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DAS BUCH Die Handlung ist geheimnisvoll und abenteuerlich: Zwei zigeunernde Kunstflieger, die einander in einem Maisfeld im amerikanischen Mittelwesten begegnen, erleben einen Sommer in der Freiheit ihrer Illusionen. Was wäre, hatte sich Richard Bach zuvor gefragt, wenn ich jemanden träfe, der seiner Zeit weit voraus ist, der über die Illusionen der Welt gebieten könnte, weil er die Wirklichkeit hinter ihnen erkannt hat? Die Antwort findet der Leser in dem faszinierenden Wechselspiel zwischen den beiden Hauptfiguren, dem IchErzähler, einem Mann namens Richard, und einem Messias, den eine aufgebrachte Menge tötet. Das Buch wird vielen Unterschiedliches bedeuten: eine amüsante Fabel, projiziert auf die flimmernde Kinoleinwand dieser Welt, ein tiefgründiges Buch über Wirklichkeiten und Scheinwirklichkeiten, ein Schlaglicht auf das Leben, das viele von uns führen könnten, das manche sogar führen.

DER AUTOR Richard Bach, 1935 in Oak Park, Illinois, geboren, entdeckte seine Liebe zur Fliegerei bereits mit siebzehn Jahren. Mit achtzehn wurde er zum Jetpiloten ausgebildet. Er war Schauflieger und Fluglehrer und publizierte Hunderte von Aufsätzen über seinen mit Leidenschaft ausgeübten Beruf, bis er mit seinem ersten Buch, Die Möwe Jonathan, einen weltweiten Erfolg errang.

Richard Bach

Illusionen

Die Abenteuer eines Messias wider Willen

Ullstein

Nr.. von Diether von Olleschik]. . New York Aus dem Amerikanischen von Eva Bornemann unter Mitarbeit von Diether von Olleschik Ungekürzte Ausgabe 12. Auflage Mai 1998 Umschlagentwurf: Tandem Design.Berlin: Ullstein. Inc. The Adventure of a Reluctant Messiah Erschienen bei Delacorte Press/ Eleanor Friede. von Eva Bornemann unter Mitarb. 1998 (Ullstein-Buch. Übersetzung © 1978 Verlag Ullstein GmbH.› ISBN 3-548-22117-3 NE:GT . Berlin Taschenbuchnummer: 22117 Titel der Originalausgabe: Illusions. Ungekürzte Ausg.Ullstein Buchverlage GmbH & Co. [Aus dem Amerikan.: Illusions ‹dt.Berlin Printed in Germany 1998 Gesamtherstellung: Ebner Ulm ISBN 3 548 22117 3 Gedruckt auf alterungsbeständigem Papier mit chlorfrei gebleichtem Zellstoff Vom selben Autor im Ullstein Taschenbuch: Glück des Fliegens (20711) Die Möwe Jonathan (20897) Brücke über die Zeit (22278) Der unsichtbare Ring (23161) Meine Welt ist der Himmel (23305) Vagabunden der Lüfte (23363) Die Deutsche Bibliothek -CIP-Einheitsaufnahme Bach. Aufl. 12. Richard: Illusionen: die Abenteuer eines Messias wider Willen/Richard Bach. Hamburg Foto: G+J Photonica Alle Rechte vorbehalten © 1977 by Creature Enterprises. 22117) Einheitssacht. KG. Frankfurt/M .

empfand ich es als wohltuend. . packt mich an der Kehle und sagt dann ganz sanft: »Ich laß dich nicht los.. der seiner Zeit voraus ist. wenn ich es vermeiden kann. Hier. wenn ein Siddhartha oder ein Christus in unsere Zeit käme. kein einziges Wort. und nun spürte ich den alten Drang wieder: Da war ein Rest von Unausgesprochenem übriggeblieben . Nach einer Zeit des Hungerns. der mir zeigte.. Aber ab und zu gibt es doch eine gewaltige Explosion mit herumfliegenden Glassplittern und Ziegeln und geborstenem Gebälk. wie meine Welt funktioniert und wie ich sie meistern könnte? Was wäre. draußen. der sich wirklich darauf verstünde. . lag ich nun auf dem Rücken und versuchte mich im Verflüchtigen von Zirruswolken. weil er die Wirklichkeit hinter ihnen erkannt hat? Und was wäre. und einer stolziert über die Trümmer zu mir herein. Richard? Nach Jonathan!« Damals habe ich geantwortet. wenn ich jemandem begegnete. strecke ich nicht einmal die Hand nach dem Bleistift aus. die zu ihm führt. und ich kam nicht darüber hinweg .Vorwort Nach dem Erscheinen der Möwe Jonathan bekam ich immer wieder zu hören: »Was werden Sie als nächstes schreiben. in der Dunkelheit. wenn er einen Doppeldecker fliegen und neben mir auf derselben Wiese landen würde? 5 . wenn nun jemand käme. wenn ich ihn tatsächlich eines Tages träfe. Was wäre. einem. ich würde gar nichts als nächstes schreiben. Ich schreibe gar nicht gern. Was wäre. nachdem ich auch kein Auto mehr hatte. Wenn ich einen Gedanken abwenden kann. . der über die Illusionen der Welt gebieten könnte. . was ich aussagen wollte. die Tür. aufzustoßen. nicht mehr bis Mitternacht arbeiten zu müssen. und daß alle meine Bücher zusammengenommen alles aussagten. Dennoch hatte ich mit meinem antiquierten Doppeldecker jeden Sommer Rundflüge für drei Dollar über die grasgrünen Ozeane des amerikanischen Mittelwestens geflogen.« So bin ich Illusionen begegnet. im Mittelwesten. ehe du mich zu Papier gebracht hast.

wie würde er sein? Vielleicht ganz anders als der Messias auf den ölverschmierten. weil du es nicht vergessen solltest. die dieser mir gesagt hatte: daß wir zum Beispiel in unser Leben hineinziehen können. 6 . was immer wir in unseren Gedanken festhalten . was in diesem Buch steht. Das möchte ich glauben. keine Fiktion ist und daß er uns beide beobachtet und lacht. weil es genauso gekommen ist.Was würde er sagen. wie wir es geplant hatten. daß mein Messias dort draußen in einer anderen Dimension sitzt. grasfleckigen Seiten meines Tagebuches. vor Freude lacht.und wenn das so ist. Vielleicht würde er nichts von dem sagen. Vielleicht ist es dann kein Zufall. dann gibt es für diesen Augenblick für mich und auch für dich einen guten Grund. daß du dieses Buch in den Händen hältst. Aber andererseits gibt es all die Dinge. Und ich möchte auch glauben. das dir jetzt wieder einfällt. Vielleicht gibt es dann etwas in diesen Abenteuern.

und auch die Straßen waren erfüllt von jenen. Und es begab sich einst. die ihm folgten. wurde es wahr. 8. und sein Glaube machte es wahr für ihn. Der Meister glaubte. daß weder er noch die anderen Mechaniker an ihren Autos arbeiten konnten. 6. netzte kein 7 . daß sich solche Scharen versammelten. in denen er arbeitete. seine Werkzeuge abzugeben und seines Weges zu ziehen. und weil er dies glaubte. wo ihn die Menschen. daß es jedermann guttäte. daß er sich aufs Land begab. und weil sie es glaubten. Ging ein Gewitter nieder. Und es begab sich. daß sein Schatten im Vorübergehen auf sie fallen möge und damit ihr Leben ändere. die da hofften. bald den Messias und Wundertäter nannten. so daß andere seine Stärke spürten und sich bei ihm Rat holten. KAPITEL 1. und als er älter wurde. daß die verschiedenen Vorarbeiter und Werkstätteninhaber den Meister baten. Der Meister vernahm zuerst von dieser Welt in den öffentlichen Schulen von Indiana. in seinem Beruf als Automechaniker. waren bald überfüllt von jenen. So geschah es. 2. Aber der Meister besaß auch Erkenntnisse aus anderen Ländern und Schulen und anderen von ihm gelebten Leben. aufgewachsen in den geheimnisvollen Bergen östlich von Fort Wayne. so daß andere seine Stärke sahen und zu ihm kamen. 3. während er sprach. Der Meister glaubte. 7. daß ein Meister vom Himmel zur Erde niederkam. An diese erinnerte er sich und wurde darüber weise und stark. sich für einen Sohn Gottes zu halten. war es so. er besäße die Kraft. 4. 5. die seine Lehren suchten und ihn berühren wollten. auf daß er sie von ihren Nöten und ihren vielen Krankheiten erlöse.1. geboren im heiligen Land Indiana. denn es hatte sich die Menge so dicht um ihn geschart. und die Werkstätten und Garagen. sich selbst und der ganzen Menschheit zu helfen.

« 10. Und er sprach zu ihnen: »In einem jeden von uns wohnt die Macht. ob jung oder alt. denn sie kannte nur ihr eigenes kristallklares Selbst. die darüber bestimmen . wir dagegen nicht. der Strömung zu widerstehen. reich oder arm. denn Ihr werdet gelenkt. und du wirst sehen. werde ich vor Langeweile sterben. Ich werde loslassen.« 11. gleichgültig. sich für ein gesundes oder ein sieches. Und stets sprach er zu ihnen in Gleichnissen. 12. mich immer festzuhalten! Ich kann es zwar nicht mit meinen Augen sehen. Die Strömung des Flusses ging ruhig über alle hinweg einerlei. daß die Strömung weiß. denn wenn ich mich weiter festhalte. wohin es geht. ein reiches oder ein armes. denn ihre Art zu leben bedeutete Sichfesthalten. und du wirst schneller daran sterben als vor Langeweile!‹ 16. wie die Strömung. und die letzten der Menge hörten seine Worte so deutlich wie die ersten. aber ich vertraue trotzdem darauf. 14. Jedes Geschöpf klammerte sich in der ihm eigenen Weise fest an die Zweige und Steine im Flußbett. die du so verehrst. wohin es will.‹ 15. Die anderen Geschöpfe lachten und sagten:›Du Narr! Laß nur los. von Geburt an hatte man ihnen beigebracht.und niemand sonst. Aber dieses eine Geschöpf hörte nicht auf sie: Es holte einmal tief Luft und ließ los und wurde sofort herumgewirbelt und von der Strömung gegen die Felsen geschmettert. 8 . Der Meister antwortete und sprach: »Es gab einmal eine Ansiedlung von Geschöpfen am Grunde eines großen kristallklaren Flusses.Tropfen Regen das Haupt eines einzigen Zuhörers. Ihr braucht nicht zu schuften wie wir. Ein Mühlenarbeiter sprach zu ihm: »Ihr habt gut reden. Meister. In dieser unserer Welt muß man für seinen Lebensunterhalt arbeiten. damit mich das Wasser forttragen kann. gut oder böse: Die Strömung ging ihren eigenen Weg. das eines Tages sagte: ›Ich habe es satt. ein Leben in Freiheit oder Sklaverei zu entscheiden. ob es am Himmel blitzte oder donnerte. Aber unter ihnen gab es ein Geschöpf. Wir selbst sind es. dich packen und auf die Felsen schmettern wird. 13. 9.

weder laut noch leise war. Und als er erkannte. sondern dein Wille geschehe. Es tut mir leid. laß mich diese unmögliche Aufgabe beiseite legen. 20. Unsere wahre Aufgabe ist diese Reise. stieg er an jenem Tage allein auf einen abgelegenen Berg hinauf. für sie zu lernen und für sie zu leben.« 23. als uns zu befreien. wie sie ihn enger und heftiger denn je bedrängte und ihn anflehte. das Leben auch nur einer einzigen anderen Seele zu leben. daß ich es habe soweit kommen lassen. riefen: ›Sehet. und ehe sie sich’s versahen. Wenn es dein Wille ist. Ich vermag es nicht. denn dein Wille ist auch der meine. Aber sie riefen nur um so lauter: ›Erlöser!‹ und klammerten sich dabei an die Felsen. Und in seinem Herzen sprach er: »Unendliches. uns alle zu erlösen!‹ 19. war er gegangen. ist dieses Abenteuer. Aber noch rechtzeitig trug die Strömung das Geschöpf. wenn wir nur den Mut aufbringen loszulassen. sagte: ›Ich bin nicht mehr der Messias als ihr auch. Geh deines Weges wie die anderen Menschen und werde glücklich auf dieser Erde. Der Fluß tut nichts lieber. so laß diesen Kelch an mir vorübergehen.17. eine Stimme. Und der. die weder männlich noch weiblich. dann laß mich zu meinen Motoren und Werkzeugen zurückkehren und laß mich leben wie jeder andere Mensch. und dort betete er. 22. den die Strömung getragen hatte. das sich nicht mehr festhalten wollte. vom Grunde des Flusses frei.« 21. die sich stromabwärts angesiedelt hatten und die es nicht kannten. und es wurde nicht länger zerschunden oder verletzt. 18. dennoch rufen Zehntausend mich darum an. daß er sie ohne Unterlaß heilen und immer wieder mit seinen Wundertaten füttern möge. der Messias ist gekommen. und doch fliegt es! Seht. ein Wunder! Ein Geschöpf wie wir. wie sich täglich eine immer größere Schar um ihn versammelte. Und eine Stimme sprach zu ihm auf dem Berg. und sie blieben allein zurück und spannen ihre Legenden von einem Erlöser. wenn es dein Wille ist. strahlendes Sein.« 9 . Und all die Geschöpfe. Und diese Stimme sprach zu ihm: »Nicht mein Wille.

Meister!« rief die Menge.« 33. wie ihm geheißen?« 27. einerlei. aufgehängt. »Es sollte ihm eine Lust sein. für die wir uns dieses Leben ausgesucht haben.24. selbst Höllenqualen zu erleiden. damit ihr euren eigenen Weg geht. frohlockte der Meister. es zu heilen und ohne aufzuhören mit den Früchten seiner Erkenntnisse zu füttern und mit seinen Wundertaten zu unterhalten. Und als das Volk ihn wieder umringte und bestürmte und ihm von seinen Kümmernissen berichtete und ihn anflehte. wenn es dies ist. »Ehrenvoll ist es.« 25. »Und was würdet ihr tun«. und ich will euch jetzt verlassen. was Gott verlangt hat!« riefen sie. »Gewiß doch. was diese Qualen sind und wie schwer die Aufgabe ist?« 29. Und er sprach zu ihnen: »Wenn ein Mann Gott versicherte. Dies ist es. er täte nichts lieber. Und die Menge schwieg darob. was es koste. sollte dieser Mann dann nicht tun. fragte der Meister die Menge. wie ihr es für richtig haltet. »wenn Gott euch ins Angesicht sagte: ›ICH GEBIETE EUCH. bedankte sich und summte ein kleines Mechanikerlied. 32. »Gleichgültig. ZEIT EURES LEBENS AUF DIESER WELT GLÜCKLICH ZU SEIN‹? Was würdet ihr dann tun?« 31. wenn Gott es so wollte. 26. was ich heute erkannt habe. ruhmvoll. während er von dem Berg hinabstieg. Und der Meister sagte in die Stille hinein: »Auf dem Pfad unseres Glücks werden wir die Erkenntnis finden. was er tun müßte. wo sie alle standen. Einen Augenblick hatte es der Menge die Sprache verschlagen. Und als er dies vernahm. an einen Baum genagelt und verbrannt zu werden. lächelte er der Menge freundlich zu und sagte: »Ich höre auf. 30.« 28. Und er bahnte sich einen Weg durch die Menge und verließ sie und kehrte zurück in die Alltagswelt der Männer und Maschinen. nicht eine einzige Stimme erklang über den Hügeln und Tälern. und Gott ihm antwortete und sagte. als der leidenden Menschheit zu helfen. 10 .

ihm einen Besuch abzustatten. mein Leben war ungebunden. das leise klack-klack des Propellers. der mit dem Wind von Stadt zu Stadt flog und Rundflüge in einem alten Doppeldecker verkaufte: Preis drei Dollar für zehn Minuten Flugzeit. dann nur frischgemähtes Heu. ein plötzliches Anschwellen von Lärm und Kraft. der sich wie ich betätigte. eine Umzäunung blitzte auf. um die Landung besser beobachten zu können. das die Reifen streiften. Aber eines Tages. Der Pilot der Travel Air saß im frischgemähten Gras. um neben das andere Flugzeug zu rollen und zu halten. den Rücken gegen das linke Rad seiner Maschine gelehnt. Ich wäre nicht so ruhig gewesen. und dann das vertraute harte Schütteln vom festen Boden unter den Rädern. ein sanfter. In den vier Jahren meiner Flugpraxis war ich noch nie auf jemanden gestoßen. blickte ich aus dem Cockpit meiner alten Fleet hinunter. Gas zurück auf Leerlauf. Schutzbrille hoch. Gas weg. Ich sah den Doppeldecker dort unten. guter Klang. und beobachtete mich. aber manchmal wurde es verdammt einsam. sachte . es könnte nicht schaden. und dann glitten die Fleet und ich mit einem kalifornischen Riesenslip schräg nach unten auf den Boden zu. als ich Donald Shimoda das erstemal begegnet bin. Zündung aus.2. Maisstengel huschten wie ein grünblättriger Dschungel dicht unter mir dahin. der nun in der völligen Ruhe des Julitages zum Stillstand kam. . wie gemalt. mitten im gelbgrünen Gras. Gewiß. Eine gute halbe Minute starrte ich zurück und bewunderte seine rätselhafte Gelassenheit. und da saß eine Travel Air 4000. ein elegantes Abfangen über dem Heu. voll ins Seitenruder gestiegen. unmittelbar nördlich von Ferris im Staate Illinois. Mit Knüppel und Ruder aus dem Slip. der den Propeller ohne Hast weiter herumwirbelte. zögerte einen Augenblick und dachte dann. gold und weiß lackiert. sachte. Der Wind sang in den Spanndrähten. das bedächtige tuk-tuk des guten alten Motors. hätte nicht einfach so dagesessen und 11 . KAPITEL Es war Hochsommer. . so weit das Auge reichte.

zugesehen, wie ein anderes Flugzeug sich knappe zehn Meter entfernt von mir auf ein Feld setzte. Ich nickte ihm zu, er gefiel mir auf den ersten Blick. »Sie sahen so einsam aus!« rief ich über die Entfernung zwischen uns. »Sie auch.« »Wollte nicht stören. Wenn ich überflüssig bin, verdufte ich.« »Nein. Ich habe Sie erwartet.« Ich mußte lächeln. »Tut mir leid, daß ich mich verspätet habe.« »Macht nichts.« Ich nahm meine Kopfhaube und die Schutzbrille ab, kletterte aus dem Führersitz und sprang von der Tragfläche herunter. Es tut jedesmal wohl, wenn man ein paar Stunden in der Fleet gesessen hat. »Ich hoffe, Sie haben nichts gegen ein Brot mit Schinken und Käse«, sagte er. »Schinken und Käse und vielleicht eine Ameise.« Kein Händeschütteln, keine irgendwie geartete Vorstellung. Er war kein großer Mann. Haare bis auf die Schultern, schwärzer als der Reifen, gegen den er sich stützte. Augen dunkel wie die eines Falken, von der Art, wie ich sie bei einem Freund gern sehe und wie sie mir bei jedem anderen Menschen ein ungutes Gefühl geben. Er hätte ein Karatetrainer sein können, unterwegs zu einer ruhigen Demonstration der Gewalt. Ich nahm das dargebotene belegte Brot und akzeptierte einen Thermosbecher voll Wasser. »Wer sind Sie eigentlich?« sagte ich. »Seit Jahren bin ich in diesem Geschäft, und niemals ist mir jemand aus derselben Branche mitten auf einer Wiese begegnet.« »Ich tauge zu nichts anderem«, entgegnete er gut gelaunt. »Ich war Automechaniker, habe Schweißtechnik gelernt, habe mich überall herumgetrieben, mit Planierraupen gearbeitet und so weiter - wenn ich irgendwo zu lange bleibe, gibt es Probleme. Deshalb habe ich mir das Flugzeug zusammengebastelt, und nun bin ich eben als ›Barnstormer‹ im Geschäft.« »Was für Planierraupen?« Seit meiner Kindheit hatten mich diese Dieseltraktoren fasziniert.
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»D-Achter, D-Neuner. Vorübergehend, in Ohio.« »D-Neuner! Die sind ja riesig! Doppelte Untersetzung in den niedrigen Gängen! Können die tatsächlich einen Berg versetzen?« »Es gibt bessere Wege, um Berge zu versetzen«, antwortete er, und ein winziges Lächeln huschte über sein Gesicht. Ich lehnte mich gegen die untere Tragfläche seiner Maschine und sah ihn mir genau an. Das Licht... es täuschte wohl, denn es war schwer, dem Mann direkt in die Augen zu sehen, als ob ein Strahlenkranz um seinen Kopf war, der den Hintergrund in einem neblig-silbrigen Schimmer verschwinden ließ. »Stimmt was nicht?« fragte er. »Was waren denn das für Probleme?« »Oh, nichts Besonderes. Ich bin eben gern auf der Walze, genau wie du.« Ich nahm mein Butterbrot und spazierte um seine Maschine herum. Es war ein Modell aus dem Jahr 1928 oder 1929, und nicht ein einziger Kratzer. Selbst Fabriken stellen keine Flugzeuge her, die so neu aussehen wie diese Maschine hier im Gras. Mindestens zwanzig Schichten erstklassige und mit der Hand eingeriebene Spannlackierung, eine spiegelglatte, straff über den Rippen liegende Farbschicht. Don prangte in altenglischen Blattgoldlettern unmittelbar unter dem Rand des Cockpits, und auf der Kartentasche stand D. W. Shimoda. Die Fluginstrumente waren nagelneu, Originalinstrumente aus dem Jahr 1928. Steuerknüppel und Seitenruderachse aus gefirnißter Eiche, Gashebel, Gemischregler, Zündverstellung links davon. Heutzutage hat man keine Zündverstellung mehr, auch nicht an den mit größter Liebe restaurierten Oldtimern. Nirgends ein Kratzer, kein Flicken auf der Bespannung, keine Ölspuren unterhalb der Haube. Kein einziger Strohhalm auf dem Boden des Cockpits, als wäre die Maschine überhaupt niemals geflogen, sondern hätte durch eine Zeitverwerfung über ein halbes Jahrhundert hinweg hier und jetzt Gestalt angenommen. Mir sträubten sich die Nackenhaare. »Seit wann machen Sie diese Rundflüge?« fragte ich über die Maschine hinweg. »Seit vier, fünf Wochen.«
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Er log. Nach fünf Wochen in den Wiesen, und wenn man noch so gut fliegt, ist es einfach unmöglich, die Maschine von Schmutz und Ölspuren freizuhalten, und auf dem Boden des Cockpits liegt ganz bestimmt Stroh. Aber dieses Flugzeug . .. kein Ölfilm auf der Windschutzscheibe, keine Spuren von fliegendem Heu an den Vorderkanten von Tragflächen und Höhenruder, keine auf den Propellerschaufeln zerquetschten Insekten. Unmöglich für ein Flugzeug, das durch einen Sommer in Illinois fliegt. Ich sah mir die Travel Air noch ein paar Minuten genauestens an. Dann ging ich zurück und setzte mich auf das Heu unter die Tragfläche, dem Piloten gegenüber. Ich hatte keine Furcht, er gefiel mir noch immer, aber irgend etwas stimmte hier nicht. »Warum erzählen Sie mir nicht die Wahrheit?« »Ich habe aber die Wahrheit gesagt, Richard«, erwiderte er. »Mein Name steht doch auch am Flugzeug dran.« »Man befördert nicht einen Monat lang Passagiere in einer Travel Air, ohne eine Spur von Öl und Staub auf die Maschine zu bekommen, mein Freund, einen Riß in die Bespannung und, zum Teufel noch einmal, Stroh auf den Boden des Cockpits!« Er war ruhig geblieben und lächelte. »Es gibt eben Dinge, von denen du nichts weißt.« Im gleichen Augenblick wurde er für mich zu einem Wesen von einem anderen Planeten. Ich glaubte ihm, und doch hatte ich keine Erklärung dafür, wie er sein Kleinod von einer Maschine gerade dort, in dem sommerlich abgemähten Feld, hätte landen können. »Da hast du recht. Aber eines Tages werde ich alles verstehen. Und dann, Donald, kannst du auch meine Maschine haben, denn ich werde sie nicht mehr brauchen.« Er sah mich interessiert an und hob die schwarzen Augenbrauen. »Ach ja? Erklär mir das.« Ich war begeistert. Endlich jemand, der meine Theorie erklärt haben wollte! »Viele Jahre lang konnten die Menschen nicht fliegen, eben
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« »Und du meinst. also blieb ich stumm und hielt mich zurück. Die Tür wurde geöffnet. was ich wissen will. zeig ihn mir mal.« »Könnte sein. Der Staub blieb in der Luft hängen.weil sie es nicht für möglich hielten. erreichen kannst. »Jawohl. daß irgend etwas über mich wacht.« Er schenkte mir ein halbes Lächeln. daß du geführt wirst. der mir mehr von dem beibringt. Ein moderner. wenn dieser Lehrer nicht zufällig ich selbst bin. aber sollte es tatsächlich einen Menschen geben. die ich mir selbst erworben habe. wollen Sie heute fliegen?« 15 . warf einen feinen braunen Staubnebel auf und hielt am Rand des Feldes. der dir helfen kann?« »Ja. »Und du bildest dir ein. daß genau das geschieht«. antwortete er forsch. daß noch ein anderes Prinzip im Spiel ist: Wir brauchen nämlich keine Flugzeuge. stimmt’s? Und deshalb haben sie sich auch nicht über die elementarsten Prinzipien der Aerodynamik den Kopf zerbrochen.« Die dunklen Augen sahen mich direkt an. »Haben Sie Lust. neuer Pickup-LKW kam die Straße heruntergebraust. Das Feld war Donald Shimodas Entdeckung. Wir könnten es auch ohne die Anwendung von Maschinen bewerkstelligen. du wirst zu einem Lehrer geführt. was du lernen willst. blieb aber ernst darunter und nickte mit dem Kopf. und ein alter Mann und ein etwa zehnjähriges Mädchen kletterten heraus. »Glaubst du denn nicht. Sir«. wenn du das wirklich lernen willst?« »Klar werde ich geführt. sagte er. was mir Freude macht. »Kann man bei euch Rundflüge buchen?« fragte der Mann. so windstill war es. daß du das. Wenn wir es nur wollten. indem du den Leuten für drei Dollar Rundflüge verkaufst?« »Ich betrachte nur die Kenntnisse als wichtig. Ich glaube aber. als es mein Flugzeug und der Himmel über mir können. werden wir es nicht alle? Ich habe immer gefühlt. oder sie. um zu fliegen oder um durch die Wand zu gehen oder auf Planeten zu landen. indem ich das tue. Es gibt zwar keinen.

Sir. ich bin bereit. »Richard wird fliegen. Nun. Und das ist es bestimmt wert. wie?« »Drei Dollar in bar und im voraus. wird unterlassen. Es ist anstrengend. wenn ich da oben bin?« Der Mann zwinkerte mit den Augen und fixierte uns. Sie wollen warten. braunäugig und mit ernstem Gesicht. nichts zu tun und mit anzuhören. Ich habe noch Mittagspause. Ich war es zwar gewöhnt. Meistens ist es umgekehrt. . daß es auch einen anderen Weg gibt. wo es nur Vögel und Engel gibt! Und all das für nur drei Dollar.. wenn Sie’s nicht wollen. ob wir ihn hinter seiner ländlichen Sprache richtig einschätzen würden. Ich hatte mich an meine eigene Werbung gewöhnt (»Garantiert fünf Grad kühler dort oben. Mir gefiel seine Masche. Sie wollte nicht fliegen. konnte ich mich ausnahmsweise einmal entspannen. seine Art der Untertreibung. sagen jedenfalls die meisten. Blond.« »Und ich nehme an. ich meine Loopings und so. ihr verlangt ein Vermögen dafür.« »Nein. . weil ihr Opa da war. Leute! Kommt rauf mit mir. beiseite zu stehen.«). aber die Nervosität war geblieben. Die Jungen wollen fliegen. Das kleine Mädchen stand abseits. wie es ausging. ich hatte begriffen. Sir. »Wird gemacht. auch wenn wir den ganzen Sommer darauf warteten. Verkaufe ich keine Rundflüge. Macht dreiunddreißig ein Drittel Cent die Minute. Es sei denn. esse ich auch nicht. Man bekommt einen sechsten Sinn.. wenn Sie’s wollen. als wollte er herausbekommen. allein zu fliegen und auch noch die Rundflüge selber verkaufen zu müssen. ein dutzendmal fünfundzwanzig Cent aus Ihrer Tasche . Zehn Minuten Flugzeit. da ich nur zuzusehen brauchte und mein Abendbrot nicht davon abhing. Können wir über meine Farm fliegen?« 16 .« Es war ein merkwürdiges Gefühl. wenn der Lebensunterhalt davon abhängt. Ich hatte vergessen. Shimoda füllte sich den Thermosbecher voll Wasser. »Welcher von euch beiden . wie der Typ sich verkaufte. die Erwachsenen haben Bedenken.»Möglich.?« sagte der Mann. Dreht ihr Rollen in der Luft. daß dieses Mädchen nicht mit uns fliegen würde. Sie war da.

die Zündkerzen feuerten. Auf der Veranda war eine Frau erschienen.»Klar«. In einem Wirbel entfesselter Pferdestärken und fliegenden Strohs hob sich die Fleet in die Luft und kletterte dreißig Meter hoch (wenn der Motor aussetzt. Hinten ein Gemüsegarten: Mais und Salat und Tomatenpflanzen. würgt man den Motor ab.. Don?« »Wird gemacht. und winkte. dem ausgestreckten Zeigefinger des Mannes durch den Fahrtwind nach Südwesten folgend. über Scheunen von der Farbe glühender Kohlen. »Sie brauchen mir nur den Weg zu zeigen. wie deutlich sie einander von Himmel und Erde aus erkennen konnten. Der Mann winkte zurück. »Wie willst du’s haben?« »Gleich mit Zündung! Sachte anwerfen! Der Schub reißt ihn dir aus der Hand.« Ich holte mein zusammengerolltes Bettzeug. Aber dieser Mann warf den Propeller so sachte an. Der Mann im vorderen Teil des Cockpits sah hinunter durch die Luft. landen wir auf dem Acker). jetzt wäre es die Kuhweide im Westen). »Wirfst du mir bitte den Motor an. .« Wenn man den Propeller der Fleet zu heftig anwirft. hockte sich ins Gras und begann eine Unterhaltung mit dem Kind. Drei Minuten in der Luft. weiße Schürze über blauem Kleid. Die Feder des Schwungrades schnappte ein. zweihundert Meter (wir können immer noch wenden und im Heu landen . half dem Mann auf den Passagiersitz und schnallte ihn an. und wir kreisten über einem Bauernhof. 17 . sagte ich. als hätte er es sein Leben lang getan. während wir über das von Tragflächen und Spanndrähten umrahmte Farmhaus flogen.« Er kam mit dem Thermosbecher in der Hand und stellte sich neben den Propeller. dreihundert Meter und im Geradeausflug. meine Werkzeugtasche und mein Kochgeschirr aus dem Cockpit der Fleet. und der alte Motor lief gelassen. über einem elfenbeinfarbenen Haus in einem Meer von Pfefferminzgrün. Shimoda ging zurück zu seiner Maschine. Später würden sie sich erzählen. Dann zwängte ich mich in das Cockpit und schnallte mich ebenfalls an.

Wir setzten mit einem sanften Stoß auf und rollten bis zum Rand der Wiese nahe der Straße. wie die Travel Air abhob und Richtung auf die Farm nahm. der Mann löste den Sicherheitsgurt. und ich half ihm beim Aussteigen. Er klang ungerührt.. hat auch was fürs Vieh übrig. »Seit ihrer Geburt hat die Kleine eine Heidenangst vor Höhen. der könnte dem Teufel ’ne Ladung Asche andrehen. Als ich zur Landung hinunterslippte und steil über dem Maisfeld einkurvte. Sarah würde genausowenig auf einen Baum klettern wie mit der bloßen Hand in ein Hornissennest fahren.« »Sie meinen. Schreit wie am Spieß.Er wandte sich zu mir um und nickte. das andere landet. Ich bin einmal mit einem kleinen Wanderzirkus aus fünf Maschinen geflogen. . wo wir waren. Das eine Flugzeug steigt auf mit neuen Passagieren. Wir verkaufen eine gute Sache. Der Motor stand still. um für uns zu werben. für den es alltäglich ist. Ihr Freund verkauft sie. davor fürchtet sie sich. »Ein prächtiger Flug. danke schön. und ging dann in einer engen Spirale über den Wiesen hinunter. Wetten daß?« »Weshalb sagen Sie das?« »Natürlich wegen der Kleinen.. Ich flog in einer weiten Kurve über Ferris. mein Junge. würde es auch dann nicht tun. wir können zurückfliegen. daß ein toter Zweig im Hof plötzlich Blüten und reife Äpfel trägt. . um ihnen zu zeigen. Sie klettert ja nicht einmal auf einer Leiter zum Dachboden. Er holte die Brieftasche aus seiner Latzhose und blätterte kopfschüttelnd drei Dollarscheine hin. wenn die Sintflut käme. Ihr Freund. die wir gerade verlassen hatten. und einen Augenblick lang war es dasselbe Gefühl. verfolgten seine Augen die Travel Air.« »Das meinen wir auch. Meiner Enkelin Sarah verkauft er einen Rundflug!« Während er sprach. konnte ich gerade noch sehen. wie ein Mann. Genug. Sie versteht sich auf Maschinen. aber Höhen . die wie ein silbriges Stäubchen in der Luft hing und dann über dem Farmhaus kreiste. Und nun fliegt sie durch die Luft!« 18 .« »So?« »Klar.

ich werde den Motor instand halten und überallhin fliegen und die Leute mitnehmen! Darf ich?« Shimoda lächelte dem Mann zu und hob die Schultern. daß ich Maschinen reparieren kann. »Er hat dir gesagt. keine einzige zerquetschte Fliege auf diesen knapp drei Meter langen Schaufeln. Es war wundervoll. Der Propeller drehte sich mit einem leisen Klacken und stand still. machte die Tür des vorderen Cockpits auf und zeigte ihr. genau wie unsere. Aber sie hatte es überhaupt nicht wahrgenommen. aber ich werde es. wenn ich groß bin. ich hab mich überhaupt nicht gefürchtet! Das Haus hat wie ein kleines Spielzeug ausgesehen. und ich brauchte mich nicht mehr zu fürchten! Ich will Pilot werden. und zwar so schräg. wie ich niemals mit einem kleinen Mädchen.« 19 . wie sie aussteigen sollte. ich hab keine Angst mehr! Ehrlich. Dann glitt sie über das Maisfeld und den Zaun und ließ sich sanft in einer Dreipunktlandung auf das Gras herunter. Ich beobachtete die Travel Air. du wirst Pilot werden.Er erzählte es mir und sprach dann davon. Opa. stimmt’s?« »Nein. Ich löste den Sicherheitsgurt der Kleinen. wie war’s?« fragte ich. um nicht mit dem Fuß auf die Bespannung zu treten. Ich sah genau hin. Du weißt doch. ich fürchte mich nur. »Opa. und wie sie allerhand waghalsige Kunststücke gemacht hätten. das Höhenangst hatte. und Don hat gesagt.« »Das kannst du mit deiner Mutter bereden. Keine toten Insekten. wie sie immer größer wurde und über der Wiese ihre Kurven zog. geflogen wäre. wie vor vielen Jahren einmal ein Luftzirkus durch Galesburg gekommen war und durch Monmouth und wie sie mit Doppeldeckern flogen. Sarah. ich werde dann selber ein Flugzeug haben. Dann ließ er sie seitwärts fallen. und Mama hat gewinkt. um so perfekt zu landen. Das Flugzeug rollte. weil ich einmal heruntergefallen und gestorben bin. Donald Shimoda mußte eine lange Flugerfahrung haben. Jedenfalls müssen wir beide jetzt nach Hause. bis es neben uns zum Stehen kam. »Na. und zwar aus eigener Kraft.

und dann lief ich zur Tankstelle. reizt mich deine Auswahl nicht sehr. während Fluggäste ein. war nur noch ein Streifen von Tageslicht am Himmel. Sie blieb makellos. Dann kamen zwei Autos und dann noch eins. einer ging langsam. Dann zündete ich sie an. tat dasselbe mit der Dose mit den Spaghetti und stellte beide aufs Feuer. der Eintopf ist einigermaßen. daß er den Insekten auswich. »Entweder Suppe oder Eintopf oder Spaghetti«. Die Flammen warfen ihre Farben auf die abgestellten Maschinen. bist du denn nicht hungrig nach soviel Arbeit?« »Ehrlich gesagt. die ich alle zwei Stunden von meiner Windschutzscheibe wischen mußte. was er Sarah erzählt und ob er die Geschichte mit dem Tod erfunden hatte oder sie womöglich selber glaubte. bis die Sonne untergegangen war. Don zu fragen. Ich legte trockene Maisstengel auf meinen kleinen Feldkocher und darüber ein paar Stücke Holzkohle. und dann noch ein paar. Jetzt war es ganz dunkel.und ausstiegen. um für die Fleet Treibstoff zu holen. der andere rannte zu dem Laster. Möchtest du heiße Pfirsiche?« »Mir egal«. und als es Mittag geworden war. nirgendwo war ein Ölspritzer. Wieder Passagiere.« »Mann.Sie bedankten sich bei uns.« Ich öffnete die Konservendose mit einem Schweizer Luftwaffenmesser. sagte er. Beide waren durch das. es sei denn. seine Maschine inspiziert. daß ich gar nicht daran dachte. »Oder Birnen oder Pfirsiche. und schließlich war es Abend. Wir flogen ein gutes Dutzend Rundflüge so schnell hintereinander wie nur möglich. verändert. meinte ich. 20 . und das goldfarbene Stroh funkelte in der Glut. was sich auf dem Feld und in der Luft ereignet hatte. sagte ich. Als wir endlich Schluß machten. und wir waren pausenlos abwechselnd geflogen. wir hätten alle zweihundert geflogen und noch einige aus der Umgebung obendrein. Ich war so beschäftigt gewesen. Offenbar flog er so geschickt. und als es ganz dunkel geworden war. wollten eine Menge Leute Ferris aus der Luft bestaunen. Auf einer Tafel irgendwo stand: 200 Einwohner. Ab und zu hatte ich. Ich untersuchte den Proviantkasten. »Irgend etwas oder nichts.

.. 147 Dollar. . hab ich recht? Du fliegst doch meistens zwei. das macht. »würdest du die Freundlichkeit haben. Es langt mindestens für eine Woche. sagte ich. Jedesmal war es dieser Teil des Tages. fügte er hinzu. mir den Eintopf zu reichen?« 21 . .ohne Unterbrechung. . was mir niemals leicht fällt. Don. .Dollarscheine knisterten in meinen Taschen . den ich besonders gern hatte. da kann es getrost Schusterjungen regnen . »Ich schwimme im Geld. »wie steht’s mit dem Lehrer?« »Ich brauche keinen Fluglehrer«. . über hundert Dollar pro Tag.« »Wenn du mit dem Geldzählen und Darinschwimmen fertig bist«. nur ich und die Fleet. und ohne sie zu glätten. mal sehen: vier und zwei im Sinn . ich überschlug es im Kopf. . . das macht neunundvierzig Flüge insgesamt! Ein Rekord. Du mußt glatte zweihundert gemacht haben . »Also das macht. . zählte ich sie. eine ganze Woche lang. antwortete er. Ich holte die Geldscheine heraus. mit deinen zwei Passagieren bei jedem Flug. sagte er und lächelte.« »Meistens«. »Übrigens«.

Eine weiß-goldene Travel Air glitt herab und landete auf der Wiese.« Jawohl. Richard«. Es war drei Uhr früh. Es war mir nicht aufgefallen. klang seine Stimme hinüber zu mir durch das Dunkel. pfiff leise vor sich hin und verschwand. Kapitel Gewimmel und Ansammlungen von Menschen. daß er da war. Dann wurde aus den Menschen ein Meer. Ich öffnete die Augen und sah im Mondlicht die große Travel Air neben der Fleet stehen. Shimoda saß auf seiner Bettrolle in genau derselben Haltung wie damals.3. mich dann an alles erinnerte und aus einem rätselhaften Grunde glücklich war. daß er noch wach war. »Nun. und nur. aber ich wußte. »Du warst neugierig und wolltest alles über mich wissen. weil es in Balkenlettern auf der Titelseite stand. als ich aus dem Traum aufschreckte. die amerikanische Offenbarung. 22 . »Ich meine deinen Traum. ich entsann mich. »hast du jetzt begriffen. die sich über einen Menschen. ergossen. Nun weißt du es. aber anstatt darin zu ertrinken. »Donald Shimoda?« »Zu Ihren Diensten«. richtig? Es hat in der Zeitung gestanden: Donald Shimoda. und lehnte sich an das linke Rad seiner Maschine. wandelte er über den Wellen. erwiderte er.« Ich dachte lange darüber nach und schlief dann ein. Ströme von Leuten. was hier vor sich geht?« »Begriffen? Inwiefern?« fragte ich noch ganz schlaftrunken. Ich konnte ihn nicht klar erkennen. Das Meer aus Wasser wurde zu einem See aus Gras. der Pilot stieg aus dem Cockpit und stellte ein Transparent auf: Rundflüge 3 $. Der Mann und die Menschenmenge und das Flugzeug«. als ich ihm begegnet war. erklärte er geduldig. den sie am Ende den Mechaniker-Messias nannten. verschwand eines Tages vor den Augen einer fünfundzwanzigtausendköpfigen Menschenmenge. Ich hatte es am Zeitungskiosk einer kleinen Stadt im Staate Ohio gelesen. der mitten darin stand. »Und jetzt weißt du es und brauchst dir über mich nicht mehr den Kopf zu zerbrechen. der.

»Nun. in diesem Geschäft bist? Du solltest doch die Welt erlösen. ich meine .« Er ließ einen Steckschlüssel zum Spaß in der Luft schweben. Ein guter Messias haßt nichts und kann auf jedem gewünschten Pfad wandeln. Kinder des Seins oder in gewisser Weise Wunschvorstellungen oder wie immer du es ausdrücken willst?« 23 .« Er kramte in seiner Werkzeugtasche und warf den Schraubenschlüssel hoch. Nun. der Messias. es schwebte gewichtlos.. wenn du es durchaus willst.. . es verlangsamte seinen Flug und tanzte einfach ein paar Zentimeter vor meiner Nase in der Luft. Don. da ich das Werkzeug anfaßte. Jeder Mensch kann das.. was man mit ihm anstellt. Jeder Mechaniker weiß. lässig im Äther. Lieber das. vielleicht doch nicht zu einem ganz normalen. als wollte ich mich rechtfertigen. daß das kein normaler Schraubenschlüssel ist.« Ich saß gerade auf der Haube der Fleet und guckte hinunter auf meinen seltsamen Kameraden. ich bin eben als Messias ausgestiegen. »Wirf mir doch einen Achter-Schlüssel rauf. so liegt es vielleicht daran. aber es ist eine Wonne.. daß du. Aber im Moment. als weitermachen und es hassen. und wenn es so aussieht. so stolz ist sein Preis. die es zu kaufen gibt. wenn du willst. mit ihm zu arbeiten.. Seit mir nämlich ein billiger Sechzehner-Schlüssel in der Hand abbrach. er könnte genauso aus purem Gold sein. Du kannst auch aufhören zu atmen. Sind wir nicht allesamt Kinder Gottes oder. Er wird nie abbrechen. stimmt’s? Ich wußte nicht. und dieser spezielle Schraubenschlüssel ist mit einer Knarre versehen. daß ich mich immer noch angegriffen fühle und mich verteidigen muß. Es war genauso wie bei all den anderen Werkzeugen an diesem Vormittag: Er warf das Handwerkszeug herauf zu mir. habe ich mir nur die besten Werkzeuge angeschafft.»Ist es denn gestattet. daß der Messias einfach seine Schlüssel zurückgeben und aussteigen kann. . »Gewiß kannst du aussteigen! Du kannst alles hinwerfen. nahm es in meiner Hand Gewicht an und wurde zu einem normalen. einerlei. verchromten Drehmomentschlüssel aus Vanadium-Stahl. wenn du es dir anders überlegt hast.

»Gewiß. und es zahlt sich aus. sagte ich und kam mir dabei sehr gescheit vor. Allenfalls als die eines angehenden Hypnotiseurs.Ich zog die Zylinderflanschmuttern des Kinnermotors an. Junge. aber diese Muttern haben die Angewohnheit. »Sag. wie langweilig es sein wird. Warum ahnte ich nicht früher. ihnen immer um eine Nasenlänge voraus zu sein. und ich beglückwünschte mich. als ob sich der Job eines Messias doch von anderen unterscheidet. Was für eine fade Aufgabe. Schließlich ist es ja auch merkwürdig. Wenn ich etwas fertigbringen will. aber sind wir es nicht alle? Ich bin euer Erlöser.‹ Und jeder. wenn ich weiß. begreift es. sie an jenem Vormittag alle überprüft zu haben. 24 . Vielleicht klingt es nur ein wenig merkwürdig. meinte er. ehe ich Fluggäste an Bord nahm. du hast’s beinahe erfaßt! Lieber ein Hypnotiseur als ein Messias. ›Gut. ich bin nun einmal Gottes Sohn. sich nach etwa hundert Flugstunden zu lockern. du hast recht. Don. Ich bin zufrieden. »Ich brauch aber keinen. empfinde ich es nicht als Arbeit. Und richtig. Der alte B-5 ist ein zuverlässiges Triebwerk. das kann jeder. »Ich kann dich nicht begreifen. als sie ihn das erstemal Erlöser nannten. oder? Es ist. ließ sich um eine Vierteldrehung anziehen. aber das störte mich nicht. versuchte er es auf logischem Wege. er wollte meinen Standpunkt verstehen. aber ihr seid es auch! Was ich vollbringe.« »Du ahntest es aber«. die erste.« Oben auf der Motorhaube war es zwar heiß. lieber Shimoda. aber mir kommt es so vor. daß die Zylinder sich nicht mehr selbständig machen können. daß du noch einen Schraubenschlüssel brauchst«. daß er es nicht aufgab.« »Hypnotiseur ist gut! Junge. um diese Zauberkunststückchen als Gesellschaftsspiele einer nur mäßig entwickelten Seele zu betrachten. Und außerdem bin ich aufgeklärt genug. als ob Jesus wieder Zimmermann würde und Nägel einhiebe. der seine fünf Sinne beisammen hat. an die ich den Schraubenschlüssel legte.« Er dachte über meine Worte nach. Anstatt sich diese Warnung zu Herzen zu nehmen und zu verschwinden.

sagte er und fuhr sich mit den Fingern durch sein schwarzes Haar. und der unheilbar Krebskranke ist geheilt.« »Du wirst es schwerer haben. daß dich die Welt in Ruhe lassen wird. Natürlich werde ich ihm nicht auf die Nase binden. denn heutzutage bewegen wir uns immer weiter weg vom Materiellen und hin zum Spirituellen . . Und darum glaube ich nicht. Keiner weiß. länger als ein. sie zu heilen? Bitte. Man braucht nur meinen Ärmel zu berühren. Donald. sagen wir. um nicht vor ihm davonzulaufen.« »Mich wollen sie ja nicht haben.Er lachte nur.« Ich ließ mich von der Motorhaube ins Heu gleiten und zog die Muttern am dritten und vierten Zylinder an.« »Du kannst aber nicht davonlaufen. nicht wahr?« »Ich zitiere die Wahrheit. woher ich komme und wohin ich gehe. Das paßt mir in den Kram. »Sobald ich länger an einem Ort verweile. ich meine. Don. »Natürlich hast du recht«. und dich bäte. Was wäre. zwei Tage. aber einige waren es doch. sie wollen Wunder haben! Und die kann ich jemand anderem zeigen. wie stur der Job ist. Und außerdem: Es gibt kein Problem. wo immer ich ihr begegne.. es ist langsam. aber es ist doch eine gewaltige Bewegung. daß mit mir etwas nicht stimmt. Und ehe die Woche herum ist. den ich von nun an bis zum 25 . und der soll dann der Messias sein. Dieses Flugzeug gibt mir die notwendige Bewegungsfreiheit. den Hund. Gewiß. . merken die Leute. wenn ich auf der Stelle vor dir auf die Knie fiele? Was wäre. Don. danke schön. das zu groß ist.« »Ach so?« »Ja. »Du zitierst Snoopy. wie ein normaler Mensch zu leben?« Das Lachen war ihm vergangen. die Sache hinzuschmeißen? Und daß es dir nicht gelingen würde. daß es nicht so einfach sein würde .. bin ich wieder umgeben von Menschen. Nicht alle waren locker. du bekommst jeden Cent. wenn ich es zum Beispiel satt hätte. »Hast du dir niemals Gedanken gemacht. an meiner Maschine herumzureparieren. als du denkst.

wußte ich. Blumen und Weihrauch. wie man es in den Filmen von Indien sieht? Die Straßen brodelnd von Menschen. auf denen du standest. Millionen Hände. ich frage dich. daß ihr sie nur in euch selber finden werdet? Ihr braucht nur zu sagen. ich meine. Und dort gab es nur die Menschenmengen. wenn du mir beibringst.das ist wie zum Autorennen zu gehen der Unfälle wegen. wenn du sprachst?« »Nein. um meine schwere Last zu tragen!« Er lächelte nur. Seine eigene Windschutzscheibe brauchte niemals gereinigt zu werden. »Wohin geht es heute?« Er stand auf und ging hinüber zu meinem Cockpit. danach wird es langweilig. warum sein Motor keiner Wartung bedurfte. und jetzt war mir auch klar. was ist so verdammt schwierig daran? Aber sie haben nicht auf mich gehört.« »Wenn du es so formulierst«. sagte ich. weiß ich. Zuerst ist es nur frustrierend. und anstatt die toten Insekten von meiner Windschutzscheibe zu wischen.« Die Erinnerung tat ihm sichtbar weh. erkennt ihr nicht. daß er es nicht begriffen hatte: Er konnte nicht weglaufen. goldene Plattformen mit silbergewirkten Behängen. daß ich zu dir beten muß: O Heiland. die meisten.« Ich zog die letzte Mutter an und packte das Werkzeug weg. 26 . Tust du es nicht. ihr habt sie. Er saß noch immer im Heu. Ich weiß wirklich nicht. wie man in der Luft schwebt. wenn er es nicht tat? »Hast du alles gehabt. und die zerschmetterten kleinen Kreaturen wurden wieder lebendig und flogen davon. »dann büßt es etwas von seinem Zauber ein. wenn ihr euch so nach Freiheit und Lebensfreude sehnt. und mir tat es leid.Sonnenuntergang verdiene. »Ich wollte sagen. die Sache zur Sprache gebracht zu haben. Schon bevor ich mich um den Job bewarb. der Du gesandt wurdest. daß das nichts für mich war. um Gottes willen. und ihr habt sie! Richard. Wunder . Noch heute glaube ich. als sei ich nicht da. die nach dir greifen. fuhr er leicht mit der Hand darüber. wie es die anderen Erlöser ertragen haben. Darum suchte ich mir die Vereinigten Staaten aus. sprach weiter. versteht sich. Wie konnte ich das wissen.

« Er seufzte. aber ich versuche. Ich hätte nach Süden fliegen sollen. »Sicher. wo es hingeht. alles würde klappen.« Während ich mit den Zylindern hantierte. Aber der Ton. an die er lieber nicht hatte denken wollen. nicht daran zu denken«. hatte ich mir überlegt. aber nach dem Start blieb ich doch an seiner Seite. nichts könnte schiefgehen.« »Was heißt das? Du kennst die Vergangenheit und kannst die Zukunft voraussagen. Dann gäbe es keine Probleme. man ist einsam in diesem Gewerbe. die man auf diese Welt geschickt hatte. wohin es heute geht. ihm begegnet zu sein. mit dem man sich unterhalten konnte und der den Unterschied zwischen einem Querruder und einem Seitenruder kannte. in jene Zukunft hinein. daß es eine gute Sache wäre.»Ich weiß nicht«. 27 . und ich war froh. »aber ich versuche. mich nach dem Abflug südlich zu halten und von dem Mann so weit wie möglich wegzufliegen. antwortete er. Mein gesunder Menschenverstand schrie mir ganz unmißverständlich ins Ohr. Aber ich sagte es ja schon. Du weißt genau. erinnerte mich an das. jemanden gefunden zu haben. in dem er sagte. was anderen Erlösern zugestoßen war. »Ich weiß nicht. nicht daran zu denken. wenn ich mit diesem Typ zusammenbliebe. und wir flogen nach Norden und dann nach Osten.

4. KAPITEL
»Wo hast du all das gelernt, Don? Du weißt soviel, oder vielleicht kommt es mir nur so vor. Nein, du weißt wirklich sehr viel. Ist es nur Übung? Gibt es nicht irgendeine formelle Ausbildung, um ein Meister zu werden?« »Man bekommt ein Buch in die Hand gedrückt.« Ich hängte gerade einen frischgewaschenen Seidenschal an die Spanndrähte. Ich starrte ihn an. »Ein Buch?« »Leitfaden für Erlöser. Eine Art Bibel für Meister. Wenn’s dich interessiert, ich habe irgendwo ein Exemplar herumliegen.« »Aber ja doch! Ja! Heißt das, es gibt einen regulären Leitfaden, wo einem erklärt wird, wie . . .?« Er kramte eine Weile in dem Gepäckraum hinter der Kopfstütze der Travel Air und holte schließlich ein kleines, offenbar in Wildleder gebundenes Buch heraus. Lehrbuch für den Messias stand da in schwarzen Lettern. »Was meinst du mit Leitfaden für Erlöser ? Hier steht Lehr-

Hinweise für die fortgeschrittene Seele.

buch für den Messias.«

»Naja, so ähnlich.« Er sammelte die um seine Maschine herumliegenden Sachen ein, als wollte er mir bedeuten, daß wir nun weitermüßten. Ich blätterte in dem Buch, einer Sammlung von Maximen und kurzen Absätzen.

Perspektive Gebrauche sie oder verliere sie — Blätterst du diese Seite auf, vergißt du, daß das, was um dich herum geschieht, nicht Wirklichkeit ist. Bedenke es. Vergiß nicht, woher du gekommen bist, wohin du gehst, und warum das Durcheinander, in das du geraten bist, von dir selbst geschaffen wurde. Vergiß nicht, daß du eines entsetzlichen Todes sterben mußt.
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Es ist alles eine gute Übung, und du wirst es um so mehr genießen, je klarer du die Tatsachen im Kopf behältst. Nimm deinen Tod aber doch ernst. Ein Lachen auf dem Weg zu deiner Hinrichtung wird von den weniger fortgeschrittenen Lebensformen meist nicht verstanden, und man wird dich für verrückt halten.
»Hast du das gelesen, Don, über den Verlust der eigenen Perspektive?« »Nein.« »Dort steht, du würdest eines entsetzlichen Todes sterben.« »Nicht unbedingt. Das hängt von den Umständen ab und wie man es sich arrangiert.« »Wirst du eines entsetzlichen Todes sterben?« »Weiß nicht. Meinst du nicht, daß es unwichtig geworden ist, jetzt, wo ich doch ausgestiegen bin? Eine stille kleine Himmelfahrt sollte genügen. Ich werde mich in ein paar Wochen entscheiden, wenn ich das getan habe, weshalb ich gekommen bin.« Ich dachte, er wollte mich hochnehmen, er tat das ja manchmal, und ich wußte damals noch nicht, daß er es mit den paar Wochen ernst meinte. Ich vertiefte mich in das Buch. Es war ein Ratgeber für einen Meister, darüber gab es keinen Zweifel.

Lernen ist herausfinden, was du bereits weißt. Handeln ist zeigen, daß du es weißt. Lehren ist andere wissen lassen, daß sie es genauso gut wissen wie du selbst. Ihr alle seid Lernende,
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Handelnde, Lehrer. Deine einzige Verpflichtung im Leben ist, dir selbst treu zu bleiben. Einem anderen Menschen oder einer anderen Sache treu zu bleiben, das ist nicht nur unmöglich, es ist das Zeichen eines falschen Messias. Die einfachsten Fragen sind die tiefsinnigsten. Wo bist du geboren ? Wo ist deine Heimat? Wohin gehst du? Was tust du? Denke manchmal darüber nach, und du wirst sehen, wie sich deine Antworten verändern. Du lehrst am besten, was du selbst am dringendsten lernen mußt.
»Du bist ja so still, Richard«, sagte Shimoda, als wollte er sich mit mir unterhalten. »Hmm«, sagte ich und las weiter. Wenn das ein Buch für Meister war, wollte ich es nicht aus der Hand geben.

Lebe so, daß du dich niemals schämst, wenn etwas, was du tust oder sagst, in der ganzen Welt verbreitet wird – auch dann nicht, wenn es nicht wahr ist. Deine Freunde werden dich beim ersten Zusammentreffen besser kennen als deine Bekannten in tausend Jahren. Die wirksamste Art, sich seiner Verantwortung zu entziehen, ist zu sagen: »Ich habe Verpflichtungen.«
Dann erst fiel mir etwas Merkwürdiges auf. »Die Seiten sind ja nicht numeriert, Don.«
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antwortete er. das dein wahres Selbst ist. aber der Gedanke verfolgte mich. oder wie war das gemeint. Hast du denn das nicht schon einmal gemacht. und was du am meisten brauchst. sagte er. Don. Es ist zu schwer. »Dafür genügen etwa anderthalb Wochen. Mit jedem Buch läßt es sich machen.»Nein«. das gerade zur Hand war. Ich schlug das Buch auf . »Du schlägst es einfach auf.« Ich versuchte es. mit ihm passieren würde . dir eine andere Zukunft aussuchen oder eine andere Vergangenheit. aufgeschlagen und nachgesehen. mit ihm zusammenzusein. Wende dich nicht ab von möglichen Ereignissen in der Zukunft. daß bald etwas. was es dir zu sagen hatte?« »Nein. wirst du finden. von dem verspielten geistigen Geschöpf. Es machte Spaß. Ich schloß die Augen und dachte darüber nach. Dies waren meine Gedanken.? »Ich glaube. . .« »Praxis. versuch’s gelegentlich. ehe du sicher bist. was mit mir passieren würde.und las. ich meine. ich kann das nicht auf einmal verdauen.und dann wollte ich nicht dabeisein. Du kannst es dir jederzeit anders überlegen.« 31 . daß du nichts aus ihnen zu lernen hast. im Geiste ein Problem gewälzt und dann irgendein Buch.meine Augen waren noch immer geschlossen . Sich eine andere Vergangenheit aussuchen? Buchstäblich oder bildlich. man liest sie sorgfältig durch. Ein bißchen Theorie und sehr viel Praxis«. vorausgesetzt. wenn ich noch länger mit diesem merkwürdigen Menschen zusammenbliebe. Du wirst zeit deines Lebens von dem inneren. das durchaus kein Spaß war. lernenden Wesen gelenkt. mit einer alten Zeitung.« »Nun.« »Ein Zauberbuch!« »Nein.

« Ich behielt den Leitfaden. 32 . daß du auf alles eine Antwort hast. daß du ein Meister bist. und er hat ihn niemals von mir zurückverlangt. Glaube.« »Das stimmt«.»Anderthalb Wochen?« »Richtig. und du hast auf alles eine Antwort.« »Ich habe niemals behauptet. daß ich ein Meister sein will. »Das hast du nicht. und du bist ein Meister. Glaube nur. entgegnete er.

Mit der Fleet konnte ich bequem auf einem knapp zweihundert Quadratmeter großen Feld niedergehen. Es dürfen keine Kühe in der Nähe sein. daß es einen Tag lang als Flugplatz benutzt wird. KAPITEL Die Farmer im Mittelwesten Amerikas brauchen gutes Land. sie hat Platz für zwei Passagiere. und sie braucht deshalb eine viel längere Start-und-Lande-Bahn. das Rollfeld muß lang genug sein. damit man an einem heißen. das Feld muß so ausgerichtet sein. wie man sie am Stadtrand findet. auf Feldern. wenn sie mit fünfundsiebzig Stundenkilometern über den Boden rumpeln. 33 . es darf nicht holprig sein. Landeplätze auf einer Wiese oder im Heu oder im Hafer oder auf einem Weizenstoppelfeld. ja dreifachen Platz. damit ihre Arbeit gedeiht. Donald Shimodas Travel Air schwebte geräuschvoll rechts von mir und warf das Sonnenlicht von seiner spiegelglatten Farbschicht in alle Himmelsrichtungen. Ich hatte selbst einmal eine Travel Air gehabt.5. Wahrhaftig ein Bild von einer Maschine. bindest du dich auch an die Grenzen seiner Maschine. die am Stadtrand liegen. die die Stoffbespannung der Maschinen abfressen können. daß ein Flugzeug nicht zu niedrig über ein Haus fliegen muß. Die Fleet kann auf einem handtuchgroßen Feld landen. aber ich habe sie dann gegen eine Fleet eingetauscht. Das Grün und Gold der Erde glitt gute dreihundert Meter unter uns sanft vorbei. Der Landeplatz muß neben einem Fahrweg liegen. damit die Maschinen nicht auseinanderfallen. müssen sich Felder suchen. der Messias und ich. Sie müssen nahe bei ihrer Kundschaft bleiben. der Besitzer des Feldes muß einverstanden sein. Genauso geht es zigeunernden Fliegern. Gewiß. ruhigen Sommertag gefahrlos landen und starten kann. dachte ich. Wenn du dich an diesen Menschen bindest. aber die Travel Air brauchte den doppelten. aber zu groß für schwieriges Gelände. aber ihr Gewicht ist doppelt so groß wie das einer Fleet. Alles das ging mir durch den Kopf. es muß ein Tor in der Umzäunung sein für die Fluggäste. als wir am Samstag in nördlicher Richtung weiterflogen.

die wir gerade überflogen. war. Es war ein ganz normales. Ich wußte. in der Mitte geteiltes Feld. Nun ja. daß Shimodas Maschine dort nicht landen konnte. was eine Fleet kann. Aber was ich sah. Den Schwanz nach unten und die rechte Tragfläche nach oben gehalten. etwa vierhundert Meter langes. daß dieser goldene und schneeweiße Doppeldecker mitten in der Luft stehenblieb. Ich wollte eigentlich nur ein wenig angeben und ihm zeigen. denn jeden Moment mußte er bruchlanden. als wir zum Halten kamen. Ich und meine Maschine landeten gleich neben der Umzäunung des linken Außenfeldes und hatten noch genügend Platz übrig. und riß meine kleine Maschine über die linke Tragfläche himmelwärts. da hing dort plötzlich die Travel Air im Endanflug. Ein Flugzeug. nahm das Gas auf Leerlauf zurück und sank darauf mit einem Riesenslip wie ein Geldschrank auf den Baseballplatz zu. vielleicht nicht stehenblieb. die ich für meine Fleet als Rollfeld benutzt hatte. das mit fünfundsiebzig normalerweise abschmiert und dann so ohne weiteres einfach in der Luft stehenbleibt und sich dann wie hingehaucht in einer Dreipunktlandung im Gras niederläßt! Bei diesem Manöver brauchte er die Hälfte. im gleichen Augenblick erspähte ich eine kleine.Und siehe da. das war klar. saubere Kuhweide am Rande der Stadt. Ich blieb in meinem Cockpit sitzen und starrte ihn an. aber doch kaum über fünfzig flog. um landen zu können. 34 . die schon bei fünfundsiebzig Stundenkilometern überzieht. Kurzes Gasgeben ließ mich wieder in die Startposition herumschwenken. Eine Travel Air muß man mit mindestens neunzig Stundenkilometern über den Zaun bringen. höchstenfalls drei Viertel der Strecke. gewaltiger Kondor aus. von dem die eine Hälfte als Baseballfeld an die Stadt verkauft worden war. gibt es unweigerlich einen großen Trümmerhaufen. daß sich mir das Nackenhaar sträubte. Fliegt man langsamer mit einer Maschine. wenn man sie zu fliegen weiß. auf einem Reisigbesen zu landen. der probiert. sah sie wie ein herrlicher. Er flog so niedrig und langsam. aber als ich gerade starten wollte. als er neben mich rollte und den Motor abschaltete.

»Diese Welt? Und alles in ihr? Illusionen. zwei junge Motorradfahrer auf einer Honda. das meine ich nicht! WAS WAR DAS FÜR EINE LANDUNG? Mit der Travel Air! Wie hast du es fertiggebracht?« Er zwinkerte mir zu. die Starts und Landungen der 35 . was?« Unsere ersten Kunden. Wasser in Wein verwandelt. »Zauberei!« »Aber Don . und ich mußte schnell den Eigentümer des Ackers ausfindig machen und seine Erlaubnis einholen. ehe er uns fand. »Klar«. was die Antwort auf all diese Wunder ist?« Es fühlte sich an. weil sie einen Rundflug machen wollten. Das Motorrad hielt beim Heck seiner Maschine: Die beiden jungen Männer wollten bestimmt fliegen. daß er mir einen Schrecken eingejagt hatte. Richard! Nichts als Illusionen! Begreifst du das?« Diesmal gab es kein Augenzwinkern.. wie du hier gelandet bist. . auf dem Wasser gehen kann und wie man mit einer Travel Air auf einem handtuchgroßen Feld landet? Willst du wissen. »Wie meinst du das: nahe genug am Stadtrand?« brüllte ich. Es gibt nur eine Art und Weise. wie Schraubenschlüssel in der Luft schweben können. deshalb. den Motorenlärm noch in den Ohren. als wäre er auf einmal wütend geworden.. »Richard. war alles. was mir als Antwort einfiel. als hätte er einen Laserstrahl auf mich gerichtet. »Ich will wissen. kein Lächeln. die Kuhweide als Flugplatz zu benutzen.« »Hör mir zu!« rief er über den Abgrund zwischen uns beiden.« »Nein. Er rief mir zu: »Da hast du dir ein schönes Feld ausgesucht! Nahe genug am Stadtrand.Dann stellte ich auch meinen Motor ab und sah ihn immer noch ganz verblüfft an. . waren neugierig geworden und bogen gerade um die Ecke. wie du gelandet bist!« Er merkte. »Weil wir nur einen halben Block entfernt sind. »Kaufe das mit den Illusionen. willst du wirklich die Antwort darauf haben.« Dann bestürmten sie ihn. wie man alle Krankheiten heilt. weil ich das nicht längst erkannt hatte. wirklich! Ich hab’s doch gesehen.

Ich las es immer wieder. zog ich den Leitfaden für Erlöser aus meiner Tasche und schlug ihn auf. Das klang bekannt . ein anderes aber ist es. Schwerelosigkeit für möglich zu halten. das nicht auch ein Geschenk für dich in den Händen trüge. es ist nur ein Effekt. wenn man Zeuge ist. Du suchst Probleme. wir werden euch keine Wunder vorführen. was er so leidenschaftlich gesagt hatte. es war längst kein Abenteuer mehr. es ist keine echte Magie. Einer plötzlichen Eingebung folgend. Weshalb. als ich ein Kind war und mir Zauberkunststücke vorführen ließ! Zauberkünstler! Sie sagen es. ohne Vorbehalt an Wunder zu glauben. eine Illusion der Magie.. Fliegen.« Und dann ziehen sie einen Kerzenleuchter aus einer Walnuß und verwandeln einen Elefanten in einen Tennisschläger. aber meine Verwirrung ließ nach. das war ein einmaliges Erlebnis für unsere Passagiere.Travel Air zu beschreiben: Es sah wie eine falsche Travel Air aus. 36 . als Travel Air verkleidet. Die Stadt hieß Troy. Auf der Seite standen nur zwei Sätze: Es gibt kein Problem.. Aber in Ferris hatte ich eine innere Ruhe verspürt: Hier lag eine Spannung in der Luft. und die Weide war so günstig gelegen wie das Heufeld in Ferris. weil du ihre Geschenke brauchst. Mein Abenteuer und Erlebnis waren dieser Mensch. sie erklären ihren Zuschauern vorher sorgfältig: »Seht doch. was mir nicht gefiel. weiß ich nicht genau. Es ist ein Ding. Immer wieder dachte ich darüber nach. Ja doch. die mit fünfzig Stundenkilometern und Fluggästen an Bord abhob. Es war seltsam. bis ich es auswendig wußte. als ich das las. für mich war es längst Routine geworden. als wäre sie in Wirklichkeit eine Cessna E-2-Cub oder ein Hubschrauber. es war überschattet von dieser quälenden Unruhe. aber ich akzeptierte einen gewichtlos in der Luft schwebenden Achter-Schlüssel eher als diese Maschine. Illusionen.

Und: »Ist das alles. ohne aufzutanken. flieg weg. daß er mir niemals ein Leid zufügen würde.. und schon gar nicht acht Stunden bei ständigem Starten und Landen. eigentlich gar nicht geschehen konnte. Aber er flog weiter.. Aber ich konnte ihn stellen. Es schien. war seine unmögliche Flugtechnik. als er gerade einem Ehepaar in 37 . was ihr beide tut? Arbeitet ihr nicht irgendwo?« Und: »Weshalb sucht ihr euch ein so gottverlassenes Nest wie Troy aus?« Und: »Jerry. als wollte er sie nicht enttäuschen. man kann die Drehzahl des Motors verringern und das Gemisch ganz mager halten. als es mir dämmerte. daß das. Rundflug um Rundflug. diese innere Stimme. wir würden gut verdienen. Obwohl ich mir bewußt war. hätte mittags plötzlich eine Glocke geläutet. Eine Menge Leute wollten geflogen werden.. daß ich die Travel Air kein einziges Mal hatte auftanken sehen. bekam ich es wieder mit der Angst zu tun. Die Einwohner der Stadt Troy waren nicht überraschter wegen des wunderbaren Fluges der Travel Air. Sie wußten halt nicht. während ich mein Normalbenzin in meinen Mittelflügeltank füllte und meinem Motor einen Liter Öl gab. Gegen drei Uhr nachmittags ging mir der Treibstoff aus.der mit mir flog. weit weg von diesem Ort. sagten sie nachher. als ich es gewesen wäre. und ich mußte mir zweimal zwei Zwanzig-Liter-Kanister voll Benzin von der Tankstelle holen. Trotzdem warnte mich eine innere Stimme: Bleib nicht hier. Shimoda hatte schon vor Ferris kein Benzin mehr nachgefüllt. »Danke sehr für den Rundflug«. aber auf einer Travel Air kann sich niemand länger als fünf Stunden in der Luft halten. was hier geschah. Er flog sieben. und jedesmal hab ich es bereut. die sechzig Jahre lang verstummt gewesen war . Inzwischen standen die Leute Schlange . deine Farm ist nicht größer als ein Schuhkarton!« Am Nachmittag hatten wir viel zu tun.. Ich habe sie schon mehrmals mißachtet. Man kann noch so sparsam fliegen. waren seine seltsamen Erklärungen. ohne einen einzigen Tropfen Benzin oder Öl nachzufüllen. acht Stunden ununterbrochen.

sagte ich. »Mir langt’s. und zwar sofort. die Leute würden endlich nach Hause gehen. Ich wollte nichts wie weg und ein großes.« »Einverstanden. denn ich verstehe etwas von Flugzeugmotoren und Treibstoffen.« Er zuckte nicht mit der Wimper. und darauf landen und alles in mein Tagebuch schreiben und versuchen. wie viele noch fliegen wollten. dann wünschte ich. ich brauche kein Benzin. danke.« Das ärgerte mich. und ich verzieh ihm sofort.« Und dann saß er schon in seinem Cockpit und war weg mit seinen Passagieren mit diesem übernatürlichen Zeitlupenstart. gleichgültig. mir einen Vers darauf zu machen. den leeren Kanister in der Hand. Er war wie jemand. als hätte ich ihn gefragt. »Don«. Don. Hoffentlich sehen wir uns eines Tages wieder.« Der Mann wartete in einem klapprigen Rollstuhl. leeres Feld finden. daß es ganz beiläufig klang. Ich hau ab. »wie steht’s um deinen Treibstoff?« Ich stellte mich neben die Flügelspitze. weg von den Menschen. weitab von jeder menschlichen Siedlung. »Ich mache noch einen Rundflug. dann komme ich mit. mit dir zu fliegen. und mich ausruhen. entgegnete er. Zuerst wünschte ich. ohne ihn abzuhauen. Der Mann dort hat schon lange gewartet. den er etwa hundert Meter zu dem Feld gerollt hatte. »Nein. daß wir uns.den vorderen Teil des Cockpits half. ich blieb sitzen. dann aber wünschte ich. Es war mir ein Vergnügen. »Ich brauche keinen«. »Na gut«. »wie wär’s mit etwas Uran?« Er lachte. ob er Luft zum Atmen brauchte. 38 . bis Shimoda wieder gelandet war. Er sah mich an und kräuselte verwundert die Stirn. Aber ich flog nicht weg. Ich gab mir Mühe. Richard. witzelte ich. ich will auf einer einsamen Wiese landen. und ich kam mir vor wie der Klassenletzte auf der Klippschule. so bald wie möglich aus dem Staube machten. Dann ging ich hinüber zu ihm und stellte mich in den Propellerwind seines großen Motors. Ich habe voriges Jahr vollgetankt. ich hätte genug Verstand. »Nein.

als wären sie ihm gerade gegeben worden. das sich Flügel aus Bettlaken gemacht hat. wie er es sonst zu tun pflegte. Sie wollten erleben.« »Ich fliege!« rief er. seit er elf Jahre zuvor mit seinem Lastwagen von einer Brücke gestürzt war.den ein schwerer Hammer breitgehauen und in den Sitz gezwängt hatte. »Kommen Sie. war wie eine Szene aus einem Film. wie Don es bewerkstelligen würde. Die Leute. als spräche er zu jemandem. versuchen wir’s!« sagte Don mit leiser Stimme. Dabei ruderte er mit den Armen in der Luft. als sollte der Mann widerspruchslos aufstehen und einsteigen. ja verschwunden. die noch in ihren Autos saßen. Freilich klangen die Worte ganz beiläufig. die herumstanden oder ihre Autos verlassen hatten. der eine lange Zeit als Ersatzspieler gewartet hatte und nun wieder mitmachen sollte. »Es kostet drei Dollar. auf die Travel Air zu. war überwunden. in dem der Mann nur die Rolle eines Invaliden spielte. Was nun geschah. Es waren etwa fünfzig andere Leute da. Er dachte aber überhaupt nicht daran. rannten heraus. aber er war gekommen. Wenn ich an die Episode zurückdenke. zahlbar im voraus. mit der er sprach. weil er fliegen wollte. selber erstaunt. Der Mann hatte keinen Schritt mehr gehen können. Shimoda unterließ es. Was ihn niedergeschmettert hatte. dann kam eine erstaunte Stille. sprang er in das Cockpit und ließ sich in den Sitz gleiten. Ein Gemurmel erhob sich. den Mann aus dem Rollstuhl in seine Maschine zu bugsieren. ihm in den Sitz zu helfen. wenn ich bitten darf. erinnere ich mich an die Intensität. »Sie wollen fliegen?« Der Mann im Rollstuhl lächelte schief und nickte seitwärts. 39 . Ich stand dicht daneben und konnte hören. Er stieß sich vom Rollstuhl ab und rannte. »Was haben Sie mit mir gemacht?« »Wollen Sie nun fliegen. als hätte es nie existiert. was er sagte. oder wollen Sie nicht fliegen?« sagte Don. Wie ein Kind. aber trotzdem lag gleichzeitig ein Befehl in ihnen. »Was haben Sie getan?« fragte er.

danach eine enge Spirale und schwebte dann über den Zaun wie eine bedächtige. Kann ein Augenblick gleichzeitig begeisternd und furchterregend sein? Es sollten noch viele solcher Augenblicke folgen. Es lag weitab von jeglichen Ortschaften. als wollten sie die Bespannung vom Rumpf reißen. andererseits würde es Unannehmlichkeiten geben. wendete. Immer mehr Menschen waren gekommen und ein zweiter Rollstuhl. und stellte den Motor ab. lärmende fliegende Untertasse zur Landung. Als letztes sah ich. 40 . War es feige von mir? Ich weiß nicht. und einen Moment sah es so aus. und auf dem ersten Feld. wie Donald Shimoda auf der Kante des Cockpits saß. Die Leute rannten auf das Cockpit zu. und das ist gar nicht gut. Augenpaare bohrten sich in den kleinen Doppeldecker. Er flog ein paar enge Kurven um die Baumkronen und zog steil hoch. drehte die Fleet in den Wind und hob ab. der da so sorglos in der Sonne herumflog. Die Travel Air beschrieb ein paar steile Kehrschleifen. und ein dichtes Knäuel von Menschen ist ein Mob. Auf der einen Seite war Erstaunen angesichts der wundersamen Heilung eines Mannes. wenn die beiden wieder landeten. das groß genug war und wo es schattenspendende Bäume und einen Bach gab mit Trinkwasser für mich. landete ich für die Nacht. pumpte Sprit in den Vergaser und warf mit dem Propeller den Motor an. Ich nahm Kurs nach Osten. Der Mob hatte ihn umzingelt. rollte an und hob ab. Dann stieg ich ein. dann Südosten. Jedenfalls lief ich zu meiner Maschine. Etwas Gewalttätiges braute sich zusammen.Ehe noch jemand irgend etwas sagen konnte. gab Don Gas. Ein dichtes Knäuel von Menschen wartete. Don rollte auf die Menschenmenge zu. Minuten verstrichen. den eine Frau eilig vor sich herschob. damit die Propellerblätter in die andere Richtung zeigten. hätte er seinen Fluggast am äußersten Ende des Feldes aussteigen lassen und wäre sofort wieder abgeflogen und verschwunden. der sie dringend brauchte. Wenn er vernünftig gewesen wäre. um an die beiden heranzukommen.

Auf der Wiese war es friedlich. Aber Menschenansammlungen. und ohne besonderen Grund holte ich den Achter-Schlüssel heraus. Das einzige Geräusch war das Plätschern des Baches. muß man sich wieder von neuem daran gewöhnen. was er sonst gesagt oder getan hatte erregt hatte er es hervorgestoßen: »Nichts weiter als Illusionen!«. und vielleicht konnte mir der Mann allerlei beibringen. Es war einfach diese Weltuntergangsstimmung. der sich Donald Shimoda nannte. und ich brauchte seine Geschenke. daß es genausogut seine hätten sein können. Es war ein Problem. und auch das war kaum zu hören. als mir klar wurde. aber das ist mir zuviel. Bekommen sie Angst. werden sie entweder jemanden kreuzigen oder vor ihm auf die Knie fallen. betrachtete ihn. Ein wenig später machte ich ein Feuer und kochte mir ein Gulasch aus Resten von Soja-Fleischersatz. Wenn ich beim Ende der Welt zugegen sein soll. sind nicht mein Fall. als könnte er den Gedanken mit bloßer Gewalt in mein Gehirn treiben.6. wird selbst der leibhaftige Messias nicht stark genug sein. wischte ihn 41 . und sie trieb mich weg. Tut mir leid. Einsamkeit ist Gewohnheitssache. fort von jenem seltsamen Mann. okay. aber ich wußte dennoch nicht. zum Himmel offene Weide. und dabei war ich doch überhaupt kein Messias. »es hat Spaß gemacht. die eigentlich vorher hätten abgebrüht werden sollen. Ich war wieder allein.« Kaum waren die Worte heraus. »Fein«. sprach ich die Wiese an. eine endlose. was über mich gekommen war. Was hatte er damit gemeint? Das war mir wichtiger als irgend etwas. auch glückliche. KAPITEL Bis heute vermag ich nicht zu beschreiben. Nudeln und drei Tage alten Würstchen. Die Werkzeugtasche hatte ich neben die Proviantkiste geklemmt.. was es bedeutete. Weshalb ist er dort geblieben? Ich war rechtzeitig verschwunden.. Illusionen. und wenn man sie auch nur einen einzigen Tag unterbricht. um mich festzuhalten.

genauso wie er es getan hatte. bis einer von uns beiden müde ist. WIR WERDEN WEITERFLIEGEN.. du brichst dir einen SPANT.. Ich hatte aufgehört. Wenn ich allein bin. und wir werden weiterfliegen. Warf ich ihn senkrecht in die Luft und zwinkerte mit den Augen. ich und meine alte Schecke«. »Wir zwei durchstreifen den Himmel. niemand konnte mich beobachten. Aber es war doch derselbe Schraubenschlüssel gewesen . wenn der höchste Punkt erreicht war und er wieder herunterzufallen drohte. Lange nach zehn Uhr erstarb das Feuer und mit ihm auch mein Lied. was ich erkannt hatte. Der Reim ist dabei nicht so wichtig..« Melodie und Text werden improvisiert. der mich hören konnte). so hatte ich den momentanen Eindruck. »Und ich werde nicht müde. Mister Shimoda. wer er war oder was er meinte.dann ab und rührte damit das Gulasch um. Ich konnte sowieso nicht ergründen. weshalb leben wir dann überhaupt? Am Ende ließ ich es sein. Und im selben Augenblick war ich froh.. Ich war allein. Schecke. Deshalb hatte ich den Versuch aufgegeben.. daß mich das glücklich machte. »Oh.. mir wegen des Messias den Kopf zu zerbrechen. während ich weitersinge. singe ich manchmal. wir galoppieren über die Wiesen. 42 . daß ich erkannt hatte. daß ich war... Es sei Endlose Strophen. und dann werde ich dich einfach mit BINDEDRAHT zusammenflicken. warf den Schlüssel noch ein paarmal in die Luft und gab’s auf. war glücklich... und zum Spaß probierte ich.... weil ich sie so liebte (und auch. schweben zu lassen. wo ich war.. wie hatte er es bloß fertiggebracht? Wenn all das Illusion ist. Ich vermute. was ist dann wirklich? Und wenn dieses unser Leben nur Illusion ist... als schwebte er tatsächlich. und der Eindruck war rasch vernichtet. weil keiner dabei war.. sang ich und klopfte auf den Flügel der Fleet und streichelte die Maschine. wenn ich erst einmal angefangen habe und glücklich bin. den Schraubenschlüssel. Aber dann plumpste er herab und fiel ins Gras oder auf mein Knie.« denn. obwohl es keineswegs die Antwort auf das Wesen unserer Existenz oder nur das von ein paar Illusionen war.

geliebte Werkzeug. die vielleicht Illusionen waren.. den Schraubenschlüssel aufzuheben. wie sich das auf mich beziehen konnte. was auf der aufgeschlagenen Seite stand: Die Bande. genauso schwer wie früher.. es sei ein im Wind treibender Strohhalm. niemals ein Buch an die Stelle meiner eigenen Gedanken treten zu lassen. war er längst wieder das altvertraute. grub sich einen Augenblick ins Gras und schwebte wieder majestätisch in der Luft. Zuerst glaubte ich.. lieber einsamer Messias. was du suchst. Ein Schraubenschlüssel ist ein hartes Stück Eisen. sah ich. Ich verstand nicht. fiel der Leitfaden aus der Brusttasche. ging gerade die Sonne auf: rosafarbenes Licht. was du suchst. und beschloß.warm und traumlos unter dem Himmel. daß es ein Insekt war.»Wo immer du sein magst. Ich kuschelte mich in die Wolldecke und war sofort eingeschlafen wie eine Glühbirne. Irgend etwas hatte ganz sachte meinen Kopf berührt. unter vielen tausend Sternen. sondern aus Freude am eigenen und Achtung vor anderem Leben. genauso 43 .. sind nicht aus Blut. Und ich erwachte ziemlich plötzlich. gewiß. Nein. Das hatte mich aber nicht geweckt. die abgeschaltet wird . aber bestimmt sehr schöne. Bis ich mich endlich bequemte. Auf einmal hellwach geworden. sagte ich. Ich las. Donald Shimoda«. daß du findest. ich nehme das zurück: Ich wünsche dir. wie er sich behutsam wieder auf die Erde gleiten ließ und still lag. Nur selten wachsen die Mitglieder einer Familie unter dem gleichen Dach auf.« Als ich mein Hemd auszog. Der Schraubenschlüssel prallte am Querruderscharnier ab. Dann aber wußte ich genau. während ich meine Decke unter der Tragfläche ausbreitete. »ich wünsche dir einen guten Flug und keine Menschenmengen . die deine wahre Familie vereinen. Als ich wieder zum Bewußtsein kam. wenn man es wegschlagen will.wenn es das ist. goldene Schatten. hieb wild danach und brach mir fast die Hand.

mehr ließ sich dazu nicht sagen. es war ja unmöglich. Shimodas Maschine war es bestimmt nicht. Er stieg aus dem Cockpit und kam zum Feuer herüber. den ganzen Tag bleiben.. Ich blieb stumm. Aber nach einer Weile gab ich es verärgert auf und packte den Schlüssel mißmutig wieder in meine Werkzeugtasche. Der Brotteig war in der Pfanne gut aufgegangen. Es war tatsächlich die Travel Air. in einer spektakulären Steilkurve hochzog und dann herunterslipte.« »Du hast dich verspätet«. »Hallo.« »Tut mir leid. daß er und nur er es sein konnte. Ich hatte keine Eile. aber sagte kein Wort. Aber ich war echt verunsichert. »Beinahe wäre das Maisbrot angebrannt.der Geschwindigkeit. mit der eine Travel Air landen sollte. Ich nahm also das Ding hoch. ihn zu wenden. Winkte.. erwiderte ich. Dann machte ich mir ein Feuer für mein Maisbrotfrühstück. der nicht begreift. konnte.« Ich reichte ihm einen Becher voll Quellwasser und einen 44 . die im Tiefflug über die Fleet brauste. Was geschah mit meinem Sechskantschlüssel? Donald Shimoda war gute neunzig Kilometer weg von hier. wie sich ein Rad vor seinen Augen drehen kann. und es war gerade Zeit. Es mußte dafür einen simplen Grund geben. Er rollte heran und stellte den Motor ab. Mit dem einen Auge beobachtete ich das Maisbrot. diese vertrackten Schrauben und Muttern anzuziehen. daß er mich ausgerechnet auf dieser verlassenen Wiese hätte aufspüren können. und ich fing an zu pfeifen. Trotzdem wußte ich. mit dem anderen den Himmel und versuchte. wenn mir danach war. Dann hörte ich auf zu pfeifen. sah es mir genau an. »Was zum Teufel!« Eigentlich fluchte ich nie . um schließlich mit neunzig Stundenkilometern aufzusetzen .ein Überbleibsel aus meiner Kindheit. wog es in der Hand und kam mir vor wie ein Urzeitaffe. mir etwas ganz Alltägliches für die Begrüßung nach der Landung einfallen zu lassen.erpicht. als ich am westlichen Himmel ein Geräusch vernahm. Richard.

.?« »Grauslich«.« »Das hatte ich bezweifelt. »Wie ist es dir ergangen?« »Soso«. es schmeckt... antwortete er und reichte mir alles bis auf den Happen. besonders nicht.. da hungere ich lieber. Wenn er es mir verraten wollte. meinst du nicht auch? Und ich vermute. sagte er. was?« »Entschuldige. das Gras.« »Wer zwingt dich. nach einer Überschwemmung.« Eine Zeitlang aß er schweigend. daß das Brot selbst. fernab gelegen und in einer zehntausend Quadratkilometer großen Fläche von Prärieackerboden? Das ist kein leichtes Ziel. in einer Getreidemühle gegeben hätte. grinste er.... würde er es tun. als ob es.. Sind noch Pfirsiche übrig?« »In der Proviantkiste. mein Maisbrot zu essen?« entgegnete ich verstimmt.. du wolltest diese Grashalme mit einbacken. nicht die Grashalme oder das verkohlte Stück. zurück.« Er hatte die Dose mit den Pfirsichen geöffnet und spießte die 45 . Probier es mal... es muß mir irgendwie vom Ärmel in den Teig gefallen sein. ohne zutiefst von deinem Glauben überzeugt zu sein.Blechteller mit der Hälfte des Maisbrots und einem großen Stück Margarine. sagte er endlich und sah dabei den Teller an: »Das ist wirklich ein schrecklicher Fraß. ich meine eben nur das reine Brot. den er gegessen hatte. »Wie hast du mich gefunden?« fragte ich.« Wie hatte er mich auf diesem Feld finden können? Eine Flügelspannweite von knapp neun Metern.. »Weißt du«. und ein Lächeln huschte über sein Gesicht. Aber meinst du nicht. »Ich bin noch einmal davongekommen. du bildest dir ein.. »Warum schmeckt mein Maisbrot niemandem? NIEMAND MAG MEIN MAISBROT! Warum wohl. »Ich hätte ja auch woanders landen können.. sagen wir. »und jetzt spreche ich als Gott: Ich würde sagen. wenn man gegen die Sonne fliegt.. keine Fragen zu stellen. nun. »Danke. und es ist. einen Brand. auferstandener Meister?« »Hmm«. Aber ich hatte mir fest vorgenommen.. und deshalb schmeckt es dir.

»JAWOHL... »Einige von uns müssen diese Dinge im Unterbewußtsein lernen. Wir alle lernen immer noch dazu. Richard..« Ich schwieg. »Ach so?« »Kosmisches Gesetz. »Sei nicht ungeduldig. sagst du?« Er lachte mich an. Der Satz. »Gleich und gleich gesellt sich gern«.« »Aha!« Ich aß mein Maisbrot auf und rieb die Pfanne mit Sand aus dem Bach trocken. erklär mir doch.. und deshalb vollbringen wir unsere Wunder im Schlaf. Statt zu antworten.. das Ding weckte mich auf. Richard. »Sag mal.« »Ach. alter spiritueller Maestro sein.« »Wie meinst du das: schneller. Allein. mir das näher zu erklären? Wie soll ich deinem erhabenen Wesen gleichen? Oder hast du etwa die Flugzeuge gemeint?« »Wir Wundertäter müssen zusammenhalten«. »Hättest du die Güte. murmelte er und stach daneben. ob ich mich irre. wenn es soweit war.Stücke auf ein Messer. akzeptieren wir sie nicht..« »Von der Lage des Achter-Schlüssels auf der Werkzeugtasche her zu schließen. was du mit wir Wundertäter im Sinn gehabt hast. erfassen und bald ein erfahrener. Von jetzt an wirst du es schneller. ich will gar nichts denken!« 46 .« Er blickte hinauf zum Himmel und seinen ersten Schönwetterwölkchen.« »Nichts hab ich ausprobiert! Ich bin einfach aufgewacht. so wie er ihn sprach. was du gerade gesagt hast. sagte er. Wenn wir ganz wach sind. Klasse Maisbrot war das. Falls er etwas zu sagen hatte. kein leichtes Unterfangen. Bitte sag mir. Don. ALLEIN!« »Du verstehst genausoviel von deinen eigenen Wundertaten.. als du denkst. Ich meine. machte ich es mir auf meinem zusammengerollten Bettzeug bequem und war ganz still. als ich denken kann? Ich will es aber nicht denken.. würde er es mir sagen. würde ich sagen. daß du heute morgen den alten Trick mit dem schwebenden Schraubenschlüssel ausprobiert hast. klang beruhigend und zugleich erschreckend. wie von der Kochkunst. von ganz allein.

dann wirst du ganz automatisch Wunder vollbringen . selbstverständlich will ich darüber nachdenken. und daß er damit recht haben würde. was diese Welt ist. was?« »Habe ich behauptet.. Wenn du erfährst.oder das. sonst würden wir die Meisterprüfung nie bestehen. vergiß das nicht..« »Aber bist du denn nicht ausgestiegen? Hab ich denn nicht gelesen. wie man ohne Maschine fliegt. Du verstehst es bereits. sagte ich. das dir zeitlebens nur Kummer und Menschenansammlungen gebracht hat. wie sie funktioniert.. Oder zum Beispiel. daß ich es nicht wollte? Ich ließ es zu. weshalb die Welt so ist.« »In Troy haben sie dich erwischt. und warum ich in ihr lebe und wohin ich gehen werde. was immer es war. Pfhht! du bist unsichtbar und kannst durch verschlossene Türen gehen.« »Damals«. Aber ich kann nicht einfach wieder 47 . was man Wunder nennt.« Er sah wieder herunter. den hab ich hingeschmissen. darüber will ich schon nachdenken. Sie können dir nichts anhaben.. wie es der Zauberer macht.. Ich kann mich wirklich nicht erinnern. »Du bist wie jeder andere.« »Tut mir leid. »war ich nahe daran. Es gefiel mir.« »Ich kann mich nicht entsinnen«. es sei denn. und den Job. Du bist der Zauberer. »ich kann mich wirklich nicht entsinnen. ist es nicht mehr magisch. daß ich mich daran später erinnern würde. du weißt es nur noch nicht. daß du mich gefragt hättest. unterbrach er mich. wie sie ist. ob ich diese Sache überhaupt lernen möchte. Weiß man erst einmal. Aber selbstverständlich ist nichts wunderbar. ein vollbeschäftigter Messias zu werden. Ein Stück Schmierenkomödiant steckt in jedem von uns. »Wegen der Menschenansammlungen solltest du dir keine Gedanken machen. ich meine. wußte ich..»Du willst gar nichts denken?« »Nun ja.« Sowie die Worte heraus waren.. du willst es. wenn ich mir was wünschen dürfte. daß er sagen würde.« »Was tut dir leid?« »Daß es so nicht geht. Er streckte sich auf der Wiese aus und bettete den Kopf auf die leere Maismehltüte.

Wir lieben die gleiche Art Abenteuer.« Nur ein sanfter Wind wehte. und ich korrigiere dich. was ich sagte. ich sag’s dir. hast du in den Satz ›Gleich und gleich gesellt sich gern‹ gekleidet. Ein Teil von mir hörte zu und war überzeugt. fuhr ein Farmer seinen Dieseltraktor und bestellte sein Maisfeld. »Na. stimmt’s?« Er war so still. Dann sagte er: »Vielleicht solltest du mir das sagen.« Ich schloß die Augen und kaute an einem Strohhalm. als ich dich auf der Wiese in der Nähe von Ferris geparkt sah. nicht allzu glatt herauszubringen. daß man das Gras wachsen hören konnte. »Einverstanden. was ich sagen will. In der Entfernung. die ich offenbar vergessen habe und die du nicht vergessen hast. Du erklärst mir. »Und zum zweiten gibt es anscheinend zwischen dir und mir eine Art mystischer Abmachung.vergessen. aber es besteht eine geringe Chance. ihn zu überrumpeln. sagte er.« Ich dachte einen Augenblick nach und entschloß mich. Und daß wir uns wiederbegegnet sind. es wird ganz schön lange dauern. daß du es diesmal schaffst. nicht erfunden war. »Gut. wir lernen mit etwa derselben Freude und etwa gleich schnell. daß wir uns vor drei. »Ich will sagen. obgleich es Sonntag war. ich sag’s dir. wir verachten die gleiche Art von Zerstörern. und du würdest zu weit ausholen«. Sprich weiter. auf den Tag genau kommt’s nicht an. was ich durch viele Lebzeiten gelernt habe. was ich zu sagen hatte. was willst du mir eigentlich sagen? Weshalb bist du nicht offen und erklärst mir. es würde ganz schön lange dauern.« Ich hob einen frischen Grashalm auf. was gespielt wird?« Eine lange Pause trat ein. Nur hast du das bessere Gedächtnis. daß das. wie lange er warten konnte.« Dann übte ich mich im Pauseneinlegen. Ich wollte ihn testen. Zuerst einmal war es kein Zufall.« 48 . und um das. wo es nicht zutrifft. Ich erfand eine wahre Geschichte. auf einem unsichtbaren Acker. »Nun. Die Sonne war inzwischen gestiegen und warm geworden. »Donald. wie mach ich mich?« »Eine Zeitlang hatte ich Angst. der das Brummen des Traktors zu uns herübertrug.oder viertausend Jahren schon einmal begegnet sind.

Nur wenn es ihnen einerlei geworden ist. Erzähle mir. der zweite. was ich zu sagen habe. und ohne das kann ich nichts von dem. Du brauchst mich gar nicht. was er zu sagen hatte. da du doch alles weißt. weshalb ich den Job als Messias hingeschmissen habe.« »Stimmt. Ein Haufen Leute macht mir nichts aus. nicht meine. war wirklich ein unheimlich guter Satz gewesen. »Tut mir leid«. was in den Köpfen der Menschen vorgeht. daß du ihre Wunder für sie vollbringst. und es ist ihnen egal. ist nur Langeweile. »Was profitierst du davon. kein Dach überm Kopf. Du kannst über den ganzen Atlantik auf dem Wasser wandeln.. du hast es 49 . antwortete ich.« Ich wandte mich um und sah ihm ins Gesicht. was ich lernen möchte. verstehst du?« Als er dies sagte.« Ich legte den Grashalm nieder. du brauchst überhaupt nichts auf dieser Welt. kannst es bis in alle Zeit und Ewigkeit Goldmünzen regnen lassen. Weißt du. Don? Weshalb befaßt du dich mit Leuten wie mir? Wenn jemand so fortgeschritten ist wie du. Wo bleibt das Abenteuer. Massenphobie das ist deine Schwachstelle. sagte er. dachte ich. Nicht der erste Punkt. ihn anzuhören. um nicht zu weinen. »Nun. »Was übrigbleibt.»Eigentlich brauche ich auch nicht weiterzusprechen. Ich runzelte die Stirn. Er wollte nur ganz dringend sagen. Er brauchte keine Nahrung. Wenn ich aber diese meine Gedanken nicht in Worte fassen würde.. »Zum Beispiel Benzin für die Travel Air?« fragte er. »aber das ging daneben. würdest du nicht wissen. und niemand fand es der Mühe wert. Seine Augen waren geschlossen. was ich zu wissen glaube. dann werden ihm all diese Wunderkräfte als Beiwerk mitgegeben. brauchte weder Geld noch Ruhm. lernen. hast du gesagt. sah er einsamer aus als irgendein Menschenwesen. weshalb?« »Wegen der Menschenansammlungen. und weil alle Welt erwartet. wenn einen nichts auf der Welt in Schwierigkeiten bringen kann? Dein einziges Problem ist die Problemlosigkeit!« Das. »Richtig«. dem ich je begegnet bin.

»Du hast.. daß er ein Typ war. was er hören wollte . wie Meteore am hellichten Tag. mit dem man nicht spaßte. daß wir einander begegnet sind. »Weißt du was. die in ihm waren. daß ich meine eigene Frage beantworte. rührte sich nicht. wie es gekommen war. Warum kann ich all dies jetzt in Worte fassen. ». Gegen Mittag hatte ich ihm meine Sicht des Universums und all der Dinge. ich weiß es auch nicht. Bitte. sprach nicht. sagte ich. All das raste durch mein Gehirn wie Kometen am Morgen. recht!« Dann schwieg er wieder wie hypnotisiert von dem. was ich lernen mußte. Und auf einmal merkte ich. Dann huschte wieder das Lächeln über sein Gesicht. Ich hatte ihm das ganze Panorama des Lebens erklärt. als hätte ich gerade erst angefangen. Woher weiß ich das alles? Wie ist es gekommen?« Er antwortete nicht.« Er fuhr mit dem Kopf hoch.so gewollt«. und mein Messias . Er lag ganz still im Gras.. erläutert. Ein vom Blitz getroffener Mann verbrennt im Handumdrehen. wenn ich es doch vorher niemals auch nur versucht habe? Was ist mit mir passiert?« Keine Antwort. dann hast du tatsächlich ein Problem. was andere tun. Richard?« sagte er langsam. was ich gesagt hatte.als hätte er in jenem zufälligen Satz über sein Glück alles gehört. 50 . und seine Augen blitzten. »Wenn du annimmst. so viel muß gesagt werden.war fest eingeschlafen. und es kommt mir vor.. »Don? Jetzt darfst du sprechen. muß ich gestehen. als hätte ich ihn mit dem Schraubenschlüssel geschlagen. Don. Ich merkte es nicht und redete ununterbrochen weiter. »Wenn dein Glück davon abhängt.« Aber er sagte kein einziges Wort..

was ich mache?« Er schüttelte nur den Kopf. Der Erdboden bebte. ich habe SCHLUSS DAMIT gesagt!« Die Musik verstummte. KAPITEL Mittwoch früh sechs Uhr. so als explodiere in unmittelbarer Nähe das Crescendo einer gewaltigen Symphonie: tausendstimmige Chöre. um Glas zum Zerspringen zu bringen.« »Ein wenig Sphärenmusik lasse ich mir gefallen. die Wolken ein einziges wildes Meer glühender Farben: Aber das alles verschwamm in dem explodierenden Crescendo der Töne. 51 .7. Zeit und Ort. Aber er blieb unbeeindruckt... »Nun ja... als plötzlich ein heftiges Getöse einsetzt. »Wuuf!« sagte er. vielleicht bei besonderen Anlässen. lind wie eine Brise. stimmt’s?« fuhr er fort. Ich bin noch nicht wach. Was heißt das. »Hör mal. gewiß. Der ganze Himmel brannte im kalten Feuer des beginnenden Sonnenaufgangs. Kesselpauken und Trompetenstöße. wie Beethoven in einem Traum. Dann war es nur noch ein sanftes. während das Echo in der Ferne verklang. . lateinische Worte. hob resigniert die Schultern. Und die Musik hörte tatsächlich sofort auf. getragenes Kirchenlied. aber sie muß lautlos und nur in deinem Kopf ertönen. Violinen. daß ich ihn über dem Lärm vernahm. »Alles zu seiner Zeit und wo’s am Platze ist. ferner und immer ferner. ich habe tief und fest geschlafen... ABSCHALTEN!« Shimoda brüllte derart laut und wütend. Ich sah ihn nur an. »AUFHÖREN! AUFHÖREN! MUSIK ABSCHALTEN. aber frühmorgens und in dieser Lautstärke? Was machst du nur?« »Was ich mache? Don. die Fleet schaukelte auf ihrem Fahrwerk. . schnaufte und ging zurück zu seinem Schlafsack unter dem Tragflügel. und ich selber schoß unter ihrem Tragflügel hervor wie eine elektrisierte Katze mit zu Ausrufungszeichen gesträubtem Fell.

Der Leitfaden lag aufgeschlagen und mit dem Rücken nach oben im Gras. und ehe du dich ’s versiehst. Ich drehte ihn behutsam um und las: Führe deine Unzulänglichkeiten ins Feld. 52 . Es gab vieles. was ich noch über die Erlöser zu lernen hatte. verbleiben sie dir.

« Er kaufte bereits seine Karte. Außer uns waren vielleicht noch fünfzig Zuschauer im Saal. Sehen wir uns den Film an.« Was war nur plötzlich an einem Film so sehenswert? »Den Maschinen tut niemand etwas. Ich kannte ihn. Don. und eine Weile konzentrierte ich mich auf die technischen Aspekte..« »Dann kommen wir eben zu spät. Was ist denn los?« »Ins Kino gehen«. das Leben kann interessant oder fade oder was auch immer sein: Es kommt ganz darauf an. »Du hast doch Geld bei dir.8. um zu essen. und ließ mich von der Handlung des Films. mitreißen. Ich hatte bald vergessen. Ich folgte ihm ins Dunkel.« Wir kamen gerade an einem Haushaltswarengeschäft vorbei (geschlossen) und dann an einem Lichtspieltheater (geöffnet): Zwei Banditen: Butch Cassidy und Sundance Kid. warum wir hereingekommen waren. Anstatt zu antworten. weshalb wir überhaupt auf der Welt sind. »Bezahlst du?« »Ich will nicht recht. nicht wahr?« »Reichlich. Aber selbst in meinen besten Tagen bin ich niemals imstande gewesen zu erkennen. wie der Regisseur jede Szene konzipiert und 53 . Nun befanden wir uns auf dem Heimweg. ich hatte ihn schon zweimal gesehen. ja?« »Aber das Programm hat doch schon angefangen. wie immer bei einem guten Film.. was wir daraus machen. den ich schon immer für einen klassischen Western gehalten hatte. Danach gingen wir in die Stadt. Wir setzten uns in eine der hinteren Reihen. sagte er. KAPITEL Wir hatten in Hammond im Bundesstaat Wisconsin gearbeitet und ein paar Montagsfluggäste geflogen. ich gebe dir recht. »Don. Bitte erzähle mir etwas darüber. Die Zeit im Kino wand und drehte sich wie eine Spirale und dehnte sich aus. ich will sie nicht gern allzu lange unbeobachtet lassen. Geh du rein. Ich möchte zurück zu den Maschinen. blieb er stehen und ging dann die paar Schritte auf dem Bürgersteig zurück.

« Ein Mann in der Sitzreihe vor uns drehte sich um.« »ICH MAG DEN FILM . »Donald. Ich machte mir über sein Verhalten im Kino Gedanken. unterhielten sich gerade darüber. Schschsch. warte ein paar Minuten. was er sagen wollte. »Weil er mir Spaß macht. Es würde bald regnen. Ich wollte den Film aus dieser Sicht beurteilen.« Ich war verärgert. Aber bis dahin laß mich bitte den Film ansehen. »Du hättest ja nicht mitzukommen brauchen. Don. ich bin hier. Ist daran irgend etwas nicht in Ordnung?« »Keineswegs«. wo Butch und Sundance von der gesamten bolivianischen Armee umstellt sind. Ich lehnte mich zu ihm hinüber. er hätte mit dem. aber die Handlung fesselte mich. ließ aber den Blick nicht von der Leinwand und wünschte. warum sie nach Australien gehen sollten.« Butch und Sundance. »Richard?« »Hm?« »Weshalb bist du hier?« »Weil es ein guter Film ist. du hättest es ablehnen können. ja?« Aber er flüsterte drängend und mit dramatischer Betonung: »Richard.« »Komm zu dir. Don. Es sind nur Illusionen. Schschsch.. dann ist der Film zu Ende. Ich erkläre es dir später. und ich vergaß es. »Du 54 . weshalb man diesen Auftritt vorgezogen hatte und so weiter. Er sagte kein Wort mehr. berührte Shimoda meine Schulter..aufgebaut hatte. wie sie sich in die folgende fügte. bis der Film zu Ende und wir wieder auf der Straße waren und an dem Verkaufsgelände für gebrauchte Traktoren vorbei ins Dunkel in Richtung der Wiese und der Flugzeuge gingen. antwortete er. blutüberströmt. Gegen Schluß. »Mir gefällt er. wach auf. warum bist du hier?« »Sieh mal. Dann können wir darüber reden. weil du mich darum gebeten hast!« Ich wandte mich weg. wollte mich auf die Schlußszenen konzentrieren. bis zum Schluß gewartet. solange du willst. »Weshalb ist er gut?« fragte er.

Wir gingen in den Film. schmerzliche Pause folgte. weil du eine Frage gestellt hattest. »Nein.« »Sie könnten auch was lernen. »Was war denn meine Frage?« Eine lange. »Und die anderen Leute. nicht. Eine Flucht. bleibt eine Illusion.« »Freilich.« Ich entsann mich.das war die Antwort auf deine Frage.« »Ihre Phantasie wird beflügelt.« »Nun ja.« »Auch das ist ein Vergnügen. »Also zum Vergnügen. Ein wechselndes Licht.« »Richtig. »Und der Film war die Antwort auf die Frage?« »Ja. Richard. das über eine zweidimensionale Fläche flickert. war. sagte er. Stimmt. die Menschen.« 55 . ich wußte es. wie ein Film entstanden ist. die überall auf der Welt ins Kino gehen. Hast du eine Antwort darauf?« »Das ist meine Antwort.« »So?« »Du verstehst das nicht?« fragte er. Das ist immer möglich. »aber selbst der beste Film. weshalb wir überhaupt auf der Welt sind. Lernen.tust doch eigentlich alles nur mit Vorbedacht.« »Gewiß war das ein guter Film«.warum tun sie das. »Deine Frage. Sie wollen sehen. sie scheinen sich nur zu bewegen. daß du selbst in deinen besten Tagen niemals herausfinden konntest. Eins.« Er machte sich über mich lustig. um sich einen Film anzusehen . Eins. sagte ich. Don?« »Manchmal. der jemals gemacht wurde.« »Weshalb also der Film? Weshalb auf einmal gerade dieser Film?« »Du hast eine Frage gestellt.« »Aus technischem Interesse.« Allmählich dämmerte es mir. wenn es doch nur Illusionen sind?« »Nun. die im Dunkeln aufgestellt ist. es ist Unterhaltung«. Zwei. Der Film . nicht wahr? Die Bilder auf der Leinwand bewegen sich ja nicht tatsächlich.

aber keiner. oder sie meinen. Filme müßten eben langweilig sein.« »Du brauchst dir ihre Filme nicht anzusehen. die viel Zeit und Geld aufwenden. oder sie mögen den Kitzel.« »Aber warum?« »Gefallen dir Gruselfilme?« »Nein.« »Aber es gibt Menschen. Um mit Freunden zusammenzusein«.« »Flucht aus dem täglichen Einerlei .. sie wissen es ja schon im voraus. um sich Gruselfilme oder Geschichten. das kannst du nicht. Kannst du dir vorstellen.« »Flucht.« »Aber warum sollte ein Mensch sich ausgerechnet gruseln oder langweilen wollen?« »Weil sie glauben.. sagte ich. das kann ich auch nicht«. Eins. . sagte ich. in denen es des langen und breiten um die Probleme Dritter geht.« »Siehst du sie dir jemals an?« »Nein.« »Nein. zum Beispiel für einen Gruselfilm?« »Diese Menschen gehen nicht nur zum Vergnügen in einen Gruselfilm. die es aus durchaus plausibel erscheinenden Gründen genießen. und sie brauchen sich deine nicht anzusehen. »Und ein Film ist wie das Leben. »Sicher ein triftiger Beweggrund. Das nennt man Freiheit. oder sie wollen etwas lernen oder beides.?« Er ließ die Frage im Raum stehen. um hinzugehen. Don. Das hast du bereits aufgezählt. es geschieht ihnen recht. um den Film zu sehen.« Was auch immer ich anführte. ihren eigenen Filmen hilflos ausgeliefert zu sein? Nein. Auch das ist ein Vergnügen. es paßte entweder zu eins oder zu zwei: Die Menschen gehen zum Vergnügen ins Kino. . den ihnen der Gruselfilm verursacht. stimmt das?« »Ja.»Lernen. Zwei. daß es sehr viele Menschen gibt. 56 . anzusehen. die nur Langeweile hervorrufen.« »Weshalb sollte sich dann jemand ausgerechnet für ein schlimmes Leben entscheiden. Vielleicht haben sie jetzt jemanden erschreckt.« »Geselligkeit. »Richtig.

die nie ins Kino gehen?« 57 . weshalb manche Menschen unglücklich sind. wir seien verletzt worden. .ob davor oder danach. welchen Film du zuerst gesehen hast. auf anderen Planeten. ist nichts als nur Film und nur Illusion«. weil wir an die Realität von Raum und Zeit glauben wollen . wie Illusionen auf einer Leinwand verletzt werden können. Richard. »Wie viele Filme hast du gesehen?« »Ach so. wir bezahlen dafür.« »Gibt es Menschen. weil es ihnen Freude macht.»Ehe du das begreifst. aber trotzdem kann niemand. weil sie es sich ausgesucht haben. Du könntest sie aber auch gleichzeitig auf verschiedenen Leinwänden sehen.« »Wir sind verspielte Geschöpfe. wir seien Opfer. Wir können nicht sterben. »Aber für eine Weile können wir eine Unmenge Dinge lernen und an unseren Illusionen sehr viel Spaß haben. Dinge gemeinsam zu tun. alles. Keins von beiden ist wahr. wir können es genausowenig. Viele Menschen wählen ein Leben. die überhaupt kein Leben in der RaumZeit haben?« »Gibt es Menschen. Wir können uns einreden. und das ist in Ordnung. wir töten oder werden getötet. Don?« »Wie weit möchtest du es haben? Du hast dir den Film heute abend teilweise deshalb angesehen. der nicht bereit ist. wir haben gern Spaß. nicht wahr?« »Wie weit willst du den Vergleich ausdehnen. wir können uns nicht verletzen. und es uns in den schrecklichsten Einzelheiten ausmalen. Wir kaufen Eintrittskarten für die Vorstellung. . Aber wir können uns einreden. sagte er. wirst du dich fragen müssen. das hängt davon ab. vom Glück und vom Pech gebeutelt und hin und her gezerrt. weil ich ihn sehen wollte.« »Hmm. Sie sind es.« »Viele Leben lang?« fragte ich.« »Filme über das Leben auf diesem Planeten. ja überhaupt in einem Raum-ZeitSystem existieren. was Raum und Zeit einnimmt. Zum Beispiel haben die Schauspieler in diesem Film heute abend auch in anderen Filmen zusammen gespielt . wir sind die Fischotter des Universums. auf unserem Planeten. diesen Preis zu bezahlen.

« »Wer ist der Kameramann. daß die Filme parallel zu unserem eigenen Leben verlaufen?« »Kann sein . wenn wir uns selbst statt jemand anderen fragen? Wer schreibt diese Filme. wenn die Lichter zu früh wieder angehen. und wer schaut sie sich alle an? Wer kann getrost mitten drin weggehen.« Er war offenbar zufrieden mit mir. sagte ich. die auf der Illusion. »Raum-Zeit. meinst du? Weil wir instinktiv begriffen haben. der Vorführer. »Ich passe. »Jeder. . »Und darum gehen wir gern ins Kino. eine Mitte und einen Schluß. bestehen. und wer kann. das ist eine recht primitive Schule. Richard?« »Wir schreiben sie«. was? Nun: Was ist der Projektor?« »Der Verstand«. sie mögen es nicht. der Kinopächter. wenn er will. wieviel wir wissen. Don.« »Was immer wir in unsere Phantasie hineinprojizieren lassen?« »Mag sein. Ist jedenfalls nicht so wichtig. die er aufzeichnet.« »Und der Film?« fragte er. der es möchte?« »Ist das genügend Freiheit für dich?« fragte er zurück. was du sagst. ganz gleich. Aber es gibt viele Menschen. der Verleiher. Sie lernen auf andere Weise?« »Richtig. Der Film existiert über die Zeitgrenze hinaus. kann aber auch nicht sein. antwortete ich. »Nein: aber die Phantasie.« »Wer schreibt eigentlich diese Filme. »Und wer spielt in ihnen?« »Wir. alles ist da in derselben Sekunde.. in dem gleichen Millionstel einer Sekunde.»Ich verstehe. erwiderte ich. sagte er. und wenn du den Film schon kennst. sie hat einen Anfang. die Handlung verändern. sich denselben Film unzählige Male ansehen?« »Laß mich raten«. du hast’s erfaßt. »und sie ist ein vollständiges Ding. was 58 . wann und wie er will. der Platzanweiser. ehe du den Saal betrittst. auch wenn sie langweilig ist. weißt du. Don?« »Ist es nicht seltsam. wer kann.« »Du kannst eine Filmrolle in die Hand nehmen«. Es ist unsere Phantasie.

daß der Himmel. Du hast von Langeweile gesprochen. es ist wirkliches Blut«. Don. Die ersten Strahlen des Mondes versilberten ihre Ränder. eigentlich ist es immer ein perfekter Himmel. welche Rolle ihr Kind in seinen kindlichen Spielen verkörpert: Einmal ist es der Bösewicht. Liebe und Unglück . Eine Mutter kümmert es nicht. um erlebt zu werden. was draußen auf der Straße gespielt wird. »Schöner Himmel«. und es war ein so abrupter Themenwechsel. . sagte er. Minute für Minute. obwohl er sich von Sekunde zu Sekunde ändert.. Richard. dann ist der Himmel ein Sumpf! Aber das Sein ist ja wohl kaum eine trügerische Sumpfblase. Falls Perfektion Stillstand bedeutet.« »Ich weiß nicht.gespielt wird: Schlachten und Abenteuer.« »Blick hinauf zum Himmel«. vollkommen und fertig. Ganz oben schwebten ein paar faserige Federwölkchen. . Es kennt nur sich selbst und uns in seinem Ebenbilde. so schwach ist die Wirkung auf unser wahres Leben . mitgerissen zu werden..« »Und die Wirklichkeit?« »Die Wirklichkeit schert sich einen Dreck drum. Sieger und Besiegte.. immer vollkommen ist?« »Stimmt! Wie gescheit von mir! Jawohl!« »Und das Meer . »Ein perfekter Himmel?« »Weißt du. Aber um von ihm ergriffen. doch ändert es sich auch dauernd. sagte ich. Das ›Sein‹ weiß ja nichts von unseren Illusionen und Spielen.es ist immer vollkommen. »aber es könnte genausogut Tomatenketchup sein.« »Und niemandem wird wirklich weh getan? Das Blut auf der Leinwand ist nur Tomatensauce?« »Nein. und dann wieder der Tugendbold. ob ich vollkommen und fertig sein möchte. daß ich unwillkürlich hochsah.du weißt alles im voraus.« 59 . setzt dich hin und vergißt völlig. Also bezahlst du an der Kasse für deinen Eintritt. Und damit fängt für dich der Film an. Jede Illusion braucht Raum und Zeit. um ihn ganz zu genießen.. muß der Film zunächst in den Projektionsapparat gespult werden und an der Linse vorbeilaufen.« »Willst du sagen. sagte er.

meinte er. Das kaufe ich dir ab. immer in dieser einen Dimension zu verharren?« »Ach.« Ich sah ihn genau an.»Ist es nicht«. Und keine Vergangenheit. Don. Ich möchte lieber ein netter alter Meister im Reiche der Illusionen werden. was du sagst. 60 . Richard. hoffentlich eher. daß ich den falschen Beruf erwählt habe.« »Gut.« »Vielleicht hättest du Immobilienmakler werden sollen«. aber er lächelte nicht. immer falsch?« fragte er zurück. es tut mir leid«.« Ich wandte mich ihm zu. wenn du eine willst. wenn du auf dem Faktor Zeit bestehst. »Ich will keine Zukunft. gut. »Wird es dir niemals langweilig. »Immobilien oder Versicherungen. entgegnete ich abwesend. »Und du etwa auch?« »Warum ist bloß alles.« »Du hast das schon vor geraumer Zeit gekauft. Vielleicht nächste Woche?« »Nun. Hmm ja. »Vollkommen und doch immer wechselnd.« »Das Immobiliengeschäft hat bestimmt eine Zukunft. ich verharre also in dieser einen Dimension?« sagte er. sagte ich. was ich sage. immer falsch?« »Ist denn alles. »Allmählich wird mir klar.

die wir überflogen. daß sie überhaupt keine Wunder waren. was ich lernte. da ich endlich erkannt hatte. an den Gesprächen. den Ablauf des Sommers an den Namen der Städte. las ich einmal in dem Leitfaden. Stelle dir das Weltall schön und gerecht und vollkommen vor. KAPITEL Die Tage flossen ineinander. zu messen. an den Wundern. Wir flogen wie immer. Ich maß den Sommer an dem. Dann aber sei sicher: Das Sein hat es sich viel besser vorgestellt als du. aber ich hatte aufgehört.9. die hin und wieder unterwegs vollbracht wurden bis zu der Zeit. 61 . oder an dem Geld. das wir dafür einnahmen. die wir nach getaner Arbeit führten.

es hat gewirkt. ich hab’s versucht! Jedesmal. daß ich dir etwas Kleineres aussuche. sagte ich leise. Dann sah er zum Himmel hinauf. »Da. »Ich werde es versuchen. schlägt die Wolke zurück und plustert sich noch dicker auf. »Such mir eine Wolke aus. gemeinste Wolke am ganzen Himmel. Ich sollte es besser wissen. daß sich die Schüler immer bei einfachen Dingen schwertun. und trotzdem benahm ich mich wieder wie ein Schüler und starrte angestrengt auf meine Kumulus-Zielwolken. und er machte die Augen auf. Don. mindestens einen Kilometer hoch. »Du brauchst die Herausforderung. »Ich schaff’s nicht«. und die Wolke mit ihren Millionen Tonnen Regen war wie weggeblasen. ja? Aber bitte eine leichte. Also. wenn ich denke. sagte ich. »Phantastisch«. sagte ich. sagte er und machte die Augen wieder zu. »Don.« Ich wählte die größte. Shimoda hatte sich unter der Tragfläche der Fleet ausgestreckt und gab vor zu schlafen. Diesmal brauchte ich mehr Theorie und weniger Praxis. nur ab und zu wollte jemand fliegen. welche war es?« Ich sah hinauf... An ihrer Stelle war ein unschönes himmelblaues Loch. »Doch..« Ich lächelte. bitte ich dich um so etwas.« Er sah mich lange stumm an. KAPITEL Wir hatten einen ruhigen Nachmittag verbracht.. Zwischendurch übte ich mich im Auflösen von Wolken. deshalb weiß ich. die über dem Silo drüben«. »Das stand dafür«. muß ich dir doch wahrheitsgemäß sagen: Es ist ganz einfach. Ich bin Fluglehrer gewesen.10. mit dem du mich überhäufst. du schaffst es«. so gern ich dein Lob annehmen würde. »Sie färbt sich gerade schwarz.« Er seufzte und setzte sich auf. »Nein. aber wenn du lieber willst. Ich stieß ihn leicht am Arm an. »Weshalb haßt du mich eigentlich?« »Weil ich dich so gern habe.« Wieder seufzte er. die wie weißer Dampf aus der Hölle hervorbrach. meinte er.« 62 .

Mit Kugelblitzen. und dir fällt kein anderer Kommentar ein.Er wies auf ein zartes Wölkchen unmittelbar über uns. warum sie sich in dieser oder jener Richtung bewegt und gerade mit dieser Geschwindigkeit. sachte. und es schien zurückzublicken. nun. Andere Wolken wuchsen weiter . sondern dich einfach entspannen und sie aus deinem Denken entfernen. mach schon!« Ich sah mir dieses fedrige Etwas an. . was es gab. Richard. trotzdem ist sie für dich verschwunden. wo es gewesen war. . Ich wünschte es weg. Na. dort muß ich jetzt sein. Es war brillant.« »Geklammert? Dabei habe ich sie mit allem. anderswo wieder zu erscheinen. Aber der Himmel kennt die Motive und die Strukturen jenseits aller Wolken.. und du wirst sie auch erkennen. bombardiert. Wenn du wirklich eine Wolke aus deinem Leben verdrängen willst. Laserstrahlen. besser: dem Unwahrscheinlichen. solltest du keine große Angelegenheit daraus machen. haushohen Staubsaugern .aber meine löste sich auf! »Dein Arbeitstempo ist wohl nicht gerade rasant?« sagte er. um jenseits der Horizonte zu blicken. stellte mir einen leeren Fleck vor. und du weißt das auch. . fünf. »War auch mein erster Versuch! Ich bin ein Anfänger! Ich muß mich mit dem Unmöglichen herumschlagen. wenn du dich hoch genug erhebst. Du hast dich mit aller Kraft an die Wolke geklammert. Jetzt bist du dran.« Im Handbuch stand: Eine Wolke weiß nicht. und sachte.. bombardierte es mit eingebildeten Hitzestrahlen. . ja sieben Minuten war die Wolke schließlich verschwunden. als daß ich nicht schnell genug arbeite.« »Negative Fixierungen waren das. befahl ihm. Sie fühlt einen Impuls .« »Erstaunlich. im Verlauf von einer. »Los. 63 . Das ist alles.

ist absolut kein Wunder. und das Wasser bespritzte uns beide. ohne daß dir auch die Kraft verliehen wurde. was stellst du bloß mit mir an?« »Ich demonstriere dir nur. Keine Passagiere. es war unser freier Tag . Ich lachte. Das Wasser kann ganz fest sein« . KAPITEL Niemals wird dir ein Wunsch gegeben.. als wäre die Schwemme eine sommerliche Fata Morgana über einem steinernen Untergrund... Es schien. Es fühlte sich an. daß überhaupt Wasser da war.« »Aber ich. stand er auf. Wir befanden uns auf einer riesigen Weide neben einer drei Morgen großen Pferdeschwemme und weit weg von jeglicher Ansiedlung. sagte er. »Versuch’s mal!« Ich sah es mit eigenen Augen. »Hast du das mitbekommen? Versuch’s!« Wie schnell wir uns an Wunder gewöhnen! In kaum einer 64 . jedes Kind kann auf dem Wasser gehen. Lies dein Physikbuch. »Hör zu«. »Donald.»oder auch nicht. und als hätte er gar nicht bemerkt. »Komm!« rief er. weil er dort stand.er stampfte mit dem Fuß auf. Er stand fest auf der Wasseroberfläche. »Nein. ging ein paar Meter vom Ufer weg auf der Oberfläche der Pferdeschwemme. kein Kräuseln spritzte über seine Fliegerstiefel. Was du jetzt erleben wirst.. Deshalb ging ich hinaus. Es war ganz offenbar möglich. Sei still und paß auf. daß du dich dafür anstrengen mußt. irgendwo zwischen den Staaten Illinois und Indiana. keine Welle.so dachte ich jedenfalls. sagte er. als ob man auf durchsichtigem blauem Linoleum ginge.« Wieder stampfte er auf.« Er sagte es. warte. um mich ihm zuzugesellen. ihn zu verwirklichen. und es klang wie Leder auf Felsen .« »Schau doch her. »und du bist gerade in Reichweite. Es mag allerdings sein. was jeder früher oder später lernt«.11.

Dann ließ er sich darauf treiben. dachte ich. Er tat noch ein paar Schritte und stand jetzt bis an die Schultern in Erde und Gras. Ich erstickte nicht. was es für uns sein soll... das Festland um uns zu einem See. 65 . noch rang ich nach Luft. Sand und das schilfbestandene Ufer. atme es ein. läßt sich präziser in Worte fassen. Willst du Wasser flüssig haben. Gute Frage. Es ist weder fest.Minute war ich davon überzeugt. Es war. Vielleicht dürfen all diese Ereignisse nur innerhalb eines bestimmten Umkreises. sank er immer tiefer ein. Wenn du es dir als Luft wünschst.« Er ging ans Ufer. ja. Du und ich. es einatmen und trinken können. noch ist es flüssig. geschehen. daß es etwas ganz Natürliches ist. Dann legte ich mich flach hin und tauchte mein Gesicht in seine Bläue und atmete vertrauensvoll. Also sprich. Ich erwartete. sagen wir. trink es.. daß er meine Gedanken kannte. wir entscheiden. Paß auf. na und? »Aber wenn das Wasser fest ist. stell es dir flüssig vor. als sei es Luft. Es fühlte sich an wie warmer. lehmigen Tropfen.« »Wenn wir auf dem Wasser wandeln.. Ich kniete mich auf die Oberfläche und tauchte die Hand in die Schwemme. wie wir darauf wandeln können.. wie können wir es dann trinken?« »Genauso. »Sprich«. Flüssig. Aber als sein Fuß festen Boden berührte. daß man auf dem Wasser gehen kann.« Vielleicht hat das etwas mit der Gegenwart einer fortgeschrittenen Seele zu tun. als wanderte er über einen gemalten See. sagte er. als wäre der Teich auf einmal zur Insel geworden.. dann stand er auf und ging darauf weiter. tue so. Ich setzte mich auf und sah ihn fragend an. als sei es flüssig. Versuch’s. Richard. flüssiger Sauerstoff. tue so. »Weshalb muß ich sprechen?« »Was du zu sagen hast. leichten Schrittes. Einen Augenblick schwamm er in dem Weideland herum und planschte in dunklen. weshalb geht das nicht auch auf der Erde?« »Hmm. in einem Radius von fünfzehn Metern.

einen Menschen auf der Erde wandeln zu sehen! Ich stand auf der Schwemme und applaudierte. Er verbeugte sich und applaudierte mir ebenfalls. Und eine schnellere.. Ich ging bis ans Ufer des Teichs. ging in das flüssige Wasser und säuberte mich auf die traditionelle. und berührte sie mit der Zehe. »Richard.« »Stimmt. bedeckt mit einer schwarzen Schlammkruste.« »Du brauchst es mir natürlich nicht zu sagen. Bleib nur ruhig da sitzen. vergiß nicht. Im Gras zeigten sich Kräuselwellen.« Ich hörte auf zu strampeln. der Grund wird so tief sein. weißt du das?« »Ich bin überhaupt kein Schüler! Hol mich hier raus!« »Komm selber raus.« »Wird gemacht. »Ich weiß. »Baah!« Ich schüttelte mir den Schlamm aus den Haaren. Ich nehme an. du hast dich dabei aber vielleicht dreckig gemacht!« Auf seinem eigenen blauen Hemd. 66 . aus den Ohren. etwa einen halben Meter.« Schließlich mußte ich mit patschnassen Stiefeln zurück zur Fleet gehen und mich umziehen. nasse Weise. lache und laß es mich allein herausbekommen. daß sich die Erde verflüssigte. Es ist leicht. Unten war es schwarz und unheimlich. daß ich hinausklettern kann. hielt die Luft an und ruderte verzweifelt mit den Armen. daß es fest ist. Ich hängte die Sachen über die Spanndrähte zum Trocknen. Und ich kletterte hinaus. daß es eine bessere Art der Reinigung gibt. Zuversichtlich stieg ich ans Ufer und sank sofort bis über den Kopf ein. was du heute getan hast. Ich nehme an. daß es fest ist.Plötzlich war es ein Wunder. Dann legte ich die Brieftasche ins Gras. Wie tief mag es wohl sein? Nun. auf seinen Jeans kein Fleck. ich kämpfte mich zurück an die Oberfläche. um mich im festen Wasser am Rande des Teichs festzuhalten. »Mann. wie ich ihn haben will. Ich werde darin waten. Er saß im Gras und lachte. Sagen wir. kein Stäubchen. »Du bist ein bemerkenswerter Schüler. wünschte mir..

Später schlug ich wieder verstohlen den Leitfaden auf. es wären Träume oder einmalige Wunder gewesen. die Seiten. Sie ist manchmal herrlich. die Welt ist ein Traum. Himmel. Es ist aber nicht die Wirklichkeit. die Wirklichkeit auch dort ausdrücken kannst. Die Welt ist dein Schulheft. Du kannst aber auch ruhig Unsinn hineinschreiben oder Unwahrheiten oder die Seiten zerreißen. nichts Wunderbares ist jemals ein Traum.« »Nein. wenn du willst. Sonnenuntergang. Wolken. obwohl du. Nichts Gutes ist jemals ein Wunder. 67 . Siehst du den Unterschied?« Ich nickte. Die Einbildung ist ein Traum. auf denen du deine Rechenaufgaben löst. sich einzubilden.unsere Augenblicke der Erleuchtung zu vergessen. Die Schönheit ist wirklich.« »Du sagst. ich verstand ihn beinahe.

und die Gehsteige waren naß.« Ich zog die Stirn in Falten. Wenn du das so sagst. Aber wenn du es ganz präzise sagen möchtest. »Wenn du deine Frage korrekt vorbringst und formulierst. nicht wahr. Wie bringst du es fertig. . die ich absolut 68 . als ob du durch Wände gehen könntest? Ist dies eine bessere Frage?« »Ja. was?« sagte er. beantwortet sie sich von selbst.« »Uns entgeht aber auch gar nichts. Besser schon. was ich wissen wollte. genannt ›Wand‹. dir präzises Denken beizubringen«. daß du ja meinst und daß dir nur an meiner Fragestellung etwas nicht gefällt. als wir aus der Stadt zurückgingen.12. Die Frage setzt voraus. hindurchbewegen kannst?« »Ausgezeichnet!« rief er. nicht wahr?« »Nein. »Liegt das Problem bei Gehen oder bei Wände!« »Bei beiden und noch schlimmer.« »Wenn du nein sagst. die Frage hat sich keineswegs beantwortet. . deinen ›Körper‹. Heute ist mir aber nicht danach. »Gut. und jetzt hast du es völlig verdorben! Ich kann nicht durch Wände gehen . daß ich in einer begrenzten Raum-Zeit existiere und in eine andere Raum-Zeit überwechsle. Don?« »Nein.« »Bitte sag’s mir nicht. durch Wände zu gehen?« »RICHARD! DU hattest es beinahe geschafft. Du kannst es so erscheinen lassen. sagte er sanft. das sich in dem Glauben an ein raumzeitliches Kontinuum. daß du die Illusion eines begrenzten Identitätsgefühls. mich deinen Annahmen über mich anzuschließen. . setzt du Dinge voraus. . Warum antwortete er mir nicht einfach und ließ mich dann weiterforschen? »Es ist nun mal meine Methode. Ich weiß mich durchaus klar auszudrücken. weiß ich immer. Er wußte genau. Also hier ist meine Frage: Wie kommt es. KAPITEL Es war ein angenehm warmer Nachmittag zwischen einzelnen Regenschauern. durch die Illusion eines dinglichen Widerstandes. »Du kannst durch Wände gehen. manifestiert.

»Hast du nicht erst vor einer Woche in der Erde schwimmen können?« »Das stimmt. ja tausendmal unmöglich sagst. Körper sei Illusion. weil er nicht durch Wände gehen kann. . wäre die Antwort: ›Ich kann es nicht. sang er. Du kannst dir nicht vorstellen.« »Führe deine Unzulänglichkeiten ins Feld. Wand sei Illusion. »Du behauptest. du hast es gemeistert. . verbleiben sie dir«. Jetzt ist es ganz einfach.« »Das sind nicht meine Worte. es sind deine. und ich werde es tun. daß es bereits getan ist. Verstehst du denn nicht. daß dir die Dinge. schreckst du davor zurück? Anfangs war auch das Gehenlernen schwierig. Du stellst dir vor. »Wie machst du es also?« »Richard. daß du es einst recht mühselig lernen mußtest. wie einfach das klingt.« »Du meinst wohl. Identität jedoch sei Wirklichkeit und ließe sich nicht durch Illusionen einengen.« Ich seufzte. Es ist möglich.« »Natürlich«. sagte er. man macht gar nichts. als kümmerte ihn nichts auf dieser Welt. Don. wenn meine Zeit gekommen ist.« »Don. und ehe du dich’s versiehst.« »So einfach wie gehen. und es existiert. in welcher Richtung die Illusion verläuft? Horizontale 69 . Es ist unmöglich.nicht voraussetze.« »Er wandelt auf dem Wasser.« »Es stimmt aber. aber er ist untröstlich. Wenn ich sie so voraussetze. liebe Leute. Vergiß meine Frage. »Klar. durch die Wand gehen muß ich jetzt nicht etwa mühselig lernen.« »Ist eine Wand nicht einfach senkrechte Erde? Ist es so wichtig.« »Aber das war leicht. was ich meine?« »Nur weil es schwierig ist.‹« »Aber es ist so schwierig. dies ist. alles und jedes genau zu formulieren. Aber meine Frage ist: Kannst du es?« Dabei sah er mich an. wenn du immer wieder.« »Mein Gott. plötzlich leichter werden?« »Verzeih mir. Stimmt.« »Ich werde sie vergessen.

Aber statt dessen blieb ich wie angewurzelt mitten auf der Straße stehen und starrte auf den Fleck. erwiderte er. ich begreife dich allmählich. dich eine Weile dir selbst zu überlassen.. Heute meine ich. Es schien.« Er sah mich an und lächelte. der es tut?« »Was heißt das. senkrechte nicht?« »Ich glaube. Die Abkürzung ging durch die Ziegelmauer. »ich bin zu der Überzeugung gelangt. Donald«. um die Ziegel zu berühren. wo er gewesen war. kein Milkshake.. wäre ich sofort mit ihm abgebogen.« »O Gott.. überhaupt nichts! Ich hatte geglaubt. du hättest endlich dieses 70 . »Donald«. dich heute zum Mittag einzuladen . . sagte ich. er meinte genau das.« Erstaunt sah er mich an. »Eines Tages.Illusionen lassen sich meistern. »Erinnere mich daran. der. als hätte ich aufgrund einer unabhängig gewonnenen Erkenntnis ein verborgenes Rätsel gelöst. ebenfalls durch die Wand gegangen wäre. eine nur ihm bekannte Abkürzung zu nehmen. ein großer Bau aus orangefarbenen Ziegeln. ist es an der Zeit. Don. Richard! Du meinst es tatsächlich im Ernst! Aus dem Mittagessen wird nichts. »Immer wenn ich mich dir verständlich machen kann. »Was meinst du? Selbstverständlich lebe ich in dieser Welt. Kannst du mir jemanden nennen. Als ich die Hand ausstreckte. als ich wieder auf unsere Weide kam. Kein Hamburger.« Allein ging ich den langen Weg zu den Flugzeugen zurück. sagte ich. daß du wirklich nicht in dieser Welt lebst. »eines Tages . was er gesagt hatte.« Was mochte das wohl bedeuten? Er klang weder sarkastisch noch ironisch. als hätte Don sich plötzlich entschlossen. kann ich dir jemanden nennen? ICH! Ich lebe in dieser Welt.« Das letzte Gebäude der Stadt war ein Getreidespeicher.« »Ausgezeichnet«. . ging auf die Mauer zu und war verschwunden. Unvermittelt bog er rechts ab. waren sie feste Ziegel. daß ich. Großartig. . Er saß auf seinem oberen Tragflügel und übte sich im Auftanken. Du bist es. »Gewiß nicht. Zusammen mit etwa vier Milliarden von Mitmenschen. wie du nicht aufhörst zu lernen.

. die Wartung eines Kinnermotors und eine tödliche Angst vor Hagelstürmen sind.. »Und ich konnte den Hamburger fast schmecken und die Scheibe Käse darauf«. glaubst du. aber ich brauchte lange dazu. wirst du begreifen. dessen Hauptanliegen die Einholung der Erlaubnis des Farmers. 71 . ein Börsenmakler zum Beispiel? Dein Leben ist gerade völlig auf den Kopf gestellt und verändert worden durch den neuesten Beschluß der Securities and Exchange Commission.. sagte ich..« Er brach ab und blickte mit einer Mischung aus Zorn und Mitleid auf mich herunter. leben in deiner Welt? Du behauptest. die im Leitfaden auf der aufgeschlagenen Seite standen: Wenn du dich eine Weile darin übst. »Es tut mir leid. Aber das ist nun vorbei und sollte tunlichst vergessen werden. Ich hätte ihn dir wirklich gern spendiert.. mit Petrosian und Fischer und Browne in Manhattan. nur in der Phantasie zu leben.« Es war zwar das letztemal. daß Phantasiepersonen manchmal wirklicher sind als Menschen aus Fleisch und Blut. du lebst in derselben Welt wie. ja? Du machst mit bei den offenen Wettkämpfen in New York diese Woche. ja? Du meinst. die Worte zu begreifen. wonach die Prüfung von Portefeuilles mit mehr als fünfzig Prozent Anlagenverluste der Aktionäre obligatorisch geworden ist? Du lebst in derselben Welt wie ein Schachmeister.. nicht in dieser Welt zu leben. die Zehnminuten-Rundflüge. um den Preis von einer halben Million Dollar? Was hast du auf einer Kuhweide in Maitland im Bundesstaat Ohio verloren? Du mit deinem antiquierten Doppeldecker auf einem Feld. Wie viele Menschen.erhabene Wissen erlangt. daß ich ihm vorgeworfen hatte. du dort unten auf der Erde. es seien vier Milliarden? Willst du mir weismachen. du. daß vier Milliarden Menschen etwa nicht in vier Milliarden separater Welten lebten?« Er keuchte von dem schnellen Reden. »Du bist so sicher.

kommen Sie doch. »Ist in Ordnung«. wölfisch aussehender Kerl. »So?« »Solange wir damit keinem anderen weh tun«.. »Danke sehrr.« Auf einmal raschelte es im Dunkeln.13.... Der Lichtschein störte ihn offenbar. den er an unser Feuer brachte. entgegnete ich. Ein kleiner.. Klingt tatsächlich. Sie sind uns wirklich willkommen. sagte er. »Ich kam gerade vorbei«. sagte ich vorwurfsvoll. eine ungewöhnliche Erscheinung. »Ist das nicht einfach und sauber und eindeutig? Wäre das nicht das Gegebene. Sie brauchen hier nicht sitzen zu bleiben.« Die Stimme hatte einen schweren Akzent. magerer. zu tun.. Dann hörte ich ihn plötzlich lachen und einen Namen nennen. eher siebenbürgisch. nun. sagte Donald an jenem Abend. »Über das Feld führt eine Abkürzung zu meinem Haus. was auch immer wir tun wollen«.. aber du solltest auch sagen. was du meinst. »Ich weiß.. in einem Abendanzug und einem mit roter Seide abgefütterten Cape.. als ob da jemand ist. »Hast du das gehört?« »Hmm. »Es steht uns allen frei. Aber du hast etwas ziemlich Wichtiges unberücksichtigt gelassen«. sagte er. KAPITEL Dein Gewissen ist das Maß der Aufrichtigkeit deiner Selbstsucht..« »Tatsächlich?« Shimoda glaubte dem Mann wohl nicht. Ich will Ihr abendliches Zusammensein nicht stören. daß du es so gemeint hast. nicht eigentlich russisch und auch nicht tschechisch. gab sich aber trotzdem Mühe. »nein. um ein Universum zu regieren?« »Fast. Höre darauf. und ich fuhr herum..« Er stand auf und ging ins Dunkel. nicht laut herauszuplatzen. den ich nicht mitbekam.« Der Mann. Furcht einflößend. war. der man nicht alle Tage im Mittelwesten Amerikas begegnet. Ich 72 .... wir freuen uns. wenn Sie kommen.

Der Mann machte einen Schritt zurück. »Mein Herr. Ich habe nicht gewählt Vampirdasein.. weil ich Angst hatte. sonst würde ich Sie nicht darum bitten. daß ich irgend etwas über Blut gesagt habe! Aber sehen Sie.. Ist bedauerlich. sonst. Ich habe nicht viel Freunde. so schnell hatte ich mich bewegt. es tut mir leid.. was Sie sind.« »Was wollen Sie andeuten?« Ich war nun um so wütender. Aber ich muß ein gewisses Quantum frisches Blut jede Nacht bekommen. Sprechen Sie weiter. Du hast ihn unterbrochen.. »Richard.« »Donald«. ich muß Menschenblut haben. ebenfalls bald zu verstehen. Er wandte den Kopf zur Seite. Strohhalme stoben ins Feuer. sind Sie vielleicht eine Art VAM..?« Shimoda fiel mir ins Wort. »Bitte machen Sie sich’s gemütlich«. aber ich bin nicht gerade klein geraten und könnte wohl bedrohlich ausgesehen haben. Ich brauche es sehr dringend. »Bitte zu verstehen. »dieser Kerl..« Kann sein. Er sah mich mit einem verzweifelten Lächeln an.hoffte. aber er erschien mir so scheu und zurückhaltend. sonst 73 . jedenfalls war ich mit Windeseile auf den Beinen. ehe ich zu Ende sprechen konnte. sagte ich.. nur erschreckt und fragend anstarrte.. Ich bin zwar im allgemeinen harmlos. »Was zum Teufel wollen Sie andeuten? Ich weiß nicht. Sir. Sie können mir helfen. daß ich ihm gern aus seiner Verlegenheit herausgeholfen hätte. sagte ich. das mir das Blut in den Adern stocken ließ.. es tut mir wirklich leid! Bitte vergessen Sie. »Ja. Darf ich Ihr Blut trinken? Nur einen Schluck? Es ist meine Nahrung. daß ich den Mund hielt und den Mann. der dort aus dem Dunkeln in unseren Feuerschein gekommen war. mein Freund ist etwas zu hastig.« »Halt den Mund!« Ich war so überrascht.. »Womit können wir Ihnen dienen?« In Wahrheit fühlte ich mich gar nicht so hilfsbereit. unser Gast hat gerade etwas gesagt. daß es der fremdländische Akzent war oder daß sein Englisch nicht ausreichte und daß ich ihn nicht verstand.

das ist nichts für mich. In fünf Sekunden war er verschwunden. »Hat das Ihren Zweck erfüllt?« »Glaub schon. Mann! Wenn Sie mich anfassen. »ich werde dein Blut nicht saugen.« Und vor meinen Augen verblaßte er. Glaubst du.. was. Richard«. Mehr als einen halben Liter brauche ich nicht.« Er machte einen Schritt auf mich zu. Dann wandte er sich an Shimoda. ehe wir weitersprachen. als hätte er sein eigenes Licht ausgeschaltet.. es mit dem Ungeheuer aufzunehmen. denn ich war bereit gewesen.. Anscheinend war er belustigt und zufrieden wie ein Schauspieler. Vielleicht erklärst du mir... und der Akzent war plötzlich ganz weg. der seine Rolle überzeugend dargestellt hat. Ihr Blut zu trinken. Danke!« Der Vampir sah zu mir auf und lächelte gelassen. was war das?« »Ein Vampir aus Siebenbürgen war das«. daß ich Shimoda hörig war und dieser mich gefügig machen würde.« Das Adrenalin in meinen Adern ließ mich noch immer erzittern. daß du nicht meinst. kann ich nicht leben! Bitte.. Shimoda setzte sich wieder ans Feuer. aber ich wollte ihn mindestens fesseln. und es fließt tatsächlich Blut. ich werde sterben.. der andere hört nicht zu. mit dem Cape. braucht man nur einen Gedanken zu verkörpern. denn er war stehengeblieben und seufzte. Wenn ich längere Zeit ohne Blut bin. Das mußte gesessen haben. »Bin ich aber froh darüber.« Natürlich würde ich ihn nicht umgebracht haben. »Don.. bringe ich Sie um. ich hätte eben etwas übertrieben. Zum Beispiel. »Noch einen Schritt. lassen Sie mich nicht so sehr leiden. entgegnete er und ließ seine Stimme noch fremdländischer klingen als die der Kreatur.muß ich ganz schreckliche Schmerzen erleiden. »Oder besser: die Verkörperung eines Vampirs aus Siebenbürgen. was hier vorgeht. wenn man meint. Im Handumdrehen hat man demonstriert. Es ist ganz einfach: Jedesmal. Anscheinend vermutete er. was man meint. den Eckzähnen und diesem Akzent? War er für dich allzu erschreckend?« 74 . was du sagst. sagte er. nur ein wenig. wenn Sie mir nicht erlauben. »Nein. wenn man etwas klarmachen will. Er fuhr sich mit der Zunge über die Lippen.

« »Aber er wollte mir doch das Blut aussaugen!« »Genau das tun wir jedem an.« »Nun ja. was geschieht... die eben unmöglich ist. Wir sind es. steht es ihm frei.»Das Cape war Klasse. WAS IMMER WIR WOLLEN. WIR SIND ALLE. wonach es uns gelüstet.. Wir allein bestimmen.. Wenn er den eichenen Pfahl ablehnt..« »Verstehe was?« »Richard. groteskeste Klischeevorstellung. obwohl du wußtest. Aber es war die primitivste. die das entscheiden. die ihm paßt. Und so geht es weiter. Er hat dir sogar erklärt.« Er seufzte. Mein Vampir hat dir erklärt. »Gut. Doch dieses Beispiel paßte nicht ins Schema. »Worüber du dir den Kopf zerbrichst«. Aber du verstehst mich zumindest. dem wir erklären. FREI. sagte er. und darauf kommt es an. sagte er. ich hatte kein bißchen Angst. treibe ihm einen eichenen Pfahl durchs Herz. daß du damit einem anderen weh tun würdest. wenn man es so betrachtet.. ignoriere ihn. es war seine Wahl. sich auf jede Art... Ich hatte immer geglaubt. wenn sie nicht unsere Art von Leben lebten. wir würden leiden. zu wehren. Es geht um die Worte: Jemand anderem weh tun.. zu tun. eine Maxime. Es fehlte etwas. vorausgesetzt.« »Hör zu«.« Ich verstummte und dachte lange über seine Worte nach.. was du im Sinn hattest. ob uns weh getan wird oder nicht. wenn. stimmt’s? Er hatte sich dafür entschlossen zu leiden. Don. »das ist nur eine Redewendung. Nein. UM ZU TUN. er würde leiden. Gib ihm Blut.« 75 . wählen. Niemand sonst. wir tun einander nicht weh damit. ganz gleich.. wenn du ihn nicht ließest. »es ist wichtig.. daß es uns freistünde. deine Aggression dem Vampir gegenüber war der Beweis für das. wählen. er würde leiden. binde ihn fest. immer weiter: Wir müssen wählen...

was er wohl sagen würde..« Die Hamburger in dieser Snackbar waren zur Hälfte in dünnes Ölpapier eingewickelt. »ich bin mit meiner Frage noch nicht fertig. aber die Hamburger schmeckten gut. wenn man selbst nirgendwo länger bleibt. und ich werde sie nie wiedersehen.. »Fühlst du dich nicht manchmal einsam. »Hör zu. die mich wünschen läßt. dableiben und guten Tag sagen zu können. Wenn man sie auspackte. ja? 76 . mich auszuruhen und ein wenig zu unterhalten. »Oder?« »Darf ich jetzt reden?« »Ich denke schon.« »Warte! All diese Menschen. wobei ich mich fragte. Dann ist sie verschwunden. irgendeine wunderbare. Don?« Wir saßen in einer Imbißstube in Ryerson im Bundesstaat Ohio. ihn danach zu fragen. war alles voller Sesamkörner . Aber man kann wohl kaum bleibende Freunde finden. sagen wir einmal. weil du selbst sie angezogen hast.. strahlende Frau. daß du dies. ist deine Sache. ja. Was du mit ihnen anfängst. Fühlst du dich nicht manchmal ein ganz klein wenig einsam?« »Was du darunter. wir sind Magneten.« »Schschsch«.. oder sie läßt es sein. Er aß eine Zeitlang schweigend weiter und ich auch.14. Aber entweder fliegt sie zehn Minuten mit mir. Ab und zu taucht ein Gesicht in der Menge auf und leuchtet. KAPITEL Jeder Mensch. Richard. alle Ereignisse in deinem Leben sind da. und am nächsten Tag geht’s weiter nach Shelbyville. Das ist einsam.« Er schwieg. »Ich bin überrascht. sagte ich. als es mir einfiel. Wir sind nur ein paar Augenblicke mit ihnen zusammen.nutzlose kleine Dinger.

« Er schob alles. Einem Magneten ist es einerlei. Wir brauchen nur unseren inneren Strom durch die Drähte fließen zu lassen. ob wir genau dies wirklich tun wollen. »sind dir alle Dinge möglich. erlernen können. wenn sich die ganze Welt gegen uns wendet. sie könnten etwas lernen. wenn die Antwort ja ist. Messer. Ich habe immer gedacht. und es wird diejenigen anziehen. beiseite: Salzstreuer. Jedesmal.« »Nein. und wir können anziehen. als ich noch arbeitete. wer du bist. weißt du noch? Gleich und gleich gesellt sich gern. die glauben. die nichts von dem. Pommes frites. was immer wir wollen. und 77 .oder auch fünftausend Jahren hatte man kein Wort für Phantasie. »Etwas hast du dabei aber ausgelassen. was wir sind. sagte er. keine Magneten. Was man wirklich braucht. »Wenn du Phantasie hast«.« Ich betrachtete das Sesamkorn. Ganz von selbst und während wir uns strahlend offenbaren. können wir es. ihr Erlöser könntet erst mal untereinander einig werden. Ketchup.« Er sah mich über seinen Hamburger hinweg mit einem seltsamen Ausdruck an. Er ist einfach da und so beschaffen. anderes nicht. mit Kupferdraht umwickelt. Vor zwei. sei ruhig und klar und hell. Wir sind Eisen. besonders dann. zurechtrücken. und es nur dann tun. wie er funktioniert. Gabeln.« »Aber dazu gehört eine große Glaubensstärke. Aber das war ein langer Kampf bergauf. dann ihn. »wie ein Körnchen Sesam« .« Ich aß einen Kartoffelchip und zog die Stirn kraus. ist Phantasie. »Ich wünschte. man müsse Glauben haben. Ich war gespannt auf das. Sei nur.Nein. was auf der Tischplatte zwischen uns stand. »Alles Humbug mit dem Glauben! Man braucht dazu überhaupt keinen Glauben.er schob es mitten auf den leergefegten Tisch -. wenn wir uns magnetisieren wollen. sollten wir uns jeden Augenblick fragen. Wie mache ich das?« »Du machst gar nichts. Das weist dann ganz von selbst alle diejenigen zurück. Kosmisches Gesetz. und unterdessen ist man ziemlich einsam geworden. was sich vor meinen Augen ereignen sollte. und von denen auch wir etwas lernen können. daß er einiges anzieht. Ich wollte das.

Wenn ein Mensch denkt. was die Dinge. das ist eben nur meine Phantasie. daß sie sehr wohl Sesamkörner besaßen. aber ich ließ ihm diese Lüge durchgehen. was deine Träume bedeuten? Du solltest lieber fragen. an Warner-Brothers-Welten. der im Augenblick aus einer Weißblechdecke und kalten Neonröhren von Em und Ednas Café bestand. Du. Flugzeugträume bedeuten Flucht. jede Sekunde davon besteht aus Illusionen und Phantasien. es wirkt sich überhaupt nicht auf die Realität aus. wie wir Tagträumer sie für uns selbst heraufbeschworen haben.« »Ja. MGM-Lebzeiten. hat mich ereilt.« Er arrangierte Gabel und Messer. Don. was ich fürchtete. kluge. »Du möchtest wissen. aber das ist auch alles. du hast recht.Glauben war noch das Beste. der du in einer Welt voller Flugzeuge lebst.« Dabei wünschte ich.« 78 . was würde das für dich bedeuten?« »Zuerst einmal Freiheit. bedeuten. »Wenn du von Flugzeugen träumtest. er würde langsamer machen und mir nicht alles auf einmal aufladen. Flug und Befreiung. Wie werde ich beliebt und bleibe mir selbst treu ? Deine Phantasie verändert das Sein um keinen Deut. Und außerdem kannten sie keine Sesamkörner!« Ich wußte. ja? Gewiß kann ich das. die auf einer Weide mitten in der Menschenmenge in Tarragon im Bundesstaat Illinois erscheint. als wollte er eine Brücke zwischen uns bauen.« Verzweifelt warf er einen Blick zum Himmel. existiert er. Alles Träume mit Symbolen. »Soll ich mir vorstellen. da ist deine Erfahrung. Denke und werde reich: kreative Vorstellungskraft zum Spaß und zum Profit. Denken wir an Traumfabriken von Hollywood. »Nur deine Phantasie? Selbstverständlich ist es deine Phantasie! Diese ganze Welt beruht doch nur auf deiner Vorstellungskraft. hast du das vergessen? Wo dein Denken ist. was man einem ziemlich ernsten Haufen von Anhängern zu bieten hatte. die dich täglich und als wacher Mensch umgeben. wie diese Materialisierung vor sich geht? Ich stelle mir eine bezaubernde. Eine Meile pro Minute ist mir für meine Gedanken etwas zu schnell. rätselvolle Frauengestalt vor. Das.

ist. Eine blaue Vogelfeder. Dann setz sie frei. immer frei gewesen bist. stelle dir vor. Zuerst einmal etwas Kleines. Stelle sie dir vor in allen Einzelheiten. demonstriere mir ein kleines Wunder des Magneten . Aber mit dem Materialisieren funktioniert es ebenfalls. wärst du bereits Herr und Gebieter über dein Zauberreich. mit Silbertönen am Rande. . Hättest du nur einen Bruchteil der Freiheit dieses Sesamkorns hier.« »Zum Beispiel was? Meine bezaubernde Frauengestalt?« »Irgend etwas.« Entgeistert sah er mich an. den Rand. daß du schon frei bist.« 79 . Nur Phantasie! Was sagst du dazu?« Die Serviererin hatte ihm ab und zu einen neugierigen Blick zugeworfen. Don?« »Nur. In den anderen Dimensionen habe ich Freunde.« Er hob die Schultern. »Eine blaue Vogelfeder?« »Du hast gesagt: keine Dame. Nur eine Minute lang. Nicht deine Dame. Ich will es wirklich lernen. scharf umrissene Feder. die manchmal um mich sind. »Um etwas in dein Leben hineinzuzaubern. während sie Geschirr abtrocknete. wo sie zerrissen wurde.. sie wahr zu machen. V-förmige Zwischenräume. die in der Dunkelheit schwebte. »Wenn du willst. fünfzehn Zentimeter lang.« »Zeig du es mir«. Eine blaue Vogelfeder. Autorität. Was du nicht erkannt hast. Langeweile. diese imaginäre Welt. Auch du hast sie. zuhörte und sich fragte. was das sein mochte. Schwerkraft.« »Einverstanden.»Wie deutlich soll ich es noch machen? Der Wachtraum ist dasselbe: Du möchtest dich von allem. was du meinst. es sei schon da.« »Und das soll ich jetzt üben?« »Ja. Flaum um den Kiel. die Spitze. wenn ich es selber will.. blauschimmernd.« Ich machte die Augen zu und sah im Geiste eine Vogelfeder. erwiderte er.« »Ich meine aber diese Dimension hier. sondern etwas Kleines. Eine helle. Das heilt und tut gut und hilft. was dich zurückhält.. Zeig mir. kannst du sie in einem goldenen Licht erstrahlen lassen. »Also fühlst du dich niemals einsam. »Also gut. lösen: Routine.

ganz kleingedruckt auf einem Milchkarton: Abgepackt für Scott Dairies von den Blue Feather Farms in Bryan.« Ich machte die Augen auf.« »Darum. Verzeih. seltsames Gefühl. »oder es könnte dir leid tun.« Ein unheimliches. was du materialisierst.« »Meine Feder? Wie ein Lastwagen?« »Bildlich gesprochen.. Richard«. »Ich hatte geglaubt. Ein Bild.« »Genügt das nicht für den Anfang?« »Hast du dir nur eine separate.« 80 . und seine Stimme klang unheilverkündend. sah ich sie. mußt du dich selbst mit ins Bild setzen. Richard. »Wird gemacht.« Den ganzen Nachmittag hielt ich Ausschau nach der Vogelfeder. als ich gerade ein getoastetes Sandwich mit Puterfleisch aß. dann rollt sie gerade mit aller Wucht auf dich zu wie ein dicker Brummer von einem Lastwagen.. das genügt. »und morgen die ganze Welt!« »Sei vorsichtig. du wolltest eine echte Feder haben. »Don! Meine Feder!« Er sah hin und hob die Schultern. Wenn du mit dem Zusammensein willst. Erst am Abend.« »So. Ohio.Ich umgab die Feder mit einem goldenen Schein. frei im Raum schwebende Feder vorgestellt. oder hattest du sie in der Hand gehalten?« »Es war eine frei schwebende Feder. sagte ich. Du kannst die Augen wieder aufmachen. aber sie erschien nicht. Es funktionierte! Ich hatte ganz bewußt etwas materialisiert! »Heute eine Feder«. sagte er. daß ich dir das nicht erklärt habe. »Wo ist meine Feder?« »Wenn du sie dir genau vorgestellt hast.

»Diese Frage wirst du mehr als nur einmal gestellt bekommen. Drittens: Verantwortlich sein bedeutet die Fähigkeit. Es gibt nur eine Person. Aber die meisten von uns finden es interessanter. weshalb wir dies und jenes tun. um sich seinen Unterhalt zu verdienen. und das ist alles. Sie ist. Ich lag auf dem Rücken unter der Fleet und säuberte die Unterseite des Rumpfes von Ölspuren. als ohne ein Gefühl der Verantwortung in deinem antiquierten Doppeldecker herumzufliegen und den Leuten Rundflüge zu verkaufen?« Er wollte mich wieder einmal herausfordern. KAPITEL Die Wahrheit. und das ist. der wir eine Antwort schuldig sind. das wir lieber nicht täten. fiel mir Donald ins Wort und antwortete für eine imaginäre Anhängerschar. wenn uns nicht danach zumute ist. in der jeder hart arbeitet.?« »Wir selbst«.15.. Und zweitens?« »Zweitens: Es steht jedem anderen Menschen frei. »Richard. »War die Antwort zu lang?« 81 . »Selbst das brauchen wir nicht zu tun.. zu erforschen: Ob wir lieber einen Vogel beobachten oder auf eine Ameise treten oder um des Geldes willen etwas tun wollen. Unverantwortlich sein ist nichts Schlechtes. um ein Leben zu führen. wie kannst du eine Welt.« Ich fuhr zusammen. die Motive für unsere Handlungen. was ihm Spaß macht.. um sie zu beeindrucken. Ich bin auf der Welt. seine Lebensweise zu verantworten. Donald. hat weder Vergangenheit noch Zukunft. wenn du selbst nichts weiter tust. das zu tun.« »Akzeptiert. erstens: Ich bin nicht auf der Welt. während ich arbeitete. Neuerdings spuckte der Motor weniger Öl. Er setzte sich ins Gras. Shimoda flog einen Passagier und kam dann zu mir herüber.. beeindrucken wollen. die du aussprichst. das mich glücklich macht. was sie zu sein braucht.« »Nun.

so zu leben.« »Ich rate dir. um ein wenig Leben in die Bude zu bringen.« »WAS?« »Ich sage das nur zum Spaß. es sei denn. was er von ihnen für sich erhoffte? Oder einem. daß sie ihr eigener Messias ist. und wahrlich. zitierbar und haarscharf an der Frage vorbei. wie ich es will?« Er warf mir ein glückliches. Donald. ich behandle andere. »Suchender. und du wirst erleben. 82 . so zu leben. du kommst zu mir und willst eine Antwort haben. Ein kleiner Tempowechsel. Die Antworten werden dir gegeben. wenn du einem Masochisten begegnetest. die zu dir kommen. Die Menschen. ich bin gütig. also sprich sie aus. wie der eigene Verstand arbeitete.« »Frag mich bitte weiter.« Stolz richtete ich mich auf. »So spricht ein wahrer Messias! Einfach.« »Also gut. man gibt sich die Mühe. direkt. der mit den Leuten das machte. der um die Gnade fleht.. »Viel zu lang. Versuch es auf die ›Gebe-auf‹-Tour nur ein einziges Mal.. ›»Meister‹«. ich sage dir: Die Goldene Regel funktioniert nicht. stolzes Lächeln zu. »Ich habe nicht die blasseste Ahnung. »Wie wär’s. was ich darauf antworten soll. Und gerade diese Sorte weiß. was du unter Leben in die Bude bringen verstehst. sagte ich. halten ihre Probleme nicht für Witze oder Spiele.. wie ich auch von ihnen behandelt werden möchte.?« Ich rollte unter dem Flugzeug hervor und ruhte mich eine Zeitlang im Schatten der Flügel aus. Wie willst du die Welt beeindrucken. wie sie leben will. Was ist deine Antwort?« »Gebe auf«. aber trotzdem habe ich keine Freunde und bin ganz allein.. es sei denn. ›»ich will geliebt werden. weiter nichts.« Es war herrlich zu beobachten. der den Krokodilgott verehrt. sagte er. Wie wäre es. wenn ich der Welt erlaubte. und mir erlaube. lebendig zu den Krokodilen geworfen zu werden? Selbst der gute Samariter. sehr vorsichtig mit dem zu sein.Er nickte. wie schnell der Pöbel einen Mann auf dem Scheiterhaufen verbrennen kann. sie sind selber sehr fortgeschritten. darüber nachzudenken.

ob deine Mission auf Erden schon beendet ist: Solange du noch lebendig bist. dann tut es mir leid. der da am Wegrand zusammengebrochen war. was hat ihm den Gedanken eingegeben..« Ich blickte ihn an. »Zu viele Worte?« »Wie immer. Ein Rundflug kostet drei Dollar. wüßten wir nicht. wenn ich neunzig Prozent meiner Zuhörerschaft einbüßte?« entgegnete ich wütend. Noch bist du verpflichtet. wenn du nicht lernst. wenn der Mann die ruhigen Augenblicke nur dazu benutzt hätte. Begegne einem Masochisten mit dieser Regel. Hier ist ein Test. 83 . du wirst neunzig Prozent deiner Zuhörerschaft einbüßen. »Daran wirst du dich gewöhnen müssen«. »Du hast soeben bestanden. wie du selbst fühlst. was ich sage! Und wenn das falsch ist. um dann der Herausforderung zu begegnen?« Ich fand.der mit dem Ganzen angefangen hat. wie irgend jemandem außer uns selbst getan werden soll. Öl auf seine Wunden gegossen haben wollte? Was. und du brauchst ihn nicht mehr mit der Peitsche zu bearbeiten. wenn ich alle meine Zuhörer verlöre? Ich weiß. um herauszufinden. daß du zu ihnen sein möchtest. den Tiergottanbeter den Krokodilen zum Fraß hinzuwerfen. was ich weiß. »Was wäre schon. um sich geistig zu sammeln. ich klang sehr überzeugend. »Was?« sagte ich verstimmt. sagte er.. daß man zu ihnen sein soll.« Er sah mich mit einem verschwindend kleinen Lächeln an. Wie fühlt man sich als Meister?« »Verdammt frustriert. Was die Regel bedeutet. und wie wir sie ehrlich anwenden. ist: Sei zu anderen. daß der Mann. »Selbst wenn die Regel abgeändert würde in Sei zu anderen. nur weil er sich das von dir wünscht. in bar!« »Weißt du was?« Shimoda bürstete sich die Grashalme von seinen Jeans. Richard.. wie sie wollen. dich kurz zu fassen!« »Und was wäre verkehrt. ich sage. ist sie es nicht.

KAPITEL Haushaltswaren. was immer sie gerade brauchten. bezahlte meine dreiundsiebzig Cent und ließ mich wieder von den Tönen gefangennehmen. daß du Gitarre spielst!« »Tatsächlich? Dann glaubst du wohl auch.. eine Melodie. während ich alles durchwühlte. Die ganze Wirtschaft eines Landes würde zusammenbrechen. die ich schon als Kind geliebt hatte. die sich. Shimoda sah sich. gäbe es nur Leute wie ihn. die er vom Regal heruntergenommen hatte. Diesmal drang sie auf einer Laute gespielt und über ein verstecktes Verstärkersystem an mein Ohr. irgend jemand hätte zu Jesus gehen. längst vergangenen England.16. das war wunderbar! Ich wußte gar nicht. Schließlich hatte ich das halbe Dutzend Schrauben gefunden und ging damit zur Theke. daß es für Hayward allerdings merkwürdig war. das für einen Ort von vierhundert Seelen recht eigenartig war. und der hätte gesagt: ›Ich kann sie nicht spielen‹? Hätte er das wohl gesagt?« Shimoda legte die Gitarre zurück auf das Regal und ging mit 84 . ihm eine Gitarre geben können. wie der Messias die Melodie auf einer billigen.. »Donald. geduldig um. Es klang herrlich. Mag sein. Ich stellte mich still dazu.und Eisenhandlungen sind immer langgestreckte Orte mit Regalen. denn dort gab es gar kein Lautsprechersystem. denn natürlich brauchte er niemals irgend etwas aus einem Eisenwarengeschäft.. Es erwies sich. Der Eigentümer saß zurückgelehnt auf seinem hölzernen Schemel hinter dem Ladentisch und hörte zu. aus Verkörperungen und Luft fabrizierten und die Dinge ohne Ersatzteile oder Arbeitsaufwand reparierten. die ins Unendliche führen. sechssaitigen Gitarre spielte. wo der Ladeninhaber leise Musik spielen ließ: Greensleeves. In Hayward im Eisenwarenladen hatte ich wieder einmal ganz hinten im düsteren Licht nach Dreiachtelzollmuttern und Schrauben und Federringen für die Schwanzkufe der Fleet gesucht. daß der etwas blecherne Ton des billigen Instruments schuld hatte: Jedenfalls klang es wie aus einem nebligen.

in irgendeiner anderen Existenz. Ich weiß einfach nur. kehrtzumachen und die Gitarre zu kaufen. der russisch oder persisch spricht. du hast dir deine Fertigkeit verdient. als sei es ein Stück deines Lebens.« »Wolltest du fliegen?« »Ich war versessen darauf! Natürlich! Jeden Morgen sah ich auf die Wolken herab und den Rauch.« »Warum brauchte ich denn dann nicht lange.. Berühre das Instrument. Sei überzeugt davon. »Sagen wir mal. du hast dich lange genug gequält. ehe du dir selbst die Erlaubnis gibst. daß ich nicht Gitarre spielen kann.. und laß dir von deinem Unterbewußtsein die Finger führen und spiele.« »Dann wird es dir auch schwerfallen. meine Überzeugung. daß du das Instrument gut spielst. es nicht verstehen würde? Oder. es käme einer vorbei. der in der zittrigen Luft aus den Schornsteinen senkrecht emporstieg. daß ein Meister. aber ich habe es sehr bald gemeistert. Gitarre zu spielen. ich war bloß neugierig. wenn er eine Dio-Planierraupe fahren oder ein Flugzeug fliegen wollte. ehe dein bewußter Verstand dir sagt. jetzt kapiere ich. Du wirst es jahrelang üben müssen. es richtig zu machen.« Ich hatte etwas darüber gelesen: Lernen durch Hypnose. sie beherrschten die Kunst. Don. Den Schülern wird erklärt. »Es ist schwer. überwinden. zu überwinden. anders als meiner. »Du mußt einfach alle Hemmungen und Überzeugungen.« »Und ich könnte so auf einer Gitarre spielen?« »Nein. und dann spielten und malten und schrieben sie wie Meister. um das Fliegen zu lernen? Das soll doch auch schwierig sein. meinst du etwa. Du willst sagen: ›So hast du Gitarren 85 .« »Wie würde ich das anstellen?« Ich hatte nicht die Absicht. denn das ist es . und erkannte. daß ich alles kann. du würdest deinen eigenen Stil haben. Ach so. der seines Glorienscheins würdig ist. nicht wahr?« »Du natürlich auch.mir hinaus ins helle Sonnenlicht. daß er es nicht tun könnte?« »Du kannst also alles. daß du nicht spielen kannst.

»Und ich?« fragte ich. mit einem leisen Lächeln auf den Lippen. antwortete er. warte: Du hast überhaupt keine Lizenz. stimmt’s? Ich meine eine offizielle Flugerlaubnis. »Meinst du das Stück Papier. Er war weder verblichen noch eselsohrig. mit einer Adresse in Indiana. 86 . sagte er. Richard? Ist es diese Sorte Lizenz?« »Jawohl. Da war ein Pilotenschein. Nein. Ich war sicher. um eine Lizenz zu bekommen. als hätte ich ihn herausgefordert. sagt mir. daß ich in Gelächter ausbrach. zugelassen als kommerzieller Flugzeugführer. und du hast sie geflogen. nicht wahr?‹ .und mehrmotorige Landflugzeuge. so hast du fliegen gelernt. das Stück Papier. Es war eine reguläre Zulassung als Berufspilot und trug den Stempel des Verkehrsministeriums: Donald William Shimoda.« Er langte nicht etwa in seine Jacke. als hätte er ihn die ganze Zeit dort gehabt.gegenüber nie empfunden.« »Deine eigenen Dokumente mußt du schon selber fälschen«. du bist aber intuitiv!« »Du hast nie eine Flugprüfung gemacht. »Hast du keine Eintragungen für Wasserflugzeuge und Hubschrauber?« »Ich werde sie haben. daß er vor zehn Sekunden noch gar nicht existierte. ehe er einstimmen konnte. Ein Mann. Ich nahm ihn und betrachtete ihn. Instrumentenflüge und Gleitflugzeuge. der gerade den Bürgersteig vor dem Lagerhaus der International Harvester Company fegte. Eines Tages hast du die Travel Air bekommen. sollte ich sie brauchen«. um ihn auf Verlangen vorzuzeigen. mit Eintragungen für ein. eine Flugerlaubnis zu produzieren. das ich jetzt spüre.« »Mann. er öffnete einfach die rechte Hand. »Ich hätte auch gern eine Transportfliegerlizenz. sah uns an und mußte ebenfalls lächeln. und er wäre sicher. Don. und zwar in einem so geheimnisvollen Ton. Niemals zuvor hast du in einem Flugzeug gesessen.« Er sah mich seltsam an. um seine Brieftasche herauszunehmen.Dieses sinkende Gefühl im Magen. er könnte es auch.

daß es auch Menschen gibt. das sind Sie.« »Diejenigen.« »Bin ich auf Sendung?« »Jawohl. mit irgendeinem Zirkus in der Gegend herumzufliegen. tun halt das. Donald Shimoda. der Flugzeugführer. daran ist nichts Illegales. die Maschinen werden genauso sorgfältig inspiziert wie ein Jumbo-Jet. Man braucht nur eine Zulassung und die Genehmigung des jeweiligen Farmers. auf denen Magnetbandkassetten mit Werbespots gestapelt waren. ob es nicht ein bißchen illegal sei. vollgestopft mit Skalenscheiben und Drehknöpfen und Regalen. um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen.« Gewiß ist das richtig. Bitte sprechen Sie. was wir wollen. »Genauso wie die Leute. »Bitte sprechen Sie. Aber Shimoda sagte es nicht. die wissen wollten. Das Programm begann um neun Uhr abends und dauerte bis Mitternacht. Die Antwort ist: Nein. Jeff. die sich ihren Lebensunterhalt mit Arbeit verdienen.17. die sich ihren 87 . meine Dame. kaum größer als ein Uhrmacherladen. Sykes’ Aufmacher bestand in der Frage. Sie sind sicherer und widerstandsfähiger als die meisten aus Blech konstruierten modernen Maschinen. was sie am liebsten tun möchten«. in einem uralten Flugzeug in der Gegend herumzufliegen und den Leuten Rundflüge zu verkaufen. das zu tun. Er sagte: »Niemand vermag uns zu verwehren. Kurz danach blinkte eine Lampe an Sykes’ Telefonverbindung auf. Kapitel In der Talk-Show von Jeff Sykes lernte ich einen ganz neuen Donald Shimoda kennen. »Wir haben einen Anrufer auf der Leitung«. die hart arbeiten müssen. antwortete Shimoda. was er tun möchte. Unser Studiogast ist Mr. und zwar mit mehr Verantwortung. Gesendet wurde aus einem Hörfunkstudio. aber es war eine denkbar undiplomatische Antwort angesichts von Zuhörern. was es mit diesen herumfliegenden Maschinen auf sich hatte.« »Gut: Ich möchte diesem Burschen erklären. daß nicht jedermann tun kann. als dazu gehört. sagte Sykes.

solange wird es sie geben. . was er nicht tun will. das Ende ist der Tod. »Es gibt also keine Schlechtigkeit auf dieser Welt. weshalb schob er es beiseite? »Alles ist in Ordnung. die Diskussion drehe sich um die Realität dieser einen Welt: Der Anfang ist die Geburt. aber er ignorierte sie alle. mit Kummer sollst du dich darauf nähren. Niemand tut. Aber sie gab sich plötzlich geschlagen und fragte ganz einfach: 88 . die Anruferin zu beruhigen.« »›Tu. Wir sehen ja nur einen winzigen Ausschnitt des Ganzen.« Nichts davon ließ die Frau am Telefon ruhiger werden. antwortete er. »Es gibt eintausend Millionen anderer Welten. niemand leidet. Sie wird ja sowieso schon jetzt zugrunde gerichtet. niemand stirbt. Jenseits von dem. Man braucht nur die Augen aufzumachen und zu sehen.. gibt es kein Gut und kein Böse. wenn die Welt zugrunde geht«.Lebensunterhalt spielend verdienen . was glücklich oder unglücklich macht. tu. er sprach aus seiner Sicht vieler Perspektiven und vieler Lebzeiten. was dir gefällt! Würden wir das jedem erlauben.verflucht sei dein Acker. wenn wir es wollen. Gewiß. . Alles ist ausgewogen. so würden wir die Welt zugrunde richten. »Es ist durchaus in Ordnung. was dir gefällt !‹ Ich hab’s satt. Solange die Menschen Planeten haben wollen. an die sich nur ein Meister erinnern konnte.. Natürlich vermutete die Anruferin. was mit der grünen Erde.« Das schien nicht gerade dazu angetan. er sprach von Erkenntnissen. Ich warf Donald Shimoda einen überraschten Blick zu. und dieser Ausschnitt ist nur Einbildung.« »In der Bibel heißt es aber: Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen . das wir Leben nennen. keine Sünde um uns herum? Das macht Ihnen nichts. um darauf zu leben. es sei denn. liebe Dame. meinen Sie?« rief die Anruferin in ihr Telefon. mit den Pflanzen und Flüssen. er wollte es.« »Auch das steht uns frei. beunruhigt Sie nicht?« »Kein Grund zur Beunruhigung. Er wußte das.. das immer wieder zu hören. die wir erschaffen und unter denen wir wählen können. mit den Meeren geschieht!« Damit gab sie ihm eine Unzahl von Antwortmöglichkeiten.

richtig ist?« »Ich weiß nicht. daß das. »Jeder.« Ich kniff die Augen zusammen. »Eigennützig! Mister. hat nur für seine eigenen Interessen gelebt. daß dieser Planet wahrscheinlich der glücklichste in diesem Teil der Galaxis sein würde«. ich weiß nicht. die praktische Lebensweise. der jemals etwas bedeutet hat. die Wunder. jeder. antwortete er. leb nur für dich selbst und laß die anderen zur Hölle fahren.. jeder. Die Heilungen. Er lehnte sich bequem zurück. wissen Sie. daß meine Kinder hören. sei egoistisch. Er sprach das alles ohne Umschweife. daran zu glauben. der jemals glücklich gewesen ist. oder wo immer sie hingehen möchten. was ihm beliebt? Was. würde dann passieren?« »Ich glaube. »Christus hat uns befohlen. sagte er. Warum nur? Es gab einen Grund dafür. als er sich zum Mikrofon beugte. und es funktionierte. sagte er. Mister? Was würde sein. was Sie da sagen. ob es richtig ist«. hat es aus göttlichem Eigennutz getan. Ein Großteil des Senderaumes lag in einem schummrigen Zwielicht. weil es Spaß macht. »Vielleicht verraten Sie es mir«.»Woher wollen Sie all das wissen? Woher wollen Sie wissen. wenn jeder auf Sie hörte und einfach nur das täte. für unseren Nächsten zu leben. Shimoda sah man nur schwach umrissen. den verblüfften Zuhörern entgegenzukommen.« »Was wollen Ihre Kinder denn selbst gern hören?« 89 . Hätte er nicht sagen können. Es gibt keine Ausnahmen.. Ich hielt meine Augen nur einen Spalt offen. bot keine Alternativen an. »Mister. »Ich glaube daran. ob ich möchte. wer der Antichrist ist?« Einen Augenblick lächelte Shimoda. Es war. als wäre der Anrufer ein alter Bekannter. was Sie sagen. Der Antichrist sagt. wissen Sie das. Die Zeit schien vorbeizurasen.« Der nächste Anrufer war ein Mann. der jemals der Welt ein Geschenk gemacht hat.« »Sie sind gefährlich.« »Oder zum Himmel. er habe es ausprobiert. die sein Denken wahr und anwendbar machte? Aber er sagte es nicht. glauben Sie. gab sich keinerlei Mühe.

dann steht es mir auch frei. sagte der nächste Anrufer. auch die erzürnten Frauen. die für die Moral ihrer Kinder und die Zukunft amerikanischer Lebensphilosophie fürchteten. 41 geparkt seien und daß wir nachts unter dem Tragflügel schliefen. nur mit anderen Worten. »Wissen Sie was. etwas zu sein. Damals. Jeder Knopf an der Schalttafel war erleuchtet und blinkte. und niemand hätte sich auf den Schlips getreten gefühlt. war der Leitfaden auch keine Hilfe. Es überrieselte mich wieder dasselbe ungute Gefühl. »ich glaube. auf die Wiese hinauszugehen und Ihnen mit meiner Schrotflinte Ihren blöden Kopf wegzupusten?« »Natürlich steht Ihnen das frei. Irgendwo in der kleinen Stadt war mindestens ein zorniger Mann. Mister«. Es wurde immer schlimmer. Ich spürte diese Wellen von Zorn von Menschen ausgehen. daß wir uns wieder verabschiedeten. mußt du die Langeweile opfern. Sie sind ein Scharlatan. Alles das machte mich nicht gerade glücklich. Er hätte dasselbe sagen können. Wir sind weder herumwandelnde Körper.« In der Telefonverbindung knackte es hörbar. daß unsere Maschinen auf John Thomas’ Feld neben der Landstraße Nr. was wir nicht sind. das ich in Troy hatte. wer wir waren. 90 . Das ist nicht immer ein leichtes Opfer. Um frei und glücklich zu leben.»Wenn es uns freisteht. höchste Zeit. das zu tun.« »Natürlich bin ich das! Wir sind alle Scharlatane! Wir alle geben vor. wonach uns gerade zumute ist. Jeff Sykes hatte allen seinen Hörern gesagt. im Hörfunkstudio. So hätte es nicht zu kommen brauchen. Bis Sendeschluß war noch eine halbe Stunde. noch sind wir Atome und Moleküle. Alle übrigen. hatten sich ans Telefon gehängt. als die Menge auf ihn eingestürmt war und ihn bedrängte. Es war Zeit.

wir sind unzerstörbare Bestandteile des Seins. nicht paßte. was er sagte. der vielleicht mit Taschenlampen bewaffnet bei den Flugzeugen auf uns wartete. falls mir das.« Er würde der erste gewesen sein.. 91 . der mich daran erinnerte. daß es mir freistünde wegzugehen. Und er würde mich ausgelacht haben wegen meiner Furcht vor einem Lynchmob.. wie sehr wir auch etwas anderes glauben mögen .

18. Ich hätte mir genausogut aussuchen können. um mit irgend jemandem die Welt. was du zu mir gesagt hast. was ich damals sagte. wie es funktioniert. Das hätte ich dir auch sagen können. die Freunde sind. »Weißt du noch. wenn mein Glück davon abhänge. wie viele Wunder ich vollbrachte?« »Nein. dessentwegen ich überhaupt dieses Leben gelebt habe. Ich suchte mir diese ganze Lebenszeit aus. Ein Lebewohl ist notwendig. daran erinnere ich mich wohl. sei es nach Lebenszeiten. 92 . einerlei. Ich erinnere mich nicht an das. und er hat nichts weiter zu sagen als: ›Das ist klar.« »Erinnerst du dich nicht mehr an die Zeit. als du mein Problem entdecktest? Daß niemand zuhörte. Du hast auf einmal so verlassen ausgesehen.‹« Er lachte. so wie sie zusammengefügt ist. KAPITEL Sei nicht verzweifelt. ob ich mich anderen mitteile oder nicht. ehe man sich wiedersehen kann. Ich stoße endlich auf den Gedanken. stellte er sich zu mir neben den Tragflügel. um das zu lernen: Es macht nichts. Und ein Wiedersehen. aber es war ein trauriges Lachen.« »Vielen Dank. daß die Leute sich darum kümmern.« »Das ist klar. Don. ehe die Leute kamen und fliegen wollten. Damals wußte ich noch nicht. Das Sein braucht mich nicht. Deshalb bin ich hierhergekommen. sei es nach Augenblicken. Richard?« »Doch. Don. was ich zu sagen hätte.« »Du hast gesagt. ich hätte tatsächlich ein Problem. ein Lebenswerk liegt hinter mir. um irgend jemandem zu erklären. Am nächsten Mittag. wenn es ums Abschiednehmen geht. zu teilen. weshalb. gar nichts zu sagen. ist denen gewiß.

auf den Rundflug wartende Menschenansammlung. zur anderen Seite gedrückt. daß Donald Shimoda erschossen worden war. Shimoda. daß ich ihn mit einem Säbel hätte treffen können. bis ich begriff. Ich war weder zornig noch geschockt. sein Körper reglos wie im plötzlichen Tod.19. so schnell ich konnte. noch entsetzt. kleine. eine zwanglose. um mit meinem Freund zu sprechen. Zuerst war es nur die vertraute. während ich sie auftankte. Im nächsten Augenblick gab es einen Knall wie von einem geplatzten Reifen. sprang von der oberen Tragfläche und rannte los. Es hätte in einem Filmdrehbuch stehen oder eine Szene aus einem Laienspiel sein können: ein Mann mit einer Schrotflinte. vertraute Szene. 93 . aber in der Bespannung unterhalb des Cockpits war jetzt ein fünfundzwanzig Zentimeter großes Loch. Es sah aus. und dann explodierte das Menschenknäuel und spritzte auseinander. Es dauerte ein paar tausendstel Sekunden. daß er mir damals ganz gleichgültig war. der Motor lief ruhig im Leerlauf weiter wie im Augenblick davor. Sein Flugzeug rollte nach der Landung aus und stoppte neben ihnen mit einem Aufwirbeln des Propellerwindes. hing mit dem Kopf nach unten. Im nächsten Augenblick ließ ich den Benzinkanister fallen. Jetzt weiß ich. der mit all den anderen fortrannte und dabei so dicht an mir vorbeikam. Diese Worte des Handbuchs waren meine einzige Warnung am Tag vor dem Ereignis. KAPITEL Das Kennzeichen deiner Unwissenheit ist die Stärke deines Glaubens an Ungerechtigkeit und Unglück. zum Cockpit der Travel Air gelangen. als hätte ihn eine Granate getroffen: Die linke Körperhälfte bestand nur noch aus durchlöchertem Leder. Was für die Raupe das Ende der Welt ist. Ich wollte nur. nennt der Meister einen Schmetterling. Der Reifen der Travel Air war unversehrt. die ich vom Tragflügel der Fleet beobachten konnte.

die hat mir gefallen. die Travel Air wieder zu säubern. Seine Reglosigkeit war schlimmer als all das Blut. wie sieht es aus?« Ich war gewaltig erleichtert. »Don! Bist du okay?« Welch närrische Frage! Er schlug die Augen auf und lächelte. ich rutschte den zerfetzten Flugzeugrumpf entlang und ins nasse. Als ich unten aufschlug. haben wir noch viel zu fliegen!« Aber während ich ihn aufzog.es würde Zeit und Mühe kosten. Das war. eine einzige scharlachfarben durchtränkte Masse. ihn sprechen zu hören. Die Maschine selbst war nur leicht beschädigt. jetzt aber los! Rette dich rasch selber! Bei den Menschenmengen.« Pilotensitz und Seitenabdeckung waren blutdurchtränkt . Plötzlich erfaßte mich wieder Angst. Der Wind fächerte die Seiten auf.. als ob das Gewicht des Leitfadens in meiner Tasche mich auf die Seite zöge. In meinen Ohren dröhnte es. Hätte er seinen Rückengurt angeschnallt gehabt. »Nun. ein Freund.Fleischfetzen und Blut. die Welt geriet ins Trudeln. Wenn er reden und denken konnte. Sein Kopf hing über der Anlasserpumpe rechts unten am Instrumentenbrett.« Er rührte sich nicht. rote Gras. ruiniert.« »Na. Don?« »Nein«. Entmutigt hob ich das Buch auf.. ich glaube. Ich hatte das Gefühl. antwortete er flüsternd und atmete kaum. »Aber die Vorstellung.. die noch kommen werden. dachte ich... als daß.. du hättest keine Feinde. sind die Worte eines Meisters nur ein schöner Klang. irgendein Rachsüchtiger.. »Ich dachte immer. wäre er nicht derart nach vorn geschleudert worden.. fiel er heraus. wenn ich es nicht besser wüßte.. bewegte nur ein wenig den Kopf. und trotz all seiner Weisheit und all seiner Erkenntnis der Wirklichkeit. das Gesicht feucht vom eigenen Blut.. »War das nötig. dann würde alles wieder in Ordnung kommen.. die ihn 94 . sein Leben um meinetwillen. Besser.. würde ich sagen: Du hättest da ein kleines Problem.« »Ich habe auch keine. Ist das das Ende. »Richard. sackte mein Freund Donald Shimoda das letzte kleine Stück vorwärts auf den Knopf der Anlasserpumpe und starb..

Alles. könnte auch falsch sein.nicht einmal gegen den Angriff eines tollwütigen Hundes auf irgendeinem Feld gefeit machen? Ich mußte es dreimal lesen. was auf der Seite stand. 95 . was in diesem Buch steht. ehe ich glauben konnte.

mit dem ich mich. oder aber die kleinen Biester waren cleverer geworden und wichen mir aus.. niemanden. Was hatte ich an jenem Tag lernen sollen? Eines Abends. Jetzt gab es niemanden mehr. Am nächsten Tag sahen mich die Leute verwundert an. Ich durchlebte es unzählige Male. dem eigentlich nichts fehlte. obwohl die Fleet jetzt besser als je flog und weniger Treibstoff verbrauchte. unterhalten konnte. als man Shimoda erschoß. war ich mit der warmen Luft nach Süden geflogen. und neuerdings blieben immer mehr bei mir. Wenn das. Wieder einmal dachte ich kurz vor dem Einschlafen an jenen letzten Augenblick .EPILOG Bis der Herbst kam. An mir selbst vielleicht? Kann sein. Ich war abgeflogen und auf einem kleinen. waren neugierig geworden. Sie spuckte kein Öl mehr und tötete auch keine Insekten auf ihrer Windschutzscheibe oder ihren Propellerschaufeln.. aber meine Kunden wurden immer zahlreicher. was er gesagt hatte. Es gab nur wenige brauchbare Felder. niemanden. stimmte. der aber behauptete. hatte mich eine Menschenmenge im Staate Mississippi erschreckt. Mehr als nur einmal flog ich vorzeitig ab. Ab und zu kam einer. um sich auszusprechen und um über meinem Lagerfeuer ihre Marshmallows zu toasten. gelichteten Platz gelandet. von dem ich lernen konnte. es war gegen Ende Oktober. Aber es änderte sich nicht. für mich aufgehört zu fließen.warum war er gestorben? Es gab keinen Grund dafür. Es war dort steckengeblieben. dessen Lehrmethode 96 . Trotzdem hatte ein Strom der Zeit an jenem Sommertag. Es war ein Ende. ich hoffte vergebens. niemanden. wie einst mit ihm. Ein Rundflug im Doppeldecker war immer populär gewesen. es würde sich irgendwie ändern. Es geschahen keine Wunder. an dem ich mich mit meinem frisch geschliffenen Verstand messen konnte. kamen näher. der gerade groß genug für die Fleet war. das ich weder glauben noch begreifen konnte. Zweifellos war es die kühlere Luft. ein Gespräch mit mir hätte ihm geholfen. den ich zu überrumpeln hoffte. aber ich war nicht halb so amüsant wie Shimoda.

»Hallo!« wiederholte er. sagte er.. Neben ihm im Gras lagen eine Rolle von feinstem Segeltuch und eine Dose Zellon-Spannlack. ihn zu sehen . daß ich träumte. ich wußte aber auch.« Ich war so froh. Er kniete im Gras einer Wiese. und dieser Mann war mein Freund.. du siehst es wieder ganz. nur das spiegelglatt lackierte Flugzeug. bereits getan. Vor Tränen konnte ich kaum sehen. es gibt überhaupt kein Sterben. und flickte gerade die Stelle in der Flanke der Travel Air. ich träumte.. Ich spürte das Leder seiner Fliegerjacke unter den Fingern. »Donald!. »Du willst mit Zellon und Segeltuch das Loch. alter Junge«. und er war wirklich. aber ich will gerade das kleine Loch hier flicken. der nun endlich seine geistige Mechanikerprüfung bestanden hatte. daß es so gemacht wurde. In seinen dunklen Augen leuchtete so etwas wie Stolz auf einen etwas zurückgebliebenen Schüler. den Rücken mir zugewandt. fuhr ich mit der Hand über das zerfetzte. Es gibt kein Sterben. »Hallo.«.. Ich fand es nicht seltsam. »DON!« Langsam richtete er sich auf. Du lebst! Was machst du denn da?« Ich rannte auf ihn zu und warf die Arme um ihn. drehte sich zu mir um und belächelte meinen Kummer und meine Erleichterung. »Mit Zellon und Segeltuch?« fragte ich. und als ich das sprach. »So machst du’s also!« rief er. drückte die Arme.nichts war unmöglich. »Entschuldige bitte. Dies ließ ich mir durch den Kopf gehen.aus einem geistigen Karate bestand. die darunter waren. Ich wußte. Als ich die Hand wegzog. 97 .? Aber das ist doch nicht deine Art. blutige Loch. nahtlos bespannt von Bug bis Heck. daß es wirklich war. bevor ich einschlief und träumte. wo die Schrotlandung das Loch gerissen hatte.. war kein Loch mehr da. mit dem er mich stets aus dem Gleichgewicht brachte..

behalte es im Kopf... der du noch eine Zeitlang bleiben wirst. »Don. Don! Weißt du. wenn man aufwacht?« »Nein.Neben dem Tragflügel loderte ein morgendliches Feuer. erwiderte er und grinste. wie man das macht.. Ich betrachtete ihn derweil. oder?« »Glaubst du etwa.« »Dann ist es kein Traum.. auf dem eine Bratpfanne stand. ist. daß ich dich niemals etwas habe kochen sehen? Was ist es?« »Maisbrot«. Du wirst ihn nicht vergessen. schlafe 98 . »Du brutzelst etwas. Ich kann es noch immer schmecken. wenn du jemanden zum Lernen bringen willst. dir zu zeigen.« Wir lachten beide und waren still.. Es ist eine andere Raum-Zeit. daß dein erstes Mahl auch dein letztes sein wird. ich sei tot? Aber. Richtig?« »NEIN! Liebst du mich.. Es wird dein Denken und dein Leben verändern. in Schweineschmalz gebacken. aber.« Mit seinem Taschenmesser schnitt er zwei Portionen ab und reichte mir eine. es mit deiner Weisheit und nicht mit deinem Maisbrot tust. in der Tat befinde ich mich schon dort. »Na. Richard. wie schmeckt’s?« »Don. Falls dich irgendein Problem bedrückt. »Das letzte.. so mußt du auch mein Maisbrot lieben! Es ist das Brot unseres Lebens. wenn du deinen Gästen diesen Fraß vorsetzt.« Er tat seine Portion zurück in die Pfanne. daß du jedesmal.. eine Mischung aus Sägespänen. »Es soll dich daran erinnern. Don!« »Also gut. es fehlt dir doch nichts. »Mit Gips angemacht..« »Werden wir uns wiedersehen? Kommst du zurück?« »Ich glaube nicht. den man vergessen hat. Aber zwischen uns gibt es eine Verbindung. Ich möchte jenseits von Raum und Zeit gelangen. was ich dir in deinem Leben beibringen will.« »Die Rache des Phantoms«. Aber ich möchte wetten. erwiderte er sachlich. hart gewordenem Tapetenkleister. Es ist kein Traum. und jede andere Raum-Zeit ist ein Traum für den geistig gesunden Erdenbürger.. zwischen dir und mir und den anderen Mitgliedern unserer Familie.

nicht. schwimmt man in der Realität.« 99 .. Worte.. Ich hoffe. ich werd’s versuchen.. »Nur ein paar Leute wird es interessieren. das ist wie ein Kopfsprung in einen tiefen See an einem heißen Tag. darüber reden. Aber ich werde für immer aufhören. blauen Rauch.« »Don. wenn du willst.« Er setzte sich ins Gras neben die Tragfläche. Der Schock... aber die Anbetung. »Da ich kein Schlagzeilenmessias war. der Motor spuckte kalten. eine Sekunde lang tut es weh.. ausgerechnet von einer Flinte das Herz herausgeschossen zu bekommen. die du erdulden mußtest. Wenn man es so oft getan hat.« »Don. Die Qualität des Meisters läßt sich nicht an der Größe seines Publikums messen. Was ist falsch?« »Du magst keine Menschenansammlungen. brauchte ich niemandem etwas zu beweisen. wenn sie mich bedrängen. Sag mir. aber der Propeller drehte sich. merk dir das. Sterben.« Nach einer langen Weile stand er auf. »Versprechen akzeptiert. Und da du üben mußt.« Er sah mich an und lächelte. Und mir hat es Spaß gemacht.. »Akzeptiert. der schneidend-kalte Gegensatz. Wir werden uns hier bei dem Flugzeug treffen und. wenn mir die Aufgabe keinen Spaß mehr macht. aber das ist in Ordnung. ich bin schon einmal weggelaufen. fügte er nachdrücklich hinzu. und getröstet werden mußt«.« Niemand hatte sich an der Travel Air zu schaffen gemacht. sein kräftiger Klang erfüllte die Wiese.. aber. »brauchtest du einige blutrünstige Spektakel als Training. was du zu sagen hast. nicht von äußeren Dingen aus der Fassung gebracht zu werden. verliert sich auch die Schockwirkung. ich verspreche dir.« »Nein. als hätte er mich nicht ganz verstanden.. aber was? Sprich.. Richard. du verlangst das nicht von mir.« »Was?« »Weshalb die Schrotflinte? Warum mußte das geschehen? Ich sehe darin keinen Gewinn an Macht und Herrlichkeit. Ich unterhalte mich gern.drüber ein. aber wenn man es dann akzeptiert. ich mag den Gedankenaustausch. die Abhängigkeit..

das Echo meines Traumes noch in den Ohren. Laß dich nicht von der Menge überwältigen.. schob den Gashebel nach vorn. was er sagt. nur zum Spaß und ehe ich ganz wach war. ein Messias könnte nicht niederschreiben. daß ich eben schwer von Begriff bin. denen es nicht gefällt. daß ein Meister vom Himmel zur Erde niederkam. statt ihn zu erschießen. ja? Aber was hindert dich eigentlich daran. bis ich unter der Tragfläche der Fleet erwachte. welche Arbeit. »Na ja. niemals mehr ein Wort zu schreiben. du willst niemals mehr etwas schreiben?« »Niemals mehr«. können sie seine Worte später noch einmal lesen oder sie auf ihre Kühlschranktür schreiben oder mit den Gedanken. Wenn ihnen gefällt. Ich war allein... langte ich nach meinem Tagebuch und fing an zu schreiben. was ihm gelungen ist? Und dann würden diejenigen. »Das ist es also. »Kein einziges Wort. Das wußte ich nicht. bleib standhaft und so weiter. es niederzuschreiben? Gibt es ein Gesetz. streifte sich die Handschuhe über.»Vielleicht bin ich schwer von Begriff. was du genau erkannt hast. Richard. vielleicht schließe ich die Augen dem gegenüber. das Feld war so still wie grünherbstlicher Schnee. weißt du denn. Und dann.« Er setzte den Fuß auf die untere Tragfläche und schwang sich in den Führersitz. spielen. und der Lärm des Motors explodierte und wuchs über mich. sagte er.« Er hob die Schultern. die ihnen einleuchten. entschuldige«. Ich hatte mir geschworen.« »Oh. über meinen Freund: 1. Ist irgend etwas mit dem Schreiben nicht in Ordnung? Mag sein.. was ihm Freude und Spaß gemacht hat. was er sagt. Und es begab sich einst. 100 . Bist du ganz sicher. sagte ich. und wenn ich es nicht erkenne. ein Messias in einer Welt von vielen. geboren im heiligen Land Indiana .« »Du meinst in einem Buch?« »Weshalb nicht?« »Ja. Bis dann. das sagt. wirst du es mir bitte sagen. seine Worte womöglich auf dem Scheiterhaufen verbrennen und mit Stöcken in der Glut herumstochern. der lautlos über der Morgendämmerung und über der Welt niedergeht.