Sylvia Beach Shakespeare and Company
Ein Buchladen in Paris

Suhrkamp

Umschlagbild: Die Buchhandlung Shakespeare and Company in der Rue de l’Odéon, Paris. Foto: H. Roger Viollet, Paris Titel der Originalausgabe: Shakespeare and Company. Verlag Harcourt, Brace and Company, New York Aus dem Amerikanischen von Lilly v. Sauter

suhrkamp taschenbuch 823 Erste Auflage 1982 © 1956, 1959 by Sylvia Beach Die deutsche Übersetzung erschien erstmals 1961 im Paul List Verlag, München Alle Rechte vorbehalten durch Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, insbesondere das des öffentlichen Vortrags, der Übertragung durch Rundfunk und Fernsehen sowie der Übersetzung, auch einzelner Teile. Suhrkamp Taschenbuch Verlag Satz: IBV Lichtsatz KG, Berlin Druck: Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden Printed in Germany Umschlag nach Entwürfen von Willy Fleckhaus und Rolf Staudt 2 3 4 5 6 7 — 88 87 86 85 84 83

Inhalt »Wer ist eigentlich Sylvia?« 9 Palais Royal 15 Der kleine graue Buchladen von A. Monnier 18 Eine eigene Buchhandlung 21 Der Laden wird eingerichtet 24 Shakespeare and Company öffnet seine Tore 27 Pilger aus Amerika 30 Mr. und Mrs. Pound 33 Zwei Kundinnen aus der Rue de Fleurus 35 Sherwood Anderson 38 Odysseus in Paris 42 James Joyce und Familie 48 Shakespeare and Company kommen zu Hilfe 53 Darantière aus Dijon 56 Ein fehlender Subskribent 60 Valéry Larbaud 64 12 Rue de l’Odéon 71 Griechisch blau und Kirke 73 Joyce’ Augen 77 Bei Larbaud 81 Knoblauch in einem Schwamm 82 Joyce und George Moore 84 Die Lesung bei Adrienne Monnier 86 »Sankt Harriet« 87 Mein bester Kunde 89 Die ersten Exemplare des Ulysses 97 Minerva — Hemingway 100 Ein Foto von Mr. Bloom 102 »Dieses Geschreibsel von mir« 103 Shakespeare and Company bedauert... 104 Zweite Auflage 111 Ulysses läßt sich nieder 113 Bryher 114

Buntes Allerlei 119 Besucher und Freunde 125 »Die Horde« 129 Fitzgerald, Chamson und Prévost 132 A. MacLeish 138 Ballet Mécanique 139 Das silberne Schiff 143 Whitman in Paris 145 »Contact« und »Three Mountains« 147 Jack Kahane 150 Die Crosbys 151 Plain Edition 154 Gargoyle und Transatlantic 155 Ernest Walsh und This Quarter 157 Transition 159 Commerce 160 Unser Freund Stuart Gilbert 163 Jules Romains und die »Copains« 164 Ein französischer Shakespearianer 166 Jean Schlumberger 167 Léon-Paul Fargue 168 Raymonde 171 »Notre cher Gide« 174 Mein Freund Paul Valéry 177 Die »Exiles« von Joyce 182 »A.L.P.« 187 Zwei Schallplattenaufnahmen 190 Pomes Penyeach 193 Our Exag 198 Piraten 200 Ulysses’ Nachfolger 204 James und zwei Johns 207 Fort, weit fort... 212 Joyce’ Art zu leben 218 Ulysses geht nach Amerika 222 Die dreißiger Jahre 227

Freunde von Shakespeare and Company 231 Expo 1937 234 Krieg und Besatzung 235 Shakespeare and Company verschwindet 238 Die Befreiung 240 Hemingway befreit die Rue de l’Odéon 242 Personen-Register 243 .

.

war siebzehn Jahre lang Pastor der Ersten Presbyterianischen Kirche in Princeton. der geistliche Stand durch zwölf oder dreizehn Generationen vom Vater auf den Sohn. stöberte in seinem Hinterhof herum. Meine Mutter erhielt ihre Ausbildung in Bellefonte Academy. die auf diesen Namen verfiel. Meine Schwester Holly schätzt die Wahrheit über alles. Ihr Lateinlehrer war ein hochgewachsener.»Wer ist eigentlich Sylvia?« Mein Vater. der eben in Princeton . wo ihr Vater als Arzt und Missionar wirkte. entsprang. in der sie fast ebenso verehrt wurde wie die berühmte Quelle. Mrs. die meine Mutter meist erzählte. daß ein Franzose ein Glas Wasser verlangte. Sylvester Woodbridge Beach. Danach kam Lafayette herein.. entdeckte eine ausgezeichnete Quelle und gründete an dieser Stelle die Stadt in den Alleghenies. hübscher junger Mann. Harris war es. ein gewisser Captain James Harris. Meine Mutter. und rief »Belle fontaine!« Es ist allerdings nicht sehr wahrscheinlich. einer Quelle. Mutter wurde nicht in ihrer Heimatstadt in den Bergen von Pennsylvanien geboren. Nach einem in Munseys Magazin erschienenen Artikel über seltsame Stammbäume amerikanischer Familien vererbte sich bei den Woodbridges. eine Orbison. wie irgendeine mythologische Gestalt. New Jersey. Reverend Sylvester Woodbridge Beach. D. Mir gefällt aber die Geschichte besser. einer ihrer Vorfahren. Seine Witwe zog ihre vier Kinder dort auf und verbrachte den Rest ihres Lebens in dieser Stadt. Das heißt. den mütterlichen Vorfahren meines Vaters. und damit müssen wir uns zufriedengeben. um sich einen Trunk Wasser aus der Quelle geben zu lassen. sondern in Rawalpindi in Pakistan. D. Großvater Orbison kehrte mit seiner Familie nach Bellefonte zurück. ein presbyterianischer Geistlicher. Sie schraubte die Zahl der Geistlichen auf neun herunter. so ging sie der Geschichte nach und nahm ihr leider dabei einiges von ihrem Nimbus. die den Namen Bellefonte trägt.

Ich war fast vierzehn. ziemlich gewöhnliches Mädchen aus Chicago aussah. Da meine Mutter erst sechzehn Jahre zählte. um zu tanzen. und mich. Mit zwei ausgestreckten Stökken schwang sie fünfhundert Meter wirbelnde Stoffbahnen. ehe sie heirateten. und daß sie von den Experimenten erzählte. im Moulin Rouge und erregte größtes Aufsehen. warteten aber zwei Jahre. Vater und Mutter liebten Frankreich und die Franzosen. der große Cellist Pablo Casals und andere Künstler wirkten bei der Sache mit. die sie im Zusammenhang mit ihrem Beleuchtungssystem gerade mit Radium anstellte. wie ich mich erinnere. Vater erhielt seine erste Berufung nach Baltimore. Flammen hüllten sie ein und verzehrten sie. Sie kam nicht. meine beiden jüngeren Schwestern. Ich weiß noch. wenn wir auch nicht viele kannten. sondern um über ihre Tänze zu sprechen. die sogenannten Students Atelier Reunions zu betreuen. dort kam ich zur Welt. Sie tanzte damals. als Vater die ganze Familie mit nach Paris nahm. In einem großen Atelier in Montparnasse ließ man jeden Sonntagabend amerikanische Studenten Heimatluft atmen. Aber Vater kam mit den Franzosen großartig aus. Sogar Loie Fuller war dabei. Schließlich blieb nur ein wenig Asche übrig. da Vaters Arbeit uns hauptsächlich mit Landsleuten zusammenführte. völlig verwandelt. Das heißt. Mutter. die man als Loie Fuller kannte. Die nächste Berufung führte ihn nach Bridgeton. so war die stämmige Frau. und dort blieb er zwölf Jahre als Pastor der Ersten Presbyterianischen Kirche. Man hatte Vater aufgefordert. Sah man sie in dieser Umgebung. mein Vater hielt eine verständige Ansprache. und einige der hervorragendsten Sänger und Sängerinnen der damaligen Zeit wie Mary Garden oder Charles Clark. daß sie wie ein dralles. Das war noch vor den Tagen des eleganten amerikanischen Studentenklubs am Boulevard Raspail. ich glaube. Er gab . Holly und Cyprian.seine Studien im College und im theologischen Seminar abgeschlossen hatte. in seinem Innersten fühlte er sehr romanisch. verlobten sie sich. ein Lehrerinnentyp mit Brille. New Jersey.

machte ihr große Freude.sich die größte Mühe. Die Welles’ waren zwar unsere Landsleute. Sie hatten einen Besitz in der Touraine — am Cher. die Sprache zu lernen. ihm das französische »u« beizubringen und mein Vater es zwar laut. ehe er sich endlich mit einem Familienmitglied über Weine . Mr. In diesen ersten Pariser Jahren lernte ich meine Freundin Carlotta Welles kennen. Welles pflegte sie als »unsere kleine Italienerin« vorzustellen. Sein Keller war der eines wirklichen Kenners. das war eine andere Sache. denn sie war eine überzeugte amerikanische Patriotin. Sie wurde in Alassio geboren. mit dem er befreundet war. und durch Carlotta und ihre Familie lernte ich es erst richtig kennen. Mr. und dieses Ereignis war für mich von großer Bedeutung. Man wird natürlich annehmen. aber falsch wiederholte. und ihr Vater versuchte sie als »Charlotte« eintragen zu lassen. Welles mit dem Sammeln von Büchern — er hatte eine wunderbare Bibliothek. Wir hörten immer vom Nebenzimmer aus. Welles vertrat die Western Electric in Paris und hatte Filialen dieser Firma in ganz Europa und im Fernen Osten errichtet. und bald konnte er tadellos lesen und schreiben. daß meine Freundin mit einem solchen Namen Italienerin war. Seine freie Zeit vertrieb Mr. wie der Abgeordnete sich anstrengte. was aber auf dem Rathaus in »Carlotta« verwandelt wurde. in die er sich stundenlang zurückzog — und mit dem Sammeln von Weinen. Er mußte aber warten. Das ärgerte sie furchtbar. der ihren Freunden offenstand. Ihre Aufgabe. Ein Abgeordneter. und zu diesen glücklichen Freunden gehörten auch die Beachs. doch die Aussprache — tja. aber sie verdankte ihn nur einem Zufall. Für meine Mutter war Paris ein Paradies. Es war nichts zu machen. ein impressionistisches Gemälde. unterrichtete ihn. in der Nähe von Bourré —. bis Carlotta erwachsen war und Jim Briggs heiratete. eine Freundin fürs Leben. und sie war gern mit den Künstlern zusammen. die Programme für die Studentenabende zusammenzustellen. er galt als Pionier und großer Mann in der Elektrobranche. lebten aber in Frankreich.

Das Schlößchen lag über den Windungen des Cher in einer Landschaft. und von französischer Küche verstand er entschieden noch mehr. die von zwei alten Damen mit etwas merkwürdigen Ansichten geleitet wurde. die eher besonders renitenten Fällen in einer Besserungsanstalt angepaßt war als einer Schar sanfter Mädchen. Das alles besaß für die kleinen Beachs eine ungeheure Anziehungskraft. die in Terrassen abfielen. Während dieses ersten europäischen Zwischenspiels erhielt ich ein paar Monate lang Schulunterricht — den ersten und einzigen meines Lebens.unterhalten konnte. Gärten. hätte ich nicht an Holly denken müssen. der man nie erlaubte. zu der man auf einem flachen Kahn hinüberfuhr. Carlotta aus der Schule zu nehmen und sie viel in frischer Luft herumlaufen zu lassen. Jim Briggs verstand von Weinen mindestens ebensoviel wie sein Schwiegervater. und so begann unsere viele. und die mit einem Korken zwischen den Zähnen singen . Ich lernte etwas französische Grammatik. den kleinen Wald auf dem Hügel. den ummauerten Küchengarten unten am Flußufer und die Insel. Sie drillten uns in einer Art und Weise. Die darauffolgenden Wochen verbrachte ich dann mit Carlotta in Bourré und wäre dort vollkommen glücklich gewesen. in einem hohen Baum zu hocken und die Vögel durch einen Feldstecher zu beobachten. fühlte mich aber sehr elend. und Mutter nahm mich bald wieder nach Hause. immer noch zweimal täglich in Zweierreihen spazierenging. aus dem Fenster auf den Genfer See hinauszusehen oder ein Wort an jemand zu richten. und das selbständige. die einer alten französischen Tapisserie glich: da gab es zwei Häuser. das alte und das neue. lud man mich ein. Als der Arzt den Welles’ riet. recht sarkastische kleine Mädchen (alle Welles’ waren sarkastisch) in seinem Kattunkleidchen brachte einen großen Teil seiner Zeit damit zu. die immer noch in der Schule saß. Carlotta dabei Gesellschaft zu leisten. außer auf den Spaziergängen. Carlotta war der erste »Vogelgucker« meiner Bekanntschaft. viele Jahre währende Freundschaft. Holly und ich besuchten eine Schule in Lausanne.

mußte. Von Annis bekam ich zu hören. um im Kreis seiner Familie ein ruhiges Leben zu führen. als sie beide Bräute waren. als ich mich für den Buchhandel entschied? Princeton mit seinen Bäumen und Vögeln gleicht mehr einem luftigen grünen Park voller Blumen als einer Stadt. und die Familie Beach war denkbar zufrieden. und Porträts ihrer Ahnen Benjamin Franklin und Sarah Bache sahen von den Wänden des Stocktonschen Hauses herab. aber die Umstände ließen es nicht zu. Die Kinder. Woodrow Wilson seinerseits war ein gelehrter Mann. eine sehr schöne Frau. Von Paris übersiedelten wir nach Princeton. war so fesselnd. aber was er sagte. die Geschichte machten. benahmen sich so wunderbar. Wäre sie gefragt worden. Mutter hatte Mrs. der gerne auch ein friedliches Leben geführt hätte. zwei Jungen und zwei Mädchen. und mit ihr besuchte ich in dem von Reedy gezogenen Stocktonschen Wagen die Schlachtfelder. Auch Mutter strahlte. daß die Pferde von Washingtons Stab ihren Hafer aus den Kirchenstühlen der Ersten Presbyterianischen Kirche gefressen hatten. James Garfield und Woodrow Wilson. Ob dieser Name wohl meine Wahl beeinflußt hat. in welcher Stadt sie leben wollte. Er sprach nicht viel. Cleveland. vergangene und künftige. Meine Freundin. hatte sich nach Princeton zurückgezogen. Crover Cleveland. Annis’ Vorfahren hatten die Declaration mit unterzeichnet. daß jeder ihm zuhörte. Wir bezogen ein Pfarrhaus im Kolonialstil. kennengelernt. Vater war begeistert über diese Berufung. damit sie den Mund auch ordentlich offen hielt. Aber Holly war eine Stoikerin. ein reizender. der Dackel. Crover Cleveland. sie hätte sich Princeton ausgesucht. eingequetscht zwischen uns auf dem Sitz saß. Sogar in Vaters Gemeinde befanden sich Männer. denn er hatte seine Studienjahre in Princeton verbracht und betrachtete es als seine Heimat. das am Library Place lag. wie man es heute gar nicht mehr zu sehen bekommt. während Rock. Annis Stockton. wußte über die Geschichte Princetons genau Bescheid. friedliebender Mann. Seine Töchter vergöt- .

wie meine Schwester Cyprian sich in den vordersten Kirchenstuhl setzte und einen großen Fächer öffnete. als ich ihm von dem meines Wissens damals noch recht vagen Plan einer Buchhandlung sprach. um sich von meiner Schwester Cyprian begleiten zu lassen. Huebsch erinnert sich an eine gewisse Sylvia Beach. Wir hatten eine richtige Leidenschaft für Frankreich. bis er wieder da war. Ich zweifle nicht. teilte diese Leidenschaft mit uns. daß ich seine Zeit in Anspruch nahm. der mit einer schwarzen Katze und dem Namen eines berühmten Pariser Kabaretts.terten ihn. manchmal nur ein oder zwei ihrer Mitglieder. so schlichen Margaret. Während der Jahre. Ich bewunderte ihn sehr. Der New Yorker Verleger Mr. die Tochter Professor William Sloanes. Au Chat Noir. Selbst nach ihrer Übersiedlung nach Washington betrachteten die Wilsons meinen Vater immer noch als ihren Pastor. Margaret sang. Ben W. Eine unserer Freundinnen in Princeton. Jessie und Eleanor traurig im Haus herum. Sie war begeistert. fuhren wir oft zu einem kürzeren oder längeren Aufenthalt nach Frankreich — manchmal die ganze Familie. der ihn von Princeton nach Washington brachte. Margaret Sloane. kam sie in das Pfarrhaus. Er liebte sein Heim. die etwa 1916 von Princeton nach New York kam und seinen Rat über berufliche Möglichkeiten einholen wollte. geschmückt war. und auf Wilsons Wunsch gehörte Vater zu den Geistlichen. daß sich da schon eine . als sie an einem heißen Sonntagmorgen in der Ersten Presbyterianischen Kirche sah. Er war außerordentlich freundlich und ermutigte mich. der ein »Leben Napoleons« geschrieben hatte. Meiner Schwester Holly berichtete Woodrow Wilson von einem lustigen Zufall: der Sonderzug. aber das war keine Entschuldigung dafür. die beim Begräbnis des Präsidenten das Totenamt lasen. und da die Wilsons kein Klavier hatten. trug den Namen »Holly Beach«. Sowohl bei Jessies wie bei Eleanors Hochzeit ließen sie ihn zur Trauungszeremonie ins Weiße Haus kommen. und mußte er einmal fort. die wir in Princeton verbrachten.

Und so hatte sie sich statt dessen dem Film zugewandt. in dem man die gepfeffertsten Stücke von Paris aufführte. galt das Palais Royal in dieser Zeit als verhältnismäßig anständig. 1917 ging ich nach Paris. und gab berüchtigte Feste. daß er seine Wände mit Gemälden großer Meister schmückte und Zar Peter den Großen bei sich beherbergte. Meine Schwester Cyprian lebte damals auch in Frankreich. Nun wollte ich meine Studien an der Quelle fortsetzen. der mir in die Hände geriet. aber während eines Krieges war dazu nicht der richtige Augenblick. wie man uns berichtete. Der Führer berichtete auch. Mit dem Palais Royal wurde . als dieser nach Paris kam. Sweet Home« geschrieben. Ich hatte schon längere Zeit besonderes Interesse für zeitgenössische französische Literatur gehabt.geheime Verbindung zwischen Mr. Unsere Zimmer lagen in dem Hotel am äußersten Ende des Palais Royal. Cyprian hatte viele Freunde in der Theaterwelt und verdankte ihnen die Entdeckung dieser interessanten Stätte. In früheren Tagen war das anders gewesen — einem Führer zufolge. Trotz des Theaters und eines oder zweier Buchläden. Huebsch und einer künftigen Nachfolgerin von ihm in Sachen Joyce anbahnte. Bald nach meiner Ankunft taten wir uns zusammen und zogen für eine Weile ins Palais Royal. Hier hatte. der Regent. Was für eine Vorstellung. daß sein sehnsüchtiges »’Mid pleasures and palaces« in einem so schäbigen alten »Palast« entstanden war! Gleich nebenan lag das PalaisRoyal-Theater. lebte hier der Herzog von Orléans oder vielmehr sein Sohn. die hauptsächlich mit Erotica handelten. John Howard Payne »Home. Sie hatte Opernsängerin werden wollen. die für Schauspieler und aus irgendeinem Grund auch für Spanier eine besondere Anziehungskraft besaß. Palais Royal 1916 fuhr ich nach Spanien und verbrachte dort einige Monate.

Sehr ungastlich. Schließlich zog das Palais Royal eine Menge so wenig wünschenswerten Gesindels an. auf alle seine Schauspieler. die alten Bäume waren voll von Singvögeln. Leihbüchereien und den Kurtisanen. aber unsere Beschreibung eines »dunkelhaarigen jungen Mannes mit Schnurrbart« paßte. daß es »moralisiert« werden mußte. erschien ein munterer junger Mann auf dem Balkon und kam mit freundschaftlich ausgestreckter Hand ins Zimmer. ernst zu bleiben. die halbnackt mit ihren Reizen paradierten« war das kein Wunder. als wir in der Nähe des offenen Fensters saßen. wie ich fürchte. Unter seinen Arkaden trafen sich die Wüstlinge — bei seinen »Juwelierläden. worauf es natürlich »viel an Interesse und Volkstümlichkeit verlor«. hatten auf die Vögel ein scharfes Auge. Unsere Fenster gingen auf die Gärten hinaus. indem wir laut . wie er sagte. den Ruchlosen näher zu schildern. Das taten wir. Die Kinder aus der Nachbarschaft gruben. obwohl er Mühe hatte. schoben wir unseren Besucher hinaus und schlössen das Fenster. Er forderte uns auf. Unsere großen. Wollte man wissen. Er schlug uns also vor. mit ihren kleinen Spaten die Wege auf. bis zum Boden reichenden Fenster öffneten sich auf einen Balkon. In der Mitte stand ein Brunnen und etwas weiter entfernt Victor Hugos Denkmal von Rodin. die Katzen. Der Direktor hörte sich unsere Klage höflich an. deren Läuten deutlich den Beginn des nächsten Aktes ankündigte. Er lächelte hingerissen und stellte sich als einer der Künstler aus dem nebenan gelegenen Theater vor. was der Nachbar trieb.es im Lauf der Jahre nicht besser. Aber wir fanden es immer noch interessant. die eigentlichen Besitzer der Gärten. waren wir auch schon angezogen und liefen hinunter zur Kasse des Théâtre du Palais Royal. so machte man auf dem Balkon einfach ein paar Schritte bis zu dessen Fenster — und so passierte uns einmal folgendes: Eines Abends. uns in eine Proszeniumsloge zu setzen und den Schuldigen zu bezeichnen. der rings am ganzen Palais entlanglief. Während er in Richtung der Glocke verschwand. in Staubwolken gehüllt. sobald er die Bühne betrat.

eine Figur aus einem Fortsetzungsfilm mit Namen »Judex«. uns im Keller eine Grippe zu holen oder den Blick vom Balkon aus zu genießen. wie sie es so gerne tat. Worauf das ganze Publikum und die Schauspieler. der damals in der Dada-Bewegung eine aktive Rolle spielte. wie ich gestehen muß. zu lachen begannen. zeigten mit dem Finger auf sie und flüsterten. »La Table« hingegen bestand aus den Worten »la table«. und wo immer sie hinging. Während der nächtlichen Fliegerangriffe hatten Cyprian und ich die Wahl. das langsam vom Anfang bis zum Ende rezitiert wurde. »Das Alphabet« war nichts anderes als eben das Alphabet. Gewöhnlich wählten wir den Blick. daß man es einem Burschen nicht übelnehmen konnte. scharten sich die Bewunderer um sie. selber mit ein. Cyprian war so schön. Erschreckender war die »Dicke Berta«. den Eindringling miteingeschlossen. daß er seine Bewunderung jetzt auf Cyprian übertragen habe. den wir sehr bewunderten. Unter den Bewunderern meiner Schwester befand sich auch der Dichter Louis Aragon. wenn er ohne Einladung durchs Fenster hereinkam. bis wir Mitleid mit dem Chordirigenten bekamen. die Lieblingska- . Und das arme Mädchen konnte nicht durch Paris schlendern.»Le voilà!« riefen. als aufzustehen und hinauszugehen. aber nicht über das Stück. Das schlimmste Erlebnis dieser Art hatten wir in Notre-Dame. Die Chorknaben entdeckten »Beiles Mirettes«. als wir dort herrliche alte französische Musik hören wollten. Kleine Jungen erkannten sie auf der Stelle als »Belles Mirettes«. Nach einer glühenden Schilderung seiner Leidenschaft für die Mumie der Kleopatra in einem Pariser Museum erklärte mir Aragon. sondern über uns. einem jungen Pater. Und wir stimmten. die bis zum Ende des Gedichtes immer wiederholt wurden. dessen Episoden allwöchentlich in allen Pariser Kinos gezeigt wurden. Es blieb uns nichts übrig. ohne daß der eine oder der andere ihr nachging und sie belästigte. Auf der Suche nach ihr kam er später häufig in meine Buchhandlung und sagte mir manchmal sein Alphabet-Gedicht und das Gedicht mit dem Titel »La Table« auf.

erhältlich war. Monnier«. Plötzlich gab es einen Krach. Ich schaute mir die aufregenden Bücher im Schaufenster an. der ein Lehrer und guter Freund von mir war. Da und dort hingen auch ein paar interessante Schriftsteller-Porträts. wir stürzten hinaus und sahen. Rue de l’Odéon. um den berühmten Chor zu hören. Ich überquerte die Seine und stand bald in der Rue de l’Odéon mit ihrem Theater. Der kleine graue Buchladen von A. es war Paul Forts Vers et Prose — in A. Über der Tür stand »A. Halbwegs die Straße hinauf befand sich auf der linken Seite ein kleiner grauer Buchladen. die darauf warten — und oft lange warten — zum Buchbinder getragen zu werden. aber ich fühlte mich auf einmal ganz unwiderstehlich an die Stelle gezogen. dem Kleid der französischen Bücher. Ich hatte den Namen vorher nie gehört und war auch mit dem Odéon-Viertel nicht vertraut. die Verhandlung wurde vertagt. daß eine bestimmte Zeitschrift — ich glaube. Monniers Buchhandlung. 7. Monnier Eines Tages entdeckte ich in der Bibliothèque Nationale.none der Deutschen. . die aus der ganzen Stadt zusammengekommen waren. Eine Menge Leute. an der so wichtige Dinge in meinem Leben sich zutragen sollten. das mich ein wenig an Kolonialstil-Häuser in Princeton erinnerte. wurden getötet und eine sehr interessante alte Kirche übel zugerichtet. Eines Nachmittags — am Karfreitag — wohnte ich im Justizpalast der Verhandlung gegen einen streitbaren Pazifisten bei. spähte dann in den Laden und sah überall an den Wänden Regale voll von Bänden in schimmerndem »Glanzpapier«-Umschlag. daß gerade über dem Fluß die Kirche Saint-Gervais einen Treffer abbekommen hatte. Paris VI. die bei Tag die Straßen heimsuchte.

sich von Gipfel zu Gipfel zu begrüßen. Das Grau und Weiß ihres Buchladens wiederholte sich in ihrer Kleidung. und dabei mit ihrem Lieb- . daß ich Frankreich sehr gern hätte. Sie sah ungemein lebendig aus. Adrienne Monnier war stämmig gebaut. Das kam überraschend. öffnete. die wahrscheinlich gewöhnt waren. Sie rettete den Hut gerade noch vorm Überfahrenwerden. Am auffallendsten waren ihre Augen. die einen so langen Rock trug. der bis zu den Füßen reichte. sagte sie. was an Übersetzungen greifbar war. beschrieb jemand einmal als eine Kreuzung zwischen dem Gewand einer Nonne und einer Bäuerin: ein langer. ihr Teint fast so hell wie der einer Skandinavierin. Wie unsere spätere Zusammenarbeit bewies. blies mir ein Windstoß plötzlich meinen spanischen Hut vom Kopf mitten auf die Straße. daß es für Adrienne Monnier charakteristisch war. zog mich in den Laden und begrüßte mich mit großer Wärme. Da ich neben der offenen Tür stand. deren Stil genau zu ihr paßte. A. Monnier selbst. bürstete ihn sorgfältig ab und überreichte ihn mir. Ihre Stimme klang ziemlich laut — Adrienne stammte von Bergbewohnern ab. aber Adrienne erkannte mich auch in dieser Verkleidung sofort als Amerikanerin. denn in Frankreich sind die Leute Fremden gegenüber gewöhnlich sehr zurückhaltend. mit rosigen Wangen. und schon rollte er fort. meinten wir es ehrlich. Sicherlich A. sie waren blau-grau. für ihren Buchladen alles beschafft. Als ich an der Tür zögerte. stand sie rasch auf. weiter Rock. »Ich habe Amerika sehr gern«. bewegte sie sich erstaunlich rasch. Monnier rannte ihm nach — für eine Frau. Adrienne Monnier und ich setzten uns und sprachen natürlich über Bücher. Ich trug einen spanischen Mantel und Hut. Dann fingen wir beide an zu lachen.An einem Tisch saß eine junge Frau. traten leicht hervor und erinnerten mich an die Augen von William Blake. Ihre Kleidung. besonders wenn es sich bei dem Fremden um Amerikaner handelte. aber ich erfuhr später. Sie sagte mir. Ich entgegnete. sie hätte sich immer für amerikanische Literatur interessiert. das Haar trug sie ganz gerade von ihrer schönen Stirn zurückgebürstet. und eine Art enganliegende Samtweste über einer weißen Seidenbluse.

verbrachte ich viele Stunden in Adrienne Monniers kleinem grauen Buchladen. Mitglieder des Buchklubs wurden in La Maison des Amis des Livres eingeladen und bekamen dort unveröffentlichte Manuskripte zu hören. die ich nie versäumte. den Vorleser an seinem Tisch nahezu erdrückend. als Kunde eingetragen. mir mit Claudel weiterzuhelfen. Auch Jean Schlumberger. nachdem Shakespeare and Company sich mit der Maison des Amis des Livres zusammengetan hatte — kam James Joyce. eine gute Anfängerin. Monniers Leihbücherei. Gelegentlich gab es ein musikalisches Programm mit Erik Satie und Francis Poulenc. Moby Dick würde ihr sicher gefallen. André Gide las mehr als einmal. dann — aber das war. In moderner französischer Literatur war ich erst eine Anfängerin. lauschten wir atemlos. Auch fanden Lesungen statt. Sie waren zu jener Zeit in Frankreich nicht bekannt. daß ich Valérys Werke liebte und ein Exemplar von La Jeune Parque besaß. und sie bot sich an. (Als später Gionos Übertragung erschien. So wurde ich für ein Jahr — und für viele weitere — in A. In dem kleinen Laden zusammengedrängt. Wir waren uns einig. den ich schon in Amerika zu lesen begonnen hatte. Immer wieder tauchten französische Autoren auf — manche kamen in Uniform von der Front — und ließen sich mit ihr in lebhafte Diskussionen ein. Während der letzten Kriegsmonate. . der in Uniform sein Friedensgedicht »Europa« las.ling Benjamin Franklin begonnen. als das Dröhnen der Kanonen näher und näher rückte. aber er war noch nicht ins Französische übersetzt worden. stets saß einer von ihnen neben ihrem Tisch. gefiel Moby Dick Adrienne tatsächlich sehr gut. daß ich mit Jules Romains fortfahren müsse.) Zeitgenössische amerikanische Autoren hatte sie nicht gelesen. als sie hörte. Valéry Larbaud und Léon-Paul Fargue kamen zu uns. Valéry sprach über Poes Eureka. Gide zum Beispiel interpretierte dort Werke von Valéry. La Maison des Amis des Livres. Wir hörten Jules Romains. aus denen die Autoren selbst oder deren Freunde vorlasen. Ich meinte. erklärte Adrienne.

sie aber war im Gegenteil begeistert. Adrienne würde enttäuscht sein. Meine Mutter war bereit. mit eine Stelle beim amerikanischen Roten Kreuz zu verschaffen. Und im Handumdrehen war auch ich von ihrer Begeisterung angesteckt. ich war die einzige Amerikanerin. Ich dache. wenn sie das erführe. Im Juli 1919 kehrte ich wieder nach Paris zurück. Die französischen Schriftsteller. ihre geringen Ersparnisse in mein wagemutiges Unternehmen zu stecken. Gelegentlich erfuhr mein Leben in der literarischen Welt eine Unterbrechung. daß sie nicht ausreichen würden. Wir fuhren nach Belgrad. Eine eigene Buchhandlung Ich hatte mir schon lange eine Buchhandlung gewünscht. die ich bei Adrienne Monnier kennengelernt hatte. Einen ganzen Sommer lang arbeitete ich als freiwillige landwirtschaftliche Hilfskraft (volontaire agricole) auf einem Bauernhof — die Männer waren alle an der Front. Nachdem ich den Weizen eingebracht hatte. als sich . Einen großen Teil des Erfolges meiner eigenen Buchhandlung verdanke ich all den hilfreichen französischen Freunden. Zu meinem großen Bedauern mußte ich den herrlichen Plan fallenlassen. wollte sie aber als eine Filiale von Adriennes Laden in New York eröffnen. Ich träumte von einer französischen Buchhandlung. die die Rue de l’Odeon entdeckt hatte und zu jener Zeit an ihrem höchst anregenden literarischen Leben teilnahm. Dann gelang es meiner Schwester Holly. und jetzt war dieser Wunsch nachgerade zur Zwangsvorstellung geworden.Ich glaube. pflückte ich Trauben in den Weingärten der Touraine. um einen Laden in New York einzurichten. die ich so sehr bewunderte. ich erkannte aber bald. sollten mit meiner Hilfe in meinem Vaterland besser bekannt werden. und neun Monate lang verteilte ich dort Pyjamas und Badetücher an die tapferen Serben.

was noch mehr bedeutete. wäre wahrscheinlich einige Zeit vergangen. Wie ich wußte. ein weiterer gewichtiger Grund. mich bei meinen ersten Schritten zu beraten und mir auch eine Menge Kunden zu schicken. »Hier war früher eine Wäscherei«. meinte Adrienne und wies auf die Worte »gros« und »fin« zu beiden Seiten der Tür. in Paris einen leeren Laden zu finden. waren die Franzosen sehr scharf auf unsere neuen Schriftsteller. eine alte Dame in einem schwarzen Spitzenumhang. mich dort niederzulassen und eine Pariserin zu werden. Alle diese Vorteile leuchteten mir ein. Dazu kam Adriennes vierjährige Erfahrung als Buchhändlerin. Bis ich es geschafft hätte. etwas Passendes aufzutreiben. wie es bei Hausmeisterinnen in diesen alten . ein leerstehendes Lokal entdeckt. sagte sie. mir bei meinen Vorbereitungen zu helfen. Wir stöberten die Hausmeisterin auf. die besagten. Die Schwierigkeit lag nur darin. Sie hatte ihren Laden mitten im Krieg eröffnet und. daß ich Paris heiß liebte. sie fand doch irgendwie noch Zeit. Mein Kapital würde hier viel weiter reichen. Die ziemlich beleibte Adrienne stellte sich unter »gros« und schickte mich hinüber unter das Wort »fin«. die in einer Art Käfig zwischen zwei Stockwerken lebte. Außerdem muß ich gestehen. hätte Adrienne nicht in der Rue Dupuytren. Sie versprach. du und ich«. ihren Veröffentlichungen und ihrer eigenen Schriftstellerei war. Die Mieten waren damals hier niedriger und ebenso die ganzen Lebenshaltungskosten. einer kleinen Straße gleich um die Ecke von der Rue de l’Odéon.gleichsam vor unseren Augen meine französische Buchhandlung in New York in eine amerikanische in Paris verwandelte. »Das sind wir beide. 8 — es gab nur ungefähr zehn Nummern in dieser buckligen kleinen Straße — auf einen geschlossenen Laden mit dem Schild »Boutique à louer«. und ich hatte den Eindruck. daß sowohl grobe wie feine Wäsche übernommen wurde. nicht wieder schließen müssen. Wir eilten in die Rue Dupuytren und stießen bei Nr. So beschäftigt sie mit ihrer Bücherei. ein kleiner amerikanischer Buchladen am linken Seine-Ufer würde recht willkommen sein.

einschließlich der lieben alten Hausmeisterin. In den rückwärtigen Raum führten Stufen hinunter. und ich ging fort. Der Dichter Léon-Paul Fargue zeichnete mir auf. im vorderen Raum gab es einen Kamin. Während die Frauen sich mit der Wäsche beschäftigten.« Und sie schickte mir alle ihre Ersparnisse. Das ganze Drum und Dran. Er war offenbar mit Wäschereien vertraut. wie sie von allen genannt wurde. Sie bestanden aus zwei Zimmern. von der niedrigen Miete gar nicht zu reden. Ja. verbunden durch eine Glastür. vor dem der Ofen der Wäscherin mit dem Bügeleisen gestanden hatte. in dem es einfach hieß: »Eröffne Buchhandlung in Paris. Er signierte die Zeichnung »Leon-Poil Fargue« — ein Wortspiel mit dem französischen Wort »poêle«: »Ofen«. die.Pariser Häusern üblich ist. Bitte schicke Geld. sie hatte sie schon früher einmal gesehen — sie war als Kind mit ihrer Mutter eines Tages hierher in diese Wäscherei gekommen. Wahrscheinlich wegen der hübschen Wäscherinnen. Nach bestem französischen Brauch wollte auch Mère Garrouste sich ein oder zwei Tage überlegen. »la Mère Garrouste« — »Mutter Garrouste«-. wie der Ofen ausgesehen haben mußte und wie man die Eisen daraufstellte. die es dann zu Hause gesetzt hatte. . schaukelte das kleine Mädchen mit der Tür hin und her und zerbrach dabei natürlich das Glas. fiel ihr plötzlich etwas ein. wie ich ohne Zögern beschloß. die kleine Küche hinter dem rückwärtigen Raum und Adriennes Glastür — alles begeisterte mich. um mir die Sache zu überlegen. die dort bügelten. ob ich ihr paßte. meine Räumlichkeiten werden sollten. Als Adrienne die Glastür betrachtete. Kurz darauf erhielt meine Mutter in Princeton ein Telegramm von mir. Sie zeigte uns die Räumlichkeiten. Sie erinnerte sich auch noch genau an die Hiebe.

Es war eine ganz gute Bezeichnung für die Anfänge von Shakespeare and Company im Buchgeschäft. wie schön er den Rupfen in den Ecken zu raffen verstand. Ich hatte den Eindruck. und ließ die ziemlich feuchten Wände mit Sackleinen bespannen. meinem Unternehmen immer sehr wohlwollend gegenüberstand — außerdem war er ein Bestseller. Der Name fiel mir eines Nachts im Bett ein. Ich folgte dem Rat meiner Freunde. ein polnisch-englischer Freund Adriennes. der Wright-Worthings. Einmal vergaß ich das. aber ich wollte so ein Porträt auf jeden Fall haben. und ein Maler strich die paar Quadratmeter des Vorderraums frisch an. Das Aushängeschild wurde an einer Stange über der Tür angebracht. wie William Shakespeare von Penny O’Leary genannt wurde. Dann machte Adriennes Schwester ein drittes. so daß man darin Bücher ausstellen konnte. meinen kleinen Laden für den Buchhandel einzurichten. Das jedenfalls schrieb der »Spezialist« sorgfältig über das rechte Fenster als Gegenstück zu dem Wort »Leihbücherei«. verfertigte das Aushängeschild. Ein buckliger Tapezierer besorgte das für mich und war sehr stolz. was ein »Bookhop« ist. Charles Winzer. Nun werden einige Leute. des Rathausbasars. das ebenfalls verschwand. Er nannte ihn die »Fassade« und versprach. vielleicht nicht wissen. Dieser Gedanke fand zwar nicht Adriennes Billigung.Der Laden wird eingerichtet Es machte großen Spaß. auch wenn sie gut Englisch können. einen ziemlich französisch aussehenden Shakespeare. Ich ließ »Bookhop« eine Weile stehen. und gleich wurde es gestohlen. ein Porträt Shakespeares. die das Antiquitätengeschäft »Aladins Lampe« in der Rue des Saints-Pères hatten. . und ich nahm es über Nacht herunter. daß mein »Partner Bill«. das außen angebracht werden sollte. Ein Tischler stellte Regale auf und richtete die Fenster her. Dann erschien ein »Spezialist« und malte den Namen »Shakespeare and Company« über den Eingang. sie würde so schön werden wie die seines letzten triumphalen Werks. den ich noch heute besitze. Winzer malte noch eines.

Manche von ihnen waren eigentlich viel zu wertvolle alte Exemplare. Man mußte nur bereit sein. die faszinierende Buchhandlung in der Nähe der Börse. obwohl . und die unter dicken Schichten von Mist verborgenen Schätze auszubuddeln. eine von dem lieben alten Herrn Chevillet selbst herbeigeholte brennende Kerze in der Hand — wie gefährlich! —. Ich fragte mich manchmal.Alle die Handwerker erschienen nur sehr sporadisch in meinem Laden. fanden. in den Keller hinunterzusteigen. Nun. Meine Schwester Cyprian. der Rest kam vom Flohmarkt. so hätten bald viele und nicht nur einige wenige Bände aus den Regalen gefehlt. schickte mir die neuesten amerikanischen Bücher. hauptsächlich Lyrikbände. Die »Büroeinrichtung« bestand aus lauter antiken Möbeln. Ein entzückender Spiegel und ein Klapptisch kamen von den Wright-Worthings. aus den reichen Vorräten der Pariser Läden. die es heute nicht mehr gibt. Boiveau et Chevillet. die sich damals in den USA aufhielt. mit Ausnahme der letzten Neuerscheinungen. Ich fuhr nach London und brachte zwei Koffer voll englischer Bücher mit. die englische antiquarische Bücher führten. die mit Harald Monro den wunderbaren Poetry Bookshop führte. zumindest würde der Laden dann voll von Leuten sein und nach einem gutgehenden Geschäft aussehen. Die Bände in meiner Leihbücherei stammten. und wären die Kunden meiner Leihbücherei nicht so ehrlich gewesen. um sie herzuborgen. Mrs. erwies sich als ein reiches Feld für Ausgrabungen. Tischlern und Malen beschäftigt sein würden. Außerdem besuchte ich die Verleger. wo man damals wirklich noch herrliche Gelegenheitskäufe machen konnte. ob sie dort nicht auch noch am Eröffnungstag mit Tapezieren. wie man sie sich verschaffen konnte. so groß ihr Interesse daran auch war. erzählte mir freundlicherweise eine ganze Menge über Lyrik-Publikationen und sagte mir. daß die neue Buchhandlung Unterstützung verdiene. Sie waren alle sehr höflich. Alida Monro. und gewährten mir jede Art von Erleichterung.

denen ich die Zeichnungen später zeigte. Abgesehen von den Büchern steckten in dem Sack noch etliche Riesenporträts: mindestens ein halbes Dutzend von Byron. Ich schickte sie zurück und zankte Elkin Mathews ernstlich aus. Ich sprach davon. und alles quoll über von Büchern. die sich von ihnen vielleicht zufällig in seinem Laden fänden. Nach ihrer Größe zu schließen. und er war recht freundlich. Auch an den Besuch bei der Oxford University Press während meines Londoner Aufenthalts erinnere ich mich gern. lächerlich gering war. Joyce und Pound und auf alle Bilder. und außerdem verstanden wir uns doch so gut —. mir diese Vögel anzudrehen. Humphrey Milford selbst zeigte mir dort die für Königin Victo- . waren sie für die Wände öffentlicher Gebäude bestimmt. Wellington und anderen Persönlichkeiten aus Englands Geschichte. Statt die Titel der Bücher genau aufzuschreiben. die übrigen von Nelson. die ich von Elkin Mathews haben wollte — ich hatte wirklich keine Zeit dazu. Tatsächlich war ich ja eine. um Yeats. Er enthielt die von mir bestellten Werke und außerdem Dutzende von »Nachtigallen«. Offensichtlich betrachtete er es als eine glänzende Gelegenheit. Wir unterhielten uns gut miteinander.sie gar nichts von mir wußten und ich schließlich auch eine Abenteuerin hätte sein können. Ein paar Tage später kam in Paris ein großer Sack von Elkin Mathews an. die bis nahe an seine Füße herankrochen. Mathews saß in einer Art Galerie. Wegen der Blakes trug ich ihm die Sache aber nicht nach und bewahre nur die nettesten Erinnerungen an den alten Herrn. daß ich ein paar Zeichnungen von William Blake gesehen hätte — ich wollte zu gerne etwas von Blake in meinem Laden haben! Er kam daraufhin mit zwei prachtvollen Originalzeichnungen und verkaufte sie mir für eine Summe. die nach dem Urteil von Blake-Kennern. Auf dem Weg zum Zug nach Dover machte ich in Cork Street bei dem kleinen Buchladen des Verlegers und Buchhändlers Elkin Mathews halt. Joyce und Pound für mich zu bestellen. Mr. wie die Franzosen sehr poetisch unverkäufliche Ladenhüter nennen. gab ich ihm flüchtig eine Bestellung auf Yeats.

Werke von Chaucer. beschloß ich. Dazu auch Adriennes englisches Lieblingsbuch Three Man in a Boat von Jerome. des Chapbook. T. sie einfach aufzumachen. November 1919. die Walt Whitman auf die Rückseiten von Briefen gekritzelt hatte. geschenkt hatte. sobald sie fertig war. der New Masses. An den Wänden hatte ich meine beiden Blake-Zeichnungen aufgehängt und Fotos von Whitman und Poe. um so weit zu kommen. und ihre Schwester Mariechen . die mir Byron Kuhn. des Playboy. Shakespeare and Company öffnet seine Tore Statt ein Datum für die Eröffnung meiner Buchhandlung festzulegen. auf den Regalen standen und man im Laden herumgehen konnte. Dann gab es zwei Fotos von Oscar Wilde in Samthosen und passendem Mantel. Joyce und so weiter. In den Fenstern lagen Werke unseres Namenspatrons. Als Tante Agnes seinerzeit Studentin in Bryn Mawr war. ein Freund Cyprians. Ich hatte seit August gearbeitet. hatte sie mit ihrer Freundin Alys Smith zusammen Walt Whitman in Camden besucht. Schließlich kam der Tag. Ein Gestell im Innern des Ladens enthielt Nummern der Nation. S. Eliot. So ein Buch konnte man nicht gerade im Bett lesen. des Dial. der New English Review und anderer literarischer Zeitschriften. (Alys heiratete später Bertrand Russell. ein Geschenk des Dichters an meine Tante Agnes Orbison. an dem alle Bücher. die ich mir leisten konnte. Ich hatte sie zusammen mit ein paar Briefen von Wilde rahmen lassen. des Egoist. der New Republic. Shakespeare and Company öffnete seine Tore. ohne über Leitern und Kübel mit Farbe zu stolpern. Ein weiteres Ausstellungsstück waren ein paar kurze handschriftliche Aufzeichnungen. Das geschah am 19.ria verfertigte größte Bibel der Welt.

wurde die Frau von Bernard Berenson. Mrs. Hannah Whitall Smith. und als Alys und Agnes nach Camden kamen. nachzudenken. Sie faßte sich ein Herz. um es mit andern in Paris zu teilen. zog ein paar heraus. um mich an die Realität von Shakespeare and Company zu gewöhnen. meist auf die Rückseite von Briefen an Walt Whitman Esq.und Conard-Bände. sondern in dem Lehnstuhl sitzend vor. Ihr Bruder. die Tauchnitz. Deshalb war ich an meiner Leihbücherei so interessiert. meine Liebe«. hatte Whitman einen Lehnstuhl geschenkt. Eine ganze Menge Freunde hatte schon auf die Eröffnung von Shakespeare and Company gewartet. Bücher zu verleihen als sie zu verkaufen. Ganz wie ich es vorausgesehen hatte. Logan Pearsall Smith. und fragte. Die einzigen billigen Ausgaben englischer Schriftsteller.) Alys’ Mutter. Ich ließ mir alles kommen. daß schon am ersten Tag jemand auftauchen würde. Von diesem Augenblick an haben sie mir über zwanzig Jahre lang nie Zeit gelassen. die der kleine Laden jeden Abend als Nachtgewand anlegte (und die ein Kellner aus einem benachbarten Café jeden Morgen entfernte). und hoffte es fast. war es in Paris viel leichter. gingen damals nicht viel über Kipling und Hardy hinaus. fanden sie den alten Mann nicht »auf einem Gartentor«. wie die schüchterne junge Agnes bemerkte. was ich selbst gern hatte. den sich die Franzosen und die anderen Bewohner des linken Seineufers nicht leisten konnten. Und so kam unsere Familie zu ihren Walt Whitman-Autographen. denn sicher brauchte ich mindestens vierundzwanzig Stunden. daß die Stunde endlich gekommen sei. ob sie sie behalten dürfe. Gekritzeltes. berichtete einiges über diese interessante Familie in seiner Autobiographie Forgotten Years. Aber kaum waren die Läden fortgenommen. . und es sprach sich bald herum. als auch schon die ersten Freunde auftauchten. »Gewiß. Trotzdem dachte ich eigentlich nicht. Unsere Modernen bedeuteten — besonders wenn man Pfunde und Dollars in Franken übersetzen mußte — einen Luxus. Manuskripte lagen auf dem Boden verstreut und einige sogar im Papierkorb. war die Antwort.

Meine Leihbücherei wurde nach »le plan américain« geführt — so nannte es Adrienne. Sie stammte allerdings aus einer Familie berühmter Wissenschaftler. in die unsere Rue Dupuytren einmündete. Bei aller ihrer Arbeit fand Thérèse Bertrand Zeit. auf denen Name und Adresse des Mitglieds verzeichnet standen. Eines der ersten Mitglieder der Leihbücherei war eine Medizinstudentin. Jedes Mitglied konnte ein oder zwei Bände mitnehmen. Es gab keinen Katalog — es war mir viel lieber. und als erster Frau wurde ihr die Ehre zuteil. und hieß Thérèse Bertrand — heute Dr. Sie wohnte in der Straße. wieviel noch fehlte — und auch keine Buchkartei. obwohl ich nie wußte. wenn es seine Kaution wieder abholte. Oder der Titel der Bücher. Sie wäre der Schrecken eines amerikanischen Bibliothekars mit seinen Katalogen und Karteien und mechanischen Vorrichtungen gewesen. Der nächste Abonnent. so mußte man sämtliche Mitgliedskarten durchsehen. die Leute fanden selbst heraus.) Jedes Mitglied besaß eine kleine Identitätskarte und sollte sie vorlegen. warum. der sich einschreiben ließ. sämtliche neuen amerikanischen Bücher in meiner Leihbibliothek zu lesen. zählte in ihrem Beruf bald zur Spitzenklasse. Ich sah. Natürlich gab es die großen Karteikarten. an dem diese geschlossen wurde. sowie selbstverständlich der Titel des Buches. wie Adrienne Monnier mit ihm um die Ecke der Rue . das er oder sie entliehen hatte. und war bis zu dem Tag. was bei Erlöschen der Mitgliedschaft geschah oder wenn das Mitglied pleite war. und hatte man kein so großartiges Gedächtnis wie Adrienne und konnte sich nicht so wie sie genau erinnern. der bezahlte Betrag und die hinterlegte Kaution. Ich verfolgte ihre Laufbahn mit größter Anteilnahme. was aus einem Buch geworden war. wann es wollte. an wen man seine Bücher verliehen hatte. das Datum des Beitritts. sie umtauschen. Sie bestand alle Prüfungen mit Erfolg. um herauszubekommen. wurde mir gesagt. (Joyce nahm Dutzende von Büchern mit und behielt sie jahrelang. war Gide. sich »Médecin des Hôpitaux« nennen zu dürfen. oder sie vierzehn Tage lang behalten. ein getreues Mitglied. Bertrand-Fontaine. Diese Mitgliedskarte war so gut wie ein Paß.

daß er so rasch kam und mich bei meinem Unternehmen ermutigen wollte. daß sie von den Verboten in Übersee ihren Nutzen haben würde. Gides Gegenwart schüchterte mich immer sehr ein. Pilger aus Amerika Ich lebte zu weit von meinem Vaterland entfernt. und die Pilger besuchten ihn als erstes. Gide war groß und schön. diesen Verboten und der dadurch geschaffenen Atmosphäre verdankte ich viele meiner Kunden — alle jene Pilger der zwanziger Jahre. Hart ähnlich.de l’Odéon bog und ihn zu mir führte. Ich glaube. Er trug einen breitkrempigen Stetson-Hut und sah damit. die über den Ozean kamen. und als ich 1919 meine Buchhandlung eröffnete. obwohl Adrienne »Ach was!« sagte. Die Kunde von meinem Buchladen verbreitete sich zu meiner Überraschung bald über die ganzen Vereinigten Staaten. wenn er so daherkam. Die ganzen Jahre über ließ sein Interesse an Shakespeare and Company und dessen Besitzerin nicht nach. sich in Paris niederließen und das linke Seineufer kolonisierten. Ziemlich überwältigt von der Ehre. Paris XVI. um die Kämpfe unserer Schriftsteller um freie Ausdrucksmöglichkeit entsprechend verfolgen zu können. ahnte ich nicht. 1. Villa Montmorency. Es war echt Gide. André Maurois stellte sich ebenfalls als einer der ersten mit guten Wünschen ein. 1 Jahr. ein Band« und machte dabei einen großen Tintenklecks. wenn sie nach Paris kamen. er hatte entweder einen Umhang oder eine Art TeddyMantel über die Schultern geworfen und wirkte bei seiner Größe sehr eindrucksvoll. wie ich fand. . schrieb ich auf eine Karte: »André Gide. Und er brachte mir ein Exemplar seines eben veröffentlichten kleinen Meisterwerkes Les Silences du Colonel Bramble mit. die mir zuteil wurde. als ich es ihr gestand. William S.

Sie mußten nur den Luxembourg-Garten durchqueren und waren schon bei mir. aber boshaft blickende Augen. und das hatte sicher auch eine Menge damit zu tun. Antheils Ideen fand ich sehr interessant. Picasso und Strawinsky und alles. und jetzt sollte George in Paris mein Nachbar werden. einen breiten Mund und ein breites Grinsen. Sie teilten mir häufig mit. sie hätten Shakespeare and Company als Adresse angegeben — das mache mir hoffentlich nichts aus. eines Tages Hand in Hand in den Laden. und jedes Schiff von jenseits des Ozeans brachte neue Kunden für Shakespeare and Company. daß diese wilden Vögel aus Amerika flohen. weil ja schon nichts mehr daran zu ändern war und mir nichts übrigblieb. Natürlich konnte man nicht nur Verbote und Unterdrückung dafür verantwortlich machen. gleich neben Princeton. dessen Werke mir schon in der Little Review oder im Dial begegnet waren. vor allem deshalb. George und seine Frau Böske spazierten. hatte flachsblonde Ponyfransen. auch fühlte ich mich ihm dadurch verbunden. Eliot lebte in London —. Georges Vater war der Besitzer des Friendly Shoestore in Trenton. denn T. dem damaligen Saint-Germain-des-Prés. dessen Vorfahren vielleicht aus Polen stammten.Sie alle wurden Kunden bei Shakespeare and Company. war klein. Der jüngere Antheil war eher für Musik als für Schuhe zu begeistern gewesen. Joyce und Pound. Ein großer Teil meiner Freunde schlug seine Zelte am Montparnasse auf. George war untersetzt. als ein ziemlich umfangreiches Postamt so gut wie möglich zu führen. daß er ebenfalls aus New Jersey stammte. dunkelhaarig und sprach gebrochen Englisch. eine eingedrücke Nase. was Rang und Namen hatte — oder fast alles. wie ich mich erinnere. der Komponist George Antheil. S. hielt sich in Paris auf. Einer meiner ersten amerikanischen Kunden jedoch kam aus Berlin. interessante. Er sah wie ein amerikanischer Student aus. hübsch. Böske kam aus Ungarn. und . Jeden Tag tauchte irgend jemand auf. Es machte mir nichts aus. und viele von ihnen betrachteten meinen Laden als ihren Klub.

Es gelang ihm. Und wann war dieser junge Dichter aus dem Mittelwesten auf der Bildfläche erschienen? Fast unmittelbar nachdem ich meine Buchhandlung eröffnet hatte. Ich nahm an allen Problemen Georges lebhaften Anteil. mit so wenig Groschen als möglich Gulyas für zwei zu beschaffen. Er wurde tatsächlich ein Konzertpianist. als anderer Leute Kompositionen zu spielen. Sie sah einen künftigen Klaviervirtuosen in ihm und kam für seine Ausbildung auf. selbst zu komponieren. der seinen Schritt rechtfertigte. daß er von der Virtuosenlaufbahn nichts mehr wissen wollte. Sie schlug die politische Laufbahn ein. George und Böske mußten sehr erfinderisch sein. Mitten auf einer Deutschland-Tournee aber entschied er. und mindestens einmal am Tag kam er hereinspaziert. . die Antheil so freundlich unterstützt hatte.als alle Bemühungen des Vaters. es interessiere ihn eigentlich mehr. um mit dem Rest der Ersparnisse aus dem kurzen Virtuosendasein auszukommen. Edward Boks zu erregen. Für Mrs. dem Dingo und anderen ähnlichen Lokalitäten. Sie war eine Studentin aus Budapest. fehlgeschlagen waren. ich habe vergessen. die Aufmerksamkeit von Mrs. Ich teilte Bob McAlmon mit dem Café du Dôme. und machte sich mit seiner Frau auf den Weg nach Paris. kennen. für was. Von den zahlreichen Mitgliedern dieser Familie schottisch-irischer Abstammung lernte ich nur Victoria. Böske fiel die Aufgabe zu. bedeutete es offenbar eine große Enttäuschung. Sie zog sich ganz von ihm zurück — er sollte erst einen Beweis erbringen. die er in Berlin kennenlernte. aber seine ständige Adresse lautete c/o Shakespeare and Company. war offenbar hochbegabt und kandidierte für irgend etwas. um sein Glück mit der Musik zu versuchen. wie er seinen Vater beschrieb. Robert McAlmon war der jüngste Sproß aus der großen Familie eines »Nomaden-Pfarrers«. machte George sich mit achtzehn nach Philadelphia auf. Bok. sich einen Nachfolger heranzuziehen. Roberts Schwester. Neuankömmlinge wurden bei Shakespeare and Company sehr oft von Robert McAlmon eingeführt. die er sehr gern hatte.

wurden recht erträglich. wurde zum Treffpunkt von aller Welt. in der er sich befand. jede Gruppe. wie er sie nannte. und Mrs. »Ich habe habe die meine aus dem Fenster geworfen.« Ich hatte eine Tagesbeschäftigung. Pound Unter den ersten Besuchern meiner Buchhandlung. zu beherrschen. Mr. Er war entschieden das populärste Mitglied »der Horde«. »Zur Hölle mit der Grammatik!« schrieb er mir einmal. Er brachte es irgendwie fertig. und meine Tage waren lang. die McAlmon gerade beehrte. Bob war so sehr damit beschäftigt. an dem er vor Leuten sicher wäre und zum Arbeiten käme. und dort in dem kleinen Gasthaus trifft sich alles. langsame Sprechweise schien mit zu seinem Charme zu gehören. Selbst seine nasale. Wir alle.« Einmal erzählte er mir. Je mehr er aber darüber nachdachte. ich ging also im allgemeinen nicht noch mit meinen Freunden in die Nachtklubs. aber die gelegentlichen Runden.« Bald darauf erschien dann jemand und erwähnte. er fahre nach Südfrankreich. die über das Wasser kamen — diesmal über den Kanal —.McAlmon war nicht groß. die wir uns für Robert McAlmon interessierten. befanden sich . um sich nach einem Ort umzusehen. seine interessanten Einfalle mit seinen Freunden zu besprechen oder voll Sympathie den Geschichten ihrer Enttäuschungen zuzuhören. sahen seinem Beitrag zur Literatur der zwanziger Jahre voll Spannung entgegen. Das Café oder die Bar. desto mehr war er leider von der Nutzlosigkeit jeder Anstrengung überzeugt. wenn Bob McAlmon uns unterhielt. Dann erhielt ich ein Telegramm: »Fand den richtigen Ort und ruhiges Zimmer. und von seinen leuchtenden blauen Augen abgesehen war er auch nicht hübsch. auf die ich mich einließ. er habe Bob unten im Süden gesehen. aber ich habe wenig Menschen mit so viel Anziehungskraft gekannt. daß er seinen eigenen Beruf — Schreiben — darüber vernachlässigte. »Sein Zimmer liegt über dem Bistro.

Ezra Pound und seine Frau, Dorothy Shakespear Pound. Sie waren gerade aus London übersiedelt, hatten fliehen müssen, wie Mr. Pound mir erklärte, weil das Wasser immer höher stieg und die Gefahr bestand, daß sie eines Morgens aufwachten und entdeckten, sie hätten Schwimmfüße. Mrs. Pound schien dieses Bild, das von ihrem Land entworfen wurde, völlig kalt zu lassen. Ich kam darauf, daß ihre Mutter jene Mrs. Shakespear (ohne »e«) war, die den berühmten literarischen Salon in England führte. Mrs. Pound fürchtete, die Leute könnten Schwierigkeiten haben, die Rue Dupuytren zu finden, und ich nahm mit Begeisterung ihr Anerbieten an, eine kleine Karte zu zeichnen, die auf die Rückseite des Leihbücherei-Prospektes gedruckt werden sollte. Diese Karte, »D. Shakespear« signiert, führte viele Kunden den richtigen Weg zu Shakespeare and Company und gehört für mich zu den Schätzen aus jenen ersten Tagen meiner Buchhandlung. Mr. Pound sah genauso aus wie auf den Porträts, die auf den Deckblättern von Lustra und Pavannes and Divisions figurierten. Seine Kleidung — Samtjacke und ausgeschlagenes Hemd — entsprach der des englischen Ästheten der damaligen Zeit. Ein Hauch Whistler lag über ihm, seine Sprache hingegen war die von Huckleberry Finn. Mr. Pound gehörte nicht zu den Schriftstellern, die über ihre oder über irgend jemandes Bücher sprechen. Mit mir zumindest sprach er nicht darüber, und ich fand den anerkannten Führer der modernen Bewegung absolut nicht anmaßend. Im Lauf unserer Gespräche prahlte er wohl, aber mit seiner Tischlerei. Er fragte, ob irgend etwas im Laden zu reparieren sei, und besserte ein Zigarettenetui und einen Sessel aus. Ich rühmte seine Geschicklichkeit, und er lud mich ein, mir in seinem Atelier, Rue Notre-Dame-des-Champs, die Möbel anzusehen, die er alle selbst gemacht hatte. Er hatte das ganze Holz auch selbst bemalt. Als Joyce einmal von Pounds Möbeln sprach, meinte er, ein Schuster solle bei seinem Leisten bleiben, aber ich bin über-

zeugt, daß ein Hobby einem Schriftsteller sehr gut bekommt. Mit Interesse erfuhr ich aus Catherine Carswells Buch, daß die Küchentücher immer ganz sauber blieben, wenn man die von D. H. Lawrence gewaschenen Pfannen und Töpfe abtrocknete, und las bei Dorothy Brett, daß Lawrence in Mexiko das Klosett leuchtend bunt bemalte und mit einem Phönix schmückte. Ich sah Mr. Pound nicht sehr oft. Er war mit seiner Arbeit und seinen jungen Dichtern und auch mit seiner Musik beschäftigt. Er und George Antheil schmiedeten Pläne für eine Revolutionierung der Musik.

Zwei Kundinnen aus der Rue de Fleurus Kurz nach Eröffnung meiner Buchhandlung kamen zwei Frauen die Rue Dupuytren entlanggeschlendert. Die eine hatte ein sehr feines Gesicht, war dick, trug ein langes Gewand und auf dem Kopf den Oberteil eines Korbes, der ihr ausgezeichnet stand. Sie wurde von einer schlanken, dunklen, spöttischen Frau begleitet, die mich an eine Zigeunerin erinnerte: es waren Gertrude Stein und Alice B. Toklas. Da ich schon bald nach Erscheinen Tender Buttons und Three Lives gelesen hatte, begrüßte ich meine neuen Kundinnen natürlich mit Freuden. Auch ihre ständigen Neckereien machten mir Spaß. Gertrude zog mich immer mit meinem Buchhandel auf, sie schien sich köstlich darüber zu unterhalten. Ich mich aber auch. Ihre und Alice’ Bemerkungen ergänzten einander großartig. Wie das bei vollkommen kongenialen Persönlichkeiten vorkommt, sahen sie die Dinge offensichtlich vom gleichen Standpunkt. Ihre Charaktere jedoch schienen mir voneinander durchaus unabhängig. Alice hatte viel mehr Feingefühl und war erwachsen: Gertrude war ein Kind, eine Art Wunderkind.

Gertrude ließ sich in meine Leihbücherei eintragen, beklagte sich aber, daß sie keine amüsanten Bücher enthielt. Wo, so fragte sie empört, waren amerikanische Meisterwerke wie The Trail of the Lonesome Pine und The Girl of the Limberlost? Eine demütigende Frage für die Bibliothekarin. Ich zog die Bücher Gertrude Steins heraus, alle, die ich damals hatte bekommen können, und fragte meinerseits, ob sie eine andere Leihbücherei in Paris wisse, bei der zwei Exemplare von Tender Buttons zu finden seien. Um die ungerechte Kritik an Shakespeare and Company wiedergutzumachen, schenkte sie uns mehrere ihrer Werke, ganz seltene Exemplare wie Portrait of Mabel Dodge und das Buch mit dem erschreckenden Titel: Have They Attacked Mary: He Giggled: A Political Caricature. Auch die Sondernummer des bei Stieglitz erscheinenden Camera Work mit ihren Artikeln über Picasso und Matisse überließ sie uns. Am meisten aber schätzte ich ein Exemplar der Melanctha in der Erstausgabe, das Gertrude mir widmete. Ich hätte es einsperren sollen — jemand hat es aus dem Buchladen gestohlen. Gertrudes Eintragung in die Leihbücherei war nur eine freundliche Geste. Sie interessierte sich im Grunde natürlich nur für ihre eigenen Bücher, aber sie schrieb ein Gedicht über meine Buchhandlung, das sie mir im Jahr 1920 eines Tages brachte. Es trug den Titel »Rich and Poor in English« und den Untertitel »in Französisch und anderen romanischen Zungen zu subskribieren«. Es ist in PaintedLace, Band V der YaleAusgabe ihrer Werke, zu finden. Ich traf oft mit Gertrude und Alice zusammen. Entweder kamen sie bei mir vorbei und sahen sich an, wie die Geschäfte gingen, oder ich suchte sie in ihrem Pavillon in der Rue de Fleurus auf, der nahe dem Luxembourg-Garten rückwärts in einem Hof lag. Stets fand man Gertrude dort auf einem Sofa ausgestreckt und immer zu einem Scherz und einer Neckerei aufgelegt. Der Pavillon war ebenso faszinierend wie seine Bewohnerinnen. An seinen Wänden hingen die ganzen wunderbaren Picassos aus der »Blauen Periode«. Gertrude zeigte mir auch ihre Alben mit Zeichnungen von ihm. Sie hatte ziemlich viele gesammelt und erzählte mir, sie und ihr Bruder Leo seien übereingekommen,

sich alle Bilder, die sie besaßen, zu teilen. Er hatte sich für Matisse entschieden, sie für Picasso. Auch an einige Bilder von Juan Gris kann ich mich erinnern. Einmal nahmen Gertrude und Alice mich mit aufs Land. Sie kamen sehr geräuschvoll in einem alten Ford namens Gody vorgefahren, einem braven Veteranen, der im Kriegseinsatz ihr Begleiter gewesen war. Gertrude zeigte mir Godys neueste Errungenschaften: Scheinwerfer, die man vom Inneren des Wagens aus nach Wunsch an- und abschalten konnte, und einen elektrischen Zigarettenanzünder. Gertrude rauchte ununterbrochen. Ich kletterte auf den hohen Sitz neben Gertrude und Alice, und knatternd machten wir uns auf den Weg zu Mildred Aldrichs »Anhöhe über der Marne«. Gertrude chauffierte, und als bald darauf ein Reifen platzte, reparierte sie den Schaden mit großer Sachkenntnis, während Alice und ich am Straßenrand saßen und plauderten. Gertrude Steins Bewunderer hatten, ehe sie sie kennenlernten, oft die größte Angst, sich ihr ohne entsprechenden Schutz zu nähern — sie wußten ja noch nicht aus persönlicher Erfahrung, wie liebenswürdig sie war. Die armen Dinger kamen also zu mir, genau als wäre ich Fremdenführer in einem Reisebüro, und baten mich, sie zu Gertrude Stein zu bringen. Meine Führungen, die ich zuvor mit Gertrude und Alice arrangierte, fanden am Abend statt. Die Damen im Pavillon ließen sie heiter über sich ergehen und waren immer gleich herzlich und gastfreundlich. Einer der ersten Fremden, die ich hinführte, war ein junger Freund von mir, der sich in den Jahren 1919-20 viel bei Shakespeare and Company herumtrieb: Stephen Benêt. Er ist auf einem der ersten Pressefotos der Buchhandlung zu sehen, blickt durch seine Brillengläser in ein Buch, und verglichen mit meiner Schwester Holly und mir, die wir uns im Hintergrund des Ladens halten, sieht er sehr ernsthaft aus. Auf seine Bitte und auch auf seine Verantwortung nahm ich Stephen zu Gertrude Stein mit. Das war noch vor seiner Ehe mit der reizenden Rosemary, die er später in die Buchhandlung

mitbrachte. Der Besuch bei Gertrude verlief sehr gut. Ich glaube, Stephen erwähnte, er habe etwas spanisches Blut, und das interessierte Gertrude und Alice, da sie alles Spanische liebten. Ich bin aber nicht der Meinung, daß das Zusammentreffen irgendwelche Spuren hinterließ.

Sherwood Anderson Ein weiterer »Tourist«, der mich bat, ihn in die Rue de Fleurus zu bringen, war Sherwood Anderson. Eines Tages bemerkte ich einen jungen Mann von interessantem Äußeren, der an meiner Schwelle haltmachte, weil sein Blick auf ein Buch im Schaufenster gefallen war. Das Buch hieß Winesburg, Ohio und war kürzlich in den Vereinigten Staaten erschienen. Der junge Mann trat ein und stellte sich als der Verfasser vor. Er sagte, er habe in Paris nur dieses eine Exemplar seines Buches gesehen. Das überraschte mich nicht, denn ich hatte mich selbst überall danach umgetan — in einer Buchhandlung hatten sie gesagt: »Anderson, Anderson? Bedaure, wir haben nur die Märchen.« Sherwood Anderson war eben etwas zugestoßen, das ihn ganz und gar erfüllte, er hatte einen Schritt getan, eine Entscheidung getroffen, die für sein Leben von größter Wichtigkeit war. Ich hörte mir gespannt die Geschichte an, wie er plötzlich sein Heim und eine gutgehende Farbenhandlung verlassen hatte, einfach eines Morgens fortgegangen war und die Fesseln der Achtbarkeit und die Last der Sicherheit für immer abgeschüttelt hatte. Anderson besaß großen Charme und wurde mir sehr lieb. Ich sah in ihm eine Mischung von einem Dichter und einem Evangelisten (ohne daß er etwa salbungsvoll gewesen wäre), mit vielleicht einem kleinen Schuß Schauspieler. Jedenfalls war er ein höchst anziehender Mann.

ihn bei ihr einzuführen.Ich wußte. Adrienne hatte Squaws in Paris bei Buffalo Bills großer Schau gesehen. Adrienne kochte ein Huhn. Sherwood wurde zornig und drohte. eine indianische Squaw. daß Adrienne für Sherwood Anderson etwas übrig haben würde und umgekehrt er auch für sie. Sherwoods Frau Tennessee. Da Anderson nicht Französisch sprach. Gertrude Steins Schriften hätten ihn stark beeinflußt. aber ich war gerne bereit. daß er keine Einführung brauchte. ihre Spezialität. ich nahm ihn daher in ihre Buchhandlung mit. Er wollte nachfragen. seinem französischen Verleger. Man konnte sie nicht . Sie war sichtlich gerührt. was mit seinen Werken geschehen sei. Einen Augenblick sah es aus. Trotz der trennenden Sprachschranke verstand Adrienne Sherwood besser als ich. Sherwoods Ehrerbietung und die Bewunderung. und sie entdeckten. bat er mich bei seinem ersten Besuch in Paris. Er wurde sofort zum Abendessen eingeladen. kam nicht so gut weg. die uns begleitet hatte. mit ihm zur Nouvelle Revue Française. daß ihre Gedankengänge sehr viel Ähnlichkeit hatten. die am Feuer sitzt und ihre Pfeife raucht. Aber da gingen zum Glück die Türen auf. als ob es zu einem regelrechten Wildwestfilm kommen sollte. Wir mußten sehr lange warten. Sherwood sagte mir. die bei Gertrude Ehefrauen gegenüber angewendet wurden. er würde alles kurz und klein schlagen. Sie versuchte vergeblich. er gebrochenes Französisch. er erinnere an eine alte Frau. Als sie mir nachher eine Beschreibung von ihm gab. Dieses Zusammentreffen war ein richtiges Ereignis. sagte sie. aber Alice hielt sie davon ab. Ich kannte die Regeln und Vorschriften. Ich wußte. Er bewunderte sie ungemein und bat mich. mit ihm in die Rue de Fleurus zu gehen. die er für ihre Werke zum Ausdruck brachte. Anderson und Adrienne kamen herrlich miteinander aus. und wir wurden hineingebeten. und Huhn und Köchin wurden ein großer Erfolg. sie sprach gebrochenes Amerikanisch. zu gehen. sich an dem interessanten Gespräch zwischen den beiden Autoren zu beteiligen. und sie war tatsächlich sehr beeindruckt. ehe man uns ins Büro des Verlegers einließ. machten Gertrude ungeheuer viel Freude.

fand sie nicht sehr amüsant. sich ins Gespräch zu stürzen. auf einmal zwei Kundinnen zu verlieren. die ungeheuerlichsten Absurditäten durchgehen ließ. und hatte an nichts ein größeres Vergnügen. und er litt schwer darunter. Aber es gelang Tennessee trotzdem nicht. die sie mit einer gewissen kindlichen Tücke vorbrachte. Mir tat die ewig Verhinderte leid — ich sah nicht ein. Adrienne Monnier. bereit. »habt keine Gipfel in der Literatur. sie aus dem Weg zu räumen. »Ihr Franzosen«. und ging nicht darauf ein. was gesprochen wurde. aber . Es tat mir natürlich leid. als ich Ulysses herausbrachte. die ich einmal zu Gertrude mitnahm. sie hätten sich jetzt als Mitglieder bei der American Library auf dem rechten Seineufer eingeschrieben. Gertrude Stein hatte so viel Charme. wenn auch nicht immer. mich über Alice’ gattinnenfeste Taktik zu amüsieren. und ob man es zugibt oder nicht. Junge Schriftsteller urteilten sehr hart über Sherwood Anderson. auch nur ein Wort von dem zu hören. als Alice ihr auf der anderen Seite des Salons etwas zeigen wollte. während Gertrude sich mit den Ehemännern unterhielt. Im Stil von ›On ne passera pas. Sie war tief enttäuscht. daß seine Anhänger ihn verließen. daß man ihr häufig. Gewöhnlich beabsichtigte sie dabei. war ich mit Gertrude durchaus nicht einer Meinung. jemand zu nekken.‹« Über französische wie auch über andere literarische Werke. erklärte Gertrude. Tennessee war weniger fügsam als die meisten anderen. Sie setzte sich auf einen Tisch. sie kam sogar mit Alice in meinen Laden. aber Alice hatte strengen Auftrag. die Generation der zwanziger Jahre hat ihm viel zu verdanken. Sie wurde übrigens merkwürdigerweise nur bei legalen Frauen angewendet. keinen Shakespeare — euer ganzes Genie liegt in so etwas wie Generalsreden: Fanfaren. zum Beispiel die Werke Joyce’. Aber er war ein Vorläufer. warum man in der Rue de Fleurus eine solche Grausamkeit gegen Ehefrauen für notwendig hielt. illegale ließ man zu Gesprächen zu. um mir mitzuteilen. Aber ich konnte doch nicht umhin.am Kommen hindern.

Der liebe Jo Davidson! Wie haben wir ihn vermißt. den ich zu Gertrude führte. Sie kamen und wollten wissen. Später kam er und erzählte mir. daß er sich gelegentlich einfrißt wie ein Schmutzfleck. war Ernest Hemingway. und meine Freude daran konnte durch nichts beeinträchtigt werden. daß Hemingway allein hinaufging. Ich hielt es für besser. redete ihm gut zu und versprach. Ende 1930 ging ich eines Tages mit Joyce zu einer Party im Atelier unseres Freundes Jo Davidson. wie es eigentlich zu einer Unstimmigkeit kam. ihn in die Rue Christine zu begleiten. Aber auch Ärger welkt. Er wollte seinen Streit mit ihr beilegen. Es ist so schwer. allein zu ihr zu gehen. den man zu Unrecht vernachlässigte. alles stehe wieder »bestens« zwischen ihnen. Ich hatte seine gesamten Werke und brachte Gertrude und Alice dazu. fand aber nicht den Mut. wo Gertrude und Alice damals lebten. zumindest eine Zeitlang. Ich billigte sein Vorhaben. nach Gertrudes Ansicht ein bedeutender amerikanischer Schriftsteller. Außerdem gab es ja Gertrude Steins Werke. daß wir in der Rue de l’Odéon uns in bescheidenen Kreisen bewegten. So »welkten die Blumen der Freundschaft. Der letzte »ängstliche Besucher«. ob ich irgend etwas von William Dean Howells hätte. Ein Zwist flammt leicht einmal zwischen Schriftstellern auf. die Freundschaft welkte«. Joyce’ Kollegin. ich brachte ihn also bis zur Haustüre und ließ ihn dort mit meinen Segenswünschen stehen.man konnte schließlich keinen Zwang auf sie ausüben. Ich muß zugeben. aber ich habe festgestellt. und mit beider Zustimmung stellte ich Joyce Gertrude vor und sah. wie sie einander ganz friedlich die Hand schüttelten. Sie hatten einander noch nie getroffen. sich genau daran zu erinnern. sie alle mit nach Hause zu nehmen. als er nicht mehr da war. Nach einer Weile traf ich wieder mit Gertrude und Alice zusammen. war auch gekommen. Gertrude Stein. .

Mit ihrem rötlichen. An einem trüben Sonntagnachmittag ging Adrienne zu einer Party. die Pounds hätten die Joyces mitgebracht. er sei hier. 34. Da lag Ezra auch wirklich in einem großen Lehnsessel hingegossen. Spire. kannte ihn aber nicht persönlich. dann ließ sie uns miteinander allein. Sie sprach mit einer sehr anziehenden jungen Frau. daß ich am liebsten weggelaufen wäre. aber ich hatte keine rechte Lust.Odysseus in Paris Im Sommer 1920. der mit seinem biblischen Bart und seiner lockigen Mähne stark nach Blake aussah. Schließlich setzte Adrienne wie gewöhnlich ihren Willen durch. Rue du Bois de Boulogne Nr. trug er ein hübsches blaues Hemd. und wir machten uns gemeinsam auf den Weg nach Neuilly. begrüßte den uneingeladenen Gast mit großer Herzlichkeit. zog mich gleich beiseite und flüsterte mir ins Ohr: »Der irische Schriftsteller James Joyce ist hier. Wie später in einem Artikel von mir im Mercure de France zu lesen stand. die André Spire gab. daß ich sie begleiten sollte. wo die Spires damals lebten. den langen Wimpern und den verschmitzten Augen sah sie ganz reizend aus. lockigen Haar. Joyce vorstellte. Ich sah Mrs. Ich nehme also die blauen Augen zurück. wir konnten Ezra durch die offene Türe sehen.« Ich verehrte James Joyce sehr. ihre Stimme . meine Buchhandlung war noch kein Jahr alt. er habe niemals blaue Augen gehabt. fürchtete ich mich so. Joyce war ziemlich groß und weder dick noch dünn. Sie bestand darauf. und da ich die Pounds kannte. aber er schrieb mir sofort und teilte mir mit. begegnete ich James Joyce. Mrs. und ich erinnere mich noch an die schattigen Bäume ringsum. und als ich nun gänzlich unerwartet hörte. Pound und ging zu ihr hinüber. ging ich hinein. die Spires würden über mein Erscheinen entzückt sein. die sie als Mrs. Sie hatten eine Wohnung im zweiten Stock eines Hauses. Aber Spire sagte mir. Ich bewunderte zwar Spires Lyrik. das zu seinen Augen paßte. und versicherte.

Seine überschmalen Hände fielen auf. Zitternd fragte ich: »Ist das der große James Joyce?« »James Joyce«. Gide. Offenbar war sie froh. Ja. zwischen zwei Bücherschränken. lehnte Joyce. Der Gast war James Joyce. Widerstand. schlank. das heißt. großen Fassungen. Seine tiefblauen Augen. wenn es italienisch gewesen wäre! Die Joyces hatten in Triest gelebt. und sie gab sich mit einer gewissen Würde. sein Glas zu füllen. schließlich drehte er das Glas um. leicht gebeugt.und Ringfinger der linken Hand trug er Ringe mit Steinen in schweren. der keinen Tropfen anrührte. als Spire uns alle aufforderte. graziös. In einer Ecke. Wir schüttelten einander die Hände. die auch echt irisch war. Am Mittel. Bendas Angriffe richteten sich gegen Valéry. was sonst gesprochen wurde. er legte seine schlaffe. ihre Freunde zu verteidigen.hatte einen irischen Klang. die Benda kürzlich über die derzeit führenden Schriftsteller geäußert hatte. daß wir uns miteinander englisch unterhalten konnten. knochenlose Hand in meine feste kleine Pratze — wenn man das Händeschütteln nennen kann. und dabei fiel mir ein Gast auf. und damit hatte die Sache ein Ende. antwortete er. sämtliche Flaschen auf dem Tisch vor seinem Teller aufzubauen. waren wunder- . Claudel und andere. Er war mittelgroß. auf dem ein herrliches kaltes Abendessen stand. Unser Gespräch wurde unterbrochen. Nach dem Essen entspann sich zwischen Adrienne Monnier und Julien Benda eine Diskussion über die Ansichten. Er lief rot an. als Pound anfing. sie konnten alle Italienisch und unterhielten sich sogar zu Hause in dieser Sprache. Sie verstand kein Wort von dem. das bis zur Decke mit Büchern vollgestopft war. Mit Kaffeetassen in den Händen scharte sich eine Gruppe interessierter Hörer um die Debattierenden. Er leistete Spires wiederholten Bemühungen. aus denen das Genie strahlte. uns an einem langen Tisch niederzulassen. Wir aßen und tranken. und schlenderte hinüber in ein kleines Zimmer. Ich überließ es Adrienne.

Ich erzählte ihm von Shakespeare and Company. das er loo-k aussprach. ganz nahe vor . Seine Aussprache war ungewöhnlich klar. auf Wort und Klang besondere Sorgfalt — zum Teil sicherlich auf Grund seiner Liebe zur Sprache und seiner Musikalität. wie ich betrübt bemerkte. Er zog ein kleines Notizbuch aus der Tasche. vor allem seine Stimme klang irisch. damit sie sich in Ruhe nach einer eigenen umsehen konnten. gefurchte Stirne frei. Madame Savitzky gehörte zu den ersten. mit ein paar Sommersprossen. stieg leicht die Röte. das er boo-k. der so sensitiv wirkte. Bei manchen Worten wie »book«. »Was machen Sie?« fragte Joyce. dichte. von einem süßen Klang wie die eines Tenors. Mir fiel jedoch auf. Sonst unterschied sein Englisch sich in nichts von dem eines Engländers. die den Joyces auf ein paar Wochen ihre Wohnung in Passy überließ. feingeschnittenen Lippen mußte er als junger Mann sehr hübsch gewesen sein. Sie übersetzte A Portrait of the Artist as a Young Man (der französische Titel lautete Dédalus). oder »look«. wohl auch deshalb. hörte man den Iren heraus. war ebenfalls unter seinen frühen Pariser Freunden. hellhäutig. ich denke aber. sandfarbene Haar war über den mächtigen Kopf zurückgebürstet und gab eine hohe. hielt es. mit seiner Familie hierher zu übersiedeln. Joyce’ Stimme. Er drückte sich ganz einfach aus. Ezra Pound hatte ihm vorgeschlagen. Joyce sagte mir. die mit th anfingen. In sein Gesicht. daß das rechte Auge nicht ganz normal dreinsah und das rechte Brillenglas dicker war als das linke. die Exiles übersetzte. bezauberte mich. und ihn mit Madame Ludmilla Savitzky zusammengebracht. Jenny Bradley. weil er so viele Jahre lang Englisch unterrichtet hatte. und ein reizendes Lächeln trat auf seine Lippen. Das gewellte. und Mrs. Mit seiner wohlgeformten Nase und den schmalen. Er trug eine Art Spitzbärtchen am Kinn. er schien sich über diesen Namen und auch über meinen eigenen zu amüsieren.schön. er sei erst vor kurzem nach Paris gekommen. die Joyce in Paris freundschaftlich entgegenkamen. verwandte aber. wie ich bemerkte. Noch nie hatte ich einen Menschen vor mir gehabt. und bei den Worten.

soweit ich es beurteilen konnte. daß er sich seit seinem fünften Jahr vor Hunden fürchte. daß mein Blick darauf fiel. mit dem größten Dichter meiner Zeit zusammen zu sein. Er schwang einen Stock. das trage er. einen schwarzen Filzhut auf dem Hinterkopf und nicht allzu saubere weiße Gamaschen an den schmalen Füßen. Ich sah aus dem Fenster und erblickte einen Hund. erzählte er. Er trug einen dunkelblauen Kammgarnanzug. »hat . um sich mit mir zusammen von den Spires zu verabschieden. es sei ein Eschenstock aus Irland. Ich versicherte ihm. Auf sein Spitzbärtchen deutend bemerkte er.« Gelangweilt? Ich hatte James Joyce getroffen. Schon am nächsten Tag kam Joyce die steile kleine Straße herauf. Bei diesem ersten Zusammentreffen und auch später war ich mir immer seines Genies bewußt. Unsere Unterhaltung ging weiter. Die Gäste brachen auf. das den Hafen von Triest angelaufen hätte. Er erzählte mir. eines »der Biester« habe ihn damals ins Kinn gebissen. der einem Ball nachlief. das Geschenk eines irischen Offiziers auf einem britischen Kriegsschiff. daß ich mich trotzdem ganz frei und unbefangen fühlte. und jedes neue Bellen erschreckte ihn. Sie haben sich nicht gelangweilt. Als ich mich bei Spire für seine Gastfreundschaft bedankte. (»Stephan Dädalus«. Das Bellen kam von der anderen Seite der Straße. aber Joyce hatte eine so unglaublich einfache Art. um die Narbe zu verbergen. und als er sah. und doch ließ sich so leicht mit ihm reden wie mit niemand anderem. dachte ich. Er wolle mich aufsuchen. er würde nicht hereinkommen und sehe gar nicht böse aus. Plötzlich fing ein Hund an zu bellen. »Wird er hereinkommen? Ist er böse?« fragte mich Joyce sehr beunruhigt. und Joyce wurde blaß. sagte er: »Ich hoffe. Er bellte ziemlich laut. Es war überwältigend für mich. war aber. aber er war immer noch ängstlich. und Adrienne suchte mich.seine Augen und schrieb sich Namen und Adresse auf. ja er zitterte sogar. sicher nicht bissig.

mit dem er zusammentraf. »Englisch«. Wenn ich von Leuten hörte. Griechisch. die Unterricht brauchten. aber seine Haltung war so graziös.« »Und Griechisch?« Altgriechisch konnte er nicht. Holländisch und die drei skandinavischen Sprachen. Offensichtlich waren Sprachen Joyce’ Lieblingssport. und bis dahin mußte er für seine Familie eine andere gefunden haben. machte er auf jeden. sagte er. was er eigentlich anhatte. wie viele er beherrsche. Er mußte sich nach Schülern umsehen. Er trat in meinen Laden. Dann kam das finanzielle Problem. sie zu ernähren und zu kleiden und den Ulysses fertig zu schreiben. Französisch. er hatte es von den griechischen Matrosen in Triest aufgeschnappt. Latein und sogar Französisch. Madame Savitzky wollte ihre Wohnung in zwei Wochen aufgeben. In Triest hatte er jahrelang an der Berlitz School gelehrt und auch Privatstunden gegeben. Er hatte seine gesamten Ersparnisse für die Übersiedlung nach Paris ausgegeben. Wo er auch hinkam. besah sich die Fotos von Walt Whitman und Edgar Allan Poe genau. sagte er. auch in Zürich hatte er unterrichtet. um Ibsen zu lesen. Wir zählten. schließlich inspizierte er meine beiden Fotos von Oscar Wilde.«) Joyce ging immer ein bißchen schäbig gekleidet. tiefen Eindruck. modernes Griechisch sprach er fließend. »›Das ist ein Tisch. daß man kaum bemerkte. . Dann ließ er sich in dem unbequem kleinen Lehnstuhl neben meinem Tisch nieder. dann die beiden BlakeZeichnungen. Wieder sagte er mir. »Welche Sprache haben Sie unterrichtet?« fragte ich. Auch Deutsch. Das ist eine Feder‹. würde ich sie zu Professor Joyce schicken? Er habe große Erfahrung. und Schwedisch und Dänisch waren gefolgt. nach Paris zu kommen.noch immer seinen Eschenstock. Nun hatte er drei Probleme zu lösen: ein Dach für vier Menschen zu finden. Er hatte Norwegisch gelernt. Abgesehen von seiner eigenen sprach er Italienisch. Spanisch. es waren mindestens neun. Ich fragte ihn. sein Benehmen so distinguiert. Das erste Problem war das dringlichste. daß Pound ihn überredet habe.

Die Überanstrengung der Augen aber begann jetzt fühlbar zu werden. sagte er. es jetzt zu beenden. Er wollte weiterarbeiten. sagte Joyce. Er mußte sehen. wie ich merkte. Am rechten Auge sei er operiert worden. Ich hatte sehnsüchtig darauf gewartet. wie sein Werk sich Wort für Wort formte. Chinesisch und Japanisch erwähnte er nicht. Die überließ er vermutlich Pound. hatten sie ihm zu schaffen gemacht. wie er bei Anbruch des Krieges gerade eben noch aus Triest hinausgekommen war. und dort kam es dann zu einer ernstlichen Erkrankung — einem Glaukom. Baron Ralli. ob er damit Fortschritte mache. Er erzählte mir. wann Joyce eigentlich Zeit zum Schreiben fand: Bei Nacht. etwas über Ulysses zu erfahren. Fiele es ihm bei der Empfindlichkeit seiner Augen dann nicht schwer. sonst würde er zu rasch vorgehen. »Ich mache welche« (ein Ire sagt niemals »ja«. rückständigen Schülern wie mir die Dinge auseinanderzusetzen). sobald er sich hatte richtig niederlassen können. um sie mir zu erklären. konnte Hebräisch. er machte sogar eine kleine Zeichnung. Er beschrieb die Operation ganz einfach (er war. Seiner Meinung nach war es ein Fehler gewesen. Er schreibe immer mit der Hand.Er sprach auch Jiddisch. Schon bevor er nach Zürich ging. zurückgehalten zu werden. dadurch hatte sein Sehvermögen auf diesem Auge gelitten. aber ein Freund. wenn die Unterrichtsstunden vorbei waren. »Die grauen Eulenaugen der Athene«. so daß er mit seiner Familie das Land verlassen konnte. gewöhnt. ich hätte vielleicht die dicke Linse in seiner Brille bemerkt. . Mit einiger Mühe erreichten sie Zürich und blieben dort bis zum Ende des Krieges. Es sei ihm recht. Von dieser Krankheit mit ihrem schönen Namen hörte ich zum allerersten Mal. bekam noch im letzten Moment ein Visum für ihn. Jetzt fragte ich. behindert. Ich fragte. zu schreiben? Diktiere er manchmal? »Nie !« rief er aus. ihn mitten in einem Anfall von Iritis zu operieren.) Er arbeitete seit sieben Jahren an dem Buch und versuchte. Die Österreicher wollten ihn schon als Spion festnehmen.

der dafür die verabredete Summe schickte — eine kleine Summe. erkundigte er sich. Er gestand mir. Ich schrieb auf: »James Joyce.« Und wir verabschiedeten uns. James Joyce und Familie Joyce war jetzt ein Mitglied der Familie von Shakespeare and Company. Er nahm Riders to the Sea aus dem Regal und sagte. Hatten Margaret Andersons Bemühungen. Ehe er fortging. unter welchen Umständen er in all den Jahren gearbeitet hatte. daß er uns und unsere Sprache gern habe.Es kam heraus. war für mich sehr ergreifend gewesen. Wil- . und tatsächlich machte er in seinen Büchern oft Gebrauch vom amerikanischen Jargon. sieben Franken. Man konnte ihn oft im Buchladen sehen. die seine Freunde wurden: Robert McAlmon. Mitgliedsbeitrag für einen Monat. Erfolg gehabt? Waren weitere Verbote erfolgt? Joyce machte ein ängstliches Gesicht. Paris. machte er die Reinschrift und sandte sie Quinn. das Manuskript des Ulysses stückweise kaufte. erklärte er. die von ihm in Zürich organisiert worden war. er würde mich auf dem laufenden halten. In der Buchhandlung traf er mit vielen jungen Schriftstellern zusammen. den Ulysses zu veröffentlichen. die aber weiterhalf. Für die Aufführung einer kleinen Theatergruppe. er würde es gerne ausleihen. ihr berühmtestes Mitglied. der ausgezeichnete irischamerikanische Rechtsanwalt in New York. Sobald Joyce einen Teil beendet hatte. habe er das Stück einmal ins Deutsche übersetzt. Ich erwähnte die Little Review. und er fand offensichtlich an der Gesellschaft meiner Landsleute Gefallen. daß John Quinn. wie man Mitglied der Leihbücherei wurde. Rue de l’Assomption. Von Joyce selbst zu erfahren. 5. Die Nachrichten aus New York seien beunruhigend.

während er auf mich wartete. Seine Art dazusitzen kann ich nur als »zerbrochen« beschreiben. die ihm meine Hausmeisterin erzählte. den Eschenstock schwingend. Seine Ausdrucksweise war ohne jede Emphase. Selbst die schlimmsten Ereignisse beschrieb er als »lästig«. den Hut weit aus der Stirn geschoben. niemals kam ein Fluch oder die leiseste Grobheit. aber seine Sprache war immer gemäßigt. er hatte das Wort »sehr« nicht gern. Scott Fitzgerald — und auch mit dem Komponisten George Antheil. Ernest Hemingway. Man konnte aus Joyce’ Mund häufig einen Ausruf hören (seine Tochter nannte ihn »L’Esclammadore«). Ich glaube. Ihn interessierte alles. Prinzessinnen oder Putzfrauen handelte. Archibald MacLeish. Manchmal fand ich ihn im Laden. ob es sich um Schriftsteller. für Superlative hatte er keine Verwendung. er erklärte mir einmal. aber sie benahmen sich ihm gegenüber eher freundschaftlich als ehrerbietig. Am liebsten bediente er sich des italienischen »Già!« Er seufzte oft. Kam er in einem Taxi an.liam Bird. Zu gern sah ich Joyce die Straße heraufkommen. Joyce war natürlich ihr Gott. Joyce selbst behandelte jedermann unfehlbar als seinesgleichen. sondern einfach als »lästig«. Kellner. aufmerksam eine lange Geschichte anhörte. und es erinnerte in solchen Augenblicken stark an das eines Affen. Adrienne und ich pflegten ihn den »melancholischen Christus« zu nennen. was einer zu sagen hatte. Ich hörte einmal. Kinder. Er zog sein Gesicht auf eine sehr amüsante Weise in Falten. niemand konnte seinem Charme widerstehen. Diesen Ausdruck hatte ich von Joyce selbst gelernt und auch den Ausdruck »gekrümmter Christus«.« . nicht einmal als »sehr lästig«. wie er sich beklagte: »Warum ›sehr schön‹? ›Schön‹ ist genug. wie er. ehe der Chauffeur nicht zu Ende gesprochen hatte. so stieg er nicht aus. Joyce selbst übte auf jeden eine ungeheure Anziehungskraft aus. er habe niemals einen langweiligen Menschen getroffen.

Schriftsteller nur mit ihrem Zunamen anzusprechen. sie lebten ja in einem Land. Lucia. die Frau und Mutter. seinen Ulysses Damen in die Hand zu geben oder ihn von Damen veröffentlichen zu lassen. mußte ich zu ihnen nach Hause gehen. daß seine nette Verlegerin solchen Dingen ausgesetzt war. als wäre er eine Bahnstation. Ich bin sicher. um glücklich zu sein —.Er nahm in unerschütterlicher Höflichkeit immer Rücksicht auf andere. wenn jemand wagte. der hinter seiner Schroffheit seine Gefühle verbarg oder zu verbergen suchte. was in Gegenwart von Damen erörtert werden durfte. Die Damen selbst nahmen es sehr gleichgültig hin. ihre Verfasser »Monsieur Valéry« oder »Monsieur Proust« zu nennen. War man einer ihrer Jünger. die sie alle. Joyce« hatte auch seine eigenen Ansichten darüber. genau wie alle unsere anderen französischen Freunde. Joyce erschien jeden Tag in der Buchhandlung. so manches Zusammensein mit Fargue hatte mich abgehärtet. Und doch hatte Joyce kein Bedenken. Joyce« anzusprechen! »Mr. In dieser Atmosphäre ohne jede Förmlichkeit blieb Joyce allein betont formell. Joyce bedauerte tief.und einzugehen. in dem sich die Männer nicht absonderten. so sprach man sie »Meister« an. daß Joyce über diesen Brauch schockiert war. aber um mit der übrigen Familie zusammenzukommen. lief er scharlachrot an. schließlich Nora. Ich weiß. die Humoristische — beide Kinder unter zu seltsamen Umständen aufwachsend. Es ist ein Brauch in der französischen literarischen Welt. aber ich fürchte. so geschah es mit »Hallo Hem« oder »Hallo Bob«. Meine rauhbeinigen Landsleute pflegten ohne Gruß in meinern Buchladen aus. Bei den Geschichten. Valéry nannte Adrienne immer »Monnier« und mich »Sylvia«. Trotz der Romanfiguren Monsieur Teste oder Monsieur Charlus würde es niemandem einfallen. Und wehe. Ich hatte sie alle sehr gern: Georgio. die Léon-Paul Fargue einer gemischten Zuhörerschaft in Adriennes Buchhandlung zu erzählen pflegte. Vergeblich ging er mit seinem »Miss Monnier« und »Miss Beach« mit gutem Beispiel voran. und riefen sie einmal jemand an. ihn anders als »Mr. ihren Gatten .

und unter allen Schriftstellerehen. einschließlich Joyce. in Gelächter ausbrach. daß ihre Wahl auf ihn gefallen war. langte am Morgen noch halb verschlafen bereits nach Papier und Bleistift. wußte nie. Joyce machte es Freude. Niemand schien Noras Schelten sehr ernst zu nehmen. wegen ihrer Hilflosigkeit auszankte. Nora wollte mit Büchern nichts zu tun haben.mit inbegriffen. Er war entzückt... sagte sie. wobei sie auf den Ulysses wies. »Eine nichtsnutzige Familie!« Worauf die ganze nichtsnutzige Familie. keinen Bauern oder Bankbeamten oder auch einen Lumpensammler geheiratet zu haben. sie habe nicht eine Seite von »diesem Buch« gelesen. wieviel Uhr es war! Und wie konnte sie ein Dienstmädchen behalten.. ihn zu öffnen. Um nichts in der Welt war sie dazu zu bringen. aus der die Inspiration kam? Nora murrte über »meinen Mann«. Joyce’ Anstrengung. war sie nicht die Quelle. Sie sagte mir immer wieder. es war ihm eine Erholung nach der ehrerbietigen Haltung anderer Menschen. Was hätte er ohne Nora gemacht? Und was wäre ohne sie aus seinem Werk geworden? Daß er Nora geheiratet hatte. ein guter Familienvater und ehrbarer Bürger zu sein — ein »Burjoice« nannte es Sherwood Ander- . war einer der größten Glücksfälle seines Lebens. den Ulysses zu lesen. als sie diese verächtliche Menschengattung erwähnte. und auch das machte ihrem Mann Spaß. daß Nora es gar nicht nötig hatte. dachte ich. wenn er in dem Augenblick das Haus verließ.. Sie erklärte mir. um ihr zu helfen. wenn sie ihn puffte und herumschob. war die seine entschieden die glücklichste. von Nora ein Nichtsnutz genannt zu werden. sie bedaure. er hörte nie mit der Schreiberei auf. Aber wie gut für Joyce. die neben ihm am Boden lagen. Ich konnte aber selbst sehen. statt eines Schriftstellers — ihre Lippen verzogen sich. in dem sie das Mittagessen auf den Tisch stellte? »Sehen Sie ihn sich nur an! Da lümmelt er auf dem Bett und schreibt und schreibt!« Auch die Kinder — keines rührte einen Finger. die ich kannte.

stieß bei einer dieser Gelegenheiten mit einem anderen Fahrzeug zusammen). bedeutete Unglück (ein Taxi. daß Joyce rasch sein Interesse an Stephan verlor und daß Mr. ich glaube jedoch. Joyce’ Angst vor einer ganzen Reihe von Dingen war durchaus real. sah ich. wie Stephan im Hintergrund verschwindet und undeutlicher wird. vor dem Meer. Es muß den Jesuiten gelungen sein. dessen treuer Hund Argos vor Freude über seines Herren Heimkehr tot umfiel. während Bloom hervortritt. vor Infektionen. Als ich eines Tages in Joyce’ Hotel kam. Sie paßte nicht zu dem »Künstler« aus dem Porträt. Er schien Angst zu haben. Hunde hingegen hielt er immer für böse. in dem er saß.son. Ich fühlte. die er in seiner Kunst bewies. Seine abergläubischen Vorstellungen wurden von seiner Familie geteilt. hatte etwas Rührendes. in dem ihr Mann auf dem Bett lag. ein Herrenhut auf dem Bett hatten eine böse Vorbedeutung. Es war zwecklos. daß sie zum Teil ein Gegengewicht zu der Furchtlosigkeit bildete. Aber man verstand dadurch den Ulysses besser. Es ist so interessant zu sehen. Ein Schirm. sich immer klarer abzeichnet und schließlich die führende Rolle übernimmt. Katzen brachten nicht nur Glück. ihn an seinen Helden Odysseus zu erinnern. ehe Joyce hereinkam. Joyce rief nur »Già!« und lachte. Ich mußte einen harmlosen kleinen weißen Hund von mir gewöhnlich rasch aus dem Buchladen fortbringen. bis alles vorbei war. Zahlen und Daten brachten Glück oder Unglück. Zwei Nonnen auf der Straße zu sehen. Er fürchtete sich vor Höhen. Joyce hatte sie gern um sich. war er darüber ebenso außer sich wie das junge Mädchen. Letzten Endes steckte ein gutes Stück Bloom in Joyce. schwarze Katzen hingegen eine gute. der im Haus aufgespannt wurde. . ihn wahrhaft gottesfürchtig zu machen. daß der allmächtige Gott es ihm »geben würde«. Ich habe Joyce bei einem Gewitter im Vorraum seiner Wohnung kauern sehen. wie Nora eine schwarze Katze dazu zu bringen versuchte. Durch die offene Türe beobachtete er ängstlich gsspannt ihre Bemühungen. und als einmal ein Kätzchen seiner Tochter aus dem Küchenfenster fiel. Bloom zwischen sie getreten war. das Zimmer zu betreten.

G. die er besaß. »aber Sie haben es als Schriftsteller auch ganz schön weit gebracht. Selbst H. und Miss Weaver beabsichtigte.« Shakespeare and Company kommen zu Hilfe In jener Zeit war Joyce’ Hauptsorge das Schicksal des Ulysses. In England hatte Miss Harriet Weaver bereits ihre Schlacht für den Ulysses geschlagen und verloren. Um die beiden. ihn dort erscheinen zu lassen — aber sowohl für das Buch als auch für die Zeitschrift sah die Zukunft düster aus. pflegte er mir zu sagen. Es gehörten ihr so verdächtige Gesellen wie Richard Aldington. und Joyce kam nie ganz darüber hinweg. und nie nahm seine Arbeit ihn so in Anspruch. Eliot. die in ihrer Zeitschrift Egoist A Portrait of the Artist veröffentlicht und damit den neuen irischen Schriftsteller James Joyce bekanntgemacht hatte. und auf seine schöne Stimme. D. Joyce’« zweiten . und sie war es gewesen. S. Er war von Ezra Pound entdeckt worden. die fast ebenso schlimm waren. H.Joyce mit seinen patriarchalischen Ideen bedauerte sehr. A Portrait of the Artist machte in England großen Eindruck. für ihre Abonnenten »Mr. kümmerte er sich voll Hingabe. Sie gehörte zu den allerersten Anhängern Joyce’. die sich um den Egoist gesammelt hatte. Er war sehr stolz auf Giorgio oder »Georgy« wie seine Mutter ihn nannte. T. Wyndham Lewis an und dazu noch ein paar andere. »Möglich«.. daß er nicht zehn Kinder hatte. daß er nicht ein ermutigendes Wort für die ihre gefunden hätte. antwortete ich dann. Er erschien immer noch in der Little Review — oder man versuchte zumindest. einem großen Schausteller und Führer einer Art Bande. daß er die Laufbahn eines Schriftstellers statt der eines Sängers gewählt hatte. Die Joyces sangen alle. Wells fand Worte des Lobes dafür. »Vielleicht hätte ich es weiter gebracht«.

war aber nicht in der Lage. Der Egoist wurde »über Nacht«. James Joyce’ Gesamtwerk herauszugeben. aus einer Zeitschrift zu einem Verlag. Man kann ihnen die Vorsicht wirklich nicht ankreiden. er sandte ihr die Druckbogen seiner Ausgabe. warum englische Drucker so heikel sind. Ulysses. Hätte Miss Weaver sich darauf versteift. Joyce’ New Yorker Verleger. Im Jahr 1919 erschienen im Egoist fünf Fortsetzungen. den Ulysses herauszubringen. ihren Plan durchzuführen. die dann mit dem Impressum des Egoist herauskam. das mußte sie einsehen. Miss Weaver erklärte mir. da englische Drucker vor dem Namen Joyce die größte Scheu hatten.Roman. wie sie sich ausdrückte. der Ulysses sei nicht für eine Zeitschrift geeignet. einen Drucker dafür zu finden. zu veröffentlichen. Joyce zeigte mir einmal die Fahnen des Neudrucks von A Portrait of the Artist bei Jonathan Cape. so wird sowohl der Drucker als der Verleger dafür verantwortlich gemacht und muß Strafe zahlen. Wenn die Behörden ein Buch beanstanden. Sie versuchte. es gelang ihr aber nicht. entschloß sich Miss Weaver. das ihn in Verlegenheit bringen könnte. A Portrait of the Artist in Buchform herauszubringen. und für den Augenblick schwand jede . Miss Weaver verfolgte dabei einzig und allein den Zweck. daß er auf das kleinste Wörtchen achtet. die aber nicht weiter führten als bis zu der Episode mit den Wandering Rocks. die sich beklagten. Huebsch. Miss Weaver hatte Schwierigkeiten mit dem Druck und erhielt außerdem Briefe von Abonnenten. Sie kündigte die »bevorstehende Veröffentlichung von Ulysses« an. wie verblüfft ich über die am Rand vermerkten Beanstandungen des Drukkers war. die im Wohnzimmer mit anderem Lesestoff für die Familie aufliege. Da die Veröffentlichung des Ulysses in einer Zeitschrift auf Widerstand stieß. lieber die Zeitschrift zu opfern als nachzugeben. und ich weiß noch. so wären die Schwierigkeiten zu groß geworden. Einige sagten ihr Abonnement sogar auf. Sie traf daraufhin ein Abkommen mit Mr. Kein Wunder.

Ihren Ulysses herausbringen zu dürfen?« Er nahm mein Angebot auf der Stelle mit Freuden an.Hoffnung. daß man doch etwas unternehmen könne. Sumner von der Gesellschaft zur Unterdrückung des Lasters versetzte der Zeitschrift den Todesstoß. Und da saß nun James Joyce in meinem kleinen Buchladen und seufzte tief. aber zu diesem Zeitpunkt waren sie finanziell schon vollkommen ruiniert. Joyce brachte mir die Nachricht. Es kam sogar zur Verhandlung gegen Miss Anderson und Miss Heap wegen Veröffentlichung obszöner Schriften. das Unternehmen erfolgreich durchzuführen. die sehr beunruhigend klangen. Mir kam es übereilt vor. Aber eine vierte Beschlagnahme auf Betreiben von S. Es war ein schwerer Schlag für ihn. stets zu mir. John Quinn verteidigte sie so blendend. daß die lebendigste kleine Zeitschrift jener Tage verschwinden mußte. daß er seinen großen Ulysses einem so . Joyce kam mit den neuesten Nachrichten vom Schlachtfeld. Dreimal war die Zeitschrift wegen Obszönität von Beamten des United States Post Office beschlagnahmt worden. So wanderte also der Ulysses nach Übersee zur Little Review und geriet erneut in Schwierigkeiten. Außerdem wurde sie von ihren Freunden gewarnt. geschwunden. und ich fühlte auch. daß er in seinem Stolz verletzt war. Auf einmal kam mir der Gedanke. zumindest auf lange Zeit.« Jede Hoffnung auf eine Veröffentlichung in Ländern englischer Sprache war. daß sie nur eine Menge Unannehmlichkeiten haben würde. Zwischen der Little Review und den amerikanischen Behörden entbrannte ein heftiger Kampf. ohne daß der Kampfgeist der Verleger Margaret Anderson und Jane Heap gebrochen worden wäre. Völlig niedergeschlagen und mutlos sagte er: »Jetzt wird mein Buch nie herauskommen. daß sie mit einer Strafe von hundert Dollar davonkamen. Wie traurig. und ich fragte: »Würden Sie Shakespeare and Company die Ehre erweisen.

und fragte ihn. Schon sein Vater hatte genau wie er den Titel eines »Meisterdruckers« geführt. wie Joyce sie nannte. ich machte mich geradewegs an den Ulysses.komischen kleinen Verleger anvertraute. »Shakespeare and Companys Berater«. Ich kündigte ihm meine Absicht an. glaube ich. was Adrienne Monnier. Darantière aus Dijon Ich erhielt den Besuch von Adrienne Monniers Drucker. sie davon zu überzeugen. Wie selig ich selbst war. beide in sehr gerührter Stimmung. um zu hören. das ich am meisten bewunderte. der in den Ländern englischer Sprache in Acht und Bann getan worden war. von Bezahlung für den Druck könne . ehe ich etwas Wichtiges unternahm. von meinem Plan hielt. dieses Werk in Frankreich herauszubringen. Was ich Darantière über den Ulysses erzählte. Joyce sollte am nächsten Tag wiederkommen. sie war ein so kluger Ratgeber und außerdem eine Art Partner in meiner Firma. Monsieur Maurice Darantière. den Ulysses zu retten. kann man sich wohl denken — nun war ich auf einmal zum Verleger des Werkes geworden. Adrienne stimmte meinem Plan voll und ganz zu. und es fiel mir nicht schwer. Beim Abschied befanden wir uns. Gleichzeitig legte ich meine finanzielle Lage dar und erklärte warnend. Joyce erschien am nächsten Tag in heiterster Laune. ob er es drucken wolle. wie wichtig es war. und ich freute mich sehr darüber. Erfahrung und allen sonstigen für einen Verleger erforderlichen Eigenschaften schreckte mich nicht. interessierte ihn sehr. und die Werke von Huysmans und vielen anderen Schriftstellern der gleichen Periode waren bei Darantière in Dijon gedruckt worden. Welch ein Glück! Der Mangel an Kapital. aber er war offenbar begeistert und ich natürlich auch. Ich hatte ihr viel von Joyce erzählt. Ich erkundigte mich immer nach ihrer Meinung.

Ihr war es auch zu verdanken. daß mein Prospekt sich durchaus sachkundig ausnahm. Paris. Ich erklärte ihm fest. wenn man etwa ein Dutzend Exemplare drucke. weihte mich in die Geheimnisse beschränkter Auflagen ein. die restlichen siebenhundertfünfzig auf gewöhnlichem Papier zu 150 Frcs. Monsieur Darantière brachte mir Muster von seinem feinsten Papier und von seiner berühmten Schrift. Ich ließ einen Prospekt mit der Ankündigung drucken. wenn es überhaupt hereinkam. und ich machte mich zum ersten Mal mit den für Luxus-Ausgaben geltenden Regeln vertraut. daß das sehr nett und ritterlich von ihm war! Joyce erschien jetzt alle Augenblicke in der Buchhandlung. würde auf tausend Stück beschränkt sein: hundert Exemplare auf Holland-Papier. Die Auflage. denen der Ulysses schon bei seinem ersten Erscheinen in der Little Review aufgefallen war. Die Rückseite des Prospektes bildete ein leeres Formular. . daß Ulysses von James Joyce »ungekürzt« (ein sehr wichtiger Punkt) bei Shakespeare and Company. Anders sei das Unternehmen nicht durchzuführen. für welche Art Exemplar er sich entschied. Ich muß schon sagen. Monsieur Darantière stimmte dem Druck des Ulysses unter diesen Bedingungen zu. Adrienne.keine Rede sein. es würden tausend Exemplare gedruckt werden (und es blieb keines übrig). signiert zu 350 Frcs. um auf dem laufenden zu bleiben. dort sollte der Subskribent seinen Namen eintragen und notieren. so würden noch welche übrigbleiben. die selbst schon einiges verlegt hatte. hundertfünfzig Exemplare auf Vergé-d’Arches zu 250 Frcs. ganz als hätte ich mit diesen Dingen schon reiche Erfahrung. Ich ließ mir Anregungen von ihm geben und befolgte sie auch meist. Der Prospekt enthielt ein Foto des Autors in Briefmarkenformat — die Aufnahme stammte aus Zürich und zeigte ihn bärtig und hager — und Auszüge aus Artikeln von Kritikern. Aber nicht immer. ehe nicht das Geld für die Subskriptionen hereinkam. von denen ich nicht die leiseste Ahnung hatte. »im Herbst 1921« erscheinen würde. So dachte er zum Beispiel. so hieß es weiter.

Titelseite des Prospektes für die erste Ulysses-Ausgabe .

Zu einer von Myrsines besonders guten Eigenschaften gehörte ihre Unzahl von Schwestern. Joyce wartete auf ihren »donnernden Schritt«. Es interessierte ihn dabei Hélènes originelle französische Aussprache englischer Namen (»Doublevé Vé Yats« — W. Yeats zum Beispiel) wahrscheinlich mehr als der Artikel selbst. Waren alle ihre Botengänge erledigt. ich war beglückt. Außerdem hatte ich die Leihbibliothek. und bewältigte auch die noch viel schwierigere und heiklere Aufgabe. Nun sollte ich auf einmal auch noch verlegen — und was für ein Buch! Es war Zeit. und es wimmelte nur so von unternehmungslustigen jungen Schriftstellern. interessierte sich genau so wie ich selbst für alles. daß ich jetzt eine Hilfe hatte und eine ganz wunderbare Hilfe noch dazu. Er hielt das für ein gutes Omen für seinen Ulysses. auf die wir in Zeiten der Not immer zurückgreifen konnten.Bis jetzt steckte ich ja erst im Lehrlingsstadium des Buchhandels. Ich machte sie darauf aufmerksam. Theaterkarten und anderem auf den Weg und kehrte ebenso schwer beladen wieder zurück. was vorging. um wieviel besser sie bei einer anderen Arbeit gestellt wäre. Omen oder nicht. Sie war eine unschätzbare Kraft. Ein reizendes griechisches Mädchen. wie er es nannte — sie hatte einen ziemlich schweren Schritt für ein so kleines Persönchen. . so hielt er sie manchmal zurück und bat sie. eine Abonnentin der Leihbücherei. Joyce hörte mit Begeisterung von meiner griechischen Hilfskraft. tat ich mein Möglichstes. aber da es eine schlechtbezahlte Stelle war. Büchern. wollte gerne bei mir eintreten. und zum Glück für Shakespeare and Company wollte sie trotzdem zu mir kommen. schreckte nicht vor manueller Arbeit zurück. sie davon abzubringen. mit den Kunden fertigzuwerden und Verständnis — sehr viel Verständnis — für die Bedürfnisse der Leihkunden aufzubringen. B. die jüngste MoschosTochter. Sie machte sich des Morgens mit einer Aktenmappe voll Post. doch ihr Entschluß stand fest. spielte den Boten zwischen Joyce und der Buchhandlung. ihm aus einer Zeitschrift etwas vorzulesen. mit der man in einer Buchhandlung immer wieder zu rechnen hat. daß ich mich nach einer Hilfe umsah. Hélène. Mademoiselle Myrsine Moschos. Myrsine arbeitete neun Jahre lang an meiner Seite.

Als er dann seine Strategie nicht länger mehr aufrechterhalten mußte. war der reinste Nomaden-Arzt. Myrsine hatte eine Menge Freunde aus östlichen Ländern. der erste unserer fran- . noch eine Weile den Tauben. ehe er nicht subskribiert hatte. Als man ihn zum Militärdienst einziehen wollte. mußte er feststellen. war es aber durchaus nicht immer gewesen. aber sie ist wahr. ob dieser erstaunliche Fall je einem wissenschaftlichen Gremium berichtet wurde und ob ein Ohrenarzt die Geschichte glauben würde oder nicht. Selbst André Gide. Alle meine Kunden und viele Kunden von Adrienne befanden sich darunter — niemand kam aus der Rue de l’Odéon wieder heraus. Dieser junge Mann änderte seinen Namen von Ritarasi in Ulysses. daß er sein Gehör vollständig und endgültig verloren hatte. taub zu sein. um sicherzugehen. der Ulysses würde ihn erweitern. der in Paris Medizin studierte. daß ihr englischer Wortschatz nicht sehr groß sei. Moschos. den Thronerben von Kambodscha.Myrsines Vater. sie hofften aber. nur hatte sich seine Schlauheit wie eine Art Bumerang gegen ihn gekehrt. und wir ordneten sie nach Nationalitäten. Der Mann war stocktaub. die zugaben. Moschos machte mich mit einem Mann bekannt. darunter einen jungen Prinzen. Ich weiß nicht. der Odysseus an Schlauheit übertroffen hatte. spielte aber. und seine neun Kinder waren in ebenso vielen Ländern geboren. Er hatte fast so viele Irrfahrten hinter sich wie Odysseus. Dr. Ein fehlender Subskribent Es strömten jetzt in rascher Folge Subskriptionen für den Ulysses herein. gab er vor. Dr. Er wurde vom Dienst befreit. Joyce’ Meisterwerk zu Ehren. Ich unterhielt mich köstlich über viele von Adriennes Freunden.

die voll Überraschung erfuhren. B. Ich konnte mit Recht annehmen. aber seine Geste bedeutete für mich trotzdem eine Überraschung. sondern um wie immer sein freundschaftliches Interesse an allen Unternehmungen der Rue de l’Odéon zu bekunden. Yeats legte. wenn man sich an ihn wende. daß Gide sich nicht deshalb sofort einstellte.zösischen Freunde. und ich fand sie sehr rührend. sie sei für Gide charakteristisch. traf ich auf etliche Leute. Es gab meiner Meinung nach zwei Gründe. warum Bernard Shaws Name nicht auf der Liste der Subskribenten auftauchte. ihn zur Subskription zu veranlassen: erstens mußte ihn die revolutionäre Seite des Ulysses ansprechen. Adrienne hingegen erklärte. daß Shaw in solchen Angelegenheiten ein gutes Herz bewies: Mrs. daß sie subskribiert hatten. die eine Zeitlang seine Sekretärin gewesen war. Er kämmte die Nachtklubs nach Subskribenten durch und hinterließ jeden Tag in den frühen Morgenstunden auf dem Heimweg ein neues »hastiges Bündel« unterschriebener Formulare. um den Ulysses zu subskribieren. . als er auf meinen Tisch eines Tages ein Subskriptionsformular mit der Unterschrift von W. Mit der Zeit fing ich an. er sei unglaublich großzügig. mich zu wundern. wenn McAlmon sie ihnen erklärte. und zweitens wußte er doch sicherlich über Joyce’ mißliche Lage Bescheid und würde einem schreibenden Kollegen mit einem Beitrag in Form einer Subskription zu Hilfe kommen wollen. Weiter hatten wir den unermüdlichen Robert McAlmon. Ich bin übrigens sicher. dürfte bei der Lektüre des Ulysses einige Schwierigkeiten gehabt haben. mache aber nicht viel Worte darüber. Ernest Hemingway hatte mehrere Exemplare bestellt. wenn es um die Freiheit des Wortes ging. wenn er auch immer das eine oder andere englische Buch in der Tasche herumtrug. Ezra Pound erregte geradezu Sensation. Als der Ulysses herauskam. um ein Subskriptionsformular auszufüllen. Desmond Fitzgerald. Man konnte stets auf seine Unterstützung rechnen. erzählte mir. die teilweise leicht schwankende Unterschriften trugen. der in meine Buchhandlung gestürzt kam. aber sie nahmen die Sache immer von der guten Seite.

die er gerne rauchte. »Wollen wir wetten?« fragte Joyce. »Er wird nie subskribieren«. und sein literarisches Genie dazu verwandte. Es ging um eine Schachtel Voltigeurs. Binnen kurzem erhielt ich folgenden Brief von Shaw — er gab mir seine Erlaubnis. daß er das Grauen auf sich nahm. Sie sehen möglicherweise darin Kunst und fühlen sich dadurch angezogen. als er in Fortsetzungen herauskam. ihn abzudrucken: Dear Madam. gegen ein seidenes Taschentuch (um meine Augen damit zu trocknen?). und vierzig Jahre später erfahre ich aus den Büchern von Mr. Ich floh vor ihnen nach England im Alter von zwanzig Jahren. sagte er. und ich würde gern rings um Dublin ein Seil spannen. Ich habe Bruchstücke des Ulysses gelesen. daß endlich jemand davon so tief betroffen wurde. zu lesen. Es ist ein empörender Bericht über eine ekelhafte Phase zivilisierten Lebens. gemein in ihrer Denkungsart. er würde sofort subskribieren. alle männlichen Personen zwischen 15 und 30 Jahren in diesem Sperrkreis zusammentreiben und sie zwingen. das alles niederzuschreiben. Es ist immerhin ein gewisser Trost. aber der Bericht ist wahr. die Leute zu zwingen. verblendet von dem Glanz der erregenden und begeisternden Gefühle. sich diesen Dingen zu stellen. Joyce lachte. Aber ich glaubte noch immer daran. Joyce. Ich nahm die Wette an. ich kenne Sie ja nicht) eine junge Barbarin. diese ganze Obszönität. für mich aber ist das alles scheußliche Wirklichkeit: ich bin durch jene Straßen gegangen und kenne jene Läden und habe jene Gespräche gehört und daran teilgenommen. daß Dublin immer noch ist. diese ganzen Verspottungen. die von der Kunst in leidenschaftbewegter Materie aufgerührt werden. gemein in ihrem Ausdruck. was es war. die kleinen Zigarren. daß ich Shaw einen Prospekt zuschicken wolle und überzeugt sei.Ich teilte Joyce mit. In Irland versucht man eine Katze . genau wie im Jahr 1870. Sie sind vermutlich (sehen Sie. und daß junge Männer immer noch in schlaffmäuligen Schuftereien geifern.

Ich ließ die Sache fallen. so war er dazu ja nicht verpflichtet. sie wird sich als erfolgreich erweisen. 150 Francs für so ein Buch zahlen würde.stubenrein zu machen. wird von seinen Verlegerinnen ins Grab gelegt. da der Prospekt eine Aufforderung zum Erwerb des Werkes enthält. seine Gefühle dem Ulysses gegenüber auszudrücken. »verblendet von dem Glanz erregender und begeisternder Gefühle. so kennen Sie meine Landsleute schlecht. J. daß ich ein älterer irischer Gentleman bin. Ich mußte über das Bild lachen. wie ich von Joyce hörte. aber nach einer Postkarte zu schließen. auf dem die vier Marien weinend um den Leichnam des Heilands stehen. daß der Ulysses noch andere Eigenschaften besitzt und andere Stellen enthält. die von der Kunst in leidenschaftbewegter Materie aufgerührt werden«. Shaw Joyce hatte also recht. aber sie bedürfen keines besonderen Kommentars von meiner Seite. daß ich enttäuscht war. Meiner Ansicht nach hatte er sich große Mühe gegeben.und hergingen. sich geweigert hat. Die Karte zeigte die Reproduktion eines Gemäldes von der Grablegung Christi. und was den Erwerb betraf. Ezra Pound jedoch griff sie auf. den Ulysses zu subskribieren. indem man ihr die Nase in den eigenen Dreck steckt. S. die zwischen Pound und Shaw hin. geschweige denn ein Ire älteren Datums. Joyce hat die gleiche Behandlung am menschlichen Subjekt versucht. Ich muß hinzufügen. Aber ich muß zugeben. behielt Shaw das letzte Wort. B. und wenn Sie sich einbilden. Hochachtungsvoll B. Unter dieses Bild hatte Shaw geschrieben: »J. Ich bin mir klar. Mr. daß ein Ire. Ich hoffe. die Joyce mir zeigte. nachdem G. Ich bekam keinen der Briefe zu Gesicht. das er von mir als einer »jungen Barbarin« entwarf. Ich fand Shaws Brief sehr charakteristisch und äußerst amüsant. Und er gewann seine Schachtel Voltigeurs. da ich sehr viel zu tun hatte.« Dann . G.

folgte die Frage: »Muß mir alles gefallen, was Ihnen gefällt, Ezra? Was mich betrifft, kümmere ich mich um den Pence und lasse die Pounds für sich selber sorgen.« Joyce amüsierte sich köstlich über Shaws Karte. Andere »Iren älteren Datum« haben aber, trotz Shaw, 150 Francs für den Ulysses gezahlt. Manche schwangen sich sogar zu den signierten Holland-Papier-Exemplaren für 350 Francs auf.

Valéry Labaud Joyce erklärte eines Tages, er würde gern mit einigen französischen Schriftstellern zusammenkommen. Shakespeare and Company war sehr stolz darauf, das Patenkind von Valéry Larbaud, einem der gefeiertsten Schriftsteller Frankreichs, zu sein, ich beschloß also, Joyce und Larbaud müßten einander unbedingt kennenlernen. Larbauds mehr oder minder autobiographischer Roman Barnabooth wirkte auf die jüngere Generation ungemein faszinierend. Die jungen Leute wußten nicht recht, ob sie lieber Lardauds Barnabooth oder Gides Lafcadio sein wollten. Auch seine anderen Werke standen bei den Jungen hoch in Gunst. Sein erster Roman mit dem spanischen Titel Fermina Marquez handelte von seiner Schulzeit. Man hatte Larbaud in eine Schule geschickt, die von einer Menge Argentiniern besucht wurde, und dort hatte er gelernt, Spanisch zu sprechen wie ein Eingeborener. Den konzentriertesten Larbaud-Extrakt aber enthält vielleicht der Band Kurzgeschichten mit dem Titel Enfantines. Die französische Bezeichnung für seine zahlreichen Anhänger lautete Larbaudiens. Larbaud, der übrigens auch ein glänzender Essayist war, schrieb einen Stil, der einem auf der Zunge zerging. So etwa

nannte es Cyril Connolly; den ganzen Wortlaut habe ich vergessen. Es ist wirklich schade, daß Larbaud in den Vereinigten Staaten so wenig bekannt ist. In Südamerika wird er sehr gerne gelesen, meine Landsleute beginnen — mit wenigen Ausnahmen — überhaupt erst zu entdecken, daß es einen Larbaud gibt. Justin O’Brien gehörte zu seinen frühesten Anhängern, der zweisprachige Eugene Jolas hatte viel für sein zartes Aroma übrig, und ich glaube, William Jay Smith übersetzte und publizierte seine Poèmes par un riche amateur (das heißt Barnabooth) unter dem Titel Poems of a Multimillionaire. Vielleicht wird es dadurch jetzt einer größeren Zahl meiner Landsleute möglich, seine Werke zu genießen. Es muß sehr schwer sein, ihre »Blume«, die mich an bestimmte französische Weine erinnert, in einer Übersetzung zu bewahren. Das dürfte wohl einer der Gründe sein, weshalb ein Schriftsteller, der in Frankreich so berühmt ist wie Larbaud, in Amerika keine größere Verbreitung fand. Der Name Larbaud ist mit einer Quelle verknüpft, einer der berühmten Quellen von Vichy, Larbaud-St. Yorre, die von Larbauds Vater entdeckt wurde. Ihr entsprang sozusagen das Familienvermögen. Seine Mutter stammt aus einer alten protestantischen Familie des Bourbonnais, die ursprünglich, wie Larbaud mir erzählte, aus der Schweiz gekommen war. Valéry war noch ein kleines Kind, als sein Vater starb, und wurde von seiner Mutter und einer Tante aufgezogen, die beide kein Verständnis für ihn hatten. Warum, so klagten sie, verbrachte er seine ganze Zeit mit Lesen und, sobald er einen Bleistift halten konnte, mit Schreiben, statt wie andere kleine Knaben im Freien zu spielen? Zum Glück für die französische Literatur aber blieb Valéry Larbaud beim Schreiben. Was ihn und mich zusammenführte, war seine Liebe zur amerikanischen Literatur. Meine Aufgabe bestand darin, ihn mit unseren jungen Schriftstellern bekanntzumachen, und jedesmal, wenn er die Buchhandlung verließ, hatte er einen neuen Packen ihrer Bücher unter dem Arm. Auch traf er dort mit lebendigen Exemplaren der jungen Generation zusammen.

Eines Tages brachte Larbaud mir, oder vielmehr seinem Patenkind Shakespeare and Company, ein Geschenk. Er wickelte aus einer Hülle von Seidenpapier ein kleines porzellanenes Shakespeare-Haus, das zu den Schätzen seiner Kindheit gehört hatte. Aber das war noch nicht alles. Aus einer Schachtel mit dem Aufdruck der bekannten Zinnsoldatenfabrik Lefèbre tauchte stolz zu Roß George Washington mit seinem Stab auf, und dazu eine Kompanie von West-Point-Kadetten. Diese Abordnung unserer Streitkräfte sollte, wie Larbaud mir bedeutete, Shakespeares Haus behüten. Larbaud hatte die Herstellung der Spielzeugsoldaten selbst überwacht, und da er in der Bibliothèque Nationale sich in entsprechende Dokumente vertieft hatte, stimmten alle Einzelheiten bis zu den Knöpfen, die Larbaud mit eigener Hand bemalt hatte — er konnte die Knöpfe niemand anderem anvertrauen, meinte er. Ich verwahrte unsere bewaffneten Streitkräfte stets in einem kleinen Schränkchen gleich neben der Eingangstür. Seine gläserne Scheibe war mit einem verborgenen Schnappschloß befestigt, damit meine kindlichen und vierbeinigen Kunden sich nicht über die unwiderstehlichen kleinen Männer hermachten. Der friedliebende Larbaud besaß merkwürdigerweise eine ungeheure und ständig wachsende Armee von Zinnsoldaten. Er beklagte sich bitter, daß sie ihn langsam aus seinen Zimmern verdrängten, machte aber keinerlei Anstalten, ihrer Herr zu werden. Er und sein Freund und Rivale Pierre de Lanux waren ständig auf der Suche nach seltenen Stücken und hätten sich ans Ende der Welt begeben, um ein in der Sammlung fehlendes Exemplar aufzutreiben. Sie tauschten miteinander und mit anderen Sammlern, entwarfen Schlachtpläne und luden manchmal besonders privilegierte Freunde zu einer Truppenparade. Adrienne und ich hatten die Ehre, bei einer solchen Gelegenheit anwesend zu sein, und als wir sahen, unter welchen Umständen Larbaud hauste, begriffen wir, daß er sich Sorgen machte. Truppen überschwemmten seine kleine Wohnung, überall wimmelte es von Soldaten, und dabei versicherte er uns,

daß ein erheblicher Prozentsatz in Schachteln unter dem Bett verstaut sei. Vielleicht hat man in den Soldaten eine Erklärung für ein weiteres Hobby Larbauds zu suchen — seine Farben: Ihr Blau, Gelb und Weiß kehrte sogar in seinen Manschettenknöpfen und seinen Krawatten wieder, und sie flatterten vom Dach seines Landhauses, wann immer er sich dort aufhielt. Das geschah allerdings nicht oft, da er lieber in Paris lebte oder herumreiste. Larbaud-Barnabooth war ein großer Reisender und auch ein großes Sprachgenie. Er beherrschte das Englische so vollendet, daß er imstande war, sich im Times Literary Supplement über Shakespeares Gebrauch des Wortes »motley« (buntscheckig) mit Shakespeare-Spezialisten in eine Diskussion einzulassen. Als Mensch war Larbaud ganz reizend. In seinen großen, schönen Augen lag ein ungemein freundlicher Ausdruck. Er war kräftig gebaut, der Kopf saß fest auf den Schultern, er hatte äußerst wohlgebildete Hände und war stolz darauf, ebenso auf seine Füße, die er in viel zu kleine Schuhe zwängte. Besonders charmant war er, wenn er lachte — er schüttelte sich lautlos und wurde rot dabei. Und wenn er einen Vers aus einem Gedicht zitierte, das er gern hatte, wurde er blaß. Aber man muß sich an Adriennes gesammelte Essays Les Gazettes d’Adrienne Monnier halten, dort findet man die beste Beschreibung Larbauds. Kam Larbaud in die Buchhandlung, so fragte er mich immer, was er an englischen Büchern lesen solle, und eines Tages fragte ich zurück, ob ihm schon eines der Werke des Iren James Joyce vor Augen gekommen sei. Er verneinte, und ich gab ihm A Portrait of the Artist as a Young Man. Er brachte es bald zurück, sagte, es interessiere ihn sehr, und er würde gern den Autor kennenlernen. Am Weihnachtsabend des Jahres 1920 arrangierte ich ein Zusammentreffen der beiden Dichter in den Räumen von Shakespeare and Company. Sie wurden auf der Stelle gute Freunde. Vielleicht kann ich besser als jeder andere beurteilen, was Va-

lery Larbauds Freundschaft für Joyce bedeutete. Es kommt wirklich nicht oft vor, daß ein Schriftsteller einem anderen mit so viel Großmut und Selbstlosigkeit begegnet wie Larbaud Joyce. Die Bekanntschaft mit Ulysses stand Larbaud noch bevor. Als ich hörte, er liege mit Grippe zu Bett, dachte ich, das sei der richtige Augenblick für Mr. Bloom, sich bei ihm vorzustellen. Ich packte sämtliche Nummern der Little Review zusammen, die Teile des Ulysses enthielten, und schickte sie dem Kranken mit ein paar Blumen zu. Schon am nächsten Tag bekam ich einen Brief von Larbaud, in dem er schrieb, er sei »völlig verrückt über den Ulysses«, er sei, seit er »mit achtzehn Jahren« Walt Whitman gelesen habe, über kein Buch mehr in solche Begeisterung geraten. »Es ist wunderbar! So groß wie Rabelais!« Dem Lob des Ulysses folgten Pläne, wie man das Werk Joyce’ unterstützen könne. Sobald Larbaud imstande war, das Bett zu verlassen, eilte er zur Maison des Amis des Livres, um mit Adrienne darüber zu sprechen. Er teilte mir brieflich mit, er habe die Absicht, einige Stellen aus dem Ulysses zu übersetzen und in einer Zeitschrift zu veröffentlichen. Er kündigte auch an, er wolle für die Nouvelle Revue Française einen Artikel über Joyce schreiben, und er erklärte sich auf Adriennes Vorschlag bereit, mit einem Vortrag über dieses Thema in ihrer Buchhandlung zu beginnen. Zur Erläuterung wollte er aus seinen Übersetzungen vorlesen. Dann kamen sie überein, es müßte auch etwas aus dem englischen Text gelesen werden. Außerdem würde man für diese Joyce Lesung oder »séance« zugunsten von Joyce Eintritt verlangen. Joyce wurde um Angabe der Stelle aus dem Ulysses gebeten, die englisch gelesen werden sollte, und er wählte ein Stück aus den Sirenen. Wir holten uns den begabten jungen Schauspieler Jimmy Light, einen aus der Little Review-Gruppe, die damals in Montparnasse war. Er erklärte sich einverstanden, die Stelle vorzutragen, aber unter der Bedingung, daß Joyce sie mit ihm durchging. Nun konnte man also die beiden Stimmen im Hinterzimmer meiner Buchhandlung hören, wie sie wiederholten:

Korrekturabzug der ersten Ulysses-Ausgabe mit Änderungen des Autors .

dort wird der Satz der korrigierten Fahnen des Ulysses aufbewahrt.. Ich würde »wirklichen« Verlegern nicht raten. daß ich mit diesen Fahnen eine Menge zusätzlicher Kosten haben würde.»Der kahle Pat war ein schwerhöriger Kellner. ein Drittel des Ulysses habe er auf die Fahnen geschrieben. Jede der Fahnen wurde mit zusätzlichem Text vollgeschrieben — Joyce-Liebhaber können sich in der Bibliothek der Unversität Yale davon überzeugen. und er war unersättlich. die mit diesem großen Werk in Berührung kamen. daß meine Bemühungen und Opfer im Verhältnis zur Größe des Werkes standen. es Joyce gleichzutun. Bis zur letzten Minute wurden den langmütigen Setzern in Dijon diese Fahnen zurückgeschickt. der meiner Freundin Marian Willard Johnson gehört. Seiner Meinung nach sollte ich Joyce auf die Gefahr hinweisen. die die Setzer zu Worten und Sätzen ringsum am Rand hinleiten sollen. ganze Seiten ausgewechselt werden. sie fanden sich aber nicht nur damit ab. Monsieur Darantière machte mich aufmerksam. Es kam mir durchaus natürlich vor. wie Joyce es wünschte. Es wäre der Tod des Verlagswesen. Ulysses sollte in jeder Hinsicht genauso werden. Joyce sagte mir. und Autoren nicht raten. Sie sind alle mit den Joyceschen Raketen und Myriaden von Sternen geschmückt. ich wollte davon nichts hören. Joyce mit so viel Fahnen zu versorgen. daß es in ihrem Leben immer mehr Raum beanspruchte. . Sie befolgten meine Anordnungen. Wie alle Leute. daß mir das Geld ausgehen könnte. Aber nein. als er brauchte. mußten ganze Absätze. ja. hatten auch die Setzer schon lange entdeckt. das ich herausgab. In meinem Fall lag die Sache anders. meinem Beispiel zu folgen.« Inzwischen ging der Ulysses in Druck. und immer wieder mußte noch etwas Neues eingefügt.. vielleicht würde sein Hunger nach Fahnen dadurch etwas geringer werden. sondern machten von sich aus immer eifriger mit.

Shakespeare and Company in die Rue de l’Odéon zu übersiedeln: die ganzen Bücher. fragte. Räume in der Rue de l’Odéon zu finden und noch dazu gegenüber von Adriennes Buchhandlung! Das hatte ich kaum zu hoffen gewagt. Aber Holly sagte: »Mit meiner Methode findet man die Sachen immer. die verschiedenen Publikationen. Im Sommer 1921 hatten also Myrsine und ich alle Hände voll damit zu tun. Ich hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben. und kam sofort mit der Nachricht zu mir gerannt. den Ulysses und andere Joycesche Angelegenheiten. 12 jemand suchte. sie in dem weitverstreuten Durcheinander je wiederzufinden. Schwestern können einem sehr lästig fallen. und meine Stimmung sank auf den Nullpunkt. 12. Als wir begannen. »Nun«. wie sie nach ihrer Methode da und dort herumstöberte — .« — »Ach wirklich?« sagte ich und achtete nicht mehr auf sie. die ich vertrieb. die Körbe voll unerledigter Korrespondenz mit der Aufschrift »dringend«. die kleinen Zeitschriften. »man schaut sich ringsum jedes einzelne Stück an. Ich machte mich schleunigst auf den Weg nach Nr. ob ich auch bestimmt überall nachgesehen hätte.« — »Was hast du für eine Methode?« fragte ich ohne großes Interesse. Natürlich hatte ich überall nachgesehen. Sie erfuhr. dann muß das auftauchen. die bei der Übersiedlung mithalf. daß die Antiquitätenhändlerin von Nr. Der neue Laden war größer als der alte.12 Rue de l’Odéon Mittendrin zog Shakespeare and Company um die Ecke in die Rue de l’Odéon. die Porträts unserer Zeitgenossen von Man Ray. Wie die alten waren auch die neuen Räumlichkeiten eine Entdeckung Adriennes. Ich merkte nur. die Sachen in dem neuen Laden zu ordnen. und außerdem gehörten noch zwei kleine Zimmer im oberen Stockwerk dazu. als meine Schwester Holly. der ihren Mietvertrag übernahm. was man sucht. meinte Holly. die Whitman-Manuskripte und die Blake-Zeichnungen. fehlten Tante Agnes’ Walt Whitman-Manuskripte. Was für ein Glück.

Abgesehen von unseren beiden Buchhandlungen. und Zeichnungen von Wyndham Lewis. Bald nachdem ich mich entschlossen hatte. es wäre ein schlechter Start im Laden auf Nr. daß Antoine König Lear dort herausbrachte und einmal sogar Copeau ins Odéon einzog — Bühnenbild und Ausstattung waren bei ihm von einer solchen Strenge. die später in Paris einen so unglaublich hohen Preis er- . wenn Walt uns verlassen hätte. und ich fand ihn sehr interessant und seinen Geschmack bewundernswert. die »an einem Ende ein öffentliches Gebäude hatte«. das geruhsame Aussehen einer kleinen Straße in einer Provinzstadt. der Besitzer des Manuskriptes. um Shakespeare and Company näher zu inspizieren. erschien John Quinn. in einer Straße zu leben. dazu die schöne Sammlung von Impressionisten. ein paar Schritte vom Boulevard Saint-Germain entfernt. hatte unsere Rue de l’Odéon.eine reine Zeitverschwendung. wenn man auch Ezra Pound bei den Deux Magots und Léon-Paul Fargue gegenüber bei Lipps antreffen konnte. denn er besaß auch Manuskripte von Yeats und Conrad. Shakespeare and Company übersiedelte also im Jahr 1921 in die Rue de l’Odéon und amerikanisierte sie. den Ulysses herauszubringen. auch sie zu annektieren. 12 gewesen. Ich erinnere mich. wenn auch gelegentlich einer der großen Produzenten das Theater eine Weile übernahm. Er sah gut aus. Nur wenn das Publikum auf seinem Weg zum oder vom Odéon-Theater am oberen Ende der Straße vorbeiströmte. Dann hielt sie ein paar Papiere hoch und fragte: »Sind sie das?« Und sie waren es. In den Cafés in Saint-Germain-des-Prés verkehrten in den Tagen vor Sartre und Beauvoir stille Literaten. wir taten doch unser Bestes. Die Aufführungen waren genau wie die Straße ziemlich provinziell. nicht nur das von Joyce. daß Léon-Paul Fargue die Aufführung »Les Folies Calvinistes« nannte. Ich freute mich schrecklich. gab es einigen Verkehr. wo immer etwas los war. und so urfranzösisch Adrienne auch war. Das Odéon-Theater erfüllte Adriennes Sehnsucht.

in denen wir unsere Geschäfte abwickelten. Griechisch Blau und Kirke Die Monate verstrichen. Der bedauerliche Mangel an richtiger Büroeinrichtung und Ausstattung und dazu noch die Tatsache. die kleinen Räume in der Rue Dupuytren. wie sich herausstellte. Quinn hatte mehr Platz zum Auf. letzten Besuch machte. und der Ulysses kam nicht einmal als Weih- . machten ihn mißtrauisch. wenn er mir einen Vortrag über meine Verantwortung hielt oder über all die Kunstwerke schimpfte. als er uns das erste Mal besuchte. zu deren Ankauf Pound ihn verleitet hatte. wie sehr ich dafür zu tadeln sei. Ich fürchte.zielte. machten keinen guten Eindruck auf ihn. Er erklärte. denn der »Herbst des Jahres 1921« ging vorüber. und er ließ mich fühlen.und Abgehen. Er erwies sich aber als ziemlich eigensinnig und explosiv. aber es war sicher günstig. daß er bei dieser Ulysses-Affäre ein scharfes Auge auf mich haben würde. er sei froh daß der Ulysses »nicht in diesem Loch herauskam«. muß er damals schon ein sehr kranker Mann gewesen sein. besonders über »das Zeug von Wyndham Lewis« oder »den Schund von Yeats — den kein Lumpensammler anschauen würde«. womit er den Laden in der Rue Dupuytren meinte. Ich merkte ihm an. Subskribenten in fernen Landen begannen unruhig zu werden. ehe uns John Quinn seinen zweiten und. Joyce und ich hatten den kleinen Laden in der Rue Dupuytren sehr gern und vermißten ihn. daß ich diese kurzen Begegnungen mit ihm hatte und mir geduldig seine Klagen anhörte — wie ich später erfuhr. daß ich eine Frau war. »auch nur so eine Frau« zu sein. Armer Quinn! Er war so ein Rauhbein und hatte ein so gutes Herz! Ich bin froh. wie er das nannte. daß wir in größere Räume und eine breitere Straße übersiedelt waren.

In der bezaubernden alten rebenumrankten Druckerei Darantière in Dijon arbeitete man auf Hochtouren. aber das brachte uns in die ärgsten Schwierigkeiten. Wie ich mich erinnere. und es erschien auch tatsächlich ein Artikel über Ulysses in dem englischen Blatt The Sporting Times. wegen Betruges an der Kundschaft belangt zu werden. daß auch das neue Muster nicht der griechischen Fahne entsprach. Wer hätte es sich träumen lassen. da sie bisher nichts bezahlt hatten. guter Küche. Die Subskribenten in Paris wurden dank der nahezu täglich in der Presse veröffentlichten Bulletins auf dem laufenden gehalten.nachtsgeschenk. einer Gegend mit berühmten Weinen. Shakespeare and Company geriet in Gefahr. Zu den Spezialitäten von Dijon in der Côte d’Or. Er löste das Problem. ich bekam Kopfweh. E. die über Shakespeare and Company flatterte. indem er die Farbe auf weißen Karton lithographieren ließ. geradezu als ein »sportliches« Ereignis. wenn auch nicht in der Wüste. bekannt als »The Pink ’Un« — aber da war das Buch selbst schon herausgekommen. Ich hatte leider keine Zeit. Die Subskribenten konnten ihr Geld nicht zurückverlangen. Kunstschätzen. um wieder und wieder zu entdecken. und das Licht brannte die ganze Nacht. diesmal aber auf dem falschen Papier. kandierten schwarzen Johannisbeeren in Li- . ihm zu erklären. daß das hübsche Blau der griechischen Fahne nicht aufzutreiben war? Wieder und wieder kam Darantière nach Paris. aber ich erhielt energische Briefe. daß ich ebenfalls in einem Kampf stand. Das Papier für den Einband des Ulysses war eines meiner Probleme. schrieb auch T. Joyce wünschte natürlich sein Buch in griechisches Blau zu kleiden. deshalb war dann die Innenseite der Umschläge weiß. wenn ich diese Fahne nur ansah! Darantière kam bei seiner Suche auch nach Deutschland. Lawrence und verlangte sein Exemplar des Ulysses. Meine Freunde bei der Zeitung betrachteten den Ulysses — mit vollem Recht — als ein Ereignis von weltweiter Bedeutung. Ach. und wir verglichen verschiedene Schattierungen von Blau. und dort entdeckte er das richtige Blau.

Nach diesem Zwischenfall gab er den Versuch auf. Joyce hatte schon eine Weile vergeblich versucht. stürzte fort. Sie mußte den ganzen Tag im Filmstudio sein. mit seinem Freund. dann hätte ich sie wenigstens für ihre Arbeit bezahlen können«. Monsieur Darantière. daß die achte in ihrer Verzweiflung gedroht habe. der bei ihm wohnte. und als ihr geöffnet wurde. diese Episode abschreiben zu lassen. dem jungen Drucker. ein paar Morgenstunden auf Kirke zu verwenden. Kirke war das große Hindernis. die sich freiwillig in Kirkes Dienste stellte. aber sie wachte täglich um vier Uhr früh auf und erbot sich. Kirke weiter abtippen zu lassen. Cyprian bewunderte den Ulysses und wurde außerdem glänzend mit unleserlichen Handschriften fertig. »Hätte sie mir nur ihren Namen und ihre Adresse hinterlassen. die sie abgetippt hatte. die Straße hinunter. in dem Monsieur Darantière mir mitteilte. und ward nie mehr gesehen. weil ihre eigene zu dieser Sorte gehörte. der Ulysses. er solle sich keine Sorgen machen. Ich sagte ihm. Die neunte hingegen läutete an seiner Türe. der ganze vorhandene Text sei gedruckt. Wort für Wort entzifferte sie die Joyce- . war meine Schwester Cyprian. hatte nicht mehr Zeit. warf sie die Seiten. Er war durch einen Freund mit dem Mädchen bekanntgemacht worden und hatte ihren Namen nicht verstanden.kör und natürlich dem bekannten Senf. Die erste. sagte Joyce. aus dem Fenster zu springen. Joyce erzählte mir. der so gern erlesene Speisen kochte und die dazupassenden guten Weine schlürfte. auf den Boden. Ulysses hatte von Darantière Besitz ergriffen. es fehle an Nachschub. kam nun noch das »heiße« Buch. Seufzend brachte er das »Zeug« und drückte es mir in die Hand. Die Kirke-Episode hielt uns auf. Es kam der Augenblick. Neun Stenotypistinnen waren bei dem Versuch gescheitert. gemütlich bei Tisch zu sitzen oder sich seine Sammlung alten Steingutgeschirrs und seine kostbare Bibliothek anzusehen. ich würde mich nach Freiwilligen für die Sache umsehen.

uns sein Manuskript zur Verfügung zu stellen. Ich bat meine Mutter. Als sie hörte. war freundlicherweise bereit. wenn sie am Bett ihres kranken Vaters Nachtwache halten mußte. Sie telefonierte ihn an. 3. sogleich weiterzuschreiben. Ich brachte Joyce die Geschichte bei. er wurde zornig und gebrauchte Ausdrücke. und nach einem einzigen Blick darauf hatte er es ins Feuer geworfen. Dem Gatten ihrer Freundin war zufällig das Manuskript. der ihm ebenfalls telegrafiert und geschrieben hatte. in welcher Klemme ich mich befand. Der Mann dieser Dame hatte. uns das Manuskript der fehlenden Seiten zu leihen. man müsse John Quinn in New York bitten. das Abschreiben der Kirke zu übernehmen. die einer Dame wie meiner Mutter gegenüber wirklich nicht am Platz waren. Ich schickte Quinn ein Telegramm und einen Brief. aber auch sie mußte die Arbeit wieder aufgeben. es würde ihr die Zeit vertreiben. . aber er schlug es rundweg ab. daß Englisch nicht ihre Muttersprache war. eine englische Freundin von Raymonde. meinte er. erbot sie sich. als Raymonde ganz verstört mit einer katastrophalen Nachricht daherkam. nicht einmal Joyce selbst. in die Hände geraten. mich über diesen Glücksfall zu freuen. Meine Freundin Raymonde Linossier trat an Cyprians Stelle. Sie vertiefte sich also in die Arbeit und machte erstaunliche Fortschritte in Anbetracht dessen. sich Quinn vorzunehmen. sobald sein Exemplar bei ihm eintraf — im Augenblick befand es sich mitten auf dem Ozean auf den Weg zu ihm. Ich hatte kaum Zeit gehabt. Es bliebe nur eines übrig. sein Manuskript herzugeben.schen Hieroglyphen und kam langsam mit der Arbeit voran. Offenbar dachte Quinn nicht daran. als ihr Film sie plötzlich in andere Gegenden verschlug und ich nach einer anderen Freiwilligen suchen mußte. einen Posten an der Britischen Botschaft. die in Princeton lebte. Sie fand jedoch sofort einen Ersatz. das sie abschrieb. soviel ich von Raymonde erfuhr. und Freiwillige Nr.

Schließlich fand er sich zu einem Kompromiß bereit und ließ sie fotokopieren. bei manchen ihrer Teile der Grund für die unentzifferbare Handschrift. Wie alle anderen Werke Joyce’ wurde auch der Ulysses ganz und gar mit der Hand geschrieben. Bald tauschte er sie gegen die geräuschvolle Maschine Adriennes aus. den er füllen wollte. war aber im Ge- . die jetzt über uns hereinbrach. die ich brauchte. eine Schreibmaschine zu benützen. und da es sich dabei um Seiten von Joyce’ »Reinschrift« handelte und nicht um das unleserliche Manuskript. das war. Die Katastrophe. und soviel ich weiß. Mit Füllfederhaltern kam er überhaupt nicht zurecht. waren sie bald abgeschrieben und wurden eiligst an Darantière geschickt. ihm eine geräuschlose Remington zu besorgen. Bald darauf erhielt ich die Reproduktionen. Seine Augen verschlechterten sich stark während der Kirke-Episode. an denen er arbeitete. Ich fand ihn einmal im Kampf mit einem. hoffte ich. wobei er sich über und über mit Tinte vollschmierte. hat er weder die eine noch die andere je in Gebrauch genommen. daß alles glatt — oder zumindest glatter gehen würde. mit dem wir uns geplagt hatten. Jahre später dachte er auch einmal daran. nahm er bunte Stifte. ob er bereit sei. da unsere Schwierigkeiten mit Kirke vorbei waren. Joyce’ Augen Jetzt. jemanden die Seiten abschreiben zu lassen. Joyce benützte stumpfe schwarze Bleistifte — die gewünschte Sorte fand er bei Smith in Paris — und zur besseren Unterscheidung der Teile.Ich fragte ihn. Nicht einmal das wollte er erlauben. sie verwirrten ihn. und bat mich. glaube ich. Joyce’ früher einmal ziemlich leserliche Handschrift wurde mit ihren Ellipsen und kaum wahrnehmbaren Zeichen langsam so schwer zu entziffern wie eine Geheimschrift.

Dieser Dr. wandte ich ein. aber er könne sich nicht zu einem Patienten begeben. und der Arzt hatte gesagt. was ihn so beunruhigte. erklärte er. als er meine Verzweiflung sah. sagte er. Louis Borsch. aber obwohl ich ihn anflehte. Dieser Fehler durfte nicht noch ein zweites Mal gemacht werden. war er sehr freundlich gewesen. Seine Kinder kamen eines Tages gelaufen. ehe der andere Arzt käme und ihn in seine Klinik schaffte. »Wenn der Schmerz ganz unerträglich wird. es täte ihm leid. ein Landsmann von mir. aber Joyce müsse zu ihm kommen. Joyce pflegte ihn. Joyce hatte seine Augen überanstrengt und erlitt einen akuten Anfall von Iritis. hatte außerdem am linken Ufer eine kleine Klinik für Studenten und Arbeiter eingerichtet. »Babbo«. sich nicht wieder wie in Zürich mitten in einem Anfall operieren zu lassen. um das Bett zu verlassen. wolle mich unverzüglich sehen. steht er auf und geht herum«. Ich solle meinen Augenarzt holen — von dem er mich hatte sprechen hören — und ins Hotel bringen. Joyce sofort aufzusuchen. und als ich ihn einmal dort aufsuchte. Er litt entsetzlich. Er sagte mir. Meinen Bericht über Joyce’ jammervollen Zustand hörte er sich ebenfalls sehr mitfühlend an. den ein anderer Arzt behandle. wo mein Augenarzt mitten zwischen den ganzen Modesalons seine Sprechstunde abhielt. sie hatte einen Eimer Eiswasser neben sich stehen und erneuerte unablässig die Kompressen auf seinen Augen. Ich merkte sofort. wie sie ihren Vater nannten. Ich sauste hinüber in die Rue de la Paix. Deshalb war ich so eilig geholt worden. und stürzte zu ihm hinein. Das tat sie schon seit Stunden und sah völlig erschöpft aus. um mich zu holen. Mrs. und fand Joyce sehr krank im Bett liegen. Eben war ein Freund mit einem berühmten Spezialisten dagewesen. sagte sie. in dem sie zur Zeit wohnten. ihn aber der Gedanke an etwas anderes beschäftigte und aufregte.genteil viel ärger als alle vorangegangenen. er müsse sofort operieren und lasse Joyce mit einem Rettungswagen in seine Klinik bringen. daß seine Augen zwar furchtbar schmerzten. Ich eilte in das kleine Hotel in der Rue de l’Université. . Joyce sei zu krank. Joyce war entschlossen. Er wolle Joyce untersuchen.

wo er fast bewußtlos vor Schmerz in einem großen Lehnstuhl zusammenbrach. Der Arzt erklärte. die den großen Flügel schmückten! Endlich kam Joyce an die Reihe. ihn durch die Stadt und hinauf ins Wartezimmer des Arztes zu bringen. Er bemühte sich viele Jahre lang hingebungsvoll um Joyce und verlangte sehr wenig dafür. zu warten. es müsse operiert werden. Joyce zeigte mir einmal eine seiner Rechnungen und schien ganz beleidigt darüber. Genau das hatte Joyce hören wollen. was er konnte. Wir brachten es fertig. Ich raste also ins Hotel zurück. unter den Blicken der silbergerahmten gekrönten Häupter mit dankbaren Widmungen.aber Dr. wie niedrig sie war. und Dr. sobald Sie können«. »Bringen Sie ihn her. und von der Schwester gestützt ging er hinein. andererseits konnte das Sehvermögen des Auges aber auch vollkommen zerstört werden. Joyce sagte »Fort mit uns«. Eine Operation. die während der Entzündung vorgenommen wurde. nun war er ungeheuer erleichtert. Er wollte nur Dr. aber entgegen der Ansicht einiger seiner Kollegen zöge er es vor. waren seine Worte. Er wußte. Borsch blieb fest. Borsch erklärte. Borschs Händen anzuvertrauen. wenn sie erfolgreich verlief. Dr. sich Dr. selbst wenn das Sehvermögen unter diesem Aufschub leide. konnte das Sehvermögen wiederherstellen. um die fortschreitende Krankheit zum Stillstand zu bringen und mit ihren Komplikationen fertigzu- . bis die akute Iritis vorüber sei. Ach. Die Operation sollte vorgenommen werden. daß es ein Glaukom war. Borsch tat alles. Dr. er wolle dieses Risiko nicht auf sich nehmen. Borschs Meinung über den für eine Operation günstigen Zeitpunkt erfahren. die Stiegen hinunter und in ein Taxi. sobald er sich von dem Anfall genügend erholt hatte. und Nora und ich halfen dem armen Mann aus dem Bett. Borsch war der Schüler eines berühmten Wiener Spezialisten und hatte selbst einen großen Ruf. Er entschloß sich sofort. die Wartezeit in diesem Raum. die Diagnose bedeutete für ihn keine Überraschung.

der als eine der drei großen europäischen Kapazitäten galt: Dr. nicht mehr in Dinge hineinrannte. Borsch daraus einen Vorwurf zu machen. der Geräuschen gegenüber immer ungewöhnlich empfindlich gewesen war. und studierte sie. wie Dr. Joyce hatte viel von diesem Arzt gehört und erzählte mir von einem Instrument. Und dennoch: armer »Mr. . Trotzdem ließ Joyce’ Sehvermögen langsam immer mehr nach. Jedes von ihnen kostete Dr.werden. und imstande war. warf er es fort. bis er dessen »Geographie« auswendig kannte. und wenn er den geringsten Fehler daran entdeckte. Dr. Diese Instrumente wurden damals eigens in Berlin hergestellt. das operiert werden sollte. Joyce schilderte mir ausführlich. aber es wäre ungerecht. stellte ich fest. Vogt einen Fall behandelte. Er legte zuerst eine Landkarte des Auges an. um einen Mann zu konsultieren. Als Joyce mich nach dieser in Zürich vorgenommenen Operation besuchte. so drang das Instrument darin ein und schuf eine Öffnung. mit seiner Brille und unter Zuhilfenahme von zwei Vergrößerungsgläsern sehr großen Druck zu lesen. Alfred Vogt. hing von nun an fast ausschließlich von seinem Gehör ab. Earwicker«! Joyce. durch die der Patient bis zu einem gewissen Grad hindurchsehen konnte. Vogt hundert Dollar. wie das manche Leute vielleicht getan haben. in genauer Anpassung an die jeweils geplante Operation. daß er die Umrisse der Gegenstände unterscheiden konnte. wenn er umherging. War das Auge wie bei Joyce von einer Art undurchsichtigem Vorhang bedeckt. ging Joyce später nach Zürich zurück. und man verwendete sie nur ein einziges Mal. In der Hoffnung. das er erfunden hätte. die geringen Reste seines Sehvermögens noch zu retten.

der Paris auf einen Monat verlassen wollte. der sehr englisch wirkte. die mit Joyce in Berührung kamen. und kam auf einen ringsum mit schattigen Bäumen bestandenen Platz. Man ging durch ein großes Tor. und wollte Larbaud allein sein und arbeiten. ein Hotel sei kein bequemer Aufenthaltsort für einen Kranken. 71.) Er wohnte in der alten Rue du Cardinale Lemoine Nr. Alle Haushaltsangelegenheiten wurden über Lucia abgewikkelt. und abgesehen von seiner Putzfrau hatte in solchen Perioden niemand zu ihm Zutritt. den Spielzeugsoldaten und den wertvollen. und lud Joyce ein. Er hielt »Einkehr«. die seine Tochter im Nebenzimmer mit der Putzfrau führte. bekundete auch die Putzfrau größtes Interesse für ihn. in seine Wohnung zu ziehen. wie er allen seinen Freunden mitteilte. den antiken Möbeln. und wie alle Leute. die den Sainte-Genevieve-Hügel bis zur Seine hinunterführen. ›»Wie geht es ihm jetzt? Was macht er? Was sagt er? Wird er aufstehen? Hat er je Hunger? Leidet er?‹« Joyce’ feine Ohren fingen das alles deutlich auf. einer jener Straßen hinter dem Pantheon. Nun ließen sich also die Joyces hier nieder. so zog er sich gern für lange Zeit dorthin zurück. (Später heiratete er dann. fand Larbaud. obwohl die Frau ganz leise sprach. dann eine schmale Passage entlang.Bei Larbaud Noch vor der Pariser Operation. »Sie spricht von mir immer als ›er‹«. prächtig gebundenen Büchern. Auf Larbauds Bett lag Joyce mit verbundenen Augen und hörte mit einem Lächeln auf den Lippen den Gesprächen zu. . als Joyce sich von seinem Iritisanfall erholte. wenn man wußte. was er für ein heikler Junggeselle war. sagte Joyce. Das war ein sehr netter Einfall von Larbaud und ein erstaunlicher noch dazu. in Larbauds sauberen kleinen Räumen mit den gebohnerten Parketten. die am besten Französisch sprach. Larbauds Wohnung befand sich in einem der Häuser hinter den Bäumen. sehr geschützt und abgelegen.

McAlmon kam in jenen Tagen häufig mit Joyce und seiner Familie zusammen. in der Joyce operiert wurde. auf den Doktor warteten. und ich frage mich. Er hatte den Arzt gerne und machte sein »Yankee-Geknautsch« und das Gemurmel . wie er ihn mit dem neuesten Tratsch über »die Horde« und besonders mit seinen amerikanischen Redewendungen und seiner nasalen affektierten Sprechweise unterhielt. Sie beklagte sich mit Recht über den Mangel an modernem Komfort in diesem wirklich sehr seltsamen Etablissement. Knoblauch in einem Schwamm Die Klinik am linken Ufer. an der zwei Straßen sich kreuzten. Der arme Dr. recht passende Namen: Rue du Cherche-Midi (»Südensuchende Straße«) und Rue du Regard (»Straße des Blickes«). die Schwester — die auch ziemlich stattlich war — und einen Patienten normalen Formates faßte. und da er ohne Nora nirgends bleiben wollte. Sie hatten. wie Joyce bemerkte. lag an einer Ecke. Hinter dem Warteraum lag das Ordinationszimmer. Im ersten Stock gab es zwei kleine Schlafzimmer für interne Patienten. ein kleines. Von der Straße kam man in den Warteraum im Parterre. Das dauerte oft sehr lange. in dem die Patienten. so muß sie sehr reichlich gewesen sein. aber Joyce fand die Klinik interessant. In einem davon hatte man Joyce untergebracht. wann es ihm je gelang. auf langen Holzbänken sitzend. Gelang es ihm aber. Borsch war überarbeitet. hat Joyce und McAlmon gemeinsam auf einer Zeichnung festgehalten. das ungefähr die Größe eines Einbauschrankes hatte und knapp den Doktor. zweistöckiges Gebäude. denn er mußte erst seine morgendliche Besuchsrunde erledigen.Manchmal fand man Bob McAlmon an Joyce’ Bett sitzen. und Paul-Emile Bécat. denn er war so fett wie der Weihnachtsmann. schlief sie in dem anderen. eine Mahlzeit zu sich zu nehmen. Adriennes Schwager.

alles festzuhalten. Ich brachte ihm seine Post und las sie ihm vor und auch die Fahnen des Ulysses. »und lesen Sie eine Zeile. »und würzt damit unsere Speisen. daß er nicht nur ›The Lady of the Lake‹. was er brauchte. aber nie mit Monsieur »Juass«. der ihr je untergekommen war. erschien ihm wie eine riesige Axt. Ich besuchte ihn sehr oft in der Klinik. Er hatte das wahrscheinlich alles vor seinem zwanzigsten Jahr gelesen und konnte von da an finden. sagte er. »Schlagen Sie das Buch auf«. Ich bin sicher. mit dem er sich über ihn beugte. Es blieb alles darin hängen. Briefe . die über Klinik und Patienten regierte. Eine Augenoperation muß eine entsetzliche Qual sein. ohne ein Buch in die Hand nehmen zu müssen. sagte er. besonders für einen so sensitiven Menschen wie Joyce. Bei meinem nächsten Besuch hatte ich die ›Lady‹ mit. Kein Wunder! Ich bin überzeugt.« Ich tat das und begann auf einer beliebigen Seite zu lesen. Er hatte keine Zeit. Er betrieb sie seit seiner frühesten Jugend. und er rezitierte die ganze Seite und auch noch die folgenden. sondern eine ganze Bibliothek Poesie und Prosa auswendig konnte. sich zu langweilen. Während der Rekonvaleszenz lag er Stunden um Stunden mit verbundenen Augen da und wurde nie ungeduldig. »In einem Schwamm am Fenster zieht sie Knoblauch«. die Mahlzeiten kochte und dem Doktor assistierte. Joyce mochte auch die Schwester gut leiden. was er je gehört hatte. zu viele Gedanken gingen ihm durch den Kopf. bat er mich eines Tages. daß er der geduldigste Leidende und der rücksichtsvollste Kranke war. Wie konnte auch ein so unglaublich schöpferischer Mensch wie Joyce sich langweilen? Zudem hatte er ja auch noch seine Gedächtnisübungen. und deshalb war sein Gedächtnis imstande. »Wollen Sie mir bitte The Lady of the Lake mitbringen«. die stattliche Dame. und das Instrument. das drohend vor seinem Auge auftauchte.nach. ohne sich auch nur einmal zu irren.« Mit anderen Patienten war sie gelegentlich brummig. Nach der ersten Zeile hörte ich auf. Er war ihr Lieblingspatient. erklärte mir Joyce. Er beobachtete die Vorgänge dabei mit vollem Bewußtsein.

hatte Ausgang. das hatte ich sogar schon vorher eine ganze Zeitlang getan. so zogen sie das Blut ab und bewirkten einen Rückgang der Schwellung. aber das konnte er nicht abwarten. bis die Reihe am Auge des Patienten an sie kam. Als er aber das erste Mal nach seiner Operation in der Buchhandlung auftauchte. Er allein konnte sich damit abgeben. rings um das Auge zu haften — was gar nicht so leicht war —. mit den sich windenden Dingern fertig zu werden. weil er schon am nach- . ließ Joyce diese unangenehme Prozedur über sich ergehen. sondern brav warten sollten. Ohne zu klagen.konnte ich beantworten. Er stellte sich als George Moore vor. und eine jüngere hantierte an ihrer Stelle. mit jemand zu sprechen. die ja nicht auf den Boden glitschen. erklärte er. Ich verstand das sehr gut. die sonst in der Klinik war. Sie und Mrs. als die vom Doktor vorgeschriebenen Blutegel angesetzt wurden. die sich im Schwimmbad der Russells in Princeton an unsere Beine geheftet hatten. Joyce versuchten. verließ ich Joyce und trat allein zu meinem Kunden. ihn zu mir zu bringen. Die Schwester. weil er ja immer noch zusätzlichen Text einfügen wollte. Unsere gemeinsame Freundin Nancy Cunard hatte versprochen. Joyce und George Moore Joyce wich Menschen gewöhnlich nicht aus. aber die Fahnen mußten warten. und als ein großer Mann mit breitem Gesicht und rosigen Wangen erst die Bücher im Schaufenster betrachtete und dann in den Laden kam. Die Blutegel erinnerten mich an die lästigen Tiere. Hatte man sie einmal dazu gebracht. Eines Tages kam ich gerade in die Klinik. Ich brachte ihm die neuesten Nachrichten aus der Druckerei. Botschaften von seinen Freunden und berichtete. denn das wollte er immer gerne hören. er fühle sich nicht in der Lage. was bei Shakespeare and Company los war.

und er rief: »Ich hätte mich so gerne bei ihm für seine Liebenswürdigkeit bedankt. Er war außerordentlich nett. Ich hatte für George Moore als Schriftsteller sehr viel übrig. Ich sah.« Er erwähnte mir gegenüber zum erstenmal. ehe sich für mich die Gelegenheit ergab. Ich hätte Moore gern selbst noch öfter gesehen. der weiter hinten im Laden stand. »Wer war das?« fragte Joyce. muß er auch ein prächtiger Mensch gewesen sein. nach London zu fahren und mit ihm in der Ebury Street zu lunchen. ob der Mann mit der schwarzen Binde über dem Auge. wie ich sah. Schließlich ging der Besucher widerwillig. Schließlich kamen die beiden aber in London doch noch ein zweites Mal zusammen. wenn ich das nächste Mal nach London käme. schrieb George Moore mir einen reizenden Brief und lud mich zum Lunch in die Ebury Street (eine jener berühmten Einladungen). daß er vor mehreren Jahren hundert Pfund aus der Privatschatulle erhalten hatte. er wäre so gern mit ihm zusammengetroffen. den er im Hintergrund meiner Buchhandlung gesehen habe. nachdem er noch ein letztes Mal zu Joyce hinübergeschaut hatte. aber ich hielt mein Versprechen und stellte ihn nicht vor. die mit ihm sehr befreundet war. Und dann fragte er. im Gegenteil. Joyce mein Versprechen zu halten. Ich sagte es ihm. . ich erfuhr das später. wie er von Zeit zu Zeit einen Blick auf den Mann warf. Es war also. James Joyce gewesen sei. ein Irrtum gewesen. er hat mir einen Betrag aus der königlichen Privatschatulle verschafft.sten Tag nach London zurückfuhr. Nach London zurückgekehrt. er schickte mir die korrigierten Druckbogen seines Stücks The Apostle. obwohl Joyce es mir gegenüber nicht erwähnte. Er starb. trug mir auch den Vorfall in der Buchhandlung nicht nach. und nach den Erzählungen von Nancy Cunard.

als Larbaud in der Buchhandlung eintraf. Adrienne mußte ihm ein Glas Kognak einflößen. der ihm nicht neu war. und als Adrienne ihn fragte. litt er unter richtigem Lampenfieber. Er tat es jedoch nur unter der Bedingung. die gerade in diesem kritischen Augenblick seiner Laufbahn sehr viel für ihn bedeutete. Zu den jungen Leuten. daß sein Name nicht genannt würde. und bat Adrienne. ungewöhnlich gewagt sind und begreiflicherweise Anstoß erregen könnten. ob er Larbaud helfen wolle. Larbaud hatte Angst. Dezember 1921 festgesetzt worden — knappe zwei Monate später erschien der Ulysses. Überraschenderweise war im Land Rabelais’ der Ulysses fast zu gewagt. jedenfalls für das Frankreich der zwanziger Jahre. Aber vor ein oder zwei Stellen in den Auszügen drückte er sich tatsächlich! Die Lesung wurde ein Triumph für Joyce und eine Huldigung. Als der Zeitpunkt der Joyce-Lesungen näherrückte. ergriff er mit Begeisterung die Gelegenheit. gehörte auch der Komponist Jacques Benoist-Méchin. Er und George Antheil hatten sich in meinem Buchladen getroffen und miteinander angefreundet.Die Lesung bei Adrienne Monnier Als Datum für die Joyce-Lesung in Adriennes Buchhandlung war der 7. ehe er sich ein Herz faßte und seinen Platz an dem kleinen Tischchen einnahm — einen Platz. würde den Ulysses sicher mißbilligen. daß auch nicht ein einziger Mensch mehr hineinging.« Ja. da er zu den beliebtesten Vortragenden bei Adriennes »séances« gehörte. hatte sogar Larbaud Bedenken. sich nach einer Hilfe umzusehen. und auf dem Programm stand folgende Warnung: »Wir möchten das Publikum aufmerksam machen. daß er mit seiner Übersetzung von Auszügen aus dem Penelope-Kapitel nicht rechtzeitig fertig werden würde. die . die zum Vortrag kommen. Die warmen Worte des Lobes. mit ihm am Ulysses zu arbeiten. die in der Rue de l’Odéon aus und ein gingen. Die Englischkenntnisse des jungen Mannes waren erstaunlich. die so gestopft voll war. daß manche Stellen. sein Vater. ein alter Baron.

als Larbaud nach langem Suchen Joyce endlich hinter einem Wandschirm im Hinterzimmer entdeckte. meiner lieben Cousine Mary Morris und ihrer Enkelin Marguerite MacCoy aus Overbrook. um den Ulysses fertigzustellen. hatte sich schon längst ver- . und wenn der Augenblick kam. Noch lauter aber wurden die Kundgebungen. und die Schecks meiner guten Schwester Holly. Über die laufenden Unkosten mußte ich mir kein Kopfzerbrechen machen. Ich war selbst nicht gerade auf Rosen gebettet. auch ich war glücklich und fand. Jimmy Lights ausgezeichnete Wiedergabe der Sirenen — alles fand bei den Zuhörern lebhaften Beifall. wurden nie zurückgewiesen. die Mieten in Paris waren niedrig. aber er verdiente nichts in der Zeit. James Joyce nun war ein Mann. Was an Ersparnissen oder Geldgeschenken dagewesen war.Larbaud sprach. als würde Shakespeare and Company demnächst völlig auf dem trockenen sitzen. den Errötenden herauszog und ihn nach französischer Art auf beide Wangen küßte. seine Lesung der von ihm übersetzten Auszüge aus dem Ulysses. Im Augenblick arbeitete er siebzehn Stunden täglich. Adrienne war glücklich über den von ihr geplanten erfolgreichen Abend. sah es gewöhnlich so aus. die Franzosen erwiesen sich dem irischen Schriftsteller James Joyce gegenüber als rührend gastfreundlich. Pennsylvania. und zu versorgen waren ja nur Myrsine und ich. Aber die Bücher — die stellten einen erschreckenden Posten dar. der sich und seine Familie immer mit Stundengeben erhalten hatte. es sah manchmal recht gefährlich aus für Shakespeare and Company. »Sankt Harriet« Der Autor des Ulysses hatte um diese Zeit mit den schrecklichsten Geldsorgen zu kämpfen. in dem sie in englischer und amerikanischer Währung bezahlt werden mußten.

daß die Geschäftsgebarung sich wandelte und die Beträge nur mehr hin aber nicht mehr her gingen. wäre es nicht so herzzerreißend! Joyce zeigte mir sein Notizbuch und lächelte dabei ziemlich verlegen. wie man sich vorstellen kann. und ich mußte dieses Buch . aber meist gab es niemand anderen. So ging das eine Weile. nur war es jetzt ein anderer Freund. die die kleine Buchhändler-Verlegerin einer Familie von vier Personen gewähren konnte. Aber meine Rolle war nun einmal die eines Verlegers. daß »J. an den Joyce sich hätte wenden können. Aber am folgenden Tag notierte er. Zum Beweis muß man sich nur das Notizbuch aus seinen Studententagen im Hôtel Corneille ansehen. tauchen noch heute unter meinen Papieren auf.flüchtigt. völlig unzureichend. und in den üblichen Fällen wäre das nicht mehr als natürlich gewesen. wann und wieviel er sich von wem geliehen hatte. oft schon am nächsten Tag. So sehr ich auch den Ulysses bewunderte. seine Bedürfnisse den Möglichkeiten des Verleihers anzupassen. die Bemühungen des Entleihers. Die Unterstützung. Sie nahmen praktisch die Form von Vorschüssen auf den Ulysses an. den Autor selbst inzwischen nicht zugrunde gehen zu lassen. Joyce’ Truhen« wieder einmal leer sind. Zu meinem Aufgabenbereich als Verlegerin des Ulysses gehörten also auch die Bemühungen. die mich unterrichteten. Man könnte lachen. Es geht aus den Notizen auch hervor. Menschen bedeuteten mir mehr als ein Kunstwerk. selbst wenn er am Verhungern war — siehe die in jener Zeit in Paris aufgenommene Fotografie. Kleine Summen gingen zwischen der Shakespeareschen Kasse und Joyce’ Tasche hin und her. Das System hatte er beibehalten. Zettel. in dem der junge Medizinstudent genau verzeichnete. war. daß er sich wieder die gleiche Summe von dem gleichen Freund ausgeliehen hat. waren ergreifend. Als Joyce’ Auslagen sich aber dann erhöhten. und solange die Basis ein »va-et-vient« war. merkte ich voll Angst. Es handelte sich gewöhnlich um niedrige Beträge. Joyce war in Geldangelegenheiten ungemein gewissenhaft. ging es gut. daß die Darlehen zurückgezahlt wurden.

Lucia nenne sie »Sankt Harriet« — hatte Joyce eine Summe zukommen lassen. sagte er. Aber wir hatten immerhin einen Augenblick lang eine Atempause. eine Summe. war der junge Mann. und auch das Gefühl. gegen Ende des Jahres 1921 in Paris auftauchte. Es dauerte nicht lange. ein gewinnender Zug in den Augen der Eigentümerin einer Buchhandlung. Es war Ernest Hemingway. und ich hatte ganz den Eindruck. als würden wir alle zusammen bald bankrott machen. aber auch um meinetwillen. Jolas erzählte mir. er. ich um seinet-. die ihm für den Rest seines Lebens ein Einkommen sichere! Wir beide frohlockten über dieses Wunder. all das war eine ungeheure Erleichterung. Wir befanden uns am Rande der Katastrophe. . Nicht aber Joyce. den wir gut leiden mochten und der uns keine Mühe machte. Wir schätzten einen Kunden sehr hoch. soviel ich mich erinnere. der fast jeden Morgen bei Shakespeare and Company in einer Ecke saß und Zeitschriften oder ein anderes Buch las. der uns nicht nur regelmäßig besuchte.Ulysses herausbringen — und dazu eine Buchhandlung führen. Das Gefühl. Miss Weaver — Mrs. Miss Harriet Weaver schicke ihm eine Menge Geld. als Joyce eines Tages erschien und mir in großer Erregung die Neuigkeit verkündete. von der ein anderer den Rest seiner Tage hätte leben können. und niemand machte ihm diesen Titel streitig. Shakespeare and Company habe jetzt sozusagen keine Belastungen mehr zu tragen. daß ich jetzt weitermachen und den Ulysses herausbringen konnte. Mein bester Kunde Ein Kunde. und er steckte wieder in Geldsorgen. und wieder kam Miss Weaver zu Hilfe. weil Miss Weavers Großzügigkeit eines seiner drückendsten Probleme aus dem Weg geräumt hatte. sondern auch Geld für Bücher ausgab. Er nannte sich selbst meinen »besten Kunden«. der.

Er wäre mir jedoch auch lieb geworden, wenn er in meinem Betrieb keinen Pfennig ausgegeben hätte. Vom ersten Tage an fühlte ich für Ernest Hemingway die wärmste Freundschaft. Sherwood Anderson hatte in Chikago seinen »jungen Freunden Mr. und Mrs. Ernest Hemingway« einen Einführungsbrief an mich mitgegeben. Er ist noch in meinem Besitz und lautet folgendernaßen: »Diese Zeilen schreibe ich, um Sie mit meinem Freund Ernest Hemingway bekannt zu machen, der mit Mrs. Hemingway nach Paris fährt, um sich dort niederzulassen. Er wird meinen Brief nach seiner Ankunft bei der nächsten Post aufgeben. Mr. Hemingway ist ein amerikanischer Schriftsteller, der sich hier instinktiv den Kontakt mit allem gesichert hat, was sich lohnt, und ich weiß, daß Sie sowohl über die Bekanntschaft mit ihm wie mit Mrs. Hemingway entzückt sein werden...« Aber die Bekanntschaft mit den Hemingways währte schon eine ganze Weile, ehe sie sich an Andersons Brief erinnerten. Hemingway spazierte eines Tages einfach herein. Ich sah auf und erblickte einen dunkelhaarigen jungen Mann mit einem kleinen Schnurrbart und hörte ihn mit tiefer Stimme sagen, er sei Ernest Hemingway. Ich forderte ihn auf, sich zu setzen, holte ihn ein wenig aus und erfuhr, daß er ursprünglich aus Chikago komme, sowie daß er zwei Jahre in einem Militärlazarett verbracht habe, damit sein Bein wieder gebrauchsfähig würde. Was war denn mit seinem Bein geschehen? Nun, sagte er entschuldigend wie ein Junge, der gesteht, daß er in eine Rauferei geraten ist, er hätte in Italien gekämpft und sei am Knie verwundet worden. Ob ich es sehen wollte? Natürlich wollte ich. Das Geschäft bei Shakespeare and Company ruhte also, während er Schuh und Socken auszog und mir die schrecklichen Narben zeigte, mit denen sein Bein bedeckt war. Das Knie hatte am meisten abbekommen, aber auch der Fuß mußte schwer gelitten haben, von einer berstenden Granate, sagte er. Im Lazarett dachten sie, er sei erledigt, es wurde sogar davon gesprochen, ihm die Sterbesakramente zu spenden. Aber man

einigte sich dann auf das Sakrament der Taufe, und er gab schwach seine Zustimmung: »für den Fall, daß sie recht hätten.« So wurde Hemingway also getauft. Mit oder ohne Taufe — und was jetzt kommt, sage ich, ob Hemingway mich daraufhin erschießt oder nicht — habe ich Hemingway immer für einen tief religiösen Menschen gehalten. Er stand sehr gut mit Joyce, und Joyce machte eines Tages mir gegenüber die Bemerkung, er halte es für einen Irrtum, daß Hemingway sich immer für so einen rauhen Kerl ausgebe und McAlmon versuche, den Sensitiven zu spielen. Er glaube, es sei gerade umgekehrt. Joyce hat Sie also durchschaut, Hemingway! Hemingway vertraute mir an, sein Vater sei plötzlich unter tragischen Umständen gestorben, als er noch in der Mittelschule und »ein Junge in kurzen Hosen« gewesen sei, und er habe ihm als einziges Erbe ein Gewehr hinterlassen. Hemingway stand auf einmal als Familienoberhaupt da, von dem Mutter und Geschwister abhängig waren. Er mußte die Schule verlassen und mit dem Verdienen anfangen. Das erste Geld verdiente er bei einem Boxmatch, aber soviel ich erriet, blieb er nicht lange bei diesem Beruf. Über seine Jugendzeit äußerte er sich recht bitter. Von seinem Leben nach Verlassen der Schule erzählte er mir nicht sehr viel. Er verdiente seinen Lebensunterhalt mit verschiedenen Arbeiten, ich glaube, auch bei der Zeitung, ging dann nach Kanada und meldete sich zur Armee. Er war so jung, daß er falsche Angaben über sein Alter machen mußte, sonst hätte man ihn nicht genommen. Hemingway war ein sehr gebildeter junger Mann, der viele Länder kannte und mehrere Sprachen beherrschte, und er hatte alles aus erster Hand, nicht an Universitäten gelernt. Ich hatte den Eindruck, er sei sehr viel rascher sehr viel weiter gekommen, als irgendein anderer der jungen Schriftsteller, die ich kannte. Er hatte sich zwar eine gewisse Jungenhaftigkeit bewahrt, war aber trotzdem ungewöhnlich weise und beherrscht. In Paris hatte Hemingway eine Stelle als Sportreporter für den

Toronto Star, versuchte sich aber bestimmt schon im Schreiben von Geschichten. Er brachte auch seine junge Frau Hadley zu mir. Sie war eine reizende, herrlich lustige Person. Natürlich nahm ich die beiden mit hinüber zu Adrienne Monnier. Hemingway sprach bemerkenswert gut Französisch, und irgendwie fand er Zeit, nicht nur unsere, sondern auch alle französischen Neuerscheinungen zu lesen. In seiner Eigenschaft als Sportkorrespondent mußte er allen Ereignissen auf diesem Gebiet beiwohnen, und zu seinen sprachlichen Errungenschaften gehörte auch eine gründliche Kenntnis des Argot. In diese Welt des Sports waren Hemingways Freundinnen aus der Buchhandlung, Adrienne und Sylvia, niemals eingedrungen, aber wir waren bereit, uns aufklären zu lassen, und Hemingway übernahm es gerne, uns einzuweihen. Unsere Studien begannen mit Boxen. Eines Abends holten unsere Lehrer Hemingway und Hadley uns ab, und wir machten uns alle zusammen mit der Métro auf den Weg in die Hügellandschaft von Ménilmontant, bewohnt von Arbeitern, Sportlern und etlichen schweren Jungen. In der Station Pelleport kletterten wir die steilen Treppen hinauf, Hadley leicht schnaufend und gestützt von ihrem Gatten, denn sie erwartete Bumby (John Hadley Hemingway). Hemingway führte uns zu einem kleinen Boxring, man mußte eine Art Hinterhof durchqueren, um ihn zu erreichen, und sich auf schmale Bänke ohne Rückenlehne setzen. Die Kämpfe und unser Lehrgang begannen. Als die Jungen in den Vorrunden mit den Armen fuchtelten und so heftig bluteten, daß wir schon fürchteten, es würde ihr Tod sein, beruhigte uns Hemingway, das sei nur Gesichtsmassage und Nasenbluten, meinte er. Wir erfuhren einiges über die Spielregeln. Auch teilte man uns mit, daß die ziemlich düsteren Gesellen, die aus und ein gingen, die Kämpfenden kaum eines Blickes zu würdigen schienen, sondern nur hin und wieder etwas untereinander besprachen, Manager seien, die hereinschauten, um neues vielversprechendes Material zu finden.

Beim großen Ereignis des Abends angelangt, beobachtete unser Professor viel zu angestrengt die einzelnen Schläge, als daß er uns noch hätte Erklärungen geben können, und die Schüler mußten ohne ihn zurechtkommen. Auf den letzten Kampf folgte ein weiterer, an dem die Zuschauer sich aktiv beteiligten. Die Meinungen über den Spruch des Schiedsrichters waren geteilt, alles kletterte auf die Bänke und sprang von dort auf die anderen drauf wie in einem richtigen Wildwestfilm. Bei dem Geprügel, Gestoße und Gebrüll, dem Gedränge nach vor- und rückwärts fürchtete ich schon, wir würden eingeklemmt werden und Hadley könne in dem Durcheinander etwas zustoßen. Rufe nach »Le flic! le flic!« wurden laut, aber offenbar hörte der diensthabende Polizist sie nicht, der an allen französischen Vergnügungsstätten, ob Comédie Française, ob Boxring in Ménilmontant, anwesend zu sein hat. Hemingways Stimme erhob sich mißbilligend über den Lärm: »Et naturellement le flic est dans la pissotière!« Als nächstes gingen Adrienne und ich unter Hemingways Anleitung und Einfluß zum Radfahren über. Nicht daß wir selbst geradelt wären, aber wir wohnten mit unserem Professor dem Sechstagerennen im Vél d’Hiv bei, bei weitem dem volkstümlichsten Ereignis der Pariser Saison. Begeisterte Anhänger dieses Sports lebten dort die ganzen sechs Tage über und sahen mit immer glasigeren Augen den kleinen Affenmännern zu, die, über ihre Räder gekrümmt, langsam ihre Runden drehten oder plötzlich lossprinteten, Tag und Nacht, in einer Atmosphäre von Rauch und Staub und Bühnenstars und grölenden Lautsprechern. Wir bemühten uns nach Kräften, den Worten des Professors zu folgen, konnten aber nur selten das eine oder andere in all dem Lärm verstehen. Leider stand Adrienne und mir nur eine Nacht für diesen Sport zur Verfügung, so hinreißend wir ihn auch fanden. Aber was wäre in Hemingways Gesellschaft nicht hinreißend gewesen? Es erwartete uns jedoch ein noch viel aufregenderes Ereignis. Ich hatte schon seit geraumer Zeit den Eindruck gehabt, Hemingway arbeite angestrengt an ein paar Geschichten. Er sagte

mir eines Tages, er habe eine davon beendet, und fragte, ob Adrienne und ich sie anhören wollten. Wir waren mit Feuereifer dabei, denn dieses Ereignis betraf uns zutiefst, hatten sie und ich doch etwas von den düsteren Gesellen vom Pelleport-Ring, die auf der Suche nach neuen Talenten waren. Vielleicht verstanden wir nicht viel vom Boxen, aber mit dem Schreiben war es eine andere Sache. Man stelle sich unsere Freude über diese erste Probe Ernest Hemingways vor! Hemingway las uns also eine der Geschichten aus In Our Time. Wir waren von seiner Originalität beeindruckt, seinem sehr persönlichen Stil, seiner handwerklichen Geschicklichkeit, seiner Sauberkeit, seiner Begabung als Geschichtenerzähler, seinem Sinn für Dramatik, seiner schöpferischen Kraft — ich könnte noch weiter fortfahren, beschränke ich mich aber auf das, was Adrienne zusammenfassend sagte: »Hemingway hat ein echtes schriftstellerisches Temperament« (»le tempérament authentique d’écrivain«). Heute ist Hemingway natürlich der anerkannte Vater modernen Erzählens. Man kann keinen Roman und keine Kurzgeschichte in Frankreich, England, Deutschland, Italien oder sonstwo aufschlagen, ohne zu merken, daß Hemingway dort vorbeigekommen ist. Er ist in Schulbüchern gelandet, und das ist für die Kinder vergnüglicher, als was ihnen gewöhnlich vorgesetzt wird, und ein großes Glück für sie! Obwohl ich mich nie mit der Frage abgegeben habe, wer diesen oder jenen Schriftsteller beeinflußte, und obwohl ein erwachsener Schriftsteller nachts nicht wachliegt und sich den Kopf zerbricht, wer sein Vorbild war, glaube ich doch, daß Hemingways Leser wissen sollten, wer ihn schreiben lehrte: es war Ernest Hemingway. Und wie alle echten Schriftsteller wußte er, daß man zu arbeiten hat, um es »gut« zu machen, wie er sagte. Adrienne Monnier war die erste französische Anhängerin Hemingways und auch die erste, die eine seiner Geschichten französisch herausbrachte. »Der Unbesiegte«, in ihrer Zeitschrift Le Navire d’Argent veröffentlicht, erregte unter deren Lesern großes Aufsehen.

Bumby wurde auf ein hohes Stühlchen gesetzt. Was immer Hemingway anpackte. Ich platzte eines Morgens herein. Seine ersten Schritte führten ihn zu »Sylver Beach’s«. ihre Gläser vor sich — in Bumbys Glas war Himbeersaft — und besprachen die Tagesprobleme. Von einem kurzen Besuch in Kanada kamen Hadley und Hemingway mit einem anderen »besten Kunden« zurück. Bumby hingegen fand alles in bester Ordnung. wie Vater und Sohn Hand in Hand die Straße heraufkamen. welchen Amerikaner er herausbringen solle. sondern zu dem kleinen Gasthaus um die Ecke. wenn sie wieder gingen — nicht nach Hause. eine gewisse Technik erforderte. selbst wenn es sich um die Pflege eines Babys handelte. und war verblüfft. Cape. Vater Hemingway war mit Recht stolz darauf und fragte mich. Cape Hemingways Verleger in England. Dort saßen sie an einem Tisch. wie ich zugeben muß. . was. Ich erinnere mich noch. Mr. Bumby verkehrte bei Shakespeare and Company. als Ernest Hemingway gerade das Baby badete. solange er nur mit seinem geliebten Papa zusammen war. wie er meinen Laden nannte. wie begeistert Jonathan Cape über seinen ersten Hemingway war. ohne das geringste Zeichen von Ungeduld. denn Hadley mußte ihre Ruhe haben. wenn auch manchmal mit dem Kopf nach unten.Hemingways Leser wurden gewöhnlich schon bei der ersten Begegnung gewonnen. wie geschickt er mit Bumby umging. er würde es als Kinderschwester hübsch weit bringen. »Da. lesen Sie Hemingway«. und so wurde Mr. Manchmal muß ihm die Wartezeit recht lang vorgekommen sein. erledigte er ernst und zuverlässig. bevor er noch richtig gehen konnte. die neuesten Zeitschriften zu lesen. bis man ihn von seinem hohen Sitz wieder herunterhob. ob ich nicht der Ansicht sei. sagte ich. Hemingway hielt seinen Sohn sorgsam fest. bis der Haushalt versorgt war. der englische Verleger von Oberst Lawrence und von Joyce. fragte mich bei einem seiner Besuche in Paris. John Hadley Hemingway. und fuhr weiter fort. sah ernsthaft. Dann beobachtete ich die beiden. Ich sehe es noch vor mir. seinem alten Herrn zu und wartete.

worauf Hemingway sich an meinen Schreibtisch setzte und einen Scheck für Sylvia Beach in der doppelten Höhe des angerichteten Schadens ausschrieb. So besitzen wir jetzt in Tod am Nachmittag eine vollständige Abhandlung über Stierkämpfe. Man hatte über den Stierkampf vom moralischen und sexuellen Standpunkt aus geschrieben. die auch meine am schwersten zu befriedigenden spanischen Freunde ausgezeichnet fanden. Und sein Artikel über Hemingway. verwirrend und außerdem technisch unzutreffend. was Hemingway geschrieben hat. zuverlässigen Art sich auf. die Köpfe wegboxte. Die Spanier selbst fanden gewöhnlich alles. Die Vase ergoß ihren Inhalt über etliche Bücher. Wyndham Lewis gelang das mit Joyce. betitelt »Der dumme Ochse«. Es stimmt.Jedermann war damals in Spanien gewesen und mit den verschiedenartigsten Eindrücken heimgekehrt. ihn als bunten pittoresken Sport bezeichnet und so weiter. aber wie alle seine Kollegen ist er der Kritik anderer gegenüber sehr empfindlich. Im Gegensatz zu den anderen machte Hemingway in seiner üblichen ernsten. daß ich als Kritiker nur versuchen würde. was Ausländer über los toros sagten. wenn es sich windet. Toklas hatten es sehr amüsant gefunden. daß er drei Dutzend Tulpen. Er ist sein strengster Kritiker. etwas über Stiere zu lernen und zu schreiben. daß manche Kritiker mit größter Geschicklichkeit das Opfer auf die scharfe Spitze ihrer Feder aufspießen und entzückt sind. was ihre Werke meiner Ansicht nach glaubwürdig und erfreulich macht. den das Objekt dieses Artikels zu meinem Bedauern in meiner Buchhandlung in die Hände bekam. von dem zu sprechen. Und manche Stellen dieses Buches gehören zu dem Schönsten. Gertrude Stein und Alice B. Gute Schriftsteller sind so selten. einem Geburtstagsgeschenk. . Andere waren bei einem Stierkampf gewesen und empört vor dem Ende fortgegangen. brachte Hemingway in solche Wut. Denn wie kann jemand das eigentliche Geheimnis des Schaffens erklären? Hemingway verträgt beliebig viel Kritik — von sich selbst.

des Ulysses. Der ganze Umbruch bis zum Ende der Penelope war bereits in meiner Hand. Joyce’ Geburtstag. sein Herz hing daran. Ich finde. kam näher. in dem ich aufgefordert wurde. Februar 1922. die Setzer hätten ihr Bestes getan. aber ich kannte Darantière. Ich bat ihn. Der Schaffner würde zwei Exemplare des Ulysses für mich mitbringen. aber ich müsse noch etwas länger auf den Ulysses warten. Februar fertig sein. 1. er könne unmöglich bis zum 2. Februar ein Telegramm erhielt. die einfach über die Schwelle eines Buches stürzen. als der Zug aus Dijon langsam anhielt und ich sah. die sie auf den Leser ausüben.Als Leiterin einer Buchhandlung und einer Leihbibliothek gab ich auf Titel vielleicht mehr acht als andere Leute. Er sagte. daß der Ulysses jetzt bald herauskommen würde. als ich am 1. damit man Joyce an seinem Geburtstag wenigstens ein Exemplar des Ulysses überreichen könne. wie der Schaffner mit einem Paket in der Hand ausstieg und sich nach jemandem umsah — nach mir. Er machte keine Zusagen. . und ich war nicht weiter überrascht. und die geheimnisvolle Gewalt. Ein paar Minuten später läutete ich an der Tür der Joyces und übergab ihnen Exemplar Nr. ohne anzuläuten. genau am 2. der zweite Februar. das Unmögliche möglich zu machen. Die ersten Exemplare des Ulysses Es ging ein Gerücht. Hemingways Titel sollten bei jedem Wettbewerb den ersten Preis davontragen. das Erscheinen am gleichen Tag zu feiern. und ich wußte. und mein Herz ratterte wie die Lokomotive. Jeder einzelne ist ein Gedicht. Ich sprach mit Darantière. am nächsten Morgen um sieben Uhr früh beim Dijon-Expreß zu sein. trägt viel zu Hemingways Erfolg bei. Ich stand auf dem Bahnsteig. Seine Titel führen ein Eigenleben und haben den amerikanischen Wortschatz bereichert.

brachte er in einem kurzen Brief zum Ausdruck. noch ehe die Buchhandlung geöffnet hatte. J. daß es für alle gelangt hätte. Es war nutzlos. schrieb er. Die Neuigkeit verbreitete sich rasch in Montparnasse und den umliegenden Vierteln. aber ich brachte ihn mit raschem Zugriff an einen sicheren Ort. Wie hoch Joyce sein Geburtstagsgeschenk einschätzte. ihnen zu erklären. nachW. und am nächsten Tag standen. Und er feierte das Erscheinen des Ulysses mit ein paar scherzhaften Versen. having signed. . Sie lauteten: Who is Sylvia. Then to Sylvia let us sing Her daring lies in selling. meinen Ulysses aus dem Fenster zu reißen und ihn in so viele Stücke zu zerteilen. Sie schienen drauf und dran. »ohne Ihnen für alle Plage zu danken und für all die Mühe. J.Exemplar Nr. Is she rich as she is brave For wealth oft daring misses? Throngs about her rant and rave To subscribe for Ulysses But. die Subskribenten davor Schlange und zeigten einander den Ulysses. young and brave is she The west this pace did lend her That all books might published be. daß es erst zwei Exemplare des Ulysses gebe. »Ich kann den heutigen Tag nicht vorbeigehen lassen«. S. und ich machte den Fehler. die er für seinen Verleger verfaßte. they ponder grave. what is she That all our scribes commend her? Yankee. 2 gehörte Shakespeare and Company. die Sie im letzten Jahr auf mein Buch verwendet haben«. She can sell each mortal thing That’s boaring beyond telling To her let us buyers bring. es ins Schaufenster zu stellen.

) Da war nun endlich der Ulysses in einer griechischblauen Hülle. mit einem »Entferner«. in die Exemplare eingelegten Zettel dafür um Entschuldigung. damit auch alle Bücher einen Verleger finden. da man bei einem neuen irischen Generalpostmeister und einer in klerikalen Händen befindlichen Überwachungskommission von heute auf morgen nicht wissen kann. Sylvia gebührt nun ein besonderes Lob dafür. alles. etwas zu versäumen.(Das Gedicht enthält ein Lob auf die tapfere junge Amerikanerin Sylvia. auch das langweiligste Buch. mit einem Durchschnitt von einem bis zu einem halben Dutzend Druckfehler pro Seite — der Verleger bat auf einem kleinen. sobald die Unterschrift erfolgt ist. die Pakete um die Ecke zum Postamt zu schleppen. ich solle Herrn Soundso sofort ein Exemplar zugehen lassen. »alle Benachrichtigungen nach Irland sollten gleich abgeschickt werden. ihr möglichst viele Käufer zuzutreiben. ehe die Behörden es merkten. uns mit den Paketen zu »helfen«. auf der in weißen Buchstaben der Titel und der Name des Autors standen. den wir bei der Hand hatten. mit welchem Wagemut sie an den Verkauf geht und wie es ihr gelingt. Da waren die siebenhundertzweiunddreißig Seiten »vollständig und ungekürzt«. In den Vereinigten Staaten erhielten Quinn und noch . falls er bezahlt habe. und meinte weiter. daß jedes Exemplar ein Kilo und fünfhundertundfünfzig Gramm wog. etwas von dem Klebstoff wieder aus Joyce’ Haaren heraus — und alle subskribierten Exemplare des Ulysses sicher nach England und Irland hineinzubekommen. Er gab sich Mühe.« Es gelang uns. daß Joyce aus Angst. als wir damit begannen. den Ulysses zu subskribieren. die ihren Schwung aus dem Westen mitgebracht hat. seinem Verleger nicht von den Fersen ging. Wir hatten das auch bemerkt. wird aber nachdenklich. Die Menge drängt sich um sie. den Fußboden und seine Haare und bestürmte mich. an den Mann zu bringen. Er schmierte reichlich Klebstoff auf die Etikette. er hatte sogar herausgebracht. was geschieht. Als letztes erfolgt die Aufforderung. Die unmittelbar auf die Veröffentlichung seines Buches folgende Zeit war so aufregend.

während ich mich nach Hilfe umsah.. Eine erste Sendung ging ab. daß meine Exemplare des Ulysses in die Vereinigten Staaten gelangten. oder besser einen Freund — nämlich die Göttin Minerva.ein oder zwei weitere Subskribenten ihre Exemplare. die Miete eines Ateliers in Toronto zu bezahlen? Ich willigte natürlich sofort ein. und die armen Subskribenten warteten. da kam ich darauf. Sie taucht einmal in der einen. kamen sie auch heil bei ihm an. erforderte viel Mut und Schlau- . und am nächsten Tag kam er mit einem Plan daher. daß der Held Odysseus hochgestellte Freunde hat. Was er nun unternahm. und er würde mich wissen lassen. daß alle Exemplare im Hafen von New York konfisziert wurden. weitere sollten folgen. aber es ist ihm zu danken. einem sehr entgegenkommenden Freund — den ich wegen seiner Rettungsaktion Sankt Bernard nannte —. Ich trug Minerva-Hemingway mein Problem vor. Er sagte: »Geben Sie mir vierundzwanzig Stunden Zeit«. dann in der anderen Verkleidung auf. Ich stoppte den Schiffsversand. Ich hoffe. die Behörden werden auf die folgenden Enthüllungen hin Hemingway keine Schwierigkeiten machen — sie können wohl kaum einen Nobelpreisträger belästigen —. und da Ulysses in Kanada nicht in Acht und Bann getan war. an die ich alle Exemplare schicken sollte. Ob ich bereit sei. einem gewissen Bernard B. Dann teilte er mir die Adresse seiner neuen Wohnung mit. Ich würde von einem seiner Freunde in Chikago hören. Diesmal wählte sie die äußerst männliche Gestalt von Ernest Hemingway. er bereite alles vor und übersiedle nach Kanada. Ich verlud sie. wie die Sache zu deichseln war. und ich wollte den Rest so rasch als möglich fortschicken. Minerva — Hemingway Es ist nun weiter kein Geheimnis. Der gute Mann schrieb mir.

seine Botenjungen. ihm zu helfen. das der American Express eines Tages an ihrer Türe ablieferte. seine Agenten. und es trieben sich immer ein paar seltsame Gestalten herum. Er suchte sich also einen Freund. der bereit war. daß die Hafenbehörden anfingen. ein Exemplar des Ulysses in seine Hosen gestopft. und nun bestiegen beide täglich die Fähre.heit: er mußte Hunderte der umfangreichen Bücher über die Grenze schmuggeln. mit zwei Exemplaren. daß sie Hemingway und seinem entgegenkommenden Freund das große Paket zu verdanken haben. Später beschrieb er mir. vielleicht wäre das Buch dünner ausgefallen. Ungarn und in der Tschechoslowakei herauskamen. Inzwischen hatten Joyce und Ulysses praktisch von der Buchhandlung in der Rue de l’Odéon Besitz ergriffen. gewannen ihm neue Freunde. Polen. sie müssen ausgesehen haben wie Fälle für Vaterschaftsklagen. als der letzte der dicken Bände auf der anderen Seite war! Hätte Joyce alle diese Schwierigkeiten vorausgesehen. sie könnten sich binnen kurzem einmal etwas genauer nach dem wahren Grund seines täglichen Hinund Herfahrens erkundigen — bisher hatte er angegeben. ihn mit einigem Mißtrauen zu betrachten. wir waren seine Bankiers. Wie erleichtert muß unser Freund sich an Leib und Seele gefühlt haben. wie er täglich die Fähre bestieg. Bernard kam gut voran und war schon bei den letzten paar Dutzend Exemplaren angelangt. jeder. Es waren die Tage der Alkoholschmuggler. Wir trafen für ihn Verabredungen. Eines hatten sie vorne. Wir kümmerten uns um Joyce’ Korrespondenz. aber das erhöhte nur die Gefahr einer Durchsuchung. die in Deutschland. die ihre Exemplare erhielten. Immerhin sollten die Subskribenten in Amerika. wissen. er verkaufe seine Zeichnungen. führten die ganzen Verhandlungen wegen der Übersetzungen seines Buches durch. da Eile not tat. hatte aber den Eindruck. Er fürchtete. eines hinten hineingestopft. Joyce erschien täglich gegen zwölf in der Buch- .

Bewunderer. Ein Foto von Mr. bewillkommt oder abgewimmelt werden. mußten ermutigt. und ihn um ein Foto von sich selbst zu bitten. Mr. Ich kannte die Zeitschrift. wenn nötig. Jedenfalls waren sie offenbar bereits seit einigen Jahren aneinander interessiert. Fremde. Weder er noch sein Verleger dachten an ein Mittagessen. wie Leopold Bloom aussah — der hier hat einige Ähnlichkeit mit ihm. Presseleute. daß er und Jackson sich je kennengelernt hatten. wenn noch irgend etwas zu erledigen war. Joyce sagte nicht. »Er sieht Bloom darauf gar nicht so ähnlich. weil es mir ungeheuren Spaß machte. zu schreiben. Abends kam er häufig ein zweites Mal. Aber das Foto ist nicht gut«. Mit allen aber mußten wir uns auf die eine oder andere Weise in der Buchhandlung abgeben und sie. Es stand mir natürlich frei. dann reichte er es mir und sagte: »Wenn Sie wissen wollen. Sie hatte einen Artikel über Adrienne Monniers Buchhandlung gebracht und auch freundliche Äußerungen über Joyce’ Schaffen. davon abhalten. wie Mr. Joyce’ Ruhm wuchs. Bloom aussah. dem großen Mann lästig zu fallen. und immer mehr Freunde. was mit ihm zusammenhing. die Joyce aufsuchen wollten. Joyce bat mich eines Tages. fuhr er fort. daß es vielleicht bei Joyce’ erstem Besuch in London zu einem Zusammentreffen kam. aber ich nehme an. Holbrook Jackson. dem Herausgeber der kleinen Londoner Zeitschrift To-Day.« Trotzdem hob ich . Ich zeigte es Joyce. Bloom Vom Verfasser des Ulysses selbst erfuhr ich. so deshalb. je nachdem. Er betrachtete es lange und schien enttäuscht. und wenn ich mir Joyce und alles.Handlung. Das Foto kam. alle diese Gefälligkeiten abzulehnen. aufhalste.

an die ich bis zu diesem Augenblick nicht mehr gedacht habe. Ich habe auch einen Haufen MSS in Triest. etwa 1500 Seiten des ersten Entwurfs für A Portrait of the Artist (total anders als das Buch). Der »Haufen MSS in Triest«. Gianni! Worte von A. Bloom — die mir je in die Hände kam. ich werde es Ihnen daher geben. von mir ausgeben. Können diese Worte noch auf die Platte klischiert werden nach (von Phoblocht gesungener) Musik von O. den er den . da Joyce fragt. das er hinzufügen wollte. werden Sie möglicherweise den Wunsch haben. lautet — auszugsweise — folgendermaßen: Liebe Miss Beach: Da Sie hingehen und ein paar hundert Francs Postgebühren(!) für dieses Geschreibsel usw.. da das Briefpapier den Kopf von Shakespeare and Company trägt. von dem er spricht. enthielt Stephen Hero. »Dieses Geschreibsel von mir« Ein undatierter Brief. ob es zu spät ist. »auf die Platte zu klischieren«. sobald es ankommt. während ich fort war. den Joyce. etwas im Ulysses. Ich möchte nur die Bürstenabzüge der ersten Auflage verkaufen: Ich finde. das MS der Dubliners zu besitzen. ein Teil der Dubliners ist Dublins Arbeit. es ist die einzige von Mr. in der Buchhandlung geschrieben haben muß. Hamesi (das zweite Rufzeichen [unleserlich] verkehrt gesetzt) Mit herzlichen Grüßen Ihr aufrichtig ergebener James Joyce Dieser Brief ist vermutlich auf Januar 1922 zu datieren.die Fotografie sorgfältig auf..

Doch war es traurig. die Nummern 21. Joyce hatte bemerkt. Es war unvollständig. gar nicht zu reden von reiner Pornographie wie Raped on the Rail. Shakespeare and Company bedauert. Ein irischer Geistlicher. So erzählte er mir zumindest. Ich vermerkte sorgsam.. Sein Ruf als verbotenes Buch steigerte natürlich die Nachfrage. nennt. Joyce gab mir auch das Originalmanuskript von Chamber Music. um es Yeats vorzulesen. an denen er mir die anderen Manuskripte zum Geschenk machte. und schrieb auch die Daten nicht auf. drei der Gedichte fehlten. Auf das Manuskript aber. Oktober übergab. das Jahr hinzuzufügen. für niemanden würde dieses Geschenk.»ersten Entwurf für A Portrait of the Artist«. fragte mich: »Noch irgendwelche andern gepfefferten Bücher?« . die er auf treiben konnte. Ich glaube. und er dachte zweifellos. das er für das wichtigste hielt. daß Joyce mir dieses Manuskript am 5. und »A Sketch for a Portrait of the Artist«. das er auf die größten und feinsten Bogen schrieb. versäumte aber. Joyce bezog binnen kurzem aus dem Ulysses ein regelmäßiges Einkommen. schrieb er selbst das Datum und eine Charakterisierung seines Geschenkes. der den Ulysses kaufte. obwohl dem Buch der normale Absatz in den Ländern englischer Sprache versagt war.. damit hat er recht gehabt. daß der kleinste Zettel mit seiner Handschrift für mich ein Schatz war. einen solchen Wert besitzen wie für mich. ein solches Werk in den Katalogen von Erotika neben Fanny Hill. seine Manuskripte. die Skizze zu A Portrait of the Artist. The Perfumed Garden und dem ewigen Casanova verzeichnet zu sehen. 35 und 36. in ein Heft seiner Schwester Mabel geschrieben und für mich von allen seinen Manuskripten am kostbarsten.

sondern ein praktischer Arzt — alle Teile des Körpers kommen im Ulysses vor. Frank Harris’ Geschichten über Wilde begannen zu jener Zeit etliche Abnützungserscheinungen aufzuweisen und waren. legte ein Paket auf meinen Tisch.« Nach dem Erfolg des Ulysses strömten Schriftsteller zu Shakespeare and Company. als er den Ulysses schrieb. wie die Geschichten von Wilde selbst. um Eindruck auf mich zu machen. wovon das Manuskript handle. und stellte sich als Frank Harris vor. einem zweispännigen Landauer. Er war kein Spezialist. wie Baudelaire und Verlaine. wie er später gestand. das nach einem Manuskript aussah. . Man braucht wohl nicht eigens zu sagen. noch viel weiter ging als Joyce’ Buch. den er eigens für diese Gelegenheit gemietet hatte. und so spazierte er in den Laden. Zum Beispiel kam ein kleiner Mann mit Backenbart in einem Wagen vor der Buchhandlung vorgefahren. Er packte es aus und zeigte mir ein Bündel mit dem Titel My Life and Loves (Mein Leben und Lieben). mehr oder weniger entliehen. und vor allem hatte mir Shaws Vorwort über Wildes »Gigantismus« gefallen. Und nicht nur das. wie er mir versicherte. Joyce übrigens auch. auch das über Wilde. wirklich der einzige englische Schriftsteller zu sein. mir Stellen vorzulesen. Er erhob Anspruch darauf.Viele gute Schriftsteller haben Erotika verfaßt. die ihrer Ansicht nach eine Person mit meiner Geschmacksrichtung unweigerlich anziehen mußten. das Thema interessant zu machen. in der Annahme. und einigen wenigen. Ich fragte Harris. der »einer Frau unter die Haut« gekrochen war. ist es sogar gelungen. ich würde mich nun auf Erotika spezialisieren. das. Sie brachten mir ihre erotischsten Bemühungen. Seine langen Arme pendelten wie bei einem Affen vor ihm her. Sein Buch The Man Shakespeare hatte ich recht gern gemocht. John Cleland bezahlte alle seine Schulden mit seiner ebenso amüsanten wie einträglichen Fanny Hill. daß Joyce andere Ziele verfolgte. sie bestanden darauf. Aber wie er selbst einmal klagend sagte: »Von dem da gibt es keine zehn Prozent in meinem Buch.

und während des ganzen Essens machte er kaum den Mund auf. mich zu einer begeisterten Zuhörerin von My Life and Loves zu machen. in dem ich ein paar Tauchnitz-Bände stehen hatte. seine Einladung zum Mittagessen ins Chatham anzunehmen. wie ein Mann. er solle es doch mit Jack Kahane versuchen. mußte einen Zug nach Nizza erreichen. wich er immer aus —. Harris hatte eine angenehme Art. konnte man ihn geradezu liebgewinnen. um My Life and Loves zu produzieren. denn für jemanden mit seiner Zwangsvorstellung konnte der Titel nur die französische Bedeutung von petites femmes (leichte Mädchen) . Begeistert griff er zu. der immer auf der Suche nach »heißen Büchern« war. Ich fragte. und My Life and Loves fand ein glückliches Heim in der Obelisk Press. Auf die gepfefferten Geschichten Harris’ und seines Freundes reagierte er überhaupt nicht. Harris und sein Freund wollten ihm eine Falle stellen und ihn in ein Interview hineinmanövrieren — Leuten. die ihn interviewen wollten. und statt dessen Songs of Sunrise aus dem Regal nahm und ein paar Verse daraus las. einem Hotel mit viel englischer Kundschaft. und als er nicht mehr versuchte.Die Geschlechtskrankheiten englischer Staatsmänner hatten für mich auch keinen besonderen Reiz. Harris hatte nur noch einen befreundeten englischen Journalisten eingeladen. Er kam einmal in größter Eile bei der Buchhandlung vorbei. Aber ich habe nie begriffen. aber ich konnte der Versuchung nicht widerstehen. Ich brachte Joyce dazu. wollte aber noch rasch etwas zum Lesen für die lange Fahrt mitnehmen. Gedichte vorzulesen. Joyce argwöhnte. ob er Little Women (eine Jungmädchengeschichte) gelesen habe. Frank Harris einen kleinen Streich zu spielen. Obwohl mein Mangel an Begeisterung für seine Memoiren Frank Harris bitter enttäuscht hatte. das seinerzeit für Küche und Keller berühmt war. blieb er weiter auf freundschaftlichem Fuß mit mir. tief genug fallen konnte. Ob ich ihm irgend etwas Aufregendes empfehlen könne? Mein Blick streifte das Regal. der bei seiner Heirat mit einer so reizenden Frau wie Nellie Harris einen so guten Geschmack bewies. Ich schlug vor. Es war bestimmt nicht nett von mir.

Miss Beveridge. aber er. Lawrence ein Opfer. in die Buchhandlung gebracht. um über seine Mission zu verhandeln. Mit den beiden Bänden von Louisa Alcotts »heißem Buch« in der Hand stürzte er auf die Bahn. und ich sah. mit Aldous Huxley traf ich zum erstenmal zusammen. ohne für den Autor irgendwelche Tantiemen abzuwerfen. daß ich das Buch in einer nicht zu teuren Ausgabe in Paris herausbrachte und den unerlaubten Nachdrucken damit ein Ende setzte. fiel es mir sehr schwer. einer englischen Malerin. ihm das abzuschlagen. Er wurde von einer gemeinsamen Freundin. Er bringt seinem Freund D. dachte ich. Er erwähnte den kleinen Betrug nicht. dem reizenden anglo-italienischen Paar. und eine offenbar unbeschränkte. Davis and Orioli herausgekommen. wenn er sich herabläßt. Mich packte die Reue. dessen Namen Liebhabern schöner Ausgaben wohl vertraut waren. wie übel ich ihm mitgespielt hatte. als wir durch die niedrige Türe in das Hinterzimmer gingen. Er war sehr groß und mußte sich bücken. Als der Besuch seiner Freunde keinen Erfolg hatte. Lady Chatterley war in einer beschränkten Auflage bereits in Florenz bei Messrs. Nach den Aussagen zweier Freunde von Lawrence.haben. Einen von ihnen. Das nächste Buch. was er geschrieben hatte. um mit mir über eine Veröffentlichung zu sprechen. als ich ihm das nächste Mal begegnete. Piraten hatten sich darauf gestürzt. mich seiner anzunehmen. billige und unautorisierte Auflage zirkulierte in Paris. H. die kamen. Gerade für dieses Werk des Autors hatte ich nicht viel Bewunderung übrig und fand es von allem. kam Lawrence selbst zu mir. am wenigsten interessant. die in Sizilien neben ihm gewohnt und ihn auch ge- . Richard Aldington. der sonst immer so Freundliche. das ich ablehnen mußte. waren die Aussichten von Lady Chatterley’s Lover hoffnungslos. aber als Lawrence mich bitten ließ. in James Joyce’ Hauptquartier zu kommen — denn er hatte für den Ulysses nicht viel übrig. war Lady Chatterley’s Lover. kannte ich schon. Es lag Lawrence sehr viel daran. Unglücklicherweise gab es für Lady Chatterley wie für Ulysses und andere in Bann getane Bücher keinen Copyright-Schutz. war offensichtlich verärgert.

besonders da er sich bei seinem letzten Besuch so krank fühlte. daß ich ein Ein-Buch-Verleger bleiben wollte — was konnte jemand nach dem Ulysses bieten? Lawrence schrieb mir nochmals und fragte. aber sie sah sich Bücher an. Mrs. Aber da er in einem seiner später veröffentlichten Briefe erwähnt. während er und ich die geschäftlichen Angelegenheiten besprachen. Auch die Aufnahme. ihm beizubringen. daß Shakespeare and Company nicht ein Vermögen verdient hatte —. Eine hochgewachsene blonde Frau. daß ich nichts anderes veröffentlichen wollte als den Ulysses: Mangel an Kapital — aber man konnte niemandem begreiflich machen. .malt hatte. wirklich das zu schreiben. sie mir schicken zu lassen. Mangel an Platz. Lawrence sehr viel Charme. nehme ich an. Lawrence’ Lady abzulehnen. daß ich mir keinen Namen als Verleger von Erotika machen wollte. Ich habe mich immer gewundert. und ich richtete meine Antwort an eine von ihm angegebene Adresse in Südfrankreich. Er war eigens aus dem Bett aufgestanden. die der Fotograf Stieglitz von ihm gemacht hatte. war sehr betrüblich. daß seine Freunde ihm restlos ergeben waren und Frauen ihn über Land und Meer verfolgten. und sah heiß und fiebrig aus. Persönlich hatte D. Er sah. um in die Buchhandlung zu kommen. begleitete ihren Mann bei den folgenden Besuchen. daß mein Schreiben ihn nicht erreicht hat. Es war nicht leicht. Frieda Lawrence. er habe nie etwas von mir gehört. wollte er gern in meinen Händen wissen und versprach. Ich konnte gut begreifen. und unmöglich. Ich versuchte — eine sehr schmerzliche Aufgabe —. weshalb ein so begabter Schriftsteller offenbar niemals die Kraft besaß. daß eine Reproduktion dieses Bildes bei Shakespeare and Company hing. an Personal und Zeit. Als Mann war er ungemein fesselnd. ja faszinierend. ihm meine Gründe dafür auseinanderzusetzen. ihm zu sagen. was seine Leser von ihm erwarteten. H. und signierte es für mich. ob ich es mir nicht anders überlegt hätte. und zu meinem Bedauern wechselte ich daher kaum ein paar Worte mit ihr.

Mr. Alles war schon im voraus bedacht worden. ein eigenes oder das eines Freundes. als habe er sich selbst mumifiziert. Ob manche meiner englischen Freunde wohl recht hatten mit ihren Andeutungen. die von seiner Stirn über den ganzen Kopf bis zu seinem Nacken reichte. Meine Bekanntschaft mit ihm war von kurzer Dauer. von dem jetzt. daß Shakespeare and . die sich so angriffslustig für Aleicester Crowley ins Zeug legte. Man konnte richtig Angst bekommen.Mein und Joyce’ Freund. Es verging kaum ein Tag. Frank Budgen. der nur unterschrieben werden mußte. Ich hoffe. nach der Überführung nach Taos. als die blonde Dame eine Mappe öffnete und zuerst einen Prospekt hervorzog. schwarze Messen und so weiter — das alles kam in Crowleys Büchern vor. damit nur ja kein Windstoß sie in die Höhe heben könne. scheinbar jede Spur verschwunden ist. Die Klostermönche vom Berg Athos. die man von ihm zu hören bekam. Der abstoßende Kerl sah aus. den Ort seiner ersten Ruhestätte sollte eine Tafel anzeigen. man hätte sich einen etwas weniger auffälligen Mann aussuchen können. Sein kreidefarbener Schädel war kahl bis auf eine einzige schwarze Strähne. nahm an Lawrence’ Begräbnis in Vence teil und sandte mir ein paar Aufnahmen von der vorläufigen Grabstätte. und dann noch den Entwurf eines Vertrages mit Shakespeare and Company. wie im Fall jener blonden Dame. daß der Ziegenbock und der Oxforder Student die Erfindungen anderer waren. er sei im Geheimdienst? Ich fand. sie wurden jedenfalls nie von ihm erwähnt. ohne daß wieder ein Besucher uns ein Manuskript brachte. sogar die Bedingung. In der Mauer darüber sieht man den Lawrence-»Phönix«. Die Strähne schien an die Haut angeklebt. der die in meinem Verlag »demnächst erscheinenden Memoiren von Aleicester Crowley« ankündigte. Aleicester (man spricht es Alester aus) Crowley war genauso seltsam wie die Geschichten. Ich finde aber. und natürlich auch wie sein eigenes Diary of a Drugfiend (Tagebuch eines Süchtigen).

Staatsmänner. als von Shakespeare and Company angenommen zu werden. Shakespeare and Company würden sich eine solche Chance nicht entgehen lassen. der Miss Tallulah Bankhead vertrat und anfragte. . Crowley auszuzahlen und ihm außerdem unsere Adressenliste einzuhändigen habe! Eines Morgens stieg ein Junge mit der Aufschrift »Maxim’s« auf seiner Mütze vor der Buchhandlung vom Fahrrad und übergab mir einen Brief. Dann erhielt ich ungefähr um die gleiche Zeit ein Schreiben von jemand. war sie sicherlich kaum dem Kindesalter entwachsen. Der Oberkellner des berühmten Etablissements teilte mir darin mit. Er könne unglaubliche Geschichten erzählen! Es sei anzunehmen. Miss Bankhead muß sehr frühreif gewesen sein. Bühnengrößen. daß ich imstande gewesen wäre. Tatsächlich aber war ich so beschäftigt mit meinem Buchladen und meinem Ein-Autor-Verlag und den ganzen kleinen Zeitschriften. Das Bankhead-Manuskript tauchte dann schließlich nicht auf. daß einem Manuskript nichts Ärgeres hätte zustoßen können. und der Zusammenarbeit mit den neuen kleinen Verlagen. um die ich mich kümmerte. die rings um mich aus dem Boden schossen. es abzulehnen. daß er meiner Firma gerne seine Memoiren vorlegen wolle. daß es das aufregendste literarische Ereignis seit langer Zeit werden und. aber hätte ich einen Blick hineinwerfen dürfen. Er hoffte. den Ulysses noch weit übertreffen würde. wie er andeutete. gekrönte Häupter. Er habe alles gekannt. ob ich mich für die Veröffentlichung ihrer Memoiren interessiere. was zu seiner Zeit Rang und Namen hatte. ich glaube nicht. grandes cocottes. denn als dieser Brief geschrieben wurde.Company 50 Prozent der Einkünfte aus dem Buch an Mr.

Zweite Auflage Nicht lange nachdem der Ulysses herausgekommen war, schrieb mir Miss Weaver und bat, ob sie auf ihre Kosten Klischees vom Satz der ersten Auflage anfertigen lassen dürfe. Ich stimmte sofort zu, obwohl ich über diese beschleunigte zweite Auflage etwas überrascht war. Ich konnte aber Joyce’ Wohltäterin nichts abschlagen und wußte außerdem, daß der Plan von Joyce stammte. Er war kurz nach Erscheinen des Ulysses nach London geeilt und hatte mit seiner üblichen Hast die ganze Sache arrangiert, während ich mich abmühte, den Subskribenten der ersten Auflage trotz aller Schwierigkeiten ihre Exemplare zukommen zu lassen — mit Hilfe meines »besten Kunden«, wie ich bereits erzählte. Joyce hatte protestiert, als ich ihm sagte, es würden tausend Exemplare gedruckt. »Dieses langweilige Buch«, meinte er, »nicht ein Exemplar werden Sie verkaufen.« Aber als er sah, daß die Auflage von tausend Stück nicht annähernd ausreichte, um die Nachfrage zu befriedigen, muß er wohl bedauert haben, daß die Auflage nicht größer war. Dazu hörte er, wieviel für die Exemplare bezahlt wurde, und dachte, frischer Nachschub würde solchen Spekulationen ein Ende machen und nicht den Spekulanten, sondern dem Autor etwas einbringen. Ulysses war seine große Kapitalanlage, und natürlicherweise versuchte er herauszuschlagen, soviel er konnte. Die zweite Auflage wurde wie die erste in Dijon gedruckt. Sie hatte fast das gleiche Format wie die erste und ebenfalls einen blauen Umschlag, aber sie trug den Vermerk: »Herausgegeben von John Rodker, Egoist Press.« Zweitausend Exemplare wurden gedruckt. Man brachte einen Teil zu Schiff nach Dover, wo die Exemplare prompt beschlagnahmt und »in des Königs Kamin« verheizt wurden — nach Miss Weaver war das der gebräuchliche Ausdruck dafür. Sie erzählte mir, daß sie nach Dover gestürzt war, als sie von der Beschlagnahme hörte, aber da hatten ihre Exemplare des Ulysses sich bereits in Rauch aufgelöst. Auch die in die Vereinigten Staaten geschickten Exem-

plare gingen zugrunde, wahrscheinlich hat man sie wie so viele junge Katzen im Hafen von New York ertränkt. Nach den Briefen zu schließen, die ich von Zeit zu Zeit erhielt, müssen aber manche an die Küste geschwommen sein, und die Ähnlichkeit der beiden Ausgaben verursachte einige Verwirrung. Ich erhielt unterdessen auch eine Menge Beschwerden von Pariser Buchhändlern, die von dieser nur ein paar Monate nach der ersten erschienenen zweiten Auflage hörten, und sich entrüsteten, weil sie glaubten, es handle sich um eine Übertretung der für beschränkte Auflagen geltenden Gesetze. Natürlich machten sie mir Vorwürfe, obwohl ich die zweite Auflage gar nicht verlegt hatte. Tatsächlich aber war es mein Fehler, und ich hielt ihre Beschwerden für durchaus berechtigt. Meine Unerfahrenheit trug die Schuld — ich hätte an die Buchhändler denken sollen, denen man nicht genügend Zeit gelassen hatte, ihren Vorrat von der beschränkten Originalauflage loszuwerden, ehe man mit einer neuen kam. Miss Weaver und Joyce aber fanden diesen Vorgang offenbar ganz normal, denn Joyce soll in einem Brief an Miss Weaver geäußert haben, er höre zu seinem Erstaunen von Miss Beach, daß die Pariser Buchhändler sich beschwerten. Das Schicksal der zweiten Auflage zeigte deutlich, daß alle Bemühungen, Ulysses in England herauszubringen, für den Augenblick zwecklos waren und daß auch keine Hoffnung bestand, ihn in Amerika zu veröffentlichen, wenn nicht jemand die Gesellschaft zur Unterdrückung des Lasters unterdrückte. So kehrte also Shakespeare and Companys »verlorener Sohn« nach seinem Versuch, den Kanal und den Ozean zu überqueren, wieder in die Rue de l’Odéon zurück.

Ulysses läßt sich nieder Die Auflage von Shakespeare and Company erlebte einen Neudruck nach dem andern — Ulysses IV, V, VI, VII und so weiter. Joyce erklärte, es erinnere ihn an die Päpste. (Da wir gerade von Päpsten sprechen: ein junger Mann, der auf seinem Weg nach Rom in die Buchhandlung gekommen war, um sich ein Exemplar zu holen, schrieb mir, der Papst habe unwissentlich den Ulysses gesegnet. Bei einer Audienz im Vatikan hatte der junge Mann das Buch unter seinem Rock verborgen mit sich getragen.) Zu Joyce’ Bestürzung erschienen einige der Neuauflagen wie Kellner in weißen Jacketts, da die blauen Umschläge in Dijon ausgegangen waren. Einige wieder waren aus Ersparnisgründen auf eine Art Löschpapier gedruckt. Für Ulysses VIII ließ ich den Satz erneuern, und die Druckfehler, derentwegen ich mich in Ulysses I entschuldigt hatte, wurden beseitigt. So dachten wir wenigstens. Ich glaube, Frank Harris machte den Vorschlag, wir sollten die Fahnen doch von einem seiner Freunde beim Daily Mail durchsehen lassen. Dieser Mann, ein Experte im Korrekturlesen, ging die Fahnen mehrmals sorgfältig durch. Ich tat das gleiche, aber da ich kein Experte bin, besagte das nicht viel. Der achte Nachdruck kam, und ich gab Joyce ein Exemplar. Er überprüfte eifrig die ersten paar Seiten mit Hilfe von zwei Brillen und einem Vergrößerungsglas — ich hörte einen Ausruf: Schon hatte er drei Fehler entdeckt! Trotz der Druckfehler verkaufte der Ulysses sich vor allem zu Beginn sehr gut an die großen englischen und amerikanischen Buchhandlungen am rechten Ufer. Als sein Ruhm wuchs, entdeckten auch alle französischen Buchhandlungen den Ulysses, ob sie zuvor englische Bücher verkauft hatten oder nicht — so groß war die Nachfrage danach. Von überall her aus der Stadt kamen Männer, die ausgeschickt wurden, unser Buch zu holen, versammelten sich bei mir im Buchladen, und ihre Gespräche, die sich gewöhnlich um Bücher und natürlicherweise haupt-

sächlich um deren Gewicht drehten, interessierten mich sehr. Ich bedauerte, daß mein Verlagserzeugnis so schwer war, aber sie bewunderten mich als die Verlegerin eines Bestsellers. Sie pflegten riesige grüne Tücher auf den Boden zu breiten, legten vielleicht zwanzig Exemplare des Ulysses darauf, knoteten die vier Enden zusammen und schwangen das schwere Bündel über die Schulter. Dann holten sie noch weitere Bücher ab, und ihre Tätigkeit zwang sie häufig zu einem Halt in einem Bistro, um ihren Durst zu stillen. Einer dieser netten Kerle platzte gewöhnlich mit dem lauten Ruf »Un Joylisse!« herein. Einmal erhielt ich eine Bestellung auf »I Lily von James Joyce.« Wir schickten Exemplare nach Indien, China und Japan, hatten Kunden in den Straits Settlements und, ich glaube, auch unter den Kopfjägern von Sarawak. Die Exemplare, die wir direkt an amerikanische oder englische Kunden verkauften, wurden auf Wunsch als Shakespeares Gesammelte Werke in einem Band oder Heitere Geschichten für kleine Leute verkleidet oder als andere Bücher entsprechender Größe und mit passendem Umschlag. Um Ulysses in die Vereinigten Staaten zu schmuggeln, entwickelten die Reisenden eine richtige Technik. Nach England brachte man ihn viel schwerer hinein. Wie gut auch der Verkauf in Paris ging, so hätte das Buch dem Autor und dem Verleger doch viel mehr Geld eingebracht, wäre es nicht von seinem eigentlichen Markt in englischsprechenden Ländern abgeschnitten gewesen. Sein Absatz in Ländern, in denen man nicht Englisch sprach, war naturgemäß begrenzt.

Bryher Bryher, Bryher. Ich fragte mich, ob die Eigentümerin dieses interessanten Namens sich je in meiner Buchhandlung zeigen würde. Ihren Mann, Robert McAlmon, kannte ich gut, aber

Bryher hatte Städte nicht gern — diese »Reihen von Läden«, wie sie sagte. Sie wich der Menge aus, ging nicht gern in Cafés und lebte sehr zurückgezogen. Und doch wußte ich, daß sie Paris und alles in Frankreich liebte, und ich hoffte, sie würde über die Tatsache hinwegsehen, daß meine Buchhandlung einer der Läden in den verhaßten »Reihen« war. Eines Tages — eines sehr schönen Tages für Shakespeare and Company — brachte Robert McAlmon sie mit: ein schüchternes junges englisches Mädchen in einem Maßkostüm und einem Hut mit zwei fliegenden Bändern, die mich an die eines Matrosen erinnerten. Ich konnte mich von Bryhers Augen nicht losreißen, sie waren so blau, blauer als das Meer oder der Himmel oder sogar die Blaue Grotte in Capri. Noch schöner war der Ausdruck dieser Augen. Ich fürchte, ich starre noch heute ihre Augen an. Soweit ich mich erinnern kann, bekam ich von Bryher nie ein Wort zu hören. Sie war praktisch lautlos, was in England gar nicht so selten vorkommt. Konversation gab es für sie nicht — die Franzosen nennen das »die anderen für die Kosten des Gesprächs aufkommen lassen«. McAlmon und ich besorgten also das Sprechen und Bryher das Schauen. Sie beobachtete alles ganz ruhig auf ihre Bryherische Art, gerade wie sie später alles beobachtete, als sie in den Tagen der Angriffe auf London die »Warming Fan«-Teestube besuchte — und Beowulf beweist, daß ihr dabei nichts entging. Was für ein Unterschied, wenn man an die Art dachte, wie die meisten Leute herein- und hinausstürzten, in sich selbst verschnürt wie Postpakete! Bryhers Interesse an Shakespeare and Company war echt und fördernd. Und ihre Anteilnahme und Förderung haben von jenem Tag an nicht mehr aufgehört. Bryher trägt den Namen einer der Scilly-Inseln, auf denen sie als Kind gewöhnlich ihre Ferien verbrachte. Zwar nennen ihre Freunde sie nie anders als Bryher, aber ihre Familie und alle, die sie als kleines Mädchen kannten, nennen sie Winifred. Ihr voller Name ist, glaube ich, Annie Winifred. Sie war die Tochter von Sir John Ellerman, ei-

war sie nicht viel älter. Ach. und es fand ägyptische Geschichte viel unterhaltender als die von Katze und Hund in den Lesebüchern. da holte sie alle Leintücher und Kissenbezüge aus dem Bett und wickelte sich hinein. Als ihre Eltern sie nach Ägypten mitnahmen. Die Hieroglyphen faszinierten das Kind. Unter anderem war er in seiner Jugend auch ein berühmter Alpinist gewesen. wurden aber zugleich durch ihren merkwürdigen Charakter etwas in Verwirrung gebracht. als sie vor ihnen auftauchte. das Paris 1900 heißt. Sie konnte es nicht leiden. so hätte sie ihm am liebsten ins Gesicht geschlagen.nem Gewaltigen der Finanzwelt und einem der bemerkenswertesten Männer Englands zur Zeit Georgs V. Eines Tages ritten ihre Eltern auf Kamelen fort und ließen sie zu Hause. Sie war fünf Jahre und klein für ihr Alter. Aber ihr britisches Nationalgefühl regte sich schon heftig. Die dienstbaren Geister hielten sie für ein Gespenst. wie bei andern kleinen Mädchen. daß sie schreiend davonliefen und kein einziger im Hotel blieb. Schärpen umband und ihr Haar in Lokken drehte. wenn man ihr hübsche Kleider anzog. die von einem Mann in weißen Handschuhen serviert wurden! Wenn ihren liebevollen Eltern nur geschwant hätte. und diese Unterröcke. an denen andere Kinder herumbuchstabierten. daß hier ein kleiner »Tom Sawyer« nur auf die erste Gelegenheit wartete. und waren so erschrocken. . aus dem Fenster zu springen! Bryher hat ihren ersten Besuch in Paris mit Vater und Mutter in einem schmalen Bändchen beschrieben. Kairo war überhaupt lustig. einer über dem anderen und im Winter sogar einer aus Flanell! Statt sich mit den fesselnden Ereignissen in The Cat of Bubastes und ihren Seefahrergeschichten abgeben zu können. Die Eltern hatten die kleine Winifred sehr gern. und wenn ein Franzose eine Bemerkung über ihr Land und »les Böers« machte — es war zur Zeit des Burenkrieges —. Die Eltern führten sie in die berühmte Ausstellung. mußte sie von Gouvernanten begleitet Spazierengehen und endlose Mahlzeiten essen. daß ihr Kind ausreißen und zur See fahren wollte.

zu der Ezra Pound. Aber die Geschichte geriet in die Zeitungen. In ihrem autobiographischen Roman Development. Dann traf sie mit Hilda Doolittle zusammen. einschließlich Bryhers jüngstem Bruder John. erzählt sie von dem tragisch gescheiterten Versuch. fing sie an. Nur wenn sie Fechtstunden hatte oder natürlich auch. John Gould Fletcher und andere gehörten. D. ihre Heirat vor ihren Eltern geheimzuhalten. die bis zu ihrer Hochzeit führt. nachdem sie sich kennengelernt hatten. und Mallarmé wurde Bryhers Held. Durch die Dichtung konnte Bryher endlich einer Umgebung entfliehen. nicht. es zu besuchen. der Welt der Schriftsteller. als sie heranwuchs. einem Band aus einer Folge. . und es für diese zu spät war. eröffnete Bryher den Zugang zu ihrer eigenen Welt. war für sie das Hauptereignis dieser Reise ihre Heirat mit dem jungen Schriftsteller aus Minnesota. sich sehr für unser Land zu interessieren. daß er die Tochter von Sir John Ellerman geheiratet hatte. wer sie war. wie Bryher sich immer ausdrückte.Je älter Bryher wurde. war sie glücklich. und schon am nächsten Tag erfuhr McAlmon. für das sie nicht geeignet war. und H. bis sie ihren Mann nach England brachte. ihre Emanzipationsgelüste könnten auf Widerstand stoßen. den sie heiratete. sich an ein Leben anzupassen. »hinaus in die Staaten«. Sie fuhr mit H. die sie in Verzweiflung brachte. D. ihrer eingeborenen Führerin. desto weniger verstand sie sich mit ihrer Familie. An die Stelle von Hanty und den Seefahrergeschichten traten. französische Dichter. die sich damals alle in London zusammengefunden hatten. Abgesehen davon. ihn den Eltern vorstellte. wenn sie las. daß sie beabsichtigte. Da Bryhers beste Freundin aus Amerika kam. Sie spielte eine führende Rolle in der Gruppe der sogenannten Imagisten. Die ganze Familie. Robert McAlmon. daß Bryher zum erstenmal mit Marianne Moore und anderen Dichtern zusammentraf. gewann in ihr eine Freundin fürs Leben. Bryhers Eltern nahmen die Nachricht mit großer Fassung hin und mochten auch ihren Schwiegersohn recht gut leiden. Bryher sagte dem Mann. Sie fürchtete so sehr.. Sie heirateten am Tag. etwas dagegen zu unternehmen. und beschloß.

und Adrienne lud dann immer ein paar von unseren französischen Freunden ein. machte ihn entsetzlich ungeduldig. das uns bei Shakespeare and Company die größte Freude machte. William Shakespeare. gründete er einen Verlag und brachte in seinen Contact Editions einige sehr erfolgreiche Bücher heraus. »Ich bin nur ein Trinker«. McAlmon verbrachte hingegen seine Tage hauptsächlich in Paris in den Cafés am linken Ufer unter seinen Schriftstellerkumpanen. Für die Künstler am linken Seineufer bedeutete Shakespeare and Company das gleiche wie die American Express. wie die Kunden von Shakespeare and Company alle um einen Haufen Briefe auf dem Kaminsims herumstanden und nach ihrer Post suchten. Bryher fand. Seine vielseitige Begabung machte ihn zu einer der interessantesten Persönlichkeiten der zwanziger Jahre. damit sie sie kennenlernten. aber jeder Versuch. sagte er mir selbst. obwohl es uns gelang. die mit den Buchstaben des Alphabets bezeichnet waren. war die Freude groß. sie hin und wieder. ihm persönlich oder literarisch zur Zurückhaltung zu raten. das Robert jetzt zur Verfügung stand. Wenn sie kam. Bryher kam selten nach Paris. zu uns zu locken.schloß Robert ins Herz. trotz amerikanischer Aussprache und allem übrigen. Das Geschenk aber. Seit Bob McAlmon eines Tages mit einem in Zeitungspapier gewickelten . Mit dem Vermögen. Immer gab er die Getränke aus und bedachte sich dabei leider selbst viel zu reichlich. Bei einem ihrer Besuche in meiner Buchhandlung sah sie. Seine Freunde liebten ihn sehr. war die Büste unseres Namenspatrons. in Fächer eingeteilt. aus buntem Staffordshire-Ton. die Lady Ellerman in Brighton für uns erstanden hatte. Bryher hielt sich von »Horden« und Städten lieber fern. und von nun an stand ein schöner geräumiger Kasten da. vielleicht einmal im Jahr. und die Verteilung all der Post wurde zu einem richtigen Vergnügen. daß die Unmenge Post bei uns in einen entsprechenden Briefkasten gehöre. auch trugen seine in dieser Bohemewelt einzigartig reichlichen Mittel viel zu seiner Popularität bei.

Paket aus London gekommen war und diese Gabe auf unserem Kaminsims aufgestellt hatte. daß sie während des Krieges mehr getan hat. daß sie uns Glück brachte. wenn ich das erwähne. aber ich möchte doch sagen. als man ahnt. Das Wort »Philanthropie« würde Bryher hassen. verlief das Leben bei Shakespeare and Company recht stürmisch. blieb sie unser wertvollster Schmuck. sie zu verfassen. Ich war Zeuge. . Was würde Bryhers ganzes Leben nicht für eine historische Erzählung ergeben! Glücklicherweise ist sie jetzt dabei. mit welchen Manövern sie sie von ihren Verfolgern fort.und schließlich übers Meer in die Vereinigten Staaten hineinbrachte. erklärte ein Schüler Freuds. In Krieg und Frieden hat sie sich um sie gekümmert und eine sehr ausgedehnte Korrespondenz geführt. der eben aus Wien gekommen war. aber für Leute in Schwierigkeiten tat sie Dinge. um ein Leben der Betrachtung zu führen. Bei mir war es umgekehrt: zuerst kam das besinnliche Stadium. Buntes Allerlei Für einen Menschen. bis sie in der Neuen Welt Fuß gefaßt hatten. dann das Durcheinander. um zu träumen. Bryher wird sich zwar nicht freuen. »Sie sind der Typus der Extrovertierten«. zu lesen und nachzudenken. Auf dieser Linie liegen zum Beispiel ihre außerordentlichen Leistungen bei der Rettung von Dutzenden von Nazi-Opfern. der gern in einer Ecke saß. und ich hatte immer das Gefühl. wie sie weiter für sie Sorge trug. und ich sah auch. um für den Fortbestand internationaler Verbindungen zu sorgen und ihre in viele Länder verstreute große Familie von Intellektuellen zusammenzuhalten. die man nur schwer mit einem anderen Ausdruck bezeichnen kann. Manche Leute ziehen sich von ihrer Tätigkeit zurück.

Chef und Personal — bis Myrsine mir zu Hilfe kam. Jessie schlug vor. Und man stelle sich nur vor. Ich wollte eine so gute Freundin nicht um ihre Illusionen bringen. Und außerdem sind wir Amerikaner ein lärmendes Volk. Ich verlor viel Zeit damit und verschwendete große Blätter Papier. Wir zogen uns nach dem Abendessen in ihr Zimmer zurück und machten uns an die Arbeit. und das Rechnen in Pence. Meine eigenartige Arithmetik mußte einem Menschen.Zunächst einmal gab es die routinemäßige Arbeit in der Buchhandlung. zweitälteste Tochter Woodrow Wilsons hielt sich gerade in Paris auf und interessierte sich sehr für meine Buchhandlung. und außerdem schämte ich mich auch zu sehr. englischer und französischer. Sie hatte ihr System erfolgreich in einer Klasse von zurückgebliebenen Kindern erprobt. daran war nichts zu ändern. von meinen Schwierigkeiten. daß ich gleich wieder in meine großblättrigen Berechnungen zurückfiel. das Leben ziemlich schwermachen. sie würde mir bald Arithmetik beigebracht haben. ich solle am Abend einmal zu ihr ins Hotel kommen. Adriennes Buchhandlung machte einen ungemein friedlichen Eindruck. Die schöne. In Shakespeare and Company ging es lärmend zu wie in einer Schaubude. ich erzählte ihr also nie. Die Sayres — Jessies Mann hatte eigentümlicherweise große Ähnlichkeit mit ihrem Vater — verließen Paris am nächsten Tag. wieviel Zeit die Buchführung neben dem Verkauf und Verleih von Büchern in Anspruch nahm! Ich mußte drei Bankkonten in drei verschiedenen Währungen führen. und Jessie fuhr mit der Überzeugung ab. Aber Adrienne hatte keinen Joyce in ihren Räumen. Jessie Sayre. In einer Buchhandlung ist nämlich sehr viel zu tun. »Varieté-Beach« nannten . Ich war eine Mischung von Lehrling. daß ich dank ihres Systems jetzt alles begriffen hatte. Einmal erzählte ich meiner alten Freundin aus Princeton. in amerikanischer. und ich vereinte in mir die verschiedensten Funktionen. der im Geschäftsleben stand. Centimes und Pennies stellte mich vor die größten Probleme. man bewegte sich langsamer. sobald man sie nur betrat.

der Professor für angelsächsische Sprachen an der Sorbonne. Einer Mutter von sieben zwitschernden Kleinen verschaffte ich die gesamte Serie der »Bindle«Bücher und zog sogar Charles Morgan hervor. und der Spitzname paßte auch auf seine Tochter in ihrem Paris Buchladen. erschien. wenn die Franzosen darauf bestanden. aber auch die Rechte der anderen wurden gewahrt. ja bis Mitternacht kamen und gingen Studenten. Eines meiner »Schäfchen« war ein geschworener Anhänger der Bacon-Theorie. wie ich einer war. Schriftsteller. daß viele von ihnen nichts von unseren neuen Schriftstellern gehört hatten. Wir hatten Kunden. der einmal im Jahr kam. wie die passenden Schuhe für sie zu finden. statt etwas zu verlangen. hinunter. Leser. mochte ich gerne leiden. und der Name meiner Buchhandlung ärgerte ihn so sehr. die die seltsamsten Dinge aus den Vereinigten Staaten oder aus England bestellten — einen zum Beispiel. die an Shakespeare and Company . die Joyce und Eliot verlangten. was ich nicht auf Lager hatte? Die Hälfte meiner Kunden waren natürlich Franzosen. Ich hatte die Leser besonders gerne. eilte zu mir und tat sein Bestes. Reisende für Verlage oder auch einfach nur Freunde. Huchon. Er würgte sein Frühstück. um sich Raphael’s Ephemeriden zu holen. Auch gewöhnliche Leser. Von neun Uhr früh an — wenn der liebe Mr. und natürlich stellten sich alle die anonymen Freunde ein. denn ich merkte. Unter den Mitgliedern der Leihbücherei befand sich eine Menge schriftstellerischer Tagesgrößen.die Schulkollegen meinen Vater in Princeton. Übersetzer. Verleger. bacon and eggs. Warum kauften sie nicht einfach A Boy’s Will. daß er ihr nicht fernbleiben konnte. um mich von der Erledigung der Stöße von Geschäftsbriefen abzuhalten. die sie lasen. ist ungefähr ebenso schwierig. und ich wollte sie doch auf dem laufenden halten. und zu meinen Aufgaben gehörten kleine Privatkurse in amerikanischer Literatur. Was würden die Schriftsteller ohne uns anfangen? Und die Buchhandlungen! Menschen mit passenden Büchern zu versehen. um einen leichten Roman für seine englische Frau zu holen — bis spät am Abend.

schrieb eben ein Buch über seine Ahnfrau Lady Duff Gordon. damit sie es ordentlich sehen konnten. um dieser Kundschaft Larbauds West-Point-Kadetten und all mein Spielzeug oben auf dem Schränkchen im Hinterzimmer zu zeigen. daß er mit dem Schürhaken liebäugelte. Er riß gewöhnlich Anatomy of Melancholy oder einen anderen Band aus den Regalen und schlug ihn an der Stelle auf.« Ich hegte für Harriet Waterfield die gleichen Gefühle. und die Tierkinder liefen frei herum und gerieten einem zwischen die Füße. Sie sagte ihrer Mutter: »Weißt du. wenn sie an einem in die Höhe sprangen und an den Knöpfen des besten Mantels kauten — man sollte ihn doch nicht verderben. Man mußte sie hinaufheben. hatte Mutter gesagt! Es war eine große Erleichterung. die bewies. die ich jedermann empfehlen kann. die nicht zu der an einem hochspringenden Gattung Tiere gehörten. Sie nahm mich eines Tages. Einer meiner Lieblinge war Harriet Waterfield. der diese fesselnde Geschichte noch nicht gelesen hat. setzten sich in einem geduldigen kleinen Armsessel an einem runden roten Tisch nieder und lasen Bryhers Geographie. Harriet sagte: »Nächstes Mal wollen wir gleich zu den Elefanten gehen. Sie liefen geradewegs herein. Bryher war der Ansicht. damit man darauf sitzen könne.gerichtet waren. und ich war ganz erleichtert. Zweifellos hatte er beschlossen. ins Bois de Boulogne zum Zoo mit. Ich unterbrach stets die weniger wichtigen Geschäfte mit Freuden. Es war Frühling. zu den Elefanten zu kommen. Dieser gute Mann war wirklich gewalttätig. als wir uns um die Geschäfte im Buchladen hätten kümmern sollen. Bücher sollten groß und flach sein. Sylvia Beach ist meine beste Freundin. Eines Tages bemerkte ich. daß Bacon Shakespeares Geist war. eine sehr interessante Biographie. Gordon Waterfield. Ihr Vater. Harriet war fünf. die Eigentümerin von Shakespeare and Company an Ort und Stelle umzulegen. Meine Kinderkunden waren mir lieber. als Hemingway zu seinem Morgenbesuch hereinkam. Wie lästig.« Ein anderes kleines blondhaariges Mädchen in einem weißen Kleid kam eines Tages mit seinem Vater in die Buchhandlung .

der Dichter und Botschafter Henri Hoppenot. seine Diät (bei der zum Erstaunen der Monniers besonderes Gewicht auf Büchsenlachs gelegt wurde). und mußte er einmal seinen Lebensunterhalt verdienen. wurde mit zwanzig zur Heldin der gefährlichsten Unternehmungen der Résistance. Dieses kleine Mädchen. der große zottige Schäferhund im Landhaus Adrienne Monniers Eltern. und mein Hund Teddy ließ es ihnen gegenüber manchmal an Höflichkeit fehlen. während ich mit seinem Vater sprach. Ja. nach der Heldin seines Stückes La Jeune Fille Violaine. war ein nicht ganz reinrassiger Drahthaarterrier und besaß sehr viel Charme. in dem wir immer das Wochenende verbrachten. und bot ihn mir als Geschenk an. sein Benehmen. und Violaine.und setzte sich an den kleinen roten Tisch. Dieses Kind. die sie ihm mit vieler Mühe beigebracht hatte. Teddys Kunststücke waren das Entzücken vieler Kinder. ein Hund. war einer unserer besten Freunde. ihn aber nicht länger behalten könne. das Patenkind Claudels. die er sich von niemand fortnehmen ließ. um Kinderbücher anzusehen. seine Kunststücke. Auch ein paar Hundemitglieder gab es bei Shakespeare and Company. Dann sagte mir seine Herrin eines Tages. in Kate Greenaway vertieft dasaß. dieser Teddy! Er hatte ursprünglich einer meiner Kundinnen gehört. Ich erklärte. das fast besser Englisch als Französisch konnte und an jenem Tag. und sein Vokabular. dann müsse Teddy eben eingeschläfert werden. Teddys Herrin ging auf diese Bedingung ein und übergab müden Hund samt Leine und detaillierten Angaben über seine Pflege. meinte sie. Ihr Vater. Mit seiner Brooklyner Hundemarke. Daraufhin nahm ich Teddy versuchsweise zu mir — bleiben konnte er nur. ein James Joyce und ein Buchladen sei zuviel. so konnte er jederzeit damit im Zir- . kam er häufig zu Besuch in den Laden. ihre Mutter Hélène Hoppenot und ihr Vater waren eben aus Peking gekommen. hieß Violaine. wenn Mousse sich mit ihm einverstanden zeigte. Nun. einer hübschen jungen Frau aus Brooklyn. daß sie Teddy zwar sehr gern habe.

zog die Haare heraus. Wir waren überzeugt. einen Intellektuellen. Teddy blickte zu Mousse auf. durfte sich die Freiheit herausnehmen. Ein einziges Mal hatte Adriennes Mutter versucht. Niemand. »nicht ohne Maulkorb. daß Mousse die Notwendigkeit eines Teddy nicht einsehen würde. einen zu besorgen. Teddy und ich am nächsten Wochenende durch die Sperre zu unserem Zug gehen wollten. bei seiner nächsten Wiedergeburt würde er ein Briefträger werden. Als Adrienne. warf ihn hoch und fing ihn wieder auf. seine wirren Locken zu kämmen. sprangen in den Zug und rollten fort aufs Land. Vermutlich hatte er seinen Stolz. Er drehte sich auf seinen Zehen im Kreis. Mousse schnappte den Kamm. Adrienne. die Übergabe an eine andere Herrin würde für Teddy ein Schlag sein. beweist diese Bemerkung. Mousse’ Fell zu bürsten — ein Gebirgshund würde niemals eine solche Beleidigung seiner Würde dulden. legte sich flach auf den Boden. wie hoch sie Teddy . Da Adriennes Vater bei der Post angestellt gewesen war. und verschluckte sie. er stand nicht einmal auf. Und ehe der Mann seine Sprache wiederfand. balancierte einen Stock auf der Nase. Ich hatte Angst. den ich als ganz kleinen Kerl aus Savoyen Adriennes Vater mitgebracht hatte. einem richtigen Hundemann. Er fand sich mit seiner neuen Partnerin aber nicht nur ab. hielt der Beamte uns auf. um mit mir zu sprechen. er hatte viele Metamorphosen mitgemacht. Aber nach einem ersten heftigen Zusammenstoß wurden die beiden Hunde Freunde. »Sie können den Hund nicht mitnehmen«. nicht einmal sein Herr. bis man bis drei gezählt hatte.« Wir hatten keinen Maulkorb und auch keine Zeit. und sie glaubte. Mousse war ein Hund aus den Bergen. den wir nehmen konnten. holte ein großes Taschentuch heraus und band es um Teddys Kinnladen. und der Zug war der letzte. Mousse bewunderte Teddy. Nach Adriennes Ansicht stand Teddy auf einer hohen Entwicklungsstufe. die man ihm genommen hatte. als seine frühere Herrin in die Buchhandlung kam. rasten wir davon.kus auftreten. die nie in Verlegenheit geriet. sagte er.

der voll aufregender Ideen über das Thema Film steckte. aber mit der kohlrabenschwarzen Katze von Shakespeare and Company mit Namen Lucky war er durchaus einverstanden. Ich war tief beschämt. als Lucky den Kopf eines sehr schönen neuen Hutes von Hemingway bearbeitete. Auch kamen einmal Freunde zu Adrienne zum Tee. Armer Joyce! Es freute ihn gar nicht. Erst beim Nachhausegehen entdeckte sie. mußte ich Teddy natürlich schleunigst entfernen. und er liebte mich — ich bin sicher. Besucher und Freunde Besucher aus allen Ländern kamen bei Shakespeare and Company vorbei. und Lucky fraß die Finger sämtlicher im Schlafzimmer abgelegten Handschuhe auf. Serge Eisenstein. Man konnte Lucky nicht beibringen. Mrs. Wann immer Joyce in die Buchhandlung kam. er hätte sein Hundeleben für mich hingegeben. Da Joyce nie Handschuhe trug.einschätzte. ein großer Künstler und ein Mann. und in den frühen zwanziger Jahren erschien ein Kunde aus dem damaligen Rußland. daß auch sie unter den Opfern war. was das für eine Missetat war. als Adrienne und ich uns ein Auto anschafften — er fand. Ich liebte ihn in seinem jetzigen Hundestadium. die Benützung eines Wagens sollte nur Beamten gestattet sein — und nun gab es noch diesen »bösen Hund« bei Shakespeare and Company. die ein tadelloses Paar auf einen der Tische gelegt hatten und es mit abgenagten Fingern wiederfanden. Sicherlich einer der interessantesten Men- . Joyce war ganz hysterisch vor Kummer über irgendwelche fremden Handschuhe. Joyce wußte mit Teddy nichts anzufangen. konnte Luckys Appetit auf Handschuhfinger ihm auch nicht so unangenehm sein wie den Leuten. Ich konnte lediglich mit einem Schild vor der Gefahr für Handschuhe — und auch für Hüte — warnen.

die später den Schriftstellernamen Genêt führte. Er hätte gern einen Film nach dem Ulysses gedreht. Frankreich oder England. und ihr Mann war fast ein Ire. hatte aber zuviel Achtung vor dem Text. Zu den Fotos meiner übrigen jungen Kunden kamen die der Litwinow-Kinder — an die kleine Tanja erinnere ich mich ganz besonders. gehörte zu meinen ältesten amerikanischen Freunden. Er lud Adrienne und mich in die Russische Botschaft ein. die ich je kennenlernte. Mrs.schen. kam damals in Rußland offenbar nichts von besonderer Bedeutung heraus. Aber die meisten kamen natürlich aus Amerika. Er hatte stets so viele Ideen. er wollte mir dafür zeitgenössische russische Literatur schicken. Zentraleuropäer und Südamerikaner. daß er in einer gegebenen Zeit nie auch nur die Hälfte davon ausdrücken und vielleicht auch nie einen Film zu einem bestimmten Termin fertigdrehen konnte. Hindus. Janet Planner. Nach diesen Büchern zu schließen. denn er hatte in Dublin an der gleichen Universität studiert wie Joyce. das sie gerade zum Zug nach Rom brachte. oder vielleicht fehlten auch nur die Übersetzungen. Griechen. Kambodschaner. Litwinow stammte aus England. vorführte und einige seiner Ideen zu diesem Thema mitteilte. Unter meinen Kunden und Freunden befanden sich ein chinesischer Phonetik-Professor (mit Zwillingen). Ich kam mit Eisenstein überein. In den zwanziger Jahren kam sie sehr häufig zu mir. Auch die ganze Familie Litwinow besuchte unsere Buchhandlung. Eisenstein verfolgte die literarischen Strömungen genau und war ein glühender Bewunderer von Joyce. nur um der Leihbibliothek von Shakespeare and Company rasch zwei herrliche Kunstbücher zu schenken. Adrienne Monnier lieh die beiden Bände aus und sah . um ihn dem Bild zu opfern. ihn mit den Neuerscheinungen in englischer Sprache zu versorgen. Eisenstein kam auch später nochmals nach Paris zurück. Die Generallinie. Einmal sprang sie für eine Minute aus einem Taxi. wie er mir sagte. wo er uns seinen neuen Film.

zwei meiner alten Kunden vor Rue de l’Odéon Nr. wie wir ihn nannten. Thornton Wilder tauchte bei Shakespeare and Company ungefähr zur selben Zeit auf wie Hemingway. wenn er gerade vorbeiraste. das kann ich bezeugen. und ich fand. Von allen meinen Freunden hatte er die besten Manieren. der immer auf dem Sprung zu sein schien. Ein weiterer aus diesen frühen Tagen stammender Freund war John Dos Passos. sich um die verschiedensten Leute zu kümmern. nicht ihr. Das war echt Janet Planner. aber immer. Meine Begegnung mit ihm fiel in die Zeit zwischen Three Soldiers und Manhattan Transfer. offensichtlich entstammte er einem ganz anderen Milieu als die übrigen aus seiner Generation in Paris. Als eine kleine Gegengabe für eine ihrer Gefälligkeiten schenkte ich ihr ein Exemplar des Ulysses mit ein paar handgeschriebenen Zeilen des Autors darin.sich die Bilder so gerne an. Ich bekam ihn aber immer nur flüchtig zu Gesicht. ob ich etwas dagegen habe. Zur Zeit der Befreiung kam ein Fotograf von Life auf die gute Idee. wenn sie ihr Exemplar einer berühmten Bibliothek verkaufe — mir. gesagt. Mir gefiel seine Cabala und später seine Brücke von San Luis Rey. daß man ein Foto unter der Tür hindurchgeschoben hatte: ein Bild von John Dos Passos. sehr im Wert. er war ziemlich schüchtern und gab sich ein wenig wie ein junger Geistlicher. was von Joyce kam. Sie arbeitete ungeheuer viel. fand sie Zeit. 12 aufzunehmen: Janet Planner und Ernest Hemingway. sie wieder herzugeben. Einige Jahre später stieg alles. ehe sie sich entschließen konnte. Einmal. daß es einige Zeit brauchte. sollte der Erlös zukommen. Manchmal sah ich ihn zusammen mit Hemingway. wohin ihre Tätigkeit als Reiseschriftstellerin sie eben verschlug. Er verkehrte viel mit den jungen Hemingways und kam auch häufig in die Buchhandlung. was er erreicht hatte. Ich hatte Dos. und . als ich nach der Mittagspause den Laden aufmachte. und nun fragte sie mich. bemerkte ich. er müsse mir eines für meine Porträtgalerie bringen. Stets war Janet Planner gerade auf dem Weg nach London oder nach Rom oder in sonst irgendeine Stadt. daß er trotz allem.

Ich hatte jedoch nicht im mindesten das Gefühl. die ihm eine Zeitlang assistierte. Der Künstler Man Ray und seine Schülerin Berenice Abbott. Er hatte einfach anderweitig zu tun. daß sie bei ihren Besuchen in Paris gewöhnlich auch meine Buchhandlung in ihr Programm aufnahmen. hieß. denn ich hatte Thornton Wilder immer gern gehabt und bewundert. daß unsere Freundschaft sich abkühlte. Auch Sherwood Anderson zog es stark in die Rue Christine. Von Man Ray und Berenice Abbott aufgenommen zu werden. Er hatte bereits einen Namen unter den Künstlern der Avantgarde und gehörte zur DadaBewegung und zur surrealistischen Gruppe. das heißt zu Gertrude Stein. Die Wände meiner Buchhandlung hingen voll mit ihren Fotografien. Nach einer Weile merkte ich zu meinem Bedauern. Wenn man nicht an die Gegensätze und die Verschiedenartigkeit unseres riesigen Landes dachte. geschrieben und Ernest Hemingway die Einleitung dazu. daß dieses offizielle Organ auf uns aufmerksam geworden war. Morill Cody. Die Franzosen bewundern seine Brücke von San Luis Rey sehr und könnten sie fast für sich in Anspruch nehmen. daß er mehr oder minder aus der Rue de l’Odéon verschwand. ganz unerklärlich scheinen. Wie meine anderen Freunde aus den Pariser zwanziger Jahren ist . hatte das Buch über die sehr wichtige Persönlichkeit Jimmy. daß man in den Augen der Leute jemand war. galt aber das Hauptinteresse Man Rays nicht seiner Fotografie. Wir waren sehr stolz. den Barmann. zum Beispiel zwischen Wilder und McAlmon. in Richtung der Rue Christine. Der Verfasser des Artikels.trotz seiner Erfolge sehr bescheiden war. mußte einem der Unterschied zwischen manchen meiner Freunde aus den zwanziger Jahren. Wie ich glaube. waren die offiziellen Porträtisten der »Horde«. so sehr liegt der Roman auf der Linie der französischen Tradition. Im April 1924 fiel den Buchhändlern und Verlegern in den Vereinigten Staaten ein Artikel in Publisher’s Weekly über Shakespeare and Company auf und interessierte sie so sehr.

und Greenwich-Village-Gruppe und war mit McAlmon befreundet.Morill Cody seit jenen Tagen weit vorangekommen. keineswegs melancholisch. Sie war ganz entschieden eine der talentiertesten und meiner Meinung nach eine der faszinierendsten Gestalten der literarischen Welt im Paris der zwanziger Jahre. Trotzdem aber kommt mir vor. In der Frühzeit meiner Buchhandlung trieb sich Marsden Hartley im Viertel herum. wenn ich mit ihr zusammentraf. Er gehörte nicht zu denen. Dafür war Mary Butts. Ihr erster. Sie gehörte zur Little Review. die ein und aus hüpfte. Außerdem gehörte Djuna nicht zu den Leuten. McAlmon veröffentlichte Twenty-Five Poems von ihm in seinen Contact Editions. In ihrer Fremdartigkeit und ihrem melancholischen Klang — der so stark zu Djunas reizendem Lächeln kontrastierte — erinnerten ihre Werke in nichts an die der anderen zeitgenössischen Autoren. so irische und so begabte Djuna Barnes kam in der ersten Hälfte der zwanziger Jahre nach Paris. hat unsere kulturellen Beziehungen zu Frankreich sehr gefördert und fördert sie noch. den sie verdient. wenn auch etwas melancholisch vor. 1922 veröffentlichter Roman. Sie gehörte mit ihren roten Wangen und ihrem roten Haar zu den wohlbekannten Persönlichkeiten der zwanziger Jahre in . und er wies ihr den Platz an. jedenfalls nicht. daß man sie in den Büchern über die Literatur der damaligen Zeit nicht entsprechend würdigt. auch er Amerikaner und ein interessanter Kerl. S. Zum Glück bewährte sich T. die lange in Paris bleiben. »Die Horde« Die so reizende. Eliots scharfer Blick auch in diesem Fall. der den einfachen und sehr charakteristischen Titel Ein Buch führte. begründete ihren Ruf als Schriftstellerin. die ihre Waren anpreisen. aber bei unsern kurzen Begegnungen kam er mir sehr anziehend.

Faby war noch ein kleines Mädchen. wenn er wollte. Kam man in Minas Wohnung. aber wunderhübsch. Augen. Sie hatte also Joyce’ Stimme. um ihre Kinder zu erhalten. der sehr gut sehen konnte. Haltung. was an Büchern von ihr erschienen war. Sie waren aber daran gewöhnt. Aber ihr Leben verlief tragisch. schrieb sie Gedichte. Das Englisch. und auch seine Quaint Stories veröffentlichte er. Ihre Hüte sahen ihren Lampenschirmen sehr ähnlich. daß Joellas Schönheit keinen Vergleich zu scheuen brauchte: Goldhaar. so mußte man sich den Weg durch Lampenschirme bahnen. und ihr Anblick war so fesselnd. daß Mina bei einer Abstimmung als Siegerin hervorgegangen wäre.Paris. ungerechterweise alle drei in einer Familie. in dem diese Märchen über die wilden Samurai-Krieger und ihre Knaben geschrieben . obwohl die Contact Editions einen Teil ihrer Romane. Cocteaus Zeichnung der Verfasserin von Traps for Unbelievers entspricht genau der Mary Butts jener Tage. Joyce. die Mary Butts als eine Intellektuelle. Teint. fand. Auch verschwand. wo sie gingen und standen. die überall herumlagen — sie verfertigte sie. oder vielleicht erinnerten auch die Lampenschirme an ihre Hüte. Es gab auch ein Buch über Cleopatra. darunter Ashe of Rings. McAlmon brachte einen kleinen Band mit dem typischen Mina-Loy-Titel Lunar Baedecker heraus (die falsche Schreibweise »Baedeker« stammt von — McAlmon!) Unter unserer Horde vom linken Ufer hatte McAlmon auch einen japanischen Freund. Ich glaube jedoch. daß man kaum die Augen von ihr abwenden konnte. und ihre Töchter Joella und Faby (sicher habe ich die Namen falsch geschrieben) waren so unbeschreiblich schön. Wenn immer sie Zeit hatte. und ihre vielversprechende künstlerische Arbeit wurde jäh durch den Tod unterbrochen. Mina Loy. daß man ihnen nachstarrte. Sie machte auch alle ihre Kleider selbst und wahrscheinlich auch die ihrer Töchter. Ken Sato. veröffentlicht hatten. Drei blendende Schönheiten hatten wir in der »Horde«. ja fast als einen Blaustrumpf ansah. sie wurden nach ihrem Tod offenbar nicht nachgedruckt. die Dichterin.

Man traf bei Miss Barney Damen mit hohen Kragen und Monokel. Miss Barney empfing jeden Freitag in ihrem Pavillon in der Rue Jacob. Ihre Autoren gehörten meist zum Kreis des Mercure de France. ob sie literarische Angelegenheiten je ernst nahm. Pound vermittelte eine Aufführung von George Antheils Werken in Miss Barneys Salon. Pounds Instigations lagen vor uns. sondern im Gegenteil eine reizende Frau. daher der Name. ich weiß aber nicht. der mit Büchern derart vollgestopft war. Sie ritt jeden Morgen im Bois de Boulogne. mutete fast noch seltsamer an als die Geschichten von Gides Vorläufern in Japan. Leider versäumte ich es. obwohl Miss Barney selbst so weiblich war. daß ein Band zu Boden fiel. in ihrem Salon die Bekanntschaft der Verfasserin von The Well of Loneliness zu machen. sie lese ohnehin nur Gedichte und behielte nichts anderes in ihrer Bibliothek. dessen Freunde ebenfalls in der Mehrzahl im Mercure schrieben. Miss Barney war keine kämpferische Amazone. sagte sie. viele ihrer Geschlechtsgenossinnen empfanden das als ein Unglück. die sich sowohl für meine wie für Adriennes Buchhandlung sehr interessierten. ob an Freitagen. Die Autorin . wohl aber seinen Bruder. Auch schrieb sie Gedichte. wo man auch Ninon de Lenclos im siebzehnten Jahrhundert hatte antreffen können. Eines Tages ging ich in die Rue Jacob hinüber. Zu den Leuten. aber ich frage mich. um Miss Barney nach einem meiner Leihbücher suchen zu helfen. als sie die Schranktür öffnete. gehörte meine Landsmännin Miss Clifford Barney — die »Amazone« aus Rémy de Gourmonts Briefen. aber sie bestand darauf. und vielleicht geriet sie auf diese Weise an Ezra Pound. »Wenn Sie Ihr Buch nicht finden«. Sie führte mich zu einem Schrank.« Ich protestierte — Pounds Buch hatte Seltenheitswert und war ihr außerdem vom Autor gewidmet worden. daß ich es mitnähme. »nehmen Sie statt dessen dieses. Ich glaube. und immer ganz in Weiß. Rémy de Gourmont sah man nicht mehr bei Miss Barney.war. und mit ihrem blonden Teint wirkte sie höchst attraktiv. und ihr Salon war in der literarischen Welt von Paris berühmt.

die in meiner Buchhandlung aus und ein gingen. als Dolly in Venedig ein so trauriges Ende gefunden hatte. Auf der Fotografie. das vermutlich von Djuna Barnes stammt. war die Dichterin Renée Vivien. aber hübscher. und wir nahmen an allen gemeinsam Anteil. Miss Barney selbst jedoch neigte nicht dazu. vor allem der Schokoladekuchen von Colombin. die ich von Scott Fitzgerald und Adrienne machte. und die Köstlichkeiten. Ein wenig bekanntes anonymes Meisterwerk. auf tragische Weise ums Leben kam. Sie sah überanstrengt aus und zischte mir ins Ohr: »Haben Sie sonst noch etwas über diese unglückseligen Geschöpfe?«. Fitzgerald. könnten invertierte Paare nur vor dem Altar zusammengegeben werden. Eine andere Freundin Miss Barneys. Wir konnten ihn sehr . soll angeblich ein Porträt von Miss Barney sein. so hätten alle ihre Probleme ein Ende. Bei Miss Barney lernte ich Dolly Wilde kennen. The Lady’s Almanack. kann man sehen. wie ich selbst. Miss Barney schrieb einen sehr rührenden Nachruf. daß wir mit ihm dicke Freundschaft geschlossen hatten. die sie ihren Gästen bot. die plötzlich und. Chamson und Prévost Adrienne interessierte sich ebenso für die amerikanischen Schriftsteller. wie ich glaube. wie sie miteinander auf der Türschwelle von Shakespeare and Company sitzen. Sie war herrlich lustig. Eine Dame. die mit einem Schreiben von Miss Barney in meine Buchhandlung kam. waren bester Qualität. das Dasein von der traurigen Seite zu nehmen.kommt in dem Roman zu dem Schluß. Eigentlich hätte unter der Rue de l’Odéon ein Tunnel hindurchführen sollen. schien wenig von ihren Besuchen in der Rue Jacob profitiert zu haben. ihrem Onkel sehr ähnlich.

uns für einen Augenblick mit seinem Glanz blendend.gut leiden — wer nicht? Blauäugig.und Fußende sind als Meermädchen (oder Sirenen) dargestellt. hatte aber Angst. gut aussehend. Scott verehrte James Joyce. Adrienne kochte also ein gutes Abendessen und lud die Joyces. In mein Exemplar von The Great Gatsby zeichnete Scott ein Bild der Gäste — Joyce sitzt mit einem Glorienschein bei Tisch. Scott kniet neben ihm. Adrienne und ich am Kopf. sich ihm persönlich zu nähern. besorgt um andere. die Fitzgeralds und André Chamson mit seiner Frau Lucie ein. daß er und Zelda eine Menge Champagner in Montmartre trinken . war er in seiner stürmischen Unbekümmertheit faszinierend wie ein gefallener Engel und sauste durch die Rue de l’Odeon. Der arme Scott verdiente so viel Geld mit seinen Büchern.

die mit Chamson am Drehbuch arbeiten sollte. Scott und Zelda ließen auf einem Tablett in der Halle des Hauses. Ein aufregender. das er beschrieb. Mit Hollywood ging es zuerst gut. Vidor kehrte aus Amerika zurück und brachte Eleanor Boardman mit. Chamsons Heimatberg in den Cevennen. Der gesamte Scheck eines Verlegers ging in ein Perlenhalsband für sie auf. mit der sie in einem der Nachtklubs da oben tanzte. gleich selbst zugreifen konnten. ob ich nicht vielleicht ein Buch von einem jungen französischen Autor wüßte. was er verdiente. dramatischer und wahrer Bericht über den Bau einer Straße auf den Aigual. ohne an die Zukunft zu denken. damit Leute. als das Drehbuch Form anzunehmen schien. Der junge Mann aus den Cevennen erzählte eine fesselnde.mußten. »Das ist genau. durch Scott kam ich mit King Vidor aus Hollywood zusammen. dann schlecht. Vidors Ruf hatte damals in Europa seinen Höhepunkt erreicht. das sich zum Verfilmen eigne. Ich glaube. immer eine Menge Geld liegen. und auf Vidors Bitte forderte ich Chamson auf. Er konnte nicht Französisch und Chamson nicht Englisch. aber das Mädchen brachte es ihr am nächsten Morgen in aller Frühe zurück. schöne Geschichte. aber ich machte den Dolmetsch und war begeistert. Auf diese Art streute Scott alles aus. Ich dachte sofort an André Chamsons ersten Roman Die Straße. . in dem sie wohnten. die er selbst miterlebt hatte. was ich suche«. die Rechnungen präsentierten oder ein Trinkgeld bekommen sollten. Sie schenkte das Halsband einer Negerin. hatte Verständnis und ein sehr feines Empfinden. während Scott durch mich die Bekanntschaft des jungen französischen Schriftstellers André Chamson machte. Ich schlug Vidor also Die Straße vor und erzählte ihm. und auch als Mensch enttäuschte er mich nicht: er war keineswegs oberflächlich. war er geboren und erzogen worden. und das kam so: King Vidor erschien eines Tages bei mir mit der Frage. worum es sich handelte. In dem Dorf am Fuß des Berges. um es loszuwerden. sagte er. in die Buchhandlung zu kommen.

er wich nicht von seinem Weg ab. Und das war auch das letzte. Glücklicherweise stammt Chamson von einer weisen alten Rasse ab. Die Chamsons erzählten mir von einem mitternächtlichen Besuch Scotts in ihrer kleinen Wohnung hinter dem Pantheon. Obwohl uns damals gar nicht komisch zumute war. meinte Scott. Trotzdem verlor ich und. der junge Mann würde in Frankreich alles stehen und liegen lassen und ihn nach Hollywood begleiten. was wir von ihm hörten. als Vidors großer Wagen eines Tages nicht erschien. um dort die Nacht zu verbringen. wo Chamson phantastische Summen verdienen sollte. was sie hier »perdre le nord« nennen — das heißt. Scott Schritt für Schritt die Treppe hinunter und in ein Taxi zu . ihn an einem Kopfsprung von ihrem Balkon aus auf die Straße zu hindern. und nicht einen Augenblick lang tat er. nun werde er sich auf dem Sofa ausstrekken. verlor mein Land bei dieser Affäre an Ansehen. haben Chamson und ich seither oft über Vidors Versprechungen gelacht.Die Arbeit an Die Straße hatte schon ungefähr einen Monat gedauert. daß Chamson uns bald seine Enttäuschung verzieh. daß er plötzlich in die Staaten zurückberufen worden sei — das war alles. Scott hatte eine Flasche Champagner in einem Kübel gebracht. Nachdem er den Champagner mit seinen Freunden geteilt hatte. Chamson zu einem reichen Mann zu machen. das aufzugeben. Er hatte sich aber anders besonnen. Vidor erwartete. Chamson gelang es schließlich. was noch schlimmer war. er war Sekretär eines Ministers in der Abgeordnetenkammer und hatte nicht die Absicht. den er wohl irgendwo in einem Klub hatte mitgehen lassen. benahm sich aber in der ganzen Sache so freundschaftlich. und es kostete sie einige Mühe. und Lucie holte eine Decke und wollte sie über ihn breiten. die sechs Stockwerke tiefer lag. Er fragte Vidor: »Und was wird mit meiner Stellung?« Denn Chamson hatte eine gute Stellung. Scott Fitzgerald seinerseits war entsetzt. um ihn zu dem ausgemachten Rendezvous in der Buchhandlung zu bringen: auf einem hastig gekritzelten Zettel teilte er mir mit.

Er war ein Grammatiker mit philosophischen Neigungen. das er in der Tasche hatte. la Vallée du Bonheur. Um Chamsons Behauptungen nachzuprüfen. In der Mitte der zwanziger Jahre kamen Adrienne und ich nicht nur mit André Chamson.manövrieren. Der Chauffeur selbst war gar nicht scharf darauf. daß er es nicht bedauern muß. Irrlichtern nicht gefolgt zu sein. von dem er dauernd sprach und der sich auch seinerseits viel um ihn kümmerte. Prévost sprunghaft. Adrienne Les Déserts hoch über Chambéry und Aix-les-Bains zwischen den beiden Gipfeln des Revard und der Croix de Nivolet. Zu seinen Füßen liegt das Tal des Glückes. launisch. Er ist hoch. wobei jeder seinen besonderen Liebling hatte — Chamson den Aigual in den Cevennen. reizbar. daß die Straße. einsichtig. »Ça ferait des histoires« — »Das macht nur Scherereien«. da Ströme an seinen Hängen abwärts fließen. den man je für das Versailler Schloß ernannt hatte. fuhren wir in die Cevennen hinunter und nahmen seinen Aigual in Augenschein. daß er mit Recht an ihm hing. die in vielen Windungen auf den Gipfel . Jetzt ist er Kustos am Petit Palais und an zwei anderen Nationalmuseen und Mitglied der Académie Française. bewaldet und im wörtlichen Sinn ein »Stromlinienberg«. meinte er. daß Scott dem Chauffeur das ganze Geld schenkte. und wir mußten zugeben. Adrienne und Chamson teilten miteinander die Liebe zu den Bergen. Er wurde der jüngste Kustos. Außerdem sind Taxichauffeure immer ehrliche Leute. Seine ganze Liebe galt seinem großen Freund André Maurois. Er ließ auch nicht zu. sondern auch mit Jean Prévost viel zusammen. ein Historiker und politisch interessiert. die eng miteinander befreundet und sehr voneinander verschieden waren: Chamson gesetzt. Chamson hat eine so blendende Karriere hinter sich. Chamson ein Kunstkenner. Ich muß auch sagen. Prévost arbeitete eine Zeitlang als Mitherausgeber von Adrienne Monniers Zeitschrift und verbrachte daher einen großen Teil seiner Zeit in unseren Buchläden. fleißig. anpassungsfähig.

Edouard Herriot war mir immer sympathisch gewesen und von mir als einer der besten französischen Staatsmänner bewundert worden. Trotzdem fand Adrienne. Das Rohr und ich erbebten. so sieht man über die Cevennen hinüber bis zum Mittelmeer. Auf diese Art brach Hemingway seinen Daumen bei einem Match. kräftige Prévost betrieb allerlei Sport und spielte am Sonntag Fußball. Er begrüßte Herriot mit den in der École Normale üblichen Worten (die zu unanständig sind. indem er damit gegen ein eisernes Rohr in meinem Buchladen schlug. Außerdem hatte er stets etwas für mein Land übriggehabt. . ein Schnupfen oder Magenschmerzen. Schläge gegen seinen Kopf ließen ihn völlig kalt. sondern im buchstäblichen Sinn. um sie zu zitieren). Prévost rief »Das ist Herriot!« und stürzte hinaus. Prévost hatte einen ungemein harten Schädel: ich meine es nicht in übertragenem. Und kommt man oben auf dem Aigual an. Der untersetzte. das ich zwischen den beiden Champions organisierte. Er erbrachte gewöhnlich den Beweis dafür. und als wir einmal in Adriennes Buchhandlung saßen. Ich lief über die Straße zu Shakespeare and Company.führt — siehe Chamsons Roman Die Straße — wirklich eine großartige Leistung ist. um die Bücher im Schaufenster zu betrachten. störten Prévost sehr — aber vor dem Tod fürchtete er sich nicht. Die kleinste Unpäßlichkeit. Nebenbei aber hatte er auch die École Normale absolviert. blieb ein Herr stehen. sein Kopf war so hart wie ein Stück Fels. Adrienne. der Aigual mit all seinen Schönheiten sei im Vergleich zu ihren Savoyischen Alpenriesen nichts als ein Hügel. und Herriot folgte ihm in die Buchhandlung. Er war ein Boxer und erklärte. holte mein Exemplar von Dans la Forêt Normande. Man konnte genauso gut gegen eine Eisenstange boxen wie gegen Prévosts Kopf. Er fühle sie nicht. Prévost und ich. aber er selbst spürte gar nichts. und er schrieb mir netterweise eine Widmung hinein. ein Herr in mittleren Jahren mit einem interessanten Kopf. Er starb als Mitglied der Résistance.

Entschuldigend erklärten sie. waren Ada und Archibald MacLeish. Glücklicherweise griffen in solchen Fällen MacLeish und Hemingway ein. mit ihr die irischen Lieder aus seinem Repertoire. der aus irgendeinem Grund in Schwierigkeiten mit der französischen Polizei geraten war. die einen zu großen Durst und einen zu kleinen französischen Wortschatz hatten. der damals mit seiner Familie auch gekommen war. er und Ludwig Lewissohn arbeiteten den Wortlaut des Protestes gegen den unerlaubten Nachdruck des Ulysses aus. MacLeish Zwei amerikanische Mitglieder der großen Familie von Shakespeare and Company. Das kam immer wieder bei unsern Freunden vor. in welchem Jahr. um sich über einen Plan zur Rettung Hart Cranes zu unterhalten. zu dem wir natürlich alle gingen. Ich erinnere mich. die jetzt in Avenue Foch umbenannt wurde. Joyce. Nach dem Essen las Archie uns ein noch nicht ganz fertiges Gedicht vor.A. hörte sie gern singen und studierte vor ihrem Konzert. das Haus und der Diener mit weißen Handschuhen seien ihnen nur von einem Freund geliehen worden. und Ada sang — sie hatte eine wunderschöne Stimme. Auch mit Joyce war er befreundet. Der Verfasser von The Happy Marriage und The Pot of Earth kam 1924 in meine Buchhandlung — oder war es später? Ich bin nicht mehr ganz sicher. aber schon 1926 waren wir alte Freunde. wie MacLeish und Hemingway bei mir zusammenkamen. In das erste der beiden kleinen Bücher schrieb er mir 1928 eine Widmung. die ich besonders gern mochte. . Die MacLeish luden Adrienne und mich einmal zum Abendessen in ihr elegantes kleines Haus in der herrlichen Avenue du Bois de Boulogne ein.

Man hörte ihre Pfiffe straßauf und -ab. »Wir Amerikaner«. der Kerl mit den Ponyfransen. es war wieder eine der Wildwestszenen. die im Schaufenster standen. George machte mir einen ausgezeichneten Vorschlag. und sie hatte die Karten ausgegeben. hatte Amerikaner gern. In diesem Augenblick ging gewöhnlich die Seitentür der Leihbibliothek auf. Kunden. Dann würden sie reißend abgehen. und der Kerl kam selbst herein. sagte sie. denn George war ungeheuer lesehungrig und verschlang sämtliche Bücher in meiner Leihbibliothek. dann pflegte er mit Hilfe des Ladenschilds von Shakespeare and Company zum ersten Stock hinaufzuklettern und sich durch sein Fenster zu schwingen. der immer noch seine Hundemarke aus Brooklyn trug. wenn er zu sehr schwankte. einen Haufen Bücher unter dem Arm. sagte sie und meinte damit meinen Hund Teddy. und manche zogen sich sogar wie Cowboys an. Nach der Übersiedlung in die Rue de l’Odéon zogen George Antheil und Böske in die Zweizimmerwohnung über der Buchhandlung — ein sehr gutes Arrangement. eine Ledertasche über der Schulter und sich am Wagen festklammernd. die er vorschlug. sämtliche Bücher. »Dieser Amerikaner«. mit spannenderen Titeln zu versehen. und als ich einige der nicht wiederzugebenden Titel hörte. und fand uns fast so amüsant wie die Rennen. eine alte Dame mit einem Orden für vierzigjährige treue Dienste. meinte er. Hatte George seinen Schlüssel vergessen und war Böske ausgegangen. Besonders gern mochte sie George Antheil. hielt ich das für durchaus möglich. wer denn der Mann auf dem Foto von Man Ray sei. wie ich meine Bücher loswerden könnte. fragten unweigerlich. Er bot sich an. In ihren vorhausmeisterlichen Tagen hatte ihr Mann einen Pferdewagen nach Longchamps gefahren. die sich die Bilder an den Wänden ansahen. Die Vorübergehenden blieben natürlich stehen und sahen zu. Meine Hausmeisterin. für die meine Kunden sorgten. nur .Ballet Mécanique Eine Zeitlang ging Shakespeare and Company völlig in Musik auf.

und Vladimir Golschmann. es zusammenboxte. daß die »pianistischen Verdrehungen« sich durch das mechanische Klavier nicht hätten ausschalten lassen. Das riesige Théâtre des Champs-Elysées wurde gemietet. der »Feuerwehr« zu. Sie fand die Musik merkwürdig. wie sie es nannte. Er träumte davon. hörte oft. Wir verfolgten die Fortschritte dieser Komposition mit größter Spannung. Antheil erklärte. aber aufregend. auf ihren Besen gelehnt. konnte Antheil bis zur Beendigung des Balletts durchhalten. Am Ballet Mécanique waren Adrienne und ich vom ersten Augenblick an beteiligt. gefiel das Ballett sehr gut. sagte George und sprach von dem Buch. Er »funktioniert«. Nachdem sie fertig war. durfte George den Flügel in ihrer Wohnung benützen. der die Kosten der Aufführung decken sollte. der sich sehr für Antheils Kompositionen interessierte. das Ballet .nicht. aber er hatte mindestens ebensoviel Arbeit wie das Klavier. Bok ihm einen Scheck. davon war man überzeugt. wollte George sie uns auf einem elektrischen Klavier mit drei Walzen bei Pleyel vorspielen. erklärte sich bereit. Anwesend waren Adrienne. als handle es sich um eine mechanische Erfindung. und da sich Adrienne den ganzen Tag in ihrer Buchhandlung aufhielt. Das Klavier ist ein Schlaginstrument. die den Spieler nach seinen Anstrengungen abreiben mußte — er war tropfnaß. Mit Hilfe von Lady Ellerman. einschließlich Joyce. es kam aber leider nie dazu. hatten George und ich denselben Geschmack. Robert McAlmon. Die Frau. weil menschliche Hände es technisch unmöglich bewältigen könnten. ich und noch ein paar andere und natürlich Böske. Joyce. wenn er spät nach Hause kam und sie ihm aufmachen mußte. eine von Ulysses inspirierte Oper zu komponieren. das Ballet Mécanique sei für elektrisches Klavier komponiert. kein Klavier. die Adriennes Zimmer aufräumte. Was den Ulysses betraf. Joyce bedauerte nur. Antheil hatte. wenn George es spielte oder besser gesagt. Dann schickte Mrs. Uns allen. Bryhers Mutter. als er daran arbeitete.

gab es schon ein Riesengedränge. den man so selten zu Gesicht bekam. zu unseren Sitzen zu gelangen. et Mme. ihn zu moderner Musik zu bekehren.Mécanique und als erste Nummer des Programms Antheils Symphonie zu dirigieren. Oben auf der Galerie saß Ezra Pound inmitten einer Gruppe von »Montparnassiens«. S. Von einem Orchestersitz aus grüßte eine sehr distinguierte Dame in Schwarz jedermann mit einer anmutigen Neigung des Kopfes. um dafür zu sorgen. Dann sahen wir uns um — dazu war reichlich Zeit. Joyce hatte Giorgio in der Hoffnung mitgebracht. daß George Antheil gebührend gefeiert wurde. Inzwischen schickten »M. Eliot. Sie fand 1925 statt. war erschienen und mit ihm Prinzessin Bassiano. Die Aufführung des Ballet Mécanique im Théâtre des Champs-Elysées war eines der großen Ereignisse der zwanziger Jahre. ehe sein Freund Alan Tanner nicht das Mottenloch vorne gestopft hatte. denn George Antheil konnte seinen Frack nicht anziehen. Ezra Pound« uns eine Einladung zu einem privaten Konzert. und vor dem Eingang staute sich die Menge und versuchte hineinzukommen. Der so gut aussehende und so elegant angezogene T. und die gesamte »Horde« erschien und füllte das große Theater. wie das »Mausoleum« des Türken war es »innen voll«. Wir hatten große Mühe. aber die Kompositionen von Pound und Antheil waren für diesen Zweck kaum das Richtige. Das Programm trug die Überschrift »Musique Américaine: (Unabhängigkeitserklärung): aufgeführt von Olga Rudge und George Antheil«. Das Konzert der beiden musikalischen Verschwörer fand in der Salle Pleyel in einem der kleinen Räume statt. und ohne den Hauptpianisten konnte das Konzert ja nicht beginnen. Als wir eine ganze Weile vor Beginn des Konzerts eintrafen. In einer Loge saßen die Joyces. bei dem einige Kompositionen von Pound und Antheil aufgeführt wurden. Neben Adrienne und mir saßen Joyce und sein Sohn Giorgio. Man flüsterte etwas von . Unter den Zuhörern sah ich Margaret Anderson und Jane Heap und auch Djuna Barnes und Ernest Hemingway.

jemals ein Buch mit dem . ging die Musik völlig unter. und jemand erzählte. Aber George ging nicht gern zu Fuß. aber er brachte es zu einem chahut. wie mir George erzählte. wo Musik »nichts als Schlagzeug« war. vor allem nicht mit Crazy auf dem Rücken. Andere rieten ihm dringend. und fand eine Stelle. Crazy selbst wieder wanderte lieber den Balkon entlang. man hörte das Gejohle. Die Wirkung des Ballet Mécanique auf das Publikum war merkwürdig. wie Stuart Gilbert erzählte. und vom dadaistischen Gesichtspunkt aus konnte ihm nichts Besseres passieren. Pound schlug vor. um noch mehr ins Gerede zu kommen. er solle eine Fußwanderung durch Italien unternehmen. Gegnern im Parkett antworteten Verteidiger von oben. und die Frauen wickelten sich in ihre Hüllen. der. all die Publicity auszunützen. Nun. daß man ihn mit dem Kopf nach unten von der vierten Galerie hatte hängen sehen. Schließlich verschwand George Antheil in den afrikanischen Dschungel. man hörte Ezras Stimme sich über alle anderen erheben. daß George Antheil sein Ballet Mécanique zu Gehör brachte. um seine Freundinnen nebenan zu besuchen.einer Angehörigen des Königshauses. nach den Bewegungen der Aufführenden zu schließen. Dann hörte man nichts mehr von ihm. als die in der Partitur vorgeschriebenen Flugzeugpropeller zu surren begannen und ein Luftzug entstand. mit seinem Kater Crazy auf dem Rücken. Die Männer stellten ihre Rockkragen auf. »auf der Suche nach Rhythmen«. aber nicht einen Ton vom Ballet Mécanique. »Deine Hausmeisterin!« rief Adrienne. daß Antheil sich jetzt in seine Arbeit vergraben sollte. die einander ins Gesicht boxten. dem Mann neben ihm die Perücke vom Kopf blies und sie bis in die hintersten Reihen wirbelte. das sich im ganzen Haus auf allen Seiten erhob. Ich bedauerte. es war richtig kalt. man kann nicht sagen. die ganze Zeit über weiterging. Man sah auch Leute. das. Aber die Wut der Leute legte sich plötzlich. In dem Geschrei. Ich fand.

1928 kam ein Amerikaner bei Shakespeare and Company vorbei. Man mußte die Gastgeberin aber gar nicht begrüßen. Das gleiche tat sein Vater. Auch George sang und spielte seine Klavierstücke. liebenswerter Kerl! Eine Dame. Was war er für ein attraktiver. Der ausgezeichnete junge amerikanische Schriftsteller und Komponist Virgil Thomson gehörte zu Antheils und meinem Freundeskreis und auch zu dem von Gertrude Stein. gab eine Party für die Gershwins und lud mich ein. ob ich Nachrichten von seinem Sohn hätte. die ununterbrochen vom Lift in ihre Wohnung strömten und sich einen Weg zu dem großen Flügel bahnten. standen neben ihm. und Adrienne Monnier hatte zur Weckung dieses Interesses . um ein Exemplar des Ulysses zu kaufen: George Gershwin.Titel Afrikanische Sümpfe in meiner Leihbibliothek gehabt zu haben. Das silberne Schiff In der Mitte der zwanziger Jahre interessierten sich die französischen Leser außerordentlich für amerikanische Schriftsteller. Seine Kompositionen wurden in den verschiedenen musikalischen Salons von Paris aufgeführt. ein sehr hübsches Mädchen. wo man auch Strawinsky und die Gruppe der »Sechs« und Antheil hören konnte. Das Telefon in meinem Laden läutete ununterbrochen. und machte mir Sorgen um George. Sein Bruder Ira und seine Schwester Frances. an dem George Gershwin saß. da niemand sie einem in der Masse von Leuten zeigen konnte. und die Schwester sang ein paar Lieder von ihm. der die Zeitungsberichte gelesen hatte und mir telegrafierte. da tauchte Antheil glücklicherweise wieder auf. besonders im Salon der berühmten Madame Du Bost. die ich gar nicht kannte. Ich hatte wirklich schon die größte Angst.

aber zumindest mit sehr viel Liebe. und einer Geschichte von McAlmon The Publicity Agent (Der Werbeagent). Sie begann mit einer politischen Rede Walt Whitmans. Robert McAlmon. übertragen von Auguste Morel. Cummings abgedruckt. Joyce’ Geburtstag. Ernest Hemingway und E. Diese Nummer enthielt auch einen Teil von Adriennes Bibliographie américaine. In Adriennes amerikanischer Nummer waren außer der Rede Whitmans Arbeiten von »Quatre Jeunes Etats-Uniens«. die ins Französische übertragen worden waren. Adrienne und ich übersetzten diese Rede. vier jungen Amerikanern. Im März 1926 brachte Adrienne dann eine ausschließlich amerikanische Nummer des Silbernen Schiffs heraus. Sie hatte sich der — ziemlich großen — Mühe unterzogen. daß ich bei der Arbeit daran fast erblindete. Der Dichter selbst hatte sie gedruckt — und so klein gedruckt. betitelt »Die achtzehnte Präsidentenschaft«. und siehe da. die Adrienne und ich übersetzt hatten. Ich ging zu Joyce’ Augenarzt. einem Auszug aus Cummings’ The Enormous Room (Der endlose Raum). sowohl Joyce wie seine Verlegerin hatten eine schwarze Binde über einem Auge. einen Katalog sämtlicher amerikanischer Schriften anzulegen. wir bekamen von unserem Opfer jedenfalls nie irgendwelche Vorwürfe zu hören. betitelt Sipliss. dem Übersetzer des Ulysses. vielleicht nicht sehr gut. Übersetzungen waren vorher seltsa- . Wir übersetzten es gemeinsam. 1925 veröffentlichte sie in Le Navire d’Argent die erste französische Übersetzung von »Prufrock«. Catel hielt sie für ein unveröffentlichtes Manuskript Whitmans und hatte vielleicht sogar recht damit. E. übersetzt von George Duplaix. mit Hemingways Geschichte The Undefeated (Der Unbesiegte). und zwar mit einem Auszug aus Williams’ The Great American Novel (Der große amerikanische Roman). William Carlos Williams.viel beigetragen. Sie kamen alle das erstemal in französischer Sprache heraus. nahm ich dann an seiner Geburtstagsfeier teil. Eine Bibliographie dieser Art für englische Literatur hatte sie schon vollendet. Am gleichen Tag. die von einem jungen französischen Professor namens Jean Catel entdeckt worden war.

die Statue auszuführen — eine Art wandernden Walt als Symbol für die offene Straße — und Jo wollte mir ein Modell davon für meine Ausstellung bringen. Eliot seine Ansichten über Walt zum besten gegeben hatte. S. Ich konnte mir eine Menge wertvoller früher Ausgaben. Man hatte Jo Davidson beauftragt. . wieviel Material über Whitman in französischen Sammlungen zu finden war. Jo Davidson brachte mir das Modell der Statue und dazu noch ein paar interessante Fotos von Walt. ein paar Briefe und sonstige Stücke ausleihen und war ganz überrascht. die kleinen Manuskripte. fällt ungefähr in die gleiche Zeit. daß ich eine Walt-Whitman-Ausstellung vorbereitete. außer persönlicher Befriedigung. daß Manhattan eine Ehrung Walt Whitmans plante. die ich zu Ehren Walt Whitmans veranstaltete. Natürlich kamen auch noch meine eigenen Dauerausstellungsstücke hinzu. Whitman war nichts weniger als »stilgerecht«. Ich hörte mit Begeisterung. Nur Joyce und die Franzosen und ich waren noch altmodisch genug. Whitmans Einfluß auf Joyce war mit Händen zu greifen — hatte Joyce mir nicht auch einmal ein paar Verse rezitiert? Als Jo Davidson hörte. Whitman in Paris Eine Ausstellung. Die Arbeit brachte ihr nichts ein. kam er und berichtete mir von dem Plan. wo sich die Leute zur Lunchzeit niederlassen konnten. und leistete gern mit den Eintrittsgeldern für meine Ausstellung zu dem dafür gebildeten Fonds einen Beitrag. vor allem nachdem T. die meine Tante Agnes Orbison bei ihrem Besuch im Camden aus dem Papierkorb gerettet hatte. »Die Horde« konnte ihn nicht ausstehen. und Bänke würden zu beiden Seiten unter den Bäumen stehen.merweise nie katalogisiert worden. Eine Allee sollte zu dem Denkmal führen. eine Statue Walt Whitmans auf der Battery in New York aufzustellen. mit ihm zurechtzukommen.

aber im Paris der Befreiungstage gab es ja noch viel merkwürdigere Dinge zu erleben und zu beobachten. die man für große Gebäude braucht. und in einem in Saffianleder gebundenen Buch vom Format des Ulysses habe ich die Unterschriften aller Besucher gesammelt. diesmal unmittelbar von einem Gebäude herunter — dem National-Cash-Register-Gebäude in Paris. war ein Überbleibsel aus dem ersten Weltkrieg und sah bei der WaltWhitman-Ausstellung sehr wirkungsvoll aus. Jahre später kam eine zweite riesige amerikanische Fahne in meinen Besitz. Ich hatte sie zu herabgesetzten Preisen in den Magasins du Louvre erstanden. Am Morgen nach der Katastrophe kam ich aus der Kathedrale von Notre-Dame. Ich fragte den Mann aus. und begegnete einem Mann. eine amerikanische und eine französische. von der E. die ich brauchte. er sei ein Angestellter der National Cash Register Company und wolle die Fahnen sicherstellen. B. Sie hatte die Dimensionen. und ich mußte den ganzen Weg bis nach Hause mit den beiden Fahnen zu Fuß gehen. Die Whitman-Ausstellung. die sie sich ansahen. um darauf zurückzukommen. Und obwohl ich der Ansicht bin. Es fehlte nur noch eine amerikanische Fahne entsprechender Größe. Walt Whitman weckt immer meine patriotischen Gefühle. die ich je gesehen habe. besaß ich zufällig die vermutlich größte amerikanische Fahne in ganz Paris. . die in der Nähe des zerstörten Gebäudes lag. um die Bücherregale zu verhängen und eine patriotische Note hinzuzufügen. White geschrieben hat. Paul Valéry steht an erster Stelle.Die Ausstellung war soweit fertig. der zwei der größten Fahnen trug. Er halste mir auf der Stelle seine Last auf. war ein großer Erfolg. und erfuhr. Fahnen sollten zu der Gattung »Wilde Flagge« gehören. Während der Befreiungskämpfe ließen die Deutschen eine Bombe auf das Haus fallen. was unter den gegebenen Umständen durchaus natürlich war.

Dann erschien eine Sammlung von Erzählungen von McAlmon selbst. die von anderen Verlegern aus kommerziellen oder juristischen Gründen wahrscheinlich nicht veröffentlicht werden würden. Der Titel lautete A Hasty Bunch (Ein eiliges Bündel) — Joyce hatte ihn vorgeschlagen. weil er ihn für den Verfasser so charakteristisch fand. Paris. die in Paris Bücher in englischer Sprache herausgaben... was die »Kontakt-Bewegung« eigentlich darstellte. glaube ich. die McAlmon im Contact-Verlag veröffentlichte. weil sie geschrieben wurden und wir sie gern genug haben. wie sie es nannten. möge sich mit der Contact Publishing Co. 12. Diese Bücher kommen nur deshalb heraus. Ich hatte nie ganz begriffen. war sofort ausverkauft und machte sowohl Hemingway wie die Contact Editions berühmt.»Contact« und »Three Mountains« Shakespeare and Company standen in engem Kontakt mit den kleinen Verlagen. Zum Beispiel kam ein kleines blaues Buch mit dem Titel Three Stories & Ten Poems von einem jungen Schriftsteller namens Ernest Hemingway heraus. aber die Bücher. fielen völlig aus dem gewöhnlichen Rahmen. Wer sich dafür interessiert. in Verbindung setzen. McAlmons erster Prosaband: . Von jedem Buch werden nur dreihundert Exemplare gedruckt. Es war. M. der seine Pläne in der ersten Nummer von F. um sie zu veröffentlichen. Sie hatten eine oder zwei Nummern der Contact Review publiziert. Ein Pionier unter ihnen war Robert McAlmon mit seiner Contact Publishing Company. Fords Transatlantic Review bekanntgab: In Abständen von zwei Wochen bis zu sechs Monaten oder sechs Jahren werden wir Bücher von verschiedenen Schriftstellern herausbringen. Rue de l’Odeon.. In New York hatten McAlmon und William Carlos Williams an der »Kontakt-Bewegung« mitgearbeitet. dann übersiedelte McAlmon nach Paris.

was er an Geld und Zeit erübrigen konnte.’s Palimpsests heraus. Wie alles andere. Es war die interessanteste Aneinanderreihung von Bruchstücken in Buchform. Eater of Darkness von Robert Coates und noch zwei Bände Kurzgeschichten von McAlmon. Sailors Don’t Care von Edwin Lanham. um den sich »die Horde« kümmerte: Emanuel Carnevali. D. was sie schrieb. Manuskripte für die Contact Editions legte man McAlmon im Dôme-Café vor. Dann einen Roman von Mary Butts. soviel ich weiß. und er sagte mir. auf . die meisten seiner Autoren habe er in dem einen oder anderen Café entdeckt. McAlmons Freund und Kollege im Verlagswesen war William Bird. My First Twenty Years von Gertrude Beasly. Mina Loys Lunar Baedecker (von dem.ein Gedichtband. Sie enthielt den ersten gedruckten Auszug aus Finnegans Wake mit dem Titel »From ›Work in Progress‹« (»Aus einem werdenden Werk«) und Beiträge aller nennenswerten Schriftsteller jener Epoche. A Companion Volume und Post Adolescence — letzteres hatte ich von seinen Büchern am liebsten. in den Vereinigten Staaten eine Neuausgabe erscheinen soll). ist auch dieser Roman jetzt sehr gesucht. hoffentlich wird eines Tages eine Gesamtausgabe ihrer Werke erscheinen. John Herman steuerte eine unterhaltende Geschichte über einen Trommler mit dem Titel What Happens bei. Contact brachte Bryhers Two Selves und H. einen Dichter zum Verfasser. war in England von der Egoist Press publiziert worden. Schließlich gab es noch eine Anthologie. TwentyFive Poems von Marsden Hartley. ein prominentes Mitglied der Presse in Paris. einer Lehrerin aus Texas. Weitere Contact-Titel waren Ken Satos Quaint Stories. Spring and all von William Carlos Williams. an denen die Leute eben gerade gearbeitet hatten. die sich aus Auszügen von Werken zusammensetzte. die ich je gesehen habe. Ashe of Rings. Explorations. war ebenfalls nichts weniger als langweilig. die ContactSammlung zeitgenössischer Schriftsteller. der krank in Mailand lag. der alles. Und natürlich hatte eines der ersten Contact-Bücher. Bill Bird genannt. The Hurried Man.

Als ich ihn einmal besuchte. was er in seinem Verlag nicht auf . ein Buch zu drucken. um mit mir zu reden. Er hörte von einem schreibenden Kollegen. denn in seinem »Büro« war. und das einzige.Fords Women and Men. und stellte sie in einem winzigen Büro auf der Ile Saint-Louis auf. war er gerade dabei. Er mußte auf den Gehsteig hinauskommen. Bill Bird wußte genauestens über seltene Ausgaben Bescheid. nur für die Handpresse und den Setzer und Verleger in einer Person Platz. Ernest Hemingways In Our Time und F. ganz persönlich gehaltenen Ausgaben der Three Mountains Press (des Drei Berge Verlags) verwandte.die kleinen. er war ein Bibliophiler. Bird brachte unter anderem Pounds Cantos und Indiscretions heraus. wie er mir erklärte.M. und seine Ausgaben erfüllten alle Wünsche eines Sammlers — sie waren in einer hübschen Schrift auf große Bogen von feinem Papier gedruckt und erschienen nur in beschränkter Auflage. daß eine Handpresse durch Gelegenheitskauf zu haben sei. Auch mit Weinen kannte Bill sich gut aus.

es dem Obelisk-Verlag zu überlassen. und nur sehr wenig Zeit und Geld wurden bei ihm auf etwas anderes verwendet als auf die gepfefferte Sorte von Büchern. weil ich ein so »obszönes« Buch wie den Ulysses entdeckt hätte. ein Veteran aus Manchester. Inzwischen mußte er sich mit einem Auszug aus Joyce’ neuem Werk zufriedengeben. Ich konnte ihn gut leiden. Mr. Sie erinnern an The Book . Kahane pflegte zu einem Schwatz mit seiner Kollegin bei Shakespeare and Company in seinem Voisin mit aufgeschlagenem Dach vorzufahren. Er fragte meist: »Wie geht’s dem lieben Gott?« (womit er Joyce meinte). der vom Ersten Weltkrieg her an einer Gasvergiftung litt. Abgesehen von den »Blumen« hatte er auch The Browsing Goat (Die weidende Ziege) geschrieben. Kahane und sein Partner Monsieur Babou brachten davon und etwas später auch von Pomes Penyeach eine sehr schöne Handdruck-Ausgabe heraus. dem es. mit der von Joyce’ Tochter Lucia entworfenen Druckschrift und ihren Textdekorationen. England. Er bewunderte mich »grenzenlos«.großformatigem Papier veröffentlichte. Kahane war mit einer Französin verheiratet. und sie mußten mit den »Blumen« eine Menge Kinder großziehen. Er selbst füllte den Vorrat durch eine von »Cecil Barr« verfaßte Serie auf. Die Vendôme Press und die Obelisk Press gehörten ihm. Jack Kahane Ein weiterer Freund und Kollege im Verlagsgeschäft war Mr. weil er so heiter war und jede Mache verabscheute. wie Kahane meinte. er würde mich eines Tages dazu bringen. Der Verfasser hieß William Bird. Kahane. und gab nie die Hoffnung auf. Haveth Childers Everywhere betitelt. in puncto Sex an Interesse fehlte. die er »meine Blumen« nannte und mit Titeln wie The Daffodil (Die gelbe Narzisse) versah. war eine Broschüre über französische Weine. eine Art Kombiwagen mit vielen Glasfenstern.

Harry Crosby war. Der Crosby-Band erschien unter dem Titel Tales Told of Shem and Shaun und enthielt meine Lieblinge »Mookes and the Gripes« und »The Ondtandthe Gracehoper«. Sie brachten unter anderem The Bridge von Hart Crane heraus und Einstein von Archibald MacLeish. auch Kenner. gar nicht zu reden von ihrem besonderen dichterischen Reiz. interessante und ergreifende Äußerungen eines Henry James. wo es um gute Bücher. daß sie auch die Briefe Henry James’ an Walter Berry veröffentlichten. ein Geschenk abzuwehren. einen Liebling ihres Vaters. der Zeitschrift von Wyndham Lewis. die dieser großartige Meister des Worts je zuwege brachte. aber. Joyce war entzückt. den er nie benützen wird. ein paar Schritte von Saint-Germain-des-Prés entfernt. glaube ich. die meiner Meinung nach wohl die unglaublichsten sprachlichen Kunststücke sind. daß ich The Book of Kells besaß — seiner Meinung nach die einzige alte Miniatur-Handschrift mit Humor. als er entdeckte. die mir je begegneten. Es ist ein Beispiel dafür. Ihr Verlag. ein Neffe oder vielleicht auch ein Vetter von Walter Berry und selbst eine interessante Persönlichkeit.of Kells. wo es um einen guten Stil ging. einen schönen Koffer. um mit ihnen über »Two Tales of Shem andShaun« (Zwei Geschichten von Shem und Shaun) zu reden. der Rue Cardinale. der sich dem Ende seines Lebens nähert und versucht. auf welch sanfte Art Joyce sich . Die Crosbys Harry und Caresse Crosby wollten gern einen Teil von »Work in Progress« haben. die Black Sun Press. Sie waren Kenner. Dieser Bursche Mookes war Joyce’ launig-gutmütige Antwort auf die Angriffe in The Enemy. lag in einem kleinen alten Gäßchen. Es scheint wenig Leuten aufgefallen zu sein. Die Crosbys gehörten zu den reizendsten Leuten. und ich suchte sie eines Tages auf. was noch besser war.

Die Zeichnung sollte auf das Titelblatt des Buches kommen. Diesmal war es ein Erfolg — ein richtiger James Joyce. von dem er sagte. um das die Crosbys Brancusi baten. es sei der auf das Wesentliche reduzierte Joyce. die Verleger aber enttäuschte. halb versteckt in der seltsamen Joyceschen Atmosphäre und ganz harmlos. das zunächst dem Modell sehr ähnlich wurde.rächte. Joyce saß für sein Porträt. wenn man ihn angriff — einer seiner spielerischen. (Zeichnung von Brancusi) . Eine dritte »Geschichte« könnte man über das Joyce-Porträt erzählen. Brancusi versuchte es noch einmal und zeichnete etwas. gewissermaßen geflüsterten kleinen Einfalle. geradezu zärtlich.

es war der Tag. er flog die Bücherregale an wie ein Kolibri. Natürlich hatte ich alles mit den Verlegern der Bruchstücke aus »Work in Progress« abzumachen und so viel als möglich aus ihnen herauszuschlagen. eine ausgekochte Geschäftsfrau zu sein. Shakespeare and Company war von Joyce bevollmächtigt. daß ich das Porträt vorzog. sei ein so guter Tod wie jeder andere. er hatte viel Charme und viel Güte. In seiner freien Zeit lernte Harry Crosby fliegen — der Tod war für ihn eine Zwangsvorstellung. zog aber keinerlei Nutzen daraus — diese Gefälligkeiten wurden gratis geleistet. Er war ein nervöser Mensch. oder schwebte einen Augenblick um meinen Tisch herum. ihr Name sei Caresse (Liebkosung). Seine Gedichte zeigte er mir nur sehr selten. mit dem Flugzeug abzustürzen. besser gesagt mir gegenüber. meiner Meinung nach. mir die ursprüngliche Zeichnung zum Geschenk zu machen. zu nervös. Geschäftlich benahm er sich Joyce gegenüber sehr großzügig. In allem. selbst wenn diese Art Tod ihm besonders zusagte. es wäre ihm ein Vergnügen. an dem er die Pilotenprüfung bestanden hatte. war ich sehr habgierig und kam in den Ruf. Er liebte das ägyptische Totenbuch und schenkte Joyce eine sehr schöne dreibändige Ausgabe davon. Niemand in unserer Umgebung machte sich jedoch die leisesten Illusionen darüber. um als Pilot in einem Flugzeug zu sitzen. seine Angelegenheiten zu regeln.Brancusi! Ich war so altmodisch. Die Zeichnung aus den »Two Tales« ist. und erzählte mir. Einmal brachte er mir Fotos von sich und ihr — sie standen beide vor seinem Flugzeug. sagte ihr. und er dachte. Er pflegte in meinen Buchladen hineinzuschießen und war ebenso rasch wieder draußen. Es ging ihm alles leicht von der Hand. der sich erst kürzlich wieder mit Katherine Dudley köstlich über die Geschichte amüsierte. die ich für Joyce verhandelte. um ihn legalisieren zu lassen. zu wesentlich für mich. und Brancusi. und Hand in Hand sei er mit ihr zum Bürgermeisteramt gegangen. wie ich fürchte. er habe seiner Frau eines Tages erklärt. das Joyce ähnlich sah. Die Verleger wußten das und schenkten mir im- . ein Beweis seiner Bescheidenheit. der Honig aus einer Blüte holt. was Joyce betraf.

Als dieses Stück mit Begleitmusik von Virgil Thomson (einem früheren Kunden von Shakespeare and Company) in New York aufgeführt wurde. daß es sofort vergriffen war. brachte Miss Harrison ein paar schöne Ausgaben heraus. Druck und Papier der Büchlein waren sehr hübsch und erinnerten mich an unseren Pionier aus den zwanziger Jahren. der die berühmten Four Saints in Three Acts (Vier Heilige in drei Akten) enthielt. entstand eine solche Nachfrage nach dem Buch. 27. . die jetzt beide großen Seltenheitswert besitzen müssen.mer ein besonders schönes Exemplar ihres Buches. Mit Hilfe eines Experten. unter anderem meinen Liebling Lucy Church Amiably und einen Band mit dem Titel Operas and Plays. und sie fanden bei meinen Stein-Anhängern viel Anklang. Toklas verschiedene Bücher mit dem Impressum Plain Edition unter Angabe ihrer eigenen Adresse. Sie brachten Bücher von Gertrude heraus. Wohl als der letzte kleine amerikanische Verlag in Paris etablierte sich die Harrison Press von Miss Barbara Harrison. die Contact Editions von Robert McAlmon. Rue de Reurus. Plain Edition Einige Jahre vor dem Zweiten Weltkrieg verlegten auch Gertrude Stein und Alice B. darunter Hacienda und das French Song Book von Katherine Ann Porter. Monroe Wheeler. das Joyce dann »in Dankbarkeit« mir widmete. Die Plain Edition gab ihren Bänden ein sehr gefälliges Aussehen.

aber ausgezeichneten Nummern heraus. früher der Herausgeber der an. Den »Hueffer« legte er ab.Gargoyle und Transatlantic Die literarische Bewegung in den zwanziger Jahren läßt sich am besten in den kleinen Zeitschriften verfolgen. aber ein französischer Architekt erklärte mir. Man konnte bei Ford aber mehr von Gehüpfe . wenn keine anderen Geldmittel mehr vorhanden waren. nach Paris zu kommen. wenn das Aussehen ihrer Lieblinge nicht ganz genau stimmt.und aufregenden English Review hatte sich verführen lassen. einen Wasserspeier. Shakespeare and Company allerdings gab nie eine heraus. Bei seinen schreibenden Kollegen genoß dieser vergnügte Geselle große Popularität: man sagte ihm nach. auf dem Deckblatt. mit ihm zu tanzen. Gargoyle kam nur in wenigen. was sich aber auf seine Tätigkeit nicht weiter auswirkte. er bezahle die Mitarbeiter an der English Review aus eigener Tasche. Man tanzte zu einer Ziehharmonika. Mitherausgeber Florence Gilliam. Als erstes luden er und seine Frau Stella Bowen »die Horde« zu einer Party in das große Atelier. Im Krieg hatte er Gas abbekommen. Gargoyle hatte eine »chimère«. glaube ich. wenn auch leider oft nur sehr kurzlebig waren. Gargoyle. das Tier habe mit einem richtigen Wasserspeier wenig gemein. und es gab viel Bier und Käse und sonstige Genüsse. Dann gab es die Transatlantic Review. die immer interessant. Die erste war. Wir hatten genug damit zu tun. Die Franzosen haben es nicht gern. Ford Madox Hueffer. uns um die Zeitschriften unserer Freunde zu kümmern. das man ihnen geliehen hatte. und man kannte ihn von nun an als Ford Madox Ford. mußte ich erst meine Schuhe ausziehen — er war bereits barfuß. Chefredakteur Arthur Moss. Als Ford mich aufforderte. Ford wählte ein Schiff als Devise für die Transatlantic und auch einen Teil des Pariser Mottos Fluctuat — aber das nec mergitur ließ er vorsichtshalber aus.

Er ging allerdings nie so weit. und seine Spiegeleier mit Speck gerieten ausgezeichnet. manche Schriftsteller sahen es nicht gern. Ich fürchte. wie Joyce uns vom Rande des Feldes höchst amüsiert beobachtete. In Nummer vier erschienen die »Four Old Men« von Joyce. Mittel flüssigzumachen. Bald aber begann. das er gerade beendet hatte. trotz ihrer Mitarbeiter ging die Transatlantic Review schließlich ein. das Geld auszugehen. denn er trug mir möglicherweise sein neues Gedicht in der Hoffnung vor. Bei einer anderen Gelegenheit luden Ford und Stella mich zum Abendessen. Nach dem Abendessen marschierte er auf und ab und las mir ein Gedicht vor. Shakespeare and Company würde es veröffentlichen. und was ich davon hörte. der Herausgeber fuhr über den Atlantik und wollte versuchen. Sie wurde von ihren Lesern sehr vermißt und auch von all den Schriftstellern. In der ersten Nummer der Transatlantic Review brachte Ford einen sehr amüsanten Brief von T. daß ich ausschließlich Joyce verlegte. wo der gedeckte Tisch stand. wie ich mit dem Schlaf kämpfte. wenn man mir am Abend ein Gedicht von einiger Länge vorlas. Eliot. Er überließ während seiner Abwesenheit Hemingway das Kommando. mir das geradezu vorzuschlagen. aber sie machten sich vielleicht nicht klar. deren Manuskripte in jenen Jahren in Europa zu haben waren.und Gehopse sprechen als von Tanzen. Ich hoffe. Sie wohnten damals in einem kleineren Atelier mit einer soupente. . daß ich sofort einschlief. fand er eine recht lebendige Zeitschrift vor. Das war bedauerlich. wie ich mich erinnere. S. Trotz der starken Persönlichkeit des Herausgebers. Es handelte vom Himmel. und als Ford zurückkam. um sein Schiff über Wasser zu halten. Ford hat nicht bemerkt. Ich mußte am Morgen immer so zeitig aufstehen. daß dieser eine Autor mich schon nahezu völlig auffraß. Ich sah. Ford selbst bereitete die Mahlzeiten zu. klang recht interessant.

Pound. Wenn der Gast nicht zahlen konnte. daß Walsh in Begleitung von zwei entzückenden jungen Geschöpfen gekommen war. was wohl von Shakespeare and Company unter diesen Umständen erwartet wurde. was er besaß. sich mit der Botschaft in Verbindung zu setzen. es war sogar die Rede davon. um die Buchhandlung zu verlassen. vermutlich auf der Suche nach jemand. Walsh hatte alles ausgegeben. Binnen kurzem . Er war tatsächlich sehr krank gewesen. daß er nicht selbst bei mir erschien. Zum Glück für Walsh hatte er auch einen Brief an Mr. der über mehr Mittel verfügte. die er auf dem Schiff kennengelernt hatte. schickte ich einen Freund.Ernest Walsh und This Quarter Eines Tages brachte man mir aus dem Claridge-Hotel einen kurzen Brief von einem jungen Mann namens Ernest Walsh. und wenn man ihm nicht zu Hilfe kam. und sein Zustand machte eine Übersiedlung vorläufig noch unmöglich. der mit Vorliebe die Rettung von Dichtern betrieb. Der Dichter lag in einem der besten Appartements des Hotels im Bett. der an meiner Stelle zusehen sollte. Seine Krankheit hatte er sich als Folge einer Erkältung bei einer Spazierfahrt zu dritt im Bois de Boulogne zugezogen. eilte zu Hilfe. Mein Freund erfuhr. Dabei lag ein Einführungsschreiben von irgend jemandem aus Chikago. so konnte er auch nicht bleiben. und da ich zu viel zu tun hatte. Ich überlegte. um aufzustehen. mußte er aus dem Claridge ausziehen. Er schilderte mir seine Lage: Das Geld war ihm ausgegangen. was man für Walsh tun könne. und Tag und Nacht auch von Pflegerinnen betreut werden müssen. Die Mädchen waren verschwunden. und Ezra. Die Direktion des Claridge hatte sich als sehr entgegenkommend erwiesen. über einen Sessel geworfen einen prachtvollen Schlafrock und im offenen Schrank ein paar sehr gute Anzüge. begann aber jetzt langsam deutlicher zu werden. Mein Freund sah eine Whisky-Flasche mit goldenem Stöpsel auf dem Tisch stehen. Walsh entschuldigte sich. Er war zu krank. hatte von einem Arzt.

Mit ihrem Talent zur Schriftstellerin und Mutter kann man sie als eine der interessanten Persönlichkeiten in der Geschichte der zwanziger Jahre ansehen. Seine Wohltäterin war Miss Ethel Moorhead. Später half Kay Boyle Ernest Walsh bei der Herausgabe seiner Zeitschrift. in der Buchhandlung auftauchte. um diese Zeit unter den Schriftstellern zu verbringen. und an Year Before Last. arbeitete sie an ihren ersten Romanen. Als ich sie kennenlernte. an Plagued by the Nightingale. daß er sich auch von seiner Krankheit erholt hatte. die damals in der aufregenden »Pariser Periode« der amerikanischen Literaturgeschichte greifbar waren. daß er nur mehr ein paar Monate zu leben hatte. weil Walsh das Klima in Paris nicht vertrug. Ich mochte die beiden sehr gut leiden und bewunderte ihren Mut und ihre leidenschaftliche Liebe zur Dichtung. die sich seiner annahm. sich selbst einen Namen als Dichter zu machen — aber das war schwieriger. Die beiden hatten inzwischen beschlossen. das sich um ihre erste Ehe dreht. Ernest Walsh wußte. höchst explosives Abenteuer war Ernest Walsh. Ihr nächstes. wie wir später erfuhren. daß des Dichters finanzielle Probleme gelöst worden seien. . die er bewunderte. Ernest Walsh war ein feiner Kerl — lebendig und heldenmütig. und als er mit einer Dame. und war nach Paris gekommen. die sie This Quarter nennen und an der Riviera herausgeben wollten. die Briefkästen in die Luft gesprengt hatte. Erträumte davon. Das erste war Ezra Pound gewidmet. Sie führten ihre Pläne wirklich durch und brachten ein paar schöne.hörte ich. sah ich. eine Zeitschrift zu starten. lebendige Hefte heraus. Das zweite enthielt die Stelle über »Shem« aus Joyce’ »Work in Progress« und Beiträge vieler anderer Autoren. eine schottische Dichterin und frühere militante Frauenrechtlerin.

es in monatlichen Fortsetzungen in transition erscheinen lassen.Transition Ein bedeutendes Ereignis im literarischen Leben in Paris der zwanziger Jahre war das Erscheinen der Zeitschrift transition. Mir kam nur der Gedanke. eng verbunden mit der modernen literarischen Bewegung und ein guter Freund von uns. kam mit der Nachricht. und es war gerade der richtige Augenblick. mir gefielen auch seine Ideen. griffen die Anregung begeistert auf. Was für eine erfreuliche Nachricht! Zeitschriften waren aufgetaucht und wieder verschwunden. in dem sie darangingen. ob ich von irgend etwas Besonderem als Beitrag für seine Zeitschrift wüßte. und als Joyce mich anrief und fragte. Ich wußte. Eugene Jolas. falls der Herausgeber damit einverstanden war. Ich hatte ihn nicht nur persönlich sehr gern. um eine Zeitschrift zu gründen — natürlich in englischer Sprache und natürlich in Paris. . ohne Bedenken zuzustimmen. sondern. Von dem Augenblick an. bis zu seinem Tod erwiesen sie ihm jeden nur möglichen Dienst und hielten kein Opfer für zu groß. auf Jolas würde man sich als Freund verlassen können. sein Werk zu veröffentlichen. noch dazu mit einem so tüchtigen Herausgeber wie Jolas. daß er den Stab der Pariser Herald Tribune verlasse. Daß es zur Zusammenarbeit mit dem ihm so freundschaftlich gesinnten Ehepaar Maria und Eugene Jolas kam. was ich von dem Plan hielte. riet ich ihm. Joyce solle doch nicht weiter Teile von seinem »Work in Progress« da und dort in verschiedenen Zeitschriften veröffentlichen. Jolas fragte mich. Jolas und Elliot Paul. Jolas schlug Joyce sofort vor. eine neue zu lancieren. er wolle das gesamte Werk in transition bringen. war sicher einer der größten Glücksfälle in Joyce’ Leben. und der Name James Joyce würde andererseits beim Lancieren einer neuen Zeitschrift eine große Hilfe bedeuten. ein junger französisch-amerikanischer Schriftsteller. der sein Mitarbeiter werden sollte.

Denn obwohl die Beiträge in Commerce französisch sind. der Vielsprachige. Man muß nur die Nummern von transition durchgehen. die englische Sprache zu revolutionieren. Wie er mir sagte. Nach Elliot Pauls Ausscheiden wurde Robert Sage der erste Mitarbeiter von Eugene Jolas. Französisch und Deutsch (er stammte aus Lothringen) und James Joyce. Von allen Zeitschriften. um sich von der außerordentlichen Spannweite einen Begriff zu machen. daß es gewisse Vorteile bot. Stuart Gilbert und James Johnson Sweeney zu transition in enger Verbindung. gingen daran. und sie sahen nicht ein. er hatte sich bei seiner Ein-Mann-Revolution ziemlich einsam gefühlt. mit denen ich in Berührung kam. Sie hatten eine Unmenge von Worten zur Verfügung. Er machte sich ein Prinzip daraus. lehnte er niemals das Manuskript eines unbekannten Autors ab. der Prinzessin Bassiano oder. langlebigste und außerdem das Blatt. das sich für mein Gefühl am intelligentesten für die neue Richtung der Literatur einsetzte. Die besten angelsächsischen und europäischen literarischen Schöpfungen der damaligen Zeit tauchen darin auf. und ich sah ein. warum sie sich nicht den denkbar größten Spaß damit machen sollten.Eugene Jolas mit seinen drei Muttersprachen Englisch. viele zum ersten Mal. Neuankömmlinge wurden zumindest nicht abgeschreckt. Jolas war in der Literatur für Demokratie — ich stimmte in dieser Hinsicht nicht immer mit ihm überein. gehörte es doch einer Amerikanerin. Die Verstärkung durch Jolas bedeutete für Joyce eine wahre Gottesgabe. . wie sie sich lieber nennen hörte: Marguerite Caetani. die im Paris der zwanziger Jahre erschienen sind — mit einer Ausnahme: Commerce. Commerce In meinem Bericht werden nur die Zeitschriften in englischer Sprache berücksichtigt. war transition die vitalste. weiter standen Matthew Josephson. Carl Einstein. bis nun transition auftauchte. Harry Crosby.

Ich denke an den Lunch. aber er machte ihnen auch die Sache nicht leicht... den Marguerite Caetani für ihre Freunde von Commerce in ihrem Haus in Versaille gab. als es Paris bei ihr ausstach. Ein zweites Mal . Der Chauffeur kam erst zu Adrienne und mir in die Rue de l’Odéon. daß er bei Gastgeberinnen hoch im Kurs stand.Commerce kam 1924 zum erstenmal heraus. Sie wurden auf Rom ganz eifersüchtig. die er trug. Beiträge aus Léon-Paul Fargue herauszuholen — der viel mühsamere Teil ihrer Arbeit. Fargue war noch nicht auf. daß wir unten warteten. und es blieb der armen Adrienne überlassen. worauf schon der Titel hinwies. war der Herausgeber. dann nahmen wir Joyce vom Square Robiak mit und fuhren hinüber in die Gegend der Gare de l’Est zur Bude von Léon-Paul Fargue. Er wollte aber gleich aufstehen. Fargue war übrigens ein so glänzender Causeur. Wir warteten über eine Stunde lang. denn er hatte sich überlegt. ging aber sofort wieder hinauf. er schrieb gerade ein Katzengedicht. sich anziehen und herunterkommen. daß schwarze Schuhe zu einem Anzug besser aussehen würden als die braunen. der auf eine Zeile aus Anabasis zurückgeht: ».ce pur commerce de mon âme« (»dieser reine Umgang meiner Seele«). und es erschien bei Adrienne Monnier in ihrer Buchhandlung in der Rue de l’Odéon. Saint-John Perse gehörte zu den Mitarbeitern. ihrer Klugheit. und seine Katzen saßen um ihn herum auf dem Bett. er sprach. Adrienne Monnier war mit der Herstellung von Commerce betraut und auch mit der Aufgabe. daraus etwas für Commerce Verwendbares zu machen. ihres Takts und ihrer Güte sehr bewundert. Schließlich kam er. Der Chauffeur ging hinauf und teilte ihm mit. was er hätte schreiben sollen. Marguerite Caetani wurde von ihren schreibenden französischen Freunden wegen ihres Geschmacks. Paul Valéry. unterstützt von Valéry Larbaud und Léon-Paul Fargue. Fargues Gedanken liefen seiner faulen Feder davon. viele Beiträge stammten von unseren Freunden. Sie ließ uns mit einem Wagen abholen.

aber Fargue überredete ihn. geradewegs auf Joyce zulief. aber jede zeigte eine andere Tageszeit. »Ich mußte dem Mann neue Hosen kaufen«. denn vor dem Abend fühlte er sich zu keiner Geselligkeit aufgelegt. Armer Joyce! Sobald Prinzessin Bassiano erkannte. bat er den Chauffeur. und die beiden verschwanden im Innern. den sein Besitzer zwar gerade schließen wollte. ihm doch die Haare zu schneiden und ihn zu rasieren. mit dem Commerce und der in der ersten Nummer erscheinende erste Auszug aus der französischen Übersetzung des Ulysses gefeiert wurden. Fargue hatte keine Uhr. sich nach einem Friseur umzusehen. Ehe er einstieg. ihm seine mächtigen Pfoten auf die Schulter legte und liebevoll in sein Gesicht blickte. wie es um ihn stand. ein Liebling der Kinder. Ich dachte.« . als ein großer zottiger Hund hereintrottete. Bei diesem Lunch. Als auch das erledigt war. Er fragte Joyce. lachte wie immer. nach Versailles zum Mittagessen zu fahren. Es war Sonntag. auf Fargue zu warten. rechnete man auf Joyce’ Gegenwart. er müsse sich rasieren und die Haare schneiden lassen. Einmal allerdings hätte er einen Installateur aus dem Fenster gejagt. Kein Wort des Vorwurfs von Marguerite Caetani. der trug vier Uhren. wie harmlos das Tier sei. ließ sie des Menschen besten Freund entfernen und erzählte Joyce gleichzeitig. Wie durch ein Wunder kamen wir nur anderthalb Stunden zu spät. Endlich fanden wir einen Laden. hinderte uns nichts mehr. und die Gäste ihrerseits waren gewöhnt. denn kaum saßen wir bei Tisch. und natürlich hatte kein Friseur offen. weil er seinen Hut wechseln wollte. Joyce schauderte und flüsterte mir zu: »Sie wird für mich das gleiche tun müssen. er würde es nicht bereuen — aber er tat es doch. Sie blieb völlig gelassen. Adrienne machte sich Sorgen wegen der Verspätung. Der Lunch hätte um eins stattfinden sollen.kehrte er um. was wir mit Beschleunigung taten. sagte sie lachend. Er nahm sonst niemals Einladungen mitten am Tage an. Aber diesmal überredete ich ihn zu kommen.

Sein scharfes Auge hatte in dem Auszug aus der französischen Fassung. niemand so viel von diesem Werk wußte wie er. und nach seinen Berichten hatte seine Tätigkeit darin bestanden. Fehler. Ich habe immer meine Freude an den Besuchen dieses wunderbar humorvollen. oder sagen wir wie die Franzosen einfach Gilbert. Blake. Stuart Gilbert war gekommen. Leute zu hängen. der in Commerce aus der französischen Übersetzung des Ulysses erschien. daß Larbaud seine Übersetzung durchsehen sollte. Er stellte die eine Bedingung. Aber ich glaube. paradoxen. der junge Dichter. als daß man sie ihm glauben könnte. Donne und anderen gemacht hatte. Er war neun Jahre lang Richter in Burma gewesen. Adrienne Monnier und Larbaud hielten sehr viel von den Übersetzungen. der diese gewaltige Aufgabe übernommen hatte. Gilbert war einer der ersten Bewunderer des Ulysses und hatte mit seinem ganzen beachtlichen Wissen daran mitgewirkt.Unser Freund Stuart Gilbert Der Auszug. wenn der Übersetzer so fähig ist wie Auguste Morel. daß. und sie arbeiteten eben gemeinsam daran. außer vielleicht Joyce selber. wenn sie wollten. Jetzt war sie beendet — im Jahr 1924 —. Zu viele gute Taten sprechen zu seinen Gunsten. ein oder zwei Irrtümer entdeckt. um Larbaud und Morel. Ich glaube. . Bald nach der Veröffentlichung in Commerce erhielt ich den Besuch von Stuart Gilbert. und auf ihr Zureden hin unterbrach er die Arbeit an einer ganzen Anthologie englischer Dichter und nahm die am Ulysses auf. die sogar dann vorkommen können. man sollte diese Geschichte überprüfen — sie paßt gar nicht zu unserm Gilbert. die eben in Commerce erschienen war. zynischen und ungemein gütigen Engländers gehabt. erregte die Aufmerksamkeit einer großen Autorität auf diesem Gebiet. seine Dienste anzubieten — die Hilfe eines Engländers konnte sich seiner Meinung nach als nützlich erweisen. die Morel von Francis Thomson. witzigen.

Inzwischen wurde der gesundheitlich immer etwas labile Larbaud ernstlich krank und zog sich in sein Haus bei Vichy zurück. Natürlich gab es bei der Zusammenarbeit auch Schwierigkeiten. Sie hatten La Mort de Quelqu’un (Jemand stirbt) ins Englische übertragen. Dann ärgerte er sich über Gilbert. sondern gelegentlich eine Zeile neu schrieb. der für die Übersetzung verantwortlich zeichnete. Er geriet leicht in Erregung und warf Larbaud vermutlich einige unbedachte Worte an den Kopf. und Adrienne hatte darunter am meisten zu leiden. nahm Gilberts Vorschlag sofort an.Adrienne Monnier. Es fesselte mich ungemein. manchen Nachmittag im Hinterzimmer ihrer Buchhandlung. um das Werk zu Ende zu führen. Gilbert ist es zu verdanken. Bei dem schwierigen Unternehmen kam seine Hilfe tatsächlich äußerst gelegen. wenn Larbaud nicht nur überprüfte. Obwohl sie in vielem durchaus verschieden sind. verbrachten. er erwies dem Übersetzer einen großen Dienst und ebenso auch Larbaud. daß Jules Romains und James Joyce doch auch eine Menge miteinander gemeinsam haben — mehr als mit irgendeinem der anderen zeitgenössischen Autoren. finde ich. daß verschiedene Fehler vermieden und Unklarheiten beseitigt wurden. und nach diesem ersten Kontakt mit der Welt Jules Romains’ verfolgte ich sein Schaffen sehr genau. der seiner Meinung nach zu anspruchsvoll war. . und ging beleidigt fort. Gilbert und Adrienne. und ich entdeckte das Buch in der New York Public Library um 1914. bei der ja die Übersetzung des Ulysses von Larbaud und Morel erscheinen sollte. Morel widersetzte sich. wie er mir erzählte. Die Überlebenden. Jules Romains und die »Copains« Jules Romains las ich zuerst in der Übersetzung von Desmond Mac Carthy und Sydney Waterlow.

und dann hörten wir ein Quietschen. Einmal wurden die »Copains« in ein bestimmtes Bistro in der Nähe von der Passage Dieu (Passage Gottes) gebeten und aufgefordert. der diesen Titel trug — eine ihrer Versammlungen abhielten. ihr in die Nähe zu kommen. Diese Freunde Romains’ waren reizend: ein Professor. Jules Romains nahm die »Copains« in das faszinierende Viertel der Kanäle mit. Aber wenn wir so dasaßen und es immer später wurde. ja. wie man die Gangster damals nannte. Martin. das sich für Jules Romains mit vielen Assoziationen verknüpfte. Ihr Haus lag in einer ziemlich isolierten Straße. sie wissen wohl nicht einmal von ihrer Existenz. so hoffte ich. und die Nachbarschaft war wegen ihrer Apachen. der Hauptverschwörer — bei Romains ging es immer um ein Komplott — war der Anführer. berüchtigt. ein Maler und der Manager von Jouvets Theater. Liebenswürdigerweise ließ er sowohl mich wie Adrienne teilnehmen. Ich bin seither oft wieder dort gewesen. lauschten wir trotzdem auf Schritte. Eine Zeitlang wohnten sie in einer Villa oben in Montmartre oder vielmehr in Ménilmontant. Wir bewirteten uns gegenseitig reihum und wurden oft zu Romains und seiner Frau eingeladen. wie zuerst an einem Fenster im Stockwerk unter uns herumgearbeitet wurde. Die Romains’ hatten sich eine bissige Bulldogge angeschafft. in dem auch manche seiner Geschichten spielten. sie und der Hund würden die Sache im Erdgeschoß untereinander ausmachen und uns nicht mit hineinziehen. aber Romains selbst. einem Viertel. La Villette oder dem Kanal St. um das Haus zu bewachen. Sogar die Gäste fürchteten sich vor ihr. und kein Apache würde es gewagt haben. das Bi- . die auch Professor war. so wüst wie möglich auszusehen — das Viertel wäre danach. dessen Frau.Jules Romains kam oft in Adriennes Buchhandlung und pflegte auch meinem Laden freundschaftliche Besuche abzustatten. und einmal hörten wir ganz deutlich. Wenig Pariser kommen zu diesen ganz holländisch aussehenden Quais. wenn die »Copains« — die Personen in dem Band Erzählungen. Als es Adrienne und mir endlich gelungen war. Falls es die Apachen waren. Alles sehr amüsante Leute.

gehörte als eine der begabtesten Schauspielerinnen zu der Gruppe von Jacques Copeau im Vieux Colombier. Seine Freundschaft erstreckte sich nicht nur auf die Buchhandlung. Jemand meinte. er und Madame Duhamel luden auch deren Besitzerin und Adrienne Monnier. und wir dachten schon. Ein französischer Shakespearianer Georges Duhamel tauchte sehr oft bei Shakespeare and Company auf — der Name schien für diesen französischen Shakespearianer eine große Anziehungskraft zu besitzen. Wir verbrachten einen schönen Sommertag in Valmondois und freuten uns über den Anblick Duhamels. daß ein Individuum. Er hatte sich großartig verkleidet. Verse. wie wir nun zugestehen mußten. erkannten wir in den Kerlen. und ich war immer glücklich. Dort hatten die Duhamels ein Haus. die an der Theke Rotwein tranken.stro zu finden. hinterlassen nämlich sonst meist eine leise Enttäuschung. die Mütze tief in die Stirn gezogen. die von Schauspielern — selbst von den größten — gelesen werden. Romains war nirgends zu sehen. der seinen erstgeborenen Sohn Bernhard in einem Schaff im Garten badete. die einiges von Duhamel verlegt hatte. wie man sie auf dem Theater nannte. Sie hatte ungewöhnlich viel Charme und Anmut. . das sei vielleicht Romains — aber er meinte es nur im Scherz. für einen Tag nach Valmondois bei Paris ein. wirklich Romains. Wir hatten inzwischen bemerkt. er würde gar nicht kommen. es war. Der Kerl kam ins Bistro — und tatsächlich. wenn ich sie bei einer Dichterlesung hören konnte. draußen an einer Ecke herumlungerte und uns in nicht sehr angenehmer Weise anstarrte. Madame Duhamel oder Blanche Albane. einige der »Copains«.

. Jean Schlumberger. sondern in einem danebengelegenen kleinen Häuschen. was das Aufheben nicht lohnte. dessen hell flakkernde Holzscheite von seinen eigenen Bäumen stammten! Wie Schlumberger gefürchtet hatte. spiegelte die englische Bibliothek im großen Haus den Geschmack der englischen Gouvernanten wider. Er hatte uns über das Wochenende eingeladen. Dort hielten auch wir uns mit ihm und seinen beiden Gefährten auf.Jean Schlumberger Ein Freund. für den Adrienne und ich große Bewunderung und Zuneigung hegten. errichtet worden. Schlumberger war dort aufgewachsen. die wir damit unternahmen. Dieses Schlumbergersche Landhaus ist von seinem Urgroßvater. heißt Braffye und ist ein wunderschöner Besitz. und ich hatte versprochen. und er liebte es sehr. Er zog es jedoch vor. die auf ihres Herrn Geheiß sich auf die Hinterbeine setzte. seine Kinder wuchsen dort auf. das Schlumberger betreute und uns köstliche Mahlzeiten kochte. eine Dachshündin. ging zu Schlumbergers Besitz in die Normandie. um uns »die Knöpfe an ihrer Weste zu zeigen«. Wie hübsch war es doch. dem Staatsmann und Historiker Guizot. war def Verfasser von Un Homme Heureux. nicht in dem großen Haus zu leben und zu arbeiten. einem Ehepaar. und die erste Fahrt. mir die englischen Romane in der Bibliothek anzusehen und alles hinauszuwerfen. mit Schlumberger und dem Dackel an einem Feuer zu sitzen. die durch Generationen die jungen Mädchen in Braffye betreut hatten. Eine dritte Gefährtin gab es. 1927 hatten wir uns auf Raten einen Citroën gekauft.

Er wurde rot. Dort konnte man ihn jeden Nachmittag treffen und zuhören. seinen Freunden überallhin zu folgen. kamen um einige seiner erfindungsreichsten Schöpfungen. die ihm anderswo vielleicht entwischt waren. die hin und wieder. und dort oder bei Gallimard. hatten überhaupt nichts Anstößiges. Fargues kam nicht wegen der Bücher zu mir. Früher oder später tauchte er dann immer in Adriennes Buchhandlung auf. Larbaud war einer der empfänglichsten Zuhörer. In Adriennes Buchhandlung hatte er sein Hauptquartier aufgeschlagen. einige seiner »Potassons« zu treffen. gerechnet zu werden. war ein fast ebenso großer Wortschöpfer wie Joyce — er war ein Wortbesessener. die ihn nicht selbst hören konnten. Und das alles in einer Buchhandlung. lachte in sich hinein und sagte auf seine unnachahmliche Art »Oh!« Fargues Gedichte andererseits. wohin er sich nachher begab. zu seinen Freunden. sammelten sich alle seine alten und neuen Freunde. ebenso die Gesten. Seine Wortfindungen waren unvorstellbar obszön. . Fargue. wie er sie nannte. eine der interessantesten Persönlichkeiten in der französischen literarischen Welt. in der anständige Familienmütter und ihre jeunes filles Bücher aus den Regalen holten. aber Leser. stand erst am frühen Nachmittag auf und machte sich wie ein Briefträger an seine Runde. verschaffte Fargue sich eine Leiter und kletterte zum Fenster hinauf. er habe schreibend an seinem Tisch gesessen. Als Larbaud einmal seine Türe nicht öffnete. sehr selten in einem Band zusammengefaßt erschienen. wenn er in einem Kreis begeisterter Zuhörer die entsetzlichsten Geschichten erzählte.Léon-Paul Fargue Der Dichter Léon-Paul Fargue sprach zwar kein Wort Englisch. Fargue. Ich hatte die Ehre. les Potassons. sondern wegen der Möglichkeit. der Nachtvogel. als er plötzlich Fargue zum Fenster hineinschauen sah. man konnte ihn aber ständig in meiner Buchhandlung sehen. mit denen er sie begleitete. Larbaud erzählte mir. Es war einfach eine Notwendigkeit für ihn.

mit seltsamen Tierkreiszeichen. Marie Monnier.Er war einer der Begründer der Nouvelle Revue Française und ein alter Schulfreund von Gaston Gallimard. Fargue behauptete. Er lebte mit seiner verwitweten Mutter und einem geduldigen. Als der Jugendstil in Blüte stand. Diese plötzliche Massenproduktion war ein Einfall Fargues. Er war Ingenieur gewesen und hatte verschiedene Prozeduren für die Erzeugung von Glas erfunden. Dann nahm man noch zwei weitere Arbeiter auf. die eben die . das sein Vater gemacht hatte. die Fargue père aufgebaut hatte und die jetzt mit einem Dichter als Besitzer rasch zugrunde ging. wenn man an den Vater und den treuen Vorarbeiter dachte. eine Menge Deckenbeleuchtungen fertigzustellen. getreuen Dienstmädchen in der Glasfabrik. Wir fanden die Leute dort gerade dabei. Der Vorarbeiter. es würde sich vermeiden lassen. Es schmückte in Form von bunten Glasfenstern und Vasen im Zeitgeschmack die Häuser der Millionäre. die sein Vater ihm hinterlassen hatte. der schon zu seines Vaters Zeiten in der Fabrik gearbeitet hatte und sämtliche Geheimformeln kannte. Ich besuchte die Fabrik einmal mit Adriennes Schwester. erhielt den Betrieb noch aufrecht. Ich dachte. die ein paar Entwürfe für Fargues Gläser gemacht hatte. Lange nachdem alle anderen schon gegangen waren. Die Farben ließen keinerlei Lichtschein durch. das in den letzten Zügen lag. war Fargue-Glas sehr bekannt gewesen. Er verehrte seinen Vater und wollte sich von einer Fabrik nicht trennen. eine Art umgekehrte Suppenteller.es war auch traurig. und hin und wieder kam ein Auftrag herein. endlich zu schließen. aber das sollte vielleicht so sein. während Adrienne versuchte. blieb Fargue oft noch in Adriennes Buchhandlung hängen und schüttete sein Herz aus. er wollte das Geschäft damit beleben. deren Herausgeber. Die Fabrik lag in der Nähe der Gare de l’Est. daß ihn das Pfeifen der Züge anrege. Fargue selbst zeigte mir ein Fenster bei Maxim. etwas Reklame wäre sicher angebracht. Wir alle hofften. Das drohende völlige Verlöschen betrübte ihn sehr . und bat ein paar Fotografen von der New York Times.

über Fargues Besuch köstlich unterhielten. mit dem er eine Weile herumzog. total vergessen. lud Fargue sie in ein Taxi.Buchhandlung aufnahmen. einem Mann. ob sie nicht auch Bilder von Fargue in seiner Fabrik machen könnten. und der Geschichten über ihn war kein Ende. denn wenn er dann erschien. wie Fargue endlich herauskam und ein anderes Taxi anhielt. der ein phantastisches Vermögen in Schweizer Käse hatte oder jenem spanischen Granden. Ich stelle mir vor. unterhielt er die Gesellschaft großartig — und selbst während man auf ihn wartete. machte aber. seinen Gastgeberinnen allerhand Kummer. die das Glas des Vaters und die Gedichte des Sohnes kannten. wie gesagt. machte die Runde bei den Kaufhäusern und brachte mit seiner Überredungskunst die Leiter vieler Beleuchtungsabteilungen dazu. machte jede Hausfrau schaudern. die er stundenlang warten ließ. den Fargue mir beim Aussteigen vorstellte. Sie verziehen ihm stets. wie er zu einem Abendessen zwei Wochen zu spät kam. ihm große Aufträge zu geben. da er keinen Zeitbegriff kannte und immer zu spät kam. was ihre Nachsicht ihm gegenüber erklärt. oder dem Tuchfabrikanten mit dem eindrucksvollen Namen Gabriel Latombe. bis der Chauffeur schließlich nach ihm Umschau hielt. wußte jeder etwas über Fargues Tun und Treiben zu erzählen. Einer von ihnen. und mitten unter uns stehen auch der Vorarbeiter und das Dienstmädchen Julienne. Er hatte das erste. Fargue kam immer mit einem neuen Freund daher. Diese Fotos besitze ich noch: Fargue zeigt uns ein Stück von seinem Glas. Ein guter Teil dieser Chauffeure schien zu Fargues persönlichen Freunden zu gehören. Eine davon allerdings. Einer der Taxifahrer sah einmal. das so lange wartend vor dem Haus gestanden hatte. Gili Gili nicht zu vergessen. Er fuhr immer in Taxis herum. Sobald einige Stücke von den Deckenbeleuchtungen fertig waren. las seine Gedichte und besaß seltene Ausgaben der Gedichtbände mit Widmungen des Autors. Fargue wurde sehr viel eingeladen. die Geschichte. daß sich diese Leute. den .

ein sehr unterhaltender Mann. die Dinge zu sehen. Sie teilte ihre Zeit zwischen ihren Dichtern in der Rue de l’Odéon und ihren musikalischen Freunden aus der sogenannten . war sehr sorgfältig erzogen worden. oder bei Shakespeare and Company. warum Raymonde immer alles geheimhalten mußte. Bald darauf erklärte mir Joyce: »Ich habe Raymonde in den Ulysses getan. Raymonde Eine meiner faszinierendsten französischen Freundinnen war Raymonde Linossier. wo sie ein prominentes Mitglied von Adrienne Monniers literarischer Familie und als echter »Potasson« vom Dichter Léon-Paul Fargue zugelassen war. Sie hätte an der nahegelegenen juristischen Fakultät ihren Studien nachgehen sollen. 7 entdecken können. bei der Kirke-Episode zu Hilfe kam. er hätte sie nahezu jeden Nachmittag entweder auf Nr. ja. als wir den Ulysses druckfertig machten. sich aber nicht mit einem Fargue oder einem Joyce sehen lassen durfte. das in aller Freiheit immer hatte tun dürfen. die uns.ägyptischen Zauberer. Sie war mit ihm zusammen aufgewachsen. Raymondes bester Freund war Francis Poulenc. Ich konnte absolut nicht verstehen. was es wollte. wenn er einen Taschenspielertrick vorführte. eine Prostituierte verteidigen. der »Gili. weshalb ein junges Mädchen zwar mit den Leuten vom Gericht verkehren. manchmal auch an ihre Stelle trat. sie ein wenig zu beobachten. wie ich schon berichtete. die Tochter eines berühmten Arztes. war es schwer zu begreifen. Gili« sagte.« Raymonde. wo sie der Besitzerin half. und sie hatten genau den gleichen Geschmack und die gleiche Art. sie ermutigte. aber wäre ihr Vater nicht zu beschäftigt gewesen. ja sogar eine beachtliche Studie über Prostitution machen. Für ein amerikanisches Mädchen wie mich.

Dieses »Werk« bedeutete im Jahr 1918. Raymonde erhob Anspruch. »alle von den Akademikern geforderten Eigenschaften: absolute Klarheit. Sie liebten einander sehr. Es wurde in der Nummer September-Dezember 1920 gedruckt mit einer Anmerkung von E. der es ein Meisterwerk nannte. was ungefähr so etwas wie »Man selbst ist Manselbstisch« heißt. Laut Umschlag hatten es die »XSchwestern« geschrieben. Raymonde und ihre Schwester Alice. eine »Selbst-Vergottende« Gesellschaft zu gründen. wie er mir erzählte.»Groupe des Six«. eine Mitte und ein Ende«. die Franzosen und vor allem Raymonde selbst wären mit ihren Behauptungen nicht so weit gegangen. einschließlich Titelblatt. Alice Linossier-Ardoin. Es war auf große Blätter gedruckt. Fargue war ihr Lieblingsdichter. und interessierte sich zumindest ebenso dafür wie für die französischen Ereignisse in Adriennes Buchhandlung. vor allem Madeleine. heute Frau Dr. war Francis Poulenc gewidmet. Aber Raymonde war viel zu bescheiden und mit viel zu viel Humor begabt. und die vierzehn Seiten. Ihr sehr spärliches Taschengeld verwendete sie auf französische Bücher. was ich unternahm. eine neue Bewegung. um Bibi-la-Bi- .. als ich Raymonde kennenlernte. Sie schrieb auch selbst. geradezu ein literarisches Ereignis. Zu mir kam Raymonde nicht als Kundin. und natürlich tat sie auch das nur im geheimen. und natürlich hatten wir ja auch in England den Egoist. und sie besaß seine sämtlichen Werke einschließlich der meisten seiner Manuskripte. die alle neuen amerikanischen Bücher las. gegründet zu haben — das erinnert mich an die Absicht Valérys. Es habe. Bibi-la-Bibiste. P. Aber die Autorin war praktisch nur Raymonde — die Schwester hatte lediglich ihr Taschengeld für den Druck beigesteuert. Ich glaube. Darius und Madeleine Milhaud hatte sie besonders gern. einen Anfang. absolute Form. Ezra Pound stürzte sich darauf und schickte es der Little Review. erklärte er. Sie hatte ein Buch mit dem Titel Bibi-la-Bibiste verfaßt. enthielten fast überhaupt keinen Text. Sie waren auch meine Freunde. Aber sie verfolgte alles. die »selbstische Bewegung«.

Wie gewöhnlich verwandte Fargue auch auf diesen Zwist viel Zeit und Mühe und schrieb Satie täglich einen Brief mit den entsetzlichsten Beleidigungen. Es gibt Leute dieser Art. mit Paradoxien und mit Komik getarnt. wenn sie Talent besitzen. wenn sie nur etwas mehr »selbstisch« gewesen wäre! Eine ungemein große Selbstlosigkeit und ein warmes Herz wurden. vor allem. Sicher geschah es unabsichtlich. Auch Fargue und Satie standen ausgezeichnet miteinander. vielleicht weil ein Teil seiner Familie englisches Blut hatte. ob Regen. die er sich nur ausdenken . Satie und Adrienne waren gute Freunde. immer. ob schön. wenn man mit dem Autobus aus einem weit entfernten Vorort von Paris kam und den ganzen Tag in der Stadt bleiben wollte. und ganz bestimmt war es nicht Saties Schuld.biste ernstzunehmen. das einzige englische Wort. Das sei die Art. aber sie sind selten. mit einem Schirm bewaffnet — niemand hatte ihn je ohne Schirm gesehen. nehme ich an. Seinen Sokrates bekam man zum erstenmal in ihrer Buchhandlung zu hören. verheimlicht. in der ich schriebe. Satie schien Shakespeare and Company sehr gern zu haben. Wer sie gut kannte. Geschäftsbriefe. hatten aber dann eine schreckliche Auseinandersetzung. es würden Lieder von Erik Satie gesungen. Er nannte mich »Mies«. das er kannte. wie ihre schriftstellerischen Erzeugnisse. vergaß aber ganz zu erwähnen. daß sie wirklich Begabung und Veranlagung zum Schreiben besaß. und er stellte sich regelmäßig ein. In irgendeinem der Salons kündigte der Zeremonienmeister an. Er antwortete. Vermutlich war es eine weise Voraussicht. sagte ich. über irgendeinen unglückseligen Zwischenfall in gesellschaftlichen Kreisen. Satie sah mich etwas schreiben und fragte: »Schreiben Sie?« Ja. Sowohl Raymonde als ich betrachteten Satie als einen unserer großen Freunde aus der Welt der Musik. in denen Komponist und Dichter sich in die Popularität teilten. das sei die beste Art von Schriftstellerei — ein guter Geschäftsbrief habe einen bestimmten Zweck. ich glaube. hatte den Eindruck. man habe etwas zu sagen und sage es. daß die vertonten Gedichte von Fargue stammten. aber Fargue war wütend. bestätigte ich.

Sie lebte mit ihrer Schwester. Sie hatte kleine niedrige Räume. ihres Lieblingsdichters. und der Mond stand über den Türmen. installierte sich in einem eigenen Büro im Musée Guimet. Adrienne und ich trafen einen Sommer lang oft mit ihm zusammen. »Notre cher Gide« André Gide war. die Türme von Notre-Dame ragten gerade gegenüber zum Himmel. philosophischer Mann —. und wir sahen sie von da an weniger oft. und überall standen Bücherschränke mit den seltenen Ausgaben und den Manuskripten Léon-Paul Fargues. Ardoin verheiratete. Kurz darauf starb Raymonde. und seine Freundschaft und Unterstützung blieben mir die ganzen Jahre über erhalten. um eine weitere beleidigende Botschaft unter seiner Tür hindurchzuschieben. als wir uns am Mittelmeer in Hyères aufhielten und er uns dorthin nachkam.konnte. Nicht genug damit. und damit war dann. Zwei Tage nach unserer Ankunft in einem kleinen Hotel an der Küste. Die Fenster standen offen. einer meiner ersten Subskribenten. fuhr er auch noch die ganze Strecke bis Arcueil-Cachan. soviel ich weiß. das Scharmützel beendet. reagierte Satie nur mit einem Lachen — schließlich war der Komponist des Sokrates eben ein milder. dem Wohnort Saties. wie gesagt. Sogar auf die letzte. das . für die sie schwärmte. daß man sie gar nicht wiederholen kann. genau die Art Wohnung. dem Pariser orientalischen Museum. Sie fehlte uns schrecklich. daß er diese Briefe in Paris aufgab. bis Alice sich mit Dr. so empörend. Schließlich wandte Raymonde sich der Orientalistik zu. für die sie sich immer interessiert hatte. und Raymondes Blick auf die Seine gefiel uns wunderbar. An einem warmen Sommerabend waren wir zum ersten und einzigen Mal dort. Dann entdeckte Raymonde eine winzige Wohnung am Quai Saint-Michel.

Gide ruderte mich in einem Boot weit hinaus. das etwas unter der Meeresluft gelitten hatte. Elizabeth Van Ruysselberghe. Wenn es regnete und wir im Haus bleiben mußten. hatte er das hübsche. Gide rauchte sehr viel. hatte in der Nähe einen Besitz und gesellte sich beim Baden oft zu uns. Er spielte mit viel Gefühl. Nach dem Mittagessen saßen wir bei schönem Wetter alle auf der Terrasse vor dem Hotel. Sie trieb mit Rettungsgürtel und Korkweste einfach aufrecht nahe an der Küste dahin. Daß er uns nachgekommen war. Er sah mir zu. tranken unseren Kaffee und rauchten. ich sollte dort tauchen. Der kleine Sohn des Hoteldirektors. Theo Van Ruysselberghe. während man schwer sagen konnte. etwas knabenhafte Mädchen in England erziehen lassen. Sie war die Tochter eines belgischen Malers. wie ich vom Bootsende sprang und flach aufs Wasser plumpste. nicht gerade in seiner Gegenwart damit zu beginnen. eine große Freundin von ihm. Gide liebte das Meer und schwamm gern darin herum. spielte Gide für uns Chopin auf dem Klavier des Hotels. glaube ich. aber das war später. ob Gide oder ich im Wasser schlechter vorwärts kamen. das ein gutes Stück über der Küste lag. und wir aßen zusammen Mittag. eines alten Freundes von Gide. ihn . obwohl ich das nie versucht hatte und es mir viel lieber gewesen wäre. Elizabeth wurde die Mutter von Gides Tochter Catherine. Manchmal kam Jules Romains vom Städtchen Hyères. und nun planschte unser Freund Gide mit uns vor dem Hotel in dem warmen blauen Wasser. ein entsetzlicher Quälgeist. versuchte immer. Ich sagte zu Adrienne »Gide ist hier«. und sie war entzückt über diese Entdeckung. Sie schwamm hervorragend.uns. von Jules Romains empfohlen worden war — er selbst lebte oben in der Stadt in einem Turm —. erblickte ich Gide an einem Fenster. auf Gides Knie zu klettern. es bedeutete einen wirklichen Beweis seiner Freundschaft. »Pas fameux!« war sein Kommentar. und Gide machte es offenbar Spaß. Adrienne schwamm überhaupt nicht. herunter. freute uns sehr. Nach ihrem vollendeten Englisch zu schließen. als er spielte. einem Instrument. aber er schrieb doch viel besser.

Aber Gide kümmerte sich weder um die offizielle noch um die öffentliche Meinung. nach einem Drehbuch von Gide. der griff begierig danach. ob in Rußland oder in den Kolonien oder in der Heimat. aber er hatte uns wirklich zu sehr geplagt. wie er sagte. das Gide über den Kongo schrieb. mit dem er und Larbaud gemeinsam hätten nach Italien fahren sollen.zu necken. was ihm gefiel. Aber jede Art Bindung verdroß ihn. ein Überbleibsel von der vergangenen Wintersaison und sehr dumpfig war. An sich war Gide sehr gütig. aber nicht. von Marc Allégret gedreht und unter schwierigen Verhältnissen entstanden. Das Kind spuckte weiter und sah ganz böse aus — das war natürlich schlimm. Er kam häufig in die Buchhandlung und brachte mir einmal eine kleine Schildkröte. wirkte zwar dilettantisch. daß er vor seiner Tür gestrandete junge Schriftsteller in seine Wohnung nahm und zum Essen einlud. Er tat alles für seine Freunde. Dieser Streifen. Er verkaufte eine Menge seiner Bücher. fand nicht gerade den Beifall der offiziellen Stellen. und es geschah häufig. Er bot dem kleinen Jungen ein Stück an. ein Geschenk von Gide. die. wenn sie versuchten. worüber sich Gide königlich amüsierte. Als Gide einmal in die Stadt ging. wie er wußte. das muß demnach der für Schildkröten übliche Name sein. stopfte es in den Mund und spuckte es gleich wieder aus. Das Buch. . daß sie Aglae hieß. so kam er zum Beispiel. Ich las irgendwo. ihn festzunageln. Er konnte dann zeitweise sehr grausam sein. und er schüttelte sie rasch wieder ab. brachte er Schokolade mit. daß auch Carl Van Vechten eine Schildkröte namens Aglae hatte. wurde aber von uns allen bei seiner Aufführung im Vieux Colombier-Theater sehr bewundert. Mit Marc Allégret stand er sich gut. um mit Marc Allégret in den Kongo zu fahren und Material für den ersten Film dieses jetzt so berühmten Regisseurs zu sammeln. So etwas verletzte Larbaud sehr. einfach nicht zum Zug. Es stellte sich heraus. Bekanntlich interessierte Gide sich eine Zeitlang ziemlich intensiv für den Film. er sagte. wie Larbaud mir erzählte.

Die ihrige wurde gigantisch. Als junge Studentin geriet ich ganz in den Bann von La Jeune Parque und würde nie gedacht haben. wie die Hausmeisterin sich laut über das unglaubliche Wachstum ihres Schoßtieres äußerte und in Verwunderung geriet. Er kam. den sie in ihrer Schulzeit der Hausmeisterin gespielt hatten. Am Ende war ihre Schildkröte nicht größer als ein Knopf. Jetzt. Die Frau bemerkte den Unterschied zunächst nicht. Mein Freund Paul Valéry Ich hatte die Ehre. die Gide mir von sich und einem seiner Freunde erzählt hatte — es ging um einen Streich. ihn bei mir zu sehen. dem ich ebenfalls in Adrienne Monniers Buchhandlung begegnet war. und nach Eröffnung von Shakespeare and Company hatte ich auch häufig die Freude.Anläßlich dieses Schildkröten-Geschenks erinnerte ich mich dunkel an eine Geschichte. Er erlaubte mir. Valéry machte immer Scherze. nahmen hinter dem Rücken der Frau ihre Schildkröte fort und ersetzten sie durch eine neue. Sie nahm sehr viel Platz ein. beschlossen sie. Die Jungen aber brachten immer größere Schildkröten an. als die Jungen trotz eifrigen Suchens in ganz Paris keine größere mehr finden konnten. die Schildkröte wieder schrumpfen zu lassen — was sie auch zur Bestürzung der armen Hausmeisterin sichtbarlich tat. setzte sich neben mich. Die Jungen erstanden eine etwas größere. Die Hausmeisterin verschwand kurz darauf. wie es denn nur mit Schildkröten so zugehe. daß Valéry mir eines Ta- . sie sei auf Erholung gefahren. Diese Hausmeisterin hatte offenbar eine mittelgroße Schildkröte in ihrer Loge. Dann hörte sie zu wachsen auf. mit Paul Valéry bekannt zu sein. die Geschichte in meinen Memoiren zu berichten. war die Zeit gekommen. und man teilte den Jungen mit. schwatzte und scherzte. Sie hörten.

aber als er den Schrank öffnete. verglichen mit Mussets Versen. Einmal nahm er einen Band seiner Werke zur Hand. wie nahe er dem Selbstmord gewesen war. »Und mir werfen sie vor. nein. selbst wenn er einem erzählte.ges ein Exemplar widmen und selbst kommen würde. daß ich so dunkel bin!« Valéry erzählte mir. den Namen Scholl in irgendeinem Katalog aufzustöbern. Es regnete jeden Tag. Wie schade. Eines Tages entschloß er sich. sehr arm. daß Valéry sich nicht an den Titel erinnern konnte! Es gelang mir nicht einmal. fiel ein Buch zu Boden. die er sich eben bei einer Matinée im Vieux Colombier angehört hätte. erklärte er. seien ihm völlig unverständlich. Trotz der Vergötterung und den »Cher Maître«. der ihn kannte. »Les chants les plus beaux sont les chants de désespoir.« (Die schönsten Gesänge sind die der Verzweiflung. Selbstmord zu begehen. er hob es auf. Es war ein humoristisches Buch. daß er sie ungeheuer genieße. blieb er vollkommen natürlich und behandelte jeden mit gleichmäßiger Freundlichkeit. um seinen Revolver herauszunehmen. Der Autor hieß Scholl.« Aber das sei nichts. und er gab unumwunden zu. wissen Sie. aber auch ein großer Spaß. Valérys Besuche in meinem Buchladen waren eine große Ehre. Er war immer lustig. Er war allein und elend in seiner schäbigen Bude und wie er andeutete. er las es durch und unterhielt sich dabei so gut. was ihm als jungem Mann in London zugestoßen war. als er es beendet hatte. Ich liebte Valéry. Valérys Charme war ebenso einzigartig wie seine Güte. setzte sich hin und las. um was es hier geht?« — »Ehrlich gesagt. daß ihm jede Lust auf Selbstmord vergangen war. mir jedes seiner Bücher gleich nach Erscheinen zu bringen. öffnete ihn bei »Der Phönix und die Schildkröte« und fragte: »Nun sagen Sie. Sylvia. .) Diese Verse. denen er sich in der von ihm besuchten guten Gesellschaft aussetzte. aber es liebte ihn jeder. Die Salons hießen ihn als glänzenden Causeur mit Begeisterung willkommen. sagte Valéry. an den Titel konnte er sich nicht mehr erinnern. In seinem Valéry-Englisch neckte er mich mit meinem »Patron«. Dabei war Valéry nichts weniger als ein Snob.

. »Kennen Sie sie denn nicht. Valéry nahm jeden Donnerstag an den Zusammenkünften der Akademie teil — um die hundert Francs einzustecken. aber jeder einzelne trat doch in die Akademie ein. Cyprian war eines Tages gerade im Buchladen. nur konnte sie die leider nicht behalten. Er hatte diese frühen Stunden. Er sprach von irgendeiner Prinzessin. Valéry wollte ihr seinen Essay »Littérature« geben und fragte mich. Zu jener Zeit betrachtete man sie als eine ziemlich verstaubte Institution. als er vorbeikam. es tue ihm das Geklirr der Teetassen und das Geplätscher des Gesprächs nach seiner Arbeit so gut.Wenn ich ihn damit neckte. zeichnete einen Frauenkopf auf eines ihrer Knie und signierte das Werk »P. sobald die Reihe an ihn kam. und dann auch. weil sie so nahe bei der Rue de l’Odéon lag. und die Kollegen äußerten ihre Mißbilligung. Mitte der zwanziger Jahre wurde mein Freund Valéry in die Akademie gewählt und hielt als erster seiner Freunde dort Einzug. besonders gern. die man dafür erhielt. Und wir lachten beide herzlich über meine komischen Angewohnheiten. Er stand jeden Morgen um sechs Uhr auf.« Bryher bat Valéry einmal um einen Beitrag für eine französische Sondernummer ihrer Zeitschrift Life and Letters To-day.« Lachend steckte er den Finger durch ein großes Loch in seinem Hut. »Was würde ich wohl in einem Salon anfangen?« pflegte ich zu fragen. Ich fand das einen sehr passenden Beitrag. was ich davon hielte. von Valéry mit einer Originalzeichnung beschenkt zu werden.. sagte er mir scherzend. machte selbst seinen Kaffee und fing mit der Arbeit an. Einmal sagte ich im Scherz: »Sie sind so fein angezogen. worauf mir Valéry den erschreckenden Vorschlag . Sylvia?. Sie trug einen sehr kurzen Rock und Strümpfe. Sie ist doch eine Amerikanerin!« Ich kannte aber sehr wenig Prinzessinnen. Sie waren sicher in einem Salon. Er machte uns an diesem Tag immer einen Besuch. Valéry ergriff einen Bleistift. wenn alles im Haus noch still war. Meiner Schwester Cyprian widerfuhr die Ehre. sagte er mir. die nur bis zum Knie reichten. V.

Die Wände der Wohnung in der Rue de Villejust hingen so voll mit den kostbarsten Degas. Wenn ich nicht weiterkam. Mit Valérys jüngerem Sohn François war ich innig befreundet. Aber ich wußte mit unfehlbarer Sicherheit. solle ich nur in die Rue de Villejust (heute Rue Paul Valéry) hinüberlaufen und um Rat fragen.« Hielt man ihm den Text vor Augen. . hatten ihr als Kinder und junge Mädchen für ihre Porträts Modell gesessen und waren unter den Impressionisten aufgewachsen. »Was haben Sie hier eigentlich gemeint?« fragte ich. hatte ich immer sehr gern gehabt. Hieß das nun etwa. (Valérys Mutter war eine Italienerin.) Die helle Haarfarbe seines Sohnes François schien ihn zu amüsieren. Madame Valéry und auch ihre Schwester. sonst hatten alle dunkles Haar. Er war als einziger in der Familie blond. sagte er. so leugnete er immer noch jede Kenntnis davon. als sehe er sich die Stelle genau an. Eine große Ehre — aber ich hätte lieber zugunsten eines fähigeren Übersetzers darauf verzichtet. Sie waren die Nichten von Berthe Morisot. fand ich leider. und er nannte ihn »diesen großen nordischen Kerl«. ernstlich an »unserer« schwierigen Aufgabe mitarbeiten? Jedenfalls hatte ich meine Freude an diesen Sitzungen mit Valéry. Wenn immer ich aber diese Anregung aufgriff und in die Rue de Villejust hinüberlief. Valéry bestand jedoch darauf. und er sagte. »der Verfasser« wolle alle Schuld auf sich nehmen. und sagte: »Was kann ich damit nur gemeint haben?« oder: »Ich bin sicher. obwohl Valérys Tochter Agathe genau wie er selbst wunderschöne blaue Augen hatte.machte. »wir« sollten es zusammen machen. daß ich das gar nicht geschrieben habe. die Stelle auszulassen. Monets. daß ich — gemeinsam mit »dem Verfasser« — eins von Valérys faszinierendsten Werken umgebracht hatte. Für die Übersetzung sollten »Sylvia Beach und der Verfasser« zeichnen. wir sollten ihn gemeinsam übersetzen. daß man auf ihn als Mitarbeiter nicht rechnen konnte. die Künstlerin Paule Gobillard. Manets. Renoirs und natürlich Berthe Morisots. Er tat. Schließlich riet er mir einfach.

und ich hörte voll Interesse. Der kleine Vorlesungssaal war gedrängt voll mit seinen Anhängern. Valéry hatte nämlich eine richtige Sammlung. Außerdem glaube ich auch. »Papa liebt diese Angriffe«. Kaum hatten wir uns mit Francis Jourdan. Seine englischen Studien gipfelten in einer Dissertation in der Sorbonne. Der Vorrat reichte nicht weit. indem er eine Grammophonplatte seines Vaters verkaufte. stürzte zum Fenster und lehnte sich weit hinaus. The Ring and the Book. daß es ihm ein gewisses boshaftes Vergnügen bereitete. Ich sah den jungen François heranwachsen.Der »nordische Kerl« kam oft zu mir in die Buchhandlung. Valéry sprang auf. Während der deutschen Besatzung hielt Valéry am Collège de France Vorlesungen über Dichtung. Madame Valéry lud mich einmal während des Krieges zum Mittagessen ein. und hin und wieder verlor man auch den Faden. daß ihr Thema. Die Familie schien an dieses Verhalten gewöhnt. und im Gegensatz zu Joyce gab er es auch offen zu. Mademoiselle Paule Gobillard und François zu Tisch gesetzt. ja. um die Flugzeuge über Paris kreisen und Bomben abwerfen zu sehen. meinte François. Sein ganzes Taschengeld gab er für Konzerte aus. ihm zu folgen. als die Alarmsirenen einen Luftangriff ankündigten. die in jener Zeit wirklich zählten. Die Vorlesungen gehörten zu den wenigen Dingen. auf einen Vorschlag seines Vaters zurückging. seine Hörer zu verlieren. Er studierte bei Nadja Boulanger Kompositionslehre. Es war nicht immer leicht. seine Aussprache war nicht sehr deutlich. Er war seltsamerweise ein Wagnerianer. und einmal half er nach. lebte er geradezu dort. nach allem. um englische Dichter zu lesen und mir die letzten musikalischen Neuigkeiten zu erzählen. . was er mir erzählte.

durch den die Aufführung von Exiles in seinem Théâtre de l’Œuvre autorisiert werden sollte. daß es ihm nicht gelungen war. würde auf seiner prachtvollen Bühne das Stück geben. zumindest das einzige. Inzwischen teilte ein Monsieur Baernaert Joyce mit. erhielt Joyce den Besuch von Lugné-Poe. Lugné-Poe entschuldigte sich sehr. als läge ihm viel daran. War Ibsen doch bekanntlich Joyce’ Gott gewesen. eine berühmte Darstellerin der Nora. das Stück gleich herauszubringen. Im Gegenteil. mit dem er sich an mich wandte. von dem er sprach. als er achtzehn Jahre zählte. dann erwischte ich ihn endlich. daß sein Stück in dem Theater herauskommen sollte. Die Zeit verging. Lugné-Poe verabredete sich mit mir eines Morgens um elf Uhr in seinem Theater. Joyce bat mich.Die »Exiles« von Joyce Joyce’ einziges Drama. er war sogar . ob er mit Exiles etwas vorhabe. war eines der ersten Probleme. Joyce hatte nichts dagegen einzuwenden. Ich verbrachte etliche Zeit damit. Joyce’ Stück herauszubringen. einem der angesehensten Theaterdirektoren in Paris. obwohl es ausgesehen hatte. wollte aber erst die Situation mit Lugné-Poe geklärt wissen. Er hatte durchaus die Absicht gehabt. der Direktor des Théâtre des Champs-Elysées. Lugné-Poes begabte Frau. er und eine Madame Hélène Du Pasquier hätten Exiles übersetzt. er war entzückt. Lugné-Poe aufzusuchen und herauszubekommen. und nun hofften sie. aber Lugné-Poe ließ nichts mehr von sich hören. und wir setzten uns keuchend hin. in der Rolle der Berta zu sehen. Susanne Depré. Exiles anzunehmen. ihm zwischen Kulissen und in zugigen Gängen nachzujagen. es im Théâtre de l’Œuvre anzusetzen. Er freute sich schon. Hebertot war nicht abgeneigt. Der Kontrakt wurde unterschrieben. das jedes Jahr einen Ibsen-Zyklus spielte. Lugné-Poe erschien mit einem Kontrakt in der Hand. Kaum in Paris angekommen. um über Exiles zu sprechen. Hebertot.

Andererseits konnte man von Joyce nicht erwarten. Aus irgendeinem Grund wurde das Stück aber bei Hebertot nie gespielt. und sie waren inzwischen vermutlich noch brennender geworden.« Statt Exiles brachte Lugné-Poe ein Stück des Belgiers Fernand Crommelynck heraus. Ballett oder Drama handelte. Auf dem Sitz fand man Hébertôts kleine Vorschau auf kommende Ereignisse — eines davon hieß. Le Cocu lief monatelang. Nun interessierte Louis Jouvet. Das ist bei Bill Shakespeare eben ein großes Plus: seine Clowns bringen eine Menge Gags in die Stücke. Joyce’ Stück war absolut nicht komisch. übersetzen zu lassen. und niemand konnte es sich leisten. daß er Exiles in eine tolle Komödie verwandelte. waren Ereignisse. die Hebertot mit Exiles hatte. und alles. Der Held kam mir wie eine Art entfernter Vetter Richards vor. »ich muß mir mein Leben verdienen. ob es sich um Musik. seinem Sekretär. Als ich ihm die Unterredung mit Lugné-Poe erzählte. bemerkte er nur: »Komik — natürlich. sagte er. das Risiko mit Exiles auf sich zu nehmen. Richard hätte ein Holzbein haben sollen. es von Natanson. Ich hatte von seinen finanziellen Problemen schon gehört. hinzugehen. Nun stand den Plänen. nur steckte er so voll Komik.« Ich konnte seinen Standpunkt verstehen. daß das Publikum im Théâtre de l’Œuvre so viel zu lachen hatte. das sie zum Lachen bringt. ist etwas. Ich muß die Wünsche der heutigen Theaterbesucher berücksichtigen. . wenn man nicht wie ich dazu eingeladen wurde. der die kleine Comédie des Champs-Elysées in einem Flügel des großen Theaters leitete. Man konnte es sich allerdings auch nicht leisten. Er machte eine Pause. und ich wartete. Exiles von James Joyce. nichts mehr im Wege. Le Cocu Magnifique (Der herrliche Hahnrei). der selbst Stücke verfaßte. was sie heute verlangen. aber bei Ibsen lachte man ja auch nicht. Ich konnte selbstverständlich Lugné-Poe nicht zwingen. sie zu versäumen. als es nur wollte.so weit gegangen. Das ist das große Problem. wie ich dem Autor zeigte. »Sehen Sie«. Die Aufführungen in seinem Theater.

würde imstande sein. in Richards Haut zu schlüpfen und den aufmerksamen Zuhörern die Joyceschen Feinheiten zu übermitteln. Dann zeigte Joyce mir einen begeisterten Brief von Copeau. dem Direktor des kleinen Vieux Colombier-Theaters — »die alten Tauben«. Copeau habe sich vom Theater zurückgezogen. sein Publikum war in hohem Maß aufnahmefähig und gewöhnt. doch sehr erstaunt waren. der Don Juan von Molière und der Tartuffe — paßten besser zu ihm.sich für Joyce’ Stück. Seine großen Rollen — Knock von Jules Romains. und erst Jahre später. Immerhin aber besaß Jouvet die Rechte. harte Nüsse zu knacken. ich würde hinkommen. so dachte ich. Ja. Copeau. Copeau würde das Stück aufführen. aber ich glaube. bedeutete das tatsächlich eine große Überraschung für mich. besonders diejenigen. aber da Joyce davon nichts erfuhr. um sich auf dem Lande einem Leben der Betrachtung hinzugeben. Copeau schien es mit der Aufführung des Stückes so eilig zu haben. die ein Stück geschrieben hatten und darauf rechneten. daß einige von ihnen. er sehe sich schon als Richard. Man konnte wirklich mit gutem Grund hoffen. . als sie hörten. daß ich auf Joyce’ Bitte so rasch als möglich zum Vieux Colombier lief und nur hoffte. als die Comédie Française Exiles herausbringen wollte. daß er es herausbringen würde. So war Jouvet. nun konnten wir hoffen. daß Exiles auch bei Jouvet nicht zur Aufführung kam. Die besten Schriftsteller Frankreichs hatten sich um ihn geschart. blieb ihm wenigstens die Enttäuschung erspart. dachte ich. Copeau gab in der herzlichsten Weise seiner großen Bewunderung für Joyce und für dessen Stück Ausdruck und versicherte mir. verzichtete er im Interesse von Joyce darauf. Copeaus Freunde kannten seine religiösen Neigungen. daß Jouvet nicht den Richard zu spielen versuchte. noch ehe der Vorhang sich zu Exiles hob. So kurz nach meiner Unterredung mit ihm. er würde es als nächstes herausbringen. Es war übrigens kein Unglück. wie Gertrude Stein es nannte. bei der er scheinbar mit solchem Eifer von Exiles gesprochen hatte.

und ein Freund habe ihr geholfen. und sie vertraute mir eines Tages an. studiere bereits die Rolle des Richard. Sie traf schweißüberströmt bei mir ein. wie man sie nennt — der Comédie Française. erzählte sie mir.Die nächste. . es für die französische Bühne zu adaptieren. die Gattin eines Schauspieler-Mitglieds — »Sociétaire«. und ihr Mann. die sofort zur Aufführung bereit wären. Sie sauste vom Flugplatz zur Buchhandlung. als das Propellersurren leiser wurde und die Besuche unserer fliegenden Freundin aufhörten. Aber weder Joyce noch ich waren sehr überrascht. Madame Dessonnes eilte begeistert hin und her. mit dem Flugwesen zu tun. öfter in meine Buchhandlung. sie habe nur den einen Wunsch. Sie glaube sicher. Ich wurde eingeladen. Marcel Dessonnes. und ihre Freizeit widmete sie dem Theater. wisse verschiedene Theater. eine Aufführung von Exiles in der Comédie Française durchzusetzen. war eine herrlich optimistische blonde Frau. ihn mir in verschiedenen Rollen anzusehen — er war ein großartiger Schauspieler. Joyce’ Werke interessierten sie ganz besonders. brauste um verschiedene Theater herum. Diese fröhliche Person hatte. wie sie mir sagte. Das klang vielversprechend. arrangierte ich ein Zusammentreffen mit Joyce in meiner Buchhandlung. der mir sagte. die sie mir häufig schickte. und werde mich auf dem laufenden halten. und immer gab es gute Neuigkeiten. wie sehr er Exiles bewundere und sich darauf freue. Fliegen war ihr Geschäft. sie habe ohne jede Mühe eine Übersetzung von James Joyce’ Exiles fertiggebracht. Als sie wieder zu Atem gekommen war. Mir machten ihre »fliegenden« Besuche viel Vergnügen und auch die Briefe mit der großen Handschrift. Unmittelbar vor Beginn des Zweiten Weltkrieges kam eine hübsche junge Frau. die nach unserem Stück rief. Sie habe das Stück selbst übersetzt (noch eine Übersetzung!). Da es manche Probleme gab. selbst den Richard zu spielen. Sie brachte ihren Mann zu mir. Dann rannte sie wieder davon. über die sie meiner Ansicht nach mit dem Autor selbst verhandeln mußten. eine Landsmännin von Joyce. daß man es annehmen würde.

und Huebsch schickte mir einen Durchschlag des Briefes. Die Aufführung fand im Théâtre Gramont statt. liegt meiner Ansicht nach darin. Ich war glücklich über den Gedanken. wie sie mir sagte. Joyce amüsierte sich sehr über diese französischen Reaktionen auf seinen Kuß und erklärte. den er ihr geschrieben hatte. Exiles und das Publikum zusammenzubringen. worin die Schwierigkeit liegt. So kam es. er hat darin ein für allemal zusammengefaßt. Sie fragte ihn. sie habe freie Hand für diese und jede andere Szene in seinem Stück. man hatte ihr sogar gesagt. der ersten. Nach einem Lob der Aufführung und der Schauspieler im Neighborhood Playhouse schreibt er: »Die große Schwierigkeit. Dort hatte Helen Arthur das Stück herausgebracht. daß etwas geschehen würde. daß sich kein Publikum in Paris damit abfinden würde. daß man dem Publikum die unausgesprochenen Gedanken und Gefühle der . Joyce freute sich. daß er sich in die Aufführung seines Stückes nicht einmischen würde — das sei nicht seine Angelegenheit. Er sagte voraus. ein Stück dieser Art auf die Bühne zu bringen. Das eine war die Frage gewesen. die wirklich durchgeführt worden sei. 1954. diese Szene für die Comédie Française abzuschwächen. war aber nicht so hoffnungsvoll wie ich. in Paris aufgeführt wurde. sah die erste Aufführung im Neighborhood Playhouse in New York im Jahr 1925. daß Exiles schließlich erst fünfzehn Jahre später. daß wir Exiles nun im Theater Nummer Eins von Paris sehen sollten. ob Joyce gegen die für die französische Bühne notwendigen Änderungen etwas einzuwenden habe. Huebsch.Die Probleme fanden leicht eine Lösung. Er versicherte Madame Dessonnes. so gut war sie. der amerikanische Verleger von Exiles. Stellen aus diesem Brief zu zitieren. Dieses »Etwas« war der Krieg. Bradley. Diesmal in der ausgezeichneten Übersetzung von Mrs. und voll Hoffnung. ob er ihr gestatte. Ben W. Unter den Zuhörern gäbe es viele jeunes filles. Ich glaube. Dann kam der Kuß zur Sprache. Er gestattete mir freundlicherweise. um die Aufführung seines Stückes zu verhindern. und ich bedauerte sehr. daß Joyce sie nicht mehr sehen konnte. Der Kuß war unmöglich.

« 1955 hörte ich Exiles im Pariser Radio in französischer Sprache. Die Schwierigkeit wächst dadurch. und die Komplikation steigert sich noch weiter. wie wir sie abgekürzt nannten. was die Personen voneinander denken. Man kann durch diese Rollen nicht hindurchspazieren — man muß spielen oder es geht schief. ohne die Subtilität der Worte zu vergröbern. Eine Krise im Konflikt der Seelen als Abendunterhaltung darzustellen (das klingt roh. eine Nachfolgerin von Tyro. Konnte Joyce ihm so bald als mög- . was sie zueinander sagen. und der Richard wurde von Pierre Blanchard hervorragend gespielt.P. welche Schlüsse er dem Publikum zu ziehen erlaubt. andererseits davon. »A. daß er in Kürze eine neue Zeitschrift herausgeben wolle.L. aber die meisten Leute gehen ins Theater.L. weil das Publikum einen Begriff davon bekommen muß. die Heldin von Finnegans Wake — Joyce’ »Work in Progress« — machte mir einige Sorgen. sondern die agierenden Schauspieler braucht. ist eine sehr schwierige Aufgabe. um sich zu unterhalten). Eine ausgezeichnete Sendung.« Anna Livia Plurabelle oder »A. das nicht selbst agiert. gerade weil sie eine so schwere Probe darstellen. Ich möchte aber meinen. René Lalou sprach eine Einführung für die Hörer. daß die Gestaltung jedes einzelnen Charakters einerseits von dem ausgehen muß.P.«.Personen vermitteln und das tatsächlich Gesprochene zu einem Hinweis auf die verborgenen Gedanken machen muß. ohne daß es dabei ausschließlich auf das angewiesen wäre. ganz besonders bei einem Stück wie Exiles. daß ein richtiger Schauspieler sich für die Rollen bei Joyce begeistern müßte. was das Publikum von ihm zu hören bekommt. Wyndham Lewis erzählte Joyce bei einem seiner Pariser Besuche.

« bewarb. Er schickte ihn mir. Er dachte. und ich schickte »A. Rickward meinte.P. Joyce’ Text war nicht darin enthalten. er würde die Subskribenten vertrösten. die Zeit für den ersten Auftritt seiner Heldin sei gekommen und Wyndhams Zeitschrift der richtige Ort dafür.P. das im Gesamtwerk vor »A. Ich erhielt keine Antwort auf »meinen« Brief. machte ihn aber aufmerksam.« sofort zum Calendar.lieh einen Teil des neuen Werkes überlassen. Den ganzen Raum nahm ein heftiger Angriff von Wyndham Lewis gegen Joyce’ neues Werk ein. er würde darauf warten müssen. von Wyndham Lewis herausgegebenen Zeitschrift The Enemy. ein Mitglied der Familie Earwicker den Londoner Lesern vorzustellen. Dieser Angriff traf Joyce wirklich tief. war ein junger Engländer namens Edgell Rickward. die Gastfreundschaft unserer Seiten an«. Joyce wartete ungeduldig in Brüssel. die sich in Scharen gemeldet hatten. der sich um »A. Der nächste Verleger. Was ich auch tat.P. Statt dessen kam die erste Nummer einer neuen. Joyce fuhr inzwischen nach Belgien. daß der Text angekommen sei und hörten überhaupt nichts von Lewis. bürstete die Späne von ihren Röcken. Wir erhielten keine Bestätigung. Ich versprach ihm »A. Es war soweit. bis Eliot im Criterion ein Stück veröffentlicht hatte. der größten Kraft der jetzigen Generation.L. The Calendar bringe in seiner ersten Nummer einen Auszug aus Joyce’ neuem Buch. Ihr Schöpfer nahm sie.«.L.L. bat mich. an dem er arbeitete? Joyce versprach es. Der Herausgeber bestätigte den Erhalt in einem be- . ihn abzuschreiben und als einen Brief von mir an Lewis weiterzuleiten. Er schrieb und bot »Joyce. Er bereitete die erste Nummer seiner Zeitschrift The Calendar vor. daß sie die Werkstatt verlassen konnte. und schließlich hielt er es nicht länger aus und schrieb mit seinem größten und schwärzesten Bleistift einen Brief an Lewis. und ich verpackte sie und sandte sie Wyndham Lewis.L. seine Augen machten ihm wieder zu schaffen.« kam.P. Auch war er enttäuscht über die versäumte Gelegenheit. als sie hörten. Das Criterion erschien.

die Stelle zu setzen. seine Heldin den Lesern in den Vereinigten Staaten zu präsentieren. Der Dial zog seine Zusage nicht ganz zurück. und die Übersetzung wurde von Adrienne bei einer Lesung in ihrer Buchhandlung vorgetragen — bei ihrer zweiten Joyce-Lesung.L. eine seiner Arbeiten zu erweitern. als sie in der Nouvelle Revue Française veröffentlicht wurde. Nun hätte Joyce vielleicht die Möglichkeit in Betracht gezogen. so wie sie war. die betreffende Stelle streichen zu dürfen. in der Hoffnung. sie ins Französische zu übertragen.P. die mit »two boys in their breeches« beginnt und mit »blushing and looking askance at her« endet. auch Joyce selbst. der Text würde erheblich gekürzt werden müssen. Joyce die durch seinen Beitrag entstandenen Unannehmlichkeiten bedaure. ob sie es bringen solle. sie zusammenzustreichen. Der Herausgeber des Calendar erbat mit größter Höflichkeit Mr.geisterten Schreiben. aber es stellte sich bald heraus. eine Abänderung seines Textes aber nicht in Frage käme — Mr.« auf der Stelle. Joyce lag sehr viel daran.P. Joyce’ Erlaubnis.« sehr unterhaltend und half. Bis jetzt hatte Adrienne Monnier immer nur französische Texte in Le Navire d’Argent veröffentlicht. Das Manuskript war in Abwesenheit von Miss Moore eingetroffen. aber sie lud »A. dem bald darauf ein sehr beschämter und niedergeschlagener Brief folgte. Widerstrebend mußte ich antworten. Ich wollte hoch hinaus und schickte sie an den Dial. daß der Dial das Manuskript annehme. daß die Nachricht nicht stimmte. Die Drucker hatten sich geweigert. Ande- . Rickward möge ihn bitte wieder zurückschicken. um den Erfordernissen der Zeitschrift zu entsprechen. Jeder kam und half dabei. gefallen. So kam es. und sie selbst überlegte sich. Marianne Moore. nie aber. in englischer Sprache an Bord des Silbernen Schiffes. daß dieser Teil aus Joyce’ neuem Werk zuerst in einer französischen Zeitschrift erschien. sie würde seiner Herausgeberin.L. aber man schrieb mir. Adrienne fand »A. Zu meiner Freude erhielt ich die Mitteilung. daß Mr.

rerseits konnte ich dem Dial keinen Vorwurf daraus machen. die in den Archiven des Musée de la Parole in Paris aufbewahrt werden. 152 ganz gut eine Überschwemmung hätten hervorrufen können. taten ihm die Augen weh. daß sie in West Thirteenth Street Nr.P. Im Jahr 1924 aber wurde. diß er so vorsichtig mit einem Text umging. die ziemlich weit außerhalb der Stadt lag.L. an dem ich ihn in einem Taxi zur Fabrik nach Billancourt führte. Aufnahmen von Schriftstellern waren in England und in Frankreich schon im Jahr 1913 gemacht worden. Zwei Schallplattenaufnahmen 1924 ging ich zum Pariser Büro von His Master’s Voice und fragte. und er war sehr nervös. nur Musik verlangt. aber an dem Tag. Joyce betrachtete sein Finnegans Wake immer als eine Art Schlacht.« beim Dial einen Mißerfolg hatte. ob sie eine Lesung von James Joyce aus dem Ulysses auf Platten aufnehmen wollten. aber His Master’s Voice war nur dann bereit. daß »A. »Ich hätte etwas gewonnen. wie Coppola sagte. war nicht weiter überrascht. Es tat mir leid. Von Guillaume Apollinaire gibt es einige Platten. wenn es auf meine Kosten geschah. Ich ging auf die Bedingungen von His Master’s Voice ein: dreißig Exemplare der Aufnahme. daß er den Verlust einer »strategischen Position« bedaure. Die Platte würde nicht ihr Zeichen tragen und auch nicht in ihren Katalogen geführt werden. Joyce selbst wollte gern diese Platte haben. der so voll von Russen steckte. »Warum haben Sie nicht mit mir gewettet?« schrieb er mir. Dabei blieb es.« Er fügte hinzu. Man schickte mich zu Piero Coppola. der die musikalischen Aufnahmen betreute. Glücklicherweise fühlten er und . die Joyce-Lesung aufzunehmen. der sich immer noch in Belgien aufhielt. bei Lieferung zu bezahlen. Joyce.

Ogden und I. Ogden rühmte sich. hauptsächlich. Richards wurde in meiner Buchhandlung viel verlangt. The Meaning of Meaning von Mr. Ogden. So wie es klingt. die »deklamatorisch« und daher geeignet für eine Lesung war. gab es doch in der englischen Sprache schon so viel Worte. Er machte einige Aufnahmen von Bernard Shaw und anderen im Studio der Orthological Society in Cambridge und interessierte sich für Experimente mit Schriftstellern. Er beschloß. (Shaw stand auf Ogdens Seite und konnte nicht begreifen. Ich führte auch Ogdens kleine »Basic English«-Bücher und sah den Erfinder dieser Zwangsjacke für die englische Sprache hin und wieder bei mir. Wir fuhren noch einmal hinaus und fingen von vorne an. warum Joyce sich eigentlich bemühe. und man fühlte. es kommt darin etwas zum Ausdruck. ohne tief bewegt zu sein. Und Joyce fuhr nach Cambridge. die sich aus dem Ulysses herauslösen ließ. . daß es mehr ist als bloße Rhetorik. A. wie er mir sagte. wie ich annehme. Ich glaube. um dort »Anna Livia Plurabelle« aufzunehmen. die einzige Stelle. das er so bewahrt haben wollte.Coppola sich bald durchaus heimisch miteinander und stürzten sich in laute italienische Diskussionen über Musik. K. sagte er. und forderte mich auf. Ich kann sie nie hören. Joyce hatte die Rede in der Äolus-Episode ausgewählt. und ich finde die Ulysses-Platte eine wunderbare Leistung. »schwang seine Stimme sich kühn darüber«. Joyce für eine richtige Aufnahme zu ihm hinüberzuschicken. wie er es mit seiner eigenen Stimme sagte. und auch die einzige. daß er die Stelle aus dem Äolus nicht nur aus deklamatorischen Gründen wählte. daß man gar nicht wußte. nur diese eine Lesung aus dem Ulysses zu machen. aus sprachlichen Gründen. Ich habe jedoch das Gefühl. Die Ulysses-Platte war »sehr schlecht« — nach Meinung meines Freundes C. was man damit anfangen sollte!) Mr. in seinem Studio in Cambridge über die zwei größten Aufnahmeapparate zu verfügen. Aber die Aufnahme war eine Qual für Joyce und mißlang das erste Mal.

die einzige Aufnahme. daß man die betreffenden Seiten aus dem Buch herausfotografiert und stark vergrößert habe. aber Mr. zu der Joyce sich bereit fand. Zu der Aufnahme der »Anna Livia« wurden beide Seiten der Platte benützt. daß ich nichts unternahm. bis schließlich mein Freund Maurice Saillet sich die Blätter ansah und mir sagte. Von Joyce erhielt ich die riesigen Blätter. auf denen Ogden »Anna Livia« mit großen Lettern hatte drucken lassen. wo Ogden so große Druckbuchstaben aufgetrieben hatte. die Ogden in seiner Zeitschrift Psyche veröffentlichte. damit die Matrize erhalten blieb. trotzdem aber versprach er sich an einer Stelle. Wie tut es mir leid.So brachte ich also die beiden zusammen. der die englische Sprache befreite und erweiterte. den Mann. Als daher die Black Sun Press den kleinen Band Tales Told of Shem and Shaun herausbrachte. Ogden gab mir sowohl die erste wie die zweite Fassung der Aufnahme. machte ihm rechten Spaß. man möge C. die ich kannte. und denjenigen. Richards waren die einzigen Leute. daß Ogdens »Übersetzung« das Werk seiner ganzen Schönheit beraubte. Ich fand. aber das hinderte sie nicht. Ogden und Mr. und wie bei der Aufnahme aus dem Ulysses mußten sie nochmals beginnen. K.oder sechshundert Worten verhungert. wenn Joyce den Dialekt eines irischen Waschweibs wiedergibt! Diesen Schatz verdanken wir C. aber die Basic Englisch —Fassung der »Anna Livia Plurabelle«. Joyce muß mit seinem phantastischen Gedächtnis die Anna Livia auswendig gekonnt haben. Ogden um ein Vorwort bitten. deren Interesse an der englischen Sprache ebenso groß war wie das von Joyce. K. Ihre Versuche gingen in die entgegengesetzte Richtung. Ogden und dem Basic English. damit der Autor — dessen Sehvermögen immer schlechter wurde — sie ohne Mühe lesen konnte. Aber ich war. schlug ich vor. Ich fragte mich. sich gegenseitig für ihre Ideen zu interessieren. der sie auf ein Vokabular von fünfhundert Worten zusammenpreßte. Wie schön ist doch die Aufnahme der »Anna Livia« und wie amüsant. was Plattenaufnahmen anbe- . Joyce wäre mit fünf. für den Auszug aus dem Ulysses nur eine.

Man sagte mir. verlangte und erhielt ich für eine oder zwei Platten. technisch war die Ulysses-Aufnahme kein Erfolg. die W.traf. zumindest in der Pariser Zweigstelle von His Master’s Voice. auf der Joyce selbst aus dem Ulysses liest. In jenen Tagen machte man die Aufnahmen für Schallplatten noch auf eine ziemlich primitive Art. als ich sehr knapp war. eine Aufnahme von meiner Platte. der letzten. einen sehr hohen Preis. die mir übriggeblieben waren. und Ogden hatte recht. Von den dreißig Exemplaren gab ich den größten Teil Joyce zur Verteilung an seine Familie und seine Freunde und verkaufte kein einziges. Ich gab den Versuch auf. Einer Anregung meines kalifornischen Freundes Philias Lalanne ist es zu danken. Der BBC gab ich die Erlaubnis. die Platte »Umdrucken« zu lassen — so lautet. . Einige aber legte er beiseite. Erst Jahre später. R. Die Ulysses-Platte lohnte sich kommerziell überhaupt nicht. völlig ahnungslos. und von seinen beiden Original-Platten ist sie mir die liebere. daß Joyce’ Lesung dort unter den Aufnahmen einiger großer französischer Schriftsteller aufbewahrt wird. von dem mir sowohl die Experten im Büro der His Master’s Voice-Nachfolger in Paris abrieten wie die Fachleute der BBC in London. Pomes Penyeach Dann und wann schrieb Joyce ein Gedicht. kann dies im Musée de la Parole in Paris tun. aber aus irgendeinem Grund zerstörte man die kostbare Matrize der Ulysses-Aufnahme. Trotz allem aber ist es die einzige Aufnahme. der Fachausdruck —. und gewöhnlich »warf er es hinaus«. Rodgers über Joyce machte und an der auch Adrienne Monnier und ich teilnahmen. zu machen und sie in die Sendung mit aufzunehmen. glaube ich. die ich besaß. wie ich glaube. gewöhnlich würde die Matrize aufbewahrt. Wer die Ulysses-Platte hören will.

Ich ging zu Herbert Clarke. die er als seine eigentlichen Leser betrachtete. Aber sie wurden oft auf eine ganz besondere Art und Weise ediert. daß auch Joyce selbst es bedauerte.und im Jahre 1927 brachte er mir dreizehn solcher Gedichte und fragte mich. ohne jede Rücksicht . nicht mit seinem vollen Namen. dem englischen Drucker in Paris. und ich könnte es nicht für einen Schilling verkaufen — sechs Francs fünfzig nach dem Kurs von 1927. wobei die seltsame Schreibweise des Wortes »Pomes« natürlich eine Anspielung auf das französische Wort Pommes. mit Karton könne er etwas Besseres machen als mit einem Papierumschlag. Es war ein hübsches kleines Büchlein. Ich selbst aber konnte mich nicht damit abfinden. Verkaufspreis ein Schilling. ich bestellte es kartoniert und verkaufte es für einen Schilling. wie die Waren der alten Äpfelfrau auf der Brücke über den Liffey. Farbnuancen noch unterscheiden konnte. der ein paar hübsche Druckschriften hatte. sich aber von seinem Vorsatz nicht abbringen lassen würde. daß nicht nur seine Gedichte. und erklärte ihm. ob ich Lust hätte. Er nannte sie Pomes Penyeach: dem Sinne nach »Gedichte für einen Pfennig« — mehr waren sie in seinen Augen nicht wert —. sie zu drucken: ein Dutzend Brötchen für einen Schilling. daß Joyce. Clarke sagte. der Verfasser wolle eine billige kleine Broschüre. Nun. Äpfel. sondern nur mit seinen Initialen. eine besonders zarte Nuance von Grün — ein Beweis dafür. Der Umschlag sollte genau das Grün der Calville-Äpfel haben. sondern auch seine anderen Werke zu billigen Preisen abgegeben würden. um mit dem Titel konform zu gehen. Ich merkte. Joyce hatte den Wunsch. die Verlegerin eines solchen kleinen Ungeheuers zu sein. Seiner Meinung nach sah es »pharmazeutisch« aus. Er stellte widerstrebend ein schäbiges kleines grünes Heft her. sein sollte. Auch hatte ich die Pomes gern und wollte sie hübsch ausstaffiert sehen. aber es würde mich auch mehr kosten. erschwinglich seien. damit sie für diejenigen. obwohl sein Sehvermögen so gelitten hatte. Dreizehn Exemplare wurden für Joyce und seine Freunde auf großformatiges Papier gedruckt und signiert.

Nr. Nr. Aber ich glaube.dann hat man viel mehr Spaß — und viel mehr Auslagen. Er freute sich ungemein. Nr. von Herbert Hughes als Herausgeber eingeleitet. war ein handlicher kleiner Band im Gegensatz zum Ulysses.auf die Kosten. Nr. 11 Elliot Paul. In London wurde er vom Poetry Bookshop »gehandhabt« und fand einen warmen Empfang. »P. 2 Harriet Weaver. aber das war reine Zeitverschwendung. Nr. Nr. MacLeish. die von Joyce die dreizehn großformatigen Exemplare erhielten. Michaux und natürlich auch Marianne Moore und T. daß er als Dichter Grenzen hatte. vor allem »On the Beach at Fontana« und »A Prayer« übten eine sehr starke Wirkung auf mich aus. Joyce’ kleine Gedichte hatten deshalb so viel Anziehungskraft für mich. Es war keine »große Dichtung« — aber wer hat das je behauptet? Joyce wußte. als Prosaist drücke er sich besser aus. wo man für Schriftsteller unerreichbar ist. wie in allen seinen Werken. Eliot. 1 S. J. 5 Giorgio. 4 Larbaud.« wie Joyce es nannte. Und diese »Pomes«. waren: Nr. Perse. Nr. 13. Er fragte mich. Diese Ausgabe. so wäre es für uns wesentlich leichter gewesen. 8 Claude Sykes. einem Vorwort von James Stephens und . P. Nr. 10 Eugene Jolas. S. Die Leute. selbst.. aber die Seite der Angelegenheit ließ ihn völlig gleichgültig. Nr. denn ich interessierte mich mehr für Valéry. 7 Adrienne Monnier. die den Verlegern entstanden. J. Joyce selbst. Man kann also nur entweder einen Verlag weit weg vom Schuß führen. mich zu bekehren. B. 9 A. 12 Mrs. ein geheimnisvolles Etwas. im allgemeinen wirkte das Erscheinen einer so anspruchslosen Sache aus Joyce’ Feder auf seine Leser eher verwirrend. gegenwärtig war. Nr. Für ihn waren die Werke von Yeats große Dichtung. als dreizehn Komponisten die Pomes Penyeach vertonten und die Oxford University Press sie als Ehrung für James Joyce herausbrachte. 6 Lucia. Nr. 3 Arthur Symons. mit einem Porträt von Augustus John. weil in ihnen. oder man verlegt seine Bücher in ihrer Gegenwart . Er rezitierte sie mir immer wieder und versuchte. Myron Nutting und Nr. Hätte er unsere Probleme etwas mehr berücksichtigt. ob ich nicht der Meinung sei.

kam am »St. Meine Freundschaft mit Ellis hatte eine geschäftliche Grundlage. So fühlte sich Joyce ernstlich durch Ezras verächtliche Bemerkung verletzt. Bei Tisch zwischen diesen beiden beflügelten Wesen zu sitzen. aber er war vielleicht der einzige. Ich habe selten etwas gesehen. Joyce hatte nie den lobenden Artikel vergessen. Joyce war wohl nicht der einzige Schriftsteller. ihr Essen zu be- . kam Arthur Symons bei mir vorbei. der aussah. PatricksTag« 1932 heraus und wurde komischerweise auch noch zufällig von der Sylvan Press gedruckt. Ich rief Joyce an. dem all die vielen. Ellis und Arthur Symons luden mich einmal zum Mittagessen in ein Restaurant ein. und als er hörte. der für eine gelegentliche Ehrung etwas übrig hatte. Ein seltsames Gespann von Reisegefährten: Symons. Wie seine schreibenden Kollegen kränkte er sich über eine Kritik.einem Nachwort von Arthur Symons. den Symons beim ersten Erscheinen der Chamber Music schrieb. als er das kleine Bändchen mit den Pomes Penyeach erhielt. er würde sofort herüberkommen. Dr. meinte. und Havelock Ellis mit dem Apostelkopf. zerbrechlicher Dichtertyp. es sei »die Art Dichtung. sagte er. Sie hatten eine sehr charakteristische Art. wie es in dem Kinderlied heißt. Ich nehme an. ein blasser. ja. als hätte er seinem Teint künstlich nachgeholfen. die man in der Familienbibel aufbewahrt«. Bald nachdem die Pomes Penyeach erschienen waren. Havelock Ellis. Symons sei in der Buchhandlung. der kein anderer war als Dr. der Aufklärung einer ganzen Generation dienenden Bücher über die Probleme des Geschlechtslebens entsprungen waren. empfand sie wie »ein Taschenmesser in seinem Herzen«. das Joyce so viel Freude machte wie dieses »Joyce-Buch«. Arthur Symons machte nach einem Nervenzusammenbruch Ferien auf dem Kontinent und wurde von einem gütig aussehenden bärtigen Mann begleitet. der. war ein denkbar seltsames Erlebnis. ich war der Pariser Agent für The Psychology of Sex. dem eine solche musikalische Ehrung zuteil wurde.

der irische Schriftsteller Darrell Figgis. besten Dank. wird aber über Geschäft oder Kunst gesprochen. an dem er sehr großen Anteil nahm —. rückwärts aus dem Wagen gefallen.wenn sie das zweite Mal genommen haben und man beginnen kann. Mein eigenes Menü hielt so ungefähr die Mitte zwischen den beiden Extremen. Ellis meinte. ein Epikureer. Ist das Essen gut. unterhielt sich ausführlich mit Speise. er wolle gern Gemüse haben und keinen Wein dazu. fügte er hinzu und beglückwünschte mich. für das Symons sich interessierte — es kam gleich nach Joyce. Das Gespräch wurde von Symons bestritten. sie könnten Studien für Blairs Grave sein. Das Thema. Weder Dr. nur daß Symons im Hinblick auf Blake eine große Autorität war. Ein anderer Blake-Kenner. Sie waren. Wir hatten außer Joyce auch Blake gemeinsam. an etwas anderes zu denken. Er erklärte sie für echt und meinte. In der Buchhandlung sah er sich die beiden Zeichnungen an. so sollten keine anderen Gedanken sich einmengen. während ich ihn lediglich liebte. Gute Stücke. die ich von Elkin Mathews erstanden hatte. um diese Dinge zu beschaffen. . sah sich ebenfalls die Zeichnungen an und sagte. und wie soll man das fertigbringen und zu gleicher Zeit sich an einem guten Essen freuen? Mir ist immer aufgefallen. meine Aufmerksamkeit einer Mahlzeit und einer Konversation zugleich zuzuwenden. Symons. mit dem er durch Südfrankreich fuhr. so hört man aufmerksam zu.stellen. Ich bin nie imstande gewesen. Dr. wie er mir erzählte. Ellis noch ich konnten ein Wort anbringen und wollten es auch gar nicht. daß die Franzosen bei Tisch sich erst dann in eine Diskussion einlassen — außer vielleicht über das Essen . dessen Leben ein so tragisches Ende fand. nur Wasser. Der Kellner brauchte lange. waren die beiden Paar Schuhe.wie Getränkekellner und gewann die Achtung beider durch seine Wahl ausgeklügelter Speisen und der richtigen Weine dazu. an ihrer Echtheit bestehe absolut kein Zweifel. die er auf der Reise verloren hatte. daß ich sie hatte erwerben können.

Frank Budgen. L. die ich kannte. Er enthielt . Elliot Paul. in der alle. sie könne so weit gehen. c/o Brentano’s stand. Das Buch setzte sich aus zwölf Studien über Joyce’ neues »Work in Progress« zusammen. der in späteren Ausgaben seiner Werke gekürzt wurde. und sie griff Joyce so massiv an. Diese Dame verfaßte den Beitrag. Es war das Buch mit dem langen. betitelt »Schreibt ein gewöhnlicher Leser«. ein Titel. V. langen Titel Our Exagmination Round his Fortification for Incamination of Work in Progress. interessierten sich aber alle für Joyce’ Experiment und standen ihm positiv gegenüber. In der unmittelbaren Nachbarschaft. sahen es jeder von seinem eigenen Standpunkt aus. daß ich mit »G. Thomas McGreevy. vielleicht auch der »Brief« am Schluß. Stuart Gilbert. Robert McAlmon.Our Exag Meinen dritten und letzten Joyce brachte ich 1929 heraus. sich energisch gegen die neue Joycesche Technik aussprach. Ich muß auch sagen. Der Titel stammte natürlich von Joyce. Slingsby« — mit diesem aus Lears »The Jumblies« entlehnten Decknamen zeichnete sie — gar nicht zufrieden war. heftig für »Work in Progress« Partei ergriffen. und ich fragte. Victor Llona. Ich hörte jedoch. wie eine meiner Kundinnen. ließ er sich nicht so leicht auftreiben. Marcel Brion. eine Journalistin. Diese Schriftsteller hatten das Werden des neuen Werkes von Anfang an beobachtet. man solle auch einen absprechenden Artikel in den Band mit aufnehmen. ob sie bereit wäre. wie sie wolle. daß man den Artikel nicht einmal als wirklich gute Kritik bezeichnen konnte. die zwölf Schriftsteller verfaßt hatten: Samuel Beckett. auf dessen Rückseite als Absender Vladimir Dixon. einen Artikel zu dem Buch beizutragen—wobei ich etwas übereilt meinte. John Rodker. Um diese Zeit brachte mir der Briefträger einen großen. Eugene Jolas. Joyce war der Meinung. merkwürdig aussehenden Umschlag. Robert Sage und William Carlos Williams.

auch regte sich in ihm immer wieder der Instinkt des Lehrers. aber ich hatte ihn stark im Verdacht. hatte ich niemals das Vergnügen. Our Exagmination erwies sich als ein indirektes Ventil dafür. es wäre wirklich weitaus das Beste. mit Mr. die das Thema »um seine Faktifizierung« drehen. Ich entnahm die Darstellung der Beilage einer Astronomy 1928 betitelten Publikation. bedeutete daher für mich eine große Erleichterung. Die Vorstellung. Bass aus Branchville. Er machte gern den Fremdenführer und führte seine Fremden auch gern in die Irre. Es war darauf eine Art Zifferblatt abgebildet. Miss Weaver und Mr. bis zu einem gewissen Grad seine Gedanken mit anderen zu teilen. das statt meiner zwölf Autoren die zwölf Stunden zeigte. zugeschickt wurde. . Dixon bekannt zu werden.eine sehr geschickte Persiflage der Joyceschen Manier. dachte ich. L. New Jersey. einem von dem Namen der Mitarbeiter gebildeten Kreis. sie an den Schluß von Finnegans Wake zu stellen. sie ebenfalls im Band Our Exag abzudrucken. ich solle mir von dem Burschen die Erlaubnis geben lassen. das mir von einem gewissen W. und Joyce amüsierte sich so darüber. Mein Beitrag zur Our Exag bestand in der Umschlagzeichnung. Ich fühlte mich aber langsam recht erschöpft von meiner Doppelarbeit für Joyce und Shakespeare and Company und immer weniger in der Lage. Als Mr. vermutlich einem Jahrbuch. Joyce hatte immer den Wunsch. Faber and Faber doch Our Exagmination übernehmen zu lassen. So erschien schließlich dieser »Brief« als vierzehnte Würdigung in unserem Buch. als weise die Handschrift Dixons ein oder zwei kleine für Joyce charakteristische Eigentümlichkeiten auf — aber ich kann mich auch irren. niemand anderer als Joyce persönlich zu sein. Soweit mir bewußt ist. daß er mir zuredete. Eliot vorschlug. Eliot würden sich um Finnegans Wake kümmern. das Buch eventuell zu verlegen. Joyce’ finanzielle Ansprüche zu befriedigen. Im Frühstadium des Work in Progress hatte Joyce mich aufgefordert. Es kam mir vor.

trat der Verfasser wieder in seine Rechte. beide von Samuel Roth herausgegeben. noch unbekanntes Werk von James Joyce« erscheinen würde. Aber die Straßenräuber lagen auf der Lauer. daß der unerlaubte Nachdruck von Joyce’ Werken mit dem Diebstahl des Pamphlets begann. Um sich das Copyright zu sichern. Laut Ankündigung tauchten in der Liste der Beiträge zu diesen Zeitschriften die Namen von praktisch allen erstklassigen zeitgenössischen Schriftstellern auf. Eine weitere von Roths Zeitschriften. als Random House das Buch herausbrachte. Man greife nur zu! Unter den unfreiwilligen Mitarbeitern an Samuel Roths Zeitschriften gab es einen Sturm der Entrüstung. hörte ich das erste Mal von solchen Piraten des Nachdrucks. aus der Situation von Joyce und vielen anderen europäischen Schriftstellern Kapital zu schlagen. Selbstverständlich ließ kein anständiger amerikanischer Verleger es sich einfallen. Ulysses genoß in den Vereinigten Staaten keinen CopyrightSchutz. sollte Werke von T. Viel ernster war 1926 der Raub des Ulysses. Er schrieb mir sofort. das er mit neun Jahren über Parnell schrieb.Piraten Erzählte man mir. Eliot bringen. S. daß in einer Zeitschrift mit dem Namen Two Worlds der Ulysses und in einer anderen Publikation namens Two Worlds Quarterly. Erst nach Jahren. ein »neues. Als in Boston im Jahr 1918 eine unautorisierte Ausgabe von Chamber Music erschien. so würde mich das nicht weiter überraschen. Eliot konnte sich genau wie Joyce eines seiner Lieblingsopfer nennen — die erste Nummer von Beau war ganz und gar seinem Schaffen gewidmet. Beau. mußte ein Buch in unserem Land herausgegeben und gedruckt werden — eine Unmöglichkeit für ein geächtetes Werk. 1926 erschienen in englischen und amerikanischen Wochenzeitschriften ganzseitige Annoncen mit der Ankündigung. die Joyce’ Schiff geentert hatten. daß er sich uns bei einem Protest ge- .

fragte. was da vor sich ging. Jetzt aber druckte jemand den Ulysses in Buchform! Die gefälschte Ausgabe trug zwar das Impressum von Shakespeare and Company und den Namen des Druckers. und viele Zeitungen und Zeitschriften brachten Briefe von ihm und mir. Ein Besucher aus dem Mittelwesten. wie »Bookleggers« die Läden mit ihren Waren versorgten. und es wurde der Beschluß gefaßt. Ich ließ Abzüge drucken. Aber es war mir unmöglich. ein Kollege aus dem Buchhandel. deren wir nur habhaft werden konnten. man hatte ein anderes Papier und einen anderen Satz verwendet. In den folgenden Jahren jedoch gelang es auf diese Art einem Piraten. Der Fahrer lud seinen Stapel Bücher ab und ward nicht mehr gesehen. Shakespeare and Company im Stich zu lassen. ich solle in die Vereinigten Staaten fahren und etwas gegen das Piratenunwesen unternehmen. sondern der auch vor immer schwierigeren finanziellen Problemen stand. Joyce fand. sie von allen Schriftstellern unterschreiben zu lassen. man müsse sich mit allen Kräften bemühen. die Einnahmen eines Schriftstellers in die eigene Tasche zu stecken. Wir berieten uns mit unseren Freunden in Paris. erzählte mir. und außerdem konnte ja nur eine Veröffentlichung in den Vereinigten Staaten dem unerlaubten Nachdrucken ein Ende bereiten. der immer wieder wechselte.gen Roths Machenschaften anschließen würde. Ich war jedoch der Meinung. die wir . und alle. und dann den Zeitungen der ganzen Welt zu übergeben. Der Fahrer. wie viele Exemplare des Ulysses — oder der Lady Chatterley — benötigt würden. man konnte sie aber leicht erkennen. Der Protest wurde von Ludwig Lewissohn geschrieben und von Archibald MacLeish auf seine juristische Unanfechtbarkeit hin geprüft. die Aufmerksamkeit auf das zu lenken. eine Protestnote zu verfassen. wenn man mit der echten vertraut war: der Text hatte verschiedene Abänderungen erfahren. Der Buchhändler konnte zehn oder mehr um 5 Dollar das Stück erwerben und um zehn weiterverkaufen. der nicht nur lange Zeit an seinem Werk gearbeitet hatte und sein Augenlicht verlor.

die eigentlich unter der Unterschrift eines Mitgliedes der französischen Akademie hätte prangen sollen — mehrere von ihnen hatten den Protest unterschrieben —. Joyce’ Sekretärin«. Skandinavien. Italien. und er schien der Meinung zu sein. einschließlich die der Mitglieder der französischen Akademie. aber ich muß doch sagen. Viele der Unterzeichner waren ebenfalls Piraten zum Opfer gefallen und darüber sehr verärgert. Österreich. und die Unterschriften ergeben eine Art Präsenzliste unserer zeitgenössischen Schriftsteller. den norwegischen Dichter Olaf Bull aufzuspüren. von meinem Drucker in Paris klischieren und besitze heute noch eine Schachtel voll mit den kleinen Plättchen. Spanien. Der Humanist widmete ihm eine ganze Seite und reproduzierte einige der Unterschriften. die ganze Aktion würde zusammenbrechen. Auf Ansuchen des Herausgebers ließ ich die Unterschriften. einige tote Schriftsteller unter die Signatare des Protests einge- . Deutschland. Die Bezeichnung »de l’Académie Française«. wenn wir nicht imstande wären. Ich verwendete viele Stunden darauf.kannten. Adressen herauszusuchen. Unterschriften zu sammeln. Abgesehen von den damals in Paris lebenden Schriftstellern wollte ich gerne auch die Autoren im ganzen übrigen Europa um ihre Unterschrift bitten — in England. Über meine Schulter hinweg sah Joyce sich die hereinströmenden Antworten an. Joyce lag besonders viel an den Skandinaviern. die er ausgewählt hatte. Aber niemand regte sich darüber auf. Der Protest wurde überall in den Zeitungen und auch in vielen Zeitschriften und Magazinen abgedruckt. mir selbst einfielen.) Joyce und alle anderen machten mir Vorschläge. unterschrieben und halfen mir. (Mit Hilfe von Joyce’ Dänischlehrer gelang es mir schließlich. geriet zufällig unter den Namen Ernest Hemingways. und der »geächtete Autor« zeigte eine rührende Freude über die Herzlichkeit seiner Kollegen. Roth war sehr erbittert über den Protest und beschuldigte »dieses streitbare Mannweib Sylvia Beach. Ich habe diese Briefe sorgfältig aufbewahrt. schickte fast allen Autoren einen persönlichen Brief und erhielt eine Menge interessanter Antworten. daß die meisten Namen.

Pomes Penylesseach. Joyce hatte sogar in Japan seine »Bewunderer« — man schickte mir vier dicke Bände des Tokioter Ulysses mit besten Grüßen der Verleger! Und wenn ich gegen solche Diebstähle Einspruch erhob. und Joyce war dauernd die Beute von Piraten. Pomes Penyeach wurde von einem jungen Verleger im Mittelwesten wie ein Butterblümchen gepflückt. Trotz aller meiner Bemühungen hielt die Ausbeutung des Ulysses weiter an. Aber die unautorisierte Ausgabe — privat und natürlich wie immer »unverkäuflich« — langte wahrscheinlich zuerst dort an. Irgend jemand eignete sich immerfort irgend etwas an. Die Briefe in meiner Mappe sind Beweis genug für ihre Echtheit. kurz nach Abgabe ihrer Unterschrift starben. Ich hatte es eben publiziert. und der Autor kam niemals zu seinen zwölf Pennies pro Exemplar. Ich nehme an. Er war offenbar in solcher Eile. als ich von einem Bewunderer dieser Gedichte in Cleveland die beunruhigende Nachricht erhielt. daß er weder des Autors noch meine Erlaubnis abwarten konnte. Auf Staten Island fiel mir einmal ein großes Schild in die Augen. es herauszubringen. den Protest zu unterschreiben. aber ich tat es nicht. . Das sah ihm ähnlich. auf dem die Befreiung von der »Pest des Monats« garantiert wurde. daß ein oder zwei Autoren. beschuldigte man mich gewöhnlich der Habgier. es stehe dort eine Veröffentlichung kurz bevor. Der einzige Schriftsteller. Joyce und ich hätten ein Abonnement auf die Dienste dieser Gesellschaft nehmen sollen. Allerdings muß ich gestehen.streut zu haben. Ich bat meinen Vater. daß er selbst zu so etwas imstande gewesen wäre. der sich weigerte. die zur Sicherung des Copyrights in Washington nötige Anzahl von Exemplaren in der Princeton University Press drucken zu lassen. Sie deklarierten sich unweigerlich als »große Bewunderer« und bewiesen es durch ihre Taten. die alt und krank gewesen waren. war Ezra Pound.

»Mesure«. C. und er teilte auch nicht die Meinung Shaws. Earwicker an Mr. er habe vielleicht unrecht. die Sprache in bestimmten Grenzen zu halten. muß Mr. unterhaltend und überzeugend. Aber er sagte. wann Joyce zum ersten Mal an Finnegans Wake zu denken begann. wie die Franzosen es verstehen. die Leute würden mit ihm nicht darüber sprechen. Blooms Stelle getreten sein. die von den anderen angewendet würde. welche ausländischen Ausdrücke nach . interessierte sich Joyce dafür nicht mehr als Buch. war seine Ansicht. Seinem Gefühl nach hatten die anderen nur nicht halb so viel Freude an ihrem Umgang mit Worten. und ich verfolgte es Schritt für Schritt und nahm an der H. weshalb man sich irgendwelche Grenzen setzen solle. als sie hätten haben können. Er nannte sie »in Schichten arbeiten«. kaum daß der Ulysses fertig war. neigte man in England dazu. Joyce war dafür. Aus englischen Büchern war genau zu entnehmen. aber da er nie zu schaffen aufhörte. daß der englische Wortschatz groß genug sei und man nicht neue Worte zu erfinden brauche.Ulysses’ Nachfolger Ich weiß nicht. Er unterhielt sich aber gern über sein neues Werk. und sah nicht ein. nach Herzenslust mit den Worten zu spielen.-Familie ebenso großen Anteil wie an den Personen des Ulysses. bei der anderen Methode zu bleiben. und ich fand alle seine Ideen so interessant. Gerade als Joyce sein neues Werk begann. statt der flachen Methode. und es sei am besten. was man sagen konnte und was nicht. ließ sich mit dem Charakter des Schöpfers von Ulysses und vor allem von Finnegans Wake nicht vereinbaren. völlig heimisch fühlte und ganz an seine Schreibweise gewöhnt war. Joyce erklärte alles mit Zeichen und Zeichnungen und Alphabeten. sondern nur mehr als Kapitalanlage und sagte. das Maßhalten. als es dann geschlossen herauskam. Sobald er den Ulysses aus der Hand gegeben hatte. er wünsche. E. daß ich mich in dem Buch. Bei der üblichen Beschreibung eines Menschen bleibe alles Wichtige weg.

Dort lag ein Wasserwerk. Er hatte Miss Harriet Weaver aufgefordert. Joyce schien sich also bereits im Jahr 1922 für Riesen zu interessieren.oder sechshundert Worte zubilligte. die Menhire in Carnac an. die mir beide schrieben. Nachdem er es sich angesehen hatte. auf das er gern »einen Blick werfen wollte«. wie er gerade auf das gigantische Thema seines neuen Werkes verfallen war. Im Sommer des Jahres 1925 stürzte er sich in Flüsse. Er eilte sofort nach Cornwall. Dann kamen die Flüsse an die Reihe. Ich erhielt eine Postkarte aus Bordeaux: »Garonne. Aber ich glaube. Ogdens Basic English. 1924 sah er sich mit Auguste Morel. dessen Augenlicht immer schlechter wurde. Garonne!« Aber der Himmel weiß. und so weiter. Mr. was amerikanisch war und was Dialekt.einer genau festgelegten Quote in die Sprache eingeführt werden durften. in dem sein Sehvermögen abnahm. seine »Anna Sequana«. entwickelte sich sein Gehör. in unserem Citroen an eine Stelle seineaufwärts. das einem fünf. ein Thema vorzuschlagen. saß er am Ufer und starrte gebannt auf den Fluß und alles. dem Übersetzer des Ulysses. Ich besitze ein Foto von Joyce mit seiner Kanal-Überquerungs-Mütze. mit wie vielen Flüssen Joyce persönlich bekannt war. spricht er von »Zyklopen«. verliebt war. in dem von Wildes »Gigantismus« die Rede war. C. so daß er mehr in einer . er sagte mir einmal. konnte Joyce eine erstaunliche Menge von Dingen wahrnehmen. Ich weiß. wie er 1923 nach Bognor fuhr. Eugene Jolas hörte die gleiche Geschichte einige Zeit später ebenfalls aus Joyce’ eigenem Mund. wie ich mich erinnere. bildete einen amüsanten Gegensatz zu dem überströmenden Joyceschen Vokabular. und sie hatte ihm von einem gewissen »Riesengrab« in Cornwall erzählt. daß er in die Seine. K. Auf einer Postkarte. um den »Riesen« zu interviewen. Für jemanden. Joyce erzählte mir. es in Augenschein zu nehmen. in Frank Harris’ Buch über Oscar Wilde habe ihm besonders das Vorwort von Bernard Shaw einen Eindruck gemacht. in dem Maße. Adrienne und ich fuhren ihn. was darin vorübertrieb.

mit ihren Stiefeln und keck aufgesetzten Hüten. es machte Joyce gelegentlich Vergnügen. daß dieses Werk oft so verschwommen ist wie die Sicht seines Verfassers. wie er mir erklärte. dann brachen er und seine Familie auf. ohne Blume. Er sagte mir. Ich glaube. bei dem jemand seinem Nachbarn etwas ins Ohr flüstert. das ist eine der amüsantesten Stellen in seinem Werk. der einen Wein mit den Worten. Creasy. und er sagte. muß Finnegans Wake also vom Leser gehört werden. Im folgenden Jahr schrieb er wieder aus Belgien und erzählte in einem vom »Waterloo-Tag« datierten Brief von dem Kellner in seinem Hotel. frage ich mich? Ich denke. um Waterloo mit seinem »museyroom: Tip« zu besuchen. empfahl. Ich glaube auch. »ich bin ein friedlicher Mensch!« Und doch beschäftigte er sich um das Jahr 1926 mit Schlachten. Den Kampf der Bücher führte Joyce wie eine regelrechte Schlacht. Wenn man den Krieg auch nur erwähnte. so zitterte Joyce. Ich besorgte ihm Fünfzehn entscheidende Schlachten der Weltgeschichte mit 12 Plänen von Edward S. Bereits in seinen frühesten Arbeiten legte Joyce auf den Ton immer besonderen Nachdruck. Er sah sie sich an. weil es sich um ein »Nachtstück« handle. sei natürlich dunkel. Geschichte sei wie das Gesellschaftsspiel. die seinen Bemühungen während der Ulys- . seine Leser in die Irre zu führen. bis es in völlig verwandelter Form beim letzten angelangt ist. Das Joycesche Durcheinander von Schlachtfeldern. das zum Teil auch offen angefeindet wurde.Welt der Geräusche lebte — um verständlich zu sein. Worüber grübelte er in dem »museyroom« in Waterloo wohl nach. Bei der Arbeit an seinem neuen Werk mußte Joyce — offenbar zu seiner großen Überraschung — etliche Kritik von seilen der Leute hinnehmen. selbst ein Streit in seiner Umgebung war ihm unangenehm. der es nicht sehr deutlich dem Zunächstsitzenden wiederholt und so weiter. die »Lipoleums« auf ihren »weißen Ärschen«. er sei »oen bloem«. er war manchmal entmutigt von einem gewissen Mangel an Interesse an seinem zweiten großen Werk. Er sah schon als Kind bekanntlich nicht sehr gut. Was Finnegans Wake eigentlich bedeuten solle.

Er fragte mich. beide Landsleute von Joyce. trugen viel zu der Gestaltung von Shem und Shaun in Finnegans Wake bei. Ich erinnere mich.ses-Periode sehr positiv gegenübergestanden hatten. und von seinen Besuchen bei ihm kam er stets sehr aufgemuntert zurück. über seine Liebesgeschichten. Joyce sprach so viel über John Mac Cormack. daß er James Joyce für ein Porträt Modell stand. und seither war James immer von John fasziniert gewesen. Vielleicht war es die irische Klangfarbe — aber zwischen den beiden Stimmen bestand wirklich eine gewisse Ähnlichkeit. Eliots freundschaftliche Ermutigung aber konnte Joyce immer rechnen. Als junge Männer hatten sie bei einem Konzert auf dem gleichen Programm gestanden. James und zwei Johns Zwei Sänger. und seine lockige Haartracht. seiner Meinung nach hätte Joyce nach A Portrait of the Artist aufhören sollen — vielleicht dachten manche der Bewunderer des Ulysses. er hätte nach diesem Werk Schluß machen sollen. Er hatte die Laufbahn von John Mac Cormack Schritt für Schritt verfolgt. daß ich schließlich alle seine Platten kaufte. S. Auf T. Joyce interessierte sich natürlich am meisten für »Molly Brannigan«. während viele Kollegen ganz anders auf ihn wirkten. . daß er selbst ein Sänger hätte werden können. sich anzuziehen. seine Art. Mir gefiel »Una Furtiva Lacrima«. Noch ganz zu Beginn der Arbeit an diesem Werk verfiel Joyce dem Zauber von John Mac Cormack. daß Harold Monro mir 1919 sagte. Joyce verlor nie ganz die Illusion. Adrienne schwärmte für »Dear Old Pal of Mine«. ob mir nicht die verblüffende Ähnlichkeit seiner Stimme mit der Mac Cormacks aufgefallen sei. Er las sämtliche Zeitungsberichte über Mac Cormack. seine Tennispartien. Mac Cormack hatte keine Ahnung.

Ein von Ellsworth Mason und Richard Ellman verfaßter Bericht über diese Episode in Joyce’ Leben wurde in The Analyst. Als ich einen Liederabend John Mac Cormacks mit den Joyces besuchte. nicht reizend fände. drängte sich der Vergleich von Finnegans Wake mit einer großen Oper auf. und Joyce’ Interesse an ihm überstieg bei weitem die Anteilnahme. nahm im »Work in Progress« Gestalt an. sobald einmal »Shaun the Post« fertig war. wenn er ihm zuhörte. wie begeistert. die wir James Joyce näher kannten und beobachteten. ob ich bemerkt hätte. Und auch Joyce konnte. der Zeitschrift der Northwestern University. und ob ich ihn mit seinen Pausbacken. die er für Mac Cormack bekundet hatte. hatte ich das Gefühl. daß Mac Cormack wie auf Taubenfüßen die Bühne betrat. ganz gut ohne Mac Cormack auskommen. ich fand ihn reizend — erstaunlich und rührend aber fand ich. der Sohn dieser Dame. wie die Oper und ihre Stars ihn ganz in Bann schlugen. Er nahm Joyce’ Bewunderung genauso hin wie die seiner anderen Verehrer. Mac Cormacks herrlicher Tenor und seine wunderbare Art zu singen waren unwiderstehlich. Für uns. Ein anderer Sänger.An Molly Bloom Brannigans Stelle war jetzt jedoch Anna Livia Plurabelle getreten. und ich glaube nicht. aber Mac Cormack schien sich nicht sehr für Schreiben zu interessieren. wie tief bewegt Joyce war. seinen Locken und seiner Art. ihm als »Shaun the Post« schon begegnet zu sein. der ebenfalls aus Irland stammte und John hieß. veröffentlicht. Er fragte mich. sich zu verbeugen. aber eine Person dominierte immer. Joyce interessierte sich für Gesang. und ich klatschte ihm nahezu ebenso begeistert Beifall wie Joyce. und Shaun. Ich hörte also nichts mehr von ihm. Natürlich steuerten viele Leute diese und jene Zutat zu Joyce’ Charakteren bei. in . Natürlich ist das nur ein Aspekt von einem Buch. in der es Tristane und Isolden und Wilhelm Teils gab — eine Art Joycescher Ring in den Höhen seiner eigenen »verhüllten Schauer«. erwies sich als wesentlich aufnahmefähiger. Ja. daß er für irgend jemanden außer sich selbst wirkliche Anteilnahme hatte.

um Sullivan viele Male zurückzurufen. Die kleinen alten Platz . einen neuen Namen anstelle des üblichen Teil. Mit Eugene und Maria Jolas und Mr. aber mir scheint gerade dieser Aspekt sehr charakteristisch für Joyce. er könne Aufführungen des Guillaume Tell nicht mehr beiwohnen. dessen schmelzende Töne und bezaubernde Kunst das Pariser Publikum sehr bewunderte. und jemand. sei vor hundert Jahren gestorben. würde der Teil in Italien nicht gegeben. der dem hohen C auswich. Nun brauchte Joyce aber die Hilfe des Teil bei Finnegans Wake und hätte ihn gern jeden Abend gehört. klatschte auf seinem Sitz in der vordersten Reihe wie rasend Beifall und stand auf. Er sagte mir. daß er mir mitteilte. Er kam aber nicht auf das hohe C hinauf. Unglücklicherweise mißbilligte er den Guillaume Tell der Pariser Oper. John Sullivan. und Mrs. der die Partitur »vollständig und ungekürzt« absang — genauso wie Joyce seinen Ulysses wiedergegeben haben wollte. Er kam zu jeder Vorstellung des Guillaume Tell. lauschten genau auf jede Note. Sie waren in Triest oft hingegangen und stellten. Die Italiener warteten noch immer auf einen Teil und Joyce ebenfalls. wie die Italiener. Joyce sagte mir. und Joyce mußte sich so sehr über ihn ärgern. Aufgeregt lief er die Treppen zur Kasse hinauf und nahm vier Plätze für die Abendvorstellung.dem alles und alle enthalten waren. eine der seltsamsten Episoden in der Geschichte Joyce’. sie sei reinigend und erinnere ihn an die Männer. als er die Anschläge an der Oper studierte. Dann sah er eines Tages. an die Sänger große Ansprüche. Die Mitglieder der Familie Joyce — »da saßen sie alle vier« in der vordersten Reihe — lauschten zum ersten Male der grandiosen Stimme von John Sullivan. konnte nicht mit ihrem Mitgefühl rechnen. einen irischen Tell. Stuart Gilbert verfolgte ich aus nächster Nähe die Affäre Joyce-Sullivan. Joyce war hingerissen von Sullivans Stimme. der letzte italienische Tenor. und bis sich nicht ein Ersatz für ihn gefunden habe. die am frühen Morgen den Müll fortschafften. Die Joyces besuchten leidenschaftlich gern die Oper. der den Wilhelm Teill habe singen können.

die von Tells heimatlichen Gipfeln hätte ertönen können. andere. aber mit Widerstreben. außer in der verhältnismäßig kleinen Gruppe. denn Joyce hatte sie so reichlich mit Trinkgeld bedacht. daß sie jedem applaudiert hätten. Wir gingen alle zu den Vorstellungen von Guillaume Tell. hochgewachsener Mann. Wir bewunderten alle John Sullivan — Joyce füllte das Theater mit Bewunderern von Sullivan und natürlich auch mit seinen eigenen. Siehe Joyce’ »von einem geächteten Schriftsteller an einen geächteten Sänger«. Als Schauspieler aber strengte er sich nicht sehr an und schien sich nicht besonders für die Gestalt zu interessieren. die gewöhnlich nicht in die Oper gingen. Ein so großer Schriftsteller hätte unter anderen Umständen vielleicht Hunderte von Jahren warten können. daß die Ächtung des Ulysses ein Glücksfall war. (An sich glaube ich. die er darstellte. Er machte die Sache mit einem geschäftsmäßigen Ausdruck ab und spielte nie für das Publikum. Joyce hörte sich voll Sympathie die Geschichte an.) Sullivan ging es als Tenor an der Pariser Oper nicht so schlecht. Ich frage mich. sah wie ein Gott aus und hatte eine Stimme von ungeheurem Umfang. aber er fiel Intrigen in der Opernwelt zum Opfer und war ziemlich vernachlässigt worden. ob er es je wirklich gewesen ist. und Joyce’ Freunde. die für einen Ulysses zu gewinnen war. »erschienen auf höheren Wunsch«. wie man Sullivan unrecht getan hatte. Sullivan war tatsächlich einer der großen Sänger seiner Zeit. aber er hätte an der Metropolitan oder an der Scala sein sollen. Der geächtete Schriftsteller und . die überall in der Oper verteilt waren. bildeten eine »Claque«. daß man sie verfolgte. darin hatte Joyce recht. er hatte absolut nichts Theatralisches. ehe er berühmt wurde. ein schöner.anweiserinnen mit ihren Spitzenumhängen klatschten mit. eine Stimme. Die Wärme und der Charme Mac Cormacks gingen Sullivan auf der Bühne ab. Mir gefiel Wilhelm Tell zufällig auch. Aber Joyce betrachtete sich immer als ein Opfer der Verfolgung. wie sie sich einredeten. John Sullivan. James Joyce und John Sullivan litten beide darunter.

Zunächst einmal ging sie dem Direktor auf die Nerven. wurden jetzt besucht und gebeten. daß man sich an der Kasse ärgerte und das Telefon gar nicht mehr abhob. gingen die Joyces und die Sullivans und alle ihre Freunde hinüber ins Café de la Paix zum Abendessen. ihm weltweite Anerkennung zu verschaffen. . bestellten wir die Plätze wieder ab. und je mehr Fehlschläge dieser erlitt. was etliche Leute als Antwort auf Joyce’ Appell schrieben: alle erklärten. die ihn kannten. Joyce hatte es sich in den Kopf gesetzt. Joyce’ etwas nachdrückliche Technik in der Pariser Oper begann. der niemals einem Interview zugestimmt hatte. Die Großen dieser Erde. Ich sah. aber von ihm nie gegrüßt worden waren. daß sie verbot.der geächtete Sänger wurden innige Freunde. Wir riefen bei der Kasse an und bestellten Plätze. Mrs. ja sogar patriotische Gefühle. sich um Sullivan zu kümmern. desto hartnäckiger bemühte er sich. Auf die Mitteilung. sie wollten mit Freuden etwas für Joyce unternehmen. mit Reportern zu sprechen — über Sullivan. Nach jeder Vorstellung des Guillaume Tell und auch der Hugenotten. Joyce appellierte an uns alle. Aber seine Bemühungen waren vergeblich. sich mehr schlecht als gut auszuwirken. Das geschah so häufig. und Joyce mußte von neuem der Oper fernbleiben. zu Hause den Namen Sullivan zu erwähnen. in denen Sullivan die Rolle des Raoul sang. Sullivan in die Metropolitan zu bringen. so wirkte der Sänger viel reizvoller. Stand er nicht mehr auf der Bühne. Joyce. Joyce’ Freundschaft rührte ihn tief und ebenso auch Joyce’ Entschluß. Für Joyce wurde die Angelegenheit Sullivan zu einer Zwangsvorstellung. Joyce hatte die Sache so satt. ließ sich jetzt herbei. Vielleicht regten sich eifersüchtige. daß Sullivan nicht singe. bedauerten aber. manchmal auch ganze Logen für Guillaume Tell. daß wir John Sullivan als Teil zu hören wünschten. Aber wir betonten. Sullivan sah sich mit Schrecken vom Programm der Pariser Oper praktisch ausgeschaltet. wie ich fürchte. An Sullivans Stelle wurde wieder der andere Tenor als Wilhelm Teil eingesetzt. nichts für seinen Freund tun zu können.

baumlosen Felder des Weizenlandes der Beauce hinweg die Kathedrale sehen. was ich nur irgend konnte. als würde er gewinnen. ist die plausibelste: als die Pantagruelgestalten hier entlangritten. wenn sich die Gelegenheit ergeben hätte. Aber Adrienne und meine eigene Hartnäckigkeit. Wenn man in seinem Leben reichlich mit solchen Dingen versehen ist. alles. dem Haus von Adriennes Eltern. Es lag an der Straße nach Chartres. haben sie wahrscheinlich nicht mehr den gleichen Reiz.. Ich war bereit. Vögel und Katzen und die beiden Hunde Mousse und Teddy. aber ich bestand darauf. Eine große Ulme. ich wäre nie losgekommen. für Joyce zu tun. so dachte Joyce sich immer so viele Extra-Arbeiten für mich aus. Ich liebte diese lilagrauen Strohdächer. und die Monniers zogen mich mit meiner amerikanischen Vorliebe für alles Altmodische auf.Fort. war wie ein riesiger Schirm über uns aufgespannt. verbracht. aber glücklicherweise kam es nie dazu. schlugen ihre Pferde mit den Schwänzen hin und her und legten dabei alle Bäume um. (Rabelais’ Erklärung.. Das Wochenende wurde im Departement Eure-et-Loire in Rocfoin. und man konnte über die weiten. Andererseits hätten sie gerne ihr Strohdach gegen Ziegel eingetauscht. daß es gewöhnlich so aussah. warum es in diesem Landstrich keine Bäume gibt. Hätte Adrienne mich nicht unterstützt.) Die Monniers lebten ein gutes Stück von jeder Stadt entfernt und schienen nie das Bedürfnis nach einem Telefon oder einem Auto oder sonst irgendeiner Bequemlichkeit zu empfinden. Es gab Blumen und Geflügel. einer der wenigen Bäume in dieser Gegend. . stärkten mir das Rückgrat. weit fort. über das Wochenende fortzufahren. An der Wand wuchsen Birnen und Pfirsiche im Spalier. an meinem Sabbat auf dem Lande festzuhalten. weil ich aufs Land hinaus wollte. Rückte der Sonnabend heran. und jeden Sonnabend setzte es mit Joyce einen Kampf. Die Sonntage wurden im Garten von Rocfoin verbracht.

alles in einem Gebäude. Das Wasser holte man sich aus einer Pumpe — oder man ging über die Felder und gesellte sich in dem kleinen Flüßchen zu den Hunden.Ein Badezimmer gab es nicht in Rocfoin. der Gebirgsort. fünf Kilometer von der nächsten Bahnstation aus zu Fuß zu gehen. wenn es einem nichts ausmachte. aber es war wie ein Spiel gegen einen sehr starken Gegner. in dem wir unsere Sommerferien verbrachten. wie er es nannte. auf denen alles verzeichnet stand. und eine Schenke. Um die übrigen Häuser von Les Déserts zu erreichen. so redete er sich immer mehr in eine richtige Panik hinein. Nahte der Augenblick der Abreise. eine Schule und ein Postamt. einen Tabakladen. auf jedem Absatz lag ein Dorf. Diesen Zufluchtsort für das Wochenende konnte man ziemlich leicht erreichen. und man stand auf dem Plateau von La Féclaz. mußte man den Berg hinaufsteigen. besaß ein Gericht. ein Geschäft. in dem man alles bekam. Viel Erfundenes war dabei! Ich ließ jedoch nie irgend jemanden oder irgend etwas meine Flucht in die Alpen behindern. Doch Les Déserts. Die Hauptstadt. dort zogen alle Dorfbewohner mit ihrem Vieh in der guten Jahreszeit hin und nahmen auf Ochsenkarren ein paar Gebrauchsgegenstände in ihr Sommerquartier mit. Jeder von ihnen besaß da oben ein kleines strohgedecktes Chalet oder einen Teil eines solchen Häuschens. An seinen Hängen lag eine Menge kleiner Dörfer verstreut. denn Adriennes Vorfahren mütterlicherseits kamen von diesem Berg. und bis zur letzten Minute legte er mir seine »Listen für den Krämer« vor. der mit der Flickschusterei vereint war. alle aber zu der Gemeinde Les Déserts gehörig. etwa 1200 Meter (er fürchtete sich vor hochgelegenen Orten). ehe ich die Stadt verließ. Die Entdeckung von Les Déserts verdankte ich den Monniers. und was Joyce als schreckliches Manko empfand — die Höhe. was ich für ihn zu tun hatte. Eine letzte Steilstufe. Auf diesem Plateau verbrachten wir unsere Ferien. war Joyce ein besonderer Dorn im Auge. die Unzu- . wenn man ihren Mittelpunkt so nennen kann. jedes mit einem eigenen Namen.

die Reise in diesem Zug ein Vergnügen zu nennen. und ich konnte mir meine Savoyarden mit Muße betrachten. die wir an La Féclaz besonders liebten. Nach diesem ersten Sommer nahmen uns ein paar Einheimische in Quartier und richteten für uns auf ihrem Heuboden einen kleinen Schlafraum ein. in der Madame Monnier. Man stieg von außen auf einer Leiter hinauf. Die Familie. Da wir direkt über den Ställen schliefen. den wir erklimmen mußten. den ganzen Weg nach Paris in mit Stroh ausgestopften Holzpantinen zurückgelegt hatten. Aber sie waren äußerst heiter. der Mangel an guter Postverbindung. Nicht einmal die ermüdende Reise dorthin machte uns etwas aus: man mußte eine Nacht lang in einem Zug fahren.gänglichkeit. ein Schwein hatte mitten in der Nacht einen . wenn wir in einem Maultierwagen in Les Déserts anlangten. aber es schliefen schon vier Leute darin. Einzig und allein den Abkömmlingen von Leuten. waren gerade die Dinge. der Rest. sollte sich in einen Gasthof verwandeln. der noch ermüdender und sehr aufregend war. die Savoyarden im Sommer zur Hilfe bei der Ernte in ihre heimatlichen Berge zurückzubringen. Der Geruch war herrlich. damit das Heu leichter trockne. den die Eisenbahn ironisch einen »train de plaisir« nannte und der dazu bestimmt war. Die erste Etappe unserer Reise endete am frühen Morgen in Chambéry. Das Dach war eigens so aufgesetzt. entging uns keines der wichtigen Ereignisse. hätten gerne ihr Zimmer mit uns geteilt. obwohl die Halme einem in die Ohren stachen wie lauter Stricknadeln. unsere Vettern. die. Adrienne und ich in meinem ersten Sommer in Les Déserts wohnten. lag vor uns. an Transportmitteln und modernem Komfort —. Die Schenke. Oben auf dem Heuboden blies der in diesen Höhen sehr kalte Wind durch die Spalten zwischen Dach und Haus. Ein ganzer Berg. die sich dort abspielten: eine Kuh kalbte um drei Uhr morgens bei Laternenlicht. sangen die ganze Zeit. konnte man es zumuten. Es dunkelte meist. und alle standen herum. sobald aufgestockt war und die Betten eintrafen — vorläufig schliefen wir im Heu. um Arbeit zu finden.

die für das Sonntagsmahl gemästet wurden. und er hatte auch sämtliche Möbel verfertigt — Betten. Butter. Fine war eine ausgezeichnete Köchin. in den durch ein Loch in der Wand von außen frische Luft strömte. und unser Toilettentisch ein Verschlag. so daß man dort mit den Vorübergehenden ein Gespräch anknüpfen konnte. von seinem Eigentümer gebaut worden.Unfall. aber das Gebell des Hundes. der seine Herde auf die Felder hinaustrieb — wie sollte sie das dämpfen? In der vom Heuboden abgetrennten Ecke hatten gerade zwei Betten Platz. vor denen die Bevölkerung sich sehr fürch- . stopfte Adriennes Cousine Fine Papier in die Kuhglocken. den Aufenthaltsraum. Makkaroni. Bank. es habe mit einem seiner Füße gewinkt. denn eine Kuh war daraufgestiegen. Die über das Plateau verstreuten kleinen Chalets waren Gewittern ausgesetzt. Unten gab es ein kleines Zimmer. das rückwärts eine Art Verschlag hatte. Davor lag der Misthaufen. Bei Tagesanbruch wurden die Stalltüren geöffnet. Rechts von der Haustür befand sich die Stalltür — der Stall war der weitaus größere Raum. Das Chalet war. adzeu« sagen (das Dialektwort für Adieu). Eiern. und es lag fast so gut wie in einem Eiskasten. Ein winziges Fenster ließ ein wenig Licht in den Aufenthaltsraum. Damit wir nicht geweckt würden. dort bewahrten sie das Essen auf. und es mußte genäht werden — eine Frau erzählte weinend. und wenn ich zwischen ihnen danach tastete. Wir lebten von Suppe. Kartoffeln und dem Käse. Tisch. in dem Fine eine oder zwei Hennen hielt. wie auch alle anderen Häuser da oben. unser Ankleideraum war der Teil. Sessel und ein oder zwei Stühle. Es war mit Stroh gedeckt. den sie in Savoyen herstellen und »tomme« nenne. An der Nordseite befand sich ein Schrank. und das Vieh strömte hinaus wie das Publikum aus einem Theater. gackerten sie laut. als wolle es »adzeu. in dem das Heu lag. die sie selbst bereitete. Meine Zahnbürste fiel durch die Latten immer wieder auf die armen Geschöpfe. aber in jener Zeit gab es noch kein Fleisch. in dem sie schliefen. Das stille Örtchen war an der Seite des Chalet gegen die Straße zu angebracht.

ging keiner von uns zu Bett. Ein Heuwagen hatte umgeworfen. Es gab immer gewisse alte Frauen — ihre Namen wurden nie genannt. nach des Tages Arbeit. und man konnte nur rasch ins Freie springen. wer sie waren —. Wollte man der üblen Sache ein Ende bereiten. Eine Kuh war in eine tiefe Schlucht gefallen. Und so weiter. taten sie. kamen meist die Nachbarn vorbei. aber jedermann wußte. Wenn man sie befragte. das Buttern wollte nicht gelingen. Das Vieh mußte hinausgetrieben werden — die Männer wichen nicht von der Stalltür. solange das Unwetter andauerte. ehe das Dach einstürzte und man von einem Ring von Flammen umgeben war. und schon war es wieder voll . du kamst zu Fall. die »praktizierten« und die an den Dingen schuld waren. In jener Nacht wurden drei kleine Chalets in Les Déserts vom Blitz getroffen. um sie mit Stricken von dem Vorsprung heraufzuholen. so flakkerte das Strohdach hellauf. Der Vater eines unserer Freunde wurde von Ungeziefer geplagt — er trug ein frisches Hemd keine Stunde lang. Einmal. daß dein Nachbar die eine oder andere alte Frau aufgesucht hatte. Am Abend. und nichts blieb von ihnen übrig als ein Haufen Steine. und es hatte sämtlicher Männer des ganzen Plateaus bedurft. eine Menge rostiger Nägel in einem Topf zu kochen oder ein paar Bretter vom Stallboden aufzuheben und nachzusehen. erzählten sie seltsame Begebenheiten. Man versuchte gar nicht. so war es nicht schlecht. Fine zündete der Jungfrau Maria eine Kerze an. Ein Nachbar hegte einen Groll gegen dich. als es bergabwärts ging. und ihr Mann hielt sich mit einer brennenden Laterne in der Nähe der Stalltür. Wurde eines der Häuschen vom Blitz getroffen.tete. Dann wußtest du. Dein Kalb starb. Adrienne beherrschte den Dialekt tadellos. aber wenn sie in der richtigen Stimmung waren. auf dem sie gelandet war. Das Gespräch wurde im Dialekt geführt und verlief sehr lebhaft. die einem zustießen. in einer stürmischen Sommernacht. Eine junge Kuh wollte von Ferdinands Stier nichts wissen. als glaubten sie nicht an Zauber. ob darunter nicht eine Kröte saß. und ich versuchte mitzukommen. etwas von den persönlichen Habseligkeiten zu retten. Manchmal kamen sie auf Hexen zu sprechen.

Hatte ein Hund ein blaues und ein graues Auge. um ein Telegramm bis nach La Féclaz hinaufzubringen. Der Briefträger brachte sie auf seiner täglichen Runde gemeinsam mit der anderen Post.davon. er stürzte hinaus. Da sah er. den sie über ihn ausgesprochen hatte. la!« ertönte (so klang er zumindest für meine Ohren). Unsere Tage vergingen mit Wanderungen hügelauf und -ab durch die riesigen Föhrenwälder in Gesellschaft des »Chefs«. Sie verbarg es unter ihrer Schürze und fragte erst einmal Adrienne. und die Frau. war darüber so erschüttert und verzweifelt. die für Joyce soviel bedeuteten. Ich erhielt einmal ein Telegramm. Wehe dem Hund. spielten im Leben der Bewohner von Les Déserts eine geringe Rolle. Joyce. daß ich den Absender. jagten jedem Stück Vieh nach. was sie damit tun sollte. ergriff sie beim Arm und drohte.. um leben zu können. wie eine alte Frau an seinem Haus vorbeiging. Ihr zottiges Fell wurde nie gewaschen oder ausgekämmt. wenn der Ruf »àcu. Winter und Sommer verbrachten sie ihre Tage und Nächte im Freien. bat. Auch die Hunde mußten wie alle anderen in Les Déserts hart arbeiten. daß es sich um einen echten Schäferhund handelte. Die Hirten. sie zu verprügeln. Auch holte sie eine Flasche mit einer Herzstärkung. und er hatte nie wieder Läuse. ihre kleinen Herren und Herrinnen. bei der wir wohnten. der weder lesen noch schreiben konnte — er setzte anstelle seines Namens ein Kreuz —. mit dem wir aber besonders gerne zusammen waren. der nicht sofort aufsprang. Es konnte sich ja doch nur um eine Todesnachricht handeln. desto besser. wenn sie ihn nicht von dem Fluch erlöste. und bellten wütend. so war das ein Zeichen. Sie mußten die Kühe bewachen. in Zukunft mit mir nur brieflich zu verkehren. behandelten sie sehr streng. daß sie rasch ein bestimmtes Zeichen machte. Der Briefträger hatte der Frau das Telegramm übergeben und sich sehr betrübt gezeigt. Sie erschrak so sehr.. die für solche . das sich verlief. und je später sie einen erreichte. Telegramme. Man holte niemand von der Arbeit auf seinem Hof fort. daß er mir so schlechte Nachrichten übermitteln mußte.

Myrsine. Ein Verleger. Es kam von Joyce. ob er auf seinem Konto noch etwas stehen hatte oder nicht. Joyce’ Bruder Charles und seinen alten Freund aus Züricher Tagen. Frank Budgen. Und natürlich verlangte er stets »express« oder »postwendend« eine Antwort. zu besuchen. unter welcher Adresse er in der nächsten Zeit zu erreichen sei. Begaben Joyce und seine Familie sich auf Reisen. wenn man eben jemandes Gast gewesen ist — selbst wenn er auf Wahrheit beruht. Joyce’ Ausgaben waren bei einer Familie mit vier Köpfen naturgemäß sehr hoch. Joyce’ Art zu leben Die meisten Briefe. die zu dem Werk. Aus Belgien sandte er mir eine Reihe Postkarten mit Reproduktionen der Wandgemälde im Postamt. Wie sie wohl wußte. er mache Fortschritte in Flämisch — er hatte schon seine vierzehnte Lektion hinter sich — und habe sein Holländisch vervollkommnet. so fuhren sie gewöhnlich an Orte. mußten wir für den Autor des Ulysses sorgen. und in meiner Abwesenheit gelang es ihm meist.Fälle immer bereitstand. Gewöhnlich brauchte er Geld. und außerdem genoß er Geldausgeben ebenso. in Beziehung standen. S. wurden natürlich während meiner Sommerferien geschrieben oder während er selbst auf Reisen war. Die Joyces überquerten den Kanal. die aber nie mit ihnen im Palace-Hôtel des jeweiligen . um Miss Weaver. etwas zu entlocken. T. Eliot. der mir mitteilte.« Ein merkwürdiger Ausspruch. Adrienne öffnete und las das Telegramm. der auf Besuch kam und mit Joyce auswärts aß. die ich von Joyce erhielt. an dem er eben arbeitete. sagte nachher zu mir: »Er gibt Geld aus wie ein betrunkener Matrose. Manchmal wurden die Joyces von den Stuart Gilberts begleitet. der Shakespeare and Company anvertraut worden war. Er schrieb. wie manche Leute das Geldeinheimsen genießen.

aber dann hätte er eine andere Art Autor sein müssen. Denkt man an Joyce’ Arbeit und Mühe. Er sah es gern. auf Jahre der Armut sollten nun viele üppige Jahre folgen. und . nicht für sich selbst.Ortes wohnen wollten. Aber Joyce lebte gern unter wohlhabenden Leuten — er wollte sicher so weit als möglich von der trostlosen Umgebung seiner Jugendzeit wegkommen. und wenn sie reisten. etliche Brillen und vielleicht auch noch ein Vergrößerungsglas herauszuziehen. als sei er an gutem Essen interessiert. war richtig. Nichts war für Nora und die Kinder gut genug. daß er mit seinem Ruhm und allen seinen Errungenschaften Anspruch auf ein gewisses Wohlleben habe. wenn sie eine ordentliche Mahlzeit zu sich nahmen. so erhielt er dafür sicherlich ein zu geringes Entgeld. wenn es nicht gerade etwas mit seiner Arbeit zu tun hatte. Sie könnten es sich nicht leisten. indem wir in der allereinfachsten Weise lebten. Besitzer und Personal behandelten Joyce mit größter Ergebenheit. damit er sich nicht erst die Mühe machen mußte. Die Joyces aber konnten es eigentlich auch nicht. mußte es in erstklassigem Stil geschehen. die kamen und ihn anstarrten. Joyce tat. er warf es mit Wonne hinaus — für andere. und er gab reichlich Geld aus. Doch er forderte seine Familie und die Freunde. Gilbert. ja. Adrienne und ich kamen gerade eben noch durch. während er aß. meinte Mr. Das Restaurant seiner Wahl in den frühen zwanziger Jahren hieß Les Trianons — und lag dem Gare Montparnasse gegenüber. Und seine Vorstellung. standen sie schon an der Tür seines Taxis und eskortierten ihn nach rückwärts zu einem reservierten Tisch. ziemlich sicher vor Leuten. oder ihm Exemplare seiner Werke zur Unterschrift brachten. In Paris aßen Joyce und seine Familie jeden Abend auswärts. Der Oberkellner las ihm die einzelnen Speisen auf der Karte vor. aber es bedeutete ihm nichts. Auch dachte er mit Recht. die sich vielleicht dazugesellt hatten. sich die besten Sachen auf der Speisekarte auszusuchen. dringend auf. Noch ehe er ausstieg. wo er mehr oder weniger unbehelligt sitzen konnte.

von dem er mir einmal eine ganze Kiste zuschickte. Auf dem Büffet an der Wand aber hielt er Flaschen seines eigenen Weißweines bereit und füllte von Zeit zu Zeit sein Glas nach. Ich habe niemals jemand ein Trinkgeld mißgönnt. weiß. uns vorsang. war er um die Abendessenszeit ziemlich durstig. eine der vielen Vereinbarungen zwischen diesem Paar. als tue Joyce des Guten zuviel.redete ihnen zu. so lange es nur genug davon gab. wie gastfreundlich und unterhaltend er als Gastgeber sein konnte. Wo immer Joyce hinkam. Nach dem Essen bestand er darauf. daß George. Begab er sich auf den Weg zur Herrentoilette. aber bei meiner Kenntnis der Lage kam mir doch vor. das einander so gut verstand. um ihn zu begleiten. Ein anderer seiner Lieblinge war der Wein des Papstes — Châteauneuf du Pape. die ihn bedienten. hätte Nora nicht in einem bestimmten Augenblick erklärt. der servierte. müssen mit einem Vermögen in Pension gegangen sein. Er selbst aß kaum etwas und war mit dem gewöhnlichsten Weißwein zufrieden. alle. oder Giorgio. Wer je bei Joyce zu einer Party eingeladen war. Joyce wäre mit seiner Familie und seinen Freunden und seinem weißen Wein bis in alle Ewigkeit sitzengeblieben. Da er bei Tag nie einen Tropfen trank. wurde er empfangen wie das Mitglied einer königlichen Familie. Ein hervorragendes Souper wurde von einem der besten Lieferanten gestellt. den oder jenen Wein zu probieren. daß sein Glas immer voll war. Seine Blindheit übte auf die Leute eine große Anziehungskraft aus. nun sei es Zeit zu gehen. so viel Rücksicht nahm er auf andere. dazu ein Kellner. wie man ihn gewöhnlich nannte. so kamen mehrere Kellner herbeigelaufen. Giorgio hatte zu . Er gehorchte ihr schließlich — denn so lautete ihre Vereinbarung. Der Kellner sah darauf. Joyce’ Trinkgelder waren berühmt — die Kellner. der ihm ein Taxi holte. Joyce häufte einem das Essen auf den Teller und füllte die Gläser mit seinem Sankt-Patricks-Wein — Clos Saint Patrice —. der Boy. beide natürlich wegen der damit verbundenen Assoziationen. so groß war sein persönlicher Charme.

und ich möchte gerne wissen. Ein Freund von George. Ich merkte. Es hieß »Farewell Titanic«. etwa zu Weihnachten. gehörte in jener frühen Zeit auch zu den Gästen. Er setzte sich dann selbst ans Klavier. Seine Schwester Yva war eine der Übersetzerinnen der Dubliners. aber faszinierender Song. Unter den wenigen zu solchen Parties eingeladenen Gästen befanden sich im ersten Jahr zwei amerikanische Paare. eine gute Stimme. sie mit seinem schmelzenden Tenor zu singen. und die alten Lieder. die mit den Joyces befreundet waren: Mr. Erst wenn die Gesellschaft sich ihrem Ende näherte. das er gerade in Arbeit hatte. und Mrs. und Mrs. daß Joyce auch ein anderes ihrer Lieder sehr gefiel. wobei Blumen und Farben einen Hinweis auf das Werk enthielten. beugte sich tief über die Tasten. nach dem er immer wieder verlangte. der von Marias dramatischem Sopran gesungen höchst eindrucksvoll wirkte. vor allem von einem Lied. Als in der Mitte der zwanziger Jahre Eugene und Maria Jolas auf der Bildfläche erschienen. zu singen. nachdem sie »Anna Livia Plurabelle« im Navire . das er von Joyce gezeichnet hat. Richard Wallace und Mr. vermutlich assoziierte er sie mit seiner Anna Livia. geerbt. Joyce erinnerte sich stets an alle Geburtstage. und bei jeder Gelegenheit. Er pflegte eines der Lieblingslieder seines Vaters. das auch zu meinen Lieblingen gehörte. meist »II Mio Tesoro«. Fernandez. und der Ausdruck seines Gesichts — das alles sind Dinge. ließ Joyce sich dazu überreden. seine besondere Art. ein ziemlich schauerlicher. trafen riesige Geschenksendungen ein. Nutting war ein Künstler. Maria Jolas hätte mit ihrer schönen Stimme eine Sängerin werden können. trugen sie sehr zur Belebung der Parties bei den Joyces bei. und Joyce war begeistert von ihrem amerikanischen Repertoire. So bekam Adrienne. das Programm mit einigen seiner irischen Lieder zu beschließen.seines Vaters größter Befriedigung das Familientalent. die man nie vergißt. Myron Nutting. in dem von einer gewissen »Shy Ann« die Rede war. was aus dem mir sehr lieben Porträt wurde.

eine gereinigte Ausgabe des Ulysses herauszubringen. daß bei der Arbeit mit oder für James Joyce die Freude auf meiner Seite war — eine unendliche Freunde —.d’Argent veröffentlicht hatte. Aber er schlug vor. Die Leute redeten sich vielleicht ein. kam der einzige Vorschlag von einer Firma mit Namen von Joyce’ Verleger in den Vereinigten Staaten. Huebsch. Nun. Joyce muß einen Magneten in der Tasche gehabt haben. der Profit aber auf seiner. was sich aus seinem Werk herausschlagen ließ und was mir immer wieder herauszuschlagen gelang. Auch Shakespeare and Company hatte sie. Sogar die Geschenke für Nora hatten immer mit seinen Büchern zu tun. Seine Ausgaben überstiegen immer seine Einkünfte. Ich bedauerte sehr. und er hatte Augenblicke panischer Angst.« Ich hatte vom ersten Monat an begriffen. Soweit ich mich erinnere..« Niemand sagte je zu mir: »Sylvester. Verzweifelt über die unerlaubten Nachdrucke. gehörte ihm. der alles Geld in seine Richtung zog.. Ich kam mir wie Sylvester in dem Lied vor: »So sehr ich mich bemüh’ — so rutscht doch irgendwie — das Geld mir aus der Hand. Aber ich konnte gerade eben noch verhindern. einen prächtig hergerichteten ungeheuren kalten Lachs von Potel und Chabot. von Verlegern in den Vereinigten Staaten Angebote für den Ulysses einzuholen. Alles. Mr. daß ich mit dem Ulysses einen Haufen Geld verdiente. daß Ulysses nicht neben A Portrait of the . bat Joyce im Sommer 1931 James Pinker. und darauf wollte Joyce natürlich nicht eingehen. halte es fest... die Spezialisten für Erotika waren. aber meist von Firmen. seinen Londoner Agenten. Ulysses geht nach Amerika Joyce’ Opfer und Mühen waren weit größer als seine Einnahmen — ein trauriger Zustand für ein Genie. daß meine Buchhandlung mit verschlungen wurde. Es wurden Angebote gemacht.

falls eine entsprechende Abmachung über die Veröffentlichung des Ulysses in meinem Vaterland getroffen würde — bis ich merkte. zeitgenössische Werk. wie hoch ich . Das schien mir nicht der richtige Weg. Es lag mir genauso viel daran. Der Verleger. (Ich erklärte Joyce. die Joyce Pinker gegeben hatte. Diese Angebote wurden an Shakespeare and Company als Joyce’ Vertreter in Paris gerichtet. schienen weder Joyce noch. das eintraf. ob ich nicht etwas verlangen solle. ich wies darauf hin. das größte. Natürlich brachte ihn das nur zum Lachen. daß ich meine Rechte abtrat. das jemand anderer bereits vor fast zehn Jahren herausgebracht hatte. als würden sie vorschlagen. ein Manuskript zu publizieren und nicht ein Buch. wieviel ich verlangen würde. beantwortete. ich erwartete eine Gegenleistung dafür. befreit von dem entwürdigenden Stempel des »geächteten Buches« und endlich dem breiten Publikum zugänglich. Die meisten anderen Angebote von sogenannten Verlegern für den Ulysses. daß das auch niemand anderem in den Sinn kam. Ich sagte. die Pinker auftrieb. mir sehr verlockend. aber dazu kam es nie. und wir mißbilligten beide den Ton der Briefe. und teilte das Joyce mit. daß es besser aussehen würde. daß ich auch etwas davon haben könnte. auf Mr. fünfundzwanzigtausend Dollar. und ich wartete. Offensichtlich entsprach das den Instruktionen. Dubliners und Exiles. als der Pinker-Briefwechsel veröffentlicht wurde. von denen sie begleitet waren.Artist as a Young Man. lachten auch alle anderen darüber. Es kam mir nicht in den Sinn. Es klang genau. der dieses spezielle Angebot gemacht hatte. daß Joyce sich einmal darüber aussprechen würde. daß der Ulysses. wenn es nicht den Anschein hätte. in den Ländern englischer Sprache herauskam. erklärte ich also. daß man mich ignorierte. wie ihm. Er redete mir weder zu noch ab — als ich das nächste Angebot. Da wurde ich ärgerlich. schrieb zurück und erkundigte sich. und fragte ihn. und später. nicht aber als an Joyce’ Verleger. als würde ich den Ulysses einfach verschleudern. Huebschs Liste zu stehen kam. diese Summe sei nur ein Beweis dafür gewesen.

Aber ich sah täglich einen alten Freund von ihm. Verträgen maßen weder Joyce noch ich besondere Bedeutung bei. In einem Brief an den Anwalt. Als ich seinerzeit den Ulysses herausbrachte. welchen Betrag er für angemessen hielte. kam ich wohl darauf zu sprechen. um mir seine Ansichten zum Thema eines neuen Verlegers für den Ulysses mitzuteilen. und ich kam eine Weile nicht mit Joyce zusammen. schrieb Joyce klar und deutlich. Joyce übrigens auch nicht. offiziellem Papier. denn sie wären von Joyce’ Tantiemen abgezogen worden. sondern meines. der Ulysses sei nicht sein Eigentum. Der Wortlaut entsprach genau Joyce’ Wünschen. meine sogenannten Ansprüche doch nicht geltend zu machen.das Buch einschätzte. Allerdings wurde er nicht von einem »avoué« bezeugt. aber Joyce wollte von einem Vertrag nichts hören. Mr. Huebsch schlug netterweise vor. wollte er ihn nicht nennen. meine Ansprüche ernstzunehmen. ich solle einen Vertrag aufsetzen lassen. »Aber was ist mit unserem Vertrag?« fragte ich eines Tages. als ich Pomes Penyeach publizierte. Aber 1927. Er las und billigte ihn und unterschrieb. Der Vertrag für den Ulysses steht auf gestempeltem. und darauf wäre ich nie eingegangen. Er redete mir heftig zu. den ich nie zuvor gesehen hatte. daß der Ulysses nicht sein Eigentum ist. Es gab eine wichtige Ausnahme. mir Tantiemen zu zahlen. wie ich finde. ich brachte die Frage also nie wieder aufs Tapet. verlangte Joyce selbst. der von der Place Robiac bei mir vorüberschaute. und 1930 wollte er plötzlich auch für den Ulysses einen Vertrag haben. Aber eine Annahme dieses Vorschlages kam gar nicht in Frage. wurde mir erst kürzlich gezeigt. aber das schien niemand für nötig zu halten. sondern gehöre Sylvia Beach. Dieser Brief Joyce’. und mit Recht.) Als ich den Kaufmann fragte. der den »Piraten« des Ulysses verklagte. Als Joyce plötzlich diesen Vertrag zwischen uns aufsetzen ließ. und auch sonst kam niemand auch nur für einen Augenblick auf den Gedanken. und mir war es gleichgültig. Es trafen nun keine Angebote für einen Ulysses-Weiterverkauf mehr ein. »Ist er vielleicht nur Einbildung?« . wollte er damit offenbar beweisen.

.

Als der Ulysses herauskam — die schöne Random House-Ausgabe mit Richter John M. vielleicht der beste Weg. » Sie stehen Joyce’ Interessen im Weg. und sein Sehvermögen wurde immer schwächer. auf dem Joyce eine amerikanische Auflage des Ulysses anstrebte. wenn sie nicht mehr einem guten Zweck dienen. den ich seit jungen Jahren bewunderte. rief ich Joyce an. Was meine persönlichen Gefühle betraf. daß er bereits 45000 Dollar von den Verlegern erhalten habe. Joyce hatte wahrscheinlich durch ein Mitglied seiner Familie schon mit Random House verhandeln lassen. Beim Ulysses hatte ich es Joyce immerhin freigestellt. die seinen finanziellen Schwierigkeiten ein Ende machte. Ein Baby gehört seiner Mutter und nicht der Hebamme. es stehe ihm jetzt frei. daß Ulysses und Pomes Penyeach von anderen Verlegern übernommen würden. sagte der Freund — er war ein Dichter und noch dazu einer. wie dringend er das Geld brauchte. obwohl man mir nichts davon gesagt hatte.« Und als ich dem widersprach. Ich weiß. nun.»Das ist kein Vertrag«. Und da so viel auf dem Spiel stand. machte er eine Bemerkung. Sobald er die Buchhandlung verlassen hatte. was er für richtig fand. nicht wahr? .« So lauteten seine Worte. teilte Joyce selbst mir mit. Ich glaube. wie es ihm passe. Woolseys Freispruch dieses großen Werkes wurde mir zugeschickt —. war der Weg. aber beide Werke gingen völlig unabhängig von ihrem ursprünglichen Verleger in andere Hände über. Es wurde darin wohl von einer Abmachung mit Shakespeare and Company gesprochen. Ich freute mich ungeheuer über die Gunst des Schicksals. über den Ulysses ganz so zu verfügen. Keiner unserer Verträge brachte mir den geringsten Nutzen. Und die Bücher gehörten ja schließlich Joyce. Die Auslagen für seine kranke Tochter stiegen. so ist man gar nicht stolz darauf und sollte sie sofort unterdrücken. für den Fall. ich würde keine weiteren Ansprüche mehr darauf erheben. die mich sofort umwarf. »Ihr Vertrag existiert nicht. Ich sagte ihm. zu tun.

Es war vergnüglicher gewesen. Viele meiner Freunde waren nach Hause zurückgefahren. er solle doch Joyce um seine Einwilligung zu einer Ausgabe auf dem Kontinent ersuchen. hatte das linke Ufer sich gewandelt. und außerdem war ich müde. Ich war zu knapp mit meinen Mitteln. glaube ich. eine Zweigstelle der Tauchnitz Editions. von Shakespeare and Company zu Paul Léon geschafft. Die dreißiger Jahre Als die dreißiger Jahre herankamen. und dazu kam natürlich auch die Wirt- . und diesmal korrigierte Stuart Gilbert die Druckfehler. Joyce’ gutem Freund. aber ich konnte mich für diesen Gedanken nicht erwärmen. die sich auf Joyce’ Angelegenheiten bezog. mir Tantiemen zu bezahlen. Joyce nahm das Angebot der Odyssey Press an. Die Odyssey-Press war. Meine Buchhandlung hatte mich bitter nötig. Ich teilte ihnen mit. bei denen bereits A Portrait of the Artist as a Young Man erschienen war. und der ging begeistert auf meinen Vorschlag ein. nahm ich an. Ich vermißte auch den Spaß des Entdeckens und die kleinen Zeitschriften und die kleinen Verlage. aus einem Krieg heraus. aber diese anständigen Leute bestanden darauf. und ich vermißte sie.als in einen anderen hineinzugehen. Inzwischen wurden ganze Taxiladungen Geschäftskorrespondenz.Joyce versuchte. Um diese Zeit erhielt ich den Besuch eines Vertreters der Odyssey Press. mich zu einer billigen Ausgabe des Ulysses auf dem Kontinent zu überreden. die diesen Namen weniger verdiente — war erwachsen und berühmt geworden. der sich von nun an seiner Geschäfte annahm. und dann hätte ich Joyce auch weiter zu Diensten sein müssen — und das war unmöglich. mein Vertrag sei nur eine Angelegenheit zwischen Joyce und ihnen. Die Odyssey Press-Ausgabe war sehr hübsch. Die sogenannte »verlorene Generation« — ich kann mir kaum eine Generation vorstellen. und da Joyce’ Tantiemen davon nicht berührt wurden.

Und in der Rue NotreDame-des-Champs. als er auf ein Stipendium hin nach Paris kam. im American Women’s Club in Paris zu sprechen. Aber immer noch lebten ein paar unserer besten Freunde in unserem Viertel. Nun war er mit Chatherine Täte wieder in Pa- . Sie erfand eine Art schwedisches System und hing Flaschenzüge an einem Baum auf. »das ist meine Katze!« Eine Minute später. Eines Tages kam er mit knapper Not davon. er zog Rapallo vor. daß er begann. Eugene und Maria Jolas und transition und Gertrude Stein und Alice B. »Halt«. Ich habe »Vorträge« in der Regel nicht sehr gern. sich beim Jardin du Luxembourg niederzulassen. wenigstens noch eine Zeitlang. wo Hemingway in seinen Zimmern über einer Sägemühle einige seiner ersten Geschichten geschrieben hatte und wo man seinerzeit Ezra Pound mit seiner Samtmütze aus seinem Atelier hatte kommen sehen. aber dieser war ganz großartig — wie alles. die Skipper im Garten zu Turnübungen zwingen sollten. Aber Skipper war kein schlanker Typ. aber wir hatten immer noch Joyce. wie eine Frau ihn in einen großen Korb steckte. um zu sehen. die MacLeishes hatten vor. wohnte jetzt Katherine Ann Porter in einem Pavillon.schaftskrise. Er saß am Gartentor und beobachtete die Vorübergehenden — und seine Herrin trat eben noch rechtzeitig aus dem Haus. Von Pound hatten wir uns trennen müssen. und es wäre zu spät gewesen. James Briggs) lud Katherine Ann Porter ein. rief Katherine. Seine Herrin war eine so gute Köchin. Viele dicke Katzen verschwinden in Paris — sie lassen sich in so gute Kaninchenragouts verwandeln. Meine Freundin Carlotta Welles (Mrs. Hemingway hatte eine Wohnung in der Nähe von Saint-Sulpice. Toklas in der Rue Christine. was Katherine Ann Porter sagt oder schreibt. Mit Allan Tate hatte ich mich in der zweiten Hälfte der zwanziger Jahre bereits angefreundet. Sie überließ mir ihre getippten Notizen davon. Katherine Ann hatte einen hübschen Kater namens Skipper. seine Figur zu verlieren.

ob man Allan Täte nicht sehr weit oben einreihen wird. Er sagte. war ein »offener Brief an jedermann«. japanisch aussehende Freundin Miss Anaïs Nin suchten mich auf und fragten. dem Henry-Miller-Sammelplatz auf dem linken Ufer. der sehr nach Pound klang: Money and How It Gets That Way. Tropic of Cancer. sagen wir. der mit Freuden das Werk dieses neuen Schriftstellers annahm. Max Perkins habe ihm einen Scheck überreicht und ihn . was ich von diesem Sammelpunkt hörte. Thomas Wolfe kam kurz nach der Veröffentlichung von Of Time and the River nach Paris und in meine Buchhandlung. Mir kamen manche der anderen Dichter recht interessant und originell vor. an dem er gearbeitet hatte. Mir gefiel am besten ein Band Essays von Miller. Ich glaube. wenn man über die Dichtung seiner Generation einen Überblick gibt. das sowohl im Hinblick auf Literatur wie auf Sex seinen Wert hatte. Danach kam eine Broschüre mit einem Titel. Das letzte. sie sollten das Manuskript Jack Kahane zeigen. geradeheraus sexy zu sein. die eines guten englischen Dichters. Henry Miller und seine wunderhübsche. und sie hatten gelegentlich eine verblüffende Erfindungsgabe. ob ich den interessanten Roman. Eine gewisse Art. herausgeben wolle. daß diese beiden zwei weit auseinanderliegende und doch gleich bedeutsame Richtungen in unserer heutigen Literatur repräsentieren. betitelt What Are You Going To Do About Alf (Was gedenken Sie wegen Alf zu unternehmen)? Man wurde sogleich informiert. Während der zwanziger und noch lauter während der dreißiger Jahre hörte man es von der Villa Seurat herüberdröhnen. der in der Villa Seurat verlegt wurde. ein Buch.ris. Ich schlug vor. hatte Kahane sehr gern. und ich kam oft mit ihm und Katherine Ann Porter zusammen. und ich frage mich. aber die Dichtungen Allan Tates lese ich mit dem gleichen Vergnügen wie. The Hamlet. Er brachte Tropic of Cancer und Tropic of Capricorn und andere Bücher von Miller heraus. daß es schon unternommen worden sei.

und fand Mrs. sich davon zu befreien. Von Anfang an. Wolfe war unzweifelhaft ein genialer junger Mann und als soziales Wesen vermutlich sehr unbefriedigend. um sich als Hilfskraft bei Shakespeare and Company zu betäti- . gebracht. daß sie hätte schreiben können und sollen. Massey war überzeugt. Massey glücklicherweise bei der Hand. und jedermann außer Mrs. oder bei Shakespeare and Company. eilte Mrs. Adelaide Massey. in der mir niemand in der Buchhandlung half. Ich hätte es mir nie leisten können. stammte aus Middleburg. deren rechte Hand sie war. das nach Europa fuhr. aber glücklicherweise besaß ich Freundinnen. die Räumlichkeiten auszuräuchern. Meine liebe Mrs. bemutterte ihn. die mit mir und den anderen Schwierigkeiten des Lebens in meiner Buchhandlung fertigwurden. teils wirkte sie als Wohltäterin zur Seite Schwester Mary Reeves. er versuche. dann während der dreißiger Jahre und auch weiter während der vierziger Jahre — immer kam jemand daher. um festzustellen. daß die Arbeit sich für sie wirklich gelohnt hätte. Sie widmete sich teils ihren Studien im British Institute. an die jemand ihn empfohlen hatte. daß die Assistentin von Shakespeare and Company Masern hatte und mit dem Unfallwagen in die Klinik geschafft worden war. um in die Bresche zu springen. während er in Paris war. eine Freundin der Armen und meiner Wenigkeit. So kam ich nach einer Abwesenheit von ein paar Tagen zurück. Massey dabei. Zu einer Zeit. Massey täglich zu meiner Unterstützung herbei. und er hatte das auch wirklich sehr nötig. Sie selbst war ausgesprochen talentiert. Und als ich eine junge Hilfskraft hatte. das Ann Morgan ins Leben rief. welchen Einfluß Joyce auf sein Werk ausgeübt habe. (Sie arbeitet immer noch im Hilfswerk mit.) Sie interessierte sich für das Schreiben — der anderen. die immer wieder Kinderkrankheiten bekam.auf ein Schiff. und sagte. Massey. Mrs. Virginia. Er sprach davon. und wurde mit dem Orden der Ehrenlegion ausgezeichnet. war Mrs. meine Hilfskräfte so zu bezahlen.

Madame Paulette Levy. in Paris zu bleiben. Dann kam die Reihe an ein reizendes junges Mädchen. Freunde von Shakespeare and Company Die Buchhandlung war berühmt geworden. Trotz alledem begann Shakespeare and Com- . ließ sich trotz all meiner Bemühungen. Priscilla Curtiss.gen. Ich setzte eine Annonce in die Paris Herald Tribune. Sie wäre bei mir geblieben. die ein paar Sekunden vor Nr. Dann kam Myrsine Mosehos. Die erste und einzige wirklich berufsmäßige Hilfskraft. und Miss van Meter meldete sich. um in Paris zu studieren und mir in der Buchhandlung zu helfen. die neun Jahre für mich arbeitete. nicht davon abbringen. als die Deutschen schon in Frankreich eindrangen. von der ich mich nur sehr schwer trennte. und arbeitete noch bei mir. Ihr folgte die äußerst tüchtige Eleanor Oldenburger. Sie als Mitarbeiterin zu bekommen — ein größeres Glück kann ich niemand wünschen. Man zeigte sie sogar den Touristen der American Express. Sie steckte immer voll von neuen und alten Kunden. In der zweiten Hälfte der dreißiger Jahre kam trotz der drohenden Kriegsgefahr mein bezauberndes Patenkind Sylvia Peter aus Chikago herüber. 12 stehenblieben. Charlton Hinman — ihr Gatte ist ein Shakespeare-Fachmann. deren Mann an der Front stand. und mehr und mehr wurde in Zeitungen und Zeitschriften über sie geschrieben. die ich je hatte. jetzt Mrs. Ruth Camp. Die ersten beiden freiwilligen Helferinnen waren Lucie Schwoff und Susanne Malherbe. wenn sie vorüberfuhren — in Autobussen. aber der Krieg stand unmittelbar bevor. war Miss Jane van Meter. Nach Kriegsbeginn bis zur Zeit der Besatzung erschien regelmäßig eine brillante junge Französin bei mir. Eine kanadische Studentin. sie nach Hause zu schicken.

gingen nun rasch immer schlechter. ihnen beizuwohnen. Die Petition wurde von Schriftstellern und auch von bedeutenden Professoren an der Sorbonne unterzeichnet. wie bei mir. André Gide. weil man unmöglich . André Maurois. aber es waren keine Mittel vorhanden. um ein ausländisches Unternehmen handelte. Luc Durain. Louis Gillet. Dann wurde ein Komitee gebildet. ob ich wirklich die Wahrheit gesagt hätte. dem Georges Duhamel. meine Buchhandlung zu retten. Mein guter Freund Schlumberger verfaßte einen Appell. Sofort holte Gide eine Gruppe von Schriftstellern zusammen. die meine heimwärtseilenden Kunden hinterließen. und als 1936 André Gide eines Tages hereinkam und sich erkundigte. daß zweihundert Freunde sich durch Subskription für eine Zahlung von zweihundert Francs pro Jahr auf zwei Jahre verpflichteten. Meine französischen Freunde blieben und hätten die Lücke füllen können. In der Mitte der dreißiger Jahre sah die Lage wirklich bedrohlich aus. die Läden zu schließen. wie es uns ginge. um einen Plan für meine Rettung zu entwerfen. aber auch sie hatten unter der Depression schwer gelitten.pany die Wirtschaftskrise ernstlich zu fühlen. Sie konnte es leider nur bestätigen. Jacques de Lacretelle. Der Vorschlag ging dahin. sagte ich ihm. Sein erster Gedanke war eine Petition an die französische Regierung. um Adrienne Monnier zu fragen. Die zum Komitee gehörigen Schriftsteller sollten reihum in der Buchhandlung ein unveröffentlichtes Werk lesen und diese Lesungen etwa einmal im Monat stattfinden. die schon durch die Abreise meiner Landsleute gelitten hatten. »Wir können Shakespeare and Company nicht aufgeben!« rief er und stürzte über die Straße. Ihre Zahl war auf zweihundert beschränkt. Gide war entsetzt über diese Neuigkeit. Subskribenten hatten als Mitglieder der Freunde von Shakespeare and Company das Recht. Bis dahin würde Shakespeare and Company sicher wieder Fuß gefaßt haben. ich dächte daran. Shakespeare and Company zu unterstützen. Die Geschäfte. Paul Valéry angehörten. und dieser Aufruf erschien in einem vom Komitee gedruckten Bulletin. besonders wenn es sich.

einige meiner kostbaren Schätze zu verkaufen. Als nächster kam Jean Paulhan. Peter. Mr. ich sollte auch selbst ein Opfer bringen. die mit Joyce und vor allem mit dem Ulysses in Zusammenhang standen. Wir mußten alle zugeben. diese Gefahr bestünde durchaus. ein großer Philologe. Mrs. Bryher. Miss Marian Willard. die ich den Leuten schickte. Ich war sehr gerührt. der sein Stück Geneviève wählte. beschlagnahmt zu werden. Da meine Freunde so viel für mich taten. und manche meiner Freunde zahlten Sonderbeiträge: Mrs. hatte ich das Gefühl. Als erster las André Gide. ob Dinge. als T. Ich entschloß mich. und widerstrebend mußten wir von einer Auktion Abstand nehmen. die zu einer Sensation wurde. Die Liste. Es wären aber viel mehr als zweihundert Leute gerne Mitglieder geworden. sehr gut zu gehen. darunter auf Joyce’ besonderen Wunsch »Le Serpent«. sie habe jedes Wort verstanden! André Maurois las eine bezaubernde unveröffentlichte Geschichte und Paul Valéry einige seiner schönsten Gedichte. F. Ernest Hemingway machte einmal eine Ausnahme — in der Regel las er nämlich nie in der Öffentlichkeit — und sagte sein Erscheinen zu. da erkundigten sie sich auf meinen Wunsch. So kamen wir zu einer Doppellesung. Sie teilten mir mit. fand größtes Interesse. Gefahr liefen. W. Eliot eigens aus London kam. S. Mit all diesen berühmten Schriftstellern und den ganzen Zeitungsartikeln war inzwischen auch unser Ruhm so gewachsen. um bei Shakespeare and Company zu lesen. daß die Geschäfte anfingen. Ihm folgte Jean Schlumberger mit einem Teil aus dem unveröffentlichten Roman Saint-Saturnin. sich mit ihm zusammenzutun. Helena Rubinstein. aber fast völlig unverständliches Buch. Mrs. Zunächst trat ich an eine bekannte Londoner Firma mit dem Plan einer Auktion heran. mit Les Fleurs de Tarbes. Archibald MacLeish und Mr. und die Vorbereitungen wurden schon getroffen. daß es über unseren Horizont ging — nur mein junges Laufmädchen sagte. der Chefredakteur der Nouvelle Revue Française. James Hill. . Miss Ann Morgan. James Briggs. ein interessantes.mehr Leute in den kleinen Laden hineinstopfen konnte. wenn Stephen Spender sich überreden ließe.

aber mit der Pariser »Expo 1937«. eine Ausstellung französischer Literatur zu organisieren. der großen Weltausstellung war es etwas anderes. Ich trennte mich sehr ungern von meinen geliebten Hemingway-»Erstlingen« mit ihren mir so wertvollen Widmungen. Man stellte ihm einen ganzen Pavillon zur Verfügung. Dan Johnson von der Willard-Galerie in New York. Als nächstes folgten die Manuskripte von Chamber Music. und der Dichter wurde aufgefordert. zu dem ich jede Hoffnung aufgegeben hatte. meinen ganzen Bestand an Joyce-Manuskripten auf irgendeine Art zusammenhalten zu können. Und Professor Theodore Spencer erwarb für Harvard das erste Manuskript von Portrait of the Artist (Stephen Hero). heute Mrs. Traurig fügte ich mich der Notwendigkeit.Nach dieser Episode gab ich einen eigenen kleinen Katalog heraus. Der Unterrichtsminister war damals ein Bewunderer Paul Valérys. Expo 1937 Für Ausstellungen hatte ich nie besonders viel übrig. Vielleicht gelangte dieser Katalog nicht an die JoyceSammler — oder vielleicht gab es in den dreißiger Jahren nicht viele Leute. Ich überließ ihr meinen Satz der korrigierten Fahnen des Ulysses. Jedenfalls wurde in den meisten Briefen. und er sollte dort mit Dokumenten den Verlauf der modernen Bewegung von ihren Anfängen bis zu ihrer neuesten Entwicklung illustrieren. Dubliners und Pomes Penyeach. und die . gefragt. die Joyce sammelten. Dieser Teil der Ausstellung fand sehr viel Anklang. Das geschah aber erst zu einem Zeitpunkt. Auf einer um diese Zeit unternommenen Reise in die Vereinigten Staaten besuchte ich meine Freundin Miss Marian Willard. ob ich nicht etwas von Hemingway hätte. die ich erhielt. aber es war ein schmerzlicher Schritt.

Mickey Mouse. Er wollte seiner Familie bald nachkommen. Der Ehemann hatte sich vom Bahnsteig aus verabschiedet. die in Paris von Shakespeare and Company vertrieben wurde. mitten zwischen der ehrwürdigen Revue de Deux Mondes und der Lieblingszeitschrift der Kinder. Es gelang mir. Die Werke. Im gleichen Abteil saß eine junge Engländerin mit ihrem Baby und der Säuglingsschwester. die meinen aber nicht. Ich nahm den letzten Autobus. befanden sich natürlich unter den Ausstellungsstücken. Die laufende Nummer von Life and Letters erhielt einen schönen Platz. Valéry. ehe der junge Chauffeur eingezogen und der Autobus beschlagnahmt wurden. der ins Tal fuhr. daß ich mit auf der »Expo« ausstellte. . In früheren Nummern waren Übersetzungen von Gide. in einen Zug nach Paris hineinzukommen. umgeben von einer Menge bunter Musterumschläge und Reklamematerial. Es war Bryhers Wunsch. daß es Krieg geben würde. Life and Letters To-day war tatkräftig bemüht. da es eine rein französische Angelegenheit war. Doch hatte icheinen Stand in der Presseabteilung für die englische Zeitschrift Life and Letters To-day. glaubte aber nicht. und die laufende Nummer kam zu Ehren der Ausstellung als rein französische Nummer heraus. die Adrienne herausgebracht hatte. und in allen Familien herrschte große Trauer. französische Literatur in England bekannt zu machen. Michaux und anderen erschienen. Sie eilten nach Hause.Leute drängten sich von morgens bis abends im Pavillon. sich zu ihren Regimentern zu begeben. Die Station in Chambéry wimmelte von Soldaten in voller Ausrüstung. Krieg und Besatzung Oben in Savoyen wurden gegen Ende des Sommers 1939 alle jungen Männer durch Anschläge aufgefordert.

noch einen Zug zu bekommen.Shakespeare and Company blieb weiter offen. weil es kein Benzin mehr gab. oben darauf noch Kinder. Währenddessen schwoll unablässig der Strom von Flüchtlingen aus dem Norden und Nordosten einschließlich Belgien. schwangere Frauen und Frauen mit Babies. Manche fuhren in ihren Autos ab — die man dann am Straßenrand stehenlassen mußte. Einige hatten Fahrräder. hochgetürmt mit Haushaltsgeräten. Bei Tag und bei Nacht strömten Leute durch die Rue de l’Odéon. Adrienne und ich nahmen an dem Exodus nicht teil. Der Krieg kam. den Helm . die mir in der Buchhandlung half. floh die Bevölkerung oder versuchte zu fliehen. Kranke. Von den Fenstern des Spitals aus. Sie kamen beim Osttor herein. die ihre Bauernhöfe und Städte verlassen hatten. in dem ich mit meiner alten Freundin Dr. durchquerten Paris über den Boulevard Saint-Michel und den Jardin du Luxembourg und verließen es durch die Porte d’Orléans und die Porte d’Italie: Ochsenkarren. Ein wunderschöner Junitag im Jahr 1940. Sonne und blauer Himmel. Manchmal machten sie beim Jardin du Luxembourg halt. trugen ihre Babies und ihr Gepäck oder schoben Kinderwagen und Schubkarren vor sich her. in der Hoffnung. In Paris waren nur mehr etwa 25000 Menschen übriggeblieben. Die Deutschen folgten ihnen auf dem Fuß. Die meisten flohen zu Fuß. Hunde und Katzen. Dann brachen plötzlich die Deutschen in Frankreich ein. alte Leute. lauter Leute. Als sie immer näher und näher an Paris heranrückten. Adrienne und ich gingen hinüber zum Boulevard Sébastopol und sahen mit tränenverschleierten Augen. Bertrand-Fontaine zu Mittag aß. Sie kampierten und schliefen vor den Bahnhöfen. wie die Flüchtlinge durch die Stadt zogen. Sie lag unter Maschinengewehrfeuer in den Gräben und wurde später trotz ihrer Bemühungen interniert. Eine endlose Prozession motorisierter Einheiten: Tanks und Panzerwagen und darin Männer. sahen wir die letzten Flüchtlinge hereinströmen. Geflügel in Körben. und ergoß sich durch die Stadt nach Westen. versuchte fortzukommen. um die Kühe dort grasen zu lassen. Weshalb fliehen? Die kanadische Studentin Ruth Camp.

Cafés.auf dem Kopf. Kinos. aber sie bildeten die Ausnahme. kamen zurück. Widerstand geleistet. Ihr Professor redete ihr zu. die mit gekreuzten Armen dasaßen. und mit seiner und ihrer Hilfe setzte sie ihr Studium fort. Es gab ein paar Leute in Paris. die den Exodus überlebt hatten. das einzige Verkehrsmittel für uns. Alle unsere Bekannten waren für die Widerstandsbewegung. Wir benützten Fahrräder.«) Statt dessen machte ich mich daran. die mit den Nazis sympathisierten. und meine französischen Freunde entdeckten mit Begeisterung. und ich hatte mehr zu tun denn je. daß Shakespeare and Company noch immer offen war. Mauthausen in Österreich. Die Männer und die Maschinen waren alle von dem gleichen kalten Grau und bewegten sich in einem unablässigen betäubenden Gedröhne. unterstützte mich. So teilte ich auch mit Françoise. Wir konnten öffentliche Stätten wie Theater. die Aufzeichnungen ihrer nichtjüdischen Freunde abzuschreiben. unser Mittagessen auf ei- . Ihr Sohn Rémy starb mit zwanzig Jahren in einem der schlimmsten Gefangenenlager. einige der Sonderbeschränkungen für Juden — wenn ich auch nicht wie sie den großen gelben Davidstern auf Mantel oder Kleid trug. Bertrand-Fontaine wurde ein aktives Mitglied der Résistance. Sie stopften sich buchstäblich mit unseren Büchern voll. Pariser. Einmal versuchten wir. Sie studierte Sanskrit. war aber jetzt durch die Nazi-Gesetze vom Besuch der Sorbonne ausgeschlossen. Dr. Eine freiwillige Hilfskraft. (Die Route führte über Lissabon. die sogenannten Kollaborateure. und die verlockenden Preise für die Überfahrt enthielten auch den Posten: »Ein Papagei: sechs Dollar. Françoise Bernheim. das Leben in dem von den Nazis besetzten Paris mit meinen Freunden zu teilen. Ich hatte allen Bemühungen meiner Botschaft. eine junge jüdische Freundin. Konzertsäle nicht betreten und uns auch nicht auf Bänke in einem Park oder selbst auf Bänke an der Straße setzen. mich zur Rückkehr in die Vereinigten Staaten zu bewegen. wenn ich mit ihr ausging.

ich wolle es behalten. Wir hatten keine Lust. dieses Experiment zu wiederholen. Shakespeare and Company verschwindet Als die Vereinigten Staaten in den Krieg eintraten. Dann kam er herein und sagte in tadellosem Englisch. Ein deutscher Offizier von hohem Rang. Wir setzten uns auf den Boden neben eine Bank. aßen rasch unsere Eier.« — »Warum nicht?« Es sei mein letztes Exemplar. und ich holte Finnegans Wake aus dem Fenster und packte das Buch fort. blieb stehen. aber nachdem ich als »Feind« deklariert war. . Neben meinem Namen und meiner Abstammung stand die Anmerkung: »Hat kein Pferd. Ich hatte nie viele deutsche Kunden gehabt. Er ärgerte sich. Wir Amerikaner mußten uns bei der Kommandantur melden und dann einmal in der Woche im Kommissariat des Pariser Bezirkes. (Juden hatten sich jeden Tag dort einzutragen. in dem wir lebten. schluckten den Tee aus unserer Thermosflasche und sahen uns dabei verstohlen um. um ein Exemplar von Finnegans Wake im Schaufenster zu betrachten. erklärte er.« Ich erfuhr nie. »Es ist nicht verkäuflich. das immer wieder in Verlust geriet. Er ging. Er habe für Joyce’ Werke großes Interesse. er wolle es kaufen. Gewöhnlich war ich es. kamen natürlich überhaupt keine mehr — bis ein letzter bemerkenswerter Besuch ihre Reihe beendete. machte meine Nationalität zusammen mit meinen jüdischen Beziehungen Shakespeare and Company in den Augen der Nazis ein Ende.) Es gab so wenige Amerikaner. daß unsere Namen nur in einer Art Notizbuch verzeichnet standen. die es für den Kommissar wiederfand. Doch ich blieb fest. warum. Für wen? Für mich selbst. erklärte ich.nem schattigen kleinen Platz einzunehmen. der aus einem großen grauen Militärauto ausstieg.

aber mit einer Bescheinigung. Rue de l’Odeon übermalt. Wo war Finnegans Wake? Ich hatte es fortgeräumt. Nach sechs Monaten Internierungslager war ich wieder zurück in Paris. Kamen die Deutschen wirklich. und ein Anstreicher hatte den Namen Shakespeare and Company an der Front des Hauses Nr. wann es ihnen paßte. Sie schloß eine unbenutzte Wohnung im dritten Stock auf. gelang Madame Fournier das Wunder. mich in ihrem Studentenheim Boulevard Saint-Michel Nr. Bebend vor Zorn sagte er: »Wir werden heute kommen und Ihre ganzen Bestände beschlagnahmen.Vierzehn Tage später kam der Offizier wieder in die Buchhandlung. Es war ein amerikanisches Heim . voll von Studentinnen. daß man mich wieder abhole. aber obwohl Miss Watson eine Zeitlang interniert war. (Meine eigene lag im zweiten Stock. als darauf zu warten. Sie kamen allerdings und holten die Besitzerin von Shakespeare and Company ab. dazu auch alle Möbel. Binnen zwei Stunden war der Laden vollkommen leer. Wir nahmen sogar die Beleuchtungskörper und Lichtanschlüsse ab.) Meine Freunde und ich trugen sämtliche Bücher und alle Fotos hinauf. fühlte ich mich in meine Studentenzeit zurückversetzt. daß die deutschen Militärbehörden mich wieder festnehmen konnten. so haben sie den Laden nie gefunden. 12. zu »verschwinden«. Die Deutschen machten mehrmals den Versuch. Von einem Tischler ließ ich die Regale zusammenschlagen. das Heim zu übernehmen. es sei für mich besser. Madame Marcelle Fournier. 93 zu verstecken. das Haus offen zu halten. die ich als Mitglied des Heims erhielt. Wir schrieben das Jahr 1941. um die Bestände von Shakespeare and Company zu beschlagnahmen? Wenn ja. Miss Sarah Watson nahm es auf sich. Meine Freunde einigten sich. Mit der Karte. Ich beriet mich mit der Hausmeisterin. zumeist in Waschkörben. Ich lebte glücklich und vergnügt in meiner kleinen Küche im obersten Stock des Hauses mit Miss Watson und ihrer Assistentin. die besagte. die ihre Studien weiter betrieben.« — »Bitte sehr.« Damit fuhr er fort.

Sämtliche prominenten Schriftsteller der Résistance waren darin vertreten. Unser Viertel. konnte der Rektor die Freilassung Miss Watsons durchsetzen. in der Nähe des Luxembourg-Platzes und der Gärten. die in der Untergrundbewegung weit verbreitet waren. Laut Befehl waren für die Zivilverteidigung Durchbrüche gemacht . Ich besuchte täglich verstohlen die Rue de l’Odéon. in denen sich die SS verschanzt hatte. war man die Deutschen schon losgeworden oder nicht. in welchem Viertel man wohnte. zerstörten sie es zusammen mit allen ihren Papieren. Bécats Glückwünsche kamen zu früh. aber da es an die Pariser Universität angeschlossen war.mit amerikanischer Leitung. und sie arbeitete weiter auf ihrem Posten. In unserem Viertel war es zufällig der schlimmste Tag. kam jubelnd Adriennes Schwager Bécat auf einem Fahrrad. Er kam gerade zurecht. um das alte Hôtel Corneille in der nahegelegenen Rue Corneille in Flammen aufgehen zu sehen. gehörte zu den letzten. zu uns herübergesaust. Die Deutschen hatten dort Büros eingerichtet. wurden von meiner Freundin Yvonne Desvignes unter größter Gefahr herausgebracht. Ich hatte das Hôtel Corneille besonders gern. Diese Geheimausgaben. Eluard pflegte die schmalen Bände auszuliefern. Arrondissement frei war. Sobald das 14. die noch besetzt waren. das er mit einer kleinen französischen Fahne geschmückt hatte. hörte die neuesten Nachrichten von Adriennes Buchhandlung und sah die neuesten Bände der Editions de Minuit. weil Joyce als Student dort gewohnt hatte — sein Notizbuch aus jener Zeit wird jetzt in der Lockwood Library in Buffalo aufbewahrt — und vor Joyce noch Yeats und Synge. Er mußte einen Rückweg durch die Keller antreten und das Fahrrad tragen. und als sie abzogen. Die Befreiung Paris war nahezu völlig befreit — je nachdem.

Das Hin und Her wurde zu ungemütlich. die wir um diese Stunde vor der Bäckerei um Brot anstanden. Das war nicht sehr angenehm für uns. Als das Schießen aufhörte und wir aufstanden. aber die Jungens von der Résistance kannten keine Furcht und spielten eine wichtige Rolle bei der Befreiung von Paris. wie die Verletzten auf Rote-Kreuz-Bahren geladen wurden. wurden zornig und begannen mit Maschinengewehren in die Menge auf den Gehsteigen hineinzuschießen. Die mit unserer Verteidigung beschäftigten Kinder häuften Möbelstücke. die den Boulevard Saint-Michel singend und Klosettbürsten schwingend hinunterzogen. und hinter diesen Barrikaden zielten junge Burschen mit F. sahen wir Blut auf dem Pflaster und sahen.-Armbinden und einer seltsamen Musterschau altmodischer Waffen auf die Deutschen. fuhren den Boulevard Saint-Michel hinunter und gaben hie und da Schüsse ab. In den Vormittagsstunden gegen elf Uhr machten die Nazis mit ihren Tanks einen Ausfall aus dem Luxembourg.I. Ich verließ schließlich das Studentenheim und zog wieder in die Rue de l’Odeon zurück. die sich auf den Stufen des Theaters am anderen Ende aufgepflanzt hatten. Mülleimer und so weiter am Ende der Rue de l’Odeon auf. . Nach einem schrecklichen Erlebnis gaben Adrienne und ich das Ausgehen überhaupt auf: Wir hörten. Aber »sie« machten sich gerade im gleichen Moment auf den Weg und kamen mit den Resten ihrer motorisierten Streitkräfte die Straße herunter. Öfen. Ebensowenig konnte ich die Schießerei in unserer eigenen Straße leiden. und gesellten uns zu einer vergnügten Menge von Parisern. so daß man von einem Keller in den anderen gelangen konnte.B. daß »sie« dabei waren. uns zu verlassen. Wie alle anderen lagen Adrienne und ich flach auf dem Bauch und schoben uns zum nächsten Haustor hinüber. Diese Soldaten waren ausgesprochen gefährlich. »Sie« sahen das Feiern nicht gerne.worden.

während die Leute auf der Straße und in den Fenstern uns zujubelten. Wir fragten. Ich flog die Stiege hinunter. Er bat Adrienne um Seife. Wir gingen in Adriennes Wohnung und schoben Hemingway auf einen Stuhl. Er wollte wissen. Wir hörten zum letzten Mal in der Rue de l’Odéon schießen. Hemingway und seine Leute kamen wieder herunter und fuhren in ihren Jeeps ab — »um den Keller im Ritz zu befreien«. Er war in Felduniform. ob er in der Lage sei.Hemingway befreit die Rue de l’Odéon Immer noch gab es Schießereien in der Rue de l’Odéon. die oben auf den Dächern in unserer Straße saßen. und sie gab ihm ihr letztes Stück. Ich hörte eine tiefe Stimme »Sylvia!« rufen. schmutzig und blutig. und wir hatten es langsam satt. Er holte seine Kompanie aus den Jeeps und führte sie aufs Dach. wie Hemingway sagte. wir krachten zusammen. Und auf der Straße stimmten alle in den Ruf »Sylvia!« mit ein. besonders gegen die auf Adriennes Dach. schwang mich herum und küßte mich. Eine Maschinenpistole klirrte auf den Boden. ob er irgend etwas für uns tun könne. etwas gegen die Nazi-Schützen zu unternehmen. er hob mich hoch. Da kam eines Tages eine Reihe Jeeps die Straße herauf und hielt vor meinem Haus. »Es ist Hemingway! Es ist Hemingway!« schrie Adrienne. .

Richard 53. Cecil 150 Bass. 112. 40 Antheil. 39. James 228. W. 71.109 Carlos. 134 . Djuna 129. Gertrude 148 Beauvoir 72 Bécal. 199 Bassiano (Caëtani. Marc 176 Anderson. Berenice 128 Albane. 90. 150 Blake. Marcel 198 Budgen. 197 Blanchard. William 147 Carnevali. 55. Jacques 86 Berenson. 161. 32. Stella 155. 86. 122. Margaret 48. Walter 151 Bertrand. Jonathan 54. Catherine 35 Casals. Thérèse (Dr. 160. 42. 98. 142. Kay 158 Bradley. 140. Dr. 240 Beckett. 163. 198. 132 Barr. Edward 140 Borsch. Helen 186 Babow 150 Bache. Sherwood 38. Marguerite (Prinzessin Bassiano) Camp.96 . Blanche (Mme. L. Pierre 187 Boardman. Louisa 106 Aldington. 40. Ruth 231. Françoise 237 Berry. 139. Tennessee 39. 236 Beveridge 107 Bird. 143 Aragon. William (Bill Bird) 48. Jim 12 Brion. 131. 32. Olaf 202 Butts. 128 Anderson. 107 Allégret. 224 Beasly. Samuel 198 Benda. George 31. Remy 237 Bertrand. B.103. Eleanor 134 Boiveau et Chevillet 25 Bok. 148 Byron 27 Caëtani. 35. 79. William 26. Bernard 28 Bernard. 136. 141 Anderson. 100 Bernheim. 236 Cape. 149. Louis 78. 148. Marguerite) 141 . 218 Bull. Sarah 13 Bacon 122 Baernaert 182 Bankhead. 137 Chamson. 140 Antheil. Julien 43 Benoist-Méchin. 80. Clifford 131. 131 . Bertrand-Fontaine) 29 . 141. 135. Lucie 133. Andre 133. 51.Personenregister Abbott. Sylvia 14. Jean 144 Chamson. Frank 109. 82 Bost. 49. 130. Mary 129. Duhamel) 166 Alcott. 162 Baudelaire 105 Beach. 135 . 180. Pablo 10 Casanova 104 Catel. Emanuel 148 Carswell. 156 Boyle. Jenny 44. Du 143 Boulanger. 99. 186 Brancusi 152 Brett. Tallulah 110 Barnes. 233 Briggs. 49. 46. Dorothy 35 Briggs. 202. 139. Paul-Emile 82. Louis 17 Arthur. Böske 31.141 Barney. Nadja 181 Bowen.

43. 60. 199. S. E. 75. 147. 232. Lady 118. Georges 166. Benjamin 13. Mathews 26 Ellerman. Darrell 197 Fitzgerald. 27.198 Ellis. 160. Paul 18 Fournier. Stella Bowen 155. Luc 232 Einstein. Jo 41. 31. Maurice 56. George 143 Gershwin. 171 . John Mac 207. 153. 74. Marcelle 239 Franklin. 233 Elkin. Robert 148 Cocteau 130 Cody. Nancy 85 Curtiss. 199 Donne 163 Doolittle. 176 . 97 Davidson. Bernhard 166 Duhamel (Mme. 110 Cummings. 169. Paul 159. 77. 117 Ellerman. John 105 Cleveland. Havelock 197 Ellman. Gaston 169 Garden. Priscilla231 Darantière. 121 .129. Madox 155. 232 Durain. Desmond 61 Fitzgerald. 186 Desvignes. Morill 128 Connolly. 160 Crowley. 103 Gide. Scott 49 . 123 Cleland. Aleicester 109. 191 Cormack. 173. 195. Plero 190. Yvonne 240 Dixon. Hart 138. Susanne 182 Dessonnes. 131 . 175 . 188. 133. 145. F. Cari 160 Eisenstein. T. Marcel 185. Charles 10 Clarke. 57. John Gould 117 Ford. La Mère 23 George V. 162. Caresse 151 Crosby. Vladimir 198. 172. 140 Elliot. 156 Fort. M. Janet (Genet) 126 Fletcher. Léon-Paul 20. E. 233. Crover 13 Coates.195. Cyril 65 Conrad 72 Copeau. 29 . Frances 143 Gershwin. 151 Creasy. 166. 184 Coppola. Harry 151. 200. 53. Jacques 72. Loie 10 Gallimard. 218. Serge 125 Eliot. 170 . 156 Ford. 235 . 210 Crane. 145 Davis and Orioli 107 Degas 180 Depré. 206 Crommelynck. Mary 10 Garrouste. 61 . 156. 168. 135. Ira 143 Gianni. Richard 208 Eluard 240 Fargue. 144 Cunard. 23. 174 Fernandez.64 . 174 . Fernand 183 Crosby. 149 Ford. 208. Hilda 117 Dudley.Chaucer 27 Chevillet 25 Chopin 175 Clark. 207. 70. 134. 136 Planner. John 115. 30 . Herbert 194 Claudel 20. 141. 132. 72 . 43. 20 Freud 119 Fuller. Blanche Albane) 166 Duhamel. Edward S. 161. 116 Gershwin. 50. André 20. Katherine 153 Duhamel. O. Dr. Yva 221 Figgis.

53. Ernest 41. Mathew 160 Jourdan. 138. Henry 151 Jerome 27 John. Jack 106. Nora 50 -52. Ninon de 131 Lanham.205 Harris. 233. 160. 234. 198.120 . 20 . 228. Nellie 106 Harrison. 158-164. 67-89. 111 . 96 -107 . 91. Herbert 195 Hugo. Hadley 90. 141. 34 . Frank 105 . 40 -64 . Juan 37 Guizot 167 Hall. 224 Hueffer. Byron 27 Lacretelle. 127. Remy de 131 Gris. Eugene 65. Jane 55. Charles 218 Joyce. Ben W. 82. Radclyffe 131 Hardy 28 Harris. 184 Joyce. 242 Hemingway. 140. 182. John 148 Herriot. 220. Louis 183. 144. 49. 223.156 . 113. 171 Gillet. Maria 159. 95. 93. 128. 29 . 205. 89. 221 . 133. 150. 218. 221. 101 . Francis 181 Jouvet.114 . 228 Josephson.195. Vladimir 140 Gordon. Augustus 195 Johnson. 234. Mabel 104 Joyce. William Dean 41 Huchon 121 Huebsch. Barbara 154 Hart. 222 Kahane. René 187 Lanclos.163. 219. 159 . 141. 30 Hartley. Edouard 137 Hill. 202. Holbrook 102 James. 100. 147-154 . 240 Joyce. 171. 123. 138. 14. 230. 141. Marian Willard 70 Jolas. William S. 78. 221 Joyce. 209. 54. 147. 228 Jolas. 27. Pierre de 66 . 183 Hemingway. 195. 106.149. James 15. 122. Henri 123 Hoppenot. Hélène 123 Hoppenot. James 9 Harris. 164. 79. 233. Paule 180. 92. Lucia 50 . 238. 31. 220. Giorgio 50. 121 . 181 -213. Violaine 123 House. Marsden 129. Victor 16 Huxley. 183 Jackson. 89 -97 . 125-127. James 233 Hoppenot. Duff 122 Gourmont.Gilbert. Louis 232 Gilliam. 222. 217 -228. 95 Herman. 209. Jacques de 232 Lafayette 9 Lalanne. 125. 125. 277 Gili. 89. 145. Gili 170. 81. Random 200. 219. Aldous 107 Huysmans 56 Ibsen 46. 137. Edwin 148 Lanux. 209. 61. Florence 155 Giono 20 Gobillard. 130 . 26. 229 Kipling 28 Kleopatra 17 Kühn. 226 Howells. 141 Hebertôt 182. Ford Madox 155 Hughes. 195 Joyce. 181 Golschmann. Philias 193 Lalou.109 . Stuart 142. 168. 186. 160. 198. 148 Heap. 156.

Anaïs 229 Nutting. 130.Larbaud.61 . 147. 193. 235 Milford. 189. Mina 130. 221 . 57 . 163. 39. 148 Lugné-Poe 182. Adelaide 230 Mathews. 102. Raymonde 171 -174 Litwinow 126 Llona. 128. Robert (Bob) 32. 60. Adrienne 20-24. 232. André 30 . 154. 37 Maurois. H. 49 . 48 . 231 Moss. 60 . Faby 130 Loy. Susanne 231 Mallarmé 117 Manet 180 Mason. 72. 195.107-109 Lawrence. 201. 236. Paulette 231 Lewissohn. 129. Jimmy 68. Anni Winifred (Bryher) 114 -119. C. 175. Penny 24 . 38. Desmond 164 Mac Coy. Ann 230. 87. 122. Berthe 180 Morris. 212-219. 218. 191 -193. 148. 205. 183 Mac Carthy. Frieda 108 Lawrence. 207 Moore. 120. Paul 227 Levy. 66 . Humphrey 26 Milhaud. 240-242 Monnier.144. Joella 130 Loy. 27 -30 . Justin 65 Ogden. 164. 228. 140. Dr. Valéry 20. 138. 235 McAlmon. 195 Moorehead. 235. D. Ada 138. 82. Henry 229 Molière 184 Monet 180 Monnier. Thomas 198 Meter. 151 . Marianne 117. Harald 25. 117 . 81. 118 . Darius 172 Milhaud. 122. 35. Auguste 144.95. 43.136. Ludwig 138. 143. Ellsworth 208 Massey.87. 123-126. 148. 42. 161 -169. 120.91 . 177. 168. Jane van 231 Michaux 195. 205 Oldenburger. 82 . 189.233 McAlmon. 163. 136-138. 198 McGreevy. 207. 140. 140-142. 71. 87. 221 O’Brien. Myron 195. 86 . 56 . Hélène 59 Moschos. Madelaine 172 Miller. 171 -173. Myrsine 59. 85 Moore. 174. 40 .233 Malherbe. 195 Lawrence. Elkin 197 Matisse 36. 74 Léon. 45. 132. 176. 195. 201 Light. Eleanor 231 O’Leary. 64-68. 144. George 84. 228 Mac Leish. 87 Linossier. K. E.68 . Alice 172. 92-94. 164 205 Morgan. Ethel 158 Morel. 233 Morgan. 114 . Victor 198 Loy. 50 . 61 . Archibald 49. Mary 87 Moschos. Alida 25 Monro. 60 Moschos. 33. 77. Marie 169 Monro. 174 Linossier. T. Marguerite 87 Mac Leish. Charles 121 Morisot. 86. 161 .232.71. 133. Arthur 155 Musset 178 Napoléon 14 Natanson 183 Nelson 26 Nin.

Alys 27. Arthur 195-197 Peter der Große 15 Peter. Jean 20. 193 Rodin 16 Rodker. Jean 132. 228. Maurice 192 Sartre 72 Satie. 158. 61. 198 Sloane. 148 Savitzky 44. Katherine Ann 154. 46. 34 . 233 Scholl 178 Schwoff. James Johnson 160 Sykes. 128. 174 Sato. 45 Stein. 192 Rickward. Saint-John 161 . Francis 20. James 222. John Howard 15 Perkins. Helena 233 Rudge. Max 229 Perse. Jules 22. L. 31. Samuel 200. 55. 164-166. 63.72. Hanna Whitall 28 Smith. Gertrude 35-38. 72 . André 42. Ken 130. Robert 198 Saillet. Herzog von 15 Passos. Agnes 9. 136.99 Rabelais 68. V. Theodore 234 Spender. 233 Phoblocht 103 Picasso 31. 203. A. William 14 Smith. 195 Roth. Edgell 188. Bernard 61-64. Theo van 175 Sage. Margaret 14 Sloane. 36. 117 . F. R. 232. 184 . Jessie 120 Schlumberger. 139 Reeve. Olga 141 Russell. 184. 205 Slingsley. Bertrand 27 . 202 Rubinstein. W. James 195 Stieglitz 36. 35. 42-44 . 172. 196. John 111. 43. 149. John 209-211 Sumner. 175. 46 Sayre. 37 Pinker. W. 212 Ralli. 143 Sullivan. 46 Porter. 28 Smith. Dorothy 34 . Lucie 231 Seurat 229 Shaw. 145 Orléans. 223 Pleyel 140. John 48.76. Edgar Alan 20. 143.73 . Logan Pearsall 28 Smith. 105. 189 Ritarasi 60 Rodgers. Baron 47 Ray. 228. 141 . Annis 13 Strawinsky 31. 137 Proust 50 Quinn. 157. 141 Poe. 42.Orbison. 84 Ruysselberghe. 173. 53. William Jay 65 Spencer. 86. John Dos 127 Paulhan. 64. 128. I. 171. Claude 195 Symons. Mary 230 Renoir 180 Richards. G. 172 Pound. 167. 47. Erik 20. 229 Prévost. 141 Pound. 55 Sweeney. 154. 131 . 96. 142. 228 Stephens. Stephen 233 Spire. 229 Poulenc. 27. Elizabeth van 175 Ruysselberghe. Jean 233 Payne. 39^-41.73. 191. Sylvia 231 Peter. 108 Stockton. S. 198 Romains. 27 . Man 71. Ezra 26.

240 Weaver. 72. 195. 135 Vivien. 154 Toklas. B. E. Sylvester. Margaret 14 Wilson. Thornton 127. 198 Wilson. 146 Whitman. 96. 12 . Agathe 180 Valéry. Harriet 53-54. 14 .172. 35-38. 39 -41. 111 . Oscar 27.72. Dolly 132 Wilde. 105. 15. George 66 Waterfield. 12. 25 Wyndham. 240 . 59 . 46. Carlotta 11. 76.199 . 50 . 71 . Carl van 176 Verlaine 105 Vidor. François 180. 147. 151. 28. 75.Tanner. 9-10 Woolsey. 21 . 179 Woodbridge Beach. 154. Monroe 154 White. 120 Winzer. 195. 145-146 Wilde. 205. 228 Wellington 26 Wells. Dan Johnson) 233-234 Williams. Dr. Sarah 239. 195. 205 Wilder. 177-181. Richard 221 Walsh. Harriet 122 Waterlow. 181 Valéry. 68.112. William Carlos 144. Cyprian 10. 27.61. Renée 132 Vogt. 73. 14. Wright 24. Holly 9 . 37 . King 134. 128 Willard.73. 25. Charles 24 Wolfe.146 . 71. Gordon 122 Waterfield. D. Alice B. 53 Wheeler. Ernest 157-158 Washington. 188 Yeats 26 . John M. Eleanor 14 Wilson. Francis 189 Thomson. 228 Valéry. Marian (Mrs. Alan 141 Tate. 148. Alfred 80 Wallace. 87 Woodbridge Beach. D. 120 Wilson. 46. 232-235 Vechter. 96. 226 Worthing. Woodrow 13. 17. Allan 228 Tate. 187. Paul 20 . 14. 10. G.218 Welles. 89 . Jessie 14. H. Walt 27. Lewis 53. Virgil 143. Sydney 164 Watson. Thomas 229 Woodbridge Beach. 229 Thomson.43. Catherine 228.

8. 1920 .Sylvia Beach vor ihrem ersten Buchladen in der Rue Dupuytren Nr.

Sylvia Beach in ihrem Buchladen .

Adrienne Monnier vor dem zweiten Laden von »Shakespeare and Company« . 12.Rue de l’Odeon Nr.

Alice B. Rue de Fleures . Toklas und Gertrude Stein in ihrem »Pavillon«.

Sylvia Beach und James Joyce. Rue Dupuytren. 1920 James Joyce. 1923 .

Sylvia Beach und James Joyce: Verlegerin und Autor .

Ezra Pound bei »Shakespeare and Company«. 1922 .

Paul Valéry bei »Shakespeare and Company« Robert McAlmon bei »Shakespeare and Company« .

1919 .Valery Larbaud.

1936 . Eliot Thornton Wilder.T. S.

Ernest Hemingway. 1923 .

André Gide .

Sign up to vote on this title
UsefulNot useful