DASS GOTT EXISTIERT 6.

Kapitel Beweisführung gegen den törichten Menschen, der in seinem Herzen sagt: Es gibt keinen Gott. 17. Sag mir, wer immer du sein magst, der du so töricht bist, daß du im Herzen sprichst:„Es gibt keinen Gott", gibt es überhaupt jemanden, den du für weise hältst? Dich selbst vielleicht? Gut! Bist du jedoch so weise, daß du nicht auch töricht werden könntest? Oder, wenn du töricht bist, bist du es so sehr, daß aus dir nicht doch ein Weiser werden könnte? Solltest du eines von beiden bestreiten, dann würde ich nicht länger meinen, daß du töricht bist, sondern vielmehr, daß du gar nicht lebst. Glaubst du denn, die Weisheit selber gehe zugrunde, falls du zum Toren geworden bist? Du kannst ja auch noch weise werden! Und woher soll das sonst kommen, wenn nicht von der Weisheit? Es gibt somit die Weisheit, auch wenn du töricht bist. Ja, es gibt sie, antwortest du, aber bei einem weisen Menschen. Gibt es jedoch einen Menschen, der sie nicht verlieren kann? Wenn deshalb auch alle Menschen zu Toren würden, wird es dennoch die Weisheit geben, wie sollten sie sonst von neuem weise werden. 18. Doch wenn einer sagen wollte, ein Tor könne sich selber weise machen, wer würde nicht lachen, wenn er das hört? Woher soll er denn die Weisheit erhalten? Vielleicht von einem weisen Menschen? - Und woher hat der sie? Der hat sich eben selbst weise gemacht! Aber bevor er sich selbst weise gemacht hat, war er da nicht auch töricht? Hier folgt dann wieder die vorhin ausgesprochene falsche Annahme, ein Tor könne einen weise machen. 19. Es bleibt uns also nur der Schluß übrig, daß die Weisheit, die alle weise machen kann, ungeschaffen ist. Sie selbst kann ihre Weisheit nicht verlieren, da die Weisheit nicht Torheit sein kann, so wenig wie der Tod Leben ist, wenn auch Christi Tod unser Leben ist. Dasselbe gilt von Licht und Finsternis: Obwohl wir einst Finsternis waren, sind wir jetzt durch den Herrn Licht geworden (vgl. Eph 5, 8). Denn auch Johannes war nicht das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht (Joh 1, 8). Christus war das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, der in diese Welt kommt (Joh 1, 9V). Dieses Licht ist selbst die wahre Weisheit, die sich den heiligen Seelen mitteilt, um sie weise zu machen. Ist dir das noch zu wenig, du törichter Mensch? 20. Dann stelle ich noch eine Frage: Bist du sicher, daß du existierst? „Wer sollte das nicht wissen?" ist deine Antwort. Hast du dich selber erschaffen? Doch wie solltest du, der du gar nichts warst, imstande gewesen sein, etwas so Großes zu vollbringen? Wem verdankst du also dein Sein? Einem anderen Menschen? Und woher hat dieser es? Es bleibt also nur die Lösung, daß es ein ungeschaffenes Sein gibt, dem alles sein Dasein verdankt, wie auch die Weisheit ungeschaffen ist, von der alles übrige sein Wissen hat. So wird dir klar, daß du nicht einmal da sein könntest, um in deinem Herzen zu sagen: „Es gibt keinen Gott", wenn nicht auch Gott da wäre. (AELRED VON RIEVAULX) "SPIEGEL DER LIEBE"

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