Zusammenfassung Bürgerliches Recht

Jänner 2013

Bürgerliches Recht ­ Zusammenfassung Jänner 2013

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Für  diese Zusammenfassung wurden Koziol­Welser in der 13.Auflage und Perner­Spitzer­Kodek in  der  3.Auflage  verwendet,  ebenso  der  Kodex  Bürgerliches  Recht  in  der  Auflage  2012. Da dies eine  Zusammenfassung  des  Lehrstoffes  darstellt,  können  sehr  wortähnliche  Sätze  verwendet worden  sein,  damit  ist  keine  Verletzung  von  Urheberinnenrechten  oder  plagiieren  beabsichtigt. Für   Vollständigkeit  und  Richtigkeit,  vor  Allem  Richtigkeit  der  Antworten  im  Fragekatalog  im Anhang  kann  ich  natürlich  nicht  garantieren.  Ebenso  für  die  richtige  Schwerpunktsetzung  in dieser  Zusammenfassung.  Angaben  von  Paragraphen  beziehen  sich,  soweit  nicht  anders angegeben auf das ABGB. Aufgrund  leichterer  Lesbarkeit  wurde  auf  die   männliche  Form  gänzlich  verzichtet.  Wo ausschließlich  die  weibliche  Form  verwendet  wird,  sind  Männer  natürlich  mit  gemeint. (Generisches Femininum). Dieses  Werk  bzw.  Inhalt  steht  unter  einer  Creative  Commons  Namensnennung  ­ Nicht­kommerziell ­ Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Österreich Lizenz.

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I ­ Allgemeiner Teil Persönlichkeitsrechte Rechtsobjekte Rechtsgeschäfte Willenserklärungen Arten von Rechtsgeschäften Vertragsabschluss Fehlerhafte Willenserklärungen Irrtum Geschäftsgrundlage List und Drohung Möglichkeit und Erlaubtheit Möglichkeit Erlaubtheit Form der Rechtsgeschäfte Konversion Bedingungen, Befristung, Auflage Bedingungen ­ §§696, 704 Befristung Auflage Stellvertretung Treuhand Abschlussvermittlerinnen Die Zeit Verjährung Ersitzung Verschweigung Verwirkung Präklusion II ­ Sachenrecht Superädifikat Maschinen Früchte Gesamtsache ­ §302 Besitz Qualifikation von Besitz Besitzerwerb Eigentum Belastungs­ und Veräußerungsverbot Arten des Eigentums Verwaltung von Miteigentum Wohnungseigentum
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Erwerb von Eigentum Zueignung ­ §381 Fund Zuwachs Derivativer Erwerb Gutgläubiger Erwerb von Nichtberechtigten Ersitzung Enteignung Zuschlag in der Versteigerung Verlust des Eigentums Eigentumsschutz Rei Vindicatio ­ §366 Eigentumsfreiheitsklage ­ actio negatoria ­ §523 Actio publiciana Grundbuch Prinzipien des Grundbuchrechtes Pfandrecht Prinzipien des Pfandrechts Gegenstand des Pfandrechts Erwerb des Pfandrechts Rechtsgeschäftlicher Pfandrechtserwerb Richterliches Pfand Gesetzliches Pfandrecht Übertragung des Pfandrechts Rechtsverhältnis Pfandgläubigerin zu Pfandbestellerin Grundpfand (Hypotheken) Schutz des Pfandrechtes Pfandrechtswandlung Erlöschen des Pfandrechtes Dingliche Sicherungen Sicherungsabretung ­ Sicherungszession Eigentumsvorbehalt Servituten Begründung Schutz von Servituten Erlöschen von Servituten Reallasten Baurecht III ­ Familienrecht Ehe / Eingetragene Partnerinnenschaft Eheschließung Ehefähigkeit Eheverbote
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Mangelhafte Ehe Rechte und Pflichten der Eheleute Ehename Nicht vermögensrechtliche Ehepflichten Unterhalt Schlüsselgewalt Berufliche Mitarbeit Wohnungserhaltung Ehegüterrecht Scheidung Einvernehmliche Scheidung Verschuldensscheidung Zerrüttungsscheidung Verschuldensausspruch Scheidungsfolgen Vermögensaufteilung Unterhalt Eingetragene Partnerinnenschaft Lebensgemeinschaft Kindschaftsrecht Abstammung Änderung der Vaterschaft Kindsname Obsorge Unterhalt Unterhaltszahlungen durch Dritte Unterhaltsschutz Adoption Pflegefamilie Patchworkfamilien IV ­ Schuldrecht ­ Allgemeiner Teil Schuldverhältnis Ziel­ und Dauerschuldverhältnisse Schuld und Haftung Begründung von Schuldverhältnissen Entstehung durch ein Rechtsgeschäft Entstehung durch rechtsgeschäftlichen Kontakt Nebenabreden zur Bestärkung/Schwächung von rechtsgeschäftlichen Pflichten Schuldinhalt Art der Leistung Leistungszeitpunkt Leistungsort Leistung Zug­um­Zug
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Leistungsstörungen Nachträgliche Unmöglichkeit Verzug Konkurs Gewährleistung Art des Mangels Rechtsfolgen Vertragskette Konkurrenz bei Gewährleistung Gewährleistung und Schadenersatz Ersatz des Mangelschadens Rechtsgeschäftliche Garantie Verkürzung über die Hälfte ­ laesio enormis Erlöschen der Schuld Erfüllung Hinterlegung Leistung an Zahlungs statt Aufrechnung = Kompensation Vereinigung = Konfusion Verzicht Zeitablauf, Kündigung Tod Insolvenz Umänderung der Rechte und Verbindlichkeiten Novation Schuldänderung Vergleich Anerkenntnis Forderungsabtretung ­ Zession Vertragliche Abtretungsverbote Zession durch Rechtsgeschäft Gesetzliche und notwendige Zession Schuldübernahme Mehrheit von Berechtigten und Verpflichteten Verträge zugunsten und zulasten Dritter Verträge mit Schutzwirkungen zugunsten Dritter Die Bürgschaft Der Garantievertrag Schutz von Interzedentinnen Die Anweisung Schuldrecht ­ Besonderer Teil Kauf Preisgefahr
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Nebenvereinbarungen UN Kaufrecht Vertragsabschluss Vertragsverletzung Pflichten Verkäuferin Pflichten Käuferin Schadenersatz Tausch Schenkung Verwahrungsvertrag Gastwirtinnenhaftung Leihe Darlehen und Kreditgeschäfte Darlehensvertrag Kreditvertrag Verbraucherinnenkredit Auftrag Beauftragte Auftraggeberin Beendigung Trödelvertrag Bestandsverträge Mietrechtsgesetz Haupt­ und Untermiete Pflichten Bestandgeberin Pflichten Bestandnehmerin Gefahrtragung Beendigung Bestandsverhältnis Befristetes Bestandsverhältnis Unbefristetetes Bestandsverhältnis Allgemeine Endigungsgründe Verhältnis Bestandnehmerin zu Dritten Leasing Time Sharing Bauträgerinnenvertragsgesetz Dienstvertrag Werkvertrag Kostenvoranschlag Sicherstellung bei Bauverträgen Gewährleistung und Schadenersatz Warnpflichten Preisgefahr Beendigung
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Reiseveranstaltungsvertrag Wette & Spiel Leibrentenvertrag Gesetzliche Schuldverhältnisse Bereicherungsrecht Leistungskondiktionen Irrtümliche Leistung einer Nichtschuld ­ condictio indebiti §1431 condictio sine causa ­ §877 Nachträgliches Wegfallen des Leistungszweckes ­ condictio causa finita §1435 condictio causa data causa non secuta ­ analog §1435 Rückforderung bei Unmöglichkeit und Unerlaubtheit condictio ob turpem vel iniustam causam ­ §1174/1/1 Rückabwicklung im Dreiecksverhältnis Anweisung Bürgschaft und Garantie Zession Falsus Procurator Verwendungsanspruch Aufwand für eine Andere Inhalt und Umfang des Bereicherungsanspruches Schadenersatzrecht Schaden Verursachung = Kausalität Rechtswidrigkeit Rechtfertigungsgründe Rechtswidrigkeitszusammenhang Verschulden Arten des Schadenersatzes Umfang des Ersatzes Haftung mehrerer Schädigerinnen Mitverantwortlichkeit der Geschädigten Vorteilsausgleich + Drittschaden Alternative Kausalität Kumulative Kausalität Überholende Kausalität Schadenersatz ­ Besonderer Teil Haftung bei Personenschäden Haftung für Sachschäden Haftung von Sachverständigen Gehilfinnenhaftung Erfüllungsgehilfin Besorgungsgehilfin Eigene Haftung
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Regress Dienstnehmerinnenhaftung Haftung für schuldloses Verhalten Haftung für Wohnungsinhaberinnen Haftung für Bauwerke Wegehalterinnenhaftung Tiere Haftung für gefährliche Sachen EKHG Produkthaftungsgesetz  ­ PHG Amts­, Organ­ und Staatshaftung Amtshaftungsgesetz ­ AHG Organhaftung Staatshaftung Geschäftsführung ohne Auftrag Geschäftsführung ohne Auftrag im Notfall Geschäftsführung ohne Auftrag zum Nutzen Anderer Unnütze und unerlaubte Geschäfsführung Nebenpflichten Angewandte und unechte Geschäftsführung Gläubigerinnenanfechtung Anfechtungsklage E­Commerce Konsumentinnenschutz Rücktrittsrecht beim Haustürgeschäft Rücktrittsrecht wegen Nichteintritt maßgeblicher Umstände Kostenvoranschläge Fernabsatz Gewinnzusagen Unzulässige Vertragsbestandteile Schlichtweg ungültige Klauseln ­ §6/1 KSchG Klauseln, die expliziter Vereinbarung bedürfen ­ §6/2 KSchG Transparenzgebot ­ §6/3 Angeld und Reugeld Gewährleistung Umfang von Vertretungsmacht, Wirksamkeit mündlicher Erklärungen Verbot der Gehaltsabtretung Terminverlust Auslandsbezug Verträge über wiederkehrende Leistungen Abzahlungsgeschäfte = Ratenkauf Lieferung im Handel mit Druckwerken Wohnraumsanierung
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Werkvertrag Heimverträge Vorauszahlungskäufe Immobiliengeschäfte Maklerinnenvertrag V ­ Erbrecht Nachlass Unterhalt Schadenersatzansprüche Ansprüche aus Dienstverträgen Privatversicherungsverhältnisse Gesellschafterinnenrechte Leichnam und Grab Erbfolge Berufungsgründe (Delationsgründe) Erleben des Anfalls Erbfähigkeit Transmission Erbverzicht Gesetzliche Erbfolge 1.Parentel 2.Parentel 3.Parentel 4.Parentel Adoption Ehegattinnenerbrecht Anrechnung auf den Erbteil Kinder Ehegattin, Eingetragene Partnerin Sondererbfolgen Wohnungseigentum Mietrecht Anerbinnenrecht Legatarinnen Heimfall an den Staat Gewillkürte Erbfolge Letztwillige Verfügungen Form Widerruf Auslegung Freigewordene Anteile Anfechtung Prätertion und Agnation
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Vermächtnisse Gestaltungsmöglichkeiten Substitutionen Gemeine Substitution = Ersatzerbschaft §604 Fideikommissarische Substitution = Nacherbschaft Bedingung Befristung Auflage Vereinbarungen auf den Todesfall Erbvertrag Schenkung auf den Todesfall Erbverzicht Pflichtteilsrecht Pflichtteilsberechtigte Quoten Hinterlassung Enterbung Pflichtteilsminderung Pflichtteilsberechnung Anrechnungen auf den Pflichtteil Schenkungsanrechnung ­ §785 Erbschaftserwerb Rechtsstellung der Erbinnen VI ­ Internationales Privatrecht ­ IPR UN Kaufrecht Internationales Privatrecht Vorfragen Vertragliche Schuldverhältnisse Rechts­ und Handlungsfähigkeit Stellvertretung Außervertragliche Schuldverhältnisse Schadenersatz Bereicherung und Geschäftsführung Sachenrecht Familienrecht Personalstatut Eheschließung Ehewirkung Ehescheidung Eingetragene Partnerinnenschaft Kindschaftsrecht Erbrecht
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I ­ Allgemeiner Teil
Handlungsfähigkeit:  Die  Fähigkeit  durch  eigenes  Tun  Rechte  und  Pflichten  begründen  zu können.  Voll  handlungsfähig  sind geistig gesunde Volljährige. Eingeschränkt handlungsfähig sind Minderjährige (nach Alter abgestuft) und Menschen mit geistiger Behinderung. Deliktsfähigkeit:  Fähigkeit  durch  vorsätzliches  oder  fahrlässig.  Handeln schadenersatzpflichtig zu werden. Voll deliktsfähig sind Personen über 14.Jahren und ohne geisteriger Behinderung. Geschäftsfähigkeit: ● Kinder  unter   7:  vollständig  geschäftsunfähig  ausser  alterstypische  Geschäfte  des täglichen  Lebens  (“Taschengeldparagraph”   §151(3))  wenn  sie  ihre  Verpflichtung  sofort erfüllen. ● Unmündige  Minderjährige  (bis  14):  können  Geschenke  annehmen  die  nur  zu  ihrem Vorteil   gereichen,  können  Besitz  erwerben  und  bestehende  Verpflichtungen  erfüllen. Verpflichtungen  sind  schwebend  unwirksam  bis  zur  Zustimmung  der Obsorgeberechtigten. ● Mündige   Minderjährige  (14­18):  können  sich  zusätzlich  zu  Dienstleistungen  verpflichten und  über  eigentum  sowie  eigenes  einkommen  verfügen  (Selbsterhaltungspflicht!).  Vor Gericht sind sie testierfähig. ● Geisteszustand:  Bei  Geistesstörungen  (Rausch,  Behinderung)  sind  Erwachsene geschäftsunfähig  bis  auf  Geschäfte  des  täglichen  Lebens.  Für  Menschen  mit  geistiger Behinderung  ist  eine  Sachwalterin  zu  bestellen.  (§237), die Geschäftsfähigkeit wird dann soweit   beschränkt  wie  die  Vertretung  der  Sachwalterin  geht.  Geschäfte  der  vertretenen Person   sind  dann  schwebend  Unwirksam.  Testierfähigkeit  bleibt  idR  vor  Gericht vorhanden,  bloß  vorteilhafte Versprechen  können  angenommen werden und Besitz kann erworben werden. Juristische  Personen  sind  Rechtsgebilde,  denen   Rechtssubjektsstatus  zukommt.  Darunter fallen  Personenverbände  (Gesellschaften)  und  Sachgesamtheiten  (Stiftungen,  Nachlass). Großteils  sind  diese  juristischen  Personen  natürlichen  Personen  gleichgestellt  (§26).  Es  gibt privatrechtliche und öffentlich­rechtliche juristische Personen. Privatrechtlich: ● Vereine ● Handelsgesellschaften wie AG, GmbH (strittig: OG, KG) ● Eingetragene Erwerbsgesellschaften ● Stiftungen und Anstalten (dies sind Stiftungen mit Einrichtungen) ● ruhender Nachlass ● Wohnungseigentümerinnengemeinschaft Öffentlich­rechtlich: ● Gebietskörperschaften (Bund, Länder) ● Sozialversicherungsträgerinnen ● Unis, gesetzliche Interessensvertretungen, Parteien
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Juristische  Personen  sind  v.a.  körperschaftlich  organisierte  Gesellschaften,  d.h.  Organe handeln  für  Mitglieder,  es  gibt  ein  Mehrheitsprinzip  zum   Fassen  von  Beschlüssen  und  die Gesellschaft   existiert  unabhängig  von  Wechsel  der  Mitglieder.  Rechte  und  Pflichten  von Gesellschaften  und  Mitgliedern  werden  in  aller  Regel  getrennt,  Ausnahme  bietet  hier  der Haftungsdurchgriff bei Zurechnung  und  Haftung.  Organe  handeln für juristische Personen, ihnen wird   deren  Handeln  zugerechnet,  sodass  sie  auch  haftet.  Welches  Wissen  sich  dabei  die juristische Person zurechnen lassen muss, wird differenziert. Vereine  entstehen  durch  nicht­Verbot  der  Behörde  nach  Hinterlegen  der  Satzung.  Bis  zur Entstehung  haften  die  Mitglieder  persönlich  und  solidarisch.  Oberstes  Organ  ist  die Mitgliederversammlung. Stiftungen  sind  zweckgewidmete  Vermögen  mit Rechtspersönlichkeit aber  ohne Mitglieder. Zur Entstehung  bedarf  es  einer  Stiftungserklärung  und  Genehmigung  der  Behörde  bzw.  Eintragung ins  Firmenbuch.   Es  gibt  gemeinnützige  und  Privatstiftungen  mit  unterschiedlichen  Regelungen. Nicht auf Dauer angelegt sind Fonds deren Regeln in etwa denen der Stiftungen entsprechen.

Persönlichkeitsrechte
dienen  dem  unmittelbaren  Schutz  der  menschlichen  Person  (§16) und gelten teilweise auch bei juristischen  Personen  (Ehre,  Namensrecht).  Bei  drohender   Verletzung  besteht  ein Unterlassungsanspruch,  bei  tatsächlicher  Verletzung  besteht  Anspruch  auf  Schadenersatz  und verschuldensunabhängig  auf  Beseitigung  der  Beeinträchtigung.  Es  ist  bei  allen Beeinträchtigungen eine Interessensabwägung durchzuführen. Einzelne Persönlichkeitsrechte: ● Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit (§1325) ● Recht auf Freiheit (§§16,1329) mit Ausnahme von Haft und Unterbringung ● Namensrecht (§43) inkl. Decknamen, Künstlerinnennamen, Firmenname, Domainname ● Recht am eigenen Bild (§78 UrhG) ● Schutz vertraulicher Aufzeichnungen (§77 UrhG) ● Schutz auf Ehre und wirtschaftlichen Ruf (§1330) ● Schutz des geistigen Eigentums und der Erfinderinnenehre ● Glaubens­ und Gewissensfreiheit ● Recht am gesprochenen Wort ● Achtung der Privatsphäre

Rechtsobjekte
sind Gegenstände, auf die sich subjektive Rechte beziehen können, vor Allem Sachen. Eine  Sache ist alles  was  sich  von  der Person  unterscheidet  und  zum Gebrauch  der Menschen dient.”  (§285)  Tiere  werden  wie  Sachen  behandelt,  Sachen  sind  auch  unkörperliche  Dinge  wie Rechte und Immaterialgüter. Die Einteilung der Sachen: ● Beweglich/Unbeweglich: unbeweglich sind Liegenschaften und Aufbauten sowie Bäume ● Verbrauchbar/Unverbrauchbar: Gebrauchsrechte nur an unverbrauchbaren Sachen ● Vertretbar/Unvertretbar:  vertretbares  wird  bloß  an  Maß,  Zahl  und  Gewicht  bestimmt, unvertretbares anhand von individuellen Merkmalen.

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Rechtsgeschäfte
Rechtsgeschäft  ist  eine  oder  mehrere  Willenserklärungen,  die  Rechtsfolgen  auslösen.  Dazu ist erforderlich  dass  den  handelnden  Personen  erkennbar  ist,  dass  sie  bewusst  Rechtsfolgen auslösen (=”gemäßigte Rechtsfolgentheorie”). Privatautonomie   bedeutet  die  freie  Bestimmbarkeit  der  privatrechtlichen  Beziehungen,  wobei diese oft durch Sachzwänge und Infomrationsgefälle und durch Gesetze eingeschränkt ist. Vertrauensschutz  ist  ein  weiteres  wichtiges  Prinzip  im  Zivilrecht,  es  ist  der  Schutz  von berechtigtem Vertrauen in Erklärungen. Äquivalenz  besagt,  dass  Leistung  und  Gegenleistung   idR  gleich  sein  sollten  und  gewährt regelmäßig Auflösung oder Vertragsänderungen, wenn dies nicht der Fall ist. Bei  manchen  Rechtsgeschäften  ist  behördliche  Zustimmung   nötig,  die  RG  sind  dann schwebend unwirksam.

Willenserklärungen
können  ausdrücklich  oder  konkludent  erklärt  werden  (§863),  bei  konkludenten  WE  ist  der Erklärungswert  aus  den  Begleitumständen  zu  schließen,   sie  muss   aber  eindeutig  und unmissverständlich  sein.  Schweigen  hat  keinen  Erklärungswert,  es  sei  denn  es  wurde vertraglich vereinbart (Widerspruchspflicht). Es   gibt  auch  fingierte  Willenserklärungen  (d.h.  Anordnung   von  Rechtsfolgen  ohne Rücksicht  auf  den  tatsächlichen  Parteiwillen)  und  normierte   Willenserklärungen  (Gesetz regelt den Erklärungswert eines bestimmten Verhaltens). Da  auf  Privatautonomie  und  auch  auf  Verkehrssicherheit  zu  achten  ist,  gelten Willenserklärungen  so,  wie  sie  unter  Berücksichtigung  aller  Umstände  objektiv  verstanden werden  mussten  (=”objektiver  Erkärungswert”).  Als   Ausnahme  davon  gilt:  “falsa  demonstratio non nocet”. Ist  der   Erklärungswert   undeutlich  oder  unklar,  muss  er  gem  §§914,915  interpretiert werden.  Falls  auch  dies  undeutlich  ist  und  keine  Interpretation  möglich  ist,  ist  das  Geschäft nichtig. Die Auslegungsschritte sind: ● Wortsinn (gemäß dem Parteiwillen) ● redlicher Verkehrssinn ● dispositives Recht im Falle einer Regelungslücke ● bei  unentgeltlichen  Geschäften  wird  angenommen,  dass  sich  die Verpflichtete möglichst wenig Last auferlegen wollte. ● bei  entgeltlichen  Geschäften  gehen  Unklarheiten  und  Undeutlichkeiten  zu  Lasten  der Erklärenden. Fehlt  das  Erklärungsbewusstsein  bei  der  Abgabe  einer  Willenserklärung, ist diese  gültig, sofern sie  zumindest   fahrlässig  abgegeben  wurde.  Nach  dem  Empfangstheorie  gelten Willenserklärungen erst dann,  wenn  sie  in  die  Sphäre  der  Empfängerin  kommen. Die Erklärung reist  auf  das  Risiko  der  Erklärenden  (falls  sie zB verfälscht ankommt). Nicht empfangsbedüftige Willenserklärungen gelten sofort (zB Auslobung).
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Arten von Rechtsgeschäften
● Einseitige/Zweiseitige:  abhängig  davon  wieviele  Parteien  beteiligt  sind.  Einseitig  zB Auslobung,  Testament.  Zweiseitige  Rechtsgeschäfte  erfordern  überreinstimmende Willenserklärungen von mehreren Parteien, also vor allem Verträge. Vermögensrechtliche/personenrechtliche  Rechtsgeschäfte:  je  nachdem  ob  Werte  oder personenrechtliche Tatbestände betroffen sind. Einseitig/zweiseitig (synallagmatische) verpflichtende Rechtsgeschäfte Rechtsgeschäft  mit/ohne  Zuwendungscharakter.   Rechtsgeschäfte  mit Zuwendungscharakter sollen das Vermögen einer Seite vermehren. Entgeltliche/unentgeltliche Rechtsgeschäfte Verpflichtungs­/Verfügungsgeschäfte.  Erstere  gehen  auf  künftige  Leistung,  letztere wirken unmittelbar auf Rechte ein. Abstrakte/kausale  Rechtsgeschäfte:  je  nachdem   ob  ein  Rechtsgrund  genannt  wird, welcher  das  Geschäft  wirtschaftlich  erklärt.  Abstrakte  Verpflichtungsgeschäfte  sind  in Österreich verboten. Rechtsgeschäfte unter Lebenden/von Todes wegen.

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Für ein mangelfreies Rechtsgeschäft gibt es einige Voraussetzungen: ● Geschäftsfähigkeit der beteiligten Parteien ● ersthafte, gewollte Willenserklärung ohne List, Zwang, Drohung ● Inhalt des Rechtsgeschäftes muss erlaubt sein und darf nicht sittenwidrig sein ● Formvorschriften sind, so vorhanden, einzuhalten ● Willenserklärungen müssen übereinstimmen (kein offener Dissenz)

Vertragsabschluss
Ein  Vertrag  kommt  durch  übereinstimmende Willenserklärungen zustande. Angebot und dessen Annahme.  Das  Angebot  muss  mit  Bindungswillen  gestellt  worden  sein  und  ausreichend bestimmt  (essentialia  negotii)  sein.  Die  zustimmde  Willenserklärung  heißt  Annahme,  sie  kann auch   stillschweigend  oder  durch  bloße  Erfüllung  gegeben  werden.  Angebot  und  Annahme sind empfangsbedüftig,  das  Angebot  ist  nach  dem  Zugang  zeitlich  begrenzt  bindend  (§862,  unter Anwesenden sofort, schriftlich: Bedenkzeit+Postweg). Für   das  Zustandekommen  eines  Vertrages  werden  übereinstimmende,  verständliche, freie  (kein  List,  Zwang,  Drohung),  fehlerfreie,  bestimmte,  ernstliche  Willenserklärungen benötigt. Die  Erklärungen  müssen  sich decken,  sonst  besteht Dissenz  und damit kein Vertrag. Unklarheit über  Nebenpunkte  lässt  den  Vertrag  trotzdem  gültig   entstehen,  wenn  dies  dem  Parteiwillen entspricht. AGBs  sind  vorformulierte  Klauseln  zwischen  Unternehmen   und   Privaten/Unternehmen. Im  Verbraucherinnengeschäft  unterliegen  sie  der  Klauselkontrolle  des  KSchG.  Kollidieren  zwei AGBs  miteinander,  ist  dies  ein  “battle  of  forms”,  es  besteht  dann   Dissenz  in  Nebenpunkten, keine  der   beiden  Regelungen  wird  dann  Vertragsinhalt.  Unerwartete  nachteilige  Klauseln  sind
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aufgrund  der  Geltungskontrolle  “864a irrelevant. Ebenso gröblich benachteiligende Klauseln gem §879(3).  AGBs  müssen transparent  veröffentlicht  werden  und  können  von  manchen  Verbänden mit  einer  Verbandsklage  angefochten  werden.  Schäden  aus  unzulässigen  Klauseln  sind  als Vertrauensschaden  zu  ersetzen.  Bei  Online­Geschäften  gibt  es  gem  ECG  erweiterte Informationspflichten. Bei  lebenswichtigen  Versorgungsunternehmen  mit  monopolartiger  Stellung  kann  diesen ein Kontrahierungszwang entgegen ihrer Privatautonomie auferlegt werden. Die   Verpflichtung,  einen  Vertrag  in  der  Zukunft  anzuschließen  wird  Vorvertrag  genannt. Dieser  erfordert,  dass  die wesentlichsten Punkte schon im Vorvertrag geklärt sind. Er gilt dann 1 Jahr,  danach erlischt er (Präklusion), ebenso wenn sich die Begleitumstände wesentlich ändern. Ein Gestaltungsrecht auf sofortigen Vertragsschluss ist ein Option, kein Vorvertrag.

Fehlerhafte Willenserklärungen
Das  ABGB  folgt  der  Vertrauenstheorie,  d.h.  die  Erklärungsempfängerin  darf  sich  auf  die Erklärung  verlassen,  auch  wenn  sie  nicht  dem  wahren  Willen  entspricht.  Geheime  Vorbehalte (=Mentalreservation)  gelten  nicht.  Scherzerklärungen  gelten  nur  dann,  wenn   nicht  erkennbar war,  dass  es  sich   um  eine  solche  handelt.  Scheingeschäfte  gelten  wegen  mangelndem Erklärungswillen  nicht,  es  kommt  dann  auf  den  wahren  Geschäftsinhalt  an.  Dritte  dürfen allerdings auf das Scheingeschäft vertrauen (§916/2).

Irrtum
Irrtum  ist  die  unzutreffende  Vorstellung  von  der  Wirklichkeit  und  wird  in  3  Kategorien  unterteilt: Motivirrtum, Geschäftsirrtum und Erklärungsirrtum. Erklärungsirrtum:  Die  Erklärende  erklärt  etwas  anderes  als  sie  meint  oder  glaubt,  gar  keine Erklärung  abzugeben.  Dazu  gehören  auch  Verrechnen,  Versprecher,  Vertippen,  Verschreiben, Übermittlungsfehler und Irrtum über die Bedeutung der  Erklärung. Wenn eine Urkunde ungelesen unterschrieben  wird  wird  der  Inhalt  angenommen,   es  sei   denn  die  Urkunde  enthält  unübliche Klauseln   oder  die  Unterschreibende  meinte  den  Inhalt  zu  kennen  und  irrte  über  ihn.  falsa demonstratio  non  nocet,  d.h.  beiderseitige  Falschbezeichnung  mit  dem  Willen  auf  die  korrekte Sache schadet nicht. Motivirrtum:  Erklärende  irrt  über  Umstände  außerhalb  des Geschäftes. Diese Irrtümer sind nur beachtlich   bei  Schenkungen,  letztwilligen  Verfügungen  oder  wenn  sie  ausdrücklich Geschäftsinhalt wurden. Geschäftsirrtum:  Irrtum  über  die  Art  des  Rechtsgeschäftes,  den  Inhalt  oder  den  Gegenstand oder  aber  die  andere  Partei.  Irrtum  über  einen  Umstand,  über  den  aufgeklärt  hätte  werden müssen   ist   gem.  §871  ein  Geschäftsirrtum.  Kein  Geschäftsirrtum  ist  der  Irrtum  über  den Verkehrswert. Ein  Irrtum  ist  wesentlich  wenn  das  Rechtsgeschäft  ohne  den  Irrtum  gar   nicht  geschlossen worden  wäre.  Motivirrtümer  werden,  wenn  sie  arglistig  verursacht  wurden  beachtlich. Erklärungs­  und  Geschäftsirrtümer  sind  beachtlich  und  können  zur  Anfechtbarkeit  oder  bloßen Anpsassung des Vertrages führen. Anfechtbarkeit:  wenn  der  Irrtum  wesentlich  war  und  von  der  Anderen  (oder  ihren  Gehilfinnen,
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auch  durch  Unterlassen  der gebotenen Aufklärung) verursacht wurde, ihr auffallen hätte müssen oder  rechtzeitig  aufgeklärt  wurde  (d.h.  es  wurden  noch  keine  Vermögensdispositionen  im Vertrauen  auf  das  Rechtsgeschäft  getätigt).  Bei  gemeinsamem  Irrtum  sind  die  Rechtsfolgen strittig. Die  Anfechtbarkeit  ist  möglich  aufgrund mangelnder  Schutzwürdigkeit der Vertragspartnerin. Die Anfechtung  löst  den  Vertrag ex tunc auf, Leistungen sind gem §877 zurückzugeben. Der Titel  für die  Eigentumsübertragung  fällt  rückwirkend  weg,  das  Eigentumsrecht  wechselt zurück  und das Eigentum  kann  daher  auch  mit  §366  zurückgefordert  werden.  (=”dingliche  Wirkung  der Irrtumsanfechtung”) Bei Dauerschuldverhältnissen gilt die Auflösung ex nunc. Bei  unwesentlichen  Irrtümern  ist  die  Vertragskorrektur  so  zu  gestalten,  wie  die  Parteien bei  Kenntnis  des Irrtums  den  Vertrag  geschlossen  hätten. Die Irrtumsvoraussetzungen müssen auch hier erfüllt sein. Die   Geltendmachung  eines  Irrtums  ist  ein  Gestaltungsrecht  der  Irrenden  und  muss gerichtlich   binnen  3  Jahren  ab  Vertragsschluss  erfolgen.   Ausserhalb  des  KSchG  kann  auf dieses  Recht   verzichtet  werden.  Falls  der  irrtümlich  angenommene  Tatbestand  doch  noch eintritt, fällt der Beschwerdegrund weg und die Irrende wird dadurch klagslos gestellt.

Geschäftsgrundlage
sind   Umstände,  die  aufgrund  ihrer  scheinbaren  Selbstverständlichkeit  von  den  Vertragsparteien nicht  berücksichtigt  werden.  Wegfall  der  Geschäftsgrundlage  in der Sphäre einer Partei ist nach Gefahrtragungsregeln  zu  behandeln.  Zufälliger  Wegfall  führt  zur  Auflösbarkeit  des  Vertrages (strittig in der Lehre).

List und Drohung
List  ist  bewusste  Täuschung,  welche  der  Getäuschten  erweiterte Anfechtungsrechte verschafft, sofern die Täuschung kausal war. Wenn  ein  Vertrag  aufgrund  einer  Drohung   unter  Furcht  geschlossen  wird,  kann  der Vertrag ebenfalls angefochten werden. Die Drohung muss rechtswidrigen Zwang darstellen, dies kann   auch  durch  ein  rechtmäßiges  Drohmittel  passieren  (zB  Diebstahlsanzeige).  Die  Durcht muss wesentlich in Größe und Bedrohungsgrad sein. Die  Anfechtung  wegen List&Drohung  muss gem  §870 vor Gericht geschehen. Kausalität zum  Vertragsschluss  ist  nötig,  die  Frist  für  List  ist  30 Jahre, für Drohung 3  Jahre ab Wegfall der Drohung.  Wird   der  Willensmangel  von  einer  Dritten  verursacht,  ist  der  Vertrag   gültig  und  nur anfechtbar,  wenn  die  Dritte  einer  Vertragspartei  zurechenbar  ist,  oder  die  Vertragspartei  von dem  Mangel  wußte  oder  gar  daran  teilnahm.  (Gehilfinnen  und  Stellvertreterinnen  sind  direkt zurechenbar und damit keine Dritten) Wer  droht  oder  arglistig  handelt,  wird  ausserdem  schadenersatzpflichtig  auf  die  volle Genugtuung,  selbst  bei bloß fahrlässiger Verursachung. Über den Schadenersatzanspruch  kann es  auch  zur  Aufhebung  oder  Anpassung  des  Vertrages  kommen,  da  Naturalrestitution  Vorrang hat. Vorteil: Schadenersatz läuft 3 Jahre ab Kenntnis des Schadens, nicht ab Vertragsschluss.

Möglichkeit und Erlaubtheit
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Möglichkeit (Nachträgliche Unmöglichkeit ist eine Leistungsstörung, siehe später) Ursprüngliche   Unmöglichkeit,  d.h.  zum  Zeitpunkt  des  Vertragsschlusses  kann  rechtlich  oder tatsächlich  sein.  “Geradezu  Unmögliches”,  also  rechtlich  Unmögliches  (zB Stockwerkseigentum)  oder  faktisch  Absurdes  (Vertrag  über  Einhorn)   kann  nicht  Vertragsinhalt werden  (§878).  Ein  solcher  Vertrag  ist  auch  ohne  Anfechtung  nichtig.  War  dies  einer Vertragspartei bewusst, haftet sie für den Vertrauensschaden. Sonstige  Unmöglichkeit  lässt  den  Vertrag  gültig  zustande  kommen  (v.a.  subjektive Unmöglichkeit),  über  die  Rechtsfolgen besteht ein Meinungsstreit, steht Erfüllungsinteresse oder nur  Vertrauensinteresse  zu?  Als  Mittelmeinung  wird  dafür  auf  den  Verschuldensgrad  abgestellt. Es   ist   auf  den  hypothetischen  Parteiwillen  abzustellen,  ob  der  Rest  des  Vertrages  gültig  bleibt (§878/2),  im  Zweifel  bleibt  der  Vertrag  aufrecht (“pacta sunt servanda”). Dies gilt auch analog für Dissenz  über  Teile,  Teilunmöglichkeit,  Willensmängeln  und  Formfehlern,  nicht  aber  bei gesetzlichen Verboten und Sittenwidrigkeit. Erlaubtheit §879: Verträge die gegen das Gesetz oder die guten Sitten verstoßen, sind nichtig. Verboten  sind  Geschäfte  die  gegen  den   Schutzzweck  einer  Norm  verstoßen.  Bloßer  Verstoß gegen  Gesetzeswortlaut  kann  einen  Vertrag  gültig  lassen,  wenn  zB  nicht  der  Inhalt  selbst verboten  war   (zB  Sonntagskauf).  §879  regelt  zusätzlich  ausdrücklich  Verbotene  Verträge  wie Wucher  (d.h.  krasses  Missverhältnis  zwischen  Leistung  und  Gegenleistung  und  zumindest fahrlässiges  Ausbeuten  einer  Zwangslage,  von  Leichtsinn,  Aufregung,  Unerfahrenheit  oder Geistesschwäche). Bei  Umgehungsgeschäften  wird  die  umgangene  Norm  in  die  Beurteilung  der Rechtmäßigkeit  mit  einbezogen.  Scheingeschäfte  selbst  gelten  aufgrund  mangeldem Rechtsfolgewillen und mangelnder Ernsthaftigkeit nicht. Jedenfalls   absolut  nichtig  sind  Geschäfte  die  gegen  Normen  verstoßen,  welche  den Schutz  von  Allgemeininteressen,  der  öffentlich  Ordnung  und  der  allgemeinen  Sicherheit bewirken sollen. Auf die Nichtigkeit kann sich dann jede Person berufen. Ist der Schutzzweck nur auf  die  konkrete  Vertragspartnerin  gerichtet,  kann   auch  nur  sie  die  Nichtigkeit  geltend  machen. Der Schutzzweck der Norm bestimmt auch, ob Teilnichtigkeit möglich ist.

Form der Rechtsgeschäfte
Prinzipiell  gilt  gem   §883  Formfreiheit  für  Verträge.  Die  meisten  Rechtsgeschäfte  sind Konsensualverträge,  d.h.  sie  kommen  schon  bei  bloßem  Konsens  zustande.  Es  gibt  auch Realverträge,  die  durch  tatsächliche  Leistung   zustande  kommen  (zB  Darlehen,  Pfand,  Leihe, Verwarung).  Für  manche  Geschäfte  sieht  das  Gesetz  zum  Übereilungsschutz,  zur  Publizität oder  Beweissicherheit  gewisse  Formvorschriften  vor  (mündliche  Absprache,  Schriftform, öffentliche  Form  vor  Gericht  oder  Notar).  Schriftform  kann  handschriftlich  (zB  eigenhändiges Testament)  oder  maschinengeschrieben  sein, die Unterschrift  muss eigenhändig oder gesichert elektronisch  erfolgen.  Es  können  bei  manchen  Rechtsgeschäften  auch  Zeuginnen  nötig  sein (Ehe,  Testament).  Wird  die  gesetzliche  Form  nicht  eingehalten,  ist  das  Rechtsgeschäft nichtig,
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Pflichten werden zu bloßen Naturalobligation. Privatparteien  können  eigene Formvorschriften vereinbaren  und auch gemeinsam wieder von  ihnen  abweichen.  “Punktation”  ist  das Verfassen einer Urkunde mit dem Vertragsinhalt nach Vertragsschluss  ist  nach  §885 zulässig.  Mündliche  Nebenabreden sind  nichtig,  wenn  sie gegen gesetzliche Formvorschriften verstoßen.

Konversion
Nichtigkeit  infolge  von  Nichterreichen  des  Geschäftszwecks  kann  durch  Umdeutung (=Konversion)  abgewendet   werden.  Diese  Umdeutung  kann  auch  durch  die  Gesetzgeberin erfolgen,  wenn  dies  dem  Parteiwillen  entspricht.  Die  Umdeutung  kann  aber  auch  verboten sein. Verschwinden nachtäglich die Hinderungsgründe des Rechtsgeschäftes, kann dieses heilen.

Bedingungen, Befristung, Auflage
sind  zulässige  Nebenbestimmungen der Parteien in Verträgen. Manche Rechtsgeschäfte lassen keine  oder  nur  bestimmte  Bedingungen  oder  Befristungen  zu,  vor  Allem  im Familienrecht  oder im Mietrecht.

Bedingungen ­ §§696, 704 sind   Beschränkungen,  die  eine  Rechtswirkung  aufschiebt  oder  auslöst,  abhängig  von  einem noch   ungewissen  Umstand.  Aufschiebende  Bedingungen  lassen  die  Rechtsfolge  erst  mit Bedingungseintritt  gültig  werden.  Auflösende  Bedingungen  lösen  die  Rechtsfolgen  mit Bedinungseintritt  auf.  Hängt  die  Bedingung   vom  Zufall  ab,  heißt  sie  Zufallsbedingung. Wollensbedingungen (=Potestativbedingungen) hängen vom Parteiwillen ab. Unmögliche/Unerlaubte  aufschiebende Bedingungen in letztwilligen Verfügungen machen diese  ungültig,  bei  solchen  auflösenden  Bedingungen  werden  die  Bedingungen  einfach unbeachtlich.  Bei  Geschäften  unter  Lebenden  hängt  es  von  dem Schutzzweck der Norm ab, ob die  auflösende  Bedingung  das  Geschäft  ungültig  macht  (§898).  Der  Eintritt/Nichteintritt  einer aufschiebenden  Bedingung  darf   nicht  treuwidrig  vereitelt  oder  herbeigeführt  werden,  sonst  wird sie als gegenteilig eingetreten oder nicht eingetreten angesehen. Befristung =Terminisierung.  Dies  ist  eine  zeitliche  Beschränkung nach  der  ein  Recht  zu  einer bestimmten Zeit  entsteht  oder  endet.  Der  Eintritt  ist  im  Vergleich  zur  Bedingung  sicher  und  nur  zeitlich angegeben. Der konkrete Zeitpunkt muss nicht feststehen. Auflage für   letztwillige/unentgeltliche  Geschäfte.  Die  Zuwendungsempfängerin  wird  hier  zu  bestimmtem Verhalten verpflichtet. Bei verschuldeter Nichterfüllung ist die Leistung zurückzugeben.

Stellvertretung
Stellvertretung  ist  für  die  meisten  Geschäfte  möglich,  sofern  sie  nicht   höchstpersönlich  sind
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(Testament,  Ehe).  Es  kommt  dabei  zur  direkten Berechtigung und Verpflichtung der Vertretenen durch Handeln der Stellvertreterin. Voraussetzungen: 1. Handeln  im  Namen  der  Vertetenen  (Offenlegungsgrundsatz):  Stellvertreterin  muss gegenüber der Vertragspartnerin klarstellen für wen sie handelt. 2. Vertretungsmacht:  Die  Stellvertreterin  muss  die  Befugnis  zum  Abschluss  von Rechtsgeschäften haben. 3. Geschäftsfähigkeit: Die Stellvertreterin muss zumindest beschränkt geschäftsfähig sein Die  Vertretungsmacht  kann  per  Vollmacht  erteilt  werden,  sich  aus dem Gesetz ergeben (Eltern, Sachwalterinnen)  oder  als  Organ  einer  juristischen  Person  bestehen.  Beschränkungen  des Innenverhältnisses sind meist im Aussenverhältnis nicht erkennbar und damit irrelevant. Die   Bevollmächtigung  ist  eine  einseitige  empfangsbedürftige  Willenserklärung  ohne Formzwang.   Wird  sie   nur  gegenüber  der Empfängerin  erklärt,  ist  es  eine  reine  Innenvollmacht. Erklärung  gegenüber  Dritten  macht  es  zu  einer  Aussenvollmacht.  In  bestimmten Fällen wird die Vertretungsmacht  einer  Personen  aus  ihrem  faktischen  Handeln  geschlossen, so  etwa  bei  der Verwalterinnenvollmacht  (§1029),  nach  der  Verwalterinnen   die  für  die  Verwaltung  üblichen Geschäfte  schließen dürfen; bei der Ladenvollmacht (§§1027,1030) und den Fällen  der §§1032ff. Gibt   jemand  zu   erkennen,  dass  sie  (früher)  eine  Vollmacht   erteilt  hätte,  so  ist  sie  daran gebunden  (Anscheins­  bzw.  Duldungsvollmacht),  wenn   eine  dritte  Person  darauf  vertraut  hat. Dafür  ist  es   nötig,  dass  Umstände  bestehen,  die  geeignet  sind,  Vertrauen  in  einer  gültige Vertretung zu erwecken und die von der vertretenen Person ausgehen. Der  Umfang  einer  Vollmacht  kann  frei  festgelegt  werden.  im   Zweifel  umfasst   die Vollmacht  die  für  das Geschäft üblichen  Handlungen (§1029). Eine umfassende Vollmacht heißt Generalvollmacht,  für  nur  bestimmte  Geschäftstypen:  Gattungsvollmacht  und  für  ein  einzelnes Rechtsgeschäft:  Einzelvollmacht.  Für  bestimmte  Geschäfte  können  Gattungs­  oder Einzelvollmachten  nötig  sein.  Die Handlungsfreiheit  kann  beschränkt  werden  (z.B.  “kein  Rabbat gewähren”). Bei manchen Vollmachten ist der Umfang gesetzlich geregelt (z.B. Prokura). Vollmacht  erlischt  bei  Befristung  mit  Zeitablauf,  bei  Bedingungseintritt,  bei Einzelvollmachten  nach  dem  jeweiligen  Rechtsgeschäft,  per  einseitiger  empfangsbedüftiger Willenserklärung,  mit  dem  Tod  einer  der  Parteien  (ausser  Prozessvollmacht, Testamentsbestimmungen  und  absichtlich  fortlaufende  Vollmachten)  sowie  mit  Konkurs. Gegenüber  gutgläubigen  Dritten  gilt  eine  erloschene  Vollmacht  bis  die  Dritten  vom  Erlöschen erfahren. Stellvetreterinnen  können  berechtigt  sein,   wiederum   Stellvertreterinnen  zu  ernennen (Untervertretung),  es  können  auch  mehrere  Personen  zur  Vertretung  berechtigt  sein.  Wenn Vertretungshandlungen dann nur gemeinsam gesetzt werden dürfen, liegt Gesamtvertretung vor. Wer  im  fremden  Namen  handelt,  ohne  dazu  befugt  zu   sein,  oder  die  Befugnis überschreitet,  wird  Scheinvertreterin  (falsus procurator) genannt. Solche Vertretungshandlungen sind   schwebend  unwirksam  und  können  von  der  vertretenen  Person im  Nachhinein  genehmigt werden.  Wird  die  Vertretung  abgelehnt,  haftet  die  falsus  für   den  Vertrauensschaden.  Sie  kann allerdings  nicht  selbst  auf  Erfüllung  drängen  oder  Erfüllungsinteresse  verlangen.  Unter Unternehmen haftet die dolose falsus sogar für den Nichterfüllungsschaden. Die  Überschreitung  der  inneren  Vollmacht berührt die Gültigkeit des Geschäftes nicht, im Innenverhältnis  kann  aber  Ersatz gefordert werden (Ausnahme: Kollusion, d.h. Dritte weiß davon
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und es gibt gemeinsame Schädigungsabsicht... dann ist die Vertretung nicht gültig). Insichgeschäfte,  also  Vertretung  beider  Parteien  durch die gleiche Person ist nur erlaubt, wenn  keine  Schädigungsgefahr  besteht,  rein  wirtschaftlicher  Vorteil  erzielt  wird  oder  wenn  die Machthaberinnen ausdrücklich einverstanden sind. Wer  sich  für  eine  andere  Person  ausgibt  und  einen  Fantasie­  oder  Allerweltsnamen benützt,  schließt  ein  Eigengeschäft  hab.  Die  sonstige  Verwendung  eines  fremden  Namens  gilt unter  Abwesenden  die  falsus  procurator  Regel,  unter  Anwesenden  wird  die  Handlung zugerechnet. Bei  der  Stellvertretung  die  Dritte  auf  Nennung  der  Identität  der  Machthaberin  verzichten. Bei sofort zu erfüllenden Barkäufen ist die Nennung der Vertretung ebenfalls nicht nötig.

Treuhand
ist,  wenn  jemand  Rechte  übertragen  erhält,  die  sie  im  eigenen  Namen,  aber  aufgrund  einer besonderen  obligatorischen  Bindung  zu  einer  anderen  Person  nur  in  einer  bestimmten  Weise ausüben soll.  Anders  als  bei  der Stellvertretung tritt die Treuhänderin im eigenen Namen auf und ist der Treuhandgeberin für treuwidriges Verhalten verantwortlich. Sie kann mehr als sie darf. 1. Fiducia: Vollrecht (z.B. Eigentum) wird auf die Treuhänderin übertragen 2. Ermächtigungstreuhand: Verwaltungs­ oder Herrschaftsrechte werden übertragen Die   Treuhand  kann  offen  oder  versteckt  sein,  fremdnützig  oder  eigennützig  (z.B. Sicherungstreuhand)  sein.  Wird  Eigentum  per  Treuhand  übertragen,  gehört  dieses haftungsmäßig weiterhin der Treuhandgeberin, beispielsweise im Falle eines Konkurses.

Abschlussvermittlerinnen
bringen Vertragsparteien zusammen, sind aber keine Form der Stellvertretung. Ebenso Botinnen, da diese keinen eigenen Willen bilden, sondern ihn bloß übermitteln.

Die Zeit
Rechtlich  erheblicher Zeitpunkt heißt Termin, eine Zeitspanne Frist. Ist  nichts anderes vereinbart, gilt  die  zivile  Fristenrechnung  gem  §§902ff.  Hier  zählt  der  Tag  des  Rechtsereignisses  nicht mit, die  Frist  beginnt  am  ersten  Tag  um 00:00.  Ist  bis  zu  einem  Termin  eine  Erklärung  abzugeben, kommt es auf das Einlangen an (§862a)

Verjährung
ist  der  Verlust  einen  bestehenden  Rechtes  durch  Zeitablauf.  Davon  sind  gewisse  Rechte  wie Hoheitsrechte   ausgenommen.  Nach  herrschender  Ansicht   erlischt  nicht  das  Recht  selbst, sondern  bloß die Klagbarkeit, es entsteht eine Naturalobligation. Rechte verjähren ab dem ersten Zeitpunkt  der  objektiv  möglichen  Geltendmachung  (§1478).  Die  Verjährungfristen  sind  30  Jahre (40  bei  Staat/Kirche; gilt  wenn nichts  anderes  bestimmt  wurde)  oder  3 Jahre. Die kurze Frist ist für   Rechte,  deren  Beweis  nach  mehr  als  3  Jahren  zu  schwierig  wäre,  v.a.  wiederkehrende Einzelleistungen  (Renten,  Zinsen,  Unterhalt...),  Forderungen  des  täglichen  Lebens, Schenkungswiderruf,  Anfechten  von  letztwilligen   Verfügungen,  Irrtum+Furcht  bei
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vertragsschluss,  Gewährleistung  (unbeweglicher  Sachen,  bei  beweglichen  Sachen:  2  Jahre), Schadenersatz  ab  Schadenskenntnis,...  Wurde  ein  Anspruch gerichtlich  festgestellt,  verjährt  er immer erst nach 30 Jahren. Hemmung: Ereignis, welche Beginn/Fortsetzung der Verjährung hindern Unterbrechung:  Verjährung  gilt  nach  Wegfall  der  Unterbrechung  völlig  neu.  (zB  stattgegebene Klage, Vergleichsverhandlungen §1497) Verjährung muss nicht von Amts wegen festgestellt werden und ist daher selbst einzuwenden.

Ersitzung
Gutgläubiger Erwerb eines Rechtes nach Zeitablauf durch Besitz.

Verschweigung
Nichtberechtifte erwirbt ein Recht dadurch, dass die Berechtigte es nicht ausübt.

Verwirkung
Berechtigte Person verzichtet konkludent auf ein Recht.

Präklusion
ist  die  Lebensdauer  eines  Rechtes  und   kann  ablaufen.  Es  bleibt  nichteinmal  eine Naturalobligation  zurück.  Die  Präklusion  kann  anders  als  die  Verjährung  per  Rechtsgeschäft verlängert werden.

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II ­ Sachenrecht
sind  alle dinglichen Rechte. Dies sind absolute Rechte, also von allen Personen zu respektieren. Den  Gegensatz  bilden  Schuldrechte,  die  bloß relativ gelten. Sachenrechte sind abschließend im ABGB  geregelt  (Typenzwang),  die  nötige  Publizität  wird  durch  Besitz  und  das  Grundbuch geschaffen.  Sachenrechte  beziehen  sich  immer  auf  einzelne  Sachen  und  müssen  ebenso einzeln   begründet  werden.  Dingliche  Rechtsgeschäfte  ändern die bestehende  Güterzuordnung und  sind   daher  Verfügungsgeschäfte.  Die  Willenerklärungen  richten  sich  dabei  auf  die Begründung  oder  den  Übergang  von  Sachenrechten.  Die  willentliche  Besitzübertragung  heißt Modus, das dazugehörige Rechtsgeschäft Titel. Erfordernisse zum Übertrag: 1. Berechtigung der Vorfrau 2. Gültiges Grundgeschäft, Titel 3. Einigung über Eigentumsübergang und Besitzübertragung, Modus §308 listet alle dinglichen Sachenrechte auf, entspricht dabei aber nicht der aktuellen Lehre. ● Eigentum:   Befugnis  eine  Sache  nach  Substanz  und  Nutzung  willkürlich  zu  nutzen  und für sich zu haben und andere davon auszuschließen. (§354) ● Pfand:  dingliches   Vorzugsrecht,  sich  bei  Nichterfüllung  einer  Forderung  an  der  Sache vorrangig zu befriedigen (§469). ● Dienstbarkeit:  (=Servitut)  beschränktes  dingliches  Nutzungsrecht  an  fremden  Sachen (§472). §308  listet auch Besitz (Innehabung einer Sache corpore et animo §309) und Erbecht (absolutes Recht,  aber  kein  Sachenrecht,  da  es  keine  unmittelbare  Sachherrschaft  gewährt)  auf.  Nicht enthalten aber dennoch Sachenrechte sind: ● Reallastberechtigung:  dinglich wirkende Belastung  eines  Grundstücks  mit  der Haftung für   bestimmte,  in   der  Regel  wiederkehrende  Leistungen   der  jeweiligen Grundeigentümerin (§12 GBG). ● Baurecht:  dingliche,  veräußerliche  und  vererbliche  Recht  auf  fremden  Grund  ein Bauwerk zu haben (§1 BauRG). Sachenrechte  verleihen  unmittelbare  Sachherrschaft,  Schuldrechte  nur  Forderungsrechte. Sachenrechte  regeln  die  Beziehung  zwischen  Rechtssubjekt  und  Rechtsobjekt.  Die Vertragsfreiheit  des  Schuldrechtes  ist durch den Typenzwang  des Sachenrechts eingeschränkt. Überschneidungen  gibt  es  u.a.  beim  verbücherten  Vorkaufsrecht  (Schuldrecht  mit  dinglicher Wirkung)  oder  dem  quasi­dinglichen  Schutz  von  Mieterinnen  (Schuldrecht  verbunden  mit Besitz). Sachen  sind  alles,  was  von  der  Person  unterschieden  ist  und  zum  Gebrauch  durch Menschen  dient  (§285).  Dazu  gehören  körperliche  und  unkörperliche  Sachen,  sofern   sie beherrschbar sind (nicht also z.B. das Meer, die Luft...).

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Unterschieden wird: ● öffentliche/private Sachen ● bewegliche/unbewegliche  Sachen;  unbeweglich  sind  Liegenschaften,  beweglich  ist  alles was  ohne  Verletzung  seiner Substanz bewegt  werden kann. Bewegliche Sachen können Zubehör  zu  einer  Liegenschaft  sein  und  damit  als   unbeweglich  behandelt  werden. Rechte sind bewegliche Sache, wenn sie nicht mit einer Liegenschaft verbunden sind. ● teilbare/unteilbare  Sachen;  unteilbare  Sachen  können  nicht  oder  nur  unter  merklicher Wertminderung geteilt werden. Zivilteilung= Verkauf und Teilung des Erlöses ● Schätzbare/unschätzbare  Sachen:  ob  sich   der  Wert  in   Geld  ausdrücken  lässt.  Wert: objektiver Wert (Nutzen für jede Person) und subjektiver Wert (Affektionsinteresse). ● “Herrenlose” Sachen: gehören keiner Person, v.a. derelinquierte Sachen ● Verkehrsbeschränkte Sachen: im Rechtsverkehr gesetzlich beschränkt (z.B.Suchtgifte) Es   gibt  einfache  Sachen,  Sachverbindungen   und  Zubehör  (das  sind  Nebensachen,  die  einer Hauptsache  dienen).  Einfache  Sachen  sind  eine  unteilbare Einheit. Zusammengesetzte Sachen bestehen  aus  selbständigen  oder  unselbständigen  Bestandteilen.  Letztere  können  nicht (wirtschaftlich)  getrennt  werden,  sie  folgen  rechtlich  der Hauptsache. Selbständige Teile können getrennt  werden  und  sind  auch  als  Bestandteil  sonderrechtsfähig  (z.B.  Autoreifen).  Zubehör  ist eine  Nebensache,  die  nicht  Teil  der  Hauptsache  ist,   aber   dieser  zugeordnet  ist  und  dient. Eigentümerin  ist  bei  Hauptsache  und  Zubehör  gleich,  das  Zubehör  muss  der  Hauptsache fortlaufend  gewidmet  sein  und  ein  gewisses  Naheverhältnis  aufweisen.  Eine  vorübergehende Entfernung  ist  egal,  rechtlich  werden  Zubehör  und  selbständiger  Bestandteil  gleich  behandelt (selbes rechtliches Schicksal wie die Hauptsache, sonderrechtfähig).

Superädifikat
ist  ein  rechtlich  selbständiges Bauwerk  auf fremdem Grund ohne die Absicht, dass es dauerhaft stehen  bleibt  (§435).  Wie das Baurecht folgt es nicht dem  Grundsatz “superficies solo cedit”. Es muss  der   Erbauerin  an  Balssungsabsicht  fehlen.  Ein  Superädifikat  ist  eine bewegliche  Sache, die  Übertragung  erfolgt  durch  Urkundenhinterlegung.  Ist  ein  Superädifikat  unselbständiger Bestandteil eines Baurechtes, gilt er ausnahmsweise als unbewegliche Sache.

Maschinen
sind Zubehör, wenn sie mit der Liegenschaft in Verbindung stehen, Abweichendes, wie ein Pfandrecht ist im Grundbuch eigens zu vermerken.

Früchte
natürliche Früchte sind Erzeugnisse, die eine Sache hervorbringt und gelten bis zur Abtrennung als unselbständiger Teil der Muttersache. Zivilfrüchte sind Erträgnisse aufgrund von Rechtsverhältnissen (v.a. Zinsen).

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Gesamtsache ­ §302
ist der Begriff für mehrere Sachen, die als eine angesehen und mit einem Namen bezeichnet werden (z.B. eine Herde, eine Büchersammlung, ein Unternehmen). Es liegen gleichrangige Sachen vor, sachenrechtlich ist es irrelevant.

Besitz
Animus (Wille die Sache für sich zu haben) + Coprus (Sachherrschaft) Sachbesitz: Animus und Corpus über eine Sache Rechtbesitz: Animus und dauerhafte Ausübung eines Rechtes; Besitzschutz gibt es für Rechtsbesitz nur wo die Rechte mit der Innehabung oder dem Gebrauch einer körperlichen Sache verbunden sind (z.B. Faustpfand). Besitz  kann  auch  von  mehreren  Personen  ausgeübt  werden  (z.B.  bei  Konkurrenz  von Rechtsbesitz  und  Sachbesitz;  oder  bei  Teilbesitz,  d.h.  Besitz  eines  selbständigen  Sachteils; oder  bei  Mitbesitz,  d.h.  nach  Quoten  aufgeteilter  Besitz).  Rechtsbesitz  ist  auch  an unselbständigen Teilen möglich.

Qualifikation von Besitz
1. rechtmäßiger  Besitz  ist  es,  wenn  der  Besitz  auf  einem  gültigen  Titel  beruht  (§316). Dieser  liegt  in   einem  entsprechenden  Rechtsgeschäft  mit  der  Vorfrau  oder  in  einem Urteil. 2. redlicher  Besitz   ist   es,  wenn  die  Besitzerin  glauben  darf,  dass  ihr  der  Besitz zusteht. Unredlich  ist,   wer  weiß  oder  wissen  muss,  dass  sie  nicht  berechtigt  ist.  Gutgläubigkeit wird in dubio vermutet. 3. echter Besitz ist nec vi, nec clam, nec precario. Wer  alle  3  Voraussetzungen  erfüllt,  hat  rechtlichen  Besitz  gem  §1466,  dieser  ist Voraussetzung für Ersitzung und die Klage aus dem rechtlich vermuteten Eigentum.

Besitzerwerb
geschieht durch die Herstellung der Gewahrsame mit entsprechendem Animus. ● unmittelbarer Besitzerwerb ist nur an freistehenden Sachen möglich (originär) ● einseitig ist der Besitzerwerb ohne Vorfrau ● Übergabearten: ○ körperliche Übergabe (§426) ○ Übergabe  durch  Zeichen   (§427)  ist  eine  symbolische  Übergabe,  wenn  eine körperliche  Übergabe  nicht  möglich  ist  (“untunlich”,  d.h.  wirtschaftlich  nicht sinnvoll).  Zeichen  sind  Urkunden,  Werkzeuge  zur  Herstellung  der Verfügungsgewalt  und  Merkmale,  welche  den  Herrschaftsübergang  kund  tun. Auch  andere  Zeichen  sind  möglich,  solange  die  publik  sind  und  der vollständige Übergang der Sachherrschaft damit einher geht. ○ Übergabe durch Erklärung (§428) sind traditio brevi manu und Besitzkonstitut
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Besitzanweisung  (§428  analog)  für  Fälle  in  denen  sich  die  Sache  bei  einer anderen  Person  befindet.  Diese  wird  angewiesen,  die  Sache  für  eine  andere Person inne zu haben. ○ Versendung  (§429),  stimmt  die  Übernehmerin  zu,  geht  der Besitz mit Übergabe an  das  Transportunternehmen  über.  Nach  der  herrschenden  Meinung  stimmen Erwerberinnen konkludent der verkehrsüblichen Übersendung zu. Besitzerinnen  brauchen  den  Eigenbesitzwillen,  um   Besitz  zu  erwerben  (animus  rem  sibi habendi).   Dieser  wird  vermutet,  muss  sich  aber  im  äußerlichen  Verhalten  niederschlagen. Geschäftsunfähige  Personen  können   diesen  Willen   nicht  bilden.  Besitz  kann  auch  durch Mittelspersonen  erworben  werden,  Rechtsbesitz  entsteht  durch   Ausübung  des  jeweilgen Rechtes.  Sachbesitz  endet  mit  dem  Untergang  oder  dem   unwiederbringliches  Verlieren  der Sache,  mit  Dereliktion  und  mit  Besitzerwerb  einer  Dritten.  Rechtsbesitz  endet  mit  Verzicht, Widerspruch der anderen Partei oder wenn die Rechtausübung unmöglich wird. Besitzende  haben  die  rechtliche  Vermutung   eines  gültigen  Titels  (§323),  dadurch  hat Besitz  eine  Rechtsscheinwirkung.  Besitzerinnen  haben  das  Recht  auf  Selbsthilfe,  wenn  keine rechtzeitige  Hilfe  durch  Behörden  zu  erwarten  ist.  Auch  gesetzlich   ist   Besitz  geschützt: Besitzstörungsverfahren  bei  dem  die  Klägerin  den  Besitz  und  dessen  Störung  durch  die Beklagte  beweisen  muss.  Die  Klage  ist  binnen  30  Tagen  einzubringen  und  geht  auf Widerherstellung  des  ungestörten  Besitzes  und  Unterlassung  künftiger  Störungen  (kein Schadenersatz,  aber  auch  verschuldensunabhängig).  Sonderfall:  Bauverbotsklage  bei  Gefahr auf  Bauführung. Eine Besitzklage  ist  auch  die  actio  publiciana  (§372)  welche  feststellt,  wer  das stärkere  Recht  zum  Besitz  hat.  Bei  gleich  starkem  Recht  gebührt  Besitz  der  bisherigen Besitzerin.  Zur   Klage  sind  qualifizierte  Sachbesitzerinnen  berechtigt,  nach  herrschender  Lehre auch Rechtsbesitzerinnen sofern sie die körperliche Sache dazu inne hatten.

Eigentum
ist  die  Befugnis,  mit  der  Substanz  und  der  nutzung  einer  Sache  nach  Willkür  zu  schalten  und andere  davon  auszuschließen  (§354).  Dieses  Recht  darf  nur  so  ausgeübt  werden,  dass dadurch  nicht  in  fremde  Rechte  eingegriffen  oder  gegen  allgemeines  Interesse  (zB Umweltschutz,   Flächenwidmung,  Baurecht)  verstoßen  wird.  Das  Eigentumsrecht  kann beschränkt  sein,  auch  bloß  vorübergehend  beschränkt.  Privatrechtliche  Beschränkungen  von Eigentum gibt es v.a. bei Liegenschaften durch das Nachbarinnenrecht: ● Immissionen  (§§364f):  Unzulässige  Immissionen  müssen  von  allen  Personen  im Einflussbereich  der  Liegenschaft  (=Nachbarinnen)  nicht  geduldet  werden.  Immissionen sind   Einwirkungen  von  Abwasser,  Abluft,  Rauch,  Geruch,  Geräusche,  Lichtentzug (negative  Immissionen)  etc.  Jedenfalls  untersagt  werden  können  unmittelbare Zuleitungen  ohne  Rechtstitel,  andere  Immissionen  sind  zulässig,  wenn  sie  das gewöhnliche  Maß  und  die  Ortsüblichkeit  nicht  überschreiten.  Negative  Immissionen müssen   sogar  unzumutbar  sein  um  gegen  sie  vorzugehen.  Eine  Klage  ist  erst  nach gescheiterter  Vermittlung  möglich.  Bei  Wiederholungsgefahr  oder  akuter  Gefährdung
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steht   ein   Unterlassensanspruch  zu,  nach  einer  Immission  ein  Beseitigungsanspruch, beides  unabhängig  von  Verschulden.  Schadenersatz  ist  bei  Verschulden  ebenfalls möglich.  Anspruchsberechtigt  sind  Eigentümerinnen,  dinglich­berechtigte Rechtsbesitzerinnen,  Wohnungseigentumsbewerberinnen  und  Bestandnehmerinnen. Passiv legitimiert sind die Verursacherinnen die den Grund für  eigene Zwecke nützen und die Eigentümerinnen die die Störung dulden oder verursachen. Immissionen  von  behördlich  genehmigten  Anlagen  (mit  Berücksichtigung  der Nachbarinnen)  gem  §364a  müssen  auch  geduldet  werden,  wenn  sie  das  ortsübliche Maß  überschreiten.  Gestörten  Eigentümerinnen  kommt aber ein Ausgleichsanspruch zu. Zuleitung von Feststoffen oder Gesundheitsgefährdungen müssen nie geduldet werden. ● Vertiefungen  des   Grundstücks:  §364b,  ein  Grundstück  darf  durch  Arbeiten  nicht  so vertieft  oder  geschwächt  werden,  dass  der  Boden  oder  Gebäude  am Nachbarinnengrundstück  ihre  nötige  Stütze  verlieren.  (Unterlassung,  Wiederherstellung, Schadenersatz möglich) ● Grenzbaum/Baum  an  der  Grenze  (§421): Eigentum  an  einem  Baum  richtet  sich nach dessen  Stamm.  Liegt  dieser  auf  der  Grundstücksgrenze,  kommt  es  zum  Miteigentum. Über   die   Grenze  ragende  Wurzeln  und  Äste  dürfen  abgeschnitten  werden,  ohne  dem Baum zu schaden. Früchte dürfen gepflückt werden. ● Grenzeinrichtungen:  (Bäume,   Hecken,  Planken,  Mauern,  Kanäle,  etc.)  stehen  im Zweifel  im  Miteigentum  der  Nachbarinnen.  Die  Mauer  darf  dann  von beiden bis zur Hälfte genutzt  werden  und  muss  auch  von  beiden  erhalten  werden.  Grenzeinrichtungen   im Alleineigentum  sind  selbst  zu  erhalten  und  auszubessern,  sofern  dem Nachbarinnengrundstück ein Schaden droht.

Belastungs­ und Veräußerungsverbot
ist  die  Beschränkung des Eigentums und verbietet  Eigentumsübertragung sowie das Einräumen von  Pfandrechten  und  beschränkt­dinglichen  Nutzungsrechten.  Das Verbot  kann  durch  Gesetz, Urteil  oder  privates  Rechtsgeschäft  entstehen.  Letzteres  gilt  nur  dann absolut, wenn das Verbot unter  Eheleuten,  Eingetragenen  Partnerinnen  oder  Kindern­Eltern  vereinbart  wurde  und  ins Grundbuch  eingetragen  wurde.  An  beweglichen  Sachen  gilt  das  Verbot  nur  relativ.  Das  Verbot erlischt mit dem Tod und gilt nur für die erste Eigentümerin.

Arten des Eigentums
Normalerweise  liegt   das  Eigentum  bei  nur  einer  Person:  Alleineigentum.  Bei  mehreren Eigentümerinnen:  Miteigentum  (§825)  durch  Vertrag,   Erbschaft  oder  ex  lege  (z.B. Erbinnengemeinschaft)  und  ist  nach  ideellen   Anteilen,  Quoten  geteilt.  Bei  einem  Gemenge vertretbarer   Sachen  kann  auch  Quantitätseigentum   bestehen.  Bei  Miteigentum  ist  nicht  die Sache, sondern das Recht geteilt. Die Miteigentümerinnen können über ihren Anteil frei verfügen. Gesamthandeigentum  ist  gemeinsames  Eigentum,   über   das  nur  mit  Zustimmung  aller verfügt  werden  darf  (z.B.  Gesellschaftseigentum).  Die  Sache  muss  dann  gemeinsam  verwaltet werden  (§833),  alle  haben  Gebrauchsrecht,  sofern  der  Gebrauch  der  anderen  dadurch  nicht gestört  wird.   Art  und  Umfang  des  Gebrauchs  kann  auch  gemeinsam  festgelegt  werden.  Die
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Nutzungen und Lasten werden  im Zweifel nach Anteilen verteilt (§839, Schulden bei Unteilbarkeit solidarisch). Im Innenverhältnis steht Negatorien­ und Eigentumsklage zu. Verwaltung von Miteigentum ordentliche  Verwaltung  (§833)  ist,  was  für  Erhalt  und  Betrieb  der   Sache  nötig  und zweckmäßig  ist.   Die  Maßnahmen  müssen  den  Interessen  aller  Mitglieder  dienen  und keine besonderen Kosten verursachen. Es entscheidet dann die einfache Mehrheit. ● wichtige  Veränderungen  umfassen  Erhaltung  und  Verbesserung  der  Benutzung  des Hauptstammes  (z.B.  unübliche  Vermietung,  Regeln  über  gemeinsame  Benutzung, grundlegende  bauliche  Veränderungen,  etc.).  Die  Zustimmung  benötigt  Einstimmigkeit. Wird  diese  nicht  erreicht,  greifen  §§834f  und  Mehrheit  kann  gewünschte  Änderungen begehren.  Überstimmte  Personen  dürfen  Sicherstellung  für  künftige Schäden  verlangen oder  (ausser  zur  Unzeit)  austreten.  Erfolgt kein Austritt entscheidet eine Schiedsrichterin oder  eine  Aussertstreitrichterin  ob  die  Veränderung  unbedingt, gegen sicherstellung oder gar nicht stattfinden soll. Für   Gemeinschaftsbeschlüsse  sind  alle  Teilhaberinnen  zu   verständigen.  Per  “wichtiger Veränderung”  kann  auch  eine  Verwalterin  bestellt  werden  (Einrichtung  per  Konsens,  konkrete Person per einfacher Mehrheit). Die   Miteigentumsgemeinschaft  wird  durch  Einverständnis  aller  Personen  aufgehoben. Die  Teilung  kann  per  Teilungsklage  gefordert  werden  und wird durch Real­ oder Zivilteilung (falls Realteilung  nicht  möglich)  vollzogen.  Die  Klage  ist  abzuweisen,  wenn  sie  zur  Unzeit  kommt, oder  zum  Nachteil  der  Anderen  erfolgt  (beides  nur   vorübergehende  Hindernisse).  Wurde  eine Laufzeit   vereinbart,  kann  die  Aufhebung   vorher  nur  aus  wichtigen  Gründen  erfolgen.  Bei Quantitätseigentum  steht  eine  Klage  auf  Abtrennung  der  zustehenden  Teilmenge  zu (“Mengenvindikation”). Wohnungseigentum ist  im  WEG  geregelt  und  ist  das  der  Miteigentümerin  oder  einer Eigentümerinnenpartnerinnenschaft  eingeräumte,  dingliche  Recht,  eine  selbständige Wohnung/Räumlichkeit ausschließlich zu nutzen und darüber allein zu verfügen. Es ist aber kein Eigentumsrecht  an  Teilen  des  Hauses  und  auch  kein  real  geteiltes  Eigentum,  sondern Miteigentum  an  der  Liegenschaft  und  dingliches  Nutzungs­ und Verfügungsrecht an bestimmten Räumlichkeiten.  Zur  Begründung  bedarf  es eines schriftlichen Vertrages der Miteigentümerinnen oder  einer  gerichtlichen  Entscheidung  und   der  Eintragung  ins  Grundbuch.  §2/2   regelt,  woran Wohnungseigentum  begründet  werden  kann  und  was  nur  Zubehör  ist.  Für das Objekt muss ein Nutzwert  bestimmt  werden,  welcher  aussagt,  wie  groß  der  Anteil  des  Miteigentums  sein  muss, um  das  Wohnungseigentum  zu besitzen. Diesen Mindestanteil können eine oder zwei Personen besitzen.  Aus  “wichtigen  Gründen”  können  Miteigentümerinnen  ausgeschlossen  werden.  Die Nutzung  der   Wohnung  obliegt  der  Eigentümerin,  auf  Nachbarinnen  ist  aber  Rücksicht  zu nehmen.  Die  gemeinsamen  Teile  der  Eigentümerinnengemeinschaft  werden  von  dieser  auch gemeinsam   verwaltet  (durch  Mehrheit  oder  gewählte  Vertreterin).  Exekutionstitel  gegen  die Gemeinschaft   können  nur  gegen  das  Gemeinschaftsvermögen  vollstreckt  werden.  Darüber hinaus  haften  die  Eigentümerinnen  nach  Anteil.  Verwalterinnen können gekündigt werden, grobe
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Pflichtverletzungen  können  Honorarminderungen  und  Schadenersatzansprüchen  führen. Aufwendungen  für  die  Liegenschaft  sind  anteilsmäßig  zu  tragen. Wohnungseigentumsbewerberinnen haben nach §§37ff besonderen Schutz.

Erwerb von Eigentum
● mittelbar: durch die vorherige Eigentümerin ● einseitig/zweiseitig: wieviele Personen am Erwerb beteiligt waren ● derivativ/originär Erwerb   erfordert  immer  einen  Titel  und  einen  Modus.  Der  Titel  ist  der  Anspruch  auf  die Übereignung  und  der  Modus  die  tatsächliche  Übereignung  selbst.  Die  Erwerbsarten  sind: Zueignung,  Fund,  Zuwachs,  derivativer  Erwerb,  gutgläubiger  Erwerb,  Ersitzung,  Enteignung, Zuschlag in deiner Versteigerung und Erbgang. Zueignung ­ §381 ist  der  Eigentumserwerb  an  einer  Sache  ohne  Eigentümerin.  Ansprüchige  Sachen  können  nur von Berechtigten okkupiert werden. ● Tiere:  wilde   oder   wieder  wilde  (42 Tage  frei) Tiere  nur  durch  jagdberechtigte Personen. Jagdberechtigt sind Grundeigentümerinnen. ● Bodenschätze  sind  dem  Verfügungsrecht  der   Grundeigentümerinnen  entzogen. Bergfreie  Stoffe  (Metalle, Gips, Kohle) dürfen von jeder mit bestimmten  Voraussetzungen gewonnen  werden.  Bundeseigene   Materialien  (z.B.  Uran)  gehören  dem  Bund.  Alle anderen Stoffe der Grundeigentümerin. Fund Im  Zweifel  wird  nicht  angenommen,  dass  die  Eigentümerin  die  Sache  derelinquieren  wollte, daher  dürfen  Sachen  nicht  einfach  sich  selbst  zugeeignet  werden.  Wer  eine  gefundene  Sache an  sich  nimmt  ist  Finderin  (§389) und hat bestimmte Rechte&Pflichten. Der Fund ist abzugeben und  anzuzeigen,  wenn  der  Wert  €10,­  überschreitet  (Schlüssel  und  Dokumente  immer!).  Wird der  fund  1  Jahr  lang  nicht  angeholt,  erhält  die  Finderin  Eigentum.  Wird  der  Gund  abgeholt besteht  Anspruch auf Finderinnenlohn (verloren: 10%,  vergessen: 5%, über 2.000€ nur der halbe Prozentsatz). Ein  Schatz  ist  eine  Kostbarkeit,  deren  Eigentümerinnen  wegen  Verstreichens  von  zu  lange  Zeit nicht  mehr  feststellbar  sind.  Der  Schatz  steht  im  halben  Miteigentum  von  Finderin  und Grundeigentümerin, sofern diese die Suche gestattete (sonst: Staat). Zuwachs ● Fruchterwerb  nach  Seperation  von  der  Muttersache:   Sache  gehört  der  Eigentümerin der  Muttersache  (§354,  405),  sofern  dem  kein  obligatorisches  oder  dingliches Recht zur Nutzung  gegenübersteht  (z.B.  Pacht,  Fruchtnießung).  Die  redliche  Besitzerin  erwirbt ebenfalls Eigentum an den Früchten. ● Verarbeitung/Vereinigung/Ausbesserung:  Beim  Verbinden  zweier  Sachen  bleiben diese  im  Eigentum  der  jeweiligen  Personen,  solange   die   Verbindung  getrennt  werden kann.
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Verarbeitung   (=Spezifikation):  aus  einer  alten  Sache  wird  eine  neue,  andere Sache   gemacht.  Werterhöhung  ist  dafür  wohl  nicht  umbedingt  nötig.  Ohne Wertsteigerung  bleibt  die  Sache  im  bisherigen  Eigentum.  Andernfalls  entsteht Miteigentum  nach  Quoten. Die  Partei,  die  an  der Verarbeitung unbeteiligt war, hat das  Wahlrecht,  ob  sie  die  Sache  ganz  kaufen  will,  oder  Wertersatz  haben  will. Waren  beide  Parteien  beteiligt  darf  die  Person  mit  dem  höheren  Anteil am  Wert wählen. §415 ○ Vereinigung  ist  das  Zusammenfügen  zweier  Sachen  durch  Vermengung, Vermischung   oder  Verbindung.  Die  bisherigen  Eigentümerinnen  erhalten Miteigentum  nach  Quoten  und  ihrem  wirtschaftliches  Anteil  der  eingebrachten Sache.  Trennung  wie  bei  der  Verarbeitung.  Werden  gleiche  Sachen  vermischt, besteht Quantitätseigentum. Sonderregel:  Vermengung­§371. An nicht unterscheidbaren Gattungssachen geht Eigentum  über,  wenn  diese  vermengt  werden  und  die  Anteile  nicht  mehr erkennbar sind. ○ Ausbesserung:  Sache  wird  mit  fremden  Materialien  ausgebessert,  die  Identität der  Sache  bleibt  bestehen.  Es  entsteht  kein  Miteigentum, das verwendet Material fällt der Eigentümerin der Hauptsache zu, es besteht Anspruch auf Wertersatz. ● Bauen  (§§417ff):  falls  keine  Vereinbarung  besteht,  richtet  sich   das  ABGB  nach  dem Grundsatz  “Superficies  solo  cedit”,  d.h. Gebäude  sind unselbständige Bestandteile eines Grundstücks und folgen dessen rechtlichem Schicksal. ○ Eigener  Grund  /  fremdes  Material  ­  §417: Grundeigentümerin erwibt Eigentum am  Beuwerk,  die  Materialeigentümerin  hat  einen  Ersatzanspruch  nach  §367, wenn  die  Bauführerin  nicht  gutgläubig  war.  Dieser  Ersatzanspruch  geht  auf  den Höchstwert  und  weiteren  Schaden,  Gutgläubige  müssen  nur den gemeinen Wert ersetzen. ○ Eigenes   Material  /  fremder  Grund  ­  §418:  Hier  wird  unterschieden,  ob  die Grundeigentümerin davon wusste, oder nicht. ■ Ja:  Grundeigentümerin  sagt  trotz  Kenntnis  der  Bauführung  nichts,  dann erwirbt  die  redliche  Bauführerin  ausserbücherlich  Eigentum  an   der Liegenschaft  und  muss  den  gemeinen  Liegenschaftswert  bezahlen.  War die  Bauführerin  unredlich,  erwirbt  die  Liegenschaftseigentümerin  das Bauwerk. ■ Nein:  Wusste  die  Grundeigentümerin  nichts  von  der  Bauführung,  erwirbt sie  Eigentum   am  Bauwerk.  Der  redlichen  Bauführerin  sind  die  nützlichen und  notwendigen  aufwendungen   zu  ersetzen.  Unredliche  Bauführerinnen haften  nach  Regeln  der  Geschäftsführung  ohne  Auftrag.  Es  steht alternativ  auch  der  Anspruch  auf  Wiederherstellung  des  ursprünglichen Zustandes zu. Ragt  das  Gebäude  zum  Teil  aufs  Nachbarinnengrundstück,  sind  §§415,416 anzuwenden.  Sofern  das  Überragen  beachtlich  ist,  kommt  es  zum  ausserbücherlichen Miteigentum  an  beiden  Liegenschaften.  Bei  unbeachtlichem  Überragen  erwirbt  die Bauführerin Alleineigentum an der überragten Fläche mit Ersatzanspruch.
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Fremdes   Matieral  /  fremder  Grund  ­  §419:  Verhältnis  zwischen  Bauführerin und  Grundeigentümerin  wie  §418,  zwischen  Bauführerin  und Matieraleigentümerin wie bei §417. ● Sähen  /  Pflanzen:  fremder  Grund  und  dauerhafte  Verbindung  führen  zum Eigentumserwerb  der  Grundeigentümerin.  Die  Entschädigung  bemisst  sich  nach  der Redlichkeit der pflanzenden Person. Derivativer Erwerb wird  durch  Übereignung  einer  Sache  vollendet.  Die  Übereignung  ist  ein  Verfügungsgeschäft  mit dem  Inhalt  der Einigung  über den Eigentumsübergang. Voraussetzung ist die Geschäftsfähigkeit sowie  die  Fähigkeit,  Eigentum  zu veräußern (nemo plus iuris  transferre potest quam ipse habet) und  zu  erwerben.Das  Verfügungsgeschäft  kann  auch  bedingt sein, die Übereignung  bewirkt den Rechtübergang  und  ist  mit  einer  äußerlichen  Übertragungsform  (traditio,  Grundbuch)  zu verbinden.  Bei  mehreren  Käuferinnen  der   selben  Sache  erwirbt  nur  die  Person,  der  die  Sache zuerst  übereignet  wird.  Die  Übereignung  selbst  ist  nur  wirksam,  wenn  die  übertragende Person Eigentum  oder  das Verfügungsrecht  hat. Es ist auch ein Titel nötig (=kausales  Rechtsgeschäft), der  objektiv   gültig  ist  (d.h.  nicht  nichtig  sein  darf).  Wird  der  Titel  nachträglich  angefochten  oder fällt  weg,  wird   angenommen,  dass  das  Eigentum  nie  übergegangen  ist  (sachenrechtliche  ex tunc Wirkung). 1. Einigung über den Eigentumsübergang inkl Geschäftsfähigkeit 2. Übergabe oder Eintragung ins Grundbuch 3. Erwerb nur von Eigentümerin oder der Verfügungsberechtigten 4. gültiger Titel 5. kein absolut wirkendes Veräusserungsverbot Beim  Streckengeschäft,  als  bei  Kaufverträgen  in  einer  Reihe  über  die  selbe  Sache  ist theoretisch  jedes  Mal  Titel  und  Modus  erforderlich.  Gelöst  wird  dies  durch  Zession  (bloße Übertragung der Forderung), Schuldübernahme, Besitzanweisung, Vertrag zugunsten Dritter. Gutgläubiger Erwerb von Nichtberechtigten Als Schutz des Rechtsverkehres, der Erwerb ist dann originär. ● §367:   schützt  gutgläubige  (von  Abschluss  bis  Übergabe)  Erwerberinnen  beim entgeltlichen  Erwerb  beweglicher  Sachen.  Der  Titel  muss  gültig sein, geschützt wird nur das  nicht  fahrlässige  Vertrauen,  dass  das  Gegenüber  Eigentümerin  ist  (Vertrauen  auf Verfügungsbefugnis reicht nicht!). Zusätzlich muss gegeben sein: ○ Erwerb auf einer öffentlichen Versteigerung ○ Erwerb von einer Gewerbsfrau in deren gewöhnlichen Gewerbe ○ Erwerb   von  einer  Vertrauensperson,  d.h.  Person  die  von  der  Eigentümerin freiwillig Gewahrsam übertragen erhalten hat. ● §366  UGB:  ist  anzuwenden,  wenn  die  veräußernde  Kauffrau  ist  und  die  Veräußerung  in ihrem  Betrieb  erfolgt.  Es  wird  der gute Glaube auf Eigentümerin und Verfügungsbefugnis geschützt.  Der   gute  Glaube  gilt  auch  noch  als   gegeben,  wenn  leichte  Fahrlässigkeit besteht.  An  gestohlenen  und  verlorenen  Sachen  ist  der  Gutglaubenserwerb  größtenteils ausgeschlossen (Ausnahme z.B. Geld).
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§371:   hier   erlangt  die  Erwerberin  Eigentum  allein  aufgrund guten  Glaubens,  dies  gilt  nur für Geld und Inhaberinnenpapiere (d.h. ununterscheidbare Sachen). ● §824:   schützt  den  Erwerb  von  Scheinerbinnen  nach  gerichtlicher  Einantwortung. Erwerberinnen  sind  auch  bei  nachträglicher  erfolgreicher  Erbschaftsklage  geschützt. Das deckt sogar unentgeltliche Rechtsgeschäfte und unbewegliche Sachen. Ersitzung Erwerb  eines  Rechtes  durch  qualifizierten Besitz während  der gesetzlich bestimmten Zeit durch originären  Erwerb  (§1478).  Voraussetzungen  sind  eine  ersitzungsfähige  Sache  (nur  private Vermögensrechte, also  v.a.  Eigentum, Serivituten, etc. nicht aber rechtswidriges, Hoheitsrechte, Persönlichkeits­  und  Familienrechte,  Mitgliedschaften,  Erb­  und  Forderungsrechte)  und qualifizierter Besitz, der für eine gesetzlcih bestimmte Frist ausgeübt wird. ● eigentliche  Ersitzung:  bei  beweglichen  Sachen  nach  3  Jahren  (doppelt  so  lange  bei staatlichen  Sachen  und  Sachen  juristischer  Personen  sowie  bei  Erwerb  von mangelhaften  Besitzerinnen).  Der  Besitz  muss  auf  einem  objektiv gültigen Titel beruhen, der  bei  der  dinglichen  Berechtigung  der  Vorperson  für  den  Erwerb  ausgereicht  hätte. Eigentliche  Ersitzung  oft  obsolet,  da  oft  gutgläubiger  Erwerb  gegeben  sein  wird,  daher v.a. beim unentgeltlichen Erwerb anwendbar. ● uneigentliche  Ersitzung:  bewegliche  und  unbewegliche  Sachen  nach  30  Jahren  (40  bei juristischen  Personen),  redliche+echte  Besitzerin  wird  dann  (ausserbücherlich) Eigentümerin, wobei vorhandene Lasten bleiben. Dies sogar bei ungültigem Titel. Enteignung wird vom Staat für Großprojekte im Allgemeinwohl durch sondergesetzliche Normen und mit angemessener Schadloshaltung durchgeführt (§365). Zuschlag in der Versteigerung Bei zwangsweiser oder freiwilliger Versteigerung im Exekutionsverfahren geht Eigentum mit Zuschlag über (Durchbruch des Intabulationsprinzips).

Verlust des Eigentums
● ● relativ: Eigentum geht auf andere Person über absolut: Eigentum erlischt aufgrund Dereliktion oder Untergang der Sache.

Eigentumsschutz
Eigentum genießt absoluten Schutz, es kann von Unberechtigten mit der rei vindicatio (§366) herausgefordert werden. Gegen Störungen durch Dritte steht die actio negatoria zu (§523 iVm §366, Eigentumsfreiheitsklage).

Rei Vindicatio ­ §366 Dies  ist  die  Klage  der  nicht  besitzenden  Eigentümerin  auf  Herausgabe der Sache. Die Klage ist
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beschränkt  auf  Sachen  mit  individualisierbaren   Merkmalen  (sonst   ist   nur  Quantitätsvindikation möglich).  Bei  derivativ erworbenem Eigentum muss dieses eigentlich bis zum originären Erwerb zurück  bewiesen  werden.  Stattdessen  wird  daher  oft  die  actio  publiciana  angewandt.  Die  rei vindicatio   ist   abzuweisen,  wenn  die  Innehaberin  gegenüber  der  Eigentümerin  ein  Recht  zur Innehabung  hat.  Die  Sache  kann  aber  von  Dritten  die  die  Eraubnis  der  eigentlichen  Innehaberin haben  herausgefordert  werden,  wenn  die  Weitergabe  nicht  gestattet  war.  Früchte  können  von unredlichen  Besitzerinnen  herausgefordert  werden.  Für  verbrauchte  und  nachlässig  nicht gezogene  Früchte  kann  auch  Ersatz  verlangt  werden.  Ist  nichts  vereinbart  wird  für  die Innehabung ein angemessenes Entgelt geschuldet. Die Innehaberin hat unter Umständen Gegenansprüche gegen die Eigentümerin: ● Aufwandersatz  für  Aufwendungen  zugunsten  des  Erhaltes  der  Substanz  und Ertragssteigerung  für  die  redliche  Besitzerin.  Darüber  hinausgehender  Aufwand (Luxusaufwand)  ist  nicht  zu  ersetzen,  dieser kann aber falls möglich von der Innehaberin einbehalten  werden.  Die  Nützlichkeit  ist  subjektiv  aus  der  Sicher  der  Eigentümerin  zu beurteilen,  der  Ersatz  richtet  sich  dann  nach  dem  gegenwärtigen  Wert,  maximal  jedoch das  tatsächlich  aufgewendete.  Unredliche  Besitzinnen  können  Ersatz  wie Geschäftsführerin ohne Auftrag verlangen. ● Ersatz  des  Preises  wird  nur  geleistet,  wenn  die  Sache  redlich  besorgt  wurde  und  die Eigentümerin die Sache sonst nur schwerlich erlangt hätte und die Eigentümerin dadurch einen Vorteil hat. ● Zurückbehaltungsrecht  (§§334  iVm  471)  steht  für  offene  Forderungen  von  Aufwänden zu,  sofern  es  sich  um  eine körperliche Sache handelt, die nec vi, nec clam, nec precario in  den  Besitz   gelangt  ist.  Die  Sache  darf  nicht  wie  beim   Pfand  zur  Befriedigung  des Anspruchs  verwertet  werden  (Ausnahme:  bei  Retetionsrecht  unter   Kaufleuten  §369 UGB).  Das  Zurückbehaltungsrecht  endet  durch  Befriedigung,  durch  Sicherung  der Ansprüche und durch Aufgabe der Sache durch die Eigentümerin. ● Schadenersatz  steht  gegen  die  schuldhafte  unredliche  Besitzerin  zu.  Sie muss  akken Schaden  gem  §335  ersetzen  und  alle  Nachteile  ausgleichen,  der sonst nicht entstanden wäre. Eigentumsfreiheitsklage ­ actio negatoria ­ §523 Abwehr  von  Störungen  die  unbefugt  ins  Eigentum  eingreifen.  Sie  steht  aufgrund  eines Größenschlusses  zu:  §§523  iVm  354.  Klägerin  muss  Eigentum  und  Störung  beweisen  und  hat dann Unterlassungs­ und Beseitigungsansprüche. Verschulden ist nicht nötig. Actio publiciana Klage aus dem rechtlich vermuteten Eigentume, s.o. Sondervorschriften  verweisen  z.T.  Aussonderungsklage im Konkursfall auf  Eigentumsklagen,   so  beispielsweise  die

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gewährleistet  die  für  die  Verkehrssicherheit  nötige  Publizität  bei  Liegenschaften,  bei  denen  eine körperliche  Übergabe  ja  nicht möglich  ist.  Das  Grundbuch wird von Gerichten geführt und ist ein öffentliches  Register  in  das Liegenschaften  und  an ihnen haftende dingliche Rechte eingetragen werden.  Jede  Person  darf  auf  das  was  im  Grundbuch  steht   vertrauen  und  ebenso  darauf vertrauen,   das  nicht  besteht,  was  nicht  im  Grundbuch  steht  (positive  und  negative  Seite  des Vertrauens).   Die  Eintragung  ins  Grundbuch  ist  der  Modus  für  die  Übergabe  unbeweglicher Sachen. Das Grundbuch besteht aus einem Hautpbuch und der Urkundensammlung. ● Hauptbuch:  Jede  flächenmäßige  Einheit  erhält  eine  Grundbuchseinlage  mit  eigener EZ=Einlagezahl.  Die  Einlage  besteht  aus  allen  in  ihr  zusammengefassten  Flächen (=Grundbuchskörper),  an  den  einzelnen  Teilen  des  Grundbuchskörpers  können Servituten  und Belastungs­/Veräußerungsverbote  bestehen.  Andere  dingliche  Rechte  an Teilen  können  nicht  bestehen,  dafür  müssen  sie   in  einen  eigenen  Grundbuchskörper ausgesondert werden. Pro Katastralgemeide gibt es ein eigenes Grundbuch. Einlagen bestehen auf 3 Teilen: ○ A­Blatt:  Gutsbestandsblatt,  es  besteht  aus  der  Bezeichnung  der  Liegenschaft, der  Einlagezahl,  Parzellen  des  Grundbuchkörpers,   Widmung, Grunddienstbarkeiten,  Veränderungen  am  Grundbuchkörper, öffentlich­rechtlichen  Beschränkungen  und  Lasten  sowie  Liste  von  allfälligen fremden Maschinen ○ B­Blatt: Eigentumsblatt: Eigentumsverhältnisse und subjektive Beschränkungen ○ C­Blatt:  Lastenblatt:  mit  dem  Eigentum  verbundenen  Belastungen  wie  Pfand, Servituten, Reallasten, verbücherte Bestandsrechte, etc. ● Urkundensammlung:  Bücherliche  Eintragungen  können  nur  aufgrund  von  hinterlegten Urkunden erfolgen. ● Hilfen:  Karten  mit  Landschaftsgrenzen,  diese  unterliegen  aber  nicht  dem Vertrauensschutz.  Der  Umfang  einer  erworbenen  Liegenschaft  richtet  sich  bei entsprechendem  Vertrauen  auf  den  Grenzkataster.  Weiters:  Personen  und Nummernverzeichnis sowie Straßenverzeichnis. Es   sind  3  Eintragungsarten  möglich:  Einverleibungen,  Vormerkungen  und  Anmerkungen. Eingetragen  werden  können  nur  bürgerliche  Rechte  (dingliche  rechte,  Vor­/Wiederkaufsrecht, Bestandsrechte).  Für  eine  Eintragung  müssen  Urkunden  mit  erfüllten  Formvorschriften, ersichtlichem Titel und ohne sichtliche Mängel vorgelegt werden. ● Einverleibung  (=Intabulation)  dient  dem  unbedingten  Rechtserwerb/Verlust  von Eigentum,   Servituten,  etc.  Nötig  ist  die  Urkunde  über  das  Erwerbsgeschäft  und  eine Aufsandungserklärung  (schriftliche  Willenserklärung  der  Veräussernden,  dass  sie  in  die Einverleibung einwilligt). ● Vormerkung:   dient  dem  bedingten  Rechtserwerb/Verlust   (v.a.  bei  Formmängeln,  die eine  Einverleibung  verhindern).  Mit  der  Vormerkung  wird  der  Rang  gewahrt.  Die tatsächliche  Rechtsänderung tritt erst bei Rechtfertigung der Vormerkung ein, also Heilen der Formmängel, Nachreichen der Urkunde, etc. ● Anmerkung:   Ersichtlichmachung  rechtserheblicher  Umstände  (z.B. Sachwalterinnenbestellung)  oder  Auslösen  besonders  geregelter  Rechtswirkungen.
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Dazu  gehören  Anmerkung  der  Rangordnung  und  Streitanmerkung  (diese  hat  zur  Folge dass  das  Urteil  gegen alle  nachfolgenden  Ränge gilt)  sowie Anmerkung der Einräumung des Wohnungseigentums.

Prinzipien des Grundbuchrechtes
1. Öffentlichkeitsgrundsatz  (formelles  Publizitätsprinzip):  Jede  Person  hat  das  Recht auf Einsicht   ins  Grundbuch.  Das  Personenverzeichnis  ist  nur  beschränkt  zugänglich  (nur eigene Einträge oder bei rechtlichem Interesse). 2. Eintragungsgrundsatz  (Intabulationsprinzip)  besagt,  dass  Erwerbung,  Übertragung, Beschränkung  und  Aufhebung  bürgerlicher  Rechte  nur  durch  Eintragung  ins  Grundbuch begründet  werden  können.  Die  Eintragung  ist  der  Modus.  Das  Intabulationsprinzip  wird an  manchen  Stellen  durchbrochen  (Erbschaft,   Ersitzung,  Zuschlag  bei  Versteigerung, Übergang  des  Anteils  der  vestorbenen  Partnerin  beim  Wohnungseigentum,  Bauführung nach §418, Enteignung). Voraussetzung  für Eintragungen ist ein gültiger Titel,  die  Berechtigung der Vorperson und die  Aufsandung.  Das  Grundbuchgericht  prüft  nur  die  äußerliche  Korrektheit  und  die formalen  Kriterien,  nicht  aber  den  Inhalt  selbst.  Gegen  dessen  Entscheidungen  steht Rekurs   zu.   Beim  materiellen  Fehlern  der  Titels  kann  von  der  Betroffenen  eine Löschungsklage  angestrengt  werden,  diese  richtet  sich  gegen  die  zu  Unrecht Eingetragene. 3. Bücherliche  Vorperson:  Eintragungen  sind  nur  gegen  aktuell   eingetragene Vorpersonen zulässig. 4. Vertrauensgrundsatz  (materielles  Publizitätsprinzip):  Das  Vertrauen  von  entgeltlichen Erwerberinnen  auf  das  Grundbuch  und  dessen  Richtigkeit  und  Vollständigkeit  ist geschützt.  Was  im  Grundbuch  steht  gilt.  Was  nicht  im  Grundbuch  steht,  gilt  nicht. Fahrlässigkeit   schließt  den  guten  Glauben  allerdings  aus,  im  elektronischen Grundbuch ist für guten Glauben auch in das Löschungsverzeichnis einzusehen. 5. Prioritätsprinzip:  Bei  konkurrierenden  Ansprüchen  sieht  der  früher  bei  Gericht eingelangte  Antrag.  Zur  vorläufigen  Rangsicherung  kann  die  Anmerkung  der Rangordnung  durch  die  Eigentümerin  dienen.  Diese  Anmerkung  gilt  ein  Jahr,  der  Rang kann  durch  Vertrag  zwischen  den  beteiligten  Personen geändert  werden.  Dafür müssen allerdings die Eigentümerin und alle nachfolgenden Eingetragenen zustimmen. 6. Spezialitätsprinzip  (Bestimmtheitsgrundsatz):  Bücherliche  Rechte  können  immer  nur einzeln und nicht gesammelt an allen Liegenschaften einer Person begründet werden. 7. Legalitätsprinzip: Grundbuchgericht muss in der Regel rechtliche Zulässigkeit prüfen. 8. Antragsprinzip:  Eintragungen  ins  Grundbuch  erfolgen  nur   auf  Antrag,  nicht  von  Amts wegen, mit der Ausnahme von unzulässigen Einträgen gem §§130ff GBG. Rechte   an  nicht  verbücherten  Liegenschaften  und  Superädifikaten  werden  durch Urkundenhinterlegung  übertragen.  Auf  Unkenntnis  von  Tatsachen/Rechten  in  der Urkundensammlung kann sich niemand berufen, es besteht aber kein Vertrauensschutz.

Pfandrecht
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Schuldnerinnen  haften  mit  ihrem  ganzen  Vermögen  (Personalschuld).  Pfandrecht  ist  eine dingliche  Haftung,  die  Gläubigerin  erhält  das  absolute  Recht  sich  bei  Nichterfüllung  der  Schuld aus  der  Pfandsache  zu  befriedigen.  Diese  muss   nicht  notwendigerweise  von  der  Schuldnerin stammen.  Pfand  ist  ein  dingliches  Recht,  welches  der  Sache   anhaftet  (es  kann  aber  beim gutgläubigen Erwerb erlöschen).

Prinzipien des Pfandrechts
1. Akzessorietät  ­  §469:  Das  Pfandrecht  soll  eine  Forderung  besichern und besteht daher nur wenn und so lange die Forderung besteht 2. Recht  an  einer  fremden  Sache:  Gegenstand  des  Pfandrechts   ist   meist  eine  fremde Sache. 3. Sepzialitätsgrundsatz:  Pfand  kann  nur  an  einer  individualisierbaren  Sachen  bestehen (bzw.  auch  an  mehreren  Sachen).  Die  Pfandschuld  muss  ebenso  bestimmt  sein, zumindest jedenfalls zum Zeitpunkt der Verwertung. 4. Ungeteilte   Pfandhaftung:  Die  gesamte  Sache  haftet  für  die  gesamte  Schuld.   Das Pfandrecht  wirkt  ungeteilt,  solange  noch  ein  Teil  der  Schuld  besteht.  Wird  an  der Sache Miteigentum  begründet  haftet  sie  auch  weiter   ungeteilt.  Einzige  Ausnahme:  Geldpfand, bei dem der frei gewordene Teil herausgefordert werden kann. 5. Faustpfandprinzip:  Sache  darf   nicht  bei  Pfandbestellerin  sein  und  muss  tatsächlich übergeben werden.

Gegenstand des Pfandrechts
Die   Pfandsache  muss  verwertbar  sein,  es  darf  kein  Verpfändungsverbot  an  der  Sache bestehen.  Möglich  sind  Pfandrechte  an  körperlichen  und  an  unkörperlichen  Sachen. Sachgesamtheiten  wie  “das  Vermögen”,  “ein  Unternehmen”  können  mangels  Spezialität  nicht verpfändet  werden.  Bei  Alleineigentum  kann  nur  die  ganze  Sache,  bei Miteigentum auch nur der eigene  Anteil verpfändet  werden.  Pfand  ohne  Absonderung  ist an Zubehör oder unselbständigen Bestandteilen  möglich.  An  künftigen  Sachen  gibt  es  keine  dinglichen  Rechte,  d.h.  auch   kein Pfandtecht.  Unterschieden  wird  Faustpfand  (Übergabe  von  beweglichen  Sachen)  und Grundpfand  (Hypothek,  unbewegliche  Sachen).   Wird  eine  Sache  verpfändet,  so  betrifft  das  all ihre  Teile,  Früchte  und Zubehör. Durch Abtrennung/Absoderung werden dann die Teile pfandfrei, die  zu  ziehenden  Früchte sind nicht Teil des Pfandes  (Ausnahme: Ertragshypothek darf sich nur an den zivilen Früchten befriedigen). Das Pfand haftet für die Schuldsumme, die Nebengebühren (Zinsen) und Prozess­ sowie Exekutionskosten.

Erwerb des Pfandrechts
Titel und Modus erforderlich. Titel kann aus Urteil, Gesetz oder privatem Rechtsgeschäft stammen, Modus die Übergabe oder Eintragung ins Grundbuch. Rechtsgeschäftlicher Pfandrechtserwerb Titel  ist  der  Pfandbestellungsvertrag,  Modus  die  Einigung  über  den  Erwerb  und  die  Übergabe oder  Eintragung  ist  Grundbuch.  Die  übertragende  Person  muss  Eigentümerin  sein  oder
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verfügungsbefugt sein. An  einer  beweglichen  Sache  muss  Faustpfand  bestehen,  d.h.  die  Gläubigerin  muss  die Sache   auch  tatsächlich  in  Verwahrung  nehmen.  Nur  wenn  die  Übergabe  untunlich  wäre  reicht eine  Übergabe  per  Zeichen.  Die  Zeichen  müssen  an   der  Pfandsache  gut  sichtbar  angebracht sein,  ein  Entfernen  lässt  das  Pfandrecht  erlöschen.   Eine   bloß  kurzfristige  Überlassung  der Pfandsache  an  die  Bestellerin  lässt  das  Pfandrecht   unberührt.  Eine  Rückgabe  lässt  das Pfandrecht  erlöschen. Geld kann als normales oder als unregelmäßiges Pfand gegeben werden. Das unregelmäßige Pfand wird einverleibt, verpfändet wird nur das Rückforderungsrecht. Grundpfand  ist  das  Pfandrecht  an  einer  Liegenschaft,  es  ist  eine  Eintragung  ins Grundbuch  erforderlich.  Dem  Grundbuchgericht  ist  die  zu  sichernde  Forderung  zu  beweisen. Die Schuld muss eine bestimmte Geldsumme in einer EWR Währung sein. Pfand  kann  auch  an  Rechten  bestehen,  diese  werden  als  bewegliche  unübergebbare Sachen  angesehen  (Anleihen  und  Sparbücher  müssen schon übergeben  werden).  Rechte sind mit  Zeichen  und  Verständigung  der  Drittschuldnerin  zu  übertragen.  Pfandrecht  an  einem Pfandrecht   heißt  Afterpfand,  wofür  keine  Verständigung nötig  ist.  Unterbleibt  sie,  dann  kann  die Schuldnerin  jedoch  schuldbefreiend  an  die  Erstgläubigerin  leisten  und  die  Erstgläubigerin  haftet für Schaden der ohne Übergabe nicht eingetreten wäre. Gutgläubiger  Pgandrechterwerb  (§456)  entsteht,  wie  gutgläubiges  Eigentum,  d.h.  von Vertrauenspersonen  mit  gutem  Glauben  der  Erwerbenden,  Entgeltlichkeit  ist  nicht  nötig.  Die Eigentümerin  kann  dann  wählen,  ob  sie die Schuld befriedigen oder die Sache  aufgeben will und kann   sich  bei  der  Vertrauensperson  schadlos  halten.  Kein  Pfand  ist  möglich  an  gestohlenen oder verlorenen Sachen, mit Ausnahme von Geld und Sparbüchern. Richterliches Pfand entsteht durch Exekution aus einem Gerichtsurteil. Die Pfändung beweglicher Sachen erfolgt durch Aufnahme in das Pfändungsprotokoll, also ohne Übergabe. Bei Liegenschaften wird die Verpfändung im Grundbuch eingetragen. Gesetzliches Pfandrecht besteht nach z.B. §1101 für Vermieterinnen an in den Mietgegenstand eingebrachten Sachen zur Sicherung der Mietzinses.

Übertragung des Pfandrechts
Pfandrecht   kann  nur  zusammen  mit  der  zu  sichernden  Forderung  übertragen  werden.  Die Pfandsache  muss  der neuen Gläubigerin übertragen werden, wobei nach herrschender Meinung hier  ausnahmsweise  ein  Besitzkonstitut  ausreicht.  Gesetzliche  und  Exekutionspfandrechte gehen automatisch über. Bei  Teilschuldverschreibungen  ist  die  Inhaberin Gläubigerin über eine Teilschuld. Dies ist auch   mit   hypothekarischer  Besicherung  möglich.  Das  Pfandrecht  ist  dabei  mit Inhaberinnenpapieren verbunden und so leicht übertragbar.

Rechtsverhältnis Pfandgläubigerin zu Pfandbestellerin
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Die   Gläubigerin  darf  die  Pfandsache  nicht  gebrauchen  (§459),  Fruchtgenuss  ist  abseits  des Pfandrechtes  einräumbar  (§1372).  Ist  die  Pfandsache  unverschuldet  von  der  Gläubigerin  im Nachhinein  weniger  Wert  als  die  Forderung,  kann  eine  neue  Pfandsache  verlangt  werden (§458).  Aus  §458  geht  auch  der  Anspruch  auf  Unterlassung  von negativen Einwirkungen auf die Pfandsache hervor. Die   Pfandsache  ist  sorgfältig  zu  verwahren  und   nach  Begleichung  der  Schuld zurückzustellen  oder  im  Grundbuch  zu  vermerken.  Pfandgläubigerinnen  müssen  gegenüber Dritten  Auskunft   erteilen  und  auf  Anfrage  eine  Quittung  für  die  gegebene  Pfandsache  erstellen. Gerät   die   Schuldnerin  in  Verzug  darf  sich  die  Pfandgläubigerin  aus  der  Sache  befriedigen  oder auf  das  Vermögen  der  Schuldnerin  greifen.  Für  die  Verwertung  der  Pfandsache  bedarf  es einer Pfandrechtsklage  und  der  Exekution.  Alternativ  kann  mit  der  Schuldklage  auf  das  Vermögen inklusive   der  Pfandsache  gegriffen  werden.  Die  Vereinbarung  ausssergerichtlicher Pfandverwertung  ist  zulässig,  nicht  aber  ein  willkürlicher  Verwertungszeitpunkt  oder  fixer Preis bzw.  automatischer  Eigentumsübergang  (§1371).  Ist  der  Erlös  höher  als  die  Schuld  ist  der Überschuss  an  die  Schuldnerin  auszuhändigen.  Ist  er  niedriger  haftet  die  Schuldnerin  für  den offenen Betrag (§464). Eine Sache kann mehreren Personen verpfändet werden,  es gilt  dann der Grundsatz  der  Priorität,  wer  die  Pfandsache  zuerst  erhalten  hat  oder  den  früheren  Rang  im Grundbuch  hat.  Diese  Rangordnung  bestimmt,   wer  sich  aus   der  Pfandsache  zuerst  und vollständig  befriedigen  darf.  Pfandrechte  im  gleichen Rang werden anteilig befriedigt. Bestimmte öffentliche  Pfandrechte  haben  ein  Vorzugspfandrecht.  Hypothekargläubigerinnen  haben  ein Vorkaufsrecht   auf  frühere  Forderungen  die  eingelöst  werden  sollen  (Einlösungsecht).  Sie können  also  die  Forderung  abkaufen,  ohne  dafür  die  Zustimmung  der  Gläubigerin  oder  der Schuldnerin zu benötigen. Dies ist analog auf Faustpfand anzuwenden.

Grundpfand (Hypotheken)
● ● Höchstbetragshypothek weicht vom Spezialitätsgrundsatz ab und wird für eine noch unbestimmte Forderung im Grundbuch bis zu einer bestimmten Höhe eingetragen. Simultanhypothek: Pfandrecht für eine Forderung an mehreren Liegenschaften. Die Gläubigerin kann dann wählen aus welcher Forderung sie sich befriedigen will . Die Exekutionsordnung sieht eine anteilsmäßige Haftung vor, daher können sich die Simultanhypothekschuldnerinnen untereinander regressieren. Forderungsentkleidete Eigentümerinnenhypothek: Bei Tilgung einer Hypothek kann die Eigentümerin statt der Löschung der Hypothek im Grundbuch auch die Eintragung einer neuen Forderung bis zu maximalen Höhe der alten Forderung vornehmen (v.a. bei Erbfolge oder Tilgung). Bei nur teilweise Erlöschung der Forderung steht auch ein Teilverfügungsrecht zu. Gegenüber Nach­Hypothekargläubigerinnen muss sich dieses Recht abbedungen werden. bei der Bestellung einer Hypothek gemäß §469a kann das Recht nicht ausgeschlossen werden. Rangvorbehalt: "reservieren" des Ranges einer getilgten Forderung für max. 3 Jahre. Forderungsbekleidete Eigentümerinnenhypothek: wenn durch Vereinigung eine Gläubigerin Pfandeigentum erlangt und ihr die eigene Sache haftet. Hier ist ein
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Pfandrecht an der eigenen Sache möglich. ● Bedingte Pfandrechtseintragung: Pfandrecht wird im Rang und Höhe eines bestimmten Pfandrechts einverleibt. Antrag durch Eigentümerin oder Gläubigerin binnen eines Jahres. (ähnlich zur forderungseinkleideten EH, nur direkte Ablöse ohne vorherige Tilgung)

Schutz des Pfandrechtes
Faustpfandbesitzerin  ist  Rechtsbesitzerin  und  genießt  Besitzschutz.  Hypothek  ist  kein Rechtsbesitz,  daher  unterliegt  sie  auch  nicht  dem  Besitzschutz.  Pfandrecht  ist  ein  dingliches Herrschaftsrecht  und  daher  kann  die  Sache  von  unberechtigten  Dritten  durch  die Pfandgläubigerin  herausgefordert  werden.  Bei  allen  Pfandsachen  bestehen  Unterlassungs­  und Beseitigungsansprüche  bei  Störungen,  sowie  Schadenersatzansprüche  im  Falle  eines Schadens, auch gegen die Pfandbestellerin.

Pfandrechtswandlung
ist  die  Änderung  der  Pfandsache,  beispielsweise  durch  Enteignung  oder  Sachuntergang (Pfandsache  ist  dann  die  Versicherungssumme).  Im  Falle  der  Verarbeitung ist die neue  Sache als Pfandsache anzusehen.

Erlöschen des Pfandrechtes
Pfandrecht   ist  akzessorisch,  erlischt  also  mit  der  Leistung  der  Schuld  (Bei  Liegenschaften  erst mit  der  Löschung  im Grundbuch).  Auch  mit  Verzicht,  Untergang  der  Pfandsache, Zeitablauf  bei Befristung,  Vereinigung,  nicht  bloß  kurzfristige  Rückstellung  der  Pfandsache  und  gutgläubigem lastenfreien Erwerb durch Dritte. Ein Pfandrecht an Hypotheken kann außerdem verjähren.

Dingliche Sicherungen
sind   Sicherungsübereignung,  Sicherungszession  und  Eigentumsvorbehalt. Sicherungsübereignung  ist  eine  Form  der  eigennützigen  Treuhand,  es  wird  zur  Sicherung einer Forderung  Eigentum übertragen,  wobei  die  Sache  meiist per Besitzkonstitut bei der Schuldnerin bleibt.  Schuldrechtlicht  wird  vereinbart,  dass  das  Eigentum   nur  so  ausgeübt  wird,  wie  es  die Sicherung   nötig  macht.  Im  Falle  eines  Konkurses  steht   jeweils   der  Schuldnerin  oder  der Gläubigerin ein Aussonderungsrecht zu. Titel  der  Sicherungsübereignung  ist  die  Sicherungsabrede,  Modus  ist  jede Übertragungsart. Akzessorietät gibt  es  bei  der  Sicherungsübereignung nicht, die Abrede ist aber unwirksam,  wenn  die  ihr  zugrunde  liegende  Forderung  nicht zustande gekommen ist. Wenn die Forderung  erfüllt  wird,  muss  die  Sache  wieder  rückübereignet  werden,  die  Übereignung  kann sachenrechtlich  auflösend  oder  schuldrechtlich  vereinbart  werden. §1371, die Verfallsklausel gilt analog.

Sicherungsabretung ­ Sicherungszession
Analog  zur   Sicherungsübereignung  mit  Übertragung  von  Rechten  mit  bloßer  Bindung  nach
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innen.  Die  für  die  Verpfändung  nötigen  Akte  sind   einzuhalten,  §1371  ist  analog  gültig.  Für Gehaltsforderungen  verbietet  das  KSchG  die  Sicherungszession,  gestattet  aber  die Verpfändung. Wie  bei  der  Sicherungsübereignung  wird  die  Gläubigerin  eigennützige  Treuhänderin  und  darf so im  Außenverhältnis  mehr als im Innenverhältnis. Die Gläubigerin  darf im Innenverhältnis nicht frei verfügen,   darf  aber  bei  Schuldnerinnenverzug  die  Forderung  einziehen  und  verwerten.  Bei Erfüllung  ist  die  Forderung  zurückzustellen.  Die  Sicherungszession  ist  nicht  akzessorisch  und erfordert  nach  herrschender  Meinung  Publizität  durch   Buchvermerkt  oder Drittschulnderinnenverständigung.  Gegenstand  können  alle  verpfändbaren  Rechte  sein,  wenn die  Bestimmtheitsregeln  eingehalten  werden,  ist  sogar  eine  Globalzession  möglich.  Die Globalzession ist allerdings regelmäßig wegen "Knebelung der Schuldnerin" sittenwidrig.

Eigentumsvorbehalt
ist  nicht  gesetzlich  geregelt  und  beschreibt  die  Übereignung  einer  Sache  unter  aufschiebender Bedingung  der  rechtzeitigen  Kaufpreiszahlung.Die  Vorbehaltsabrede  betrifft  das  dingliche Verfügungsgeschäft,  der  Titel  gibt  einen  Anspruch  auf  Übereignung  und  späteren Eigentumserwerb. Beim  normalen  Kauf geht  wegen  Zug­um­Zug  Eigentum  auch  erst  mit Kaufpreiszahlung über,  strittig  sind  die  Folgen  bei  einseitig  erklärtem  Vorbehalt.   Nach  der  Rechtssprechung  ist dieser  jedenfalls  nicht  zulässig.  Vorm  Eigentumsübergang  durch  Kaufpreiszahlung  kann  die Verkäuferin  die  Sache  zurückfordern,  wenn  die  Käuferin  säumig  wird.  Gegen  Dritte  hat  die Verkäuferin  einen  Anspruch  auf  Herausgabe.   Das  Publizitätsprinzip  wird  durch  den Eigentumsvorbehalt  durchbrochen.  Die  Käuferin  hat  ein  Gebrauchs­  und  Fruchtnutzungsrecht sowie  possesorischen  Schutz  gegen  Dritte.  Sie  hat  ein  übertragbares  Anwartschaftsrecht (Modus+Titel  wie  beim  Hauptgeschäft).  Zum  Verteidigen  steht  die  actio  publiciana  zu,  die Käuferin kann auch Schadenersatz geltend machen. Die  Übergabe  der  Sache beim  schließlichen  Eigentumserwerb  ist  durch  Besitzkonstitut. Die  Verkäuferin  besitzt nur  mehr  ein  auflösend  bedingtes  Eigentumsrecht  und  kann  daher auch nur ein solches übertragen. Diese Übertragung ist häufig bei Drittfinanzierung, der Kaufpreis wird dabei  von  Dritten  bezahlt  und  sie  erhalten  im  Gegenzug  die  Forderung  und  das  auflösend bedingte  Eigentum  übertragen.  Schuldbefreiende  Leistung  dann  an  die  Dritte.  Nach  Rsp.  geht das bedingte Eigentum hier ohne eigenen Übertragungsakt an die Finanziererin über. Weiterverkauf   durch  die  Käuferin  ist  möglich.  Hat  sie  die  Verfügungsermächtigung  der Verkäuferin  wird  Eigentum übertragen.  Wenn  nicht,  kommt  Gutglaubenserwerb  in  Frage,  da die Käuferin  ja  Vertrauensperson  der  Verkäuferin  ist.  Verkauf  auf  Kredit  ist  von der angenommenen Ermächtigung  ausgenommen, hier ist also kein Gutglaubenserwerb möglich. Liegen keine dieser Fälle   vor,   kann  die  Käuferin  nur  das  Anwartschaftsrecht  verkaufen.  Verlängerter Eigentumsvorbehalt:  Vorausabtretung  der  Forderungen  der  Weiterverkäuferin an die Verkäuferin (falls dabei die Sicherungsabsicht überwiegt).

Servituten
sind   beschränkte  dingliche  Nutzungsrechte  an  fremden  Sachen.  Die  Eigentümerin  hat  dann  zu
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dulden  oder  zu  unterlassen,  ein  Servitut  umfasst  allerdings  nie  aktives  Tun. Servitutsinhaberinnen  haben  ein  absolut  geschütztes  Recht,  zur  Begründung  braucht  es  als dingliches  Recht  Titel  und  Modus.  Der Aufwand  zur Herstellung und Erhaltung liegt allein bei der Servitutsberechtigten,  die  Ausübung  der  Servitut  hat  möglichst  schonend  zu  erfolgen  und  darf nicht  eigenmächtigt  erweitert  werden.  Da  Servituten  Rechte  an  einer  fremden  Sache  sind, erlöschen  sie  wenn  die  Servitutsberechtigte  Eigentum  an  der  Sache  erhält  (Ausnahmen: grundbücherlich  eingetragene  und  offenkundige  Servituten).  Servituten  können  nicht  üertragen werden,  bei  Teilung  des  berechtigten  und/oder   des  belasteten  Grundstücks  besteht  jedoch  die Servitut weiter. Unterschieden werden: ● Grunddienstbarkeiten: §474 (Realservitut) ● persönliche Dienstbarkeiten: ○ Fruchtgenuss ○ Gebrauchsrecht ○ Wohnungsrecht ○ unregelmäßiges Servitut Grunddienstbarkeiten  stehen  der  Eigentümerin  einer  bestimmten  Liegenschaft  zu ("herrschendes  Grundstück"),  persönliche  Dienstbarkeiten  umfassen  eine  bestimmte  Person und  erlöschen  demnach  in  der  Regel  auch  mit  dem  Tod.  Servituten sind  dingliche  Rechte  und wirken  damit absolut. Sie sind im Grundbuch zu vermerken, können aber auch als offenkundiges Servitut  (Bruch  des  Intabulationsprinzips)  bestehen.  Das  Servitut  im  Grundbuch kann sich auch nur  auf  eine Parzelle oder ein Wohnungseigentum  beziehen. Gebrauchsrechte können auch rein schuldrechtlich  eingeräumt  werden.  Bei  einseitigem  Widerrufsrecht besteht keine Servitut. Auch Legalservituten sind als gesetzliche Beschränkungen keine Servituten 1. Grunddienstbarkeiten  (§§474ff)  sind  unterteilt  in  Gebäudedienstbarkeiten (Erleichterung für Benutzung von Gebäuden) und Feldservituten (v.a. Wegerechte). 2. Personaldienstbarkeiten a. Fruchtgenuss  (§509):  ist  das  Recht  eine  fremde  unverbrauchbare  Sache  unter Schonung  der  Substanz  und  ohne  sonstige  Einschränkung  zu  nützen.  An verbrauchbaren  Sache  kann  das  uneigentliche  Fruchtgenussrecht  bestehen,  die Sache   geht  ins  Eigentum  über.  nach  Erlschen  muss  die  selbe  Menge,  Gattung und  Güte   zurückgestellt  werden  (siehe  auch  uneigentliches  Pfand).  Die Berechtigte  darf  die  Sache  auch  vermieten/verpachten,  bzw.  das  Recht  zur Nutzung  weitergeben.  Endet  das  Fruchtgenussrecht,   tritt  die  Eigentümerin  in Bestandsverträge  ein,  bei  Schaffung  tritt  die  Fruchtgenussnehmerin  in  die Verträge   ein.  Die  Fruchtnießerin  muss  die  Sache  instand  halten,  aus  den Erträgen   ausbessern  und  bei  Gefährdung  der  Substanz  Sicherheit  leisten.  Für zufällige  Wertverschlechterungen  haftet  sie  aber  nicht.  Nach  dem  Ende  ist  die Sache zurückzustellen. b. Gebrauchsrecht  ist  ähnlich dem  Fruchtgenuss,  aber  die  Sache  darf  nur  soweit gebraucht  werden,  wie  die  persönlichen  Bedürfnisse  (zum  Zeitpunkt  der Servitutserrichtung)  es  verlangen.  Weitergabe  und  Bestandsverträge  sind  nicht möglich,  der   Erhalt  der  Sache  muss  allerdings  von  der  Eigentümerin  getragen
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werden.­  Wohnungsrecht  ist  ein  dingliches  Recht zum Gebrauch  einer Wohnung (Miete/Pacht  dagegen  nur  obligatorisch).  Je  nach  Ausgestaltung  folgt  das Wohnungsrecht  den  Regeln  des  Gebrauchsrechtes  oder  des Fruchtgenussrechtes. c. unregelmäßige  Servituten  sind  solche,  die  als  eigentliche  Grundservituten bestimmten  Personen  eingeräumt  werden,  bzw.  umgekehrt. Irreguläre Servituten werden  juristischen  Personen  eingerichtet,  kommen  aber  der  Öffentlichkeit zugute.

Begründung
Servitutsbegründung  erfordert  Titel  und  Modus.  Titel  sind  Verträge  oder  Testamente  sowie  das Gesetz   im  Falle  von  Ersitzung.  Der  Modus  ist  bei  beweglichen  Sachen  jede  Art  der Eigentumsübertragung,  bei  unbeweglichen  die  Eintragung  im  Grundbuch  (im  C­Blatt  der dienenden  Liegenschaft).  Ausgenommen  davon  sind  offenkundige  Servituten.  Häufig   werden Servituten   ersessen  (Eintragung  ins  Grundbuch  schützt  die  Servitut  vor  gutgläubigem lastenfreien Erwerb). Der Umfang der Servitut richtet sich nach dem Titel.

Schutz von Servituten
Servitutsberechtigte  sind  Rechtsbesitzerinnen  und  haben  daher  Besitzschutz.  Das  absolute Recht  Servitut  kann  mit  der  Servitutsklage  geltend  gemacht  werden,  dabei  müssen Servitutsbesitz   und  die  Störung  nachgewiesen  werden.  Alternativ  kann  die  Servitutsklage  auch publizianisch durchgeführt werden. Die Klage geht  auf Abwehr von Störungen oder Einverleibung von ersessenen Servituten im Grundbuch

Erlöschen von Servituten
● ● ● ● ● ● ● ● ● ● Untergang der dienenden Sache (lebt aber auf bei Wiederherstellung §525) Zeitablauf, falls Servitut befristet war Verzicht (§524) Enteignung Gutgläubiger, lastenfreier Erwerb (bei nicht eingetragenen offenkundigen Servituten) Tod der Berechtigten nachträglicher Wegfall des rechtsgeschäftlichen Titels Zwecklosigkeit Nicht­Inanspruchname für 30 (40) Jahre Freiheitsersitzung (Nicht­Beeinspruchung der Störung für 3 (4) Jahre)

Reallasten
sind   dinglich  wirkende  Belastungen  eines  Grundstücks,  bei  denen  eine  bestimmte, wiederkehrende  Leistung  der  Grundstückseigentümerin  geschuldet  wird  (§12  GBG).  Die
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Berechtigte  kann  also  im  Gegensatz  zu  Servituten  ein  positives  Tun  verlangen.Berechtigt können  einzelne  Personen  oder  Grundstücke  (Eigentümerinnen)  sein.  Bei  Nichtleistung  kann zwangsvollstreckt  werden.  Eine  Sonderform  ist  das  Ausgedinge für Altbäuerinnen für Wohnung, Kost und Pflege als Mischform Reallast+Servitut. Begründung erfolgt durch Grundbucheintrag.

Baurecht
ist  das  dingliche  veräußerliche  und  vererbliche  Recht  auf/unter  der  Bodenfläche  eines  fremden Grundstücks  ein  Bauwerk  zu  haben  (§1  BauRG).  Das  Baurecht  kann  von  jeder Grundeigentümerin  eingeräumt  werden,  auch  an  bereits  bestehenden  Bauwerken  (Sinn  und Zweck  ähnlich  Superädifikat).  Baurecht  und  betroffenenes  Bauwerk  gelten  als  unbewegliche Sache   und  das  Recht  wird  im  C­Blatt  eingetragen  (Modus).  Das  Baurecht  bezieht sich  immer auf  den  gesamten  Grundbuchskörper.  In  einer  eigenen  Baurechtseinlage  im  Grundbuch  sind eigene  Rechte,  Pflichten  und Unterbaurechte einzutragen. Bauberechtigte sind Eigentümerinnen an dem Bauwerk und haben ein Nutznießungsrecht am Grundstück. Nach  Rechtssprechung  ist  Baurecht  an  der  eigenen   Liegenschaft  nur  bei  zufälligem Zusammenfall  von  Eigentümerin  und  Baurechtsinhaberin  möglich  (Eigentümerinnenbaurecht). Am   Bauwerk  kann  auch  Wohungseigentum  begründet   werden.  Die  Bezahlung  kann  in   Raten erfolgen  (sog.  Bauzins  mit  bestimmtem  Ausmaß  und  Fälligkeit).  Das  Baurecht   ist   auf  10­100 Jahre zu beschränken. Ende  ist  durch  Zeitablauf,  Bauzinsrückstand  von  2   Jahren  mit  Rücktritt  und  durch Vereinbarung.  Eine  auflösende  Bedingung  ist  nicht  möglich.  Nach Erlöschen des Baurechts fällt das  Bauwerk  für  ¼ des  Wertes  an  die Grundeigentümerin.  Belastungen des Baurechts sind auf die Entschädigungssumme anzurechnen.

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III ­ Familienrecht
besteht  aus  vermögensrechtlichen  und  höchstpersönlichen  Normen.  Die  Regelungsbereiche sind   dabei  Ehe  bzw.  EP­Eingetragene  Partnerinnenschaft  und  Verwandtschaftsrecht  bzw. Kindschaftsrecht.  Eherecht  wird  im  Ehegesetz  (EheG)  und  im   ABGB  (Ehhewirkungen, Ehepakte)  geregelt.  Eingetragene  Partnerinnenschaft  wird  im  EPG  geregelt.  Kindschaftsrecht wird vor Allem im ABGB geregelt.

Ehe / Eingetragene Partnerinnenschaft
Eheschließung
Der  Eheschließung  geht  der  Vorvertrag  Verlöbnis  voraus,  das  ist  das  formfreie  Versprechen einander  zu  heiraten.  Im  Unterschied  zu  anderen  Vorverträgen  ist  das  Verlöbnis  jederzeit einseitig  auflösbar  und  uneinklagbar  und  es   sind  keine  Vertragsstrafen  möglich.  Die  einseitige Auflösung  kann  zu  Schadenersatzansprüchen   für  positiven  Schaden  (kein  Gefühlsschäden!) führen,  wenn sie  schuldhaft  gesetzt  oder  provoziert  wird  (§46). Geschenke die im Vertrauen auf das  Zustandekommen  der Ehe gegeben wurden, können zurückgefordert werden (§1247), wenn die  Schenkende  nicht  Schuld  am  nicht­Zustandekommen   ist.  (Auch  bei  Schenkungen  die  in Erwartung  des   Fortbestehens  einer  reinen  Lebensgemeinschaft  gegeben  werden,  können  bei deren Auflösung vertraglich oder mit §1435 analog rückgefordert werden.) Die   Ehe  ist  ein  privatrechtlicher  Vertrag,  in  dem  zwei  Personen   verschiedenen Geschlechtes  unter  bestimmten  Formvorschriften  ihren  Willen  erklären,  in  unzertrennlicher Gemeinschaft   zu  leben,  Kinder  zu  zeugen,  sie  zu  erziehen  und  sich  gegenseitig  Beistand  zu leisten.   In  Österreich  gilt  die  obligatorische  Zivilehe  (§15  EheG).  Der  begründende  Akt  heißt Eheschließung bzw. Trauung und muss vor einer Standesbeamtin durchgeführt werden. Bei sonstiger Nichtigkeit nötig sind also: ● Geschlechterverschiedenheit (sonst: EPG) ● übereinstimmende Willenserklärungen ● Mitwirkung einer Standesbeamtin Ehefähigkeit Die Parteien müssen ehefähig sein, d.h. ● ehegeschäftsfähig:  Person  muss  geschäftsfähig  sein  oder  beschränkt  geschäftsfähig mit  der  Zustimmung  der  gesetzlichen  Vertreterin  und  Erziehungsberechtigten.  Die Zustimmung kann vom Gericht ersetzt werden. ● ehemündig:  sind  alle  Personen  über  18  und  ev.  über  16­Jährige  die  vom  Gericht ermächtigt werden. Eheverbote sind   alle  Umstände,  unter  denen  die  Standesbeamtin  Personen  nicht  verheiraten  darf. Eheverbote  im   engeren  Sinn  sind  v.a.  Blutsverwandtschaft   (nicht  Adoption)  und  Doppelehe.
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Eheverbote  im   weiteren  Sinn  sind  im  Gesetz  nicht  ausdrücklich  vermerkt:  mangelnde Ehemündigkeit und mangelnde Zustimmung der Erziehungsberechtigten.

Mangelhafte Ehe
Liegen  die  grundsätzlichsten  Voraussetzungen   einer  Ehe  (s.o.)  nicht  vor,  ist  sie  nie  gültig (Nichtehe)  und  muss  nicht  angefochten  werden.  Alle  anderen  Fehler  wie  Verletzung  von Eheverboten,  Willensmängel  und  Formmängel  führen   je  nachdem  zu  relativer  Nichtigkeit, Aufhebbarkeit oder haben unter Umständen keine eherechtlichen Konsequenzen . ● Relativ  nichtige  Ehe:  gilt,  bis  sie  vom  Gericht  nach  Klage  der  Ehegattin  oder  der Staatsanwältin  rückwirkend für  nichtig  erklärt  wird.  Bei  Gutgläubigkeit  einer  der  Eheleute gelten dann Scheidungsfolgen (§31 EheG) ○ Blutsverwandtschaft (§25 EheG) ○ Doppelehe (§24 EheG) ○ völlige Geschäftsunfähigkeit (§22 EheG) ○ Eheschließung nur zur Erlangung der Staatszugehörigkeit (§23 EheG) ○ Formmängel (§21 EheG; Fehlen einer Standesbeamtin führt aber zur Nichtehe) ● Aufhebbare  Ehe:  kann  vom  Gericht  nach  Klage  ex nunc für ungültig  erklärt werden. Die Aufhebung  führt  dann  zu  Scheidungsfolgen.  Die  Aufhebungsklage  verjährt  nach  einem Jahr, manchmal ist eine Heilung möglich (wenn Ehe mehr als 5 Jahre besteht). ○ mangelnde  Einwilligung der gesetzlichen  Vertreterin  bei  Trauung einer beschränkt Geschäftsfähigen (§35 EheG) ○ Irrtum:  falsche  Vorstellung  von  der  Person  (z.B.  Prostitution,  Homosexualität, AIDS) (§37 EheG) ○ arglistige Täuschung durch die Ehepartnerin (§38 EheG) ○ Drohung (§39 EheG) ● keine  ehelichen   Konsequenzen  hat  es,  wenn  die  Standesbeamtin  bloße Ordnungsvorschriften  verletzt  (z.B.  Ja­Wort  nicht  vor  ZeugInnen,  keine  Eintragung  ins Ehebuch)  oder  ein  Adoptionsverhältnis  vorliegt   sowie  wenn  gegen  das  Verbot  der Eheschließung wegen mangelnder Ehemündigkeit verstoßen wird.

Rechte und Pflichten der Eheleute
EheG  regelt  nur Eheschließung  und Auflösung  der Ehe, Rechte und Pflichten bei aufrechter Ehe regelt das ABGB. Ehename Vor  oder  bei  der  Eheschließung  kann  einer  der Nachnamen zum gemeinsamen Familiennamen bestimmt  werden (§93/1). Wird kein Ehename gewählt, wird der Name des  Mannes automatisch Ehename.  Es  kann  auch  erklärt  werden,  den  eigenen  Namen  fortführen  zu  wollen,  oder  einen Doppelnamen  zu  bilden.  Kinder  tragen  den  Ehenamen,  nie  aber  einen  Doppelnamen.  Gibt  es keinen  Ehenamen,  können  sich  die  Eheleute  auf  einen  Namen  für  die  Kinder  einigen,  sonst erhalten  sie  den  Namen  des  Vaters.  Alle  Kinder  müssen  den  gleichen  Nachnamen  haben.  Bei einer  Scheidung  behalten  die  Kinder  ihren   Namen.  Hat  eine  Ehegattin  den  Nachnamen
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angenommen,  kann  sie  wieder  auf  ihren  alten  Namen  wechseln. War  der  alte  Name  auch  aus einer Scheidung, dann nur wenn es Kinder dieses Namens gibt. Nicht vermögensrechtliche Ehepflichten Gem.  §44,90  begründet  die  Ehe  die  Pflicht  zur   umfassenden  Lebensgemeinschaft.  Die Ausgestaltung soll einvernehmlich erfolgen. Konkret umfasst die Lebensgemeinschaft: ● Gemeinsames  Wohnen  (§§90,92,97),  wobei  eine  abweichende  Vereinbarung  möglich ist.  Aus  wichtigem  Grund  kann  eine  Verlegung  oder  eine  Trennung  des  Wohnsitzes gefordert  werden,  deren  Rechtmäßigkeit  gerichtlich  festgestellt  werden  kann. Die auf die Wohnung  angewiesene Ehegattin  kann  das  Verlassen  der  Wohnung durch die Partnerin beantragen  (Wegweisung),  wenn  es  zu  unzumutbaren  Drohungen  oder  körperlichen Anfriffen kommt.. Dies erfolgt bis zu 2 Wochen durch die Polizei, danach per Gericht. ● Zwingende Treuepflicht: Missachtung des Vertrauensverhältnisses ist unzulässig ● Anständige Begegnung: angemessener Kontakt ohne Beleidigungen / Herabwürdigung ● Beistandspflicht: Krankenpflege, Trost, liebesvoller Umgang, Beistand bei Obsorge,... ● Geschlechtsgemeinschaft ● Haushaltsführung: gemeinsam mit Berücksichtigung der beruflichen Belastung. ● Kinder liegen im Einvernehmen des Ehepaares. Diese  Regeln  sind  nicht  erzwingbar,  ein  Verstoß  kann  aber  einer  als  Eheverfehlung  Sanktionen nach sich ziehen. Unterhalt Die  Bedürfnisse  sind  gemeinsam zu bestreiten (Anspannungstheorie: beide nach ihren Kräften), der  Beitrag kann auch in der Haushaltsführung oder Kindererziehung liegen. Der Unterhalt richtet sich  nach  der  Vereinbarung  des  Paares,  ein  kompletter  Vorausverzicht  oder  ein  grobes Missverhältnis  sind   nicht  zulässig.  Diese  Vereinbarungen  gelten  wohl  nur  solange  sich  die Umstände  nicht  wesentlich  ändern.  Wird  bezüglich  des  Unterhalts  nichts  vereinbart,  gilt  dass sich  der  Unterhalt  nach  den  gemeinsamen  Lebensverhältnissen  bemisst  (etwa  33%  des tatsächlichen  Nettoeinkommens  der  Alleinverdienden  ist  der  Unterhaltsanspruch).  Dieser Anspruch  verringert  sich,  wenn  es  noch  andere   Unterhaltsberechtigte  gibt  (Vorehe,  Kinder,...). Geringfügige  Einkünfte  werden  angemessen   berücksichtigt,  der  Anspruch  besteht  auch  bei Auflösung  der  häuslichen  Gemeinschaft.  Verdienen  beide  Eheleute,  hat  die  schlechter Verdienende  einen  Unterhaltsergänzungsanspruch (40% des gemeinsamen Nettoeinkommens). Ist  eine  Ehegattin aufgrund  einer  körperlichen  oder  psychischen  Behinderung  gar nicht beruflich oder  im  Haushalt  tätig,  steht  ihr  trotzdem  33%  des  Nettoeinkommens  zu.  Der  Unterhalt  erfolgt meist  durch  Naturalleistungen,  kann  aber  auch  in  Geld  verlangt  werden.  Bei  Aufhebung  der Lebensgemeinschaft  steht  der  Unterhalt  v.a.  in  Geld  zu.  Ansprüche  verjähren  nach  3  Jahren, diese Verjährung wird durch die aufrechte Ehe gehemmt (§1480 bzw. §1495). Schlüsselgewalt ist  eine  besondere  Form  der  Stellvertretung,  praktisch  aber  fast  unbedeutend.  Die einkommenslose  Gattin  vertritt  die  andere  Person  bei   alltäglichen  Rechtsgeschäften  für  den Haushalt. War die Vertretung nicht ersichtlich, haften beide Eheleute solidarisch.
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Berufliche Mitarbeit Soweit  zumutbar   (sonstige  Belastung  der  Gattin)  und  üblich  (eheliches  Umfeld),  besteht  gem. §90/2  die Pflicht  zur  Mitwirkung  im  Erwerb der anderen, falls dies nicht anders vereinbart wurde. Die   Mitwirkung  ist  nur  bei  Selbständigen  möglichen.   Wer  im  Erwerb  mithilft,  hat  einen vertraglichen  oder  falls  nicht  (angemessen),  einen  gesetzlichen  Anspruch  auf  angemessene Abgeltung (§98).  Diese  ist  eher  als  Erfolgsbeteiligung  zu  sehen  und  richtet  sich  nach  Art/Dauer der  Leistung  sowie  den  Lebensverhältnissen  der  Eheleute.  Die  Ansprüche  verjähren  nach  6 Jahren, dies wird nicht durch die aufrechte Ehe gehemmt. Wohnungserhaltung Hat  die  Gattin  keine  Verfügungsberechtigung  an  der  Wohnung,  aber  ein  dringendes Wohnbedürfnis,  hat  sie  das  Recht  auf  Wohungserhaltung.  D.h.  die  andere  Person  muss Störungen  des  Nutzens  und  Gebrauchs  der   Wohnung  unterlassen  und  die  Wohnung  erhalten. (Verboten  sind  z.B.  Nicht­bezahlen  der  Miete,  Schlössertausch,  Kündigung,  etc.)  Dagegen stehen  Unterlassungsansprüche  zu,  bei  schuldhaften  Verletzungen  kann  auch   Schadenersatz gefordert  werden.  Die  Aufgabe  der  Wohnung  kann  aus  objektiven  Umständen  notwendig  und damit erlaubt sein.

Ehegüterrecht
Wird  nichts  anderes  vereinbart,  bleibt  der  gesetzliche  Güterstand  bestehen,  d.h.  Gütertrennung zwischen  den  Eheleuten.  Beide  bleiben  Eigentümerin der Sachen, die sie einbringen  und die sie alleine erwerben sowie alleine Schuldnerin für ihre Verbindlichkeiten. Die Gütertrennung bleibt bis zum  Ende  der  Ehe  bestehen,  dann  sind   das  Gebrauchsvermögen  und  die  ehelichen Ersparnisse zu teilen. Die   Eheleute  können  mittels  Ehepakt  (notariatsaktspflichtig)  auch  Gütergemeinschaft vereinbaren,  deren  Reichweite  ist  Vereinbarungssache  (alle  bisherigen  Sachen:  beschränkte Gütergemeinschaft;  alle  bisherigen  und  zukünftigen  Sachen:  allgemeine  Gütergemeinschaft; auch   Mischformen  sind  möglich).  Von  der  Gütergemeinschaft  ausgenommene  Güter  werden Eigenvermögen  genannt,  höchstpersönliche  Rechte  können  nicht  eingebracht  werden.   Am gemeinsamen  Gut  besteht  Miteigentum,  bzw.  wird  solidarisch  gehaftet,  im  Innenverhältnis besteht  das Verbot, allein über den eigenen Anteil zu verfügen. Die Gütergemeinschaft besteht je nach  Vereinbarung schon  unter  Lebenden  oder mit dem  Tod,  im Zweifel letzteres. Bei Tod oder Insolvenz  werden  Schulden  vom  Vermögen  abgezogen  und  das  verbleibende  Vermögen aufgeteilt.  Bei  Ende  der  Ehe  durch  Scheidung   oder  Aufhebung  gilt  die  Parteienvereinbarung. Fehlt  diese oder gibt es kein Verschulden werden die Ehepakte aufgelöst, jede Person erhält ihre eingebrachten  und  verdienten  Anteile  zurück.  Bei  Verschulden  kann  die  unschuldige  Partei wählen, wie sie aufteilen will.

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Scheidung
ist  die  Trennung  einer eigentlich  gültigen  Ehe  durch  das Gericht (Urteil/Beschluss). Grundpfeiler des  Scheidungsrechts  sind  das  Zerrüttungsprinzip  und  das  Verschuldensprinzip. Unterschieden werden: ● Einvernehmliche Scheidung (§55a EheG) ● streitige Scheidung (§§49­55 EheG) ○ Verschuldensscheidung ○ Scheidung wegen Zerrüttung Einvernehmliche Scheidung erfolgt  im   außerstreitigen  Verfahren  und  ist  vom  Konsens  der  beiden  Eheleute  geprägt. Erforderlich: ● gemeinsamer Scheidungsantrag ● mind. 6 Monate Aufhebung der ehelichen Lebensgemeinschaft ● Zugeständnis der unheilbaren Zerrüttung ● Einigung über die wesentlichen Scheidungsfolgen ○ Obsorge über die Kinder, bei gemeinsamer Obsorge deren Aufenthaltsort ○ Unterhaltsansprüche der Kinder ○ Unterhaltsansprüche  der  Eheleute;  ist  diese  Erklärung   ungültig,  steht Billigkeitsunterhalt gem §69a/2 EheG zu. ○ Aufteilung  des  ehelichen  Gebrauchvermögens,  der  ehelichen  Ersparnisse  und der Schulden ○ die  Einigung  kann  (muss  aber  nicht) auch Regelungen über Besuchsrecht für die gemeinsamen Kinder enthalten. Verschuldensscheidung kommt  bei  unheilbarer  und  schuldhafter  Zerrüttung  der  Ehe  in  Betracht.  Sie  muss  auf  einer schweren  Eheverfehlung  oder  ehrlosem/unsittlichen  Verhalten  basieren  und  ist  im  Urteil festzuhalten  (Verschuldensausspruch  §60  EheG).  Die  Eheverfehlung  muss auch  kausal  für die Zerrüttung  sein  und  darf  daher  nicht  verziehen  worden  sein. Als  schwere  Eheverfehlung  gelten Ehebruch,  Gewalt  und  sonstiges  Zufügen   von  Leid  gegenüber  Kindern  oder   der  Gattin  sowie sonstige schwere Verfehlungen der ehelichen Pflichten. Diese Verfehlung muss auch vorwerfbar sein.  Ausgeschlossen  wird  die  Verschuldensscheidung,  wenn  die  andere  Person  eine  gleiche oder  noch  schlimmere  Eheverfehlung  begangen  hat oder wenn die Verfehlung verziehen wurde. Das  Verzeihen  kann  auch  konkludent  erfolgen.  Das  Klagerrecht  erlischt  nach  6  Monaten  ab Kenntnis bzw. 10 Jahre ab Setzen des Scheidungsgrundes. Zerrüttungsscheidung ist  eine  Scheidung  aufgrund  von  Zerrüttung  und  ohne  Verschulden  einer  Partei.  Voraussetzung ist dabei die unheilbare Zerrüttung sowie einer der 4 Gründe: ● Eheverfehlung  durch  geistige  Störung (§50  EheG): Auffangtatbestand falls die Verfehlung wegen geistiger Störung nicht vorwerfbar ist. Scheidungsgrund ist die Verfehlung.
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Geisteskrankheit (§51 EheG) welche die geistige Gemeinschaft unmöglich macht. Ekelerregende  oder  ansteckende  Krankheit  (§52  EheG): sofern  baldige  Heilung  nicht  zu erwarten ist. Diese  3  Gründe  stehen  unter  dem  Vorbehalt  der  Härteklausel  gem.  §54  EheG,  nach  der  eine Scheidung nicht möglich ist, wenn sie sittlich nicht gerechtfertigt,  d.h. vor Allem für die Betroffene eine  außergewöhnliche  Härte  darstellen  würde.  Die  Härteklausel  wirkt  nicht,  wenn  die Hausgemeinschaft schon seit mehr als 6 Jahren aufgelöst wurde. ● Heimtrennung;  die  Auflösung  der  häuslichen   Gemeinschaft  für  mindestens  3  Jahre (Heimtrennungsklage  §55  EheG).  Es  reicht  die  Trennung  der  Lebensbereiche  innerhalb einer  Wohnung,  sofern  damit  auch  eine  Trennung  von  Wirtschafts­  und Geschlechtsgemeinschaft  einhergeht.  Bei  Versöhnung  des  Paares  wird  die  Frist unterbrochen  und  würde  neu  beginnen.  Gegen  eine  Scheidungsklage  kann  ein Widerspruch  eingelegt  werden,  sofern  die  Widersprechende  weniger  oder  kein Verschulden  trifft  und  die  Entscheidung die Beklagte wesentlich härter treffen würde. Der Widerspruch  ist  abzuweisen,  wenn  die  Aufhebung  schon  seit  6  oder  mehr  Jahren besteht.  Nach  6  Jahren  Heimtrennung  können  beide  Eheleute  jedenfalls  auf  Scheidung klagen. Dem kann nur noch die Feststellung von Verschulden entgegengehalten werden. Verschuldensausspruch Bestimmte  Scheidungsfolgen  wie  der  Unterhalt  hängen  vom   Verschulden  ab.  Dieses  ist abgestuft  nach:  alleinigem  Verschulden  ­  überwiegendem  Verschulden  ­  gleichteiliges Verschulden  ­  minderes  Verschulden  ­  fehlendes   Verschulden.  Ob  und  wieviel  Verschulden vorliegt ist vom Gericht festzuhalten. Bei  Verschuldensscheidung  hat  das  Gericht  das   Verschulden  amtswegig  zu  ermitteln und  festzuhalten.  Hält  sich  die  Beklagte  für  unschuldig  oder  nur  teilweise  schuldig,  kann  sie Klagsabweisung  begehren  oder  einen  Mitverschuldensantrag  stellen.  Findet  das  Gericht  kein Verschulden  der  Beklagten,  ist  die  Verschuldensscheidung  abzuweisen.  Will  die  Beklagte  die Ehe  selbst  nicht aufrecht  erhalten,  kann  sie  auch  eine  Widerklage  einbringen.  Diese  kann  dann zur Scheidung führen, wenn die erste Klage abgewiesen wird. Bei  Zerrüttungssscheidung  ist  ein  Verschuldensausspruch  mit  Widerklage  oder Verschuldensantrag  möglich.  Beim  Verschuldensantrag  geht  es  um  das  Verschulden  an  der Zerrüttung.

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Scheidungsfolgen
Eine  Scheidung  beendet  die  Ehe  ex  nunc,  es  erlöschen  damit  auch  die  Ehepflichten.  Ehelich geborene  Kinder  bleiben  ehelich  und  haben  einen  Unterhaltsanspruch.  Der   Ehename  kann behalten werden (s.o.). Vermögensaufteilung Es   gilt  das  Prinzip  der  Güterteilhabe,  das  gemeinsame  Vermögen  soll  aufgeteilt  werden.  Eine vertragliche   Regelung  der  Scheidungsfolgen  ist  beachtlich.  Fehlt  diese,  so  ist  binnen  eines Jahres ab Scheidung ein Antrag auf richterliche Aufteilung zu stellen. Augzuteilen sind ● das  eheliche  Gebrauchsvermögen  (§81/2):  Sachen  die  in   aufrechte  Ehe  beide
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Gattinnen gebraucht haben. (z.B. Geschirr, Wohnung, Möbel, Bilder, Teppiche, etc.) ● Ersparnisse  (§81/3  EheG)  sind  finanzielle  Reserven  die  während  der  Ehe  angespart wurden (z.B. nicht verwendete Immobilien, Sparbücher, Wertpapiere, etc.) ● Von  der  Verteilung  ausgeschlossen  sind  in  die  Ehe   Eingebrachtes,  persönliche Gegenstände  (Hobbygeräte,  Arbeitssachen), Geschenke und Erbschaften. Davon wieder die  Gegenausnahme  ist  die  Ehewohnung  die  jedenfalls  in  die  Aufteilung  mit einzubeziehen  ist,  wenn  Gattin  oder  Kind  auf  sie  angewiesen  ist.  Unternehmen  werden nicht aufgeteilt, aber ihr Wert ist bei der Verteilung von Ersparnissen zu berücksichtigen. Bei  der  Verteilung  hat  die  Richterin  einen  großen  Handlungsspielraum,  maßgeblich  zu berücksichtigen  sind  dabei  die  Beiträge  zum  Erwerb  des  aufzuteilenden  Vermögens  (inkl Haushaltsführung,  Erziehung,  Mitarbeit  im  gemeinsamen  Unternehmen).  Die  Ehewohung  geht dabei  meist   an  die  Person,  die  mit  der  Obsorge  betraut  wird.   Die  Teilung  soll  möglichst  so gestaltet  werden,  dass  sich  die  Lebensbereiche  nicht  oder  nur  wenig  überschneiden.  Die Richterin  kann  Eigentum  und  Schulden  frei  verteilen,  und  sogar  dingliche  Rechte  an Liegenschaften  begründen,  soll  aber  eigentlich  möglichst  wenig  eingreifen.  Es  kann  auch  die Stellung  als  Schuldnerin  geändert  werden  (z.B.  nur   noch  Ausfallshaftung  statt  Solidarhaftung). Vereinbarungen über vermögensrechtliche Folge schließen die gerichtliche Aufteilung aus. ● Vereinbarung im Zuge des Scheidungsverfahrens (§97/5 EheG) sind formlos möglich ● Vorausbereinbarungen,  Ehevertrag  sind  über  Ersparnisse  und  über Grabrauchsvermögen  zulässig  und  unterliegen  der  Notiariatsaksform  bzw.  im Falle  des Gebrauchsvermögens  der  Schriftform.  Der  Vertrag  unterliegt  jedenfalls  der  richterlichen Kontrolle,  das  Gericht  kann  vom  Vertrag  abweichen,  wenn  die  Vereinbarung  einen  Teil unbillig und unzumutbar benachteiligt. Wenn das Gericht abweichen will, muss es jedenfalls beachten (§97/4 EheG): ○ Dauer  der   Ehe  und  Lebensverhältnisse;  je  länger  die  Ehe,  desto  eher  ist  die Vereinbarung veraltet und eher nicht zu beachten ○ ob Vertrag unter rechtlicher Beratung / in welcher Form er abgeschlossen wurde Bezüglich  der  Ehewohnung  bestehen  Sonderregeln,  sie  fällt  aus  der  Aufteilung,   wenn  sie eingebracht,  geschenkt  oder  geerbt  wurde  und  wird  nur  dann  aufgeteilt,  wenn  eine  Ehegattin und/oder  ein  Kind  dringenden  Wohnbedarf  daran  hat.  Die  Eheleute  können  die  Ehewohnung explizit  in   die   Verteilungsmaße  mit  aufnehmen  oder  davon  ausschließen.  Im  Fall  des Ausschlusses  können  die  Parteien  für  Wohnungen  mit  besonderem  Bedarf  das  Einräumen dinglicher Rechte ausschließen. Unterhalt Auch  der  Unterhalt  richtet sich  vor  Allem nach  der  Parteienvereinbarung.  Fehlt  diese,  hängt  der Unterhalt  v.a.  vom  Verschulden  ab  und  gebührt  monatlich   im  Voraus  (§§66­78  EheG).  Der Unterhaltsanspruch  erlischt  mit  dem  Tod  der  Berechtigten,  bei  Wiederverheiratung  der Berechtigten  und  ruht  bei  einer  neuen  Lebensgemeinschaft.  Bei  selbst  verschuldeter Bedürftigkeit  reduziert  sich  der  Anspruch  auf  den  notdürftigen  Unterhalt,  also  das Existenzminimum.  Schwere  Verfehlungen  gegen  die  Verpflichtete  lassen  den
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Unterhaltsanspruch  erlöschen.  Für  die  Unterhaltshöhe  gilt  die  Umstandsklausel  (clausula  rebus sic stantibus), d.h. der Unterhalt ist an sich ändernde Verhältnisse anzupassen. ● Unterhalt  bei   Verschuldensscheidung:  Die  allein  oder  überwiegend  schuldige  Gattin hat  der   Anderen  angemessenen  Unterhalt  zu   leisten,  sofern  diese  nicht  aus  eigener zumutbarer  Erwerbstätigkeit  und Vermögenseinkünften  sich  selbst  versorgen  kann.  Der Unterhalt  soll  angemessen  sein,  d.h.  Einkommenslose  33%  des  Nettoeinkommens, Verdienende  40%  des  gemeinsamen  Nettoeinkommens.   Hat  die  Verpflichtete  noch weitere  Unterhaltspflichten,  so verringert  dies  den  Satz  pro  Kind um 3­4%, pro Ehegattin um  1­3%.  Sowohl  für  Berechtigte als  auch  für  Verpflichtete  gilt  das  Anspannungsprinzip (d.h.  zumutbare  theoretische Erwerbsmöglichkeit).  Würde die Unterhaltsverpflichtung für die  Verpflichtete  deren  Existenz  gefährden,  sind  die  anderen  unterhaltspflichtigen Verwandten  der  Berechtigten  heranzuziehen.  Gibt es keine solche Verwandten, dann der Vermögensstamm  der  Berechtigten.  Fehlt  auch  der,  besteht  ein  geminderter  Anspruch gegen die Verpflichtete. ● Unterhalt  bei  gleichem  Verschulden:  Es  steht  dabei  nur dann  Unterhalt nach Billigkeit zu,  wenn  eine Person nicht selbsterhaltungsfähig ist. (c.a 10­15% des Nettoeinkommens der verpflichteten Person) ● Unterhalt  bei  Zerrüttungsscheidung:  Wenn  kein  Verschulden  ausgesprochen  wurde, kann   nur  nach  Billigkeit  Unterhalt  zugesprochen  werden.  Ob  und  wieviel  hängt  von  den Bedürfnissen und Verhältnissen ab. ● Bedarfsunterhalt:  kann  bei  jeder  Art  der  Scheidung  und  unabhängig  vom Verschulden gewährt  werden,  wenn einem  Teil aus  Gründen,  die  in  der  Ehe  wurzeln eine Arbeit nicht zugemutet  werden  kann.  Dieser  Unterhalt  soll  nur  die  Grundbedürfnisse abdecken  und erlischt, wenn Selbsterhaltungsfähigkeit erreicht wird. 2 gesetzliche Fälle: ○ Betreuungsunterhalt:  Geschiedene  erzieht  gemeinsames  Kind  unter  5 und  kann deshalb nicht arbeiten gehen ○ Unterhalt  wegen  ehebedingter  Einschränkung  der   Erwerbsfähigkeit:  als  Folge jahrenlangen  Haushalt­führens  und  Erziehens  ist  am  Arbeitsmarkt  keine Stellung zu  finden,  soll  als  Ausgleich  für  früher  nicht  möglichen  Berufseinstieg  Unterhalt gezahlt werden.

Eingetragene Partnerinnenschaft
steht nur Personen gleichen Geschlechtes offen. Die Unterschiede zur Ehe sind: ● Die  EP  wird  vor  der  Bezirksverwaltung (statt Standesbeamtin) geschlossen und benötigt keine Zeuginnen. ● Beim Bruch des Versprechens auf Eingehen einer EP steht kein Schadenersatz zu. ● Die   EP   hat  keine  Auswirkungen  auf  die  Namen  der  Beteiligten,  dies  hat  per  seperater Namensänderung zu erfolgen. ● Die   Partnerinnen  sind  wörtlich  nicht  “zur  Treue”  sondern  zur   Vertrauensbeziehung verpflichtet. ● Aufhebung der häuslichen Gemeinschaft ist ab 3 Jahren ein absoluter Aufhebungsgrund ● EP  werden  an  keiner  Stelle  als  Familie  bezeichnet.   Adoption  ist  nicht  gestattet,  auch
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nicht  die  Adoption  von  in  die  Beziehung  eingebrachten  Kindern  (Stiefkindern).  Obsorge­ und  Vertretungsregeln  gelten  für  die  EP  nicht,  medizinisch  unterstützte Fortpflanzung ist nicht erlaubt.

Lebensgemeinschaft
ist  eine  Beziehung  mit  länger  andauernder  Wohnungs­  Wirtschafts­  und  Geschlechts­ gemeinschaft.  Rechtlich  sind  Lebensgemeinschaften  wenig  geregelt.  Rechtsfolgen  sind  u.a. Eltern  eines  gemeinsamen  Kindes  in häuslicher Gemeinschaft können gemeinsam die Obsorge tragen,  Regeln  im  Sozialversicherungsrecht  und  Strafrecht,  etc.  Wichtig  ist  auch  die  Regel  im Mietrecht,  nach der bestimmte Personen im Falle des Todes der Mieterin ein Eintrittsrecht in den Mietvertrag  haben,  wenn  sie  dort  gemeinsam  wohnten  und  ein  dringendes  Wohnbedürfnis haben. Sie gehen damit sogar den Erbinnen vor.

Kindschaftsrecht
Abstammung
regelt  die  Herkunft  eines  Kindes.  Regeln  gelten  absolut  und  finden  sich  im  ABGB. Es wird noch in  ehelich/unehelich  unterschieden,  allerdings  mit  wenig  faktischen  Unterschieden  (Namen, Obsorge).  Die  Mutter  ist,  wer  das  Kind  geboren  hat.  Es  kann  immer  nur  einen  Vater  und  eine Mutter geben. Vater ist: (§138) ● Der  Ehemann  der  Mutter  zum  Zeitpunkt  der  Geburt:  biologisch  andere  Herkunft  ist dafür  irrelevant.  Das  Kind  hat Unterhaltsanspruch und Erbrecht gegen den Ehemann der Mutter   zum  Zeitpunkt  der  Geburt.  Die  Regel  gilt  auch,  wenn  das  Kind  innerhalb von  300 Tagen   nach  dem  Tod  des  Ehemannes  geboren  wird.  Für   Kinder,  die  nach  einer Scheidung geboren wurden, greift diese Vermutung nicht. ● wer  die  Vaterschaft  anerkennt:  durch persönliche  Erklärung  in  einer  öffentlichen  bzw. beglaubigten Urkunde als Vaterschaftsanerkenntnis (§163c). Dagegen können Mutter und Kind  binnen  2  Jahren  Widerspruch  erheben   (für  das  Kind  ist  die  Frist  wegen Minderjährigkeit  gehemmt).  Dieser  Widerspruch  führt  zu  einem  Verfahren,  in   dem  die Abstimmung überprüft wird. ● wer  als  Vater  gerichtlich  festgestellt  wird:  Antragsberechtigt  ist  das  Kind  gegen  den Vater  und umgekehrt (§138a) und auch deren jeweilige Rechtsnachfolgerinnen.  Das Kind kann   sich  auch  auf die Zeugungsvermutung  stützen,  wenn es  beweisen  kann,  dass  der potentielle  Vater  mit  der  Mutter  innterhalb  der  kritischen  Zeit  geschlafen  hat.  Diese Zeugungsvermutung ist nur  max. 2 Jahre nach dem Tod des potentiellen Vaters möglich, sofern  der  Beweis  nicht  wegen  Gründen  auf  Seitens  des  potentiellen  Vaters  unmöglich ist. Ist die Vaterschaft festgestellt und heiraten Eltern danach, gilt das Kind als ehelich. Bei  medizinisch  unterstützter  Fortpflanzung  ist  Vater,  wer  der  Fortpflanzung  per  Notariats­ oder Gerichtsakt zugestimmt hat.

Änderung der Vaterschaft
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Es kann immer nur einen Vater geben, die bestehende Vaterschaft kann geändert werden: ● Feststellung der Nichtabstammung vom Ehemann (§156) Diese  Anfechtung  beseitigt  die  Vermutung  der  Abstammung auf  Antrag des Ehemannes oder  des  Kindes  bzw.  deren  Rechtnachfolgerinnen  (nicht  aber  Dritte  und  Mutter!)  wenn absolute  Unwahrscheinlichkeit der  Zeugung  nachgewiesen  wird.  Der Antrag ist innerhalb von  2  Jahren  ab  Kenntnis  des  Zweifels  einzubringen,  die  Frist  ist  für  das Kind gehemmt wenn  es  noch  nicht  eigenberechtigt  ist.  Bei  erfolgreichem  Antrag  gilt  das  Kind  als vaterlos und unehelich. ● Unwirksamkeitserklärung eines Vaterschaftsanerkenntnisses (§164) z.B.  in   Folge  eines  Widerspruchs  von  Mutter  oder  Kind,  oder   bei   Willensmängeln  des Erklärenden, bzw. sein nachträglicher Beweis, dass das Kind nicht von ihm ist. ● Abänderungsantrag (§72 AußStrG) gegen gerichtlichen Feststellungsbeschluss binnen 30 Jahren im Außerstreitverfahren. ● Vätertausch (§163b) Das  Kind  (!)  kann  die  Feststellung  der  Vaterschaft  auch  beantragen,  wenn  ein  anderer Mann   als  Vater   festgestellt  wurde.  Bei  erfolgreichem  Antrag  wird   dann  der  neue  Vater statt dem alten eingesetzt. ● Vaterschaftsdurchbrechende Anerkenntnis (§163e) Auch  eine   Art  des  Austausches  des  bestehenden  Vaters  durch  einen  anerkennenden Dritten.  Ist  das  Kind  eigenberechtigt,  muss  es  den  Antrag  unterstützen,  damit  dieser zulässig  ist.  Sonst  bedarf  es  der  Zustimmung  von  Mutter  und  Jugendwohlfahrtsträgerin. Der  bisherige  Vater  und  die  Mutter  können  Widerspruch  erheben,  dann  wird  ein Verfahren eröffnet.

Kindsname
s.o.; eheliche Kinder erhalten den Familiennamen, sonst den Namen der vereinbart wurde oder den Namen des Vaters. Uneheliche Kinder erhalten den Namen der Mutter.

Obsorge
betrifft  das  Verhältnis von  Eltern  zu  ihren  minderjährigen  Kindern und endet automatisch mit der Volljährigkeit. Oberstes Prinzip ist das Kindeswohl (§178a). Obsorge umfasst die Bereiche ● Pflege  und   Erziehung  (§146)  ist  die  Wahrung  der  psychischen  und  physischen Gesundheit  sowie  Förderung  der  Entwicklung  mit  Beachtung  der  Bedürfnisse  und Wünsche des Kindes. ● Verwaltung  des  Kindesvermögens  (§149):  Eltern  müssen  sorgfältig  das Kindesvermögen  erhalten  und  ev.  vermehren,  Spekulationen  sind  verboten.  Bedürfnisse des  Kindes  können  wenn  nötig  aus  dem  Kindesvermögen beglichen  werden,  wobei  die Unterhaltspflicht vorgeht. ● Vertretung  des Kindes nach außen. Haben beide Eltern die Obsorge, können sie jeweils allein  das  Kind  vertreten,  sogar  wenn  der  andere  Elternteil  nicht  einverstanden  ist. Bestimmte,  aufgezählte  Geschäfte  bedürfen  der  Zustimmung  beider Obsorgeberechtigten  (§154/2  Namensänderung,  Religion,  Ausbildung,  etc.)  oder  sogar
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eines Gerichtes (§154/3 außergewöhnliche Vermögensangelegenheiten). Sind  die  Eltern  verheiratet,  haben  sie  beide  gemeinsam  die  Obsorge.  Bei  einem  in  die  Ehe eingebrachten  Kind  einer  Partnerin  hat  die  andere  Beistand  zur  Obsorge  zu  leisten  und  ist  zur Vertretung  im  Alltag  berechtigt.  Bei  unehelichen  Kindern  liegt  die  Obsorge  allein  bei  der  Mutter. Der Vater kann per Vereinbarung mit der Mutter und gerichtlicher Bewilligung Obsorge erhalten. Ist  eine  Obsorgeberechtigte  verhindert  (Tod,  unbekannter  Aufenthalt,  etc.)  ist  die verbleibende  Person  alleine  obsorgeberechtigt.  Gibt   es  keine  verbleibende  Person,  betreut  das Gericht  eine  andere  Person  mit  der  Obsorge  (Elternteil,  Großeltern,   Pflegeeltern).  Bis  zur Benennung obliegt die Obsorge der Jugendwohlfahrt. Bei  Gefährdung  des  Kindeswohls  muss  das Gericht eingreifen (§178), d.h. Anordnungen treffen,  die  Obsorge  beschränken oder je nach Verhältnismäßigkeit ganz entziehen. Das Gericht muss bei Kenntnis amtswegig einschreiten. Nach  einer  Scheidung  bleibt  die  gemeinsame  Obsorge  aufrecht, es ist dem Gericht eine Vereinbarung  über  den  gewöhnlichen  Aufenthaltsort  des  Kindes  vorzulegen  (§177).  Die  Eltern können  auch  mit  gerichtlicher  Genehmigung  die  Obsorge  ganz  einem  Elternteil  übertragen. Wenn  es  zu  keiner  Einigung  kommt,  hat  das  Gericht  zu  entscheiden  (§177a).  Bei  alleiniger Obsorge   (nach  Scheidung  oder  uneheliches  Kind)  hat  der  andere  Elternteil  das  Recht  auf Verständigung  und  Äußerung  zu  wichtigen  Themen  (§178)  und  ein  Besuchsrecht. Das Kind hat ein  Recht  auf  Kontakt  zu  beiden  Eltern  (§148).  Der  Besuch  ist  einvernehmlich oder  per  Gericht zu  regeln.  Wird   das  Besuchsrecht  nicht  eingehalten,  entfallen  Informations­  und Äußerungsrecht.

Unterhalt
Kinder  haben  gegen  ihre  Eltern  bis  zu  ihrer  Selbsterhaltungsfähigkeit  Anspruch  auf  Unterhalt. Der  Anspruch   geht  anteilig  gegen  beide  Eltern  und  ist  grundsätzlich  in  Naturalleistungen  zu geben.  Er  umfasst  auch  Freizeitgestaltung  und  andere  Lebensbedürfnisse. Selbsterhaltungsfähigkeit ist erreicht  wenn  das  Kind  seine  Bedürfnisse selber decken kann  oder könnte  (Anspannungstheorie),  ein  ernsthaft  betriebenes  Studium  schiebt  die  Selbsterhaltung hinaus. Die  Höhe  bemisst  sich  nach  der  Leistungsfähigkeit  der Eltern und den Bedürfnissen des Kindes.  In   der  Praxis  ergibt  sich  das  mit  Prozentsätzen  je  nach  Alter  (0­6:  16%,  15+:  22%)  mit Abzügen  für  weitere  Unterhaltsverpflichtungen.  Die  Verpflichtete  darf  nicht  unter  ihr Existenzminimum   gedrängt  werden.  Das  Kind  soll  weder  zu  wenig  noch  zu  viel  Unterhalt bekommen,  dies  orientiert  sich  an  jährlich  neuen  Regelbedarfsätzen.  Es  wird  nur maximal  der doppelte  Regelbedarf  als  Unterhalt  gewährt  (Playboygrenze).  Für  Unterhaltspflichtige  gilt  die Anspannungstheorie. Können  die  verpflichteten  Eltern  nicht  selbst  den  Unterhalt  aufbringen,  ist das Vermögen des  Kindes  heranzuziehen.  Sonst  werden  die  Großeltern  entsprechend  ihrer  Leistungsfähigkeit herangezogen.  Unter  bestimmten  Umständen  kann   das  Kind  für  seine  Eltern  oder  Großeltern unterhaltspflichtig  werden,  sofern diese ihren Unterhalt nicht  bestreiten können und sie dem Kind gegenüber nie Unterhalt schuldig blieben (§143).
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Bei  Säumigkeit  der  Unterhaltsschuldnerin  leistet  der   Bund   für  Minderjährige  einen Virschuss,  wenn  es  schon  einen vollstreckbaren  Exekutionstitel  gibt. Der  Bund  regressiert sich dann an der Schuldnerin. Unterhaltszahlungen durch Dritte können  entweder  wissentlich  oder  irrtümlich  erfolgen.  Wer  freiwillig   Unterhalt  leistet,  kann  sich an  den  eigentlichen  Schuldnerinnen  bereicherungsrechtlich  schadlos  halten  (§1042).  Wer irrtümlich  Unterhalt  leistet,  kann  gegen  das  Kind  (Leistungsempfänger)  einen Bereicherungsanspruch  haben,  bzw.  nach  §1042  gegen  die  wahre  Schuldnerin.  Wenn   diese Person   der  juristische  Vater  ist,  muss  die  Vaterschaft  zuerst  beseitigt  werden,  bevor  der Bereicherungsanspruch  geltend  gemacht  werden  kann.  Wurde  beispielsweise  der  Vater  durch die Mutter über die Vaterschaft getäuscht, kann Schadenersatz zustehen (Schaden=Unterhalt). Unterhaltsschutz soll   verhindern,  dass  Unterhaltspflichtige  kein  Einkommen   haben,  aber  von  einer  Dritten unterhalten  werden.  Es  haftet  nach  §1  USchG,  wer  freiwillig  einer  Erwerbslosen  Unterhalt gewährt als Bürgin und Zahlerin für deren Unterhaltsschuld, sofern diese bekannt war.

Adoption
bildet  ein  leibliches  Kindschaftsverhältnis  nach  und  erfolgt durch  einen  Vertrag  mit  gerichtlicher Genehmigung  zwischen  Wahleltern  und  Wahlkind.   Das  Wahlkind  kann  auch  schon  volljährig sein.  Wahleltern  können  ein  Ehepaar  (dann  nur  gemeinsam)  oder  eine  Einzelperson  sein  und müssen   28  (Frau)  bzw.  30  (Mann)  Jahre  alt  sein,  sowie  mindestens  18  Jahre  älter  als  das Wahlkind.  Für  das   Adoptieren  eines  minderjährigen  Kindes  muss  Aussicht  auf  eine kindschaftsähnliche  Beziehung  bestehen,  bei  volljährigen  muss  diese  Beziehung  bereits vorhanden  sein.  Die  Adoption  muss  jedenfalls  dem  Wohl  des  Kindes  dienen  und  sie  darf  nicht den  Anliegen  leiblicher  Kinder  widersprechen.  Als   Vertrag  erfordert  es  die  Zustimmung  des volljährigen Wahlkindes oder der Eltern des minderjährigen Wahlkindes oder eines Gerichtes. Als  Sonderfall:  Inkognitoadoption  bei  der  die Identität der Annehmenden zum Kindeswohl geheimgehalten  wird.  Die  Eltern  müssen  zustimmen  und  werden  über  persönliche  und wirtschaftliche Verhältnisse der Wahleltern informiert. Die   Adoption  stellt  ein  leibliches  Eltern­Kind­Verhältnis  her,  wobei  dieses  nur  die Annehmenden  und  deren  Nachkommen   sowie  die  Angenommene  und  deren  minderjährige Nachkommen   erfasst.  Die  leiblichen  Eltern  werden  verdrängt,  die  Obsorge  steht  nur  den Wahleltern  zu,  der  Unterhalt  ist  primär  von  den  Wahleltern  zu   leisten,  nur  subsidiär  von  den leiblichen Eltern. Bei der Einzeladoption wird nur der entsprechende leibliche Elternteil ersetzt. Pflegefamilie Pflegeeltern  sind Personen,  bei  denen  das  Kind ohne Adoption lebt, gepflegt wird und Erziehung erhält  (§186).  Dir  sind keine gesetzlichen Vertreterinnen des Kindes, aber dürfen Anträge für das Kind  in  Verfahren stellen  und erhalten die Obsorge, wenn das Pflegefamilienverhältnis nicht bloß vorübergehend ist und dies dem Kindeswohl entspricht.
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Patchworkfamilien
Stiefeltern   haben  eigentlich  keinerlei  Rechte  gegenüber  dem  Kind.  Sie  müssen  aber  gem  §90 ihren  Ehepartnerinnen  bei  der  Obsorge   beistehen  und  dürfen  das  Kind  im  Alltag  vertreten.  Die Verletzung  der  Beistandspflicht  ist  unter  Umständen  eine  Eheverfehlung.  Der  Stiefelternteil  ist gem  §90  nur  Vertreterin  der  Ehegattin,  nicht  des  Kindes  (Vertretungskette).  Diese Vertretungsmacht  kann  auch  untersagt  werden.  Die  Vertretung  ist  offen  zu  legen,  die  Regeln über  Anscheinsvollmacht  können  zur  Anwendung  kommen,   ebenso  die  Regeln  über  falsus procurator  (Haftung  für  Vertrauensschaden),  wenn   die   Vertretungshandlung  zu  weit  ging  und nicht nachträglich genehmigt wird. Für   unverheiratete  Personen,  die  mit  dem  minderjährigen  Kind  der  Partnerin  im gemeinsamen  Haushalt  leben  besteht  gem   §137/4  eine  Schutzpflicht  gegenüber   dem  Kind. Voraussetzung  ist  nur  das  Leben  im  gleichen  Haushalt  und ein familiäres Verhältnis. Verletzung kann zu Schadenersatzansprüchen führen.

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IV ­ Schuldrecht ­ Allgemeiner Teil
Schuldrecht  wird  im  ABGB  “persönliches  Sachenrecht”  genannt.  Wer  schuldet  ist  Schuldnerin, wer  das  Recht   auf  eine  Leistung  hat  ist  Gläubigerin.  Das  Recht  auf  Leistung  heißt  Anspruch  = Forderung(srecht).  Der  Inhalt  des  Anspruches  ist  die  Verbindlichkeit  auf  Tun  oder  Unterlassen. Da  das  Forderungsrecht  nur  gegen  die  konkrete  Schuldnerin geht, ist es ein relatives Recht. Es besteht aber ein gewisser Schutz vor Eingriffen Dritter.

Schuldverhältnis
ist  die  Gesamtheit  aller  wechselseitigen  Rechte  und   Pflichten  zwischen  Schuldnerin  und Gläubigerin.  Das  sind  Haupt­  und  Nebenleistungspflichten,  Schutz  und  Sorgfaltspflichten, Primär­  und  Sekundärpflichten,  Gestaltungsrechte  und  Obliegenheiten.  Das  Schuldverhältnis beginnt schon mit Vertragsanbahnung mit gewissen Schutz­ und Aufklärungspflichten. ● Hauptleistungspflichten  charakterisieren  den  Vertragstyp,  meist  haben  dabei  beide Parteien  Rechte  und  Pflichten  und  sind  daher  gleichzeitig  jeweils  Schuldnerin  und Gläubigerin.  Solche  wechselseitigen  Verträge  werden  Synallagma  genannt.  Das  sind Kauf,  Tausch,  Miete,  Pacht,  Werkvertrag, Dientvertrag.  Durch  die  Wechselseitigkeit  der Pflicht  muss  in  der  Regel  nur  geleistet  werden,  wenn  auch   die   andere  Seite  leistet (Zug­um­Zug Prinzip). ● Nebenleistungspflichten: ○ selbständige:  an   ihnen  besteht  ein  eigenes,  von  der  Hauptleistung  getrenntes Interesse.  Sie   könnten  Gegenstand  eines   eigenen  Vertrages  sein.  Bei Leistungsstörungen gilt daher §918 (Rücktrittsrecht). ○ unselbständige:  haben  bloß  dienende  Wirkung  und sind v.a.  zur Abwicklung der Hauptleistungspflichten  geeignet.  Sie  ergeben   sich  aus  der  Vereinbarung,  dem Gesetz   oder   ergänzender  Vertragsauslegung  oder  der  redlichen  Verkehrsübung (z.B.  Schutz­  und  Sorgfaltspflichten).  Ob  die  Erfüllung  einklagbar  ist,   hängt  von der konkreten Beschaffenheit ab. ○ Schutz­  und  Sorgfaltspflichten:  Durch  Erfüllungshandlung  soll  die  Gläubigerin nicht  geschädigt  werden,  sie  ergeben  sich   aus  Vertragsauslegung  und  Gesetz. Verstoß führt zu einer vertraglichen Schadenersatzpflicht. ● Primär­ und Sekundärpflichten ○ Primärpflichten  sind   Haupt­  und  Nebenleistungspflichten  sowie  Schutz­  und Sorgfaltspflichten ○ Sekundärpflichten entstehen aus der Verletzung von Primärpflichten ● Gestaltungsrecht  ist  das  Recht  durch  einseitige  Willenserklärung  eine  Änderung  eines Rechtsverhältnisses herbeizuführen (z.B. Kündigung, Wandlung, Rücktritt). ● Obliegenheiten  sind  nicht  einklagbare  Verbindlichkeiten.  Die  Nichtbeachtung führt nicht zu Ersatzansprüchen der anderen Seite, aber löst eventuell negative Rechtsfolgen aus.

Ziel­ und Dauerschuldverhältnisse
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Ein  Zielschuldverhältnis  ist  ein  einmaliger  Leistungsaustausch  mit  dem  das  Schuldverhältnis erfüllt wird. Bei  einem  Dauerschuldverhältnis  wird  ein  länger  dauerndes  Verhalten  geschuldet,  die  Erfüllung führt  nicht  zum  Ende  des  Vertrages  (z.B.  Miete,  Pacht,  Dienstvertrag,  Gesellschaftsvertrag, etc.).  Der  Gesamtumfang  der  Leistung  ist hier nicht direkt vereinbart, sondern hängt von der Zeit ab.  Dauerschuldverhältnisse  enden  mit  Zeitablauf,  Auflösungsvereinbarung  oder  einseitiger Kündigung  (diese  meist  mit  Terminen  und  Fristen).  Durch  Rechtsanalogie  werden  Vorschriften für   alle  Dauerschuldverhältnisse  geschlossen,  wie  beispielsweise  die  ausserordentliche Kündigung  aus  wichtigem  Grund  und  die  Auflösung  begonnener  Dauerschuldverhältnisse  bloß ex nunc falls die Rückabwicklung nicht einfach möglich ist.

Schuld und Haftung
Schuld  ist  das  Leistensollen,  Haftung  das  Einstehen  für  die  Schuld.  Persönliche  Haftung  ist  die Haftung   mit   dem  ganzen  Vermögen,  dingliche   Haftung  ist  beispielsweise  das  Pfandrecht (sachlich  beschränkte  Haftung).  Die  persönliche  Hafting  wird  durch  das  Gesetz  per Schuldnerinnenschutz  wie  das  Existenzminimum  beschränkt.  Von  Schulden  mit  beschränkter Haftung   muss  die  Schuldbegrenzung  unterschieden  werden,  die  bei  bestimmten  Ereignissen Forderungen nur bis zu einer Höchstgrenze entstehen lassen (z.B. EKHG).

Begründung von Schuldverhältnissen
erfolgt  durch  Gesetz  (bei  deliktischem  Schaden,  Geschäftsführung  ohne  Auftrag, Bereicherungsrecht) oder durch ein Rechtsgeschäft (einseitig oder Vertrag).

Entstehung durch ein Rechtsgeschäft
Durch  Vertrag   entsteht  ein  Schuldverhältnism  es  gilt  dabei  Privatautonomie (Abschlussfreiheit, Formfreiheit,  Gestaltungsfreiheit),  bei  gemischten  Vertragstypen  ist  jene Regelung anzuwenden, die  der  jeweiligen Leistungspflicht  am  ehesten  entstpricht.  Eine klare  gesetzliche  Trennung  gibt es  hier  nur   zwischen  Kauf  und  Tausch,  es  ist  dabei  auf  das  überwiegende  Element  zu  achten (Absorbtionstheorie).  Privatatonomie  und  Vertragsrecht  sind  durch  Schutzvorschriften beschränkt. Durch  Auslobung,  d.h.  Zusage  an  eine nicht  bestimmte  Person  für  die  Belohnung einer Leistung  oder  eines  Erfolges  (§860).  Die  Auslobung  ist  bindend  bis  zum  gleichartigen  Widerruf oder  der  gesetzten  Frist.  Es  bedarf  weder  einer  Annahme   noch  Kenntnis,  damit  die Leistungspflicht  entsteht.  Den  Anspruch  kann  geltend  machen,  wer  ihn  als  erste  erfüllt.  Eine Sonderform  ist  das  Preisausschreiben.  Öffentliche  Ausschreibungen  sind  nur  Aufforderungen zur Angebotslegung.

Entstehung durch rechtsgeschäftlichen Kontakt
Dies  sind   die   vorvertraglichen  Pflichten,  culpa  in  contrahendo.  Bei  Anbahnung  eines
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Rechtsgeschäftes  entstehen  schon  vor  Vertragsschluss  gewisse  Schutz­  Aufklärungs­  und Sorfgaltspflichten  (z.B.  Aufklärung über  Beschaffenheit  des  möglichen  Leistungsgegenstandes, Gefahren   bei  der  Erfüllen  oder  rechtliche  Hindernisse).  Diese  Pflichten  richten  sich  nach  der Verkehrssitte.  Unter  Umständen  sind schon  vor Vertragsschluss Hindernisse zu beseitigen, das grundlose  Aufgeben  von  Verhandlungen  kann ersatzpflichtig  machen,  wenn  der Abschluss sehr sicher  schien  und  ein  Vertrauensschaden   erwachsen  ist.  Verletzungen dieser  Vorvertraglichen Pflichten   durch  Stellvertreterinnen  führen  zur  Ersatzppflicht  der  Geschäftsherrin  (§1313a).  Die Verletzung  von  culpa  in  contrahendo  führt  zu  Schadenersatzansprüchen  für  den Vertrauensschaden.  Irreführendes  Verhalten  ist  zu   vermeiden.  Bei  Mitverschulden  der Geschädigten ist der Schaden gem. §1304 zu teilen.

Nebenabreden zur Bestärkung/Schwächung von rechtsgeschäftlichen Pflichten
Angeld  (§908)  ist  die  Anzahlung  als  Zeichen  des  Abschlusses  oder  zur  Sicherstellung  der Erfüllung.  Voraussetzung  ist  ein  gültiges  Rechtsgeschäft,  sonst muss  das Angeld  rückerstattet werden.  Bei  Nichterfüllung  des  gültigen  Vertrages   darf  die  Schuldlose  das  Geld  behalten. Alternativ   kann  auch  weiterhin  Erfüllung  gefordert  werden,  bzw.  Schadenersatz  wegen Nichterfüllung.  Das  Angeld  gilt  auch  als  Anzahlung  auf  die  Schuld,  beim Konsumentinnengeschäft hat die Richterin ein Mäßigungsrecht. Verjährung: 3 bzw. 30 Jahre. Reugeld  (§§909­911)  ist  die  Vergütung  für  die  Ausübung  eines  Rücktrittsrechtes,  die versprechende  Partei  kann sich von der Erfüllungspflicht durch Zahlung des Reugeldes befreien. Das  Recht  gilt  bis  zur  Vertragserfüllung.  Voraussetzung  ist  wiederum  ein  gültiger  Vertrag.  Das Reugeld  muss  auch  gezahlt  werden,  wenn  die  Erfüllung  durch  die  Reugeldversprecherin unterbleibt.  Es  schwächt  die  vertraglichen  Pflichten  und  kann  ebenfalls  richterlich  gemäßigt werden. Vertragsstrafe  (§1336)  ist  ein  pauschalierter  Schadenersatz  für  den  Fall  der  nicht  (gehörigen) Erfüllung  des  Vertrages.  Ist  nichts  anderes  vereinbart,  ersetzt  die  Vereinbarung  den Schadenersatz  für Verzug,  Nicht­  und Schlechterfüllung. Bei Dauerschuldverhältnissen kann doi Vertragsstrafe  mit  Begehren  auf  zukünftige  Erfüllung  verknüpft  werden.  Eine  “Stornogebühr”  ist beispielsweise  eine Vertragsstrafe. Sie gebührt auch, wenn kein Schaden eingetreten ist und nur die  Verpflichtung  verletzt  wurde.  Schaden,  der  die  Strafe  übersteigt,  kann  geltend  gemacht werden  (im  KSchG  nur wenn ausdrücklich vereinbart). Die Vertragsstrafe erfordert Verschulden, sie  kann  auf  Antrag  richterlich  gemäßigt  werden.  Bei   Mitverschulden  ist  die  Vertragsstrafe entsprechend  zu  mindern.  Sie  ist  akzessorisch,  aber  auch  zu  bezahlen,  wenn  die  Gläubigerin wegen Verzuges ex tunc zurücktritt. Verwirkungsabrede  ist  die  Vereinbarung  eines  Rücktrittsrechtes  oder  Rechtsverlustes  der Schuldnerin  bei  nicht  gehöriger  Erfüllung.  Das  kann  auch  der  Verfall bisheriger Leistungen sein, oder  der  Terminverlust  bei  Krediten,  der  der  nach  Verzug  einer  Teilleistung  alle verbleibenden Raten  fällig  werden.  Im  KSchG  ist  dafür  6­wöchiger  Verzug,  Androhung  und  Nachfrist  von  2 Wochen nötig.

Schuldinhalt
sind Art der Leistung, Leistungszeitpunkt, Leistungsort und Leistung Zug­um­Zug
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Art der Leistung Leistung  ist  ein  Tun  oder  Unterlassen,  für  beides  gelten  die  selben Regeln,  wobei  Unterlassen besonders geschützt ist (vorbeugende Unterlassungsklage, die kein Verschulden voraussetzt). Eine  Leistung  ist  teilbar,  wenn  zwischen  dem  Ganzen  und  den  Teilen  ein  bloß mengenmäßiger  Unterschied  besteht  (v.a.  vertretbare  Sachen).  Die  Teilbarkeit  kann  auch vertraglich  geregelt  werden.  Wenn  das  Interesse  nur  an  der Gesamtleistung besteht, ist es eine unteilbare  Leistung.  Die  Erbringung  einer  Teilleistung  lässt  die  Schuld teilweise  erlöschen,  was den  Gesamtrücktritt  unmöglich  macht.  Bei  unteilbaren  Leistungen  ist  eine  Teilunmöglichkeit immer auch gleich eine Gesamtunmöglichkeit. Die   Leistung  muss  bestimmt  oder  zumindest  bestimmbar  sein  (§869).  Bestimmung kann   auch  einer  Dritten  überlassen  werden.  Die  Hauptpunkte  müssen  nach  Billigkeit entschieden  werden.  Wurde  nichts  vereinbart,  greift  dispositives  Recht  bzw.  die Vertragsauslegung  (z.B.  angemessenes  Entgelt  bei  Dienst/Werkverträgen  nach  §1152, Kaufpreis  als   marktüblich).  Ist  der  Preis  und/oder  die  Leistung  nicht  bestimmbar,  liegt  wegen Dissenz kein Vertrag vor. Gattungsschuld  liegt  vor,  wenn  die  Sache  bloß  durch  generelle   Merkmale  bestimmt wird.  Stückschuld  liegt  vor,  wenn  die  Sache  durch  individuelle   Merkmale  bestimmt  wird. Beschränkte  Gattungsschuld ist aus  einem  bestimmten  Vorrat zu leisten, geschuldet wird dabei mittlere  Art  und Güte (bei Schenkung: gerade noch brauchbares). Die Auswahl der zu leistenden Sache  ist  die  Konzentration  und  tritt  nach  Gesetz  zum  Zeitpunkt der bedungenen Übergabe ein. Beim  Versendungskauf  ist  schon  die  Übergabe  an   die   Transporteurin  die  Konzentration. Maßgeblich   ist   die  Unterscheidung  vor  Allem  für  die  Gefahrtragung,  für  die  Unterscheidung  ist der Parteiwille maßgeblich. Wahlschuld  (Alternativobligation);  hier  ist  nur  eine  von  verschiedenen  Leistungen  zu erbringen,   die  Wahl  liegt  in  der  Regel  bei  der  Schuldnerin  (§908).  Wenn  beide  Leistungen erbracht  werden,  kann  die  Schuldnerin  eine   wieder  zurückfordern  (§1436).  Die  Wahl  wird  per Erklärung  oder  Erfüllung  getroffen,  bei  Verzug  kann  nur  auf  eine der Leistungen geklagt werden. Bei  Verzug  der  Wahl  durch  die  Gläubigerin  kann  nach  erfolgloser  Aufforderung  zur  Wahl  die Schuldnerin  wählen  oder  zurücktreten.  Bei  zufälligem  Untergang  einer  Sache  ist  die Wahlberechtigte  nicht  mehr  an  den  Vertrag  gebunden  und  kann  entweder  die  verbleibende Sache   fordern,  oder  zurücktreten.  Liegt  ein  Verschulden  der  Schuldnerin  vor,  kann  die Berechtigte  auch  Schadenersatz  wegen  Nichterfüllung  fordern.  Ein  Sonderfall  ist  die Alternativermächtigung,  hier  besteht  der  Anspruch  auf  eine  Sache,  aber  die  Schuldnerin  kann diese durch eine andere ersetzen. Geht das Geschuldete dabei unter, erlischt die Pflicht. Geldschuld;  als  Geld  zählt  jedes  Zahlungsmittel,  inkl  Buchgeld  (sofort   verfügbare Konten=Anspruch  gegen  die  Bank;  Buchgeld  ist  daher  Leistung  an  Zahlungs  statt  gem.  §1414 und  bedarf  der  Zustimmung).  Geldschulden  sind  Gattungsschulden  und  qualifizierte Schickschulden  (§905/2;  d.h.  mehr als Schickschuld weil die Schuldnerin das Verlustrisiko trägt, weniger   als  Bringschuldm  weil  Verzögerungen  nicht  zulasten   der  Schuldnerin  gehen  und  die Schuldnerin  mit  Absendung  ihre  Schuld  erfüllt).  Geldmangel  gilt  nicht als  Unmöglichkeit,  da  die Schuldnerin  mit  ihrem  ganzen  Vermögen haftet. Inflationsbedingte Geldwertminderung ist nur im Unternehmerinnengeschäft  beachtlich,  oder  wenn   grobes  Verschulden  vorliegt  (“entgangener
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Gewinn”). Wertsicherungs­ und Indexanpassungsklauseln sind zulässig. Zinsen  sind  Entgelt  für  Kapitalnutzung,  berechnet  in  Prozent  des  Kapitals (Verzugszinsen  sind  eher  Schadenersatz  oder  Bereicherungsrecht;  Zins kann auch das Entgelt für  Bestandname  bezeichnen).  Zinsen  sind  im ABGB Nebengebühren (§912), können aber auch Hauptleistungspflicht  sein.  Sie  verjähren  nach  3  Jahren  (§1480).  Die  Gläubigerin  kann  frei  über die  Zinsen  verfügen,  die  Grenze  bestimmt  sich  aus  Wucherbestimmungen.  Der  gesetzliche Wert  gilt,  wenn  nichts anderes vereinbart wurde mit 4% p.a.  (§1000). Die Pflicht zur Zinszahlung ergibt   sich  aus  Gesetz  oder  Vertrag.  Verzugszinsen  gebühren  als  Folge  verspäteter  Leistung und  richten  sich  nach  der  Vereinbarung  (im  KSchG  max.  5%p.a.).  Wurde  nichts  vereinbart,  gilt 4%,  dies  ist  verschuldensunabhängig.  Unter  Unternehmerinnen  ist  der  Zinssatz  8%  über  den EZB  Basiszinssatz.  Sonstige  Schäden  über  den  Verzugszinsen  sind  schon  ab  leichter Fahrlässigkeit   zu  ersetzen,  darunter  fallen  v.a.  Eintreibungsmaßnahmen.  Rückständige  Zinsen können  die  Hauptschuld  nicht  übersteigen  (§1335,  nicht  bei  Unternehmerinnengeschäften), Zinsenszinsen  sind  nur  bei  entsprechender  Vereinbarung  oder  ab  Klagseinbringung  zu entrichten. Sicherstellung,  d.h.  Sicherheitsleistungen  ergeben  sich aus Gesetz oder Vereinbarung, nach  §1373  zuerst  ein Pfand, nur ausnahmsweise eine Bürgin. Rechnungslegungspflicht trifft Verwalterinnen von fremdem oder gemeinschaftlichem Vermögen, es kann aber auch vertraglich vereinbart werden. Leistungszeitpunkt ist  die  Fälligkeit,  also  der  Zeitpunkt  an  dem  die  Schuldnerin  zu  leisten  hat  und  die  Gläubigerin annehmen  soll  (Annahme  ist  bloße  Obliegenheit).   Der  Zeitpunkt  richtet  sich  nach  der Vereinbarung  oder  dem  Gesetz  (z.B.  §§1418,  685)  und  nach  Natur  und  Zweck  der Leistung. Im Zweifel   ist   unverzüglich  zu  leisten,  Gläubigerin  kann  nach  §905  mahnen  =  fällig  stellen. Nachträgliche  ÄNderungen  der  Fälligkeit  sind  nur  einvernehmlich  möglich.  Eine  Ausnahme davon  ist  der   Verbraucherinnenkredit,  der  auch  früher  als  vereinbart  rückgezahlt  werden  darf (§12a  KSchG)  und  das  Konkursverfahren,  bei  dem  alle  Forderungen  sofort zu  begleichen  sind. Wer  bei   Fälligkeit  nicht  leistet  ist  im  Schuldnerinnenverzug,  wer  nicht  annimmt  ist  im Gläubigerinnenverzug.  Das nachträgliche  Hinausschrieben der Fälligkeit ist die Stundung (Reine Stundung  verschiebt nur  die  Geltendmachung;  dies  ist  im Zweifel anzunehmen). In Krisenzeiten kann ein Gesetz Stundung aufoktroyieren = Moratorium. Leistungsort ist  der  Ort   an  dem  geleistet  und  angenommen  werden  soll,  der   Ort  muss  bekannt  sein  und bestimmt  sich  nach  Vereinbarung  oder  Art  des  Geschäftes,  bzw.  falls  beides  unklar,  nach dem Wohnsitz  oder  der  Geschäftsniederlassung  der  Schuldnerin  (§905). Im Zweifel ist Holschuld vor Schickschuld vor Bringschuld. Leistung Zug­um­Zug ist  nichts  anderes  vereinbart,  sind  Leistungen  gleichzeitig  zu  erbringen,  d.h.  Zug­um­Zug.  Das Prinzip  führt  auch  zum  Recht  der Zurückbehaltung:  “Einrede  des nicht erfüllten Vertrages”, oder wenn  die  Leistung  nicht  dem  Vereinbarten  entspricht  :”Einrede  des  nicht  gehörig  erfüllten
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Vertrages.”.  Das  Angebot  muss  real  gemacht  werden,  nicht  bloß   mündlich.  Bei  Verbesserung kann   die   gesamte  Leistung  bis  zur  Mangelbehebung  zurückgehalten  werden  um  Druck  auf  die Gewährleistungsgeberin  auszuüben.  Das  Zurückbehaltungsrecht  setzt  voraus,  dass  die Zurückbehaltende  ein  Recht  auf  Leistung  geltend macht. Das Rückbehaltungsrecht bezieht sich nur auf Haupt­ oder äquivalente Nebenleistungspflichten, nicht aber auf Schutzpflichten. Zug­um­Zug  kann abbedungen werden, z.B. mittels Vorausleistung, wobei auch dabei die Unsicherheitseinrede  zusteht  (§1052/2).  Nach  §471  kann  bei  nichtvertraglichem  Anspruch ebenfalls  zurückbehalten  werden.  Davon   ausgenommen  sind  eigenmächtig  oder  listig entzogenene  sowie  entlehnte  oder  in  Verwahrung oder Bestand genommene Sachen (§1440/1). Diese  Zurückbehaltungsrechte  gehen  auf  Forderungssicherung.  Im  UGB  gehen  sie  auf Befriedung  des  Anspruches.  Das  Zurückbehaltungsrecht  kann  zulasten  von  Verbraucherinnen im KSchG nicht ausgeschlossen werden (§6/1/6+7 KSchG).

Leistungsstörungen
sind   Störungen  bei  der  Erfüllung  oder  Abwicklung   der  Leistung.  Davon  zu  unterscheiden   sind Wurzelmängel (ursprüngliche Unmöglichkeit, Willensmängel). Es gibt: ● nachträgliche Unmöglichkeit ● Verzug ● mangelhafte Leistung ● positive Vertragsverletzung

Nachträgliche Unmöglichkeit
a.k.a.  Unmöglichwerden  der  Leistung.  Dies  besteht,  wenn   nach  Vertragsschluss  der  Leistung ein  dauerndes  Hinderniss  entgegensteht.  Ein  bloß  vorübergehendes  Hindernis  führt  bloß  zu Verzug.  Eine  Gattung  kann  nicht  untergehen,  daher  gibt  es  Unmöglichkeit  v.a.  bei  Untergang einer  Speziessache  oder  konkretisierten  Gattungssache.  Unmöglichkeit  liegt  auch  beim Doppelverkauf  vor,  es  erwirbt  nur  diejenige,  die  die  Sache  zuerst  übertragen  erhält  (§430).  Die Unmöglichkeit  tritt  beim  Doppelverkauf ein, wenn die Verkäuferin die Sache nicht wiedererlangen kann.  Unmöglichkeit  ist  es  auch,  wenn  der  Erfolg  zufällig  eintritt  oder  die  Erfüllung  nachträglich verboten wird. Die Rechtsfolgen variieren je nach Verschulden der Beteiligten: 1. Schuldnerin verschuldet Unmöglichwerden (§§920,921) Verschulden  liegt  dann  vor,  wenn  die  Leistung  vorsätzlich  oder  fahrlässig  herbeigeführt wird   oder   eine  Gehilfin  den  Erfolg  vereitelt,  sowie  wenn  die  Sache  im  Schuldnerinnen­ verzug  zufällig  untergeht.  Die  Schuldnerin  haftet  auch,  wenn  sie  geeignete  Maßnahmen zur  Abwehr  des  Untergangs  unterlässt  oder  bei   unabwendbarem  Untergang  die Aufklärung darüber unterlässt. Die Gläubigerin kann in diesen Fällen wählen: a. Leistung erbringen und Wertersatz fordern (=Erfüllungsinteresse) b. Rücktritt ohne Nachfristsetzung und Differenzanspruch (=Erfüllungsinteresse) Das  Ergebnis ist dabei das gleiche, wenn die Leistung in Geld bestand. Es gelten hier die
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Regeln   für  das  stellvertretende  commodum  nach  denen  ein  Wert,  der  anstelle  der untergegangenen  Sache  in  das  Vermögen  eintritt  (v.a.  Versicherungssumme, Ersatzforderung) von der Gläubigerin gegen ihre Leistung herausgefordert werden kann. Zufälliges Unmöglichwerden (§§1447, 880, 1048) Zufälliger  Untergang  für  zur  Beendigung  des  Vertrages.   Bereits  erbrachte  Leistungen sind   zurück  zu   erstatten.  Für  die  Gefahrtragung  ist  der  Fälligkeitszeitpunkt  wichtig.  Bei Verzug   geht  die  Gefahr  über  (dispositiv,  außer  in  Verbraucherinnengeschäften  nach KSchG).  Die  Regeln des stellvertretenden commodums sind auch hier anzuwenden. Die wirtschaftliche  Unerschwinglichkeit  (außergewöhnlich  hohe  Kosten  durch Änderung  der Umstände,   die   den  Ruin  bedeuten  können)  oder  Unzumutbarkeit  (Gefährdung  des Lebens, schwerster Gewissenskonflikt) fallen auch unter Unmöglichwerden. Gläubiger verschuldet Unmöglichwerden a. Annahmeverzug: Preisgefahr geht auf Gläubigerin über b. Gläubigerin führt selbst den Erfolg herbei, sie muss dann trotzdem leisten. c. Gläubigerin  vereitelt  durch  eigenes  Verhalten  den  Erfolg, sie muss dann trotzdem leisten. Verschulden beide Parteien die Unmöglichkeit, ist der Schaden zu teilen. Teilunmöglichkeit ist  beispielsweise  ein  Mangel  bei  einer  Spezialschuld,  eine  zu  geringe  Menge  bei  einer Gattungsschuld,  etc. Wenn die Gläubigerin trotzdem Interesse  daran hat, behält sie ihren Erfüllungsanspruch (§920). Besteht kein Interesse, ist es eine Gesamtunmöglichkeit. Kollision von Forderungsrechten bei beschränkten Gattungsschulden Bei  Unmöglichkeit  der  Leistung  an  mehrere  Gläubigerinnen,  weil  die  Gattung  nur beschränkt  verfügbar  ist,  muss  anteilsmäßig  an  alle  geleistet  werden,  ähnlich wie  beim Konkurs.

Verzug
besteht als Schuldnerinnen­ und als Gläubigerinnenverzug 1. Schuldnerinnenverzug ist  es,  wenn  die  Schuldnerin  den  Vertrag  zur  Fälligkeit  am  Leistungsort  nicht  gehörig erfüllt, der Vertrag muss entgeltlich sein und die Leistung gehörig angeboten werden. a. Objektiver   Verzug  (=Verzögerung)  ist  Verzug  unabhängig  von  dessen Zustandekommen.  Die  Leistung  muss  dann  noch  möglich  sein,   die  Gläubigern kann   zwischen  Erfüllung  und  Rücktritt  wählen  (§918).  Preisgefahr  trägt  dann die Schuldnerin,  die  Gläubigerin  muss  zur  Leistung  bereit  sein.  Der  objektive Verzug endet   durch  gehöriges  Angebot  der   Leistung  oder  Stundung.  Der  Rücktritt erfordert  eine  angemessene  Nachfrist  (außer  bei  Fixgeschäften).  Eine  Nachfrist muss  nicht   gesetzt  werden,  wenn  erkennbar  ist,  dass   die   Schuldnerin  nicht willens  oder  fähig zur  Leistung  ist.  Eine  Nachfrist muss lang genug sein. um eine Chance  zur   Leistung  zu  geben  (Vorbereitungszeit,  Durchführungszeit, Dringlichkeit,  etc.), ist sie das nicht, kann die Schuldnerin Verlängerung begehren, zu  früher  Rücktritt  ist  ungültig.  Die  Nachfrist  muss  nach  Rechtssprechung   nur
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gewährt,  nicht ausgesprochen werden. Wenn die Gläubigerin im Verzug trotzdem die Erfüllung begehrt, kann sie bei erneuten Verzug wieder zurücktreten. b. Subjektiver  Verzug  ist  verschuldeter  Verzug  und  löst  zusätzlich  (!) Schadenersatzansprüche  aus.  Diese  gehen  auf  den “Verspätungsschaden” oder bei  Rücktritt  auf  Schadenersatz  wegen  Nichterfüllung  (Erfüllungsinteresse,  d.h. so stellen, wie wenn ordnungsgemäß erfüllt worden wäre). c. Teilverzug:  Bei  Teilbarkeit  der  Leistung  ist  auch  ein  Teilrücktritt  möglich,  bei Unteilbarkeit  Gesamtrücktritt  oder in beiden Fällen alternativ  das Bestehen auf der Erfüllung. Bei einem sukzessiv­Lieferungsvertrag kann bezüglich der verzögerten, oder  der  noch  ausständigen  Teile  zurücktreten.  Bei  sachlich  eng zusammenhängenden  Verträgen  kommt auch ein Rücktritt von beiden bei Verzug in einem Vertrag in Betracht. d. Verzug   bei   Nebenleistungspflichten  führt  nur  zu  einem  Rücktrittsrecht,  wenn der  Verzug  das  Vertrauenverhältnis  tief  erschüttert  oder  wenn  durch  die Pflichtverletzung das Interesse an der Erfüllung weggefallen ist. e. Verzug   beim  Fixgeschäft  (ausdrücklich  oder  konkludent  als   Fixgeschäft erkennbar)  führt automatisch zum Zerfall des Vertrages und Rückabwicklung. Die Gläubigerin  kann  allerdings  durch  unverzügliche  Mitteilung  am Vertrag  festhalten, er wird dann zum normalen Zeitgeschäft. f. Rechtsfolgen  des  Rücktritts  ist  die  ex  tunc  Aufhebung  des  Vertrages,  bereits geleistetes  ist  zurückzustellen  (oder  mit  der  condictio  causa  finita  §1435  zurück zu  fordern).  Dies  wirkt  nur  schuldrechtlich.  Ist  die  Rückstellung  nicht  möglich,  ist eine  angemessene  Vergütung  inkl.  Gebrauchsvergütung  zu  zahlen.  Bei synallagmatischen  Verträgen  erfolgt  die  Rückstellung  Zug­um­Zug.  Der  Rücktritt lässt  den  Anspruch  auf  Ersatz von  verschuldetem  Schaden  durch  Nichterfüllung intakt,  die  Schuldnerin  haftet  auch  bei  Rücktritt  hier  für  das  positive Vertragsinteresse.  Der  Umfang  der  Ersatzpflicht  richtet  sich  dabei  auf  den Differenzanspruch.  Beim  Nichterfüllungsschaden  steht   entgangener  Gewinn  nur bei grobem Verschulden oder unter Unternehmerinnen immer zu. 2. Gläubigerinnenverzug tritt  ein,  wenn  die  gehörig  angebotene  Sache  bei  Fälligkeit  nicht angenommen  wird.  Die Leistung  muss  mangelfrei sein  und  real  angeboten werden. Ein bloß wörtliches Anbieten reicht  nur  aus,  wenn  sich  die  Gläubigerin  weigert  die  erforderliche  Mitwirkung  zu  leisten (z.B.  Holschuld).  Kalendarisch vereinbarte  Holschuld  muss  gar nicht angeboten werden. Gläubigerinnenverzug  ist  eine  bloße  Obliegenheitsverletzung,  Annahme  ist  nicht erzwingbar.  Die Schuldnerin hat ein Recht auf Abnahme,  wenn ihr Interesse daran schon bei  Vertragsschluss  erkennbar  war.  Bei  synallagmatischen  Geschäften  tritt  oft Schuldnerinnen­  und  Gläubigerinnenverzug  gleichzeitig  ein. Reiner Annahmeverzug führt zum  Übergang der Preisgefahr nach §1419 ab  dem Zeitpunkt der bedungenen  Übergabe. Schuldnerin  haftet  dann  nur  mehr  für  Vorsatz  und  grobe  Fahrlässigkeit,  Sie  kann  die Sache   dann  auch  gerichtlich  hinterlegen,  hat  aber  keine  Schadenersatzansprüche sondern  nur  Ansprüche  auf  Aufwandsersatz  nach  Regeln  der  Geschäftsführung  ohne Auftrag.   Der  Verzug  erlischt  durch  Annahme,  gerichtliche   Hinterlegung,  Stundung  und
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Vereinbarung.  Die  Abgrenzung  zur  Unmöglichkeit  erfolgt  nach  der  Sphärentheorie. Annahmeverzug  gilt, wenn  die  Schuldnerin  zu  leisten  bereit  ist  und  das vorübergehende Hindernis  auf  Seiten  der  Gläubigerin  liegt.  Kann  gar   nicht  mehr  geleistet  werden,  liegt Unmöglichkeit vor.

Konkurs
Im  Konkurs  werden  alle  Gläubigerinnen  gleichmäßig,  also   nach  Quoten  befriedigt.  Alle Forderungen  werden  fällig  und  zu  Geld.  Masseverwallterin  kann  bei  zweiseitigen  Verträgen erfüllen  oder  zurücktreten,  bei  Rücktritt  entsteht  ein  Schadenersatzanspruch  schuldrechtlich nach Quote.

Gewährleistung
ist  die  gesetzlich  verordnete  Haftung  der  Schuldnerin  für  Sach­ und Rechtsmängel der Leistung bei  Erbringung  von  entgeltlichen  Geschäften  (§§922ff).  Zugunsten von  Verbraucherinnen  ist  die Gewährleistung  zwingend,  Sonderregeln  gibt  es  für  Bestandsverträge,  Zessionen  und Unternehmensgeschäfte. Sinn  der Gewährleistung  ist  der Ausgleich von subjektiver Inäquivalenz der  Leistungen.  Verschulden  oder  Verursachen  ist  für  Gewährleistung  unerheblich,  der  Mangel muss  nur   bei   Übergabe  der  Sache  schon  vorliegen.  Für  die  Abgrenzung  von Verzug/Unmöglichkeit/Gewährleistung  ist  der  Übergabezeitpunkt  zu  beachten.  Bei  einer Aliud­Lieferung gelten Verzugsregeln. Art des Mangels 1. Sachmangel  haftet  der  Sache  körperlich  an,  mangelhaft  ist,  was  qualitativ  oder quantitativ  nicht  dem  Geschuldeten  entspricht.  Gehaftet   wird  dabei  für  das  vereinbarte oder  gewöhnlich  vorausgesetzte  Eigenschaften  (auch:  Parteiwille).  Die  Sache  muss ihrer  Beschreibung,  der  Probe  oder  dem  Muster  entsprechen  und  der  Verabredung gemäß  verwendet  werden  können.  Werbeaussagen  sind  nur  zum  Teil  beachtlich, keinesfalls  allerdings,  wenn  sie  beim  Vertragsschluss  nicht  bekannt  waren  oder  den Vertrag nicht beeinflusste. Die Mangelhaftigkeit hängt also vom konkreten Vertrag ab. 2. Rechtsmangel   ist   es,   wenn  der  Gläubigerin  nicht  jene  Rechtsposition  verschafft  wird, die  vereinbart  war  (wird  allerdings  gutgläubig  Eigentum  erworben,  besteht  wegen Zweckerreichung  keine  Gewährleistung). Rechtmängel sind auch unerwartete Lasten auf Liegenschaften,  fehlende  Bauberechtigung,  unerwartete  Bestandsverträge,  etc.  Zur Geltendmachung  der  Gewährleistung  genügt  Kenntnis  des  Rechtsmangels.  Der Übergeberin  muss  der  Streit  verkündet  werden,  da  sie  sonst  jene  Einreden  hat,  die  sie gegen Dritte einbringen könnte. Rechtsfolgen Es   gibt  primäre   und  sekundäre  Gewährleistungsbehelfe.  Primär  sind  Verbesserung  und Austausch  zu  leisten,  sekundär  Preisminderung  vor  Wandlung. Statt Gewährleistung kann auch Schadenersatz  gem.  §933a  gefordert  werden.  Die  sekundären  Gewährleistungsbehelfe  können nur  bei  Untätigkeit der  Übergeberin,  bei  erheblichen  Unannehmlichkeiten  durch  primäre  Behelfe
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oder  bei  Unzumutbarkeit  aufgrund  der  Person  der  Übergeberin  direkt  geltend  gemacht  werden. Ein  Austausch  ist  nur  bei  Gattungssachen  möglich,   für  Verbesserung  und  Nachtrag  darf  kein extra  Entgelt  verlangt  werden.  Die  Übernehmerin  hat  die  Wahl  zwischen  Verbesserung  und Austausch,  die  Übergeberin  kann  eine  Einrede  erheben, wenn  das  gewählte  unverhältnismäßig wäre.  Außergewöhnliche  Vorteile  von  Verbesserungen  sind in  der Regel zu vergüten. Wandlung und  Preisminderung  sind Gestaltungsrechte,  die  gerichtlich  durch Klage  oder  Einrede ausgeübt werden  müssen.  Die  gerichtliche  Einrede  entfällt  bei  einvernehmlicher  Lösung,  wählen  kann wieder  die  Übernehmerin,  die  Wandlung  darf  aber  nicht   unverhältnismäßig  sein.  Der  Mangel muss wesentlich sein, um sekundäre Behelfe in Anspruch zu nehmen. Die   Wandlung  wirkt  sachenrechtlich  ex  nunc,  schuldrechtlich  ex  tunc.  Es  besteht  daher ein Anspruch auf Beseitigung der mangelhaften Sache. Die   Preisminderung  ist  auch  ein  Gestaltungsrecht  und  führt  zu  einer  Vertragsänderung, diese  ist  nach  der  relativen  Berechnungsmethode   vorzunehmen,  Das  Wertverhältnis  Preis  zu mangelfreier  Sache soll beibehalten werden. Der  Mangel muss  im Übergabezeitpunkt zumindest angelegt  sein.  Für  die  ersten  6  Monate  nach  Übergabe  gilt  eine  Beweislastumkehr  (auch  wenn die  Geltendmachung  später  erfolgt,  aber  Mangel  vorher  auffiel).  Von  der  Gewährleistung  ist  die typische  Abnutzung  ausgenommen.  Für  Viehmängel  beträgt  die  Frist  6  Wochen  (Ausnahme: KSchG). Die  Gewährleistung  muss durch  Klage oder Einrede gelten gemacht werden, die Frist ist 2  Jahre  bei  beweglichen  und  3  Jahre  bei  unbeweglichen  Sachen  (und  Arbeiten  an unbeweglichen  Sachen).  Der  Fristenlauf  beginnt   ab  der  vollständigen  Übergabe.  Die  Frist  für nicht  erkennbare  Mängel  und  zugesicherte  Eigenschaften  beginnen  erst  zum  Zeitpunkt  der Erkennbarkeit.  Frist  für  Rechtsmängel  ab  dem  Zeitpunkt  der   Erkennung.  Die Gewährleistungsfristen sind  vom  Gericht  nur  auf  Einrede  wahrzunehmen,  nach dem Fristablauf bleibt  eine  Naturalobligation.  Die  Frist  kann  verlängert  und  abgesehen  von  KSchG  Geschäften auf  verkürzt  werden.  Rügepflicht  besteht  nur  für  Unternehmerinnen  und  bei Reiseveranstaltungen.  Die  außergerichtliche  Anzeige  des  Mangels  führt  zur  Perpetuierung  der Einrede,  d.h.  die  Übernehmerin  kann  gegen  Zahlungsforderung der Übergeberin auch nach dem Fristenlauf noch die Einrede des nicht gehörig erfüllten Vertrages geltend machen (§933). Gewährleistung  ist  ex  lege ausgeschlossen für  offensichtliche Mängel und im Grundbuch eingetragene  Lasten  (auch  offensichtliche  Servituten;  §928).  Trotz  Offenkundigkeit  haftet  die Verkäuferin  für  Arglist  oder  ausdrücklich  Zugesichertes.  Mängel die bei Vertragsschluss bekannt sind,  sind  ebenfalls  von  der  Gewährleistung  ausgeschlossen.  Für  Schulden  und  Rückstände (z.B.  Pfandrecht)  haftet  auch  bei  Offenkundigkeit  die  Verkäuferin.  Beim  Kauf  in  Pausch  und Bogen  haftet  die  Verkäuferin  nur  für  Arglist  und  ausdrücklich  Zugesichertes.  Wissentlicher  Kauf fremder  Sachen  schließt  die  Gewährleistung  aus.  Verzicht  ist  sehr  restriktiv  auszulegen, nachträglicher  Verzicht  ist  möglich.  Für  Verbraucherinnen  kann   Gewährleistung  nicht ausgeschlossen werden. Vertragskette Nach  §933b  können  Unternehmen  die  Gewähr  leisten  auf  ihre  vorverkaufenden  Unternehmen greifen,  auch  wenn  ihre  Gewährleistungsfrist  schon  abgelaufen  ist.  Voraussetzungen  sind  die Abgabe  an  Endverbraucherinnen  und  binnen  zweier  Monate  ab  deren  Geltendmachung  der
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Gewährleistung,  maximal  jedoch 5 Jahre nach der  Leistung der Vorverkäuferin. Der Anspruch ist unter  Unternehmen  beliebig  weit  nach  hinten  greifbar,  aber  mit  der  Höhe  des  eigenen Gewährleistungsaufwandes  beschränkt.  Diese  Form  des  Regresses  kann  ausgeschlossen werden und ist rügepflichtig. Konkurrenz bei Gewährleistung ● Mit  Irrtum:  Wenn   die   Sache  schon  bei  Vertragsschluss  mangelhaft  war,  kann  ein Eigenschaftsirrtum  vorliegen  und  es  kann  zu  Anfechtung  oder  Anpassung  kommen.  Die Käuferin kann dann frei wählen, der Vorteil vom Irrtum: längere Fristen. ● Mit  Nichterfüllung:  mangelhafte  Leistung  ist  Schuldnerinnenverzug. Bis  zur  Übergabe gilt Verzug (Nichterfüllungansprüche §§918ff), danach Gewährleistung. ● Mit Wucher und laesio enormis: hier kann es zur Realkonkurrenz kommen. Gewährleistung und Schadenersatz Durch  die  vertraglichen  Schutz­  und  Sorgfaltspflichten  sind  die  Rechtgüter  der  Gläubigerin geschützt.  Möglich  sind Mangelfolgeschäden  (Schäden  verursacht  durch mangelhafte Leistung) und  Begleitschäden  bei  ordnungsgemäßer  Leistung.  Für  diese  positiven  Vertragsverletzungen wird   aus  dem  Vertrag  Schadenersatz  geschuldet,  auch  für  Handlungen  von  Gehilfinnen  nach §1313a.  Voraussetzung  für  Schadenersatz  ist  immer  Verschulden  oder  fahrlässige  Irreführung. Es gilt dabei eine 10 jährige Beweislastumkehr. Ersatz des Mangelschadens Nach  OGH  ist  Schadenersatz  auch  statt  Gewährleistung  möglich  wenn  ein  Verschulden  am Mangel  vorliegt.  Die  Gläubigerin  kann  dabei  frei  wählen.  Das  Verschulden  kann  auch  durch Unterlassen  der  Mangelbeseitigung  vor  der  Übergabe  vorliegen.  Zunächst  kann  dabei  ebenfalls nur  Verbesserung  oder  Austausch  gefordert  werden  wie  bei  der  Gewährleistung.  Gläubigerin kann   wählen,  Schuldnerin  hat  dagegen  Einreden  wie  oben.  Das  Recht  auf  Schadenersatz  in Geld  besteht  nur,  wenn  ein  Anspruch  auf  Gewährleistungs­Preisminderung  oder  Wandlung besteht,  also  Austausch/Verbesserung  nicht  möglich  oder  unverhältnismäßig  sind.  Zu  ersetzen ist  dann  das  Erfüllungsinteresse  (bei  ursprünglichen   und  unbehebbaren  Mängeln  nur   der Vertrauensschaden).  Das  Erfüllungsinteresse  sind  entweder  die  Mangelbehebungskosten,   die Wertdifferenz  zur  mangelfreien  Sache  oder  die  Rückerstattung  des  Kaufpreises.  Letztere  nur bei  nicht  bloß  geringfügigen  Mängeln.  Der  Schadenersatzansprich  verjährt  3  Jahre  nach Kenntnis von Schade und Schädigerin, spätestens aber nach 30 Jahren ab Verursachung.

Rechtsgeschäftliche Garantie
ist  eine  Abänderung  der  gesetzlichen  Gewährleistung  durch  Vertrag,  meist  durch  Verlängerung der  Frist  oder  auch  inhaltlich  (z.B.  dass  nachträglich  keine  Mängel  mehr  entstehen,  diese Garantie   ist   als  marktüblich  im  Zweifel  anzunehmen).  Diese  Garantie  durch  Verkäuferin  ist  die unechte  Garantie.  Anders  ist  die  echte  Garantie  durch  einen  Garantievertrag,  durch  den  meist die  Herstellerin  neben die gesetzliche Gewährleistung tritt und die sich nach dem Vertrag richtet.
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Die   Annahme  erfolgt  still  und  ist  nach  Verkehrssitte  nicht  ausdrücklich  erwartet. Begünstigt  ist die Endverbraucherin und nicht eventuell vorhandene Zwischenhändlerinnen.

Verkürzung über die Hälfte ­ laesio enormis
§934,   Aufhebung  eines  Vertrages  durch   gerichtliche  Entscheidung  oder  Parteienvereinbarung mit  schuldrechtlicher   ex  tunc  und  sachenrechtlicher  ex  nunc  Wirkung  aufgrund  objektiver Leistungsinäquivalenz  mit  einem  Wertverhältnis  von  49  oder  weniger  zu  100.  (Ausnahme: §1048).  Die  Übergeberin  hat  bei  der  Geltendmachung  die  Wahl  auf  Aufzahlung  auf  das Verhältnis  100:100  oder  Aufhebung  des  Vertrages.  Vorn vorhinein  kann  auf  laesio enormis nicht verzichtet  werden,  sie  ist  aber  nicht  anzunehmen  bei  besonderer  Vorliebe  für die  Sache,  wenn der  wahre   Wert  bekannt  war,  eine  gemischte  Schenkung  vorliegt  oder  eine  gerichtliche Versteigerung  vorliegt.  Auch  für  Glücksverträge  und   Vergleiche  ist  laesio  enormis  nicht anzuwenden. Sie verjährt jedenfalls nach 3 Jahren.

Erlöschen der Schuld
ist  möglich  durch  Erfüllung, Hinterlegung,  Leistung  an  Zahlungs statt, Aufrechnung, Vereinigung, Verzicht, Zeitablauf, Kündigung, Tod, Insolvenzverfahren.

Erfüllung
ist  die Leistung des Geschuldeten (§1412), diese muss dem Vertrag entsprechen, Teilleistungen müssen   nur  bei  entsprechender  Vereinbarung   angenommen  werden.  Wird  Mehreres geschuldet,  wird  zuerst  jene  Schuld  getilgt,  die  vereinbart  war,  sonst: Zinsen vor  Kapital.  Beim Kapital wird das fällige bzw. meist beschwerliche zuerst beglichen. Erfüllung  ist  die  Leistung  an die  Gläubigerin,  deren  Vertretung  oder  an  dazu  ermächtigte Personen,  ausnahmsweise auch als gutgläubige Leistung an Nichtgläubigerinnen (§§824, 1395). Leistung  an  geschäftsunfähige  Personen  ist  nur  schuldbefreiend  wenn  die  Leistung   zu  deren Nutzen   verwendet  wurde  oder  noch  vorhanden  ist.  Die  Leistung  durch  Dritte  ist  nur  bei Zustimmung   durch  das  Gegenüber  zulässig  und   führt   zur  Tilgung  der  Forderung.  Bei  Zahlung durch  Dritte  geht bei Einlösung  der  Forderung  die  Forderung per  Legalzession  auf die leistende Person   über   (§1358,  bei  persönliche  oder  dinglicher  Haftung  oder  bei  Abtretungsbegehren  und vertraglicher  Abtretung durch  Forderungskauf).  Bei  Leistung  muss  die Gläubigerin eine Quittung ausstellen oder vorhandene Schuldscheine zurückgeben.

Hinterlegung
§1425,  wenn  die  Gläubigerin  unbekannt  ist,  abwesend  oder  im  Verzug  ist,  kann die Schuldnerin beim   Gericht  des  Erfüllungsortes  hinterlegen.  Wenn  möglich  ist  die  Gläubigerin  zu  informieren, mit Hinterlegung geht die Gefahrentragung über, das Eigentum allerdings noch nicht.

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Leistung an Zahlungs statt
Befreiende  Leistung,  die  einvernehmlich  anstelle  der  geschuldeten  Leistung  gegeben  und genommen  wird.  Durch  Parteienübereinkunft  wird  so  die   Hauptleistungspflicht  geändert  und gleichzeitig  geleistet.  Da  es  ein  entgeltliches  Geschäft  ist,  stehen  Gewährleistung  und  laesio enormis zu. Unterschied  dazu ist die Leistung  zahlungshalber,  bei  der  eine Forderung als Bezahlung übertragen  wird,  aus  der  sich  die  Gläubigerin  befriedigen  kann.  Dabei  ist  die  Leistung  selbst noch keine Erfüllung.

Aufrechnung = Kompensation
ist  die  Aufrechnung einer Forderung mit einer Gegenforderung zur gegenseitigen Aufhebung. Die Aufrechnung  wirkt  als  Zahlung,  beide  Forderungen  werden  nach  Deckung  getilgt.  Aufrechnung ist  gleichzeitig  Zahlung  und  Eingebung  sowie   bloße  Verrechnung.  (Verrechnungszweck, Sicherungzweck,  Befreiungszweck,  Befriedungszweck)  Voraussetzung  zur Aufrechnung  ist  die Gegenseitigkeit  der Forderung. Die einverständliche Aufrechnung ist nur von einigen zwingenden Normen  begrenzt  (z.B.  Konkursregeln).  Einseitige  Aufrechnung   bedarf  einer Aufrechnungserklärung  (Erklärung  über  Gestaltungsrechtsausübung)  ,  die  Forderung  muss außerdem klagbar, fällig und gleichartig (gleiche Gattung und Güte) sein. Aufrechnungsverbote  ergeben  sich  aus   dem  Gesetz  oder  Vertrag  und  können  explizit oder  implizit nach Zweck des Vertrages sein. Nicht kompensiert werden können listig entzogene, entlehnte  Bestands­  und  Verwahrungssachen.  Gegen den Staat können  nur Forderungen gegen die  selbe  Zahlstelle  aufgerechnet  werden.  Unpfändbare  Forderungen  sind  von  der  Aufrechnung ausgenommen.  Für  die  Aufrechnung  ist  eine  Erklärung  nötig,  die  gilt  dann  rückwirkend  auf  den Zeitpunkt  der  ersten  möglichen  Anrechenbarkeitszeitpunkt,  d.h.  Kompensationserklärungen wirken, wenn sie zur Zeit der Abgabe schon verjährt sind. Kontokorrent  bezeichnet  die  laufende  Verrechnung  und  Aufrechnung von Forderungen in einem Dauerschuldverhältnis zur wirtschaftlichen Vereinfachung.

Vereinigung = Konfusion
Fallen Forderung und Schuld bei der selben Person zusammen, erlöschen beide (§1445).

Verzicht
Gläubigerin  kann  auf  eine  Forderung  verzichten,  die damit erlischt. Zustimmung der Schuldnerin ist erforderlich, der Verzicht kann auch entgeltlich sein. Keine Formvorschriften.

Zeitablauf, Kündigung
Rechte   und  Pflichten  enden,  wenn  sie  befristet  sind  mit  dem  vereinbarten  Termin. Dauerschuldverhältnisse  enden  mit  einer  Kündigung  (einseitige  empfangsbedürftige Willenserklärung, Voraussetzungen ergeben sich dafür aus Gesetz oder Vertrag).

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Tod
führt zum erlöschen von höchstpersönlichen Schulden, alle anderen gehen auf Nachlass über.

Insolvenz
Konkurs  befreit  nicht  von  den  Verbindlichkeiten,  diese  werden  aber  im  Insolventverfahren  nach Quote  getilgt.  Für  natürliche  Personen  ist  ein  schuldbefreiendes  Verfahren  möglich: Privatkonkurs.

Umänderung der Rechte und Verbindlichkeiten
dazu   gehören  Novation,  Schuldänderung,  Vergleich,  Anerkenntnis,  Forderungsabtretung  = Zession, Schuldübernahme und Vertragsübernahme.

Novation
ist  ein  Neuerungsvertrag,  der  den  Rechtsgrund  oder  den  Hauptgegenstand einer Schuld ändert. Rechtsgrund  ist  der  Titel,  d.h.  das  zugrunde  liegende  Rechtsgeschäft.  Die  alte  Verbindlichkeit wird   zugunsten  einer  neuen  Verbindlichkeit  aufgehoben.  Ungültigkeit  der  früheren  Forderung macht  auch  die  spätere  ungültig.  Erfolgreiche  Anfechtung  oder  Aufhebung  des neuen Vertrages lässt  den  alten  Vertrag  wieder  aufleben.  Bestehende  Einreden  gegen  den  alten  Vertrag  gelten auch gegen den neuen Vertrag, Pfand und Bürgschaft aber erlöschen.

Schuldänderung
Vertragliche  Änderung  der  Nebenbestimmungen  eines  Vertrages,  der  gültig  bleibt  (§1379). Geändert   werden  z.B.  Leistungszeit,  Ort,  Quantität,  Zinshöhe,  etc.  Im  Zweifel  ist  eher Schuldänderung als Novation anzunehmen. Bürgschaft und Pfandrechte bleiben bestehen.

Vergleich
ist  die  einverständliche  Neufestlegung  strittiger  oder  zweifelhafter  Rechte  (§1380).  Dabei  geben beide  Seiten  etwas  nach,  der  Vertrag  ist  zweiseitig  verbindlich  und  entgeltlich.  Strittige Rechtsverhältnisse  an  denen  öffentliches  Interesse  besteht,  können  nicht  verglichen  werden. Bezüglich  neuer  Rechte und Pflichten wirkt der Vertrag dabei konstitutiv, der Vergleich kann über die  darin  einvernehmlich  festgestellten  Punkte  nicht  mir  Irrtum  angefochten  werden.  Relevant sind   nur  Erklärungsirrtum  und  Irrtum  über  die  Grundlagen  des  Vergleichs.  Anfechtung  wegen Drohung,  List  und  Wucher  ist  möglich, laesio  enormis  nicht.  Wenn  sich  die  Verbindlichkeit  des Vertrages nicht ändert, bestehen Pfand und Bürgschaft weiter.

Anerkenntnis
ist  ein  Feststellungsvertrag  über  Bestand  und  Umfang  eines   Rechtes  durch  einseitiges Nachgeben  der  Schuldnerin. Anerkenntnis ist nicht besonders geregelt und wird als Unterfall des
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Vergleiches  angesehen, bzw. so abgehandelt. Der Unterschied ist, dass nur eine Seite  nachgibt. Die   Anerkenntnis  stellt  einen  neuen  selbständigen  Verpflichtungsgrund  dar,  sie  ist  konstitutiv. Dagegen  ist  die  bloß  deklarative  Anerkenntnis eine  Wissenserklärung mit Beweiswirkung. Diese genügt für die Unterbrechung der Verjährung nach §1497.

Forderungsabtretung ­ Zession
Zession   ist   die   Übertragung  einer  Forderung  von  der  bisherigen  Gläubigerin  auf  eine  neue Gläubigerin  unter  Aufrechterhaltung  des  Schuldinhaltes (§1392). Abgetreten werden  können nur veräußerliche  Rechte,  höchstpersönliche  Rechte  können  nicht  übertragen  werden.  Künftig bestimmbare  Forderungen können  ebenso  zediert  werden  wie  Teile  von  teilbaren  Forderungen. Sachenrechte  folgen  eigenen  Regeln.   Gestaltungsrechte  sind  in  der  Regel  nur  gemeinsam  mit dem  Hauptrecht übertragbar.  Lohn­  und  Gehaltsforderungen  sind übertragbar aber nach KSchG beschränkt (§12 KSchG). Vertragliche Abtretungsverbote sind   vertragliche  Übereinkünfte  über  ein  Zessionsverbot.  Die  Verbote  wurde  stark  beschränkt und  sind   nur  gültig,  wenn  sie  einzeln  und  ausdrücklich  festgelegt  wurden  und  die   Gläubigerin nicht  gröblich  benachteiligen.  Sie  gelten  nur  unter   Unternehmerinnen.  Gegen  ein  Verbot übertragene  Forderungen  sind  gültig  übertragen,  das  Verbot  wirkt  nur  relativ.  Es  stehen  unter Umständen  Schadenersatzforderungen  zu.  Die  eingreifende  Dritte  ist  selbst  im  Fall  der Kollusion  nicht  belangbar  (§1396a/2).  Unter  Verbraucherinnen  oder  bei Konsumentinnengeschäften wirken Zessionsverbote eher (Meinungsstreit) absolut. Zession durch Rechtsgeschäft Zur   vertraglichen  Abtretung  einer  Forderung  wird  Titel  (Kauf,  Schenkung,  Sicherungszession) und  ein  Modus  erforderlich.  Der  Modus  fällt  meist  mit  dem  Titel  zusammen   und   ist   formfrei (außer  bei  der  Sicherungszession).  Das  Grundgeschäft  kann   unter  Umständen  eine  Form verlangen.  Zur   Zession  ist  eine  Verständigung  der  Schuldnerin  nicht  nötig,  da  die  Schuld  selbst nicht  geändert  wird.  Die  Schuldnerin  darf  bis  zu  ihrer  Verständigung  schuldbefreiend  an  die ursprüngliche  Gläubigerin  leisten.  Im  Zweifel  hat  die  Schuldnerin  aber  nachzuforschen  oder gerichtlich   zu  hinterlegen (§1425).  Die  Schuldnerin  behält  alle  Einreden,  die  sie  auch  gegen  die Altgläubigerin  gehabt  hätte  (inklusive  aller  Rücktritts­  und   Anfechtungsrechte)  Die  Schuldnerin verliert alle Einwendungen, wenn sie die Forderungen als richtig anerkennt. Zwischen  Alt­  und  Neugläubigerin  besteht  ein  Rechtsverhältnis  entsprechend  ihrem Vertrag,  es  gibt  aber  jedenfalls  besondere  Regeln  zur  Gewährleistung  (§1397).  Diese  sind dispositiv  und  gelten  nicht  für  unentgeltliche  Zessionen.  Gehaftet  wird  für  die  Richtigkeit  und Einbringlichkeit  der  Zession  (vereinbarte  rechtliche  Qualität,  tatsächliche  Durchsetzbarkeit)  mit der  Grenze  der  für  die  Zession bezahlten  Gegenleistung. Bei  Verschulden  steht Schadenersatz zu.  Auch  ohne  gesonderte  Vereinbarung  gehen  alle  Sicherungs­  und  Durchsetzungsrechte mit der  Zession  über.  Gutgläubiger  Erwerb  einer  Zession  ist  nicht  möglich,  da  sich  §367  auf körperliche  Sachen  bezieht  (Ausnahme:  getilgte  aber  noch  eingetragene  Hypothek).   Im  Falle einer mehrfach­Zession erhält nur die erste Person die Forderung (nemo plus iuris). ● Sicherungszession  ist  eine  Form  der  eigennützigen  Treuhand,   bei   der  die  Forderung
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bedingt  übertragen  wird  und  nur  bei  Zahlungsverzug  eingelöst  werden  darf.  Bei  Konkurs besteht  ein  Aussonderungsrecht.  Wegen   des  Publizitätsprinzips  muss  die  Schuldnerin verständigt werden. Die  Inkassozession  ist eine Treuhand, bei der die Zessionarin die Zession einheben und dann wieder abtreten muss. Es steht bei Konkurs ebenfalls ein Aussonderungsrecht zu. Stille Zession ist die Zession ohne Verständigung der Schuldnerin. Globalzession ist die Übertragung von vielen individualisierbaren Einzelforderungen. Mantelzession   ist   der  schuldrechtliche  Anspruch  auf  künftige   Zessionen (Bestimmtheitserfordernis!) Factoring:   Forderungskauf bzw.  Inkassozession  für  Unternehmen.  Bei  Übernahme des Zahlungsrisikos: echtes Factoring.

Gesetzliche und notwendige Zession Legalzession ist der  Übergang  einer  Forderung  kraft  Gesetzes  (z.B.  §1358  bei  bezahlung  einer fremden Schuld). Notwendige  Zession  ist  wer  eine  fremde  Schuld  bezahlt  und  dadurch  die  Zession  fordern  kann (z.B. §1422). In beiden Fällen gilt Gewährleistung nur gegen Betrug.

Schuldübernahme
Ist eine Änderung auf der Schuldnerinnenseite, entweder durch Übernahme oder Schuldbeitritt. ● Schuldeintritt: Neue Schuldnerin tritt an die Stelle der alten Schuldnerin (§1405), dies ist nur mit Zustimmung der Gläubigerin möglich (Vertrag). Die Schuld selbst und auch alle Einreden bleiben bestehen. Pfand und Bürgschaft besteht nur weiter wenn Pfandbestellerin und Bürgin dem zugestimmt haben. Werden auch Gegenstand oder Titel geändert, ist es eine Novation und Sicherungen erlöschen. ● Schuldbeitritt:  neue Schuldnerin tritt der Schuld bei und haftet solidarisch (§1406), dafür ist keine Zustimmung der Gläubigerin nötig. ● Gesetzlicher  Schuldbeitritt (§1409): Erwerberin eines Unternehmens  oder  Vermögens haftet  solidarisch  mit  der  Verkäuferin  für bekannte Schulden. Dies ist zwingendes Recht, gilt aber nicht bei Zwangsvollstreckung und Konkurs. ● Hypothekenübernahme  (§1408):  im  Zweifel  gibt  die  Übernahme  eines  belasteten Grundstücks  auch  als  Übernahme  der  besicherten  Schuld.  Die Gläubigerin muss binnen 6 Monaten widersprechen, sonst erfolgt Schuldübername. ● Erfüllungsübername  (§1404):  Vertrag zwischen Schuldnerin und Dritter, dass  die Dritte dafür  sorgt,  dass  die  Schuldnerin  nicht  in  Anspruch  genommen  wird.  Die  Dritte  haftet dafür allerdings nur im Innenverhältnis. ● Vertragsübername:  Komplette  Übertragung  eines   Schuldverhältnisses  ist  zulässig, wenn  alle  Vertragpartnerinnen  übereinkommen  (Bei  Miete   und  Bausparen  sogar  ohne Vereinbarung).  Gesetzlicher  Übertritt  ist  ebenfalls  möglich,  beispielsweise   beim Mietverhältnis  mit  dem  Tod.  Bei  Vertragsbeitritt  wird  niemand ersetzt, sondern eine neue Person hinzugefügt.

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Mehrheit von Berechtigten und Verpflichteten
● Geteiltes  Schuldverhältnis  (§§888f):  Jede  Schuldnerin  haftet   nur  für  ihren  Anteil,  die Schuldverhältnisse haben nur den gleichen Entstehungsgrund. ● Gesamtschuldverhältnis:  Jede  Person  schuldet  die ganze Schuld oder kann die ganze Schuld  fordern.  Die  Gesamtschuld  entsteht,  wenn  mehrere  Personen  zur  Leistung  eine unteilbaren  Sache  verpflichtet  sind.  Gläubigerinnen  können  wählen,  von  wem  sie  die Leistung verlangen wollen. Vertragliche  Änderungen  der  Schuld  betreffen  immer  nur  die  jeweilige  Person,  nicht  das ganze  Schuldverhältnis.  Das  gesamte  Verhältnis  erlischt  durch  Erfüllung  (Erlass  gilt  im Zweifel   nur  für  die  konkrete  Person).  Verjährung,  Hemmung  und  Unterbrechung  gelten ebenso  nur  für  die  konkrete  Einzelperson.  Wer  die  Schuld  bezahlt,  kann  sich  im Innenverhältnis  regressieren  (§896).  Falls  nicht  anders  bestimmt,  tragen  alle  die  Schuld zu gleichen Teilen. ● Gesamthandschuldverhältnis:  es  können  nur  alle  gemeinsam  leisten  oder  fordern. Dies  entsteht  durch  Vereinbarung  oder  gemeinsames  Schulden  einer  unteilbaren Leistung,  sowie  Forderungen  einer  Gesellschaft  bürgerlichen  Rechts.  Von Schuldnerinnen kann nur die Leistung an alle Gläubigerinnen gefordert werden, dies dafür von jeweils Einzelnen.

Verträge zugunsten und zulasten Dritter
Verträge  zulasten  Dritter  sind  nicht  möglich.  Nur  die  Zusage,  sich  um  die  Leistung  einer  Dritten zu kümmern ist gültig. Bei  einem   unechten  Vertrag  zugunsten  Dritter  hat  nur  die  Vertragspartei  ein Forderungsrecht.  Bei  einem  echten  Vertrag  zugunsten  Dritter  hat  auch  die  Dritte  selbst  ein Forderungsrecht,  dies  ist  im  Zweifel  als  gültig  anzunehmen.  Die   Dritte  kann  die  Leistung allerdings  auch  ablehnen.  Gegen  die  dritte  hat  die  Schuldnerin  alle  Einwendungen  wie  auch gegen die ursprüngliche Vertragspartnerin. Verträge mit Schutzwirkungen zugunsten Dritter Es bestehen Schutz­ und Sorgfaltspflichten (keine Leistungspflichten) gegenüber Dritten, sofern keine Vertragsbeziehung mit der Dritten besteht, kein bloßer Vermögensschaden vorliegt und die Person “der Erfüllung nahesteht”. Diese Schutzwirkung kann nicht ausgeschlossen werden, da der Ausschluss ein Vertrag zulasten Dritter wäre.

Die Bürgschaft
Bürgin  verpflichtet  sich per  Vertrag  der  Gläubigerin  zur  Zahlung,  falls  die  Schuldnerin nicht zahlt (§§1346ff).   Die  Gläubigerin  hat  erweiterte  Aufklärungspflichten  gegenüber  der  Bürgin,  die Erklärung  hat  schriftlich zu erfolgen. Bürgschaft ist wie das Pfand akzessorisch (Ausnahme: Die
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Bürgschaft  für  Geschäftsunfähige  führt  zum  Schuldbeitritt).   Die  Bürgschaft  kann  maximal  den gesamten  Schuldbetrag  umfassen,  die  Bürgin  hat  alle  Einwendungen,  die  auch  die Schuldnerin hat. Es gibt mehrere Arten: ● Gemeine Bürgin: subsidiär zur Hauptschuldnerin, schuldet nach Mahnung. ● Solidarbürgin: gaftet solidarisch und kann daher auch ohne Ausfall belangt werden. ● Schadlosbürgin; schuldet nur, wenn die Exekution gegen die Gläubigerin erfolglos ist. ● Nachbürgin: bürgt für die Bürgin ● Entschädigungsbürgin: Haftet der Bürgin, wenn sie zahlen muss. In   der  Regel  besteht  zwischen  Bürgin  und  Schuldnerin  ein  Vertrag  (v.a.  Auftrag).  Falls  nicht, können  die  Regeln  über  Geschäftsführung  ohne Auftrag  anwendbar  sein.  Leistet  die Bürgin, tritt sie  per  Legalzession in das Schuldverhältnis ein.  Die Bürgin erhält dann von der Schuldnerin alle Sicherungsrechte  (Pfand,  etc.).  Die  Legalzession   kann  per  Vertrag  zwischen  Bürgin  und Schuldnerin  ausgeschlossen  werden,  besteht  aber  schon,  wenn  kein  Vertrag  bestand  und  die Bürgschaft  gegen  den  Willen  der  Schuldnerin  bestand.  Besteht  die  begründete   Sorge   des Zahlungsausfalles kann die Bürgin einen Sicherstellungsanspruch geltend machen. Gibt   es  mehrere  Bürginnen,  haften  diese  solidarisch  und  können  auch  untereinander regressieren.   Pfandbestellerinnen  haften  ebenso  solidarisch.  Wurde  eine Bürgin/Pfandbestellerin von der Schuldnerin entlassen, haftet sie dennoch weiterhin den anderen Sicherungsbestellerinnen. Die  Bürgschaft  endet  mit  Erfüllung,  Zeitablauf,  Entlassung,  3  Jahre  nach  Tod  der Bürgin sowie bei Erlöschen der Hauptschuld. Die Bürgschaftsschuld erlischt nach 30 Jahren.

Der Garantievertrag
§880a;  Garantin  übernimmt  gegenüber  der  Begünstigten  die  Haftung  für  den  noch  ungewissen Erfolg  oder  Schaden  eines  Unternehmens.  In  dubio  wird  die volle  Genugtuung  geschuldet,  d.h. positiver  Schaden  und  entgangener  Gewinn.  Nicht   zu  ersetzen  sind  Sach­  und Werkleistungspflichten.  Zweipersonale  Garantie ist eine Garantie innerhalb des Vertrages zweier Parteien.  Dreipersonale  Garantie  ist  es,  wenn  die  Verpflichtung  ihren  Grund  allein  in  der Beziehung der Garantin zu einer Dritten hat. Die  Garantie  ist  in  der  Regel abstrakt,  die  Garantin  muss  ohne Prüfung des Anspruches leisten.   Garantie  ähnelt  der  Bürgschaft,  ist  aber   nicht  akzessorisch  und  muss  schriftlich  sein. Die Garantin hat Regressansprüche gegen die Garantieauftraggeberin.

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Schutz von Interzedentinnen
Interzedentinnen sind Bürginnen, Garantinnen, Schuldbeitretende, Schuldübernehmende,... In Verwandschaftsverhältnissen ist Interzession sittenwidrig, wenn 1. Die Haftende finanziell überfordert ist UND 2. Umstände bei Zustandekommen durch die Gläubigerin missbillig sind UND 3. dies für die Gläubigerin beides erkennbar war. Die   Sittenwidrigkeit  (analog  zu  Wucher)  ist  auch  unter  Privaten  gültig.  Das  KSchG  enthält ebenfalls  Sicherungsvorschriften,  die  bei  Verletzung   zum  Entfall  der  übernommenen  Haftung führen,  falls  die  fehlende  Information  zum  nicht­Abschluss  der  Haftung  geführt  hätte.  Die unterlassene  Information  stellt  außerdem  jedenfalls  eine Verwaltungsübertretung dar und löst im KSchG ein richterliches Mäßigungsrecht aus.

Die Anweisung

Ist  ein  dreipersonales  Verhältnis.  Die  Angewiesene  handelt  auf  fremde  Rechnung,  aber  im eigenen  Namen.  Es  ist  eine  “doppelte  Ermächtigung”,  da  die  Angewiesene  zur  Leistung berechtigt  wird  und  die  Empfängerin  zur  Annahme   auf  Rechnung  der  Anweisenden  berechtigt wird. Das  Deckungsverhältnis  liegt  zwischen  Anweisender   und   Angewiesener  vor  und  kann auf  bereits  bestehenden  Schuld  beruhen   (dann:  Pflicht  zur  Annahme  der  Anweisung  §1407). oder auf Schenkung oder Kredit. Wenn nichts vereinbart, wird von einem Auftrag ausgegangen. Das  Valutaverhältnis  liegt  zwischen Anweisender und Empfängerin vor und ist der Grund für   die  Anweisung,  meist  eine  offene  Schuld.  Die  Anweisung  ist  dann  leistungsschuldbefreiend. Ist  die  Empfängerin  einverstanden,  trifft  sie  die  Pflicht  zur  Einholung  der  Leistung  und Verständigung  bei  Problemen.  In dubio gilt Anweisung nur zahlungshalber, d.h. Forderung gegen Anweisende gilt bis zur tatsächlichen Erfüllung. Die   Pflicht  zur  Leistung  trifft  die  Angewiesene  nur  bei  Anweisung  auf  Schuld  §1401.  Die Anweisungsempfängerin  erhält  erst  bei  Annahme  oder  Anweisung  durch  die  Angewiesene  und Zugang  der  Anweisung  an  sie  einen  Anspruch  auf  Leistung  (§1400).  Annahme   ist   nicht verpflichtend,  führt  dann  aber  zum  Einredenausschluss  gegenüber  der  Empfängerin  (es bestehen  nur  Einwendungen  gegen  Gültigkeit  der Annahme, Inhalt der Anweisung oder aufgrund
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der persönlichen Beziehung zur Emüfängerin). Die   Leistung  kann  verweigert  werden,  wenn  Deckungs­  oder  Valutaverhältnis  nicht bestehen.  Die  Anweisung  erlischt  durch  rechtzeitiges  Widerruf.  Die  Leistung  kann  von  einer Gegenleistung  der  Empfängerin  abhängig  gemacht  werden  (Akkreditiv  bei  Geld, Kassalieferschein  bei  Warenleistung).  Giroüberweisungen  sind  ebenfalls  bloß  Anweisungen  an die Bank zur Leistung.

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Schuldrecht ­ Besonderer Teil
Es gibt verschiedene Typen an Schuldverhältnissen: ● Veräußerungsverträge ○ Kauf ○ Tausch ○ Schenkung ● Gebrauchsüberlassungsverträge ○ Miete ○ Pacht ○ Leihe ○ Darlehen ● Arbeitsverträge ○ Dienstvertrag ○ Werkvertrag ● Sonstige ○ Verwahrungsvertrag ○ Auftragsvertrag ○ Gesellschaftsvertrag ● Glücksverträge ○ Spiel, Wette, Leibrente ● gesetzliche, d.h. außervertragliche Schuldverhältnisse ○ Geschäftsführung ohne Auftrag ○ Rechtsgemeinschaft ohne vertragliche Grundlage ○ Gastwirtehaftung ○ Gläubigerinnenanfechtung ○ Bereicherungsrecht ○ Schadenersatzrecht

Kauf
§§1053ff;  ist  die  Übereignung  von  einer  Sache   gegen  Kaufpreis.  Der  Kauf  ist  nur  das Verpflichtungsgeschäft  (Titel),  der  Modus  kann  verschieden  sein.  Die  Käuferin  erwirbt  daher zunächst  nur  ein  Forderungsrecht.  Der Kaufvertrag entsteht als Konsensualvertrag mit Einigung über  Ware  und  Preis  (essentialia  negotii)  und  ist  in  der   Regel  formfrei.  Gegenstand  des Kaufvertrages  können  Rechte  und  Sachen  sein   (Gebrauch  im  Gebrauchsvertrag,  Handlungen durch  Arbeitsvertrag).  Die Gegenleistung  hat  in  Geld  zu erfolgen, sonst liegt ein Tausch vor. Der Kaufpreis  muss  bestimmt  oder  bestimmbar  sein  (auch  durch  Dritte  möglich), im  Zweifel gilt der Preis  als  inklusive  Steuern  angegeben.  Bei  Überschreitung  von  gesetzlichen
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Höchst­/Mindestpreisen wird  der  Vertrag  ex  lege  angepasst,  der  Rest bleibt gültig bestehen. Die Versandkosten  trägt  im  Zweifel  die  Käuferin  (§1063a).   Die  Verkäuferin  muss  Eigentum verschaffen,  Ausnahme  ist  dabei  der  Eigentumsvorbehalt.   Nebenpflichten  der  Kaufes  ergeben sich aus Vertrag und Verkehrssitte. Sukzessivlieferungsverträge  sind  auch  oft  Kaufverträge,  ebenso  wie  Zuleitungs  und Bezugsverträge  (atypischer  Kauf,  da  ein  Dauerschuldverhältnis).  Beim  Kauf  auf  Abruf entscheidet die Käuferin innerhalb eines Zeitraumes über den Leistungszeitpunkt. Ware  und  Preis  sind,  wenn  nicht  anders  geregelt  Zug­um­Zug  zu  leisten  (§1052).  Bei Kreditkauf leistet die Verkäuferin zuerst, bei Vorauszahlungskauf die Käuferin. Preisgefahr regelt   das  wirtschaftliche  Risiko  des  zufälligen  Untergangs  zwischen   Vertragsschluss  und Übergabe.  Vor  der  Übergabe  trägt  die  Verkäuferin  das  Risiko,  danach  die  Käuferin.  Zeitpunkt ist die  bedungene  Übergabe,  oder  falls  die fehlt, die tatsächliche Übergabe. Verliert die Sache mehr als  50%  ihres  Wertes,  wird dies mit Untergang gleichgesetzt (nachträgliche laesio enormis). Bei Gattungssachen  ist  für  den  Übergang  der  Preisgefahr  Konzentration  erforderlich. Übergabezeitpunkt  ist  auch  beim  Eigentumsvorbehaltskauf  beachtlich.  Bei  Liegenschaften  zählt der Zeitpunkt der tatsächlichen Übergabe. Im  Prinzip   liegt  die  Preisgefahr  bei  der  Person,  die  den  Nutzen,  also  die  tatsächliche Innehabung hat und damit vor Gefahren schützen muss. Nebenvereinbarungen sind zum Teil durch das Gesetz selbst geregelt. ● Wiederkaufsrecht  ist  das  Recht  eine  Sache  zu  einem  bestimmten  Preis zurückzukaufen.  Dies  ist  nur  für  Liegenschaften,  Unternehmen  und  eine Speziesschuld zulässig.  Widerkaufsrecht  ist  höchstpersönlich  und  nicht übertragbar/vererblich/pfändbar.  Es  kann  auch  im  Nachhinein  vereinbart  werden.  Das Wiederkaufsrecht  ist  ein  Gestaltungsrecht,  Kaufvertrag  kommt  schon  durch  die Erklärung  zustande.  Das  Recht  wirkt  nur  gegen  Vertragspartnerinnen  und  deren Gesamtnachfolgerinnen, es sei denn es wurde im Grundbuch eingetragen. ● Rückkaufsrecht ist das Recht die Sache der Verkäuferin zurück zu verkaufen. ● Vorkaufsrecht  ist  der   Verkauf  unter  der  Bedingung  die  Sache  zuerst  kaufen  zu  dürfen, bevor   die   Käuferin  diese  weiterverkaufen  darf.  Das  kann  auch  eigenständig  vereinbart werden,  es  ist  nicht  übertragbar  und  nicht  vererblich.  Schon  das  Angebot  einer  Dritten löst  das   Vorkaufsrecht  aus.  Die  Frist  zur  Einlösung  ist  bei  beweglichen  Sachen  24 Stunden,  bei  unbeweglichen  30  Tage.  Durch  Eintragung  ins  Grundbuch  kann  das Vorkaufsrecht   verdinglicht  werden,  Der  Kaufvertrag  kommt,  wenn  nicht  anders  geregelt, so  wie  der  Kaufvertrag  der  dritten  Angebotstellerin   zustande,  inklusive  der Nebenleistungen.  Andere  Veräußerungsarten  sind  nur  bei  vertraglicher  Erwähnung beachtlich (z.B. Vorkaufsrecht wegen Schenkung). ● Kauf  auf Probe ist ein Kaufvertrag mit der Bedingung der Genehmigung der Ware durch die  Käuferin.  Ist  die  Sache  bereits  übergeben,  gilt   ex  lege  Schweigen  als  Zustimmung. Beim  Kauf  nach Probe muss  die  Sache  die Eigenschaften einer früheren Probe erfüllen.
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● ●

Kauf  mit  Umtauschvorbehalt:  Käuferin  kann  die  Sache  gegen  eine  gleiche Gattungssache austauschen. Kreditkauf:  Verkäuferin  leistet  und  kreditiert  der  Käuferin  den  Kaufpreis  (oft  mit Eigentumsvorbehalt).  Es  ist  ein  Abgehen  vom  Zug­um­Zug  Prinzip.  Die  Verkäuferin  hat unter Umständen die Unsicherheitseinrede, wenn Leistung gefährdet ist. Drittfinanzierter Kauf: Der Kauf wird von einer dritten Person finanziert. ○ Abtretungskonstruktion:  Verkäuferin  ist  Kreditnehmerin.  Finanziererin  erhält  die Kaufpreisforderung  und  den  Eigentumsvorbehalt  zediert.  Die  Käuferin  muss direkt an die Finanziererin leisten. ○ Darlehenskonstruktion:  Käuferin  ist  Kreditnehmerin,  Finanziererin  zahlt  direkt  an Verkäuferin. Die Kreditvereinbarung ist dabei meist Bedingung für den Kauf. Gem  §18  KSchG  kann die Konsumentin  Einreden  aus  dem Kaufvertrag  auch  gegen  die Finanziererin  bringen,  wenn  die  Verträge  eine  wirtschaftliche  Einheit  darstellen. Auch bei Leistungsstörungen  (Mangel,  Verzug)  hat  die  Konsumentin  einen Einwendungsdurchgriff. Dieser gilt auch für Unternehmerinnen. Spezifikationskauf:  Wahlschuld  mit  Wahrecht  der  Käuferin  über  bewegliche  Sachen. Das  Wahlrecht  bezieht  sich  auf  die  Ware.  Menge  oder  Preis  müssen  bereits  bestimmt sein   (in  der  Praxis:  Formen  oder  Sortenspezifikation).  Verzug  der  Spezifikation wird  wie Schuldnerinnenverzug  behandelt,  die  Käuferin  muss  bestimmen. Gem  §906  kann  sonst die Verkäuferin zurücktreten oder selbst spezifizieren. Hoffnungskauf  ist  ein  Glücksgeschäft,  der  Kauf  von  künftiger  Nutzung  in  Pausch  und Bogen. Laesio enormis wird dabei ausgeschlossen. Erschaftskauf, gerichtlicher Verkauf

UN Kaufrecht
ist  dispositives  Recht  über  Kaufverträge  zwischen  Parteien  in verschiedenen Staaten. Betroffen sind   bewegliche  Sachen.  Das  UNK  ist  auch  anwendbar,  wenn  das  IPRG  anwendbar  ist  und auch  wenn  vertraglich das  Recht  eines  Staates  vereinbart  wurde. UNK trifft nicht auf Waren für privaten  Gebrauch  (et  al  §2  UNK)  und  Arbeitsverträge   zu.   Es  regelt   nur  den  Abschluss  von Kaufverträgen und daraus resultierende Rechte und Pflichten, nicht aber Eigentumsverhältnisse. Vertragsabschluss Die Vorschriften über den Vertragsschluss sind größtenteils ident mit dem ABGB. Ausnahmen: ● Angebot kann bis zum Absenden der Annahme widerrufen werden ● Rücknahme  des  Angebots ausgeschlossen,  wenn  das  Angebot  dies  ausdrückt  oder  die Empfängerin darauf vertrauen darf. ● Unwesentliche  Ergänzungen  der  Annahme  gegenüber  dem  Angebot  sind  unbeachtlich, wenn  nicht  sofort  gerügt wird. Als wesentlich gelten jedenfalls Preis, Bezahlung, Qualität, Menge, Ort, Zeit und Haftung. Vertragsverletzung ist  der  Sammelbegriff  für  Unmöglichkeit,  Verzug,  Gewährleistung  und  positive Forderungsverletzung.  Das  UNK  unterscheidet  nicht  so,  sondern  nur  über  die  Wesentlichkeit.
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Wesentlich  ist,  wenn  wegen der  Verletzung  eine  Partei  kein  Interesse mehr an der Erfüllung hat und dies bekannt sein musste oder war. Pflichten Verkäuferin Verkäuferin  muss  die Ware  inklusive  aller  nötigen Dokumente liefern und Eigentum verschaffen. Ort  und  Zeit  sind  in  Art  32,33  geregelt,  wenn  nicht  näher  bestimmt  muss  innerhalb angemessener  Frist  geliefert  werden.  Die  Ware  muss  vertragsgemäß  und  frei  von  Rechten Dritter  sein,   die   Regelungen  zum  Gefahrenübergang  decken  sich  mit  dem  ABGB.  Bei wesentlicher  Vertragsverletzung  durch  die  Verkäuferin   kann  die  Käuferin  Erfüllung  verlangen, zurücktreten   oder  selbständig  den  Preis  senken.  Das  UNK   kennt  den  Anspruch  auf Ersatzlieferung  und  Nachbesserung.  Konkurrierend  dazu  kann ein Anspruch auf Schadenersatz bestehen.  Aufhebung  des  Vertrages  beseitigt   den  Anspruch  auf  das  Erfüllungsinteresse   nicht. Bei Rechts­ und Sachmängeln läuft eine Geltendmachungsfrist von maximal 2 Jahren. Pflichten Käuferin Kaufpreiszahlung,  Annahme  der  Ware  Zug­um­Zug,  Zahlung  erst,  wenn  die  Ware  untersucht werden  konnte.  Es  stehen  der  Verkäuferin  ähnliche  Rechtsbehelfe  zu  wie  der  Käuferin.  Es  gibt eine Annahmepflicht, keine bloße Obliegenheit. Schadenersatz Ersatzpflicht  für  Sach­  und  Vermögensschäden  (nicht   Personenschäden!).  Anspruch  ist  dabei verschuldensunabhängig  (!!)  aber  durch  Art  79   abgemildert.  Für  Schäden  außerhalb  des Einflussbereiches  wird  nicht  gehaftet.  Es  ist  auch  der  entgangene  Gewinn  zu  ersetzen,  wobei die  Haftungsgrenze  beim  bei  Vertragsschluss  voraussehbaren  Schaden  liegt.  Die  Geschädigte hat eine Schadensminimierungspflicht. Bei Verzug sind Zinsen zu bezahlen.

Tausch
§1045,  ist  die  Überlassung  einer  Sache  für   eine  andere  Sache  (d.h.  entgeltlich).  Kauf  ist eigentlich  nur  eine Sonderform des Tausches, es gelten daher die selben Regeln. Tausch ist ein Konsensualvertrag.  Unterschied  zum Kauf ist, dass Preisminderung bei Mangel keine Option ist, es  muss  stattdessen  aufgezahlt  werden.  Vorkaufsrecht   ist   beim  Tausch  nicht  anwendbar.  Bei Mischverträgen  Kauf/Tausch  gelten  die  Kaufregeln  wenn  der  Geldwert  gleich oder höher als  der Sachwert  ist  (Absorbtionsprinzip).  Bei  Käufen  mit  Tausch  auf  Zahlung  ist  meist ein einheitliches Geschäft  anzunehmen.  Getrennte  Verträge  sind  nur  bei  entsprechender  eindeutiger Vereinbarung anzunehmen.

Schenkung
§§938ff  ist  die  unentgeltliche  Überlassung  einer  Sache,  die  der  Zustimmung  der  Beschenkten bedarf.  Das  gesamte  gegenwärtige  Vermögen  kann  verschenkt  werden,  vom  künftigen Vermögen  nur  die  Hälfte  (§944).  Gegenstand  der  Schenkung  kann  auch  eine  Forderung  sein. Die   Schenkungsregeln  werden  bei  manchen  Schenkungen  von  lex  specialis  überlagert  (z.B.
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Überlassung  vertretbarer  Sachen  zum  Gebrauch=  Leihe;  Aufträge  und  Dienstverträge  können auch   unentgeltlich  sein).  Grund  der  Schenkung  ist  Freigiebigkeit  =  Schenkungsabsicht.  Die nachträgliche freiwillige Erhöhung der Leistung beim entgeltlichen Geschäft ist keine Schenkung. Wird  die  Schenkung  nicht  gleich  vollzogen,  benötigt  es   zur  Wirksamkeit  eines Notariatsaktes  (Ausnahme:  Schuldenerlass).  Als  Übergabe  gelten  die  körperliche  Übergabe, Übergabe  kurzer  Hand,  Besitzanweisung,  aber  nicht  das  Besitzkonstitut,  da  dabei  keine äußerliche  Veränderung  passiert.  Die  Schenkung  von  Forderungen  bedarf  eines  Zeichens,  z.B. der  Drittschuldnerinnenverständigung.  Schenkungen  können  wegen  Motivirrtums  angefochten werden.  Vorschriften  über  Verzug,  schuldhafte  Nichterfüllung,  Gewährleistung  und  gutgläubigen Erwerb   sind  wegen  der  Unentgeltlichkeit  nicht  anwendbar.  Wissentliche  Schenkung  einer fremden  Sache  führt  schon  zur  Ersatzpflicht,  Haftung  für  leichte  Fahrlässigkeit  ist  wohl  in  der Regel ausgeschlossen. Schenkungen dürfen nicht widerrufen werden, außer: ● nachträgliche  Dürftigkeit  (§947),  d.h.  Probleme  bei   der  Leistung  von  oder  dem  eigenen Unterhalt.  Schenkende  haben  dann  Recht  auf  die gesetzlichen  Zinsen  des  geschenkten Betrages. ● grober  Undank,  d.h.  eine  gerichtlich  strafbare  Verletzung  von  Leib,  Ehre,  Freiheit  oder Vermögen  der  Schenkenden  oder  ihr  nahestehender  Personen.  Der  Unddank  allein macht die Beschenkte zur unredlichen Besitzerin. Das  Widerrufsrecht  verjährt  nach  3  Jahren.  Personen,  deren  ihnen  zustehender  Unterhalt gefährdet  ist  haben  ein  Einspruchsrecht.  Schenkungen  unter  Verlobten  mit  Hinblick  auf  die künftige  Ehe  sind  rückforderbar  wenn  die  Ehe  unverschuldet  nicht zustande kommt. Gemischte Schenkungen  sind  zum  Teil  nach  Schenkungs­  und  zum  Teil  nach  Kaufregeln  zu  behandeln. Welche  Regeln auf  entgeltsfreie  Geschäfte  (z.B.  Sicherungen)  anwendbar  sind, ist im Einzelfall zu prüfen.

Verwahrungsvertrag
§§957;  teilt  sich  in Gastwirtinnenhaftung  und  den  eigentlichen  Verwahrungsvertrag.  Verwahrung ist  die  Übernahme  einer  fremden  Sache  in  Obsorge.  Der  Verwahrungsvertrag  ist  ein Realvertrag,  das  bloße  Versprechen  der  Verwahrung  ist  nur  ein  Vorvertrag.  Die  Verwahrung kann   entgeltlich  oder  unentgeltlich  erfolgen,  für  bewegliche  oder  unbewegliche  Sachen  und  ist ein  Dauerschuldverhältnis.  Die  Verwahrerin  muss  die  Sache  sorgfältig  verwahren,  d.h.  ohne Schaden  oder  sie  zu verlieren. Sie haftet für jede schuldhafte Verletzung, nicht aber für Zufall, es sei  denn   sie  hat  die  Sache  gebraucht  oder  ungefragt  Dritten  übergeben,  bzw.  die  Herausgabe verzögert   und  die  Sache  wäre  dann  nicht  durch  Zufall  beschädigt  worden.  Mitschulden  der Hinterlegerin  mindert  die  Haftung.  Als bloße  Sachinhaberin  darf  die  Verwahrerin  die Sache nicht gebrauchen.  Die  Hinterlegerin  muss  Aufwendungen  ersetzen  und  eventuell  Schadenersatz leisten,   sowie  ein  allenfalls  vereinbartes  Entgelt   zahlen.  Im   Gegenzug  besteht  das  Recht  auf sorgfältige Verwahrung und Auskunft über den Zustand der Sache. Die   Verwahrung  endet  zum  vereinbarten  Zeitpunkt  oder  bei  Kündigung  bzw.  dem Zeitpunkt  der  sich  aus  den  Umständen  ergibt.  Die  Sache  ist  dann  inklusive  Zuwachs  im ursprünglichen  Zustand  zurückzustellen.  Die  Hinterlegerin  darf   vorzeitig  zurückfordern,  die
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Verwahrerin  darf  jedoch  nur  dann  selbständig  vorzeitig  zurückgeben  wenn  die  Verwahrung unvorhergesehen nicht mehr möglich ist. Die Präklusionsfrist für Ansprüche aus der Verwahrung sind   30  Tage.  Ergeben  sich  Verwahrungspflichten  als  gesetzliche  oder  vertragliche Nebenpflichten sind dies keine gesonderten Verwahrungsverträge. Sonderformen: ● Schrankfachvertrag  (=Safevertrag):  Bank   verspricht Bereitstellung  eines  Raumes  und dessen Bewachung. Bei diesem gemischten Vertrag überwiegen die Mietelemente. ● Vertretbare Sachen (Geld, Wertpapiere): ○ reguläres   Depot  (depositum  regulare):  die  vertretbaren  Sachen  sind  in  einem geschlossenen Behältnis ○ Summendepot:  vertretbare  Sachen  werden  gesondert  aufbewahrt,  dürfen  aber jederzeit ausgetauscht werden. ○ Sammelverwahrung:  selbe  Sachen  verschiedener  Personen  werden gemeinsam verwahrt, es besteht Miteigentum aller Personen. ○ irreguläres   Depot  (depostium  irregulare):  Eigentum  geht  auf  die  Verwahrerin über,  Hinterlegerin  hat nur schuldrechtliche Rückforderungsansprüche. Ist wie ein Darlehen  zu  behandeln,  falls  die  Verwahrerin  Eigentum an den den Wertpapieren erwirbt. Gastwirtinnenhaftung §§970ff,  Gastwirtinnen  haften  für  die  von  aufgenommenen Gästen eingebrachten Sachen, wenn diese  durch  die  Gastwirtin, Angestellte oder im Haus ein­und­ausgehende Personen verschuldet beschädigt  oder  gestohlen  werden.  Die   Haftung  geht  weiter  als  die  deliktische  und  die vertragliche  Haftung  aufgrund  der  Gefahr  des  offenen  Hauses.  Parallel  können  vertragliche  und deliktische  Haftung  gelten.  Betroffen  sind  nur  Beherberungsbetriebe  (inkl.  Schlafwären, Badeanstalten,  Garagen,  Ställe,  etc.).  Ein  Aufbewahrungsraum  setzt  geschlossene  räumliche Verhältnisse   voraus.  Eine  Sache  gilt  als  eingebracht,  wenn  sie  der  Wirtin  oder  anderem Personal  übergeben  wird  oder  an einem dafür bestimmten Ort  aufbewahrt wird. Die Sache kann auch  einer  dritten Person  gehören.  Die  Haftung  deckt  solche Gegenstände nicht, die  am Körper getragen  werden.  Sie  beginnt  mit  der  Einbringung  und  endet  mit  dem  Wegbringen  der  Sache. Betroffen sind aufgenommene Gäste und solche in Aufnahmeverhandlungen. Die   Beweislast  liegt  bei  der  Gastwirtin,  sie  muss  beweisen,  dass   der  Schaden  weder durch  sie  oder  ihre  Leute  verschuldet  wurde, noch  durch fremde, im Haus ein­und­aus gehende Personen  verursacht  wurde  (Gäste,  Lieferantinnen,   Enschleicherinnen,  nicht  aber Einrecherinnen  und  Räuberinnen). Es kommt dabei nicht auf die Art der Gehilfinnen an (§§1313a und  1315).  Trifft  die  Geschädigten  ein  Mitverschulden,  hat  die  Richterin  zu  entscheiden  ob  und wie   hoch  zu  entschädigen  ist.  Die  Haftung  kann  nicht  durch  ein  Schild  abgewandt  werden,  die Aufforderung  zum  Versperren  von  Wertgegenständen  ist  aber  möglich.  Liegt  Verschulden  der Wirtin  oder  ihrer  Gehilfinnen  vor,  haften  sie  unbegrenzt,  sonst  mit  1.000€  begrenzt  (für Wertgegenstände  nur  550€).  Forderungen   sind  binnen  30  Tagen  und  sofort  nach  Kenntnis einzubringen,  sonst  tritt  Präklusion  ein.  Im  Gegenzug  zur  Haftung  haben  die  Gastwirtinnen  ein Rückbehaltungsrecht an den eingebrachten Sachen für offene Forderungen.

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Leihe
§§971ff,  ist  die  unentgeltliche  Überlassung  des  Gebrauches  einer  unvertretbaren unverbrauchbaren  Sache.  Die  Leihe  ist  ein  Realvertrag,  die  Sache  kann  beweglich  oder unbeweglich  sein,  die  Verleiherin  muss  nicht  die  Eigentümerin  sein.  Die  Entlehnerin  ist  zum Gebrauch  berechtigt.  Der  Verleih  von  verbrauchbaren  Sachen ist ein Darlehen. Der Unterschied zur  Miete   ist   die   Entgeltlichkeit.  Die  Leihe  ist  ein  Dauerschuldverhältnis,  Entlehnerin  ist Rechtsbesitzerin und genießt daher Besitzschutz. Prekarium  ist  die  Bittleihe  und  jederzeit  von  der  Verleiherin  widerrufbar.  Die  Regeln  der Leihe  sind  anwendar,  aber  die  Entlehnerin  ist  keine  Rechtsbesitzerin.  Mit  Prekarium  darf  die Miete nicht umgangen werden. Verleiherin  haftet  wie  Geschenkegeberin  nur  für  wissentlich  unberechtigte  Leihe  und positive  Vertragsverletzung.  Entlehnerin  haftet  für  jede  Form  von  Verschulden  und  wenn  die Sache   zu  spät  zurückgestellt  wird  oder  ungerechtfertigt  gebraucht  wird  auch  für  Zufall.  Bei vertragswidrigem  Gebrauch  kann  die  Verleiherin  die  Sache  umgehend  zurückfordern.  Die Entlehnerin  haftet  der  Verleiherin  gegenüber   unabhängig  davon,  ob  diese   Eigentümerin  ist. Aufwendungen  die  durch  die  Leihe  entstehen  trägt  die  Entleiherin,  außerordentliche Aufwendungen hingegen die Verleiherin. Die   Dauer  der  Leihe  wird  ausdrücklich  oder  konkludent  vereinbart  oder  ergibt  sich  aus dem  Vertragszwck.  Vorzeitiges Beenden  ist  von  der  Verleiherin  in  der Regeln  nicht  möglich, für die  Entleiherin  allerdings  schon,  sofern  die  Verleiherin  zustimmt.  Forderungen  sind  binnen  30 Tagen   einzubringen,  sonst  tritt  Präklusion  ein.  Das  Rückforderungsrecht  erlischt  nach  30 Jahren.

Darlehen und Kreditgeschäfte
§§983ff,  Kreditgeschäfte  regeln  die  Verschaffung   von  Kapital,  das  ABGB  unterscheidet  hier Darlehen,  Kauf  auf  Borg  und  Kreditvertrag.  Durch   das  DaKRÄG  2010  wurde  das  Kreditrecht grundlegend geändert.

Darlehensvertrag
Geberin  übergibt vertretbare  Sachen  über  die  beliebig  verfügt werden  kann.  Nehmerin muss bei Vertragsende  genausoviele  Sachen  der  gleichen  Güte  und  Gattung  zurückgeben.  Dies  kann entgeltlich  oder unentgeltlich  sein,  im  Zweifel  entgeltlich.  Entgeltlicher  Vertrag  über  ein Darlehen heißt  Kreditvertrag. Darlehen ist ein formfreier Konsenusalvertrag  und  wird formpflichtig, wenn er entgeltlich   ist   und  nicht  sofort  übergeben   wird  oder  wenn  er  unter  Eheleuten  gegeben  wird. Unterschied zur Leihe ist, dass bei der Leihe die Sache nicht ins Eigentum wechselt Darlehensvertrag  ist  ein  auf  Eigentumserwerb  gerichtetes  Titelgeschäft,  die  Gefahr  des zufälligen  Untergangs  trifft  die  Darlehensnehmerin.  Bei  Insolvenz  kann  nur  schuldrechtlich gefordert  werden.  Gewährleistung  gibt  es  nur  bei  entgeltlichem  Darlehen.  Das  Darlehen  endet mit  Zeitablauf,  ordentlicher  oder  ausserordentlicher  Kündigung.  Wertschwankungen
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unbeachtlich.

Kreditvertrag
ist  ein  entgeltlicher  Darlehensvertrag  über  Geld.  Entgelt   ist   dabei  meist  ein  vereinbarter  Zins. Höchstzinsen  ergeben  sich  aus  Wucher,  laesio  enormis,   KSchG  und  der  AusbeutungsV. Zinseszinsen   gebühren  nur ab  Einrbingung  einer  Klage  oder  wenn  dies  ausdrücklich  vereinbart wurde  sowie  unter  Unternehmerinnen.  Verschlechtert  sich  während  der  Vertrages  das Vermögen,  kann  die  Auszahlung  der  Kreditsumme  verweigert   werden.  Das  Enddatum  ergibt sich aus dem Vereinbarten oder den sonstigen Vertragsumständen.

Verbraucherinnenkredit
sind   für  Verbraucherinnen  günstigere  und  zwingende  Regeln  und  gelten  für  Kredite  über  200€ und  mehr  als  3  Monate,  mit  Ausnahme  der  §4/2  KSchG.  §§5ff  KSchG  enthalten  vorvertragliche Informationsvorschriften,  Tilgungsplan,  Änderungen  des  Sollzins,  Kontomittielungen, Sonderrücktrittsrechte,  Kündigung  durch  die  Kreditgeberin  nur  wenn  dies  vereinbart  war, außerordentliches Rückzahlungsrecht, etc.

Auftrag
§§1002ff,  ist  ein  Vertrag  durch  den  sich  jemand  verpflichtet  Geschäfte  einer  anderen  auf  deren Rechnung  zu  besorgen.  Geschäftsbesorgung  bedeutet  die  Erledigung  von  Rechtsgeschäften und  Rechtshandlungen.  Tatsächliche  Handlungen  (Arbeiten)  fallen  eher  unter  Arbeitsverträge. “Auf   Rechnung”  bedeutet,  dass  Kosten  und  Vorteile  des  Rechtsgeschäftes  der  Auftraggeberin zufallen. Es   gibt  kein  Formerfordernis,  ein  Auftrag  ist  je  nach  Inhalt  Dauer­  oder Zielschuldverhältnis  und  kann  entgeltlich  oder  unentgeltlich  sein.  Das  ABGB  mischt  Vollmacht und  Auftrag,  wobei  jeder  Auftrag  eine  Vollmacht,  aber  nicht  jede  Vollmacht  ein  Auftrag  ist.  Ein Auftrag  begründet  im  Innenverhältnis  die  Verpflichtung  tätig  zu  werden  und  ist zustimmungsbedürftig.  Die  Vollmacht  regelt  nur  das  rechtliche  Dürfen  im  Außenverhältnis  und bedarf   keiner  Zustimmung.  Rechtsgeschäfte,  die  gegen  den  Auftrag  verstoßen  können  die Auftraggeberin  trotzdem  rechtlich  binden.  Eng   mit   dem  Auftrag  verwandt  ist  die  Ermächtigung, das  ist  die  Erlaubnis  im  eigenen  Namen  auf  fremde  Rechnung  tätig  zu  werden.  Die Ermächtigende  wird  dann  direkt  berechtigt  und  verpflichtet.  Die  Ermächtigung  ist eine einseitige Willenserklärung. ● Auftraggeberin = Vollmachtgeberin = Machtgeberin ● Beauftragte = Bevollmächtigte = Machthaberin Personen,  die  öffentlich  bestellt  sind  (Rechtsanwältin,  Ziviltechnikerin)  müssen  Aufträge  nicht annehmen, aber unverzüglich antworten. Beauftragte müssen   sorgfältig  sein  und  die  Interessen  der  Auftraggeberin  wahren  sowie  wenn  nötig Weisungen  einholen.  Falls erforderlich  besteht  Geheimhaltungspflicht. Aufträge sind, wenn nicht
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anders gestattet persönlich durchzuführen. Insichgeschäfte und Dopplevertretung ist unzulässig. Für   Pflichtverletzungen  (Abweichen  vom  oder  Überschreiten  des   Auftrages)  haftet  die Beauftragte  sogar  wenn  der  Auftrag  unentgeltlich  ist.  Sie  muss  alle  Vorteile  herausgeben  und Rechnung legen. Die Beauftragte darf keine Geschenke annehmen. Auftraggeberin muss  das  vereinbarte,  konkludente  oder  gesetzlich  gebührende  Entgelt  zahlen,  ebenso  Ersatz für  getätigte  Ausgaben und  einen  Vorschuß,  falls  nötig.  Der  Aufwandersatz  steht  auch  zu wenn der  Auftrag  erfolglos  war  oder  zu  früh  abgebrochen  wurde.  Außerdem  besteht  eine verschuldensunabhängige  Risikohaftung  für   die   Auftraggeberin  neben  der  Haftung  für schuldhafte  Vertragsverletzung  (§1014).  Die  Risikohaftung  deckt  aber  nur  vertragstypische Schäden ab. Die Haftung für atypische Schäden ist mit der Entgeltshöhe begrenzt. Beendigung jederzeit  durch  Widerruf  der Auftraggeberin  wenn  der  Auftrag nicht explizit unwiderruflich ist. Bis dahin  entstandene  Kosten  und  Honorar  sind  zu leisten.  Jederzeit  kann  der  Auftrag  bei  Verstoß gegen  das  Vertrauensverhältnis  widerrufen   werden.  Beauftragte  können  jederzeit  kündigen, müssen   aber   unaufschiebbare  Geschäfte  weiterführen  und  eventuell  entstandenen  Schaden ersetzen. Wird Auftrag durch Zufall vereitelt, endet der Auftrag ebenso wie bei Tod und Konkurs.

Trödelvertrag
§§1986ff,  ist  ein  Verkaufsauftrag.  Die  Eigentümerin   übergibt  die  Sache  für  die  ein  bestimmter Preis  zu  zahlen,  oder  die  Sache  zurückzustellen  ist.  Trödelvertrag  ist  ein  Realvertrag,  nach der Frist  erlischt  das  Wahlrecht  und  die  Trödlerin  wird  bei  Zahlungspflicht  Eigentümerin.  Mit Fristende   geht  auch  die  Gefahrentragung  über.  Für  unbewegliche  Sachen  oder  bei  fehlender Vereinbarung  über  den  Kaufpreis  liegt  ein  Auftrag  vor.  Die  Trödlerin  kann  durch  den  Verkauf Eigentum  verschaffen,  sie ist verfügungsbefugt. Die Eigentümerin kann vor Ablauf des Vertrages nicht  zurücktreten.  Im  Unterschied  zum  Auftrag/Kommissionsgeschäft  muss  hier  die  Trödlerin immer den fixen Kaufpreis zahlen, unabhängig davon, was sie selbst erhalten hat.

Bestandsverträge
sind   Miete  und  Pacht;  Beide  Verträge  sind  Gebrauchsüberlassung  für  Entgelt.  Ein Bestandsvertrag ist ein Konsensualvertrag, die  essentialia negotii umfassen Bestandssache und Zins,   welcher  bestimmbar   sein  muss.  Gegenstand  von  Bestandsverträgen  sind unberbrauchbare bewegliche und unbewegliche, körperliche oder unkörperliche Sachen. Miete ist die entgeltliche Überlassung zum bloßen Gebrauch. Pacht ist die entgeltliche Überlassung einer Sache zu Gebrauch und Fruchtnutzung. Im ABGB werden Miete und Pacht oft gleich verwendet, die Unterschiede sind: ● Bei Miete unbeweglicher Sachen ist Zinsbefreiung wegen Unbrauchbarkeit unabdingbar ● Tragung der Lasten ist unterschiedlich ● Anwendung bestandrechtlicher Sondervorschriften (z.B. MRG) verschieden
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Es  gibt  auch  Mischverträge, dann  entscheidet  das  überwiegende  Element  (Absorbtionstheorie). Überlässt  die Mieterin/Pächterin den Gebrauch einer  Dritten, entsteht ein Untermiet/pachtvertrag. Unterschied  zwischem  Miete  und  Leihe  ist  der  Entgeltlichkeit  und  Leihe  ist  ein  Realvertrag.  Es gibt kein unentgeltliches Gegenstück zur Pacht.

Mietrechtsgesetz
ist  lex  specialis  zum  ABGB,  die  Regeln  betreffen  v.a.  Kündigungsschutz  und Mietzinsobergrenzen und sind zwingend. Das MRG regelt  Mietverträge, nicht Pachtverträge. Das MRG  erfasst  nur  Raummiete,   diese  kann  aber  zusätzlich  noch  offene  Räume  beinhalten, solange   die wirtschaftliche  Bedeutung  der  geschlossenen  Räume  überwiegt.  Hobbyräume  sind nicht  vom  MRG  erfasst.  Explizit  ausgenommen  sind  des  weiteren  Dienstwohnungen, Wohnheime,  Beherbergungsbetriebe,  betreutes  Wohnen,  Zweitwohnsitze,  etc.  Gewisse Mietgegenstände  sind  von  Teilen  des  MRG  (Zins!)  ausgenommen,  v.a.  Neubauten  (nach  1953 privat gebautes).

Haupt­ und Untermiete
MRG  gilt  v.a.  für  Hauptmieterinnen,  also  Verträge  mit  der  Eigentümerin   oder   Fruchtnutzerin. Weitergabe  des  Gebrauchs  schafft  Untermiete.  Gewisse  Regeln  des  MRG  gelten  auch  dafür, z.B.  §27  verbotene  Abreden;  Bestandsschutz  und  dergleichen  gelten  nur  beschränkt. Untermieterinnen  können  leichter  gekündigt  werden  und  ihre  Zinsgrenzen  sind  höher.   Bloße Scheinverträge der Hauptmiete zur Schaffung von Untermiete sind illegal. Pachtschutz ist in Sondergesetzen zu finden (z.B. LandpachtG, KleingartenG,...)

Pflichten Bestandgeberin
Bestandsache  muss  im  brauchbaren  Zustand  übergeben  und  erhalten  werden.  Bei  der  Pacht muss  allerdings  die  Pächterin  die  Ausbesserungen  durchführen.  Störungen  durch  die Bestandgeberin  und  durch  Dritte  ist  zu  unterbinden.  Werden  diese  Pflichten  verletzt  werden Bestandsnehmerinnen  ex  lege  ganz  oder  teilweise  vom  Zins  befreit.  Bei vis major besteht keine Wiederherstellungspflicht.  Nach  MRG  muss die Vermieterin  den  ortsüblichen  Standard  erhalten und  Gefahren  beseitigen,  sowie  den  Energieverbrauch  reduzieren  und  gesetzliche  Vorschriften umsetzen.  Die  Mietgegenstände  sind  nach  MRG  nur   von  ernsten  Schäden  und  Gefahren   zu bewahren.  Nützliche  Verbesserungen  sind  gem  MRG  durchzuführen, sofern  die Kosten von der Mietzinsreserve  gedeckt sind. Bei Unterlassen der Verbesserungen kann ein Gericht den Auftrag dazu   erteilen.  Nach  MRG  besteht  schon  die  Pflicht,  unbrauchbar  gewordene  Mietgegenstände wiederherstellen zu lassen.

Pflichten Bestandnehmerin
Recht  auf  vertragsgemäßen  Unterbrauch,  Störungen   anderer  Mieterinnen  sind  zu  unterlassen. Gebrauchsrecht  nach  Vertrag,  Zweck,  Ortsüblichkeit.  Gem.  MRG  darf  Bestandsnehmerin Änderungen  nach  dem  Stand  der  Technik  Verkehrsübung  durchführen.  Die  Sache  ist  in brauchbarem  Zustand  zu  halten,  Schäden  sind  sofort  anzuzeigen.  Für  selbst  behobene Schäden  gelten  die  Regeln  der  Geschäftsführung  ohne  Auftrag.  Versorgungsleitungen sind  von
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der  Mieterin  selbst  zu  warten.  §10  MRG  bestimmt  eine  Ersatzpflicht  bei  Vertragsende.  Lasten und  Abgaben  haben  in der Regel Pächterin/Vermieterin zu tragen, wobei die Mieterin einen Anteil tragen muss. ● Zins: ○ Nach  ABGB  ist  der  Zins  halbjährlich zu  zahlen,  wird aber meist per Vereinbarung monatlich  gezahlt.  An  den  von  der  Mieterin  eingebrachten  Sachen  besteht  ein gesetzliches Pfandrecht, die Höhe der Zinsen ist fast unbegrenzt ○ Nach  MRG  muss der  Zins für die Hauptmieterin “angemessen” sein (nach Größe, Lage,   Ausstattung;  gilt  gem  §16  für  Geschäftslokale,  Gebäude  unter Denkmalschutz   und Neubauten  sowie  Wohungen  über  130m²). Für  alle  anderen Mietverhältnisse  (v.a.   Altbau)  kann ein  Richtwertzins  vereinbart  werden,  der vom Ministerium  pro  Bundesland verlautbart  wird  und  den  der  Zins  nicht  um mehr  als 50%  übersteigen  darf.  Der  Zins  ist  nach  MRG  am  Monatsersten  zu  entrichten. Werden   die   Grenzen  überschritten,  tritt  Teilunwirksamkeit  ein.  Zu  hohe  Mieten können  binnen  3  Jahren  oder  6  Monaten  nach  Ende  der  Miete  beeinsprucht werden.  Zu  viel  bezahlte  Mieten  können  binnen  3  Jahren  (10  bei  Befristung) herausgefordert  werden.Gewisse  Zahlungen  sind  zum   Schutz  der  Mieterin ungültig und können inklusive gesetzlicher Zinsen herausgefordert werden. ● Weitergabe des Gebrauchs ist  zulässig,  wenn  es  ohne  Nachteil  für  die  Eigentümerin   möglich  und  nicht  explizit untersagt   ist   (§1098).  Es  wird  dann  ein  Rechtsverhältnis  zwischen  Haupt­  und Unterbestandnehmerin  gegründet,  ohne  Involvierung  der  Bestandgeberin.  Ein Räumungstitel  gegen  die  Hauptbestandnehmerin   gilt  auch  gegen  die Unterbestandnehmerin.  Das  Ende  des  Hauptbestandsvertrages  beendet  auch automatisch  das  Unterbestandsverhältnis.  Es  kommen  dann  von  der Unterbestandnehmerin  Ansprüche  wegen   Nichterfüllung  in  Betracht.  Nach Rechtssprechung  kann  Bestandgeberin  nur  gegen  die  Bestandnehmerin  wegen unzulässiger  Untermiete  vorgehen  und  Beseitigung   bzw.  Schadenersatz  verlangen. Nach  MRG  sind   Untermietsverbote  teilweise  komplett  (bei  Unternehmen),  teilweise  nur mit wichtigen Gründen zulässig. ● Vertragsübernahme & Zinsanhebung: ○ nach   ABGB:  Mietvertrag  kann  nur  übernommen  werden  mit  Zustimmung  der Vermieterin.  Ausnahme ist der  Unternehmensübergang,  hier  geht  die  Miete  über, wenn die Vermieterin nicht binnen 3er Monate widerspricht. ○ nach   MRG:  Wohnraumrecht  kann  unter  nahen  Angehörigen,  die  ebenfals  in  der Wohnung  wohnten  weitergegeben  werden. Die Hauptmieterin hat das Recht zum Wohnungstausch  innerhalb  der  Gemeinde,  wenn  wichtige  Gründe  vorliegen,  und es den Vermieterinnen zumutbar ist. Bei  Veräußerung  eines  Unternehmens  zur  Fortführung  tritt  die  Käuferin  in  den Mietvertrag  ein,  die  Vermieterin  darf  aber  den  Mietzins  erhöhen.  Das  Recht  zur Erhöhung besteht ab der obligatorischen Anzeige der Veräußerung.

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Rückstellung Bestandsache  ist  bei  Vertragsende  zurückzustellen,  Veränderungen  sind  rückgängig  zu machen,   wenn  nicht  anders  vereinbart.  Die  gewöhnliche  Abnützung  ist  nicht ersatzpflichtig, alles andere schon. Für die Ansprüche gilt eine Präklusionsfrist  (1 Jahr).

Gefahrtragung
Jede   Vertragspartei  trägt  das  Risiko  ihrer  Sphäre  für  zufällige  Unbenützbarkeit.  Wird  die Bestandssache  ganz  oder  teilweise  unbenützbar,  trifft  dies  die  Bestandgeberin  und  sie  verliert den  Anspruch  auf  den  Zins.  Ist die  Bestandnehmerin  am  Gebrauch der Sache verhindert, muss die  den  Zins  dennoch  bezahlen.  Bei  Pacht  von  unter  einem  Jahr  trägt  die  Verpächterin   das Risiko des erheblich geminderten Ertrages.

Beendigung Bestandsverhältnis
Befristetes Bestandsverhältnis ● nach   ABGB:  Befristung  ist  möglich,  mit  Erklärungsvoraussetzung  und  automatisch  bei Zeitablauf.  Wird  die  Erklärung  unterlassen  oder  die  Sache  in  stillschweigendem Einverständnis  weiter  gebraucht,  verlängert  sich  der  Vertrag   mit   den   bisherigen Bedinungen  (§1115).  Vor  Fristablauf  kann  nur   aus  wichtigem  Grund  (§§1117,1118) gekündigt  werden.  Bestandnehmerin  kann   v.a.  wegen  Unbenützbarkeit  der  Sache  oder Gesundheitsgefahr  kündigen.  Bestandgeberin  v.a.  bei  Gefährdung  der  Sache   oder längerer nicht­Zahlung des Zinses. ● nach  MRG: Wohnungen haben eine Mindestfrist von  3 Jahren oder benötigen sonst  einen schriftlichen  Endtermin.  Die  Befristung  mindert  den  zulässigen  Mietzins  um   25%Die Mieterin  darf  bei  Befristung  jedenfalls  nach  einem   Jahr  ao.   kündigen.  Bei  der Voraussetzung  von  §1117  darf  Mieterin  ao.  kündigen.  Vermieterin  nur  bei  nachteiligem Gebrauch oder Zinsrückstand (Eingeschränkt durch Nachzahlungsmöglichkeit). Unbefristetetes Bestandsverhältnis ● nach ABGB: ao. Kündigung nach §§1117,1118 oder durch ordentliche Kündigung nur zu bestimtten Terminen und Fristen. ● nach   MRG:  Vermieterin  kann  nur  aus  wichtigem  Grund  nach  §30/1  MRG  kündigen. Vereinbarungen  über  §30  MRG  hinaus  zugunsten  der  Vermieterin  sind  unwirksam.  Die Gründe  umfassen  Vertragsverletzungen,  mangelnden  Wohnbedarf,  Eigentbedarf  der Vermieterin,  vereinbarte  Umstände  und  Ersatzbeschaffung.  Für  Ersatzbeschaffung  ist ein  angemessener  Ersatz  für  Geschäftsräume  oder  2  für  Wohnungen  anzubieten. Untermietsverhältnisse  können  bei  wichtigem  Interesse  der  Untervermieterin  gekündigt werden.  Vermieterin  muss  gerichtlich  kündigen  und  die  Gründe  dafür anführen.  Mieterin kann auch bloß schriftlich kündigen. Gütliche Einigungen abseits davon sind möglich.

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Allgemeine Endigungsgründe Bestandsvertrag  endet,  wenn  die  Sache  unwiederherstellbar  untergeht.  Nach  MRG  bleibt  der Vertrag  allerdings  aufrecht,  wenn  die  Sache  mit  der  Versicherungssumme  wieder  hergestellt werden  kann.  Tod  berührt  den  Vertrag  NICHT.  Beim  Tod  einer  Mieterin  haben  die  Erbinnen  ein ao.  Kündigungsrecht  (§1116a),  bestimmte  Erbinnen  können  in  den  Vertrag  binnen  14  Tagen eintreten.  Der  Eintritt  kann  die  Vermieterin  zur  Zinserhöhung  berechtigen. Kommt  es  zu keinem Eintritt,  kann  die  Vermieterin  dem  ruhenden  Nachlass  kündigen.  Bei  Vermächtnis  des Bestandrechtes  besteht  nur  ein  Anspruch   gegen  die  Erbin  auf  Übertragung,  kein  direkter Vertragseintritt. Das Bestandsverhältnis kann jederzeit envernehmlich geändert werden.

Verhältnis Bestandnehmerin zu Dritten
Die   Bestandnehmerin  ist  Rechtsbesitzerin  und  hat  daher  Besitzstörungs­  und Besitzentziehungsklage  gegen  Dritte.  Bestandgeberin  hat  als  Sachbesitzerin  ebenfalls Besitzschutz.  Die  Bestandnehmerin  hat  gegen  die  Geberin  das Recht  gegen  Störungen  durch Dritte ein Eingreifen zu verlangen. Bei  Veräußerung  bleibt  Bestandsvertrag  gültig,  wird  aber  in   einen  unbefristeten  Vertrag umgewandelt.  Daher  kann  die  Käuferin  innerhalb  der  gesetzlichen  Frist  nach  §1120  kündigen. Unterbleibt   die  Kündigung,  geht  der  Vertrag   inklusive  Nebenpflichten  über.  Auch  bei Zwangsversteigerungen.  Gem  §1095  kann  ein Bestandsverhältnisse ins Grundbuch eingetragen werden,  dann  entfällt  das  Kündigungsrecht  der  Käuferin  oder  ersteigernden  Person.  Die Eintragung  unbefristeter  Bestandsverhältnisse  ist  nur  möglich,  wenn  die  Vermieterin im  Voraus auf  das  Kündigungsrecht  verzichtet.  Mietzinsvorauszahlungen  können  Erwerberinnen  und Hypothekargläubigerinnen nur bei Eintragung ins Grundbuch entgegengehalten werden. Hat  die  Mieterin  das  Objekt  noch  nicht  übergeben  bekommen,  entsteht  kein Rechtsverhältnis  zur  neuen  Erwerberin.  Ab  Übergabe  sind  Nachfolgerinnen  der  Vermieterin  an Hauptmietverträge  gem  MRG  gebunden.  Ungewöhnliche  Nebenabreden  gehen  nur  mit  über, wenn  die  Erwerberin  sie kannte oder  kennen  musste.  Die  Erwerberin  tritt in den Vertrag ein und ist gem Kündigungsschutz des MRG auch an ihn gebunden. Ein  Bestandsvertrag,  der  zur  Entwertung  der  Liegenschaft  bei  der  Exekution geschlossen  wurde,  ist  sittenwidrig  und  damit  ungültig  (ausnahmsweise  Gültigkeit  von  “Kauf bricht  Miete”).   Dieser  Grundsatz  gilt  sonst  nur  bevor  das  Mietobjekt  der   Mieterin  übergeben wurde  (s.o.).  Kommt  es   zu  so  einem  Bruch,  hat  die  Mieterin  Schadenersatzansprüche  gegen die Verkäuferin (§1120).

Leasing
Verschiedene  Vertragstypen  regeln  Gebrauchsüberlassung/Nutzung  an  Konsum­  und Investitionsgütern, wobei der Kapitalaufwand des Ankaufes entbehrlich werden soll. ● unmittelbares  Leasing:  Produzentin/Händlerin  nimmt  Leasing  vor.  Bei  mittelbarem Leasing   kauft  eine  Liesinggesellschaft  und  schließt  einen  Leasingvertrag  mit  der Konsumentin. ● Sale­and­lease­back:  Sache  wird  verkauft  und  zurückgeleased.  Passiert  dies
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Länderübergreifend: cross­border Leasing. ● Bei beweglichen Sachen: Mobilienleasing, sonst: Immobilienleasing. ● Operating­Leasing = Miete ● Finanzierungsleasing:  Leasinggeberin   ist   Kreditgeberin  und  trägt  die Anschaffungskosten.  Nehmerin  zahlt  einen  höheren  Betrag  und  trägt  auch  die  Gefahr des  zufälligen  Untergangs.  Gewährleistung   gilt  ähnlich  wie  beim  Kauf,  wobei  die Ansprüche meist gegen die Lieferantin, nicht gegen die Leasinggeberin gehen. Bei  mittelbarem  Finanzierungsleasing  entfaltet  der  Vertrag  zwischen  Produzentin  und Leasinggeberin Schutzwirkungen zugunsten Dritter (=der Leasingnehmerin). ● Vollamortisierungsvertrag:  vereinbarte  Dauer  deckt  die  Lebensdauer  des  Objektes.  Bei Teilamortisierung  ist  die  Gebrauchsdauer  kürzer  als  die  Lebensdauer,  die Leasingnehmerin muss für den vereinbarten Restwert der Sache einstehen. Nach  Leasingende  kann  eine  Übernahmsklausel  vereinbart  sein,  der  Vertrag  kann  aber  dann dem  normalen  Ratenkauf  sehr  nahe  kommen,  wodurch  das  KSchG  über  Abzahlungsgeschäfte anwendbar wird.

Time Sharing
sind   Verwertungsformen  von  Ferienwohnungen  und  Hotels.  Die  Kundin  erwirbt  dabei  ein alleiniges   Nutzungsrecht  zu  bestimmten  Zeiten,  die  Rechtsform  kann  sehr  unterschiedlich  sein (Fruchtgenuß,  Miteigentum,  Aktienerwerb,  Verein,  Treuhand,  Miete,...).  Rechtsgrundlage ist das Teilzeitnutzungsgesetz,  welches  für  Konsumentinnen  gilt.  Günstigere  Bestimmungen  wie  z.B. durch das MRG gelten weiterhin. Das Teilzeitnutzungsrecht gilt für mindestens 3 Jahre.

Bauträgerinnenvertragsgesetz
Dies  ist  ein  Vertrag  über  Eigentumserwerb/Wohnungseigentum/Baurecht/Bestandrecht  oder sonstigen  Nutzungsrechtes  an  zu  errichtenden  oder  umfassend  zu  renovierenden  Gebäuden, Gemeinschaftsräumen  oder  Wohnungen.  Bauträgerin   ist,  wer  zu  Einräumung  dieser  Rechte verpflichtet   ist.  BTVG   gilt  für  Verträge  von  Zahlungen  vor  Fertigstellung  über  145€/m².  Die Bauträgerin   muss  vor  dem  Verlust  der  Zahlung  schützen,  wenn  die  Fertigstellung  unterbleibt. Diese Pflicht endet mit der Übergabe und Erlangung der vereinbarten Rechtsform.

Dienstvertrag
ist  die  vertragliche Verpflichtung  zur  Arbeitsleistung für die Vertragspartnerin auf bestimmte oder unbestimmte  Zeit.  Die   Dienstnehmerin  schuldet  keinen  Erfolg  sondern  nur  Bemühen.  Die Dienstgeberin  kann  das  Verhalten  bestimmen,  die  Nehmerin  wird   in  der  Regel  in  einen bestimmten   Betrieg  eingegliedert.  Falls  mit  der  Tätigkeit  eine   Geschäftsbesorgung  verbunden ist,  gelten  die  Regeln  über  den  Bevollmächtigungsvertrag.  Die  Dienstnehmerin  steht  in persönlicher, also nicht übertraglicher Abhängigkeit. Freie  Dienstverträge  führen  auch  zur  Schuld  von  Bemühen,  freie  Dienstnehmerinnen sind   nicht  in  den  Betrieb  eingeglieder  und  arbeiten  inhaltlich  unabhängiger.  Der  freie Dienstvertrag ist in §§1164a nur minimal geregelt.
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Für   Dienstveträge  gelten  keine  Formvorschriften,  die  Gestaltungsfreheit  ist  zum Arbeitnehmerinnenschutz  und  durch  Kollektivverträge  eingeschränkt (relativ zwingendes Recht). Unter  Umständen  gibt es  Formvorschriften  durch  Sondergesetze (Berufsausbildung, Invalidität). Der  Dienstvertrag  kann  entgeltlich  oder  unentgeltlich  sein,  in  dubio  wird  ein  angemessenes Entgelt  geschuldet  (§1152),  welches  im  Nachhinein  zu  leisten  ist.  Der  Anspruch  auf  Entgelt bleibt  einige  Zeit  auch  ohne  eigene  Leistung   bestehen,  wenn  dies  unverschuldet  ist  (z.B. Krankheit),  oder wenn  die  Dienstgeberin  darauf  verzichtet,  oder  die  Hinderung  an der Arbeit von ihr verschuldet wird. Neben  der  Entgeltspflicht  treffen  die  Dienstgeberin  Fürsorgepflichten  für  Leben, Gesundheit,  Persönlichkeitsrechte  und  teilweise  sogar  das  Vermögen  der Dienstnehmerin.  Die Geberin  haftet  für  Schäden,  die  die  Nehmerin  im  Zuge  der   Vertragsausübung  erleidet.  Im Gegenzug stehen bestimmte Treue­ und Geheimhaltungspflichten zu. Das  Dienstverhältnis  endet  durch  Zeitablauf,  Kündigung,  vorzeitige  Auflösung  oder  Tod der  Dienstnehmerin.  Es  bestehen  Einschränkungen  für  die Kündigung  durch  Dienstgeberinnen. Vorzeitige  Auflösung  bedarf  wichtiger  Gründe.  Arbeitskräfteüberlassung  ist  im AÜG geregelt und behandelt  Leistung  der  Dienstnehmerin  an  dritte  und  deren  Weisungsrechte.  Dem  ähnlich  sind Gruppenarbeitsverhältnisse wie der Kapellmeisterinnenvertrag. Der Großteil der ABGB Regelungen ist durch Sondergesetze verdängt.

Werkvertrag
§§1165ff; Die  Werknehmerin verpflichtet sich zur Herstellung  eines bestimmten Erfolges. Dieser Erfolg  kann  sich  auf bewegliche, unbewegliche, körperliche und unkörperliche Sachen beziehen. Die   nötigen  Handlungen  und  der  Erfolg   müssen  aber  tatsächlicher  Natur  sein, Rechtshandlungen  fallen  eher  unter  den  Auftragsvertrag.  Werkvertrag  ist  ein Zielschuldverhältnis,  Unterschied  zu  Dienstvertrag  ist  das  Schulden  eines  konkreten  Erfolges. Der  Unterschied  zum  Kaufvertrag  ist  teilweise schwer  zu finden (z.B. Werklieferungsvertrag; ist hier  das  Material   oder  die  genaue  Anweisung  über  die  Herstellung  von  der  Käuferin  ist  es   ein Werkvertrag,  sonst  und  in  dubio  eher  ein  Kaufvertrag:  §1166).  He  nachdem wer  Eigentum  am Werkstoff  hatte,  ist  dann  ein  Eigentumsübertrag  nötig.  Werkvertrag  muss  nicht  entgeltlich  sein. Die Schutzvorschriften des Dienstvertrages gelten sinngemäß auch beim Werkvertrag. Werkunternehmerin  muss  das  Werk  höchstpersönlich  oder  unter   Haftung  der herangezogenen  Gehilfinnen  und   Subunternehmerinnen  nach  §1313a   durchführen. Werkbestellerin  muss  das  bedungene  oder  angemessene  Entgelt  leisten,  nachdem  die Vollendung  und  Überprüfung abgeschlossen  sind. Wenn nicht anders vereinbart, ist Zug­um­Zug zu  leisten,  für  Auslagen  kann  die  Werkunternehmerin  schon  vor   Vollendung  Ersatz  fordern (§1170).  Steht  der  Werklohn  nicht  ex  ante  fest,  wird  er  erst  bei  Rechnungslegung  fällig  und verjährt  nach   der  Frist  ab  dem  Zeitpunkt  der  möglichen  Rechnungslegung.  Im  Falle  einer Pauschale  trägt  die  Werkunternehmerin  das  wirtschaftliche  Risiko  für   den  Mehraufwand.  Für Entgeltsforderungen  besteht  kein  Pfandrecht,   aber  die  Eintede  des  nicht  gehörig  erfüllten Vertrages und Zurückbehaltungsrecht am Material gem §471.

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Kostenvoranschlag
ist  eine  Aufstellung  der  mit  der  Werkherstellung  verbundenen  Kosten.  Wenn  der Kostenvoranschlag mit Vorarbeiten  verbinden  ist,  ist  er  im  Zweifel  entgeltlich, die Verbraucherin ist  auf  diese  Kosten  zuvor  hinzuweisen.  War  der  Voranschlag  unter  Garantie  der  Richtigkeit, kann   die   Werkunternehmerin  die  Mehrkosten  nicht  verlangen,  muss  aber  auch Preisminderungen  nicht  weitergeben.  Beim  Kostenvoranschlag  ohne  Gewähr  muss  die Werkbestellerin  nur  geringfügige Überschreitungen  selbst  tragen,  beträchtliche  Mehrkosten sind ihr  aber  anzuzeigen.  Bestellerin  kann  dann   wählen  ob  sie  vom  Vertrag  zurücktritt  oder  die Kosten  trägt.  Im   Zweifel  gilt  der  Voranschlag  ohne  Gewähr,  bei  Konsumentinnen  im  Zweifel  als mit Gewähr gegeben.

Sicherstellung bei Bauverträgen
Die   Werkbestellerin  hat  bis  zu  20%  des  vereinbarten  Entgelts  als  Sicherstellung  im  Voraus  zu leisten.  Sicherungsleistung  kann  dabei  Bar­  und Buchgeld, Bankgarantie und Versicherung sein. Sicherungskosten  bis  2%  trägt  dabei  die  Werkunternehmerin.  Die  Sicherung  ist  binnen angemessener  Frist  zu  tätigen,  sonst  darf  die  Leistung  eingestellt  oder  Rücktritt  angedroht werden. Sicherstellung entfällt für öffentliche und juristische Personen sowie Konsumentinnen.

Gewährleistung und Schadenersatz
§§922­933b;  Gewährleistung  deckt  bei  Werkverträgen  auch  die  umschriebenen  Eigenschaften. Besonderheit  sind  die  Sowiesokosten,  d.h.  die  Mehrkosten  einer  gewährleistungsrechtlichen Verbesserung,  die  die  mangelfreie  Herstellung  ohnehin  gekostet  hätte.  Diese  muss  die Werkbestellerin  tragen,  oder  den  Vertrag  wandeln.  Grundsätzlich  wird  ein  mangelfreies  Werk geschuldet. Warnpflichten bestehen  bei  von  der  Bestellerin  stammenden  Stoffen  und  Anweisungen,  sofern  diese offensichtlich  untauglich  oder  unrichtig  sind  (§1168a).   Das  gilt  auch  gegenüber  vermeidlich sachkundigen  Bestellerinnen,  die  dann  allerdings  eventuell  Mitverschulden  trifft.  Die Werkunternehmerin  haftet  auch  für  die  Warnpflichten  ihrer  Gehilfinnen.  Die Warnpflicht besteht schon  als  vorvertragliche Schutzpflicht.  Ignoriert  die  Werkbestellerin  die  Warnung,  haftet  sie  für den  Schaden  und  Schaden  der  der  Werkunternehmin  entsteht.  Die  Gewährleistung  entfällt, wenn  der  zur  Verfügung gestellte  Stoff  ungeeignet ist,  und  keine Warnpflichten  verletzt  wurden. Die   Gewährleistung  ist  dann  verschuldensabhängig.  Trifft  beide  eine  Verschulden,  wird  die Gewährleistung geteilt.

Preisgefahr
Für   die   Gefahr  des Unterbleibens  der  Ausführung  gilt  die  Sphärentheorie,  also  die  Herkunft  des Hindernisses.  Bei  Umständen  auf  der  Seite  der  Bestellerin  behält  die  Werkunternehmerin  den Anspruch  auf  das  Entgelt,  muss  aber  erspartes  davon  abziehen. Erschwert  die  Bestellerin  die Herstellung, treffen sie auch die höheren Kosten.
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Bei  Umständen,  die  nicht  bei  der  Bestellerin  liegen,  verliert  die  Werkunternehmerin  den Anspruch,   sogar  wenn  die  Gründe  in  Sphären  Dritter  liegen.  Gefahr  für  ein  fertiges  Werk  wird wie  beim  Kauf  beurteilt.  Bis zur bedungenen  Übergabe trägt sie die Werkunternehmerin, danach die  Bestellerin.  Wurde  kein  Zeitpunkt  vereinbart,  zählt  die  tatsächliche  Ablieferung.  Zufälligen Verlust des Stoffes trägt die Stoffbestellerin.

Beendigung
Werkvertrag  ist  ein  Zielschuldverhältnis  und  ende  mit  der  Erfüllung.  Beim  Tod endet der Vertrag nur  wenn   die  Leistung  dadurch  sinnlos  wurde  oder  die  Leistung  durch  die  Verstorbene höchstpersönlich  geschuldet  wurde.  Unterbleibt  die  nötige  Mitwirkung  der  Bestellerin  darf  die Unternehmerin nach Nachfrist zurücktreten.

Reiseveranstaltungsvertrag
ist  eine  Gesamtheit  an  Reiseleistungen  gegen  ein  pauschalisiertes Entgelt. Es werden dafür  ein Werk  (Beförderung),  Dienstleistung  (Betreuung)  und  Besorgung  von  Geschäften  geschuldet, weshalb  der  Reiseveranstaltungsvertrag  ein  Mischvertrag  ist.  Er  ist  von   einem  bloßen Vermittlungsvertrag  zu  unterscheiden.  Regelungen  finden  sich  dabei  in  §§31b­f und richten sich nicht  nur  an  Verraucherinnen.  Nötig  ist,  dass  mindestens  zwei  der  aufgezählten  Leistungen  im Vertrag  mit  Pauschalentgelt  beinhaltet  sind.  Die  Regelungen  sind relativ zwingend zugusten der Reisenden.  Preis­  oder  inhaltliche  Änderungen   des  Vertrages  führen  zu  Wahlrecht  der Reisenden  (Rücktritt,  andere  Reise,  Einverstanden).  Die  Reise  kann  an  Dritte  übertragen werden, dann haften beide Beteiligte solidarisch für die Mehrkosten. Gewährleistung  richtet  sich  nach  §932  iVm  §31e  KSchG,   demnach  muss  auch  bei unbehebbaren  Mängeln  eine  angemessene  Vorkehrung  getroffen,  oder  die  Abreise  ordganisiert werden,  wenn  die  Reisende  nicht  mit  der  Alternative  einverstanden  ist.  Die  Reisende  hat  eine Rügeobliegenheit  bei  sonstigem  Mitverschulden.  Die  Verbesserung  nach  der  Reise  kommt  in der  Regeln  nicht  in  Betracht,  daher  kommen  sekundäre   Gewährleistungsbehelfe  sofort  in Betracht.  Außerdem  besteht  Anspruch  auf  Ersatz  der  entgangenen  Urlaubsfreude,  wenn erhebliche  Mängel  eingetreten  sind.  Die  Ersatzhöhe   richtet  sich  nach Dauer  und  Schwere  des Mangels  und  Grad  des  Verschuldens,  sowie  Zweck  der  Reise  und  Kaufpreishöhe.  Die Zulässigkeit  von  Haftungsausschlüssen  ist  gem  §6/1/9  eingeschränkt,  die  Verjährung kann aber auf  ein  Jahr  beschränkt  werden.  Probleme  mit  Kriegen oder Naturkatastrophen vor Ort kann zur Anfechtung wegen Wegfall der Geschäftsgrundlage führen.

Wette & Spiel
sind   Glücksveträge,  Vertragsgegenstand  ist  die  Übernahme  von  Risiko  (Hoffnung  eines  noch ungewissen  Vorteiles).  Wette  und  Spiel  sind  schwer  zu  unterscheiden,  aber  ohnehin  gleich geregelt.  Beide  können  entgeltlich  oder   unentgeltlich  sein,  je  nachdem  ob  beide  Parteien  eine Leistung  versprechen.  Ohne  Hinterlegung  der  Leistung  entsteht  nur  eine  Naturalobligation. Verbotene  Spiele  sind  komplett  ungültig,  dafür  gezahlte  Schulden  können  herausgefordert werden. Laesio enormis ist ausgeschloßen, Wucheranfechtung möglich.
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Leibrentenvertrag
§§1284ff,  Leistung  einer  Partei  gegen   Zusage   einer  Rente  auf  Lebensdauer.   Entgeltlicher Glücksvertrag, der Umgang muss bestimmt sein. Dauer kann sich nach Leben der Berechtigten, der  Verpflichteten  oder  einer  Dritten  richten,  im  Zweifel  nach  der Lebensdauer der Berechtigten. Leibrente für Dritte ist ein Vertrag zugunsten Dritter. Laesio enormis Anfechtung ist möglich.

Gesetzliche Schuldverhältnisse
Bereicherungsrecht
soll   ungerechtfertigte  Vermögensverschiebungen  rückgängig  machen.  Die  entreicherte  Person erhält   einen  schuldrechtlichen  Anspruch  auf  Ausgleich  (=Bereicherungsanspruch).  Diese Bereicherungsansprüche  sind  auf  Herausgabe  eines  rechtsgrundlosen  Vorteils  gerichtet  und schadensunabhängig.  Es  keinen  einheitlichen  Bereicherungstatbestand,  sondern  Normen  an verschiedenen Stellen. Es gibt aber 2 Arten von Bereicherungsansprüchen: 1. Vermögensverschiebung durch Leistung der Verkürzten; dagegen: Leistungskondiktion 2. sonstige  Vermögensverschiebung:  Eingrifftskondiktionen,  bzw. Vermögensverschiebung durch Zufall oder Handlungen der Verkürzten, die keine Leistungen sind.

Leistungskondiktionen
sind  schuldrechtliche  Ansprüche  zur  Rückgängigmachung  einer  nicht gerechtfertigten Leistung. Geregelt   in  §§1431­1437.  Die  Kondiktion  steht  der  Leistenden  gegen  die  Leistungsempfängerin zu,  im  Zweifel  ist  dabei  auf  die  vorgestellte  Zweckbeziehung  abzustellen.  Leistung  ist  die bewusste  Vermögenszuwendung  an  eine  andere  Person  zur  Erreichung  eines  bestimmten Zwecks  (Tun  oder  Unterlassen).  Leistungszweck  ist  die  Erfüllung  eine  Verbindlichkeit  oder Erlangung  einer  Gegenleistung.  Besteht   oder  zerfällt  das  Schildverhältnis,  erreicht  die  Leistung nicht  ihren  Zweck.   Dasselbe  gilt  auch  wenn  sich  eine  Zweckvereinbarung  nicht  erfüllt,  Nicht zurückgefordert  werden  können  bewusste  Leistungen  einer  nichtschuld  und  Leistungen  zur Erreichung  eines  unerlaubten  Zwecks.  Rückforderungsgrund  ist nicht Besitz/Eigentum, sondern allen  die  fehlerhafte  Leistung.  Bei  Eigentum   konkurriert  die  Kondiktion  mit  der  Eigentumsklage §366. Irrtümliche Leistung einer Nichtschuld ­ condictio indebiti §1431 Leistung  trotz  fehlender  Verbindlichkeit  oder  Irrtum  der  Leistenden  über  den  Bestand  einer Schuld.  Dem  steht  die  Bezahlung  einer  bedingten und noch ungewissen Forderung gleich, nicht aber  die  Bezahlung  einer  nur  noch  nicht  fälligen  Schuld (Ausnahme  wiederum  ist  die  Leistung von  Geschäftsunfähigen,  die  von  deren  gesetzlichen  Vertreterinnen  herausgefordert  werden kann).  Rückzahlung  einer  unklaren  Schuld  kann  gefordert  werden,  ebenso  Zahlung   unter
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Vorbehalt.  Die  Anerkenntnis  einer  strittigen  Schuld  durch  Zahlung  kann  nicht  zurückgefordert werden. condictio sine causa ­ §877 Bereicherungsanspruch  wegen  Aufhebung  eines  Vertrags  aus  mangelnder  Einwilligung  (Irrtum, List,   Drohung).  Durch  die  Rückwirkung  der  Auflösung  fällt  der  Rechtsgrund fürs Behalten  weg. Im Gegensatz zu §1431 ist kein Irrtum erforderlich. §877 ist auch für Kondiktion wegen Dissenz. Nachträgliches Wegfallen des Leistungszweckes ­ condictio causa finita §1435 ist v.a. dann anwendbar, wenn Verträge durch Gestaltungsrechte aufgehoben werden. condictio causa data causa non secuta ­ analog §1435 Rückforderung  wegen Nichteintritts  des erwarteten Erfolges. Eine Leistung zur Erreichung eines Zweckes  kann  bei  Nichterreichung  zurückgefordert  werden.  Die  Rückforderbarkeit  besteht  aber nur,  wenn  die  Unerreichbarkeit  nicht  von  Beginn  an  bekannt  war  (§1174/1/1)  und  wenn  der Zweck erlaubt war. Rückforderung bei Unmöglichkeit und Unerlaubtheit ist  ebenfalls  möglich.  Bei  Unmöglichkeit:  §§1431,1435.  Bei  Unerlaubtheit  kommt  es  auf  den Schutzzweck  der  Norm  an.  Sollte  nur  das  Entstehen  durchsetzbarer  Verpflichtungen verhindert werden,  besteht  kein  Rückforderungsanpruch.  War  der   Verbotszweck  der  Schutz  einer  Partei oder  der  Leistungsaustausch,  so  ist  die  Zuwendung  rückforderbar.  Darlehen  für  verbotene Spiele sind nicht rückforderbar. condictio ob turpem vel iniustam causam ­ §1174/1/1 Kondiktion gegen Leistungen für verwerfliche Taten, wie z.B. Lösegeld

Rückabwicklung im Dreiecksverhältnis
Wer hat an wen geleistet? Anweisung

A verkauft C eine Ware. A kauft von von B diese Ware und weist B an, an C zu leisten. ● Ist  das  Deckungsverhältnis  (A  zu B) ungültig, hat die Angewiesene B nur einen Anspruch (Leistungskondiktion) gegen die Anweisende A.
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Ist  das  Valutaverhältnis  (A  zu  C)  ungüötig,  ist  rückabszuwickeln.  Die  Anweisende  A  hat eine Leistungskonditkion gegen Anweisungsempfängerin C. ● Sind Deckungs­ und Anweisungsverhältnis ungültig,  liegt also ein Doppelmangel vor, wird ebenfalls rückabgewickelt. Kondiktion von B gegen A und von A gegen C. ● Ist  die  Anweisung  ungültig  oder  nie  gegeben  worden,  oder  widerrufen,  kann  sie  A  nicht zugerechnet werden und B kann nur von C kondizieren. ● Hat  die  Angewiesene  B  gegenüber  C  die  Anweisung  angenommen, so ist eine abstrakte Schuld  entstanden  und  die  Rückforderung   wegen  ungerechtfertigter  Bereicherung   ist nicht mehr möglich. Verträge zugunster Dritter werden wie Anweisungen gehandhabt. Bürgschaft und Garantie Bürgschaft  ist  akzessorisch  und  verfällt  mit  der  Hauptschuld.  Wird  dennoch  bezahlt,  hat  die Bürgin  einen  Anspruch  gegen  die  Gläubigerin.  Garantie  ist  nicht  akzessorisch,  daher  hat  nicht die  Garantin   sondern  die  Garantieauftraggeberin  einen  Kondiktionsanspruch.  Wenn  der Garantievertrag selbst ungültig/anfechtbar ist, hat die Garantin selbst den Anspruch. Zession ist strittig, nach herrschender Meinung kann die debitor cessus aber von der Zessionarin fordern. Falsus Procurator War  falsus  zum  Empfang  berechtigt:  Kondiktion  gegen  unwirksam   vertretene  Person.  War Falsus  das  nicht,  geht  die  Kondiktion  gegen  sie  selbst.  Daneben  sind  Verwendungs­  und Eigentumsansprüche zu prüfen.

Verwendungsanspruch
§1041  ­  Wird   eine  Sache  zum  Nutzen  einer  anderen  verwendet,  kann  die  Eigentümerin  die Sache   in  natura  zurückfordern  oder  falls  das  unmöglich  ist,  den  Wert  ersetzt  verlangen.  Die entreicherte  Eigentümerin  hat  einen  Bereicherungsanspruch  dafür,  dass  die  Sache ungerechtfertigt  zu  fremdem  Nutzen  verwendet  wurde.  Verwendungsanspruch  dient  der Rückführung  des  ungerechtfertigten  Vorteils.  Als  Sache  sind  auch  körperliche  Sachen, Forderungsrechte,  Namensrechte;  Marken­  und  Urheberiinenrechte,  Schauspielstimmen  und Arbeitsleistungen  zu  verstehen.  Eigentümerin  ist,   wem  das  Rechtsgut  zugeordnet  ist.  Besitz reicht dafür nur, wenn die Sache nach §372 absolut geschützt ist. Verwendung  ist  jede dem Recht der Eigentümerin widersprechende Nutzung (Gebrauch, Verbrauch,  Verfügung).  Die  Vermögensverschiebung  kann  auf jedwede  Person  oder  sogar  den Zufall  zuückgehen,  darf aber für  den  Verwendungsanspruch nicht  durch  einen  Vertrag  oder das Gesetz   gerechtfertigt  sein.  Der  Verwendungsanspruch  ist  subsidiär  hinter  Geschäftsführung ohne Auftrag und Leistungskonditkionen, kann aber mit Schadenersatz konkurrieren. ● Dreipersonale  Versionsklage:  Zahlungsunfähigkeit  der  eingeschaltenen  Mittelsperson führt  nach  herrschender  Meinung  nicht  zu  Ansprüchen  der  verkürzten  Person  gegen die bereicherte Person.
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Dreipersonale  Verwendungsklage  und  Leistungskondiktion:  Ist  der  Vertrag  zwischen  der Mittelspwerson  und  der  Bereicherten  ungültig,   kann  die  verkürtzte  Person  gegen  die Vereicherte  vorgehen,  wahlweise  mit  Leistungskondiktion  gegen  die  Mittelsperson  oder Verwendungsansprich gegen die Bereicherte. Der Vorrang der Leistungskondiktion gilt im dreipersonalen Verhältnis nicht.

Aufwand für eine Andere Wer  für  eine  andere  Person  einen  Aufwand  macht,  den  diese  aus  dem  Gesetz  selbst  hätte machen  müssen,  hat  das  Recht  auf  Ersatz  (§1042).   Dies   ist   ein   Unterfall  des Verwendungsanspruches  und  erfordert  ein  dreipersonales  Verhältnis.  Der  Nutzen  der Bereicherten  liegt  in  der  Befreiung  der  erfüllten  Verbindlichkeit.  Für  irrtümliche  Zahlung  einer Nichtschuld  ist  die condictio  indebiti  (s.o.)  anzuwenden. Die Bereicherte kann durch §1042 nicht schlechter  gestellt  werden,  als  ohne  den  Aufwand.  Sie  hat  daher  alle  Einwendungen  des Grundverhältnisses,  v.a.  Verjährung.  Der  aufwand  ist  jedenfalls  nur  zu  ersetzen, wenn  er  nach dem  Gesetz  zu   leisten  war,  nach  herrschender  Meinung  aber  auch  bei  vertraglichen  Pflichten. §1042 kommt nicht zur Anwendung, wenn in Schenkungsabsicht gehandelt wurde. Nach  §1043  kann  außerdem  die  jenige  Ersatz  von  den  Begünstigten  verlangen,  die eigenes Eigentum aufgeopfert hat, um einen Schaden von dem fremden Eigentum abzuwenden.

Inhalt und Umfang des Bereicherungsanspruches
Es gelten die selben Regeln für Leistungskondiktionen und Verwendungsanspruch: 1. Herausgabe  der  Sache: Rückstellung  der  Sache  oder  Leistung in realer Kokurrenz zur rei  vindicatio.  Ist  die  Herausgabe  unmöglich  oder  untunlich  gebührt  Wertersatz  inklusive der  erlangten  Vorteile  (Erlös,  Ersparnis,  Genuß).  Die  Höhe  hängt  vom  guten/bösen Glauben  ab, wobei  die  Redlichkeit  vermutet  wird. Gutgläubige müssen den Verkehrswert bzw.  tatsächlichen  Erwerb  (falls  geringer)  herausgeben.  Bei  Schenkung  den Verkehrswert.  Unredliche  müssen  den  höchsten  am Markt erzielbaren Preis zahlen, falls sie die Sache verbraicht haben, sonst den Erlös mit Mindestgrenze Verkehrswert. 2. Angemessener  Lohn:  Falls  Leistung  eine Handlung war, ist ein angemessener Lohn zu bezahlen  (§1431).  Bei  wissentlicher  Inanspruchnahme  ist  unabhängig  vom  konkreten Nutzen ein angemessenes Entgelt zu bezahlen. 3. Benützungsentgelt:  Bereicherte  hat  den  im  Gebrauch  liegenden   Vorteil herauszugeben.  Die  Höhe  hängt  von  der  Redlichkeit  ab.  Redliche  müssen  den subjektiven  Vorteil,  also  meist  das  gewöhnliche  Benützungsentgelt  zahlen.  Unredliche das höchste am Markt erzielbare Benützungsentgelt. 4. Herausgabe  der  Früchte  ergibt  sich  aus  §§329ff.  Redliche  darf  Früchte  behalten, Unredliche muss jeden Vorteil herausgeben, aber darf für Aufwände Ersatz verlangen. 5. Nachteilsausgleich:  Entstanden  durch  die  ungerechtfertigte  Vermögensverschiebung der  Bereicherten  Nachteile,  wie  beispielsweise  aus  der   Rückgabe,  so  ist  der Verwendungsanspruch  zu  mildern,  wenn  die   Bereicherte  gutgläubig  war  und  die Verschiebung auf Sorglosigkeit der Entreicherten beruht (z.B. Irrtümliche Zahlung). 6. Synallagmatische  Schuldverhältnisse:  Zug­um­Zug  Prinzip  auch  bei  der
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bereicherungsrechtlichen Rückabwicklung 7. Geschäftsunfähigkeit   der  Bereicherten:  Bei  Zahlung  einer  Nichtschuld   an  die Geschäftsunfähige  kann die  Leistung  nur  kodiziert werden, wenn sie noch vorhanden ist, oder zu ihrem Vorteil verwendet wurde. 8. Zufälliger   Unterhang:  Nach  herrschender  Meinung  trifft  der  zufällige  Untergang  die herausgabeberechtigte  Person  (2  Konditikionen  Theorie).  Nach  anderer Ansicht trägt die Empfängerin das Risiko des zufälligen Untergangs, da die Sache in ihrer Sphäre war. Sie hat  also  nur  einen  Anspruch,  wenn  der  Wert  ihrer  Leistung  den  Wert  der untergegangenen  Sache  übersteigt  (Saldotheorie).  Wird  die  Erfüllung  der Rückstellungspflicht schuldhaft vereitelt, wird dafür voll gehaftet.

Schadenersatzrecht
regelt  wann  Geschädigte Ersatz  für den  erlittenen Schaden verlangen können, also wann dieser übergewälzt  werden  kann  (Schadenstragung).  Grundsätzlich  trifft  der  Schaden  die  Person,  in deren  Vermögen  er  sich  ereignet  (§1311),  es   sei  denn  es  gibt  Gründe  für die  Zurechnung  des Schadens  zu einer  anderen  Person  (Zurechnungsgründe).  Der  Schaden  muss zur Zurechnung von  der  Person  verursacht  worden  sein.  Die  Schädigerin  muss  dafür  außerdem  rechtswidrig und  schuldhaft  gehandelt  haben.  Die  Person  haftet  also  für ihr Verschulden in einem Delikt oder bei  Verstoß   gegen  einen  Vertrag  =  Verschuldenshaftung.  Eine  andere  Haftungsart  ist  die Gefährdungsgaftung,  bei  der  die  besondere  Gefahr  der Handlung die Haftung begründet. Bei der Eingriffshaftung  wird  für  den  Eingriff  in  fremde  Rechtsgüter  nur  bestimmt  gehaftet.  Eine Schadenersatzpflicht  entsteht  auch  durch  das  Versprechen  sie  zu  leisten,  z.B.  durch  einen Versicherungsvertrag. Zweck  des  Schadenersatzrechtes  ist eine Ausgleichsfunktion für erlittenen Schaden. Die Ansprüche  entstehen  daher  auch  erst  nach  dem  Schaden,  bei  bloß  drohenden   Nachteilen stehen  Unterlassungsansprüche  zu.  Unabhängig  vom  Schadenersatz  und Unterlassungsansprüchen  kann  ein  Beseitigungsanspruch  bestehen,  der  sich  auch Rückgängigmachung des vorherigen Zustandes richtet und verschuldenunabhängig ist.

Schaden
1. Vermögensschäden  (§1293):  wird  noch  einmal  aufgeteilt   in  positiven  Schaden  und entgangenen  Gewinn.  Vermögensschäden  sind  in  Geld  messbar.  Realer/positiver Schaden ist die tatsächliche Veränderung an einem Vermögensgut. Entgangener Gewinn ist  der  Gewinn   der  nach  dem  gewöhnlichen  Lauf  der  Dinge  zu erwarten  war,  es  ist  die Verhinderung einer Vermögensvermehrung. Beides zusammen ist das “Interesse”. Wird  nur   der  positive  Schaden  ersetzt,  ist  dies  die  eigentliche  Schadloshaltung,  wird auch   der  entgangene  Gewinn  ersetzt,  ist  dies  die  volle  Genugtuung.  Die  erlittene Beschädigung  (positiver  Schaden)  ist  die  Beeinträchtigung  von  vorhandenen Rechtsgütern und der deswegen zu tätigende Aufwand wie z.B. Reperaturkosten. Ob nur
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positiver  Schaden  oder  auch  entgangener  Gewinn  ersetzt  wird,  hängt  vom Verschuldensgrad  ab (§1324). Eine Vereitelung einer bereits sicheren Erwerbschance ist ebenso  positiver  Schaden  wie  der  Verlust  des  Pensionsanspruches,  Bonus  und Regressrechtsverlust,  Verdienstausfall  und die künftigen Früchte einer Sache. Ein bloßer Vermögensschaden  liegt  vor,  wenn  der  Nachteil  im  Vermögen  nicht  durch  eine Verletzung eines absolut geschützten Rechtsgutes entstanden ist. 2. immaterielle   Schäden:  Nicht  in  Geld  messbare  Schäden  wie  Schmerzen  oder Gefühlsschäden  sind  immaterieller  =   ideeller  Schaden.  Strittig  ist  dieser  beispielsweise bei  fiktiven  Mietwagenkosten,  also  wenn  bei  Beschädigung  eines  KFZ  die  Eigentümerin den  ihr  zustehenden  Mietwagen  (der  als  positiver  Schaden  jedenfalls  zusteht)  nicht nimmt.  Eine Mindermeinung sieht hier die Gebrauchsmöglichkeit  als Vermögenswert, der beschädigt  wird  und  sieht  es  als  ersetzbar  an.  Jedenfalls  zu   ersetzen  sind  jedoch frustrierte  Aufwendungen  wie  Garagenmiete,  Steuer,  Versicherung,  etc.  da  der Schaden hier  bereits  getätigte Aufwendungen  nutzlos  macht. Entgangene Urlaubsfreunde ist nach §31e KSchG zu ersetzen. 3. wrongful  birth  ­  wrongful  life.  Schadenersatz  kann   verlangt  werden  wenn  ein  Kind  nach unkorrekter  ärztlicher  Aufklärung  mit  einer  Behinderung  auf  die  Welt  kommt.  Dabei  ist Unklar  ob  nur  der  Mehraufwand  oder der gesamte  Unterhalt zusteht. Für gesunde Kinder (wrongful  birth)  gibt  es  keinen  Schadenersatz.  Den  Ersatzanspruch  haben  die  Eltern, nicht das Kind selbst (wrongful life). 4. ex  contractu:  Nichterfüllungs­  /  Vertrauensschaden:  gibt  es  nur  für  vertragliche Ansprüche. a. positives  Interesse  ist  der  Nichterfüllungsschaden;  die  Geschädigte  ist  so  zu stellen, als wäre der Vertrag gehörig erfüllt worden. b. negatives  Interesse  ist  der Vertrauensschaden;  die Geschädigte ist so zu stellen, wie  sie  ohne  Vertrauen auf die Gültigkeit des  Vertrages  gestanden wäre (nutzlose Aufwendungen,  etc.).  Das  negative  Interesse  ist  jedenfalls  mit  dem hypothetischen  Erfüllungsinteresse  beschränkt.  Zum  negativen  Interesse  zählen auch Nachteile wegen Versäumung anderer Abschlussgelegenheiten. Es ist in beiden Fällen der entgangene Gewinn nur bei groben Verschulden zu ersetzen.

Verursachung = Kausalität
Äquivalenztheorie Verursachung  ist  eine  Voraussetzung  für  Haftung,  d.h.  war  ein  eigenes  Tun  oder  Unterlassen oder  eine  zurechenbare  Person (§§1313a,1315) ursächlich für den Schaden. Condictio  sine qua non  Formel.  Alle  Bedingungen  werden  als  gleich  relevant  angesehen.  Nicht  verursacht  sind  in der  Regel  Aufwendungen  zur  Verhinderung  eines  Schadens  (Vorhaltekosten).  Zu  ersetzen sind nur  konkret  verursachte Folgekosten. Umstritten sind Reservehaltungskosten (z.B. Mietwägen in Reserve der Versicherung), sind aber nach herrschender Meinung teilweise anrechenbar. Adäquanztheorie Da  die  Äquivalenztheorie  sehr  weit  gezogen  ist  wird  dies  durch  die  Rechtssprechung eingeschränkt.  Es  wird  nur  für  Verhalten  gehaftet,  wenn  die  Ursache  nach  ihrer  allgemeinen
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Natur  für  den  konkret  eingetretenen  Erfolg  geeignet  ist  und  es  zu  keiner  ganz außergewöhnlichen Verkettung der Umstände kam (innerhalb gewöhnlicher Lebenserfahrung).

Rechtswidrigkeit
heißt der Verstoß gegen ● Gebote und Normen der Rechtsordnung ● die guten Sitten ● vertragliche Pflichten ● absolut geschützte Rechtsgüter (Leben, Gesundheit, Eigentum, etc.) ● Verkehrssicherungspflichten Rechtswidrig  kann  nur  menschliches  Verhalten  sein,  dabei   kommt   es  auch  immer  auf  die Verkerhrsüblichkeit  an.  Primäre  Vermögensschäden,  also  nachteilige  Änderungen  des Vermögens  ohne  Folge der  Verletzung  absolut  geschützter  Rechte  sind  nur  in  Ausnahmefällen zu ersetzen (Schutzgesetze, sittenwidrige Schädigung, Vertragshaftung, Sonderbeziehungen). Rechtfertigungsgründe Rechtswidriges Verhalten wird rechtmäßig, wenn es Rechtfertigungsgründe dafür gibt. ● Notwehr: Abwehr eines unmittelbar drohenden oder gegenwärtigen rechtswidrigen Angriffs eines Menschen ● Notstand: Eingriff in Rechtsgüter Dritter zur Abwehr einer unmittelbar drohenden Gefahr, sofern die Interessen der Person in Not überiwegen. Es kommt dabei zur Billigkeitshaftung, d.h. die Richterin wiegt Umstände ab­ ● Selbsthilfe: Durchsetzung eigenen Rechts, wenn behördliche Hilfe zu spät käme ● Einwilligung der Geschädigten: falls der Eingriff nicht sittenwidrig ist

Rechtswidrigkeitszusammenhang
stellt  auf  den  Schutzzweck  der  Norm  ab.  Verbotsnormen  verfolgen  immer  einen  bestimmten Zweck.   Tritt  ein  Schaden  ein,  der  von  dem  Normzweck  nicht  erfasst  ist,  entsteht  auch  keine Ersatzpflicht.  Vom  Schutzzweck  sind  in  der  Regel  auch  alle  Folgeschäden  erfasst.  In  der Vertragshaftung bestimmt der Zweck der Klausel den Umfang des Ersatzes. In   der  Regel  sind  nur  Personen  ersatzberechtigt,  deren  Rechtsgüter  verletzt,  deren Schutz  bezweckt  wurde,  oder  denen  gegenüber  die  verletzte  Verpflichtung  bestand.  Schäden, die Einsatzkräfte erleiden sind jedenfalls im Schutzzweck der Norm. Rechtmäßiges  Alternativverhalten  beschreibt  den  Fall,   in  dem  der  Erfolg  auch  bei rechtmäßigem  Handeln  eingetreten  wäre  und  die  Rechtswidrigkeit nicht kausal für den Schaden war. Die Ersatzpflicht wird dann meist verneint.

Verschulden
ist  die  subjektive  Vorwerfbarkeit  des  rechtswidrigen  Verhaltens.  Verschulden  wird  bei  der Verschuldenshaftung  benötigt.  Die  Täterin  muss   deliktsfähig  (14  oder  älter  und  geistig  in  der Lage)  sein.  Unterschieden  werden  Vorsatz  und  Fahrlässigkeit.   Vorsatz  ist  das  bewusste  und gewollte  Herbeiführen  eines Erfolges im Bewusstsein der Rechtswidrigkeit. Fahrlässigkeit ist die
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Außerachtlassung der gebotenen Sorgfalt. Für Deliktsfähige gilt ein objektiver (!) Maßstab. Beim Vorsatz wird  im Ergebnis nicht unterschieden. Fahrlässigkeit unterteilt sich in grobe Fahrlässigkeit   (auffallendene  Sorglosigkeit,  wäre  einem  normalen  Menschen  nie  passiert)  und leichte  Fahrlässigkeit  (ein  Fehler  der  auch  ordentlichen  Menschen  passieren  könnte).  Grobe Fahrlässigkeit  und Vorsatz  heißen gemeinsam grobes Verschulden. Leichte Fahrlässigkeit auch leichtes  Verschulden.  Das  DHG  kennt  auch  leichteste  Fahrlässigkeit   (entschuldbare Fehlleistung).  In  dubio  pro  reo,  das  Verschulden  ist  von   der  Geschädigten  zu  beweisen.  Bei Verletzung  bestehender  schuldrechtlicher  Sonderbeziehungen  (vertraglich,  gesetzlich)  tritt jedoch  Beweislastumkehr  für  leichtes  Verschulden  ein.  Kausalität  ist  jedoch  immer  von  der Geschädigten  zu  beweisen.  Die  Beweislastumkehr  gilt  auch  für  vorvertragliche  und Nebenleistungspflichten.

Arten des Schadenersatzes
in  der  Regel   ist   Naturalrestitution  zu  leisten  (§1323),  d.h.  die  Geschädigte  ist  so  zu  stellen  wie vor  dem  Ereignis  (Herstellung eines im Wesen gleichartigen  und  gleichwertigen Zustandes). Nur bei  Unmöglichkeit  und  Untunlichkeit  ist  Geldersatz  zu  leisten  (z.B.  Totalschaden  als Tunlichkeitsgrenze).  Ausnahme  ist  die  Verletzung  eines  Tieres, die auch zu leisten ist, wenn sie höher als der Wert des Tieres ist.

Umfang des Ersatzes
§1323  unterscheidet  eigentliche  Schadloshaltung  für  positiven  Schaden  und  volle  Genugtuung, was  zusätzlich   auch  den  entgangenen  Gewinn   umfasst.  Umfang  des  Ersatzes  bemisst  sich nach dem Verschulden. Ersatz des positiven Schadens ist  schon  ab  leichter  Fahrlässigkeit  zu  leisten.  Bei  Zerstörung  ist  der  Schade  nach  dem gemeinen  Wert   der  Sache,  also  objektiv  abstrakt  zu  messen.  Liegt  der  Nachteil im  Entstehen eines Aufwandes oder einer Verbindlichkeit, so ist der konkrete Nachteil zu ersetzen. Volle Genugtuung ist  bei  grobem  Verschulden  zu  leisten,  d.h.  die  Geschädigte  ist  unter  Berücksichtigung  des Gesamtvermögens  so  zu  stellen,  wie  sie  ohne  das  schädigende  Ereignis  stünde  (subjektiv konkrete   Berechnung).  Der  Schaden  (Interesse)  wird  nach  Differenzmethode  berechnet. Geschädigte kann aber auch den bloßen Sachwert fordern. Reparierte  Sachen  sind  am  Markt  weniger  Wert  (merkantiler  Minderwert).  Die Rechtsprechung  gewährt  für  relativ  neue  Sachen  daher  Ersatz.  “Neu  für  Alt”:  Es  ist  nur  der aktuelle  Wert  einer  Sache  zu  ersetzen.  Die  Differenz  auf  die  Neuanschaffung  muss  die Geschädigte  selber  tragen,  da  eine neue Sache mehr wert ist, als die alte zerstörte Sache. Dies gilt  auch für Ersatzteile, die anzurechnen sind. Bei  gesetzlicher Anordnung in Ausnahmefällen ist bei  voller  Genugtuung  auch  der  Schaden  der   verursachten  Beleidigung  zu  ersetzen  (v.a.  bei Schmerzengeld,  Verletzung  der  geschlechtlichen  Selbstbestimmung,  erhebliche  Verletzung  der Privatsphäre, Freiheitsentziehung,...)

Haftung mehrerer Schädigerinnen
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Mittäterinnen  haften  solidarisch  (§1302).  Für  voneinander  unabhängige  Täterinnen  und Fahrlässigkeit   haftet  jede  nur  nach  dem  jeweils  verursachten   Schaden.  Bei Unbestimmbarkeit haften  sie  solidarisch.  Gegen  die  anderen  Schädigerinnen  hat  die  Leistende  ein  Regressrecht gemessen  an  Kausalität  und  Schwere  des  Verschuldens  (in  dubio aliquot).  Prozesskosten  und Verzugszinsen unterliegen aber nicht dem Regress.

Mitverantwortlichkeit der Geschädigten
§1304;  bei  Mitverantwortlichkeit  für  einen  Schaden  trägt  die  Geschädigte  diesen  nach  ihrem Anteil,  falls  unbestimmbar  zu  gleichen  Teilen.  Trifft  die  Dritte  ein  sehr  schweres   Verschulden, bleibt  leichte  Fahrlässigkeit  der  Geschädigten  unbeachtlich.  Das  Mitverschulden  der Geschädigten  ist  rechtlich  kein  Verschulden,  da  nur  ins  eigene  Rechtsgut eingegriffen  wird,  da es  aber  nachteilige  Folgen  für  die  eigenen  Ansprüche  hat  ist  es  eine  Obliegenheitsverletzung. Gehilfinnen  sind  jedenfalls  zuzurechen.  Bei  Gefährdungshaftung  wird  die  Gefährdung  durch  die Geschädigte  mit  beachtet.  Es  besteht  außerdem  die  Pflicht  zur  Schadensminimierung,  d.h.  die Geschädigte  muss  nach Möglichkeit den  Schaden  verhindern  oder  zumindest  begrenzen. Auch das ist eine Obliegenheit, bei der ein Verstoß die eigenen Ansprüche schmälert.

Vorteilsausgleich + Drittschaden
Die   Frage  des  Vorteilsausgleiches  (d.h.  die  Geschädigte  soll  nicht  mehr  erhalten  als  vor  der Schädigung)  stellt  sich  nur  bei  der  abstrakten  Berechnungsmethode  des  Schadens,  da  die Differenzmethode  bei  der  konkreten  Berechnung  ja   Vorteile  mit  einbezieht.  Es  sind  allerdings nicht alle Vorteile auszuschließen; welche genau ist umstritten. Oft  gehen  bei  Ersatz  durch  Dritte  (z.B.  Versicherungen)  die   Ansprüche  gegen  die Schädigerin  auf  die  Dritte  über  (Legalzession).  Undeutlich   geregelt  ist  dies  z.B.  bei  der Entgeltfortzahlung und beim Unterhalt, hier kommt §1358 analog zum Tragen. Trifft  der  Schaden  auch  mittelbar  Geschädigte,  wird  er  in  der  Regel  nicht  ersetzt, es sei denn  der  Schutzzweck der  Norm  erstreckt  sich  auf  Drittschäden  oder  es  bestehen  gesetzliche Sonderbestimmungen  (z.B.  Ersatz  an  Hinterbliebene).  Bei  Schadensüberwälzung  ist  der Schaden  der  mittelbar  Verletzten  zu  ersetzen  (Übergang  der  Preisgefahr,  mittelbare Stellvertretung, nachträgliche Schadentragungsregeln, Lohnfortzahlung, Pflegeaufwand).

Alternative Kausalität
Wenn  unklar  ist,  wer  genau  die  Schädigerin  war,  aber  die Verdächtige bekannt ist, so haften sie solidarisch,  wenn  sie  beide  rechtswidrig,  schuldhaft und konkret gefährlich gehandelt haben. Sie können  sich  davon  auch freibeweisen. Alle Personen haften nach Köpfen und können sich intern regressieren.   Nach  Mindermeinung  soll  die  Täterin  auch  nach  Anteil  haften, wenn  nicht  klar  ist, ob sie oder der Zufall ursächlich war.

Kumulative Kausalität
Wenn  zwei  oder  mehr  Handlungen  jeweils  für  sich  genommen   zum  Schaden  führen: Solidarhaftung.
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Überholende Kausalität
Schaden  wird  verursacht,  der  später  ohnehin  eingetreten  wäre.  Es  haftet  dennoch  die  Person, die  den  Schaden  real  verursacht  hat.  War  der  Schaden  schon  angelegt,  wird  nur  für  die Vorverlegung des Schadens gehaftet.

Schadenersatz ­ Besonderer Teil
Schadenersatz  wird  in  Vertragshaftung  und  Deliktshaftung  unterteilt.  Vertragshaftung  ist strenger,  v.a.  bei  Gehilfinnenhaftung  (§1313a),   Ersatz  bloßer  Vermögensschäden  und Beweislastumkehr.  Für  die  Begründung  der  Rechtswidrigkeit  bei  deliktischem  Schadenersatz gibt es Varianten: ● Eingriff in absolut geschützte Rechte ● Absichtliche sittenwidrige Schädigung ● Verletzung von Schutzgesetzen oder allgemeinen Verhaltenspflichten

Haftung bei Personenschäden
§1325;  Wer  eine  Andere  am  Körper  verletzt,  haftet  für   Heilung,   Verdienstentgang  und Schmerzengeld.  Körperverletzung  ist  jede  Beeinträchtigung  der  geistigen  oder  körperlichen Gesundheit,  inklusive  psychischer  Störungen  mit  Krankheitswert  (Schockschaden),  die  eine ärztliche  Behandlung  notwendig macht. Bei grobem Verschulden und Tod spricht der OGH auch Trauerschaden zu. Ärztliche   Behandlungen  sind  rechtwidrig,  wenn  sie   ohne  Einwilligung  und  ohne  Notfall passieren.  Haftung  kann für Ärztinnen auch durch fehlerhafte Behandlung oder Aufklärungsfehler entstehen.  Kunstfehler  sind  Eingriffe  nicht  nach  den Regeln der Medizin oder unterlassung  einer erforderlichen  Behandlung.  Aufklärungsfehler  sind  keine  oder  mangelhafte  Aufklärung  über  Art, Folgen  und  Alternativen  zur  Behandlung  und  Folgen  von  Unterlassung.  Unterbleibt  die Aufklärung,  kann  die  Patientin  nicht  gültig  zustimmen  und  Ärztinnen  haften  für  jedes  Risiko.  Es besteht  auch  die  Pflicht  zur  Dokumentation,  der  deren   Verletzung  vermutet  wird,  das  nichts außer  eingetragene  Behandlungen  durchgeführt wurden. Patientinnen  können Verfügungen nach medizinischer  Beratung  bei  Rechtsanwältin,  Notarin  oder  Patientinnenvertretung  für  max.  5 Jahre   errichten.  Diese  Verfügung  kann  beachtlich  oder  verbindlich  sein.  Haftbar  sind Krankenanstaltsträgerinnen,  Parteien  des  Behandlungsvertrages  und  die  Ärztinnen  rein deliktisch. Heilungskosten  sind  alle  Kosten  zu  Besserung  des  Gesundheitszustandes,  auch  wenn sie  keinen  Erfolg  haben.  Das  inkludiert  Behandlung,  Aufenthalt,  Kur,  Operationen,  Transport, Medikamente,  Geilbehelfe,  Pflege  und  Besuche  naher  Verwandter.  Vermehrte  Bedürfnisse  wie Rollstuhl,  behinderungsgerechte  Ausstattung  sind  von  der  Schädigerin  ebenfalls  zu  tragen. Ebenso  kosmetische  Operationen  zur  Beseitigung  von  Folgen,  sofern  diese  tatsächlich durchgeführt werden.
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Verdienstentgang  gebührt  für  die  Zeit  ab  der  Verletzung  bis  zum  Wiedereinstieg  für jeden  Vermögensnachteil  (Verringerung  oder  Entfall   von  Einkünften,  Verlust  von Aufstiegschancen).  Obwohl  es  eigentlich  Ersatz  für  entgangenen  Gewinn  darstellt,  muss  er schon  bei  bloß  leichter  Fahrlässigkeit  ersetzt  werden.  Ebenfalls  zu  ersetzen ist eine  benötigte Haushaltshilfe. Verdienstentgang wird nur wiederkehrende Renten ausgeglichen. Schmerzengeld  ist  Ersatz  von immateriellen  Schäden  und  Genugtuung für Ungemach. Es   steht  nach  Rechtsprechung  auch  zu,  wenn  die  Schmerzen  nicht  mehr  empfunden  werden konnten.   Schmerzengeld  wird  in  Tagessätzen  nach  Grad  der  Schmerzen  berechnet  und  als einmaliger  Abfindungsbetrag  bezahlt.  Die  Ansprüche   sind  schon  vor  der  Geltendmachung abtretbar,  verpfändbar  und  vererblich.  Für  Verunstaltungen,  die   ein   besseres  Fortkommen verhindern (entgangener Gewinn) steht ebenso Ersatz zu. Tötung:  Dabei  sind  die  versuchte  Heilung und  alle  mit dem Tod verbundenen Ausgaben (Beerdigung,  Trauerkleidung,  entgangener  Unterhalt)  zu  ersetzen.  Der  Unterhaltsersatz  bezieht sich  auch auf Leistungen in natura wie Kindererziehung, verjährt nach 3 Jahren und ist als  Rente zu  leisten.  Zu  ersetzen  ist  die  tatsächliche  Unterhaltsleistung,  nicht  die  gesetzlich vorgeschriebene (mindestens jedoch diese!). Der Anspruch entsteht originär. Bei  Verletzung  der  geschlechtlichen  Selbstbestimmung  sind  Vermögensschäden und  immaterielle  Schäden  zu  ersetzen.  Bei  Verletzung  der  Privatsphäre  steht  neben Beseitigung  und  Unterlassung  auch  Schadenersatz  zu.  Freiheitsberaubung  löst  einen Anspruch  auf  volle  Genugtuung  und  Ersatz  des  ideellen  Schadens  aus.  Dieser  Anspruch  steht nach EMRK bei hoheitlichem Handeln verschuldensunabhängig zu. Bei  Ehrenbeleidigung  als  Angriff  auf  die  Menschenwürde  gebührt  Ersatz  des positiven Schadens  und  entgangenen  Gewinns,  nicht  aber von ideellem Schaden. Kreditschädigung  als Verbreiten  unwahrer  Tatsachen  die  Kredit,  Erwerb  oder  Fortkommen  hindern  löst  Anspruch  auf Vermögensschaden  und  öffentlichen  Widerruf  aus.  Wenn  beide  Tatbestände  zutreffen,  besteht ein  Wahlrecht   und  Beweislastumkehr.  Für  Kreditschädigung  haftet  nicht,  wer  mit  berechtigtem Interesse  und  in  Unkenntnis  der  Wahrheit  ein  Tatsache  nicht   öffentlich  weiterverbreitet. Inhaberinnen  von  Massenmedien  haften  verschuldensunabhängig  für  unrichtige Veröffentlichungen.

Haftung für Sachschäden
Bei  leichter  Fahrlässigkeit  ist  der  gemeine  Wert,  bei  schwerem  Verschulden  auch  der entgangene  Gewinn  einer  zerstörten/beschädigten  Sache  zu  ersetzen.  Der  gemeine  Wert  ist meist  der   Wiederbeschaffungswert  (oder  der  schon  vereinbarte  Kaufpreis),  Für  Sachen  ohne Verkehrswert  sind  es  die  Kosten  der  Neuherstellung  abzüglich  Alter  und  Abnutzung.  Bei absichtlicher strafbarer Schädigung ist auch das Affektionsinteresse zu ersetzen (§1331).

Haftung von Sachverständigen
Für  Sachverständige  gilt  nach  §1299 ein strengerer Maßstab, sie müssen die durchschnittlichen Fähigkeiten   ihrer  Berufsgruppen  aufweisen,  die  Haftung  gilt  aber  nur  gegenüber  den  deliktisch oder  vertraglich  geschädigten  Personen,  oder  wenn  ein  Rat  gegen  Belohnung   erteilt  wurde. Aufgrund  schuldrechtlicher  Sonderbeziehungen  haftet  jede Partei  für  fahrlässige  Auskünfte.  Bei
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unentgeltlichen  Auskünften  ist  die  Haftung   dafür  beschränkt.  Für  Ratschläge  außerhalb  von Schuldverhältnissen  wird  nur  für  wissentlich  falsche  Information  gehaftet,  es  sei  denn  der Ratschlag betrifft absolut geschützte Rechtsgüter.

Gehilfinnenhaftung
§§1313a (Erfüllungsgehilfin), 1315 (Besorgungsgehilfin) Erfüllungsgehilfin wird  von  der Geschäftsherrin zur Erfüllung eines bestehenden Schuldverhältnisses genützt. Das beinhaltet  auch  wirtschaftlich  unabhängige  Personen.  Für  das  Verschulden  von  Zulieferinnen haftet  die  Werkunternehmerin  nur,  wenn  eigentlich  sie  die  Herstellungspflicht trifft. Gehaftet wird auch   für  Anscheinserfüllungsgehilfinnen,  wenn  der   Anschein  von  der  Geschäftsherrin  erweckt wurde.  Gesetzliche  Vertreterinnen  von  nicht  geschäftsfähigen  Personen  fallen  unter  §1313a. Verschulden  von  Gehilfinnen  ist  so  zu  verstehen,  dass  es  schuldhaft  ist,  wenn  die Geschäftsherrin  es  selbst  gemacht  hätte.  Sie  haftet  für  die  Erweiterung  ihres  Aktionsradius. Gehaftet   wird  aber  nur  für  Schäden  im  inneren  Zusammenhang  mit  dem  Schuldverhältnis. Andere Schäden bei der Erfüllung selbst führen nur nach §1315 zur Haftung. Besorgungsgehilfin §1315;  Haftung  für  die  Bedienung  einer  wissentlich   gefährlichen  oder  habituell  untüchtigen Person,  es   ist   für  die  Haftung  kein  Schuldverhältnis  nötig.  Die  Geschäftsherrin  muss  von  der Gefährlichkeit  wissen  und  sich  auch  jene  konkrete  Gefährlichkeit  manifestieren. Wegehalterinnen  haften  für  grobes  Verschulden  ihrer  Gehilfinnen.  Bei  Gefährdungshaftungen sogar zum Teil für jedes Verschulden. Juristische Personen haften für ihre Machthaberinnen. Eigene Haftung Gehilfinnen haften nur deliktisch, dann aber solidarisch mit der Geschäftsherrin. Regress Geschäftsherrin  kann  sich  an  den  Vertrag  schuldhaft  verletzenden  Gehilfinnen  regressieren.  Zu berücksichtigen sind dabei die Sonderregeln und Beschränkungen des DHG.

Dienstnehmerinnenhaftung
nach  DHG  gibt   es  Ersatz  für  Schäden  zwischen  Arbeitgeberin   und   Arbeitnehmerin  bzw. gegenüber  Dritten.  Das  DHG  ist  lex  specialis  zum  ABGB  und  ist  anwendbar  auf  wirtschaftlich unselbständige  Personen  (ausgenommen  Organe  der  öffentlichen  Hand:  OrgHG).  Die  Haftung der  Dienstnehmerinnen  ist  eingeschränkt,  sie  haften  nicht  für  entschuldbare  Fehlleistungen und das  Gericht  kann  die  Haftung einschränken  sowie  ausschließen.  Die  Dienstnehmerin  kann sich sogar an der Dienstgeberin regressieren. nach  ASVG:  Wird  eine  Dienstnehmerin  durch  Unfall  oder  Berufskrankheit geschädigt, haftet die Dienstgeberin  nur  für  Vorsatz  (Dienstnehmerinnenhaftungsprivileg)  aufgrund  der Sozialversicherung.  Dieses  Privileg  kommt  auch  Dienstgeberinnenvertreterinnen  und
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Aufseherinnen  im  Betrieb  zu.  Die  Haftungsbefreiung  entfällt,  wenn  der  Personenschaden  bei einem  Unfall  mit  KFZ   von  der  KFZ­Haftpflichtversicherung  gedeckt  ist.  Schädigung  von Dienstnehmerinnen durch andere Dienstnehmerinnen führen zur normalen ABGB Haftung.

Haftung für schuldloses Verhalten
Unmündige  und  Geisteskranke haften  nicht,  weil  sie  schuldunfähig sind. Stattdessen haften ihre Aufsichtspflichtigen, wenn  der  Schaden  auf  eine  schuldhafte  Unterlassung  der nötigen  Obsorge zurückzuführen  ist  (§1309).  Unter  3  Umständen  kommt  es  jedoch  zur  Billigkeitshaftung  der deliktsunfähigen Person selbst: 1. kann doch ein Verschulden nach Einsichtsfähigkeit zur Last gelegt werden 2. hat die Geschädigte aus Rücksicht auf die Schädigerin die Verteidigung unterlassen 3. kann die Schädigerin den Schaden leichter tragen als die Beschrädigte Kein Ersatz  steht zu, wenn das schädigende Verhalten herausgefordert wurde. Personen, die im Notstand  handeln,  trifft  kein  Verschulden,  es   kann  aber  auch  bei  ihnen  zur  Billigkeitshaftung kommen, wenn 1. Beschädigte die Abwehr aus Rücksicht auf Andere unterließ 2. Verhältnis Beschädigung / Gefahr 3. Verhältnis Vermögen von Schädigerin und Beschädigter Für Sachwehr, also Abwehr einer Sache gebührt kein Ersatz.

Haftung für Wohnungsinhaberinnen
§1318;  Wohnungsinhaberin  haftet  verschuldensunabhängig  für  gefährlich aufgehängte/aufgestellte  Sachen  und  für  Sachen  die  aus  der  Wohnung  geworfen/gegossen (muss  nicht   durch  Menschen  sein)  werden.  Inhaberin  ist,  wer  über  den  Raum  das Verfügungsrecht  hat.  Als  Wohnung  gilt  jeder  beherrschbare  Raum.  Gehaftet  wird  auch  für Wasserschäden an der unteren Wohnung.

Haftung für Bauwerke
Für   Einsturz  oder  Ablösung  von  Gebäudeteilen  in  Folge  von  mangelhafter  Beschaffenheit  und dadurch  verursachte  Schäden  haftet  die  Gebäudebesitzerin,  wenn  sie  die  eigene  Sorgfalt  nicht nachweisen  kann  (§1319).  Bauwerk  ist  jeder  künstliche  Bau  und  sogar  ein  Baum.  Es  gilt  eine Beweislastumkehr.

Wegehalterinnenhaftung
Die   Wegehalterin  haftet  den  Benützerinnen  für  Schäden  aus  dem  mangelhaften  Zustand  des Weges.  Die  Haftung  erstreckt  sich  auf  grobes  Verschulden  und  die  Gehilfinnen  (§1319a). Halterin  ist,  wer  die  Kosten  für  Errichtung  und  Erhaltung  trägt  und  wer  Verfügungsgewalt  hat. Weg  ist  jede  für  Verkehr  bestimmte Landfläche (inkl Stützmauern,  Pisten, etc.). Mangelhaftigkeit ist,  wenn  aufgrund  von  Vernachlässigung  der  Instandhaltung  oder  Bestreuung   unübliche Schäden  eintreten,  Sicherungseinrichtungen fehlen oder Gefahrenquellen nicht beseitigt werden. Die   Haftung  entfällt  für  unerlaubte  Nutzung.  Gehilfinnen  haften  auch  selbst,  allerdings  nur  für
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grobes  Verschulden.  §1319a  ist  eine  Norm  für  deliktische  Haftung,  die  bei  vertraglichen Beziehungen noch erweitert wird (z.B. Vignette, Maut). §1319a konkurriert mit §1319.

Tiere
Für Tiere gilt gem §1320 eine Verschuldenshaftung mit Beweislastumkehr.

Haftung für gefährliche Sachen
EKHG findet  Anwendung  auf  Unfälle  mit  KFZ  und  Eisenbahnen  bei  Sach­  und  Personenschäden. EKHG   ist   eine  Gefährdungshaftung,  Eisenbahn  ist  im   Eisenbahngesetz  definiert,  KFZ  im KraftfahrG,  es  muss  10  km/h  überschreiten  können.  Für  Schädigung  von  beförderten  Sachen zählen  nur  Handgepäck,  sonst  aus  dem  Beförderungsvertrag.  Bei  der  Eisenbahn  haftet  die Betriebsunternehmerin,  beim  KFZ  die  Galterin,  bei  Personenmehrheit  zu  ungeteilter  Hand. Halterin  ist,  wer  die  Verfügungsmacht besitzt und das KFZ  auf eigene Rechnung betreibt (betrifft z.B. auch Werkstattbesitzerinnen). Bei  Schäden  durch  mehrere  Halterinnen  haften  sie  alle  solidarisch  bis  zur  jeweiligen Haftungshöchstgrenze.  Die  Haftung  für  entgeltlich  beförderte  Personen  kann  nicht  beschränkt werden.  Nicht   gehaftet  wird  für  den  Betrieb  durch  unbefugte  Dritte,  außer  der  Betrieb  wurde diesen  fahrlässig  ermöglicht.  Fahrerinnen,  die  nur  für  die  konkrete Fahrt nicht  berechtigt  waren haften  gemeinsam  mit  den  Halterinnen,  haben  aber  die  Beweislast.  Die  Haftung  wird ausgeschlossen  bei  Schwarzfahrerinnen  und  Personen,  die  beim  Betrieb  des  Fahrzeugs  tätig waren. Der  Ersatz  wird  ausgeschlossen,  wenn  der  Unfall  durch  ein  unabwendbares  Ereignis verursacht  wurde,  d.h.  trotz  aller erdenklichen  Sachkunde  und  Vorsicht  eingetreten ist und nicht auf  einen  Fahr  oder  Fahrzeugsfehler  zurückzuführen  ist.   Die  v.a.  dann,  wenn  der  Unfall  auf Verhalten  von  Dritten,  Tieren  oder  der  Geschädigten   zurückzuführen  ist  (Ausnahme: “außergewöhnliche  Betriebsgefahr”).  Die  Halterin  haftet  also   nicht,  wenn  ihre  Sphäre  völlig mangelfrei  war.  Geschädigte  haften  für  ihr  Mitverschulden  (§1304).  Bei  mehreren Schädigerinnen bemisst sich die Haftung nach Verschulden. Gehaftet   wird  auf  Heilung,  versuchte  Heilung,  Verdienstentgang,  Schmerzengeld, Unterhalt,  vermehrte  Bedürfnisse,  positiven  Schaden  sowie  Fortkommenshinderung  oder Begräbnis.  Die  Haftung  ist  aber  durch  Höchstgrenzen  beschrönkt,  diese  richten  sich  nach Fahrzeugart und Schaden. EKHG   lässt  ABGB  Regeln  unberührt,  Geschädigte  haben  die  Wahl.  Bei  Ersatz  nach ABGB  haftet  Halterin  nach  §1315  ausnahmsweise  für  jedes  Verhalten.  Bei  unbekannten  oder unversicherten  Täterinnen  kann  das  Verkehrsopferschutzgesetz  greifen.  Neben  EKHG  gibt  es weitere Sondergesetze mit Gefährdungshaftung wie AtomHG, ForstG, GastwirtschaftsG, etc.

Produkthaftungsgesetz  ­ PHG
ist  die  schadenersatzrechtliche  Verantwortlichkeit  der  Herstellerin  für  die  Gefährlichkeit  ihrer Produkte.  Die  Haftung  bezieht  sich  nicht  auf  den  Mangel  sondern  auf  die  Gefährlichkeit  und
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erstreckt   sich  auf  die  geschützten  Güter  (Leben,  Eigentum,  Gesundheit).  Die  Prdukthaftung  ist verschuldensunabhängig,  es  ist  eine  Gefährdungshaftung.  Händlerinnen  haften  nach dem  PHG nur  dann,  wenn  sie  ihre  Benennungspflicht,  also  die  Pflicht  die  Herstellerin  oder  Importeurin  in den EWR zu nennen verletzen. Dritte  können  sich  auch  aufs  PHG  berufen.  Zu  ersetzen  sind  Personen­  und Sachschäden,  welche  durch  Fehler  des  Produktes   (der  schon  bei  Inverkehrbringen  besteht) verursacht  werden.  Produkte  müssen  dabei  bewegliche  körperliche  Sachen,  deren  Teile  (oder Energie)  sein.  Sachschäden  müssen  an  einer  von  der  Sache  verschiedenen  Sache  auftreten, gehaftet  wird  für  Beschädigung  und  Zerstörung.  Der  Ersatz  muss   sich  auf  die Wiederherstellungskosten  oder  den  Wert  der  zerstörten  Sache  richten.  Entgangener  Gewinn und  Nutzung  sowie reine Vermögensschäden werden nicht ersetzt. Ebenso ausgenommen sind unternehmerisch  genützte  Sachen.  Das  Gesetz   sieht  eine   Selbstbeteiligung  von  €  500,­   pro Schadensereignis vor. Bei Mitverschulden ist der Ersatz entsprechend zu mindern. Es haften: ● die Herstellerin, die die Sache in Verkehr bringt ● die Importeurin, die die Sache in den EWR einführt. Unternehmerin  ist  hier,  wer das Produkt beruflich herstellt oder importiert. Hestellerin ist wer das Produkt,  Teile  oder  den  Rohstoff  herstellt  oder  als  Herstellerin  auftritt.  Wer  Ersatz  leistet,  kann auf diejenige zurückgreifen, die den Fehler zu verantworten hat. Der  Schaden  muss  durch  einen  Produktfehler  (d.h.  Produkt  bietet  nicht  die  zu erwartetende Sicherheit)  entstanden  sein.  Die  Sicherheitserwartung ergibt  sich  aus Darbietung, Gebrauch  und  Zeitpunkt  des  In­Verkehr­bringens.   Erfasst  werden  alle  Fehler,  die  der Produzentin  zugerechnet  werden  können.  Sie  hat  die  sogenannte  Produktbeobachtungspflicht, d.h.  über  später  auffallende  Mängel  ist  zu  informieren  und  zurückzurufen. Die Wirkungslosigkeit des Produktes fällt nicht unter das PHG. Die  PHG  Haftung  setzt  voraus,  dass  die  Sache  in  Verkehr  gebracht  wurde, also von der Produzentin  an  Dritte  übergeben  wurde  (Werktorprinzip,  Versand  genügt).  Die  Haftung  entfällt beim  Beweis  der  Fehlerfreiheit  zum  Zeitpunkt  des  In­Verkehr­bringens  oder wenn der Fehler bei der  Produktion  technisch  nicht  erkennbar  war.  Das  PHG  kann  vertraglich  nicht  beschränkt oder ausgeschlossen  werden.  Ansprüche  verjähren  3   Jahre  nach  Kenntnis  von  Schaden  und Schädigerin,  sowie  10  Jahre  nach  dem  in­Verkehr­bringen.  Produzentin  und  oder  Importeurin müssen für den Schadensfall Vorsorge treffen (z.B. Versicherung).

Amts­, Organ­ und Staatshaftung
Amtshaftungsgesetz ­ AHG Rechtsträgerinnen  haften  nach  den  Bestimmungen  des  bürgerlichen  Rechts  für  Vermögens­ und  Personenschäden  im  Zuge  von  Hoheitsverwaltung   (Körperschaften  öffentlichen  Rechts, Bund,  Länder,  Sozialversicherungen,  etc.).  Der  Ersatz  hat   immer  in  Geld   zu  erfolgen,  das handelnde  Organ  selbst  haftet  nicht.  Für  entgangenen  Gewinn  wird  nur  bei  schwerem Verschulden  gehaftet.  Voraussetzung  ist  der   Rechtswidrigkeitszusammenhang,  nicht  die subjektive  Verletzung  und  die  Begehung  in  Vollziehung  der  Gesetze  (also  nicht  Handlungen  der Privatwirtschaftsverwaltung).  Die  Gesetzgebung  haftet   nicht.  Ersatz  setzt   Ausschöpfung  der Rechtsmittel   voraus,  aus  höchstgerichtlichen  Entscheidungen  kann  kein  Ersatzanspruch
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abgeleitet  werden.  Rechtsträgerin  kann  gegen  das  Organ  bei  schwerem  Verschulden regressieren. Organhaftung regelt  die  Haftung der Organe in Vollziehung der Gesetze gegenüber der Rechtsträgerin. Organe sind alle physischen Personen in Vollziehung der Gesetze. Die Haftung entfällt aber, wenn ● der  Schaden  aufgrund  einer  Weisung  geschah   (ausgenommen  die  Weisung  kam  von einer offensichtlich unzuständigen Stelle oder war strafrechtswidrig) ● die Rechtsträgerin den Schaden per Rechtsmittel hätte abwenden können. ● eine entschuldbare Fehlleistung vorliegt. Der Schaden ist immer in Geld zu ersetzen. Staatshaftung Haftung des Staates für Verstöße gegen das Gemeinschaftsrecht. Voraussetzungen: ● Kausalzusammenhang zwischen Schaden und Verstoß des Staates ● Rechtwidrig sind Verstöße gegen Verordnungen und Nichtumsetzung von Richtlinien ● Rechtswidrigkeitszusammengang: verletzte Norm bezweckte individuelles Recht

Geschäftsführung ohne Auftrag
§§1035ff,  ist  die  eigenmächtige  Besorgung  der  Angelegenheiten  einer  Anderen  in  der  Absicht, deren Interessen zu fördern. Der  geführte  Geschäft  kann  tatsächlich  oder  rechtlich   sein,  die  Besorgung  gilt  als eigenmächtig,  wenn  sie  weder  durch  den  Willen  der  Betroffenen  oder  Kraft Bescheides/Gesetzes  erfolgte.  Für  Rechtsgeschäfte   kann  die  Handelnde als  falsus  procurator auftreten  oder  ein  bedingt  gültiges  Geschäfts schließen. Geschäftsführung ohne Auftrag braucht den  Willen,  im  Interesse  einer  anderen  tätig  zu  werden,   was  sich  aber  mit  Eigeninteresse überschneiden  kann.  Wer  irrtümlich  handelt,  hat  diesen  Willen  nicht  und  daher  eventuell bereicherungsrechtliche  Ansprüche.  Für  tatsächliche  Akte  wird  keine, für offene Vertretungsakte zumindest  beschänkte  Geschäftsfähigkeit  benötigt.  Geschäftsführung  ohne  Auftrag  teilt  sich  in “im Notfall” und “zum Nutzen anderer”.

Geschäftsführung ohne Auftrag im Notfall
ist  es,  wenn  ein  fremdes  Geschäft  zur  Abwendung  eines  bevorstehenden  Schadens  besorgt wird   (§1036).  Der   Schaden  muss  unmittelbar  drohen   und   die   Geschäftsherrin  darf  nicht rechtzeitig  erreichbar  sein.  Sie  muss  dann  den  notwendigen  und  zweckmäßigen  Aufwand ersetzen,  auch  wenn  das  Bemühen  erfolglos  war.   Wurde  das  Bemühen  in  Ausübung  ihres Berufes gesetzt, gebührt wohl auch Ersatz für die Arbeitsleistung.

Geschäftsführung ohne Auftrag zum Nutzen Anderer
wenn  kein  Notfall  herrschte,  aber  zum  klaren  und  überwiegenden  Vorteil  anderer  gehandelt
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wurde  (§1037).  Dafür  muss  dem  subjektiven  (!)  Willen  der  Geschäftsherrin  entsprochen werden. Ersatz gebührt nur für wirklich getätigte und fortwirkende Vorteile.

Unnütze und unerlaubte Geschäfsführung
Die  Geschäftsführung  ist  unnütz,  wenn  gegen  den  ausdrücklichen  Willen oder  nicht zum klaren und  überwiegenden  Vorteil  gehandelt  wurde.  Es   steht  dann  kein  Ersatz  zu  und  der  vorherige Stand ist wiederherzustellen, allfälliger Schaden zu ersetzen.

Nebenpflichten
Ein  angefangenes  nützliches  Geschäft  muss  in  der  Regel  vollendet  werden,  wenn  dadurch  der Schaden nicht vergrößert wird. Die Geschäftsführerin hat  wie eine Bevollmächtigte Rechnung zu leben oder Vorteile herauszugeben. Die Geschäftsherrin ist schnellstmöglich zu informieren.

Angewandte und unechte Geschäftsführung
Angewandte  Geschäftsführung  ist  es,  wenn  das  Gesetz  eine  Person  als  Geschäftsführerin behandelt.  Nach  herrschender  Meinung  sind   die   Regeln  der  Geschäftsführung  ohne   Auftrag auch   anwendbar,  wenn  jemand  fremde  Geschäfte  führt,  um  sich  selbst  die  Vorteile zuzuwenden.  Der Grund  liegt  in  der  Unredlichkeit  der  Geschäftsführerin und damit den Rechten der Geschäftsherrin.

Gläubigerinnenanfechtung
Verfügungen  von  Schuldnerinnen  können   ihr  Vermögen,  also  ihren  Haftungsfonds  auf  den  die Gläubigerinnen  greifen  können,  schmälern.  Dagegen  kann  unter  Umständen  die  Gläubigerin vorgehen   und  die  Vermögensverfügung  anfechten  oder  sogar  Unterlassung  begehren.  Per Anfechtungsklage  kann  eine  Gläubigerin  das  Zugriffsrecht  gegenüber  der  Erwerberin  erhalten, das  Geschäft  ist  gegenüber  der  Gläubigerin  dann  relativ  unwirksam.  Bei  erfolgreicher Anfechtung  muss  eine  Zwangsvollstreckung  geduldet  werden  oder  die  Sache  an  die Konkursmasse herausgegeben werden.

Anfechtungsklage
ist möglich, wenn ● das Vermögen der Schuldnerin nicht für alle Verbindlichkeiten ausreicht ● UND  die   Anfechtung  zu  einer  Vergößerung  des  Haftungsfonds  führt (befriedigungstauglich) ● UND eine Geldforderung gegen die Schuldnerin besteht Anfechtungstatbestände  finden  sich  in  AnfO  und  KO:  Absichtsanfechtung, Schenkungsanfechtung,  Anfechtung  wegen  Vermögensverschleuderung,  Anfechtung  wegen Befünstigung, Anfechtung wegen Kennen­müssens der Zahlungsunfähigkeit. 1. Absichtsanfechtung  ist  möglich,  wenn  die  nachteilige  Rechtsgandlung  von  der Schuldnerin  gesetzt  wurde,  um  die  Gläubigerin  zu  schädigen  und  dies  der  Erwerberin
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bekannt  war  oder bekannt sein musste. Sie ist auch zulässig,  wenn die Gläubigerin einen durchsetzbaren Anspruch hatte. 2. Schenkungsanfechtung 3. Verschleuderung:  Kauf,  Tausch  und  Lieferverträge  sind  anfechtbar,  wenn  der  anderen Partei eine benachteiligende Verschleuderung auffallen musste. 4. Begünstigung  (nur  im  Konkurs!):  Anfechtbar  sind  hier  Sicherstellung  und  Befriedigung einer  Gläubigerin,  wenn  sie  der  Art  oder  Zeit  nach  nicht  hätte  beanspruchen  dürfen. Daraus  ausgenommen sind  sofort abzuwickelnde  Zug  um Zug  Geschäfte. Die Regelung gilt  ab  60   Tagen  vor  dem  Konkurs.  Verboten  ist  auch  wenn  die  Schuldnerin  eine Gläubigerin gegenüber den anderen begünstigen wollte und diese das merken musste.

E­Commerce
regelt die deliktische Haftung der Internetdienstanbieterinnen ISPs. ● Access­Providerinnen: Zugang zum Internet ● Host­Providerinnen: Speicherplatz für Inhalte ● Content­Providerinnen: Inhalte Oft  erfüllen  Providerinnen  mehreres  davon.  Das  E­Commerce  Gesetz  erfasst  nur  Access  und Hosting  Providerinnen. Wer Inhalte veröffentlicht fällt ganz normal unter ABGB Regeln. Das ECG bestimmt  nur   Haftungsbefreiungen  für  reine  Durchleitung  und  Caching,  sowie  für  Inhalte  und Links deren Rechtswidrigkeit sich für die ISPs aus keinem Umstand erschließen lassen.

Konsumentinnenschutz
Das  KSchG  regelt vor Allem Verbraucherinnenverträge,  also solche zwischen Unternehmen und Verbraucherinnen.  Ziel  ist  der  besondere  Schutz  von  wirtschaftlich  schwächeren  Personen. Viele  Regeln  sind  zugunsten  der  Konsumentinnen  verpflichtend  und  negative  Abweichungen daher unwirksam. Verbraucherinnengeschäfte  sind  Rechtsgeschäfte   zwischen  Personen  für  die  das Geschäft  zum  Betrieb  ihres  Unternehmens  gehört  und  Personen,  auf die dies  nicht  zutrifft.  Für diese  Rechtsgeschäfte gelten  die  zwingenden  Vorschriften des  1.Hauptstücks  des  KSchG.  Bei späterer  Vertragsübernahme ist die  Anwendbarkeit  des KSchG erneut zu überprüfen, sie ist von der  Konsumentin  zu  beweisen.  Gesetzlich  definiert  ist  nur  das  Unternehmen  (auf  Dauer angelegte,  organisierte, selbständige,  wirtschaftliche  Tätigkeit.  Juristische Personen öffentlichen Rechts  gelten  hier  immer  als  Unternehmen).  Die  Zugehörigkeit  des  Rechtsgeschäfts  zum Unternehmen  wird  vermutet.  Verträge  zwischen  Arbeitnehmerin  und  Arbeitgeberin  sind  vom KSchG explizit ausgenommen.

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Rücktrittsrecht beim Haustürgeschäft
Es   gibt  ein  außerordentliches  Rücktrittsrecht,  wenn  das  Geschäft  nicht   in  Geschäftsräumen geschlossen  wurde.  Davon  ausgenommen  ist  es,  wenn  die  Verbraucherin  das  konkrete Geschäft  angebahnt  hat,  oder  dem  Vertragsschluss  keine  Beratung  vorausging,  sowie geringfügige  Geschäfte,  welche  üblicherweise  außerhalb  von  Geschäftsräumen  geschlossen werden.  Hat  allerdings  die  Unternehmerin  gegen  Gewerberecht  verstoßen,  steht  jedenfalls  ein Rücktrittsrecht zu. Die   Verbraucherin  kann  ihr  Angebot  bis  zum  Zustandekommen  widerrufen. Wurde  über das  Rücktrittsrecht  aufgeklärt,  steht  eine  einwöchige  Rücktrittsfrist  zu,  ohne  Aufklärung  ist  die Rücktrittsfrist  (außer  bei  Versicherungen)  unbegrenzt.  Zum  Rücktritt  bedarf  es  der  Schriftform, die  Fristwahrung  reicht  bei  Absendung  innterhalb  der  Frist.  Die  Beweislast  für  die Rücktrittsvoraussetzungen  trifft  die  Verbraucherin.  Rücktrittsfolgen   finden  sich  in  §4  KSchG, Leistung  und  gesetzliche  Zinsen  sind  von  der  Unternehmerin  zu  erstatten,  nötige  und  nützliche Aufwendungen  zu  ersetzen.  Die  Verbraucherin  muss  die  Sache  zurückstellen  und  Gebrauch und Wertminderung ersetzen.

Rücktrittsrecht wegen Nichteintritt maßgeblicher Umstände
Die   Verbraucherin  kann  zurücktreten,  wenn  maßgebliche  Umstände  (Kredit,  Mitwirkung  von Dritten,  steuerliche  Vorteile,  Föderungen)  welche  von  der  Unternehmerin  als  wahrscheinlich dargestellt  wurden  nicht  oder  wesentlich  geringen  eintreten.  Rücktritt  ist  schriftlich binnen  einer Woche  nach  Kenntnis bzw,  maximal 1 Monat nach Erfüllung möglich. Die Folgen sind wie oben. Abwendbar ist dies durch §3a/4/13 KSchG.

Kostenvoranschläge
s.o.; sie sind im KSchG nur kostenpflichtig wenn extra angegeben und Gewähr wird vermutet.

Fernabsatz
Das  KSchG  hat  Sonderregeln  für  Verträge,  die  ausschließlich   unter  Nutzung  von Fernkommunikation  geschlossen  wurden.Unternehmerin  muss   außerdem  dafür  über  ein organisiertes  Vertriebs­  und  Dienstleistungssystem  verfügen.  Es  bestehen  umfangreiche Informationspflichten  (Person,  Ware,  Preis,  Lieferkosten,  Zahlung,...). Kataloge und Homepages gelten  als  Aufforderung zur Angebotslegung, nicht als Angebot. Die Annahme der  Unternehmerin erfolgt  meist  durch  tatsächliche  Entsprechung,  wobei alle  nötigen Informationen schon vorliegen müssen und rechtzeitig in dauerhafter Form zur Verfügung gestellt werden müssen. Die   Verbraucherin  kann  binnen  einer  Woche  nach  Warenerhalt  zurücktreten,  einen Monat wenn die Informationspflichten verletzt wurden. Vom Rücktritt ausgeschlossen sind: ● Geschäfte über sofort zu verbrauchendes (Essen, Zeitung) ● Maßanfertigungen ● spekulative Verträge ● Dienstleistungen die vereinbarungsgemäß schon begonnen wurden Folge   des  Rücktritts  ist  die  Rückabwicklung  Zug­um­Zg.  Bei  drittfinanzierten  Verträgen  gilt  der
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Rücktritt  auch   für  den  Kreditvertrag.  Die  Bestellung  ist  binnen  30  Tagen  auszuführen, Unmöglichkeit  und  Nichtannahme  ist  unverzüglich  mitzuteilen.  Bei  missbräuchlicher Verwendung  der  Zahlung  kann  von  der   Bank  Rückgängigmachung  der  Zahlung   gefordert werden.

Gewinnzusagen
Wer  den  Eindruck  erweckt, einen Preis zu versprechen, muss diesen auch leisten. Die Leistung ist einklagbar.

Unzulässige Vertragsbestandteile
Das  KSchG  beinhält  einen  Klauselkatalog. §6/1 enthält eine demonstrative Aufzählung jedenfalls ungültiger  Klauseln,  §6/2  eine  demonstrative  Aufzählung  verhandelbarer  Klauseln.  Neben  der Ungültigkeit  kann  durch  unzulässige  Vertragsbestandteile  auch  ein  Schadenersatzanspruch entstehen. Schlichtweg ungültige Klauseln ­ §6/1 KSchG ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● unangemessene Frist für die Annahme durch Unternehmen Verbot der Zugangsfiktion maximal Schriftformerfordernis für Erklärungen von Verbraucherinnen Vereinbarung von höherem Entgelt nur bei sachlicher Rechtfertigung Zurückbehaltungsrechte der Konsumentinnen nicht beschränkbar Haftung für Personenschäden nicht beschränkbar, für Sachschäden nur auf grobes Verschulden reduzierbar Beweislast darf nicht verschlechtert werden zu kurze Verfallsfristen sind nicht erlaubt Irrtum und Wegfall der Geschäftsgrundlage nicht ausschließbar etc.

Klauseln, die expliziter Vereinbarung bedürfen ­ §6/2 KSchG Die   Vereinbarung  hat  die  Unternehmerin  zu  beweisen.  Dazu  gehören  ein  unbegründetes Rücktrittsrecht  des  Unternehmens,  das  Recht  den  Vertrag  schuldbefreiend  an  Dritte  zu übertragen, das Recht der Beschrönkung der Ansprüche auf ein Angeld, Schiedsklauseln, etc. Transparenzgebot ­ §6/3 Undeutlichkeit von Klauseln führt zu deren Unwirksamkeit. Sie  sind undeutlich, wenn die typische Durchschnittskundin  den  Inhalt  oder  die  Tragweite  nicht  duchschauen  kann.  Komplizierte Klauseln,  die  nicht  einfacher  dargestellt  werden   können  sind  aber  erlaubt.  Begünstigt  eine unklare Klausel die Verbraucherin, behält sie ihre Gültigkeit.

Angeld und Reugeld
können im KSchG richterlich gemäßigt werden

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Gewährleistung
des ABGB ist zugusten von Verbraucherinnen zwingend. ● Erfüllungsort  (§8  KSchG)  ist  bei  Verbesserung  und  Austausch  der   Übergabsort  oder der vereinbarte Ort. Die Verbraucherin kann auch  den  gewöhnlichen Aufenthaltsort für die Leistung  bestimmen,  wenn  die  Beförderung  zur  Unternehmerin untunlich wäre. Dabei ist ein  gewährleistungsrechtliches  Einzugsgebiet  der  Unternehmerin  beachtlich. Verbraucherin kann auch auf die Gefahr der Unternehmerin hin die Sache versenden. Die Verbesserungskosten fallen auf das Unternehmen. ● Beschränkung  der  Gewährleistungsansprüche  (§9  KSchG)  sind  vor  Kenntnis  des Mangels  nicht  möglich.  Danach  ist auch ein Verzicht möglich.  Wird die Sache vertraglich umschrieben,  muss  auf  eine  dadurch  entstehende  Haftungsbeschränkung  geachtet werden.  Bei  Veräußerung gebrauchter  beweglicher  Sachen kann die Gewährleistung auf ein Jahr beschränkt werden. ● Gewährleistung  bei  Montage  (§9a  KSchG):  Unternehmerin  haftet  für  an   der  Sache verursachte  Mängel  durch  unsachgemäßes  Verhalten,  ebenso  wenn  die  Anleitung fehlerhaft  war.  Nach  ABGB wäre die Beschädigung einer  bereits übergebenen Sache  ein nur bei Verschulden zu ersetzender Mangelfolgeschaden. ● Vertragliche  Garantie  (§9b  KSchG)  tritt  oft  neben  die  gesetzliche  Gewährleistung, worauf  hinzuweisen ist.  Unternehmerin  ist  an  die  Garantieerklärung  und  in  der  Werbung genannten  Inhalt  gebunden.   Die  Garantieerklärung  hat  alle  wesentlichen  Infos   zu erhalten. Der Verstoß berührt die Gültigkeit der Garantie nicht.

Umfang von Vertretungsmacht, Wirksamkeit mündlicher Erklärungen
Die   von  einer  Unternehmerin  erteilte  Vollmacht  erstreckt  sich  auf  alle   Rechtsgeschäfte,  die gewöhnlich  Teil  des  Geschäftes  sind.  Beschränkungen   sind  nur  wirksam,  wenn  sie  bekannt waren  (bei  grober  Fahrlässigkeit der Verbraucherin kann die Unternehmerin sofort zurücktreten). Die Gültigkeit formloser Erklärungen kann nicht beschränkt werden.

Verbot der Gehaltsabtretung
Lohn­  und  Gehaltsforderungen  sind  in  der  regel  zedierbar,  was  aber  nicht  gestattet  ist  zur Sicherung   oder  Befriedigung  von  Unternehmensforderungen.  Erlaubt  ist  aber  deren Verpfändung.  Wird  entgegen  dem  Verbot  von  einer  Arbeitgeberin an  das  Unternehmen geleistet und  erlischt   dadurch  deren  Forderung,  kann  die  Verbraucherin  einen  Rückforderungsanspruch geltend machen.

Terminverlust
Einen  vereinbarten  Terminverlust kann  das  Unternehmen  nur  geltend  machen,  wenn die eigene Leistung  bereits  erbracht  wurde,  die  Verbraucherin  mit  der  Zahlung  mindestens  6  Wochen  im Verzug ist und mit neuerlicher Frist von 2 Wochen und dem Terminverlust gedroht wurde.

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Auslandsbezug
§13a beschränkt die Rechtswahl im KonsumentInnenschutz.

Verträge über wiederkehrende Leistungen
erweiterte  Kündigungsmöglichkeit  für  Verbraucherin  für  Verträge  über  einem  Jahr  Laufzeit. Darunter  fallen  auch  Zielschuld­  und  Sukzessivlieferungsverträge.  Verbraucherin  kann  mit 2­Monatsfrist  am   Jahresende  und  dann  mit  Ablauf  jedes  Halbjahres  kündigen.  Bei  erheblichem unternehmerischen aufwand können abweichende Fristen vereinbart werden.

Abzahlungsgeschäfte = Ratenkauf
ist  ein  Kauf  mit  stufenweiser  Kreditierung  (“nachgelagertes   Sparen”).  Gemeint  sind  dabei Kaufverträge  über  bewgliche  körperliche  Sachen  bis  25.000€  bei  denen  die  Sache   noch  vor vollständiger  Bezahlung  aller  Raten  übergeben  wird.  Es  ist  ein  Ratenbrief zu  erstellen,  der  alle wesentlichen  Daten  beinhalten  muss  und  der   Verbraucherin  in  Kopie  ausgehändigt  werden muss.  Nichteinhaltung  führt  zu  einer  Verwaltungsstrafe.  Ausgenommen  sind  Druckwerke  die nicht  im   Haustürgeschäft  verkauft  werden.  Für  die  Informationspflichten  ist  auch  das Verbraucherinnenkreditrecht bedeutsam. Spätestens  bei  Übergabe  ist  eine  Mindestzahlung  zu  leisten.  Erfolgt  diese  nicht,  besteht kein   Anspruch  auf  den  vollen  Kaufpreis.  Die  Raten  sind  binnen 5  Jahren  zu  bezahlen,  darüber hinaus  verfallen  die  Zinsen.  Die  Verbraucherin  darf  auch  frühzeitig  zurückzahlen,  wodurch  sie sich  Zinsen  ersparen  kann.  Bei  Nichtbezahlung  kann  die  Verkäuferin  zurücktreten  und,  wenn vereinbart,  die Sache weiterverkaufen. Die Gewährleistung läuft bis zur Zahlung der letzten Rate. Die   Abzahlungsregeln  gelten  auch  bei  anderen  Geschäften  mit  gleichem  Zweck.  Bei mdrittfinanzierten  Kauf  sind  die  Regelungen  auch  auf  das  Verhältnis  mit  der  Geldgeberin anwendbar, sofern ein Naheverhältnis der Verträge besteht.

Lieferung im Handel mit Druckwerken
müssen   schriftlich  vereinbart  werden,  wenn  regelmäßig  geleistet  wird,   der  Vertrag  als Haustürgeschäft  geschlossen  wird  und  der  Gesamtpreis  unter  25.000€  liegt.  Ausgenommen sind Tageszeitungen, die Infopflichten bestehen wie beim Ratenkauf.

Wohnraumsanierung
bedarf  der  Schriftform, wenn es als Haustürgeschäft geschlossen wurde. Der Vertrag muss den Leistungsgegenstand genau umschreiben.

Werkvertrag
§27a  KSchG  ergänzt  §1168  insoferne  als  dass  die  Unternehmerin  Ersparnisse  aus der von der Verbraucherin verschuldeten Vertragsauflösung anzeigen muss.

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Heimverträge
Für  Verträge  mit  Bezug auf  Wohnung  und Pflege bestehen besondere Informationspflichten und Regelungen  über  Vertrauensperson,  Entgeltminderung  bei  Mangel  und  Abwesenheit  und Kündigungsschutz.

Vorauszahlungskäufe
sind   das  Gegenstück  zum  Ratenkauf,  die  Käuferin   erhält  die  Sache  erst  nach  Bezahlung  und kann bis zur vollständigen Bezahlung jederzeit zurücktreten.

Immobiliengeschäfte
Es   gibt  ein  ao.  Rücktrittsrecht  bei  Annahme  am  Tag  der  ersten  Besichtigung,  falls  ein dringendes  Wohnbedürfnis  bestand.  Dies  gilt  auch  für  Geschäfte  unter  Konsumentinnen.  Das Rücktrittsrecht  gilt  eine  Woche,  es  kann  solange  auch  vom  Maklerinnenvertrag  zurückgetreten werden.  Erhält   die  Verbraucherin  keine  schriftliche  Information  über dieses  Recht,  gilt  es  einen Monat lang. Es kann für dieses Rücktrittsrecht keine Strafe vereinbart werden.

Maklerinnenvertrag
Aufklärungspflichten,  zeitliche  Schranken  für  Alleinvermittlungsaufträge,  manche  Verträge erfordern  Ausdrücklichkeit  und  Schriftform.  Manche  Normen  des  MaklerG   sind  zugunsten  der Verbraucherinnen zwingend.

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V ­ Erbrecht
regelt   den   Übergang  der  Vermögens  einer  verstorbenen  Person  (der  Erblasserin)  auf  lebende Personen.  Alles  Vererbbare  heißt  Nachlass  oder  Verlassenschaft.  Erbrecht  im  objektiven  Sinn sind   alle  Regeln, die den Nachlass  betreffen.  Erbrecht  im  subjektiven  Sinn  ist  die  Befugnis  den Nachlass  ganz  oder  teilweise in Besitz zu nehmen.  Es ist ein absolutes Recht und veräußerlich. Das  Erbrecht  ist  absolut,  aber  aufgrund  mangelnder  Sachherrschaft  nicht  dinglich.  Die Erbsberechtigten  sind  Erbinnen,  ihr  Nachlass  die   Erbschaft.  Die   Erbin  wird Universalsukzessorin  der  Erblasserin  und  erwirbt  durch  die  Einantwortung  den  Nachlass ganz oder nach Quoten­Teil und tritt in alle Rechte und Pflichten der Erblasserin ein. Wer  nur  einzelne  Stücke  erbt  ist  Vermächtnisnehmerin/Legatarin  und  hat  nur  einen  rein schuldrechtlichen  Anspruch,  haftet  dafür  aber  den  Gläubigerinnen  nicht.  Pflichtteile  sind ebenfalls  ein  rein  schuldrechtlicher  Anspruch.  Es  gibt  in   der  Theorie  3  Erbsysteme: Familienerbrecht  (nur  Verwandte  erben),  Testierfreiheit  (Erblasserin   darf  komplett  selbst bestimmen wer erbt) und als Mischschform Pflichtteilsrecht. Vor  dem  Tod  besteht kein  Erbrecht,  Verfügung  ist  daher  nur  als Erbvertrag gültig. Daher sind Rechtsgeschäfte über erhoffte Erbschaft ungültig. Der Erbschaftserwerb hat 3 Stadien: 1. Erbanfall:  Tod  oder  Bedingungseintritt  danach:  Erbin  muss  gültig  berufen,  lebendig  und erbfähig sein 2. Verlassenschaftsanordnung:  gerichtliches  Verfahren mit Möglichkeit von Entschlagung und Erbantrittserklärung 3. Einantwortung:  nach  Annahme  und  Nachweis  des  Erbrechts  spricht  das  Gericht  das Erbe zu, die Vermögen werden verschmolzen.

Nachlass
sind   alle  vermögenswerten  Rechte und  Pflichten  (Aktiva+Passiva).  Öffentliche  Rechte  sind  nur zu  einem  sehr  kleinen  Teil  vererblich  (max.  Gewerbeberechtigung  bei  Gewerbsübernahme, Sozialversicherungsansprüche  und  Steuerschulden).  Privatrechtliches  ist  in  der  Regel vererblich,  v.a.  dingliche  Rechte,  Bestandsrechte,  Besitz,  Forderungsrechte,  Verbindlichkeiten und  Unternehmen.  Nicht  vererblich  sind hingegen  Persönlichkeitsrechte, Familienrechte, Auftrag und Vollmacht, Wiederverkaufs­ und Vorkaufsrecht, persönliche Dienstbarkeiten, etc. Unterhalt Das  Recht  auf  Unterhalt  ist  unvererblich,  ebenso  die  Unterhaltspflicht  mit  Ausnahme  bereits fälliger  Leistungen.  Die  Unterhaltspflicht  der  Eltern  gegenüber  ihrer  Kinder  geht  mit  dem  Erbe über  (begrenzt  mit  dem  Wert  des  Nachlasses,  die  Kinder  müssen  sich  ihr  Erbe  auf  die Unterhaltspflicht anrechnen lassen). Ehegattinnen  haben  ebenso  einen  Unterhaltsanspruch  der  mit  dem  Wert  des Nachlasses   begrenzt  ist  und  auf  den  sie  selbst  geerbtes   anrechnen  lassen  müssen.  Der Anspruch  geht  auf  eine  Geldrente,  geschiedene  Gattinnen  haben  keinen  Anspruch.  Der Anspruch geht Vermächtnissen vor, steht aber hinter Nachlassschulden und Pflichtteilen.
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Schadenersatzansprüche sind aktiv und passiv vererblich, ebenso wie Schmerzengeldansprüche. Ansprüche aus Dienstverträgen Rechte   der  Dienstgeberin  sind  vererblich,  die  Dienstnehmerin   hat  zum  Teil Auflösungsmöglichkeiten.  Persönliche  Ansprüche  (Krankenpflege,  etc.)  erlöschen  so  wie  alle Pflichten   der  Dienstnehmerin  mit  dem  Tod.  Urlaubsansprüche  werden  zu  geldwerten vererblichen Ansprüchen. Privatversicherungsverhältnisse bereits  entstandene  Pflichten  und  Ansprüche  sind  Teil  des  Erbes,  Ansprüche  aus  Unfall  und Lebensversicherung  stehen  je  nach  Vertrag   den   Begünstigten  direkt  zu  oder  werden  Teil  des Nachlasses.  Sachversicherungen  wie  Brandschutz  sind  vererblich,  Personenversicherungen nicht. Gesellschafterinnenrechte Gesellschafterinnenstellung  in  Gesellschaften  bürgerlichen  Rechts  ist  nur  bei Handelsgesellschaften  vererblich,  oder  wenn  der  Gesellschaftsvertrag  dies  ausdrücklich vorsieht.  OHG  geht  von  werbender  in  eine  abwickelnde  Gesellschaft  über.  KG  Anteil  ist vererblich, sofern nicht anders bestimmt. AG/GmbH ist vererblich, ebenso Genossinnenschaft. Leichnam und Grab Es   ist   nicht  klar,   ob  der  Leichnam  eine  Sache  ist.  Über  ihr  Schicksal  bestimmt  die  Erblasserin selbst.  Lässt  sich der Wille nicht mehr eruieren, entscheiden die nächsten Angehörigen darüber. Organspende  ist  nur  bei  einer  entgegenstehenden  Erklärung  unzulässig.  Die Grabnutzungsrechte gehen beim Tod über.

Erbfolge
Zum  Erben  wird   ein   Berufungsgrund  (Titel)  benötigt.  Außerdem  muss  der  Erbanfall  erlebt werden  und  die  Erbfähigkeit  nicht  ausgeschlossen  sein.  Das  Weitervererben  von  bereits angefallenem Erbe (Transmission) ist möglich, ebenso der vertragliche Verzicht. Berufungsgründe (Delationsgründe) sind   der  Erbvertrag,  Testament  und  Gesetz.  Erstere  beruhen  auf  dem  Willen  der  Erblasserin (gewillkürte  Erbfolge).  Der  Erbvertrag  geht  dabei  dem  Testament  vor.  Gibt   es  keine  solchen Verfügungen,  gilt  die  gesetzliche  Erbfolge.  Es können mehrere Berufungsgründe nebeneinander bestehen, von denen nur einer gültig sein kann. Erleben des Anfalls Erbanfall  ist  die  Entstehung  des  Erbrechtes.  Der  Anfall  mit  dem  Tod  ist  am   häufigste,n  kann aber  auch   aufschiebend  bedingt  sein.  Die  Erbin  muss  den  Erbanfall  erleben,  sonst  kann  kein
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Erbrecht  erworben  werden.  Ungeborene  haben  ausnahmsweise  ein  Erbrecht,  wenn  sie  später lebend  geboren  werden.  Bei  Todeserklärung  mehrerer  Personen  wird  der  gleichzeitige  Tod angenommen  (Kommorientenpräsumtion).  Auch  eine  juristische  Person  muss  beim  Erbanfall zumindest  im  Gründungsstadium  existieren  (Ausnahme:  aus  dem  Nachlass  zu  gründende Stiftung).  Bei  künstlicher  Befruchtung  nach  dem  Tod  steht  gegenüber  den  Eltern  wohl  ein Erbrecht zu. Mit der Verlassenschaftsabhandlung muss aber nicht gewartet werden. Erbfähigkeit ist  die  erbrechtliche Erwerbsfähigkeit, die Voraussetzung jedes Erwerbes von Todes wegen. Die Erbfähigkeit  muss  beim  Erbanfall  (und  nur  dann)  gegeben  sein  und  ist  jeden  Rechtssubjekt gegeben. Es gibt aber absolut und relativ erbunfähige Personen Absolute  Erbunfähigkeit:  ist,   wer  gar  kein  Recht  zu  Erben  hat,  z.B.  Ausländerinnen,  in  deren Herkunftsländern Österreicherinnen nicht erben dürfen (Retorsion). Relative  Erbunfähgkeit:  ist  die Erbunwürdigkeit, also der Ausschluss aufgrund des vermuteten Willens  der  Erblasserin,  wenn  jemand  ihr  gegenüber  schwere   Verfehlungen  beging  oder  den letzten  Willen  angriff.  Die  Erbunwürdigkeit  schließt  auch  vom  Pflichtteil   und   vom  Vermächtnis aus.  Sie  gilt  von  Gesetzes  wegen  und  kann   von  jeder  geltend  gemacht  werden,  die  daran Interesse  hat.  Verfehlungen  können  aber  auch  verziehen  werden (formfrei und sogar konkludent möglich).  Nachkommen  können  über  unwürdige  Vorfahren  hinweg  erben,  wenn  sie  nach  der Partentelordnung zum Zuge kommen. Unwürdig ist, wer 1. eine  Vorsatztat  mit  mehr  als  einem  Jahr  Strafbarkeit  gegen  die  Erblasserin  oder  deren engste Familie begeht oder Rechte aus dem Eltern/Kind Verhältnis grob vernachlässigt. 2. einen  Angriff  auf  den  wahren  Willen  der  Erblasserin  unternimmt  (Betrug, Urkundenfälschung,  Urkundenunterdrückung,   Zwang,...).  Solche  Tätigkeiten  zugunsten des  wahren  Willens  sind  keine  Auslöser  der  Erbunwürdigkeit.  Wer  den  letzten  Willen vereiteln wollte, kann dafür Dritten gegenüber schadenersatzpflichtig werden.

Transmission Ist  die  Vererbung  von  bereits  angefallenem  Erbe.Vor  Erbantrittserklärung  ist  dies  die Transmission  im  engeren  Sinne,  danach  die  Transmission  im  weiteren  Sinne.Ersatzerbschaft geht  der  Transmission  vor,  erlischt aber,  wenn  das  Erbe  schon  angetreten wurde. Auch Legate und Pflichtteile sind vererblich. Erbverzicht §551,  Verzicht  auf künftiges Erbe per Vertrag. Es kann sich der Verzicht auf bestimmte oder alle Erbberufungsgründe  beziehen.Verzicht  ist  die  einzig  wirksame  Verfügen  über  das  künftige Erbrecht  und  bedarf  eines  Notariatsaktes.  Der  Verzicht  beseitigt  den  Berufungsgrund, das Erbe fällt  dann  der  nächstberufenen  Person  zu.  Da  es  zu  keiner  Erbunfähigkeit  führt, ist eine spätere Bedenkung möglich. Der Verzicht kann nur einvernehmlich widerrufen werden, er erfolgt auch oft gegen  Abfindung.  Ein  Verzicht  ist  nur  als  Vereinbarung  mit  der Erblasserin gültig und kann auch bedingt  erfolgen.  Bei  Unklarheit  sind  mündliche  Äußerungen  zur  Auslegung  heranzuziehen.  Die Regeln   gelten  entsprechend  für  den  Verzicht  auf  Legate  und  Pflichtteile.  Ergibt  sich  im  Vertrag
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nichts anderesm gilt der Verzicht auch für die Nachkommen der Verzichtenden. Ausschlagung ist nach dem Erbanfall und ist eine einseitige Willenserklärung.

Gesetzliche Erbfolge
ist  der  wichtigste   Berufungsgrund  und  hat  Nachrang  hinter  Erbvertrag  und  Testament.  Die gesetzliche  Erbfolge  tritt  ein,  wenn  kein  Testament,  ein  ungültiges  Testament  oder  ein unvollständiges  Testament  vorliegt.  Es  ist  also  ein  Auffangtatbestand.  Den  Nachlass  erhalten nach   dem  Gesetz  die  Verwandten  und  die  Ehegattin.  Das  Erbrecht  setzt  die  festgestellte Verwandtschaft voraus. Eingetragene Partnerinnen werden wie die Ehegattin behandelt. Das Gesetz teilt Verwandte in Linien=Parentele ein, die die Verwandtschaftsnähe bestimmen.

1.Parentel: Kinder und deren Nachkommen 2.Parentel: Eltern und deren Nachkommen 3.Parentel: Großeltern und deren Nachkommen 4 Parentel: Urgroßeltern Die   Verwandtschaft  muss  juristisch  feststehen,  neu  auftauchende  Erbinnen  haben  eine Erbschaftsklage gegen bereits eingeantwortete Erbinnen. Ehe ist keine Verwandtschaft! Es   erbt  nur  das  niedrigste  Parentel,  in  dem  Personen  vorhanden  sind.  Innerhalb  des Parentels wird anteilsmäßig gererbt, es gehen die Vorfahren vor (Kind erbt vor Enkel). 1.Parentel Kinder und falls diese vorverstorben oder erbunwürdig sind: deren Nachkommen 2.Parentel Vater  und  Mutter  je  zur  Hälfte,  sonst  deren  Nachkommen.  Gibt  es  keine  Nachkommen,  kommt es  nur   Anwachsung  (d.h.  beispielsweise  die  Mutter  erhält  alles).  Gemeinsame  Nachkommen repräsentieren gegenüber Nachkommen nur eines Elternteiles doppelt.
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3.Parentel Aufteilung auf die 4 Großeltern, sonst Repräsentation, sonst Anwachsung 4.Parentel Aufteilung  auf 8  Urgroßeltern.  Hier  gibt  es  nur  Anwachsung,  keine Repräsentation. Es wird nach väterlicher und mütterlicher Seite getrennt.

Adoption
Adoptivkinder  ist  leiblichen  Kindern  gleichgestellt,  erbt  aber  nicht  von  den  Großeltern.  Das Adoptivkind   erbt  zusätzlich  auch  von  den  leiblichen   Eltern.  Stirbt  es  selbst,  erben  die Adoptiveltern. Bei Einzeladoption wird nur ein Elternteil verdrängt.

Ehegattinnenerbrecht
Der Anteil am Erbe hängt für die Gattin davon ab, welche Parentel erbt. ● 1.Parentel: ⅓ ● 2. Parentel: ⅔ und alle Teile der Repräsentation durch Nachkommen der Geschwister ● 3.Parentel: ⅔ und alle Teile der Repräsentation ● 4.Parentel: Alles. Unabhängig  davon  steht  der  Ehegattin  das   gesetzliche  Vorausvermächtnis  zu,  d.h.  alle  zum Haushalt  gehörenden  Sachen  sowie   ein   Wohnrecht  an  der  Ehewohnung.  Dieses Vorausvermächtnis  steht  zusätzlich  zum  gesetzlichen  Erbteil  zu,  es  wird  aber  in  den  Pflichtteil eingerechnet  und  kann  durch  rechtmäßige  Enterbung  entzogen  werden.  Das Vorausvermächtnis  gehtnur  Gläubigerinnenforderungen  nach,  es  besteht  bis  zur  erneuten  Ehe oder  eingetragenen  Partnerinnenschaft  ein  Unterhaltsanspruch  (Erbe  und  Erwerb  sind  dabei allerdings  einzubeziehen).  Nach  Scheidung  kann   ein  bestehender  Unterhaltsanspruch  vererbt werden, dieser kann allerdings dann weiter geschmälert werden.

Anrechnung auf den Erbteil
Da  nur  das  Vermögen  zum Todeszeitpunkt  vererbt  wird,  können Vermögensverschiebungen zu Lebzeiten problematisch sein. Unbeabsichtigte Ungleichheiten sollen verhindert werden. Kinder Kinder müssen sich in gesetzlicher Erbfolge Vorempfänge und Vorschüsse anrechnen lassen: 1. Vorempfang   (§788):  Zuwendung  zur  Existenzgründung  oder  Existenzerhalt,  die  ein eigenständiges  Leben  ermöglichen  soll.  Dazu  zählen  Ausstattung  zu  Ehe, Startfinanzierung  bei  Antritt  eines  Amtes  oder  Gewerbes  und  Tilgung  von  Schulden volljähriger Kinder. 2. Vorschuss  (§789):  Leistung  die  als  Erbschaftsvorschuss   verstanden  wird  und  bei  der daher die Anrechnung auf das Erbe vereinbart wurde. Bloße  Schenkungen  werden  nicht  angerechnet,  wenn  dies  nicht  vereinbart  wurde.  Zur Wertberechnung  ist  die  Inflation  zu  berücksichtigen,  es   zählt  der  Wert  am  Todestag.  die
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Vorempfänge  sind anzurechnen,  wenn  ein  Kind  dies  verlangt.  Die  Grenze  der  Anrechnung  liegt beim   tatsächlichen  Erbe.  Repräsentantinnen  müssen  sich  eigene  Vorleistungen  und  die  ihrer Aszendentinnen anrechnen lassen. Ehegattin, Eingetragene Partnerin Zuwendungen  in  der  Ehe/EP  werden  von  der  herrschenden  Meinung  nicht  als  Vorleistung angesehen.  Anzurechnen  ist  nur  was  aufgrund  von  Ehevertrag/Ehepakt  übertragen  wurde (Einrechnung).

Sondererbfolgen
Wohnungseigentum Rechtsnachfolge  geht  nach  allgemeinen Regeln, stand die Wohnung im Alleineigentum, geht sie auf  die  Erbin  über.  Da  nur  maximal  2  Personen  Wohnungseigentum  haben  können,  kommt  es bei mehr Berechtigten zur Erbteilung. Sonderregeln  gibt  es,  wenn  Miteigentum  besteht.  Falls  die  Parteien  eine  Vereinbarung haben,  ist  diese  beachtlich.  Falls  nicht,  geht  das  Eigentum  sofort  auf  die  andere  Eigentümerin über,  die  dadurch  Alleineigentum erhält (Anwachsung). Die Eigentümerin hat dafür die Hälfte  des Verkehrswertes  der  Wohnung  an  den  Nachlass  zu  bezahlen.  War  die  Miteigentümerin  selbst pflichtteilsberechtigt,  muss  sie  gar  nichts  zahlen,  außer  es  gibt  noch  andere Pflichtteilsberechtigte  (dann  25%  des  Wohnungsverkehrswertes)  oder  wenn  es  zwar  keine weiteren  Berechtigten gibt, der Nachlass aber verschuldet ist (ebenfalls 25%). Die Miteigentümer in  kann  auch  verzichten  und  ihren  Anteil  am  Verkaufserlös   fordern.  Miteigentümerin  und Pflichtteilsberechtigte  können  einvernehmlich  Miteigentum   veräußern,  dann  gehen  50%  des Wohnungsverkehrswertes an den Nachlass. Mietrecht Bestandsverträge sind  vererblich,  aber  Vermieterinnen und Erbinnen haben unter Einhaltung der Fristen ein außerordentliches Kündigungsrecht. Es kann auch zur Mietzinserhöhung kommen. Besonderes  gilt  für  bestimmte  Angehörige:  Lebensgefährtin,  Ehegattin,  eingetragene Partnerin,  Geschwister  und  Verwandte  in  gerade  Linie  sind,  wenn  sie  bisher  im  gemeinsamen Haushalt  gelebt  haben  und  ein  dringendes  Wohnbedürfnis  haben,  eintrittsberechtigt.  Trifft  dies auf  mehrere  Personen  zu,  treten  sie  alle  in den  Mietvertrag  ein. Die Lebensgefährtin muss dafür bereits 3 Jahre wirtschaftlich eheähnlich im Haushalt gewohnt haben. Anerbinnenrecht ist  ein  Sonderrecht  zur  Verhinderung  landwirtschaftlicher  Zerstückelung  von  Höfen.  Die bestgeeignete  Erbin  (Anerbin)  wird  ausgesucht,  den  Hof  zu übernehmen.  Sie  muss  die übrigen weichenden  Erbinnen  abfinden.  Der  vom  Verlassenschaftsgericht  festzusetzende  Preis  ist  an den  Nachlass  zu  zahlen,  der  wiederum  an  alle  Erbinnen  inklusive  Nacherbin  ausbezahlt  wird. Verkauft die Anerbin den Hof binnen 10 Jahren, ist der Erlös auf alle Erbinnen aufzuteilen.
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Legatarinnen erben,   wenn  sonst  keine  Person  erbt,  können  sich   aber  auch  der  Erbschaft  entschlagen.  Die Erbreihenfolge ist: 1. Testament 2. Ersatzerbschaft 3. Anwachsung 4. gesetzliches Erbe 5. ao. Erbrecht der Legatarinnen 6. Heimfall an den Staat Heimfall an den Staat erbt  auch  keine  Legatarin,  fällt  alles  an  den  Staat.  Dieser  haftet  nicht  über  den  Wert  des Nachlasses hinaus. Es gibt keine Transmission an den Staat.

Gewillkürte Erbfolge
Letztwillige Verfügungen
Es  gibt  Testamente  und  Kodizile, für  beide  gelten  die  gleichen Regeln.  In  einem  Kodizil  werden keine  Erbinnen  genannt,  es  dient  nur  sonstigen  Anweisungen.  Letztwillige  Verfügungen unterliegen strengen Formzwängen bei sonstiger  Ungültigkeit. Es sind nicht empfangsbedürftige, einseitige  Willenserklärungen.  Zur  Errichtung  einer  letztwilligen  Verfügung  wird  Testierfähigkeit benötigt.   D.h.  geistig  Gesundheit  und  Volljährigkeit.  Mündige  Minderjährige  können  vor  Gericht und  Notarin  testieren,  besachwaltete  Personen  bei  entsprechender  Einsichtsfähigkeit. Letztwillige  Verfügungen  können nur höchstpersönlich erstellt werden. Zur Erstellung muss auch Testierwille (animus testandi) vorliegen. Form Strenger  Formzwang  bei sonstiger Ungültigkeit. Der Formzwang gilt auch  für bloße Änderungen. Verweise auf ein anderes Testament gelten nur, wenn dieses auch die Formvorschriften erfüllt. 1. Eigenhändiges Testament (§578): handschriftlich mit eigener Unterschrift 2. Fremdhändiges  Testament   (§579):  gilt  auch  für  maschinengeschriebene  Testamente. Es   muss  von   der  Erblasserin  und  3 Zeuginnen  unterschrieben  werden.  Die Erblasserin muss  erklären,  dass  das  Dokument  ihrem  letzten  Willen  entspricht:  nuncuoatio,  Bei dieser  müssen  mindestens  2  Zeuginnen  anwesend  sein.  Die  Zeuginnen  müssen  mit Zeugniszusatz  unterschrieben,  volljährige  und  unbefangen  (=nicht  selbst   bedacht)  sein und die Testamentssprache sprechen. 3. Öffentliches  Testament:  Vor  Gericht  oder  Notarin  mündlich  oder  schriftlich,   wird  in einem öffentlichen Register vermerkt. 4. Nottestament:  Für   Fälle  in  denen  Gefahr  des  Todes  oder  Verlust  der   Testierfähigkeit subjektiv  droht  und kein  anderes  Testament  möglich  ist.  Es  sind  2  Zeuginnen  nötig,  das Nottestament gilt 3 Monate.
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Widerruf ist  jederzeit  möglich  und  nicht  beschränkbar.  Der  Widerruf  ist  entweder  ausdrücklich  durch ein neues  Testament  oder  konkludent  durch  eine  Zerstörungshandlung  der  Urkunde.  Nimmt  ein neues  Tesament auf  ein  vorhergehendes  nicht  Rücksicht,  so gilt das ältere nicht mehr. Spätere Kodizile   haben  frühere  nur  im  Falle  von  Widersprüchen  auf.  Wird  ein  neueres  Testament vernichtet,  lebt  das  ältere  wieder  auf.  Ist  der  Entstehungszeitpunkt  unklar,  gelten  soweit  wie möglich beide Testamente. Auslegung Zuerst   Wortauslegung  mit  dem  Ziel  des  wahren  Willens  der  Erblasserin.  Der   wahre  Wille  soll verwirklicht werden,  dazu können auch weitere Quellen dienen. Es gitl auch der favor testamenti, d.h.  möglichst  viel  des  Testamentes  soll  aufrecht  bleiben.  Dazu  gibt  es  einige  gesetzliche Vermutungen: ● §555: Im Zweifel erben mehrere eingesetzte Erbinnen nach Köpfen ● §614: Sunstitution soll Vorerbinnen möglichst wenig belasten ● §617:   Nacherbschaftsordnung  gegenüber   kinderlosem  Kind  erlischt,  wenn  es Nachkommen hinterlässt. ● §649: Vermächtnisse sind von allen Erbinnen gemeinsam wirtschaftlich zu tragen. Freigewordene Anteile sind   Erbteile,   die  wegen  Tod,  Erbunwürdigkeit  oder  Entschlagung  frei  werden.  Wurden  alle Erbinnen  ohne  Quote  eingesetzt,  gebührt  ihnen  die  Anwachsung.  Nur  bestimmt  eingesetzte Erbinnen erhalten nicht mehr, es ist dann die gesetzliche Erbfolge anzuwenden. Anfechtung Es  gilt  ausnahmsweise  die  Willentheorie.  Wesentliche  Irrtümer  führen daher zur Anfechtbarkeit, unwesentliche  zur  Anpassbarkeit.  Motivirrtümer  sind  beachtlich.  Grenze  der  Umdeutung  ist  der äußerst mögliche Wortsinn. Anfechtungsberechtigt ist nur, wer vom Wegfall profitieren würde. Prätertion und Agnation Einem   übergangen  Kind  steht  der  Pflichtteil  zu.  Wird  ein  Kind  irrtümlich   übergangen,  da  die Erblasserin nichts von dem Kind weiß, wird der letzte Wille entkräftet  (testamentum ruptum). Die Folge   ist,  dass  nach  gewöhnlicher  gesetzlicher  Erbfolge  geerbt  wird.  §§777,778,  da  dies Irrtumstatbestände  sind,  ist  ein  kausaler  Irrtum  zur  Anwendung  nötig.  Wird  nur  ein  Kind  von mehreren  übergangen,  bleibt  das  Testament  aufrecht   und  wird  so  abgeändert,  dass  das übergangene Kind soviel erhält wie die zumindest bedachte Noterbin.

Vermächtnisse
sind  Zuwendungen,  die  kein  Erbe  begründen  und umfasst meist nur einzelne Sachen. Die Form entspricht  dem  des  Testaments.  Die  Begünstigte  erwirbt  mit  Erbanfall  einen schuldrechtlichen Anspruch  gegen  den  Nachlass.  Erst  mit  Erfüllung  dieses  Anspruches  erwirbt  die  Legatarin  ihre Rechtsposition.
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Gegenstand  kann  jeder  Vorteil  für  die  Begünstigte  sein. Die  vermachte  Sache  muss  im Eigentum  des  Nachlasses  oder  der  Erbinnen  stehen  oder  als  Verschaffungspflicht  angeordnet sein.  Letzteres  wird  bei  Gattungsvermächtnissen  angenommen.  Begünstigte  sind  meist  Dritte, die  nicht  erben.  Erhält  eine  Erbin  zusätzlich  ein  Vermächtnis,  muss  geprüft  werden,  ob  dieses auf das Erbe anzurechnen ist. Legate können verkürzt werden: ● Bei  §692  ­  bedingter Erbantrittserklärung  und  verschuldenetem  Nachlass können Legate gekkürzt werden. ● §783  ­  Wurde  ein Pflichtteil nicht  erfüllt,  besteht  der Anspruch in Geld und muss von den verbleibenden Erbinnen und Legatarinnen entsprechend ihrem Anteil ausbezahlt werden. Gibt es keine sonstigen Erbinnen, können Legatarinnen zu Erbinnen werden.

Gestaltungsmöglichkeiten
Substitutionen
Gemeine Substitution = Ersatzerbschaft §604

Bestimmung,   wer  erben  soll,  wenn  die  eingesetzte  Person  wegen  Tod  oder  Erbunwürdigkeit nicht erben kann oder will. Die Ersatzerbin tritt dann an die Stelle der eingesetzten Erbin. Bei Tod einer  Erbin  nach  Erbanfall  kann  das  Erbrecht   vererbt  werden:   Transmission.  Die Ersatzerbschaft  geht  der  Transmission  vor,  wenn  noch  keine   Erbantrittserklärung  abgegeben wurde.  Die   Nachkommen  von  als  Erbinnen  eingesetzten   Kindern  gelten  im  Zweifel  als Ersatzerbinnen (§779).
Fideikommissarische Substitution = Nacherbschaft

Erblasserin  bestimmt,  wer  das  Vermögen  nach  dem  Tod  der  eingesetzten  Erbin  erhalten  soll. Es  können  so viele  Zeitgenossinnen  wie  gewünscht  eingesetzt  werden,  namentlich  unbekannte allerdings  nur  2  (bei  beweglichen  Sachen)   oder   1  (bei  unbeweglichen  Sachen).  Vorerbin  und Nacherbin  können darüber  übereinkommen  die  Nacherbschaft aufzuheben.  Vorerbin  erhält twar Eigentum,   muss  aber  wie  eine  Fruchtnutzerin  die  Substanz  schonen.  Das  Gesetz  deutet unzulässige  Verfügungen  so  um,  dass sie nach Möglichkeit gültig bleiben (§610). Nacherbschaft inkludiert Ersatzerbschaft. Bedingung Eintritt   oder   Wegfall   eines  Rechtes  abhängig  vom   Eintritt  eines  zukünftigen  noch  ungewissen Ereignisses.  Suspensivbedingung  ist  es,  wenn  das  Recht  erst  mit  Erfüllung  der  Bedingung eintritt,  es  entsteht  eine  aufschiebend  bedingte  Rechtsposition.  Resolutivbedingung:  auflösend Bedingte  Rechsposition.  Negativ  aufschiebende  Bedingungen  werden  in  positiv  auflösende Bedingungen  umgewandelt.  Bedingungen  dürfen  bei  sonstiger  Ungültigkeit  nicht  unerlaubt  oder unmöglich  sein.  Bestreitungsverbot  (also  das  Verbot  der Testamentsanfechtung als Bedingung) gilt nur für mutwillig falsche Bestreitungen.

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Befristung Recht  endet  oder  beginnt  mit  einem  bestimmten  (gewissen  oder  ungewissen)  Zeitpunkt. Befristetes Erbe kann auch vererbt werden. Auflage Gebot  oder  Verbot eines bestimmten Handelns bei sonstiger Sanktion (§709). Die Erfüllung kann erzwungen  werden. Es genügt die annähernde Erfüllung, falls genaue Erfüllung  unmöglich ist. Ist auch   das  nicht  möglich,  fällt  die  Auflage  weg.  Die  verschuldete  Nichterfüllung  wirkt  wie  eine auflösende Bedingung.

Vereinbarungen auf den Todesfall
Erbvertrag Vertrag  zwischen  der  Erblasserin  und  deren  Gattin  über  bis  zu  ¾  des  Vermögens, welche  die Gattin  beim  Erbanfall  erhalten  soll. Ein  Erbvertrag geht  allen anderen Berufungsgründen vor. Ein Erbvertrag  steht   zwischen  Testament  und  Vertrag  und  muss  daher   beide  Formvorschriften erfüllen.  Die  Erlasserin muss  testierfähig  sein.  Zur  Berechnung  der  ¾  sind vom  Reinvermögen auch  die  Pflichtteile  abzuziehen.  Mit  Ende  der  Ehe  erlischt  der Erbvertrag, außer gegenüber  der schuldlosen Partnerin (§1266). Schenkung auf den Todesfall ist  ein  Vertrag  über  eine terminisierte  Zuwendung  und möglich für bis zu ¾ des Vermögens. Die Erblasserin  hat  dann  alles  zu  unterlassen,  was  den  Anspruch  schmälern  würde. Voraussetzungen: 1. Begünstigte nimmt an UND 2. Notariatsaktform UND 3. Erblasserin verzichtet ausdrücklich auf ihr Widerrufsrecht. Begünstigte  muss  den  Erbanfall  dann  nicht erleben. Die Schenkung ist bis zum Tod ein Vertrag, danach ein Vermächtnis. Aufträge und Übergabe auf den Todesfall sind (wegen Formmängeln) ungültig. Erbverzicht ist  die  einzig  zulässige  Verfügung  über  ein  künftiges  Erbrecht  und  bedarf  eines  Notariatsaktes. Davon  verschieden  sind  die  Entschlagung,  welche   eine  bloße  Erklärung  ist,  ein  zustehendes angefallenes  Erbe  nicht  antreten  zu  wollen.  Wenn  nicht  anders  bedungen  gilt  der  Erbverzicht auch  für  die  Nachkommen und für  den  Pflichtteil.  Die Person wird erbrechtlich so behandelt, als wäre sie nicht vorhanden.

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Pflichtteilsrecht
begrenzt  die Testierfreiheit, enge Personen sollen jedenfalls am Vermögen teilhaben. Wer etwas erhalten muss wird Pflichtteilsberechtigte oder Noterbin genannt. Pflichtteilsberechtigte sind  gem §762 die Ehegattin bzw. eingetragene Partnerin und die Nachkommen, bzw. falls keine Nachkommen  vorhanden  sind,  die  Vorfahren.  Diese  Gruppen  sind abstrakt pflichtteilsberechtigt. Konkret  pflichtteilsberechtigt  ist,  wer  nach  gesetzlicher  Erbfolge  geerbt  hätte.  Daher  nicht: Erbunwürdige, Vorverstorbene, … Großeltern nur wenn 1+2 Parentel leer sind. Quoten Nachkommen und Ehegattin erhalten jeweils die Hälfte des gesetzlichen Erbteils. Vorfahren ⅓. Hinterlassung Erblasserin  kann  Pflichtteilsberechtigten  den  Pflichtteil  zuweisen,  diese  können  ihn,  wenn   sie erben  wollen  nicht  ausschlagen.  Der  Pflichtteil  darf  nicht  durch  Bedingungen,  Auflagen  , Befristungen  oder  Substitutionen  belastet  sein.   Die  Zuwendung  muss  zur  Pflichtteilsdeckung geeignet  sein.  Wird  der  Pflichtteilsanspruch  nicht  ausreichend  zugewendet,  besteht  ein Pflichtteilergänzungsanspruch auf Geld, welcher nach 3 Jahren verjährt. Enterbung ist  die  Entziehung  des  Pflichtteils,  ausdrücklich  oder  stillschweigend.  Es  bedarf  dafür  einer ausdrücklichen  letztwilligen  Verfügung und eines Enterbunsgrundes. Dieser muss nur bestehen, aber nicht extra angeführt werden. Gegen  Enterbung  kann  3  Jahre  lang  vorgegangen  werden,  Erbinnen  müssen  dann  den  Grund beweisen. Wenn ihnen das nicht gelingt, steht den Enterbten der Pflichtteil zu. Enterbungsgründe: ● Erblasserin wurde im Notstand hilflos im Stich gelassen ● Lebenslange/20­Jährige Freiheitsstrafe wegen Vorsatztat ● (gegen öffentliche Sittlichkeit anstößige Lebensart) ● Bei Ehegattin/eingetragener Partnerin: gröbliche Vernachlässigung der Beistandspflicht ● alle  Erbunwürdigkeitsgründe  (Angriff  auf  den  Erlasserinnenwillen,  Vorsatztat  über  einem Jahr  Strafdrohung  gegen  Erblasserin,  gröbliche  Vernachlässigung  aus  dem  Eltern/Kind Verhältnis) ● Enterbung  in  guter Absicht: Pflichtteil wird wegen verschwenderischen Lebensstils gleich an die Nachfahrinnen gegeben Nachkommen von enterbten Kindern haben ein Pflichtteilsrecht. Pflichtteilsminderung Pflichtteil  kann  auf  die  Hälfte gemindert  werden,  wenn  ohne  Schuld der Erlasserin zu keiner Zeit ein Naheverhältnis bestand
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Pflichtteilsberechnung
Für  die  Berechnung  ist  der reine Nachlass maßgebend (Aktiva minus Passiva). Dabei sind auch sämtliche  Kosten  der  Verlassenschaftsabhandlung,   Begräbnis  und  Todesfall  einzubeziehen. Vermächtnisse  sind  Teil  des  reinen  Nachlasses  und  werden   nicht  abgezogen.  Zuwendungen, die  zu  Lebzeiten  gemacht  wurden,  mindern  den  Pflichtteil,  da  sie den Nachlass mindern. Daher werden  bestimmte  Schenkungen  angerechnet.  (Anrechnung  ist  die  Berücksichtigung  von Zuwendungen  unter  Lebenden;  Einrechnung  die  Berücksichtigung  von  Zuwendungen  im Nachlass). Anrechnung  auf  den  Pflichtteil:  Berücksichtigen  von  Vorempfängen  und  Vorschüssen  = Nachlasspflichtteil.  Der  Nachlasspflichtteil  und  der  Schenkungspflichtteil  bilden  zusammen  den erhöhten Pflichtteil. Anrechnungen auf den Pflichtteil bei  Vorempfängen  gem §788  (Eheausstattung,  Antrittsausstattung,  Schuldentilgung  Volljähriger) und bei Vorschüssen gem. §789. (siehe oben) Schenkungsanrechnung ­ §785 dem unterliegen: ● Schenkungen an Pflichtteilsberechtigte ● Schenkungen an nicht Pflichtteilsberechtigte innerhalb von 2 Jahren vor dem Tod der Erblasserin (entfällt bei Schenkungen an Privatstiftungen auf die Einfluß besteht) von der Anrechnungspflicht ausgenommen sind: ● Schenkungen, die das Stammvermögen nicht schmälern ● Schnkungen zu gemeinnützigen Zwecken ● Schenkungen aus sittlicher Pflicht Ein  Kind  kann  Schenkungsanrechnung  nur  begehren,  wenn  es  zum  Schenkungszeitpunkt  am Leben  war  (Ehefrau/eingetragene  Partnerin  nur  während  der  Beziehung).  Der Schenkungspflichtteil  ist  aus  dem  Nachlass  zu  entrichten,  subsidiär  dazu  kann  die  Beschenkte herangezogen  werden,  die  dann  das  Geschenk  auszufolgen  hat  oder  den  Betrag  ersetzen muss.  Die   erste  Ersatzpflicht trifft immer  die  zuletzt beschenkte  Person.  Die  Anrechnung  kann von Kindern und der Gattin/eingetragenen Partnerin begehrt werden. Die Anrechnung auf den Erbteil ergibt, was eine Person tatsächlich bekommt. Die Anrechnung auf den Pflichtteil ergibt, was eine Person bekommen muss.

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Erbschaftserwerb
Wem  der  Nachlass  zusteht  wird  im  außerstreitigen  Verlassenschaftsverfahren  ermittelt.  Dies beginnt  mit  dem  Vorverfahren  mit  Übermittlung  des  Totenscheins.  Eine  Notarin  erhebt dann  als Gerichtskommissärin  alle  wesentlichen Umstände und leitet das Verlassenschaftsverfahren. Sie kann auch Sicherungsmaßnahmen treffen. Bei  Erbschaften  unter  4.000€ kann das  Verfahren im Vorstadium beendet werden. Ist der Nachlass  überschuldet  kommt  es  zur  Verlassenschaftsinsolvent,  bei  der   die  Gläubigerinnen anteilig befriedigt werden. Im  Hauptverfahren  wird  ermittelt,  wem  ein  Erbanspruch  zusteht.  Die  porentiellen Erbinnen  müssen  dann  erklären,  ob  sie  die  Erbschaft   annehmen  oder  ausschlagen. Widersprechen sich die Aussagen, wird dies im Verfahren geklärt. Wenn  feststeht  wer  erbt,  ist  der Nachlass vom Gericht den Erbinnen einzuantworten. Mit diesem  Gerichtsbeschluss  werden  die  Erbinnen  Eigentümerinnen,  Gläubigerinnen  und Schuldnerinnen.  Es  kommt  zur  Universalsukzession.  Die  Erbinnen  treten  an  die Vermögensrechtliche Stelle der Erblasserin (Bruch des Intabulationsprinzipes!) Vor  der  Einantwortung  ist  der  ruhende  Nachlass  als   juristische  Person  Trägerin  von Rechten  und  Pflichten,  vertreten  durch  die  Kuratorin  oder  durch  Erbin,  die  eine Erbantrittserklärung abgegeben hat. Wird  das  Erbe  einer  falschen  Person eingeantwortet, ist sie eine  Scheinerbin. Die wahre Erbin  kann   mit   der  Erbschaftsklage  ihr  Recht  geltend  machen  und  die  Herausgabe  des Nachlasses   fordern.  Die  Klage  verjährt  nach  30  Jahren,  die  Testamentsanfechtung  nach  3 Jahren.  Scheinerbinnen  werden nicht Eigentümerinnen (etc.), weshalb ihre Verfügungen ungültig sind.  Nach  §824  werden  aber  gutgläubige Dritte geschützt (Ersetzt das Erbrecht, aber nicht das Eigentum!).

Rechtsstellung der Erbinnen
Erbin  ist  Universalsukzessorin  und  haftet  damit  auch  für  alle  Verbindlichkeiten,  die  hinterlassen werden.  Je  nach  Antrittserklärung  wird  allerdings  unbedingt   (=unbeschränkt,   d.h.   Haftung  mit eigenem   Vermögen  für  alle  Verbindlichkeiten)  oder  bedingt  (d.h.  Haftung  bis  zum  Wert  der Erbschaft) gehaftet. Gläubigerinnen  können  Nachlassseperation  beantragen,  dann  die  Haftung  auf   die Vermögensstücke  der  Erblasserinnen,  wenn  die  Gefahr  besteht,  dass  die  Erbin  das  Erbe verprasst. Gibt es beschränkte und unbeschränkte Erbinnen, haften alle nur beschränkt. Gibt   es  mehrere  Erbinnen,  steht  ihnen  jeweils  eine  Quote  zu.  Wird  dazu  nichts angeordnet  gehört  allen  Alles  =  Miteigentum.  Um  dies  zu  lösen  gibt  es  das  einvernehmliche Erbteilungsübereinkommen oder die Erbteilungsklage. Angefallene  Erbschaften  können  verschenkt  und  veräußert werden. Die neue Person tritt dann in das laufende Erbschaftsverfahren ein. Dieses Geschäft bedarf eines Notariatsaktes.

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VI ­ Internationales Privatrecht ­ IPR
Bei  Fällen  mit  Auslandsbezug  stellt  sich  die  Frage,  welche  Rechtsornung  anzuwenden  ist. Das IPRG  besteht  aus  Verweisungsnormen  (Kollisionsnormen)  die  bestimmen, welches  Privatrecht zur Anwendung gelangt. Das IPRG selbst ist österreichisches Recht.

UN Kaufrecht
s.o. unter Kaufrecht

Internationales Privatrecht
besteht  aus  dem IPRG,  Staatsverträgen  und  EU  Verordnungen.  Es  besteht  Rechtswahlfreiheit. Wurde  keine  zulässige  Rechtswahl  getroffen,  bestimmt  das   IPR   das  Statut  (anwendbares Recht).  Dabei  ist  am  ehesten  das  Recht  mit  dem stärksten Bezug zum Sachverhalt zu wählen. Die   Bestimmung  des  Statutes  ist  die  Verweisung,  die  entweder  als   Sachnormverweisung  auf materielles   Recht  geschieht,  oder  als  Gesamtnormverweisung  auf  eine  ganze  Rechtsordnung (das  kann  auch  ein  fremdes  IPR  beinhalten).  Verweist  bei  der  Gesamtnormverweisung  das ausländische  Recht  wieder  zurück  nach  Österreich,  ist  entgültig  österreichisches  Recht anwendbar.  Die  Römer  Verordnungen  beinhalten  nur  Sachnormverweise. Bei  Rechtswahl  wird Sachnormverweis angenommen. Unter Umständen ist trotz Verweis auf ausländisches Recht dieses nicht anzuwenden: ● Vorbehaltsklausel  (ordre  public,  §6  IPRG)  erlaubt  die  Anwendung  ausländischen Rechts  nicht,   wenn  sie  zu  einem  Ergebnis  führen  würde,  das  nicht  mit  der österreichischen  Rechtsordnung  vereinbar  ist.  Es  ist  dann   österreichisches  Recht anzuwenden. ● Eingriffsnormen  sind  international  zwingende  Bestimmungen,  die  immer  anwendbar sind.  Gemeint  sind  Normen  an  deren  Anwendung   öffentliches  Interesse  besteht  (z.B. Mieterinnen­ Konsumentinnen oder Arbeitnehmerinnenschutz). Zur   Bewertung,  welche  IPR  Normen  anzuwenden  sind,  sind  alle  Umstände  und  betroffenen Rechtsordnungen  zu  berücksichtigen.  Durch  die  Vereinheitlichung  mithilfe  der  Römer Verordnungen  sind  die  Begriffe  der  europäischen  Rechtsakte  heranzuziehen,  also  ohne   auf nationales Recht greifen zu müssen.

Vorfragen
stellen  sich  noch  vor  der  Bewertung  der  eigentlichen   Rechtsprobleme  (z.B.  Frage  im Scheidungsrecht,  Vorfrage:  ist  die  Ehe  überhaupt  gültig?).  Hier  besteht  ein  Meinungsstreit,  ob einfach  das  Recht  der  Hauptfrage  die  Vorfrage  bestimmt  (unselbständige  Anknüpfung)  oder  ob die Vorfrage eigens behandelt wird (selbständige Anknüpfung).
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Vertragliche Schuldverhältnisse
Für  mehrstaatliche  vertragliche Schuldverhältnisse  (“in  Zivil­  und  Handelssachen”) gilt die Rom I Verordnung, also  Kauf,  Mietverträge,  Werkverträge,  Schenkungen,  etc.  Ausgenommen sind laut Art1(2)  culpa  in  contrahendo,  Familienrechte  und  Erbreche,  etc.  Rom  I  wird  nicht  angewandt, wenn UNK angewandt wird, da dieses ja selbständig materielles Recht ist. Es   sind  alle  EU  Staaten  außer  Dänemarkt  Vertragspartnerinnen.   Es  sind  auch Verweisungen  auf  Rechte  von  Nicht­Mitgliedsstaaten  möglich.  Alle  Verweise  der  Rom  I Verordnung sind Sachnormverweisungen. Rom  I  stellt  Rechtswahl  durch  die  Parteien  an  die  oberste  Stelle,  diese  kann  auch schlüssig  oder  im   Nachhinein  erfolgen.  Wurde  keine  Rechtswahl   getroffen,  wird  nach  dem Anknüpfungskatalog vorgegangen: ● Kaufverträge  über  bewegliche  Sachen  folgen  dem  Recht  des  Aufenthaltslandes   der Verkäuferin ● Dienstverträge folgen dem Recht des Aufenthaltslandes der Dienstleisterin ● Verträge   über  unbewegliches  Sachen  (Miete,   Pacht,  Eigentum,  etc.)  folgen dem  Recht des Staates wo die Sache sich befindet. ● Andere  Verträge  folgen  dem  Recht  des  Staates,  in  der  die  Person  den  gewöhnliches Aufenthalt hat, die die vertragscharakteristische Leistung erbringt. (Artikel 4 Absatz 2) Ist  danach  immer  noch  unklar  welches  Recht  anzuwenden  ist,  kommt  es  auf  das Recht  jenes Staates  an,  der  eine  engere  Verbindung  aufweist.  Ergibt  sich  aus  den  Umständen,  dass  der Vertrag eine  offensichtlich engere Verbindung zu  einem anderen Staat als dem durch die obrigen Regeln   bestimmten  hat,  ist  stattdessen  die  Rechtsordnung   des  enger  verbundenen  Staates anzuwenden  (Ausweichklausel).  Bei  Verbraucherinnenverträgen  gilt das  Recht  des  Staates  der Verbraucherin,  wenn  die  Unternehmerin  ihre  Tätigkeit  in  diesem  Lande  ausübt  oder  ausrichtet (situative Anwendungsvoraussetzung). Dies darf nicht durch Rechtswahl unterwandert werden. Sonderregeln  gelten  für  Verträge,  bei  denen  eine  Partei  typischerweise  schwächer  ist (z.B.  Arbeitnehmerinnenschutz)  und  für  Rechte  die  mehrere  Personen  betreffen.  Änderungen nach Vertragsschluss und festgestelltem Anknüpfungsland haben keine Auswirkungen mehr. Wird  Rom  I  angewandt,  betrifft  dies  den  kompletten  Vertrag,  vom  Vertragsschluss  (inkl. Formvorschriften)   über   Erfüllung  (inkl.  vertraglichem  Schadenersatz)  bis  zum  Erlöschen  der Verpflichtung.  Nicht  geklärt  sind  Vorfragen  wie  Vertretungsmacht  oder  Geschäftsfähigkeit,  die nach IPRG zu lösen sind. Rechts­ und Handlungsfähigkeit Rechts­  und  Geschäftsfähigkeit  richtet  sich  im  IPR  nach  der  Staatsangehörigkeit. Deliktsfähigkeit  richtet  sich  bezüglich  des  Alters  nach  der   Staatsangehörigkeit,  bezüglich  des Geisteszustandes nach dem Recht der Hauptfrage des Deliktes. Juristische  Personen  werden  nach  ihrem  Sitzstaat  beurteilt  und  wird  anerkannt,  auch wenn sie ihren Sitz über Grenzen hinweg verlegt. Stellvertretung
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Bei  organschaftlicher  oder  gesetzlicher  Vertretung  ist  das  der  Vertretungsmacht zugrundeliegende  Rechtsverhältnis  entscheidend.  Für  rechtsgeschäftliche  Vertretung  ist  das Land in dem die Vertretung wirksam sein soll oder tatsächlich tätig wird der Anknüpfungspunkt.

Außervertragliche Schuldverhältnisse
sind   in  der  Rom   II  Verordnung  geregelt,  die  allerdings  hinter  Staatsverträgen  wie  das  Haager Straßenverkehrsabkommen  zurücktritt.  Der  örtliche  Anwensungsbereich  ist  wie  bei  der  Rom  I Verordnung, es sind auch hier Sachnormverweise. Schadenersatz Für   Schadenersatzansprüche  (“Ansprüche  aus  unerlaubter  Handlung”)  gibt  es  eine allgemeine Kollisionsnorm: ● Es gilt das Recht des Staates in dem der Schaden eintritt ● Es  gilt  das  Recht  des  Staates  in  dem  Schädigerin  und  Geschädigte  ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben (anzuwenden vor Fall 1) ● Es   gilt  das  Recht  des  Staates,  zu  dem  nach  allen   Umständen  deutlich  mehr Anknüpfungspunkte bestehen (Ausweichklausel, anzuwenden vor Fall 1,2) Abweichendes  gilt  bei  Produkthaftung  (Land  des  Inverkehrbringens),  unlauterem  Wettbewerb, Umweltschäden,  Urheberinnenrechtsverstößen  und  Arbeitskampf.  Die   Parteien  können  nach Entstehen  des  Rechtsverhältnisses  einvernehmlich  ein  anderes  Recht  wählen.  Vor  dem entstehen ist es unter Unternehmerinnen auch zulässig. Strittig ist, ob eine AGB Rechtswahl den Regeln entspricht. Bereicherung und Geschäftsführung Bereicherungen,  die  mit  einem  Rechtsverhältnis  im  Zusammenhang  stehen,  werden  nach  dem gleichen  Recht  wie  dieses  selbst  bewertet.  Liegt  keine  enge  Verbindung  vor,  ist  entweder  das Recht  des  gemeinsamen  gewöhnliches  Aufenthaltes  oder  dem  Ort  der  Bereicherung  zu bewerten. Die Ausweichklausel gilt auch hier. Gleiche  Regeln  gelten  für  Geschäftsführung  ohne   Auftrag.  Die  einvernehmliche Rechtswahl im Nachhinein ist zulässig.

Sachenrecht
ist  nicht  europäisch  geregelt  und  richtet  sich  nach  dem  IPRG.  Sie  sind nach  dem  Recht  jener Staaten  zu  beurteilen,  in  dem  sich  die  Sache  bei  Vollendung  des  Rechtserwerbes  befindet. Wenn  der  Rechtserwerb  einmal  bejaht  wurde,  ändert  ein  späterer  Wechsel  der  Belegenheit nichts. Dingliche  Sicherheiten  wie  Pfand  sind  größtenteils  gleich  geregelt,  wobei  eine  spätere Ortsänderung beachtlich ist. Es gelten immer die Publizitätsvorschriften des Aufenthaltsortes.

Familienrecht
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teilt  sich  auf  in   IPRG,  Rom  III  VO  über  Ehescheidungen,  EU  Unterhaltsverordnung  und Staatsverträge.  Dabei  schaut  das  IPRG  eher  auf  die  Staatsangehörigkeit,  das  andere   Recht eher auf den Ort des gewöhnlichen Aufenthalts. Personalstatut ist  die  Staatsbürgerinnenschaft.  Bei  multiplen  Staatszugehörigkeiten  gilt  nach  IPRG österreichisches  Recht,  wenn  auch  eine  österreichische  vorliegt.  Sonst  gilt  die Staatszugehörigkeit  mit  der  stärksten  Beziehung.  Nach  der  Staatszugehörigkeit  ist  auch  die Führung  eines  Namens  zu  beurteilen,  wobei  bestehende  Namen  auch  bei  Statutswechsel bestehen bleiben. Bei juristischen Personen gilt der Sitz der Hauptverwaltung. Eheschließung Materielle  Ehevoraussetzungen  wie  Alter  (etc.)  richten  sich  nach  der  Staatszugehörigkeit. Ehefehler  werden  nach  der Rechtsordnung  mit der stärkeren  Wirkung beurteilt. Die Form richtet sich  innerhalb  Österreichs  immer  nach  österreichischem  Recht.  Eheschließungen  außerhalb hängen von der Staatszugehörigkeit der Beteiligten ab, es genügt die Einhaltung der Ortsform. Ehewirkung Unterhalt  richtet  sich  nach  dem  Haager  Unterhaltsprotokoll.   Ohne  Rechtswahl  durch  die Beteiligten gilt hier das Recht des Ortes des gewöhnliches Aufenthalts der berechtigten Person. Sonstige  Ehewirkungen  richten  sich  nach  dem  IPRG,  eine  Rechtswahl  ist  im Ehegüterrecht  möglich.  Die  Anknüpfung  wird  nach  der  Kegel’schen  Leiter  geregelt,  welche Verweise erlaubt: 1. Ehewirkungen nach der gemeinsamen Staatszugehörigkeit 2. Liegt das nicht vor, dann nach der letzten gemeinsamen Staatszugehörigkeit 3. Liegt das nicht vor, dann die Rechtordnung des Staates des gewöhnlichen Aufenthaltes. 4. Liegt   das  nicht,  dann  die  Rechtsordnung  des  letzten  Staates  des  gemeinsamen gewöhnlichen Aufenthalts, wenn dort noch eine Gattin wohnt. Ehescheidung gilt  nach  der  Rom  III  Verordnung,  unklar  allerdings  ob  das  auch  gleichgeschlechtliche  Ehe betrifft.  In  den  teilnehmenden  Ländern  gilt  die  VO  universell  und  enthält  wie  auch  Rom  I+II Sachnormverweisungen.  Die VO  enthält  Regelungen,  ob  und  wie eine  Ehe  geschieden  werden kann.  Nicht  enthalten  sind  aber  namens­  und   vermögensrechtliche  Folgen.  Unterhalt  ist  im Haager  Unterhaltsprotokoll  und  nicht  in  Rom  III  geregelt.  Andere  nicht  in  Rom  III  erfasste Wirkungen sind im IPRG geregelt. Rom  II  gibt  die  Möglichkeit  der  Rechtswahl  eines  Rechts  mit  Sachbezug.  Wenn  keine getroffen  wird,  gilt  das  Land  des  letzten  gemeinsamen  gewöhnliches  Aufenthalts,  sonst gemeinsame Staatszugehörigkeit, sonst das Recht des angerufenen Gerichtes.

Eingetragene Partnerinnenschaft
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betrifft  nicht  gleichgeschlechtliche  Ehe  und  ist  im  IPRG  geregelt.  Anknüpfungspunkt  für  Form und  Voraussetzungen  ist  der  Staat  in  dem  die  Partnerinnenschaft  gegründet  wurde.  Ebenso im Güterrecht. Persönliche Rechtswirkungen gehen nach dem gewöhnlichen Aufenthalt, ebenso  die Auflösung. Kindschaftsrecht Abstammung  richtet  sich  nach  §21  IPRG  nach  der gemeinsamen  Staatszugehörigkeit, oder der des Kindes. Adoption  stellt  nach  §26  IPRG  auf  die  Staatszugehörigkeit  der  annehmenden  Person  ab.  Es kommt auch das Haager Adoptionsübereinkommen zur Anwendung.

Erbrecht
ist  v.a.  im  IPRG  geregelt  und  teilweise  durch  Staatsverträge   ergänzt   (Haager Testamentsübereinkommen,  et  al).  Ab  2015  wird  die  Rom  IV   Verordnung  über  Erbsachen anwendbar. Nach  derzeitiger  Rechtslage  gilt,  dass  die  Rechtsnachfolge  der  Staatszugehörigkeit  der Erblasserin  beim   Todeszeitpunkt  zu  bewerten  ist.  Für  die   Testierfähigkeit  kommt  es  auf  die Staatszugehörigkeit  zum  Testierzeitpunkt  (alternativ:  zum  Todeszeitpunkt)  an.  Die  Form  von Erbverzicht und Erbvertrag geht nach IPRG. Testamente gehen nach dem Haager Testamentsübereinkommen, es gilt wenn die Form dem  Recht  des  Errichtungsstaates  oder  der  Staatszugehörigkeit  zum Todeszeitpunkt  oder  des gewöhnlichen Aufenthalts oder des Zur   Nachlassspaltung  kommt  es,  wenn  österreichische  und  ausländische  Gerichte  jeweils teilweise   zuständig  für  die  Verlassenschaftsabhandlung  sind.  Dazu  kommt  es  wenn  ein  eine unbewegliche  Erbsache  in  Österreich  liegt,  aber  die  Erblasserin  nicht  Österreicherin war  oder ihren  gewöhnlichen  Aufenthalt  im  Ausland  hatte.  Die  Pflichtteilsberechnung  erfolgt  dann  nur  auf das Vermögen, das das österreichische Gericht abhandelt.

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VII ­ Fragenkatalog Palten
Allgemeiner Teil
A  bringt  ihr  Auto  zur  Reperatur in  die  Werkstatt.  B, die dort arbeitet, verspricht dass das Auto in 2 Tagen wieder fertig sein wird. Die Chefin meint, dass sie gar nichts hätte versprechen dürfen. A:  Kundinnen  dürfen  sich  darauf  verlassen,  dass  sofern  es  nicht  anders  ersichtlich  ist, Mitarbeiterinnen  jene  Bevollmächtigungen  besitzen,  die  sie  im  normalen  Geschäftsbetrieb brauchen   (Ladenvollmacht).  Daher  darf  sich  A  auf  die  Aussagen  der  B  verlassen.  Die  Chefin muss die Aussagen ihrer Mitarbeiterin gegen sich gelten lassen. Kann eine Anscheinsvollmacht eingeschränkt werden? A:  Anscheinsvollmacht  ist  eine  Vollmacht, deren Bestehen  aus dem Verhaltenen der vertretenen Person   geschlossen  wird,  nicht  aus  einem  zugrundeliegenden  Rechtsgeschäft.  Die  Vertretene kann   dieses  Verhalten,  aus  dem  die  Vertretung  geschlossen  wird  beenden  oder  gegenüber Dritten  kundtun,  dass  keine  Vollmacht  vorliegt.  Die  Dritten  müssen  tatsächlich  auf  die Anscheinsvollmacht  vertrauen.  Dieses  Vertrauen  wird  geschützt,  da  die  vertretene  Person selbst kausal für diesen Irrtum war. Was  sind   Gestaltungsrecht?  Was  ist  der  Unterschied  zwischen  Irrtumsanfechtung  und Wandlung/Rücktritt? A:  Gestaltungsrechte sind einseitige Rechte, das Rechtsverhältnis zu ändern. Irrtumsanfechtung beruft sich auf eine falsche Vorstellung der Wirklichkeit und kann geltend gemacht werden, wenn 1. ein gültiger Vertrag vorliegt 2. Irrtum kausal war für das Rechtsgeschäft 3. ein Geschäftsirrtum oder ein beachtlicher Motivirrtum vorliegt. 4. eine der 3 Voraussetzungen des §871 vorliegt: a. Irrtum wurde vom Gegenüber verursacht b. Irrtum auffallen hätte müssen c. Irrtum rechtzeitig aufgeklärt wurde Wandlung   ist   ein  ein  sekundärer  Gewährleistungsbehelf  der  den  Vertrag  aufhebt.  Nur  möglich bei  nicht  bloß  geringfügigen  Mängeln  und  bei Griff auf sekundäre Gewährleistungsbehelfe  (dann: Leistungskondiktionen nach §1435). Rücktritt  ist  ein  Gestaltungsrecht  zur  Auflösung,  aus  Vertrag   oder   Gesetz  (wie  z.B. Schuldnerinnenverzug) und wirkt sachenrechtlich ex nunc. Was ist teleologische Reduktion? A:  Ist  der Wortlaut einer  Norm zu weit gefasst, kann mit Berufung auf  den  Zweck der Norm diese enger  ausgelegt  werden.  Beispiel  ist  §879/1  welche  Verträge  die  dem  Gesetz  widersprechen nichtig  macht,  dies  ist  aber  nicht bei bloßen  Formmängeln  zutreffend (Schutzzweck der Norm). z.B. Verkauf außerhalb der Ladenöffnungszeiten.
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Was ist eine Pflicht, was ist eine Obliegenheit? A:  Pflicht  ist  eine  einklagbare und exekutierbares  Recht  der  Gläubigerin gegen  die  Schuldnerin. Obliegenheit  ist  eine  Rechtspflicht  minderer  Ordnung,  deren   Nichtbeachtung  zu  negativen Folgen für eigene Ansprüche führt (Beispielweise: Mängelrüge). Was ist die Drittwirkung der Grundrechte? A:  Grundrechte  sollen  eigentlich  Eingriffe  des  Staates  in   das  Leben  von  Privatpersonen beschränken  und  regeln.  Die  Grundrechte  haben  zum  Teil  allerdings  auch  Wirkung  auf Rechtsgeschäfte  von  Privatpersonen  untereinander.   Die  unmittelbare  Wirkung  ist  gegeben, wenn  sich  direkt ein Anspruch aus einem Grundrecht ergibt, was zu verneinen ist. Die mittelbare Wirkung  bedeutet,  dass  die  Gesetze,  welche  direkte  Auswirkungen  haben,  sich  ihrerseits  auf Grundrechte stützen. Was ist eine Analogie? Beispiele? A:  Analogie  ist  die  Anwendung  von  Normen  auf  einen   von  ihnen  nicht  unmittelbar  gergelten Sachverhalt,  da  eine  planwidrige  Regelungslücke  vorliegt.  Beispielsweise  §862a  wird dahingehend  erweitert, dass alle Willenserklärungen (nicht bloß Annahme) ab dem Zugang gültig sind. Was sind AGB? Wie kann gegen die vorgegangen werden? A:  AGB   sind  allgemeine  Geschäftsbedingungen  und  werden  oft  von  Unternehmen  zur Vertragsgrundlage  erklärt.  Ihre  Regeln  dürfen  natürlich  nicht   gegen  §879  verstoßen  und unterliegen  einer  Geltungskontrolle  und  einer  Inhaltskontrolle.  Weiters  müssen  Kundinnen  den Inhalt  von  AGBs  erkennen  können,  was  zur  Folge  hat,  dass  es zur  keiner  geltungserhaltenden Reduktion kommt. Geltungskontrolle:  AGB  gelten  nur,  wenn  die  Parteien  sie  vereinbaren.  Überraschende  und nachteilige Klauseln werden nach §864a nicht Teil des Vertrages Inhaltskontrolle:  §879/3;  Nebenbestimmungen,  welche eine  Person  gröblich  benachteiligen  sind ungültig   (z.B.  Gewährleistungsausschluss  für  neue  Ware).  Die  nachteilige  Klausel  wird  dann ungültig. §6 KSchG benennt außerdem jedenfalls ungültige Klauseln. Was ist Vertrauensschutz im Zivilrecht? A:  Vertrauen  wird  im  Zivilrecht  besonders  geschützt.  Beispiele  dafür  sind  der  Vertrauensschutz ins  Grundbuch,  die  Vertrauenstheorie  bei  Willenserklärungen  oder  der  Ersatz  von Vertrauensschaden bei Verträgen. A  ist  bei  den  ÖBB  beschäftigt  und  betreibt  einen  kleinen  Bäuerinnenhof  neben  der  Arbeit.  Sie kauft   Unkrautvernichtungsmittel.  Ist  dies  ein  Konsumentinnengeschäft?  Was  ist  eine Unternehmerin? A:  Unternehmerin  ist,  für  wen  das  Geschäft  zum  Betrieb  ihres  Unternehmens  gehört  (§1/1/1 KSchG).  Verbraucherin  ist,  wer  als  Privatperson agiert. Im Zweifel wird Unternehmerinnenstatus angenommen  (§344  UGB).  Wichtig  für  den  Bestand   eines  Unternehmens  ist  nicht  die  Größe, der Umsatz oder die Wirtschaftlichkeit sondern eher Selbständigkeit und Dauer.
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Eine  Bank  schreibt  einen  Brief  an  eine  Kundin,  in  dem  neue  AGB  vereinbart  werden.  Diese sollen  nach  6  Wochen gültig werden, die AGB sind  angehängt. Laut Brief haben die Kundinnen 6 Wochen Zeit zum Widerspruch. A: Schweigen als Zustimmung ist eigentlich nicht möglich, wenn dies nicht vereinbart wurde. ? Wodurch  unterscheidet  sich  eine  Vollmacht  von  der  Verfügungsbefugnis  und  wo  kommt  diese vor? A:  Vertretungsbefugnis:  Macht  im  fremden  Namen  für  die  vertretene  Person  zu  handeln.  Ohne die Vertretungsbefugnis gelten die Regeln zur falsus procuratio. Vollmacht  die  die  rechtsgeschäftlich  eingeräumte  Vertretungsbefugnis  oder  die  entsprechende Urkunde, die diese erklärt. Eine  sehr  alte  Frau  bestellt  zwanghaft  Waren  im  Versandhaus,  was  kann  dagegen  getan werden? Variante: Sie hat eine Sachwalterin. A:  Vorfrage:   War  die  Frau  noch  geschäftsfähig?  Es  kann   eine  Sachwalterin  bestellt  werden, wenn  die  Frau  nicht  mehr  voll  geschäftsfähig  ist  und  keine  Vorsorgevollmacht  vorliegt.  Die Sachwalterin  wird  vom  Gericht  bestellt  und  kann  einzelne  oder  alle  Bereiche  der Geschäftsführung  übernehmen.  In  den Bereichen in denen in denen die Sachwalterin  bestellt ist, ist  die  Geschäftsfähigkeit  eingeschränkt.  Möglich  ist  auch  eine   Vertretung  durch  nahe Angehörige. War  sie  nicht  mehr   geschäftsfähig,  sind  die  geschlossenen  Verträge ungültig.  Es  kommt  dann zur  bereicherungsrechtlichen  Rückabwicklung, wobei Geschäftunfähige nur herausgeben muss, was die noch hat oder zu ihrem Vorteil verwendet wurde. Können Formalfehler geheilt werden? A: Rechtsgeschäfte mit Formmängeln lassen bloße Naturalobligationen entstehen, welche durch Erfüllung “heilen” können. Was ist die dingliche Wirkung der Irrtumsanfechtung? A:  Anfechtung  wegen  Irrtums hebt  einen  Vertrag  sachenrechtlich  ex  tunc,  also  rückwirkend  auf. Eigentum  geht daher  nie  über,  weshalb es per Leistungskonditkion oder mit der Eigentumsklage rei vindicatio herausgefordert werden. Was ist der Zugang von Willenserklärung? Wann gilt ein Mail als zugegangen? A:  Zugang  ist  das  Erreichen  der  Sphäre  der  Empfängerin.  Eine  Willenserklärung  gilt  als zugegangen,  wenn die  Möglichkeit  besteht,  sie  zu  erfahren.  Im  Falle  der  Mail  wohl ab Erreichen der Mailbox.

Was sind natürliche Rechtsgrundsätze? Beispiel? A:  Wenn  die  Bestimmung  von Normen  durch  Analogie  oder  Auslegung  nicht  ausreicht,  wird  als
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ultima  ratio  die  Auslegung  durch  die  “natürlichen  Rechtsgrundsätze”  vorgenommen  (§7).  Dies sind   die   allgemeinsten  Wertprinzipien  unserer  Rechtsordnung.  Ein  Beispiel  ist,  dass  durch Arglist keine Vorteile entstehen sollen. Was sind gemischte Verträge? A:  Beispielsweise  ein  Werklieferungsvertrag,  welcher  eine  Mischung  aus  Kauf  und  Werkvertrag ist.  Im  Zweifel  gilt   dabei  ein  Kaufvertrag.  Es  sind  nach  der  Absorbtionstheorie  jene  Regeln anzuwenden, denen der Vertrag eher entspricht. Was sind die “Freizeichnungsklauseln” des KSchG? A:  Dies  ist  eine  Vereinbarung  einer eingeschränkten  Haftung  für  Schäden  und  nach  §6  KSchG nicht zulässig. Was ist die clausula rebus sic stantibus? A:  Ist  die  "Bestimmung  der  gleich  bleibenden  Umstände",   welche  nach  herrschender  Meinung ohnehin  Teil aller  Verträge  ist. Sie  ist  eng  verwandt  mit  der  Anfechtung  aufgrund  des  Wegfalles der Geschäftsgrundlage. Was ist ein gesetzlicher Vertragübergang? A:  Ein  ex  lege Vertragsübergang gibt es beispielsweise  im Mietrecht bei Unternehmensübergang oder  beim   Tod  einer  Mieterin.  Dabei  können  bestimmte  Angehörige  in  das  Mietverhältnis eintreten. Was ist Wegfall der Geschäftsgrundlage, was ist Motivirrtum? A:  Motivirrtum  ist  eine  faktische   Vorstellung  oder  Erwartung  in  der  eigenen  Sphäre  und  nur beachtlich,  wenn  es  ausdrücklich  zum  Geschäftsinhalt  erhoben wurde  oder  bei  unentgeltlichen Geschäften, bzw. dolosen Hervorrufung durch die Vertragpartnerin (List). Geschäftsgrundlage  ist  die  Vorstellung  der  Geschäftspartnerinnen  von  vorherrschenden   oder geschäftstypischen Umständen  zum Zeitpunkt  des  Vertragsschlusses.  Analog  zum  Irrtum kann bei deren unverschuldetem Wegfall der Vertrag angefochten oder angepasst werden. Eine  Trafikantin  verkauft  einer  10­Jährigen  Feuerwerkskörper,  was  dem  oberösterreichischen Jugendschutzgesetz widerspricht. Was ist die Rechtslage? A:  Ob  das  Rechtsgeschäft  gültig  ist,  hängt  davon  ab,  ob  der  Schutzzweck  der  Norm  die Ungültigkeit  des Geschäftes gem §879 bewirken will, was hier der Fall  sein kann. Die Leistungen können dann bereicherungsrechtlich zurückgefordert werden. A  sieht  ein  Buch  in  der  Auslage  “10  Jahre  jünger  in  30  Tagen”,  kauft  es  und  will  es  dann  nach einiger Zeit ohne wirkung enttäuscht zurückgeben. Ist das möglich? A:  Nein,  da   die   Aussage  nicht  als  Versprechen  über  die  Wirksamkeit,  sondern  als Werbeaussage  getätigt  wurde  und  ihr  so  weniger  inhaltliche  Bedeutung  zukommt. Es liegt wohl ein Motivirrtum vor, der nicht beachtlich ist.
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Die   Firma  A  betreibt  einen  Filmverleih  in  Österreich,  der  die  alleinigen  Verwertungsrechte  für große  Filme  verkauft.  Ein  kleines  Kino  will diese  erwerben,  die  Firma  A  lehnt  ab,  da sie  nur  an große  Kinos  verleihen will. Ist  das zulässig?  Variante:  Das  kleine  Kino  bezog schon regelmäßig Filme, es gab aber Probleme mit der Abrechnung. Ändert das etwas? A:  Normalerweise  gilt  Privatautonomie,  was  auch  beinhaltet,  keinen  Vertrag  schließen  zu müssen.  Aufgrund  der  Monopolstellung  des  Verleihs,  sind   sie  allerdings  dazu  gezwungen  zu gewöhnlichen  Konditionen  einen  Vertrag  zu  schließen.  Der  Vertragsschluss  kann  aus sachlichen  Gründen  aber  unterbleiben,  was  bei  bloßen Zahlungsproblemen  wohl  noch  nicht der Fall sein wird. V  will  K  ein  Vertragsangebot  machen,  trifft  aber  nur  die  Sekretärin  an,  die  verspricht,  das Angebot  weiterzuleiten.  Sie  erzählt  K  aber  das  Angebot  nur  unvollständig,  K  schickt  am nächsten Tag ein Fax mit “Ich nehme das Angebot an” an die V. A:  Frage  ist,  welche  Rolle  die Sekretärin hat? Ist sie Botin? Wem ist sie zuzurechnen? Oder fällt sie in die Sphäre der K und es ist daher ihr zuzurechnen? In   Wien  gibt  es  sogenannte  “wilde  Marktstände”,  die  ohne  Genehmigung des  Magistrates  und entsprechende  Erlaubnis  diverse  Sachen  verkaufen.  Ist  der  Kauf  von  einem  solchen  Stand unwirksam? A:  Nein.  Es  ist  auf  den  Schutzzweck  der  Norm  abzustellen,  welcher  hier  nicht  in  der Nichtigkeit des Vertrages liegt. Daher ist der Vertrag ansich wirksam, §879 wird hier restriktiv ausgelegt. Was ist der Unterschied zwischen Außenvollmacht und Innenvollmacht? A:  Der  Unterschied  liegt  darin,  wem  gegenüber  die  Vollmacht  erklärt  wurde.  Außenvollmacht wurde gegenüber Dritten, die Innenvollmacht nur im Innenverhältnis erklärt. Sind Vollmachten formpflichtig? A: Nein. Die   17jährige  A  schließt  einen  Vertrag  2  Wochen  vor  ihrem  Geburtstag,  die  Erfüllung  soll erst nach   Volljährigkeit  eintreten.  Zum  Erfüllungszeitpunkt  verweigert  die  nun  18­Jährige  A  die Erfüllung. Wie ist die Rechtslage? A:  Es  ist  auf  den  Zeitpunkt  des  Vertragsschlusses  abzustellen.  Pacta  sunt  servanda,  A  muss den Vertrag erfüllen. Ist der Kauf eines Religionsbekenntnisses möglich? A:  Dies  ist  wohl  sittenwidrig  und  damit  nach  §879  nicht  erlaubt.  Außerdem  stellt  ein  Bekenntnis ansich keine “Sache” dar und kann daher ev. nicht gekauft werden. Ist ein wucherisches Geschäft immer nichtig? A:  Wucher   ist   die   Ausbeutung  von  Leichtsinn,  Zwangslage,   Unerfahrenheit,  etc.  durch Versprechen  einer  Leistung  im  krassen  Missverhältnis  (§879/2/4).  Die   Vereinbarung  ist  relativ nichtig, d.h. nur bei Geltendmachung der entreicherten Person.
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Was ist die Einrede des nicht erfüllten Vertrages? A:  Wird  eine  Sache   nicht  oder  nicht  gehörig  angeboten,  hat  die  Gläubigerin  gem  §1052   ein Zurückbehaltungsrecht  an  ihrer  Leistung  aus  dem  Vertrag.  Sie  muss  erst  bei  der  Leistung  der Vertragspartnerin  leisten.  Wurde  eine  mangelhafte   Sache  geleistet  steht  das Zurückbehaltungsrecht  nur  dann  zu,  wenn   Verbesserung  gefordert  wurde.  Im  KSchG  ist  das Zurückbehaltungsrecht zwingen. Ist ein Motivirrtum beim entgeltlichen Geschäft immer anfechtbar? A:  Motivirrtümer  sind  nicht  beachtlich, es sei denn sie wurden zum Geschäftsinhalt erhoben. Nur bei Schenkungen und letztwilligen Verfügungen sind sie immer beachtlich. Bauvertrag  zwischen  Bauherrin  und  Baumeisterin  mit  einer Klausel, nach der Vertragsänderung der Schriftform bedürfen. Später wird mündlich die Lieferung am Tag X vereinbart. Gültig? A:  Formvorschriften  können  gemeinsam  vereinbart  werden,  es  kann   aber  auch  jederzeit einvernehmlich und stillschweigend von ihnen abgewichen werden. Was ist der Unterschied zwischen Notariatsakt und notarieller Beglaubigung? A:  Beglaubigung  ist  eine  bloße  Bestätigung  der  Urkunde.  Beim  Notariatsakt  klärt  eine  Notarin über die Rechtsfolgen auf. Wie funktioniert eine Schenkung? Gibt es eine Formpflicht? Sind Motivirrtümer beachtlich? A:  Schenkung  ist  ein  unentgeltlicher  zweiseitiger  Vertrag,  welcher  eine  tatsächliche  Übergabe oder  einen  Notariatsakt  zu seiner  Gültigkeit  bedarf. Motivirrtümer sind jedenfalls bachtlich, da die Schenkerin  als  schützenswürdiger  gilt.  Die  Schenkung  kann  auch  wegen  grobem  Undank angefochten werden oder bei Bedürftigkeit die Zinsen gefordert werden. A  kauft  Marmelade im  Supermarkt,  die  Kassiererin  hat  die  Ware schon gescannt, A findet aber die Marmelade zu teuer. Kann sie zurücktreten? A:  Ausstellen  der  Ware  ist  noch  kein  Angebot  sondern  nur  eine  Aufforderung  zum  Stellen  des Angebotes.  Das  Angebot  wird  mit  der  Übergabe   an  die  Kassiererin  gestellt  und  von  ihr konkludent  durch  einscannen  angenommen.  Ein  Wertirrtum  ist  ein  Motivirrtum  und  daher eigentlich nicht beachtlich. Was ist die Verkehrssitte bei Vertragsauslegung? A:  Verkehrssitte  ist  bei  der  Vertragsauslegung  heranzuziehen  um  unklare  Punkte  zu  klären.  So kann   beispielsweise  nach  der  Verkehrssitte  Schweigen  ausnahmsweise  doch  als  Zustimmung gelten. Was ist der Unterschied zwischen §914 und §915? A:  Bei   §914  wird  eine  Willenserklärung/Vertragsbestimmung  so  ausgelegt  wie  es  für  beide Vertragsparteien  am  wenigsten  schmerzhaft  ist  (also,  wie  es  dem  redlichem  Verkehr entspricht),  bei  §915 wird  quasi  einseitig  angepasst.  Entweder die geringere Last bei einseitigen Verträgen  wie  Schenkungen  oder  bei  zweiseitigen  zum  Nachteil  der  Person,  die  sich  der
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undeutlichen Regelung bedient hat. Was ist der Verhältnis von guter Sitte zur Verkehrssitte? A:  Verstoß  gegen  gute  Sitten  führt  zu  Nichtigkeit  nach  §879,  Verkehrssitten werden  verwendet um Verträge bei Unternehmergeschäften anzupassen/auszulegen. A  hat  von  B eine Vollmacht erteilt bekommen und möchte ein Geschäft im Namen der B mit der C abschließen. Worauf soll C achten? A:  Auf  den  Umfang  der Außenvollmacht.  Ist  C  der  Umfang  der  Innenvollmacht  bekannt,  darf  sie nicht böswillig diese gemeinsam mit der Vertreterin B überschreiten (Kollusion). A  hat  ein  Handy  von  Betreiberin  B  gekauft  mit  dem  ausschließlichen  Zweck,  mit  seiner Frau  C zu telefonieren. Handy funktioniert aber nicht, da in der Wohnung von A kein Empfang ist. A:  Wurde  der  Willen  des  A  erklärt  und  zum  Geschäftsinhalt,  dann  ist  der  Motivirrtum  beachtlich und  es  kommt  eine  Irrtumsanfechtung  nach  §871  in  Frage,  da  der  Irrtum  durch  B  verursacht wurde. Was sind die Anwendungsfälle von Analogie? A:  Analogie  ist  die  Beseitigung  von  Regelungslücken  durch  Erstreckung  einer  eigentlich anzuwendenden Rechtsnorm auf die Lücke. Es gibt: ● Gesetzesanalogie: Einzelne Norm wird angewandt ● Rechtsanalogie: Mehrere Rechtssätze werden angewandt (z.B. Culpa in Contrahendo) ● Gesamtanalogie: Anwendung der natürlichen Rechtgrundsätze Kann  es  sein,  dass  eine  Person  einer  anderen   schadenersatzpflichtig  wird,  obwohl  sie  zum Zeitpunkt der Begehung nicht schuld­ oder deliktsfähig war? A:  Schadenersatz  setzt eigentlich  Verschulden  voraus  (Verschuldenshaftung),  es  kann  aber  zu einer  Haftung  von  deliktsunfähigen  Personen  kommen, der sogenannten Billigkeitshaftung (auch bei gerechtfertigten Eingriffen wie Notstand). Die Haftung entfällt also, wenn: ● Schädigerin das Unrecht erkennen konnte (gewisse Einsichtsfähigkeit) ● der Ersatzanspruch nach einem Vermögensvergleich gerechtfertigt erscheint ● die Schädigerin die Anwehr aus Rücksicht auf die Geschäftsunfähige unterlassen hat E  ist  Eigentümerin  eines  Grundstücks,  dessen  Wert  500.000€  beträgt.  Sie  verkauft  es  für 100.000€ an die B. Wie ist die Rechtslage? A:  Wenn  E  beim   Vertragsschluss  einen  Schenkungswillen  hatte,   liegt  eine  gemischte Schenkung  vor  und  der  Vertrag  ist  gültig,  wenn  die  Sache  schon  übergeben  wurde  oder  ein Notariatsakt  vollzogen  wurde.  Sonst  kommt  u.a.  das  Gestaltungsrecht  der  laesio  enormis  in Betracht,  da  das  Werteverhältnis  unter  1:2  liegt.  B  könnte  dann  entweder  auf  den  vollen  Wert aufzahlen,  oder  der  Vertrag  wird  aufgelöst  (Wahlschuld,  facultas  alternativa).  Ein  Verzicht  auf laesio  enormis   ist   nur  unter  Unternehmerinnen  zulässig.  Bei  Glücksverträgen  ist  sie  nicht anwendbar, außer im Sonderfall der Leibrente.
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Wie steht laesio enormis zum Irrtum? A:  Laesio  enormis  hat  eine  feste  Wertgrenze  und  dient  dem  Schutz  von  Übervorteilung.  Irrtum kennt  diese  Wertgrenze  nicht,  folgt  aber  strengeren  Regel  was  die  Beachtlichkeit  und Voraussetzungen betrifft. Beide Behelfe sind ein Gestaltungsrecht. Was ist der Unterschied zwischen Schein und Umgehungsgeschäft? A:  Ein  Scheingeschäft  ist  gem  §918  ein  Geschäft  zur  Deckung  eines anderen Geschäftes. Das Scheingeschäft  wirkt  wegen  mangeldem  Rechtsfolgewillen  der  Parteien  nicht,  das  versteckte Geschäft ist nach dem Gesetz zu beurteilen. Dritte dürfen auf das Scheingeschäft vertrauen. Ein  Umgehungsgeschäft  ist  die  Wahl  einer  unüblichen  Rechtsform  zur  Umgehung  bestimmter Normen. Diese sind aber dann analog anzuwenden. Werden Persönlichkeitsrechte im ABGB geschützt? A:  Persönlichkeitsrechte  sind  als  Teil  der  persönlichen  Individualität  besonders  geschützt.  Bei Gefahr  der  Beeinträchtigung steht ein Unterlassungsanspruch zu, bei Verletzung Schadenersatz und  verschuldensunabhängig  Beseitigung  der  Beeinträchtigung.  Geschützt  sind  beispielsweise Name, Ehre, körperliche Unversehrtheit, Freiheit, das Recht am eigenen Bild, etc. Was ist der Unterschied zwischen Grundrechten und Persönlichkeitsrechten? A:  Persönlichkeitsrechte  betreffen  das  Individuum,  Grundrechte  betreffen  alle  Menschen.  Die Normadressatin ist also verschieden. “Angenommen, ich verprügle sie jetzt, ist das eine Grundrechtsverletzung?” A:  Nein,  es  ist  eine  konkrete  Sachnormverletzung.  Jede  Person  hat  das  Recht auf  körperliche Unversehrtheit. Diese Norm wird verletzt, nicht die Rechtsordnung als solche. Warum  würden   sie  sich  im  Fall  der  letzten  Frage  an  ein  Zivilgericht  wenden  und  nicht  an  den VfGH? A: Weil eine Norm des Privatrechts verletzt wurde und kein öffentliches Recht. Was regelt §10/3 KSchG und wo ist der Unterschied zu §10/2 KSchG? A:  Absatz  2  regelt  ein Rücktrittsrecht im Falle der falsus procurator wenn die Verbraucherin grob fahrlässig  war.   Absatz  3  regelt,  dass  auch  formlose  Erklärungen  durch die Konsumentin  gültig sind   und   nicht  ausgeschlossen  werden  können.  Ersteres  schützt  Unternehmerin,  Zweiteres Konsumentin. Es   wird  eine  Urkunde  errichtet,  in  der  ein  Schreibfehler  geschieht.   Die  Partein  sind  aber unzweifelhaft von Kaufpreis 12.500€ ausgegangen. A:  Ein   Fall  des  natürlichen  Konsens,  der  über  dem  normativen  Konsens  steht.  Falsa demonstratio  non  nocet.  Beiden  Parteien  war  der  wahre  Inhalt  klar,  der  Vertrag  kommt  über diesen gültig zustande. Welche  Rechtsinstumente  gibt  es,  um  ein  Rechtsgeschäft   zu  retten?  Was  ist  Konversion,
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Vergleich und §914? A:  Konversion  ist  die  Umdeutung  eines Rechtsgeschäftes  welches ansich aufgrund von Fehlern ungültig   wäre,  aber  die  Umdeutung  dem  Parteiwillen  eher  näherkommt  als  die  Nichtigkeit,  wie beispielsweise bei der Nacherbschaft. Vergleich  ist  ein entgeltlicher Vertrag in dem strittige Punkte  unter beiderseitigem Nachgeben klar festgelegt werden. (Einseitiges Nachgeben wäre eine Anerkenntnis) §914 regelt die Vertragsauslegung bei Unklarheit und bestimmt, dass auf den Wortsinn, dann auf den  Parteiwillen  und  dann  auf  die  Verkehrssitte  zu  greifen  ist,  um  die  Bedeutung  einer  unklaren Norm zu erfassen. Was ist geltungserhaltende Reduktion? A:  Unwirksame  Klauseln  in  AGB  sind  durch  die  "geltungserhaltende  Reduktion"  auf  den  nach dem  hypothetischen  Parteiwillen  und  dem  Gesetz  zulässigen  Inhalt einzuschränken. Anders bei Verbraucherinnenverträgen,  wo  das  Transparenzgebot  des  §6/3  KSchG  gilt  und  besagt,  dass solche Klauseln rechtsunwirksam bleiben. Fall:  Es  werden  Post­its  bestellt  mit  100  Zetteln  pro  Block.  Da  A  damit  zufrieden  ist,  kauft  sie “120.000 Stück”, meint aber 120 Blöcke. Geliefert werden aber 120.000 Blöcke. Rechtslage? A:  Erste  Frage:  Ist  ein  Vertrag  zustande  gekommen?  Es  liegt  kein  natürlicher  Konsens vor, da sich  die  Erklärungen  objektiv  widersprechen.  Es  könnte  aber  normativer  Konsens  vorliegen. Dazu  ist  gem  §§914,915  die  Willenserklärung  auszulegen.  Da  es  im  Verkehr  üblich  ist, Post­it Blöcke  nicht  nach  Zetteln  zu  bestellen,  durfte  sich  die  Vertragspartnerin von A darauf verlassen, dass  A  120.000  Blöcke  meint.  Der  Vertrag  kommt  also  durch  normativen  Konsens  zustande. A kann  ihn  aber mit §871 Irrtum anfechten. A irrt sich in ihrer Erklärung, der Irrtum ist unwesentlich, da  A  den  Vertrag  zwar schließen  wollte,  dies  aber  unter  anderen  Umständen.  Es  kommt  daher maximal  Anpassung  in  Frage.  Erklärungsirrtümer  sind  wie  Geschäftsirrtümer   beachtlich,  der Vertrag  kann  also  angefochten  werden,  wenn  der  Irrtum  von  der  anderen  Partei  verursacht wurde,  auffallen  hätte  müssen,  oder  noch  keine  Vermögensdispositionen  darauf  getroffen wurden.  War  die  Bestellung  einer  so  großen  Zahl  sehr  ungewöhnlich,  hätte  der  Fehler  auffallen müssen, der Vertrag kann also angepasst werden. Was ist Redintegration? A:  Redintegration  ist  eine  Mindermeinung  im  Irrtumsrecht  nach   der  auch  dann  nach  §871 angefochten  werden  kann,  wenn  schon  Vermögensdispositionen  auf  den  Vertrag  getroffen wurden, diese aber ersetzt werden. Was ist der Unterschied zwischen “verschuldet” und “verursacht”? A:  Verschulden  ist  die  subjektive  Vorwerfbarkeit.  Sie  kann  durch   Schuldausschlussgründe wegfallen.  Verursachung  ist  die  Kausalität,  also  der  Zusammenhang zwischen Tun/Unterlassen und dem Ereignis (meist mit der condicitio sine qua non Formel zu lösen). Wie haften juristische Personen? A:  Juristische  Personen  können  nicht  selber  handeln  und  benötigen  daher  Organe,  die  dies  für sie  erledigen.  Organe  können  durch  ihr  Handeln  die  juristische  Person  direkt  berechtigen  und
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verpflichten.  Die  juristische  Person  haftet  über  §§1313a,1315  hinaus  für  das  Verhalten physischer  Personen,  die  in  ihrer  Organisation  eine  leitende  Stellung  einnehmen (Machthaberinnen). Die handelnde natürliche Person haftet darüber hinaus selbst deliktisch. A  bekommt  unaufgefordert  eine  Sache  zugeschickt   mit   der  Aufforderung,  diese  bei  dem Wunsch sie nicht zu kaufen wieder zurückzusenden. A antwortet nicht. Muss sie zahlen? A:  Die  Zusendung  stellt  ein  Realangebot  dar  und  dies  ist  gem  §864/2 nicht  mit  stiller  Annahme möglich.  A  darf  die  Sache  gebrauchen,  vernichten  oder  aufheben.  Es  sind  keine  Ansprüche daraus  ableitbar.  Anderes  gilt,  wenn  sich  die  Zustellung   offensichtlich  geirrt  hat,  dann  muss  A zumindest darüber aufklären. In den AGB steht, dass “Alles was an Mitteilungen geschickt wird, als zuergangen gilt.” A: Diese Zugangsfiktion ist nicht zulässig und wird daher nicht Teil des Vertrages. Die mündige Minderjährige A erhält ein Sparbuch geschenkt. A:  Ein   Versprechen  zum  bloßen  Vorteil  kann  A  selbst  annehmen.  Die  Schenkung  erfordert Übergabe oder einen Notariatsakt. Ab wann hat ein Angebot Bindungswirkung? A:  Ab  Zugang  an  die  fragliche  Person  hat  ein  Angebot  Bindungswirkung.  Zuergangen  ist  ein Angebot,  wenn  es  in  die  Sphäre  der  Person  gelangt  und  sie  davon  wissen  kann.  Unter Anwesenden  ist  dies  sofort  zu  beantworten.  Unter  Abwesenden  wird  Bedenkzeit  und  Postweg eingerechnet.  Der  Widerruf  des  Angebots  kann,  wenn  das  Angebot  noch  nicht  zur  Kenntnis genommen wurde erklärt werden (z.B. Telefonat bevor der fragliche Brief gelesen wurde). A  und  B  streiten  sich  über  eine  unklare  Schuld.  A  meint  es  wären  17.000, B meint eher 10.000. Sie einigen sich auf 12.500. Was ist das für ein Rechtsgeschäft? A:  Dies  ist  ein  Vergleich,  bei  dem  beide  ein  Zugeständnis   machen  und  die  neue  Schuld anerkannt wird. Was ist der Unterschied zwischen Präklusion und Verjährung? A:  Präklusion  ist  der   Zerfall  eines  Rechtes  nach  Zeitablauf.  Bei  der  Verjährung  fällt  durch Zeitablauf die Klagbarkeit weg, es bleibt eine Naturalobligation. Was ist eine mittelbare Stellvertreterin? A:  Mittelbare  Stellvertretung  liegt  vor,  wenn  die  Stellvertreterin   nicht  direkt  für  die  vertretene Person   tätig  wird,   sondern  indirekt.  A  kauft  von  B  und  verkauft  dann  an  die  C  weiter.  A  ist mittelbare Stellvertreterin von C.

Schuldrecht
Was sind Dauerschuldverhältnisse?
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A:  Dauerschuldverhältnisse  sind  im  Gegensatz  zu  Zielschuldverhältnissen  solche,  die  eine Verpflichtung über längere Zeit auferlegen  und  durch Erfüllung nicht erlöschen. Sie können durch Zeitablauf oder Kündigung (ordentliche, außerordentliche) enden. Beispiel sind Miete und Pacht. Was ist Preisgefahr? Was ist Leistungsgefahr? A:  Preisgefahr  regelt,  wer  den  Schaden  aus  dem  zufälligen  Untergang  der  Sache  tragen muss, wenn  eine  Speziesschuld  (oder  bereits  konzentrierte  Gattungsschuld)  vorliegt.  Vor  der bedungenen  (nicht  tatsächlichen!)  Übergabe  trifft  sie  die  Schuldnerin,  danach  die   Gläubigerin. Bei  Gattungsschulden wird  dies Leistungsgefahr  genannt,  da  beim  Untergang  einer  Sache  eine andere Sache zu leisten ist (genus non perit, eine Gattung geht nicht unter). Was ist Rechtsbesitz? A:  Der  Besitz  eines  Rechtes.  Rechtsbesitzerin  hat  eine  Sache   für  sich,  die  sie  aber  nicht  für sich  haben  will.  Rechtsbesitzerinnen  genießen  analog  zu  Sachbesitzerinnen  Besitzschutz. Beispiele: Miete, Pacht,... Wie entstehen Solidarschulden? A:  Solidarschuld  ist  das  gemeinsame  und  gleichzeitige  Einstehen­Müssen  für  eine Schuld  und wird  auch  Gesamtschuld genannt (§891). Die Gläubigerin kann die Schuld von jeder Schuldnerin fordern.  Diese  kann  sich  wiederum  bei  den  anderen  Schuldnerinnen  regressieren.  Im  Zweifel tragen   alle  die  Schuld  zu  gleichen  Teilen.   Eine   Solidarschuld  entsteht  ex  lege  durch gemeinsame  Schuld  einer  unteilbaren  Leistung  oder  bei  gemeinsamer  vorsätzlicher Schädigung. Sie kann auch durch ein Rechtsgeschäft vereinbart werden. Wann und wie entstehen Teilschulden? A:  Teilschulden  entstehen  durch  das  Schulden  mehrerer  einer  teilbaren  Leistung  (§889).  Jede muss  ihren  Anteil  leisten,  der  sich  nach  internen  Verhältnissen  richtet.  In  dubio  ist  der  Anteil gleich groß. Wie ist die Gefahrtragung beim Versendungskauf? A:  Versendungskauf ist ein Kauf  bei  dem  die  Ware  geschickt werden muss, es handelt sich um eine  Schickschuld.  Gefahr  und  Eigentum  gehen  schon  mit  Übergabe  an  das Transportunternehmen  über,  wenn  dem  Versenden  (auch  konkludent)  zugestimmt  wurde.  Die Zustimmung wird für die üblichen Transportunternehmen vermutet. Wo steht die culpa in contrahendo im ABGB? A:  Die  culpa  in  contrahendo  steht  nicht  im  ABGB,  sie  ist  eine  Gesamtanalogie.  Bei  Aufnahme rechtsgeschäftliches  Kontakts,  also  der  Anbahnung  entstehen  schon  Rechte  und  Pflichten,  v.a. Schutz  und  Aufklärungspflichten.  Cic  ist  eine  Analogie   auf  die  vertragsrechtliche  Haftung  im Schadenersatz. A  tritt  B  eine  Forderung  ab.  Weil  diese  noch  nicht  fällig  ist,   kann  B  sie  nicht  kassieren. Rechtslage?
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A:  Die  Übertragung  einer  Forderung  wird  Zession  genannt.  Sie  ist  formlos   und  die Drittschuldnerin  muss  dafür  nicht  unbedingt  verständigt  werden. Gehaftet wird für das Bestehen der  Schuld   (“Richtigkeit”)  und  für  die  Einbringlichkeit  jeweils  im  Zeitpunkt  der  Übertragung  oder der  Fälligkeit  (je   nachdem  was  später  ist).  Die  Fälligkeit  ist  nicht  Teil  der  Haftung,  wenn  nicht ausdrücklich zugesichert. A  benötigt  für  die  Unternehmensgründung  5  Millionen.  A  geht  daher  mit  ihrer  Mutter,  die Taxifahrerin  ist  zur  Bank.  Die  Bankangestellte  drängt  die  Mutter  zur   Verpflichtung  als Mitschuldnerin. Als A zahlungsunfähig wird, wendet sich die Bank an die Mutter. Rechtslage? A:  Hier  wird  die  Mutter  zu  einer  Haftung  als  “Bürgin  und  Zahlerin”  gedrängt.  ABGB  und  KSchG beschränken  aber  die  Zulässigkeit  im  Fall  familiären  Drucks.  Die  Bank  hat   weitreichende Informationspflichten  über  die  Vermögensverhältnisse  und  das  entstehende  Risiko.  Wurde  dies nicht  eingehalten  und  hätte  die  Mutter  der  A  dem  mit  ausreichend  Wissen  nicht zugestimmt, ist die  Haftung  nichtig.  Weiters  besteht  keine  Haftung,  wenn   analog  zum  Wucher  die  Bürgschaft aufgrund  familiären  Drucks  unter  zu  hohem  Eigenrisiko  abgeschlossen  wurde.  Es  besteht außerdem ein richterliches Mäßigungsrecht nach §25d KSchG. Was ist der “Vorteilsausgleich”? A:  Schadenersatz  soll  nur  den  erlittenen  Nachteil  ausgleichen,  nicht  aber  einen  Vorteil  bringen. Dieses  Problem  könnte  sich  aber  bei  der  subjektiven  Schadensberechnung  stellen.  Leistungen Dritter  sollen  die  Schädigerin  nicht  entlasten,  daher  kommt  es  zur  Legalzession der  Forderung gegen  die  Schädigerin  an  zB  die  leistende  Versicherung  der  Geschädigten.  (=verhinderter Vorteilsausgleich) A  schuldet  B  1.000€ kann aber in Fälligkeitszeitpunkt nicht zahlen. Daraufhin sagt A zu B: “Dann zahlst du eben später.” Was für eine Auswirkung hat das? A:  Es  liegt  hier  eine  Stundung, also  Aufschiebung  der  Fälligkeit  oder  Eintreibung  vor.  Im  Zweifel wird dabei nur die Eintreibung der Schuld verschoben, also eine “reine Stundung” vereinbart. Ist ein Schuldbeitritt formpflichtig? A: In Analogie zur Bürgschaft ist hier Schriftform erforderlich.

Was ist Legalzession, was notwendige Zession? A:  Legalzession  ist  der  ex  lege  Übergang  einer  Forderung  an  die  leistende  Person  (Bürgin oder Drittpfandbestellerin  bei  §1358;  Versicherung  bei  §332  ASVG  oder  §67  VersG)  inklusive  der Sicherungsrechte. Notwendige  Zession  (=Einlösung)  ist  das Bezahlen  einer  fremden  Schuld,  für  die  nicht  gehaftet wird,  wobei  bei  der  Bezahlung  die  Abtretung   der  Forderung  gem  §1422  oder  §1042  gefordert werden kann. Was ist anfängliche Unmöglichkeit? A:  Anfängliche  Unmöglichkeit  ist  ein  Wurzelmangel,  bei  dem  die  Erbringung  schon  beim
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Geschäftsabschluss  entweder  absolut  oder  schlicht  unmöglich  ist (§878). Absolut unmöglich ist rechtliche  Unmöglichkeit  (z.B.  Stockwerkseigentum)  oder  faktisch  Absurdes.  Es   kommt   dann zur  absoluten  Nichtigkeit  des  Rechtsgeschäftes.  Wer  die  absolute  Unmöglichkeit  kannte  oder kennen  musste  haftet  für  den  Vertrauensschaden.  Schlichte  anfängliche  Unmöglichkeit:  Dabei ist  die  Leistung  nicht  vollständig,  sondern  meist  bloß  subjektiv,  also  der  Schuldnerin  unmöglich (“Unvermögen”).  Dabei  kommt  das  Geschäft  zwar  gültig  zustande,  aber  nach  hM  steht Erfüllungsinteresse  bei  Verschulden  zu.  Anderer  Meinung  nach  steht  Rücktritt  und  bei Verschulden  auch  Ersatz  des  Vertrauensschadens  zu.  Als  Mittelweg  ist  der  Einzelfall  zu überprüfen,  ob  die  Leistung  garantiert   wurde  (dann  Erfüllungsinteresse)  oder  bloß  zugesagt wurde (dann Vertrauensschaden). A tritt eine Forderung an die Bank ab, die Forderung besteht aber gar nicht mehr. A:  Bei  entgeltlichen  Zessionen  wird für Richtigkeit und Einbringlichkeit im Zeitpunkt der Übergabe gehaftet, was hier also zur Gewährleistung führen könnte. Was ist “kausale Tradition”? A:  Kausale  Tradition  ist  das in  Österreich  gültige  Prinzip.  nach  dem  ein  Verfügungsgeschäft  für seine  Gültigkeit  ein  Verpflichtungsgeschäft  benötigt.  Ohne  dieses  wäre  es  abstrakt  (was  ist Deutschland beispielsweise erlaubt wäre). Kauf  einer  Speziesschuld,  Gläubigerin  kommt  nicht,  Schuldnerin  kommt  ebenfalls  nicht. Vereinbart war eine Bringschuld. Die Sache geht unter. Rechtslage? A:  Wird  eine  Sache   nicht  gehörig  angeboten,  kann  sie  auch  nicht  angenommen  werden.  Es kommt  daher  zum  Schuldnerinnenverzug,  der zufällige Untergang trifft die Schuldnerin, die dann die Preisgefahr trägt. Eine  Fabrikantin  benötigt  zur  Herstellung  einer  Ware   Lieferungen  von  L1 und  L2.  Beide  liefern aber nicht. Wer haftet? A:  Es  handelt   sich  hierbei  um  einen  Fall  von  kummulativer  Kausalität,  bei  dem  beide Schädigerinnen  jeweils  alleine  kausal  für  den   Schaden  sind,  aber  die  condictio  sine  qua  non Formel  zu   keiner  Haftung  führt.  Es kommt dann  zur  solidarischen  Haftung,  die  Schädigerinnen können intern Regressansprüche geltend machen. Was sind Schutzmaßnahmen für Gläubigerinnen, welche gibt es? A:  Es  gibt  einige Methoden, wie sich Schuldnerinnen zusätzliche Sicherheiten besorgen können, wie   Pfand,  Sicherungsübereignungen,  Schuldbeitritt,  Bürgschaft,  etc.  Es  gibt  aber  auch  die sogenannte  Gläubigerinnenanfechtung  bei  der  nachteilige  Verfügungen  der  Schuldnerin  über ihren  Haftungsfonds  durch  die  Gläubigerin  angefochten  werden  können  gem  AnfO.  Bei erfolgreicher  Anfechtung  ist  das  Verfügungsgeschäft  gegenüber  der  Gläubigerin  unwirksam. Ähnliches  ist  die  Nachlassseperation,  bei  der  ein  bereits  einverleibtes  Erbe gerichtlich  verwahrt wird,  wenn   die   Gefahr  besteht,  dass  Erbin  den   Haftungsfonds  verringert.  Die  Gläubigerinnen können sich dann (nur!) aus dem separierten Nachlass befriedigen. Was ist eine Garantie, was ist ist Gewährleistung?
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A:  Es  gibt   zwei   Formen  von  Garantie.  Den  Garantievertrag  des  ABGB,  der   ähnlich  einer Bürgschaft  eine  Ausfallshaftung  für  den  Nichteintritt  eines  Erfolges  ist.  Es  gibt  aber  auch  die rechtsgeschäftliche  Garantie,  welche  meist  eine  Produzentin  per  konkludent­zugestimmtem Vertrag  mit  der  Konsumentin  schließt  und  eine  Haftung  für   das  Funktionieren  des  Produktes darstellt. Umfang richtet sich dabei nach dem Vertrag. Gewährleistung  ist  das  verschuldensunabhängige   Einstehen­müssen  bei  entgeltlichen Geschäften  für  Mängel  an  der  Sache,  §§922ff.  Voraussetzung  ist,  dass  der  Mangel  bei   der Übergabe  schon  vorhanden  war,  und  die  Gewährleistung  nicht  ausgeschlossen  war  (nicht möglich  im   KSchG).  Es  stehen  dann  Zugriffe  auf  die  primären  Behelfe  (Austausch, Verbesserung)  oder  falls  der  Mangel  nicht  bloß  geringfügig  war  und  die  primären  Behelfe  nicht möglich  sind  die  sekundären  Behelfe  (Preisminderung,  Wandlung)  zu.  Die  Frist  ist  bei beweglichen  Sachen  2  Jahre,  bei  unbeweglichen  Sachen  3  Jahre  und  bei  nicht  erkennbaren Rechtsmängeln  beginnt  der  Fristenlauf  erst  ab  Erkennbarkeit.   Es  gilt  eine  Beweisumkehr  6 Monate nach Übergabe. Was ist die Einrede des nicht erfüllten Vertrages? A:  Das   ist   eine  Einrede  mit  der  die  eigene  Leistung  zurückgehalten  werden  kann,  wenn  die geschuldete Sache nicht oder nicht gehörig angeboten wurde und daher Verzug besteht. Was ist ein Zessionsverbot? Wie wirkt es? A:  Zessionsverbot   ist   das  rechtsgeschäftlich  vereinbarte  Verbot  der  Abtretung  eines  Rechtes aus  dem  Vertrag.  Es  kann  zwischen  Unternehmerinnen  nur  vereinbart  werden,  wenn  es  nicht gröblich   benachteiligend wirkt  und  gilt  auch  dann  nur  relativ,  sodass  eine  Abtretung  möglich  ist, aber  Schadenersatzpflichten  aus  Vertragsverletzung  auslöst.  Sonst  kann  das  Zessionsverbot gültig und auch absolut gültig vereinbart werden. Was ist der Unterschied zwischen Kündigungsfrist und Kündigungstermin? A:  Kündigungstermin  ist  ein  bestimmter  Tag,  zu  dem  gekündigt  werden  kann,  typischerweise Dauerschuldverhältnisse  wie  Dienstverträge  oder  Mietverträge.  Kündigungsfrist  ist  jener Zeitabschnitt, der der Kündigung bis zum tatsächlichen Ende des Vertragsverhältnisses folgt. Gibt es bei Bürgschaft eine Formvorschrift? A:  Bürgschaft   ist   das  Einstehen­müssen  für  die  Schuld  einer  anderen  Person.  Je  nach Ausgestaltung  erst  bei  Ausfall  oder  sogar  solidarisch  für die Schuldnerin. Eine Bürgschaft ist ein Vertrag  zwischen  Bürgin  und  Gläubigerin,  oft  nach  Auftrag  der  Schuldnerin.  Die  Bürgschaft  ist akzessorisch und benötigt zum Übereilungsschutz die Schriftform. Was ist eine Sicherungszession? A:  Das   ist   die   Übereignung  einer  Forderung  zur  Sicherung  einer  Schuld,  ähnlich  der Sicherungsübereignung.  Es  liegt  dann  eine  eigennützige  Treuhand  vor.  Publizität   wird  durch Eintragung im  Grundbuch oder  die  Verständigung  der Drittschuldnerin hergestellt. Es erwirbt die Forderung nur, wer sie zuerst übertragen erhält.
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Was ist Konzentration? A:  Die  Fähigkeit  wirklich  zu  lernen...  Oder  aber  die  Aussonderung,  bzw.   das  Auswählen  einer Sache   aus  einer  Gattung  zur  Erfüllung  der  Schuld.  Es  wird  dabei  die  Gattungsschuld  zur Speziesschuld, was für die nachträgliche Unmöglichkeit wichtig ist. A kauft Möbel, es wird sonst nicht vereinbart. Muss A die Möbel abholen? A:  Grundsätzlich   gilt,  wenn  nichts  anderes  vereinbart  wurde  eine  Holschuld,  A  muss  sie  also abholen. Wann kann eine Gläubigerin ohne Mahnung oder Nachfrist zurücktreten? A:  Bei   einem  Fixgeschäft  oder  wenn  die  Schuldnerin  klar  macht,  dass  keine  Leistung  mehr folgen wird. Wann ist eine Leistung fällig? Was bedeutet das? A:  Fälligkeit  ist  Vereinbarungssache,  sonst  muss  umgehend  geleistet  werden. Fälligkeit  ist  der Zeitpunkt  des  Leisten­müssens  und  des  Gefahrenübergangs  sofern  die  Leistung  zumindest gehörig angeboten wird. Ist die Zession formpflichtig? A:  Nein,  es  sei  denn  es  wurde vereinbart, oder aber das Grundgeschäft verlangt eine bestimmte Form (z.B. Schenkung einer Zession durch Notariatsakt). Was ist der Unterschied zwischen Gattungsschuld und Speziesschuld? A:  Gattungsschuld  ist  das  Schulden  aus  einer  nach  allgemeinen  Merkmalen  bestimmbaren Gruppe  an  Sachen.  Speziesschuld  ist  das  Schulden  einer  bestimmten,  nach  individuellen Kriterien  unterscheidbaren  Sache.  Die  Unterscheidung  ist  für   den  Fall  des  Unterganges  der Sache relevant. Was passiert bei verschuldetem Verzug? A:  Verschuldeter  Schuldnerinnenverzug  führt  zu   Schadenersatzansprüchen  und  Anspruch  auf das  Erfüllungsinteresse  beim  Vertragsrücktritt,  oder  auf  das  Verspätungsinteresse  beim Festhalten  am  Vertrag.  Beim  Untergang der Sache im verschuldeten Verzug handelt es sich um nachträgliche Unmöglichkeit mit Anspruch auf das Erfüllungsinteresse. Ist eine Verwahrerin Rechtsbesitzerin? A:  Nein,  bei  einem  Verwahrungsvertrag  besteht  nur  Sachbesitz,  da  die  Sache  nicht  gebraucht werden  darf.  Wird sie doch gebraucht, entsteht eine Casus­Mixtus Haftung für zufällige Schäden an  der  Sache  die  ohne  den  ungerechtfertigten  Gebrauch  nicht  entstanden  wären.  Eine Entleiherin ist schon Rechtsbesitzerin. Was ist das Erfüllungsinteresse, was das Vertrauensinteresse? A:  Erfüllungsinteresse  ist  der  Vorteil,  der  bei  ordnungsgemäßer  Erfüllung  des  Vertrages bestanden  hätte.  Das  Erfüllungsinteresse  gebührt  bei  Verletzung  einer  vertraglichen
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Leistungspflicht. Die Gläubigerin ist so zu stellen, wie sie bei erfülltem Vertrag gestanden wäre. Vertrauensinteresse  sind  Ausgaben  sie  im  Vertrauen  auf  einem gültigen Vertrag getätigt wurden und  gebühren  beispielsweise  bei  einem  anfänglich  unmöglichen  Vertrag  und  Wissen  der Vertragspartnerin um die Unmöglichkeit. Was ist schlichte Unmöglichkeit? A:  Dabei  handelt  es  sich  um  schlichte  anfängliche  Unmöglichkeit.  Anders  als  die  absolute Unmöglichkeit  (faktisch  absurd,  rechtlich  unmöglich)  handelt   es  sich  dabei  meist  eher  um persönliches  Unvermögen  als  um  faktische  Unmöglichkeit.  Das  Rechtsgeschäft  kommt zustande.  Wurde  bereits  etwas  geleistet,  ist  Gewährleistung  möglich,   sonst  wird bereicherungsrechtlich  Rückabgewickelt.  War  der  Schuldnerin  die  Unmöglichkeit  bekannt,  oder musste sie ihr bekannt sein haftet sie auf Schadenersatz für den Vertrauensschaden. Welche Leistungsstörungen kennen sie? A:  Leistungsstörungen  sind  nicht  gehörige  Erfüllungen  eines  gültigen  Rechtsverhältnisses. Darunter fallen Mängel, Verzug und nachträgliche Unmöglichkeit. Welche Unmöglichkeitsfälle gibt es? A: Es gibt anfängliche schlichte, anfängliche absolute und nachträgliche Unmöglichkeit. Schlichte  anfängliche  Unmöglichkeit:  Leistung  ist  nur  der  konkreten  Partei  nicht  möglich.  Das Geschäft kommt zustande, gehaftet wird für den Vertrauensschaden. Absolute  anfängliche  Unmöglichkeit:  Leistung  ist  faktisch  absurd  oder  rechtlich  unmöglich.  Der Vertrag kommt gem §878 nicht zustande. Bereits geleistetes ist mit §1431 zurück zu fordern. Nachträgliche  Unmöglichkeit  kann  zufällig  entstehen,  dann  ist  es  eine  Frage  der Gefahrentragung.  Vor  bedungener  Fälligkeit  trifft  es  die  Verkäuferin,  danach  die  Käuferin. Verschuldet  die  Schuldnerin  die  Unmöglichkeit,  trägt  sie  die  Leistungsgefahr.  Die  Gläubigerin kann  den Differenzanspruch  verlangen.  Verschuldet  die Gläubigerin  die Unmöglichkeit muss sie das Entgelt leisten, erhält aber nichts dafür. Bei  Teilunmöglichkeit  ist  auf  den  hypothetischen  Parteiwillen  abzustellen  ob  am  Rest  des Vertrages  festgehalten  wird,  oder  ob  der  ganze  Vertrag  zerfällt  und  bereicherungsrechtlich rückabgewickelt wird (§1435). Was ist eine Kündigung? A:  Kündigung ist ein Gestaltungsrecht, also das Recht einseitig ein Vertragsverhältnis zu ändern, konkret  es  zu  beenden.  Kündigung  gibt  es  bei  Dauerschuldverhältnissen.  Oft  sind Kündigungsrechte  an Termine  und  Fristen  gebunden,  manchmal durch  das  Gesetz  beschränkt um die Vertragspartnerin zu schützen (Mieterinnenschutz, Arbeitnehmerinnenschutz...). Was regelt §862a? A:  §862a   regelt,  dass  Annahmeerklärungen  durch  Zugang  wirksam  werden.  Dies  wird  durch Rechtsanalogie auf alle anderen empfangsbedürftigen Willenserklärungen ausgedehnt. Wie kann ein befristetes oder unbefristetes Dauerschuldverhältnis aufgelöst werden?
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A:  Durch  außerordentliche  Kündigung  aus  wichtigtem  Grund  können  beide  Arten  der Dauerschuldverhältnisse  gekündigt  werden.  Wurde es vereinbart, ist eine ordentliche Kündigung beim   befristeten  Dauerschuldverhältnis  auch  möglich.  Beim   unbefristeten  Verhältnis  ist  sie jedenfalls möglich. Welche Dauerschuldverhältnisse regelt das ABGB? A: Bestandsverträge (Miete, Pacht), Arbeitsverträge, Leihe und Verwahrung. Was ist ein Vertrag mit Schutzwirkung zugunsten Dritter? A:  Die  Ausdehnung  der  vertraglichen  und  vorbertraglichen  Schutz  und  Sorgfaltspflichten  auf Personen,  die  der  Erfüllung  des  Vertrages  und   einer  Partei  nahestehen,  aber  nicht  selbst Vertragspartnerinnen sind. Was  ist  ein  Vertrag  zugunsten  Dritter? Muss die Dritte zustimmen? Was ist die Unterscheidung echt/unecht in dem Zusammenhang? A:  Ein  Vertrag  zugunsten Dritter ist möglich, nicht aber zulasten Dritter. Der Vertrag  ist  echt oder unecht,  je  nachdem  ob  die  Dritte  ein  Recht  hat  auf  die  Leistung  zu  klagen  oder  nicht.  Die begünstigte  Person  muss  der  Leistung  nicht  zustimmen,  sie  muss  sie  aber  auch  nicht annehmen. Typische Verträge zugunsten Dritter sind beispielsweise Lebensversicherungen. Ist es immer so, dass Schuldnerinnen solidarisch haften? A: Nein, es gibt auch geteilte Haftung, bei der jede Person nur für ihren Anteil haftet. Wenn  eine   Gläubigerin  gegenüber  der  Schuldnerin  auf  die  Schuld  verzichtet,  gilt  dann   die Bürgschaft weiter? A: Nein, da die Bürgschaft akzessorisch ist und mit der Hauptschuld erlischt.

Was ist die Lehre vom Schutzzweck der Norm? A:  Schutzzweck  der  Norm  beschreibt  ihren  Zweck  (teleologische  Auslegung).  Je  nach Schutzzweck  der  Norm  ergibt sich auch, ob Verstoß gegen eine Norm rechtswidrig ist, oder aus dem  Rechtswidrigkeitszusammenhang  fällt.  (“Ist  es  verboten  x  zu   tun,   weil  y  nicht   eintreten soll?”) S2 tritt der Schuld von S1 bei. Die Gläubigerin verzichtet gegenüber S1. Haftet S2 weiterhin? A: Ja, da der Verzicht nur gegenüber der konkreten Person gilt. Was ist ein Quantitätsmangel? A:  Die  Lieferung  einer  geringeren  Menge  als  vereinbart.  Strittig  ist  dabei,  ob  es  sich  um  Verzug oder  um  einen Mangel  (und  demnach  Gewährleistung)  handelt.  Wurde  die  Leistung  als  von  der Schuldnerin als Gesamtleistung angesehen kommt es zur Gewährleistung. Was ist der Unterschied zwischen Nichterfüllung und Schlechterfüllung?
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A:  Es  handelt   sich  dabei  um  Leistungsstörungen.  Nichterfüllung  löst  Verzugsfolgen  aus, Schlechterfüllung  ist  eine  Leistung  die  angenommen  wird,  es  kann  zu Gewährleistungsansprüchen kommen. Was ist die “6 Monats Frist”? A: Die Beweislastumkehr bei der Gewährleistung. Die Frist läuft ab Übergabe der Sache. Wie stehen Gewährleistung und Schadenersatz zu einander? A:  Ist  eine  Sache mangelhaft,  kommen  bei  Verschulden  der  Schuldnerin beide Rechtsbehelfe in Betracht.  Gewährleistung  erfordert,  dass  der  Mangel  bei  Übergabe  bereits  bestand  und  die Einhaltung  der  Frist  (2/3  Jahre).  Schadenersatz  statt  Gewährleistung  ist  in §933a  geregelt  und erfordert  ein  Verschulden  der  Schuldnerin.  Die  Frist  dafür  ist  mit  3  Jahren  ab  Kenntnis  des Schadens  und  der  Schädigerin  (max.  30)  Jahren  wesentlich  länger,  10  Jahre  gilt  sogar  eine Umkehr  der  Beweislast.  Wichtig  ist,  dass  auch bei Schadenersatz statt Gewährleistung erst die primären  behelfe  Austausch  und  Verbesserung  zustehen.  Der  Geschädigten  steht  bei Geldersatz der Ersatz des Erfüllungsinteresses zu. Was ist überhaupt ein Mangel? A:  Ein  Mangel ist es, wenn die Sache nicht den vorausgesetzten und vereinbarten Eigenschaften entspricht.  Sachmangel  haften  der  Sache   körperlich   an.  Rechtsmängel  sind  Fehler  in  der  zu verschaffenden  Rechtsposition.  Rechtsfolgen  von  Mängeln  ist  Gewährleistung  oder Schadenersatz  statt  Gewährleistung.  Mangelfolgeschäden  sind  Schäden,  die  nicht  der Mangelhaftigkeit  ansich  liegen,  sondern  durch   die   mangelhafte  Leistung  verursacht  wurden.  Er kann nur im Zuge von Schadenersatz zurückgefordert werden. Was ist eine Aliud Lieferung? A:  Aliud  ist  die  Leistung  einer  anderen  Sache  als der Geschuldeten. Die Schuldnerin ist dann  im Verzug.  Bei  Speziesschuld  darf  nur  die  konkrete  Sache  geleistet  werden,  bei  Gattungsschuld jede  Sache  aus  der  Gattung.  Zur  Beurteilung  ist  die  Verkehrssitte  heranzuziehen.  Zu  fragen  ist, was  eine  Maßfigur  annehmen  müsste.  Beim Unternehmensgeschäft ist bei Mangelhaftigkeit und Aliud­Lieferung zu rügen, sonst geht der Anspruch verloren. A  tritt  eine  Forderung  an  B  ab.  Diese  ist  aber  nicht  einklagbar,  oder  die  Schuldnerin  kann  nicht zahlen. A wusste davon, hat es aber verschwiegen. Gibt es Ansprüche? A:  Ja.  Es  gibt   prinzipiell  Gewährleistung  für  entgeltlich  übertragene  Forderungen  für  deren Richtigkeit,  Fälligkeit   und  Einbringlichkeit,  beschränkt  mit  dem  bezahlten  Preis  für  die Übertragung. Die  Gewährleistung entfällt, wenn  B  ebenfalls davon wusste. Handelt A vorsätzlich, steht außerdem Schadenersatz ex contractu zu. Auch laesio enormis kann angedacht werden.

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