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Einfuhrung in Das Heil Symestrum Teil 1 Bis 4

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a. Die Herkünftigkeit aus Israel

Gerade heute wird man sich bewusst, dass die Kirche in ihrer Konsistenz sehr viel paral-
lel bzw. gemeinsam hat mit Israel. Man denke an das national-patriotische, das die jüdi-
sche Religion heute auszeichnet; man denke, dass dies auch ein Zeichen der übernationa-
len Kirche ist, die auch mit Stolz auf ihre Existenz verweist. So wie Israel sich als Heils-
zeichen Gottes in der Zeit versteht, so auch die Kirche. Durch seine bloße Existenz be-
zeugt Israel das Heilshandeln Gottes; so auch die Kirche. Deshalb hat die Kirche immer
sich als „verus Israel” verstanden, als das „wahre Israel”. Und theologisch ist das eine der
kniffeligsten, weil auch politischsten Fragen, die es überhaupt gibt (siehe Röm 9-11).

In folgenden Dimensionen ist Israel Vorbild für die Kirche, Präfiguration:

Karl J. Wallner, EH – auf 4 Semester verteilt – ab WS 2004/05

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• Israel ist GOTTES EIGENTUM. Es ist erst durch Gott überhaupt als Volk konstituiert
worden (Dtn 4,37), also ist es Sein Volk, Gottes Volk. Das ist mitgemeint, wenn es als
„heiliges Volk” im Gegenüber zu den anderen Völkern verstanden wird. Die Schrift be-
zeichnet Israel immer wieder als Gottes Eigentum, seinen Besitz (Ex 19,5; Dtn 7,6). Wei-
tere Ausdrucksformen: Eigentum, Anteil, Besitz, Erbteil (araboon), also eine Art Darle-
hen, das Gott schon vor seiner endgültigen Selbstoffenbarung den Menschen gegeben
hat.

• Israel ist GOTTES BUNDESPARTNER. Zentral ist der Satz in Ex 6,7: „Ich will ihr
Gott sein, und sie sollen mein Volk sein!” Berühmt auch Jes 5, wo Israel als Gottes
Pflanzung und Weinberg beschrieben wird; als Herde in Ps 95; Jer 23 usw.

• Israel ist GOTTES HEILIGTUM. Auch hierfür gibt es in der Schrift eine Reihe von
Bildworten. Gott wohnt inmitten seines Volkes. Realsymbol dafür ist der Tempel, in dem
Gott gegenwärtig ist auf dem Zionsberg. Der Begriff „Zion” wird so zum Begriff für die
Theopräsenz in Israel. Hier auf dem Zion und in Jerusalem, der Heiligen Stadt, erweist
sich Gott als der Immanuel (Jes 7,14), der „gott mit uns”. Von hier geht sein Schalom
aus. (kultisch durch die Zurufe der Priester an das zum Kult versammelte Volk: Schalom
aleikem).

Satz 88: Die Kirche wurde durch den Vater schon vor Christus in Gestalt des
Bundesvolkes Israel vorbereitet.

b. Die Gründung durch Christus

Der fundamentalste Glaubenssatz betreffend die Kirche lautet, dass sie durch Jesus Chris-
tus gegründet worden ist. Dies haben die Reformatoren, die Modernisten usw. bestritten
(Antimodernisteneid nimmt heftig dagegen Stellung) u. v. a. m. Berüchtigt ist der Satz
von Alfred Loisy „Jesus hat das Reich Gottes verkündigt, gekommen ist die Kirche”, den
er durchaus im Sinn einer positiven Entfaltung gemeint hat. Wird ganz anders verstan-
den, Kirche als Depravation des Ursprünglichen.

(Jeder nimmt sich heraus, heute zu wissen, was Jesus wirklich gewollt hat! - Nur die
Kirche nicht. Und wenn man das Evangelium zitiert, dann wird das als zeitbedingt
abgetan. - Die Kriterien der Authentizität liegen also nicht im Objektiven, sondern in
der Subjektivität. Immer ein Zeichen dafür, dass es sich nicht um den Heiligen Geist
handelt, denn der ist der Geist Christi, er erinnert an das, was Christus gesagt hat (Joh
14,26). Der Zeitgeist redet aus sich selbst heraus, nicht aber der Geist Christi: Er wird
sagen, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird. Er wird Christi Wort
nicht bloßstellen, sondern es nehmen und uns verkündigen (Joh 16,13-15).

Dass die Kirche von Christus gegründet bzw. überhaupt gewollt worden sei, wird auch
von all den exegetischen Strömungen bestritten, die behaupten, Christus habe nicht ein-
mal über seinen eigenen Tod und sein stellvertretendes Sühneleiden gewußt. Erst die

Karl J. Wallner, EH – auf 4 Semester verteilt – ab WS 2004/05

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Jüngergemeinde habe in nachösterlichen Phantasien dies rückprojeziert und sich dabei
selbst im Sinn einer religionsproduktiven Genossenschaft erfunden, damit die Sache Jesu
weitergeht. In dieser Sicht muss natürlich das wegfallen, was für die katholische Ekklesi-
ologie so typisch ist: nämlich die Identifizierung zwischen Kirche und dem im Pneuma
weiterlebenden Christus. Man beachte deshalb auch die begriffliche Trennung zwischen
Jesus und „seiner Sache”. (Jesus ist nicht identisch mit seiner Sache; aber er hat eine Sa-
che - je nach Belieben: gegen Walfang, für Robbenbabies, aber auch: für die imperialisti-
schen Bestrebungen des dt. Reiches wie das von Harnack unterschriebene Manifest von
1914 zeigt usw.)

Heute ist aber in der kath. Theologie unbestritten, dass Christus zu lebzeiten „kirchenstif-
tende” Akte gesetzt hat, auch wenn die Art und weise derselben unterschiedlich bestimmt
werden. Christus hat also seine Kirche direkt gegründet, indem er schon vorösterlich A-
postel und Jüngerinnen und Jünger um sich gesammelt hat; diese Jüngergemeinschaft
wird durch Ostern neu konstituiert als Gemeinschaft des Bekenntnisses und des Zeugnis-
ses für das Paschamysterium. Zentral in dieser so beabsichtigten Gemeinschaft, die Pau-
lus schon 1 Kor 15,9 „ekklesia tou theou” nennt („Ecclesia Dei”) ist das Zeugnis des Pet-
rus-Kephas (Mk 1,16; 3,16; Mt 4,18; Joh 1,42) und der „Zwölf” (dodeka). Darüberhi-
naus nennt Petrus bei der Matthias-Wahl noch die „Männer, die die ganze Zeit mit uns
zusammen waren, als Jesus, der Herr, bei uns ein und aus ging, angefangen von der Taufe
durch Johannes bis zu dem Tag, an dem er von uns ging.und in den Himmel aufgenom-
men wurde.” (Apg 1,21)

Petrus ist eindeutig Erstzeuge der Auferstehung (1 Kor 15,5; Lk 24,34). Er wird schon
durch sein Bekenntnis zu Christus, dem „Sohn des Lebendigen Gottes” (Mt 16,18) zum
„Felsen”, auf der Christus seine Kirche bauen wird. Man beachte hier die „futurische
Formulierung” der Kirchenstiftung. Dies zeigt die Absicht Christi, zumindest aber die
Absicht des redigierenden Evangelisten, die vorösterliche Jüngergemeinschaft als Keim-
zelle der nachösterlich entstehenden Kirche aufzuweisen.

Jedenfalls ist das das Selbstverständnis der Kirche: von Christus selbst gewollt und ge-
gründet zu sein; nicht Menschenwerk, sondern Gotteswerk zu sein. So auch der Gedanke
des 2. Vatikanums, wo die Kirchenkonstitution mit Christus beginnt: „Lumen gentium
cum sit Christus” Und die Kirche möchte dieses Licht allen verkünden, da es sich „auf
dem Antlitz der Kirche widerspiegelt” (LG 1).

Satz 89: Die Kirche wurde in der Zeit durch den menschgewordenen Sohn ge-
gründet.

c. Die Gemeinschaft im Heiligen Geist

Die Kirche ist nach der Struktur der Symbola Kreatur des Heiligen Geistes, sein erstes
Werk. Dies kommt in den Theologien der Evangelisten auf unterschiedliche Weise zum

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Ausdruck, die verschiedene Formen wählen, um die pneumatische Dimension der Kirche
darzustellen:

Bei Johannes 19: Alles läuft in Joh auf die „Stunde” zu, diese ist die Erhöhung Christi
am Kreuz. Die johanneische Theologie entspricht den romanischen Kreuzesdarstellun-
gen: Hinrichtung und Auferstehung werden wie zwei Dias ineinander optisch überlagert.
D. h. der Gekreuzigte ist der Erhöhte, der Erhöhte ist der Auferstandene, der Herr, auf
den alle schauen werden. Deshalb ist die Kreuzigungsperikope so gestaltet, als handelte
es sich um die Akte eines Königs von seinem Thron aus: hier gibt er sein Testament an
Maria und den Jünger den er liebte. Diese Gestalten sind, wie die Kirchenväter seit Ori-
genes unablässig betont haben, typologisch zu lesen. (aber nicht nur). Freilich schwanken
die Interpretationen, sind sicher polyvalent: Maria ist das neue Israel, also die Kirche, die
Glaubende; Johannes ist der der mit Maria auch den Glauben übernimmt (so Ignace de la
Potterie). Balthasar: Maria ist die Vollglaubende, in Joh ist das kirchliche Amt repräsen-
tiert. Beide sind einander zugeordnet, wie die Gemeinde (rezeptiv-weiblich) und das
Priestertum (einstiftend-männlich).

Auf jeden Fall wird bei Joh am Kreuz alles geordnet. Und dann natürlich auch nicht bei-
läufig eine dreifache Gabe der Welt hinterlassen: 1. ) der Geist: exepneusan (19,3o) und
2.) Blut und 3.) Wasser (Joh 19,34). Im 1 Joh 5,7 heißt es: „Drei sind es, die Zeugnis ab-
legen: der Geist, das Wasser und das Blut; und diese drei sind eins.” — Der Geist ist es,
der vom Kreuz weg schon eingestiftet wird, der die Glaubenden entzündet. Deshalb er-
folgt die erste Bekehrung bei Joh unter dem Kreuz (Soldat Joh 19,35).

Die lukanische Konzeption ist anders, aber mit denselben Elementen: Dort ist die Kreu-
zigung eher realistischer und historischer verstanden als das Ruhen des Gerechten, nicht
als das johanneische Trara, wo sich schon die ganze Kirchengründung ereignet. Aber der
Geist fällt nicht aus. Mit Sturmbraus wird er der Kirche 50 Tage nach der Auferstehung
geschenkt, und daraus erblüht sie zum Leben.

Die Kirche versteht sich somit insgesamt als pneumatische Gemeinschaft, besser: als
pneumatisches Ereignis von Gemeinschaft durch die Geschichte hindurch. Ohne Geist
Gottes geht in der Kirche nichts, denn ohne Gottesgeist ist die Kirche nichts!

Satz 90: Die Kirche versteht ihr Wesen in ihren hierarchischen, charismati-
schen und sakramentalen Vollzüge als Wirken des Heiligen Geistes.

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