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Geschichte Der Liturgie

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– Rom als Ort der Gräber der Apostel Petrus und Paulus und als Sitz des Papstes
hatte in der frühen Kirche unbestreitbar den ersten Rang unter den Kirchen der
damaligen Christenheit inne. Doch Rom hatte im 4. und 5. Jh. aufgrund der
Völkerwanderung viel zu leiden. Aus Rom selbst gibt es für diese Jahrhunderte nur
wenige Zeugnisse über die Liturgie, nur einen wichtigen Kalender („Depositio
martyrum“ und einige Hinweise in Briefen [bes. von Papst Innozenz I. † 417] und
Predigten [bes. von Papst Leo I. † 461].
Viel zahlreichere Informationen stammen aus anderen Städten des Abendlandes, vor
allem aus Mailand, wo der hl. Bischof Ambrosius wirkte und aus Hippo. Wo der hl.
Bischof Augustinus tätig war.
– Besonders zu erwähnen ist zunächst der hl. Ambrosius († 397), der in Mailand als
Bischof wirkte. Von ihm sind zwei katechetische Werke über die christliche
Initiationsfeier erhalten („De sacramentis“: Mitschrift von Taufkatechese; „De
mysteriis“: literarische Taufkatechese). Es war eine bevorzugte Aufgabe des
Bischofs, den Taufbewerbern Katechesen zu halten, bzw. den Neophyten
(„Neugeborenen“, Neugetauften) noch weitere „Mystagogische Katechesen“
(Katechesen, um in die hl. Mysterien einzuführen) zu halten.
+ Der hl. Ambrosius hebt in seinen Katechesen hervor, dass die Kirche in Mailand
die Ordnung der Kirche von Rom befolgt (vgl. AMBROSIUS, De sacramentis 3,5).
+ Der hl. Ambrosius hebt die Verwandlung der Gaben bei der Konsekration hervor.
Diese Worte des hl. Ambrosius sind von höchster Bedeutung für die ganze
nachfolgende christliche Tradition.

Ambrosius über die Eucharistie: Sobald die Konsekration erfolgt ist, wird aus dem Brot das Fleisch Christi. Wir
wollen nun durch Beweise stützen, wie das, was Brot ist, der Leib Christi sein kann. Durch welche Worte
geschieht denn die Konsekration, und wessen Worte sind es? Die des Herrn Jesus. Denn alles andere, was
vorher gesagt wird, wird vom Bischof gesprochen: Gott wird Lobpreis dargebracht, es wird ein Gebet verrichtet,
es werden Bitten für das Volk, für die Herrscher und für die übrigen vorgetragen. Sobald der Augenblick naht, das

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verehrungswürdige Sakrament zu vollziehen, verwendet der Bischof nicht mehr seine eigenen Worte, sondern
verwendet Worte Christi. Also bewirkt das Wort Christi dieses Sakrament.
(AMBROSIUS, De sacramentis 4,14, in: FC 3, 143).

Der hl. Ambrosius ist der erste Zeuge des römischen Messkanons, wenn er auch nur
Teile davon zitiert, allerdings die zentralen Teile.

Ambrosius über das Eucharistische Hochgebet (ältester Hinweis auf den Römischen Kanon!):

1 Willst du wissen, wie durch die himmlischen Worte die Konsekration bewirkt wird?
2 Höre, welche Worte es sind! Der Bischof spricht:
3 „Mache uns dieses Opfer zu einem festgeschriebenen, geistigen und wohlgefälligen,
4 das die Bild(wirklichkeit) des Leibes und Blutes unseres Herrn Jesus Christus ist.
5 Am Tag vor seinem Leiden nahm er das Brot in seine heiligen Hände,
6 blickte zum Himmel, zu dir, heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott,
7 segnete es, indem er die Danksagung sprach,
8 brach es und reichte das Gebrochene seinen Aposteln und Jüngern mit den Worten:
9 Nehmt und esst alle davon; denn das ist mein Leib, der für viele zerbrochen wird.“
10 Gib acht!
11 „Ebenso nahm er am Tag vor seinem Leiden nach dem Mahl den Kelch,
12 blickte zum Himmel, zu dir, heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott,
13 segnete ihn, indem er die Danksagung sprach,
14 und reichte ihn seinen Aposteln und Jüngern mit den Worten:
15 nehmt und trinkt alle daraus; denn das ist mein Blut.“ …
16 Erkenne ferner, welch große Bedeutung dieses Sakrament besitzt! Betrachte, was er sagt:
17 „Sooft ihr dies tut, gedenkt meiner, bis ich wiederkomme“ (vgl. 1 Kor 11,25f).
18 und der Bischof spricht:
19 „Daher begehen wir denn das Gedächtnis seines glorreichen Leidens,
20 seiner Auferstehung von den Toten und seiner Himmelfahrt
21 und bringen dir diese makellose Opfergabe, diese geistige Opfergabe, diese unblutige Opfergabe,
22 dieses heilige Brot und den Kelch des ewigen Lebens dar.
23 Wir bitten und flehen:
24 Nimm das Opfer durch die Hände deiner Engel auf deinen himmlischen Altar empor,
25 wie du die Gaben deines gerechten Dieners Abel, das Opfer unseres Patriarchen Abraham
26 und das Opfer, das dein Hoherpriester Melchisedek dir dargebracht hat, gnädig angenommen hast.“
(AMBROSIUS, De sacramentis 4,21f.26f, in: FC 3, 149.153).

Einleitungsdialog: nicht zitiert
Danksagung: nicht zitiert
Sanctus: nicht zitiert
Epiklese über die Gaben: Z. 3-4
Einsetzungsbericht: Z. 5-9 und Z. 11-15 (der Einsetzungsbericht wird mit
speziellen Elementen der Ehrfurcht formuliert)
Anamnese: Z. 19-20
Darbringungsgebet: Z. 21-22
– Bitte um die Annahme des Opfers (ein Spezifikum des römischen Messkanons): Z.
23-26
Epiklese über die (Gottesdienst-)Gemeinde: nicht zitiert
Lobpreis an die Dreifaltigkeit: nicht zitiert
Fürbitten: nicht zitiert
Amen: nicht zitiert

Aus den Katechesen des hl. Ambrosius wird der Ablauf des Katechumenats und der
Initiationsfeier erkennbar:

a) Katechumenat
– Nomendatio
(nomen dare): ein Begriff aus der Militärsprache: Anmeldung zum
Kriegsdienst; Anmeldung zum Katechumenat: zwischen Epiphanie und Beginn der
Fastenzeit
– Sündenbekenntnis: bald nach der Anmeldung

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– Buße: während der Fastenzeit, mit Gebet und Fasten (an fünf Tagen pro Woche
nur einmal, nämlich abends essen)
– Katechese über Glaubens- und Sittenlehre (vor allem über die Erlösung durch
das Kreuzesopfer Jesu)
– Skrutinien: mit Prüfungsexorzismen
– Traditio symboli: Übergabe des Glaubensbekenntnis: am Sonntag vor Ostern
– Redditio symboli: Prüfung des Glaubensbekenntnisses: wenige Tage vor Ostern
b) Initiationsfeier in der Osternacht
– Effata-Ritus
(bei Ambrosius erstmals erwähnt)
– Taufwasserweihe
– Präbaptismale Salbung
(des ganzen Körpers; zum Kampf gegen den Satan)
– Absage vom Satan
– Taufe durch dreimaliges Untertauchen und nach dreifachem Bekenntnis
– Durchzug der Getauften durch den Taufbrunnen
: Erinnerung an den Durchzug
durch das Schilfmeer
– Salbung des Hauptes: symbolisiert die Beschenkung mit Gnade
– Lesung aus Joh 13
– Fußwaschung
– Überreichung des weißen Kleides
– Besiegelung durch den Hl. Geist
– Eucharistie

Aus der Zeit des hl. Ambrosius ist ein berühmter Vorfall um eine öffentliche
Kirchenbuße bekannt:
Eine durch Zirkusleidenschaft erregte Menge in Thessalonike ermordeten im Jahre
390 einen unbeliebten kaiserlichen Militärbefehlshaber. Kaiser Theodosius († 395),
der praktizierender Christ war und oft in Mailand residierte, befahl im Zorn, die
Bevölkerung von Thessalonike in das Stadion zu locken und niederzumetzeln. Der
Kaiser nahm diese Anordnung bald zurück, aber die Gegenorder kam zu spät. Es
kam zu einem furchtbaren Blutbad. Für dieses schwere Vergehen verlangte Bischof
Ambrosius die öffentliche Kirchenbuße. Er verließ Mailand und erklärte Theodosius
brieflich, er werde seiner Bischofsstadt solange fernbleiben, bis Theodosius die Buße
annehme. Theodosius sah sein Unrecht ein und erschien eine Zeitlang ohne
kaiserliche Insignien als Büßer in der Kirche, ehe er nach dem öffentlichen
Schuldbekenntnis vor der Gemeinde (wahrscheinlich zu Weihnachten 390) wieder
mit der Kirche versöhnt und zum Empfang der Sakramente zugelassen wurde.
(vgl. EWIG, Kirchengeschichte 2/1, 90).

Auch von Augustinus gibt es viele Hinweise auf die Liturgie.
(vgl. MAZZA, E., La mistagogia. Le catechesi liturgiche della fine del quarto secolo e
il loro metodo, Bibliotheca „Ephemerides Liturgicae“. „Subsidia“ 46, Roma 2

1996,

171-192).

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