30/08/13

Münchener Kommentar BGB | BGB § 138 Rn. 155 - 156 - beck-online

BGB § 138 Sittenwidriges Rechtsgeschäft; Wucher

Armbrüster Münchener Kommentar zum BGB 6. Auflage 2012

Rn 155156

I. Wahrnehmung der Sittenwidrigkeit
155 Auch Dritte können der sie

Liegt Sittenwidrigkeit vor, so ist dies stets von Amts wegen zu daher die Sittenwidrigkeit hat.[3] geltend machen.[2] Dasselbe herbeigeführt

beachten.[1] gilt

für denjenigen,

Beruft er sich auf die Sittenwidrigkeit, so ist darin keine unzulässige

Rechtsausübung gemäß § 242 zu sehen.[4] Für Ausnahmen ist entgegen verbreiteter Ansicht[5] praktisch kein Raum,[6] da anderenfalls einem für die Rechtsordnung unerträglichen Rechtsgeschäft über den Umweg des § 242 doch Geltung verschafft würde. Daher kommt insbesondere eine Übertragung der Regeln, die zur Treuwidrigkeit einer Berufung auf Formnichtigkeit entwickelt worden sind,[7] nicht in Betracht.[8] Auch durch Zeitablauf wird die rechtliche Möglichkeit, die Sittenwidrigkeit geltend zu machen, nicht eingeschränkt. Ein Verzicht auf die Geltendmachung ist nicht möglich (s. Rn. 157). 156

Ob Sittenwidrigkeit vorliegt, ist eine revisible Rechtsfrage.[9] Für die Beweislast gilt, dass jede Partei die Umstände, die bei der Prüfung der Frage, ob Sittenwidrigkeit vorliegt, zu ihren Gunsten von Bedeutung sein können, darzutun und zu beweisen hat.[10] Wer also die Nichtigkeit eines Rechtsgeschäfts behauptet, trägt die Beweislast für die Umstände, aus denen sich seine Sittenwidrigkeit ergeben soll.[11] Es sind aber die Grundsätze über den Anscheinsbeweis zu beachten; ferner bestimmte Vermutungsregeln hinsichtlich des subjektiven Tatbestands (s. Rn. 116).

[1] BGH

WM 1969, 1256, 1257; NJW 1981, 1439 f.; RGZ 160, 52, 55 f. 60, 102, 105 = NJW 1973, 465; RGZ 160, 52, 56.

[2] BGHZ [3] BGHZ [4] BAG [5] BGH

27, 172, 180 = NJW 1958, 989; BGHZ 60, 102, 105 = NJW 1973, 465; BAGE 28, 83, 90 = NJW 1976, 1958, 1959; RGZ 150, 181, 186; 160, 52, 56. NJW 1976, 1958, 1960; Jauernig /Jauernig Rn. 27. NJW 1981, 1439 f.; LM (Cf) Nr. 14 = NJW 1986, 2943, 2945; Staudinger/Sack Rn. 91, 114, 156 ff. S. auch BGH NJW 1980, 2407, 2408 (betr. sittenwidrigen Gebührenverzicht). sind freilich die Ausnahmen, die der BGH (WM 1957, 1155, 1158; 1972, 486, 488) für unter dem Druck der nationalsozialistischen Judenverfolgung zustande gekommene Rechtsgeschäfte befürwortet hat. § 125 Rn. 53 ff.; sehr restriktiv BGH NJW 1999, 2892, 2893. Eingehend ArmbrüsterNJW 2007, 3317  ff. 41, 341, 344 f. = NJW 1964, 1791; BAG NJW 1976, 1958, 1960. 128, 92, 95; BGH WM 1969, 1256, 1257; NJW 1991, 353, 354 (sub II 3); Staudinger/Sack Rn. 74; im Ergebnis auch Veelken AcP 185 (1985), 46, 56 f. 53, 369, 379 = NJW 1970, 1273; BGH NJW 1979, 2089. Zur früher abw. Rspr. zum „Mätressentestament“ s. Staudinger/Sack Rn. 75. NJW 1974, 1821; 1995, 1019, 1022.

[6] Anzuerkennen

[7] Vgl.

[8] BGHZ [9] RGZ

[10] BGHZ [11] BGH

beck-online.beck.de/default.aspx?printmanager=print&VPATH=bibdata%2Fkomm%2FMuekoBGB_6_Band1%2FBGB%2Fcont%2FMuekoBGB.BGB.p138.gl… 1/1

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