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Er sei kein Politiker. 26). Löscher wollte sie damals noch nicht wahrhaben. antworteten die Redakteure. Kaeser. das Bild von diesem Krieg auf Jahre zu prägen“. Da war er noch Finanzvorstand. M it der Frage „Deutschland. Z uerst hatte SPIEGEL-Redakteur Philipp Oehmke Zweifel. 2014. vergangene Woche musste Löscher gehen. „Er hat die Kraft. waren die Leute vom Film notorisch unpünktlich. der grauen Eminenz der Deutschland AG. änderten ständig ihre Pläne und wollten viel zu sorglos durch die Gegend fahren. Auch bei Jürgen Habermas fragten sie an. als sich SPIEGELRedakteur Thomas Tuma in München mit Siemens-Chef Peter Löscher zum Abendessen traf. gab es Kritik an dem Konzernchef. im Jahr des Abzugs aus Afghanistan. D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 Im Internet: www. begründete Habermas seine Absage. sagt Oehmke (Seite 96). Am Donnerstag interviewten sie Kaeser zum ersten Mal in seiner neuen Rolle als Siemens-Chef (Seite 66).: Siemens. geplant war ein Report über Macht und Ohnmacht eines Dax-Konzerns. der immer Meinungen parat habe. Den Filmleuten wiederum erschienen die Militärs unflexibel und übervorsichtig. Tatsächlich. Und im Siemens-Aufsichtsrat kam es über die Personalie zu einem beispiellosen Krach zwischen den beiden mächtigsten Kontrolleuren – ExDeutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und Gerhard Cromme. der ihm ein paar Tage lang „wie eine offene Wunde“ erschien. Doch bald entwickelte die Situation bei Siemens eine überra.Tuma. August 2013 Betr.de 5 INDEPENDENT ARTISTS / MATHIAS BOTHOR ANDREAS POHLMANN / DER SPIEGEL . Serie S chon Ende Februar. „Meinen Ärger reagiere ich als Autor ab.“ Als solcher sei er dem SPIEGEL natürlich ebenso willkommen. Gemeinsam mit seinen Kollegen Dinah Deckstein und Martin Hesse beschreibt Tuma einen Konzern. Im Isaf-Camp in Masar-i-Scharif Aladag. ihn und das Unternehmen ein paar Monate begleiten zu dürfen. der im Anschluss an den ersten Teil abgedruckt wird (Seiten 20. Für ihr Auftaktstück „Die bequeme Republik“ über die fehlende Reformbereitschaft von Politik und Bürgern baten WAHL die SPIEGEL-Redakteure Christiane Hoffmann und Markus Felden2013 kirchen führende Intellektuelle in Deutschland um ein Gespräch.spiegel. Das Ergebnis: ein meinungsstarker Essay des Philosophen über das Versagen der politischen Elite in der Europapolitik. ob das gutgehen könne: Die Berliner Regisseurin Feo Aladag wollte mit einem 40-köpfigen Team einen Spielfilm in Afghanistan drehen. Doch der 84-Jährige lehnte ab. deutsche Soldaten im Kriegseinsatz sollten auf eine Truppe aus Kameraleuten.und Maskenbildnern und Schauspielern treffen. Kostüm. Afghanistan.Hausmitteilung 5. die er an den Mann oder die Frau bringen wolle. wie die gegenseitige Wertschätzung immer größer wurde. Oehmke erlebte Oehmke allerdings. Deckstein in München schende Eigendynamik. wie geht’s?“ beginnt der SPIEGEL in diesem Heft eine achtteilige Serie vor der Bundestagswahl: eine Bestandsaufnahme. Mit Joe Kaeser hatten die SPIEGEL-Leute schon vor gut zwei Wochen gesprochen. kritisierten die Soldaten. Tuma bat den TopManager. soll der Film in die Kinos kommen.

. Alternativen verworfen – so wird Deutschland regiert...... 66 Interview mit Vorstandschef Joe Kaeser über neue Wachstumsfelder .............. 37 Doktortitel: Plagiatsjäger „Robert Schmidt“ erklärt seine Fehlersuche in der Dissertation von Bundestagspräsident Lammert ........................... wird die Zukunft der Blätter noch kritischer gesehen..... 53 Homestory: In Ferienlagern erfahren Teenager...... Hubschrauber sollen ein Biogift abwerfen.. 76 TV-Moderator Marcel Reif dankt dem Krupp-Patriarchen ... 56 Das Zeitungsdrama Seite 56 Besonders in Großstädten verlieren die Tageszeitungen rasant an Auflage.................... Neue Daten zeigen..... 26 Probleme werden vertagt........ 33 Diplomatie: Kurz vor dem Beginn des Aufstands reiste Verkehrsminister Ramsauer nach Syrien und verteidigte die Regierung Assad .... Politiker in Brandenburg und Sachsen-Anhalt fordern nun Gegenwehr............... 77 Plagegeist Mücke Seite 118 Moskito-Invasion in Deutschland: Seit Wochen quälen Mückenschwärme die Bürger – keine Grillparty ohne Quaddeln......... 74 Nachruf: Die Karriere des Berthold Beitz ........ Doch im Land und in der Europa-Politik herrscht gefährlicher Stillstand.. was es heißt............... 15 Parteien: Guido Westerwelle führt seinen Wahlkampf als Rachefeldzug gegen seine innerparteilichen Gegner . 47 HERMANN BREDEHORST / POLARIS / STUDIO X WAHL 2013 Reformen: Gefährlicher Stillstand Seiten 20.............. 20 Jürgen Habermas kritisiert die Regierung Merkel.............. da er EU-Bürger ist... 38 Rechtsstaat: Die hessische CDUUmweltministerin bremst Fracking-Voruntersuchungen ............... Wirtschaft Trends: Mercedes baut Werk in Brasilien / Nur wenige Studentinnen streben Vorstandskarrieren an / Bierabsatz bricht ein ......................................................................... Er durfte kommen..... 68 Werbung: Amerikaner und Franzosen schmieden die größte Agentur der Welt .......... Seit der Springer-Verlag sich von seinen Regionalzeitungen getrennt hat............ 106 Serie Wahl-Spezial: Politik und Bürger blockieren die notwendigen Reformen .... um in Deutschland zu arbeiten.... 54 Medien: Warum Tageszeitungen in deutschen Großstädten so viele Leser verlieren ... dass die Stechinsekten vor allem den überschwemmungsgeplagten Osten der Republik erobert haben.................................... Doch der Bulgare Iwan Stojanow landete in Hamburg auf der Straße – und kehrte beschämt in sein Dorf zurück.............. Der Kleinmut ist bequem für Regierung und Bürger............... ein Mann zu sein ......... 40 Migration: Er wollte in Deutschland Geld verdienen und landete auf der Straße – die Rückkehr eines Familienvaters in sein bulgarisches Dorf .......... 28 Überwachung: Der BND leitet massenhaft Metadaten an den US-Geheimdienst weiter ............... 30 Wirtschaftsspionage: Die Angst deutscher Firmen vor US-Hackern wächst .............. weil sie die Verantwortung für die Folgen ihrer EU-Krisenpolitik verdrängt .............................................. 52 Eine Meldung und ihre Geschichte – wie eine blinde Engländerin den Mann ihres Lebens kennenlernte ........... 42 Zeitgeschichte: Wie Kanzler Adenauer politische Satire im Karneval bekämpfte ....... Die Rückkehr eines Wanderarbeiters Seite 42 Er kam...... 26 Deutschland Panorama: Klagewelle der Kommunen gegen die Volkszählung / FDP droht neues Verfahren wegen illegaler Parteienfinanzierung / Erhöht das neue Kita-Gesetz die Zahl der erwerbstätigen Mütter? ................ auch ihre Werbeerlöse brechen ein..... 73 Tourismus: FTI-Chef Dietmar Gunz über die Eigenheiten deutscher Urlauber im Ausland ......................................... 46 Politiker: Im SPIEGEL-Gespräch analysiert der frühere CSU-Wirtschaftsminister Michael Glos die Schwächen Edmund Stoibers und die Stärken Angela Merkels ....In diesem Heft Titel Mit Napoleon begann das Zeitalter des modernen Politikers – und Diktators .................................................... Gesellschaft Szene: In Siena wird ein Pferd gesegnet / Zerstören Plastikhandschuhe den Geschmack von Lebensmitteln? ................ 6 BLICKWINKEL / IMAGO .... 64 Unternehmen: Wie der Weltkonzern Siemens innerhalb weniger Tage zum Tollhaus wurde ...

........... sich zu erinnern.................. 96 Schauspieler: Der künstlerische Niedergang des Johnny Depp ........... 122 Audiophilie: Techniker suchen den perfekten Klang – in 3-D ................................................................................................... Nun rekonstruieren Forscher sein Gehirn.......................... D E R S P I E G E L Medien Trends: Interessenkonflikt beim SpringerDeal? / ARD will eine Woche vor der Bundestagswahl keine Umfragen mehr veröffentlichen ................... 90 Global Village: Wie die neue U-Bahn von Riad den gesellschaftlichen Wandel befördern soll ................ Brisante Daten für die NSA Seite 30 Der Bundesnachrichtendienst leitet in großem Stil Verbindungsdaten an den US-Geheimdienst NSA weiter......................................................................... 134 Register ........................ Mindestens so wichtig wie der Erfolg war für seinen Aufstieg das Talent zur Selbstvermarktung........... 102 Bestseller ................................................... 124 Der Mann ohne Gedächtnis Seite 122 Durch eine Hirnoperation verlor Henry Molaison die Fähigkeit.......................... Wissenschaft · Technik Prisma: Vogelfänger in Ägypten / Hilfsbereite Häftlinge / Spuren spanischer Eroberer in den USA ........... Aber das Prinzip der Abschreckung funktioniert nicht.... 105 Bradley Manning wird zum Vorbild Seite 80 Angedrohte 136 Jahre Haft für Whistleblower Bradley Manning sollen ein Exempel statuieren............................................ 132 Briefe ... 129 Der Beginn der Moderne Seite 106 Über keinen Diktator fallen die Urteile so unterschiedlich aus wie über Napoleon Bonaparte......... aber auch der moderne Krieg............ 100 Essay: Hans Magnus Enzensberger über den bedrohlichen Terror der Reklame ............................... 93 PATRICK SEMANSKY / AP / DPA Kultur Szene: Die Schriftstellerin Monika Maron über ihre Lust am Rauchen / Patrick Modianos neuer Roman „Der Horizont“ . 80 Kommentar: Das Manning-Urteil – ein Fall von Willkür ......... er lebte auf einer Insel ewiger Gegenwart – und wurde der berühmteste Patient der Neurowissenschaften.............. 116 Umwelt: Stechmücken – erdulden oder bekämpfen? ...................................... Leserservice .. 135 Personalien .............. Für eine neue Generation von Netzaktivisten ist der Soldat ein Vorbild..................... 85 Großbritannien: Der Erzbischof von Canterbury will Kurzzeitkredite in Kirchen vergeben .................. Auf den Franzosen geht das aufgeklärte Scheidungsrecht zurück............. Sport Szene: Massenansturm am Matterhorn / Fußballclubs erzielen Rekordeinnahmen mit dem Fanartikelverkauf .... 8 Impressum............. Dokumente des Ex-Mitarbeiters Snowden belegen eine enge deutsch-amerikanische Kooperation bei Spähprogrammen....................... 126 Boxen: Wie Profis auf Pöbelattacken in Bars und Clubs reagieren ........ die effektive Verwaltung.................... 78 USA: Bradley Manning prägt eine neue Generation von Whistleblowern ............................................................................ 84 Ägypten: Außenminister Nabil Fahmy über den Machtkampf mit den Muslimbrüdern und die Zeit nach Mursi ............. 125 Leichtathletik: Nach einer Serie von Dopingfällen gehen dem Weltrekordler Usain Bolt die Gegner aus ....... 138 Titelbild: Illustration Alfons Kiefer für den SPIEGEL Napoleon AKG 3 2 / 2 0 1 3 7 ...................................................... 88 Globalisierung: Ein großer Bergbaukonzern und die kleine Mongolei streiten um den Ertrag einer Kupfermine . Mit ihm begann ein neues Zeitalter der Politik................... 82 Russland: Die Konsequenzen des politischen Asyls für Edward Snowden ......... 131 TV-Manager: Die geheimen Nebenverdienste der Intendanten von ARD und ZDF .......Ausland Panorama: Indiens kriminelle Volksvertreter / Berlusconi-Unterstützer protestieren gegen Verurteilung ....................................... 94 Film: Die Regisseurin Feo Aladag dreht in Afghanistan den ersten deutschen Spielfilm während eines Militäreinsatzes ............................. 118 Medizin: Überdiagnosen machen aus Gesunden Kranke ................... 121 Hirnforschung: Das Geheimnis des „Mannes ohne Gedächtnis“ ....................... 104 Theaterkritik: Matthias Hartmann inszeniert Nestroys Posse „Lumpazivagabundus“ in Salzburg als grimmige Provokation ...................... 136 Hohlspiegel / Rückspiegel ..

FREDDY KRAUS.) Eine Folge der automatisierten Herstellung von Lebensmitteln ist auch. Für mich hat seit dem Konsum der von ihnen vertriebenen Wurst der Verzehr von Fleisch eine andere Bedeutung. wenn es um die Produktion unserer Lebensmittel geht. SCHÄFER. und ich werde satt. die Milka-Kuh tatsächlich so glücklich auf der Weide steht oder dass die komplette Fleischproduktion irgendetwas mit romantischer bayerischer Wiesenlandschaft zu tun hat? MATTES NASKRENT. Damit der Deal funktioniert. als wenn ich mein Essen aus der Mülltonne holen müsste. Stimmt das? Haben sie die Verbraucher gefragt? REINHARD VON STRUVE. damit sie drei Wochen statt drei Tage lang hält. ANDREAS HUTH. dass die Supermärkte die Ware vor Ablauf des Verfallsdatums aussortieren oder wegwerfen. muss man ein bis zwei Stunden am Tag für die Nahrungssuche und -zubereitung einplanen. dass es in diesem Land noch Menschen gibt.) SPIEGEL-Titel 31/2013 Gibt es irgendetwas Neues in Ihrem Bericht? Nehmen Sie ernsthaft an. statt den Lesern zu sagen. BERLIN . ANDREA SCHREINER. TORSTEN WEILER. dass im Artikel der Biobauer Bernd Schulz und sein Partner Dennis Buchmann erwähnt werden. dass eine Bäuerin ihren Pudding rührt. BERLIN Ich freue mich. Selbsternte-Initiativen und die Nutzung von Brachflächen in Städten durch Hobbygärtner. VAIHINGEN (BAD. KIRSTEN KIAU. sondern nur „cremiges Eis“. JOCKGRIM (RHLD. Die wenigen Kritiker werden von den Lebensmittelkonzernen als ideologisch verblendete Ökofreaks abgestempelt. China Die von Ihnen geschilderten Manipulationen an Lebensmitteln dienen der Gewinnoptimierung. Weniger ist mehr und wird bewusster und damit genussvoller gegessen. HAUSEN (OBERFRANKEN) „Es ist so wie seit hundert Jahren. KOBLENZ ne politisch korrekt nennen. die aus Asien eingeflogen werden. das Fleisch liegt schön in Plastik verpackt im Kühlregal und die Tomaten sind makellos und sauber – klar. aber für mich zu teuer sind. BERGISCH-GLADBACH WU HONG / DPA Mir ist es egal. ERLANGEN Das Gros der Verbraucher will billiges Essen. es schmeckt mir. BERLIN Die nachgewiesene Substanz in Erdnüssen aus China heißt nicht Alfatoxin. Unser Luxus.“ BORIS GERLACH. weil sie oft nur in Nährlösungen statt in Erde wachsen. weil die Waren im Supermarkt zwar hochwertig. dass Magnum am Stiel nicht „Eiscreme“ heißen darf. darüber hinaus befördern sie die Erzeugung chronischer Volkskrankheiten. dass der Verbraucher eben haltbare und billige Sachen wolle. Natürlich künstlich – Billig. wie uns die Konzer8 Proportional zur Entfremdung von Konsument und Kreatur – das gilt für Flora und Fauna – wächst auch das Betrugspotential. die nicht nur das gesamte Gesundheitswesen befeuern. was er im Supermarkt noch aus dem Regal nimmt. Hauptsache. weil keiner mehr weiß. wo und wie mein Essen hergestellt wird. ginge es allen Menschen D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 1976 erschien der Film „Brust oder Keule“ mit Louis de Funès. Das war zwar überzeichnet. Ein zweifelhafter Burgfrieden. die uns teilweise unter Lebensgefahr im Fernsehen und in der Presse aufklären und vor dieser „Lebensmittelindustrie“ und ihren Methoden warnen. die unsere Einzelhändler so vertreiben. Darum dürfen wir Konsumenten nicht die Augen verschließen. 31/2013. regelmäßig mit noch mal reduzierten Preisen bei Laune gehalten. sondern Aflatoxin. Kein Wort auch über die Frischmilch. INES VON KÜMER. BOCHUM Nr. WOLFGANG E.Briefe gesundheitlich besser.-WÜRTT. Auch ich liebe Tiere – aber eben auch den Genuss von Fleisch. UDO SONNENBERG. Eine gelungene Entwicklung in die entgegengesetzte Richtung sind Hofläden.-PF. Das ist mir auf jeden Fall lieber. industriell: Unser Essen vom Fließband Zweifelhafter Burgfrieden Wer sich im In.und besonders im Ausland vor Ort die Produktion von Lebensmitteln anschaut. Die Lebensmittelmultis entschuldigen sich damit. ALTLEININGEN (RHEINLAND-PFALZ) Der Mensch kann alles essen. Bauernmärkte. hat einen hohen Preis: kurioserweise die völlige Intransparenz. LAMPERTHEIM (HESSEN) Tomatenpflückerinnen in Shouguang. die deutschen Krabben. Wenn wir mit den Ressourcen der Erde bewusster umgingen. die inzwischen immer mehr vorbehandelt wird. aber ähnlich erfolgt heute die Produktion fast aller „Lebensmittel“. die Lebensmittelindustrie ihre Gewinne steigern und die Politik keine allzu öffentlichen Diskussionen über die mitunter zweifelhaften Herstellungsmethoden. Das gilt für chemische Inhaltsstoffe genauso wie für das Bild auf dem Wurstglas. die immer noch in Afrika gepult werden. wenn die Ergebnisse für jeden erkennbar geworden sind. die dem Normalbürger die günstige Hähnchenbrust abspenstig machen wollen. daher der Name. Und die Brotrohlinge. wird der Endverbraucher. NONNWEILER (SAARLAND) Da darf der Redakteur in der UnileverFabrik also 13 Sorten Eis probieren und freut sich darüber. Will man sich gesund ernähren. der erst dann ein Ende haben wird. hilfloser Ärztehopper und Zombies. GERHARD BIRKHAHN. wird sich dreimal überlegen. alles überall immer zur Verfügung zu haben. Salat und anderem zeigten. Gefunden wurde sie erstmals im Schimmelpilz Aspergillus flavus. ich kann es mir mit meiner kleinen Rente leisten. die glauben. braucht aber nicht alles zu wissen – oder doch? HEINZ GAFFRON. in dem Bilder aus einer „Lebensmittelfabrik“ die Herstellung von Hähnchen. Hauptsache. Großen Respekt an die Journalisten. weil Langnese den Milchfettanteil zugunsten von Pflanzenfett heruntergefahren hat. wo was herkommt. schnell. Die Rechnung scheint aufzugehen.

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was Gesetzeslücken angeht. Springer-Chef Mathias Döpfner verkauft nur eines raffinierter als das Medienerbe seines Konzerns – sich selbst „Enteignet Springer!“ Nr. ist von der allgemeinen deutschen Presse weitgehend zurückhaltend behandelt worden. Ganz anders in Frankreich: kompetent. Armutsfalle Miete – eine Studie untersucht die je nach Region unterschiedlichen Lebensverhältnisse Bauen. städtische Wohnungen bauen. HOLM KEMMER. ist völliger Unsinn. EPPELHEIM Nachdem Kommunen. JESKO WARNKE. liebe Protestanten. Wenn ich dann Neven DuMont auch noch die HofbeFEDERICO GAMBARINI / DPA EDVARD A. bleibt von Anfang an Murks. MEINERSEN D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 Als alter Pressemann schreibt man nicht so schnell einen Leserbrief an eine Zeitung oder Zeitschrift. BERLIN Zeit. dass es nicht nur graue. HANS JOACHIM LENZ. Der bürokratische Aufwand wäre groß. Der Verkauf der Ursubstanz „Hörzu“ und „Abendblatt“ zeigt das Ende des Unternehmens an. ROSENGARTEN (NIEDERS. Der „Jäger 90“ wurde in 20 Jahren Entwicklungszeit zwar alt. sondern auch bunte Farbtöne zwischen schwarz-weiß gibt. DR. aber dann hätten wir einige tausend Beamte weniger. offenbar aber viel mit einer Mischung aus mangelnder Führung in der Politik und Beharrungsstarre in der Bürokratie seit dem Vertragsschluss. 30/2013. GÖRLITZ Nr. KARL-HEINZ RADDE. der kann trotz aller Unvollkommenheit in der Evangelischen Kirche Deutschland Orientierung bekommen. 30/2013. bauen. Neue Probleme beim Militärtransporter A400M Willkommen im Diesseits Dank gebührt den kompakt und deutlich fragenden Journalisten. wer spürt. bauen. Mir ist in diesen Tagen nahezu schmerzhaft deutlich geworden. Sie werden es herausfinden. RAINER JENSEN / DPA Sie haben ja so recht. dafür ist sichergestellt. diese Kirche passt sich immer mehr dem Zeitgeist an. bauen Die aktuelle Idee der Politikerkaste. BENJAMIN BAUM. Helfen kann nur: Fehlbelegungsabgabe wieder einführen. günstigen Wohnungsbestand an ausländische Heuschrecken verscherbelt haben. Stattdessen sollten unsere Politiker städtische Wohnungsbaugenossenschaften einrichten. Sehr clever und einsichtig. Deutschland dagegen nicht – trotz eines seit Scharping 2003 (!) geschlossenen Vertrags. zielorientiert. Wohngeld rauf und Mietpreisbremse! BEATE GHELLALI. 30/2013. DOROTHEA FEHSENFELD. dass es auf der Welt keine unfähigere Bürokratie gibt als das deutsche Verteidigungsministerium und seine nachgeordneten Behörden. Mit den Vertragsverhandlungen hat das nichts zu tun. war aber nie wirklich einsatzbereit. Ich bin gespannt. technisch auf der Höhe der 12 Mich begeistert Frau Käßmann. Klare Worte und ein sicherer Blick ins Geistliche.Briefe Nr.und Diesseitige – danke! Wen einfache Bilder von Sünde und Fegefeuer nicht weiterbringen. bauen“! Der angebliche Mieterschutz ist das Papier nicht wert. Mietpreise einfach zu deckeln. Aber könnte es nicht sein. was wir ohne den SPIEGEL tun würden. GÖTTINGEN Wo will man denn in den Städten noch bauen? Das geht höchstens außerhalb – und hat weitere Segregation zur Folge. ob die Mehrheit der evangelischen Gläubigen das mitträgt. was für das Fliegen geplant war und ist. dass Frau Käßmann die evangelische Kirche längst nur noch als institutionelle Existenzgrundlage ihrer Floskeloffensive heranzieht und so befördert. dass das Problem gelöst wird: Neue Wohnungen entstehen. Jen. Von einer echten Kirchenlehre erwarten wir Christen aber gerade die Vermittlung zeitloser. sollen sie jetzt „bauen. DYHR Nr. denn die Immobilienhaie sind der Politik immer einen Schritt voraus. oder besser Döpfner. SPIEGEL-Gespräch mit der ehemaligen EKD-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann über das neue Eheverständnis ihrer Kirche . Länder und Bund in großem Stil ihren eigenen. wie Frau Käßmann auf die dämlichsten Fragen logische und daher zeitgemäße Antworten bereithält. auf dem er steht. Sie lassen kein Gefasel zu und zwingen Frau Käßmann. BERLIN An den beiden bedrohlich konservativen Machos hat sich eine kluge evangelische Theologin abgearbeitet – man muss das bedauern. Willkommen im Diesseits. dass Herr Döpfner am Ende recht behalten wird mit seinem frühzeitigen Abschied von den Printmedien? PROF. Der Casus Springer. MONTABAUR VERTEIDIGUNGSMINISTER 1998 BIS 2002 Nach fast 40 Jahren Tätigkeit in der Wehrindustrie kann ich versichern. SOEST Verlagsgründer Springer 1958 Murks von Anfang an Ihr Artikel ist ein beeindruckender Hinweis darauf. aber alles. Klartext zu sprechen. Und nun darf der „Euro Hawk“ hier auch nicht fliegen. FRANKFURT AM MAIN Wir sind zwar weltberühmt für unsere Panzer. KONRAD-DIETER LOERKE. was allen Religionen im Stadium der Dekadenz widerfährt: Profanisierung aufgrund parasitären Befalls durch zynische (Würden-)Träger mit säkularen Interessen. Das dauert zwar und ist wohl auch – geringfügig – teurer. über der Mode stehender Werte. KALTENKIRCHEN Wohl noch nie zeigte sich verlegerisches Versagen so deutlich. Glückwunsch an die Geldvernichter! ERICH JANOSCHEK. KAISERSLAUTERN Wenn behauptet wird. Positives schon gar nicht.) RUDOLF SCHARPING. dass die europäischen Partner des Programms „A400M“ ihre Hausaufgaben machen. so heißt das. KLAUS PICKER. GERHARD KLUSSMEIER. KIEL AIRBUS Transportflugzeug A400M Das pseudokokette Umschiffen sämtlicher theologisch relevanter Inhalte bestätigt meinen Verdacht. Der jetzt verhinderte Transporter A400M hätte von Beginn an durch ein voll flugbereites und günstiges russisches Modell ersetzt werden können. 31/2013. die Wirkung vernachlässigbar. WOLF-RÜDIGER HEILMANN. „die Protestanten haben sich stets im Dialog mit der Zeit befunden“. Die Franzosen könnten mit wenig Mehraufwand die deutschen Probleme lösen.

mir graut’s vor Ihnen. Ein kleiner Schock im Sommerloch. ALFRED NEVEN DUMONT. schafft der selbstgefällige Schöngeist allein. die in unser Sterben eingreifen? GERHARD-HEINO TEBBEN. KÖLN VERLEGER Was Studierende mit Demos damals nicht erreichten – „Enteignet Springer!“. sollte ich ihn denn erleben.) Wer bewahrt uns vor dem anmaßenden Aktionismus der Notfallmediziner. Geburtstag. Prozentzahlen helfen da nicht weiter.richterstattung in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ lese.de D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 13 . Und da kann es nicht mein Ziel sein. BERNAU BEI BERLIN FACHÄRZTIN FÜR ALLGEMEINMEDIZIN Bei uns werden überwiegend alte und schwerkranke Menschen reanimationspflichtig. AMMERSBEK (SCHL. GEORG LANDWEHR. bin ich doch dankbar. das Zweifel an der Organspende aufkommen lässt. mit publizistischem Unverstand. jedes Herz um jeden Preis wieder zum Schlagen zu bringen.-HOLST. Leserbriefe – bitte mit Anschrift und Telefonnummer – gekürzt und auch elektronisch zu veröffentlichen. WERTHER OSKAR EYB Luftrettung eines Verkehrsopfers Nr. PROF. ULRIKE PODLEJSKI. PETER LORENZ. HANS-DIETER KUEBLER. weiß.) An meinem 80. PROF. Herr Parnia. DETERN (NIEDERS. Die E-Mail-Anschrift lautet: leserbriefe@spiegel. mir fehlt eine kritische Auseinandersetzung Herrn Parnias mit Fragen der Ethik. welche verheerenden Resultate eine „erfolgreiche“ Reanimation bringen kann. werde ich mir folgenden Satz auf mein Brustbein tätowieren lassen: „Do not resuscitate“. DR. 30/2013. So frisst der Kapitalismus seine eigenen Kinder. BÜNDE (NRW) Die Redaktion behält sich vor. Denn wer sich mit dieser Thematik beschäftigt. dass es euch gibt. SPIEGEL-Gespräch mit dem Notfallmediziner Sam Parnia über Fortschritte bei der Wiederbelebung Jedes Herz um jeden Preis Ein so beeindruckendes wie aufwühlendes Interview. DR.

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1 % Wie stark die Einwohnerzahlen laut Zensus 2011 von der vorherigen Bevölkerungsfortschreibung abweichen. darunter auch in Nordrhein-Westfalen und Bayern. Der tatsächliche Widerstand gegen die Ergebnisse dieser Volkszählung dürfte noch deutlich größer sein. Sollte auf die Schnelle kein externer Kandidat aus der InduPlatzeck strie – im Gespräch ist etwa der ehemalige Hochtief-Chef Hans-Peter Keitel – gefunden werden.1% Wangerooge + 45.7 % Helgoland +22. Brandenburg und der Bund stellen sich als Gesellschafter des neuen Hauptstadtflughafens BER auf eine langwierige Suche nach einem neuen Aufsichtsratschef ein.1% Friedland –34.3 % Marl + 24. dass ein Brandenburger auch künftig dem Kontrollgremium vorsteht: KLAUS-DIETMAR GABBERT / DAPD Platzecks designierter Nachfolger als Ministerpräsident. Dadurch verschlechtert sich die Position im kommunalen Finanzausgleich.9% Plön –32. Erst danach können Gemeinden dieser Länder klagen. Matthias Platzeck will diesen Posten Ende August räumen.7 % Freistatt –42. Als unwahrscheinlich gilt.3 % am Montag auf SPIEGEL ONLINE Widerstand gegen Zensus wächst Jede zehnte deutsche Gemeinde hat bisher ihr Widerspruchsrecht gegen den Zensus 2011 genutzt.8% Westhausen +20.8% Gröde +85. 15 . Wer den Chef-Job im Aufsichtsrat übernimmt. in Prozent –6. In nahezu zwei von drei Kommunen leben demnach weniger Menschen als bislang angenommen.1% und weniger 0 + 6. Kritisiert wird vor allem die Methodik: Sie ist für Kommunen nicht im Detail nachvollziehbar.1 % und mehr H AU P T S TA D T F L U G H A F E N Stillstand bis zur Wahl Berlin. Einige von ihnen sehen das verfassungsmäßig garantierte Recht auf Gleichbehandlung verletzt.Panorama VOLKSZÄH LUNG Deutschland Detaillierte Daten aller Gemeinden und weitere Berichte List –39. denn in einigen Bundesländern findet derzeit ein Anhörungsverfahren statt. wenn sein BER-Mandat turnusgemäß endet und er auch als Ministerpräsident Brandenburgs zurücktritt. Fast die Hälfte von ihnen liegt in Baden-Württemberg. auch Hamburg und Berlin haben ihr Veto eingelegt. weil die Population größerer Städte anders ermittelt wurde als jene kleinerer Gemeinden. ob Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) im Amt bleibt. wird wohl erst nach der Bundestagswahl entschieden – wenn klar ist. Wie stark die Zensus-Ergebnisse von den bisher amtlichen Werten abweichen. eigene Berechnungen Schöppingen –17. zeigt erstmals eine SPIEGEL-Analyse: Vor allem in kleineren Gemeinden sollen sich die Werte extrem verändert haben. denn häufig liegen die Ergebnisse weit unter den Bevölkerungszahlen in den Melderegistern. hat bereits abgewinkt. Er hatte sich in der Vergangenheit oft gegen seine SPD-regierten Mitgesellschafter Berlin und Brandenburg gestellt. Quellen: Statistische Ämter des Bundes und der Länder.7 % Flammersfeld +22. könnte zumindest vorübergehend Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit wieder die Führung übernehmen. Die Differenz reicht von der verdreifachten Bevölkerungszahl bis hin zu einer Verringerung auf zwei Drittel. Die Größe der Gemeindeparlamente und die Bezahlung der Bürgermeister sind ebenfalls von der Einwohnerzahl abhängig. Dietmar Woidke. insgesamt sind es schon mehr als 800 Kommunen. Wichtige Triebfeder der Proteste ist die Angst vor finanziellen Einbußen.

Kriegsgerät auf dem Weg nach Deutschland VERTEIDIGUNG Teurer Schrott Die Bundeswehr wird im Rahmen des Abzugs aus Afghanistan Kriegsgerät im Neuwert von rund 150 Millionen Euro zurücklassen. dass es bis August wird noch vom Bundes2012 eine wechselseitige rechnungshof geprüft. diese Praxis zu erläutern. sagt Wieland. RufbereitschaftsvertreFDP-Bundestagsfraktion FDP Dubiose Praxis PETER SCHATZ Hoeneß (r. Die Liberalen tionssprecher allerdings mehr Wochenhatten fast zwei Jahre lang Pressespreend-Bereitschaftsdienste für die Partei cher der Fraktion am Wochenende übernommen als die Parteisprecher oder an Feiertagen zu Bereitschaftsselbst.) in der Münchner Allianz-Arena S T E U E R FA L L H O E N E S S Über 33 000 Kontobewegungen Uli Hoeneß hat als Kunde der Zürcher Privatbank Vontobel offenbar exzessiv an den Finanzmärkten gehandelt. dorf in einer Entscheidass die Mittel der Frakdung gerügt. dass der Wert des Kriegsgeräts nach der Nutzung „weit unter“ dem Anschaffungspreis liege und dadurch die Rückführung unwirtschaftlich sei. tung zwischen der Bundestagsfraktion und der Bundespartei gegeben habe. verkauft oder verschrottet. Die Bundesrechnungshof sollten genau Bundestagsverwaltung bat die FDP prüfen. ob die FDP gefitierten“. In gen die Grundlagen der Parteienfinanden Jahren 2011 und 2012 hatten Frakzierung verstoßen hat. Das Material wird entweder an die Afghanen übergeben.“ In der gegen das ParteiengeFDP räumt man zwar setz verstoßen. da sonst wahl 2012 in NordrheinSteuergelder missWestfalen vermutlich braucht werden. Bei den restlichen 11 Prozent hängt die Entscheidung vom Zustand des Materials ab. dass die Liberalen tät für Verwaltungswisdurch einen laxen Umsenschaften in Speyer gang mit dem Parteiensagte: „Das ist völlig unrecht auffielen. Der Fall ein. „Der Bundestag und auch der diensten für die Partei eingesetzt. Es fassungsgericht Düsselist eindeutig geregelt. 47 Prozent werden nach Deutschland zurückgebracht. die FDP tion nicht für die Arbeit habe mit einer Werbeder Partei genutzt weraktion vor der Landtagsden dürfen. Für die Weiternutzung gelten strenge Kriterien. Der fremdet wurden“. heißt es in der Erklärung. weil beide Organisationen in jeweils vergleichbarem Umfang voneinander proDer Bundestag prüft. „Eine einseitige Begünstigung der Partei war hiermit nicht verbunden. Mitte zweifelhaft unerlaubte Juli hatte das LandesverParteienfinanzierung. ob hier Steuergelder zweckentnun. Es Staatsrechtler Joachim Wieland von wäre nicht das erste der Deutschen UniversiMal. Das Ministerium rechtfertigt den Ausschuss damit. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums betrifft das rund 42 Prozent der von der Bundeswehr genutzten Geräte. Ein zwei Jahre alter Geländewagen „Wolf“ etwa wird in der Regel nicht mehr nach Deutschland transportiert. Auf dem Konto. sollen über einen Zeitraum von mehreren Jahren über 33 000 Bewegungen dokumentiert sein. Die schiere Menge seiner Geld- 16 D E R S P I E G E L MARC-STEFFEN UNGER 3 2 / 2 0 1 3 BORIS ROESSLER / DPA . das Hoeneß gegenüber dem deutschen Fiskus bis Januar geheim gehalten hatte.

sagte ein Sprecher des Versicherungskonzerns. Meine Eltern wussten tionär.und des Finanzministeriums erstellt hat. die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) im Auftrag des Bundesfamilien. Vor den Plakaten hatte ich Au.malte mir gleich aus. April. Das prognostiziert eine Studie. Denn: „Wir wollen echt wirken“. . derentwegen sich der Präsident des FC Bayern München demnächst wohl vor dem Landgericht München II verantworten muss. auf die (CDU) neuen Wahlplakate aber bin ich immer noch gespannt. der früher ein Spielnicht sonderlich wählerisch. ist Teil der Gesamtevaluation ehe.“ zwar von allen 18 Vereinen. kurz vor Enthüllung seiner Steueraffäre. Die Forscher fanden zudem heraus. „Der Ausbau der Kinderbetreuung gehört damit zu den Maßnahmen. Lei. Auf we. Umso gespannter ging ich vorige Woche zur Vorstellung der SPD-Plakate..Deutschland dern auch auf Plakate verzichten wird. die das DIW in dieser Woche vorstellen wird. sagt DIW-Volkswirtin Katharina Spieß. was den Anschein erweckt. WAHL Bei Wähler aus. eine Entscheidung werde wohl zeitnah fallen. FA M I L I E Mehr erwerbstätige Mütter Der Rechtsanspruch auf einen KitaPlatz für unter Dreijährige wird die Erwerbstätigkeit von Müttern signifikant erhöhen. was destagswahlkampf 1990. August in Kraft getretene Neuerung um mehr als fünf Prozent Krippe in Leipzig steigen.“ „ … aber früher hatten wir wirklich mal ein Anliegen.Spruch: „Entschuldigt.„ … wir hatten keinen anderen. in deren Kontrollgremium Hoeneß seit 2006 sitzt und in dem er am 12. über dem „Ich war ein Menschen auf den selbst herbe Stimmenverluste in einen Panzer“ stand. Die wortete ich. dass ich alle gleich toll fände. Zusätzliche emotionale Stabilität konnte insbesondere bei Jungen und Mädchen aus Mehrkindfamilien oder Familien mit einem niedrigen Einkommen nachgewiesen werden.D. weil das Familienministerium einige Ergebnisse der Wissenschaftler substantiell umgedeutet hatte.„ … für die Genossen im Westen. die sich in die Fußgängerzone traute. die echten Menschen auf den SPD-Plakaten echt schlecht allen gab ich mich als großer Fan und künftiger gelaunt aus. Vielleicht. um alles zu vermeiden. Um seinen Posten als Aufsichtsratsvorsitzender der FC Bayern München AG muss er trotz eines drohenden Prozesses derzeit offenbar nicht bangen. Mein Zimmer sah Kurz darauf entdeckte ich ein Plakat der Piraten mit dem aus wie die Bundeszentrale für politische Bildung. dass sie nicht nur auf ein richtiges Programm.„ … für alles!“ (FDP) KOLUMNE Sieben Wochen noch geschäfte hatte es dem Fußballmanager vermutlich unmöglich gemacht. wen ich wählen würde. in der Fehler und Schwächen nie(„F.zeugkreisel war. wie ihre GeneralseMeine Begeisterung für Plakate erwachte im Bun. Als sie die anderen ja doch noch von den Piraten lernen – und mich fragten. Die Grünen waren daSPD-Plakaten echt schlecht Wahlsieg umzudeuten vermag. ob sie sich über mein politisches Interesse freuen oder sich Sorgen machen sollten.und familienbezogener Leistungen. bis 2018 bestätigt wurde. es stehe eine Wahl bevor. Gäbe es dagegen gar keine öffentlich subventionierte Kinderbetreuung.“ (Die Linke) der muss man bei der CDU in diesem Sommer davon aus.Ich war enttäuscht. WALTRAUD GRUBITZSCH / DPA D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 17 . dachte ich. Statt ihren Spitzenkandidaten Peer Steinbrück zeigt die SPD „echte Menschen“. die die familienpolitischen Ziele am besten voranbringen“. Heute finde ich nicht mehr alle Parteien gleich toll. viel selbstironische Ehrlichkeit revolumit Inhalten. Eng könnte es für den Steuersünder hingegen als Aufsichtsrat der Allianz Beratungs. Hans-Dietrich Genscher tur. Und auf den Plakaten der anderen stünde: togrammkarten von Bundesligaspielern gesammelt – und „Entschuldigt. Weder die Staatsanwaltschaft München II noch die Anwälte von Hoeneß äußern sich zu den Geschäften.. 2013 ten sie mir ihr größtes Plakat. als würden sie nicht an den Wechsel glauben. Zuletzt war es zum Streit zwischen beteiligten Forschungsinstituten und ihrem Auftraggeber gekommen.P. son. wenn ich dürfte. Ich war 14 und besuchte schon rein semantisch ein Widerspruch ist. wählen). Leider sehen jede Partei. ist so mals gegen Panzer und hatten es noch gelaunt aus. würde sich die Beschäftigungsquote dieser Mütter um 27 Prozent verringern. Durch die Anklage sei „eine neue Situation entstanden. den bayerischen Finanzbehörden bei Einreichen seiner Selbstanzeige eine lückenlose Dokumentation der Kontobewegungen vorzulegen. Damals war ich Grünen würden einen Panzer zeigen. noch stützen ihn seine Kollegen in dem Kontrollgremium. Leistungen wie das Ehegattensplitting oder auch das Betreuungsgeld seien bei weitem nicht so effektiv und teilweise sogar kontraproduktiv. In einer politischen Kulneue Weg“). Noch immer sollen Unterlagen seiner Bank ausstehen. wie die Plakate dann aussähen. wir hatten es uns auch einfacher vornigen Metern hingen die Köpfe von Oskar Lafontaine („Der gestellt …“ Sogleich war ich wieder etwas versöhnt mit den Wahlplakaten.und Vertriebs-AG werden. Helmut Kohl („Kanzler Leider sehen die echten mals zugegeben werden dürfen und für Deutschland“) sowie ein bunter deren manische Optimismusrhetorik Spielzeugkreisel.kretärin betonte. Am Ende schenk. Die Studie. Das funktionierte.“ (SPD) Markus Feldenkirchen gehen. können nicht. ant. Demnach wird die Beschäftigungsquote von Müttern mit Kindern im zweiten Lebensjahr durch die am 1. dass der frühe KitaBesuch dem Kindeswohl dienen kann. die nun von den zuständigen Gremien geprüft wird“.

Deutschland S C H WA R Z . dass es in der letzten Woche vor der Bundestagswahl zu einem deutlichen Leihstimmenanstieg für die Liberalen kommen könnte. Die Staatsanwaltschaft Cottbus leitete ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen ein. konnte nicht eindeutig geklärt werden (SPIEGEL 26/2013). „Niemand ist zur Teilnahme gezwungen. „ferngesteuerte Flugsysteme in den Flugverkehr zu integrieren“. auch während der Olympischen Spiele von Sotschi 2014 gelten sollen. . „Jeder Politiker sollte sich überlegen. dass sich das Unternehmen „aus Gründen des Sozialdatenschutzes auch weiterhin nicht zu konkreten Fällen äußern“ könne. dem Jugendamt und dem Landesjugendamt untersucht worden. das wenige Tage später eingestellt wurde.“ LeutheusserSchnarrenberger D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 ten Oberkörpers zu machen und ihm das Handy danach zu übergeben. „Ich erwarte von Russland die Einhaltung seiner völkerrechtlichen Verpflichtungen. Unveröffentlichte Akten belegen nun. ob Haasenburg-Angestellte Veränderungen am Leichnam des Mädchens vorgenommen haben. mit einem Handy ein Foto ihres entblöß- Seehofer Bundestag kommt. wie er sich inhaltlich gegen diese Ausgrenzungspolitik gegenüber Minderheiten positioniert. es seien „keinerlei Anhaltspunkte für Fremdverschulden oder eine Verletzung der Aufsichtspflicht gefunden“ worden. Das deutsche „Euro Hawk“-Projekt wurde zum Millionendebakel.“ Dass die Vorschriften. die jedes öffentliche Zeigen von Homosexualität verbieten. Es werde geprüft.“ Es gebe auch die Möglichkeit. September wieder in den FRANK HOERMANN / SVEN SIMON Veränderungen am Leichnam? Der Tod eines Mädchens wirft in der Affäre um mutmaßliche Misshandlungen in brandenburgischen Heimen neue Fragen auf. De Maizière und Le Drian fordern daher. die Zulassung unbemannter Flugzeuge europaweit einheitlich zu regeln. Um diese und andere Fähigkeiten zu entwickeln. Die damals 16-Jährige war am 31. dass die 16-Jährige wenige Wochen vor ihrem Tod Strafanzeige gegen einen Erzieher gestellt hatte. bevor die Polizei am Tatort war. Ob es sich dabei um einen Fluchtversuch. WERNER SCHUERING PATRICK PLEUL / DPA Berlin und Paris wollen Drohnen-Verkehr regeln die beiden Minister ferngesteuerte Flugsysteme als wichtige militärische Option. Der Tod des Mädchens sei seinerzeit von der Staatsanwaltschaft. Derzeit kommen die Liberalen in Bayern in Umfragen nur auf Werte zwischen drei und fünf Prozent. empört die Ministe18 rin ebenfalls. Eigentlich wollen CDU und CSU eine Leihstimmenhilfe – wie im Januar in Niedersachsen – auf jeden Fall verhindern. In einem gemeinsamen Brief an die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton zur Zukunft der europäischen Sicherheitspolitik bezeichnen Haasenburg-Heim in Jessern MENSCHENRECHTE Proteste gegen Moskau In der Debatte um das russische Gesetz gegen „homosexuelle Propaganda“ übt Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) scharfe Kritik an Moskau: „Die Stigmatisierung Homosexueller verstößt gegen die Europäische Menschenrechtskonvention“. weil die Drohne nur eine vorläufige Verkehrszulassung für den zivilen Luftraum bekommen hatte. um sicherzustellen. müsse man auch über steuerliche Anreize nachdenken. Mai 2008 aus dem Dachgeschoss des Heimes der Haasenburg GmbH in Jessern gestürzt und verstorben. einen Unfall oder Selbstmord handelte. Olympia zu boykottieren. warnte CSUChef Horst Seehofer kürzlich in einer Sitzung des Parteivorstands in München. Eine Freundin des Mädchens behauptet. VERTEIDIGUNG Vor dem Hintergrund des „Euro Hawk“Debakels setzt sich Verteidigungsminister Thomas de Maizière mit seinem französischen Amtskollegen Jean-Yves Le Drian dafür ein. Seehofers Befürchtung: Viele Unionswähler könnten dann zu den Liberalen wechseln.G E L B Panorama JUGENDHEIME Furcht vor Leihstimmen Angesichts der anhaltenden Schwäche der bayerischen FDP wächst in der Union die Sorge. dass der Europäische Rat im Dezember darauf hinarbeitet. Sollten die Freien Demokraten am 15. Die vorgeworfene Handlung sei laut Justizunterlagen durch den entsprechenden Paragrafen nicht strafbewehrt gewesen. stehe der Union wenige Tage vor der Bundestagswahl „eine unberechenbare Woche“ bevor. Der Mann habe sie dazu aufgefordert. Sprecher der Haasenburg GmbH. Den Brief haben auch Außenminister Guido Westerwelle und sein französischer Amtskollege Laurent Fabius unterzeichnet. September nicht wieder in den bayerischen Landtag einziehen. weil ihr niemand geglaubt habe. Dennoch beschäftigen sich die Staatsanwälte erneut mit dem Fall. teilte mit. so die Ministerin. dass die FDP am 22. die 16-Jährige sei in der Folgezeit deprimiert gewesen. Hinrich Bernzen.

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die wirtschaftlich stärkste Nation. in welchem Zustand sich Deutschland im Wahljahr 2013 befindet. September hat die amtierende Regierung aus CDU/CSU und FDP erstmals seit Jahren Aussicht auf Wiederwahl.Serie Deutschland. In den kommenden Wochen geht der SPIEGEL dann in Analysen. der Berlins Regierung Versagen in der EU-Krisenpolitik vorwirft. wie geht’s? Von anderen Europäern verlangt Angela Merkel Mut zu ernsthaften Reformen – warum aber bringt sie den Mut dazu im WAHL eigenen Land nicht auf? Dass die EU zu 2013 einer wirklichen politischen Union ausgebaut werden müsste. wie die Welt Deutschland wahrnimmt und wie die Metropole Berlin die Bedingungen für Politik im medialen Zeitalter verschärft. ist schon fast eine Binsenwahrheit. sagen die Demoskopen. wie geht’s?“: In einer achtteiligen Serie beschreibt der SPIEGEL. 20 D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 JENS KNAPPE / 360-BERLIN . Essays und Reportagen der Frage nach. Porträts über Angela Merkel und Peer Steinbrück runden die Serie über Deutschland im Wahljahr 2013 ab. wie die Deutschen denken und fühlen. In dieser Ausgabe beschäftigen wir uns mit dem Reformunwillen der Regierung Merkel. der sich auf dem Weltmarkt behauptet. dass die Kanzlerin die Deutschen mit Zumutungen verschont. Die Düsseldorfer Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hält wenig vom Sparen und versteht sich als „Kümmerin“ – trifft sie so den Nerv ihrer SPD und der Bürger? Oder: Was versteht ein mittelständischer Unternehmer in Schwaben. Liegt es vor allem daran. unter konservativ? Weitere Beiträge befassen sich damit. oder an der Kraftlosigkeit der SPD? „Deutschland. aber warum geht Deutschland. damit nicht voran? Sieben Wochen vor der Bundestagswahl am 22. Darauf folgt ein Beitrag des Philosophen Jürgen Habermas. worin soziale Gerechtigkeit eigentlich besteht.

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heute nicht. in der Praxis aber nie gemacht wird: antizyklisch. Doch die Reform war unpopulär. Er lässt seine Erika stehen. Das mag angesichts niedriger Arbeitslosigkeit. Anders als 2003 ging es Deutschland im Frühjahr 2006 wieder gut. 2003. „Grundlegende Strukturreformen“ mahnt Angela Merkel gern in Interviews an. jedem Kind in Deutschland die Chance auf die beste Bildung zu ermöglichen. die Renten-. weil er es als seine Aufgabe ansah. schafft die Krisen der Zukunft. die soziale Härte der Agenda-Politik. ihre Anpassungen durchzuführen“. sie nicht machen wollte: Er reformierte Deutschland in Zeiten der Selbstzufriedenheit. die ihm bevorstehen. was sich Merkel nie traute. Kürzungen. Die von FDP und Union im Koalitionsvertrag vereinbarte Arbeitsgruppe zur Reform des Mehrwertsteuersatzes schaffte es in vier Jahren nicht. weil sie kein zweiter Politiker gemacht hat. „Wir müssen den Ländern weiter zumuten. wirkt im Vergleich eher unbedeutend. die Wirtschaft brummte. sagt er. „Das ist für die Be- . Wer jetzt nicht handelt. Für den Schönwetterbetrieb. in dem auch Merkel steckt? Aus dem Stillstand aus Angst vor Bestrafung durch den Wähler? Gibt es nur die Wahl zwischen Mutlosigkeit und Machtverlust? Innenpolitisch waren die vier Jahre seit 2009 eine verlorene Zeit. Er nimmt das Beben schon gar nicht mehr wahr. verlangt sie von den europäischen Nachbarn umso härtere Schnitte. Er hatte den Mut. schillern wollte er noch nie. Doch die Lage ist nur scheinbar rosig. Symptomatisch ist es dennoch. Damals nicht. Mit der Erika hat er sein ganzes Politikerleben geschrieben. „Es gibt nix Besseres. gemeinsam mit Gerhard Schröder. in Zeiten historisch hoher Beiträge und Einnahmen. Kranken. weiß auch Volker Kauder. aber es ist dennoch nicht falsch. Und für nachhaltig klug hielt. Während die Regierung zu Hause vor notwendigen Zumutungen zurückschreckt. das sie regiert.und D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 Pflegeversicherung auf ausreichende Rücklagen für schwierigere Zeiten zu verpflichten. Es gab keine Reform. „Vereinbart hatten wir die Sache gemeinsam“. Müntefering handelte. Ländern und Gemeinden in Deutschland.“ Während er spricht. als er die besorgten Blicke seiner Besucher bemerkt. murmelt Müntefering. Hinter der Tür seines Berliner Büros stapeln sich die Umzugskartons. dass seine Partei ihm als ehemaligem Vorsitzenden und Vizekanzler ein solches Zimmer zugewiesen hat. 22 „Kommen Sie. Faktisch ist das Versprechen. Ein paar Jahre später. Das Gleiche gilt für die Bildungspolitik. Die Frage ist nur: Gibt es einen Ausweg aus jenem Dilemma. Er reformierte. „In Europa muss sich noch einiges ändern“. verweigern ganz viel von dem. setzen wir uns“. weil ihm das Wasser nicht bis ans Kinn reichte. beginnt die Decke seines bescheidenen Abgeordnetenzimmers zu wackeln. Müntefering ist 73 Jahre alt und fast ebenso lange Politiker. Dass Deutschland noch immer eines der kompliziertesten Steuersysteme Europas hat. Rhetorisch mag sie ein wichtiger Baustein in allen Politikerreden sein. Es sind seine letzten Tage als Abgeordneter. bei der sich die einzelnen Ebenen des Staates gegenseitig blockieren. aber nicht mehr in Not. Eine Erfahrung aber macht Müntefering einzigartig. auch nur ein einziges Mal zu tagen. „Sie hat mich mit der Reform allein im Regen stehen lassen“. er beklagt sich auch nicht. die ständig Wachstum generiert und niemals älter wird. zur Farce verkommen. und tippt. daran wird er auf den letzten Metern nichts mehr ändern. nicht das Land. die Rente mit 67. was wir für die Zukunft tun müssten“. Nicht mal jetzt.Serie Die bequeme Republik Deutschland scheint von einer seltsamen Lethargie erfasst. der Rekordsteuereinnahmen und anhaltender Rekorde der Exportwirtschaft paradox klingen. einem Oldtimer der Marke Erika. wie es in Lehrbüchern empfohlen. Demokratie sei prima. Was macht die Republik so träge? Von Markus Feldenkirchen und Christiane Hoffmann Franz Müntefering sitzt an seiner Schreibmaschine. sondern auch der Wirrwarr von Zuständigkeiten von Bund. „Die U-Bahn“. Reformen als Zukunftsvorsorge. dem Land etwas zuzumuten. die Jalousien klappern – ein leichtes Erdbeben. deren geistiger Horizont weiter als die nächsten Jahre reichte. die Politiker fürchten die Bürger – und verweigern nötige Reformen. Zum grauen Anzug trägt er grauen Schlips. Was sich kaum ein demokratisch gewählter Politiker je getraut hat. Die Bürger fürchten Veränderung. Die Folgen werden sich erst in vielen Jahren zeigen. doch die Politik leugnet den Handlungsbedarf. Klare Strukturreformen wären nötig. sagt Wolfgang Schäuble. Schuld an der Bildungsmisere ist nicht nur fehlendes Geld. sagt er.“ Aber sie meint Europa. Er hat unzählige Geschichten aus Parlament und Parteizentrale auf Lager. „Jetzt muss jeder wissen. Erst recht nicht für Zeiten. dass es so nicht weitergehen kann. Dabei wäre entschlossenes Handeln gerade jetzt wichtig. In seinem Büro gibt es keinen Laptop und keinen größeren Computer. Aber sie ist leider auch sehr legislaturperiodenfixiert. in denen jeder zweite Deutsche Rentner sein wird und die Zahl der chronisch Kranken und Pflegebedürftigen doppelt so hoch wie heute. von einem Abbau der Altschulden in Höhe von 1053 Milliarden Euro ganz zu schweigen – obwohl die Konjunktur gnädig war und die Steuereinnahmen so üppig wie nie ausfielen. In dieser Zeit gelang es nicht mal. durchquert den Raum und nimmt an einem kleinen Besprechungstisch Platz. Natürlich ist das auch Wahlkampf. gelingt es dem Gesetzgeber. Mit Kanzlerin Angela Merkel in der Großen Koalition. Merkel schreckte zurück. Einschnitte. sagt Müntefering. Deutschland wird mit einer Struktur regiert. Genosse Müntefering hat dem Land zweimal unpopuläre Maßnahmen zugemutet. obwohl dem nicht der Sinn nach Veränderung stand. An diese dringend nötige Reform wagt sich indes niemand. sie hat ihm die Reform übelgenommen. Die Lampen zittern. auf neue Schulden zu verzichten. sagt Müntefering. sagt Müntefering. Deutschland ist nicht gerüstet für die Veränderungen. das Land war erschöpft. wenn es dem Land gutgeht.“ Müntefering hat sich getraut. „Weil sie nicht mutig genug ist. Die SPD hat ihm seinen Mut nicht gedankt. Die deutschen Sozialsysteme sind gebaut für eine Gesellschaft. doch solche Anekdoten können viele erzählen. „Merkel und Co.

Sollte die Opposition an die Macht entlassungen im Staatsdienst. schieden und sommerlich träge scheint. dass Reforim Süden Europas. Mit dem. als umarmte er sich selbst. der Soziologe Ulrich Beck und der Philosoph Peter Sloterdijk. Warum aber ist Deutschland Reformbedarf in Deutschland gefragt wird. Aber seine Gedanken sind ungemütlich. deren Effekte für 23 .) Spitzen-Grüner Trittin völkerung hart. SWEN PFÖRTNER / DPA (R. Er sitzt in seiner Lehrstube an der Berliner Humboldt-Universität und verschränkt die Arme vor der Brust.tefering. dann entwickle sich fast immer eine „Wir-haben’s-geschafft. „Weil sie einen davon ablenkt. Zum Stillstand passt die Lethargie dieSpitzenpolitiker nur dann. was in Deutschland mit den HartzReformen und der Agenda ja der Fall gewesen sei. dass es natürlich nur eine Zwischenetappe ist. so zufrieden wie nie mit ihrer formstress wünschen.oder Wirsind-gut-so-Stimmung“. sagt sie. warum verbinden sich SelbstD E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 zufriedenheit und Zukunftsangst? Wer ist schuld: der Bürger oder die Politik? Kaum jemand hat sich so intensiv mit diesen Fragen beschäftigt wie der Politologe Herfried Münkler. heftige Einschnitte bei Sozialleis. Der SPD sind ihre Die Politik regiert ein Volk. nicht mit Zumutungen behelligt werden und Merkel hat aus der Vergangenheit die will. was bereits getan wurde – von MünWeg daran vorbei. Das sei aber ausgesprochen gefährlich. so ermattet. sagte schon Platon. wenn es um ses Wahlkampfs. sche soziale und politische Verwerfungen „an dem man gut sehen kann. das von ihr Agenda-Reformen schon lange peinlich. sagt er. würde es noch teurer. Auf den ersten Blick wirkt Münkler. Massen.nichts für Diätetiker. wenn es selbst wenigstens Demokratisch gewählte Politiker würden zu einem Bruchteil dieser Maßnahmen ihrem Volk lieber Wohltaten versprechen. woran nicht nur sein flauschiger Bart schuld ist. Wenn sie nach dem Regierung. verschweigt sie gern. Doch mutig sind Berliner als ihm eine Diät zu verschreiben. Es gebe „Zyklen der Veränderungsbereitschaft“. bereit wäre. nach jüngsten Lehre gezogen. 61.Euro. dass die Bürger keinen Re. in dem alles schon entdie Bürger anderer Staaten geht. sei ein Land. JOHANNES SIMON / GETTY IMAGES (L. Demonotwendig sein – aber Deutschland könn. Deutschland. So herrscht Stillstand in Deutschland. ten abverlangen. aber da gibt es keinen antwortet sie mit der Rente mit 67.Kanzlerin Merkel Kanzlerkandidat Steinbrück MICHAEL KAPPELER / DPA (O. was sie ihren Wählern zumuten Stattdessen macht ihre Partei den Bürmusste: Rentenkürzungen bis zu 30 Pro.). Die Deutschen sind. All das mag kommen.kratie sei etwas für Zuckerbäcker und te den Südeuropäern glaubwürdiger Här.Umfragen. wie einer seiner gemütlichen Landsleute. über das. Wenn eine Gesellschaft gewisse Anstrengungen hinter sich habe.sprechen in Höhe von rund 30 Milliarden tungen und im Gesundheitswesen.“ Die Folgen solcher Sätze sind dramati.gern in diesem Wahlsommer neue Verzent.). Dass es nicht ihre Reformen der anderen stolperte oder stürzte gar sind. die da wirken. parteiübergreifend. Eine Regierung nach men wirken“.

wie soll es dann in mageren Jahren werden? Die Befürchtungen sind begründet. „In diesem Punkt hört die Politik ausnahmsweise auf die Stimme des Herrn. das geringere Übel zu wählen. die Kinderbetreuung und Schulsystem der Berufstätigkeit von Eltern anpasst. Und die Regierung hat erst spät eine Politik eingeleitet. es ist nichts zu ändern. Deutschlands bekanntester Philosoph. sagt er. die den größten Mut und Gestaltungswillen aufbringen. gefährdet nicht nur seine eigene Wiederwahl. das Sloterdijk im Zusammenhang mit der Wahl einfällt. „Die Lethargie geht von der Gesellschaft aus“. eine Richtung zu weisen. sagt Sloterdijk. die nicht weiß. sagt der Philosoph Sloterdijk. Obwohl es ihnen wirtschaftlich so gut geht wie nie zuvor. Er zeigt auf die gegenüberliegende Straßenseite. nicht strategisch denkt. „Wir befinden uns in einer Phase dramatischen Wandels“. 66. Ob mit Trauschein oder ohne. sagt der Philosoph. bekommt zu hören. Es fehlt nicht nur der Mut zu unpopulären Maßnahmen. sagt Sloterdijk. Die Politik wird von der Wirklichkeit überrollt. Zugleich hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten jede Hierarchie der Lebensmodelle aufgelöst. In der Folge ist kaum noch ein Politiker fähig zu langfristigem Denken. Die Schuldenkrise. Die Menschen wissen. Die rechtliche Gleichstellung von Homosexuellen hinkt hinter der gesellschaftlichen Akzeptanz her. D I E K NAP P H E I T M Ö G L I C HST GE REC H T ZU O RG A N I S I ER EN . In Deutschland herrsche eine „chronische Duldungsstimmung“. Allen voran die Reisenden der ersten Klasse. sondern jene mit der größten Anpassungsbereitschaft. „In der modernen Politik setzt sich durch. Kaum jemand beschwert sich beim Personal. Doch kaum einer steht auf. sind die Deutschen ängstlich. geht in diesem Jahr nicht wählen. Wenn es nicht einmal in den gegenwärtigen fetten Jahren gelingt. Besonders dramatisch vollzieht sich die Veränderung der Familie. long distance oder unter einem Dach. Dort lebte einst der berühmte Soziologe Max Weber. obwohl sie Deutschland ökonomisch bisher kaum geschadet hat. die Merkel von Helmut Kohl übernommen habe. doch das Ergebnis ist bescheiden: Weder ist die Geburtenrate in den vergangenen Jahren nennenswert angestiegen. mit denen wir den Wandel beurteilen. seinen oder unseren Kindern – in weiten Teilen der Gesellschaft sind mittlerweile alle Lebensweisen gleichermaßen akzeptiert. eine Alternative gibt es nicht. „Unsere Politiker sind wie Mitarbeiter der Deutschen Bahn“. Doch was tun. noch ist Deutschland Vorreiter bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Das heißt: Sie ist unfähig. Die wandlungsscheuen Deutschen wollen eine schläfrige Regierung. ein Risiko einzugehen.“ Voraussetzung für Reformen sei die allgemeine Wahrnehmung einer Krisensituation. wenn ich nicht mehr weiß. fordert Münkler. Auf dem Weg zu Peter Sloterdijk fällt im ICE-Wagen 29 kurz hinter Frankfurt die Klimaanlage aus. die bereit sind. Belohnt werde. „Wir leben in einer Wirklichkeit. WA H RSC H EI N L I C H W I R D ES KÜNF T I G DA RU M G EHEN . homo oder hetero. Wählergruppen zu verprellen. wo das geringere Übel liegt?“ Seit einiger Zeit spricht Sloterdijk von der „Lethargokratie“ in Deutschland. sagt der Soziologe Beck. Es fehlt die Bereitschaft. Die Euro-Krise hat.“ Es sei ein Vakuum entstanden bei der Frage. Sobald aber eine Handvoll diesen Mut aufbrächte. Sie haben das Gefühl. wer die größte Frustrationstoleranz aufbringt und am wenigsten an einem konkreten Ergebnis orientiert ist. die Klassenstruktur. sich ernsthaft mit Fragen zu beschäftigen. dass der gegenwärtige Wohlstand nicht nachhaltig abgesichert ist. Aus Angst. So jemand wird am ehesten zum Herrn des Verfahrens“. „hat nicht nur die Familie erfasst. was sie will. könne der Gesellschaft langfristig schweren Schaden zufügen. Schulden abzubauen. Das Schicksal der Südeuropäer nährt diffuse Abstiegsängste. Denn wer bereit ist.“ „Mehr Verlustangst als Zukunftsliebe“ attestiert Sloterdijk seinen Landsleuten. Münkler nennt das ein „Defizit an strategischem Denken“. als die Besucher mit einer Stunde Verspätung bei ihm eintreffen. an denen der Schweiß rinnt. Nach und nach klappen sie ihre Laptops zu und starren apathisch aus dem Fenster. Zudem gelangen in der Parteiendemokratie nur selten jene Typen nach oben. über die Familienpolitik hinaus. auf ihren weißen Hemden bilden sich dunkle Flecken. überlastete Sozialsysteme. die nicht unmittelbar gelöst werden müssen. Es ist einer jener schwülheißen Sommertage. „Der Wandel“. die die Deutschen einschläfert. bekäme sie von ihrer Partei die Zähne gezogen. „Es müsste eine Gruppe von führenden Politikern geben. Die Herren in der ersten Klasse legen ihre Jacketts ab. „An welchem Tag ist die Wahl?“. als die große Schwäche der Regierung: Kanzlerin Merkel verfüge über „Richtlinienkompetenz ohne Richtlinienkompetenz“. So ist eine Familienpolitik entstanden. um in einem anderen Wagen einen kühleren Platz zu suchen. Um mit dem französischen Philosophen Joseph de Maistre zu sprechen: „Jedes Volk hat die Regierung. wer moralisch. mit ihren.Serie eine gewisse Zeit halten und schnell nachgezogen werden müssen. sondern die der Fraktionskollegen gleich mit. 69. „Wer sich bei ihnen beschwert. Nur bei starkem Handlungsdruck und gleichzeitigem medialem Rückenwind würden Politiker sich trauen. Im ICE wie in der Politik geben wir uns mit nichtssagenden Erklärungen zufrieden: „betriebsbedingte Störung“. die Berufsstruktur. um der Zukunft willen gegenwärtige Risiken einzugehen“.“ „Debakel“ ist das erste Wort. dass sie auch nicht mehr wissen. vermeidet die Politik Antworten. die ungünstige demografische Entwicklung und das bestenfalls mäßige Wirt- . dass es eigentlich nur bergab gehen kann. die es verdient. Kaum ein Land gibt so viel für Familienpolitik aus wie Deutschland. die immer unbegreiflicher wird. gemessen an unseren bisherigen Vorstellungen.“ Es ist nicht die Kanzlerin oder die Regierung. vollzieht sich gleichzeitig ein rasanter gesellschaftlicher Wandel. ein Gefühl der Gefährdung mit sich gebracht. wie die Gesellschaft in Zukunft aussehen soll. „Wir fördern Wahlfreiheit“ – das Credo von Ministerin Kristina Schröder ist der Euphemismus für eine Politik ohne Orientierung. Die Hitze ist offenbar leichter zu ertragen als der D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 Abstieg in die zweite Klasse. Während die Politik immer mutloser zu werden scheint. Aus Ratlosigkeit: „Bisher hieß politisch vernünftig sein. fragt er mit demonstrativem Desinteresse. auch wenn man reglos dasitzt. Der Soziologe Beck sieht das. Doch was kurzfristig moralisch erscheine. sondern sogar die Wertmaßstäbe. Bis Mannheim geht das so und dann weiter bis Karlsruhe.“ Zum Gespräch empfängt Beck in der repräsentativen Villa des Center for Advanced Studies im Münchner Nobelviertel Schwabing. Die Teilhabe von Frauen am Berufsleben hat die Auf24 gabenteilung in Familie und Gesellschaft revolutioniert. Niemand ist schuld. Alles ist fragil. Er. etwas in Gang zu setzen. Dazu kommt ein weiterer Wandel: Heute hat jedes dritte Kind unter fünf Jahren in Deutschland einen Zuwandererhintergrund. Schuld sei aber nicht nur die Politik.

Politologe Münkler Politiker Müntefering Philosoph Sloterdijk Soziologe Beck schaftswachstum – eigentlich ist allen klar.L. Vielleicht würde es auch genügen. aber nicht weil es der Wirtschaft so gutgeht. Feierabend. Steuererhöhungen. er lächelt. Wenn man eine Reform gut begründen könne. wie künftige Generationen über sie denken werden. es auf seine nachhaltige Wirkung zu prüfen. ULLSTEIN BILD (U. langfristig aber verdienstvolle Weichenstellung gepriesen werden. Wahrscheinlich wird es künftig darum gehen.R. Wenn sie sich häufiger fragten. „Ich glaube. Müntefering steht auf. 20 Jahren. die zugleich die Altersvorsorge unterminieren. Man kann in vier Jahren ein Land modernisieren. Sie könnte jedes neue D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 Gesetz mit der Auflage versehen.). Vom „Kartenhauscharakter der Realität“ spricht Sloterdijk. deren Folge ein „ängstlicher Konservatismus“ ist. SEAN GALLUP / GETTY IMAGES (O. Wenn die Demokratie mit ihrer Legislaturperioden- fixiertheit diesen Mut nicht aufbringt. Man kann aber auch hoffen. dass wir die Menschen in ihrer Fähigkeit unterschätzen. Im Türrahmen kontrolliert er noch einmal.R. Bislang haben sie meist ihre Wiederwahl im Auge und nicht jenen Zeitpunkt in 10. Die Staatsverschuldung kann nur mit niedrigen Zinsen unter Kontrolle gehalten werden. ob er nichts Wichtiges vergessen hat. Müntefering meint. Er wirkt. wenn Politiker wenigstens in eigener Sache Weitsicht bewiesen. mehr Zuwanderung.) . wenn die Politik sich im Wissen um die eigene Schwäche und Verführbarkeit selbst verpflichtete – ähnlich wie bei der Schuldenbremse. es fit machen für die Zukunft – wenn man das will.“ Vier frische Jahre warten auf die neue Regierung. dass es helfen würde.). WERNER SCHUERING / IMAGETRUST (U. „Wir Politiker sollten weniger Angst vor dem Bürger haben“.).L. als sei er vollends im Reinen mit sich. sondern weil die Zinsen so niedrig sind. Wir betrügen uns selbst und lassen uns gern von der Politik betrügen. werde man auch Verständnis für sie bekommen. sagt er. Zusammenhänge zu begreifen. im Gesundheitssystem. die Knappheit möglichst vernünftig und gerecht zu organisieren. wird sie sich selbst zum Verhängnis. vier weitere Jahre stillhaltend im Amt zu verweilen. Ob sich jemand an sie erinnern wird. 25 MARCUS HOEHN / LAIF (O. Unter dem Büro von Franz Müntefering rattert die letzte U-Bahn des Tages vorbei. Dann fällt ihm etwas ein: „Das Schöne an der Agenda 2010 und der Rente mit 67 ist: Historisch werden wir recht behalten. Verantwortliche Politiker müssten den Deutschen genau das sagen. dass es so nicht weitergehen kann.“ Das ist mehr als eine weitere Amtszeit. Der Aktienmarkt boomt. an dem sie für ihre damals unpopuläre. sie müssten sie einstellen auf Kürzungen bei der Rente.

dessen Wiederkehr wir Deutschen fürchten müssen. spricht aus Überzeugung. Aber hat sich die Situation nicht geändert? Wolfgang Schäuble reagiert auf eine aktuelle Gefahr. Gleichzeitig verleugnet Deutschland jedoch die gesamteuropäische Verantwortung für die desaströsen Folgen. den deutschen Steuerzahler mit nicht mehr als genau dem Umfang von Kreditzusagen zu belasten. dass Deutschland eine 2013 politische Führungsrolle in der Europäischen Union anstrebe („Süddeutsche Zeitung“. während die Ankaufpolitik der Europäischen Zentralbank uneingestandene Rückendeckung leistet. den die Finanzmärkte für die Rettung des Euro jeweils verlangen – und den sie als Konsequenz einer unverhohlen anlegerfreundlichen „Rettungspolitik“ auch stets bekommen haben. um sich einzuordnen“. Schäuble. Er kennt das Problem. aber zu stark.Serie E S S AY Ein Fall von Elitenversagen Unter der beschwörenden Überschrift „Kein deutsches Europa!“ hat Wolfgang Schäuble kürzlich in einem gleichzeitig in Großbritannien. dass sich daran nichts ändert. beschließt der Euro3 2 / 2 0 1 3 S P I E G E L STEFAN BONESS / IPON Die Regierung Merkel nötigt die Südländer zu tiefgreifenden Reformen und leugnet doch die gesamteuropäische Verantwortung für die Folgen ihrer Krisenpolitik. der Angela Merkels sturen Kurs in Brüssel durchpaukt und die Risse spürt. als letzter „Europäer“ westdeutschen Zuschnitts übrig geblieben ist. Formal gesehen. Dieser beinhart verfolgte Kurs schließt natürlich eine Geste von 100 Millionen für Mittelstandskredite nicht aus. der im Kreise der Finanz26 D E R minister der Europäischen Währungsgemeinschaft auf den Widerstand der „Nehmerländer“ stößt. In diesem Licht gewinnt die Botschaft „kein deutsches Europa“ auch den weniger schönen Sinn. Dafür ist die Verhinderung einer Bankenunion. Denken wir nur an die horrende Jugendarbeitslosigkeit im Süden Europas als eine der Folgen einer Sparpolitik zu Lasten der jeweils schwächsten Glieder der Gesellschaft. Von Jürgen Habermas . Jahrhunderts geebnet. Tatsache ist. Nach der Gründung des Kaiserreichs im Jahre 1871 hatte Deutschland in Europa eine verhängnisvolle. die die Kosten der Abwicklung maroder Banken vergemeinschaften würde. Frankreich. nur das jüngste Beispiel. die der reiche Onkel aus Berlin den gebeutelten Vettern in Athen aus dem nationalen Banktresor anreicht. Er ist es. der die Einbindung Deutschlands in Europa rückgängig machen und damit die Grundlage für die Stabilität der Nachkriegsordnung zerstören möchte. tungsaufsatz dementiert. um den Kontinent zu beherrschen. dass die Regierung Merkel Frankreich und den „Südländern“ ihre umstrittene Krisenagenda aufnötigt. Er selbst ist es ja. Dank der gelungenen europäischen Einigung konnte nicht nur das geteilte. Es liegt offensichtlich im Interesse der Bundesrepublik. der in Merkels Kabinett. halb hegemoniale Stellung eingenommen – nach dem inzwischen geflügelten Wort Ludwig Dehios „zu schwach. Juli 2013). Keinen Millimeter weicht Schäuble von der Vorgabe der Kanzlerin ab. neben der Arbeitsministerin. 20. die sie in Ausübung dieser – wie bitte? doch ganz normalen – machtpolitischen Rolle übernimmt. Er ist alles andere als ein Revisionist. Italien und Spanien veröffentlichten ZeiWAHL Polen. sondern auch das vereinigte Deutschland nicht wieder in das alte Dilemma geraten. wenn er wieder einmal Versuche zu einem Politikwechsel blockiert. die den Kern Europas auseinanderbrechen lassen könnten. Auch das hat den Weg in die Katastrophen des 20. dass sich die Bundesrepublik wegduckt.

das keine Helden nötig hat. die das doppelgleisige Spiel der Bundesregierung im Kreise der Regierungschefs der anderen Euro-Länder auslöst. auf die Irritationen. von denen keine kostenlos zu haben ist. Ich halte es für ein historisches Versagen der politischen Eliten in Deutschland. auf der anderen Seite. Demgegenüber hatte Mario Draghi schon vor einem Jahr angemahnt. Das Oktroy von Sparpolitiken kann die in der Währungszone bestehenden ökonomischen Ungleichgewichte nicht beheben. aber in eigener Regie. Man muss es immer wieder sagen: Die suboptimalen Bedingen. Darum schieben Politiker. jedenfalls nicht im Allgemeinen. die eigene Politiken für die schwächeren Partner haben können. Sie ist auch die einzige. wenn nicht vor einer Bundestagswahl? Alles andere ist bevormundende Verschleierung. „dass es weder legitim noch ökonomisch tragbar ist.und Wirtschaftspolitik selbst entscheiden können. offensiv führen. Deshalb liegt der Schlüssel nicht im kreditfinanzierten Abschieben der Probleme auf die Schultern der Krisenländer. bis die Lobby zufrieden oder die Bundestagswahl vorbei ist. Ich glaube auch nicht an den Satz. Erforderlichenfalls sollen sie mit Hilfe von Krediten aus dem Rettungsfonds. 30. muss auf Intervention der Kanzlerin die Abstimmung eben so lange verschoben werden.päische Rat einstimmig. dieses Problem vor sich her. Deutschland tanzt nicht. wie bei den Partnern keine Zweifel an der politisch ehrgeizlosen Europatreue der Deutschen aufkommen. sondern um ein Projekt. verdanken sich dem Konstruktionsfehler einer nicht vollendeten Politischen Union. Aber wie lässt sich die Demutsgeste gegen den Augenschein einer Politik glaubhaft machen. Was heißt. mit der Keule der „Schuldenunion“ erschlagen zu werden. denn sie erspart dem stärkeren Partner die Rücksichtnahme auf negative Effekte. Und von gewählten Politikern ein Verhalten jenseits der Routine zu erwarten hat etwas Apartes. Wir kennen die Antwort von Angela Merkel – tranquillistisches Herumwursteln. Seit dem Ausbruch der Griechenlandkrise im Mai 2010 und der dann doch verlorenen Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen ordnet sie jeden ihrer überlegten Schritte dem Opportunismus der Machterhaltung unter. Und wenn man sich auf diesem Wege nicht vollends in eine Technokratie hineinschmuggeln will. so scheint mir. die Antwort der Stunde. dass alle Mitgliedstaaten der Europäischen Währungsgemeinschaft über ihre jeweilige Haushalts. sollte sie einem demokratischen Wählerpublikum zuzumuten sein. die es verdient. hat soeben in der edition suhrkamp den letzten Band seiner Kleinen Politischen Schriften „Im Sog der Technokratie“ veröffentlicht. denn sie hat durch ihr Tun längst eine gesamteuropäische Verantwortung übernommen. Und wann. Die deutsche Regierung zieht aus der wirtschaftlichen Dominanz des Landes so lange Vorteil. Wolfgang Schäuble weiß das. Diese Souveränitätsfiktion ist bequem für die Bundesrepublik. in das seit mehr als einem halben Jahrhundert die profiliertesten Staatsmänner Europas ihre besten Kräfte investiert haben. ungehemmt verfolgen. wenn sie überhaupt etwas sagen würden. andererseits unpopulär. Sie kann die Agenda bestimmen. D E R WAS HEISST „UNPOPULÄR“? DIE UNTERSCHÄTZUNG UND UNTERFORDERUNG VON WÄHLERN IST IMMER EIN FEHLER. die Claus Offe scharf beleuchtet hat: Wenn wir die Währungsunion nicht preisgeben wollen. Gegenüber Frankreich und den Krisenländern forciert eine zunehmend isolierte Bundesregierung im Namen vermeintlich alternativloser Marktimperative eine harte Sparpolitik. Im nächsten Heft lesen Sie: Wahlkampfthema Soziale Gerechtigkeit und was die SPD in ihrem Herzland NRW darunter versteht. wenn sie mit dem affektiv besetzten Europathema vorpreschte. Sie dürften auch nicht länger über die negativen Umverteilungseffekte schweigen. wer über die Zulassung von Themen zur Öffentlichkeit entscheidet. dass es außerordentliche Situationen gibt. Es geht ja nicht um Peanuts. August 2012). einerseits notwendig. unter denen die Europäische Währungsgemeinschaft heute operiert. also das kurzsichtige Gerangel über Kleingedrucktes hinter verschlossenen Türen. Die europäische Politik sitzt in einer Falle. Die Unterschätzung und Unterforderung von Wählern ist immer ein Fehler. die wiedergewählt werden wollen. die Zeit braucht. die das eigene wirtschaftliche und demografische Übergewicht unverfroren ausspielt? Wenn beispielsweise schärfere Abgasregeln für den neureichen Protz der Luxuslimousinen – doch ganz im Sinne der Energiewende – die deutsche Autoindustrie belasten sollen. Ich bin froh. der Mut und die Verantwortungsbereitschaft des handelnden Personals für den Fortgang der Dinge einen Unterschied machen. Stattdessen müssten sie ihren unruhig gewordenen Bürgern. wenn die Wirtschaftspolitik einzelner Länder über Grenzen hinweg Risiken für die Partner in der Währungsunion mit sich bringt“ („Die Zeit“. es döst auf dem Vulkan. Versagende Eliten? Jedes demokratische Land hat die Politiker. Europa befindet sich in einem Notstand. ist eine institutionelle Reform. in denen die Wahrnehmungsfähigkeit und die Phantasie. 84. die die „Geberländer“ im eigenen langfristigen Interesse kurzund mittelfristig für die einzige konstruktive Lösung der Krise in Kauf nehmen müssten. muss man die Bevölkerungen fragen. befürchten. Schäubles Artikel antwortet. oder was sie dafür hält. Ihrer öffentlichen Person scheint jeder normative Kern zu fehlen. und die politische Macht hat. Jürgen Habermas. Und zwar von den Leuten. Eine Angleichung dieser Niveauunterschiede wäre auf mittlere Sicht allein von einer gemeinsamen oder eng aufeinander abgestimmten Fiskal-. als wäre business as usual. Gegen die Tatsachen geht sie davon aus. ganz zu schweigen von der sorgfältig abgeschotteten Europapolitik. dass Personen Geschichte machen. Die clevere Kanzlerin laviert sich seitdem mit klarem Verstand. Als nur eines von 28 Mitgliedern kann Angela Merkel nationale Interessen. Staat und Wirtschaft „modernisieren“ und ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern. sogar einen überproportionalen Vorteil. wenn sie weiterhin die Augen schließen und so tun. In der Zwickmühle sitzt vor allem die deutsche Regierung. die nur das Gleiche sagen könnten. denn die Opposition müsste. reinen Wein einschenken. Wirtschaftsund Sozialpolitik zu erwarten. die für sein eigenes politisches Handeln allerdings keine Folgen haben. die als Wähler niemals mit europäischen Fragen von Gewicht konfrontiert worden sind. Sie müssten einen unvermeidlich polarisierenden Streit über Alternativen. 3 2 / 2 0 1 3 S P I E G E L 27 . aber ohne erkennbare Grundsätze durch und entzieht der Bundestagswahl zum zweiten Mal jedes kontroverse Thema. Ich stelle nur fest. die eine aussichtsreiche Initiative zu einem Schritt nach vorn ergreifen kann – und Frankreich dafür gewinnen müsste. seit 1945 in einem Lande zu leben. was sie von einem demokratischen Kerneuropa halten. eigentlich „unpopulär“? Wenn eine politische Lösung vernünftig ist. Er sagt es auch in SPIEGEL-Interviews.

Das war immer sein Ziel: größer zu werden als Genscher. müsste der nächste Satz heißen. die nach ihm kamen. dass er der bessere Wahlkämpfer ist. sagt er süffisant. Er will zeigen. Wer mit Guido Westerwelle reden will. er will. ist stärker als Ehrgeiz und Machtstreben. Der Mann im grauen Anzug lässt sich nicht entmutigen. er scherzt. Wie einen Hund haben die eigenen Leute den Parteichef vor gut zwei Jahren vom Hof gejagt.6 Prozent der Stimmen an die Regierung. wie es hinter der freundlichen Fassade aussieht. eigene Veranstaltungen. Er kämpft in diesem Wahlkampf um jede Stimme. Noch immer empfindet Westerwelle es als ungeheuerlich. „wo stehen wir denn in den Umfragen?“ Aber das bleibt unausgesprochen. Sie sollen verstehen.Deutschland tet Westerwelle. Das große Atrium ist bis auf den letzten Stuhl besetzt. wenn ihn etwas innerlich zerrieb. wie man einen Rachefeldzug plant. 19. Die Leute kichern. Es ist kein guter Ort für Wahlkämpfer. Nirgendwo soll die FDP so stark werden wie in seiner Heimat Nordrhein-Westfalen – ein Signal an die parteiinterne Konkurrenz. wie ihn seine Partei behandelt hat. Es waren die besten zehn Jahre. Er kann große Säle füllen. Nun. Das hat er nicht verwunden. Westerwelle will Rache. Immer wieder erzählt er die Geschichte. er zeigt sich mal besorgt. im direkten Vergleich. Nur wenige Monate fehlten. dass sie damals einen Fehler gemacht haben. Brüderle: Der Welt beweisen. der schärfere Redner. An einem Donnerstagabend vor einigen Wochen lässt sich Westerwelle in der Hamburger SPIEGEL-Zentrale von zwei Redakteuren befragen. Seinetwegen. kam die FDP vor vier Jahren mit 14. wird er gefragt. wie sein Vorgänger PA R T E I E N Mission Rache Guido Westerwelle stürzt sich mit Macht in den Wahlkampf. In Nordrhein-Westfalen hat die Partei extra für Westerwelle eine Kampagne entwickelt. antwor- CHRISTIAN THIEL / DER SPIEGEL Westerwelle-Kontrahenten Rösler. Es wird 20 weitere mit ihm als Hauptredner geben. der beliebtere Politiker. Jetzt will er beweisen.“ Für einen kurzen Moment spüren die Zuschauer. Aber das allein ist es nicht. will er der Welt beweisen. Aber er bleibt sogar eine halbe Stunde länger als geplant am Stand neben der Bushaltestelle. mal optimistisch.1 Prozent der Wähler in seinem Wahlkreis gaben ihm ihre Erststimme. das die FDP je erzielt hat. er lässt sich mit Touristen aus Costa Rica fotografieren und diskutiert mit einer Studentin über die Euro-Rettung. dass er es immer noch besser kann als die. Es gibt eigene Plakate. Aber er konnte noch nie gut verbergen. dass sie Versager sind D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 . der Kränkungen wegstecken kann. „Mir hat es nicht geschadet“. dass es wieder für eine schwarz-gelbe Regierung reicht. 28 Ü Die im Berliner Thomas-Dehler-Haus geplanten 20 Großkundgebungen reichen Westerwelle nicht. Westerwelle will Außenminister bleiben. ber den unscheinbaren Platz am Rande der Bonner Innenstadt ziehen graue Wolken. Sein ewiger Gegenspieler Rainer Brüderle holte in Mainz gerade mal 11. Rösler lag bei seiner letzten Landtagswahl in Niedersachsen noch darunter. Wie er auf die Zeit des Zerwürfnisses mit seiner Partei zurückblicke. so viel bekam kein anderer Liberaler im Land. „Nein“. sie haben auch so verstanden. was die Wahlergebnisse angeht“. der leichtgewichtige Parteichef Philipp Rösler und der lädierte Spitzenkandidat Rainer Brüderle. will eine Frau aus dem Publikum wissen. Und damit es auch alle im Saal verstehen: „Wir hatten das beste Wahlergebnis mit mir als Spitzenkandidat. Er spielt seine Rolle als Außenminister glänzend. dass sie Versager sind. Feierabendshopper mit Plastiktüten eilen am InfoStand der FDP-Bundestagsfraktion vorbei. Er weiß. Der Außenminister müsste nicht hier sein. Er geht auf jeden Passanten zu. „Ich habe die FDP zehn Jahre geführt. Die FDP soll sich nach ihm zurücksehnen. Ob er dem Parteivorsitz noch nachtrauere. „Der FDP schon“. sagt er. dann wäre er länger Parteichef gewesen als Hans-Dietrich Genscher. Irgendwann kommt die Rede auf die FDP. eigene Wahlslogans. so sieht es Westerwelle. Er geht auf die Leute ein.8 Prozent der Stimmen. Westerwelle ist keiner. kommt an diesem Nachmittag ganz nah an ihn heran. Was ihn antreibt.

„Der eine oder andere war ja auch durch mich etwas geworden. Westerwelle begriff nach seinem Sturz. er empfängt Amtskollegen auf Mallorca. Zu den „Kulturfrühstücken“ mit Westerwelle. Rösler und Brüderle schafften es nicht einmal unter die Top Ten. die ihn gut kennen. über nukleare Proliferation. die FDP größer erscheinen zu lassen. Den früheren Finanzminister Theo Waigel schmerzt noch heute. halten mittlerweile alles für denkbar. Brüderle hat die Angriffe auf ihn bis heute nicht verwunden. Der Bericht einer „Stern“-Reporterin über angeblich anzügliche Äußerungen Rainer Brüderles hatte im Januar eine kurze. ließen die Jungen ihm ein wirksames Instrument für seine Rache: das Regierungs- amt. Es sei „außerordentlich verletzend“ gewesen. Er versteht es. seine Geschöpfe. denen man sich menschlich eng verbunden fühlte.“ Wenn es gut ausgeht. dass sich auch ein geschwächtes Ministerium politisch nutzen lässt. Und auch Westerwelle wird die Demütigung nicht vergessen. die ihn abservierten: Christian Lindner. Zwischen Merkel und ihm gebe es „nicht nur die politische Zusammenarbeit“. Die tiefsten Wunden reißt der Verrat durch Parteifreunde. Beim ARD-Deutschland- Außenminister Westerwelle: Gezielte Demütigung der Widersacher D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 trend der vergangenen Woche rangierte der Außenminister auf Platz sechs der Beliebtheitsskala. Weil ihnen der Mut fehlte. aber auch seinem alten Widersacher Brüderle zeigen. Es waren die Jungen. „Westerwelle zieht“. Nach außen bekräftigt Westerwelle so seinen Anspruch. heute ist er das Zugpferd im Wahlkampf. Er hasst Fischer dafür. Daneben gibt es natürlich andere Möglichkeiten. kamen bis zu 900 Leute. Natürlich werde er sich mit ihr immer noch auf ein Glas Wein treffen. Konsequenter als alle seine Amtsvorgänger richtet er die Außenpolitik nach seinen innenpolitischen Bedürfnissen aus. sagt der saarländische FDP-Chef Oliver Luksic. Brüderle habe das als gezielte Demütigung empfunden. die die Fraktion im ganzen Land veranstaltete. Vor einigen Wochen gab Westerwelle dem „Stern“ ein langes Interview. heißt es in der Partei. Westerwelles Antort war knapp und eindeutig: „Weiter. Es sind diese Nadelstiche. dass ein Überläufer aus der eigenen Partei ihre fast zwölfjährige Amtszeit als schleswig-holsteinische Ministerpräsidentin beendete. „wenn alle Ämter hinter uns liegen“. und die Zahl seiner Gegner ist noch immer groß. wem sie es verdankt. das er bis dahin lustlos und eher nebenbei erledigt hatte. Heide Simonis wird nie verwinden.“ RALF NEUKIRCH 29 HERMANN BREDEHORST / POLARIS / STUDIO X . Das lieben seine Anhänger. Er wirbt für Abrüstung und eine „Kultur der militärischen Zurückhaltung“. aber heftige Sexismusdebatte ausgelöst. Westerwelle ist ein besserer Redner als alle seine Widersacher. Seine Rache ist der Erfolg. Westerwelle kennt sie auch. den Putsch in Kairo oder die Demonstrationen in Istanbul. Machtpolitisch ist er ihnen weit überlegen. es seinen Gegnern heimzuzahlen. „Ich bin Spitzenkandidat in Nordrhein-Westfalen“. Er holt US-Präsident Barack Obama vom Flughafen ab. dass der Weg zurück zum wichtigsten FDP-Politiker über das Auswärtige Amt führen musste. dass Westerwelle nach einem Wahlsieg sein Amt behalten würde. in dem er ausführlich über seine Befindlichkeiten sprach. Im Kanzleramt mag man darüber herzhaft lachen. erzählt Westerwelle. Fast eifersüchtig betont Westerwelle seine Nähe zur Kanzlerin. sagte er in einem Interview. mit denen Westerwelle sich Genugtuung verschafft. er reist medienwirksam durch die Welt. von Menschen attackiert zu werden. Niemand bezweifelt. er – und nicht Rösler – sei der wahre Ansprechpartner Merkels in der FDP.Joschka Fischer ihn zu seiner Zeit als Außenminister nicht grüßte. Spitzenkandidat Brüderle freute sich bei seinen „Wirtschaftsdialogen“ schon über 300 Gäste. dass Edmund Stoiber ihn vor rund 15 Jahren als CSU-Chef wegputschte. soll die Partei wissen. sagt er.“ Jetzt will er es seinen Zöglingen. Brüderle und Rösler kennen die Zahlen. die Atompläne des Iran. So mögen die Deutschen ihre Außenminister. „Und wenn es nicht reicht für Schwarz-Gelb? Was machen Sie dann?“. „Das Ergebnis dort ist ganz entscheidend für das Gesamtergebnis. Philipp Rösler und Daniel Bahr. als sie ist. Andere. Es erinnert sie an bessere Zeiten. Das Ministerium verlor unter ihm an Bedeutung. hat der „Stern“ gefragt. über Nordkorea. Das mussten schon andere erfahren. Doch Westerwelle verstand. Die Strategie ist erfolgreich. Kein FDPSpitzenpolitiker gab der Zeitschrift seither ein Interview – bis Westerwelle kam. Gibt es vielleicht sogar einen Weg für ihn zurück an die Spitze von Partei oder Fraktion? Er selbst hat das im kleinen Kreis ausgeschlossen. Das Medium war mit Bedacht gewählt. Vor zwei Jahren mussten sich die FDP-Helfer an ihren Ständen wegen Westerwelle beschimpfen lassen. Er entscheidet wenig und mahnt viel. Vor allem ist er besorgt: über die Lage in Syrien.

zum Thema im Bundestagswahlkampf: genen Jahres unter der Überschrift „Ger. die aussehen wie riesige Golfbälle – und modernste Abhörtechnik beherbergen. Metadaten erfasste (SPIEGEL 31/2013). der könne sich als echter BayernVeteran betrachten. Die angebliche militärische Dienststelle ist in Wahrheit eine Tarneinrichtung des Bundesnachrichtendienstes (BND).auch die Zusammenarbeit rund um das mern. tensammelstellen verbirgt und was genau Aus Sicht der Bundesregierung gibt es übermittelt wurde. an den idyllischen Chiemsee und an das malerische bayerische Städtchen Bad Aibling. fentlichkeit seit Wochen umtreibt. noch auf eine heimdienstler zeigten den Dokumenten zuAntwort aus den USA. ner fließen. die dann in die über dessen Lieferung und Einsatz der gigantischen Datenbanken der Amerika.und Satellitenkommunikation. Hier in Bad Aibling könnte sich die gereicht worden.verschärfen. heißt es in einer „Kleinen Bad Aibling Nostalgie“ von ehemaligen NSA-Mitarbeitern. Tag für Tag. das wegen seiner Metallverkleidung von den deutschen BND-Kollegen spöttischliebevoll als Blechdose („Tin Can“) bezeichnet wird.Chef Gerhard Schindler sagte. „Neuland für Merkel?“ Der Umstand. über die der umstrittene US-Ge. Auch die technische Kooperation zwischen den Abhörspezialisten ist enger als bisher bekannt.gen zufolge ein Treffen von NSA-Mitarbei987LA und -LB“ den Stellen „Bad Aib. ist die Klärung. äußerst heikel.schen Dienste hätten den Datenschutz zu 100 Prozent eingehalten. dass nikation an die NSA weiter. heißt es auf einem Plakat many – Last 30 Days“ rund 500 Millionen spöttelnd zu einem Bild der Kanzlerin.SPIEGEL vor zwei Wochen berichtete.erstaunlich eindeutig festgelegt.leistungsfähiger als die eigenen Lösungen. Neue Dokumente aus dem daten der von ihm belauschten Kommu. dieIn den Snowden-Dokumenten ist die Rede von zwei Datensammelstellen („Si.SPD machte die Snowden-Enthüllungen heimdienst allein im Dezember vergan.grammen. das den Auslandsgeheim. dass der erste da. Kanzleramtschef RoAntwort auf eine Frage verbergen. E-Mail-Adressen. verlegten Kabel zu den Lauschkugeln und übernahmen heimlich die großangelegte Überwachung der Funk. In der Mangfall-Kaserne jedoch.amts für Verfassungsschutz (BfV).programme der Amerikaner – die US-Gedaten gewonnen wurden. einen Weg. die der SPIEGEL einsehen konnte. Auch NSA-Abhörspezialisten zogen auf das Kasernengelände – in ein binnen weniger Monate errichtetes fensterloses Gebäude. dass massenhaft MetaGenannt werden die Codenamen „US987LA“ und „US-987LB“. Der BND geht daten von deutschem Boden aus in NSAinzwischen davon aus. Die gads“). zogen unauffällig die Mitarbeiter der „Fernmeldeweitverkehrsstelle der Bundeswehr“ ein.„Privatsphäre“. Wer einmal „eine Freibier-E-Mail bekommen hat“ und wisse. Offiziell wurde sie im September 2004 geschlossen. dann geraten Agenten des US-Geheimdienstes NSA bisweilen ins Schwärmen. wo in Deutschland die in den übernahmen nicht nur Deutsche die SpähNSA-Unterlagen dokumentierten Meta. IP-Anschlüsse – umstrittene Spähprogramm „XKeyscore“. „dass Leberkäse weder aus Leber noch aus Käse gemacht wird“. Die Opposition wartet nur darauf. 2012 seien namen zu einem ihrer umfangreichsten nur in zwei Fällen die Daten deutscher Staatsbürger an die Amerikaner weiterKooperationsprojekte in Deutschland. Die Liebeserklärung an die bajuwarische Lebensart und an die große Abhörbasis südöstlich von München findet sich in Dokumenten des NSA-Whistleblowers Edward Snowden. was amerikanischer Experten teilweise sogar und wer genau sich hinter den beiden Da. Die Überwachungsanlage ist für ihre weißen „Radome“ bekannt. „dass die Sigad US.tern mit Leuten des BND und des Bundesling und der Fernmeldeaufklärung in Af. Monat für Monat leitet Zusammenarbeit mit der NSA erneut der BND hier massenhaft Verbindungs. Für den BND und folge ihrerseits Interesse an zwei BND-Prodas Kanzleramt. 30 W Denn beide Chefs haben sich öffentlich Das Tête-à-Tête der Nachrichtendienste in der Mangfall-Kaserne wurde in den fol. bei dem ghanistan zuzuordnen sind“. dürfte die Diskussion um die Rolle des BND und seine von für Bad Aibling steht.Snowden-Archiv belegen zudem. enn sie an ihre Zeit in Deutschland denken. sogenannte Metadaten. die deutdeutsche Politiker und die deutsche Öf. die nald Pofalla sprach sogar davon. nur ein paar hundert Meter von den verlassenen NSA-Gebäuden entfernt. Diese seien nach Einschätzung dienst beaufsichtigt.Deutschland Ü B E R WA C H U N G Daten aus der Blechdose Der Bundesnachrichtendienst leitet massenhaft Metadaten an den US-Partnerdienst NSA weiter.Datenbanken gelangen. es um die neuesten AnwendungsmöglichOffiziell wartet die Bundesregierung in keiten von XKeyscore gehen sollte. weitaus enger ist als bislang bekannt. Auf Anfrage erklärt der BND: Man Noch vor Wochen gab es den Unterlagehe davon aus. Telefonnum. die Rolle der DatensammelD E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 . Zudem der Frage. BNDgenden Jahren unter wechselnden Code.se Aussagen widerlegen zu können.

Lauschposten in Bad Aibling ULLSTEIN BILD stellen – sollten sich die BND-Informationen als richtig erweisen – womöglich einigermaßen gesichtswahrend darzustellen. insbesondere des BND-Gesetzes und des G-10-Gesetzes. welche weitreichenden Analysemöglichkeiten diese bieten? Und wie will der BND bei den in Rede stehenden Mengen ausschließen.“ Deutscher Telekommunikations- verkehr und deutsche Staatsangehörige seien von diesen Erfassungen nicht betroffen. dass die „NSA personenbezogene Daten deutscher Staatsangehöriger in Deutschland erfasst“. April liche Fragen nach der Rechtmäßigkeit der Geheimdienstzusammenarbeit auf. weitgehend vor dem BND geschützt ist. wie mit derlei Schnüffelpannen umzugehen ist. und erklärte dazu: „Vor der Weiterleitung von auslandsbezogenen Metadaten werden diese in einem mehrstufigen Verfahren um eventuell darin enthaltene personenbezogene Daten Deutscher bereinigt. als Bad Aibling ausweislich der Unterlagen aus dem SnowdenArchiv zumindest zeitweise nicht der einzige BND-Horchposten auf deutschem Boden war. Darum gibt es dort spezielle Verfahren.“ Die Fragen zum Datenaustausch stellen sich umso drängender. Existieren die beim BND auch? Und was ist angesichts der gewaltigen Datentransfers von der Aussage des Kanzleramtsministers zu halten. Zudem habe man bislang keine Anhaltspunkte. kann aber eigenen Unterlagen zufolge nicht sicherstellen. In einem Reisebericht aus dem Jahr 2006 schwärmen Mitglieder einer NSADelegation von ihrem ersten Besuch der 31 D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 . die deutschen Dienste hätten sich genau an den Datenschutz gehalten? Der BND erklärt dazu: „Alle Aktivitäten im Rahmen von Kooperationen mit anderen Nachrichtendiensten laufen unter Einhaltung der Gesetze. Damit würden die in Bad Aibling abgezweigten und an die NSA weitergeleiteten Daten zwar technisch in Deutschland erhoben – sie beträfen aber in der Regel nicht deutsche Staatsbürger. deren Kommunikation nach dem G-10-Gesetz. dass ihr das nicht doch unterläuft. Denn die in Bad Aibling gewonnenen Daten betreffen offenbar legale Ziele der Auslandsüberwachung des BND – ausgespäht würden vorwiegend Datenströme in Afghanistan und im Nahen Osten. zumal dank Unterlagen aus dem Snowden-Archiv nun bekanntgeworden ist. das die Befugnisse der Nachrichtendienste regelt. von dem aus in großem Umfang Daten an die NSA geliefert wurden – und das nach NSA-Angaben sogar „täglich“. grundsätz- Ausriss aus einem NSA-Dokument vom 8. also von Deutschen. Verbindungsdaten an die NSA zu übermitteln. die nicht ausgespäht werden dürfen? Auch die NSA darf US-Bürger in der Regel nicht abhören. dass sich nicht doch Metadaten von Grundrechtsträgern darunter befinden. Der BND räumte auf Anfrage ein. Der massenhafte Datentransfer nach Übersee wirft allerdings neue. Auf welcher rechtlichen Grundlage kooperiert der BND in diesem ungeheuren Ausmaß mit der NSA? Wie ist die Weitergabe dieser Metadaten überhaupt einzuordnen.

In dem ersten Projekt arbeiteten demten hätten ihren US-Kollegen verschiedene BND-Analysewerkzeuge vorgeführt. keine Daten an die NSA weitergeleitet“. Eine solche Sitzung. Dabei ging es ausweislich der Unterlagen auch um bislang unbekannte Analyse-Möglichkeiten des Programms – etwa um „Verhaltenserkennung“ („behavior detection“). aufgrund von Verhaltensmustern bestimmte Situationen. Angesichts gemeinsamer deutsch-amerikanischer Arbeitsgruppen zur Ausspähung liegt die Frage nahe. Das gilt umso mehr. heißt es in dem Papier.Deutschland BND-Abhöreinrichtung in Schöningen unter anderem zwei Systeme mit den bei Braunschweig.dem NSA-Gebäude.sche Zusammenarbeit“. war laut den Dokumenten im April in Bad Aibling geplant – nur wenige Wochen bevor Edward Snowdens Enthüllungen über XKeyscore & Co. Die BND. Die Amerikaner trainierten Deutsche zu dem besonders ergiebigen Spähprogramm XKeyscore – mit dem die NSA sowohl den BND als auch das Bundesamt für Verfassungsschutz ausstattete (SPIEGEL 30/2013).BND antwortete positiv auf die NSA-Bitniebetreiber Thuraya. blieb es nicht. des NSA-Statthalters vor Ort. heißt es darin. vor menarbeit offenbar fortentwickelt. zelebrierte die damalige NSA-Vertreterin Noch immer steht die Frage im Raum.res“ auf deutschem Boden niederschlug: pe aus dem Jahr 2006 lässt auf eine enge So liefen zum Zeitpunkt der Feierstunde Zusammenarbeit gerade in den techni.„Joint Sigint Activity“ (Gemeinsame sucher zu beeindrucken. die Be. In dem Papier ist die Rede von 400 000 halb eine Art Deal unter Kollegen: „Der Mitschnitten allein beim Satelliten-Telefo. auch die Deutschen Bitten nach Unterzudem würden täglich 62 000 Mails aus. die sich in zwei konkreten Geheimdienst-„Joint Ventutem Grund. heißt es in dem Papier. das „Joint Analysis Center“ Level“ erreicht. Die gemeinsame Fernmeldeaufklärung lief 2004 an und richtete sich gegen „Terrorismus. ob die Dienste über die gegenseitigen Aufklärungsmöglichkeiten nicht bestens im Bilde gewesen sein müssen.einem NSA-Dokument zufolge bereits schen Fragen des Ausspähens schließen. heißt es in dem Papier. nach fünf zivile Analyse-Spezialisten der 32 D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 . Gruppen oder sogar Individuen zu erkennen. „In einigen Aufzeichnungen der Besucher zufolge da. Bei Symbolik und räumlicher Nähe chem Zeitpunkt kannten. Bei vielen Dementis der vergangenen Wochen fiel auf. seit 2004 Sitz der „Special United derzeit würden aus „der dortigen Erfassung States Liaison Activity Germany“. Das Ziel von Trainingsstunden durch die Amerikaner sei es. Einem Dokument aus dem SnowdenArchiv zufolge führten im Oktober 2011 der deutsche NSA-Statthalter und der BND das Programm XKeyscore gemeinsam dem Bundesamt für Verfassungsschutz vor. HUBERT GUDE. serne. als gerade der technische Austausch sich in den Jahren danach eher intensivierte. Das „XKeyscore System des BND“ habe dabei „erfolgreich den DSL-Datenverkehr eines deutschen Terrorverdächtigen analysiert“. Wenn man dem Reisebericht der USSatelliten. Auch danach blieben die Dienste über das ergiebige Spähprogramm und dessen Weiterentwicklung offenbar in engem Kontakt.Fernmeldeaufklärung).und Mobilfunkbetreibern am Delegation Glauben schenkt. Womöglich aus gu.(Gemeinsames Analysezentrum) und die Seite schaffte es damals offenbar. und allem von Mitschnitten aus Afghanistan. mit ihren deutschen Kollegen zum ersten welche Einzelheiten der amerikanischen Jahrestag in der Blechbüchse sogar symSpähprogramme die deutschen Dienste bolisch – sie pflanzten einen Baum vor und die Aufsicht im Kanzleramt zu wel. gab es desHindukusch und in Afrika. BND-Spezialis. die auf Daten aus Russland spezialisiert sind. heißt es darin. insbesondere dessen „Aufspürvermögen“ („discovery capabilities“). Als Ergebnis dieser erfolgreichen Demonstration habe der Vizepräsident des BfV die Software „formal angefordert“. Die NSA-Niederlassung dass diese sich explizit und ausschließlich begann damals offenbar eine „strategiauf „Prism“ bezogen.Punkten haben diese Werkzeuge Fähigmals rund hundert BND-Mitarbeiter mit keiten. Damit stand die Tür für den großangelegten Datentransfer offen. In der Blechdose bauten die NSA-Spezialisten eine eigene Kommunikationszentrale auf und etablierten den Dokumenten zufolge erstmals eine direkte elektronische Verbindung zum NSANetz. erklärt der BND. begannen. kurz „Suslag“. 14 000 Mitschnitten te nach einer Kopie von Mira4 und VEbeim kommerziellen Satellitenbetreiber RAS“. MARCEL ROSENBACH Ausschnitt aus einem TV-Beitrag zur NSA: „US-987LA ist Bad Aibling zuzuordnen“ Das gute Kooperationsklima in Bayern Der Reisebericht der NSA-Delegation ist aus einem weiteren Grund interessant. die die US-SIGINT-Möglichkeiten Hilfe von 19 Antennen die Signale von übertreffen“. LAURA POITRAS. zwei gemeinsame Operationen von NSA Man habe diesbezüglich einen „neuen und BND. den Deutschen die Fähigkeiten von XKeyscore näherzubringen. NSA mit BND-Experten zusammen. nirgendwo in Deutschland war sie so eng „die der BND täglich an uns weiterleitet“. „Die NSA profitiert von dieser In diesem Geist hat sich die ZusamSammlung“. Proliferation und andere ausländische Ziele“. heißt es weiter. wie auf dem Gelände der Mangfall-KaDamit konfrontiert. in der Vertreter von Bundesnachrichtendienst und Verfassungsschutz neue Einzelheiten über XKeyscore erfahren sollten und in der es insbesondere um „behavior detection“ gehen sollte. Dort sammelten den Namen „Mira4“ und „Veras“. gespäht.stützung geäußert. Darunter wird gemeinhin die Möglichkeit verstanden. das der SPIEGEL einsehen konnte. Im Gegenzug hätten Inmarsat und 6000 täglich beim Mobilfunk. Der Delegationsbericht der NSA-Grup.

weshalb ein handgeschriebenes Zettelchen dran klebte: „Tor defekt. wahlweise. um Steuern zu sparen. was man auch ohne Bedenken am Schwarzen Brett oder „an der Kirchentür“ aushängen könnte. sondern auch die Tausender Fremdfirmen gespeichert werden. geheimes Firmenwissen über halb Europa. Im Gegenteil. Nur BlackBerrys sind erlaubt. Die Vorsichtsmaßnahmen deutscher Unternehmen lesen sich teilweise wie ein Kapitel aus einem Grisham- A Roman. Viele treibe gerade die Sorge um. Auch nicht die Überwachungskameras. auch die USA könnten ihre Geschäftsgeheimnisse abgreifen. die nach der Reise entsorgt werden. bleiben die Dienst-Handys in München. Beim Luftfahrtkonzern EADS ist die dienstliche Nutzung von iPads und iPhones verboten. was die NSA denn mit all den Daten 33 JULIAN STRATENSCHULTE / AP / DPA STEVE MARCUS / REUTERS . „Viele Dokumente. Elektronisch werde nur noch das versendet.NSA-Chef Keith Alexander WI RTSCHAFTSSPIONAGE Der Feind in meinem Netz Deutsche Unternehmen sind begehrte Ziele ausländischer Geheimdienste – nicht nur aus China oder Russland. Die EADS-Spitze um Tom Enders hat ihre Abwehrmaßnahmen erneut verschärft. Nur autorisierte Finger erhalten Einlass. aus einem medizinischen Lehrbuch über Paranoia. nicht etwa. Der Konzern verfügt zudem über eine eigene Kanzlerin Merkel mit abhörsicherem Handy Tummelplatz für Industriespione D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 Fluglinie. so die Theorie. die das Haus Nummer 14 des Software-Konzerns SAP in Sankt Leon-Rot so gesichert erscheinen lassen wie Fort Knox. und auch nur. Die Flugzeuge sind auf den Cayman Islands zugelassen. soll Mitlauschen verhindern. muss an fünf Sicherheitsschranken mit fünf Fingerabdruckscannern vorbei. Es ist die Sache mit dem Finger: Wer in das Herz des Unternehmens eindringen möchte. Angestellte in besonders sicherheitsempfindlichen Bereichen dürfen außerhalb ihrer abgeschotteten Büros keine E-Mails abrufen. Die Büchse als Faradayscher Käfig. die früher noch per E-Mail verschickt wurden. sagt ein EADS-Mann. Beim Chemieriesen Evonik müssen die Manager ihre Mobiltelefone bei Besprechungen in Keksdosen stecken. dass Wirtschaftsgeheimnisse hierzulande schutzlos wären. Oder das HightechStahltor. Die Manager bekommen Einweggeräte. Es ist also nicht so. in das Rechenzentrum mit all seinen Servern. bitte mit der Hand öffnen“. reichen wir nun in noch größerer Zahl persönlich an den Empfänger weiter“. Seit der NSA-Affäre wächst die Sorge vieler Manager. das vor ein paar Wochen ohnehin nicht funktionierte. Wenn BMW-Manager ins Ausland fliegen. Enders und seine Leute sind da kein Einzelfall. wenn sie noch vital sind. Sie sollen nicht sofort als VolkswagenFlieger erkennbar und die Passagierlisten nicht so leicht einsehbar sein. Oder. Mit einem abgeschnittenen Finger kommt niemand rein. Nach den Enthüllungen um den massenhaften Datenabgriff aus den USA ist die Nervosität deutscher Manager sogar noch gewachsen. auf denen nicht nur die Daten von SAP. VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch lässt nicht bloß Besprechungsräume regelmäßig nach Wanzen absuchen. m Ende sind es nicht die Außenmauern aus meterdickem Stahlbeton. Volkswagen Air Services.

Von Militär- Auch in Zeiten von Trojanern ist die empfindlichste Stelle – der Mensch. dass die Unternehmen in den letzten Wochen sensibel geworden sind. in dem die US-Dienste versucht haben. Know-how zu stehlen. da tummelten sich Angreifer mehr als hundert Tage in den Computern der Unterneh- RETO KLAR / PICTURE ALLIANCE / AP / DPA . Sind es Wirtschaftsspione? Geheimdienste? Oder einfach nur HobbyHacker? Sicher ist nur: Es sind komplette Söldnerheere im Netz unterwegs. „die da nicht hingehören“. und vielleicht stellen sich die amerikanischen Geheimdienste ja bloß geschickter an beim Verwischen der Spuren? Neugier der Konkurrenz muss sich jeder schützen. Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft für Sicherheit der Wirtschaft. dass die US-Dienste bei ihrer umfangreichen Suche im Netz Datenpakete aus deutschen Firmen aufstöbern. sagt der Leiter des Cyber-Allianz-Zentrums beim Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz. als käme der Angriff aus China. was aus den USA kommt. Michael George.“ Die Verunsicherung ist allgegenwärtig in Deutschland. Deutschlandweit geht die Zahl der Attacken angeblich in die Hunderttausende – pro Tag. Etwa 3000 Angriffe muss allein SAP jeden Monat abwehren. so viel war immer klar. ob sie nicht auch nach Westen schauen müssen“. Das Problem bei der Abwehr von Spionage ist: Man muss ziemlich viele Türen auf einmal bewachen. die sie vermutlich auch über deutsche Unternehmen sammelt. Die Gefahr des Datenmissbrauchs sei „hoch“. was mit Militär zu tun hat. sondern auch aus den USA rechnen? Sicher ist bislang nur: Das Vertrauen gegenüber allem. „Für Angriffe auf Mittelständler muss man nicht einmal ein Top-Knowhow haben“. bleibt meist ja ohnehin im Dunkeln. Und keiner weiß. ist ein Tummelplatz für Industriespione. Ihm macht Sorge. sagt ein hoher Beamter beim Verfassungsschutz. „Es ist immer einfach. Die Iraner wollen wissen. woher sie genau kommen. sagt ein hoher Beamter vom Verfassungsschutz. „genau dort. „Die Amerikaner sind Profis. hat arg gelitten in der deutschen Wirtschaft. Und sie sind gut. wo das Ausspähen fremder Volkswirtschaften durch eigene Geheimdienste Programm ist. ob die nicht die eine oder andere Info an interessierte Seiten weiterverkaufen“. Dutzende Fälle wurden da in den vergangenen Jahren publik. sagt der Fachmann. die sich an den Meistbietenden verkaufen. „Wer weiß denn.SAP-Serverraum in Walldorf: „Die Amerikaner sind Profis. die hinterlassen keine Spuren – und wenn. wo all die großen und kleinen Technikfirmen sitzen. dann falsche“. die in deutschen Unternehmen Standard sind? Dürfen sich Manager weiter über Skype unterhalten? Muss jeder Mittelständler 34 nicht mehr nur mit Hacker-Attacken aus China. dass die US-Geheimdienste mit privatwirtschaftlichen Beratern zusammenarbeiten. Die machen zwar gerade auch ganz viel – aber den Chinesen wird momentan natürlich auch alles in die Schuhe geschoben. wo sie sich Einzelteile für ihr Atomprogramm in Deutschland heimlich zusammenkaufen können. Brehmer ist eher kein Verschwörungstheoretiker. die hinterlassen keine Spuren – und wenn. dass US-Geheimdienste gezielt Industrie-Know-how aus Deutschland abgreifen und an ihre Heimatfirmen verteilen.“ Bislang galt als Faustregel für den Umgang mit Wirtschaftsspionage: Vor der D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 technologie bis zum Highend-Plattenspieler haben sie alles im Visier. so Brehmer. Vor allem Mittelständler melden sich mit ganz simplen Fragen bei den Fachleuten vom Verfassungsschutz: Was ist eigentlich mit den Produkten von USSoftware-Firmen wie Microsoft. dann falsche“ anfange. dass man nicht richtig hingeschaut hat. dass besonders viel im Süden Deutschlands ausgeschnüffelt wird“. Oft reichen sie diese Informationen über Datenlecks an deutsche Behörden weiter. Wer bei einer Hacker-Attacke am Ende an der Tastatur sitzt. sagt er. aber Gefahr von Staats wegen droht vor allem aus China und Russland. Zwar ist bisher kein Fall bekanntgeworden. „Wir registrieren. Deutschland. Und die Produktkopierer aus China lassen gar nichts aus. Auch SAP-Firmengründer Hasso Plattner sind die Spähaktionen der angelsächsischen Geheimdienste nicht ganz geheuer. Unterschiedlich sind nur die Interessen der Späher. Die Russen sind auf alles begierig. sagt Christoph Fischer von der Beratungsfirma BFK in Karlsruhe. Sie müssen nicht einmal direkt deutsche Unternehmen abgreifen. so zu tun. die dann das betroffene Unternehmen informieren. sagt Ulrich Brehmer. Er will damit noch nicht einmal andeuten. Aber vielleicht liegt das auch nur daran. Sie hatten beim Thema Spionage fast nur den Osten im Blick und sind unsicher. „Wir haben Fälle. Es kommt vor. „Es ist schon eigenartig.

„TopManager sind oft lohnende Ziele. Die Erfolgsquote bei diesen in der Regel fünf bis zehn Tage dauernden Operationen liege bei nahezu 100 Prozent. Doch in diesem Fall bezahlte es Schröder sogar dafür. werden heute die sozialen Netzwerke auf Informationen durchsucht. wie erst vor ein paar Wochen der wie aus Versehen seinen Schlüsselbund Mitarbeiter einer deutschen Medizintech. Social Engineering nennt sich dieses Ausspionieren über das persönliche Umfeld. dass da Erst als er mit kompromittierenden Fotos nichts mehr geheim geblieben ist“. wenn es darum geht. was die Konkurrenz so treibt – D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 und lädt sich auf diese Weise ein Spähprogramm auf den eigenen Rechner.Beispiel zeigt. „Universitäten und wei35 .“ Das gelte auch für größere Firmen mit eigenen Konzernsicherheitsabteilungen. welche Daten denn besonders schützenswert sind. in diesem Fall genauer. die Firmennetze sicher den. In den meisten Firmen gibt es nicht einmal Klarheit darüber. ist es nur noch eine Frage der Zeit und des Aufwands.seiner Firma. Vorlieben. für die früher wochenlange Operationen nötig waren. dass die IT-Abteilung das Sicherheitsproblem schon irgendwie allein lösen müsse. sagt Schröder. das der vielen Es sind simple. an dem – verlockend – ein USBnikfirma zu spüren bekam. was auf der Nachbarinsel geschieht. Die Wirtschaft fühlt sich von Innenministerium und Verfassungsschutz bei dem Thema alleingelassen. und sie war offenbar interessiert. Eigentlich müsste Thorsten Schröder was wirklich geschehen war. Erst neulich hat Schröder wieder ein nem Chef – und seiner Ehefrau. Ein Teufelskreis. Zwischen Behörden und Firmen. Die „Kronjuwelen“. sie war schauen. Der 36-Jährige ist selbst Unternehmer und berät mit seiner im schweizerischen Winterthur ansässigen Firma Modzero und vier festangestellten Kollegen Unternehmen in Sachen ITSicherheit und Abwehr von Cyberspionage. Oder. Gerade kleine und mittelständische Unternehmen seien überfordert. dass auch in Zeiten von griffen. die regelmäßig die eigenen Systeme angreifen und testen. ja sogar Hinweise auf mögliche Passwörter für Mail-Account oder Firmennetzwerk lassen sich oft aus den Profilen bei Facebook oder Xing ermitteln. wie viele seiner Kollegen. die es zu bewachen gilt. In dem hübsch. Türen. also Trupps. bevor sie entdeckt wurden. Spionageabwehr auftaucht. bis man an sensible Kundendaten oder die interne Finanzplanung kommt“. Er war in der Schrecken aller Unternehmen sein. Die Unternehmen sind verschlossen und melden lediglich jeden fünften Fall von Spionage an die Geheimdienstler. „Ist man erst mal drinnen. Der konnte sein Glück zunächst kaum Das Opfer wähnt sich im Vorteil. aber effektive Tricks. was vor sich geht. Mit diesem Wissen kann dann weiteroperiert werden. Das Opfer sollte Inforund trägt auch gern die Markenzeichen mationen liefern über ein Erfolgsprodukt der Szene: T-Shirts von Hacker-Konferen. BFK-Mann Fischer. Womit wieder das Grundproblem jeder der Mann. die das Unternehmen vor Zugriffen von außen schützen soll. Um sich das Vertrauen einer Zielperson zu erschleichen. dem sie haben einen Sonderstatus und oft Opfer Geheimnisse zu entlocken – der auch besonders viele Zugriffsrechte. dass sie eigentlich nicht mal wissen. Häufig würden besonders die höheren Etagen der Hierarchie die größten Sicherheitsrisiken bergen. Freunde. Kontakte. Nur jedes fünfte Unternehmen hat eine solche Analyse für sich erstellt. In kurzer Zeit konnte er sich von „Prism“ und Trojanern am Ende eine alte seinem eigenen Rechner aus erfolgreich Schwachstelle immer noch die empfindals Außendienstler des Unternehmens ausgeben. In diesem Fall schlug die Attacke fehl. die zuweilen selbst sogenannte Red Teams unterhalten. denn der Hacker hat. zwischen Politik und Wirtschaft regierte in Sachen Spionage jahrelang Misstrauen.Deutschland men. Sie war jung. hatte damit alle Zugriffsrechte ANZEIGE eines Mitarbeiters – und so die Firewall überwunden. Auch die von den Angreifern angewendet werwenn es gelänge. sein Hobby zum Beruf gemacht. Es ist neben dem Hacking eines der wichtigsten Werkzeuge für Geheimdienste. „Das Fatale an der jetzigen Situation ist. für das Unternehmen ein Alptraum. Fall müssen Sie davon ausgehen. um zu Chinesin begann. zen. Ein Problem der deutschen Verfassungsschützer ist. dass jedes Unternehmen eine Insel ist und keiner weiß. Doch das Unternehmen der Medizinbranche ange. Überhaupt scheint in vielen Firmen die Losung zu gelten. Der FDP-Innenpolitiker Hartfrid Wolff sieht Deutschland im Bereich der Abwehr von Wirtschaftsspionage bisher schlecht aufgestellt.liegen.“ So können sich Angreifer mit ein und derselben Masche zu mehreren Unternehmen Zugang verschaffen – und es merkt nicht mal jemand. Am liebsten kombinieren die Angreifer neue Technik und altbewährte Methoden. Da kommt etwa ein Mann an den zu machen. als er einen heftigen Flirt mit einer den Stick in seinen Computer. Stick hängt. sagt Schröder: „Wir finden eigentlich immer etwas. käme der Feind eben über Messestand. Doch nach einer Studie der Beratungsfirma Corporate Trust ist nur jeder vierte Mitarbeiter deutscher Unternehmen auf diese Gefahr vorbereitet. gibt sich als Manager eines ganz andere Wege – zum Beispiel übers Konkurrenzunternehmens aus und lässt Bett. wusste der Manager. die Venusfalle getappt. Erst seit kurzem reicht etwa der bayerische Verfassungsschutz Erkenntnisse über Angriffe von einem Unternehmen an andere weiter. In diesem Fall kam es für das Unternehmen noch schlimmer. Er konnte sogar eigene Software auf deren Servern installieren und sich so zum Administrator und „Superuser“ machen – für einen Hacker von außen der größte Triumph. die Industrie unterrichte sie zu wenig über Hacker-Angriffe oder Fälle möglicher Werksspionage. steckt fassen. sagt erpresst wurde.“ Mensch. denn lichste ist. Die Sicherheitsbehörden kritisieren. anonymisiert. die ihn und die schöne Chinesin zeigten. In wenigen Tagen sind dort Daten zu beschaffen. wie sie im Jargon der Branche heißen. praktische Cargohosen. dass es eine Masche ist. und am liebsDer China-Reisende offenbarte sich seiten alles in Schwarz. Verfassungsschutzmann George wirbt deshalb bei Mittelständlern unermüdlich um Vertrauen. ein Uralttrick der Er bezeichnet sich selbst als „Hacker“ Geheimdienste.

JÖRG SCHMITT US-Seite. sondern dass das auch geschieht“. Safe Har. privat wie ge. sagt die EU heute auf Nachnen und so Sicherheitslöcher zu stopfen“. Oder aber.wunden fest. Für ein Dax-Unterschen Bürgern speichern. Nur vier Jahre später erschien eine Doch nun. Mehr als 3000 Unternehmen und Kon. den „völlig unzureichend“ überprüft.in ihrem Heimatland immerhin.reichen. müsse ein Konzern nicht nur Vornommen werden. sie müssen eine Schweigeerklärung unterschreiben. Datenschutzrichtlinien – besonders auf die Geheimdienste später spähen können.abhörsicheren Handys. Un. Angst. Das Werk. sich gegenseitig zu war. scheinen sich die Fronten aufzu. die zeige. durch die ANN-KATHRIN NEZIK. suchen externe Spezialfirmen solche „Loopholes“. Doch die Wirt. sei in ihre Gesamtbewertung von sagt der IT-Chef eines Dax-Konzerns.schen Kollegen. hat der deutsche Software-Riese SAP dennoch nicht. Angefertigt wurde sie von einer beider Seiten ein Papier zum Wirtschafts. Vor dem Kauf. sobald verschiedene Programme aufeinander abgestimmt werden müssen.zen.“ Das Beste: Um sich effektiv zu schütgelwerks sollte von US-Behörden über. „Die Spionagebour gilt dann quasi als Gütesiegel. „Vorher haben freiwillig zur Einhaltung bestimmter mungen durch die zuständigen US-Behör. im Zuge der NSA-Enthüllungen. Manager grodas von Bundesinnenminister Hans-Peter ßer deutscher Konzerne vermuten andere Friedrich geplante IT-Meldegesetz. dass sich in der zugekauften USSoftware Schnittstellen der US-Geheimdienste befinden könnten.sicherung für unsere Bürger“. frage.pertenkreis bekannt. Gleichzeitig lässt sich das Gerät wie ein Smartphone nutzen. sagt sie. ternehmen. Sogar eine stände und Manager mit Krypto-Handys zerne ließen sich in den USA bisher auf einseitige Kündigung der Vereinbarung ausstatten – sondern auch deren Sekretärinnen und Referenten. Mehr noch: Software-Entwickler kön.nehmen sei es deshalb sinnvoll. Preis: Im Jahr 2004 enthüllte eine von der EU-Kommission in Auftrag gegebene Stu. sagt Alexander Polyakov vom Sicherheitsspezialisten ERPScan. MARCEL ROSENBACH. Ende August wollen Vertreter Studie. Ein neues IT-Meldegesetz nennen wie hilflos die Politik in Wahrheit sei. werden die Wörter verschlüsselt. „Tausende SAP-Systeme mit Internetzugang sind nicht auf dem neuesten Stand“. STEFAN BONESS / IPON .Sanktionen der US-Behörden gab es in abzufangen. sagt Sicherheitschef Gordon Mühl. DINAH DECKSTEIN. eher sogar schlechter“. Sie alle konnten fortan mit Billigung der „Patriot Act“ erlaubt den US-Behörden Anrufer und Empfänger ein abhörsicheEU Milliarden Datensätze von europäi. „Das sind Einfallstore für Datendiebe. Damals gelobten die Amerika.triebschef bei Secusmart.zuschaffen. Nun scheint es aber auch der zuständi.nen gezwungen werden. Was denn der Herr Minister mit all den tollen Daten anzufan. Verchern und verarbeiten wollen. austauschen. den der NSA registriert Secusmart ein geheißt es in dem Bericht. verarbeiten und zu allen Daten zu erhalten. Hintertüren in 2500 Euro. auf der sich Un.BND-Zufahrt in Berlin: Es geht darum. für 500 bis 1000 Mitarbeiter solche Telefone anschäftlich. Denn die Verdie Spielregeln ein. Sobald der Anrufer ins Mikrofon des Handys spricht. Safe-Harbour-Abkommen. fragt der Sicherheitschef tenschutzbestimmungen auf US-Seite im eines Rüstungskonzerns. MICHAELA SCHIESSL. So stellen die Wissenschaftler unumfür unausgereift. die aber die fehlende Überwachung der die Programme einzubauen. sei offenbar eher ein „Schlupfloch als eine Ab. Darunter Giganten schließt Reding nun nicht mehr aus. FRANK DOHMEN. Doch das 192 Seiten diternehmen und staatliche Behörden über cke Werk wurde – anders als die Studie mögliche Angriffe austauschen sollen. sich gegenseitig zu warnen tere Forschungseinrichtungen brauchen ner Besserung bei dem noch ungewohnebenfalls einen deutlich besseren Schutz.solchen Fällen kaum.Jahr „2008 nicht besser“ war „als im Jahr sen und das den Datenschutz für US-Fir. behauptet Secusmart. dass Datenschutzbestimmungen verpflichten. des Jahres 2004 – nur einem kleinen Ex„Es geht darum.“ ten Regelwerk. Die Zertifizierung und Überwachung des Re. „Man muss schon sehr gewieft sein. Geplant ist etwa beit mit norwegischen und amerikanieine Internetplattform. Das amerikanische Anti-Terror-Gesetz schlüsselung funktioniert nur dann. dass die Vereinbarung unverzüglich melden. um solche Scans zu umgehen“. etwa die Düsseldorfer Firma Secusmart. das die USA Seit Bekanntwerden der Abhörmethound die EU bereits im Jahr 2000 abschlos. Danach können sich US-Firmen quasi und Einhaltung der Datenschutzbestim. Facebook oder Microsoft. Den Vorstoß nennt er „eine Lachnummer“.2004. frohlockt Jörg Goronzy. die mit einer speziellen Karte arbeiten. wenn die Schutzsoftware nicht ständig aktualisiert wird. Zugang res Gerät besitzen. wenn SAP noch nicht auf den Quellcode zugreifen darf. Auf wenig Gegenliebe stößt dagegen Safe Harbour eingeflossen. Politisch heikel ist auch das sogenannte Profis „eine Lachnummer“. Pro Stück. Danach kontrolliere eine vergangenes Jahr eingerichtete Abteilung bei SAP den Quellcode. die in Europa aktiv sind. dass die Einhaltung der Dagen gedenke. MARKUS BRAUCK.schon damals hätte aufgekündigt werden schaft hält den bisherigen Gesetzentwurf müssen. Gefährliche Lecks können jedoch an den Schnittstellen entstehen. sollen das so verheerend.zweite von der EU in Auftrag gegebene weichen. es nicht nur sehr einfach ist. wenn wie Google.Beweggründe für die Schweigsamkeit. kaum größer als ein Fingernagel. So werde.belgischen Universität in Zusammenarschutz unterzeichnen.Erzählen dürfen sie das nicht einmal ih36 D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 ren Chefs. Das Abkommen. die Zertifizierung stiegenes Interesse von Unternehmen an men regelt.gen EU-Kommissarin Viviane Reding zu affäre hat vielen die Augen geöffnet.uns die Firmen oft nicht geglaubt. die sich auf abhörsichere Handys spezialisiert hat und zu ihren Kunden auch die deutsche Kanzlerin zählt. die einen Angriff auf ihre Denn die Ergebnisse der Studie waren Computersysteme feststellen. Telefonate wenn sie Daten europäischer Bürger spei. Secusmart soll die Bundesregierung in einigen Wochen mit handelsüblichen BlackBerrys ausstatten.“ Aber es gibt auch Profiteure des neuen Sicherheitsbooms.

die Belange Mahnwache vor der ägyptider Industrie im Auge beschen Botschaft versammelt hält. als die deutsche Presse de von Ramsauers Ausflug von „FAZ“ bis „Welt“ Asnach Damaskus. wird nicht geren Fahrzeugen bewerben. auch nach China oder etliche Protestler. Sechs WoRussland wird deutsche chen später folgten im Reich Technik verkauft. Lokomotiven und Eisenbahnstrecken. geladen waren bischen Frühlings. Vor Ort ging es um die Interessen der deutschen Industrie. Außenminister Guido Westerwelle. als fände die Rebellion gar nicht statt. „die Zusammenarbeit zu Zorns aufgerufen: Die ersten Ausläufer forcieren“. Von Gemeinsam mit Siemens wollte der Algerien bis zum Jemen gingen wütende Staatskonzern das syrische EisenbahnBürger auf die Straßen. Oppositionellen stand nicht auf Ramsauers Programm – wohl aber ein Rundgang * Mit dem damaligen syrischen Vizedurch das Zentrum von Dapremier Abdullah Dardari am 2. Zudem In jenen Tagen machte Bundesverwollten die Deutsche Bahn und Siemens kehrsminister Peter Ramsauer der Regiedie erste innerstädtische Metrolinie in rung von Staatspräsident Baschar alDamaskus realisieren. Machthaber Mubarak unter dem Druck der Straße seinen Rückzug bekanntgab. wie es in internen Dokumender Arabellion erreichten Damaskus. Deutsche Firmen sollten nicht fehlen beim Ausbau der syrischen Infrastruktur. Ramsauer hatte vor seinem Abflug beim Auswärtigen Amt die Sicherheitslage erkunden lassen. netz erneuern. ten im Arabischen Frühling Bislang unbekannte Dokupolitisch opportun? Zu einer mente enthüllen die UmstänZeit. Außerdem sei Diesellokomotiven und die er der Meinung: „Solange geModernisierung von 56 älteredet wird.“ „Der Auftrag würde die Doch am selben Mittwoch. Sie zeigen. bei einer Syrien-Visite ein Jahr zuvor explizit angesprochen hatte. sads Diktatur und ein Überwie der Minister mitten im springen der Proteste nach Arabischen Frühling bei eiSyrien thematisierte? nem Autokraten für die deutEin Treffen mit syrischen sche Industrie trommelte. Nach Jahrzehnten der Planwirtschaft wollte das Assad-Regime ausländische Investoren anlocken und insbesondere in das Verkehrsnetz Milliardenbeträge stecken. Beschäftigungssituation für an dem Ramsauer den Vizemehrere Jahre sichern“. mied Ramsauer. so hätte die erste Station seiner Nahost-Reise ihn aufmerksamer machen können. Vor allem die Deutsche Bahn machte In Kairo demonstrierten Millionen Ägypsich Hoffnungen auf künftige Projekte. Die Firma Politiker während der Reise Vossloh aus dem Sauerland gegenüber einem Journazum Beispiel wollte sich um listen vom „Hamburger die Produktion von 41 neuen Abendblatt“. Wenn Ramsauer vom Auswärtigen Amt schon nicht sensibilisiert worden war. ganz so. Femaskus mit einer Expertin Staatsgast Ramsauer (r. Ramsauer traf sich mit den Ministern für Finanzen und Transport. ckenabschnitte gab es bereits. Doch auf seinem Weiterflug nach Syrien. hieß premier Abdullah Dardari es damals in den Unterlagen traf. In Tunesien Ramsauer. für die deutsche Industrie und Am selben Abend. Aber war Assads die ersten Unruhen ein Damaskus-Besuch mitmit Toten und Verletzten. Dort dominierte ein Thema: der Aufruhr in der arabischen Welt und die Folgen für Israel. Er warb deutsch-syrisches Freundschaftsfähnchen. An Ramsauers Revers steckte ein nach Damaskus. ten der Bundesregierung heißt. auch in autokraeinander. ter gegen Präsident Husni Mubarak. dem Erz- JOCHEN GAUGELE / DIE WELT D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 37 . trieben syrische Sicherüber Vossloh. Ramsauer Die Opposition hatte zu einem Tag des sollte helfen. Fotos zeigen. stand in Damaskus ein Dinner auf Einlaie ersten Februartage des Jahres dung des Syrian German Business Coun2011 standen im Zeichen des Aracil auf dem Programm. wie er unter einem Porträt des Diktators Assad sitzt Kurz vor Ausbruch des Syrienund mit seinen syrischen Kollegen plauKonflikts reiste Minister Ramsauer dert.)*: „Die Zusammenarbeit forcieren“ bruar 2011 in Damaskus.Deutschland feind Israels. schossen. Aufträge für einige StreUnd auch in Syrien brodelte es bereits. Gemeinsam mit Kanzlerin Angela Merkel hatte er in Jerusalem an deutschisraelischen Regierungskonsultationen teilgenommen. heitskräfte bereits mit SchlagDass ein Minister bei Ausstöcken Demonstranten auslandsreisen. Assad seine Aufwartung – und zeigte sich beeindruckt: Von einer „verAuch mehrere Mittelständgleichsweise hohen Stabililer interessierten sich für den tät“ Syriens sprach der CSUsyrischen Markt. das sein Kabinettskollege. Es ging stattdessen um neue Flugverbindungen. an dem in Kairo verteidigte das Regime. das Land sei ein attraktiver Anlaufpartner für die deutsche Wirtschaft. der syrische Transportminister hatten die Menschen soeben den verhassund Wirtschaftsvertreter beider Staaten. ten Präsidenten aus dem Amt gejagt. scheint Ramsauer das alles schnell wieder vergessen zu haben. gilt als selbstverständhatten – und verhafteten lich. Die Diplomaten beschwichtigten. dem Premierminister und dem Vizepremier für ökonomische Angelegenheiten. Auf diese Aussagen verließ man sich im Verkehrsministerium. ein Konflikt sei nicht zu befürchten. die sich zu einer tischen Staaten. D I P L O M AT I E Reden statt schießen D Das Thema Menschenrechte.

Nicht verraten wollte er unter anderem. dass in Syrien laut einer Uno-Studie ein Drittel der Bevölkerung schon vor Ausbruch des Bürgerkriegs in Armut lebte. und bat die Ruhr-Universität Bochum um Überprüfung. Aber eigentlich hätte Herr Lammert an der entsprechenden Stelle irgendeine Quelle angeben müssen. ob sie in der Lage sind. Nicht einmal andere Plagiatsjäger wissen. erklärten die Gastgeber laut Protokoll ihrem deutschen Besucher. denn es könnte auch eine gemeinsame noch ältere dritte Quelle geben. warum er die Dissertation des Bundestagspräsidenten Norbert Lammert nach Fehlern durchsucht hat – und diese für schwerwiegend hält. FLORIAN GATHMANN Bundestagspräsident Lammert DOKTORTITEL „Ich rede von Täuschung“ Der Plagiatsjäger „Robert Schmidt“ erklärt. ohne dies kenntlich zu machen. ob er selbst einen Doktortitel hat. Sein Hauptvorwurf gegen Lammert: Dieser habe „einen erheblichen Teil“ der als verwendet angegebenen Werke „ganz offenbar nicht gelesen“. dass Herr Lammert den Satz von Frau Schavan übernommen hat. über die Lage der christlichen Minderheit informiert. Daraufhin habe ich mir mal seine Dissertation besorgt und bin dort relativ schnell auf Unregelmäßigkeiten gestoßen. auf einen Satz gestoßen. Das Ministerium verweist heute darauf. Der SPIEGEL schickte Fragen per E-Mail an eine Kontaktperson. ihre Bevölkerung zu ernähren. nicht über die Menschenrechtslage im Land. die Stimmung war zuversichtlich. zudem habe sich Mubarak (anders als Assad) zu stark von seinem Volk entfernt“. „Ich rate dazu. um die gemeinsamen Geschäfte besser voranbringen zu können. bei deren Umsetzung sich deutsche Unternehmen „gute Chancen“ ausrechnen könnten. dass sich Ramsauer mit einer katholischen Ordensschwester getroffen habe. Bei der Suche nach einer Quelle für diesen habe ich dann zufällig im Web einen sehr ähnlichen Satz in einer etliche Jahre später gehaltenen Rede von Herrn Lammert zum 850-jährigen Jubiläum der Weihe der Abteikirche Maria Laach gefunden. „Der Besuch von Bundesminister Ramsauer wurde in Syrien sehr hoch geschätzt“. an deren sozialwissenschaftlicher Abteilung hatte er die Arbeit 1974 eingereicht. In Syrien stünden „ehrgeizige Investitionsvorhaben“ von bis zu 100 Milliarden Dollar an. dass er es in der Vergangenheit mit Quellenangaben nicht immer so genau genommen haben könnte. bei dem bis heute mehr als 100 000 Menschen ums Leben gekommen sind. per Fax beantwortete „Schmidt“ die meisten davon. behauptete er im Interview mit dem „Hamburger Abendblatt“. Mit Regierungsvertretern sprach Ramsauer. Allerdings: Der überwiegende Teil der Christen unterstützte das AssadRegime vor dem Kriegsausbruch. da der Gedanke ursprünglich nicht von ihm stammte. Es fehlte nur noch „eine direkte Lufthansa-Verbindung“. Das hat er nicht getan. die geplanten Investitionen in den Eisenbahnbereich klangen sehr plausibel. der sich einst als CSU-Landesgruppenchef als „außenpolitisch sehr erfahren“ bezeichnet hatte. Länder auch danach zu beurteilen. will er nicht sagen. und das war für mich ein Indiz dafür. den ich ihr nicht zugetraut habe. die ich mir nach der AbD E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 erkennung ihres Doktorgrads angesehen hatte. In unseren gesättigten westlichen Demokratien treten wir oft zu besserwisserisch auf. Ebenso interessant scheine der „dynamische Privatsektor“. SPIEGEL: Wann und wie haben Sie die Universität Bochum. SVEN BECKER. Wie Ramsauer heute seinen Besuch im Februar 2011 bewertet. „Das syrische Volk habe Angst vor chaotischen Zuständen wie in Ägypten. „nach bestem Wissen und Gewissen“ gearbeitet zu haben. Ohne eine Spur von Distanz oder gar Kritik fassten die deutschen Diplomaten die Gespräche des Verkehrsministers mit den Vertretern des Assad-Regimes zusammen. „Dazu gab es bei diesem Kurzbesuch kaum die Möglichkeit“.Deutschland für Altstadtsanierung. SPIEGEL: Warum haben Sie Lammerts Arbeit untersucht – gab es einen Hinweis oder einen konkreten Auftrag? Schmidt: Ich bin in einer Abhandlung von Frau Schavan. wer sich hinter dem Pseudonym verbirgt. Dabei habe sich der Minister. die Medien und Lammert selbst informiert? Schmidt: Ich habe das Dekanat der Fakultät für Sozialwissenschaft am Sonntagabend per Fax informiert und mich am Montagmittag per E-Mail an einen Journalisten gewandt. Der CDU-Politiker beteuert. als „bewusstes Zeichen der Solidarität“. was in Deutschland bislang wenig bekannt sei. heißt es in einer vertraulichen Depesche des Auswärtigen Amtes nach dessen Abflug. Von diesem hat 38 HC PLAMBECK . der die Dissertationen der ehemaligen Bundesbildungsministerin Annette Schavan und nun auch des Bundestagspräsidenten Norbert Lammert untersuchte. Kritische Fragen des Journalisten zu Assads Regime und seinem Polizeistaat wischte der Politiker schon während des Besuchs beiseite. Seinen Sprecher lässt der Verkehrsminister nur die Einschätzungen aus jener Zeit aufzählen: „Die syrische Wirtschaft hatte sich nach der Grenzöffnung zur Türkei erholt. Wenig später begann der Aufstand in Syrien. „Schmidt“ legt Wert auf Anonymität. „Robert Schmidt“ nennt sich der Plagiatsjäger.“ Ramsauer wusste offenbar nicht. So kann man sich täuschen. sondern sich der Darstellungen des Inhalts dieser Werke durch andere Autoren bedient. Das muss nicht heißen.“ So galt die Fahrt nach Damaskus aus deutscher Sicht dann auch als ein voller Erfolg.

was für mich ziemlich dumm gewesen wäre. hätte ich mich sicherlich beraten. dass noch mehr Verstöße gefunden werden. dass falsche Fußnoten aus den siebziger Jahren angesichts des politischen Lebenswerks von Lammert oder Schavan keine Rolle spielen sollten. Und es sollte möglichst niemand einen nicht redlich erworbenen akademischen Grad führen. SPIEGEL: Wie bewerten Sie die Arbeit kommerzieller Plagiatsjäger? Schmidt: Wenn das jemand seriös und mit dem nötigen Sachverstand macht. SPIEGEL: Wie finanzieren Sie diese aufwendige Tätigkeit? D E R Schmidt: Über meine persönlichen Verhältnisse möchte ich keine Auskunft geben. da dem Fax in Bochum wohl noch keine Beachtung geschenkt worden war. Die allgemeine Beteuerung. dass meine bürgerliche Identität bekannt wird. gegen Entgelt eine bestimmte Dissertation zu überprüfen? Schmidt: Nur dann. Aber die Verstöße von Herrn Lammert sind aus meiner Sicht systematisch und in ihrer Mehrheit ziemlich eindeutig. Deren „Arbeit“ schätze ich gar nicht. Ich beziehe allerdings keinerlei Sozialleistungen. aber daher rein vorsichtshalber darauf verzichtet. wie an manchen Stellen im Netz gemutmaßt wird. SPIEGEL: Wie viel Zeit haben Sie mit Lammerts Dissertation verbracht? Schmidt: Circa 250 Stunden. Herrn Lammert parallel zur Universität zu informieren. Warum? Schmidt: Im realen Leben möchte ich nicht als „Plagiatsjäger“ wahrgenommen werden. Die Arbeit an der Dissertation von Herrn Lammert habe ich zu 100 Prozent allein geleistet. SPIEGEL: Haben Sie derzeit noch weitere verdächtige Fälle im Blick? Schmidt: Nein. würde ich das begrüßen. Ich habe die Gefahr zwar als eher gering eingeschätzt. Ich bin Wechselwähler.dann wohl Herr Lammert von den Vorwürfen erfahren. SPIEGEL: Manche sagen. Aber das habe ich noch nie gemacht und auch in Zukunft nicht vor. Ich rede aber von Täuschung – zumindest in einem bestimmten Umfang. Ich habe mich ohne Rücksprache mit anderen zur Veröffentlichung entschlossen. SPIEGEL: Sollte Lammert seinen Doktortitel verlieren? Schmidt: Das muss die Universität Bochum entscheiden. da ich nur einen Teil der angegebenen Quellen untersucht habe. SPIEGEL: Hatten Sie bei der Arbeit an Lammerts Dissertation Helfer oder Mitarbeiter? Schmidt: Nein. Ich hatte überlegt. deren Sachverstand umgekehrt proportional zu ihrer Medienpräsenz ist und die zum Beispiel unhaltbare Vorwürfe in die Doktorschrift Lammerts „Nach bestem Wissen und Gewissen“ Welt setzen. ist aus meiner Sicht angesichts der vielen aus der Sekundärliteratur übernommenen Fehler nicht sehr überzeugend. Für das Problem habe ich auch keine Lösung. SPIEGEL: Würden Sie einen Auftrag annehmen. den ich bearbeitet habe. In diesem Jahr war es jedenfalls der letzte Fall. aber er hätte theoretisch versuchen können. SPIEGEL: Was treibt Sie an? Schmidt: Ein gewisser sportlicher Ehrgeiz. wenn ich aus irgendeinem Grund unbedingt auf dieses Geld angewiesen wäre. nach bestem Wissen und Gewissen gearbeitet zu haben. Wenn Herr Lammert schon jetzt einer Veröffentlichung der Ergebnisse der Untersuchung seiner Arbeit – die ja wahrscheinlich kommen wird – zustimmen würde. auf berechtigte Vorwürfe mit Rücksicht auf die lange vergangene Zeit zu verzichten. versteckte Ungereimtheiten in akademischen Qualifikationsschriften zu entdecken. SPIEGEL: Haben Sie den Fall Lammert vor Veröffentlichung im Netzwerk VroniPlag diskutiert? Schmidt: Nein. als ob es hier nur um geringfügige Fehler ginge. soll mir das recht sein. SPIEGEL: Sind Sie in einer Partei? Schmidt: Nein. ob das richtig ist. SPIEGEL: Wie bewerten Sie Lammerts Reaktion auf die Vorwürfe? Er hat seine Arbeit auf seiner Website veröffentlicht … Schmidt: … andererseits hat er sich nicht konkret zu den Vorwürfen geäußert. die jedem mal passieren können. SPIEGEL: Sie schützen sehr konsequent Ihre Anonymität. Schmidt: Das klingt so. Je weniger andere von mir wissen. Es gibt aber auch Leute. Andererseits wäre es aus meiner Sicht aber auch nicht angemessen. Wenn ich Zweifel gehabt hätte. und sei es auch nur durch einen Zufall. Eine solche öffentliche Wahrnehmung wäre für die Betroffenen zweifellos unschön. mein Blog sperren zu lassen. soweit ich das auf Twitter verfolgt habe. Es ist aber nicht ganz unwahrscheinlich. desto unwahrscheinlicher ist es. INTERVIEW: OLIVER TRENKAMP 3 2 / 2 0 1 3 MARCUS SIMAITIS / DPA S P I E G E L 39 .

4. Und SPD und Grüne stellen sich dankbar an die Spitze der Bewegung. hätte BNK die Erlaubnis schon 2012 erhalten. war denn auch ein echter Tabubruch. Den Beamten K. früher als andere Länder habe man sich gegen Fracking ausgesprochen. desto mehr flatterten wohl die Nerven. räumte sogar Puttrich Ende 2012 ein. viele meldeten Einwände an. dies sei „weder erforderlich noch personell leistbar“. 40 E Die Fachaufsicht im Landesumweltministerium sah auch die politische Seite des Falls. vor Erdbeben durch eingepresste Flüssigkeiten. die Klage eingereicht haben. offenbar hart am Rande der Rechtswidrigkeit. In vier Bundesländern habe BNK ähnliche Erlaubnisse „reibungslos“ erhalten. Was Referent K. solange Gesundheits. obwohl das Gesetz derlei nicht verlangt. erst recht in einer mittleren Landesbehörde wie dem Regierungspräsidium Darmstadt. am 26. Eine Erlaubnis für die heiklen Pläne durch die CDU-Umweltministerin Lucia Puttrich könnte das Zünglein an der Waage sein.“. Eine „Aufsuchungserlaubnis“ ist in Deutschland vergleichsweise leicht zu kriegen. Weisungen sind auszuführen. und Wähler mögen kein „Fracking“. „unkorrekt“ zitierte Urteile und „zweifelhafte“ Rechtsauslegung. Ein 5212 Quadratkilometer großes Areal sollte getestet werden.. Das Bergbauamt protestierte vergebens gegen jeden neuen Verfahrensschritt: „Bereits die Beteiligung der Städte und Gemeinden war … bedenklich“. Sein Kollege beklagte sich direkt beim Behördenchef über das Ministerium. „Natürlich war diese nicht erwünscht und kam auch gar nicht an. verkündet der Umweltpolitiker Timon Gremmels. „weil ich Bedenken hinsichtlich der Rechtmäßigkeit der Anweisung habe. die Angst der Hessen vor Fracking – und die Sorge der Landesregierung um ihre Zukunft. Seit 2011 kämpfe Hessen für ein „moderneres Bergrecht“. Seine Meinung habe er dem Ministerium offen gesagt. dass die Firma „nach Recht und Gesetz“ einen „Anspruch auf die Erlaubnis“ habe. Gut hundert Kommunen liegen im Erkundungsgebiet. interessierte nur das Gesetz. Sie warnen vor vergiftetem Grundwasser durch Chemikalien. Auch das Gutachten selbst fand wenig Applaus. von dem der Erfolg ihres Antrags abhing. „Wir lehnen Fracking ab. Auch noch ein Rechtsgutachten zu bestellen könne eine Schadensersatzklage wegen Verschleppung provozieren. Der Fall. In Umfragen liegen die schwarz-gelbe Regierung und die rot-grünen Herausforderer fast gleichauf.“ BORIS ROESSLER / PICTURE ALLIANCE / DPA UWE ZUCCHI / PICTURE ALLIANCE / DPA . „Hiermit remonstriere ich gegen die Weisung vom 11. Dann wurden auf Druck des Ministeriums ein geologisches und ein juristisches Gutachten angefordert. dass die Darmstädter ächzten. In sieben Wochen ist Landtagswahl. Aber es ist Wahlkampf. „Aber ein rechtsstaatliches VerMELANIE AMANN fahren muss es geben. eine umstrittene Fördermethode. Kein Wunder. Die Erlaubnis hätte „keine Bohrung. Die Hessen-SPD freut der Wirbel: „Wir wollen Fracking dauerhaft verhindern“. Das Bundesbergbaugesetz konnte Puttrich schwer im Alleingang ändern. In internen Mails. Ministerin Puttrich weist den Vorwurf der politischen Verschleppung als „absurd“ zurück. könnte politisch kaum heikler sein: Die kanadische Firma BNK Petroleum wollte die Erlaubnis. Es gehe nur noch darum. In Nordhessen kämpft eine umtriebige Bürgerinitiative mit fast 20 Regionalgruppen gegen das Gasprojekt. zeigten sich die Beamten überzeugt. „eine politische Position der Ministerin über uns umzusetzen“. den das Bergbauamt lösen sollte.Protest gegen Gasförderung Angst vor Gift im Trinkwasser R E C H T S S TA AT Fracksausen in Wiesbaden Eine kanadische Firma will in Hessen Schiefergas suchen. da nahm der Fall politisch Fahrt auf. Die beauftragte Rechtsprofessorin empfahl so umfangreiche Datenerhebungen. Die BNK-Anwälte. heißt es in einer internen Mail. Chemikalien und Sand werden mit hohem Druck unter die Erde gepresst und setzen das Gas frei. Die Umweltministerin intervenierte. Aber es gab Wege. Aber je näher die Wahl rückte. auch wenn sie nicht gefallen – die Lektion lernt jeder Verwaltungsreferent frühzeitig. dass Puttrichs Beamte in Wiesbaden in diesem heiklen Fall bis in die untere Behörde in Darmstadt durchregierten. sagen. Die beamtenrechtliche Treuepflicht fordert Gehorsam.“ Durch die Gutachten sieht ihr Haus seine Linie bestätigt. in Nordhessen Schiefergas zu suchen.“ Für rechtswidrige Bescheide wollte er nicht haften. die dem SPIEGEL vorliegen. ob es sich für „Fracking“ eignet. keine seismische Untersuchung und schon gar keinen Einsatz von Chemikalien“ erlaubt. Denn ginge es nach den Bergbaubeamten. an gut hundert betroffene Gemeinden Kopien des Antrags zu schicken. bei der Gas aus Tausenden Meter Tiefe gewonnen wird. das Ministerium habe ihnen nur auf hartnäckige Bitten das Rechtsgutachten übersandt.“ Am Ende erzwang Puttrichs Haus einen ablehnenden Bescheid. April dieses Jahres seinen Vorgesetzten schrieb. Der Umweltpolitikerin Puttrich „Absurde Vorwürfe“ D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 Entwurf einer Zusage war schon fertig.und Umweltrisiken nicht ausgeschlossen werden können. Wasser. schrieb Herr K. Zwar will BNK das Areal nur erkunden. Ein Beamter rügte in einer Synopse. Doch das Gutachten kam. seine Anwendung zu bremsen. dass Beamte förmlich gegen Vorgesetzte aufbegehren. s kommt selten vor. Zunächst wurde BNK aufgefordert. vor Krebserkrankungen der Bürger.

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osteuropäische Obdachlose zurück in ihre Herkunftsländer zu vermitteln. eine frisch gewaschene Sportjacke. Schreiner aus dem Dorf Kadiköy in Bulgarien. Heimatdorf Kadiköy: Für M I G R AT I O N Im Bus der geplatzten Träume Der bulgarische Wanderarbeiter Iwan Stojanow verließ seine Familie mit dem Versprechen. Es gibt für ihn keinen Grund. an die Klugheit seiner erwachsenen Söhne Sevgin und Sevdin. ich bin hier!“ Mehr als eine Million Menschen sind im vergangenen Jahr nach Deutschland gezogen – so viele wie zuletzt vor 18 Jahren. verlässt Iwan Stojanow. rasiert sich. grauen Haaren und müdem Gesicht.Rückkehrer Stojanow bei Zwischenstopp auf einer Raststätte in Österreich. Allein im Juni nahmen 98 Menschen dieses Angebot in Anspruch. Doch in Hamburg landete er auf der Straße. seine Hände zittern. Von der Stadt bekam er nur die Rückfahrkarte – 130 Euro. dann von deutschen Arbeit42 I gebern verjagt. Auf Monitoren blinken die Reiseziele auf: Kiew. Köche aus Polen. als er in Hamburg in den Bus nach Hause stieg. qualifizierte Arbeitnehmer aus dem Ausland anzulocken. Ihre Regierung bemüht sich. die hier scheitern. um Geld zu verdienen. Ein Mädchen schreit.  . südlich von Oldenburg. der Mut.  D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 Stojanow hievt sein Gepäck in den Kofferraum eines Busses und steigt ein. in München schuf das Evangelische Hilfswerk Notunterkünfte. weglaufen. wan Stojanow hatte alle Zweifel verdrängt. vor seiner Scham. Dunkelheit umfängt Kadiköy. „In Bulgarien bist du nichts wert. um die Mitbewohner nicht zu wecken. Oslo. Er hoffte bis zuletzt auf einen Job. in Deutschland genug Geld für ein besseres Leben zu verdienen. Er ruft: „Alija. Hamburg versucht in einem Pilotprojekt. oft weil sie den Ansprüchen des Arbeitsmarktes nicht entsprechen. Einen Moment lang will er umdrehen. Wie kann er ohne Geld nach Hause kommen? Als Versager? Wovon soll die Familie leben? Stojanow bleibt vor seiner Hütte stehen und setzt die Reisetasche ab. Die deutsche Wirtschaft brauche ausländische Fachkräfte. lieber hatte er sich an die Schönheit seiner Frau Alija erinnert. Im Flur schlüpft er in die Kleider. Ingenieure aus Bulgarien. Hamburg ist für ihn der Ort seiner schlimmsten Niederlage. Die Kosten trägt die Stadt Hamburg. Doch jetzt. Er will schick sein für das Wiedersehen mit Alija. Handwerker aus Spanien. Der Busbahnhof ist hell beleuchtet. schließlich sammelte er Flaschen und lebte auf der Straße. Bratislava. Die Luft ist stickig. Er trägt eine weite Stoffhose. putzt seine Schuhe. Um drei Uhr morgens schleicht er aus dem Zimmer in der Obdachlosenunterkunft Pik As. da ihn nur noch ein Feldweg von Alija. da durch EUOsterweiterung und Euro-Krise vermehrt Menschen aus ärmeren. Hamburger Obdachlosenunterkunft Pik As. Stojanow geht durch leere Straßen. Stojanow ist ein kleingewachsener Mann mit kurzen. als dafür zu sorgen. dass er bleiben kann. Er klopft an die Tür. Aber für Migranten. es ist eng. Hunde bellen. vorbei an Boutiquen. Der Nachtwächter des Pik As nickt ihm zum Abschied zu. wehmütig zurückzublicken. sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Demografiegipfel im Mai. sagt er.  In seiner letzten Nacht in Hamburg hat Iwan Stojanow unruhig geschlafen. Bundesweit klagen Kommunen über eine wachsende Zahl an Obdachlosen. Sevgin und Sevdin trennt. Sein Atem stockt. In Niedersachsen. leben Rumänen in Matratzenlagern im Wald. wenn du nicht für deine Familie sorgen kannst“. Aber seine Geschichte ist keine Geschichte des Erfolgs. Stojanow hatte lange gezögert. Stojanow schließt die Augen.  Für 130 Euro hat Stojanow ein Ticket nach Bulgarien bei Eurolines gelöst. Erst wurde Stojanow von Landsleuten betrogen. sie bezahlt ihm lieber die Heimfahrt. gibt es bisher keinen Plan. Iwan Stojanow kam im Herbst 2012 nach Hamburg. europäischen Ländern nach Deutschland kämen.

Niemand hatte noch Bedarf an Hilfsarbeitern aus Bulgarien. Er half auf einer Baustelle aus und bei einem Schrotthändler. zuletzt habe sie in Kassel Wohnungen geputzt. sie sagt. sie arbeite seit zehn Jahren in Deutschland. sie sagte: „Geh! Wovon sollen wir hier leben?“  Stojanow ist das Leben und Arbeiten in der Fremde gewohnt. Das änderte sich mit Beginn der EuroKrise 2010. Die Hälfte davon gab er Ali- ja. Andererseits habe ihm damals sein Bekannter versprochen. Arad ist ein Knotenpunkt. erklären sich dann oft für nicht zuständig. vielleicht sei er naiv gewesen. Doch als er in Hamburg ankam. der Rest war sein Startkapital für Deutschland.  Landsleute gaben ihm den Rat. Sie hätte es ohnehin nicht verstanden. der sich morgens über ihn legte. eine Frau stillt ein Kind. die gerade voller Hoffnung nach Deutschland aufbrechen. sind sie auf sich allein gestellt. Mit 90 Euro kam er im September 2012 in Hamburg an. Dort wohnen viele Migranten aus der Türkei. Am nächsten Morgen. Stojanows Bus rauscht durch die violett-schwarze Nacht. wohin.   Eine Frau setzt sich neben Stojanow.oder sonstige Sozialversicherungen. In den Sommerferien kehrte er oft mit Geschenken und Geld nach Kadiköy zurück. sprach kein Deutsch. Deutsche Firmen oder Familien. ihm eine Wohnung und einen Job zu verschaffen. Ein Mann aus seinem Heimatdorf hatte Stojanow vergangenen Herbst nach Hamburg gelotst. Wenn sie krank werden oder ihre Anstellung verlieren.  Seit Rumänien und Bulgarien 2007 der EU beigetreten sind. Bulgarisch. Weil Deutschland doch ein reiches Land ist. ihre Stirn wirft Falten. Er verkaufte sein Pferd und die Kutsche. Gemeinsam mit elf Menschen lebte er dort auf wenigen Quadratmetern. er könne nichts mehr für ihn tun. Umgerechnet 400 Euro brachte das. Ein einziges Mal telefonierte er mit seiner Frau.   Nach Wochen auf der Straße hatte Stojanow in Hamburgs Winternotprogramm in der Obdachlosenunterkunft Pik As einen Platz gefunden. Als sein Betrieb. weitere Reisende steigen zu. Sie sprechen Rumänisch. gibt es keinen Plan FOTOS: SEDATMEHDER. die im rumänischen Sibiu zurückgeblieben ist. und jener. Der Tau. Fahrgäste erzählen Witze. Männer und Frauen mit verschlossenen Gesichtern und vernarbten Händen. sorge dich nicht. Für 210 Plätze in der Unterkunft standen zuletzt fast 400 Bedürftige an. Stojanow sagt. auf dem Bau. 10 gab er auf der Reise für Essen und Trinken aus. sie können jedoch etwa als Selbständige tätig sein. im Stadtteil Wilhelmsburg nach Arbeit zu suchen. klagt die alleinerziehende Mutter. suchte sich Jobs in Griechenland. Schweiß. hält die Gruppe am Bahnhof in der rumänischen Grenzstadt Arad. Die Frau spricht Deutsch. die ihre Familie in der Heimat besuchen. Techno dröhnt aus den Boxen. In letzter Zeit sind häufig Heimkehrer unter den Fahrgästen.COM Die meisten Einwanderer aus Bulgarien und Rumänien finden sich auf dem deutschen Arbeitsmarkt gut zurecht.  Stojanows Bus macht Halt in Kassel. die er von der Straße auflas. Das Gelände ist mit Stacheldraht eingezäunt. als er nach Deutschland aufbrach und hoffte. Das Geld schicke sie ihrer 15-jährigen Tochter. Stojanow selbst gehört einer türkischen Minderheit in Bulgarien an. Iwan Stojanow gehört zum kleineren Teil der Migranten aus dem Osten – zu denen. In Bulgarien gab es für Stojanow nichts zu tun. die wie Stojanow enttäuscht zurückkehren. nahm ihm der Mann das Geld für die Reise ab und meinte nur. Dadurch sei die Konkurrenz groß geworden und der Lohn niedriger. glaubt er. Immer wieder kam es zu Raufereien zwischen den Bewohnern. nach der politischen Wende 1990 pleiteging. Hier kreuzen sich die Wege derer. Die Sozialarbeiter legten Matratzen in den Fluren 43 . dürfen deren Bürger ohne Visum nach Deutschland einreisen. Stojanow wusste nicht. Aber nichts war von Dauer. Er lebte von einem Stück Brot am Tag und D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 rauchte Zigarettenstumpen. die ihre Arbeitskraft gern nutzen. in einer Werft. 100 Euro kostete die Fahrt. Vor dem Kiosk stehen bärtige Männer an Plastiktischen und trinken Dosenbier.“ Er erzählte ihr nicht von seinem Leben auf der Straße. Ich bin wohlauf. Sie selbst kehre deshalb zu ihrer Tochter nach Sibiu zurück. die hier scheitern. als Erntehelfer. Es stank nach Alkohol. Urin. machte ihn krank. Er fragte auf der Straße und in Teehäusern nach Jobs.Zuwanderer. die vor sozialer Not in der Heimat flohen und in Deutschland nichts anderes fanden als Ausbeutung und Elend. Türkisch. Barfüßige Kinder laufen um den Wagen. bildete er sich zum Schreiner fort. Er schlief weiter auf der Straße. versprach er. die griechischen Unternehmen begannen zu sparen. Sie trägt ein Kopftuch. Frauen schuften als Putzhilfen oder privat als Altenpflegerinnen. sich eine Existenz aufzubauen. nach rund 30 Stunden. eine Nagelfabrik. Viele der Passagiere sind Arbeitsmigranten. Stojanow und seiner Familie ging das Geld aus. Er sagte: „Alija. sie haben nach Berechnungen der Bundesagentur für Arbeit häufiger einen Job als der Schnitt der in Deutschland lebenden Ausländer. Er schlief die ersten Nächte auf Parkbänken und unter Brücken. Der Arbeitsmarkt ist für sie immer noch beschränkt. In Deutschland würde jeder Arbeit finden. Er beriet sich mit seiner Frau. Männer wie er arbeiten als Scheinselbständige auf dem Bau ohne Kranken.

Andreas Stasiewicz. der selbst aus Nachbarort. die er mit seiEigentlich. wenn du nicht für deine Familie sorgen kannst. der hat aufgegeben.Frau Alija wartet mit dem Enkel auf dem dern der Stadt Hamburg auf ganz Osteu. Iwan Stojanow läuft durch Kadiköy. 44 „In Bulgarien bist du nichts wert. Er schätzt. „er kann nicht einmal seine unterkunft Pik As im April aus. sondern nur noch zurück. Bürger aus Rumänien und Bul. Stojanow trifft seine Schwägerin im Bevölkerung in Deutschland. Damit er den Rest an seine Familie schicken konnte.der Händler. was er sagen soll.burg nach Kadiköy gingen ihm unzählige schen meist nur verlagert. Wer zu Stasiewicz geht. Er überzeugte ihn schließlich.Arm. die nach Europa gezogen sind. Seine Frau Deutschland erleichterten. Aber dafür fehle das Geld – und Söhne. Vor zweieinhalb Jahren hat Andreas Stasiewicz gemeinsam mit einer polnischen Stiftung begonnen. Seit einem Dreivierteljahr war er nicht osteuropäischen Ländern auf der Straße leben. ruft der Junge.“ Dann zeigt er auf Häuser mit Satellitenschüsseln auf dem Dach und einem Auto vor der Garage. Geschäftsführer des Hamburger Unterkunftbetreibers „fördern und wohnen“. „Die gehören Menschen.“ Inzwischen hat er das Projekt mit Gel. Obdachlose aus Polen in ihre Heimat zurückzuvermitteln.  Am nächsten Morgen tritt er in den Auf der EU-Innenministerkonferenz in Luxemburg kündigte Hans-Peter Fried. Schlaglöcher erschüttern den Wagen. Damit schürt der Bundesin. ihre Rückreise zu organisieren.einer Leine hängt Wäsche zum Trocknen. dass Menschen auswanals der Durchschnitt der ausländischen dern.Freunde nach Deutschland gehen. Er verdiente fünf Euro in der Stunde. die Migranten die Ankunft in er nicht. Jedes zweite steht leer. „Opa! Opa!“. MAXIMILIAN POPP D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 FOTOS: SEDATMEHDER. gleichzeitig jedoch EU-Bürger in Lohn aus Deutschland schicken.ner Familie teilen wollte.nem Jahr etwa so viel wie Deutsche in tisiert Herbert Brücker vom Institut für einem Monat. garen. antwortete Winternotprogramm in der Obdachlosen. „Hinkebein“. Auf rich (CSU) im Juni an. ihm das gelinge.COM . der nächsten Stadt. es keine. Die Häuser haben Dächer und Wände aus Wellblech. Auf der Reise von Hamnem Angebot die Probleme der Men. dass er mit sei.Garten. Stasiewicz betreibt eine Anlaufstelle für obdachlose Einwanderer aus Osteuropa. die sie bei der fährt sich durch die Haare.Die Familie hat 700 Euro Schulden beim dert ist. Stojanow versucht wegzuhören. dich will keiner“. die nach Europa gezogen sind und reich wurden. Solange die EinkommensArbeitsmarkt und Berufsforschung. ihr Mann werde seinen werbe. Stojanow schweigt und lässt sich auf ein Bett fallen. sagt er. Fragen arbeiten in seinem Kopf: Hätte er länger in Deutschland durchhalten sollen? Wird er jemals wieder Arbeit finden? Nach mehreren Monaten ohne Aufträge war Stojanow im Frühjahr in das Büro von Andreas Stasiewicz am Hamburger Hauptbahnhof gegangen. Im Radio läuft BalkanPop. kocht Tee. „Du bist so hässlich. Integration in den Arbeitsmarkt unter. Polen in die Bundesrepublik eingewan. Sie hat als Prostituierte in Deutschland gearbeitet. um sie um Geld zu bitten. aber nicht löst. klopfte Pflastersteine fest. aber ten. Alte Frauen verkaufen Gurken und Tomaten am Wegesrand. fragen die stützten. die Sozialleistungen missbrauch. eine seiner Aufgaben ist es. so kri. sagt er. Der Bus rauscht durch verlassene Dörfer. In Bukarest wechselt Stojanow das Fahrzeug. Sie sind beide ten. der von Schutt bedeckt ist. sagt. dass die Lebensmittelhändler. dass allein now wischt sich die Tränen aus dem Gein der Hansestadt 1000 Migranten aus sicht und folgt ihnen in die Hütte.Familie ernähren. brauche man Pro. wie sie das Essen bezahlen sollte. Stojanow half bei Renovierungsarbeiten. wie ist Deutschland?“. Seine land aufmachen. Er ist offenbar ihr Zuhälter. So lief auch das Mann ist ein räudiger Hund“. Der Mann vermittelte ihn an einen Gebrauchtwagenhändler. die Hälfte davon musste er an Hinkebein abtreten. gebe unterschiede in Europa derart groß sind. Er zeigt auf leerstehende Ruinen: „Die gehören Menschen. wolle er etwas spaStojanows älterer Sohn Sevgin fällt ren – und sich noch einmal nach Deutschdem Vater als Erster um den Hals. „Noch 200 Kilometer bis nach Bukarest!“. der politische Wille.Lebensmittelladen in Kadiköy. dann gab es nichts mehr zu tun. sagt Rembert Vaerst. Heimkehrer Stojanow mit Frau und Söhnen: „Geh! Wovon sollen wir leben?“ aus. Stasiewicz schuften in Russe. Ihre Bewohner sind fortgegangen – viele von ihnen nach Westeuropa. Bis nach Bulgarien geht es in einem Kleinbus weiter. Wenn rien zurückzukehren. nach Bulga. Er hat sein Gesicht gegen die Scheibe gepresst. Stasiewicz weiß. Denn Belege für eine vermeintliche sie haben kein Geld für die Reise. auszuweisen und Einreisesperren zu Anfang zwanzig und arbeitslos.“ In Bulgarien verdienen Arbeiter in eiEinwanderung in den Sozialstaat. Zwei Monate lang schuftete er für den Autohändler.„Papa. brüllt er. „Das System der öffentlichen Unterbringung steht vor dem Kollaps“. Gedanken durch den Kopf. Sie würverhängen. „Dein Not sich selbst überlasse. Rumänen und Bul. Europa und einen einheitlichen Markt Sie versprach. es sei ein Skandal. Seine Frau wusste Regierung einerseits für ein vereintes nicht.muss seine Schulden zurückzahlen.mehr zu Hause. Ein Mann und eine Frau streiten. stellte er sich mittags in die Schlange der Armenspeisung. strich Wände. Doch jetzt weiß gramme. Stojaropa ausgedehnt.den gern wie ihr Vater und viele ihrer nenminister Ressentiments gegen Migran.wird kein noch so strenges Gesetz vergarien bezögen seltener Sozialleistungen hindern können. ruft der Fahrer.“  janow hätte dann wieder unter Brücken Stojanow will erst mal als Tagelöhner oder in Parks schlafen müssen. Iwan Sto. für den geht es nicht mehr vorwärts.Seine Söhne jäten Unkraut. Stojanow lernte einen Bulgaren mit kaputtem Knie kennen.

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Am 8. Bundesinnenminister Robert Lehr (CDU) angefangen. aus den Ostgebieten.städte Rücksprache zu nehmen“. Er ahnte offensichtlich. sie Eklat. Auf Papp-Panzern war Bürgermeister von Köln. Das lingsprojekten. zu verstehen. In den KarReferat VI A 3a. kritisierte die manSchon kurz nach der jecken Kabinetts. sei „nicht imnevalshochburgen nahmen sie mer gewiss“. Die Herren Bürgermeister sollten doch ganz offensichtlich zu viel wurde. sondern als staatsfeindliche Akte. Doch am 1. die westdeutgrößte Problem sei. mas Liessem.Karnevalsveranstaltungen zur Vermeiie traditionelle Herrensitzung des bürgermeistern einiger Haupt-Karnevals.tend zu machen.dung von Auswüchsen einzuwirken“.durch die Stadt. die bei Karnevalsveranstalgebürtiger Kölner. Denn am 1. der nischen Kulturgut Karneval daher mit „mit aller Kraft um den Aufbau ringenden wachsender Skepsis – bis es ihm 1952 Demokratie schweren Abbruch zu tun“. die das Bundeskanzleramt traf zuweilen sogar dieselben Satiriker nun auf Antrag des SPIEGEL freigegeben wie unter den Nazis. hob die Hand zum Hitlergruß als Zeichen einer erblühenden Demokra.der der Meinungsfreiheit im Karneval eher 1945 mit einem Redeverbot belegt worden. so ein Beamter nungsäußerung. kam Aburteilung solcher Vergehen bei den Jecken besonders „vor rheinischen Richtern“ erschlecht an. Die karnevalistische Zensur von 1952 rähne!“ (Es regnet schon wieder) und kri. Auf politische Satire im Wenige Tage später gab sich der Kölner ne Minister diskutierten über die „zersetKarneval reagieren Politiker zenden und gehässigen Satiren“ bei kar. und antworteten soentgegenbrächten. Februar landete ein unge.sönlichen Wunsch des Kanzlers wurde Stadt Köln habe „schon seit Ende 1949 unter noch als Staatsfeinde. Januar 1952 kam es zum prüfte rechtliche Schritte gegen unliebsame den. setzende Kritik“ auf KarnevalsNur wenige Jahre nach dem veranstaltungen „möglich und Untergang des „Dritten Reichs“ politisch zweckmäßig“ sei. genannt „D’r Verdötschte“ (der teten die höhnischen Polit-Satiren nicht und die anderen Bürgermeister sich beVerrückte).Karnevalisten zum Schweigen bringen und listen in Köln nicht gut ankommen würsen. „die den karnevalistimierte Büttenredner fragten: schen Bestrebungen weitgehen„Remilitarisierung – ja oder des Verständnis und Nachsicht“ nein?“.reit.tik ausüben“. hen Wiedergutmachungsanträge „ehema.gruß gezeigt und gesagt: „Su hu litt bei uns gelnde Kohleversorgung in der Bundes.tungen geübte Kritik sei geeignet. auf die Träger der großen schließlich beauftragt. „mit den Ober. inwieweit ein rechtliließen bei Küppers Rede emches Vorgehen gegen die „zerpört den Saal. In Die Narren blieben offenbar Umzügen robbten als Soldaunbehelligt – und Kanzler ten verkleidete Karnevalisten Adenauer reagierte auf seine Weise: Er ging 1952 nicht zum * 1961.sitzung bestellte Innenminister Lehr die dä Dreck em Keller!“ (So hoch liegt bei uns der Dreck im Keller). Trotzdem erklärten er Küpper. Düsseldorf. Dem nevalistischen Veranstaltungen. Auf per. Mainz und München ein. einem bislang geheimen Vermerk des BundesinnenministeDie Maßnahmen reichten riums hieß. Denen gab er zu lesen: „Wer soll das bezahlen?“ Der erste Kanzler der Bundesrepublik. zeigen einen unsicheren Adenauer. Bis. cher Junge“ war eigentlich immer Die Bonner Regierung wollte spöttische rungen über die Kontrolle der Karnevaeine feuchtfröhliche Angelegenheit gewe. dem Recht auf freie Meigegen Jecken. Adenauer und sein Kabinett wer. ihren Einfluss im Sinne Bonns gelund verkündete: „Et ess ald widder am tie. und bat das Innenministerium.nenministerium problembewusst. Kader auf die Bundesrepublik. Es müsse damit gerung aufs Korn. erneut ein faktiwie es einen Monat später in sches Redeverbot gegen Küpper.lang geheim gestempelte Dokumente aus tisierte damit den Einfluss alter Nazi. hatten sich die Jecken des rheiDas Ergebnis war für das Kanischen Karnevals angewöhnt. Februar ließ er zahlreiche Stadtverordnete verprüfen. Er hatte bei seinen Auftritten den Hitlerliger Großagrarier und Rittergutsbesitzer“ enge Grenzen setzen wollte.geheim zu halten.Oberbürgermeister gegenüber dem Inheute eher amüsiert. Adenauer-Puppe im Münchner Fasching*: „Zersetzend und gehässig“ Karneval. Der Kölner Bürgerdem Innenminister jedoch meister Robert Görlinger und nicht.dem Jahr 1952.bitte ihren Einfluss „in Richtung einer die wöhnlicher Punkt auf der Tagesordnung öffentliche Autorität untergrabenden Krides Bonner Kabinetts: Adenauer und sei. dass seine AusfühKölner Karnevalvereins „Lyskir. die Beweisaufnahdie Politik der Bonner Regieme schwer. gleich mit: „Ohne uns!“. Der populäre Büttenredner Karl Redner. dass die sche Wiederaufrüstung. Als Militärs kostüfolge. Tholiger und gehässiger“ Manier. binett ernüchternd: Der Ausvon Artikel 5 des Grundgesetgang möglicher Strafprozesse zes. Die ersten Kanzler galten Jecken mit. rechnet werden. begegnete dem rhei. ungeniert Gedes Bundesjustizministeriums brauch zu machen. Büttenredner Küpper war bereits vor Danach spottete Küpper über die ho. FELIX BOHR ZEITGESCHICHTE Adenauers Narreteien D 46 D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 SÜDDEUTSCHER VERLAG .hat. Nach republik und verunglimpfte seinem Auftritt in Köln verhängBundeskanzler Konrad Adete der Leiter des „Bürgerausnauer „in ausgesprochen abfälschusses Kölner Karneval“. „dass unnötiEines von Adenauers Liebge Freisprüche ergehen“.

SPIEGEL: Herr Glos. Aber derzeit haben wir Gerhard Schröder stand damals in volleider keine so überragende Persönlich. Ein „Count Guttenberg“ hatte und hat da heute noch viel Anziehungskraft. Ich suchte jemanden. Da ist Ihnen petenz zu. Guttenberg konnte zudem gut Englisch. lichen Problemen und der steigenden SPIEGEL: Sie waren es. dachten damals daran. aber ler Kanzler ist weit und breit nicht in Sie wollten nicht Merkel schützen. siert. Er kam als junger Bundestagsabgeordneter in die Landesgruppe. 47 . Aber Schröder ist einfach der größere Schauspieler.lem Saft. mit Stoiber den ersten Glos: An mir hat es nicht gelegen. Selbst als Hellang im Bundestag. Stoiber daLandesgruppenchef dafür sorgte. gibt es dort auch heute noch viel Bewunderung für gekrönte Häupter. auch ich.6 Prozent Sie gescheitert. der sich intensiv um die Beziehungen zu Amerika kümmern würde. und ich habe ihn in den Auswärtigen Ausschuss geschickt. Aber vermutlich hätte der große Hype um seine Person auch ohne die Plagiatsaffäre nicht durchgetragen.Arbeitslosigkeit zu kämpfen. ich kann ja die Theorie vertreten. wenn sie sich müsst nur Schröder zum TV-Duell fornicht mit allen Mitteln für die Kanzler. dass Ed. aber es „Bild“-Zeitung hatte damals Stoibers Bewar zu ihrem Vorteil. sie könne nicht den Stoiber ganz groß rausbringen – ihr CDU-Vorsitzende bleiben. Ihnen Sicht. holte. der 2002 als CSU. SPIEGEL: Wäre Karl-Theodor zu Guttenberg ein möglicher CSU-Kanzler gewesen? Glos: Viele. Stoiber hat sich thematisch gut geschlagen. Guttenberg wäre da gut aufgehoben. Obwohl viele Menschen aus Europa wegen der Adelsherrschaft ausgewandert sind. nicht das Hochwasser? D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 Glos: Es hat jedenfalls nicht zum Sieg von Edmund Stoiber geführt. aber am Ende sind mut Kohl 1976 sagenhafte 48. und am Ende schlug er eiskalt zu. gelungen. Ich selbst hatte die Theorie war: Die CDU hat noch nie einen rhetorischen Fähigkeiten des damaligen Bundeskanzlers nie unterschätzt. aber ein christsozia. musste er vier Jahre später Franz Josef Strauß Glos: Wie kommen Sie darauf? SPIEGEL: Sie haben fast vier Jahrzehnte den Vortritt lassen. Das Gespräch führten die Redakteure Konstantin von Hammerstein und Peter Müller.“ Solche Fernsehduelle gab es davor kandidatur bewerben würde. lang hart gearbeitet.gegen schrieb man durch den Erfolg in mund Stoiber Kanzlerkandidat wurde Bayern in Wirtschaftsfragen große Komund nicht Angela Merkel.Deutschland SPI EGEL-GESPRÄCH „Ich habe Mitleid mit Steinbrück“ CHRISTIAN THIEL / DER SPIEGEL Nach vier Jahrzehnten im Bundestag zieht der frühere CSU-Wirtschaftsminister Michael Glos. Angela Merkel hat rater angerufen und gesagt: „Du. die dafür in Frage käme. aber nicht Kanzler wurde. SPIEGEL: Das hat die Niederlage besiegelt. Bilanz – er kennt die Schwächen Edmund Stoibers und die Stärken Angela Merkels. Meine in Deutschland nicht. als er als Wirtschaftsminister die Säle füllte? Glos: Guttenberg war nicht meine Erfindung. schafften – Sie haben die CDU-Chefin Glos: Im Wahlkampf 2002 sind Fehler pasausgebremst. Nur ein Beispiel: Ein Redakteur der Glos: Ein Stück weit sicherlich. SPIEGEL: Sie meinten also. 68.SPIEGEL: Ihre Selbstlosigkeit in Ehren. aber er hatte mit wirtschaftkeit. hart gekämpft. Ich habe CSU-Politiker zum Kanzler zu machen. was danach nicht mehr viele SPIEGEL: Trotzdem hat es nicht gereicht. es ja versucht und für Strauß und Stoiber Glos: Natürlich war das auch mein Ziel. SPIEGEL: Haben Sie das auch schon so gesehen. Sie waren 37 Jahre Verlierer überleben lassen.dern. ging es darum.

als er als Verteidigungsminister vereidigt worden ist. SPIEGEL: Und? Was hat er geantwortet? Glos: Seine Antwort war spätestens sichtSPIEGEL: Sie simsen nicht mit ihr. glauben Sie Angela Merkel sei völlig uneitel? sagt? SPIEGEL: Sind Sie dieser Faszination auch es mir. Schaschmunzelt. ich will Lan. schon. Natürlich war er einer. Ich habe in der Lage.Kommunismus aufgewachsen sind? reichen. Da übernehmen. aber er einzusetzen.tionsverhandlungen 2005. dafür empfänglich war. Oder denken Sie an burtstag feierte. Ich habe das Ministerium ja überVerhältnissen und haben sich durchge. Ja. Aber die Wirkung. Da ministerium? In Bayern ist das anders.Warum? nommen.nachten zum Beispiel am ersten Feiertag desgruppenchef werden. Als klar ein Kind seiner Zeit. minister war er Ihr Nachfolger. Kohl 1993: „Erfahrung und viele Narben“ land Koch abservieren? heißt es in der Heilsgeschichte: „Darf ich den Saum seines Gewandes be. Beide kamen aus kleinen fin eine Flasche Jägermeister geschenkt. für sie oft wichtiger als Beruf und Le. Da kannst du gegen 17 Uhr. Warum auch nie öffentlich über ihn gekonnte sie so viele Wideräußert. Ab und zu lädt sie mich dir die Machtbasis nachbauen. der sehr hart sein konnte. Sie verbietet sich.einen Test im Windkanal auf besonders macher. weiß ich nicht.läuft man als Wirtschaftsminister mit segnender Hand durchs Land und rettet FirSPIEGEL: Wie passt Angela Merkel da rein? meister bestellt. in Bayern geblieben ist. ihre Uneitelkeit als Waffe die nach seinen Reden gefragt haben: Wo ihren Vater nie kennengelernt.Glos: Ich habe damals auch gesagt: Sie ist rühren?“ Aber es gab auch diejenigen. Schulen gegangen. damals nur aufs Gymnasium. über Friedrich Merz bis Rowar schon verblüffend. Aber mehr fürs SPIEGEL: Als BundeswirtschaftsFernsehen.und Kollegen haben einen anderen zu sein. Glos: Sie passt rein. noch nicht hast. die sacher von Edmund Stoiber er bei den Menschen erzielte.Sie dann als „Schlaftablette auf zwei Beinen“ verhöhnt. rechtsstaat ihren Weg finden. weil Stoiber nach den Koaliboxt. Der durfte nen Hirnforscher als Festredner in die signierter Wirtschaftsminister geführt hat. telefoniere! SPIEGEL: Sie haben fast vier Jahrzehnte SPIEGEL: Als Landesgruppenchef waren lang alle Spitzenpolitiker kennengelernt. nen.musste in jungen Jahren in einem Un. SPIEGEL: Sie haben den Aufstieg Angela Merkels aus Glos: Deswegen habe ich mich nächster Nähe erlebt. ner. die wir alle kenchen können. der auch Glos: Angela Merkel hatte sich damals ei. weil sein Parteizentrale bestellt. terium nicht behalten durfte. Sie hatte eine schwie.Deutschland Glos: Er hat das mit der AußenGlos: … sondern Frau Merkels politik glänzend gemacht. Das stählt für die Politik. Schnelle Nachrich. als Wirtschaftsminister wurden en Sie. die sie mit Honig zu Fall bringen wol2009 vor dem Hype gewarnt. sind allesamt durch harte geist. die er als dedas Zeug zum Kanzler hatte. die du auch zum Mittagessen ins Kanzleramt. war der Inhalt? Was hat er eigentlich ge. Junge Kolleginnen len. damit die Leute noch zuhören. dass die Entwicklung einmehr über diesen Scherz lagetreten ist. automatisch schlechter. da muss man schon was bie.benserfahrung. sich ein anderes Ich selbst musste nach dem frühen Tod de. Sie fast 13 Jahre lang einer der mächtigszielle Unabhängigkeit für wichtiger als ten Männer der Republik und KanzlerWas hatten die. die heute nicht de. Mikommen sind. was er nicht hatte? Glos: Erfahrung und viele Narben. Weil ich seinen dauerhaften Er. Ge.rasche Anpassungsfähigkeit an den Zeit. nahm ich Erfahrungshorizont. Das wäre ein Einfallstor für Leufolg wollte. war: „Du bist die JägermeisDrei Wochen bevor in Iran Ahterin im Erlegen eitler Mänmadinedschad gewählt wurde. die ganz nach vorne ge. Wie Konservative Glos.galt als einer. Ich halte auch die finan. zu Weihhebe den Finger und sage. Nehmen Sie Theo Waigel.“ Ich kann mich nicht beschweren. Von Gerhard Schröder SPIEGEL: Als Angela Merkel ihren 50. Schau.ten in den sozialen Netzwerken sind Merkel heute? Theodor. weil sie keine wäre jedenfalls eine Schwäche. Ich habe den EdVater wollte. was des Vaters auf ein Studium verzichten Redner dran. zwischendurch Helmut Kohl.SPIEGEL: Und darauf war kein Hirsch zu men. die sie den sich viele als Kanzler vorstellen Nachkriegskindheit hatten oder nicht im daran hindern könnte. Und wenn ich nach Teheran geflogen und mich in der ersten Reihe so habe Guttenberg gebeten. Er war besauch dort landen werden. Ich Konterfei. Haben Sie es bereut. Glos: Ich simse grundsätzlich nicht. habe ich ihn nach der Wahl Glos: Nicht unbedingt.Glos: Wenn ich ehrlich bin. habe ich mir eine Sonderedition Jäger. große Ziele zu erkonnten. sitzen da welche. Deine Trophäenwand ist bin ich als Landesgruppenchef reich bestückt. Jeder ist natürlich te. Politiker. dass die CSU das Wirtschaftsminis. SPIEGEL: Wollen Sie ernsthaft behaupten.“ 48 D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 JUPP DARCHINGER IM ADSD DER FES . bevor sie zum ersten Mal Kanzlerin wur.nister geworden zu sein? war schon die Rede. haben Sie der CDU-Che. Meine Begründung habe das auch selbst erlebt. Ich bar. Das stählt für die Politik. Glos: Ob es bei ihr eine Tugend oder kühle erlegen? SPIEGEL: Sind jüngere Abgeordnete heute Überlegung ist.“ Da tens vorbereitet und hatte ein haben dann viele noch geblendendes Benehmen. ich gebe dir den guten Rat. Glos: Na ja. das war ein Jahr. „Hosianna“ und „KreuSPIEGEL: Und Frau Merkel hat zigt ihn“ liegen oft sehr eng auch gelacht? beieinander. die mich zu begleiten.SPIEGEL: Wie ist Ihr Verhältnis zu Angela Guttenberg auf die Seite und sagte: „Karl. Ich mag die Kanzlerin. Im Bund aber geht es um liberale Ordnungspolitik – und das ist nicht immer rige Vergangenheit in der DDR und sehen … „Merkel hatte eine schwierige Vergangenheit in der DDR. Ich war erst als zweiter oder dritter Ministerium auszusuchen: „Edmund. dass er später Pfarrer wird.Glos: Wir telefonieren ab und an.willst du bitte sehr mit dem Wirtschaftsund den Mühlenbetrieb unserer Familie ten. umsehe.mund damals bekniet. Eitelkeit Glos: Ja und nein.

Offensichtlich mir die schlimmste Reaktion. wie knapp das werden kann. der aus die CSU die absolute Mehrheit schaffen nen Vorträgen vor einem ausgewählten der Zeit gefallen ist. als die CSULandesgruppe bei ihrem legendären mich betrifft. Finden Sie es eigentlich fair. Da gab es keine Deutschland-Fahne. denn sie betrifft alle Parteien wird in jedem Fall die Wahl gewinnen. die ein Poli. Wer weiß. GeraRot-Grün wird es nicht reichen. SPIEGEL: Die Bürger wählen am Ende kein dann nicht mehr im Parlament sitzen. SPIEGEL: Es sah aber oft so aus. wo ist denn Ihre Lederhose? SPIEGEL: Sie waren Wirtschaftsminister in der größten Finanz. Warum die absolute Mehrheit. dass Der Beifall. fremdelten wir gegenseitig. obwohl Sie in der Nähe wohnten. Ihr Parteichef Horst Seehofer nicht dabei.SPIEGEL: Als Sie sich vor kurzem in Berlin Günther Beckstein. wir danken Ihnen für Schwarz-Grün. dieses Gespräch. Und ich es klare Regeln. die man umsonst. Dann würde den Grünen Besuch der Handwerksmesse in München. weiter mit der de“.fen ein bisschen mitmachen. ist noch nicht mal bei Arbeit und wird besonders in Oberbayern Glos: Darüber habe ich 37 Jahre geschwieder Union besonders groß. Ich glaube. Was Glos: War er nicht eingeladen? Jedenfalls Sie vor 37 Jahren mit dabei. SPIEGEL: Hat Seehofer die Verwandten. aber tiker hervorrufen kann – Mitleid.und Wirtschaftskrise und trotzdem weitgehend unsichtbar. im Bayerischen Landtag.“ Die „Schlaftablette“ hat mich schon deshalb geärgert. Jedenfalls leistet er in Bayern gute gestimmt? FDP zu regieren. Mitleid bekommt SPIEGEL: Warum ist Ihr Verhältnis immer Treffen in Wildbad Kreuth beschloss. Wir Franken standen ihm heute schmerzlich. SPIEGEL: Hat die Affäre der CSU die ChanOpfer. man sich erarbeiten. Angela Merkel verändert und sind realistischer gewor. Fraktionsgemeinschaft mit der CDU aufnoch so schlecht? SPIEGEL: Sie sagen. Da rutscht man nicht „Wollt ihr ein bequemes Leben oder das ner Regierung zurechtkommt.zukündigen. treu zu unserem fränkischen Landsmann SPIEGEL: Sie selbst waren bei den Neben. schlimmstenfalls wieder eine Große Koalition. Glos: Wir waren immer nur „Parteifreun. Er wird so oder so wird. Seine Be. passieren. vorgeworfen werden? SPIEGEL: Als junger Abgeordneter waren haben Sie ihn nicht eingeladen? Glos: Damit hat er rechnen müssen.sich in engen Grenzen. Jürgen Trittin ist zwar Lautsprecher.“ Da damals mitreißen lassen von der Arguzeigt.Glos: Nein. Haben Sie heute Verständnis für seine Situation als angeschlagener SPD-Kanzlerkandidat? Glos: Er hat sich als Kabinettskollege mir CSU-Star Guttenberg 2009*: „Wo ist der Inhalt? Was hat er gesagt?“ gegenüber nicht immer kameradschaftlich verhalten. kann ich sagen: Neid muss hätte er nicht gestört. ist er in Bayern nur „allmächtig“. einkünften die Nummer zwei im Bundes. entschieden. SPIEGEL: Da sind Sie aber froh. Glos: Wissen Sie.Glos: Dann wird es so sein. Einer hat mich dann mal in vollem Ernst gefragt: Herr Glos.SPIEGEL: Seehofer sagt. Dann gibt es frau als Sekretärin hinein. fehlt keine große Rolle mehr spielen. die von mal eben in eine Beschäftigung der Ehe. die Wahl sei gelaufen. SPIEGEL: Sie wussten damals noch nicht mal. Wie haben Sie damals abdoch die Begeisterung. die es im Bayerischen de an uns Junge gerichtet. ich habe mich weiterregiert. Gegenwärtig affäre in Bayern gut gemeistert? gehe ich davon aus. vielleicht gibt es sogar * Mit Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer beim SPIEGEL: Herr Glos.populär. Dass er so viel Prügel bezieht. nichts. wie ein CSU-Mann so aussieht. und als ich dann in das Haus eingezogen war.Land regieren und ran an die Kanonen?“ Ich habe mich damals für die Kanonen den Linken toleriert wird.SPIEGEL verraten? SPIEGEL: Wo denn sonst? ist die Wahl wohl gelaufen.Landtagswahl 2008 allein in Oberbayern liebtheit auch in der eigenen Partei hält 21 Prozent verloren. PETER KNEFFEL / DPA D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 49 . war von Seehofer allein die verlorenen StimSteinbrück. dass Steinbrück mit ei. wo genau das Ministerium in Berlin lag. den Peer Steinbrück bei sei. dass Schwarz-Gelb Glos: Wie beten wir beim Vaterunser? Glos: Also gut. und jetzt soll ich es ausgerechnet im Glos: Was die Person des Kanzlers angeht. Für ist viel Wahres dran. steht wenn ihm seine Honorare im Wahlkampf obwohl er ebenfalls in Berlin war. was die SPD und in abge. aber Niedersachsen hat ge.aber er ist ein Mann von gestern. Und die Leute dort wussten gar nicht. Wir haben bei der vergangenen zahlungskräftigen Publikum bekam. Für die Finanzkrise war nun mal Finanzminister Steinbrück in erster Linie zuständig. noch nicht mal eine Büste von Ludwig Erhard. Im Bundestag gibt mentation von Franz Josef Strauß. gen. und sie dür. sogar verehrt. Ich glaube. Glos: Ja. Alle Gesetze zur Überwindung der Wirtschaftskrise kamen aus meinem Haus. Warum haben Sie sich von Merkel aufs Abstellgleis schieben lassen? Glos: Unsinn. wie es ihn jetzt trifft. So arg. Wenn die Kandidatur tag und verdienten nicht viel weniger als mit einem Fest verabschiedet haben. erzeugt bei mussten: Frau Merkel regiert. als habe er Sie an den Rand gedrängt.Landtag nicht gab. Sagen wir. fragte er: glaube auch nicht. weil ich damals eine akute Stirnhöhlenvereiterung hatte. den. dass Sie nicht „allwissend“. er habe nichts vom hätte ich ihm das aber nicht gewünscht. die Grünen haben sich ce auf eine absolute Mehrheit verhagelt? Glos: Richtig. men in Oberbayern zurückbringt. schwächter Form auch die FPD erleben Gebaren seiner Parteifreunde geahnt.„Und führe uns nicht in Versuchung.

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über göttlichen Beistand: „Als ich mit Indianos in der Kirche stand. die Verkäufer tragen? Ritter: Ja klar. Die Handschuhe scheinen davor zu schützen. bevor sie Wurst und Brötchen anfassen. dass er äpfelt. Wir blieben nur ein paar Minuten. SPIEGEL: Fänden Sie Mundschutze gut? Ritter: Es wäre übertrieben. Ich glaube. wenn die Verkäufer keine Plastikhandschuhe trügen. dass Gott Tiere genauso liebt wie ich. Dann waren die nächsten Pferde dran. Ernährungswissenschaftler an der Fachhochschule Münster. Wir hatten ihn in die Kirche gebracht. die dafür sorgen. Vielleicht kommt bald der Mundschutz. wenn es mit Plastikhandschuhen verkauft wurde? Ritter: Ich kaufe gern in einem Feinkostgeschäft. SPIEGEL: Herr Ritter. nachdem sie andere Lebensmittel oder Geld angefasst haben.Szene Was war da los. habe ich mich glücklich gefühlt. D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 FRANZISKA KOARK / PICTURE-ALLIANCE / DPA . dass niemand auf die Mortadella hustet. die Gemeinde sprach ein Gebet. aber ich glaube. Pferdetrainer aus Siena. Händewaschen reicht aber: wenn sich die Verkäufer jedes Mal die Hände waschen.“ FABIO MUZZI / GETTY IMAGES Rennpferd Indianos Zerstören Plastikhandschuhe den Genuss. Dieses Pferderennen ist eines der härtesten der Welt. sind Ihnen beim SPIEGEL: Bringen die Handschuhe Wursteinkaufen die Handschuhe aufgefallen. Zehn Stadtteile von Siena treten dabei gegeneinander an. Dann kamen die Handschuhe. hatte ich Angst. SPIEGEL: Glauben Sie. der Pfarrer hielt die Hände über Indianos’ Kopf. damit Gott ihm vor dem . 52 etwas. Das sind diese Scheiben über den Essenstheken. Ich habe mich so an die Handschuhe gewöhnt. wenn der Metzger seinen Kunden mit nackter Hand ein Wienerle reicht? Ritter: Wenn der Metzger sich regelmäßig die Hände wäscht. Herr Perugini? Simone Perugini. Alles fing mit dem sogenannten Spuckschutz an. Ich habe Indianos durch die Seitentür in die Kirche geführt. erklärt. die Handschuhe erzeugen eine Krankenhausstimmung. dort tragen alle Verkäufer Handschuhe beim Portionieren. dass wir Essen weniger genießen können. SPIEGEL: Wieso tragen inzwischen so viele Verkäufer Plastikhandschuhe? Ritter: BSE und Ehec haben das Bewusstsein der Menschen für Lebensmittelinfektionen geschärft. SPIEGEL: Ist es bedenklich. Beim Rennen wurde Indianos Zweiter. Guido Ritter. die meisten Menschen haben sich an sie gewöhnt. aber zum Glück beherrschte er sich. feuchtigkeitsdichte Handschuhe sind sogar hautschädigend. die Jockeys reiten ohne Sattel. 48. wenn die Verkäufer sie den ganzen Tag tragen? Ritter: Nein. sofern der Metzger nicht an Tuberkulose leidet. Als wir draußen waren. SPIEGEL: Sind sie notwendig? Ritter: 80 Prozent der Infektionskrankheiten werden laut WHO über die Hände übertragen. dass ich das Essen weniger genießen könnte. Herr Ritter? Metzger und Bäcker tragen Einweghandschuhe. ob das Essen dadurch anders schmeckt. 48. über die Stufen hatte der Pfarrer ein Brett gelegt. als ich die Handschuhe sah. Am Anfang musste ich immer an Ärzte denken.Palio di Siena‘ seinen Schutz mitgibt. muss man sich als Kunde keine Sorgen machen.

stimmer gearbeitet. Er wünscht sich nicht jeden Tag ein anderes Leben. die Nachricht vorzulesen. aber ich möchte dich bitten. Gaffrey mit Blindenhunden neben ihrem Freund Mark Gaffrey. würdest du mir das viele Tage. bevor sie den Boden berühre. aber sie schwieg einen Moment nur um die Hunde. TAKIS WÜRGER DAVE EVITTS / NEWSTEAM / SWNS / ACTION PRESS laire Johnson roch es. Gaffrey sagt. was in Temperaturen messbar gewesen wäre. Er hat eine Zeitlang als Klaviersehende Menschen würden glauben. Dann bekam sie die Diagnose: „Brittle Diabetes“. Gaffrey sei der einzige Mensch. Johnson wollte leben. würde ich deine Welt sehr viel glücklicher machen. blind. Ein paar Wochen nach dem Blindenhund-Kurs rief Gaffrey Claire Johnson an und fragte. und wartete darauf zu sterben. Eine Folge des Diabetes war. „Dann hat meine Welt gestoppt“. wie sich ihre Zuckerwerte verhielten. Blin. Auf dem rechten Auge hat sie keine Sehleistung. das sie loswerden wollte. könne er sie auffangen. abhole.“ Gaffrey sagt.Gesellschaft Liebe geht durch die Nase EINE MELDUNG UND IHRE GESCHICHTE: Wie eine blinde Engländerin ihren Mann in der Finsternis fand te. lächelt und sagt: „Ja. wenn sich ein paar Dinge ändern ist. Mark saß re. du solltest etwas Süßes essen.9 Prozent. die in einem Glas gefangen könnte.“ Claire Johnson und Mark Gaffrey wollen im kommenden Frühjahr heiraten. Als Johnson und Gaffrey sich kennenlernten. meine Frau zu werden?“ Menschen. Sie legte sich zu Hause ins Bett. sagt er. Claire Johnson ging zu ihrer Mutter. Und sie treffe kaum die Ehre erweisen. arbeitete Johnson als Sekretärin. sie möge Gaffreys Duft. Claire Johnson traf Mark Gaffrey bei ohne Sehleistung.“ Gaffrey und Johnson verabredeten sich abends zum Essen in einem indischen Restaurant. auf fürchterlich. wie viel schöner es sein eine Wespe. aber er war allein. und Gaffrey sagte: „Claire. das vom Herzen kam. das so frei klinge. ich will dich heiraten. Am Tag zuvor schickte Gaffrey Johnson eine Textnachricht aufs Handy. Sie fragte sich. weil man es mit Sprachbefehlen bedienen könne. mag indisches Essen de könnten normal leben.mäßig und gehe nur Strecken gut und land mit einem Strauß Rosen.“ Johnson sagt. 52. Wenn die Menschen Ohnmacht. 50.“ Kopfsteinpflaster. als ihr genlicht. sagt sie. Sie sitzt vor ihrem Haus Paar Johnson. der an ihrer Stimme hören könne. wie praktisch das iPhone sei. mit denen sie normale GeClaire Johnson wusste. Claire Johnson sitzt daneben. Beide sagen. mit dem BlinMark Gaffrey ist seit seiner Geburt denstock zu gehen. er habe ein Glimmen gespürt. Gaffrey glaubt. Claire Johnson sagt.uk in der Disco. dauere ist blind. ob sie sich einmal treffen könnten. sie lernte Blindenschrift. weil man dauernd stolpedem linken Auge 0. Gaffrey erzählte Claire Johnson davon.kann extrem frustrierend sein. die er kenne. Einmal telefonierten sie. Sie trafen sich in einem Café. wie sie dass Johnson erblindete. Mark in Blindenschrift lesen wolle. aber nicht so. die Ehe war gescheitert. lang. Er sagte: „Claire. was ihr Leben wert sei es tat. Gaffrey und Johnson wurden ein Paar. es habe an seiner Blindheit gelegen. aus der Stadt Stoke-on-Trent konnte alles sehen. dass sie das Gefühl habe. Am letzten 16 Kilogramm Gewicht. sie fuhr Auto. nur ohne Au. Die Mutter las: „Wenn du mich lässt. und sie fand keine einem Kurs. dein Blutzucker sackt gerade ab.und hat den dritten Schwarzgurt in KaraD E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 C 53 . Er war mit einer sehenden Frau verheiratet gewesen. dass du dich nie änderst. Er möge die Form ihres Gesichts. Sie flirtete gern. um über die Fortschritte mit den Hunden zu sprechen. mit der sie zusammenwohnt. Sie sagte: „Oh. Blindenhunde sollen die Ringe zum Altar tragen. ob seine Frau ihn mehr aß. sondern ein Glimmen. Bis sie 24 Jahre alt war. Schließlich sagte Claire Johnson: „Ja. er möge Johnsons Lachen. Er zog sein iPhone aus der Tasche und legte es in ihre Hände. Es sei schwer. und erzählt ihre Geschichte. der sie an ihren neuen BlinAntwort. vor einem sicher. zum Beispiel. Wenn ihm eine Tasse vom Tisch falle. dass sie ja sagen spräche führen könne. Es gehe immer würde. weil sie nicht Tag fragte sie Gaffrey. Claire Johnson. Das An vielen Tagen musste Claire Johnson ist ein besonders labiler Diabetes. war er glücklich. Wenn das Kopfsteinpflaster verkann er absacken. verlor denhund gewöhnen sollte. das einem sehenden Menschen zu erklären. und Johnson fällt in schwinden würde. und bat sie.“ Claire Johnson lernte.co. Sie sagt. bis sie 24 Jahre alt war. Von einer Sekunde auf die andere würden. Ein Blindenhund verirre sich regelam Frühstückstisch in ihrem Haus in Eng. ging ins Pub und tanzte manchmal Von der Internetseite telegraph. sei trag machen wollte. Johnsons Blutzuckerspiegel bewegt sich wie daran denken. es gab noch etwas anderes. Er sagte: „Von welcher Frau redest du?“ Aber sie starb nicht. sie mögen vor allem die langen Gespräche. die Blumen dufteten. Johnson sagt: „Blind zu sein Freund Mark ihr einen Heiratsan. sich ändern und liebevoller würden. als er ihre Hand berührte. Wenn sie ein Buch Jahr war das. Nichts.

falls es zu sehr regnet. Es geht dort jetzt anders zu. Sie vertrauen auf die raue Natur und hoffen. die durch den Wald zu unserem Haus führt. und den Darwinismus auf Moskaus Straßen kommentiert Moritz mit minutenlangen Vorträgen über die Vorteile deutscher Höflichkeit und Rücksichtnahme. Dass der Nachbar sein Gewehr nahm und unseren Hund erschießen wollte. als stünde sein baldiges Ableben bevor.Gesellschaft Kalaschnikow HOMESTORY Im Feriencamp erfahren Teenager. gern auch synchron zu dritt. Tarzan-Spiel. Moritz und Max fahren nun in beide Zeltlager: eine Woche Deutschland. und ein echter Mann mal hart. Im vergangenen Jahr schickte ich sie nach Deutschland zum Zelten. Moritz und Max. obwohl er zuvor selbst beim Fußball Wert legte auf körperloses Spiel. auf einmal Disziplin bewies. normale. Schließlich kehren wir bald nach Deutschland zurück. Tarzanka heißt das auf Russisch. einen Tarnanzug der russischen Armee trug. auch zu dem der orthodoxen Kirche: Die Frau hat mit den Kindern zu tun. damit das Kind den Impfpass. Sonnencap und Aftersun nicht vergisst. Sie haben einiges an Russland auszusetzen. wie wir die Russki-Jungs im Kalaschnikow-Wettbewerb abgehängt haben?“. „Das würden die uns in Deutschland nie erlauben“. er erinnerte mich an DostojewskiFiguren – und zwar an solche. was ich sage. ansonsten soll der moderne Mann vor allem Fähigkeit in der Betreuung von Säuglingen entwickeln. Ich hatte selbst früher meine Sommerfreizeiten mit dieser Gruppe verbracht. Das ganze Leben ist ein Kompromiss. und beim Wort Kalaschnikow zucke ich noch heute zusammen. Ich dachte. mal weich. zwei Wochen Russland. Sonnenbrille. Und natürlich kommt der Besuch eines Musicals zusammen mit seinen Eltern einer Verletzung seiner Menschenwürde gleich. der Mann ist Beschützer und Krieger. er hat genaue Vorstellungen darüber. twas irritiert war ich schon. sagte Max. Sie hatten boxen gelernt. mit einer christlichen Jugendgruppe meiner alten Mainzer Schule. wunderbare Wochen. Sie gerieten ins Schwärmen. Manche Eltern. der sich gern vor Hausaufgaben drückt. meine Söhne. als sich unser Rex und der Schäferhund des Nachbarn blutig ineinander verbissen hatten. als ich beim Abendbrot vorschlug: „Ich melde euch für diesen Sommer wieder in Deutschland an. die beiden würden zufrieden sein. Ich fing an. Sie zerlegten Sturmgewehre und bauten sie zusammen.“ Sie wollten nicht. was er will und was nicht. dem ich vor zwei Jahren meine Söhne überließ. seitdem ein Freund und Kollege in den neunziger Jahren im Tschetschenien-Krieg mit einer Kalaschnikow erschossen wurde. Das sei cooler. und eine Blockhütte sorgt für Unterschlupf. der Wind zu stark oder zu schwach. während Max. Er hatte einen stechenden Blick und einen Bart. schicken ihre Söhne zum paramilitärischen Kosakenzeltlager auf die Krim. Das Sturmgewehr musste zerlegt und wieder zusammengefügt werden. Auch beim Boxen hatte er sich tapfer geschlagen. mir um Moritz und Max Sorgen zu machen. Nach dem russischen Zeltlager hatte Moritz einen ganzen Monat lang nicht gejammert. so sieht er es jedenfalls. sagten sie. Moritz brauchte 19. sondern in der Nähe eines Dorfs. 13 und 11. der Jüngere. Max 21 Sekunden. Doch die beiden gingen klaglos ins russische Ferienlager. Russische Zeltlager sollen etwas für Kerle sein. Dass die Straße. Die Deutschen wollten mehrere Unterschriften und schickten eine Packliste. E Sie lernten boxen. dass der Leiter des russischorthodoxen Sommerlagers. Staatschef Putin halbnackt auf dem Pferd zu sehen – das passt zum russischen Männerbild. die Krankenkassenkarte. Moritz ist eigentlich der Typ Teenager. Wahrscheinlich werden sie eher an einer deutschen als einer russischen Uni studieren. denen man nicht unbedingt traut. 54 D E R Moritz hat den ersten Flaum auf der Oberlippe und macht nicht mehr einfach. die Rundzelte stehen nicht mehr irgendwo auf der Wiese. Sie hatten sich johlend über den Fluss geschwungen und aus fünf Meter Höhe in die Fluten gestürzt. dem am Strand der Sand wahlweise zu weich oder zu hart ist. Im Lager hatte er vermutlich nach drei Minuten kapiert. der bis an die Brust reichte. Die Russen wollten keinerlei Auskunft vor der Reise. Aber der Frühsport wurde gestrichen. bei ihnen liefert man die Kinder einfach ab. Harte Jungs aber stehen in Deutschland allenfalls im Millionenbestseller „Shades of Grey“ hoch im Kurs. dachte ich. Sie wollten ins russische Lager. gebildete Leute mit ansonsten liberaler Weltsicht. was russische und deutsche Männer unterscheidet. dass der Junge auf diese Weise zum Mann werde. Blasen am Fuß beklagt er. rechtzeitig vor der Abfahrt. Fußball und Geländespiele gibt es noch. Beim Fußball halten meine Jungs zu Deutschland. die ich kenne. einer Abfallhalde gleicht. dass man dort besser nicht über kaltes Wasser und Ähnliches klagt. wie man es aus vielen deutschen Kirchengemeinden kennt. Ich dachte an Moritz’ Vorliebe für deutsche Rücksicht und Höflichkeit. leben seit sechs Jahren mit uns in ihrer zweiten Heimat Moskau. „Weißt du noch. sagte Moritz. Sie waren auf eine alte Buche am Ufer des Moskwa-Flusses geklettert und hatten mit den anderen Jungs an einem der Äste ein Seil befestigt. weil es im Dorf keine Müllabfuhr gibt. Die russisch-orthodoxe Kirche ist nicht sanft und pazifistisch. außerdem Sonnenschutz. Moritz nahm Muskelkater nach dem Eishockey-Turnier plötzlich als Auszeichnung hin. Im russischen Zeltlager hatten Moritz und Max mit einer Axt Bäume gefällt. und ich bekam sie heil zurück. Ich bin Kriegsdienstverweigerer. MATTHIAS SCHEPP 3 2 / 2 0 1 3 S P I E G E L THILO ROTHACKER FÜR DEN SPIEGEL . wie ich fand.

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Eine gute Tatungen in Deutschland jahrzehntelang geszeitung entschleunige „die Meldungsverlassen konnten. mittelfristig setzt er auf steiliese Friedmann und Johannes Fried.lusten zu kämpfen. gleich neben seinem Büro. Die „Frankfurter ser Tür beginnen. und das in zuletzt immer steilerer Kurve. war im Nochen zu klingeln.3 Millionen Euro Verlust.higend groß. der Chefredakteur. die erste Zeitung des Verlags. in der originellen ihre Botschaften unters Volk zu bringen. Sie alle wissen. als er der Auflagenkurve. leise. „FAZ“-Mitherausgeber Frank Schirrmadenen man mangelndes Engagement für cher sieht kurzfristig keine Probleme für ihre Zeitung nicht vorwerfen kann. der „Süddeutschen Zeitung“ („SZ“). ebenso die Chefs vom „Hamburger Abendblatt“ und von der „Hamburger Morgenpost“. ist inzwischen jeder dritte Schreibtisch unbesetzt.2 gefallen. dass „Frankfurter Rundschau“ übernommen. LangGeduld. hier wurde Zeitungsgeschichte geschrieben. ein Prozess im Gang ist. Hinter die. dass er diese Kurve nicht mehr nach oben bekommt. hysterie der Online-Medien“ und durchdas Geld. die Totenglöck.zweiten Quartal dieses Jahres verlor sie ten und Leser sein. den Händen mittelständischer Verleger. damit ihrer Zeitung der mächtigste Verlag des Landes – kra.1 Prozent) Die Münchner „Abendzeitung“ ist in geht es nicht besser. 1945 gegründet. das Internet ist für viele Leser mache. vember letzten Jahres insolvent.line-Chef. als habe da jemand – immerhin dakteure loswerden. Das Netz. sind doch die großen 5.arbeiter mussten gehen. machte im vergangedienindustrie rückabwickelt. Inzwischen hat lich – die Lage der Tageszeitungen schön. weiß. Es wirkt auf alle Print-Journalis. muss gerade 26 Reten so.die „Frankfurter Allgemeine“ („FAZ“) die redet. für ihre an Mäzenatentum grenzende Mathias Müller von Blumencron. in der eigenen Meinung und D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 MIRIAM MIGLIAZZI & MART KLEIN FÜR DEN SPIEGEL . der die im 20. Einordnung. mit einem Kugelschreiber den Aufwärtskick im nächsten Jahr verpasst. die sie lange brauchten. die Rücklagen seien beruredakteur Arno Makowsky lobt Anne. den Absturz abzubremsen. der Tod. hier lernten viele große Journalisten ihr Handwerk. auch die Chefs der „Berliner Morgenpost“. In Berlin. Ihren überregionalen Konkurten vor allem durch große Irrtümer auf. Und Arno Makowsky. Frau und Sohn des Zeitungsgrün. um exklusiven Nachricht. in dieser Zeitung tippten die Redakteure vor drei Jahrzehnten noch jeden Tag für 300 000 Käufer. Prozent) und „Welt“ (minus 10. fristig sieht er in der Zeitung „den Papier dass die Treue der Leser. Chef. Krach. Sein Hauptkonkurrent Wolfgang wichtigste Informationsquelle geworden. Auch die „FAZ“ hat mit AuflagenverJahrhundert zusammengewachsene Me. sie arbeiten gegen die breche die routinierte „Maschinenarbeit“. Makowsky weiß. Hamburg und München haben die Lokalzeitungen in den vergangenen zehn Jahren rund 30 Prozent ihrer Leser verloren. 420 MitWer noch immer – wie seit Jahren üb. Im riesigen Newsroom.gende digitale Erlöse und den neuen Onmann. stellvertretender Chefredakteur Nachrichten scheinen ihnen zu teuer. nen Jahr 4.gewordenen Biorhythmus“.Rundschau“. abstößt und sich weitgehend zurückzieht aus dem Markt der regionalen Tageszeitungen. muss spätestens nun einsehen.7 Prozent ihrer Käufer (gegenüber dem Verlage in den letzten beiden Jahrzehn.renten „Süddeutsche Zeitung“ (minus 4. die in einem Schaubild vor ihm liegt. Dass der Konzern Axel Springer AG das „Hamburger Abendblatt“. die zum Vorbild wurden für die größte deutsche Pressesatire „Kir Royal“.„Berliner Zeitung“. auch die Inserenten investieren weniger sieht den Wert der Tageszeitung in der in die Blätter.schau“ erspart bleibt.Vorjahr).Gesellschaft Breaking n dieser Zeitung war Baby Schimmerlos zu Hause. Nun ist die Auflage der Münchner „Abendzeitung“ auf 107 634 Exemplare gefallen. hat nicht 56 I nur die betroffenen Redaktionen geBrigitte Fehrle. Ex-SPIEGEL-Chefredakteur ders. hier arbeiteten die Leute. dass es nur noch darum gehen kann. Zeitungen: Vielen Zeitungen sterben die die viele Tageszeitungen so langweilig Leser weg.das Schicksal der „Frankfurter Rundchend eine Tür zugeschlagen. des „Tagesspiegel“ und der „Berliner Zeitung“ wissen das.seine Zeitung. 52 Jahre alt. schwindet. muss lachen. Makowsky. im Beides kann zum Vorteil der Journalis. die Chefredakteurin der schockt. auf die sich Zei.

derzeit neue Kugeln für den neuen Tag. dass die ins Internet ströD E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 Die deutschen Tageszeitungen verlieren rasant an Auflage. besonders in den Großstädten Berlin. Die Einbrüche bei den Werbeerlösen alle Redaktionen. „dass sich Zeitunzu lesen.die Hälfte geschrumpft.erlöse. die das Bedürfnis der Leser nach Informationen und Einordnung schneller. in Berlin inserieren Rewe und talen Konkurrenz. die überregio. sonst habe sie keine Chance. Welche Nach. Vor sechs großen Problemen stehen Penny nicht mehr in Tageszeitungen. Dutzende neuer News-Apps wie tagesschau. In Blogging-Diensten wie tumblr. rief er den versammelten Verlagsmanagern zu. aber nicht bei den Ablegern der Papiermedien. sagt die Chefredakteurin der „Bertionen dagegen tun? Frisst das eigene di. in Netzmedien wie Carta oder Perlentaucher.nung der Verlage. Es müsse Spaß machen. Lidl um ein Drittel. Aldi wie Berlin.liner Zeitung“. nach Wahrheit sucht über die Lage der 57 . wird bei „Zonal Marking“ oder „Spielverlagerung“ fundierter informiert als in den Sportteilen vieler Tageszeitungen.baden scharf vom Chef einer der großen sonderen Art. Web. das heißt in der be. um mehr als Hin und Her zwischen Magazinen. Radiostatioricht ins öffentliche Bewusstsein dringt. direkt ansprechen oder lieber Fernsehen Zeitungen – wenn sie schlecht sind – und Internet nutzen. Lokalzeitungen in Städten schichten ihre Werbeetats um. auf lokalen Seiten wie Ruhrbarone kann der User Nachrichten vertiefen und einordnen.Mediaagenturen formuliert: „Stellen Sie len“. sind viele Blätter bedroht. Brigitte Fehrle. Seit was skandalisiert und debattiert wird.Verkaufspreise konnten die Verluste zum nale Tageszeitung kann mit Scoops der Teil ausgeglichen werden. was beim Hin-und-her-Flippern herausgekommen die Prognose der Mediaagenturen ernst: ist. und so geht es Medizinern. nach dem Springer-Clash auf die eigenen Blätter. das 2000 sind die Werbegelder. großstädtisch oder überregional: Wofür braucht seien für die Tageszeitungen noch bedrohman Tageszeitungen? Wie tief dürfen die licher als der Rückgang der VerkaufsAuflagen sinken? Was können Redak. zwischen sozialen Medien wie nehmen die Konsumenten entweder Facebook und Aggregatoren wie Google. Die kleine Regionalzeitung hat noch sind es noch 40 Prozent. die Zeitung sich darauf ein“. differenzierter und vor allem billiger erfüllen. soziale Medien wie Facebook und Twitter. Wer sich für Fußball interessiert.Stationen. weil die Untersites und TV. hat sich nur zu einem geringen Teil erfüllt. Architekten und Journalisten. Und die Hoffdem sogenannten Zeitungsgipfel in Wies. egal ob lokal. In den letzten Jahren haben im Internet Nachrichtenmedien Erfolg. Beiden ist aber klar. dass die Tageszei. Hamburg und München wenden sich die Leser ab. Von Cordt Schnibben menden Summen zu steigenden Werbeeinnahmen der Online-Seiten der Zeitungen führen. Websites von Print-Medien. Aggregatoren wie Google und Flipboard. desto schneller flieDas siebte Problem wurde im Juni auf ßen die Werbegelder ab. Zeitungen und Zeitschriften.de. nen. Juristen. Huffington Post oder BBC News liefern dem interessierten Leser aktuelle Nachrichten.gen in Zukunft ohne Anzeigen finanzietung ihre Rolle als Definitionsmacht von ren müssen!“ Mediaagenturen verteilen öffentlicher Meinung im letzten Jahrzehnt die Werbegelder der Unternehmen an TVweitgehend verloren hat. Durch höhere ein Informationsmonopol. einen Vorgang zu erzäh. Zeitungen – wenn sie gut sind – liefern Vor zehn Jahren waren 70 Prozent der „SZ“-Einnahmen Anzeigenerlöse. noch mehr aber journalistisch. Internetanbieter. Die Millionen landen im Netz. Und wer jetzt.kürzte seine Zeitungskampagnen binnen den dagegen am stärksten unter der digi.zwei Jahren um die Hälfte. München und Hamburg lei. In den USA etwa saugt Google viermal mehr an Werbegeldern auf als die Websites aller Print-Medien zusammen. Das Netz Ökonomisch ist die Tageszeitung durch das Netz bedroht. gitale Angebot die gedruckte Zeitung? Es ist eine sich selbst beschleunigende Kann man Online-Leser zahlen lassen? Spiralbewegung: Je weniger Leser die TaWie sieht die Zeitung der Zukunft aus? geszeitungen haben. Vor allem die großen Handelsketten Enthüllung und Scoops der Einordnung beeindrucken. die den Tagesist inzwischen die Folge eines schnellen zeitungen zugeteilt werden. Da auch die Anzeigenerlöse einbrechen.News im „Lesevergnügen. „SZ“-Vizechefredakteur Krach nimmt bilden am nächsten Morgen ab. wenn sie ihre Nische im Netz aufgespürt haben.

dieses Denken (jeder macht alles) „haben wir längst hinter uns gelassen“. ausgenommen seien Texte. was Leser bewege. Wer Online-Journalismus nur als anderen Vertriebskanal für Print-Journalismus verstehe. sagt Stefan Plöchinger. Bei der „SZ“ arbeiten Print. Viele Print-Journalisten hätten nicht mehr gelernt.Z. 2. betont Plöchinger. der Chef von Süddeutsche. Vizechef der gedruckten Ausgabe. Quelle: IVW 313 000 Auflagenschwund 300 000 B.de.und Online-Redakteure eng zusammen. zur Freude der 58 . sagt Krach. Quartal 1998 bis zum 2. Jeden Abend landen 10 bis 15 Artikel aus der PrintAusgabe vom nächsten Tag auf der Online-Seite. Eine „ebenso erfreuliche wie manchmal vielleicht auch erschreckende Erfahrung“ sei es für den einen oder anderen Redakteur. Hetzer. ohne E-Paper. Inspirateure – und Nervensägen. „wie unmittelbar messbar“ die Resonanz „auf das ist. Das eine sei Echtzeitjournalismus. was er schreibt“. gerundet. ihnen die Kontrolle und den Heiligenschein raubt. Jeder Print-Redakteur mache Online. Die einen erstellten ein Live-Medium. sagt Krach. indem es sie plündert. Quartal 2012 175 000 164 000 45% 34% 150 000 133000 125000 108000 100 000 85000* *1. „dass alle Zeitungsverlage geglaubt haben.Gesellschaft Zeitungsdrama Hamburger Abendblatt Verkaufte Auflage von Tageszeitungen jeweils 2. sagt Wolfgang Krach. sie müssten wertvolle Inhalte im Netz kostenlos anbieten“. verliefen Debatten in der Redaktion anders. die „den besonderen Charakter der Zeitung ausmachen“. koordinieren im 22. die anderen ein um 17 Uhr geschlossenes Blatt. das andere täglicher Magazinjournalismus. Quartal 1998 2001 2004 2007 D E R 2010 S P I E G E L 2013 3 2 / 2 0 1 3 Zeitungen. welche Texte der eigenen Website oft geklickt und häufig empfohlen werden. wird in Experten-Blogs und Foren des Netzes intelligenter bedient als in den Zeitungen. weil „beide Medien unterschiedliche Talente und Qualitäten brauchen“. „der missversteht beide Medien“. es zwingt die Print-Medien. Quartal 2013 288 000 Montag bis Freitag 39% 275 000 250 000 Berliner Zeitung 54% 225 000 217 000 Frankfurter Rundschau 200 000 193 000 42% 190000 Abendzeitung München vom 2. Korrektoren. Intriganten. aber mit unterschiedlicher Mission. und die Werbeeinnahmen der Websites könnten so hoch werden wie die Redaktionskosten – das haben nur ganz wenige geschafft. jeder Online-Redakteur mache Print. ihre Zeitungen und Zeitschriften nicht mehr wie Care-Pakete über den Lesern abzuwerfen: Das Netz macht aus Lesern Gesprächspartner. Seit die Online-Redakteure in der Redaktionssitzung der „Süddeutschen Zeitung“ jeden Tag vortrügen. Ein Fehler sei es gewesen. sich für das zu interessieren. Quartal. Montag bis Samstag. Zwei Newsdesks. Das Internet spinnt eine Gegenöffentlichkeit zu den klassischen Medien. An diesem Konstruktionsfehler des Online-Journalismus arbeiten sich die Verlage und Redaktionen seit zehn Jahren erstaunlich geduldig ab. Stock das Miteinander. das noch am nächsten Tag seine User begeistern muss. Der Grund waren zwei Irrtümer: Die Online-Seiten würden – so die Hoffnung – dem Print-Produkt neue Käufer bescheren. auf Zuruf voneinander entfernt. Quartal 1998 bis zur Insolvenz im 4.

Die „New York Times“ hat zwar inzwischen über 650 000 digitale Abonnenten.49 Euro bezahlen. den Journalismus und die Gesellschaft. der „Tagesspiegel“ auch. „Wir stehen vor der Frage. 4600 Exemplare der „Welt“ werden jeden Tag heruntergeladen. er füttert das Netz endlos mit Texten und Fotos. Von Zeitung zu Zeitung ist es sehr unterschiedlich – die Münchner „Abendzeitung“ stellt alle Texte der Zeitung auf die Website. die die .“ Man müsse jetzt die Gesellschaft fragen: „Seid ihr bereit. „an dem 100 Leute ein Jahr lang gearbeitet haben“. Fünf Millionen Euro Programmierkosten hat die Einführung des „Metered Model“ gekostet. wenn nun Journalismus im Netz bezahlt werden müsse. „Lübecker Nachrichten“) oder für alle Artikel („Welt“. Krach sagt: „Nur etwa 15 Prozent der Leute. sie vereinen die Brillanz von Illustrierten mit der Hintergründigkeit von Nachrichten-Magazinen und den bewegenden Bildern des Fernsehens.“ Das Geld Aber natürlich kannibalisieren alle Newsmedien des Netzes zusammen die Tageszeitungen. in den USA scrollt und swipt schon jeder vierte Amerikaner auf den mobilen Computern. die „Berliner Zeitung“ etwa 80 Prozent. Weder Plöchinger noch Krach glauben an die Kannibalisierung der Print-Auflage durch die eigene Website. aber immer noch sehr wenig. das ist zwar fast doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. der „Donaukurier“ aus Ingolstadt keinen einzigen Text (wie meist auch der SPIEGEL). könnte Chefredakteur Jan-Eric Peters schon beantworten. das Netz wird so zum Archiv der Gegen59 . D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 Chefredakteur Peters sieht die „Welt“ in einer Vorreiterrolle.Süddeutsche Zeitung‘ lesen. auch journalistisch. er meint einen Erfolg. etwa fünf Millionen sind in Deutschland im Gebrauch. sind auch Nutzer von Südddeutsche. In den USA wollen schon 450 von 1380 Zeitungen durch Paid Content die Einnahmeverluste der Tageszeitungen ausgleichen.TIM WEGNER/ DER SPIEGEL „FAZ“-Mitherausgeber Schirrmacher: „Jetzt wissen wir. für den Online-Journalismus der „Welt“ zu zahlen. wenn sie entsprechend angeboten werden. aber nur zwei bis vier Prozent der Leser zahlen bisher für Online-Journalismus. weil die Zeitung vor sieben Jahren unter der Parole „Online first“ der Endlichkeit des Print-Journalismus Rechnung trug. das wollen wir nicht. ständig online zu sein: Das verändert den Leser.de. sagt „FAZ“Herausgeber Schirrmacher.“ Ob die Gesellschaft bereit ist. insgesamt 380 000 E-Paper deutscher Zeitungen kaufen die Deutschen täglich.“ Darum gehe es. aber er will / darf / soll es nicht. Sie sind tragbare Fernseher. aber auch diese wohl beste Zeitung der Welt mit einer globalen Leserschaft kann nicht mal drei Prozent ihrer Online-Leser zum Zahlen bewegen. Vor allem aber ermöglichen sie den Benutzern. „Badische Zeitung“. Erst Ende des Jahres will der Springer-Verlag über Erfolg oder Misserfolg sprechen. zu bezahlen? Wenn die Gesellschaft sagt. was geistige Arbeit wert ist. „Giganten wie Google wollen geistige Arbeit ausbeuten zum Vorteil ihres Gewinns. Auf Smartphones und Tablets sollen Käufer gewonnen werden. die auf Papier nicht mehr zu erreichen sind. Seit Dezember müssen die Leser der „Welt“-Website monatlich 4. Online.und Print-Redaktion zusammenlegte und jetzt mit „Digital first“ noch mehr als andere Zeitungen auf die digitale Vermarktung der „Welt“ setzt. der in Wahrheit ein Misserfolg sei. „Hamburger Abendblatt“. wie Smartphones. für journalistische Texte. „Saarbrücker Zeitung“) – falls ein Leser mehr als 20 Artikel pro Monat liest. so Peters. das Netz. Der Leser liest nicht nur. wenn sie mehr als 20 Artikel im Monat lesen wollen. die inzwischen den inhaltlichen Unterschied zwischen Website und PrintProdukt nicht mehr verstehen. dann sind wir selber daran schuld. Websites und Print-Medien in einem. die Zeitung ist das einzige nicht überwachungsfähige Medium“ Leser. Tablets gelten als neue Chance für Zeitungen. „Absolut frustriert“ sei er über den Erfolg der „New York Times“. Und darum verlangen inzwischen 46 von 332 deutschen Zeitungen auf ihren Websites Geld für bestimmte Artikel („Bild“.

dass es weitergeht“ HARTMUT SCHWARZBACH / ARGUS / DER SPIEGEL (L. . Der Gegensatz zwischen Print. ihre Ansichten über die USA. Vieles. So wurde ein junger Mann mit Baseballmütze als mutmaßlicher Täter identifiziert.deUser. Der Online-User ist für jeden Journalisten gefährlicher als der Leser der gedruckten Zeitung. oft sogar lebenslang. die Nachrichten sammeln und sortieren und die inzwischen mehr User haben als die „New York Times“. Fotos. wie mächtig. Zeitungen sind redakteursgesteuert. Und der Online-Leser hat zwei gefährliche Komplizen: Aggregatoren und soziale Medien. Prinzessinnenblättern und Abseitigem versinken. die auf anderen Fotos plötzlich keinen Rucksack mehr trugen. ist das Ressort Panorama das beD E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 liebteste. ihre Schulerfahrungen. die sich vor allem aus Videos. innerhalb von einer halben Stunde brachten 13 000 Wortmeldungen die Seite zum Absturz. „wir arbeiten . dass die seriösen Print-Medien an jedem Kiosk in einem Meer aus Hirnlosigkeit. Reddit und BuzzFeed sind in den USA häufig geklickte Websites. was wir für Online geschrieben haben“. wenn er Abonnent ist. konnte auf der Website BuzzFeed – Stunden nachdem die Namen durchgesickert waren – den Lebenslauf der beiden Brüder erfahren. deren Nutzer Anforderungen an Papiermedien entwickeln. der schnell auf der Titelseite der „New York Post“ landete: Neue und alte Medien liefen Seite an Seite in den Irrtum – der Mann war unschuldig. die nächste Website. Best-of-Listen von Fotos ägyptischer Demonstranten. Von Managern des Konzerns Axel Springer wird BuzzFeed gern als Vorbild für mögliche neue digitale Medien gefeiert. Oft gelesen: die Reportage „Der zärtlichste Porno der Welt“ und ein Kommentar zur Brust-OP von Angelina Jolie. sie füttern reddit mit Nachrichten. vor allem Menschen. ist sehr beliebt. die diese nicht erfüllen können. und die kommt – oft zur Enttäuschung ihrer hochpolitischen Redakteure – meist einer Boulevardzeitung sehr nah. Der Print-Leser ist der Gefangene des Journalisten – sobald er den Preis für die Zeitung oder die Zeitschrift gezahlt hat. auch die sind – nach der Homepage – am häufigsten auf der Sudoku-Seite und der Seite „Blümchenspiel“. dass sich die Leser aus dem Angebot der Seiten ihre eigene Online-Zeitung zusammenstellen. Fragen. die Menschen mit auffälligem Rucksack zeigten. schlau und furchteinflößend dieser Journalismus ohne Journalisten inzwischen geworden ist. Auf FAZ. so der Branchendienst meedia. Journalisten bedienen sich in diesem Archiv. Der Online-Leser ist wählerisch. zu den meistgeklickten Texten gehören Beiträge über Büstenhalter und ein Buch über Sex in arabischen Ländern. launisch. GORDON WELTERS / DER SPIEGEL (M. das nächste Video.„Abendzeitung“-Chefredakteur Makowsky: „Wir tun alles dafür. Die stärksten Einzelartikel in den letzten Monaten: Steueraffäre Uli Hoeneß und der Live-Blog Bayern – Barcelona. nur gespeist von seinen Nutzern. Bei Süddeutsche. in der Bill Gates. um mitreden und mitgestalten zu können. Legenden der „Titanic“ und Frühstücksgeschichten machen Millionen Amerikaner süchtig. Im Vergleich mit anderen Websites von Print-Medien ist die Beliebtheit des Online-Feuilletons auffällig.de klicken die User besonders oft das Sportressort an und die Einzelseiten „IQ-Test“ und „Führerschein-Prüfung-Test“.). Die beliebteste Rubrik ist „Ask me anything“. die Zeitungen nicht mehr brauchen. andere Experten und Prominente Fragen aller Art beantworten. der nächste Song ist nur einen Klick entfernt. sie richten sich eher danach. und die Jagd nach den Tätern des Anschlags auf den Boston-Marathon zeigt. Die Zeitung Die Balance zu finden zwischen lesen sollen und lesen wollen ist der schwierige Job aller Online-Seiten deutscher PrintMedien. Die Redakteure können aber nicht verhindern. weil die Klicks verraten. Reddit ist ein sozialer Aggregator. Die jüngsten Aufstände in Istanbul und Brasilien boten wieder eine Vorahnung dieser Twitter-Weltgemeinschaft. sprunghaft. Wer schnell über die wahren Täter informiert werden wollte. bei BuzzFeed („The Viral Web in Real Time“) liefern auch Redakteure die Inhalte.Online to Print‘. Ihr Geheimnis ist die Interaktivi60 tät: Leser sind gleichermaßen Produzenten und Konsumenten. was Leser lesen sollen. sagt Chefredakteur Peters. was die Leser lesen wollen. Es entwickelt sich langsam eine redaktionelle Gesellschaft von Online-Bürgern. eine Gemeinsamkeit mit den Lesern von Zeit-online. Ähnlich wie die Polizei recherchierten Twitter-Reporter unter den Augenzeugen der Bombenanschläge. entwickeln neue Formen und neue Medien. ihre sportlichen Vorlieben. so ziemlich jedes Detail der vergangenen Jahre. stellten – auf der Website reddit – Fotos aus dem Umfeld der Explosionsorte ins Netz. Fotos und Links zusammensetzen. hatte BuzzFeed zu einer illustrierten Geschichte der Brüder zusammengebaut. könnte man aus alldem schließen – wenn man vergisst. Sie mögen offenbar diese Mischung aus nötigen und unnötigen Nachrichten. Das Sudoku-Spiel auf der Website.) „Berliner Zeitung“-Chefin Fehrle: „Wüste von wilden wart. also drucken das. und letztlich erklärt das den Erfolg fast aller Nachrichtenseiten im Netz: Sie sind lesergesteuert. was im Netz zu finden war. Folgt man den Klickzahlen der welt.und Online-Journalismus ist bei der „Welt“ abgeschafft.NET liegen „Börsenspiel“ und „Bilder des Tages“ vorn. Barack Obama nutzte reddit während seines letzten Wahlkampfs. Online-Journalismus ist seichter als Print-Journalismus.

Informationen“

HARTMUT SCHWARZBACH / ARGUS / DER SPIEGEL (R.)

„Welt“-Chefredakteur Peters: „Wir müssen maßgeschneiderte Produkte bieten“

Aggregatoren wie Google oder Flipboard durchstreifen das Netz nach Texten, Fotos und Videos, an denen der User interessiert ist. Sie führen den potentiellen Leser und Zuschauer auf die Websites, die zu bieten haben, was er sucht. „Und mit jedem Klick bei Google liefere ich der Maschine Informationen über mich, die sie zu Geld machen kann“, sagt „FAZ“-Herausgeber Schirrmacher. 30 Prozent der FAZ.NET-Leser kommen über Suchmaschinen auf die Seite, so der Branchendienst meedia, wenig im Vergleich zu welt.de (44 Prozent), ungefähr so viel wie bei Süddeutsche.de (35 Prozent), aber mehr als bei SPIEGEL ONLINE (21 Prozent). Je stärker eine Marke im Netz ist, desto mehr User klicken direkt die Website an. Immer wichtiger für die Netzmedien sind die sogenannten sozialen Medien wie Facebook und Twitter, sie sind wichtige Umschlagplätze für Nachrichten geworden, seit Millionen User über sie Artikel empfehlen und verschicken. 20 Prozent aller Amerikaner, doppelt so viele wie vor zwei Jahren, konsumieren News vor allem über die sozialen Netzwerke, 35 Prozent sind es schon bei den 18- bis 24-Jährigen. Für die globale digitale Elite sind Facebook und Twitter die Leitmedien geworden. „Soziale Medien liefern den Zeitungen noch mehr Rückkopplung vom Leser“, sagt „SZ“-Mann Krach, „und wir kommen an Informationen, an die wir vorher nicht herangekommen sind.“ Wie ein „permanenter Markttest“ wirkten Facebook und Twitter, sagt sein Online-Kollege Plöchinger, „die Empfehlungszahlen sind für uns entscheidend, nicht die Klickzahlen“. Twitter und Facebook sind so gut wie konkurrenzlos, so wie es Amazon und Google sind. Die Schaltstellen der neuen digitalen Öffentlichkeit liegen in den Hän-

den amerikanischer Konzerne; da ist ein das passieren kann, während die User die digital-industrieller Komplex herange- Bequemlichkeit, die Effizienz, die Komwachsen, den viele erst seit den Enthül- munikation, die Freude des digitalen Dalungen von Edward Snowden als Problem seins genießen. „Die Zeitung“, sagt wahrnehmen. „FAZ“-Herausgeber Schirrmacher, „ist Das Kapital beider sozialer Medien die richtige Antwort auf solch neue Ängssind die über eine Milliarde Weltbürger, te, sie ist das einzige nichtüberwachungsdie auf der Suche nach Information, Ori- fähige Medium.“ entierung und Unterhaltung das Netz Partizipation ist das große Versprechen durchstöbern – und dabei Hunderte Mil- der digitalen Öffentlichkeit; an der eigeliarden Daten über sich produzieren. Die nen Ausspähung beteiligt zu sein ist die werden kommerziell verwertet und, das große Ernüchterung. Wenn es nicht gewissen wir nun, auch geheimdienstlich. lingt, diese Perversion abzuwehren, wird Das ist ein staatsmonopolistischer Kapi- sich das Tempo der Digitalisierung vertalismus neuer Art, ein digitaler Imperia- langsamen. Der Strukturwandel der Öflismus, der nicht Länder erobert, sondern fentlichkeit ist allerdings unumkehrbar, Datennetze und Hirne. er wird getrieben von den Giganten, die an ihm verdienen, von den Verlagen, die in ihm die Rettung ihrer Geschäftsmodelle sehen, von den neuen Medien, die nur durch ihn existieren, von den Usern, die die Spielzeuge der digitalen Öffentlichkeit nicht mehr missen möchten. Smartphones und Tablets ermöglichen ununterbrochene Partizipation, die funktioniert allerdings anders als die massenmediale Öffentlichkeit des 20. Jahrhunderts. Der digitale Bürger kommuniziert in Nischen, in vernetzten Gruppen, in Blogs, unter Followern und Freunden. Er ist eine Mediendiva, verwöhnt von den Möglichkeiten der neuen digitalen So bereitwillig Millionen User ihr Pri- Medien, gelangweilt von analogen Textvatleben im Netz ausbreiten, so ahnungs- bündeln, von Zeitungen, die ihm zu teuer los lassen sie sich ins Hirn schauen, wenn sind und vollgestopft mit Texten, die ihn sie über Google, Facebook, Twitter, You- nicht interessieren. Er will maßgeschneiTube, Flipboard und Co. journalistische derte Ware, keine von der Stange, und Texte suchen, bewerten, empfehlen und billig soll die auch sein, am besten kosverschicken. Digitale Medien funktionie- tenlos. Er mag Flipboard, Zite, Huffingren in dieser Weise wie Hirnscanner, wie ton Post, tumblr, TED, taptu. Suchmaschinen, die das Netz und die Die digitalen Angebote der Zeitungen Köpfe im Dienste der Dienste durch- sind ihm nicht innovativ genug, kaum wühlen. verändert gegenüber den PapierausgaVor zwei Monaten hätte man so etwas ben, die neuen Möglichkeiten zu wenig für Verschwörungshysterie gehalten, in- nutzend. Das erklärt den mäßigen Erfolg zwischen muss man davon ausgehen, dass der ePaper-Ausgaben, zumal die in Jahr-

Der Online-User ist für jeden Journalisten gefährlicher als der Print-User.

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zehnten gewachsene Lesekultur, die auch vom Griff zum Papier lebt, nachwirkt. Auf den Tablets kann man, so sehen es viele, besonders lange Texte besser lesen als auf Papier, zudem kann man sie ergänzen mit Videos, Grafiken und zusätzlichen Informationen, aber die Evolution des Menschen ist immer viel langsamer als die Evolution seiner Erfindungen. 2012 hat sich die Zahl der Tablets hierzulande verdoppelt, bis zum Jahr 2016 sollen 24 Millionen Deutsche auf Tablets herumwischen; Millionen heruntergeladener Apps von deutschen Zeitungen und Zeitschriften zeugen von journalistischem Interesse ihrer Besitzer, aber die täglichen und wöchentlichen Käufe sind noch nicht berauschend. Das Kalkül der Verlage, es reiche, die gedruckten Zeitungen über die digitalen Vertriebskanäle an neue Leser zu bringen, geht nicht auf. „Wir müssen anfangen, neu zu erzählen, die Möglichkeiten nutzen, die die Tablets bieten“, sagt „SZ“-Vize Wolfgang Krach. „360-GradBilder, Videos, interaktive Grafiken, all diese Dinge, die wir in der gedruckten Zeitung nicht machen können.“ Print-Journalismus, der sich digital vermarkten will, muss vom Online-Journalismus lernen, vom Leserdialog, von den Formen, auch von der Sprache. Das Wort muss da dem Foto, dem Video, der Grafik weichen, wo es unterlegen ist; Journalismus zeigt nicht schon dadurch seine Qualität, dass Wortgebirge zu bewältigen sind. Datenjournalismus, Audio-Slide-Shows, animierte Grafiken, all das, was der Online-Journalismus hervorgebracht hat, muss auf den Tablets mit den Print-Texten zum neuen digitalen Journalismus zusammenwachsen. „Wir können mit diesen neuen Formen eine Detailtiefe erreichen, die auf Papier nicht möglich ist“, sagt Plöchinger, der Chef von Südddeutsche.de.

„SZ“-Chefredakteur Kister, Vize Krach: Wenn sich Zeitungen im Netz nicht neue Erlöse sichern,

Der Widerstand
Aus der Mitte der Redaktionen muss dieser neue Journalismus kommen, um das in den Verlagen vorherrschende Missverständnis, Digitalisierung bedeute eigentlich nur, einen Vertriebskanal mehr zu haben, zu überwinden. Nur digital kann der Print-Journalismus noch neue Leser und neue Erlöse finden, darum ist dieses Umdenken die erste Voraussetzung für das Überleben von Zeitungen. „Wir müssen zukünftig in unseren Redaktionen Journalisten haben, die programmieren können, auch um zu verstehen, was die Digitalisierung mit uns macht“, sagt „FAZ“-Herausgeber Frank Schirrmacher. Bisher haben viele Tageszeitungen davon gelebt, dass sie für ihre Leser so etwas wie ein Familienmitglied waren, sie
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lagen – einmal adoptiert – immer da, pünktlich, zuverlässig, bekannt. Ihre Leser wollten das Gewohnte, und so wurden sie auch gemacht. „Gestern war die Gemeinderatssitzung, irgendwas muss geschrieben werden, heute steht’s in der Zeitung“, sagt „SZ“-Online-Chef Plöchinger, „dieses schematische Abhaken ist stilbildend für viele Zeitungen, in allen Ressorts.“ Aber dem Leser, zweite Voraussetzung dafür, dass er es bleibt, „reicht das heute nicht mehr, er will das Ungewohnte, nicht das Gewohnte“. Jede Redaktion muss – dritte Voraussetzung fürs Überleben – sich klarmachen, was sie unentbehrlich macht. Sie muss ihr Selbstverständnis und ihr Blatt schärfen; alles, was austauschbar ist, wird zukünftig von den Lesern ausgetauscht gegen irgendwas Ähnliches, das kostenlos im Netz herumschwirrt. „Die Zeiten sind vorbei“, sagt „Welt“-Chefredakteur Peters, „in denen man Zeitungen machen konnte, die praktisch alle erreichen, wir müssen maßgeschneiderte Produkte bieten.“ Peters ist überzeugt davon, dass – weil News heutzutage durch die Netzkonkurrenz weniger wert sind – der ökonomische Druck auf die Redaktionen weiter zunimmt. „Wir sind über die vergangenen Jahre weniger Journalisten geworden, und wir machen mehr Titel.“ Darum
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muss sich jede Redaktion – vierte Voraussetzung – auf das konzentrieren, was sie besser kann als andere Blätter. Was Blätter herausragend macht, sind, fünftens, ihre Autoren, also die Journalisten, die wie Marken funktionieren. „Sie werden in Zukunft sehr wichtig“, sagt Krach, „Kister, Prantl, Fried, solche Autoren binden die Leser an eine Zeitung.“ Außerhalb der Redaktionen profilieren sich Journalisten im Netz, Blogger mit Zehntausenden Lesern werden zu Marken, stehen für Unabhängigkeit. Diese Leute nicht als Gegner zu sehen, sondern als Debattenpartner, wird, sechstens, genauso wichtig für Redaktionen wie ein entspanntes Verhältnis zu all den lokalen Blogs und Netzmedien, die den Journalismus der Zeitungen ergänzen und herausfordern. „Wir haben Online noch nicht gezeigt, was wir wirklich können“, sagt „FAZ“Mann Frank Schirrmacher, „wir haben Wichtiges aus der Zeitung zurückgehalten, weil wir das Gefühl hatten, wir schaden uns selber.“ Das wird sich mit dem Bezahlmodell – für Ende des Jahres geplant – bei FAZ.NET ändern. Das Verhältnis von Print- und Online-Journalismus neu auszubalancieren, unter der Maßgabe, online nichts Wichtiges mehr zu verschenken, wird für alle Tageszei-

Gesellschaft
sein Blatt nicht allzu laut loben, aber seit zehn Jahren ist die Auflage stabil, ein Rückgang von 0,8 Prozent in einem Jahr, wie gerade passiert, löst schon selbstkritische Diskussionen aus. Der „Donaukurier“ ist eine gute, alte deutsche Tageszeitung. Durchschnittliches Alter der Leser: 52 Jahre. Kaum Arbeitslose im goldenen Viereck München / Nürnberg / Augsburg / Regensburg. Zuverlässig, behutsam, keine radikale Veränderung. So beschreibt der Chefredakteur seine Zeitung. Keine Print-Artikel kostenlos auf der Website. Rund tausend verkaufte ePaper-Ausgaben jeden Tag. Auf solche Regionalzeitungen zeigen jene Verleger gern, die sagen, alles werde schon nicht so schlimm kommen. Immer noch 18 Millionen verkaufte Zeitungen, noch 332 Zeitungstitel, noch über 13 000 Redakteure, noch acht Milliarden Euro Umsatz. „Noch“ ist das Trostwort der Beschwichtiger, „schon“ das Alarmwort der Warner. Mehr als 50 Zeitungen eingestellt in den vergangenen 20 Jahren, schon fünf Millionen weniger Auflage in den letzten zehn Jahren, schon 1,3 Milliarden weniger Werbeerlöse seit 2006. Bill Gates habe mal gesagt, bereits 2000 werde es keine gedruckte Zeitung mehr geben – mit solchen Sätzen machen sich die Chefredakteure des Berliner „Tagesspiegel“, Lorenz Maroldt und StephanAndreas Casdorff, Mut. Sie sind schon lange bei der Zeitung und reden über ihre Arbeit immer „noch“ mit der Leidenschaft von Pionieren: den Wochenendteil ausgebaut, die Nachrufseite neu erfunden, noch mehr Berlin-Seiten, und vor allem: „kein kaltes Blatt machen, das nur den Nachrichtenstrom abbildet“. Sie rattern Rankings herunter, in denen ihre Zeitung ganz oben ist, es klingt ein wenig nach den Erfolgsmeldungen an der Erntefront, früher, im „Neuen Deutschland“. Und je länger man diesen beiden leidenschaftlichen Blattmachern zuhört, desto mehr begreift man, dass Tageszeitung zu machen heute eine permanente Revolution ist, und Casdorff sagt es auch: „Revolution“, ständig neu denken, ständig ausprobieren und dann doch sehen, dass die Auflage nach unten geht, wenn auch nicht so steil wie bei den anderen Berliner Zeitungen. Neue Produkte müsse man entwickeln; am Abend, da lesen die Leute, und drucken müsse man ja nicht mehr. In München, bei der „Abendzeitung“, sitzt Chefredakteur Arno Makowsky in seinem Büro und denkt in dieselbe Richtung. Wenn man Jüngere erreichen wolle, müsse man sie über Angebote auf dem Smartphone ansprechen, mehr Service, mehr Sport, mehr Fotos bieten als die Zeitung. Fragt man ihn und andere Chefredakteure deutscher Tageszeitungen, was passieren werde, wenn die Bezahlmodelle nicht so viel Geld bringen sollten, um die sinkenden Erlöse der Papierausgabe ausD E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3

können sie sich nicht mehr finanzieren

tungen die siebte, die wichtigste Überlebensaufgabe. „Die größte Angst der Print-Redakteure ist, dass es dann zukünftig durch das Netz Quotenjournalismus gibt“, sagt „SZ“-Online-Chef Plöchinger. Wenn man nur darauf schiele, wie eine Geschichte läuft, also geklickt werde, verliere jede Website und jede Zeitung an Qualität. Die „SZ“ will Ende des Jahres den großen Teil ihrer Online-Angebote kostenpflichtig machen, nur die Grundversorgung mit Nachrichten soll noch frei zugänglich sein. So ähnlich will es auch die „FAZ“ halten.

Die Zukunft
Mehr Geld verdienen, neue Vertriebskanäle erschließen, billiger produzieren, die Qualität steigern, sich neu erfinden – das Überlebensprogramm der deutschen Tageszeitungen klingt kühl und kühn wie das Sanierungskonzept der deutschen Stahlindustrie vor Jahrzehnten. Einziger Trost: Deutsche Zeitungen können nicht in China zu Dumpingpreisen zusammengeschrieben werden. In Ingolstadt, beim „Donaukurier“, kennt man die Sorgen in vielen Redaktionen, allerdings sind sie weit weg. Chefredakteur Gerd Schneider will sich und

zugleichen, schaut man in ratlose Gesichter. Den Verkaufspreis für die Zeitungen drastisch erhöhen – da winkt die Chefin der „Berliner Zeitung“ ab, der Vize der „SZ“ allerdings kann sich einen AboPreis von 700 Euro (jetzt 550 Euro) jährlich vorstellen. Die Tageszeitung nicht mehr sechs Tage in der Woche erscheinen lassen, das kann man sich hingegen bei der „Berliner Zeitung“ vorstellen. Beim Berliner „Tagesspiegel“ ahnt man, „dass wir kurzfristig mit den Bezahlmodellen nicht genug Geld erlösen werden“, und darum arbeitet die Redaktion daran, mit Kongressen und Symposien – jüngst zur Zukunft des Elektroautos – das Wissen der Redaktion zu vermarkten, um sich unabhängiger von zahlenden Lesern zu machen. Zeitungen wie der „Guardian“ kämpfen inzwischen mit eigenen Coffeeshops um Geld und Sympathie. Aber alle setzen unverdrossen auf das große Umdenken bei ihren Lesern, auf die Einsicht, dass guter Journalismus – auch im Netz – Geld kosten muss. Und wenn nur – wie bisher – drei Prozent der Leser bereit sind, für diese Qualität zu zahlen? Wenn es nicht gelinge, nennenswerte Erträge im Netz zu erzielen, sagt „SZ“Vize Krach, dann werde man Qualitätszeitungen nicht mehr finanzieren können. Dann werde sich der Verdrängungswettbewerb, den es jetzt schon gebe, sagt „FAZ“-Herausgeber Schirrmacher, steigern zum harten Verteilungskampf, „zum Darwinismus der Storys“. Makowsky stand schon 2010 mit der „Abendzeitung“ kurz vor dem Kollaps, damals mussten 22 Redakteure gehen. Schwarz sind die Zahlen heute nicht, aber nicht mehr so rot, wie sie mal waren. „Garantien kann ich nicht geben, aber ich kann sagen, dass wir alles dafür tun, dass es weitergeht.“ Um jeden Redakteur, der gehen müsse, tue es ihr leid, sagt Brigitte Fehrle, „aber die jüngsten Entlassungen sind für die ,Berliner Zeitung‘ journalistisch noch zu verkraften“. Wenn es zukünftig den Zeitungen nicht gelingt, neue Erlöse im Netz zu erzielen, dann gehen Zeitungen kaputt, „dann haben wir irgendwann mal eine Wüste von wilden Informationen, die durch die Welt geistern und von niemandem mehr sortiert, geordnet und geprüft werden“. Es gehe letztlich darum, sagt „Tagesspiegel“-Chefredakteur Casdorff, „um ein Kulturgut zu kämpfen, um ein konstitutives Element der Demokratie, um Presse- und Meinungsvielfalt“. Das rechtfertige jede Anstrengung, das zähle mehr als Renditeerwartungen, Geschäftsmodelle und Verlagsstrategien.
Debatte auf SPIEGEL ONLINE: Die Zukunft der Zeitung
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HARTMUT SCHWARZBACH / ARGUS / DER SPIEGEL

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6 Prozent zurückging. Nicht jede Bank und nicht jede Regierung wird in der Lage sein. BRAUERPHOTOS Mercedes-Präsentation in Rio de Janeiro AU TO I N D U ST R I E Ein Mercedes aus Brasilien Mercedes-Benz wird eine Fabrik in Brasilien errichten. erklärt.9 Prozent. Aber das heißt. künftig mehr Fahrzeuge von Mercedes-Benz im Ausland zu produzieren. Der neue Produktionsvorstand Andreas Renschler setzt damit die Strategie fort. Kommen jetzt alle versteckten Altlasten auf den Tisch? Hellwig: Wenn man es seriös macht. als noch zehn Jahre oder mehr die Krise des Finanzsektors und der Euro-Zone bekämpfen zu müssen. Aber ich bin für eine Bankenunion mit einer europäischen Abwicklungsbehörde und einem gemeinsamen Fonds – auch wenn das sehr große Transfers mit sich bringen könnte. Diese Umverteilung wäre für Deutschland billiger. Seit 2012 wird die B-Klasse auch in Ungarn gebaut. später kann das Werk erweitert werden. HAMILTON / REA / LAIF SPIEGEL: Die Europäische Zentralbank (EZB) will die Bilanzen der Banken überprüfen. weil der Verkauf importierter Fahrzeuge auf diesem Wachstumsmarkt durch hohe Einfuhrzölle behindert wird. In dem US-Werk in Tuscaloosa. lässt sich das nicht beantworten. TOBIAS HASE / DPA Biergarten in München 64 D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 . Spätestens 2015 soll die Montage der C-Klasse in Brasilien beginnen. der um 13. SPIEGEL: Ist die deutsche Klage heuchlerisch. dass einige Banken erhebliche Abschreibungen vornehmen müssen und frisches Kapital brauchen.4 Millionen Hektoliter Bier wurden im ersten Halbjahr 2013 weniger abgesetzt als im Vorjahreszeitraum – ein Rückgang um 4. SPIEGEL: Wie viel Geld fehlt? Hellwig: Ohne in die Bücher zu sehen. Das wäre zehnmal so viel wie heute. Die neuen Produktionsstätten sollen zusätzlichen Absatz in Märkten bringen. etwa 20 bis 30 Prozent der Bilanzsumme. Anfangs ist die Fertigung von rund 20 000 Autos pro Jahr geplant. dann macht das mit eurem eigenen Geld. bevor sie die Aufsicht übernimmt. warum Banken mehr Kapital brauchen – und die Europäer eine Bankenunion. dass man für spanische Banken nicht über einen europäischen Abwicklungsfonds geradestehen möchte? Hellwig: Der deutsche Steuerzahler hat schon bei der Rettung deutscher Banken bisher 70 Milliarden Euro verloren. Besonders stark reduzierte sich der Konsum von Bier-Mischgetränken. in welchem brasilianischen Bundesstaat die Fabrik errichtet wird. deutet sehr viel auf einen erheblichen zusätzlichen Abschreibungsbedarf hin. Mercedes-Benz will damit keine Fertigung aus Deutschland ins Ausland verlagern. SPIEGEL: Wie kann man Banken krisenfest machen? Hellwig: Sehr viel mehr Eigenkapital wäre sinnvoll. dieses Kapital aufzubringen. montiert der Konzern ab nächstem Jahr zusätzlich die C-Klasse. 64. Aber wenn man sich beispielsweise die Schiffsfinanzierungen deutscher Banken oder die Immobilienkredite der spanischen Geldhäuser ansieht. Da möchte man sich nicht auch noch die Verluste spanischer Banken aufbürden. ZAHL DER WOCHE 2. Direktor am Max-PlanckInstitut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern in Bonn. müssten alle Leichen aus den Kellern geholt werden. Man muss den Bankeigentümern sagen: Wenn ihr Las Vegas spielen wollt. die durch Zollschranken geschützt sind oder in denen Währungsschwankungen das Geschäft erschweren.Trends BANKEN „Alle Leichen aus den Kellern“ Martin Hellwig. Vorstand und Aufsichtsrat von Daimler sollen in den nächsten Monaten darüber entscheiden. in dem bislang vor allem die M-Klasse gefertigt wird.

man komme „mit den Zielen nicht recht voran“.Wirtschaft GERMANWINGS Gewerkschaft nutzt Abschluss für Eigen-PR Beim Lufthansa-Billigableger Germanwings besteht auch nach dem Kompromiss im Tarifkonflikt um Löhne und Arbeitsbedingungen der Flugbegleiter noch ein Restrisiko für Streiks. die Hinweise der Controller „sollen die Führungskräfte aufnehmen und analysieren. Die UFO-Führung selbst scheint wohl von einem positiven Abstimmungsergebnis auszugehen. August geschehen. Das ist das Resultat der Studie „Karriereziele von Studierenden – Eine empirische Untersuchung“. die gar nicht auf diese Art Hilfe angewiesen sind. BA-Chef Frank-Jürgen Weise gelobte schnelle Besserung. dass sich die Betreuungssituation von Kindern auf absehbare Zeit in Deutschland ändern wird. ob sie den Abschluss mittragen oder über Arbeitskampfmaßnahmen ein besseres Ergebnis herausholen wollen. bei ihnen hat fast jeder vierte Student einen Vorstandsposten als Ziel anvisiert. Die Arbeitsagentur teilt mit. Die Details müssen allerdings noch festgelegt werden. Bei der Vermittlung von unter 25-Jährigen „fehlen rund 2250 Einmündungen. Nicht einmal jede sechste Studentin (15. ihre Bilanzen wegen überzogener und teilweise falscher Zielvorgaben zu schönen (SPIEGEL 26/2013). um entsprechend reagieren zu können“. So heißt es in einer Controlling-Info einer norddeutschen Arbeitsagentur vom 29. Förderinstrumente. heißt es da. Das habe nichts mit „Streben nach Zahlen“ zu tun. Bei Teilzeit halten die Männer an bisherigen Rollenmodellen fest. An der Studie haben sich 2000 Studierende beteiligt. stünden „rum wie Sauerbier“. Das soll bis zum 15. seien die Arbeitsagenturen vor allem damit beschäftigt. Viele der jungen Frau- en geben sich offenbar nicht der Illusion hin. um die Ziele zu erreichen. später in einem Vorstand oder der Geschäftsführung eines Unternehmens Karriere zu machen. Sie präferieren eher Teilzeitmodelle. Auf ihrer Internetseite wirbt sie mit Hilfe des vorläufigen Kompromisses schon um zusätzliche Mitglieder. und dankt es den dienstälteren Kollegen. Der hatte der Behörde vorgeworfen. Das gilt auch bei Jugendlichen. Dagegen sind die Männer nach wie vor karriereorientierter. um die Quote von 24. Juli.3 Prozent zu erreichen“. heißt es in dem Papier. später keine Vollzeitstelle annehmen zu wollen und allenfalls Karriereziele anzustreben. Statt sich um Menschen zu kümmern. ihre Zahlenvorgaben zu erfüllen – teils auch mit Manipulationen. Fast die Hälfte der Studentinnen gab an. Studienabsolventen in Leipzig JOBS Kinder statt Karriere? Nur wenige weibliche Studierende finden es offenbar erstrebenswert. Die BA-Leute fahnden demnach förmlich nach Menschen. Doch noch immer werden zu Beginn eines Monats Ziele vorgegeben – ganz egal. Damals hatte die Kabinengewerkschaft UFO mit einem massiven Arbeitskampf zum Auftakt der Urlaubssaison gedroht. um im Wett- bewerb mit anderen Agenturen gut auszusehen. sich dann aber mit der Geschäftsleitung unter anderem auf Gehaltserhöhungen von knapp sechs Prozent und Einmalzahlungen für die rund 700 Bordangestellten geeinigt. die von der Fachhochschule Koblenz und dem Jobportal Jobware durchgeführt wurde. Rund 75 Prozent der Befragten können mit diesem Modell nichts anfangen. ob sie sich durch die Gegebenheiten am Arbeitsmarkt erfüllen lassen. Offenbar sind diese Maßnahmen nicht gefragt. IMAGO ARBEITSAGENTUREN „Wie Sauerbier“ Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat offenbar nichts aus der Kritik des Bundesrechnungshofs gelernt.2 Prozent) will in einem Vorstand oder einer Geschäftsführung landen. Im Übrigen würden die versprochenen Änderungen im Zielsystem erst 2014 in Kraft treten. so der Controller frustriert. Von da an bis Ende des Monats müssen die UFO-Mitglieder dann in einer erneuten Urabstimmung entscheiden. die Teilzeitarbeit ermöglicht. die im internen Ranking besonders hoch bewertet werden. sie müssen dennoch gewährt D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 werden. dass sie sich in den Verhandlungen solidarisch mit Euren Sorgen gezeigt haben“. Es ist jedoch deutlich geringer als noch Anfang Juli. 65 HENDRIK SCHMIDT / DPA . „Engagiert Euch.

) Löscher (r.) Cromme Ackermann . SIEMENS (U. MARIO VEDDER / DAPD (O.R.L.).).SEPP SPIEGL / PHOTOWEB X / ACTION PRESS (O.

Das kann durchaus Unterhaltungswert haben.7 % 3 0 2007 2008 2009 2010 2011 *netto 2012 Fehleinkäufe und die 600-Millionen-EuroAbschreibungen für Offshore-Plattformen in der Nordsee bis zur immer wieder verzögerten Auslieferung von 16 ICE-Zügen an die Deutsche Bahn AG. auf denen das Firmenlogo prangt. der Vorsitzende des Kontrollgremiums. Am Mittwoch vergangener Woche kommentierte er schon die mauen Quartalszahlen. Auch Unternehmen schützen und verstecken sich normalerweise hinter Masken aus Floskeln. eigentlich überall außer etwa in Nordkorea. am Donnerstag gab er erste Interviews (siehe Seite 68). als der damalige Vorstandschef Heinrich von Pierer die Führung an Klaus Kleinfeld übergab. wie die „Börsen-Zeitung“ moniert. Das verdankt der Konzern auch. weiten Welt von Siemens. die Ziele. November 2006. Hinter seinem Schreibtisch hängt ein großes Schwarzweißfoto von Big Sur. Das Handy-Geschäft ist verkauft. die Kämpfe und die Katastrophen. Sie halten sich wahrscheinlich für noch wichtiger. Kühlschränke oder Geschirrspüler. denn hinter den Kulissen tobt zugleich noch ein Machtkampf. die Kaeser angesichts seiner kaum verhohlenen Kritik schon früher misstrauisch beäugten. humorfrei und strebsam. wo einer dem anderen das Förmchen nicht gönnt. Vielleicht ist es sogar Teil der SiemensProbleme. wo man hin soll.“ Um indes wirklich zu begreifen. die normalen Verbrauchern erst auffallen. Siemens auf der ganzen Welt. Er selbst sagt: „Der Vorstandschef muss nun mal sagen. stammen von einer Gemeinschaftsfirma mit Bosch. und Ex-DeutscheBank-Chef Josef Ackermann. wie es zu dem Showdown der vergangenen Woche kommen konnte. diesen beeindruckenden Felsen an der kalifornischen Küste. Da müsse man natürlich den Vorstandschef fragen. die nicht von Siemens gesteuert wird. Und für rund 18 000 Software-Ingenieure (Microsoft hat auch nicht mehr) sowie 78 Milliarden Euro Umsatz mit Dingen. dass sich eine Frage geradezu aufdrängt: Wie kommt Siemens aus der Krise heraus? Kaeser knipst von jetzt auf gleich ein entwaffnendes Lächeln an. Damals war noch alles gut: Am Vorstandstisch am Wittelsbacherplatz in München hatte jeder seinen festen Platz. als sie es tatsächlich sind. aber nicht nur seinen beiden mächtigsten Aufsichtsräten. Die Anatomie eines Absturzes. Andere nennen ihn authentisch. Vergangene Woche wirkt Siemens für ein paar Tage lang wie eine offene Wunde. wenn sie ausfallen. Bei seiner Premiere als neuer Chef wirkt Kaeser nicht mehr ganz so cool. einer seiner Stellvertreter. wenn selbst ein hochrangiger Siemens-Mann sagt: „Manchmal geht es auch in Firmen wie unserer zu wie in einem Sandkasten. bei dem alles immer ein bisschen größer ist als bei anderen: die Aufträge. Aber es gibt Leute.“ Genau zwei Wochen nach diesem Gespräch ist alles anders: Löscher ist abgeschossen. wie ihn die deutsche Industrie selten erlebt: Im SiemensAufsichtsrat gerieten zwei der mächtigsten Wirtschaftsführer der Republik aneinander: Gerhard Cromme. wer gefragt wurde. muss man zumindest kurz an das Jahr 2005 erinnern.4 % 9 6. Es redete nur. Peter Löscher. Irgendwann kommt er einem selbst wie ein Fels in der Brandung vor. Kaeser sein Nachfolger. Siemens. sie wünsche sich in München wieder Ruhe. und wenn was schiefging. Dann kommt der 15. Trotz seines leicht vernuschelten niederbayerischen Dialekts argumentiert er so klar und präzise. dass man nur noch Großkunden hat. Der Finanzvorstand muss fragen. das sind knapp 370 000 Mitarbeiter. Nur: Ruhe ist nicht gerade die Kernkompetenz von Deutschlands traditionsreichstem Industriekonzern. enige Tage bevor um ihn herum die Hölle losbricht. Beide suchen aber auch eine neue Rolle – Deutschland in Europa. die heute in über 200 Ländern der Erde aktiv sind. sitzt Joe Kaeser in seinem Münchner Büro und erzählt Schnurren aus der großen. Höflichkeit und Diskretion. das steht auch für zuletzt 8900 Erfindungen jährlich. Vom Fiasko im Solargeschäft über milliardenschwere Schwächer als die Konkurrenz Umsatzrendite * großer Mischkonzerne im Vergleich General Electric 12 9.9 % 6 5. W Die beiden Senioren haben jeder für sich schon eine Menge überlebt. hatte niemand schuld. dessen Finanzvorstand er zu diesem Zeitpunkt noch ist. Aber ausgerechnet sie bescheren Siemens nun ein beispielloses „Affentheater“. So hat der Weltkonzern den Kontakt zu den Deutschen ein Stück weit verloren und ist doch auf besondere Weise immer deutsch geblieben: Land wie Unternehmen sind groß. Siemens hatte immer sehr selbstbewusste Finanzchefs. An jenem Mittwoch durchsuchen Staatsanwälte und Ermittler rund 30 SiemensBüros und Privatwohnungen von Top-Ma67 D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 . einem der Sehnsuchtsorte des 56-Jährigen. wie man dort hinkommt. Das sei schließlich dessen Aufgabe. Der Streit zwischen den beiden alten Wölfen wird so schnell so laut. Siemens. weil das regierende Kollektiv keine Einzelverantwortung kannte. dass selbst Kanzlerin Angela Merkel ausrichten lässt. Kaeser beschreibt überraschend offen. wie man fast überall in seinem Konzern „zuletzt ein bisschen den Anschluss verloren hat“. angesehen.Wirtschaft UNTERNEHMEN Peter und die Wölfe Rund um den Rausschmiss von Vorstandschef Löscher hat sich Siemens in kürzester Zeit in ein Tollhaus verwandelt.

Sie arbeiten genauso hart. aber auch in hochentwickelten Ländern müssen die Kosten der urbanen Infrastruktur pro Bürger gesenkt werden. Kaeser: … wo Software ebenfalls eine immer größere Rolle spielt. Auch da wollen und können wir helfen. wie kommen Sie darauf? SPIEGEL: Kritiker werfen Ihnen vor. Kaeser: Ich habe lediglich bisweilen darauf hingewiesen. Gleichzeitig entwickelt sich die heutige Diagnostik stärker hin zur Entschlüsselung des menschlichen Genoms. das Gespür für Qualität. SPIEGEL: Der neu geschaffene Sektor Infrastruktur und Städte erinnert bislang eher an eine Resterampe … Kaeser: … was er nicht ist. Dem Finanzvorstand kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. die Sie nun für die personifizier- 68 D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 ANDREAS POHLMANN / DER SPIEGEL . dass Siemens nicht nur sparen. wofür das Unternehmen seit Jahrzehnten steht: Ingenieurskunst. dass die fast 100 000 Mitarbeiter. sondern auch in neue Geschäftsfelder investieren muss. dass man ein Netzwerk hat und die Mannschaft gut kennt und vice versa. Über den besten Weg kann man später immer noch reden. die Medizintechnik …. Automatisierung und Steuerungstechnik für Mobilitätsinfrastrukturen zum Beispiel ist ein riesiges Thema. Unsere größte Stärke ist unsere Marke. In Schwellen-. Solche Probleme müssen in ihren Ursachen behoben werden. SPIEGEL: Sie haben in der Vergangenheit angemahnt. Und ich lasse auch nicht zu. -über- Manager Kaeser tragung und -verteilung. Und die Elektromobilität bietet ebenfalls gute Wachstumschancen. Der wird zwar länger dauern. Das muss in einer vom Vorstand gewollten offenen Diskussionskultur möglich sein. SPIEGEL: Es könnte alte „Siemensianer“ geben. SPIEGEL: Die kennt ja kaum jemand so gut wie Sie nach 33 Jahren Betriebszugehörigkeit. Nun sind Sie selbst der Boss. Obwohl schon das hoch anspruchsvoll ist. Die einzelnen Geschäfte gab es im Übrigen auch alle schon vorher im Hause. Wo wollen Sie angreifen? Kaeser: Die kontrollierte Offensive ist zuletzt tatsächlich etwas zu kurz gekommen. galt für uns beide und den gesamten Vorstand.zur wissensbasierten Medizin. als viele glauben. Auch die Energiegewinnung in der Tiefsee oder Prozesse für das sogenannte Fracking erfordern besondere Fachkompetenz in der Elektrifizierung. Beides brauchen wir jetzt erneut. nämlich das Auswerten und Einordnen der Daten. Es darf uns nicht passieren. SPIEGEL: Wo liegen denn die Hauptprobleme des Unternehmens? Kaeser: Es muss jetzt beruhigt und befriedet werden. dass Sie die Strategie Ihres Vorgängers Peter Löscher immer wieder öffentlich in Frage gestellt haben. allerdings unter positiven Vorzeichen. Denken Sie nur an unterbrechungsfreie Stromversorgung für die hiesigen Datenzentren in unserer Internet-geprägten Welt. Die Adressierung dieses Megatrends ist also dem Grunde nach richtig. als Resterampe verunglimpft werden. die im Sektor arbeiten. SPIEGEL: Die verpatzte Anbindung von Offshore-Windparks in der Nordsee. Aufbruchstimmung schaffen will SPIEGEL: Herr Kaeser. von der erfahrungs. Wenn einem das als Marktführer und mit den Wurzeln unseres Hauses passiert. Die Elektrifizierung ist nun mal das Kerngeschäft von Siemens. tut dies besonders weh. sind genauso stolz und ein- satzbereit wie ihre Kollegen in anderen Teilen der Firma. SPIEGEL: Was hat für Sie nun Priorität? Kaeser: Kurz nach der Korruptionsaffäre gab es bei Siemens dieses „Es-muss-waspassieren-Gefühl“. Peter Löscher und ich sind sicher unterschiedliche Naturelle. Deshalb werden wir das Unternehmen auch an seiner Wertschöpfungskette entlang weiter entwickeln. Kaeser: Genau das kann Siemens sich nicht leisten. sondern die Kultur eines Unternehmens. Auch bei der Industrieautomatisierung werden wir vermutlich eine Transformation sehen von einer Hardware-getriebenen Automatisierung hin zu vorgelagerten Software-Simulationen. SPIEGEL: Bleibt Ihre Vorzeigesparte. dass wir dort den Anschluss verlieren. Sind solche Karrieren heute überhaupt noch zeitgemäß? Kaeser: Der Vorteil ist. Als einer der Marktführer müssen wir hier wachsam sein.Wirtschaft „Ich gehe keine faulen Kompromisse ein“ Wie der neue Siemens-Chef Joe Kaeser. aber wir müssen uns darauf vorbereiten. sind Sie ein Königsmörder? Kaeser: Nein. dass einem Erfahrungen aus anderen Unternehmen fehlen und die internationalen Verbindungen vielleicht nicht ganz so ausgeprägt sind. damit wir uns wieder mehr auf unsere Werte besinnen können. Zuverlässigkeit und finanzielle Stabilität. Siemens zum Erfolg zu führen. dass solche Ziele auch mit konkreten Inhalten unterlegt sein müssen. wo wir das Internet sträflich unterschätzten. SPIEGEL: Das war’s schon? Kaeser: Elektrifizierung meint ja bei weitem nicht nur Stromerzeugung. aber der Auftrag. Sie bildet alles ab. zum Beispiel sein Ziel. Wir werden längerfristig auch dort einen Paradigmenwechsel erleben. Die Nachteile sind. Innovation. die zum Beispiel über die Diagnostik gewonnen werden. aber das hat auch Entschlossenheit und Aufbruchstimmung erzeugt. Denn über die Zukunft und den langfristigen Erfolg eines Unternehmens entscheidet nicht in erster Linie ein Strategiepapier. 56. die verspätete Lieferung von 16 ICE-Zügen für die Bahn und viele weitere Flops erwecken einen anderen Eindruck. weil er ja auch die Mittelvergabe sorgfältig prüfen muss. Da sehe ich im Übrigen auch ausgezeichnetes Potential. Die Mitarbeiter waren zwar geschockt. 100 Milliarden Euro Umsatz zu erreichen. wie einst in der Telefonvermittlungstechnik.

Weiß. Er sieht die vielen Graustufen bei Siemens nicht. wie er wenige Monate später eines Abends mal nach Hause fuhr und an der Tankstelle den SPIEGEL-Titel zu Siemens sah. Löscher funktionierte binär: Eins. Als Finanzvorstand habe ich mich bislang auf sehr sicherem Terrain bewegt. So vielfältig die Einflüsse von außen sind. Er sieht die vielen Graustufen nicht um ihn herum. Die Suche verläuft hemdsärmelig. als man bis dahin hat. Er kann so etwas. brummt das Geschäft – und mit ihm die Konkurrenz. das die Betriebsräte empört. hin zu Wachstum. Ich werde jedoch keine faulen Kompromisse eingehen. dürfte es immer heißen: So viel besser als früher läuft es jetzt auch nicht. Er sagt aber nicht. Aber das Schlimmste an dem Korruptionsskandal ist nicht mal der Verlust an Selbstwertgefühl und Image: Die amerikanische Börsenaufsicht SEC droht. dass etwas für das Unternehmen richtig ist und gemacht werden muss. „Ich habe mich geschämt. bei allen Fehlern. Es geht in jenen Monaten Anfang 2007 um die schiere Existenz. die ich mache. bis 1998 konnte man solch „nützliche Aufwendungen“ ja sogar von der Steuer absetzen. Aber Löscher hat bei 69 ULLSTEIN BILD . Im Sommer vergangenen Jahres beginnt Löschers zweite Amtszeit. Feuer zu spucken. erinnert sich. In München fürchten sie. Und sie beginnt schlecht. heute Vorstand des mächtigen Industriesektors. für wen er arbeitet. Siegfried Russwurm. wenn ich überzeugt bin. Dafür ist mir Siemens zu sehr ans Herz gewachsen. Antwort. Siemens aber nicht aufhörte – oder aufhören konnte. was ich sage. Eine Woche danach muss der auch für Kleinfeld einen Nachfolger finden. wo der Ritter gerade den Drachen getötet hat. Der setzt sich an einem Freitag ins letzte Flugzeug aus den USA Richtung Frankfurt am D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 Main. außer Siemens. überlässt das operative Geschäft den Bereichschefs. Schwarz. Aber eines ist mir auch klar: Bei allem. Nur: Wie verordnet man einer globalen Belegschaft einen irgendwann notwendigen Kurswechsel. Das Unternehmen hatte über Jahrzehnte ein perfekt funktionierendes Schmiergeldsystem konstruiert. wo er sich tags darauf mit Cromme trifft. Das erledigt Gerhard Cromme. setzt auf Dialog. INTERVIEW: DINAH DECKSTEIN. ist das anders. Der Führer eines Dax-Konzerns lebt immer in einem Kokon. dass Korruption seither strafbar war. „Alle ruhten sich aus und tankten Kraft“. Können Sie ihr die garantieren? Kaeser: Können Sie mir heute garantieren wie die Wahlen im September ausgehen? Aber Spaß beiseite: Ich finde es wirklich gut. in der Position als Vorstandschef. „Alle. Fühlen Sie sich durch die Querelen beschädigt? Kaeser: Am Ende zählt für mich. wenn das so gesehen würde. Jetzt. Über Bekannte bekommt Cromme den Tipp mit Löscher.“ Löscher räumt den Scherbenhaufen beiseite. wird durchaus auch Löschers Verdienst. das sagen seine engsten Vertrauten. Zunächst muss Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer entsorgt werden. Problem? Lösung! Schwarz. Null. erinnert sich Joe Kaeser. „Wir aber standen atemlos auf der Brücke zum Turm. während hinter uns der Drache schon wieder anfing. Weiß. Stattdessen legt er ein Sparprogramm vor. Siemens ist aber eine gigantische Palette von unterschiedlichstem Grau. SPIEGEL: Selbst die Kanzlerin hat sich um Siemens gesorgt und ausrichten lassen. den Konzern auf eine schwarze Liste zu setzen. Deshalb habe ich mich über die Aufmerksamkeit durchaus gefreut. auch wenn die Belegschaft eher von Angst als von Begeisterung angetrieben wird. das auch noch auf Werten basiert? Und auf welchen Werten denn? „Da kommt man sich vor wie in dem Märchen. der eine als Macher. gerade noch beim US-Pharmaunternehmen Merck. Management by Lehrbuch. so beschützt wird er von innen.Siemens-Lok-Präsentation 1879 in Berlin Wo lauern die Drachen? te Rache des Apparats an dem externen Aufräumer Löscher halten.“ Und er ist nicht der Einzige. Siemens-Chef zu sein. sondern auch im Aufsichtsrat.“ In dieser Phase beginnt Löscher erste Fehler zu machen. SPIEGEL: Zuletzt knirschte es nicht nur in Belegschaft und Vorstand. wie und womit derlei erreicht werden soll. THOMAS TUMA nagern. im Unternehmen möge bald wieder Ruhe einkehren. Siemens ist nun mal eine deutsche Industrie-Ikone. Die ICE-Züge für die Bahn werden nicht fertig. Frage. Kaeser: Es wäre ebenso schade wie falsch. baut den Konzern um. Es funktioniert. Nun soll er auch noch die Prinzessin erobern“. Das OffshoreGeschäft in der Nordsee entwickelt sich zum Alptraum. Beide sind also eher zufällig zu ihren Jobs gekommen. In diesem Moment drehte er den Schriftzug nach innen. der andere als sein Kontrolleur. Ansonsten blicke ich ohnehin lieber nach vorn. So wird Löscher. sagt Kaeser. sucht sich neue Leute. Die Umsatzrendite soll auf zwölf Prozent klettern. Das Dumme war nur. und so wird es auch bleiben. aber sie fauchen bereits. dass meine Ernennung einstimmig erfolgte. weg von der Angstkultur. Im Frühjahr 2011 gibt er ein Umsatzziel von 100 Milliarden Euro aus – ein Viertel mehr. Dass die ganze Affäre den Konzern am Ende „nur“ 2. damit niemand sehen konnte. dass man damit fortan von vielen Auftragsvergaben weltweit abgekoppelt werden könnte. Als erster Siemens-Chef von außen kann er ungerührt aufräumen. die Nummer eins bei Siemens. Ich bin zwar stolz.5 Milliarden Euro kostet. der bei wichtigen Entscheidungen das Unternehmenswohl über Einzelinteressen stellt. Aber zu überschäumender Freude besteht angesichts der Umstände meiner Ernennung kein Anlass. Löscher. Das spricht für die Professionalität im Aufsichtsrat. Null. Russwurm hat die Magnetkarte mit dem Firmenlogo meist am Gürtel hängen. dass die Bundeskanzlerin sich geäußert hat. Doch während die Deutschen mit sich selbst beschäftigt sind. Er hört die Drachen noch nicht. Die Schmiergeldaffäre trifft die Belegschaft ins Herz. funktionierte binär wie ein Computer: Eins.

Dass er einen Großteil der Zeit um die Welt jette. „Peter hat mit unglaublicher Präzieines russischen Silicon Valleys werden. die ihm die Feinheiten erklären. Man muss dazu wissen: Die Bun105 000 89000 86 000 51000 Mitarbeiter desrepublik sorgt heute zwar nurmehr General Electric macht 35 Milliarden Euro mehr Umsatz mit 65 000 Beschäftigten weniger. „Aber parks AutomatisierungsSignaltechnik. Bewegtbilder sind dagegen kaum brauchbar. Man und größeren Affären. Seinen vestieren.schen Wirtschaft. Dann hält er eine … nun ja … Rede. Der Aufsichtsratschef eines Unterneh. logue“ und findet in einem Würfel aus Glas.es um Fußball. Für seine Verhältnisse emotional wird er nur. Die Förderer des Projekts sind Medwe. Bei Barack Obama. als Moskauer Lancia Lambda 1928 liegen. Motorschaden. ausgleichend. Dafür steht Löscher noch immer. Also lässt er Deutschland-Termine vorbereiten. Bei Putin. Zweimal hat er Löscher gen Röcke in Siemens-Türkis. schüttelt Hände. „In den ersten zwei Jahren hat ein neuer Chef die Mitarbeiter. Eisenbahnsysteme. Da der rustikale Unter20. Hier der höllösungen und IT zerne Grübler. Die Drachen kommen näher.0% 13. wird uns den Schneid abkaufen!“ Gelächter. gerade das macht Freundschaften ja intertechnik. Der gebürtige Kärntner sieht sich als Weltbürger und hat schon ganz andere Herausforderungen gestemmt: Er hat in Wien und Hongkong studiert. Applaus. wenn was schief. Wer oder dew. April trifft Peter Löscher in gott. sagt einer aus dem Siemens-Vorstand. klinische Produkte schiedlicher kaum sein könnten.8 % ein Fremder. Ein Chamäleon? 2. Die beiden sind Freunde. In Asien gibt er sich strukturiert.8 1. Zu diesem Zeitpunkt warnt Finanzvorstand Kaeser bereits intern. der völlig ungerührt bleibt.Wirtschaft Siemens auch nach fünf Jahren kaum Vertraute. IndustrieEnergieverteilung bildgebende Geräte 27. die er verdient. Heute nennen sie das EineJahres abgeben: Der Stahlkonzern leidet Hand-wäscht-die-andere-Prinzip intern unter Milliardenabschreibungen.Journalisten ihn auf Korruptionsvorwürfe rund um den Ausbau von Skolkowo anter.sprechen.6 direkt. Aber sie sind wichtig. um an Aufträge ThyssenKrupp muss er Ende März dieses zu kommen. Löscher tätschelt Schultern.“ Beim ersten Mal blieben sie mit einem dew und der Oligarch Wiktor Wexelberg. 17. weil er in guten Momenten ein bisschen aussieht wie George Clooney. der Gasturbinen Spanien.1 2. kleinen „Lokalisierung der Wertschöpfung“.5 1. Diagnostik.mer schwarzeneggerisch nach „boardnalange es gut läuft. fällt InEuro sidern auf.tet. Wenigstens dort darf jetzt nichts mehr er repräsentiert das auch. die bei ihm imdes Vorstandschefs – am Anfang und so. Er sagt: „Es wird anstrengend wie Sau. Gebäudetechnik. WindAntriebstechnik. Selbst an Land sind die Windanlagen nicht sicher: In den USA reißen an zwei Anlagen in Iowa und Kalifornien tonnenschwere Rotorblätter ab. weil er die Geschmeidigkeit eines Zollstocks hat.3% 6. Der Weltbürger Löscher dagegen Umsatz kann sich anpassen: Bei Geschäftstermiin Milliarden nen in den USA wirkt er locker.5 nehmer und Lebemann. Die ICE-Auslieferung verzögert sich wei. April dieses Jahres schreitet Löscher weit ausholend zur Eröffnung der Hannover Messe schon morgens um 8. Löscher lobt Russland und remens wie Siemens ist der beste Freund det über „partnership“.unterhaltsamsten Bollerköpfe der deuthen aus wie aus einem Klonlabor und tra. die drei Kinder. sein Schwiegervater war Stromnetze. Das Ereignis nennt sich „Future Dia.über die er nicht reden mag. Die Abschreibungen im Offshore-Bereich wachsen. weil er sich zu wenig um Deutschland kümmert. Siemens will hier 40 Millionen Euro inlichster Gegner. 70 D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 . der bei so was dreimal mit dem Fuß Vier-Säulen-Modell aufstampft und Scheiße schreit. **brutto war von einer Contenance. Am 10.5 essant“. Der Peter * Siemens-Geschäftsbereiche .2 Euro Bei einem der deutschesten SiemensTermine überhaupt bleibt er allerdings Gewinnmarge ** 12. Cromme hat selbst Probleme. und Lösungen. geht aber immer irgendwo Präsident des FC Barcelona. Alle Anlagen müssen überprüft werden. Der große alte hilft bei der Industrialisierung. wenn es abwärts geht. 2012 *ohne Finanzdienstleistungen und Beteiligungen. findet Großmann. die er vorfindet“. Später wird Russwurm der Kanzlerin die Technik erklären und Löscher danebenstehen. mechanisch wie einer der Industrieroboter. bei der Erlanger Bergkirchweih.3 % 7. alles sauber. Bei schiefgehen. Die blonden Hostessen se. die er gleich der Kanzlerin und Wladimir Putin zeigen soll. MultiJames-Bond-Bösewicht als Zentrale hätte millionär. die unterKraftwerke.sion und Ruhe navigiert. Der Chef mag die Blitzlichttermine nicht. sagt Jürgen Großmann. ein ziemliches Adrenalin-Spektakel. einst RWE-Chef und einer der dienen können. Verletzt wird glücklicherweise niemand. in Deutschland kommt er besonders Gewinn in Milliarden steif rüber. den russischen Premier Dmitrij Medwe. Gemischtwarenladen. Industrieanlagen. Stahl und Beton statt. Er ist mit einer spanischen Medizinepletter Stahlwerke oder intelligente rin verheiratet. Er wird sein gefähr.“ Energieübertragung.15 Uhr über den gigantischen 2500-Quadratmeter-Stand seines Konzerns: Mehrere hundert „Siemensianer“ sind hier aktiv. Nach ihm begrüßt der stämmige Industrievorstand Russwurm seine Leute. das ZwölfProzent-Rendite-Ziel könnte gerissen werden.schip“ klingt. England und den USA gearbeiebenso verkauft wie die Ausrüstung kom. Alles legal. seine Heimat Österreich verlassener Einöde am Rande von Moskau oder seine Familie geht. und nur noch den Spitzenposten bei Siemens. die mir HalEnergie Industrie Infrastruktur Medizintechnik tung abnötigt.“ Am 8. Nur zu Hause wird der Unmut immer lauter.6 Großmann ist immer gleich laut und 13. Früher hätte man wohl lokale ebenso prestigeträchtigen Kontrolljob bei Würdenträger geschmiert. Der Klotz zur Oldtimer-Rallye Mille Miglia mitgeim Örtchen Skolkowo soll zur Keimzelle nommen.was ist dieser Peter Löscher? „Ein Diplomat – ruhig. Großmann erinnert sich: „Ich bin einer. macht aber auch Spaß!“ Er ruft: „Lassen Sie sich nicht von den Start-ups ins Bockshorn jagen!“ Er scherzt: „Nicht jedes Gadget. der jedem akkurat“. das Sie hier auf so einem Tapezierstand sehen. In einem derart gigantischen Merkel. an der man Mann der Deutschland AG hat seither dann verdient. „Danach hat er die. Seine Presseleute haben das Problem oft: Fotos von Löscher sind immer super. in Japan.

Für technische Details hat er Fachleute dabei.“ Dann geht es nicht um Frauenquote. Ein Außenseiter wie Löscher wird hier immer beargwöhnt. Auch Vorstände schauen vorbei. Wenn Kaeser und Löscher bei wirklich großen Investoren und Aktionären wie Blackrock oder Fidelity antreten. die ihm nicht steht. Die Analysten werden ebenso wie die großen institutionellen Anleger unruhig. Auch dieser Drache raucht. Mitte Juli wird allmählich immer klarer. die wahre Siemensianer sich früher komplett freigehalten haben. hat 65 000 Beschäftigte weniger als Siemens. Wenn Angelina Jolie über ihre Brustkrebs-Angst philosophiert. Durchsetzungskraft. Es geht gegen Cromme und Löscher und Siemens generell. dass sogenannte Kommunikationsberater aller Seiten in den Redaktionen Stimmung machen. Auf Pressekonferenzen und in Interviews rechnet er in Berlin mit der Energiewende der Bundesregierung ab. das sich zum Alptraum entwickelt für 14 Prozent des Konzernumsatzes. Die Blicke der Journalisten sind hauptberuflich skeptisch. dass sogar in München reagiert werden muss. einen neuen Kommunikationschef zu holen. Vize-Chefredakteur des „Handelsblatts“. Wer braucht wen mehr: Cromme Löscher oder Löscher Cromme. die er stets unterstützt hat.Aufbau einer Siemens-Offshore-Anlage in der Nordsee: Ein Geschäft. in der Sakkotasche einen Merkzettel mit Zahlen. Das größte Fest in Erlangen ist die Bergkirchweih: zwölf Tage rund um Pfingsten. heißt es: „Now we’re talking. sondern um alles. merken sie in der Siemens-Medizintechnik. 35 Milliarden Euro mehr Umsatz und ist an der Börse über dreimal so viel wert. In der ersten Juni-Woche versucht Löscher einen Befreiungsschlag. Erlangen und die Bergkirchweih stehen für den alten Siemens-Geist. dass Löschers Ziel – zwölf Prozent Umsatzrendite für 2014 – nicht zu halten 71 PAUL LANGROCK / AGENTUR ZENIT . Juni sitzt er vor Berliner Hauptstadt-Journalisten im schlammfarbenen Tagungsraum „Marlene Dietrich“ des Hotels Wyndham Grand. Es gibt aber keine. opponieren aber bereits lautstark gegen sein Sparprogramm. Managergehälter oder grüne Energie. die Bleistifte des Hotels kratzen über die Notizblöcke. Man sitzt dann in den Gewölben des Burgbergs. Der größte hiesige Standort ist – mit 40 000 Beschäftigten – der Großraum Nürnberg-Erlangen. stellt aber noch ein Drittel der weltweiten Belegschaft. Löscher sagt Sätze wie: „Die Kosten laufen uns aus dem Ruder“ oder „Wir fordern mehr Markt“. Die Medien fangen an. der ewige Rivale der Münchner. Es sind die wichtigsten überhaupt. dass sie jetzt mal schnell der Welt die Vorzüge ihrer Computertomografen erklären sollten. Auch in der Siemens-Spitze fängt es an zu rauchen. Honoratioren von Stadt und Freistaat ohnehin. Löscher und Siemens zu sezieren. dass er Aufsichtsratschef in München werden will. Aber sie kann Trends nur verstärken oder bremsen. Wenn ein chinesischer Blogger sich über seinen Bosch-Siemens-Kühlschrank ärgert. Löscher ahnt bei ihm eine zu große Nähe zu Cromme. Er ist nicht zum Drachentöter geboren. Von solchen Gesprächen steht nie etwas in den Zeitungen. Die Rechnung ist einfach: General Electric. Es geht jetzt alles sehr schnell. Michael Inacker. Cromme braucht endlich gute Nachrichten. Zu dem Zeitpunkt hat er sich schon entschieden. war schon Redenschreiber für Helmut Kohl und ist ein loyaler Siemensianer. Es gibt mittlerweile viele Drachen. Am 5. Das ist oft ein Indiz dafür. Der Diplomat greift zur Brechstange. der wiederum den Austausch als Machtprobe verstehen könnte. Im Konzern selbst arbeiten rund 2000 Menschen am Thema Kommunikation. Wenn’s gemütlicher wird. Die Drachen sind los. IG Metall und Betriebsräte stützen Löscher noch. trinkt Bier und redet über die alten Zeiten. setzt sich auch einer wie Pierer wieder dazu. Kommunikation ist wichtig in der Echtzeitära von Facebook und Twitter. Inacker wird seinen Job in München wohl nicht mehr antreten müssen. um den mittlerweile auch schon die Geier kreisen? Sein Vize Ackermann lässt immer wieder dementieren. kann das zu einem medialen Großbrand werden. Er will StärD E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 ke zeigen. Sie kann Geschichten nicht drehen. Löscher misstraut seinem bisherigen Sprecher: Stephan Heimbach ist verheiratet mit Merkels Vize-Regierungssprecherin.

die Börse auch. fühlt sich vor allem überrumpelt und möchte nicht hinter Cromme herrennen. Der Sandkasten ist zu diesem Zeitpunkt weit größer als die Baustelle in München. Die Lässigkeit. Die Arbeitnehmerseite unter IG-Metall-Chef Bertolt Huber ist überschaubarer und spricht sich geschlossen für den Wechsel aus. Dafür sind auch die Drachen fürs Erste verschwunden.Wirtschaft ist. Der wiederum könnte durchaus versuchen. So könne man ja nicht zusammenarbeiten. damit Cromme seinen Job rettet. Als er um 14. Und nur ein hoher Kurs verhindert langfristig. Vorwärts und rückwärts“. Im Aufsichtsrat werden noch weitere Kräche erwartet. Juristen übernehmen. ihn je zu beerben. auch wenn sich keiner mehr öffentlich äußern will. Kaeser hat immer bei Siemens gearbeitet – seit 33 Jahren. sich als Sieger zu fühlen – und sei es nur moralisch. Vor allem Huber redet. versuchen aber. Die Luft war dünn da oben. Ackermann ist 65. obwohl Siemens ohnehin nie schlecht dastand: Im letzten Geschäftsjahr Konzernzentrale in München: Ein neues Spiel beginnt. dass spätestens zur Hauptversammlung im Januar auch Cromme gehen sollte. zumal der keine Chance hätte. hat er sich selbst zu Joe Kaeser gemacht. ob eine Ad-hoc-Meldung die „Märkte“ zu informieren hat.30 Uhr erstmals vor die Presse tritt. wie Löscher vom Hof gejagt werden soll. Alle haben verloren. Am Donnerstagabend vergangener Woche sitzt Löscher lange beim Weißwein mit IG-Metall-Boss Huber in der Gartenwirtschaft des „Freisinger Hofs“ in München. aber diesen letzten Job wird er so schnell nicht hergeben. Löscher hört eher zu. Juli wird eine dürre SechsZeilen-Meldung verschickt. donnert Michael Süß. Bei Siemens sind nun sehr viele unterwegs für alle Fraktionen mit allen Varianten: Löscher wird verraten und verkauft. Der Ex-Banker hat die Unternehmerin Nicola Leibinger-Kammüller und AllianzChef Michael Diekmann auf seiner Seite. „Energie bleibt die nächsten hundert Jahre ein TopGeschäft. Der wird für sie immer die grinsende Karikatur des Profittreibers mit dem Victory-Zeichen beim Mannesmann-Prozess bleiben. als dort die Korruption übrigens noch blühte. doch sie brauchen prestigeträchtige Jobs von der Siemens-Kategorie wie andere die Luft zum Atmen. in denen kein großes Neugeschäft mehr zu erwarten ist. Die Belegschaft mag ihn. Sie kamen beide im Jahr 2003 in den SiemensAufsichtsrat. Er lebt noch in seinem Geburtsort Arnbruck und heißt eigentlich Josef Käser. heißt es intern. Manche Großaktionäre finden. Er wird wie seine Vorgänger noch eine Weile an diesen sechs Jahren leiden. indem sie Schuldige benennen. Cromme will Löscher ersetzen. Der Apparat surrt jetzt auf Autopilot Richtung Abgrund. THOMAS TUMA Im Aufsichtsrat hat sich „ungläubiges Erstaunen“ breitgemacht – über das selbstinszenierte Theater. Das Trio findet es unwürdig. je mehr „Kommunikationsberater“ sie erklären wollen. Was tut man. Jeder Erfolg trägt den Keim des Misserfolgs schon in sich. Ackermann noch aus dem Gremium zu drängen. Siemens muss angreifen.4 Milliarden Euro an Wert. Die Arbeitnehmerseite würde den Finanzmann nie akzeptieren. DINAH DECKSTEIN. Im Jahr 2011 hat er in einem Interview gesagt: „Man sollte niemals der Getriebene sein. Seine Nonchalance hat gelitten. wenn das wichtigste Ziel zum wiederholten Mal derart krachend verfehlt wird? Das sogenannte Offenlegungskomittee muss intern prüfen. Am Mittwoch vergangener Woche reißen sich alle zusammen. Der Witz. Cromme 70. Kaeser muss dennoch in den nächsten Monaten Prinzessinnen ausfindig machen. Der Aktienkurs geht wieder hoch. Er kann sich mit über 20 Millionen Euro an Abfindungen und Pensionsrückstellungen von Siemens trösten. Bei Siemens stehen die Budgetverhandlungen bevor. um Harmonie zu spielen. Kaeser wird einstimmig zum lag der Umsatz bei 78 Milliarden Euro. wie ernst man die Krise eines Unternehmens nehmen muss: Sie ist umso größer. an seinem letzten nur noch knapp 83 Milliarden. heißt es aus dem Gremium. kommt am Münchner Flughafen ein Teil der Vertreter der Kapitalseite zusammen. aber das alte ist noch nicht zu Ende 72 D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 ULRICH BAUMGARTEN / VARIO-PRESS . Wachstum kann also nur aus Schwellenund Entwicklungsländern oder der Entdeckung neuer Technologien kommen. 27. Cromme ist angeschlagen. Die SiemensAktie verliert zwischenzeitlich an diesem Nachmittag 5. kaum geschehen. Zwei Drittel seines Umsatzes macht der Konzern in gesättigten Märkten. Nachdem er ein paar Jahre in den USA war. Am 25. Ackermann will nur Crommes Top-Job und verbreitet deshalb miese Laune. Vielleicht war München der Gipfel seiner Karriere. obwohl das alte noch nicht zu Ende ist. der Gewinn bei über vier Milliarden. dass Siemens irgendwann zerschlagen wird. MARTIN HESSE.“ Es wurde dann das beste Jahr in der 166-jährigen Siemens-Geschichte. Der Siemens-Konflikt hat sich vom Vorstand in den Aufsichtsrat verlagert. sieht er aus wie ein Bestattungsunternehmer. Juli. Ackermann wehrt sich. als wäre nie etwas gewesen. Der Rest wird telefonisch zugeschaltet. Er ist kein Freund von Kaeser. schon publik. aber die Bilanz bleibt schlicht: An Löschers erstem Arbeitstag war Siemens an der Börse 103 Milliarden Euro wert. Beide würden es nie zugeben. „Wir werden die Welt elektrifizieren. Ein neues Spiel beginnt. Am Samstag.“ Allein Wachstum beflügelt den Kurs. Der Eklat ist. die es zu erobern gilt. wo gerade die neue Zentrale des Konzerns entsteht. neuen Vorstandschef ernannt. der im Vorstand eher die schmiedeeiserne Fraktion vertritt. Es gibt ein Indiz dafür. „Ungläubiges Erstaunen“ habe sich breitgemacht.

Wichtige Agenturen der Werbekonzerne 71 100 11. was das soll“. Vorstandschef des US-Werbenetzwerks Omnicom. Die Kreativen arbeiten dann abgeschottet voneinander.und Gewinnziele nur durch Zukäufe oder Fusionen erreichen. ist ein behäbiger Gigant. werden künftig 130 000 Menschen für die dann in den Niederlanden beheimatete Holding der Publicis Omnicom Group arbeiten. Angeblich alles kein Problem: Es wird versichert. Die beiden wollten bei ihrem Treffen auf jeden Fall unerkannt bleiben. Dennoch bleibt der Riesen-Deal fragwürdig. Schon seit Jahren kursiert Werberspott über solche Agenturnetzwerke. Wren ist ja immerhin elf Jahre jünger. ist die Fusion denn auch Teil einer geschickt choreografierten Börsenphantasie. 30 Monate lang will er noch gemeinsam mit Wren an der Spitze des neuen Werbegiganten stehen. kann man hohe Wachstums. Lévy Kunden sind etwa Mercedes-Benz oder Sixt –. sagt Marcel Loko. dass Erzrivalen ihre jeweiligen Kampfstrategien von derselben Firma entwickeln und umsetzen lassen. die unter anderem Werbung für Real. Oft dringen Interna eher zu anderen Agenturen als zum Konkurrenz-Team im eigenen Haus. Lévy baute später aus Publicis einen Weltkonzern. die durch einen Aktientausch in die Wege geleitet werden soll. So drängt sich der Verdacht auf. „60 Prozent der Kosten einer Agentur sind Personalkosten. Weil man die Köpfe aber auch weiterhin brauchen wird. € 3 2 / 2 0 1 3 Hinzu kommen kulturelle Differenzen und die Tatsache.WERBUNG Behäbiger Gigant Durch die Fusion von Publicis und Omnicom entsteht der weltgrößte Reklamekonzern. Es waren die Zeiten. Siemens. und Wren. Mitinhaber der Hamburger Agentur Zum Goldenen Hirschen. Da bleiben auch Skurrilitäten nicht aus. Was entsteht. und 130 000 Angestellte fragen sich. im Carlton Hotel in Cannes sechs Stockwerke zu Fuß zu laufen. als noch Champagner floss und die Szene eher an die US-Serie „Mad Men“ als an Sparrunden erinnerte. MARTIN U. 60. die AOK und Nutella macht. dass sich französische Unternehmen in Sachen Anpassung schon früher schwergetan haben. Weltmarken wie McDonald’s. wenn der französische Starwerber Maurice Lévy sich die Mühe macht. wo dann bei jeder Kleinigkeit gefragt werden muss: Was sagt New York dazu? Weiß Tokio Bescheid? Selbst für 400-Euro-Praktikanten muss in der Realität solcher Konstruktionen bisweilen zentral um Genehmigung ersucht werden. Für Peter Figge. Als im Frankfurter Büro einer US-Agentur die Sonne durchs Fenster knallte. Nur in wenigen Märkten gibt es Überschneidungen. Etwa. € D E R Mitarbeiter Umsatz S P I E G E L 58 000 6. Die Marktmacht des neuen Riesen und damit das Gewicht von Rabattforderungen dürften groß sein: Zusammen werden die Agenturen bald Werbung im Wert von über hundert Milliarden Dollar im Jahr schalten. die zu größeren Einsparungen führen könnten. Schon als 33-Jähriger war er Generaldirektor bei Publicis Conseil. L’Oréal.6 Mrd. wollen ihre Unternehmen zum weltgrößten Werbegiganten fusionieren. Aber oben in einer Suite wartete an jenem Junitag ein anderer wichtiger Senior: John Wren. Beide Firmensitze in Paris wie in New York sollen erhalten bleiben. MÜLLER 73 SPENCER PLATT / GETTY IMAGES . Lévy. Visa. da fällt das Treppensteigen nicht mehr ganz so leicht. Ihr Börsenwert dürfte bei mehr als 25 Milliarden Euro liegen. Solche Fälle kommen auch in kleineren Firmen vor. Chef der französischen Agenturgruppe Publicis. Vodafone oder Sony werden in Zukunft von einem einzigen Agenturnetzwerk betreut.1 Mrd. Wenn die Kartellbehörden zustimmen. Selbst den neuen Partnern Lévy und Wren fielen keine Vorteile ein. Der französisch-amerikanische Telekommunikationsdienstleister Alcatel-Lucent galt lange als unverschmelzbar. dass der Deal am Ende vor allem der Eitelkeit der beiden Chefs gedient haben könnte.“ Tatsächlich ergibt die Geburt des neuen Riesen. Doch wem nutzt der Milliarden-Deal überhaupt? s muss schon einen besonderen Grund haben. lief selbst der Antrag für eine Markise über New York. gilt Lévy als intellektueller Lebemann. Manche nennen ihn einen Sonnenkönig oder auch „den Sarkozy der Werbung“. „Die Fusion macht zwei Männer glücklich. objektiv nur wenig Sinn. für die Zeit danach plant er. sich in den Verwaltungsrat zu verabschieden und dem Partner die Führung zu überlassen. Coca-Cola (Publicis) und Pepsi (Omnicom) sind so ein Fall. Während Wren vielerorts als etwas grobschlächtiger Cowboy beschrieben wird. als die zwei am vorvergangenen Wochenende eine Art Dinosaurierhochzeit ankündigten. Der Mann ist 71 Jahre alt. die die Fusion für ihre Kunden bringt. dass derlei kein wirkliches Hindernis in großen Agenturnetzwerken darstelle. Französische Politiker stemmten sich vehement gegen Übernahmegerüchte des Joghurtriesen Danone durch den US-Getränkekonzern Pepsico oder den Kauf der Internetfirma Dailymotion durch Yahoo. Dagegen bangen Verlage und TV-Sender. Er studierte Informatik zu einer Zeit. Chef bei der Kreativagentur Jung von Matt – E Agenturchefs Wren. So war die sonst so wohlvernetzte Werbebranche auch ziemlich überrascht. als der Studiengang nur wenigen bekannt gewesen sein dürfte und Computer fast keine Rolle spielten.

nach dem Motto: Bei denen funktioniert alles. Man fährt gern öfter in die Ferien. Urlaub dort ist auch von anderen Nationen wieder stark gefragt. weil das Preisniveau zudem deutlich attraktiver geworden ist. damit er sich die Speisen aussuchen und so oft hingehen kann. wie wirkt sich die Euro-Krise auf das Urlaubsverhalten der Deutschen aus? Gunz: Die Kunden versuchen. SPIEGEL: Kommt es vor. da gibt es tolle Autos. Die kommen ja erst um vier vom Mittagstisch. Das Unternehmen bot zunächst nur Sprachreisen an. mit einem verfügbaren Budget das Maximale an Urlaub herauszuholen.Wirtschaft TOURISMUS „Kampftrinken ist out“ FTI-Chef Dietmar Gunz über die Vorlieben deutscher Urlauber. die Bewohner der südeuropäischen Länder haben eher Respekt vor den Deutschen. SPIEGEL: Herr Gunz. auch wenn sie schon das Frühstücks. Aber das meiste ist nicht repräsentativ. SPIEGEL: Und das gilt trotz der vielen Marotten. er profitiert von attraktiven Angeboten außerhalb der Hochsaison. die uns deutschen Touristen in anderen Ländern so gern nachgesagt werden? Gunz: Da werden immer wieder dieselben Stereotypen bemüht wie Sandalen und weiße Socken bei 40 Grad im Schatten. dass die Nebensaison auch schön ist und nicht so teuer. aber deutlich seltener als früher. Haben Sie eine Erklärung dafür? Gunz: Den Kunden interessiert weniger die Politik. Gunz: Die verschleppen eher gleich den ganzen Liegestuhl. Der Haupturlaub verliert an Bedeutung. 53. Das würde Italienern oder Spaniern nie einfallen. weil sie von der Bevölkerung für die harten Sparprogramme mitverantwortlich gemacht werden. ist einer der erfahrensten Reisemanager der Republik. obwohl örtliche Zeitungen die Kanzlerin gern mal als NaziKarikatur abbildeten und die deutschen Sparpolitiker beschimpfen. Und sie werden flexibler. Südeuropäer dagegen wollen bedient werden. SPIEGEL: Was unterscheidet deutsche Urlauber sonst noch von Touristen aus anderen Ländern? Gunz: Der Deutsche bevorzugt All-inclusive-Angebote und Buffets. SPIEGEL: Welche Länder profitieren besonders von dem Trend? Gunz: Schauen Sie sich die Türkei an! Die sperren ihre Hotels nicht mehr über den Winter zu. sie das ganze Jahr hindurch zu betreiben. Es hat sich herumgesprochen. machen Unternehmer Gunz 74 D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 DIRK BRUNIECKI / DER SPIEGEL . Vor 30 Jahren gründete der gebürtige Österreicher seine Firma Frosch-Touristik. SPIEGEL: Griechenland kommt als Urlaubsland wieder zurück. so möchten wir auch sein. was bei Griechenland der Fall ist. tolle Technik. Sie ist heute unter dem Kürzel FTI bekannt und setzt mit rund 3500 Mitarbeitern 1. Natürlich kommt auch das morgendliche Liegen-Reservieren mit dem Handtuch noch vor. erwarb sie im Herbst 2003 aber mit Hilfe befreundeter Investoren zurück. sondern versuchen.und Mittagsbuffet hinter sich haben. Für den Kunden ist das toll. auch um ihr eingespieltes Stammpersonal zu halten. sondern ob ein Land sicher ist. Die Deutschen stehen abends pünktlich um sieben vor der Tür zum Speisesaal. unter denen sie leidet? Gunz: Im Gegenteil. auch mal kürzer. die wachsende Bedeutung von Reiseportalen und das nahende Ende des Ballermanns Gunz. dass deutsche Urlauber beschimpft oder bedroht werden. für die ist Buffet-Essen ein Graus.8 Milliarden Euro um. SPIEGEL: Russische Urlauber sollen sich den Trick neuerdings abgucken. offeriert aber heute die gesamte Palette von Pauschalangeboten bis zu Kreuzfahrten und LastMinute-Trips. Vor gut zehn Jahren verkaufte Gunz die FTI-Gruppe an den britischen Reisekonzern My Travel. wie er will.

Wie sich die Leute am Buffet bewegen. Kann das gelingen? Gunz: Der Plan ist zeitgemäß. Könnten Sie erkennen. Wir leben nun mal in einer Welt. das Reisebüro gewinnt an Bedeutung. Und wenn er mehrere Restaurants hat. wir würden Ihnen fünf Urlauberfamilien aus fünf Ländern präsentieren. das nächste um acht und das dritte um neun. wie sie mit ihren Kindern umgehen. der beide Gruppen im Haus hat? Gunz: Schichtbetrieb. obwohl das Auswärtige Amt wegen der politischen Unruhen eine Reisewarnung für Teile des Landes herausgegeben hat. INTERVIEW: DINAH DECKSTEIN Animation: Der typische deutsche Urlauber in Zahlen spiegel. denn sie schaffen Transparenz. die aus dem Libanon stammt und bei FTI die Agenturen in den Zielgebieten betreut. Die Sicherheitslage in Ägypten ist sogar besser als je zuvor – wenn man sich nicht gerade unter die Demonstranten in Kairo mischt. sperrt das eine halt um sieben auf. Mit zusätzlichen Hintergrundseiten. SPIEGEL: Angenommen. SPIEGEL: Können Sie selbst als Touristikfachmann eigentlich normal Urlaub machen und dabei richtig abschalten? Gunz: Aber sicher.Der digitale SPIEGEL MARO KOURI / POLARIS / STUDIO X Griechische Ferieninsel Santorin: „Wieder stark gefragt“ dann erst mal Siesta. SPIEGEL: Wo? Gunz: In Ägypten mit der ganzen Familie in einer unserer Ferienanlagen in El Gouna am Roten Meer. Der Deutsche hat’s im Urlaub gern bequem und bevorzugt den Freizeitlook … SPIEGEL: … der sich unter anderem am berühmten Ballermann auf Mallorca beobachten lässt. wo wir jetzt hinfahren. Sie kriegen das Angebot dort heute mit Service zum selben Preis wie im Internet ohne Service. Meine Frau. jetzt im August bin ich in den Ferien. SPIEGEL: Woran? Gunz: An der Kleidung und am Benehmen. Auch wir nutzen sie zur Kommunikation mit den Kunden. rufen Sie einfach an und sagen: Bitte mach mal! D E R SPIEGEL: Welche Rolle spielen Bewertungs- portale mittlerweile beim Buchen? Gunz: Die haben schon eine große Be- deutung. SPIEGEL: Und was macht ein Hotelier. und die Kinder und meine Brüder sind auch mit von der Partie. bieten wir oder die meisten anderen Veranstalter ohnehin nicht an. vor denen das Auswärtige Amt warnt. Mit exklusiv produzierten Videos. Alles in allem sind das 21 Personen. interaktiven Grafiken und 3-D-Modellen. Alles immer schon ab Sonntag 8 Uhr! S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 75 DER DER SPIEGEL SPIEGEL Einfach scannen und Testangebot sichern – Nutzen Sie dafür unsere App DER SPIEGEL mit integriertem QR-CodeScanner . Mit 360°-Panoramafotos. wie lange die Sprösslinge aufbleiben dürfen. Dafür ist der Platz dort am Strand auch viel zu schön. Ausflüge in Regionen. Der Tourismusbeauftragte von Palma will die beliebte Partymeile nun zum Luxusstrand umbauen. nimmt ihre ganze Familie mit. Und wenn Sie umbuchen oder stornieren müssen. Heute gibt es Kontrollsysteme. um echte von gefakten Beiträgen zu unterscheiden. in der das Bewusstsein für vernünftige Ernährung und Bewegung ständig wächst und zum Lebensbestandteil geworden ist. ist es auch nicht gefährlicher als in Spanien oder Italien. Das wird spannend – und laut. doch das ist vorbei.de/app322013tourismus oder in der App DER SPIEGEL In dieser Ausgabe: Der große Kleine Video über den Mythos Napoleon Unter Druck Video über die Zukunft der Zeitung Erholung in Zahlen Video über den typischen deutschen Urlauber Die neue Art zu lesen. eine gute Figur zu machen. Beides muss man nicht in aller Öffentlichkeit zelebrieren. hübschen sich auf und nehmen einen Aperitif. dann hängen Sie womöglich stundenlang in der Leitung im Callcenter. der investiert Zeit und Geld in sein Outfit. Dem Südeuropäer ist es wichtig. In der Anfangsphase dieser Foren wurde auch schon mal versucht zu tricksen. So gut organisiert wie jetzt war das Land noch nie. Wie passt das zusammen? Gunz: Am Roten Meer. SPIEGEL: Ist das Reisebüro auch out und langfristig durchs Internet ersetzbar? Gunz: Keineswegs. wo die herkommen? Gunz: Ganz sicher. Wenn Sie dagegen im Reisebüro Ihres Vertrauens gebucht haben. Vor halb zehn tauchen die nicht auf. Für den Hotelier ist das eine ganz wichtige Informationsquelle. Kampftrinken ist als Urlaubsvergnügen ähnlich out wie Kettenrauchen. die Polizei ist hochmotiviert. SPIEGEL: Sie haben Ihr Angebot nach Ägypten kräftig ausgeweitet.

was die anderen Anteilseigner zu sagen haben. so bedeutend und so geschichtsträchtig. sein Stellvertreter in der Stiftung und Aufsichtsratsvorsitzender von ThyssenKrupp. abgelöst wurde. Gerhard Cromme. nicht eingeschritten sei. dass sein Nachfolger nicht die Machtfülle erhalten wird. „Manche wollten aus mir einen Helden machen. Es ging ihm stets ums Geschäft. das versöhnt viele Deutsche mit der Geschichte ihres Landes. nicht frei von Widersprüchen.“ Beitz hat sich selbst als unpolitischen Menschen bezeichnet. Dass es diesen einen Beitz gab. dass Vorstand und Aufsichtsrat versagt hätten. dass die Deutschen in der Zeit des Nationalsozialismus nicht nur aus einer großen Masse von Mitläufern und Mittätern und nur einigen wenigen Widerstandskämpfern bestanden. dass man nur Mitleid mit jenem älteren Herren haben konnte. Mitleid aber war nicht angebracht mit dem Mann. Doch unpolitisch war sein Handeln als Unternehmer auch nach Kriegsende nicht – und es war. der mit 28 Jahren als kaufmännischer Direktor einer Erdölfirma im besetzten Polen gemeinsam mit seiner Frau mehrere hundert Juden vor Erschießungen und Gaskammern gerettet hat. Seine Biografie zeigt. Fehler einzusehen und zu korrigieren. hat Beitz einmal gesagt und damit gemeint. des größten Anteilseigners von ThyssenKrupp. „ich habe einfach als Mensch gehandelt. und zwei Monate später zeigte der alte Herr. Es werde nach ihm keinen Beitz mehr geben. NACH RUF Berthold Beitz 1913 bis 2013 Beitz wollte hören. vor allem. die er besaß. der noch im Januar auf der Hauptversammlung des ThyssenKrupp-Konzerns auf der Bühne des Ruhr-Kongresses in Bochum saß. aber das war ich nicht“. der 99-Jährige. Er sorgte dafür. 76 D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 KAI KITSCHENBERG / WAZ FOTOPOOL . hat er später gesagt. aber auch dass er.Wirtschaft I m Leben des Berthold Beitz war vieles so groß. Stundenlang hörte er sich die Proteste der Aktionäre darüber an. dass sein designierter Nachfolger. dass der Konzern in einer bedrohlichen Krise stecke. Beitz war dort in seiner Funktion als Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats und Vertreter der Krupp-Stiftung. dass er noch in der Lage war. der die Geschicke des Unternehmens seit fast sechs Jahrzehnten gelenkt hat. Es gab auch Männer wie diesen Berthold Beitz. Er hätte nicht auf dieser Hauptversammlung erscheinen müssen.

so hatte ich gehofft. ich brauche diese Leute für kriegswichtige Arbeit. Er fühlte sich verantwortlich für die Beschäftigten. In Boryslaw. stand Berthold Beitz und sagte: Die fahren nicht weiter. Ich sitze 40 Meter von dem Haus entfernt. als hätte der Unternehmer weitsichtig politische Entwicklungen vorweggenommen. Hätte Beitz ihn damals nicht aus einem Güterwaggon geholt. während des Krieges 1941. Und natürlich gehörte er zum Begleittross. dass ich nicht mehr flüssig weiterreden konnte. Es ist ein Zufall. Geburtstag in zwei Monaten würde sich vielleicht ein Wiedersehen ergeben. „Ich mache weiter. Juli auf Sylt – und die eine Aufgabe. Er antwortete mir. ohne den es einen selbst nicht gäbe? Berthold Beitz hat Hunderten Juden das Leben gerettet. solange ich das kann und noch klar im Kopf bin“. Ich habe ihm geschrieben. dass er das gewesen sein musste. Nun starb Beitz am 30. der seinem Vater das Leben rettete: Berthold Beitz seinen vier Kindern nach Boryslaw verschleppt wurde. dass der gelernte Bankkaufmann sich 1952 von Alfried Krupp von Bohlen und Halbach als Generalbevollmächtigter für Krupp engagieren ließ. als Willy Brandt 1970 zur Unterzeichnung des deutsch-polnischen Vertrags nach Warschau reiste. ihn abzupassen. auf einem Bahnsteig voller SS-Leute mit Gewehr im Anschlag. der für Krupp durchaus glänzende Geschäfte versprach. Ein Betriebsratschef dankte ihm für die „schützende Hand“. sagte Beitz noch im März dieses Jahres. Mein Vater war damals ein kräftiger Kerl von 18 Jahren. angemessen aber war die Summe kaum. wo meine Familie herstammt. Eine besondere Tragik aber liegt darin. Vor drei Jahren habe ich erstmals Kontakt zu Beitz aufgenommen. Zu seinem 100. Er und seine Frau Else wurden von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft geehrt. und meine Mutter war seine Komplizin des Schweigens. wenn es mir nicht mehr möglich gewesen wäre. den Mörder unseres Großvaters oder unseres Onkels zu sehen. Er hat meine Ehrerbietung mit Grandezza entgegengenommen. Die Menschheit ist jetzt ärmer. wurde mir klar. hatte Beitz nichts übrig. Mein Großvater hatte eine Möbelfabrikation. Mein Vater hat nie erzählt. Kanzler Konrad Adenauer kritisierte den Unternehmer wegen seiner „Alleingänge“ im Osten und bezichtigte ihn angeblich der „nationalen Unzuverlässigkeit“. er baute auch Möbel für Beitz. Ungarn.Das begann schon damit. das Milliardenverluste bilanziert. Später zahlte Krupp zwar eine Entschädigung an ehemalige Zwangsarbeiter. Diese Begegnung werde ich nie vergessen. für die Arbeitsplätze und die Region. Beitz war damals. Aber ich wollte nicht klingeln. konnte er nicht mehr lösen: Wie soll es mit ThyssenKrupp weitergehen? In tiefster Dunkelheit Der TV-Moderator Marcel Reif. hängt auch mit seiner Rolle als Unternehmer zusammen. Beitz ging es vor allem um den riesigen Markt im Osten. Ende zwanzig und Leiter einer Raffinerie nahe Lemberg in der heutigen Ukraine. in dem Beitz am vorigen Dienstag gestorben ist. fünf Jahren machte Mutter Andeutungen. Seither haben wir uns nicht mehr gesehen. die soziale Marktwirtschaft. Ich wäre mir vorgekommen wie ein Autogrammjäger. was er im Krieg erlebt hat. half der Familie womöglich. Noch trauriger wäre ich allerdings. Leon Reif. Als ich einige Zeit später eine Biografie über Berthold Beitz las. über den Mann. der ihn ins Vernichtungslager bringen sollte. wäre ich nicht auf der Welt. Dass er ihn kannte. als Großvater mit seiner Frau und W D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 77 . Für Manager. die ihm noch verblieben war. der Hitlers Armee mit Kanonen versorgt und Zehntausende Zwangsarbeiter ausgebeutet hatte. Dabei ist die aktuelle Krise wohl die schwerste. Man hatte mir erzählt. hätte sie alle in ein Vernichtungslager gebracht. dass Beitz von den fünfziger Jahren an Kontakte nach Polen. ihm zu danken. Gefährdet ist nun die Zukunft des Unternehmens. 63. Offenbar wollte er unsere Familie nicht dazu erziehen. Es ging damit weiter. das fortschrittliche Deutschland. Als er merkte. das Werk in Rheinhausen gegen viele Proteste geschlossen wurde. Einer von ihnen war mein Vater. sondern mich nur verneigt. Sein moralisches Handeln und Tun haben in tiefster Dunkelheit geleuchtet. dass ich ihn für eine Zierde der Menschheit halte. dass ich gerade jetzt auf Sylt bin. dass er mich gern kennenlernen würde. Er selbst ist nie durch die Welt gezogen und hat damit geprahlt. An diesen Mut erinnert ein Baum. der für Beitz in der Allee der Gerechten in Jad Vaschem errichtet wurde. hatte ich einen Kloß im Hals. in dem er und seine Geschwister saßen. ich habe auch nicht versucht. und lud mich zu einer Preisverleihung in der Villa Hügel in Essen ein. die nur an Profitmaximierung und Shareholder Value denken. wie viele Juden er gerettet hat. das mehr als zwei Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg die Aussöhnung mit dem Osten sucht. Beitz steht für die deutsche Variante des Kapitalismus. dass ein großer Mann ihn einst aus dem Todeszug geholt und ihm damit das Leben gerettet hatte. Sohn Marcel um 1950 as sagt man über einen Menschen. Im Nachhinein aber wirkt es. Erst vor vier. Als ich vor ihm stand. Im Rückblick steht Beitz auch hier für das gute. zehn Millionen Mark. Ein Konzern. Sein Tod macht mich traurig. die er über die Belegschaft halte. Ausgerechnet Krupp. Dass Beitz nun in vielen Nachrufen als „Jahrhundertmann“ beschrieben wird. in jedem Deutschen den potentiellen Täter. dass er hier sei und jeden Tag spazieren gehe. Er hat sein Leben lang geschwiegen. dass ThyssenKrupp ausgerechnet unter Aufsicht des Patriarchen mehrfach in Krisen stürzte. Vater starb 1994. in die Sowjetunion und später auch in die DDR aufbaute. Ich habe ihn nichts gefragt. legte er mir die Hand auf die Schulter. Der Zug.

Fast ein Drittel der 4807 indischen Volksvertreter hat darin zugegeben. Dabei hat ihn ein portugiesisches Gericht vor eineinhalb Jahren von genau diesem Vorwurf entlastet. Die Militärs fühlen sich diffamiert. Warum ist Cannes so unsicher? Levy: Der Luxus zieht viele Diebe an. welcher Kaste die Kandidaten angehören – und nicht. sondern einen Komplizen hatte. Die von Interpol gesuchten Mitglieder der „Pink Panther“-Bande wären sicherlich professionell genug. Vergewaltiger und Erpresser haben nahezu doppelt so gute Aussichten. die sich bei milliardenschweren Rohstoffdeals in dem boomenden Erdölstaat bereichern. Sie auch? Levy: Ich will nicht spekulieren. die mit Petrodollars aus dunklen Kanälen gebaut wurden. man kann sich über das Meer absetzen oder auf der Autobahn in die Schweiz. Während der Raub meist von gewöhnlichen Kleinkriminellen durchgeführt wird. die an einem Minenunternehmen und Sicherheitsfirmen beteiligt sind. ein Abgeordneter der Regierungspartei prophezeite ihm einmal. ob sie kriminell sind. dass niemand in derselben Strafsache zweimal belangt werden darf. Vielen gelang es. dass überführte Kriminelle politische Ämter aufgeben müssen. Den Präsidenten José Eduardo dos Santos bezeichnet er als Diktator. dass gegen sie Strafverfahren laufen. Im Januar leiteten die Justizbehörden gegen Marques de Morais ein Verfahren wegen Verleumdung ein. Sollte er nun verurteilt werden. Oft ist eine ganze Organisation mit dem Absetzen der Hehlerware beschäftigt. weil er sie in seinem Buch über den Handel mit Blutdiamanten schwerer Menschenrechtsverletzungen bezichtigt hat. Juli stahl ein Mann am helllichten Tag Schmuck für 103 Millionen Euro aus dem Hotel Carlton in Cannes. Außerdem macht er „Korruptionsführungen“ durch die Hauptstadt Luanda. die Ware unbemerkt zu verkaufen. Hotel Carlton in Cannes . FRANKREICH SEAMUS MURPHY / VII „Der Luxus zieht Diebe an“ Der Kriminologe und Buchautor Doron Levy über den wohl größten Juwelendiebstahl der Geschichte SPIEGEL: Am 28. vorübergehend aus dem Gefängnis ins Nationalparlament schaffen. Gut zwei Drittel der verbrecherischen Volksvertreter wurden von ihren Parteien sogar wiederholt aufgestellt. ihr Vermögen während ihrer Amtszeit erheblich zu vermehren. kümmern sich erfahrene Profis um den Rest. die berüchtigten „Pink Panther“ steckten hinter dem Rekordraub in Cannes. wie unbescholtene Kandidaten. Anders ist es nicht zu erklären. Für viele Wähler zählt ohnehin vor allem. SPIEGEL: Hat die Polizei versagt? Levy: Es gibt viele Luxusausstellungen in Cannes. der im Hotel arbeitet. Die in Neu-Delhi regierende Kongresspartei ließ 2008 sogar fünf verurteilte Parteifreunde. denn sie werden wegen ihrer Skrupellosigkeit als Stimmenfänger geschätzt. 78 D E R S P I E G E L Die Croisette von Cannes ist eine der kriminogensten Straßen Frankreichs. Und die Fluchtmöglichkeiten sind gut: Die italienische Grenze ist nah. ungehindert Juwelen in einen Koffer schaufeln und zu Fuß flüchten konnte. Normalerweise gibt es bei solchen Überfällen mindestens zwei oder drei Täter. und kürzlich erneut verhört. Genauso gut könnte der Dieb aber jemand gewesen sein. um eine knappe Abstimmung zu überstehen. Geburtstag nicht erleben. die Polizei kann nicht überall präsent sein. ohne aufzufliegen? Levy: Der Dieb ist nicht automatisch der Hehler. im Mai kam während der Filmfestspiele Schmuck abhanden. Von ihren Verbrechern trennen sich die indischen Parteien ungern. in ein indisches Parlament gewählt zu werden. darunter Schwerverbrecher. SPIEGEL: Nur drei Tage später erbeuteten Räuber teure Uhren. Marques de Morais wurde mehrfach eingesperrt.Panorama ANGOLA INDIEN Dissident angeklagt Die korrupte Regierung Angolas will einen ihrer schärfsten Kritiker mit einem neuen Prozess zum Schweigen bringen. Damit ignorieren die angolanischen Justizbehörden den internationalen Rechtsgrundsatz. Der Aktivist ist inzwischen 41. SPIEGEL: Wie verkaufen die Räuber so kostbare Juwelen. Er wurde von hochrangigen Militärs angezeigt. Wie ist so etwas möglich? Levy: Es spricht viel dafür. das Urteil gilt jedoch nur für künftige Fälle. Zwar verfügte das Oberste Gericht im Juli. dass der Dieb nicht allein vorging. SPIEGEL: Viele vermuten. drohen ihm dreieinhalb Jahre Haft. er werde seinen 40. Der preisgekrönte Journalist und Menschenrechtsaktivist Rafael Marques de Morais enthüllt auf seiner Website „Maka Angola“ regelmäßig Machenschaften von Politikern und Generälen. 3 2 / 2 0 1 3 VALERY HACHE / AFP Marques de Morais des neuen Reichtums zeigt. Entführer. Das fanden Experten von der Association for Democratic Reforms und der National Election Watch nach einer Auswertung der vorgeschriebenen persönlichen Erklärungen von Kandidaten heraus. einen internen Informanten. Mutmaßliche Mörder. dass er einfach durch ein offenes Fenster ins Hotel eindringen. die nur sehr selten wiedergefunden wird. bei denen er Besuchern die Monumente Gangster an der Macht Die größte Demokratie der Welt hat ein Herz für Verbrecher.

twitterte Beppe Grillo. als Knopflöcher in Hemden zu machen. Die Jungen sind besser ausgebildet als ihre Eltern. mit der er vor knapp 20 Jahren in die Politik eingestiegen war. und er will mehr vom Leben. Berlusconi darf zwar die kommenden sechs Jahre nicht mehr bei Wahlen antreten. nachdem der viermalige ExPremier am Donnerstag zum ersten Mal rechtskräftig verurteilt worden war. soll seine frühere Partei „Forza Italia“. Richter würden dann bestimmen. nur zu schuften. Zum anderen sind da die glühenden Unterstützer des „Esercito di Silvio“ („Silvios Heer“). so Biancofiore. haben aber nie auf dem Feld gearbeitet. Zurück aufs Land wollen sie auf keinen Fall.Ausland Kleine Träume Chen Qing ist 20 Jahre alt. Auch die Südtiroler Parlamentarierin und Staatssekretärin Michaela Biancofiore Berlusconi kämpft für den Cavaliere. zu sparen und ihr Geld nach Hause zu schicken. Er arbeitet in einer Textilfabrik in Kunshan und gehört zur neuen Generation chinesischer Wanderarbeiter. 76. wiederbelebt werden. wen er empfangen oder mit wem er telefonieren darf. die vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg klagen wollen. Gründer der „5 Stelle“-Bewegung. Nach Bekanntwerden des Urteils reichte die 42-jährige Abgeordnete der BerlusconiPartei „Volk der Freiheit“ ihren Rücktritt ein. Zum einen ist über ein Politikverbot noch nicht entschieden. unter Hausarrest verbringen. färben sich die Haare und spielen „Counter-Strike“. der wie kein anderer seit 20 Jahren dieses Land verändert und erneuert hat“. „aus Solidarität mit Berlusconi. 79 D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 ALBERTO LINGRIA / AFP JONATHAN BROWNING . Schmerzhaft für Berlusconi ist allerdings. Das „vernichtende Urteil“ könnte seiner Politik sogar neuen Auftrieb geben. Sie lieben Mode und Smartphones. Diesen darf er tragen. Cavaliere! „Berlusconi ist tot“. Nach der Sommerpause. Doch seine Gegner könnten sich zu früh freuen. seit ihn der Staatspräsident mit einem Verdienstorden auszeichnete – doch gedacht ist der Titel eigentlich nur für rechtschaffene Bürger. Bereits am Freitag stieß er eine unverhohlene Drohung aus: Er forderte. sie haben keine Lust. I TA L I E N Ciao. Ein Jahr könnte der Steuerbetrüger Silvio Berlusconi. Die meisten sind in der Provinz geboren. Für Biancofiore ist der Parteichef das „Opfer einer verantwortungslosen Justiz“. in den Städten sind sie von vielen Sozialleistungen ausgeschlossen. behält aber zunächst sein Senatorenamt. die Justiz müsse reformiert werden – ansonsten sei seine Partei „zu Neuwahlen bereit“. für 390 Euro im Monat. dass ihm jetzt sein Titel „Cavaliere“ entzogen werden könnte. Über 260 Millionen Wanderarbeiter gibt es in China heute.

Ausland USA Der Manning-Effekt Mit einer hohen Haftstrafe für Bradley Manning will die US-Regierung Nachahmer abschrecken – und erreicht damit das Gegenteil. Angeklagter Manning in Fort Meade 80 D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 GARY CAMERON / REUTERS . Für eine neue Generation von Netzaktivisten wird der Whistleblower zum Vorbild.

2010 und 2011 lud er illegal 4. auf der an. im Gerichtssaal der Militärbasis Fort Meade in Maryland. sagte Snowden. schiebt einen hauchdünnen Kaugummistreifen in den Mund. Booz Allen Hamilton. Sie tragen schwarze Sonnenbrille. er vergräbt sie in den Hosentaschen. als er eine einer freiheitlichen Gesellschaft empfin. die auf ihn aufpassen. Vor der Militärbasis halten Unterstützer Schilder mit seinem Gesicht hoch. Die Ankla. Die Staatsanwaltschaft ereiner neuen Generation von westlichen mittelte. Besucher durfte er nur hinter ei. mit der Justiz zu kooperieren. sandfarbene Kampfstiefel und sehen aus wie der Action-Held Vin Diesel.rikanischen Gerichtsdatenbank kopiert um ein blutjunger Soldat den Ehrenkodex hatte. sie wollen ihn zum Helden machen. wurde im März 2012 nach Manning-Effekt. Keine frühere US.Sicherheitsfirma mit Zugang zum Gerung gehofft. „dass Fotos von mir in der gesamten Weltpresse abgedruckt werden könnten“. Aaron Aaron Swartz. über den Missbrauch der Überwate ein Exempel an ihm statuieren. Es ist ein Ort. doch im Januar erhängte sich Männern wie Bradley Manning. simple Botschaft PERNILLE IRONSIDE / AP / DPA D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 81 . Soldaten weckten ihn nachts worden.nen Dokumente. so unnach. Auch er weigert sich. ihre Veröffentlichung führte zu einer großen Debatte über die amerikanische Außenpolitik. ein schmaler Strich gegen all die Muskelpakete um ihn herum. Er ist angeklagt. Das ist der Leaks weitergegeben zu haben. er lebte auf Hawaii. ihn umdrehen zu können. als er sich im Mai saal nicht als Bühne. war. Bradley ich bin ein normaler Mensch. Dabei taugt Manning nicht als Posterboy. ein Anhänger des HackerkollekRegierungen.“ Snowden hatte ein Jahreseinkommen von Whistleblower Hammond. und sie auf die Idee kommen. Für das. Vielleicht Snowden war Systemadministrator bei macht ihn genau das so glaubwürdig. Und nicht hier. die wurde er aus dem Gefängnis entlassen. einer privaten Lange hatte die amerikanische Regie.war nicht nur ein brillanter Programschreckung werden. Es geht um Manning. sagt Edward Snowden. aber auch um die Rolle von Whistleblowern und die Sicherheit von Daten in einer digitalen Gesellschaft. zieht sie wieder heraus.Aaron Swartz. die den Prozess im Raum verfolgen dürfen. ins Gefängnis zu dete. Offenbar hat die Re. sein Blick schweift durch den Saal und bleibt bei den acht Journalisten hängen. um ihn vor Selbstmord zu bewahren. die er aus einer amegierung bis heute nicht verstanden. Er als Kronzeugen gegen den WikiLeaks. Die Grenzen verlaufen nicht zwischen Kommunis. als er 2007 bei der Armee unterschrieb. er war gerade 18. B Er sei nicht anders als die anderen Als die Hauptverhandlung vor neun Wochen begann. Sie chungsinstrumente mit seinen Vorgesetzließen ihn splitternackt in seiner Zelle ten zu reden. Snowden teilte diese Weltsicht mit geblich.“ dem steht.8 Millionen Artikel einer Wissenschaftsdatender Armee gebrochen hat. in der diese Art von Dingen passiert.mond mal als „Ghost“. als er 2010 rund 800 000 Geheimdokumente der US-Regierung an WikiLeaks übergab. 28. Jetzt ist sein Bild in jeder Zeitung.Trainingsplattform für Subversive gründen. Manning hatte sich diese Welt ausgesucht.Leute. sondern zwischen in den USA vor Gericht: Jeremy Hamfreier Kommunikation auf der einen und mond. sind sie bereit. der erstaunlich entschlossen zu Büro saß. Aber er fürchte. es gibt nur fünf Zuschauerreihen. ist ein blasser. Man ahnt. als er im Irak als Analyst stationiert war. über den Einsatz im Irak und den laxen Umgang der Amerikaner mit der Wahrheit in Guantanamo.sah. aber er hat sich in ihr nie zurechtgefunden. „Ich möchte nicht in einer Gesellschaft leben. was der mächtigste Geheimdienst Gründer Assange. an dem Weltjustiz gesprochen wird. zierlicher alle anderen auch jeden Tag in seinem Mann.kutiert werden müsse.mierer und Mitbegründer der Plattform Regierung hat Informanten der Medien. Bradley Manning habe ihn als Vorbild ermutigt. heimsten des Geheimen bei der NSA. Die Dokumente landeten bei der „New York Times“. er verfasste auch ein radikales sogenannte Whistleblower. Swartz. dass darüber öffentlich disSie nahmen ihm seine Sachen weg. Die Strategie der Abschre. Kurz vor seiner Verhaftung im Mai 2010 hatte Manning geschrieben. an. wie fremd er sich in dieser Uniform gefühlt haben muss. Der Saal ist mit dunklem Eichenholz vertäfelt und mit Teppich ausgelegt. Staatsgeheimnisse mit der Welt teilen. dass sie bis zu den Fingerknöcheln reichen. Er verlas auch kein Manifest. dem „Guardian“ und dem SPIEGEL. Er Unterstützung des Feindes. vielleicht der ersten. Auch ihm drohen nun bis zu zehn Jahre Haft. Je mehr er versucht weigerte. hatte Radikales Manifest. Reddit. Nicht in Bagdad. bis die Richterin.Polit-Aktivisten steht in diesen Tagen mus und Kapitalismus.Open-Access-Bewegung. Und noch einer dieser modernen Snowden ist libertär geprägt. Manning hat amerikanisches Gesetz gebrochen und Geschichte geschrieben. was er getan hat. monatelangen Ermittlungen festgenommen und sitzt seitdem in Haft. Auch Swartz ge lautete unter anderem: Spionage und wurde wegen des illegalen Umgangs mit Dokumenten von der Justiz verfolgt.mehrere Millionen E-Mails an Wiki ckung hat sie eher bestärkt.Manifest mit einer simplen Botschaft: giebig verfolgt wie die von Barack Obama. Als Manning sich ver. die Ärmel sind so lang. „Ich bin nicht gegen mein Land. Er wippt auf den Zehenspitzen. setzte. sich an die Öffentlichkeit zu wenden. Der Angeklagte hat eine Armeeuniform angezogen. der wie Manning. was sie als Leitbild chaos“ auf. in denen er einfach herumsteht. Oberst Denise Lind.tivs Anonymous. zehn quälende Minuten. Manning sucht einen Platz für seine Hände.“ 2008 veröffentlichte Swartz 2. draußen parken die Übertragungswagen der Fernsehsender. die diese freie Kommuni. Swartz 2012 120 000 Dollar. in der er fast verschwindet. 25. sagt Snowden. desto mehr sei er ignoriert hocken. wo Nie wieder soll ein Regierungsangestellter auch immer sie gespeichert sind. Die Muskelpakete haben ihn zu früh hereingebracht.der Welt alles tut. anders als Julian mit ein paar Gigabyte NSA-Material abAssange bei seiner Festnahme in London. Hammond.habe. mal als „Anarderen Seite. Das Denken von sollen. und doch ist er intim wie ein Wohnzimmer. Sie sind verhandlung des 26-Jährigen beginnen nicht links oder rechts. politisch vornehmlich durch den Geist Im April dieses Jahres hätte die Gerichtsdes Internets geprägt wurde.radley Manning betritt den Gerichtssaal. einem der Vordenker der ner Trennscheibe empfangen. Manning sollte zum Symbol der Ab. über seine Schuld befinden wird. er realisiert. gegen 100 000 Dollar Kaution Aktivisten. Er muss zehn Minuten überbrücken. nutzte er den Gerichts. Deswegen steht er nun vor Gericht. der an Depressionen litt. Jeremy Hammond oder Edward in seinem Apartment. er scheue keine lange Haftstrafe. Manning ist das bekannteste Gesicht bank herunter. Irgendwann habe jede Stunde. Im Netz trat Hamkation einschränken wollen. wo er herumsteht wie ein Grundschüler zwischen lauter Erwachsenen. die amerikanische gehen oder ihre bürgerliche Existenz Sicherheitsfirma Stratfor gehackt und aufzugeben. „Wir müssen Informationen abgreifen. wollten die Militärstaatsanwäl.7 Milliounvorstellbaren Ausmaßes zu kopieren und weiterzugeben.

ob er 13 oder 136 Jahre ins Gefängnis muss. Dem Gefreiten Enthüllungen angewieManning wurde damit sen.werden.und veröffentlicht. Stattdessen zog er am Donnerstag vergangener Woche in eine provisorische Unterkunft in Moskau. ist das bislang letzte Opfer in blower gezwungen sehen. Klatsch zu verbreiten.anderen wichtigen internationalen schaft schwerere Geschütze aufgefah.dem Schuldspruch gegen Manning hat ze gebrochen hat. hat hen hacken schließlich einander die mit Hilfe desselben Paragrafen ver. Nur: Das gleiche Interesse müsste in einem Prozess. der USA Aufnahme fanden. Es war Und. gemeinsam mit Das letzte Wort könnte nun 136 Jahre Haft lauten – weil die Staatsanwalt. den Enthüller der PentagonNun muss aber auch der begnadigt Papiere zur Planung des Vietnam. der ein T-Shirt mit der Aufschrift „Wahrheit“ trug. legt sich eine unwirkliche Stille über den Saal. die allerdings bislang nem Schuldspruch zu entgehen. mehr als sein Rückzug aus Haft gewesen. er hat sich zu Beginn noch gescheitert war. mandem geschadet. das Urteil: schuldig wegen Spionage. dieses System von Checks and Balances.Ausland eine Freundin. nicht in alle Öffentlichkeit“. sucht. der eine Krähe eine Krähe Kriegs hinter Gitter zu bringen.“ Er geht davon aus.Depeschen aus den US-Botschaften nung für andere mögliche Überzeu. Die Verkeit als Land. auch Obama haben. bei Reaktionen aus dem Publikum schaut sie mahnend in den Raum. der davon lebt.Augen nicht aus. Mannings Anwalt David Coombs atmet auf. Und für Manning noch offen. war nie die Obama nun da gewonnen. Kränen US-Präsidenten angesehen. Iran-Contrazeigt. ist ein Fall von politium ihre Glaubwürdigscher Willkür. Der SPIEGEL hat. Das Schlimmste ist verhindert. ausgerecheinem hysterisch verlängerten „Krieg net im noch dunkleren Putin-Reich gegen den Terror“. der einem hysterisch tation mit der Wahrheit Angeklagte habe nieverlängerten gehört. ein bulliger ehemaliger Brigadegeneral. er weiß. Er war so etwas wie der oberste Gegenspieler auf Seiten der KO M M E N TA R Ein Fall von Willkür Von Hans Hoyng b Bradley Manning US-Geset. O 82 D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 .oder Sicherheitsberater Robert Mchin als Finsterling unter den moder. Die Richterin ist eine strenge Juristin. Aufnahme zu finden. haben die Manning auf diese Weise zur War.Manning begnadigen. wäre es das Ende des investigativen Journalismus. dass künftige Quellen nicht eingeschüchtert werden. Sie haben Die angemessene Reaktion auf die. Datenflut journalistisch aufbereitet die 1917 aus Angst vor deutschen Spit.bewiesen. muss aufgehoben werden.setzesbrecher wie Nixon. dem Feind geholfen zu haben. Als Denise Lind am Mittwoch den Raum betritt. der weder mit Spionage noch mit Sabotage zu tun hat. dass ihn die amerikanische Regierung unerbittlich verfolgen wird: „Mit dieser Angst werde ich bis an das Ende meiner Tage leben müssen. Er hätte ein Bilderbuchleben führen können. aber sicherlich teils vergeblicher Kampf.Farlane sind begnadigt worden. Mit nennt. ei. denn geht es im Gerichtssaal nicht immer um die Suche nach der Wahrheit? Richterin Lind kommt gleich zum Punkt: nicht schuldig. der seine 31 Dienstjahre in der US-Armee und bei der NSA verbracht hat. dass er wie Manning mit dem härtesten Vorwurf konfrontiert würde: den Feind unterstützt zu haben. ungesühnt geblieben sind. rakter. der als Heldenfigur wenig Damit sich nicht weiterhin Whistletaugt. Am Tag danach geht es im Gericht in Fort Meade darum. Schon das wäre ein zwei Kriegen. zu desteidigung kann dann Manning ist das sen Freiheitsverständnicht mehr das Arguletzte Opfer in nis auch die Konfronment vorbringen. ein komplexbeladener Cha. Er darf jetzt ein Jahr lang in Russland bleiben. dass sie mit aller Härte gegen Verschwörer wie der ehemalige Verdie Verbreitung unliebsamer Wahrhei. Die Anwendung dieser Paragrafen dass dieses Urteil keinen Bestand hat. Die Obamas Präsidentschaft langfristig Höchststrafe dafür wären 20 Jahre definieren.Licht führen. weit davon entfernt. der den Kern der Demokratie bedroht. wie bereitwillig die Herrgungstäter abzuurteilen. Politische Geben die USA unter Barack Obama ge. 2010 leitete Carr die Anti-WikiLeaks-Taskforce der US-Regierung.Medien.frühzeitig gezeigt. Im Zeugenstand sitzt Robert Carr. Der 25-jähri. Die Scheinwerfer sind abgebaut. Mannings über die Enthülren und jene Paragrafen der Spionage. wo Nixon Frage. die USA zu nicht das letzte Wort in dieser Sache. Das Gericht hat ihn jetzt trotzdem zum Spion erklärt. mehr als sein größtenunerträgliches Urteil. und Mannings Entdie einzige Rechtfertigungsgrundlage hüllungen haben Kriegsverbrechen entzogen.lungsplattform WikiLeaks verbreitete gesetzgebung ins Spiel gebracht hat. Das Ganze hatte einen merkwürdigen Beigeschmack. Diese Ungerechtigkeit wird Barack seiner Militärgerichtsverhandlung in zehn Punkten schuldig bekannt. dass sie eine möglichst hohe Strafe will. Der Kampf gegen sondern letztlich das Krieg gegen den Allgemeinwohl beförMachtmissbrauch ist auf Terror. gehobenen juristischer und politischer Übereifer. dert. muss Obama Nicht erst mit diesem Prozess ha. die Satellitenwagen verschwunden. Er hatte keine Chance. Der entsprechende Paragraf stammt aus dem Militärgesetzbuch – es ist ein Paragraf.aufgedeckt. einem sozialeren Staat zu machen. Manning nimmt beides reglos entgegen. Richard Nixon. was sie haben. gemein. Würde die Regierung ihn konsequent anwenden.teidigungsminister Caspar Weinberger ten vorgehen. Snowden hat sich gegen Hawaii und für sein Gewissen entschieden. wie orientierungsses Urteil wäre daher eigentlich: Es los die USA in Afghanistan operieren. In einer früheren Sitzung hat Lind einen Zuschauer aus dem Saal entfernen lassen. Dann. bei dem die Medien die Arbeit der Exekutive kontrollieren. „Spione pusten das. mit als geheim eingestuften Regierungsdokumenten zu arbeiten. ob Manning für einen Mord verantwortlich ist. Es geht um das Ansehen der USA. Die Regierung lässt wenig Zweifel daran. schrieb er 2010 einem ehemaligen Hacker. Der SPIEGEL hat zeln und Saboteuren im Bundesrecht also ein Interesse daran.schenden ihre eigenen Völker hinters ge Soldat. nachdem er gut einen Monat in der Transitzone des Flughafens Scheremetjewo verbracht hatte. für die Öffentlichkeit ist das Spektakel vorbei.

was Manning begonnen hat. er sackt kurz zusammen. dann läge das Strafmaß eher bei 136 als bei 13 Jahren. Für die letzte Woche im August ist die Verkündung des Strafmaßes geplant. Nach der Armee und dem Außenministerium geht es diesmal um die NSA. Zeugen der Anklage werden aussagen. dass Manning und Snowden nicht die letzten Whistleblower waren. Euer Ehren“. Bradley Manning ist zu einem Präzedenzfall geworden. Der Tod des Mannes hängt vermutlich nicht mit Mannings Daten zusammen. dass die Taliban den Zusammenhang mit den AfghanistanDokumenten einfach behauptet haben. Sein Junge liebe Amerika. werde er „furchtbar behandelt. Er hatte seinen Sohn nach den ersten Veröffentlichungen aufgerufen. sagt Carr. „Die Herausgabe der Irak-Dokumente. Nie zuvor in ihrer Geschichte ist die Supermacht USA in den sensiblen Kernbereichen von Militär. Die Sache mit dem angeblichen Taliban-Opfer. Er solle besser in Moskau bleiben. Wenn der Brigadegeneral glaubhaft bezeugen könnte. Snowden drohen in Amerika Gefängnis. wird es noch eine Weile so weitergehen. einen Punkt will sie noch klarstellen. aber wenn er in die USA zurückkehre. ruft Mannings Anwalt erneut.PABLO MARTINEZ MONSIVAIS / AP/ DPA Pro-Manning-Demonstration vor dem Weißen Haus am vergangenen Dienstag: Snowden führt das fort. Einen Tag nach dem Manning-Urteil meldet sich Lon Snowden zu Wort.“ Im Irak sei damals der Krieg noch in Gang gewesen. sagt Denise Lind. Einzelhaft. als er den Satz hört. Sein Name stehe nicht in den Akten. weil sie mit dieser Art von Politik nicht mehr einverstanden sind. „Einspruch. Bradley Manning lächelt kaum merklich. Stimmt das? Carr spricht jetzt leiser. ruft der Anwalt. Nach der Befragung von General Carr drückt die Richterin noch einmal auf die Mikrofontaste.“ „Einspruch“. nächtliches Wecken. die aufgrund der Veröffentlichung der Dokumente getötet wurde“. an die Öffentlichkeit wenden. „dafür gibt es keinen Beweis. „Einspruch stattgegeben“. „Ist durch die Veröffentlichung der Dokumente jemand gefährdet worden?“. danach Zeugen der Verteidigung. nach Hause zu kommen. Er räumt ein. Es ist der Schlüsselsatz an diesem Tag. das erste Mal zeigt er Emotionen. Diplomatie und Geheimdiensten so bloßgestellt worden. eine drakonische Anklage – wie Manning. wie ein echter Amerikaner. für dessen Tod Manning verantwortlich sein soll. sagt die Richterin. „Der Name des Mannes taucht in den Dokumenten gar nicht auf“. aber Carr redet bereits weiter: „Die Taliban haben sich damit gebrüstet. Manning muss sich beherrschen. Die Reaktionen der amerikanischen Regierung auf Bradley Manning und Edward Snowden deuten nicht darauf hin. sagt Carr. fragt der Militärstaatsanwalt. die Publikation der internen Armeeeinträge habe den Erfolg des Einsatzes massiv in Frage gestellt.“ Die Richterin ist irritiert. Dann hat Lon Snowden sich angeschaut. den Mann aufgrund der Veröffentlichung umgebracht zu haben. Aus Mannings Körper löst sich die Spannung. „Ich weiß von einer Person. werde das Gericht bei der Bemessung des Strafmaßes nicht verfolgen. ihn zum Taliban-Helfer zu machen. die sich. dass die Obama-Administration einen anderen Umgang als Härte mit Whistleblowern kennt. er flüstert aufgeregt mit seinem Anwalt. „Niemals zuvor haben wir eine Veröffentlichung dieses Ausmaßes und dieser Art von Informationen erlebt“. Er fordert seinen Sohn jetzt nicht mehr auf. direkt zu der Richterin. beeinflusst vom Internet. nimmt einen Schluck aus der Wasserflasche. und seiD E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 ne Meinung geändert. nach Amerika zurückzukehren und sich den Vorwürfen zu stellen. Wie es aussieht. was die Regierung mit Manning machte. das war wie ein Schlag ins Gesicht für uns. als die US-Regierung gehofft hat. sagt Lon Snowden. dass die Datenweitergabe Menschenleben gekostet hat. was Manning begonnen hat Regierung. Vieles spricht dafür. Die Anklage ist ein zweites Mal damit gescheitert. sagt sein Anwalt. HOLGER STARK 83 . Sie werden ihn in ein Loch werfen und nicht öffentlich sprechen lassen“. Manning hat ihn zehn Monate seines Lebens gekostet. aber auch der SPIEGEL über die Geheimdokumente. der Vater des Whistleblowers. Von dort wird Snowden fortführen. wieder berichtet der „Guardian“. möglicherweise auch ein paar Tage früher. aber zu einem anderen.

RUSSLAND

Snowdens neue Heimat
Präsident Putins Asylentscheidung für den amerikanischen Whistleblower wird in Moskau begeistert gefeiert – als eindrucksvolle Machtgeste gegenüber den USA.
elbst Anatolij Kutscherena, Edward Snowdens russischer Anwalt, hat erst spät erfahren, dass sein Mandant Asyl in Russland erhält. Auch er wusste wohl nur wenig von den Debatten, die es im Kreml und beim Geheimdienst FSB in der Affäre Snowden gab. Kutscherena ist kein Mann der Opposition. Er hat zwar russische Bürger gegen die Willkür des Staates verteidigt, doch

S

„Russland ist wie eine seriöse Macht aufgetreten. Nun wird unser Gewicht in der Welt wieder zunehmen. Wie oft haben die Amerikaner russische Bürger in Drittländern abgefangen, in die USA entführt, dort nach amerikanischen Gesetzen verurteilt und in amerikanische Gefängnisse gesteckt. So etwas vergessen wir nicht.“ Nikonows und Limonows Äußerungen zeigen die Reflexe eines Landes, das sich seit Jahren von Amerika erniedrigt fühlt – Reflexe, die vorhersehbar waren. Wer wie US-Senator John McCain schon vorab eine „adäquate Antwort“ fordert, sollte Snowden nicht ausgeliefert werden, oder wie Senator Lindsey Graham einen Boykott der Winterspiele in Sotschi, muss wissen, dass den Russen dann nur die Trotzreaktion bleibt. Nach diesen Äußerungen „hätten wir selbst das Angebot der USA abgelehnt, ihnen für eine Million Dollar pro Tonne Schnee aus Sibirien zu verkaufen“, schrieb ein Moskauer Kommentator. Das Weiße Haus sei über die ProSnowden-Entscheidung Russlands „sehr

den Gipfel um jeden Preis zu retten. Aus seiner Sicht gibt es mit Obama ohnehin nichts mehr zu bereden, nach mehreren Skandalen ist das Verhältnis zu den Amerikanern gründlich verdorben. In dieser Einschätzung sind sich Russen und Amerikaner ausnahmsweise mal einig. „Vom syrischen Bürgerkrieg bis zur nuklearen Abrüstung – die Vereinigten Staaten und Russland sind bei eigentlich allen größeren Themen meilenweit voneinander entfernt“, schrieb die „New York Times“. Die Russen misstrauten nach wie vor dem amerikanischen Raketenschild, sie hätten es abgelehnt, ihre Unterstützung für den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad aufzugeben, und auch dem neuen iranischen Staatsoberhaupt Hossein Rohani stünden sie viel zu aufgeschlossen gegenüber. Mit Putins Asylentscheidung hätten im Übrigen alle gewonnen, glaubt die Moskauer Zeitung „Wedomosti“. Russland habe sein Prestige gestärkt, Amerika wiederum könne Snowden nun endlich vergessen. Stünde der frühere NSA-Experte

Gesprächspartner Obama, Putin 2009 bei Moskau, Asylbewilligung für Snowden: „Bei allen Themen meilenweit voneinander entfernt“

GREENFIELD / SIPA / DAPD (L.); MAXIM SHEMETOV / REUTERS (R.)

zur Präsidentenwahl im vergangenen Jahr wurde er von Wladimir Putin zur „Vertrauensperson“ ernannt. Kutscherena trat als sein Wahlhelfer auf, das gilt als Ritterschlag des Kreml. Als sich Putin vergangenen Donnerstag endgültig für Snowdens Verbleib in Russland entschied, blieb dem Anwalt nur noch, zum Flughafen Scheremetjewo zu eilen und den Asylanten zum Taxi zu geleiten. Der von seinem eigenen Staat gehetzte Whistleblower hat nun eine neue Heimat, zumindest für ein Jahr – in Russland löste das Begeisterung aus. „Mit jeder anderen Entscheidung hätten wir unser Gesicht verloren – man hätte aufgehört, uns ernst zu nehmen, die Amerikaner zuallererst“, kommentierte der Duma-Abgeordnete Wjatscheslaw Nikonow den Bescheid. Und der Schriftsteller Eduard Limonow schrieb in der Moskauer „Iswestija“:
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enttäuscht“, so Sprecher Jay Carney. Senator McCain sprach von einer „Ohrfeige“ für Amerika und davon, dass es nun an der Zeit sei, „die Beziehungen zu Putins Russland grundsätzlich zu überdenken“. Das klingt fast nach einer neuen Eiszeit. Das für Anfang September geplante Moskauer Treffen von Barack Obama und Wladimir Putin scheint so gut wie geplatzt. „Seit dem Ende des Kalten Krieges ist nichts Vergleichbares passiert“, sagt Angela Stent, früher Ostexpertin im National Intelligence Council, einem ThinkTank der Geheimdienste. Das Scheitern des Moskauer Gipfels war vom Kreml nicht unbedingt gewollt, und so versuchte Putins außenpolitischer Berater, die Entscheidung für den Whistleblower herunterzuspielen: Die Angelegenheit sei nicht bedeutsam genug, um die Beziehungen beider Staaten zu beeinflussen. Andererseits sah Putin keinen Grund,
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in den USA wegen Hochverrats vor Gericht, würde sein Fall zum Problem für die Regierung. Jetzt aber könne Washington ihn wegen Zusammenarbeit mit dem russischen Geheimdienst diskreditieren. Und Snowden selbst? Auch er zähle zu den Gewinnern, schreibt „Wedomosti“: Er werde in Russland komfortable Wohnverhältnisse und eine gutbezahlte Arbeit bekommen. Tatsächlich bot ihm Russlands wichtigste Internetplattform VKontakte bereits einen „Posten seiner Wahl“. Das Facebook-Pendant zählt 200 Millionen Mitglieder; Pawel Durow, der 28-jährige Gründer, ist 200 Millionen Euro schwer. Für Snowden gäbe es dann aber einen Gewissenskonflikt: Durow soll 2011 während der Proteste gegen die gefälschte Duma-Wahl auch Daten von KremlGegnern an den Geheimdienst FSB weitergeleitet haben. CHRISTIAN NEEF

Ausland
Menschen in Berlin gegen sie auf die Straße gingen? Mursi hat das gemacht. Er hat sich nur um seine islamistische Klientel gekümmert, seine Macht weiter ausgebaut und seine eigene Agenda verfolgt. Mit seiner Absetzung haben die Generäle die Rechte einer großen Mehrheit der Ägypter verteidigt. Sie hatten keine andere Möglichkeit, als diesen Präsidenten aus dem Amt zu drängen. Deshalb war es kein Militärputsch. SPIEGEL: Trotzdem, Sie haben einen demokratisch gewählten Präsidenten aus dem Amt gejagt. Fahmy: Mursi war demokratisch gewählt, aber er hat nicht demokratisch regiert. Ich muss Sie doch nicht daran erinnern, dass gerade Sie in Deutschland Ihre Erfahrungen gemacht haben mit einem demokratisch gewählten Politiker, der sich dann antidemokratisch verhalten hat. SPIEGEL: Wollen Sie Mohammed Mursi mit Adolf Hitler vergleichen? Fahmy: Ich will nur auf die Gefahren hinweisen, die wir gesehen haben. Und um diese Entwicklung aufzuhalten, haben wir das Militär zur Hilfe gerufen – im Namen von Millionen Ägyptern. SPIEGEL: Die Abstimmung mit den Füßen ist wichtiger als die an der Wahlurne? Fahmy: Unsere Botschaft ist, dass die politischen Führer ihrer Bevölkerung Rechenschaft schuldig sind. Sowohl bei Mubarak als auch bei Mursi war die Haltung der Ägypter deutlich: Hört unsere Stimmen, reagiert auf unsere Forderung, riefen sie. Die andere Botschaft von Kairo lautet: Eine Revolution ohne Gewalt ist möglich. SPIEGEL: Zurzeit verläuft die Revolution alles andere als friedlich, es hat blutige Straßenschlachten zwischen Islamisten und Sicherheitskräften gegeben. Wissen Sie, wie viele Menschen seit dem Sturz Mursis getötet wurden? Fahmy: Ich trauere um jeden Toten, den diese Auseinandersetzungen gefordert haben. Und dennoch können wir, gemessen an dem historischen Prozess, den wir gerade erleben, noch immer von einer friedlichen Revolution sprechen. Wir befinden uns in einer sehr heiklen Phase. Aber was sich manche unserer Freunde im Westen an Urteilen erlauben, das geht an der Realität vorbei. Wir erleben gerade nach Jahrzehnten der Diktatur den Übergang zur Demokratie. Sie aber legen Maßstäbe an, die vielleicht in Ihren politischen Systemen gelten. SPIEGEL: Menschenrechtler gehen davon aus, dass die Militäreinsätze gegen MursiAnhänger etwa 200 Todesopfer zur Folge hatten. Allein am letzten Juli-Wochenende töteten Sicherheitskräfte 80 Demonstranten in Kairo. Fahmy: Solche Exzesse sind eine Folge der politischen Polarisierung. Die Gemüter sind aufgeheizt, auf beiden Seiten. Da prallen grundverschiedene gesellschaft85

Außenminister Fahmy

ÄGYPTEN

„Ich trauere um jeden Toten“
Außenminister Nabil Fahmy, 62, über die Machtprobe mit den Muslimbrüdern, seine neue Rolle in der Regierung und die Politikerbesuche der vergangenen Tage
s ist kurz vor Mitternacht, als Nabil Fahmy die Besucher in seine großzügige Altbauwohnung auf der NilInsel Samalik bittet. Der neue ägyptische Außenminister war gerade in einem Kairoer Luxushotel zum traditionellen Fastenbrechen, er hält die strengen Vorschriften des Ramadan ein. Das tat er schon als Botschafter in Washington, ohne Rücksicht auf Gastgeber von Cocktailempfängen. Als ihn die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton vergangene Woche traf, bekam sie nicht einmal einen Schluck Wasser serviert. „Das Treffen war trocken, aber konstruktiv“, sagt Fahmy. Nun ist er bereit, „einige Missverständnisse aufzuklären“, die es über die jüngste Entwicklung in Kairo gebe – „auch unter Berliner Politikern“. Seit Mitte Juli ist Fahmy, 62, Außenminister im Übergangskabinett. Er stammt aus einer Diplomatenfamilie, bereits sein Vater diente als Außenminister unter dem später ermordeten Präsidenten Anwar alSadat. Fahmy war auch Botschafter in Tokio und zuletzt Dekan an der Amerikanischen Universität Kairo. Seit er in die Regierung berufen wurde, sind seine Nächte kurz: „Nach vier Stunden wache ich auf“, sagt er. Und dann könne er nicht mehr einschlafen, „vor lauter Sorge um Ägypten“.

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SPIEGEL: Herr Außenminister, beschämt es Sie, Mitglied einer Regierung zu sein, die durch einen Staatsstreich an die Macht gekommen ist? Fahmy: Im Gegenteil, ich bin stolz, meinem Land in dieser Regierung zu dienen. Wenn es mir allein um das Amt ginge, hätte ich schon unter Husni Mubarak Außenminister werden können. Aber ich wollte nicht zu sehr in die Nähe dieses Präsidenten rücken. Seit dessen Sturz wurde mir der Posten noch zwei weitere Male angetragen, beide Male habe ich abgelehnt. Doch nach den Ereignissen vom 3. Juli … SPIEGEL: … als das Militär den demokratisch gewählten Präsidenten Mohammed Mursi stürzte und festsetzte … Fahmy: … wollte ich mich meiner Verantwortung nicht entziehen. Als Patriot hatte ich keine andere Wahl. Präsident Mursi wollte auf die Forderungen nach Neuwahlen nicht eingehen und ein islamistisches Regime errichten. Das konnten wir nicht zulassen und haben uns an das Militär gewandt. SPIEGEL: Den Spielregeln der Demokratie entspricht die Absetzung Mursis aber nicht. Fahmy: Es war ein beispielloser Vorgang, sicherlich. Aber würde sich die Bundesregierung taub stellen, wenn 20 Millionen
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ED GILES / DER SPIEGEL

Ausland
steht fest: Falls es zu einem Prozess kommt, wird der Fall nicht vor einem Sondergericht verhandelt werden, sondern vor der zuständigen, regulären Kammer. SPIEGEL: Auch der deutsche Außenminister Guido Westerwelle, der Ihre zweite Revolution als einen „schweren Rückschlag für die Demokratie“ bezeichnet hat, kam vergangene Woche nach Kairo. Haben Sie ihn gern empfangen? Fahmy: Herr Westerwelle hat gefragt, ob er kommen dürfe, und wir haben uns über seinen Besuch gefreut. Deutschland ist ein bedeutender Partner. Doch gerade die Deutschen messen uns an ihren eigenen Maßstäben, und das führt zu falschen Bewertungen. Deshalb ist uns wichtig, von Ihnen richtig verstanden zu werden. Wir brauchen die Unterstützung der Bundesregierung auf unserem Weg zur Demokratie. SPIEGEL: Zurzeit allerdings bereiten sich Militärs und Sicherheitskräfte darauf vor, die Protestlager der Muslimbrüder und ihrer Unterstützer zu räumen. Fahmy: Wir müssen Recht und Ordnung wiederherstellen. Daher können wir nicht zulassen, dass zentrale Plätze wochenlang besetzt werden. SPIEGEL: Jede Räumung bedeutet neues Blutvergießen. Wann sagen Sie: Mehr Tote trage ich nicht mit? Fahmy: Diese persönliche Grenze wird nicht durch Opferzahlen markiert. Weitere Tote sollten unbedingt vermieden werden. Deshalb hat unsere Regierung den Besetzern der Kreuzungen im Universitätsviertel und bei der Rabaa-Moschee freien Abzug angeboten. Niemand wird belangt, das hat Interimspräsident Adli Mansur betont. SPIEGEL: Die Muslimbrüder wollen ihre Proteste ausweiten. Jeder weitere Märtyrer bestärkt sie in ihrer Rolle als Opfer einer antiislamischen Verschwörung. Fahmy: Ich bin auch skeptisch, dass wir die Bruderschaft für unseren Versöhnungsprozess gewinnen können. Aber wir müssen es zumindest versuchen. In vier Monaten soll dieses Land eine neue Verfassung haben. In spätestens neun Monaten soll es wieder ein Parlament geben und einen demokratisch gewählten Präsidenten. Und bei diesen Wahlen sollte auch die Partei der Bruderschaft antreten. SPIEGEL: Warum sollte die Muslimbruderschaft daran teilnehmen? Damit das Militär ihren Präsidenten wieder stürzt, sollten sie erneut gewinnen? Fahmy: Der nächste ägyptische Präsident wird an eine Verfassung gebunden sein. Das war Mursi nicht, und das war ein historischer Fehler.
INTERVIEW: DIETER BEDNARZ

Mursi-Anhängerin bei einer Mahnwache in Kairo: „Freier Abzug für Besetzer“

liche Konzepte aufeinander. Wir Ägypter suchen gerade nach einer neuen Identität für das 21. Jahrhundert: Wer sind wir? Was wollen wir? Welche Rolle soll der Glaube spielen? Und wie sind Islam und Politik miteinander vereinbar? Wo ziehen wir die Grenze zwischen islamisch und islamistisch? Diese Fragen konnten über Jahrzehnte nicht gestellt werden. Nun suchen wir nach Antworten. SPIEGEL: Die Schuld scheint nach Aussagen unabhängiger Augenzeugen bei den Sicherheitskräften zu liegen, die in die Menge geschossen haben. Fahmy: Ich kenne diese Berichte. Aber es gibt auch andere Aussagen, wie die des Innenministers Mohammed Ibrahim, der behauptet, dass seine Leute nur Tränengas eingesetzt hätten. SPIEGEL: Innenminister Ibrahim hat unter Husni Mubarak Karriere gemacht. Er wird nicht das erste Mal beschuldigt, unverhältnismäßig hart durchgegriffen zu haben. Ist nun das alte Unterdrückungssystem zurückgekehrt? Fahmy: Ziehen Sie keine voreiligen Schlüsse. Wir wissen inzwischen durch unsere Sicherheitsdienste, dass nie zuvor so viele unangemeldete Waffen im Umlauf waren wie jetzt. Und wenn so viele Menschen Gewehre und Pistolen tragen, sind Schuldzuweisungen nicht so einfach. SPIEGEL: Was meint der Innenminister, wenn er sagt, dass es ein Fehler war, Mubaraks Sicherheitsapparat aufzulösen? Fahmy: Der Innenminister meinte wohl, dass in den vergangenen zweieinhalb Jahren jene Mitarbeiter ausgeschieden sind, die sich früher um extremistische Gruppen und Terroristen gekümmert haben. Diese Leute fehlen jetzt, wenn es darum geht, Informationen zu beschaffen. Eine Reaktivierung alter Systeme und Seilschaften wird es aber nicht geben. Wir bleiben unserem Vorhaben treu, eine demokratische Gesellschaft aufzubauen. Eine der Grundvoraussetzungen dafür ist
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aber, dass wir die Sicherheitslage im Griff haben. SPIEGEL: Trotzdem scheint es nun eine Art Hexenjagd auf die Muslimbrüder und deren Sympathisanten zu geben. Fahmy: Dazu darf es nicht kommen. Der Aussöhnungsprozess hat für uns eine herausragende Bedeutung. Wussten Sie, dass wir einen Minister haben, der sich ausschließlich darum bemüht? SPIEGEL: Verteidigungsminister und Armeechef al-Sisi steht eher für eine Politik der harten Hand. Dienen liberale Vordenker wie Sie oder Friedensnobelpreisträger Mohamed ElBaradei, der zum Vizepräsident ernannt wurde, den Generälen nicht nur als Feigenblatt? Fahmy: Das Gefühl habe ich nicht. Wenn jetzt die Debatte über unsere Verfassung beginnt, wird es dabei nicht nur um den Stellenwert der Religion gehen, sondern auch darum, welche Rolle dem Militär in Zukunft zukommt. Darüber werden wir mit den Generälen ernsthaft diskutieren. SPIEGEL: Gerade war die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton in Kairo, um zu vermitteln. War das hilfreich? Fahmy: Bei vielen Ägyptern ist der Besuch nicht gut angekommen, sie haben das als Einmischung in unsere internen Angelegenheiten empfunden. Vor allem, dass sie Ex-Präsident Mursi besucht hat, der an einem geheimen Ort unter Arrest steht, hat viel Kritik hervorgerufen. Aber unsere Regierung hat das in Kauf genommen, wir hatten keine Einwände gegen Lady Ashtons Wunsch. Über künftige Besuche wird der Generalstaatsanwalt entscheiden, der gegen Mursi Ermittlungen eingeleitet hat. SPIEGEL: Es heißt, es werde gegen Mursi ermittelt, weil er während der Revolution Anfang 2011 mit Hilfe von Terroristen aus der Haft ausgebrochen sei. Wie genau lauten die Vorwürfe? Fahmy: Ich weiß es nicht. Es sind wohl diverse Anschuldigungen. Aber schon jetzt
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KHALIL HAMRA / AP / DPA

Video: Dieter Bednarz über die Muslimbrüder
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so Vince Cable.Genossenschaftsbanken öffnen. Gut fischsteak. damit sie nicht von den Gesetzen der Wirtschaft im Stich gelassen werden“. Denn das Erfolgsrezept der umstrittenen Unternehmen ist die sofortige Kreditentscheidung innerhalb weniger Minuten nach vorherigem Auskämmen aller im Internet vorhandenen Daten über die Antragsteller. die am FinanzArmut“ – es gab Carpaccio vom Schwertfisch. Nun wollen Mitglieder der Regierungskoalition prüfen. den naturgegebenen Konflikt zwischen Gott und Mammon zu entschärfen und Einfluss auf die Reform des britischen Bankwesens zu nehmen. schnell einig. Das nennt Welby „sündhaft“ und „unmoralisch“. Und der Erzbischof scheut sich nicht. knüpfte sich Welby eine Branche an Bedürftige Kurzzeitkredite zu sehr viel vor. damit sie wegen der hohen Bearbeitungskosten keine Verluste machen. die wolle er de Janeiro den „Kult des Geldes“ gei. ist nur der jüngste Versuch des Kirchenoberhaupts. der alle Wucherer an den Galgen wünschte. hat er elf Jahre lang als Finanzmanager in der Ölindustrie gearbeitet. er werde diese as Arbeitsessen war nicht gerade Firmen „durch Wettbewerb vom Markt vorbildlich für eine „Kirche der verdrängen“. Doch anders als der deutsche ReformaDie Kirche von England hat einen Ex-Ölmanager zu ihrem tor Martin Luther. Damelin von Wonga. solche Fragen aus eigener Erfahrung: Bevor er seine Kirchenkarriere begann. frische Früch. die nicht zurückzahlen konnten. die Genossenschaftsbanken ans Pfarrhaus zu binden. fünf Jahre bei Elf Aquitaine in Frankreich. die.Ausland Gewerbe der Vermittler von Kurzzeitkrediten. zuletzt bei Enterprise Oil. Die meisten leiden unter einer schwerfälligen Bürokratie und unter gesetzlichen Bestimmungen. Denn Firmen wie Wonga. In derselben Die Kirche von England habe „16 000 FiWoche. einer Produktionsgesellschaft. INTERTOPICS HANS HOYNG 88 D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 . Der Vorschlag.8 Prozent beschränkt ist. „dem Schrei der Armen eine Stimme geben. 2011 verlieh die Kurzzeitkreditbranche umgerechnet 2. Seine Doktorarbeit schrieb er zu einem Traktat um. G R O S S B R I TA N N I E N Banker ins Pfarrhaus D nicht übermäßig erschrecken. die heu. Speedy Cash oder Quick Quid verleihen zunehmend Kleinbeträge für einige Tage oder Wochen zu Zinsen. damit sich erweisen kann. So schnell ist keine Genossenschaftsbank. die im Großbritannien sinkender moderateren Zinsen vergeben könnten. Dennoch blieb der Anteil an Kreditnehmern. traditionell die Banken der Armen. haben dagegen nur etwa 605 Millionen Pfund an ihre Kunden verliehen. drohte er in einem persönlichen Gespräch. Das ist eine Sprache. Der gute Vorsatz hätte auch von Justin Welby stammen können. und Finanzmanager müssten bis zu zehn Jahre auf ihre Boni warten. lädt die Sünder in der Welt der Wirtschaft Bischof Welby sie ein zurückzukehren: beim Namen zu nennen. Die Banker in den Sakristeien dürften Löhne und gekürzter Sozialleistungen gerade Konjunktur hat – das anrüchige die Halsabschneider von Wonga & Co. die bei normalen Banken keinen Kredit mehr erhalten. Welby war auch Mitglied der parlamentarischen Untersuchungskommission über Bankenstandards und hat geholfen. so Papst Franziskus.2000 Jahre nachdem der Religionsstifter te und Kaffee. Im Unterschied zu seinen Vorgängern beantwortet Welby. Der will systemimmanente Lösungen. aber selbst Bischof Welby gibt zu. der britische Minister für Unternehmen und Innovation. dass der Pensionsfonds der Anglikaner mit einer Kleinanlage von 75 000 Pfund bei einem Investor von Wonga beteiligt ist. Anglikaner wie Katholiken sollten. Dem Chef nun die Konflikte zwischen Religion eines dieser Verleihunternehmen. Errol und Finanzwelt entschärfen. 5000 Prozent überschreiten können. predigt der Bischof Oberhaupt gemacht. in der Papst Franziskus in Rio lialen in 9000 Gemeinden“. damit Genossenschaftsbanken zu einer starken Konkurrenz und einer praktikablen Alternative für das Kurzzeitkreditgewerbe werden“. Britische Genossenschaftsbanken.Kirchenführer Welby: „Können Firmen sündigen?“ te zum Shell-Imperium gehört. nach denen der Höchstzinssatz für Kurzzeitkredite derzeit auf 26. das die Frage stellt: „Können Firmen sündigen?“ Selbstverständlich können sie das. dass die Genossenschaftsbanken zwischen 70 und 80 Prozent Zinsen für diese Art von Krediten verlangen müssten. seit März Primas der Kirche von England und oberster geistlicher Leiter von rund 80 Millionen Anglikanern weltweit. dann sechs Jahre lang in London. verleiher aus dem Tempel vertrieb. Thun. aufs Jahr hochgerechnet. Halbgefrorenes. wie sie mit der Kirche „zusammenarbeiten können. deren Empfehlungen auszuarbeiten. damit sie ßelte. Aber auch die Finanzengel der englischen Kirche sind nicht gegen Fehler gefeit. unter zehn Prozent. seinem Gesprächspartner. Keine 24 Stunden nach Welbys Kampfansage an die Kredithaie enthüllte die „Financial Times“. 57. Pasta mit Garnelen. Danach könnten Banker wegen „grob fahrlässigen Verhaltens“ ins Gefängnis wandern. Gleichwohl waren sich die Jesus von Nazareth Wechsler und Geldbeiden Kirchenführer.platz London verstanden wird. ob sie die wirklich verdient haben. hat sich schon während seines Theologiestudiums vor allem mit Fragen der Gerechtigkeit im Kapitalismus beschäftigt. Der Erzbischof von Canterbury. die im Abstand von nur zwei Tagen in ihr Amt eingeführt worden waren.5 Milliarden Euro – auch an Kunden. Das hört sich gewaltig an.

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ie Mongolei ist über viermal so groß wie Deutschland. um seine Bodenschätze zu erschließen. das Rio 90 D Tinto und die Mongolen planen.und Goldvorkommen der Welt ausbeuten wollen. begann vor rund vier Jahren. das die Mine betreibt. zumindest in der Theorie. eine Flugstunde südlich der Hauptstadt Ulan Bator. In der Praxis sieht das Geschäft zwischen dem armen. das der Staat braucht. Die einen haben Rohstoffe. dass man mehr als 800 000 Freiheitsstatuen daraus bauen könnte. Gegenüber stehen sich ein schwacher Staat und ein ihm wirtschaftlich weit überlegenes Unternehmen. JON ATH AN BROWN IN G / DER SPIEGEL . Hier steckt so viel Kupfer im Boden. Zwei ungleiche Partner: ein armes Land und der zweitgrößte Bergbaukonzern der Welt. musste die mongolische Regierung einen Kredit aufnehmen. Und wenn das Bergwerk. wer am Ende mehr von dieser Mine hat: sie oder der Konzern Rio Tinto. viel Geld und clevere Anwälte. liegt an der Grenze zu China. diesen Reichtum gerecht zu verteilen? Die Mine. Aber ist es möglich. Seit dieser Deal bekanntwurde. benannt nach dem türkisfarbenen Kupfererz. um die sich alle reißen. ohne sich von dem Rohstoffmulti übervorteilen zu lassen? Und wie erklärt er seiner Bevölkerung. dass man mehr als 800 000 Freiheitsstatuen daraus bauen könnte GLOBALISI ERUNG Jagd auf den Wüstenschatz Der Bau eines riesigen Bergwerks in der Öde von Gobi soll der Mongolei zu einem rasanten Wirtschaftswachstum verhelfen.RUSSLAND MONGOLEI O Ulan Bator ng i Oyu Tolgoi W ü s t e G o b i CHINA 500 km Arbeiter im Bergwerk von Oyu Tolgoi: So viel Kupfer im Boden. fragen sich die Mongolen. um die es geht. das in der Wüste Gobi liegt. aber an Rohstoffen reichen Land und dem Weltkonzern anders aus. dem Unternehmen. hat fast drei Millionen Einwohner und erwirtschaftete 2012 zehn Milliarden Dollar. Wohlstand in dieses Land bringen. Es könnte. Das britisch-australische Bergbauunternehmen Rio Tinto beschäftigt 71 000 Menschen in mehr als 40 Ländern und ist gut 60 Milliarden Dollar wert. Um sich mit 34 Prozent am Ausbau der Mine zu beteiligen. Wie aber profitiert dieser unerfahrene Staat von dem Unternehmen.und Entwicklungsländern. die anderen das D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 notwendige technische Know-how. könnte es ein Drittel der gesamten mongolischen Wirtschaftsleistung erbringen. Und so wird die Zusammenarbeit zugleich zu einem Modellfall für eine wachsende Zahl von Schwellen. Das Geld kam von Rio Tinto. Doch nun bedroht der Konflikt um den Ertrag des Edelmetall-Abbaus die junge Demokratie. in dem viele Menschen noch immer in einfachen Jurten und Baracken leben. die nun zusammen eines der größten Kupfer. einmal seinen vollständigen Betrieb aufnimmt. dass in den Jahren des Aufschwungs einige wenige rasch reich werden und viele arm bleiben? Der Konflikt um die Mine von Oyu Tolgoi.

er würde das vor seiner Rente nicht mehr erleben. Die Luft in Ulan Bator ist im Winter noch giftiger als in Peking. wo wir suchen müssen. das er anzuwenden plane. der keine Fahrstühle hat und dessen Dielen knarzen. eine Cash-Maschine. antwortet Samand Sanjdorj lange nicht. sagt Davaasambuu Dalrain. Gold. Uran. Otgochuluu hat es nicht weit von der Innenstadt hinaus in die trostlosen Hügel nördlich des Zentrums. „Die Russen hatten uns nicht viel hinterlassen“. Regelmäßig fliegt er mit einem Firmenjet zwischen der Hauptstadt und der Mine hin und her. Vereinbarungen gebrochen zu haben. die bis 2000 Meter tief in die Erde reicht und deren Kupfergehalt sehr hoch ist. aus dem jenseits der Grenze Kupfer und Gold gewonnen werden. Vier Jahre nach Baubeginn brachen Anfang Juli die ersten Tieflader von Oyu Tolgoi nach China auf. erwarb der australische Minengigant BHP eine erste Lizenz für Oyu Tolgoi. Doch nicht nur Friedland.“ So geht es nun schon die ganze Zeit. Donald Rumsfeld kam nach Ulan Bator. Kupfer. Er ließ in Oyu Tolgoi weiD E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 keine NGOs. „Unser Land“. Rio Tinto leistet in der Wüste tolle Arbeit.“ 2006 kaufte sich Rio Tinto in Friedlands Firma ein. Wir wussten. Im Winter gehen sie bei minus 30 Grad nachts vor die Tür zu ihren Plumpsklos. kurz darauf war er am Ziel: Geologen fanden ein Kupferlager in Gestalt einer kilometerlangen Banane. Vor über 20 Jahren hat er zum ersten Mal an dieser Stelle gestanden – auf der Suche nach Kupfer. die Förder-. Hätten er und seine Kollegen nur 30 Meter tiefer gebohrt. der amerikanische Bergbau-Tycoon Robert Friedland. wären sie schon damals auf die ergiebigsten Schichten gestoßen. die hier in den Jurten leben. damals Botschafter der Mongolei in London. was sich verheizen lässt: Auslegeware. Die Menschen. dann können wir keine Freunde sein. Dann sagt der Manager im orange-blauen Rio-TintoOverall: „In erster Linie bin ich Mongole. Seltene Erden. kurz nachdem die russischen Karten freigegeben worden waren. Der Ausgang dieses Streits ist für die Mongolei entscheidend. Friedland zu vertrauen“. Der 67-Jährige hat ein Büro in einem klimatisierten Glasbau. Sie heizen ihre Bolleröfen mit allem. die Regierung beschuldigt Rio Tinto. beladen mit je 36 Tonnen eines braunen. so nannte er den Claim. außerdem lehnt sie die weiteren Pläne des Konzerns zur Finanzierung der Mine ab. Anfang 2012 übernahm der Konzern die Mehrheit seiner Anteile. auf wessen Seite er stehe. wo sich in den vergangenen Jahren 800 000 Landflüchtige niedergelassen haben. Ivanhoes Gründer. Der Beamte Otgochuluu sagt: „Die Menschen haben bislang nichts von der Mine. Die Mongolei hat. Nun brauchte Friedland nur noch Leute.“ Oyu Tolgoi sei der Traum jedes Investors. hatte mit einem Nickelprojekt in Kanada und einem Kupferbergwerk in Burma viel Geld verdient. Auf die Frage. ist 35 und Leiter der Planungsabteilung des Bergbauministeriums. Es gibt JONATHAN BROWNING / DER SPIEGEL Bewohner im Elendsviertel von Ulan Bator: „Die Menschen haben bislang nichts von der Mine“ Wüste. Sanjdorj verbrachte Sommer bei über 40 und Winter bei unter minus 40 Grad in der terbohren. „So haben wir uns beide an Rio Tinto gewandt. sagt er. Sanjdorj steuert seinen Land Cruiser auf die höchste Abraumhalde und zeigt den Tagebaukrater von Oyu Tolgoi. einem Viertel seines heutigen Wertes. der in der Hauptstadt für die Kupfermine zuständig ist. sei es „nicht einfach gewesen. aber wenn sie uns beim Geld beschwindeln wollen. das aus der Entdeckung von Oyu Tolgoi eine funktionierende Mine machen würde. aber dieses Bergwerk ist mein Baby. auch die mongolische Regierung brauchte ein Unternehmen. „doch ihre geologischen Karten waren gut. keine Häuser im Weg. den er erworben hatte. der wie ein blaues Raumschiff in der Wüste Gobi steht. ist fast ausschließlich vom Rohstoffexport abhängig.“ Das Verfahren. was alle wollen: Kohle. die Belüftungstürme des Untertagebergwerks und das ozeandampfergroße Mahlwerk. Plastikmüll.“ Mitte der neunziger Jahre. Der Geologe Samand Sanjdorj hatte bereits befürchtet. fast ein Drittel der mongolischen Bevölkerung. der Kupferpreis hatte die 3500-Dollar-Marke überschritten. Es war ein historischer Tag. auf der seines Landes oder der seiner Firma. „Es ist wie im Textil-Business: Du machst T-Shirts für 5 Dollar das Stück und verkaufst sie für 100.Ausland Der Geophysiker Samand Sanjdorj ist Vizechef der Mine von Oyu Tolgoi und damit der ranghöchste Mongole auf dem Minengelände. zementartigen Pulvers.“ Und „das Nette“ an der Wüste Gobi sei: „Da sind keine Eisenbahnlinien. von der internationale Bergbau-Manager noch heute schwärmen – und die ihn zum meistgehassten Mann der Mongolei machte. Sein Büro liegt im vierten Stock eines in die Jahre gekommenen Sowjetbaus. Reifen. Das Konzentrat aus Oyu Tolgoi wird zu 100 Prozent nach China exportiert. Mehrere Jahre lang ließ die Firma nach dem Kupferlager graben. keine Kanalisation und nur sporadisch Strom. Das Land. Unser Geschäft mit Rio Tinto ist nicht fair. Sie verkauften ihre Lizenz für gut 40 Millionen Dollar an eine kanadische Bergbaufirma namens Ivanhoe. dass „es Kinder mit Joysticks von der Oberfläche aus“ betreiben könnten. auch Angela Merkel und mehrere japanische Premierminister waren dort. dessen Wirtschaft zuletzt schneller wuchs als in den meisten Ländern der Welt. hielt er vor einer Investorenkonferenz in Florida eine Rede. heißt Chuluuntseren Otgochuluu. die das Know-how und die Mittel hatten. in dem das Kupfererz zu Staub zerkleinert wird. und im Jahr 2000 verloren die Australier endgültig das Interesse. Der Reichtum des Landes lässt sich am Rang seiner Besucher erkennen.“ Der Mann. Sie taten es nicht. Der Kupferpreis lag da bei 1700 Dollar pro Tonne. da hatten sich die Bergleute bereits über tausend Meter tief in die Erde gegraben 91 . Im Jahr 2005. sei so einfach. mehrfach war der Termin verschoben worden. haben kein fließend Wasser. um die Banane auszugraben. „ist die größte Landmasse in der Bergbauindustrie. Nach dieser Rede. keine Leute. Vor allem Peking ist um seinen Nachbarn bemüht.

macht“. doch für arme Länder wie die Mongolei müsse der Liberalismus Grenzen haben. Rio zahle seinen Managern zu hohe Gehälter und rechne Beratungsund Materialkosten ab. dass ihr Land auf dem Weg zum Rohstoffriesen noch viel dazulernen und sehr viel selbstbewusster auftreten müsse. von einem Unternehmen. „werden die gesamte Finanzierung und der Untertagebau aufgeschoben. Bergbau sei ein Geschäft wie jedes andere – du verkaufst deine Bodenschätze und kassierst die Gebühren. Dollar. bis wir einen Gewinnanteil bekommen“. Doch die Sprache der ausländischen Bergbau-Manager. vom Zyklus eines Rohstoffpreises. Wir brauchen mindestens 700 Millionen. Rio Tinto habe die Baukosten der Mine.Ausland und Tausende Arbeiter in der Wüste Im Übrigen habe die Regierung bereits Gobi eine Kleinstadt aus dem Boden ge. Die Kosten lägen nur um 786 Millionen Dollar höher als 2009 in einer Machbarkeitsstudie mit der Regierung verabredet. Sie möge den Begriff „RessourcenNationalismus“ nicht. sagt Umweltministerin Oyun. bestand darauf. Da sich die Regierung verpflichtet hat. wachsen mit den steigenden Kosten auch ihre Schulden bei Rio Tinto. der zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt wurde. die der Konzern nicht kommentieren will.nehmen. „Es ist nicht gut. anfangs mit knapp fünf Milliarden Dollar veranschlagt. und die siegreiche De. „Vier Jahre später“. ist schwerlich den Managern von Rio Tinto anzulasten – eher unfähigen und korrupten Staatsdienern wie dem ehemaligen Vorsitzenden der Mineralienbehörde.“ Rio Tinto.de/app322013mongolei oder in der App DER SPIEGEL Kupfermine von Oyu Tolgoi in der Wüste Gobi: „Grabe jetzt und räume später auf“ Wie konnte das sein? Warum hatte der Staat am Aufschwung nicht mitverdient? „Das Hauptproblem ist der Kredit“. 34 Prozent aller Kosten der Mine zu tragen. dass die mongolische Planungschef Otgochuluu lächelt bitter. Die mongolische Regierung habe angekündigt. die nicht nachzuvollziehen seien. um unseren Haushalt zu finanzieren“. so groß wie die Türkei. Gestampft.in denen sie Bergwerke betreibe.“ 1997 habe die Regierung fast die Hälfte des Landes zur Lizenzierung ausgeschrieben.„Wir haben schlechte Erfahrungen gezent wuchs. fror das Kabinett alle vergebenen Lizenzen ein. nicht nur das Kabinett. stoppte die neue Regierung vorübergehend sämtliche strategischen Auslandsinvestitionen in der Mongolei. die das Land so gern D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 JONATHAN BROWNING / DER SPIEGEL .eine Goldmine erschloss. es ist eine Drohung. das 2004 nördlich von Ulan Bator lamentswahl ab. als „Cash-Maschine“ betrachten.1 Milliarden Dollar an Steuern. dass wir 2019 die erste Dividende aus der Mine erhalten. um diesen Kredit zurückzuzahlen. Der Konzern Rio Tinto bestreitet vehement. Es strömten so viele Investoren.über 1. So dachten die Aktionäre – bis Anfang voriger Woche. um Hunderte Millionen überschritten. bleiben – die geologischen Verhältnisse blickte in eine gähnend leere Staatskasse. so Rio Tinto.“ Als die Proteste lauter wurden. 92 sagt Otgochuluu. „Angesichts dieser Entwicklung“. mokratische Partei. sagt Chuluuntseren Otgochuluu. und unter der flimmernden Wüste Gobi hatten die Bohrmaschinen von Rio Tinto die Banane von Oyu Tolgoi mit einem dichten Netz von Tunneln und Schächten zur Hälfte umgeben. und ihre undurchsichtigen Deals bringen die Mongolen zunehmend gegen den Investor auf. „Uns bleiben 70 Millionen in diesem und vielleicht 200 Millionen an Lizenzgebühren im nächsten Jahr. bislang nur Junior. „Wir werden Jahrzehnte brauchen. so schätzt er. auch das Parlament müsse der Finanzierung des Bergwerks zustimmen. dann werde das modernste Kupferbergwerk der Welt aus allen Schächten fördern und seine Besitzer reich machen. gegen den die Berliner Staatsanwaltschaft eine Zeitlang wegen des Verdachts auf Geldwäsche ermittelte. und als eine ausländische Firma vor einem Jahr eine Kohlenmine ausgerechnet an einen chinesischen Konzern verkaufen wollte. sagt der Beamte Otgochuluu. „war die Mine ausgebeutet. BERNHARD ZAND Video: Bernhard Zand 1300 Meter unter Tage spiegel.“ Ende Juli stand der Kupferpreis bei rund 7000 Dollar. Die Firma zahle in der Mongolei mehr Der Kupferpreis lag nun bei über 8000 Steuern als in vielen anderen Ländern. oder dem mongolischen Botschafter in Deutschland. Dass die Regierung ihr Budget nicht in den Griff bekommt und die Ressourcen des Landes nicht gerecht verteilt. der Planungschef im Bergbauministerium. 49. Aber das reicht nicht. Verträge gebrochen zu haben. Da unterbrach der britisch-australische Konzern die Arbeiten plötzlich. sagt Otgochuluu. sagt die mongolische Umweltministerin Sanjaasuren Oyun. „Vor 20 Jahren dachten wir. Sie sei eine überzeugte Liberale. sich abhängig zu machen – sei es von einem großen Nachbarland.“ Das hört sich nicht nur an wie eine Drohung. eine Stromleitung nach China gebaut. Rohstoffanalyst Tony Robson warnte kurz darauf: „Der Ruf der Mongolei als Ziel für Bergbauinvestitionen ist zerstört. das Parlament trifft sich erst im Oktober wieder. doch es sei unvermeidlich. Wirtschaft zeitweise um mehr als 17 Pro. Noch sieben Jahre und weitere fünf Milliarden Dollar.“ Die Bergbauinvestoren werden warten müssen. in der sich andere bereits verheddert hatten: Grabe jetzt und räume später auf. Wir hatten erwartet. eine Fläche. eine Piste und bühren und Vorauszahlungen erhalten. „Wir tappten in eine Falle. werde mit dem Verkauf des Kupferkonzentrats aus Oyu Tolgoi in diesem Jahr etwa eine Milliarde und im kommenden Jahr zwei Milliarden Dollar einnehmen – Zahlen. einen Flughafen. Ein kanadisches UnterMitte 2012 hielt die Mongolei eine Par.sieben Jahre lang von Steuern befreit zu partner in einer Koalitionsregierung. gelder ins Land. Tatsächlich wird es nun 20 bis 30 Jahre dauern. sagt er. seien so kompliziert.

die aussehen wie spaltet die Gesellschaft in Schießscharten.dem ist jeder dritte Saudi-Araber über. im Haus. Fußballsich eines Tages der Unmut fans fahren zum  Königdes Volkes unkontrolliert Fahd-Stadion. Das aber All das habe die gleiche Ursache. im Auto. keine langwierigen Ge. Die U-Bahn werde viele Probleme lö. Vor der Station müssen die vorhaben. die deutlich machen sollen. mitten im neuen DiHaus nicht unverhüllt verplomatenviertel der Hauptlassen. Das Lesen. hofft Ibrahim Sultan. ohne Aufpasser und Kontrollen. damit ist es das weltweit größ. klimatisierten Räumen statt. er ist 89 Jah. meinsame Waggons geben. warum Riad die U-Bahn so dringend bei dem Thema Geschlechtertrennung die Luft.U-Bahn. alles ist ziemlich viel für einen Zug.54 Stunden stehen die wird er plötzlich ernst.Bürgerproteste. die Linie 1.8 Kilometer lange U-Bahn-Strecke gen sich so gut wie nicht. 17 Milliarden Euro gewichtig.anderswo in der arabischen Welt. insgesamt 176 Kilometer durchschnittlichen Tempo von 27 Stun. Außer.sicher. Deswegen gibt es U-Bahn könnte ein Schlüsden „Strategischen Mastersel sein. funkelt in Gold Die U-Bahn ist eines seiner LieblingsVorerst bleibt es jedoch bei nach Geund Marmor. Geschäftsleute reisen vom me. in der behörde von Riad. nehmigungsprozesse. und sie wird wohl auch zwischen Brandenburger Tor und Haupt. schlechtern getrennten Waggons: Männer Ibrahim Sultan kennt all die Zahlen hier. Er selbst sagt von sich. die zum Stillstand neuen U-Bahn nicht nur um des öffentlichen Lebens gedie Entlastung der Innenführt haben. bebaute Riad werden sich dafür die Bag. er hat Bürowand sieht er bereits bereits zu einem kleinen das neue Riad vor sich: StuAufstand der Frauen geführt. Schließlich könnSpinnennetz durch die Stadt. Es gibt kaum Gehsteige. Fahrgäste nicht schwitzen. viele von ihnen leiden an Dia. das ist fast ein Drittel des.könne man sich möglicherweise mehr vorger graben. sondern fertig sein. Die Straßen mehr zu bewegen. bewesoll die Menschen dazu bringen. kreuz und quer durch das dicht. sondern auch um gevielleicht auch im ganzen sellschaftlichen Wandel. Irgendwann. damit liegen sie weltweit an der neue Bahn. Die sechs Linien ziehen sich wie ein braucht: Täglich 1. schnell. die am Handy. eine davon.stellen. keine Geldproble. entlädt. dass Saud-Universität.Arabien gibt es nichts.re alt. wenn die Gesellte Projekt dieser Art. sie deutsche Ingenieure 14 Jahre dafür. Hinter ihm blitzt die nicht Auto fahren dürfen. die neue hin zu zarten VeränderunU-Bahn ist sein Herzstück. das sei ein Fortschritt.schaft so modern sein sollte wie seine soll es kosten. Zum Vergleich: In Berlin brauchten heute sprechen die Menschen nur noch auch ein Projekt zur Volkserziehung: Die U-Bahn soll den Dauerstau auflösen. so könnte ausgestatteten Waggons auf man sagen. selten ausgehen und stadt. könnte es vielleicht auch gesen. Geschäftsleute sind stän. Die Land. in dem Frauen das Forts.ze tot. denn Verdampfungskühler stoßen Wassernebel in auswendig. Das Hauptbahnhof. 56 Jahre alt behindert: keine Ausgrabungen.betes. die vereine U-Bahn bauen. was das Land im Jahr für Vertei. eine U-Bahn ist der Stadt.Shopping-Mall. die öffentlichen Plätbahnhof fertigzustellen. aber stadt. sagt braucht mehr Zeit als der Bau einer digung ausgibt. er will die Eröffnung noch erleben.RIAD Des Königs neue Gleise GLOBAL VILLAGE: Eine U-Bahn soll im Wüstenstaat alte und neue Welt verbinden. entworfen von der Star. Sie sollen gleichzeitig gebaut wer.ständig in der Stadt bewegen. igentlich soll Ibrahim Sultan nur führt vom Flughafen über den künftigen Arabien ist völlig schiefgelaufen.dig unpünktlich. dass es eine Revolution gibt wie Flughafen ins Zentrum. architektin Zaha Hadid. dafür den Frauen mehr Freiheit schenken. Frauen und Kinder dort. soll die U-Bahn U-Bahn-Station in Riad (Entwurf): Fahren gegen den Stillstand dem Weg in die Königverhindern helfen. was den Bau sechsspurige Stadtautobahnen. Und schon Ende 2019 soll alles man zu Fuß auf einen Mokka ins Café in den Suk al-Haraj oder zum Nachbarn. Der futuristische König Abdullah hat es eilig.produktiver sein ohne den Stau. SUSANNE KOELBL GERBER ARCHITEKTEN E D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 93 .“ Früher ging ist Saudi-Arabien.Spitze. gen in diesem vom WahaDer Ingenieur arbeitet in bismus.denkilometern. geprägten eines alten beduinischen Land. sich 1. in Riad. sagt der Stadtplaner. überirdisch Bewohner im Stau. Zwei Strecken soll Siemens mitbauen. Immerhin. Aber das hier Hauptbahnhof bis zum neuen Grüngürtel gangenen 50 Jahre lang. lang. Ibrahim Sultan: „Der Städtebau in Saudi. den. An seiner den großen Städten. sie fahren mit einem ten sich die Frauen dann erstmals eigenund unterirdisch.senen. sie könnten deutlich Und irgendwann. er wolle Fehler rückgängig Deshalb geht es bei der machen. denten sitzen in luxuriös Am Ende.sind menschenleer. ein erster Schritt plan“ für Riad. sagt Ibrahim Sultan. nicht nur ein Beförderungsmittel. keine ben der Saudi-Araber findet in geschlosund Direktor der Stadtentwicklungs. Schließlich soll es schnell gehen. fahren mit dem Auto. Doch in Saudi. der strengsten Auseinem Backsteinbau im Stil legung des Islam. Sonne durch dreieckige Besonders der Autostreit Fenster.

wo er einen Teil seiner frühen Kindheit verbrachte. dass man all seine Promenaden der Erinnerung mit Fähnchen auf dem Stadtplan abstecken könnte.Szene L I T E R AT U R Promenaden der Erinnerung Die Romanze zweier zarter Seelen. der in seiner Einzelgängerei wie in der Klein. erscheint dagegen unumgänglich. lich wird deutlich. gen offen. München. Er besitzt ein futuristisches Betonhaus im Dschungel. Hanser verschwunden ist. dass aus diesem lebensscheuen Bosmans ein Schriftsteller geworden ist. Dass ihm die Schottische Nationalgalerie nun eine ihrer großen Sommerausstellungen widmet. findet seinen wunderbar nostalgischen Sound wieder und auch die ermüdende Manie. Doigs Vater war Buchhalter einer Reederei und arbeitete in verschiedenen Ländern. Es ernüchtert aber. Wasserfälle. 54. Wer Modiano. Und nun profitiert auch sein Geburtsort Edinburgh von dem Star aus der Ferne. mit dem Wort „Liebe“ aufzutrumpfen? Von Jean Bosmans wird erzählt. 2006 bis 2012 AU S ST E L LU N GE N Melancholie im Dschungel Dass der Maler Peter Doig im schottischen Edinburgh zur Welt kam. liebt.90 Euro. vorwiegend auf Trinidad. hält auftauchende Erinnerungen in einem Notizbuch fest und taucht 40 Jahre zurück in die Zeit. Boote. auf den Kricketplätzen der Insel. wirkt fast wie ein Zufall. als Margaret sein Leben in Verwirrung brachte: die Unauffällige und doch so Geheimnisvolle. Seine Motive findet er im Urwald. wenn …? Bosmans flaniert durch die Stadtviertel seiner Jugend. Und in den Kunstmetropolen (und Auktionshäusern) dieser Welt ist er damit gefragt wie kaum ein anderer Maler seiner Generation. die sich von einem bösen schwarzen Mann verfolgt fühlt. 94 Doig-Gemälde „Cricket Painting (Paragrand)“. bleiben große Fra176 Seiten.und Feinarbeit des Schreibens deutlich seinem Autor ähnelt. der in jene Jahre gekommen ist. es hätte wegen des Nomadenlebens seiner Eltern ebenso die Karibik oder Kanada sein können. In der Mitte des Buchs unterbricht Modiano Bosmans’ Erinnerungsfluss und scheint auf 40 SeiPatrick ten Margarets bisheModiano riges Leben knapp Der Horizont und klar zu erzähAus dem Franzölen – doch als die sischen von ElisaMysteriöse plötzlich beth Edl. in einem kalten Winter in Paris: Wer außer Patrick Modiano vermöchte solchen Rührstoff in einen aparten kleinen Roman zu verwandeln. Heute lebt Peter Doig. auf dem Meer. Schließ17. Die Melancholie der Muße ist sein Thema. D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 PETER DOIG/COURTESY OF A PRIVATE COLLECTION . um ihre Einsamkeit zu teilen. Verlag. in das er sich zum Malen zurückzieht. Sie sind beide 21. der es nicht nötig hat. jede Straße und jede Ecke so akkurat zu benennen. in denen man Jugenderinnerungen nachzuhängen und von möglichen anderen Lebenswegen zu träumen beginnt: Was wäre gewesen. Hitze gehen ein in seine entrückt erscheinende Weltbetrachtung. dass dieser bislang vom Zauber ungelöster Rätsel faszinierte Bosmans (das heißt: Modiano) am Ende kurzerhand eine Internetrecherche unternimmt und nach 40 Jahren der Ungewissheit sowohl Margarets finsteren Verfolger als auch Margaret selbst auf Anhieb samt Adresse und Telefonnummer findet. einem Mann. 68. die sich finden.

72 („Flugasche“). Am Ende kann sich auch der Zuschauer an nichts erinnern. Oder ist genau das der Grund für seine Beliebtheit? Das deutsche Publikum schätzt es offenbar. Doch im Herbst wird „00 Schneider – Im Wendekreis der Eidechse“ in die Kinos kommen. Regisseur Sebastián Lelio rast im Tempo eines Actionthrillers durch den Alltag seiner Heldin. Sonne. Die denken eher an Kopfschmerzen in rauchgeschwängerten Räumen. SPIEGEL: Mögen Sie die alten Filme. Und in Italien ist man einfach froh. die wehren sich nicht. Aber wo ist es? Simon muss es. Mehr als sechs Jahre lang hat er nun kein Studioalbum mehr veröffentlicht und auch keinen neuen Film gemacht. die man vor Gericht zerren könnte. dass sich die Wehmut über das Älterwerden nicht einfach wegtanzen lässt. schickt ihn deshalb zur Hypnose. 14 Lieder. ihre Liebhaber liest sie bei Tanzabenden auf. D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 denen fast immer geraucht wird? Maron: In Filmen ist das besonders schön. beiseitegeschafft haben. von Schneider regelmäßig bei seinen Konzerten „Strafjazz“ verordnet zu bekommen. was ist nur draußen los?)“. das neue Album. selbst in Italien. wenn es zu laut lacht und es sich zu gemütlich gemacht hat mit Schneiders Humor. SPIEGEL: Das Amtsgericht in Düsseldorf hat jetzt einer Vermieterin recht gegeben. die ihrem Leben eine neue Richtung geben will. das Bild verschwindet. eine Therapeutin (Rosario Dawson) soll das Geheimnis ergründen. einer raucht. unbemerkt von den anderen. Maron: Also kein Nichtraucherschutz. die einem Mieter wegen Geruchsbelästigung durch Rauch im Treppenhaus gekündigt hat. aber wehe.Kultur der Neunziger und den Song „Katzeklo“ nicht gegeben. Und da fallen mir noch andere Dinge ein. SPIEGEL: Warum also die Raucher? Maron: Keiner will den anderen mehr aushalten. zum Schein schlagen sie ihn nieder. Dort werden zwar Leichen mit abgeschlagenem Kopf an der nächsten Straßenecke abgelegt. in dem die Kündigung eines Mietvertrags wegen Geruchsbelästigung durch Zigarettenrauch für zulässig erklärt wird SPIEGEL: Frau Maron. kann sich aber angeblich an nichts erinnern. AU TO R E N „Raucher sind ungefährlich“ HC PLAMBECK Schneider MUSIK Die Schriftstellerin Monika Maron. Maron: Aber es sah gut aus. wo Rauchen einst zum Wohlbefinden gehörte? Maron: Auch Mexiko hat ganz strenge Anti-Raucher-Gesetze. Ihre Kinder sind aus dem Haus. Bewaffnete Räuber überfallen ein Londoner Auktionshaus. gespielt von Vincent Cassel. SPIEGEL: Wie konnte sich die AntiRaucher-Stimmung so schnell durchsetzen. dann wäre der begnadete Jazzmusiker und anarchistische Komiker wahrscheinlich nie berühmt geworden. Jedenfalls im Film. als dessen Mitarbeiter Simon (James McAvoy) gerade ein berühmtes Goya-Gemälde versteigern will. Sie gibt Gloria eine bewundernswerte Energie und lässt die Zuschauer dennoch spüren. in Neuer Strafjazz Helge Schneider ist der unwahrscheinlichste deutsche Popstar – und hätte es die oft geschmähte Spaßgesellschaft KINO IN KÜRZE Dawson. über ihre Lust am Rauchen und ein Urteil des Düsseldorfer Amtsgerichts. Eklige Parfums etwa. dass überhaupt mal etwas durchgesetzt werden kann. „Gloria“ ist eine Frau Ende fünfzig. die von dem Blues „Nachtigall. rauchen Sie UNIVERSAL MUSIC noch? Maron: Sehr gern sogar. Dann zieht er das Tempo weiter an. Und Raucher sind ungefährlich. Alles klar? Diese Verwicklungen packt Regisseur Danny Boyle („Slumdog Millionär“) bereits in die ersten Minuten seines Films. Andere Süchtige sind unberechenbar. sondern nur Belästigung. 95 20TH CENTURY FOX . Simon und die Gangster sind Komplizen. Kaktus!“. SPIEGEL: Nichtraucher wohl kaum. Der Gangsterboss. der Geruch von Kohl und Hammel oder halbnackte fette Menschen im Sommer. Denn eigentlich ist er viel zu eigensinnig für den großen Erfolg. McAvoy in „Trance …“ „Trance – Gefährliche Erinnerung“ beginnt als Krimi-Komödie und endet als düstere Farce. Säufer schlagen oder zünden Häuser an. huh (Es zittert unser Haus. einer Verballhornung des Hits „Gangnam Style“ über die Strizzi-Hymne „Offenes Hemd“ bis zum Judy-Garland-Gassenhauer „Over the Rainbow“ das gesamte Helge-Schneider-Programm des verstolperten und brillanten RuhrpottSurrealismus abdecken. und diese Woche erscheint „Sommer. Die chilenische Schauspielerin Paulina García macht aus der Figur ein Monument der Selbstbehauptung und erhielt dafür bei der Berlinale einen Silbernen Bären. Man erinnert sich dann wehmütig an die alten rauchigen Zeiten. hat sich aber nicht eine Sekunde gelangweilt.

und dort mit Schauspielern. Zehrfeld trägt wie alle anderen deutschen Schauspieler die komplette Kampfmontur mit schusssicherer Weste. Die meisten Filme. Ronald Zehrfeld. Oberstleutnant der Bundeswehr. und Bernd Wilhelm. Waffen. Und der Dschungel in „Apocalypse Now“ von Francis Ford Coppola ist in Wirklichkeit nicht in Vietnam. die Glut seiner Zigarette ist das einzige Licht. aber auch nicht so sehr. Die echten Soldaten sind weg. in den Feldlagern und Containern in Afghanistan.Kultur FILM Kriegskulisse Die Regisseurin Feo Aladag dreht in Afghanistan den ersten deutschen Spielfilm während eines Militäreinsatzes. die aus eigener Erfahrung wissen. krümmt sich in einer Drehpause über einem Abwassergraben und kotzt. dass die Leute vom Filmteam aus Berlin sich hier im Lager zurechtfinden. Filmleute leben nach einer anderen Uhr als Soldaten. gemeint ist Schauspieler Zehrfeld. Seit sechs Wochen dreht eine gewisse Frau Dr. von dem wir lange Zeit glaubten. blond und zart. es rumst und staubt. Afghanistan. berlinert er sich mit seinem Kollegen Felix Kramer schimpfend aus dem Dreck. in der deutsche Soldaten in einen Hinterhalt geraten. Rucksack. Worum es genau geht in dem Film. es ist dunkel im Lager. Es war die Zeit. Licht und Special Effects einen Spielfilm drehen? Bisher glaubte man. kam 2010 heraus und ist ein ziemlich niederschmetterndes Drama über den Konflikt einer jungen Deutschtürkin mit ihrer Familie. Kurt Krömer oder Matze Knop zu den Soldaten für ein paar Fotos und Gags. so macht es am Set die Runde. Kann man mit 40 Leuten in ein Kriegsgebiet reisen. was die Bundeswehr dort mache und warum dieser Einsatz so schwierig sei. dass es ihn nie wieder geben sollte. mit denen man sprach. In Kathryn Bigelows Oscar-prämiertem Irak-Drama „The Hurt Locker“ muss Jordanien als Irak durchgehen. Sets. und wird das Bild dieses Krieges prägen. Zehrfeld sagt: „Hier wirst du ganz schön zu Obst gemacht. jetzt kommen die falschen. der Hauptdarsteller. dass sie dafür auf die Straße gegangen wären. Er heißt „Die Fremde“. Beide sind in Ost-Berlin geboren. Aladag. Aladag hat sich das Foto über ihren Schreibtisch gehängt und jeden Tag angeschaut. was es bedeutet. Feo Aladag dreht in einem Bergdorf namens Sultan Baba eine Szene. er müsste die Stimmung dort aufnehmen. das gehe nicht. was er zu tun hat. sagt Martin Lang. waren bald gegen den Einsatz. das sind gute 40 Kilo zusätzlich. läuft noch immer. soll 40 Prozent menschliche Fäkalien enthalten. die vor 43 Tagen hier im Isaf-Lager in Masar-i-Scharif angekommen sind. Marzahn-Hellersdorf der andere. hat überhaupt 96 E erst einen Film gemacht. sagt Wilhelm. aber es hält die Stimmung hoch. wieso diese beiden Seiten einander so schwer verstehen und warum dieser Einsatz am Ende vielleicht sinnlos war. hier einen Spielfilm. Der Staub. Die Regisseurin Feo Aladag. TreptowKöpenick der eine. keinen Unsinn machen und dass ihnen da draußen in Afghanistan nichts passiert. ist Ratlosigkeit. eine Regisseurin aus Berlin. Wenn es kräftemäßig nicht mehr weitergehen will für Zehrfeld. Vor fünf Jahren hat Aladag in einer Zeitung ein Foto gefunden. Die meisten Leute. sonst kippt man um. wenn eine Patrouille einer fremden Streitmacht durch dein Dorf rollt. Wenn das Team außerhalb des Lagers dreht. zwei Ost-Berliner am Hindukusch. ihr Team ist ausgelaugt. das Drehbuch hat ihm niemand gezeigt. aber er soll darauf achten. in dem es immer noch jeden Tag zu militärischen Auseinandersetzungen kommt. der Sicherheitschef der Produktion. In dem Film wird es um die Bundeswehr und ihren Einsatz hier in Afghanistan gehen. der Mann steht da in einer offensiven Pose: ein kämpfender deutscher Soldat. Aber der Oberstleutnant muss sich um ein paar dieser Filmleute kümmern. Was bleibt. Er hat zu viel aufgewirbelten Staub gefressen. Seit sechs Wochen filmt Feo Aladag in Afghanistan. ist wahrscheinlich noch der kleinste Unterschied. würde gern schlafen gehen. Was genau die Soldaten dort in Afghanistan machen und warum. wenn die deutschen Soldaten abziehen. der nächstes Jahr im Frühjahr in die Kinos kommen soll. Er wartet vor der deutschen Feldküche. ein ehemaliger Soldat. sind in Marokko gedreht worden. Ab und zu fuhren Prominente wie Til Schweiger. in Masar-i-Scharif. und die Schauspieler müssten bei den echten Soldaten leben. Und ist hier eine Frau wirklich die Chefin? Sagt sie diesem großen Mann dort drüben. sondern auf den Philippinen. Anfang vierzig. Es ist für beide Seiten ein riskantes und irgendwie irrsinniges Unterfangen. als man in Deutschland gerade erst begonnen hatte. Afghanische Sprengmeister mit langen Bärten haben gerade eine ziemlich imposante Explosion gezündet. aber das. Wenn ein Film ernsthaft erfassen wolle. der einen Bundeswehrhauptmann spielt.“ davon zu sprechen. Sieben bis acht Liter Flüssigkeit pro Tag bitte. Von Philipp Oehmke s ist kurz vor zehn am Abend. dass Deutschland einen Krieg führt. ist. Was aber für den Dorfältesten vor allem zählt. wirklich. Der Film. müsste er auch bei der Bundeswehr entstehen. weil es dort angeblich so ähnlich aussieht. die es über Afghanistan gibt. Es sind 44 Grad. der hat allerdings gleich 47 Preise gewonnen und wurde als deutscher Beitrag ins Oscar-Rennen geschickt. Er kommt ins Kino. Kostümen. Nächstes Jahr soll er enden. Abendsonne. Aladag lässt einen Liter Elektrolyte in sich hineinlaufen. oder was das da draußen ist. interessierte niemanden so genau. Und er müsste in den Dörfern der Taliban gefilmt sein mit echten afghanischen Schauspielern. erzählt die Geschichte einer Verstrickung – wie nur der Krieg sie erschaffen kann: Da ist der Bundeswehrhauptmann. Hauptdarsteller Ronald Zehrfeld. es zeigte einen Bundeswehrsoldaten. sagt: „Hier wirst du ganz schön zu Obst gemacht. der Krieg. Kabul und Kunduz. glaubte Aladag. weiß Wilhelm nicht. ist er nicht dabei. aber auch um die Afghanen und darum. dass diese Frau ihm dafür eine Asphaltstraße durch das Dorf und neue Teppiche für die Moschee bezahlt.“ Die Dorfbewohner schauen sich das aus der Distanz an. oder ist das ein Missverständnis? Immerhin trägt sie ein Kopftuch über ihren blonden Haaren. den Aladag „Später im Sommer“ nennen will. der mit seinen Soldaten und ein paar af- . D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 Anfang Juni.

Filmemacherin Aladag am Set im Isaf-Camp in Masar-i-Scharif FOTOS: INDEPENDENT ARTISTS / WOLFGANG ENNENBACH Dreharbeiten zu „Später im Sommer“ in Sultan Baba .

Ist jemand wirklich in Gefahr. hat er Angst. dass die Kooperation immer wieder aufgekündigt wurde. Vor Langs Bauch baumelt ein G36-Gewehr. beschützen. technischen Deutsch. Der Sicherheitsmann ist 36 Jahre alt. will den „Terp“. die einen aber in den Boden redet. Bundeswehr. der wiederum den Gouverneur in Masar-i-Scharif anwies. Er war in seinem Dorf Gur-e-Mar bloß auf Arbeitssuche. horizontal wie vertikal vernetzen muss. Aladag sagt: „Man versteht relativ schnell. die Taliban waren stark in Gur-e-Mar. von dem er behauptet. Dass er noch nie geschauspielert hatte? Mohsi bekam einen Schauspielcoach und lernte Englisch und ein bisschen Deutsch. 15 davon war er bei der Bundeswehr. weiches Herz hat. den alle nur Mohsi nennen. Irina zu Sayn-Wittgenstein. Zuletzt hat er als Hauptmann afghanische Soldaten in Kunduz ausgebildet. ein Kollaborateur der Besatzungsmacht. Aber genauso wie die Filmfigur. Gur-e-Mar heißt auf Deutsch „Grab der Schlange“. Nur Video: Philipp Oehmke über die Dreharbeiten in Afghanistan spiegel. Inzwischen hat er fast alle Szenen abgedreht. wie die Übersetzer im Isaf-Sprech genannt werden. Darauf sagte Aladag. ein guter Mann. als er diese blonde Frau und ein paar andere Fremde sah. der ein bisschen Englisch kann und Deutsch lernt und versucht. und weil sie „zumindest nicht negativ aufgefallen ist“. doch er scheitert krachend an der deutschen Behördenbürokratie. Der letzte kam ein paar Wochen vor Drehbeginn. Bis amerikanische Soldaten kamen und ihn töteten. einen der wichtigsten Männer in Karzais Regierung. solange sie nicht wissen. Ihre Cousine. fragten sich einige bei der Bundeswehr. Sie hat sich bei der Bundeswehr in Kunduz embedden lassen. für sich und seine Schwester zu sorgen. die so höflich und gewandt ist. so dass wir nächstes Jahr guten Gewissens abziehen können? Diese Uneinigkeit führte dazu. Vor elf Jahren hat sie den türkischstämmigen Filmemacher Züli Aladag geheiratet und ihren Namen geändert. in einem Haus in Masar-i-Scharif. hat mit den Soldaten im Unterholz übernachtet. die sofort ein QRT. Er wird bedroht. 3 davon bewilligt. vielleicht sogar sehr gut hingekriegt. wenn man nicht aufpasst. Die Amerikaner haben schon Hunderte Übersetzer aufgenommen. Martin Lang. verängstigter Mann. dass er nun der Älteste war und die Mutter und seine beiden Schwestern versorgen musste. die er spielt. Der Governeur hat Aladag sofort zwei Leute seines Geheimdienstes und ein paar Männer der National Police abgestellt. das Bild über diesen Einsatz über Jahre prägen kann. diese junge Frau von uns. Der hat seinen Freund Hedayat Amin Arsala angerufen. bis amerikanische Soldaten kamen und ihn töteten. Im Kriegseinsatz. was Aladag da für einen Film gedreht hat. Für viele Afghanen ist er ein Verräter. du musst ein paar haben. Es ist eine erfundene wahre Geschichte. Das heißt. der deutschen Regisseurin die Türen zu öffnen. es sei schussunfähig. er wird angegriffen. Die Filmcrew vertraut Lang grenzenlos. Arbeit nicht. allein. Eine entscheidende Stelle bei der Bundeswehr wurde neu besetzt – der Nachfolger stoppte als Erstes das Filmprojekt. Ende Juni lagen circa 170 Anträge vor. sie hatte ihren Übersetzer entdeckt. zum Beispiel. Er sei seines Vaters nicht wert. der Einsatzzentrale. wenn es nötig wurde. das seinen sogenannten Ortskräften. Der Bundeswehrmann. Dort lernte er auch Aladag kennen. Feo Aladag. ob es bei ihnen Arbeit gebe. dass die Regisseurin plante. gelernt. welches Bild will man überhaupt vermitteln? Darüber herrschen innerhalb von Bundeswehr und Verteidigungsministerium unterschiedliche Auffassungen. die offen für dich arbeiten. Nur. Was passiert. Leider wollen sie auch tief in diesem Hintergrund bleiben und nicht genannt werden. die ihr Leben aufs Spiel setzen. sondern auch Drehbuchautorin und Produzentin des Films. Er will ihm helfen. wie Lang sagt. und sie hat immer wieder mit dem Verteidigungsministerium und dem Einsatzführungskommando der Bundeswehr über die Zusammenarbeit verhandelt. Da ist vor allem Mohamad Mohsen. nicht großzügig Aufenthaltsrecht anbietet. Ist Afghanistan dieser gefährliche Ort auf der Weltkarte. Deutschland besteht auf Einzelfallprüfung. er spielt den Übersetzer.Kultur ghanischen Arbaki-Kämpfern ein Safe House halten muss. Was will. die mehrmals kurz vor dem Ende stand. Auf einen Militärstützpunkt. In Deutschland war es nicht so leicht. Auch Mohsis Vater soll ein Talib gewesen sein. hat eine jahrelange Recherche für diesen Film hinter sich. sagte Aladag und bestellte diesen vielleicht 18oder 19-jährigen Mann für den nächsten Tag zum Casting. So laufen die Dinge in Afghanistan. erst voriges Jahr ist er ausgeschieden. was sie bei der Bundeswehr je gehört hatten. was unsere Militärpräsenz dort rechtfertigt? Oder ist das Land auf dem Weg zu einer Zivilgesellschaft. Mohsi wusste sein Alter nicht. Er sprach die Fremden an. sie besteht auch aus circa 20 Afghanen. Sie wusste. das sind nicht nur die 40 aus Deutschland Angereisten. nicht nur Regisseurin. für Aladag den Verteidigungsminister Thomas de Maizière auch mal auf dem Handy anrufen. Deutschland ist das einzige Land der IsafKoalition. Die Filmcrew. Die Bundeswehr hatte herausgefunden. braungebrannt und stolz auf einen stets niedrigen Puls. Auch Mohsis Vater soll ein Talib gewesen sein. der ein großes. Sie hätten ihm gedroht. ein junger. sie werde deswegen mit dem Kind nicht bei der Bundeswehr wohnen. immer noch Hort für Terroristen. Das war das Verrückteste. und ein paar verdeckt im Hintergrund. Diese Politiker jedenfalls konnten. spricht in einem knappen. Auswärtiges Amt und Innenministerium sind beteiligt. die da in sein Dorf kamen. und ihre Familie ist auf vielen komplizierten Wegen mit dem europäischen Hochadel verwandt. ist befreundet mit dem ehemaligen pakistanischen Ministerpräsidenten Shaukat Aziz. wenn die Filmcrew in ein paar Wochen weg ist? In Gur-e-Mar heißt es schon. sagt Mohsi. der im Jahr des offiziellen Abzugs in den deutschen Kinos läuft. dass sein Aufnahmeantrag für Deutschland bewilligt wird. setzt sich Martin Lang ein Nachtsichtgerät auf sein Gesicht. Das fand die Bundeswehr noch verrückter. 98 . aber er wusste. D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 Doch natürlich sind da noch die Verbindungen der Familie.“ Tief in diesem Hintergrund wirkten für Aladag prominente deutsche Politiker. wie sie sprechen und denken. oder will er in Berlin nur einen Gemüsestand aufmachen? Das Prüfverfahren ist deutsch und kompliziert. 22 sind geprüft. das Baby dürfe nicht nach Afghanistan. sagen sie in Gur-e-Mar über ihn. Über ein Spezialfunkgerät ist er mit der nächsten Isaf-Patrouille verbunden und dem JDOC. muskulös. Und de Maizière begriff. er hat es gut. das typisch ist für ehemalige Bundeswehrsoldaten. sie ist Österreicherin. dann musste de Maizière wieder eingreifen. ihre damals zehn Monate alte Tochter mit nach Afghanistan zu nehmen. es ging weiter bis zum nächsten Stopp. sondern woanders. die auf einer ihrer Recherchereisen für den Film war. Egal wo Frau Aladag nun wohne. wenn man mit Apparaten wie Bundeswehr und Verteidigungsministerium zu tun hat. dass man sich. losschicken kann. ein Quick Reaction Team. Für die Soldaten ist er Gold wert. Ein Sprecher des Innenministeriums sagt. aber er könne die Hauptrolle in dem Film spielen. Er musste sie mit auf Einsätze nehmen. hat er sich von ihr anheuern lassen. und da ist sein afghanischer Übersetzer. sie sei nun mal alleinerziehende Mutter.de/app322013afghanistan oder in der App DER SPIEGEL ist er gar kein Schauspieler. dass ein Film. und die vor nichts Angst zu haben scheint? Feo Aladag wurde als Feodora Irina Antonia Maria Schenk geboren. Als es Abend wird in dem Dorf Sultan Baba. Ein Baby. er sei ein Verräter.

September amerikani- sche Special Forces nachts zu Einsätzen nach Afghanistan geflogen. eine Szene mit der weiblichen afghanischen Hauptdarstellerin. die morgens in zerbeulten Toyota-Bussen das Isaf-Lager wie zu einem Wandertag verlassen. Wenn etwas passiert. die die Studenten sich aus dem Regal einer Bäckerei besorgt haben.und „Apache“-Hubschraubern Platzrunden über der Siedlung. andere Studenten. fährt auf einem Motorrad durch Masar-i-Scharif und trägt das traditionelle PaschtunenGewand. er war im Isaf-Lager. ist da draußen wildes Feindesland. Aladag nicht dabei ist. alarmierte eine sich in der Nähe befindende Patrouille. der Profi. Er versuchte. Jedenfalls wohnt Aladag nun mit Haushälterin. dass das Kind von Frau Dr. Nachts drehen die Amerikaner in ihren „Black Hawk“.“ Erst zwei Tage zuvor musste tatsächlich ausgerückt werden. wir haben sie gewarnt. Innerhalb von ein paar kurzen Minuten wächst so ein Pulk zu einer schreienden Masse. hinter Feo Aladag). der Schwester des Übersetzers. war nicht da an dem Tag. Er sieht aus wie ein hängengebliebener Rucksacktourist. die allerdings nie geschlossen ist. könne den Film irgendwann sehen. alle mit Bart. Aladag sagt. Ihr Mann. Gefährlich? Aladag sagt. mit den schreienden Studenten auf Dari zu reden. Ihre afghanische Haushälterin hat sieben Kinder. selbst schuld.“ Ist das nicht ihre Sache? „Na ja. Wilhelm sagt. alles Männer. die Islamisten zu beruhigen. um Dreherlaubnisse feilscht. Plötzlich entsteht ein Pulk. was dann passierte. wie man mit den Maliks. Man kann das verstehen. Innerhalb weiterer kurzer Minuten hat die schreiende Masse Knüppel in der Hand. ist Afghanistan ein Land voll schöner Motive und schönem Licht mit freundlichen Menschen. Bundeswehrsoldaten: „Die echten sind weg. den Dorfvorstehern. sie studieren die Scharia. dass es in der Universität gefährlich sein könnte. Aber natürlich habe ich das nicht selbst überprüft. Hausmeister. er spricht Dari. darin muss man Erfahrung haben. auch nicht für sehr viel Geld. Beide Sichtweisen spiegeln irgendwie die Wahrheit. Mit 15 wurde sie verheiratet. Er hat nach dem 11. jeden Tag gibt es Anschläge. sagt sie. Martin Lang. in dessen Garten auch drei Kamele leben. D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 Scharia-Studenten. was es ja so kompliziert macht in Afghanistan. dem politischen Berater des Films in Masar-i-Scharif in einem Haus. An der Einfahrt zu dieser Häusersiedlung ist eine Schranke. müssen wir ausrücken.INDEPENDENT ARTISTS / WOLFGANG ENNENBACH Regisseurin Aladag mit Schauspielern*. v. Selbst er. Kock ist Aladags politischer Berater. Aladag hat sie gefragt. sonst überfällt einen das. und dann würde er sie verjagen oder töten. zwei gepanzerte „Dingos“ mit lafettierten Maschinengewehren auf dem Dach. die einen mit frischer Ziegenmilch begrüßen. r.). der Kommandozentrale. ob sie in einer Nebenrolle im Film mitspielen wolle. auch er ein ehemaliger Bundeswehrmann. Sie soll99 . in der Nachbarschaft wohnen Südafrikaner und Koreaner. vergebens. Für die meisten Leute vom Film. zu viel ist schon passiert. ihr Fahrer Nazir sei ein berühmter Kampfhubschrauberpilot. doch er kennt die politischen Zusammenhänge und die Lokalpolitiker. im JDOC. wie man Islamisten beruhigt. Aber sie möchte nicht. Da können wir nicht sagen. Es stört die * Ronald Zehrfeld (2. dass dort ein westliches Filmteam eine afghanische Frau filmt. Felix Kramer (r. also Jura. Aladag hatte im Innenhof der Universität in Masar-iScharif gedreht. Er funkte Martin Lang an. wo selbstgebastelte Sprengsätze am Wegesrand liegen. Matthias Kock versuchte. war nicht darauf gekommen. Lang. er weiß. wenn man so will. Er hat die letzten fünf Jahre für verschiedene politische Organisationen gearbeitet. vor allem für diejenigen. das ihm bis zu den Knien reicht. die Taliban marodieren und man niemandem vertrauen kann. der Sicherheitschef. Fahrer. sie flögen die CoPiloten fit für neue Einsätze in anderen Ländern. die das Lager in ihrer viermonatigen Einsatzzeit kein einziges Mal verlassen. Vielleicht weiß er auch. jetzt kommen die falschen“ Für die Soldaten. Oberstleutnant Wilhelm sagt: „Ich gehe jetzt davon aus.

Johnny Depp besitzt eine eigene Insel. liarden Dollar umgesetzt. aber mit gro.Adaption „Alice im Wunderland“ (2010) dass Frau Dr. die afghanische Polizei bekam die Situation in den Griff. könne er sich den Glau. Die meisten Männer im Filmteam sehen aus wie Kriegsdienstverweigerer. Es ny Depp hat Geschmack. und auch nanziell gesehen ist er der erfolgreichste trunkenen Soldaten im Lager. Aladag musste zum Gouverneur zu einem Krisengipfel mit den Scharia-Studenten.aus dem Jahr 2003 und ihre bisher drei nen seien: zwischen den Religionen. den Little Hall’s Pond Cay auf den Bahamas.„The Libertine“ im Jahr 2004. war ein durchgerütteltes Filmteam. den OberstleutJohnny Depp galt mal als der Rebell von Hollywood. Inzwischen war auch die ANP gekommen. die Afghan National Police. ein Männerzelt für die 32 Männer.Johnny Depp selbst gesehen hat. sem Krieg als ewig dieselben. ihn verstrickt sind. es wurde eng. Die freundliche Deutung dieser Ver. die Bundeswehr. andere Erzählungen als die von gefalleDer letzte Johnny-Depp-Film. das jetzt keines mehr ist: pen tun.“ Er konnte die „Dingos“ gerade noch zurückhalten. selbst erschießt. Bilder von ßem Spielraum für Interpretationen. sich aber zunächst außer Sichtweite halten.Film mehr gedreht hat.er seit zehn Jahren keinen einzigen guten von diesem Film haben wird? Vielleicht view.„Lone Ranger“-Star Depp ten zur Universität fahren. hätte es eskalieren können. war er selbst nennt sie „Fuck Off Island“. ein kleiner Einblick in die Abgrün. einschließlich der Schauspieler. Das wenn es weltweit Millionen andere Depden Menschen. sei so auf jeden Fall „besser dran“. dass er sich selbst nicht gern Fans: Sein letzter Film. Unterdrückung Szenen ausgesucht habe. Früher konnte man zu den Amerikanern gehen. Figen bei Tanklastzügen oder einem be. die Vampir-Farce PETER MOUNTAIN / DISNEY ENTERPRISES Reif für die „Fuck Off“-Insel V 100 D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 . sagte Depp der Zeitschrift of the Caribbean“ („Fluch der Karibik“) balen Konflikte so komprimiert zu erken. Er weiß. offenbarte freundliche. Zur letzten Zigarette in der Nacht sagt Jüngster Tiefpunkt: das Western-Spektakel „Lone Ranger“. dass der Regisseur gute Fortsetzungen mit Depp als Freibeuterschen Arm und Reich. Lang sagt: „Die Polizisten haben das Richtige gemacht. Aladag auch ein polnisches weigerung in eigener Sache geht so: John. Auf Allein die Seeräuber-Komödie „Pirates kaum einen anderen Ort. Wäre die dort aufgetaucht. der sich den nur. Kindermädchen mitgebracht hatte. I love u. Was blieb. dass irgendeiner mal in das nem 50. Wofür ny Depp ist ein Perfektionist und derart Auch in Deutschland hat er viele treue eigentlich? bescheiden. Sie alle essen mit den Soldaten in der deutschen Feldküche. schickte in krummem Englisch eine SMS an Aladag: „Dont wary. und sie haben angefangen. der Hauptdarsteller. nant Bernd zu nennen. endlich Filme. was Deutschland waren nur wenige Sätze in einem Inter. Johnny kassen weltweit insgesamt rund 3. 24 Stunden am Tag. Aladag glaubt. Er.ben bewahren. die wahrscheinlichere: JohnDrehbuch geguckt hat. doch die ANP hatte die Ausgänge der Universität blockiert. eigentlich davon?“ Und? or ein paar Wochen. die KinderbuchDer Bundeswehr fiel irgendwann auf. Einige wollten aufhören und nach Hause fahren. Mittlerweile parodiert er sich am liebsten selbst. Geburtstag.diese Weise. aber die Amerikaner haben ihre Kantine jetzt für deutsche Zivilisten gesperrt. die auf beiden Seiten in Geheimnis. wo es deutlich besser schmeckte und auch atmosphäS C H AU S PI E L E R risch mehr Glamour hatte. und die ihm ein Narrativ geben. es gebe ausdrücklich darum gebeten hatte. Johnny Depp guckt keine Johnny-DeppIgnoranz muss man sich leisten können. Das Problem war nur: Die Patrouille war nur ein paar Minuten entfernt.„Rolling Stone“.“ Johnny Depp ein Geheimnis. aber auch das stört Wilhelm nicht. Sonst hätte sich der Konflikt auf die Straße ausgeweitet. Kock wollte das Filmteam evakuieren. an dem die glo. falschen Entscheidun. ein Frauenzelt für die 8 Frauen. Und Mohsi.noch mal gut eine Milliarde.de einer Schauspielerseele.er sich den Mist noch angucken? Es reicht. dass Was die Bundeswehr. zwi. Warum also sollte endlich ein paar andere Bilder von die. nen KSK-Männern. Die un„Ich hoffe. Aber ich habe von Anfang an gefragt: Was haben wir. weil ihn damals der Regisseur Schauspieler der vergangenen zehn Jahre.auf der Leinwand betrachtet. Das Filmteam kam nicht mehr raus. Depp. zwischen Bildung Arbeit geleistet und immer Depps beste Kapitän Jack Sparrow haben an den Kinound Analphabetismus.“ Der Oberstleutnant Wilhelm hat den Deutschen zwei Zelte an den Rand des Lagers bauen lassen. kurz vor sei. er: „Ich lerne hier viel.7 Milund Selbstbestimmung.

der Beginn seiner Kinokarriere. ein 250 Millionen Dollar steller Hunter S. Wiederholung statt Ri.zweiten Mal das Alter Ego von Hunter S.samen Jahren trennte er sich von Vanessa Staffeln wagte er den Ausstieg. AP DDP IMAGES D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 101 . Wann begann Depps Figur in Jim Jar.Mittlerweile zeigt er sich auch öffentlich ders als zum Beispiel sein Kollege Brad mit Amber Heard.Wunderland 2“ ist in Planung. besonders deplatziert.bei vielen Kindern populär. rin aus „Rum Diary“. Buch der Rekorde rechnete im vergange. dem alten Kiez von John Million Zuschauer an. eine Art Trance übergeht. Hauptberuflich führt Depp seit Jahren ich das noch lange machen will“. der Mutter seiner beiden Kinder. 2010 die Schokoladenfabrik“. chael Jackson und vielleicht auch deshalb Außerdem arbeitet Depp an einer Dodie Filme nachzudenken. In te scheinbar entrückt über den USA war „Lone Randie Schiffsplanken. eine der irrsten Schöpvon den immer gleichen Tyfungen im Mainstream-Kino pen. Depps Debüt Wayne und John Ford. einen depressiven Indianer? 2013 noch einmal auszugraben. Depp spielt eine der beiden beim Publikum keinen Rausch. über Lächeln.Fernsehserie „21 Jump Street“. da hatte er genug kunst. der nur ein paar Monate jünger ist. Im März ner Zeit. 1990 „Fluch der Karibik 2“. die Zuschauer nicht und sich selbst Indianer namens Tonto.mehrjährigen Vertrag mit Disney abgewas sie in einem Film mit Johnny Depp dows“ – stets ist Depp der androgyne. Die Zuschauer wussten nie genau. dass es nicht langweilig bleich geschminkte Freak mit dem starren ribbean“-Film steht an.dianergebiet. ob Pitt. Furore machte Depp stattdessen immer wieder eine Taschenuhr hervor. Hört Keith Richards eigentlich noch die zu halluzinieren? Hatte Depp selbst auch war.Depp-Spielfilme: Zwillingsbruder von Michael Jackson? mals eine Hauptrolle in der ger Jahre. „Fuck Damals liebte Depp beruflich das Risiko. 2005 lig. an.als Schauspieleine Zeit. 27. lockte hier knapp eine prio? Und wer hat jemals „The Brave“ ment Valley.Der einzige Grund. In Genre-Klassiker wie „Der einer Szene schneidet ein rote Korsar“. Als Kopfschmuck trägt Toneffekten. len. weil Der erste „Pirates“-Film „Lone Ranger“ gar keine zitierte unbekümmert alte richtige Komödie ist. In „Rum Diary“ (2011) gab er zum to eine tote Krähe. Wartet auch er darauf.Variationen seiner Seeräuber-Nummer auf. so einen Stoff im Jahr nen Jahr vor. „Lone mehr. „Alice im Wunderland“ oder „Dark Sha.wohl auch nicht. Off Island“ für immer. Die muschs Western „Dead Man“ eigentlich imitiert den Johnny Depp. erst Winona Ryder. ein fünfter „Pirates of the Caerwartete – nur. Weiß geschminkt Diese Woche kommt ein weiterer Film in die deutschen Kinos. Klischee-Alarm. Depp sei mit Einkünften rolle spielte. dann Kate die Maske als Masche. wenn die profesmutlich kaum etwas mitbesionelle Routine endgültig in kommen. Als Capheraus. Gut so. gedreht wurde im MonuEVERETT COLLECTION / ACTION PRESS WARNER BROS. die Erwartungen sind Depps Marotten wirken entsprechend hoch. in dem er auch die Haupt. der er einmal beiden Stars sind befreundet.Kultur „Dark Shadows“. nur einen wird. produziert von Jerry Bruck. inszeniert von Regisseur Gore siko. bezahlt und vermarktet vom Dis.aus dem Jahr 1997 gesehen. aber er gibt sich dabei nicht besonders Stones? all die Drogen ausprobiert wie der Schrift.Thompson.de/app322013depp oder in der App DER SPIEGEL Bruder spielte. Nach vier te er immer wieder Exzentriker und Au. Das Guinness. Und heute? In einem Interview hat Heldenrollen konsequent gemieden. Blut lor in „Cleopatra“.als Regisseur. neue Rolßenseiter verkörpert. Damit ist das Gründungs. Glauben muss man das nicht. Nach 14 gemein. seine ger“ ein Flop. „Sweeney Todd“. schlossen. aber auf der vergangenen Jahrzehnte. ein Gag. beruht auf einer aus „Lone Ranger“ perte? War das Jüngelchen. den Johnny Depp bik“ überrascht Johnny Depp niemanden und mit unbewegter Miene spielt er einen wohl besser auch nicht anschaut. hat. dass team der „Pirates of the Cadie 149 Minuten endlich vorribbean“-Serie wieder verüber sind? eint. Stattdessen liefert Depp eine Persiflage er das Werk in den USA vom Markt. Sadismus regiert. „Charlie und die Dauer furchtbar langweiDepp musste lange auf „Alice im Wunderland“. auch „Alice im werden würde. Es Jahren in „Gilbert Grape“ Depps kleinen geht um den Bau der Eisenbahn durch Inspiegel.teures Western-Spektakel. MARTIN WOLF „Lone Ranger“. seit der Titelrolle in „Edward mit den Scherenhänden“. ein Western mit vielen Spezial. gut bezahlt. diesmal erzeugte der Auftritt der fünften Wiederholung nicht lustiger ney-Konzern.die Schokoladenfabrik“. Depp hatte daten. füttern versucht. Ansonsten kramt Depp als Tonto Hauptrollen. die Medien feierten ihn als Rebel. das vor 20 Fernsehserie aus den fünfziger Jahren. seiner Filmpartne. Thompson. hat Depps Produktionsfirma einen neuen len.des Rangers. der etwas Neues wagt. Seit dem Erfolg von „Fluch der Kari. aber traditionelle Paradis. die er regelmäßig zu Verbinski.mit seinem Privatleben. privat war er liiert mit den It-Girls je. Was ist noch von Johnny Depps Auftritt war eher PerDepp zu erwarten? Es gab formance. den Gefährten Ranger“. Ob „Charlie und Moss.viel Mühe. reihenweise werden tain Sparrow trug er mehr Unbewaffnete über den Make-up als Elizabeth Tay„Edward mit Haufen geschossen.Kater. Disney macht Gestik und Mimik erinnermit dem Film wohl über 100 ten an Keith Richards am Millionen Dollar Miese.seiner letzten Rollen. Schauspieler der Welt. eine Art Zwillingsbruder von Mi. Johnny Depp kumentation über Keith Richards. Das war Ende der achtdiesen Höhepunkt hinarbeiziger Jahre.Depp gerade laut über seinen Vorruhestand nachgedacht. wirklich origiBandit seinem Widersacher nell war jedoch die Leistung mit einem Messer das Herz von Johnny Depp. Seit Anfang der neunzi. der auch bei heimer. 2006 spritzt. müsste ein von 75 Millionen Dollar der bestbezahlte Gekränkt durch schlechte Kritiken nahm Schauspieler sein. dass es sich lohnte. Ende eines Rolling-StonesDepp hat von alldem verKonzerts. den er in Video: Ausschnitte „Fear and Loathing in Las Vegas“ verkör. „ich weiß nicht. wirklich Leonardo DiCa. er tänzelden Scherenhänden“.

Die Agenturen blühten auf. ein Führer“ und mit Parteitag-Inszenierungen à la Riefenstahl war plötzlich kein Geschäft mehr zu machen.und Bürgerkriegsjahren nach dem Ersten Weltkrieg hat die Propaganda furchterregende Ausmaße angenommen. galt es lange als vulgär. Sie ging zum Manufakturbetrieb über. mussten verdiente Agitprop-Fachleute sich nach neuen Betätigungsfeldern umsehen. die verkündeten. dass die Politik sich schon sehr früh der Reklame bemächtigt hat – und umgekehrt. die sich für die besseren hielten. Doch seinen anrüchigen Ruf ist das Medium der Reklame nie ganz losgeworden. Die Parteien haben sich wie registrierte Warenmarken etabliert und ringen lieber mit Logos. Kriegsvorbereitung und Personenkult ging. sich selbst oder seine Produkte anzupreisen. Für viele Helfershelfer der gestürzten Diktaturen war es ein herber Schlag. ein Reich. Da Wendigkeit zu ihrer Qualifikation gehört. dass von der Sowjetunion lernen siegen heiße. so steht doch fest. Farben und Symbolen als mit Argumenten um Marktanteile. je mehr die Auflage der Magazine. Zunächst erzielten die Druckmedien mit dem steigenden Reklameaufkommen hohe Gewinne. Er hatte schon seit dem Wachstum der Massenmedien stark zugenommen. die in der Serie „Mad Men“ gepriesen wird. Als Rundfunk und Fernsehen zu Massenmedien wurden. Heute steht auf den Visitenkarten Unternehmenskommunikation. Sie waren es. die stets für die wirksamsten Formulierungen sorgten. befreite sich die Reklame von der Lungenkraft der Handwerker und der Marktweiber. sich wie seinerzeit im Nachkriegsboom des Westens.Kultur E S S AY Vom Terror der Reklame Werbung war früher nur lästig. fiel es ihnen nicht schwer. Dass die Presse vom Verkauf der Zeitungen allein nicht überleben konnte. in der ganzen Welt ihren Siegeszug an. Slogans. Sie ist lästig. aber harmlos. Spätestens seit den zwanziger Jahren ist sie zu einer politischen Macht geworden. tauschen Treueherzchen ein und vergleichen Rabatte und SchnäppchenAngebote. Agitprop. Wie kann bei so viel Pausbäckigkeit vom Terror der Reklame die Rede sein? Ist das nicht zu hoch gegriffen? Und was hat das Tamtam der Marktschreier überhaupt mit Politik zu tun? Auch wenn die lammfromme Kundschaft davon nichts wissen will. wussten schon Balzac und Zola. Auch als 1989 mehr als eine Mauer fiel und als die Transparente verschwanden. Filme und Nachrichtensendungen wurden routinemäßig durch Reklameblöcke unterbrochen und gestreckt. weil dieses ehrwürdige Wort mit seinen erotischen Untertönen besser klingt. Illustrierten und Boulevardblätter zunahm. so auch nach dem Waffenstillstand im Kalten Krieg komfortabel einzurichten. Auch das hat nichts genützt. Heute dient sie der totalen Überwachung. Als die industrielle Revolution den Massenkonsum zur Blüte brachte. 3 2 / 2 0 1 3 S P I E G E L PICTURE-ALLIANCE / DPA . Zigarettenbildchen und Sammelalben erinnern an die Jahre ihrer Pubertät. Der Bedarf an solchen Fachleuten war nicht neu. In den Kreisen. aber die Welt sieht in ihm nach wie vor einen Fuzzi. Mit Parolen wie „Ein Volk. schlossen sie in Amerika ein inniges Bündnis mit der „Madison Avenue“. Und wenn ein Grafiker sich den Titel Kunst-Direktor zulegt. Litfaßsäulen. Trotzdem hat sich die Reklame bis zum Ersten Weltkrieg eine gewisse Unschuld bewahren können. Weniger snobistische Gemüter nehmen heute wie damals an Verlosungen und Preisausschreiben teil. steigt er vielleicht in eine höhere Gehaltsklasse auf. hat ihr Ansehen nicht verbessert. Von Hans Magnus Enzensberger aut war sie immer. 102 D E R L In den Krisen. Heute noch kann man auf manchen Plätzen die Stimme des Marktschreiers hören. als nach 1945 in manchen Teilen der Welt der Friede ausbrach. Schauprozesse. In den fünfziger Jahren trat diese Praxis. Keine Diktatur des Jahrhunderts wäre ohne die „Kreativität“ talentierter Reklamespezialisten ausgekommen. Dass die Branche sich in Werbung umgetauft hat. wenn es um antisemitische Hetze.

Ermöglicht wurde das durch die Erfindung des Computers und durch den Aufbau des Internets. Wer auf der Seite der Überwachung und der Kontrolle am längeren Hebel sitzt. ignoriert wird. deren Bör. Sind es die sogenannten staatlichen „Dienste“. DGSE und BND verbergen. in dem wir schinen gibt es nicht. Denn die amerikanischen Konzerne. Seine Beseitigung erfordert den Betrieb von gewaltigen Verbrennungsanlagen. Doch wer sich reicht. Man kooperiert. Was das für politische und sozialpsychologische Folgen hatte. Bahnhöfe und Haltestellen werden allenthalben mit Sichtblenden zugestellt. Drogengelder zu waschen. Präsidenten mit seinen Dossiers einzuschüchtern. Snowden sind es. die ihre Quote erfüllen müssen. Gekämpft wird darum. dass Grundrechte. Sie hat das Habitat der Städte durch Lichtreklamen. Ellsberg. Kinder durch Gewinnspiele leben. Schilder und Transparente verwüstet. die den Herrschafts.und Hardware. Yahoo & Co. die Überzeugung. Er Arbeit überlassen sie entweder anist der bei weitem kleinste. die sich von jeder demokratischen Kontrolle emanzipiert haben? Schon ihrem Gründungsvater J. Filterung und Rekombination. All das gehört jedoch einer Stufe der technischen Entwicklung an. Mr. dass das Zeitalter der Privatheit vorbei sei. der Finanzierung durch Reklame ab. das Telefon. die Internetkonzerne. fällt auf. Das Schöne in dem postdemokratischen Regime. und Konzerne wie Microsoft oder Apple leben immer fürchten. dass internationale Syndikate im Netz unterwegs sind. alles andere Widerstandes hält für die Geheimdienste vermutlich noch manist Seife. jeder kennt ihre Namen: Das Schöne in dem postund Kryptografen aus ein und Google. der Gestapo. Spam.ein Konzentrationslager gesperrt oder durch eine Drohne erliarden von Kunden akquirieren und verwalten will. ist ihr Grundprinzip. Facebook. Dankenswerterweise hat einer der mächtigsten Akteure. die sich als ihre Herren aufspielen.ährend die europäische Politik sich ahnungslos oder duckmäuserisch gibt. Dazu dienen mathematische Methoden der Spei. ohne sich über und über mit den Insignien der Reklame zu bekleckern. Soll man persönlichen Daten so vollständig wie möglich ausforschen und sammeln. In einer Ökonomie der Aufmerksamkeit geht es zuallerletzt um Aufklärung. Auch ein anderes altes Medium. zwischen Spionage und terroristischen Zellen fließend. deportiert. Updates werden manipuliert. Doch sind die Grenzen zwischen zivilen und senwerte die alten Monster der Schwerindustrie und des militärischen Geschäften. des KGB und unblutigen Mitteln möglich ist. Diese wir leben: seine Lautlosigkeit. Diese avancierte Form des zivilen wenn sie nicht werben. dem Chef des FBI. ohne dass er von Reklamegebrüll belästigt wird. dass sie selber Das gilt für einen weiteren Teilkeinerlei Inhalte generieren. Viren und Trojaner auszusäen. die der Verfassung ihres Landes die Treue halten. sind Verbündete des „tiefen Staates“. Damit hat die Reklame eine neue politische Dimension er. weil alle BeFinanzkapitals in den Schatteiligten die gleichen Methoden anten stellen. die der Datenstrom eitdem sind neue Weltkonzerne entstanden. Mr. Sind es also Einrichtungen. Zwar weiß jeder „User“. relativ technikern der Geheimpolizeien. kein Sportler in die Arena wagen. GCHQ. den öffentlichen Raum zu privatisieren und die Lebenszeit der Bevölkerung anzuzapfen. Heute sehen die Regierungschefs den monströsen Diensten. muss ihre mordet werden. Diese Ziele hat die Reklame erreicht. Seine deren Medien oder den sogenannten Usern.also die Entdeckung. ist sie schwer zu fassen. Die als Verräter gebrandmarkten Pfeifenbläser wie Mr. Es gibt in diesem Bunde noch einen Dritten: die Organisierte Kriminalität. Neutrale Suchma. Ihr Verhältnis zu den Geheimdiensten beruht auf handfesten gemeinsamen Interessen. Es demokratischen Regime. „Newsletters“ und Gratiszeitungen den größten Posten des Postverkehrs aus. wie sie in den meisten Verfassungen garantiert werden. Dafür hat ein Heer von akademischen Beratern. W S D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 103 . um die Bevölkerung zu kontrollieren. Für die allermeisten ist das ziemlich angenehm. NZSIS. beide brauchen alle verfügbaren Informationen. ist seine Lautlosigkeit. das selbstverständlich von den unterbezahlten Abfall-Austrägern. Auch da ist es nicht immer klar erkennbar. die ihnen beschieden ist. Denn die politische Macht der Reklame hat in den letzten drei bis vier Jahrzehnten in einem historisch beispiellosen Ausmaß zugenommen. Mr. die heute bereits antiquiert anmutet.trolle der Bevölkerung auch mit relativ gewaltlosen. Es ist schwer erklärlich. Dazu ist ihnen jedes Mittel recht. ist im Einzelnen schwer auszumachen. die das Heft in der Hand haben. Fernstraßen. die den weltweiten Datenverkehr beherrschen? Diese Partnerschaft bildet ein politisches ParallelUniversum. Phishing-Attacken. dass sie ohne Gerichtsurteil entführt. Niemand kann heute ein Kino betreten. der tut es auf eigene Gefahr. HaKunden. um Daten zu stehlen. dass die totale Überwachung und Koncherung.che unangenehme Überraschung bereit. in dem die Demokratie keine Rolle mehr spielt. Das ist ihr Hauptprodukt. von Soziologen und Marktforschern gesorgt. Kaufempfehlungen routinemäßig gefälscht. war es ja gelungen. Manning und Mr. ist bisher nur unzureichend erforscht worden. ein Ersuchen. Von den staatlichen Institutionen ist kaum Schutz zu erhoffen. Diese Konzerne sterben. dass die effektivsten Gegner des „tiefen Staates“ gerade aus den Vereinigten Staaten kommen. oder sind es vielmehr ihre Komplizen. mit Waffen zu handeln und so an den Opportunitätsgewinnen zu partizipieren. das sich den einschlägigen Industrien andiente.der Dienste und ihr Bündnis mit der Reklame. Weil die Netzguerilla anonym ihrem Privatleben zuliefern. Edgar Hoover. beherrschen. nur Überreste aus vergangenen Zeiten sind. der Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Dafür sorgt eine mächtige Reklame-Lobby. Zwar müssen Handelsgiganten wie Amazon sich nach wie und Mobiltelefonen übernommen. ohnmächtig zu. Dieses Geschäftsmodell hängt von operiert und auf hierarchische Organisationsformen verzichtet. Eher schüchtern fiel die Gegenwehr aus: Keine Werbung! steht an vielen Briefkästen. die ihnen kostenlos Nachrichten oder Details aus Rolle ist die des Störenfrieds. ist schon vor Jahrzehnten von Marketingfirmen und anderen Aufmerksamkeitsdieben kolonisiert worden. Der Werbemüll macht mit seinen Prospekten. mit wem man es zu tun hat. Aber wer Mil. Kein Rennfahrer darf sich mehr auf die Piste. die das Internet mit diesem Regime abfindet. Einig ist man sich darin. mit welchem Langmut sich die Menschheit diese Übergriffe gefallen ließ. Die Rolle des Blockwarts und des Denunzianten haben Millionen von Überwachungskameras angelockt und zu Kunden umerzogen. Jeder gehört zu ihren wenden und ihre Informatiker. In Ländern wie Großbrivor mit dem Versand materieller Güter aus der analogen Welt tannien oder Deutschland brauchen nur ganz wenige zu beabplagen. in noch vom Verkauf ihrer Soft. nehmer am Spiel mit dem Netz. offen ausgesprochen. in dem cker demselben Talentpool rekrutieren. CSIS. einen historischen Fortschritt nennen? Garantiert wird dieser Zustand durch die Herrschaft der Stasi weit überlegen sind.zu bieten hat. auf denen irgendein „Sponsor“ irgendetwas zu verhökern sucht. Drake. die sich hinter Akronymen wie NSA. Mit ähnlicher Intensität dringt die Reklame in den privaten Raum der Menschen ein und stiehlt ihnen möglichst viel von der Zeit. Brown.

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Bechtolf hat zwar eine eher strenge „Jungfrau von Orleans“ des Regisseurs Michael Thalheimer präsentiert. Dann sorgt sie für Frieden.und Lachalbern. Maria Hap. das von Nestroy-Fans als torik. Viele Minuten lang vokation. nicht als Horrorstück. Dann ist Pause. und Florian Teichtmeister dienert als Tischler Leim den Spießer hin.Coverversionen von Werken wie „Bacarlich vollkommen enthemmten Herum. des Säufers mit dem Herzen am rechten Fleck. In Wahrheit aber will der Regisseur Matthias Hartmann mit seinem „Lumpazivagabundus“ gegen Ende ganz woanders hin – in ein Reich des grimmigen Ernstes. Ausgerechnet diesem Säufer und Altpunk gehört die Sympathie des Regisseurs Hartmann. sondern die bösen Geister. Teichtmeisters Tischler Leim ist ein psychotischer Saubermann. um zu zeigen.bietet neben dem bei Nestroy üblichen tuna die Merkel-Nummer abliefert) und Couplet-Geschrammel auch SchlagerNicholas Ofczarek beim offensicht. Er sorgt für völlige Finsternis und den und von da an ein Jahr lang den Verlässt dann böllern und brüllen und Stro. Nicholas Ofczarek torkelt sich als bitterböse gerühmt wird – und macht Schuster Knieriem durch die Paraderolle D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 W REINHARD MAXIMILIAN WERNER 105 . als wollte Bechtolf Salzburg endgültig in einen heiteren Moritatenstadl verwandeln. Ofczareks Schusterbursche Knieriem aber brüllt und prügelt sich den Weg ins Offene frei. den „Jedermann“. Nach der Pause treten seine Herumtreiberhelden plötzlich auf als schmerzgekrümmte Kreaturen. Die drei Gesellen sind jetzt Feinde. Da wirkte der Auftakt von Hartmanns „Lumpazivagabundus“-Spektakel nun so. dass die Welt aus den Fugen ist. Alle Sympathie den Teufeln. Kurz: Dieser Theaterabend ist eine Pro. in diesem Jahr von einem britisch-amerikanischen Regisseurduo sehr putzig herrichten lassen.rin Victoria Behr hat kreischbunte spieler wie Mavie Hörbiger. als wäre die Story nichts anderes als burger Festspielen. den der Salzburger Schauspielchef Sven-Eric Bechtolf dem einst ambitionierten Festival angeblich verordnet hat. Danach zeigte er vergangene Woche zur Eröffnung des sogenannten Young Directors Project eine süßliche Bettleroper namens „The Animals and Children Took to the Streets“. der vermutlich in jedem Halunken steckt. ein Musikantentrio pel (die in der Rolle der Glücksfee For. Das ist der Witz und die Überraschung dieser Aufführung. Jeder ist eingesperrt in seiner Egomanie. Zwirn (Schneidergesell) und Knieweitermachen.so. WOLFGANG HÖBEL er einem reichen. Er tut seiner neuen Regiearbeit bei den Salz. In diesem Jahr lädt der Regisseur Hartmann nach Hallein zu Johann Nestroys Zauberposse „LumpaziSzene aus „Der böse Geist …“: Grimmiger Ernst vagabundus“. An diesem Ort haben die Salzburger Festspiele in der Vergangenheit ihre anstrengendsten und fortschrittlichsten Theaterunternehmungen präsentiert. die Glückssuche hat sie in Monster verwandelt. verwöhnten daraus. Hartmanns Aufführung scheint bis dahin gut zu passen zu dem Märchen-Frohsinn. Es sind nicht der Spaß und die Versöhnung.“ Eine Wundertüte voller Gags und grotesker Kostümeinfälle ist auf der Bühne der Pernerinsel in Hallein zu bestaunen.plötzlichem Reichtum überschüttet werdacht. Maertens’ Schneider Zwirn ein winselndes Gossentier.Kostüme entworfen. die vom Himmel mit dig der Regisseur Matthias Hartmann ge. den „Faust“-Doppelstreich von Nicolas Stemann im Jahr 2011 zum Beispiel und die heute legendäre Shakespeare-Strapaze „Schlachten!“ im Jahr 1999. So hat sich das offenkun. der Harmlosigkeit. Nach dem Inferno knipst Hartmann das Licht an und zeigt inmitten eines hellblauen Himmelreichs eine Angela-Merkel-Doppelgängerin. Pappkulissen aus Himmelswolken und dem Klamauk. einen Exzess der Publikum etwas bieten will. Aber er hat die wichtigste Salzburger Theaterfolklore. in dem das Publikum mit Läuterungsgeschichten unterhalten wird. wie es scheint.theater öligster Sorte.riem (Schustergesell). Der Bühnenbildner Stéphane Sternenemblem der Europäischen Union Laimé hat Hartmann eine hölzerne Wirtsund dazu ein paar gruselige Rabauken. Lange Zeit ist das ein Brüll. Man sieht weißgepuderte Darstellerinnen mit Turmfrisur. hauskulisse gebaut. Hartmann. „Befehlen lasse ich mir nichts“. die ihn reizen. die stets verneinen.lockungen eines bösen Geistes widersteboskoplichter blitzen gleich zu Beginn hen sollen. nimmt sich ein Stück aus den Schneider Zwirn mit Schwuchtelmodem Jahr 1833. Sie formt mit Zeigefingern und Daumen die MerkelRaute. seit 2009 Chef des spielt der Schauspieler Michael Maertens Burgtheaters. Er erzählt das Märchen sollte mit dem Weltuntergang von den drei Kumpanen Leim (Tischleranfangen und dann mit Angela Merkel gesell). wie Politiker das tun: „Ich schütte mein Füllhorn über euch. indem er Wände niederreißt: ein schmutziger Outlaw. die KostümbildneMan beobachtet gutaufgelegte Schau. verkündet sie in überraschend sächsischer Sprachfärbung.di Feeling“.Drei Jedermänner THEATERKRITIK: Matthias Hartmann inszeniert Nestroys „Der böse Geist Lumpazivagabundus“ bei den Salzburger Festspielen.

steigt aus dem Grabe“ (Druck nach Horace Vernet. 1840) .„Napoleon I.

Deutschland in so kurzer Zeit nicht wie. langen Reihen standen sich die Und nun? Nun schlich sich der Soldaten gegenüber.über 50 Jahren Verspätung. Ab Dabei war nicht einmal der Höhepunkt endgültig geschlagen war und Europa sich zwei Uhr hatte er die Morgenstunden. ein buntes Seiden. bis die Fran. Der gescheiterte Russland. aber sein strate. eine ehemalige Lebebeginn. Die Völkerschlacht 1813 beendete eine Karriere. vor dem eben noch ganz Europa gezittert hatte. um zer. lich die Uniform reichen ließ und sein geblieben war.eine unwirtliche Insel im Atlantik entletuch zum Turban geknotet um den zosen den Rückzug antraten und sich mit digte. Zwei Jahre sollte es Chronist den Auftakt fest. Geschütze. genau 200 Jahre danach. lang hatte der Franzose die Gezösischen Revolutionsarmee. gegen 18 Uhr verstummten die willen. Dass dafür die alten sagen sollten.) D D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 107 . nicht einmal bei den Jahren grundlegend verändern sollte. dem belgischen Dorf Waterloo wie es im Feld seine Art war. selbst der Wille zusammengeführt hatte.dem. dass kein Waffen. Am Nachmittag setzte wieder leichter Re. bis Napoleon vor Napoleon war früh erwacht. hatte es aufgeklart. So steht das Jahr 1813 nicht nur für eine Feldzug im Jahr zuvor hatte dem Nimbus Ende die Truppenführer. denen man im Gang der 1000 Geschützrohren. Am Morgen. zur Kaiserin gesalbt und tagelangem kaltem Regen. Noch drei wei. kurz vor Schlachtseine Frau. te die Schlacht. Triumphbögen für ihn errichtet.).der erreicht wurde. Noch Jahre später sollten sich und Süden der Stadt aufmarschiert: auf die Leipziger Bürger an das Geschrei und Mann.und Bis zur einbrechenden Dunkelheit wog. Im Minutentakt umphieren mussten. Preußen. freundlich noch einKein Empire geht an einem Tag mal lächeln wollte“. Oktober 1813 gegen neun grässlich verstümmelt.Titel Der Parvenu als Kaiser Mit Napoleon Bonaparte begann das Zeitalter der modernen Politik. Auf den Straßen Leipzigs Monarchien über die Reste der ersten gang jemals zuvor blutiger gewesen sei. der Papst hatte sich seinem Wildie napoleonische Herrschaft über len beugen müssen. bevor er sich schließ. die das Kräftelichen Schlag versetzt. ie Völkerschlacht von Leipzig. WALTRAUD GRUBITZSCH / PICTURE ALLIANCE / DPA (R. von liche Nachtlager zurückkehrte. in staatliche Leseeindrücke. um an dem Schlachtfelde den letzten den Feinden Rache zu nehmen. die bis heute allen Diktatoren ein Vorbild ist.Wendungen. beseelt allein die Artilleriemannschaften vor von der Hoffnung.In den Feldern vor Leipzig endete seine Pferd bestieg. und als Napoleon ins kaiser. dahinter zu eiserin Paris.sondern auch als Symbol für den FreiheitsNapoleon Bonaparte – der Name weckt gen ein. nicht vor den Toren Brüssels.willkür mündete.störte Gliedmaßen von den Körpern zu Weltgeschichte immer wieder begegnet. lagen Verwundete in ihrem Blut.dern auch für den Scheitelpunkt einer poübertroffen. das Bajonett Weltenbezwinger in sein Schloss aufgepflanzt. Man hatte den Kontinent zu brechen. im des Schreckens erreicht. die ihm auf die Knie gesunken. Aber von dem Untergang in SachKopf geschlungen. unermüdlich Befehle diktierend. Mehr als ein Jahrzehnt der einen Seite die Regimenter der fran. litischen Karriere. 400 000 Soldaten wa.heit brachten. die schicke des Kontinents bestimmt: ihrem Feldherrn auf allen ErobeWie ein Kindergott hatte er ganze rungszügen treu gefolgt waren.den oder dem Kampf um Berlin.tere Tage sollten vergehen. mit auf Anhieb im Gedächtnis abgelegte Bilder. der größten Schlachten der Weltgeschichte. als ob eine Armee auszuheben. Gefühlsreste. ist eine der ironischen Uhr morgens mit einer Kanonade aus über sauste das Barbiermesser nieder. Völkerschlachtdenkmal in Leipzig: Symbol der Freiheit noch dauern. in militärische Niederlage. Fürsten und Könige waren vor Österreicher und Schweden.ten gefallen. europäischer Herrscher ohne Beispiel ist. Selbst Leute.seines Usurpators durch Verbannung auf Schlafrock verbracht. „Es schien. Alliierten – Russen. IhReiche mit einem Fingerzeig entnen gegenüber die Truppen der stehen oder verschwinden lassen. Was für eine Niederlage auch für den ren auf den Schlachtfeldern im Norden trennen. über den Rhein in Sicher. Tag sahen. was von ihrer stolzen Armee übrig sen hat sich Napoleon nie mehr erholt. ohne dass einer Seite der Die Völkerschlacht gilt nicht nur als eine Abstiegen nicht gerade armen Geschichte entscheidende Vernichtungsstoß gelang. waren al. den Pelz bis zum Kinn nen Batterien zusammengezogen hochgeschlagen. nach dame.Einheit und Beseitigung von Fürstender die Geschichtsschreiber später lein auf französischer Seite 20 000 Solda. noch einmal ihren Lafetten. AKG (L. viele europäischen Republik der Moderne tribegann am 16.den grässlichen Gestank erinnern. die auf mächtig genug sein würde. die die Sonne Tausenden. die in der an Auf. der kleine Korse verkörperte einen neuen Typus Herrscher. die des Schlachtenlenkers einen empfind.bis heute. In den Sohn zum „König von Rom“. der schließlich in Deutschland. sonBombenangriffen auf Hamburg und Dres. hielt ein zugrunde. eine Zahl.verhältnis in Europa in den kommenden gisches Genie galt noch immer als un. 100 000 Tote zählten am Macht.

Titel

Alliierte Truppen bei der Völkerschlacht 1813*: „Es schien, als ob die Sonne Tausenden freundlich noch einmal lächeln wollte“

die im Geschichtsunterricht durchgeschla- lich zarten Patschhändchen das Publikum fen haben, verbinden mit seinem Namen, zu faszinieren. Noch zwei Jahrhunderte wenn schon keine militärischen Triumphe nach seinem Ableben kann ein Buch über mehr, die eine Generation zuvor noch jedes den Mann und sein Wirken zu einem VerKind herbeten konnte, dann doch ein un- kaufserfolg werden: 26 Wochen in Folge bestimmtes Gefühl von Größe, ja, Genie. stand die Darstellung des britischen HisTatsächlich haben sich wenige Legen- torikers Adam Zamoyski über den Russden als so zählebig und damit auch kul- land-Feldzug 1812 auf der SPIEGEL-Bestturell verwertbar erwiesen wie die vom sellerliste. Und das Wendejahr 1813, in dem die Aufstieg des korsischen Artillerieoffiziers zum mächtigsten Mann Europas. „Nach- Völker Europas gegen ihn aufstanden, dem wir den Despotismus seiner Per- bringt wieder einen Schwung neuer Titel sönlichkeit hingenommen haben, müssen in die Buchhandlungen. Bei Rowohlt ist wir nun mit dem Despotismus seines An- gerade ein Monumentalwerk zur Völkerdenkens fertig werden“, bemerkte der schlacht aus der Feder des „FAZ“-RedakVicomte de Chateaubriand, als Napoleon, teurs Andreas Platthaus erschienen. gerade mal 51 Jahre alt, einem KrebsleiWas von der Figur zu halten sei, die so den erlag. Chateaubriand hatte keine Ah- anhaltend begeistert, das ist schon schwerer nung, wie recht er behalten sollte. zu beantworten. Bereits zu Lebzeiten ging Über keinen Diktator, außer Hitler, das Urteil weit auseinander. Als „Weltwurde mehr geschrieben. Schon um 1900 seele“ schwärmte ihn Hegel an, der immer zählte der Napoleon-Biograf Max Kirch- auf der Suche nach dem Weltgeist war. Eieisen 200 000 Bücher, nicht viel weniger nen „verabscheuungswürdigen Menschen“ dürften seitdem dazugekommen sein. Zu nannte ihn hingegen, ganz deutsch-national nahezu allen Aspekten seines Lebens gibt gestimmt, Heinrich von Kleist; der Dichter es Abhandlungen: der Diät im Feldlager Ernst Moritz Arndt, einer der Väter der (Lieblingsgericht: Amselpastete, kaltes deutschen Nationalbewegung, die im Sieg Huhn und Linsensalat), seinem Liebes- von Leipzig ihren Triumph erlebte, befand leben (Mätressen namentlich bekannt: noch schärfer: „Satans ältester Sohn.“ mindestens vier); selbst die Schlaf- und Auch unter Historikern ist Napoleon Arbeitsgewohnheiten des Imperators wur- umstritten. Während Friedrich Sieburg in den eingehend untersucht. „dieser elementaren Existenz“ noch das Bis heute vermag der kleine Franzose Maximum dessen sah, „wozu der Mensch mit dem runden Schädel und den erstaun- fähig ist“, vermochte Hippolyte Taine in ihm nur einen „Glücksritter“ zu erkennen, dessen „Haupttriebfedern Ehrgeiz“ und * Druck nach einer Zeichnung von Johann Jakob Wagner, 1813. „rücksichtsloser Egoismus“ gewesen seien.
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Für den Amerikaner Alan Schom ist der Kaiser der Franzosen schlicht der „zerstörerischeste Mensch seit Attila dem Hunnen“. Auch das, immerhin, ein Superlativ. Am Anfang war Napoleon, lautet das berühmte Diktum des Historikers Thomas Nipperdey. Darauf kann man sich einigen. Mit Napoleon beginnt die moderne Staatsverwaltung ebenso wie der absolute Krieg. Auf den Korsen geht das aufgeklärte Scheidungsrecht zurück, das Eheleuten erstmals eine einvernehmliche Trennung zugestand, die Zivilgesetzgebung, aber eben auch der Nationalismus, der dem Kontinent noch so viel Kummer machen sollte. Das deutsche Nationalgefühl, das in den Befreiungskriegen gegen die französische Fremdherrschaft erstmals zutage tritt, legt sich ja nach dem Sieg in Leipzig nicht wieder, sondern verlangt nach Einheit und Freiheit des Vaterlands, bevor es dann, im nächsten Jahrhundert, in einen mörderischen Überlegenheitswahn umschlägt. Man kann auch sagen: Mit Napoleon beginnt das Zeitalter der modernen Politik. Tatsächlich betritt mit dem Mann aus Ajaccio ein neuer Typus die Weltbühne. Er ist der Parvenu als Herrscher, der Emporkömmling als Staatsmann. Seine Macht resultiert nicht mehr aus der Herkunft, aus ererbten Privilegien und Rechten, sondern aus dem Beifall der Massen. Auf ihre Bewunderung gründet sein Herrschaftsanspruch, sie allein verschaffen ihm die Legitimation zum Handeln. Das unterscheidet ihn von allen, die ansons-

ULLSTEIN BILD

KGR. SCHWEDEN KGR. GROSSBRITANNIEN UND IRLAND

250 km

KGR. DÄNEMARK KGR. PREUSSEN Auerstedt
1806

Russland-Feldzug Napoleons
1812

Moskau

c h i s t n a n e a A t l O z

e

r

Waterloo
1815

Jena
1806

Leipzig
1813

HZM. WARSCHAU

KAISERREICH RUSSLAND

KAISERREICH FRANKREICH

RHEINBUND SCHWEIZ

Austerlitz
1805

KAISERTUM ÖSTERREICH

KGR. PORTUGAL

KGR. ITALIEN Illyrische Provinzen Elba Etrurien KGR. SPANIEN Katalonien Korsika Kirchenstaat KGR. NEAPEL

OSMANISCHES REICH

Europa unter Napoleon
Kaiserreich Frankreich 1812 von Napoleon abhängige Staaten

Balearen Trafalgar
1805
Quelle: Putzger Historischer Weltatlas

KGR. SARDINIEN

M i t t e l m e e r

KGR. SIZILIEN

mit Napoleon verbündete Staaten große Schlachten

ten in den Hauptstädten Europas noch die Regierungsgewalt in Händen halten. Sicher, auch die gekrönten Häupter haben sich beim Volk einzuschmeicheln versucht, wenn es ihnen opportun erschien. Aber die Volksmeinung war nie Basis ihrer Macht, die Stellung des Königs unterlag der Gnade Gottes und damit den Gesetzen der Ewigkeit. Der Platz des Souveräns war der Thron, nicht die Straße. Napoleon hingegen verdankt alles, was er abseits des Schlachtfelds erreicht, seinem Talent, die Einbildungskraft anderer zu befeuern, ihre Antriebe und Affekte aufzunehmen und zum eigenen Vorteil umzulenken. Als sich die revolutionsmüden Franzosen im zehnten Jahr der Umwälzung nach Sicherheit sehnen, ist er der Mann, ihnen diese zu garantieren. Als sie sich den Glanz der Monarchie zurück-

von Oskar Lafontaine bis zu Silvio Berlusconi, Karriere machen wird. Tatsächlich findet man bei diesem Aufsteiger bereits alles, was Politik fortan bestimmt (und in Seminaren verflucht werden wird): den Sinn für Propaganda und Selbstinszenierung und den kalten Opportunismus des Einzelgängers, der Loyalität nur als Bringschuld anderer kennt. Auch die Ruchlosigkeit, die es braucht, in Sekunden seine Position zu wechseln, wenn das einen Vorteil verspricht. Natürlich vermag Napoleon mit harter Hand zu regieren, sein Starrsinn und seine Ungeduld sind legendär. Aber diese Unbeugsamkeit hält immer nur so lange, wie sie die Zustimmungsbasis nicht ernsthaft korrumpiert. Das Volk ist wankelmütig in seiner Zuneigung. Was es einem an Macht verliehen hat, kann es morgen wie-

Lieblingsgericht im Feldlager: Amselpastete, kaltes Huhn und Linsensalat.
wünschen, ohne gleichzeitige Restauration der alten Besitzverhältnisse, verhilft er ihnen zu einem Kaisertum, das die Segnungen der Revolution bewahrt, indem es die Revolution verrät. So wie er Kriege führt, so betreibt Napoleon auch Politik: Immer ist sein Handeln auf Effekt berechnet, auf Überrumpelung des Gegenübers. Er will nicht überzeugen, sondern beeindrucken. Darin ist er schon ganz der Populist, der später noch in unendlichen Inkarnationen, der nehmen. Also muss man es bei Laune halten – mit Geschenken oder, im kriegerischen 19. Jahrhundert, mit Siegen. Die Welt, in die Napoleon am 15. August 1769 geboren wird, ist streng hierarchisch geformt. Für die Aufstiegs- und Leistungswilligen hat das korrupte und so elendig schlecht regierte französische Königreich noch keine rechte Verwendung. Fast alle vielversprechenden Posten sind dem Adel vorbehalten, selbst bei Gericht oder in der Verwaltung kommt man
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ohne Titel nur schwer nach oben. Napoleons Vater ist Anwalt, in der Hauptstadt von Korsika betreibt er neben seiner Arbeit als Gerichtsassessor mit wechselhaftem Erfolg eine kleine Kanzlei. Gemäß den Umständen der Zeit erwarten Napoleon und seine sieben Geschwister ein ordentliches, aber bescheidenes Leben. Wer für seine Kinder eine Karriere anstrebt, schickt sie ins Priesterseminar oder zur Armee, ebenjene Institutionen, in denen man auch als Provinzler Karriere machen kann. So kommt der erstgeborene Joseph in kirchliche Obhut, während Napoleon, dank eines königlichen Stipendiums, auf eine Kadettenschule auf dem Festland verschickt wird. Man darf sich die Ausbildung, trotz königlicher Protektion, nicht zu glänzend vorstellen. So viel sind die Kinder dem Staat dann doch nicht wert, dass er viel in ihre Zukunft investieren würde. Ein wenig Allgemeinbildung, das muss reichen, entsprechend schlecht bezahlt und missmutig sind die Lehrkräfte. Das Internat gleicht mehr einem Gefängnis denn einer Schule: Wecken ist morgens um 6 Uhr, sommers wie winters, um 22 Uhr, nach dem Abendgebet, werden die Schüler in ihre Schlafzellen zurückgesperrt. Ein Bett mit Häckselmatratze, ein hölzerner Stuhl, dazu Krug und Waschschüssel: Das ist alles, was den Schülern an persönlicher Habe zugestanden wird. Napoleon ist keine zehn Jahre alt, als er diese Einsamkeitswelt betritt, die Erinnerung hat ihn noch in der Verbannung
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Titel
auf Sankt Helena beschäftigt. Er ist ein lebhaftes Kind, das gewohnt ist, seinen Willen durchzusetzen, und bei Widerspruch zu Zornanfällen neigt. Die Anstalt formt den Knaben zu einem ernsten, etwas linkischen Jungen, der zu den Kameraden Abstand hält. Andere zerbrechen unter dem Drill, ihn lässt er früh reifen. Nach fünf Jahren gehört er zu den wenigen Schulabgängern, die anschließend für einen weiterführenden Offizierslehrgang empfohlen werden. Bereits nach einem Jahr, im September 1785, schließt er mit Erfolg ab. Damit ist der junge Mann für die Zukunft versorgt, viel mehr allerdings kann er vorerst nicht erwarten. Was an Familienvermögen da war, hat der früh verstorbene Vater verschwendet. Von einer Maulbeerbaumzucht, dem letzten seiner vielfältigen Projekte, bleibt nur ein sich elend hinziehender Rechtsstreit. Carlo Bonaparte hatte auf Subventionen gesetzt, die dann doch nicht kamen – auch im 18. Jahrhundert verführte der Staat seine Bürger schon zu Fehlinvestitionen. So kümmern die Maulbeerbäume dahin, statt Dividende abzuwerfen. Aber dann fegt die Revolution über das Land. Mit einem Mal kann aus einem schüchternen Seminaristen aus der Provinz der Herr über Frankreichs Polizeiapparat werden. Oder aus einem schmächtigen Anwaltssohn ein umjubelter General. Alles ist denkbar in dieser Zeit, in der das Unterste nach oben gekehrt wird. Auf den Straßen tanzt der Mob, im Parlament führen bald die Jakobiner das große Wort, während der König, den alle Welt nur noch verächtlich Louis Capet nennt, im Gefängnis hockt. Zunächst setzt Napoleon aufs falsche Pferd. Der Mann, der später ganz Europa neu ordnen und mit Staaten wie mit Dominosteinen spielen wird, denkt erstaunlich provinziell. Über Korsika reicht seine Phantasie nicht hinaus. Also lässt er sich von seinem Regiment beurlauben, um daheim in den Revolutionswirren für seinen ältesten Bruder einen Sitz im Stadtrat von Ajaccio zu ergattern. Die Geschichte endet, sehr korsisch, in wilden Händeln mit den konkurrierenden Clans. Mit Not kann sich die Familie Bonaparte aufs französische Festland in Sicherheit bringen. Immerhin ein Gutes hat das Abenteuer: Fortan wird sich der Mann mit dem olivefarbenen Teint und der merkwürdig abgehackten Aussprache ganz und gar als Franzose fühlen. Separatistische Träume, wie sie noch Generationen nach ihm beflügeln, sind dem berühmtesten aller Korsen fremd. Wer den Lebensweg Napoleons überblickt, kommt nicht umhin, die Hand des Glücks zu bewundern, die den Außenseiter immer wieder aufhebt und an die richtige Stelle stellt. Auch im revolutionären Frankreich kann man mit seinen Ambitionen schnell auf Grund laufen. Glücksritter
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gibt es viele, und die neue Macht, die eben noch so flüchtig schien, beginnt sich zu arrondieren. Alles hängt davon ab, jetzt den rechten Moment zu erwischen. Für Napoleon kommt dieser Augenblick am Morgen des 13. Vendémiaire, wie der 5. Oktober 1795 im Revolutionskalender heißt. In Paris hat sich Unmut gegen die Regierung aufgestaut, die nach dem Ende der Jakobinerherrschaft auf ein fünfköpfiges Direktorium übergegangen ist. Die Fünferrunde gilt als korrupt und feige. In der Nacht ziehen Aufständische durch die Hauptstadt, ein mordlüsterner Pöbel, der gefährlich schnell an Zulauf gewinnt. Es ist noch dunkel, als Napoleon am Sitz der Regierung auftaucht. Augenblicklich übersieht der junge Offizier, den die Hoffnung auf eine lohnende Verwendung nach Paris getrieben hat, die Situation und lässt aus den Tuilerien 40 Geschütze herbeischaffen. Als sich die Angreifer am frühen Nachmittag über die Rue St. Honoré nähern, gibt er den Feuerbefehl, der erste dokumentierte Einsatz von Artillerie im Straßenkampf. Am Abend ist die Stadt wieder fest in der Hand der Regierungstruppen, auf der Straße liegen die Feinde der Republik in ihrem Blut, und der Mythos vom Retter von Paris ist geboren. Aus dem Unbekannten mit dem komischen Namen ist der „General Vendémiaire“ geworden. Fünf Monate später schickt ihn das Direktorium nach Süden, ausgestattet mit dem Oberbefehl über die Italienarmee. Wie Napoleon diesen Auftrag nutzt, um seinen Ruhm zu vergrößern, ist ein Meisterstück politischer Manipulationskunst. Man weiß nicht, was man dabei mehr bestaunen soll: die Jugendlichkeit des Akteurs, der sich mit 26 Jahren anschickt, erst halb Italien und dann, mit seinen Siegen und einigen Millionen an Kontributionen im Gepäck, auch die Macht in Paris zu erobern – oder das strategische Genie, mit dem er die Gegenspieler bezwingt. Von allen Triumphen, die Napoleon anhäufen wird, ist dieser Blitzkrieg südlich der Alpen sein reinster; auf ihm gründet das Bild des überlegenen Feldherrn, das sich bis heute gehalten hat. In wenigen Monaten schlägt der frisch bestallte General mit einem einzigen Heer von 40 000 Mann sechs österreichische Armeen. Er unterwirft Genua, das Königreich Sardinien-Piemont, die Republik Venedig und zieht in Mailand ein. Am Ende bedroht er sogar den Kirchenstaat und zwingt den Papst, sich mit 100 Gemälden aus den Galerien des Vatikans und 21 Millionen Livres an Tributzahlungen die Freiheit zu erkaufen. Keine andere militärische Operation habe „solches Erstaunen in Europa erregt“, schreibt anschließend der preußische Militärstratege Carl von Clausewitz über den Feldzug in Italien. Den Direktoren, die ihn auf Kaperfahrt
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RUE DES ARCHIVES / PVDE

Feldherr Napoleon in Ägypten, Kaiserin

schickten, wird der Heißsporn schnell unheimlich. Man schickt Depeschen, in denen man ihn wegen seiner Eigenmächtigkeiten rüffelt – nur um dann entgeistert festzustellen, dass Napoleon alle Ermahnungen ignoriert. Statt wie gewünscht auf Anweisungen zu warten, teilt er das Land von dem bei Mailand gelegenen Schloss Mombello aus, in dem er wie ein zweiter Cäsar Hof hält, nach Gutdünken auf. Das ist offene Insubordination, aber er kann sie sich leisten: Paris ist längst abhängig von den gewaltigen Summen, die der General aus den eroberten Gebieten presst. Millionen schickt er in das am Rande des Staatsbankrotts navigierende Frankreich. Selbst die Pferde, die sie in Paris vor ihre Staatskarossen spannen, stammen aus seinen Beständen. Wie sehr sich die Machtverhältnisse umgekehrt haben, zeigt sich im Frühjahr 1796. Napoleon soll das Kommando teilen mit dem bedächtigen, aber gefügsamen François Christophe Kellermann. So will man ihm endlich Fesseln anlegen. „General Kellermann besitzt mehr Erfahrung als ich und wird den Krieg deshalb auch besser führen können“, schreibt Bonaparte zurück. Allerdings: „Wir beide zusammen, wir würden es sehr schlecht machen. Ich kann dem Vaterland nur dann wichtige Dienste erweisen, wenn ich Ihr ganzes Vertrauen besitze.“ Damit ist klar: der oder ich. In Paris zieht man das Ansinnen schleunigst zurück. Man kann Napoleons Aufstieg nicht ohne seine überragende Begabung zur Selbstvermarktung begreifen. In der Volksherrschaft kommt es weniger darauf

Dabei lässt sich der Triumph muss her. Selbst bittere Niederlagen werden von aus seinen Raubzügen. Vielen. Was heute Fotografen wie Annie Leibovitz oder Martin Schoeller leisten. Überall. men im 18.sucht man den Namen Desaix allerdings schriften gegründet. Louis Desaix. Mit Österdrücken. ginn des Italienfeldzugs hat er zwei Zeit. formbar. Der unselige Ägyptenfeldzug fällt in diese Kategorie: Im Dezember 1797 ist Napoleon aus Italien zurückgekehrt. pert es zunächst noch etwas. Von Anfang an setzt Napoleon auf die eine weitere heute zu gewinnen. Napoleons Stern sinkt. aber eben auch nicht sehr ehrfurchtgebietend. dass er es geleistet habe. die ihm zum ersten Mal begegnen. rechts: Gemälde von Henri-François Riesener. Die gepuderten Haare trägt Napoleon in einem recht eigenwilligen Schnitt. In der Nachbarschaft so Gefeierte auch Lorbeer aufs Haupt ist nichts mehr zu gewinnen. aber bescheidene Heeresführer. bis ihm Die Mittel für die Gratisblätter kommen das Ergebnis passt. dafür fallen sie hinten bis auf die Schultern. brandet Jubel auf. Übersers genießt. Aber warum nicht die Engläneiner seiner glänzendsten Triumphe über der aus Ägypten vertreiben? Die Briten D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 111 .Nachricht von gestern. das ist für die Zeit nicht auffallend klein. ebenfalls stilbildend. die ihnen vorauslaufen. Napoleon noch zu Ruhmestaten umgebogen. reich hat man Frieden geschlossen. und er sorgt dafür. die ihm vollständig verloren. Und seiner fähigsten Offiziere. weshalb wir noch die Zeit haben. überwie Jacques-Louis David oder Antoine. in denen Meinung durch die Medien. was einer wirklich leistet. Auch beiden Divisionen auf dem Schlachtfeld später. 1806. der nur mit einer Auflösung. wo er sich auch in Paris erhältlich sind. Auch mit dem Französisch ha- Man kann Napoleons Aufstieg nicht ohne seine Begabung zur Selbstvermarktung begreifen. Was heute noch die Attrakreicht er schnell eine große Leserschaft. Ihre Bilder finden in Tausenden vor allem dem beherzten Eingreifen eines Drucken Verbreitung in ganz Europa. Jahrhundert Historienmaler den Dauerfeind Österreich gilt. Aber Napoleon hat ein gutgeschnittenes Gesicht mit markanten Zügen. Das ist das Geheimnis der Demokratie.auftaucht und das Blatt wendet. der eigentlich anderen zusteht.68 Meter. und seine Sprache strotzte vor Fehlern“. wovon die Leute glauben. APESTEGUY / MAXPPP an. die Ohren frei lassend. des Generalstabs umschreiben. man muss als Politiker nur über die richtigen Techniken verfügen.Napoleon seine Taten verherrlichen lässt. Aber es ist erst zwei noch folgen sollen. Paris bereitet dem siegreichen Sohn einen bedass sie nicht nur in Mailand. tion des Tages ist. ein neuer mer Bonaparte. die bis heute als legungen. der geniale. sondern vielmehr auf das. Von außen betrachtet macht der General keine besonders beeindruckende Figur. Fünfmal lässt er den Bericht in den leuchtendsten Farben ausmalen. die er meist einen schlichten. Doch die Stadt Zeitungen die Artikel nachdrucken. um 1868. die alle Ruhmestaten vergebens. fällt seine Magerkeit auf: Erst mit den Jahren und dem Erfolg rundet sich die Figur.ist launisch.französischen Truppen stehen vor der knöpften Soldatenrock. sondern geisterten Empfang. gilt morgen schon als Im Zentrum der Berichte steht fast im. als Desaix mit einer seiner schmalen Goldborte geschmückt ist. Uhr. das sich hervorragend für Porträts eignet. er. und Dass er später aus der berühmten Russland ist noch außerhalb aller ÜberSchlacht von Marengo. bis oben zuge. der Held von Italien weiß sich effektvoll Tatsächlich ist die Sache zunächst ziemin Szene zu setzen: In auffälligem Gegen.haupt siegreich hervorging. überneh* Links: Gemälde von Jean-Léon Gérôme.lich vergurkt: Bonaparte hat die Stärke satz zur Pracht in seiner Umgebung trägt des Feindes sträflich unterschätzt. „Seine Sätze waren kurz. Er misst 1. Gleich zu Be.“ In den gezielte Beeinflussung der öffentlichen „Bulletins de la Grande Armée“. verdankte er Jean Gros. kleidet er sich betont einfach liefert ist dessen Satz: „Diese Schlacht ist und ist darin für viele Diktatoren. Wahrnehmungen aber sind anders als die Ereignisse. Weil andere zeigt.Joséphine*: Selbst bittere Niederlagen werden noch zu Ruhmestaten umgebogen F. und wohl niemand in der jungen Republik hat das schneller erfasst als der Aufsteiger aus dem Süden. hält der französische Botschafter in Florenz in einem Bericht fest. als er längst den Luxus eines Kai.

Es passt zum Lebensweg des Ausnahmepolitikers Napoleon. wie man heute sagen würde –. Die Einheimischen begrüßen den Eroberer nicht als Befreier. Dafür entwickeln sich die Dinge in der Heimat.Titel gelten seit langem als Erzübel. Während Napoleon in der ägyptischen Hitze schwitzt. Sogar eine Invasion auf der Insel hat man kurzzeitig erwogen. Das große Versprechen der Volksherrschaft. sondern bekämpfen ihn als ungläubigen Eindringling. Die Hellsichtigeren werden möglicherweise auch erkannt haben. die Phantasie viel mehr stimulierender Preis: In Frankreich grassiert gerade eine Ägyptomanie. dass bei den Pyramiden militärisch nicht viel zu holen ist. dass Napoleon vorgibt. wie der General beruhigt feststellen kann. um seinen Truppen pünktlich den Sold zu zahlen. Im Mai 1798 schifft sich Napoleon mit 38 000 Mann nach Alexandria ein. Und nach Hause geht es auch nicht mehr zurück. da kommt das Nil-Abenteuer gerade recht. was die Putschisten jetzt noch brauchen. was auch nur entfernt an das Land der Pharaonen erinnert. das soll sie für die kommenden 150 Jahre auch bleiben. Die Pläne sind weit gediehen. das auf dem Kontinent mit der Revolution von 1789 zum ersten Mal Gestalt annimmt. ist ein starker Mann. Schon nach wenigen Wochen ist die Armee in einem beklagenswerten Zustand: Wer die ständigen Angriffe durch Mamelucken überlebt. der am Ende ohnehin nur in den Taschen des korrupten Direktoriums landet. In den Salons ist man entzückt von allem. Wo er auftaucht. laufen die Menschen zusammen und rufen „Vive Bonaparte“. Militärisch endet die Exkursion so. den raffen Fleckfieber und Pest dahin. beziehungsweise das. dass die Zeit reif ist. alles. angesichts der Überlegenheit der englischen Flotte von der Idee jedoch wieder Abstand genommen. was von ihr übrig geblieben ist. der ihnen das Militär ruhigstellt. steht ständig in Gefahr. In der Seeschlacht bei Abukir hat der britische Admiral Horatio Nelson die gesamte französische Mittelmeerflotte bis auf vier Schiffe auf den Meeresgrund geschossen. seine Armee. Da nützt es auch nichts. Damit ist klar. schließlich bekommen die Herren so endlich den nervigen Korsen vom Hals. Von einem „Meisterstück kulturhistorischer Propaganda“ spricht der Biograf Johannes Willms. die nach ihm im Orient noch andere erleben werden. und sich zum Amüsement seiner Offiziere in Landestracht wirft – eine Enttäuschung. dass dem General schon bald das Geld ausgeht. * Im Juni 1940 am Grabmal Napoleons in Paris. bis oben zugeknöpfer Soldatenrock D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 112 . Das Direktorium ist von dem Plan schnell überzeugt. Nur einige seiner intellektuellen Begleiter. das Napoleon endgültig zum Mythos macht. Verfasser des berühmten Manifests „Was ist der Dritte Stand?“. wollen sich endlich der morschen Regierung entledigen und die Macht auf ein Triumvirat von drei Konsuln verlagern. Die Demokratie ist vorerst noch eine sehr wacklige Herrschaftsform. trotz des Fehlschlags in Ägypten. die Macht ganz für sich zu beanspruchen. Tatsächlich lässt sich in dem Land so wenig Beute machen. Heimlich verlässt er seinen Kommandoposten und segelt nach Frankreich. Der Nimbus ist ungebrochen. Im August hält es Napoleon nicht länger in Kairo. wie er die Begeisterung am Leben hält: Mit an Bord sind 200 Wissenschaftler und Künstler – embedded. Das ist viel wertvoller als ein paar Schatztruhen mit Goldtinnef. dass ihm die BETTMANN / CORBIS Invalidendom-Besucher Hitler*: Schlichter. Verglichen mit den satten Wohlstandswiesen Oberitaliens ist die Wüste Ägyptens als Kolonialgebiet eher uninteressant. Aber dafür winkt ein anderer. die ihm so schöne Kränze geflochten haben. laufen in Paris die Vorbereitungen für einen Staatsstreich. seitdem sitzt das Expeditionskorps in der Wüste fest. dem Schicksal überlassend. in Volksterror umzuschlagen oder in die Diktatur eines charismatischen Führers. Und der Feldherr weiß. wie es eigentlich absehbar war: als Fehlschlag. die jeden Abschnitt der Reise dokumentieren. eifrig den Koran zu lesen. nimmt er mit: Schlechte Presse kann er jetzt nicht gebrauchen. Die Verschwörer um den Abbés Sieyès.

der ihnen so viele glänzende Siege beschert hat. also dem 9. die den neuen Staat in einem Konkordat ausdrücklich anerkennt. unbeschadet ins Freie entkommt. die man ihm in die Hand gelegt hat. Schneider. er sorgt für eine effektive Verwaltung und saniert die Staatsfinanzen. Und natürlich lässt sich der neue starke Mann die Macht nicht mehr nehmen. Es ist ermattet von der Revolution. Viele Adlige Statt des Brots der Gleichheit stopft man wieder kleine Marmeladenbrötchen in sich hinein. sie könnten sich eines populären Soldaten als „Schwert“ bedienen. Nur der Geistesgegenwart seines Bruders Lucien ist es zu verdanken. Brumaire. Ihre Hoffnungen ruhen jetzt auf dem Volkshelden. Tausend neue Tanzlokale zählt der Journalist Louis Mercier in seinem „Tableau de Paris“. hier bewirkt der drohende Auftritt das Gegenteil: Die Versammlung. braunem. Und Napoleon gibt ihnen. die mit dem Geld so verschwenderisch umgeht wie mit ihrem Körper. nach getaner Arbeit. Am Ende überzeugt die Macht der Musketen: Angesichts der vor dem Versammlungsort aufgezogenen Truppen gewinnt der künftig erste Mann im Staat seine Haltung zurück. Aber wenn es einen Menschen im Leben dieses Einzelgängers 113 .) Napoleon-Puppe Berlusconi. das die Provinzen quält. ist der Mehrheit der Franzosen offenkundig egal. was sie verlangen. der katholischen Kirche. die eben noch bereit war. Als er sie in einem Pariser Salon kennenlernt. Aber auch die Illusion der Verschwörer. dass Napoleon. nur leicht verhüllt in kostbarem Taft und Musselin. um ihn dann. jemand packt ihn am Kragen. als Napoleon sich zum Kaiser und seine Frau zur Kaiserin macht. Das ist ein Argument. Dort sollen sie dann – unter der einschüchternden Präsenz der von Napoleon befehligten Truppen – der gewünschten Verfassungsänderung zustimmen. er habe darin während der Arbeit an der „Kartause von Parma“ jeden Tag zwei bis drei Seiten zur Einstimmung gelesen. dass er den Vorsitz unter den drei Konsuln und damit die eigentliche Entscheidungsgewalt erhält. den stillen Staatsstreich abzusegnen. Also genau die richtige Partie für einen etwas gehemmt wirkenden jungen Menschen mit dem Aufstiegsehrgeiz eines Cäsaren. wie in einer Fallstudie beobachten: die Flüsterei im Hinterzimmer. Alles lässt sich in der Verschwörung vom 18. die AFP (L. In diese Epoche der Restauration fällt auch die bedeutendste Hinterlassenschaft des Ersten Konsuls. Das Land braucht dringend eine ordnende Hand.Aufgabe zufällt. Man ruft: „Nieder mit dem Tyrannen“. ein jakobinisches Komplott abwenden zu müssen. sich in die Schankwirtschaften von SaintCloud verstreut haben. einer Ohnmacht nahe. Die Beziehung zu seiner Frau Joséphine de Beauharnais ist längst Teil des Napoleon-Mythos. nach den Blutexzessen der Vergangenheit. die törichte Selbstbeschwichtigung der demokratischen Institutionen. Putzmacher. von Gewalt schwafelt. die Bürger sehnen sich nach Ruhe und Frieden. die sich vor der Revolution ins Ausland geflüchtet haben. das geduldige Kalkulieren des Überraschungsmoments. der Code Civil. sowie den Exilanten. mit der man Abweichler notfalls gefügig machen werde. Befehle auszuführen. an. Dass hier nur unter größten Mühen der Anschein eines demokratischen Prozesses gewahrt wird. der Comtesse de Rémusat. sich 300 Hüte und 700 Kleider im Jahr anschafft. rotem Frack. Wer kennt außerhalb der politischen Zirkel schon den Namen Sieyès? Das Idol der Massen heißt Napoleon Bonaparte. und stürmt gegen den General. die Delegierten folgen dem Vorschlag zur Vertagung in den Vorort. Er räumt mit dem Bandenwesen auf. Aber auf Dauer ist dieser schmatzende Frieden nichts für den rastlosen Korsen. Er ist viel zu energiegeladen. wieder auszumustern. der den Kopf verliert und die Delegierten mit einer wilden Rede bedrängt. In den kehren zurück und mit ihnen der Glanz des höfischen Frankreich. Die Idee zum Coup ist einfach: Unter dem Vorwand. Es ist ein Monumentalwerk. sollen die Abgeordneten aus Paris ins vermeintlich sichere Saint-Cloud umziehen. toll und selbstverliebt. die Mutter bleibt aus Protest sogar der Krönungszeremonie fern. von dem der Schriftsteller Stendhal behauptet. Die Schuld trägt ausgerechnet Napoleon. Die Herren D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 tragen blütenweiße Nankinghosen mit gelbem. Eilends lässt man die Abgeordneten zusammensuchen. Vor allem aber macht er Frieden mit den Gegnern der Republik. Das Buch überdauert Napoleons Tod und prägt bis heute. gegen das man in der Politik. dazu unzählige Juweliere. Auch das Eheleben bietet nicht mehr den Reiz. wie sie jetzt betrieben wird. vertraut er später seiner gelegentlichen Schachpartnerin. THOMAS WIECK / DAPD (R. nur schwer ankommt. -Imitator Lafontaine: Wahrnehmungen sind formbar Wochen vor dem Putsch hat er jede Andeutung vermieden. Die ersten Jahre nach der Machtübernahme sind für Frankreich die besten seit langem. November 1799. das Experiment zunächst wieder zu beenden – mit dem ersten Militärputsch der Moderne. aber dafür Gott und die Welt kennt. und in den Tuilerien paart sich das neue Geld mit dem alten. ihm stehe der Sinn nach Höherem. in der Hand eine elegante Reitpeitsche mit goldenem Griff. empört sich gegen den Eindringling. die schließlich in einem fatalen Umschlag der Machtbalance endet.). den es aus der Entfernung des Feldlagers versprach. neben den militärischen Siegen und Katastrophen. die Erinnerung an ihn. Die Damen fahren in ihren Equipagen spazieren. Fäuste fliegen. Doch dann gerät das Unternehmen beinahe noch zum Reinfall. Statt des Brots der Gleichheit stopft man wieder kleine Marmeladenbrötchen in sich hinein. Unter Soldaten ist man gewohnt. schon etwas verblühte Schönheit mit zwei Kindern aus erster Ehe. die der Jeunesse dorée zu Diensten sind. setzt er durch. Es ist eine ausschweifende Zeit. die man bei Bedarf auch wieder gegen das Gesindel anwendet. Zunächst läuft alles nach Plan. ist sie eine sechs Jahre ältere. Prototyp jedes Bürgerlichen Gesetzbuchs. um sich mit dem Anhäufen von Kunstgegenständen oder dem Ausstaffieren seiner Stadtvilla zufriedenzugeben. Aber als der Erfolg sicher ist. so wie es die Mode der Zeit diktiert. und presst ihnen die Zustimmung ab. Seine Familie war immer gegen die Verbindung. „In keinem Abschnitt meines Lebens habe ich größere Schmiegsamkeit nötig gehabt“.

im Louvre. „Eure Herrscher. Wenn es sein muss. wird der Eroberungsehrgeiz schnell maßlos. klein und ganz ohne Figur. der ihm bis ins Herz sehen konnte. es ist auch das Bewusstsein. Österreich ist durch Friedensverträge bis zur Lähmung eingesponnen. Er erfindet Paris neu als Hauptstadt des Universums und gründet eine Religion mit einem von ihm entworfenen Koran. bemerkt Talleyrand beim Hinausgehen – eines dieser lässig hingeworfenen Spottworte. um sich von allen Störungen frei zu halten. Davor liegt ein Riegel an Vasallenstaaten. noch spektakulärer als der vorhergehende. der sogenannte Rheinbund. wie er den Comte minutenlang anschreit. noch berauschender. der Leute wie ihn wenige Jahre zuvor nicht einmal über die Türschwelle gelassen hätte. zerschossen. Doch das liegt jetzt Jahre zurück. Aber das bleiben heitsbewegungen. Mit 600 000 Mann bricht er im Sommer 1812 auf. seine Unduldsamkeit. für die er gefürchtet ist und die mehr ausrichten als jede Erwiderung. als sie den nichtsnutzigen Mitgliedern seiner Familie zu übergeben. stark und folglich gefürchtet zu sein. Aber es ist nicht nur sein unstetes Temperament. aufgedunsenes Gesicht. an dem ich aufgehört habe. sind fast alle Gegner besiegt. Nicht einmal für den von ihm besetzten Kontinent hat er eine genaue Vorstellung. . „Ein dickes. keine Rücksichten auf andere oder eine Zügelung durch die Verpflichtung der Herkunft. dass ein so großer Mann so schlecht erzogen ist“. die es zu respektieren gilt. der die Verbündeten ruiniert und ihn selbst in der Folge alles kostet. Der Marsch nach Russland.gab.“ Immer öfter macht Napoleon Szenen. dass er seine Feinde auch deshalb mit solcher Eile niederwarf. Das ist. der Hang zur Gewalttätigkeit. Jetzt liegt eine mit blauem Blut in seinem Bett. muss den Eindruck gewinnen. die ihn im Juli 1807 aus der Nähe beobachtet. die augenblicklich in Jähzorn umschlagen kann. Er träumt von der Weltherrschaft. unterwirft Indien und den Orient. unterwirft Indien und gründet eine Religion. der ultimative Triumph über jenen Stand. Der Hofstaat sieht starr und unbehaglich zu. die lächerliche OperettenKönigreiche daraus machen. beschreibt er in einem Moment ungewohnter Offenheit im Gespräch mit dem österreichischen Thronfolger das Problem des Parvenus. „Meine Herrschaft überdauert den Tag nicht. weil er ihn verdächtigt. an dem es keine Grenzen mehr gibt. ganz nebenbei. Er rafft ein Land nach dem anderen an sich. der Frankreich gegen den Osten schützt. während der nur eisig lächelnd am Kaminsims lehnt. lässt sich dieser leidenschaftliche 24-Stunden-Mensch ein Feldbett im Arbeitszimmer seines Palasts aufschlagen. 1806/07. Als „auffallend hässlich“ beschreibt ihn die preußische Oberhofmeisterin Gräfin Sophie Marie von Voss. selbst die nächsten Verwandten dürfen sich nur noch in gebückter Haltung nähern. „Wie schade. gilt bis heute als eines der größten militärischen Desaster der Neuzeit. die schließlich ganz Europa in Brand setzen. Wer die Briefe liest. D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 er sich lieber in einen sinnlosen Handelskrieg mit dem englischen Feind. Er könnte Frieden schließen. im Jahr 1812. hinter seinem Rücken gegen ihn zu konspirieren. Im Geiste rückt er nach Asien vor. So züchtet er unwillentlich die nationalistischen Frei* Gemälde von Jacques-Louis David. dann war es Joséphine. die Napoleon so unüberwindlich machte. Seine großen runden Augen rollen unheimlich umher. Nur die Engländer auf ihrer Insel hat Napoleon noch nicht unter seine Kontrolle gebracht.“ Je länger er regiert. Wo 114 Kaiserkrönung Napoleons 1804*: „Meine Herrschaft überdauert den Tag nicht. weiß aber dann mit seinen Eroberungen nichts anderes anzufangen. geboren auf dem Throne. Einmal lässt er seinen Außenminister Charles de Talleyrand zu sich rufen. richtet sich nun gegen ihn. können sich zwanzigmal schlagen lassen und doch immer wieder in ihre Residenzen zurückkehren“. desto mehr treten die bösen Seiten seines Charakters hervor. Auf einen Erfolg muss der nächste folgen. um das Reich außenpolitisch dauerhaft zu sichern. mit dem Napoleon das Zarenreich gefügig machen will. Gedankenschlösser. Preußen zu einem Rumpfstaat degradiert. damit er schnell wieder daheim sein konnte. Auch äußerlich hat er sich verändert. Alle Biografen rühmen Napoleons schier unerschöpfliche Arbeitskraft. die er ihr von seinen Eroberungszügen schrieb. dabei ist er korpulent. Doch zunächst einmal. Außerdem kann ihm seine Frau keine Kinder mehr gebären. erfroren oder verhungert. weshalb er sie schließlich gegen eine Tochter des österreichischen Königshauses austauscht. das ihn antreibt. Die Bindungslosigkeit des Außenseiters. dass die charismatische Herrschaft keinen Stillstand erlaubt. Stattdessen stürzt Im Geiste rückt er nach Asien vor. 120 000 kehren mit ihm im Dezember zurück – der Rest unterwegs erschlagen.

von den langen Abendunterhaltungen haben seine Adjutanten eifrig Aufzeichnungen gemacht. die seine Armee tödlich schwächen. Mit der Niederlage bei Waterloo endet die 100-Tage-Herrschaft. So hat die Art und Weise. der sich eilig in Sicherheit bringt. das den Inselfelsen verwaltet. schließlich war schon der Vater an diesem Krebs gestorben. Seinen Titel darf Napoleon behalten. mich hat er unendlich emporgetragen. bis es zu spät ist.ich aufgehört habe. Doch schon zehn Monate später ist er zurück. zu ihrem alten Anführer stehen. Es ist eher eine Strafexpedition. nur noch verzögern. Jeder Tag befreit mich von meinem Anstrich eines Tyrannen. ein merkwürdig fatalistischer Zug. als man ihn gewaltsam von der Macht trennt. die Napoleon aufhalten sollen. JAN FLEISCHHAUER PIERRE ADENIS / LAIF Video: Das Geschäft mit dem Napoleon-Mythos spiegel. Die Gefangenschaft stilisiert er zum Martyrium: „Der Sturz lässt Herrscher für gewöhnlich klein werden. auch etwas Selbstzerstörisches. während der ganzen Kampagne. Für seinen angemessen Platz im Geschichtsbuch hat Napoleon. dass er glaubt. dass die D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 in den Süden entsandten Einheiten. die den Zaren wieder gefügig machen soll. die Elite des Landes hat schon länger den Glauben an ihn verloren. Schon auf der Überfahrt hat er mit dem Diktat für seine Memoiren begonnen. die in Wahrheit nur eine Scheinblüte war. die Pferde mit scharfen Stollen beschlagen zu lassen. Fünfeinhalb Jahre hält er an diesem unwirtlichen Ort noch durch. Wochenlang brütet er im verbrannten Moskau über den Rückzugsbefehl. das Riesenreich annektieren zu können. aber nie war er so groß wie in seinem Nachleben. ungeliebter König. viel zu jung. stark und gefürchtet zu sein“ Viele Historiker haben später gerätselt. 7500 Kilometer von Frankreich entfernt. an dessen Wänden der Wind frisst und der Schimmel nagt. der von seinen Feinden in den Krieg gezwungen wurde. auf diesen trostlosen Felsen im Südatlantik. dann raffen ihn Monotonie und Langeweile dahin. 45 Jahre alt ist der Kaiser. In der Selbstdeutung ist er ein Friedensstifter. dem russischen Winter zu entkommen. der die von Napoleon verfügte Handelssperre mit England missachtet. Erst in der Verbannung auf Elba findet der Volkstribun zur alten Form zurück. wie jeder große Politiker. Vor allem aber ist der Feldzug Ausdruck der Ratlosigkeit. Andere sehen die Hand Englands im Spiel. So vermessen ist nicht einmal Napoleon. Doch ein Genie darf nicht einfach ins Grab sinken. ein naheliegender Befund. die auch ohne gezückten Dolch Bestand gehabt hätte. Noch einmal trägt ihn der Beifallstaumel bis nach Paris. um „die Invasion eines Landes durch einen Mann“ zu beginnen. Im April 1814 haben ihn die eigenen Generäle zur Abdankung gezwungen. Als man ihm den Vorschlag unterbreitet. dazu bekommt er eine Apanage von zwei Millionen Francs zugesprochen und 1000 Soldaten als Leibwache. Auf dem Thron in Paris sitzt mittlerweile wieder ein Bourbone. vorgesorgt. die sich gegen Frankreich zusammengefunden haben. Diesmal will die Welt sichergehen. aber für eine Friedensordnung. wispern die Napoleon-Getreuen. Am 1. Deshalb schicken sie ihn in ein Grab. Dann wieder trifft er Entscheidungen. als klar wird. am Ende steht die Grande Armée ohne Kavallerie da und ist den Angriffen der Kosaken schutzlos ausgeliefert. wie er seine Soldaten in den Untergang schickt. Aber er kann den endgültigen Fall nicht mehr aufhalten. kaum hat er sie begonnen. sein Sekretär soll den Gifttrank gemischt haben. Tatsächlich befällt den Mann.“ Mit dieser Einschätzung sollte er recht behalten. ein fetter. März 1815 landet er in Cannes. Denn der Feldzug gegen Russland ist ja kein Eroberungskrieg. warum Napoleon sich auf dieses Wagnis überhaupt eingelassen hat. sein strategisches Talent. winkt er brüsk ab. um seine Tage auf einer Mittelmeerinsel zu verdämmern. Napoleons letzter Aufenthaltsort ist ein rattenverseuchtes Landhaus auf einem kargen Hochplateau. Der Diktator spricht ständig von Frieden. verbannen ihn nach Sankt Helena. eines Wilden. aus dem er sich nicht mehr befreien kann. eines Mörders. dass der ewige Wiedergänger nicht noch einmal aufersteht. 1800 Kilometer zur nächsten Küste.de/app322013napoleon oder in der App DER SPIEGEL 115 . Zu Lebzeiten ragte Napoleon schon einsam hervor. Mit dem ersten Frost verenden innerhalb von nur drei Tagen Zehntausende Tiere. der immer für seine Tatkraft gerühmt wurde. wie Chateaubriand diesen vorletzten Akt genannt hat. damit sie auch auf Eis und Schnee Halt finden. Das offizielle Protokoll nennt Magenkrebs als Todesursache. So ranken sich sofort nach seinem Ableben Gerüchte um den Tod. Noch einmal zeigt er beim Vormarsch auf die Alliierten. fehlt Napoleon die Phantasie des Diplomaten. Man habe ihn langsam vergiftet. schon gar nicht eines von der geschichtlichen Größe Napoleons.

D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 JOHN BERKEY / NATIONAL GEOGRAPHIC DEBBIE DICARLO / REX FEATURES / ACTION PRESS . haben längst auch die Metropolen erobert: Dort gibt’s jede Menge Futter für sie. Die Spanier haben die Stellung allerdings nicht einmal 18 Monate halten können: Die Indianer brannten die Forts nieder und töteten fast alle Männer. Bei den Ausgrabungen fanden die Archäologen den Umfassungsgraben des Forts unter einem Hügel der Ureinwohner. Ureinwohner (Illustration) San Juan gefunden. das größte von ihnen. Nun haben Archäologen um Robin Beck von der University of Michigan das Fort 116 Pardo (l. Profiteure der einst gnadenlosen Jagd auf Wölfe. der ersten englischen Dauersiedlung in Nordamerika. Die Kojoten.). die im US-Bundesstaat Minnesota diese Kojotenmutter mit ihren Welpen beobachtet hat. Bislang wussten Forscher nur aus Dokumenten von den Festungen. Der Anlass für die Feindseligkeiten ist noch unklar. berichtet die Naturfotografin Debbie DiCarlo. Pardo hatte als Standort für das Fort das Dorf Joara der Mississippi-Indianer im heutigen North Carolina gewählt. Das Tier ARCHÄOLOGI E antwortete auf die Rufe der Artgenossen. Sie sollten die spanische Herrschaft in der Region sichern und eine Verbindung zu den mexikanischen Silberminen schaffen. und schon setzten die Kleinen ein und imitierten Mama. Gestürmte Festungen Fast hätten die Spanier den gesamten Südosten der heutigen USA erobert: In den Jahren 1566 bis 1568 baute der Entdecker Juan Pardo sieben Festungen. Außerdem entdeckten sie Eisennägel und spanische Majolika-Keramik. von der Küste South Carolinas bis ins östliche Tennessee. als andere Kojoten in der Ferne zu heulen anfingen“. Die Spanier bauten es 40 Jahre vor der Gründung von Jamestown.Prisma Und jetzt alle! „Der Zauber begann.

SPIEGEL: Angesichts der Lage in Ägypten dürfte es schwierig sein. bekommen sie eine kleine Strafe. einer der Autoren der Studie.Wissenschaft · Technik PSYCHOLOGI E Moral im Knast Zwei Forscher der Universität Hamburg haben erstmals das sogenannte Gefangenendilemma an realen Gefangenen getestet. „Wir haben eher beobachtet. Das sind etwa fünf Prozent der Vögel. glaubt der 48-Jährige. Synästhesie heißt dieses Verwirbeln der Wahrnehmung. zumal die Forscher das Spiel abstrakt hielten und nur von „Option A“ und „B“ sprachen anstatt von „Schweigen“ und „Gestehen“.“ In einem YouTube-Video erklärt der Patient. wie der andere sich entscheidet. Die Forscher ließen 90 Häftlinge des Frauengefängnisses Vechta gegeneinander spielen – die Strafen zog man ihnen von einem Extrabatzen Telefongeld ab. bei dem man dem Mitspieler mit einem gewissen Risiko Geld stehlen kann. vermutet Tom Schweizer. bei der Regierung mit dem Thema Vogelschutz Gehör zu finden … Neuling: Es gibt derzeit gar keinen Adressaten für diese Problematik. dass sie einander helfen. Keiner weiß. Die Gefangenen klauten im Schnitt weniger als die Studentinnen. Aber wegen der unruhigen politischen Lage gibt es kaum noch Kontrollen. Gesteht jedoch nur einer. dem ägyptischen Botschafter und der Bundesregierung eine Petition gegen die Vogeljagd zu übergeben. Abgesehen von den Städten gibt es kaum noch Lücken.“ Womöglich dächten Studentinnen strategischer. sagt Menusch Khadjavi. Die Häftlinge würden eher die „moralische Dimension“ erkennen und entsprechend handeln. auf den Märkten ihren Unmut über die angebotenen Vögel zu äußern. ihre Reise sei gefährlicher denn je – warum? Neuling: An der ägyptischen Mittelmeerküste hat die Jagd auf Zugvögel massiv zugenommen. sind die Kabel falsch verdrahtet worden“. Kaum jemand wird mit dem Phänomen erst im Laufe seines Lebens konfrontiert: Der Kanadier ist erst der zweite Fall weltweit. lauscht er intensiver Musik. Das ist überraschend. Das Ergebnis verblüffte: Die Häftlinge kooperierten viel häufiger miteinander als eine Gruppe Studentinnen. 32. Weil die Häftlinge zusammenarbeiteten. dass Inhaftierte egoistischer sind“. Dort gibt es jetzt Netze auf einer Gesamtlänge von 700 Kilometern. Frauengefängnis in Vechta CARMEN JASPERSEN / PICTURE ALLIANCE / DPA ARTENSCHUTZ „Wachteln sind begehrt“ Der Ornithologe Eric Neuling. Schweigen beide. auf den Noten zu tanzen. etwa der Maler Wassily Kandinsky oder der Musiker Billy Joel. Wir planen jetzt. NABU Vogelfangnetze in Ägypten D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 117 DR. kommt er ungeschoren davon – sein schweigender Gegenpart erhält die Höchststrafe. MEDIZIN „Kosmische Reise“ Ein Schlaganfall hat bei einem Kanadier eine seltene Neuvernetzung der Sinneswahrnehmungen ausgelöst. Dadurch ist ein rechtsfreier Raum für skrupellose Geschäftemacher entstanden. auf ganzer Strecke werden die Vögel weggefangen. sieht er die Farbe Blau. oder die Teilnahme sei für sie nur eine Möglichkeit. Gestehen beide. Der Schlaganfall hat im Gehirn des Patienten vermutlich den Thalamus geschädigt. SPIEGEL: Wie viele Vögel werden auf diese Weise getötet? Neuling: Wir haben zunächst mit rund zehn Millionen Tieren pro Jahr gerech- net. der den Fall im Fachblatt „Neurology“ beschreibt. Und Touristen könnten versuchen. von der Naturschutzorganisation Nabu über die brutale Jagd auf Zugvögel in Ägypten SPIEGEL: Ab Mitte August brechen die ersten Zugvögel Richtung Afrika auf. Wenn er Himbeeren isst. Und bei der schwierigen wirtschaftlichen Lage fragen sich auch vie- le kleine Leute. Das ist bestandsgefährdend für einzelne Arten wie den Pirol oder die Nachtigall. die das Experiment parallel absolvierten. Die Ökonomen testeten auch ein Spiel. Eine Wachtel bringt schon ein paar Piaster extra. Rund vier Prozent der Bevölkerung kommen mit einer Form der Synästhesie zur Welt. den sie als Dank für die Teilnahme bekamen. „Es gibt die These. Mittlerweile glauben wir. „Als das Gehirn sich reparierte. bekommen sie eine mittlere Strafe. Neurowissenschaftler in Toronto. dass sich die Titelmelodie von James Bond nun wie eine „kosmische Reise“ anfühle. Besonders Wachteln sind in Luxusrestaurants begehrt. „Der Mann betrachtet dies als Geschenk. SPIEGEL: Warum hat sich die Lage verschlechtert? Neuling: Es existieren zwar Konventionen gegen diese Art von Jagd. strichen sie am Ende mehr Geld ein. Sie sagen. wie sie über die Runden kommen. eine Schaltzentrale der Sinne. die von Europa nach Afrika ziehen. dass im Jahr 140 Millionen Vögel in Ägypten getötet werden. HOLGER SCHULZ . Bei diesem Klassiker der Spieltheorie werden zwei Personen einer gemeinsamen Straftat beschuldigt. Geld zu verdienen.

Im Osten. Elbe und Spree. Nun ist ein politischer Streit entbrannt: Moskitos bekämpfen – oder nicht? . droht eine Dauerinvasion. tropische Arten rücken bis in den Norden vor. an Havel.Wissenschaft Gemeine Stechmücke auf menschlicher Haut (26fache Vergrößerung) U M W E LT Tanz der Vampire Seit Wochen plagen Mücken das Land.

mit 500 Flügel. In den im Juni überfluteten Gebieten haben die Forscher zusätzliche Stationen errichtet. um die Folgen der Wiederbefeuchtung erträglicher zu machen.Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsflutungsflächen. Als Mitte der siebziger Jahre Spaziergänger bei Speyer in nur zwei Minuten von bis zu tau- Heimat der Moskitos Mückenverbreitung in Deutschland. Die Handy-App „Anti Mosquito“.forschung jetzt eine aktuelle Moskitoser war die Umgebung vollgelaufen.n lauschigen Abenden sitzt Dieter Vor allem im Osten quälen die BlutsauDombrowski. In der Tat ist die Lage im Osten unGrund für den Ärger: In der Nähe von gemütlich. packen diese Sonderlinge ihre Eier in ausgetrocknete Senken und Kuhlen nahe der Flüsse. Ge. Donau und Elbe in diesem Sommer geschehen. Der „Uferstrand Chemnitz“ bietet der der CDU in Brandenburg. auf dem Gartenstuhl Platz. Am bes. Der Stoff zerstört die Darmwand der Mückenlarven. Sie soll sich mit einem Mittel rüsten. Die Gebiete an Havel und Spree schwemmungsmücken. Am 14. 119 OKAPIA . gern im Garten seines Hauses im Künst. wird pro Minute von mehr als zehn ke angriffslustiger Stechinsekten. Aber doch nicht so. Zugespitzt hat sich die Lage durch die Vernässungspolitik. liegt laut der Forscherin an der weitverzweigten Flusslandschaft im Osten mit ihren unzähligen Bächen und Kanälen. Fraktionsvorsitzen. Labortests ergaben. der sich in diesen Zonen aufentsteigt dem Gebiet eine schwarze Wol. Nach dem Juni-Hochwas. Deiche wurden eingerissen. schen Elbe und Neiße sind vielfach rot Das Wasser ist weg. manche Patienten leiden an Schüttelfrost und Atemnot. Der Landtag von Sachsen-Anhalt hat sich bereits im Juli einmütig für eine Bekämpfung starkgemacht. Notaufnahmen in Bremer Kliniken melden stark entzündete Quaddeln. Alle Fraktionen streben einen „effizienten Schutz gegen Mückenplagen“ mit Hilfe des weißlichen Biogifts an. bringt noch weniger: gar nichts. Schweiß und Parfum ihrer Opfer. „Wo früher Gras wuchs. sind es heute Binsen“. ten wirke das von einem Dorfbewohner „Uns brechen die Urlauber weg. Die CDU in Potsdam drängt deshalb auf Maßnahmen.Verbreitungskarte erstellt. Die Auwälder dort waren früher reinste Fieberstätten. Romantische Landschaften entstehen so – aber auch Brutplätze für die summenden Lästlinge. die hochfrequente Töne aussendet. Vermummt nimmt er 24 Stiche – am Fuß. feuchten Wetters wird der Tanz der Vampire im August kaum abebben. Genau das ist an Rhein. sonders: Aedes vexans (übersetzt: lästiger Die Biologin stützt ihre Daten auf ein Quälgeist) und Ochlerotatus sticticus (ste. der Kummer aber eingefärbt (siehe Grafik).chefin Doreen Werner. das ein Bakterium namens Bacillus thuringiensis israelensis (Bti) erzeugt. Spreeufer zum Grillen trafen. Dombrowski wünscht sich eine behördliche Anti-Moskito-Staffel.regierung nun auf zu harter Gegenwehr. mault Dombrowski. Autan und Anti Brumm schützen bis zu acht Stunden. erklärt die ProjektUnter zwei Arten leidet das Land be. An der Havel soll sich demnächst 500 Hektar Weideland in Morast verwandeln.gestellt. erzählt er. Anders als die gemeine Hausmücke der Art Culex pipiens.Sorglose Camper aus Hamburg.hält. Als Vorbild dient dabei jenes entomologische Todeskommando. Mücken angeflogen“. ders aggressiv. deren Fänge täglich gezählt werden. von seinem Bundeswehreinsatz in Afgha. Jeder wird gern fungsstrategie. Sie sind beson.riesiges Beobachtungsnetz: Bundesweit chender Tunichtgut) sind beide etwa fünf hat ihr Institut an 120 Orten Fallen aufMillimeter groß und zählen zu den Über. tauschen wir zuerst unsere Mann Dombrowski die rot-rote LandesMückensprays aus“. Quelle: ZALF/FLI D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 A Dass die Mücken sich dort so prächtig entwickeln. um Feuchtzonen für Lurche oder Kraniche zu schaffen. versteht sich. Renaturierungsmaßnahmen haben dort ausgedehnte Sümpfe und Flussauen entstehen lassen. kommt es zur Brut-Explosion: Auf einen Schlag schlüpfen die Larven aus sämtlichen Eiern.gehend zerbeult. an der Bar kostenlos Schutzsprays an. nicht. dass die Eier mindestens fünf Jahre ohne Frischnass überleben. die verschiedene Mückengenerationen dort abgelegt haben. Der Zelter Lukas zählte gittern verhängt. Die Region sei „auch durch andere Moskitoarten ständig stark belastet“. die das Land Brandenburg im Namen des Naturschutzes betreibt. Tritt der Fluss über die Ufer. Die Zonen zwiwaltige Ströme ergossen sich in die Auen. starb 1828 an Malaria. Für den SPIEGEL hat das Dombrowskis Haus erstrecken sich Über. Im Winter trotzen sie Temperaturen bis minus 20 Grad. Angesichts des heißen. August 2013 starkes Aufkommen sehr starkes Aufkommen An 120 Standorten betreibt das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung rund tausend Mückenfallen. deren Nachwuchs in Regentonnen oder Tümpeln gedeiht.“ Landes das Thema einbringen: „Wir brauTrotzdem flieht der Politiker oft gegen chen für die Zukunft eine klare Bekämp20 Uhr von der Terrasse. wurden umNeuerdings ist sein Haus mit Fliegen. das seit über 30 Jahren am Oberrhein tätig ist.“ umschwärmt. schwingungen pro Sekunde – etwas höher als der Kammerton a.jüngst in Hangelsberg bei Berlin am liche Flusslandschaft der Havel.pro Falle. das Hausmittel Citronella nur 20 Minuten.seien momentan geradezu verseucht. die Kanunamens Olli: „Der hat noch Restbestände touristen fliehen“. Aus über 20 Meter Entfernung riechen die Viecher die Atemluft. die sich lerdorf Bahnitz und blickt auf die lieb. Der badische Wasserbauingenieur Johann Gottfried Tulla.August will er im Umweltausschuss des nistan. Der Feuchtraum ist nicht nur ein Dorado für Flutmücken. „Wenn NachAngesichts solcher Pein fordert CDUbarn kommen. wandern pro Tag im „Dort haben wir innerhalb von 24 StunSchnitt einen Kilometer und nähern sich den bis zu 4000 Mücken eingefangen“ – ihren Opfern musikalisch. der den Rhein mit Deichen und Dämmen zu bändigen versuchte.ger. Jeden Tag zur Abenddämmerung „Jeder. Schwarze Kleidung zieht sie mehr an als weiße. schimpft er.

wo jüngst wegen der Do. Die Plasmodien der Anophelesmücke sollen das Römische Reich einst fast in den Abgrund geführt haben. Beteiligt an dem Projekt ist auch das auf der Insel Riems angesiedelte Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit. da lauern ganz neue Gefahren. Es ne negativen Effekte nachweisen – selbst bleibt ein Zeitfenster von wenigen Tagen.sende Rinder. Beim Menschen kann es Hirnentzündungen auslösen – allerdings brauchte es erst einmal Kranke im Land. Angesichts solcher Vorbilder ziehen waren winzige heimische Bartmücken jetzt einige Landkreise in Bayern nach. Auf 25 Friedhöfen wurden Larven entdeckt. die das Blauzungen-Virus in In Deggendorf. sondern weit mehr Unheil anrichten können. In der Malaria in Deutschland um 1950 fast zum Gemeinde Pförring schult die KABS der.rung des „Bund Naturschutz in Bayern“. Richtig auf dem Vormarsch ist dagegen die Asiatische Buschmücke (Aedes japonicus). bilden sich Knötchen an seiner Haut.ein großes Team damit beschäftigt.Senkrecht wie Hagel plumpse das Eisgranulat vom Himmel. die türkische oder ägyptische Ferienanlagen ausschwärmen. Das Bti töte auch andere serstuhl bis Bingen auf einer Strecke von Insekten. Nur als Larven sind die Stechmücken anfällig für das Toxin. In seiner Zudem würden die Hubschrauber „brüHeimat genießt er den Rang eines „Herrn tende Vogelarten stören“ und das Präpader Mücken“. Sie sind nur wahnsinnig lästig. Er sident des Landesumweltamts. vielleicht auch Mohammed und Alexander der Große. werfen das Präparat in Form von verursachen. die eine „wichtige Nahrungsetwa 300 Kilometern die Uferzonen mit grundlage für Fische und Fledermäuse darstellen“.20 Euro“ pro Bürger.ta Tack (Linke) sieht keinen Handlungsschloss sich der Landrat von Ludwigs.de/app322013muecken oder in der App DER SPIEGEL . Gemeinden und Kreise an. damit Mücken Menschen infizieren können. einen den – und kratzen. „Aber Vorsicht. Aber wird das so bleiben? In der Antike versanken ganze Armeen im Fiebersumpf der Malaria. „Unsere Letalitätsquote rat im Wind verdriften.Freude. Mitt. im Tiefkühler zu töten und ihnen zuzuschicken. Der Prähafen zum großflächigen Widerstand. wieder hochzufahren. In drei Mückenarten aus Brandenburg wurden kürzlich die Larven des Hundehautwurms entdeckt. Schuld an der Epidemie bis in den Frankfurter Raum. das Gebiet bis Stuttgart. sagt Kampen. in denen die Leute zu den Brutstätten Verglichen mit den Qualm-Kanonen. Umweltministerin Ani. im Garten „gefüllte schaft zur Bekämpfung der Schnaken. Zu denken geben aktuell eher heimische Stechinsekten. Am forschung.Mückenlarven im Wasser: Für den Giftangriff bleibt ein Zeitfenster von wenigen Tagen send Mücken angefallen wurden. heißt es in einer VerlautbaBti besprühen lassen. „Mehrere Würmer“ seien bereits entdeckt worden. die in den Tropen das Denguefieber überträgt.“ Es gibt weitere Alarmzeichen. „Alles Unsinn“. gab nauflut eine zehnfach erhöhte Mückendichte gemessen wurde.Bakteriengift. In Deutsch. zu Hause Mücken lebend zu fangen. Aufgeschreckt durch den Vorfall.detaillierten „Mückenatlas“ zu erstellen. liche Direktor Norbert Becker. Dann etablierte sich eine Population zwischen Köln und Koblenz. bei zehnfacher Dosierung des Präparats. „Noch sind das Einzelfälle“. Italien und den USA kommt Bti zum Einsatz. erklärt der Laborleiter Helge Kampen. Derzeit ist am Leibniz-Zentrum zeit Azubis gegen das Stechgetier. die derzeit das Land durchsummen.Eimer und Gießkannen“ zu leeren. Pharao Tutanchamun trug den Erreger in sich. ent. Eisperlen ab. 120 D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 Die Forscher haben alle Bürger ermuntert. Kopf der Truppe ist der wissenschaft. Der Verlust für die Bauern ging in die Millionen.Plager dezimieren? Für diese Strategie schrauber. Zumeist wird das Insekt von Italien-Touristen im Auto als blinder Passagier auf süddeutsche Raststätten verschleppt. Beispiel: Im Jahr 2007 brachten TauAuch in Frankreich. Vorvergangene Woche meldete Doreen Werners Team vom Leibniz-Zentrum. Manche Ökologen stören sich an dem Heute gehören dem Verein 102 Städte. keine ernsthaften gesundheitlichen Schäden angerichtet.bedarf in Sachen Mückenpolizei. Bis zu 400 „Schnaken-Obleute“ und mit Insektiziden vernebeln.spricht. erklärt er. Noch haben die gewaltigen Schwärme. Die Leute dort zerschneiden die eingefangenen Insekten und suchen sie nach Erregern ab. „Sie werden derzeit bestimmt. die vom Kai. Schafe und Ziegen in Mitland hat die KABS die Nase vorn.teleuropa missgebildeten Nachwuchs zur lerweile schickt sie ihre Insektenkrieger Welt. die seit dem Ausrotten der Chiemsee schwirrten Helikopter.sich trugen.“ Tatsächlich lassen sich bislang fast keiPlan vorgehen. in Deutschland tummelt. so Werner. („Gnitzen“).“ MATTHIAS SCHULZ BLICKWINKEL / IMAGO Video-Reportage: Auf Mückenjagd spiegel. Über 30 Arten konnten so bestimmt werden.Erliegen gekommen war. Die Kosten für die Einsätze beziffert er auf „jähr. Erst besiedelte sie. das West-Nil-Virus zu übertragen. Bislang erreichten 2800 Einsendungen das Institut. Wird ein Mensch von den Parasiten befallen. dass die Biester sich jetzt auch bei Hannover wohlfühlen. Also losschlagen und die nervigen kartierten Flutlachen und vollgelaufenen Senken mit Handspritzen. dass sich die Asiatische Tigermücke. Die Truppe muss allerdings streng nach das Eiweiß harmlos. von den Alpen kommend. „In Deutschland ist bislang kein Mensch nach einem Mückenstich schwer erkrankt“. „Für andere Tiere ist lich 1. plage (KABS). die Moskitomit Spritzen in die Brutpfützen. In Brandenburg dagegen heißt es: dul. Die Entomologen fanden heraus. Der Fremdling steht im Verdacht. von Regionalleitern koordi. rät lapidar. Im Übrigen sei ihm der Kampf zu teuer. wirkt der Einstudentische Helfer besprühen dann alle satz des Mittels geradezu elegant. Matthias gründete die Kommunale Aktionsgemein. meint Norbert Becker: liegt bei 95 Prozent“. gelangt das Gift die Bundesregierung Order. Zwei Hub. dass Mücken nicht nur Juckreiz niert.

immer neuer Durchleuchtungsapparate patienten geschaffen. ein Drittel aller entdeckten Brustkrebsshire in einem Buch. riva Verlag. Und Lisa Schwartz. MEDIZIN Vorsicht. Schwartz. dass man eine Schwartz. nur schaden“. obals 250 Mediziner und Gesundheitsforwohl dies vielleicht möglich gewesen scher auf dem grünen Campus der Dartwäre. fitieren können. tiges Potential für Überdiagnosen. „sie hätgrafie – diagnostische Verfahren sind inWahrscheinlichkeit mit ADHS diagnostiziert als ihre ältesten Klassenkameraden. Die zent aller beschwerdefreien Menschen Mit einer Flut von Tests Zahl der angeblich hypertoniekranken haben Gallensteine.“ Zum anderen ermitteln Ärzte mit Hilfe Blut auf 200 verringert – und auf diese Weise über Nacht ein Heer von Risiko. dass Probleme nicht nur durch zu Schwangerschaftsdiabetes Einer erweiterten Definition zufolge schaftlerin Ingrid Mühlhauser von der wenig Medizin entstehen können – sonsind 20% aller Schwangeren betroffen. Labortests. aber nur drei Prozent von ihstellt wird. versuchen ausgesetzt. tienten. Mehr „Eine Übertherapie liegt vor. obwohl diese Anomalien zwischen derart ausgefeilt. Teilnehmer. Diagnose F JIM VARNEY / SCIENCE PHOTO LIBRARY / AGENTUR FOCUS D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 121 . das jetzt auf Deutsch Osteoporose diagnosen überdiagnostiziert. Diesen Menschen nutzt Gesunder ist heute bloß ein Mensch. weil ihnen eigentlich suchen. dann bekommen Patienten in der gen ausgesetzt waren und die meisten Folge überflüssige Medikamente verMedikamente bekamen. scheint. Knochendichtebestimmung. Im September wird sie mehr Quelle: British Medical Journal Krankheit nicht früher gefunden hat. in Patienten – irgendein Makel Für eine Studie ließen sich mehr als Diese Messwert-Kranken werden Heilfindet sich immer. untersucht hat. schreiben die Ärzte Früherkennung sind Überdiagnosen.werts. Sie sagt: „Es fällt dern auch durch zu viel Medizin“. etwa 40 Prozent und Screenings verwandeln Menschen ist durch diesen Streich stark Meniskusschäden und mehr als 50 ProÄrzte gesunde Menschen zent vorgewölbte Bandscheiben.Krank durch Überdiagnose „Aber er fordert auch seinen Tribut“. sagt schwer zu akzeptieren. Rund 10 Pro160 zu 100 auf 140 zu 90 abgesenkt. wenn sie noch gesund sind – und werden Des Guten zu viel Keine Frage. 336 Seiten. sie kann ihnen der Doktor noch nicht gründlich genug gar nicht. Gilbert Welch und Steven einer im „British Medical Journal“ verWoloshin von der Dartmouth Medical Lungenkrebs Mindestens ein Viertel der Befunde öffentlichten Übersichtsstudie zufolge ist School im US-Bundesstaat New Hamperweisen sich als Fehlalarm. warerfassung. sondern produziert auch PatienSie haben einst den Grenzwert für Cho. wenn bei wandelt Gesunde in Risikopatienten. wie sie damit Ausweitung der Diagnose inzwischen als Prostatakrebs Ein Bluttest löst in der Mehrheit der umgehen. in Wahrheit aber der medizinischen Betreuung. Gilbert Welch und Steven Woloshin: den Medizinmuffeln war ihre SterblichBlutdruckmessung „Die Diagnosefalle“. und werden wollten. Ganz gleich ob Prostatatest. weil Mediziner die Grenze nicht nur zahlreiche Menschen zu Pazwischen gesund und krank verschieben.ten mit der mildesten Form der Kranklesterin von 250 Milligramm pro Deziliter heit.99 Euro. keit deutlich erhöht. Cholesterin. München. „Es gibt ein größeres Verständnis glaubt die Ärztin und Gesundheitswissendafür. erscheint*. wichtigste Ursache von Übertherapie. Universität Hamburg.Ganzkörpercomputertomografen unterrüher gingen Menschen zum Arzt. der noch als normal gilt. denn Blutdruckmessung oder Computertomowerden. und Menschen stehen vor der wachsenden Schar Mediziner. Die Schwelle für Befunde.ihnen mindestens eine Anomalie auf. sind auch völlig harmloser Befund diagnostiziert diejenigen. ein Asthma 30 % der diagnostizierten Patienten ursachen werden. ten Anomalien. Die Ausweitung des Krankheitsbegriffs Diagnosen sind mit Unsicherheiten verDie drei Autoren gehören zu einer führt zur Übertherapie bei älteren Frauen.es gab mehr als 3000 Befunde – durchschnittlich waren das 2. so das Ergebnis der Studie: Im Vergleich zu * Lisa Schwartz. als die Hälfte der älteren Männer hat dieeinem Patienten eine Krankheit festgesen Krebs.8 Anomalien pro umgekehrt: Menschen gehen zum Arzt. Welch und Wo. nungsuntersuchungen teilnehmen dürfen. die sich besonders zufrieden zeigten mit Wenn ein auffälliger. macht halb voran. dass ihnen geringfügig sind und nie Symptome verkaum ein Makel mehr entgehen kann. Die vielen Maßnahmen zur FrüherkenEine Studie mit knapp 52 000 Männern nung. der die schwierigen Entscheidung. die niemals Symptome auslöst Brustkrebs Ein Drittel der Befunde bei der nen könnten daran sterben – ein gewaloder zum Tod führt“. bunden. wenn sie an FrüherkenÜberdiagnose überhaupt. Am Ende wiesen 86 Prozent von wenn sie krank waren und gesund nichts fehlt. schrieben und sinnlose Operationen empGesünder hat das die Fans der Frühfohlen. ADHS Jungen. die den meisten Untersuchunwird. den haben einer Studie zufolge das Leiden eine Behandlung nichts. Zahl der Risikopatienten stark gestiegen JÖRG BLECH 19. den Nutzen und weniger den Schaden. der Fortschritt der Diavon ihm für krank erklärt.“ mouth Medical School begrüßen: zur Viele Menschen fühlen sich folglich priweltweit ersten Konferenz zum Thema ma versorgt.Wissenschaft Die Überdiagnose schreitet auch des. Welch und Woloshin. Bluthochdruck und hohes Cholesterin Ähnlich sieht es bei der FrüherkenDoch oft ist der Alarm ein Fehlalarm. gnostik kann manchen Patienten helfen. sind die heitszustand hat ergeben: Jene Menschen. Heute ist es häufig loshin mahnen: „Die Senkung des Grenz. Viele von ihnen sähen eher regelrechte Gefahr für Leib und Seele erFälle Fehlalarm aus. von denen sie 1000 beschwerdefreie Menschen mit dem schon deshalb kaum oder gar nicht pro. werden mit einer 30% höheren vielen Menschen werde gesagt. Das Absenken von Grenzwerten vernung des Prostata-Karzinoms aus. die sich nicht automatisch in Bluthochdruck wiederum haben sie von Krankheit übersetzen lassen. Röntgenaufnahmen und Frauen mit vergleichbarem Gesundund Computertomogramme. die besonders früh eingeschult nen Schwartz. gestiegen. erkennung allerdings nicht gemacht.

M. sobald sie die Stimme des Pflegeheimleiters aus Bickford am Telefon hörte. n der Nacht. Jahrzehntelang hatte Corkin sein Schicksal verfolgt. Und nun also hatten seine Gehirnzellen aufgehört zu feuern. erzählt Corkin. endlich.“. immer wieder mit ihm gesprochen. Kernspinaufnahme seines Gehirns nach der Operation: Freundliche Gelassenheit in einer fremden HIRNFORSCHUNG Gefangen im Jetzt Wissenschaftler rekonstruieren das einzigartige Gehirn von Henry Molaison. viereinhalb Jahre nach diesem denkwürdigen Augenblick. das Gehirn anhand der 2401 Scheiben. Hirnoperierte. Während der Autopsie kletterte die Hirnforscherin auf einen Stuhl.) Hinterkopf Epileptiker Molaison um 1950 und 1975 (r. Neun Stunden lang tasteten die Forscher Henrys Gehirn im Kernspintomografen ab. dass sie nun handeln musste. mit dem Henry stets alle für sich eingenommen hatte. Seit 36 Jahren schon arbeitet Corkin als Neuropsychologin am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge bei Boston. wo sie den Wagen mit Henrys Leiche auf die Rampe vor dem Gebäude dirigierte. Zusammen mit einem Trupp schnell zusammengetrommelter Mitstreiter schob sie den leblosen Körper durch die Lobby des Forschungszentrums. Dann fragte sie ihre Assistentin. New York. Nun. Schädel-Hirn-Verletzte. ob diese für eine Nacht ihre Katze und die beiden Hunde hüten könne. in die es seinerzeit zerschnitten wurde. die Auswertung jener legendären Hirndurchleuchtung zu präsentieren. blieb keine Zeit für Trauer. „Es war einer der befriedigendsten Momente meines Lebens“. Forscher in Kalifornien arbeiten unterdessen daran. nicht an die Hingabe. „Ich war mir der historischen Bedeutung dieses Vorgangs sehr bewusst“. ging Henry Gustave Molaison als der Mann ohne * Suzanne Corkin: „Permanent Present Tense – The Unforgettable Life of the Amnesic Patient. .Wissenschaft Augen Lage des Hippocampus SUZANNE CORKIN Horizontalschnitt (Aufsicht) . ihn befragt.99 Dollar. die sie mit ihm im Labor verbracht hatte. H. Dann. Bis heute gilt der „Mann ohne Gedächtnis“ als berühmtester Patient der Neuropsychologie. dachte sie nicht an das charmante Lächeln. Unter seinen Initialen H. mit der er sich dem stets gleichen Kreuzworträtsel widmen konnte. lagen die gut zwei Pfund Nervengewebe in einer metallenen Schale. wie die Pathologen das Denkorgan vorsichtig aus dem Schädel lösten.). um ja nicht zu verpassen. M. In diesem Moment interessierte sich Suzanne Corkin nur für eines: Henrys Gehirn. Doch keiner von ihnen war wie Henry. D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 dann brachten sie den Leichnam zur Hirnentnahme ins Krankenhaus drüben auf der anderen Seite des Charles River. Viele hundert Patienten hat sie in dieser Zeit untersucht: Demente. Sie rief Henrys Vormund an und erbat die Genehmigung für die Hirnentnahme. 364 Seiten. erklärt Corkin in ihrem kürzlich erschienenen Bericht*. Deshalb wusste Corkin. Ziel des Unterfangens: die Einzigartigkeit des Patienten Henry in der Gestalt seiner Hirnwindungen und Nervenbahnen wiederzufinden. 28. nicht an die vielen Stunden. sind Corkin und ihr Team endlich so weit. Als Suzanne Corkin die Nachricht am Telefon erfuhr. Basic Books. digital wieder zu einem dreidimensionalen Gebilde zusammenzusetzen. Ihre Tests und Untersuchungen hatten Henry zum wohl beststudierten Neurologiepatienten der Welt gemacht. Anschließend eilte Corkin ins nur wenige Blocks entfernte Martinos Center for Biomedical Imaging. als Henry starb. Einen guten Teil ihres wissenschaftlichen Ruhms verdankt 122 I sie seiner Fallgeschichte.

als gewöhnte er sich an die einzelnen Testprozeduren. Die zentrale Erkenntnis lautete: Es gibt weit mehr als nur eine Form des Erinnerns. in der Gesellschaft von Fremden. Seine Kindheit immerhin war Henry erhalten geblieben. sichelförmige Strukturen in den Tiefen des Schläfenlappens. im Laufe der Jahrzehnte das MITLabor. Und die Politiker der fünfziger Jahre kannte er sogar besser als jeder andere. was er konnte – und was nicht. M. Wenige Sekunden der Ablenkung reichten. Dies sollte die erste von vielen Lektionen sein. Im Jahr 1953. Schon bei den ersten Tests Anfang der sechziger Jahre dämmerte den Wissenschaftlern. schließlich kannte sein Kopf nur das Inventar der fünfziger Jahre. gab es noch keine Neurowissenschaft. die Forscher zu überlisten. Abgeschnitten von Zukunft und Vergangenheit war er fortan dazu verdammt. Offensichtlich half ihm das unbewusst Erlernte. Er kannte diesen Menschen ja gut. Insgesamt 55-mal besuchte Patient H. unter denen Henry litt.und Langzeitgedächtnis. die ihm das Leben zuvor so unerträglich gemacht hatten. auch wenn er nichts davon wusste. Die Forscher hatten allenfalls vage Ahnungen von der Funktion der einzelnen Hirnregionen. umgeben von Dingen. M. An die Zeit vor der Operation konnte er sich noch gut erinnern. Mit rührendem Eifer und unerschöpflicher Geduld machte er sich dabei ans Werk. Die fremde Welt um sich herum nahm er mit freundlicher Gelassenheit hin – sein Unbewusstes hatte sich mit ihr vertraut gemacht. weil er sie im Geiste unermüdlich wiederholt hatte. Dennoch schien er jedes Mal schneller zu begreifen. Die Gesichter der Schwestern blieben ihm fremd. Der Neurochirurg wollte damit die schweren epileptischen Anfälle verhindern. dass noch ein weiter Weg vor ihnen lag: Zwar schnitt Henry bei sämtlichen Gedächtnisaufgaben gleichermaßen schlecht ab. reagierte er keineswegs überrascht. wusste er ja nicht mehr. an was sich H. Nur wenn Sinneseindrücke durch diese Hirnstruktur geschleust werden. Die beidseitige Amputation des Hippocampus galt fortan als Tabu. Ohne Hippocampus. zeichnen und rechnen. Die Operation hatte Henry Molaison einer elementaren Fähigkeit beraubt: sich zu erinnern. die ihm rätselhaft erscheinen mussten. Es war. Chirurgische Eingriffe zur Behandlung seelischer Leiden. Das tragische Schicksal des Mannes ohne Gedächtnis bewies ihnen. verblasst ein Sinneseindruck bereits nach etwa 30 Sekunden. um Jahrzehnte zu jung ein und gab seine eigene Haarfarbe mit „braun“ an. von Verhaltensauffälligkeiten oder epileptischen Anfällen waren zwar verbreitet. auf einer Insel ewiger Gegenwart zu leben. den inzwischen wohl am intensivsten erforschten Teil des Gehirns. so stellten die Forscher fest. wenn er danach gefragt wurde. nicht. tasten. etwa fünf Zentimeter lange. die moderne Lehre des Gedächtnisses zu begründen. aber letztlich gewagtes Schnitzen im Dunkeln. Das Wissen der Forscher hat seither gewaltig zugenommen – und Henry Molaison hat erheblichen Anteil daran. M. dass er sich überhaupt Zahlen hatte merken wollen. zuvor schon hundertfach gescheitert war. Er zeichnete sich durch ein leutseliges Gemüt aus. und Henry wusste nicht einmal mehr. Eine Welt jenseits des Jetzt gab es für H. Doch all das ängstigte Henry nicht. Lag nicht auch darin eine versteckte Form des Erinnerns? Anhand Hunderter subtiler Experimente gelang es Corkin und ihrem Team zu erkunden. M. was sie von ihm wollten. In solchen Fällen verblüffte er sie.Welt Gedächtnis in die Geschichte der Hirnwissenschaft ein. wo er aufgewachsen war. Scoville gestand seinen „tragischen Fehler“ ein. Und doch war den Ärzten schon wenige Tage nach dem Eingriff klar. seine Zimmertür zu finden. Zu der Zeit. Sie ließen ihn riechen. hatte ihm der Mediziner William Beecher Scoville beidseitig die Hippocampi entfernt. wenn er nach 20 Minuten eine Zahlenfolge noch richtig aufzusagen vermochte – doch nur. Es war Henry. dass in dieser Region das Geheimnis des Erinnerns verborgen sein musste. schließlich waren sie nie durch neue Namen überschrieben worden. die H. Ganz ohne sein sogenanntes nichtdeklaratives Gedächtnis wäre er jeden Morgen in einer feindseligen Welt erwacht: in unbekannten Räumlichkeiten. Zwar schätzte er sich. Erst als die Forscher ihn systematisch befragten. verdanken die Forscher nicht nur die klare Unterscheidung zwischen Kurz. als Scoville den Knochenbohrer an Henrys Schädel ansetzte. die Neurochirurgen und Hirnforscher lehrte. stellten sie fest. Nicht einmal sein Spiegelbild versetzte Henry in Schrecken. dass auch dieser 123 SUZANNE CORKIN . Hirnforscherin Corkin „Einer der befriedigendsten Momente“ D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 Zwar gelang es ihm gelegentlich. wusste er nicht. Irrgärten erkunden oder Computerspiele üben. Orientierungslos irrte der Patient nach seiner Genesung über den Krankenhausflur und versuchte vergebens. dass irgendetwas furchtbar schiefgegangen sein musste. Auch begrüßte er die Forscher stets wie Fremde. den Alltag zu bewältigen. Henry erzählte gern von Hartford in Connecticut. Doch wenn ihm im Spiegel ein Greis entgegenblickte. können sie dauerhaft im Bewusstsein haften bleiben. da war er 27 Jahre alt. M. der das Interesse der Forscher auf den Hippocampus lenkte. er konnte sich keine der ärztlichen Anweisungen merken. Dass er an der Aufgabe. Er musste sich Zahlen merken. zu erinnern vermochte – ohne dass irgendetwas davon in sein Bewusstsein vordrang. Dem Patienten H. um dann ins ewige Vergessen zu entschwinden. Maßgeblich halfen die Tests mit ihm. die ihm gestellt wurde. Der gewünschte Effekt trat ein: Nach seiner Operation wurde Henry Molaison nur noch selten von den Krampfanfällen heimgesucht. und auch warum er hierher in die Klinik geraten war. 122 Wissenschaftler erforschten dort.

Es geht derzeit vor allem um den Kartei vernichtet wurde. wie er als 13-Jähriger einen Rundflug über seine Heimatstadt Musikwiedergabe in Richtung Raumklang. dann 3-Dstaunlicher Detailfülle konnte Henry Mo. dann etliche psychoakustische Täuschung. nun folgt Musik in 3-D – verschieben lässt. den BilWaldhorn. Die Forscher nehmen an.Gustav Holst. den Eingriff Wo Geräusche bislang von hinten oder 80 Dezibel bei beiden Aufnahmen. weil die InPilot sogar den Steuerknüppel halten ließ. dass die Operation Henrys Erlebnisse keineswegs volllänge wie aus einer anderen Welt was er erschafft. als hätten bisher Ohropax die Gehörlinskys Tonstudio.zelne Instrumente immer wieder neu: cher nicht mehr auffindbar sind.Klang im Kino. Ob er aber von in herkömmlichen Kanälen. dass Henry Filme und Musikstücke mit infolge des chirurgischen Eingriffs jegli3 Klangkoordinaten Raumklang – weil es meist ches Sättigungsgefühl abhandengekomDer Tonmeister kann im an der aufwendigen Aufmen war? Setzte man ihm nach einer Studio die Klangquellen so Mahlzeit noch einmal die gleiche Portion „verschieben“. Um wenn sie nun anhand von Kernspin. „The Jean Genie“ in der da längst entfleucht. Der Mittfünf. ger Jahre dauerhaft Spuren hinterlassen. Suzanne Corkin wiederum interessiert hannoverschen Tonstudios. verdrückte er diese. kannte. Den Erlebnissen. Mittlerweile hawenn im Detail zu sehen ist. Henry wusste zwar noch. deren Karriere Ton ab: Pauken donnern. Die In.dessen wird jede Klangquelle behantreibt ihr System namens tem Fisch stammte. an geeigneten Tonaufnahmen. vermochte er nicht delt wie ein eigenständiges Objekt. die Zielinsky Inseln des Wissens: Wie zum Beispiel Audiofirma Sennheiser. dass sie dem nahmetechnik hapert. viele in merkte er. laison erzählen.“ Um ihn herum sind über Namen. Romanze mit seiner Jugendliebe Maude „Der Trick liegt im 3-D-Sound“.“ Einer der Pioniere des Nur wo genau? 1 Lautsprecher nach oben Diese und ähnliche Fragen hoffen die Mehr Raum 3-D-Sounds ist Karlheinz der Vater Forscher besser beantworten zu können. ohne zu zögern. das sich frei im Raum student vom „semantischen“ Wissen Sound. sagt die strumente hören sich so knackig. „gigantisch verbesrys Großhirnrinde haben demnach die nem Raumschiff abgemischt. sagt Zielinsky.Gregor Zielinsky und greift in das Gewirr der Ton sei dabei abgehängt worden. Mercedes erst lange nach Henrys Operation begon. Doch bislang kam die formationsdichte höher ist. M.Technik nun auch von oben. hier klingen sie frisch und so anders.schmettern. er ist der Schöp. uraufgeführt 1918. das Raumklangverfahren Manch ein Rätsel könnte gelöst werden. doch das Leben war daraus enttung vermitteln konnte. Tausendmal dudel. Im Gegensatz zum herkömmim Klang Brandenburg. Lebendig und in er. und wie ihn der Nach Mono kam Stereo. Das Scovilles Skalpell damals angerichtet hat: belgische System AuroWarum etwa konnte Henry nach der 3D hat über 50 Kinosäle Operation nicht mehr riechen? Zwar 2 Klangobjekte weltweit bestückt. sie beglei.an. was genau ben andere aufgeholt. Die Firma Dolby verVanillepulver. aus der die Bläser wichen. Grenen hatte? „Die Planeten“. China und Inseine Nase erreichte. zu sagen. Die Bildqualität habe sich. das heute jeder PsychologieNach Stereo kam Surroundeigenes Objekt. eine Orchestersuite von mien brüten über Standards wie damals „Am meisten verblüfft mich die Ge. dahinter das gemacht hatte. „heute dagegen Henry fehlte das „episodische“ Gebetrachten wir jedes Instrument als dächtnis. Tatsächlich: als einzige seiner Kindheit. Stattdien. dass er Edith Bunker fer des Klangwunders in London. einen TV-Star. Atmos. ein paar Meter Höhe montiert. Trompeten mit Iosono-Anlage ausgestattet. sagt sert“ in den vergangenen zehn Jahren. hört man nun: Dort sitzt die Tromund wohin er Ausflüge mit seiner Familie pete. des Chirurgen überlebt? JOHANN GROLLE vorn. zurückgeht. Doch noch gibt es kaum Oder wie ist zu erklären. Noch ist unklar. weil die ten Bowies Hits schon im Radio. war ihm Aufnahme entsprechen.giert er beim objektbasierten Mischen einin einer Bibliothek. Noch mangelt es Boden und vier auf zwei Meter hohen maßgeblich auf den Patienten H.“ Wirklich? Er Wieso hatte ausgerechnet diese Episode. links oder rechts kamen. als Irgendwo in der grauen Masse von Hen. welches Verschichte seines ersten Fluges“. räumlichen Eindruck bei der mixing“: Der Bowie-Song Dass er schon gegessen hatte.hätte sie Major Tom höchstselbst in sei. dern und Geschichten wieder Atem ein„Bisher haben wir Klänge auf Kanäle zuhauchen gelang ihm aber nicht.spektive in London. „The Jean Genie“ erklingt jetzt in ZieNeuropsychologin. wann tönen. „Nein!“. deren einzelne Bü. sagt Zielinsky. wenn ein intensiver Geruch Aufgenommen wird nicht mehr den USA. tönen sie HILMAR SCHMUNDT Gemälde fürs Ohr K 124 D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 . Seit Jahrzehnten entwickelt sich die Sound: scheinbar doppelt so laut. so klar fahren das Rennen machen wird. Abhilfe verspricht das „Upvor. Celli jubilieren – es erklingt eines mit Sennheiser-Raumklang.bei MP3. Stangen. „Das ist eine Hartford machen durfte. Erst Stereo. Der Effekt ist einTeil seiner Vergangenheit versehrt war: AU DI O PH I L I E drucksvoll und überraschend.Londoner Show zum Beispiel basiert auf sich besonders für Henrys rätselhafte ziger arbeitet für die niedersächsische einer alten Monoaufnahme.gänge verstopft. So wie sich Fotos Pixel ständig getilgt hatte. daneben die Tuba. Inzwischen hat Audi ein Testfahrzeug konnte es sein. vier am grenzen lernt – eine Unterscheidung. brüllt Zielinsky.für Pixel nachbearbeiten lassen. von Schiebereglern am Mischpult eines „Aber jetzt holt er auf. stellt ein Schallmessgerät auf. Während Zwar hatten die Fakten die Operation der Surround-Sound ungefähr die Richüberlebt.lichen Raumklang werden die Jahrtausendwende legaufnahmen und Hirnschnitten Henrys zusätzliche Lautsprecher in te er die Grundlagen für Gehirn am Computer rekonstruieren. dritte Dimension zu kurz: die Raumhöhe. sie waren nur seinem wabern durchs Museum. Surround-Systeme. Daten und Fakten abzuein Hörerlebnis von ungeahnter acht Lautsprecher gruppiert.nachträglich auf Raum getrimmt hat. frischem Heu oder verfaul. verteilt“. oder sein Fahrradunfall Ende der dreißi. doch Photoshop fürs Ohr. die Brillanz. „Klanggemälde“ nennt Zielinsky das. Iosono. arranBewusstsein nicht länger zugänglich – wie ten die große David-Bowie-Retro. des MP3-Formats.

Beim FC Bayern Farben gehalten sind. Kurt Lauber. dass der Hörnligrat frühmorgens eher aussieht wie der Hörnli-Highway: Allein auf dieser Route versuchen täglich zwischen 80 und 90 Kletterer ihr Glück an einem der schönsten Berge der Welt. über die Rekordeinnahmen.6. MERCHANDISING „Extremes Gefälle“ Marketingexperte Peter Rohlmann. weibliche Fans.Szene BERGSTEIGEN Sport Auf dem Hörnli-Highway Matterhorn Wer das Matterhorn über die Standardroute. knallbunten Fußballhemd extrem. Familien. sie haben Vereinen? Durchschnittsalter kein Problem. kurz vor vier Uhr geht es los. Hemden. In der vorigen Saison sollen die Vereine erstmals über 200 Millionen Euro eingenommen haben. damit ein Rettungshubschrauber sie evakuierte – und ihnen der Abstieg erspart blieb. Bis zum Sonnenaufgang. den Hörnligrat. der Bar tragen können. Nur versierte Alpinisten sollten ohne Bergführer klettern. die sich unterhalb der Spitze per Notruf bei ihm meldeten und ein Lungenödem vortäuschten. Seit Wochen herrschen in den Walliser Alpen perfekte Bedingungen. die Clubs setzen zwei Millionen Stück Rohlmann: Die deutschen Erstligisten stehen auf pro Saison ab. KraLiga ein. Die nahmen bisher SPIEGEL: Bayern München rund 20 Millionen Euro und Borussia Dortmund veralt ist der Fußballmehr ein. 64. fast doppelt so viel wie 2006. Fans sollen stammen rund zehn Prozent der Eindie Klamotten auf der Arbeit oder in nahmen nicht mehr aus Deutschland. Wieso verkaufen sich Fanartikel so gut? Rohlmann: Die Vereine haben viele neue Zielgruppen entdeckt. die 1218 Höhenmeter bis zum Gipfel führen ausschließlich über Fels und Eis. derzeit etwa gegen sechs. Ein eigener Führer an dem Sehnsuchtsberg hat allerdings auch seinen Preis: rund 1100 Schweizer Franken. rund die Hälfte aller Mer- 25. Vor zehn Jahren lag das tagsklamotten. dem Ausgangspunkt der Tour auf 3260 Meter Höhe. und so kommt es. die sich außerhalb des chandising-Einnahmen in der ersten Stadions tragen lassen. Mittlerweile scheint sich die Vernunft am Berg durchzusetzen. Im Trend liegen Fanartikel. Durch die Erfolge in der Champions League steigern sie ihren watten und Poloshirts. die beiden streichen in den Pub zu gehen. seit 19 Jahren Wirt der Hörnlihütte. Rund 30 ProPlatz zwei hinter den Clubs zent ihrer Einnahmen stamJahre der englischen Premier men aus dem Trikotverkauf. ebenso wie vermeintliche Höhenkranke. die Fußballclubs mit Fanartikeln erzielen SPIEGEL: Seit 17 Jahren befragen Sie deutsche Erst. Wie groß ist der Bundesliga im Fans fast so etwas wie AllAbstand zu den anderen Durchschnitt. die in Freizeitschuhen aufs Matterhorn wollten. hat schon vieles erlebt: Naivlinge. leuchten die Bergsteiger den steilen Pfad mit einer Stirnlampe aus.3 D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 125 ARNO BALZARINI / DPA . Für alle gibt es jeweils eigene Produktlinien. die sie am Helm tragen. SPIEGEL: Was kaufen Fans SPIEGEL: Läuft das Geschäft am liebsten? mit Fanutensilien in anderen europäischen Ligen Rohlmann: Immer noch das ähnlich gut? klassische Trikot. mit einem Rohlmann: Das Gefälle ist noch bei 27. Kinder. Trikots und dienen am meisten mit profi der ersten Schals sind für englische Fanartikeln.und Zweitligisten zu deren Merchandising-Geschäft. Die meisten Matterhornbesteiger buchen professionelle Begleiter. die in dezenten Auslandsumsatz. muss früh aufstehen: Morgens um drei ist Weckzeit in der Hörnlihütte. 52. League. besteigen will.

87 9.84 9.79 Ben Johnson* Kanada 9.07 Carl Lewis USA 9.99 9.Sprinter im Olympia-Finale 2012 in London 1983 1984 1987 1988 1991 1992 1993 1995 1996 1997 1999 10.97 9.96 9.86 9.80 Linford Christie Großbritannien Donovan Bailey Kanada Maurice Greene USA 126 D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 MIGUEL MEDINA / AFP .93 Carl Lewis 9.86 Carl Lewis 9.

in denen er positiv getestet wird? „Ich mache mir keine Sorgen“. In keiner Disziplin wird die Optimierung des Körpers so radikal auf die U Spitze getrieben wie im Sprint. Ein typisches Beispiel für den Wahnwitz. Experten glauben. was der Markt an legalen und illegalen Mitteln hergibt. sagt der Moderator. abgefüllt in knallbunte Fläschchen. Bolt kichert nur. die angereichert sind mit Stimulanzien wie Methylhexanamin oder Oxilofrin. Die Weltpresse hat sich im Konferenzraum eines Londoner Nobelhotels versammelt. die Rakete aus Jamaika. schwarze Sonnenbrille im Nacken. der in der Szene herrscht. Das Aufputschgetränk ist so stark. Laut einer Studie der Sporthochschule Köln nehmen 96 Prozent der deutschen Olympia-Athleten Nahrungsergänzungsmittel zu sich. sich irgendwie einen Vorteil zu verschaffen. wurde eine verbotene Substanz gefunden. in der Hoffnung. jene Substanz. die der Hobby-DJ seit Jahren beim Thema Doping zur Schau stellt. ist ein verseuchtes Rennen. Schuld an den positiven Proben waren meist verunreinigte Nahrungsergänzungsmittel. Ob er manchmal Alpträume habe. dass Powell ein Nahrungsergänzungsmittel eingenommen hat. sain Bolt betritt die Bühne. Das Getränk. dass alles eingenommen wird. Manche verbringen ganze Nächte im Internet. enthält reichlich Koffein.82 Maurice Greene 10. Er habe Kollegen erlebt. 34. weiße Drops an die Athleten verteilt.92 Yohan Blake Jamaika 9. Bei dem Priestersohn aus Jamaika wurde kürzlich das Stimulanzmittel Oxilofrin nachgewiesen. Nun wollen alle wissen.85 Tyson Gay USA 9. Italienische Polizisten fanden bei einer Durchsuchung in Powells Trainingsquartier an der Adriaküste rund 20 verschiedene Produkte. Der 100-Meter-Lauf. die Überzeugung. Vor allem in Billigprodukten ist nicht immer nur drin. ob Bolt.85 9. Siegerzeit in Sekunden 2004 2005 2007 2008 2009 Dopingvergehen: 2011 überführt 2012 beschuldigt 2003 9. um die neuesten Gemische zu bestellen.“ Niemand reagiert. dass es mir guttat“. Warum trinken Athleten so ein Zeug? Nahrungsergänzungsmittel gelten als legales Doping. Wissenschaftler des Dopingkontrolllabors in Köln analysieren jedes Jahr Präparate. Neuerdings finden die Forscher immer mehr Produkte. um einen EiweißShake zu trinken. Sein Trainer habe einmal nach einer harten Übungseinheit kleine. die Menge einiger darin enthaltener Vitamine überschreitet den Tagesbedarf um ein Vielfaches.69 Usain Bolt Jamaika 9. Dabei han- Dopinghistorie der 2000 Weltmeister und 2001 Olympiasieger im 100-Meter-Sprint. ist gerade als Doper aufgeflogen. sagt der Ernährungswissenschaftler Hans Braun von der Sporthochschule Köln. sauber ist.Sport L E I C H TAT H L E T I K Game over Nach einer Serie von Dopingskandalen gehen dem Sprinter Usain Bolt langsam die Gegner aus. er hebt die Hände über den Kopf und applaudiert sich selbst. die sich mit Pillen. hochdosierte Proteine.88 Justin Gatlin USA 9. Der USSprinter Tyson Gay. Die Sportler sind verrückt danach. Dabei ist oft gar nicht klar. Bei der WM in Moskau läuft der Weltrekordler eigentlich nur noch gegen sich selbst – und den immer offener geäußerten Generalverdacht. einem ehemaligen Weltrekordler. sagt Unger. Mineralien. In einer Urinprobe von Bolts Landsmann Asafa Powell. der größe Wettkampf des Sports. die nachts aufgestanden seien. Es fällt immer schwerer. allein im Kölner Labor wurden 30 Sportler erwischt. Einen Tag später hätten sich alle blendend erholt gefühlt. aber bitte begrüßen Sie den schnellsten Mann der Geschichte. weißes Poloshirt. „Es werden gleich anstrengende Fragen kommen“. Tobias Unger. Voriges Jahr gab es weltweit rund 320 positive Dopingproben mit Methylhexanamin. Der Moderator schnappt sich ein Mikrofon. „Ich hatte das Gefühl. Der Ruf der Präparate basiere vor allem auf „Marketing und Legendenbildung“. ob die Produkte irgendetwas bringen.87 9. dass etwas wirkt. Ob er verärgert sei über den Dopingskandal? „Das passiert eben“. sagt Bolt. das mit dieser Substanz verunreinigt war. sagt Bolt. beeindruckt niemanden mehr. und er rührte sich ein Getränk aus Magnesiumpulver an. Der Glaube an die Kraft aus dem Labor ist so groß. die posi- tive Effekte belegen“. Auch Unger nahm Proteinprodukte. Um den Glauben. Dann kichert er wieder. lief bei Olympia 2004 in Athen im Finale über 200 Meter. Die besten Läufer der Welt sind Rennmaschinen. an die Leistungen des großen Dominators zu glauben. Doch die Lockerheit. was draufsteht.07 Kim Collins St. die bei Asafa Powell gefunden wurde.63 Usain Bolt *Titel aberkannt D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 127 . „Es gibt kaum Studien.58 9. darunter den Energy-Drink 5-hour Energy. Viele ernste Gesichter. der zweitschnellste Mann der Welt. Pulvern und Spritzen tunen. „Sie müssen jetzt nicht klatschen. dass es Herzrasen verursachen kann. Kitts und Nevis 9. glaubt Chefkontrolleur Wilhelm Schänzer. erzählt Unger. Nahrungsergänzungsmittel sind riskant für Sportler. Powell ist offenbar ein großer Fan von Nahrungsergänzungsmitteln. Vitamine. Trotzdem schaufeln die Sportler die Produkte in sich rein. Und nur darum gehe es schließlich. Usain Bolt ist der heitere König der Leichtathleten. ist Asafa Powell. Bolt lehnt sich in seinem Stuhl zurück.

MAIK GROSSEKATHÖFER. Franke kennt viele effektive Dopingmittel. sich zu wundern. es fördert die Erholung nach körperlicher Anstrengung. dass er sauber ist. Gay vermarktete sich zuletzt als Nice Guy. „nichts Synthetisches“. Er gilt als Spezialist für Steroids“. In dem Wälzer stehen die chemischen Formeln einiger hundert Steroide. Die American Academy of Anti-Aging Medicine erteilt die Zulassung zum Fachmann an Naturheilkundler. Eine Therapie mit Wachstumshormon kostet etwa 500 Dollar im Monat. sagt Franke. MolekularbioAnti-Aging.wortete Gibson: „Das sage ich Ihnen Doping-Agentur Usada mit und lieferte nicht. die klopfte keine großen Sprüche. Bolts freundlicher Manager. das machten Labore für ihn. Das Steroidhormon gilt als Superstar unter den Anti-Aging-Mitteln. Beliebt ist auch eine Behandlung mit Dehydroepiandrosteron. gibt es noch kein Testverfahren. um zu beweisen. sagt er.trägt den Titel „Anabolic-Androgenic ker aus Atlanta. Zahnärzte. Und manchmal Augentropfen oder ein Grippemittel. aber er macht das gern. Gay hat bereits zuge. DHEA ist in den USA rezeptfrei erhältlich. Bei der diese Woche beginnenden Weltmeisterschaft in Moskau läuft er eigentlich nur noch gegen sich selbst – und den immer offener ausgesprochenen Generalverdacht. Das sagt sein Manager Ricky Simms. den sich nun aber offenbar Spuren eines Der Sprinter schweigt. Anabole Steroide zählen zu den wirksamsten Dopingmitteln. Hinterhoflabors in den USA. die viel Geld verdienen. sagt Simms. eine Therapie mit Testosteron zwischen 250 und 400 Dollar. Denn eigentlich können sich Athder er besser nicht hätte zusammenarbei. Vitaminen und Mineralien Tyson Gay. dass es den Dopinganalytikern nicht mehr auffällt. Auf einem Schreibtisch im Deutschen Der Fall des US-Sprinters führt in die dunklen Tiefen des kommerziellen Sports. es mutlich Clayton Gibson. Er selbst mische keine Cremes. der nun wohl mit einer Sperre rechnen muss.“ Wenn alles normal läuft. Bolt kann nicht zufrieden damit sein. sagt Franke. seine Praxis. Health Care Inc. fan. den sauberen Sport zu fordern“. scheu. „the game is over – es wird immer genügend Methoden geben.Sport delte es sich bei den Pillen nur um Süßstoff. Als er gefragt wurde. UDO LUDWIG. Doten sollen. er Kunden auch über Produkte spreche. mit konnte. In zwei Proben. Ein stiller Typ. Obwohl das Betrugsmittel seit über zwei Jahrzehnten bekannt ist. dass er ein verbotenes Mittel intus ben. der Qualifikation zu den Olympischen Spielen in London.“ Ein weiteres Wundermittel trägt die Bezeichnung IGF-1. ohne aufzufallen. wie es genau freiwillig Blut ab. um zu dopen. Beispielsweise tierisches Testosteron aus Schlachtabfällen. meinte Gay in einer öffentli. in China oder Thailand sind in der Lage. „Er hat den Gipfel noch nicht erreicht. er habe vergangenes Jahr angefangen. „Aber in der Praxis ist das viel zu teuer und zu aufwendig“.sons Kunde Tyson Gay gekommen ist. Simms selbst gleiche die Inhaltsstoffe mit der Datenbank der verbotenen Substanzen der Welt-Anti-DopingAgentur ab. nem Fahnder entdeckt werden können. nennt das Buch „die Bibel“. Der insulinähnliche Wachstumsfaktor wird in die Bauchdecke gespritzt und dient der generellen Stärkung des Hormonhaushalts – eine Art „Master-Hormon“. die Ergebnisse seien die Grundlage gewesen. DETLEF HACKE. Er habe Gays Blut getestet. „wenn die Nase läuft“. die von keichen Erklärung. seine Branche lebt von den großen Verheißungen.“ Die Leute sollen aufhören. nur „Vitamine aus der Apotheke“. dass um ihn herum so viele Kollegen hochgehen. Pharmazeuten. Ricky Simms. Usain Bolt nehme keine Nahrungsergänzungsmittel. auf die Gay anspielte. auch wenn Bolt demnächst noch schneller renne. machte bei zum Beispiel Testosteron enthielten. Auf jeden Fall anabolen Steroids. wird Bolt das Rennen in Moskau gewinnen. damit er den Weltrekordler Bolt: „Er hat den Gipfel noch nicht erreicht“ Körper des Läufers mit Bolts härtester Gegner war jahrelang Kräutern. „pro Probe würde man einen Tag brauchen.muss Gay eine Menge Pech gehabt hageben. Es baut Fett ab und Muskeln auf.pingbehandlungen leisten. etwa im Baseball.“ Und so bleibt den Athleten die Lücke zum Betrügen. Der Vorteil: Das Testosteron von Säugetieren ist vom menschlichen nicht zu unterscheiden – kein Dopinganalytiker wird den Betrug aufdecken. ein Chiroprakti. durch kleine Veränderungen in der Kohlenstoffkette das Präparat so zu modifizieren. sagt: „Usain ist der am meisten getestete Athlet des Planeten. Moderne Massenspektrometrie kann theoretisch jede Steroidvariante finden. ist die Einnahme erlaubt. physisch gesehen hat er seine Möglichkeiten noch nicht voll ausgeschöpft. Damit es keine bösen Überraschungen gebe wie bei Powell. in einigen Sportarten. Seither ist er abgetaucht. Sein Klient benutze auch keine „Cremes und Gels“. „aber es ist ideal. Niemand würde sich darüber wundern. „Wir müssen uns von der Vorstellung freimachen. um seine Form bis in den Wettkampf aufrechtzuerhalten. aber habe „ausbalancieren“ können. liegt 1491 Northside Drive Northwest. Gibson will das Erschlaffen des Körpers bremsen. Tyson Gay zu behandeln. Der Professor kämpft seit über 35 Jahren gegen den Betrug im Sport.“ Bislang ist nicht geklärt.“ Am Sonntagabend wird bei der WM in Moskau das Finale über 100 Meter gestartet. Anti-Doping-Labors untersuchen den Urin der Athleten nur auf die gängigen Präparate. Werner Franke. die ihm im zu der positiven Dopingprobe von GibMai und Juni entnommen wurden. kann nahezu risikolos dopen. die Vitality loge und einer der profundesten Kenner IMAGO der Dopingchemie. Er habe einer Person vertraut. Wer also ein weniger bekanntes Mittel nutzt. sie kämpft mit Traubenkernöl und Hormonmixturen gegen die Endlichkeit. „Testosteron ist von seiner Wirkung kein Superding“. Niemand im Team hat etwas zu verheimlichen. GERHARD PFEIL 128 D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 .. ist ver.leten wie er. LUKAS EBERLE. sagt Franke. das die Dopinganalytiker in der Praxis anwenden. Krebsforschungszentrum in Heidelberg Die Person.liegt ein blaues Buch mit 722 Seiten. Im Internet gibt es entsprechende Angebote. vor den Trials. In allen olympischen Sportarten ist sie verboten. kurz DHEA. Gibson habe in seiner Praxis nur homöopathische Mittel. ob er mit seinen gebaut wie ein Bodybuilder. dass man ihn überhaupt erwischen hatte. Kräuter. Clayton Gibson hat gegenüber „Sports Illustrated“ gesagt. anteinem Aktionsprogramm der US-Anti. Franke ist langsam müde.

Wer es nicht schafft. der seine Emotionen unter Kontrolle hat. ladimir Klitschko ist ein Mann. was das solle. „Jetzt wollen wir doch mal sehen. sagt Pütz. Er ging ganz ruhig auf seinen Herausforderer zu. alle ziemlich angetrunken. sagt Huck. brauchen Boxer jemanden. da gab Schulz in Berlin eine Autogrammstunde. Im Railway Inn. und suchen gezielt Streit.“ Fluchend zog die Gruppe ab. wie schmerzhaft ein Kieferbruch sei. blickte ihm tief in die Augen und brummte: „Lass es sein. Das gehört zur Show und ist Teil des Geschäfts. von Halbstarken gereizt werden. Eigenartig ist allerdings. „Boxer haben vorm Richter ganz schlechte Karten“. Der Brite gilt als Skandalboxer. Es war eine laue Nacht. sagt der Hamburger Strafrechtler Robert Kain. Pütz war auch mal mit Dariusz Michalczewski auf dem Oktoberfest. Deshalb feiert Schulz selten bis tief in die Nacht. ließ sich nicht von Bodyguards begleiten. was du draufhast“. „Die denken. als einen Boxchampion anzupöbeln. Ein 16jähriger Junge kam zu ihm und sagte: „Ey. „Aber grundsätzlich kann man sagen. einer Kneipe in Manchester. dass ihre Kenntnisse vor Gericht im Normalfall strafverschärfend ausgelegt werden“. W Oktoberfest-Besucher Wladimir Klitschko*: „Mal sehen. Ein Schlag. Der Engländer Ricky Hatton. geschulte Hauer. „Das wirkte. sagt Schulz. er begleitet als Bodyguard häufig Kämpfer beim Einmarsch in die Halle zum Ring. zur Reeperbahn ist es nicht weit. sie sind King Kong. antwortete der Teenager: „Na. Ende Juli war der Weltmeister im Schwergewicht auf Ibiza. Pütz ist Chef einer Sicherheitsfirma. „Falls es Stress gibt. Die beiden stritten sich vor einem Glücksspielautomaten.“ Als Schulz ihn fragte. passiert das immer noch. quatsch jemand anderen voll. sagte einer der sechs und zog auch gleich die Jacke aus. Pauli. GERHARD PFEIL 129 IMAGO . und die Sache war geklärt: Hatton flog über einen Tisch. MALTE MÜLLER-MICHAELIS. Ein paar junge Männer bauten sich vor ihm auf und beleidigten ihn. Nach einem Kampfabend in Hamburg spazierte er mit Freunden über den Dom. D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 zu bewahren. Wer sich in der Disco oder auf dem Rummel von Halbstarken provozieren lässt. ob sie eigentlich wüssten. passierte das beim letzten Strandurlaub. Dann renne ich zur Polizei und kassiere Schmerzensgeld. und er bespuckte Wladimir. der „am Ende noch stehen“ würde.“ In solchen Fällen. geriet er an einen Bodybuilder. „dass es gar nicht erst zu Eskalationen oder Problemen kommt“. glaubt Thomas Pütz. Klitschko und seine Begleiter gingen weiter. der Manager von Wladimir und Vitali Klitschko. dass ausgerechnet sie. als würde ein Smart mit Tempo 45 in einen Fußgänger fahren. „je später es wird und je mehr Alkohol im Spiel ist“. Denn ansonsten ist es mit den Sponsoren und dem Fernsehvertrag schnell vorbei. „die sich mit mir schlagen wollten“. und wer von seinen Fäusten getroffen wird. obwohl er ständig auf Leute traf.“ Der Provokateur erstarrte und zog die Jacke schnell wieder an. Er rief ihnen zu. mal einen Boxweltmeister herauszufordern. Es ist noch nicht lange her. der sich dazwischenstellt“. Klitschko ist 1. in einer Streitsituation an der Bar die Ruhe * Mit Freundin Hayden Panettiere. spielt allerdings mit seiner Karriere. „Die wollten mich definitiv herausfordern“. er begleitete den „Tiger“. Einfach so. Es ist nichts Ungewöhnliches. Für manche Kirmesschläger sei es wohl „eine Mutprobe“. als er in einer Discothek auf Dereck Chisora traf. riskiert seine Karriere. Bernd Bönte. oder gehen wir vor die Tür?“ Klitschko blieb einfach am Tisch sitzen und wünschte ihm noch einen schönen Abend. dass er es sei. was du draufhast“ Marco Huck.“ Dem ehemaligen Schwergewichtsboxer Axel Schulz. der als Sekundant am Ring stand. Es gibt kaum etwas Dümmeres. weil er immer gewusst habe. er geht lieber früher nach Hause. ist doch cool. MAIK GROSSEKATHÖFER. das ist so. der sieht anschließend nicht mehr so gut aus wie vorher: Ein Volltreffer der Schlaghand hat die Wucht von 700 Kilo. „in ländlichen Gegenden eher als in Großstädten“. der Präsident des Bundes Deutscher Berufsboxer. Und doch erleben es Profis immer wieder. vergangenes Jahr ohrfeigte er Wladimirs Bruder Vitali beim Wiegen vor dem WMKampf in München. beobachtet das Pöbelphänomen schon länger. Und natürlich nähmen die Pöbeleien zu.BOXEN King Kong an der Bar Profiboxer sind ein beliebtes Ziel für Pöbelattacken. Einmal jedoch unterschätzte Hatton die Situation. müsse man sich einfach wegdrehen und sagen: „Komm. hau mir mal eine runter. Weltmeister im Cruisergewicht. was Wladimir Klitschko vergangenen Sommer passierte. und der Champion wollte einfach nur ein bisschen bummeln. landete auf dem Boden und blieb benommen liegen. ehemals Weltmeister im Weltergewicht.“ Boxer sind nicht gerade für Besonnenheit bekannt. Im Urlaub nun baute sich Chisora vor ihm auf und fragte: „Sollen meine Bodyguards das erledigen.98 Meter groß. Klitschko reagierte auch damals cool. Es gibt keinen eigenen Straftatbestand für Schlägereien von Boxern. um dafür zu sorgen. In der Nähe der Achterbahn stellten sich ihm plötzlich sechs junge Männer in den Weg. lange nicht mehr im Ring aktiv. Er habe das aber „nie gemacht“. einen Jahrmarkt im Stadtteil St. dass ein Boxer einen Boxer provoziert und ihm Schläge androht.

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Google+. das in diesem Jahr zum ersten Mal noch drei Tage vor der Bundestagswahl eine Umfrage publik machen will – auch als Reaktion auf die Niedersachsen-Wahl. Zudem könnten durch die Bayern-Wahl eine Woche zuvor die Umfrageergebnisse verzerrt werden. Traditionstitel wie die „Berliner Morgenpost“. Trotz des Zuwachses bleibt der Abstand zu den 14. der Axel Springer AG. Im Falle einer eindeutigen Umfrage so kurz vor dem Termin würden viele Bürger vielleicht nicht mehr wählen. das „Hamburger Abendblatt“ und die „Hörzu“ für 920 Millionen Euro an die Funke-Gruppe („WAZ“) verkaufen zu wollen. Durch eine Umfrage knapp vor der Wahl werde der Eindruck verstärkt. der das Wahlergebnis beeinflusse. ist nicht nur Verwaltungsratschef der Bankengruppe. das mit Kreditvergaben befasst ist.Trends Medien VERLAGE Irritationen um Verkaufscoup Der Mediencoup des Jahres sorgt für Irritationen: Als Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner vorvergangene Woche bekanntgab. Ihm lagen hierzu auch keine Informationen vor. Eine Springer-Sprecherin sagt: „Wir haben den Vorgang juristisch prüfen lassen. sondern gleichzeitig auch Aufsichtsratsvorsitzender der Axel Springer AG. dennoch gewährt die italienische Großbank Unicredit dem Unternehmen einen Kredit. 78. stutzten manche Branchenbeobachter.DeutschlandTrend‘ zehn Tage vor der Wahl veröffentlichen“. Funke gilt als erheblich verschuldet. Herr Vita gehört keinem Organ bei der Bank an. die ARD wolle sich zum Akteur aufspielen. „Wir werden wie immer unseren letzten . In der Diskussion unter den ARD-Chefredakteuren überwogen jedoch die Bedenken. anders als das ZDF. Das hätten die ARD-Chefredakteure auf ihrer jüngsten Sitzung beschlossen. Damit setzt sich die ARD vom ZDF ab. Der Chefaufseher ist gar in einer Doppelrolle unterwegs: Giuseppe Vita. bestätigt ARD-Chefredakteur Thomas Baumann. Auch wolle man den Anschein vermeiden. bei der die letzten Umfragewerte und das tatsächliche Wahlergebnis besonders für die FDP weit auseinanderlagen. Es liegt kein Interessenkonflikt vor. 131 DADO RUVIC / REUTERS ZAHL DER WOCHE 66 Prozent aller älteren Internetnutzer sind laut einer Studie des Branchenverbands Bitkom mittlerweile in sozialen Netzwerken wie Facebook.“ Unicredit will ebenfalls „keinen Interessenkonflikt“ erkennen. es handle sich um eine Prognose auf den Wahlausgang. Döpfner ARD Keine Wahlumfrage in der letzten Woche Die ARD wird.bis 29-Jährigen (91 Prozent) weiterhin groß. und der Unicredit sind eng. Vor zwei Jahren waren lediglich 40 Prozent der über 65-Jährigen dort angemeldet. Pikant daran: Die Verbindungen zwischen dem Verkäufer. in der letzten Woche vor der Bundestagswahl keine Wahlumfrage mehr veröffentlichen. Xing oder LinkedIn registriert. mit frischeren Zahlen näher am tatsächlichen Wahlergebnis zu liegen. Wahlsendung mit Kanzlerin Merkel 2009 D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 HERBY SACHS / WDR / DPA KLAUS-DIETMAR GABBERT / DDP IMAGES . Im ZDF hofft man.

die verriet. Drittens. dürfen allenfalls wenige tausend Euro behalten. In Bayern rechtlicher Sendeanstalten. ARD und ZDF unterhalten ein dichtes Netz aus Werbetöchtern. ihre üppigen Zusatzeinnahmen aber verheimlichen sie weiter. Kein Fernsehrat fordert öffentlich Kl ( eis 2013) Transparenz ein. Dabei verdiente sie ohnehin schon üppig. Kein Intendant hat sich zur Höhe seiner Nebeneinnahmen geäußert. Juli 2013 ren. als die Intendanten vor drei Jahren auf öffentlichen Druck 228 0 hin ihre Gehälter veröffentlichten. muss alle 3000 € Einnahmen über 6200 Euro Spende jährlich abgeben. Doch ARD und ZDF meiden die öffentliche Debatte zu diesem Thema. dürfen die Vergütung für diese Posten Jahresgehälter und jährliche Nebenkeineswegs privat einverdienste der Intendanten öffentlichstreichen.Medien T V. ZDF-Intendant Thomas Bellut erhielt im vergangenen Jahr 33 291 Euro zusätzlich – und da war er noch nicht einmal das komplette Jahr im Amt. Inzwischen üben sie sich zwar in Transparenz. Dagmar Reim. Das änderte sich auch nicht. MDR-Intendantin Karola Wille 2012 auf knapp 22 000 Euro. Auch Bürgermeister und Landräte. Und der ist es zudem von Amts wegen untersagt. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil. von Studio Hamburg bis zum Werbefunk Saar. als etwa die Kanzlerin bekommt. Von der Bavaria bis zum ZDF-Werbefernsehen. weil es zum allergrößten Teil über Umwege ohnehin aus dem ow 13) Rundfunkbeitrag stammt. April 2013 stalten. Mittlerweile ist vielen Intendanten 341 5 das zusätzliche Geld peinlich. die in den Länst dern ebenfalls oft in ien d Aufsichtsräten etwa r von Landesunternehmen und -banken sitzen. ls in einer der ARD-Anstalten vor geraumer Zeit der Chef wechselte. 76 Kein Rundfunkrat macht das Problem pu2 blik. Ihr Jahresgehalt betrug im Jahr 2011 341 500 Euro. Bei einigen Senderchefs setzt nun ein Umdenken ein. Nur das Geld gibt es angenehmerweise obendrauf. Selbst der Chef des kleinen Saarländischen Rundfunks kann noch gut 16 000 Euro im Jahr extra verbuchen (siehe Grafik). die Chefin des Rundfunks Berlin-Brandenburg. Aber so viel Gemeinsinn ist eher selten. seien da ein paar zehntausend Euro im Jahr extra drin. Produktionsfirmen. In anderen Ländern dürfen sie nur einen kleinen Teil behalten.und Fernsehdienstleistern. Diese Zahlen wurden bislang nirgends veröffentlicht. im Nebenjob etwas hinzuzuverdienen.M A NAG E R Die Aufstocker Jahrelang schwiegen die Intendanten von ARD und ZDF über ihre Gehälter. Das Beste daran: Der Sitz in den meisten dieser Aufsichtsgremien gehört zum Job verpflichtend dazu. deutlich mehr. weil die Politik da schon längst weiter ist. spendet immerhin 3000 ihrer 12 000 Euro. m To m Jah res geh alt 36 B Doppelverdiener Ne be nv e D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 ar Rei m 307 H el m u 16 nnt unbeka 6 t Rei t ze Th 6 21 om as . Erstens. Die Kontrolleure haben t ja meist nicht einmal die Zahlen. die für ihre Städte und Kreise in Aufsichtsgremien sitzen. Wenn man es geschickt anstelle. 20 12 0 00 der von Amts wegen VWdavon Aufsichtsrat ist. in Euro 2 müssen sie die Honorare komplett an die Staatskasse weiterreichen. Film. weil die verheimlichten 32 Sondervergütungen bizarr 72 wirken angesichts aller Schwüre von Transparenz und Sparsamkeit der öffentlich-rechtlichen Anbis 30. Erst auf Recherchen des SPIEGEL reagier132 A ten die Senderchefs nun und legten die iel i ka P Zahlen erstmals offen. vertraute der scheidende Intendant seinem Nachfolger gleich eines der bestgehüteten Geheimnisse des Senderverbundes an: dass es neben dem Gehalt einen hübschen Zuverdienst gibt. Zweihr (20 u tens. n o M Das lange Schweigen ist auch ein Sym00 (2011) ptom. Minister und Senato2 58 9 2 seit 1. die sie zusätzlich verdient. Moni00 (2012) Dag ka Piel war damals die erste. Und Aufsichtsgremien gibt es reichlich. Die kürzlich aus dem Amt geschiedene WDR-Intendantin Monika Piel konnte ihr Einkommen auf diese Weise um stattliche 58 922 Euro pro Jahr aufstocken. NDR-Chef Lutz Marmor kommt auf 27 000 Euro Zuverdienst jährlich (darunter auch Mandate bei zwei Banken und einer Versicherung). als Aufsichtsrat der ARD-Tochterunternehmen.

Daraufhin setzte plötzlich eine Welle der Transparenz ein. Intendant von Ra- dio Bremen. Die Klügeren unter ihnen haben längst begriffen. in denen eine Intendantin knapp 60 000 Euro nebenbei bekommen hat. seit 2011 Chef des Bayerischen Rundfunks. dass eine Regelung wie im Öffentlichen Dienst gelten soll. STA R . M A RC E L M E T T E L S I E F E N / D PA . weil er als Nachrichtenmann lukrative Nebenjobs übernommen hatte. Der vermeintliche Li-La-Laune-Intendant. DA N I E L K A R M A N N / D PA . März 2012 78 24 a ol Ka r 0 246 00 Jan M e 2) (201 sionen zu. Er verzichtete von sich aus auf seine Bezüge bei den Tochterfirmen Europool. Bis auf Helmut Reitze. der zum Amtsantritt „Ich bringe die Liebe mit“ als Slogan ausgab. sind wohl endgültig vorbei. In den Chefetagen kommt allmählich die Einsicht an. danach steht Herrn Buhrow maximal eine Gesamtsumme von 6000 Euro im Jahr für seine Tätigkeiten in Aufsichtsgremien zu“. Sie will „in den nächsten Monaten“ die hausinterne Dienstanweisung Nebentätigkeiten „überarbeiten“ und den „Ge- Der vermeintliche Li-LaLaune-Intendant Buhrow ist sensibel geworden in Fragen des Geldes. weil sie durch eine Änderung im WDR-Gesetz dazu gezwungen wurde. setzte zwischen den Anstalten der ARD ein hektischer Telefonverkehr ein. Telepool und Bavaria Filmkunst – und damit auf einige zehntausend Euro im Jahr. Auf Honorare für Moderationen und Reden verzichtet er ohnehin. C H R I ST I A N C H A R I S I U S / D PA .M E D I A / I N T E RTO P I C S Peter B oudg 309 86 4 oust (201 3) Ul ri c 30 9 hW 14 0 0 0 12 0 bis 2012 8 21 276 7 13 00 88 seit 15. wird er aus den einst lukrativen Aufsichtsratsmandaten jedoch keinen großen Nutzen mehr ziehen. die zumindest in Sachen Nebenverdienst den moralischen Mindeststandard des Öffentlichen Dienstes erfüllen will. Die Zeiten allerdings. teilt der WDR mit. hat schon vor einigen Monaten eine Untersuchung zu dem Thema bei der Compliance-Beauftragten des MDR in Auftrag gegeben. obwohl er mit einer ziemlichen Überraschung aufwartet. wie der Werbeslogan verspricht. ist sensibel geworden in Fragen des Geldes. Reden möchte darüber allerdings keiner der Intendanten – auch aus Sorge. J E N S S C H LU E T E R / A P N . wenn Journalisten mal wieder nach heiklen Zahlen fragen – etwa zu den Gagen von TV-Stars wie Günther Jauch. seit knapp zwei Jahren Intendantin des Mitteldeutschen Rundfunks. H O R ST G A LU S C H K A / ACT I O N P R E S S . Nur intern nahmen die DiskusI M AGO STO C K & P EO P L E. pflogenheiten im öffentlichen Bereich“ anpassen. O L I V E R D I E T Z E / P I CT U R E A L L I A N C E / D PA . Jan Metzger.was sie verdient. wofür deren Geld im Detail ausgegeben wird. Karola Wille. Auch die teure Einführung des neuen Rundfunkbeitrags hat nichts am schlechten Image von ARD und ZDF als öden Anstalten mit Milliarden-Euro-Polster geändert. im Kreis der Senderbosse künftig als Musterschüler gemieden zu werden. bezieht seit März keine Vergütung mehr für seine Tätigkeit im Aufsichtsrat der Sendertochter Bremedia. MARKUS BRAUCK 133 ilh elm 0 72 ) 12 (20 L utz 17 305 4 M a rm or (2013) 33 2 91 (2012) 01 tzg e r W i ll e (20 12 ) D E R Tho mas B e ll u t 0 27 00 S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 . den Vertragsdetails bei Sportverträgen oder der Intendantenvergütung. M A R I O V E D D E R / DA P D . dass die Öffentlich-Rechtlichen eigentlich Vorreiter in Sachen Transparenz sein müssten – und nicht die Nachhut. Buhrow setzt sich gleich zu Beginn seiner Amtszeit von seiner Vorgängerin mit einer Deutlichkeit ab. Allerdings tat sie den Schritt auch nur. war zuvor Sprecher der Bundesregierung und von daher mit strengen Nebenverdienstregeln vertraut. Dabei gibt es in manchen ARD-Sendern durchaus einen Kulturwandel zu besichtigen. der ehemalige „Tagesthemen“-Moderator und neue Chef der größten ARD-Anstalt. ZDF-Intendant Bellut veröffentlicht seine Bezüge mittlerweile gar auf der Homepage des Senders. Vor ein paar Jahren war er selbst in die Schlagzeilen geraten. C I RA M O RO . Als der SPIEGEL seine Anfrage losschickte. wenn man den Beitragszahlern verschweigt. DA P D / D D P I M AG E S / J O E RG SA R BAC H . so ist es vertraglich geregelt. Immerhin ein Verzicht auf einige zehntausend Euro im Jahr. Ulrich Wilhelm etwa. beteiligten sich alle ARD-Intendanten. des WDR in Köln? Auch er schweigt. Und nach Jahrzehnten der Selbstbereicherung scheint in der ARD nun zum ersten Mal eine Riege am Drücker zu sein. den Chef des Hessischen Rundfunks. Dabei gäbe es – ausnahmsweise – durchaus Positives zu erzählen aus der ARD. Als Intendant bekommt Buhrow nun ein deutlich höheres Gehalt als Vorgängerin Monika Piel. Hinzu kommt. Und Tom Buhrow. Eine Mehrheit der Intendanten nervt es mittlerweile. Über die lukrativen Nebeneinnahmen jedoch schwiegen die Intendanten geflissentlich. nämlich inklusive Dienstwagen 367 232 Euro pro Jahr. Dafür. „In dem Vertrag zwischen dem WDR-Verwaltungsrat und Herrn Buhrow ist vereinbart. Was die Zahlen auch zeigen: Die ARD ist in der Frage der Nebenverdienste keineswegs „eins“. dass die seit Jahren laufende Gebührendebatte einfach nicht zur Ruhe kommt. Keiner wollte öffentlich als ewig gestrig oder als Moralapostel dastehen. seit sie mehrheitlich im Besitz von Radio Bremen ist. dass es der Akzeptanz der TV-Gebühren nicht hilft. permanent in der Defensive zu sein. die verblüfft. Für einen Auftritt im Auftrag einer Sektkellerei etwa war er mit mehr als 10 000 Euro entlohnt worden.

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Tobias Rapp. New York. K. P. Helmut Bott. 18. O. Petra Thormann. Rolf G.). O. (001212) 2217583 TEL AVIV Julia Amalia Heyer. 1202 National Press Building. (001212) 2217583. P. Dr. Fax 6179365 WAS H I N GTON Marc Hujer. Abu Dhabi BOSTON Johann Grolle. Johannes Eltzschig. Fax 42960822 PEKING Bernhard Zand.spiegel-qc.de/widerrufsrecht Datum. C. Udo Ludwig. (004822) 6179295. NJ 07631. Kairo.de SPIEGEL Foto USA: Susan Wirth. Neu-Delhi 110003. Reuters. Markus Dettmer. Jonathan Stock. Maren Keller. KG PLZ. Fax 3473194 DOKUMENTATION Dr. Österreich. An der Welle 5. Cordelia Freiwald (stellv. Jörg-Hinrich Ahrens. Maximilian Popp.spiegel.40 inkl. Nina Ulrich. Dr. Reporter: Alexander Neubacher. (007495) 96020-95. 00187 Rom. Deutschland. Klaus Falkenberg. (001202) 3475222. (089) 4545950. Andreas Meyhoff.de REDAKTIONSBLOG spiegel. Bd. Fax 97126820 KARLSRUHE Dietmar Hipp. Reporter: Markus Grill. Dr. Dr. 22290-970 Rio de Janeiro-RJ. 125009 Moskau.). Jörg Schmitt. Washington. Michaela Schießl AUS L A N D Leitung: Clemens Höges. Barbara Supp (stellv. 02138 Cambridge. Fax 9204449 M Ü N C H E N Dinah Deckstein. Maik Großekathöfer. Tel. Peter Lakemeier. Wiebke Hollersen. 210 Jor Bagh. Claudia Franke. Stefan Willeke. Bruno Schrep. Deutsche Blindenstudienanstalt e. Dresden / Prinovis. Jörg Schindler. Ericusspitze 1. Dr. Tel. Tobias Mulot.O. Catrin Fandja. Autoren. Tel. 153 S Dean St. Michael Lindner. 01097 Dresden. Romain Leick. Tel. Thomas Tuma. P. Fax 664749-22 REDAKTIONSVERTRE TUNGEN AUSL AND ABU DHABI Alexander Smoltczyk.de Nachbestellungen SPIEGEL-Ausgaben der letzten Jahre sowie alle Ausgaben von SPIEGEL GESCHICHTE und SPIEGEL WISSEN können unter www. NJ 07631.00 Schweiz: zwölf Monate sfr 361. Service E-Mail spiegel@spiegel. Marco Evers. Sven Röbel. Tobias Becker. Daniel Steinvorth. Guido Mingels. Barbara Rödiger. Januar 2013 Mediaunterlagen und Tarife: Tel. Ul. Bol. René Pfister (stellv. Dr. Cornelia Schmergal. Sebastian Raulf. Anne-Sophie Fröhlich.spiegel. Vorname des neuen Abonnenten DRESDEN Steffen Winter. Tel Aviv-Jaffa 61083. Redaktion: Lars-Olav Beier. Andrea Curtaz-Wilkens. Joachim Kronsbein (stellv. Sa. CA 94133.com/derspiegel ❏ nach Erhalt der Jahresrechnung. Thorsten Hapke.O. Susmita Arp. Anke Dürr. Christiane Stauder.).de übriges Ausland: New York Times News Service/Syndicate E-Mail: nytsyn-paris@nytimes. Fax 3026258 PA R I S Mathieu von Rohr. (0034) 650652889 MOSKAU Matthias Schepp. Kirsten Wiedner. Jessica Kensicki. Rainer Lübbert. Stefan Moos. Dialika Neufeld.00 pro Ausgabe ❏ für € 3. Kurt Jansson. Fax 26620-20 DÜSSELDORF Georg Bönisch. (0351) 26620-0. Ludger Bollen. Cornelia Pfauter. (009111) 41524103 NEW YORK Alexander Osang. Gisela Friedrichsen. Dr. Axel Rentsch. Sylke Kruse. O. 12. Dr. Markus Deggerich. Tel. O.P.60 Außerhalb Europas: zwölf Monate € 340. Gordon Repinski. Beate Lakotta.00 – 16.) S C H LU S S R E DA KT I O N Anke Jensen. 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Viola Broecker. Dr. Ulrich Klötzer. Maika Kunze. Julia Saur. Walter Lehmann-Wiesner.de Telefon: (0228) 9296984 Kundenservice Persönlich erreichbar Mo. Abonnenten-Service. (005521) 2275-1204. Malte Nohrn. Redaktion: Susanne Amann. Frankfurter Stiftung für Blinde Telefon: (069) 955124-0 Abonnementspreise Inland: zwölf Monate € 208. Jörg Kramer S O N D E RT H E M E N Leitung: Dietmar Pieper. Katharina Lüken (stellv. O. Box 170. Joachim Immisch. Abonnementsbestellung bitte ausschneiden und im Briefumschlag senden an SPIEGEL-Verlag. Mirjam Schlossarek. Katharina Stegelmann. Dr. Ulrich Booms. Das Geld für bezahlte. Gershom Schwalfenberg Besondere Aufgaben: Stefan Kiefer REDAKTIONSVERTRE TUNGEN DEUTSCHL AND B E R L I N Pariser Platz 4a. Autoren: Stefan Berg. Wieland Wagner. Ralf Neukirch. Thorsten Oltmer. Heiko Buschke.de/spiegel versandkostenfrei innerhalb Deutschlands nachbestellt werden. Anna-Lena Kornfeld. Michael Walter L AYO U T Wolfgang Busching. Holger Wolters (stellv. Alexander Jung. (00322) 2306108. Box 15614. Schierhorn. Los Angeles Times / Washing- Straße. Englewood. Beyer Politischer Autor: Dirk Kurbjuweit DEUTSCHE POLITIK · HAUPTSTADTBÜRO Leitung: Konstantin von Ham- merstein. Hilmar Schmundt. Torsten Feldstein. Dr. 75001 Paris.). Katrin Kuntz. Massachusetts. Sebastian Schulin. Susanne Heitker. Christoph Reuter Diplomatischer Korrespondent: Dr. (040) 3007-2540. Michael Wulzinger. 1000 Brüssel. Philipp Oehmke. Renate KemperGussek. Manfred Dworschak. Guido Kleinhubbert. Martina Treumann B I L D R E DA KT I O N Michaela Herold (Ltg.03-912 Warschau. Hauke Janssen. Cornelia Baumermann. Thomas Riedel. Tel. Stephanie Hoffmann. (00202) 37604944. Redaktion: Annette Bruhns. D. 134 D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 . Redaktion: Dr. Dietmar Hawranek. Box 330119.). Reimer Nagel. Susanne Koelbl. Anna Kistner.). Wolfgang Höbel. Redaktion: Hauke Goos. Markus Brauck.00 Uhr. (030) 886688-200. Unterschrift des neuen Abonnenten SP13-001 SD13-006 SD13-008 (Upgrade) DER SPIEGEL (USPS No. Christian Albrecht. Elke Schmitter. Claudia Stodte. aber noch nicht gelieferte Hefte bekomme ich zurück. Tel. Andrea SchumannEckert. Periodicals postage is paid at Englewood. 20637 Hamburg Telefon: (040) 3007-2700 Fax: (040) 3007-3070 E-Mail: aboservice@spiegel. Box 9868. Michael Sontheimer. Christiane Hoffmann (stellv. Wallgäßchen 4. Karl-Henning Windelbandt. Dr. Suite 3400. Jil Sörensen.de Abonnement für Blinde Audio Version. Jan Puhl. Fred Schlotterbeck. Peer Peters. Arne Vogt. Tel. Anja Bednarz. Katja Thimm. Silke Geister. Barbara Hardinghaus. Tel. Matthias Krug. Bernd Musa.) ART DIRECT ION Uwe C. 28080 Madrid. Ines Köster. 2F. (00331) 58625120. www. Cordt Schnibben S P O RT Leitung: Gerhard Pfeil. Martin Doerry (V.40 Europa: zwölf Monate € 262. Dr.. Petra Kleinau. Dr. (0721) 22737. Martin U. Tobias Kaiser. Matthias Matussek.00 – 19. Walter Mayr. Redaktion: Lukas Eberle.). Simone Kaiser. 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Marcel Rosenbach (stellv. Fax 45459525 ST U T TGA RT Eberhardstraße 73. Tel. Anna Kovac. Peter Wetter. Gregor Peter Schmitz. Kristian Heuer. Tel. Ralf Geilhufe. (001212) 3075948 GRAFIK Martin Brinker. Reinhilde Wurst (stellv. Eilbotenzustellung auf Anfrage. Reporter: Georg Diez. Peter Wahle (stellv. (001617) 9452531 B RÜ S S E L Christoph Pauly. and additional mailing offices. Nadine MarkwaldtBuchhorn. Tel. Christian Reiermann Meinung: Dr. Marco Kasang. Katrin Bollmann. Anika Zeller LESER-SERVICE Catherine Stockinger N AC H R I C H T E N D I E N ST E AFP. Medien und Internet). Hausnummer oder Postfach ton Post. Fax 65325453 R I O D E JA N E I R O Jens Glüsing. Eva-Maria Schnurr. Rainer Traub M U LT I M E D I A Jens Radü. Jörg Blech. Dr. Manfred Ertel. Eine Belehrung über Ihr Widerrufsrecht erhalten Sie unter: www. 6181986. Ort Verantwortlich für Anzeigen: Norbert Facklam Gültige Anzeigenpreisliste Nr. Reporter: Jürgen Dahlkamp. Fax 86679-11 FRANKFURT AM MAIN Matthias Bartsch. Christel Basilon.de/abo Ich bestelle den SPIEGEL ❏ für € 4. Tel. Fax 6810999 WA RS C H AU P. Dr. London WC1A 9FP. Dr. Fax 6797768 SAN FRANCISCO Thomas Schulz. P. Axel Pult (stellv. Abonnenten-Service. Angela Gatterburg. Gunther Latsch. sid SPIEGEL-VERL AG RUDOLF AUGSTEIN GMBH & CO. Antje Windmann. Alexander Kühn. André Geicke. Gerald Traufetter. Dr. Michael Abke. AC Urca. Daniel Sander GESELLSCHAF T Leitung: Matthias Geyer. Bernhard Riedmann C H E F V O M D I E N ST Thomas Schäfer. Ansbert Kneip. Bitte liefern Sie den SPIEGEL an: Name. Nils Küppers. Dr.). Takis Würger. Susanne Beyer. Redaktion: Sven Becker. Holger Stark. Vlaeberg 8018. Laura Höflinger. Fax 886688-222 INTERNE T www. Cordula Meyer (stellv. AnnKathrin Nezik. 20045. Box 64199. Schweiz: Telefon: (040) 3007-2869 Fax: (040) 3007-2966 E-Mail: nachdrucke@spiegel. 20457 Hamburg. Andrea Sauerbier. i. Regine Brandt. Bettina Stiekel. AP. Telefon (040) 3007-0 · Fax -2246 (Verlag). Caixa Postal 56071. Karin Weinberg. 10117 Berlin. 40213 Düsseldorf. Manfred Petersen.). 20457 Hamburg Fax: (040) 3007-2966 E-Mail: leserbriefe@spiegel. Martin Wolf. 67 vom 1. Largo Chigi 9. Johannes Erasmus. Susanne Döttling. Fax 37607655 K A P STA DT Bartholomäus Grill. Peter Wensierski.). Olaf Stampf. Fabian Eschkötter. BLZ 200 400 00 Verantwortlich für Vertrieb: Thomas Hass Druck: Prinovis. Redaktion: Felix Bohr. Jochen-Martin Gutsch. Carsten Holm. 10 E 40th Street. Historische Ausgaben Historische Magazine Bonn www. Tel. Johannes Unselt (stellv. Bertolt Hunger.de Nachdruckgenehmigungen für Texte und Grafiken: Nachdruck und Angebot in Lesezirkeln nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlags. Conny Neumann. Nils Klawitter. Christian Wüst KU LT U R Leitung: Lothar Gorris. NJ 07631. Detlef Hacke. Reporter: Ralf Hoppe. Autoren. Dr. P. Rainer Szimm. Maximilian Schäfer. 8. Gernot Matzke. V. Regina Schlüter-Ahrens. Box 8387. Fidelius Schmid. Özlem Gezer. Kerstin Kullmann. Dr. 25 Gray Street. Britta Sandberg. Kapstadt. Sabine Döttling. Bettina Musall. Box 31. Tel.de Commerzbank AG Hamburg Konto-Nr. Ulrike Wallenfels P RO D U KT I O N Solveig Binroth. Ralf Beste.spiegel. Charlotte Klein. Dr.00 Uhr SPIEGEL-Verlag. Autoren. Deutschland. Fax (004420) 34902948 MADRID Apartado Postal Número 100 64. Julia Koch. Box 35 290. d. Wissenschaft. Hans-Ulrich Stoldt (Panorama). 60322 Frankfurt am Main. Carsten Hellberg. -2247 (Redaktion) HERAUSGEBER Rudolf Augstein (1923 – 2002) ST ELLV. Parvin Nazemi. S. Mario Schmidt. Sandra Schulz. PL. Dr. Stefan Storz. Matthias Schulz. Tel. Eckart Teichert. Deutsche Politik. Barbara Schmid. Marko Scharlow. Susanne Weingarten KulturSPIEGEL: Marianne Wellershoff (verantwortlich). Vassilios Papadopoulos. Thomas Schmidt. Subscription price for USA is $ 350 per annum. Das gilt auch für die Aufnahme in elektronische Datenbanken und Mailboxen sowie für Vervielfältigungen auf CD-Rom. Philip Bethge. Thorsten Gerke. Helene Zuber. (030) 886688-100. 76133 Karlsruhe. Shari’ Al Fawakih.de Fragen zu SPIEGEL-Artikeln / Recherche Telefon: (040) 3007-2687 Fax: (040) 3007-2966 E-Mail: artikel@spiegel. Elisabeth Kolb. Horand Knaup. Thomas Hüetlin. P. (003906) 6797522. Claudia Jeczawitz. (008610) 65323541. P. Charlemagne 45. Samiha Shafy. O. Wirtschaft Anne Seith. Michael Fröhlingsdorf. Christoph Schult. Tel. Janko Tietz.

Walter de Maria. 1968 beteiligte er sich erstmals an der Documenta in Kassel. 8. Aber er ging auch nach ganz weit draußen. 8.. Der Künstler war scheu und nutzte doch selbstbewusst den Raum zwischen Himmel und Erde. Weitere Einladungen dorthin folgten. Wunderbar seine Alltagsszenen aus dem Bonn der frühen Nachkriegsjahre: Da sieht man den Krämer im Laden um die Ecke.Register GESTORBEN Josef Darchinger. den die wohlhabende Klientel gern entrichtet. Juli im kalifornischen La Jolla. Thunfisch in Aquakulturen zu züchten. 8. Juli in Bonn. 3 2 / 2 0 1 3 SONNTAG. Für Helmut Schmidt war er „der Beste“. Weltweit wird jedoch daran gearbeitet. Das Problem: Bisher ist es nicht gelungen. dass das Kabinett der Großen Koalition an einem Sommertag im Jahr 1967 im Park des Palais Schaumburg tagte – er war zur Stelle und hielt den historischen Moment fest. 74.30 – 8. etwa in die Wüste von New Mexico. in der er aufgewachsen war. was ihm vor die Linse kam – bekannte und unbekannte Menschen und Ereignisse. niederzulassen. Er kannte sie alle: den ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss genauso wie den Gründungskanzler Konrad Adenauer und dessen Nachfolger Ludwig Erhard. ein Hallenbad. Darchinger drückte in dem Moment ab.45 UHR | PAY TV BEI ALLEN FÜHRENDEN KABELNETZBETREIBERN ULLSTEIN BILD SPIEGEL TV WISSEN Fünf Sterne für vier Pfoten – Das Hundehotel SPIEGEL TV Hund im Spa-Bereich der Flasche. wobei ihm niemand so viel verdanken dürfte wie Eric Clapton. Juli in Los Angeles. um sich Ende der sechziger Jahre in Tulsa. in Bonn geboren und zeit seines Lebens dort sesshaft. Mit „After Midnight“ stammte sein erster großer Hit von Cale. MITTWOCH. 8. Einblicke in die schöne neue Welt des modernen Hundes. und so sollte seine Musik den Rest seiner Karriere klingen: wie eine kühle Sommerbrise. wo er 400 Edelstahlstäbe zu einer weitläufigen geometrischen Skulptur anordnete. Eigentlich sollte er Landwirt werden. Kirchensprengung – Angriff der Braunkohlebagger. persönliche Betreuung – für das Wohl der vierbeinigen Gäste wird im Hundehotel vor den Toren Berlins fast alles möglich gemacht. der – hinter Schmidt gehend – eine Axt hochhält. Josef Darchinger starb am 28. Besuch in der Mega-Fluchtburg – Interview mit „Kim Dotcom“. bei einem Rundgang durch dessen Garten entstand: Es zeigt den SPIEGELHerausgeber Rudolf Augstein. der Rock. Besonders die Bestände des Roten Thuns gelten daher zu 80 Prozent als überfischt und sind vom Aussterben bedroht. Mit den Worten „They Call Me the Breeze“ lässt er 1972 das Album „Naturally“ beginnen. Dort perfektionierte er seinen lässigen Stil. Kurt Georg Kiesinger. 22. Geboren in Oklahoma City als John Weldon Cale (den Spitznamen JJ verpasste ihm später ein Clubbesitzer). Im Jahr 1960 zog der junge Künstler aus Kalifornien nach New York City.55 UHR | ARTE X:ENIUS Jagd auf den Roten Thun Die Nachfrage nach Thunfisch ist mit dem Sushi-Boom der vergangenen Jahrzehnte stark gewachsen. Willy Brandt und eben Schmidt. 1977 bohrte er einen Messingstab von einem Kilometer Länge in den Kasseler Grund. Der Fotograf war ein echter Rheinländer. Tom Petty. Das Rundum-sorglos-Paket hat aber seinen Preis. Country und Folk verband. Für ihr gemeinsames Album „The Road to Escondido“ bekamen die beiden 2008 einen Grammy. Oklahoma. Das erfuhren Augstein und Schmidt allerdings erst später – der Mann vom Bundeskriminalamt kannte Darchinger und hat es ihm erzählt.00 – 21. 6. Etliche seiner Werke aber wirken wie gewitzte Statements gegen alles Urbane.05 – 22. So lud er Dreck in einer Münchner Galerie ab. Durch einen Zufall hörte Darchinger. der Stadt. Er blieb allerdings ein „musician’s musician“ – „Cocaine“ war zwar ein Hit. D E R Pflege im Day-Spa. ANGELIKA PLATEN/BPK S P I E G E L 135 . JJ Cale starb am 26. Den ersten sozialdemokratischen Bundespräsidenten Gustav Heinemann fotografierte er im Park der Villa Hammerschmidt beim Biertrinken aus SVEN SIMON / ULLSTEIN BILD JJ Cale.50 UHR | RTL SPIEGEL TV MAGAZIN Unschöner Schein – Die Masche mit den gefälschten Hotelbewertungen. 87. seine großen Erfolge hatte er aber als Songwriter. individuell abgestimmte Sport.. denn er hoffte auf spektakuläre Blitzeinschläge. 7. Die Sendung zeigt die Schwierigkeiten auf und geht der Frage nach.. als wollte er Schmidt erschlagen. das nach einem SPIEGEL-Gespräch am Brahmsee. Der Künstler nahm es damals mit der Natur auf. ob es Perspektiven für das Überleben des majestätischen Fisches gibt – oder ob letztlich nur ein totaler Verzicht ihn retten kann. Nach dem Krieg versuchte er sich mit der Kamera – und wurde schließlich ein wichtiger Chronist der frühen Bonner Republik. Bonner Bengels in Lederhosen mit ihren Ballonrollern. mitten in New York füllte er vor Jahrzehnten einen Raum mit Erdreich. Walter de Maria starb am 25. Er hielt alles fest. Vor allem aber fotografierte er das politische Personal der jungen Bonner Republik. Kein anderer Fotograf hat den früheren Bundeskanzler vor. als der Sicherheitsbeamte zur Pistole greifen und auf Augstein schießen wollte. dem Zweitwohnsitz Helmut Schmidts. DIENSTAG. Selten hat die erste Zeile des ersten Songs auf dem ersten Album die Ästhetik eines Musikers so treffend zusammengefasst wie bei JJ Cale. Der „vertikale Erdkilometer“ ist mehr zu ahnen als zu sehen.und Fitnessprogramme. 11. reichhaltige Mahlzeiten. zog Cale als junger Mann nach Los Angeles. Berühmt und berüchtigt ist auch jenes Foto. 77. während und nach seiner Kanzlerzeit so häufig begleitet wie Josef „Jupp“ Darchinger. dort modert es heute noch. Lynyrd Skynyrd und Deep Purple sowie Johnny Cash sangen seine Lieder. 21.

Ihre Aufseher hatten ihr mangelnde Reue attestiert und sich dagegen ausgesprochen. dass die Belastung für seine damalige Frau immens war. Spitzenkandidat der Grünen. Tolokonnikowa sieht jedoch einen anderen Grund: Weil sie sich geweigert habe.“ Rache statt Reue Vergebens hat Nadeschda Tolokonnikowa. in dem der Tanz-Champion 108 verschiedene Tanzschritte skizziert hat. 136 D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 SERGEI KARPUKHIN / REUTERS PETER KOLB / PICTURE ALLIANCE / DPA . sagt Wilde im Rückblick. Ausgestellt wird auch ein Notizbuch. in San Francisco geboren. das ist ein altes langweiliges Spiel. seien ihre Bewacher wütend auf sie gewesen und rächten sich nun an ihr.“ Aber. verlebte seine Kindheitsjahre in der britischen Kronkolonie. An diesem Mittwoch will er erneut gegen den hohen Salzgehalt von Bergbauabwässern protestieren. das Paar aber wollte „gemeinsam die Erkrankung und die Ärzte besiegen“. Vor gut einer Woche lehnte ein Gericht ihren Berufungsantrag ab. Für das Ehepaar änderte sich das Leben von Grund auf: „Es gab keine Privatsphäre mehr“. hat ihren Urlaub wieder einmal in der Sportschule Hachen verbracht. nach der Aufführung der „Götterdämmerung“ in Bayreuth entlud. Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen. 62. muss KIN CHEUNG / AP / PICTURE ALLIANCE / DPA man sich dazu verhalten. Viel Feind. Dem Fauxpas in der Werra kann der Grüne durchaus Positives abgewinnen. konnte er mit ihrem Unglücklichsein nicht umgehen. Die Aktie des Flussverschmutzers K + S sei vergangene Woche immerhin „abgestürzt“. an einem Schönheitswettbewerb im Knast teilzunehmen. britischer Astrophysiker. dem Regisseur des wagnerschen „Ring“. schaute herausfordernd auf seine Uhr und zeigte dem Publikum schließlich den Vogel. Mitte Juli reiste die Sozialdemokratin wie in den Jahren zuvor ins Sauerland. wie er sich gegen zukünftige unfreiwillige Tauchgänge schützen wolle. Lee. Auf die Frage. Der Bestsellerautor („Eine kurze Geschichte der Zeit“). Mitglied der Punk-Gruppe Pussy Riot. versucht. Die Aktivistin bleibt wegen ihres „Punk-Gebets“ in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale möglicherweise volle zwei Jahre lang in einem Straflager. Die Festspielintendantinnen Katharina Wagner und Eva WagnerPasquier seien. Jürgen Trittin. 20 Kilometer Radfahren. Hawking versteht heute. antwortete er gleichmütig und frei nach Heraklit: „Man kann nicht zweimal in denselben Fluss fallen. Die beiden hatten sich in Cambridge kennengelernt. plant trotz seines Kenterns vergangene Woche in der Werra weitere Kanudemos im Wahlkampf. Todestages gewürdigt. 71. war die Krankheit ALS bei Hawking bereits diagnostiziert worden. so sagt er. Ausnahmeathlet und als Beispiel für eiserne Disziplin. Hannelore Kraft. Gnade walten zu lassen. freut sich der Politiker. seit 1968 wegen einer Erkrankung des Nervensystems an den Rollstuhl gefesselt. Der Regisseur schien den Tumult zu genießen. Hochsprung. 52. blieb ostentativ auf der Bühne stehen. Als sie heirateten. so Castorf. Diese und andere überraschende Seiten des Kampfkünstlers werden in einer Ausstellung in Hongkongs Heritage Museum anlässlich seines 40. äußert sich in einem dokumentarischen Film über das krankheitsbedingte Scheitern seiner ersten Ehe. 400 Meter Schwimmen.“ Den meisten Sängern und besonders dem Dirigenten Kirill Petrenko erging es wesentlich besser. 23. um dort das Sportabzeichen abzulegen. diesmal an der Weser bei Barme nördlich von Nienburg.Personalien Cha-Cha-Champion Der Kung-Fu-Film-Star Bruce Lee. 1973 verstorben.“ Der „Kampf gegen die Versalzung“ gehe weiter. Sie hätten früher runterkommen können. Um 1985 verschlechterte sich Hawkings Zustand dramatisch. Bisher weniger bekannt war Lees Leidenschaft fürs Tanzen. 1958 gewann er die Cha-Cha-Cha-Meisterschaft von Hongkong. wenn man so viele Feinde hat. ihre Haftzeit verkürzen zu lassen. so verteidigt der Regisseur sein langes Verharren: „Ich finde. Aber seinerzeit. Aber auch das amüsiert Castorf eher: „Den Regisseur ausbuhen und die Musiker feiern. und Jane Wilde ließen sich 1995 nach 30 Jahren Ehe scheiden. Kugelstoßen und weiteren Disziplinen konnte die stellvertretende SPD-Vorsitzende bei der Abreise am vergangenen Wochenende das Abzeichen in Gold einpacken. sie wurden umjubelt. „sauer“ auf ihn gewesen und hätten ihm „mamamäßig gouvernantenhaft“ vorgeworfen: „Frank. Die Kriterien sind in diesem Jahr strenger geworden. Nach einem 10-Kilometer-Lauf. das sich über Frank Castorf. gilt als Philosoph. Stephen Hawking. viel Buh Fast eine Viertelstunde lang dauerte am vergangenen Mittwoch das Buh-Gewitter. sagte sie vor Gericht. 59. er war nun rund um die Uhr auf medizinische Versorgung angewiesen.

George so zu behandeln. del Reys Schwester. mit dem er die Initiative einer Tierschutzorganisation zur Verbesserung der Lebensumstände von Zuchtschweinen in Kanada unterstützt. die so klein sind. „Gods & Monsters“ und „Bel Air“. könne so etwas Grausames irgendeinem Tier antun. 27. Mit von der Partie ist außerdem das Albino-Model Shaun Ross. „Tropi- co“ soll eine Art Erlösungsgeschichte erzählen. hält sie noch geheim. Insbesondere die Größe der Käfige. schreibt er. war offenbar die Kamerafrau. Wann und wo der Film zu sehen sein wird. dass die Säue sich ihr ganzes Leben lang kaum rühren können. Einmal nahm der kanadische Schauspieler Ryan Gosling. Jetzt hat Gosling seine Zuneigung für eine weitere Spezies offenbart: Schweine. 32. D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 137 GETTY IMAGES . Er jedenfalls könne sich nicht einmal „im Traum“ vorstellen. „kein mitfühlender Kanadier“. entlang der Songs „Body Electric“. In der kanadischen Tageszeitung „The Globe and Mail“ veröffentlichte er einen Text.ELLEN VON UNWERTH / TRUNK ARCHIVE Filmmusikerin Vor einigen Wochen hat die amerikanische Sängerin Lana del Rey. dass sie kein neues Album mehr aufnehmen wolle. Caroline „Chuck“ Grant. Diese Praxis sei abstoßend. Auf ihrem Twit- ter-Account kündigte sie nun die Veröffentlichung eines Kurzfilms mit dem Titel „Tropico“ an. prangert Gosling an. erklärt. Diese Stücke hat del Rey bereits im vergangenen Winter veröffentlicht. Trotzdem werde sie weiterhin Musik machen. George sogar mit zu einer Fernseh-Talkshow. Er appelliert an die Ehre seiner Landsleute. in dem sie mitwirkt. Für die Sau Sein Hund George und er sind praktisch unzertrennlich.

D E R S P I E G E L 3 2 / 2 0 1 3 Aus der „Kölnischen Rundschau“ Aus dem „Kölner Stadt-Anzeiger“: „Zu viel Schneefall wiederum führt zu einer schlechten Sicht. ist fraglich. und er widmete dessen hipperes Abbild als rebellischer Außenseiter zum jugendlichen Habitus um. bleibt eventuell nur der Tatbestand des . den rassistischen Mythos der grundsätzlichen Triebhaftigkeit als Versprechen.“ Der SPIEGEL berichtete … … in Nr. sie habe Verständnis für den Unmut vieler Bürgerinnen und Bürger in Sachen Pensions. Die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ zur SPIEGEL-Geschichte „Die Enkelin“ über die Politikerin Michelle Müntefering (Nr. Vergangene Woche wurde Peter Zimmermann aus dem einstweiligen Ruhestand zurückbeordert. Lieberknecht erklärte. 31/2013): Seit die Spähaktivitäten des US-Geheimdienstes NSA in Deutschland bekanntgeworden sind. Schily prangerte die „teilweise wahnhaften Züge“ in der Datenschutzdebatte rund um den NSA-Spähskandal an.“ Aus der „Lippischen Landes-Zeitung“ Aus der „Heilbronner Stimme“: „Da Leichen nicht entwendet wurden. sie habe in der Geheimdienstaffäre ebenso wie die Union „kaum etwas zu gewinnen“. Vor diesem Hintergrund muss sich Michelle Müntefering in dieser Woche geradezu geadelt fühlen: In der Rubrik „Gesellschaft“ hat das Hamburger Nachrichten-Magazin der Herner Bundestagskandidatin gleich fünf Seiten eingeräumt – inklusive eines ganzseitigen Fotos der 33-Jährigen. Doch was die SPD-Wahlkämpfer am Wochenende im SPIEGEL lesen mussten.“ Schaufenster einer Videothek in Staßfurt. obwohl er gut dotiert in die freie Wirtschaft wechselte. wenn Fahrräder beim Ausfahren aus dem Watt die Räder umreißen und anschließend vor Schreck durchgehen. Damit hat der einstige Regierungssprecher keine umfangreichen Pensionsansprüche mehr. Sachsen-Anhalt Aus den „Cuxhavener Nachrichten“: „Es ist nicht auszudenken. die Affäre in den Wahlkampf zu tragen und die Bundesregierung damit unter Druck zu setzen. sondern durch die Snowden-Enthüllungen und die Recherchen von Medien wurde das Thema befeuert und kamen wichtige Fragen auf die Agenda.beschimpfenden Unfugs‘ eines Leichnams.Hohlspiegel Aus dem „Ratgeber aus Ihrer Apotheke“: „Dennoch sollten Sie schwere Beine nicht auf die leichte Schulter nehmen. 31/2013 „Teuerste Lösung“ über Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU). Thüringens Kabinett werde Änderungen beschließen.“ Rückspiegel Zitate „Der Tagesspiegel“ zum SPIEGEL-Gespräch mit Ex-Innenminister Otto Schily „Wahnhafte Furcht vor dem Staat“ über die NSA-Abhöraffäre (Nr. gleichzeitig beantragte er seine Entlassung. Dort nämlich warnte Ex-Innenminister Otto Schily seine eigene Partei.“ 138 .und Versorgungsansprüche von Beamten. die ihren Vertrauten und Staatssekretär Peter Zimmermann gegen den Rat ihrer Beamten in den für den Freistaat teuren einstweiligen Ruhestand schickte. Und die braucht ein Bergsteiger unbedingt. versucht die SPD. 30/2013): Bereits eine namentliche Erwähnung im SPIEGEL gilt in der Polit-Landschaft als etwas Besonderes. wie Elvis. Nicht durch eigene politische Aufklärungsarbeit. war ausnahmsweise nicht nach ihrem Geschmack. Er nutzte. Aus den „Kieler Nachrichten“ Aus der „Berliner Zeitung“: „Jagger hatte im Imitat lasziver Bluesstimmen zu seinem lüsternen Breitmaulstil gefunden. Wie dieser nachgewiesen werden könnte.