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Kleine Geschichte Der Katholischen Kirche Hans Kung

Kleine Geschichte Der Katholischen Kirche Hans Kung

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Published by Michael B. Vincent
"Small History of the Catholic Church" by Hans Küng, one of the greatest critiziser of the catholic church of modern time. He became Professor at the age of 32 years (catholic theology) University of Tuebingen (Germany). Lives in Switzerland. written in german
"Small History of the Catholic Church" by Hans Küng, one of the greatest critiziser of the catholic church of modern time. He became Professor at the age of 32 years (catholic theology) University of Tuebingen (Germany). Lives in Switzerland. written in german

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Luthers persönlicher reformatorischer Impetus wie seine
ungeheure historische Sprengwirkung haben den gleichen
Ursprung: Er fordert die Rückkehr der Kirche zum Evangelium
Jesu Christi, wie er es in der Heiligen Schrift und besonders bei
Paulus lebendig erfahren hat. Konkret bedeutet dies:
- Gegen all die im Laufe der Jahrhunderte hinzugewachsenen
Traditionen, Gesetze und Autoritäten stellt Luther den Primat
der Schrift: »allein die Schrift«.
- Gegen all die tausend Heiligen und abertausend amtlichen
Mittler zwischen Gott und den Menschen stellt Luther den
Primat Christi: »allein Christus«, der die Mitte der Schrift und
der Orientierungspunkt aller Schriftauslegung ist.
- Gegen alle kirchlich verordneten frommen religiösen
Vorleistungen und Anstrengungen des Menschen (»Werke«) zur
Erlangung des Seelenheils stellt Luther den Primat der Gnade
und des Glaubens: »allein die Gnade« des gnädigen Gottes - wie
er sich in Kreuz und Auferweckung Jesu Christi gezeigt hat -
und »allein der Glaube«, das unbedingte Vertrauen des
Menschen auf diesen Gott.
Keine Frage, gegenüber dem »Stockwerk-Denken« der
Scholastik geht es in Luthers Theologie um ein verschärftes
Konfrontationsdenken: eine Akzentuierung des Glaubens
gegenüber der Vernunft, der Gnade gegenüber der Natur, des
christlichen Ethos gegenüber dem Naturrecht, der Kirche
gegenüber der Welt, der Theologie gegenüber der Philosophie,
des Proprium Christianum gegenüber dem Humanum.
Luther hat zuerst im Kloster durch viele Jahre die private

Gewissensnot

eines

von

Sünderbewusstsein

und

-161-

Vorherbestimmung gequälten Mönchs kennen gelernt, aus der
ihn die Botschaft von der Rechtfertigung durch vertrauenden
Glauben befreit hat. Aber ihm geht es um mehr als um den
privatistischen Seelenfrieden. Seine Erfahrung der
Rechtfertigung bildet die Basis für den öffentlichen Appell an
die katholische Kirche zur Reform. Eine Reform im Geist des
Evangeliums, die weniger auf die Neuformulierung einer Lehre
als auf die Erneuerung des christlichen Lebens in allen
Bereichen zielt.

Im Jahr 1520, für Martin Luther das Jahr des theologischen
Durchbruchs, zeigen vier situationsgerechte, zielsicher gewählte
und kraftvolle theologische Vorstöße die Kohärenz und
Konsequenz des reformatorischen Programms. Neben seinem
erbaulichen Sermon »Von den guten Werken« (und dem
vertrauenden Glauben) und der Schrift »Von der Freiheit eines
Christenmenschen«

(Zusammenfassung

seines
Rechtfertigungsverständnisses) erregt die Öffentlichkeit am
meisten Luthers leidenschaftlicher Aufruf an Kaiser, Fürsten
und Adel zur Reform der Kirche, der die schon so oft
geäußerten »Gravamina« (Beschwerden) der deutschen Nation
aufgreift: »An den christlichen Adel deutscher Nation von des
christlichen Standes Besserung«.
Dies ist der bisher schärfste Angriff auf das kuriale System,
das eine Kirchenreform mit seinen drei römischen Anmaßungen
(»Mauern der Romanisten«) verhindere:
1. die geistliche Gewalt stehe über der weltlichen;
2. der Papst allein sei der wahre Ausleger der Schrift;
3. der Papst allein könne ein Konzil einberufen.
Dies alles lässt sich nach Luther von der Schrift und der alten
katholischen Tradition her keinesfalls rechtfertigen. Zugleich
wird von Luther in 28 Punkten ein ebenso umfassendes wie
detailliertes Reformprogramm entwickelt. Die ersten zwölf
Forderungen gelten der Reform des Papsttums: Verzicht auf die

-162-

weltlichen

und

kirchlichen

Herrschaftsansprüche,
Unabhängigkeit des Kaisertums und der deutschen Kirche,
Abstellung der vielfältigen kurialen Ausbeutung. Doch dann
geht es um die Reform des kirchlichen und weltlichen Lebens
überhaupt: Klosterleben, Priesterzölibat, Ablässe, Seelenmessen,
Heiligenfeste, Wallfahrten, Bettelorden, Universitäten, Schulen,
Armenpflege, Abschaffung des Luxus. Schon hier erfolgen die
programmatischen Aussagen über das Priestertum aller
Gläubigen und das kirchliche Amt, das auf dem Auftrag zur
öffentlichen Ausübung der an sich allen gegebenen
priesterlichen Vollmacht beruht.
Eine weitere Programmschrift aus demselben Jahr, »Von der
babylonischen Gefangenschaft der Kirche«, widmet sich der
Heilbegründung der Sakramentenlehre, welche bekanntlich die
Grundlage für das römische Kirchenrecht bildet. Luthers
Gedankengang: Nimmt man als Kriterium »Einsetzung durch
Jesus Christus selbst«, so bleiben nur zwei Sakramente im
eigentlichen Sinn (Taufe, Abendmahl), bestenfalls drei (Buße).
Die übrigen vier aber (Firmung, Priesterweihe, Eheschließung,
Letzte Ölung) können beibehalten werden als fromme kirchliche
Bräuche, aber eben nicht als von Christus eingesetzte
Sakramente. Auch hier wieder viele praktische
Reformvorschläge - von der Kelchkommunion für Laien bis zur
Wiederverheiratung der schuldlos Geschiedenen. Doch - müssen
solche Forderungen nicht zum Bruch führen?

-163-

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