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M.T.

Vasudevan Nair Sehekraft (Kaazhcha) (Aus: Ente priyappetta kathakal (Meine Lieblingsgeschichten) Seiten 151 – 164) Übersetzt aus dem Malayalam von Dr. Annie Kurian Devasia Veröffentlicht in: Mathew John Kokkatt und Bernd Pflug (Hrsg) Welche Farbe hat die Liebe? DC Books, Kottayam 2006

Ich dachte, hier würde es niemand wissen. Aber es war falsch so zu denken. Ab und zu mal kam ich auch alleine ins Dorf. So überraschte es niemandem. Ich nahm ein Bad und trank eine Tasse Kaffee. Dann sass ich im Flur auf dem Boden, da kam Mutter und fragt ohne Einführung: “Stimmt das, was man hier so hört, Sudhakutty?” “Was hast du denn so gehört?” Sie starrte ernst und überlegte, wie sie mit Wörtern eine Mauer bauen könnte. Mit geschlossenen Augen sagte die Mutter leise: “Ihr habt euch jetzt getrennt, du und Prabhakaran…” Mutter machte immer ihre Augen zu, wenn sie unangenehme Sachen erzählte. Es wäre besser sie anzugreifen, anstatt eine direkte Antwort zu geben, dachte ich. “Wer erzählt euch solcer Unsinn?” Mutter setzte sich mit ausgebreiteten Beinen auf die Treppensteine. “Sreedaevi war hier mit Narayanankutty, vorgestern. Devus Mann ist ja auch in Madras” Die Schwiegermutter meiner jüngeren Schwester ist ja gut, Nachrichten zu verbreiten. “Gestern habe ich von Visalam einen Brief bekommen. Auch sie sagt es .” Meine jüngere Schwester Chandri würde es auch der Mutter schreiben. Sie trat in den Hof. Es war gerade kurz nach zehn Uhr. Es war schon sehr heiss. Ich lief langsam durch den Schatten der Mauer. Als die Schritte sich schneller wurden, nahm der Larm auch zu. Ich kam immer nach diesem alten Haus, wo die Mutter alleine wohnte, weil ich irgendwie Trost brauchte. Kein Telefon. Brauchte auch nicht immer für die unendlichen Feste sich recht zu machen. Das Lachen der Gastgeberin, bis die Gäste sich verabschiedeten. Brauchte auch nicht die künstlichen Beamtenwitze zu dulden. Aber nur selten hatte ich die Erlaubnis bekommen, zu kommen. Auch das war nur für ein paar Tage. “Wann muss du zurück?” war immer die erste Frage der Mutter. Aber diesmal fragte sie auch das nicht. Wenn sie sich die Flur annäherte, fragte die Mutter: “ Die Leute erzählen so einiges. Was ist eigentlich passiert?” Sie antwortete nicht. “Wie ich so gehört hatte….” Mutter hörte auf.

“Es stimmt Mutti, es ist besser so für beide.” Mit gesenktem Kopf schaute sie auf die Steine. Als das Dienstmädchen irgendetwas von der Mutter wissen wollte, stand sie auf und ging. Sie kam, nachdem sie für zwei Wochen Urlaub beantragt hatte. Manche Leute ahnten etwas. Nur der Kassiererin Nirmala Sreenivasan habe ich die Sache genau erklärt. Es war Nirmala, die mir das Zimmer in Y.W.C.A. vermittelt hatte. Ich habe das Gefuhl, dass Mutter alleine leben wollte. Sie legte auch keinen Wert auf Verwandte und sonstigen Besucher. Sie sagt nichts, wenn ihre Kinder sie auch nicht besuchten.Einmal im Monat schreibt sie auf einem Briefbogen an ihre drei Kinder, auch wenn sie darauf keine Antwort bekam. Immer bekommt sie Hilfe von irgendeinem Mädchen aus der Nachbarschaft. Als sie das letzte mal kam, sagte sie, dass das Mädchen ihr bis dahin half, bald heiratet. Mutter schenkte ihr eine goldene Kette. “Alle drei müssen helfen. Die Postanweisung könnt ihr auf Kuttiramans Namen schicken. Das könnt ihr auch auf meinen Namen schicken.” Visalam und Chandri schicken jeweils 300 Rupien. Sudha schickt 400 Rupien. Weil beide berufstätig sind und keine Kinder haben. So erhöht die Mutter ihren Anteil. Wenn sie wegging, kam ihre jüngere Schwester zur Hife. Visalam macht sich Sorgen, dass Mutter alleine lebt. Das Haus in Thiruvanandapuram ist groß. Gibts auch Dienstpersonal. Alle trafen sich zusammen. “Wenn sie krank würde, gibt es noch nicht mal einen Arzt in der Nähe”, sagte Visalam. “Ich werde nicht krank “ war die Antwort von der Mutter. Von der Bananenstrudel kamen eine schwarze Henne und ihre Kücken unsicher durch die Ritze einer kaputten Mauer. Sie pickten Futter auf dem Hof und liefen herum. “Es sind wilde Hennen. Sie kommen jeden Tag um dieser Zeit. Weiß auch nicht , woher sie kommen.”. Hörte Mutter sagen. Sie schaute mit Interesse. Die Henne sah ängstlich aus und schien das Gefühl zu haben, dass sie auf einem Privatgründstück sich befindet. Durch den Schatten ging ich noch näher, um einen besseren Blick zu bekommen. Die Mutter Henne gab Signal durch ein schwaches Mürren und ging schnell zurück in den Garten. Die Kücken folgten. Als wir am Tisch sassen sagte Mutter nichts. Am Abend kam Sreedharan. Der ältere Bruder von dem Mann meiner jüngeren Schwester. Er ist Leiter einer höheren Schule und eine wichtige Person in der Ortschaft. Ich habe ja was gehört, würde er mir sagen, dachte ich. Ich war innerlich bereit, mich dagegen zu wehren. Ich stand da, als ob nichts passiert wäre. Erkündigte nach seiner Frau und seinen Kindern. “Wie lange kannst du bleiben, Sudhakutty?” “Hm. Eine Woche.” Mutter kam dazwischen. “Keine Milch, um dir Tee zu geben.”. “Ich brauche keinen .” Sie kam in Verlegenheit, als sich die normale Höflichkeitsfloskeln /Gepflogenheitswörter erschöpften. Dann fing Sreedharan an: Über die Hitze in Madras,über die Reichtümer von Jayalalithaa, über die Regierung von Karunanidhi

versuchte er zu erzählen. Sudha hörte zu. Konnte nichts dazusagen. Als die einzelnen Unterhaltungsstücke wie unanzündbare Palmenblätterbündel dahinfielen, stand er auf. Als Überlegungen über ihre Heirat angestellt wurden, war sein Horoskop auch darunter. Am Abend flogen die Fliegen herum. Als Kind hörte ich, dass es regnen würde, wenn die Fliegen nahe der Erde flögen. Wenn es regnen würde, hoffte ich. Weil es noch unentschieden war, wer die Ausgaben im inneren des Hauses übernehmen sollte, gaben noch keine Ventilatoren im Haus. “Du kannst im Zimmer im Süden schlafen. Da gibt es etwas frische Luft,” sagte die Mutter, als sie das Abendessen servierte. “Ist egal, wo ich schlafe.” Im Zimmer von der Mutter stand ein Tischventilator, das unser Vater früher mal gekauft hatte. Nahm nichts zum Lesen mit. Kaufte unterwegs auch nichts. Auf dem runden Tisch lagen Bücher, genauso wie zu Vaters Zeit. Nachts pflegte Mutter zu lesen. Aber da gab’s keine neuen Bücher. Ich habe auf das Buch geschaut, das auf dem Buch “Zusammenfassung der Weltgeschichte” lag, was Mutter las: Es war ‘Himagiriviharam’. In dem Zimmer im Süden war das Bett fertig. Sie zog sich in ein Nachthemd um. Sie sah auf die Uhr: Viertel vor neun. Genau um diese Zeit kam Prabhakaran zurück, wenn er mit seinem Skatspiel fertig war und ein paar Bier hinter sich hatte. Mutter kam herein. “Kannst das Ventilator hierher bringen. Macht etwas Lärm. Sonst funktioniert es noch.” “Ich brauche es nicht.” Sie setzte sich auf das Bett und tat als ob sie schlafen wollte, damit die Mutter das Zimmer verlässt. “Auch wenn …..” Mutter wollte was sagen. “Sag schon!” “Was denn, wenn man sich fünfjahrelang zusammengelebt hat und dennoch sich trennen will?” Sie sagte nichts. “Was denken sich die Leute, wenn sie das hören?” Sie drehte sich etwas um. Jetzt kann sie das Gesicht ihrer Mutter nicht mehr sehen. Plötzlich fragte sie, mit dem Trost, dass sie endlich mal ein Thema gefunden hatte, worüber sie reden konnte: “ Was kann man tun, wenn man hier anrufen will, wenn es notwendig wäre?” “Jetzt gibt es eine Telefonzelle gleich in dem Zimmer neben der Apotheke. Kannst anrufen, wohin du willst.” Wieder fand sie keine Worte. “Was willst du jetzt tun?” “Ich überleg’s mir noch.” “Soll ich kommen? Soll ich mit Prabhakaran reden?” Sie sagte schnell: “Nein, nein”. Mutter guckte traurig an. “Hier braucht man keine Vermittlung.” Mutter ging weg.

Sie wusste, dass Mutter darüber nicht mehr reden würde. Sie leidet schweigsam. Das war ihre Natur. Der Vater starb, nachdem er anderthalbjahrelang gelähmt gelegen war. Hatte niemandem über ihr Leid und Schicksal geredet. Sie sagte auch nichts, wenn man über die Frau redete, die ihrem Mann das ganze Geld entwendete. Früh am Morgen sagte Mutter: “Die Großmutter von Chola wollte dich mal sehen.“ Sie zweifelte noch. “Sie hat das von Janu erfahren. Sie kauft Milch für uns von ihrer Nachbarschaft.” “Hm. Ich werde das tun.” “So hast du auch das letzte Mal gesagt. Besucht hast du sie aber nicht.” “Hm, ja.” “Sie ist schon vierundachtzig Jahre alt. Man weiß ja nicht, wie lange sie noch leben wird. Sie kann ja auch nicht mehr sehen. Sonst hat sie keine Beschwerde.” Die Großmutter von Chola ist die ältere Schwester von meiner Großmutter. Unsere Mutter sagt zu ihr ’Valiamma’. So sagen wir Kinder auch ‘Valiamma’ zu ihr. Sie war auch mal hier, als sie bei ihrer jüngeren Schwester zu Besuch war. Sie hat damals die Haare von Visalam, meiner älteren Schwester, in verschiedener Art frisiert. Abends rufte sie alle drei Kinder zusammen und sagte ihnen immer das Abendgebet vor. Meine Großmutter hat immer auf dem Boden geschlafen und hat das Bett ihrer älteren Schwester überlassen. ‘Valiamma‘ mochte immer Geschichichten erzählen. Dafür hat sie nur Sudhakutty bekommen. Visalam weichte immer aus. Chandri ist dabei eingeschlafen. Ich hatte das Gefühl, dass auch die Großmutter dabei einschlief. Die Geschichte von Kulathil Palattukoman und wie ihn Unniamma hinter ihren losgelösten Haaren versteckt hatte. Die Geschichte von Kovilan und Kannaki. Wenn ich später das erste mal in Madurai war, ist mir plötzlich Valiammas Kannaki- Geschichte eingefallen. Sie hat die Geschichte so erzählt, als ob sie dabei gewesen wäre: wie man die ganze Stadt in Brandt gesteckt hatte, nachdem man die eine Brust ausgeschnitten hatte. Ich hatte vor, für Valiamma etwas mitzubringen. Aber als ich einkaufen gehen wollte, hatte ich mit Prabhakaran gezankt und bin dann bis die Ankunftszeit des Zuges im Hotel geblieben. Zuletzt hatte ich sie an dem Vortag meiner Hochzeit gesehen. Wollte sie um Segen bitten. Jetzt ist es fünf Jahre her. Als Großmutter noch lebte, hatte ich Valiamma irgendwie viel lieber. Innerhalb dieser funf Jahre war ich siebenmal zu Hause. Zweimal war Prabhakaran auch dabei. Valiamma hat immer nach mir erkündigt. Die Entfernung war kaum 3 Kilo Meter. Ich konnte sie aber immer nicht besuchen. Die wilden Hühner kamen auch an dem Tag heraus. Sie hatten nicht so viel Angst wie an dem Vortag. Sie ging noch näher als gestern. Die selbe Mutterhenne und ihre Kücken. Auf ihren glänzenden Federn schienen die Sonnenstrahlen noch heller gestreut zu sein. “Es gibt Besuch”. Die wilden Hühner rannten und verschwanden, als sie die Stimmen hörten. Ich sah Sreedevi und ihre jüngere Schwester auf dem Hof. Mutter lädt sie ein und bittet sie um sich Platz zu nehmen, wie es sich gehört. Befiehlt Janu, Kaffee zu kochen. Sie schaute böse auf mich und ging hinein. “Jetzt kriegst du genug” könnte das heißen. “Setzt dich, Sudha, Lass mich mal was sagen. Sei mir nicht böse, wenn ich dir offen was sage !” Sie hat sich nicht hingesetzt. Versuchte zu lächeln. Nicht gelungen.

“Darfst sagen.” “Warum soll ich einen Umweg machen?. Ich muss es dir sagen. Wenn es wahr wäre, was ich gehört habe, dann ist es sehr schlimm.” Sie tat als ob sie lächelte. Dann sagte sie mit einem nicht ernstem Gesicht: “Es ist schlimm. Aber ich kann nicht anders.” Sreedeviammas Gesicht wurde dunkel. Sie schaute auf ihre jüngere Schwester, sagst du’s auch, sollte es heißen. Die jüngere Schwester fing dann an. “Narayanankutty hatte recht, als er schrieb. Die ganze Sippe kommt in Verruf.” Sie schwieg. “Nachdem man fünfjahrelang zusammengelebt hatte und sich dann noch trennen würde – “ Sie schaut auf ihre Schwester als ob sie ihr sagen wollte: Jetzt kannst du fortfahren. “Jeder Mensch kann Fehler machen. Man muss es auf sich nehmen. Deine Mutter hat auch sehr viel gelitten.” Sudha versuchte zu lächeln. Erst wollte sie sagen: meine Sreedeviamma, ich bin Schuld daran, nicht Prabhakaran. Dann dachte ich, es wäre besser zu schweigen. Sie erzählte noch. Auch als Kind wusste sie sich von uninteressanten Gereden wunderbar zu entkommen, ohne dass es jemand merkte. Ich versuchte mir die vergessenen Namen, die Figuren in Büchern, die Geographie der Ortschaften, die ich als Kind besucht hatte, die Gesichter meiner früheren Schulkameraden in der Grundschule – wenn ich versuche solche Sachen wieder ins Gedächtnis zu rufen, entfernten sich die Stimmen. Als Sreedeviamma sich verabschiedete, fragte sie: “Wird es umsonst, was ich dir so gesagt habe?” Sie lachte. “Nein.” “Meinst du nicht, dass es etwas Wert ist, was ich gesagt habe?” “Ja.” Sie seufzte mit Erleichterung. “Was ist dann deine Entscheidung?” Mit einem Lachen sagte sie: “Lass mich mal überlegen!” Sie ging mit der Zufriedenheit, dass ihre Mission gelungen sei. Sie lachte mit offenen Lippen. Die jüngere Schwester folgte. Die Mutter fragte: “Wann besuchst du Valiamma von Chola?” “Ja, ich gehe hin.” Auch Valiamma wird mit Ratschlägen auf sie warten. Mittags kam Sumathi, eine Klassenkameradin von mir mit ihrer dreijährigen Tochter zu Besuch. An der Grenze des Schreinerhofs wartete sie jeden Morgen auf mich. Die Pustel unter ihrer Nase schien etwas vergrößert zu sein. Bevor sie ihre Realschulausbildung abschließen konnte, wurde sie verheiratet. Obwohl wir sie gezwungen hatten zu sitzen, tat sie es nicht. “Na, Sumathi, wie geht’s dir?” “Es geht’s so.” Sie hatte einen sehr bunten, glänzenden Sari an: mit blau, violett und rot. Ihr Mann muss ihn mitgebracht haben – er arbeitet in einem Golfland. Er kommt jedes zweiten Jahr

für einen Monat Urlaub. Sie roch nach einem sehr starken Parfüm. Trug sehr viel Goldschmuck am Hals und an den Händen. “Hab’ gehört, dass du da bist. Wirst wohl ein paar Tage hier sein, nicht?” “Ah, ein paar Tage.” Am nachsten Montag ist die Einweihung ihres neuen Hauses. “Sudhakutty muss kommen.” “Wenn ich hier bin, komme ich.” Ihre kleine Tochter stand da. Sie spielten mit den bunten Blumen auf dem Sari ihrer Mutter. Sie fuhr ihreHände sanft über ihre Haare und fragte: “Ich habe ihren Namen vergessen.” “Karthika.” Sie faßte ihre Hand an und versuchte sie näher zu bringen. Aber sie machte einen Schrei und ging näher zur Mutter. Sumathi kam noch näher zu ihr. Dann fragte sie leise! “Hab’ gehört, dass was los ist?” O! Hast du’s auch schon gehört?” “Als die Frau von dem Mosaikarbeiter Shankaran mir’s erzählte, hab’ ich’s nicht geglaubt.” Sudha machte ein leises Geräusch. “Stimmt’s, Sudhakutty?” “Ein Bisschen.” Etwas besorgt mit offenen Augen kam Sumathi mir so nahe, dass ihr Gesicht fast meine Stirn berührte, und sagte mir: “Sei mir bitte nicht böse und denk nicht bitte, dass ich dir Ratschläge gebe, wo du viel gebildeter bist als ich, und trotzdem- es ist immer besser, wenn man doch irgendwie zusammen bleibt.” “Hm. Ich überleg’s mir mal.” “Es war falsch, dass ihr euch auf Kinder verzichtet habt. Dann kommt man, ob Mann oder Frau, auf keine schlechten Gedanken. Sudha blickte überrascht auf Sumathi. Ein ländliches Wort, das man sich merken könnte: Schlechter Gedanke. Sumathi ging. Abends kam Janu, nachdem sie Milch gekauft hatte. Sie sagte, dass die Valiamma von Chola wieder nach ihr erkündigt hatte. Mutter sagte: “Geh doch mal!” “Ja. Morgen gehe ich.” “Sie braucht kein Geld. Aber gib trotzdem etwas! Sie hat allen abermals erzählt, als Visalam sie besuchte und ihr 50 Rupien gab.” Mutter lachte. Es war erst jetzt, dass ihr trauriges Gesicht einmal etwas heller wurde. Sollte ich sagen, dass ich mit Visalam nicht konkurrien will?. Wollte am Montag zurückfahren. Warte nicht bis es zwei Wochen wird. Innerhalb von drei Tagen hatte ich schon genug. Soll ich in Hyderabad anrufen? Die Mobilnummer habe ich in der Handtasche im Kalender aufgeschrieben. Die Direktwahlnummer vom Büro habe ich mir im Gedächtnis gehalten.. Habe niemanden, den ich schicken könnte, um eine Fahrkarte reservieren zu lassen. Kann ins Damenabteil einsteigen. Es ist ja nur für eine Nacht. Auch wenn in der Heimat ist, sollte sie anrufen, hat man ihr gesagt.

“Falls möglich ist” sagte sie nur. Am nächsten Morgen, als sie mit dem Frühstuck fertig war, sagte sie: “gehe Valiamma zu besuchen.” “Du kannst Janu auch mitnehmen.” “Nein.” Zuerst ging ich in das neue Haus am Schreinerhof zu Sumathi. Mit Überraschung und Freude wusste Sumathi nicht, was sie sagen sollte. Unter der Leitung vom Schreiner Narayanan pollieren zwei Handwerker die Fenstertüren. Sie hat das Innere des Hauses besichtigt. “Zwei Zimmer haben auch Badezimmer. Sumathi erzählte mit Stolz. Sie zwang ihr etwas zu trinken. Es war schwierig sie davon abzuhalten. “”Er schreibt, dass er im Juli kommt.” “Sag ihm, er soll dich mitnehmen. Du kannst ja auch mal Dubai sehen.” “So etwas passiert nicht. So was könnten nur hochbezahlte Leute, sagt man.” Trotzdem ist Sumathi glücklich. “Lass mich gehen, Sumathi!. Ich muss auch die Valiamma von Chola besuchen.” “Erinnerst du dich noch, woran ich gesagt habe?” “Ja.” Sie drehte sich um und lachte. Als ich die Bamboo busche vorbeiging, sah ich die vertrocknete Erde. Auf beiden Seiten gab es früher Wälder. Zu allen Jahreszeiten gab es dort Wasser. In der Regenzeit gibt es Überschwemmungen. Das Wasser fliegt ins Kanal und so wird das ein Nebenbach des Flusses. Sie haben das Haus gebaut, als Valiachhan noch lebte. Anstelle des alten Tores gibt es nur eine Sperre aus Bamboostangen. Ich bestieg die Stufen und erreichte den Hof. Ich sah niemanden. Da lag Pfeffer zum trocknen. Ich zweifelte noch. Thankedathi sah mich, als sie ins Verandah kam. “Aha, wer ist denn das? Valiamma hat heute morgen noch von dir erzählt. Sie hatte Angst , dass du wegfährst, ohne sie besucht zu haben.” Thankedathi hat mich auf einen Stuhl gesetzt. Sie fing an von der Familie zu erzählen. Die zwei Söhne studieren schon. Wegen der Praktikumsprüfungen sind sie letzte Woche zum Studentenheim zurückgegangen. Die jüngere Tochter besuchte die siebte Klasse. Ihre jüngeren Schwester hätten ihren Teil an Vermögen bekommen und sind zu den Familien ihrer Ehemänner gegangen. Sie haben dort auch neue Häuser bauen lassen. “Jetzt blieb für mich dieses alte, termitengefressene Haus übrig. Da gab’s ja niemanden, der, für mich reden konnte. Sie dachte an ihren verstorbenen Mann und brachte Tränen in die Augen. Sie wischte die Tränen ab. “In welchem Zimmer liegt Valiamma?” “Auf der nördlichen Seite im Zimmer. Kann fast nicht sehen. Aber sie hat es nicht gern, wenn man ihr beim Gehen hilft. Man weiß ja nicht, wo und wann sie hinfällen wurde. Da hörte man die Stimme von Valiamma. “Über mich braucht ihr keine Gedanken zu machen. Sie kam ganau durch die Türschwelle, hatte beide Hände auf die Türrahmen fest und trat mutig in das Verandah. Sudha eilte sich zu ihr. Mit ihren vierundachtzig Jahren geht sie

noch sehr gerade. Sie ist ganz weiss gekleidet . Die Stärke ihres Saris ist noch geblieben. Der Glanz ihres Gesichts blieb genau so wie in ihrem jungen Alter. Die Dicke ihrer grau gewordenen Haare sind noch besonders auffällig. Wenn ich die Geschichte höre, habe ich mir immer gedacht, dass es Valiamma war, die den Koman im Teich hinter ihrer Haare versteckt hatte. Thankedathi wollte für sie einen Stuhl zu holen. Valiamma sagte dann” “Nein, nein. Ich sitze auf dem Boden. Komm, setzt dich, Sudhakutty!” Ihre Hände kamen genau in die Richtung , wo Sudha war. Ich setzte mich neben Valiamma. “Du bist ja dicker geworden, Sudhakutty.” Sie tastete ihre Hände. Stimmt. Sie ist ja dicker geworden. “Du hast ja kaum vier Schritte gemacht und hast dabei Atem geholt. Ich kann das merken, auch wenn ich dich nicht sehe. Von deinem Atem kann ich das hören. Valiamma lachte. In ihrem grauen Augen gibt es leblose Punkte. Das Gesicht ist noch glatt. Auf dem Nacken sind die Linien des Alters zu sehen. “Thanka, Koch Tee! Mach auch etwas zu essen.” Sudha sagte: “O, nein, gib mir bitte nur ein halbes Glas Tee!” Sie wartete bis Thankedathi wegging. “Was hast du dir überlegt, Kind?” Die Frage von Valiamma überraschte sie. Sie war verlegen. “Keine Angst. Ich habe dich nicht rufen lassen, weil ich dich etwa schimpfen wollte. Ich habe dich ja vor vier-fünf Jahren gesehen.” Sie fühlte sich erleichtert. “Die, die hier sind, lachen mir aus , wenn ich sage, das ich sehen kann. Die denken, was diese alte Frau mit ihren beiden Kataraktaugen noch sehen könnte! Können die sehen, soviel wie ich sehe?” Ich habe mir gedacht, dass sie das etwas lauter sagte, damit Thankedathi in der Küche das noch hören sollte. Danach fragte sie mich leise: “Wie hast du dich denn enschieden?” Sie erschrack sich. Ihr Atmen wurde schneller. “Wenn du ihn nicht mehr haben willst, kannst du von ihm weggehen. Heirat ist ja etwas, was den einzelnen betrifft. Es hat keinen Sinn, dass ihr noch Theater spielt, um den anderen etwas vorzumachen . Sie seufzte. Legte die Beine aufeinander und saß Valiamma gegenüber. Valiamma neigte ihren Kopf ihr näher. “Den, der zuerst mich heiratete,… habt ihr sicher nicht gesehen.” “Unsere Mutter kannte ihn. Er war ja Musiklehrer.” “Das war das Schlimme dabei. Musikunterricht woanders. Gegessen hatte er bei uns. Seine Musik war großartig. Ohrringe mit roten Steinen, Sandalpünktchen auf der Stirn. Als ich ihn sah, mochte ich ihn auch.” Dann fuhr sie ihre Hände durch die Haare und lachte leise. “Bevor es ein Jahr wurde, ist er weggegangen.” “Mutter hat es ja mal erzählt”

Valiamma murmelte vor sich hin: “Er is nicht von sich aus weggegangen. Ich habe ihn weggeschickt.” Valiamm versuchte ihre blinden Augen irgendwo fest zu halten. Sie lächelte dabei. “Er konnte nichts zu meiner Unterhaltung geben. Das kann man ja außer Acht lassen. Er verhielt sich wie ein Mädchen. Die Redensart und so ein Lächeln. Man müsste sich wie Mann verhalten. Ich habe ihm so direkt gesagt, dass es besser wäre, auseinander zu gehen. Was denn sonst?” Sie hörte schon mal über ihre erste Heirat mit dem Musiklehrer. Aber mehr wusste sie nicht. Dann kam der Großvater. Er sei Salzsoldat gewesen. Hatte drei Kinder. Dann starb er. Die drei Kinder waren auch gestorben. Nur die Valiamma blieb übrig. “Du müsstest ihm gesehen haben. Er war nicht so gut aussehend. Nicht?” “Ich hatte ihn in meiner Kindheit mal gesehen. Als er krank lag.” “So einen gab’s in dieser Ortschaft nicht. Bei allen Tempelfesten war er im Vordergrund. Wenn ein Elefant toll geworden war, musste Madhavan Nair hin kommen. Bei dem Feuerwerk war nur er da. “ Thankedathi brachte den Tee. Wenn sie da war, machte die Valiamma ein sehr er ernstes Gesicht. Als Thankedathis Füsse sich entfernten, lachte sie wieder. Er war nach außenhin wie eine Giftschalange. Immer hatte er die Leute geschimpft. Aber nur ich wusste, wie sanft er war. Wenn ich mich erkältet war , war er immer sehr besorgt.” Valiammas Lachen wurde lauter. Sie vergaß ihre ganzen Sorgen. Sie wartete auf die Wörter von Valiamma mit dem gleichen Interesse wie von ihrer Kindheit, als sie ihre Geschichten zuhörte. “Wenn man ohne den Oberkörpergewand läuft, war was los. Das war nach der Geburt meines kleinen Narayanan … “ “hhmm?” “Eine kleine Verrüchtheit . Hatte ich, verstehst du!. So einer war er. Da habe ich mir selbst gesagt, du dumme Ziege, bleib ganz schön in einer Ecke. So war es nicht schlimm geworden. Aber trotzdem… “ Sie erzählte das nicht fertig. Sie lachte mit offenem Mund. Sie hatte nur die großen Zähnen verloren, entdechkte sie. “Damals war ich in deinem Alter.” Valiamma seufzte. “Valiamma, lebt er noch?” Ihr Gesicht wurde dunkel. “Weg. Alle sind weggegangen. Nur ich bin übriggeblieben. Ich muss ja hier sein, bis der Ruf von oben kommt. Man kann ja das Leben nicht selbst nehmen.” Dann bewegte sie sich ihren Kopf so, als ob sie etwas wegschütteln wollte. Sie rückte sich zur Wand und lehnte an die Wand. “Wer ist der Andere, Sudhakutty?” Sie erscharck sich. “Eeh?” “Du hast einen getroffen. Und du liebt ihn. Du hast dir vorgenommen, du wolltest mit ihm zusammenleben. Stimmt das nicht?” “Wer hat dir es denn desagt?” Valiamma legte ihre Beine aufeinander.

“So was braucht niemand sagen. Wer ist das, Kind?” Es war schwer, ihre Verlegenheit zu verbergen. “Ist das jemand, der mit dir studiert?” “Nein.” Ich kann das nicht Valiamma erzählen. Ich habe ihn bei einer Party getroffen. Bei der Abschiedsparty ihres ehemaligen Managers. Gesang des Musikers Genardana Rao. Als die Gäste sich betranken, sah ich ihn irgendwo stehen, entfernt von den sonstigen Gästen. Er hatte Orangensaft in der Hand. Er hat mich zwischendurch mal angeschaut. Als ich ihn mich annähern sah, sagte ich mir beängstigt selbst: “ O Gott! Er kommt ja zu meinem innigsten Selbst.”Ich freute mich, als er sagte, dass er im Monat zehn Tage in Madras sein werde. Als die Leute zu ihnen kamen, fragte er: “Kann man Sie errreichen. Wenn man in der Bank anrift?” Sie nickte langsam den Kopf. Wie sie ihn anreden soll. Fragte sie nicht.” Valiamma sagte: “hat er eine Frau?” “Nein.” “Weiss Prabhakaran bescheid?” Sie antwortete nach einer Pause: “ So ungefähr” “Dann könnt ihr euch voneinander trennen. Er wird auch jemand anderen kriegen. Du brauchst dir keine Sorgen darüber machen. Du kannst ihn verlassen.” Sie fühlte sich amüsiert. “Valiamma, es ist nicht so einfach, jemanden zu verlassen wie früher.” “Wenn du jemanden nicht haben willst, dann du willst ihn eben nicht haben. Fertig.” Sie traute sich ohne Hemmungen zu reden. “Das ist nicht so einfach. Erst mussen beidemzusammen eiwn Antrag stellen. Nach sechs Monat bekommen beide eine Vorladung vom Richter. Beide werden gefragt, ob sie sich immer noch voneinander trennen will. Wenn sie ja sagen, muss man noch sechs Monate warten.” Sie merkte, dass Valiamma sich ärgerte. “Muss man eine Einwilligung eines Richters haben, wenn zwei Personen sich lieben und zusammenleben wollen?” “Das Gesetz ist so, Valiamma.” Für die Valiamma war diese Antwort nicht zufriedenstellend. “Wenn Kinder da wären,dann müsste man da einige Vorkehrungen treffen. Das stimmt.was soll der Richter, wenn Liebende sich zusammentun möchten?” “Das ist Gesetz.” “Was für ein Gesetz? Mach mich nicht böse!” Thankedathi kam, um das Teeglas wieder zu holen. Valiamma murmelte leise. Thankedathi sagte: “ Noch bis zum letzten Jahr konnte sie noch etwas sehen. Jetzt kann sie das auch nicht.” Sie sagte: “Wenn man sich operieren lässt, kann man die Sehkraft wider bekommen. Ich könnte dich nach Madras mitnehmen.” Valiamm lachte mit einer Bitterkeit. “Nein, nein. Warum brache noch zu sehen. Es ist schon genug, was ich schon gesehen habe, mein Kind!” Sie wollte gehen. Da sagte Thankedathi: “Lass uns mal zu Mittag essen.”

“O nein. Mutter müsste das Essen zubereitet haben.” “Der Reis ist noch auf dem Herd. Wenn du das nächste mal kommst, musst du wieder kommen, Sudhakutty.” Thankedathi ging wieder hinein. Da kam die vierzehnjärige ins Treppenhaus. Valiammas Augen wanderten sich ins Treppenhaus.Das Mädchen zog ihre Sandalen aus und lächelte sie an. Sie wollte ins Haus gehen, da fragte Valiamma: “Wo warst du denn?” Das Madchen erschrack sich. “Nach Scharam. Ich wollte von Sarada ein Buch borgen.” “Wenn du scharam gest, muss du dich in Seiden schmücken lassen?” Das Mädchen erbleichte. Dann verschwand sie in das Innere des Hauses. Valiamma wandte sich zu Sudha. “Sie hat doch kein Buch in der Hand?” “ee .. nein.” “Wenn ich das Knirren des Rockes hore, weiss ich, das der Rock aus Seide ist.” “Sie sind doch Kinder, Valiamma.” “Lass mich gehen.” Valiamma stand auch auf. Sie erinnerte sich noch an das, was ihre Mutter sagte. Sie wollte ihr Portemonnaie noch öffnen. Da sagte Valiamma: “Nein, du willst etwas Kleingeld geben. Nein. Valiamma braucht kein Geld.” Sie war erschrocken. Machte die geldbörse zu. “Wenn du wiederkommst,----- kommst ---- .” Valiamma war fast am Weinen. “Wenn ich lebe, musst du mich besuchen. Das nur.” Man sah Tränen in den den scheinlosen Augen von Valiamma. Auch ihre Tränen konnte sie kaum halten. Sie lag an den Füssen von Valiamma. Sie errinnerte sich noch, dass sie dasselbe vor fünf Jahren gemacht hatte. Valiamma legte ihre Hande auf ihren gesenkten Kopf. “Lass es gut gehen. Mindestens diesmal.” Sie ging. Als sie ins Dorf kam, sah sie die Telefonzelle noch von der Entfernung. Die zwei Telefonnummern waren noch im Kopf. Bevor sie anruft, müsste sie die Mobilnummer noch im Kalender nachsehen. Nach dem Anuf wenn sie schnell genug nach Hause komme,könnte sie die Wildhenne mit ihren Kücken noch sehen. Sie beeilte sich.

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