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Presented by www.passport-collector.com – Tom Topol, collector & editor – 28.

Oct 2013



Report about Celebrity Passports in the
German View Magazine, November 2013
including interview with me and reference to
my website.



Egal wie berühmt er auch ist: Jeder PROMINENTE braucht einen PASS. Und der verrät nicht selten manches Geheimnis über seinen Besitzer
HÖCHSTPER SÖNLICH
TEXT DANIEL RAMM
Einen Pass zu besitzen kann
ein Triumph sein. Für Nelson
Mandela ist es ein persön-
licher Sieg über das südafrika-
nische Apartheidsregime, als
er nach 27 Jahren Haft wieder
einen Ausweis ausgestellt
bekommt. Ein Teil der faden-
scheinigen Begründung bei
seiner Verhaftung 1962 lautete
ausgerechnet: Der Freiheits-
kämpfer reise ohne einen
gültigen Ausweis. Diesen 1991
ausgestellten Pass des späteren
Präsidenten Südafrikas dürfte
dann wohl niemand mehr
beanstandet haben.
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MANDELA
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Gut, dass es Pässe gibt. Wie
könnte man sonst wissen, wie
der komplette Künstlername
von Reginald Kenneth Dwight
lautet: Elton Hercules John.
Der 1947 geborene Musiker
wählte diesen Namen 1967 als
Hommage an den Bluessänger
Long John Baldry und den
Saxofonisten Elton Dean.
Der Zusatz Hercules zeugt von
seinem britischen Humor:
Denn so hieß auch das Pferd
in seiner Lieblingsfernsehserie
„Steptoe and Son“.
ELTON JOHN
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Pass 4899303 aus dem Jahr
1954 behauptet, der Film-
regisseur Alfred Hitchcock aus
Leytonstone habe „keine
besonderen Kennzeichen“.
Das ist wohl nur richtig, wenn
man seine gewichtige Gesamt-
erscheinung außer Acht lässt.
Zu dieser Zeit ist der 55-Jäh-
rige längst weltbekannt, auch
durch zahllose Mini-Auftritte
in seinen Filmen. Zudem
benutzt der Regisseur seit
1927 ein stilisiertes Selbstpor-
trät als sein Markenzeichen.
ALFRED
HITCHCOCK
REGISSEUR
Als dieser Pass 1979 ausgestellt
wird, hat Whitney Houston
allen Grund, hoffnungsvoll
in die Zukunft zu blicken.
Die 16-Jährige ist gerade zum
ers ten Mal in einem Ton-
studio gewesen, um bei Chaka
Khans „I’m Every Woman“
im Background zu singen.
Ein reisestempel aus Japan
und Jamaica auf den weiteren
Seiten des Passes zeugen von
ihrer beginnenden Model-
Karriere. 33 Jahre später stirbt
sie an Drogen.
WHITNEY
HOUSTON
SÄNGERIN
In ihrem Ausweis finden sich
drei Worte, die an eine große
Liebe erinnern: Norma Jeane
DiMaggio. Marilyn Monroe
hat nicht nur mit ihrem Künst-
lernamen, sondern auch mit
ihren echten Vornamen
und dem Nachnamen ihres
damaligen Mannes Joe
DiMaggio unterschrieben.
Die Ehe hielt 1954 zwar
nur kurz, doch der Base-
ball-Star liebte die Schau-
spielerin bis zu ihrem
Tod 1962. Er übernahm
sogar die Kosten der
Beerdigung. Andere
wichtige Männer
in Monroes Leben,
wie John F. Kennedy,
kamen nicht einmal.
MARILYN MONROE
SCHAUSPIELERIN
Dieser Pass hat schon für viel
Ärger gesorgt, einfach weil
seine Besitzerin ihn vergessen
hat. Aus einem Club in Las
Vegas wurde Paris Hilton
bereits rausgeworfen, weil sie
sich nicht ausweisen konnte.
Ein anderes Mal versuchte sie,
in L. A. ohne Pass ein Flugzeug
zu besteigen, was für Tumulte
sorgte. 2007 wurde die damals
26-Jährige dann von der
Polizei verhaftet, weil sie ohne
gültigen Führerschein Auto
gefahren ist. Der war zuvor
wegen Trunkenheit am Steuer
einkassiert worden. Die Folge:
45 Tage Haft. Kein Ausweis von
Intelligenz.
PARIS HILTON
PARTY-GIRL
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VIEW REPORTAGE 82
Schneidig sieht er auf seinem
Passbild aus, der 26 Jahre alte,
berühmte Norweger Willy
Brandt. Der spätere deutsche
Bundeskanzler besaß tatsäch-
lich von 1940 an für acht Jahre
die norwegische Staatsbürger-
schaft. Die deutsche war ihm
vom Naziregime aberkannt
worden, nachdem der Sozial-
demokrat 1933 nach Norwe-
gen geflüchtet war. Dort lebte
und arbeitete er unter seinem
Geburtsnamen Herbert Ernst
Karl Frahm als Journalist.
1940 ging Brandt nach Stock-
holm, wo ihm die norwegische
Botschaft diesen Pass ausstell-
te. Erst 1948 wurde er wieder
Deutscher – als Willy Brandt,
einem seiner Decknamen aus
den Jahren des Widerstands.
WILLY BRANDT
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Für einen Schwergewichtsboxer hat Muhammad Ali eine überraschend
feine Unterschrift, fast weiblich. Ganz anders wirkt sein Passbild: Die
Präsenz des Champions schlägt einem entgegen wie eine rechte Gerade,
trotz des süffisanten Lächelns. Zum Lachen hatte der 32-jährige Ali
zum Zeitpunkt der Passausstellung im Juni 1974 allen Grund: Der
Kampf gegen George Foreman war für den Herbst in Kinshasa im
Kongo angesetzt. Der „Rumble in the Jungle“ sollte Alis größter Erfolg
werden. Auf dem Passbild scheint er bereits eine Vorahnung zu haben.
MUHAMMAD ALI, BOXER
Ohne die dunkel umrandeten Augen und das verschmierte Make-up
ist der Vater aller Schockrocker kaum zu erkennen. Alice Cooper erin-
nert auf seinem Passbild eher an einen Schulbusfahrer. Der Sohn eines
Predigers aus Michigan behielt von seinem ursprünglichen Namen
Vincent Damon Furnier lediglich den zweiten Vornamen, als er sich
1974 in Alice Cooper umbenannte. Wahrscheinlich gefiel ihm die
Nähe zum Wort „Demon“ („Dämon“), denn teuflisch ging es bei den
Bühnenshows seiner Band in den Siebzigern oft zu.
ALICE COOPER, MUSIKER
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bei den strengen Normen, die heute für
Passbilder gelten, nicht mehr möglich.
Gibt es auch Promi-Pässe mit schrägen
Bildern?
Na ja, das Foto von Elton John mit Son-
nenbrille finde ich schon ziemlich cool.
Pässe von berühmten Deutschen findet
man bei Ihnen aber eher selten.
Sie haben recht. Die sind in der Sammler-
Szene tatsächlich nur wenig verbreitet. Ich
kann mich lediglich an Erich Kästner und
Helga Feddersen erinnern. Aber ernst-
hafte Sammler wie ich suchen ohnehin
eher nach historischen Reisedokumenten.
Welches Exemplar Ihrer Sammlung liegt
Ihnen besonders am Herzen?
Den ersten Pass habe ich 2005 auf einem
Flohmarkt in Kyoto gekauft – mit einem
wunderschönen Passbild von einer Frau in
Kimono. Den halte ich bis heute in Ehren.
Und welcher ist der Wichtigste?
Historisch gesehen ist es sicher der Pass
von Ernst Munziger, einem Widerstands-
kämpfer im Dritten Reich. So ein Ausweis
ist deutsche Zeitgeschichte. Den hätte je-
des Museum gern in seinem Bestand.
Ist es teuer, Pässe zu sammeln?
Für die Pässe von Prominenten werden
zum Teil schon immense Summen ver-
langt. So brachte Marilyn Monroes Pass
2006 bei einer Versteigerung 115 000 Dol-
lar, umgerechnet rund 85 000 Euro.
Und jetzt mal ehrlich, Herr Topol, mögen
Sie sich selbst auf Ihrem Passbild?
Mein Passbild sieht recht ordentlich
aus. Ich würde aber gern einen lustigen
Schnappschuss für meinen Reisepass ver-
wenden dürfen. Einfach nur, um Grenz-
beamte zum Lachen zu bringen.
M
al hat Tom Topol ein kost-
bares Stück auf einem
Flohmarkt in Japan ent-
deckt, mal mit einem an-
deren Sammler getauscht
oder den Ausweis einfach
auf Ebay ersteigert. Inzwischen besteht die
Sammmlung des Schweizers aus 500 Päs-
sen. Und um sein Hobby bekannter zu
machen, hat der 50-Jährige sogar eine ei-
gene Website eingerichtet.
FRAGE: Wie kommt man auf die
Idee, Pässe zu sammeln?
ANTWORT: Mich fasziniert,
dass solche Papiere mit all den Visa- und
Grenzstempeln persönliche Geschichten
über ihren Besitzer erzählen. Zudem freue
ich mich immer über ungewöhnliche Pass-
bilder. Einer meiner Ausweise stammt von
1921 aus Bremen: Das Bild zeigt die Besit-
zerin beim Gitarrespielen. So etwas wäre
Mehr über
Tom Topol und seine
Leidenschaft für
Pässe finden Sie
auf www.passport-
collector.com
Noch hat er keinen Pilzkopf. In seinem Pass von Anfang der 60er-Jahre
trägt John Lennon noch Tolle. Mit diesem Ausweis reiste er auch nach
Hamburg, wo die Weltkarriere der Beatles begann. Für einen anderen
Pass kämpfte Lennon vergeblich. Nachdem er 1971 nach New York
gezogen war, beantragte er die US-Staatsbürgerschaft. Doch die hat die
Nixon-Regierung dem Idol der Protestbewegung jahrelang ver wei gert.
1976 bekam er zumindest eine Greencard, der Pass sollte 1981 folgen.
Lennon erlebte es nicht mehr, er wurde 1980 in New York erschossen.
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