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L. van Beethoven, Fidelio

L. van Beethoven, Fidelio

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06/18/2015

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Beethoven: Fidelio COMPACT DISC 1

1 OUVERTÜRE ERSTER AKT Der Hof des Staatsgefängnisses. Im Hintergrund das Haupttor und eine hohe Wallmauer, über welche Bäume hervorragen. Im geschlossenen Tor selbst ist eine kleine Pforte, die für einzelne Fußgänger geöffnet wird. Neben dem Tor das Stübchen des Pförtners. Links die Wohngebäude der Gefangenen; alle Fenster haben Gitter, und die mit Nummern bezeichneten Türen sind mit Eisen beschlagen und mit starken Riegeln bewehrt. In der vordersten Kulisse ist die Tür zur Wohnung des Gefangenenwärters. Rechts stehen von einem Geländer eingefaßte Bäume, die neben einem Gartentor den Eingang des Schloßgartens bezeichnen. (Marzelline plättet Wäsche vor ihrer Tür, neben ihr steht ein Kohlenbecken, in dem sie den Stahl wärmt. Jaquino hält sich bei seinem Stübchen; er öffnet die Tür mehreren Personen, die ihm Pakete übergeben, welche er in sein Stübchen legt.) Nr.1: Duett JAQUINO (verliebt sich die Hände reibend) 2 Jetzt, Schätzchen, jetzt sind wir allein, wir können vertraulich nun plaudern. MARZELLINE (ihre Arbeit fortsetzend) Es wird wohl nichts Wichtiges sein, ich darf bei der Arbeit nicht zaudern. JAQUINO Ein Wörtchen, du Trotzige, du! MARZELLINE So sprich nur, ich höre ja zu. JAQUINO Wenn du mir nicht freundlicher blickest, so bring’ ich kein Wörtchen hervor. MARZELLINE Wenn du dich nicht in mich schickest, verstopf’ ich mir vollends das Ohr. So hab’ ich denn nimmermehr Ruh’, so rede, so rede nur zu. JAQUINO Ein Weilchen nur höre mir zu, dann laß ich dich wieder in Ruh’. Ich – ich habe – ich habe zum Weib dich gewählet, verstehst du? MARZELLINE Das ist ja doch klar. JAQUINO Und wenn mir dein Jawort nicht fehlet, was meinst du? MARZELLINE So sind wir ein Paar. JAQUINO Wir könnten in wenigen Wochen ... MARZELLINE Recht schön, du bestimmst schon die Zeit! JAQUINO Zum Henker das ewige Pochen! Da war ich so herrlich im Gang, und immer entwischt mir der Fang. MARZELLINE So bin ich doch endlich befreit! Wie macht seine Liebe mir bang, und wie werden die Stunden mir lang. (Jaquino öffnet die Pforte, nimmt ein Paket ab und legt es in sein Stübchen; unterdessen fährt Marzelline fort.) Ich weiß, daß der Arme sich quälet, es tut mir so leid auch um ihn! Fidelio hab’ ich gewählet, ihn lieben ist süßer Gewinn. JAQUINO (zurückkehrend) Wo war ich? Sie sieht mich nicht an! MARZELLINE Da ist er – er fängt wieder an!! JAQUINO Wann wirst du das Jawort mir geben? Es könnte ja heute noch sein. MARZELLINE (beiseite) O weh! Er verbittert mein Leben! (zu Jaquino) Jetzt, morgen und immer nein, nein! JAQUINO Du bist doch wahrhaftig von Stein, kein Wünschen, kein Bitten geht ein. MARZELLINE (für sich) Ich muß ja so hart mit ihm sein, er hofft bei dem mindesten Schein.

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Nr. Ist Fidelio noch nicht zurück? MARZELLINE Nein. Kann ich es aber ändern? Ich war ihm sonst recht gut. wie glücklich will ich werden! ROCCO (auftretend) Guten Tag. Vater – Da ist er ja! Da ist er ja! (Leonore tritt auf.JAQUINO So wirst du dich nimmer bekehren? Was meinst du? MARZELLINE Du könntest nun geh’n. JAQUINO Es ward ihr im Ernste schon bang. ja. ein rotes Gilet. und dürfte Mann dich nennen! Ein Mädchen darf ja. und sei versichert. recht gut und stark. ROCCO Ja. MARZELLINE (allein) Der arme Jaquino dauert mich beinahe. der Fleiß verscheucht die Sorgen. es wurde zu Tode mir bang. ihre Haare sind in eine Netzhaube gesteckt. LEONORE Ich muß gestehen. Die Hoffnung schon erfüllt die Brust.) ROCCO Armer Fidelio. an der Seite hängt ihr eine blecherne Büchse an einer Schnur. JAQUINO Du hast mir so oft doch versprochen . das geht zu weit! JAQUINO Zum Henker das ewige Pochen! MARZELLINE So bin ich doch endlich befreit! Das ist ein willkommener Klang. dann schleicht die holde Nacht heran. 4 5 . offenbar meiner Marzelline wegen. LEONORE Ich suche zu tun. daß ich glaubte. wenn nichts uns stört auf Erden – (seufzt und legt die Hand auf die Brust) Die Hoffnung schon erfüllt die Brust.. ob einem warmen Herzenskuß. nicht verständiger sein. was es meint. MARZELLINE Versprochen? Nein. mit unaussprechlich süßer Lust. dann ruh’n wir von Beschwerden. du bist brav. Ich habe dich aber auch mit jedem Tage lieber. Keiner der Gefangenen wird sie zerbrechen. Auf dem Rücken trägt sie ein Behältnis mit Lebensmitteln. an den Armen Ketten. ich bin ein wenig ermüdet. wer weiß. JAQUINO Wie? Dich anzusehen. diesmal hast du zuviel dir aufgeladen. er würde nicht damit fertig werden. Doch wenn ich nicht erröten muß. dein Lohn soll auch nicht ausbleiben. Man kann nicht eifriger. ROCCO Gut! Brav! (beiseite) Der Schelm gibt sich alle Mühe. was mir möglich ist. willst du mir wehren? Auch das noch? MARZELLINE So bleibe hier steh’n. die sie beim Eintreten an dem Stübchen des Pförtners ablegt. wie glücklich will ich werden! In Ruhe stiller Häuslichkeit erwach’ ich jeden Morgen. dunkles Beinkleid. da kam Fidelio in unser Haus und seit der Zeit ist alles in mir und um mich verändert. wir grüßen uns mit Zärtlichkeit.2: Arie MARZELLINE 3 O wär’ ich schon mit dir vereint. mit unaussprechlich süßer Lust. Und ist die Arbeit abgetan.. ROCCO Sind sie jetzt gut gemacht? LEONORE Gewiß. ob es mir gelang. zur Hälfte nur bekennen. Der Schmied hatte an den Ketten so lange auszubessern. Sie trägt ein dunkles Wams. Marzelline. einen breiten Gürtel aus schwarzem Leder mit einer kupfernen Schnalle. kurze Stiefel.

aber mit Kummer sehe ich. ROCCO Still! Meinst du.. MARZELLINE Vermutlich. es engt das Herz mir ein. vergnügten Haushaltung gehört. Das Glück dient wie ein Knecht für Sold. Marzelline. daß ich den strengsten Befehl habe. Warum erlaubt Ihr mir nicht. weißt du. Mädchen. das Gold. daß ich meine Schuldigkeit nur des Lohnes wegen . kann man nicht ganz glücklich sein. und segne und lenk’ euer Streben. der Vater willigt ein. Das Glück dient wie ein Knecht für Sold. aber ich.3: Quartett MARZELLINE (für sich) 4 Mir ist so wunderbar. ich könne dir nicht ins Herz sehen? Nr. daß er gefangen ist? 6 7 . Fidelio. was zu einer guten.) ROCCO Höre. wie schwach der Hoffnung Schein! Sie liebt mich. im Beutel das Gold. Drum lächle der Zufall euch gnädig und hold.. er liebt mich. das Liebchen im Arme. (Er macht die Gebärde des Geldzählens. O. aber oft sehe ich Euch aus den unterirdischen Gewölben dieses Schloßes ganz außer Atem und ermattet zurückkommen. es ist ein schönes Ding. man braucht auch . wer es auch sein möge. was ich tue? Ich. wer bei Tisch nur Liebe findet.) Nr. es ist klar. das mir nicht minder kostbar wäre. und Macht und Liebe verschafft dir das Gold und stillet das kühnste Verlangen.LEONORE O glaubt nicht. mir fällt kein Mittel ein! (Er geht in seine Stube zurück. daß die Vereinigung zweier gleichgestimmter Herzen die Quelle des wahren ehelichen Glückes ist.. nicht wahr? Aber das ist noch nicht alles. ROCCO Du hast’s erraten. Euch dahin zu begleiten? Es wäre mir so lieb. obschon ich mich ganz auf dich verlassen kann. ihr habt euch doch recht herzlich lieb. Doch wenn’s in den Taschen fein klingelt und rollt. daß ich es trotz aller meiner Bemühungen nicht erhalten werde. Auch gibt es ein Gewölbe. es ist ein mächtig Ding. er wird dein! Ein gutes. in das ich dich wohl nie werde führen dürfen. es ist klar. es ist ein goldnes Ding. mir wird so wunderbar. ROCCO Du weißt doch. mache dich zu meinem Tochtermann! Nun. niemanden. LEONORE Ich glaube. traurig schleppt sich fort das Leben. wenn ich Euch bei Eurer Arbeit helfen und Eure Beschwerden teilen könnte. ist und bleibt die Summe klein. mancher Kummer stellt sich ein. Meister Rocco. meine Kinder. das Gold. o namenlose Pein! ROCCO (für sich) Sie liebt ihn. ich behaupte. ich werde glücklich sein! LEONORE (für sich) Wie groß ist die Gefahr. es ist klar. so mögt ihr viel Jahre durchleben. das Gold. Wenn sich Nichts mit Nichts verbindet. ROCCO Und was wäre denn das? LEONORE Euer Vertrauen! Verzeiht mir diesen kleinen Vorwurf. da hält man das Schicksal gefangen. dieses Glück muß der größte Schatz auf Erden sein! Freilich gibt es noch etwas. von dem du schon einigemale gesprochen hast. wo der Gefangene sitzt. es ist schon lange her. ich. junges Paar. zu den Staatsgefangenen zu lassen. LEONORE Ihr könnt das leicht sagen. ja. wird nach Tische hungrig sein.4: Arie ROCCO 5 Hat man nicht auch Gold beineben. sie werden glücklich sein! JAQUINO (für sich) Mir sträubt sich schon das Haar..

bitt’ ihn heute. ROCCO Du wirst dein Glück ganz sicher bauen. MARZELLINE Du darfst mir auch in’s Auge schauen: der Liebe Macht ist auch nicht klein. gut. ich kann noch glücklich sein. Hoffnung. Jetzt hat er binnen vierundzwanzig Stunden nicht mehr als zwei Unzen schwarzes Brot und eine halbe Maß Wasser. Es kann nicht mehr lange mit ihm dauern.. reichst mir Labung dar. in kurzem sind wir dann ein Paar. dann wird’s dir auch gelingen. wenn du auch nur bis morgen weilst. ja. LEONORE Ich habe Mut! Mit kaltem Blut will ich hinab mich wagen. ja. LEONORE (für sich) Wie lang’ bin ich des Kummers Beute! Du. Nun. lieber Vater. gestillt wird euer Sehnen. ROCCO Nur auf der Hut. kein Stroh. wir werden glücklich sein. das kommt ungefähr auf eins heraus. dann geht es gut. nichts. hab immer Mut. ROCCO Ich bin ja bald des Grabes Beute.. sagt Ihr? Er muß ein großer Verbrecher sein! ROCCO Oder er muß große Feinde haben. ihr macht mir Mut. LEONORE Ich hab’ auf Gott und Recht Vertrauen. dann kehrt zurück der Liebe Glück und unnennbare Freuden. führe Fidelio ja nicht zu ihm! Diesen Anblick könnte er nicht ertragen! LEONORE Warum denn nicht? Ich habe Mut und Kraft! Nr.ROCCO Es ist schon über zwei Jahre. LEONORE Du wirst mir alle Ruhe rauben. MARZELLINE Dein gutes Herz wird manchen Schmerz in diesen Grüften leiden. nichts! MARZELLINE O lieber Vater. ja. ihr werdet glücklich sein. Ja. LEONORE Zwei Jahre. das Herz wird hart durch Gegenwart bei fürchterlichen Dingen. er wird mich nicht lange mehr quälen. gestillt wird bald mein Sehnen! 8 9 . o welche Glut! O welch ein tiefes Sehnen! LEONORE Ihr seid so gut. LEONORE Ja. ROCCO Ja. guter Vater. MARZELLINE O habe Mut. kein Licht. Söhnchen. der Gouverneur soll heut’ erlauben. MARZELLINE Ach. für hohen Lohn kann Liebe schon auch hohe Leiden tragen. ich brauche Hülf’. daß du mit mir die Arbeit teilst. Der Gouverneur .5: Terzett ROCCO 6 Gut. MARZELLINE Ja. es ist ja wahr. was fällt euch ein? Lang Freund und Rater müßt ihr uns sein. LEONORE Großer Gott! MARZELLINE Lieber Himmel! Wie hat er denn eine so schwere Strafe verdient? ROCCO Seit einem Monat schon muß ich auf Pizarros Befehl seine Portion kleiner machen.

ROCCO So sagt doch nur in Eile. um Sie mit einer Untersuchung zu überraschen. denen Sie vorstehen. den Mörder selbst zu morden. Nun ist es mir geworden. der so oft meine Rache reizte! Doch es gibt ein Mittel! Eine kühne Tat kann alle Besorgnisse zerstreuen! Nr.) PIZARRO Wo sind die Depeschen? ROCCO Hier. daß die Staatsgefängnisse. dann kommt Pizarro. lassen Sie augenblicklich durch den Trompeter ein Signal geben. besteigen Sie mit einem Trompeter sogleich den Turm. 6: Marsch (Während des zuvor begonnenen Marsches wird das Haupttor durch Schildwachen von außen geöffnet. dahin gestreckt zu sein. Er reist morgen ab. ich kenne diese Schrift.“ Gott. großes Glück! Schon war ich nah’ im Staube. dem lauten Spott zum Raube. Offiziere ziehen mit einem Detachement ein. den Stahl in seiner Wunde. du wirst ein reicher Mann. jetzt hat es Eile! Dir wird ein Glück zu Teile. Rocco! ROCCO Herr! Nr. ha! Nun ist es mir geworden. das Tor wird geschlossen. von unverzagtem Mute durch langen Dienst geworden. LEONORE (für sich) Ich gab die Hand zum süßen Band. In seiner letzten Stunde. wenn er entdeckte. womit ich dienen kann! PIZARRO Du bist von kaltem Blute. ROCCO Was soll ich? Redet! 10 11 . dich rufet dein Geschick! In seinem Herzen wühlen. dich rufet dein Geschick! Triumph! Der Sieg ist mein! Hauptmann. den Mörder selbst zu morden! CHOR Er spricht von Tod und Wunde! Wacht scharf auf eurer Runde! Wie wichtig muß es sein! PIZARRO Ha! Welch ein Augenblick! Die Rache werd’ ich kühlen. Seien Sie auf Ihrer Hut und suchen Sie sich sicherzustellen. daß ich diesen Florestan in Ketten liegen habe. Alter. süße Tränen! usw. o Wonne. Verstehen Sie? Augenblicklich! Ich erwarte die größte Pünktlichkeit! Sie haften mir mit ihrem Kopf dafür.8 Duett PIZARRO 9 Jetzt. mehrere Opfer willkürlicher Gewalt enthalten. Laß sehen! „Ich gebe Ihnen Nachricht.7: Arie mit Chor PIZARRO 8 Ha! Welch ein Augenblick! Die Rache werd’ ich kühlen. PIZARRO Was sehe ich? Mich dünkt. es kostet bitt’re Tränen. daß der Minister in Erfahrung gebracht hat. ihm noch ins Ohr zu schrei’n: „Triumph! Der Sieg ist mein!“ DIE WACHE (halblaut unter sich) Er spricht von Tod und Wunde! Nun fort auf uns’re Runde! Wie wichtig muß es sein! PIZARRO Ha! Welch ein Augenblick! Die Rache werd’ ich kühlen. (wirft ihm einen Beutel zu) das geb’ ich nur daran. den er längst tot glaubt. 7 Nr. MARZELLINE Ein festes Band mit Herz und Hand! O süße. Sobald Sie einen Wagen von Reitern begleitet sehen. Sehen Sie mit der größten Achtsamkeit auf die Straße von Sevilla.ROCCO Gebt euch die Hand und schließt das Band in süßen Freudentränen.

ich werde steh’n. jetzt hat es Eile! Hast du mich verstanden? Du gibst ein Zeichen.) Nr. zu kurz war seine Pein! Sein Tod nur kann mich retten. wie könnt’ ich das besteh’n? Ich nehm’ ihm nicht das Leben. Alter. laß den letzten Stern der Müden nicht erbleichen! Erhelle mein Ziel. zu kurz war seine Pein! Sein Tod nur kann mich retten. ROCCO . ertrug er lange Pein. mich stärkt die Pflicht der treuen Gattenliebe! O du. PIZARRO Er sterb’ in seinen Ketten. Nein. der Dolch wird ihn befrei’n. heißt ihn retten. Ein Stoß – und er verstummt! ROCCO Verhungernd in den Ketten.. der hell auf dunkeln Wolken ruht. und er verstummt! ROCCO Verhungernd in den Ketten. dem Staate liegt daran. ROCCO Und dann? Und dann? PIZARRO Dann werd’ ich schnell. heißt ihn retten. wenn dir’s an Mut gebricht. so leuchtet mir ein Farbenbogen. dann werd’ ich ruhig sein! Jetzt. sei’s noch so fern. Ich folg’ dem inner’n Triebe. die Liebe wird’s erreichen.. das ist nicht meine Pflicht. dann werd ich selbst. gescheh’n. ihn töten. mich in den Kerker schleichen: Ein Stoß. vermummt. ihn töten. ich wanke nicht. mich in den Kerker schleichen.. der Dolch wird ihn befrei’n. mag. PIZARRO Er sterb’ in seinen Ketten. und neu besänftigt wallt mein Blut. der kaum mehr lebt und wie ein Schatten schwebt? PIZARRO Zu dem. den bösen Untertan schnell aus dem Weg zu räumen. der spiegelt alte Zeiten wieder. rührt nichts mehr deinen Tigersinn! Doch toben auch wie Meereswogen dir in der Seele Zorn und Wut.9: Rezitativ und Arie LEONORE (tritt in heftiger innerer Bewegung von der anderen Seite auf und sieht den Abgehenden mit steigender Unruhe nach) 10 Abscheulicher! Wo eilst du hin? Was hast du vor in wildem Grimme? Des Mitleids Ruf. könnt’ ich zur Stelle dringen. ertrug er lange Pein. Nun eile rasch und munter zu jenem Mann hinunter. (zeigt den Dolch) . Hoffnung. zu dem hinab! Ich wart’ in kleiner Ferne. dann werd’ ich ruhig sein! (Sie gehen ab. was da will. Der blickt so still. PIZARRO Ich will mich selbst bequemen. 12 13 .. für den ich alles trug. so friedlich nieder. sonst ist’s um mich gescheh’n.. du gräbst in der Zisterne sehr schnell ein Grab.. du weißt . Herr. ROCCO Die Glieder fühl’ ich beben. der Menschen Stimme. Pizarro sollte beben? Du fällst. ROCCO O Herr! PIZARRO Du stehst noch an? (für sich) Er darf nicht länger leben. 11 Komm. das Leben nehmen.PIZARRO Morden! ROCCO Wie? PIZARRO Höre mich nun an! Du bebst? Bist du ein Mann? Wir dürfen gar nicht säumen. vermummt.

nur hier ist Leben. ohne Erlaubnis des Gouverneurs? MARZELLINE Aber er sprach so lange mit dir. Vielleicht sollst du ihm einen Gefallen tun. was er zur Antwort mir gab? Die Heirat und daß du mir hilfst. Er muß in einer Stunde – 14 15 .10: Finale CHOR DER GEFANGENEN 12 O welche Lust! In freier Luft den Atem leicht zu heben! Nur hier.wo Bösheit dich in Fesseln schlug. öffnet die Gefängnisse! Ich aber gehe zu Pizarro und halte ihn zurück. haltet euch zurück! Wir sind belauscht mit Ohr und Blick. kehrst du zurück? ZWEITER GEFANGENER Sprecht leise. die über der Erde wohnen. (Rocco geht ab. Die Hoffnung flüstert sanft mir zu: Wir werden frei. dann gehen wir schon beide . zusammen rafft’ ich meinen Mut und trug ihm alles vor. der Kerker eine Gruft. und sollt’st du’s glauben. Leonore und Jaquino schließen die wohlverwahrten Gefängnistüren auf..) LEONORE 13 Nun sprecht. Heute ist das Wetter so schön! Der Gouverneur kommt um diese Zeit nicht hierher. haltet euch zurück! Wir sind belauscht mit Ohr und Blick. mich stärkt die Pflicht der treuen Gattenliebe! (Rocco kommt aus dem Garten. Jaquino. Wohl denn. LEONORE Wohin? ROCCO Zu jenem Mann hinab. wie ging’s? ROCCO Recht gut. noch heute führ’ ich in die Kerker dich hinab. recht gut. Marzelline aus dem Haus. die armen Gefangenen. Rocco und Leonore nähern sich der Vorderbühne. LEONORE Noch heute. Fidelio.. wir finden Ruh! ALLE ANDEREN (jeder für sich) O Himmel! Rettung! Welch’ ein Glück! O Freiheit! Freiheit. nur hier ist Leben. und süßen Trost dir bringen! Ich folg’ dem inner’n Triebe. Marzelline. Auf diese Gefahr hin kann ich es wagen. LEONORE Ha! Wird er losgesprochen? ROCCO O nein! LEONORE So sprich! ROCCO O nein! Wir müssen ihn – doch wie? – befrei’n. dem ich seit vielen Wochen stets weniger zu essen gab. haltet euch zurück! Wir sind belauscht mit Ohr und Blick. ich wanke nicht. und dann wird er es so genau nicht nehmen. o welche Wonne! ROCCO Ich sehe deine Freude. Sprecht leise. ERSTER GEFANGENER Wir wollen mit Vertrauen auf Gottes Hülfe bauen. ziehen sich dann mit Marzelline in den Hintergrund und beobachten mit Teilnahme die nach und nach auftretenden Gefangenen. MARZELLINE O ja! Ich bitte mit ihm! ROCCO Kinder. ALLE ANDEREN Sprecht leise. noch heute? O welch ein Glück. Nur noch ein Augenblick. in unseren Festungsgarten zu lassen. (Die Gefangenen entfernen sich in den Garten. indem ich für dein Bestes rede. Sprecht leise..) Rocco. ROCCO Einen Gefallen? Du hast recht. ja leise! O welche Lust! In freier Luft den Atem leicht zu heben! O welche Lust! Nur hier.) Nr. will er erlauben. Ihr verspracht mir so oft.

(Jaquino und Marzelline atemlos hereinstürzend. ROCCO Ich hätte gerne dich verschont. wie er tobet. (laut) Nein. LEONORE (für sich) Vielleicht das Grab des Gatten graben? Was kann fürchterlicher sein! ROCCO Ich darf ihn nicht mit Speise laben. ROCCO In der zerfallenen Zisterne bereiten wir die Grube leicht. noch nicht! LEONORE Ist ihn zu töten deine Pflicht? ROCCO Nein. MARZELLINE Der Offizier sagt’ ihm was wir jetzt den Gefangenen gewähren. wie mich deucht. eilt! ROCCO Was hast du denn? JAQUINO Nicht länger weilt! ROCCO Was ist geschehen? MARZELLINE Voll Zorn folgt mir Pizarro nach. glaube mir. und gar so streng ist unser Herr. ich tu’ es. LEONORE O nein. ROCCO Laßt alle schnell zurücke kehren! MARZELLINE Ihr wißt ja. er weine. LEONORE (für sich) Wie mir’s im Inner’n tobet. weiß er schon? JAQUINO Ja. Wir müssen gleich zum Werke schreiten. Der Gouverneur kommt selbst hinab. hart ist des Kerkermeisters Brot. LEONORE Ich folge dir. mich begleiten. gemach! LEONORE So eilet fort! ROCCO Nur noch dies Wort: Sprich. er weiß es schon. welche Rechte 16 17 . LEONORE Ich bin es nur noch nicht gewohnt. LEONORE So ist er tot? ROCCO Noch nicht. sei der Tyrann in Wut! (Pizarro. den Armen sehen. und kennet seine Wut. o nein! Ich muß ihn seh’n.den Finger auf dem Munde – von uns begraben sein. wir beide graben nur das Grab. ich geh’ allein. wir folgen unserer strengen Pflicht. LEONORE (für sich) O welch ein Schmerz! ROCCO (für sich) Mir scheint.) PIZARRO Verwegener Alter. auch dir ist schaurig.) MARZELLINE 14 Ach! Vater. ich geh’ alleine. Und müßt’ ich selbst zugrundegeh’n! BEIDE O säumen wir nun länger nicht. zitt’re nicht! Zum Morden dingt sich Rocco nicht. empöret ist mein Blut! ROCCO (für sich) Mein Herz hat mich gelobet. er drohet dir! ROCCO Gemach. ihm wird im Grabe besser sein. doch wird es mir allein zu schwer. zwei Offiziere und Wachen treten auf. wär’s in den Tod. guter Junge. nicht gerne. du bleibst hier. du mußt mir helfen.

zög’re länger nicht. schnell schwindest du uns wieder! MARZELLINE Wie eilten sie zum Sonnenlicht. das heit’re. (heimlich zu Pizarro) Der unten stirbt. süßer Trost in meinem Herzen: meine Pflicht hab’ ich getan! Und spür’ ich nicht linde. (sich fassend) . wie ein Engel im rosigen Duft sich tröstend zur Seite mir stellet.. ich steige eilend nieder! Mir beben meine Glieder! O unglücksel’ge. um den Leib hat er eine lange Kette. der Gattin so gleich. Willig duld’ ich alle Schmerzen. und scheiden traurig wieder! LEONORE. du warmes Sonnenlicht. was jeder spricht! CHOR Schon sinkt die Nacht hernieder. ihm sein Grab zu graben. mögst du nie mehr verwegen sein! CHOR DER GEFANGENEN 15 Leb wohl. Wahrheit wagt’ ich kühn zu sagen. das feiern wir auf solche Art. und die Ketten sind mein Lohn. hier will ich stille Ruhe haben. kehrt in den Kerker wieder! PIZARRO Nun. aus der so bald kein Morgen bricht! (Die Gefangenen gehen in ihre Zellen. Ein Engel. ich zög’re länger nicht. der führt mich zur Freiheit ins himmlische Reich! (Er sinkt erschöpft auf den Felsensitz und birgt sein Gesicht in den Händen. Rechts die letzten Stufen und die Tür in das Gefängnis. doch laßt die Ander’n jetzt fröhlich hin und wieder wandern. Rocco. Links ist eine mit Steinen und Schutt bedeckte Zisterne. bis ich vollzogen das Gericht! LEONORE Angst rinnt durch meine Glieder. Er sitzt auf einem Stein. was sonst zu meinem Vorteil spricht? Des Königs Namensfest ist heute. ende schmählich meine Bahn. hier wohnt die Lust.. die Leonore und Jaquino verschließen. warme Sonnenlicht. Eine Lampe brennt.) 18 19 ..legst du dir frevelnd selber bei? Und ziemt es dem gedung’nen Knechte. durch welche man die Stufen einer herunterführenden Treppe sieht. O schwere Prüfung! Doch gerecht ist Gottes Wille! Ich murre nicht! Das Maß der Leiden steht bei dir. für Jenen sei der Zorn gespart! PIZARRO So eile. ereilt den Frevler kein Gericht! MARZELLINE Die Ander’n murmeln nieder. sanftsäuselnde Luft? Und ist nicht mein Grab mir erhellet? Ich seh’. JAQUINO Ihr hört das Wort. drum zögert nicht. Herr. unterirdischer Kerker.) Nr. nichts lebet außer mir. 2 In des Lebens Frühlingstagen ist das Glück von mir gefloh’n. Leonoren.11: Introduktion und Arie FLORESTAN 1 Gott! Welch Dunkel hier! O grauenvolle Stille! Öd’ ist es um mich her. harte Pflicht! PIZARRO Nicht eher kehrst du wieder. ROCCO Nein. Schließ die Gefangenen wieder ein.. Rocco COMPACT DISC 2 ZWEITER AUFZUG Ein dunkler. dann . deren Ende in der Mauer befestigt ist. Im Hintergrund mehrere mit Gitterwerk verwahrte Öffnungen in der Mauer. (Florestan allein. habt ihr wohl in acht genommen. steig in den Kerker nieder. die Freude nicht! JAQUINO Sie sinnen auf und nieder! Könnt’ ich versteh’n. zu geben die Gefangenen frei? ROCCO O Herr! PIZARRO Wohlan! ROCCO (verlegen) Des Frühlings Kommen.

) Du zitterst? Fürchtest du dich? LEONORE O nein. für sich) Wer du auch seist. (Er steigt bis an die Hüften in die Höhlung hinab. dich befrei’n! ROCCO (sich schnell aufrichtend) Was zauderst du in deiner Pflicht? LEONORE (fängt wieder an zu arbeiten) Nein. um an die Öffnung zu kommen. Sie tragen einen Krug und Werkzeug zum Graben und eine Lampe. es währt nicht lang. um den Gefangenen zu betrachten.) Nr. Gott steh’ mir bei. wir haben keine Zeit zu verlieren. sorgt Euch nicht. Leonore nutzt den Moment. nur frisch gegraben. nein. LEONORE Ich helfe schon. es ist ja tief. bei Gott! Du sollst kein Opfer sein! Gewiß. er schläft. in dem Rocco sich bückt. 20 21 . wenn er es ist! ROCCO Hier unter diesen Trümmern ist die Zisterne. wir werden bald zu Ende sein. LEONORE (ebenfalls arbeitend) Ihr sollt ja nicht zu klagen haben. ich will mir alle Mühe geben.) ROCCO Nein.und Leonore kommen im Hintergrund die Treppe herunter. es währt nicht lang. es ist nur so kalt. nein. im Arbeiten wird dir schon warm werden. LEONORE (beiseite) Es ist unmöglich. (sucht den Gefangenen zu betrachten. LEONORE (blickt unruhig nach allen Seiten umher) Ich glaubte schon. Die Hintertür öffnet sich. er kommt herein. du Armer.) ROCCO Nur hurtig fort. Leonore steht am Rand und reicht ihm die Haue. ihr sollt gewiß zufrieden sein. von der ich dir gesagt habe. ich löse deine Ketten. nur frisch gegraben. ROCCO Komm. ROCCO Ein wenig noch! LEONORE Geduld! ROCCO Er weicht! LEONORE Nur etwas noch! ROCCO Es ist nicht leicht! (Sie lassen den Stein über die Trümmer rollen. Wir brauchen nicht viel zu graben. stelle dich hierher. hilf doch diesen Stein mir heben! Hab Acht! Hab Acht! Er hat Gewicht. ROCCO (sich zu Florestan wendend) Da ist er.) ROCCO 4 Nur hurtig fort. stellt den Krug und legt das Bund Schlüssel neben sich. ich will. LEONORE (den Gefangenen zu erkennen suchend) Er scheint ganz ohne Bewegung. LEONORE Ihr meint es? (Florestan macht eine Bewegung. er kommt herein. LEONORE Laßt mich nur wieder Kräfte haben. Vater. seine Züge zu unterscheiden. und das Theater erhellt sich zur Hälfte.12: Melodram und Duett LEONORE 3 Wie kalt ist es in diesem unterirdischen Gewölbe! ROCCO Das ist natürlich. Gib mir die Haue und du. ich will dich retten. Das müssen wir benützen und gleich ans Werk gehen. wir würden den Eingang gar nicht finden. ROCCO Vielleicht ist er tot. ich zaud’re nicht. (Rocco beginnt zu arbeiten. ROCCO So mache fort.

harter Mann? (Mit den letzten Worten wendet er Leonore sein Gesicht zu. LEONORE Ihr sollt ja nicht zu klagen haben. er hat eben den Kopf in die Höhe gehoben. das ich in meinem Krug habe. LEONORE Er scheint sich zu erweichen. daß man die Zisterne leicht öffnen kann. Ihr habt wieder einige Augenblicke geruht? ROCCO Der Gouverneur dieses Gefängnisses ist Don Pizarro.) LEONORE Er erwacht! ROCCO Er erwacht. was Ihr verlangt. LEONORE (springt auf und hält sich an der Mauer fest) O Gott! Wer kann das ertragen? FLORESTAN Aus Barmherzigkeit. 22 23 . Steig du statt meiner hinab und räume noch so viel hinweg. LEONORE (sich allmählich erholend) O Barbar! Deine Grausamkeit gibt mir meine Kräfte wieder. es währt nicht lang. LEONORE (steigt zitternd ein paar Stufen hinab.—Fidelio! FLORESTAN Geruht? Wie fände ich Ruhe? LEONORE (für sich) Diese Stimme! Wenn ich nur einen Augenblick sein Gesicht sehen könnte. wer ist der Gouverneur dieses Gefängnisses? FLORESTAN Sagt ihr.) LEONORE Gott! Er ist’s! (Sie fällt bewußtlos an den Rand der Grube. LEONORE Gott! Er ahnt nicht. sagst du? LEONORE Ja. FLORESTAN Werdet Ihr immer bei meinen Klagen taub sein. FLORESTAN Wenn ich denn verdammt bin.) FLORESTAN Sagt mir endlich einmal. ROCCO Ohne Zweifel wird er wieder tausend Fragen an mich stellen. ist ein Restchen Wein. Ich muß allein mit ihm reden. sag’ ich Euch. so laßt mich nicht langsam verschmachten. Ich würde mich ins Verderben stürzen. Das ist ja so wenig! ROCCO (für sich) Es geht mir wider meinen Willen zu Herzen. laßt mich nur wieder Kräfte haben. so kommt er her. daß sie jetzt sein Grab gräbt. ist unaussprechlich! ROCCO (zu Florestan) Nun. nur frisch gegraben. FLORESTAN Pizarro! Er ist es. denn mir wird keine Arbeit schwer. hier mein Leben zu enden.ROCCO Nur hurtig fort. FLORESTAN Du gibst mir keine Antwort? ROCCO Ich kann Euch nicht verschaffen. was ich Euch anbieten kann. ohne Euch genützt zu haben. fragt nach Leonore Florestan. dessen Verbrechen ich zu entdecken wagte. Alles. FLORESTAN O schickt so bald wie möglich nach Sevilla. gebt mir nur einen Tropfen Wasser.) Was in mir vorgeht. daß ich hier in Ketten liege! ROCCO Es ist unmöglich. (Rocco trinkt aus dem Krug.

doch sag’ ich dir. Dank dir. du sendest Hoffnung mir. o wenn ich sie gewinnen kann! LEONORE Ihr labt’t ihn gern. Dank! O Dank! Euch werde Lohn in besser’n Welten! Der Himmel hat euch mir geschickt. daß ich sie noch gewinnen kann. ROCCO (für sich) Ich tu’. (zu Leonore) Du bist ja ganz in Bewegung? LEONORE (in größter Verwirrung) Wer sollte es nicht sein? Ihr selbst. ROCCO Mich rührte oft dein Leiden hier.. LEONORE Ja. es ist ja bald um ihn getan. ja.. LEONORE Ach! Ihr labtet gern den armen Mann.. den armen Mann! ROCCO Ich labt’ ihn gern. O Dank! Ihr habt mich süß erquickt. bange Stunde winkt. ja. Meister Rocco . der Mensch hat so eine Stimme .. Nr. FLORESTAN Bewegt seh’ ich den Jüngling hier. ich kann die Wohltat nicht vergelten. LEONORE (für sich) Wie heftig pochet dieses Herz! Es wogt in Freud’ und scharfem Schmerz! FLORESTAN (für sich) Bewegt seh’ ich den Jüngling hier. ROCCO Ja.) LEONORE O Gott. du armer Mann! FLORESTAN (Leonorens Hand ergreifend und an sich drückend) O.) (zu Leonore) Alles ist bereit. gib mir Mut und Kraft! 24 25 . seit zwei Tagen trag’ ich es immer schon bei mir. LEONORE (leise zu Rocco) Dies Stückchen Brot. der Himmel hat euch mir geschickt. ROCCO Das geht nicht an. ROCCO Ich möchte gern. dann wird mir hoher Lohn gewährt. und Rührung zeigt auch dieser Mann. doch hass’ ich alle Grausamkeit. das Signal zu geben. O Gott.) Es ist freilich nur wenig Wein.13: Terzett FLORESTAN 5 Euch werde Lohn in besser’n Welten. die hehre. LEONORE Es ist ja bald um ihn getan! ROCCO So sei es. den armen Mann. das hieße wirklich zu viel wagen. es ist ja bald um ihn getan! (Florestan verschlingt das Stück Brot. doch Hilfe war mir streng verwehrt. Ich gehe. es ist wahr. sie dringt in die Tiefe des Herzens. die Tod mir oder Rettung bringt.LEONORE (den Krug in größter Eile bringend) Da ist er! Da ist er! FLORESTAN (Leonore betrachtend) Wer ist das? ROCCO Mein Schließer und in wenigen Tagen mein Eidam. ROCCO (leise zu Leonore) Ich labt’ ihn gern. den armen Mann. und Rührung zeigt auch dieser Mann. (Er reicht Florestan den Krug. das geht nicht an. LEONORE Der Himmel schicke Rettung dir. (Er geht in den Hintergrund. LEONORE (für sich) Wie heftig pochet dieses Herz. dieser trinkt. aber ich gebe ihn Euch gerne. O Dank! Ihr habt mich süß erquickt. du kannst es wagen! LEONORE Da nimm das Brot. was meine Pflicht gebeut.

aber schließe ihn vom Stein los. was du getan.14: Quartett PIZARRO 6 Er sterbe! Doch er soll erst wissen. Rocco kehrt zurück mit Pizarro.) Nr. den du fürchten solltest. es gibt eine Vorsehung! (Sie entfernt sich und geht gegen die Zisterne..) Ist das der Vorbote meines Todes? LEONORE (in der heftigsten Bewegung) Nein. vermummt in einem Mantel.) PIZARRO (zu Rocco. Der Rache Dunkel sei zerrissen! Sieh her! Du hast mich nicht getäuscht! (Er schlägt den Mantel auf. zurück. vergiß nicht.. Verderben dir! PIZARRO Sein Weib? 26 27 . ja. und dieser Dolch .) LEONORE Zurück! FLORESTAN O Gott! ROCCO Was soll’s? LEONORE Durchbohren mußt du erst diese Brust! Der Tod sei dir geschworen für deine Mörderlust! PIZARRO Wahnsinniger! (Er schleudert sie fort. Soll ich ihm die Ketten abnehmen? PIZARRO Nein. nein! Beruhige dich. Ja. Was du auch hören und sehen magst. (zu Florestan) Sei ruhig.FLORESTAN (zu Leonore.) Pizarro. und sucht diesen Trieb zu überwältigen. meine Leonore. (Er will Florestan durchbohren. FLORESTAN Ein Mörder steht vor mir. PIZARRO Noch einmal ruf’ ich dir. den du stürzen wolltest. die Stimme verstellend) Ist alles bereit? ROCCO Ja.) LEONORE (für sich) Mein ganzes Herz reißt mich zu ihm hin. lieber Gefangener! FLORESTAN O. Leonore springt mit gellendem Schrei hervor und deckt Florestan mit ihrem Körper. sieh hier Leonore! FLORESTAN Leonore! LEONORE (zu den anderen) Ich bin sein Weib. sag’ ich dir.) ROCCO (zu Leonore) Halt ein! Halt ein! FLORESTAN O Gott! PIZARRO Er soll bestrafet sein! LEONORE (noch einmal ihren Mann schützend) Töt’ erst sein Weib! PIZARRO Sein Weib? ROCCO Sein Weib? FLORESTAN Mein Weib? LEONORE (zu Florestan) Ja. während Rocco die Tür öffnen geht) Wo geht er hin? (Rocco pfeift laut. Pizarro. daß überall eine Vorsehung herrscht. Die Zeit drängt! (Er zieht einen Dolch hervor. Nur noch ein Augenblick. steht nun als Rächer hier. geschworen hab’ ich ihm Trost. so soll ich dich nie wieder sehen? (Leonore fühlt sich zu Florestan hingerissen. wes ihm sein stolzes Herz zerfleischt.

drückt sie an seine Brust. ROCCO (freudig und überrascht.) LEONORE Es schlägt der Rache Stunde! Du sollst gerettet sein! FLORESTAN Es schlägt der Rache Stunde! Ich soll gerettet sein! PIZARRO Verflucht sei diese Stunde! Die Heuchler spotten mein! ROCCO O fürchterliche Stunde. ROCCO Mir starrt vor Angst mein Blut. wir kommen augenblicklich! Und diese Leute mit Fackeln sollen heruntersteigen und den Herrn Gouverneur hinaufbegleiten. LEONORE (für sich) Ich trotze seiner Wut! Verderben ihm. ich trotze seiner Wut! PIZARRO Ha! Soll ich vor einem Weibe beben? So opfr’ ich beide meinem Grimm! Geteilt hast du mit ihm das Leben. zwei Offiziere und Soldaten mit Fackeln erscheinen an der obersten Gitteröffnung der Treppe. Verderben dir! PIZARRO Welch unerhörter Mut! FLORESTAN Vor Freude starrt mein Blut. ihm zu folgen. für sich) Gelobt sei Gott! (zu Jaquino sehr laut) Wir kommen. Sein Gefolge wartet schon im Schloßhof. O fürchterliche Stunde! O Gott. durchbohren mußt du erst diese Brust! (ihm schnell eine Pistole vorhaltend) Noch einen Laut – und du bist tot! (Vom Turm erklingt die Trompete. Die Offiziere und Jaquino gehen oben ab. ROCCO Ich will nicht mehr im Bunde mit diesem Wütrich sein. was wartet mein? PIZARRO Verzweiflung wird im Bunde mit meiner Rache sein.so teile nun den Tod mit ihm.. geschworen hab ich ihm Trost. indem er Rocco einen Wink gibt. deutet gen Himmel und eilt ihm nach. ebenso Rocco. meine Leonore. faßt die Hände beider Gatten. ja. was wartet mein? (Pizarro stürzt fort. Verflucht sei diese Stunde! Die Heuchler spotten mein. Die Soldaten leuchten Pizarro voraus. Die Trompete erklingt lauter.) JAQUINO Vater Rocco! Vater Rocco! Der Herr Minister ist angekommen.) FLORESTAN O. dieser benützt den Augenblick. Jaquino. (Die Soldaten kommen bis an die Tür herunter. was hast du für mich getan? 28 29 . O Gott. Leonore hängt an Florestans Hals.) Ach! Du bist gerettet! Großer Gott! FLORESTAN Ach! Ich bin gerettet! Großer Gott! PIZARRO Ha! Der Minister! Höll’ und Tod! ROCCO O! Was ist das? Gerechter Gott! (Pizarro steht betäubt. LEONORE Die Liebe wird im Bunde mit Mute dich befrei’n! FLORESTAN Die Liebe wird im Bunde mit Mute mich befrei’n! Es schlägt der Rache Stunde. da Pizarro schon geht. ich bin sein Weib. ich soll gerettet sein. ROCCO Sein Weib? FLORESTAN Mein Weib? LEONORE Ja. LEONORE Der Tod sei dir geschworen.

und kann er helfen. und kann er helfen. die all’ umfangen. Volk eilt herzu. der Totgeglaubte? 30 31 . mein Freund. Tyrannenstrenge sei mir fern! Es sucht der Bruder seine Brüder. Leonore und Florestan dringen durch die Wache. und Qualen ohne Zahl erlitt. die lang ersehnt. mein Mann an meiner FLORESTAN Mein Weib.) ROCCO Wohlan! So helfet. mit der Statue des Königs (Vom dritten Takt der Musik an marschieren die Schloßwachen auf und bilden ein offenes Viereck. doch unvermeint. nach unnennbaren Leiden so übergroße Lust! Nr.16: Finale Paradeplatz des Schlosses. Von einer Seite erscheint Don Fernando. mein Weib an meiner Brust! Du bist’s! LEONORE Ich bin’s! FLORESTAN O himmlisches Entzücken! Leonore! LEONORE Florestan! LEONORE und FLORESTAN O namenlose Freude. der Edle. von Jaquino und Marzelline geführt. Gott.Brust! LEONORE Nichts. ihr Armen. her. DON FERNANDO Mein Freund. für diese Lust! LEONORE Mein Mann.) CHOR DES VOLKES und DER GEFANGENEN 8 Heil sei dem Tag. mein Florestan! Nr. der für Wahrheit stritt? ROCCO . hilft er gern. von Pizarro begleitet. nicht länger kniet sklavisch nieder. schwarz und schwer. CHOR Heil sei dem Tag! Heil sei der Stunde! DON FERNANDO Es sucht der Bruder seine Brüder. (Rocco... fort! DON FERNANDO (zu Rocco) Nun rede! ROCCO All’ Erbarmen vereine diesem Paare sich! Don Florestan . die Staatsgefangenen ein. die vor Don Fernando niederknien. heil sei der Stunde. hilft er gern. helfet den Armen! PIZARRO Was seh’ ich? Ha! ROCCO (zu Pizarro) Bewegt es dich? PIZARRO (zu Rocco) Fort. Nein..15: Duett LEONORE und FLORESTAN 7 O namenlose Freude! LEONORE Mein Mann an meiner Brust! FLORESTAN An Leonorens Brust! LEONORE und FLORESTAN Nach unnennbaren Leiden so übergroße Lust! LEONORE Du wieder nun in meinen Armen! FLORESTAN O Gott! Wie groß ist dein Erbarmen! BEIDE O Dank dir. Gerechtigkeit mit Huld im Bunde vor unseres Grabes Tor erscheint! DON FERNANDO 9 Des besten Königs Wink und Wille führt mich zu euch. Von der anderen Seite treten. DON FERNANDO (staunend) Der Totgeglaubte. daß ich der Frevel Nacht enthülle. nichts..

CHOR Wer ein holdes Weib errungen. edle Frau. Retterin des Gatten sein. ganz ihn zu befrei’n. du verläßt uns nicht. CHOR Bestrafet sei der Bösewicht. ROCCO Und Leonore . ROCCO . CHOR. Nie wird es zu hoch besungen. LEONORE O Gott! O welch’ ein Augenblick! wahre Liebe fürchtet nicht.. treue Dienste. ROCCO Du prüfest. Liebend sei es hoch besungen. (Pizarro wird abgeführt.. Retterin des Gatten sein. du verläßt uns nicht.) DON FERNANDO (zu Rocco) Du schlossest auf des Edlen Grab: jetzt nimm ihm seine Ketten ab! Doch halt! Euch. DON FERNANDO Kein Wort! (zu Rocco) Sie kam . ROCCO Wer ein solches Weib errungen. Florestan ist wieder mein! MARZELLINE. ist dein Gericht! MARZELLINE. DON FERNANDO. PIZARRO Zwei Worte sagen . LEONORE Liebend ist es mir gelungen. der Frauen Zierde führ’ ich vor. Retterin des Gatten sein. dort an mein Tor. stimm’ in unser’n Jubel ein. ROCCO O Gott! O welch’ ein Augenblick! O unaussprechlich süßes Glück! Gerecht. dich aus Ketten zu befrei’n.... und trat als Knecht in meine Dienste. o Gott! Ist dein Gericht. Retterin des Gatten sein. der Unschuld unterdrückt! Gerechtigkeit hält zum Gericht der Rache Schwert gezückt. LEONORE und ROCCO Ja. PIZARRO Vollzieh’n. Nie wird es zu hoch besungen. LEONORE. du prüfest. nie wird es zu hoch besungen. sie kam hierher . Nie wird es zu hoch besungen. 32 33 . stimm’ in unser’n Jubel ein. FLORESTAN O unaussprechlich süßes Glück! DON FERNANDO Gerecht. LEONORE Liebe führte mein Bestreben. Florestan.. bleich steht er vor mir. CHOR 10 Wer ein holdes Weib errungen.... stimm’ in unser’n Jubel ein. FLORESTAN Deine Treu’ erhielt mein Leben. Tugend schreckt den Bösewicht.. allein.. JAQUINO. CHOR Preist mit hoher Freude Glut Leonorens edlen Mut! FLORESTAN und CHOR Wer ein solches Weib errungen. mit ihm! ROCCO Mit uns im Bunde. ihr seht ihn hier. daß ich zum Eidam sie erkor. und tat so brave.Gefesselt. DON FERNANDO. euch ziemt es.. FLORESTAN. o Gott. DON FERNANDO (noch betroffener) Leonore! ROCCO . MARZELLINE O weh mir! Was vernimmt mein Ohr! ROCCO Der Unmensch wollt’ in dieser Stunde vollzieh’n an Florestan den Mord. stimm’ in unser’n Jubel ein. MARZELLINE. (zu Don Fernando) nur euer Kommen rief ihn fort.

Retterin des Gatten sein. ihn aus Ketten zu befrei’n. DON FERNANDO.LEONORE Liebend ist es mir gelungen. ENDE DER OPER 34 35 . mich aus Ketten zu befrei’n. ROCCO Liebend ist es ihr gelungen. ihn aus Ketten zu befrei’n. dich aus Ketten zu befrei’n. MARZELLINE Liebend ist es ihr gelungen. JAQUINO. FLORESTAN Liebend ist es dir gelungen. CHOR Nie wird es zu hoch besungen.

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