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WEGE ZUR ARCHITEKTUR

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2004

PETER ZUMTHOR

ATMOSPHÄREN

Architektonische Umgebungen Die Dinge um mich herum

L- FSB

<Atmosphere is my style>
J M W Turner 1844 zu John Ruskin

Vortrag am 1. Juni 2003 in der Kunstscheune, Schloß Wendlinghausen Wege durch das Land - Literatur- und Musikfest in Ostwestfalen-Lippe

Wege zur Architektur

Editorial

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<Mir gefällt die Vorstellung, mit einem Haus zum atmosphärischen Reichtum eines Ortes beizutragen, an den sich ein Passant oder Bewohner gerne erinnert>, sagt Peter Zumthor. Über <Atmosphären. Architektonische Umgebungen - Die Dinge um mich herum> sprach der Schweizer Architekt während des Literatur- und Musikfestes <Wege durch das Land> am 1. Juni 2003 an einem passenden Ort: Schloß Wendlinghausen, an dem die Ideale der Renaissance - Schönheit und Harmonie, Dauerhaftigkeit und Annehmlichkeit- in bestechender Reinheit verwirklicht wurden. Peter Zumthor schätzt Orte und Häuser, die den Menschen aufheben, ihn gut wohnen lassen und unauffällig unterstützen. Seine Bauten beeindrucken durch körperhafte Präsenz, Schlichtheit, Handwerklichkeit und Empfindsamkeit für Materialien.

Arnold Böcklin (1827-190ll Die Toteninsel (Erste Fassung), 1880 Depositum der Gottfried Keller-Stiftung 1920

© Kunstmuseum Basel,
Martin Bühler

Mit seinem Vortrag begann eine Zusammenarbeit zwischen dem Literaturbüro Ostwestfalen-Lippe und dem Unternehmen Franz Schneider Brakel, die über eine finanzielle Unterstützung des Literatur- und Musikfestes <Wege durch das Land> hinausreicht und sichtbaren Ausdruck in dieser Publikation findet, die als limitierter Privatdruck von FSB herausgegeben wird und nicht im

Wege zur Architektur

Editorial

Handel erhältlich ist. Um die Spontaneität und Direktheit der Rede zu erhalten, wurde der vor mehr als 400 Zuhörern frei gehaltene Vortrag für die Drucklegung nur leicht redigiert. Bewußt wurde die Güte der herkömmlichen Rechtschreibung beibehalten.

Das Literatur- und Musikfest <Wege durch das La'nd> unter der künstlerischen Leitung von Dr. Brigitte LabsEhlert ist eine exquisite Reihe, die poetische Orte in Ostwestfalen und Künste beziehungsreich miteinander verknüpft. Es sind gedankliche Wagnisse, die in Worten und Tönen Gestalt annehmen. Immer von der Lokalität den Ausgang nehmend, an eine Person, ein literarisches Ereignis oder ein Motiv anknüpfend, dieses über die Zeiten und Nationen variierend, vorgetragen von den besten Schauspielern, international renomm ierten Schriftstellern und Musikern, begleitet von Tanztheater, Ausstellung und Gesprächen. Der Vortrag von Peter Zumthor war eingebettet in ein Programm, das angeregt von der Architektur Schloß Wendlinghausens nach dem Maß der Schönheit fragte mit Madrigalen aus dem Italien des 16. Jahrhunderts, strahlender Raummusik von Markus Stockhausen und Tara Bouman sowie im kunstvollen

Wege zur Architektur

Editorial

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Roman der dänischen Autorin Inger Christensen über die Fresken von Andrea Mantegna; der Schauspieler Udo Samel führte auf den Spuren von Goethes Italienischer Reise zu Bauten Palladios. Dazu gedacht, das Alte mit dem Neuen zusammenzubringen, werden auch in den nächsten Jahren an architektonisch interessanten historischen Gebäuden Architekten unserer Tage über ihre Ethik des Entwerfens und Bauens sprechen. <Wege zur Architektur> erhalten eine Fortsetzung.

Peter Zumthor

Atmosphären

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Der Titel <Atmosphären> leitet sich daher: Mich interessiert - denn natürlicherweise muß mich das interessieren - schon lange: Was ist das eigentlich: Architektonische Qualität? Es ist für mich relativ einfach zu sagen. Architektonische Qual ität ist nicht - für mich -, in Architekturführern vorzukommen oder in der Architekturgeschichte vorzukommen oder publiziert zu werden usw. Architektonische Qualität, das kann sich bei mir nur darum handeln, daß ich von einem Bauwerk berührt bin. Was zum Teufel berührt mich denn an diesen Bauwerken? Und wie kann ich das entwerfen? Wie kann ich etwas entwerfen wie den Raum auf dieser Fotografie hier - das ist eine persönliche Ikone von mir, ich habe das Gebäude nie gesehen, ich glaube, das gibt es gar nicht mehr, und ich schaue es wahnsinnig gerne an. Wie kann man solche Dinge entwerfen, die eine derart schöne, selbstverständliche Präsenz haben, die mich immer wieder berührt. Ein Begriff dazu ist die Atmosphäre. Wir kennen das ja alle: Wir sehen einen Menschen und haben einen ersten Eindruck von ihm. Und ich habe gelernt: vertraue dem nicht, du mußt dem Menschen eine Chance geben. Jetzt bin ich ein bißchen älter und ich muß sagen, ich bin

John Russell Pope (1874-1937) Union Station or Broad Street Station, Riehmond, VA (1919) Aus: Arehiteeture in Ameriea, by G. E. Kidder Smith Ameriean Heritage Publishing Co. Ine. New York 1976

Peter Zumthor

Atmosphären

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doch wieder beim ersten Eindruck. Ein bißchen ist es für mich so auch mit der Architektur. Ich komme in ein Gebäude, sehe einen Raum und bekomme die Atmosphäre mit, und in Sekundenbruchteilen habe ich ein Gefühl für das, was ist. Atmosphäre spricht die emotionale Wahrnehmung an, das ist die Wahrnehmung, die unglaublich rasch funktioniert, die wir Menschen offenbar haben, um zu überleben. Wir werden ja nicht jedesmal, in jeder Situation irgendwie lang denken wollen, ob uns das gefällt oder nicht, ob wir davonspringen müssen oder nicht. Da ist etwas in uns, das uns sofort viel sagt. Sofortiges Verständnis, sofortige Berührung, sofortige Ablehnung. Also anders als dieses lineare Denken, das wir auch haben und das ich auch liebe, von A nach B mit dem Kopf, und wo wir uns das dann alles zurechtlegen müssen. Die emotionale Wahrnehmung kennen wir natürlich in der Musik. Der erste Satz dieser Bratschensonate von Brahms, der Einstieg der Viola - nach zwei Sekunden ist das Gefühl da! (Sonate Nr. 2 in Es-Dur für Viola und Klavier) Und ich weiß nicht, warum. Und ein bißchen ist das auch so in der Architektur. Nicht so stark wie in der größten der Künste, der Musik, aber es ist da.

Ernst Brunner, Backtag in Vrin, Brottragen (1942)

© Sammlung Ernst Brunner, Schweizerische Gesellschaft für Volkskunde, Basel

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Peter Zumthor

Atmosphären

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Ich lese Ihnen etwas vor, was ich aufgeschrieben habe in meinem Notizbuch zu diesem Thema. Um zu sehen, was das denn ist. Das ist Gründonnerstag 2003. Das bin ich. Ich sitze da, ein Platz in der Sonne, große Arkade, lang, hoch, schön in der Sonne. Der Platz - Häuserfront, Kirche, Monumente - als Panorama vor mir. Die Wand des Cafes im Rücken. Die richtige Dichte von Menschen. Ein Blumenmarkt.Sonne. Elf Uhr. Die gegenüberliegende Platzwand im Schatten, angenehm bläuI ich. Wu nderbare Geräusche: nahe Gespräche, Schritte auf dem Platz, Stein, Vögel, leichtes Gemurmel der Menge, keine Autos, kein Motorenlärm, entfernte Baugeräusche ab und zu. Die beginnenden Feiertage haben die Schritte der Menschen bereits verlangsamt, stelle ich mir vor. Zwei Nonnen - das ist wieder Wirklichkeit, ohne Vorstellung - zwei Nonnen, gestikulierend, gehen quer über den Platz, leichtfüßig, leicht wehende Hauben, jede trägt eine Plastiktasche. Temperatur: angenehm frisch, warm. Ich sitze in der Arkade, auf einem bleichgrün gepolsterten Sofa, die Bronzefigur auf dem hohen Sockel vor mir auf dem Platz dreht mir den Rücken zu und schaut wie ich auf die zweitürmige Kirche. Die Doppeltürme der Kirche haben ungleiche

Diözesanmuseum Kolumba, Köln, Deutschland. Im Bau

Peter Zumthor

Atmosphären

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Helme, beginnen unten gleich und werden gegen oben hin individueller. Einer ist höher und hat eine um die Helmspitze gelegte Goldkrone. Bald wird B von rechts schräg über den Platz auf mich zukommen. Nun, was hat mich da berührt? Alles. Alles, die Dinge, die Menschen, die Luft, Geräusche, Ton, Farben, materielle Präsenzen, Texturen, auch Formen. Formen, die ich verstehen kann. Formen, die ich versuchen kann zu lesen. Formen, die ich als schön empfinde. Und was hat mich da noch berührt? Meine Stimmung, meine Gefühle, meine Erwartung damals, als ich da saß. Und es kommt mir dieser berühmte englische Satz in den Sinn, der auf Platon verweist: <Beauty is in the eye of the beholder>. Das heißt: Alles ist nur in mir. Aber dann mache ich das Experiment, ich nehme den Platz weg. Und ich habe nicht mehr die gleichen Gefühle. Einfaches Experiment, entschuldigen Sie die Simplizität meines Denkens. Aber ich nehme jetzt den Platz weg - und meine Gefühle verschwinden. Ich hätte diese Gefühle so damals nie gehabt ohne diese Atmosphäre des Platzes. Logisch. Es gibt eine Wechselwirkung zwischen den Menschen und den Dingen. Damit habe ich zu tun als Architekt. Und ich denke, das ist meine Leidenschaft.

Vincenzo Scamozzi (1548-1616) Palazzo Trissino Baston, Innenhof, Vicenza (1592)

Peter Zumthor

Die Magie des Realen

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Es gibt eine Magie des Realen. Ich kenne sehr wohl die Magie des Gedankens. Und die Leidenschaft des schönen Gedankens. Aber hier spreche ich von dem, was ich häufig unglaublicher finde: die Magie des Wirklichen und des Realen.

Hans Baumgartner (1911-1996) Studentenwohnheim, Clausiusstraße, Zürich 1936 ©Sammlung Hans Baumgartner, Fotostiftung Schweiz, Winterthur. VG Bild-Kunst

Frage. Ich frage mich als Architekt: <Die Magie des Realem - Cafe im Studentenwohnheim, ein Bild von Hans Baumgartner, aus den dreißiger Jahren. Diese Männer sitzen da und es gefällt ihnen. Ich frage mich: Kann ich solche Atmosphären, kann ich diese Dichte, diese Stimmung, kann ich als Architekt das entwerfen? Und wenn ja, wie? Und ich glaube dann: ja, und ich glaube: nein. Ich glaube ja, weil es gute Dinge und schlechtere Dinge gibt. Und jetzt noch ein Zitat. Da schreibt ein Musikwissenschaftier in einem Musiklexikon diesen Satz hier. Ich habe ihn dann vergrößert und im Büro aufgehängt und gesagt: So müssen wir arbeiten! Der MusikwissenschaftIer sagte über diesen einen Komponisten, den Sie sofort erraten werden: <Radikale Diatonik, kräftige und differenzierte rhythmische Skandierung, Deutlichkeit der Melodielinie, Klarheit und Rauhheit der Harmonien, schneidendes Strahlen der Klangfarben, schließlich die

Peter Zumthor

Die Magie des Realen

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Schlichtheit und Durchsichtigkeit des musikalischen Gewebes und die Festigkeit des formalen Gerüstes.> (Andre Boucourechl iev über <das echte Russentum der musikalischen Grammatik Igor Strawinskys» Das hängt jetzt oben im Büro für uns alle. Und es spricht mir von Atmosphären, auch die Musik dieses Komponisten hat diese Eigenschaften, uns, mich zu berühren nach einer Sekunde. Aber was ich da auch merke, in dieser Beschreibung, ist Arbeit, und das tröstet mich, es gibt schon eine handwerkliche Seite, um dieses anzugehen, diese Aufgabe, architektonische Atmosphären zu schaffen. Es muß Verfahren, Interessen, Instrumente und Werkzeuge geben in meiner Arbeit. Ich beobachte mich jetzt selbst und erzähle Ihnen in neun kleinen MiniKapiteln, was ich gefunden habe, was mich umtreibt, wenn ich versuche, mir diese Atmosphäre meiner Häuser zu generieren. Und es ist klar, diese Antworten sind hoch persönlich, ich habe keine anderen. Sie sind sehr empfindlich, individuell, sie sind vermutlich sogar Empfindlichkeiten, persönliche Empfindlichkeiten, die mich dann dazu führen, das so und so zu machen.

Oe Meelfabrik Leiden, Leiden, Holland. Projekt

Peter Zumthor

Der Körper der Architektur

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Erste Antwort-Titel: <Der Körper der Architektur>. Die materielle Präsenz der Di nge ei ner Arch itektur, des Gerüstes. Wir sitzen hier drinnen in dieser Scheune, wir haben diese Reihen von Balken, die sind dann wiederum überdeckt von usw. Ich nehme das sinnlich wahr. Und das finde ich das erste und größte Geheimnis der Architektur, daß sie Dinge aus der Welt, Materialien aus der Welt zusammenführt und diesen Raum macht. Denn für mich ist das wie eine Anatomie. Wirklich, ich nehme Körper fast wörtlich. So wie wir unseren Körper haben mit einer Anatomie und Dingen, die man nicht sieht, und einer Haut usw., so wirkt Architektur auf mich und so versuche ich, sie zu denken. Körperlich, als Masse, als Membran, als Stoff oder Hülle, Tuch, Samt, Seide, alles um mich herum. Der Körper! Nicht die Idee des Körpers - der Körper! Der mich berühren kann.

Dokumentationszentrum Topographie des Terrors, Berlin, Deutschland. Treppenturm, vom Abriß bedroht

Zweite Antwort-Großes Geheimnis, große Leidenschaft, große Freude immer wieder. <Der Zusammenklang der Materialiem.lch nehme eine bestimmte Menge von Eichenholz und eine andere Menge von Tuffstein und dann gebe ich noch etwas dazu: drei Gramm Silber, einen Schlüssel-was hätten Sie noch gerne? Ich bräuchte Sie

Peter Zumthor

Zusammenklang der Materialien

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als Bauherren, um mit Ihnen zusammen das dann zu machen. Dann legen wir die Dinge konkret hin, zuerst im Geiste, bald aber wirklich. Und schauen, wie sie miteinander reagieren. Und wir wissen alle: Die reagieren miteinander! Materialien klingen zusammen und kommen zum Strahlen und in dieser Materialkomposition entsteht etwas Einmaliges. Materialien sind unendlich - nehmen Sie einen Stein, und diesen einen Stein können Sie sägen, schleifen, bohren, spalten und polieren, er wird immer wieder anders sein. Und dann nehmen Sie diesen Stein in ganz kleinen Mengen oder in riesigen Mengen, er wird wieder anders. Und dann halten Sie ihn ins Licht, er wird nochmals anders. Bereits ein Material hat schon tausend Möglichkeiten. Ich liebe diese Arbeit, und je länger ich sie mache, umso geheimnisvoller wird sie irgendwie. Man hat immer Ideen, stellt
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Dokumentationszentrum Topographie des Terrors, Berlin, Deutschland. (Modell)

sich vor, wie etwas ist. Und wenn ich dann das Ding real hinhalte - habe ich gerade letzte Woche erlebt, ich war ganz sicher, ich kann diese weiche Zeder als Auskleidung dieses großen Wohnraumes nicht gebrauchen in diesem Sichtbetongebäude, die ist zu weich, ich brauche ein härteres Holz, fast wie Ebenholz, das diesem Sichtbeton etwas entgegenhält an Dichte und Masse

Peter Zumthor

Zusammenklang der Materialien

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und diesen unglaublichen Glanz hat. Und dann haben wir das auf die wirkliche Baustelle gebracht. Oh, Scheiße! Die Zeder war doch besser! Plötzlich habe ich es gesehen, diese Zeder, die war so weich und die hat sich problemlos behauptet in dieser Umgebung. Und ich habe das Palisanderzeug, das Mahagoni, alles wieder ausgeräumt. Ein Jahr später: Dunkle, harte, reich gemaserte Edelhölzer sind wieder eingezogen, daneben weichere, hellere. Die Zeder war letztendlich zu linear strukturiert, zu spröde; sie wurde doch nicht eingebaut. Also das nur als Beispiel, wieso ich finde, daß es immer wieder geheimnisvoll ist. Und dann etwas anderes. Es gibt eine kritische Nähe der Materialien zueinander, die ist abhängig vom Material selber und vom Gewicht, das es hat. Und Sie können Materialien in einem Bauwerk zusammenbringen. Da gibt es einen Punkt, wo sie zu weit weg sind, dann schwingen sie nicht miteinander, und dann gibt es einen Punkt, wo sie zu eng sind, und dann sind sie tot. Das heißt, dieses Fügen im Bauwerk hat viel mit ... - okay, Sie wissen, was ich meine! Nein, sonst bleibe ich eine halbe Stunde noch da. Ja, ich habe Beispiele, also ich habe <Palladio> aufgeschrieben, wo ich solche Dinge erlebe, immer wieder erlebt

Therme Vals, Vals, Graubünden, Schweiz. © Margherita Spiluttini

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Der Klang des Raumes

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habe. Diese atmosphärische Energie, vor allem bei Palladio - ich erwähne es jetzt trotzdem, weil ich immer das Gefühl gehabt habe, dieser Architekt, dieser Baumeister, der muß ein unglaubliches Gefühl gehabt haben für die Präsenz und das Gewicht der Materialien, für diese Dinge, über die ich jetzt versucht habe zu sprechen.

Therme Vals, Vals, Graubünden, Schweiz.

© Helene Binet

Drittens. <Der Klang des Raumes>. Hören Sie! Jeder Raum funktioniert wie ein großes Instrument, er sammelt die Klänge, verstärkt sie, leitet sie weiter. Das hat zu tun mit seiner Form und mit der Oberfläche der Materialien und der Art und Weise, wie die Materialien befestigt sind. Beispiel: Nehmen Sie einen wunderbaren Fichtenholzboden wie einen Geigendeckel und legen den auf Hölzern aus in Ihrem Wohnraum. Oder anderes Bild: Sie leimen ihn auf die Betonplatte! Spüren Sie den Unterschied im Klang? Ja. Der Klang des Raumes wird heute, leider, von vielen Leuten gar nicht wahrgenommen. Der Klang des Raumes - also für mich jetzt persönlich, das erste, was mir immer in den Sinn kommt, ist: Die Geräusche, als ich Bub war, die Arbeitsgeräusche meiner Mutter in der Küche. Die haben mich

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Peter Zumthor

Der Klang des Raumes

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immer glücklich gemacht. Da konnte ich in der Stube sein, ich wLjßte immer, die Mutter da hinten ist da, klappert mit den Pfannen oder so. Aber Sie hören auch die Schritte in der großen Halle, Sie hören die Geräusche in der Bahnhofshalle, Sie hören die Geräusche in der Stadt usw. Wenn ich dann einen Schritt weiter gehe, es wird vielleicht ein bißchen mystischer jetzt, und ich denke, wir nehmen alle Fremdgeräusche aus dem Gebäude raus, wir stellen uns das vor, nichts ist mehr da, nichts erzeugt mehr irgendeine Anrührung. Dann kann man sich die Frage stellen: Tönt das Gebäude jetzt trotzdem? Machen Sie den Versuch mal selber. Ich glaube, die tönen immer. Die tönen auch ohne eine Anrührung. Ich weiß nicht, was es ist. Es ist vielleicht der Wind oder so. Aber man spürt nur, wenn man einmal in einen schalltoten Raum geht, daß da etwas anderes ist. Schön ist es! Finde ich. Ich finde, es ist wunderschön, ein Gebäude zu bauen und dieses Gebäude aus der Stille heraus zu denken. Das heißt, es ruhig zu machen, das braucht heute ziemlich viel, weil unsere Welt so lärmig ist. Also da bei Ihnen weniger. Aber ich kenne andere Orte, die sind lärmiger, da müssen Sie viel machen, damit die Räume mal ruhig werden und dann aus

Domino de Pingus Winery, Penafiel, Spanien. Projekt

Peter Zumthor

Die Temperatur des Raumes

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der Stille heraus, mit den Proportionen und den Materialien usw. wieder sich vorzustellen, wie das tönt. Also, das tönt jetzt ein bißchen wie eine Sonntagspredigt, ich weiß. Aber viel einfacher und pragmatischer, oder? Wie es wirklich tönt, wenn wir durchgehen. Wenn wir sprechen, wenn wir miteinander sprechen, wie soll das tönen? Wenn ich im Salon mit drei guten Freunden am Sonntagnachmittag reden will und lesen? Hier habe ich aufgeschrieben: das Schließen der Tür. Es gibt Gebäude, die wunderbar tönen, die sagen mir: ich bin aufgehoben, ich bin nicht allein. Das ist vermutlich dieses Mutterbild, das ich nicht loswerde und eigentlich auch nicht loswerden will.

Klangkörper Schweiz, Expo 2000 Hannover, Hannover, Deutschland. Fotograf: Walter Mair

Viertens. <Die Temperatur des Raumes>. Ich bin immer noch dabei, die Dinge zu benennen, die mir wichtig sind beim Kreieren von Atmosphären. Da gibt es die Temperatur. Ich glaube daran, jedes Gebäude hat eine bestimmte Temperatur. Und ich erkläre es Ihnen, und ich bin nicht sehr gut darin, das zu machen, aber es interessiert mich außerordentlich. Die schönsten Dinge sind doch Überraschungen. Wir haben viel, viel Holz, viele Holzbalken verwendet, um in Hannover den Schweizer Pavillon zu

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Die Dinge um mich herum

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bauen. Und wenn es dann heiß war, war es in diesem Pavillon kühl wie im Wald, und wenn es kühl war, war es in diesem Pavillon wärmer als draußen, obwohl er nicht geschlossen war. Man weiß ja, daß Materialien mehr oder weniger von unserer Körperwärme abziehen. Also, Stahl ist kalt und zieht die Wärme weg, diese Geschichten. Aber wenn ich das mache, kommt mir auch das Wort temperieren in den Sinn. Vielleicht ein bißchen so, wie die Klaviere temperieren, also die richtige Stimmung suchen. Im wörtlichen sowie übertragenen Sinn. Das heißt, diese Temperatur ist eine physische und vermutlich auch eine psychische. Was ich sehe, was ich spüre, was ich berühre, auch mit den Füßen.

Klangkörper Schweiz, Expo 2000 Hannover, Hannover, Deutschland. Fotograf: Giovanni Chiaramonte

Fünftens. Es gibt neun von diesen Dingen, wir sind beim fünften. Ich möchte Sie nicht langweilen. Fünftens. <Die

Dinge um mich herum>. Immer wieder, komme ich in Gebäude, in Räume von Menschen, Freunden, Bekannten, Leuten, die ich nicht kenne, bin ich beeindruckt von den Dingen, die die Leute bei sich haben, in ihrer Wohnungsumgebung oder in ihrer Arbeitsumgebung. Und manchmal, ich weiß nicht, ob Sie das kennen, stelle ich eine große Beziehung und Liebe und Sorgfalt fest,

Peter Zumthor

Die Dinge um mich herum

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etwas, das paßt. Beispiel: Köln, vor zwei Monaten. Der junge Peter Böhm hat mich herum geführt, wir gingen in die Bienefeld-Häuser. Da habe ich zum ersten Mal zwei Bienefeld-Häuser in Köln von innen kennengelernt. Samstag morgens um neun. Das war so etwas, das war absolut beeindruckend! Diese Häuser mit diesen unglaublich vielen schönen Details, man könnte schon fast sagen, exzessiven Details! Wo man diesen Heinz Bienefeld spürt, wie er diese Dinge gemacht hat, überall. Und dann die Leute. Der eine war Studienrat, der andere war Richter, und sie waren alle so angezogen wie dieses deutsche Bürgertum am Samstagmorgen. Und es waren alle Dinge da. Die schönen Gegenstände, die schönen Bücher, sie waren alle ausgelegt, Instrumente waren da, Cembali, Violinen usw. Aber die Bücher ... Also, das hat mich eigentlich sehr beeindruckt, es war sehr sprechend. Ich habe mich gefragt, war es Aufgabe der Architektur, dieses Gefäß zu schaffen, um diese Dinge aufzunehmen? Oder auch die Arbeitswelt oder den Bahnhof oder irgendetwas, das einem erlaubt, diese Dinge bei sich zu haben. Ich erlaube mir, eine kleine Anekdote zu erzählen. Das habe ich einmal vor meinen Studenten erzählt vor ein paar Monaten, es war

Klangkörper Schweiz, Expo 2000 Hannover, Hannover, Deutschland. Fotograf: Giovanni Chiaramonte

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Die Dinge um mich herum

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eine zypriotische Assistentin dabei - schwierig in Zypern aufzuwachsen

Im Atelier Zumthor

-=- eine hervorragende Architektin.

Sie hat für mich einen kleinen Cafe-Tisch entworfen, den sie dann auch für sich gerne haben wollte. Und später, nach diesem Vortrag, wo ich ein bißchen ausführlicher als jetzt über die Dinge um mich herum sprach, sagte sie: <Damit bin ich überhaupt nicht einverstanden. Diese Dinge belasten einen. Ich habe meine ganze Habe im Rucksack. Ich möchte immer unterwegs sein. Dieses Ding, diese Last, diese bürgerliche Last dieser Dinge, das haben nicht alle Menschen.> Ich habe sie angeschaut und gesagt: <Und dieser CafeTisch, den du unbedingt haben wolltest?> Sie hat dann nichts mehr gesagt. Also, irgendwie scheint das doch etwas zu sein, das wir alle kennen. Ich bringe Ihnen ein bißchen nostalgische Beispiele. Aber ich denke schon, das sei auch so, wenn ich eine Bar mache, eine supercoole Bar irgendwo oder eine Disko einrichte und selbstverständlich müßte das auch in einem Literaturhaus so sein, da müßten wir noch ein bißchen Gegengift einbauen, damit nicht alles zu beschaulich wird. Diese Vorstellung, daß Dinge in ein Gebäude hineinkommen, hineinkommen sollen, die ich nicht mache als Architekt,

Peter Zumthor Zwischen Gelassenheit und Verführung

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an die ich aber denke, gibt mir ein bißchen einen Blick in die Zukunft meiner Gebäude, die ohne mich stattfindet. Das tut mir sehr gut, das hilft mir sehr, mir immer diese Zukunft der Räume vorzustellen, der Häuser, wie sie dann sind Gebrauch. Auf Englisch würde man wohl sagen: <A sense of home.> Auf Deutsch weiß ich. nicht, Heimat kann man wohl nicht mehr sagen. In meinem Notizbuch steht, daß ich zu diesem Thema bei Nietzsche etwas finden dürfte: <Der Wanderer und sein Schatten>, Aphorismus 280, Schein und Sein in der Welt der Waren, und auch in <Nachgelassene Fragmente>, 1880/81: <... vor allem sein (des Dinges) Vorhandensein als Körper und Substanz ... > Auch Baudrillard <Das System der Di nge> von 1968 möchte ich zu diesem Thema gerne lesen.

Brücke in Italien.

Ein weiterer Punkt, der mich immer wieder umtreibt, den ich spannend finde in meiner Arbeit, überschreibe ich, es ist der sechste Punkt: <Zwischen Gelassenheit und

Verführung>, hat zu tun damit, daß wir uns in der Architektur bewegefl. Architektur ist sicher eine Raumkunst, sagt man, Architektur ist aber auch eine Zeitkunst. Ich erlebe sie nicht nur in einer Da

Peter Zumthor Zwischen Gelassenheit und Verführung

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waren Wolfgang Rihm und ich uns einig, auch Architektur ist Zeitkunst, wie die Musik Zeitkunst ist. Das heißt, ich überlege mir, wie wir uns bewegen in dem Gebäude, und da sehe ich diese Spannungspole, mit denen arbeite ich gerne. Ich gebe Ihnen ein Beispiel, vielleicht von diesem Thermalbad, das wir gebaut haben. Da war es für uns unglaublich wichtig, eine Art <freies Schlendern> zu produzieren, fast ein bißchen in der Stimmung nicht von Führung, sondern Verführung. Also, Krankenhauskorridor: Führung. Es gibt aber auch die Verführung, das Loslassen, das Schlendern, und das können wir Architekten machen. Das Können hat ein bißchen mit Inszenierung zu tun, manchmal. In diesem Bad haben wir versucht, räumliche Einheiten an einen Punkt zu bringen, wo die in sich halten. Wir haben das versucht, ich weiß nicht, ob uns das gelungen ist, ich glaube, nicht schlecht. Räume - da bin ich, und sie beginnen, mich räumlich zu halten, ich bin nicht im Durchzug. Ich stehe da, ich kann sein, aber da lockt schon etwas um die Ecke, da fällt schon das Licht so ein und da auch, und ich schlendere dadurch; iob muß sagen,
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I Ching Gallery (Pavillon für die I Ching genannte Skulptur von Walter De Maria), Dia Center for the Arts, Beacon, NY, USA. Projekt

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das ist eines meiner größten Vergnügen: nicht geführt zu werden, sondern frei schlendern zu können - drifting,

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Peter Zumthor Zwischen Gelassenheit und Verführung

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ja? Und so bewege ich mich auf einer Entdeckungsreise. Als Architekt muß ich schauen, daß das nicht zum Labyrinth wird, vielleicht, wenn ich nicht will. Und ich führe dann wieder Orientierungen ein, mache Ausnahmen, das kennen Sie ja alle. Führung, Verführung, Loslassen, Freiheit geben. Für eine.n bestimmten Gebrauch ist es viel schlauer und sinnvoller, Ruhe zu schaffen, Gelassenheit, also einen Ort, wo Sie nicht herumrennen müssen und nicht die Tür suchen müssen. Und da lockt nichts, da sind Sie einfach da. Auditorien zum Beispiel müßten so sein. Oder Stuben. Oder Kinos. Wo ich immer wieder viel lerne in dieser Beziehung, ist natürlich im Kino. Das ist klar. Die Kameramänner und die Regisseure arbeiten mit dem gleichen Aufbau von Sequenzen. Und das versuche ich auch in meinen Gebäuden. So, daß es mir gefällt, und so, daß es Ihnen gefällt und vor allem so, daß es zum Gebrauch des Gebäudes paßt. Hinführen, vorbereiten, anregen, freudige Überraschungen, Entspannung, aber, schon immer so, muß ich beifügen, daß nichts Didaktisches mehr da ist, sondern daß es selbstverständlich wirkt.

I Ching Gallery (Pavillon für die I Ching genannte Skulptur von Walter De Maria), Dia Center for the Arts, Beacon, NY, USA. Projekt

Peter Zumthor

Spannung zwischen innen und außen

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Siebtens. Da ist auch etwas ganz Besonderes in der Architektur, das mich fasziniert. <Die Spannung zwischen. innen und außen>. Finde ich unglaublich gut. Also, daß wir in der Architektur ein Stück aus der Weltkugel herausnehmen und in eine kleine Kiste bauen. Und plötzlich gibt es ein Innen und ein Außen. Drinnen sein, draußen sein. Fantastisch. Und - auch fantastisch - das heißt: Schwellen, Übergänge, kleines Schlupfloch, unmerkliche Übergänge zwischen innen und außen, unglaubliches Gefühl für Ort, unglaubliches Gefühl für Konzentration plötzlich, wenn diese Hülle um einen herum plötzlich da ist und uns versammelt und hält, viele von uns oder nur eine Person. Dann spielt sich dort das Spiel von Individualität und Öffentlichkeit ab, von Privatheit und Öffentlichkeit. Die Architektur arbeitet ja damit. Ich habe ein Schloß, ich wohne in diesem Schloß und gegen außen zeige ich euch diese Fassade. Diese Fassade sagt: Ich bin, ich kann, ich will, was auch immer der Bauherr und der Architekt zusammen sagen wollten. Und die Fassade sagt auch: Aber ich zeige euch nicht alles. Gewisse Dinge sind drinnen, die gehen euch einen Dreck an. Das ist beim Schloß so, wie auch bei der Wohnung in der Stadt. Wir setzen Zeichen. Wir

Domino de Pingus Winery, Penafiel, Spanien. Projekt

Peter Zumthor

Spannung zwischen innen und außen

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beobachten. Ich weiß nicht, ob Sie meiner Leidenschaft folgen können, das sind nicht voyeuristische Dinge, im Gegenteil, das hat so viel mit Atmosphäre zu tun. Denken Sie an <Rear Window>, Alfred Hitchcock. Das Leben von draußen betrachtet in diesem Fenster. Ein Klassiker. Sie sehen dort diese Frau im roten Gewand, in dem erleuchteten Fenster, und Sie wissen nicht, was sie macht. Aber doch: Etwas sieht man! Oder, das Umgekehrte: Edward Hopper <Early Sunday Morning>. Die Frau, die innen im Raum sitzt und durchs Fenster nach außen schaut auf die Stadt. Ich bin stolz darauf, daß wir als Architekten solche Dinge machen dürfen bei jedem Gebäude. Und ich stelle es mir immer wieder vor, bei jedem Gebäude: Was will ich sehen, ich oder der oder die, die das gebrauchen, wenn ich drinnen bin? Was will ich, das die anderen von mir sehen? Und welche Referenz zeige ich mit meinem Gebäude, mache ich an die Öffentlichkeit? Gebäude sagen ja immer etwas zur Straße oder zum Platz. Sie können zum Platz sagen: Ich freue mich, an diesem Platz zu stehen. Oder die können sagen: Ich bin hier das schönste Gebäude, ihr alle seid wirklich schlecht. Ich bin wie eine Diva. Gebäude können das alles sagen.

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Stufen der Intimität

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Jetzt kommt etwas, bei dem ich jetzt zum ersten Mal für mich herausgefunden habe, daß mich das eigentlich immer interessiert hat. Ich weiß aber nicht so viel darüber, - Sie werden es gleich merken - aber es ist da. Ich muß noch weiter darüber nachdenken. Überschrieben habe ich es mit: <Stufen der Intimität>. Hat zu tun mit Nähe und Distal'1z. Klassische Architekten würden sagen: Maßstab. Aber das tönt zu akademisch, ich meine das mehr körperlich als Maßstab und Dimensionen. Das betrifft verschiedene Aspekte, die Größe, die Dimension, der Maßstab, die Masse des Bauwerks gegenüber mir. Es ist größer als ich, es ist viel größer als ich. Oder Dinge im Bauwerk sind kleiner als ich. Türfallen, Scharniere oder Zwischenteile, Türen. Kennen Sie diese schlanke, hohe Tür, wo alle Leute gut aussehen, wenn sie durchkommen? Kennen Sie die etwas langweilige breitliche Tür, diese flatschige? Kennen Sie die einschüchternden großen Portale, wo vielleicht der, der öffnet, gut aussieht oder stolz? Das heißt, die Größe und die Masse und die Schwere der Dinge. Die dünne Tür und die dicke Tür. Die dicke Mauer und die dünne Mauer. Kennen Sie diese Gebäude? Ich bin fasziniert von diesen Gebäuden. Ich versuche immer, solche zu

Domino de Pingus Winery, Penafiel, Spanien. Projekt

Peter Zumthor

Stufen der Intimität

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machen, wo Innenform, also leerer ,Raum innen, nicht gleich ist mit der Außenform. Wo Sie also nicht einen Grundriß nehmen können und einfach Striche reinzeichnen können, so, das sind jetzt alles die Wände, zwölf Zentimeter, und diese Unterteilung ergibt außen und innen, sondern wo verborgene Massen innen sind, die Sie nicht erkennen. Das ist wie ein ausgehöhlter Kirchturm, wo Sie im Gemäuer hochsteigen. Das ist ein Beispiel von Tausenden, die etwas mit diesem Gewicht und der Größe zu tun haben. So groß wie ich, kleiner als ich. Und interessant ist ja, daß Dinge, die größer sind als ich, mich einschüchtern können, staatliche Repräsentation, Bank aus dem 19. Jahrhundert oder irgend so etwas, Säulen usw. Oder, gestern gehört, Villa Rotonda von Palladio, ein großes monumentales Ding, wenn ich aber selber innen stehe, bin ich nicht einge/

Vincenzo Scamozzi (1548-1616) Villa Rocca Pisana (1575)

schüchtert, sondern fühle mich eigentlich fast erhaben, wenn ich dieses altmodische Wort gebrauchen darf. Die Umgebung schüchtert mich nicht ein, sondern macht mich irgendwie größer oder läßt mich freier atmen oder - ich weiß nicht, wie ich das Gefühl nennen soll, Sie wissen, was ich meine. Es gibt beides, erstaunlicherweise. Man kann also nicht einfach sagen, klar, groß ist

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Stufen der Intimität

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schlecht, es fehlt der menschliche Maßstab. Das hört man manchmal so in Laiengesprächen, auch von Architekten. Menschlicher Maßstab heißt dann, etwa so groß wie wir. Aber das ist nicht so einfach. Und dann, was dazugehört, zu dieser Weite, Nähe, Distanz von mir und den Bauwerken, - ich denke immer gerne daran, etwas für mich allein zu machen, für eine Person allein. Ich allein, für mich allein oder für mich in der Gruppe, ganz andere Geschichte. Haben Sie dieses schöne Studentencafe vorhin gesehen? Und jetzt dieses wunderbare Gebäude von Le Corbusier auf dem Bild. Ich wäre stolz, ich hätte das gemacht. Also, ich, für mich allein, für mich und andere in der Gruppe, oder für mich in der Masse. Fußballstadion. Okay. Palast. Und diese Dinge, finde ich, die muß man denken. Und ich glaube, die kann ich gut denken, die kann ich alle gut denken. Das einzige, wo ich große Probleme habe, das würde ich aber auch gerne können, das muß ich Ihnen sagen, wo ich das aber nicht schaffe, ist beim Wolkenkratzer. Ich schaffe das nicht, mir vorzustellen, ich und viele, 5000 oder ich

Le Corbusier (1887 -1965) Villa Sarabhai, Ahmedabad 1955

nicht wie viele, in einem Wolkenkratzer,

wie ich das/ machen müßte, daß ich mich gut fühle mit all denen zusammen, mit diesem Hochhaus. Was ich in

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Das Licht auf den Dingen

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der Regel sehe bei Hochhäusern, ist eine Außenform, die eine Sprache spricht mit der Stadt usw., die gut oder schlecht oder was auch immer ist. Ein Gefühl, das ich mir sehr wohl vorstellen kann, ist ein Fußballstadion für 50000 Personen, das mit diesem Kessel kann eine unglaublich schöne Geschichte sein. Gestern. Vicenza, das Olympische Theater. Haben wir auch gehört von unserem Herrn Goethe, der hat das alles schon viel, viel früher gesehen. Und der schaut ja hin, das ist das Fantastische bei ihm, der schaut hin. Okay, das sind diese Stufen der Intimität, die mich noch immer umtreiben.

Toni Molkerei, Zürich 2002

© Jules Spinatsch

Das letzte. Als ich diese Dinge vor ein paar Monaten aufgeschrieben habe, saß ich in der Stube, bei mir im Wohnzimmer und habe mich gefragt: Was fehlt dir noch? Ist das jetzt alles? Sind das so deine Themen? Und dann habe ich es plötzlich gesehen. War relativ einfach. <Das Licht auf den Dingen>. Ich habe mir das mal fünf Minuten lang angeschaut, wie es bei mir im Wohnzimmer wirklich ausschaut. Wie das Licht ist. Und das ist fanta?tisch! Das ist bei Ihnen sicher gleich. Wo das Licht überall wie die

und wie. Wo die Schatten waren. Und stumpf waren oder funkelnd oder

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Das licht auf den Dingen

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aus der Tiefe kamen. Dann habe ich es später gesehen, da hat mir Walter De Maria, Künstler in Amerika, eine neue Arbeit gezeigt für Japan, das wird eine riesige Halle, zwei-, dreimal so groß wie die Scheune hier. Vorne offen und nach hinten ganz dunkel. Und dort liegen zwei oder drei riesige Steinbälle, aus massivem Stein, riesige Kugeln. Ganz hinten waren Stäbe aus Holz, überzogen mit Blattgold. Und dieses Blattgold - das wissen wir alle längst, aber es hat mich wieder berührt, als ich es gesehen habe - dieses Blattgold hat aus der Tiefe, aus der Schwärze des Raumes geleuchtet! Das heißt, dieses Gold scheint die Eigenschaft zu haben, geringste Mengen von licht ganz hinten im Dunkel auffangen zu können und abzustrahlen.

Im Arbeitsraum von Peter Zumthor

Es gibt zwei lieblingsideen, denen ich in diesem Zusammenhang immer wieder nachhänge. Denn wir machen kein Gebäude und holen am Schluß den Elektroplaner und sagen: Okay, wo wollen wir da noch Leuchten setzen und wie wollen wir das Ding ausleuchten? Sondern ,diese Vorstellung ist von Anfang an dabei. Die eine lieblingsvorstellung ist die: das Gebäude zunächst als zu denken und dann nachher, wie in

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Das Licht auf den Dingen

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einem Aushöhlungsprozeß, Lichter zu setzen, Licht einsickern zu lassen. Und dann kommt schon die zweite Lieblingsidee - das ist alles sehr logisch, das sind keine Geheimnisse, das macht jeder. Die zweite Lieblingsidee ist, die Materialien und Oberflächen bewußt ins Licht zu setzen. Und dann zu schauen, wie die reflektieren. Also mit diesem Bewußtsein, wie das reflektiert, die Materialien zu wählen und so ein stimmiges Ding zu machen. Das beelendet mich sehr, hier in dieser wunderschönen Gegend, gestern und heute zu sehen, wie viele Häuser kein Licht mehr von außen haben in dieser wunderschönen Landschaft, wo die Natur, das Sonnenlicht von einer umwerfenden Schönheit ist. Und dann diese stumpfen Häuser - ich weiß nicht, was es ist, ich weiß nicht, was die da anstreichen. Und dann sieht man, daß sie alle tot sind. Jedes zehnte Haus hat noch eine alte Ecke, wo es plötzlich wieder leuchtet oder wo irgendwie wieder etwas kommt. Und das ist so schön, Materialien zu wählen, Stoffe, Kleider, die schön im Licht stehen, und so die Kombination zu machen. Bei diesem Thema des Tageslichtes und des Kunstlichtes, ich muß es Ihnen gestehen, daß das Tageslicht, das Licht auf den Dingen mich manchmal so berührt, daß ich darin manchmal

Pavillon Louise Bourgeois, Dia Center for the Arts, Beacon, NY, USA. Projekt

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Das Licht auf den Dingen

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fast etwas Spirituelles zu spüren glaube. Wenn die Sonne am Morgen wieder aufgeht - was ich immer wieder bewundere, das ist wirklich fantastisch, die kommt jeden Morgen'wieder-und sie beleuchtet die Dinge wieder, dann meine ich, dieses Licht, das kommt nicht von dieser Welt! Ich verstehe dieses Licht nicht. Ich habe da das Gefühl, es gibt etwas Größeres, das ich nicht verstehe. Ich bin sehr froh, ich bin unendlich dankbar, daß es das gibt. Auch heute, da, wenn wir wieder nach draußen gehen. Und daß ich dieses Licht habe als Architekt, das ist tausendmal besser als Kunstlicht.

Kapelle Bruder Klaus.

Sehen Sie, jetzt bin ich eigentlich durch. Und wieder frage ich mich: War das jetzt alles? Und ich muß Ihnen noch etwas gestehen: Ich muß Ihnen drei kleine Anhänge machen. Ich glaube, die neun Dinge, von denen ich jetzt gesprochen habe, das waren Arbeits- und Denkansätze von mir oder von uns im Büro, vielleicht ein bißchen idiosynkratisch, kann schon sein. Aber die sind einigermaßen, denke ich, objektivierbar. Aber was ich jetzt sage, das hat mehr mit mir persönlich zu tun und ist vielleicht noch weniger objektivierbar als viele Dinge, von denen ich vorhin gesprochen habe. Aber wenn

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Architektur als Umgebung

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ich über meine Arbeit rede, muß ich schon sagen, was mich halt bewegt. Und da gibt es noch drei Dinge.

Kapelle Bruder Klaus.

Die erste Überschreitung, die erste Transzendenz hier, für mich, wäre: <Architektur als Umgebung>. Das gefällt mir sehr gut, die Vorstellung, daß ich ein Gebäude mache, einen großen Gebäudekomplex oder einen kleinen, und dieser wird Teil einer Umgebung. Ganz im Handkeschen Sinne. (Peter Handke hat die Umgebung, die physische Um-Gebung, verschiedentlich beschrieben, so im Interviewband <Aber ich lebe nur von den Zwischenräumen>.) Und dies ist die Umgebung von Menschen, für mich oder meistens auch nicht für mich, und wird Teil von deren Leben, Kinder wachsen da auf. Vielleicht erinnern sie sich 25 Jahre später unbewußt an irgendein Gebäude, eine Ecke, eine Straße, einen Platz, keine Ahnung vom Architekten, ist auch nicht wichtig. Aber die Vorstellung, daß die Dinge da sind - auch ich erinnere mich an viele Dinge in der Welt, gebaut, die ich nicht verantwortet habe, die mich aber berührt, bewegt, erleichtert, die mir geholfen haben. Es gibt mir ein viel schöneres Gefühl, mir vorzustellen, dieses Gebäude wird in 25, 30 Jahren vielleicht von jemandem erinnert

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Stimmigkeit

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werden. Vielleicht weil er da seine erste Jugendliebe geküßt hat. Spielt keine Rolle, warum. Um das deutlich zu machen, das gefällt mir viel besser als die Vorstellung, dieses Gebäude wird in 35 Jahren noch immer im Architekturlexikon vorkommen. Das ist eine ganz andere Ebene. Und die zweite hilft mir nicht beim Entwerfen. Das war die erste Transzendenz, dieser Versuch, Architektur als Umgebung. Vielleicht hat es am Ende ein bißchen, das muß ich vermutlich zugeben, vielleicht hat es ein bißchen mit Liebe zu tun. Ich liebe Architektur, ich liebe die gebauten Umgebungen und ich glaube, ich liebe es, wenn die Leute das auch lieben. Ich muß das zugeben, es freut mich, wenn es mir gelingen würde, Dinge zu schaffen, die andere Leute lieben.

Projekt für ein Berghotel, Tschlin, Graubünden, Schweiz.

Zweiter Anhang. Wie habe ich den überschrieben? <Stimmigkeit>. Das ist auch mehr ein Gefühl. Das heißt, alle diese Überlegungen des Machens und Herstellens von Architektur, die auch noch eine ganz andere Ebene, eine professionelle Ebene haben, von der ich hier gar nicht spreche. Ich finde, das ist Büroalltag oder so, da kann man in der Uni und im Büro darüber sprechen oder. Das ist mehr Didaktik. Ich denke, alle diese Dinge, die

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Entscheidungen, die ich fälle - das sind ja tausend Entscheide-dich-Fälle, die jeder Architekt fällt, die würde ich gerne im Gebrauch aufheben. Also, das größte Kompliment für mich ist, wenn man mir an einem Gebäude keine Form ablesen kann und sagt: Aha, da hast du jetzt eine super-coole Form machen wollen, sondern wenn alles seine Erklärung findet im Gebrauch. Das wäre schon das schönste Kompliment. Und da bin ic.h ja nicht alleine in der Architektur, das ist eine uralte Tradition, auch in der Schriftstellerei, beim Schreiben usw. Und in der Kunst. Aber ich denke, ein alter schöner Ausdruck dafür ist: Die Dinge sind dann zu sich gekommen, sind bei sich. Weil sie dann das sind, was sie sein wollen. Und Architektur ist gemacht für uns zum Gebrauchen. Es ist keine freie Kunst. Ich finde, es ist auch die vornehmste Aufgabe der Architektur, daß sie eine Gebrauchskunst ist. Aber eben das Schönste, die Dinge sind zu sich gekommen, sind stimmig. Und dann verweist alles aufeinander und Sie können das nicht auseinandernehmen. Der Ort, der Gebrauch und die Form. Die Form verweist auf den Ort, der Ort ist so und der Gebrauch ist so und so.

Projekt für ein Berghotel, Tschlin, Graubünden, Schweiz.

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Und jetzt fehlt aber noch etwas, und das ist jetzt wirklich das letzte, es ist jetzt schon da, irgendwie. Jetzt habe ich es also geschafft, in neun Punkten und zwei Anhängen nicht über die Form zu reden. Sie spüren das sehr stark, das ist eine Leidenschaft von mir und die hilft mir auch sehr beim Arbeiten. Wir arbeiten nicht an der Form, wir arbeiten an all den anderen Dingen. Am Klang, an den Geräuschen, an den Materialien, an der Konstruktion, an der Anatomie usw. Der Körper der Architektur, ganz aril Anfang, ist Konstruktion, Anatomie, Logik des Konstruierens. Wir arbeiten an all diesen Dingen und schauen immer gleichzeitig auf den Ort und den Gebrauch. Etwas anderes habe ich nicht zu tun, das ist der Ort, den kann ich beeinflussen oder nicht, und das ist der Gebrauch. In der Regel haben wir ein großes Modell oder eine Zeichnung, meistens ein Modell, und das kommt halt dann vor, daß irgendetwas von daher stimmt, von vielen Dingen her stimmt, dann schaue ich es an und sage: Ja, stimmt zwar alles, ist aber nicht schön! Das heißt, ich schaue die Dinge schlußendlich schon an. Und ich glaube, wenn die Arbeit geglückt ist, haben die eine Form angenommen, von der ich dann häufig nach langer Arbeit überrascht bin. Von der ich

Diözesanmuseum Kolumba, Köln, Deutschland. Im Bau

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Die schöne Gestalt

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denke: Hätte ich nie, nie daran denken können, daß das so wird, von Anfang an. Das ist nur möglich jetzt nach all diesen Jahren manchmal - slow architecture. Ich habe dann große Freude, bin auch stolz. Aber, wenn es dann am Schluß nicht schön ausschaut, also für mich nicht- ich sage jetzt bewußt einfach nur schön, es gibt Bücher über Ästhetik, - wenn mich diese Form nicht anrührt, dann gehe ich wieder ganz zurück und beginne wieder von vorne. Das heißt, mein Schlußkapitel oder mein letztes Ziel ist vermutlich dann halt schon: <Die schöne Gestalt>. Ich finde sie wieder vielleicht in Ikonen, manchmal finde ich sie wieder in Stilleben, die mir helfen zu sehen, wie irgendetwas seine Form gefunden hat, aber auch in Werkzeugen des Alltags, in Literatur und in Musikstücken. Ich danke Ihnen fürs Zuhören.

Diözesanmuseum Kolumba, Köln, Deutschland. Im Bau

Wege zur Architektur 1 Herausgeber FSB Franz Schneider Brakel GmbH + Co

© Peter Zumthor, Haldenstein (Text) © Literaturbüro Ostwestfalen-Lippe, Detmold (für diese Ausgabe)
Fotonachweise siehe Marginalien Die Aufnahmen der Architekturmodelle stellte das Atel ier Zumthor zur Verfügung Buchgestaltung, Satz und Herstellung: Ernst-Reinhardt Ehlert Gesetzt aus der Trade Gothic und Traffic. Druck: Druckerei Bösmann GmbH, Detmold. Einband: Bödiger Buchbinderei GmbH, Langenhagen Einmaliger limitierter Privatdruck von Franz Schneider Brakel GmbH + Co Dezember 2004