You are on page 1of 40

g))(17/,&+((,11$+0(1

81'$86*$%(1,16h'7,52/
-DKUH²
.RRUGLQDWLRQXQG3URMHNWOHLWXQJ
Oswald Lechner

$XWRUHQ
Georg Lun
Oswald Lechner

:LVVHQVFKDIWOLFKH%HUDWXQJ
Gottfried Tappeiner

6DFKEHDUEHLWHU
Carmen Delmonego
Peter Prinoth

8QWHUVWW]WGXUFKGDV:,)27HDP
Maria Cristina Bagante, Alberta Mahlknecht, Barbara Moroder, Luciano Partacini,
Stefano Perini, Urban Perkmann, Sieglinde Stüger, Helmut Untermarzoner

Herausgeber: Handels-, Industrie-, Handwerks- und Landwirtschaftskammer Bozen
Redaktion: Handels-, Industrie-, Handwerks- und Landwirtschaftskammer Bozen
Südtiroler Straße 60, 39100 Bozen
Verantwortlicher Direktor: Dr. Josef Rottensteiner
Zugelassen beim Landesgericht mit Dekret Nr. 3/99
Veröffentlicht im Oktober 2009
Nachdruck und sonstige Verbreitung – auch auszugsweise –
nur unter Angabe der Quelle (Herausgeber und Titel) gestattet.

Für Erläuterungen und Informationen:

I-39100 Bozen, Südtiroler Straße 60
Tel. 0471 945708, Fax 0471 945712
www.handelskammer.bz.it/wifo
E-Mail: wifo@handelskammer.bz.it
6GWLUROLVW1HWWR]DKOHU

Die Verfügbarkeit von mittlerweile sehr detaillierten Informatio-
nen des Ministeriums für die wirtschaftliche Entwicklung machte
es möglich, die lokalen Einnahmen und Ausgaben aller öffent-
lichen Institutionen nach Regionen und autonomen Provinzen
aufzuschlüsseln. Es ist dies eine äußerst wichtige und neutrale
Quelle und gleichzeitig Grundlage für die eben begonnenen Fö-
deralismusverhandlungen. Die Ausarbeitungen in der vorliegen-
den Studie bauen auf diese Daten auf. Dabei beschränken sich On. Dr. Michl Ebner
die Analysen nicht nur darauf, den Saldo zwischen Einnahmen Präsident der
und Ausgaben zu berechnen, vielmehr werden Einnahmen und Handelskammer Bozen
Ausgaben vertieft, erklärt und mit jenen in den anderen Regio-
nen und autonomen Provinzen verglichen.
Für Südtirol ergeben sich zwei markante Ergebnisse:
Zum einen ist der sogenannte Primärsaldo zwischen Einnah-
men und Ausgaben im Jahre 2007 und im Schnitt der letzten
12 Jahre (so weit reicht die Verfügbarkeit der Informationen
zurück) positiv. Dabei ist bei den Ausgaben berücksichtigt,
dass sich Südtirol im Ausmaß des Bevölkerungsanteils auch an
den zentralen Aufgaben des Staates (Verteidigung, öffentliche
Sicherheit, Verwaltungsausgaben für Ministerien, Kammer und
Senat usw.) beteiligt.
Zum zweiten ist Südtirol eine Besonderheit: Südtirol hat wegen
der großen Wirtschaftskraft zwar überdurchschnittlich viele Ein-
nahmen, aber auch der Ausgabenbedarf ist überdurchschnitt-
lich hoch. Als Beispiel können die im Vergleich zu den anderen
Regionen und autonomen Provinzen hohen Ausgaben für die
Schulbildung angeführt werden: Folgende Faktoren erklären die
besonderen Bedürfnisse Südtirols: Das dreisprachige Schul-
system, die weit verstreut lebende Bevölkerung und damit auch
die große Anzahl notwendiger Schulstrukturen sowie der hohe
Anteil an Jugendlichen.
Der Handelskammer ist diese Studie sehr wichtig, weil sich diese
nicht nur Sektoren übergreifend für die gesamte Wirtschaft
einsetzt, sondern ihr auch das langfristige Wohlergehen der
Südtiroler Bevölkerung ein großes Anliegen ist.
Die Analyse hat ihr Ziel erreicht, wenn sie zu einer Versach-
lichung der Diskussion in Südtirol selbst und auf nationaler
Ebene beizutragen vermag.
g))(17/,&+((,11$+0(1
81'$86*$%(1,16h'7,52/
-DKUH²

Abstrakt

Die öffentlichen Institutionen haben in Südtirol dank der großen Wirtschafts-
kraft und guten Beschäftigungssituation überdurchschnittlich hohe Ein-
nahmen. Andererseits sind auch die Ausgaben überdurchschnittlich hoch,
was in vielen Fällen auf die besondere Situation Südtirols zurückzuführen
ist. Der Blick auf die letzten 12 Jahre zeigt, dass der Saldo aus Einnahmen
und Ausgaben zwischen positiven und negativen Ergebnissen schwankt. Für
das Jahr 2007 ergibt sich ein positiver Primärsaldo von 411 Mio. Euro, was
gerademal 5% der gesamten Einnahmen aller öffentlichen Institutionen von
7,9 Mrd. Euro ausmacht. Aber auch im Schnitt der Jahr 1996 bis 2007 ergibt
sich ein leicht positiver Saldo von 120 Mio. Euro, womit sich Südtirol unter
den italienischen Regionen und autonomen Provinzen bei den Nettozahlern
einreiht. Inwieweit sich Südtirol trotzdem an den Zinsschulden (für das Jahr
2007 würde der Anteil Südtirols gemessen am Ausmaß der Bevölkerung rund
600 Mio. Euro ausmachen, wobei mit den sinkenden Zinssätzen dieser Betrag
entsprechend abnehmen würde) und an einem Solidaritätsausgleich beteili-
gen müsste (etwa durch die Übernahme weiterer Kompetenzen), ist eine poli-
tische Frage und nicht Thema dieser Analysen.

.XU]IDVVXQJ

=LHOXQG,QKDOW
Die Studie erfasst alle Einnahmen und Ausgaben aller öffentlichen Institutionen
(Provinz, Gemeinden, Staat, NISF, Handelskammer usw.) in Südtirol. Neben dem
sogenannten Primärsaldo, welcher sich aus den Einnahmen abzüglich der Aus-
gaben ergibt, erklärt die Studie aber auch die im Vergleich zum nationalen Durch-
schnitt höheren Einnahmen und Ausgaben in Südtirol. Worauf die Studie nicht ein-
geht, ist ein Vergleich der Effizienz der öffentlichen Verwaltungen in den einzelnen
Regionen bzw. Provinzen.

'DWHQXQG0HWKRGLN
Die Berechnungen beruhen auf den öffentlich zugänglichen Daten des Ministeriums
für die wirtschaftliche Entwicklung. Das hat gleich mehrere Vorzüge: Die Informa-
tionen sind für alle Regionen und autonomen Provinzen nach derselben Methodik
verfügbar. Außerdem sind die Daten für 1996 bis 2007 vorhanden. Wichtigstes Kri-
terium der Zuordnung bei den Einnahmen ist der Ort, wo die Zahlung an eine öffent-
liche Institution erfolgt. Dementsprechend zählt bei den Ausgaben der Ort, wo eine
Leistung der öffentlichen Hand in Anspruch genommen wird. Die Ausgaben des

Öffentliche Einnahmen und Ausgaben in Südtirol 7
Staates für die sogenannten zentralen Dienste (Verteidigung, öffentliche Sicherheit,
Verwaltungsausgaben der zentralen Organe wie Ministerien, Kammer und Senat
usw.) werden Südtirol im Verhältnis zum Bevölkerungsanteil zugerechnet. Es gilt
das Kassaprinzip. Selbst Feinheiten, wie die richtige Zuordnung von Sanitätsleistun-
gen, welche Bürger einer Region in einer anderen Region in Anspruch genommen
haben, werden einberechnet. Wenn Firmen Niederlassungen mit Beschäftigten in
mehreren Regionen haben, wird dies bei den Sozialbeiträgen und Einkommens-
steuern ebenfalls berücksichtigt. Die Einnahmen und Ausgaben werden unabhän-
gig von den Finanzbestimmungen zugerechnet. Bei den Einnahmen aus der Ein-
kommenssteuer z.B. werden nicht 90% (wie laut Autonomiestatut) sondern 100%
Südtirol zugeteilt. Die in dieser Studie verwendeten Methoden haben sich schon
mehrfach bewährt. So folgen z.B. die Studie von Mailänder Universitätsprofesso-
ren (Ambrosanio M. F., Bordignon M., Cerniglia F. (2008): Constitutional reforms,
fiscal decentralization and regional fiscal flows in Italy) sowie jene der „Unioncamere
del Veneto“ in Zusammenarbeit
mit der Region Venetien (Respon-
sabilità e federalismo - settembre
2009) demselben Ansatz.

hEHUGXUFKVFKQLWWOLFKKRKH
(LQQDKPHQ
Die öffentlichen Institutionen in
Südtirol haben im Jahr 2007 ins-
gesamt 7,9 Mrd. bzw. 15.947 Euro
pro Kopf eingenommen. Dies ist
überdurchschnittlich viel, zumal der
nationale Durchschnitt bei 13.682
Euro pro Kopf liegt. Die wichtigsten
Einnahmequellen sind – und dies
gilt für alle Regionen und autono-
men Provinzen in gleicher Weise
– die indirekten Steuern (vor allem
die Mehrwertsteuer), die direkten
Steuern (vor allem die Einkom-
mensteuer) und die Sozialbeiträge
(vor allem jene für die Altersrente).
Bei allen wichtigen Einnahmequel-
len ist das Pro-Kopf-Aufkommen
in Südtirol höher als auf nationaler
Ebene, erklärbar durch die hohe
wirtschaftliche Leistungsfähigkeit
und die gute Beschäftigungssitua-
tion in Südtirol.

8 Öffentliche Einnahmen und Ausgaben in Südtirol
hEHUGXUFKVFKQLWWOLFKKRKH
$XVJDEHQ
Die öffentlichen Institutionen ha-
ben in Südtirol im Jahr 2007 ins-
gesamt 7,5 Mrd. bzw. 15.224 Euro
pro Kopf ausgegeben. Dies ist
überdurchschnittlich viel, zumal der
nationale Durchschnitt bei 12.052
Euro pro Kopf liegt. Die wichtigsten
Ausgabepositionen sind – und dies
gilt wieder für alle Regionen und
autonomen Provinzen in gleicher
Weise – jene für die Sozialfür- und
-vorsorge (vor allem jene für die Al-
ters-, Dienstalters-, Invaliden- und
Hinterbliebenenrenten), die Betei-
ligung an den zentralen Diensten
des Staates, die Gesundheitsaus-
gaben sowie die Ausgaben für die
Bildung. Auch hier gilt, dass mit
Ausnahme jener für die Sozialfür-
und -vorsorge (Südtirol hat einen
unterdurchschnittlichen Anteil an
Personen mit über 65 Jahren), in
Südtirol alle wichtigen Ausgabe-
positionen höher sind als jene auf
nationaler Ebene. Deutlich weni-
ger als im nationalen Durchschnitt
wird in Südtirol hingegen für die
Forschung ausgegeben. Die Pro-
Kopf-Ausgaben für die zentralen Dienste sind gleich hoch wie im nationalen Durch-
schnitt, da diese ja nach dem Bevölkerungsanteil der Regionen zugerechnet wurden.
Immerhin sind dies 2.700 Euro pro Kopf, bzw. in absoluten Beträgen 1,35 Milliarden
Euro für Südtirol im Jahre 2007, was 18% aller Ausgaben entspricht.
Für die vergleichsweise höheren Ausgaben in vielen Bereichen gibt es aufgrund der
Besonderheiten Südtirols auch objektive, wissenschaftliche Erklärungen:
Die höheren Ausgaben für die Schulbildung (in Südtirol 1.400 Euro pro Kopf, Italien-
weit 970 Euro pro Kopf) sind auf folgende Faktoren bzw. Südtiroler Besonderheiten
zurück zu führen: Die breite Streuung der Bevölkerung und damit der schulischen
Infrastrukturen, der höchste Anteil an Jugendlichen an der Bevölkerung, sowie ein
eigenes Schulsystem für alle 3 Sprachgruppen.
Ein wissenschaftlicher Erklärungsfaktor für die überdurchschnittlich hohen Gesund-
heitsausgaben (in Südtirol 2.000 Euro pro Kopf, Italienweit 1.600 Euro pro Kopf) ist

Öffentliche Einnahmen und Ausgaben in Südtirol 9
die überdurchschnittliche Präsenz von Touristen in Südtirol. Die hohe Qualität des
Gesundheitswesens kann mit dieser Analyse nicht als Erklärungsfaktor quantifiziert
werden.
Die überdurchschnittlich hohen Ausgaben für Sozialmaßnahmen (in Südtirol 800
Euro pro Kopf, Italienweit 600 Euro pro Kopf) lassen sich durch die vielen Initiativen
erklären (Hausfrauenrente, Familiengeld, Pflegegeld, usw.), die in Südtirol in die-
sem Bereich durchgeführt werden.
Die überdurchschnittlich hohen Ausgaben für das Straßennetz (in Südtirol 600 Euro
pro Kopf, Italienweit 300 Euro pro Kopf) werden erklärt: Durch die große Streuung
der Bevölkerung und die Mehraufwendungen für Bau und Instandhaltung wegen
des überdurchschnittlich hohen Anteils Südtirols an Bergbevölkerung.
Die überdurchschnittlich hohen Ausgaben für Kultur und Freizeit (in Südtirol 600
Euro pro Kopf, Italienweit 300 Euro pro Kopf) werden durch das hohe Wohlstands-
niveau in Südtirol und die Präsenz der drei Sprachgruppen erklärt.

'HU3ULPlUVDOGRLVWSRVLWLY²
6GWLUROLVW1HWWR]DKOHU
Die Gegenüberstellung der Ein-
nahmen und Ausgaben für das
Jahr 2007 ergibt für Südtirol einen
positiven Saldo von 411 Mio. Euro
(bzw. 833 Euro pro Kopf). Erstens
ist dieser Saldo verhältnismäßig
gering (5% der gesamten Ein-
nahmen). Zweitens schwankt der
Saldo: Seit 1996 gab es positive
und negative Salden (maximaler
Wert: 500 Mio. Euro, Minimum:
minus 320 Mio. Euro). Im Schnitt
der letzten 12 Jahre ergibt sich ein
mittlerer positiver Saldo von 120
Mio. bzw. von 240 Euro pro Kopf
(alles in Preisen von 2007). Süd-
tirol reiht sich damit in die Netto-
zahler neben Lombardei, Emilia
Romagna, Veneto, Latium, Pie-
mont, Toskana, Friaul Julisch Ve-
netien, Marken und Trentino ein.
Die Ergebnisse sind auch für die
anderen Regionen über die Jahre
hinweg betrachtet sehr stabil, eine
Ausnahme bilden lediglich das
Aostatal und die Region Latium.
Der Wert für Südtirol ist jenem des

10 Öffentliche Einnahmen und Ausgaben in Südtirol
Trentino sehr ähnlich, auch wenn sich das Trentino mit einem durchschnittlichen
Saldo von 6,5 Mio. Euro hinter Südtirol einreiht. Schließlich ergibt ein Vergleich
mit der oben zitierten Studie der „Unioncamere del Veneto“, welche für die Regi-
on Trentino-Südtirol einen durchschnittlichen positiven Saldo (2005-2007) von 408
Mio. Euro errechnet, eine Übereinstimmung mit unseren Ergebnissen: Der gleiche
Wert resultiert auch aus unseren Berechnungen für diesen Dreijahresschnitt.
Wie alle zitierten Arbeiten, berechnet auch die vorliegende Analyse den sogenann-
ten Primärsaldo, was bedeutet, dass sämtliche Einnahmen und Ausgaben der
öffentlichen Institutionen einer Region betrachtet werden und dass auch die antei-
ligen Kosten an den zentralen Diensten berücksichtigt werden. Nicht berücksichtigt
ist eine Beteiligung an den Zinszahlungen des Staates für die Staatsschuld. Für
das Jahr 2007 würde der Anteil Südtirols, gemessen am Ausmaß der Bevölkerung,
600 Mio. Euro ausmachen, wobei mit den sinkenden Zinssätzen der Betrag ent-
sprechend abnehmen würde. Die Fragen einer Beteiligung Südtirols an der Schul-
denlast des Staates und die Frage eines Solidaritätsbeitrages erfordern aber eine
politische und nicht eine wissenschaftliche Betrachtung.

Öffentliche Einnahmen und Ausgaben in Südtirol 11
,QKDOWVYHU]HLFKQLV 

=LHOXQG$XIEDXGHU6WXGLH ..................................................................... 15 

0HWKRGLVFKH*UXQGODJHQ ....................................................................... 15
2.1 Datenquelle ...................................................................................... 15
2.2 Öffentlicher Sektor im engeren Sinne ............................................... 16
2.3 Kassaprinzip ..................................................................................... 16
2.4 Konsolidierung und Regionalisierung ............................................... 16 

5HJLRQDOLVLHUWH(LQQDKPHQGHU|IIHQWOLFKHQ,QVWLWXWLRQHQ................... 18 

5HJLRQDOLVLHUWH$XVJDEHQGHU|IIHQWOLFKHQ,QVWLWXWLRQHQ..................... 20 

:LHN|QQHQGLH$XVJDEHQGHU|IIHQWOLFKHQ,QVWLWXWLRQHQ 
HUNOlUWZHUGHQ" ....................................................................................... 22
5.1 Ausgaben für Sozialfür- und -vorsorge ............................................. 22
5.2 Ausgaben für das Gesundheitswesen .............................................. 24
5.3 Ausgaben für die Schulbildung ......................................................... 26
5.4 Ausgaben für die Sozialmaßnahmen ................................................ 28
5.5 Ausgaben für das Straßennetz ......................................................... 31
5.6 Ausgaben für Kultur und Freizeit ...................................................... 33 

*HJHQEHUVWHOOXQJGHU(LQQDKPHQXQG$XVJDEHQ 
GHU5HJLRQHQ 3ULPlUVDOGR  ................................................................... 35 

$QWHLO6GWLUROVDQGHU6FKXOGHQODVW,WDOLHQV ........................................ 38 

=XVDPPHQIDVVXQJ.................................................................................. 39

Öffentliche Einnahmen und Ausgaben in Südtirol 13
Kapitel 1

g))(17/,&+((,11$+0(1
81'$86*$%(1,16h'7,52/
-DKUH² 

=LHOXQG$XIEDXGHU6WXGLH
Ziel der Studie ist die Erfassung aller Einnahmen und Ausgaben der öffentlichen
Institutionen in Südtirol, unabhängig davon welche Verwaltungsebene (Land, Staat,
Gemeinden, NISF, INAIL, Handelskammer usw.) die Einnahmen kassiert bzw. die
Ausgaben tätigt. Des weiteren werden die wichtigsten Ausgabeposten der öffent-
lichen Institutionen in Südtirol im Einzelnen untersucht und deren Bestimmungs-
faktoren dargestellt. Aus den Einnahmen und Ausgaben wird der Saldo berechnet
(sog. Primärsaldo) und mit den entsprechenden Werten für die anderen Regionen
und autonomen Provinzen verglichen.
Abschließend werden Überlegungen zum Zinsdienst des Staates für die Staats-
verschuldung angestellt.
Mögliche Effizienzüberlegungen bzgl. der Ausgaben der öffentlichen Institutionen
sind hingegen nicht Gegenstand dieser Studie. 

0HWKRGLVFKH*UXQGODJHQ 

'DWHQTXHOOH

Für die Berechnungen werden die Zahlen der „Conti Pubblici Territoriali“ (CPT)
verwendet. Diese Datenbank des Ministeriums für die wirtschaftliche Entwicklung
enthält für alle Regionen und autonomen Provinzen konsolidierte Daten zu den
Einnahmen und Ausgaben der öffentlichen Institutionen. Die Daten stehen für den
Zeitraum von 1996 bis 2007, also für 12 Jahre zur Verfügung. Als Grundlage für
die Erstellung der Zahlen der „Conti Pubblici Territoriali“ dienen die Bilanzen der
öffentlichen Institutionen.
Die „Conti Pubblici Territoriali“ sind die einzige verfügbare Datenquelle, welche
neben den Ausgaben auch die Einnahmen in konsolidierter und regionalisierter
Form für alle Regionen und autonomen Provinzen enthält.

Öffentliche Einnahmen und Ausgaben in Südtirol 15
Kapitel 2

 gIIHQWOLFKHU6HNWRULPHQJHUHQ6LQQH

Die Datenbank der „Conti Pubblici Territoriali“ stellt die Zahlen getrennt für den
öffentlichen Sektor im engeren Sinne (pubblica amministrazione), als auch für den
erweiterten öffentlichen Sektor (settore pubblico allargato) zur Verfügung. In der
vorliegenden Untersuchung werden die Daten für den öffentlichen Sektor im enge-
ren Sinne verwendet. Darin sind alle Einnahmen und Ausgaben enthalten, welche
von öffentlichen Institutionen wie Staat, Region, Land, Gemeinden, NISF, INAIL,
Handelskammern usw., getätigt werden, sowie jene Ausgaben, die öffentliche Be-
triebe wie die Sozialversicherungen oder z.B. das Wohnbauinstitut betreffen. Diese
Definition entspricht jener, die auch für die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung
(ESVG 95) verwendet wird.

 .DVVDSULQ]LS

Bei der Erhebung der Einnahmen und Ausgaben verwenden die „Conti Pubblici
Territoriali“ das so genannte Kassaprinzip. Dabei werden die Ausgaben zu jenem
Zeitpunkt registriert, an denen die Zahlungen durchgeführt werden (Ausstellung
des Zahlungmandats). Bei den Einnahmen wiederum erfolgt die Registrierung zum
Zeitpunkt der Einhebung der Beträge.

 .RQVROLGLHUXQJXQG5HJLRQDOLVLHUXQJ

Damit die gesamten Einnahmen in einer Region bzw. einer autonomen Provinz
ermittelt werden können, ist die Konsolidierung der verwendeten Bilanzdaten erfor-
derlich. Konsolidierung bedeutet, dass alle Einnahmen- und Ausgabenflüsse aller
öffentlichen Institutionen in einer Gesamtrechnung zusammengeführt und gegen-
einander aufgerechnet werden. Dadurch werden Doppelzählungen vermieden.
Für die hier durchgeführte Analyse ist es also unerheblich, über welche öffentliche
Institution die Einnahmen bzw. Ausgaben fließen.
Die Konsolidierung der Finanzflüsse zwischen den verschiedenen öffentlichen
Institutionen ist hauptsächlich ein technischer Vorgang, der im Prinzip keine großen
Schwierigkeiten bereitet. Von viel größerer Komplexität ist hingegen die regionale
Zuordnung der Einnahmen und Ausgaben.

Grundsätzlich weisen die „Conti Pubblici Territoriali“ die Ausgaben jener Region
zu, wo die öffentliche Leistung bezahlt wird (criterio di localizzazione dell‘intervento
dell’operatore pubblico). Ausschlaggebend ist dabei das Zahlungsmandat der
öffentlichen Institution.

16 Öffentliche Einnahmen und Ausgaben in Südtirol
Kapitel 2

Dabei gibt es aber Ausnahmen: Verteidigung, Justiz und öffentliche Sicherheit, aber
auch die allgemeinen Verwaltungsausgaben werden von der Wirtschaftstheorie als
„öffentliche Güter“ bezeichnet. Diese Güter stiften einen Nutzen für die Allgemein-
heit, unabhängig davon in welcher Region sie erbracht werden. Bestimmte Ausga-
ben werden sogar außerhalb des Staatsgebietes getätigt (z. B. für die Botschaf-
ten und Konsulate). Auch diese Ausgaben dienen allen Staatsbürgern in gleichem
Maße. Diesbezüglich sind also Korrekturberechnungen durchzuführen. Diese Aus-
gaben werden in der vorliegenden Arbeit entsprechend dem Bevölkerungsanteil der
Regionen und autonomen Provinzen aufgeteilt.
Einen Sonderfall stellen die Ausgaben im Gesundheitswesen dar. Viele Patien-
ten lassen sich in einer anderen als der Herkunftsregion behandeln. Die dadurch
entstehenden Kosten müssen zwischen den Regionen abgerechnet werden. Zu
diesem Zweck werden in der vorliegenden Studie die offiziellen Daten des Gesund-
heitsministeriums zum Ausmaß der so genannten „migrazione sanitaria“ verwendet
und die Zahlen der „CPT“ entsprechend korrigiert.

Die Einnahmen hingegen werden jeweils jenen Regionen und autonomen Pro-
vinzen zugeteilt, in denen das Steueraufkommen entstanden ist, also dort wo die
wirtschaftliche Aktivität zur Entstehung des Steueraufkommen geführt hat.
So wird etwa das gesamte Mehrwertsteueraufkommen Italiens entsprechend dem
Anteil der Regionen an der Endnachfrage (aus der Volkswirtschaftlichen Gesamt-
rechnung) den Regionen zugeteilt. Die Einkommenssteuer für physische Personen
(IRPEF) wird entsprechend dem Wohnsitz des Steuersubjektes den Regionen zu-
geordnet. Die Einkommenssteuer für Gesellschaften (IRPEG) wird jenen Regionen
zugerechnet in denen das Unternehmen die Gewinne erwirtschaftet hat. Hat ein
Unternehmen Betriebsstätten in mehreren Regionen, wird das Steueraufkommen
entsprechend den Gewinnanteilen der regionalen Betriebsstätten aufgeteilt. Es ist
also unerheblich, in welcher Region die Steuer einbezahlt wurde, sie wird immer
richtig zugerechnet.
Die Sozialbeiträge wiederum werden entsprechend den Löhnen und Gehältern der
Beschäftigten in den Regionen aufgeteilt. Bei Unternehmen mit Betriebsstätten in
verschiedenen Regionen wird auch in diesem Fall eine Aufteilung der Sozialbei-
träge entsprechend der regionalen Verteilung der Löhne und Gehälter in diesen
Unternehmen vorgenommen.

Öffentliche Einnahmen und Ausgaben in Südtirol 17
Kapitel 3

 5HJLRQDOLVLHUWH(LQQDKPHQGHU|IIHQWOLFKHQ
 ,QVWLWXWLRQHQ

Mit den oben beschriebenen Daten ist es nun möglich, sich einen Überblick über
die Einnahmen der öffentlichen Institutionen in den Regionen und autonomen
Provinzen zu verschaffen.

Grafik 1

In der Grafik sind die Pro-Kopf-Einnahmen der Regionen und autonomen Provin-
zen, aufgegliedert nach Einnahmenart für das Jahr 2007 abgebildet. Südtirol liegt
mit 15.947 Euro pro Kopf an 5. Stelle. Ausgedrückt als Absolutwert entstanden in
Südtirol im Jahr 2007 Einnahmen in Höhe von 7,9 Milliarden Euro. Nur Latium,
Lombardei, Aostatal und Emilia Romagna weisen noch höhere Pro-Kopf-Einnah-
men auf. Die Regionen Süditaliens hingegen liegen mit Einnahmen in Höhe von
8.000 bis 9.000 Euro pro Kopf am Ende der italienischen Regionen. Im Vergleich
zum Wert für ganz Italien sind die Einnahmen in Südtirol um mehr als 2.000 Euro
pro Kopf höher.
Die Höhe der Einnahmen ist im Wesentlichen auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP)
der Regionen, sowie auf die Beschäftigungslage zurückzuführen. Je höher diese in
einer Region sind, desto höher sind auch die Einnahmen der öffentlichen Instituti-
onen.

18 Öffentliche Einnahmen und Ausgaben in Südtirol
Kapitel 3

Die Einnahmen setzen sich im Wesentlichen aus den direkten und indirekten Steu-
ern, sowie aus den Sozialbeiträgen zusammen. Die restlichen Einnahmen belaufen
sich in Summe selten auf mehr als 1.000 Euro pro Kopf. Neben regionalen Ge-
bühren, Verkäufen von Gütern und Dienstleistungen sind darin auch verschiedene
Transferzahlungen enthalten.
Zu den direkten Steuern zählen z. B. die Einkommenssteuern (IRPEF und IRPEG),
während bei den indirekten Steuern die Mehrwertsteuer den größten Anteil hat. Die
Sozialbeiträge schließlich beinhalten die Einzahlungen an das NISF und andere
Sozialversicherungen.

Grafik 2

Vergleicht man nun die einzelnen Komponenten der Pro-Kopf-Einnahmen von Süd-
tirol mit dem Italiendurchschnitt, dann zeigt sich, dass die Einnahmen in fast allen
Fällen deutlich über den Durchschnittswerten für Italien liegen. Bei den indirekten
Steuern, den direkten Steuern und den Sozialbeiträgen, also den 3 bedeutendsten
Einnahmequellen, liegt der Wert für Südtirol jeweils um etwa 1.000 Euro pro Kopf
über dem italienischen Durchschnittswert. Gründe dafür sind die überdurchschnitt-
lich große Wirtschaftskraft (BIP pro Einwohner) und die gute Beschäftigungssitua-
tion in Südtirol.
Zusätzlich sieht man, dass die so genannten Korrekturposten unbedeutend sind.
Diese Einnahmenposition ist eine buchhaltungstechnische Besonderheit der „Conti
Pubblici Territoriali“. Da der Korrekturposten von seiner Größenordnung her unbe-
deutend ist, beeinflusst diese Besonderheit die Berechnungen in dieser Arbeit nur
unwesentlich.

Öffentliche Einnahmen und Ausgaben in Südtirol 19
Kapitel 4

 5HJLRQDOLVLHUWH$XVJDEHQGHU|IIHQWOLFKHQ,QVWLWXWLRQHQ

Auch für die Ausgaben der öffentlichen Institutionen werden nun die Pro-Kopf-
Werte für die Regionen und autonomen Provinzen im Jahr 2007 gezeigt. In folgen-
der Grafik sind die Pro-Kopf-Ausgaben aufgegliedert nach Ausgabenart abgebildet.

Grafik 3

Südtirol liegt mit Ausgaben von 15.114 Euro pro Kopf an dritter Stelle der italieni-
schen Regionen und autonomen Provinzen, hinter dem Aostatal und dem Trentino.
Der Durchschnitt für Italien liegt bei 12.052 Euro pro Kopf und ist somit um etwa
3.000 Euro pro Kopf geringer als in Südtirol. Ausgedrückt in absoluten Werten wur-
den 2007 in Südtirol von den verschiedenen öffentlichen Institutionen Gesamtaus-
gaben von 7,5 Milliarden Euro getätigt. Betrachtet man die Ausgaben im Detail, so
fällt auf, dass die allgemeinen Verwaltungsausgaben, Verteidigungsausgaben und
die Ausgaben für öffentliche Sicherheit, Justiz usw. für alle Regionen identisch sind.
Das liegt daran, dass diese Ausgaben, wie bereits weiter oben beschrieben, ent-
sprechend dem Bevölkerungsanteil auf die Regionen aufgeteilt wurden. Auch die
Ausgaben für das Gesundheitswesen sind in dieser Grafik bereits für den Umstand
korrigiert worden, dass viele Patienten sich in einer anderen als der Herkunfts-
region behandeln lassen (so genannte „migrazione sanitaria“).

20 Öffentliche Einnahmen und Ausgaben in Südtirol
Kapitel 4

Grafik 4

Vergleicht man nun die einzelnen Ausgabenkomponenten miteinander, dann zeigt
sich, dass der bei weitem größte Ausgabenposten die Sozialfür- und -vorsorge (im
Wesentlichen die Alters- Invaliden- und Hinterbliebenenrenten) ist. Fast 4.400 Euro
pro Kopf werden dafür in Südtirol aufgewendet. Der Italiendurchschnitt liegt für die-
sen Ausgabenposten noch deutlich über diesem Wert. An zweiter Stelle stehen die
Ausgaben für die allgemeine Verwaltung, Verteidigung, die öffentliche Sicherheit,
Justiz usw. Dafür wurden 2007 etwa 2.700 Euro pro Kopf ausgegeben. Der entspre-
chende Wert für den Italiendurchschnitt ist in diesem Fall aus den oben genannten
Gründen (Zuteilung entsprechend dem Bevölkerungsanteil) genau gleich groß.
Bei den in der Größenordnung folgenden Ausgabeposten Schulbildung, Sozial-
maßnahmen, Straßenverkehr und Kultur und Freizeit liegt der Wert für Südtirol
hingegen jeweils deutlich über dem entsprechenden Durchschnittswert für Italien.
Dasselbe gilt mit wenigen Ausnahmen auch für alle weiteren Ausgabekomponen-
ten. Eine Ausnahme bilden die Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Diese
liegen in Südtirol deutlich unter dem italienischen Durchschnitt.

Öffentliche Einnahmen und Ausgaben in Südtirol 21
Kapitel 5

 :LHN|QQHQGLH$XVJDEHQGHU|IIHQWOLFKHQ
 ,QVWLWXWLRQHQHUNOlUWZHUGHQ"

Betrachtet man obige Grafik, dann stellt sich unmittelbar die Frage, wie die teilwei-
se großen Unterschiede bei den Ausgaben in den einzelnen Bereichen zwischen
den Südtirolwerten und den Durchschnittswerten für Italien zu erklären sind.
Um diese Frage zu beantworten, wurden für die wichtigsten Ausgabenbereiche
Regressionsanalysen durchgeführt. Mit diesem statistischen Verfahren können
Zusammenhänge zwischen abhängigen Variablen (im vorliegenden Fall die Pro-
Kopf-Ausgaben in den einzelnen Bereichen) und unabhängigen Erklärungsvariablen
ermittelt und deren Bedeutung abgeschätzt werden.
Im folgenden Abschnitt werden die größten Ausgabekomponenten einzeln darge-
stellt, und die für deren Höhe wichtigsten Bestimmungsfaktoren erläutert. Ausge-
nommen bleiben die Ausgaben für die allgemeine Verwaltung, Justiz und Verteidi-
gung, sowie die öffentliche Sicherheit. Diese Ausgaben werden entsprechend dem
Bevölkerungsanteil den Regionen und autonomen Provinzen zugeteilt (siehe Ab-
schnitt: Konsolidierung und Regionalisierung). Damit ist implizit die Einwohnerzahl
der Regionen die einzige erklärende Variable für die Höhe dieser Ausgaben. Eine
statistische Analyse erübrigt sich aus diesem Grund.

 $XVJDEHQIU6R]LDOIUXQGYRUVRUJH

Grafik 5

22 Öffentliche Einnahmen und Ausgaben in Südtirol
Kapitel 5

Die Ausgaben für Sozialfür- und -vorsorge sind der größte Einzelposten bei den Ausga-
ben. Sie umfassen alle Ausgaben, die über Sozialbeiträge finanziert werden, wie z. B.
die Leistungen des NISF. Im italienischen Durchschnitt liegen sie bei etwa 4.700 Euro
pro Kopf. Die Unterschiede zwischen den Regionen sind aber sehr ausgeprägt, mit
Pro-Kopf-Ausgaben von ca. 3.000 Euro in Kampanien und über 6.000 Euro in Ligurien.
In Südtirol liegen die Ausgaben mit ca. 4.400 Euro pro Kopf unter dem Italienschnitt.

Grafik 6

Grafik 7

Öffentliche Einnahmen und Ausgaben in Südtirol 23
Kapitel 5

Die Regressionsanalyse zeigt, dass die Ausgaben für Sozialfür- und -vorsorge
positiv mit dem Anteil der Bevölkerung über 65 Jahre zusammenhängen. Südtirol
hat bei diesem Indikator nach Kampanien den geringsten Prozentsatz, hat also
vergleichsweise einen geringeren Anteil an Personen über 65 Jahre in der Bevölke-
rung als die restlichen Regionen in Italien. Das wirkt sich dämpfend auf die Ausga-
ben für Sozialfür- und -vorsorge in Südtirol aus.
Die Ausgaben für Sozialfür- und -vorsorge hängen ebenfalls positiv mit dem Index
der relativen Armut zusammen. Südtirol hat hier mit einem Indexwert von 6% einen
sehr niederen Wert. Dies wirkt sich ebenfalls dämpfend auf die Ausgaben in Süd-
tirol in diesem Bereich aus.
Diese beiden Indikatoren können somit großteils erklären, wieso die Ausgaben für
Sozialfür- und -vorsorge pro Kopf in Südtirol deutlich geringer ausfallen, als im
italienischen Durchschnitt.

 $XVJDEHQIUGDV*HVXQGKHLWVZHVHQ

Grafik 8

Südtirol hat mit über 2.000 Euro pro Kopf die höchsten Gesundheitsausgaben der
Regionen und autonomen Provinzen. Im Durchschnitt liegt der Wert in Italien bei
1.600 Euro pro Kopf.

24 Öffentliche Einnahmen und Ausgaben in Südtirol
Kapitel 5

Grafik 9

Grafik 10

Aus der Regressionsanalyse geht hervor, dass die Ausgaben für das Gesundheits-
wesen positiv mit dem Anteil der Bevölkerung über 65 Jahre korrelieren, d. h. je
mehr ältere Personen in einer Region leben, desto höher sind die Ausgaben im
Gesundheitswesen. Ein ebenfalls positiver Zusammenhang besteht zwischen den

Öffentliche Einnahmen und Ausgaben in Südtirol 25
Kapitel 5

touristischen Nächtigungen und den Gesundheitsausgaben. In den Regionen mit
hohem Tourismusaufkommen sind die Gesundheitsausgaben höher als anderswo.
In Südtirol ist der Anteil der Bevölkerung über 65 Jahre vergleichsweise gering,
dies wirkt sich somit dämpfend auf die Gesundheitsausgaben aus. Während die
Behandlung von italienischen Gästen aus anderen Regionen bzw. autonomen Pro-
vinzen korrekt korrigiert werden können, erhöht die Betreuung der ausländischen
Touristen die Ausgaben im Gesundheitswesen.
Nicht quantifiziert werden können mit dieser Analyse die hohe Qualität und die
damit verbundenen Mehrausgaben des Südtiroler Gesundheitswesens.

 $XVJDEHQIUGLH6FKXOELOGXQJ

Auch bei den Bildungsausgaben liegt Südtirol gemeinsam mit dem Trentino deutlich
über den Ausgaben der restlichen Regionen. Pro Kopf wird in Südtirol 1.400 Euro
für die Schulbildung ausgegeben, der italienische Durchschnitt hingegen liegt bei
970 Euro pro Kopf und fällt somit um mehr als 400 Euro pro Kopf geringer aus.

Grafik 11

Analysiert man die Erklärungsgründe für die Unterschiede in den Ausgaben für
Schulbildung, dann zeigt sich, dass eine höhere Bevölkerungsdichte die Ausgaben
dämpft, während der Anteil der Bevölkerung zwischen 5 und 14 Jahren, also der
Anteil der schulpflichtigen Bevölkerung, die Ausgaben für Schulbildung erhöht.

26 Öffentliche Einnahmen und Ausgaben in Südtirol
Kapitel 5

Grafik 12

Grafik 13

Südtirol hat im Vergleich zu den restlichen Regionen Italiens einen sehr hohen
Bevölkerungsanteil zwischen 5 und 14 Jahren, also eine vergleichsweise junge
Bevölkerung und damit viele Schüler. Entsprechend sind die Ausgaben für
Schulbildung in Südtirol dadurch erhöht. Zudem weist Südtirol eine sehr geringe

Öffentliche Einnahmen und Ausgaben in Südtirol 27
Kapitel 5

Bevölkerungsdichte auf, d. h. es gibt viele kleine Dörfer und Weiler die weit verstreut
in den Berggebieten Südtirols liegen. Dort den Schuldienst aufrecht zu erhalten ist
viel kostspieliger als in großen Städten oder Landgemeinden. Auch dieser Faktor
wirkt sich erhöhend auf die Ausgaben für Schulbildung in Südtirol aus.
Schließlich hat Südtirol mit der Zwei- bzw. Dreisprachigkeit eine zusätzliche Beson-
derheit, die sonst in keiner anderen Region besteht. Die flächendeckende Bereit-
stellung eines deutschsprachigen, eines italienischsprachigen und, in Gröden und
im Gadertal, eines ladinischsprachigen Schulangebotes führt zu erhöhten Kosten.

 $XVJDEHQIUGLH6R]LDOPD‰QDKPHQ

Bei den Ausgaben für Sozialmaßnahmen liegt Südtirol hinter dem Trentino an
zweiter Stelle der Regionen Italiens. Etwa 800 Euro pro Kopf werden für diese
Maßnahmen pro Jahr aufgewendet. Sozialmaßnahmen umfassen die Ausgaben für
allgemeine Sozialdienste z. B. zu Gunsten von Familien und Personen in Notlagen,
aber auch die Ausgaben für Alters- und Pflegeheime und andere soziale Strukturen.
Der italienische Durchschnittswert liegt bei etwa 600 Euro pro Kopf.

Grafik 14

Die Regressionsanalyse zeigt, dass die wesentlichsten Erklärungsgründe für die
Unterschiede der Ausgaben mit der Bevölkerungsdichte, mit dem Ausmaß der rela-
tiven Armut und mit der durchschnittlichen Höhe der ausbezahlten Alters-, Dienst-
alters-, Invaliden- und Hinterbliebenenrenten in Zusammenhang stehen.

28 Öffentliche Einnahmen und Ausgaben in Südtirol
Kapitel 5

Grafik 15

Grafik 16

Öffentliche Einnahmen und Ausgaben in Südtirol 29
Kapitel 5

Grafik 17

Je höher die Bevölkerungsdichte einer Region, desto höher sind auch die Ausga-
ben für Sozialmaßnahmen. Je höher die relative Armut in einer Region ist, desto
höher sind auch die Ausgaben für Sozialmaßnahmen. Schließlich besteht ein
negativer Zusammenhang zwischen der durchschnittlichen Höhe der ausbezahlten
Invaliden- Alters- und Hinterbliebenenrenten in einer Region und den Ausgaben für
Sozialmaßnahmen. Sind also die Renten in einer Region eher gering, dann müssen
mehr Sozialmaßnahmen finanziert werden.
Südtirol hat im Vergleich zu den anderen Regionen eine sehr geringe relative Armut
und auch eine sehr geringe Bevölkerungsdichte. Entsprechend sollten diese Erklä-
rungsvariablen senkend auf die Ausgaben in Südtirol in diesem Bereich wirken. Bei
den durchschnittlich ausbezahlten Pensionen liegt Südtirol im Mittelfeld der italie-
nischen Regionen. Ausgehend von diesen Erklärungsvariablen, wäre zu erwarten,
dass Südtirol eher geringere Ausgaben für Sozialmaßnahmen aufweisen sollte. Im
Vergleich zu den anderen Regionen Italiens werden in Südtirol aber eine Fülle von
Initiativen im Sozialbereich durchgeführt. Viele dieser Initiativen sind in den ande-
ren Regionen Italiens nicht vorhanden. Entsprechend sind die Ausgaben in Südtirol
im Bereich der Sozialmaßnahmen vergleichsweise hoch.

30 Öffentliche Einnahmen und Ausgaben in Südtirol
Kapitel 5 

$XVJDEHQIUGDV6WUD‰HQQHW]

Etwa 600 Euro pro Kopf werden in Südtirol für den Ausbau und die Erhaltung des
Straßennetzes von den öffentlichen Institutionen ausgegeben. Damit liegt Südtirol
hinter dem Trentino an zweiter Stelle der Regionen Italiens. Im Durchschnitt der
italienischen Regionen wird für das Straßennetz etwa 300 Euro pro Kopf aufgewen-
det. Die Ausgaben für das Straßennetz sind in Südtirol damit doppelt so hoch wie
im Durchschnitt.

Grafik 18

Die Regressionsanalyse zeigt, dass die wichtigsten Erklärungsvariablen der Aus-
gaben für das Straßennetz die Bevölkerungsdichte und der Anteil der Bergbevöl-
kerung in einer Region sind. Je höher die Bevölkerungsdichte ist, desto geringer
fallen die Ausgaben für das Straßennetz aus. Je höher hingegen der Anteil der
Bergbevölkerung in einer Region ist, desto höher sind die Ausgaben für Bau und
Erhaltung des Straßennetzes.

Öffentliche Einnahmen und Ausgaben in Südtirol 31
Kapitel 5

Grafik 19

Grafik 20

32 Öffentliche Einnahmen und Ausgaben in Südtirol
Kapitel 5

Südtirol weist eine sehr geringe Bevölkerungsdichte auf, d. h. die Bevölkerung ist
sehr weit über das ganze Land verstreut und lebt häufiger als in anderen Regionen
in kleinen Dörfern und Weilern. Es muss deshalb ein sehr langes und verzweigtes
Straßennetz gebaut und erhalten werden, um auch kleine Siedlungen mit wenigen
Einwohnern erschließen zu können. Dies verursacht natürlich höhere Kosten als
sie in einem dicht besiedelten Gebiet entstehen. Südtirol ist zudem Berggebiet. Die
Bevölkerung wohnt in Tälern und auf Berghängen. Der Bau und die Erhaltung von
Straßen sind in einem gebirgigen Gebiet sehr viel aufwändiger als im Flachland.
Die klimatischen Bedingungen sind in Berggebieten extremer als im Flachland und
verursachen ebenfalls erhöhte Erhaltungskosten. Auch diese Variable erklärt somit
die vergleichsweise hohen Ausgaben für das Straßennetz in Südtirol. 

$XVJDEHQIU.XOWXUXQG)UHL]HLW

Mit fast 600 Euro pro Kopf erreichen die Ausgaben für Kultur und Freizeit in
Südtirol mit Abstand den höchsten Wert aller Regionen Italiens. Im italienischen
Durchschnitt wird weniger als 300 Euro pro Kopf in diesem Bereich ausgegeben,
also etwa die Hälfte des Südtiroler Wertes.

Grafik 21

Als wichtigste Erklärungsvariable für diese Ausgaben erweist sich das Brutto-
inlandsprodukt (BIP) pro Kopf der Regionen, also das Wohlstandsniveau. Je höher
der Wohlstand einer Region ist, desto höher sind auch die Ausgaben für Kultur und
Freizeit.

Öffentliche Einnahmen und Ausgaben in Südtirol 33
Kapitel 5

Grafik 22

Mit einem Wert für das BIP von etwa 29.000 Euro pro Kopf liegt Südtirol 2007 an
zweiter Stelle der Regionen. Entsprechend wirkt sich diese Variable erhöhend auf
die Ausgaben für Kultur und Freizeit aus.
Die Regionen und Provinzen, die über ein Autonomiestatut verfügen, sind mit Aus-
nahme von Sizilien bei den Ausgaben für Kultur und Freizeit im obersten Bereich zu
finden. Die kulturellen Besonderheiten sind einer der wesentlichen Gründe für die
autonome Stellung dieser Regionen und Provinzen. Allein aus diesem Grund ist es
verständlich, dass in diesen Regionen mehr Geld für die Erhaltung und Förderung
der kulturellen Besonderheiten ausgegeben wird. In der Regressionsanalyse wurde
aus diesem Grund eine so genannte Dummyvariable für diese autonomen Regio-
nen und Provinzen eingefügt, um dieses Argument zu testen. Es zeigt sich, dass die
Dummyvariable hoch signifikant ist.
Südtirol weist aber im Vergleich zu den anderen autonomen Regionen und Provin-
zen nochmals höhere Ausgaben für Kultur und Freizeit auf. Für diese Ausgaben gilt
dasselbe Argument, das auch für die Ausgaben im Schulbereich relevant ist. Die
drei Sprachgruppen bedingen, dass es viel mehr kulturelle Einrichtungen gibt als in
den anderen Regionen. Diese müssen von den öffentlichen Institutionen Südtirols
unterstützt und gefördert werden.

34 Öffentliche Einnahmen und Ausgaben in Südtirol
Kapitel 6 

*HJHQEHUVWHOOXQJGHU(LQQDKPHQXQG$XVJDEHQ 
GHU5HJLRQHQ 3ULPlUVDOGR

Mit den oben dargestellten Zahlen zu den Einnahmen und Ausgaben der öffentli-
chen Institutionen ist es nun möglich, den so genannten Primärsaldo zu berechnen.
Dabei werden von allen Einnahmen einer Region bzw. autonomen Provinz alle Aus-
gaben abgezogen. Ist der dadurch ermittelte Primärsado positiv, dann werden in
einer Region mehr Einnahmen generiert, als Ausgaben getätigt werden, die Region
ist in diesem Fall also Nettozahler. Im umgekehrten Fall übersteigen die Ausgaben
der öffentlichen Institutionen einer Region die Einnahmen die in dieser Region an-
fallen. In diesem Fall ist die Region also Nettoempfänger. Der Primärsaldo ist somit
ein Indikator für den Selbstfinanzierungsgrad einer Region.
Für die Berechnung des Primärsaldos werden einige Einnahmen- und Ausgaben-
posten nicht berücksichtigt. Zum einen werden die Passivzinsen von der Betrach-
tung ausgeschlossen, also die Zinszahlungen für die öffentliche Verschuldung. Zum
anderen werden alle Transferzahlungen, die nach außerhalb Italiens fließen, bzw.
von außerhalb nach Italien kommen ausgeschlossen. Im Wesentlichen handelt es
sich dabei um die Zahlungen Italiens an die EU und die Rückflüsse von EU-Geld
nach Italien. Sehr wohl aber sind in den Ausgaben jene für die zentralen Dienste
des Staates (allgemeine Verwaltung, Verteidigung, öffentliche Sicherheit, Justiz
usw.) im Ausmaß der Bevölkerung Südtirols enthalten.

Grafik 23

Öffentliche Einnahmen und Ausgaben in Südtirol 35
Kapitel 6

Zur Berechnung des Primärsaldos stehen die Zahlen für 12 Jahre, von 1996 bis
2007 zur Verfügung. Alle verwendeten Daten wurden inflationsbereinigt und in
Preisen von 2007 ausgedrückt. Dadurch ist sichergestellt, dass der berechnete
Primärsaldo über die Jahre hinweg vergleichbar ist. Die Grafik 23 stellt für jede
Region den Mittelwert des Primärsaldos für die 12 Jahre von 1996 bis 2007 dar (als
Punkt). Zusätzlich werden in der Grafik der niedrigste und der höchste Primärsaldo
für jede Region im 12-Jahres-Zeitraum abgebildet.
Betrachtet man die Mittelwerte für die Regionen, dann sind 10 Regionen Netto-
zahler, weisen also einen positiven Primärsaldo auf, während 11 Regionen einen
negativen Primärsaldo haben, also Nettoempfänger sind. Die wichtigsten Netto-
zahler sind die Regionen Lombardei, Emilia-Romagna und Veneto, sowie Latium
und Piemont. Die größten Nettoempfänger sind Kalabrien, Basilikata, Sardinien,
Molise, Sizilien, Kampanien und Apulien.
Südtirol liegt im Mittelfeld der Regionen und weist einen leicht positiven Saldo von
240 Euro pro Kopf für den untersuchten Zeitraum auf. Absolut beläuft sich der Pri-
märsaldo Südtirols für das Jahr 2007 auf 411 Millionen Euro und im Durchschnitt
der untersuchten 12 Jahre auf 120 Millionen Euro.
Betrachtet man die Minima und Maxima für die einzelnen Regionen im untersuch-
ten Zeitraum, dann weisen nur Latium und Aostatal einen großen Schwankungs-
bereich auf. Im Latium sind alle wichtigen Ministerien und zentralen Einrichtungen
des Staates konzentriert. Für diese Region ist es deshalb sehr schwierig, die Re-
gionalisierung aller Einnahmen und Ausgaben korrekt durchzuführen. Außerdem
haben die im Untersuchungszeitraum durchgeführten Privatisierungen von Staats-
betrieben zu einer Veränderung der Zusammensetzung des öffentlichen Sektors
geführt. Diese Privatisierungen wirken sich hauptsächlich auf die Zahlen der „Conti
Pubblici Territoriali“ für das Latium aus. Man muss deshalb davon ausgehen, dass
die durchgeführten Berechnungen für die Region Latium deutlich ungenauer sind
als für die anderen Regionen. Das Aostatal ist mit ca. 126.000 Einwohnern die
absolut kleinste Region Italiens. Eine korrekte Zuordnung der Einnahmen und Aus-
gaben ist deswegen auch in diesem Falle sehr schwierig und fehleranfällig. Die
Schwankungsbreite für die anderen Regionen ist hingegen gering und damit sind
die Ergebnisse für diese Regionen sehr zuverlässig.
Für Südtirol liegt das Minimum des Primärsaldos bei minus 700 Euro pro Kopf, das
Maximum hingegen bei 1.100 Euro pro Kopf. Südtirol weist also sowohl Jahre mit
positivem, als auch Jahre mit negativem Primärsaldo auf.

36 Öffentliche Einnahmen und Ausgaben in Südtirol
Kapitel 6

Grafik 24

Betrachtet man die Entwicklung der Einnahmen und Ausgaben der öffentlichen In-
stitutionen in Südtirol für den Zeitraum 1996 bis 2007 in absoluten Werten, so sieht
man, dass sich die Abweichungen in engen Grenzen halten. Die Einnahmen sind
von 1996 von über 6 Milliarden Euro auf 2007 fast 7,5 Milliarden Euro angestiegen
(zu Preisen von 2007). Die Ausgaben haben in diesem Zeitraum die Entwicklung
der Einnahmen im Wesentlichen nachgezeichnet. Der Primärsaldo, also Einnah-
men minus Ausgaben, hat in diesem Zeitraum sowohl positive als auch negative
Werte angenommen. Berechnet man den Anteil des Primärsaldos an den gesam-
ten Einnahmen, so zeigt sich, dass dieser nur einmal einen Anteil von 5% über-
schreitet. In vielen Jahren ist der Anteil des Primärsaldos sogar deutlich geringer.
Die absolute Höhe und die Schwankungen des Primärsaldos sollten deshalb nicht
überbewertet werden.

Öffentliche Einnahmen und Ausgaben in Südtirol 37
Kapitel 7

 $QWHLO6GWLUROVDQGHU6FKXOGHQODVW,WDOLHQV

Der im vorherigen Kapitel dargestellte Primärsaldo bildet das Verhältnis zwischen
Einnahmen und Ausgaben der öffentlichen Institutionen in den Regionen ab, unter
Ausschluss der Zinszahlungen, die der Staat für die über Jahrzehnte entstandene
Schuldenlast bezahlen muss. Wer allerdings für diese Zahlungen aufzukommen
hat, ist Gegenstand der politischen Debatte.

Grafik 25

Berechnet zu Preisen von 2007 belaufen sich die Zinszahlungen Italiens im Zeit-
raum von 2000 bis 2007 auf etwa 75 bis 80 Milliarden Euro pro Jahr. Teilt man
diese Beträge wieder entsprechend dem Bevölkerungsanteil den Regionen und
autonomen Provinzen zu, dann beträgt der jährliche Anteil Südtirols etwa 600 bis
700 Millionen Euro.
Der Spitzenwert wurde im Jahr 2001 erreicht mit über 700 Millionen Euro, für das
Jahr 2007 errechnet sich eine Zinsbelastung von noch gut 600 Millionen Euro. Der
Anteil an den Zinszahlungen, berechnet für jeden Einwohner, beläuft sich in diesem
Zeitraum also auf 1.200 bis 1.400 Euro.
Neben der Höhe des Schuldenberges, ist auch die Höhe des Zinssatzes für die
Zinszahlungen ausschlaggebend, weshalb der Betrag für die Zinszahlungen
starken Schwankungen unterworfen ist. Für das Jahr 2009 wird auf Grund der nied-
rigen Zinsen die Zinsbelastung wesentlich geringer ausfallen.

38 Öffentliche Einnahmen und Ausgaben in Südtirol
Kapitel 8 

=XVDPPHQIDVVXQJ

Die öffentlichen Institutionen haben in Südtirol dank der großen Wirtschaftskraft
und guten Beschäftigungssituation überdurchschnittlich hohe Einnahmen. Anderer-
seits sind auch die Ausgaben überdurchschnittlich hoch, was in vielen Fällen auf
die besondere Situation Südtirols zurückzuführen ist. Der Blick auf die letzten 12
Jahre zeigt, dass der Saldo aus Einnahmen und Ausgaben zwischen positiven und
negativen Ergebnissen schwankt. Für das Jahr 2007 ergibt sich ein positiver Pri-
märsaldo von 411 Mio. Euro, was gerademal 5% der gesamten Einnahmen aller
öffentlichen Institutionen von 7,9 Mrd. Euro ausmacht. Aber auch im Schnitt der
Jahre 1996 bis 2007 ergibt sich ein leicht positiver Saldo von 120 Mio. Euro, womit
sich Südtirol unter den italienischen Regionen und autonomen Provinzen bei den
Nettozahlern einreiht. Inwieweit sich Südtirol trotzdem an den Zinsschulden (für das
Jahr 2007 würde der Anteil Südtirols gemessen am Ausmaß der Bevölkerung rund
600 Mio. Euro ausmachen, wobei mit den sinkenden Zinssätzen dieser Betrag ent-
sprechend abnehmen würde) und an einem Solidaritätsausgleich beteiligen müsste
(etwa durch die Übernahme weiterer Kompetenzen), ist eine politische Frage und
nicht Thema dieser Analysen.

Öffentliche Einnahmen und Ausgaben in Südtirol 39
Wir stellen uns vor:

Auskünfte und Daten im wirtschaftlichen Bereich an Firmen, Entscheidungsträger, Verbände, Studenten
(wir vergeben auch Diplomarbeitsthemen)

Beiträge und Referate für Tagungen und Weiterbildungsveranstaltungen zu volkswirtschaftlichen Themen

Periodische Publikationen:
     

  

 
  
  

  
  !  



Studien:
 Wirtschaftsbarometer – Zwischenbilanz 2009 (2009)
 Südtirols Unternehmen – Ertrags-, Finanz- und Vermögenslage (2009)
 "! #$&'*+! 
;<
=> ;  
   
 
#$$?
    
> X! 
 
*"     

Y #$$[
  
 
>  

\ 
>> 
*  ]^ 
]  
_! ]   
#$$[
 kratiebelastung der Südtiroler Unternehmen – Anregungen aus der Praxis (2008)
  
  

*`{ 
;<#$$|*} >#$$[ (2008)
    

 
*<> 
#$#$ (2008)
  
    

(2008)
 ">  

\ 
>> 
: Eine Befragung der Bevölkerung Italiens (2007)
 Ausbildung mit Zukunft – Band 3: Befragung der Absolventinnen und Absolventen der Gymnasien (2007)
 Südtiroler Wein: ... Märkte, Verkaufswege, Preise (2007)
 Wie innovativ sind Südtirols Unternehmen? (2006)
 Ausbildung mit Zukunft – Band 2: Befragung der Absolventinnen und Absolventen der Fachoberschule und Lehr-
anstalten (2006)
 Potential ältere Mitarbeiter – Die „50 plus“ in der Südtiroler Arbeitswelt (2006)
  
^ 
*+ 
 >  
*Y  
##$$€
 X > 
   
*‚ 
; } #$$€
 }   
 >  
*&ƒ};  
„     

†
schulen (2006)
 < !‡* 
*‡ 
ˆ<  
 
< !#$$‰
 Š;  *" >*‡ 
#$$‰
 !>  
*<= 
 
= 
#$$‰
 Produktivität – Südtirol auf dem Weg in die Zukunft (2004)
 ‹  X‚^‡  
(2004)
 ‹   
Š > 
#$$Ž
 <>  

*‘;  
#$$Ž

’ 
Š > 
{  "   

]>“

WIRTSCHAFTSFORSCHUNGSINSTITUT
I-39100 Bozen, Südtiroler Straße 60
Tel. 0471 945706, Fax 0471 945712
Internet: http://www.handelskammer.bz.it/wifo
E-mail: wifo@handelskammer.bz.it