Grundwissen Technisches Zeichnen ___________________________________________________________________

Baustein III: Grundwissen Technisches Zeichnen
Zu den Grundlagen des Technischen Zeichnens gehören nach wie vor die manuelle Konstruktion der drei Ansichten eines Körpers, wahre Größen und Abwicklungen. Die Konstruktionsverfahren werden exemplarisch und begleitend zur CAD-Arbeit eingeübt. Ein Teil dieser Arbeit kann als Hausaufgabe erledigt werden. Zeitersparnis bringt der Wegfall von Tuschezeichnung und Schriftschablone. Komplizierte abstrakte Konstruktionsaufgaben aus dem Bereich der Darstellenden Geometrie werden den Anforderungen an zeitgemäße Formen der technischen Kommunikation nicht mehr gerecht. Alle empfohlenen CAD-Programme können aus der 3D-Geometrie die 2D-Ausgabe errechnen, so dass dem Schüler die Lösungen der Aufgaben jederzeit zur Verfügung stehen. Abwicklungen werden allerdings nur selten von CAD-Programmen erstellt. Sie bleiben in der Regel der manuellen Konstruktion vorbehalten. Die Ausrüstung für Schüler kann auf die unverzichtbaren Zeichengeräte beschränkt werden (Tuschezeichnung sowie Normschrift mit Schriftschablone sind im neuen Lehrplan nicht mehr enthalten). Zeichenplatte (empfohlen A4) – Druckbleistifte (0.7, 0.35) – Geodreieck – 60°Dreieck – Zirkel – Kurvenlineal und Ellipsenschablone 1. Allgemeine Konstruktion - Projektionszeichnung 1.1 Zeichnungsnormen Die technische Zeichnung dient der Verständigung zwischen Entwicklung, Konstruktion, Fertigung, Instandhaltung usw. und dem Kunden. Die Aussage einer technischen Zeichnung muss vollständig, eindeutig und für jeden Techniker verständlich sein. Die gemeinsame Sprache basiert auf Zeichenregeln, die in DIN-Normen festgelegt sind. Für den Unterricht an der Realschule, der eher allgemein bildend ausgerichtet ist, reichen die wichtigsten DIN-Regeln aus: - DIN 5 Axonometrische Projektionen (Raumbilder in Isometrie und Dimetrie) - DIN 6 Darstellung von Ansichten (Tafelprojektionen und Schnittdarstellung) - DIN ISO 128-20 (früher DIN15) Linienarten und –breiten - DIN 199 Zeichnungsarten (Skizze, Teilzeichnung, Explosionsdarstellung usw.) - DIN 201 Darstellung von Schnittflächen und Stoffen - DIN 406 Maßeintragung - DIN ISO 5455 Maßstäbe für technische Zeichnungen 1.2 Linienarten und Beschriftung Als wesentliches Merkmal für die Beschriftung technischer Zeichnungen gelten Lesbarkeit und Einheitlichkeit. Zeitraubendes Beschriften mit Schriftschablonen ist nach dem neuen Lehrplan nicht mehr vorgesehen. Dennoch sollte auf eine der Normschrift vergleichbare Handbeschriftung geachtet werden. Die meist verwendete Liniengruppe 0.7 unterscheidet folgende Linienarten: - die breite Volllinie 0.7 für sichtbare Kanten und Umrisse - die breite Strichpunktlinie 0.7 als Schnittlinie (Schnittverlauf) - die schmale Volllinie 0.35 für Projektionslinien, Maßlinien und Maßhilfslinien, Schraffurlinien, Hinweislinien, Gewindegrund, Diagonalkreuz
1

4 Tafelansichten 3-Tafelprojektion Nach DIN 6 erfolgt das Zeichnen von Ansichten in rechtwinkliger Parallelprojektion auf drei Projektionsebenen (Dreitafelbild). Dazu kommen die Seitenansicht von links (SAvl) und die Draufsicht (DS).3 Axonometrische Projektionen Perspektive ist die Darstellung räumlicher Gebilde in einer ebenen Zeichenfläche. reicht ein Zweitafelbild.die schmale Strichlinie für verdeckte Kanten und Umrisse .die schmale Strichpunktlinie für Mittelund Symmetrielinien . Zwei Parallelperspektiven sind nach DIN 5 genormt: isometrische Axonometrie dimetrische Axonometrie (isometrisches Raumbild) (dimetrisches Raumbild) Winkel 30°/ 30° Seitenverhältnis 1:1 Winkel 7°/ 42° Seitenverhältnis 1:2 Ungenormete Parallelperspektiven sind: Planometrische-Projektion Winkel z.die Strich-Zweipunktlinie für ursprüngliche Form und Umrisse angrenzender Teile Zeichnung mit verschiedenen Linienarten 1. 45°/ 45° Seitenverhältnis 1:1 Kabinett-Projektion Winkel 0°/ 45° Seitenverhältnis 1:2 1.Grundwissen Technisches Zeichnen ___________________________________________________________________ .B. Dabei wird üblicherweise die Ansichtsseite als Vorderansicht (VA) gezeichnet. Ist der Körper mit zwei Ansichten eindeutig dargestellt. Die ISO-Methode E bestimmt die Anordnung von zusätzlichen Ansichten (Sechstafelbild) VA SAvl DS 2 .

Ziel ist es. ob zur Tafelprojektion noch Raumbilder und/oder Abwicklungen gezeichnet werden sollen. zu jeder Aufgabe selbst den schnellsten und praktikabelsten Lösungsweg zu finden.Grundwissen Technisches Zeichnen ___________________________________________________________________ 2-Tafelprojektion 6-Tafelprojektion Vorderansicht Untersicht Rückansicht Seitenansicht von rechts Draufsicht Seitenansicht von links 1.5 Mantellinien und Hilfsschnitte Zum Auffinden von Punkten und zur Konstruktion von Schnittkanten im Dreitafelbild werden verschiedene Verfahren eingesetzt. a) Mantellinien Beispiel: Sechskantprisma Beispiel: Pyramide Beispiel: Zylinder Beispiel: Kegel 3 . Auch bei den Konstruktionsverfahren werden die grundlegenden Kenntnisse vermittelt und beschränken sich auf exemplarische Anwendungen. Die Entscheidung für das Konstruktionsverfahren hängt auch davon ab. die der Schüler kennen lernt und je nach Eignung selbstständig einsetzen soll.

6 Abwicklung und wahre Größen Als Abwicklung bezeichnet man das Ausbreiten der gesamten Oberfläche eines Körpers in die Zeichenebene. 1. die ursprünglichen Körperkanten werden als dünne Volllinien gezeichnet. Die Umrisslinie wird dabei als breite Volllinie. Beispiel: schräg geschnittenes Dreikantprisma Dreitafelbild Abwicklung wahre Größe der Deckfläche A A A 4 .Grundwissen Technisches Zeichnen ___________________________________________________________________ b) Hilfsschnitte Vertikalschnitt Horizontalschnitt Horizontalschnitt Vertikalschnitt Radialschnittverfahren Kugelschnittverfahren Anwendung der „Zwölferteilung“ in der Draufsicht Beachte: Das Kugelschnittverfahren kann nur angewendet werden bei der Durchdringung von Rotationskörpern. Es können nur wahre Längen und Größen in die Abwicklung übertragen werden. deren Achsen sich schneiden.

1 Bemaßung Durch die Bemaßung werden Form und Abmessungen eines Werkstücks festgelegt. Maßhilfslinien werden ebenfalls als schmale Volllinien gezeichnet und ragen etwas (ca. 2 mm) über die Maßpfeile hinaus. die sich möglichst nicht mit anderen Linien oder untereinander schneiden. Durchbrüchen usw. Sie müssen von unten oder von rechts lesbar sein.Werkzeichnung 2. Sie werden schmal und spitz gezeichnet. voneinander etwa 7 mm.“ angegeben (engl. Mittellinien kennzeichnen symmetrische Teile und werden als schmale Strichpunktlinie gezeichnet. Sie kann dabei nach verschiedenen Gesichtspunkten angetragen sein: fertigungsbezogen.: thick) Formmaße Die Längen. t=3 20 5 10 5 5 10 20 . Die Maßeintragung: a) Maßzahl b) Maßlinie c) Maßhilfslinie d) Maßpfeil e) Mittellinie a 14 d 20 10 e c 30 b Maßzahlen werden nicht von Linien gekreuzt und stehen in knappem Abstand über der Maßlinie. Lagemaße Die Lage der Veränderung innerhalb des Werkstücks oder der Fläche wird durch Lagemaße angegeben. funktionsbezogen oder prüfbezogen. Sie enden genau an der Maßhilfslinie. Sich schneidende Mittellinien bilden ein Kreuz. Maßarten: Grundmaße Die Umraummaße des Körpers oder des flachen Werkstücks heißen Grundmaße. heißen Formmaße. Die Enden der Mittellinien ragen etwas über die Körperkanten hinaus.. Angewandte Konstruktion . Nuten. Breiten und Tiefen von Stufen. Die Materialdicke wird mit „t =. Maßlinienbegrenzungen sind in der Regel ausgefüllte Maßpfeile.. Die Maßeinheit ist mm und wird in der Zeichnung nicht angegeben. Der Abstand von der Körperkante beträgt etwa 10 mm. Maßlinien sind schmale Volllinien.Grundwissen Technisches Zeichnen ___________________________________________________________________ 2.

wenn z. R8 10 25 R3 0 Unterscheidung: Die Werkzeichnung wird mit allen Maßen. 26 Besonderheiten: Die Maße sollen sich entweder auf eine Maßbezugskante (Außenkante) oder eine Maßbezugslinie (Mittellinie) beziehen.legt die für die Funktion und das Zusammenwirken der Teile notwendigen Maße fest.Grundwissen Technisches Zeichnen ___________________________________________________________________ Systeme der Maßeintragung: Fertigungsbezogene Bemaßung . Die Projektionszeichnung hingegen enthält alle Projektionslinien. 8 18 Prüfbezogene Bemaßung . 10 30 q 25 Beispiel Flaches Werkstück mit Bemaßung 40 Ø 10 Quadrat. 50 30 40 80 120 6 100 t=5 0 R1 .B. spanend oder spanlos) 8 26 Funktionsbezogene Bemaßung .hängt von den Fertigungsverfahren ab (z. aber ohne Projektionslinien gezeichnet. aber keine Maße.liegt vor. Kreisdurchmesser und Abrundungsradius werden durch Sonderzeichen gekennzeichnet. die Mittelpunkte von Bohrungen nicht mehr zur Maßkontrolle benützt werden können. B.

Stufe Nut Durchbruch Abflachung Fase Abschrägung Ausklinkung Freistich Bund Bohrung Dünnwand Rundung 7 .2 Bearbeitungsformen Die häufigsten Veränderungen sind hier an verschiedenen Grundkörpern gezeigt.Grundwissen Technisches Zeichnen ___________________________________________________________________ 2.

Bei zusammengesetzten Werkstücken werden nebeneinander liegende Flächen entgegengesetzt schraffiert (45°. 135°). Großbuchstaben und die breite Strichpunktlinie kennzeichnen den Schnittverlauf. Schnittverlauf A C B D Normteile wie Schrauben. Dabei wird die Hälfte. werden sie häufig geschnitten dargestellt. Durch den Schnitt sichtbar gemachte Körperkanten werden als breite Volllinie gezeichnet. oder Teilschnitt.Grundwissen Technisches Zeichnen ___________________________________________________________________ 2. Halbschnitt c. Rippen und Stege werden nicht geschnitten. Der Abstand der Schraffurlinien ist gleich und richtet sich nach der Größe der Schnittfläche. die Schnittflächen schraffiert (dünne Volllinie 45°). Teilschnitt d. Schnitte können auch winkelig geführt werden. ein Viertel oder ein bestimmter Bereich eines Werkstücks „weggeschnitten“. Man spricht dann von Voll-. Vollschnitt b.3 Schnittdarstellung Um die innere Form von Hohlkörpern deutlich zu machen. Halb-. a. A 15 O 13 Rippe nicht schneiden 60 A O 25 90 SCHNITT A-A R4 R1 O 40 8 .

möglichst bald sollten praxisnahe Beispiele aus Handwerk und Technik gewählt werden.Grundwissen Technisches Zeichnen ___________________________________________________________________ 2. Mantellinien und geeignete Schnittverfahren. Man spricht von Verschmelzung. Dadurch entstehen Durchdringungskanten oder -kurven. Die Konstruktion der Durchdringungslinien erfolgt durch Festlegen von markanten Punkten. da durch CAD auch das räumliche Vorstellungsvermögen im dynamischen Bereich geschult werden kann und somit eine zeitgemäße Ergänzung zur Raumvorstellung im statischen Bereich möglich wird. wenn ein Körper im anderen steckt und herausnehmbar ist. Die Steckung entsteht. bei denen die ursprüngliche Form von mindestens einem Körper durch einen zweiten verändert wurde. wenn die Durchdringungskörper aus einem „Guss“ sind.4 Durchdringung in Handwerk und Technik Unter Durchdringung versteht man zusammengesetzte Körper. Beispiele 9 . Für den Unterricht eignen sich zunächst einfache Grundaufgaben. Neben der Durchdringung werden dabei Zusammenbau und Bewegung eine bedeutende Rolle spielen. Seine verdeckten Kanten müssen gezeichnet werden.