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Druck: DSZ - Druck GmbH, München Printed in Germany ISBN 3-924309-76-0

E IN PAAR W O RT E ZUVO R
Mit _ dreihund ertsieb enundneu n zig Ja - Stimmen b ei zweihund ertund zwei Nein , z wö l f m a l E n t h a l t u n g u n d e i n e m u n gü l t i g e n Z e t t e l i s t An g e l a M e r k e l a m 2 2 . N o v e m b e r 2 0 0 5 v om D eu t s c h en B u n d es t a g i n s Am t d es B u n d es k a n z l e r s d e r B u n d es republik Deutschland gewählt worden. Wa s i h re P f li c h t un d S ch u ldi gk ei t i s t, wei ß m a n . E s s t eh t im Am t s ei d gem ä ß Art i k el 5 6 d es Gru n d ges et z es fü r d i e Bu nd es rep u b li k Deu t s ch lan d , we lc h er d a lau t et : „ Ic h s ch wöre, d as s ich m ein e Kra ft d em Woh le d es d eut sch en Volk es wi dm en, s ei n en Nu t z en m eh r en , S c h a d en v o n i h m wen d en , d a s Gru n d ge s e t z u n d d i e Ge s et z e d e s B u n d e s wa h r e n u n d v e r t e i d i g e n , m e i n e P f l i c h t e n g e w i s s e n h a ft e r f ü l l e n u n d Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe." Aber weiß man auch, wer sie ist, die das geschworen hat? „J a, m ein e Ha a re sind get önt." Als s i ch An gel a M erk el d erges ta lt in d er „B i ld " a m 3 . M a i 2 0 0 2 „ ou t et e ", h ä t t e m a n d en k en k ön n en : E n d li c h m a l j e m a n d a u s d e r Gi l d e d e r S p i t z e n p o l i t i k e r , d e r m i t o f f e n e n Ka r t e n s p i e l t . G a n z d a s G e g e n t e i l v o n Ka n z le r S c h röd er, d er u m s ein e n i e ergra u en d en S ch lä fen ei n St a at s geh ei m n i s ge macht hat und sogar vor d en Kadi brachte, wer es lüft en wollt e. Gan z offen konnte d en n a u c h n a c h d em „C om i n g o u t " i n d er „B i ld " ü b e r d a s M e rk e l' s c h e Ha u p t h a a r di skuti ert werd en. B is hin zu r öffent lich en Emp feh lun g d es P romi - „Hai rst yli s t en ", Le e S t a f f o rd a n d i e C h efi n d e r C h ri s t d e m ok ra t en : „Un b ed i n gt b l on d e Hi gh li gh t s und etwas Spra y- Wa x als zeitgemäßes Finish." („Welt am Sonntag", 6. März 2005). Au ch au f and eren wi chti gen Gebi et en is t di e Öffent lichk eit hin reich end au fgek lä rt word en. B ei spi els wei s e, d as s Fra u M erk el b es ond ers gern Blut wu rst mit Ka rt offel b rei isst un d dass sie h ervorragend Pflau menku ch en b acken k ann, mit d em sie Gä s t e b e z a u b e rt ( „B ei m i r i s t n oc h k ei n e r u n zu f ri ed en we g g e g a n g en . " ) In d i es e r H i n s i c h t a l l e r d i n g s wa r d e r F o r t s c h r i t t z u S c h r ö d e r n i c h t s o a u f r e g e n d . W u s s t e m an d och län gst auch , was d er Gen os s e d er B oss e fü r Lei b und Ma gen b evorzu gt. Von wegen : „Doris , h ol m i r ma l 'n e Fla s ch e Bi er. " Od er s ein e legendä re „Ka n zler platte": Currywurst mit Fritten. D o c h s on s t ? W i e h ä lt s t Du ' s , „ An gi e ", d en n n u n b ei s p i e ls we i s e m i t d e r P o li t i k ? Ka n n d a d i e a t e m b e r a u b e n d e E n t h ü l l u n g i h r e r B i o g r a p h i n P a t r i c i a Le ß n e r k r a u s „An gela M erk el i st k ons ervativ, lib era l und p rogres si v zu gleich " wi rk li ch b efri edi g e n ? Un d we r s i n d i h r e E i n f lü s t e r e r, i h r e B e ra t er u n d E i n fl u s s n eh m e r h i n t er d en Kulissen?
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In d er M erk e l-B i ogra p h i e von E ve l yn R ol l h ei ß t es vi el s a gen d n i ch t s s a gen d, b ei d en M en sch en, di e „An gela Merk el wi rk lich b erat en ", hand ele s i ch um „Leu t e, di e eb en n i c ht h eru m la u fen u nd da rü b er red en ". E s s ei en „i n t er es s a n t e M en s c h en , d i e sich regelmäßig mit ihr t reffen". M ehr erfährt man nicht. Wi e ab er i st das bei s pi els wei s e mi t j en em V-Mann d es Richa rd P erle, d es „Fü rs ten d er Fins t erni s" hin t er d en Ku li s s en v on Wh i t e Hou s e u n d Wa ll S t re et , d er s i ch m it Fra u M erk el zu m „Briefing" hinter verschlossenen Türen trifft? Oder wer war der Große Unbekannte, au f d es s en Ord er hin Frau M erk el d en „Tät ervolk "-R edn er Ma rt in Hoh mann in P ar t ei u nd Fra k t i on li q ui di ert e, wo s i e i h n d och ei gen t li c h m it ei n er R ü ge d a von k om men las sen wollte? Ist man über d en „ Inn er Circ le" d es „S ys tems Merkel" wirk lich au s reich end in form i ert, wen n m an weiß , da ss ih re Bü roch efin B eat e Bau mann und ihre Press esprecherin Eva Christiansen ihr „Girls Camp" darstellen und Eckart von Klaeden, Merkels „Ecki", die wichtigste Figur in ihrer „Boy Group" sei? Au f d e r let zt en S ei t e, i m m erh i n d er z wei h u nd ert un d si eb zi gs t en , i h rer M erk el- B i og r a p h i e k o m m t d i e P u b li z i s t i n J a c q u e l i n e B o ys e n z u m S c h l u s s : „ An g el a M e r k e l lässt den Blick hinter die Mas ke nicht zu." Sie habe „ihre Fähigkeit, eine Maske zu tragen, perfektioniert", heißt es da weiter. „Sie verbirgt vor der Öffentlichkeit sehr s orgfä lt i g, wa s s i e wi rk li c h den k t . " Am 7 . M a i 20 01 sc h on b et i t elt e d i e „S üd d eu ts ch e Zeitun g" ein en An gela- M erk el -Artik el mit d er Sch la gzei le „Di e Frau mit d er Maske". „S p h i n xha ft e Vers c h los s en h ei t u nd ei n e p oli t i s ch e Un b es t im m b a rk ei t " an a lys i ert B oys en b ei M erk e l. Ga n z ä h nli c h d a s Urt ei l von M erk el- B i ogra p h P rof. Dr. Ge rd La n g gu t h : „ S i e h a t et wa s S p hi n xh a ft e s a n s i c h . " Un d e r f ra g t : „ Wa ru m i s t es An gela Merkel augenscheinlich so unangenehm, wenn man mehr von ihr wissen will?" M a tt hi a s Kra u ß, M erk el- Leb e n s b es c h rei b er au c h er, i s t a u f ei n en „S c h ut zp an zer" ges t oß en , m it d em sich di e P oli tik erin u m geb en hab e. Weit er s ch reib t er. „Wer zu unt ersuch en t ra cht et , wa s An gela M erk el üb er sich s elbst p rei s gibt , d er st ößt zua llererst auf ein einfach es Ergebnis: am liebsten gar nichts." Biographin Nicole S c h le y, An ge la M erk e l s eh r g e wo gen , k om m t d oc h n i ch t a n d er k ri t i s ch en An m erk un g vorb ei , d a s s s i e n u r „ei n woh l d os i ert es M i n i mu m an In form a t i on en zu r P er s on p rei s gi b t ". Nä m li ch n u r solc h e Hä p p ch en , „di e fü r d en S t i m m en fa n g u n erlä s sli ch sind ". Wozu au ch Bi ld er au s d er Vergan genh eit geh ören wü rd en, a ls si e n och n i c h t i m R a m p en li c h t s t a n d , d i e „p ro f e s s i on e l l a u s g e wä h lt " s ei en u n d „i n j ed e m Fall Symp athien weck en ". Nicht ern st gemeinte An merkun g am Rand e: Früh er schnitt man Ecken an Fotos ab, die nicht kommen sollten.

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Bio graphin Patricia Leßnerkra us wi ll die Merk el'sche Zugeknöpftheit, was die ei ge n e Vi t a an geh t , mi t d eren DDR - P rä gu n g erk lä ren . E s rüh re n oc h a u s d er Zei t h er, a ls si e „vor a llem ni e p rei s geb en du rft e, wi e s i e und ih re Fa mi li e dah eim wi rk li ch leb en , wa s s i e d en k en un d d i sk ut i eren ". Au c h n ic ht , wa s m a n zu ha u s s o a lles s t u d i ert ha b e a n ni c ht d er S E D- Li n i e en t sp rec h en d em Les egu t . Doc h : Ka n n d a s m ög l i c h s e i n , d a s s F r a u M e r k e l n a c h m e h r a l s a n d e r t h a l b J a h rz e h n t e n m e n t a l i m m e r n och nicht an gek omm en i st in d er frei est en Ges ells ch aft, d ie j e a u f d eu ts ch em B o den, wenn nicht sogar auf Gottes Erdbod en insgesamt, b estanden hat? Eine Ge s el ls c h a ft , in d er s i c h n i em and vor S c h la pp hü t en fü rc ht en m u s s , in d er k ei n e Zen sur stattfindet, in der jeder sagen, jeder auch lesen darf, was er möchte ... Od er s ol lt e d er DDR - B e zu g b ei m M erk el' s c h en Ni c ht p rei s geb en wol l en eh er m eh r d a r i n li e g en , d a s s Va t e r H or s t Ka s n e r, d er P fa rr e r, d er „ r ot e Ka s n er ", wi e e r k i r c h en i n t e rn g en a n n t wu rd e , s eh r vi e l n ä h e r a n d e r S E D -S t a a t s m a c h t d ra n wa r , a ls es d em B i ld ent s p ric ht , wa s Toc h t er An ge la ge rn a ls d a s a llg em ei n gü lt i ge g em a lt hätte? Und wie war das noch gleich mit An gela Merk el a ls FDJ -Aktivistin, wom ög li c h a ls „S ek ret ä ri n fü r Agi t a ti on un d P rop a gan da "? Un d m it i h rer a n geb li c h sp u r los versch wundenen Arb eit an der Ka rl -Marx -Universität Lei pzig, „Was ist s ozialis tische Lebensweise"? Biograph Krauß ziti ert einen Journalist en mit den Wort en: „Di e Kan zlerkandidatin hat di e Kun st , a llen Fra gen aus zu weich en, s ich nicht fest zu legen , nicht s zu s a gen, z u ei n em Gra d p e rf ek t i on i e rt , d er n i c h t ei n m a l i m , N eu en D e u t s c h la n d ' d e r a lt en S E D er r ei c h t word en wa r. " „ An g ela M erk e l i s t wi e ei n Gl et s c h ers e e", p oet i s i ert e d er J ou rn a li s t Di et e r S c h n a a s i m „Ha n d els b la t t " Nr. 1 3 / 200 0 na ch i h rer Wa h l zu r CDU-Chefin. „So tief man auch hineinschaut — einen Grund findet man nie." Au ch en ge p oliti sch e Weggefä h rt en sind da oft rat los. „Wi e s i e wi rk lich t ickt, da s k a n n k e i n e r s o r i c h t i g s a g e n " , wu r d e J u n g e - U n i o n s - C h e f P h i l i p p M i ß f e l d e r i m „st ern" -Extra zur Bundestags wahl 2005 zitiert. In d ems elb en Artikel hieß es : „Üb er M e r k e l wi s s e e r a m wen i g s t en , ei g en t li c h n i c h t s , s a gt F ri ed ri c h M e r z. " W a s m a n ihm, der zu ihrer „Skalpsammlung" auf dem Weg nach oben gehört, allerdings nich t s o gan z glaub en m a g. Vi ellei cht wollt e M erz nu r nic ht s o un versch ämt offen s ein wi e E x -Mini st er Günth er Kra u s e, d es s en Ska lp sich auch in d er M erk el -Sam m l u n g b efi n d et , u n d d e r wu t s c h n a u b t : W e r d e r F ra u M e rk e l d en R ü c k en zu we n d e, bekomme „einen Finalschuss, einen Tritt in den Arsch. So funktioniert die." „ D e r g a n z e M e r k e l -C l a n s t e h t u n t e r d i e s e m V e r h ü l l u n g s z wa n g " , h i e ß e s i n d e r „B er li n er M org en p os t " vom 18 . S ep t em b er 20 05 . Au c h Vater u n d Mu tt er m a c h en d i e S c h o t t e n d i c h t . „ D i e Ka s n e r s s c h we i g e n " , m e l d e n J o u r n a l i s t e n , d i e s i c h b e i den Eltern erkundigen wollten. Nicht anders der Gatte, Professor Sauer, der des5

halb von Medien „Phantom der Oper" getauft wurde (er liebt, zumindest das weiß „die Öffentlichkeit", das Musiktheater. Wer plaudere, könne sich gleich eine neue Uni suchen, zitiert der „stern" einen Studenten des kameralichtscheuen Prof. und Kanzler-Gemahls. Und es geht sogar noch weiter. Die „Märkische Allgemeine" aus Angela Merkels Kindheits- und Jugendheimat Brandenburg berichtete am 31. Mai 2005 über den Fall jenes alten Freundes der Familie in Templin, bei dem ein Merkel-Biograph vorbeischauen wollte. „Als der bei ihm klingelte, hat er erst einmal Angela Merkel angerufen. Sie wollte nicht, dass er redet. Sie sichert sich ab." Mit den Worten: „Ich habe der Angela versprochen, nichts zu erzählen", blitzte der Quellenforscher ab. Das, was über sie geschrieben stehe, entspreche „bei weitem nicht der Realität", bekundete Frau Merkel in einem Interview mit dem Magazin „Cicero", Mai 2004. Um dann aber auch gleich klarzustellen, dass sie eben nichts klarstellen wolle: „Ich halte mich an den Spruch des englischen Königshauses: Never complain, never explain." Vulgo: Scher' dich nicht, erklär' dich nicht! Sollen Ihre Hoheit uns auf diese „feine Englische" davonkommen oder wollen wir, geneigter Leser, auf den folgenden hunderzwanzig Seiten gemeinsam das Wagnis eingehen, der Realität ein Stückchen näher zu kommen?

David Korn

Bei dem im vorliegenden Buch zitierten Merkel-Biographien handelt es sich um:
Jacqueline Boysen, Angela Merkel. Eine Karriere, Berlin 2005 (aktualisierte Neuausgabe) — Herlinde Koelbl, Spuren der Macht. Die Verwandlung des Menschen durch das Amt. Eine Langzeitstudie, München 1999 — Matthias Krauß, Das Mädchen für alles. Angela Merkel. Ein Annäherungsversuch, Leipzig 2005 — Gerd Langguth, Angela Merkel, München 2005 — Patricia Leßnerkraus, Merkel, Macht, Politik. Und wo sonst noch die Weiblichkeit regiert, Saarbrücken 2005 — Hugo Müller-Vogg, Angela Merkel — Mein Weg. Ein Gespräch mit Hugo Müller-Vogg, Hamburg 2005 — Evelyn Roll, Die Erste. Angela Merkels Weg zur Macht. Reinbek 2005 (2. Auflage) — Nicole Schley, Angela Merkel. Deutschlands Zukunft ist weiblich, München 2005 — Wolfgang Stock, Angela Merkel. Eine politische Biographie, München 2005 (2., überarbeitete und aktualisierte Auflage) 6

„In den Osten rübergemacht”
An g e l a D o r o t h e a Ka s n e r , d i e s e i t i h r e r e r s t e n E h e s c h li e ß u n g 1 9 7 7 M e rk e l h e i ß t — sie b ehielt d en angeh eirateten Namen nach der Scheid ung 1982 bei —, kam a m 1 7 . J u l i 1 9 5 4 i m H a m b u r ge r S t a d t t e i l E i m s b ü t t e l z u r W e l t . E i n i g e i h r e r m ü t terlicherseits aus Westpreußen stammenden Verwandten lebten damals in der H a n s e s t a d t : Ih r e M u t t e r H e r l i n d Ka s n e r g e b . J en t z s c h , i h re Gr o ß m u t t e r Ge r t r u d Jent zsch (eine Leh rerin), d eren Sch west er Emi lie sowi e eine Tant e der klein en Angela, Ärztin von Beruf. D i e 2 6- j ä h r i g e H e r l i n d K a s n e r w o h n t e i m S o m m e r 1 9 5 4 m i t d e m B a b y b e i d e r Groß m u t t er von An g e la i n d er Ha m b u rger ls es t ra ß e 9 5 . Zu vor h a t t e s i e m i t ih rem M a n n i n d e r H u d t w a l c k e r S t r a ß e , H H -W i n t e r h u d e , g e l e b t . A n g e l a s V a t e r w a r nach „drüben" in die „Ostzone" gegangen. So sagte man damals im Westen, wenn der kommunistisch beherrschte Tei l Deutschlands gemeint war, den die M a c h t h a b er i n O s t b e r li n a u f d en Na m en „ D eu t s c h e D em ok r a t i s c h e R ep u b li k " g etauft hatten. Horst Kasner, zu dieser Zeit 27 Jahre alt, hatte als frischgebackener evangelischer Th eologe noch vor d er Geburt sein er Tocht er von Hamburg aus „rübergem a c h t " . F l u g s t a u s c h t e e r s e i n e n b u n d e s d e u t s c h e n P e r s o n a l a u s we i s i n e i n e n s o l c h e n d e r D D R u m . Im D o r f Q u i t z o w n a h e P e r l e b e r g , w e s t l i c h e s B r a n d e n b u r g (h eut e: La ndk rei s P ri gni t z), t rat er ein e Pfa rrst elle an. Mitt e S ept emb er 1954 folgte ihm seine Frau Herlind mit Klein-Angela dorthin. Ka s n e r, a ls P o li zi s t en s oh n a m 6 . A u gu s t 1 9 2 6 i n B e r li n -P a n k o w z u r W e l t g e k o m m e n , w o e r a u f g e w a c h s e n wa r u n d s e i n e F a m i l i e a u c h n a c h Z w e i t e m W e l t k r i e g u n d M a u e r b a u 1 9 6 1 v e r b l i e b ( An g e l a M e r k e l b e r i c h t e t v o n h ä u f i g e n B e s u c h e n a l s Ki n d u n d J u g en d li c h e b ei d e r O m a i n P a n k o w), h a t t e 1 9 4 8 s ei n Th e o l o gi es t ud i u m i n H e i d e l b e r g b e g o n n e n u n d d a n n i n B i e l e f e l d b z w. H a m b u r g a b g e s c h l o s s en, wo er a uch a ls Vika r (Epiphan i enki rch e, HH- Wint erhud e) wi rk t e. In d er E lbmetropole lernte er Herlind Jentzsch kennen. Sie studierte an der Hamburger Universität Englisch und Latein mit Lehramt als Ziel. „ D e r d a m a l i g e H a m b u r g e r B i s c h o f H a n s O t t o W ö l b e r e r ö f f n e t e Ka s n e r , d a s s e r gebraucht werde — als evan gelischer Pfarrer in der Berlin - Brandenburgischen La n d e s k i rc h e. P fa r r e rm a n g e l m a c h t e s i c h i n d e r D DR b em e r k b a r. " S o gi b t P r of . Dr. Gerd La n ggu t h i n s ei n er M erk el -B i og ra p h i e Ka s n ers ei gen e V ers i on zu m Hi n t e r g r u n d s e i n e s W e s t -O s t - W e c h s e l s v o n 1 9 5 4 w i e d e r . B e i d i e s e r D a r s t e l l u n g hakt es ab er sch on da ran, da ss Wölb er erst zehn J ahr e sp ät er, 1964, Bi sch of wu r d e . 1 9 4 2 o r d i n i e r t , 1 9 4 4 a l s W e h r m a c h t p f a r r e r i n It a l i e n i n Ge f a n g e n s c h a ft
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geraten, 1945 wieder in Deutschland, diente er 1954 in Hamburg als Jugendbeauftragter der Kirche. An g ela M e rk el s Va t er e rk lä rt e rü c k b li ck end i n ei n em s ei n er e xt rem s e lt en en P r es s eg es p rä c h e (ei n em a u f E n gli s c h a m 6 . S ep t em b er 2 0 05 ver öff en t li c h t en „ In t ern at i on a l Hera ld Tri b u n e"- In t e rv i e w), d a s s d er C h ef d er — vo n ih m ni ch t n äh er vorg e s t e l l t e n — „ M a n n s c h a f t " („ c o m p a n y" ) , d i e s e i n e r F r a u u n d d e m B a b y An g e l a b ei d er Um si elun g üb er di e Zon en gren ze zu ihm in di e DDR ha lf, b ei d er Au ft ra gs e r t e i l u n g b a s s e r s t a u n t ü b e r d a s An s i n n e n g e w e s e n s e i . D e r M a n n h a b e g e s a g t , dass es normalerweise doch von Ost nach We st, nicht jedoch andersherum g e h e . B i s l a n g , s o d e r „ C o m p a n y " -C h e f w e i t e r , k e n n e e r n u r z w e i S o r t e n v o n M e n s c h e n , d i e v o n W e s t n a c h O s t w e c h s e l n w o l l t e n : „ K o m m u n i s t e n o d e r wi r k liche Idioten." Doch zu welcher gegebenen falls dritten Art mag Horst Kasner gehö rt haben? Tatsache ist, dass damals großen Mengen Deutscher, die von d er DDR in die B u n d es r ep u b li k gi n g en (a l l ei n 1 9 5 4 wa r en e s M on a t fü r M o n a t z wi s c h en d r ei ß i gu n d vi e r zi gt a u s en d ), n u r r e la t i v wen i g e g e g en ü b er s t a n d en , d i e d en u m g ek eh rt en W e g e i n s c h lu g e n . Un t e r d en W a n d e r e r n v o n W e s t n a c h O s t a b e r , d i e n i c h t g e r a d e von Sinn en waren (und auch n icht aus rein familiären Gründ en in die DDR w e c h s e l t e n , wa s g e l e g e n t l i c h v o r k a m ( , f a n d m a n i n d e r T a t f a s t n u r Ko m m u n i s ten oder zumindest doch Sympathisanten der kommunistischen Weltanschauung. Wä h ren d nu n z. B . da s von der B er li n er Ta g es zei t u n g „B Z" ver öff en t li c h t e „M er k e l -Le x i k on " b eh a u p t et , J u n gp fa r r e r Ka s n e r h a b e m i t s e i n em W e c h s e l i n d en Os ten der Kirche in der DDR helfen wollen, „den Angriffen des Kommunismus s t a nd zu ha lt en ", n ot i ert M erk el- B i ogra p h i n J ac qu eli n e B o ys en , Ka s n er s ei „p ri n zip i ell d em s o zi a li s t i s c h en Ges el ls c h a ft s b i ld zu get an " ge wes en , u nd t ei lt e d i e „B erl i n e r M o r g en p os t " a m 1 8 . S ep t em b e r 2 0 0 5 m i t , d a s s d e r M e rk e l -Va t e r „d i e DDR für das gelobte La nd hielt". Demzufolge hätte bei ihm schon früh ein weltan schau lich er Li nk sdra ll von erh eb lich er In t ensi tät vorgelegen . Mit na ti ona ler S o l i d a ri t ä t i m S i n n e ei n e s b es on d e r en V e ra n t wo rt u n gs g e fü h ls f ü r d i e g e i s t li c h e B et r eu u n g g era d e d er m i t t e ld eu t s c h en La n d s l eu t e d ü r ft e H o rs t Ka s n er s Üb e rt ri t t i n d i e DDR j ed en fa lls n i ch t s zu t un geh a b t ha b en . La n ggu t h : „ An ge la M erk e ls Va t er s a g t h e u t e , e r wä r e ü b e r a l l h i n g e g a n g e n , wo h i n d i e Ki r c h e i h n g e s c h i c k t h ä t t e , selbst nach Afrika." I m S E D - S t a a t h a n d e l t e s i c h d e r W e s t - O s t -W a n d e r e r k i r c h e n i n t e r n d e n S p i t z n a m en „ d e r r o t e Ka s n e r " e i n . E r g e r i e t m i t C h ri s t en ü b e r Kr e u z , d i e a u f s t ri k t e Di s t a n z zu d en k om m u ni s ti s ch en M ac ht ha b ern hi elt en . P ro f. La n ggu t h b eh aup t et , w e g e n „ i n t e n s i v e r S t a a t s n ä h e " b z w . w e i l e r „ z e i t w e i s e K o n t a k t e m i t d e r S t a a t s8

s i c h e rh ei t n i c h t s c h eu t e" s ei An g e l a M e rk e l s Va t e r „t i e f i n d a s D DR - S ys t e m v er strickt" gewesen . Der „rote Kasn er" wirkte jed en falls als „grau e Emin en z d er b ra n d en b u rgi s c h en Ki rc h e " ( „r b b on li n e " ). Dr e i ß i g J a h r e la n g wa r e r C h ef e i n er S c h a lt s t e l l e d e r Th e o l o g en a u s b i ld u n g i n B ra n d en b u r g, d es P a s t ora lk o l l e gs W a ld h of b ei T e m p li n . Da b ei k a m e s zu ei n e r Ko l la b o ra t i on m i t d er p o li t i s c h en M a c h t im Staate, die über das zwi ngend erforderliche Maß offenbar hinausging. Zu Ka s n e rs Ka r ri e r e i n d e r k o m m u n i s t i s c h en Di k t a t u r a u f d eu t s c h e m B od en u n d d a rü b er, wi e „t i ef" s ei n e „V ers t ri c ku n g" wi rk li c h gewes en s e i n m a g, sp ät er m eh r i n diesem Buch.

Beinahe vom Leben „befreit"
H o r s t Ka s n e r h a t t e , wi e g e s a g t , s e i n e n a c h m a l i g e E h e f r a u , An g e l a M e r k e l s M u t t er, i n Ha m bu rg k en n en geler n t . Geb oren word en wa r He rli n d J en t zs ch a m 8 . J u li 1928 in Elbing. Langguth übrigens vermut et fä lschlich Danzig; Nicole Schley liegt m i t „ g e b ü r t i g e H a m b u r g e r i n " n o c h fa l s c h e r ; P a t r i c i a Le ß n e r k r a u s s c h r e i b t , we i t dan eb en grei fend, von „westd eut sch er Ab sta mmun g", Prof. Wolfgan g St ock, a u c h n i c h t t r e f f s i c h e r e r , v o n „ An g e l a M e r k e l s we s t d e u t s c h e r M u t t e r " , wä h r e n d d i e a n d e r en M erk e l -B i o gra p h e n s i c h zu d i es e r H erk u n ft s fra g e a u s s c h wei g en . Im Alt er von acht Jah ren, 1936, ka m Herlind Jent zsch mit ih rer Fa mi li e au s d er westpreußischen Heimat nach Hamburg. Möglich erweise hing es mit ein er Ver setzung ihrer Mutter, also Angela Merkels Oma, die Lehrerin war, zusammen. O b wo h l e s i n d e r b e r ü h m t e n D i r e k t i v e J C S 1 0 6 7 d e r v e r e i n i gt e n S t a b s c h e f s d e r U S - Ar m y v on 1 9 4 5 u n z wei d eu t i g h i eß : „ D eu t s c h la n d wi rd n i c h t zu m Z we c k e s ei n e r B e f r e i u n g b e s e t z t , s on d er n a l s b e s i e g t e r F e i n d s t a a t " , p f l e g t An g e l a M e r k e l d i e Al l i i e rt en g e rn e a l s „B e fr e i e r" d er D eu t s c h en zu b e z e i c h n en . B ei s p i e ls we i s e l e i t e t e s i e i h r e R e d e a u f d e r M ü n c h n e r Ko n f e r e n z f ü r S i c h e r h e i t s p o l i t i k , 1 2 . F e b ru a r 2 00 5 (d er Vora b en d d es 6 0. J ah res t a ges d er wes t a lli i ert en Ve rn i c ht un g von D r e s d e n , wa s d i e C D U -C h e f i n i n i h r e r An s p ra c h e g ä n z l i c h u n e r wä h n t l i e ß ) , m i t dem Satz ein: „Am 8. Mai gedenken wir des 60. Jahrestages des Endes des Z we i t en W e l t k ri e g es u n d d e r B e f r ei u n g E u r op a s v o m Na t i o n a ls o zi a li s m u s . " Un d zu r B ekrä fti gun g ih rer S olida rit ät m it Bu sh, d em Ir a k -Kri egs h errn, b et ont e M erk el a m 5 . F eb ru a r 2 0 0 3 i n „t a c h el e s ", d e m „ Li v e -C h a t d er T a ge s s c h a u ", d a s s j a a u c h Deut sch land 1945 „ohn e mi litä ri sch es Ein greifen d er Alli i ert en ni cht b efreit " wor d e n wä r e . W e i t e r l o b t e s i e i n e i n e m In t e r v i e w m i t d e r „ Z e i t " , 6 . M a i 2 0 0 4 , d a s An s i n n e n d e r U S A, „ d i e D e m o k r a t i e , d i e s i e d e n D e u t s c h e n n a c h d e m Z w e i t e n Weltkrieg gebracht haben, auch in den Irak zu bringen".
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N u n f ü g t e s s i c h s o , d a s s An g e l a M e r k e l s e i g e n e M u t t e r u n d a u c h d i e w e i t e r e n i n Ha mb u rg leb en d en Fa m i li e n a n geh öri gen i n d er Ta t b e i n ah e d u rc h d i e Wes t a l li i ert en , gen a u er g es a gt d u rc h d eren Lu ft wa ff en R o ya l Ai r F orc e u n d US Am eri c a n Air Force, „befreit" worden wären — und zwar vom Leben: Mit d er „Op era ti on Gom orrha" erreich t en di e völk errech ts wid ri gen B omb enan grif fe von R AF und USAAF au f Zi vi listen End e Ju li 1943 in der Hansestadt ihren s c h a u ri g en H öh ep u n k t . E s wa r e n ü b e rh a u p t d i e b i s d a h i n s c h we r s t en An g ri f f e i n d e r G e s c h i c h t e d e s Lu f t k r i e g e s . D a s a l l i i e r t e C o d e w o r t b e z o g s i c h a u f a l t t e s t a m en t a ri s ch e Üb erli e fe ru n g: V ern i c h tu n g d er B evö lk eru n g v on S od om u nd Gom or r h a , a u c h d er Ki n d e r, we g en m o ra li s c h er V e rk om m en h ei t i n d en S t ä d t en — s o zusagen per Luftangriff, mit Feuer und Schwefel von oben. Im Hamburger F e u e r s t u r m - In f e rn o, E n d e J u li 1 9 4 3 , k a m en a u c h Ta u s en d e Ki n d e r u m . Di e m ei s t en Op f e r e rs t i c k t en i n fo l g e d es ln j ek t or e f f ek t es , d e r m ons t r ös en Ka m i n wi rk u n g d e s H ö l l e n f e u e r s a u s M e n s c h e n h a n d , o d e r wu r d e n i n d en K e l l e r n d u rc h e i n s t r ö m e n d e R a u c h s c h wa d e n v e r g a s t . D i e G e s a m t z a h l d e r T o t e n i n d e r H a n s e s t a d t i n d e n T a g e n d e r „ O p e r a t i o n G o m o r r h a " b e l i e f s i c h a u f ü b e r f ü n f z i g t a u s e n d . Au f d em Hambu rger Fried h of Ohlsd orf sind die Bomb en op fer in ein em gewaltigen M a s s en gra b b es t a t t e t wo rd en . E i n D en k m a l v on Ge r h a rd M a rc k s ru ft i h r Le i d i n Erinnerung, den Lebenden zur Mahnung. D r ei m a l wu rd e d i e F a m i li e vo n An g e la M e rk e ls M u t t e r i n H a m b u r g a u s g eb o m b t . Nu r knapp k am en di e J ent zsch s — un t er Verlu st säm t lich en Hab und Gu t es — mit d e m L e b e n d a v o n . D a s M ä d c h e n H e r l i n d wu r d e s c h l i e ß l i c h a u s H a m b u r g i n S i ch erh eit geb racht. Sie erleb te d as Kriegsend e in ein em an d er Elb e gelegen en Dorf d es h eu t i gen S a c h s en -An h a lt. B ei d er s t a a t li c h orga ni s i ert en , h a up t sä ch li c h v o n d e r H i t l e r j u g e n d v e r a n t wo r t e t e n Ki n d e r l a n d v e r s c h i c k u n g ( V e r b r i n g u n g a u s d e n b o m b e n b e d r o h t e n S t ä d t e n a u f s La n d ) , i m R a h m e n d e r e r m e h r e r e M i l l i o n e n Ki n d e r u n d J u g e n d l i c h e b e t r eu t wu r d en , h a n d e l t e e s s i c h u m d i e g r ö ß t e h u m a n i t ä r e R et t u n g s a k t i on d es Z we i t en W e lt k ri e g es — n eb en d e r E va k u i eru n g v on M i l l i on en F l ü c h t li n g en ü b e r d i e O s t s e e a b E n d e 1 9 4 4 d u rc h d i e d eu t s c h e M a ri n e u n ter Führung des Großadmirals und letzten Reichspräsidenten Karl Dönitz.

Wurzeln in Westpreußen
Angela Merkels aus Elbing in Westpreußen stammende Großmutter Gertrud J en t z s c h g eb . Dr a n g e , d i e m i t i h r e r T oc h t e r H e r li n d s e i t 1 9 3 6 i n Ha m b u r g l eb t e, wa r , wi e b e r ei t s e r wä h n t , P ä d a g o gi n . Vo r i h r e m Um zu g i n d i e n o rd d eu t s c h e E lb m et rop ol e h a t t e s i e a n d er E l b in ger Kön i gi n -Lu i s e - S c h u le i h ren Di en s t a ls Leh re rin verrichtet. Bei ihrem Vater, Emil Richard Drange (18. März 1866 — 8. April
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1 9 1 3 ) , An g e l a M e r k e l s U r g ro ß v a t e r , h a n d e l t e e s s i c h u m e i n e n a u s O s t p r e u ß e n n a ch E lb in g zu ge wa n d ert en M ü lle rm ei s t ers oh n . E r fü h rt e Em m a Wa c h s (2 5. Ok t ob e r 1 8 7 1 — 1 . Au gu s t 1 9 3 5 ) h ei m , F r a u M e rk e l s Ur o m a . E m i l D ra n g e b ra c h t e e s zu m Ob ers t a d t s ek ret ä r i m Magi s t ra t u nd s t ellv ert ret en den B ü rgerm ei s t er E lb i n gs . D i e F a m i l i e l e b t e i n d e r T a n n e n b e r g a l l e e . D a s Gr a b m a l d e r D r a n g e s a u f d e m a l ten Fri edhof der Stadt ist erhalten gebli eben. Die Inschrift erwähnt auch die h oh e Fu n k t i on von An ge la M e rk els U rgr oß va t er i m Gem ei n d ewes en . W ei t er e V orfahren Merkels stammten aus Niederschlesien. E lb i n g li egt ö s t li c h von Da n z i g, s ü d li ch d es Fri s c h en Ha ff s a m E lb i n gflu s s . Hi er an d er u ralten Bern stein straß e k am es vor rund 12 00 Jah ren zu r Gründun g d er H a n d e ls s i ed lu n g T ru s o , d i e vo n d en b a lt i s c h en P ru z z en (P r u ß en ) u n d d en g er m an i s c h e n W i k i n g e r n g e n u t z t wu r d e . Di e S t a d t E l b i n g s e l b s t wu r d e 1 2 3 7 v o n H e rmann Ba lk , d em b erühmt en erst en La n dmei st er d es Deut sch en Ord en s, gegründ e t ; d i e B ü r g e r s t a m m t en z u n ä c h s t m e i s t a u s Lü b e c k . 1 3 5 8 g e h ö r t e d i e S t a d t z u d en Grü n d e rn d er D eu t s c h en H a n s e. In f o l g e N i ed er ga n gs d e r O rd en s m a c h t s t a n d E lbin g a b 1466 un t er p oln isch er Herrsch aft; di e B evölk erun g k onn t e j ed och ih ren rein deutschen Charakter bewahren. Unter Friedrich dem Großen kam Elbing 1772 an den Staat Preußen. Es nahm im 19. Jahrhundert, insbesondere nach Grü ndun g d es Bi sm arck reich es , groß en wi rt sch aft lich en Aufs ch wun g. Dort gab es ei n e Werft von Welt ru f, ein b ed eut end es Lok omoti vwerk , d i e größt e Zi ga rrenfabrik Festlandeuropas. N a c h d e m E r s t en W e l t k r i e g b l i e b d i e S t ad t i m Ge g e n s a t z z u v ö l k e r r e c h t s wi d ri g abgetrennten anderen westpreußischen Gemeinden beim Deutschen Reich. Es l e b t e n s o g u t w i e k e i n e P o l e n i n E l b i n g . In d e r u n w e i t g e l e g e n e n S t a d t M a r i e n b u r g v o t i e r t e n a m 1 1 . J u l i 1 9 2 0 b e i d e r V o l k s a b s t i m m u n g 1 7 8 0 5 d e r W a h lb e r ec h t i gt en fü r D eu t s c h la n d u n d ga n z e 1 9 1 fü r P o l en . Di e Ab s t i m m u n g i n we s tp r eu ß i s c h en lä n d li c h en Kr e i s e n d e r Um g eb u n g erb ra c h t e a m s e lb en Ta g e u m d i e 9 0 % fü r D e u t s c h l a n d . W o b e i m a n b ed e n k e n m u s s , d a s s d a s e i n d eu t i g e E r g e b n i s t rot z d es E len d s d es Deu t s c h en R ei ch es n ac h d er Ni ed erla g e i m E rs t en We lt k ri eg u nd d em ni ed ers c h m et t ern d en Vers a i l le r Ve rt ra g e rru n gen wu rd e, wä h ren d P ol en s i c h k rä ft i g e r Un t e rs t ü t zu n g d e r S i e g er m ä c h t e e r f r eu t e u n d i n t e rn a t i on a l a l s a u fstrebende neue Macht „gehandelt" wurde. Z u K r i e g s b e g i n n 1 9 3 9 h a t t e E l b i n g k n a p p 1 0 0 0 0 0 E i n wo h n e r . V o m 2 3 . J a n u a r 1 94 5 b i s zu m 10 . Feb ru a r 1 945 vert ei d i gt en W eh rm a c h t u nd Volk s s t u rm d i e S t a d t ge gen d i e m i t ge wa lt i ge r Üb e rm a c h t a n grei fen d e R ot e Arm ee, wod u rc h vi er Fü n ftel d er bis d ahin verb lieb enen Elbin ger und d er hin zu geströmten Flüchtlin ge w e s t wä r t s e n t k o m m e n k o n n t e n . D i e a n d e r e n D e u t s c h e n i n d e r S t a d t wu r d e n b i s a u f w e n i g e Au s n a h m e n V e r b r e c h e n s o p f e r v o n E x z e s s t ä t e r n a u s d e n R e i h e n d e r 11

R ot en Ar m e e b z w. p o ln i s c h en V e rt r ei b u n g s t e rr o rs . Na c h E n d e d e s Z we i t en W e l tkrieges kam das von Deutsc hen „ethnisch gesäubert e" E lbing unter Wa rschaus H e r r s c h a ft . Di e P o l en n en n en e s E lb la g. S ei t An fa n g d e r 1 9 9 0 e r - J a h r e d a r f s i c h dort wied er in Ansätzen deutsches Leben regen („Gesellschaft der deutschen Minderheit Stadt und Landkreis Elbing"). Un t er d en E lbi n ger Op fern der s t a li n i s ti s ch en M ord - un d S c h än du n gsk om m a nd os b efa n d en si ch 194 5 verm u t li c h au ch Verwa n d t e An g ela M e rk els . Ni c h t sd es t ot rot z zä h lt si e — ob woh l a ls füh rend e P olitik erin d er Bund es repub lik lan ge s ch on nich t m eh r d em Di k t a t d er en t s p rec h en d en S E D - P rop a ga n da un t er wor fen — d i e S o wj et uni on au sd rück li ch zu d en „Befrei ern Deuts ch land s ". E s s ch ein t Frau M erk el nicht z u i r r i t i e r e n , w e s In h a l t s d i e T a g e s b e f e h l e d e r F ü h r u n g a n S t a l i n s T r u p p e n wa r e n , a ls s i e d i e Gr e n z en D eu t s c h la n d s e r r ei c h t en . „E s i s t zwe c k l os , v on d en S o l daten d er Roten Armee Gn ade zu ford ern. Sie lod ern vor Hass un d Rach such t. D a s La n d d e r F a s c h i s t en m u s s z u r W ü s t e we r d e n " , h i eß e s d a . O d e r : „ Gr o ß u n d b ren n end ist un ser Hass. Diesmal werd en wir d as d eutsch e Gezü cht end gü ltig zerschlagen." N i c h t s d e s t ot r o t z a n t wo r t e t e d i e C D U - C h e f i n i n e i n e m In t e r v i e w m i t d e r „ Z e i t " , Nr. 16/2005, auf die Frage, ob der 8. Mai 1945 ein Tag der Niederlage oder der B e f r e i u n g g e we s en s e i : „R i c h a rd v on W e i zs ä c k e r h a t d a s s e i n e r z ei t ga n z ri c h t i g ges a gt . E s wa r ei n Ta g d er B efr ei u n g vom Na t i ona ls ozi a li s m u s , u nd zwa r fü r a lle . . . Zu d en en , d i e u n s v om Na t i on a ls o zi a li s m u s b e f r ei t h a b e n , g eh ö rt e eb en a u c h u n b e s t r e i t b a r d i e S o wj e t u n i on . " An g e l a M e r k e l l ä s s t d i e s e E h r e e i n e r M a c h t z u t ei l we r d en , a n d e r en S p i t z e e i n Gu la g - u n d Ge n i c k s c h u s s d i k t a t or s t a n d , a u f d es sen Kerbholz Abermillionen Morde gingen. In s B i ld von d er Un i on d er S ozi a li s t i s c h en S owj et r ep u b li ken a ls „B efr ei e rm a c h t " will ebenso wenig passen, dass schon wenige Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges eine gewaltige westlich e Militärallian z unter Beteiligung der Bun d e s d e u t s c h e n g e b i l d e t wu r d e , u m d i e s e U d S S R i n S c h a c h z u h a l t e n u n d z u r ü c k z u d r ä n g en . Di e „ P h i l os op h i e " d e r v on F ra u M erk e l s o b e wu n d ert en Na t o b es t a n d über Jahrzehnte in kaum etwas anderem als in der Beschwörung der Gefahr d u r c h d i e S o wj e t u n i o n s o z u s a g e n a l s „ S c h u r k e n s t a a t " u n d „ M a c h t d e s B ö s e n " . Und noch heute, lange nach Niedersturz der kommunistischen Herrschaft im R ei c h M o s k a u s , p r op a gi ert d i e N a t o M i s s t ra u en g e g en R u s s l a n d a u c h we g e n d e r sowjetimperialistischen Vergangenheit. Die Herkunft der mütterlichen Familie Angela Merkels aus Elbing erregte im Fr ü h h er b s t 20 05 d a s In t eres s e p oln i s ch er M ed i en , di e B eri c h t e da rü b er verö f fen t lichten. Am 16. Oktober 2005 ging auch die Berliner „BZ" auf Frau Merkels Fami12

li en wu rzeln i m „p olni sch en E lb la g" ein, wob ei di e offenb ar von weni g Komp et en z beleckten Redakteure, die zu r Recherche direkt vor Ort gewesen sein wollten, d i e Groß s t a d t a m Fri s c h en Ha ff a ls „M a s u ren s t ä dt ch en " b ez ei c h n et en u nd E lb i n g damit absurderwei se in ein e weit entfernte südostpreußische Landschaft, Masur e n , v e r l e g t e n . Au t h en t is c h a b e r k l a n g e n z u m i n d e s t d i e v o n d e r „ B Z " wi e d e r g e geb en en An- u n d Ab s i c h t en des p oln i s c h en S t a d t ob erh a up tes v on E lb i n g, Hen r yk S lon i n a . Da s B la t t s ch ri eb : „ An g ela M e rk el i s t E lb la gs gr oß e H offn u n g. Der B ü rg e r m e i s t e r wi l l d e m n ä c h s t a n U r- O p a s W o h n h a u s ei n e Ge d e n k t a f e l a n s c h l a g e n . S lonina : , Du rch An gela M erkel k ann E lb la g eu ropa weit b ekannt werd en. Si e kann h e l f e n , d a s s s i c h h i e r n e u e B e t r i e b e a n s i e d e l n . W i r b r a u c h e n d r i n g e n d Ar b e i t s plätze. Denn 39 Prozent sind ohne Job.—

„Da kommt das Slawische in mir durch"
Im J a h r zu vor ha tt e An gela Merk el ih r von d er „Zeit " (Nr. 41/2004 ) veröffent licht e s G e s p r ä c h m i t z w e i „ t ü r k i s c h s t ä m m i g e n d e u t s c h e n In t e l l e k t u e l l e n " , d a s v o n „ D e u t s c h la n d a l s E i n wa n d e ru n gs la n d " h a n d e l t e, fü r e i n s el t s a m es „ C om i n g ou t " gen u t zt . S i e p rä s en t i ert e s i c h n un p löt zli c h a ls ei n e Art M ult i k u lti- Ges c h öp f. „E s g i b t v e rs c h i ed en e M i s c h u n g en ", s a gt e s i e u n d s p ra c h — i n An s p i e lu n g a u f i h r en Gr o ß v a t e r a u s E l b i n g — v o n „ p o l n i s c h e n An t e i l e n i n m e i n e r F a m i l i e " . „ M a n c h m a l ", s o fu h r s i e f ort , „ z u m B ei s p i e l , we n n i c h s o v e rs on n en od e r m e l a n c h o li s c h vor mich hin schaue, denke ich, da kommt das Slawische eben durch." B ei d en „d eu t s c h- t ü rk i s c h en " In t e l l ek t u e l l en , d en en s i c h An g e la M e rk e l a ls „M i s c h u n g " i r g e n d wi e s c h i c k s a l s g e n ö s s i s c h h i n z u g e s e l l e n w o l l t e , h a n d e l t e e s s i c h u m d i e An wä l t i n S e yr a n At e s u n d d e n S c h r i ft s t e l l e r F e r i d u n Z a i m o g l u . D i e s e r , V e r fa s s e r ei n es W e rk e s „ Ka n a k s p ra k ", m a c h t e b es on d e r e Fu ro r e, a l s e r 2 0 0 5 m i t v i e rh u n d e rt t ü rk i s c h en Ha lb m on d -B a n n e rn d i e W i en e r Ku n s t h a l l e v e rh ü l lt e. Di e Empörung über dieses von vielen Wienern als Provokation gewertet e „Kunst E vent " t ru g zu d em mit k räftigen Ant i -Üb erfremdun gs -Au s sa gen erzi elt en, sp ekta kulären Gemeinderatswahl-Erfolg der FPÖ, Oktober 2005, bei. Was mag nun ab er b ei An gela M erk el wirk lich „du rchk omm en ", wen n sie sich i m m er wi ed er a ls en ergi s c h e S a c h wa lt eri n p oln i s c h er In t er es s en g eri ert ? S o h i eß e s a m 1 6 . Au gu s t 2 0 0 5 i n ei n e m Z D F -B e ri c h t ü b e r i h r en ge r a d e b e en d et en P o l en besuch: „Angela Merkel wurde hofiert. Präsident Kwasniewski sprach schmeich elnd von d er ,h öch st wah rsch ein lich kün fti gen Kan zlerin' . Nicht nu r er, di e m ei sten Politiker in Warschau wären mit einem Regierungswechsel in Berlin du rchau s zu fri ed en. Und An gela M erk el verstand es b ei ih rer Vi sit e, di e p oln isch e Öffentlichkeit für sich einzunehmen. Sie versprach eine neue Russlandpolitik in
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Berlin und auch auf EU- Ebene. Schröder agiere über die Köpfe der Polen und auch der Balten hinweg. Di e Männerfreundschaft zwischen dem Kanzler und Wl adimir Putin war d en Polen stets ein Dorn im Au ge und h öch st su sp ek t ... Angela Merk el nutzte die St immungslage und äußerte Verständnis. ,Die deut s c h en P o li t i k e r, d i e k ü n f t i g n a c h M o s k a u f li e g en , we r d en i n W a rs c h a u z wi s c h en la n d en ' , fa s s t e Don a ld Tu s k von d er li b era l -k on s er va t i ven , B ü rg erp la t t form ' s ei n Gespräch mit der Kanzlerkandidatin zusammen." V e rt r et e r d es en g s t en S t a b es v o n F ra u M erk e l wi e et wa F ri ed b e rt P f lü g e r h a t t en z u v o r s c h a r f e Kr i t i k a n S c h rö d e r s u n d P u t i n s Z we i e r - Gi p f e l i n Kö n i g s b e r g ( r u s s is ch- am t lich : Ka linin grad ) an lä s s lich d es 750 - Jah r- Jub i läu ms d er ostp reuß isch en Haup tstadt geüb t, wei l di e St aat slenk er Polen s u nd Li t auen s nich t ein gelad en wa r en . Di e R u s s en h at t en zum F es t d i e Kön i gs b erg er Un i vers i t ä t offi zi e ll a u f d en Namen des größten Sohnes der Ostpreußenmetropole, de s Giganten der deuts c h e n u n d a b e n d l ä n d i s c h e n P h i l o s o p h i e Im m a n u e l K a n t , g e t a u f t . Au c h d i e v o n S c h r ö d e r u n d P u t i n An f a n g S e p t e m b e r 2 0 0 5 u n t e r z e i c h n e t e V e r e i n b a r u n g ü b e r ei n e Ga s- P i p e li n e von R u s s lan d n ac h Deu t s ch la n d du rch d ie Os t s e e — von S a nk t Petersburg bis Greifswald — stieß auf harsche Proteste der M erk el- CDU, weil d em p oln isch en An sinn en, di e R ohre qu er du rch P olen zu verlegen (m it d er Folge, dass Warschau direkt am Drücker säße), nicht Rechnung getragen worden war. Doc h h at s olc h e P olon op h i li e woh l w en i ge r d a m i t zu t un , d a s s d i e C DU -Fü h reri n wi r k l i c h g e n e t i s c h „ P o l n i s c h e s " o d e r „ S l a wi s c h e s " i n s i c h wä h n t , s o n d e r n e h e r mit d er Tatsach e, dass Polen sich wie k ein and eres Ex- Ostb lock land an d en Rock zip fel von Uncle Sam heftet. Das weckt Begeisterun g b ei d er Ch efin d er Ch ri std em ok rat en . P rot ok olli ert von ih rem Hofbi ograph en Hu go Mü ller - Vogg wu rd e i h r s ym p t o m a t i s c h e s Lo b , d a s s i n P o l e n „ b e i n a h e v o r j ed e m ö f f e n t l i c h e n Ge bäude neben der Nationalflagge auch die der Nato hängt".

„In a kind of ghetto"
N o c h b e vo r n u n An g e la M e rk e l s V a t er H o rs t Ka s n e r s e i n en Di en s t a ls P fa rr e r i n Qu i t zo w/ P ri gn i t z i m H e rb s t 1 9 5 7 wi ed er q u i t t i e rt e, u m h öh e r en Au f ga b en i n d e r D D R z u z u s t r eb e n , wu r d e i m n a h e n P e r l e b e r g a m 7 . J u li j e n e s J a h r e s s e i n e F r a u von Sohn Marcus entbund en. (Die dreijährige Angela kam zur Entlastung von Herlind Ka sn er fü r zehn Woch en zu r Oma nach Hambu rg.) An d er Ka rl -Ma rx -Uni versi tät Lei p zi g zu m Ph ysiker a usgebi ld et , wi e sein e Sch west er An gela auch , b ra ch t e es P a s t oren s oh n M a rcu s Ka s n er, d er ü b ri gen s d i e s t a a t lic h- s ozi a li s t i s ch e J u g e n d we i h e e m p f a n g e n h a t t e , i n D DR - Z e i t e n z u m S c h l u s s s o g a r a l s S t i p en d i a t zum Mitarbeiter des sowjetischen Kernforschungszentrums Dubna bei Moskau.
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Eine Karri ere, die, ähnlich wi e die b eachtliche wiss ensc haftliche Laufbahn Angela M e rk e ls od e r H o rs t Ka s n e rs S t e l lu n g i n d e r D DR - Ge s e l l s c h a ft , n i c h t s o r ec h t zu d e r wei t v e rb r ei t et en D a r s t e l lu n g p a s s en wi l l, d a s s d i e An ge h öri g en d i e s er F a m i li e i m r ea l e xi s t i eren d en S E D- S o zi a li s m u s q ua s i wi e „ Au s s ä t zi ge" h ä t t en veg et i e r e n m ü s s en . ( „ W e li v ed i n a k i n d o f gh et t o” , b eh a u p t et e H o r s t Ka s n e r i n s ei n em b e r e i t s e r wä h n t e n In t e r v i e w m i t d e m „ In t e r n a t i o n a l H e r a l d T r i b u n e " . „ W i r s i n d i m m e r d i e Au ß e n s e i t e r g e we s e n " , e r z ä h l t e An g e l a M e r k e l i h r e r B i o g r a p h i n E v e lyn Roll.) Darüber später mehr. Im H e r b s t 1 9 5 7 a l s o z o g d i e n u n v i e r k ö p f i g e F a m i l i e Ka s n e r n a c h T e m p l i n i m N o r d we s t e n d e s h e u t i g e n B u n d e s l a n d e s B r a n d e n b u r g u m . D a P f a r r e r H o r s t Ka s n er „woh l wen iger zum p raktisch en Dien st am M en sch en tau gte als meh r zu m Theologisieren" (Bärtels, „Angela Merkels Kindheit in Templin" in: Frauenmagazin „ f r i d a " ) , s o l l t e e r d o r t i n d e r U c k e r m a rk a u f V e r a n l a s s u n g d e s d a m a l i g e n S u p e r i n t end en t en d es Ki rc h en k rei s e s B ra n d enb u rg/ Ha vel u n d na ch m a li gen B i s ch ofs Albrecht Schönherr, ein es Verfechters enger Kooperation von Ki rche und SED -Staat, a m Au f b a u e i n e s „ S e m i n a r s fü r k i rc h li c h e D i e n s t e " wi r k e n . D a r a u s e n t wi c k e l t e s i c h d a s Tem p li n er P a s t ora lk ol le g Wa ld h of, d a s von 1 9 60 b i s 19 90 un t er Ka s n ers Lei tun g s tand — ein e Fortb i ldun gsst ätt e d er b rand enburgisch en evan geli sch en Ki r che, deren Einfluss erheblich war: „Vi e le Th e ol og en m u s s t en zur W ei t erb i ld u n g od er wä h ren d i h rer Au s b i ld u n gs zei t als Vikare vor dem zweiten theologischen Examen nach Templin. Wohl jeder b ra nd en bu rgi s c h e P fa rrer wa r wä h ren d s ei n er Au s b i ld un gs zei t m i n d es t en s ei n m a l für kürzere oder längere Zeit im Waldhof ... Horst Kasner hatte innerhalb der B erlin -B rand enbu rgi sch en La nd eski rch e wegen s ein es Ein flus s es au f d en th eologi s c h en N a c h wu c h s e i n e z en t ra l e F u n k t i on . " ( La n g gu t h ). „ J e d e r b ra n d en b u r gi s c h e P fa rre r i s t wä h ren d s ei n er Au s b i ld un g m ind es t en s ei n m a l fü r ku rze Z ei t i m Wa ldhof gewesen." (Evelyn Roll). An gela Merkels Mutter Herlind, studierte Philologin, u n t er ri c h t et e a u f d em W a ld ho f Na c h wu c h s t h e o l o g en i n E n g li s c h u n d La t ei n i s c h ; s p ä t e r ga b s i e a u c h a m O s t b er l i n er M i s s i on s h a u s E n g li s c hs t u n d en fü r k i rc h li c h e Mitarbeiter.

„Was man Heimat nennt"
Au f d e m W a l d h o f b e i T e m p l i n wo h n t e An g e l a M e r k e l v o n i h r e m 4 . b i s z u m 1 8 . L e b e n s j a h r . In T e m p l i n k a m a u c h i h r e S c h we s t e r Ir e n e , d i e h e u t e a l s E r g o t h e r ap eu t in i n B erli n t ät i g i st , a m 1 9 . Au gu s t 196 4 a ls d ri tt es un d let zt es Ki n d a u s d er Verb i n du n g von Hors t Ka s n e r m i t s ei n er E h efra u H er li n d geb . J en t zs c h zu r W elt . „ D i e U c k e r m a rk i s t f ü r m i c h d a s , wa s m a n H e i m a t n en n t " , s a g t An g e l a M e r k e l ,
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laut „Spiegel online", 11. September 2005. Wobei das Nachrichtenmagazin m e i n t , d a s s „ e s s o k l i n g t , a l s h ä t t e s i e k e i n e H e i m a t " . V i el l e i c h t l i e g t d a s a u c h nur an der unaufgeregten Sprechweise von Frau Merkel, die zwar über sich sel bst sagt, dass gelegentliches Verfallen ins Schreien einer ihrer Hauptfehler sei („Ein e Sch wäch e von mir ist Sch reien ", gestand sie d em TV - „Talk master" B ec k m a n n ; S en d u n g vo m 1 0 . J a n u a r 2 0 0 5 ), d i e a b e r i n d e r Ö f f en t li c h k ei t h ä u fi g a l s s a c h li c h b i s zu r E m ot i on s l o s i gk ei t wa h r g en o m m en wi rd . An d er e r s ei t s i s t d e r Bedarf an Hektikern in der deutschen Politik auch so gedeckt. Di e Uc k erm a rk , An ge la M erk els Ki n d h ei t s - und J u gen dh eim a t , wi rd du rch flos s en v o n d e r 1 0 3 Ki l o m e t e r l a n g e n U c k e r ( i n P o m m e r n h e i ß t s i e U e c k e r ) , d i e g e g e n ü b er Us ed om i n s S t et t i n er Ha ff m ü n d et . E s i st ei n e b ra nd en bu rgi s c h - p om m ers c h e Gr e n z r e gi on , d i e a u f h a lb e m W e g e v o n B e r li n n a c h S t et t i n l i e gt . Ös t li c h d a v on , j enseit s d er Od er, b efi nd et si ch wei t es La nd, da s d en Deut sch en 194 5 gewa ltsam genommen und unter polnische Herrschaft gestellt wurde. Man kann die Uc k erm a rk m it ih ren za h lrei c h en h errli c h en S een u nd au s ged eh n t en , oft un b erü h r t en Wä ld e rn m i t Fu g u n d R ec h t ei n e d e r r ei z v o l ls t en La n d s c h a ft en D eu t s c h la n d s nennen. Besondere Faszination übt der dortige Nationalpark Unteres Odertal aus. Zweifellos h at die Uck ermark das Zeu g, ein e „Tosk ana des Nord en s" zu sein , wi e e s i n d e r F r e m d e n v e r k e h r s w e r b u n g d e r R e g i o n h e i ß t . A l l e r d i n g s : „ D i e M e n s c h e n h a b e n k e i n G e l d . S i e h a b e n k e i n e A r b e i t . U n d s i e h a b e n k e i n e P e r s p e k t iv e . " S o d i e M e r k e l- B i o g r a p h i n E v e l y n R o l l ü b e r d i e V e r h ä l t n i s s e d o r t . A l s Sc h n ap si d ee er wi es si c h d i e Erri c h t un g ei n er mi t La n d esmi t t eln g ef örd e rt en „ W e s t e r n s t a d t " ( „ S i l v e r L a k e C i t y" ) , m i t d e r m a n T o u r i s t e n a n l o c k e n u n d d i e Wi rt s c h a ft i m R au m e T em p li n a n ku rb eln wol lt e. Di e B et r ei b erge s e lls c h a ft m e ld et e m a n gels B es u c h er ra s c h In s olv en z a n . De r U rla u b er i n d er Uc k erm a rk er wa rt et dort offenbar nicht ausgerechnet die Nachäffung des amerikanischen Wilden Westens. Am 2 8 . J u li 2 00 5 sc hild ert e d er Kor res p on d en t d es „R h ei n i s ch en M erk u r" s ei n en E i n d ru c k von d en T e m p li n e rn : „ O b d e r Ka n z l e r S c h röd e r h e i ß e od e r M e rk e l, s ei i hn en ega l, v ers i c h ern d i e M en s c h en, di e ü b er d en Ma rk tp la t z t röd eln . S i e h a b en andere Sorgen. Fast jeder Vierte ist ohne Arbeit. Und die Politik könne daran a u c h n i c h t s ä n d e rn . " E i n S p ri n g er -J ou rn a li s t wi e M a rt i n S . La m b ec k a b e r h öh n t : „Die Uckermark, wo man weder auf Frisur noch Kleidung achten muss." ( „ b i ld . t- on li n e ", 7 . Au gu s t 2 0 0 5 ) . Ob d i e s e r P r op a ga n d i s t e t a b li e rt e r P o l i t i k , d i e u n fä hi g i st , Geb i et e i n d en n eu en B u nd eslä n d ern , d i e b lü h en d e La n d sc ha ft en s e i n k ön n t en , a u c h wi rk li c h a u fb lü h en zu la s s en , s i c h ei n er s o lc h en Im p e rt i n en z gar nicht schämt?
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D a k a n n e i n e p o l i t i s c h e S t i m m u n g s l a g e z wi s c h e n O s t s e e u n d E r z g e b i r g e , E l b e/ W e r r a u n d O d e r / N e i ß e wo h l k a u m wu n d e r n e h m e n , d i e M a t t h i a s Kr a u ß i n s e i n e r 2 0 0 5 er s c h i en en en M erk e l- B i o g ra p h i e wi e f o l gt b es c h r ei b t : „ 1 5 J a h r e h a b en d i e etablierten Parteien der Bundesrepublik gebraucht, um in Ostdeutschland eine Zw ei d ri tt elmehrh eit d a von zu üb erzeu gen, da ss si e fü r di esen La nd est ei l k ein Ko n z ep t h a b en . Di e s e Z we i d ri t t e l m eh rh ei t wä h lt en t we d er ü b erh a u p t n i c h t m eh r oder rechtsextrem. Oder eben die PDS."

Die „Befreiung" der Uckermark
Das damals, als die Kasn ers hin zoge n, wie auch h eu te rund 17 000 Ein wohn er z ä h l e n d e T e m p l i n , c a . 8 0 Ki l o m e t e r v o n B e r l i n e n t f e r n t , wi r d „ P e r l e d e r U c k e r m a rk " gen a n nt . E s u rkun d et e ers t m a ls 1 2 70 . Di e t r ot z a lle r S c h ic k s a ls s ch lä ge d er G e s c h i c h t e v o l l s t ä n d i g e r h a l t e n g e b l i e b e n e a l t e S t a d t m a u er g i l t d e r j e n i g e n v o n Rothenburg ob der Tauber als ebenbürtig. Temp lin und Umgebung hatten ab Ende Apri l 1945 unter der Rot en Armee s c h we r zu l ei d en . Di es s ei h i e r d es h a lb i n E ri n n e ru n g g e ru f e n , we i l An g e la M e r k e l — wi e b e r e i t s e r wä h n t — i m m e r wi e d e r m i t „ D e u t s c h l a n d s B e f r e i u n g 1 9 4 5 " durch die Alliierten kommt und auch den Sowjets entsprechende Ehre erweist. Überdies rühmte sich die CDU- Politik erin schon häufig, sie habe Richard von W e i z s ä c k e r s 1 9 8 5 e r B u n d e s t a g s r e d e z u m v i e r z i g s t e n J a h re s t a g d e s Kr i e g s e n d e s (8. Ma i 1945 a ls „Ta g d er B efreiun g") da ma ls in d er DDR nich t nu r „i m Geh ei m en v o l l B e wu n d e ru n g g e l e s e n " , s o n d e r n d i e An s p r a c h e a u c h a b s c h r i f t li c h u n t e r d e n en ku rs i eren la s s en , „d i e i h r Vert ra u en gen os s en ", wi e e s i n d er B i ogra p hi e von J a c q u e l i n e B o ys e n h e i ß t . B i o g r a p h i n R o l l : „ An g e l a M e r k e l b e s a ß n a t ü r l i c h e i n e Ab s c h r i ft d e r R e d e . U n d s i e z e i g t e s i e d e n we n i g e n K o l l e g e n , d e n e n s i e v e r t r a u te. So einen tollen Präsidenten hätten die anderen Deutschen drüben im Wun derland hinter der Mauer." Warum es a llerdings derart viel konspirativer Umstände zur Verbreitung der W ei zs ä c k er' s c h en Au s la s s u n gen b ed u rft h ab en s oll, b lei b t d ub i os . Di e 8 . -M ai -R e d e d e s B u n d e s p rä s i d e n t e n wa r v o n W e s t f e r n s e h e n u n d - r a d i o p e r D i r e k t ü b e r t r a gung in so gut wie jeden DDR - Haushalt transportiert worden und wurde über W o c h en i n AR D u n d Z D F , d a m a l s S en d er e r s t e r W a h l d e s Gr o ß t ei l s d e r DDR - B e völkerung, immer wieder zitiert. Christdemokrat von Weizsäcker hatte in seiner R ede zum 40. Jahrestag des Kriegsendes als erster Bundespräsident den 8. Mai 1945 zum „Tag der Befreiun g" erk lärt un d darü b er h inau s ein e Kollek tivhaftun g d es d eutsch en Volk es,
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Nachkriegs generation en inbegriffen, wegen der Untaten zur Hitlerzeit proklami ert. Ori gi na lt on : „Und d enn och wu rd e es von Ta g zu Ta g k la rer, wa s es h eut e fü r u n s a l l e g e m e i n s a m z u s a g e n g i l t : D e r 8 . M a i wa r e i n T a g d e r B e f r e i u n g . . . Di e Vorfa h ren h a b en ei n e s c h wer e E rb s c h a ft h in t erla s s en . Wi r a lle, ob s c hu ld i g od er n i c h t , o b a lt o d e r j u n g , m ü s s e n d i e V e r g a n g e n h e i t a n n e h m e n . W i r a l l e s i n d v o n i h r e n F o l g e n b e t r o f f e n u n d f ü r s i e i n H a f t u n g g e n o m m e n . " In t e r e s s a n t e r w e i s e heißt es in E velyn Rolls M erk el-Biographie über Vat er Hors t Kasner: „E r sieht ein b i s s c h en a u s wi e d i e D DR -Ve r s i on v on R i c h a rd v on W ei zs ä c k er. O ff en b a r d en k t e r a u c h s o . " A u s i h r e r Ki n d h e i t u n d J u g e n d z e i t b e r i c h t e t An g e l a M e r k e ! ( „ D i e Zeit", Nr. 16/2005): „Wir haben zweimal im Jahr das KZ Ravensbrück besucht." Nu n ha t wa h rli c h n ic ht j ed er Deu t s c h e ei n e s olc h e fa m i li ä r e „E rb la s t " zu b e wä lt i gen wi e Rich ard von Wei zsäck er. E r s elb st wa r i m Kri eg Weh rmacht offi zi er, R egi m e n t s a d j u t a n t u n d O r d on n a n z d e s Ge n e r a l s M a t zk y, d e r i m O b e r k o m m a n d o d e s H e e r e s fü r F ei n d b e ob a c h t u n g z u s t ä n d i g wa r. S ei n Va t e r, E rn s t v on W e i zs ä c k e r, d i en t e H i t l e r a l s s t e l l v e r t r e t e n d e r R e i c h s a u ß e n m i n i s t e r , g e h ö r t e d e r N S D AP a n u nd b ek lei d et e d en Ra n g ei n es B ri ga d efü h rers (en t s p ri ch t : Gen era lm a j or) d er S S — u nd z wa r d er s c h wa r zen S S , n i ch t et wa d er f eld gra u en Wa ff en -S S . Vi k t or von W e i z s ä c k e r, On k e l d es n a c h m a li g en B u n d es p rä s i d en t en , h a t t e a l s fü h r en d e r N eu rol og e u n d M ed i zi nph i los op h i m Dri t t en R ei c h d en Fü h rer Ad o lf Hi t ler zu m „E rs t en Ar zt d es d eu t s ch en Volk es " a u s geru fen . Der Na t u rwi s s en s c h a ft ler C a rl Fri ed ri c h von Wei zs ä c k er , B rud er R i ch a rd von Wei zs ä c k ers , wa r ei n er d er wi c h t i gs t en Atom(bomben)forscher des Hitlerreiches. Als n un ab er di e R ot e Arm ee au f ih rer „B efreiun gst ou r" in d en let zt en Ap ri lta gen 1945 d i e Uck erma rk erreicht hat t e, ges chah en auch d ort, n icht zu let zt in Te mp lin u n d U m g e b u n g , e n t s e t z l i c h e V e r b r e c h e n : P l ü n d e r u n g e n u n d B ra n d s c h a t z u n g e n , V e r g e wa l t i g u n g e n u n d M o r d e . B e t r o f f e n w a r e n n e b e n d e n E i n h e i m i s c h e n a u c h d i e F l ü c h t l i n g e , d i e a u s d e n G e b i e t e n j e n s e i t s d e r O d e r h e r b e i g e s t r ö m t wa r e n . Da s oh n eh in du rc h ei n en m i li t ä ri s ch s inn los en B om b en a n gri ff vom 6 . M ä rz 19 44 ge zei c h n et e T em p li n wu rd e v on m a rod i eren d en R ot a rm i s t en zu s ä t zli c h ü b el zu geri c h t et . Au ch d i e in k ai s erli c h er Z ei t , 1 91 0, ei n ge wei h t e Goet h e - S c h u le b ra n n t en d i e e i g e n t ü m l i c h e n B e f r e i e r b i s a u f d i e G r u n d m a u e r n n i e d e r . D a s G e b ä u d e e n tstand ab 1949 neu; Angela Merket war dann später Schülerin der Lehranstalt. Au f d e m W a l d h o f , d e r r u n d e i n e n Ki l o m e t e r v o r d e n T o r e n T e m p l i n s g e l e g e n e n l a n g j ä h r i g e n s p ä t e r e n W i r k u n g s - u n d W o h n s t ä t t e v o n An g e l a M e r k e l s F a m i l i e , wu r d e 1 9 4 5 S u p e r i n t e n d e n t Ka r l Go t t f r i e d B u c h h o l z v o n S o wj e t s o l d a t e n b e s t i a li s c h um geb ra c h t. E r, d er a u ch S t ad tp fa rrer von T em p li n wa r, m u s s t e s t erb en , d a er sich schützend vor Flü chtlin gsfrau en gestellt hatte, d en en Vergewaltigun g durch enthemmte, alkoholisierte Rotarmisten drohte. (Siehe: www.stephanus-stif18

t un g. d e/ Wa ld h of/ fes t s c h ri ft 150 j ah re. p d f) Bu c hh olz, a ll es a n d ere a ls ei n „Na zi ", h a t t e d i e J a h r e z u v o r b e h e r z t g e g e n n a t i o n a l s o z i a l i s t i s c h e E u t h a n a s i e- M a ß n a hm e n d e s „ G n a d e n t o d es " b z w . d e r „ V e r h ü t u n g e r b k r a n k e n N a c h w u c h s e s " g e kämpft. Und auf noch ein bezeichnendes „Befreiungsgeschehen" des Jahres 1945 aus der Umgebung von Templin sei hier hingewiesen: D a s M a r g a r e t h e- H e n n i g-H a u s d e r „ A l t e n p f l e g e h e i m T e m p l i n Gm b H ", e i n e r E i n r i c h tu n g d e s D e u t s c h e n R o t en Kr e u z e s , Kr e i s U c k e r m a r k -W e s t , e r i n n e r t a n d e n „E n ge l v on Hoh en l yc h en ", M a rga ret h e An t on i a E m m a Hen n i g geb . P i et s c h m a nn . 1896 in Lübb en /Sp reewald zu r Welt gek ommen , hatte sie sich als Rotkreu zs c h we s t e r i m E r s t e n W e l t k r i e g i n d e r V e r wu n d e t e n p f l e g e g e r a d e z u a u f g e z e h r t . Na c h 19 18 gin g s i e a ls S c h wes t ern a u s b i ld eri n i n da s vom B ü rgerk ri eg z er rü t t et e Sowj et russland. 1924 bi s 1928 wa r si e Lei t erin d es Kri egswa i sen h ei ms „Haus Sonnensch ein" in Hoh enlychen nahe Temp lin, 1928 bis 1931 Obersch w ester in d e r H e i l a n s t a l t H o h e n l y c h e n . N a c h Au s b r u c h d e s Z w e i t e n W e l t k r i e g e s wa r s i e wi ed er i n d er V er wu n d et en b et reu u n g a k ti v. S i e ri eb s i c h auc h fü r Kri e gs g efa n gen e , Z wa n g s d e p o r t i e r t e u n d J u d e n a u f , v e r s o r g t e s i e m i t M e d i k a m e n t e n u n d L e b en sm itt eln . „Vi el e Fra u en aus d em Kon zent rati on s la ger Raven sb rück, di e tä gli ch n a ch Hoh en lyc h en zu r Arb ei t gefa h ren wu rd en , h ab en da nk d er t ät i gen Hi lfe v on Margareth e Hennig überlebt; sie set zt e ihr Leb en aufs Spiel, um andere zu ret t en ", h eißt es in ein em Zeit ges chich tsb eri cht d es DR K Uck erm a rk (www. k v - uck erm a rk - we s t . d rk . d e). W e i t e r i m W o r t la u t : „ Al s d i e R ot e Arm e e a m 1 . M a i 1 9 4 5 i n Lyc h en ei n m a rs c h i ert , wi rd M a rga ret h e Hen n i g von ru s s i s c h en S old a t en in ih rem H a u s ü b e r fa l l en . S i e k a n n n oc h u m Hi l f e ru f en u n d z we i Le h r er d e r n a h e g e l e g en en Pann wit z -Schu le folgen di es em Ru f. Si e werd en von Rota rmi st en ersch os s en . M a r g a r e t h e H e n n i g wi r d v o r d e n Au g e n i h r e r M u t t e r u n d i h r e s d a m a l s n e u n j ä h ri gen S oh n es geq u ä lt , ver ge w a lt i gt , m i t ei n em Kop fs c h u s s erm o rd et u n d in ei n em Massengrab auf dem Hohenlychener Friedhof verscharrt." In d e n a u f d i e „ B e f r e i u n g " f o l g e n d e n J a h r z e h n t e n B e s a t z u n g r i c h t e t e n d i e b e i Temp lin stationierten Sowjettrupp en verh eerend e Umweltschäd en an . „Gan ze W a l d s t ü c k e g i n g e n b e i s o wj e t i s c h e n P a n z e r ü b u n g e n i n F l a m m e n a u f " , h e i ß t e s i n d e r M e r k e l- B i o g r a p h i e v o n J a c q u e l i n e B o y s e n . N i c h t z u v e r g e s s e n : U n t e r s t ren gs t er Geh ei m h a lt u n g wu rd en i m Ap ri l 1 959 zwölf At o m ra k et en üb er d en M i litärflugplat z Templin in die DDR geschafft — di e erst en russischen Nuklear -Raketen außerhalb der Grenzen der „Befreiermacht" Sowjetunion.

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Der Geist des Waldhofs
W i e b er e i t s e r wä h n t , ü b er t ru g Al b r e c h t S c h ön h er r s ei n em V e r t r a u en s m a n n H or s t Ka sn er Au fba u un d Lei t un g d es fü r di e Th eologen fortb i ld un g in B rand enb urg m aß geb li ch en Pa st ora lk ollegs Wa ldh of b ei Temp lin . S ch önherr, 1936 in B erlin a ls P fa rrer ordini ert, hatt e in d er NS -Zeit Kon takt e zu r B ek ennend en Ki rch e unt erha l ten und Bonh oeffers Pred igerseminar Fink en wald e b esucht. Nach Weh rmachtdienst un d b ritisch er Kriegsgefan gen sch aft wu rd e er 1946 Sup erin tend ent d es Ki rc h en k rei s es B ra n d en b u rg/Ha ve l, 1 9 62 Gen era ls u p eri n t en d en t i n B ran d enbu rg, 1969 Ch ef d es Bund es d er E van geli sch en Ki rch en in d er DDR; von 1972 b is 1981 (Ruhestand) wirkt e er a ls Bisc hof der Ost region d er B erlin- Brandenburgischen Kir che. S c h ön h err wa r m a ß g eb li c h a n d er S p a lt u n g d er E va n ge li s c hen Ki rc h e i n Deu t s c h land (Bundesrepublik/DDR) beteili gt. Er betrieb Kollaboration mit der SED (Höhe p u n k t wa r d a s „ Gi p f e l t r e f f e n " m i t H o n e c k e r , 6 . M ä r z 1 9 7 6 ) u n d g a b d i e P a r o l e a u s : „ D i e e v a n g e l i s c h e Ki r c h e i n d e r D D R i s t n i c h t Ki r c h e g e g e n , n i c h t n e b e n , s on d e rn i m S o zi a li s m u s . " E h rh a rt N eu b e rt s c h r ei b t i n s ei n er „ Ge s c h i c h t e d er Op p ositi on in d er DDR " (B erlin 1998 ), S ch önh err hab e „di e Regi ean we i sun g fü r ein e Ki r c h e g e g e b e n , d i e a u f e i g e n e K o s t e n d e n K o n f l i k t m i t d e r S E D - G e s e l l s c h a f t s c h eu t e ". D er R e gi ea n we i s e r e n ga gi e rt e s i c h l ei t en d i n k om m u n i s t i s c h i n fi l t ri e r ten und von der Stasi durchsetzten Organisationen wie dem „Weißenseer Ar b e i t s k r e i s ", i n d e s s e n F ü h ru n g a u c h H o r s t Ka s n e r m i t m i s c h t e , u n d d e r 1 9 5 8 g eg r ü n d e t e n , v o n M o s k a u g e l e n k t e n P ra g e r „ C h r i s t l i c h e n F r i e d e n s k o n f e r e n z " , f ü r die Kasner ebenfalls wirkte. S c h ön h err s c h i en von d er „B e wä lt i gu n g" Hi t lers wi e b es es s en zu s ei n . Un d d i es e O b s e s s i on s t e i g e r t e s i c h b e i i h m , j e l ä n g e r d i e Z e i t d e s NS -D i k t a t o r s z u rü c k l a g und je höher die Leichenberge weltweit durch neue Kriege und Genozide wurd e n . 1 9 8 8 b r a c h t e d e r A l t b i s c h o f s e i n e „ V e r g a n g e n h e i t s b e wä l t i g u n g s " -P h i l o s o p hi e b ei ei n em Ged en k got t es d i en st in Da ch au wi e f ol gt zu m Au s d ru c k : Der Ho lo caust an den Juden werde dem deutschen Volk „noch über Generationen hin a n ha ft en "; ei n e „B efr ei u n g von di es er S c h u ld " k ön n e, wen n ü b erh au pt , vi ell ei c h t i r g en d wa n n ei n m a l u n d n u r d u rc h „h a rt e Arb e i t , Kl e i n a rb ei t , Kn oc h en a rb ei t " e r rei c h t werd en . Deu t s c h la nd t ra ge we gen Hi t le r „ ei n Ka i n sm a l", ri ef S c h ön h err i n D a c h a u a b s c h l i e ß en d a u s . In B ü c h m a n n s „ Ge f l ü g e l t e n W o r t e n " f i n d e t m a n z u m B e g r i f f „ Ka i n s m a l " d i e E r l ä u t e r u n g : „ N a c h d e r B i b e l s o l l d i e s e s Z e i c h e n b e wi r k e n , d a s s n i e m a n d Ka i n e r s c h l ä g t . H e u t e b r a u c h t m a n d i e s e s W o r t a l s a l l g e m e i ne Umschreibung für einen Verbrecher."

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Von 1960 bis 1990 also war Horst Kasn er Chef d es Past oralkollegs in Schön h e r r ' s c h e m G e i s t e a u f d e m „ W a l d h o f "- G e l ä n d e , e i n e n K i l o m e t e r a b s e i t s d e r S t a d t T e m p li n a m T e m p li n e r Ka n a l. E s h a n d e lt e s i c h s o zu s a g en u m ei n D o r f fü r s i c h . Di e Ka s n er s b e woh n t en d a s „ Ha u s Fi c h t en g ru n d ", ei n d r ei g es c h os s i g es Ge b ä u d e m i t a n h ä n g en d em S e m i n a rt ra k t . An g e la M e rk e l : „ Ic h k a m n i c h t a u s ei n e m ty p i s c h e n P f a r r h a u s , w e i l m e i n V a t e r w ä h r e n d m e i n e r g a n z e n K i n d h e i t i n d e r W e i t e r b i l d u n g f ü r P f a r r e r t ä t i g wa r , a l s o e i n S e m i n a r g e f ü h r t h a t . E s g a b n i c h t d e n k l a s s i s c h e n Ge m e i n d e b et r i e b d ru m h e r u m . " An a n d e r e r S t e l l e b e r i c h t e t e s i e ü b e r d a s L e b e n a u f d e m Wa l d h o f : „ W i r h a t t e n d a h e i m i m m e r e i n e s o g e n a n n t e Hausmutter. Und noch etwas früher hatten wir einen Gärtner." F ü r H i l f s a r b e i t e n z o g K o l l e g c h e f H o r s t Ka s n e r a u c h B e h i n d e r t e h e r a n , d i e a u f d e m a u s g e d e h n t e n W a l d h o f- A r e a l i n s e p a r a t e n B e h a u s u n g e n u n t e r g e b r a c h t waren. Angela Merkel: „Es gab dort Mongoloide und viele von ihnen waren bettl ä g e ri g. Di e wu rd en i n d e r DD R-Z e i t u n s ä g li c h s c h l e c h t b e h a n d e lt . E i n i g e m u s s ten ständ ig an gebund en au f Bänk en sitzen ... Bei un s hat immer jeweils ein er der erwachsenen Patienten gearbeitet." W o h l g em e rk t : Di e B et r eu u n g d e r B eh i n d ert en a u f d em W a l d h of- Ge l ä n d e g eh ö rt e n i c h t z u d e n O b l i e g e n h e i t e n P f a r r e r Ka s n e r s . D a s s e r s e i n e g u t e n B e z i e h u n g e n z u r D D R- O b r i g k e i t f ü r d i e V e r b e s s e r u n g d e s o f f e n b a r f u r c h t b a r e n L o s e s d e r S c h wers t b eh in d ert en a u f d em Wa ld h of g en u t zt h ä tt e, i s t a lle rd i n gs n i ch t b eka nn t geword en . St attd essen li est man b ei Prof. La n ggu th : „Der früh ere Tec hn isch e L e i t e r a u f d e m W a l d h o f , U l r i c h S c h o e n e i c h , h e u t e B ü r g er m e i s t e r v o n T e m p l i n , h a tt e s i ch ja h rela n g m i t Ka s ner g es t ri t t en . E s gab h eft i ge Au s ei n a n d ers et zu n gen , d a i n f o l g e d e s wa c h s e n d e n R a u m b e d a r f s K a s n e r s u n d s e i n e s S t e l l v e r t r e t e r s d i e B eh ind ert en zu weni g P lat z hat t en. Ka sn er ‚wei t et e da s Pa st ora lk olleg au f Kost en der Behinderten aus', sagt Schoeneich." Der Templiner Waldhof- Komplex wa r er wachsen aus einem „Knabenrettungs h a u s " fü r verwa h rl os t e S t a d t ju n gen , 185 4 von d er Herrn h ut er B rü d ergem ei n d e i m Gei st e d es evan geli sch en Theologen Joh ann Hin ri ch Wich ern gegründ et. Von 1 92 7 b i s 193 3 lei t et e P a s t or Hei n ric h Grü b er d i e An s t a lt . E r ga lt n a c h d er M ac ht ü b ern a h me Hi t lers we gen se i n er en g en B ezi eh u n gen zu n a t i ona l- so ld a t i sc h en Krei s en („S t a h lh elm " , „Na t i on a ler C lu b ") un d a ls Vord en ker d es a llg em ei n en Ar b ei t s d i en s t es a l s ei n F a vo ri t fü r d en P o s t en d e s S t a a t s s ek r et ä rs i m R ei c h s a rb ei t sm i n i s t e r i u m , ü b e r wa r f s i c h a b e r m i t d e r N S- O b r i g k e i t , w a r v o n 1 9 4 0 b i s 1 9 4 3 F u n k t i on s h ä ft li n g (B l oc k ä lt es t e r, D o l m et s c h e r ) i m Ko n z en t r a t i on s la g e r S a c h s en h a u s en , d a n n i m „P fa f f en b l oc k " v on Da c h a u , u n d k on n t e n a c h s ei n e r E n t la s s u n g au s d e m KZ m i t t e n i m Kr i e g , J u n i 1 9 4 3 , wi e d e r a l s P f a r r e r i n B e r l i n t ä t i g s e i n . Von 1949 bis 1958 fungierte Grüber als EKD-Bevollmächtigter in Ostberlin, später 21

a u c h n o c h a l s E h r e n p rä s i d e n t d e r D e u t s c h -Is r a e l i s c h e n Ge s e l l s c h a f t i n d e r B u n desrepublik. W ä h r e n d i m D r i t t e n R e i c h d a s Au s b i l d u n g s a n g e b o t f ü r s c h w e r e r z i e h b a r e o d e r s t ra f f ä lli g e J u gen d li c h e au f dem Wa ld h of er wei t ert word en wa r — b ei s p i els wei s e u m ei n e d r ei k la s s i g e B e ru fs s c h u l e fü r T i s c h l e r, S c h n ei d e r u n d S c h u h m a c h e r — , k a m d i e s e A r b e i t i n S E D- Z e i t e n m e h r u n d m e h r z u m E r l i e g e n . D i e k o m m u n i s t i s c h e O b ri g k e i t wü n s c h t e n i c h t , d a s s k i rc h l i c h -d i a k on i s c h e E i n r i c h t u n g e n E r z i e h u n g s a u f g a b e n wa h r n ä h m e n . 1 9 5 8 d a n n e r f o l g t e d i e g ä n z l i c h e U m wa n d lu n g d e r J u g en d e r zi eh u n g s a n s t a lt a u f d em W a ld h o f- Ge l ä n d e i n e i n k i rc h li c h b et r eu t es B ehindertenheim.

Das Schweigen des Vaters
In m a n c h en B i o g ra p h i en e rs c h ei n t P a s t ora lk o l l e g -C h ef H or s t Ka s n e r a ls s t e t s u n ers c h r oc k en er M or a lh ü t er. E vel yn R o l l ü b er d en Wa ld h of: „ Hi er i m R ei c h d es Vat ers ga lt en di e Wert e d es c hri st lich en Ab en d land es. " Da k omme ein em fa st so e t wa s wi e b e i As t e r i x u n d Ob e l i x i n d e n S i n n : „ Ga n z B r a n d en b u r g wa r v o n d e n Ulb rich ts un d Hon eck ers b es et zt. Gan z B rand enburg? Nein ! E in von unb eu gsam en C h r i s t en b ewoh n t er Wa ld h of vor d e r S t a d t m au er von T em p li n h i elt s i ch wi e ei n e Rettungsinsel im rot en Meer d es S ozialismus. " Das „Merkel -Lexikon" d er B erliner „B Z" b l ei b t s ozu s a gen i m B i ld e u nd t ei lt üb er d a s Ka s n ers c h e Wa ld h of- Id yl l m i t : „ D a s E lt e rn h a u s An g e la M e rk e l s s t eh t wi e ei n c h ri s t li c h e r F e l s i n d e r k om m u n i stischen Brandung." Dass „Rettun gsinsel" b zw. „Fels" d rei Jah rzehn te lan g von „rotem M eer" und „Brandung" so bemerkenswert unangetastet blieben, will Biographin Nicole S c h l e y m i t g e r a d e z u v i rt u o s er M i m i k r y d e r Ka s n e r -S i p p e e r k l ä r e n : „ Ge h e i m h a ltun g galt b ei d en Kasn ers als ob erste Maxime ... Niemand du rfte wissen, d ass die Familie Westfern seh en sch aute, welch e Bü ch er es im Hau se gab od er wel c h e Th em en i n g e m ei n s a m en S t u n d en d i s k u t i e rt wu rd en . S o wa r es Ho r s t Ka s n e r i m L a u f e d e r J a h r e g e l u n g e n , a l s S y m p a t h i s a n t d e s D D R -S y s t e m s w a h r g e n o m men zu werden, was ihm — und seiner Familie — gewisse Vorteile brachte." Über einige dies er „gewiss en Vort ei le" gibt Langguth in seiner Merk el- Biographie Au f s c h lu s s : „Da s s d i e Ka s n er s z wei Au t os h a t t en — ei n en P ri va t wa g en , d en m a n ü b er , Gen e x' b e zog en h a t t e, un d ein en Di en s t wa gen , wa r fü r DDR - Z ei t en a b s olu t a u ß e r g e w ö h n l i c h . . . H o r s t Ka s n e r e r h i e l t p r a k t i s c h a l l e w e s t l i c h e Li t e r a t u r, d i e i h m z u g e s a n d t wu r d e . . . Z u d e n P r i v i l e g i e n P f a r r e r Ka s n e r s g e h ö r t e n a u c h d i e Westreisen .. Er konnte viele Westreisen unternehmen, übrigens auch seine
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F r a u , d i e b i s n a c h A m e r i k a f u h r . " P f a r r e r Ka s n e r t o u r t e u . a . n a c h It a l i e n u n d Großbritannien. La n g gu t h fi nd et es b em e rk en s wert , d a s s „ An g ela M erk el p r a k ti s ch n i e üb er i h ren Va t er s p ri c h t ". Au ch b ei Hors t Ka s n er s elb s t s ei a u ffä lli g, d a s s er „ga r n i c h t ers t i n s Vi si er d er Öffen t li c h k ei t gera t en m öc h t e". E r verm ei d e es , m i t s ein er Toc h t er z u s a m m en fü r i r g en d we lc h e p o l i t i s c h en R ep o rt a g en a u c h n u r a b g e li c h t et zu we r d e n . „ Ka s n e r wa r w e d e r z u e i n e m Ge s p r ä c h n o c h z u r B e a n t wo r t u n g v o n s c h r i f t li ch ein gereicht en Fra gen b erei t ", sch reibt La n ggu th. Vom M erk el - Va t er erhi elt er d en a b s c h lä gi g en B es c h ei d , „d a s s wi r P e rs on en u n d In s t i t ut i on en g e g en ü b e r, d i e a n Veröf f en t li c h un gen ü b er un s ere Toc h t er i n t eres s i ert s i n d , gru nd s ä t zli c h k ei n e Au s k ü n f t e ü b e r u n s e r e p e r s ö n l i c h e n u n d f a m i l i ä r e n B e l a n g e e r t e i l e n , u n d d i e s s ch on ga r nicht , wenn k ein e au sdrü ck lich e Zu sti mmun g unserer Toc ht er vorli egt ". Und am 31. Mai 2005 meld et e das brandenburgisch e Ta geblatt „Märkische All gem ei n e": „ Ka s n ers red en m i t n i em a nd em m eh r. Ih re T oc h ter wi rd d a s b egrü ß en . Merkel ist nicht Schröder. Lieber abschotten als zu viel private Einblicke riskie11

ren. D e r M e r k e l -V a t e r m a c h t f ü r M e d i e n u n d R e c h e r c h e u r e a l l e r A r t d i e S c h o t t e n d i c h t . D i es b et ri f ft a u c h s ei n e Z e i t i m D ri t t en R ei c h , ü b e r d i e k ei n er d e r za h lr e i chen Biographen und Presseberichterstatter, die sich mit der Merkel- Familie in t en s i v b e fa s s t h a b en , a u c h n u r e i n e ei n zi g e S i lb e m i t zu t ei le n we i ß . R ei n v om Ge b u rt s j a h r h e r, 1 9 2 6 , k ön n t e Ho r s t Ka s n er s eh r woh l i n d e r b ra u n en E n d z ei t n oc h i r g e n d wi e „ d a b e i " g e we s e n s e i n . Z u m i n d e s t h ä t t e e r a l t e r s g e m ä ß e i g e n t l i c h M i litärdienst in der Wehrmacht geleistet haben müs sen. Was wäre denn schon S c h li m m e s d a ra n ? W a ru m d i e Ge h ei m n i s k r ä m e r ei ? Di e s e F r a g en g e lt en a u c h An ge la M erk e l, d i e h i n s i ch t li ch i h rer V er wa n d t s ch a ft i m a llgem ei n en , i n s b es on d ere ab er b ei biographisch en Details zum Vater extrem wortkarg ist — man k önnte au ch sagen, d ass sie sich hier, seh r im Gegen satz zu ih rer son stigen Red selig keit, als grabesschweigsam erweist. Kanzler Gerhard Schröder hingegen hatte k e i n e P r o b l e m e , ü b e r s e i n e n ( 1 9 4 4 i n R u m ä n i en g e f a l l e n e n ) V a t e r a l s S o l d a t e n d e r d eu t s c h en W eh r m a c h t a u c h i n a l l e r Ö f f en t li c h k ei t zu s p r ec h en ; u n d e r t a t es ohne bewältigungsneurotische Anwandlungen. „ D a s d ü r ft e d a ra n li e g en , d a s s s i e k ei n In t e r e s s e d a ra n h a t , d i e t a t s ä c h li c h e R o l l e Ka s n e rs i m D DR -S o zi a li s m u s zu b e l eu c h t en . " S o v e r s u ch t P ro f. La n g gu t h d i e M erkel'sch e Auskunftsabstinenz zu erklären. Denn: „ Ih r Vater zeigt e — zumindest gelegentlich — ein e intensive Staatsnähe oder sch eute zeitweilig die Kontakte m i t d e r S t a a t s s i c h e r h e i t n i c h t . " La n g g u t h we i t e r „ H o r s t K a s n e r wa r b b e i s e i n en Reisen in d en Westen fü r die Deu tsch landp olitik d er DDR." Bei ein er von d er staatlichen „Nationalen Front" organisierten Italien-Reise habe „der rote Kasner" 23

di e An sich t vert ret en, nu r die Kommuni st isch e Pa rt ei k önn e da s La nd vor wei terem Niedergang retten. Rain er Epp elmann, sp äter DDR - Dissid en t und Wen d ep olitik er, war als ju n ger P f a r r e r a u f d e m W a l d h o f . Im N a c h h i n e i n b e s c h r e i b t e r d i e v o n Ka s n e r d o r t v e r b rei t et e p es s i m i s t i s ch e Zu k u nft s vi s i on wi e fo lgt : Di e eva n ge li s c h e Ki rc h e we rd e i n d e r D DR d e rm a ß en s c h ru m p f en , d a s s s i c h k a u m n oc h Ge m e i n d en ei n en h a u p t a m t l i c h e n P fa r r e r l e i s t e n k ö n n t en ; d a s S c h i c k s a l d e r m e i s t e n P a s t o r e n we r d e e s dann sein, „Nebenbeipfarrer" bzw. „Fei erabendprediger" zu sein. Eppelmann e m p fa n d d i e Ka s n e r' s c h e W e i s s a gu n g a ls h e r z l os , d e m ot i vi e r e n d , g e ra d e zu d efa i t i s t i s c h : „ D e r m a c h t e u n s j u n g e n M e n s c h en , d i e s i c h d a a u f d a s Ge m e i n d e p f a r r amt vorbereiten sollten, nicht gerade Mut . Da dachte ich damals natürlich: du Arsch." E in ha rt es Urt ei l, das län gst nich t von a llen B esuch ern d es Ka s n er - Kollegs get ei lt wi rd . M a n b e g e gn et a u c h i m m e r wi ed e r S t i m m en v on Z ei t z e u g en , d i e Ho r s t Ka s n er als vorbild lich en Th eologen emp fund en hab en. Sein Wirk en k önn e nu r ger e c h t b e u r t e i l t w e r d e n , w e n n m a n d i e M a c h t v e r h ä l t n i s s e , u n t e r d e n e n e r a r b e iten mu sste, und die Zeitu mständ e b erück sich tigte, wird fü r ihn woh l nich t zu Unrecht ins Feld geführt.

Der „rote Kasner" in Aktion
Horst Kasner habe „auf Synoden mit Vehemenz Positionen vertreten, die im m a c h t p o l i t i s c h e n In t e r e s s e d e r D D R g e l e g e n " h ä t t e n , l i e s t m a n b e i P r o f . L a n gg u t h . „ E r wa r g a n z u n d g a r a u f d i e D D R -S t a a t l i c h k e i t fi x i e r t " u n d s e i a u c h e i n „Ak t eur d er ki rch lich en Tei lun g" in Deut sch land gewes en . Als B ei spi el da fü r, wi e Ka s n e r u n d s e i n e t h e o l o g i s c h e n Ge s i n n u n g s g e n o s s e n op e r i e r t e n , s c h i ld e r t La n gguth Ab läu fe b ei d er Syn od e, die vom 13 . bis zu m 17. Feb ru ar 1966 in Berlin st a t t fa nd u nd au f we lc h er Wei c h en fü r d i e Sp a ltu n g d er B erli n - B ra n d en b u rgischen Kirche gestellt wurden: In e i n e m S E D - i n t e r n e n B e r i c h t ü b e r d a s k i r c h l i c h e T r e f f e n h i eß e s , d a s s „ P r o f . Mü ller au f d er Syn od e k onseq u ent die Politik un seres Staates vertrat. Er tru g d u rc h s e i n Au f t r e t en we s e n t l i c h z u r Ko o r d i n i e r u n g d e r z a h l e n m ä ß i g s c h wa c h e n p rogressi ven Kräft e und zu r Verhind erun g ein es Ab wü rgens d er Di sku ss i on du rch d i e Le i t u n g d e r S yn o d e b e i . Au c h d i e S yn o d a l e n R e c h t s a n wa l t d e M a i z i ö r e u n d P f a r r e r Ka s n e r h i e l t e n s i c h a n u n s e r e K o n z e p t i o n . " B e i d e m e r w ä h n t e n M ü l l e r h a nd elt e es si c h u m ei n en au f SED - Li n i e li e g en d en , mi t d em M i n i st eri u m fü r Staatssicherh eit zusamm enarbeitend en Ostberliner Theologi eprofess or (zu ihm nachher meh r); d er in dem Dokument erwähnte Clemens d e Maiziöre, d er 1980 24

v e r s t a r b , wa r F u n k t i o n ä r d e r v o n d e r S E D g l e i c h g e s c h a l t e t e n B l o c k p a r t e i C D U u nd Va t er d es l et zt en D DR -M i n i st erp r ä s i d ent en s owi e p oli t i s c h en An gela -M e rk elFörderers 1990/91, Lothar de Maiziere. Langguth: „Was unter ,unserer Konzeption' zu verst ehen ist, ergibt sich von s e lb s t — es wa r n i c h t d i e Ko n z ep t i on d e r Ki r c h e , s on d ern d es D DR -S t a a t e s , d es Am t e s f ü r Ki r c h e n f r a ge n u n d — s c h l i m m e r n o c h — d e s M i n i s t e r i u m s f ü r S t a a t s s i c h e r h e i t . " In e i n e m d i e S y n o d e v o n 1 9 7 0 b e t r e f f e n d e n D o k u m e n t d e s S t a a t s s ek reta riat s d er DDR fü r Ki rch en fra gen h i eß es (zit. na ch Lan gguth ): „Wi r k önn en einschätzen, dass progressive Synodale sowoh l von d er Quantität als auch von d e r Qu a li t ä t i h r e s Au ft r et en s h e r b r ei t e r wi rk s a m we r d en k on n t en . P r of . M ü l l e r, R e c h t s a n wa l t ( C l e m e n s ) d e M a i z i e r e , P f a r r e r Ka s n e r u n d La n d e s j u g e n d p f a r r e r Gü n t h e r e r r e i c h t e n d u r c h t a k t i s c h k l u g e s Au f t r e t e n , d a s s d i e S yn o d e d i e f e i n d l i c h en Kon z ep t i on en n i ch t b es ch los s u n d i n d er Fra g e d er E i gen s t ä n di gk ei t d er Ki r c h e B e r li n -B ra n d en b u r g a u f d e m T e r ri t o ri u m d er D DR m i t e c h t en Ko m p r om i s s en zu s t i m m t e. " P rof. La n ggu t h : „ Au fg ru n d di es er Ak t en la g e k a n n m it Fu g u n d R ec h t ges a gt werd en, d a s s Hors t Ka s n er a k t i v an d er S p a lt un g d er B erli n -B ra n d en bu rgi schen Kirche mitwirkte." Von b es on d erer B ed eu t u n g i st au ch d i e E rm it t lun g La n ggu t h s , da s s Hors t Ka s n er n i c h t n u r „ l a n g e M i t g l i e d " d e s „ W e i ß e n s e e r Ar b e i t s k r e i s e s d e r k i r c h l i c h e n B ru d e r s c h a f t i n d e r E v a n g e l i s c h e n Ki r c h e i n B e r l i n -B r a n d en b u r g " — k u r z : W A K — wa r, s on d ern d a rüb er hi n au s si c h „fü r ei n i ge J a h re i m Lei t erk rei s " d i es er Ve rei n igung betätigte. D e r a u f In i t i a t i v e A l b r e c h t S c h ö n h e r r s a m 1 7 . J a n u a r 1 9 5 8 a u f e i n e r P f a r r e r t a g u n g i m Ad o lf- St o ec k er - S t i ft ( S t ep h a n u s- S t i ft ) i n B e r li n -W e i ß en s e e g e g rü n d et e WAK wu rd e „v on d er St a si st a rk b eei n flu sst " ( La n g gu t h). Ei n e d er Ha u p t au f gaben d es Arbeitskreises b estand in den ersten Jahren darin, die Anhänger d es eva n ge li s c h en Bi s c h ofs von B erli n -B ra n d enb u rg u nd E KD - R a t s vors i t zen d en Ot t o Di b eli u s i n d er DDR a u s zu s c ha lt en u nd d en „Di b eli a n i s mu s" zu b ek ä m p fen . Di b e li u s m it S i t z i n B erli n (Wes t ) wa r a n t ik om m un i s ti s ch u nd ges a m t d eu t s c h ges i n nt ; n a c h S E D -Le s a rt h a n d e lt e e s s i c h b ei i h m u m e i n en „ Ag e n t e n d e s w e s t l i c h en Imperialismus". L a u t E h r h a r t N e u b e r t ( „ G e s c h i c h t e d e r O p p o s i t i o n i n d e r D D R 1 9 4 9 -1 9 8 9 " ) w a r d er W AK, i n d es s en Lei t erk re i s zei t wei li g a u c h An ge la M e rk els Va t e r m i t wi rk t e, „ s t et s d e r v e r lä n g ert e Ar m d er S E D i n d er S yn od e". W i ed er La n g gu t h : „ In D o k um e n t e n d e s M i n i s t e r i u m s fü r S t a a t s s i c h e r h e i t wi r d d e r W e i ß e n s e e r Ar b e i t s k r e i s zu d en ,p rogres s i v en i n n erk i rc h li ch en Zu s a m m en s ch lü s s en ' gezä h lt . " M erk e l -B i og r a p h i n B o ys e n t e i l t zu d i e s e m Ko m p l e x m i t : „ Ka s n e r g e h ö r t e d e m W e i ß e n s e e r
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Ar b ei t s k rei s a n , ei n er k lei n en , a b er exp on i ert en Gru p p e vo n DDR - Th eol og en , d i e s ich vi elfach d er Kritik ih rer Gla ub ensb rüd er aus s et zt e, wei l s i e ein e au sdrü ck lich staatsnahe Haltung pflegte. Der Staatsapparat seinerseits duldete den WAK n i c h t n u r, s on d ern e rm ö g li c h t e d en Th e o l o g en d i es e s Kr ei s e s , i h r e k i rc h en i n t e rn u m s t r i t t e n en An s i c h t e n ü b e r d a s V e r h ä l t n i s v o n M i s s i o n u n d g e s e l l s c h a f t l i c h e r Teilhabe der Christen im Sozialismus in einer Publikation zu verbreiten." D a m i t wa r en d i e v om W AK h e r a u s g e g eb en en „ We i ß en s e e r B lä t t e r " ( „ WB I” b z w. „WB") gem eint, deren erstes Heft im Frühjahr 1982 erschien — mit ausdrücklicher Gen ehmigung des Lekt ors für nichtlizenzpflichtige Druckerzeugniss e im DDR -Ku l turministerium. Über das WAK- Organ berichtet der em eritiert e Theologieprofessor a n d e r Hu m b o ld t- Un i v e rs i t ä t R ei n h a rd H en k ys , d e r i n d en 8 0 er -J a h r en V e rt r et e r d e s E v a n g e l i s c h e n P r e s s e d i e n s t e s ( e p d ) i n d e r D D R wa r : „ D i e s e i t 1 9 8 2 e r s c h ei n en d en , W e i ß en s e e r B lä t t e r' v e r a c h t et en d i e Op p o s i t i on u n d d en u n zi e rt en s i e u n ver h ü llt . Ih r e Zi e lg ru p p e wa r en vi e lm eh r Th e ol og en u n d F u nk ti on s t rä ger d er offizi e ll en e va n geli s c h en Ki rc h e. Di e WB k ol la b ori ert en off en m i t d er , rei n en Leh re ' der SED, interpretierten die kirchliche Zeitgeschichte von dies er marxistischen Po sition aus ... Der SED kreideten die WB schon vor der Wende ideologische Rechtsabweichung an."

Antifaschismus zur Gleichschaltung
Der b er ei t s er wä h n t e k om mu ni s t i s ch gep olt e Th eo lo ge P r of . Ha n fri ed Mü ller u n d d ess en Eh efrau R os ema ri e Müller - S t reis and, P rofess orin für Ki rch en geschich t e an d er Ostb erlin er Humb oldt - Universität, stellten die id eologisch en Weich en im W A K u n d b ei d en „ W B I" . M ü l l e r, J a h r ga n g 1 9 2 5 , Kr i e gs t e i ln eh m e r, t h eo l o gi s c h a n d e n U n i v e r s i t ä t en B on n u n d Gö t t i n g e n a u s g e b i l d e t , wa r e i n W e s t -O s t - W e c h sl e r wi e Ka s n e r : Al s Ak t i vi s t d e r k om m u n i s t i s c h en F D J ( We s t ), d e r b e r ei t s u n t e r d em Damok lessch wert d es Verb ots steh end en KPD - Ju gend , hatte er sich 1952 aus der Bundesrepublik in die DDR abgesetzt. Dort brachte er es zum Professor f ü r S ys t em a t i s c h e Th eol ogi e a n d er Os t b erli n er Un i v ers i t ä t. S c h önh errs E va n gelischer Kirche Berlin-Brandenburg gehörte er als Synodaler an. „ T h e o l o g e n u m H a n f r i e d M ü ll e r t r i e b e n i h r e B o n h o e f f e r -I n t e r p r e t a t i o n s o we i t , d a s s s i e i m Kom m u n i s m u s sc hli eß li c h d i e E rfü llu n g d er c h ris t li c h en H offn u n g s a h en u n d m a c h t en d a m i t i h r e T h e o l o gi e zu ei n er op e ra t i v en Id e o l o gi e i m Di en s t e d e r S E D zu r Au fh eb u n g d er c h ri s t li c h en R e li gi on . " ( N eu b e r t ). „ Ha n fri ed M ü l l er propagierte die Auflösung der Kirche im Kommunismus und griff wi ederholt s t a a t s k ri t i s c h e Ki rc h en v ert r et e r u n d op p o s i t i on e l l e Gr u p p en a n ; e r wa r b ei m M i nisterium für Staatssicherheit als IM ,Michael' registriert und hat sich zu ,partiel26

l e r Z u s a m m e n a r b e i t ' m i t d e m M f S b e k a n n t . " ( M ü l l e r -E n b e r g s / W i e l g o h s / H o f f mann, „Wer war wer in der DDR? Ein biographisches Lexikon", Augsburg 2003). In H e f t N r . 1 / 2 0 0 0 d e r „ W B I " s c h r i e b M ü l l e r ü b e r d i e E n t s t e h u n g d e s W e i ß e n s e e r Ar b e i t s k r e i s e s , „ P a t e g e s t a n d e n " h ä t t e n i n s b e s o n d e r e „ B r ü d e r , d i e s i c h z u r Z e i t d es F a s c h i s m u s a l s P fa rre r n a c h wu c h s g e we i g ert h a t t en , s i c h v on d en n a zi fi z i e rt en o ffi z i e l l en Ki rc h en b eh örd en p rü f en z u la s s en u n d s t a t t d es s en b e i Au s b i ld u n g s s t ä t t en d e r B e k e n n e n d e n Ki r c h e i h r t h e o l o g i s c h e s E x a m e n m a c h t en " . M ü ller weiter „Viele von ihnen hatten das berühmte von Dietrich Bonhoeffer g e l e i t e t e P r e d i g e r s e m i n a r d e r B e k en n en d en Ki r c h e i n F i n k e n wa l d e b e s u c h t , wa ren a u f d em a n t i fa s ch i st i s ch en Flü g e l d er B ek en n en d en Ki rc h e b eh ei m a t et . . . Fü r sie gab es nie eine ‚Bedrohung aus dem Osten', in höchstem Maße jed och eine s o l c h e a u s de m ‚ W e s t e n ' . . . S i e m a c h t e n d i e , D i s s i d e n t e n f r a g e ' n i c h t z w e c k s Förd erung der Konterrevolution, sondern zwecks der Vert eidigung des Sozialismus zum Thema." „Im Au ftrag d er SE D" (so der DDR -Oppositionsforscher Ehrhart Neubert, der auch M i t a rb e i t e r d e r Ga u c k - b z w. B i rt h l e r -B e h ö r d e i s t ) u n d u n t e r F e d e r f ü h r u n g H a n fried Müllers erarb eitete d er Weiß enseer Arb eitskreis 1963 „Sieb en Sätze über d i e F rei h ei t d er Ki rc h e zu Di en en ". N eu b ert : „Di e , S i eb en S ä t ze' n u t zt en d en An t i fa s c h i s m u s zu r Gl e i c h s c h a lt u n g m i t d e r s i c h a n t i fa s c h i s t i s c h a u s g eb en d en S E DGesellschaft. Damit wurde jede Kritik an der SED suspekt und als kirchlicher Hoch mut di squa li fi zi ert. Di e sp ezi fis ch e Art d es Ant ifas chism us, d i e von d er S E D als gesellschaftspolitisches Instrument gebraucht wurde, wurde nun theologi s i ert . " La n ggu t h : „Hi er en t wi c k elt e s i c h ers t m a ls ei n e Nä he von C h ri s t en tu m u nd S ozia lis mu s ma rxi sti sch er P rägun g. " Di e „sp ezi fi sch e Art des Ant i fas chis mu s" d er DDR- Kom munis t en gip felt e bek annt lich da rin , d as s d i e B erlin er Mau er von ihn en zum „antifaschistischen Schutzwall" deklariert wurde. B ei Ha n f ri ed M ü l l e r li e s t s i c h d i e E n t s t eh u n gs g e s c h i c h t e d e r „ W e i ß en s e e e r B lä t t e r " s o : „ An fa n g d e r a c h t zi g e r J a h r e s c h os s en i n d er DDR s u b v e rs i v e P u b li k a t i on e n , o f t a l s , n u r f ü r d e n k i r c h l i c h e n D i e n s t g eb r a u c h ' d e k l a r i e r t , w i e P i l z e a u s d e m B od e n . S i e s i gn a li s i e r t en i n d e r Ge s e l l s c h a f t p o l i t i s c h - m o r a li s c h e n u n d i n d er Ki rc h e t h eol ogi s c h en Verf a ll. Dem wo l lt e d er W ei ß en s e er Arb ei t s k rei s m i t ein e m n i c h t a n t i k o m m u n i s t i s c h o r i e n t i e r e n d e n M i t t e i l u n g s b l a t t b e g e g n e n u n d b ea u ft ra gt e a m 6 . Dezem b e r 1 9 81 Ha n fri ed M ü ller u n d C h ri st ia n S ta pp en b ec k zu erk un d en , ob d a s m ögli c h s ei . E s wa r m ög li c h , un d i m Frü h ja h r 198 2 ers c hi en Heft 1 der Weißens eer Blätt er." (M üller in: „WB I", Nr. 1/2000). Zur „WB I" -Gründungsz e i t f un g i e r t e ü b r i g e n s Kl a u s G y s i a l s H o n e c k e r s S t a a t s s ek r e t ä r f ü r Ki r c h e n f r a g e n . E s h a n d e l t s i c h u m d e n b e i d e r S t a s i v i e l e J a h r e a l s IM „ K u r t " g e f ü h r t e n
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V a t e r d es l e t zt en S E D- C h e fs u n d n a c h m a li g en P D S / Li n k s p a rt ei -Fü h ru n g s fu n k t i o närs Gregor Gysi. Fü r Ha n fri ed M ü ller, s ei n e Fr a u R os em a ri e M ü ll er- S t r ei s a n d u nd d eren W AK -Ge s i n n u n gs g en os s en r oc h a l l e s n a c h „ Kon t e r r e v o lu t i on ", wa s s i c h i r g en d wi e g e g en d i e S E D -D i k t a t u r r i c h t e t e o d e r a u c h n u r z u r i c h t e n s c h i e n . D a m i t m u s s t e d e n W A K- E i n p e i t s c h e r n n a t ü r l i c h d i e „ D e u t s c h l a n d , e i n i g V a t e r l a n d " - B e w e g u n g 1 9 8 9 / 9 0 a l s d a s „k on t er r e v o lu t i on ä r " B ö s e s c h l ec h t h i n er s c h ei n en . W ä h r en d d i e W A K ' l e r i m m e r wä h r e n d e S c h u l d u n d B u ß e d e r D e u t s c h e n w e g e n d e r H i t l e r z e i t p rop a gi e rt en , ri e f Ha n fri ed M ü l l e r d en Ge n o s s en i n Nr . 5 / 1 9 8 9 d e r „ W ei ß en s e er B l ä t t e r " a n g e s i c h t s d e r s i c h a b z e i c h n e n d e n S E D -G ö t z e n d ä m m e r u n g z u : „ K e i n e R e u e ! K e i n e B u ß e ! K e i n e S c h u ld b e k e n n t n i s s e ! A l l d a s h ei ß t h i e r u n d h e u t e n u r a l l z u l e i c h t , a n d e r S t e l l e z u k a p i t ul i e r e n , wo e s n u r a u f e i n e s a n k o m m t : W i d e r stand. Unser Weg führt jetzt in die Resistance."

„Zwei getrennte Deutschlands bevorzugt"
Zur Eröffnung des „Lesertreffens der Weißenseer Blätter", 7. Mai 1994, verkünd et e Gen os s i n M ü ller -S t rei s a n d : „Wi r h a t t en vo r d er Kon t err ev olu t i on ver geb li c h zu warnen versucht ... Uns ging es darum, zu verhindern, dass aus der Kirche e i n e k o n t e r r e v o l u t i o n ä r e P a r t e i wü r d e . " D e r S E D / P D S wa r f s i e b e i d i e s e r G e l e g e n h e i t Ka p i t u l a n t e n t u m v o r . „ In d e r Ko n t e r r e v o l u t i o n ü b e r r a s c h t h a t u n s a l l e rd i n g s d a s k a m p f l o s e Au f g e b e n d e r P a r t e i , d i e e i g e n t l i c h n i c h t zu r Ka p i t u l a t i o n b e r u f e n g e we s e n wä r e , s o n d er n z u r F ü h r u n g a u c h d a n n n oc h , a l s d i e S o wj e t u n i on die DDR verkauft und — wenn auch nicht sofort — geliefert hatte." Üb e r d i e Zu s t ä n d e i n d e r D DR s a gt e d i e W AK -Id e o l o g i n m i t vi e l E u p h em i s m u s u n d C h u zp e : „ Ge wi s s , e s h a t Du m m h ei t en g e g eb en , vi e l l ei c h t s o ga r m eh r a ls a ndernorts, es hat Gesetzesverstöße gegeben, sicher nicht mehr als andernorts. U n d e s h a t F ä l l e v o n K o r r u p t i o n g e g e b e n , g a n z b e st i m m t w e i t w e n i g e r a l s a n d e rn o rt s , wo m a n d ek r e t i ert h a t , d a s s d i e D DR ei n ‚ Un r e c ht s s t a a t ' g e we s e n s ei . " Ab s c h li eß en d ri e f M ü l l e r- S t re i s a n d d en W AK- Ge t r eu en zu : „ R eu e u n d S c h u ld b ek e n n t n i s f o r d e r t e n d i e F e i n d e d e s S o z i a l i s m u s u n d Ka p i t u l a n t e n . . . W i r w o l l t e n un seren Teil dazu b eitragen, d ass Kommunisten wied er Mut, Selbstvertrau en , Kampfeswillen gewönnen ... Wir wussten ja noch aus der Nazizeit, dass ein g a n z es V o lk b es o f f en s ei n k a n n . . . W i r s c h ei n en , s o we i t wi r s eh en , d i e e i n z i g en zu sein, die so etwas wie eine ‚linke Orthodoxie' vertreten." Müller-Streisand be-

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k a nn t e s i ch i n ih rer R ed e ü b erd i es zu ei n er „R ot en Hi l fe i m gei s t li c h en u n d gei s tigen Sinn". B ez ei c h n end erwei s e geh ört e a u c h Ma rgot Hon ec k er, d i e S ED- M i n i st eri n u nd Ga ttin des Oberhauptes des Mauermord- und Stasisystems, zu den Autoren des WAK- Organ s. Und woh l n och sympt omati sch er i st , was di e Kn all- rot e „j un ge w e l t " a m 1 1 . Au g u s t 2 0 0 3 i n W ü r d i g u n g v o n M ü l l e r - S t r e i s a n d ( An l a s s wa r d e r 8 0 . Geb u rt s t a g d er i m Art i k el a ls „p ri n zi pi en t reu d er m a rxi s t i s ch en Di a lek t ik ver b u n d en " c h a r a k t e ri s i ert en Ge n os s i n ) v om S t a p e l li eß : „ W o e s u m wi s s en s c h a ft lich e Wah rh eit und u m Verantwortun g fü r d ie Gerech tigk eit geh t, lässt sie sich von gän gi gen Nost a lgi evorwü rfen ni cht an fech t en. In ih rem E insa t z fü r d en S ozial i s m u s u n d d i e D DR k a n n s i e W a l t er U lb ri c h t u n b e fa n g en u n d eh r e rb i et i g, a u c h im Blick auf den Lebenslauf ihrer Zeitgenossen, ,unseren Lehrer' nennen." An g e l a M erk e l s V a t er a b er, l a n gj ä h ri g zu s a m m en m i t Ha n fr i ed M ü l l e r u n d R os em a ri e M ü l l e r- S t r ei s a n d i m W AK, s c h l os s s i c h i n d e r DDR -Un t e r ga n gs p h a s e d em „Neu en Forum" an. Dieser Gruppierung ging zunächst der Ruf voraus, dass sie z u r s t ä r k s t e n Kr a f t i n d e r W e n d e- D D R we r d e n k ö n n e . S i e t r a t m i t a n d e r e n V e r e i n i g u n g e n z u r V o l k s k a m m e r wa h l i m M ä r z 1 9 9 0 a l s „ B ü n d n i s 9 0 " a n , w e l c h e s b ei nu r 2,9% land ete. Zu r Nied erlage h atte d as d eu tlich e Nein d es „Neu en Fo rum" zur Wi ed ervereinigung maßgeb lich beiget ragen. „Di e m eist en bestim men d en Ak t eu r e gi n g en v on d e r Z we i s t a a t li c h k ei t D eu t s c h l a nd s a u s . ‚ W i ed er v e r ei n igung' war für si e k ein Them a." („Wikip edia- Enzyklopädie", Stich wort „Neues Forum"). La u t „ In t e r n a t i o n a l H e r a l d T r i b u n e " v o m 6 . S e p t e m b e r 2 0 0 5 h ä t t e H o r s t Ka s n e r n a c h d em M a u e rf a l l 1 9 8 9 z we i g et r en n t e D eu t s c h la n d s b ev o r zu gt ( „p r ef e r r ed t o h a v e t w o se p a r a t e G e r m a n ys " ) . W e i t e r ä u ß e r t e e r g e g e n ü b e r d e m B l a t t : „ I wa n t e d a d e m o c r a t i c E a s t G e r m a n y. B u t t h e p e o p l e wa n t e d t h e d e u t s c h e m a r k . " E r h a b e e i n d e m o k ra t i s c h e s O s t d e u t s c h l a n d g e wo l l t , d a s V o lk j e d o c h d i e D e u t s c h e Mark. Kasner ließ 1990 rasch wieder die Finger von der Parteipolitik. D a s „ B ü n d n i s 9 0 " f u s i o n i e r t e 1 9 9 3 g r ö ß t en t e i l s m i t d e n we s t d e u t s c h e n Gr ü n en . Ma rcu s Kasn er, An gela M erk els B rud er, h eut e S oft wa re- In geni eu r ein es Telek omm u ni ka t i on s -Unt ern eh m en s in Da rm s t ad t un d P ri va td ozen t fü r P h ys i k an d er Un iversität Magd ebu rg, machte b is zu diesem Zu sammen sch luss von 1993 b eim „B ü nd n i s 90 " mi t , i s t s ei th er a b er p a rt eib uc h ab s ti n ent geb li eb en . Herli n d Ka s n er wi e d eru m , An g e la M e rk e l s M u t t e r, wi rk t e n a c h d er W e n d e b i s 1 9 9 9 a l s S P D- Abg e o r d n e t e d e s u c k e r m ä r k i s c h e n Kr e i s t a g e s i n P r e n z l a u , w o s i e a n f a n g s a l s P a r lamentsvorsteherin fungierte.
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„Den Staat zur Beute gemacht”
Hor st Ka sn er ist s eit d er fü r ihn s o fru st ri erend en Wi ed erverein i gun g nu r m eh r we n i g m i t p r on on c i e rt p o li t i s c h e n S t e l lu n gn a h m en h e r v o rg et r e t en . Im z we i t en J a h r d er M i t gli ed s c h a ft s ei n er T oc h t er i m B un d es ka bi n et t Koh l u nd fa s t ei n J ah r na ch ihrer Wahl zur stellvertretenden CDU - Bundesvorsitzenden allerdings veröffentlichte er in „die kir che", Organ der Evangelischen Kirche von Berlin - Brandenburg, Nr. 33 (16. August 1992), unter der Schlagzeile „Nichts kann bleiben, wi e es einmal war" ei n e k n a llh a rt e Ab rec h n un g m i t p oli t i s ch en En t a r tu n gen in Bu nd es rep u b li ka ni en . M a n c h e P a s s a g en k a n n g e wi s s a u c h u n t e rs c h r ei b en , we r a u s g ä n z li c h a n d e r er p o litischer Richtung kommt. Angela Merkels Vater schrieb in dem besagten Artikel: „ Al s B ei g et r et en e l eb en wi r n u n m i t d em Gru n d g es et z d e r a lt en B u n d es r ep u b li k , a n ei n e Neu fa s s u n g i s t n i ch t zu d en k en . All en fa l ls E r gä n z u n gen un d Än d eru n gen wi r d e s g e b e n . U n d d a b e i s t eh t e s , wi e g e s a g t , n i c h t z u m b e s t e n u m d i e f r e i h e i t lich demokratische Grundordnung. Von der Diktatur der Staatspartei befreit, haben wi r a u f e i n e n d e m o k r a t i s c h e n Au f b r u c h g e h o f f t u n d s i n d n u n i n e i n e n P a r t e i e n staat hineingeraten, in dem gemäß Verfassungsp ostulat ,alle Staatsgewalt vom Volk e au s geht ', dann ab er d orthin ni cht m eh r zu rückk ehrt. Wi r b em erk en nun , wi e sich d ie etab lierten Parteien d en Staat zu r Beu te gemacht h ab en und d ass d er S t a a t zu m S e lb s t b ed i en u n gs l a d en fü r P o li t i k e r g e wo rd en i s t . . . D e r P a rt ei en s t a a t der Bundesrepublik, in dem sich die beiden Volkspartei en inhaltlich kaum noch un t ers c h ei d en , h eb t s ic h ei gen t li c h n u r n och du rc h d a s M eh rp a rt ei en s ys t em von d er P a rt ei d ik t at u r d er DDR a b . In d er b eq u em en P rop or zd em ok ra t i e wi rd d er Klü n gel z u m S ys t em . M a n s c h a n zt s i c h wec h s e ls ei t i g Vo rt ei l e zu . " Di e P o li t i k i n d i es e m „System" sei „im Grunde die Fortsetzung der Wirtschaft mit anderen Mitteln". B i ogr a p hi n B oys en : „ An g e la M erk el s a gt , s i e h a b e d i e b i tter e B i la n z i h res Va t er s ü b e r f a s t z we i J a h r e D e m o k ra t i e n i c h t g e l e s e n . D i e s e Au s s a g e p a s s t d a z u , d a s s sie unter allen Umständen verhindern möchte, dass die Öffentlichkeit von d en d u r ch au s le gi t i m en u nt ers c h i ed li c h en p oli t i sc h en Üb erzeu g u n gen i n ih rer Fa m i li e erfährt." Seit Horst Kasner mit seinem Artikel von 1992 den Finger auf von vielen als s c h m e r z li c h em p fu n d en e W u n d en g e l e gt h a t t e, i s t e s , j ed en f a l ls i n d en Au g en ei n es Gr o ß t ei ls d er D eu t s c h en i m e i n s t i g en „ D rü b en ", e h er n o c h s c h l ec h t er g e wo r d en . Der P u b li zi s t M at th i a s Kra u ß a na lys i ert i n s ei n er 20 05 ers c h i en en en M erk el Biographie ein e entsprechende Haltung, die sich übrigens auch in demoskopischen U n t e r s u c h u n g e n wi d e r s p i e g e l t : „ Au s d e r P e r s p e k t i v e d e r m e i s t e n O s t d e u t s c h e n s i n d d i e p o l i t i s c h en U n t e r s c h i e d e z wi s c h e n d e n W e s t p a r t ei e n n i c h t m eh r g r ö ß e r a ls di e zwi sc h en d en ein sti gen DDR - B lockpa rt ei en. " Da zu pa sst au ch ein e B e30

s ch reibun g d er Zu ständ e au s d er Fed er von E velyn R oll: Di e s o genannt en groß en Volkspartei en würd e n dem zufolge „hauptsächlich darüber nachdenken, mit welch er Werteglasur sie ihre immer ähnlicher werdenden pragmatischen Politikansätze ü b erzi eh en u nd si e s o wen i gs t en s s ym b o li s c h u nt ers c h ei db ar u nd fü r ih re R es t m i lieus schmackhaft machen könnten". Die er st e aus frei en Wahlen , März 1990, hervorgegangene Volkskammer hingegen hatte sich n och du rch ein e groß e Vielfalt au sgezeichn et. Das Sp ektru m d e r Ab g e o rd n et en a u s ei n e r F ü l l e v on P a rt ei en u n d B e we g u n g en r ei c h t e von d en m i t r e c h t e n P a r o l e n g e wä h l t e n D S U ' l e rn b i s z u Ko m m u n i s t e n . D i e s e e r s t e f r e i e Volkskammer glich in gewisser Weise dem ersten Deutschen Bundestag von 1949. Auch fü r di es en ga lt b ei spi els wei s e n och nicht di e Mi lli on en Wäh ler d isk ri m i n i eren d e Fü n fp roz en t h ü rd e u nd wa s s i c h d i e C DU/ C S U - b zw. S P D -M a c h th a b er später noch a lles einfa llen li eß en, um „Auß enseit er" rauszuha lt en und aus z u s c h a l t e n — ga n z ä h n l i c h wi e e s n a c h 1 9 9 0 i n d en n e u e n B u n d e s l ä n d e r n u n t e rnommen wurde, nur dass die Plattmache dort teilweise noch schneller ablief. Die Etablierten hatten ja schließlich inzwischen auch wesentlich mehr Übung. Au c h i m e r s t en B on n e r Na c h k r i e gs p a r la m en t , 1 9 4 9- 1 9 5 3 , ga b e s ei n e b e m erk en swert e p oli t i s c h e Vi el fa lt . In s g es a m t wa ren 1 2 ve rs c h i ed en e P a rt ei en u n d Gru p p i e r u n g en v e rt r et en . Da s r ei c h t e v o n d en ga n z R ec h t en ( DR P / N a t i on a l e R ec h t e ) m i t d em d a m a ls j ü n g s t en B u n d e s t a gs a b g e o rd n et en Ad o l f v on Th a d d en , d em s p ä t e r en NPD- Chef, bis zu den unverwüstlichen Kommunisten um KPD -R eimann. Und noch ein en weiteren Vergleich h alten Bund estag 1949 und Volk skammer 1 990 au s: B e i d e l e i s t e t e n Kä r r n e r a rb e i t f ü r V o l k u n d V o l k s h e r r s c h a f t wi e k a u m j e a n d e r e d e u t s c h e P a r l a m e n t e s e i t 1 9 4 5 . Da s Ge r e d e v o n „ Z e r s p l i t t e r u n g " u n d „ In s t a b i l i tät", wen n „zu viele" Parteien im Parlament säß en , ist rein e Propaganda Herr s c h en d er zu r S i ch eru n g d es ei gen en B es i t zs t a nd es . Ge gen d a s a llei n qu an ti t at i ve P e n s u m , d a s d e r s o vi e l fa lt s b u n t e 1 9 4 9 er -B u n d es t a g b e wä lt i gt h a t , v e rb la s s t d i e L e i s t u n g d e s h e u t i g e n . V o n d e r i n h a l t l i c h e n Q u a l i t ät d e r B e s c h l ü s s e g a r n i c h t e r s t z u r e d e n . E s i s t n i c h t s e h r ü b e r s p i t z t a u s g e d r ü c k t , we n n m a n ü b e r d i e G e s e t z e d e s e r s t e n B u n d e s t a g e s s a g t : J e d e r S c h u s s e i n T r e f f e r . U n d h e u t e ? Ka u m ein Tropfen im Zielwasser mehr. W a s d i e V o l k s k a m m e r v o n 1 9 9 0 b e t r i f f t , s o i s t E v e l yn R o l l z u z u s t i m m e n , we n n s i e s c h r e i b t , d a s s d a s i m W e s t e n a u f g e k o m m e n e a r r o g a n t e W o r t v o n d e r „ La i e n s p i e l s c h a r" n i c h t s a ls „ d u m m e s Z e u g " s ei . J e m eh r Z e i t v e r g eh e , fä h rt d i e P u b liz i s t i n f o rt , d es t o d eu t li c h er we r d e a n d en P r ot ok o l l en u n d D ok u m en t a t i on en d i eser 181 Tage Volkskammer der unvergleichliche Fleiß jenes Parlamentes. „Und wa h r s c h e i n l i c h i s t i n d i e s e m La n d a u c h s c h o n l a n g e n i c h t m e h r d i e V e r a n t wo r tungsbereitschaft und der Blick auf das Gemeinwohl so viel stärker gewesen als 31

a l l e p a r t e i t a k t i s c h en In t e r e s s e n . V i e l l e i c h t wa r e n d i e 1 8 1 T a g e v o n B e r l i n t r o t z d er vi el en E i n red en un d E in flu s s n ah m en a u s B onn s oga r n äh er a m Id ea lb i ld ei n er p a r l a m en t a r i s c h en , r e p r ä s e n t a t i v e n D e m o k r a t i e a l s v i e l e s , wa s wi r s o n s t i n d i esem Land hatten." B ei ei n er V era n s t a lt u n g d er B ü rgeri n i t ia ti ve „ F rei e H ei d e " erk lä rt e H ors t Ka s n er i n d e r Ki r c h e v o n Z e c h l i n a m 4 . S e p t e m b e r 1 9 9 4 : „ F ü r d i e h e u t e f ä l l i g e n p o l i t i s c h e n E n t s c h e i d u n g e n i s t e i n h o h e s M a ß a n In t e l l i g e n z e r f o r d e r l i c h . D e m s i n d P o l i t i k e r i n d e r R e g e l n i c h t g e wa c h s e n . Ih r g e i s t i g e r H o r i z o n t , d a s wi r d i m m e r wi e d e r d e u t l i c h , i s t b e g r e n z t . S i e s i n d m e h r M a c h e r a l s D e n k e r . U n d v o r a l l e m versteh en sie sich au f d ie Macht: Wie k ommt man zu r Macht? Wie b leib t man a n d e r M a c h t ? . . . Di e p o li t i s c h e Kl a s s e i s t ra t l os , d i e E t a b li e rt en s i n d a u f B e s i t z standswahrung bedacht." Der Fa ll der Mauer habe den „Zerfa ll der bipolaren W e l t o r d n u n g d e s 2 0 . J a h rh u n d e r t s " c h a r a k t e r i s i e r t ; d i e „ n e u e W i r k l i c h k e i t " s e i jetzt „die Weltgesellschaft". „Di eser n euen Wirklichkeit zu entsprechen, das m us s un s k la r s ein , wi rd von un s Verzi cht ford ern. " Pa st or Ka s n er ziti ert e b ei d i es e r G e l e g e n h e i t e i n e n P a s s u s a u s d e m B ri e f d e s Ap o s t e l s P a u lu s a n d i e Ge m e i n de in Rom: „Lasst euch nicht gleichschalten dieser Weltzeit." S eith er a llerdin gs i st von P fa rrer Ka sn er nicht s „Hochp oli tis ch es " m eh r in M edi en z u v e r n e h m e n . D a wi r d d o c h k e i n e G l e i c h s c h a l t u n g s t a t t g e f u n d e n h a b e n ? 2 0 0 5 notierte das Maga zin „Cic ero": „Er predigt am li ebst en über den sechst en Ta g d e r S c h ö p fu n g u n d fü r e i n e n m e n s c h l i c h e n U m g a n g m i t T i e r e n . . . H o r s t Ka s n e r hat sich d em Mit gesch öp f vers ch ri eb en . " Di e M erk el- E lt ern leb en üb ri gens i mm er noch in Templin, in einem Einfamilienhaus am Stadtrand.

In „permanenter Auflehnung"?
W a s n u n d a s g ä n g i g e P r o -M e r k e l - S c h r i ft t u m ü b e r d en D D R -L e b e n s we g d e r P o r t r ä t i e r t e n b r i n g t , m u t e t o ft n i c h t wi e B i o - s o n d e r n wi e S c h i z o g r a p h i e a n . N i c h t selten treten die Angela M., die wegen der erdrückenden Allgegen wart einer g n a d e n l o s e n D i k t a t u r n u r h e i m l i c h , s t i l l un d l e i s e o p p o s i t i o n e l l g e w e s e n s e i n k on n t e , u n d d i e An g e la M . , we l c h e fu rc h t ( wi e ü b ri g en s a u c h fo l g en- ) lo s d a s R egi m e o ff en en Vi s i ers b e feh d et e, n u r ei n p a a r Zei t u n gs zei l en od er B u c h s ei t en von ei n a nd er en t fern t a u f. M erk el -B i ogra p h Ma t th ia s Kra u ß m a c h t d e n S p i elve rd erb er und n oti ert : „Di e d eut sch e Pub li zis tik si eh t sich ged rän gt, ein en Wid erstand s gei st z u e r f i n d e n , v o n d e m An g e l a M e r k e l m e i l e n w e i t e n t f e r n t wa r , u n d f ü r d e n i h r e Biographie auch nichts hergibt. Nichtsdestotrotz werden Beispiele heran g e s c h l e p p t , u n d z wa r s o l c h e , d i e s i c h e b e n s o i m L e b e n d e s l i n i e n t r e u e s t e n G e nossen auffinden lassen würden."
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Hi er s ei ein e grunds ät zli ch e An m erkun g ein gefü gt : S o s eh r au ch Versuch e, Wid er stand nach Toressch luss zu konstruieren, kritikwürdig sind: Million en Deutsche in d er „DDR ", d i e sich nich t offen au fgelehnt h ab en gegen d i e Diktatu r, s ond ern ein fach „ihr Leben gelebt" haben oder sozusagen als kleine Marschierer „mitmachten", sind dafür nicht zu verurt eilen . Es kehre jed er vor d er eigene n Tür zuerst. Wa r „im Wes t en " st et s a lles Gold, wa s glän zt e? Wu rd e und wi rd n icht au ch in Dem ok rat i en o f t g e s c h wi e g e n a n g e s i c h t s v o n U n r e c h t , wo e i n l a u t e s N e i n , we n n n i c h t W i d e rs tand geb ot en wä re? Verglichen mit a llen and eren „Kom muni sm en", wa r di e s ozus a gen d eut sch e Versi on in d er DDR di e relati v erträ glich st e. Man hüt e sich grund sätzlich vor Werturteilen aus sicherer Distanz. Räumlich oder zeitlich. „Oh n e Fu rc h t vor d e r S t a s i er zi eh en Va t er u n d Mu tt er An g ela i n Op p os i t i on zu m S E D -S t a a t ", wei ß d a s „ M e rk el- Le x i k on ", ei n e P u b li k a t i on d e r B e r li n e r „ B Z" , zu b eri c h t en . An gela M e rk el s el b s t erzä h lt : „ Ic h h a b e d i e DD R n i e a ls m ei n H ei m a tland empfund en . .. Jed en Ab end kam i ch voller Wut nach Hause und musst e m i r e r s t e i n m a l a l l e s v o n d e r S e e l e r e d e n . M i c h v e r b a n d m i t d i e s e m L a n d ü b e rh a u p t n i c h t s . " A n a n d e r e r S t e l l e ä u ß e r t e s i e : „ Ic h h a b e m i c h i n e i n e r s t e t i g e n u nd s t et i g zun eh m en d en , s eh r k ri ti s ch en Au s ei n a nd ers et zu n g m i t d er DDR b efu n d en . " 199 4 b eku nd et e s i e la u t d em Na ch ri ch t en m a ga zin „Der S p i eg el" : „ Ic h l eb t e in permanenter Auflehnung gegen den Staat DDR." „ U n d s o wu c h s d i e W e s t d e u t s c h e ( s i c !) An g e l a Ka s n e r a l s Au ß e n s e i t e r i n i m Ar b ei t e r - u n d B a u e rn s t a a t i m u c k e rm ä rk i s c h en T e m p li n a m R a n d e d e r S c h o r fh ei d e auf", li est man in Nicole Schleys Merkel -Biograph ie. „Auß enseiterin in der DDR", s o l a u t e t a u c h e i n e Ka p i t e l ü b e r s c h r i f t i n An g e l a M e r k e l s a l s Z wi e g e s p r ä c h m i t d e m J o u r n a l i s t e n H u g o M ü l l e r -V o g g g e s t a l t e t e n A u t o b i o g r a p h i e „ M e i n W e g " . „ M e i n e G e s c h wi s t e r u n d i c h , wi r wa r e n n a c h D D R -M a ß s t ä b e n s c h o n Au ß e n s e i te r " , s a g t e An g e l a M e r k e l i h r e m L e b e n s b e s c h r e i b e r P r o f . W o l f g a n g S t o c k . U n d d i e s e s Au ß e n s e i t e r t u m s o l l s i c h i n e i n e r „ f e i n d l i c h e n U m w e l t " ( „ a h o s t i l e e n v i ron m en t ") a b ges p i elt h a b en , s o d er „ In t ern a t i on a l Hera ld T ri b un e" i n s ei n er M er kel-Berichterstattung nach Befragung Horst Kasners. D a b ei k on n t en s o wo h l Ka s n e r a l s a u c h s ei n e Ki n d e r An g e la u n d M a rc u s fü r V e rh ä lt n i s s e a n g eb li c h „ wi e i m F e i n d e s la n d " e r s t a u n li c h r eü s s i e r en . Di e we n i g s t en B ü r g e r d e s Ar b e i t e r - u n d B a u e r n s t a a t e s j e d e n fa l l s b r a c h t e n e s z u Ko l l e g -C h e f s m i t b e s t en B e zi eh u n g en n a c h „ g a n z ob en " u n d a u s g ed eh n te n W e s t r ei s e- M ög li c hk eiten (Vater) od er sch afften d en Sp run g in die Reih en d er Privilegierten d er Ak a d e m i e d e r W i s s e n s c h a ft e n ( T o c h t e r ) o d e r k a m e n a l s S t i p e n d i a t en a n s Al l e r h ei li gs t e d er Wi s s en s c h a ft d er ru h m rei c h en S owj et u n i on , da s Ke rn fors c h u n gs zentrum Dubna bei Moskau (Sohn). So gesehen, kann man bei den Kasners wohl doch wieder von Außenseitertum sprechen.
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Biographin Schley bringt ein Foto der Vierjährigen und schreibt dazu: „Schwierige Kindheit. Als Pastorentochter hatte Angela Dorothea Kasner keinen leichten Stand in der DDR." Der Schnappschuss zeigt allerdings ein munteres und fideles Mädchen, und Angela Merkel selbst hat wiederholt betont, eine unbeschwerte Kindheit verlebt zu haben. An anderer Stelle ihres Buches notiert Schley: „Angela und ihre Geschwister mussten wegen ihrer christlichen Erziehung stets auf der Hut sein und allerlei Hänseleien erdulden." Biographin Patricia Leßnerkraus über Jung-Angela: „Sie darf vor allem nie preisgeben, wie sie und ihre Familie daheim wirklich leben, was sie denken und diskutieren. Vor allem nicht, dass im Hause Kasner selbstverständlich Westfernsehen geschaut und massiv über Honecker geschimpft wird, die Hausbibliothek gefüllt ist mit Büchern aus dem feindlichen Westen. Eine furchtbare Belastung für ein kleines Mädchen, das doch eigentlich fröhlich, beschwingt und unbeschwert durchs Leben laufen sollte." Dass nun aber Westfernsehen auf dem Programm der Masse der DDR- Bürger stand (da waren die Kasners gegebenenfalls nun wirklich keine Außenseiter), dürfte Stasi-Mielke und auch dem gesamten Politbüro der SED ohnehin bekannt gewesen sein. Davon zeugte im übrigen allein schon die Ausrichtung der Antennen auf den Dächern des Volkes. Und was die Kasner'sche Hausbibliothek betrifft, so wurde, wie bereits in diesem Buch erwähnt, deren steter postalischer Nachschub aus dem Westen kontrolliert und zum Waldhof durchgereicht. In sämtlichen Biographien liest man die Story, dass Angela Kasner an der Templiner Schule bei der Antwort auf die Frage nach dem Beruf ihres Vaters aus Angst vor Nachteilen durch das Atheistenregime bewusst so genuschelt habe, dass statt „Pfarrer" eher „Fahrer" zu verstehen gewesen sei. Dabei dürfte niemand, auch kein Lehrer, im kleinstädtischen Templin nicht genau gewusst haben, dass Vater Kasner ein paar Steinwürfe von der Stadtmauer entfernt als Pfarrer eine große Ausbildungsstätte für Theologen leitete, welche sich überdies höchster staatlicher Duldung, wenn nicht mehr, erfreute. Widerstand leistete der Kasner-Nachwuchs laut diverser veröffentlichter Lebensläufe auf subkutane Art. Ein Beispiel aus der Biographie von Roll: „Angela Merkel wusste schon mit neun Jahren die Namen aller westdeutschen Minister auswendig." Soll das etwa heißen, dass nur die Bonner Bundesregierung, nicht aber der Ostberliner Ministerrat von Klein- Angela als legitim anerkannt wurde? In diesem Zusammenhang ist auch belangreich, was Angela Merkel selbst zum Beleg des „Außenseitertums" ihrer Familie bekundet hat: „Mein Bruder kannte alle Päpste auswendig. Ich sammelte Kunstpostkarten. Und gegenseitig haben wir uns die Hauptstädte der Länder der Welt abgefragt." Nun wird es zweifellos auch auf
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Von Apologie bis zum Versuch kritischer Beleuchtung reicht die Palette bisheriger Merkel-Biographien.
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d e n o f f i z i e l l e n D D R -Le h r p l ä n e n fü r d e n E rd k u n d e - U n t e r r i c h t g e s t a n d e n h a b en , d a s s d en S c h ü l e rn d i e N a m en d e r H a u p t s t ä d t e d er W e l t b ei zu b r i n g en s ei en . Un d schätzungsweise wäre es überall auf Erden ein wenig ungewöhnlich, wenn ein Teenie das Sammeln ausgerechnet von Kunstpostkarten als Steckenpferd hat. Was nun ab er d ie Päp ste anbetrifft, so hand elte e s sich zweifellos u m ein e außerord entlich e mnemot echnische Leistung von Klein - Ma rcus, reif für „Wett en d a s s . . . " , we n n e r t a t s ä c h l i c h a l l d i e H e i l i g e n V ä t e r „ a u s we n d i g g e k a n n t " h a b e n s o l lt e — we i t ü b e r d r e i h u n d er t a n d e r Za h l, m i t Na m en wi e T e l e s p h oru s , d e s s en P on t i fi k a t v on 1 2 5 b i s c a . 1 3 6 n . C h r. wä h rt e, o d er s ei n e s N a c h f o l g er s H yg i n u s , m i t E u t yc h i a n u s (u m 2 8 0 n . C h r. ) u n d S ym m a c h u s (4 9 8 -5 1 4 ) , m i t Ad eod a t u s 1 . , Sissinius, Gelasius usw. usf. etc. pp. Nur: Könnte es nicht sein, dass man als Sohn eines evang elisch en Pfarrers mit d erlei extrem ein gepauktem „Papismus" eh er d en eigen en Vater hoch nehmen, d enn die k ommunistische Staatsmacht h e rausfordern wollte?

Kraftprobe „Kasi"/Stasi
Nicole Schley, ansonsten nimmermüde auf „unvermeidbare" Camouflage und Ko n s p i r a t i on b e i m Ka s n e r ' s c h e n Ko n t r a g e g e n d a s S E D -S ys t e m h i n we i s e n d , b e t ont and erers eit s : „An gela t rug d eut lich erk ennba r Wes tk leidun g. " Ähn lich E velyn R o l l , d e r z u f o l g e F r ä u l e i n Ka s n e r „ i m m e r i n W e s t k l a m o t t e n " z u s e h e n g e w e s e n s ei . An ge la M erk e l s elb s t (n a c h zu les en i n i h rer B i ogra p h i e von Wo lf ga n g S t oc k ) b eh aupt et : „ Ic h h ab e p rak tis ch ni e DDR - Klam ott en get ra gen. " M anch e Zei t zeu gen allerd in gs h ab en gelegen tlich and ere Wah rn ehmun gen gemacht. So b erichtete An gela M erk els eh emaliger Math ematik - und Ph ysik leh rer lau t „BZ" vom 20. M ä r z 2 0 0 0 , d a s s e r s i e a n d e r S c h u l e „ a u c h m a l i n d e r b l a u e n B lu s e d e r F D J g e s eh en " hab e. M erk el - Bi ographin Jacqu elin e B oys en sch reibt: „Als Ki nd lernt e si e wi e s e l b s t v e r s t ä n d l i c h b e i d e s — d a s F a l t e n d e r H ä n d e z u m G e b e t wi e a u c h d a s Binden des Pionierknotens." V o r a l l e m f e h l t i n d e n g ä n g i g e n L e b e n s b e s c h r e i b u n g e n n i e d e r H i n we i s a u f n a hezu permanentes Tragen von Jeans, welche Angela von der Westverwandt s cha ft p er P ak etp ost ges chickt b ek om m en und d er DDR - Obrigk ei t zum Trot z an gezogen hab e. „In sb esond ere ih re Jeans sti eß en vor a llem b ei d en Leh rern auf M i s s b i l li gu n g " ( S c h l e y) . P a t ri c i a Le ß n e rk ra u s s c h r ei b t ü b er d i e s o zu s a g en k ec k f r e c h g ek l ei d et e j u g en d li c h e An g e l a Ka s n er , d a s s s i e „ e i n k l ei n e r P a ra d i e s vo g e l u n t e r l a u t e r g r a u e n S p a t z e n " g e w e s e n s e i . B e i M e r k e l- B i o g r a p h La n g g u t h a b e r l i e s t s i c h d i e S a c h e s o : „Un d s o li e f s i e a ls T e en a g e r a u f P a rt i e s m i t W e s t - J ea n s herum, während ihre Freundinnen zumeist Mini-Röcke bevorzugten."
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D i es e lb e An g e la Ka s n e r, d i e a u s An gs t v o r R ep r es s a li en i n d e r S c h u l e a u s i h r em V a t e r , d e m P f a r r e r , e i n e n „ F a h r e r " g e m a c h t h a b e n wi l l , g i n g a u f d e r P e n n e a n g e b li c h s o v e r we g en B i s s i d en t i s c h i n d i e Of f en s i v e , d a s s s i e „ li n i en t r eu e Le h r e r i n end los e Di s k u s s i on en ver wi c k elt e, u m i h re S E D - We lt a n sc h au un g lä ch erli c h zu m ach en " („B Z - M erk el-Lexi k on "). „Si e n ei gt e in d er Schu le zu Wid ersp ruch ", wi ll H u g o M ü l l e r -V o g g h e r a u s g e f u n d e n h a b en . S i e wa r a u c h , i m B a c k fi s c h a l t e r v o n 1 3 J a h r e n , s c h o n s o e i n e r i c h t i g e „ Ac h t u n d s e c h z i g e r i n ", m a d e b y GD R . Im M a i 1 9 6 8 h a b e d i e „ F l o w e r - P o w e r- S t i m m u n g " An g e l a M e r k e l e r f a s s t , we i ß d a s „ B Z M er k el- Le xi k on " u n d s ch rei b t wei t er. „ Ih r e op p os i t i on ell e Ha lt u n g ge wi n n t j et zt an Profil. Sie wiegelt ihre Klassenkameraden gegen die SED-Lehrer auf." Zen t r a l b ei E rzä h lu n gen ü b er d i e „ wi d ers t ä n d leri s c h e" P en n ä leri n An ge la Ka s n e r ( S p i t zn a m e u n t e r d en Gl e i c h a l t ri g en : „ Ka s i " ) i s t d i e S t or y v o n ei n em s o g en a n n t e n S c h u l - Au f s t a n d u n t e r i h re r L e i t u n g i n d e r 1 2 . Kl a s s e . D i e s e „ E r h e b u n g " b e s t a n d d a r i n , s c h ä lt m a n d e n K e r n h e r a u s , d a s s d i e S c h ü l e r d a s v o r g e g e b e n e P r o gramm einer so genannten „Kulturstunde" eigenmächtig änderten, um einem unb eliebten Pauk er ein s auszu wisch en . Höh epu nkte: Man tru g ein hu moresk es Poem von Christian Morgenstern vor, in welch em auch ein auf ein er Mauer h oc k en d er M op s v o rk o m m t ( wa s e i n e a n k la g en d e An s p i e lu n g a u f d i e B er li n e r M a u er gewes en s ei ), und di e „In t ernat i ona le" („Völk er, h ört di e S i gna le"), das Ka mp f li ed d er i n t ern a t i on a len k om m u ni s t i sc h en B ewe gu n g, wu r d e von d e r Kla s s e n i c ht wi e l e h r p l a n m ä ß i g v o r g e s e h e n a u f D e u t s c h , s on d e rn i n en g l i s c h e r S p r a c h e a n g e s t i m m t (wa s „p rov ok a n t " gewes en s ei , wei l es s i c h d ab ei gem ä ß S E D -Di k t i on u m

die „Sprache des Klassenfeindes" gehandelt habe).
Di e von 150 %i g Li ni ent reu en d es Leh rins titut s ein ges cha lt et e S tas i s oll d er „Au f s t a n d s f ü h r e r i n " An g e l a Ka s n e r d a r a u f h i n „ b e i n a h e " d e n w e i t e r e n L e b e n s w e g — d a s Ab i t u r , d a s S t u d i u m u s w. — v e r m a s s e l t h a b e n . Di e B et o n u n g l i e g t a u f „ b e i n a h e". Den n Va t er Hors t Ka s n er li eß s ei n e e xz e ll en t en B ez i eh u n gen b i s „h och hi nau f " in B erlin (Os t ), Haup t stadt d er DDR , spi elen — unt er E in scha ltun g au ch d es ih m gu t b ek annten Ch efju risten d er Kirch e im Arb eiter - und Bau ernstaat, d es s p ä t e r en b r a n d en b u rgi s c h en S P D - M i n i s t e rp rä s i d en t en u n d B u n d es m i n i s t e rs M a n f r e d S t o l p e . E r g e b n i s : Di e S t a s i v e r l o r d i e Kr a f t p r o b e m i t d e r Ka s i . D e r Ku l t u r s t u n d e n e k l a t b l i e b o h n e K o n s e q u e n z e n f ü r d i e P a s t o r e n t o c h t e r . M e r k e l - B i o g r ap h i n S c h l e y f i n d et , d i es s ei „ e i n we i t e r es In d i z fü r Ka s n ers An s eh en u n d s e i n en Einfluss im DDR-System". D i s z i p l i n a r m a ß n a h m e n g a b e s d a n n a b e r d o c h n o c h . B e t r o f f e n wa r d e r L e h r e r , d en d i e Kl a s s en - Kä m p f er u m Ka s i & C o. a u f d em Ki ek e r h a t t en . W e i l e r p ä d a g o gisch versagt habe, wurde er der Schule verwiesen.
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Ta t s a c h e j ed en fa lls i s t , da s s An g ela Do rot h ea Ka s n er 1 9 61 i n d er Tem p li n er Goe t h e - S c h u l e e i n g e s c h u l t wu r d e u n d s p ä t e r d i e n a c h H e r m a n n M a r t e r n , e i n e m a l t k om m u n i s t i s c h en S p i t z en g en o s s en d e r S E D (u . a . wa r e r Vi z ep rä s i d en t d er D DR „Vo lk s k a m m er"), b en a n nt e E rwei t ert e Ob ers c h u le (E OS ) b e s u c h en k onn t e; wob ei zu b erü cks ichti gen is t, da ss in d er DDR da ma ls c a. 85 P rozen t d er Alt ers gen oss en An g ela s d i e E OS - Zu la s s u n g ver weh rt b li eb , n u r rela t i v wen i ge es i h r a ls o gl ei c h t u n u n d a u f d i e we i t e r f ü h r e n d e L e h r a n s t a l t w e c h s e l n k o n n t e n . M a n w e i ß , d a s s Fräulein Kasn er, P farrerstochter und Thälmannpi onierin, am 3. Mai 1970 in der St. M a ri a -M a gda len en - Ki rc h e zu Tem p li n von S up eri n t en d ent Ha n s -Ge org S c h ra m m k on fi r m i ert wu rd e. B e l egt i s t wei t e r, d a s s An ge la Ka s n er n a ch i h rer Z ei t b ei d en J u n gen P i on i eren , d en en s i e als Z wei t k lä s s l eri n b ei get r et en wa r, i m Alt er von 1 6 J a h r en M i t g li ed d er s t a a t li c h e n k om m u n i s t i s c h en J u g en d or g a n i s a t i on F DJ wu rd e ( r und 55 Prozent a ller jun gen DDR -Deut sch en wa ren d ama ls m it dab ei ), wob ei si e „nach Erinnerung von Mitschülern in der FDJ in ihrer Klas s e ,führend' wa r” sowie „ Fu n k ti on en in i h rer FDJ- Gru p p e üb ern ah m " (La n ggu t h ) u nd au ch „wi e a l le a n d e r en wä h ren d d er F eri en i n Uniform ü b t e un d di e S c hu l -Na c hm i t ta ge a u f FDJ - Tr effen verbrachte" (Bärtels, „Angela Merkels Kindheit in Templin"). T a t s a c h e i s t we i t e r , d a s s „ Ka s i " i n d e r n e u n t e n Kl a s s e z u r B e l o h n u n g f ü r a u ß e r ge wöh n li c h gut e E rgeb n i s s e i m Fa c h R u s si s ch un t er d er of fi zi el l en Los u n g „M a r xi s t i s ch -len i n i s ti s ch e W elt a n s c h au un g i s t d a s fes t e Fu n d a men t d er Fr eu n d s ch a ft " anlässlich des 100. Geburtstages Lenins zur Internationa len „Russisch -Olympiade" a u f S t a a t s k o s t e n n a c h M o s k a u r e i s e n d u r ft e . Üb e r l i e f e r t i s t f e r n e r , d a s s An g e l a M erk el „fü r h erv orra g en d e ge s el ls c h a ft li c h e un d sc hu li s ch e Lei s t u n gen " n a ch d er z e h n t e n Kl a s s e u n d s p ä t e r d a n n e i n z we i t e s M a l d i e L e s s i n g -M e d a i l l e i n S i l b e r verli ehen bekam. Fakt ist schließlich, dass die Kasner - Tochter 1973 als Jahr g a n g s b e s t e i h r Ab i t u r a u f d e r E O S b a u t e u n d s o g l e i c h Z u g a n g z u m S t u d i u m a n d er R en ommi erh ochs chu le d er DDR erhi elt, d er Leip zi ger Ka rl -Ma rx - Uni versitä t, s i e a l s o n a c h An s i c h t d e r V e r a n t w o r t l i c h e n d e n o f f i z i e l l e n „ An f o r d e r u n g e n a n d e n S t u d i e n b e we r b e r " e n t s p ra c h , d i e a u c h f ü r d a s F a c h P h ys i k , f ü r d a s s i e s i c h e n t s c h i ed , g a lt en : „ Di e B e we r b er m ü s s en d u rc h i h r e b i s h e ri g en Le i s t u n g en d ok u mentieren, dass sie fähig und bereit sind , sich für unsere sozialistische Gesell s c h a f t s o rd n u n g e i n z u s e t z e n . S i e s o l l e n s i c h d u r c h s o z i a li s t i s c h e s B e wu s s t s e i n , ges el ls c h a ft li c h e Ak t i vi t ä t , u nt a d eli ges V erh a lt en , gu t e Al lg em ei n b i ld un g u nd ge festigtes politisches Wissen auszeichnen."

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Um Albert Einstein zu begreifen ...
„Der Ged ank e, d en väterlichen Beru f zu ergreifen , kam ih r nicht in d en Sinn, a u c h wen n i n d e r D DR vi e l e P fa r r e rs k i n d er d en W e g i h r es V a t e rs ei n s c h lu g en ", s c h r ei b t La n ggu t h i n s ei n er An g e l a - M e rk e l- B i o g rap h i e. W a ru m n u n a b e r g e ra d e d a s P h ys i k -S t ud iu m ? Fra u M erk el erlä u t ert e wei t i m Na c hhi n ei n — i m S ept em b er 2 00 5 un d sc hi ck zu m E in s t ein- J a h r p a s s en d (5 0. Tod es t a g d es B erü h m t en ) — di e H i n t er g rü n d e i h r es E n t s c h lu s s e s i n ei n em In t e r vi e w m i t d e m M a ga zi n „C i c e r o " : „ P rä g en d en E i n f lu s s a u f m i c h h a t s i c h e r li c h a u c h Al b e rt E i n s t ei n g eh a b t , d e r j a viel meh r war als nu r ein b rillan ter Wissen schaftler. Wie b ei and eren groß en P h ys i k ern a u ch , zu m B ei sp i el We rn er Hei s en b erg u n d Ca rl - Fri ed ri c h von Wei zs äc k er, fü h rt e b ei E i n st ei n d i e wi s s en s c h a ft li ch e Au s ei n a nd ers et zu n g m i t elem en t aren Prinzipien der Schöpfung zu sehr anregenden philosophischen Ansätzen." B i ogra p h Wolf ga n g S t oc k über An g ela M erk els Fa k u lt ä t s en t s ch ei du n g von 19 73 : „ S i e i n f or m i e rt s i c h b ei B ek a n n t en ü b e r a n d e r e s t a a t s f e rn e S t u d i en fä c h er u n d e rwä rmt sich für Ph ysik. , Für Einsteins Relativitätstheorie habe ich mich intensiv int e r e s s i e r t , a l l e r d i n g s m e h r a u s p h i l o s o p h i s c h e r S i c h t . ' S i e e n t s c h l i eß t s i c h , d i e Hera u s ford e ru n g a n zun eh m en ." M erk el i m Ges p rä c h m i t Hugo M ü lle r- V ogg : „ Ic h wo l l t e d i e E i n s t ei n ' s c h e R e la t i vi t ä t s t h e o ri e v e rs t eh en , wo l l t e b e g r ei f en , wa s d i e Le u t e u m R ob e rt Op p en h ei m e r , d i e d i e At o m b o m b e g eb a u t h a b en , d a c h t en . Un d vieles mehr." Der 1879 in Ulm geborene, zunächst für eine Zeitlang in die Schwe iz, später dann für immer nach den USA ausgewanderte Albert Einstein hatte unter Hinw e i s a u f Ge f a h r e n , d i e Am e r i k a d u r c h D e u t s c h la n d d r o h e n wü r d e n , d e n U S - P r ä sidenten Roosevelt schon am 2. August 1939 zum Bau einer Atombomb e aufgef ord ert — ei n en M on a t vor Kri egs a u s b ru ch in Eu rop a , zwei ei n vi ert el J a h re v or o f f i z i e l l e r K r i e g s b e t e i l i g u n g d e r V e r e i n i g t e n S t a a t e n v o n Am e r i k a ( D e z e m b e r 1 9 4 1 ) . Na c h d e m R o o s e v e l t i m O k t ob e r 1 9 3 9 s e i n O k a y e r t e i l t h a t t e , wu r d e d a s At om b om b en vo rh a b en (Dec kna m e: „M a n h at t an P roj ec t ") u nt er Lei t u n g von J . R ob e rt Op p en h ei m e r v e r wi rk li c h t . Im Au gu s t 1 9 4 5 k a m es s c h li eß li c h zu m E i n s a t z d es e i g en t li c h d en D eu t s c h en z u g ed a c h t en M a s s en v e rn i c h t u n gs m i t t e l s g e g en d i e jap ani sch e Zi vi lb evölk erun g: Di e US- At omb omb en ford ert en Hund ert taus end e Op fer in Hiroschima und Nagasaki. D i e t i e f e V e r s t r i c k u n g E i n s t e i n s u n d O p p e n h e i m e r s , b e i d e v o m F a c h P h ys i k , i n d a s At om b om b en p roj ek t d er US- R egi eru n g zei gt b es on d ers d eu t li ch , wi e z wei f e lh a ft d i e B e h a u p t u n g i s t , d i e b e s a g t e W i s s e n s c h a ft s e i „ s t a a t s f e r n " . An g e l a M e rk e ls B ru d e r M a rc u s , a u c h er P h ys i k er , wa r — wi e b e r ei t s e r wä h n t — S t i p en d i a t der Sowjets am Atomzentrum Dubna bei Moskau, welches dem Staate zweifellos 39

besonders nahe stand; interessanterweise kam er nach der Wende in den Ge n u s s e i n e s U S -S t i p e n d i u m s . S c h l i e ß l i c h An g e l a M e r k e l s e l b s t : W a s s i e a m O s t b erli n er P h ys i k a li s c h en Zen t ra li n s t it ut Ad le rs h of a b 1 9 78 m i t ih ren Kol l eg en a u s z u t ü f t e l n h a t t e , wa r v o n d en k o m m u n i s t i s c h e n M a c h t h a b e rn u . a . d a z u g e d a c h t , d em S E D -S t a a t u nd au ch d er Ud S S R wi rt s c h a ft li ch e Vort ei le d u rc h n eu a rt i ge M e t h o d e n d e r V e r w e r t u n g s o w j e t i s c h e n E r d g a s e s i n d e r c h e m i s c h e n In d u s t r i e z u verschaffen . Und in d er Ein leitun g d er M erk el - Dissertation von 1986 hieß es: „ D i e K o h l e n wa s s e r s t o f f w a n d l u n g b e i h o h e n T e m p e r a t u r e n i n Ab w e s e n h e i t v o n S au er st off (Th erm olys e, P yrol ys e, P la s m olys e) i st gegen wä rti g und sich er auch in Zukunft von hoher volkswirtschaftlicher Bedeutung." In d e r D o k t o r a r b ei t g i n g e s n i c h t z u l e t z t d a ru m , wi e d i e Z e r f a l l s r e a k t i on e n b e i d er Abfa llen ts orgun g volks wirt scha ft lich zu nu t zen s ei en, di e DDR s ozu sa gen au s D r e c k Ge l d m a c h e n k ön n e . An g e l a M e r k e l k o n n t e i n d i e s e r F r a g e d e m Ar b e i t e r und Bau ernstaat letztlich d och k ein e entsch eid en d e Hilfestellun g leisten . Der Wi s s en s c h a ft s pu b li zi s t Ulri c h S c h na b el n ot i ert e i n d er „ Ze i t " vom 1 4 . J u li 2 00 5 : „Hä u f i g wi rd An ge la M erk e l m i t Ma rga ret Th a t c h er v erg li c h en , d i e a ls ers t e Fra u u n d Na t u r wi s s en s c h a ft l e ri n d e n S p ru n g a n ei n e R e gi e ru n gs s p i t z e s c h a fft e . . . B e v o r T h a t c h e r z u r E i s e r n e n Ka n z l e r i n a u f s t i e g , b e g l ü c k t e s i e a l s C h e m i k e r i n d i e B rit en mit d er En t wick lun g d es S oft ei s. Ein s olch er E rfolg bli eb An gela M erk el in der Wissenschaft versagt. Das Resultat ihrer Arbeit fällt eher bescheiden aus."

„Was ist sozialistische Lebensweise?"
An g ela M erk e l s t u d i ert e v on 1 97 3 bi s 19 78 P h ys i k a n d er Ka r l-M a rx -Un i ve rs i t ä t . Di e Hoc hschu le in Lei p zi g wa r 1409 von Akad emik ern d er üb erhaupt ä lt est en d eu t s c h en Un i v e r s i t ä t , d e r P ra g e r, g e grü n d et wo rd en . Im Z we i t en W e lt k ri e g wu r den 80 Prozent der Leipziger Leh r - und Fo rschungs einrichtungen sowi e 70 Prozent d es B ib li oth eksb estand es du rch Lu ftan gri ffe d er „B ef rei er" verni cht et . Zah lreich e wi s s en s c h a ft li ch e Kor yp h ä en d er Un i vers i t ä t Lei p zi g k a m en i m B om b enk ri eg u m od er fielen sonstigen alliierten „Befreiun gs" - Aktion en zu m Op fer. Am 5 . M ai 1 95 3, d em 13 5 . Geb u rt s t a g von Ka rl M a rx, e rfo lgt e d i e Ta u fe d er Un i vers i t ä t a u f d e n N a m e n d i e s e s a u s d e r T a l m u d g e l e h r t e n -F a m i l i e H i r s c h e l h a - L e v i s t a m m e n d en B e g rü n d er s d e s Kom m u n is m u s . Da s h a t m a n 1 9 9 1 rü c k g ä n gi g g em a c h t . S ei t dem lautet der offizielle Name wieder, wie früher: Universität Leipzig. Au c h hi n si c ht li ch An gela M er k els Un i vers i t ä t s zei t k u rsi ere n in M ed i en E rzä h lu n g e n ü b e r A k t e d e s „ W i d e r s t a n d s " b z w. d e r W e i g e r u n g , s i c h d e m r o t e n R e g i m e zu unterwerfen. Merke! selbst stellt herau s, maßgeblich an einer zweimal die W o c h e v e r a n s t a l t e t e n „ D i s k o" i h r e r F a k u l t ä t b e t e i l i g t g e w e s e n z u s e i n , b e i we l 40

c h e n Ge l e g e n h e i t e n s i e „ a l s B a rd a m e " d i e v o n i h r b e s c h a f f t e n Ge t r ä n k e , v o r a llem „Ki rsch -Whisk y", profitabel verkauft habe. Angela Merkel wi ll dies irgend wi e a ls i h r früh es B ek en nt ni s zu r M a rkt wi rt s c h a ft m i tt en im rea l exi s t i er en d en S ozi alismus verstanden wissen. Di e a ls C DU- n a h gelt en d e C hefi n d es Al l en s b a ch er M ei nu ngs fors c h u n gs i n s ti tu t s , P r o f . D r. E li s a b et h N o e l l e, m e i n t e es v e rm u t li c h b e s on d e r s gu t m i t d e r V o rs t eh er i n d er C h ri s t d e m ok ra t en , a ls s i e a m 1 7 . N o v em b e r 2 0 0 4 i n d e r „ F ra n k fu rt e r Al lgem ei n en " u nt er d er S c h la gze i le „S i e gi lt a ls k lu ge Fra u " ü b er M erk els Lei p zi ge r S t u di u m i n di e W elt s et zt e: „ Ab e r d i e ei gen t li c h vorg es c h ri eb en en m a rxi s t i s ch en B e g l e i t k u r s e b e s u c h t e s i e n i c h t . " M e r k e l s e l b s t s t e l l t i h r e T e i l n a h m e a m ob l i g atorischen marxistisch -leninistischen Ausbildungsprogramm d er Universität nicht in Ab r e d e . Al l e r d i n g s f ü h r t s i e f ü r s i c h i n s F e l d , d a s s i h r e A b s c h l u s s a rb e i t i n M a r xi s m u s -Len i n i s m u s zu m Th em a : „ Wa s i s t s ozi a li s t i s ch e Leb en s wei s e ?" s ei n er zei t „ v i e l K r i t i k g e e r n t e t " h a b e — we i l „ z u v i e l ü b e r d i e B a u e r n u n d z u we n i g ü b e r die Arbeiterklasse" enthalten gewesen sei. N a c h p r ü f b a r i s t d a s n i c h t . D e n n d i e s c h r i f t l i c h e n A r b e i t e n An g e l a M e r k e l s i m universitären Pfllichtfach Marxismus- Leninismus sind samt und sonders irgend wie p e r d u g e g a n g e n , g e l t e n j e d en f a l l s a l s n i c h t m e h r a u f fi n d b a r . Au c h i h r E l a b o r a t „Wa s i st s ozia li sti sch e Leb en swei s e?" i s t — s o Mü ller- Vogg — „i n d en Ak ad emi eAk t en nicht m eh r zu find en ". Fra u M erk el m acht gelt end , üb er k ein erlei Abs chrift o d e r Ko p i e z u v e r f ü g e n . Au c h P r o f . La n g g u t h s c h r e i b t i n s e i n e r 2 0 0 5 e r s c h i e n e nen Biographie der CDU- Chefin: „Bislang ist keine jener Arbeiten Angela Mer k els zu Fragen des Marxismus-Leninismus aufgetaucht." N a c h Ab s c h lu s s i h r e s S t u d i um s (Di p l o m : 1 9 7 8 ) e rh i e lt An g e la M e rk e l „ ei n e d e r begehrtesten St ellen an der Akademie d er Wissenschaften, der zentralen For s chun gsakad emi e d er DDR, und zwa r a m Zent ra lins titut für Ph ys ik a li sch e Ch emi e ( Z IP C ) ", wi e ih re Bi ographin S ch ley s ch reib t. Am ZIP C , B erlin- Ad lersh of, gab es d a m a l s a l l e s i n a l l e m ru n d 6 0 0 M i t a rb ei t er . An g e la M e rk e l wi rk t e i n ei n em B ü r o i m „Di en s t geb ä ud e 2 .1 4 ". Ih r Fa c h geb i et wa r d i e Qu an t enc h em i e. S c h le y wei t er: „ D i e M i t a r b e i t e r d e r Ak a d e m i e g e n o s s e n i n d e r a n g e b l i c h k l a s s e n l o s e n G e s e l l schaft d er DDR gewisse Freih eiten und verfü gten üb er ein en im Vergleich zur d u r c h s c h n i t t li c h e n D D R -B e v ö l k e r u n g g e h o b e n en L e b e n s s t a n d a rd . " D a s M on a t s g e h a l t d e r u n v e r h e i r a te t e n u n d k i n d e r l o s e n P h ys i k e r i n l a g z u l e t z t b e i we i t ü b e r du rch schnit t lich en 1012 Ma rk. M erk el -Bi ographin B oys en : „Au f Kon gres s en , zum B ei s p i e l b ei d en r e g e lm ä ß i g a b g eh a lt en en Arb ei t s t a gu n g en d er Qu a n t en c h em i k e r im Ostseeb ad Küh lun gsb orn, wo auch die jun ge Gru nd lagen forsch erin An gela M e r k e l i h r e Ar b ei t d e r F a c h öf f en t li c h k ei t v o rs t e l l t e, t ra f en s i c h Wi s s en s c h a ft l e r unterschiedlicher Nationalität ... Angela Merkel hatte diverse Male Gelegenheit, 41

lä n ger e Zei t a m H e yr ovs k y- In s t it ut an d er Ak a d em i e d er Wi s s en s c h a ft en i n P ra g zu arbeiten." Au c h b e zü g li c h An g e la M e rk e l s W i rk en a m In s t i t u t Ad l e rs h o f d e r Ak a d e m i e d e r W i s s en s c h a ft en b e g e gn et m a n i n B i o gra p h i en g e l e g en t li c h H i n wei s en a u f a n g eb l i c h wi d e r s t ä n d l e r i s c h e b z w. wi d e r s p e n s t i g e H a n d l u n g e n d e r P o r t r ä t i e r t e n . S o h ei ß t e s b ei E v e l yn R o l l ü b er d i e Ge wi e ft h ei t en d er An g e la M erk e l, s i c h a n o f fi z i e l l en P rop a ga n d a -V e ra n s t a lt u n g en , wi e e t wa d en 1 . M a i -D e m on s t ra t i on en , v orb ei zu m o g e ln : „S i e h a t s i c h ge d rü c k t , wa n n i m m e r e s gi n g, h a t s t a t t d e s s en li eb e r b ei m Tellera b wa sch geh olfen i m R atsk eller Köp enick od er — gan z li sti g — ein en R ec h n ert a g ei n gel egt a m In s t i t u t sc om p ut er. " (R ol l h a t ü b rigen s , li s t i ger wei s e, i hr e r M e r k e l- B i o g r a p h i e e i n e n A u s s p r u c h v o n M a x F r i s c h v o r a n g e s t e l l t : „ J e d e r Mensch erfi ndet sich früh er oder spät er ein e Geschichte, die er für sein Leb en hält. Oder eine ganze Reihe von Geschichten.")

Agitation in der blauen Bluse
W a s n u n d i e La u f b a h n v o n A n g e l a M e r k e l i n d e r „ F r e i e n D e u t s c h e n J u g e n d " b et r i f f t , d er DDR- S t a a t s ju gen d orga n i s a ti on , wi ll m a n wei s m a c h en , d a s s s i e di e E nt s c h e i d u n g z u m M i t m a c h e n n i c h t , wi e e i n S c h u l f r e u n d s i c h e r i n n e r t , „ s e l b s t u n d g a n z v o n s i c h a u s g e t r o f f e n " h a b e u n d a u c h n i c h t e t wa „ g l ü h e n d e F D J - Ak t i v i st i n " ( „ B e r l i n e r M o r g e np o s t " , 1 8 . S e p t e m b e r 2 0 0 5 ) g e we s e n s e i , s on d e r n d a s s e s s i c h b e i i h r e m B e i t r i t t a l s S e c h z e h n j ä h r i g e — ä h n l i c h wi e z u v o r b e i i h r e m An schluss an die Jungen Pioniere — um „ein Schutzprogramm" gehandelt habe. S p rich : FDJ -Gen os sin s ei An gela M erk el nu r zu r Ta r nun g gewes en . Und Bi ograph Wolfgang Stock tischt folgende Geschichte über das angeblich jähe Ende des „S chut zp rogram ms " au f: „Nach ein er FDJ -Weihn acht sf ei er gibt es Krach, wei l si e d a s c h r i s t li c h e Li ed , E s i s t e i n R os ' en t s p ru n g en ' a n g e s t i m m t h a t . Da m i t i s t M e r kels FDJ-Karriere schnell beendet." N a c h g e wi e s e n i s t , d a s s An g e l a M e r k e l n i c h t n u r a l s J u g e n d li c h e , s on d e r n a u c h n o c h — a b 1 9 7 8 — a l s e r wa c h s e n e V o l l a k a d e m i k e r i n a n d e r Ak a d e m i e d e r W i s s en s c h a ft en d e r DDR , wo m a n lä n g er a l s i n a n d er en B e r ei c h en , n ä m li c h b i s zu m 30. Lebensjahr, der FDJ angehören konnte, bei den roten Blauhemden rührig wa r . B e i Hu g o M ü l l e r - V o g g, M e rk e ls H o fb i o gra p h en , r ed uz i e rt s i c h d a s a u f „ ei n k l ei n es P ös t c h en a l s F DJ -Ku lt u rb e a u ft ra gt e a m In s t i t u t ". An g e l a M e rk e l s ei g en e E rk lä run g zu ih ren Ad lersh ofer FDJ -Ak t i vitä t en : „Ic h hab e Th eat erka rt en b es orgt , B u c h l es u n g en o rga n i s i e rt , z. B . d i e B ü c h e r j ü n g e r er s o wj et i s c h er S c h ri ft s t e l l e r, V o rt rä g e. Au c h a l l e s , wa s z wi s c h en d en Z ei l en k ri t i s c h g eg e n ü b er d e r D DR wa r, h a t u n s i n t e r e s s i e r t . " W o l f g a n g S t o c k z u m T h e m a An g e l a M e r k e l u n d d i e F D J : 42

„Aus der Einstellung, ,etwas für den Menschen tun zu wollen', lässt sich ihre FDJ-Arbeit erklären. Sie sieht diese Mitgliedschaft als Möglichkeit zur Organisation von kulturellen und sportlichen Veranstaltungen sowie als Hilfeleistung bei sozialen Problemen, nicht als politische Arbeit unter jungen Menschen.” Spätestens hier aber wird es denn auch Biographin Evelyn Roll zu bunt: Angela Merkel habe, betont sie, „als Schülerin das blaue Hemd einer Organisation getragen, die in der Bundesrepublik als verfassungsfeindlich erklärt war" (gemeint ist die FDJ); auch sei Merkel, wie es bei Roll weiter heißt, „tatsächlich FDJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda an der Akademie der Wissenschaften" gewesen. Biographin Jacqueline Boysen hält fest: „Angela Merkel übernahm ganz selbstverständlich eine Funktion im Sekretariat der FDJ- Grundorganisation an ihrem Institut. Zwang oder Überredung waren nicht notwendig ... Während Kollegen von damals sich an Angela Merkel in der Position der FDJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda erinnern, beschreibt sie selbst ihre damalige Aufgabe in der staatlichen Jugendorganisation als die einer Kulturfunktionärin." Seit Anfang 1984 dann sei „die Doktorandin nicht mehr in der FDJ- Leitung aktiv" gewesen, „um sich ungestört auf ihre Dissertation zu konzentrieren", teilt Boysen weiter mit. „Professor Hans- Jörg Osten war mehrere Jahre lang der FDJ- Sekretär am Institut, Merkels FDJ- Chef also gewissermaßen", fährt Evelyn Roll fort. Sie zitiert einen Bericht Ostens, demzufolge Angela Merkel sich „vor allem um das so genannte Studienjahr zu kümmern hatte, eine monatliche Zwangsveranstaltung zur politischen Weiterbildung". 2001 wurde Prof. Osten hinsichtlich Angela Merkels FDJ-Aktivitäten von „rbb-online" wie folgt zitiert: „Sie hat sich da sehr engagiert Wir waren auch zusammen im Ferienlager, sie hat die älteste Mädchengruppe betreut." Prof. Langguth wiederum schreibt in seiner Merkel-Biographie von 2005: „Osten kann sich nicht an die genaue Funktion seiner damaligen Kollegin erinnern, wohl aber daran, dass sie in dem vier- bis fünfköpfigen Leitungskreis unter anderem für das ‚Studienjahr' verantwortlich war — worunter ,politische Bildung' und die Vermittlung des Marxismus-Leninismus verstanden wurde." Zu Beginn ihrer Karriere als Bundesministerin übrigens hatte Angela Merkel in einem Interview mit der „Ostsee- Zeitung" geäußert. „Wir müssen lernen, über unsere eigene Vergangenheit zu sprechen. Wenn ich heute durch die neuen Bundesländer reise, habe ich den Eindruck, dass niemand in der Gewerkschaft, der Partei oder der FDJ war. Es gibt nur den Schrei nach vier oder fünf Leuten, die man an der Fahnenstange hängen sehen will."

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Mit der Stasi in Büro und Hausflur
Im Physikalischen Zentralinstitut der Akademie der Wissenschaften arbeitete An gela Merkel Schreibtisch an Schreibtisch mit Frank Schneider, der auf den Spitznamen „Schnaffi" hörte und sich später als langjähriger Zuträger des Ministeri ums für Staatssicherheit entpuppte (IM „Bachmann"). Merkel-Biographin Boysen: „,Schnaffi' berichtete seinem Führungsoffizier, dass die Kollegin Merkel eine ,saubere politische Haltung' vertrete. Sie wäre nach ihren eigenen Aussagen we niger von ihrem kirchlichen Elternhaus geprägt als vielmehr durch Schule und Studium, würde sich Argumenten zugänglich zeigen und offen ihre Meinung sa gen. Haltung und Handlungen — so die Beobachtung des IM — stimmten bei ihr überein." IM Bachmann alias Schneider alias Schnaffi schnüffelte bis in den Intimbereich der Auszu forschenden hin ein. Er gab bei der Stasi u. a. von ihm registrierte „mehrere Liebschaften" zu Protokoll und dass er gelegentlich einen der Liebhaber nur im Bademantel bekleidet in der Wohnung seines Ausspähungsopfers vor gefunden habe. Zugleich betonte er, dass Angela Merkel über eine „politisch po sitive Grundeinstellung" verfüge. Wenn nun Prof. Langguth den Eindruck gewonnen hat, dass Frau Merkel in der DDR „ihr Engagement nie so weit trieb, dass auch nur ein Hauch einer wirk lichen Opposition spürbar gewesen wäre", so lässt sich jedenfalls ziemlich sicher sagen, dass die Stasi tatsächlich keinen Hauch verspürte. In diesem Zusammenhang bleibt nachzutragen, dass Angela Merkel 1992 von einem Stasi- Anwerbeversuch berichtete, der sich 1978 abgespielt habe. Geschehen sei es, als sie sich um eine Forschungsstelle an der Hochschule in Ilme nau beworben h ab e. Z wei Agen te n d es M fS h ätten si e in ei nem Treppenhaus der Hochschule eine halbe Stunde lang bedrängt. Sie aber habe das Duo abblitzen lassen und schließlich mit der Drohung vertrieben, dass sie den Versuch, sie als Spitzel zu keilen, an die große Glocke hängen werde. Jacqueline Boysen schreibt dazu in ihrer Merkel-Biographie von 2005: „,Bild' und ,BZ' schmückten die Details zu diesem Anwerbungsversuch der Stasi weidlich aus: Scheinwerfer hätten die gnadenlosen Offiziere auf Angela Merkel gerichtet — ein für Anwerbungsversuche im Treppenhaus einer Hochschule wohl doch eher untypisches Szenario. In den Akten der Behörde des Bundesbeauftragten für die Unterlagen der Staatssicher heit wiederum, wo ein solcher Vorgang üblicherweise Spuren hinterlassen hätte, finden sich darauf bislang keine Hinweise." Recherche ist hier übrigens beson ders schwierig: „Angela Merkel lässt keinen Einblick in die Stasi- Unterlagen zu." (Langguth).
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M a t t h i a s Kr a u ß , d e r p o l i t i s c h l i n k s a n g e s i e d e l t e B i o g r a p h v o n An g e l a M e r k e t , m a c h t s i c h we g en i h r er W e s t r e i s e 1 9 8 6 ei n i g e Ge d a n k en : „ M i t 3 2 d u r ft e An g e la M erk el zu r Hoc h zei t i h rer C ou s in e n a ch Ha mb u rg. Ob woh l s olc h e R ei s en vi e l öf ter stattgefunden haben, als man heute gemeinhin annimmt — eines jedenfalls war n icht alltäglich : Dass ein e jun ge, geschied en e und kind erlose Ostb erlin er Ak a d e m i e wi s s e n s c h a f t l e r i n m i t k i r c h l i c h e m E l t e r n h a u s 1 9 8 6 b e i n a h e m i r n i c h t s d i r n i c h t s n a c h H a m b u r g f u h r . N i c h t z u m B ru d e r o d e r z u d e n E l t e r n . N i c h t z u m O n k e l o d e r z u d e n G r o ß e l t e r n . N e i n , z u V e r wa n d t e n d ri t t e n Gr a d e s , wi e d a s d am a l s h i eß . Zu d i es e m u n g eh eu r en V e rt ra u en s b e we i s k a n n m a n i h r i m Na c h h i n e i n n u r n oc h g ra t u li e r en . Un d An g e l a M e rk e l h a t d a s i n s i e g es e t zt e V ert ra u en n i c h t enttäuscht." Übrigens wei lt e Angela Merk el wenige Ta ge vor dem Mauerfall 1989 erneut in Hamburg, diesmal zum 85. Geburtstag ihrer Großtante Emilie („Tante Emmy"(.

Moskauer Nächte/California Dreamin'
Einen vielleicht noch bemerkenswerteren „Vertrau ensbeweis" ab er brachte die DDR d em lan gjäh ri gen Leb ens gefäh rt en An gela M erk els, P rof. Dr. J oach im Sau er, en t geg en , d er s ei t 1 9 98 ih r zwei t er E h ega t t e i s t . B i ogra p h La n ggu t h : „ In t ere s s a n t i s t , d a s s S a u e r n oc h zu r DDR- Z e i t , n ä m li c h 1 9 8 8 u n d 1 9 89 , fü r i n s g e s a m t s ec h s M onat e ein Forschun gsau fentha lt b ei P rofes s or R einha rd Ahlri chs vom In s titu t fü r Physikalische Chemie der Universität Karlsruhe genehmigt wurde." Einen „Dank an Dr. Joachim Sauer für kritische Durchsicht des Manuskriptes" e n t h i e l t An g e l a M e r k e l s a m 8 . J a n u a r 1 9 8 6 b e i d e r Ak a d e m i e d e r W i s s e n s c h a ften der DDR, Zentra linstitut für Ph ysikalische Chemi e, P rofess or Dr. Lut z Zü licke, ein gereicht e Arb eit zu r E rlangun g d es Dokt orgrad es d er Natu rwi s s ens cha ft en (Dr. rer. n a t . (. Di e ei n hun d ert d reiu nd fün fzi g S c h rei b m a s ch in ens ei t en u m fa s s en d e Di ssertationsschri ft trug den Tit el: „Unt ersuchung des M echanismus von Zerfa lls reak ti on en mit ein fach em Bindun gsb ruch und B erechnun g ih rer Ges ch windi gk eit s konstanten auf der Grundlage quantenchemisch er und statistischer M ethoden ". Der Dank d er Dokt orandin für Du rch sicht sdi en st e ga lt „j enem J oachi m Sau er, d er ihr guter Freund und damals noch verheiratet war und den sie 13 Jahre später selbst heiraten sollte". (Nicole Schley(. Üb er S a u er s p ä t er m eh r. Nu r ei n es s c h on vor weg : S ei n ra d i k a ler Ta p et en wec h s el k u rz n ach d em M au erfa l l — von Os t b erli n n a c h S an Di eg o/ Ka li forn i en — k ön n t e auch von Einfluss auf den Paradigmen wechsel zugunsten der USA b ei Merk els V o r m a c h t -V o r l i e b e g e w e s e n s e i n . L a n g e n ä m l i c h wa r s i e v o n d e r S o w j e t u n i o n hingerissen. So liest man bei ihrer Biographin Boysen: „Angela Merkel hatte seit 45

ihrer Schulzeit ein Faible für die Sowjetunion und nahm begeistert am Aus t a u s c h p r o g r a m m d e r Ak a d e m i e d e r W i s s e n s c h a f t e n t e i l . " D i e s e s „ F a i b l e " h a t t e sie b eispielsweise auch zu ein er woch en la n gen „Tramp - Tou r" 1983 du rch die Uni on d er S ozi a li sti sch en S owj et repub lik en veran la ss t, di e bi s nach B aku a m Ka s p i s c h en M e er fü h rt e. Au ß e rd em s ei es , s o d a s „M u n zi n g e r - Ar c h i v ", An g e la M e r kels „ursprünglicher Berufswunsch" gewesen, Lehrerin für Russisch zu werden. Als n un ab er ih r Leb en sgefäh rt e Dr. Sau er, ein e Kor yp hä e au f d em Geb i et d er ch emi sch en Fors chun g in d er DDR, Fa ch gebi et : Zeoli th e, 1990/91 a ls h och d oti er ter Deputy Technical Director bei Bios ym Technologi es Inc. im kalifornischen San Di ego wi rk en k onnt e, st i eg An gela M erk els Am erikab egeis terun g in st ei le Höh en. Seither auch ist speziell Kalifornien erklärtermaßen ihr „Traumland". La n ge b evor ihr Ca li forni a Drea min ' b egann, a ls o n och in Zei t en, a ls si e eh er von M o s k a u e r N ä c h t e n t rä u m t e , h a t t e An g e l a Ka s n e r 1 9 7 7 i n e r s t e r E h e U l r i c h M e r k el, ein en Kom mi lit on en an der Fa ku ltät fü r Ph ys ik d er Univers itä t Lei p zi g, geh ei ratet. Die b eiden waren sich bei gemeinsamer Teilnahme an einem Studenten a u s t a u s c h m i t d e r S o wj e t u n i o n n ä h e r g e k o m m e n . D i e R e i s e h a t t e n a c h M o s k a u und Leningrad geführt. Ulrich M erk el stammt au s dem thü rin gisch en Vogtland . Sein em Vater geh örte d o r t , b i s e r v o n d e n Ko m m u n i s t e n e n t e i g n e t wu r d e , e i n m i t t e l s t ä n d i s c h e r T e x t i l b e t r i e b . D i e k i r c h l i c h e T r a u u n g An g e l a K a s n e r s m i t U l r i c h M e r k e l f a n d i n d e r Geo rg en -Ka p el le zu Tem p li n s t a t t. Der wei h evo l le Ak t wu r d e von ei n em b efreu n d et en P farrer vollzogen , nicht von Vat er Ka sn er. Das s b ei An gela M erk el vi el Li e be in der Beziehung zu ihrem erst en Mann im Spiel gewesen wäre, kann man den Quellen nicht gerade entnehmen. Sie sagt selbst: „Hauptgrund für die s c h n e l l e H ei ra t i s t g e we s en , d a s s es ei n e C h a n c e, g em e i n s a m ei n en Arb ei t s p la t z am gleich en Ort zu b ek ommen , nu r dan n gab, wen n man verh eiratet war." Die „Berliner Morgenpost" schrieb dazu am 18. September 2005: „Angela Merkel macht heute keinen Hehl daraus, dass die Heirat handfeste Gründe hatte. Ge meinsamen Arbeitsp latz und Wohnung gab es b evorzugt für Eheleute." Merk el Biograph Matthias Krauß ergän zt: „Ein zin sloser Eh ek redit in Höh e v on 5000 DDR-Mark war auch nicht zu verachten." E s d a u e r t e n i c h t a l l z u l a n g e , d a l i e ß An g e l a M e r k e l i h r e n e r s t e n Ge m a h l f a l l e n . D i e T r en n u n g gi n g v on i h r a u s . B i o g ra p h i n Le ß n erk ra u s : „ D a s j u n g e P a a r fi n d et i n d er B e r li n e r M a ri en s t ra ß e e i n e Hi n t erh o f woh n u n g . . . U lr i c h M e rk e l r en ovi e rt nach Feierab end die ziemlich heruntergek ommene Wohnung. 1981 ist er fertig u n d z u f ri e d e n m i t d e r R e n o vi e r u n g, d a v e r l ä s s t i h n s e i n e F r a u . " D i e S c h e i d u n g erfolgt e 1982, nach knapp fünf Ehejahren. Angela Merkel konnte es im Nach 46

hinein offenbar gar nicht schnell genug gegangen sein. „Nach drei (I) Jahren waren wir wieder geschieden", erzählte sie 1991 der Journalistin Koelbl. Ulrich Merkel hat es übrigens zum Dozenten an der Humboldt-Universität gebracht. Politisch soll er ein Anhänger der Grünen sein.

„Angies" Traumland
Laut Biographin Leßnerkraus hat Angela Merkel den fünf Jahre älteren, an der Akademie der Wissenschaften bereits arrivierten Chemiker Dr. Sauer, ihren späteren zweiten Ehemann, „Anfang der 80er- Jahre" in Ostberlin kennen gelernt. Leßnerkraus weiter. „In der Kantine (der Akademie) beim gemeinsamen Mittagessen soll es geknistert hab en." Bei Langguth liest sich der Sachverhalt so: „Sauer war bereits einmal verheiratet. Aus dieser im Jahre 1969 geschlossenen Ehe mit einer einstigen Klassenkameradin, einer diplomierten Chemikerin, gingen zwei Söhne (Daniel und Adrian) hervor. Sauers erste Frau, die lange Jahre wegen der Kindererziehung nicht berufstätig war, arbeitete später als Lektorin. Angela Merkel war zeitweise im Hause Sauer eingeladen. Sauer zog 1983 aus der gemeinsamen Wohnung aus. 1985 erfolgte die Scheidung ... Die beiden Söhne lebten nach der Trennung bei der Mutter." Joachim Sauer ist am 18. April 1949 als Sohn eines Konditors in Hoyerswerda/ Sächsische Schweiz (nach anderen Angaben: Chemnitz) geboren worden. Ab 1967 studierte er Chemie an der Humboldt- Universität, 1972 machte er sein Diplom, 1974 promovierte er, ab 1977 arbeitete er an der Akademie der Wissenschaften, 1982 erhielt er den Friedrich-Wöhler -Preis der Chemischen Gesellschaft der DDR, 1985 habilitierte er sich an der Ostberliner Akademie. Zu dieser Zeit war Angela Merkel, seine Geliebte, mit ihrer Doktorarbeit beschäftigt, die von ihm, wie bereits erwähnt, „kritisch durchgesehen" wurde. Langguth: „Häufig wurde Sauer seitens der Akademie nach Prag ‚delegiert', wo ihm Forschungsaufenthalte bei dem bedeutenden tschechischen Wissenschaftler Rudolf Zahradnik vom Heyrovsky-Institut ermöglicht wurden. Sauer und Merkel hatten sich gelegentlich in Prag getroffen. Auch Angela Merkel war sehr häufig bei Zahradnik." Sauers Verpflichtung nach Kalifornien, wo er 1990/91 als Forschungsdirektor, Spezialgebiet: Katalyse, bei Biosym Inc. wirkte, geschah zu einer Zeit, als sich „Headhunters" im Auftrag von US- Konzernen mit dicken Scheckbüchern im zerbröckelnden Ostblock nach Experten „umschauten". Bei Biosym — gegründet 1984 von Arnold T. Hagler, seit 1992 Teil des internationalen Corning- Konzerns — handelt es sich um ein führendes Unterneh men der biochemischen Industrie der USA. Von der internationalen Reputation zeugt die enge Kooperation u. a. mit
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d e r H i g h- T e c h - In d u s t ri e d e s S t a a t e s Is r a e l ( s i e h e : „ C o o p e r a t i on B e t we e n Is r a e l and th e Sta t e of C a li fornia ", www. j ewi s h vi rtua llib ra ry. org). An gela M erk el st att ete ihrem „Achim" ausged ehnte Besuche an sein er neu en Wi rkungsstätte in San Di ego a b . Als o t ri f ft d i e gä n gi ge Da rs t e llu n g n i c ht zu , ih re US -R ei s e a l s B u nd esm i n i s t e ri n v om 1 1 . b i s zu m 17 . S ep t e m b er 1 9 9 1 , b ei d e r Ka n z l e r Koh l s i e i n Wa s h i n gt on d e m P rä s i d en t en B u s h s en i o r a l s „ m ei n e N eu e " vo r s t e l lt e, s ei i h r e rs t e r Amerikatrip gewesen. Ka li forn i en , J oa c hi m S au ers vorü b erg eh en d e n eu e Hei m a t , wa r von d en S p an i ern i n B e s i t z g e n o m m e n w o r d e n u n d g e h ö r t e d a n n z u M e x i k o . Au c h d i e R u s s e n u n t erh i elt en d ort ei n s t S t ü t zpu nk t e. E rs t M i tt e d es 1 9 . J a h rhu nd ert s ri s s en d i e US A d a s La n d a n s i ch . Di e In d i a n erfra g e fü h rt e m a n d er ü b li c h en a m eri k an i s ch en E ndl ö s u n g z u . D i e l e t z t e n n o c h „ i n f r e i e r W i l d b a h n " l e b e n d e n „ R o t h ä u t e " wu r d e n n a ch E nt d ec kun g ge wa lt i ger Gold v ork om m en „e rl egt ". S i e h ä t t en b ei d er Au s b eut un g vi el lei c h t s t ören k ön n en. Der Gold ra u s c h b rac ht e a u ch rei c h li ch n eu es Geld i n di e Ka s s en d es n ord a m eri k a n i sc h en Groß k a pit a ls , welc h es n i c h t zu let zt d er Fi nanzierung des Ausgreifens der USA in den karibischen und den pazifischen Raum zugute kommen konnte. In d en e r s t en J a h r z eh n t en d es 2 0 . J a h rh u n d e rt s et a b li e rt e s i c h i m k a li fo rn i s c h en Hol l ywood , vor d en To ren vo n Los An g el es , ei n e a u fb lü h en d e Fi lm i n du s t ri e, d i e i n d e n 1 9 3 0 e r - J a h r e n d u r c h er f o l g r e i c h e Ko n k u r r e n z a u s E u r o p a ( U f a , P ot s d a mB a b els b erg; C i n ec i t tä , R om ) a u f d em i n t ern a ti on a len M a rkt i n B ed rä n gn i s geri et . D e r S t u r z d e s F a s c h i s m u s i n It a l i e n 1 9 4 3 u n d d i e N i e d e r l a g e d e s N a t i on a l s o z i al i s m u s i n D eu t s c h la n d 1 9 4 5 k l ä rt e d i e W e t t b e we r b s s i t u a t i on g rü n d li c h . E n d e d e r 1 9 9 0 e r -J a h r e wu rd e e i n er b r ei t e r en Öf f en t li c h k ei t b ek a n n t , d a s s H o l l ywo o d - P r odukti on en d urch Fi lm fond s, derer s ich gewi eft e An leger b edi en en, m it jäh rli ch ca. anderthalb Milliarden Euro aus bundesrepublikanischem Steu ergeld subvention i ert we rd en . B ra nc h en in t ern b ezei c h n et m a n d i es e M i tt el i n Am eri k a a ls „s t u p id G e r m a n m o n e y" . S o k a n n m a n a l s o s a g e n , d a s s d i e k a l i f or n i s c h e „ T r a u m f a b ri k " ü b er d en oh n eh i n s c h on rei c h e n R ei b a c h d u rc h s t a rk en Ab s a t z i h r e r P r od u k t e i n D e u t s c h l a n d s Li c h t s p i e l h ä u s e r n u n d T V -An s t a l t e n h i n a u s a u c h n o c h e r h e b l i c h vom Steuergeld der Deutschen zehrt. Ka li forni ens Au fsti eg nach 1945 zu ein em füh rend en Tec hnologi e- St aat wi ed erum wu r d e d u rc h d e n E r t r a g d e r U S -B e u t e k o m m a n d o s b e i d e n B e s i e g t e n b e g ü n s t i g t . In s b e s o n d e r e d i e n a c h d e m Z w e i t e n W e l t k r i e g a u f In i t i a t i v e d e s P e n t a g o n s g e g r ü n d e t e R AN D C o r p o r a t i o n m i t S i t z i n S a n t a M o n i c a / Ka l i f o r n i e n wa r f ü r d i e Au s wert u n g d er Au s b eu t e zu s t ä n d i g. Wa s a n b erei t s ver wi r k li c ht en od er n oc h im Versuch sstadium b efin d lich en Technik en aller Art im n ied ergeworfen en Deuts c h en R e i c h 1 9 4 5 v o r g e f u n d en wo r d e n wa r , h a t t e d en a l l i i e r t e n E x p e r t en s c h i e r 48

d e n At e m v e r s c h l a g e n . D i e d e u t s c h e W i s s e n s c h a f t wa r d e r U S- a m e r i k a n i s c h e n auf zahlreichen Feldern weit voraus, in einigen Bereichen sogar um Jahrzehnte. „Deutsch land gibt sein e reichsten Geh eimnisse preis", schlagzeilte der „News C h r on i c l e " a m 2 1 . F e b r u a r 1 9 4 6 ; s e i t en we i s e b e r i c h t e t e d a s B l a t t ü b e r s e n s a t i o n e l l e W i s s e n s c h a ft s f u n d e b e i d e n D e u t s c h en , wo b e i d i e „ Au s w e r t u n g d e r S c h ä t z e d e n F o r t s c h r i t t a u f v i e l e J a h r e b e s t i m m e n " w e r d e . Im O k t o b e r 1 9 4 6 s c h r i e b „Harp er's Magazin e", die Zah l d er in Deutsch land erb euteten Ak ten stü ck e mit wi s s e n s c h a f t l i c h e n G e h e i m n i s s e n s e i a u f e i n e D r e i v i e r t e l m i l l i o n a n g e wa c h s e n ; u m d i e d e u t s c h e n E n t wi c k l u n g e n d e n a n g l o p h o n e n E x p e r t e n b e k a n n t z u m a c h e n , s e i ei g en s „ ei n d eu t s c h - en g li s c h e s F a c h wö rt e rb u c h m i t et wa vi e r zi gt a u s en d n eu e n t ec h n i s c h en u n d wi s s en s c h a ft li c h e n Au s d rü c k en " v e rfa s s t wo rd en . Au ß e rd em griffen sich die USA Hunderte Genies aus dem geschlagenen Großdeutschen R e i c h . Di e R a k e t e n - u n d R a u m f a h rt p i on i e r e u m W e r n h e r v o n B r a u n s i n d d i e b e kanntesten Beispiele. E n d e d e r 1 9 8 0 e r , An f a n g d e r 1 9 9 0 e r J a h r e f a n d d a n n e i n e r n e u t e r „ b r a i n d r a i n " s t a t t . D i e s m a l wa r e s d e r Z u f l u s s v o n W i s s e n s c h a f t l e r n a u s d e m b e r s t e n d e n O s t b lock . Da von p rofiti ert en di e US A i m Allg em ei n en und di e in Ka li forni en an sä ssi gen Konzerne insbesondere. Die breite Öffentlichk eit glaubt aufgrun d der gän gigen Berichterstattung, dass s i c h An gela M e rk el m i t i h rem E h em a n n ü b li ch erwei s e i n i hrer n oc h a u s DDR - Zei ten stammenden uckermärkischen „Datsche"" einem See beim Örtchen Hohen wa ld e n a h e T em p li n zu r ek rei er en p fle g e ( we lc h es , ei n s t ei n e k lei n e K a t e n u r, i n z wi s c h en zu ei n em v on h oh en Fi c h t en u m g eb en en v e ri t a b le n La n d h a u s v on z we i Geschossen geword en ist). So schreibt das meist aus Selbstauskünften der Por t r ä t i e r t e n s c h ö p f e n d e „ M u n z i n g e r -A r c h i v " : „ D a s E h e p a a r z i e h t s i c h a n g e m e i n s am en frei en Ta g en in s Feri enhau s in Temp lin zu rück . " Im „ Ka ndid at ench eck : Ang e l a M e r k e l " d e s „ K ö l n e r S t a d t - An z e i g e r s " , 1 2 . S e p t e m b e r 2 0 0 5 , h i e ß e s : „ S i e en tsp annt am lieb sten im Ferienhau s in d er Uck ermark , wo d er eigen e Garten g e p f l e gt wi rd . " Da zu p a s s en h ä u fi g e M e rk e l -W en d u n g en i n In t er vi e ws wi e : „ F ü r mich ist das Bodenständige sehr wichtig." Wa h r i s t a lle rd i n gs a uc h , d a ss Ka li forn i en s ei t S a u ers v on B i os ym In c . ve rs ü ß t en T a g e n v o n S a n D i e g o z u d e n b e v o r z u g t e n U r l a u b s z i e l e n An g e l a M e r k e l s u n d i h r e s M a n n e s g e h ö r t . B i o g r a p h i n Le ß n e r k r a u s : „ Im W i n t e r t r i f f t m a n d a s E h e p a a r b ei m S k i la n g la u f i n d e r S c h we i z a n , i m F r ü h li n g od e r S om m e r zi eh t e s s i e n a c h It a li en , a u f La Gom e ra od er i n M erk els Li eb li n gs la n d Ka li forn i en . " La n ggu t h b e ri c h t et ergä n zen d , d a s s s i ch Sa u er/ M erk el „ö f t er zu m Wa n d ern i n d er S c h wei z i n Pontresina im Engadin" aufhalten.
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In d e n wä h r e n d d e r 9 0 e r- J a h r e g e f ü h r t e n G e s p r ä c h e n d e r J o u r n a l i s t i n H e r l i n d e Koelbl mit Merk el sind folgende Urlaubsaussagen enthalten: „Wir hatten auch e i n e n s c h ö n en S o m m e r u r l a u b , e i n e w u n d e r b a r e K a l i f o r n i e n r e i s e . U r l a u b w e i t w e g v o n d a h e i m h i l f t , d e n D i n g e n z u e n t f l i e h e n . In d i e s e n v i e r W o c h e n i s t e s m i r g e lu n g en , ri c h t i g a b zu s c h a lt en . " (M erk e ) 1 9 9 4 ) . „ Vo r k u r z em wa r i c h i m U r la u b i n d er P r ov en c e. " (M e rk e) 1 9 9 5 ). „Ic h f li e ge Wei h n a ch t en n ac h Ka li forn i en . Da fi c ht mi ch d a nn n ic ht s m eh r an . Wen n ic h frü h er Urla ub in m ein em Hä u s ch en in der Uckermark machte, war das schrecklich." (Merke) 1996).

„Eine Amerikanerin in Deutschland"
„ Am eri k a s eh en . Ka li fo rn i en , S a n Di ego. " S o a n t wort et e An gela M erk e l i m J a h re 2 0 0 0 i n ei n em In t e r vi e w m i t d e r „ Z e i t " ( Au s ga b e N r. 6 j en e s J a h r e s ) a u f d i e F ra g e , wa s „ Ih r s c h ö n s t e s E r l e b n i s s e i t d e m F a l l d e r M a u e r " g e w e s e n s e i . G l ü c k s g e fü h l e i m f e rn en Li e b li n g s la n d a n d e r U S -W e s t k ü s t e g l ei c h n a c h d er D DR - W ende sind — wie gesagt — mutmaßlich nicht ohne Auswirkung auch auf den Um sch wun g b ei d er M erk el' sch en Vormach t- Zun ei gun g geb li eb en : Vom Faib le fü r d i e S o w j e t u n i o n z u r U S -B e g e i s t e r u n g . U n d d i e g l e i ß e n d e k a l i f o r n i s c h e S o n n e sch eint 1990 u mgeh end gewirkt zu hab en , so d ass die USA d en Stich b ei „An gie" rasch machen konnten. J e d e n f a l l s s c h r e i b t B i o g r a p h i n B o ys e n ü b e r M e r k e l s H a l t u n g s c h o n a l s s t e l l v e r t ret en d e P r es s es p r ec h eri n d er let zt en DDR -R e gi eru n g, d a s s s i e s i c h „i n d er Fra ge k ü n ft i g e r a u ß en p o li t i s c h e r Ko n s t e l la t i on en " g e g en ü b e r d em M i n i s t erp rä s i d en t en „p löt z li c h ga n z u n m i s s vers t ä nd li c h p os i t i oni ert " h a b e. B oys en wei t e r. „ Lot h a r d e M a i zi é r e wa r i rr i t i ert , a ls s i e i h m b ed eu t et e, d a s s es d oc h ga r k ei n en Z we i f e l d a r a n g e b en k ö n n e , d a s s a u c h d a s v e r e i n t e D e u t s c h l a n d M i t g l i e d d e r N a t o b li e b e . Z u d i e s e r Z e i t k u r s i e r t e u n t e r d e n o s t d e u t s c h e n V e r h a n d lu n g s p a r t n e r n , d i e i h r e S k ep s i s g e g en ü b e r d e r N a t o l ä n gs t n i c h t ü b e r wu n d en h a t t en , ei n e Vi e l z a h l a n d er e r M o d e l l e . . . D a s s s i c h s e i n e S p r e c h e r i n s o d e u t l i c h z u r N a t o b e k a n n t e , ü b e rraschte den Ministerpräsidenten." M erk els Fa i b le fü r d a s US -d om i n i ert e W es t b ün dn i s u nd di e US A s c h lec h t h in s oll t e s i c h i n d e n f o l g e n d e n J a h r e n n o c h s t e i g e r n . Ih r e B i o g r a p h i n S c h l e y s c h r e i b t v o n „ P r o- Am e r i k a n i s m u s ". M a n d a r f a n n e h m e n , d a s s R ep r ä s e n t a n t e n d e s U S- Ins i d e r t u m s w i e d e r M e g a b a n k e r u n d F e d e r a l- R e s e r v e -B o s s Al a n G r e e n s p a n u n d Hen r y Ki s s i n ger, e wi g e Gra u e E m i n en z d er a m eri k a ni s c h en P oli t i k , di e Fra u M er kel verschiedentlich Privataudienz gewährt en, der ohnehin schon westküs tenb egei st ert en d eut sch en Politik erin auch di e Herrli chk ei ten d er Ostkü st e na h egebracht haben. Weiter hat sich Angela Merkel in Amerika von Persönlichkeiten
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An der Verschlossenheit der „Frau mit der Maske" haben sich MerkelBiographen auf manchen Feldern ihrer Vita die Zähne ausgebissen. 51

wie Pau l Wolfowitz (Sp itzn ame: „Velociraptor", nach ein em k lein en , au s d em H i n t e r h a lt o p e r i e r e n d e n R ä u b e r d e s P a l ä o z ä n , s o z u s a g e n d e r P a r t i s a n u n t e r d en S a u ri e r n ) u n d R i c h a rd P e r l e , d e r we g e n s e i n e r N e i g u n g , Ko n f l i k t e m i t B o m b en u n d R a k et en zu l ös en , a u f d en s c h m u c k en B ei n a m en „ P ri n c e o f Da rk n es s " ( Fü r s t d e r Fi n s t e rn i s ) h ö rt , er l ä u t ern la s s en , d a s s d i e C h e fs v on W h i t e H ou s e u n d Wa l l S t reet b e ru fen s i n d , a ls d i e S h eri ffs d er We lt a u fzu t ret en . W es t li c h - wert e g em ei n s c h a f t l i c h u n t e r r i c h t e t wu r d e An g e l a M e r k e l ü b e r d i e s b e i T r e f f e n h i n t e r g r u n d m ä c ht i ger, t ra n s at la n ti s c h er In s id erk rei s e, zu d en en s i e a u f Vor la d u n g d er „Tri la tera l C om m i s s i on ", d er „ At la n t ik -B rüc k e" un d sc h li eß li ch , M a i 20 05 , a uc h d er s o genannten Bilderberger erschien (darüber nachher mehr). Im La u fe d e r Z ei t i s t es j ed e n fa lls s c h on s o wei t ged i eh en , d a s s d i e „ Fra n k fu rt er R u n d s c h a u " a m 2 . Ap r i l 2 0 0 3 e i n e n M e r k e l- B e r i c h t m i t „ E i n e A m e r i k a n e r i n i n Deu t s c h la nd " b et i t elt e u n d d as s d i e C DU -C h efi n 2 00 5 ei n B ek en n tn i s na ch B lu t s b a n d e n a r t v o n i h r e m S e m i -„ E c k e r m a n n " H u g o M ü l l e r - V o g g a u f s c h r e i b e n l i e ß : „ D a s At la n t i s c h e B ü n d n i s h a t f ü r m i c h Äh n li c h k ei t m i t ei n e r F a m i li e. " Na c h d em d i e Ka n z l e rk a n d i d a t i n vo m i s r a e li s c h en J ou rn a li s t en Ad a r P ri m o r ( S oh n d es e h e maligen Botschafters Is ra els in der Bundesrepublik, Avi Pri mor) eingehend befra gt wo r d en wa r, g e wa n n d i es e r d e n E i n d ru c k , s o s ei n B e ri c h t ü b er d i e E i n v e rn a h m e i m Zi on i s t en b la t t „ Ha a r et z " a m 1 4 . S ep t e m b e r 2 0 0 5 , d a s s e i n e Ka n z l e ri n M erk e l m eh r Di s t a n z zu R u s s la n d sc ha ffen ( „m ov e a wa y from R u s s i a ") u nd d i e Verei n i g ten Staaten von Amerika umarmen werde („She will embrace the U.S.")

Das „Phantom" an ihrer Seite
J oa c h i m S a u e r a b e r ü b e rn a h m n a c h R ü c k k u n ft a u s Am e ri k a 1 9 9 2 d i e Le i t u n g d e r „Arb ei ts grupp e Quan t ench emie" d er Ma x- P lan ck- Ges ells c haft, u m dann Leh rstuh l inhab er fü r Ph ysik a li sch e und Th eoreti sch e Ch emi e d er B erlin er Hu mb oldt - Uni ver sität zu werden. Dort wi rkt Sauer auch als Sprecher des „Sonderforschungsbereichs 546": Struktur, Dynamik und Reaktivität von Übergangsmetalloxid-Aggregaten. P r o f e s s o r S a u e r u n d An g e l a M e r k e l h a b e n r u n d a n d e r t h a l b J a h r z e h n t e i n s o g e n a nn t er wi ld e r E h e m i t ei n a nder ge l eb t . B i ogra ph in Leß n erk ra u s : „ Fra g en n a c h ei n e r E h e m i t J oa c h i m S a u er b e a n t wo rt et s i e la n g e s t et s m i t d em S a t z , T ra u s c h ei n — n e i n d a n k e , d a s h a t t e i c h s c h o n m a l . — B e i W o l f g a n g S t o c k l i e s t s i c h d a s f o lgen d ermaß en : „ La n ge lebt en si e un verh ei rat et zu sa mmen. M erk el hät t e sch on g e rn frü h e r g eh ei ra t et , a b e r we i l s i e Ko n f o rm i t ä t h a s s t , wi ll s i e n a c h 1 9 9 0 , n a c h d em s i e i m R a m p en li c h t s t eh t , u n b ed i n gt d en E i n d ru c k v e rm ei d en , s i e h ei ra t e i h ren Leb en s g efä h rt en j et zt n u r, u m d er öffen t li c h en E rwa rt u n g ger ec h t zu werd en . E r s t a l s s i e 1 9 9 8 n i ch t m e h r M i n i s t e r i n i s t , s o n d e r n a l s C D U - G e n e r a l s e k r e t ä r i n 52

ei n , Ei n er- Am t ' i n n eh at , i n d em es k ei n e glei c h ra n gi gen Koll eg en gi b t , m it d en en s i e v e r g li c h en we rd en k a n n — d a h ei ra t et s i e J oa c h i m S a u e r s t a n d es a m t li c h : a m 3 0 . D e z e m b e r 1 9 9 8 , oh n e E l t e r n u n d o h n e T r a u z e u g e n . " De r Ak t wu r d e i m S t a n d e s a m t B e r l i n -M i t t e z u r M i t t a g s z e i t v o l l z o g e n ; k i rc h li c h l i e ß s i c h d i e P a s t o r e n t o c h t e r m i t d e m P r o f e s s o r n i c h t t r a u e n . E i n e k l e i n e An z e i g e i n d e r „ F A Z " v o m 2. Januar 1999 kündete vom Eheschluss. E s g i b t v e r s c h i e d e n e M u t m a ß u n g e n , a u f w e s s e n In i t i a t i v e h i n s i c h d i e b e i d e n n a c h s o l a n g e r Z e i t ü b e r h a u p t n o c h d a s o f f i z i e l l e J a -W o r t g a b e n . E s s o l l d a b e i auch um die Überlegung gegangen sein, dass eine „wilde Ehe" immer noch in m a n c h en V o lk s k r ei s en n i c h t g e r a d e „a n k om m t " . M a l h ei ß t e s , d e r „ gu t e R a t " zu r Verheiratung habe vom s einerzeitigen C DU/CSU -Fraktionsc hef Wolfgang Schäuble ges t a m m t ; m a l geh en d i e V er m u tu n gen i n R i ch tun g a u f ei nen „f reu n d li c h en , a b er bestimmten Hinweis" des Kölner Kardinals Meisner. J oa c h i m S a u e r s ei „R a t g eb e r s e i n e r p r o m i n en t en E h e f ra u " , h a t d i e „B i ld " (t - on li n e - Au s g a b e , 7 . Au g u s t 2 0 0 5 ) z u b e r i c h t e n g e wu s s t u n d a u c h e i n k o n k r e t e s B e i spiel dafür genannt „Sie nimmt ihn mit, wenn sie in Boutiquen Kleidung ein kauft." Die „Mitteldeutsc he Zeitung" wartete am 16. Oktober 2005 mit der a t em b era u b end en In form a t i on a u f: „E r i s t es a u c h , d er ei n k a u ft u nd d en Hau s ha lt in der Wohnung in Berlin -Mitte versorgt." D a r a u f a b e r s c h e i n t s i c h d i e B e d e u t u n g d e s P r o f e s s o r s i n d e r S a u e r - M e rk e l ' s c h e n B e z i e h u n g s k i s t e n i c h t z u b e s c h rä n k e n . S c h o n 1 9 9 1 s a g t e An g e l a M e r kel d er Fotojournalistin Herlinde Koelbl auf d eren Frage, welchen Ein fluss ihr M a n n a u f s i e a u s ü b e : „ W a s d i e P o l i t i k a n g e h t , s p i e l t e r e i n e g a n z wi c h t i g e R o l l e . " In ei n e m v on d e r „ B u n t e" a m 2 4 . J a n u a r 2 0 0 2 v er ö f f en t li c h t en In t e r vi e w b e k u n d et e M e rk e l : „ E s h ei ß t o ft , d a s s m ei n M a n n a l s p o li t i s c h e r B e ra t e r k ei n e R o l le sp i ele. Di ese Ei nschät zung en t sp rich t üb erha upt ni cht d en Ta tsach en. " Di e „Sächsisch e Zeitung" meld et e am 15. Oktob e r 2005, Sauer habe sein er Leb ensg e f ä h rt i n s c h on i n i h r e r Fu n k t i on a ls P r e s s e s p r ec h e ri n d es „ D e m ok ra t i s c h en Au f bruchs", Anfang 1990, „geh olfen, als sie die erste wichtige Pressemitteilung formulieren musste". Fern er notierte das Blatt „Er liest einige ihr er Parteitags red en , b evor si e si e hä lt . " M erk el - B i ograph Lan gguth 2005 : „Verm ut li ch übt er, — d e r a ls ei n ‚b ri l la n t e r' Ko p f g i lt — m eh r p o li t i s c h en E i n f lu s s a u f An g e la M erk e l aus, als bekannt ist oder vermutet wird." N a c h a l l e d e m h a t d i e Ö f f e n t l i c h k e i t e i n g e s t e i g e r t e s In t e r e s s e d a r a n u n d w o h l a u c h ei n R ec h t d a ra u f, Nä h e re s ü b er d a s Z o on p o li t i k on J oa c h i m S a u e r zu e r fa h ren , we lc h es a n geb li c h „p oli t i s c h eh er a u f C S U - s t a t t au f CDU -Li n i e li egt " (M er kel-Biograph Prof. Stock). Doch: „Auch Merkels zweiter Mann ist für die Presse
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tabu." (Stock ). „Alles in allem versucht das Paar, sich völlig ab zu schirmen ." ( L a n g g u t h ) . „ S a u e r g i b t k e i n e In t e r v i e w s , g i b t n i c h t s v o n s i c h s e l b s t p r e i s . " ( S c h l e y ) . „ D e r M a n n a n M e r k e l s S e i t e w i l l u n b e k a n n t u n d un e r k a n n t b l e i b e n . " ( „ M ü n c h n e r M e r k u r " , 2 4 . O k t o b e r 2 0 0 5 ) . „ W e r i r g e n d e t wa s ü b e r d e n P r o f e s s o r ausplaudert, der kann sich gleich eine neue Uni suchen", zitiert der „stern" (Nr. 33/2005) einen Sauer-Studenten. „ E r r ed et n i c h t m i t J ou rn a li s t e n ", s c h r i eb d i e „S ä c h s i s c h e Z e i t u n g " a m 1 5 . Ok t ob e r 2 0 0 5 u n d v e r ö f f e n t l i c h t e d e n W o r t l a u t d e r E -m a i l v o n S a u e r a n e i n e n Z e i t u n g s r e d a k t e u r , d e r u m e i n I n t e r v i e w g e b e t e n h a t t e : „ Ic h h a b e m i c h e n t s c h l o s s e n , k e i n e J o u rn a l i s t e n g e s p rä c h e z u f ü h r e n , d i e n i c h t d u r c h m e i n e T ä t i g k e i t a l s Hoc h s c hu lleh r er u n d Fors c h er , s on d ern au s s ch li eß li c h d u rch di e p oli t i s ch e Tä t i gkeit meiner Frau veranlasst sind." Biographin Schley üb er Sau er/M erk el: „Die b e i d e n s c h e i n e n s i c h d a r ü b e r z u a m ü s i e r e n , wi e d i e P r e s s e ü b e r j e d e k l e i n e In formation herfällt, die sie ihr gezielt hinwerfen." S o ist es k aum verwund erli ch, das s P rof. Sau er von J ou rna lis t en — in An spi elun g auf seine Musiktheaterliebhaberei — zum „Phantom der Oper" („stern") erklärt wo r d en i s t od e r M ed i en i h n a l s „ u n s i c h t b a r wi e ei n M o l ek ü l" ( „t a z ") b e z e i c h n en b zw. i h n s c h li c ht u nd ergr ei f en d p er S c h la gz ei l e „D er Un s i c ht ba re" ( „Di e W elt ") taufen. Mister Kirschbaum von der Nachrichtenagentur „R euters" schrieb am 8 . S ep t e m b er 2 0 0 5 v on S a u er a ls v on ei n e m „ m ys t e ri ou s m a n ", e i n er „s h a d o w fi gure behind Merkel". N u r s e h r s e l t e n z e i g e n s i c h S a u e r / M e r k e l g e m e i n s a m d em g e m e i n e n V o l k e . E i n öffentliches Schaulaufen des Paares gibt es immerhin einmal im Jahr bei den B a yr e u t h e r F e s t s p i e l en , zu d e n en d e r b ek en n en d e W a gn er- F a n S a u e r r eg e l m ä ß i g wa l l f a h r t e t , u m d a n n i m S p r e i z s c h r i t t m i t s e i n e r G e m a h l i n d a s S p a l i e r d e r P r om i n en z -An ga f f e r u n d P r es s efo t o gra f en v or d e m F e s t s p i e lh a u s zu p a s s i e r en . F a s t s c h on ei n er S en s a t i on gli c h e s , a ls d er k a m era li c h t s ch eu e M erk el -Ga t t e 2 0 0 4 b ei d e r ö f f e n t l i c h z e l e b r i e r t e n B e r li n e r 5 0 - J a h r-Ge b u r t s t a g s f e i e r s e i n e r E h e f r a u e r s c h i en . S o l l t e e r g ea h n t h a b en , d a s s ei n a n d e r e r P a rt yga s t m i t s ei n e r B e g l ei t u n g d i es m a l b e s s e r i n s B eu t es c h em a d e r S c h n a p p s c h u s s- u n d S c h la g z ei l en j ä g e r p a s s t e ? E r s t m a l s n ä m l i c h z e i g t e s i c h Li b e r a l e n c h e f Gu i d o W e s t e r w e l l e , d e r W u n s c hpartner d er d eutschen Christdemok raten, b ei sozusagen offizieller Gelegenheit m i t d em Herrn s ei n es Her z en s . E r zog d i e M ed i en s c h ei n wer fer b ei d er M erk elf eie r au f sich und sein en „ Lover ". Zu m Geli n gen d es Ab ends t ru g da nn n och Ed m u n d S t o i b e r b e i m i t s e i n e m V e r s p r e c h e n a n d i e J u b i l a r i n , d a s s „ d i e S c h we s t e r aus München", er meinte die CSU, „immer an Ihrer Seite" sein werde.
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Für „Homestorys" in der Presse steh en Merkel und Gatte schon gar nicht zur Verfü gung. Das Dah eim d es Paares übrigens ist laut „Mu nzinger - Archiv" eine „ Al t b a u e t a g e i n B e r l i n - M i t t e" . B i o g r a p h i n L e ß n e r k r a u s we i ß v o n e i n e r „ A l t b a u D a c h g e s c h o s s wo h n u n g " z u b e r i c h t e n . Di e „ W e l t " s c h r i e b a m 2 4 . Ok t ob e r 2 0 0 5 , F r a u M erk e l wo l l e „i n i h r e m Ki e z , i h r e r Alt b a u woh n u n g a m Ka n a lu f e r " a u c h a ls Ka n z l er i n v erb l ei b en . Ge n a u er b et ra c h t et h a n d e lt e s s i c h b e i m M erk e l/ S a u e r - D o mizil um das oberste Geschoss eines klassizistischen Prachtbaus am Berliner Ku p f e r g r a b e n i n e x z e l l e n t e r h a u p t s t ä d t i s c h e r W o h n l a g e , d i r e k t a n d e r v o n d e r U n e s c o z u m W e l t k u l t u r e r b e e r k l ä r t e n M u s eu m s i n s e l , g l e i c h g e g e n ü b e r d e m P e r gamonmuseum. Unterhalb von Merkel lebt dort Ottmar Schreiner, d er Linksflügler in der SP D -Füh r u n g, d a n n f o l g t d i e E t a g e m i t P r o f . H a n s M a ye r , d e m E x -P r ä s i d e n t en d e r Hu mboldt- Universität. Im Part erre schließlich bet reibt Dr. h. c. Lothar de Maiziäre, d er l e t zt e DDR - M i n i s t e rp rä s i d en t u n d M erk e l -Vo r gä n g er a l s S t e l l v e rt r et er Koh l s i m P a r t e i v o r s i t z , s e i n e Ka n z l e i u n d d e n s o n s t i g e n B ü r o b e t r i e b ( a b 1 9 9 3 a l s H a u p t s t a d t r ep r ä s e n t a n t u n d b i s 2 0 0 4 a l s V o r s i t z e n d e r d e s Au f s i c h t s ra t e s d e r „ H u n z i n g e r In f o r m a t i o n AG " d e s b e k a n n t e n „ P R -M a n a g e r s " M o r i t z H u n z i n g e r ( , u n d i m N a c h b a rb a u , wo ei n s t Th ea t e rm o gu l M a x R ei n h a rd t r e s i d i er t e, u n t e rh ä lt B u n d e s p rä s id en t au ß er Di en s t en Dr. Dr. h . c. mu lt . R ic ha rd Frei h er r von Wei zs ä c k er, d er von An g e la M erk el b e wu n d ert e „B efr ei u n gs red n er" ( Ac h t er M a i ), bü rom ä ß i g s ei n Hauptstadthauptquartier.

Sehnsucht nach deutscher Einheit?
B i o gra p h P r o f. W o l f ga n g S t oc k wi l l we i s m a c h en , An g e la M e rk e l h a b e „ z u D DR Z e i t e n d a s u n b e u g s a m e B e k e n n t n i s d e r W e s t -C D U z u r d e u t s c h e n W i e d e r v e r e i n i g u n g b e wu n d e rt ". E i n e s o lc he „ B e wu n d e ru n g " i s t n i c h t b el e g t . Un d a l l ei n s c h on die Behauptung, dass sich die CDU im Westen Deutschlands „unbeugsam zur W i ed e r v e r ei n i gu n g b ek a n n t " h a b e, e rs c h ei n t f ra g li c h g en ug . E s ga b a u c h i n W o r t e n u n d T a t e n f ü h r e n d e r B o n n e r C h ri s t d e m o k ra t e n v i e l b u n d e s r e p u b li k a n i s c h e n Separatismus. Ken n zeichn end fü r di e Eins t ellun g zu r Deuts ch en Fra ge zunä chst — s eit d en 70 er J a h r en — i n T e i l en , d a n n — a b B e gi n n d e r Ac h t zi g e r — b e i fa s t d e r Ge s a m t h ei t d e s b u n d e s r e p u b l i k a n i s c h e n P o l i t - E s t a b l i s h m e n t s wa r , wa s d i e „ F r a n k fu r t e r Al lgemeine" im Juli 1988 meldete: „Als der amerikanische Botschafter in Bonn, B u r t , A n f a n g d i e s e s J a h r e s e i n e g e m e i n s a m e S t r a t e g i e d e s W e s t e n s z u r Ü b e rwi n d u n g d er p o li t i s c h en T ei lu n g D eu t s c h l a n d s f o rd e rt e, b e k a m e r we d e r v on d e r Bundesregierung n och aus den Reihen der Opposition Unterstützung. Niemand 55

gri ff d en Vors c h la g a u f. Als a m 7 . J u n i P rofes s or Da s c h i t s ch ew, Lei t er d er Ab t ei l u n g Au ß e n p o l i t i k i n d e r s o wj e t i s c h e n Ak a d e m i e d e r W i s s e n s c h a f t e n , D e u t s c h la n d exp ert e u n d B era t er Gorb a t s ch ows , i n d er s o wj et i s c h en B ot s c h a ft in B onn er k l ä r t e , M a u e r u n d S t a c h e l d r a h t s e i e n s c h li m m e R e l i k t e d e s Ka l t e n Kr i e g e s , d i e das Dasein und die Psych e d er M en sch en b elasteten und d eshalb mit d er Zeit vers c h wi n d en m ü s st en , ga b es u n t er d en B onn er P oli t i k ern wi ed eru m k ei n e m erk l i c h en R ea k t i on en . Da s of fi zi e l l e B on n , d i e R e gi eru n g, d i e P a rt ei en n a h m en v on Daschitschews Äußerungen keine Notiz." N i c o l e S c h l e y b e h a u p t e t : „ V o n i h r e n E l t e r n ü b e r n a h m An g e l a M e r k e l d i e Ü b e r zeu gun g, d ass die Wied ervereinigun g Deu tsch lands ein hoh es p olitisch es Ziel sein mü sse. Diesen Ged ank en verfolgten d ie Eltern p rivat und b eru flich stets w e i t e r . S o s e t z t e s i c h Va t e r Ka s n e r z u j ed e r Z e i t b e wu s s t f ü r d i e Ge m e i n s c h a f t d e r O s t - u n d W e s t k i rc h en ei n . Au fg ru n d i h r e r Üb er z e u gu n g g e l a n gt e s e i n e T o c h ter 1989 zu d er Einsicht, dass sie in die Politik geh en müsse, um dieses groß e Ziel voranzubringen." Ü b e r d i e s e D a r s t e l l u n g k a n n m a n s i c h n u r wu n d e r n e i n g e d e n k d e r v i e l f ä l t i g e n Ak t i vi t ä t en von Va t e r Ka s n er g e g e n d i e d eu t s c h e E i n h ei t : V on s ei n em S ep a ra t i s mus als Leitungsmit glied des „Weißenseer Arb eitskreises" üb er seine spalt eris ch en Akti vität en a ls S yn oda ler bi s hin zu s ein em B ek enn tni s von 2005, d as s ih m auch nach 1990 „zwei Deutschlands" lieber gewesen wären. Angela Merkel s p i e l t m i t o f f e n e r e n Ka r t e n . In e i n e m In t e r v i e w m i t d e r „ Z e i t " , N r . 1 6 / 2 0 0 5 , g e s t a n d s i e : „ M e i n Va t e r wa r d e r M e i n u n g — d i e i c h g e t e i l t h a b e — , d a s s d i e T e i lung und alle damit verbunden en Folgen ein Ergebnis des von Deutschland be gonnenen Krieges ist ... Als Folge war es für ihn erklärbar." „ Ic h h a b e j e d o c h n i c h t d e n E i n d r u c k g e h a b t , d a s s A n g e l a b e s o n d e r s u n t e r d e r M au er g e li t t en h a t . " S o wi rd E x- Ga t t e Ul ri c h M erk el s o wo h l von J a c q u eli n e B oysen a ls a u c h von Ge rd La n g gu t h zi t i ert . Ge wi s s i st Fra u M erk els B ek u n d un g gla u b h a ft, ü b er d i e M a u eröff n un g „u n ei n ges c h rä nk t froh " ge wes en zu s ei n . Doc h wa s B i o g r a p h i n B o ys e n ü b e r i h r e S t i m m u n g u n m i t t e l b a r n a c h d e m h i s t o r i s c h e n 9. November 1989 berichtet, lässt nichts von heiß er Sehnsucht nach deutscher Einheit erk ennen : „Sie b lieb seh r sk eptisch. Sie hatte gelernt, mit d er Teilung d e r D e u t s c h en z u l e b e n , u n d wa r a n d i e E xi s t en z v o n D DR u n d B u n d e s r e p u b li k gewöhnt. Das Gedankenspiel um eine Wiedervereinigung war ihr, solange sie d e n k e n k on n t e , v e r we h r t g e w e s e n . E s f i e l i h r n u n n i c h t l e i c h t , d a s e i n g e i m p f t e Tabu zu brechen." W e d e r h a t s i c h An g e l a M e r k e l a n o p p o s i t i o n e l l e n B e w e g u n g e n g e g e n d a s k o m munistische Teilstaatsregime auf deutschem Boden beteiligt, noch gar für Bestre56

bungen engagiert, die auf Überwindung der deutschen Teilung abzielten. Als 1989 b ei d en M ontagsd emonstration en Zehntau send e „ Wir sind das Volk " au f den Straßen und Plätzen der DDR bekundeten, war sie nicht mit dabei. Auch nicht, als Hunderttausende „Wir sind ein Volk!" riefen. N a c h d em s i e i m F e rn s eh en a m 9 . N ov e m b e r 1 9 8 9 d i e An k ü n d i gu n g d e r u m g eh en d en Öf f n u n g d er B erli n er M a u er a u s d em M un d e d es P oli t b ü ro- M it gli ed s Gü n th er S c h a b o ws k i v e r n o m m e n h a t t e , e s w a r k u r z n a c h 1 9 . 0 0 U h r , b e g a b s i c h An g e l a M erk el nach eigen em Bekund en „wie ü b lich" an Donn erstagab end en zun äch st e i n m a l f ü r d r e i S t u n d e n m i t e i n e r F r e u n d i n i n d i e S a u n a a m T h ä l m a n n -P a r k i n O s t b e r l i n . Al s s i e wi e d e r h i n a u s k a m , g e r i e t s i e i n e i n e j u b e l n d e M e n s c h e n m e n g e , d i e i n R i c h t u n g a u f d i e g e ö f f n e t e M a u e r f l u t e t e . „ Ic h s a h d i e M e n s c h e n d i e B o r n h o l m e r S t r a ß e h i n u n t e r s t r ö m e n , i c h s c h l o s s m i c h d em S t r o m a n . " N a c h n u r ku rzer Zeit westwärts d er Mau er, die sie zu ein em Telefon at mit d er Tante in H a m b u r g n u t zt e, en t z o g s i c h An g e l a M e rk e l s c h n e l l wi ed er d e m a n s c h we l l e n d en B egeis t erun gs taum el (es wa r, a ls wollt e gan z B erlin d i e Nacht durch fei ern ). „ Ic h bin lieb er zu rü ck gegan gen. Ich musste am näch sten M orgen früh rau s. Un d so v i e l f r e m d e C o m p a n y — j e t z t wa r e s e r s t e i n m a l g e n u g , i c h wa r f ü r m e i n e V e r hältnisse ohnehin schon ziemlich weit gegangen." I n d e r M e r k e l- B i o g r a p h i e v o n B o y s e n l i e s t m a n w e i t e r . „ S i e t r a t w e n i g e T a g e n a c h d e r M au e r ö f f n u n g w i e g e p l a n t e i n e l ä n g s t v e r e i n b a r t e D i e n s t r e i s e n a c h Th orn an . Zu i hrer Verwu nderun g sp rach en d ort au sgerech n et i hre p oln isch en Kollegen ohne zu zögern von der raschen Vereinigung der beiden deutschen S t a a t en — a ls s ei n i c h t s s e lb s t v e rs t ä n d li c h e r a ls d i e Wi ed er h er s t e l lu n g d e r s t a a tli ch en Einh eit d er Deut sch en ." La n ggu th sch i ld ert d en Sachverha lt unt er B eru fun g a u f M e r k e l ' s c h e S e l b s t b e k u n d u n g e n ( In t e r v i e w m i t d e r „ B e r l i n e r M o r g e n p o s t ", 1 2 . J a n u a r 2 0 0 3 ) wi e f o l g t : „ D a n a c h — a m 1 3 . N o v e m b e r 1 9 8 9 — f u h r An g e l a M erk el erst ein mal au f ein e Dienstreise nach Polen , wo es sie ,erstaunt' hatte zu h ör en , , a ls Nä c h s t es k om m e d i e d eu t s c h e E i nh ei t ' . Ih r e Wi s s en s c h a ft s k olle gen , wa r en b a s s e rs t a u n t , d a s s i c h d a a u ft a u c h t e u n d n i c h t i n D e u t s c h la n d g eb li eb en wa r , w o d o r t d o c h g e r a d e a l l e s s o s p a n n e n d s e i . U n d d a n n s a g t e n s i e m i r , d a s s b e i i h r e m n ä c h s t en B e r l i n- B e s u c h D e u t s c h l a n d wo h l s c h o n wi e d e r v e r e i n i g t s e i . D a s h a t m i c h wi e d e r u m e r s t a u n t ' . " An g e l a M e r k e l r ä u m t ei n : „ S o we i t h a t t e i c h n i ch t ged a ch t . " Au c h h i er i st s i e s e lb s t eh rli c h er a ls m a n c h e i h rer Hofb i ogra p h en u nd vi ele i h re r s on s t i gen P rop a ga n di s t en , d i e i h r Lorb eer en a n di ch t en , wo es k ei ne zu ernten gibt. Ap rop os p o ln i s c h e Wi ed e rv er ei n i gu n gs -Vora u s s a gen , d i e s ozu s a gen a u f ei n „Ni x ver s t ehn " b ei bund es repub likani sch en P oli t -P romin ent en gest oß en sind : In s ein em Buch von 1990 „Deutsche Wahrheiten" schreibt Oskar Lafontaine: „Unplanmäßig 57

( I) k a m j e t z t d i e E i n h e i t a l s F o l g e d e s Z u s a m m e n b r u c h s d e s e u r o p ä i s c h e n Ko m muni smu s. Im Frü hjah r '89 saß ich in ein em M adrid er Hot el d em p olni sch en Schriftsteller Adam Schaff gegenüber. Als er behauptete, die deutsche Fra ge werd e b ald das wichtigste Th ema in Eu ropa sein, d enn die Wied ervereinigun g stehe vor der Tür, habe ich ihn nur ungläubig angesehen."

EUnigkeit und Recht und Freiheit ...
E i n wa h r e s H e r z e n s a n l i e g e n a b e r i s t An g e l a M e r k e l o f f e n k u n d i g d i e S c h a f f u n g e i n e s s u p r a n a t i o n a l e n E U -S t a a t e s , i n d e m a m E n d e v o n D e u t s c h l a n d a l s e i g e n s t ä n d i g e m , s e l b s t b e s t i m m t e m V ö l k e r r e c h t s s u b j e k t s o g u t wi e n i c h t s m e h r ü b ri g b l e i b t . In d e r E U v e r m e i n t s i e „ d a s e r f o l g r e i c h s t e p o l i t i s c h e P r o j e k t i n d e r G e s c h i c h t e u n s e r es Kon t i n en t s " e r k en n en zu k ön n en , wi e s i e i n d e m v on i h r h e ra u s gegebenen Sammelband „Europa und die deutsche Einheit", erschienen 2000, schrieb. „Das Ziel der endgültigen Einheit Europas ist ein fester Bestandteil un s e r e r p o li t i s c h en Id e n t i t ä t ", p rok la m i e rt e s i e d a . W ei t e r : „ D e u t s c h la n d s Z u k u n ft l i e gt i n E u rop a . . . Wi r wo l l en e i n gr oß e s u n d ei n s t a rk e s E u rop a . E i n u n g et ei lt e s Europa ... Wir wollen die dynamische Spitze Europas bilden." In s b es on d e r e h a t M e rk e l wi ed e rh o lt d i e M ü n c h n e r „ Ko n f e r e n z en fü r S i c h e rh e i t s p o li t i k ", T r e f f en h oc h k a rä t i g e r P o li t - In s i d er W e r t egem ei n s c h a ft , zu r en ga gi ert en d e r s o ge n a n n t en i h rer we s t li c h en

Da rs t el lu n g

eu r op a p oli t i s ch en

Gr u n d sa t zp os itionen genutzt. Au s i h r e r An s p r a c h e b e i d e r X L I. M ü n c h n e r S i c h e r h e i t s k o n f e r e n z , 1 2 . F e b r u a r 2 0 0 5 : „ E u r o p a b ra u c h t i m 2 1 . J a h r h u n d e r t e i n e g e m e i n s a m e Au ß e n - u n d S i c h e r heitspolitik ... Europa kann heut e zu einer gemeinsamen Außen - und Sicher h ei t s p oli t ik n u r fi nd en , wen n es s ei n e p oli t i s ch e In t egra t i on vora n t rei b t . " Wei t er p l ä d i e r t e M e r k e l i n d i e s e r R e d e f ü r e i n e E U - T r u p p e , d i e a u c h a u f a n d e r e n Ko n tinenten militärisch zum Einsatz komm en kann: „Die Aufs t ellung der europäischen B a t t l e Gr o u p s i s t ei n wi c h t i ge r S c h ri t t . . . D a m i t wi rd d i e E U h o ff en t li c h i n z we i b i s d r e i J a h r e n i n d e r L a g e s e i n , i n a k u t e n Kr i s e n a u c h a u ß e r h a l b E u r o p a s e i n z u g r e i f e n , w e n n i h r e S i c h e r h e i t s i n t e r e s s e n b e r ü h r t s i n d . Ic h b e g r ü ß e d e n v o r ges eh en en B ei t ra g Deu t s c h la nd s zu m i nd es t en s d rei d i es er Ka m p fgru p p en . " Üb er dies betonte Frau Merkel, dass „die weit reichende sicherheitspolitische E i n b i n d u n g d e r Tü rk ei i n eu ro p ä i s c h e S t ru k t u r en a n zu s t r eb en " s ei u n d d a s s „E u ropa sich nicht als Gegengewicht zu den USA verstehen"" sondern Brüssel einer „gemeinsamen Agenda" mit Washington folgen möge. In ihrer Red e bei der XL. Münchner Konferen z, 7. Februar 2004, hob die CDU -Füh rerin zu einer Hymne auf die EU-Verfassung an: „Der Weg dahin ist alternativlos. 58

Oh n e e i n e eu rop ä i s c h e V e rfa s s u n g h ä t t e E u r op a k ei n e Zu k u n ft . S i e s c h a f ft Kl a r h ei t d er Ko m p et en z en . S i e erm ö g li c h t E i n i gk ei t . S i e wi rd d es h a lb a u c h k o m m en , m i t e i n we n i g Gl ü c k v i e l l e i c h t s o g a r n o c h v o r d e n E u r o p a wa h l e n i m J u n i . " D e r E U -V e r fa s s u n g s v e rt ra g k a m d e n n a u c h , wen n a u c h ru n d ei n J a h r s p ä t er . Im B u n d e s t a g s t i m m t e n 5 6 9 v o n 5 9 4 a n we s e n d e n Ab g e o r d n e t e n i m M a i 2 0 0 5 z u . An g e l a M e r k e l h a t t e zu v o r i m P l en u m a u s g e ru f en : „ Ic h k a n n a u s v o l l e m H e r z en J a s a gen." Überhaupt h atte sie sich als treibende Kraft einer „Europaverfassung" p r ofi li ert. S o ford ert e si e 2000 in ih rem b ereit s erwähnt en „E u ropa " - Buch : „Es i st Au f ga b e d e r B u n d es r e gi e ru n g, d a s Th e m a V er fa s s u n gs v e rt ra g i n d i e e u r op ä i s c h e Debatte zu bringen." Die deutsche Nat ion allerdi ngs wurde von den Berliner Politikern an der Ent s c h ei du n g üb er d i e V erfa s s u n g d er E u rop ä i s ch en Un i on ni ch t b et ei li gt . S ä m t li c h e M e i n u n g s u m f r a g e n z e i g t e n ei n k l a r m e h rh e i t l i c h e s N e i n u n t e r d e r B e v ö l k e r u n g d er B u n d es rep u b lik . Doc h wi ed er ei n m a l h a t t e es i n D eu t s c h la nd n ic ht s zu s a gen , was das Volk sagt. Franzosen und Niederländer hingegen erhielten das freie W o r t a l s S t a a t s b ü r g e r u n d b ra c h t en d i e s o g e n a n n t e E U - Ve r f a s s u n g , d i e n u r b e i Z u s t i m m u n g a l l e r M i t g li ed s s t a a t en d e r Un i on i n Kr a ft t r e t e n k a n n , 2 0 0 5 b ei P l e bisziten mit deutlichen Mehrheiten zu Fall. M ü l l er -V og g n ot i e rt i n d i es em Zu s a m m en h a n g : „D i e ü b e r ze u gt e E u r op ä e ri n M e r k el ist grund sätzlich sk eptisch gegen üb er Volk sentsch eid en au f Bund eseb en e, egal um welches Thema es sich handelt." Evelyn „Plebiszite verletzen ihre Id e a l v o r s t e l l u n g e i n e r r e p r ä s e n t a t i v e n D e m o k ra t i e . " M a h n e n d s a gt An g e l a M e r k e l : „ W e n n H e l m u t K o h l d e n E u r o d a m a l s z u r Ab s t i m m u n g g e s t e l l t h ä t t e , w ä r e e r d u r c h g e f a l l e n . " W e l c h e i n Gl ü c k a b e r , l a u t C D U -C h e f i n , d a s s e s e i n e s o l c h e V o l k s e n t s c h e i d u n g f ü r d e n B e i b e h a l t d e r D -M a rk n i c h t g a b . D e n n s o h a b e e s g es c h eh en k önn en , d a s s „d er E u ro d en eu rop ä i s c h en E in i gun gs p roz es s u n u mk eh rb a r gemacht hat". Auch bei Abstimmungen über die Neuaufnahme von Staaten in d i e E U s o l l f ü r d i e a n g e b l i c h m ü n d i g e n B ü r g e r n a c h An s i c h t M e rk e l s g r u n d s ä t z l i c h g e l t e n : „ W i r m ü s s e n d r a u ß en b l e i b e n . " 2 0 0 0 v e r k ü n d e t e s i e i n i h r e m „ E u r o p a " - B u c h : „ D i e D e b a t t e u m e i n en V o l k s e n t s c h e i d z u r O s t e r w e i t e r u n g i s t d e r f a l s c h e An s a t z. Wi r k ön n en d i e M en s c h en n i c h t v on E u r o p a ü b e r z eu g en , i n d em wi r S k ep s i s u n d B e fü rc h t u n g en e i n F o ru m g e b en . " M i t d e rs e lb e n B e g rü n d u n g k ön n t e man dem Volk die Stimmzettel auch gleich ganz wegnehmen. D i e g e wa lt i g e O s t a u s d eh n u n g d e r E U, d i e 2 0 0 4 v o l l z og en wu rd e u n d d i e m i t d er bereits versprochenen Aufn ahme Bulgariens und Rumäniens 2007 fortgesetzt we r d en s o l l, k on n t e An g e la M e rk e l ga r n i c h t s c h n e l l g en u g g eh en . In i h r em „ E u r o p a " -B u c h v on 2 0 0 0 s c h r i e b s i e : „ D i e z ü g i g e u n d en t s c h i e d e n e O s t e r we i t e r u n g i s t f ü r d i e Z u k u n ft u n s e r e s K o n t i n en t s b ed e u t s a m . . . An d er O s t e r we i t e r u n g l a s59

sen sich der politisch e Wi lle und die politische Energie Europas erm ess en. An i h r l ä s s t s i c h a b l e s e n , o b wi r s e l b e r b e g r i f f e n h a b en , wa s a u f d e m S p i e l s t e h t . " Mü ller- Vogg gegenüb er äuß ert e Frau M erk el 2005 : „ Ic h bin fes t da von üb erzeu gt , dass die Beitrittsländ er im Osten genau so ein e Bereicherun g fü r Eu ropa sind, wie die neuen Bundesländer es für die Bundesrepublik waren."

„Das schlimme Wort vom deutschen Weg"
„ An g e s i c h t s d e s b e v o r s t e h e n d e n Ir a k -K r i e g e s h a t S c h r ö d e r d a s s c h l i m m e W o r t v o m , d e u t s c h e n W e g ' g e p r ä g t " , l i e ß s i c h An g e l a M e r k e l 2 0 0 5 i m Ge s p r ä c h m i t M ü l l er- V og g we i t e r ei n ; d i e b es a gt e P a ro l e s ei „ g e fä h r li c h ". B e i d e r X L. M ü n c hn er Kon feren z fü r Sich erh eit sp oli tik verkünd et e M erk el a m 7. Feb rua r 2004 : „Ein , d e u t s c h e r W e g ' i s t i m m e r d e r f a l s c h e W e g . " D a z u p a s s t , wa s d i e C D U - C h e f i n bei der XXXIX. Sicherh eitskonferen z in München in ihrer Ansprache vom 8. Februa r 2 00 3 p rok la m i ert e: „Di e e u rop ä i s ch e E i ni gun g u nd di e Ab s a ge a n S on d erweg e j ed we d er Ar t i s t d i e ra i s on d ' è t r e d es d e m ok ra t i s c h en D eu t s c h la n d s n a c h d er Ka tastrophe des Zweiten Weltkrieges. Für mich ist die enge Partnerschaft und F r e u n d s c h a ft m i t d en V e r ei n i g t en S t a a t en v on Am e ri k a eb e n s o e i n e Gru n d es s en z d e u t s c h e r S t a a t s v e r n u n f t , wi e e s d i e e u r o p ä i s c h e In t e g r a t i o n i s t . " In „ t a c h e l e s . 0 2 — Li v e-C h a t v on t a g e s s c ha u . d e " , 5 . F eb ru a r 2 0 0 3 , li eß s i c h F ra u M e rk e l wi e fol gt ve rn eh m en : „E s i s t ei n e d er Leh ren d er Ges c h i c ht e, da s s Deu t s c h lan d k ei n e S on d e r we g e a b s ei t s s ei n e r eu r op ä i s c h en u n d a m e ri k a n i s c h e n V e rb ü n d et en g eh en s o l lt e . " Äh n li c h M e rk e ls E i n la s s u n g i n d em v on i h r 2 0 0 0 h e ra u s g e g eb en en B u c h „Europa und die deutsche Einheit": „Die Zeit der Sonderwege ist vorbei." Von d er a n geb li c h en d eu t sc h en Da s ei n sb erec h t i gun g b zw. S t a a t s vern un ft s - E s s en z ä l a M e r k e l s t e h t a l l e r d i n g s i m Gr u n d g e s e t z n i c h t s . W o h l a b e r d e f i n i e r t d i e s e s d i e Bu nd es rep u b li k Deu t sc h lan d a ls Na t i ona ls t a a t un d verp fli c h t et di e d eu t s ch en P olit ik er im Am ts eid ( Artik el 56 und 64) zum E insa t z für di e n ati ona len B elan ge. V o n d a h e r i s t M e r k e l s Ab s a g e a n e i g e n s t ä n d i g e d e u t s c h e P o l i t i k — wi e a n d e r s wä r e d i e F o r d e r u n g n a c h V e r z i c h t a u f d en „ d e u t s c h e n W e g " b z w. a u f a l l e s o g e n a n n t en S on d e r we g e zu i n t erp r et i er en ? — s c h we r l i c h a l s v e r fa s s u n gs k on f o rm zu w e r t e n . G a n z z u s c h w e i g e n , d a s s d i e v o n d e r C D U -C h e f i n p r o p a g i e r t e „ r a i s o n d ' ä t r e " B u c h s t a b en u n d Ge i s t d e r U NO -C h a rt a wi d e rs p ri c h t , we l c h e d a s R ec h t ei n es j ed en V o lk e s a u f ei n en W e g n a c h ei g en er F a Q on v erb ri eft . D e r k a t e g o ri s c h e V e r z i c h t D eu t s c h la n d s a u f „ E i g en " - b z w. „ S on d e r we g e " wä r e i m ü b ri g en p a ra d ox e r we i s e s o z u s a g e n d i e g r ö ß t e E x t r a wu r s t a l l e r Z e i t e n , we i l k e i n e N a t i o n s o n st zu einer solchen Selbstkastration bereit ist.
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In i h r e r R ed e vo m 2 . F eb ru a r 2 0 0 2 b ei d e r „M ü n c h n e r S i c h e rh ei t s k on f e r en z " b e k l a g t e An g e l a M e r k e l „ d i e Vo r b e h a l t e d e r N a t i on a l s t a a t e n , z u g u n s t e n d e r E u r o p ä i s c h e n Un i o n a u f S ou v e r ä n i t ä t s r e c h t e z u v e r z i c h t e n ". S i e s e t z t e s i c h fü r e i n e „ V e r g e m ei n s c h a ft u n g d e r Kom p et en z en i n d e r In n en - u n d R ec h t s p o li t i k " a u f E U E b en e ei n , b ezei c h n et e d i e „E n t s ch ei du n g fü r ei n en eu rop ä i s ch en Ha ftb efeh l" a ls „überfä lli g", ri ef weit er aus: „Wir benötigen einen eigenen europäischen Geh e i m d i e n s t " , r i c h t e t e e i n e T i r a d e g e g e n „ K l e i n s t a a t e r e i i n s i c h e r h e i t s- u n d v e r e i d i gu n g s p o l i t i s c h e n F r a g e n " , f o r d e r t e e i n e „ g e m e i n s a m e R ü s t u n g s p o l i t i k " u n d plädierte für „gem einsam e Au ßen - und Sicherheitspolitik" (GASP ) der EU- Staaten. W ö r t l i c h : „ Lä n g e r f r i s t i g s o l l t e d i e G AS P v e r g e m e i n s c h a f t e t w e r d e n , a u c h we n n vi elen d er Ab schi ed gerad e von di esem B ereich d er nati onalen Sou veränität s c h wer fä l lt . " W ei t er i m M erk el' s c h en R ed et ext : „Di e E n t s ch ei d un g, ein e eu rop ä i sche Eingrei ftruppe ins Leben zu rufen, ist vollkomm en richtig. Dies e Eingreiftrup pe darf jedoch nicht zum Pap iertiger werden." Wobei „natürlich immer der Grundsatz gelten" müsse, „ein geeintes, handlungsfähiges und demok ratisches Europa als starken Partner, nicht als Konkurrenten der Vereinigten Staaten zu schaffen". In d i es e m Zu s a m m en h a n g f o rd e rt e M e rk e l u . a . e n gs t e Ko o p er a t i on z wi s c h en d e r E U -„E i n gr ei ft ru p p e " u n d d en U S - M i li t ä r s ( „t ra n s a t la n t i s c h es b u rd e r- s h a ri n g "; = La s t en t ei lu n g ) u n d d en Ab s c h l u s s ei n e s Ko op e ra t i on s a b k om m en s z wi s c h en E u ro p o l u n d d e m F B I; a l l i n c l u s i v e , a u c h m i t d e m „ A u s t a u s c h v o n D a t e n " , w i e d i e C DU -C h e fi n a u s d rü c k li c h b et o n t e. W en n E d ga r H oo v e r d a s n oc h er l eb en d ü r ft e ! Wü rd e Fra u M erk els Vi s i on Wi rk li c h k ei t , k önn t e da s Fed e ra l B u rea u of In v es t i ga t i on in Wa s h i n gt on D. C . s ei nem An s p ru c h un d Ru f, der wa c h sa m e Groß e B ru d er zu sein, auch diesseits des Atlantiks gerecht werden. Vom J ourn a li st en Mü ller- Vogg 2005 na ch ih rer „Vi si on für Eu ropa " 2020 b efra gt, n a n n t e An g e l a M e r k e l a l s i h r e H o f f n u n g e n : „ E i n h e i t l i c h e Au ß e n g r e n z e n " , „ g e m e i n s a m e Au ß e n - u n d S i c h e r h e i t s p o l i t i k " , „ g e m e i n s a m e r e u r o p ä i s c h e r S i t z i m W elt s i c h erh ei t s ra t ". Au c h m ö ge s i c h b i s da hi n „d er Ab s t a nd E u rop a s zu Am eri k a verringern".

Den Adolf Hitler niemals abbüßen?
Ge m ä ß d e m M erk e l ' s c h en E u ro p a - Ko n z ep t b li eb e k a u m n oc h et wa s ü b ri g v on n a t i on a ler S ou v erä n i t ä t. Ni c ole S c h le y i n d es b eh a u pt et u n verd ros s en : „ An g ela M e r kel lässt k einen Zweifel daran, dass ihr die nationalen Belange stärk er am Her zen liegen als das eu rop äisch e Projekt." Jacqu elin e Boysen mein t, b ei An gela Merkel „wenig emotionale Bindung an die EU" feststellen zu können und wähnt
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weiter: „Fü r sie steht ein Bek enntnis zu Deutsch land, ih r Begriff d es Deutschs e i n s i m V o r d e r g r u n d . " R e a l i t ä t s b e z o g e n e r e r s c h e i n t d a s c h on d i e An a l ys e v o n E v e l yn R o l l , d i e i n i h r e r Le b e n s b e s c h r e i b u n g d e r An g e l a M e r k e l a n m e rk t , d a s s d i e „p os t n a ti on a le Ges e lls c h a ft " (ei n Wort von J ü rg en Ha b erm a s ) „n i c h t n u r zu m e r k l ä r t e n Z i e l d e r Li n k e n , s on d e rn a u c h d e r e u r o p ä i s c h o ri e n t i e r t e n C D U " h a b e we r d en k ön n en . R o l l we i t er : „ P s yc h o l ogi s c h i s t d a s s o e i n e Ar t Id e n t i t ä t s a b s p a ltung als Sühneidee gewesen: Wenn wir den Nationalstaat, unsere nationale Id entität a ls fü r immer untergegan gen bet racht en, haben wi r di e richtigen S c h lu s s f o l g eru n g en a u s d er d e u t s c h en Ge s c h i c h t e g e z o g en . Da m i t i s t d a n n a u c h die historische Schuld abgegolten." Wenn denn ein solches „Abgelten" beabsichtigt wäre! Doch am 4. Dezember 2003 berichtete die „Jüdische Allgemeine", Organ des Zentralrats d er Juden in D e u t s c h l a n d , wi e f o l g t v o m C D U- B u n d e s p a rt e i t a g i n Le i p z i g : „ D i e V o r s i t z e n d e l i e ß k e i n e n Z we i f e l : F ü r e i n e P a r t e i wi e d i e C D U g e h ö r e z u r , s t ä n d i g e n Au s s ö h n u n g a u c h d i e f ort wä h r en d e An e rk en n u n g d es Un a u s s öh n li c h en , d er S i n gu la ri t ä t d e s H o l o c a u s t . J a , m e h r n o c h . G e r a d e d i e s e An e r k e n n u n g h a t u n s d o c h z u d e m La n d g e m a c h t , d a s wi r h e u t e s i n d — f r e i v e r e i n t , s ou v e r ä n . ' . . . E s wi d e r s p r a c h i h r n i e m a n d i m S a a l . " ( „ S o u v e r ä n " wa r wi r k l i c h gu t !) . B e i e i n e r V e r a n s t a l t u n g d es J ü d i s ch en We lt k on gres s es i n B erli n , 2 7 . Apri l 2 0 04 , b et on t e M erk el la u t d p a , „dass es wichtig sei, gerade der jüngeren Generation die dunklen Seiten der d eu t s ch en Ges c h i ch t e wei t er z u verm i t t eln ". In d er „ Z ei t ", Nr. 1 6 /2 00 5, a nt wort et e d i e C D U- V o r s i t z e n d e a u f d i e F r a g e , o b e i n „ A b b ü ß e n d e r N S - V e r b r e c h e n " d u rc h d i e D eu t s c h en m ö g li c h s ei : „ N ei n . Da s k a n n m a n n i c h t a b b ü ß en . E s b l ei b t eine immerwährende Verantwortung." Im Ges p rä c h mi t d em jüd i s chen M a ga zin „Tri b ü n e" äu ß erte An g e la M erk el 2 0 05 : „ D e r B u n d e s k a n z l er s p ri c h t of t d a v on , d a s s d a s E n d e d er N ac h k ri e g s z ei t g ek om m en s ei . Ic h fi nd e, m an mu s s m i t ei n er s olc h en Form u li eru n g s eh r vors i c h t i g s ei n . . . E s s t i m m t a u s d rü c k li c h n ic h t , d a s s d i e C D U ei n E n d e d e r V e r f o l gu n g v on NSVerb rech en ford ert. Und wi r wollen a uch k ein en ‚Sch lu ss strich ' unt er di e NS- Zei t zieh en ." Un d am 14. Septemb er 2005 meld ete das israelisch e Tageb latt „Haare t z " , h i e r z i t i e r t n a c h s e i n e r Au s g a b e i n e n g l i s c h e r S p r a c h e , d a s s s i c h d i e Ka n zlerkandidatin Merkel „wegen des Nazismus und der Einzigartigkeit des Holo c a u s t " g e g en e i n en „ S c h lu s s s t ri c h " a u s g es p r oc h en h a b e (W ö r t li c h : „ T o e r a s e t h e past is something I don't accept because Nazism and the uniqueness of the Holocaust are pari of our history.")

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„Auf Parteiensuche gegangen”
„M i t d e m M a u e r fa l l a m 9 . Nov e m b e r 1 9 8 9 ru t s c h t e s i e i n di e P o li t i k ", b eh a u p t e t e P rof. E li s a b et h Noe ll e i n d er „ F AZ" vom 1 7 . Nov em b er 2 0 04 üb er An ge la M er k el. „ Wi e ei n Ali en i s t s i e n a ch zwöl fj ä h ri gem Dorn rös c h en s c hla f a u s ih rem s t au b i g e n Lab or hinter der Berliner Mauer in den westdeutschen Politikbetrieb g e s c h l e u d e r t wo r d e n " , s c h r e i b t E v e l yn R o l l ü b e r M e r k e l s An f a n g i n d e r P o l i t i k gegen End e d er DDR. Doch : Gan z ab geseh en d avon , dass es in d er fast sch on preußisch auf Sauberkeit und Ordnung haltenden DDR keineswegs „staubig" wa r , s c h on ga r n i c h t i m Z en t r a lh ei li gt u m d er d o rt i g en F o r s c h u n g, d e r Ak a d em i e d e r W i s s e n s c h a f t e n ( e s i s t j a a u c h g e wi s s „ v e r s t a u b t " i m S i n n e v o n h i n t e r w ä l d lerisch gemeint), und dass man Vorbehalte gegen die Beschreibung von Frau M erk el als „Dorn rösch en " od er au ch als „Alien " an melden k önn te: Rutsch end b z w. s c h l eu d e rn d g e s t a lt et e s i c h i h r B egi n n en i n d e r P o li t i k n a c h d em M a u e rfa l l sicher nicht, sondern sie ging bedächtig zu Werke. Wi e a lles anfin g mit ihrer Su che nach einer Part ei, Wochen nach der Maueröff n u n g 1 9 8 9 , li e s t s i c h i n An ge l a M e rk e ls e i g en en W o rt en fa s t s o, a ls h a n d e lt e e s s i c h u m ei n en E i n k a u fs b u m m e l i m Ka D e W e. „ S o b i n i c h m i t m ei n em C h e f Kl a u s U l b r i c h t a u f P a rt e i e n s u c h e ge g a n g e n " , s a g t s i e . B e i d e m N a c h n a m e n s v e t t e r d e s e i n s t i g e n D DR- D i k t a t o r s h a n d e l t e e s s i c h u m M e r k e l s V o r g e s e t z t e n a n d e r Ak a demie der Wissenschaften, der sie später dann auch für ihre Part eiarbeit frei s t el lt e. „ Ulb ri c h t i s t b ei d er S DP i n B erli n -Tr ep t o w h ä n gen geb li eb en ", fä h rt M er kel in ihrem B ericht fort. Unter dem Kürzel SDP hatten die parteipolitischen Ak t i vit ät en d er Soziald emokrat en in d er Wen d e- DDR b egonn en. Au ch An gela Merkel lugte bei den Sozis hinein, blieb dort aber nicht „hängen". Biograph La n g gu t h : „E i n e M i t gli ed s c h aft i n d er S DP h ä t t e s i e i rr ev e rs i b el b er ei t s a u f ei n e b es t i m m t e we s t d eu t s c h e P a rt e i f or m a t i on v e rp f li c h t et . " An g e l a M erk e l a b e r h a b e es vorgezogen, sich verschiedene Optionen offenzuhalten. Al s o b u m m e lt e s i e we i t er . B i s s i e a u f d en D em ok r a t i s c h en Au fb ru c h (D A) s t i eß , d e r im Ok t ob e r 1 9 8 9 v on a c h t zi g P er s on en m ei s t a u s d em k i rc h li c h en B e r ei c h i n d er B erli n er S a m a ri t erg em ei n d e a ls S a m m lu n gs b ewe gu n g Op p os i ti on ell er g egrü nd et wo rd en wa r. M e rk e l- B i ogr a p h La n g gu t h : „ S i e b et r a t ers t zu ei n e m Z ei t p u n k t die politische Arena, als die Bürgerrechtler unter groß en Risiken bereits den Durchbruch gegen eine totalitäre Diktatur erkämpft hatten. Wenige Tage vor Weihn ach ten 1989 , fast sechs Woch en n ach d er M au eröffnun g, entschied sich An gela Merk el, im Demokratis chen Aufbruch (DA) mitzu wirken ." Der DA, d er sich a m 1 7 . D e z e m b e r 1 9 8 9 a u c h a l s P a rt e i k o n s t i t u i e r t h a t t e , wu r d e z u d i e s e m Z e i t-

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p u n k t n eb en d e m „N eu en F o r u m " (b ei d em Va t e r Ka s n e r m i t m i s c h t e ) a l s Fa v o ri t für den Sieg bei den kommenden DDR-Wahlen gehandelt. Der D DR -opp osit i on elle Th eologe und na chma li ge Mita rb eit er d er Gauck - B eh örd e E h rh a rt Neub ert , ei n er d er D A -Grü n d er, s c h ri eb üb er ei n g e wi s s es S p ä t ei n s t ei ger tu m von End e 1 989 : „Sie h ab en au f d ie Gelegen h eit gewartet, d ass das Risik o nicht mehr s o hoch ist. Wi r haben sie im mer Novemb errevolutionäre genannt." Bei Merkel wäre sogar „Dezemberrevolutionärin" zutreffend. Lo t h a r d e M a i zi è r e b eh a u p t et h eu t e, An g e la M e rk e l s ei woh l „n u r zu f ä l li g i n d i e C DU gerat en ". P rof. R a lf Der, b efreund et mit M erk el, s eit er ih re Dip loma rb eit an d e r Le i p z i g e r U n i v e r s i t ä t b e t r e u t e , f i n d e t : „ S i e k ö n n t e g e n a u s o g u t a u c h i n d e r S P D s ein. " Bi ographin Leßn erk rau s cha rakt eri si ert M erk els p oli tis ch en „S tand ort " wi e f o l gt : „ S i e i s t k on s e r va t i v , li b e ra l u n d p r o g r es s i v z u g le i c h . " B i o gr a p h La n g guth sieh t in M erk el „ein e Rep räsentantin ein es h eute sichtb aren Trends, d em zufolge Politiker der großen Parteien häufig als austauschbar erscheinen". E v e l yn R o l l s t e l lt ei n e i n d i es e m Zu s a m m en h a n g b e s on d e rs i n t er e s s a n t e B et ra c h t un g a n : „Kei n er v on d en R e volu t i on ä ren d es J a h res 1 989 sp i elt ei n e wi rk li c h b e d e u t e n d e R o l l e i n d e r v e r e i n i g t e n B u n d e s r e p u b l i k . Au ß e r V e r a L e n g s f e l d , G e r d Poppe und Rainer Eppelmann ist kaum einer was geworden in der bundesdeut s c h en P o li t i k . S i e wu rd en a l le s a m t zu Op f e rn d e r D em o k ra t i e, d i e s i e s e lb e r m i t e r k ä m p ft h a t t en . Un d wä h r end s i e a n i h r en i d e o l o gi s c h en H e m m u n g en u n d B r em sen gebastelt haben, während also auch diese Revolution wi eder einmal ihre Ki n d e r v e r z e h r t e , p r o f i t i e r t e n d i e a n d e r e n , d i e n e u d a z u g e k o m m e n w a r e n , wi e An g e l a M e rk e l. " Da zu p a s s t e i n zu t r e f f en d er Hi n we i s von „ B B C n e ws " , 1 9 . S ep t em b er 2 0 05 , d em zu folg e An g ela M erk e l von a ll en „Os s i s " d i e ei n zi ge s ei , d i e i n d er C DU -Fü h ru n g ü b erleb t h a b e: „S h e i s t h e on l y p rom i n e n t , Os s i ' (ea s t ern er ) t o have survived in the CDU leadership."

I m Anfang w ar der „B ruder S chnur"
„Un er wa rt et s c h n ell zä h lt e s i e zu m Krei s v on 9 0 ha up t am t lic h fü r d en Dem ok ra t i s c h en Au fb ru c h t ät i gen M it a rb ei t ern i n d er DDR ", h ei ß t es i n J a c qu eli n e B o ys en s M erk el - Bi ographi e: Ab 1. Februa r 1990 wa r si e Angest ellt e in d er Ges chä ft ss t elle d es DA i n Os t b erli n . Un d p lötzli c h a uc h, s ch on ein e Woc h e s p ät er, a m 8 . Feb ru a r 1990 — drei Tage, nachdem DA, CDU und DSU, veranlasst von Kohl, für die V o l k s k a m m e r wa h l d e s n ä c h s t e n M o n a t s d i e „ A l l i a n z f ü r D e u t s c h l a n d " b e s i e g e l t h a tt en — , a van c i ert e An ge la M erk el zu r D A -P res s es p r ec h eri n . M it d i es em P os t en b e ga n n i h r e s t e i l e p o li t i s c h e Ka r ri e r e n a c h Un t e r ga n g d es k om m u n i s t i s c h en d eu t schen Teilstaatsregimes.
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E s wa r W o l f ga n g S c h n u r, d e r d a m a l i g e C h e f d e s D e m ok ra t i s c h en Au fb ru c h s , d er i h r d am i t zu m p oli t i s ch en Durc h b ruc h verh a lf. Wob ei s i e s elb s t b eh a up t et , es s ei e i n e Ad -h oc -E n t s c h ei d u n g d es D A- An fü h r e rs g e we s en , s i e z u r P r es s es p r ec h e ri n z u e r k l ä r e n . D a s i c h S c h n u r v o n An g e l a M e r k e l a u c h R e d e n r e d i g i e r e n u n d z u m T e i l s o ga r a u s a rb ei t en li eß (s i e h a b e d i e An s p r a c h en „ g e wi s s e rm a ß en a u s i n h a l t l i c h en V e rs a t z s t ü c k en g es c h a f f en ", s c h r ei b t B o ys en ), i s t a b e r zu v e rm u t en , d a s s e r s i c h s c h o n g e n a u ü b e r l e g t e , w e n e r d a f ü r d i e g e s a m t e M e d i e n a r b e i t b e s t a l l te D e r 1 9 4 4 i n S t e t t i n g e b o r e n e S c h n u r, n a c h H a l a c h a , d e n a l t t r a d i e r t en j ü d i s c h e n B e s t i m m u n g e n , e i n J u d e ( we i l s e i n e M u t t e r J ü d i n wa r ) , h a t t e i n d e r D D R a l s J u rist und Mann der Kirche Karriere gemacht. Protegiert wurde er von Manfred Stolpe (Kirchenfunktionariat) und von Erich Mielke (Staatssicherheit; Minister). Ab Mitte der 60er Jahre bis in die Zeiten, da das rote Regime in den letzten Zügen lag, stand Schnur in Diensten der Abteilung XX d es Ministeriums für Staatssicherheit (B espitzelung und Zers et zung kirchlicher und oppositioneller Gruppen). In d e r K i r c h e n a n n t e m a n i h n „ B r u d e r S c h n u r " ; d i e S t a s i f ü h r t e i h n u n t e r d e n D e c k n a m en „ T or s t en " u n d „ Dr . R a lf S c h i r m er ". M f S - C h ef M i e lk e d ek o ri e rt e i h n mit diversen Orden. G e wi s s e n l o s b e t r i eb S c h n u r V e r r a t a u c h a n M a n d a n t e n a u s Op p o s i t i on s k r e i s e n , d i e s i c h Hi l f e v on i h m e rh of ft en . Un d n i c h t m i n d er s k ru p el l o s s p i t z e lt e e r i n d e r Ki rc h e . E r wa r la n g e M i t g li ed d e r S yn od e d er E va n g e li s c h e n Ki rc h e i n M ec k l en bu rg, zeit wei s e Vi zepr äs es d er S yn od e d er E van geli sch en Ki rch e d er Uni on (E KU) u n d S yn o d a l e r d e s B u n d e s d er E v a n g e l i s c h e n Ki r c h en i n d e r D D R . „ H e u t e k a n n m a n i n S c h n u r s IM - T o r s t e n -Ak t e n n a c h l e s e n , wi e b i t t e r e r s i c h b e i s e i n e m F ü h r u n g s o f f i z i e r b e k l a g t h a t ü b e r d i e s e s g e h e u c h e l t e Ge t u e m i t e i n e m Go t t , a n d en er nicht glaube, diese ewige Beterei für die Stasi", schreibt Evelyn Roll. He lm u t Koh l, Vors i t z en d er d e r C h ri s t lic h - Dem ok ra t i s ch en Un i on u nd Ka n zler d e r B u n d e s r e p u b l i k D e u t s c h l a n d , f r a ß z u r W e n d e z e i t e i n e n Na r r e n a n S c h n u r , p ri e s i h n i n M e d i en a l s „ M a n n , d e m S i e v e r t r a u en k ö n n e n " u n d s t e l l t e i h n i n a l l e r Ö f f e n t l i c h k e i t s o g a r s c h on a l s „ d e n k ü n f t i g e n M i n i s t e r p r ä s i d e n t e n d e r D D R " v o r . Doc h k u rz vor d er Vo lk s k a mm er wa h l i m M ä rz 1 9 90 k a m en „B ru d er S c h n u rs " S t a si -Schurkerei en heraus. Er trat vom DA -Vorsit z zurück, legte sich einen veritablen N e r v e n z u s a m m e n b r u c h z u u n d g a b ö f f e n t li c h e S c h a u s p i e l e i n S e l b s t m i t l e i d . E s d a u e r t e b i s 1 9 9 3 , d a s s i h m d i e An wa l t s z u l a s s u n g w e g e n M a n d a n t e n v e r r a t s u n d Un wü rd i gk ei t en t zog en wu rd e , u nd s oga r b i s 1 99 6, d a s s das B erli n er La n d geri c h t i h n zu ( l ed i g li c h ) ei n e m J a h r a u f B e wä h ru n g i m Zu s a m m en h a n g m i t s e i n er S t a s i T ä t i gk ei t v eru rt ei lt e. Un g ek lä rt i s t , i n wi e we i t S c h n u r s wi e d e rh o lt e Hi n wei s e a u f seine jüdische Herkunft während des Prozesses und die lauthalsen Drohungen an
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d a s G e r i c h t ( „ S i e s e t z e n e i n e J u d e n v e r f o l g u n g f o r t !" ) d a s S t r a f m a ß b e e i n f l u s s t e n . E i n s p ä t e r e s V e r f a h r e n g e g e n i h n w e g e n d e s V o r wu r f s , e r h a b e n a c h d i v e r s e n P l e i t e n i m J a h r e 1 9 9 9 m i t e i n e m i s r a e l i s c h e n u n d e i n e m s c h w a r z a f r i k a n ischen Kumpan versucht, gefälschte Wertpapiere im Nennwert von einem zweistelligen Millionenbetrag bei einer Bank zu versilbern, verlief im Sande. An g e l a M e r k e l t a t d e r S t u r z i h r e s s t a s i v e r s e u c h t e n P r o t e g ä s f r e i l i c h n i c h t we h . U n d a u c h d a s s ch wa c h e D A - E r g e b n i s b e i d e r V o l k s k a m m e r w a h l i m M ä r z 1 9 9 0 ( d i e n u n S c h n u r -l o s e T r u p p e e r r a n g g e r a d e m a l 0 , 9 3 % , w a s n u r v i e r M a n d a t e b r a c h t e ) wi r k t e b e i i h r n i c h t k a r ri e r e h e m m e n d . Au f d e r v on C D U , D S U u n d D A verei nba rt en „Alli an z -fü r - Deut sch land" -P rop orzschi en e rutscht e s i e in s Amt ein er s t e l l v e rt r et en d en P r es s es p r ec h e ri n d e r DDR- R e gi e ru n g — a l s Vi z e v on M a t t h i a s Geh ler, d er zu vor Mit arb eit er d es Zent ra lb lat t es „Neu e Zeit " d er B lockpa rt ei CDU ge wes en wa r u n d d an n a ls R efer en t d es s c h li eß li c h ü b er s e i n e S t a s i -V ers t ri c ku n g gestrauchelten Generalsekretärs der Ost-CDU, Martin Kirchner, gewirkt hatte. Al s s t e l l v e rt r et en d e P r es s ea m t s c h e fi n g eh ö rt e An g e l a M erk e l a u c h d e m M i n i s t e r rat an, a ls o d em Kabin et t d er let zt en DDR- R egi erun g, di e von Lot ha r d e Mai zi ère ( C D U- O s t ) g e fü h rt wu rd e. D en P os t en b ek l ei d et e s i e v on Ap ri l b i s zu m Vo l l zu g d er Wi ed ervereini gun g, An fang Okt ob er 1990, d en Mini st erp rä sid ent en b ei s ein en B e s u c h en i n a l l en b ed eu t en d en Ha u p t s t ä d t en E u r op a s b e g le i t en d . Di e k lä g li c h en Reste d es Demok ratisch en Au fb ru chs ab er sch lossen sich im Au gu st 1990 d er D DR -C DU a n . Au f d i es e W e i s e k a m An g e la M e rk e l a n d a s P a rt ei b u c h d e r C h ri s t demokraten.

Rettung aus Dritter-Oktober-Depression
N a c h d e m S t a s i -S c h n u r w e g v o m F e n s t e r w a r , ü b e r n a h m e i n a n d e r e r P o l i t i k e r , d e s s e n Ka r r i e r e s p ä t e r s k a n d a l ö s z u s a m m e n b r e c h e n s o l l t e , d i e B e o b h u t u n g u n d Förd erun g An gela M erk els: Gü nth er Krau se, d er als Parlamen tarisch er Staatss ek r et ä r wi e s i e , d i e Vi z e- P r es s es p r ec h e ri n , d i r ek t i m Am t d es M i n i s t erp rä s i d en t e n d e M a i z i è r e i n O s t b e r l i n a n g e s i e d e l t wa r u n d s c h o n v o n d a h e r v i e l K o n t a k t zu Merkel hatte. D r . -In g . G ü n t h e r K r a u s e w a r „ d e r S t a r d e r N a c h w e n d e -Z e i t , H e l d d e s O s t e n s , Vorzei ge -Os si von Koh l" (E velyn R oll). Der C DU - Kan zler, ähn lich enthu sia sm i ert wi e z u vo r v on „B ru d e r S c h n ur " , s a n g i n a l l e r Öf f en t li c h k ei t , b ei Kr a u s e h a n d e l e es sich um „das große p olitische Ta lent der neu en Bundesländer". Krause wa r 1 9 5 3 i n Ha l l e a n d er S a a l e zu r W e l t g e k om m en , s e i t 1 9 7 5 M i t g li ed d e r B l oc k p a r t ei -CDU in d er DDR, ab 1982 an d er In geni eur- Hoch schu le in Wis ma r t äti g. Nach seiner Wahl in die Volkskammer, März 1990, übernahm er die Führung der Frakti66

o n s g em e i n s c h a ft a u s C DU u n d D A. Al s S t a a t s s ek r et ä r wa r e r a n d en V e rh a n d lu n gen für d en deutsch- deutsch en Einigungsvertra g vom 21. Juli 1990 ma ßgeblich beteiligt. Am 3 . Oktob er 1990 wu rd e dan n au fgrund d es vorgen annten Vertrages d er Ans c h lu s s d e r fü n f Lä n d e r d e r e h e m a l i g e n D e u t s c h e n D e m o k r a t i s c h e n R e p u b l i k a n d i e B u n d es r ep u b li k D eu t s c h la n d a m t li c h v o l l z o g en . Da m i t h a t t e s i c h d a s Da s ei n d er DDR -Regi eru n g er l ed i gt . An j en em 3 . Ok t ob er, d es s en Wi ed e rk eh r a llj ä h rli c h als Nation alfeiertag d er Deutsch en zeleb riert wird , hatte An gela M erk el aller d i n g s , wi e B i o g r a p h i n E v e l y n R o l l s c h r e i b t , „ H a l b m a s t - Ge f ü h l e " . M e r k e l s e l b s t b e r i c h t et : „ Ic h h a t t e i n d e r Na c h t j a g e r a d e m e i n e n s c h ö n en P o s t en a l s s t e l l v e r tretende Regierungssprecherin eines nun nicht mehr existierenden Staates v e r l o r e n . J e t z t s o l l t e i c h a l s R e f e r e n t i n i m B u n d e s p r e s s e a m t a r b ei t e n m i t B e s o l d u n g s zi ff e r A 1 3 . V o rh er m u s s t e i c h a b e r n oc h i n W e s t -B e rl i n ei n e E i n s t e l lu n gs u nt ers u c hu n g fü r d en öffen t li c h en Di en s t üb er m i c h ergeh e n la s s en . Un d wei l i c h einen hohen Blutdruck habe, sagte man mir, es sei gar nicht sicher, ob ich in den öffentlichen Dienst übernommen würde. Und ich dachte: Gerade hast du noch bei Mitterrand gesessen, nun bist du wieder vereint — und nichts mehr." Als R et t er aus Dritt er- Okt ob er -Dep ressi on erwi es si ch : Günth er Kra us e. Der „s ta r k e M a n n " d e r C D U i n M e c k l e n b u r g - V o r p o m m e r n h a t t e A n g e l a M e r k e l d e n B u nd e s t a g s wa h lk r e i s 2 6 7 , R ü g e n / S t r a l s u n d / Gr i m m e n , d e n f ü r d i e C h ri s t d e m o k ra t en s i c h e r s t en v on a l l en i m La n d a m Os t s e e s t ra n d o r ga n i s i e rt . Na c h d e m m a n b ei d e r Nominierun g ein es d ort b ereits als Bewerb er gewäh lten Parteifreun d es „ein en F o r m f e h l e r g e f u n d en " h a t t e , wa r d e r W e g f r e i . D i e Au f s t e l l u n g An g e l a M e r k e l s als Bundestagskandidatin erfolgte in Prora auf Rügen. D i e M e r k e l - Kü r f a n d i n d e n R ä u m l i c h k e i t e n d e r e h e m a l i g e n M i li t ä r t e c h n i s c h en Schule „Erich Habersaath" der DDR statt. Das Gebäude gehört zu dem an der P rorer Wi ek gelegen en ri esi gen „Kra ft du rch Freud e" -Zent rum , d em größt en Zi vi l b a u we rk d e s D ri t t en R ei c h e s . Ar c h i t ek t P r o f e s s o r C l em en s Kl o t z wa r f ü r s ei n en E n t wu r f 1 9 3 7 b e i d e r P a r i s e r W e l t a u s s t e l l u n g v o n d e r i n t e r n a t i o n a l e n J u r y m i t d e r Go ld m ed a i l l e a u s g e z e i c h n et wo rd en . Ad o l f Hi t l e r d a c h t e s i c h P r o ra a ls F e r i enparadies für Hunderttausende Arbeiter und ihre Familien, wozu es kriegs bedingt nicht kam. Die sich über Ki lomet er erstreckende An lage stand in der D DR we i t g eh en d u n g en u t zt he r u m u n d d en H er r s c h en d en n a c h 1 9 9 0 i s t a u c h k ei ne sinnvolle Verwendung eingefallen. An g e l a M e rk e l er r e gt e d a m a ls ü b ri g en s n oc h m i t i h r em ei g e n t ü m li c h en „Ou t fi t ", S c h l a b b e r r o c k m i t „ J e s u s l a t s c h e n " u . ä . , Au f s e h e n . D e r J ou r n a l i s t H u g o M ü l l e r V o g g w e i s t a u f e i n e p r o p a g a n d i s t i s c h e Ü b e r l e g u n g h i n , d i e i n f ü h r e n d e n C D U67

Kr e i s en a n g e s t e l lt wo rd en s ei . D e m zu f o l g e wo l lt e m a n „ ei n en z we i t en Fa l l S a b i n e B e r g m a n n- P o h l v e r m e i d e n " . D i e s e , V o l k s k a m m e r- P r ä s i d e n t i n 1 9 9 0 u n d p r o m i n en t e s t e D DR- C h ri s t d em ok r a t i n d er e rs t en W e n d e z e i t , s e i „d u r c h i h r e E s c a d a Kostüme bekannt geworden" und habe durch ihre Extravaganz im Volk Unbehagen ausgelöst. Gü n t h e r K r a u s e , d e r u n t e r d es s e n i n s Ko h l - Ka b i n et t n a c h B o n n g e w e c h s e l t wa r , s et zt e s i c h zu s ä t zli c h da fü r ei n , d a s s d i e a m 2 . Dezem b e r 1 9 90 fri s c h in d en Bu nd e s t a g g e wä h l t e An g e l a M e r k e l a u c h z u M i n i s t e r wü r d e n k a m . H e l m u t K o h l b er i c h t et e s p ä t e r. „E s wa r Kr a u s e , d e r s ei n en E i n f lu s s b ei m i r g e lt en d m a c h t e , u m An gela M erk el in d ie erste gesamtd eutsch e Bund esregierun g zu b eru fen." Bei E v e l yn R o l l li es t s i c h d er Vo r gan g f o l g en d e rm a ß en : „ Al s Ko h l d r ei os t d eu t s c h e Minister in seinem Kabinett haben wollt e, ist es Krause gewesen, der gesa gt h a t : Gu c k d i r d oc h m a l d i e An g e la M e rk e l a n . " S o k a m es d a n n s c h li eß li c h zu i h r e m Ka r r i e r e s p r u n g i n s B u n d e s k a b i n e t t . Am 1 8 . J a n u a r 1 9 9 1 wu r d e M e r k e l a l s Bundesministerin für Frauen und Jugend in der Regierung Kohl vereidigt. W e r a l s A n g e h ö r i g e r d e s M i n i s t e r i u m s- A p p a r a t s g e d a c h t h a b e n m a g , M e r k e l , Koh ls h a rm los a n m u t en d es „M äd c h en ", k önn t e i m li s t en- , fi n t en - un d i nt ri gen reichen Bonn nicht mithalten, sah sich rasch getäuscht. Sie sei „bald geachtet, a b e r a u c h g e fü rc h t et " wo rd en , b e ri c h t et E v e l yn R o l l. W e i t e r : „ An gi e d i e S c h l a n g e , h i e ß e s i m M i n i s t e r i u m . An g i e i s t g e f ä h r l i c h . " D i e B i o g r a p h i n z i t i e r t e i n en e h e m a l i g e n M i t a r b e i t e r d e r M i n i s t e r i n : „ S i e g u c k t e d i c h a n wi e e i n e S c h l a n g e . Du wusstest noch gar nicht, was will sie überhaupt, schon schnappte sie zu." U n d Kr a u s e ? N o c h a m 1 4 . D e z e m b e r 1 9 9 1 h a t t e An g e l a M e r k e l i n e i n e m In t e r vi e w m i t d em „Ha m b u rger Ab en d b la tt " ü b er i h n erk lä rt : „ Ic h s c h ät ze s ei n e Arb ei t u n g e m e i n . E r i s t e i n V e r t r e t e r d e r o s t d e u t s c h e n In t e r e s s e n . Ü b e r i h n wi r d s e h r v i e l U n g e r e c h t e s g e s c h ri e b e n u n d g e s p r o c h e n . " D a s wa r n o c h zu e i n e r Z e i t , a l s Kr a u s e z wa r s c h on a n g e g r i f f e n , a b e r l ä n g s t n o c h n i c h t a n g e s c h l a g e n wa r . D oc h dann geri et Merk els Pa rt eifreund und Prot egé wegen Ska ndale in sch were Was ser. Prompt ließ sie ihn fallen wie ein en glüh end en Erdap fel. Und sie b eerb te i h n a u c h n o c h i m J u n i 1 9 9 3 i m C D U- L a n d e s v o r s i t z v o n M e c k l e n b u r g- V o r p o m mern. Dabei handelte es sich bei den Affären Krauses, vergleicht man sie mit dem S ü nd en regi s t er a n d erer P oli t i k er, d i e un verd ros s en i n Am t u nd Wü rd en geb li eb en s i n d , u m „ p e a n u t s " : D a g a b e s e i n e s o g e n a n n t e P u t z f r a u e n a f f ä r e ( K r a u s e s Ga t t i n , n i c h t e i n m a l e r s e l b s t , h a t t e z u r B e z a h l u n g e i n e s A t a - G i r l s M i t t e l d e s A rbeitsamtes beansprucht) und eine Umzugsaffäre (Steuergeld für Umzugskosten).

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S p ä t er a lle rd i n gs s t and er we gen i ll ega ler Wä h ru n gs s p ek u la t i on vor Ge ri c h t , wu r de auch verurteilt, doch hob der Bundesgerichtshof das Verdikt 2002 auf. „ W e n n m a n K r a u s e a n An g e l a M e r k e l e r i n n e r t , w e r d e n s e i n e P u p i l l e n e n g . D e r Tonfa ll verschärft sich. Die leichte Bitterkeit schlägt um in schweren Ha ss", schreibt Evelyn Roll. 0- Ton Günther Kraus e: „ Ih r Hauptförd erer, der dafür ges orgt hat, dass sie üb erhau pt au fs Festb ank ett k ommt, war ich. Und als ich in s Wan k en gek ommen b in, hat sie den Finalschuss ab gegeb en . So ist die. So funktio n i e rt d i e. Un d d a s k ön n en S i e d u rc h a u s zi t i e r en : W e n n m a n F r a u M e rk e l d en R ü cken zudreht, gibt's einen Tritt in den Arsch."

Mit „Emma" und der Beauvoir
D a s J a h r 1 9 9 1 h a t t e n u n g l e i c h e i n e n d o p p e l t e n Ka r r i e r e s p r u n g f ü r An g e l a M e r k e l g e z ei t i gt . S i e g e la n gt e n i c h t n u r i n s Ka b i n et t d e s H e lm u t Koh l, s on d e rn wu r d e a u c h d e s s e n V i z e c h e f i n i n d e r C D U — a l s N a c h f o l g e r i n d e s u n t e r S t a s i -V e r dacht geraten en Lothar de Maizière. Üb er Vorgeschichte und Umstände dieses Merkel'schen Parteiaufstiegs später mehr. Au s e i n i g e n V e r l a u t b a r u n g e n u n d M a ß n a h m e n An g e l a M e r k e l s i n i h r e r Z e i t a l s B u n d es m i n i s t e ri n fü r J u g en d u n d F ra u en , 1 9 9 1 -1 9 9 4 , g la u b t en m a n c h e B e ob a c h t er sch li eß en zu k önn en, es h and ele si ch b ei ihr u m ein e „CDU -Li nk e". Zu d i es em Eind ruck tru g b eispielsweise ih r „Gleichb erechtigun gsgesetz" b ei, das gemäß Gu sto d er Ministerin „an tidisk rimin ierend " sein und Gesch lechtsgen ossinn en et wa b ei d er Arb ei t s p la t zs u c he b egü n s t i gen s ol lt e. Au c h An gela M erk e ls i n „fo rt s c h ri tt li c h en " Krei s en a ls „em a n zi pa t ori s c h " b et ra c ht et e Le b en s fü h ru n g — b eru fs t ä t i g, ni ch t eh eli c h e Zwei e rb e zi eh u n g, n u ll Ki n d er — t ru g zu i h rem „p rogre s s i ven Image" bei. Im O k t o b e r 1 9 9 1 wu r d e d i e J u g e n d - u n d F r a u e n m i n i s t e r i n v o n d e r J o u r n a l i s t i n H e r li n d e Ko e l b l g e f ra gt : „ Kön n en S i e s i c h v o rs t e l l e n , i h re n Le b en s g e fä h rt en zu h ei rat en , vi ellei c h t ei n Ki n d zu h ab en und d ab ei ak t i v P oli t ik zu b et rei b en ?" M er k e ls An t wo rt : „ N e i n , zu s a m m e n m i t d e r P o li t i k k a n n i c h es m i r n i c h t v o rs t e l l en . E i n e H e i r a t wü r d e m ei n Le b e n n i c h t ä n d e r n . Ab e r e i n Ki n d wü rd e n a c h m e i n e m Verständnis b ed euten, d a ss ich die Politik au fgeb e. Das ist ab er zu r Zeit k ein Thema. Vielleicht wird es auch keines mehr." An g ela M erk e l rü h m t s ic h , s ch on zu DDR - Zei t en „s eh r g er n e S i m on e d e B ea u voi r g e l e s e n " z u h a b e n , „ e i n e d e r wi c h t i g s t en V o r d e n k e r i n n en d e s F e m i n i s m u s , e i n e s t a rk e Fra u a u s d em bü rger li c h en La g er ". Di e Kern b ot s c h a ft d er b es a gt en fra n zö sischen Emanzen-Ideologin aber lautete: „Ich beklage die Sklaverei, die der Frau
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d u r c h d i e M u t t e r s c h a f t a u f g e z wu n g e n wi r d . D i e F r a u b l e i b t n a c h wi e v o r H a u s sklavin, denn sie wird erdrückt, erstickt, abgestumpft und erniedrigt von der K l e i n a r b e i t d e r H a u s wi r t s c h a f t , d i e s i e a n d i e Kü c h e u n d d a s Ki n d e r z i m m e r f e s s elt und ih re Sch a ffensk ra ft du rch ein e gerad ezu ba rba ri sche, unp rodukti ve, k lein l i c h e, e n t n e r v en d e, a b s t u m p fe n d e, n i ed e rd rü c k en d e Ar b ei t v e r g e u d en lä s s t . " M i t i h r e m 1 9 8 5 a l s C D U -B u n d e s fa m i l i en m i n i s t e r i n g e ä u ß e r t e n B e k e n n t n i s z u r W e l t s i c ht d er S i m on e d e B ea u voi r („S i e i s t m ei n Vorb i ld ") h at te s c h on Ri t a S ü s s mu th im Ans ehen „Fortschrittlicher" reüssier en können. Das Linksemanzenblatt „Em ma" säuselte: „Lovely Rita." Ap r o p o s : Z wi s c h e n „ E m m a " -S c h wa r z e r u n d d e r C h e f i n d er „ S c h wa r z e n " b e s t e h t b e r ei t s la n g e gu t es E i n v e rn eh m en . „ Ic h u n t e rh a lt e m i c h g e rn m i t i h r ", s a gt An g e la M erk el, die sich sch on in d en 90 er - Jah ren als Autorin in „Emma" zu Worte g e m e ld et h a t t e. „M i t Al i c e S c h wa r z e r v e r s t eh t s i e s i c h gu t ", n ot i e rt La n g gu t h i n s ei n er Leb en s b es c h rei b un g d er c h ri s t d em ok ra ti s ch en P oli t i k eri n . „S c h wa rz er wa r ei n e d er ers t en , d i e s i ch fü r M erk el a ls C DU -C h efi n a u s ges p roc h en h a tt en ", wei ß B i o gra p h i n E v e l yn R o l l . Di e „ E m m a " -E m a n z e wa r e i n s t a ls l a u t s t a rk e P rop a ga n d i s t i n d e r A n t i -§ - 2 1 8 - B e w e g u n g „ M e i n B a u c h g e h ö r t m i r " a u f d i e ö f f e n t l i c h e Bühne getreten. Was sie in dieser Hinsicht fo rdert, geht sogar noch weit über jene „liberalen" Gesetze hinaus, die ohnehin schon vom Bundesverfassungsgeri cht a ls ek la tant verfas sungs wi dri g, wei l di e Un geb orenen ma s si v ent recht end, kassiert worden sind. Als es 1 992 im Bund estag um ein en Gesetzen twu rf von SPD, Grün en und FDP ging, der die Abtreibung in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten weitg e h en d fr ei g a b , v ot i ert e An ge l a M e rk e l, d i e c h ri s t d em ok ra t i s c h e B u n d e s m i n i s t e rin fü r Ju gend und Frau en, mit Entha ltun g. Ob woh l zu glei ch ein d en Leb en s schut z b es s e r b ea c h t en d e r C DU/ C S U- Ge s e t z en t wu r f v o r la g, d e r i n i h r e m ei g en en M i n i s terium mit erarbeitet worden war. M erk el v ers u c h t e i m Ges p rä c h m it Herli n d e Ko e lb l, De ze m b er 1 99 2 , Vers t ä n dn i s f ü r i h r e i g e n t ü m li c h e s Ab s t i m m u n g s v e r h a l t en z u e r h e i s c h e n : „ W ä h r e n d d e r g a n zen Au seinan d ersetzun g war d er Druck von allen Seiten, au ch d er öffen tlich e D ru c k , s o s t a rk , d a s s i c h a m S c h lu s s k a u m n oc h wu s s t e , wa s i c h s e lb e r wi l l . Da s h a t m ei n e ei gen e E n t s ch ei du ng s o s c h wer g em a c h t . " Bi ogra p hi n E vel yn R ol l frei l i c h n o t i e r t „ N o c h h e u t e f ä l l t v i e l e n d i e s e Ab s t i m m u n g e i n , w e n n s i e e r k l ä r e n wo l l e n , d a s s An g e l a M e r k e l i m m e r s c h o n a b g e wa r t e t h a t , wo h e r d e r W i n d we h t , dass sie immer laviert." Gegen das von SPD, Grünen und FDP, bei Enthaltung der Ministerin Merkel, durchgebrachte Abtreibungsgesetz strengten 248 Abgeordnete der CDU/CSU eine
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V e r f a s s u n gs k la g e a n , d i e i n Ka r l s ru h e E rf o l g h a t t e u n d zu m j u ri s t i s c h en In k a s s o des M ehrh eitsbesch lusses des Bundestages durch das höchste d eutsche Gericht f ü h r t e . „ Al s W o l f g a n g S c h ä u b l e , d e r z u d e r Z e i t s c h on F r a k t i on s c h e f wa r , m i c h f r a g t e , o b i c h d a s N o r m e n k o n t r o l l v e r f a h r e n u n t e r s c h r e i b e n wü r d e , h a b e i c h d a s o h n e Z ö g e r n g e t a n " , b eh a u p t e t M e r k e l i n i h r e n a u t ob i o g r a p h i s c h e n Ge s p r ä c h e n m i t Hu g o M ü l l e r -V og g. P r of. La n g gu t h h a t d e n Fa l l u n t e rs u c h t u n d i s t a u f Un g e r e i m t h e i t e n g e s t o ß e n . In s e i n e r M e r k e l -B i o g r a p h i e f i n d e t m a n d a z u f o l g e n d e n W o r t we c h s e l z wi s c h en i h m u n d i h r : „ S i e a r gu m en t i e r en , S i e h ä t t en s i c h d e r Kl a ge beim Bundesverfassungsgericht der 248 Bundestagsabgeordneten ang eschloss en . "/ „Ha b e i c h au ch . " — „ Ic h ha b e ab er Ih r en Na m en a u f d er Kla g es c h ri ft n ic ht g e f u n d en . " / „M a g s e i n , we i ß i c h n i c h t m e h r , u n t e r s t ü t zt h a b e i c h d i e Kl a g e p o l i tisch immer." Im J a n u a r 1 9 9 2 s t a rt et e B u n d es j u g en d m i n i s t eri n M e rk e l e i n „ Ak t i on s p ro g ra m m " mit insgesamt 132 „An ti - Aggression s- Projek ten " zu r Eindämmun g d er Ju gendg e wa l t . Vi e l e s d a von b e we g t e s i c h i m R a h m en d e s Üb li c he n . E t wa „ M a ß n a h m en gegen R echt s radika le" (z. B. „Verb ot n eona zi sti sch er Ton t rä ger"). Doch ein es d er „ An t i -Ag gr es s i on s -P r oj ek t e" d es Ha u s es M erk el ri c h t et e s ic h s oga r gegen Um t ri e b e, die au f d as Kerbh olz Mäch tiger geh en, n ämlich d er M ed ien gewaltigen d es F e r n s eh en s : d i e In i t i a t i v e g e ge n v e rr oh en d e u n d zu Ge wa l t a n s t a c h e ln d e Da rs t e l lun gen au f d em Bi ldsch irm. Auch di e in M erk els „P ro j ekt- Pak et " en tha lt en e An reg u n g , ei n S c h u lp f li c h t fa c h Vö l k erk u n d e ei n zu fü h r en , wa r s i c h e r b e g rü ß en s we r t . D e r E t h n o l o gi e, a l s o d er E r f or s c h u n g, B es c h r ei b u n g u n d Wü rd i gu n g d er n a t i on a len Vielfalt d er M en schh eit, geh ört d rin gend wied er mehr Au fmerksamk eit g e zo llt . Au c h d es h a lb , wei l d i e Völk e rk u nd e b ei d er Zu wa n d eru n gs fra ge r ec h t zei t i g H i n wei s e d a ra u f l i e f ern k a n n, we l c h e M i g ra n t en zu r Ku lt u r d es Au fn a h m e la n d es passen und d esh alb gu t in tegrierbar sind und welch e p oten ziellen Zu wand erer wa h r sch ein lich i mm er fremd e E lem ent e in ges ells cha ft lich en Pa ra llelt op oi b leib en werden, was für das Gemeinwesen mit hohen Risiken behaftet ist. Al l e i n : „ Di e m ei s t en In i t i a t i ve n v e r li e f en i m S a n d e ", r e s ü m i e rt S c h l e y d en p ra k t i s c h n i c h t v o r h a n d e n e n E r t r a g d e r M e r k e l ' s c h e n „ An t i -A g g r e s s i o n s - P r o j e k t e " . Au c h d i e In i t i a t i v e g e g e n d e n „ b l u t i g e n B i l d s c h i r m " b r a c h t e e r s i c h t l i c h n i c h t s . Ebenso war der Vorschlag „Völkerkunde an die Schulen" erfolglos.

Klimaschutz und „Castor"-Strahlen
N a c h d e r B u n d e s t a g s wa h l 1 9 9 4 ü b e rn a h m An g e l a M e r k e ! a m 1 7 . N o v e m b e r d e s J a h r e s i m n eu en Ka b i n et t Ko h l d a s M i n i s t eri u m fü r U m we l t , Na t u r s c h u t z u n d R e aktorsicherheit als Nachfolgerin von Klaus Töpfer. Als Höhepunkt ihres Wirkens
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i n di es em Am t em p fi n d et s i e i h re P rä s i d en t s ch a ft b ei m s o gen a n n t en UNO- Kli m agipfel in Berlin, der im April 1995 mit rund 1000 Delegierten aus 130 Staaten s t a t t fa n d . Da b ei wu rd e d a s „B e r li n er M a n d a t " b e s c h l os s en — ei n e Ab s i c h t s e rk lärun g, d ie „Treibhau sgase" erh eb lich zu vermind ern. Aller din gs folgte d er Verab schiedun g d es b esagten Man dates au f d er Tagun g sch on bald die weitgeh ende Verabschiedung von dessen Inhalt in der Realität. 1 9 9 7 wa rt et e U m we l t m i n i s t e ri n M e rk e l m i t d em V o rs c h la g z u r E i n fü h ru n g e i n e r A r t Ö k o s t e u e r a u f . S o e r k l är t e s i e b e i s p i e l s w e i s e a m 1 7 . J u n i d e s J a h r e s i n d e r „ F r a n k fu r t e r R u n d s c h a u " : „ E n e r g i e i s t h e u t e z u b i l l i g . . . E s m ü s s e n a u s m e i n e r S i c h t g e z i e l t d i e S t e u e r n a u f E n e r g i e a n g e h o b e n we r d e n , s e i e s ü b e r M i n e r a l ö l , Hei zgas od er St rom. Der gewün scht e um welt p oli t isch e Len kun gs- od er Lern effekt tritt freilich nur ein, wenn klar ist, dass die Steuersätze über Jahre allmäh lich angehoben werden." B e i d e n Au s e i n a n d e r s e t z u n g en u m d i e At o m k r a f t we r k e e r g r i f f M e r k e l P a rt e i fü r d i e a u s d e r Ke r n e n e r g i e Ka p i t a l s c h l a g e n d e n Ko n z e r n e . A u c h s e t z t e s i e s i c h v e h em en t fü r d i e F o r t s et zu n g d e r s o g en a n n t en C a s t o r- T ra n s p ort e m i t ra d i oa k t i v en Ab fä l l en ei n , g e g en d i e s i c h e i n e b r e i t e P r ot es t f ron t g eb i ld et h a t t e. Hoh e W e l l e n s c h l u g e n E n t h ü l l u n g e n i m M a i 1 9 9 8 , d a s s d i e C a s t o r -B e h ä l t e r e n t g e g e n d e r B e t e u e r u n g e n d e r In d u s t ri e u n d d e r M i n i s t e r i n s e i t J a h r en S t r a h l u n g e n a u f wi e s e n , die üb er d en zu lässigen Gren zwerten lagen . Der An seh en sverlust M erk els, die s i c h von d en Kon zern en „h i n ters Li c h t gefü h rt " fü h lt e, wa r erh eb li c h . Di e C a st orAffä re t ru g zu r s c h wer en Wa h ln i ed erla g e d er Koh l -R e gi er u n g i m S ep t em b er 1 99 8 u n d z u i h r e r Ab l ö s u n g d u r c h R o t g r ü n b e i . An g e l a M e r k e l v e r t e i d i g t e i h r e n v o r pommerschen Bundestagswa hlkreis zwar, fi el allerdings auf 37,3 Prozent der S t i m m en z u rü c k , wä h r en d e s b ei i hr em e r s t en An t ri t t , 1 9 9 0 , b e i n a h e n o c h d i e a b solute Mehrheit, 48,5%, gewesen war.

Die Schwarze-Koffer-Bombe platzt ...
„Der 4 . Novemb er 1999 wu rd e zum Sch warzen Donn erstag, zu m sch wärzesten T a g i n d e r b i s h e r i g e n G e s c h i c h t e d e r C D U " , h e i ß t e s i n d e r M e r k e l- B i o g r a p h i e von E ve l yn R ol l. Wei t er : „E s wa r d e r Ta g, a n d em Ha ft b efe h l ge gen Wa lt h er Lei s ler Kiep erlassen wu rd e, d er Tag, an d em die Sp end en affäre b egann ." An gela M e rk e l e r l eb t e d en S c h wa r z en D on n er s t a g a l s n u n m eh ri g e Ge n e r a ls ek r et ä ri n d e r „ S c h wa r z e n " . An d i e s e n P o s t e n wa r s i e g l e i c h n a c h d e r B u n d e s t a g s wa h l , i m N o vember 1998, gekomm en — vorgeschlagen von Kohls Erb en als Partei vorsitzender, W o l f g a n g S c h ä u b l e , u n d i n d e r Na c h f o lg e v on E x -P a s t o r P e t er Hi n t z e. D e r h a t t e als ein Bauernopfer für die Wahlniederlage gegen Rotgrün herhalten müssen. 73

Ki e p , m e h r a l s z we i J a h r z e h n t e l a n g ( 1 9 7 1 - 9 2 ) C D U -B u n d e s s c h a t z m e i s t e r , z e i t we i s e z u g l ei c h La n d es fi n a n zm i n i s t e r i n Ni ed er s a c h s en , s owi e H a n s -D a m p f -i n -a l len- Gass en internationaler Ins iderzi rkel (Atlantik -Brücke, Trilatera le Kom mission, B i ld erb erg er), wa r a m b es a gt en S c h wa rz en Don n ers t a g d er C h ri st d em ok ra t en p er H a ft b e f eh l d es Am t s g eri c h t s Au g s b u r g ei n g es p e r rt wo rd en . E s wa r d en S t ra f v er fol ge rn zu r Ken n t ni s gela n gt , d a s s er ru n d a ch t Ja h re zu vo r, a m 2 6 . Au gu s t 1 99 1, von d em Bitu men fab rikan ten und Waffen schieb er Karlhein z Sch reib er, ein em C S U- Mit gli ed, au f d em Pa rkp lat z ein es Sch wei zer Eink aufs zent ru ms in St. Ma rga r e t h en ei n en Ko f f er m i t ei n e r M i l li on M a rk d u b i os e r Z we c k b es t i m m u n g e rh a lt en hatte. Eine Versteuerung der Summe fand nicht statt. Ki ep k a m s c h on t a gs d rau f, 5 . Nov em b er 1 9 99 , gegen ei n e Ka u t i on von fa s t ei n er h a lb en M i lli on M a rk wi ed er a u f frei en Fu ß . Doc h es k on nte von d en in volvi e rt en Kreisen nun nich t meh r verhind ert werd en, dass nach u nd nach ein wah rer Ab g r u n d a n R e c h t s b ru c h , S c h i eb u n g , B e s t e c h u n g u n d Ko r r u p t i o n m i t V e r wi c k lu n g prominenter P olitiker der C DU/CSU (neb en Koh l und Kiep z. B. Bundesinnenminis t er Kanth er und E x -Verfas sungs schu t zch ef P fah ls ) offenba r wu rd e. Di e Au s wu ch e run gen des Skandals reichten bis zu der vermutlich mit 50 Mio. geschmierten Veräuß erun g d er Leu na -Min era l-R a ffin eri e (Sach s en - Anha lt) n eb st d eren Tank st el l e n n et z a n d en i n F ra n k r ei c h s i t z e n d en Ko n z e rn E lf Aq u i t a i n e u n d zu ei n em v o r derorientalischen Panzerd e al mit wohl sogar 220 Mio. als „Schmiere". Rasch m a c h t e d a s W o rt v on d e r „B on n er B i m b es - R ep u b li k " d i e R u n d e ( „ B i m b es " : Au s druck aus Kohls Pfälzer Hei mat für Schmiergeld). Bezei chnend war auch ein „Spiegel"-Titel: „Die geschmierte Republik". I m Z e n t r u m d e r S c h w a r z e- K o f f e r- A f f ä r e u m i l l e g a l e P a r t e i s p e n d e n -M i l l i o n e n stand nun aber niemand anderes als der Mann, der ein Vierteljahrhundert als P a rt eifüh rer di e Ch ris t lich -Dem okrati sch e Uni on Deut sch land s gep rä gt hat t e. Ges t e rn n oc h i n d e r v e r öf f en t li c h t en M ei n u n g a l s „ Ka n z l e r de r E i n h ei t " g eb en ed e i t , g e r i et H e l m u t Ko h l n u n zu r „d i c k en , gi ft i g en S p i n n e i m Ne t z ", zu m „ ra c h s ü c h t i g e n a l t e n M a n n , d e r 1 6 J a h r e l a n g 1 6 S t u n d en a m T a g d i e P a r t e i b i s i n d i e l e t z t en Un t ergli ed eru n gen m a n i puli ert u n d n eb en b ei a uc h n och ei n La n d regi e rt h a t ", wi e e s i n E v e l yn R o l ls M erk el -B i og ra p h i e h ei ß t . P r o f. La n g g u t h b em ü h t ei n ä h n l i c h e s B i ld u n d s c h r e i b t v o m E x -Ka n z l e r a l s „ d e r d i c k e n S p i n n e i m N e t z we r k " . Friedbert Pflüger, selber hochrangiger CDU -Politiker und zur Hoch -Zeit der „dicken S p i n n e " a u f g es t i e g en , v e r öf f en t li c h t e 2 0 0 0 ei n B u c h t i t e l s „ E h r en wo rt . Da s S ys tem Kohl und der Neub eginn", in welch em er die Umt rieb e soga r mit dem Trei b en d er „E h ren we rt en Ges el ls c h a ft ", a ls o d es s c h werk ri m i nel l en Un t erwelt -M ob s a u f S i zi li en , v e r g li c h u n d rh et o ri s c h f ra gt e : „ W a s u n t e r s c h e i d et d en n d i e s es i l l e gale Finanzierungssystem von der Mafia?"
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Ko h l g es t a n d i m D e z em b e r 1 9 9 9 ö ff en t li c h , a n d e rt h a lb b i s z we i M i l li on en M a rk a n Ge s e t z u n d P a rt e i g r e m i e n v o r b e i g e s c h l e u s t z u h ab e n . S o g a r d a s r u n d Z e h n f a c h e wa r i n s g es a m t i m La u f e d e r Z ei t i n i r g en d we lc h en „ S c h wa r z en Ko f f e rn " d en „ S c h wa r z en " zu g e s c h ob en wo r d en . Di e S u m m en fa n d en fü r j en es „ S ys t e m Koh l " V e r we n d u n g , d u r c h d a s D e u t s c h l a n d s Ka n z l e r p a r t e i u n t e r Ku r a t e l e i n e s M a n n e s u nd s e i n e r S e i l s c h a f t g e h a lt e n u n d v o n Ge l d g e b e r n u n d Dr a h t z i e h e r n i m H i n t e r g r u n d b e e i n f l u s s t wu r d e . D i e S p e n d e r w o l l t e K o h l n i c h t n e n n e n . W e i l e r i h n e n das Ehrenwort gegeben habe, dass sie anonym blieben. Der Altkanzler schob a u c h n o c h d i e a b w e g i g e B e g r ü n du n g n a c h , e i n e „ S c h u t z p f l i c h t " g e b i e t e i h m S c h wei g en , we i l i n D eu t s c h la n d d em j en i g en V e r l eu m d u n g d roh e, d e r d i e B ü r g er lichen finanziell unterstütze.

„Zuckerpuppe aus der Schwarzgeldtruppe"
Als d i e d em osk opis ch e La ge fü r di e C- Pa rt ei en in folge d er Affäre u m Koh l, Ki ep , Ka n t h er u s w. i m m e r k a t a s t rop h a l e r wu rd e — d e r Ab s t u r z i n d en M ei n u n g s u m f ra g e n wa r j ä h — , „ ü b e r n a h m An g e l a M e r k e l d i e R o l l e d e r S a u b e r f r a u " ( S c h l e y ) . „ W i r h a b e n j e d e s In t e r e s s e a n e i n e r v o l l s t ä n d i g e n Au f k l ä r u n g " , h a t t e d i e C D U Gen era ls ek r et ä ri n glei c h b ei d er e rs t en P r es s ek on f eren z zu m S p en d en s ka nd a l verk ü n d et . Un d a m 2 2 . D e z em b er 1 9 9 9 v e rö f f en t li c h t e An g e la M e rk e l i n d er „ F AZ " u n t e r d e r S c h l a g z e i l e „ D i e Z e i t K o h l s i s t u n wi e d e r b r i n g l i c h v o r ü b e r " e i n e n n a m en t li c h gezei c h n et en Art i k el , i n d em es h i eß : „Di e v on He lm u t Koh l ei n gerä u mt e n V o r g ä n g e h a b e n d e r P a r t e i S c h a d en z u g e f ü g t . " E s s e i n u n Z e i t , s c h n e l l s t e n s „Nachfolgern, den Jüngeren" in der CDU, „das Feld zu überlassen". Da m i t s c h os s M erk el n i c h t nur

einen Vog e l a b : Da Koh l wä h n t e, d a s s S c h äu b le,

sein Nachfolger a ls Pa rteichef, mit dem er bitter verfeh det war, der Spiritus r e c t o r d e r V e r ö f f e n t l i c h u n g s e i , f o l g t e e i n H a u e n u n d S t e c h e n h i n t e r d e n Ku l i s sen , welch es sch ließ lich dazu füh rte, dass b eid e Beteiligte, b lessiert bis d orth in a u s, da s Feld fü r ei n e Dri t t e rä u m t en : An ge la M erk e l. P rof. La n g gu t h : „Du rc h d e n , F A Z ' -Ar t i k e l s i n d b e i d e H e r r e n s o i n R a g e g e b r a c h t wo r d e n , d a s s s i e b e i m Versuch, jeweils d en anderen vom Pod est zu reißen, sich gegenseitig mitrissen ... Sollte das Merkels Kalkül gewesen sein, ist es aufgegangen." E v e l yn R o l l ü b e r d e n F o r t g a n g d e r D i n g e : „ An g e l a M e r k e l wu r d e v o n d e r C D U B a s i s zu r J ea nn e d ' Arc d er S p en d en a ffä re, zu r Hoffn u n gs t rä geri n u n d sc h li eß li ch zu r P a rt ei c h efi n h och gej u b elt . " Au c h B i ogra ph in B oys en z i eh t d en Verglei c h m i t der Heiligen Jungfrau von Orleans heran: „Plötzlich wandelte sich das wegen der
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Prinz- Eisenherz- Frisur verspottete ‚Mädchen' auf den Porträts zur unbestechlichen Heilsbringerin, zu einer Jeanne d'Arc mit messianischen Fähigkeiten." Die „Welt" des Springer- Konzerns proklamierte Angela Merkel am 10. Februar 2000 zur „Chefaufklärerin", zu einer „Ikone der Glaubwürdigkeit". Zuvor, beim traditionellen Münchner Starkbieranstich auf dem Nockherberg, war die „Heilige Jungfrau" kabarettistisch zur „Zuckerpuppe aus der Schwarzgeldtruppe" ausgerufen wor den. Nachdem der Schwarzekoffer- Skandal über viele Wochen Schlagzeilen beherrschend gewesen war und CDU/CSU -nahe Medien anfingen, mit der Aufdeckung von SPD -Affären „zurückzuschlagen", schwand schließlich allgemein die Lust in der Etabliertenschaft, weitere Steine ins Rollen zu bringen und damit am Ende vielleicht eine Lawine zu riskieren, unter die man selber geraten konnte. So blie ben denn auch kritische Stimmen zu Angela Merkels „Aufklärer -Image" ab Ende 1 9 9 9 i n M e d i e n r e c h t r a r . I m m e r h i n fr a g t e S a b i n e R ü c k e r t i n d e r „ Z e i t " Nr. 6/2000 noch: „Wurde sie nicht selbst in dem Augiasstall gemästet, den sie jetzt ausmisten will?" Erstaunlich leicht, die Sache „wegzustecken", wurde es der inzwischen an die oberste CDU- Spitze gelangten Angela Merkel gemacht, als aufflog, dass auch der Landesverband Mecklenburg -Vorpommern der Christdemokraten fast „hun dertfünfzig Riesen" (genau: 147 000 Mark) aus schwarzen Kassen der Bundesparte i erhalten hatte. Praktisch ganz unbeschadet überstand Merkel als Parteichefin darüber hinaus den Skandal um eine mysteriöse Überweisung von einer Mio. un bekannter Herkunft durch Walther Leisler Kiep an den Bundesvorstand, März 2001, wobei die Parteispitze den Vorgang der Öffentlichkeit verdächtig lange vorzuenthalten versucht hatte.

„Was wird man denn dann?"
Biographin Roll meint: „Angela Merkel gehörte nicht zum System Kohl. Sie war von draußen zugekommen. Sie kannte die Herren Waffenschieber und Finanz iers nicht einmal dem Namen nach." Biographin Schley schreibt: „Ohne ihr Wissen hatte Übervater Kohl sie zu einem Spielball in seinem System gemacht, zu einer Marionette, die an den Fäden des Systems Kohl hing." Erst nach Auffliegen des Skandals sei „Angel a Merkel nach und nach bewusst" geworden, „dass sie vom wir klich en S yste m Ko h l in all d en Jah ren au sgeschlossen geblieben war ", schreibt Schley weiter — allerdings nicht umhinkommend, sich über „diese Naivität" doch zu wundern.
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E s m u s s t a t s ä c h l i c h e i n h o h es M a ß a n Ar g l o s i g k e i t b e i An g e l a M e r k e l o b wa l t e t h a b en, da s s s i e t rot z i h rer ex p on i ert en S t ellu n g i n d er C DU -P a rt ei h i era rc h i e und i h r er s o zu s a g en n ä c h s t en Nä h e z u Ko h l ü b e r s o vi e l e J a h r e n i c h t s von d em N et z we r k , d a s d i e „d i c k e, g i ft i g e S p i n n e" g e s p on n en h a t t e, g e s p a n n t h a t t e . Ab 1 9 9 1 b i s zu Koh ls Ab t ri t t na c h d er ver lo ren en B u n d es t a gs wa h l 1 9 98 wa r s i e i m m erh i n s e i n e s t e l l v e rt r et en d e C D U- B u n d es v or s i t z en d e g e we s en u n d ü b erd i e s M i n i s t e ri n im Kabinett des „Schwarzen (Koffer)-Riesen". Ü b e r h a u p t wa r n i e m a n d a n d e r e s a l s Ko h l — i n d e r N a c h fo l g e v o n S t a s i - S c h n u r u nd S k an da l- Kra u s e — d er d r i t t e (u nd zwei f el los wi c h t i gs t e) m a ß geb li c h e Ka rri er e h e l f e r An g e l a M e r k e l s . M a n n a n n t e s i e s o g a r „ K o h l s G e s c h ö p f " ( B i o g r a p h i n R o l l ). 1 9 9 2 h i eß es i n ei n e m M ed i en k o m m en t a r, d a s s M erk e l d era rt gu t zu Ko h l passen würde, als habe er sie „eigens in einem Genlabor anfertigen" lassen. Noc h 1 998 , i m J ah r vor d em groß en S k a n da l -Kn a ll, s a gt e M erk el zu r J ou rn a li s t i n Her li n d e Ko e lb l: „ Wa s i c h geword en b i n, bi n i ch zu nä ch s t d u rch Helm u t Koh l g eworden." Wi e a lles b egann zwi sch en „S ch öp fer" und „Ges ch öp f", schi ld ert Prof. Lan ggu th : „ D a s e r s t e Ke n n e n l e r n e n wa r n i c h t g a n z z u f ä l l i g , s o n d e r n wu r d e v o n i h r s e l b s t initiiert." Hans Geisler (er entstammte wi e Merkel dem Demokratischen Auf b ru ch ; s pä t er wu rd e er C DU -M in i s t er i n S a ch s en ) s ei von i h r ers u c h t word en , s i e b ei m s o gen a n nt en Verei n i gu n gs p a rt ei ta g d er C DU, 11 2 . Ok t ob er 1 990 , m it Koh l b e k a n n t z u m a c h e n . Al s o k a m e s z u e i n e m e r s t e n D i r e k t k on t a k t z wi s c h e n M e r k e l und dem Bonner Machthaber. Der lud sie daraufhin ins Kanzleramt ein. Das M e et i n g f a n d s c h on m on a t s d a ra u f , N o v em b e r 1 9 9 0 , s t a t t . D i e C h em i e z wi s c h en d e r Q u a n t e n c h e m i k e r i n u n d d e m Ka n z l e r m u s s a u f An h i e b g e s t i m m t h a b e n . G e m äß B i ograph St ock b erich t ete d i e frisch au s B onn nach B erlin zu rück gek omm en e M e r k e l i h r e m V e r t r a u t e n H a n s -C h ri s t i a n M a a ß : „ D u , Ko h l h a t m i c h i n d en Ar m genommen und gefragt: ,Was wird man denn dann?!— Na c h n u r zwei M on a t en wa r d i e F ra g e g ek lä rt : M er k e l m u t i ert e zu r B u nd es m i n i s t eri n . Un d n oc h ei n ma l e lf M on a t e s p ä t er wu rd e b ei m C D U - B u nd es p a rt ei t a g ei n e An gela M erk el vom Li cht d er Welt erb lickt , di e nun E rst e St ellvert ret end e Vorsit z e n d e Koh l s a n d er S p i t z e d er C h ri s t li c h -D em ok ra t i s c h en Un i on wa r. Al s s o lc h e f ü l l t e s i e d i e L ü c k e a u s , d i e Lo t h a r d e M a i z i ö r e h i n t e r l a s s e n h a t t e . D e r wa r a b r u p t a b g e t r e t e n ( wo r d e n ) , we i l e s i h m n i c h t r e c h t h a t t e g e l i n g e n wo l l e n , p l a u s i b el zu m a c h en , wi e er a ls IM „C z ern i " i n Ak t en u m Ak t en d es DDR -M i n i st eri u m s für Staatssicherheit geraten konnte, ohne IM „Czerni" gewesen zu sein.

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„Brutalstmögliche Aufklärung”
E i n „ ra d i k a l e r N eu a n fa n g " wa r v o n An g e l a M e rk e l v e rh ei ß en wo rd en , a ls s i e , i h r e s Z e i c h e n s „ C h e f a u f k l ä r e r i n " , a m 1 0 . Ap r i l 2 0 0 0 b e i m P a r t e i t a g i n E s s en z u r n e u e n V o r s i t z e n d e n d e r s k an d a l g e b e u t e l t e n C D U g e wä h l t wu r d e . R o l a n d Ko c h , e i n a n d er e r c h ri s t d e m ok ra t i s c h e r Au fs t r eb e r, h a t t e s o ga r e i n e „b ru t a ls t m ö g li c h e Aufklärung" versprochen. Ehrenwort. W e n n d e m a b e r wi r k l i c h s o g e we s e n wä r e : H ä t t e n d a n n n i c h t a n g e s i c h t s d e r D i m en s i on en d e s S k a n d a ls ei g en t li c h b ei vi e l l e i c h t e i n e r ga n z en Hu n d e rt s c h a ft h oh er He rrs c h a ft en d es b un d es rep u b li ka ni s ch en P oli t- u nd Ges e l ls c h a ft s gefü ges d i e H a n d s c h e l l e n k l i c k e n , d i e S c h we d i s c h e n Ga r d i n en z u g e h e n m ü s s e n ? N i c h t s d e r gl ei c h en a llerd i n gs ges c h a h . M an m u s s n ic ht un b edi n gt ein An h än ger v on J ü rgen Habermas s ein, wenn man sein Wort für b erechtigt hä lt, dass es ein „ei gentümli ch es Mis s verhä ltni s zwis ch en d er Größ en ordnun g d er CDU -Affä re und ih rer Folgen losigk eit" gab. Jed en falls sch eint meh r zu- als au fged eckt word en zu sein. E v e l yn R o l l i n i h r e r M e r k e l -B i o g r a p h i e v o n 2 0 0 5 : „ E t wa d i e Hä l f t e d e r U n i o n s a b geord n et en s i nd E nt m a ch t ete u nd Vers t ri c kt e d es S ys t em s Koh l. E h em a li ge M inister, eh emalige Staatssek retäre u nd eh emalige Hand lan ger ... Deshalb k lammern sie sich umso nachhaltiger an die Verklärung der Vergangenheit." So gab es gerad e mal einen einzi gen Selbstm ord: Ein Fraktionsangest ellt er d er C DU/C S U nah m sich d as Leb en , da er fü r Pri vat zwec k e d era rt „unau ffä lli g" lan ge F i n g e r i n d i e s c h wa r z e n Ka s s e n d e r S c h wa r z e n g e m a c h t h a t t e , d a s s e s a u f f i e l . U n d d a g a b e s n u r e i n i g e g a n z w e n i g e , z u d e m l a u e H a f t s t r a f e n . V e r h ä n g t e t wa ge g en M a n fred Ka n t h er, d en Ex- B u n d esi n n en min i st er (1 8 M on a t e a u f B ewä h r u n g ) , u n d g e g e n H o l g e r P f a h l s ( 2 0 0 5 : 2 1 / 4 J a h r e Ge f ä n g n i s , d o c h g l e i c h n a c h Urt ei l wi ed er fr ei g ela s s en ). D i es er eh em a li ge P rä s i d en t d es B u nd es a m t es fü r V er f a s s u n g s s c h u t z u n d E x- S t a a t s s ek r et ä r i m V e rt ei d i gu n g s m i n i s t e ri u m wa r — la n g e steckbrieflich gesucht — nach einer seltsamen „Verfolgungsjagd" rund um die E rd e 2 0 0 4 i n ei n e r n ob l en B ou l e va rd woh n u n g i n P a ri s , a l s o ga n z i n d er Na c h b a r s c h a ft , v e rh a ft et wo r d en . Im H e rb s t 2 0 0 5 k a m h e ra u s , d a s s P f a h ls v on ei n e m Geh eimd ien st, womöglich d em fran zösisch en (vielleicht ab er auch ein em n ah östl i c h en ) , g e d e c k t wo r d e n wa r . Ka n t h e r u n d P f a h l s ü b r i g e n s h a t t e n s i c h z u Ko h l s Ka n z l e r z e i t m i t s c h a r f e n M a ß n a h m e n g e g e n d i e p o l i t i s c h e R e c h t e h e r v o r g e t a n . Es mutet fast wie ein Treppenwitz an, dass die wackeren Kämpfer gegen „Rechtsradikale" schließlich als überführte Unrechtsradikale endeten. Au c h m i t R ü c k t r i t t e n w e g e n d e r C a u s a S c h wa r z e K o f f e r wa r e s n i c h t w e i t h e r . Wolfgang Schäuble beispielsweise, der wegen Verstrickung in die Affäre den Fraktions- und Parteivorsitz (für Merkel) geräumt hatte, tauchte schon bald darauf 78

a l s C h e f - Au ß e n p o l i t i k e r d e r C- P a r t e i en wi e d e r a u f . 2 0 0 4 wa r e r s o g a r An wä r t e r au f da s Amt d es Bund esp räsid ent en; d och Horst Köh ler vom In t ernati ona len Wä h ru n gs fon d s zog d en Lä n g er en . Im N ov em b er 2 0 05 d es ign i ert e An g e la M erk e l Schäuble zum Bundesinnenminister. S c h li eß li c h H e l m u t Koh l. Ge g e n 3 0 0 0 0 0 M a rk Ge l d b u ß e s t e l l t e d a s La n d g e ri c h t B on n da s Verfa h ren geg en i hn ei n . Als „h ei m li c h er Vors i t z e n d er d er Kon ra d -Ad e n a u e r -S t i ft u n g " ( La n ggu t h ), d i e i n d e r C D U ei n en k a u m zu ü b er s c h ä t z en d en E i n flu s s a u s ü bt , b li eb er a u c h i n d en Z ei t en d er „b ru t a ls t m ögli c h en Au fk lä ru n g" ei n e „dicke Spinne im Netz" — mit V-Leuten in allen wichtigen Parteigremien. Ko h l h a b e b a l d n a c h M e r k e l s Au f s e h e n e r r e g e n d e m F AZ -Ar t i k e l d e s 2 2 . D e z e m ber 1999 wieder „das Gespräch mit ihr gesucht", weiß Biograph Stock. Wohl n i c h t oh n e E r f o l g . J e d e n f a l l s s t i m m t e d i e „ C h e f a u f k l ä r e r i n " s c h on 2 0 0 0 i n d e m von ihr herausgegebenen Buch „Europa und die deutsche Einheit" ein Hosianna a u f i h r e n „ S c h öp f e r " a n : „ D i e C D U h a t s i c h , wa n n i m m e r s i e R e g i e r u n g s v e r a n t wort un g t ru g, m it a ller En tschi ed enh eit fü r Eu ropa ein ges etzt . Allein wäh rend d er Ka n z le rs c h a ft von Helm u t Ko h l wu rd e d i e E u rop ä i sc h e Ge m ei n s c ha ft zwei m a l er weitert, wu rd e sie zu r Eu ropäisch en Union u nd wu rd en Gren zk ontrollen ab ge s c h a f f t . D e r B i n n e n m a r k t wu r d e v e r w i r k l i c h t u n d d e r E u r o s a m t e i n e r E u r o p ä i schen Zentralbank nach dem Vorbild der Bundesbank auf den Weg gebracht ... Helmut Kohl hat immer ausgezeichnet, dass er eine Vision von Europa hatte. Di es i s t Verp fli c h t un g au c h fü r un s ere P o li t i k d es 21 . Ja h rh un d ert s . .. Wi r b au en au f d em au f, was Ch ristd emok raten von Kon rad Ad enau er bis Helmut Koh l ge leistet haben." B e s on d e rs s ym b o lt r ä c h t i g wa r d a n n 2 0 0 2 d i e B e s t a l lu n g d e s Ad en a u e r - S t i ft u n g s V o r s t a n d s m i t g li ed s R on a ld P o f a l la a ls n eu er J u s t i zi a r d e r C DU/ C S U- B u n d es t a g s frakti on (2004 wu rd e er ein er d er Vi zefrak ti ons ch efs ). Nicole S c h ley: „M it s ein er E rn en n u n g b a n d An g e la M e rk e l i n d i r ek t a u c h wi ed e r H e lm u t Ko h l ei n , d en n v on Pofalla heißt es, er habe einen guten Draht zum ehemaligen Bundeskanzler. N i c h t z u l e t z t i s t e r R e c h t s a n wa l t i n d e r Ka n z l e i , d i e H e l m u t Ko h l wä h r e n d d e r S p en d en - Af fä r e v ert ra t . " Ge m e i n t i s t d i e E s s en er S o zi et ä t H o l t h o f f -P fö rt n e r. P o f a l l a i s t v o m „ H a n d e l s b l a t t " a l s „ M a n n m i t d i r e k t e m D r a h t z u An g e l a M e r k e l " p ort rät i ert word en, d er „hint er d en Ku lis s en di e Fäd en zi eht ". E r b ezeichn et Koh l als sein „großes Vorbild". „ Li eb er Helmu t Koh l, wi r s ind froh, da ss S i e zu uns geh ören ", ri ef An gela M erk el b eim Festak t „60 Jah re CDU", Berlin, 16. Jun i 2005 , d em wie in alten Zeiten zen t ri ert in d er erst en R eih e th ron end en E ld er Sta t es- (b zw. S pid er-)m an zu. Ih rem H o f b i o g r a p h e n M ü l l e r -V o g g h a t t e s i e w e n i g z u v o r i n d e n N o t i z b l o c k d i k t i e r t :
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„ H e l m u t Ko h l i s t i n d e r C D U wi e d e r u n e i n g e s c h rä n k t b e h e i m a t e t . U n d f ü r m i c h ist er ein guter Ratgeber — ein uneigennütziger dazu.” Der C DU- n a h e M erk el-B i og ra p h S t ock freu t s i c h ü b er d en „en d gü lt i gen S c h u lt er s c h lu s s z wi s c h e n d e m a l t e n P a t r i a r c h e n u n d An g e l a M e r k e l " . E r we i ß a u c h v o n ei n er s p e zi e ll en S c h wert lei t e fü r d i e „J ea n n e d ' Arc " a u ß er Di en s t en zu b eri c h t en . Ko h l n ä m l i c h h a b e An g e l a M e r k e l e i n e n „ R i t t e r s c h l a g g a n z b e s o n d e r e r Ar t " z u kommen lass en, indem er ihr sagte: „Mit Ihrer Nominierung zur Kanzlerkandidatin h a t d i e C D U ei n e gu t e W a h l g e t ro f f en . W e r wi e i c h S p e zi a li s t i n d e r Fü h ru n g e i n e r F ra k t i on i s t , d e r we i ß , wa s S i e g e l ei s t et h a b en . " W ei t b e zi eh u n g s r ei c h er , a ls v o n i h m s e lb s t wo h l b ea b s i c h t i gt , fä h rt S t oc k f o rt , F ra u M e r k e l v er ri c h t e a n d er Spitze der Christdemokraten „als gute Schülerin des Vorbild s Kohl wichtige Dinge ganz ähnlich wie er". Kön n en vor diesem Hintergrund nu r Sch u fte Böses dab ei d en k en, wen n n eu erdings immer öfter vom „System Merkel" die Rede ist, das „Handelsblatt" am 8 . Ju n i 20 05 ü b er d i e Ch efi n d er C h ri s td em ok ra t in n ot i ert e: „ In d er Fra k t i on s i t zt s i e w i e e i n e S p i n n e i m N e t z " u n d — u m i m B i l d e z u b l e i b e n — d i e Il l u s t r i e r t e „stern" b ereits 2003 zur arachnologisch en Charakterisierung Merkels das Bild von der „Schwarzen Witwe" gewählt hat? M e r k e l -B i o g r a p h i n E v e l y n R o l l ü b e r d i e B i l a n z e i n e s h a l b e n J a h r z e h n t s „ s c h o n un gs los e r", „b ru t a ls t m ögli c her" Au fk lä ru n g: „Ni em a n d i n d er C DU wi l l n oc h et wa s h ören von sch wa rzen Ka ssen und And erk ont en, von di esen an geb lich en Sp end ern, d eren Namen Helmut Koh l b is h eu te n icht genannt h at, von mind est e n s 2 0 M i l l i o n e n M a r k au s K o h l s Am t s z e i t , b e i d e n e n m a n i m m e r n o c h w e d e r we i ß , woh e r s i e k a m en , n oc h , wo h i n s i e gi n g en . D a s E rm i t t lu n gs v e rfa h r en i n d e r Sache Kohl ist gegen eine Zahlung von 300 000 Mark ,vorläufig' eingest ellt. Was will man m ehr? Di e CDU hat über 15 Millionen Ma rk Mitleidsspenden an d e r A f f ä r e v e r d i e n t . Ko h l h a t m i t s e i n e m ‚ T a g e b u c h ' m e h r Ge l d g e m a c h t , a l s e r zur Einstellung seines Verfahrens zahlen musste. Worüber also noch palavern? V e r s c h wu n d e n e Ak t e n ? D r e i Gi g a b yt e s g e l ö s c h t e R e g i e r u n g s d a t e n ? B l o ß n i c h t darüber sprechen."

Mit David Rockefeller in der Sauna
B ezei chn en d dü rft e au ch d er un geb roch en sta rk e Ein flu ss d es Wa lth er Lei sler Ki e p i n d er C D U i m Al l g e m ei n en u n d a u f P e rs on en i n M er k e ls i n n e r s t em Zi rk e l i n s b e s on d e r e s ei n . M i t d e r Ve r h a ft u n g d es la n gj ä h ri g en C D U- S c h a t zm ei s t er s g eri et — wi e b erei t s g es c h i ld ert — i m Nov em b er 2 0 03 d er S p en d en - S k and a l a n di e Öffentlichkeit. Obwohl bis zur Halskrause verwickelt, kam der Beziehungsreiche 80

s t ra frecht lich b i lli g, vi ellei cht b es s er ges a gt : unb i lli g, da von. 2001 erfolgt e Ki eps V e r u r t e i l u n g z u 3 0 T a g e s s ä t ze n j e 1 5 0 0 M a rk we g e n S t e u e r h i n t e r z i e h u n g ; 2 0 0 4 e r g i n g g e g en i h n S t ra fb e f eh l ü b er 4 0 5 0 0 E u r o we g en u n ei d li c h e r Fa l s c h a u s s a g e vor dem Parteispenden-Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages. Ki e p , J a h r ga n g 1 9 2 6 , S oh n ei n es B a n k b o s s e s , i s t s ei t l a n g em s c h on ei n e Z e n t ra l g e s t a l t b ei d e r V e rn et zu n g b un d es r ep u b li k a n i s c h e r „E li t en " m i t d e m O li g a rc h en t u m d e r U S -O s t k ü s t e. N eb en s e i n e r F ü h ru n g s fu n k t i on i n d e r e i n f lu s s r ei c h en V e r einigung „Atlantik -Br ücke" logierte er lange auch bei den nach Art einer i n t e r n a t i o n a l e n Ge h e i m g e s e l l s c h a f t g e b a u t e n „ B i ld e r b e r g e r n " u n d b e i R oc k e f e l l e r s „ T ri l a t era l C o m m i s s i on " ( T C ). 1 9 7 1 , f a s t z ei t g l ei c h m i t d e r Üb e rn a h m e d es CDU - Schatzmeisteramtes durch ihn (er b ekleid ete es 21 Jahre, wobei die „Mie sen" in der Parteikasse zu letzt auf sage und schreibe fünfundsiebzig Million en M a rk a n g e wa c h s e n wa r e n ) , h a t t e i h n d i e C D U / C S U - B u n d e s t a g s f r a k t i o n m i t d e r „ W a h rn eh m u n g i n t e rn a t i on a l er Ko n t a k t e" b et ra u t . Im S c h a t t en k a b i n et t d e s Ka n z lerkandidaten Franz Josef Strauß, 1980, war er Anwärter für den Posten des Bund esauß enmini st ers. 1999 beri ef Ka n zler S ch röd er ihn a ls „P ers ön li ch en B eau f tragten für Sondermissionen im Ausland". B ei Ki ep s At la n t i k- B rüc k e h an d elt es s i c h u m ein e „m ä c h t ige Al li a n z" („M a n a ger M a ga zi n " ), ei n e S c h a lt z en t ra le s o g en a n n t e r T ra n s a t la n t i k er , e i n B i n d e g li ed z wi s c h en U S - O s t k ü s t e u n d b u n d e s r e p u b l i k a n i s c h e m T o p -E s t a b l i s h m e n t . Ki e p s t a n d von 1 98 4 b i s 20 00 s ozu s a gen a ls Ka p i t ä n a u f d er Kom m a n d ob rü ck e d er „B rü c k e" u nd i s t s ei th er E h ren vors i t zen d er, d i e u nb es t ri t t en e Gra u e E m i n en z. In s ei n en Le benserinnerungen plauderte er ein wenig aus dem Nähkästchen, wie es so ist, w e n n m a n d e n r e a l e x i s t i e r e n d e n T r a n s a t l a n t i z i s m u s j e n s e i t s d e s Gr o ß e n T e i c h s i n N e w Y o r k -M a n h a t t a n p ra k t i z i e r t : „ In d e r S a u n a m i t D a v i d R o c k e f e l l e r , d a n n T r e f f e n m i t d e n J e wi s h P r e s i d e n t s , d a n n C ou n c i l a n F o r e i g n R e l a t i o n s . Im S m o k i n g z u e i n e m Di n n e r , d a s W e l t b a n k p r ä s i d e n t W o l f e n s o h n m i t 2 5 0 Gä s t e n gi b t . Einer meint: Wenn jetzt eine Bombe hochgeht, ist der Kapitalismus am Ende." Üb e r N eu m i t g li ed s c h a ft en i m e l i t ä r en Kr ei s d e r At la n t i k - B rü c k e en t s c h ei d et ei n Au s schu s s na ch Art und Krit eri en , d i e d er Öffent lichk ei t verb orgen b leib en. Au ch we r z u d en Na c h wu c h s s t a r s d e r t ra n s a t la n t i s c h en B rü c k en b a u e r g eh ö r en wi l l, zu i h r en s o g en a n n t en Y ou n g Le a d e rs , m u s s s i c h g en a u es t en s d u rc h c h ec k en la s s en . Mehrere Leute aus dem engsten Stab von Angela Merkel sind aus den Young L e a d e r s d e r At l a n t i k -B r ü c k e h e r v o r g e g a n g e n . F r i e d b e r t P f l ü g e r b e i s p i e l s w e i s e od er E c k a rt von Kla ed en , M erk els „E c k i ", ih r „wi c h t i gs t er Zu a rb ei t er" („M u n zi n g e r - Ar c h i v " ). M e rk e l s e lb s t h a t i n i h r e r Z ei t a l s B u n d e s m i n i s t e ri n d i e Au fn a h m e weihen des hintergrundmächtigen transatlantischen Zirkels empfangen.
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G e g r ü n d e t w o r d e n w a r d i e „A t l a n t i k - B r ü c k e " 1 9 5 2 a u f B e t r e i b e n v o n E r i c M . W a rb u rg a u s d er b ek a n n t en B a n k h er r en s i p p e. H eu t e i s t M a x M . Wa rb u r g, b ed eut end st er leb end er Sp ros s d es C lans , Fin an zb os s (Schat zm eis t er) d er Organis ati on. Er h errsch t ansonsten üb er ein verzweigtes Geld imp er ium: M . M. Warbu rg & C o. , ei n e d er größ t en P ri va t ba n k en d er Bu nd es rep u b li k (S it z: Ha m b u rg), d i e Kr ed i t i n s t i t u t e C . F . P l u m p & C o . ( B r e m e n ) , Lö b b e c k e & C o . ( B e r l i n ) u n d T e m p u s B a nk (Zü ri ch ), di e Wa rb u rg In ves t Ka p i t a lges el ls c h a ft (Fra n k fu rt /M a in ), Im m ob ilienfonds, Schiffsbeteiligungen, Assekuranzen und so fort. „ D i e O p p o s i t i o n wa r h o c h r a n g i g v e r t r e t e n , d i e B u n d e s r e g i e r u n g n u r d u r c h a u f merksam zuhörende und mitschreibende fachkundige Beobachter. Auf der d eut sch -a m erik anis ch en , XXI. Bi ennia l C onferenc e' in B erlin , organi si ert von d er At la n t i k B rüc k e un d d em Am eri c a n C oun c i l an Ge rm a n y, h i elt An ge la M erk e l a m Donn erstag Ab end die Dinn er Sp eech." So stand es in d er „Welt" am 14 . Jun i 2 0 0 3 . B ei i h r e r S c h m a u s a n s pr a c h e e rgi n g s i c h d i e C D U -C h e fi n i n s e lb s t fü r i h r e Verh ä lt n i s s e ext r em en US- S c h m u s erei en . Im Z en t ru m d er Kon fer en z h a b e, s o d i e „ W e l t " , d i e F ra g e g es t a n d en , we l c h em Z we c k d i e E i n i gu n g E u r op a s d i en en s o l l e und ob an gesichts d es Streits Bu sh s mit Sch röd er und Chirac h insichtlich d es Krieges gegen den Irak die Anbindung an die USA gefä hrdet sei. „Nationale d eu t s ch e As p ek t e", s o fu h r da s S p rin ger- B la t t fort , s ei en b ei d er Zu s a m m en ku n ft „ i n d e n H i n t e r g r u n d g e t r e t e n " . D i e Z e i t u n g w e i t e r ü b e r d e n Ko n f e r e n z- T e n o r : „Eu ropa ist im Werd en, Deutsch land nu r meh r sein wichtiges zentrales Bin d eg l i e d . D a s T r e f f e n z e i g t e , wi e d i e t r a n s a t l a n t i s c h e W e l t i n Z u k u n f t wa h r g e n o mmen werden wird." Auch bei d er Tri lateralen Kom mission (Trilat era l Com mission, TC), d er Ki ep angeh ört , i s t An g e la M e rk e l b er ei t s i n E rs c h ei n u n g g e t r et e n . S o wa r s i e b ei s p i e ls we is e R ed n e ri n b ei m „2 8 t h M e et i n g of E u r op ea n Gr ou p " d e r TC i n B e r li n , 2 3 . Ok t ober 2004. Bei den Trilateralen handelt es sich um einen handverlesenen Haufen von i n s ges a m t d rei h un d ert fünfzi g Ges t a lt en u nd Ges t a lt er d er i n t ern at i ona len Ge schäftswelt und Politik. TC wurde 1973 auf Geheiß David Rockefellers gegründet. Da s Ob erhaupt d es sup erkapi ta list is ch en C lan s i st a uch di e Zen t ra lfi gu r d er Tri lateralen geblieben. Dr. Markus Zimmermann bezeichnet in seiner Studie „Die wa h r en M a c h t h ab e r i n Wa s h i n gt on " d i e T r i la t e ra l e Ko m m i s s i on a l s „ Z K d e r Gl o b a l i s i e r e r " . M a n c h e K r i t i k e r b e h a u p t e n , d a s T C- E n d z i e l s e i d i e W e l t h e r r s c h a f t des Turbokapitalismus. TC = Turbo-Capitalism?

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Bei den Head-Hunters
Den B i ld erb erg ern (b en a nn t na c h i h rem ers t en Ta gu n gs h ot el 1 9 54 i n d en Ni ed er l a n d en ) , d e r en R ei h en Ki ep la n g e Z e i t g e zi e rt h a t , m a c h t e An g e l a M e rk e l b ei e i n em T r e f f en v om 5 . b i s z u m 8 . M a i 2 0 0 5 i n e i n em s t ri k t v o n d e r s on s t i g en W e l t ab gesch ott et en Nob elh ot el zu R ott ach - E gern erstm a ls ih re Au fwa rtun g. Als o d rei Wochen vor ihrer Nominierung als Kanzlerkandidatin. Beim Meeting mit insges a mt 134 Tei ln ehm ern au s 30 S taat en wa ren bund es repub lik anis ch ers eit s fern er z u g e g en : D eu t s c h e -B a n k - C h ef J os e f Ac k er m a n n , M a t h i a s D öp fn e r a ls R ep rä s en t a n t d es S p ri n g e r -Kon z e rn s , M ed i en m o gu l Hu b e rt B u rd a , S i em en s -AG -P r ä s i d en t Kla u s Klein feld , Daim ler -Ch rys ler - Au fsi chts ra ts vorsit zend er Hi lm a r Kopp er, M at t h i a s Na s s , s t e l l v e rt r et en d e r H e r a u s g eb er d e r „ Z e i t ", Da i m l e r - C h r ys l e r- C h e fm a nager Jürgen E. Sch rempp, Ekkehard D. Schulz (Th yssen Krupp AG) und Deutsche- P ost- AG-B oss Klaus Zu m winkel s owi e die C DU- Bundesvorständler Fri edbert P f l ü ge r u n d M a t t h i a s W i s s m a n n . D a s B u n d e s k a b i n e t t wa r i n G e s t a l t d e s In n e n m i n i s t e r s O t t o S c h i l y v e r t r e t e n . Ge r h a r d S c h r ö d e r s e l b s t k a m a u f e i n e n k u r z e n u n d k n a p p en H ö f li c h k ei t s s p ru n g v o rb ei . Au s Ös t e rr e i c h wa r e n a m T e g e rn s e e d a bei: Oscar Bronner, Herausgeb er des „Standard", Hans Peter Haselsteiner von d er B auh oldin g St raba g und der s ozi a ld em okrati sch e Bund es min ist er a. D. Rud olf S c h o l t e n i n s e i n e r n e u e n E i ge n s c h a ft a l s B a n k e r ( Ö s t e r r e i c h i s c h e K o n t r o l l b a n k AG) . D a s T op- In s i d e rt u m d e r V e r ei n i gt en S t a a t en v on Am e r i k a l i eß s i c h i n R ot t a c h- E g e r n v e r t r e t e n u . a . d u r c h : H e n r y Ki s s i n g e r , d e r Gr a u e n E m i n en z d e r U S P oli t i k i n P erm a n en z, Mi c ha el A. Led e en von B u s h s Vord e n k fab ri k Am eri c a n En t erp ri s e In s t i t u t e, d en „P ri n ce o f Da rk n es s " R i c h a rd N. P e rl e, Da vi d R oc k efe ll er s o wi e W e l t b a n k- C h e f J a m es D . W o l f en s oh n u n d d e s s en d e s i gn i e rt en Na c h f o l g e r Paul Wolfowitz, den Ex-Vize von Rumsfeld im Pentagon. Wie stets, so hielt sich au ch d iesmal die allgemein e Presse weitestgeh end an das Sch weigegeb ot, d as die au f Geh eimh altun g strik t b edachten Bild erb erger h i n s i c h t li c h i h r e r Zu s a m m en k ü n ft e s ei t e h u n d j e e r la s s en h a b en . Z wa r k a m d i e „ F i n a n c i a l T i m e s " e i n e W o c h e v o r B e g i n n d e r T a g u n g, 1 . M a i 2 0 0 5 , m i t e i n e m Art ik el üb er d i e Bi ld erb erger unt er vi el versp rech end er S chla gzei le („P ower P l a yers versuchen die Welt zu steuern") heraus, doch war der Beitrag inhaltlich nichtssagend. Am 5 . Mai 2005 li eß C NN (Radi o) im m erhin d en Pub li zi st en J on R on s on zu Wort k omm en , d er si ch mit d en B i ld erb ergern in s ein em Buch „Th em. Ad ventu res with E x t r e m i s t s " b e s c h ä ft i gt h a t . E r s a g t e d e m S e n d e r . „ V i e l e d e r An t i -B i ld e r b e r g e r unter d en Versch wörun gsth eoretik ern sind vom rechten Rand d es p olitisch en Spektrums, die sich als Gegner der Globalisierung bezeichnen, oft allerdings Na84

t i on a li s t en si nd . S i e werf en d en B i ld erb erg ern vo r, ei n e W elt r egi eru n g zu p la n en , wa s d i e B i l d e r b e r g e r a u f l a n g e S i c h t a u c h t a t s ä c h l i c h a n s t r e b e n , d i e Id e e e i n e r E i n e -W e l t -G e m e i n s c h a f t , e i n e r N e u e n W e l t o r d n u n g . . . D i e B i l d e r b e r g e r s e h e n s i c h s elb s t a ls Hea d -Hu n t ers . S i e k n üp fen Kon t a k t e m i t aufs t ei gen d en P oli t i k ern , v o n d e n e n s i e d e n k e n , d a s s s i e v i e l l e i c h t e i n e s T a g e s e i n m a l P r ä s i d e n t od e r P r e m i e r m i n i s t e r we rd en k ön n t en , u n d s i e s i n d Gl ob a li s t en , In d u s t ri e l l e, F ü h r e r, d i e g l a u b en , d a s s P o li t i k n i c h t d en Po li t i k e rn ü b er l a s s en b le i b en s o l lt e. S i e v e r such en, sie zu b eein flu ssen — mit weisen Worten in d en Sitzun gen hinter ver schlossenen Türen." E in J ahr zu vor, 29. M ai 2004, ha tt e da s „Deu tsch land radi o" üb er d i e Bi ld erb erger b e ri c h t et . Da h i eß e s ü b e r d i e s e „g eb a l lt e P rä s en z v on Le a d e rs h i p u n d Ka p i t a l " : „ P o l i t i k wi r d n i c h t n u r i n Ka b i n e t t e n u n d i n P a r l a m e n t e n g e m a c h t . B e v o r p o l i t i s c h e T h e m e n a m Ka b i n e t t s t i s c h v e r h a n d e l t we r d e n , s i n d s i e z u m e i s t a b s e i t s d e r Öffen t li c h k ei t s ch on du rch da ch t u nd b es p roc h en word en. E s ga b un d gib t za h lrei c h e Z i r k e l , i n d e n e n v o r g e d a c h t wi r d , wa s d a n n z u r P o l i t i k g e m a c h t wi r d . E i n e d e r e x k l u s i v s t en R u n d e n , d i e g r o ß e n E i n f l u s s a u f d i e S t r a t e g i e n d e r we s t l i c h en A l l i a n z h a t t e , i s t d i e B i l d e rb e r g e r - Ko n f e r e n z m i t p r o m i n en t en D i p l o m a t en , Ök onomen und Politik ern. Vor 5 0 Jahren, am 29. Mai 1954, fand die BilderbergerKon feren z erstmals statt." Wie es b ei den M eetings abläuft, schild erte das „ D e u t s c h la n d ra d i o " s o : „ Dr ei T a g e d a u ert d i e P r o z ed u r, e i n e Art B ra i n -s t o r m i n g üb er d ie wich tigsten ak tu ellen weltp olitisch en Fragen . Dann treffen sich rund 1 2 0 R e i c h e u n d E i n f l u s s r e i c h e a u s E u r op a u n d d en U S A, s c h e i n b a r p r i va t zu e i nem informellen Meinungsaustausch."

Geweiht vom Fürsten der Finsternis ...
Drei Ta g e v or i h rer offi zi e ll e n P rok la m a ti on a ls Ka n zle rk a n di d at in von C DU un d C S U e rh i e lt An g e la M e rk e l i n a l l e r Ö f f en t li c h k ei t s o zu s a g e n fü rs t li c h e W e i h en . D a s „ Ha n d e ls b la t t " vo m 2 7 . M a i 2 0 0 5 v e r öf f en t li c h t e ei n In t e r vi e w m i t d em B i ld erb erg er R i c h a rd P erl e, d em ei n flu s s rei c h en „Fürs t en d er Fi n s t ern i s " h in t er d en Ku li ssen von Whit e Hou se und Wa ll Street. Der hatt e gegenüber „Hand els b la t t " -R ed ak t eu r B a ck fi s ch bek u nd et : „E s gi b t s eh r groß e Un t ers c h i ed e zwi s c h en d e r U S- R e gi e ru n g u n d d en d eu t s c h en S o zi a ld e m ok ra t en . Da s t ri fft m i t B li c k a u f d i e C DU/ C S U n i c h t zu . . . Ic h r e c h n e i m F a l l e e i n es W a h l s i e g e s v on F r a u M erk e l m i t e i n e r d e u t l i c h e n V e r b e s s e r u n g d e s b i l a t e r a l e n V e r h ä l t n i s s e s . . . An g e l a M e r k et i s t s eh r fes t in d er t ra n sa tla n t i s ch en Tra d it i on vera n k ert . S i e s t eh t voll h i n t er der Nato und setzt sich für eine enge Abstimmung zwischen Berlin und VVashing85

t o n e i n . An g e l a M e r k e l s c h e i n t d i e g l o b a l e V i s i o n v o n H e l m u t K o h l z u h a b e n . Von Bundeskanzler Gerhard Schröder sind wir derlei nicht gewohnt." P e r l e , b i s 2 0 0 3 C h e f, s ei t h e r Gr a u e E m i n en z d e s a n E i n f lu s s k a u m zu ü b e rs c h ä t zenden Defense Policy Board und überhaupt „Global Player" in zig Insider -Zirkeln, hatte sich wegen der von ihm propagierten Atomwaffen - Erstschlagsstrategi e s c h on i n d e n 8 0 e r- J a h r e n d e n s c h m u c k e n B e i n a m e n „ P r i n c e o f D a r k n e s s " ( F ü r s t d e r F i n s t e r n i s ) e i n g e f a n g e n . E s k rä n k t i h n ü b e r h a u p t n i c h t , wi e d e r m i t i h m g u t b ek a nn t e P rof. Dr. M i c h a el S t ü rm er i n d er „ W e lt " v om 1 2 . Au gu s t 2 0 02 b eri ch t e t e , a u c h s o g e n a n n t z u we r d e n . P e r l e , s o S t ü r m e r w e i t e r , g l a u b e n i c h t a n V e r t r ä ge u n d Kom p rom i s s e, s on d ern fü r i h n s ei „d er Ka m p f d e r Na t u rzu s t and z wi s c h en den Staaten"; der Mann stamme halt „aus der Schule von Morgenthau". Ge m e i n t i s t H en r y M or g en t h a u j r. , U S- Fi n a n zm i n i s t e r u n t er F . D . R o o s ev e l t u n d Verfechter eines d rak onischen Siegfried en s im Zweiten Weltk rieg. Er entwarf d en n ach ih m b en annten Plan fü r ein zerstück eltes, h elotisiertes Deu tsch land o h n e In d u s t r i e , a l s o u n t e r Z e r s t ö r u n g d e r Le b e n s g r u n d l a ge n d e r M a s s e d e s d eu t s c h en Volk es . S elb s t d er h a rt ges ot t en e US -Kri e gs m i n i s t er Hen r y Le wi s S t i m s on wa r s c h oc k i ert u n d wa n d t e ge g e n d en P la n s ei n es Ka b i n et t s k o l l e g en ei n , d a s s e r au f die Vernich tun g von d reiß ig M illion en Deutsch en hinauslau fe. Fü r Martin Ni em öller, d en evan gelis ch en Th eologen und scha rfen Widers ach e r Hit lers, zi elt e d e r M or g en t h a u -P la n i n l e t zt e r Ko n s eq u en z s o ga r d a ra u f a b , „d a s d eu t s c h e V o lk bis zu seinen Wurzeln auszurotten". E i n e r d e r wi c h t i gs t en V e rt ra u en s l eu t e P e r l e s i n d e r B u n de s r ep u b li k D eu t s c h la n d i s t J e f f r e y „ J e f f " G e d m i n , d e r s e i t 2 0 0 1 d i e h i e s i g e Z w e i g s t e l l e d e s U S - a m er i k a n i s c h en As p e n - In s t i t u t s m i t S i t z i n B e r l i n l e i t e t . Ga ry S m i t h v o n d e r B e r l i n Am e r i c a n Ac a d em y s a gt ü b e r i h n : „ E r v e r m i t t e lt a u s s c h li eß li c h d i e W e l t s i c h t ei n e s R i c h a r d P e r l e o d e r P a u l W o l f o wi t z . " Al s Ka n z l e r S c h r ö d e r — m i t d e m o s k o pisch ermittelter Zustimmung von 80 Prozent der Deutschen — die militärische B et ei li gu n g a n B u s h s Go l f - Kr i e g v er we i g e rt e, ä u ß e rt e Ge d m i n : „ Vi e l e D eu t s c h e sind vom Nationalpazifismus verhext." P er les V -M a nn ha t s i ch en g an d i e Fe rs en An ge la M erk el s geh eft et . Am 2 7 . M ä rz 2 00 3 n oti ert e d i e „ We lt a m S on n t a g": „ Ged m i n ha t vorgef ü h rt, wi e m a n p opu lä re P o l i t i k b e r a t u n g b e t r e i b t . D e r Am e r i k a n e r i s t s e i t a n d e r t h a l b J a h r e n i n D e u t s c h land , ha t s ein In s ti tut und d i e B erlin er Think - Tank- S zen e ord ent lich aufgemi sch t. M a l p a r li e rt er b ei ‚C h ri s t i a ns en ' ü b e r d en Ka m p f g e g en d e n T e rr o r, d a n n b ri e ft er An g ela M erk e l i m k lei n s t en Kr ei s i n S ch we ri n üb er d a s d eu t s ch - a m eri k an i s ch e Verhältnis. Seine Präsenz brachte ihm die Bezeichnung ,heimlicher Botschafter der

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US A in Deu tsch land ' ein. " (Im an glo -a m erikani sch en Sp rach geb rau ch b ed eut et „t o briet" soviel wie: „Instruktionen geben", „Auftrag erteilen".) Evelyn Roll schreibt in ihrer Merkel -Bi ographie einerseits nichts - und anderers eits doch wieder vielsagend: „Man hört so wenig von den Menschen, die Angela M e rk e l wi rk li c h b e ra t en . . . Le u t e, d i e s i e wi rk li c h b era t en , d i e la u f en eb en n i c h t h e ru m u n d r ed en d a rü b er . " E s h a n d e l e s i c h u m „ i n t er e s s a n t e M en s c h en , d i e s i c h r e g e l m ä ß i g m i t An g e l a M e r k e l t r e f f en " . J e f f G e d m i n i s t z w e i f e l l o s e i n s o l c h e r „interessanter Mensch". D r ei W o c h en n a c h d e m Zu s a m m en t r e f f en v on M r. P er l e m i t d e r v on Ge d m i n „ g e b ri eft en " M erk el b eim Bi ld erberg -Au fma rsch in R otta ch -E gern und d rei Ta ge n ach d es Fi n s t ern i s fü rs t en öffen t li c h ert ei lt en Wei h en fü r s i e, wa r es d a n n a m 30 . Ma i 2 00 5 i n B erli n s o wei t : E s erf o lgt e d i e B es t a l lu n g An g e la M erk e ls zu r Ka n z l erk a n d i d a t i n d er C - P a rt ei en — d u rc h zu s t i m m en d es Hä n d ek la t s c h en u n d Ti s c h k l op f en d er P rä sidiu m smi t gli ed er von C DU und C SU au f Edmund S t oib ers entsp rech end en V o r s c h l a g h i n b e i e i n e r g e m e i n s a m e n S i t z u n g d e r F ü h ru n g s g r e m i e n d e r S c h we s t e rp a rt e i en . Au s s p ra c h e, F ra ge n a c h Ge g e n k a n d i d a t u r en , g eh ei m e Ab s t i m m u n g — all das fand nicht statt. Au f d en Frü h s t ü ck s ti s ch en d er Da m en u n d Herren P rä s i d ium s m i t gli ed er v on C DU u n d C S U h a t t e n v o r d e r „ W a h l " M e r k e l s z u r Ka n z l e r k a n d i d a t i n e t a b l i e r t e d e u t s c h e B lä t t e r g e l e g en m i t S c h la g z ei l en wi e : „U S -R eg i eru n g h of ft a u f An g e la M er k e l . " U n d i n i h r e r i m Au g u s t 2 0 0 5 , d e m M on a t v o r d e r B u n d e s t a g s wa h l , e r s c h i e n e n e n M e r k e l -B i o g r a p h i e b e r i c h t e t e N i c o l e S c h l e y: „ An g e l a M e r k e l g i l t i n d e n Kreisen d er USA, in den en sie b ekannt ist, als p ro- amerikanischer als Gerhard Schröder und somit auch als eine leichter zu handhabende Partnerin ... Die A m e r i k a n e r h o f f e n a u f e i n e b e t r ä c h t l i c h e V e r b e s s e r u n g d e r d e u t s c h -a m e r i k a n i schen Beziehungen, sie hoffen sogar auf einen ganz grundsätzlichen Wendepunkt E n d li ch werd en s i e d en groß e n Gegn er i h rer Ira k -In t e rv en t ion , Gerh a rd S c h rö der, los." Am 1 7 . S e p t e m b e r 2 0 0 5 s c h li e ß l i c h , V o r t a g d e r B u n d e s t a g s wa h l , h i e ß e s i n d e r „Fra nk fu rt er Rund schau ": „Die a m erik anis ch en Zeitun gen sind sich wei t geh end ei n i g, wer D eu t s c h la nd regi er e n s oll: An g e la M erk el. P ra k t is c h d i e ges a m t e P res s e in den USA wünscht sich den Abtritt des aufsässigen Gerhard Schröder. , Auf Wi ed erseh en , we h op e', t it elt e di e Los An geles Ti mes, und meint e da mi t : Au f Nimmerwied ersehen. Die US - Presse nimmt es Schröder immer noch übel, dass er sich kurz vor der Bundestagswahl 2002 so vehement gegen den Einmarsch d e r U S A i n d en Ir a k a u s g e s p r o c h en h a t . Da m i t s t i m m t s i e, n i c h t u n e r wa rt et , m i t Washington überein, wo Schröder ebenfalls ungeliebt ist."
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„Saddams reale Massenvernichtungswaffen”
„ M i t i h r er Ha lt u n g zu m Ir a k -Kr i e g h a t s i c h C D U -C h efi n M e rk e l d a s W oh l wo l l e n Washingt ons gesichert — auch manchen Partei freunden i st das nicht geheu er", h i eß es i m „S pi ege l", Nr. 9 / 20 03 . Di e P oli t ik eri n la g i n d er en t s c h ei d end en Ph a s e 2 0 0 2 / 2 0 0 3 i n d e r Ta t v o l l a u f B u s h - Li n i e, wä h r en d S c h r öd e r m i t d e r P a r o l e v om „d eu t s c h en Weg " (M e rk el : „E i n s ch li m m es Wort , g efä h rli c h ") öff en t li c h S t ellu n g gegen ein e militärisch e Beteiligun g am „Kreu zzu g" gegen d en „Sch u rk en staat Irak" bezog. Das entsprach der Meinung der großen Mehrheit der Deutschen, wie Meinungsumfragen zeigten. „ Als d er Kri eg t r a u ri ge R ea li t ä t wi rd , s t eh t es fü r s i e , au ß er F ra ge, d a s s d i e C DU i n d er Au s ei n a nd ers et zu n g d er a lli i ert en S t rei t k rä ft e m i t dem i ra k i sc h en Di kt a t or Sadd am Hu ssein n icht n eutral sein k ann— , h eiß t es in Wolfgan g Stock s B i o g r a p h i e M erk e l s . W ei t e r : „ Ih r e k la r e Ha lt u n g i n d em v on S c h r öd er h oc h e m ot i on a lis i ert en Wah lka mp f wi rd t ei lwei s e h efti g k ritis i ert. Ih ren Kritik ern ant wort et s i e in ei n em p ers ön li c h en An t wort b ri ef. Da r i n b et on t s i e, es s ei ‚u n vera n t wort li c h , d en Ein sat z m i litä risch er Ge wa lt a ls da s let zt e M itt el kat egoris ch au s zus ch li eß en. Als let zt es M i t t el wi rd es i n m a n ch en Kon f li k t en , s o a u ch in d i es em , un a u s wei c h li ch sein und bleiben.— Der Leb en sb esc h rei b u n g M erk els von Pro f. La n g gu t h i st zu en t n eh men , d a ss b ei m Ira k- Kri eg s e lb s t a u s gem a c ht en „P ro -Am e r i k a n ern " wi e Wo lf ga n g S c h ä ub le und Edmund Stoiber der Bushismus der CDU - Chefin zu weit gegangen sei. Stoi b er (d em als Kan zlerkand idat im Wah lkamp f 2002 die Felle wegzu sch wimmen d roh t en ) h a b e s o ga r „ f ü r e i n i g e S t u n d en d i e Üb er f lu g r ec h t e a m e ri k a n i s c h e r B om ber in Frage gestellt". M e rk e l s t e l lt e d i e u n i on s i n t e rn en Kri t i k e r ru h i g. W o b ei s i e a u c h Zu c k e rb r ot v e r a b rei c ht e. Am 2 5 . M a i 2 004 jed en fa lls la s m a n i m „s t ern ": „ Als No rb ert La m m ert i n d er Ira k - F ra g e erk en n en li e ß , d a s s er g eg en d en Kri egs k u rs d er US A i s t , b ra c h t e M erk e l d en ei n f lu s s r ei c h en C h e f d er NR W - La n d es g ru p p e i m B u n d e s t a g b ei ei nem stundenlangen Spa ziergang auf Rügen an ihre Seit e. Wird die Uni on 2006 s t ä r k s t e F r a k t i o n , d ü r f t e La m m e r t m i t d e m b e g e h r t e n S t u h l d e s B u n d e s t a g s p r ä sidenten b elohnt werd en." Nun fand die ei gent lich fü r 2 006 vorges eh ene Wah l b ekannt lich sch on im Sept emb er 2005 st att. Ku rz d an ach wu rd e La mmert Bun destagspräsident. N a c h d em s i e a m 5 . F e b ru a r 2 0 0 3 i n „ t a c h e l es ", d em „ Li v e - C h a t d er t a g e s s c h a u " a u f d i e F r a g e , wi e d e n n i h r e Kr i e g s b e f ü r wo r t u n g m i t i h r e r „ c h ri s t l i c h e n Gr u n d 88

lage" zu vereinbaren sei, ausgerechnet den trotz seiner schweren Erkrankung geradezu herkulisch gegen Bushs Irak-Krieg ankämpfenden Johannes Paul II. in ihrem Geiste hatte mitmarschieren lassen („Selbst der Papst schließt den Krieg als letztes Mittel nicht aus"), ließ es Angela Merkel bei ihrer Rede auf der XXXIX. Münchner „Konferenz für Sicherheitspolitik, 8. Februar 2003, so richtig krachen. Unter dem Leitwort „Frieden durch Dialog" waren dort Falken aus der gesamten westlichen Wertegemeinschaft in Vorbereitung der großen Beize eingeflogen. Nachdem sie die USA zum ausschließlichen „Exporteur von Sicherheit", die NatoEuropäer aber zu „Importeuren" über die Jahrzehnte hinweg und „die Deutschen" überdies zu den „größten Nutznießern des ganzen Systems" erklärt hatte (tatsächlich trugen die Deutschen, direkt an der Hauptkampflinie des Kalten Krieges, stets das höchste Risiko — und die höchsten Kosten in der Nato sowieso), rief die CDU-Chefin aus: „Ob es uns gefällt oder nicht: Wenn der Partner im Sicherheitsverbund bedroht ist, dann ist das auch unsere Angelegenheit. Die Bedrohung ein es P artn ers, die Bed rohun g der USA, ist spätestens am 11. September (2001) offenbar geworden. Sie ist real, nicht fiktiv. Auch die Bedrohung durch die Massenvernichtungswaffen von Saddam Hussein ist real, nicht fiktiv. Die aus dieser Bedrohung entstehende Gefahr kann uns alle treffen ... Europa muss bereit sein, sich an militärischen Maßnahmen als ultima ratio zu beteiligen. Teilhabe an Entscheidungen erfordert Teilhabe am Risiko." Merkel beschwor „die Bedrohung, die von Saddam Hussein für den Weltfrieden ausgeht", wie dies „US-Außenminister Powell am Mittwoch im UN-Siche rheitsrat überzeugend dargelegt hat". Die CDU-Vorsitzende weiter „Wenn am Ende die friedliche Entwaffnung fehlschlagen und als letztes Mittel nur die angedrohten Zwangsmaßnahmen verbleiben sollten, dann befürworten wir um der internationalen Sicherheit und der Autorität der UN- Charta willen auch ein militärisches Vorgehen. Deutschland sollte sich in diesem Fall nach seinem Vermögen und in europäischer und transatlantischer Abstimmung beteiligen." Während der von Merkel als Kronzeuge angerufene Colin Powell im September 2005, zweieinhalb Jahre nach seinem UN-Auftritt, öffentlich enthüllte, dass ihm für den Vortrag vor den Vereinten Nationen gefälschtes Material aus Geheimdienstquellen untergeschoben worden war und er weiter bekannte, wie er sich schäme, die Storys von den „die Welt bedrohenden Massenvernichtungswaffen des Saddam Hussein" damals der Weltvölkergemeinschaft aufgetischt zu haben („Ich fühle mich furchtbar"; „Es war ein Schandfleck meiner Karriere"), antwortete Angela Merkel in ihren 2005 erschienenen autobiographischen Gesprächen mit Hugo Müller-Vogg auf die Frage, ob sie sich vom US- Präsidenten Bush hinsichtlich des Irak-Krieges getäuscht fühle, mit einem glatten „Nein".
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„Schröder Does'nt Speak for All Germans”
F r a u M e r k e l s t a t t e t e i n B e g l e i t u n g i h r e s A d l a t u s P f l ü g e r , e i n e s E x t r e m- T r a n s atlan tizisten, d en USA im Feb ruar 20 03 ein en Besuch ab. Sie b eteu erte gegen über ihren Gesprächspartnern — Vizep räsident Ch eney, Verteidigungsminister R u m s f e l d , d e s s e n V i z e W o l f o wi t z , d i e d a m a l i g e S i c h e r h e i t s b e r a t e r i n u n d n a c h m a li g e Au ß en m i n i s t e ri n R i c e — u n ei n g e s c h rä n k t es t e S o li d a ri t ä t g er a d e h i n s i c h t l i c h d e s Ir a k -K u r s e s . A m 2 0 . F e b r u a r 2 0 0 3 e r s c h i e n d a n n i n d e r „ W a s h i n g t o n P o s t " , d e m — n e b e n d e r „ N e w Y o r k T i m e s " — wi c h t i g s t en S p ra c h r o h r „ d e r O s t k ü s t e ", ei n v on An g e la M erk e l a l s „c h a i r m a n o f t h e C h r i s t i a n D em oc ra t i c Un i on in German y and the CDU/CSU parliamentary group in the German Bundestag" verfasster Artik el un ter d er Sch lagzeile „Sch röd er Does'nt Sp eak for All Germ a n s " m i t s c h a r f e n A t t a c k e n a u f d e n K a n z l e r w e g e n d e s s e n K o n t r a z u m I r a kKri eg. Da s s d i e fü h ren d e P er s on d er d eu t s c h en p a rla m en t ari s c h en Opp os i ti on di e R egi erun g d es ei gen en La ndes in ein em au slän di sch en Organ d era rt h efti g an gri ff, und dann n och in ein er inn en - wi e auch außenp oliti sch h öch st di ffi zi len Fra ge, war bis dahin beispiellos. Im M e rk e l -Art i k e l s t a n d : „Di e wi c h t i g s t e Le h r e a u s d er d eu t s c h en P o li t i k — n i e wi e d er S on d e r we g — i s t v on e i n e r d eu t s c h en B u n d es r e gi e ru n g, d i e g en a u d i e s en Sond erweg ein gesch lagen h at, aus wa h ltak tisch en M otiven mal ein fach so b ei s ei t e ge wi s c h t wo rd en . " („ Th e m os t i m p ort a nt les s on of Germ a n p oli t i c s — n ever a g a i n s h ou l d Ge r m a n y g o i t a l o n e — i s s we p t a s i d e wi t h s e e m i n g e a s e b y a Ge r man fed eral government that has done precisely this, for the sake of electoral tactics.") Zu allererst müsse beachtet werden, dass die Bedrohung durch den Ira k k ei n Hi rn ges p in s t , s on d ern rea l s ei : „ Fi rs t , t h e d an ger f rom Ira q i s n ot fi ct i o u s b u t r e a l . " D i e d e u t s c h e u n d e u r o p ä i s c h e G e s c h i c h t e d e s 2 0 . J a h rh u n d e r t s l e h re u n s, d ass militärisch e Gewalt als letztes Mittel gegen üb er Diktatoren nicht a u s g e s c h l o s s e n o d e r a u c h n u r , wi e d u r c h d i e d e u t s c h e B u n d e s r e g i e r u n g g e s c h e h en , in Fra g e g es t e l lt werd en d ü rfe. („ Th e h i s t or y o f Germ a n y a n d E u rop e in t h e 2 0t h C en tu ry i n p a rt i cu la r c ert a in ly t ea c h es u s , t ha t m i li t a ry f orc e m u s t n ever b e r u l ed ou t , o r e v en m er e l y q u es t i on ed — a s h a s b e en d on e b y t h e Ge r m a n f ed e ra l government — as the ultimate means of dealing with dictators.") D e r B ei t ra g li e f a u s m i t e i n em B ek en n t n i s „d e r P a rt e i , d i e i c h fü h r e " zu r „ e n g en Partnerschaft und Freundschaft mit den Vereinigt en Staaten" und zur „europäi s c h en In t e gra t i on ", wa s b ei de s u n a b d i n gb a r e r B es t a n d t ei l d eu t s c h e r S t a a t s r ä s on sei: „For the party that I lead, our close partnership and friendship with the Uni90

Angela Merkel: "Selbst der Papst schließt Krieg als letztes Mittel nicht aus"
CDU-Bundesvorsitzende Angela M erkel an 5. Februa r 20 03 ist zu Gast im t acheles.02 LiveChat von tagesschau.de und politik-digital.de im ARDHauptstadtstudio. Moderator: Herzlich willkommen im tacheles.02Chat. tacheles.02 ist ein For mat von tagesschau.d e und politik-digital.de und wird unterstützt von tagesspiegel.de. Wir haben eine Stunde Zeit, kann es losgehen, Frau Merkel?

Ira k- K r ieg Powell: „Schandfleck meiner Karriere"

0 9 . Sep tem b er 2 0 0 5 D er f rü he re a mer i ka n i sc he Au ße n mi ni st er Collin Powell hat in einem Fernsehinterview seinen Auftritt im UN-Sicherheitsrat im Februar 2003 im Vorfeld des Irak -Kriegs bedauert.

US-Außenminister Powell und sogar den Papst ließ Merke! für ihre Unterstützung des Irak-Kriegsherrn Bush aufmarschieren. Tatsächlich wandte sich Johannes Paul II. mit aller Kraft gegen den Irak-Krieg. Und Powell gestand später, für seinen UNO-Auftritt mit Falschmaterial des Geheimdienstes „gefüttert" worden zu sein.
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ted S t a t es i s j u s t a s m u c h a fun d a m en t a l e l e m en t o f Ge r m a ny' s n a t i on a l p u rp os e as European integration."

„Auslandseinsätze weltweit"
S c h r öd e r r et t et e s i c h 2 0 0 2 b ei d e r B u n d es t a gs wa h l m i t s ei n em „d eu t s c h en W e g " di e Kan zlers cha ft vor d em Zugri ff d es gem ein sa m von C DU und C S U a ls Kandid at au f d en Schild geh ob en en Ed mund Stoib er, d er u nter Merk els d emon strativem Pro- Bush- Kurs zu leiden hatte. Evelyn R oll: „Der Wahlkampf lief gut, bis der Irak k ri eg k am. An gela M erk el posit i oni ert e sich gegen d i e St immun g i m La nd fü r d en E inma rsch d er Am erik an er. " Rückb lick end s ch ri eb Gert Kei l in d en „Frank fu r t e r H e ft en " , S ep t em b e r 2 0 0 5 , d u rc h i h r e P r o- Kr i e gs -Ha lt u n g h a b e M erk e l „ ei n en d em o s k op i s c h en N e ga t i v r ek o rd e r zi e lt , n ä m l i c h „b i n n en ei n es M on a t s u m ga n z e 2 0 ( !) P u n k t e i n d e n S y m p a t h i e w e r t e n a b z u s t ü r z e n , w a s n i c h t e i n m a l U w e B a r schel auf der Höhe seines Kieler Skandals geschafft hatte". Elisabeth Noelle v o m A l l e n s b a c h e r In s t i t u t f ü r D e m o s k o p i e b e r i c h t e t e i n d e r „ F A Z " d e s 1 7 . N o v e m b e r 2 0 0 4 v o n e i n e m Z u sa m m e n b ru c h d e r M e r k e l ' s c h e n „ Gu t e -M e i n u n g - W e rte" von 2002 auf 2003 auf nur noch 30 %. Von diesem Rückschlag habe sich ihre Beliebtheitskurve „nicht mehr erholt". Geg en üb er Mü ller- Vogg b ekund et e An gela M erk el, es hab e si e 20 03 b ei ih rer I r a k p o s i t i o n „ g e l e it e t " , d a s s a u c h a n d e r e p o l i t i s c h e W e i c h e n s t e l l u n g e n i n d e r b u n d e s d eu t s c h en Ge s c h i c h t e g e g e n d i e M eh rh ei t d er B e v öl k e ru n g g et r o f f en wo r d en s ei en . Au f M ü l l e r- V o gg s V o rh a lt „ Ih r E i n t r et en fü r d i e V er e i n i gt en S t a a t en i s t i n d i es e r E i n d eu t i gk ei t i n D e u t s c h la n d n i c h t m eh rh ei t s fä h i g " a n t wo rt et e M e r k el gleich mütig: „Das kann sch on sein ". Und sie fuh r fort, „dass es Prob leme gibt, bei deren Lösung wahltaktische Überlegungen keine Rolle spielen dürfen". B ei i h r er R ed e a u f d e r X L. M ü n c h n er S i c h erh ei t s k o n f e r en z, 7 . F eb ru a r 2 0 0 4 , ä u ß e r t e M e r k e l : „ Au c h ü b e r e i n m ö g l i c h e s E n g a g e m e n t d e r N A T O a u f W u n s c h e i n e r f r e i g e wä h l t e n R e g i e r u n g i m Ir a k i m R a h m e n e i n e r U N- R e s o l u t i on wi r d d i s k ut i ert . In ei n em solc h en Fa ll d a rf si ch Deut sch la nd der An ford eru n g n ic ht verschli eßen." Verlaufs der Ansprache zitiert e die CDU -Chefin zustimmend folgend e Au s s a g e d e r f r ü h e r e n U S- Au ß e n m i n i s t e r i n M a d e l e i n e A l b r i g h t a u s d e r e n Aut ob i og ra p h i e ( Ka p i t e l „ Im Du e l l m i t Di k t a t or en " ( : „ Di e z en t ra l e a u ß en p o li t i s c h e Zielsetzun g lautet, Poli tik und Hand eln and erer Nation en so zu b eein flu ssen , d a s s d a m i t d e n In t e r e s s e n u n d W e r t e n d e r e i g e n e n N a t i o n g e d i e n t i s t . D i e z u r V e r fü gu n g s t eh en d en M i t t e l re i c h en v on f r eu n d li c h en W o rt e n b i s zu M a rs c h f lu gk örp ern . " M erk els Kom m en t a r d a zu : „E s i s t ei n e De fi n i t i on, d i e au s m ei n er S i c ht nicht nur für die amerikanische Außen- und Sicherheitspolitik Gültigkeit haben 92

muss, sondern auch Maßstab einer europäischen Außen - und Sicherheitspolitik sein sollte, besser: sein muss." Frau Merkel st ellte bei dieser Gelegenheit einen außenpolitischen Grundsatzbeschluss des CDU -Bundesvorstandes vom 28. April 2003 heraus, in dem es heißt: „Wenn das Recht auf Selbstverteidigung einschließlich Nothilfe und Inter ventionsverbot zur Sicherung von Frieden u nd Stabilität nicht mehr ausreichen, muss das Völkerrecht behutsam weiterentwickelt werden." Schließlich prokla mierte Merkel bei ihrer Münchner Ansprache des 7. Februar 2004: „Wenn wir unseren Interessen und Werten dienen wollen, müssen wir Außenpolitik a ls Weltinnenpolitik verstehen." Nötig sei, dass „Deutschland als größtes (?) Land Europas seinen außen- und sicherheitspolitischen Beitrag für eine Weltinnenpoli tik im umfassenden Sinne wirkungsvoll leisten" möge. Woraus u.a. folge: „Aus landseinsätze der Bundeswehr werden zunehmen. Die Verteidigung unserer Interessen und unserer Sicherheit muss im 21. Jahrhundert weltweit erfolgen." Bleibt noch nachzutragen, dass Merkel die Bundeswehr für „unsere Interessen" nicht nur „weltweit" einsetzen will, sondern sie auch schon seit längerem darauf drängt, die Möglichkeiten zum Militäreinsatz gegen den „inneren Feind" aus zuweiten. Symptomatisch war ihre Rede im Bundestag vom 11. Oktober 2001, in der sie ausführte, der 11. September (die Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon) hätten „gezeigt, dass die Grenzen von innerer und äußerer Si cherheit zunehmend verschwimmen". Merkel weiter: „Niemand in dieser Bundesrepublik Deutschland, jedenfalls nicht in meiner Partei, wird in irgendeiner Weise Polizei und Bundesgrenzschutz durch Kräfte der äußeren Sicherheit ersetzen wol len. Vielmehr geht es um die Frage, ob in bestimmten Bedrohungssituationen, ergänzend zu dem, was wir von Polizei und Bundesgrenzschutz brauchen, und er gänzen d zu d e m, wa s b erei ts h eu te d as Gru n d gesetz e rmö glicht, viellei cht bestimmte Dinge zusätzlich angewandt werden sollten." Man müsse „über die sen und jenen Artikel des Grundgesetzes noch einmal nachdenken ... Ich lade uns alle ein, dies ohne alle ideologischen Scheuklappen zu tun."

Israel als Staatsräson
Es gibt wohl nur ein einziges anderes Land, dem Angela Merkel ähnlich viel, wenn nicht sogar noch mehr Aufmerksamkeiten angedeihen lässt wie den USA: Israel. Lange rollte die Zuneigung auf der Einbahnstraße nach Nahost. Doch — was lange währt, wird endlich gut — seit ca. Ende der 90er- Jahre erwidert man die Sympathie. Man scheint in Israel aufrichtig erfreut zu sein, mit Angela Mer kel über eine besonders engagierte Sachwalterin eigener Interessen in Deutsch93

land zu verfügen, die „die Existenz Israels zum Kern der Staatsräson unseres Landes und zur Räson unserer Partei" erklärt (Rede Angela Merkels bei der Berliner Festveranstaltung „60 Jahre CDU", 16. Juni 2005). Die Beziehung ist unterdessen so eng geworden, dass die Münchner „National Zeitung" in ihrer Ausgabe vom 30. September 2005 feststellte: „Studiert man die Stellungnahmen von Medien in Israel sowie Berichte zionistischer Organe welt weit zur Bundestagswahl, gibt es keinen Zweifel: Jene Seite würde die Kanzler schaft Merkels begrüßen. Dort ist man guter Hoffnung, dass sie sich kräftig für jüdische Belange, speziell für die Interessen Israels, einsetzen wird." V ierzeh n Ta ge zu vo r, 1 6 . Sep te mb er 2 0 0 5 , h atte es in den in Tel Aviv au f Deutsch erscheinenden, zionistisch ausgerichteten „Israel Nachrichten" zum bundesrepublikanischen Urnengang geheißen, dass „Jerusalem die Wahlen mit Auf merksamkeit beobachtet", dass „Merkel die Politik von Scharon unterstützt" und dass sich die Bundesrepublik „im Falle von Merkels Wahl im Nahen Osten mehr engagieren" werde — „einschließlich der finanziellen Seite", wie das Blatt betonte. Die „Israel Nachrichten" weiter: „Scharon und sein deutscher Amtskollege Bundeskanzler Gerhard Schröder haben sich lange nicht mehr getroffen, nachdem Schröder das israelische Ansuchen um die Finanzierung von zwei zusätzlichen Dolphin- U-Booten beiseite stellte. Israel hatte hierfür um Finanzhilfe von etwa einer Milliarde Dollar ersucht, nachdem Deutschland zu Beginn der 90er- Jahre drei solche U- Boote geliefert hatte. Nach ausländischen Berichten sind sie mit Atomgeschossen bestückt." Nachdem die erste Lieferung der U- Boote an Israel aus deutscher Kasse bezahlt worden sei (unter Kohl), habe SPD- Verteidigungsminister Peter Struck ein weiteres Milliar dending der Bundesrepublik hinsichtlich zusätzlicher Unterseeboote unterstützt. Doch, so fuhren die „Israel Nachrichten" fort: „Schröder, der sich mit Deutsch lands schwersten sozioökonomischen Problemen seit dem Zweiten Weltkrieg konfrontiert sah, weigerte sich, darüber zu sprechen." Jetzt aber, mit der Aussicht auf die Kanzlerin aus den Reihen der C- Parteien, stünden die Zeichen günstiger. Eine Prognose, die sich inzwischen als wahr herausgestellt hat. Das neuerliche U- Boot-Geschen k an Israel war sozusagen Merkels erste Amtshandlung als Kanzlerin. Durchgedrückt hatte sie es schon bei den Koalitionsverhandlungen. Auch der einflussreiche israelische Journalist Adar Primor, Sohn des einstigen Botschafters in der Bundesrepublik Avi Primor, zeigte sich kurz vor der Bundestagswahl davon überzeugt, dass Israel zusätzlichen Nutzen aus der Merkel'schen Kanzlerschaft ziehen werde. Nach einer stundenlangen Einvernahme der CDUChefin, deren Extrakte von der israelischen Tageszeitung „Haaretz" am 14. Sep94

temb er 2005 au ch in ih rer en glisch sp rach igen Au sgab e veröffen tlicht wu rd en , s c h ri eb e r, F r a u M e rk e l u n t ers t ü t z e „ rü c k h a lt l o s " ( „ wh o l eh e a rt ed l y" ) d i e P o li t i k von Premier Scharon. Nicht zuletzt, so Primor weiter, sei in Bez ug auf das Ver l a n g e n n a c h w e i t e r e n U -B o o t e n z u e r w a r t e n , d a s s d i e C D U -V o r s i t z e n d e a l s R e gi erun gsch efin — im Gegen s at z zu S chröd er — „ Is ra els W ün sch e b erück sichti gen will". Was ja voll eingetroffen ist. Im Ges p rä c h m i t „Ha a ret z" -P r i m or ä u ß ert e F ra u M erk et „Di e B e zi eh u n gen m i t Is r a e l s i n d e i n k o s t b a r e r S c h a t z , d e n wi r h ü t e n m ü s s e n . W i r u n d d i e k o m m e n d e n Gen eration en mü ssen un s unserer Geschichte b ewu sst sein und d er Verantwor t u n g, d i e s i e b ei n h a lt e t . Wi r m ü s s en ei n e k la r e ö f f en t li c h e P o s i t i on d a zu ei n n eh m e n u n d e n g e B e z i e h u n g e n m i t d e r j ü d i s c h e n Ge m e i n s c h a ft i n D e u t s c h l a n d p f l e g e n . U n d n a t ü r l i c h m ü s s e n wi r e n g e B e z i e h u n g e n z u Is r a e l p f l e g e n . " D i e s g e l t e a u c h fü r d a s V e r h ä l t n i s z wi s c h e n Is r a e l u n d d e r E U , d a s e s z u i n t e n s i v i e r e n g e l te. In e i n e m n o c h v o r d e r B u n d e s t a g s wa h l 2 0 0 5 v o n M e r k e l s F r a k t i o n s m i t a r b e i t e r Gert Ola v Göh s (Fa chb ereich Au ß enp oli tik ) ent worfen en Papi er zu m d eut sch - i s ra el i s c h en V e r h ä l t n i s h e i ß t e s : „ D i e S h o a h u n d d i e i m d e u t s c h e n N a m e n a n d e n J u d en b e ga n g en en V e rb r ec h en d e r n a t i on a ls o zi a li s t i s c h en Ge wa l t h e rr s c h a ft p rä g en d i e d eu t s ch- i s ra eli s c h en B ezi eh u n gen . " Im „B e wu s s t s ei n der h i s t ori s c h en Vera n t w o r t u n g D e u t s c h l a n d s g e g e n ü b e r Is r a e l " s e i „ e i n i n t e n s i v e r u n d f r e u n d s c h a f t l i c h er d eu t s c h -i s ra eli s c h er Di a log" zu fü h ren . In s b es on d er e b ed ü rfe es d er E rk en n t nis, dass in Deutschland „die Bekämpfung von einseitigen anti - israelischen E i n s t e l l u n g e n e i n e g e s a m t g e s e l l s c h a f t l i c h e Au f g a b e " s e i . H i e r m ü s s e a u c h a u f di e M edi en ein gewi rkt werd en. Wei t er. „Di e P olit ik, di e Bund es regi erun g und d er Bundestag haben ebenfalls eine große Verantwortung, auf die negative Stimm u n g i n d e r B e v ö l k e r u n g g e g e n Is r a e l z u r e a g i e r e n . " N i c h t m i n d e r s e i e n d i e In stitutionen der politischen Bildung entsprechend in die Pflicht zu nehmen. B ei ih rem Vort ra g a m 7 . Dezem b er 2003 vor d em „5. Eu ropäi sch- Is ra eli sch en Dia l o g " h a t t e An g e l a M e r k e l i h r e G r u n d s a t z p o s i t i o n e n h i n s i c h t l i c h d e s d e u t s c h e n V e r h ä l t n i s s e s z u m j ü d i s c h e n S t a a t wi e f o l g t u m r i s s e n : „ W i r h a b e n u n s e r e D e m o kratie auch auf den Lehren aus der Geschicht e aufgebaut. Dazu gehört unverr ü c k b a r d i e An e rk en n u n g d e r S i n gu la ri t ä t d es H o l oc a u s t . S i e wa r u n d i s t d i e V o raussetzung dafür, dass wir frei und souverän sein können. Aus diesem Vers t ä n d ni s d er E i n zi ga rt i gk ei t d es Holoc a u s t er wä c h s t ei ne ga n z s p e zi e ll e B e zi e h u n g D e u t s c h l a n d s z u Is r a e l . . . D a ra u s f o l g t , d a s s wi r g r u n d s ä t z l i c h f ü r d i e An l i e g e n Is r a e l s e i n t r e t e n . . . D e u t s c h l a n d m u s s e i n e P o l i t i k m a c h e n , d i e i m Z w e i felsfa lle für die Belange Israels eintritt und keine Neutralitätsbetrachtungen zulässt."
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N a c h d e m s i e b e i i h r e m „ D i a l o g " - V o r t r a g d e n B u s h- Kr i e g g e g e n d e n Ir a k g e l o b t h a t t e, we i l d e r W a f f en ga n g „ v ö l l i g n eu e B li c k wi n k e l u n d Op t i on en e r ö ffn et " h a b e, „die es mit Sadd am Hu ssein so n icht gab ", ließ sich M erk el zu ein em wei t er en La n d d es O ri en t s ei n , d a s sozu sa g en a u f d er Ab sc h u ssli st e st eh t : „Da ss d er Ira n au s d em B lick wink el Is ra els ei n e B edrohun g d arst ellt , st eht nicht in fra ge. W e n n wi r a n d e r S t e l l e Is r a e l s l e b e n wü r d e n , wü r d e n w i r g e n a u s o e m p f i n d e n . " ( Le b e n wi r a b e r n i c h t !) . D i e C D U- C h e f i n f o r d e r t e b e i d i e s e r Ge l e g e n h e i t , „ a u s d e m Ir a k -K o n f l i k t z u l e r n e n " . D i e i h r e s E r a c h t e n s e n t s c h e i d e n d e F r a g e l a u t e t : „Gehen wir wied er getrennte Wege, ist wi eder der eine für die Mora l verant wo r t li c h u n d d er a n d e r e fü r d i e m i li t ä ri s c h e D r oh u n g ? Od er s c h a f f en wi r es d i es mal in einer Art Amalgami erung, unsere militärischen und moralischen Kom p o n e n t e n b e i d e r s e i t s d e s At l a n t i k s g l e i c h g e r i c h t e t z u r Ge l t u n g z u b r i n g e n ? D e r Iran ist ein Testfall." Zur Erläuterung: Amalgamierung bedeutet Versch melzung von Metallen mit Qu e c k s i lb e r. W e g en a k u t er Ve r g i ft u n gs g e fa h r i s t h öc h s t e V o r s i c h t g eb o t en . Al s Erste Hilfe wird die Verabreichung eines Brechmittels empfohlen.

Mit Herzblut im „Inner Circle"
F r a u M e r k e l h a t s i c h a l s B u n d e s t a g s a b g e o r d n e t e i n d e r „ D e u t s c h - Is r a e l i s c h e n P a rla m en t a ri ergru p p e" en ga gi ert . Di es e Ve rei n i gu n g rek ru t iert s i c h gem ä ß S elb s t a u s k u n ft a u s „a u s g es p r oc h en en F r eu n d en Is r a e l s , d i e Z ei c h e n d er S o li d a ri t ä t s et zen ". Rein h old Rob b e, ein er d er b etei ligten Bu n d estagsab geord n et en au s d en R e ih en d er S PD, b ezeichn et di e in d er Deut sch - Is ra eli sch en P a rla m ent a ri ergrupp e m it wi rk end en Volk s vert ret er a ls „Kollegi nn en und Kollege n aus a llen Frak ti on en, b e i d e n e n H e r z b l u t a m T h e m a h ä n g t " ( In t e r v i e w m i t d e m „ D e u t s c h l a n d f u n k " , 2 3 . Ok t ob e r 2 0 0 3 ). N eb en d er P a r la m en t a ri e r g ru p p e B u n d e s r ep u b li k- U S A i s t d i e d eu t s c h - i s ra e li s c h e m i t s t et s m eh r a ls 1 0 0 M d B d i e s t ä rk s t e a l l e r s o lc h en Zu s a m menschlüsse des Bundestages. Glei c h d rei d er en gs t en M erk el -Mit a rb eit er, Mit gli ed er ih res „ In n er C irc le", geh ö ren d er D eu t s c h -Is ra e li s c h en P a rla m en t a ri ergru p p e a n . E s si nd d i es di e M dB E ck a rt von Kla ed en , Hi ld ega rd M ü lle r u n d R on a ld P ofa lla . E v e l yn R ol l d efi n i ert d en „ In n e r C i r c l e " a l s „ T r u p p e , d i e s i e T a g f ü r T a g u n m i t t e l b a r b e r ä t u n d s i c h v o n Zeit zu Zeit ein paar Tage mit ihr in ein Strandhotel auf die Ostseehalbinsel Fischland Darß zum Nachdenken und Redenschreiben zurückzieht". Hi ld ega rd Mü ller st eht seit 2002 an d er Spit ze d er Deutsch - Isra eli sch en Pa r la m ent a ri ergrupp e und sit zt da rüb er h inaus im P rä sidiu m der Deut sch - Is ra eli sch en Gesellschaft (DIG). Die DIG — „Ecki" von Klaeden gehört auch dazu — stellt sich 96

vor als „die Organisation der Freunde Israels". Sie will „praktische Solidarität mit dem jüdischen Staat auf allen Ebenen durchsetzen", „in unserer gesamten Arbeit für die Sache Israels werben" und „Einfluss nehmen vornehmlich auf die Regierung und die politischen Parteien". Klassische Lobbyarbeit also. Die so vielfältig für Israel engagierte Hildegard Müller, bis 2002 Chefin der Jungen Union, ist die engste Vertraute Angela Merkels, ihre „verlässliche Stütze im CDU-Präsidium" (Langguth). Die beiden verbindet auch eine Duzfreundschaft, was bei Merkel nicht häufig vorkommt. Am 25. Mai 2004 berichtete der „stern" über Müller, dass sie „mit einem besonders SMS- tauglichen Gerät im Präsidium pausenlos unter der Tischkante einschlägige Infos im Sinne der Vorsitzenden textet". „Im Jahr des 40. Jubiläums der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Israel sind Hildegard Müller und ihre Parlamentariergruppe gleich mehrmals zu Besuch in Tel Aviv und Jerusalem", berichtete das ZDF am 11. Mai 2005. Weiter: „Auch haben sich Mitglieder der Parlamentariergruppe mit Vertretern der israelischen Botschaft, aber auch mit dem American Jewish Committee und anderen Nichtregierungsorganisationen getroffen. Auf diesen verschiedenen Treffen seien Ideen entstanden, die Gesetzgebungsverfahren, Vertragsverhandlungen und auch die praktische Außenpolitik der Bundesregierung beeinflusst haben, erklärt Hildegard Müller." „Das Band, das Deutschland und Israel verbindet, kann nicht stark genug sein", rief Merkels gute Freundin anlässlich des 40. Jahrestages der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und dem nahöstlichen jüdi schen Staat am 12. Mai 2005 aus. Kernsätze aus Hildegard Müllers Bundestagsrede zum besagten Jahrestag: „Normal können die deutsch-israelischen Beziehungen niemals sein. Die Beziehungen werden stets durch die Singularität der Schoah gekennzeichnet sein ... Deutschlands Beziehungen zum jüdischen Staat gründen auf unsere Verantwortung für die Schoah und deshalb sind unsere Beziehungen durch unser unerschütterliches Eintreten für das Existenzrecht des Staates Israel und die Sicherheit seiner Bürger bestimmt. Israel wird sich in dieser Hinsicht stets auf Deutschland als Freund und Partner verlassen können. Die besondere Verantwortung, die wir für die Sicherheit Israels haben, werden wir auch in der internationalen Staatengemeinschaft immer einsetzen."

Die Reise nach Jerusalem
2005 antwortete Angela Merkel auf die Frage des jüdischen Magazins „Tribüne", welchem Land sie als Regierungschefin in Berlin den ersten Staatsbesuch abstatten wolle: „Für einen deutschen Bundeskanzler ist generell Israel ein Land, das
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e r a ls e i n es d e r E rs t en b e s u c h e n s o l lt e . " S c h on a ls f ri s c h g eb a c k en e B u n d es m i n i s t e ri n fü r F r a u en u n d J u g en d h a t t e s i e e s 1 9 9 1 ei li g, i n i s ra e l i s c h e Ge fi ld e zu p i l g e rn . B i o g ra p h La n g gu t h : „ E s wa r M e rk e l s p e rs ön li c h er W u n s c h , m ög li c h s t b a ld n a c h Is r a e l z u r e i s e n . " S i e q u e n g e l t e b e i Ka n z l e r Ko h l . D i e O f f i z i e l l e n d e s j ü d i schen Staates aber hatten sicher nicht auf ihr Ersch einen gedrängt, wie es sich a u c h e r wi es , a l s s i e t a t s ä c h li c h a n g e f l o g en k a m u n d m a n d ort u n t en ga r n i c h t s o recht wusste, was mit ihr anzufangen sei. Vom 7 . b i s 9 . Ap ri l 1 9 9 1 ging n u n a ls o M erk e ls s eh n li c h er Wu n s c h in E rfü llu n g. Di e R ei s e n a c h J eru s a lem . D e r Is ra el - Au fen t h a lt wa r i h r z wei t er Au s la n d s b es u ch a l s Kab in ett sm it gli ed , rechn et m an ein e kurze S tipp visi t e zu vor in Fra nkreich mit . Jedenfalls war Israel ihre erste längere Auslandstour im Ministeramt. Frau M erk el kam mit ein er Delegation in d en jüd isch en Staat, d er auch Staats m i n i st er Lu t z S t a ven h a gen an geh ört e. E i n Geh ei m n i s u m gib t d a s S ch i ck s a l d i es es M a n n e s , d e r i n K o h l s K a n z l e r a m t f ü r d i e Au f g a b e n g e b i e t e „ R ü s t u n g s k o n t r o l l e u n d G e h e i m d i e n s t e " z u s t ä n d i g w a r . B a l d n a c h S t a v e n h a g e n s Is r a e l - B e s u c h a l s R ei s ek om p a gn on von An ge la M erk el f l og d er g es et z wi d ri ge P la n zu r B eli efe ru n g d es jüd isch en Staates mit Pan zern au s Bestän d en d er DDR au f. Die Tank s d er NV A wa r en von d eu t s ch en Geh ei m d i en s t lern a ls „ La n d m a sc h in en " get a rn t und in H a m b u r g a u f S c h i f f e v e r l a d e n wo r d e n , d i e n a c h Na h o s t a u s l a u f e n s o l l t e n . D o c h m a n h a t t e d i e R e c h n u n g oh n e d i e W a s s e r s c h u t z p o l i z e i g e m a c h t . D e r e n a u f m e r k s a m e, i n d i e d e li k a t en Hi n t erg rü n d e n i c h t ei n g e we i h t e B ea m t e n a h m en d i e k o l o s s a l e K o n t e r b a n d e h o p s . D e r S k a n d a l k a m a n d i e Ö f f e n t l i c h k e i t . Im D e z e m b e r 1 9 9 1 wu r d e S t a v e n h a g e n a u f g r u n d d e r A f f ä r e z u r D e m i s s i o n g e z w u n g e n . Ku r z da rau f, im Mai 1992, nahm d er Mann sein reich es Wi ssen um di e auch sonst r e g e g e n u t z t e d u b i o s e W a f f e n r o u t e D e u t s c h l a n d - Is r a e l m i t i n s G r a b . G ä n z l i c h p l ö t z l i c h u n d u n e r wa r t e t s t a r b e r . M i t z w e i u n d f ü n f z i g . An L u n g e n e n t z ü n d u n g . ( D i e „ La n d m a s c h i n e n " -P a n z e r d e r E x- N V A ü b r i g e n s f a n d en d o c h n o c h — R e c h t hin, Gesetz her — ihren Weg nach Israel.) Neben Merkel und Stavenhagen war Bundesforschungsminister Heinz Riesen h u b e r d e r D r i t t e i m B u n d e a u s d e m Ko h l - Ka b i n e t t b e i m Is r a e l- B e s u c h i m Ap r i l 1 9 9 1 . E r s t a h l M e r k e l , d i e s i c h d o c h s o v i e l v o r g e n o m m e n h a t t e , g l e i c h a b An k u n ft a u f d e m F l u gh a f en T e l Av i v -Lo d d i e S c h a u . M ed i eng e wa n d t wi e s t et s u n d w e i l e r f ü r d i e Ga s t g e b e r s c h o n a l l e i n we g e n s e i n e s R e s s o r t s , W i s s e n s c h a f t u n d Forschun g, wesen tlich interessanter war als die Frau en - und Ju gend min isterin a u s B on n (Deu t s ch la nd su b ven t i on i ert Is ra e ls Wi s s en s c h a ft t ra di t i on ell m i t erh eb l i c h en S u m m e n ) , z o g R i e s e n h u b e r f a s t a l l e Au f m e r k s a m k e i t a u f s i c h u n d g a b In t e r v i e w a u f In t e r v i e w . M e r k e l h i n g e g e n s t e l l t e s i c h z i e m l i c h v e r g e b e n s a u f d i e
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Zehenspitzen. Ihr Kabinettskollege wurde überdies, so ihr beißender Eindruck, vom deutschen Botschafter von der Gablentz mehr beachtet als sie. Als Riesenhuber dann auch noch von den israelischen Offiziellen mehr Aufmerk samkeit geschenkt wurde als ihr, brannten Angela Merkel die Sicherungen durch. Langguth beschreibt ihre Empfindungen dergestalt, dass sie, die sie nach Schil derung eines Augenzeu gen aus dem Pressetross „mit klopfendem Herzen in Israel eintraf", sich gefühlt habe „wie bestellt und nicht abgeholt". Der Biograph weiter: „In der Anspannung dieses für Merkel historischen Besuches kam in ihr so etwas wie eine ,kalte Wut' hoch. Dies führte zu einem Tränenausbruch, den auch begleitende Journalisten wahrnahmen. Berichtet wurde darüber nie." Der Tränenfluss rührte das Herz des Israelis. Jedenfalls durfte Angela Merkel — sozusagen als Trostbonbon — auf einen Sprung bei Außenminister Levy vorbeikommen. „Auffallend bei der Programmgestaltung war, dass sie, obgleich Pfarrerstochter, die christlichen Stätten mit wenig sichtbarer Bewegtheit besuchte und an keinen Andachten teilnahm", notiert Langguth weiter über Merkels damaligen Israel Trip. „A ndere christdemokratische Politiker legten bei ihren Reisen nach Israel Wert auf eine Teilnahme an einem christlichen Gottesdienst, einer Andacht oder etwa einer Vesper mit Mönchen." Frau Merkel habe ihre israelischen Gesprächspartner „offensichtlich sehr beein druckt", meint Langguth zur Visite des April 1991 abschließend. Die Frage, womit denn eigentlich, lässt er freilich offen. Seither war Andrea Merkel mehrfach in Israel. Und die letzten Jahre öffneten sich ihr auch die Türen aller Hochrangiger dort unten — Scharon usw.

Beim „Aufstand der Anständigen" auch dabei
Unmittelbar nach Bekanntwerden eines nächtlichen Brandanschlags auf die Syna goge von Düsseldorf, 3. Oktober 2000, setzte in Bundesdeutschlands Polit-Estab lishment ein regelrechter Run darauf ein, wer zuerst die tiefste Betroffenheit über derlei brutalen Antisemitismus bekundet und den höchsten Alarm wegen der rechtsradikalen Gefahr auslöst. Bevor auch nur die Spurensicherung vor Ort ihre Arbeit abgeschlossen hatte, von der Entdeckung irgendwelcher konkreter Hinweise auf die politische Natur der Täter ganz zu schweigen, war laut Medien und Politikermund völlig klar: Es konnte sich bei den Feuerteufeln nur um rechtsradikale deutsche Antisemiten handeln.
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Den ersten Et app en sieg im Wettlau f erran g zweifellos Gerh ard Sch röd er. Der Ka n z l er p r ok la m i e rt e i m g l ei ß en d en B li t z l i c h t g e wi t t e r d er M ed i en d i r ek t a m Ta t ort und n och am Nach mittag nach d er Tat d en „Au fstand d er Anständigen " geg e n a l l e s , wa s „ r ec h t s ra d i k a l " s e i . B a ye r n s In n en m i n i s t e r Gü n t h er B e c k s t ei n v ers u c h t e h a s t i g, d en Ka n z l e r zu t op p en u n d d e r C S U d i e S i e gs p a l m e zu s i c h e rn . E r ford ert e ri gor os d a s Verb ot der NP D ( we lc h es Ve rfa h ren d a n n j a au c h t at s ä ch li ch i n Ga n g k a m , u m 2 0 0 3 v o r d e m B u n d e s v e r f a s s u n g s g e r i c h t z i e m l i c h k l ä g l i c h z u s c h ei t ern ). An ge la M erk e l h i n ge gen , oh n eh i n ni ch t b eka nn t a ls b es on d er e S c h a rfmacherin gegen die Rechten, hielt sich relativ zurück. D o c h b ei d e r v o m B u n d es p rä s i d en t en R a u a n g e fü h rt en g r oß en „ S t a a t s d em on s t ra t i on g e g e n r e c h t s " a m 9 . N o ve m b e r 2 0 0 0 i n B e r l i n — J a h re s t a g d e r f u rc h t b a r e n antisemitischen Gewaltausbrüche von 1938, der so genannten Kristallnacht —, s u c h t e d i e C D U - C h e f i n i h r e C h a n c e , n u n a u c h b e i d e r a n t i r e c h t e n Ka m p a g n e e inen Platz an der Mediensonne zu ergattern. Ob e s a n ei n e r R e gi ea n wei s u n g S c h r öd er s g e l e g en h a t , wi e g e l e g e n t li c h b eh a u ptet wi rd, oder andere Hintergründe maßgeblich waren: Merkel erhielt bei der Berlin er Manifestation d es 9. Novemb er 2000 auf der Prominentenbühne ein en P l a t z n u r i n d er d ri t t en R e i h e h i n t en zu g ewi es en . B i o g ra p hi n R o l l s c h i ld ert , wi e s ich di e C DU -Ch efin gesch ickt nach vorn e sch ob : Erst ein S tückch en zurü ck s ei ' s g e g a n g en , d a n n ei n s c h n e l l e r S e i t en wec h s e l u n d s c h li eß li c h , za c k , en t s c h lo s s en v o r a n g e s c h ri t t e n . R o l l w e i t e r „ J e t z t s t a n d An g e l a M e r k e l d a , g a n z v o r n e i n d e r e r s t en R ei h e i m B li c k f e ld d e r Ka m e ra s , s c h ön a u s g e l eu c h t e t n eb en P a u l S p i e g e l, dem Vorsitzenden d es Zentralrats der Juden in Deutschland." Doch genau dies sei ihr Fehler gewesen. In d e r T a t . D e n n s o m u s s t e s i c h M e r k e l s o z u s a g e n a l s a r m e S ü n d e r i n i m R a m p en licht und fü r j ed ermann offenba r vom jüd isch en Ch effunkti on ä r di e Levi t en le s e n l a s s e n . „ W a s s o l l d a s Ge r e d e u m d i e Le i t k u l t u r " , r i e f d e r Z e n t r a l r a t s v o r s t e h e r v o r T a u s e n d e n a u f d e m P l a t z , M i l l i o n e n v o r d e n B i l d s c h i r m e n a u s . „ Is t e s et wa d eu t s c h e Le i t k u lt u r, F r e m d e zu j a g en , S yn a g og en a n z u zü n d en , Ob d a c h l os e z u t öt en ? M ei n e Da m en u n d H e r r en P o li t i k e r. Üb e r l e g en S i e, wa s S i e s a g en , u n d hören Sie auf, verbal zu zündeln." S p i ege l s p i elt e a u f d en Au s d ru c k „d eu t s ch e Lei t k u lt u r" an , d en ei ni g e Z ei t zu vor C DU/ C S U -Fra k t i on s c h ef Fri e d ri ch M erz i n d i e au s lä n d erp oli t i s c h e Deb a tt e ei n ge bracht hatte und der von links als „faschistisch" und vom Zentralrat als gefährl i c h „ p op u l i s t i s c h " v e r wo r f e n wu r d e . W e n n S p i e g e l b e i s e i n e r B e r l i n e r At t a c k e p u n k t g en a u M e r z, m i t d e m M e r k e l n oc h n i e gu t k on n t e, g e t r of f en h ä t t e , wä r e e s für sie halb so schlimm gewesen. Doch infolge der Verarbeitung des Merz'schen
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Spruches in den Medien wurde der Ausdruck „deutsche Leitkultur" mit der CDU insgesamt verknüpft. Und so stand die Parteichefin der Christdemokraten bei der Berliner Kundgebung durch Spiegels Worte wie abgewatscht da. Nichts gefruchtet hatte es, dass längst zuvor schon, wie Merkel -Biographin Boysen berichtet, die CDU- Spitze dem Vorsitzenden des Zentralrats der Juden versichert hatte, auf den Begriff der deutschen Leitkultur zu verzichten. Wie dem auch sei. Paul Spiegel ist nun einmal ein Mann, dem man einfach nicht böse sein kann bzw. darf. Erst recht nicht, wenn man führender Christdemokrat ist. Und so gab es denn auch in der Folgezeit trotz des 9. November -Affronts von Berlin nur Schmeichel- und Streicheleinheiten aus dem Konrad- AdenauerHaus für den Zentralratschef. Beispielsweise konnte die „Jüdische Allgemeine" a m 1 1 . März 2 0 0 4 ver meld en : „Der P räsid en t des Zen tralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, wird von der CDU als Wahlmann in die Bundesversammlung entsandt. Die nordrhein -westfälischen Christdemokraten haben auf Vorschlag ihres Landesvorsitzenden Jürgen Rüttgers diese Personalie vergangene Woche einstimmig beschlossen ... Die Bundesversammlung wählt am 23. Mai den Nachfolger von Bundespräsident Johannes Rau." Was nun aber den Brandanschlag auf die Synagoge von Düsseldorf angeht, der die ganze Aufregung ausgelöst hatte, so stellte sich später heraus, dass deutsche Rechte damit nichts zu tun hatten. Die Tat war von jungen Migranten aus dem Orient verübt worden, die als Motiv Rache für Israels grausames Vorgehen gegen die Palästinenser angaben. Interessanterweise war die im Jahre 2000 erfolgte Proklamation eines „Aufstands der Anständigen" als Antwort auf einen antijüdischen Anschlag kein No vum. Einen solchen Aufstand hatte schon 1969 der Chef der Jüdischen Gemeinde Berlin, Heinz Galinski, ausgerufen. Und zwar, gleich nachdem eine im Jüdischen Gemeindehaus, Fasanenstraße/Westberlin, deponierte Zeitzünderbombe entdeckt worden war. Auch in diesem Falle stellte sich schließlich heraus, dass keineswegs deutsche Rechtsextremisten dahintersteckten. Bei dem Täter in Berlin handelte es sich um einen Drogenabhängigen aus der linksextremen Szene, dem ein Mitarbeiter des bundesrepublikanischen Inlandsgeheimdienstes „Verfassungsschutz" die Höllenmaschine besorgt hatte. (Siehe: Wolfgang Kraushaar, „Die Bombe im Jüdischen Gemeindehaus", Hamburg 2005).

Hohmann und das „Tätervolk"
Genau drei Jahre nach der Feuerteufelei am jüdischen Gotteshaus zu Düsseldorf bekamen die Anständigen in Bundesrepublikanien erneut Gelegenheit zum Groß101

au fstand. Wied er h atte es mit d em Th ema Ju d en zu tun . Und ab ermals war An gela Merkel involviert. Nur unmittelbarer und heftiger als 2000. A l l e s b e g a n n d a m i t , d a s s d e r C D U -B u n d e s t a g s a b g e o r d n e t e M a rt i n H oh m a n n a m 3. Oktober 2003 bei einer Veransta ltung in Neuhof (gelegen in s einem Fu lda er W a h lk r ei s , d en e r 1 9 9 8 v om Al t m ei s t er d e r c h ri s t d em ok ra t i s c h en Kon s e r va t i v en Alfred Dregger ü b ern ommen hatte) ein e Red e zum Nationalfeiertag un ter d em Lei t wo rt „ Ger ec h t i gk ei t fü r Deu t s c h la nd " h i elt . Hoh m a nn bek la gt e d a b ei d a s d efi z i t är e d eu t s c h e Na t i on a lb e wu s s t s ei n u n d wi es d i e Ko l l e k t i v b e zi c h t i gu n g zu rü c k , die Deutschen seien wegen der zur Hitlerzeit verübten Massenverbrechen ein „Tät ervolk ". Selbstverständlich könne man ja ebenso we nig von d en Juden als „ T ä t e r v o l k " s p r e c h en , m ö g e n a u c h vi e l e V e r a n t wo r t l i c h e d e s b o l s c h e wi s t i s c h en Terrors jüdischer Herkunft gewesen sein, äußerte der Volksvertreter. Daraus, dass er d en Terminus „Tät ervolk" auch nur im Zusammenhang mit den Juden erwähnt und dass er längere Passagen sein er Rede jenen Herku nftsjuden in der Sowjetunion gewidmet hatte, die in die rot en Massenmorde verwickelt waren , wollte man Hoh man n später ein en Strick d reh en. Strafrech tlich war in d e r An s p r a c h e a l l e s u n a n f e c h t b a r . D i e v o m Z e n t r a l r a t d e r J u d e n e i n g e s c h a l t e t e S t a a t s a n wa l t s c h a f t b e i m L a n d g e r i c h t F u l d a t e i l t e m i t B e s c h e i d v o m 5 . F e b r u a r 2 0 0 4 m i t , d a s s m a n g e ls E r fü ll u n g v on T a t b es t ä n d en k ei n V e r fa h r en e r ö ffn et we r de. Die Zentralratsbeschwerde dagegen wurde am 13. Mai 2004 von der Gene ralstaatsanwaltschaft Frankfurt/Main zurückgewiesen. Z u n ä c h s t e i n m a l wa r n a c h d er R ed e H oh m a n n s d r ei W o c h en la n g n i c h t s p a s s i e rt . O b w o h l d e r W o r t l a u t v o n d e r ö r t l i c h e n C D U i n s In t e r n e t g e s t e l l t w o r d e n w a r . W i e d e r S t ei n d a n n i n s R o l l en k a m , s c h i ld e rt d a s j ü d i s c h e In t e rn et - Or ga n „h a ga -

lin

„ Wi r b es c h l o s s en , a u f d i e s e R ed e a u fm e rk s a m z u m a c h en . D e r e rs t e Ar t i k e l

zu r R ed e ers c h i en a m 2 7. Ok tob er 2 0 0 3 i n h a ga li l. c om . Gl ei c h zei t i g i n form i ert en wi r d e n F r a k t i o n s v o r s t a n d d er C D U , d e n B u n d e s t a g s p r ä s i d e n t e n , d i e P r e s s e u n d ei n e M i t a rb ei t eri n d es Hes s i s c h en Ru nd fun k s. Der e rs t e T V- B eri c h t ers c h i en ku rz d a ra u f i m H es s i s c h en R u n d fu n k . Am Ab en d d es 2 8 . Ok t obe r d a n n a u c h i n Ta g e s schau und Tagesthemen." Nu n ga b es k ei n Ha lt en m eh r. Di e S c h la g zei l en ü b er d en „ An t i s em i t en Hoh m a n n " gewitterten nur so und die Tiraden ste igerten sich bis hin zum Auswurf des „ B i l d " -K o l u m n i s t e n F r a n z J o s e f W a g n e r a m 9 . N o v e m b e r 2 0 0 3 : „ D e r M a n n i s t v e r r ü c k t . W i r m ü s s e n i h m p s yc h o t h e r a p e u t i s c h h e l f e n . " Z u n e h m e n d e n t f e r n t e n s i c h d i e i n d e n M e d i e n v e r b r e i t e t e n „ Au s s a g e n " d e s A b g e o r d n e t e n v o m wa h r e n T e x t s e i n e r 3 . -Ok t ob e r -R ed e . D e r T en o r d er At t a c k en g e ge n H oh m a n n la u t et e, e r habe „die Juden als Tätervolk bezeichnet" bzw. „beschimpft", was die Tatsachen
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völ li g a u f d en Kop f s t el lt e. D er Ab ge ord n et e gi n g j u ri s ti s ch m it E rfolg g eg en s olc h e V e r d r e h u n g e n v o r ; d o c h m i t d e n M i t t e l n d e s P r e s s e r e c h t s ( W i d e r r u f/ Ge g e n d a rs t ellu n g) ei n e m ed i a l groß h in au s p os au nt e Lü ge wi ed er a u s d er W elt s c h a ffen zu wollen, gleicht dem Versuch, Zahnpasta zurück in die Tube zu drücken. An g e la M erk e l sc h i c k t e La u ren z M e yer fü rs e rst e St e llu n gn eh men a n d i e M ed i e n f r o n t . A m 3 0 . O k t o b e r 2 0 0 3 ä u ß e r t e d e r C D U -G e n e r a l s e k r e t ä r , H o h m a n n s R e d e s e i „ u n e r t r ä g l i c h " ( Au s s a g e i n d e r „ t a g e s s c h a u " ) ; d i e P a r t e i f ü h ru n g s t e h e „u n t er S c h oc k " , Hoh m an n , „s ol l s i c h en t sc hu ld i gen " („t a ges t h em en "). Am 3 . No v e m b e r s t a n d en Kon s eq u en z en a u f d e r Ta g e s ord n u n g v on P rä s i d i u m u n d B u n d esv o r s t a n d d e r C D U . M a n g l a u b t e , e s b e i e i n e r R ü g e b e we n d e n l a s s e n z u k ön n en , we n n H oh m a n n s i c h „ ei n s i c h t i g " z e i g e . Un d i n d e r Ta t ä u ß e rt e d e r Ab g e o rd n et e i n d i e s e n T a g e n i m m e r wi e d e r , wi e s e h r e r e s b e d a u r e , d a s s e r m i t s e i n e r R e d e b öses Blu t geschaffen h ab e, dass er um En tschu ld igun g bitte, dass er u m ein e B e wä h r u n g s f r i s t n a c h s u c h e u . ä . A l l e s f ü r d i e K a t z . D i e M e d i e n k a m p a g n e l i e f massiv weiter. Am 9 . N o v e m b e r 2 0 0 3 v e r k ü n d e t e C S U- C h e f S t o i b e r , g e m ä ß Z i t a t t a g s d ra u f i n der „Welt", Martin Hohmann befinde sich „außerhalb unseres Verfassungs b ogens" und hab e sich „schu ld i g an Op fern und Leb en den gema cht ". Zu glei ch malten bund esd eutsch e M edien d ie Gefah r ein es Boyk otts d eutsch er Waren in d e n U S A a n d i e W a n d ; s o l c h e B o yk o t t a u f r u f e s e i e n we g e n d e r Af f ä r e H o h m a n n s c h on i m Um lau f. (Ta t s ä ch li ch sp i egelt e s i c h d er d eut s c h e Hoh m a nn t ru b el i n d en US -M ed i en nu r geri n g wi d er; a ll erd i n gs h at t e di e „Ne w Y or k P os t " a m 9 . November tatsächlich eine Boykottdrohung gegen die deutsche Industrie ausgestoßen.) Am 10. November kündigte Angela M erk el, die sich bis dahin eher zurückgeha lten hatt e und es b ei ein em scharfen Rü ffel für d en „Tä t ervolk "- R edn er b ela ss en wol lt e, d en Au s s c h lu s s Hoh m a n n s a u s d er Fra k t i on a n. Am 1 1 . Novem b er p ei t s c h t e d a s R e v o l v erb la t t „B i ld " d i e S t i m m u n g we i t e r h oc h : „J ed em i n C D U u n d C S U m u s s k la r s ei n : E s d a rf m i t d i e s e m P o li t i k er we d e r M i t l ei d n oc h fa ls c h e S o li d a rit ä t geb en . " Am 1 2 . Nov em b er 2 0 03 erk lä rt e d er p a rla m en t ari s c h e Ges c h ä ft s fü h rer der CDU/CSU- Bundestagsfraktion Eckart von Klaeden (Merkels „Ecki") im „D eu t s c h lan d funk ": „ Fü r Hoh m a nn u nd fü r di e Fra k t i on i s t es d a s B es t e, wen n er freiwillig geht. Aber wenn er nicht geht, muss er ausgeschlossen werden." Am 14. November 2003 war es dann soweit. Auf Angela Merkels Antrag hin wu rd e M a rt i n H oh m a n n m i t s o f o rt i g e r W i rk u n g a u s d e r F ra k t i on a u s g e s c h l os s en (der Parteiausschluß trat am 20. Juni 2004 in Kraft). Er war der erste Bundes t a g s a b g e o r d n e t e d e r C D U / C S U , g e g e n d e n j e s o l c h e M a ß n a h m en e x e k u t i e r t wu r den. Ta gs nach der CDU/CSU -Fraktionssitzung, bei der Hohmanns politische Liquidierun g b esch lossen word en war, zitierte die „Frank fu rter Allgemein e" ein en 103

Teilnehmer, der anonym bleiben wollte: „Merkel hat genau 29 Stimmen mehr be kommen, als sie brauchte. Die Hälfte derjenigen, die ihren Antrag unterstützten, taten das gegen ihre innere Überzeugung. Die Stimmung war fast wie in einer Dik tatur. Keiner wagte, sich anderen zu erkennen zu geben, wie er abstimmen würde. Jeder misstraute jedem." Abschließend notierte die „FAZ" aufgrund ihrer Quellen in der Fraktion, es sei dort der Eindruck entstanden, Merkel habe ihren Meinungswechsel von der Rüge zum Rausschmiss „spontan und ohne eine Prü fung in der Partei gefasst und verkündet". Das beschäftige Partei und Fraktion, „weil sie nicht wissen, auf wen der plötzliche Sinneswandel zurückzuführen ist und wer Einfluss auf die Vorsitzende hat — heute in diesem, morgen eventuell in einem anderen Fall. Vermutungen dazu sind schon im Umlauf."

Der Biss der Schwarzen Witwe
Im „Focus" hieß es am 17. November 2003: „Viele fragen sich, wie es ihnen er gehen würde, wenn sie einen Fehler machten, hat ein Fraktio nsvize registriert." Der „stern" fragte am 21. September 2005 in seiner Reportage „Angela Merkel. Der Aufstieg des Mädchens — rückblickend: „Könnte Merkel Hohmann deshalb so fix abgehalftert haben, damit sich die konservativen Hinterbänkler in der Frakt i on k ü n ft i g v o r d e r ‚ S c h wa r z e n Wi t we ' i n Ac h t n e h me n ? " Ge mä ß d i e s e r „stern" -Berichterstattung soll sich „Angie" über die Wirkung des Hohmann -Rauswurfs wie folgt amüsiert haben: „Jeder fragt sich jetzt, ob er der Nächste ist, den die kalte Hundeschnauze Merkel absägt." Noch am Abend direkt nach der Hohmann - Exekution hatte Merkel in der „tagesschau" erklärt: „Das Signal, das wir politisch wollten, ist ganz eindeutig." Nicht ohne Zynismus fuhr sie fort: „Der Eindruck, man darf seine Meinung nicht sagen, ist natürlich vollkommen falsch. Jeder kann seine Meinung sagen. Nur: Nicht jede Meinung passt in das Programm der CDU." Apropos: Beim „Antisemitismus- Seminar" des Jüdischen Weltkongresses Ende April 2004 in Berlin forderte Merkel: „Keine falsche Neutralität. Keine falsch verstandene Toleranz mit Antisemitismus." Wobei der Jüdische Weltkongress und andere zionistisch dominierte Vereinigungen bekanntlich bereits Kritik an Israels überhartem Vorgehen gegen die palästinensische Zivilbevölkerung als Antise mitismus werten. Weiter erhob Merkel bei der Weltkongress -Tagung die Forderung nach einem „gemeinsamen klaren Rahmen" in der EU bei der „Bekämpfung des Antisemitismus". Fraglich ist allerdings, dass es ihr gelingen kann, anderen EU-Staaten, deren Strafrecht keine Delikte nach Art des deutschen Volksverhet104

zungsparagraphen 130 kennt, auf dem „europäischen" Umweg Einschränkungen der Meinungsfreiheit aufzudrücken. Der Biss der „Sch warzen Spinne" bzw. das Zuschnappen der „kalten Hundeschauze" im Falle Hohmann zeigte in der CDU tatsächlich tiefe Wirkung. Alle Andersdenkenden schienen in Schockstarre verfallen zu sein. So konnte das Zentralratsblatt „Jüdisch e Allgeme in e" am 4 . Dezemb er 2003 berichten: „Der Fall Hohmann hat die CDU auf dem Leipziger Bundesparteitag nicht lange aufgehalten. In der Aussprache hat nur ein Delegierter ausführlich Partei für Hohmann ergriffen, den wiederum zwei Stellvertretende Parteivorsitzende, Annette Schavan und Jürgen Rüttgers, mit knappen Erwiderungen in die Schranken wiesen." Nur ein einziger Aufmucker! Bei der Sitzung der Fraktion hatten noch 28 CDU Abgeordnete gegen den Ausschluss Hohmanns gestimmt, sechzehn sich enthal ten, vier Stimmen waren ungültig. Macht zusammen immerhin achtundvierzig Parlamentarier, die noch vierzehn Tage vor dem Parteitag in dieser Frage der Chefin die Gefolgschaft versagt hatten. Weiter aber im Text der „Jüdischen All gemeinen" vom 4. Dezember 2003: „Der einzige Opponent gegen das Vorgehen der Vorsitzenden im Falle Hohmann argumentierte nicht inhaltlich, sondern formal, nahm die grundgesetzliche Meinungsfreiheit und die christliche Barmherzigkeit zu Hilfe und musste sich anschließend gleich von der stellvertretenden Vor sitzenden Schavan belehren lassen, dass auch die chri stliche Vergebung zunächst Reue voraussetze, wovon Hohmann kein Anzeichen habe erkennen lassen." „Merkels erstklassige Führungsleistung", begeisterte sich Jens Peter Paul vom Hessischen Rundfunk in den „tagesthemen" des 14. November 2003 über den Hohmann- Rauswurf. „Merkel wirft Hetzer raus" — „Starke Frau Merkel" lauteten tags drauf die Jubelrufe der „Bild" -Zeitung. Das Blatt weidete sich an der Vor stellung: „Möglicherweise wird Hohmann im Bundestag ganz nach hinten ver bannt. Auf den Platz, wo bis zu seinem Tod FDP- Rebell Jürgen Möllemann saß." Auch an der gnadenlosen Ausschaltung Möllemanns im Zuge seiner heftigen Auseinandersetzung mit dem jüdischen Zentralrats- Vizechef Friedman hatten die Springer- Medien maßgeblichen Anteil. Zu den Hintergründen solchen Engage ments gleich mehr. Belangreich für die Bewertung des Falls Hohmann ist noch die Tatsache, dass der Parlamentarier sich schon lange vor seiner „Tätervolk"- Rede bei Einflussreichen verdächtig gemacht hatte. Beispielsweise indem er als jemals einziger Bundestagsabgeordneter im Hohen Haus an ein von den Etablierten streng gehütetes Tabu rührte: Er thematisierte 2002, dass der staatliche deutsche Goldschatz (110,8 Millionen Unzen Feingold, entspricht rund dreieinhalbtausend Tonnen) nur
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zu ein em k lein en Bruch teil in Deu tsch land au fb ewah rt wird , wäh rend sich die groß e Masse der Barren in den Händen des US - Superbankers Alan Greenspan b e f i n d et u n d i n d en u n t eri rd i s c h en T r e s or en v on d es s en Fe d e ra l R es e r v e B a n k i n N e w Y o r k - M a n h a t t a n l a g e r t . D e r S c h a t z wa r e i n s t „ we g e n d e r k o m m u n i s t i s c h en Gefahr aus dem Ostblock" nach Amerika verlagert worden und ist dort trotz Wegfalls d ieser Bed rohu n g geb lieb en. Die offizielle Au sred e lau tet, d er Rü ck transport sei „zu teuer". 2 0 0 0 b e r ei t s h a t t e H oh m a n n d en J ü d i s c h en W e l t k on g r es s i n R a g e v e r s et zt , d a e r m i s s b rä u c h li c h e V e r wen d u n g d eu t s c h e r W i ed er gu t m a c h u ng d u rc h zi on i s t i s c h d o m i n i e r t e Ge l d v e r t e i l u n g s o r g a n i s a t i on e n , i n s b e s o n d e r e d i e J e wi s h C l a i m s C o n f e r e n c e , i m B u n d e s t a g a n g e s p ro c h e n h a t t e . D a s s e s b e i d e r W e i t e r l e i t u n g d e r v o n D e u t s c h la n d we g e n d e r Un t a t e n i n Au s c h wi t z u s w. g e za h lt e n M i t t e l l ä n g s t n i c h t i m m e r k o s c h e r z u g e h t , i s t i n d e r T a t e i n e r n s t e s P r o b l e m . M a n d en k e n u r a n d i e Aufdeckungen des New Yorker Professors Norman Finke lstein, Jude auch er, über die Machenschaften einer „Holocaust-Industrie". Gi n g e e s b e i d e r i n t e r n e n j ü d i s c h e n V e r t e i l u n g d e r d e u t s c h e n M i l l i a r d e n l e i s t u n gen im Großen und Ganzen mit rechten Dingen zu, wäre auch eine Meldung kaum zu erk lären, die am 22 . Ju li 2005 in der auf Deutsc h in Tel Avi v ersch ei n en d en zi oni s t i sc h en Ta ges ze i t un g „ Is ra el Na c h ri c ht en " s t an d . Da s B la t t b eri ch t e te, Collette Avital, israelische Parlamentsabgeordnete und Vorsitzend e d es zu s t ä n d i g e n Au s s c h u s s e s d e r Kn e s s e t , h a b e d a r ü b e r g e k l a g t , d a s s — s o wö r t l i c h — „ e i n D r i t t e l d e r H o lo c a u s t -Üb e r l eb en d en i n Is r a e l u n t e r d e r Ar m u t s g r en z e l eb t "; F r a u Av i t a l b e z e i c h n e t e d i e s e n M i s s s t a n d a l s „ e i n e S c h a n d e f ü r d i e g a n z e N a t i -

on".

Deckname „Shalom"
Bleibt noch die Fra ge, wer d ie geh eimnisvolle Macht gewes en sein mag, durch welche die zaudernde Angela Merkel veranlasst wurd e, im Fall Hohmann das Henkersb eil zu schwingen. Hier wird man wohl am zi elsichersten auf Fried e S p r i n ger t i pp en mü s s en . E s lieg en s t a rk e In d i zi en d a fü r vor, d a s s di e M ed i enk on z e r n b a s s i n z u r p o l i t i s c h e n Li q u i d i e r u n g H oh m a n n s d en Da u m e n s e n k t e u n d M e r kel ihr gehorchte. Fried e Sp rin ger, fün fte Gattin , Witwe und Erbin d es M edien zaren Axel Cäsar S p ri n g e r, s t eh t a n d e r S p i t z e d es g r öß t e n Z ei t u n gs k on z e rns E u r op a s . W e rd en d i e s ei t Her b s t 2 0 05 voll zu gs r ei f en S p ri n ger' s c h en P lä n e zu r Ü b ern a h m e von „P ro S i e b e n — S a t 1 - Ka b e l 1 - N 2 4 — N e u n Li v e " a u s d en H ä n d en d e s a m e r i k a n i s c h - i sr a e l i s c h e n F i n a n z a k r o b a t e n H a i m S a b a n wa h r , h e r r s c h t i h r H a u s a u c h ü b e r d a s 106

g r öß t e P ri va t f e rn s eh en -Kon s or t i u m d es Ko n t i n en t s . Ko n z er n i n t ern h a t t e m a n fü r d e n M e g a- D e a l m i t S a b a n d en D e c k n a m e n „ P r o j e k t S h a l o m " a u s e r wä h l t . N eb e n d e r i s r a e l i s c h e n An s p i e l u n g s o l l t e d e r C o d e a u c h f ü r d e n V o r n a m e n d e r C h e f i n stehen. Ap r o p o s Is r a e l : Al l e M i t a r b ei t e r d e s M e d i e n u n t e r n e h m e n s S p r i n g e r we r d e n v e r traglich verpflichtet, sich fü r den jüdischen Staat einzusetzen. Die Verlegerin, s elb s t n i c h t jüd i s ch , i s t Trä ge ri n d es Leo -B a ec k- P r ei s es d e s Z en t ra lra t s d er J u d en in Deut sch land (2000 ), d es Eh rend okt orhut es d er i sra eli schen B en - Gu ri on- Uni ver s i t ä t (2 0 0 2 ) u n d d e s „P r ei s e s fü r V e rs t ä n d i gu n g " d es J ü d i s c h en M u s eu m s i n B er l i n (2 0 0 3 ) . F r i e d e S p ri n g e r s 1 9 8 5 v e r s t o r b en e r Ge m a h l , d e r M e d i e n m o g u l Ax e l Cä sa r Sp rin ger, p flegt e zu b eton en : „Der Herr h at da s jüd isch e Volk a ls s ein Volk au s erwä h lt , u m ihm du rc h a lle Zei t en zu d i en en. " Di e Wei sun g, da ss sich a lle M i t a rb ei t er s c h ri ft li c h zu m E n ga g em en t fü r Is r a e l v e rp f li c h t en m ü s s en , g eh t a u f i hn zu rü ck . (E in e en t s p rec h end e US A - T reue -Kla u s el i s t n ac h d en An s c h lä gen d es 11. September 2001 in die Anstellungsverträge zusätzlich aufgenommen worden.) Bi s 1945 wa r es a llerdin gs gar ni cht wei t h er m it Axel S p rin gers Phi los emiti smu s. E r geh ört e n ach E rmitt lun gen d es M ed i en forsch ers Dr. P et er Köp f d em na ti ona ls o zialistisch en Reich sverband d er Deu tsch en Presse, d er nationalsozialistisch en Reichsschrifttumskammer und auch dem Autom obilclub des Nationalsozialistischen Kra ft fa h rerk orp s (NS KK) a n . Als R ed a k t eu r, s t ellv ert r et en d er Ha u pt s ch ri ft s t ell e r u nd Ju n i orch ef h a tt e er wes en t li c h e B ed eu tu n g i m Verla gs h a u s s ei n es Va t ers Hi n rich (gen annt : „Hein o") And rea s Th eod or Sp rin ger und in d es s en M edi en : „Alt ona er Nachrichten", „Hamburger Neueste Zeitung", Verlag „Hammerich & Lesser". Di e NS- S p ri n ger- P ress e fr ön t e ei n em wi d er wä rt i g en An t i s em i t i s mu s , d a s s s ic h ei n e m d e r M a g e n b e i m Le s e n u m d r e h t . S i e h e t z t e g e g e n J u d e n a l s „ R a s s e " , d e r e n An geh örige „d ie Brunn en in Deutsch land vergiften " („Altonaer Nach rich ten ", 8 . Ap r i l 1 9 3 3 ) , r i c h t e t e H a s s t i r a d e n a u f d en „J u d e n p öb e l " ( „ A l t o n a e r N a c h ri c h t en ", 11 . Ja nu a r 19 37 ), s et zt e d i e Ki n d er Is ra e l m i t „Va m pi ren " gl ei c h („Alt on a er N a c h ri c h t en ", 9 . M ä r z 1 9 3 7 ) o d er b e g ei s t e rt e s i c h t i t e ls e i t i g ü b e r d i e E r ri c h t u n g d e s W a r s c h a u e r Gh e t t o s u n t e r d e r S c h l a g z e i l e „ J u d e n f r a ge i m Go u v e r n e m e n t g elöst" mit den Wort en : „Zum erst enmal seit Jahrhundert wurde j etzt d er Jude zu e i n e m g e o r d n e t e n L e b e n s wa n d e l g e z w u n g e n , d e r i n e r s t e r Li n i e d i e P f l i c h t z u r Ar b e i t i n s i c h t r ä gt . . . Di e J u d en s i n d a l s F r e m d k ö rp e r i m G e n e r a l g o u v e r n e m e n t gekennzeichnet." („Hamburger Neueste Zeitung", 2. August 1940). Am D i e n s t i n d e r W e h r m a c h t k a m M i l l i o n ä r s s oh n Ax e l S p r i n g e r d u rc h e i n e ä r z t liche „Attest -Sa lve" unter Au sspielen von „B eziehungen" vorbei (so s ein Biograph Clau s Jacobi). Den en glisch en Besat zern tischte Sp rin ger das Märch en au f, er
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habe „getarnt" Widerstand gegen Hitler geleistet. Sie glaubten ihm vermutlich k e i n W o r t , k o n n t en i n i h m a b e r e i n e n d e v o t e n Ge f o l g s m a n n d e s j e we i l i g e n Z e i t gei st es erk en n en u nd sta t t eten i h n m i t d er Li z en z fü r d i e He ra u sga b e von M ed i en zu r „Um er zi eh u n g" d er Deu t s c h en i m S i nn e d er S i eg er a u s . Als o b ega n n d er n e u e Au f s t i e g d e s Ax e l C ä s a r S p r i n g e r . O b wo h l H i t l e r u n d d i e H i t l e r z e i t i n d en Sp ri n ger- M ed i en von h eu t e i mmer n oc h u n d soga r g est e i gert „b e wä lt i gt " wer den, hat dort eine Bewältigung der eigenen NS-Belastung nie stattgefunden. Der b em erk en s wert e Leb en s weg d e r Fri ed e S p ri n ger, g eb or en e E l fri ed e R i e wert s , von d er mittellosen Gärtn erstochter zu r Vorsteh erin von Eu ropas größtem M e d i en k on z e rn , b e ga n n 1 9 6 5 : S i e m e l d et e s i c h , d a m a ls 2 3 J a h r e a lt , a u f d i e An n on c e „ Vi l l en h a u s h a lt s u c h t Ki n d e rm ä d c h en " i n Ha m b u r g -B la n k en es e i m Ha u s e d e s Axe l C ä s a r S p rin ger u n d wu rd e von d es s en d a ma li ger ( vi e rt en ) Ga t t i n ei n ges t ellt . D a s Ki n d e r m ä d c h e n v e r wa n d e l t e s i c h i n d i e h e i m li c h e Ge l i e b t e d e s 3 0 J a h r e ä l t e r e n M e d i e n m o gu l s u n d n a c h d e s s e n n eu e r l i c h e r S c h e i d u n g 1 9 8 9 s c h l i e ß l i c h i n s ei n e fü n ft e E h efra u . „ Ic h b i n s ei n Ges c h öp f", b ek en nt s i e. In d er v on In g e Klop fer verfa sst en Bi ographi e Fri ed e Sprin gers h eißt es, dass si e „st ändig in d er An g s t g e l e b t " h a b e , „ i r g e n d e t wa s f a l s c h z u m a c h e n , wa s s e i n e n Un m u t h ä t t e e r r e g e n k ö n n e n , u n d d a n n wi e d e r v e r s t o ß e n z u we r d e n , wi e s o v i e l e v o r i h r " . W e i ter: „Sie lebte Springers Leben. Ein eigenes hatte sie nicht." N a c h Ax e l S p ri n g e rs T od t ra t F r i e d e S p ri n g e r 1 9 8 5 d a s E rb e a n . Al s T e s t a m en t s v o l l s t r e c k e r wi r k t e E r n s t C ra m e r , d e r l a n g j ä h ri g e e n g e W e g g e f ä h r t e d e s v e r s t o r b en en Kon zernch efs. Cramer, in Au gsbu rg geb oren, als Jud e unter Hitler emi griert, war in der Nachkriegszeit in de r Uniform eines US- Offiziers für die Ver ga b e v on P r es s e li z en z en i n d er a m eri k a n i s ch en B es a t zu n gs zon e D eu t s c h la nd s z u s t ä n d i g. H o c h b e t a g t n o c h v e r f ü g t e r ü b e r m a ß g e b l i c h en E i n f l u s s i m S p ri n g e r V e r l a g . W e n n e r s i c h n i c h t a n s ei n en wei t e r en W oh n s i t z en — i n Is r a e l b z w. N e w York ( er b eh i elt s ei n e US -S t a a t s bü rgers c h a ft b ei ) — a u fh ä lt , res i d i ert e r i n ei n em Büro gleich vis-ä-vis mit jenem Friede Springers im Hauptquartier des Konzerns.

Der Rauswurf und das „Welcome"
J ü d i s c h -i s ra e l i s c h e Kr e i s e j e d e n f a l l s h a b e n R u n d -u m- d i e -U h r- Ge h ö r b e i F r i e d e S p r i n g e r u n d F r i e d e S p r i n g e r i h r e r s e i t s h a t R u n d - u m-d i e - U h r- Ge h ö r b e i An g e l a M e r k e l . U n d d a v o n m a c h t e s i e a u c h i n S a c h en H o h m a n n G e b r a u c h . M e r k e l -B i o graph La n gguth : „Der ei gen t lich e Gru nd fü r di e Veränd erung d er P os iti on M erk els im Falle Hohmann dürfte gewesen sein, dass sie den öffentlichen wie nichtöff en t li c h en Druc k un t ers c h ätzt h a tt e. Ni ch t zu let zt dü rft e i n d i es er Fra ge Fri ed e Springer, Mehrheitsaktionärin des Axel Springer Verlages, einen großen Einfluss 108

auf Angela Merkel ausgeübt haben. Zwischen beiden Frauen gibt es einen freundschaftlichen Kontakt." Weitere Einzelh eiten lasen sich im „Handelsblatt" am 8. Mai 2005 wie folgt: „ Al s d i e C DU -C h e fi n i m N ov e m b e r 2 0 0 3 z ö g e rt , M a rt i n H oh m a n n we g en d es s en w e i t h i n a l s a n t i s e m i t i s c h e m p f u n d e n e n Äu ß e r u n g e n a u s d e r F r a k t i o n z u s c h m e i ß en , lä s s t F ri ed e S p ri n g er s i c h zu i h r e r Du z f r eu n d i n d u rc h s t e l l e n u n d d r oh t Kon sequen zen an. Eingeschüchtert sich ert M erk el zu, Hohmann zu entfern en." Am 1 . D e z e m b er 2 0 0 4 h a t t e es i n e i n em Hi n t e r gru n d b e ri c h t d er e va n g e li s c h en Na c hr i c h t e n a g e n t u r „ i d e a -s p e k t r u m " g e h e i ß e n : „ D o c h d e r Z e n t r a l r a t d e r J u d e n l ä s s t n i ch t loc k er. E b en s o a l len vo ra n d i e S p ri n ger- P r es s e. Hoh m a nn : , F ri ed e S p ri n ger r i e f b ei An g e la M e rk e l a n u n d d roh t e, we n n i c h n i c h t ra u s f l i e g e, we rd e d i e Ka m p a gn e i n Welt u n d B i ld woc h en la n g la u fen . ' An ge la M erk e l k n i ck t ei n , a uc h n a ch m a s s i vem Dru c k du rc h d en CS U -C h ef E d m un d S t oib er. E s k om m t zu ein em P a rt ei ausschlussverfahren." „M i t ei n em an d eren P a rt ei m i tgli ed gi n g d i e C DU a nd ers u m ", s c h ri eb „i d ea -s p ekt ru m " i n s ei n em Hoh m a nn -B eri c h t wei t er. „D er Vi z ep rä s i den t d es Z en t ra lra t s d er Jud en Mich el Fried man wu rd e im Ju li 2 003 wegen illegalen Kok ainb esitzes in z e h n F ä l l e n b e s t r a f t . D a ss e r s i c h P r o s t i t u i e r t e v o n e i n e r M e n s c h e n s c h m u g g l e r bande besorgt hatte und damit in den Dunstkreis der organisierten Kriminalität geriet, spielte juristisch keine Rolle. Noch bevor der Prozess gegen die ukrain i s c h e B a n d e b e g a n n , g a b e s s c h o n we n i g e W o c h e n n a c h d e m Au f d e c k e n s e i n e r k r i m i n e l l e n T a t e i n e s o g e n a n n t e W e l c o m e - B a c k- P a r t y . M i t d a b e i w a r A n g e l a Merkel." F r i e d m a n wa r a l s Ku n d e i m e i n s c h l ä g i g e n M i l i e u ( Z u h ä l t e r , D e a l e r ) u n t e r d e m Dec k n a m en „P a olo P i n k el " b e k a nn t. Neb en s ei n em Am t a ls Vi ze P a u l S p i eg els i m Zen tralrat b ek leid ete er zu r Tatzeit n och meh rere and ere h oh e Fu nktion en. So wi r k t e e r a u c h a l s P r ä s i d e n t d e s E u r o p ä i s c h en J ü d i s c h en Ko n g r e s s e s . D a s k a u m zu fassende niedri ge Stra fma ß gegen ihn b elief s ich auf 150 Tagessätze j e 116 E u r o. In s g e s a m t m u s s t e P i n k el / F ri ed m a n 1 7 4 0 0 E u r o a n S t r a f e fü r s ei n e Kok a i n d eli k t e za h len . Hi erb ei wu rd e von ei n em m on at li c h en Net toei n k om m en d es Deli n quenten in Höhe von 3480 Euro ausgegangen. A u s A n l a s s d e r b e r e i t s e r w ä h n t e n R ü c k k e h r- F e t e , v e r a n s t a l t e t n u r k u r z e Z e i t nach der Verurteilung per Strafb efeh l, äußerte Friedman gemäß „Berlin er M orgen p os t " vom 1 . Ok t ob er 2 003 , er wol l e d u rc h s ein C om eba c k „ei n en k lei n en B ei t ra g d a zu l ei s t en , d a s s d i e p o l i t i s c h e Ku lt u r i n D eu t s c h la n d a u s d em d e r z ei t i g en S t i l ls t a n d , d e r La n g e wei l e u n d V e rf l a c h u n g a u s b ri c h t ". S p r i n g e r s „ W e l t " wi e d erum brachte an jenem 1. Oktober 2003 folgende Notiz: „Die Berliner Filmproduzen109

t i n R e gi n a Z i e g l er h a t t e M on t a ga b en d zu r W e l c o m e -B a c k - P a rt y fü r M i c h e l F r i edm a n , d en eh e m a li g en Vi z ep rä s i d en t en d es Z en t ra l ra t s d er J u d en i n D eu t s c h la n d , i n i h re Zeh l en d orfer Vi lla ei n ge la d en . B ei Zi egl er u n d Eh em a nn Wol f Grem m t ra f e n s i c h u . a . C D U -C h e f i n An g e l a M e r k e l , d e r R e g i e r e n d e B ü r g e r m e i s t e r Kl a u s Wowerei t , Fi lmp rodu zent Artu r B raun er und Ba yern s In n enm ini st er Günth er B ecks t ei n . Fri ed m a n ha tt e ei n en S t ra fb efeh l weg en Kok a i nb es i tzes a k z ep t i ert u nd s ic h öffentlich bei seiner Lebensgefährtin Bärbel Schäfer entschuldigt." S i n n i g e r we i s e h a t t e di e B e r li n e r Z i e g l er -F i lm Gm b H i m J a h r e 2 0 0 3 S t r ei f en wi e „R ot li c h t IV — Im Di c k i ch t der Gr oß s t a dt ", „E n d li ch S ex" u nd „All es v ers p i elt — Die Geschichte einer Sucht" im Produktionsprogramm. Und dpa meldete am 2 7 . M a i 2 0 0 5 : „ D i e B e r l i n e r F i l m p r o d u z e n t i n R e g i na Z i e g l e r wi l l d e n e r s t e n R o m a n v on M i c h e l F r i ed m a n „ Ka d d i s h i m M or g en g ra u en ' v e rf i lm en . Di e F i lm r ec h t e seien schon verkauft, die Verträge unterschrieben."

„Die Deutschen humanisieren"
Im Novemb er 20 03 war Fried man erstmals nach Au ffliegen sein es Hu ren- und Kok a i n- S ka nd a ls wi ed e r a u f d em B i ld s c hi rm b ei ei n er Ta l k s h ow a u fget a u c h t. Di e m i t M e r k e l b e f r e u n d e t e S a b i n e C h r i s t i a n s e n ( T V 2 1 Gm b H ) h a t t e e s m ö g l i c h g e macht. Am 3. Novemb er 2003 meld ete die „Berlin er Zeitung": „Die TV- Firma AVE h a t d i e F r i e d m a n -T a l k s p r od u z i e r t u n d s t e h t a u c h f ü r d e s s e n C o m e b a c k b e r e i t . " B ei m Ch ef d er AVE Fi lm- u n d Fern s eh p rod u k ti on , ein er T oc h t er d er Holt zb ri n c k Gr u p p e, h a n d e lt e s s i c h u m W a l i d N a k s c h b a n d i . D er F r ied m a n - S p e zi i s t a u s d e m O ri en t n a c h D eu t s c h l a n d g ek o m m en . W e lc h e Ge d a n k en d en i n Af gh a n i s t a n g eb orenen Nakschbandi beflügeln, wird in seinem am 19. September 2000 von der „ S ü d d eu t s c h en Z e i t u n g " v e röf f en t li c h t en Ar t i k e l m i t d em T i t e l „ W e l t m ei s t e r d er Au g en wi s c h e r ei — Wi e d i e Au s lä n d e r d i e d eu t s c h e Ge s e l l s c h a ft v e rä n d e rn " d eu tlich. Darin schrieb der Friedman-Fan an die Adresse der Deutschen gerichtet: „Fra gwü rdi g, du mm und läch erli ch- gefäh rlich i st es , wa s Ih r von Euch gebt, wenn M en s c h en g es c h la g en , e rn i edr i gt u n d e rm ord et we rd en . Ih r s ei d W e lt m ei s t e r d er Au gen wisch erei und d es Vertu sch en s und k önnt au f jed e M elodie ,Nie wied er' s i n g e n . D o c h i n E u r e n H e r z e n u n d i n d e n Kö p f e n i s t o f f e n s i c h t l i c h d a s , Im m e r wi e d e r ' u n d , Im m e r m e h r ' e i n g e b r a n n t . La n g e , e i n e E wig k e i t l a n g , h a b e n wi r g e d a ch t , E u er hi lflos er V ers u c h , d i e Des a vou i eru n g un d Dem ü t i gu n g von M en s c h en an d erer Herkun ft mit ein em Betrieb sun fall gleich zu setzen , sei zutreffend und k l u g . W i r h a b e n g e g l a u b t , B e t r i e b s u n f ä l l e s e i e n Au s n a h m en u n d v o r a l l e m r e p a r a b e l. M a s c h i n en k ön n en n u n m a l a u c h i n d eu t s c h en F a b r i k en v e rs a g en , d a c h t en w i r . N u n a b e r i s t g e w i s s , d a s s Ih r a l s M e n s c h e n v e r s a g t h a b t . E s i s t Z e i t , d e r 110

Wahrheit ins Gesicht zu sehen. Schaut Euch ins Gesicht! Findet endlich — 55 Jah r e n ach d em Zwei t en Weltk ri eg — h erau s, wer Ih r s eid u n d wa ru m Ih r s o s e i d . B ek en n t E u c h zu E u r en N e on a z i s , zu E u r en R e c h t s ra d i k a l en . . . W i r k en n en E u r en i n n e r en Zu s t a n d . Da fü r h a b en wi r ei n en B li c k u n d d i e n öt i g e S en s i b i li t ä t . Un d d a wi r E u c h k en n en , we r d en wi r u n s a u f E u c h n i c h t m e h r v e r la s s en . W i r g ehen unseren Weg und der ist schmerzlich und voller Dornen, aber am Ende erf o l g r ei c h . Ih r k ön n t u n s h er a b s et z en , b e l e i d i g en , d e m ü t i g en od er v e r l et z en , a b e r Ih r w e r d e t u n s n i c h t l o s . Ih r h a b t n u r d i e C h a n c e , m i t u n s z u l e b e n . E i n L e b e n ohn e u ns wird es fü r Eu ch nicht meh r geb en. Die lb rahims, Stefan os, M arios, L a y l a s u n d S o r a y a s s i n d d e u t s c h e R e a l i t ä t . Ih r w e r d e t e s n i c h t v e r h i n d e r n k ö n n e n , d a s s b a l d e i n t ü r ki s c h s t ä m m i g e r R i c h t e r ü b e r E u c h d a s U r t e i l f ä l l t , e i n p a k i s t a n i s c h er Ar z t E u r e Kra n k h ei t en h e i lt , e i n Ta m i l e i m P a r la m en t E u r e Ge s e t z e m it verabsch i ed et und ein Bu lga re d er Bi ll Ga t es Eurer New E c on om y wi rd . Nicht Ih r werd et di e Ges ells c ha ft int ern ati ona lisi eren, m od erni sieren und hum ani si eren, s on d e rn wi r we r d en es t u n — f ü r E u c h . Ih r s ei d b ei d i es em l e i d v o l l en P ro z e s s l ediglich Zaungäst e, lästige Gaffer. Wi r werd en die deutsc he Ges ellschaft in Ost und West verändern. Wir Ausländer." D i e P u b li zi s t i n S i lke B u rm e s t e r wi ed e ru m b es c h ä ft i gt e s i c h i n d e r „t a z " v om 1 3 . M ä r z 2 0 0 4 m i t d e r M o r a l d e r a r t b e s o n d e r s M o r a l r e i c h e r : „ S ys t e m a t i s c h wi r d u n t e r d e n T i s c h g e k e h r t , d a s s F r i e d m a n s i c h wi e d e r h o l t o r g a n i s i e r t e r , k r i m i n e l l e r S t ru k tu ren b ed i ent e, u m s ei ner S exu a li t ä t m i tt els Z wa n gs p ros t i t u i ert er zu fr ön en . D a s s e r , d e r a l s L e b e n s m a x i m e s e i n e S e l b s t b e s t i m m u n g n i m m t , s e i n e Ge s p i e l i n n en b ei ein em M en sch en b est ellt e, d er p rofessi on ell Fra u en i ns La nd sch leu st u n d d i e s e d u r c h V e r g e wa l t i g u n g, M i s s h a n d lu n g u n d D r o h u n g e n g e g e n d e r e n F am i l i e , g e f ü g i g ' m a c h t . D e r M a n n , d e r s i c h l a u t e i n e r 3 8 7 5 a b g e h ö r t e An r u f e u mf a s s e n d e n L i s t e d e r B e r l i n e r S t a a t s a n wa l t s c h a f t , u k r a i n i s c h e N y m p h e n ' o r d e r t e ( e i n e i n B Z- An n on c e n b e n u t z t e C o d i e r u n g fü r j u n g e , u n er f a h r e n e N e u z u g ä n g e ) , i st k ein Schnü rs enk elverkäu fer. Mich el Fri edm an i st Dr. jur. " Fri edman hab e „m it k e i n e m W o r t e i n g e s t a n d e n , a b h ä n g i g e , s i c h i n N o t b e f i n d l i c h e F r a u e n b e- u n d a u s gen u t zt und m i t Sk la ven h alt ern g es c h ä ft li c h verk eh rt zu h a b en ". B u rm es t er a n d i e Ad r e s s e v o n An g e l a M e r k e l , S a b i n e C h r i s t i a n s e n u n d R e g i n a Z i e g l e r . „ V i e l l e i c h t s o l lt en d i es e ei n f lu s s re i c h en F ra u en s i c h m a l Ged a n k en u m d i e Op f e r v on ihrem Freund Michel Friedman machen statt um seine Karriere." B e r e i t s u n m i t t e l b a r n a c h Au f f l i e g e n d e s S k a n d a l s h a t t e s i c h M e r k e ! m i l d e ü b e r F r i e d m a n g e ä u ß e r t . S e i n e An k ü n d i g u n g e i n e s R ü c k z u g e s v o n a l l e n ö f f e n t l i c h e n Äm t e rn , b ei a ll erd i n gs gl ei c h zei t i ge r V erh ei ß u n g ei n es C om eb a c k s („z wei t e C h a nce"), kommentierte die CDU-Chefin laut „Bild" vom 9. Juli 2003 mit den Worten:
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„Herr Friedman hat sich zu seinen Fehlern bekannt und daraus seine Konsequen zen gezogen. Seine Entscheidung verdient unseren Respekt.” Die nähere Bekanntschaft zwischen Angela Merkel und Michel Friedman rührt her von gemeinsamen Zeiten i m CDU- Bundesvorstand. Während sie als stellvertretende Parteivorsitzende amtierte, gehörte der jüdische Funktionär von 1994 bis 1996 diesem Führungsgremien der Christdemokraten an. Im September 1995 wurde Friedman Mitglied des Bundesausschusses Medienpol itik der CDU, 1997 Mitglied des CDU -Bundesfachausschusses für Kultur. 1999, inzwischen fungierte Merkel als Generalsekretärin der Partei, machte ihr Intimus Peter Müller, christ demokratischer Ministerpräsident an der Saar, Friedman zum Chef seiner Stabs stelle für Kultur und Europafragen. Am 1. November 2004 brachte die „Frankfurter Rundschau" einen Bericht über Friedman, den Zweitchanceler, in dem es hieß: „Er pafft heftig an der Zigarre. Rauch kräuselt sich. Er bleibt in der CDU, weil er ihr nicht den Triumph gönnen möchte, sie zu verlassen. ,Heute würde ich nicht mehr in eine Partei eintreten.' Obwohl es ihm doch Respekt abnötigte, als die CDU- Chefin Merkel und der bayerische Innenminister Beckstein bei Friedmans großer ,Welcome back!' -Party in Berlin auftauchten."

Die Macht der „Elite-Netzwerke"
Bei Zieglers Berliner „Welcome Back" für Friedman zugegen war übrigens auch Kai Diekmann, Chefredakteur der „Bild"- Zeitung aus dem Hause Springer. Womit sich der Kreis schließt. Merkels devote Haltung gegenüber Friede Springer, wie sie in der Sache Hoh mann zum Ausdruck kam, dürfte folgenden Hintergrund haben: Ohne die massive propagandistische Schützenhilfe des Springer- Konzerns wäre sie kaum kanzlerabel geworden. Organe des Hauses wie „Bild" und „Welt" haben sie regelrecht hochgeschrieben — bis hin zum mächtigen Merkel-Titelseitenbild in der „Bild" mit der Mega- Schlagzeile „Miss Germany" am letzten Tag des Schröder'schen Widerstandes gegen sie als Kanzlerin nach der Bundestagswahl 2005. Immer wenn Merkel demoskopisch tief hinunter ins Souterrain gerutscht war, beispielsweise infolge ihrer Befürwortung einer deutschen Beteiligung am Bush-Krieg gegen den Irak, betätigten sich die Springer- Medien als hilfreiche Keller-Geister. So geschah es auch unmit telbar vor dem Urnengang am 18. September 2005, als sich „Miss German ys" Umfragewerte im Sinkflug befanden und die Springer- Meinungs macher eine Bruchlandung ihrer Wunschkandidatin nur unter Aufbietung aller Schikanen von Volksaufklärung und Propaganda verhindern konnten.
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Neb en F ri ed e S p ri n ger h a t m it E li s a b eth („ Li z" ) M oh n vom B ert els m a n n -Kon ze rn e i n e w e i t e r e „ M e d i e n z a r i n " ' e n t s c h e i d e n d z u m Au f s t i e g An g e l a M e r k e l s a n d i e o b e r s t e P o l i t s p i t z e D e u t s c h la n d s b e i g e t r a g e n . E i n e b yz a n t in i s t i s c h e H ym n e a u f An g e l a M erk e l, d i e F ra u M oh n 2 0 0 4 von s i c h ga b u n d i n d e n i h r h öri g en M ed i en v e rb r ei t en li eß , wi rk t e wi e d e r Au ft a k t ei n e s ga n z en S t a k k a t os a n H os i a n n a s fü r di e Füh rerin d er Ch ri std em ok ra t en in Pres s e, Fu nk un d Fern s eh en. Wenn m an n i ch t s o wei t g eh en wi l l zu s a gen , d i e Ka n z le ri n M erk el s ei Fri ed e S p ri n gers u n d M o h n s „ Ge s c h ö p f " , s o b e s t eh t d oc h z u m i n d e s t d a r a n k e i n Z we i f e l , d a s s d i e v o n den beiden Medienhäusern gesponserte Propaganda der CDU-Chefin jenes Qu ä n t c h en a n V or s p ru n g v o r S c h r öd er g es i c h ert h a t , d a s l et zt li c h k ri e gs en t s c h ei dend war. J a h r z eh n t e la n g h a t d er B e rt e ls m a n n- Ko n z ern v o r l a u t er B ewä l t i gu n g d e r N S - V e rgangenheiten anderer Kreise und des d eutschen Volkes ganz „vergessen", dass m a n m i t s i c h s e lb s t zu er s t i n s R ei n e k om m en s o l lt e. D en n a l l d i e S t o r ys d e s V e r l a g e s , m a n s e i i m D r i t t en R ei c h wi d e r s p e n s t i g, we n n n i c h t wi d e r s t ä n d l e r i s c h g e wesen, waren Märchen. Bertelsmann unter der Verlegerfamilie Mohn war im D r i t t en R e i c h ob e n a u f u n d u m s a t z s t a rk , v o r a l l e m m i t Kr i e g s l i t e r a t u r u n d F e l d ausgaben für die Wehrmacht. M e r k e l- F ö r d e r i n L i z M o h n g e b . B e c k m a n n w i e d e r u m h a t a u f e i n e d e m L e b e n s weg der Friede Springer nicht unähnliche Weise reüssieren können: Als Sieb zeh n j ä h ri ge wu rd e s i e, ei g en t li c h Za h n a rzt h elferi n , 1 9 58 Tel ef on i s t in b ei B ert elsmann und bald darauf Geliebte des zwei Jahrzehnte älteren, verheirateten Ko n z e rn c h e fs R ei n h a rd M oh n . E r b ra c h t e s i e i n ei n er „ P a rk - E h e" m i t ei n em V e rlagsangestellten unter. Erst 1982 schloss der Bertelsmannboss offiziell die Ehe mit ihr. Mohn legte die Führung des Unternehmens nominell nach und nach in ihre Hände. In s b es on d er e ü b er d i e B ert els m a nn -S t i ftu n g, d i e 57 P rozen t d er Ak t i en a m Gru n d k a p i t a l d e r B ert e l s m a n n AG h ä lt , d em fü n f t g r öß t en M ed i en k on z e rn d e r W e lt , ü b t d a s a u s Güt e r s l o h i n W e s t f a l e n s t a m m e n d e U n t e r n e h m e n e i n e g e r a d e z u u n h e i m li c h e Hi n t ergru n d m ac ht i n Deu t s ch la nd a u s. Di e B ert e ls m a n n -S t i ft un g wi rk e „a u f u nd u rch s ic ht i ge Wei s e a n fa s t a ll en b ed eu t s a m en s ozi a l- u n d bi ld un gs p oli t i s ch en R e f o r m e n u n d s i c h e r h e i t s p o l i t i s c hen E n t s c h e i d u n g e n m i t " , a n a l ys i e r e n d i e J o u r n a li s t en Fra n k B öc k elm a n n un d Hers c h Fi s c h ler i n i h rem 2 0 04 ers c h i en en en B u ch „B ert e ls m a n n — Hin t er d er F a s s a d e d es M edi en i mp eri u m s ". In d en m aß geb li c h en Gr e m i en g eh e „n i c h t s m eh r oh n e B e rt e l s m a n n " . „ Hi e r en t s c h ei d en E li t e- N et z we rk e a u s P a rt e i e n u n d Ko n z e r n e n d a rü b e r , we l c h e P r o b l e m e v o r d r i n g l i c h u n d we l c h e Lösu n gen a k zep t a b el si n d . Di e R ep rä sen t a n t en d es st a a t li ch p rot egi ert en Bertelsmann-Konzerns sind als Akteure der Wirtschaft dabei." In den „Elite-Netz113

werken", für die die Bertelsmann- Stiftung typisch und unter denen sie das absolute Schwergewicht sei, werde ein „Vorab- Konsens" geschaffen. Der politische Streit der etablierten Parteien reduziere sich dann „nur noch auf Nuancen". „Das Wahlvolk soll möglichst von allen historisch wichtigen Entscheidungen entlastet werden. Wichtige Fragen sind heute gerade dadurch gekennzeichnet, dass über sie nicht abgestimmt wird." Böckelmann weiter: „Die politische Klasse stimmt sich in den Elite-Net zwerken erst einmal über das Mögliche und Durchsetzbare ab, bevor das Ringen um öffentliche Zustimmung beginnt. Der Bevölkerung soll ja die Logik der globalen Ökonomie beigebracht werden, aber zu dieser selbstlosen Lernleistung ist sie nur bis zu einem bestimmten Grad imstande. Die Schritte der Anpassung an die globale Wettbewerbslogik werden immer unpopulärer, sind kaum noch zu ,vermitteln'. Die Parteien haben enorme Selbstdarstellungsprobleme. Und in dieser Lage bewähren sich solche Einrichtungen wie die Bertelsmann-Stiftung." Sie übernehme die „Rolle einer übergeordneten nationalen Vormundschaft". Böckelmann fährt fort: „Die Politiker, die hier eingebunden werden, haben der BertelsmannStiftung viel zu verdanken." Es komme eine Entwicklung im „Prozess der Globalisierung" zum Ausdruck, bei der „internationale Elite- Netzwerke, deren Tätigkeit nicht im klassischen Sinne politisch legitimiert ist, immer mehr an Einfluss gewinnen". Jeder Bundesbürger über 15 Jahre verbringe durchschnittlich pro Tag eine Stunde mit der Nutzung von Bertelsmann-Produkten, in allen bedeutsamen sozial- , bildungs- und sicherheitspolitischen Gremien würden die Gutachter der Bertelsmann- Stiftung sitzen, wobei „die meisten ein schlägigen Entscheidungen ihre Handschrift erkennen lassen". Man gelange zu dem Schluss, dass Bertelsmann „eine deutsche und europäische Großmacht" sei. Wer nicht mitmache, den treffe die Keule des „Populismus"- Vorwurfs. Doch das Unbehagen wachse. Böckelmann: „Die Leute spüren, dass fast alles, was sie bei Sabine Christiansen hören und auf den Meinungsseiten der großen Blätter lesen, in gewisser Weise vorsortiert und au feinand er ab gestimmt ist und im gemein samen Kielwasser kreist. Es kommt einem alles unendlich bekannt vor. Und daraus erwachsen Politikmüdigkeit und Parteienverdrossenheit. Die an den Elite- Netzwerken beteiligten Konzerne und Parteien werden als monolithischer Block wahrgenommen. Das erhöht die Chancen von Protestparteien linker und rechter Couleur und außerparlamentarischer Oppositionen neuen Stils". Es sei ja eben kennzeichnend beispielsweise für die „Rechtsaußen", dass sie zu den „Nichteingebundenen" gehören. Evelyn Hol's Systemkritik ähnelt der Böckelmann'schen. Die Merkel- Biographin schreibt: „Mit der parlamentarischen, repräsentativen Demokratie des deutschen
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Gr u n d g e s e t z e s v o n 1 9 4 9 h a t d a s , wa s h e u t e i n d e r B u n d e s r e p u b l i k D e u t s c h l a n d g e b o t e n wi r d , n i c h t m e h r v i e l z u t u n . . . . Ga r n i c h t s m e h r wi r d i m d e u t s c h en P a r lament, im Plenarsaal und in den Gremien, alles vorh er in außerparlamentari s c h en Ko m m i s s i on en u n d R ä t e n v e rh a n d e lt od e r g l ei c h p er D e k r e t i m In t e r vi e w, b e i S a b i n e C h r i s t i a n s e n , i m i n s z e n i e r t e n P o l i t e r e i g n i s u n d i n s ym b o l i s c h e n B i l dern, die das politische Han deln mehr und mehr ersetzen ... Die Pervertierung d e s p a r l a m e n t a r i s c h - r e p r ä s e n t a t i v e n S y s t e m s z u m m e d i a l- p r ä s e n t a t i v e n S y s t e m d er E rei gn i s d em ok ra t i e, d er Üb erga n g d er P a rt ei en d em ok ra t i e zu r Tel ek ra t i e, ha t s i c h s c h l e i c h e n d v o l l z o g e n . " U n d d a v o n h a t n i e m a n d m eh r p r o f i t i e r t a l s An g e l a M e rk e l. M eh r a u c h n o c h a ls Ge r h a rd S c h r öd e r, d e r „, B i ld ' u n d ‚ Gl ot z e — fa s t zu m A und 0 der Macht und des Machterhalts erklärt hat.

„Ich will Deutschland dienen"
In d er B u nd es rep u b li k Deu t s ch la n d red en et a b li ert e P o li t i ker i n Wa h lk ä m p fen t ra d i t i on e l l r e c h t e r a l s s i e r e g i e r e n . D e r k l a s s i s c h e F a l l wa r d e r W a h l k a m p f 1 9 7 2 , a ls Wi ll y B ra n d t, d a ma ls d i e Ik on e va t er la n d s los er Li n k s fort s c h ri t t ler, fü r s ei n e f u l m i n a n t e r f o l g r e i c h e Ka m p a g n e d i e R e p u b l i k m i t M i l l i o n e n s e i n e r K o n t e r f e i s und d em fast sch on nach NPD k lin gend en Sp ruch „Deutsch e, wir k önn en stolz sein auf unser Land" überzi ehen li eß. Ein gut es Jahrzehnt später si egt e Helmut Ko h l m i t s ei n en W en d es p rü c h e n , d i e m ei s t en d a v on r ec h t s ( z u m B ei s p i e l d i e An k ü n d i gu n g d ra s t i s c h e r V e rr i n g e ru n g d e r Au s lä n d e r za h l) . D a s R e s u lt a t a l l e rd i n g s war au s rech ter Sicht ernüchternd. Am 5 . Dezemb er 2004 h ieß es in d er „Welt a m S on n t a g" ü b er Koh ls B i la n z: „Ni e wa r d i e B u n d es rep u bli k li b era l er, h ed on i s t i s ch er und mu ltiku ltureller a ls in d en Jah ren s ein er Kan zlersch aft. " („Li b era l"? Na j a . ) Wob ei m a n ergä n zen k ön n t e, da s s An ge la M erk el a ls M in i s t eri n un d Vi zec h e fin der CDU zumindest rein an Jahren beinahe die Hälfte der Verkohlung mitzuverantworten hat. D i e M e r k e l - C D U f ü h r t e d e n B u n d e s t a g s w a h l k a m p f 2 00 5 s t r e c k e n w e i s e s o , a l s wä r e s i e d e m „ D eu t s c h la n d p a k t " a u s D VU u n d N P D b ei g e t r e t en . Am 1 8 . S ep t e m b e r 2 0 0 5 s c h ri e b d i e „ B e r l i n e r M o r g e n p o s t " : „ T a p f e r h a t An g e l a M e r k e l i n d e n l e t z t e n M o n a t e n f a s t j e d e n T a g m e h r m a l s d i e N a t i on a l h ym n e g e s u n g e n , t ra d i t i o n e l l a m E n d e j e d e r W a h l k a m p f v e r a n s t a l t u n g , o b e n a u f d e r B ü h n e , i m Kr e i s d e r ört lichen Hon oratioren, überall in der Bundesrepublik. ,Vora n mit Deutschland, vo r a n m i t u n s e r e m V a t e r l a n d !' h a t s i e j e d e s M a l z u m Ab s c h i e d g e s a g t . S i e s a h s o aus, als ob sie das verdammt ernst meinte." Ka u m z u r Ka n z l e r k a n d i d a t i n e r h o b e n , h a t t e An g e l a M e r k e l a m 3 0 . M a i 2 0 0 5 i n Berlin ganz auf Vaterländisch ausgerufen: „Wir wollen, dass es Deutschland wie115

Merkel: "Ich will Deutschland dienen"

Gekürt: CDU- Chefin ist Kanzlerkandidatin. Sie plant eine große Steuerreform.
Hamburg - Es war eine historische Entscheidung, und sie wu rde von d er Partei mit begeisterter Zustimmung a u f g e n o m m e n . Als erst e Frau in d er bundesdeutschen Geschichte ist Angela M e r k e l gestern von CDU und CSU zur Kanzlerkandidatin gekürt worden. Einstimmig benannten die Präsidien der b e i d e n Schwesterparteien die 50 Jahre alte Politikerin a u s Ostdeutschland zur

Eine gelöste Angela Merkel gestern mit Edmund Stoiber in Berlin: Der CSU-Chef schlug sie als

Kanzlerkandidatur

"Ich will Deutschland dienen"
CDU-Chefin Angela Merkel ist offiziell die Kanzlerkandidatin der Union bei der vorgezogenen Bundestagswahl im Herbst. CSU-Chef Stoiber sicherte ihr volle Unterstützung zu: "Sie werden mich immer an Ihrer Seite haben." Die 50-Jährige ist die erste Frau, die für das Amt kandidieren wird.
D e r C S U-V o r s i t z e n d e E d m u n d S t o i b e r g a b d i e Nom ini erun g von An gelika M erk el in B erlin nach ein er gemein samen Präsidiu mssitzun g d er b eid en Sch westerp arteien b ekan nt. Die Entscheidung sei „einmütig und einstimmig" gewesen, sagte Stoiber unter l a n g a n h a lt e n d e m B e i fa l l v o n M i t a r b ei t e r n d e r Parteizentrale und Mitgliedern der Stoiber an ihrer Seite - das soll Unionsfraktion im Bundestag. immer so bleiben, erklärte der CSU-Chef nach der Nominierung S t o i b e r s a g t e we i t e r , d i e S e r i e v o n _ Merkels. .

Die nationalpatriotischen Gelöbnisse der Kanzlerkandidatin fanden in Medien großes Echo.
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d er b esser geh t. Dab ei geht es n icht u m Parteien, es geht n icht um Karrieren, u m E r od e r Ic h , E r od er S i e o d er wi e a u c h i m m e r d a s i n di e s en Ta g en fo rm u li e rt wird. Es geht um et was An deres: Wi r wollen Deutsch land dienen. Ich wi ll D e u t s c h l a n d d i e n e n . D e u t s c h l a n d k a n n e s s c h a f f e n u n d g e m e i n s a m w e r d e n wi r es s c h a ffen . " Mi t d er An k ün di gu n g „Wi r wol len d i e , Ic h -AGs ' d u rc h d i e , Wi r -Ge s e l l s c h a f t e r s e t z e n " k a m e i n e z u s ä t z l i c h e W ü r z e a n V o l k s g e m e i n s c h a ft i n d i e s e Ka n z le rk a n di da ti n an t ri t t s red e h i n ein . Und m an c h er n at i ona lges i n n t e E U -Kri t i k er wi r d v o n g u t e r H o f f n u n g e r fü l l t wo r d e n s e i n , a l s e r i n F r a u M e r k e l s An s p ra c h e d es 3 0 . M a i 2 0 0 5 F o l g en d e s v e rn a h m : „ Di e P o li t i k b ra u c h t ei n e n eu e Ku lt u r d es Z u h ör en s . Wi r s o l lt en zu m B e i s p i e l a u c h d a s N ei n d er F ra n z os en zu r E U -V e r fa s sung zum Anlass nehmen zu zeigen: Wir haben verstanden." T a g s d r a u f v e r ö f f e n t l i c h t e d i e „ B i l d " e i n In t e r v i e w m i t M e r k e l , wo r i n d i e Ka n z l e r i n i n s p e b e k u n d e t e : „ E s wä r e v i e l e r r e i c h t , we n n d i e D e u t s c h e n e i n e s T a g e s wi ed er s t o l z a u f i h re Lei s t u ngen u n d au f i h r La n d s in d . " E rh eb li c h es M ed i en ec h o e r z i e lt e d i e Ka n d i d a t i n a u c h m i t d en r e c h t en P a r o l en i n i hr e r F e s t r ed e „6 0 J a h r e CDU" am 16. Juni 2005 in Berlin. Kostproben aus ihrem Text: „ Wi r s i n d n i ch t ei n er Id eo logi e verp f li c h t et . Wi r s i n d n i ch t d er p oli t i s c h e Arm ei n e r Kl a s s e, ei n e r Gru p p e od er e i n e s E i n z e l - In t e r e s s e s . . . La s s en S i e e s m i c h a u f d en P u nk t b rin gen : Un s er e M ot i va t i on h ei ß t Deu t s c h lan d ... , E in i gk ei t u nd R ech t u n d F r e i h e i t s i n d d e s Gl ü c k e s U n t e r p fa n d ' , h e i ß t e s i m D e u t s c h l a n d l i e d . Di e s e r G e d a n k e i s t u n s e r e An t r i e b s fe d e r . E r i s t R i c h t s c h n u r u n s er e s H a n d e l n s . . . Au c h h eu t e st eh t un ser La n d wi ed er a n ei n er en t sc h ei d en d en Weg ga b e lu n g. La ss en Si e un s h eut e ab er nich t zu erst mi t d en Sch wi eri gk eit en un seres La nd es b egin n en . La ss en Si e u n s a n d ers b egi n n en . M it d em Kla n g d i es es La n d es. M i t d en Verh eißungen, die dieser Klang bei jed em von uns auslöst. Deutschland — das v e rh e i ß t Zu s a m m en h a lt . E i n La n d , i n d em j ed e r fü r s i c h u n d a n d e r e gi b t , wa s er k a n n , u n d k e i n e r f a l l e n g e l a s s e n wi r d , w e i l e r n i c h t m e h r k a n n . . . W i r C h r i s t d e m o k r a t e n wo l l e n d i e S p a l t u n g e n i n u n s e r e r G e s e l l s c h a f t h e i l e n . W i r we r d e n s i e a b e r n u r h ei l en k ön n en , we n n d i e B ü rg e r u n s e r La n d a l s S c h i c k s a ls g e m ei n s c h a ft — a l s ei n e Na t i on — b eg r ei fe n . W i r s i n d e i n e S c h i c k s a ls ge m e i n s c h a ft . Wi r b ra u chen ein erneuertes Bewusstsein dafür." Zu Beginn der letzt en und heißesten Phase des Wahlkampfes äußerte Angela M e r k e l i m In t e r v i e w m i t d e m M a g a z i n „ C i c e r o " ( S e p t e m b e r 2 0 0 5 ) : „ N u r m i t e i n e m B ek e n n t n i s z u m e i g e n e n La n d — z u u n s e r e r Ge s c h i c h t e , z u u n s e r e r Ku l t u r u nd Sp ra c h e u nd zu d en M en sc h en mi t i h ren Lei s t u n gen — k ön n en wi r d i e Krä ft e und den Zusammenhalt entwickeln, mit denen sich positiv Z ukunft gestalten lä s s t . E rs t d i e gem ei n s a m e M ot i va t i on , da s ei gen e La n d vora n zu b ri n gen , s ch a fft d i e V o r a u s s e t zu n g fü r d e n O p t i m i s m u s , d e n D eu t s c h la n d j e t z t b r a u c h t . D e s h a lb 118

will ich mein en Beitrag d azu leisten, dass die Deutsch en i n Deutsch land stolz auf ihr Land sein können." In „ C i c e r o " h a t t e A n g e l a M e r k e l i m M a i 2 0 0 4 s o z u s a g e n a u c h d e n S t a r t s c h u s s für ihre Vaterlandskampagne abgegeb en. Sie bekundete in dem Kulturmagazin : „ Ic h bin k on s ervat i v, wa s Pa tri oti s mus und Hei mat li eb e anb e lan gt. Ic h hab e ein en St olz a uf da s ei gen e La n d. " M erk el a n an d erer St elle (zi t . na ch Sch ley): „Da s Made in Germany muss wieder zu unserem Markenzeichen werden." Gel egen t li ch ab er schi en en die Gä u le mit ih r durch zu geh en (b zw. ih re Gh ost writ er h a tt en ih r d es Gu t en zu vi el ei n geflü s t ert ). S o b ek u nd et e An gela M erk el i n ei n em „s t ern " -In t e rvi e w, 1 8 . Novem b er 2 00 4 : „Wi r wol l en a nk nüp fen a n di e groß en Zei t en un seres La n d es, in d em da s Au t o, d er C ompu t er und d as Asp i rin erfund en wu rd e. " Au t o u n d As p i r i n , d a s m a g j a n oc h a n g eh en : s i e wu rd en i m k a i s e r li c h en D e u t s c h l a n d u n t e r W i l h e l m I I. e n t wi c k e l t . Ab e r C o m p u t e r u n d „ g r o ß e Z e i t u n s e r e s La n d e s " , a n d i e „ wi r a n k n ü p f e n wo l l e n " ? V a t e r d e s C o m p u t e r s wa r b e k a n n t li c h P rof. Kon ra d Zu s e. M i t „Z 3 " s c h u f er d en we lt wei t er s t en ec h t en C om p ut er. Das war 1941. In der Hauptstadt des Großdeutschen Reiches, Berlin ... Au c h d i e g ä n g i g e n M e rk e l - B i o g r a p h e n h a b e n „ d i e r e c h t e An g i e " r e g i s t r i e r t u n d a n a lys i ert . J a c q u eli n e B o ys en : „S i e b e s c h wö rt ei n en Na t i on a ls t olz, wi e er we i t en T e i l e n d e r w e s t d e u t s c h e n B e v ö l k e r u n g l a n g e f r e m d wa r u n d p l ä d i e r t d a f ü r , e i n n a ti on a les S elb s t ve rs t ä n dn i s zu en t wi c k eln . " Ni c ole S c h le y s c h rei b t : „, Wi r a rb ei t e n f ü r d e u t s c h e In t e r e s s e n , f ü r u n s e r e A r b e i t n e h m e r i n u n s e r e m L a n d . ' , D a s d e u t s c h e In t e r e s s e m u s s v o n n u n a n d a s e n t s c h e i d e n d e Kr i t e r i u m d eu t s c h e r P o l i t i k s ei n . ' S o k li n gt d i e n eu e An g e l a M e rk e l. Da s d eu t s c h e In t e r es s e s t eh t i m V or d ergrund ... Auch au ß enp olitisch sollen d eutsch e Belan ge in d en Vord ergrund gerückt werden." „Welch e Bilan z wü rd en Sie d en Deu tsch en b ei d er Bundestagswah l 2009 gern p rä s enti eren ?", fra gt e Hu go Mü ller -Vogg di e C DU -Kan zlerkandid at 2005. M erk els An t wort : „Das s a lle — vom Pförtn er b is zum p ot en zi ellen Nob elp reist rä ger — da s Gefü h l hab en , es lohnt sich , in di esem La nd und fü r di eses La n d zu a rb eit en . Dass die Menschen wieder stolz sind auf Deutschland, das ist mein Ziel." W i e a b er s o l l s i c h d a s a l l e s ve r t ra g en b ei s p i e ls we i s e m i t d e r M erk e l ' s c h en Ab s a g e a n e i g e n e d e u t s c h e W e g e i n d e r Au ß e n p o l i t i k , m i t i h r e n B e k en n t n i s s en z u e i n e m „ E u r op a ", i n d e m D e u t s c h l a n d v ö l l i g e i n g e s c h m o l z e n wi r d , e s k e i n e S o u v e ränität mehr hat, wie mit ihrem ständigen Sühnen und Büßen für die Hitlerzeit?

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Was kommt von Herzen?
Im „D eu t s c h la nd rad i o" k om men t i ert e d er J ou rn a li s t E c kh a rd Fu h r, Feu i ll et on c h ef d e r „ W e l t " , a m 7 . J u n i 2 0 0 5 M e r k e l s „ Ic h w i l l D e u t s c h l a n d d i e n e n " - T ö n e : E s handele sich „fast schon um ein Gelübde", meinte er, und gehe „jed enfalls rhet o r i s c h ü b e r d a s h i n a u s , w a s i n d i e s e m L a n d s e i t e i n i g e r Z e i t d e r p a t r i o t i sc h e T o n i s t " . E s d rä n g e s i c h d e r E i n d ru c k a u f , h i e r b ek u n d e e i n e F r a u , s i e wo l l e „ i hr e m L a n d d i e n e n wi e d i e H e i l i g e J o h a n n a " . F u h r w e i t e r . „ F e s t s t e l l e n l ä s s t s i c h zumindest, dass solch e Redeweise heute niemanden mehr verschreckt und dass sie auch nicht mehr als hoffnungslos veraltet gilt." „ Ko m m t M e rk e ls , P a t ri ot i s m u s ' v on H e r z en ?" , f ra gt P r o f. La n g gu t h . M a n c h e s i s t vom U S -Wa h lk a m p f a b gek up fert . „ Als An g ela M e rk el a m 3 0 . M ai d i e ers t e Ka n z lerkandidatin der Bundesrepublik wurde, stand sie mit einem Stapel B lättern l e i c h t v e r l o r en v o r ei n e m W a l d a u s M i k r of on en . Ih r e W o rt e k l a n g en d eu t li c h a b g e l e s e n e r — a b e r g e n a u s o p a t r i o t i s c h wi e d i e d e s Kr i e g s h e l d e n Ke r r y : , Ic h wi l l Deutschland dienen'." („Cicero", online, 24. August 2005). Au ch mit ih rer Ankü nd i gun g ein es Wid erstand es gegen di e Vollm it gli ed scha ft d er Tü rk ei i n d er E u rop ä i s ch en Un i on ha t An gela M e rk el b ei r ec h t en Deu t s c h en (un d we i t d a rü b er h i n a u s ) s o zu s a ge n p u n k t en k ön n en . „ Ic h b i n b ek a n n t er m a ß en g e g en e i n e M i t g l i e d s c h a f t d e r T ü r k e n i n d e r E U . . . E i n e M i t g l i e d s c h a ft wü r d e d i e E U a u f a b s e h b a r e Z e i t ü b e r f o r d e r n . " S o l i eß s i e s i c h i m Ge s p r ä c h m i t M ü l l e r- V o g g 2005 ein . B oys en : „An gela Merk el b egibt sich hi er in Oppos iti on zu r P ositi on d er US A; di e inn enp oliti sch e Wi rkun g ih rer Au ss a ge zäh lt in di esem Fa ll m eh r a ls di e sonst viel beschworene Bündnistreue." An d e r e r s e i t s s i t z t a u f B e t r e i b e n M e r k e l s s e i t E n d e 2 0 0 4 E m i n e D e m i r b ü k e n i m C D U- B u n d e s v o r s t a n d . S i e i s t t ü r k i s c h -d e u t s c h e D o p p e l s t a a t s b ü r g e r i n m u s l i m is ch en Glaub en s. Di e „t a z" s ch la gzei lt e zu ih re r Wah l in di e Füh run g d er Christd em ok ra t en : „Un i on i n s t a l li er t M u lt i k u lt i . " In d e r „B Z " la u t et e d i e S c h l a g z e i l e : „ M u l t i -Ku l t i -M e r k e l " U n d i m In t e r n e t e r wä r m t e s i c h d i e „t u rk i s h g a y & l e s b i a n c ommun it y" fü r Demi rbük en m it d en Wort en : „Si e wi rb t offen fü r den E U - B eit ritt d e r T ü r k e i u n d wa n d t e s i c h e n t s c h i e d e n g e g e n d i e i n d e r U n i o n d i s k u t i e r t e U n t ers c h ri ft en a kt i on gegen d en B ei t ri t t. Au ß erd em s et zt s i e s i c h fü r Is la m u n t erri c h t i n d e u t s c h e r S p ra c h e e i n . S i e i s t g l ä u b i g e M u s l i m i n u n d m i t d e m e v a n g e l i s c h e n C D U -B a u s t a d t r a t M i c h a e l W e g n e r v e r h e i r a t e t . D i e T o c h t e r S e r a f i n a wo l l e n d i e Eheleute nach eigenen Angaben in beiden Religionen erziehen." „ Fü r m i c h i s t di e d opp elt e S t a a t sb ü rgers c h a ft ei n e S elb s t vers t ä n d li ch k ei t ", b et on te die CDU-Türkin am 21. November 1997 in einem Interview mit der „Zeit". Am
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9 . Sept emb er 2 001 wa rb Demi rbük en im EKD- B la tt „Chri smon " zu sa mmen mit P a u l S p i e g e l v om Z e n t ra lra t d e r J u d en fü r n oc h m eh r M u lt i k u lt i i n D eu t s c h la n d . S i e b e k u n d e t e : „ Ic h w e r d e o f t m i t d e r An g s t k o n f r o n t i e r t , e s g ä b e z u v i e l e Au sländer. In Berlin gibt es 13,1 Prozent Menschen ausländischer Herkunft. Das h ei ß t : 8 7 P r o z en t s i n d D eu t s c h e. Wi e k ön n en 8 7 P r o z en t b e h a u p t en , d a s s 1 3 P r o zen t zu vi el sind ?" Im „Ch ri sm on"- Ges p räch en t wick elt e Merk els Tü rkin auch ein e Z u k u n f t s v i s i o n : „ Ic h wü n s c h e m i r , d a s s i m S o z i a l a m t M u t t e r M e i e r d u r c h e i n e Afri kan erin ih re S ozia lhi lfeleis tun g b ezi eh t od er ein Tü rk e i m Baua mt in h öchst er P o s i t i on s i t zt . . . W a ru m k a n n e i n e Ta g es s c h a u - S p r ec h eri n n i c h t t ü rk i s c h s t ä m m i g sein? Das wäre der Alltag, den ich mir für die Zukunft wünsche." E m i n e D e m i rb ü k en wu rd e 1 96 1 i n Ki li s / Tü rk ei g eb or en . Ih r V a t er k a m E n d e d e r 60er- Jahre a ls Gastarb eit er h er und holt e di e Fa mili e nac h. Von 1977 bis 1979 b es u c h t e s i e e i n Gym n a s i u m i n Is t a n b u l. N a c h S t u d i en z ei t a n d e r T U B er li n wu r d e s i e An fa n g d er 8 0 er -J a h re a ls S ozi a la rb ei t eri n i n B erli n t ä t i g u nd k a m zei t wei s e als Mitarbeiterin des Senders Freies B erlin unter. Sie ist die dienstälteste Au s lä n d e rb e a u ft ra gt e B er l i n s ( s ei t 1 9 8 8 i n S c h ön eb e r g, s ei t 2 0 0 1 fü r T e m p e lh o f Sch ön eb erg zu ständ ig(. Seit 19 92 hat sie d en Dopp elp ass. Von 1990 b is 1999 wa r D em i rb ü k en S p r e c h e ri n d es Tü rk i s c h en B u n d e s i n B er l i n - B ra n d en b u r g e. V. , von 1995 b is 1997 Pressesprech erin d er Tü rkisch en Gemeind e in Deutsch land e . V . , 1 9 9 7 / 9 8 V o r s t a n d s m i t g l i e d d e r T ü r k i s c h en Ge m e i n d e i n D e u t s c h l a n d e . V . 1994 wu rd e sie Vorstand smitglied und Pressesp rech erin d es „Bü ros gegen ethn i s c h e Di s k ri m i n i eru n g en i n B e r li n -B ra n d en b u r g ". S ei t 2 0 0 0 g eh ört s i e d e m Vo r s t a nd d es „B u nd es geg en et h ni s c h e Di sk ri m in i eru n g i n Deu t s c h lan d e. V. " a n . Der C DU h a t s i e s i c h 1 9 9 5 a n g e s c h l os s en . S ei t 2 0 0 2 i s t s i e La n d es v o rs t a n d s m i t g li ed d er B er li n er C h ri s t d em ok ra t en . Au f d em B u n d es p a rt ei ta g i m De z em b er 2 0 0 4 ka m sie dann als Wunschkandidatin Merkels in den CDU-Bundesvorstand. An g e l a M e rk e l i m Ge s p rä c h m i t M ü l l e r -V o gg ü b e r d i e Tü r k en i n D eu t s c h la n d a l s „ z u s ä t z li c h es Wä h l e r p ot en zi a l " : „ In d e r Ta t k ön n en wi r i n g r oß en T e i l en d e r t ü r k i s c h s t ä m m i g e n B e v ö l k e r u n g e i n e T e n d e n z f e s t s t e l l e n , S P D o d e r Gr ü n e z u wä h l e n . D a g i b t e s a b e r a u c h e i n e n r e c h t r e g e n M i t t e l s t a n d . H i e r wi e d e r u m h a t e i n e P a rt e i m i t k on s e r va t i v en Wu rz e l n d u rc h a u s gu t e An s a t zp u n k t e . . . J ed en fa l ls s o l l t en wi r u n s u m d i e In t e gra t i on d er t ü rk i s c h s t ä m m i g en B e vö l k eru n g k ü m m e rn . E s wü r d e d e r C D U a u c h g u t a n s t e h e n , w e n n e s g e l ä n g e , e i n e n V e r t r e t e r d i e s e r B e völkerungsgruppe aus unseren Reihen in den Bundestag zu bringen." Au c h „ d a s C " s o l l e „ u n s n i c h t a b h a l t e n , G e m e i n s a m k e i t e n z u e n t d e c k e n " , f ä h r t Merkel fort. Si e nennt ein Beispiel: „Wir st ehen im Gespräch mit türkischen G r u p p i e r u n g e n wi e d e r m o s l e m i s c h -k o n s e r v a t i v e n P a r t e i A K P d e s M i n i s t e r p r ä sidenten Erdogan. Er möchte auf alle Fälle Mitglied der Europäischen Volkspartei 121

we r d en . In e i n em e r s t en S c h ri t t h a t d i e AKP d en B e ob a c h t e r s t a t u s i n d e r E V P e r ha lt en. " Zu r E rläu t erun g: E VP , Eu ropäi sch e Volk spa rt ei, is t d er Zus am m ens ch lu ss hauptsächlich christdemokratischer Parteien auf europäischer Eben e, der auch die CDU angehört. Di e AKP d er Türkei wurzelt in der islam istisch -fundamentalistis c h e n V o l k s b e w e g u n g . W e g e n d e s l a i z i s t i s c h -k e m a l i s t i s c h g e p r ä g t e n M i l i t ä r s muss sie sich zusammenreißen. Sonst zögen die Generäle blank. Bevor er sich weg en d er Bajon ette d er Militärs „wand elte", h atte d er heu tige AKP - Ch ef und t ü rk i s c h e M i n i s t e rp rä s i d en t E rd og a n a l s B ü r g e rm ei s t e r vo n Is t a n b u l d en M a s s en bei einer Kundgebung das Wort des türkischen Nationaldichters Zi ya Gökalp (1876 - 1924 ) zu geru fen : „Di e Mina rett e sind un s ere B aj on ett e, di e Kupp eln uns ere Helme, die Moscheen unsere Kasernen, die Gläubigen unsere Soldaten." „5 1 P rozen t d er Deu t s c h en n eh m en an , d a s s m i t Fra u M erkel a ls B u n d es k an zleri n d e r Zu zu g v on Au s lä n d e rn s t ä rk er a ls b i s h e r b e g r en zt we r d en wü rd e. " ( E li s a b et h Noelle, In s titut für Dem osk opi e Allen s bach , „FAZ", 17 . Novem b er 2004 ). Wi ed er h o l t h a t M e r k e l a l s Ka n z l e r k a n d i d a t i n d i e s e n G l a u b en g e n ä h r t . In d e m z u r B u n d estagswah l 2005 erschien en en au tobiographisch en Buch „M ein Weg" äuß erte sie: „Wenn wir die Auswirkungen der Zuwanderung nach Deutschland in den l e t z t e n f ü n f z i g o d e r v i e r z i g J a h r e n b e t r a c h t en , d a n n f ä l l t d i e B i l a n z , we n n m a n die Sozialhilfe und alles hinzurechnet, negativ für Deutschland aus." Wie man Wahlkämpfe gewinnt, indem man die Sorgen und Nöte der Bevölke r u n g we g e n Ü b e r f r e m d u n g a u f g r e i f t u n d Ab h i l f e v e r s p r i c h t , k on n t e An g e l a M e r k e l, g er a d e f r i s c h g eb a c k en e Ge n e ra l s ek r et ä ri n , i m F e b ru a r 1 9 9 9 i n H es s en b e ob a c h t e n . D o r t g e l a n g e s i h r e m P a r t e i f r e u n d R o l a n d Ko c h m i t e i n e r e i n P l e b i s z i t i m i t i e r en d en Un t er s c h ri ft en - Ka m p a gn e g e g en d i e d op p e lt e S t a a t s b ü r g er s c h a ft ei nen fulminanten Wah lsi eg zu erringen und die jahrzehntelang vorh errsch enden S ozia ld em ok rat en ab zu lös en . Der Koc h' sch e Triumph wa r üb ri gen s d er Au ftak t zu e i n e r ga n z en S e ri e v on C D U - W a h l e r f o l g en , d u rc h d i e s i c h M erk e l a l s Gen e ra ls ekretärin das „Image" eines „Siegertyps" verschaffen konnte. Auch in der Zuwandererfra ge aber ergibt sich bei der Chefin der deutschen C h ri s t d e m o k ra t en e i n Gl a u b wü r d i g k e i t s p r o b l e m : W i e k a n n m a n e i n e r s e i t s e i n e n i m In n e r e n g r e n z e n l o s e n , w e i t n a c h O s t e u r o p a h i n e i n a u s g e d e h n t e n , a b 2 0 0 7 auch noch um Bulgarien und Rumäni en aufgeplusterten EU- Staat anstreben, in dem Abermillionen Fremde wegen der Freizügigkeit ohne Schranken nach Deutschland kommen dürfen, und andererseits Ausländerbegrenzung fordern? Üb ri g en s we i s t E v e l yn R o l l d a ra u f h i n , d a s s d i e C D U u n t er M erk e l l ä n g s t s c h on v o n P o s i t i o n e n a b g e r ü c k t i s t , v o n d e n e n v i e l e W ä h l e r m e i n e n , d a s s s i e n oc h a u f rechterhalten werden. Die Merkel-Biographin schreibt über die Pressekonferenz
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d e r C D U - C h e fi n m i t i h r em Z u wa n d e ru n gs b ea u ft ra gt en P et e r M ü l l e r, M i n i s t e rp rä sident des Saarlandes, am 6. November 2000: „Merkel und Müller gaben be kannt, dass die Position der CDU in Zukunft sei: Deutschland ist ein Einwan d eru n gsland . Wäh rend Parteielite und Öffentlichk eit also mit d er Balgerei u m d i e s e n b e s c h e u e r t e n B e g r i f f , L e i t k u l t u r ' a b g e l e n k t wa r e n , wu r d e n i n d e r p r a k t i sch en Politik au f sen sation elle Art und Weise ,un verrückb are' Position en au s d em i d e o l o gi s c h en Z e i t a lt er g e r ä u m t . " Fü n f M on a t e s p ä t er d a n n d e r n ä c h s t e „ E r f o l g " i n d i e s e r R i c h t u n g . R o ll : „ Al s E n d e Ap r i l d e s J a h r es 2 0 0 1 s c h l i eß l i c h d a s g e m e i n s a m e T h e s e n p a p i e r v o n C D U u n d C S U v e r a b s c h i e d e t wi r d , k o m m t d a s s o h ei ß un d glü h en d u mk ä mp ft e Wo rt Lei t k u lt u r d a rin n ic ht m eh r v or. Da s fä l lt a b er k a u m n oc h j e m a n d e m a u f. W a s a u f fi e l i s t : O f f e n b a r h a t An g e l a M e r k e l j e t zt s o gar St oibers CSU dazu gebracht anzuerkennen, dass Deutschland ein Einwan derungsland ist."

Nachfrage befriedigen ...
Woru m es in d er Haup tsach e wirk lich geht, wenn d eutsch e Etab lierte in Wah l k ä m p f en „r e c h t e T ön e " a n s c h l a g en , d ü r ft e fo l g en d e r Au s zu g a u s d en Ge s p rä c h en von Hugo Müller-Vogg mit Angela Merkel deutlich machen: M.- V.: „Franz Josef Strauß hat immer gesagt, rechts von der Union dürfe es kei n en Platz für ein e d emok ratisch e Partei geb en." A. M : „Rech t hat er gehab t." M. - V: „Nun sind NPD und DVU angetreten, genau diesen Platz zu besetzen. Wi rd hi er vi ellei cht ein e Nachfra ge b efri edi gt, wei l di e C DU d en Nat i ona l -Kons er vativen k ein en tsprech end es An geb ot macht?" A. M.: „Die Wah lerfolge dieser P a r t e i e n h a b e n i n e r s t e r Li n i e m i t d e n w i r t s c h a ft l i c h e n S c h wi e r i g k e i t e n z u t u n . D a v e r f a n g e n s c h e i n b a r e i n fa c h e An t wo r t e n . D a h a t d i e C D U e i n e wi c h t i g e Au f g a b e , n ä m l i c h a r g u m e n t a t i v e t wa s e n t g e g e n z u s e t z e n . D a m ü s s e n wi r d a n n d e u t lich machen, dass wir — zum Beispiel beim Th ema EU-E rweiterung — deutsche Interessen vertreten ... Als deutsche Parteien sind wir von deutschen Bürgern g e wä h l t — u n d z wa r m i t d e m Au f t r a g , i m i n t e r n a t i o n a l e n W e t t b e w e r b d a s B e s t e fü r Deu t s c h la nd h era u s zu h olen . Da s k om m t ma nc h ma l n i cht d eut li c h genu g rü b er. Auch deshalb haben Rechtsradikale bisweilen Zulauf."

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Personenverzeichnis
Ackermann, Josef 84 Adenauer, Konrad 79 Ahlrichs, Reinhard 45 Alb ri ght , M ade le i ne 92 f. Ates, Seyran 13 Avital, Collette 105 Backfisch, Michael 85 Balk, Hermann 11 Barschel, Uwe 92 Bärtels, Gabriele 15, 38 Baumann, Beate 4 Beauvoir, Simone de 70f. Beckmann, Reinhold 16 Beckstein, Günther 100, 112 Be rgma nnPo hl, Sab ine 68 Birthler, Marianne 27 Böckelmann, Frank 113f. Bonhoeffer, Dietrich 20, 27 Boysen, Jacqueline 4f., 8, 17, 19, 25, 30, 36, 40, 43ff., 50, 56, 61, 64, 75, 101, 120 Brandt, Willy 115 Bra u n, We rnhe r vo n 4 9 Brauner, Artur 110 Bronner, Oscar 84 Buchholz, Karl Gottfried 18f. Burda, Hubert 84 Burmester, Silke 111 Burt, Richard 55 Bush, G e o r g e H . 4 8 Bush, George W. 82, 88f., 112, 117 Cheney, Chirac, Christiansen, Richard Jacques Eva 90 82 4 D a s c h i t s c h e w , W j a t s c h e slaw 56 De mirb üke n, Emine 120 f. Der, Ralf 64 Dibelius, Otto 25 Diekmann, Kai 112 Dönitz, Karl 10 Döpfner, Mathias 84 Drange, Emil 10f. Dregger, Alfred 102 Einstein, Albert 39 Eppe l ma nn, Ra ine r 24, 64 Erdogan, Tayyip 121 f. Jacobi, Claus 107 Finke lste in, Nor ma n 1 05 Fischler, Hersch 113 Fried ma n, Mic he l 109-112 Friedrich II. der Große 11 Frisch, Max 41 Fuchs, Michael 83 Fuhr, Eckhard 120 Gab le nt z, O t to vo n de r 9 9 Galinski, Heinz 101 G a uc k , J o ac hi m 2 7 , 6 4 Gedmin, Jeffrey 86f Gehler, Matthias 66 Geisler, Hans 77 Göhs, Gert Olav 95 Gökalp, Ziya 122 Gorbatsc how, Mic ha il 5 6 Graw, Ansgar 117 G ree nsp a n, Ala n 50, 10 5 Gremm, Wolf 110 trüber, Heinrich 21 f. Günt her, Rolf-Dieter 25 Gysi, Gregor 28 Gysi, Klaus 27 H a b e r ma s , J ü r g e n 6 2 , 7 8 Hagler, Arnold T. 47 Haselsteiner, Hans Peter 84 Kant, Immanuel 14 Ka nt he r, Ma n fre d 7 5, 7 8 Kas ner, Herlind 7, 9f., 14 f., 23, 29, 33f. Kas ne r, Ho rst 5, 7, 1 4 f., 1 8, 21 ff., 24 ff., 29 f., 32 f., 37, 46, 64 Kasner, Irene 15 Kas ne r, Ma rc us 14, 2 9, 3 6, 39 Keil, Gert 92 Kerry, John 120 Kiep, Walther Leisler 73, 76, 81 f. Kirchner, Martin 66 Kirschbaum, Erik 54 Kissinger, Henry 50, 84 Klaeden, Eckart von 4, 81, 96, 103 Kleinfeld, Klaus 84 Klopfer, Inge 108 Klotz, Clemens 67 Koch, Roland 78, 122 Köhler, Horst 79 Jentzsch, Jentzsch, Emilie Gertrud 7, 7, 45 9 He ise nbe rg, Werne r 39 Henkys, Reinhard 26 He n n i g, M a rga re t he 1 9 Hintze, Peter 73 Hitler, Adolf 18, 20, 61, 67, 107f., 119 Hoffmann, Dieter 27 Hohmann, Martin 4, 102106 Honecker, Erich 20, 22, 34 Honecker, Margot 29 Hoover, Edgar 61 Hunzinger, Moritz 55

Johannes Paul II. 89, 91

Christiansen, Sabine 86, 110 ff., 114f. Cramer, Ernst 107

125

Koelbl, Herlinde 6, 47, 50, 53, 70f., 77 Kohl, Helmut 30, 48, 55, 59, 65f., 68, 70, 72-80, 86, 96, 115 Köpf, Peter 107 Kopper, Hilmar 84 Krauel, Torsten 83 Krause, Günther 5, 66 -70, 77 Kraushaar, Wolfgang 101 Krauß, Matthias 4f., 6, 17, 30, 32, 45f. Kwasniewski, Aleksander 13 Lafontaine, Oskar 57f. Lambeck, Martin S. 16 Lammert, Norbert 88 Langguth, Gerd 4, 6ff., 9, 15, 21ff., 24f., 36, 38, 40, 43f., 47, 49, 54, 56f., 63, 71 f., 74f., 77, 79, 88, 96, 99, 108, 126 Ledeen, Michael A. 84 Lengsfeld, Vera 64 Leßnerkraus, Patricia 5f., 9, 34, 36, 46f., 49, 52, 55, 64 Levy, David 99 Maaß, Hans-Christian 77 Maizière, Clemens de 24f. Maizière, Lothar de 24, 50, 55, 64, 66, 70, 77 Marcks, Gerhard 10 Martern, Hermann 38 Marx, Karl 40 Matzky, Gerhard 18 Mayer, Hans 55 Meisner, Joachim 53 Merkel, Ulrich 46f., 56 Merz, Friedrich 5, 100f. Meyer, Laurenz 103 Mielke, Erich 65 Mißfelder, Philipp 5

Mitterrand, Frangois 67 Mohn, Liz 113f. Mohn, Reinhard 113 Möllemann, Jürgen 105 Morgenstern, Christian 37 Morgenthau, Henry 86 Müller, Hanfried 24f., 26-29 Müller, Hildegard 96f. Müller, Peter 112, 123 MüllerEnbergs, Helmut 27 MüllerStreisand, Rosemarie 26-29 Müller -Vogg, Hugo 6, 14, 33, 37, 39ff., 52, 59f., 67, 72, 79, 89, 92, 120f., 123 Nakschbandi, Walid 110 Nass, Matthias 84 Neubert, Ehrhart 20, 25ff., 64 Niemöller, Martin 86 Noelle, Elisabeth 40, 63, 92 Oppenheimer, J. Robert 39 Osten, Hans-Jörg 43 Paul, Jens Peter 105 Perle, Richard 4, 52, 84ff., 87, 117 Pfahls, Holger 74, 78 Pflüger, Friedbert 14, 74, 81, 84, 90 Pofalla, Ronald 79, 96 Poppe, Gerd 64 Powell, Colin 89, 91 Primor, Adar 52, 94f. Primo, Avi 52, 94 Putin, Wladimir 14 Rau, Johannes 101 Reimann, Max 31 R ei n h a r d t , M a x 5 5 Rice, Condoleezza 90 Riesenhuber, Heinz 96f.
126 -1 2 6 -

Robbe, Reinhold 96 Rockefeller, David 81 f., 84 Roll, Evelyn 4, 6, 15ff., 21, 31, 34, 36, 41, 43, 59, 62ff., 66ff., 70f., 74f., 77, 78, 80, 86, 96, 122f. Ronson, John 84 Roosevelt, Franklin D. 39, 86 Rückert, Sabine 76 Rumsfeld, Donald 84, 90, 117 Rüttgers, Jürgen 101, 105, Saban, Haim 106f. Saddam Hussein 89f., 95 Sauer, Joachim 5f., 45-50, 52-60 Schabowski, Günther 57 Schäfer, Bärbel 110 Schaff, Adam 58 Scharon, Ariel 94, 99 Schäuble, Wolfgang 53, 72, 75, 78f. Schavan, Annette 105 Schily, Otto 84 Schley, Nicole 4, 6, 9, 33f., 36f., 40, 50, 54, 61, 72, 75f., 79, 87, 119 Schnaas, Dieter 5 Schnabel, Ulrich 40 Schneider, Frank 44 Schnur, Wolfgang 65f., 77 Schoeneich, Ulrich 21 Scholten, Rudolf 84 Schönherr, Albrecht 15, 20, 25f. Schramm, Hans-Georg 38 Schreiber, Karlheinz 74 Schreiner, Ottmar 55 Schrempp, Jürgen E. 84 Schröder, Gerhard 3, 14, 16, 23, 60, 62, 81 f., 84, 86ff., 94, 100, 102, 115, 117

Schulz, Ekkehard D. 84 Schwarzer, Alice 71 Schweitzer, Eva 117 Slonina, Henryk 13 Smith, Gary 86 Spiegel, Paul 100f., 109, 121 Springer, Axel C. 76, 106f. Springer, Friede 82, 84, 106-109, 112f. Springer, Hinrich 107 Stafford, Lee 3 Stalin, Josef 12 Stappenbeck, Christian 27 Stavenhagen, Lutz 96 Stimson, Henry L. 86 Stock, Wolfgang 6, 9, 33, 36, 39, 41, 52f., 55, 80, 88 Stoiber, Edmund 54, 87f., 91, 103, 109, 116, 123 Stolpe, Manfred 37, 65

Strauß, Franz Josef 81, 123 Struck, Peter 94 Stürmer, Michael 86 Süssmuth, Rita 71 Sutherland, Peter 83 Thadden, Adolf von 31 Thatcher, Margaret 40 Töpfer, Klaus 72 Tusk, Donald 14 Ulbricht, Klaus 63 Ulbricht, Walter 21, 29 Wachs, Emma 11 Wagner, Franz Josef 102 Warburg, Eric M. 82 Warburg, Max M. 82 Weizsäcker, Carl Friedrich von 18, 39 Weizsäcker, Ernst von 18

Weizsäcker, Richard von 12, 17f., 55 Weizsäcker, Viktor von 18 Westerwelle, Guido 54 Wichern, Johann Hinrich 21 Wielgohs, Jan 27 Wilhelm II., Deutscher Kaiser 119 Wissmann, Matthias 84 Wolfensohn, James 81, 84 Wölber, Hans-Otto 7 Wolfowitz, Paul 52, 84, 86, 90 Wowereit, Klaus 110 Zahradnik, Rudolf 47 Zaimoglu, Feridun 13 Ziegler, Regina 110ff. Zimmermann, Markus 82 Zülicke, Lutz 45 Zumwinkel, Klaus 84 Zuse, Konrad119

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Dass Frau Merkel ausgezeichnet Pflaumenkuchen backen kann und sich von Star-Friseur Udo Walz die Haare machen lässt, gehört zu den sensationellen Enthüllungen, die man allgemeinen Medien entnehmen kann. Dieses Buch widmet sich vorrangig anderen Feldern: Merkel regiert Deutschland – doch wer regiert Merkel? Wer hat im innersten Kreis um sie herum, ihrem „Inner Circle", das Sagen? Was verkündet sie als ihre Ziele in Insiderkreisen, zu welcher Politik hat sie sich da verpflichtet? Wer hat ihre steile Karriere gefördert, ihr den Sprung ins Kanzleramt ermöglicht? Und ihre DDR-Zeit: Wie tief war ihr Vater, Pfarrer Kasner, kirchenintern: „der rote Kasner", in das DDR-System verstrickt? Wie verhält es sich mit Merkels marxistisch-leninistischer Grundsatzarbeit „Was ist sozialistische Lebensweise?", die angeblich spurlos verschwunden ist? Wie steht es um ihre Vergangenheit als FD J-Aktivistin – womöglich sogar als „Sekretärin für Agitation und Propaganda"? Wer mit dem Blick auf die Kulissen zufrieden ist, der benötigt dieses Druckwerk nicht. Wer aber mehr wissen möchte, dem öffnet das Buch einen Spalt zum Blick hinter die Kulissen.

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