alle Utopien abgeschafft sind. Die Nazis haben genau diese Utopie von der Vernichtung aufgenommen und ihr sogar einen utopischen Namen gegeben: tausendjähriges Reich. Alle Utopien zu vernichten, das wird zur antiutopischen Utopie von einer Welt, in der die Emanzipation des Menschen, die Gerechtigkeit und Gleichheit, vergessen sind. Nietzsche stellt diese Tatsache zwar fest, aber er stellt sich ihr nicht.

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Stattdessen flüchtet er sich in die Kunst und spricht vom "Neinsagen zum Leben". Nicht mehr die Wahrheit sei sein höchster Wert, sondern die Kunst. Allerdings spsielt Nietzsche hier wohl eher ein ästhetisches Spiel. In Wirklichkeit wird er iummer extremer in der Verfolgung dieser Neuen Welt, die er entdeckt hat. Er hat eine Utopie, die er verwirklichen will. Sie ist aber nicht mehr ein Himmel auf Erden. Das war die emanzipatorische Utopie, gegen die seine Utopie gerichtet ist. Er ist zum Ergebnis gekommen, daß der Himmel auf Erden eine Hybris ist, die die Welt in eine Hölle verwandelt. Wahrhaftig wie er sein will, will er das was man kann. Er will eine Utopie, die nicht das Gegenteil von dem erreicht, was sie verspricht, eine wahreWelt, die das erreicht, was sie auch ausdrückt, auch wenn sie es nicht völlig erreicht. Seine Utopie ist folglich nicht der Himmel auf Erden, sondern die Hölle. Eine Welt ohne Utopie, ohne Emanzipation des Menschen, ohne Gerechtigkeit und Gleichheit. Eine solche Welt ist utopisch, aber dadurch, daß sie das Ende der Utopie verspricht. Es ist eine Welt ohne Hoffnung, und in ihrer Verwirklichung so unmöglich wie es der Himmel ist. Aber sie wird jetzt zum Ziel. Die Hölle auf Erden, so wie Dante sie beschrieb: Wer hier eintritt, lasse alle Hoffnung fahren. Tatsächlich ist das die Konsequenz. Wer behauptet, daß, wer den Himmel auf Erden will, die Hölle schafft, der kann nur auf eine einzige Art wahrhaftig sein: indem er die Hölle verspricht, auch wenn er sie dann Himmel nennt. Es ist die Befreiung von der Lüge. So spricht Nietzsche daher vom Erlöser, und bietet sich selbst als Erlöser an. Es ist der Erlöser, der uns vom Erlöser erlöst, der uns vom Ideal erlöst und von dem Fluch, den es bedeutet: "Aber irgendwann, in einer stärkeren Zeit, als diese morsche, selbstzweiflerische Gegenwart ist, muß er uns doch kommen, der erlösende Mensch der großen Liebe und Verachtung , der schöpferische Geist, den seine drängende Kraft aus allem Abseits und Jenseits immer wieder wegtreibt, dessen Einsamkeit vom Volke mißverstanden wird, wie als ob sie eine Flucht vor der Wirklichkeit sei während sie nur seine Versenkung, Vergrabung, Vertiefung in die Wirklichkeit ist, damit er einst aus ihr, wenn er wieder ans Licht kommt, die Erlösung dieser Wirklichkeit heimbringe: ihre Erlösung von dem Fluch, den das bisherige Ideal auf sie gelegt hat. Dieser Mensch der Zukunft, der uns ebenso vom bisherigen Ideal erlösen wird als von dem, was aus ihm wachsen mußte, vom großen Ekel, vom Willen zum Nichts, vom Nihilismus, dieser Glockenschlag des Mittags und der großen Entscheidung, der den Willen wieder frei macht, der der Erde ihr Ziel und dem Menschen seine Hoffnung zurückgibt, dieser Antichrist und Antinihilist, dieser Besieger Gottes und des Nichts - er muß einst kommen..." Zweite Abhandlung. Nr.24, 836/837

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Die Abschaffung der wahren Welt erscheint jetzt als Erlösung, und die Hölle, die Nietzsche verspricht, als der neue Himmel. Jetzt fühlt Nietzsche sich als Antichrist, der Erlöser ist. Der Erlöser vom Christentum und Judentum, vom Antisemitismus, Anarchismus und Sozialismus, von der Gerechtigkeit und von der Gleichheit, vom Gewissen und der Moral. Nietzsche ganz persönlich fühlt sich wirklich als der neue Gekreuzigte: gekreuzigt durch den Gekreuzigten. In den letzten Briefen zur Zeit seines Zusammenbruchs unterschreibt er als Dionysos und als Der Gekreuzigte. Der christliche Erlöser starb am Kreuze, um alles das zu bringen, von dem un der neue Erlöser erlösen wird. Der neue Erlöser ist auch ein Gekreuzigter, gekreuzigt durch das Kreuz, das der christliche Erlöser gebracht hat. Nietzsche glaubt zu seinem Ende hin immer mehr, krank geworden zu sein durch das Christentum, und daher gekreuzigt zu werden durch den Gekreuzigten. Jetzt fühlt er sich selbst als Erlöser, der von der ersten Erlösung erlöst. Schließlich fühlt er sich sogar eins mit dem christlichen Erlöser. In einem seiner letzten Briefe, den er an Jacon Burckhardt schreibt, sagt er: "Ich habe Kaiphas in Ketten legen lassen; auch ich bin vorigess Jahr von den deutschen Ärzten auf eine sehr langwierige Weise gekreuzigt worden. Bismarck und alle Antisemiten abgeschafft". (6.1.89) Jetzt solidarisiert er sich sogar mit diesem Gekreuzigten, indem er dessen Kreuziger, nämlich Kaiphas, in Ketten legen läßt. Er kreuzigt seinen Kreuziger, nämlich den, der den Gekreuzigten gekreuzigt hat, der wiederum ihn gekreuzigt hat. Und das ist ein Jude. In Nietzsche entsteht jetzt gerade ein Gefühl, die Lösung bringen zu müssen. Er denkt sich daher die Schaffung seiner Neuen Welt aus, die Abschaffung der wahren Welt. Die Erlösung von der Erlösung wird jetzt zur Befreiung: "Daß niemand mehr verantwortlich gemacht wird, daß die Art des Seins nicht auf eine causa prima zurückgeführt werden darf, daß die Welt weder als Sensorium, noch als 'Geist' eine Einheit ist, dies erst ist die große Befreiung - damit erst ist die Unschuld des Werdens wieder hergestellt... Der Begriff 'Gott' war bisher der größte Einwand gegen das Dasein... Wir leugnen Gott, wir leugnen die Verantwortlichkeit in Gott: damit erst erlösen wir die Welt.-" Götzen-Dämmerung. Die vier großen Irrtümer. Nr.8 II,978 Man muß kämpfen gegen die, die krank machen. Das Christentum hat krank gemacht, folglich muß man dagegen kämpfen: "Sowohl die Zähmung der Bestie Mensch, als die Züchtung einer bestimmten Gattung Mensch ist 'Besserung' genannt worden: erst

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scheußliche Geschlechtskrankheiten und daraufhin wieder 'das Gesetz des Messers'. sie schwach zu machen. ordnet an...es war der Kampf mit der 'großen Zahl'. . was noch stark und glücklich war. von denen der typische 'Verbesserer'. Die Zähmung eines Tieres seine 'Besserung' nennen ist in unseren Ohren beinahe ein Scherz. wo in der Tat die Kirche vor allem eine Menagerie war..Dasselbe Edikt setzt fest. Machen wir diejeneigen krank.. Das großartigste Beispiel dafür gibt dfie indische Moral. krank. Physiologisch geredet: im Kampf mit der Bestie kann Krankmachen das einzige Mittel sein.nicht diesmal im Kamapf mit der Bestie. welches sie nötig haben. daß die einzige Nahrung.. die nur leben können..diese zoologischen Termini drücken Realitäten aus . Das dritte Edikt zum Beispiel. Im frühen Mittelalter. Nr. das ihnen aus Gnade zugestanden wird. Da lag er nun. dem Mischmasch-Menschen.. die uns krank machen.. welche durch die Fußstapfen der Tiere entstanden sind. nichts weiß .. wie schlecht riecht es! . voller Haß gegen die Antriebe zum Leben.. indem sie krank machen. weder aus den Flüssen. dem Tschandala. die Beschneidung für die männlichen.Nicht anders steht es mit dem gezähmten Menschen. II. ihn schwach zu machen. dem Nicht-Zucht-Menschen. sondern nur aus den Zugängen zu Sümpfen und aus Löchern." Die 'Verbesserer' der Menschheit...Der Erfolg einer solchen Sanitäts-Polizei bleibt nicht aus: mörderische Seuchen. kümmerlich. sondern mit ihrem Gegensatz-Begriff. voller Verdacht gegen alles. die nur die Rache suchen: "Nehmen wir den andern Fall der sogenannten Moral. Und wieder hatte sie kein andres Mittel. durch Wunden. furchtbar zu sein .. durch Schmerz. noch aus den Quellen. ihn ungefährlich. gegen sich selbst böswillig. als 'Gesetz des Manu' zur Religion sanktioniert.979/980 Wir müssen daher diejenigen krank machen. das von den unreinen Gemüsen. machte man allerwärts auf die schönsten Exemplare der 'blonden Bestie' Jagd man 'verbesserte' zum Beispiel die vornehmen Germanen. Insgleichen wird ihnen verboten... den Fall der Züchtung einer bestimmten Rasse und Art. die den Tschandala erlaubt ist. der Priester..nichts wissen will. sie wird weniger schädlich gemacht.. Vielleicht gibt es nichts unserm Gefühl Widersprechenderes als diese Schutzmaßregeln der Indischen Moral.. Wie armselig ist das 'Neue Testament' gegen Manu.. sie wird durch den depressiven Affekt der Furcht.Sie (die Bestie) wird geschwächt.. ein 'Christ'.Aber auch diese Organisation hatte nötig. ihre Wäsche zu waschen und sich selbst zu waschen. da das Wasser. daß das Wasser. den Durst zu löschen. noch aus den Teichen genommen werden dürfe. Rache nehmen an denen. Knoblauch und Zwiebeln sein sollen.2. als ihn krank zu machen . nur benutzt werden darf.Realitäten freilich. den der Priester 'verbessert' hat. durch Hunger zur krankhaften Bestie.. die Abtragung der kleinen Schamlippen für die weiblichen Kinder 131 . Kurz.

Er geht dann gegen die Niedrigen. der Sieg der Tschandala-Werte. der als Durchgangsphase zur Befreiung erscheint. der Gesamt-Aufstand alles Niedriggetretenen.. stellt die Gegenbewegung gegen jede Moral der Züchtung. Den Endkampf gegen die Juden.855). Er geht einmal gegen die Juden. "Das Symbol dieses Kampfes. daß der Begriff 'reines Blut' der Gegensatz eines harmlosen Begriffs ist. Nr. Rache nehmen an denen. die die Schuldigen dafür sind.dies die notwendige Konsequenz des Begriffs Züchtung). was sie nach Nietzsche eben sind: Tschandala. ganz rein.4.wir lernen. aus jüdischer Wurzel und nur verständlich als Gewächs dieses Bodens. das Evangelium den Armen. den Leuten von Rasse. von links nach rechts zu schreiben.. den er ankündigt. von links nach rechts zu schreiben und sich der rechten Hand zum Schreiben zu bedienen: der Gebrauch der rechten Hand und des Von-links-nach-rechts ist bloß den Tugendhaften vorbehalten. Nr. daß die Niedrigen zum Aufstand antreten. Mißratenen. Diesen ghroßen Endkampf nennt er den "aktiven Nihilismus" (III.Manu selbst sagt: 'die Tschandala ssind die Frucht von Ehebruch. die krank machen wollen." Götzen-Dämmerung. Die "Verbesserer" der Menschheit. Die "Verbesserer" der Menschheit.981/982 Den großen Endkampf konzipiert er auf zwei Ebenen." Wieder macht er klar.980/981 Krank machen. in welchem Volk sich der Haß.. den Niedrigen gepredigt. Schlechtweggekommenen gegen die 'Rasse' . um sie auf das zu reduzieren. Sie sollen zu Kleidern nur Lumpen von Leichnamen haben.3. hat alle Elemente einer Endlösung. heißt "Rom gegen Judäa. Elenden.Das Christentum. II.es gab bisher kein größeres Ereignis als 132 . der TschandalaHaß gegen diese 'Humanität' verewigt hat. Es ist ihnen verboten. gegen die er antrat. die über alle Menschengeschichte hinweg bisher lesbar blieb. ganz ursprünglich . das allem vorausgeht. daß dies das Krankmachen der Juden ist. Unter diesem Gesichtspunkte sind die Evangelien eine Urkunde ersten Ranges. Seine Abschaffung der wahren Welt führt ihn in die moralische Lüge.anordnend. Judäa gegen Rom": . denn die Juden schreiben von rechts nach links. Andrerseits wird klar. .. Inzest und Verbrechen (. wo er Religion.. . des Privilegiums dar . der Rasse.Die unsterbliche Tschandala-Rache als Religion der Liebe. in einer Schrift geschrieben. noch mehr das Buch Henoch.' -" GötzenDämmerung.es ist die antiarische Religion par excellence: das Christentum die Umwertung aller arischen Werte. II. "Diese Verfügungen sind lehrreich genug: in ihnen haben wir einmal die arische Humanität. die die Rache wollen: "Es ist ihnen verboten. wo er Genie geworden ist..

in Rom galt der Jude "des Hasses gegen das ganze Menschengeschlecht überführt": mit Recht. Nr. zum Abwärts und Abendwärts des Menschen. diesen Gegensatz jetzt endgültig auszukämpfen: ".War es damit vorbei? Wurde jener größte aller Ideal-Gegensätze damit für alle Zeiten ad acta gelegt? Oder nur vertagt. zur Ausgleichung. . zur Erniedrigung. Schlechta II.797) Die Juden sind für Nietzsche die Wurzel allen Übels. wie man weiß.. so 133 .. Nietzsche wird daher an ihre Vernichtung denken: "Die Moral hat die Gerwalthaber.p. gestärkt werden muß. derer. gegenüber dem Willen zur Niederung. aber nicht das Übel selbst.. der römischen Werte anzuknüpfen. Unterdrückte den Glauben verlöre.Die Juden umgekehrt waren jenes priesterliche Volk des Ressentiment par excellence. Wer von ihnen einstweilen gesiegt hat. Rom oder Judäa? Aber es ist ja gar kein Zweifel: man erwäge doch. die Furchtbare und entzückende Gegenlosung vom Vorrecht der Wenigsten! (Friedrich Nietzsche. p. Die Moral hat folglich am tiefsten hassen und verachten gelehrt. Wenn der Leidende. Zur Genealogie der Moral. gegen welche der gemeine Mann geschützt. Die Römer waren ja die starken und Vornehmen.. gleichsam sein antipodisches Monstrum. die Gerechtigkeit und Gleichheit wollen. dem eine volkstümlich-moralische Genialität sondergleichen innewohnte. viel länger vorbereitetes Auflodern des alten Brandes geben müssen? Mehr noch: wäre nicht gerade das aus allen Kräften zu wünschen? selbst zu wollen? selbst zu fördern?" (Zur Genealogie der Moral.795/796) Er kündigt die Notwendigkeit an. zersetzen: das wäre den bestgehaßten Trieb mit einer umgekehrten Empfindung und Wertung ansehen. auf lange vertagt? . II...diesen Kampf.. leugnen. Sollte es nicht irgendwann einmal ein noch viel furchtbareres. diesen todfeindlichen Widerspruch. selbst niemals geträumt worden sind. vor drei Juden.. . wie sie stärker und vornehmer bisher auf Erden nie dagewesen. und einer Jüdin. was der Grundcharakter der Herrschenden ist: ihren Willen zur Macht. ein Recht zu seiner Verachtung des Willens zur Macht zu haben. Diese Moral abschaffen . das heißt zunächst ermutigt. sofern man ein Recht hat.16/17 Schlechta. das Heil und die Zukunft des Menschengeschlechts an die unbedingte Herrrschaft der aristokratischen Werte.gegenüber der alten Lügen-Losung des Ressentiment vom Vorrecht der Meisten.. Rom empfand im Juden etwas wie die Widernatur selbst.. die 'Herren' überhaupt als die Feinde behandelt.. Das Übel aber ist der aus jüdischen Quellen genährte Aufstand der Sklaven und der Niedrigen.. vor wem man sich heute in Rom selber als vor dem Inbegriff aller höchsten Werte beugt .. die Gewalttätigen.. diese Fragestellung.

keinen höheren Rang vor jenem hat. Symptome dieser Selbstzerstörung der Schlechtweggekommenen : die Selbstvivisektion. nachdem alles Dasein seinen 'Sinn' verloren hat." III. 'sich zu ergeben' .gesetzt eben. außer dem Grade der Macht .855 "Nihilismus.daß sie sich auf den Boden des entgegengesetzten Prinzips stellen und auch ihrerseits Macht wollen. Romantik. keinen Grund mehr haben. wenn sich ergäbe. daß er mit dem Unterdrücker auf gleichem Boden steht und daß er kein Vorrecht. was Wert hat. Gesetzt. des Instinkts der Selbstzerstörung. um zerstört zu werden. indem sie jedem einen unendlichen Wert. vor allem die instinktive Nötigunmg zu Handlungen. daß auch jenes Hassen und Verachten noch ein Machtwille ist. daß Leben selbst der Wille zur Macht ist. so würden die Schlechtweggekommenen ihren Trost nicht mehr haben . daß sie. Die ungesundeste Art Mensch in Europa (in allenStänden) ist der Boden des Nihilismus : sie wird den Glauben an die ewige Wiederkunft als einen Fluch empfinden. Jetzt kommt die Strategie: "Das Zugrunde-gehen präsentiert sich als ein Sich-zugrunderichten. mit denen man die Mächtigen zu Todfeinden macht (-gleichsam sich seine Henker selbst züchtend)." III.855 Nietzsche empfindet diese seine Endlösung als großen Prozeß der Reinigung: "Was heißt jetzt 'schlechtweggekommen'? Vor allem physiologisch: nicht mehr politisch. die mit der der weltlichen Macht und Rangordnung nicht stimmt: sie lehrte Ergebung.und zugrunde gehen. die Vergiftung. ihre Henker zu sein. was zerstören muß. der Wille zur Zerstörung als Wille eines noch tieferen Instinkts. indem sie die Mächtigen zwingen. sondern alles auslöschen machen. das Nein-tun. Dies wäre der Fall. Demut usw. des Willen ins Nichts. was in diesem Grade sinn. Die Moral behütete die Schlechweggekommenen vor Nihilismus.träte er in das Stadium der hoffnungslosen Desesperation . Dies ist die europäische Form des Budhismus. einen metaphysischen Wert beimaß und in eine Ordnung einreihte. als Symptom davon. ein blindes 134 ." III. daß selbst in jenem Willen zur Moral nur dieser 'Wille zur Macht' verkappt sei. als ein instinktives Auslesen dessen. daß der Glaube an diese Moral zugrundegeht. daß die Schlechtweggekommenen keinen Trost mehr haben : daß sie zerstören. von der Moral abgelöst. von dem getroffen man vor keiner Handlung mehr zurückscheut: nicht passiv auslöschen. Der Unterdrückte sähe ein.854/855 Dies ists das Ziel.und ziellos ist: obwohl es nur ein Krampf. Vielmehr umgekehrt! Es gibt nichts im Leben. Berauschung. wenn dieser Zug dem Leben essentiell wäre.

J. daß sie die verwandten Elemente zusammendrängt und sich aneinander verderben macht. Unsinn nicht nur zugestehn. Sie bringen die Neue Welt. können sie nicht die Niedrigen sein.. Sie führen in die Utopie. die. Sie. Dann bekommt der Mensch Muße: sich selbst auszubilden." III.) die.. setzt einen ziemlichen Grad geistiger Kultur voraus. Schon daß die Moral als überwunden empfunden wird.. ohne dabei klein und schwach zu werden. durch den langen Kampf philosophischer Meinungen bis zur hoffnungslosesten Skepsis gegen Philosophie gebracht. wo der Mensch Kraft im Überfluß zu Diensten hat: die Wissenschaft ist darauf aus.H. Moral." III. sondern lieben. "Welche werden sich als die Stärksten dabei erweisen? Die Mäßigsten. Ergebung' waren Heilmittel. die die Neue Welt dann herbeiführen werden.855 Da sie die Niedrigen zerstören.. welche keine extremen Glaubenssätze nötig haben (jenseits von Gut und Böse sind. wer die Stärksten sind. die "vom Menschen mit einer bedeutenden Ermäßigung seines Wertes denken können". Natürlich abseits von allen bestehenden Gesellschaftsordnungen . kennzeichnet ebenfalls den keineswegs niederen Stand jener Nihilisten. die gegen die Hybris des Menschen für seine Demut kämpfen.Wüten ist bei der Einsicht. . diese Sklaverei der Natur herbeizuführen. sind diejenigen. sie siegen durch diesen aktiven Hihilismus hindurch. welche vom Menschen mit einer bedeutenden Ermäßigung seines Wertes denken können. daß alles seit Ewigkeiten da war . auf furchtbar tiefen Stufen des Elends: der aktive Nihilismus tritt bei relativ viel günstiger gestalteten Verhältnissen auf. auch unter ihnen die schwächeren.855/856 Hier stellt sich dann heraus. die Reichsten an Gesundheit. Menschen. die nicht mehr glauben. Eine gewisse geistige Ermüdung.. daß er die Krone der Schöpfung ist.. diese wieder ein relatives Wohlleben.auch dieser Moment von Nihilismus und Zerstörungslust. unsichreren ans Licht bringend und so zu einer Rangordnung der Kräfte.Der Wert einer solchen Krisis ist. die Nietzsche dem Bürgertum verkündet: "Es kommt der Zeitpunkt. vom Gesichtspunkt der Gesundheit. daß sie reinigt.. welche einen guten Teil Zufall. die ihrer Macht sicher sind und die die erreichte Kraft des Menschen mit bewußtem Stolz repräsentieren.856 Es sind die. die diesen Endkampf durchführen werden. den Anstoß gibt. F. die. um dann den Nihilismus zu überwinden: "Die 'Not' ist nicht größer geworden: im Gegenteil! 'Gott. zu 135 . " III.

" III. Dann werden eine Menge Tugenden überlebt. folglich sie verlieren.859 Das ist diese Welt als wahre Welt. der einen Zeitpunkt hat. Der Verrat von Platon und Aristoteles. invertiert . bringen die geschlossene Gesellschaft nach oben. der gleichzeitig Fortschritt bedeutet. Bei Nietzsche jetzt. um dem Menschen eine ungeheure Selbstbezwingung zu ermöglichen. Bei Popper ist der Urzustand auch vorsokratisch und dann rein in der Zeit des Perikles. Ist es in der emanzipatorischen Utopie ein Sprung ins Reich der Himmel. aber muß immer noch mit den Feinden der offenen Gesellschaft kämpfen.. Warum aber dieser Zeitpunkt. ein Verfall und jetzt die Verwirklichung der Utopie. vom Heil der Seele.sowohl die Moral vom 'Eins ist not'. ohne den man nicht auskommt. die diese Moral abschafft. Aber ein qualitativer Sprung. durch den Affekt einer ungeheuren Furcht. da der Übergang ja immer innerweltlich gedacht werden muß.ein Sprung aus der Decadence in den aktiven Nihilismus. Mit der Demokratie kommt asie zurück. Die physiologische Reinigung und Verstärkung. so in der antiemanzipatorischen ein Sprung in die Hölle. Die neue Aristokratie hat einen Gegner nötig. Wir haben die Tugenden nicht mehr nötig: folglich verlieren wir sie (. die den Verfall beendet und überwindet.Eigenschaften nicht mehr nötig. Bei Nietzsche eine vorsokratische Wirklichkeit. Eine Welt die kommt und auf die wir warten. später des Christentums. Popper erst zeigt der offenen Gesellschaft. Daraus folgt dann der Übergang aus der Vorgeschichte in die wahre Geschichte.. als Sprung in der Zeit. das was Engels als Sprung aus dem Reich der Notwendigkeit ins Reich der Freiheit bezeichnet.). wie der Unsterblichkeit: sie waren Mittel. folgt die Notwendigkeit eines solchen Sprungs. Höherem. daß notwendig die Lösung durch die neue. und nicht ein anderer? Da kommt dann die dialektische Triade als historische Triade. aus der Welt der Moral in die Hölle. Das Konzept ist ziemlich allgemein. Bei Marx ist der Urzustand eine Art Urkommunismus.etwas Neuem. Neue Aristokratie. Dieser führt zu solchen Widersprüchen. gegen den sie ankämpft: sie muß eine furchtbare Dringlichkeit haben. die jetzt Existenzbedingungen waren. Da die Utopie Wirklichkeit werden soll. wie sie endgültig mit ihren Feinden fertig werden kann. Ein Urzustand. sich zu erhalten. da sie mit ihren Feinden nicht umzuzgehen weiß. utopische 136 . ist aber noch unvollkommen. . Die offene Gesellschaft ist hier in aller Unschuld wirklich. eine Decadence die bereits mit Sokrates ansetzt und durch die jüdische Moral zugespitzt wird. den "Schlüssel zur Kontrolle der Dämonen". in einer utopischen Logik ausgedrückt. sodaß die offene Gesellschaft in Banden gelegt wird.ein Fortschritt allerdings . der in einen Verfall eintritt.und dann die Utopie des aktiven Nihilismus.

Eine Art neuer Mensch: ". Auch bei Marx. daß dergestalt 'das Glück' gemehrt wird. diese Sklaverei der Natur herbeizuführen.Gesellschaft kommen muß." III. aber alles ist besser. Feindschaft ohne Ideologie." Nicht ein Nutzenkalkül aber ist die Basis.. Die Muße ist daher in seiner Utopie Resultat der Arbeit.. bei Nietzsche Bewußtsein von der Moral und ihres Endes. sondern ein neues Verhältnis zu den anderen Menschen. Die Sklaverei gibt ihm Muße. sich zu 137 . . der Haß. Carl Schmitt spricht vom Übergang von ideologischen Feinden zu realen Feinden. Bei Nietzsche kann sie nur aus dem Kampf kommen. Daß diese Lösung kommt. denn Leben ist Kampf. der neue Mensch. Aber sie ist nicht Lohn für den Kampf. Höherem.was eigentlich damit weggeschafft werden soll? Die Spannung. hängt mit diesem Fortschritt zusammen.Aber ein Irrtum ist es. Wie Nietzsche sagt: "der aktive Nihilismus tritt bei relativ viel günstiger gestalteten Verhältnissen auf. Bei einer modernen Utopie fehlt nie die Muße: "Es kommt der Zeitpunkt. der nicht fehlen kann. der im Bewußtsein stattfindet und von daher dann die Gesellschaft ändern kann. Dann bekommt der Mensch Muße: sich selbst auszubilden.. kann sie sogar begleiten." Da ist er. gegen den sie ankämpft: sie muß eine furchtbare Dringlichkeit haben. wie bei Nietzsche: "Die neue Aristokratie hat einen Gegner nötig. Eine solche Entwicklung der Produktivkräfte und des Reichtums ist eingetreten. sondern spricht von der Arbeit. zu etwas Neuem. Das Glück wird nicht gemehrt. aber nur zwischen den Schlachten. dann wieder bei Marcuse spielt die Muße eine entscheidende Rolle in der Formulierung der Utopie. setzt einen ziemlichen Grad geistiger Kultur voraus. nur Muße zu haben. (Verkürzung der Arbeitszeit). daß ein neues Bewußtsein entstehen kann. Marx braucht diesen Kampf nicht. Aber nicht zu viel Muße. fröhliche Feindschaft.. das mit einer neues Beziehung zum Leben verbunden ist.857 Das ist ein neues Bewußtsein. Bei Marx vor allem im Klassenbewußtsein. Sind die Helden müde. nicht schon die Wirklichkeit des neuen Bewußtseins. Neue Aristokratie. dann verdienen sie Muße. wo der Mensch Kraft im Überfluß zu Diensten hat: die Wissenschaft ist darauf aus. menschlicher. Der Stand der Produktivkräfte und das Niveau des Reichtums ist Bedingung. Schon daß die Moral als überwunden empfunden wird. diese wieder ein relatives Wohlleben. ist der Tod. die Feindschaft. Nach jeder Muße muß der Kampf neu beginnen. die Muße ist eigentlich nur die Fortsetzung des Kampfes mit anderen Mitteln. Überhaupt ist der Sprung vor allem ein Sprung.

bedenkt. er kennt nur Allianz im Kampf gegen andere. sei es irgendein großer Aufstand. wo der Mensch Kraft im Überfluß zu Diensten hat: die Wissenschaft ist darauf aus. wenn man nicht den entscheidenden Einfluß. wenn er besiegt worden ist. Man kann die Methodologie Max Webers und seine Soziologie wohl kaum verstehen. Die Ablehnung einer 138 . Bei Nietzsche war es. Utopie gewordene Sklaverei. diese Sklaverei der Natur herbeizuführen.erhalten. Diesen Einmfluß Nietzsches kann man weiterverfolgen insbesondere in der Methodologie der Wissenschaft Poppers.Jahrhunderts von weiten Kreisen des Bürgertum gelesen und bewundert. wie Bloch es ausdrückt. Das Leben hat gesiegt .859 Aus dem Verhältnis dieser Dringlichkeit und der Muße ergibt sich die Harmonie dieser Utopie. in einer zur Utopie gewordenen Hölle. Nietzsche hat sich im XX. sei es eine Revolution. Der Nazismus und der Antisemitismus Nietzsches. niemals der Freundschaft. Gleichzeitig aber wurde Nietzsche zum Philosophen. im Neoliberalismus Hayeks und in der Evolutionstheorie von Konrad Lorenz." Der Besiegte wird zum Sklaven und die Wissenschaft hat die Natur besiegt. der weit über das Fachgebiet der Philosophie hinausgeht. Er hat einen Einfluß ausgeübt und übt ihn weiterhin aus." III. Die Kritik Nietzsches an der "wahren Welt" und seine Kritik des Asketen liegen der Weberschen Soziologie zugrunde. Bei Nietzsche kann natürlich ein vollkommenes Verhältnis zur Natur immer nur das eines Besiegten sein. ganz einfach ein großes Morden. Daher ist für ihn das vollkommene Verhältnis zur Natur das der Sklaverei: "Es kommt der Zeitpunkt. wie wir gesehen haben.Jahrhundert in den zentralen Philosophen des Bürgertums verwandelt.meint Nietzsche. Die Utopie aber schließt immer auch die Vorstellung eines neuen Verhältnisses zur Natur ein. Wie der Mensch zum Sklaven wird. den Nietzsche auf ihn gehabt hat. der entscheidenden Einfluß auf die heutige Form der bürgerlichen Sozialwissenschaften gehabt hat. Bei Marx handelt es sich um die Freundschaft des Menschen mit der Natur. Er wurde insbesondere in der ersten Hälfte des XX. Nietzsche kennt Freundschaft nicht einmal. Der Übergang zu dieser neuen Welt ist notwendigerweise ein Gewaltakt. so auch die Natur.

Sie glaubt und will glauben machen. Die Schwierigkeit ist einfach lösbar. so sind sie untereinander gleich. in der bürgerliches Denken immer mehr einfacher Antikommunismus ist. Den gleichen entscheidenden Einfluß gewinnt das Nietzschesche Denken auf den bürgerlichen Antikommunismus des gesamten XX. die Utopie als Welt ohne Hoffnung. daß eben der Nazismus ein Sonderzustand der "Freien Welt" ist. Dies zeigt sich auch in anderen Bereichen. Dasselbe Problem ergibt sich im Fall von Carl Schmitt und vielen andern. Sind zwei Größen einer dritten gleich. Die Schwierigkeit liegt allerdings darin. wie sie insbesondere Popper initiert hat und die die menschliche Freiheit mit der Abwesenheit von Utopien identifiziert. Die Freie Welt will dies nicht zuzgestehen. Die 139 . Sie wird Nietzsche zum Klassiker der gesamten Ideologie der sogenannten "Freien Welt" vom Anfang dieses Jahrhunderts an. des Totalitätsbegriff in den Wissenschaften und der menschlichen Glücksvorstellungen. haben bei Nietzsche ihre Wurzel. Aber der Einfluß Nietzsches beschränkt sich nicht nur hierauf. und ist gerade aus derAblehnung einer Wissenschaft der Ethik und des Totalitätsbegriffs in den Wissenschaften hervorgegangen. daß die heutige Freie Welt versucht. wie sie der Nazismus herstellte. Als Victor Farías das Buch: "Heidegger und der Nationalsozialismus" herausgab. den Nazismus aus ihrem Bereich auszuschließen. sodaß eine objektive Diskussion über Nietzsche und den Nazismus außerordentlich schwierig ist. daß die Freie Welt sich im Kampf mit dem Totalitarismus befindet. sozusagen Freie Welt im Ausnahmezustand. die der Nazismus war. in der es keine Utopien mehr gibt. wenn man den Schluß zieht. der einen homogenen Block darstellt und Nazismus und Kommunismus vereint. deren Schwierigkeit eben hier lag. Diese antiutopische Utopie ist zur herrschenden Utopie der westlichen Welt geworden. entstand eine Diskussion.Wissenschaft von der Ethik. Heidegger ist ebenfalls ein entscheidender Philosoph der "Freien Welt". die im heutigen Westen allgemein geworden ist: Die neue Welt als eine Welt. Daher auch die Lösungsvorstellung.Jahrhunderts bis heute. als Dantesche Hölle. aber auch die Ablehnung des Fortschritts in der Geschichte und jedes konkreten ethischen Universalismus. Sind diese Größen gleichzeitig Philososphen des Nazismus und der Freien Welt. die Utopie einer Welt ohne Utopien. Er ist es aber ebenso für den Nazismus. totalitäre Freie Welt. Er wird es insbesondere für die bisher böseste Form der "Freien Welt". Hier begründet sich aber ebenfalls die heutige Utopiekritik. dann muß die Freie Welt eben den Nazismus in sich enthalten. Damit wäscht sie sich von dem tatsächlichen Problem rein. Es tut dies in einer Zeit. Insbesondere wurde er zum Vordenker der Verbindung von Antikommunismus und Antisemitismus.

daß sie behauptet. daß es einen Antisemitismus Nietzsches überhaupt nicht gibt und die Nazis sich völlig zu Unrecht auf Nietzsche berufen haben. als philososphen der Freien Welt sind sie Nazis. Einige dieser kurzen und knappen Auslassungen klingen in dem Abstand von einem Jahrhundert 140 . die bis dahin auch für Magret Thatcher ein freies Land. die durch die heutigen. von der Kaufmann ein glänzendes Beispiel gibt. Indem man das leugnet.Freie Welt wird daher immer den Schluß ziehen: entweder waren sie Nazi. Sobald die argentinische Militärdiktatur. und hinterher auch wieder. so wie sie den Zusammenhang zwischen Heidegger oder Carl Schmitt und dem Nazismus leugnet. die nicht einmal die Menschenrechte achtete. um sofort daraus Schlußfolgerungen zu ziehen. oder Philosophen der Freien Welt. für die Nietzsche weiterhin klassischer Philosoph bleibt. Dies geht mit einer grenzenlosen Oberflächlichkeit in der Analyse des Denkens von Nietzsche zusammen. Freie Welt schließt den Totalitarismus keineswegs aus. einem Mann wie Nietzsche unter den deutschen Philosophen zu begegnen! Gewiß hat auch er den wissenschaftlichen irrigen Ausführungen seiner Zeit im Blick auf die 'semitische Rasse' seinen Tribut entrichtet. die sich nur deshalb als überraschend bezeichnen lassen. seinerseits die Herrschaft zu erringen. totalitäre Systeme. weil sie dem Strom der allgemeinen Meinung entgegenstanden. Schon im Malvinen-Krieg (dem sog. Der Antisemitismus von Nietzsche hat gerade die spezifische Form von Freier Welt bestimmt. Der gleiche Konflikt würde heute innerhalb der Freien Welt ausbrechen. dort stattfindenden Demokratisierungsprozesse häufig keineswegs aufgelöst werden. Hans Albert schreibt in seinem Vorwort zum Buch von Kaufmann: Besonders erstaunlich ist Poliakov. Sie tut dies insbesondere dadurch. schafft man sich Probleme. wenn eines der Länder die Hierarchie der imperialen Herrschaft angreifen sollte und versuchen würde. Sie sind aber beides. in den Krieg zog. die es gar nicht gibt. Die heutige Freie Welt aber. dies geschah aber nur. in seinem doch sonst hervorragenden Buch: "Die Geschichte des Antisemitismus": "Welcher Trost und welche Erleichterung ist es. wie sie etwa in Lateinamerika gerade durch die Freie Welt errichtet worden sind. muß daher den Zusammenhang zwischen Nietzsche und dem Nazismus leugnen. Dieses Problem des Totalitarismus der Freien Welt haben wir heute in Gestalt der totalitären Diktaturen der Nationalen Sicherheit. die der Nazismus war. entdeckte Margret Thatcher sofort. daß es eine Diktatur sei. Vorher entging ihr das völlig. Der Krieg zwiaschen den westlichen Demokratien und dem Nazi-Deutschland widerspricht dem keineswegs. Falkland-Krieg) wurde dies klar.

" (344/345) Poliakov zietiert jene Stelle von Nietzsche. an dem der alte Judengott sich seiner selber. Er scheint gar nicht zu wissen. wenn die Juden auf solche Edelsteine und goldene Gefäße als ihr Werk hinzuweisen haben.205 I. Sie befindet sich jenseits von Gut und Böse. die jetzt ständig für diese These herhalten muß: "Dann.fast prophetisch:" S." (346) Dies taucht bei Nietzsche durchaus häufiger auf: würden die Juden vornehm werden.1154 Zum gleichen Zweck zitiert Friedrich Heer in"Gottes erste Liebe" ganz die gleiche Stelle. wie sie die europäischen Völker kürzerer und weniger tiefer Erahrung nicht hervorzubringen vermögen und vermochten.so denkt Nietzsche . Palästina soll . Nr.ein Modell werden für die Neueinrichtung der Welt und der Diesseitsbezüge. Zugleich sieht er aber: 'Das Lied zu Ehren der Liebe. welches Paulus gedichtet hat. kein bedeutender Theologe steht in der Inkubationszeit des neudeutschen Antisemitismus (ab l972) als großer Warner auf. Gegenteil des "Ressentiments". nicht mehr dem Instinkt der Rache und des Sklavenaufstands folgen. 18/19 Im gliechen Sinne sagt Heer: "Kein Bischof. Mit dem Wiener Juden Dr. ist nichts Christliches. Jahrhunderts die Möglichkeiten einer Regenerierung der jüdischen Massen: in Palästina. Er fügt sogar noch hinzu: "Juden sind früh von Nietzsche fasziniert. denn Gut und Böse sind ja selbst Schöpfungen des 141 . die semitisch ist. Sie ist das Gegenteil des Jüdischen. Paneth bespricht Nietzsche in den achziger Jahren des 19. dann wäre eine neue Menschheit möglich. Nietzsche sieht das Christentum als Produktion des jüdischen Ressentiments an. alle wollen uns mit ihm freuen!" Morgenröte. die Höherbildung des Menschen: in Palästina sollen die Juden eine Modellsiedlung als ein Muster für die Zukunftsbildung der Menschheit aufbauen. Diese Mission bleibt dem 'Antichrist' vorbehalten: Friedrich Nietzsche. Die richtige Besiedlung und Auswertung der Erdoberfläche.und Liebeswillens. .' Die Juden sind wie die Griechen Menschen der Leidenschaft. des Lebens.und wir alle. wenn Israel seine ewige Rache in eine ewige Segnung Europas verwandelt haben wird: dann wird jener siebente Tag wieder einmal da sein. seiner Schöpfung und seines auserwählten Volkes freuen darf. was bei Nietzsche die "Höherbildung des Menschen" bedeutet. sondern ein jüdisches Auflodern der ewigen Flamme.

58/59) 142 . Juden zu sein.. welche furchtbaren Konsequenzen daraus ein Mann wie Vincent Ferrier (St. daß irgendein angebliches "Judenproblem" zu lösen ist. ewige Wiederkehr. das ist für Nietzsche Ressentiment. es ist ebenfalls leicht. denekt er ganz anders über die Bekehrung der Juden von seiten des Antisemitismus: "Gab nicht schon im Jahre 1236 der Heilige Stuhl bekannt. kann alle Menschheit aufhören. Der Antisemitismus ist immer von der Vorstellung ausgegangen. die allgemeine Bekehrung der Juden das Ende der Zeit bedeutet. Sie sind: blonde Bestie. Jahrhundert: "Geißel der Juden") zog. daß die Kirche in diesem Sinn alles unternommen hat. Das aufgehört hat. wie man bei dem Apostel Paulus und beim Kirchenvater Augustin nachlesen konnte. Das tausendjährige Reich kommt. wie die Taufe der Juden im Christentum die Bedingung für die Wiederkunft Christi ist. Vinzent Ferrier im 15. (Léon Bloy).19 Wenn es sich allerdings nicht um Nietzsche handelt. daß zwar die Bekehrung eines Heiden ein heilsames Werk sei. daß die Juden bekehrt werden müssen. daraus auf die Allmacht der Juden zu schließen!) Man könnte es so formulieren. unerlöst zu sein.Ressentiments.S. das aufgehört hat. Dies ist einfach die alte Vorstellung alles Antisemitismus von der Bekehrung der Juden. um bei den Juden die Vorstellung ihrer Einzigartigkeit und ihrer Erwählung zu verbreiten. Welch schreckliche Gewalt befand sich in ihren Händen! (Man hat gesehen. Es ergibt sich sogar die gleiche Mystik: wenn die Juden aufhören. Suchten nicht sogar die Nazis in Paraguay und Madagaskar solche Modellsiedlungen? Wenn es keine Juden mehr gibt. Es setzt doch gerade voraus. Wille zur Macht. Die "Regenerierung der jüdischen Massen" ist die Schaffung eines Judentums. wenn er zum Ergebnis kommt. um agressiv zu werden. die eines Juden aber einen ganz besonderen Wert habe? Zu diesen Gedankengängen gesellen sich eschatologische Betrachtungen: Wenn. so hing es folgerichtigerweise anscheinend nur von deren guten Willen ab. Träger des "Ressentiments" zu sein. gibt es kein Problem des Judentums mehr. jüdisch zu sein. daß sie nicht bekehrt werden können. Poliakov fügt der zitierten Stelle folgendes über Nietzsche hinzu: "Damit reichte er unversehens den katholischen Visionären seiner Zeit von Gougenot des Mousseaux bis zu Léon Bloy die Hand. Denn Judentum. das Eintreffen des durch Christus stattfindenden Jüngsten Gerichts und die damit zusammenhängende Erneuerung der Welt zu beschleunigen oder zu verlangsamen." (II. So 'wurde das Heil aller Völker durch ihre Boshaftigkeit in einer teuflischen Weise aufgehalten'." VII. Dann kann natürlich eine "Modellsiedlung als ein Muster für die Zukunftsbildung der Menschheit" in Palästina entstehen: im gleichen Sinne.

Between the treatise That Jesus Christ Was Born as a Jew (1523) and On the Jews and Their Lies (1543) he vacillated between a messianic hope for their conversion and a traditional hatred for these people who considered the savior of the world to have been the illegitimate child of Mary. Der Antisemitismus.Waraum ist plötzlich sogar Léon Bloy ein guter Mann. wenn auch völlig deformiert. eine Menschheit jenseits des Ressentiments zu haben. p. ist Protest. wenn es keine Ressentiment mehr gibt. Kronawetter. Die Juden sind die biologischen Rasse-Träger dieses Ressentiments. It was also based on the eschatological expectation that God's chosen people would be converted just before the second coming of Christ. das aber ist: jenseits des Sklavenaufstands. Dies aber hat jetzt einen neuen Sinn: es kommt erst. sondern seine Radikalisierung. wenn es keine Juden mehr gibt. was man als die im Juden fleischgewordene Ethik empfindet: den humanistischen Universalismus. es kommt jenseits von Gut und Böse. Die Nazis haben das ganz richtig interpretiert. Spitz: The Protestant Reformation (1517-1559) New York 1985. in ihnen ist es inkarniert. Kein Ressentiment ist nicht einfach: keine Juden. Luther seems to have little hope of converting the Jews. das Recht. Sie sind allerdings einen Schritt weiter gegangen: zum biologischen Verständnis der jüdischen Rasse. der österreichische 143 . Jenseits des Ressentiments. weder christliche. in seiner Menschenwürde anerkannt zu werden und würdig zu leben. gegen den Nietzsche sich wendet. Nur ihre Vernichtung macht es möglich. das Recht nicht ausgebeutet zu werden. noch Nietzscheanische. jenseits des Protestes der 'Schlechtweggekommenen'. His optimism was grounded in the naive assumption that their conversion would occur once papal scandals were ended and the loving gospel of Christi was preached clearly. Er beginnt mit der Hoffnung auf die Bekehrung der Juden. Es gibt keine Bekehrung der Juden. All das ist für Nietzsche Ressentiment. In jedem Falle: das tausendjährige Reich kommt erst." (Lewis W.358) Dieser Art Traum von der Behkehrung der Juden ist kein Aufhören des Antisemitismus. frei und kein Sklave zu sein. wenn dies zum Lob von Nietzsche dient? Bei Luther haben wir doch das Gleicxhe Phänomen.itismus zu verfallen: "At the outset of his career. Then for a brief time he believed that most Jews would be converted. das Recht eines jeden Menschen. Es geht gegen das. um dann in seinen agressiven Antisem. sein wirklicher Ursprung. Die Juden sind nicht vernichten. der von Juda kommt.

auf die der Protest des 'Schlechtweggekommenen' sich stützt. wo er in Wirklichkeit ist und wo er bekämpft werden muß. während Dollfuß. sondern verachtet den Protest als Ressentiment. denn er ist gegen jeden Sklavenaufstand.340) Nietzsche protestiert nicht. in Wien verblutet. Nietzsche hingegen zeigt. der sich gegen das Geld. nennt ihn den "Sozialismus des dummen Kerls". Aber er glaubt auch zu wissen. (Heer.jüdisch. daß der neudeutsche Antisemitismus ein neuer Sklavenaufstand der 'Schlechtweggekommenen' ist. denn aus dem Judentum kommt jene Ethik. Poliakov stößt auf das gleiche Problem.. daß Hitler gerade in Bayreuth bei einer 'Rheingold'-Aufführung weilt." (1184) und fügt sofort folgende Apologetik hinzu: 144 . Was Nietzsche im Grunde am Antisemitismus kritisiert. Deshalb ist für Nietzsche dieser neudeutsche Antisemitismus . daß jeder Sklavenaufstand eine jüdische Wurzel hat. Nietzsche meint zu sehen.Sozialdemokrat. Er zitiert aus dem Antichrist: "Die Juden sind damit das verhängnisvollste Volk der Weltgeschichte. Abenteurer und Fabrikbesitzer. daß heute noch der Christ anti-jüdisch fühlen kann. in ihrer Nachwirkung haben sie die Menschheit dermaßen falsch gemacht. daß er sein Ziel überhaupt nicht trifft.) . neidischeren und feigeren Naturen gewesen sei. hysterische Weiber beiderlei Geschlechts vereinigen sich. Die Wurzel aber des Protestes ist jüdisch. den Geist der Juden wendet. Frömmler und Atheisten. von Nationalsozialisten ermordet. die Macht. daß der 'Kampf gegen die Juden immer ein Zeichen der schlechteren." (345) Eben. (Es hat geschichtslogisch seinen Sinn. Streber und erfolglose Journalisten.einschließlich jedes vorhergehenden. ist. wo der Antisemit ihn sucht. nicht ein antisemitischer Protest andere Proteste ersetzen. der österreichische Bundeskanzler. Der Protest muß aus der Welt. muß ein gutes Stück pöbelhafter Gesinnung in sich tragen'. auch des christlichen Antisemitismus . Daher ist er gegen diesen Sklavenaufstand. ohne sich als die letzte jüdische Konsequenz zu verstehn.Er sieht. Nietzsche ist überzeugt. Wer jetzt daran teil nimmt. daß "der neudeutsche Antisemitismus ein neuer Sklavenaufstand der 'Schlewchtweggekommenen'" ist. Heer sieht durchaus diese Quelle des Nietzscheschen Zusammenstoßes mit dem Antisemitismus seiner Zeit: "Nietzsche erkennt als erster den plebejisch-revolutionären Charakter des neudeutschen Antisemitismus . Der Jude ist nicht dort.

Sie haben Geist. weil er "Ressenetiment" ist. wenn dieses "Jüdische" sich als Antisemitismus gebiert." 345 Satre versteht dieser Art Anspielungen der Antisemiten viel besser: "Der Antisemit anerkennt freiwillig. gegen den er sich wendet. er wird sogar zugeben." Nr. Nietzsche fürchtet die Juden. die Furchtbarkeit und Majestät unendlicher Forderungen.716 Heer mißversteht Nietzsche ganz ebenso: "Nietzsche: 'Die Juden haben Geist'. da er das vollkommenste Versteck des jüdischen. glüht . Für Nietzsche ist große Gefahr. verfänglichsten und ausgesuchtesten Teil jener Farbenspiele und Verführungen zum Leben. Was Nietzsche hier sagt. weil er eben angeblich ein "Sklavenaufstand" ist. ein besonders gefährlicher Feind. II. eben. Nietzsche fühlt sich als der Begründer eines neuen Antisemitismus. gegen das er kämpft. Dasselbe gilt für den von Heer erwähnten "plebejisch-revolutionären Charakter des neudeutschen Antisemitismus". weil er jüdisch ist. daß der Jude klug und arbeitsam ist. unendlicher Bedeutungen. das vom Besten und Schlimmsten zugleich ist: den großen Stil in der Moral."in einem judenfeindlichen Sinn im September 1988. ist. weil er Protest der "Schlechtweggekommenen" ist. sondern die Auslöschung des Sklavenaufstands und des Ressentiments in allen ihren Formen ist. in deren Nachschimmer heute der Himmel unsrer europäischen Kultur. ihr Abend-Himmel. 250. und vor allem eins. als er schon vom Wahnsinn gezeichnet war" S.vielleicht verglüht. Ressentiment oder Protest von Schlechtweggekommenen ist. Wir Artisten unter den Zuschauern und Philosophen sind dafür den Juden . Für ihn ist natürlich dieser Antisemitismus.und folglich gerade den anziehendsten. Nietzsche elehnt ihn ab. etwas Bewundernwertes und Bedrohendes gleichzeitig. In dem der Christ anti-semitisch wird. ist er noch eine jüdische Konsequenz.. daß der christliche Antisemitismus selbst jüdisch ist.Vielerlei. weil sie eine tausendjährige Schmerzerfahrung. die ganze Romantik und Erhabenheit der moralischen Fragwürdigkeiten . der eben nicht mehr Sklavenaufstand. ist. Er stellt diese Eigenschaften unter Anführungszeichen. daß er ihm in dieser Beziehung überlegen ist. ein tausendjähriges Schmerzbewußtsein haben.. daß Nietzsche hier judenfeindlich ist. Poliakov mißinterpretiert dies völlig.165 Das Problem aber ist nicht.dankbar. denn für 145 . Gutes und Schlimmes. Geist ist nicht ohne Schmerzerfahrung. wenn er folgende Stelle zitiert: "Was Europa den Juden verdankt? . Sie haben für ihn etwas Luziferisches.

sich der Zukunft zuzuwenden und sich um eine Gesellschaft zu bemühen. die unter den Antisemiten Ende des XIX. ressentimenthaften Antisemitismus tritt. Nietzsche entwickelt das Denken dieser Zeitachse. klügste. behauptet jetzt. man kann hier seine Unterscheidung festhalten. Jahrhunderts beginnt. sondern eine Neue Welt schaffen. daß Vinberg auf dem Weg über Rosenberg diese Vorstellungen Hitler zugänglich machte.so für Nietzsche die Juden. aber unwirksamen Antisemitismus der Zaren und einem praktischen Antisemitismus zog. alten Judengott Jahvé einen ganz gewöhnlichen Heidengott machen. Im alalgem. zeigt das nur ihre Gefahr. wenn Gott nur Erbarmen gegenüber den armen Christen hätte. sehr einfache Gedanken. der an die Stelle des alten. um so gefährlicher ist er. ist der Meinung." 188/189 Dies bezieht sich auf die Zeit um l922. Sie haben Geist. Der Historiker Walter Laqueur. Wenn sie sich aber nicht bekehren? Dann bleibt nur der Endkampf. auch den traditionellen Antisemitismus gerade nicht bejahen kann. der.. der Lehrer von Schabelski. Sie wollen nicht mehr eine gegenwärtige Gesellschaft bewahren noch zu einer vergangenen zurück.einen haben die Konservativen in dieser Zeit das Gefühl. Aber. und aus dem guten. tatsächlich schreibt Hitler 146 .Chamberlain zurückzuführen waren. der die Juden von der Weltkarte streichen würde. wo sie sie hat. je mehr er seine großen Vorzüge lobt . Je mehr Tugenden der Jude hat. Dies entspricht dem damaligen bürgerlichen Zeitgeist. als daß sie der bürgerlichen Gesellschaft ihre Liberalität nehmen wollen dort. deren Bewahrung sich lohnt. da er gegen alle menschliche Emanzipation rebelliert.Luzifer. die vor allem auf H. um sie in eine Agrerssionsmaschine gegen den Sozialismus zu verwandeln. der bis dahin eher rückwärts orientiert war. direkt unter Gott . eine Zeitachse zu erleben.. deren Bewahrung sich lohnt. Es ist die Diskussion über den neuen Antisemitismus. Er schafft dabei aber ebenfalls eine solche Zeitachse für den Antisemitismus. der schönste. Deshalb möchte Nietzsche ja ihre Bekehrung: um diese Gefahr zu entschärfen und diese Vorzüge auf seiner Seite zu wissen. die er zwischen dem hochstehenden. hängen am Leben usw. Um Grunde bedeutet dies nichts weiter. solange sie sich nicht bekehren.ihn richtet sich ihr Wert nach dem." 116 So wie für den konservativen Christen Luzifer umso gefährlicher ist. menschenfreundlichen. So sagt Poliakov über die Entwicklung des Antisemitismus in den 20er Jahren: "Im Bereich der Lehre entwickelte in dieser Zeit Oberst Fiodor Vinberg. der sie besitzt.St. Ein Konservatismus. mächtigste aller Engel. Nietzsche greift auf diese Weise in eine Diskussion ein.

46 s. daß ich bisher zu milde war. E. daß Hitler diesen neuen Judenhaß mit der Befreiung vom Gewissen verbindet. kommt die große Erleuchtung über ihn. S. S. daß nicht nur für unser Volk." (Heer.1919 in: Sämtliche Aufzeichnungen. Der Antisemitismus der Vernunft jedoch muß führen zur planmäßigen gesetzlichen Bekämpfung und Beseitigung der Vorrechte der Juden. sondern für alle Völker dies eine Lebensfrage ist. daß das Gewissen eine jüdische Erfindung ist. sodaß er zu einem "kosmischen" Judenhasser wurde: "Obwohl Hitler während seines Aufenthaltes in Wien (1907-1913) pathologische Formen des Antisemitismus kennenlernte. Sein letztes Ziel aber muß unverrückbar die Entfernung der Juden überhaupt sein." Claussen. werden sie den außerordentlichen Anstrengungen.89: Hartog spricht davon. die Deutschen vom Gewissen zu befreien. so handelt es sich gerade um diese Verbindung.9. S. die er zum Unterschied der anderen zwischen uns lebenden Fremden besitzt (Fremdengesetzgebung). daß Hitler von einem allgmeinen VolksAntisemitismus zu einem "universalen Antisemitismus" übergegangen sei. das der damals 35jährige im Gefängnis Landsberg verbringt. Denn Juda ist die Weltpest. Jäckel." (op. Im Jahre l924. als ein Herrenvolk Europa zu beherrschen. Noch in der Zelle läßt er notieren.bereits l919 von den zwei Antisemitismen.cit. schlug den Weg eines kosmischen Judenhasses ein und erhob die politische Ideologie zum Dogma der Erlösung. 306) Der Einfluß Nietzsches ist hier offenbar. daß in Hinkunft die schärfsten Kampfmittel angewendet werden müssen. Brief an Adolf Gemlich. Ich bin überzeugt. daß sein Standpunkt zur Judenfrage sich geändert hat: "Ich habe erkannt. Ich bin bei der Ausarbeitung meines Buches zur Erkenntnis gekommen. hat seine Agitation nach dem Kriege zunächst den Charakter eines radikalen volkstümlichen Antisemitismus. hg.42) Heer weist darauf hin. Wenn Hitler von einem "Antisemitismus der Vernunft" spricht. um uns erfolgreich durchzusetzen. v.' Mit anderen Worten: In Landsberg nahm Hitler l924 Abschied vom konventionellen Antisemitismus. 16. Wenn es gelingt. die er in gleicher Weise unterscheidet: "Der Antisemitismus aus rein gefühlsmäßigen Gründen wird seinen letzten Ausdruck finden in der Form von Pogromen. das eine jüdische Erfindung sei: "Adolf Hitler ist der Überzeugung. denn es ist gerade Nietzsche der den Judenhaß mit dem Gewissen als jüdischer Erfindung verband. 147 . Adolf Hitler. gewachsen sein.

und wir sind euch dankbar. und bedeutet: "Wir haben den Gott des Himmelreichs auf Erden geschaffen. Wenn er von der Hölle spricht. verschließt er sich eben diesen Ausweg. ihre Henker. Ein mittelalterlicher Jude. Sie ist jetzt so wie sie Levy ausführt. Nietzsche ist der erste. auch ein Schuldbekenntnis ablegen. euch in eine neue Hölle zu geleiten .cit. Gegenüber Nietzsche allerdings ist das nicht die Bekehrungsformel. Er wird dann sagen "Wir haben Christus. Es ist die Vorstellung vom Reich Gottes auf Erden. daß ihr ihn getötet habt. Poliakov zitiert Oscar Levy. Bd. X-XI. Sie ist einfach die Entsprechung des Gewissens und daher eine jüdisches Produkt. Was Levy ausführt. euch in ein neues Paradies zu führen.. das Paradies zu errichten." (Levy.. den Antisemitismus Nietzsches zu eigen und wendet ihn gegen sich selbst. S. der diese Vorstellung als das wahre Übel ansieht. Als Jude. Jahve ist jetzt für ihn ein Heidengott. Es war durchaus häufig. ihre Brandstifter. ihre Zerstörer. und haben schließlich nur darin Erfolg gehabt. Es entsteht bei Nietzsche aus der Verbindung von menschlicher Gleichheit und Gewissen. Folglich macht er ein Schuldbekenntnis. George: The World Signification of the Russian Revolution. bleibt ihm gar kein anderer Ausweg. Zitiert nach Poliakov. d. die das Ergebnis des Versprechens ist.. vom Himmel auf Erden. Daraus folgt die Behauptung vom jüdischen Bolschewismus. wenn er sich bekehrt hat. S. den englischen Übersetzer von Nietzsche. der Jude ist." Das ist jetzt die Formel des Todes Gottes bei Nietzsche. denn inzwischen war dieser Art Bekehrung der Juden nicht mehr gefragt. VIII.Sie schließt aber noch ein Element ein. Wir haben versprochen. op. Hitler entwickelt den dahinter stehenden Antisemitismus: 148 . meint Levy natürlich ganz in der Richtung von Nietzsche die russische Revolution. daß er dann zu einem agressiven Inquisitor wurde. Aber indem er diesen Ausweg wählt. das dann die Hölle auf Erden hervorbringt. wie Nietzsche sie sich vorgestellt hatte. Gott gemordet". London 1920.83) Hier macht sich Levy. ist die Bekehrung der Juden. der Nietscheaner geworden ist. dieser den 'Retter' der Welt gegeben zu haben wir sind heute nur noch die Verführer der Welt. Vorwort zum Buch von Pitt-Rivers. der für dieses von Nietzsche den Juden vorgeworfene Verbrechen im Namen der Juden folgendes Schuldbekenntnis ablegt: "Wir haben das Gehabe von Rettern der Welt angenommen und haben uns sogar gebrüstet. Aber auch das nützte nichts. wird. Oskar.h.. das heute zum gemeinsamen Nenner der ganzen Freien Welt geworden ist. Daher verurteilt er sich selbst.

die Menschheit hochzubringen. S. 69/70 (op. (zitiert nach L. sich die Weltherrschaft anzueignen. op.Zwiegespräche zwischen Adolf Hitler und mir" HohenreichenVerlag. Er kann gar nicht Mensch im Sinne des Ebenbildes Gottes sein. kämpfe ich für das Werk des Herrn. Während er sich vorspiegelt. Zuerst herausgegeben unter dem Titel "Der Bolschewismus von Moses bis Lenin . Auch er wird entweder durch außerhalb seiner selbst liegende Kräfte aus seiner Bahn geworfen. Somit geht er seinen verhängnisvollen Weg weiter. bis ihm eine andere Kraft entgegentritt und in gewaltigem Ringen den Himmelsstürmer wieder zum Luzifer zurückwirft.cit.377 gemäß Dietrich Eckart "Tischgespräche" von 1922/23. Der Arier und der Jude..751 Dies verbindet sich mit dem Angriff auf die Gleichheit aller Menschen: "Von Zeit zu Zeit wird in illustrierten Blättern dem deutschen Spießer vor Augen geführt.cit.. die ganze Menschheit unterkriegen zu müssen. nenne (ich) den einen Mensch.." Ist denn nicht der.. wenn auch innerlich verandte Vorgänge dem gleichen Ziele zuzustreben suchte. Wenn Du willst: die Tragik des Luzifer." Mein Kampf.. Die Zeit.. S. versteht der Jude 149 . um ihr. ja Heldentenor oder dergleichen geworden ist. der Teufel? Es ist Luzifer.. der im Namen des Himmels die Hölle schafft.5-27. S. Nr. "Siegt der Jude mit Hilfe seines marxistischen Glaubensbekenntnisses über die Völker dieser Erde. oder all sein Weltherrschaftsstreben wird durch das eigene Absterben erledigt.J. vernichtet er sie.. Unterstreichung im Original) Nota: Auch das folgende Bild. voll von Respekt für dieses fabelhafte Resultat heutiger Erziehungskunst. Der Jude ist das Ebenbild des Teufels.. dann wird seine Krone der Totentanz der Menschheit sein.. daß da und dort zum erstenmal ein Neger Advokat. wie er sich einredet.41) "Im russischen Bolschewismus haben wir den im zwanzigsten Jahrhundert unternommenen Versuch des Judentums zu erblicken. Wenn ihm nicht Halt geboten wird... zitiert nach Heer.."(Der Jude) glaubt. solange. das Hitler von den Juden gibt...Januar l989." Mein Kampf. Während das blödselige Bürgertum eine solche Wunderdressur staunend zur Kenntnis nimmt. in den Wahnsinn. entspricht völlig dem Denken von Nietzsche: "Der Jude ist der Gegenmensch." Hitler. das Paradies auf Erden verschaffen zu können. gar Pastor. genau so. München l924. peinigt er sie in die Verzweiflung. So glaube ich heute im Sinne des allmächtigen Schöpfers zu handeln: indem ich mich des Juden erwehre. Hartog: Die Welt im Bann der Führerrede. Der Jude ist das Geschöpf eines anderen Gottes. der Antimensch . wie es in anderen Zeitperioden durch andere. so muß ich den anderen anders nennen. Lehrer. in den Untergang hinein. Sein Streben liegt zutiefst begründet in seinem Wesen. dann wird dieser Planet wieder wie einst vor Jahrmillionen menschenleer durch den Äther ziehen.

Weltkrieg. Hybris des Luzifer." (Vorwort.. Popper drückt sie auf folgende Weise aus: ". einen geborenen Halbaffen so lange zu dressieren. Man kann das Instrument gegen sie richten. das Unmögliche möglich zu machen. die uns versuchen läßt. Ist der gute. p. wenn man Hunderttausende und Hunterttausende seiner begabtesten Wesen im heutigen proletarischen Sumpf verkommen läßt.sehr schlau. unsere gute Erde in eine Hölle zu verwandeln . Das Elend des Historizismus.denn ich versuchte. während Millionen Angehörige der höchsten Kulturrasse in vollkommen unwürdigen Stellungen verbleiben müssen. sondern vom logischen Gesichtspunkt ihrer Durchführbarkeit. bis man glaubt. aus ihm einen Advokaten gemacht zu haben.vom Antisemitismus gereinigt worden.. Gegen allen Schein. Das aber ist der Antisemitismus der Endlösung. die weitverzweigten Zusammenhänge zu erfassen. Die Formel aber nimmt ihren Gang. das Himmelreich auf Erden zu verwirklichen . So entsteht der Hitlersche Antimensch: Gleichheit. die zwischen der historizistischen und und der utopischen Einstellung bestehen . Die Hybris. Es dämmert dieser verkommenen bürgerlichen Welt nicht auf. daß es eine Versündigung am Willen des ewigen Schöpfers ist. Gewissen. Dies ist ein Antisemitismus Nietzschescher Prägung.zumindest scheinbar .. die Erde in ein Paradies verwandeln wollen. aber nicht als Schuldbekenntnis.nicht vom wirtschaftlichen Gesichtspunkt der Produktivität aus.. daraus einen neuen Beweis für die Richtigkeit seiner den Völkern einzutrichternden Theorie von der Gleichheit der Menschen zu konstruieren. sondern als Schuldvorwurf. Die gleiche Mühe und Sorgfalt auf Intelligenzrassen angewendet. würde jeden einzelnen tausendmal eher zu gleichen Leistungen befähigen.eine Hölle. wie sie nur Menschen für ihre Mitmenschen verwirklichen können. der sich grundsätzlich von allem vorherigen Antisemitismus unterscheidet. Die einzigen Juden sind jetzt die Kommunisten.) und vom Gesichtspunkt der menschlichen Folgen des Versuchs. (seit wann ist der Gesichtspunkt der Durchführbarkeit etwas logisches? F. während man Hottentotten und Zulukaffern zu geistigen Berufen hinaufdressiert. ohne die Juden noch zu erwähnen. Warum? Weil alle sich bekehrt haben. sind es die Nazis." 478/479. und kommt dann in die Freie Welt nach dem II. Hier ist das gleiche.H. daß es ein verbrecherischer Wahnwitz ist. verführt uns dazu. daß es sich hier wahrhaftig um eine Sünde an jeder Vernunft handelt..J.VIII) Das Grundprinzip der Freien Welt ist jetzt . alte Judengott Jahve nun wirklich ein Heidengott geworden? 150 . die den Krieg gewonnen haben.

Nach dem II. daß sie verfeindet sind.Weltkrieg ergibt sich eine generelle Umstrukturierung der bürgerlichen Ideologie. vermischt mit einem Irrationalismus. macht sie eben zu verfeindeten Brüdern. Diese Umstrukturierung war notwendig. alle wollen uns mit ihm freuen!" Popper: Die Utopie der sogenannten Freien Welt: die offene Gesellschaft ohne Feinde. Da war dann irgendein Antisemitismus. Nun konnte die Ideologie der Freien Welt nur in Kontinuität mit der bürgerlichen Ideologie der vorangehenden Zeit entstehen. sondern das Bürgertum aller Länder. den Nazismus als ihr legitimes Kind anzuerkennen und erfand für ihn einen neuen Vater. der sich Totalitarismus nannte. das sich unter dieser neuen Fahne des Antitotalitarismus vereinigte.. Es reduzierte den Nazismus auf ein Phänomen. Schon während des zweiten Weltkriegs hatte sich der neue Begriff der Freien Welt gebildet. Sie wollten totale 151 . ohne seine Wurzeln zu beschädigen. Man mußte sich daher vom Nazismus lösen. Gerade diese Funktion bekam das Denken der Freien Welt. Die bürgerliche Welt war daher nicht bereit. an dem der alte Judengott sich seiner selber. und die Tatsache. da der deutsche Nazismus ein zu großen Schecken hinterlassen hatte.und wir alle.dann wird jener siebente Tag wieder einmal da sein.. den man überhaupt nicht erklären konnte.Dann kann Nietzsche endlich sagen: ". daß sie auf Nietzsche als ihren Vorgänger nicht verzichten konnte. Etwas ähnliches galt für Heidegger und Carl Schmitt. seiner Schöpfung und seines auserwählten Volkes freuen darf. Es sind Brüder. und überhaupt für das bürgerliche Denken der vor-Nazi-Zeit. Nicht nur die Freie Welt kämpfte jetzt gegen den Nazismus. Das aber bedeutete. um noch als bürgerliche Ideologie vertreten werden zu können. Der Totalitarismus aber erschien jetzt mit zwei legitimen Söhnen: dem Nazismus und dem Sozialismus. der einfach unbeschränkte Macht suchte und diese auch bekam. das immer unverständlicher wurde. weil das Bürgertum sich betrügen ließ. . in der die Demokratie gegen den Totalitarismus kämpft.

Es handelt sich um ein Denken. Der Nazismus hatte auf einmal nichts mehr mit den Vordenkern des Nazismus zu tun. d. ohne daß überhaupt irgendeine Auseinandersetzung mit dem Nazismus stattzufinden braucht. was der Nazismus im Extrem getan hat. genau das tun. Daher stellte man ihn als einen der wenigen Denker dar. die man jetzt in die Ideologie der Freien Welt überführte. mit Marx und den Vordenkern des Sozialismus. Stattdessen verband man ihn jetzt mit Hegel. ohne ihn auch nur zu erwähnen. die ihnen diese Macht zubilligten. mußte man die Grundlinien des nazistischen Denkens. weil sie totalitär waren. und wurde von Nietzsche und dann Max Weber 152 . Es war allerdings ein zentrales Element des Nazismus. So konnte man jetzt gerade von Nietzsche die Gesamtstruktur der Ideologie der Freien Welt ableiten.Weltkrieg. Dieses Feindbild ist im Bürgertum entstanden. in welchem Ausmaß Popper die Tradition von Nietzsche aufnimmt. ganz so wie es der Nazismus vorher getan hatte. die allesamt jetzt in die philosophischen Vordenker der Freien Welt verwandelt wurden. Um daher die Ideologie der freien Welt zu begründen. als es sich den sozialistischen Bewegungen gegenüber sah. aber nicht erwähnt. die immer von den Nazis bekämpft worden ist. das nicht mehr tragbar war. die gegen ihre Feinde kämpft. den Max Weber auf Popper ausübt und der in genau der gleichen Richtung wirkt. Nach den Ungeheuerlichkeiten des nazistischen Antisemitismus war hierfür keine Basis mehr zu finden. Stattdessen die Wissenssoziologie. Das vielleicht wichtigste Werk in dieser Richtung ist das von Popper. werden diese vornazistischen Autoren zwar benutzt. Dies führt dann dazu. Dasselbe gilt für den Einfluß. Paradigmatisch tat man dies an Hand von Nietzsche. von ihrer traditionellen Verbindung mit dem Antisemitismus lösen. die immer gegen den Antisemitismus aufgestanden waren. In den ersten Jahren nach dem II. Nietzsche hingegen kommt gar nicht vor.h. Dies war sein Antisemitismus. Später werden sie immer offener als die Klassiker der Freien Welt dargestellt. das die Tradition von Nietzsche völlig aufnimmt und weiterführt. Es ist leicht zu sehen. als noch ein Bewußtsein von den gedanklichen Verbindungen existiert.Macht. wußten nicht. daß die Grundlinien des nazistischen Denkens in der Ideologie der Freien Welt reproduziert werden können. So entstand jetzt das Bild der Freien Welt als einer offenen Gesellschaft. Dort ist selbst Platon ein Art Nazi. mußte man jetzt gegen den Sozialismus kämpfen. und diejenigen. Dummheit und Machthunger schienen die wahren Wurzeln des Nazismus zu sein. Damit es nie wieder einen Nazismus gebe. was sie taten.

die keinerlei Konzeption für eine langfristige Institutionalisierung ermöglicht. daß sie den Nazismus selbst. der Totalität und der Utopie der Ausgangspunkt der Ableitung. den Drogenhandel und alle Laster dieser Welt. Immer werden diese Begriffe mit dem Chaos und dem Terror. Emanzipation. der doch als erster dieses Feindbild entwickelt hat. Dabei wird uns 153 . indem sie die Vorstellung vom Markt. als Produkt eben dieser Begriffe der emanzipatorischen Gleichheit. identifiziert. Immer mehr aber wird die Ideologie der Freien Welt ihre Kontinuität zur Gesellschaft des Nazismus dadurch leugnen. Stückwerktechnologie für die technologischen Entscheidungen und Falsifizierungskriterium als wissenschaftliches Wahrheitskriterium. So entsteht die Zentrierung dieser Ideologie in formale Rationalität im Markt. der Totalität und der Utopie behauptet. die gegen diesen Feind ankämpft. Dieses Feindbild durchdringt jetzt die gesamte bürgerliche Wissenschaft. mit Chaos und Tod identifiziert. aber auch mit der Hybris. Wir werden im folgenden diese Ideologie der Freien Welt insbesondere an Hand der Theorien von Karl Popper darstellen.theoretisch formuliert.B. und immer wird daraus die bürgerliche Gesellschaft als Rettungsanker und daher als Freie Welt deduziert. Es konzentriert sich auf die Kritik der Utopie und des Begriffs der Totalität und seines Ursprungs. der es zuerst in die politische Auseinandersetzung trug und den Nazismus als militante Gesellschaft gegen diesen Feind begründete. Sie wird zu einer Ideologie. Die Ideologie der Freien Welt tut dies. Nach Belieben kann man andere negative Bilder hinzufügen: z. Immer ist die Negation der emanzipatorischen Gleichheit. Totalität und Utopie werden in diesem Feindbild zu einer Einheit verschmolzen und mit Gewalt. Allerdings konstituiert der Nazismus eine reine Kriegsgesellschaft. die aus der Negation dieses Feindbildes entsteht und entwickelt wird. Die bürgerliche Gesellschaft wird sich daher als eine militante und kämpfende Gesellschaft verstehen. nämlich der emanzipatorischen Interpretation der menschlichen Gleichheit. Popper wurde zu seinem Popularisator. Dieses Feindbild hat sie aber vollständig gemeinsam mit dem Nazismus. Terrorismus und Zerstörung. wie sie in den sozialistischen Bewegungen aufgetaucht sind. Die Freie Welt hingegen institutionalisiert jetzt diesen von eben demselben Feindbild geleiteten Kampf in der kapitalistischen Marktgesellschaft der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg. von der Technologie und der Methode der Erfahrungswissenschaften völlig von diesem Feindbild ableitet. Gleichheit.

sodaß eine Vorstellung von Dialektik entsteht. Die Methode einer solchen Argumentation kann nur dialektisch sein. um zu wissen. Da aber jede mögliche Argumentation dieser Gleichheit utopisch ist und den Totalitätsbegriff voraussetzt. als ihre Ablehnung des von ihnen vorgestellten Feindbildes dialektisch zu argumentieren. der scheinbar die dialektische Argumentation völlig ausschließt und daher die Dialektik in einen Teil dieses Feindbildes der Freien Welt verwandelt. Dies wird jetzt einfach ausgedehnt. War bei diesem eine völlige Spaltung seiner Methodologie zwischen der Methodologie seiner methodologischen Aufsätze und der tatsächlich angewendeten Methodologie seiner Sachanalysen enetstanden. wie etwa an "What is dialektik" von Popper. indem behauptet wird. Das methodologische Ergebnis ist allerdings das gleiche wie im Fall von Max Weber. Totalität und Utopie . in welcher Form sie tatsächlich dialektische Argumente benutzen. die sie den Grundzügen des Feindbildes . wird gleichzeitig alles utopische Denken zusammen mit dem Totalitätsbegriff als unwissenschaftlich erklärt. Diese Schriften sind genauso arrogant wie sie ignorant sind.emanzipatorische Gleichheit. was sie von der Dialektik halten. so wie wir es bei Weber taten.gleichstellt. Die Ideologen der Freien Welt können gar nicht anders. die zur ideologie der Freien Welt führt. Man muß. 154 . daß jede Forderung emanzipatorischer Gleichheit als Werturteil unwissenschaftlich ist. Popper entwickelt einen Wahrheitsbegriff. so entsteht jetzt die gleiche Spaltung zwischen der Verurteilung dialektischer Argumente in der expliziten Methodologie und einer dialektischen Argumentation. ihre Analysen analysieren.insbesondere die Methode der Theoriebildung interessieren. darf man sich deshalb nicht an ihre methodologischen Schriften halten. daß die Wissenschaft nicht über Werturteile und materiale Rationalität rational argumentieren kann. Dies impliziert eine Weiterentwicklung der Ideen von Max Weber. der dieser Ideologie zugrundeliegt. Die Dialektik bekommt dadurch eine Bedeutung. daß die Argumentation in diesen Sachanalysen voller dialektischer Argumente ist. Um zu wissen. da sie den Wahrheitsbegriff darzustellen erlaubt. Unter diesem methodologischen Aspekt geht es hierbei um die Frage des dialektischen Denkens in der wissenschaftlichen Theoriebildung. der erklärt hatte. die als Methode alle Grundcharakterzüge dieses Feindbildes in sich zusammenfaßt. Das Ergebnis wird sein. Wir werden dies insbesondere an Popper zeigen. sodaß Werturteile als unwissenschaftlich gelten müssen.

sie können ihren Anhängern verbieten. solange wir ihnen durch rationale Argumente beikommen können und solange wir sie durch die öffentliche Meinung in Schranken halten können. vom Paradox der Freiheit. die die Intoleranz predigt. damit die Toleranz gesichert sei. sodaß es ihm gegenüber verletzt werden muß. was eigentlich solch ein Paradox ist. Er spricht aber nie davon. und wir sollten eine Aufforderung zur Intoleranz und Verfolgung als ebenso verbrecherisch behandeln wie eine Aufforderung zum Mord. sie. Wir sollten daher im Namen der Toleranz das Recht für uns in Anspruch nehmen. dann werden die Toleranten vernichtet werden und die Toleranz mit ihnen. das Argumentieren als solches zu verwerfen. intolerante Philosophien auf jeden Fall gewaltsam unterdrücken sollten. Popper spricht viel von Paradoxen.Damit wünsche ich nicht zu sagen. Wir sollten geltend machen. Denn wenn wir die unbeschränkte Toleranz sogar auf die Intoleranten ausdehnen. vom Paradox der Demokratie und vom Paradox der Toleranz. Aber wir sollten für uns das Recht in Anspruch nehmen. wenn wir nicht bereit sind. . zum Raub oder zur Wiedereinführung des Sklavenhandels. keine Toleranz für die Feinde der Toleranz. eine tolerante Gesellschaftsordnung gegen die Angriffe der Intoleranz zu verteidigen.die sie ein Täuschungsmanöver nennen . München 1957. wäre ihre Unterdrückung höchst unvernünftig . Karl: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde. ist sie die Verwirklichung der 157 Popper. 359 155 . daß ihre Vertreter nicht bereit sind.1. auf rationale Argumente . " 157 Es handelt sich um eine Argumentation. wodurch dann die ursprüngliche Toleranz wieder hergestellt wird. Das Paradox der Toleranz stellt er wie folgt dar: "Uneingeschränkte Toleranz führt mit Notwendigkeit zum Verschwinden der Toleranz . fordert Popper die Intoleranz gegenüber den Intoleranten. Der Intolerante verletzt das Prinzip der Toleranz. und sie werden ihnen vielleicht den Rat geben. daß sich jede Bewegung. und beginnen. Bd. außerhalb des Gesetzes stellt. UTB. Soweit sich also die Intoleranz gegen Intolerante richtet. die Unduldsamen nicht zu dulden.zu hören. Argumente mit Fäusten und Pistolen zu beantworten .B. mit uns auf der Ebene rationaler Diskussion zusammenzutreffen. daß wir z. S. denn es kann sich leicht herausstellen. die auf der Inversion des bürgerlichen Gleichheitsprinzips beruht. mit Gewalt zu unterdrücken. Ausgehend von der Toleranz. wenn nötig.Keine Freiheit für die Feinde der Freiheit.

das Paradox der Demokratie. eine despotische Gewalt zu legitimieren: Despotismus gegen die Despoten. despotische Herrschaft zu begründen. der Herrschaft der Mehrheit." 158 Jetzt geht es darum. Diese Inversion ist ein dialektisches Argument. sondern empfiehlt eine liberale Regierung. op. S. daß die Freiheit im Sinne der Abwesenheit aller einschränkenden Kontrollen zu sehr großer Einschränkung führen muß.Toleranz. Es handelt sich um die Lockesche Form. Dies führt dann zu einem: kein Gesetz für die Feinde der Gesetzlichkeit. Diese Argumentation durch Inversion übernimmt sichtbar die Argumentstruktur von John Locke.. in der der jakobinische Terror auf ganz die gleiche Art begründet wurde. In der Freien Welt wurde dies dann zur Theorie der kontrollierten Demokratie ausgeweitete. Tatsächlich kann jede Form der Despotie daraus abgeleitet werden und ist auch daraus abgeleitet worden. daß sich die Feinde der Freiheit selbst außerhalb des Gesetzes stellen." Popper. d.. wie Hegel es 158 Popper. Schon der Jacobinerterror sprach ganz wie Popper davon.360 Er zieht hieraus aber weiter keine Schlüsse. die Freiheit eingeschränkt werden muß. und daher nicht innerhalb des Gesetzes behandelt werden können. genauer. Bei Locke wird sie erstmals zur Grundlage der politischen Legitimation. die Möglichkeit. Ganz das Gleiche wird er uns als Paradox der Freiheit vorstellen: "Das sogenannte Paradox der Freiheit besteht in dem Argument. Wir kennen sie ebenso aus der französischen Revolution. Ne pas de liberte pour les enemis de la liberte. Ähnlich ist das Paradox der Demokratie: ". Diese hebt die Demokratie auf für diejenigen. op. ist natürlich uralt. daß demgegenüber. die Friedfertigen zu versklaven.h. ganz so. In unserer Gegenwart werden mit diesen Argumenten die totalitären Diktaturen der Nationalen Sicherheit . da sie es dem Gangster ermöglicht. Saint Just formulierte dies ganz so wie Popper: Keine Freiheit für die Feinde der Freiheit. Sie wird aber mit dem Vordringen der Überzeugung von der Gleichheit aller Menschen immer mehr zur ausschließlichen Form der Legitimation despotischer Herrschaft.cit.cit. die gegen die Demokratie sind. daß sich die Mehrheit zur Herrschaft eines Tyrannen entschließen kann. Diese Art. S.359 156 . der die Freiheit einschränkt.eine Art sehr verspäteter und dafür besonders schlimmer Jakobinerterror gerechtfertigt.

Die Intoleranz gegenüber den Intoleranten wird zur Verwirklichung der Toleranz.hat er bereits alle Argumente ausgeschlossen. 159 Ganz diese Verkehrung der Welt wird von Popper eingeführt.. und seiner gegen sie erloschen ist. mit Gewalt zu unterdrücken. intolerante Philosophien auf jeden Fall gewaltsam unterdrücken sollten. Meiner. sondern 159 Hegel. aber nicht der Begriffe aus. sich selbst aufhebt. Als Ergebnis fordert er das Recht. Es handelt sich um eine Art von Negation der Negation. das anders ist als sein eigenes. solange wir ihnen durch rationale Argumente beikommen können und solange wir sie durch die öffentliche Meinung in Schranken halten können. ganz so. Daß Popper jetzt von einem Paradox und nicht von einem Widerspruch spricht.. daß wir z. Intoleranz hört auf. G." Hegel spricht übrigens von einer "verkehrten" Welt dort. Hegels Kritik setzt daher an dieser Verkehrung der Welt an.B.W. daß sie eine solche Verwirklichung des Gesetzes ist. die man seiner Methodologie entgegenhalten könnte. Popper leitet nun aus seiner Negation der Negation eine offensichtlich despotische Macht ab. und die Bewegung der Individualität gegen es." Ob man sie verbietet oder nicht.123/124 157 . im Namen der Toleranz ganze Philosophien verbieten zu dürfen: "Damit wünsche ich nicht zu sagen. Er erhebt den Anspruch.emanzipatorische Gleichheit. diese ist die Aussöhnung des Gesetzes mit der ihm im Verbrechen entgegengesetzten Wirklichkeit. Sein Verweis auf "rationale Argumente" ist reiner Schein. ist einfach eine Frage der politischen Zweckmäßigkeit. die Popper hier verwendet und die bei Hegel folgendermaßen beschrieben ist: "Das Verbrechen seinem Inhalte nach aber hat seine Reflexion in sich oder seine Verkehrung an der wirklichen Strafe. um die offene Gesellschaft gegen ihre Feinde zu verteidigen. macht einen Unterschied der Worte. S. wo das Gesetz dadurch verwirklicht wird. die mit seiner eigenen Methodologie vereinbar sind. sie. wie bei Hegel alle Negation der Negation zur Verwirklichung der Position wird. die es als Strafe hat.in seiner Dialektik von Schuld und Sühne. alles Denken im Namen der Toleranz unterdrücken zu dürfen.F. Phänomenologie des Geistes. Denn rationale Argumente sind für Popper nur solche. Hamburg 1952. Aber wir sollten für uns das Recht in Anspruch nehmen. daß seine Geltung dem Gesetzesbrecher gegenüber aufgehoben wird. wäre ihre Unterdrückung höchst unvernünftig. es aus tätigem wieder ruhiges und geltendes Gesetz wird. von Verbrechen und Strafe entwickelt. Die wirkliche Strafe endlich hat so ihre verkehrte Wirklichkeit an ihr. Totalität und Utopie . Durch die Definition seines Feindbildes aber . wodurch die Tätigkeit. eine Haltung zu sein. wenn nötig.

Wer über die Methodologie anders denkt als Popper. die nicht nach seinen Kriterien gebildet ist. Wortklaubereien auszuschalten: es wird. um dadurch alle möglichen Ergebnisse kontrollieren zu können. Rationale Diskussion ist einfach nur das. ist intolerant. Allen diesen Meinungen unterstellt er einfach. Er will die Argumentation einschnüren. der der Recht beansprucht. hoffe ich. daß er für sie die Gewaltausübung in Anspruch nimmt. 160 Aus diesem Grunde kann er ankündigen. die sich für den Historizismus vorbringen lassen. den Historizismus als wohldurchdachte und differenzierte Philosophie darzustellen. Und diese Theorie behandelt er als absolut sicher. Das ist die Art eines rationalen Dialogs. niemand in Versuchung kommen.. der seine Theorie nicht annimmt. Ich hoffe. Einen höheren Grad von "Sicherheitsphilosophie" kann es doch wohl nicht geben. Durch Einführung dieses Ausdrucks hoffe ich. alle denkbaren Argumente. Ich habe mich bemüht. Jeden Schritt der Argumentation sucht er methodologisch zu begründen. So sicher.wird aus dem Denken deduziert. Popper legt uns ja nicht auf rationale Argumentation fest. ist. in ihrer Konsequenz terroristisch zu sein. Freud begleitet alle seine Analysen durch ständige methodologische Reflektionen. sondern auf seine Theorie der rationalen Argumentation. und diese beherrschen. oder was das Wort 'Historizismus' wirklich oder eigentlich oder essentiell bedeutet. den anzugreifen sich lohnt. Descartes. hat das nicht beansprucht. den Popper doch so verachtet. nach Popper der "Sicherheitsphilosoph" par excellence. Tübingen 1974. daß es mir dadurch gelungen ist. Deshalb habe ich auch absichtlich die etwas ungebräuchliche Etikette 'Historizismus' gewählt. Er will Generalsekretär der Institution Wissenschaft sein. Wie Popper dabei vorgeht. zu sammeln.. die meines Wissens von den Historizisten nie vorgebracht wurden. Er erklärt die Todesstrafe für den. einen Standpunkt zu konstruieren. Dabei habe ich nicht gezögert. um meiner auf die Darstellung folgenden Kritik eine sinnvolle Aufgabe zu stellen. jede Meinung verfolgen zu dürfen. sehr gut beobachten. Popper hingegen ist dogmatischer Apriorist." 161 160 Das rationale Verhältnis zur Methodologie kann man gerade an Freud. notfalls alle Philosophien verbieten zu lassen. mit denen man nicht "auf der Ebene rationaler Diskussion" zusammentreffen kann.2/3 158 . ob irgendeiner der hier besprochenen Gedankengänge. Die Poppersche Inversion der Toleranz führt folglich zu einem extremen Dogmatismus. Gedankengänge zur Stützung des Historizismus zu konstruieren. was Popper dafür erklärt hat. Was er beansprucht. können einige Sätze aus der Einleitung von Das Elend des Historizismus vermitteln: "Ich habe mich aber sehr bemüht. 161Popper. Mohr. indem er durch seine aprioristische Methodologie die Tagesordnung bestimmt. abweichende Meinungen notfalls mit Gewalt zu unterdrücken. die Frage zu stellen. Karl: Das Elend des Historizismus. wirklich oder eigentlich oder essentiell historizistisch ist. S.

sollte es sie geben. lohnen es nicht. Wenn man gleichzeitig bedenkt. sodaß 159 . Die Methodologie ist Resultat der Wissenschaft im gleichen Maße." Da für Popper eine solche Aufforderung immer dann gegeben ist. daß ein Dialog. ihre Kollegen anzuschwärzen und die Universitäten zu kontrollieren. in dem sie ihr Ausgangspunkt ist. den es lohnt. so wie das Modell vollkommener Konkurrenz mit seinem "rationalen Preis". daß er das Recht auf Gewaltanwendung gegenüber solchen Philosophien wie den von ihm konstruierten 'Historizismus" fordert. die nicht seine Meinung (über die wissenschaftliche Methodologie) teilen. Hayek will nicht rationale Preise berechnen.wir sollten eine Aufforderung zur Intoleranz und Verfolgung als ebenso verbrecherisch behandeln wie eine Aufforderung zum Mord. um sie kritisch-rational sauber zu halten) In den lateinamerikanischen Diktaturen der nationalen Sicherheit hingegen hat man diese Säuberung buchstäblich mit Gewalt durchgeführt. ist.. in Zusammenarbeit mit den Geheimdiensten. die zu rationalen Preisen führt. was bereits Locke allen unterstellt hat. zum Raub oder zur Wiedereinführung des Sklavenhandels. die nicht der bürgerlichen Gesellschaft angehören: ". denn die wirklichen Gedanken. und deren Intoleranz man durch solch willkürliche Konstruktionen beweist. Sie stellt nur eine der vielen Konstruktionen einer societas perfecta dar. kann er alle seine Gegner ganz wie Locke auf dieses Niveau von Mördern. sondern die Vorgehensweise bestimmen. alles das. (Politkommissare vom Bund Freiheit der Wissenschaft fühlen nicht die geringste Scham. die allesamt natürlich als intolerant gelten. 162 162 Poppers Methodologie entspricht daher dem Denken Hayeks über das Preissystem. wenn jemand Gedanken ausspricht.Er konstruiert sich einen Standpunkt. Der Markt bestimmt diese Vorgehensweise. Er erklärt sich als nicht kritisierbar. Eine a priori bekannte absolute Methodologie. aber wird jeden Versuch der ernsthaften Diskussion als Intoleranz abwehren. unruhig zu werden. könnte man gar nicht kennen. die a priori dogmatisch angewendet werden kann. und sich dabei unwidersprochen auf Popper berufen. Gespenster. wie Popper sie beansprucht. Er unterstellt daher allen. um rational zu sein.. Räubern und Sklavenhändlern herabsetzen. gibt es allen Grund. mit denen er sich auseinandersetzen sollte. anzugreifen. Eine Methodologie. Er kämpft gegen von ihm selbst gebaute Vogelscheuchen. insbesondere dem Verfassungsschutz.. immer auch ein Dialog über die methodologischen Grundlagen des Dialogs selbst sein muß. Auf Grund solcher Argumente hat man in der Bundesrepublik die Universitäten von "Radikalen" gereinigt. die nach Poppers Meinung zu Intoleranz und Verfolgung führen müssen. die er selbst erfindet. Was Popper völlig entgeht. zieht er der Wirklichkeit vor. kann es gar nicht geben.

Heute gilt: Aller Westen ist Wilder Westen. den der Markt bei Hayek hat." Inzwischen muß man dieser Liste die unzähligen Opfer des popperschen Dogmatismus hinzufügen. die "Argumente mit Fäusten und Pistolen. Frauen und Kinder. Jeder nicht mit der Methodologie Poppers vereinbare Satz aber nicht notwendig unwissenschaftlich. gerade den Dialog. für die Produktion wissenschaftlicher Theorien an. ob sie wahr sind. sind die gebildeten Theorien rational. Wird seine Methodologie a priori angewendet. 163 Wenn er von denen spricht.h. nur ihre Feinde wollen das. aller Abstammungen. die die wahre Welt abgeschafft hat. daß man sich der Wahrheit annähert oder zumindest annähern kann. beantworten". als eine Welt. Es ist nämlich Popper. Die Freie Welt sagt jetzt: "Wir haben die wahre Welt abgeschafft. nicht anerkennen. in der Gott alles in allem ist. in dem die Moral abgeschafft ist. wissenschaftlich. Popper hingegen unterstellt a priori allen. was Tatsache ist. Im Markt entstehen der Tendenz nach daher Preise. d. als ob man vollkommenes Wissen hätte.Daher zerstört der Anspruch." Es gibt sie nicht mehr. daß der Markt gesichert wird. Eine Erde ohne Tempel und Gotteshäuser. daß der Freie Westen zum Wilden Westen geworden ist. Die Freie Welt bietet sich als die verwirklichte Utopie an. den man angeblich sichern will. Eine Erde ohne Gottesherrschaft. 163 Die Utopie der offenen Gesellschaft ohne ihre Feinde. mit Fäusten und Pistolen argumentieren zu wollen. die über rationale Argumente anderes denken als er. Aber die Methodologie garantiert. und wir brauchen sie nicht mehr.zum Opfer gefallen sind. Bei Popper nimmt die Methodologie diesen Platz. Es hat seine Logik. wie sie den totalitären Diktaturen der Nationalen Sicherheit in Lateinamerika . die ein Paradies ohne verbotenen Baum ist. Dieses nennt die abgeschaffte wahre Welt die Neue Erde. um den Dialog nicht mit Boxkämpfen zu verwechseln. eine solche Methodologie zu haben. die Tendenz zu rationalen Preisen gesichert wird. ohne daß man wissen könnte. Opfer von nationalisozialistischen und kommunistsischen Formen des Irrglaubens an unerbittliche Gesetze eines weltgeschichtlichen Ablaufs. 160 .und ganz besonders im Namen Poppers in Uruguay und Chile .. der den Dialog ablehnt und mit Gewalt seine Theorie rationaler Argumentation aufzwingen will. aller Länder. Eine Erde. "Schaffen wir die wahre Welt ab" sagte Nietzsche. zitiert er offenbar den Philosophen der spanischen Falange. Man braucht aber sicher keine poppersche Methodologie und hat sie auch nie gebraucht. Im Sinne von Paulus ist die dadurch. ob er der rationale Preis ist oder nicht. zumindest die moderne: die Abschaffung der wahren Welt. Wir haben die offene Gesellschaft. Denn das ist die Utopie. Wahrscheinlich ist ihre erste Form die des frühen Christentums. Primo de Riveira.. aller Überzeugungen. Gerade durch diese dogmatische Unterstellung wird seine Philosophie zur Gewaltphilosophie. Popper widmet sein Buch über den Historizismus auf folgende Weise: "Dem Andenken ungezählter Männer. obwohl man von keinem Preis wissen kann.

Erst das Mittelalter will zurück ins Paradies. sondern: ein neues Paradies. für den Anarchismus. es selbst tun zu können und sich nur dafür entscheiden zu müssen. um diesmal gehorsam zu sein und nicht mehr vom verbotenen Baum zu essen.aus einer Erlösung. für Nietzsche und eben auch für die Freie Welt. denen sich der Mensch gegenübersieht. Wird die Welt zum Kommunismus hin umgestaltet. es endlich zu tun. ist das Ziel. Jahrhunderts bis zum Marquis de Sade hin. sodaß der Mensch kein unmittelbares Verhältnis zu dieser Welt hat. tut sie es im Namen der Abschaffung der wahren Welt. Aber die Quelle der Abschaffung der wahren Welt liegt hier. Die Welt 161 . sondern die einer guten Welt. Spuren davon bleiben noch im Felix Culpa des Augustinus. so steht dennoch dahinter nicht die tatsächliche Vorstellung des Himmelreiches. in der der Mensch dieser Welt gegenübersteht. wie es es noch nie gab. In der Marxschen Tradition entstand aus diesem Denken die Kommunismusvorstellung. enthüllt eben. sondern ihre Überflüssigmachung. so ist keine Vorstellung der wahren Welt. Die Tatsache aber. das Denken von Marx. Dieses Denken ist aller Utopie gemeinsam. Die Abschaffung der wahren Welt soll diese unmittelbare Welt ermöglichen. Nicht: Zurück ins Paradies. der Gotteshäuser und der Moral . verstanden als Welt der Phänomene. Diese Abschaffung der wahren Welt ist immer die Schaffung einer Welt.abgeschaffte wahre Welt eben: Diese Erde ohne den Tod. Das Paradies des frühen Christentums hingegen hat gar keinen verbotenen Baum. Sobald die moderne Utopie auftaucht. die an die jüdische Tradition anschließt. daß eine Welt entsteht. die folglich ohne Himmelreich auskommt. die keine wahre Welt mehr zu ihrer Vermittlung braucht. mehr nötig. um sich in seiner Welt zu orientieren. Kommunismus ist eine solche Umgestaltung dieser Welt. Immer geht diese Abschaffung der wahren Welt von dieser Welt aus.der Gottesherrschaft. Aber man glaubt. Wenn auch die deutschen Arbeiter singen: Wir wollen auf der Erde schon das Himmelreich errichten. ohne dieses Verhältnis durch eine Vorstellung der wahren Welt zu vermitteln. folglich auch keine Religion oder Moral. Es handelt sich hier um die christliche Vorstellung von der Gottwerdung des Menschen. daß das Verhältnis zu dieser Welt gebrochen ist. Allerdings erwarten diese ersten Christen die Abschaffung der wahren Welt . es ist Neue Erde: diese Erde ohne den Tod. Kommunismus ist nicht die Verwirklichung der wahren Welt. Dies gilt für den bürgerlichen Libertinismus des XVIII. die eine einfache Verlängerung der Anarchievorstellung des Anarchismus ist. daß ihr eine wahre Welt gegenübergestellt wird. in der der Mensch keine wahre Welt mehr zu erfinden braucht. die Gott selbst bringt.

In der Marxschen Auffassung ist daher die Abschaffung der wahren Welt das Ergebnis der Schaffung einer guten Welt. wenn man seine objektiven Ursachen beseitigt. Marx hatte ja die wahre Welt durchaus auch als Schein betrachtet. muß man diese andere. Diesen kann man daher nur beseitigen.muß aber umgewandelt werden. die keine wahre 162 . Mit Nietzsche entsteht die entgegengesetzte Utopie. Es gibt keine wahre Welt mehr. Das was ist. Die wahre Welt wird abgeschafft. indem man Ausbeutung und Unterdrückung abschafft.a. muß so werden. sondern. die eben. dann folgt daraus schon. daß man es auch kann. der Totalität und der anderen Welt als guter Welt. Und da dies nicht einfach dezisionistisch möglich ist. Wenn man es will. denkt man bald nach Marx an einen Prozeß. Dies ist die Utopie. nicht das was sein soll. daß diese Welt eine Welt der Ausbeutung und der Unterdrückung ist.. so ist man sie los. die in der Marxschen Sicht erforderlich ist. die man abschafft. Man muß darauf verzichten. kann man die wahre Welt abschaffen. Es ist die emanzipatorische Utopie des humanistischen Universalismus. die das was ist zum Ausgangspunkt nimmt. daß es an keine wahre Welt mehr glaubt. Die wahre Welt soll abgeschafft werden. auf sie Bezug zu nehmen. sodaß keine Prozeß des Fortschritts zu dieser Welt hin. Diese Umwandlung dieser Welt zur Utopie hin ist die Praxis. um aufeinander loszuschlagen. Damit man zu dieser Welt ein unmittelbares Verhältnis hat. indem man Ausbeutung und Unterdrückung aus den Fesseln der Vorstellung einer wahren Welt befreit. Bei Nietzsche hingegen schlägt man sich diesen Schein aus dem Kopf. der diese Welt umändert und sie zu einer guten Welt macht. wenn wir uns keine wahre Welt mehr vormachen lassen. weil man sie abschaffen will. u. Nur wenn man diese abschafft und eine Welt ohne Ausbeutung aufbaut. Es gibt dann nur noch diese Welt. Dies ist die Vorstellung: Hat man sich die wahre Welt aus dem Kopf geschlagen. den man den Übergang zum Kommunismsus nannte und schließlich ganz scholastisch in Etappen der Zukunft interpretierte. die wahre Welt. abschaffen. damit dies eintritt. besteht in der Vorstellung des Fortschritts. denn einzig die gute Welt braucht keine wahre Welt. indem man sie sich aus dem Kopf schlägt. Diese gute Welt verwandelt sich folglich in die Utopie eines Prozesses. die keine wahre Welt mehr braucht. Die Utopie von der Abschaffung der wahren Welt ist wirklich geworden. indem man sie sich aus dem Kopf schlägt und gleichzeitig auf die anderen einschlägt. Diese wahre Welt. Ausbeutung und Unterdrückung sind. Die wahre Welt wird nicht abgeschafft. aber als objektiven Schein. Es handelt sich um die dezisionistische Abschaffung der wahren Welt. weil die Notwendigkeit der wahren Welt eine Folge davon ist.

Diese Welt als eine Welt.Totalität und Utopie aus dem Kopf geschlagen hatten. weil sie an keine wahre Welt mehr glaubten./ für uns wars ein großer Sieg. damit sich schließlich alle die Vorstellung von der wahren Welt aus dem Kopf schlagen. Aber wieder war das Problem. das tausendjährige Reich zur Ausrottung des Glaubens an tausendjährige Reiche. Aus der Tradition. versprachen sie daher das tausendjährige Reich nicht etwa für die Zukunft. Folglich war es da. und konzentrierte sie insbesondere auf die Abschaffung des Begriffs der Totalität und und einer besseren Welt. So entsteht der Kampf gegen alle. Man verdrängte daher die Tatsache. indem sie sich die wahre Welt aus dem Kopf geschlagen haben. sodaß für sie das tausendjährige Reich da war und nicht etwa noch kommen mußte. Sie müssen jetzt gegen alle kämpfen./ denn heute gehört uns Deutschland/ und morgen die ganze Welt. die unversalistische Lösung des Problems der Ausrottung des Universalismus./ Wir haben die Fesseln gebrochen. Sie hatten diese Welt gefunden. notwendig ist. die weiterhin an der wahren Welt festhielten. die das nicht getan haben oder gar nicht tuen können.Welt mehr braucht. die von Nietzsche zum Nazismus führte. der Fortschritt im Kampf gegen den Fortschritt. Die Utopie dieser Welt. vor allem gegen die Juden. die diesen Kampf nicht wollen. wie sie von Nietzsche begründet war. daß sich nur die Auserwählten . Sie begründeten daher die offene Gesellschaft./ Wir werden weiter marschieren/ bis alles in Scherben fällt. den "jüdischen Bolschewismus" und auch den Liberalismus. 164 Genau diese utopische Antiutopie wurde von der Freien Welt aufgenommen und zu ihrer Grundlage gemacht. Daher spach man insbesonderes von der Abschaffung der wahren Welt im Sinne der Abschaffung von Totalität und Utopie. Sie mußten die Welt von der Vorstellung einer wahren Welt säubern. Sie hatten sich die wahre Welt aus dem Kopf geschlagen. das Christentum. Nur wer sich Totalität und Utopie aus dem 164 Es zittern die morschen Knochen/ der Welt vor dem großen Krieg. verwandelte sich in eine utopische Antiutopie. Sie wurde jetzt als bürgerliche Gesellschaft begründet. die durch die Umwandlung dieser Welt zu schaffen wäre. die von derart Auserwählten geführt wird. Aber nur für die Auserwählten ist das Problem gelöst. 163 . die totale Organisation gegen die Totalität.vor allem die bürgerlichen Wissenschaftler . das tausendjährige Reich. daß ja die Abschaffung der wahren Welt gerade der Inhalt der Utopie ist. Die Nazis mußten jetzt im Namen der Abschaffung der wahren Welt den Krieg gegen alle führen. übernahm man gerade diese Vorstellung von der Abschaffung der wahren Welt. Als die Nazis diese Welt verwirklichten. die sich Totalität und Utopie aus dem Kopf geschlagen hat: die verwirklichte Utopie.

das mit der subjektiven Haltung nichts mehr zu tun hatte. Nach dem Judenmord durch die Nazis konnte man die Tradition des Kampfes gegen den sogenannten "jüdischen Bolschewismus" nicht wieder aufnehmen. die an Totalität und Utopie hingen. Aber es war keine "jüdischer" Bolschewismus mehr. sodaß die offene Gesellschaft eine solche ist. Sie erkennt ihre Feinde daran. zieht jetzt im Namen des Kampfes gegen den Antisemitismus gegen den gleichen Bolschewismus zu Felde. Alle anderen Feinde blieben die gleichen. Der zentrale Feind blieb daher auch der Bolschewismus. Dieselbe Welt. Weiterhin waren sie dadurch vereint. Die Ausnahme sind die Juden. gehört dazu. zu einem ideologischen Verbrechen. obwohl sie das sehr häufig gar nicht wußten. da es ja immer um den Bolschewismus und seine Ursachen ging. Aber diese Feinde sind ganz außerordentlich den Feinden ähnlich. daß man die Verbrechen des Nazismus ausschließlich auf die Judenmorde konzentrierte und sich dann von ihnen absetzte. wurde jetzt zum Feind der offenen Gesellschaft erklärt. so wurde aus dem jüdischen Bolschewismus ein "antisemitischer" Bolschewismus. wurde zu einem objektiven Krietrium. Auch sie waren Feinde der offenen Gesellschaft. die im Namen des Kampfes gegen das Judentum gegen den jüdischen Bolschewismus zu Feld zog. Und da es ja tatsächlich Antisemitismus auch in sozialistischen Ländern gibt. die Kontinuität von Nazismus und Freier Welt zu bestreiten. Wer das nicht getan hatte. Auf einmal kämpfte man gegen einen antisemitischen Bolschewismus. 164 . Feind der offenen Gesellschaft zu sein. Ihre Ursünde blieb die Erklärung einer emanzipatorischen Gleichheit aller Menschen und die Vertretung eines humanistischen Universalismus. Man benutzte daher den Judenmord gerade dazu. die ständig gegen ihre Feinde kämpft. Durch nichts konnte man besser beweisen. Die bürgerlichen Wissenschaftler aber kämpften noch ihren eigenen Kampf gegen alle ihre Kollegen. Je mehr die Zeit fortschritt. daß man mit dem Nazismus nichts zu tun hatte. kann man so etwas immer fabrizieren. Daher muß sie kämpfen. die die Nazis hatten. In der Bundesrepublik erfüllten die Politkommissare vom Bund Freiheit der Wissenschaft diese Aufgabe. Für die Freie Welt war das egal. um alle Vorstellung der wahren Welt verschwinden zu lassen. Man säuberte daher die Universitäten von ihnen. damit endlich eine offene Gesellschaft ohne ihre Feinde sei. daß sie eine "wahre Welt" dieser Welt gegenüberstellten. indem sie zusammen mit dem Geheimdienst und den Kultusministern solche Feinde der offenen Gesellschaft aufschnüffelten und als Radikale der Universität verwiesen. als dadurch.Kopf geschlagen hat. daß sie die Vorstellung einer wahren Welt weiterführen.

dem die bürgerliche Methodologie folgt. Und dabei sind sie. Sie mündet in einen ewigen Kampf ein. Aber jede bürgerliche Analyse der Gesellschaft muß ihn natürlich benutzen. Die Webersche Methodologie geht überhaupt nicht ein auf die Methode. Aber sie wird utopistisch angezielt und führt daher zur Erklärung der Legitimität der Gewalt gegenüber diesen Feinden der offenen Gesellschaft. der letztlich ein Klassenkampf von oben ist. Allerdings folgt dieser Verdrängung von Totalität und Utopie eben ihre Rückkehr. stellt er dann wirklich einen endlichen Teil der Wirklichkeit dem Chaos gegenüber oder die Gesamtheit aller Wirklichkeit? Dasselbe Problem haben wir bei seiner Analyse der Marktethik und der formalen Rationalität.570) 165 . Die Gesellschaft ohne Utopie ist eben eine neue Utopie.cit. denn ohne einen Totalitätsbegriff kann man überhaupt nichts erklären.Allerdings gelingt diese Utopie von dieser Welt ohne eine wahre Welt auch nicht. der überhaupt keine Vermittlungen kennt. so spricht er über das einzelne. Wirtschaft op. im Namen von Totalität und emanzipatorischer Utopie. daß jeweils nur ein endlicher Teil derselben den Gegenstand wissenschaftlicher Erfassung bilden. Auch die Auserwählten dieser Utopie müssen weiter marschieren. S. Ein ganz manichäischer Kampf wird erklärt. Genau die gleiche Schizophrenie ergibt sich jetzt bei der Ablehnung des Totalitätsbegriffs.212 Weber. S. Es geschieht etwas. Er kann dann beide Rationalitäten als 166 165 166 Weber. diese Welt ohne eine wahre Welt ist eben eine neue. partikuläre Handeln. den sie gegen die Feinde der offenen Gesellschaft zu führen hat. entstehen solche Feinde. Die "Objektivität". Wenn Weber in seinen "Soziologische Grundbegriffe" zwischen Zweckrationalität und Wertrationalität unterscheidet.cit. völlig unmögliche Welt. daß nur er 'wesentlich' im Sinne von 'wissenswert' sein solle. Das Prinzip. folglich über einen endlichen Teil der Wirklichkeit. was völlig parallel ist zu der Ableitung von Werten im Namen der Wissenschaft. die Weber in seinen Analysen anwendet. finden wir wiederum bei Max Weber dargestellt: "Alle denkende Erkenntnis der unendlichen Wirklichkeit durch den endlichen Menschengeist beruht daher auf der stillschweigenden Voraussetzung. Aber keineswegs verschwindet jetzt die Bezugnahme zur gesellschaftlichen Totalität. op.. wie wir es bei Weber analysiert haben. bis alles in Scherben fällt." 165 Wenn Max Weber die formale Rationalität dem Chaos gegenüberstellt. Denn immer wieder. Alle bürgerliche Methodologie verurteilt die Benutzung des Totalitätsbegriffs als totalitär.

sieht man schon an seinem Namen: Modell der vollkommenen Konkurrenz. Daraus folgt dann die Notwendigkeit der Marktethik. und nicht eines endlichen Teils der Wirklichkeit. Dies würde er tun. wäre dieses Ergebnis nicht möglich. die Welt sub specie aeternitatis zu betrachten. Wer Wirtschaftswissenschaften studiert. Wenn die neoklassische Wirtschaftstheorie ein allgemeines Gleichgewichtsmodell entwickelt. unter dem Gesichtspunkt der vollkommenen Konkurrenz. lernt. Aus eben diesem Grunde kann er daher nicht mehr zwischen Zweck. Würde er tatsächlich nur über endliche Teile der Wirklichkeit sprechen.oder Stahlmarkt. Marx jetzt anzugreifen. Er spricht über die Totalität alles menschlichen Handelns unter dem Aspekt des Marktes. zu sehen. aber Adam Smith. beide fließen ineinander über. spricht er doch offensichtlich nicht mehr über einen endlichen Teil der Wirklichkeit. als ob bei ihnen diese Totalität überhaupt nicht vorkäme. Er spricht über eine Gesamtwirklichkeit. Daraus geht eine respektive Utopie hervor: oder ist etwa die Vorstellung einer "vollkommenen Konkurrenz" keine Utopie? Für die bürgerliche 166 . Wer Theologie studiert.unabhängig voneinander behandeln. die auf nichtintentionale Weise eine Harmonie auf dem Markt erzeugt. Wenn Marx dann behauptet. und auch nicht um einen endlichen Teil der Wirklichkeit. die Welt sub specie competentiae perfectae. so handelt es sich ebenfalls um ein Modell der Totalität allen Handeln. wenn er über einen spezifischen Markt sprechen würde. daß die Totalität der Gesellschaft nur durch den Markt geordnet werden kann und daher die Abschaffung des Marktes das Chaos produziert. so bezieht er sich auf ganz die gleiche Totalität. Sobald er aber in seinen "Soziologische Grundkategorien des Wirtschaftens" die formale Rationalität des Marktes einführt. Nur dadurch kann er zu seinem Ergebnis kommen. so spricht er vom Markt als einer Ordnung für die Gesamtheit allen Handelns.und Wertrationalität unterscheiden. und nicht über einen endlichen Teil der Wirklichkeit. Methodologisch sind alle diese Theorien equivalent. Das Problem ist innerhalb der Wirtschaftstheorie ganz allgemein. Wenn Adam Smith von der unsichbaren Hand spricht. In beiden Fällen aber handelt es sich um einen Gesichtspunkt der Totalität. Über einen Teil der Wirklichkeit spricht er nicht. etwa den Kohle. die Neoklassiker und Max Weber so anzusehen. obwohl mit anderem Ergebnis. obwohl sie nicht das gleiche Ergebnis haben. weil er sich auf die gesellschaftliche Totalität bezieht. aus dem man nur sehr lädiert hervorgeht. daß der Markt auf nichtintentionale Weise statt Harmonie die Zerstörung des Menschen und der Natur hervorbringt. lernt. Beides ist ein sehr gewaltsamer Prozess. die durch den Markt geordnet ist. Wie sehr das Gleichgewichtsmodell der Neoklassiker ein Totalitätsmodell ist. Es gehört zur Schizophrenie der bürgerlichen Wissenschaft.

umso agressiver reagieren sie gegen die wahre Welt der anderen. daß der "Anti-Interventionismus als typisch technologische Lehre bezeichnet werden kann. daß sie diese Welt entdeckt haben ohne eine wahre Welt. für eine typische Sozialtechnik! Aber auch hier ergibt sich das gleiche Problem: die Unmöglichkeit ist keine logische. Mit der Utopie ist das Problem des Utopismus verbunden." Popper." Dennoch erklärt er gleichzeitig.49. aber auf keinen Fall wollen sie daraus schließen. 167 . daß 2 Äpfel + 2 Äpfel = 4 Äpfel sind. ohne das geringste Bewußtsein davon.cit. die sich auf die Totalität der menschlichen Gesellschaft bezieht. 167 Da sie aber überzeugt sind. denn seine Vertreter müßten politische Interventionen zur Verhinderung von Interventionen befürworten. sondern ein Ergebnis der Analyse der Wirklichkeit. für sie ist es die reine Wirklichkeit. müssen sie eben ihre wahre Welt verdrängen. nicht beabsichtigte Effekte zeitigen. Popper erklärt also etwas. daß dann auch 2 Birnen + 2 Birnen = 4 Birnen sind. indem sie mit apriorischer Sicherheit ihr Ziel nicht erreichen kann. Eine solche Aktion aber kann nur irrational sein. Aus dem Himmel in die Hölle: die utopistische Suche nach dem Unmöglichen. daß diese bürgerliche Wissenschaft die Wissenschaft überhaupt ist. Man kann aber die Unmöglichkeit der Utopie bestreiten und sie durch die Aktion anzielen. Sie arbeiten damit. So ziehen dann die Anhänger der Utopie der vollkommenen Konkurrenz gegen die Utopien zu Felde. das Elend op. als wäre sie gar nicht vorhanden. Ist die Utopie unmöglich. Sie bestehen sogar darauf. wenn man sie sub specie compententiae perfectae betrachtet? Wieso darf man sie dann nicht sub specie comunismae perfectae betrachten? Wieso ist das zweite totalitär und das erste nicht? Wo bleibt eigentlich die Logik? Gibt es eigentlich Logik in den bürgerlichen Wissenschaften? Sie bestehen immer darauf. gilt als Affront. "schon aus rein logischen Gründen. so kann man sie nicht verwirklichen. Je mehr sie aber ihre wahre Welt verdrängen. Wieso hat man eigentlich die wahre Welt abgeschafft. dieses Ziel zu erreichen. S. Dennoch wird der Versuch. die als Totalität betrachtet wird. Sie bürgerliche Wissenschaft zu nennen. bestimmte. wie utopisch sie eigentlich sind. was seiner Meinung nach logisch unmöglich ist. tuen aber so.Wissenschaft sicher nicht. 167 Popper hält einen "absoluten Anti-Interventionismus" für unhaltbar. Es ist aber eine Schmeichelei. In Wirklichkeit aber ist es eine Utopie.

unsere Gesellschaft "als Ganzes" unter Kontrolle zu bringen und neu aufzubauen. aber er erreichte nur die Erde. Die Ideologie der Freien Welt hingegen sucht einen Apriorismus des Unmöglichen. Die Ideologie der Freien Welt denunziert das Unmögliche. aber er verwandelte sich in den besten Bogenschützen der gesamten Region. Sie fürchtet die Schlange.) Die Ideologie der Freien Welt hingegen ist von der Unmöglichkeit der Utopie fasziniert. Es handelt sich um einen nicht beabsichtigten Effekt seiner unmöglichen Absicht. den Himmel zu erreichen. als wenn es keinen Teil an der Welt hätte. Der Terminus "Gesellschaft" umfaßt natürlich alle 168 . Kriterien hierfür sind nötig. daß es ja gerade unmöglich ist. Popper analysiert die Möglichkeit der Planung ganz in dieser Form: "Aber die Holisten wollen nicht nur die Gesellschaft als Ganzes nach einer unmöglichen Methode studieren. das Unmögliche nicht zu versuchen. Die Ideologie der Freien Welt ist von der Sündenfallgeschichte völlig beherrscht. bleibt völlig unverstanden. Er schoß und schoß.. weiß man nie a priori. aber immer wieder fiel der Pfeil zur Erde. um ständig Prozesse korrigieren zu können.. die dies nicht gewollt hatten. Was unmöglich ist. Dies zeigt die Legende vom Bogenschützen: Ein Bogenschütze wollte seinen Pfeil zum Mond schießen. Er wollte den Himmel erreichen. und diesem fiel es nicht einmal ein. Weil er aber den Himmel erreichen wollte. in der Hayek diese ganz im Sinne des konservativsten christlichen Mittelalters vertritt. sie haben auch vor. der von einem verbotenen Baum ißt. es ist Sündenfall. daß jemals Menschen vom verbotenen Baum gegessen haben. Indem aber keine Analyse stattfindet. die Adam und Eva dazu verführte. Wissen haben zu wollen ist das wahrhaft böse.Diese nicht beabsichtigten Effekte sind nicht notwendig negativ. ist aber verboten. Denn daß etwas unmöglich ist. Nichts scheint schlimmer zu sein. ohne darüber zu sprechen. Sie bedauert es. man muß diesen Weg auch gehen. (Es handelt sich um das gleiche Problem wie: der Weg zum Himmel ist mit guten Absichten gepflastert. Daher möchten sie es beseitigen. als das Unmögliche zu versuchen. zu lachen. und denunziert ständig jeden. Aber ohne gute Absichten gibt es keinen Weg. sondern nur als Ergebnis des Versuchs. Daher rennt sie ständig hinter Beweisen der Unmöglichkeit von Utopien her. war er seinem Leben auf der Erde besser gewachsen als die. Sicher. es zu verwirklichen. Nie erreichte er den Mond. vom Apfel zu essen und dadurch das Wissen zu erwerben. Hayek sagte dies vor dem Nobelpreis-Kommitee. Noch der Nobelpreis-Vortrag von Hayek ist eine Interpretation dieser Sündenfallgeschichte. Sie entdeckt auf der Erde lauter verbotene Bäume.

was Hegel einen "schlecht unendlichen Progreß" nennt. Es folgt. (Der Versuch führt zu einem unendlichen Regreß. Es gilt nur dann. S. Sie folgt aus der Sache. die Gesellschaft als Ganzes zu studieren . da er sein Ziel nie erreichen kann. sondern verhindern. kann nie ein Plan zustande kommen.) Dennoch besteht kein Zweifel. der es tut. wenn man planen will.sozialen Relationen einschließlich der persönlichen. wenn wirklich alles in der Gesellschaft geplant wird. so ist kein Zweifel. die Unmöglichkeit ist eine logische . Aus vielen Gründen ist es völlig unmöglich. nicht aus der Logik. und nicht in jedem Detail. wenn alle sozialen Beziehungen geplant werden sollen.cit. Popper argumentiert mit dem. Indem Popper einfach von Logik spricht. Sie ist ein Argument gegen den Manichäismus. so ist das wieder falsch. und zwar nicht aus irgendwelchen zufälligen Gründen. Nun ist das Argument völlig manichäisch. Wenn Popper sagt. so könnte man sagen. Wenn Popper von einem "unendlichen Regreß" spricht. vermeidet er nämlich das Argument. Daher ist das Poppersche Argument ein Argument gegen eine manichäische Auffassung der Planung. denn mit jeder neuen Lenkungsinstanz für soziale Beziehungen schafft man eine Unmenge neuer sozialer Beziehungen . die aus der Wirklichkeit selbst folgen. Folglich kann die Planung nie die einzige soziale Beziehung sein." 168 Analysieren wir wieder die Form des Arguments. op. die ihrerseits zu lenken sind. und es ist nur in dieser manichäischen Form richtig. ähnlich steht es mit dem Versuch.63/64 169 . man es so nicht machen darf. Weiter aber folgt nichts.ein solcher Versuch müßte sich selbst einschließen. daß dieses Poppersche Argument aufs neue dialektisch ist. das zur Sache führen müßte. Vor allem folgt nicht. Dieser Progreß ist schlecht unendlich. alle oder "fast alle" diese Beziehungen zu lenken. folgt das Chaos. diese Unmöglichkeit sei eine "logische'. daß man die Gesellschaft als Ganzes nicht planen kann. so ist das einfach falsch. Aber eben nur als Ganzes. einschließlich aller Beziehungen aller Mütter zu allen ihren Kindern. sondern aus Gründen. die einer Mutter zu ihrem Kind ebenso wie die einer Fürsorgerin zu beiden. Da man das nicht kann.. daß die Utopisten im wahrsten Sinne des Wortes das Unmögliche verwirklichen wollen. was eben im Popperschen Argument vorausgesetzt wird. Das Elend. Kurz. Folglich. in der die Planung letztlich als einzig legitime soziale Beziehung gilt. die in ihrem Innern nicht geplant werden können. so wird man die sozialen Beziehungen nicht etwa fördern. daß. 168 Popper. Es gilt. Jede Planung muß daher autonome Kreisläufe voraussetzen. Versucht man es.

sondern empirische Gesetze. Nicht die Logik verbietet den Flüssen. die allerdings mit Hilfe der Logik formuliert werden. sondern das tuen empirische Gesetzmäßigkeiten. Genau das gleiche Argument würde ihn zum Ergebnis führen. weil ein manichäisch konzipierter Plan unmöglich ist. Aber wenn der eine Pol widerlegt ist. Er glaubt. Sukzessive Lösungsschritte können niemals zu einer Lösung des Systems führen. der Gegenpol ebenso manichäisch bewiesen ist. In dieser aber kommen empirische Möglichkeiten oder Unmöglichkeiten nicht vor. ist es der andere auch. So kommt er dann zum Ergebnis. Wir werden also fragen müssen. Er kann nur die formale Logik meinen. kein gesellschaftliches Gleichgewicht möglich ist. daß. wenn die Planung die einzige soziale Beziehung ist. daß sukzessive Lösungen des Systems linerarer Gleichungen zu einer Lösung des Systems führen. die Popper zusammen mit Hayek vertritt. über das sachliche Problem zu sprechen. in dem der Markt die einzige soziale Beziehung ist. die wiederum mit Hilfe der Logik formuliert werden. es sei denn durch Zufall. und daher auch die manichäische Marktlösung.Popper aber benutzt es. daß. ein ebenso manichäisch konzipierter Markt möglich sein muß. wie sie bei simultaner Lösung möglich ist. Popper vermeidet diese Diskussion. Er erklärt das Problem als ein Problem der Logik. Popper formuliert es auf folgende Weise: 170 . Da auch der Markt keine simultane Lösung des Gleichungssystems bieten kann. tut die Ideologie der Freien Welt wiederum einen Sprung und erklärt ein Gesetz. in welchen Fällen eigentlich ein unmögliches Ziel zerstörerisch wirkt. bergauf zu fließen. das wiederum mehr verdunkelt als es erhellt. Natürlich sieht Popper das Problem nicht einmal. das dem von ihm erwähnten unendlichen Progreß zugrundeliegt. Daher verbietet auch die Logik keine Planung der Gesellschaft. der jetzt ein Manichäismus des Marktes ist. daß. Der Zufall aber ist angesichts einer großer Zahl von Gleichungen auszuschließen. um gerade seinen eigenen Manichäismus durchzusetzen. obwohl alle Marktideologen das behaupten. wenn der Markt die einzige soziale Beziehung ist. wenn er einen manichäischen Pol widerlegt hat. Sobald aber diese Frage auftaucht. Eine Tendenz zum Gleichgewicht würde voraussetzen. auch kein Gleichgewicht möglich ist. indem er es vermeidet. Aus genau den gleichen Gründen kann auch der Markt keine Tendenz zum Gleichgewicht haben. Er hat nachgewiesen. kann er keine Tendenz zum Gleichgewicht haben. daß. sondern sukzessiv vorgeht. Nimmt man dieses Gleichgewichtsproblem als ein Problem eines Systems linearer Gleichungen. so ist dieses immer nur simultan lösbar. In Wirklichkeit aber ist der Manichäismus der Lösungen widerlegt. die als legitim gilt.

wer in die Hölle kommen will. das Mögliche zu zerstören und damit die Erde in eine Hölle zu verwandeln. und nicht immer? Die Antwort Poppers ist völlig widersprüchlich. dazu führen kann.dem Himmel gleich machen will? Die Frage muß doch sein: wie kann man es erreichen. die uns versuchen läßt. die Wirklichkeit zu zerstören... sondern vom logischen Gesichtspunkt ihrer Durchführbarkeit.VIII 171 . die weitverzweigten Zusammenhänge zu erfassen. Wer in den Himmel kommen will. Wer denn sonst kann die Erde verbessern als derjenige. schafft doch deshalb noch nicht die Hölle auf Erden. 169 Popper. Die Hybris. Karl: Das Elend des Historizismus. Wer den Himmel auf Erden schaffen will. das Himmelreich auf Erden zu verwirklichen . die zwischen der historizistischen und und der utopischen Einstellung bestehen . Tübingen l974. sondern nur ein Risiko. Der Versuch zerstört daher die notwendige Ordnung eben dieser Totalität. Das ist sicher richtig. daß der Versuch. heißt jetzt. weil er in den Himmel kommen will." 169 Das Unmögliche zu wollen. weil er in den Himmel kommen will.denn ich versuchte. wie sie nur Menschen für ihre Mitmenschen verwirklichen können. der sie .zumindest im Bereich des Möglichen . daß man versucht. das Unmögliche möglich zu machen. Wer in den Himmel kommen will. in den Himmel? So etwas kann nie ein Gesetz sein.. Warum stimmt eigentlich die Legende vom Bogenschützen nur manchmal. verführt uns dazu. unsere gute Erde in eine Hölle zu verwandeln . die Totalität zu planen. den Menschen und die Natur zu zerstören. zur Verbesserung der Erde führt und nicht zu ihrer Zerstörung? Vor allem in der christlichen Tradition kann nur dies die Frage sein. p. in die Hölle.) und vom Gesichtspunkt der menschlichen Folgen des Versuchs. Aber es ist kein Gesetz. kommt deshalb. das Himmelreich auf Erden zu verwirklichen? Dies aber ist die Frage danach. Kommt denn dann.J. den Himmel zu verwirklichen.H.". Vorwort. Einmal sagt er uns. warum denn der Versuch. das Himmelreich auf Erden zu verwirklichen.eine Hölle.nicht vom wirtschaftlichen Gesichtspunkt der Produktivität aus. den Himmel auf Erden zu verwirklichen. denn man kann eine Ordnung nicht durch eine manichäische Planung schaffen. Es folgt daher die Frage: Was sind die Grenzen des Möglichen dafür. kommt nicht deshalb in den Himmel. daß dies daher rührt. denn dort ist es ja der Auftrag. sondern kann auch in die Hölle kommen. Dieser Versuch aber führt dazu. (seit wann ist der Gesichtspunkt der Durchführbarkeit etwas logisches? F.

wie die Totalität zu ordnen sei. nach der man die Gesellschaft nicht als Ganzes studieren oder behandeln darf: "Der Versuch führt zu einem unendlichen Regreß. Es ist aber im Sinne einer formalen Logik völlig widerspruchsfrei. wie Popper und mit ihm unsere Geheimpolizei es tut. Sie ist daher völlig unvereinbar mit der anderen Behauptung Poppers." 170 Sicher ist es unmöglich. S. Dabei verwechselt Popper ständig Sachurteile und logische Urteile.. daß man sie planerisch ordnen muß. Die eine oder die andere Aussage mag falsch sein. daß die nichtintentionalen Effekte des Handelns im Markt eine Tendenz zum gesellschaftlichen Gleichgewicht schaffen. daß wir heute gezwungen sind." Wenn man behauptet. Aber diese Unmöglichkeit ist keine logische. Die Logik kann schließlich die Wirklichkeit nicht verbieten. indem man sie sich selbst und dem Markt überläßt. sind sie equivalent. die Gesellschaft als Ganzes zu studieren . Sie ordnet sich dann durch Selbstregulation. Übrigens ist es genausogut unmöglich.ein solcher Versuch müßte sich selbst einschließen.. nämlich das gesamte System der Gesellschaft zu bilden und zu lenken und das gesellschaftliche Leben als Ganzes zu regeln.65 172 . Daß die Totalität sich selbstregulierend ordnet. Wie aber ordnet man diese Totalität? Gemäß Popper und Hayek. aber methodologisch gesehen. uns mit "geschichtlichen Kräften" und "bevorstehenden Entwicklungen" zu drohen. das sich an Marktkriterien orientiert. die erste als unwissenschaftlich und die zweite als wissenschaftlich bezeichnen oder sogar verbieten. die eine utopische Planung angeblich unvermeidlich maxchen. Daß es nicht möglich ist. dann ist das nur ein typischer Versuch. damit sich eine Ordnung ergibt. ähnlich steht es mit dem Versuch. op. und die Ordnung ist ein nichtintentionaler Effekt des Handeln. Aber dies ist natürlich eine Aussage darüber. Aber auch das ist keine logische Unmöglichkeit. "das gesamte System der Gesellschaft zu bilden und zu lenken und das gesellschaftliche Leben als Ganzes zu regeln". Man kann nicht. 170 Popper. ergibt sich aus der Sache. die Totalität planerisch zu ordnen. "das gesamte System der Gesellschaft zu bilden und zu lenken und das gesellschaftliche Leben als Ganzes zu regeln".cit. ist genauso eine Aussage über die Totalität wie die andere. das gesamte System der Gesellschaft durch den Markt zu regeln. Das Elend. "Und wenn man uns sagt. etwas logisch Unmögliches zutun. so studiert und behandelt man eben die Gesellschaft als Totalität.Dies ist ein nichtintentionaler Effekt des Versuchs.

Wenn das Logik ist. Es besagt: Gegenüber einer Gesamtheit. Das Elend. Es paßt nämlich nicht in seine Methodologie.64. spricht Hegel von dialektischer Logik. das völliges Wissen voraussetzt. daß der einzige Autor. wenn man sie als Totalität betrachtet. sondern der Wirklichkeit. Anm. Aber Popper glaubt natürlich. Was Popper hier Logik nennt. Er weiß nicht einmal. den Himmel auf Erden zu errichten. Über Hegel und seinen Einfluß sagt er denn auch: "Ich habe nicht so sehr die Absicht. Da Popper ja seiner eigenen Methodologie so etwas nicht tun darf. Über Dialektik wird er nichts erfahren.cit." 171 Popper hat doch die formale Logik verlassen. Popper aber weiß das nicht. er hätte die Dialektik widerlegt. als es zu bekämpfen" Wenn man so an einen Autor herangeht.Popper kann das Argument. zu einem unendlichen Progreß. Offene Gesellschaft. worum es sich eigentlich handelt.. warum eigentlich der Versuch. nicht aus der Logik. Um diese Ignoranz seitens Popper bewerten zu können. S.40 173 . aus ideologischen Gründen es aber tun muß. daß sie die Gültigkeit der Logik leugnen. Dabei ist das merkwürdigste. II. den Aufsatz "What is dialectic?" aufmerksam zu lesen. die sich auf die von ihm behauptete logische Unmöglichkeit der Planung bezieht: "Die Holisten werden vielleicht hoffen. Wie sonst kann er denn die logische Unmöglichkeit der Planung behaupten. kann er sich mit dem Problem gar nicht auseinandersetzen.. die ich nicht völlig wissen und kennen kann. Die Unmöglichkeit geht doch aus einem schlechtunendlichen Progreß der Wirklichkeit hervor. Dieses aber ist kein Problem formaler Logik. op. der solche Argumente als logische bezeichnet. dann ist es Hegelsche dialektische Logik. diesen Ausweg zu verlegen. dann ist die Antwort leichter darauf. Da es sich aber nicht um formale Logik handelt. ohne ihn überhaupt zu kennen. op. die ihrer Ansicht nach durch die Dialektik aufgehoben wird. dieser Schwierigkeit dadurch entrinnen zu können. das er selbst gebraucht.41 Popper. wie ignorant Popper Hegel und der Dialektik gegenüber ist. sei dem Leser wirklich empfohlen. führt ein Handeln. In "What is Dialectic?" habe ich versucht. zur 171 172 Popper.. Daher sagt er über die dialektische Logik in einer Anmerkung. gar nicht erklären. S. aber sehr viel darüber. der im Endeffekt diese Gesamtheit selbst zerstören kann.. ist die Unwissenschaftlichkeit a priori garantiert. Hegel ist. und sonst gar nichts.cit. dieses Phänomen zu erklären. denn er verdammt Hegel ja. ist ganz einfach Hegelsche dialektische Logik. 172 Hat man diesen Punkt geklärt.

steht der Totalitarismus des totalen Marktes. Es geschieht ebenso. darüber gesprochen. seine eigene Totalisierung verstecken zu müssen. Er glaubt ja allen Ernstes. Die Hegelsche Kritik trifft Popper. die Verfassung eines großen. Nun ist es interessant. wenn man den Markt totalisiert. Gerade hinter dem Verbot. wirklichen Staates mit Umsturz alles Bestehenden und Gegebenen. warum Popper zum Philosophen totalitärer Regime geworden ist. daß bereits Hegel eine ganz ähnliche Interpretation der französischen Revolution macht. wenn versucht wird. Dies muß immer dann geschehen. Es geht um ein rationales Verhältnis zur Gesellschaft als Totalität. um durch seine angeblichen selbstordnenden Kräfte die Totalität erobern zu können." 173 Die Ähnlichkeit mit dem Popperschen Argument ist offensichtlich. der ein jakobinischer Nachschlag ist. Aber ebensosehr ist der Unterschied spürbar. seit wir vom Menschengeschlecht wissen. weil es nur ideenlose Abstraktionen sind. wie sie Popper für den Sozialismus gibt. die Totalität zu ordnen. Es geschieht daher. zur Hölle auf Erden geführt hat: "Zur Gewalt gediehen. nun ganz vorne und vom Gedanken anzufangen und ihr bloß das vermeinte Vernünftige zur Basis geben zu wollen. andererseits. 173 Hegel. Georg Wilhelm Friedrich. nicht den Versuch. daß der Versuch. wenn auch nicht mit diesen Worten. Daher ist ja Popper ebenfalls zum Hofphisosophen der totalitären Regime der Nationalen Sichertheit in Lateinamerika geworden. um dadurch die Totalität in den Griff zu bekommen. und fällt dann in den Widerspruch. die zum Totalitarismus führt. Es geschieht aber auch. §258 174 . haben sie den Versuch zur fürchterlichsten und grellsten Begebenheit gemacht. den Himmel auf Erden zu schaffen. wenn man den Plan totalisiert. Hegel klagt die Totalisierung durch eine Abstraktion an. Die Poppersche aber trifft Hegel überhaupt nicht. Daher kann uns die Hegelsche Kritik erklären. haben diese Abstraktionen deswegen wohl einerseits das. über die Totalität zu sprechen. die Totalität durch die Totalisierung eines bestimmten Aspekts der institutionellen Ordnung zu überfallen und gewaltsam zu ordnen. Auch da wird. erste ungeheure Schauspiel hervorgebracht. In der christlichen Tradition handelt es sich um das Luziferproblem. durch die Totalisierung des Marktes die gesellschaftliche Totalität überfallen und sich unterwerfen zu können. Es ist der Überfall auf die Totalität. wenn die Unfehlbarkeit des Papstes erklärt. Popper hingegen klagt den Versuch an.Zerstörung des Menschen und der Natur führen kann. die Totalität zu ordnen an. Grundlinien der Philosophie des Rechts.

Aber der Engel des Lichts ist nicht der Teufel. op. wurde von den Utopisten ohne das geringste Recht usurpiert.. daß die technologische Machbarkeit. der auf diese Analogie (von naturbearbeitender und sozialer Technik) anspielt. op. ". Hierhin gehört auch die heute übliche Bezeichnung des Menschen als "Humankapital" die eine Fortentwicklung des Naziausdrucks vom "Menschenmaterial" istPopper. sagen Paulus und noch Augustinus. Allerdings entstand eben die "holistische Technik" gerade von den Naturwissenschaften aus.65 "Der Ausdruck "Sozialtechnik"..daß es im Bereich der Naturwissenschaft und der naturbearbeitenden Technik kein Gegenstück zur holistischen Technik und der ihr entsprechenden "Wissenschaft" gibt. Jahrhundert an aber ist der Engel des Lichts der Teufel. Das Elend. Die naturwissenschaftliche Methode und die Stückwerktechnologie. Stalin sprach von "Sozialingenieuren" und Sozialingenieurie.. die reine erfahrungswissenschaftliche Methodologie in den Naturwissenschaften zu finden. Insbesondere Popper glaubt. ohne die Totalität der Wirklichkeit.. Vom XI. Der Ausdruck stammt nämlich von Stalin. S. und Popper hat ihn daher übernommen. in Betracht zu ziehen. handele es sich um die Natur oder die Menschheit als Gesamtheit. Popper hält dies für Realismus und bezeichnet es als Sozialtechnologie.. Sie erscheinen als Musterkinder des menschlichen Denkens und sind daher a priori unschuldig. der Teufel benutzt nur seinen Schein.73 175 . Naturwissenschaften aber sind seiner Ansicht nach nicht ideologisch und astellen kein Utopieproblem. je mehr ökologische Probleme es offensichtlich machten. die darauf beruht.. die die Machbarkeit einer Technik auf Grund technischer Ausschnitte aus der Wirklichkeit beurteilt. Popper behauptet daher. Das Elend. ohne sie in eine Gesamtheit aller Techniken einzuordnen. Einzeltechniken zu entwickeln und anzuwenden." 174 Dagegen stellt er die sogenannte Stückwerktechnik (piece-mealtecnology). S." In Wirklichkeit wurde er von Popper usurpiert. Bei Popper ist der Ausdruck keineswegs besser als er bei Stalin war.Unter dem Gewand des Engels des Lichts kann der Teufel erscheinen.cit.cit. Die Stückwerktechnologie wir angewendet auf Grund von Kriterien. solange sie sich an technischen Ausschnitten der 175 174 175 Popper.

Die andere Seite aber dieses Stückwerkverhaltens zur Natur und zur Technik ist die Marktentscheidung. völlig orientierungslos ist und mit der Zerstörung der Umwelt letztlich dazu führen wird. nicht zur Kenntnis zu nehmen. als sie die Kritik am Marktmechanismus auf die Natur als Totalität ausdehnt. Technik. Der ökologische Gesichtspunkt führte dazu. weil sie nicht "holistisch" angewendet wird. Wenn auch Marx schon davon sprach. das sich im Markt so verhält. kann überhaupt nur die Haltung der Stückwerktechnologie einnehmen. Weltkrieg aufgezwungen. die Stückwerktechnologie als eine reine Illusion zu erkennen. Die technologische Machbarkeit ist kein Kriterium für die Möglichkeit der Anwendung einer Technik. heißt. Der Stückwerktechnologe ist ein Ideologe. ist zu einer Frage von Leben und Tod der Menschheit geworden. als sie vorher war. Nun ist aber Stückwerktechnologie. Bei 176 .Wirklichkeit orientiert. Dies ist eine Ausweitung der Marxschen Kapitalismuskritik insofern. daß es nach Marktkriterien seine Gewinne maximiert. Aber auch die Dynamik des Marktes zwingt zu einer solchen Haltung. so wie Popper sie auffaßt. der 1972 vorgestellt wurde. Diese Kritik der Technik wurde erstmals öffentlich gemacht durch den Bericht des "Club of Rome". eine bestimmte Art des Verhaltens zur Natur und zur Umwelt. eine Totalität darstellen. Die Erde ist sehr viel runder geworden. Sie ist die Technologie von Schrebergärtnern. Sich zu ihr als Stückwerktechnologe verhalten. daß die Natur und folglich auch die Technik. die als Ganzes bedroht sei. kann sich als ökologisch unmöglich erweisen. Soweit dies der Fall ist. Die Technik den Notwendigkeiten der Reproduktion der Natur zu unterwerfen und sie daher als Gesamtsystem im Verhältnis zur Totalität der Natur und nicht als Stückwerktechnologie zu betrachten. sondern gemäß den Krierien eines Ausschnitts aus der Wirklichkeit. die zerstört werden kann. auch sich selbst zu zerstören. und zwar gerade "naturbearbeitende Technik" ist zerstörerisch und bedrohend gerade deshalb. Die Umweltzerstörung hat diese Vorstellung erst in der Zeit nach dem II. muß gerade der Konkurrenzmechanismus solch eine Stückwerkorientierung aufzwingen und dadurch zum Vehikel der Naturzerstörung werden. Ein Unternehmen. daß der kapitalistische Markt den Menschen und die Natur zerstört. der diese Tatsache überhaupt nicht zur Kenntnis nimmt oder sie einfach durch generelle Behauptungen über die Selbststeuerung der Natur wegwischt. Seither ist das Problem immer offensichtlicher geworden. so stand dennoch dahinter noch keine Vorstellung von der Natur als Totalität. da die Stückwerktechnologie zumindest kurzfristig höhere Gewinne verspricht als ein rationales Verhältnis zu den technischen Alternativen. Was technisch machbar sein kann.

Marx steht ganz eindeutig die direkte Zerstörung des Menschen durch den Markt im Vordergrund. Aus diesem den Menschen zerstörenden Markt ist die heutige Drohung hervorgegangen, die Natur als Ganzheit zu zerstören und damit die Menschheit selbst auszulöschen. Indem der Markt dazu zwingt, alle wirtschaftlichen Entscheidungen unter dem Gesichtspunkt der Stückwerktechnologie vorzunehmen, ist es unmöglich, weder die Menschheit noch die Natur als Gesamtheit und daher als Totalität in Betracht zu ziehen. Die Konsequenzen der Stückwerkorientierung zerstören daher das Ganze, damit letztlich aber alle seine Teile. Daran hat auch der Sozialismus, wie er bis heute besteht, nichts ändern können. Indem er die Maximierung von Wachstumsraten betreibt, muß er, zumindest was die Natur betrifft, die gleichen Konsequenzen hervorrufen wie der kapitalistische Markt. Denn Wachstumsraten sind Preiskriterien, deren Maximierung analog zur Maximierung des Unternehmungsgewinnes zu sehen ist. Zerstörung des Menschen und Zerstörung der Natur hängen offensichtlich sehr eng zusammen. Der gleiche Marktmechanismus unterliegt beiden. Indem man aber die Forderung nach einer Integration der Stückwerkentscheidungen in die Totalität der Menschheit und der Natur ablehnt, führt man diesen Zerstörungsprozeß nur zu seinem Extrem, von dem aus es dann kein Zurück mehr gibt. Wir haben heute ein untrügliches Symbol für diesen Prozeß: es ist die Eintreibung der Auslandsschulden der Dritten Welt. Wir zerstören die Möglichkeiten eines menschlichen Lebens in drei Kontinenten, und führen diese dahin, ihre Natur zu zerstören, um das Schlimmste zu vermeiden. Das Schlimmste kommt dann durch das Mittel, mit man es vermeiden wollte.
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Die Marktmagie führt dann zu ihrer schlimmsten Äußerung: des Versuchs der Zerstörung eines Teils der Menschheit, um die Natur für den Rest der Menschheit zu erhalten. Wahrscheinlich ist dies schon das Projekt, mit dem man die Schulden der Dritten Welt einzieht, ohne es sich noch offen einzugestehen. Aber aller Wahrscheinlichkeit nach wird es den gesamten Prozeß nur beschleunigen. Wenn man nicht die Menschheit rettet vom Hunger und Elend, wird man sicher auch die Natur nicht retten können. Aber der Okzident scheint nicht mehr fähig
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So sagt Popper: "Die Leugnung des Realismus kommt dem Größenwahn gleiche (der verbreitetsten Befufskrankheit der Fachphilosophen)." Popper, Karl: Objektive Erkenntnis. Hamburg 1973. S.54. Es stellt sich aber heraus, daß gerade diese extreme Forderung nach Stückwerktechnologie Leugnung des Realismus ist. Der Realismus verlangt gerade, alle Technik in die Totalität der Natur und daher aller anderen Techniken einzuordnen. Das ist eine Frage von Leben und Tod der Menschheit. Was soll jetzt der Verweis auf den "Größenwahn", wenn nicht eine dogmatische Bestimmung, die uns a priori festlegen soll, ohne noch argumentieren zu können?

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zu sein, dieses Minimum von menschlicher Solidarität aufzubringen. Das Unmögliche ist es gerade, mit einer Stückwerkorientierung der Technologie und daher mit einem marktorientierten Handeln zu überleben. Dies ist der Utopismus, von dem alles Utopieproblem ausgeht.

Die Methodologie. Wir haben in der betrachteten Ideologie der Freien Welt ein bestimmtes dialektisches System gefunden, das die gesamte Argumentation beherrscht und seit den 50er Jahren verallgemeinert worden ist. Es besteht aus vier wesentlichen dialektischen Argumenten, aus denen dann ein ideologischer Schluß gezogen wird. Die vier dialektischen Argumente waren folgende: 1. Die Dialektik von Schuld und Sühne. Es ist die Dialektik der Verwirklichung der Toleranz durch Intoleranz gegenüber den Intoleranten, des Terrorismus gegen die Torriristen, der Verletzung der Menschenrechte derer, die die Menschenrechte verletzen, die jakobinische Dialektik des "Keine Freiheit für die Feinde der Freiheit." Es handelt sich um eine Dialektik der Negation der Negation. 2. Die Konstituierung des Totalitätsbegriffs durch die argumentative Voraussetzung des vollkommenen Wissens. Dieser Totalitätsbegriff erscheint insbesondere als Begriff der "vollkommenen Konkurrenz", aber ebenso als offene Gesellschaft ohne Feinde. 3. Die Dialektik des "schlecht unendlichen Progresses", die ausschließlich gegen die Gegner gewendet wird. Jede Alternative zur bürgerlichen Gesellschaft kommt unter das Verdikt eines schlecht unendlichen Progresses, sodaß die Möglichkeit von Alternativen ausgeschlossen werden kann. 4. Die Dialektik des Bruchs in der utopischen Vorstellung. Es ist die Dialektik eines Umschlags ins Gegenteil. Wer unter dem Vorwand der Utopie den Himmel verwirklichen möchte, verwirklicht die Hölle auf Erden. Hieraus wird dann ein Schluß gezogen: es gibt keine Alternative zur bürgerlichen Gesellschaft. Jede Alternative ist utopisch und schafft daher die Hölle auf Erden. Jede Suche nach Alternativen ist jetzt verteufelt, und die bürgerliche Demokratie wird zum Exorzismus: "Schlüssel zur Kontrolle der Dämonen" (Popper).

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Hieraus folgt dann, daß die Dialektik des "Keine Freiheit für die Feinde der Freiheit" völlig absolut gilt und überhaupt keine Begrenzung hat. Die bürgerliche Gesellschaft wird totalisiert. Stückwerktechnologie und Marktentscheidungen sind die einzig adäquate Form des Verhaltens zur Totlität, da das Verhältnis zur Totalität durch selbstregulierende Kräfte des Marktes ins Gleichgewicht gebracht wird. Der Markt und die bürgerliche Gesellschaft sind jetzt die Totalität, die Gesetze des Marktes werden zu metaphysischen Geschichtsgesetzen, die niemand überschreiten darf. Das Ergebnis ist also ein reiner Manichäismus, ein Klassenkampf von oben ohne jede Anerkennung von irgendwelchen Grenzen. Es handelt sich um eine totalitäre Ideologie. Die Argumentation stellt zweifellos ein dialektisches System dar. Das ist so sehr der Fall, daß die gesamte Ideologie der Freien Welt zusammenbrechen müßte, würde man ihr diese dialektischen Argumente nehmen. Sie kann ohne sie gar nicht auskommen. Es handelt sich aber nicht einfach um die Hegelsche Dialektik. Diese ist auf der Suche nach Vermittlungen aufgebaut und ist nicht manichäisch. In ihrer uyrsprünglichen Form ist sie sicher heute nicht wiederholbar. Dennoch aber ist sie dieser Dialektik der Freien Welt weit überlegen. Sie ist ein billiger Nachklatsch der Hegelschen. Überraschend aber ist, daß sämtliche Autoren, die dieses dialektische Argumentationssystem ausarbeiten, rabiate Antidialektiker sind. Liest man ihre Aufsätze über Dialektik, so wird man dort die wildesten Verurteilungen finden, ohne jede Fähigkeit, überhaupt das Problem zu sehen. Das Muster hierfür sind die Aufsätze von Popper "What is dialectic?" und "Utopie und Gewalt". Sie sind von unübertrefflicher Ignoranz. Würde man ihre Ergebnisse gegen Popper richten, müßte man jetzt über Popper und die Freie Welt alles das sagen, was Popper mit der Freien Welt gegen seine Feinde sagt. Wahrscheinlich würde man sich damit zu einem guten Teil nicht einmal irren. Würde man es aber tun, so würde man wieder ein gegen dieses dialektische Argumentationssystem der Freien Welt gerichtetes dialektisches Argumentationssystem aufbauen müssen, das seinerseits wieder seine eigene Dialektik verstecken müßte. Offensichtlich haben diese Angriffe gegen die Dialektik nicht den geringsten Sinn, außer einem ideologischen. Die Frage kann doch nicht sein, ob man dialektisch argumentieren soll oder nicht. Die Frage ist: kann man ohne Dialektik argumentieren? Wenn alle diese rabiaten Antidialektiker mit dialektischen Argumenten gegen die Dialektik zu Felde ziehen, kann man doch nur diese Frage stellen. Ist es für eine Erfahrungswissenschaft möglich, ohne dialektische Argumente zu argumentieren? Denn offensichtlich argumentieren alle

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diese Absicht auch verwirklicht zu haben. aber die Dialektik. so wird er das ganz umgekehrt für den Beweis dafür ansehen. Wer das tut. Dazu hat gerade der antidialektische Fanatismus der bürgerlichen Wissenschaft geführt. daß man es nicht braucht. Es wird dialektisch gedacht. Sie können alles Mögliche behaupten. und brauchen dafür nie Beweise zu bringen. Dazu aber ist die bürgerlicher Methodologie geworden. daß diese Methodologen immer glauben. wird das dialektische Argument völlig willkürlich. mit der gedacht wird. zieht man aus. Bei ihnen gilt die Absicht für den Beweis. daß er nicht wissenschaftlich ist. daß der Kritiker nicht wissenschaftlich ist. zu beweisen. um zu beweisen. daß es überflüssig ist. Er hat nichts zu beweisen. die ohne jede methodologische Vergewisserung angewendet wird. Es 180 . wenn man dabei ist. Sie führt daher ganz willkürlich eines ein. Die Absicht genügt und ist Beweis genug. daß er es auch erreicht. die diese Wissenschaft anwendet. daß er es tut. nicht dialektisch zu argumentieren. wird beanspruchen. Folglich braucht er sich um eine solche Aufforderung gar nicht zu kümmern. daß sie über die Wirklichkeit methodologisch sprechen können. Sie nicht. Ohne es zu merken. Daß er die Absicht äußert. daß er keine dialektische Argumentation benutzt. eine Superwissenschaft zu machen.Erfahrungswissenschaftler einschließlich der Naturwissenschaftler mit dieser Art dialektischen Argumenten. Alle andern Wissenschaftler müssen beweisen. Methodologie kann dann nur die Reflektion der Methoden sein. Der Methodologe. Daher haben es die bürgerlichen Methodologen so gut. beweist dadurch. Wenn Popper die Dialektik verteufelt. braucht er auch nicht zu beweisen. daß ein Argument dialektisch ist. diesen kritischen Rationalismus zu kritisieren. Da es aber keine kritische Reflektion dieser Dialektik gibt. Dies kommt daher. reproduziert man das dialektische Argument gerade dann. Auch die Abschaffung der Dialektik führt in einen schlecht unendlichen Progreß. Immer wenn man merkt. daß er keine Werte im Namen der Wissenschaft ableitet. was sie behaupten. der diese Tatsache nicht achtet. Der kritische Rationalismus beruht auf dem Verbot. Die bürgerlichen Methodologen aber haben großes Glück. die ihrerseits über die Wirklichkeit sprechen. ist eine schlechte Dialektik. Aber Methodologie ist nur möglich als Analyse wissenschaftlicher Theorien. wie sie über die Wirklichkeit zu reden haben. die sich durchaus selbst konstituiert und dazu keine Methodologen braucht. sodaß sie natürlich kein Wahrheitskriterium hat. braucht er nicht nachzuweisen. die anderen Wissenschaften vorzuschreiben hat. um anschließend wissenschaftliche Theorie als wissenschaftlich oder unwissenschaftlich zu klassifizieren. Aber das Objekt der Methodologie kann nur die Wissenschaft sein. daß Werturteile nicht wissenschaftlich seien. ist der Beweis. Wenn Max Weber erklärt. Verlangt man aber einen Beweis.

etwas ganz anderes getan zu haben. wenn es möglich wäre. und niemand verlangt von ihm. Nicht ein Autor fragte überhaupt. Man hat insbesondere in der sogenannten biologischen Theorie der Erkenntnis den Weg dazu gesucht. Piero: Warenproduktion mittels Waren. Akademie-Verlag. den Beweis für diese seine böse Absicht zu führen. ob er das denn wirklich erreicht hat. Denn was man nicht kann. völlig verallgemeinert. ob man dies tun darf. die mit den tatsächlichen Theorien so gut wie nichts zu tun hat. Darin hat sich eine Diskussion angeknüpft darüber." 177 Das ist eine methodologische Behauptung. daß die Löhne lediglich den Lebensunterhalt der Arbeiter decken und deshalb in gleicher Weise in das System eingehen wie der Kraftstoff für Maschinen oder das Futter für das Vieh. weist den Kraftstoff für Maschinen und das Futter für das Vieh aus. Folglich versteckt er die Tatsache. ohne eine Zielfunktion des Produktionsprozesses zu nennen. die Löhne aber nicht. hat sich installiert und alle Tatsachen verdrängt. S. an den Erfahrungswissenschaften vorbei. §8. Das Modell. kann man auch nicht sollen. Aber nur. Um sie gleich zu bahandeln. weit sie als Teil wissenschaftlicher Theorien auftauchen. hätte die Diskussion darüber einen Sinn. daß er effektiv mit einer Zielfunktion arbeitet. Berlin DDR 1968. die unterstellt. Er behauptet aber. die wir an Hand von Max Weber gezeigt hatten. Es gilt auch für die methodologischen Reflektionen. dadurch. müßte er auch die Löhne ausweisen. 181 . daß er die Löhne nicht explizit ausweist. nicht diesen "Königsweg" des Methodologen zur Wirklichkeit." Die Behauptung stimmt gar nicht. ohne dies in Form einer Zielfunktion zu tun. ob man den Menschen auf der gleichen Ebene wie das Vieh behandeln soll. daß man die Produktpreise bestimmen kann. Damit hat sich die Situation. darf oder muß.28. Je weniger sie aber haltbar ist. Tatsächlich ist das Modell von Sraffa so. die ihr widersprechen. daß die Löhne überhaupt nicht in gleicher Weise "in das System eingehen wie der Kraftstoff für Maschinen oder das Futter für das Vieh. das Sraffa in §4 und §5 entwickelt. So behauptet etwa Sraffa über den ersten Teil seiner Theorie. soll oder muß. Sie wird jetzt diese Methodologie als ursprüngliches Mitbringsel der Evolution aufweisen. 177 Sraffa.gibt. Dann aber kann er keine Preise mehr ableiten. um so mehr wird sie metaphysisch unterbaut. die er in seinem Buch: "Warenproduktion mittels Waren" entwickelt: "Wir haben bislang unterstellt. Eine Methodologie. Aber nicht nur für Methodologen gilt dieses Privileg.

178 Riedl. Er widerlegte ihn. sondern das Gesetz der Natur und des Universums. Spiegel: Daraus wurde später das Hauptwerk "die Rückseite des Spiegels". Es ist die Behauptung. Rupert: Evolution und Erkenntnis. op. Antworten auf Fragen aus unserer Zeit. Konrad Lorenz beanspruchte daher. Ich bin der ungebildetste aller Menschen." "Dieser Mechanismus schöpferischen Lernens ist von rigoroser Kontrolle.cit. wie sie Konrad Lorenz auch gebracht hat.92 180 Riedl. München-Zürich 1987. der Ergebnis der Evolution selbst ist. sie widerlegt zu haben. Piper. so kann man mit Campbell die Organismen bei den "hypothetischen Realisten" einreihen. ohne ihn überhaupt zu kennen. Die a prioris der individuellen Erkenntnis müssen a posterioris der Evolution sein. 133 181 Riedl. Sie befinden sich aber auch seit Jahrmilliarden innerhalb einer "Selektion des Marktes" .Riedl erklärt uns die erkenntnistheoretische Position von "Fadenwürmern. Das Hindernis ist natürlich die Kantsche Erkenntnistheorie. S. Wenn ich Kant gelesen hätte zu der Zeit. Ein DIAMAT der Bourgoisie ist entstanden. S. von Selektion und Falsifikation abhängig. Was hat sie dazu gebracht. op. Dies zwingt zu einer ständigen Hypostasierung der Naturprozesse. Urinsekten. In einem Spiegelinterview sagt er: "Aber jede sogenannte Originalität ist ja in Wirklichkeit Unbelesenheit. S." "Leben ist "hypothetischer Realist"" 178 179 180 Die Evolution wird von lauter hypothetischen Realisten gemacht. hätte ich das Buch wahrscheinlich nicht geschrieben. op.cit. Die Evolution muß erkennbar sein mit Hilfe einer Rationalität.178 182 . die bereits in allen Gliedern der Evolution vorhanden ist und in der menschlichen Erkenntnis ihren höchsten Entwicklungsstand hat. habe aber trotzdem 1942 eine Widerlegung des Immanuel Kant geschrieben. daß es keine a prioris der Erkenntnis gibt.87 179 Riedl. wie die bürgerliche Methodologie alles tut. Er tat es so.cit. 181 Dieser metaphysische Gebrauch der Evolutionstheorie setzt allerdings eine These voraus. S. Milben" auf folgende Weise: "Und will man die erkenntnistheoretische Position solcher Art von Wissensgewinn angeben. das ausgerechnet im russischen Kriegsgefangenenlager wieder aufzugreifen? Lorenz: Weil ich eingesperrt und aufs Philosophieren angewiesen war. Ganz im Sinne Poppers. Es muß sich also um eine Erkenntnis handeln. Der Markt und die Stückwerktechnologie zusammen mit dem kritischen Rationalismus sind jetzt nicht mehr nur Geschichtsgesetz.

aber trotzdem falsch. die auf der nächst niedrigeren Integrationsebene liegen. ohne Heranziehung außernatürlicher Faktoren. Lorenz sagt uns: "Unter Voraussetzungen einer restlosen Kenntnis dieser Struktur. Nr.. daß die Eigenschaften und Gesetzlichkeiten des ganzen Systems. wenn man die Struktur kennt. der kein dialektischer Widerspruch.45/1988. d. Piper. auf natürliche Weise. sondern ein logischer ist..h. S. wie dies immer gegenüber solchen Situationen geschieht. so wie diejenigen jedes seiner Untersysteme. Er setzt jemanden voraus. Dies mag folgendes methodologisches Argument zeigen: "Nur darf der Forscher bei seinen analytischen Bestrebungen nie vergessen. daß diese "restlose Kenntnis" des gesamten Systems ein transzendentaler Begriff der 182 183 Der Spiegel. daß er seiner eigenen Methode gegenüber gar nicht kritisch ist. S." 182 Muß man einen Autor kennen. Auch dies ist nur möglich. um ihn zu widerlegen? Wozu eigentlich? Auch Lorenz braucht gar nicht zu beweisen." 183 Das Argument ist dialektisch. um zu schließen. d. ich habe ihn erst nach dem Krieg gelesen. dann braucht man keinen außernatürlichen Faktor zur Erklärung. Unter Voraussetzungen einer restlosen Kenntnis dieser Struktur kann prinzipiell jedes lebende System. der die restlose Kenntnis hat. in allen seinen Leistungen auf natürliche Weise. Aber eigentlich kann man Kant gar nicht lesen. von seinem Standpunkt aus..h. München-Zürich 1983. Konrad. Brauchen wir nun einen "außernatürlichen Faktor" oder nicht? Dabei ist das Problem lösbar.261/263 Lorenz. Die Rückseite des Spiegels. auch das höchststehende. man kann ihn nur ins Deutsche übersetzen. daß.53/54 183 . daß die Widerlegung stattgefunden hat. Spíehgel: Sie haben die Kritik der reinen und der praktischen Vernunft nie richtig durchgearbeitet? Lorenz: Niemals. Was soll das? Er fügt dann das Wort "prinzipiell" hinzu. Es enthält nämlich einen Widerspruch.. Er braucht sie nur zu behaupten. die "Heranziehung außernatürlicher Faktoren" nicht nötig ist. jeweils aus den Eigenschaften und Gesetzlichkeiten jener Untersysteme erklärt werden müssen. erklärt werden. erklärt werden. ohne Heranziehung außernatürlicher Faktoren. Die Folge ist.. Versuch einer Naturgeschichte menschlichen Erkennens. Denn die bürgerlichen Denker haben einen "Königsweg" zur Wirklichkeit. in der sich die Untersysteme dieser Ebene zur höheren Einheit zusammenfügen. Setzt man also einen außernatürlichen Faktor voraus." Nun ist aber die Voraussetzung einer "restlosen Kenntnis dieser Struktur" ein außernatürlicher Faktor. indem wir davon ausgehen.Nein.

Er hat dann die Zeit mit ihrer unendlichen Rückwärtsperspektive geschaffen. S. Wir können die Evolution nur mit apriorischen Begriffen denken. oder willst du an deienr Abstraktion festhalten. Vor der Existanz des Menschen können wir über die Wirklichkeit nur sprechen. das das Subjekt der transzendentalen Apperzeption ist. Zumindest als ewiger Ratschluß Gottes müssen wir uns vor der Erschaffung mitdenken. der letztlich gar nicht aufhebbar ist.Karl: Ökonomisch-philosophische Manuskripte (1844). in der es gar keine Subjekte gibt. daß die Evolution nicht kontrastierbar ist. sondern der Theorie der Evolution zugrunde. daß diese transzendentale Apperzeption ein aposteriori der Evolution ist. Auch die Erschaffung des Menschen können wir daher nicht denken.. Es entsteht mit Notwendigkeit ein transzendentales Ich. der wiederum nicht aufhebbar ist. ist. die er doch angeblich widerlegt hat.Wir können keinen Satz formulieren. Das verwandelt allerdings eine solche Vorstellung wie den Kreationismus in einen Solypsismus.Totalität ist. Es gibt daher keine intersubjektive Vergewisserung. Oder bist du ein solcher Egoist. Erster Teil. Marx verlangt etwas ganz unmögliches: . Solange die menschliche Geschichte betroffen ist. denn sie liegt ja nicht der Evolution. da wir uns immer gleichzeitig als transzendentales Ich vor der Erschaffung mitdenken müssen. denkst. hat deine Abstraktion von dem Sein der Natur und des Menschen keinen Sinn. 184 Er müßte jetzt zeigen. Du setzest sie als nichtseiend und willst doch. Da kann man nichts beweisen und nichts wiederlegen. ohne daß dies eine Widerlegung wäre. Aus diesem Grunde sind solche Theorien wie der Kreationismus völlig unwiderlegbar. da wir ja Teil von ihr sind. Ergänzungsband. Was folgt. so können natürliche Zeugnisse kein Gegenargument bilden. der sich als nichtseiend denkt. Hieraus aber folgt. so abstrahierst du also vom Menschen und der Natur. daß du alles als Nichts setzt und selbst sein willst?" Marx. da sie der Theorie der Evolution selbst unterliegen und nicht einfach 185 184 Ganz das gleiche Problem taucht auch bei Marx auf: "Wenn du nach der Schöpfung der Natur und des Menschen fragst. die nicht selbst Produkt der Evolution sein können. daß die Welt von Gott vor etwa 6000 Jahren erschaffen wurde. so sei konsequent. sondern ein dialektischer. indem wir uns als transzendentales Subjekt in eine Welt einführen. wohl aber die andern. 185 Das Ergebnis ist. Das aber ist unmöglich. Ich sage dir nun: Gib deine Abstraktion auf. 184 ."wenn du den Menschen und die Natur als nichtseiend denkend. Sie ist der Ausgangspunkt aller a prioris. können wir uns auf menschliche Erfahrung berufen. da das Wissen um sie auf natürlichen Zeugnissen beruht. Ohne einen solchen Begriff wäre das nicht möglich. so gibst du aucvh deine Frage auf. Da entsteht ein dialektischer Widerspruch.. daß sie ich als seiend dir beweise. frage mich nicht. so denke dich selbst als nichtseiend". das ist die Kantsche transzendentale Apperzeption. MEW. daß Gott die Zeit selbst und daher auch die Zeugnisse der Vergangenheit geschaffen hat. denkst. Denke nicht. daß wir überhaupt nicht die gesamte Welt als nichtseiend denken können. so denke dich selbst als nichtseiend. nicht auf menschlicher Erfahrung. 545. der du doch auch Natur und Mensch bist. der das nicht täte. denn sobald du denkst und fragst. Was Lorenz hier macht. mit dessen Hilfe wir uns der Wirklichkeit gegenüberstellen. Und das ist kein logischer Widerspruch. Wird behauptet. Niemand kann sich als nichtseiend denken. Denn man setzt ja voraus. und wenn du den Menschen und die Natur als nichtseiend denkend. daß die Evolutionstheorie methodologisch überhaupt nicht zu rechtfertigen ist. Er muß sich immer als der denken.

überhaupt nicht von Theorien. sondern in diesen Theorien. Sinkt das Schiff oder sinkt es nicht. Daher haben empirische Regeln Informationsgehalt.sollte irgendein Physiker noch die Gelegenheit dazu haben . sind gerade Theorien über diese Wirklichkeit. wenn die Sonne eines Tages nicht aufgeht. warum sie nicht mehr gilt. Nur deshalb können sie ja die Regeln erklären. Sollte sie einmal nicht mehr aufgehen.mit den gleichen Gesetzen. daß sie Informationsgehalt haben. In beiden Fällen treffen sie zu. jetzt erklären. Eine erfahrungswissenschaftliche Erklärung ist hierfür gar nicht nötig. Sie setzt keine empirischen Regeln voraus. ob die Regel gilt. warum die Sonne aufgeht. aus der Evolution die Gesetze unserer Erkenntnis abzuleiten. Eine Erfahrungswissenschaft hingegen behauptet nicht die Existenz dieser Regel. sondern wird Gesetze aufstellen. wenn sie zutrifft und erklären die Verletzung der Regel. Gilt sie. Können sie die Verletzung einer empirischen Regelmäßigkeit hingegen nicht erklären. Das aber macht es völlig unmöglich. Sie behauptet daher nicht.Erkenntnismittel. Die aprioris sind nicht in der Wirklichkeit. Diese Regel erweist sich als falsch. Es handelt sich dabei um empirische Regelmäßigkeiten. Gesetze der Erfahrungswissenschaften hingegen haben das nicht. als solche Regelmäßigkeiten zu erklären. die erklären. wenn man über die Wirklichkeit spricht. hinter der ich eine Regel voraussetze. warum sie nicht aufgegangen ist. Was er aber nicht erklärt. Die Regel ist einfach empirisch gegeben. Lorenz spricht daher. Daß ich im Handeln Regelmäßigkeiten voraussetzte. über die die Theorie ohne apriorische Voraussetzungen sprechen könnte. setze ich voraus. weil es sich dann zeigt. was wir vorher hereingetan haben. die ich als Kausalität bezeichnen kann. warum sie gilt. die vorausgesetzt sind. Sie sind aber falsch. mit denen sie vorher erklärt hat. so wird die Erfahrungswissenschaft . so hat dieses notwendig weniger Informationsgehalt und kann daher sowohl die Regel als auch ihre Verletzung erklären. Werden sie durch ein neues Gesetz ersetzt. Das Gesetz ist unabhängig davon. die solche Regelmäßigkeiten erklären sollen. sondern geht von ihr aus. Das apriori solcher Gesetze ist nicht irgendeine empirische 185 . Gesetze der Erfahrungswissenschaften erklären die Regel. etwa vom Kausalitätsprinzip. wenn sie verletzt wird. erklärt das Gesetz. daß morgen die Sonne aufgehen wird. erklärt es. ist etwas ganz anderes. sondern die Erklärbarkeit empirischer Regeln. sondern einfach von empirischen Prinzipien. Gilt sie nicht mehr. Wenn jeden Tag die Sonne aufgeht. das Gesetz der Erhaltung der Energie erklärt beides. Das ist eine empirische Regelmäßigkeit. daß sie morgen auch aufgehen wird. Wir leiten ab. wenn er seine biologische Theorie der Erkenntnis ableitet. warum die Sonne aufgeht. so sind sie falsch.

die diese Gesetze ableiten. Aber sie orientieren sich nicht an Theorien. Nicht darum. Das hat mit der Existenz von empirischen Regeln nichts zu tun. "Alle Schwäne sind weiß" "Alle 24 Stunden geht die Sonne auf" "Alle Menschen sind sterblich" etc. Die Erklärung hingegen hat andere Aprioris. daß angeblich irgendwelche empirischen Regeln von irgendwem apriorisch angewendet werden. sondern die Erklärbarkeit der Welt durch Gesetze.Kausalbeziehung. können daher auch nicht durch diese erklärt werden. sondern nur mit der Möglichkeit. Die von Theorien behaupteten empirischen Gesetze aber sind keine empirischen Regeln. Das sind aber keine Gesetze der Erfahrungswissenschaften. Diese empirischen Regeln sind nicht die aprioris der Theorien. da die Evolution ja das Resultat einer Theorie der Evolution ist. die keine aprioris des Verhaltens sind. Lorenz sucht das apriori in den empirischen Kausalbeziehungen. Denn die aprioris der Theorien sind nicht empirisch. 186 . sondern transzendental. Nur deshalb kann er ja glauben. 186 Auch Popper ist völlig auf empirische Regeln fixiert und verwechselt sie dauernd mit erfahrungswissenschaftlichen Gesetzen. Sie können daher nicht aus der Evolution erklärt werden. 186 Um die aprioris dieser Theorien. die in der Wirklichkeit gar nicht vorkommen und daher aus ihr auch nicht entnommen werden können. Diese Regeln haben Informationsgehalt. die diese empirischen Regeln erklären. Amöben mögen sich an empirischen Regeln orientieren. die aprioris des individuellen Verhaltens als aposterioris der Evolution erklären zu können. geht es. solche Regeln zu erklären. Kein Gesetz wird solche Dinge behaupten. "Gott würfelt nicht". die als Theorie diese aprioris hat. Deshalb aber sind sie keine Gesetze. Sie gründen sich daher auf Begriffskonstruktionen.