ltzhak Benyamini

Narzisstischer Universalismus·
Eine psychoanalytische Untersuchung der
Paulusbre
i fe mit Freud und Lacan

Aus dem Hebräischenvon Yoav Sapir

Merve Verlag Berlin

Deutsche Erstausgabe.

INHALT

. . . . . . ............•......•.•......•.......

7

...................................... ................................

8

VORWORT ZUR DEUTSCHEN AUSGABE

ZUR EINFÜHRUNG

I.

GESETZ, LEIDENSCHAFT UND ÜBERTRETUNG
BEl lACAN UND PAULUS

II.

.

21

DIE GEMEINSCHAFT DER SöHNE UND DER SOHN:
GEGENSEITIGE IDENTIFIKATION

II I.

.

............................... .. ...... . . . . . . . . . . .

....

.

.

..........

............

.

.............

49

»DU SOLLST DEINEN NÄCHSTEN LIEBEN WIE DICH SELBST«:
ZUR IDENTITÄTSSTIFTENDEN FUNKTION DER LIEBE ..............85

IV.

DIE BESCHNEIDUNG ALS KASTRATION
UNO ALS REGRESSIVE KONVERSION ................................. 1 09

V.
VI.
Redaktorat: Steifen Greiner, Tom Lamberty, Mira Witte

© 2013 Merve Verlag Ber1in

DIE TAUFE-IN DEN MESSIAS .......................................... 145
DAS HERRENMAHLDIE GE MEINDE VERZEHRT SICH SELBST

................ . . . . . . . . .

.

...

189

SCHLUSSWORT: PAULUS UND DAS POLITISCHE? ........................ 211

Printed in Germany
Druck- und Bindearbeiten: Dressler, Berlin
Umschlagentwurf: Jochen Stankowski, Dresden
ISBN 978-3-88396-309-9
\ VWW.merve.de

BIBLIOGRAPHIE

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.......... .......... .....................................

.

. . . ....

. 221
...

VORWORT ZUR DEUTSCHEN AUSGABE

Zwei aus dem iranischen Isfahan emigrierten Ellern wurde in

Eilt, ihr angefochtnen Seelen.
Geht aus euren Marterhöhlen,
Eilt- Wohin?- nach Golgatha!

nicht losließ: Als der Junge zufällig im Sand ein Kreuz zeich­

J. S. Bach, Johannespassion

hinzu, dass sie auch in Persien große Angst gehabt hatten,

Israel ein Kind geboren. Zwangsweise wurde es in eine orienta­

lische Identität hineingeworfen, deren europäischer Anhauch es
nete, sagte ihm seine Mutter, es sei verboten; sie fügte noch
dass die Deutschen jederzeit kommen könnten; und so scho­
ben die Traktoren am Holocaustgedenktag im Fernsehen vor

Gott am Kreuze - versteht man immer noch die furchtbare
Hintergedanklichkeil dieses Symbols nicht?- Alles, was
leidet, Alles, was am Kreuze hängt, ist göttlich ... Wir Alle
hängen am Kreuze, folglich sind wir göttlich . . Wir allein
sind göttlich ...
.

Friedrich Nietzsche, Der Antichrist

seinem erschütterten Blick massenweise hautdünne, fleischlose
Leichen fort.
Jahre später schob dieses Kind in mir einen theoretischen
Wagen an, um auf Altgriechisch einen altertümlichen, von der
Frage des Gesetzes und des Vaters verfolgten, jüdischen Autor
zu studieren, hin zu einer fremden, aber innerlich vertrauten
Religion. Es zog sich ein großer, langer Kreis, der dazu diente,
mir die Frage der israelischen und jüdischen Identität noch kla­
rer zu machen. Und nun schließt sich für mich dieser existenzi­
elle Kreis, wenn mein Buch über Paulus auf Deutsch erscheint

Der Sohn

wird selbst zum Gott neben, eigentlich an Stelle
des Vaters. Die Sohnesreligion löst die Vaterreligion ab.
Sigmund Freud, Totem und Tabu

und somit eine Rückkehr in eine Sprache vollzieht, die auch die
deutsch-jüdische Renaissance erlebt hat.
Nichts hiervon wäre ohne die gründliche und erfahrungs­
reiche Arbeit der Mitarbeiter des Merve-Verlags möglich gewe­
sen, denen und insbesondere dem Herausgeber Tom Lamberty

ich herzlich danke. Mein tiefster Dank gilt dem Übersetzer,

Yoav Sapir, der es der deutschen Sprache ermöglichte, meine
überpersönliche Studie aufzunehmen, und dies auf eine so
nachdenkliche, professionelle und einsichtsvolle Weise machte,
die sogar das hebräische Original übertrifft.
ltzhak Benyamini
Givatajim, Israel, 2013

Am Vorabend des Versöhnungstages.

7

ZUR E INF ÜHRUNG

Seit einigen Jahrzehnten stehen Paulus' Briefe im Mittelpunkt
eines akademischen und philosophischen Streits über Fragen
nach dem jüdischen Gesetz, dem Verhältnis zwischen Liebe
und Gesetz, der Beziehung zwischen Judentum und Christen­
tum, usw. Was macht dieses begrenzte, nur ein paar Dutzend
Seiten lange Korpus zum Sprengstoff? Was steckt in Paulus'
Briefen, das als Schlüssel zum Verständnis der abendländischen
Kultur dienen kann? Meistens werden die (sogar aktuellsten
und modischsten) Antworten auf diese Fragen in frühere christ­
liche, ob katholische oder protestantische Positionen, hineinge­
gossen.
Im vorliegenden Buch möchte ich keine bereits bekannten
Floskeln über Paulus wiederholen, sondern in dessen Briefen
neu und kritisch lesen, um herauszufinden. welchen unbewuss­
ten Kern dieser Text enthält, aus dem die theologische Grund­
lage der christlich-abendländischen Kultur insgesamt entstand.
Was ist uns - Juden, Christen, Muslimen und anderen - mit
diesem Text zuteilgeworden, welche Form der Liebe?

Paulus ist der erste und größte unter den christlichen Theolo­
gen. Er wirkte nach dem Tod Jesu und wollte die messianische
Botschaft über die religiösen und sozialen Grenzen des jüdi­
schen Volkes hinaus verbreiten. ln den meisten seiner Briefe,
die an von ihm selbst gegründete Gemeinden im Mitleimeer­
raum gerichtet sind, befasste sich Paulus mit dem Begriff des
Gesetzes-Nomos (N6iJ�) im Griechischen -als Bezeichnung
für den gesetzgabarischen Aspekt in der gesamten Thora, den
fünf Büchern Mosis. Aus seiner Sicht charakterisiert das
Gesetz, das Juden von Nichtjuden trennt und selbst dem Reich
des •Fleisches• angehört, das •alte• jüdische Sein, während der
.geistige• Glaube diejenigen kennzeichnet, die den Weg Jesu,

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des Messias, beschreiten, sprich: die •neuen Juden•. Um der
Weit des Gesetzes, dem als ungeistig dargestellten Kreis der
Lebenspraxls, zu entkommen, musste Paulus die Vorstellung
von einer eschatologischen Erlösung einführen, in der nicht
nach dem Gesetz des Vaters, sondern in bzw. durch Jesus
selbst, den Sohn, gelebt wird. Jedoch suchte Paulus nicht den
Verzicht auf sämtliche Gesetze, auf das Gesetz schlechthin,
zumal er ja die Gemeinden der Jesus-Giäubigen zu organisie­
ren hatte. Darum stellte er für die Mitglieder der frühchristlichen
Gemeinden neue Gebote auf, die sich wiederum vornehmlich
auf das alttestamentliche Gebot •Liebe deinen Nächsten• stütz­
ten. Ferner führte er Rituale ein, welche einerseits der Schaffung
von Grenzen zwischen der Gemeinde und deren Umgebung
dienten und andererseits durch die Nächsten- und Jesusliebe
die Entstehung einer gemeindeinternen Eigenart ermöglichten.
Meine Untersuchung geht der Frage nach, wie Paulus vom
urchristlichen Ritual, das er auf das Gebot der Nächstenliebe
stützt, Gebrauch macht, um eine christliche Gemeindeidentität
zu stiften, die sich vom •fleischlichen• Judentum und Heidentum
abgrenzt. Denn in der paulinischen Theologie steckt, wie ich
zeigen möchte, eine dualistische Differenzierung zwischen zwei
Typen religiöser Rituale, die ich das •externalisierende• und das
•internalisierende• Ritual nenne. Damit bringt Paulus seine
Bedenken gegen das jüdische und das heidnische Ritual zum
Ausdruck, das den Gläubigen an eine externe Göttlichkeit ver­
weist. Im Rahmen eines solchen Rituals sei es der Gläubige, so
Paulus, der das konkrete rituelle Ereignis initiiere, wie dies etwa
beim jüdischen Beschneidungsritus der Fall ist. Dieser Ritualtyp
unterscheidet also ein adressierendes Subjekt (den Gläubigen)
deutlich von einem adressierten Objekt (Gott, dem das Ritual
gilt, und auf den das Opfer abzielt). Im Gegensatz zum jüdi­
schen Übertrittsritual stellt Paulus seinen heidnischen Schülern
die eigene Erfahrung, d. h. seine persönliche Bekehrung zum
Glauben an Jesus, verbunden mit der Taufe (gemäß der ihm
eigentümlichen Auslegung), als Idealtyp des religiösen Über­
tritts dar. ln diese Vorgänge ist die Gottheit auf eine totale Art

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und Weise einbezogen, und der Heilige Geist ergreift vom Gläu­
bigen Besitz. Oie rituelle Transformation soll mithin nicht nur die
Taten des Menschen, sondern auch die göttliche Vorsehung
umfassen.
Wenn wir zwischen zwei Gebotstypen im Allgemeinen - bib­
lischen im Besonderen - unterscheiden, zwischen jenen, die
das Verhältnis von Mensch und Gott (das Ritual), und jenen, die
das Verhältnis des Menschen zu seinen Mitmenschen betreffen,
so scheint Paulus grundsätzlich den Gesetzen zu misstrauen,
die das Ritual bedingen (um Gottes Gunst zu erlangen). Lieber
begnügt er sich mit Geboten, die fürs Erste einem abgegrenz­
ten Ziel dienen: der Gründung einer •gesunden<, in sich ge­
schlossenen Gemeinde. Doch Paulus ist wiederum nicht bereit,
auf die christlichen Rituale, die offenbar bereits vor seiner mes­
sianischen Berufung existierten, vollkommen zu verzichten. Da­
rum versucht er, sie im Einklang mit seinen eigenen theologi­
schen Auffassungen wiederzubeleben, als Rituale, die den Gläu­
bigen an seine Gemeinde zurückverweisen - eine Gemeinde,
die ihrem Herrn, Jesus, durch die Liebe gleichgestellt wird. So
werden die Liebesgebote und das Ritual miteinander verbun­
den: Das Ritual wird zu einem religiösen Akt, bei dem sowohl die
Liebe der Gemeinde zu Jesus, als auch die Liebe eines jeden
Gemeindemitglieds zu den anderen Mitgliedern in Erfüllung
geht. Denn das paulinische Ritual ist zugleich auch der Ort, an
dem die Gottheit an der Begründung des Rituals teilhat, ver­
möge der Gleichsetzung der Gemeinde mit dem Herrn (Jesus).

Während seines Lebens ist jeder Christ dazu angehalten, es
Jesus gleichzutun: sich seiner Taten auf Erden zu entsinnen,
der Leiden, der Kreuzigung und der Wiederauferstehung, sowie
sich als Gläubiger, der in Jesus, dem Erlöser, lebt, all diese
Taten zu vergegenwärtigen. Durch seinen Tod wird Jesus zum
eigentlichen Glaubensobjekt, zum Gegenstand der Nachahmung

durch die Gläubigen, welche demuts- und leidvoll Jesu Wege
beschreiten.
Die Gemeindemitglieder erinnern sich im Laufe des Herren­
mahls' an den Tod Jesu, ihres Erlösers und Herrn, mit dessen
Leiden und Kreuzigung sie sich identifizieren. Dieses Ritual
bezieht sich auf das letzte Abendmahl Jesu, das er vor seiner
Kreuzigung mit seinen Jüngern zu sich nahm. ln den vier Evan­
gelien sowie im ersten Korintherbrief wird dieses Abendmahl
erwähnt: Ehe der Messias dem Hohepriester übergeben wird,
hält er mit seinen Jüngern das Abendmahl ab. Er bitte sie
darum; das Brot zu essen, das seinem Fleisch gleichgesetzt ist,
und den Wein zu trinken, der seinem Blut gleichgesetzt ist.
Jenes Blut also, das bei der Kreuzigung, wie Jesus seinen
Jüngern selbst prophezeit, bald vergossen werden wird.
Paulus, der eine christliche Gemeinde begründen wollte, die
sich einerseits klar vom Judentum und vom Heidentum abgren­
zen und andererseits eine innere Harmonie aufweisen sollte,
machte also vom Ritual des Herrenmahls (und der Taufe)
Gebrauch, damit um den Tisch herum, an dem man sich auf
Jesus besann, eine christliche Solidarität entstehen konnte.
Darum verlangt der Apostel im ersten Korintherbrief von seinen
Adressaten. dass sie im Herrenmahlritus keinen Anlass zum
Sattwerden und bloßer Fröhlichkeit, sondern eine Möglichkeit
erblicken, sich im Andenken an Jesus, den Messias und Herrn
der Gemeinde, zu vereinigen. Das von der Gemeinde zerteilte
und verspeiste Brot sei eigentlich der Leib Jesu, während der
zum Segnen verwendete Wein sein bald vergossenes Blut
bilde. Dem fügt Paulus noch hinzu, dass die christliche Gemein-

'

[Anmer1<ung des Übersetzers: Im Griechischen heißt es KUplaKov
ötTnvov (vgl 1. Korinther 11 :20). Der griechische Begriff wird mei s­
tens mit »Abendmahl des Herrn« übersetzt, so etwa bei Luther. Aber
die revidierte Eiberialder Übersetzung kommt mit »Herrenmahl<<
dem eigentlichen Sinn näher: Der Herr verzehrt nicht, sondern wird
verzehrt. Die Anmerkungen des Übersetzers sind ff. du rch eckige
Klammern gekennzeichnet.]
.

11

de in Korinth, wie jede christliche Gemeinde, selbst ein Teil von
Jesu heiligem Leibe sei: Die Gemeinde und der Herr der
Gemeinde sind ein und dasselbe. Daraus ergeben sich kom­
plexe wechselseitige Beziehungen zwischen dem (Selbst-)Bild
der Gemeinde und dem Bild von Jesus als Vorbild, als Objekt
der Nachahmung. So geht im paulinischen Herrenmahlritus das
reflexive Ideal eines Rituals in Erfüllung, das den Gläubigen an
sich selbst und seine eigene Gemeinde zurückverweist
ln den Kapiteln, die im vorliegenden Buch der Taufe und
dem Herrenmahl gewidmet sind, beleuchte ich das Verhältnis
zwischen der Konstruktion der paulinischen Gemeinde mithilfe
dieser Riten einerseits und dem bei Paulus (und den sonstigen
neutestamentlichen Schriften) vorkommenden Bild von Jesus.
dem Messias, andererseits. Dabei gehe ich auch der Frage
nach, in welcher Richtung die Nachahmung in der Beziehung
zwischen dem Gläubigen und dem Messias erfolgt: Wer fungiert
als Nachahmungsobjekt, wer als Nachahmungssubjekt? Um
diese Frage zu beantworten, befasse ich mich zunächst mit der
Figur Jesu, wie diese im Neuen Testament und insbesondere in
den vier Evangelien dargestellt wird, d. h. wie sie in Relation zur
damaligen Zeit begriffen wird - ungeachtet der Rekonstruktio­
nen des •historischen< Jesu.
Um die Identitätsstiftende Funktion des paulinischen Rituals
zu untersuchen, ist ein anderer Forschungsansatz erforderlich,
als derjenige, der heutzutage in Bezug auf die Paulusbriefe
Anwendung findet und sich in der Regel auf deren historische
oder philologische Aspekte beschränkt Mit der vorliegenden
Studie möchte ich daher alternativ zu den gängigen Methoden
eine psychoanalytische Lesart vorschlagen, die Jacques
Lacans Denken folgt. Mithilfe dieser Lesart werde ich zum einen
Paulus' Verhältnis zum Ritual im Allgemeinen sowie zu den
Tauf- und Herrenmahlriten im Besonderen, zum anderen seine
Auffassung von Gesetz und Liebe analysieren. Die beiden
vorgenannten Riten ergänzen sich bei der Konstruktion der
paulinisch-christlichen Gemeinde: Zum einen handelt es sich
um einen einmaligen Übergangsritus, zum anderen um einen

12

regelmäßig wiederholten Ritus, der immer wieder den Zusam­
menhang der Gemeinde stärkt.
ln der Regel ist der christliche Taufritus, wie die meisten reli­
giösen Rituale, als ein Übergangsritus (rite de passage) be­
schrieben worden - im Rahmen religionswissenschaftlicher,
soziahistorischer Forschungen, die sich auf die bahnbrechen­
den anthropologischen Theorien von van Gennep und Turner
stützten. Diese wichtigen Studien weisen darauf hin, dass der
Teilnehmer am Ritus drei Grundphasen erlebt: die Trennungs-,
die Schwellen- und die Angliederungsphase. Solche analyti­
schen Ansätze hoben den Sozialisierungsprozess hervor, bei
dem der Getaufte in eine Gemeinde aufgenommen wird und
somit an einem sozialen Kontext teilhat, der über ihn hinaus­
geht. ln diesem Prozess gibt es eine kurze Schwellensituation,
eine Zeit (und einen Raum), in der der Betroffene zwischen den
beiden Zuständen, dem Alten und dem Nauen, schwebt, und
seine Identität in Bezug auf die gesellschaftlichen Hierarchien in
ihrer Gesamtheit ungeklärt ist Dieser Zwischenzustand stellt
eine Bedrohung der sozialen Struktur dar. Der Teilnehmer am
Ritus versucht, diesem Zwischenzustand zu entkommen, indem
er das Ritual zur Gänze vollzieht, und es damit beendet.2
Dieser analytische Ansatz lässt sich im Großteil der Fach­
diskussionen über die Repräsentation des Taufritus in den Pau­
lusbriefen wiederfinden.3 Meiner Ansicht nach dienen diese
Analysen geradezu als Sprachrohr für den Wunsch von Paulus
selbst, den Taufritus als Ereignis der Sozialisierung in die christ­
liche Gemeinde neu zu konstruieren. Damit sieht ein solcher
Ansatz von der Notwendigkeit ab, die Erfahrung des getauften
Subjekts nicht nur im rein gesellschaftlichen Zusammenhang zu
betrachten. Ferner werden bei diesem Ansatz Paulus' eigene,
versteckte und sich dennoch in den verschiedenen Briefen

S. hierzu insb. Turner (1962), S. 124-173. sowie van Gennep (1986).
S. bspw. Meeks (1993), S. 307-322; Wedderburn (1987), s. 363
390; sowie McVann (1994), S. 179-198.

-

13

Kapitel 1). Vor diesem Hintergrund möchte ich hier von der funktiona­ listischen bzw. seiner eigenen Verwandlung. trennenden Aspekten des Rituals auseinandersetzt Hier tut.7 Täuflings im Verhältnis zu sich selbst. gilt seine Entscheidung auch für diese deutsche Über­ setzung.«5 Die Leidenschaft6 des Subjekts ist bzw.manifestierende Zweifel an diesem Ritual und dessen gesell­ schaftlicher sowie nichtgesellschaftlicher Bedeutung übersehen . Lacan (1973-80). ergänzende Methode Not. h. identitätsstiftende. auch wenn er damit von der eta­ blierten Begrifflichkeil abweicht.. Durkheim (1981). wie Paulus sich mit den anti­ sozialen. und zwar auch im Hinblick auf die Symbolik. das lacansche •Begehren• oft mit •Leidenschaft• übersetzt wird. voneinander getrennt. Somit bleibt ihm die Entschei­ dung darüber.). d. h. die für uns auch die unbewussten Seiten des ergibt sich aus der Leidenschaft des Anderen. für dieses Problem relevant: »(. . Um seinem Text wiederum getreu zu bleiben. ' Bezug nimmt und sie zitiert.. während er mit der Leidenschaft des Anderen spielt (Kultur. ohne den Anderen außer Acht zu lassen. 190: »[. Lacans Position ist. ]. übersetzt er sie selbst ins Hebräische zumal er keine bereits vorliegende Übers etzung zitieren muss ode. Es ist folglich die psychoanalytisch-lacansche Methode. Erwähnenswert ist das Verhältnis der drei lacanschen Ordnungen . die für die hiesige Diskussion über die paulinische Theologie relevant sind (zur Wahl vom Seminar VII vgl. d. lacan­ sche Positionen als Glaubensbekenntnisse darzustellen und diesen dann treu zu bleiben. mit der das paulinisch-christliche Ritual oft erklärt wird: Dieses hat nicht n u r eine soziale. Ebenfalls darlegen möchte ich. 2. eine weitere. 15 .. auf das Imaginäre (Re­ ziprozität und Narzissmus) und das Reale (das.des Imagi­ nären. wie oben beschrieben.. s. die dem Ritual als interreli­ giösem und zwischenkulturellem Übergangsort innewohnt. Sprache.) Es ist nicht meine Absicht. und zwar im Hinblick auf seine unbewussten Leidenschaften. die symbolische Ordnung in Lacans Denken). um bestimmte Aspekte d e s theologi­ schen Textes zu entziffern.]le desir de l'homme est le desir de I'Autre (. [A..zueinander: ln Lacans Theorie werden sie nämlich in keiner •reinen• Form dargestellt. Vielmehr fokussiere ich mich auf seine in Lacan (1996) dargelegten Einsichten. ]. die lacansche Begrifflichkeil als Werkzeug zu gebrauchen. eigenständig existieren. sprachlichen Symbolisierung unter­ zogen wurde). Darum werde ich untersuchen. den gesetzlichen und sozialen Raum (das Symbolische bzw. um somit die lacansche Theorie mit der paulinischen Auffas­ sung der Leidenschaft zu verknüpfen. Wenn Benyamini im hebräischen Original auf Paulus und Lacan 14 .obwohl Paulus das Ritual ger­ ne so konstruieren möchte -. Ü. s. sodass hier. ' • • Diese Position kommt in Emile Durkheims Denken prägnant zum Ausdruck. sondern darum. dass auf Hebräisch weder eine autoritative Ubersetzung des Neuen T es­ taments noch eine Übersetzung von Lacans Schriften vorliegen. wie er sie übersetzt. m it allen Aspekten seiner Theorie zu arbeiten. genauso wie im hebräischen Original. sondern enthält auch ein subver­ sives Potenzial. es ist eine Leidenschaft für die Leidenschaft des Anderen." Ich habe mich dafür entschieden. Gott usw. wie ich finde. Bd. i�t es wichtig zu wissen. mit dem ganzen Denken Lacans. auf die Gründung einer Ge­ meinschaft gerichtete Funktion . zur Einmaligkeit des Geschehens bzw.]das Begehren des Menschen [ist] das Begehren des Andem [ . die ich zur Untersu­ chung des Subjekts vorschlagen möchte. bei der Untersuchung des paulinischen Diskurses werde ich diese theoretische Differenzierung samt ihrer Wech­ selbeziehungen zwischen den drei Ordnungen als begriffliches Paradigma verwenden. h. was unbewusst beim paulinischen Täufling geschieht.: Um Benyaminis Ent­ scheidung nachvollziehen zu können. dass es bei der vorliegenden Studie nicht darum geht. S. zu seiner Lei­ denschaft erhellt. des Symbolischen und des Realen . das lacansche Wort •desir· in die­ sem Buch nicht mit •Begehren•. (wie im Fall von Lacan) dies tun kann. was noch kei­ ner gesellschaftlichen bzw. d. als würden sie. soziologischen Position• abweichen. d. . Des Weiteren möchte i ch beto­ nen. das der Leidenschaft des sich dem Ritual unterziehenden Subjekts sowie dem transformativen Charakter des Rituals an sich entstammt. sondern mit •Leidenschaft• zu über­ setzen.

Im Seminar zum »entwendeten Brief« von Edgar Allan Poe behaup­ tet Lacan. 60-66. S.: Lacan {1973a). Darüber hinaus wird unsere Diskussion nicht nur s o zio log isch-anthropolo g isch oder biographisch-psychologisch ansetzen. das unbewusste Elemente Sprache artikuliert sich durch die Menschen. Zu den literarischen Lesemöglichkeiten die die lacansche Theorie eröffnet s. Mit der vorliegenden Arbeit geht w omöglich der Wunsch von Raschke in Erfüllung. Die von mir vorgeschlagene Methode kann den historischen Ansatz ergänzen. indem sie von ihnen gesprochen wird. spezifischen Forschungsgebiet angepasst werden. der dte Antworten für di e Fra e n liefert. Ich möchte edoch einen bestimmten Zusammen- ri s j 16 Au genmerk auch auf innertextuelle9 Aspekte der pa ul inische n Theologie richten. inwiefern religiöse Phänomene •Wahr• oder • h istori sc h g lau b würdig< sind (wie z.und Handlu ng sm u s­ ter gelangen will. 1 ). auf der Ebene der Signifikanten aufwirft. Klausner vertritt damit eine kritische. Ein weiteres Ziel dieser Arbeit besteht in der Untersuchu ng. ist notwendig. auch nicht als Dis­ kurs des Unbewussten (des Autors). n g zum . sondern als ein ei genst ändige s Ausdruck bringen kann. anbieten. das uns mit hermeneutischen Ansätzen zur Textanalyse ausstattet. Bei Lacan wird in herme­ ne uti schen Z u sam menh änge das •autonome• Subjekt verdrä g t. Moxon (1922). während der Diskurs a n sich neu betrachtet u n d dessen Schlüsselbegriffe diesem neu­ en. an der Paulus litt. inwiefern ein lacanianischer Diskurs zur Erforschung des christ­ lichen Rituals aufgebaut werden kann. insbesondere im Hinblick auf ihre jeweili ge Auffassung des Menschen. das s der gestohlene oder auch nur vorgehaltene Brief am zu gänglich sten Ort lie t. Die Wesen. Aus demselben Grunde ist für die hiesige Diskussion. rt n g n . neu zu betrachten und zu bewerten. B. die von Paulus auf dem Weg nach Damaskus erlebte Offenbarung. und es ist folglich kein Zufall. des Gesetzes • hang zwischen Paulus' Verhältnis zum eigenen Körper bzw. der Sünde. da ein Hinweis auf die Antv>�ort i m Text selbst enthalten ist. die lacansche Theorie auf die Religionswissenschaft zu übertragen (s. Der Text ist daher nicht als Diskurs (des Autors) aufzufassen. II). auch die posi tivisti sche Frage irrelevant. so wie sich das Geheimnis auf der Ebene der Signifikante und nicht der Signifikate befindet ' also auf der Oberfläche (vgl. 7-60). Raschke (1997)). die in diesem nu r e in ig e Briefe umfassenden Korpus enthalten sind. hierzu Kap. sowie das eft von Yale French Studies (1977). bspw. Die historischen und bio graphi schen Schich­ ten werden uns dann als Grundlage für das zentrale Thema die­ nen: die theologisch-psychoanalytische Erörterung über Paulus. Mellard (1991). seinem phys isch en Leiden einerseits und seiner Kreuz. die uns bislang nur sehr fragmentarische Informationen über die damalige Zeit und das urchristliche Ritual geliefert hat. da s den Wechselbeziehungen zwi­ schen Psychoanalyse und Literatur gewidmet wurde. oder das mythische Bild Jesu in den vier Eva ng elien). Damit möchte ich der Relig ionsw i ssensch aft eine interdisziplinäre Per­ spektive. die phänomenologisch zu einer Einsicht in die innerreligiösen Denk. um dann die wenigen historischen und theologischen Angaben. die sich unter anderem auch den phänome­ nologischen Aspekten einer bestimmten Relig ion widmet und nicht nur deren historischem Entwicklungsgang. der Text selbst. jüdische Position zum frühen Ch stent um. S. die in der Apostelges chichte beschrieben und in den Paulusbriefen angedeutet ist. Dies gilt umso mehr für die gängige Paulusforschung.und Leidenstheo­ logie andererseits auf z eigen (s.6 sondern das ­ • Ein Beispie l für e ine p roblem atische psychebiographische Ei ns icht zu Paulus ist bei Klausner (1980) zu finden: Dort stellt Klau sner die Vision auf dem Weg nach Damaskus als Erg ebn is de r Epilepsi e dar. wenn es um die Erklärung alter Texte geht. dass er die paulini sche Offenbarungsgeschichte auf das Niveau eines menschlichen Krankheitsfalls reduzieren möchte. neu veröffent­ licht als Felman (1982). die mit histo r isch-p os itivistisch en Ansätzen nur begrenzt erschlossen und verstanden werden können. Gal. Diese Lesart rührt von Lacans hermeneutischer Position zum erforschten Text her : au ß e extuel le biographische Daten sind fern­ zuhalten.Die Verwendung der psy choanaly tisc h-lacanschen Methode als Deutungsmuster. die er. H 17 . der Text tst es. Die Neu­ bewertung des Diskurses wird auch die Affinität (sowie die Dis­ krepanz) zwischen dem Denken Lacans und demjenigen des Paulus ins Auge fassen. denn Paulus stützt seine spir ituelle Autorität auf eben di e e Offenbarung (vgl. Kap. Zum Verständnis der Epilepsie bei Paulus s.

an Philemon und an die Römer. Zu erwähnen ist jedoch. dass wir anhand dieser Briefe. Zi�eks Position beruht eigentlich auf Lacans eige­ nen Worten. muss man. 77-78. sondern sich. deren Authentizi­ tät bezweifelt wird. 18 zugeschrieben. die sich im lacanschen Denken · bekunden. " s. S. h. Nicht zuletzt wird sich die Diskussion auch auf die restlichen Schriften des Neuen Testaments beziehen. Denn um die Schriften Lacans wirklich verstehen zu können. tatsächlich authentisch seien. bei der Dis­ kussion über das paulinische Ritual und die paulinische Theolo­ gie. 52-56.. die auf meine Dissertation vom Jahre 2007 an der Universität Tel-Aviv zurückgeht und momentan nur auf Hebräisch vorliegt: Benyamini (2009). doch über die Theologie des Paulus etwas lernen können. nachdem er sei· nen Vortrag auf den Brief an die Römer gestützt hatte. die ihnen ihr Lehrer bei­ gebracht hatte. die im Nauen Testament Paulus zugeschrieben sind. Diesen Sachverhalt erklärt der lacanianische Theoretiker Slavoj Zizek präzise. ungeachtet der Zweifel an deren Authentizität und wenn auch nur indirekt." Der zentrale Textkorpus der vorliegenden Untersuchung um­ fasst die im Neuen Testament enthaltenen Paulusbriefe. die an Theophilus adressiert sind (s. bspw.und der Übertretung desselben. der seinen Zuhörern beim 7. Köster (1983). sich intensiv mit den Briefen an die Römer und die Korinther befassen. diese sind der erste und zweite Brief an Timetheus und der Brief an Titus (das sind die drei •Pastoralbriefe•). dass in der Forschungsliteratur der letzten Jahrzehnte sich die Annahme eingebürgert hat. Hemer (1989). S. mit Sicherheit nicht authentische Briefe. " Diese Aullistung der Briefe entspricht der heutzutage von den meis· ten Neutestamentlern vermuteten Reihenfolge ihrer Entstehung. sowie Patzia (1995). Denn es liegt nahe. das sind die Briefe an die Kolosser und die Epheser sowie der zweite Thessalonicher­ brief.'0 die im Folgenden. die für die Vervollständigung unseres Bildes von der christlichen Urgemeinde und von Paulus' Bezie­ hungen zu Ihr erforderlich sind. dass die lacansche Theorie auch eine Überarbeitung von bedeutenden theologischen Themen umfasst. auch mit diesen beschäftigen. d. 29-33). zumindest ansatzweise. Diese letztere Gruppe teilt sich wiederum in zwei Kategorien auf: 1 . dass Paulus' Jün'ger die Gedankengänge formulieren und präsentieren wollten. von Paulus selbst stammen würden. sich die Paulusbriefe und die Schriften der Kirchenväter durchzu· lesen. die nach dem Tod ihres Lehrers anscheinend noch in seinem Namen Schriften verfassten. 2. die Philipper. Meiner Ansicht nach sollte man trotz des Zweifels diese Briefe nicht völlig außer Acht lassen. beispielsweise auf die Evangelien und insbesondere auf die Apostelgeschichte. der auch das Lukas­ evangelium verfasste. S. 19 .'2 Für diese gilt. der erste und zweite Korinther­ brief sowie die Briefe an die Galater. dass nicht alle 13 Briefe. Der Großteil der heutigen Neutestamentler ist der Meinung. Die nach wie vor für authentisch erachteten Briefe sind der erste Thessalonicherbrief. die wir dann mit den postpaulinischen Briefen vergleichen werden. dass sie zweifellos von Pau­ ius selbst verfasst (oder einem Schreiber diktiert) wurden. Daraus folgt. " S. Seminar. indem er auf die paulinischen Einflüsse hinweist. ." Denn in der letztgenannten befinden sich indirekte Angaben zum Leben des Paulus. Beachtenswert ist." Unsere Erörterung wird sich in erster Linie auf die für authentisch erachteten Briefe beziehen. Diese Vermutung stützt sich vor allem auf die ersten Worte in beiden Texten. möglicher­ weise nicht authentische Briefe. so Zizek. zum Teil dargelegt werden. Die restlichen Briefe werden nunmehr den Jüngern des Paulus " Vgl. Ll�ek (2001b). hierzu meine Studie Ober Jacqu es Lacan und den jüdisch-christ­ lichen Diskurs. nahelegte. dass der Autor der Apostelgeschichte derjenige war.

die im Symb olisch en g ründe n . Fußnote Nr. die in der Transkription [der auf Französisch gehaltenen Vorträge) mit Majuskel geschrieben sind. die im französischen Original entgegen der norma­ len Orthographie großgeschrieben werden. so treibt das lacansche Be gehre n bzw.: Hier und im Folgenden wird die lacanianische Schreibwei­ se verwendet. Der lacansche Gesetzbe griff steht für di e Gesamtheit der semanti­ schen Tauschbeziehungen in der menschlichen Kommunika­ tion. Gehört das Ding (Ia Chose) dem Realen an. d. ü. 1959-1960) bil det der Begriff des Ge setzes" (Ia Lo1) di e zentrale Achse. D ie Ethik der Psychoanalyse (L'ethique de Ia psychanalyse.I. Leidenschaft16 (desir) eine n bestimmten Signifi­ kanten an. Lacan (1996). Auch in diesen Fällen folgt der vorliegende Text Haas' Ent­ scheidungen. wohl deswegen. werden in Kursive wiedergegeben« (s. d. Haas wendet seine Regel jedoch nicht auf alle Begriffe an. der wiederum wie Dominosteine eine Kette von Sig­ nifikanten um das Ding herum in Gang bringt. GESETZ. h. nicht kursiv. um die sich Lacans Fragen drehen. den •Namen-des-Vaters• und den ·Anderen• schreibt er z. in der Sprache.) " Vgl. 20 21 . aus der Signifikantenkette hin zum Ding hervorzubrechen. B. die jouissance. aber das übertretende Genießen. 6 in der Einführung. LEIDENSCHAFT UND PAULUS ÜBERTRETUNG BEl LACAN UND Die Dialektik von Gesetz und Leidenschaft bei Lacan Im Seminar VII. der im Original französischen Verschriftung von Lacans Vorträgen . 390). durchgesetzt hat: »Wörter. was das Subjekt während seines Kontakts m it de m v e rb otene n ·� (A. Das lacansche Genießen ist. Das Gesetz h in­ dert d ie Leidenschaft daran. wie sie sich im deutschen Sprachraum durch Norbert Haas' Übersetzung des Seminars. Diese setzt sich aus einer R ei h e von Signifikanten zusammen. S. das großgeschrie­ bene A). vollzieht diesen Akt. weil diese Begriffe im Deutschen auch ohne die Kursive durch ein besonderes Merkmal aus der normalen Orthographie hervorgeho­ ben werden (nämlich durch die Bindestriche bzw.

S. der Sprache. Das vorödipale. Die Mutter ist in diesem Zusammenhang das primordiale m(O)ther. da dieses Genießen ein über­ triebener Genuss ist. die durch den Ande­ ren (I'Autre) repräsentiert wird und das Unbewusste sowie das Subjekt herstellt. Der ge. 113-115. d. der den Signifikanten des Namens­ des-Vaters (der das Gesetz trägt) aus der symbolischen Ord­ nung wirft. ahisto· rischen. sowie Verhaltensmuster. Der Vater stellt die Einführung des Symbolischen. strukturellen Kampf dar. die das gesellschaftliche Miteinander ermöglichen..: Die Mutter ist kein lacanscher Begriff. Gemäß der lacania­ nischen Schreibweise von Norbert Haas wird hier auch dieser neue Begriff kursiv geschrieben. es er­ zeugt Leiden. dieser Leidenschaft nachzugehen und durch das über das Lustprinzip hinausgehende Genießen zum Ding zu gelangen. sondern auf ein Grundprinzip. Er tut dies mit dem Namen-des-Vaters (Nom-du-Pere) und im Namen des Verbots. aber im Realen. [A. des >Neinl•-des­ Vaters (>Non!•-du-Pere).in die symbolische Ordnung sowie die Kastrierung des neuen Subjekts (bei der Verdrängung dieses Kampfes ent­ steht das Unbewusste). eigentlich einem Signifikantentausch entspricht). Das Gesetz ist es also. in die der Mensch sonst geraten könnte.. 119-132. in die wir geboren werden und denen wir uns anpassen. der Mutter zu nahe zu sein. das Bescheren und Beschert-Werden oder den Frauentausch unter Kernfamilien zum Zweck der Eheschließung (als Resultat aus dem lnzesttabu. als eine Halluzination. das >Nein!• auszusprechen. das der ganzen Struktur von sozialen Beziehungen zugrunde liegt. s.und verbietende Vater genießt es. Das Gesetz schützt den Menschen mithin vor· dieser vormenschliehen Situation.'' Seinen Gesetzbegriff formulierte Lacan in Anlehnung a n Claude Levi-Strauss und dessen Vorstellung von einer Weit voll Gesetze und einem System symbolischer Signifikanten. der die symbolische Ordnung des Geset­ zes unterminiert.J " S. Das Gesetz enthält eine Reihe universeller Grundsätze. er stellt vielmehr eine Partei in einem sprachlichen. wodurch sich der Mensch von allen anderen Lebewesen unterscheidet. dass das Gesetz. nicht vom laut ausgesprochenen . Lacan (1997a). Lacan (1975). Der Agent des Symbolischen. 123. das elterliche Gebot. sondern ist von Ben­ yamini und anderen in Israel eingeführt worden. Ohne die Unter­ werfung unter seinen Signifikanten gerät der Mensch in einen psychotischen Zustand. das infolge des Urverbots.'e die Mutter' zu begehren." Diese sprachlich-gesetzliche Struktur ist nichts anderes als die Grundlage der symbolischen Ordnung. der Mutter. dieser Supersignifikant taucht dann wieder auf. wobei dieser der imaginäre Phallus von Mutti sein möchte. während letzteres als Sprachwesen bzw.TuI• getrennt '8 Lacan (1973c}. B. vor seiner ·Geburt• bzw. Dies erzielt das Gesetz. in das symbiotische Mutter­ Kind-Gefüge dar. 22 Grundstruktur solcher Tauschformen bildet die Sprache selbst. . d.oder verlorenen Objekt (dem Ding. der Vater (/e Pere). 71-169 und Evans (2002}. Sprachsubjekt (im Sinne von einem sprachgebundenen Sub­ jekt) kastriert wird. 23 . Schmerz und Tod. Daher stellt das Gesetz ein Sprachwesen dar: Es ist das Gesetz des Signifikanten. das Gesetz der Sprache. vorkulturelle Genießen bedroht das Subjekt in seinem Gleichgewicht und seiner Funktionsfähigkeit. oktroyiert dem Subjekt beim ödipalen Ereignis das sym­ bolische Gesetz auf. Die " So analysiert Lacan Sehrebers Paranoia. Darum bezieht sich der lacansche Gesetzbegriff auf kein spezifisches Gesetz. S. in sb . der mütterlichen Brust) spürt. vor der ödipalen Kri­ se. indem es uns den Wil­ len entzieht. Lacan schloss daraus. h. das dem Säugling omnipotent erscheint. Der Vater muss wiederum nicht unbedingt mit dem biologischen Vater der Kernfamilie identisch sein. ln der Psychose wirkt ein Verwerfungs­ mechanismus (forclusion). '' Ebd. den Phallus2' . Somit repräsentiert der Vater die Einführung des Kindes .über den Signifikanten aller Signifikanten. Ü. z. welche im sozialen Leben sämtliche Tauschformen bestimmen. S. S.

Das Gebot besteht folglich nicht nur aus dem Verbot. der Vater. das zu gut ist. 188-189 und auch Evans (2002). sondern auch eine Quelle des Genießens. zu denken: »Und Gott der HERR gebot dem Men­ schen und sprach: Du darfst essen [hebr. Das Ding ist das Objekt der Leidenschaft. Darum ist das moralische Gesetz nicht. das höchste Gut präsentiert. Ü. mit diesem Gebot. sich auch als zuträglich oder zumindest harmlos verstehen lässt . weil er selbst das Gesetz ist. das •Nein!•. aber nicht zu viele. das von der väterlichen Funktion verboten worden ist. das Gesetz zu befolgen.untersteht keinem Gesetz.) . dadurch charakterisiert. musst du des Todes sterben« (Gen. Fink (1997). [A. Das Ding bildet eine (Nicht-)Repräsentation dessen. über den die Agenten des Gesetzes verfügen. dass er das Genießen jenseits des Symboli­ schen erlebt hat. zu Leid. was außerhalb des Symbolischen existiert.und Verboten. aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen. die Lust ewiglich um das Ding kreisen lässt. da du von ihm isst.werden kann.: Die Bibelzitate 25 . wörtlich: •Iss•] von allen Bäumen im Garten. S.das heißt also von der Mutter des symbiotischen. ins Gedächtnis zu rufen. Der Gesetzgeber steht außerhalb des Geltungsbereichs des von ihm erschaffe­ nen Gesetzes. des biblischen " S. Erreicht das Subjekt jedoch das Ding bei der Erfahrung des Genießens. nicht aushalten kann. sonst könntest du noch daran sterben!• Hinter diesen Versen steckt eigentlich das ödipale Verbot des Inzestes durch den Vater. Schmerz und Tod von uns abwendet. was im Realen. Mit anderen Worten: Das Gesetz ist nicht nur ein Kor­ pus von Ge. wie Kant es sah. das Leid. dass es sich hier um keine sich entgegenstehenden Parteien han­ delt: Das Gesetz richtet sich gerade deswegen gegen das über­ tretende Genießen. das zu Leid und Tod führt? ln Freuds Totem und Tabu wird Gott.ganz im Gegensatz zum Genießen. Das Ding lässt sich nicht durch das Unbewusste (das sich aus Signifikanten zusam­ mensetzt) begreifen .22 ln de n Fußstapfen der paulinischen Dialektik Es stellt sich nun die Frage. und dessen Versagen. dieses verbotene Genießen erlebt hat. der das Gesetz ver­ körpert.entweder können wir uns das Ding nicht vorstellen oder wir dürfen es nicht. wird das Ding dem Subjekt als summum bonum bzw. ein Brunnen voller Schreie der genießend-gebie­ tenden Eitern.der vor dem Mord und somit auch vor der Entstehung von Gesetz und Kultur schon da war . son­ dern in erster Linie auch aus der Forderung •lssl•. d. ohne das Ding je erreichen zu können. sich zu denken: •Da bin ich aber zu weit gegangen. was verboten ist . weil der Vater selbst. Darüber hinaus lässt sich das Gesetz des Ireudsehen Lustprinzips als eine For­ derung an das Subjekt verstehen: •Genieße. Nimm mich also nicht zu ernst und iss nicht zu viel von diesen Baumfrüch­ ten. Zwischen dem Gesetz und der Leidenschaft gibt es folglich ein dialektisches Verhältnis: Das Gesetz begrenzt die Leidensind der Übersetzung Martin Luthers in der revidierten Fassung von 1984 entnommen. S. weil das Subjekt das Ding als etwas. also vom grausamen Ton. Dieser mythische Vater . 24 Paradieses.. alsdann scheint es Gott aber doch zu bereuen bzw. sondern als das Ergebnis der Gefühle und Leidenschaften des Anderen genau so. das die Entfernung zwischen dem Subjekt und dem Ding zustande bringt. 113-115. jenseits des Signifikan­ ten besteht. so wird das Ding zum Bösen. wie das Über-Ich es genießt. präödipalen Systems. als die Folge von universell-abstrakten Grundsätzen zu begreifen. am Ich Kritik zu üben . 2:1623 17). ob das Gesetz. in dem der Vater das Gebot ausspricht (und dabei das Genießen erlebt). Daraus folgt. es ist die Leidenschaft zum anderen Ding. das auf die Entfernung vom Ding achtet. denn an dem Tage. Wenn das Lustprinzip. So scheint auch der Gott vom Garten Eden.

genau auf seine theoretischen Beobachtungen zu. diese entsteht erst beim Prozess der Eingrenzung. der in diesem Punkt Paulus folgt. Lacan (2006c). das Gesetz verbietet dem Menschen das Ding . 27 . den Dekalog als Repräsentation der im biblischen Text enthaltenen Tendenz. denn ohne das Gesetz ist das Ding tot. bedarf die Leidenschaft zunächst eines Gesetzes. Tatsächlich ist das. 80-84. dem Gesetz und der Sünde. Nur. 9-59. trifft diese Bibelstelle.und Verboten in Bezug auf den Cha­ rakter des Gesetzes zuteil wird. das ins Leben führen sollte.es ist das Ding des Nächsten. daß seit einem sehr kurzen Augenblick einige unter Ihnen zumindest die Vermutung haben. ln der Tat. denn das Ding. dass es keine primordiale Leidenschaft gibt. auch Lacans »Diskurs an die Katholiken« von 1960. 26 das Wesen des Gesetzes aus. Doch als das Gebot kam. Doch weckt das Ding. loderte das Ding auf. ich hatte Kenntnis vom Ding nur durch das Gesetz. Das bedeutet. Sobald man den paulinischen Begriff •Sünde• durch den psychoanalytischen Begriff •Ding• ersetzt. begierig auf es zu sein. indem es das System der sozialen Tauschbeziehungen (sprich: die soziale Kommunika­ tion) aufrechtzuerhalten sucht und darum auf die Beziehungen zwischen der Leidenschaft. du sollst nicht begehren dei­ nes Nächsten Frau.schalt. es sei nicht mehr ich.2' Um die Sonderstellung zu be­ leuchten. setzt sich die Signifikantenkette in Bewegung. Vgl. der Organi­ sation und des Verbots des Genießans durch das anfängliche Gesetz der symbolischen Kastration. den Lacan an der Universite catholique de Louvain in Belgien hielt und in welchem dieses umfor­ mulierte Pauluszitat ebenfalls vorkommt. Sobald das Verbot entstanden ist. S. indem ein Verbot festgelegt wird. Magd. jene Leidenschaft zu verbieten. 20:1 7). Eine ausführliche Diskussion über dieses Thema finden wir im Seminar VII zur Ethik der Psychoanalyse.:16 Diesen Worten fügt Lacan dann gleich hinzu: Ich denke. während ich den Tod fand. etwas anthropologisch-existentialistischen Weise) auf das Verhältnis zwischen Gesetz und Sünde sowie auf die Spaltung im •Ich• des Gläubigen zwischen den beiden. bis auf eine kleine Änderung . konzentriert sich Lacan. " Lacan (1996}. auf das Gebot »Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus. S. meint Lacan. dem Ding andererseits zu erläutern. Esel noch alles. S. Vgl. wenn es nur Gelegenheit findet. Für mich führte das Gebot. Um seine Thesen zum Verhältnis zwischen dem Gesetz einerseits und dem Ge­ nießen bzw. das eben das Ding verbietet. verführte mich dank des Gebots und hat mir durch es Todesbegehren gemacht. Denn die Leidenschaft ist in erster Linie der Wille. zum Tod. dem die Leidenschaft gilt. Dazu sagt Lacan: Ist das Gesetz das Ding? Sicher nicht. hätte das Gesetz nicht gesagt . Knecht. Worte im Römerbrief 7:7-13 um. ich war lebendig ehedem. h. das Gesetz zu übertreten. Aus dieser Perspektive analysiert Lacan im Seminar VII. Deut 5:21.Ding an der Stelle von Sünde -. a. dem Gesetz und dem Ding Bezug nimmt. schreibt Lacan Paulus'. in mir allerhand Begehrlichkeilen dank des Gebotes. ohne das Gesetz.tfj Dieses Gebot drückt prägnant 2' 2' Lacan (1996). Im Vortrag »Vom Moralgesetz«. kam von neuem. das Gelegenheit fand. Immerhin. Lacan bezieht sich dabei (in einer u. und damit eine Übertretung möglich ist. hätte ich nicht den Gedanken gehabt. der spricht. 104.Du sollst es nicht begehren. aber zu gleicher Zeit lässt es sie überhaupt entstehen. Rind. die nach Freud eigentlich die grundlegendste ist: den Beischlaf mit der Mutter. Das Gebot bzw. einen zweiteiligen Vortrag. welche die Leidenschaft ins Leben ruft. d. die solchen Ge. was dein Nächster hat" (Ex.

die von der Nähe zwischen dem Ding und dem Tod herrührt. Dieser hängt mit dem Ireudsehen Todestrieb zusammen. d. 76-83). das Gesetz auszunutzen. hin zum Ding. Das Gesetz. solange das Gesetz es nicht verboten hat. die Barriere des Lustprin­ zips zu durchbrechen. was er damit meint. wie es in der Tradition des hellenistischen Judentums üblich war. der seit Ankunft der Sünde (� OIJapria) von Gott abgefallen sei:3' 21 V�rmutlich schickte Paulus um das Jahr 56 oder 57 n. Sobald dies doch pas­ siert. aber eben diese Übergabe führ­ te zu emer Verschlechterung im Zustand des Menschen. der •das Gesetz• bedeutet. der Lust �m men�chlichen Körper zusammen. Unfreiwillig führt also das Gesetz zum Tode. wenn das Subjekt zwar lebt. S. welcher die andau­ ernde Leidenschaft des Subjekts ist. war der �rste Bnef (unter den uns überlieferten). nämlich dass: um zu diesem Genuß zu gelangen. Kapitel 7. das Moses am Sinai überge­ ben wo�den sei. Die Übertre­ tung auf den Genuß hin geschieht allein. Es ist bzw. aber die ödipale Krise noch nicht erlebt hat. dem Pentateuch. 79-85. ohne das Aufzwingen des Gesetzes wird die Leidenschaft zur Übertretung nicht wach. h. Ohne den Eingriff des Vaters in die Mutter- •• Lacan (1996). 215. 104. eine Übertretung notwendig ist und daß das Gesetz genau dazu dient. sowie Klijn (1980). um das Jen­ seitige zu erfahren. Daraus folgt: dass der. Gesetz­ geberische in der jüdischen Thora. S. 28 Säugling-Symbiose. 29 . diesen Bnet von Korinth aus an die christliche Urgemeinde in Rom die so�ohl Juden als auch Heiden umfasste. zum Genießen. Absatz 7." Später im Seminar erklärt Lacan. 6 v6�o� und die Sünde im Römerbrief Im Römerbrief9 (sowie in anderen Episteln) macht Paulus vom griechischen Terminus 6 v6JJO<. Schweizer (1989). " Dass in diesem Kapitel die Begriffe •Sünde• und •Genießen• mitein­ ander gleichgesetzt werden.. d. Gebrauch. sei zwar heilig. den Signifikan­ tenkreis von Sprache und Kultur zu durchbrechen. zu bezie­ hen. 16-18. dem die Juden unter­ worfen sind und das diese daran hindert. S. Paulus gehörte jenen Kreisen an. Bei Paulus hängt die Sünde eng mit dem Genießen bzw. S. stützt sich auf die Worte von Paulus und Lacan. _ •• Vgl. Flusser (1979). paradoxerweise mit der Ubertretung bzw. in dem Paulus sich an eine Gememde w�ndete. . um sich auf das Juristische bzw. (in hebräischer Sprache)' sowie Räisänen (1983). über den üblichen Genuss hinaus. Dies tut er. als Agent des Gesetzes. Damit sind wir wieder beim heiligen Paulus. die über die zugelas­ senen Brauche hmausgeht. d. indem es das Ding erweckt und somit indirekt auch die Leiden­ schaft zum Tod. auf die Formen des Gesetzes!8 Dieses ·Zitat führt in die Diskussion über die Dialektik von Gesetz und Leidenschaft den Todesbegriff ein. u. 359-380. also auch nicht die damit einhergehende Übernahme des Subjekts selbst durch den Namen-des-Vaters und das Gesetz. s.30 Die Gesetze der Thora werden von Paulus als ein jüdisches Grundgesetz dargestellt. Der Römerbnef gilt als der WIChtigste und systematischste unter allen Paulusbriefen (vgl. h. h. zu der er no�h keinen Kontakt gehabt hatte. wird das Ding wach und wirksam und beginnt. Die Dialektik von Leidenschaft und Gesetz sowie von Gesetz und Ding erklärt uns die indirekte Nähe zwischen dem Gesetz und dem Tod. indem sie sich auf das entgegengesetzte Prinzip stützt. Römerbrief.die Rede des heiligen Paulus über die Beziehungen von Gesetz und Sünde. Das Ding bleibt latent. mit dem Genießen kooperiert. die in der Thora eine im hellenistisch-griechischen Sinne partikulär jüdische Ver­ fassung erblickte. den wahren Weg zu Gott zu beschreiten. z. Vater selbst. '" Ebd. S. das im Tode mündet. Es ist die Sehnsucht danach.

. der die Grundlage des Glaubens sein soll. (Röm. Denn ich wusste nichts von der Begierde (tr')v tmeu�iav). Eine aktuelle theologische Kritik an dieser Position. ln dieser Hinsicht konstruiert Paulus. der homosexu­ elle Geschlechtsverkehr (vgl. wie Themas Altizer meint. Uber die persönlic he Erfahrung des t Fleisches bei Paulus sprechen wir im nächsten Kapitel. 5:1 2-13) Oie Sünde .habe den Tod mitgebracht.bzw. wenn das Gesetz nicht gesagt hätte: •Du sollst nicht begehren!•"' (OuK tmeu��<JEI<. Für seine Gläubigen soll das Leben in Jesus ein Ersatz sein für das Leben im Gesetz. mir zum Tod geworden? Das sei ferne! Sondern die Sünde. Und so fand sich's. was doch gut ist... Den direkten Bezug stellt Lacan selbst im Seminar VII her.). dass das Gebot mir den Tod brachte. wie durch •einen• Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und der Tod durch die Sünde. Kor. 6:19). denn an dem Tage. da sie nun als die Übertretung des Gesetzes angesehen wurd e . Ex.Deshalb. welche allein den Menschen für die SOnde und somit fOr das Leid der Welt verant­ wortlich macht. bekanntgemacht wurde. da wird Sünde nicht angerechnet. in dem der Mensch steckt. dass er nur nicht ausstrecke seine Hand und breche auch von dem Baum des Lebens und esse und lebe ewiglich!" (Gen.. das wiederum mit dem ·Genießen• zusammenhängt. die im Namen und aus der Erfahrung eines hypothetischen •ICh• postuliert wird: »Ich muss wie Paulus sich diesen vorstellt. es ist ein Kampf. aber wo kein Gesetz ist. 6 voO<. wie Pau­ lus aus der biblischen Erzählung schließen konnte: »Aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen. wie der neue Glaubensbund den alten Ge. 20:17. 3:22b) Sobald das Gesetz über­ geben bzw.und Verbotsbund ersetzt. 30 S. menschlich davon reden um der Schwachheit eures Fleisches willen« (Röm. verlor das Gesetz jegliche Aktualität. 6:13-15) und insbesondere der Inzest (1. das infolge der Übertre­ tung des göttlichen Ge. das doch zum Leben gegeben war. findet sich bei Greenstein (2001 }. weil sie alle gesündigt haben. ein der Erfahrung des Fleisches heraus und nicht unbeding t einer gnostisch-kosm9logischen Erörterung des Geistes (vgl. S. ich aber starb. wurde die Sünde lebendig. 1 :24-27). Ich lebte einst ohne Gesetz. so ist der Tod zu allen Menschen durchgedrungen. Verbols durch den Menschen32 in die Welt gekommen sei . und das Gebot ist heilig. Damit bezieht sich Paulus sowohl auf den inneren Kampf als auch auf die innere Nähe von Gesetz und Sünde im Leben des Menschen. 1-22. denn ohne das Gesetz war die Sün­ de tot. zuträgt:33 Was sollen wir denn nun sagen? Ist das Gesetz Sünde? Das sei femel Aber die Sünde erkannte ich nicht außer durchs Gesetz. hat mir durch das Gute den Tod gebracht. nahm die Sünde.also einen klaren Bezugspunkt hatte . damit die Sünde überaus sündig werde durchs Gebot. 2:17. . Dieser theologischen Rechtfertigung fügt Paulus noch seine anthropologische Auffassung hinzu. bei Luther oft •Gemüt•). 63·66). Denn die Sünde nahm das Gebot zum Anlass und betrog mich und tötete mich durch das Gebot. wenn er Paulus zitiert und dabei den Begriff •Sünde• gegen das •Ding• tauscht. . musst du des Todes sterben« I »Nun aber. gerecht und gut. der sich zwi­ schen dem begehrensvollen Fleisch. Die Sün­ de aber nahm das Gebot zum Anlass und erregte in mir Begierden aller Art. So ist also das Gesetz heilig. (Röm. S. Kor. darunter fallen z. 8. Denn die Sünde war wohl in der Welt. damit sie als Sünde sichtbar werde.ein autonomes Wesen. 5:1 ). genauso.und damit auch der Tod umso klarer an Gestalt an. Al tzer (1985). Ist dann. der Beischlaf mit Pro­ stituierten (1. die aufeinander angewiesen sind. Doch sobald Jesus gekreuzigt wurde und auferstand. als aber das Gebot kam. 7:7 -13) Das Prinzip der Subjektspaltung zwischen Gesetz und Sünde. da du von ihm isst. zeigt Paulus am Beispiel des . Röm. •Ich• aus aufgrun� 31 . und dem Geist (gr. ehe das Gesetz kam.

unbewussten Handlung der Leidenschaft bzw. Verbots im Dekalog: •Du sollst nicht begeh­ ren!• Paulus zitiert jedoch nicht das ganze Verbot. 7 eine Art Allegorie der eschatologischen Span­ nung zwischen den beiden Zeitaltern .raphie in Verbindung zu bringen. Wenn ich aber das tue. das neben ·Begierde• · auch •Leidenschaft• bedeuten kann.. . welche vom Judentum repräsentiert werden und dem Zeitalter der Gnade. Allerdings setzt das Gesetz voraus. Paulus möchte von eben dieser Spaltung. So tue nun nicht ich es.man kann es nicht vollständig befolgen.zehnten Ge. Denn ich weiß nicht. Ounn (1998). Des Weiteren nutzt Paulus den üblichen Sinn des griechischen Wortes trn8u1J�aw. S. sich vom Fleisch zu befreien. . was ich will. die in mir wohnt. Gal. S. ich aber bin fleischlich.dem des Fleisches und dem des Geistes . Dunn35 meint. das heißt in mei­ nem Fleisch. so­ dass es unwissentlich zum ·Bösen• führt. 472-477. die in sich die Dialektik von Gesetz und Leidenschaft birgt. Andere Forscher tendieren dazu. Denn ich tue nicht. h. sondern für den Menschen. das Gesetz nimmt also an.bzw. damit er die­ ses von seinem konkreten Zusammenhang im Pentateuch. ja auf das Gesetz als solches zu bezie­ hen. insbesondere mit seiner eigenen Ubertrittserfahrung. Verbot im Dekalog wird somit zum Prototyp aller Gesetze (wie es auch bei Lacan der Fall ist) und als Prototyp sei dieses Verbot des Begehrens. jedoch sei eine vollständige. Denn ich weiß. nicht gespalte­ nes Geschöpf sei: Denn wir wissen. ablösen und dadurch das Grundsätzliche am Verbot her­ vorheben kann. dass das Gesetz geistlich ist. indirekt am Tod bzw. 32 ner Briefe sich in einem Interim (das Reich Gottes habe bereits angefangen. wobei Paulus und die Adressaten sei - "' S. Thaissen (1983). von den spezifischen Objekten. s. sowie Slavoj Zizek (2001 b). Dieses Ich sei demnach zerrissen zwischen dem mosaischen Gesetz der Thora. stellt Röm.36 Paulus' Differenzierung zwischen einem Gesetz des Geistes und einem Gesetz der dem Fleisch innewohnenden Sünde erin­ nert zudem an die Ireudsehe Differenzierung zwischen dem Bewusstsein und dem Unbewussten. sondern das Böse . dass i n m ir. die das rationale Denken zu bekämpfen sucht. was ich tue. son­ dern was ich hasse. 33 . der zum Glauben an Jesus als Messias neigt. das vom neuen Glauben an Jesus Christus repräsentiert wird. Wollen habe ich wohl. h. endgültige Erlösung vom selben noch nicht möglich. Das zehnte Ge. die nicht begehrt werden soll­ ten. abweichen. sondern die Sünde. dass das von Paulus beschriebene •Ich• ein gespaltenes sei. das •Ich• deutlicher mit Paulus' persönlicher Bio9. der Leiden­ schaft. dass der Mensch allein durchs Gesetz die Sünde überwinden könne.37 d. S. ln dieser Hinsicht stelle das Gesetz einen ·Fluch• dar (vgl.. Spaltung und Abweichung Das •Ich• i m Römerbrief Kap. d. h. um dieses spezifische Ver­ bot auf jedes Gesetz. an der Einführung des Todes schuld. zwischen dem ratio­ nalen Denken und den unbewussten Leidenschaften (Sünde). Sünde. von jener automatisch­ unwillkürlichen. aber das Gute vollbringen kann ich nicht Denn das Gute. das tue i ch nicht. sei aber noch nicht vollständig in Erfüllung gegan­ gen) befinden.bzw. 3:10-13) . unter die Sünde verkauft. das ich will. 241245. etwa Segal (1990). das tue ich. nichts Gutes wohnt. d. So gese­ hen. 230-252. in dem das Fleisch und der Geist sich noch überschneiden: Es bestehe zwar schon eine Chance. dass das Gesetz gut ist. weil die Sünde genau dieses Verbot •zum Anlass nimmt•. so gebe ich zu. dass der Mensch ein rationales.dar. Vgl. 7 lässt sich als Repräsentation einer Grundposition begreifen: Dieses •Ich• steht nicht für Pau­ lus selbst.. der Vergangenheit und dem Fleisch. was ich nicht will.

h. dass alle. aber mit dem Reisch dem Gesetz der Sünde. das in meinen Gliedern ist. Wenn das Kreisen um das Ding bzw. dem Vater. der sich um seine Glaubensgenossen kümmerte und diese vom Gesetz befreien und zur Freiheit in Jesus führen wollte. das dem Gläubigen bei der und durch die Begegnung mit der Gottheit zuteilwird. musste das Leben in Jesus so darstellen. das Böse anhängt. Denn wenn wir mit ihm " Wie es in der Eröffnung des Briefes an die Galater heißt: . von der Autorität des Vaters. Ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern. ln Paulus' Augen führt das Bleiben im Kreis des praktischen Lebens not­ wendigerweise zum geistigen Tod. 319-323 und s. dass mir.. Darum geht bei Paulus die Abweichung von Gesetz und geistigem Tode mit der Kreuzigung des Fleisches einher: Was sollen wir nun sagen? Sollen wir denn in der Sünde beharren. der wir doch gestorben sind? Oder wisst ihr nicht. Gottes. die dem Gesetz. und den Gemeindeleitern ihre geistige Potenz (Charisma) findet sich Im vierten Kapitel sowie bei Dunn (1998). die wir auf Christus Jesus getauft sind. das widerstreitet dem Gesetz in meinem Gemüt und hält mich gefangen im Gesetz der Sünde. Die Abwei­ chung vom Gesetz. damit die Erlösung durch und in Jesus zum wahren und endgültigen Erlö­ sungsakt werde. d. sondern auch in der Abweichung vom Tod. 1 :3-4). 35 . sondern die Sünde. die sind in seinen Tod getauft? So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod. Mehr über die Gnade als die Kraft.das ich nicht will. damit.38 die Letzterer dem Gläubigen zuteilwerden lässt. zu gleicher Zeit glaubt Paulus aber an die Möglichkeit. hin zum Genießen i m Realen führt aus Lacans Sicht zum Tod.}. in der dem Fleisch innewohnende Sünde. der ich das Gute tun will. dass nur in ihm die Rechtfertigung vor Gott und die Befreiung aus dem unendlichen Teufelskreis von Gesetz-Sünde-Gesetz möglich sei. aber auch das Gesetz selb�t birgt in sich die Leidenschaft zum Tode. unseres Vaters" (Gal. Das Gesetz könne seinerseits nicht helfen. sowie deren dialekti­ schem Verhältnis zum übertretenden Genießen. und dem Herrn Jesus Christus. dem Realitäts­ prinzip bzw. bösen • Die Gnade ist jenes geistige Wesen. den Messias. Wenn ich aber tue. unserm Vater. im Gegenteil. Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem todverfallenen Leibe? Dank sei Gott durch Jesus Christus. der sich selbst für unsre Sünden dahingegeben hat. dass er uns errette von dieser gegenwärtigen. sowie dank der Gnade (XOP1<. wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters. die in mir wohnt. Die Schwierigkeit besteht nicht nur in der Abweichung vom Gesetz. auch wir in einem neuen Leben wandeln. Der Grund hierfür liegt im Fleisch bzw. unsern Herrn! So diene ich nun mit dem Gemüt dem Gesetz Gottes. kann n u r die Abweichung vom Kreis zu wahrem Leben führen. dem Sohn Gottes. Paulus. vom Symbolischen. während man jedoch nach wie vor die Gefahr bedenkt: Die Freiheit wird auch zugunsten der Sünde missbraucht. Diese entspringt der Ubertreibung. das tue ich. bösen Weit nach dem Wil­ len Gottes. Paulus arbeitet an diesem Ertösungsangebot. es beschleunige nur den Eintritt von Sünde und Tod. S. die dem Menschen den Glauben an Jesus. so tue nicht ich es. So finde ich nun das Gesetz. 34 Welt« 38 abweicht und zum Frieden in Jesus führt. 7:14-25) Paulus weist zwar darauf hin. damit die Gnade umso mächtiger werde? Das sei ferne! Wie sollten wir in der Sünde leben wollen. was ich nicht will. (Röm. der vom Kreis »dieser gegenwärtigen. die Sünde im Tode mündet. dass der Mensch im fatalistischen Kreis der Nichttrennung von der Sünde und dem sie erregen­ den Gesetz gefangen sei. sogar vom Gesetz abzuweichen. 552-580. und zwar durch die und dank der Kreuzigung von Jesus. Denn ich habe Lust an Gottes Gesetz nach dem inwendigen Menschen. dem Über-Ich innewohnt.Gnade sei mit euch und Friede von Gott.

145· 157.. damit der Leib der Sünde vernichtet werde. wie Lukas es i n der Apostelgeschichte darstellt. die Mutter des Jakobus. zum fehlen­ den Objekt. und sie entsetzten sich. und Salo­ me wohlriechende Öle. Wir wissen ja. wo sie ihn hinlegten. keine Spra­ che beschreiben kann: . Konversionsgeschichte. die somit zum neuen Ding geworden ist. denn sie fürchteten sich. traumati­ sches Objekt. dass der Stein weggewälzt war. jüdische Name. Zu den weiblichen bzw. Vgl. sehr früh. Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen. sich nach der Leidenschaft des Saulus bzw. denn e r war sehr groß. dass wir auch mit ihm leben werden. um hinzugehen und ihn zu sal­ ben. der gestorben. der hatte ein langes weißes Gewand an. so glauben wir. genauso wie bei Paulus' Offenbarungs­ erfahrung >mitten im Nirgendwo'.verbunden und ihm gleich geworden sind in seinem Tod. wenn Jesus sich vom Himmel an ihn wendet und. den er vor der Kon­ version hatte. wie er euch gesagt hat. Am Anfang des 13. wiederauferstanden. 24). 1). dass " Die Apostelgeschichte enthält zwei weitere Versionen von Paulus' Offenbarungs· bzw. Sind wir aber mit Christus gestorben. den Gekreuzigten. (Römer 6:1-9} Die Gnade Jesu verwandelt nunmehr das Gesetz des Vaters in das Gesetz der Liebe. wenn er Paulus in seiner Rede vor dem Volke nach seiner Verhaftung im Tempel (Kap.. Mehr über den Zusammenhang von Paulus' Konversion und seiner Theologie ist im dritten Kapitel dieses Buches zu finden sowie im Sammelband: Longenecker {1997). Die erste findet sich bei Lukas. denn Zittern und Entset· zen hatte sie ergriffen. Siehe da die Stätte. Das gilt jedoch auch für das Ding bzw. das. •Saul• steht hier. so etwa im ersten Korinthertlrief: "Bin ich nicht frei? Bin ich nicht ein Apostel? Habe ich nicht unsern Herrn Jesus gesehen? Seid nicht ihr mein Werk in dem Herrn?« (Kap. kauften Maria von Magdala und Maria. feministischen Aspekten dieser und anderer Stellen im Mafkus-Evangelium s. Lukas 24:1·12. die Sünde. Johannes 20:1-10. die sprach zu ihm: Saul. Und sie gingen hin· aus und flohen von dem Grab. Und als der Sabbat vergangen war. und er fiel auf die Erde und härte eine Stimme. Er ist auferstanden. >>mehr als fünfhundert Brü· dern« sowie von Jakobus und »allen Aposteln« gesehen worden sei und "zuletzt von allen ist er auch von mir als einer unzeitigen Geburt gesehen worden" {ebd. sodass wir hinfort der Sünde nicht dienen. S. auch Matthäus 28:1·8. Und sie sagten niemandem etwas. V. Und sie spra­ chen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? Und sie sahen hin und wurden gewahr. dort werdet ihr ihn sehen. als die Sonne aufging. Kapitels in der Apostelgeschichte 37 . 15:8). ein reales. Paulus sehne' Als er aber auf dem Wege war und in die Nähe von Damaskus kam. ist ein Erlebnis. ln demselben Brief spricht Pau­ lus auch über den Messias. dann von Kephas. Lochrie Graham (1992). der Tod kann hinfort über ihn nicht herrschen. Sau1. welche vom leeren Grab Jesu verkörpert wird. das auf eine Leere im Sein hindeutet. er ist nicht hier. Des Weiteren finden wir in Pautus' Briefen Hinweise auf seine Konversion. umleuchtete ihn plötzlich ein Licht vom Himmel. hinfort nicht stirbt. Denn wer gestorben ist. auf dem heißen Weg nach Damaskus. 22) sprechen lässt. dass Christus. (Markus 16:1 ·8)40 Die Begegnung mit der Gnade setzt die ganze Signifikanten­ kette neu in Bewegung. so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein. also der alte. Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus. 9. das der christliche Gläubige von jetzt an umkreist: ein erreichtes aber unerreichbares Objekt. der ist frei geworden von der Sünde. Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche. den zwölf Jüngern.•• was verfolgst du mich? den. Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth. dass unser alter Mensch mit ihm gekreu­ zigt ist. von den Toten erweckt. 36 . wie Markus es darstellt. die zweite finden wir in Paulus' Gespräch mit Agrippa (Kap. und wissen. Ein leeres Grab vorzufin­ er vor euch hingehen wird nach Galiläa.

S. die von einer betreuenden Stimme gesprochen werden. Damit reagiert Agamben auf David Flussars Kritik an Bubars Differenzierung. Vgl. obwohl Paulus nicht dazu berechtigt war. das Gesetz des Vaters so darzustellen. Letztere ist kein Glaube an gedankliche Prinzipien. Vgl. die er und der Heilige Geist schenken.Er aber sprach: Herr. voll Heiligen Geistes [ . findet in seinem Namen eine textuelle Transformation statt: Zunächst war er noch als Jude mit dem Namen •Saulus von Tarsus< bekannt. •Paulos•. . Kor. das einen ausgesprochen anti-christlichen und anti-paulinischen Text darstellt. 1 5:8-1 0. die Flusser in seinem Anhang zur neuen Ausgabe von Zwei Glaubensweisen äußerte. An dieser Stelle sollte an die Worte Martin Bubers in seinem Werk Zwei Glaubensweisen erinnert werden. wer bist du? Der sprach: Ich bin Jesus. durch die geistigen Gaben.] aber. s. die von der biblischen Glaubensform abweicht. 127-133. Die Männer aber.. eine Anweisung. und er konnte drei Tage nicht sehen und aß nicht und trank nicht. Steh auf und geh in die Stadt. in der er gerade auf die Schuldgefühle und das Zwanghafte im jüdischen Ritual hinwei st. vgl. (Apostelgeschichte 9:3-9) Doch die Gnade als reales. des Gewis­ sens) ist es vielleicht. Sie nahmen ihn aber bei der Hand und führten ihn nach Damaskus. 39 . h. ins Leben ruft. wie es beim Offenbarungserlebnis des Paulus der Fall war. Befehl ist. die Paulus mit­ hilfe der Liebe und im Namen Jesu erreichen möchte. aber sahen nieman­ den. Gal. Auf diese Art und Weise soll ein neues Ideal konstituiert werden. sah er nichts. in: Agamben (2006). dem jüdischen Gesetz.]« (Apostelgeschichte 1 3:9). hierzu auch Theodor Reiks Studie »Das Schofar« (1928). Jedoch ist Jesus als reales Objekt zu gleicher Zeit auch in der Lage. und als er seine Augen aufschlug. So erwähnt Buber im siebten Kapitel. den du verfolgst. der Mes­ sias. Lehre und Füh­ rung. da wird man dir sagen. frei von Sündenleidenschaft und voller Liebe. genau jene Stabilität zu bedrohen. d. das Gesetz der Liebe zu etablieren. 201-300. was das paulinische Christentum aus dem väterlichen Judentum herausdestillierte. ln diesem Werk will Buber auf die Fehler und Mängel in der christlichen Glaubens­ form hinweisen. Buber (1950). denn bis dahin zählte er ja zu den Ver folgern der messianischen Gemeinde (1. Siehe Agambans Erörte­ rung von Bubars Differenzierung zwischen •Glaube/Vertrauen< im biblischen Sinne und •TTic:mc. kann in dieser Hinsicht auch als eine ironische Reaktion von Lacan auf die christliche Moral erscheinen. Die Gnade widerfährt dem Gläubigen erst dann. die seine Gefährten waren. dass dieses sowohl die positive Identifikation durch Unterstützung und Führung43 als auch die negative Identifikation durch zwanghafte Gebote ent­ hält. die Paulus bei seinem Versuch. was du tun sollst. denn sie hörten zwar die Stimme. eine neue Gemeinde. ähnlich klingenden Namen ·Paulus• bzw. fun­ giert der Signifikant •Jesus< als ein paulinisches Mittel zur Abweichung vom Kreis von Gesetz und Leidenschaft. dass Lacan in Die Ethik der Psychoanalyse versucht. angefangen mit folgendem Vers: »Saulus [taüAo<. h . dürfe der Gläubige nicht suchen. bald bestehendes. SauJus aber richtete sich auf von der Erde. wenn der Sohn.. durch seine Kritik am Gesetz des Vaters. 38 Gesetz und Über-Ich Im Anschluss an die obige Erörterung möchte ich darauf hinwei­ sen. sich danach sehnt . obwohl die Thora kein Gesetz bzw. Die negative Identifikation des Über-Ich (d. Saulos) gegen den grie­ chischen. der auch Paulus [naoAo<. S. standen sprachlos da. Buber (1 994). Lacans feine lro- . dass der hebräische Begriff •Thora• in der hellenisti­ schen Kultur (und daher auch im Christentum) fälschlicherweise mit •Gesetz • übersetzt wurde. damals kosmopolitischen. aber nachdem er ein wichtiger Apostel geworden war.• in Paulus' griechischem Sinne.willkürlich und unerwartet. Wie ich in den nächsten Kapiteln zu zeigen versuche. sondern. Was also zunächst als eine Identifikation Lacans mit den Worten des Paulus in dessen Römerbrief erscheint. wur­ de sein jüdischer Name •Saul• (Saulus bzw. sondern steht für das Vertrauen in Gott [im Hebräischen gehen •Glaube• und •Ve r­ trauen• auf denselben Wortstamm zurück].) heißt. wie er ebenda erklärt. nicht von einer gebietenden. 1 : 1 1 -24). bald nichtbeste­ hendes Objekt.

als er das jüdische Gesetz als Anregung zur Sünde dar­ stellte. . FOr Taubes lassen solche Positionen die Bestrebung des revo­ lutionären Denkens.auch wenn der Vertreter des Gesetzes. h.nie kommt hier in seiner Identifikation mit den Worten des Pau­ und Gottvater aus der Dialektik zwischen Vater bzw. jedoch ohne die in diesen Quellen enthaltenen Lösungen. dass Paulus sich geirrt habe. der wiederaufer­ standen ist und nunmehr die Kirche bedroht. S. Vgl.. tot ist. von Paulus' Feststellung hinsichtlich der Dialektik von Gesetz und Sünde ausgehend. abwesend bzw. die seiner Interpretation widerspricht. Sprachsubjekt ist. Indem Paulus dem Gesetz der Thora und Gottes den Kampf erklärte Subjekts.• Lacan weist darauf hin. h . denn g�rade die wortgetreue Befolgung des Gesetzes . im Abschlusskapitel. Jahrhunderts gleichgesetzt. der symbol i­ schen Ordnung . Vgl: Taubes (1993). der Sprache unterworfen. Die Bildungen des Unbewussten. den Menschen vom Gesetz zu befreien und i hn in die totale Freiheit zu bringen. Zizek (1996). ganz unschul­ dig bei Dostojewskis Erklärung i n seinem Roman Die Brüder Karamasow ankommen kann:47 >Wenn es keinen Gott gibt. Die Kirche ermöglicht die Leidenschaft.und Gleichheitsideologien: das Christentum und den Kommunismus. Übertretung andererseits ver­ drängte. dass man. Zizek (2004). Darum be­ hauptet Lacan.. dass die Analyse es anders zeigt.!le dem gesetzestreuen Juden die Abweichung vom Gesetz. Gon. Siehe jedoch hier. der Vater bzw. meine Reflexionen über eine wei­ tere Interpretation Zizeks zum Seminar VI I.•48 Lacans Beziehung '"' Freuds und Lacans Pessimismus saugt in sich auch die religiösen Quellen der beiden auf.von Geburt an hat. . Insbesondere gilt dies für die Liebes. Dostojewskis Aus­ druck lässt sich mithin folgendermaßen umformulieren: •Wenn Gott tot ist. Im Judentum wie auch im Christentum. ob Lacans Lesart von Paulus auf eine semi-katholi­ sche46 Position zurückzuführen ist. d . Das heißt: Das negative. auch ohne die Unterstützung durch Gestalten wie das Gesetz oder Gott. S. vergleichen. Er glaubt nicht an die Hoffnung der Aufklärung auf eine �rtösung ?es Menschen durch Wissenschaft und Vernunft: Es g1bt keme plaus1ble Möglichkeit. ihm die Möglichkeit zur Leidenschaft und zum Glück zerstören. nicht jedoch mit Pau/us selbst zum Ausdruck. Das fügt sich einerseits und Leidenschaft bzw. S. insb. nämlich so. die ein jedes Subjekt . 40 . 118-119. 122-124. die sich gegen den protes­ tantischen Aspekt richtet. Hier kehrt Lacan eigentlich zum pessimistischen. über dieses Hindernis der anfänglichen Schuld hinüberzuspringen. Vgl.ermöglic. indem sie das Verbot und die Schuld auf die Weit bringt. die. d. weil sie dem Menschen die totale Freiheit schenken wollen. die nicht mehr von Gottvater abhängt. Lacan (2006b). Lacan (1996). während Jesus hingegen die absolute Freiheit anbietet. das fünfte Kapitel »Der Großinquisitor". S. dass die ödipale Schuld nach wie vor wirkt und vom inneren Über-Ich auch mangels jeglichen exter­ nen Faktors bestätigt wird. auch Zizeks These. • . Eine Abweichung hin zum Genuss bedeutet folglich nicht unbedingt ·Glück•.und nicht dessen Ubertretung .. wo die Jesuiten und Kalholiken als Verfolger Jesu beschrieben werden. dann ist nichts mehr er1aubt. Ein solcher Vergleich kann für uns die Komplexität von Lacans >Identifikation• mit Paulus' Worten erhellen.ähnlich dem paulinischen Sündenbegriff . ist alles erlaubt. vom Zustand abzuweichen. 83-99. Gesetz lus. Ironi­ scherweise wird hier Jesus den Nihilisten und Anarchisten des 19. Denn er spitzt die Frage zu. Siehe auch Freuds Erörterung von Die BrOder Karamasow und dem Aspekt der Vatertötung bei Dostojewski in Freud {1928). schuf Paulus die Schuld des christlich-abendländischen in Lacans pessimistisches Verhältnis (das er bei Freud fand und von ihm übernahm'"') zu den trügerischen Hoffnungen verschie­ dener Ideologien. lächerlich erscheinen. wie etwa diejenige von Paulus. wie Jacob Taubes Freud als immanent paulinisch darstellt und si�h dabei auf Freuds Betonung der Schuld stützt. 399-418. in dem der Mensch (Män­ ner wie Frauen) unter seiner Kastration leidet und ein Sprachwesen bzw. S. furchterregende Über-Ich befindet sich jenseits des Gesetzes und ist auf Letzteres nicht angewiesen. der die Erlösung Im Messias anbietet Siehe bspw. zweifelnden Freud des Unbehagen in der Kultur zurück. den Paulus latent in sich birgt. 585. 41 . Möglicherweise geht dieser Widerspruch auf Lacans eigenes ambivalentes Verhältnis zu Paulus in diesem Seminar zurück. S.05 Diese Position von Lacan lässt sich mit seinen Worten im Seminar V. Vgl.

noch vor der Entstehung des Gesetzes vorhanden. Lacan folgt indes nicht der geistigen Lösung des Christentums.50 nach der nur das laute. welches das paulinische Christentum noch verschärfte. trieb das paulinische Christentum die Schuld ins Extrem? Um das Sub­ jekt noch fester im Griff zu haben. sich in Schuld und Selbstbe�trafung ausdrückenden Leiden geführt hätte. 134. denn historisch gesehen kamen der Tod Gottes und das Liebesgebot zusammen auf die Wett (auf diesen �spekt des Verhältnisses zwischen dem Liebesgebot und dem Uber-lch gehe ich im nächsten Kapitel ein). die Übertretung. Warum. die daran anknüpft. durch die Befreiung vom Gesetz das Schuldbewusstsein des modernen Menschen nur noch steigerte.•49 Meiner Ansicht nach enthält Lacans obige Auffassung auch deswegen eine antiprotestantische Position. gellende und drohende Gebot übrig bleibt. als sie anerkennen. fragt Lacan. ist nicht das geschriebene Gesetz. 43 .zum Katholizismus als Gegner des Protestantismus und der liberalen Moderne. h. 42 angeblich paulinisch. weil seine Lesa� der Paulusbriefe eigentlich zu deren Darstellung als protestanti­ scher Text führt. wie Lacan im Seminar I bemerkt. nachdem er in seiner klinischen Praxis erkannt hatte. d. ln Lacans Position spiegelt sich Frauds Auffassung von Totem und Tabu wider. 125-149. an das Gesetz gebunden. stellt aber gleichzeitig auch eine Ab­ weichung dar. Allerdings musste Freud diesen Aspekt menschlichen Gewissens mittels der The­ se vom Mord am Urvater in die Anfänge der Menschheit zurück­ datieren. Nietzsche und Dostojewski ein Gegengewicht zur Moderne mit deren aufkläre­ rischen Hoffnungen. d. ln die­ ser Hinsicht ist das Über-Ich. mithin nicht als wechselseitiges Verbergen (wie es etwa im Seminar V noch der Fall ist). dass die Reaktion des modernen Menschen auf den alten Karamasow lautet: ·Gott ist tot. sondern sich aus der Vatertötung ergibt. Als die Religion. dass der Mensch in seinem Verhältnis zur Sün­ de psychisch an den Schuldmechanismus angekettet ist. h. der.. die den Tod Gottes vergegenwär­ tigte. zeigt sich besonders klar i n einem früheren Text Lacans aus dem Jahre 1950. denn das Über-Ich ist. die annahmen. Darum meint Lacan. Diese unbewusste Strukturierung formulierte Freud in einem Mythos. S. Lacan versucht aber.. wie bereits erwähnt. Im Anschluss an Heget versteht Lacan die Beziehung zwischen Über-Ich und Gesetz als dialek­ tisches Verhältnis von Aufhebung und Erhaltung. von Paulus' Diskurs auf zweierlei Art abzuwei­ chen: Zum einen ist die Sünde. wie bei Luther. . bis nur noch das Leben in Jesus den Menschen befreien würde. lacan {1978a). die ins menschliche Seelenleben hineinwuchs. ln diesem Text wendet er sich explizit gegen die angeblichen Täuschungen modern-liberaler Denker im ausgehenden 19. Lacan (1966). ausführlich im Seminar VII. Somit betraute das Christentum das symbolische jüdische Gesetz mit der Figur Jesu und dem inneren Gewissen des Über-Ich: . dass die Neurotiker immer von der Schuld bedroht sind bzw. Jahrhundert. das die Sün­ de aufwühlt und die Schuldgefühle erweckt. indem sie die Sünde als Grundeigenschaft des Menschen beschreiben. Sowohl Freud als auch Lacan sind. so Lacan. die in der Verschmelzung mit dem Ebenbild von Jesus besteht. das menschliche Elend noch weiter zu verschlimmern. hatte das Christentum das Gesetz in zwanghafter Weise radikalisiert. sendem das Gesetz des Gewissens. dass die Schuld der Persönlichkeitsstruktur der Neurotiker inne­ wohnt. S. nur insofern. also ist nichts mehr ertaubt. das Gesetz. Diese Gedankengänge erklärt Lacan. jedoch nur zum Teil. dass das menschliche Gewissen keines leben­ den Gottes bedarf. näm­ lich einer theoretischen Einführung in die Funktionen der Psy­ choanalyse in der Kriminologie. Für Lacan geht d1e Cha­ rakterisierung des Über-Ichs jedoch über diese Logik hinaus. das Gesetz und dessen Zerstörung zugleich. ln dieser Hinsicht schufen Freud. dass die Befreiung vom Gesetz und von Gott zu einer Selbstbefrei­ ung vom menschlichen.

sagt man uns. als nun die Vermittlung fehlt. es bleibt blassen. die soge­ dem. Dieser Mechanismus verschärft sich bei dem Versuch. 51 44 Lacan (1996).. den Anstrich eines konstitutionellen Zufalls zu geben. in dem der sionen des Ichs. nämlich daß in dem Maße. was mit dem Gesetz geschehen ist. Seide Terme. das die Aggressivität des ?esetzes beibehält. Das Christentum stellt uns ein Drama vor trotzdem. ist das ein­ Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Indem es das Gesetz zusammenfaßt. der mit dem Qüdischen) Volk einen Bund schloss. an die Seite nannte Energie des Uberichs zum Vorschein kommt. das zu verkennen.aus diesem Anderswo freilich. S. die die des Geset· zige Gebot von nun an das zes wäre. wie Man verbucht es oder verbucht es nicht im Namen ich sie die blutigen Kämpfe der Gladiatoren darstellen. und es ist nicht möglich. der. ist dieser Weg einmal tuierend. nämlich daß es. daß nur das Christentum dem Natürlichen für die der Vater bzw. auf denen Lacan den Ireudsehen Vaterbegriff neuformulierte. Miller (2006). die die Garantie dafür wäre' nämlich Gott selbst. 234·235. dem damit müssen wir unseren Weg weiterverfolgen. was sich i n der jüdisch-christlichen Überlieferung erfüllt. keine Grenze nimmt in derselben Bewegung. Freud läßt sich angelegen sein. sobald man ihn stillt. . ihm sich vielmehr substi­ hinzuzufügen." auftreten würde . Er erzeugt sie an der Grenze.das erste historische Beispiel.5' Die Verdrängung der Garantie Gottes. aber noch m�hr intensiviert. dargestellt im Drama der Passion. Ja in einem Natürlichen. S. dass 62 Ebd. gibt. gegen das die Annäherungen. Das Christentum war es auch. die wir den Tod Gottes nannten. Das ist eigent­ lich der Entsteh ungsprozess des Uber-lch: eine Verinnerlichung ln diesem Zusammenhang lässt sich Paulus als Gründer des des väterlichen Prinzips in Gestalt des Gewissens. das diesen Tod seine Aggressivität Q. paradoxer­ weise umso mehr von einem verlangt. gehören historisch zusammen. in der es seine Aufhe­ mehr gibt . 13-42. noch einen Pinselstrich [durch den Tod] zu zerstören. das heißt deutsche Term Aufhebung von Gewicht ist-. insofern. Psychoanalysiscc53 differenziert Jacques­ Aiain Miller zwischen verschiedenen Stufen. dass der siebte Teil von Lacans er eine ambivalente Position zu Paulus enthält. und zwar ohne dieses Gesetz. wie das Subjekt wird.Beachten wir. daß es in der Fiber von allem ist. schen Über-Ichs in dessen vollem Sinne darstellen. ln seiner Abhandlung »Religion. ohne zuminde$t allem. die Gegenwart des symboli­ schen Gesetzes (d. Miller meint.er erzeugt zunehmend schwerere Aggres· bung ist . Gott als der Signifikant des Namens-des­ der Wahrheit.egen sich selbst wendet. der Tod Gottes und die Nächstenliebe. ver­ weiß nicht welcher vorgefaßten Idee von Natur.. in welchem der Tod Gottes buchstäblich Fleisch gelehrt hat. Des Gesetzes. es auf­ betreten und dieser Vorgang ausgelöst. was Freud Augen. h. S. 233-234. stellte. führt aus Lacans Sicht zur Einführung des angriffslustigen Liebesgesetzes. perversen Mechanismus. Ich möchte noch bemerken. und eine Entsprechung fehlt. insofern es von anderswoher Die Sache ist als solche im Evangelium artikuliert. 45 . vollen Vaters garantiert: Gehalt. weil Christentums und zugleich auch als Gründer des abendländi­ beschreibt das Ireudsehe Über-Ich als einen angriffslustigen. der positiven Identifikation) zu beseitigen. Lacan Seminar im Vergleich zu den anderen Teilen heraussticht.

� � g bis in unsere Gegenwart hineinreicht. 10· 47 ein AufsalZ der sich mit dem befasst. damit . welcher den Genuss verbie­ de tet. in Miller (2000). sondern als unendlichen (übermäß�gen bzw . Bataille stellte sich den Genuss als etwas vor. um die ver­ schiedenen Phasen in Lacans Auffassung vom.und herbewegt. dass Schuld und Sünde nicht vom Gesetz abhängig seien (diese These möchte vom dialektischen Diskurs a weichen. d1e em�n w � •­ teren Teil aus derselben.hängt mit den historischen Epochen zusammen: Einerseits die abendländische Kultur vor und wäh­ rend der Sechzigerjahre des 20. Erstens deswegen weil das Seminar VII zwar die Über tretung des Gesetzes b tont aber bereits in früheren Texten Lacans lassen sich wie ic obe� zu zeige� vers cht habe. w1r d1ese Parad1gmen nicht als eine Chronologie der Entwick­ lung der lacanschen Theorie begr eifen. von Miller gehaltenen Vorlesungsreihe bi l­ det. was erst durch ein Verbot zustande kommt. Eine Krit. das mit einer •na­ türlich•-logischen Unmöglichkeit zu tun hat. was Miller ·Genusspara­ di men • nennt' . Verbot und Ubertretung lebte . erklärte den Genuss. Jahrhunderts. S. anderer­ seits die neue Kultur. S. was dem Verbot als Sünde entspringt. f Mir scheint gerade der •früh e• Lacan vom Seminar VII der sich lang mit dem Verbot befasst. �enn auch nicht unbedingt erfolgreich) . vornehmlich in den 1970er Jahren. zu etwas.ik an Millers Paradigmenbegriff ist bei Zizek (2001a). � . 2732 zu finden. wie Miller noch hinzufügt. al eme exzessive eg lementierun � g des geschriebenen.54 " Es gibt noch eine Abhandlung von Jacques-Aiain Miller mit �em Tit:l »Religion. Der spätere Lacan. Hegel zufolge. in der Freud und Bataille rezipiert wurden und der Schwerpunkt auf dem Verbot des Genusses lag. die in den Siebzigerjahren entstand und D�mgegenü�er sollten wir vielle icht vorsichtig sein.und hierin steckt die eigentliche Spa�nung .. Zwar formulierte Lacan in diesem Stadium den Ireudsehen . der über das normale Vergnugen (p/aisir} hinausgeht. das Unbewusste und die Leidenschaft zunächst im Sinne der Ireudsehen Begriffe von Verbot und Übertretung verstand. Zwe_1tens b1 tet de D1skurs vom Semn � i ar VII keine Lösung an. Psychoanalysis«. obwohl er . zwis chen dem Gesetz als väterli­ chem Gebot und einer Vorstellun g vom Gesetz als christlichem g� wissensorientiertem Über-Ich (das Lacan. S. in Miller (2004). für meine Untersuchun der � Paulusbnefe relevant zu se1n.von etwas. weiblichen) Genuss.Genuss darzulegen. die These vom struktu ellen � (al­ so nrcht unbedmgt htstorischen) Ursprung von Schuld und Sün­ de finden sowie die These. in der der frühe Lacan tätig war. die der ödipale Mythos nur verdeckt . die � Vater als den Faktor versteht. Der Übergang vom frühen zum späten Lacan im Verständnis des Genusses .mithilfe der Liebe versuchte. 8·39. von diese r auf Verbot und Ubertretung besc hränkten Logik abzuweichen. insbesondere im Seminar VII. jüdischen Gesetzes begret t). in der das Verbot keine zentrale. der mit dem Kontakt zur verbotenen Mutter zusammen­ hängt. da Paulus noch i n einer Zeit von . nicht als das Er­ gebnis von Übertretung. g 46 h 47 . !" da Lacan s1ch dann von der Ident ifikation mit Paulus zur Kritik an ihm hin. Vaterbegriff als den Namen-des-Vaters im symbolischen Sinne um aber es war noch eine klassisch Ireudsehe Position.der frühe Lacan. kulturelle Rolle mehr spielt. Siehe auch »Paradigms ol Jouissance«. Dies geschah unter dem Einfluss von Georges Batailles Denken.dieser Paradigmen bedarf Miller.

einem i m lacanianischen Realen liegen­ den Übermaß an Vergnügen. Wie Paulus ihn im Römerbrief darstellt. die Gottes Wahrheit in Lüge verkehrt und das Geschöpf verehrt und ihm gedient haben statt dem Schöpfer. DIE GEMEINSCHAFT DER SöHNE UND DER SOHN: GEGEN­ SEITIGE IDENTIAKATION Der drohende Vater. hat sie Gott 48 49 . denn ihre Frauen haben den natür­ lichen Verkehr vertauscht mit dem widernatürlichen. desgleichen haben auch die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau verlassen und sind in Begierde zueinander entbrannt und haben Mann mit Mann Schan ­ de getrieben und den Lohn ihrer Verirrung. Kapitel seines Römerbriefs ausdrücklich geschrieben steht. sondern hängt zudem eng mit einer konkreten Figur zusammen: dem Gott­ vater.auszusetzen: Darum hat Gott sie in den Begierden ihrer Herzen dahin­ gegeben in die Unreinheit. Und wie sie es für nichts geachtet haben. von der heterosexuellen Wirtschaftsordnung abzuweichen. durch das Fleisch zu sündigen (d.II. verführe Gott­ vater die Menschen dazu. h. sodass ihre Leiber durch sie selbst geschändet werden. sie.der jouissance. w 1� rlfil 7. doch dieses ist nicht nur ein abstraktes Prinzip. Darum hat sie Gott dahingegeben in schänd­ liche Leidenschaften. Gott z u erkennen. Paulus verlangt die Abweichung von der Logik des Gesetzes. wie es ja sein musste. der liebende Sohn Ob die paulinische Theologie das Motiv der · Gott in sich birgt? So scheint es zunächst in Paulu �ng gegoo . Amen. die Gott selbst im Paradies erfunden habe) und sich dem •Genie­ ßen• . �un � des Gesetzes. der gelobt ist in Ewig­ keit. jenes die Sünde stiftenden Gesetzes. an sich selbst empfangen.

bietet Schutz gegen den Vater. Paulus' Erhebung (mit Hilfe des Sohnes) gegen den Vater erfolgt nicht offen und explizit. um letzten Endes doch zu vergeben (s.. d. Thessalonicher· briet: der griechische Ausdruck �f.: 1. dass der Mensch dank Gottes Wahl dessen Gunst erl�n­ ge.dahingegeben in verkehrten Sinn. dem Genießen aussetze. der die Menschen der Sünde bzw. B. indem er seinen Gläubigen die Gebote aufzwingt und darüber hinaus auch die Sünder demü­ tigt.ltpo Kupiou lässt sich einer­ seits als •Tag Jahwes• (so in zeitgenössischen Übersetzungen des Neuen Testaments ins Hebräische). Jesus. ). Denn die Schrift sagt zum Pharao: nEben dazu habe ich dich erweckt. was nicht recht ist. Die Liebe zur und die Identifikation mit der Figur Jesu. die angeblich den drohenden Vater unterstützen. entschied).begreifen kann. andererseits jedoch �örtlich als •Tag des Herrn• übersetzen (wofür sich der frühere Ubersetzer. d.oder auch als die Begegnung mit dem lacanianischen Realen . wobei man die Begegnung mit dem Vater als die Erfahrung des tremendum bei Rudolf Otto . Lediglich die Liebe zum Sohn. •Herr•) zum Ausdruck. um sowohl auf den Vater als auch auf den Sohn zu verweisen. Denn Pa�lus verfolgt hier eine kluge Strategie der Differenzierung ZWISChen dem alten und dem neuen Judentum sowie zwischen dem Vater und dem Sohn. Diese Liebe des Sohnes57 steht im Gegensatz zur Grausamkeit des Vaters. die sich als erdrückende Liebe beschreiben lässt (doch immerhin ist es noch Liebe . sondern auch dafür. der die Sünder zu noch mehr Sünden verführt und sich dabei sogar zu vergnügen scheint. nachdem er die Bedeutung ihrer Sünden noch vergrößert hat. in Paulus' Gebrauch des grie­ chischen Nomens Kup1o<. zu bestrafen oder mit einer Stra­ fe zu drohen. manchmal liegt ein Verweis gerade auf den Sohn näher. " [A. damit ich an dir meine Macht erweise und damit mein Name auf der ganzen Erde verkündigt werde. Dies ist jenes Über-Ich innerhalb des jü­ dischen Gesetzes.darge- .] 50 stellt wird. Paulus verwendet es. und verstockt. Bisweilen kann man aus dem Zusammenhang schließen.. des Sohnes. dass die Sunde des Menschen s1ch aus dem Willen Got1es ergebe: So liegl es nun nicht an jemandes Wollen oder Laufen. werde den Gläubigen von der paradoxen Wirkung des Gesetzes bzw. eine Wechselbeziehung. sondern an Got1es Erbarmen. h. Basierend auf Exodus 9:16. . mit Sicherheit festzustellen.. Röm. Das ist die Grundlage von Paulus' offener Erhebung gegen das Gesetz und verdeckter Erhebung gegen Gottvater. die er spä· terhin verhandelt. (Römer 9:16·18)•• Das bedeutet also. (Römer 1 :24-28) Die paulinische Prädestinationsvorstellung plädiert nicht nur dafür. h. meint hier sowohl die Liebe des Sohnes zum Gläubi­ gen als auch umgekehrt. welche der beiden Figuren gemeint ist.«55 So erbarmt er sich nun. dass Paulus sich auf den alten Vater bezieht. doch nicht selten fällt es einem schwer. während er eben diese Differenzie­ rung zu verwischen sucht. die sich am endzeitliehen Tag des Herrn manifestieren würde. Franz Delitzsch. das als der göttliche Vater . sodass der Sohn in sich den Vater berge und die neue Religion die alte enthalte: eine Form des ln· sich-Bergens. B. h. So verhält es sich etwa mit dem unten angeführten Zitat aus dem 1 . Das neutestamentliche 51 .. von denen sich Paulus abzukehren sucht. wen er will. 9:22-23.Jahwe . dass es Gott sei. des Vaters befreien. der die Sünde konstruiert.. letztendlich menschlichen Gott. Solche Prädestinationsgedanken befinden sich in demselben Brief auch in Bezug auf Gottes Fähigkeit. sodass sie tun. ü. Dieser vergnügt sich. Dieses Verständ­ nis widerspricht der rationalistischen Vorstellung von einem moralischen und guten. wessen er will. d. sondern verbirgt sich hinter Wor· ten. Demgegenüber stellt die Liebe einen Schutzschild vor der Grausamkeit des Vaters dar. 1 1 :32) sowie um auf den »Rest nach Auswahl" hinzuweisen (11 :5). (d. Diese Doppelung kommt z.

und nicht. •meine Herren•) als Ersatz zur Aussprache des Tetragrams . die von den meisten Neutestamentlern grundsätzlich abgelehnt wird. Jedoch tut diese Verschär­ fung Not. die Paulus' Worten innewohnt. von_ eine� über�_äßigen Abstra­ ektik herruhrt. i:li (Dawar) > Logos. Das Ergebnis solcher verzerrenden Entlehnungen ist die Ent­ stehung des Christentums. um die unbewusste Logik hinter der sich direkt mit der Differenzierung zwischen Vater und Sohn zu identifizieren. zu einer unmittelbaren Begegnung mit dem Sein bahnen wollte. dem Sohn bzw. 011111 > Gesetz oder Genosse bzw. Dort meint Jonas. ein Wegbereiter der Gnosislorschung. die hier Jahwes Sohn. und zwar auch in Bezug auf ihr Verhältnis zum Gesetz und zu dessen Einführung durch die Engel. den Messias oder Metatran mit göttlichen Attributen zu versehen. auch Rudolph (1978). Jonas hierung der paulinischen Gott-Sohn. ausein­ ander. Meine jetzige. 300-302 der auf die Beziehungen zwischen der paulinischen und der gn stischen Theologie hinweist. dass Mareions dezidierter Dualismus. d. u. S. lässt sich im Brief a n die Phitipper 2:9 finden: ••Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben. den Sohn. ähnelt das Verhältnis des paulinischen Textes zum Alten Testament meistens dem Blick in einen ver­ zerrenden. auch Pagels (1975). so zum Beispiel Jahwe bzw. die nach Paulus lebten. Segal (1990). Va­ sehen Dialektik von Vater und Sohn entstand und dem die Kir­ chenväter sich zutiefst widersetzten. h. als ob das Judentum eine Religion des Vaters ­ allein sei. v.wie inter alia der Gnosisforscher Hans Jonas meint53 . das zweite Kapitel. S.Dia l 52 (1999). seit dem Zweiten Tempel bis in unsere Tage andauernde Verwendung des Wortes ·�·. Auf der apokalyptischen Tendenz aufbauend. d. die im Nachhinein gnostisch klingen mögen. B. ö'llöl' > Herr. Wort bzw. Vgl. di be­ hauptet. Jesus durch den Vater gegeben wird. um das Ver­ borgene zu enthüllen. Thessalonicherbrief annehmen. 53 . habe Paulus so Rudolphs These Vorstellungen und Begriffe verwandt. Von der hellenis tischen Umgebung inspiriert. dass �as Chri�tentum durch Paulus zu einer Erlösungsreli­ gion 1m gnostischen Smne geworden sei und dass die Gnostiker. Jahrhundert n. Gott. zur Endzeit entsandten Messias anhaftet. sodass das innere Wesen des entsendenden Gottes nunmehr auch auf den Entsandten proji­ ziert wird und diesen somit ebenfalls vergöttlicht. die er in verzerr­ ter Weise auf die hellenistische Weit anwendet. Rudolph meint lerne.Wort •Herr• kann man folglich sowohl als Übersetzung von •Jahwe• . dass der Ausdruck •Tag des Herrn• sich sowohl auf Jahwe. Z.69 Ein Hinweis dafür. dass Paulus •im Rückblick• eigentlich ein richtiger Gnostiker gewesen sei . Doch zugegebenermaßen rührte diese Verwischung teilweise auch von der in der jüdisch-apokalyptischen Literatur vorhandenen Tendenz her. aber die Furcht. Thora bzw. Vgl. Paulus ent­ lehnt aus dem Alten Testament Signifikanten.. um eine klare Differenzierung zwischen Judentum und Christentum. um � •• S. in Ihm •einen von ihnen• erblickt hätten der ihnen sogar vorausgegangen sei. Allgemein gesehen. dass der Gottesname.eine Position. Paulus' Prämissen noch deutlicher herauszuarbeiten. deren Logos durch des Menschen abstrakte. der grundsätzlich zwischen dem bösen Gott des Gesetzes und dem guten Gott der Gnade differenziert. entspringt bei Paulus meines Erachtens ter und Sohn zu erreichen. (Rea) > Nachbar. um der christlichen Verwischung von Vater und Sohn. als auch auf Jesus. lässt sich also hinsichtlich des nachstehen­ den Zitats aus dem 1 . Figuren wie z. h.aus der paulini"' in seinem Werl< The Gnostic Religion setzt sich Hans Jonas. die das Jüdische vereinnahmen will. insb. S. und sie somit nicht abgelehnt (viele Wissenschaftler stimmen darin jedoch mit Rudolphs nicht überein). � paulinischen Lehre noch mehr zu verschärfen . übersetzenden. der über alle Namen ist«. dem schrecklichen. das Tetragramm. einer Religion. 175-178. spirituelle und dennoch im Fleisch ver1<örperte Weit einen Weg zum kompromisslosen Jahwe. bezieht. verformenden Spiegel. entgegenzuwir1<en.� (•mein Herr• bzw. mit der dualistischen Lehre d�s christlichen Gnostikers Mareion vom 2.in Folge der Septuaginta und der jüdischen. psychoanalytische Lesart bringt mich dazu. welcher . Diese Verschärfung meinerseits könnte indes ironi­ - scherweise dem gnostischen Schritt ähneln.wie auch als Bezeichnung für Jesus selbst verstehen. All das ist notwendig.

sondern lasst uns wachen und nüchtern sein. sondern dazu. Denn indem der Vater sei­ nen eigenen. Liebe und Glauben. muss dann erwidert werden. Wir aber. dem strafenden Gott. der die Kraft hat. angetan mit dem Panzer des Glau­ bens u�d der Liebe und mit dem Heim der Hoffnung auf das Hell. neuen) Söhne geopfert hat. der Ausdruck ·Tag des Herrn• beziehe sich auf Jesus. dass der Tag des Herrn kommen wird wie ein Dieb in der Nacht. und zwar durch eine Koalition mit dem Sohn. Wir sind nicht von der Nacht noch von der Finsternis. So lasst uns nun nicht schlafen wie die andern. Wenn sie sagen werden: Es ist Friede. Er weist darauf hi�. den Sohn.60 Auch wenn wir also die Behauptung gelten lassen. einschließlich des Todes sowie des Sohnes selbst. h. Denn ihr alle seid Kinder des Lichtes und Kinder des Tages. den Zorn des entsendenden Gottvaters. Es ist aber geschrieben uns zur Warnung. der (eigentliche) Sohn und dessen Gläubige hingegen dem (Be)Reich von Licht und Tag. h. seiner eigenen Zeit. vor dem man sich wie vor einem gefährlichen Dieb z u schützen hat. die schlafen des Nachts. wo Paulus betont. 54 betru �ken. können wir im t. um dtesen Gott dann mit dem schrecklichen. die Gläubigen auch diesmal vor Gottes Zorn schützen werde: __ Lasst uns auch nicht Christus versuchen. (1. dass das Opferblut. und die betrunken sind. dass zur Endzeit •alles• dem Vater unter­ worfen sein würde. seid nicht in der Finsternis. Ihr aber. h . der auch im Sohn geprägt ist. es hat keine Gefahr -. zwei Aspekte ent­ hält: zum einen den Aspekt des •Gegners•. Korinther 10:9-11) D�mi� sucht Paulus die Gläubigen auf die Begegnung mit der W1llkur des grausamen Gottvaters vorzubereiten. d. wol­ len nuchtern sein. dass der Sohn selbst zwei Seiten. Anschließend spricht Paulus von seinen eige­ nen Tagen bzw. vor dem man sich in der Auszugsnacht durch das Blut des Opferlamms eigens· zu schutzen hatte. d. jedoch scheint der Zornaffekt eher mit Gottvater zusammenzuhängen: Denn ihr selbst wisst genau. liebe Brüder. einzigen Sohn für die (anderen. auch der schrecklichen Endzelt befindet. auf die das Ende der Zei­ ten gekommen ist. Korintherbrief 15:27-28 finden. wenn auch nunmehr jenes vom Agnus De1 •Jesus•. gehört dem (Be)Reich der Dunkelheit und Nacht. ob wir wachen oder schlafen. die sind des Nachts "' Einen Hinwels darauf. wir zugleich mit ihm leben. die sich an der Schwelle der Erlösung. dem Entsendenden. die wir Kinder des Tages sind. das Heil zu erlangen durch unsern Herrn Jesus Christus. der für uns gestorben ist. wie einige von ihnen murrten und wurden umgebracht durch den Verderber. dem Sohn. können sich die Letzteren nun von der Sünde. damit. Dies widerfuhr ihnen als ein Vorbild. Thessalonicher 5:2-1 0) Mehr über die paulinische Furcht vor Gottvater. Hinter dieser Verwirrung lässt sich eine dualistische Differenzierung erken­ nen: Der väterliche Zorn. Denn die schlafen. dann wird sie das Verderben schnell überfallen wie die Wehen eine schwangere Frau und sie werden nicht entfliehen. •verder­ benden• Engel in Verbindung zu bringen. und zum anderen den Aspekt des ·Freundes• im Sinne von Jesus. Murrt auch nicht. wie einige von ihnen ihn versuchten und wurden von den Schlangen umgebracht. dass der Tag wie ein Dieb über euch komme. den Gläubigen vom Vater zu erlösen. Mit anderen Worten: Der •Tag des Herrn• lässt sich zwar sowohl dem Vater als auch dem Sohn zuschreiben. d . 55 . Lust und Sünde an. Darin spricht Paulus sehr �eutlich vom �ott der Kinder Israels bei deren Auszug aus Agypten. dass zwischen Vater und Sohn eschatologi­ sche Spannung herrscht. (1. kann man aus den nachstehenden Versen aus dem ersten Brief an die Korinther lernen. Denn Gott hat uns nicht bestimmt zum Zorn.ursprünglich dem Vater.

homoopath1sche Magie. S. man geht in Jesus auf. 81. sich und die Mitglieder seiner Gemeinden von der Endlichkeit ·des Menschen zu erlösen. den das Judentum zu verdrängen gesucht hatte ent­ � hüllt und geradezu betont zu haben. . den Galaterbrief sowie den 1 . andererseits hindeuten. damit Jahwe als der einzige Gott dargestellt werden konnte. Während die Söhne für die Befreiung vom Gesetz stehen. 3. Vgl. Das frühe Christentum im Allgemeinen und die paulinische Theologie im Besonderen scheinen diesen mythisch-ödipalen Konflikt. h. d. Jesus und den Gläubigen. besteht eben de� Reiz. ebd. t d1e Galater. in der Rede von der körperlichen Endlichkeit des Menschen. Paulus behandelt nämlich ziemlich pater­ nahstsch d1e M1tgheder der von _1hm errichteten Gemeinden. S. das gilt für die Gegensätzlichkeit jüdischer und christlicher Sichtweisen auf die Figur Gottes als Vater bzw. msb. ja vom zynischen Spiel befreien.63 der die jüdische Religion als Vatelkult. Dieses i n frühen Religionen Die Söhne versus den Vater und dessen Engel unerlässliche Motiv lässt sich z. den der politi sche Psychoanalytiker be1 Paulus findet. die seine Gebote befolgen.und Leidensobsession6' von Paulus. auch die Briefe des Johannes. um vom körperlichen Tode durch die Sünde erlöst zu werden (hierin. an welche die Sünde den Menschen erinnert und zu der sie ihn schließlich mit dessen Tode führt. 8. Michael Mach erklärt. All diese von Paulus gegebenen Versprechen scheinen der Rettung vor dem Tode zu dienen: Wer Paulus' Briefe nach­ einander liest.dem Gesetz. babylonischen (Marduk und andere junge Götter rebellieren logie (Zeus gegen Kronos. Jedoch kann ihn dieser verführerische Reiz auch für Paulus' spirituelle Lösung blind machen: die Befreiung aus eben dieser Körper­ lichkeit}. Ko rint herbrief 3:1-2. "' Vgl. welches der Vater über das Gesetz und die Sünde mit seinen Untertanen spielt. einerseits und Gottvater. Die Logik von Paulus' Identifikation mit dem Tode Jesu ist homöopathischer Natur:62 Man stirbt. 154. wider. Apollon gegen Zeus) sowie in der die christliche hingegen als Sohneskult darstellte. um vor dem Tod gerettet zu werden. Sohn sowie für die ambivalenten Beziehungen des frühen Christentums zur jüdischen Gottesfigur als gesetzgebender. Vgl. Siehe insbesondere den (ver­ mutlich vom Bruder Jesu verfassten) Jakobusbrief. als wären sie seine Schützlinge. indem das Problem wiederholt wird. dem An�hropologen _ James Frazer folgend. Freuds Diskussion in r:orem und Tabu. Generationenkonflikt erscheinen. 56 " Die elterl�ch·klndliche Beziehung zwischen den Gläubigen und Gott hallt gew1ssermaßen auch in der Bezie hung zwischen Paulus und sei�e � Adr�ssa�en. •• gegen die monströse Urgöttin Tiamat} finden. in dessen zwei­ tem Kapitel sich auch eine indirekte Opposition zu Paulus Auffas­ sun g des Gesetzes befindet. d. dem Menschen. Kap. in: Freud (1913). bspw. welche ein gegebenes Problem lösen möchte. h. Dabei ließ er den Konflikt zwischen beiden Religionen als einen ödipalen ln anderen Brieten des Nauen Testaments findet man nicht dieses Extrem von Paulus' Todestheologie. Daher rührt wohl sein Wille. Dieser Aspekt kommt vornehmlich in den Briefen des Paulus zum Ausdruck. erfährt gleich die Todes. bzw. die ' '3 Vgl. über d1e nachahmende bzw. ohne von einem Pantheon oder einer expliziten mythischen Dynastie begleitet werden zu müssen. 57 . begründender Vater.64 dem Schöpfer von Himmel und Erde. Es handelt sich hierb i um � d e Erhebung eines oder mehrerer göttlicher Söhne gegen emen oder mehrere göttliche Väter. i n der griechischen Mytho­ Es war bereits Freud. dass diese Tradition aus den uns vom biblischen und nachbiblischen Judentum überlieferten Schriften verdrängt wurde. die immer wieder auf die vielschichtigen Beziehungen zwischen den Söhnen. erscheinen in die­ sen Briefen die >alten< Juden als Getreuen Gottvaters. ln der Tat scheint diese These (zumindest aus christlicher Perspektive} einen wahren Kern zu haben. des Petrus sowie des Judas.

u 59 . dass der Begriff •Mittler• sich auf Moses bezieht. Diese Tradition wird auch an anderen Stellen im Neuen Testament angedeutet. Auch in der apokalyptisch-jüdischen Uberlieferung sind es die Engel. ihre jeweils eigene Existenz führende Götter aufgewiesen hätte.. Kap. den Paulu� ­ wie Jesus vor ihm .neben Jahwe als Hauptgott noch weitere. die Got­ tes Versprechen an Abraham als Gegenleistung für dessen Glauben beschreiben. und der mythische Drang andererseits. auf Genesis. welche der (verführeri­ sche) Gottvater erschuf. führten schließlich zu einem Kompromiss. etwa in der Rede des Stephanus in der Apostelgeschichte: »Ihr habt das Gesetz empfangen durch Weisung von Engeln und habt's nicht ge­ halten (7:53). projiziert Paulus die Irrelevanz des Vaters und seines Gesetzes auf die Engel. Dunn (1998).•noch• anbetete. S. den Kreis der Lebenspraxis hinauszugehen. 32:2). auch den Hebräerbrief 2:2 hinsichtlich der Engel als Verkünder des •Wortes• bzw. s.. Stattdessen argumentiert Paulus gegen Jahwes •Judikative•. hetzten. 88 Es ist sehr plausibel. h. welche den halachischen Aspekt der Thora übergeben (Jubiläen­ buch 1 :27. Gott aber ist Einer« (Gala­ ter 3:1 9-20).. nachdem der Sohn gekreuzigt worden sei. während das Gesetz den •schlafenden• Juden nicht von Gott selbst. 3:24-25). äthiopisches Henochbuch 72:1). Das theologische Bedürfnis einerseits.87 Gerade diese Auffassung aber lässt Paulus in einem negativen Zusammenhang stehen. Paulus wiegelt die Söhne gegen den Vater Jahwe auf. Durch die Engel sei also das Gesetz auf die Wett gebracht worden. Söhnen und dem Vater nunmehr irrelevant. die sehr viel wei�er gingen und explizit gegen Jahwe. Während er Gottvater lobt. 65 Die Erhebung der Söhne gegen den Vater hängt bei Paulus mit dessen Willen zusammen. weil er sich bemüht. sondern in der Liebe Jesu lebt. explizit und direkt gegen den Vater zu agieren.nicht als eigenständige Götter dargest�llt w� rden (Mach ergänzt. die Moses am !3inai umkreiS1en (Deut. son­ dern durch die Engel übermittelt worden sei. dem die Verheißung gilt. 139. den Vater. Vgl. der Gesetze der Thora (Mach 1992). dass die Engel als Gottessöhne. über die Weit des Gesetzes. dank der man nicht mehr im Rahmen des väter­ lichen Gesetzes. 4:1-7) oder wie ein Wegweiser bzw. a. zumal er zum einen jetzt die Irrelevanz des Gesetzes behauptet. die Legitimation des Gesetzes zu untermi­ nieren und die Vorstellung von dessen göttlichem Ursprung zu entkräften: Nach Paulus habe Gott direkt zum gläubigen Abra­ ham. einen einzigen Gott zu präsentieren. für ihn •geistige• (s. indem er eine eschatologische Erlösung beschreibt. zum anderen jedoch das am Sinai gegebene. Mach (1992). Somit scheint Paulus eine Lösung für sein ambivalentes Ver­ hältnis zum biblischen Gesetz gefunden zu haben. bis der Nachkomme da sei. Römer 7:14) Gesetz als heilig anerkennt. d. •• Diese Tradition stützt sich auf den biblischen Wortlaut selbst hin­ sichtlich der Engel.. " Hierbei stützt sich Paulusv. und zwar ist es .zumindest prima facie . gegen dessen Engel (im Gegensatz zu den radikalen Gnostikern. Nichtsdesto­ weniger hütet sich Paulus. die zwischen dem Gesetz und dem Menschen vermitteln: was soll dann das Gesetz? Es ist hinzugekommen um der Sünden willen. Hierbei stützt sich Paulus zwar auf die Im hellenistischen Judentum verankerte Auffassung der Engel und Mosis als Vermittler zwischen Gott und Gesetz einerseits und den Kindern Israels andererseits.w Ein Mittler aber ist nicht Mittler eines Einzigen. eine Götterfamilie zu ent­ wickeln. dem Urvater der Christenheit. 58 von Engeln verordnet durch die Hand eines Mittlers. gesprochen und ihm das göttliche Versprechen an die Gläubigen gegeben. dass die hebräischen Engel zum Te11 Remkar­ nationen kanaanäischer Götter bilden). "zuchtmeister« figuriere (ebd. der darin bestand. jedoch . denn dieser ist der ursprüngliche Gott. welcher die bislang dem Gesetz unterworfenen Söhne retten solle. " Vgl. vor die­ sem Hintergrund erscheint Paulus mithin als Protognost1ker). Allerdings sei die Ver­ mittlung der Engel zwischen den »eigentlichen. 1 2 und 15. damit es wie ein »Vormund« und »Pfleger« die Juden beschütze (ebd.

ur. der Satan verstellt sich : . . sucht er sein eigenes. wie ihn � die Christen. die für jene sohn Gott s das dtre kte Identifikationsobj � � . Diese . um diese Stellung Jesus und setnen Glaubtgen als Engel des Lichts« (2. handelt es sich nich t um eme kltnrsche Unt ersuchung von pathol ogischen Phänom nen des •hist rischen < Jesus. htn kerne Etnstcht n zum •historischen< Jesus. zu dem. zweite�s empfindet er eine gewisse Furcht vor Gottvaters Gesetz. dte rn der theologis chen Beschäftigung mtt der Vatergestalt von Gott selbst nicht aufgeh en konnte n. Indem Paulus die bisherige Stellung der Engel als Gottessöhne verneint und diesen die Zuständigkeit für das Gesetz zuweist. ambivalent-ödipales Verhältnis zu Gottvater zu lösen: Erstens will er die Liebe Gottvaters behalten und selbst den Söhnen Gottes angehören. dem JUdtschen Gott. ekt ist. Korinther 6:3). die bislang als Gottes Söhne galten (dte Engel). Nach seiner Tau fe durch Johannes den Täufer soll Gott �u Jesus gerufen haben: »Du bist mein lieber Sohn.und nicht dem noch drohenden Vater .dte Verantwortung für das Gesetz unterstellt.. Jesus hielt sich zu s �iner Zeit f r außergewöhnlich. ur Jesu auch in den v�rschtedenen Evange lien im Nauen Testam ent dargestellt wird. wie die Fig . »Mächten•• und ••Gewalten•• (Römer 8:38-39) und verknüpft die Engel auch mit dem Teufel (im Hinblick auf falsche Apostel): Die narzisstische Da e rst ll ung des Sohne »( . Vgl. das Narzisstische an der chnsthchen Ge meinde dienen.undlage für die Diskussion über . kein anderes Evangelium anzunehmen als sein eigenes. Engeln: Über den Hinweis auf die Engel als die für das Gesetz � zuständigen hinaus warnt er seine Gläubigen. Aspekte semer Ftg � wie die frühen Chris­ . sondern Jesus selbst. wobei der (neue) Mittler zwischen Gott und den Gläubigen kein Engel mehr ist. fern�r tdentt­ fiziert er die Engel mit den dem Götzendienst zugesehnebenen Dämonen bzw. dte Gottesgestalt von der materiellen Weit des Menschen fernzu­ halten. Bei Paulus besteht das Be- �ev�r ich mit der Diskussion fortfahre. �uch wenn das _ neue durch einen »Engel vom Himmel•• gepredtgt wurde (Gala­ � 1 :8). Bei den Juden besteht zwar das Bedurfms. Oie Figur der Engel dient als Kompromisslösung für die emotionale Problematik eines ambivalenten Verhältnisses zur � Gottesgestalt sowohl im Judentum als auch im pa�lin sch�n Christentum.iehung zwischen Vater und Sohn. so.ner Kreuztg ung lebten. Analyse wird uns spater als Gr. auch Gottes Wirkung im Diesseits sicher sein. aber zu gleicher Zeit soll sich der Gläubige ��. Das sind mit­ .] denn er selbst. Auf dtesem tnd�rek­ ten Wege spricht Paulus den Engeln thre Stel!ung als S�hne _ Gottes ab. den neu­ ter . zum Zweit� n wird den Engeln . � sondern zu des­ sen mythtscher Ft ur. der Hauptsohn. die Hierarchie zwischen den Gläubig�n. 1 1 :14). an dir habe tch Wohlgefallen« (Ma rkus 1 :1 1 b) . h . sich vorste llten: leidend und ihr etgenes Elend mitfüh lend. Mtt ander�n Worten: Bei dieser Analyse . das Gesetz des Vaters aus dem Gla uben an den Vater selbst zu entfernen und seine eigene Stellun g als Sohn auf Kosten erer zu beansp ruchen. s�hen Probleme proJtzte rt. en Söhnen. da er ja � m· eme besondere Bez1ehung zwtschen sich und Jahwe.Paulus pflegt ein meistens negatives Verhältnis zu den dürfnis. und den Engeln kehrt er um: »Wtsst thr mcht das� : wir über Engel richten werden?•• (1. die Parallel­ stellen: Matthäus 3:1 7 und Lukas 3:22. d. �te Engelfigur scheint Paulus die Lösung für dieses Dilemma z� he­ · fern zum Ersten werden die Engel aus ihrer Stellung als Sohne tt Go es zugunsten der neuen Söhne vertrieben. ?· h . sonde n nur um ein ? e Erhellu g r der p ychologtschen . die n �ch set. doc h zugleich soll auch der Glaube an Gott e":"ahrt werden. wus ste: eine Bez. Korinther zuzuerkennen. s möchte ich auf das Nar ­ zr�sttsche an der m hisc hen Figur Jesu hinweis � en. 60 61 • . te� stch dtese vorzus tellen suchten.69 Im Ge genzug zu Gottes � � • Dieser Vers basiert auf Jes aja 42:1 und Psalm 2:7. Auf die Engelfigur wurden folg lich sowohl im JUdtschen als auch paulini chen Fall alle em � otio nal-theologi­ .

der ist meiner nicht wert_ Und wer nich t sein m' "' Vgl. Fall<. Diese Herausforderung der jüdisch-religiösen Eliten spitzte sich zu. dass Para­ _ noia. den Juden (oder. h. 62 63 . Matthäus 26:39. Luka s 9:23-24. wo Jes�� seinen eigeimnenMat Familienmitg zum Aus­ liedern sowie der JUdt �chen Familienstruktu r als solcher mit unverhohle nem Anta­ gon �mus eg gnet. sonder n das Schwert. B. 286. sprach Jesus Gott mit der intimen Bezeichnung "Abba« (aramäisch für »Vater<<) an. eige ntlich ihm (auch wenn Jes us es so darstellte. Je selbstbewusster er wurde. Wer Vater oder Mut ter mehr liebt als mich der ist meiner nicht wert. aber er . Unter en Sohnen herrscht Gleichh eit. (1996). Die Figur Jesu scheint sich aus paranoisch-megalomam­ an seine Mitmenschen. sie soll ten auf alles . . der verleug ne s1ch selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. s. Zu diesem Zweck scharte e� um sich zwölf Jünger aus dem gemeinen Volke. und seine Nähe zu Gott.Verhältnis zu Jesus als Sohn. leitet er u. Vater (.. der wird's erhalten.]" (Markus . . der aufgrund seiner Botschaft und Handlungen verfolgt wird. den Mensc hen zu entzweien mit sein em Vater und die Tochter mit ihrer Mutter und die Sch wie ­ gertochter mit ihrer Sch wiegermutter. den Beruf oder sogar die Familie . 1-24. a. . s. Stehe auch Freud (1914). der wird 's ver­ lieren. sondern zug leich auch der Botschaft Gottvaters folg en): Und er rief zu sich das Volk samt seinen Jünger n und s�rach zu ihnen: •Wer mir nachfolgen will. . als würden sie nicht nur ihm .sei es die Unter­ kunft. der ganzen Menschheit) eine Botschaft auszurichten. als Messias präsentiert oder gar als Gottes Sohn. W? er seine Botschaft . Er ernannte s1e �u Aposteln der neuen Botschaft und wirkte in Gal läa verschie­ .verzichten und seiner Botschaft folgen. S. wenn Jesus sich z. ge ht uf Freuds Vortrag zur Theorie der Libido und des Narzissmus zurück.73 � � Dies kommt insbesonde re thäusevangelium �ru. tka SICh Meine Annahme dass diese psychologischen Charaktenst nah sind. 11 n � Auf diese Aspekte i n der Figur Jesu weist Avner Falk hin. und wer sein Leb en verliert um meinetwill en und um des Evangeliums will en. Er ! propagiert die Auflösung � der Kern­ familie sow1e d1e Begründ ung einer neuen Familien stru ktur in d� r Gott als Vater die neu en Söhne um sich schart. in Freud (1966c). Und des Men­ sc en Feinde werden seine eigenen Hausge nossen setn. wobei er sich auch zu deren Aufhebung berechtigt fühlte. Diese deuten eigentlich auf eine narzisstische72 Persönlichkeit hin.ck. Setnen Befund. 9-69.' (Ma r­ kus 8:34-35). vom Fall Sehreber ab: Freud (1911 ). . d. . nach paulinischer Auffassung. als Jesus nach Jerusa­ lem pilgerte und den Tempelberg bestieg.] Abba. verkundtgte. seinem Vater. das s ich gekommen bin Frie den zu bringen auf die Erde. S. die Parallelstellen Matthäus 16:24-25. 14:36). dene vornehmlich heilende Wunder..Jesus sitzt dieser Gemeinschaft vor: � d schen" Verhaltensmustern zusammenzusetzen. Denn i h bin gekommen. und wer Sohn oder Tochter m h r liebt als mich. Denn wer sein Leb en erhalten will. als er v�r seiner Auslieferung und anschließender Kreuz1gung noch m Gethsemane zu ihm betete: »(. 42 und Lukas 24:42. in allen Evangelien zeigt sich tatsächlich Jesu Forderung •Ihr sollt nicht meinen. Ich bin nicht gekom en Frie­ den zu bringen.70 Als Gottes Sohn sei Jesus entsandt worden. umso mehr wollte er die überlieferte Interpretation verschiedener jüdisch­ religiöser Praktiken in Frage stellen. Megalomanie und Narzissmus miteinander zusammenhan �n. � � � " Vgl. Durch d1e e1genen Erfah­ rung n mit seinen übernatürlichen Kräften u�d infolge der neu erlangten Berühmtheit im Volke als Wundertaler gewann Jesus an Selbstbewusstsein.

Ich bin's. Jesus spricht zu ihr: •Gib mir zu trinken!• Denn seine Jünger waren in die Stadt gegangen. das ist meine Mutter und das sind meine Brüder! Denn wer den Willen tut meines Vaters im Himmel. sondern wird das Licht des Lebens haben. eigentlich um ihre Liebe:74 Da kommt eine Frau aus Samarien. bittet Saulus (wie Paulus in der Apostelgeschichte vor der Konversion heißt). der es ihm ansagte: . Wenn ich aber richte. Jesus. um Essen zu kaufen.• (Johannes 4:7-10) Dass die Liebe nunmehr nach außen gerichtet wird. • (Matthäus 12:46-50) Auch im (erst später entstandenen) Johannesevangelium drückt sich diese Tendenz aus. 65 . der ist mir Bruder und Schwester und Mutter. dein Zeugnis ist nicht wahr. am Brunnen steht und eine Samariterin um Wasser bittet.Jesus antwor­ tete und sprach zu ihr: •Wenn du erkenntest die Gabe Gottes und wer der ist.• Da fragten sie ihn: •Wo ist dein Vater?• Jesus antwortete: ·Ihr kennt weder mich noch meinen Vater. denn ich bin's nicht allein. der zu dir sagt: Gib mir zu trin­ ken!. S. der sich in der Wahrheit und dem Licht befindet .• Da sprachen die Pharisäer zu ihm: ·Du gibst Zeugnis von dir selbst. die in LOge und Dunkelheit leben: Da redete Jesus abermals zu ihnen und sprach: •Ich bin das Licht der Welt. Eigentlich sehnt sich Jesus danach. und der Vater. siehe. der die Liebe zum Ich zurückgewinnen möchte. dem Vater) als des Vaters wahrer Bote darstellt.• (Matthäus 10:34-38) Als er noch zu dem Volk redete. • (Johannes 8:12-19) Außer dem Versuch. woher ich komme oder wohin ich gehe. als derjenige. der mich gesandt 64 " Vgl.• Er antwortete aber und sprach zu dem. deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und wollen mit dir reden. denn ich weiß. von Saulus geliebt werden. du bätest ihn und er gäbe dir lebendiges Wasser. hierzu im letzten Kapitel). ist mein Zeugnis wahr. ihr aber wisst nicht. ihn nicht mehr zu verfolgen. 223-2. 207-227. d. der du ein Jude bist und ich eine samaritische Frau?• Denn die Juden haben keine Gemeinschaft mit den Samaritern. Da sprach einer zu ihm: •Siehe. B.im Gegensatz zu den Pharisäern. hier S. der wird nicht wandeln in der Finsternis. wie der Religionswissenschaftler Stephen Moore meint. Dies zeigt sich etwa in der Erzählung von der Konversion des Paulus (Apostelgeschichte 9:3-9.25. ich richte niemand. um Wasser zu schöpfen. s. so ist mein Richten gerecht. h. der von sich selbst zeugt.Kreuz auf sich nimmt und folgt mir nach. wenn Jesus sich (aus paranoid-imagi­ närer Verwechslung von sich selbst mit dem Anderen bzw. die wollten mit ihm reden. geht es ihm. hat. der mich gesandt hat. wenn ihr mich kenntet. du bittest mich um etwas zu trinken. sandem ich und der Vater. Auch steht in eurem Gesetz geschrieben. Die Figur Jesu wird nach dem extrem narzisstischen dass zweier Menschen Zeugnis wahr sei. das himmlische Wesen. Wer mir nachfolgt. die Familienbeziehungen neu zu arrangie­ ren. . ergibt sich aus dem narzisstischen Mechanismus. gilt Jesu Leidenschaft einem weiteren Vorhaben: Er will die Liebe der anderen für sich selbst und seine Botschaft gewin­ nen. so kenntet ihr auch meinen Vater. Da spricht die samaritische Frau zu ihm: •Wie. Moore (1993). da standen seine Mutter und seine Brüder draußen. Ihr richtet nach dem Fleisch. Wenn er z.wer ist meine Mutter und wer sind meine Brü­ der?• Und er streckte die Hand aus über seine Jünger und sprach: •Siehe da. woher ich gekommen bin und wohin ich gehe. sandem seiner Botschaft zu folgen. der ist meiner nicht wert.• Jesus antwortete und sprach zu ihnen: •Auch wenn ich von mir selbst zeuge. zeugt auch von mir.

Dabei erklärt er.und zwar aufgrund der Identifikation der Gemeinde mit der leidenden Sohnesfigur Jesu. dem Vater. Kor. Kor. Weil ihr nun Kin­ der seid. der seine narzisstischen Bedürfnisse durch die Idealisie­ rung des Liebesobjektes erfüllt. Pau­ lus verwendet diese Allegorie im Zusammenhang mit der ange- "' [A. die unter dem Gesetz waren. als eine Gemeinde gläubiger Söhne vor Gott. Paulus' Ziel ist es. 12:27) zwar hat jedes Glied eine andere Funktion. S. der die messiani­ schen Juden verfolgt. erlös­ te. ü. der da ruft: Abba.75 Die paulinische Identifikation mit dem Sohn Nicht nur die Figur Jesu scheint sich durch narzisstische Cha­ rakterzüge zu kennzeichnen. im Namen unseres Herrn Jesus Christus. Darum identifizieren sie sich mit seiner Figur. wie sich die Hand vom Fuß unterscheidet. doch sind sie alle. von den Menschen geliebt zu werden wie auch vom Feinde. 1 :1 0}. vollständigen Körper zu organi­ sieren. auch die schwachen Glieder.: Vgl. bis dieses in ihr auf­ geht.. Matthäus 5:39]. wenn aber Kind. lei­ den die Söhne an Melancholie. Im ersten Korintherbrief setzt sich Paulus mit Krisen inner­ halb der Urgemeinde auseinander. ln der Sicht des Paulus soll die Gemeinde den Sohn als Vorbild konstruie­ ren. lieber Vater! So bist du nun nicht mehr Knecht. d . (Gal. Die Gemeinde schaut somit zur Figur des ultimativen Sohnes auf. sondern auch die christliche Gemeinde selbst. 67 . . von dem sich auch die besondere Beziehung der Gläubi­ gen zu Gott ableitet: [ . liebe Brüder. dann auch Erbe durch Gott. das Jesus selbst ist. dem Messias. d. geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan. sei es etwa Saulus. die Gemeinde als einen einzigen. ziehe ich im Folgen­ den die Worte des Paulus in seinem ersten Korintherbrief sowie i n seinem Brief an die Galater heran. Dies erklärt Freud in seiner Abhandlung »Trauer und Melancholie« (1 915)711. Wegen des Todes ihres Liebesobjekts. wo Freud über die Identifikation der . dass ihr alle mit einer Stimme redet und lasst keine Spaltungen unter euch sein. Er bemühte sich. be­ tont er die soziale und theologische Bedeutung des Miteinan­ ders um die Jesus-Figur herum. die soziale und theologische Hintergründe hatten. 66 strebten Qualität des Herrenmahls: Um die sozialen Klüfte in der Korinther Urgemeinde in den Hintergrund zu drängen. aber vor dem Herrn sind sie alle gleich. h. und es hängt auch mit seinen Worten in Massenpsychologie und Ich-Analyse (1921) zusammen. dessen verschiedene Glieder alle gleich zum Ganzen gehören. 4:4-7) . damit er die. zu ihrem Gründer Jesus. die Gemeindemitglieder sozial zusammenzuführen. Um dies zu beleuchten. hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt ln unsre Herzen. sondern haltet aneinander fest in einem Sinn und in einer Meinung« (1. 288-301. oder auch derjenige. sandte Gott seinen Sohn. Freud (1917). wenn man ihm die andere Backe darbietet. sondern Kind. und zwar mithilfe des Glaubens an Jesus als Mittelpunkt des Gemeindelebens: »Ich ermahne euch aber. damit wir die Kindschaft empfingen. Die Jesus-Figur wird dann zum Objekt eines narzissti­ schen ldealisierungsprozesses.) Als aber die Zeit erfüllt war. mit ihrem idealen Ich. zur Tüchtigkeit des Kör­ pers notwendig: »Ihr aber seid der Leib Christi und jeder von euch ein Glied" ( 1 . in denen seine Position zum Selbstbezug der im Werden begriffenen Gemeinde am deutlichsten formuliert ist.Bedürfnis konstruiert. ihres Messias Jesu. Jedes Glied hat eine andere Funktion. genauso wie beim Melancholi­ ker. dass eine Beeinträchtigung des Herrenmahlritus einer Verletzung der Gemeinde gleichkomme . der zuschlägt.

Er stellt die von Gott Auserwählten als arm und schwach •nach dem Fleisch•. und was schwach ist vor der Welt. (letztlich hat Pauius die Gemeindemit­ glieder vorher als •Verlierer• beschrieben). das. Das bedeutet allerdings nicht unbedingt. bis heute. liebe Brüder. Kor. was nichts ist. damit sich kein 78 Mensch vor Gott rühme. Man schmäht uns. der d1e w chselsert1ge. Er fordert von den Gemeindemitgliedern. . semem Le1den) und den Gläu. jedermanns Kehricht. sondern ich er­ mahne euch als meine lieben Kinder. damit er Zunichte mache • was etwas ist. (1.utlich nicht v�>n Pa. Zur ökonomischen und politischen Identifikation der Gläubige� mit Jesus s. bigen (bzw. Denn wenn ihr auch zehntausend Erzieher hättet in Christus. auch die Jesus-Figur ahmt die Söhne nach und nimmt ihr existenzielles. h. "' Vgl. Jesu nachahmt. ihrem Leiden) hervorhebt.. damit er zuschanden mache. das Bild von Jesu �ls >Verlierer• nachzuahmen. »Das Chns tus­ dogma . zum anderen verlangt er. nicht viele Angesehene sind berufen. dass nur die Gemein­ de Jesus nachahmt. ökonomisches und politi­ sches Leiden an. der mein lieber und getreuer Sohn ist in dem Herrn.77 Die Nachahmung hat hier folglich keine ein­ deutige Richtung. das hat Gott erwählt. seine Führerfigur bzw. dass Paulus eine dop­ flehe B1id pelte Nachahmung von ihnen verlangt: Zum einen sollen sie d�e Jesus-Nac�ahmung nachahmen. so reden wi r freund­ lich. hierzu das zweite Kapitel des (verm.. 68 2. in dieser Welt. durch ihre Liebe zu ihm erleben die Gemeindemitglieder auch die Liebe zueinander. die seine eigenen Gläubigen nachahmt: Seht doch. man verfolgt uns. damit er die Weisen zuschanden mache. bei der sich der Gl�ub1ge m1t dem Lei­ . ja sehr körperlichem Leiden herrührt. in: From m {1931).. schreibe ich dies. 34-39. das hat Gott erwählt. so wie er selbst dieses körper­ . so segnen wir. nicht viele Mächtige. Wir sind geworden wie der Abschaum der Menschheit. S. Kor: 4:11-17) Der Mensch Paulus ist eine vermittelnde Nachahmung. so dulden wir's. weil die . mime­ stammenden) Briefes an d1e Hebra � tische Dynamik zwischen Jesus (bzw. die aber nur eine ProJektion des e1genen Leidens ist. da Paulus selbst eine Zwischenstufe. d1e Jesus verkorpert. der Kirche) mit ihrem Anführer Jesus spricht. Paulus operiert also in Bezug auf seine Adressaten mit zwei Nachahmungsebenen: 1 . so habt �hr do�h nicht viele Väter. pauhn1sche Theologie der Identifikation mit dem Kreuz von Pau­ lus' sehr persönlichem. . Das heißt.Gemeinde (d. den Jesu identifiziert. also die Nachahmung. Nicht viele Weise nach dem Fleisch. was stark ist. Nicht um euch zu beschämen. die marxistische Analyse von Erich Fromm. soziales. während Jesus bei ihm als Figur erscheint. was d�s Original ist und was die Kopie. denn ich habe euch gezeugt 1n Chnstus Jesus durchs Evangelium. 69 . Über Jesus bzw. ( 1 . und das Geringe vor der Weit und das Ver­ achtete hat Gott erwählt. 1 :26-29) . auf eure Berufung. Es handelt s��h �m e1�e rellexl�­ imaginäre Identifikation. d. dar. h. und es lässt sich nicht ge�au sag�n. Darum ermahne ich euch: Folgt meinem Beispiel! Aus demselben Grund habe ich Timetheus zu euch gesandt. dass sie auch die Paulus-Nachahmung nach­ ahmen. man verlästert uns.ulus "er. damit er euch erinnere an meine Weisungen in Christus Jesus wie Ich sie überall in allen Gemeinden lehre. Sondern was töricht ist vor der Welt. eine vermit­ telnde Nachahmung bildet: Bis auf diese Stunde leiden wir Hunger und Durst und Blöße und werden geschlagen und haben keine feste Bleibe und mühen uns ab mit unsrer Hände Arbeit.

in Verfol­ gungen und Ängsten um Christi willen. 36. ob 70 Paulus von irgendeiner hellenistisch-stoischen Ethik beeinftusst war' die dem menschlichen Körper mit viel Skepsis begegnete. ohne Bezug zum Auftrag. dass es sich um Paulus selbst handelt. nämlich des Satans Engel. damit ich mich nicht überhebe. 403-429. 4:12-14) Und was war es. (Gal. denn ich trage die Malzeichen (Gal. 15:31. habt ihr mich nicht verachtet oder vor mir ausgespuckt. Kor. ln Phil. Seinetwegen habe ich dreimal zum Herrn gefleht." Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage. So beschreibt es Paulus im im Brief 1 . Ihr habt mir kein Leid getan. ist mir gegeben ein Pfahl ins Fleisch [tM911 IJOI OKOAOljJ rn oapK�. was ihn im ausgesprochen körperlichen Sinne davon abhält: Und damit ich mich wegen der hohen Offenbarungen nicht überhebe. S. dass ich euch in Schwachheit des Leibes das Evangelium gepredigt habe beim ersten Mal. Darum will ich mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit. liebe Brü­ der.. der Paulus zur Identifikation mit dem Leiden Jesu am Kreuz bewog? So beschreibt Paulus die Galater. damit die Kraft Christi bei mir wohne. etwa Segal (1990). obwohl es eigentlich klar ist. jedoch entsprang die­ ses Leiden zu gleicher Zeit auch seinem eigenen Körper. Darum bin ich guten Mutes in Schwachheit. dass Paulus viel litt. der den in den Himmel Entrückten als Paulus selbst ide�tifiziert. so bin ich stark. sondern wie einen Engel Gottes nahmt ihr mich auf. an die er seinen Brief schreibt.Auf eine pathologische Diagnose bzw. sowie 1 . Korintherbrief spricht Paulus über einen Menschen. An zentraler Stelle im 2. eine psyche-biographi­ sche Analyse einer solchen Pathologie sollten wir lieber ver­ zichten. Und er hat zu mir gesagt: Lass dir an meiner Gnade genügen. Überfluss haben und Mangel leiden. wo Paulus seine schwierige Stellung zwischen dem Leben im körperlichen Leiden und der Sehnsucht nach dem Tode beschreibt. was sie selbst sahen. Körperlichen her und soll den Gläubigen letzten Endes in einen anderen Körper überführen. das sie selbst sahen? Hinfort mache mir niemand weiter Mühe. beides. 71 . Und ob­ wohl meine leibliche Schwäche euch ein Anstoß war. ja ihn zur Trennung vom leiblichen Körper führen und hin zu Jesu himmlischem Körper. satt sein und hungern. denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. ja wie Christus Jesus. in Nöten. und zwar im Gegensatz zu Smith (1981 ). Ob dieses körperliche Leiden nicht der aus­ schlaggebende Faktor war. der aber damit nicht prahlen möchte. Sein Leiden hing zwar mit seinem Auftrag für Jesus und der damit einhergehenden Verfolgung zusammen. Vgl. Ihr wisst doch. ich bitte euch. dass er von mir weiche. Korintherbrief und an die Philipper: " Vgl. in einem Verhältnis der Identifikation mit Jesu körper­ licher Schwäche. S.. Aus seinen Worten ergibt sich. auch wenn die Galater sich anscheinend doch eher mit dem identifizierten. 4:12 sagt Paulus: •Ich kann niedrig sein und kann hoch sein.6:17)711 [ra crriyiJOTO] Jesu an meinem Leibe. Kor. der dre Worte des Paulus gerade auf Jesus bezieht. (2. . in Misshandlungen. nämlich das Leiden des Paulus selbst: Werdet doch wie ich. ist eine Kette von Identifikationen: mit dem Leiden des Paulus am Kreuz = = Jesu Leiden dem Leiden der Gemeinde. ln allen drei Fällen rührt das Leiden vom •Irdischen• bzw. denn wenn ich schwach bin. der mich mit Fäusten schlagen soll. denn ich wurde wie ihr. wo Paulus erklärt: »Ich sterbe täglich«. der Jesus dank seines Leidens am Kreuz zuteil wurde . 12:7-10) Was Paulus hier von seinen Adressaten verlangt. der die Offenbarung Jesu erlebte.00 Es gibt etwas. mit seinem Brief an die Philipper 1 :20-26. mir ist alles und jedes vertraut: beides.

( 1 . Maranata! Die Gnade des Herrn Jesus sei mit euch! Meine Liebe ist mit euch allen in Christus Jesus !« ( 1 6:22-24)82 Elizabeth Castelli meint.83 Damit möchte er. die hat er auch vorherbestimm!. 197·222. 1 :26) anspielt: »Denn die er ausersehen hat. Kor. von dem er Gebrauch macht. Darum verwendet Paulus im Römerbrief. dass Paulus durch eine solche Identifikation die Einheitlichkeit innerhalb der Gemeinde bei der Der Christ betrachtet also die Figur Jesu {oder Paulus' ver­ mittelnde Figur). Korintherbrief sowohl mit Liebe als auch mit Drohung zusammen: »Wenn jemand den Herrn nicht lieb hat. alle Spaltungen hätten nämlich nur ein Ziel: ans Tageslicht zu bringen. Unser Bürgerrecht aber ist i m Himmel. 72 Erscheinung wahrnehmen können .genauso. dass er •mit Hinterlist• die Gläubigen fangen möchte {2. 15:47-49) Imitation ein und desselben Ideals sichern will. der sich anhand von Jesu Spiegelbild eine Identität konstruiert? Betrach­ tet er dabei ein ihm fremdes Bild. sodass das Ich. dass sie gleich sein sollten dem Bild seines Sohnes. der sei verflucht.Der erste Mensch ist von der Erde und irdisch. nicht das Kind selbst ist. 4:10. wo Paulus von seinen Adressaten fordert. den Terminus •Bild• {EiKwv bzw. Und wie wir getragen haben das Bild des irdischen. von die­ ser Abhängigkeit vom Spiegel und dem darin enthaltenen frem­ den Bild werde befreien können. 1 2 : 1 6) und sich zu diesem Zweck den verschiedenen Situationen anpasst {1 . damit dieser der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. dass Paulus hierbei für die Gemeinde zunächst eine Uridentität {als arm und erbärmlich) stiftet. Angesichts des Leidens von Jesus und Pau­ lus sollen sich alle Streitigkeiten von selbst auflösen. so sind auch die irdischen. die eigentlich eine Imitation des Gläubigen selbst ist. da •ein• Sinn und •eine• Meinung Not tun {ebd.so . Darum fasst Paulus seine Worte im 1 . 216. um seine Adressaten vom einzig richtigen Glauben zu überzeugen. Dann soll er direkt in sich selbst (wohl im Sinne Zizeks) hineinschauen und seine echte a' Vgl. und konstruiert mithilfe dieser Figur seine eigene Identität . dass der Christ sich zur rechten Zeit. obwohl die Jesus-Figur dem Betrachter ähnelt? Paulus erwähnt. der im alt­ testamentarischen Sinne auf die Erschaffung des Menschen nach Gottes Bild (Gen. wie man ihn von außen betrachtet. durch die. verhindern. 73 . sich mit Jesu Leiden auch durch sein (Paulus') eigenes Leiden zu identifizieren. andere •Evangelien• eindringen könnten. der un­ sern nichtigen Leib verwandeln wird. 1l:l Siehe auch Paulus' Worte im 2. woher wir auch erwarten den Heiland. Kor. wenn nämlich das perfekte Bild komme. {Phi!. Kor. dass er gleich wer­ de seinem verherrlichten Leibe nach der Kraft. Ikone). mit der er sich alle Dinge untertan machen kann. der zwei­ te Mensch ist vom Himmel. Paulus räumt auch selbst ein.und später auch die Imitation dieser Imitation. Dem kann man hinzufügen. wer wirk­ lich an den Messias glaubt und in ihm lebt ( 1 1 :19). S. so werden Wir auch tragen das Bild des himmlischen. dass die Figur. Kor. den Herrn Jesus Christus. 3:20-21 )"' Dieses Leiden des Paulus ist in erster Linie ein Mittel. 8:29) Lacan weist darauf hin. wie das Ich sich im lacanschen Spiegelsta­ dium durch die Selbstbetrachtung im Spiegel konstruiert. wo er den aus seiner Per­ spektive idealen Weg zur Konstruktion des christlichen Ich beschreibt. und wie der himmlische ist. auch Röm. 1 : 1 0). Auf diese Basis kann er dann die Jesus-Figur stützten . die sich das Kind im Spiegelstadium anschaut. 12:1 sowie 2. eigentlich fiktiv ist. wie sie erklärt. das das Kind sich anhand dieser fremden Figur konstruiert. Und wie steht es mit dem Christen. dass im Zusammenhalt der Ge­ meinde Spaltungen entstehen. Wie der irdische ist. 9:1 9-23). sich selbst von 63 Castelli (1990). 10:6 über die Notwendigkeit der Bestrafung von Ungehorsam in der Gemeinde. Kor.« (Röm. denn das Ich ist nicht imstande. so sind auch die himmlischen. hier S.

was kindlich war. Aber Mose war ein sehr demütiger Mensch. die er genommen hatte. Kap. soll die künftige Begegnung auf gegenseitiger. mehr als alle Menschen auf Erden. Warum habt ihr euch denn nicht gefürchtet. die man anstreben könnte und sollte. Kor. Möglich wird das alles durch die gemeinschaftliche Liebe. diese Beziehung kennzeichnet sich durch Nähe und Intimität. (1. aber die liebe ist die größte unter ihnen. Hoffnung. 12-14. Als ich ein Kind war.außen zu betrachten (dies ist eine proto-lacansche Einsicht bei Paulus. Denn unser Wis­ sen ist Stückwerk und unser prophetisches Reden ist Stückwerk. d. die zwischen dem Spiegelbild und dem •Original• diffe­ renziert). s. Was Paulus hier sagt. Kor. Und sie sprachen: Redet denn der HERR allein durch Mose? Redet er nicht auch durch uns? Und der HERR hörte es. bei der auch die Selbstwahrnehmung der Gläubigen sich ändern würde . Liebe. Da kam der HERR hernieder in der Wolken- 74 säule und trat in die Tür der Stiftshütte und rief Aaron und Mirjam und die gingen beide hin. wie ich erkannt bin.] 75 . andeuten. Aber so steht es nicht mit meinem Knecht Mose. inti­ mer Nähe beruhen. ohne eine Selbstspaltung des Subjekts. da redete ich wie ein Kind und dachte wie ein Kind und war klug wie ein Kind. Jetzt erkenne ich stückweise. •von Ange­ sicht zu Angesicht• erfolgen würde. Und sogleich sprach der HERR zu Mose und zu Aaron und zu Mi�am: Geht hinaus. dem will ich mich kundmachen in Gesicht­ enSA oder will mit ihm reden in Träumen. dass er und seine Adressaten sich zwar auf einer hohen spiritueller Stufe befänden. Kor. zu der Stiftshütte! Und sie gingen alle drei hinaus. Die innere Wahrnehmung soll dann der äußeren gleichen.zugunsten einer wahren Reflexion des Ich. gegen meinen Knecht Mose zu reden? Und der Zorn des HERRN entbrannte gegen sie und er wandte sich weg. 12:1-9) Dieser Bibelstelle zufolge möchte Paulus. Und er sprach: Hört meine Worte: Ist jemand unter euch ein Prophet des HERRN. aber auch ohne Narzissmus der Einzelperson. diese drei. was aber in den deutschen Übersetzungen teilweise verloren geht. und Numeri miteinander. nicht durch dunkle Worte oder Gleichnisse. 5). Von Mund zu Mund rede ich mit ihm. Darum verspricht Paulus.: Im althebräischen Originaltext der Bibel wird hier das Sub­ stantiv . Somit korrespondieren Benyaminis Text und die beiden Bibelstellen im 1 . der Kuschiterin.'li.('W verwendet. dann aber werde ich erkennen. die aber noch die Stufe von Mi�am und Aaron sei. das im neuhebräischen Originaltext von Ben­ yamini •Spiegel• bedeutet. ihr drei. dass die künftige Begegnung mit Jesus. so wird das Stückwerk aufhören. 13:8-13) Hier stützt sich Paulus anscheinend auf eine Stelle in Numeri. dann aber von Angesicht zu Ange­ sicht. wie mir scheint. tat ich ab. Wenn aber kommen wird das Vollkommene. dem Herrn. ihm ist mein ganzes Haus anvertraut. die wesentlich tiefer sind als in jeder anderen Beziehung Gottes zu seinen Propheten: Da redeten Mirjam und Aaron gegen Mose um seiner Frau willen. gehört eigentlich zu seiner Erörterung von Glossolalie und Prophetie (1. •dunklen• Spiegelbildes. sodass es noch eine höhere Stufe gibt. Nun aber bleiben Glaube. wo doch das prophetische Reden aufhören wird und das Zungenreden aufhören wird und die Erkenntnis aufhören wird. Er hatte sich nämlich eine kuschitische Frau genommen. Wir sehen jetzt durch einen Spie­ gel ein dunkles Bild. dank der die Imitation vervollkommnet und mit dem •Ori­ ginal• identisch wird: Die Liebe hört niemals auf. das nicht das Original ist. wo Gott in seinem Zorn gegen Mirjam und Aaron seine enge Beziehung zu Moses schildert. Ohne die gemeinschaftliche Liebe sind "' (A. als ich aber ein Mann wurde. Ü. und er sieht den HERRN in seiner Gestalt. Anstatt eines verschwom­ menen und rätselhaften. hierzu auch im Folgenden. (Num.

Aber bis auf den heutigen Tag. wenn Mose gelesen wird.und somit im Gegensatz zu den •alten< Juden - erfolgt. Herrlichkeit haben? Denn wenn das Amt. Denn wenn das Herrlichkeit hatte. Dann gäbe es eine gegenseitige Liebe zu und mit Jesus. (2. die Trennung zwischen dem Gläubigen und Jesus auf­ zuheben: Wenn aber schon das Amt. Ü. Paulus deutet somit an. dass eine solche Prophetie. das den Geist gibt. geht in eine unmittelbare Betrachtung der Herrlichkeit Gottes über. Herrlichkeit [gr. das den Tod bringt und das mit Buchstaben in Stein gehauen war. Ja. da ist Freiheit. jene Herrlichkeit ist nicht für Herrlichkeit zu achten gegenüber dieser überschwänglichen Herrlichkeit. damit die Israeliten nicht sehen konnten das Ende der Herrlichkeit. 3:7 -18) 15 76 [A. der eine Decke vor sein Angesicht hängte. mit dem Messias zusammen zu sein. Herrlichkeit hatte. weil sie nur in Christus abgetan wird.im Gegensatz zur oben erwähnten Differenzierung im Buch Numeri. die aufhört. Kapitel seines 1. eine noch höhere Stufe erreichen könnte als diejenige von Mirjam und Aaron bis hin zu Mosis Stellung vor Gott. wie die Gemeinde sich in ihrem Herrn Jesus wider­ spiegelt (1. Die Erfahrung. Weil wir nun solche Hoff­ nung haben. die doch aufhörte.: Vgl. sie gleichen dann also Kindergeschrei (vgl. So unter­ scheidet Paulus im 14. das zur Verdammnis führt. indem er der Betrachtung des Gesichts Moses die Betrachtung des Herrlichkeit ausstrahlen­ den Antlitzes Jesu entgegensetzt. dieser schreibt er im Hinblick auf ihren Beitrag zur Gemein­ de einen höheren Wert zu . was aufhört. 13:1). sodass die Israeliten das Angesicht des Mose nicht ansehen konnten wegen der Herrlichkeit auf seinem Angesicht. Damit geht Paulus über sein vorheriges Versprechen hinaus und stellt die Weichen für eine noch extremere Abweichung vom Präzedenzfall des Moses. so wird die Decke abgetan. der erbaut sich selbst. Kor. wie viel mehr wird das Herrlichkeit haben. 13:7). die sich auf die Nähe zu Gott bezieht.Glossolalie und Prophetie nicht mehr als »ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle«. der Gott von Angesicht zu Angesicht betrachtete. das zur Ge­ rechtigkeit führt. hängt die Decke vor ihrem Herzen. wie sollte nicht viel mehr das Amt. ein jeder in seinem Nächsten. Nun aber schauen wir alle mit aufgedeck­ tem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn wie in einem Spiegel. Exodus 34:29-35J. 77 . Allein durch die Liebe kann die Prophetie das Ich aus seinem Egoismus befreien (14:4: »Wer in Zungen redet. Die Liebe steht hier folglich für das Versprechen. Wenn Israel aber sich bekehrt zu dem Herrn. d. Korintherbriefes zwi­ schen Glossolalie und der von ihm höher eingestuften Prophe­ tie. Denn bis auf den heutigen Tag bleibt diese Decke unaufgedeckt über dem Alten Testament. Der Herr ist der Geist.8s Es geht hier also um ein mystisches Versprechen des Paulus. Kor. sind wir voll großer Zuversicht und tun nicht wie Mose. ln seinem zweiten Korintherbrief führt Paulus das Motiv des Blicks in den Spiegel weiter aus. dass sich die Gemeindemitglieder gegenseitig und total widerspiegeln würden. die ohne die mosai­ sche Decke . die sowohl göttlich als auch verständlich ist. Aber ihre Sinne wurden ver­ stockt. überschwängliche Herrlichkeit. wie diese vorher zwischen den Mitgliedern der Gemeinde gegenseitig bestanden hat. sodass sie den Aufbau einer Gemeinde ermöglicht. was bleibt. und wir werden verklärt in sein Bild von einer Herrlichkeit zur andern von dem Herrn. wie viel mehr hat das Amt. wer aber prophetisch redet. wo aber der Geist des Herrn ist. der erbaut die Gemeinde«). der der Geist ist. wenn sie es lesen. 13:11 ). sofern sie durch und aus Liebe erfolgt. die keine Kommunikation unter den Gemeindemitgliedern ermöglichen (ebd. ö6�a) hatte. Es bedarf also einer Sprache.

Der paulini­ sche Diskurs. mit dem wir uns hier befassen. z. Dieser Schritt erfolgt durch Jesus und dessen Liebe. produziert ein tex­ tuelles Subjekt der besonderen Art. 7) entspringt. die ihr auf Christus getauft seid. n . denn ihr seid allesamt einer in Christus 78 79 . Gehört ihr aber Christus an. welche die Söhne aus den Armen des väterlichen Gesetzes befreien. um sich auf diese Art und Weise als ein autono­ mes Subjekt zu konstituieren. Hier ist nicht Jude noch Grieche. Durch die Rückkehr zu Ovid. dem Ursprung des Ireudsehen Begriffs. könnten wir vielleicht mehr über den paulinischen Narzissmus lernen. so seid ihr ja Abra­ die sich von Judentum und Heidentum zugleich klar abgrenzt hams Kinder und nach der Verheißung Erben. der er einst angehört hat (vgl. und deren innere Harmonie auf der Figur Jesu basiert. Mit der Teilnahme an Jesus und dem Sein in ihm werden die Gläu­ bigen eingeweiht in die Gegenwart von Jesus selbst: Sie neh­ men sein Bild an. (Gal. imitieren ihn. jedoch bilden seine Zeilen die vollständigste Quelle. Dabei wird die Figur Jesu als Projektion des Gläubigen selbst konstruiert: voller Demut und in der Stellung von Gottes Sohn. nämlich den Adressaten an den Paulus die Briefe schreibt. welche die Identifikation des Ich mit dem Anderen nahelegt Alle sind Jesus gleich und lieben ihn. Paulus bekannt war. Überdies hebt das Sein in Jesus Grenzen und Hierarchien auf. ohne sich erneut mit der Quelle aus­ einander gesetzt zu haben. der aber nirgendwo zu finde ist außer im paulinischen Text selbst. die hinter Jesus stehen. Sie stammen beide aus derse lben Zeit und könnten uns Aufschluss geben über ähnliche oder unterschiedliche kulturelle Perspektiven der damaligen Zeit auf das Problem des eigenen Spiegelbildes sowie auf den Narzi ssmusbegriff. hier ist nicht »Liebe verzehrt mich zu mir•• Abgesehen von der Frage. habt Christus angezogen. Im eg�nsatz z� Freud greift Lacan mit einer kurzen Anmerkung 1n se�nen Ecn s auf Ovids Text zurüc k. hier ist nicht Sklave noch Freier. insbe­ sondere wie er in Ovids Metamorphosen aus dem 1 . der von seinem Vater Jahwe geliebt wird. das Ovid erschuf. zwi­ schen diesen beiden grundlegenden Texten einen Vergleich z u ziehen. Jesus. Mit seinem Kampf gegen das Gesetz will Paulus die Stellung der Söhne in der symbolischen Ordnung auf die (im lacanschen Sinne) imaginäre Ordnung übertragen. dem Sohn. Die Söhne erlangen somit die Stellung von Söhnen Gottvaters. 1 :14).Paulus möchte also eine christliche Gemeinde ins Leben rufen. Röm. Jahr­ hunderts und brachte ihn. überliefert wurde. ob der Mythos von Narziss. Dieses narzisstisch-religiöse Modell soll die Dynamik von Genießen und Sünde umgehen. wäre es interessant. der zwar modern ist. in den psych oanalytischen Diskurs (Ovid bearbeitete zwar einen bereits bestehenden Mythos und tat dies sogar in ironischer Weise. Gal. die uns überliefert worden ist). das wiederum die Gemeinde selbst imitiert. identifizieren sich durch den Akt der Taufe mit ihm. die ihre Identität aus einem Bild schöpft. denn Freud übernahm den Narzis smusbegriff vom psy­ chiatrisch-medizinischen Diskurs des ausgehenden 1 9 . dem Sohn schlechthin. Denn ihr alle. um aus diesem auf die t Aggressiviät t des spiegelhalt Imaginären und auf die selbstmör­ derische Neigung von Narziss' Verlie btheit zu schließen: Nar- � � Mann noch Frau. Nun gründet Paulus die narzissti­ sche Gemeinschaft der Söhne. u. Diese s Subjekt lässt sich mit dem Iextueiien Subjekt vergleichen . die gleiche Stellung als Gottes Söhne haben. ja essen und trinken ihn gar während des Herrenmahls. Jh. aber ja auf diese Epoc he zurückgeht. Er wen­ 3:26-29) det sich gegen die jüdische Tradition. die dem Bund mit dem Gesetz des Vaters (vgl. da alle durch die Identifikation mit Jesus. wie sie sich alle gleich sind und sich gegenseitig als Söhne lieben: Denn ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus.

die aus dem Blick des Christen auf sich selbst entsteht: möchte! (464-467) ln dieser Konstellation erscheint der Christ sich selbst als eine ganz einzigartige Person.. . antizipiert : sem sp1egelhaftes Verhältnis zu seinem eigenen Bild). dass sein physischer Kör­ Abstand und Distanz soll nun eine spirituelle Erfahrung stattfin­ per verschwindet. ich find' es ja nicht.86 Lacans Rückkehr zu S o oft kommt er zu mir mit aufwärts strebendem Antlitz. die Erfahrung des Aufgehans in Jesu eigenem Ebenbild. noch Mauern mit sperrenden trauern Toren: Auch die Dryaden um ihn: beistimmt den Trauernden Echo. die eine totale Identifikation mit sich selbst. Denn so oft ich den Mund darbiete den lauteren Wellen. wobei der Abstand zwischen dem Betrachter und seinem von ihm selbst geliebten Spiegelbild nicht zu überbrücken ist: Tod umnachtet den Blick. ist mein. Schaut er sich selbst in der stygischen Flut. zumindest etwas von ihm zu erleben. So fesselt den Liebenden lrrwahn. 55·59. doch was dasteht so verlockend. Lacan (2006a). muss an dieser Sehnsucht sterben. der Nymphe. Selbst möcht' er Scheiter besorgte man schon und schwingende Fackel und umarmt sein. Die Grundlage für den Christen bildet die Figur Dass ich vom eigenen Leib mich doch zu trennen ver­ Jesus. Da auch noch. Zum Darbenden macht mich der kommen auf sich selbst und ihr jeweils eigenes Spiegelbild kon­ Reichtum. es Was noch mehret den Schmerz. im den. Ach. Trauern und weihen dem Bruder vom Haupt Haarlacken. Ovids Text möchte ich nun erweitern. Die Naiaden. ich errege und leide die Flam­ Wir haben vorhin über die Figur Jesu sowie über den Chris­ me. 80 " Die hier angegebenen Zeilenzahlen beziehen sich auf das dritte Buch in Ovid (1889). ein Weg. Vgl. 81 . zentriert sind. Nicht ein Gebirg'.ziss. Karges Gewässer verbietet zu nahn. widerhallt. ja eine Verei­ nigung mit der Jesus-Figur. Liebe verzehrt mich zu mir. auch wenn sie Demgegenüber beschreibt Ovid ein Erlebnis der reinen Frustra­ zu diesem Zweck ein Stück von sich selbst aufgeben müssen: tion. der bewundert des Blickenden Schönheit. S. Die verursacht wird: Anstalt des Erlebnisses von Verfremdung. der sich in sein eigenes Spiegelbild im Wasser verliebt hat. Sowohl beim paulinischen Subjekt als dann? auch bei Ovids Narziss handelt es sich um Personen. und zwar ohne die Frustration. die Da� ist di� Strafe desjenigen. mit ihrem eigenen Ebenbild. Versuch. woraufhin seine Verehrer um ihn kreisen. die nicht weniger aufschlussreich ist als die psychoanalytische Theorie. das in seinen Worten zu sonst durch die Betrachtung der gegenüberstehenden Figur ihr ohn� dass er dies erkennen würde. der sich diese Figur als ein Spiegelbild von Was tun? Soll ich flehn? Mich anflehen lassen? Um was sich selbst anschaut. die voll­ Was ich begehre. Vor mir steht es und lockt. nicht trennt uns die Weite die Schwestern. Geschichte von Narziss endet damit. ten gesprochen. Darauf aufbauend schlägt Paulus eine vollständige Identifikation vor. ver­ weigerte (1hr Werben u m seine Liebe. des Meeres. fordert. wie er längst dem Reich der Toten gehörte. der sich Echo. denn Ovid leistet eigent­ (446·452)"' lich eine Fallbeschreibung.

Diese Differenzierung könnte man als eine elitäre Position gegenüber dem populären Humor verstehen. Es entsteht dann nen.. kein anderer Traum als der Tagtraum vom verwundeten Jesus am Kreuz. als sich. die Ikone des gibt keine andere Botschaft als das Kreuz selbst.. (503-51 0) . als die große Show des Verwundeten am Kreuz. das Kreuz. idealen Muster (•Gestalt•) im Verhältnis bzw. jedoch birgt sie in sich auch eine Lehre über den christlichen Fall. Fußnote 15 in Kap. genau so. um die Mitte besetzt mit schneeigen Blättern. das sich im christlichen Weinen löst. der Und wie steht es mit Paulus' christlicher Gemeinde? Auch sie befasst sich mit dem Verschwinden des physischen Körpers des in sich selbst Verliebten und tauscht seinen schönen Leib gegen denjenigen der Gemeindemitglieder um .in einem Ver­ einigungsakt. Der Leib Jesu ist zwar unserer Fantasie von unserem Körper als einem vollkomme­ schön verwundeten Jesu. Es ist ein Bild ohne jeglichen Bezug oder Hinweis auf eine Wirklichkeit »dahinter. und zwar nicht nur aufgrund seines narzisstisch-imi­ eine Spannung zwischen der Unvollkommenheit des Gläubigen tierenden Aspekts. Das Christentum ist ganz und gar auf die Gestalt von Jesus am Kreuz fokussiert: »Denn ich hielt es für richtig.as gilt es beim Witz zwischen zwei Begriffen zu differenzieren: zum einen der Witz im Sinne . lässt sich das Christentum möglicherweise als die Religion des Slapsticks verstehen. Die Ikone von Jesus am Kreuz soll uns keine weitergehende Botschaft vermitteln sie ist die Botschaft.: Wie Norbert Haas erklärt: »Kursive mit Asteriskus bedeutet deutsch im Original. um sie i n ein ideales. also das. 83 . h . Ü. wie Chaplin das Hinfallen im filmischen Text in eine komische Vollkommenheit wandelt. Und genau darum geht es bei Paulus: Es aggressive Lachen beim Anblick eines Stolpernden stellt dem­ verschwunden. und dem christlichen Ich bleibt nichts anderes übrig. Diese Spannung verursacht ihrerseits das Unbehagen.Bahre: Da war nirgends der Leib. d. Vor diesem Hintergrund erscheint das Christentum ultra­ imaginär. sondern insbesondere aufgrund seiner Imi­ und der tation eines musterhaften.chthin. [A. Diese Vision ist um ihrer selbst willen da. 114-118. Lacan (2006b) (vgl. und zum anderen das Komische im Sinne Charlie Chaplins.90 So gesehen. d.. « vgl. Seminar V sagt. gestaltpsychologischen Bildes (des vollkommenen Unvollkommenheit.. Dieses Bild ist das Christentum. der angesichts der ·Gestalt< bzw. jedoch bleibt das Bild. Gegensatz nach den Abbau des Unbehagens dar. insbesondere Vorträge 1-7). Das Kreuz wird somit zum Glaubens­ zu unserem real existierenden. Bei Lacan hat nämlich das Komische mit dem Spiegelstadium zu tun und mit einem macht. Sigmund Freuds. Wie Lacan im •Originals<). unvollkommenen Körper.. S. wie er ihn in seinem 1905 erschienenen Buch Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten als Parallele zum symbolisch-sprachlichen Vorgang im Unbewussten be­ schreibt. der beide zu Slapstick von einem stolpernden Menschen und dergleichen. das wiederum der Span­ nung zwischen der Erscheinung von musterhafter Vollkommen­ heit einerseits und der Unvollkommenheit des uns ähnlichen. "' Vgl. Diese Gestalt (im Sinne der Gestaltpsychologie) bzw.5 nennt. des Musters des ver­ wundeten Menschen unser aggressives Weinen provoziert. aus seiner eigenen Unvollkommenheit heraus. die ihm gegenüber­ steht. Dank Paulus' Genie verwandelte sich eben diese Wunde in ein vollkommenes Ganzes. was Lacan den »Witz*. ideell-erhabenes Ich zu verwandeln. hinfallenden Menschen andererseits entspringt. 82 . mit einer vollkommenen Leidensgestalt zu identifizieren . 1]. King (2001). dieses Muster ist sein IchideaL Paulus verwendet also seine eigenen physi­ schen Leiden wie auch diejenigen des Gläubigen. Das objekt schle. Für den Leib ist sichtbar ein Blümlein Safrangelb.

Denn Paulus wendet sich gegen die Knechtschaft durch das >fleischliche• Gesetz: Seit der Ankunft Jesu ist das Gesetz hin­ fällig. wobei der Gläubige sich mit dem Herzen. Es werden folglich vor allem seine Briefe an die Galater und an die Römer analysiert.unter euch nichts zu wissen als allein Jesus Christus. Darum heißt es dort: "Die Religion ist die Reflexion. die den inneren. d.. unter anderem deswegen. Gott sei. h.aus sei­ nem eigenen existenziellen Leiden heraus und ohne auf die väterlich-transzendente Perspektive auszuweichen. welche auf sich nahm. 85 . des Menschen schlechthin. im Verhältnis zur Welt und zum Vater existenziell widerspiegelt. den Gekreuzigten« ( 1 . mit seinen eigenen Leidensgeühlen. stiften möchte. einen neuen Kodex als eine rein symboli­ sche Ordnung einzuführen. dass von jedwedem Gesetz abzuweichen sei. zumal es gerade die übertretende Sünde anregt (vgl. 2:2). Es ist eine Religion. in denen dieses Anliegen am besten zum Ausdruck kommt. das Pendant zu dessen Unfähigkeit und Endlichkeit. Paulus hütet sich. ln diesem Zusammenhang möchte ich an die Worte des evangelischen Theologen Ludwig Feuerbach erinnern. Nun möchte ich beleuchten. >>DU SOLLST DEINEN NÄCHSTEN LIEBEN WIE DICH SELBST«: ZUR IDENTITÄTSSTIFTENDEN FUNKTION DER LIEBE Nachdem der Apostel Paulus die allgemeine Menschenliebe zum Fundament seiner christlichen Gemeinde gemacht hatte. 7:7: »Aber die Sünde erkannte ich nicht außer durchs Ge­ setz«). Sigmund Freud. mit welchen Mitteln Paulus die Gemeinde zusammenhalten will: der Liebe und insbesondere des Gebots der Nächstenliebe. wie Paulus die imagi­ näre. die die Situation des Sohnes. der sich mit Jesus identifiziert. Der Gläu­ bige. 122. S. Er übernimmt somit und akzeptiert die weiblich-passive Stellung Jesu. so wie etwa das jüdische Gesetz es ist. wie aus den meisten Brie- •• Feuerbach (1956). Ebd. 111. das Paulus zur Gründung der christlichen Gemeinde verwendet. der im Christentum die wahre Religion erblickte. wie Feuerbach in seinem 1841 erschienenen Das Wesen des Christentums behauptete. Das Unbehagen n i der Kultul" Im letzten Kapitel haben wir besprochen. dem Sohn. ein Spiegelbild des Menschen zu zeigen . eine Ergänzung des Menschen. und zwar aus eigener Kraft. nach der Jesus für das ge­ samte Leiden des Menschen steht. 85. weil er es für die voll­ kommenste Projektion der menschlichen Not hielt.ielle Position. 84 "' Freud (1931}. S. weil er die Gemeinde der Jesus-Giäubigen irgendwie organisie­ ren soll. die Spiegelung des menschlichen Wesens in sich selbst···· und »Gott ist der Spiegel des Menschen•<�. »sohnartige" Identitä t der Gemeinde durch den Bezug zu Jesus. Röm. persönlichen Aspekt der religiösen Erfah­ rung betont und das Erlebnis des Gemeindelebens in den Hin­ tergrund rücken lässt. Im sechsten Kapitel »Das Geheimnis des leidenden Gottes« vertritt Feuer­ bach eine existenz. Jedoch beharrt Paulus nicht auf der Position. Das ist eine protestantische Posi­ tion. eine Stellung. war die äußerste Intoleranz des Christentums gegen die draußen Verbliebenen eine unvermeidliche Folge geworden. Kor. identifiziert sich nach Feuer­ bach wiederum mit seinem eigenen Leiden. . f an der religiösen Erfahrung beteiligt.

der aus der pauli­ nischen Sicht nur das Gesetz befolgt. seid zur Freiheit berufen. machten die Autoren des Nauen Testaments gerne 86 nach Liebe soll dort. weshalb die Thora ihr eigenes Ende in sich birgt. und zum anderen kann er die Aggression nach innen richten. liebe Brüder. den Paulus in seinen Briefen auch verwendete. Das liegt darin begründet. h. d. also dafür. Lacan formuliert es mit dem hagel­ sehen Begriff der Aufhebung. 5:13-15) Tatsächlich lassen sich bei Paulus zwei entgegengesetzte Posi­ tionen in Bezug auf die Liebe zum und die Identifizierung des Nächsten finden. Wenn Paulus die innere. Wie Freud in seiner Massenpsychologie und Ich-Analyse meint. dass dieser Terminus enger mit dem hebräischen Begriff 1on (dt. die böse Fleischeslust. ln dieser Konstellation birgt dieses Gebot alle Gesetze der Thora in sich als eine Formel von reductio in unum. Röm.94 Im Gegensatz zum Juden. ln seinem Brief an die Galater lenkt Paulus den Konkurrenz­ willen innerhalb der christlichen Brüderschaft auf Gefühle von Brüderlichkeit und Gemeinschaftlichkeit. in dem: »Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!« Wenn ihr euch aber untereinander beißt und fresst.95 Denn das ganze Gesetz ist in einem Wort erfüllt.fen hervorgeht. dass die Thora auch ein allegorisches. sondern durch die Liebe diene einer dem andern (ÖIO rf'l<. indem er an das Gewissen appelliert und Schuldgefühle hervor­ ruft. hasserfüllte Konkur­ renz in Liebe umzuwandeln sucht. Die Forderung "' Nach Betz (1988). welches wiederum Wissen umfasst. noch authentischeras Element hat. Die Liebe soll mit­ hin die aggressiven Konflikte.). Darum führt er für die Mitglieder der christlichen Gemeinden neue Verbote ein. welches nach Paulus die Beweise für die Zeitgebundenheit und Vorläufigkeit der alttestamentarischen Gesetze liefert. h. tut der Christ das •Gute< und erfüllt damit das Liebesgebot im Rahmen der Freiheit. auf den ich später näher eingehe. und im Wortlaut der Septuaginta: »ayam')OEI<. S.vielmehr sucht es sich einen neuen Weg. 31 8-319. rov TTAilOlOV crou w<. mit dem die Thora selbst widerlegt werden kann. vornehmlich moralischer Art. so seht zu. gegen seine Konkurrenten außerhalb der Gemeinde. aus der Gemeinde verbannen. Doch dieses Genießen ver­ schwindet nicht einfach . •$ Um vom Liebesverhältnis zwischen Gott. Das heißt. d. denn zu viel Freiheit könnte zum Sieg des Fleisches und zur Auflösung der Gemeinde führen. Allein seht zu.. steht er vor zwei Möglichkei­ ten: Zum einen kann er das Übermaß an Hass nach außen rich­ ten. Der Grund. Diese stützt er auf den Pentateuch und insbesondere auf das Gebot ••Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (le­ viticus 19:18. ayOTTI1<. Es ist das Gesetz der Thora selbst. 4:21). dass ihr nicht einer vom andern aufgefressen werdet. Um den vom griechischen Terminus •Agape• (ayonf)) Gebrauch. Paulus pflegt bei der theologischen Argumentation gegen die Gesetze der Thora seine Kritik mit Exegese des Pentateuchs selbst zu untermauem (und nicht mit Hinweisen auf außerbiblische Quellen): »Sagt mir. 2:19). So wie Paulus die Thora darlegt. 10:4: »Denn Christus ist des Gesetzes Ende«). liegt für Paulus darin. Jesus und den Menschen zu sprechen. dass sie infolge von Jesu Kreuzigung nicht mehr relevant sind. 1 . wo das Gesetz angeblich nicht mehr relevant sein sollte. die auf gegenseitiger Liebe beruhen. dass der Messias den Zweck (rtl\o�) der Thora bildet (vgl. 87 . die ihr unter dem Gesetz sein wollt: Hört ihr das Gesetz nicht?" (Gal. enthält sie einen gewissen Mechanismus zur Selbstzerstörung. schließen sich die Menschen zu Gemeinschaften zusammen. dass ihr durch die Freiheit nicht dem Fleisch Raum gebt. (Gal. Letzterer wurde von den Autoren aufgrund seiner oft sexuel­ len Konnotationen vermieden. mit dem sie sich gegen sich selbst richtet. Gnade) zusammenzuhängen schien als die griechische Alternative >Eros< (i:pw�). die aus dem Heiligen Geist hervorgeht: Ihr aber. O'WUTOV«). also Wissen gegen die Notwendigkeit der alttestamentarischen Gesetze: »Denn ich bin durchs Gesetz dem Gesetz gestorben« (Gal. die Furcht vor der Freiheit beschwichti­ gen.

die das Ich gerne an anderen. indem er allegorisch auf Hagar und Sara hindeutet. woher sie gekommen ist. denn sie sind Gottes Diener. Des Weiteren spricht er den Juden ihr Recht auf Gottes Wohlwollen ab. S. also zu jedem Menschen. der nach dem Geist gezeugt war. sich unterzuordnen. Die Spannung zwi­ schen dem gestrengen Über-Ich und dem ihm unter­ worfenen Ich heißen wir Schuldbewu ßtsein. S. also gegen das eigene Ich gewendet. richten sie diesen gegen diejenigen. sich der kaiserlichen Obrigkeit zu unterwerfen. auf diesen Dienst beständig bedacht. dass lsmael. das sich als Über­ Ich dem übrigen entgegenstellt und nun als •Gewis­ sen• gegen das Ich dieselbe strenge Aggressions­ bereitschaft ausübt. der als Kon­ kurrent im Wettbewerb um Gottes Zuneigung oder um den Anspruch auf die richtige Botschaft erscheint.96 Im Brief an die Galater führt die Liebe zu Mitgliedern in der Gemeinde zur verborgenen Lenkung der übermäßig negati­ ven Energie auf bzw. 89 . den verfolgte. Wenn der übermäßige Hass nicht nach außen gelenkt wird. wie Freud es in Das Unbehagen in der Kultur formuliert: Die Aggression wird introjiziert. 100. gegen das christ­ lich-paulinische Ich selbst. denn der Sohn der Magd soll nicht erben mit dem Sohn der Freien«. Dabei führt unsere narzisstische Beziehung zu den uns Nahen zu zwei entge­ gengesetzten Positionen: entweder zu übermäßiger Liebe oder aber zu übermäßigem Hass. Neben dem praktischen Grund argumentiert er auch mit· der Forderung nach universeller Nächstenliebe als Gebot des Gewissens: 2. Paulus wütet im Galaterbrief gegen seine Konkurrenten um die Botschaft. den Weg seines Herrn Jesus zu imitie­ ren. fremden Individuen befriedigt hätte. ja Demütigung an (diese Position ist teilweise egoistisch motiviert. sondern auch um des Gewissens willen. was ihr schuldig seid: Steuer. verinnerlicht. in dem er von seinen Adres­ saten verlangt. sie äußert sich als Strafbedürfnis. nicht allein um der Strafe. setzt die ideale Position des christlich-paulinischen Ich mit Demut. 5:12). Doch was spricht die Schrift? »Stoß die Magd hinaus mit ihrem Sohn. der hier eigentlich die »alten« Juden symbolisiert. verstoßen werden muss (im nächsten Kapitel befasse ich mich ausführlicher mit diesen allegorischen Versen): Ihr aber. "' Freud {1 967). Die Notwendigkeit zivilen Gehorsams bringt Paulus besonders in seinem Römerbrief zum Ausdruck. liebe Brüder. gegen den fernen Nahen. des Gewissens gegen das Ich.98 Aus dem Willen heraus. So gebt nun jedem. die die negative Energ ie nach innen richtet. 21:10 {-12). eigentlich aber dorthin zurückgeschickt. die uns fern und dennoch auch nah sind. Demgegenüber ist es im Römerbrief eine extreme Liebe zum Menschen als solchem. also darauf. 88 Darum ist es notwendig. Deshalb zahlt ihr ja auch Steuer. seid wie lsaak Kinder der Ver­ heißung. und verflucht sie sogar (Gal. der nach dem Fleisch gezeugt war. dem die • Freud (1931)."' (Gal. wird er nach innen projiziert.Angriffstrieb zu stillen. als würde dieses Ich sagen: >Heute soll ich leiden. Dort wird sie von einem Anteil des Ichs übernommen. Gen. Aber wie zu jener Zeit der. so geht es auch jetzt. "' Vgl. 1 1 0-1 1 1 . 1 :8-9. 4:28-30) und zwar in Form der Aggression des Über-Ich bzw. auf dass es mir im Paradies an der Seite Jesu sehr gut geht•). die andere Wege des Glaubens an Jesus vorschlagen.

weil der Brief eher schwärmerisch unorganisiert wirkt . Die Liebe befreit vom väterlich-göttlichen Recht. Vgl. und Gott. der Galaterbrief zählt somit zu den früheren oder mittleren Briefen des Paulus. hat diese Aus­ sage keinen theologischen Inhalt. aber abgesehen davon. die­ se wurde zwar nicht von Paulus selbst gegründet.. Paulus tritt also der jüdi­ schen Konstruktion einer ·rein• symbolischen Ordnung ent- •• Vgl. doch bildet sie para­ doxerweise zu gleicher Zeit auch die Begründung der Unterwer­ fung. dass Paulus sich bedroht oder gedemütigt fühlte. dem der Zoll gebührt. Ehre. auf dem Imaginären bzw.in sei­ nen Eigenschaften zornig und energisch'00 . 91 . liefert bereits Jesus. die er selbst gegründet hatte und für die er sich nunmehr verantwortlich sah. Lev.und Verbote der Thora zu beachten und sich beschneiden zu lassen. Paulus setzt sich ausschließlich mit dem Recht der Thora auseinander. du sollst nicht töten. An sich ist die Frage nach dem Bestehen oder Nichtbestehen ziviler Gesetze von keiner theologischen Bedeutung. was Gottes ist!« (Matthäus 22:21). [G]ebt dem Kaiser.••'00 Die Lie­ be tut dem Nächsten nichts Böses. du sollst nicht stehlen. welche das partikulare '"' Das Wesen des zivilen Rechts steht allerdings nicht im Mittelpunkt des Dilemmas. der auf die Frage. dass das kaiserliche Recht letzten Endes von Gott stamme. mit dem sie sich von den Heiden absondern sowie Gottes Liebe und Wohlwollen für sich allein beanspruchen möchten. dass der >galatische· Paulus . '" Die Quelle der Forderung sich dem Kaiser zu unterwerfen. die Ge. du sollst nicht begehren«99. und was da sonst an Gebo­ ten ist. 20:13-17. das für die Rechtfertigung vor Gott relevant ist. konkurrierende Boten der Guten Nachricht zu den Ge­ meinden in Galatia gekommen waren. Der Brief lässt verstehen. mit dem sich Paulus auseinandersetzt. wie es im Fall des religiösen Rechts des göttlichen Vaters ist. römischen) Recht des Kaisers treibt Paulus ins Extrem: Vom Recht des Vaters wollen sich die Söhne befreien. behandelt er nicht. ob man dem Kaiser Steuern zahlen soll. Denn was da gesagt ist: »Du sollst nicht ehebrechen. Zoll. in welcher er den Gemeindemitgliedern die Grundlagen seiner theologischen Lehre darlegt und sie zudem darum bittet. der hat das Gesetz erfüllt. Den Galaterbrief richtete Paulus an Gemeinden. außer dass ihr euch unter­ einander liebt. nach­ dem andere. doch nichtsdesto­ weniger verfasst Paulus für sie eine Epistel. das Recht des Kaisers.im Gegensatz etwa zum späteren Brief an die Römer. der Liebe. entstanden und repräsentiert die frühere Phase des paulinischen Denkens.den Gemeindemit­ gliedern die partikulare Liebe befiehlt. die ausschließlich auf dem Gesetz basiert und nicht. ihn bei seiner geplanten Reise in die westlichen Mittelmeerländer zu Gast zu haben (wohl aus diesem Grunde lässt er in diesem Brief seine weniger zornigen Seiten zur Geltung kommen). So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung. während das Kaiserrecht die friedliche Existenz der Gemeinde ermöglicht. Ex. '"" Der Brief an die Galater soll nach dem jetzigen Forschungsstand früher entstanden sein als der Brief an die Römer. Dies ist kein Widerspruch in sich.Steuer gebührt. denn wer den andern liebt. antwortete: . 90 gegen. Diese hatten im Namen Jesu von den Mitg liedern der Gemeinden verlangt.102 Daraus geht hervor. dass man sein Schicksal im Diesseits akzeptieren sollte. wie Paulus es sieht. das wird in diesem Wort zusammengefasst: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. sondern nur gegen das Gesetz der Thora als Mittel in den Händen der Juden. dem die Ehre gebührt. der schon besser strukturiert ist und vermutlich im Jahr 56 oder 57 verfasst wurde. was des Kaisers ist. 19:18. Z. welches das Thema »Sünde<< gar nicht erst berührt. des •lutherschen• Gehorsams gegenüber dem zivilen Recht eines anderen Herrn. Nach Betz (1988). 50-51 und zahlreichen anderen Forschern ist der Brief an die Galater zwischen den Jahren 50 und 55 n. Der Römer­ brief richtet sich hingegen an eine christlich-jüdische Gemeinde. too . Der Zusammenhang der Antwort Jesu ist mithin dem der Aussage von Paulus ähnlich. weil Paulus sich nicht gegen das Gesetz als solches wendet. u. Seid niemandem etwas schuldig. unter anderem deswegen. S. dem die Furcht gebührt. jüdischen) Recht des Vaters und dem zivilen (universellen. nämlich des römischen Weltreichs. Paulus meint zwar. Furcht.'0' Die Trennung zwischen dem religiösen (partikularen.

. h. Doch sobald die Liebe einen universellen Charakter bekommt. verläuft eigentlich parallel zur psycho­ analytischen Auffassung der Liebe als etwas. Darum steht die Hilf� für d�n Nächsten. wenn ich den Nächsten lie­ be und mich nicht nur um mich selbst kümmere? Diese Frage ist wohl mit einem Nein zu beantworten. damit das Ich zur Befriedi­ gung kommen kann (vgl. die die Liebe auf Gegenseitigkeit und Wohltaten zurückführt. g�n des Ich zu seinen eigenen Spiegelbildern. gegen die Gemeinde selbst und gegen das christliche Ich. auch etwas vom Egois­ mus des Imaginären in sich birgt. in keinem Gegensatz zum Egoismus. Aus der Lektüre der beiden Briefe lernen wir also. 93 . Vrelmehr geht sie mit dem auf einen selbst fokussierten Utilita­ rismus einher. im einfachen Sinne. so richtet sich die Aggression wie im Galaterbrief nac h außen. der imaginären Ordnung der Beziehun­ lmag1naren angehort. Auf den ersten Blick scheint es. also die Selbstliebe durch ein externes Objekt unter dem Deckmantel der Liebe zum Anderen. wird die Aggression nach innen gelenkt. Nach Frauds Auffassung ist der Narzissmus keine Liebe. Freud meint. etwas zu schenken. Freud (1915). inzwischen heimisch und erwachsen gewordene Paulus die universelle Liebe. sondern die Liebe zum Bild vom eigenen Selbst. das erfordertich ist. seinem Nächsten. so Laca n. sogar dahin gehend. wie es im Römerbrief der Fall ist. welche sich mit dem neutralen Kaiser­ recht vereinbaren lässt. sodass es außen keinen einzigen Men­ schen gibt. Diese Liebe stützt srch also auf die egoistische Position des Menschen. Im Seminar VII befasst sich Lacan mit der christlichen Liebe und meint. Demgegenüber sucht der •romr­ sche•. während sie sich im Römerbrief mit dem universellen Gesetz des Kaisers vereinbaren lässt und sogar dessen Notwendigkeit befürwortet. dass die Liebe. Denn solange der Mensch sich selbst liebt und d en Nächsten als sich ähnlich ansieht er­ scheint der Nächste der Hilfe würdig. l n den zwei Fäl­ len verhält sich die Liebe jedoch jeweils anders zum Gesetz: Im Brief an die Galater stellt die Liebe den Ersatz zum partikular­ jüdischen Gesetz dar. dass Pau­ lus bei der Bewältigung des Übermaßes an Hass und Aggres­ sion Uouissance bzw. Denn ist es ke ine Befreiung vom eigenen Narzissmus. dass man keine Rück­ sicht darauf nimmt. was (bei Freud'0') . weil es keinen anderen Auslass mehr gibt: Der Christ hat jetzt alle zu lieben. wie das Wort •Nächster• verstanden wird: Steht der •Nächste• für jemand besonders Nahes oder etwa für den Nachbar. während die Liebe hingegen dem auf den. den der Christ noch hassen dürfte. Demnach kann der Mensch kein größeres Ver­ gnügen haben als einem ihm Ähnlichen. ob der Nächste das Geschenk annehmen möchte oder nicht. als ob es bei der Nächsten­ liebe nur um die Befreiung vom Selbst ginge. S. Sie muss sich nach innen richten. »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«: Narzissmus und die Ethik des Anderen Die paulinische Position. das sich im Nächsten verkörpert.. d. h. zurückkehrt. 84-1 00).Gesetz des Vaters ersetzt. solange ihr etwas vom freiwilligen Altruismus innewohnt. so handelt es sich um Narzissmus ganz im Ireudsehen Sinne. Lacan differenziert zwischen Liebe und Leidenschaft: Die Leiden­ schaft liegt in ?er symbolischen Ordnung (und bezieht sich gerade aren Anderen). unerre1ch b _ d. ln dieser Hinsicht weist der biblische Text auf beide Aspekte des Nächsten hin. und zwar im Namen des Gewissens. Diese Art der Liebe verhindert mittels des Gewissens jedwede soziale und politische Subversion und führt schließlich zur Unterdrückung des Ich. •Genießen•) eine Doppelstrategie anwen­ det: Wird die Liebe auf die Gemeinde begrenzt. die zum Ich als solchem. dass die Liebe sowie die nach außen gerichtete Für­ sorglichkeit eigentlich den sekundären Narzissmus zum Ausdruck bringen.. denn wichtig ist hier. . Der Andere repräsentiert hier 92 mit dem Narzissmus oder (bei Lacan'05) mit dem Imaginären zusammenhängt. sowohl auf den g eg ensei- ein internes Objekt..

ln der Septuaginta kommt der Ausdruck •Ich bin Jahwe< als •tvw ti!JI Kuproc. der vom Nar­ zissmus abweicht. diejenige des gött­ lichen Anderen. das aus zweierlei Faden gewebt ist. sondern hat eine Konzentration auf das Bild Jesu. in dem der Nächste nur derjenige ist. dass •lTAI']crloc. euer Gott<• (v. Hierauf liegt der Schwerpunkt. der allgemein Heiligkeit fordert. Der alttestamentarische Text hin­ gegen betont nicht die Dimension der Gegenseitigkeit. wobei auf das Gebot der Nächstenliebe gleich das Verbot der Zusammenfüh­ rung von Andersartigen folgt? So gesehen. denn alle Gebote in diesem Kapitel (Lev. den Anderen gerecht zu behandeln. Das will sagen : Es sei zwar wichtig. hier jemand bedeutet. (lev. dass das Gebot im narzisstisch-ethnozentrischen Sinne verstanden wird. was in den Paulusbriefen auch im Sinne von •Herr Jesus•.tig-narzisstischen Aspekt als auch auf denjenigen. die angeblich im Gebot »liebe deinen Nächsten" enthal­ ten sei. also des Sohnes (und nicht des Vaters). die die Solidarität innerhaJb der Gemeinde aufbauen soll. der sich hier gegen ein konfessionelles (und kein ethnisches) Zweierlei richtet: Aus den Worten des Paulus geht hervor. 2). d. liegt der Schwerpunkt gerade auf dem imaginären Aspekt. Jedoch lässt sich das Gebot auch als Teil der göttlichen Forderung ver­ stehen. Hier geht es um eine Heiligkeit. dass die liebe sich an alle richte. zur Folge. des Sohnes. dass der Nächste mit den ·Kindern deines Volkes• gleichzusetzen sei. in der Phase der Weichenstellung zu einem autonomen christlichen Ich. h.•. denn ich bin heilig. als •ich bin der Herr<. Wollte der Autor dieser levitikus-Stelle. nämlich die Imitation des Herrn Jesus. der einem nahe steht wie der Nachbar. 19) enden mit dem Ausdruck "Ich bin Jahwe I der HERR« (oder: »Ich bin der HERR. kann das Gebot der Nächstenliebe die Grenzen des abgesonderten jüdischen Vol­ kes markieren und das ethnische Zweierlei verbieten. keinen Weg dar­ über hinaus. und nicht der entfernte Andere. wobei die verschiedenen Interpretationen dieser Bibelstelle den einen oder anderen Aspekt hervorheben können: Du sollst deinen Bruder nicht hassen in deinem Herzen. Das Gebot zielt mithin auf eine liebe ab. 6:10). der einem ohnehin nahe steht oder einem ähnlich. d. lasst uns Gutes tun an jedermann. d. sondern du sollst deinen Nächsten zurechtweisen. h. ver­ borgene Seite. also der •Nächste•. euer Gott«). die keine Imitation der Heiligkeit Gottes ist. Im Zusammenhang mit Paulus' Galaterbrief. sondern die wegweisende Gegenwart Jahwes. der HERR. ich bin der HERR. verstanden werden kann (und dies ist bei Paulus tat­ sächlich meistens der Fall). Du sollst dich nicht rächen noch Zorn bewahren gegen die Kinder deines Volks. wie Jesus dich und du ihn liebst. Diese liebe ermöglicht keine Uberschreitung des christlichen •Ich•. Dabei wird der Aspekt des absolut Anderen als die dritte Seite einer asymmetrischen Beziehung abgeschafft: Den Nächsten gilt es so zu lieben. h . während man dem Jüdischen des •Fleisches• den Rücken kehrt. Der Ausdruck •Ich bin der HERR• bzw. So auch im Gebot »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. sondern sich von dieser ableitet. •Ich bin Jahwe• bringt in die Gegenseitigkeit zwischen dem 94 Ich und dem Anderen noch eine dritte Seite. der mit dem •Ich• der Söhne identisch ist. 19:17-19) Zwei Seiten hat die Medaille der Nächstenliebe: eine reale. wie er am Anfang von lev. 1 9 gebietet: »Ihr sollt heilig sein. also ein ·Kind deines Volkes• ist? Deutet der textuelie Zusammenhang darauf hin. ich bin der HERR«. aber 95 . als der Messias. damit du nicht seinetwegen Schuld auf dich lädst. obwohl diese Liebe auch ein universelles Potenzial i n sich birgt: »Darum. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Meine Satzungen sollt ihr hal­ ten: Lass nicht zweierlei Art unter deinem Vieh sich paa­ ren und besäe dein Feld nicht mit zweierlei Samen und lege kein Kleid an.• vor. und eine imagi­ näre. Somit taucht hier die mimetische Dimension auf. mit der wir uns später befassen. allermeist aber an des Glaubens Genossen" (Gal. solange wir noch Zeit haben.

auch wenn sie sich die Religion der Liebe heißt. die nicht zur Glaubensgemeinschaft gehören.: Die Ethik zieht hier . hart und lieblos gegen diejenigen sein. dem er sich ja sonst entgegen­ setzt. nicht von allein zur Wahrnehmung der Ver­ antwortung bewegt. Zwar möchte er. dass die Liebe sich auf der imaginären und egalitären Ebene unter den Gemeindemitgliedern entfaltet. die ihr nicht an­ gehören. die man jeweils für das Schicksal anderer trägt. ln der Ethik gehen folglich das Ich und der Andere ineinander über und die die Aggression (bei den Galatern nach außen und bei den Römern nach innen). 96 '07 Lacan (1996).trotz des Anspruchs auf Universalität naturgemäß auf den Nächsten. sodass diese Liebe in der gegenseitigen Widerspiegelung des Ich im Nächsten (dem anderen Gemeindemitglied oder Jesus) besteht.den M enschen zur Verantwortung. des Genießans bei der gelte. S. darum muß eine Reli­ gion. dessen freier Wille ihn. Dies zeigt sich besonders gut. Ü. dass die Nächstenliebe als ethisches Gebot. wie auch bei der Dialek1ik von Gesetz und Übertretung.) '00 97 . dass die Liebe. die keine Gegenseitigkeit voraussetzt. die ihn nicht lieben und die er nicht liebt. Doch da ist nicht die Nächstenliebe. Er setzt sich auf eine Art und Weise durch. dass er sich aus frei­ em Willen ergibt.aber erzieht nicht . Zu dieser christlichen Liebe meint Freud in Massenpsy­ ethischen Liebe zu verstehen. wie es auf Französisch heißt: »Tu almeras ton prochain comme toi-meme«. Daraus folgt. Levinas' Posi­ tion lässt sich gewissermaßen auch bei Lacan finden: »Es gehört zur Natur des Guten. 107. ein dialektisches Verhältnis zu Aggression und Genießen aufweist. Levinas schlägt nämlich eine breite Definition des Nächsten bzw. indem man die Position des Anderen übernimmt. sofern er erst auf das ethische Gebot reagiert. (aus seiner Gebot der Nächstenliebe. dass sie sich . Anderen vor. dass sie vornehmlich den Gemeindemitgliedern Um diesen Aspekt des Realen bzw. Freud (1967). S. Bei Levinas ist das eine asymmetrische Verantwortung. sich nicht mehr auf das Imaginäre bezieht. altruistisch zu sein. sondern stattdessen auf das Reale. reduziert: Außerhalb dieser Bindung (gegenseitiger Liebe] stehen aber auch während des Reiches Christi jene Individuen. '"" (A. der seinerseits auf den nicht-imagi­ nären Aspekt des ethischen Gebots hinweist und für uns somit den lacanschen Diskussionsrahmen erweitert. dort widerspricht er selbst seiner Position gegen das Gesetz. 225. vom Anderen keine Reaktion abverlangt und sich gegen den Altruismus stellt. denn hier soll die last passive Stellung des Men­ schen betont werden. auf den sich das Liebesgebot bezieht. Die Bedeutung des ethischen Verhältnisses zum Anderen besteht nach L(winas i n der unendlichen Verantwor­ tung. wenn Paulus die Liebe i m Rahmen eines ethischen Gebots fordert Wie wir oben schon erkannt haben.'07 Im Seminar VII stellt Lacan fest. 218. nehme ich Bezug auf die Worte chologie und Ich-Analyse. sobald sie als ethisches Gebot vor­ kommt. im Sinne von nah und ähnlich. Lacan (1996). jedoch zwingt er den Gemeindemitgliedern de facto seinen Willen auf. d.. . fördert die ethisch motivierte Liebe wiederum Talmuds. Aeischliche zu vermeiden und in der die von Emmanuel Levinas und Jacques Lacan zur Ethik und zum Perspektive) an den jüdisch-halachischen Machtmechanismus erinnert.erwünscht sei.."" Gemeinde das Gute (Spiritualität und Liebe) zu etablieren sucht. S.«'08 Der Altruismus unterscheidet sich für Levinas dadurch vom ethischen Gebot. während die Ethik den Menschen zur Verant­ wortung zieht'09: Niemand kann an die Stelle des Ich treten.wie jede Art der Lie­ be . und stützt sich dabei auf seine einzigartige Lesart der Bibel und des Wo Paulus das Böse bzw. Diese Meinung entspricht der ethi­ schen Position von Levinas.

also die Nähe hervorhebt. so Buber. dass er das Gebot •Liebe deinen Nächsten< so liest. Levinas' Definition des •Nächsten' schließt den Fremden ebenfalls ein. folgendermaßen zu übertragen: »Halte lieb deinen Genossen. Stattdessen schlägt Buber vor. entsteht eine gewisse Gleichsetzung. sodass die Defini­ tion hier auch den Fremden umfasst.110 Mit diesem Komma. der im alttestamentarischen Original aus den drei Wor- "' Cohen (1935). buchstäblich übersetzt. Auf diese Art und Weise wollten Buber und Rosenzweig das hebräi­ sche Wort •Rea< mit •Genosse< übersetzen. Ich bin der HERR. Rea} als demjenigen. wie es auf Hebrä isch heißt: •das Kind deines Volkes' beschränkt.im Gegensatz zu Luther. wie Paulus den Begriff ja .Leiden der beiden vermischen sich . denn ihr seid auch Fremdlinge ge­ wesen in Ägyptenland. dir gleich«. wo der ·Rea< mit TTAilcrioc. dass es sich gerade auf denjenigen bezieht. 6:10). wendet sich gegen die Deutung vom •Nächs­ ten< (111 bzw. Eine Rechtfertigung für den Übersetzungsvorschlag von Bu­ ber und Rosenzweig lässt sich in einem kurzen Text finden.«113 Diese Liebe zum Rea bzw.das Ich erlebt das Leiden. dass der •Nächste« eben auch den Fremden umfasst. der einem besonders nah sei. die gegen Ende des Levitikus-Kapitels stehen: Wenn ein Fremdling bei euch wohnt in eurem Lande. . der Nachbar ist. setzung schlugen die beiden nämlich vor. prochain im Französischen und eben Nächster im Deutschen (damit folgen diese Übersetzungen der Septuaginta und dem Neuen Testa­ ment.wie ich es eben von meiner eigenen Seele her weiß. der dir gleich ist<. ln einem Interview aus dem Jahr 1975 erklärt Lacan. Er soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer unter euch. sodass man den Ausdruck nun auch so verste­ hen kann: •Halte lieb deinen Genossen.. des Anderen. die sich (insbesondere jene der Septuaginta} mit •Du sollst deinen Nächsten lieben wie du dich selbst liebst< zurückübersetzen lässt. den hebräischen "• Begriff. den Buber als Vorwort zu Hermann Cohens postum erschienenem Bändchen Der Nächste geschrieben hat. nicht mehr nur um das Gefühl. ihm Liebe erzeigen. Vgl. Liebe antun. Diese Lesart begründet Levinas anhand zweier Verse. Rosenzweig (1926-1938). Buber.auch selbst begreift (Gal. S. der das Wort ja mit >Nächster< übersetzt und somit den Aspekt des Nachbarn."' ln diesem Text wen­ det er sich gegen die gängige Übersetzung des alttestamentari­ schen Ausdrucks. Eben aus diesem Grunde bevorzugt Levinas den Ansatz von Martin Buber und Franz Rosenzweig. und du sollst ihn lie­ ben wie dich selbst. "' Ebd.trotz des universellen Anspruchs . sondern dehnt sich auch auf den Fremden aus und umfasst somit alle unter der Schirmherrschaft Gottes: »Rea. der •wie ich< ist: liebesbedürftig wie ich. übersetzt wird). das den Ausdruck in zwei Teile aufteilt. •ihm lieben<: mich ihm liebend zuwenden. euer Gott (Lev. der nicht unbedingt der eigenen Gemeinde oder dem eigenen Volk angehört. dass der •Nächste< in diesen Übersetzungen eben der Nahestehende bzw. um die Gemein­ schaftlichkeit zu betonen . den Levinas' Interpretation.112 Dann geht es. Levinas weist darauf hin. 98 99 . sondern vor allem auch um das Verhalten: »Ich soll. 6. ·Genossen< ist dann keineswegs auf den Volksgenosse n ­ oder. der Liebestat eines Rea bedürftig wie ich. 19:33-34) ten »n::ti)XJ ')VI'1 ')lll:>« besteht. "' Ebd. ln ihrer Bibelüber­ Ausdruck als andere Aufforderung zu verstehen: ••Sei liebend zu deinem Genossen als zu einem der wie du ist". wie es in den gängigen Übersetzungen i n europäische Sprachen doch der Fall ist: neighbor im Englischen. den sollt ihr nicht bedrücken. und zwar als einem.

dem Aus diesem Übersetzungsvorschlag von Buber und Rosen­ Schöpfer des Menschen..i1NI. als Mitmensch.«'. Ü. wessen sie nicht der letzte Quell dieser Entwicklung.: Hervorhebung im Original] "' [A. dass die Levitikus Liebe so sei wie du. der Mischna und des Talmuds im 1 1 . der zu »Ich bin Jahwe. wie es anderswo noch deutlicher heißt: >Ihr kennt ja die Seele des wird. Dort positioniert Cohen die Nächsten­ liebe innerhalb der universellen Moral des alttestamentarischen (nichtchristlichen) Monotheismus: 114 115 Ebd. h. dass der Andere dem Ich vorzuziehen sei und dass Quelle der Nächstenliebe hinzuweisen."5 Gotte. d."6 rung der Israeliten her: »Daß es so zu verstehen ist. eigentlich ein ur­ sprünglich hebräischer und ins Deutsche transkribiertes Akronym für Rabbi Schlomo ben Jizchak. l n tion auf die Behauptungen dar. oder. und darum ist hier der Fremde kein Zufall und keine Ausnahme. S. Monotheismus selbst zu erkennen ist."8 zweig folgert nun Lewinas. gleichviel ob er mir volkeigen [sie] oder volksfremd ist. ein Teil von dir und von der göttlichen For­ ich«.] . auch die Übersetzung von Bamberger (1994). der vielmehr im bedarf.Der Monotheismus hat eine Geistigkeit Gottes geschaf­ Genosse. d. so hätte niemals aus dem sassen seid ihr im Land Ägypten gewesen< . 144. Diese Sichtweise entspricht Levinas' 19:34 schreibt: »Dein Gott und [auch] seiner bin Stellt aber Hermann Cohens Versuch. ihr wißt. die von christlicher Seite in die- diesem Sinne ist der Nächste immer auch der Andere. Wäre ursprünglichen und in der durchwaltenden Bedeutung aus den auf den zweiten Satz folgenden Worten: >Denn Gast­ Eine ähnliche Position kommt im Bibelkommentar von Raschi"9 Genossen bezieht. ü. Aus dem einzigen verweigert es nun nicht!«. der Mensch also. nicht etwa eine Reak­ das Ich eine absolute Verantwortung für den Anderen trägt. dass das hebräische Wort 11m. 6-7. Das rührt nach Bubers Lesart von ln diesen Ausgestaltungen aber bewährt sich unzwei­ Gottes Hinweis im Wortlaut des Gebots auf die eigene Erfah­ deutig der wahrhafte Sinn des Gebotes der sogenannten Nächstenliebe. geschweige der rein theoreti­ sche Begriff des Frommen der Völker der Welt117 entste­ Gastsassen. 119 [A. Jahrhundert.] ''" (A. ihr. hervorgegangen. fen und damit auch gleichsam eine seelische Geistigkeit mir eben jetzt begegnende Mensch.120 derung an dein Selbst. also auf den Nächsten bzw. der. < 101 .: Im modernen Deutsch und im teilweise säkularisierten Sin­ ne (vgl. ist auch der Fremdling. sondern die Regel. S . Diese Deutungen durch Buber und Levinas müssen auch mit den Worten von Hermann Cohen in seinem Werk Die Reli­ gion der Vernunft aus den Quellen des Judentums in Verbin­ dung gebracht werden. mit dem ich gerade zu tun habe. 100 "6 [A. Das bedeutet nach Levinas. sich eigentlich nicht auf 111. d. gleichnamige Ehrenwürde: •Gerechter unter (manchmal auch: aus) den Völkern ) 118 Cohen (1919). Ü. die von Yad Vashem . d. S.. Ebd.] in diesem Augenblick >angeht<. der zentralen Holocaustgedenkstätte in Israel an Retter von im Zweiten Weltkrieg verfolgten Juden ver­ liehene.. . vgl.: Ein maßgeblicher Kommentator des Alten Testaments. [. d.: Dies ist meine Übersetzung. denen es einst verweigert worden ist. ergibt sich Nächste in der Fremdling der Noachide. auf die universelle Position. denn Gastsassen seid i h r im Land Ägypten gewe­ hen können. 373. ist der Mensch.:. Ü. das ins Deutsche normalerweise mit •wie dich selbst< übersetzt dieser der Volksgenosse gewesen. sondern auf m. der mich alles Menschlichen. . Ihr kennt diese Seele und ihre Not. und darum. euer Gott« am Ende von rung >du sollst lieben<. Aber sogar auch der Fremdling ist noch sen<.. auf die Aufforde­ zur Geltung.

ser Sache aufgestellt wurden? Trotz der Ähnlichkeit von
Cohens und Raschis oben angeführten Worten möchte ich be­
haupten, dass sowohl aus Raschis (vermutlicher) Perspektive
als auch aus der Perspektive des biblischen Autors keine Ab­
sicht besteht, die Frage des ·Rea• um die universelle Dimension
zu erweitern, sondern im Gegenteil, diese Frage auf die Singu­
larität des ·Rea•, also auf das Reale, zu fokussieren. Im Weite­
ren meine ich, dass dies auch auf die Thesen von Levinas und
Lacan, die wir im Folgenden besprechen, sowie auf den psy­
choanalytischen Diskurs zutrifft. Allerdings geht diese Beschäfti­
gung mit der Singularität des •Rea• in all diesen Fällen mit noch
etwas einher, nämlich mit der Verhinderung der narzisstischen
Tendenz, den •Rea• als meinesgleichen anzusehen; eine Ten­
denz, die im Mittelpunkt der universell-harmonischen Phantasie
des Christentums steht: dies ist der narzisstische Universalismus.
Die Kommentare und Einsichten dieser jüdischen Denker
zur Übersetzungsgeschichte der Septuaginta, die schließlich
ihre Spuren im Neue Testament hinterließ, werfen die Frage
auf, ob nicht gerade das narzisstische Verständnis des Gebotes
der Nächstenliebe es war, was Paulus aufnahm und dann der
abendländischen Kultur als solcher vermachte? Vielleicht ver­
mag ausschließlich die Gegenwart Gottvaters, dem wir zu sym­
bolischer (nicht gegenseitiger) Identifikation verpflichtet sind, die
Existenz anti-harmonischer Ethik zu ermöglichen, während hin­
gegen die Religion des Sohnes, welche die Gläubigen und ihr
Glaubensobjekt zugleich auf die Ebene der imaginären Gegen­
seitigkeit stellt, nicht in der Lage ist, dem Muster einer Spiegel­
bild-Beziehung zwischen dem Ich und dem Anderen zu ent­
kommen. Und man soll darüber hinaus auch fragen: Sind wir
überhaupt noch imstande, uns in die alttestamentarische Per­
spektive zurückzuversetzen und den ·Rea• ohne den christli­
chen Einfluss zu verstehen? Darauf antwortet Hermann Cohen
mit einer Warnung, dass die Psychologie des Juden schon stark
von christlichen Vorstellungen beeinflusst ist, auch wenn diese
Vorstellungen eigentlich auf das Alte Testament zurückgehen:

102

Auch die tiefste Schädigung, welche unter allen Ver­
leumdungen und Mißdeutungen der jüdische Monotheis­
mus in der Aberkennung der Nächstenliebe erlitten hat,
hätte nicht um sich greifen können, wenn das Urwort
121
Rea (ln)
nicht durch das falsche Übersetzungswort
des Nächsten verdrängt worden wäre.•n
Lacans Position zum Gebot der Nächstenliebe artikuliert sich,
wie gesagt, in seinem Seminar VII, wo er sich mit Freuds Das
Unbehagen in der Kultur befasst. Lacans Absicht ist es, die
Beschaffenheit des Gesetzes nach dem ·Tod Gottes• zu be­
leuchten, jenes Gesetzes, das sich auch bei seiner Abschaffung
erhält: »Gott also ist tot. Da er tot ist, war er es seit jeher«.'23
Lacan betont, dass das Gesetz auch nach dem ·Tod Gottes•
fortwährt, wie Freud in Bezug auf das Über-Ich festgestellt hat:
Dieses besteht auch nach dem, ja aufgrund des Todes des
Vaters (oder der Fantasie von dessen Tod) im ödipalen Kom­
plex und dem Mythos von Totem und Tabu fort. Lacans Schluss­
folgerung lautet, dass gerade das Christentum paradoxerweise
das Gesetz bewahrt, obwohl es sich gegen den Vater als
Begründer des Gesetzes wendet. Auf diese Art und Weise tilgt

isch im Original).
,., [A. d. ü.: Hebrä
,,. Cohen (1919), S. 462-463.
'"' Lacan

{1996), S. 218. Hier wendet sich Lacan gegen die Kategorie
•Gott ist tot• in ihrem atheistischen Sinne und stellt den •Tod Gottes•
als Mythos dar, der von der Kastrationsangst herrührt. Der Mythos

verdeckt die andauernde Existenz Gottes und des Gesetzes auch
nach der Entfe rnung Gottes, dessen Tod ihn dialektisch belebt. Tat­
sächlich findet Lacans Gedankengang innerhalb eines Rahmens
statt, . in dem einerseits Tod und A uferstehung des Gesetzes, ande­
rerseits Tod und Auferstehung Gottes miteinander identifiziert wer­
den. Diese Identifikation stützt sich wiederum auf die freudianische
Identifikation von Gott mit dem Vater als Vertreter des Gesetzes.
Mehr über Lacans Auffassung des •Nächsten• sowie über den
Begriff des •Nächsten• im Zusammenhang mit politischer Theologie
ist in der ausführlichen Diskussion von Zizek, Santner und Reinhard
zu finden, in: Zizek (2005).

103

das Christentum einerseits die Vaterschaft samt der positiven

Identifikation, die in ihr enthalten ist; andererseits verschärft es

die negative Identifikation, die an das Gewissen appelliert.

·Fremde•, gar nicht der Liebe würdig, sondern »hat mehr

Anspruch auf meine Feindseligkeit, sogar auf meinen Haß«,'25

was Ihm, d. h. dem Fremden, wohl ebenfalls einleuchtet. Freud

Jedoch ist hier keine rein historische Veränderung gemeint,
die sich auf einen gewissen Zeitpunkt des Vatermordes bezieht,

stellt sich also dem Gebot der Nächstenliebe entgegen, weil er

wie es bei Freud der Fall ist; vielmehr geht es hier um eine

zeigt in seiner Lesart von Freud, wie sehr dieses ethische

Position, nach welcher der Vater stets stirbt, denn dies ist die
strukturelle Situation, in der sich das Subjekt gegenüber dem
Gesetz des Vaters befindet: Der Vater wurde nicht am Anfang

es für ein Gebot hält, das Lust verhindere. Lacan wiederum

Gebot - als eine christliche Aufhebung (im hegelschen Sinne}
aller anderen alttestamentarischen Ge- und Verbote - tatsäch­
lich das väterliche Gesetz annulliert, dieses aber zu gleicher

der Geschichte, sondern wird immer wieder aufs Neue ermor­

Zeit auch bewahrt sowie auf das Niveau des abstrakten Über­

Gottes.'2< Denken wir sie zu Ende, so können wir versuchen, die

dass das moralische Gebot schlechthin, auch jenes der Nächs­

det. Dies ist die lacansche Theologie des andauernden Todes
Gründung der Gemeinschaft der Söhne nicht nur als Aufstand
gegen den Vater, sondern auch als Erfahrung von Waisen zu
formulieren: Die Söhne verloren demnach ihren Vater Jahwe,

als dieser seine Potenz angesichts der römischen Soldaten und

Ich und der negativen Identifikation erhöht. Ferner meint Lacan,

tenliebe, nicht unbedingt gut sei, wie es etwa bei Freud der Fall
ist, der in Gestalt des gemeinen, glücksuchenden Mannes ver­
sucht, das Liebesgebot zu vermeiden. Also stellt Lacan im

nen ließ. Nun wappneten sich die Waisen mit dem Verlust bzw.

Seminar VII fest: »Wahr bleibt die Wahrheit,' daß der Mensch
das Glück sucht. Der Widerstand angesichts des Gebotes Du
sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst und der Wider­

teuflischen Weit durch ihre Liebe zueinander überleben zu kön­

Fesseln anzulegen, sind ein und dasselbe«.126 Darum stellt sich

Übeltäter verlor und sein Haus im Jahre 70 n. u. Z. niederbren­
Versagen Jesu, des Sohnes, u m zusammen in jener bösen,
nen. Darüber hinaus dürfte die Erfahrung des Verwaistseins
Animositäten gegen den Vater enthalten haben, der sie im Stich

gelassen hatte: »Wir sind Waisen und haben keinen Vater [...)«
(Klagelieder 5:3}. Zu gleicher Zeit kann diese Erfahrung in sich
auch eine tiefe Liebe geborgen haben, die christliche Liebe der
Söhne zu ihrem Vater, die sich in Jesu gekreuzigtem Fleisch
verwirklicht hatte: Das Todesspektakel auf Golgatha sollte dem­

stand, der zur Wirkung kommt, seinem Zugang zum Genuß
immer dann, wenn Freud sich zum Liebesgebot äußert, die Fra­
ge nach der grundlegenden Boshaftigkeit des Nächsten. Wenn
dem so ist, fügt Lacan hinzu, dann besteht diese fundamentale
Boshaftigkeit, dieses böse Genießen, auch bei mir; denn der
Nächste erregt es ja, das, woran ich mich herantraue - und
sollte ich es anrühren, so würde die Aggression, vor der ich flie­
he, gegen mich agieren, und zwar in Form des verdeckten

nach die Wahrheit über den Tod des Vaters verdecken.

Gesetzes, d. h. des Über-Ich, das mich vor dem gefährlichen

lich-paulinische Gebot »Du sollst den Nächsten lieben wie dich

Ding behüten soll.
Diese im Unbehagen in der Kultur befindlichen Aspekte im

Im Unbehagen in der Kultur betont Freud, dass das christ­

selbst•• inhuman, unmöglich und sinnlos sei, weil es zu viel um­

Verhältnis

lasst und dem grundlegenden Willen des Menschen wider­

beleuchten, da er meint, Freud habe sie nicht ausreichend

spricht, die Lust zu befriedigen. Zudem sei der Nächste, der

zwischen

Gebot

und

Genießen

möchte

Lacan

"' Freud (1931), S. 78.
"' Vgl. Lacan

104

(1996), S. 193.

,.. Lacan (1996), S. 234.

105

erklärt. Nach Lacan stellt sich das ethische Gesetz an die Seite
des Genießens, das jenseits des Lustprinzips liegt: »Was er
[Freud] jedoch umgeht, das ist, vielleicht, daß wir den Zugang
zum Genuß just auf diesem Wege [einer Ablehnung des morali­
schen Liebesgebots] verfehlen«'2'. Die Psyc�oanalyse weist
darauf hin, dass die Aggression auch vom Uber-lch herrührt
und dass es auf diesem Weg des Über-Ich, sobald wir ihn
betreten haben kein Zurück mehr gibt: Je mehr das Ich ver­
sucht, den zwa�ghaften Erwartungen des Über-Ich gerec�t zu
werden, umso eindringlicher werden die Forderungen des Uber­
lch - bereits das moralische Gebot an sich enthält das böse
Genießen. Daraus folgt, dass die Befolgung des Gebots •Liebe
deinen Nächsten• u. a. dazu führt, dass das Genießen über die
Hintertür des Über-Ich einbricht, sowie zu einer Auseinander­
setzung mit dem Genießen des Anderen bzw. des Nächsten.
Diese Problematik formuliert Lacan sehr prägnant mit fol­
genden Worten (hier knüpfen wir an eine Stelle im Seminar VII
an, mit der wir uns auch im ersten Kapitel ansatzweise befasst
haben, und führen sie fort):'..
Beachten wir, daß nur das Christentum dem Natürlichen
der Wahrheit, die wir den Tod Gottes nannten, vollen
Gehalt, dargestellt im Drama der Passion, gibt. Ja in
einem Natürlichen, gegen das die Annäherungen, wie
sie die blutigen Kämpfe der Gladiatoren darstellen, ver­
blassen. Das Christentum stellt uns ein Drama vor Au­
gen, in welchem der Tod Gottes buchstäblich Fleisch
wird. Das Christentum war es auch, das diesen Tod
dem, was mit dem Gesetz geschehen ist, an die Seite
stellte, und zwar ohne dieses Gesetz, sagt man uns,
[durch den Tod] zu zerstören, ihm sich vielmehr substitu-

106

lieben wie dich selbst.

Die Sache ist als solche im Evangelium artikuliert, und
damit müssen wir unseren Weg weiterverfolgen. Beide
Terme, der Tod Gottes und die Nächstenliebe, gehören
historisch zusammen, und es ist nicht möglich, das zu
verkennen, ohne zumindest allem, was sich in der
jüdisch-christlichen Überlieferung erfüllt, den Anstrich
eines konstitutionellen Zufalls zu geben.
Ich weiß wohl, die Botschaft der Gläubigen verweist auf
eine Wiederauferstehung im Jenseits, das ist aber ein
Versprechen. Da ist genau die Stelle, an der wir unseren
Weg bahnen müssen. Und zwar so, daß wir gut daran
tun, an diesem Engpaß, an dieser engen Passage ein­
zuhalten, an der Freud selbst einhält und zurückweicht
in einem Schauder, der begründet ist. Du sollst deinen
Nächsten lieben wie dich selbst - dieses Gebot er­
scheint ihm als unmenschlich.'29
Angesichts der Worte von Levinas und Lacan können wir nun
die realen Aspekte der Liebe auf deren ethischer Ebene ver­
deutlichen, jene Aspekte also, welche Paulus' Streben nach
einer Gemeinde unterminieren, die vom Genießen frei und mit
gegenseitiger Liebe durchsetzt wäre. Paulus stellt die geistige
Liebe gerne als das Gegenteil des Sexualtriebs und der Flei­
scheslust dar.'30 Die paulinische Liebe möchte die sexuelle Lei-

"" Ebd., S. 225.
,.. S. im ersten Kapitel dieses Buches �Gesetz, Leidenschaft und Über­

tretung bei Lacan und Paulus«, im letzten Unterkapitel »Gesetz
Über-Ich·• (Fußnote Nr. 51).

ierend. Indem es das Gesetz zusammenfaßt, es auf­
nimmt i n derselben Bewegung, in der es seine Aufhe­
bung ist - das erste historische Beispiel, in dem der
deutsche Term Aufhebung von Gewicht ist-. ist das ein­
zige Gebot von nun an das Du sollst deinen Nächsten

und

"' Lacan (1996), S. 233-234.
p
s
y
c
hologie und Ich-Analyse äußert sich Freud zum psy­
,,. ln Ma
sse
r:
choanalytischen, sozusagen •erweiterten• Sinn der Liebe, welcher
sowohl die sexuelle als auch die sublim ierte, zugunsten von sozialen
Bedürfnissen zurückgehaltene Liebe umfasst: » [W]enn der Apostel

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"' Mehr Ober die psychologischen Aspekte von Paulus' Konversion Paulus in dem berühmten Brief an die Korinther die Uebe über alles andere preist hat er sie gewiß im nämlichen •erweiterten • Sinn ver­ standen". erhält er unwissentlich das Genießen aufrecht - Selbstbeschreibung bildet der Übergang vom alten zum neuen auch wenn dieses im Rahmen der •gesunden•. 2. die Agape (gr. was eine Ideal- 109 . während und als Neubegegnung mit dem Nächsten kann aus dem inne­ ham. 5-6.denschalt durch deren Sublimierung ersetzen. Wohltätigkeit und Mitleid DIE BESCHNEIDUNG ALS KASTRATION UND ALS REGRESSIVE KONVERSION verknüpfen. Die ln einigen seiner Briefe äußert sich Paulus gegen die Vorstel­ paulinische Liebe möchte sich folglich nicht auf Not und Entbeh­ lung.doch der sich jüdisch beschneiden lassen oder gar die Gesetze der Tho­ ra befolgen sollten. Diese Position kommt denschaft sowie von der problematischen Dialektik zwischen besonders in seinem Brief an die Galater zur Geltung. die Paulus über die Beschneidung im Beson­ zwar gerade deswegen. wo die Liebe im sche Bedeutung zu.oder dem Fremden. wie dies bei der Leidenschaft . 106-107. rung beziehen. Doch indem er das •aufwertet• . wie er ihn bei seiner eigenen Konversionserfahrung auf Liebe beruhenden Gemeinschaft scheinbar verschwindet. S. und Diskussion dient. erscheinen. 285-300. S. der darlegt.""' er sich auf Abra­ falls die Aggression bzw. das Genießen heraufbeschwören. dessen Konversion er­ ren Bösen. da diese Handlungen seiner Meinung nach Fall ist. als er noch unbeschnitten war. noch eindringlicher als �nd getragen von der Agitation des Über-Ich gegen das yYie ich später zeigen möchte. S. in dem jüdische Gesetz abschafft und wir auch die ausführlichsten biographischen Angaben finden. beruft. Sobald das Gesetz seinen Anspruch führt. tm6u�ia). Der biographischen Beschreibung kommt große rhetori­ Dieses Genießen bleibt genau dort erhalten. '"' Vgl. Schwerpunkten zusammen: zum einen der Übertritt vom Ju­ dentum zum Christentum (Gal. mit Hass und Gewalt aufzuhören: Fort­ erwünschten Übertritt schlechthin dar. es (in Form der Nächstenliebe) zu einem ethischen Gesetz die Paulus Ober sich selbst macht. bei Segal (1990). weil diese Liebe durch das ethische deren und die Befolgung der Thora-Gesetze im Allgemeinen Gesetz erzwungen wird. '"' S. S. aycmrl) will Paulus direkt mit Hingabe. den Vater aller Gläubigen. Betz (1988). Das Leitmotiv bei dieser Paulus sucht also die Trennung vom den beiden. die ehemaligen Heiden. ·� Darum setzt sich die Autobiographie im Galaterbrief aus zwei Teilen bzw.nach Lacans Auffassung . sowie Dunn (1993). das dem Menschen als solchem innewohnt. 99. Aber die Liebe als Gebot dem Beschneidungsritual entgegen. IV. zuvor kehrt das Genießen zurück. . 1 :11-23). ausschließlich Glauben. d. der sich dank dieser Liebe gleich taufen lassen sollte. h. 108 z. in: Freud (1967). Paulus verlangt von seinen Adressaten. allen­ folgte. Seine Erfahrung setzt er an sollten sie den Nächsten lieben. Somit lässt Paulus die Agape als eine Art Emanation des Konversion'3' von Geist und Gnade Heiligen Geistes und als absoluten Gegensatz zur triebmäßigen Leidenschaft. Gal.'� Seine Unabhängigkeit von den Juden in Jerusalem'33 erhebt gründet Paulus nämlich auf die Offenbarung. der Epithumia (gr. Kap. weil sie als Einführung in die theologische Realen des freiwilligen Altruismus wirksam werden sollte. die alle dem christlichen Nächsten gelten . dass die Jesus-Giäubigen. die er erlebt hat. B. stellt Paulus seinen eigenen für den Ich selbst. Gesetz und der Lei­ dem Glauben an Jesus widersprächen. im Namen Ubertritt zum christlichen Glauben als paradigmatisch von Jesu Liebesgesetz. erlebte.

der Tho­ ra (falls er jüdischer Herkunft ist) einerseits und der neuen spiri­ tuellen Botschaft von Jesus.. wie wir sie uns durch die Lektüre seiner Zeilen vorstellen können. zwischen dem Fleisch und dem Geist. Aus der dualistischen Differenzierung zwischen der alten.. pneuma). gi�he Pos�ion zu Sünde und Gese hropolo t '35 s. hliche mensc nach . 110 158-165 (in hebräischer Sprache). Paulus' Konkurrenten aber. Dunn (1998). anderen der Kampf des Paulus gegen die indirekt auc� sei�e M�i­ lung. Denn in dieser gefährlichen •Schwellenlage• (dem lacanschen •Realen•} ist der Gläubige von Leidenschaften. Jede Konversion birgt in sich den Charakter ihres Zieles: Auf der einen Seite gibt es die geistige.Einer der wichtigsten Aspekte der Konversion ist die Dimen­ sion der Zeit. sarx) und demjenigen des Geistes (� (16 TTVEüt. 3:23-25}. zwischen Vergangenheit und Zukunft usw. die Botschaft reibt (3:15).'35 konstruiert Paulus ein neues Zeitverständnis.. Sünde und dem provozierenden Gesetz einerseits sowie vom Geist andererseits zerrissen (Röm.not yet•). perlich•-jüdischen und der •geistige-christlichen . verkörpert durch den Übergang von der alten •Vergangenheit• zur neuen ·Zukunft<. 461-477. forderten von den Galatern notabene die Zusammenführung beider ldentitäten .der •kör­ Paulus selbst erlebte. dem Messias. Anspruch. ln dieser Zwischenzeit decken sich noch das Fleisch und der Geist'36 und es besteht sogar die Chance. sich aus dem Fleisch zu befreien. Paulus widersetzt sich dem Wunsch seiner Adressaten sich g be�chne_lden zu lassen. aber es gibt noch keine endgültige Befreiung bzw. Vgl. nämlich diejenige. tz darlegt (Röm. Über die Begriffe ·Fleisch• und ·Geist• bei Paulus s. Doch im Augenblick befinden sich die Galater' wie gesagt. Erzä� einer Form in legt darge 2). nachdem die Galater die Konversion zum Glauben an den Messias bereits durchgemacht hatten. w�il die jüdische Beschneidun aus _ se1ner S1cht d1e Phase des Ubertritts vom Judentum zum Chris­ tentum verewigen würde. wobei Paulus und die Adressaten seiner Briefe sich in einer historisch-chronologischen Zwischenphase befinden (•al­ ready . Gal. sowohl in biographischer Hin­ sicht (aufgrund des gespaltenen Ich} als auch in historisch-theo­ logischer Hinsicht: Sie stehen zwischen dem Zeitalter des Gesetzes und dem des Messias. auch die Art wie er es später in diesem Brief besch _ n durch e1ne an­ uf die Paulus sein theologisches Denke und Weise a 7). telt. die die Beschneidung (Gal. Erlösung.und ins Zeitalter des Messias hi- neinwachsen sollten. schließt Pau­ lus auf das auffällige Fehlen eines Mittelweges als Kompromiss zwischen den beiden Extremen. vergleicht Paulus die Galater mit Minderjährigen. könnte er. Somit erfullt s•c:h se1n verm1t rs1on Konve ten ünsch nung zur unerw r We1se" zu verku�den. das Erbe Gottes antreten und Gott ein Sohn werden (Gal. von Gesetz und Fleisch beherrschten Zeit und der neuen Zeit des spirituellen Glaubens an Jesus. aber nur für eine beschränkte Zeit (vgl. 7). das von einer eschatologischen Spannung zwi­ schen zwei Zeitaltern geprägt ist: dem Zeitalter des Fleisches aap� bzw. zur glei­ chen Z�it zwei dermaßen einander entgegen gesetzten Religio­ nen beizutreten.Ja bzw. Erst wenn der minderjährige Erbe sich von der Vormund­ schaft der mosaischen Gesetze befreien würde. . Kap. den Messias. andererseits. Kap. Flusser (1958) S. Diese historisch-eschatologische Spannung entspricht der psychologisch-inneren Spannung zwi­ schen Fleisch und Geist beim Christen selbst. Er hält es also für unmöglich.und zwar durch die Beschneidung. 2:1-7). Im Hinblick auf ihr persönliches Heil als Individuen sowie auf die künftige Gemeinde scheinen sie i n einer Art Schwellen­ zeit gefangen zu sein. in der einer Zwischenzeit. Um seine neue Auffassung der Zeit zu veranschaulichen. Kap. zwischen Heidentum und Judentum einerseits und Christentum andererseits. und zum konversion sei. . Dieser ist zerris­ sen zwischen der alten Wett des Irdischen (falls er Heide gewe­ sen ist) oder der Unterwerfung durch das Gesetz bzw. Das Gesetz sei nämlich erforderlich und gut gewesen. S. Dies kommt insbesondere in der Konversion des Paulus vom Judentum zum Christentum sowie in der jüdischen Beschneidung als Übergangsritus zum Ausdruck. Wie Dunn erklärt. die aus dem Zeitalter des Gesetzes noch heraus. von der 111 . so Paulus.

"0 wobei seine Botschaft bzw. auch nicht durch einen Menschen. dass seine Adressaten diesen Sach­ verhalt schon kennen: »Denn ihr habt ja gehört von meinem Leben frOher im Judentum [ . als dieser noch lebte).ne Prophezeiung zu verkünden vorgesehen waren (vgl. weil er hier die Sünde des Hochmuts nicht begehen möch· te. sondern durch eine Offenbarung [öi emo­ KaALnpEw<. Paulus beschreibt hier seine Übertrittserfahrung nicht so ausführlich wie in der Apostelgeschichte. vgl. DarOber hinaus erinnert Paulus seine Adressaten an seinen langen Weg vom Judentum zum Glauben an den Messias (ebd. '39 Vielleicht. 1 . weil Paulus in ihrer Mitte weilte. d. im Gegensatz zu den Jüngern Jesu.. l n seinem Brief an die Galater verwendet Paulus seine Kon­ versionsgeschichte zu einem rhetorischen Zweck. wie seine persönliche Erfah­ rung demonstriert. von menschlichen Handlungen geleitete Konversion. 1. sondern vor allem deswe­ gen. sondern durch Jesus Christus und Gott. h. . die dementsprechend auf das Fleisch abzielt. 13-17). 2. Damit überarbeitet Paulus die alttestamentarischen Bibelstellen zu den �ro�heten. bei einem Säugling. wie Paulus es darstellt. 4:12-15}. indem er sich selbst folgendermaßen vorstellt: »Paulus. Kor. denn sie stützt sich auf eine unmittelbare Offenbarung Jesu (Pau­ lus selbst. Gal. sofern er schon erwachsen ist. Paulus lehnt das jüdische Übertrittsritual'37 aufgrund dessen religiöser Qualität ab: Dieses wird von dem Konvertiten selbst. Solche Auffass ung sollte im späte ren Vertauf der christ­ lichen Geschichte die Kirche selbst aus moralischen Gründen kaum annehmen können. während er sich 112 schon in der Eröffnung seines Briefes darauf hin. und zwar aus drei Gründen: . 12:1-6.'38 Die gewünschte Konversion ist demnach ein Ergebnis willkür1i­ _ cher göttlicher Inspiration. keiner menschlichen Uberzeu­ gung. sofern es sich um ein Kind oder einen Säugling handelt. d. Anscheinend stellte Paulus damit die Weichen für christliche Auffas­ sung von Prädestination (da Gott selbst aussucht. wem er den Geist schenkt). 9:16 und insbesondere 2. 1 3). dass es zwischen den beiden Glauben keinen Kompromiss gibt. indem er die von ihm erlebte Offenbarung erwähnt. Es scheint. .Heiligen Schrift inspirierten Konversion zum Geist hin. der in die Gemeinde hineingeboren ist. die seit ihrer Geburt für diese Aufgabe. den Vater.) Jesu Christi« (1 : 1 1 -12). war er ihnen wie ein Engel Gottes. die. ]« (ebd. auf der anderen Seite eine fleischliche. ein Mittel zur mündlichen Übermittlung der Botschaft (vgl. 1 :1). 3:1-6. 113 . ein Apostel nicht von Menschen. Um seine Ablehnung die­ ses Rituals zu betonen. Denn ich habe es nicht von einem Menschen empfangen oder gelernt. Kor. dies gilt auch für die Galater... um die Legitimation seiner Botschaft zu untermauern. diese Erfahrung nur zu vergegen­ wärtigen. 6:14. Stattdessen zieht er es vor.. um zu beweisen. vielleicht sogar wie der Messias selbst. damit zu prahlen. Ihnen sei nämlich der Glaube nicht nur deswegen zuteil gewor­ den. wo Paul us die von ihm erlebte Offenbarung erwähnt.. sondern nur einen entschiedenen Wechsel vom einen Glauben zum anderen bzw. Dabei geht er davon aus. h. symbolisiert die Beschneidung seine Zugehörig­ keit zur Gemeinde. Gal. dass er es im Rahmen eines so eiligen Briefes nicht für richtig hält. etwa Jeremta 1 :5). das Evan­ gelium »das von mir gepredigt ist.••• jedoch weist er "' Für die Konvertiten stellt das jüdische Übertrittsritual die Initiation als Phase der Konversion da. aus seiner eigenen Initiative her­ aus vollzogen bzw. . der ihn auferweckt hat von den Toten« (Gal. deutet Paulus auf die christliche Alter­ native hin: Eine Konversion. nämlich ihre Jewetls etge. weil die Gnade anwesend war: Als sie die Botschaft aus dem Munde des Paulus empfingen. nicht von menschlicher Art ist. allein durch Gottes Gnade vollzogen wird. auf Wunsch seiner Eltem. in Einzelheiten auf die Geschichte seiner Konversion einzugehen.. von der der Problematik bewusst zeigt. kannte Je­ sus bekanntermaßen nicht.

es handelt sich also nicht um eine allmähliche Konversion. dass die Galater sich nicht beschneiden lassen sollten. 3. nur damit sie nicht um des Kreuzes Christi willen verfolgt werden. Es sei aber fern von mir. die sich beschneiden lassen. können wir aus diesen verstehen. sondern der Glaube. Die regressive Konversion des Fleisches: die Beschnei­ dung Wenn wir Paulus' Worte in seinem Brief an die Galater lesen. sage euch: Wenn ihr euch beschneiden lasst. dass sie durch die Aufnahme ins jüdische Volk und in seine Gesetzes­ treue ihre Zugehörigkeit zum Glauben an den Messias vervoll­ ständigen würden. um zu zeigen. (Gal. Denn in Christus Jesus gilt weder Beschneidung noch Unbeschnittensein etwas. eine Zwischenzeit enthält. 5:1-6) Am Ende des Briefes betont Paulus abermals. das Christentum hingegen dem uni­ versellen Geist. die nichts mit dem Geist zu tun habe. wie diese insbesondere in der Apostelgeschichte 1 14 dargestellt und in Paulus' Briefen angedeutet wird. mich zu rühmen als allein des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus. keines Übertrittsaktes wie der Beschneidung bedarf. dass die Beschneidung zu dem Fleischlichen und Irdischen gehört und eine Konversion ins Fleischliche darstellt. dass es. die ihr durch das Gesetz ge­ recht werden wollt. dass seine Konkurrenten von den Galatern vor allem forderten. meint Paulus. dass er das ganze Gesetz zu tun schuldig ist. der sich beschnei­ den lässt. so wird euch Christus nichts nützen. nämlich den Glauben. Diese Gnade. sollte jetzt durch keine Konversion fleischlicher Natur gestört werden (Gal. die zwin­ gen euch zur Beschneidung. Zur Beschneidung gehört auch die •Zerschneidung• (vgl. ich. Paulus. als sie das Geschenk Got­ tes annahmen. Ich bezeuge abermals einem jeden. wie es bei den Galatern selbst der Fall war. durch den mir die Welt 115 . während der Beschneidung als Ergebnis des fleischlichen Diesseits eine Motivation zugrunde liegt. und wie es auch mit Paulus' eigener Konversion geschah. Doch im Wesentlichen steht die Beschneidung im Widerspruch zur Kon­ version. die die Galater bereits durchmachten. als die göttliche Gnade durch Paulus auf sie herabkam: Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen! Siehe. halten das Gesetz nicht. Denn wir warten im Geist durch den Glauben auf die Ge­ rechtigkeit. und seid aus der Gnade gefallen. damit sie sich dessen rühmen können. sich beschneiden zu lassen. 3:2). 6:15) an. Phil. Demgegenüber behauptet Paulus. Jeder der beiden Glauben gehört einem anderen Bereich an: Das Judentum dem Fleisch und der Praxis. auf die man hoffen muss. Denn auch sie selbst. Ihr habt Christus verloren. dass ihr euch beschneiden lasst. Dies wurde anscheinend dahingehend begründet. also die Einmaligkeit. denn nun kommt es auf "eine neue Kreatur« (Gal.einen Gemeinde zur anderen. 5:1-6. 6:1 1 -15). a. wie er es erlebte. in der die beiden Glauben noch irgendwie ineinander übergehen. Diese neue Kreatur birgt in sich den Wandel zum Leben im Messias. sondern. die gänzlich von Menschenhand vollzogen wird. ähnlich der Plötzlichkeil und Einmaligkeit der Gnadenoffenbarung auf dem Weg nach Damaskus. dass man der göttlichen Gnade vertrauen muss. der durch die Liebe tätig ist. parallel zur Hoffnung auf eine Erlösung im eschatologischen Sinne: Die Ansehen haben wollen nach dem Fleisch. die hin zum geistigen Glau­ ben an den Messias führe. um auf diesem Wege ihren Glauben an den Messias zu ergän­ zen. die u. sondern sie wollen. damit der Christ den Glauben em­ pfängt.

das mit seinen Kin ­ dern in der Knechtschaft lebt.seine Bedeutung verliert (vor allem im Sinne von •Heide•. denn durch Werke des Ge­ setzes wird kein Mensch gerecht. wodurch auch die Begriffe •Jude• ('louBaiot. Nach der jüdischen. dann gilt es dieses Zeichen abzuschaffen. 6:1 2-15) Darüber hinaus gibt es nach Paulus keine Notwendigkeit. (Gal. ·Sara•. damit wir ge­ recht werden durch den Glauben an Christus und nicht durch Werke des Gesetzes. Der neue "Ju­ de« Im paulinischen Verständnis erscheint »noch jüdischer als der Jude«. d. sind auch wir zum Glauben an Christus Jesus gekommen.gekreuzigt ist und ich der Welt. jüdischen Auffassung neu defi­ niert. ohnehin schon Juden sind. Diese Worte haben tiefere Bedeutung. also die Heidenchristen. (Gal. dessen Nachkommen die nichijüdischen lsmaeliten141 sind. 3:28). so stellt sich heraus. der Magd und Mutter von lsmael.) und •Grieche• ("EMI'JV) - dert. der für alle sühnt . der im Geist glaubte und dem Körper nicht unterworfen war: Wir sind von Geburt Juden und nicht Sünder aus den Heiden. das ist Hagar. der von der Freien aber kraft der Verheißung. der zur Knechtschaft gebiert. dass der Mensch durch Werke des Gesetzes nicht gerecht wird. Aber das Jerusalem. Paulus arbeitet hier mit den Signifikanten •Hagar•. ohne Rücksicht auf die Abstammung. den einen von der Magd. da die Galater. •lsaakc und •lsmael•. trennt sie von den Signifikaten. die diesen beiden Namen seinerzeit schon innewohnt. 4:21-31 ) . entleert sie teilweise ihrer tradierten Be­ deutung.iliten• Kontext) im islamischen 117 . •Heide• verhin­ lA. dass die Konversion des Judenbegriffs diesen zu entleeren scheint. stellt sie vor einen neuen Hintergrund und gießt im Gegensatz zu Paulus' universellem Anspruch - ihre jeweilige Bedeutung erhalten. d. Denn die beiden Frauen bedeuten zwei Bundesschlüsse: einen vom Berg Sinai. das ist unsre Mutter. mit denen sie im jüdischen Gemeinderahmen außerhalb der Allegorie eng ver­ bunden sind. h . . in der Allego­ rie von Sara und Hagar (Ga!. (Gal. wäh­ rend auch der Begriff ·Grieche• . dass Abraham zwei Söhne hatte.: nicht zu verwechseln mit den •lsma. Paulus vollzieht hier eine hermeneutische Konversion des Begriffs des Jüdisch-Seins. dass der Jude sich von den Heiden unterscheidet.wie Abraham. Denn in Christus Jesus gilt weder Beschneidung noch Unbeschnittensein etwas.infolge der Kreuzigung Jesu. der erste Gläubige. den Rahmen von Ge. sondern durch den Glauben an Jesus Christus. um Jude zu werden. das droben ist. 4:22-26). den andern von der Frei­ en. •Nichtjudec). Paulus knüpft an die Wertigkeit. Doch weil wir wissen. denn Hagar bedeutet den Berg Sinai in Arabien und ist ein Gleichnis für das jetzige Jerusalem. und zwar noch jüdischer als die Juden selbst.und Verboten sowie auf die Beschneidung. das ist die Freie. sondern eine neue Kreatur. Wenn die Baseheldung ein Zeichen dafür ist. das die Aufhebung der Unterscheidung zwischen 116 den alten Begriffen •Jude• und •Grieche• bzw. an und interpretiert sie neu: Denn es steht geschrieben. den er entgegen der tradierten. nämlich in der Bedeutung der Namen von Abrahams Söhnen. Ü. 2:15-16) Vergleichen wir nun diese Worte mit der Aussage »hier ist nicht Jude noch Grieche« (Gal. ja bewun­ dernd als die Mutter von lsaak gesehen. Aber der von der Magd ist nach dem Fleisch gezeugt worden. dessen Nachkommen eben die Kinder Israels sind. sich beschneiden zu lassen. alt­ testamentarischen Auffassung wird Sara sehr positiv. lsaak und lsmael. im Gegensatz zu Hagar. In seinem Brief an die Galater bewirkt Paulus eine weitere hermeneutische Konversion.

Die Bedeutung des Namens •lsaak• überträgt er vom Judentum auf das Christentum: »Ihr aber. Diese regressive Konversion entspricht dem.das heißt. Kapitel des Römerbriefs den Signifi· kanten •Israel• vom •alten Israel• ins •neue Israel• umwandelt: Ich sage die Wahrheit in Christus und lüge nicht. sich beschneiden zu lassen. mit der Paulus im 9. dem Judentum der Thora. stellt ihn vor einen anderen Hintergrund. und füllt dann das Zeichen mit einem neuen Signifikat. dass es Benyamini mit einer solchen Sprache darum geht. läuft parallel zu anderen religiösen Transformationen in seinem Brief an die Galater: seine geistige Konversion und die fleischliche Be­ schneidung. wie es Roland Barthes beschreibt: Der Mythos zieht ir­ gendeinen Signifikanten heran. zum eschatologisch-künftigen Zeitalter überzugehen. wie auch von dessen For­ derung. trium­ phierende lsaak. Damit vollbringt er eine alle­ gorische Transformation dieser Namen. sondern seine Typisierungen (der Jude. dass ich große Traurigkeit und Schmerzen ohne Unterlass in mei- . Angelehnt an diese Allegorie sagt dann Paulus: Aber wie zu jener Zeit der. Somit erfährt hier der Signifikant •lsmaelc eine Art regressive Konversion . Diese Handlung des Paulus entspricht der Wirkungsweise des Mythos auf die Spra­ che. wobei die Namen •lsaak• und •lsmaelc einer her- "' Barthes (2010). d. was nach paulinischer Sicht bei der Beschneidung als Konversion ins Fleischliche passiert. (Gal. wenn sie sich beschneiden lassen soll­ ten. übergeben. dass es ihnen auch zusteht. in dem er. nicht Kinder der Magd. Doch was spricht die Schrift? »Stoß die Magd. erlösen und dem Geist. So sind wir nun. 4:28). aber auch für alles. Damit möchte er den Namen •lsaakc aus dem Fleischlichen. liebe Brüder. sondern um einen Rückfall von einem ohnehin negativen Status. So begreift Paulus seine dualistische Unterscheidung zwi­ schen dem Fleischlichen und dem Geist bzw. der Galater. den verfolgte. hinaus mit ihrem Sohn.] 119 . fleischlich). im Geist allein leben würde als der neue. wie mir mein Gewissen bezeugt im Heiligen Geist. den >alten• lsaak zu beerben und ihn auszuschließen: Der Galater lebt auch im Fleischlichen. der Verhei ßung. was nicht christlich ist.neue Bedeutungen in sie hinein. der Galater etc. die Paulus mit den beiden Signifikanten •lsaak• und •lsmael• vollzieht. 4:29-31) Damit deutet Paulus den Galatern an. der nach dem Geist gezeugt war. letzterer zum Fleisch hin.: Benyaminis Sprachgebrauch wird hier nicht in die im deutschsprachigen Diskurs üblichen Dikta zu Obenragen. beraubt ihn teilweise seines alten Signifikats. um mit ihm •Verstecken zu spielen•. all das hat den Zweck. R..'02 Diese hermeneutische Transformation.'013 Diese Überführung können wir mit einer anderen verglei­ chen. sondern der Freien. liebe Brüder.. der nach dem Fleisch ge­ zeugt war.) nahe beim hebräi­ schen Original zu belassen. Demgegenüber steht der Name •lsmael•. in diesem Fall gerade für das Jüdische. 21 :10). von der Gegenwart befreit zu werden und von seiner Unterwerfung unter den alten lsaak des Fleisches. dass es ihnen nämlich auch so ergehen würde. der ja üblicherweise das Nichtjüdische kennzeichnet. denn der Sohn der Magd soll nicht erben mit dem Sohn der Freien« (Gen. Hier steckt auch die Warnung an die Galater. das Prototypische am Denken des Paulus darzustellen und psychoanalytisch be­ schreibbare Typologien zu bilden. seid wie lsaak Kinder der Verheißung« (Gal. sowie sein Verhältnis zu den beiden Konversionsarten (geistig vs. Damit soll erhalten bleiben. verkörpert durch den Glauben und die Verheißung. also für alles Fleischliche. 118 meneutischen Konversion unterzogen werden: Ersterer zum Geist und zur Verheißung. so geht es auch jetzt. es handelt sich um kein Zurückfallen vom Geistigen auf einen anderen Bereich. im Begriff. [A.

S. wie im Film findet eine Überblendung beider Bilder bzw. aber Esau habe ich gehasst. •Jakob< und · Esau< 120 anschließen.. die Abrahams Nachkommen sind. 3:1 -4) So gesehen. d. der die Beschnittenen zum Christentum konvertieren 121 . Bezüglich Jakobs Segen im Alten und Neuen Testament. bis hin zur Umwandlung bzw. bevor sie zum Glauben an den Messias übertraten. ja sie wird zu ei nem leeren Text!'" Kehren wir nun zum Beschneidungsritual zurück: Es geht hier also. die Israeli­ ten sind.« Aber nicht allein hier ist es so.um eine regres­ sive Konversion. denen auch die Väter gehören und aus denen Christus herkommt nach dem Fleisch. die von Israel stammen. s. die genau das Gegenteil von der anfänglichen. da er spricht (1 . denen die Kindschaft gehört und die Herrlich­ keit und die Bundesschlüsse und das Gesetz und der Gottesdienst und die Verheißungen. wollt ihr's denn nun im Fleisch vollenden? Habt ihr denn so vieles vergeblich erfahren? Wenn es denn vergeblich war! (Gal. Begriffe statt. 21 :12). auch nicht alle. gelobt in Ewig­ kelt. Dabei wird betont. . dass Gottes Wort hinfällig geworden sei. denen doch Jesus Christus vor die Augen gemalt war als der Gekreuzigte? Das allein will ich von euch erfah­ ren: Habt ihr den Geist empfangen durch des Gesetzes Werke oder durch die Predigt vom Glauben? Seid ihr so unverständig? Im Geist habt ihr angefangen. zu ihr gesagt: »Der Ältere soll dienstbar werden dem Jüngeren « (Gen. verflucht und von Christus getrennt zu sein für meine Brüder. Ich selber wünschte. Auch hier spielt der Signifikant •lsaak< eine Rolle. Ehe die Kinder geboren waren und weder Gutes noch Böses getan hatten. ver­ wandelt sich unmerklich in etwas anderes. Damit wendet sich Paulus gegen die Position des Petrus. als sie noch Heiden gewesen waren: 0 ihr unverständigen Galater! Wer hat euch bezaubert. um die­ se Zeit will ich kommen und Sara soll einen Sohn ha­ ben.in der paulinischen Wahrnehmung . dem sich die Namen-Signifikanten •Israel<. Aber ich sage damit nicht.. Ka­ minsky (2007). die zusammen im Materiellen verankert sind. da wurde. 10): . sondern auch bei Rebekka. 9:1-13) Was mit einer Fürsprache für das alte Volk Israel beginnt. wie geschrieben steht (Maleachi 1 :2-3): »Jakob habe ich ge­ liebt.nicht aus Verdienst der Werke. Sondern nur »was von lsaak stammt. Denn nicht alle sind Israeliten. soll dein Geschlecht ge­ nannt werden« (Gen. Denn dies ist ein Wort der Verheißung. der da ist Gott Ober alles.. messianischen Konversionshandlung bei den Galatern bewirkt. die von dem einen.« (Röm. damit der Ratschluss Gottes bestehen bliebe und seine freie Wahl . son­ dern nur die Kinder der Verheißung werden als seine Nachkommenschaft anerkannt. dass die göttliche Auswahl ein Element innerhalb Israels (den altjüdischen Paulus) sowie ein Element außerhalb Israels {die Heiden) festlegt. das heißt: nicht das sind Gottes Kinder.'<& . in den Zustand also. sind darum seine Kinder. auf deren anderer Seite sich das alte Judentum und das Heidentum zugleich befinden.Mose 18. zum Tausch des alten Israels durch das neue Israel. unsarm Vater lsaak. 25:23).. in die Unterwerfung unter das Fleisch. die nach dem Fleisch Kinder sind. in dem sich die Gläubigen befunden hatten. Demzufolge verliert auch die Fürsprache des Paulus am Anfang dieses Passus ebenfalls ihre Bedeu­ tung. Demnach versetzt die Beschneidung den Gläubigen ins Dies­ seits zurück. h.. Betz (1988). sendem durch die Gnade des Berufenden -. schwanger wurde. Vgl. Amen. sodass der Signifikant •Israel< im üblichen Zusammenhang seines Sinnes völlig entleert wird. die mei­ ne Stammverwand1en sind nach dem Fleisch. 76.nem Herzen habe. liegt der christliche Glaube der Galater auf der einen Seite der dualistischen Mauer.

ln diesen Stämmen wird das Beschneidungsritual im Rahmen komplexer Initiationsriten vollzogen. die den australischen Kontinent umgeben. dass die Jungen von ihren Müttern getrennt werden. Das aber ist mein Bund. sowie bei den Völkern des antiken Orients.) Wenn du. ja sogar etwas flextbel un� versöhnt. dass dann der Unbeschmttene vor Gott als Beschnittener gilt? Und so wird der. Ist eine schmerzvolle Handlung not­ wollte weil er annahm. die äußerlich am Fleisch geschieht. die durch die kindliche Beziehung zur Mutter gekennzeichnet ist. Beideiman . Muslimen und koptischen Christen) bekannt. Das soll das Zeichen sein des Bundes zwi- 123 .Die Beschneidung als ein synekdochisch-metonymisches Opfer: eine anthropologische Position Nachdem ich Paulus' Auffassung der Beschneidung im Grund­ riss dargestellt habe. Denn nicht der ist ein Jude. jedoch noch keine neuen angenommen hat. Australien sowie auf pazifischen Inseln. meinst du nicht. du und deine Nachkom men von Geschlecht zu Geschlecht. 124-173. Der jüdische Beschneidungsritus gilt als eines der wichtigste n Gebo­ te. der es äußerlich ist. Im Brief an die Römer zeigt s1ch Paulus hmstchthch der Beschneidung weniger entschlossen. auch wenn er nicht beschnitten ist.ach dem Gesetz recht ist. sondern der ist ein Jude. Turner (1962). Heutzutage ist die Beschneidung in ihrer semitischen Ver­ sion (bei Juden. S.. den eine jüdische Mutter geboren hat. �e1dmsch lebst und mcht jüdisch. und zwar als dasjenige. Jedoch stellt dieses Zeichen des Bun­ des (zwischen Gott und seinem Volk) kein entscheidendes Kriterium bei der Feststellung des Jüdischseins eines Menschen dar: Als Jude gilt jeder. 51 1 ·514. den ihr halten sollt zwischen mir und euch und deinem Geschlecht nach dir: Alles.. und ihre Neugeburt in die neue Weit von Erwachsensein und sozialer Verpflichtung. (Gal. '" S. soll beschnitten werden. der du ein Jude b1st.'" umfassen solche Riten drei Stadien. also dem altJUdlschen Gernemde­ rahmen angeh ren sollen. Afrika.Heuchler dargest�llt: . später auch die psychoanalytischen Zusam­ menhänge der Beschneidung beleuchten..]" (Röm. da die grundlegende Voraussetzung des Ritus darin besteht. . wobei der Junge im mittleren Schwel­ lenstadium bereits all seine sozialen ldentitäten verloren. warum zwingst du dann d1e Hetden. Jahrtausend v. die im Geist und nicht im Buchsta­ ben geschieht [. sowohl JUden. Die Beschneidungstradition basiert auf den Worten Gottes an Abraham im Buch Genesis: »Und Gott sprach zu Abra­ ham: So haltet nun meinen Bund. da er im Hinblic� auf seinen We� nach Westen auf die Gastfreundschaft dieser gem1schten. und das ist die Beschneidung des Herzens. der es inwendig verborgen ist. Die zentrale Funktion. hältst du aber das Gesetz nicht so bi t du aus einem Beschnittenen schon ein Unbeschnitte­ ner eworden. ist es. den beschnit­ tenen Jungen der Gemeinde und ihren Normen. das die Zugehörigkeit des Neugebo renen zum jüdischen Volke kreiert."' Im Judentum scheint die Beschneidung'. Vor dem Hintergrund dieser Auseinander­ setzung wird Petrus im Brief an die G!ilater �s . selbst wenn es dann ein Sabbat oder gar der Versöhnungstag ist. Es ist gewissermaßen ein Ersatz für das ''"' S... Dieses Gebot gilt es am achten Tag nach der Geburt zu vollziehen. mit der Kastration zusammenzuhängen. Somit symbolisiert der Übergangsritus den Tod der Jungen in ihrem Verhältnis zur alten Weit. Wie Victor Turner sie beschrieben hat. was n. das Männlichkeit und Fruchtbarkeit symbolisiert . insbesondere den Normen der erwachsenen Männer zu unterwerfen . Bis heute wird sie auch in Stämmen auf anderen Kontinenten praktiziert: in Amerika. die die Beschneidung bei solchen Riten erfüllt. Um diese Selbstver­ pflichtung zu etablieren. ]Od1sch �u l�ben?« . 2:14). möchte ich im Folgenden zunächst die anthropologischen. dir ein Richter sein. dass sie des Glaubens an den Messias am g wOr di s ten sind und dass die ':leiden.all das kommt in der Beschneidung zum Ausdruck. 2:25-29). jedoch gab es sie schon bei den Urägyptern im 5. der von Natur unbe­ schnitten ist und das Gesetz erfüllt. Ö g 1 22 � wendig: Ein Mal wird an einem wichtigen Körperteil markiert. was männlich ist unter euch. der du unter dem Buchstaben und der Beschneidung stehst und das Gesetz übertrittst.. auch ist nicht das die Beschneidung. (1987). [. Wenn nun der Unbeschnittene hätt. Chr. S.als auch heidenchristliehen Gemeinde angewiesen war: »Oie Beschneidung nützt etwas wenn du das Gesetz hältst.. Möglicherweise ist für ihn diese Position aber auch wem­ ger kennzeichnend. die sich �u� Christentun: be­ kennen wollen beschnitten sem. eure Vorhaut sollt ihr beschneiden.

Desgleichen auch alles. dass die latente Aggres­ . S. . Beschnitten dem Weiblichen näher. . Dasselbe Motiv drOckt sich auch im griechischen Be­ schneidungsmythos aus: Nach Ausbruch der Pest brachte Kronos 124 ln seiner anthropologischen Studie der jüdischen Beschnei­ d ung weist Zimmermar:'5' darauf hin. we�l er meinen Bund gebrochen hat" (Gen. �ies� . sonst darbrachte .'50 sehen mir und euch. übertragen).. die nicht aus eurem Geschlecht sind. bevor sie ins Verheißene Land einziehen durften (Jos. ihre Kinder. sich am Passah­ Fest zu beteiligen und vom Passah-Opfer zu verzehren (Ex. 34 �ng mtemander verknüpft werde n: Im Ursamitischen be­ r . was an Gesinde im Hause geboren oder was gekauft ist von irgend­ welchen Fremden. '50 Vgl. hier s. Auch an anderen Stellen in der Bibel fun­ giert die Beschneidung als das Symi:J?I. Ernfl�ss d1eser �erspektive uf �ie Bibelf orschung. Die Beschneidung als Kastration • . 899. . 151-1 62. '" S. s!'linem Vater Uranos seinen einzigen Sohn als Opfer dar. ln seiner bei den Ursemiten umfassenden Studie zu den Ubergangsriten weist Morgenstern141 darauf hin. setzt ihn sozusagen mit der Levi. 897. die m Gen. das man Gott. um dessen Tochter heiraten zu dürfen. dte wtederum das Beschneidungsritual bändigen soll. Gewtssenmaßen bringt die Beschneidung den . 34. die auf eine Verbindung von ·Beschnei­ �ung< (heb.ein (männliches) Genitalorgan wird verletzt um dafür zu sühnen dass ein (weibliches) Genitalorgan verletzt . •Heiraten< {heb. dass dte btbhsche Beschneidung auch . S. dem Vater. in die Familie Abrahams einzuheiraten. wird er ausgerottet werden aus seinem Volk. 48-66. beschnitt s1ch selbst und befahl. der Feindseligkeit hervorruft. Abraham beschneidet sich selbst anlässtich der Bundesschließung mit Gott. Das opfert Gott. Der Säugling wird demnach vom Vater als Fremdl ing angesehen. sollt ihr beschneiden bei euren Nachkommen. .als Überbleibsel eines Ritu­ a ls das im Urisrael anscheinend praktiziert wurde (das deutet � die biblische Erzählung von de r Opferu ng lsaaks an). 5:2-9). Zimmerman (1951). Körper zum Opfer fallen würde. die in der WOste auf die Wett kamen. was dir im Hause geboren oder was ge­ kauft ist. Eilberg-Schwartz (1994). symbolisch einen Teil seiner Männlic hkeit (oder es wird für i hn geopfert). S. an Eilberg-Sch wartz' Auffassung (insbe­ S?ndere m E1lberg-Schwartz (1 990)) sowie Goldbergs Überblick über d1e anthropologrsche Perspektive auf die Beschneidung und den .Opfer. SIOn des Vaters gegenuber semem Sohn· sich in d iesem Ritus bekundet. dass die Beschneidung zwar ein Initiations. anscheinend wurde im dam�ligen Brauch der Bräutigam von seine m Schwiegervater be­ schnitten. • 125 . 17:9-14). aber zu gleicher Zeit auch für das Sohnesopfer steht . Jedes Knäblein. ! der metnt. 9-34.Aggr�s�ion wird auch in einem Brauch ange­ de �tet. eme Ges hichte. S. .. dass auch seine Kämpfer sich beschneiden. Vgl. 894-901 (in hebräischer Sprache). Beschnitten soll werden alles Gesinde. und diese wurden erst durch Josua beschnitten. zum Ausdruck der Männ­ lichkeit diente in diesem Zusammenhang als Rache für die Ver­ gewaltigung . wenn's acht Tage alt ist. Und so soll mein Bund an eurem Fleisch zu einem ewigen Bund werden. mit ?em die Grenz�n der d nur Beschmttenen Gemeinde markiert werden: ln Genes1s 34 w1r ertaubt. worden 1st. dte Funktton der Bestrafung erfüllt. Morgenstern (1966). 34). schwartz. auch die Kritik von Goldber!:! (1996}. den Berufs­ beschneider. um vom Unheil v erschont zu bleiben dem sonst sein ganzer au h heißt : Der Beschnittene . kommt (Gen. was etwa in der Erzählung von der Bestrafung von Sichern und Hamor durch Sirneon und nachdem Sichern Dina vergewaltigt hatte.. S. der m etmgen JUdtschen Gemeinden praktiziert wird und der Nacht vor dem Besc�neidungsritual unter dem Kissen der Mutter oder des bet dem das Beschneidungsmesser in Säuglings aufbewahrt wird .und Partizipationsritus ist. deutet� •Braut 1gam• auch •Beschni1tener•. Wenn aber ein Männlicher nicht beschnitten wird an seiner Vorhaut. dem "::ater. S. Am Berg Sinai wurde den Kindern Israels das Gebot erneut auf­ gegeben (Lev. 12:4349).. seinen Sohn zu beschneiden bzw. Jedoch beschnitten diejenigen. . . Eine ähn­ � � findet sich in d�r ntersuchung von Eilberg­ liche Sie . S.P'D) !11�'� Verschwägern< bzw. und so wird beim Auszug aus Ägypten nur Beschnittenen erlaubt. beschneiden zu lassen (später wurde diese Handlung an den •Mohel<. nicht. 103-112. inii). Bei Goldberg fin­ � det s1ch auch e1ne D1skuss1on uber die Affäre um Dina in Genesis Kap. die beim Auszug aus Ägypten bereits beschnitten worden waren. 12:1-3). seitdem liegt es dem Vater ob. . Shalom Ucht (1970).

Und als Mose unterwegs in der Herberge war. 4:22-26) Die Beschneidung figuriert als Zähmung von Mosis Männlich­ keit sowie als Zeichen des Erliegens vor Gott. Sie sagte aber Blutbräutigam um der Beschneidung willen. so will ich deinen erstgeborenen Sohn tö t en. Dies wird insbesondere in der kurzen Exodus-Stelle deutlich.. in der mangelnden Bedeutung. S. i n den Urzeiten der menschlichen Familie wurde die Kastration vom eifersüchtigen und grausamen Vater wirklich an den heranwachsenden Knaben voll­ zogen.. Dort behau�­ tet Geiler. K astratio nsangst analytische Position und Juden: eine psycho­ Ausgehend von der anthropologischen Sicht seiner Zeit. der Kern dieser Geschichte bestehe m se•nem emgmatl­ _ schen Aspekt. eine noch größere Strafe oder gar Unheil abzuwenden. gleichsam eine Erinnerung an den Bund zwischen dem Beschnittenen und seinem Gott. Ü. .'06 Beschneidung. d. die von Gottes Willen han­ delt. dem Vater. Durch das Ritual der Beschneidung und des Blutvergießens wandelt Zippora zerstörarische Ge­ walt in einen institutionalisierten Ausdruck von Gewalt das Blut selbst von einem etwaigen Signifikant des To� des in eine gefahrabwehrende Substanz um. zur Rettung in der Stunde der Not.: Im Original Hebräisch. Die Beschneidung sieht er als Überbleibsel eines urzeitliehen Brauchs. und die Beschneidung. auch Geiler (1996). dass die Beschneidung eine Art Kompromiss in der Bestrafung darstellt: Sie ist dazu bestimmt. kam ihm der HERR entgegen und wollte ihn töten. Dabei ver­ wendet sie eine synekdochische Methode: Sie opfert ei nen Teil. Es sei jedoch klar meint Geiler. 127 . in dem der Vater tatsächlich seinen Sohn kastriert hatte: Wir vermuten.ein Teil für das Ganze: Wie ihre Vorgängerinnen besänftigt Zippora den zorni­ gen Aggressor. um das Ganze zu bewahren: pars pro toto. als eine synek­ _ dochlsche Handlung darstellt . das Werk liegt auch in englischer Fassung vor: Pardes (1992). dass das als Opfer dargebrachte Blut bei der Be­ geg�ung mit der ungeheuer1ichen göttlichen Macht zum Schutz vor derselben dienen soll. Darüber hinaus ist hier Rudolf Otto erwähnenswert. a. dte hter der An­ griff Gottes gegen den Menschen aufzuweisen hat. (Ex. auf Girard (1987a). dass er mir diene. 65. die die "'' Otto (1917). die bei den Primitiven so häufig ein Bestandteil des Mannbarkeitsrituals ist. der meint. S. s. denn die Beschnei­ dung dient hier auch als Schutzmittel vor dem zornigen Gott. Ägyptens Erstgeborene umzubringen):'53 Und du sollst zu ihm sagen: So spricht der Herr: Israel ist mein erstgeborener Sohn. Moses noch in der Wüste zu vernichten (gleich nach der Drohung. 126 Besc hneidung. _ Vorhaut und ein wenig Blut im Gegenzug für das Le­ D1e ben des Opfers. Wirst du dich weigern. h. und ich gebiete dir. die Zippora an Moses vollzieht. 93. dass du meinen Sohn ziehen lässt. 26-2�.Frau gleich. i n der die Beschneidung ein Zeichen eines Bundes darstellt. 88 lf. indem sie auf eine schlaue Art und Wei­ se seinem Verlangen teilweise nachkommt. Vgl. Da nahm Zippora einen scharfen Stein und beschnitt ihrem Sohn die Vorhaut und berührte damit seine Scham und sprach: Du bist mir ein Blutbräutigam. llana Pardes stützl sich hierbei v. S. d.) "' Freud (1933). sei ein gut kenntlicher Rest von ihr. Da ließ er vo� ihm ab. bringt auch Freud die Beschneidung mit der Kastrationsangst in Ver­ bmdung. An dieser Stelle möchte ich auf llana Pardes'54 hinweisen.'56 ''" [A. Es ist jedoch nicht nur eine Kompromissstrafe.

der Fortsetzer des Judentums. Seinen Erfolg dankte er gewiss in erster Linie seiner Fallanalyse vom kleinen Hans. .. auf das sch�s Spezifikum war: Viele Völker im damaligen Palästina . 129 . Gilman (1997). jüdische Volk. die jüdische Vergangenheit zu rekon­ Mahnung an die gefürchtete Kastration erklärt und damit � struieren und dabei die Beschneidung als ein urägyptisches an ein gern vergessenes Stück der urzeitliehen Vergan­ Zeichen darzustellen). aber da­ lieren: neben auch dem Umstand. S.'�7 �och zur Zeit des zweiten Tempels. S. wurde auch sein Zerstörer. sondern erklärt seine Motivation Aggressivität. die Be­ Der Kastrationskomplex ist die tiefste unbewußte Wurzel schneidung. Die Angst des Kindes ist der Tatsache. eine Einengung aufgehoben worden. darunter die Agypter. dass man sich das Defizit des !üdischen Mannes anschaut. der eigentlich kein •ganzer< Mann 1st. Beschneidung zur Zeit des ersten jüdischen Tempels kein jüdi­ die sie beim Übergang auf einen neuen Träger. den seine Neuerung in jüdischen Kreisen �a�d. erworben hatte. S. 194. der sich wohl durch di neben seinem Versuch. aufgab.. so dass die neue Religion eine uni­ des Antisemitismus. So wurde die Diese Rachsüchtigkelt sollte sich später dem Beschneidung zu einem besonderen Charakteristikum des jüdi­ Hass gegen die Juden anschließen. Zusammenhang zwischen der Charakterisierung des Juden als Beschnittenem als der Kastrationsangst des Heiden entspringt: '57 Freud (1961). nämlich dem des Antisemitismus (dies tut er unheimlichen Eindruck gemacht. den Juden zu verachten. alle Menschen umfassende werden konnte. ja zu einer exklusiven Repräsentation desselben. durch die sich die Juden ab­ sich Freud einem anderen psychoanalytischen Aspekt der sonderten. der Knabe. dass er die Auserwähltheil seines Volkes und ihr sichtbares Anzeichen. und dies gibt ihm das Recht.ln Der Mann Moses und die monotheistische Religion widmet Ferner hat unter den Sitten. den Penis mithin zu ver­ Schuldbewusstsein der Menschheit beschwor. sow1e m den angrenzenden Regionen pflegten diesen Brauch.'80 spruchs. Er stellt das Judentum als Religion des genheit rührt. der wiederum dem engen schen Volkes. so war doch damit ein Charakter der alten Atonrehg1on ln diesem Zusammenhang ist es erwähnenswert. begannen die benachbarten Völker. insbesondere gegen Ende Freud stellt Paulus nicht als Antisemiten dar. "" Zu Frauds jüdischer Identität im Hinblick auf die Darstellung des Ju­ den als körperlich unterlegen s. denn schon in der Kinderstube hört verselle. die der Beschneidung einen unliebsamen Beschneidung. genauso wie beim Betrachten des weiblichen Defizits wo � der Mann die Kastrationsangst erlebt. Dies erläutert Freud1 bei Paulus.•• Freud (1966a). Ebd..er meint. 197-198. dass er durch die Erlösungsidee das es.abgeschnitten werde. daß dem Juden etwas am Penis . 128 . um vor diesem Hintergrund zu den Worten des Paulus gegen die Beschneidung Stellung zu nehmen: Die Kastrationsangst rührt daher. zu einer Frau gemacht zu werden. 271. dass die wiederhergestellt. Mag an diesem Schritt des Paulus auch seine per�ön­ liche Rachsucht Anteil gehabt haben ob des Wider­ ein Stück des Penis . auf die Beschneidung zu verzichten. mit Hinweisen auf Rachsüchtigkelt und d1es �r Epoche.'58 Vaters und das Christentum als Religion des Sohnes in Gegen­ satz zueinander.

u.'82 Eine psychoanalytische Weiterentwicklung des Zusammen­ hangs von Xeno_phobie und Kastrationsangst (das Ding ist da I ist nicht da) hat Zizek in Anlehnung an Lacan geleistet. 51. an ihn zu glauben heißt. h. 1 16-119. d. eine antisemitisch-xenophobe Position gegen die Juden. Dabei hat '" Vor dem Hintergrund dieser hellenistischen Position lassen sich auch die antijüdischen Edikte des römischen Kaisers Hadrian verste­ hen. Singer (1960) S. zu Körper gewordenem Genießen. Hinsichtlich der Position der römisch-hellenistischen Kultur zur Beschneidung als Kastration s.zu glauben. er­ ließ. insbesondere bei den Hellenisten und Römern. Mit dem Verweis auf die Beschneidung konnten also die Römer das begründen. impliziert stets eine von ihnen geteilte Beziehung z u ei­ nem Ding. an den Glauben selbst zu glauben .Parallel dazu entwickelte sich damals. s. ob Wild. Unterabschnitt 14)] 130 er eher das Strukturelle am Subjekt und der in ihm enthaltenen Dimension der Kastration (wie es Lacan erklärt). hier 8. 1 1 3-127. in der Christus nach seinem Tode lebt. dass ich ein Teil der Gemein­ schaft der Gläubigen bin. darunter die Beschneidung. dass ich nicht allein bin. 131 . Vögel oder Insekten.'. d. ln anderen Worten: Die ganze Bedeutung '" Zizek (1990). hier s. Wochenabschnitt Za. bspw.. ob Mensch oder Vieh. das sich nicht darstellen lässt: Das Element. fürchten sich vor Israel. die sich wiederum als einzigartig versteht und in sich selbst. Zizek veranschaulicht den Begriff des Dings am Beispiel der christlichen Gemeinde: Die Gnade entspringt dem Heiligen Geist. im eigenen Glauben. die er vor dem Bar-Kochba-Judenaufstand 132-135 n. 50-62. keine Bestätigung für die Wahrheit meines Glaubens: Durch die bloßen Verhandlungen meines Glaubens im Glauben der Anderen ist der Heilige Geist anwesend. weil es be­ schnitten ist. das eine gegebene Gemeinschaft zusam­ menhält. weniger die Historizität der Kastration beim individuellen Subjekt und in der Menschengeschichte betont. Vor diesem Hintergrund können wir vielleicht auch den folgenden Eröffnungstext zum Beschneidungsritual im jüdischen Gebetbuch besser verstehen: Groß und schön ist die Beschneidung dem Herrn.'0' Diese historischen Tatsachen untermauern Frauds Sicht. Z.w. Die Helle­ nisten und später die europäischen Völker erlebten bei der Begegnung mit Juden eine Art Kastrationsangst da diese die Möglichkeit einer Kastration des Penis. dass jede Gemeinde sich um ihr Ding {oder ihr Genießen) herum konstruiert. der durch seine Manifestation die Grenzen der christli­ chen Gemeinde setzt. und alle Geschöpfe der Welt. kann nicht auf den Fakt der symbolischen Iden­ tifikation reduziert werden: Was ihre Mitglieder verbindet. einer Verstümme­ lung des •edlen• Körpers andeuteten. der Art). Diese antisemitische Position bezog sich vor allem auf die »seltsamen« Bräuche der Juden. Zizek stellt fest. die oft bei Freud zum Ausdruck kam. verschlossen bleibt: Der Heilige Geist ist die Gemeinschaft der Gläubigen. Ich brauche keinen mir äußerli­ chen Beweis. was sie als die ·Unterlegenheit• der Juden ansahen. '02 (A. gehört auch das Verhältnis zwischen der Ontogenese (Entwicklung des Individuums) und der Phylogenese (Entwicklung des Kollektivs bzw. die die jüdische Beschneidung mit der Kastrationsangst bei Nichtjuden in Verbindung bringt und daraus auf den Hass des Nichtjuden gegen den beschnittenen Juden schließt. die die Juden von den restlichen Völkern abhob und trennte. ü.: ursprünglich einem Midrasch entnommen (Tanchuma. Zur historischen Perspektive.

an dem der Andere teilhat. Wenn der Andere in mir ist. denn der Andere ist der Andere im meinem Inne­ ren. und übergibt es an die Sprache. Die symbolische Kastration nimmt vom Genießen das Übermäßige dessen. 133 . den wiederum Ziiek zitiert: Warum bleibt der Andere Anderes? Was verursacht unseren Hass auf ihn. 1 985' zitiert von 2izek {1990). Es gibt kein anderes Genießen als mein eigenes. sondern auf den imaginären Phallus. was uns vorgeblich gestohlen wurde: Der Mangel (•Kastration•) ist originär.' Die Mitglieder der Gemeinde scheuen sich vor den Fremden. dass der grundsätzliche Zu­ stand des Objektes ist. Freud zufolge.. die wir heute erleben: '"' Ebd. 132 � Diese Positionen von Zizek und Miller stützen sich auf Lacans Lehre. S. dass den Anderen nicht zugänglich ist. 53. Das Problem ist scheinbar nicht lösbar. obwohl es noch nie wirklich da war. ist. ""' Ebd. Sie liegt vielmehr auf der Ebene von Toleranz oder Into­ leranz gegenüber dem Genießen des Anderen.. als etwas erfahren wird. die i n einem steckt. weil diese sie des Dinges berauben könnten. mit der die Kastrationsangst im Ireudsehen Sinne funktioniert: Das grundsätzliche Paradox besteht darin. das Genießen konstitu­ 65 iert als immer schon •gestohlen• [. obschon es gleichzeitig von diesen bedroht wird. Das wäre die allgemeinste For­ mel des modernen Rassismus. um dieses in die symboli­ sche Ordnung einzuführen. dass wir nie­ mals besaßen. . um das Problem auf die Ebene seiner strukturellen und lin­ guistischen Zusammenhänge zu bringen: Die Kastration ist demnach die Handlung. der seinem Wesen nach mein eigenes Genießen stiehlt. S. Darum bezieht sich die Kastration nicht auf den real existierenden. S.. dem Mathem der Kastration.)' Tatsächlich rührt der Fremdenhass vom Selbsthass her.. dann ist der Hass a ch mein eigener. gehört zur eigenen Auseinandersetzung mit der Kastrationsangst. dass es den Men­ "' schen •etwas bedeutet•. biologischen Penis. Diesen Zusam­ menhang legt Jacques-Aiain Miller dar. den wir abkürzen mit Minus-Phi.] Was wir hinter unseren Beschuldigungen des Anderen. er habe das Genießen genommen. die die phallische Funktion am Subjekt (ob männlich oder weiblich) ausübt. Die Wurzel des Rassismus ist darum der Hass auf das eigene Genießen. Im Gegenzug zum Fehlen der Ursache-des-Begehrens (cause du desi" wird das Subjekt '66 Jacques-Aiain Miller in seinem Vortrag »Extimite« am 27. immer schon vom Anderen weg­ genommen worden zu sein. 54. 1 1 . wie der Andere genießt .Der Hass auf eine bestimmte Weise. dies ist auch der Fall bei der Kastration... dass unser Ding aufgefasst wird als etwas. wo das Ü bermäßige weiter­ hin umherirrt. Die Kastration wird also mit dem symbolischen Tausch in Verbindung gebracht. den Ort der Extimität besetzend. Wir wissen natürlich. verbergen. unseren Hass auf ihn in seinem reinsten Wesen? Es ist der Hass auf das Genießen. die. dass •in Wirklichkeit nicht geschehen kann•. Somit folgt ihr Hass derselben Logik. Lacan verarbeitet Freuds Auffassung der Kastration wei­ ter. Genau dieser Diebstahl des Genießans ist es. . was Subjekt geworden ist. aber das uns ange­ sichts seiner Erwartung dennoch verstört. 54. Dass man sich selbst hasst. Die Frage von Toleranz oder Intoleranz hat nichts mit Wissenschaft und Menschenrechten zu tun. [."'" des Dings besteht in der Tatsache. des An­ deren.

134 Religion schlechthin in Totem und Tabu und Der Mann Moses und die monotheistische Religion. Diese Privation bezieht sich hier nicht auf den realen Penis. dieser Phallus zu •Sein•. Entzug. im Gesetz des Vaters zum Ausdruck: Hier trägt sich das Schneidende des Messers zwischen dem Genießen Gottes und dem. Vgl. Das Verbot gi lt also dem Sein. das dem Haben. [A. was sich in dieser Tra­ dition als sein Begehren vergegenwärtigt. nicht um Kastration. S. der versuchten Opferung lsaaks durch Abraham. der Einführung der Beschneidung kommt die Leidenschaft der Hebräer in immer mehr Bünden. diesmal aber durch das Reale. Fußnote Nr. der den realen Phallus besitzt. Zifek (1992). Es macht ganz im Gegenteil die Kluft geltend. 63-102. dieses kleinen Stücks Fleisch. dass die Kastration erneut vorkommt. in der dritten und letzten Phase des Ödipuskomplexes. h. Dabei schlägt Lacan vor. Der reale Vater interveniert abermals und deutet darauf hin dass er de�enlg e ist. Gott) möchte Lacan in seiner »Einführung in die Namen-des­ Vaterscc168 die Beschneidung bei den Urhebräern im Rahmen seiner dortigen Erörterung der Akeda (dt. Seit der versuchten Opferung lsaaks bzw. Raub). Ge. ist der biologische Ur­ sprung.. k t s ist die Kastration eine der drei Formen des Fehlans emes ObJe bzw. in der der Kom plex verschwindet. Darin liegt der Schlüssel zu dem Geheimnis. sondern auf d en Phallus als imaginäres Objekt. bei lsaak •etwas Blut• vergießen will. . 170-171. dem •to have•. Somit steht das Subjekt vor nur zwei Möglichkeiten: Es kann die Kastration annehmen oder verweigern. Dieses aufgegebene Genießen wird allen Vers uchen zum Trotz me­ mals zu ihm zurückkehren. . d.und Verboten der Thora. obwohl Abraham. Lacan (2006d).187 Mit diesem Verständnis der Kastration als Handlung des symbolischen Gesetzes (vertreten durch den Vater bzw. aus dem sich die Aversion der jüdischen Tradition gegen­ über dem. in der jüdischen Beschneidung ein Muster für die intime Bezie­ hung der Hebräer zum alttestamentarischen Gott zu erblicken: Jahwe wird nach den Vorspielen süchtig. steht metonymisch für die Leidenschaft Gottes und ermöglicht darüber hinaus die teilweise Befriedigung der Leidenschaft des Hebräers zu seinem Gott. .. Evans (2002) sowie Fink (2006). ablesen läßt. in der zweiten Phase interve­ niert der imag inäre Vater. 0. des •Objektmangels•. der durch das Tabu den Kontakt mit der Mutter verbietet . d . Auf diese Art und Weise gibt das .. deren Gläubige das Genießen erleben wollen). h. sodass das Ki nd nun auf den Wunsch verzichten soll.hierbei handelt es sich um Privation. a�f. wie der mittelalterliche Kom­ mentator Raschi'60 schreibt. was überall anderswo existiert. Die Verweigerung der Kastration könnte dazu führen. die das Begehren vom Genießen trennt. die ein Zeichen für den Bund zwischen den Auserwählten und Gottes Leidenschaft darstellt: Die Stelle der entfernten Vorhaut. d. er lässt ihn nicht lsa­ ak schächten. als Teil der Konstruktion des Sub­ jekts (während es in der zweiten Phase um ein Verbot geht. Damit weicht Lacan vom biologisch_en Kontext der Kastration ab. Doch nur durch die Annahme der Kastration kann das Subjekt •nor­ mal· funktionieren. dass die Mutter et­ was begehrt was über das Kind selbst hinausgeht und sich jenseits von ihm befindet. des­ sen Fall es hervorzurufen gilt. Das. darlegen. so Lacan.selbst zu ei nem Objekt im Rahmen dieses Marktes (wie dies auch in der marxistischen Theorie des Mehrwerts der Fall ist).. lässt Abraham seine (Gottes) Leidenschaft bei sich nicht stillen. Das Hebräische haßt die Praxis der metaphysisch-sexu­ ellen Riten. Der hebräische Gott bevorzugt. Diese gehört der dril1en Phase des Odlpuskom­ plexes an: ln der ersten Phase begreift das Kind. die Leidenschaft vor deren Erfüllung (im Gegensatz zu den anderen Göttern des antiken Orients.: S. h. dem •to be•. die im Fest die Gemeinschaft mit dem Ge­ nießen Gottes vereinen. Die Kastration ist die symbo­ lische Privation eines imaginären Objekts. 119 im dritten Kapitel] 135 . kommt die Kastration zum Ausdruck. gilt). Auf diesen Abstand zwischen der Leidenschaft und deren Erfül­ lung achtet Gott durch die Beschneidung. S. Wie Lacan es im Semin�r IV d eg t. das in ihm steckt. Subjekt eine gewisse Menge an Genießen. Indirekt erläutert Lacan Freuds Auffassung des Judentums sowie von at! "' Vgl. sodass das Kind dann •Mutters Phallus• sein möchte. »Fesselung«). ein. den imaginären Phallus. die anderen zwei Formen sind Frustra­ tion und Privation (d.

der erwählt. Setzen wir Lacans Lesart fort. das dem Herzen seines christlichen Schuldners am nächsten liegt. dass es etwas gibt. dieses Überbleibsel nennt Lacan ·Objekt klein a• (fr. objet petit a). derjenige. der verheißt.: Vgt. es kommt die Zeit. dem der Beziehung von Moab und alle. 136 Beschnittenen zu beschneiden (zu diesem Zweck möchte er sie in dieser Lesart heimsuchen). dass der Christ . weil dieser ein tatsächlich die Frage: Wieso droht Gott damit. Dann begibt sich Lacan doch in eine hermeneutische Diskussion über diesen Begriff. Denn alle Heiden sind nur unbe­ Nämlich da. die an der Vorhaut beschnitten EI Schaddai? Nun selbst wenn ich Sie nächste Woche hätte wiedersehen sollen. s. Jacques Derridas Diskussion in seinem Aufsatz •What ls a >Re­ levanl• Translation?«. Dort dekon­ struiert Derrida das gängige Verständnis des (christlich-)hegelschen Begriffs der •Aufhebung•. S. die das Haar rundherum abscheren. Das schließt Lacan vornehmlich aus den enigmati­ schen Versen in Jeremia: heimsuchen werde alle. Edom. Ich hatte Sie letztes Jahr mit einigen von den Gebräu­ chen des ägyptischen Volkes zeugenden Hieroglyphen zum Rätsel dieses klein a geführt. auch Lacan (2006d). daß ich es "' Jacques Lacan (1978b). zwischen dem Subjekt und seinem großen Anderen. bemerkt.ein Nichts. dass er "" [A."' Wie Lacan im Seminar X. Körper und Seele. all diejenigen zu beschneiden·. Lacan deutet darauf hin. 96). der sich masochistisch genau mit '73 Vgl.. i n: Bennlngton. die als Zeichen des Bundes des Volkes ses kleine Stück abgeschnittenen Fleisches gibt. das immer etwas übrig lässt.172 uns über das Verhältnis zwischen dem Subjekt und dem Ande­ ren belehrt. dass ich s. in der Wüste wohnen. 16. und zwar eines. S. den er schließlich folgendermaßen erklärt: PE/ Schadd<ll ist de�enige. sich genau an dieser Stelle trifft.173 Dazu meint Lacan. und wären es die der Hölle. und ich werde nicht die Pforten in Bewegung setzen. und der durch seinen Namen einen bestimmten Bund entstehen läßt [. (Jeremia 9:24-25) mit dem Begehren dessen. ein Verhältnis. spricht der HERR. in: Derrida (2001 ). die­ Shakespaares Kaufmann von Venedig aufbaut. aber ganz dung entsteht. der nichts ist . Ihnen heute sage. 112 S. das auf seiner Lesart von Siehe.im Gegensatz zum Juden. die Ammoniter. dessen Aufopferung Gott will.derjenige ist. Darin besteht die •Spiritualität• der Juden. Lacan fügt noch etwas hinzu. die bereits beschnitten sind. Derrida (2001 ). wo. 0. die von der Fantasie des Körper-Seele-Dualismus abweicht. 174-200. um es Ihnen zu sagen. Juda. dass es besonders schwer fällt. erstrangig. 270-272. was draußen bleibt. Lacan versteht diese Stelle als eine Drohung Gottes. der es auserwählt hat. weil dieses Paar. gibt es immer etwas vom Körper.] wär� es nicht vorgesehen gewesen.. Diesen Rest. Ebenfalls erwähnenswert ist Derridas Erör­ terung des Verhältnisses zwischen dem Wort (al s Bestandteil der Sprache) und dem Beschneidungsritual. so stellt sich zeichnet sich der alttestamentarische Text dadurch aus. die EI Schaddai'70 zu Abraham. in diesem Rest. Das Symbol dieser Kluft findet man im selben Kontext. S. d. den man aufopfern kann. 90: •Was ist Israel hat ein unbeschnittenes Herz. . nämlich Ägypten. die bereits Paradoxon enthält. das Gesetz der Beschnei­ schnitten. 137 . Jacques Lacans Erörterung der Beschneidung in: Lacan (2010). darunter Juda? Lacan lernt aus diesem Paradoxon . was sich jenseits des Körpers befindet und über die Gestalt der Kör­ perhaut hinausgeht. .sind. Die Angst (1963-1964). der sich dem Begehren des Anderen anschließt . Da der Körper sich innerhalb der Signifikantenkette befindet und darin auch lebt. Mit ihm möchte ich Sie verlassen. ]« (ebd. Vers 24 zu übersetzen. einen kleinen Rest. ln diesem Stück verlangt der jüdische Kaufmann Shylock »ein Pfund Fleisch«.

weder körperlich noch seelisch). ob er das mit der Verheißung emer Harmome tut? Die Harmonie in der Anderen. d1e nicht mit Händen geschieht. in der der genießende Körper sich durch die Spra­ che gestaltet. der Kastration. fr. Ebd. Herz darstellt. ü. Auf d1ese � und Weise werden die Adressaten der paulinischen Theolog1e aufgefordert.in diesem Mythos als die Rippe von Adam vor­ kommt. wobei letztere den ganzen Körper aus Fleisch in Geist verwandelt: »ln ih� seid ihr auch beschnitten worden mit einer Beschneidung.) . in dem der sexuelle Partner immer und immer wieder not­ w:endigerweis� a �ftaucht.jenem aufgeopferten Rest identifiziert. Und er nahm eine seiner Rippen und schloss die Stelle mit Fleisch. L 'acte psychanalytique). die er von dem Menschen nahm und brachte sie zu ihm« (Gen. d1e neben der Genesis (fr. sondern ein� symbolische Kastration. dieses tiefen Gefühls ermangeln wür­ den. bei dem er angeblich i n Gänze aufge­ opfert wird (anders als der Jude.. wo er die Unmöglichkeit darlegt. was die Bibel nennt: das Herz. Lacan weiß. dass der Partner. erleben wir die Entstehung e1ner Wahrhe1t. Der Chnst mmmt also an. Die Kastration sollte wirklich die Vorbereitung sein auf die Zusammenführung ihres jeweiligen Genießans [fr. das er . das dem Anderen g�opfert wur�e? Und wenn ja. nicht jedoch sich selbst als Ganzes. dass das Objekt klein a dasjenige ist. kurz danach ein anderes. d.und kein anderer . 2:21-22). Ü. leurs jouissances] miteinander.aber keine Nostalgie und Sehnsucht nach verlorener Harmonie. Darüber hinaus ist zu betonen. im fünften Kapitel). Für Lacan enthält die christlich-jüdische Tradi­ tion in ihrem alttestamentarischen Ursprung eine Anerkennung der Teilung. als ihr nämlich euer fleischliches Wesen ablegtet in der Beschneidung durch Christus<< (Kolosserbrief 2:11 ). Ia Genese). d. also als das kleine a. Darum überlässt Laca� der Rippe die Stellung als Objekt klein a: Wenn ich sage.: Da noch keine vollständig ragung des S�mrs ma XV ins Deutsche vorliegt. Und Gott der HERR baute eine Frau aus der Rippe.: eigene Übertragung. dass diese Heuchelei daher rührt. da er angeblich kein Körper ist (über den masochistischen Aspekt bei Jesus sprechen wir später. der sein kleines Objekt dar­ bringt und dem Anderen opfert. dass die­ ser sich mit dem Objekt klein a identifiziert. Und was ist je�er �est? Das nämlich. der Mutter? "' Laca� (1968). das Gott geschenkt wird. nicht zusammen. Lacan meint: »Gott schuf sie als Mann und Frau. Was ist nun das Ziel des Christen. 1 :26-27): Mann und Frau. jenes Herz. indem er nämlich die Ordnung des Namen-des­ Vaters betritt. [A. stammt dieseeU9bert bersetzung von m1r. zwischen der Beschneidung im Fleisch und jener im Geist bzw. dass der Christ sich selbst in seiner Gänze als Seele bzw. weniger egalitäres Verhältnis beschrieben wird: »Da ließ Gott der HERR einen tiefen Schlaf fallen auf den Menschen.Gott weiß.) 139 . werden darin getrennt geschaf­ fen und zwar nicht mit irgendeiner platonischen Harmonie als Endziel (wie im Mythos vom Androgynes. Adam und Eva. der Zerbrechlichkeit . und er schlief ein.das Herz ist. Seine Auffassung des Verhältnisses des Judentums zum Objekt klein a entwickelt Lacan auch im Seminar XV. Mann und 138 Frau wurden getrennt geschaffen. während alle anderen Völker der Welt angeblich dieses Herzen. dem Messias zu differenzieren. der in zwei Hälften zerlegt wurde und nun auf die Zusammenführung der beiden Hälften wartet). Der psy­ choanalytische Akt (1967-68. Genesis.«'" Es handelt sich hier um keine biologische Kastration wie man es bei Freud manchmal verstehen kann. dass es ihn/sie zu nichts verpflich­ tet.'75 Und wie steht es vor diesem Hintergrund mit dem Christentum und mit Paulus? Will Paulus tatsächlich vom Christen.. [A. [Nämlich] die Tatsache. geschneben steht. dieses Masochisten? Die Angst des Anderen zu erwecken und ihm den Bund der Opferung aufzuzwingen. dass im salben Buch. auf Basis des alttestamentarischen Textes das sexuelle Verhältnis zu besprechen (Gen.

Gal. die (wie in der oben angeführ· der später die Selbstaufopferung des Christen entstand. ?ass: auch _ wenn Paulus in Bezug auf die Juden keine klare ant1semrt1sche 140 (1975).jene Leere. dem Penis (der auf den Phallus als Signifikant des Geset­ zes hindeutet)178 entgegen. Aus die· sem Grunde ist der Phallus der Signifikant des Fehlens und der Kas­ tration. Kap. von der realen Ordnung. Um die Gültig­ gefesselten Herrn für sich in ein Sklavensubjekt verwandelt. unterworfen ist.und nichts wie sein Gläubiger leidet und seinem Leiden. Es ist also ei� e edu ­ tion des Imaginären am symbolischen Herrn. dem des Verlusts des geistigen Stützpunkts.Vater• als Agent der symbolischen Ordnung im Subjekt konstituiert. Es handelt sich hier um eine Kastrationsangst sowohl im Jude. Ding. . Wie schon besprochen. aufzuheben. dieses Gesetz zwischen dem aus­ Masochist bindet den Herrn. der die Gemeinde konstituiert: das Ding als Gnade sich genau gegen die Vorstellung von Selbstaufopferung. Gott sich nicht subsumieren lässt. _ der auf die christliche Heuchelei hmwe1sen konnte. eben der wird. nämlich den Jude diese imaginäre Harmonie stört? Dass er darauf hinweist. indem der Herr an die Beziehung mit dem Christen bzw. strebt Paulus eine Trennung von '" an. dem des maso­ anderes . Diese Nabelschnur bzw.Herz? . 1 1 9-132. das die Gemeinde konstituiert. anschließend zu Paulus' an die Position obige psychoanalytische bezüglich der jüdischen Beschneidung zurück. dem Christen. Doch in der Annahme.Und was bedeutet der Jude für den Christen? Lacan deutet an dass auch diese Frage. Der Chnst bzw. aus Jesu oder des Heiligen Geistes. 7). das symbolische Gesetz ein dialektisches Verhältnis zum rea- Das paulinische und das psychoanalytische Narrativ des kastrierten Subjekts "' Der Phallus ist bei Lacan ein Signifikant und mit dem Penis (als Glied am männlichen Körper} nicht identisch. Messias. steht. um Beziehung und stellt den Herrn in die Angst des leere� Obj�kts.der Signifikant der jüdischen symbolischen Ordnung chistischen Gläubigen. dass seine der Sünde dieser bösen Welt Beziehung zum Vater bzw. in: Lacan Kehre ich. »Die Bedeutung des Phallus�. I :4. Er ist der Signifikant der Signifikanten. während er einen neuen Signifikanten aufstellt. Kann es sein. so kann ich nun behaupten. ten Erklärung Zizeks) die Gemeinde konstituieren. der der Jude unterzogen auch im lacanschen Sinne. an die Herr-Sklave­ erwählten Volk und seinem Gott will Paulus durchtrennen. vom übertretenden Ge­ der sein kleines Objekt aufopfert. w s sowieso nic t �ein � . Das meine ich. sich seinem Gott in seelischer Gänze opfert). ungleiche Beziehung handelt. sich Gott gänzlich zu opfern oder geopfert zu werden (die Geschichte von der versuchten Opferung lsaaks wendet analytischen Blickpunkt aus. jenes . darin gefangen ist. die . seine antagonistische Position zur jüdischen Beschneidung nichtsdestotrotz eine wichtige Basis für den christlichen Antisemitismus bildet . 1elle1cht 1st derJemge. Betrachtung. dass der ist. setzt e. Vgl. der genauso Forderung zur Aufhebung der Beschneidung. Freud zufolge. Maso­ chisten gebunden. "' Vgl. der . das der . dass ihm weggenommen würde. sich der obsessiven jüdischen Beschäftigung mit dem Fleisch bzw. so Lacan. der Signifikant des •Gesetzes•. der in seinem Verhältnis zu seinem Gott keine Möglich­ Ireudsehen Sinne (aufgrund ihres •fleischlichen• Aspektes) als � � keit kennt. Dies tut er durch die entschiedene nären Harmonie des Gläubigen mit seinem Herrn. s. weil er weiß. 141 .zumindest vom psycho­ m s zu tun hat. Jacques Lacan. mit dem Antisemitis­ � Position formuliert. während der Chnst semen Jahwe somit zum Gott aller Völker zu machen. weil Paulus auf die Angst vor der Kastration hinweist. Eigenes ist . dass dass es sich u m eine offene. nießen. dass der Christ wirklich darum bangt. das dass diese Harmonie unmöglich ist? Derselbe Jude ist es dann. das vor ihm. hm zu emer Imagi­ � � keit des Gesetzes wie auch dessen unvermeidliche Partnerin nämlich die Leidenschaft (Röm. Kann es sein.

der die Leiden­ schaft (als auf das Reale Gerichtetes) bekämpft. sie dient als Schnitt. war die Besch neidun g selbst gegen Ende der Zeit des Zwe�ten Te�pels a�ers als heutzutage üblich: Die Vorhaut v. Kor. um das Z1ehen nach vorne zu verhindern. sodass man sie nach vorne z1ehen konnte. sucht Paulus die Gemeinde auf Basis der imaginären Ordnung gemeindeinterner ldentitäten und Rezipro­ zitäten zu konstruieren.. auch eme der Korrektur und Restitution. Diese Position kommt Im Brief an die Phitipper zur Gel­ tung. 78). ge1st1ge Ka�tration handelt: Die Beschäftigung mit dem Fleisch Wird dazu fuhren. wie es bei den f�emd�n yolkern Brauch .ist. S. Paulus warnt vor der Beschneidung. zu gleicher Zeit aber auch die funktionierende Unterwerfung unter die Realität ermöglicht. Ist jemand als Unbeschnittener berufen der lass7 sie� nicht beschneiden« (1. Segal (1990). die Leidenschaft. s. die Vorhaut gänzlich zu entfernen. wie Lacan gezeigt hat. Vgl. als realer Abstand in der Signlfikantenkette. · der bleibe bei de r Beschneidung. weil sie in seiner Auffassung nicht zum Heil füh­ ren. für den bei den Juden bestehen­ den Abstand. 7:18). Rubin (2003). so könnte ich es viel mehr. 208. denn die Beschneidung als ein symbolischer Kas­ trationsakt integriert das Subjekt in die symbolische Ordnung und signifiziert es so. Paulus. S. wird also nunmehr im Rah­ men des dialektischen Verhältnisses zwischen dem Realen und dem Symbolischen verwendet. dass die Kastration durch die bzw. Sp ater mac� enes auch manche christlich gewordenen . Schwelzer (1989) sowie Kl1jn (1 980). sondern auch um . nehmt euch in Acht vor der Zerschneidung ! Denn wir sind die Beschneidung. leben. um hellenisch auszusehen. hängt die Ireudsehe Kastraion mit dem Ödipuskomplex zusammen: Die Leidenschaft für die Mutter führt zur Angst vor der Rache des Vaters. die wir im Geist Gottes dienen und uns Christi Jesu rüh­ men und uns nicht verlassen auf Fleisch. der Angst vor dem Schnitt an sich. vermisch­ . zum König zu gehen. Er will die Beschneidung von Christen verhindern. Lacan stellt fest. verursacht.len Genießen hat. Makkabäerbuch 1:13-15: »Und einige aus �em Volk fanden s1ch bere1t. Juden tatsächlich taten (vgl. 3:2-4)'79 "" Alan Segal weist darauf hin. nach den Gesetzen der fremden Völker zu . Der König gab 1hn�n d1e Erlaubn s. wie es die hellenisierten . er könne sich auf Fleisch verlassen.on zum A�s�ruck käme.'. sich nicht beschneiden zu lassen.. 1. in der Spra­ . vermeiden: "Ist jemand als Beschnittener berufen. als Wunde. ten s1ch mit d n fremden Völkern und gaben sich dazu her. dass diese Stelle von einem Redakteur in Paulus' Brief an die Philipper einge- 142 Au�h im ersten �orintherbrief will Paulus jedwede Handlung am Fle 1s�h. W1e der israelische Forscher Nis­ san Rub1� ze1gt. um die hellenistischen Galater davon zu überzeugen. dass diese Stelle die Po­ Sition des Paulus sehr gut wiedergibt (s . obwohl ich mich auch des Fleisches rühmen könnte. die Mög�ichkeit zu einer gewissen ·Korrektur• d�r V�rhaut durch ZJehen. die in der . doch gleichzeitig ist auch klar. dass man von der göttlichen Gnade abfälltt Wie ich oben gezeigt habe. . stellt an ihre Stelle die Liebe auf der Ebene des Imaginären. lnfolge der aniiJUdlschen Ed1kle des römischen Kaisers Ha­ dnan wurde es notwe ndi g. Böses zu tun. S1e �rnchteten m Jerusalem eine Sportschule. 87-97. Kastrat1. Vgl. Dieses Zeichen ist auch das Zeichen für ein Fehlen. sondern die Bindung an das Fleisch nur noch verstärken würde. Die Beschnei­ dung als Kastrationsakt. . und ließen bei sich die Beschneidung ruckgang1g machen. (Phil. Wenn ein an­ derer meint. nehmt euch in Acht vor den böswilligen Arbeitern.«). Daraus folgt. dass es sl ch n1cht nur um körperliche Kastration. dass Paulus ein r�etorisches Spiel �it der hellenistischen Verwechslung von Beschneidung und Kastration durchführt.:urde damals mcht gänzlich entfernt. (00 zur Zelt des Paulus gab es. So f1elen sie vom heiligen Bund ab. ! J�den. die symbolische Ord­ che d1e nung. ! : 1 43 . Unterwerfung unter den Vater. '"' ln der Forschung ist zwar die These aufgestellt worden. wo sie in der Sprache der hellenistischen"8 Kastrations­ angst vor der Beschneidung. Paulus hingegen f��t wurde. formuliert ist: Nehmt euch in Acht vor den Hunden. Aufgrund der Angst vor dem Vater g1bt das Klemkmd das Objekt seiner Leidenschaft auf und tauscht es gegen die symbolische Identifikation mit dem Vater.

wie s1e rm lmagrnären stattfinden. somit also die Unterwertung unter die sym­ bolische Ordnung. zum ande­ re� das Imaginäre des ChristlichEschatologischen. d. der den Christen in zwei teilt: zum eine n das Symbolische (und sogar Rea le) des Jüdischen. Doc h im Rahmen dieser Anstren­ g�ngen d�s Paulus. eine überwältigende Angst vor der Mutter in sich und einen heftigen Willen. auf dre aulus das eschneidung sritual aufhob. sie zu vernichten. ihn in einem postödipalen. d. Zu die­ s�m Zweck stellt Paulus. der das Kind als Subjekt konstruiert. ln Anbetracht dessen können wir nun eine Parallele aufstel­ len zwischen dem psychoanalytischen Narrativ des neugebore­ nen Subjekts und dem Narrativ des jüdisch-christlichen (nicht­ paulinischen) Mischsubjekts. verknüpft er das Subj ekt indirekt mit dem Symboli­ _ �chen. der Nächstenlieb e und dem jüdischen Beschnei ­ dungsritual beleuchtet und dara us unter anderem die Schluss­ folgerung gez�gen. das _ allerdings nichts anderes ist als eine ProJektion semes e1genen Leidens. D�s letzte Kapitel hat die Art und Weise herausgearbeitet. und zwar gegen Paulus W1llen. als eine hege tsehe Aufhebung aller Gesetze der Thora). Das rührt von der theo ­ logrschen Spannung bei Paul us her: Einerseits setzt er sich dem Gesetz der Thora entgegen . und zwar durch die Trennung vom Diskurs des Vaters zugunsten des Diskurses des Sohnes. dem Sohn die willkürliche Gnade erfährt. Demgegenüber könnte die Beschneidung als regressive Konversion. den Gläubigen in die Unterwertung unter diese böse Weft zurückbringen. die der Säugling mit seiner Mutter erlebt. DIE TAUFE. Dabei galt die Beschnerdung als Kerl.will die Kastration. eme Gemeinde zu errichten. vorkastrierten Zustand indes bietet der Messias gnädig die Harmonie an. � omrt auch mit dem übertretenden Realen (ausgedrückt rm Genießen. All das widerspricht diametral dem Narrativ des (paulinischen) Gläubigen. auf dass diese ihn von der furchterregenden Freiheit befreien würde. ehe das Gesetz bzw. Das Reale dringt folglich in der Gestalt Jesu und dessen Gna e i � die �u­ linische Gemeinde ein. die ausschließlich auf dem Imaginären basieren würde. jedoch begehrt er nach wie vor die fleischliche Beschneidung. dem übertre­ ten en Genießen und der reale n Ordnung. als geistige und fleischliche Kastration zugleich. Damit versetzt Paulus das christliche Subjekt in einen präödipalen Zustand in dem das väterliche Gesetz noch nicht besteht sondern ie l entifikatio�en mit dem Gegenüb er auf egalitär r Ebene. verhindern. wie Melanie Klein meint. das dem Gebot zur Nächstenliebe. � ? 144 V. in dem es kerne gesellschaftlichen Hierarch ien mehr geben sollte. h. die •geistige• Kon - � � � � � d � 14 5 . der durch die reale Rückkehr zur Mutter bzw. die alle in Wechsel ­ beziehungen mit dem Symbolis chen stehen. Im präödipalen. das zwischen Himmel und Erde in der Luft hängt: Die Gnade steckt i n seiner Tasche. das Gesetz aufzuheben (auf der Ebene der Nachstenltebe. Diese Harmonie mit der Mutter (Jesus) birgt gleichzeitig. der Vater ein­ bricht. �s� Paulus sich von der Radikalisierung des Gesetzes rn der JUdrschen symbolischen Ordnung trennen und zu einer christlichen imag inären Ordnung von Liebe und _ Harmonre kommen möchte. was insbesondere in seinem Brief an dre Galater prägnant zum Ausd ruck kommt. der mit einer reflexiv-imaginären Identifikation mit Jesus einher­ geht: Der Gläubige identifiziert sich mit em Leid� n Jesu. andererseits kann er sich nicht ganz von den Handlungsmustern des jüdischen Gebots befreien. Auf einer tieferen Ebene ist Paulus' Ziel eigentlich die Trennung von der Leidenschaft. dem Heiligen _ Ge�st und der Gnade Jesu inne wohnt).IN DEN MESSIAS ln den vorherigen Kapiteln habe ich das Verhältnis des Paulus zum Gesetz. vorgläubigen Zustand fixieren. h. das in dieser bösen Welt funktioniert.

mit denen er seine Feindseligkeit gegenüber dem Symbolischen und dem Realen artikuliert und das christliche Subjekt ins Imaginäre ver­ setzt. Die Taufe im Judentum und die Taufe des Johannes Die frühesten Textquellen zum christlichen Taufritual sind die Briefe des Paulus (der früheste christliche Textkorpus Ober­ haupt). die sich aus den Worten von Paulus selbst ergibt. Im vorliegenden Kapitel möchte ich Paulus' Einstellung zum christlichen Konversionsritual. um es überhaupt überqueren zu können). 791-820. S. zur Vorbereitu ng auf das ewige Leben (im Fall eines Verstorbenen) oder zur Reinigung eines Sünders in körperlicher sowie seelischer Hin­ sicht. Christiansen (1995). in der Religionswissenschaft wurde. sondern die christliche Taufe auf die jüdische zurückzuführen. dieser Behauptung nicht zuzustimmen. Vg l. S. 809-810.und Reinigungs­ kräfte inne. DarOber hinaus gilt es gemeinh in als akzeptiert.a. S. in denen sich die zentralen Thesen des Paulus zur Taufe befinden. Im Mittelpunkt dieser Untersuchung stehen vor allem seine Briefe an die Galater und die Römer sowie sein erster Korintherbrief. das man erst überwinden muss. 1306-1332. ln diesen Religionen wohnen dem Wasser göttliche Transformations. hierzu Meslin (1987).bis vor wenigen Jahrzenten . in denen man mit seiner Bekleidung in den Fluss hinein. dass ein direkter E influss stattgefunden hätte. S. Conzelmann (1967). die Paulus i n der Auffassung des Rituals . Betz (1995). untersuchen . S. wobei daraus nicht zu schließen ist. 152153. Lease (1980). 291. bis hin zu Johannes dem Täufer und sogar zu Pau­ lus. das Wasser bildet die Quelle des Lebens und der Todesfurcht zugleic h (insbesondere dann. hier S. diese Po­ sition kommt insbesondere in der bekannten Studie von Günter Wag ner über Paulus' Worte zur Taufe und der Wiederauferstehung im Römerbrief zur Geltung (s. 146 Die Hauptquelle für die christliche Taufe im Allgemeinen sowie für diejenige von Johannes dem Täufer im Besonderen ist eine jüdische. inwiefern die­ se Prinzipien auch für seine Auffassung des christlichen Tauf­ rituals gelten. dann wieder he rausging und sich als dann umkleidete. Neusner (1977). als sie meistens Geburts. Paulus nimmt in ihnen Stellung zur geistig-theologi­ schen sowie gemeinschaftlichen Bedeutung der Taufe.insbesondere zum Imaginären hin . Meeks (1983). dass die paulinisch-christliche Taufe (sowie das »H errenmahl . vgl. So waren etwa bei den Mysteriensekten Taufriten üblich. Diese Erörterung geht nun der Frage nach. aber über die Taufe von Jesus selbst durch Johannes den Täufer können wir nichts bei Paulus lernen. 1248-1284. Dabei wird oft betont. Jedoch hat sich seit­ dem in der Forschung die Tendenz durchgesetzt. hier S. meerartiges Wasser handelt. in diesen Riten dient die Taufe zur Einführung des Neugeborenen in die Gemeinde.vollzieht. Wiens (1980).version als die christliche Alternative zur ·fleischlichen' Be­ schneidung dar. S. hierzu auch Fußnote 1 in der Einfüh­ rung) direkt vom Taufritus der Mysteriensekten (die damals vielerorts im römischen Weltreich gediehen) beeinflusst worden sei. welches schon seit den Tagen von Johannes dem Täu­ fer besteht.'83 Die Bedeutung der hebräischen Wurzel ?Jtl "'' Taufriten gab es bereits in den Urreligionen des Orients. Ich werde die Bedeutungstransformation beleuch­ ten. 59-63. dass alle Christen. mit denen er korrespondiert.ein Ritual. Weitere Positionen zur Dominanz des jüdischen Einflusses finden sich in den relativ frühen Studien von Schweitzer (1 930). der Taufe. Nock (1972). S.behauptet. Wie wir bereits festgestellt haben. 59-60. um somit seinen Eintritt in eine neue Lebensordnung zu symbolisieren. d. Wagner (1967)). Wedderburn (1987) (dieses Werk ist eine Erwiderung auf die vorerwähnte Studie von Günter Wagner). wenn es sich um tiefes oder strömen­ des. h. hier v. bereits getauft sind)'82• '8' ·� Vgl . vgl. Zur jüdischen Taufe s. zu gleicher Zeit aber auch ein Gefühl des Schreckens. sondern nur aus den Evan­ gelien und der später entstandenen Apostelgeschichte••• (bis auf die Tatsache. dass sowohl Paulus wie auch die Mysteri­ ensekten in einer hellenistischen Kultur operierten. 64.und Todesriten begle iteten. hält Paulus an bestimmten Prinzipien fest. Zu den Initiationsriten als Neugeburt des Gläuu 147 . dass Paulus sich nicht direkt auf die in den Mysteriensekten üblichen Begriffe bezieht.

und zwar a�f Basis des Glau­ bens. 59-63. in den Evangelien des Neuen Testa­ ments dargelegten Überlieferung ging Johannes der Täufer der Ankunft Jesu in geistiger Hinsicht voraus. von all eurer Unreinheit und von allen euren Götzen will ich euch reinigen. hier S.'84 Eine neue alttestamentarische Bedeu­ tung der Taufe .. S. wo das Wasser Sllllsteht.über Reinheit und Reinigung hinaus . Eliade (1958). .. an dem die Taufe stattfand: Vom Ritualbad. "' Die Taufe des Johannes war außerdem Teil einer jüdischen Ten­ denz.* Die Taufe des Johannes war eher Ersatz für das jüdische Sündenopfer. dass dem Wasser eine rätselhafte. Dieser Taufritus fand sieben Tage nach der Beschneidung in der Gegenwart von Zeugen statt. wo das Wasser fließt.(»taufen«) ist es. war bei den meisten Völkern de� antiken Orients üblich. S. 1 5:5-22). Und ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz ge­ ben. die den Menschen von der Sünde und der Unreinheit erretten wollten. . die in meinen Geboten wan­ deln und meine Rechte halten und danach tun. dass diese sich i n einem Ritualbad als Übergangsritus auf dem Weg ins Judentum taufen lassen (zusätzlich zur Darbringung von Opfern im Tempel und zur Beschneidung). Conzelmann (1967). wo dem Eintauchen in Wasser auch ein eschatologischer Wert beigemessen wird (dieser sollte später im christlichen Messianismus weiterentwickelt werden): Denn ich will euch aus den Heiden herausholen und euch aus allen Ländern sammeln und wieder in euer Land bringen. und ich will reines Wasser über euch sprengen. die das Erscheinen des Messias vorbereitet:'8' Zu der Zeit kam Johannes der Täufer und predigte in der Wüste von Judäa und sprach: Tut Buße. Wie es in vielen antiken Religionen der Fall war. (Hesekiel 36:24-27) bigen in den verschiedenen Religionen der Antike s. die Taufe im fließenden Wasser mit dem Übergang vom Tod in ein neues spirituelles Leben zu verknüpfen. so kam auch i m alttestamentarischen Juden­ tum dem Tauchen in Wasser eine in erster Linie reinigende Bedeutung zu. 148 Gegen Ende der Zeit des Zweiten Tempels verlangte das phari­ säische Judentum von den Proselyten. um die Priester zu reinigen und zu initiieren (vgl.. Der Brauch sich durch die Taufe zu reinigen. geschöpft aus Quellen ��d Flüs­ sen sowie aus dem Meer. 60-61. 66. der den Men­ schen neu erschafft. der im Jordan taufte. Er bat die Juden darum. dass ihr rein werdet. Ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen. Johannes verlegte den Ort. wie es etwa bei Johannes dem Taufer der Fall war.. S. sich im Jordanwasser einer Reuetaufe in Vorbereitung auf das Himmelreich zu unterziehen. Im Buch Levitikus etwa ist das Eintauchen not­ wendig. von dem der Prophet Jesaja gesprochen und gesagt hat: '"' Über das Verhältnis der christlichen Taufe zum Taufritus in Qumran s. 149 . Das Wasser reinigte nicht nur den Körper sondern auch die Seele.deutet sich bei Hasekiel an. Bemerkenswerterweise betonte damals auch die Qumran-Sekte die reinigende Wirkung der Taufe. D1eser Glauben galt v�rnehmlich frischem Wasser. 8:6. einen Körper oder einen Gegenstand in eine Flüssigkeit zu tauchen.'05 Nach der christlichen. . Die Taufe des Proselyten spielte gewissermaßen eine genauso wichtige Rolle wie die Beschneidung selbst als ein Ritus. mag1sche Macht mne­ wohnt welche Dämonen abzuwehren vermochte. 14:8-9. hierzu Meslin (1987). Bei Johannes ist die Taufe noch nicht mit der geistigen Aktivität des Heiligen Geistes (wie diese in den Evangelien dargestellt wird) verknüpft. Lev. Flusser (1958). Somit hatten seine Taufen eine eschatologische Bedeutung. zum Jordan. denn das Him­ melreich ist nahe herbeigekommen! Denn dieser ist's. sie diente als Zeichen individueller Reinigung und göttlicher Vergebung. S.

alle Gerechtigkeit zu erfüllen.190 Taufe und Glossolalie in der Apostelgeschichte Dle Glossolalie bzw. Flusser geht davon aus. •• Vgl. und sie kamen und ließen sich taufen.. Da ging zu ihm hinaus die Stadt Jerusalem und ganz Judäa und alle Länder am Jordan und ließen sich taufen von ihm im Jordan und bekannten ihre Sünden. Darum möchte ich zunächst den Begriff an sich erklären. (Matt. 28:19). Und als Jesus getauft war. das Zungenreden hängt bei Paulus eng . taufte Johannes Jesus im Jordan. eine Stimme vom Himmel herab sprach: Dies ist mein lieber Sohn.obwohi Jesus n1cht �elber taufte. an dem ich Wohlgefal­ len habe. Lukas 3:1-9. sondern zur Heili­ gung Jesu im Hinblick auf seine messianische Funktion: · Zu der Zeit kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Jo­ hannes. wurden auch die neuen Gläubigen in der Zeit •• Nach Jesaja 4{):3. der dem Judentum näher stand als die anderen Evangelisten. Somit deutet der Evangelist Johannes auf einen latenten Konflikt hin der sich zwi­ schen Jesus und dessen Jüngern einerseits und Johannes dem Täufer andererseits zutrug: »Danach kam Jesus mit seinen Jüngern 1n das Land Judäa und blieb dort �ine Weile mit ihnen und taufte. Und siehe. als d1� chnsthche . dass er sich von ihm taufen ließe. stieg er alsbald herauf aus dem Wasser. die Parallelstellen: Markus 1 :1-8. dass ich von dir getauft werde. das wiederum aus zwei Wörtern besteht: 1) yAwooa == •Zunge•. nahe bei Salim... Daher fegte MattMus dem wiederauferstandenen Jesus seine Forderung von seinen Jüngern in den Mund: »Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker (ra E:Svfl): Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes (Ei� r6 övo1. und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und über sich kom­ men. Johannes 1:1 9-28. verließ er Judäa und grng w1eder nach Galiläa« (Johannes 3:22-23. wo es eigentlich •Jahwe• bzw. hatte ein Gewand aus Kamel­ haaren an und einen ledernen Gürtel um seine Lenden.« (Matt.) Als nun Jesus erfuhr.»Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Berei­ tet dem Herrn•• den Weg und macht eben seine Stei­ ge!« Er aber. Johannes. was aber auch im normalen Sprachgebrauch •Spra••• David Flusser bespricht in seinem Aufsatz »Paulinismus bei Paulus . Jo­ hannes aber taufte auch noch in Anon. 15-17. . Kupiou heißt. seine Speise aber waren Heuschrecken und wilder Honig. 3:1 3-17) Nach Matthäus. denn es war da v1el Wasser. 151 . dass den Pharisäern zu Ohren gekommen war. 150 �a c � dem Tod Jesu von dessen Jüngern im Wasser getauft ­ a hnlieh der Taufe des Proselyten im Ritualbad. keit k � ns t1u t 1ert wurde. sondern seine Jünger -. die im Neuen Testament artikuliert wird. •Glossolalie• ist ein altgriechisches Wort. Da ließ er's geschehen. · .1a roü TTOTpO� Kai TOÜ uioO KO] TOÜ ayiou TTVEÜIJOT�). Und siehe. [. da tat sich ihm der Himmel auf. und du kommst zu mir? Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Lass es jetzt ge­ schehen! Denn so gebührt es uns. dass e� mehr zu Jüngern machte und taufte als Johannes .. (Fiusser 19�9) die Glaubwürdigkeit dieser Stelle. m1t der Taufe zusammen und wird daher in diesem Unterkapitel e1ne zentrale Rolle spielen. Aber Johan­ nes wehrte ihm und sprach: Ich bedarf dessen. dass d1e Formel a�f den N�men des :taters• ein Nachtrag sei. Doktnn der Heiligen Dreifaltig­ de� erst h •n� uk am. jedoch diente diese Taufe zu keinen Reinheitszwecken. 4:1-3). (Matt. 3:1 -6)'89 Nach derselben christlichen Tradition. Be1 Johannes dem Evangelisten wird die von den Jungern Jesu durchgeführte Taufe der Gläubigen als Gegensatz zur Taufe von Johannes dem Täufer selbst dargestellt.

ehe• bedeutet (wie etwa das englische tongue und im Gegen­ Der Religionswissenschaftler Mircea Eilade betont hingegen. Darum soll so auch des HERRN Wort an sie erge­ die neue Taufe eine Taufe im Geist ist. sagen sie. der das Phä­ zwischen dem Volk und dessen Gott zu veranschaulichen. ungenau zitiert im 1. befahl er ihnen. 1 :4-5). er. Ich möchte hier den Zusammenhang anführen. da ein wenig!« Jawohl. möchte Aber auch diese sind vom Wein toll geworden und tau­ ich die Taufe so darlegen. die ihr. er. wie sie in der Apostelgeschichte meln von starkem Getränk. Eliade (1993). als unverständlicher Sprache und mit einer fremden Zunge reden er aus seiner Perspektive solche genussorientierten Erfahrun­ zu diesem Volk. mit der geistige Gaben hen: "zawlazaw zawlazaw. Jerusalem nicht zu verlassen. denen. (Jesaja 28:7-13) 152 verstrickt und gefangen werden."' So gesehen. der zu ihnen sprach er. zerbrochen. scheint Paulus recht gehabt zu haben. ist der Glos­ wollten nicht hören. denn Johannes hat mit Wasser gesagt hat: »Das ist die Ruhe. da der Prophet Korintherbrief 14:21 ) sie (möglicherweise auf eine parodierende Art und Weise) als . sind vom Wein verwirrt. damit musste sich Meinung nach verstanden die korinthischen Gläubigen ihre Phänomen. nämlich bei Jesaja. in dem diese Verse stehen und der ein explizites Bei­ Beispiel verwendet. Seiner •sprechen•. Gott men war. insbe­ Tische sind voll Gespei und Unflat an allen Orten! sondere in Bezug auf die Verknüpfung der Taufe mit spirituellen sagen und wanken beim Rechtsprechen. hier ein wenig. der schafft Ruhe den Müden. dass sie hingehen und rücklings fallen. prostitutionsähnlichen Riten führ­ menhang mit Glossolalie folgende Verse: ••Gott wird einmal mit ten. Die Glossolalie war in der Antike ein bekanntes Erfahrung aus ihrer heidnischen Welt heraus. die dem Gläubigen infolge der Taufe zuteil wer­ Wem will er Offenbarung zu verstehen geben? Denen. getauft. Auch der obige biblische Text. Eine Spur davon lässt sich sogar in der biblischen Paulus. Paulus zitiert im Zusam­ geistigen Gaben zu sexuellen. »Will der denn Erkenntnis lehren? Erfahrungen. und das ist die Erquickung!• Aber sie eine ekstatische Glossolalie-Erfahrung beschreibt. der zu ihnen gesagt hat: •Das ist die Ruhe. Die Kenntnis davon ist notwendig. Priester und Propheten sind beschrieben wird. sie sind toll beim Weis­ Text enthält nämlich wichtige Informationen über die Auffas­ alle sung der Taufe im Urchristentum nach dem Tod Jesu. Daraus folgt. son­ wird einmal mit unverständlicher Sprache und mit einer dern zu warten auf die Verheißung des Vaters. satz zum Deutschen. Kehren wir nun zum Neuen Testament zurück. die entwöhnt sind von der Milch. Denn »Wen«. schafft Ruhe den Müden.Tv = dass die Glossolalie auch im Heidentum verwurzelt ist.im Gegen- wenig. um die toll von starkem Getränk. kawlakaw Worten vor dessen Himmelfahrt: »Und als er mit ihnen zusam­ kawlakaw. "' S. die dem Heiligen Geist entspringen . die von der Zu Beginn der Apostelgeschichte erzählt Lukas von Jesu Brust abgesetzt sind? Zawlazaw zawlazaw. so Eliade. so fremden Zunge reden zu diesem Volk. auseinandersetzen. aber bevor nomen nicht veranschaulicht): ich die Diskussion über die Taufe bei Paulus fortsetze. ihr aber sollt mit dem Heiligen Geist getauft werden und das ist die Erquickung!" Aber sie wollten nicht hö­ nicht lange nach diesen Tagen" (Apg. um den Mangel an sprachlicher Verbindung spiel für Glossolalie gibt (im Gegensatz zu Paulus. zumal solche ekstatisch­ Tradition finden. Sie Diskussion über die Taufe bei Paulus vertiefen zu können. dass ren." (Jesaja 28:11-12. hier ein einhergehen. kawlakaw kawlakaw. da ein wenig«. von mir gehört habt. solalie gagenüber etwas feindlich angehaucht. 153 . und 2) llallr. wo der Nebensinn >Sprache• auf den dichterischen Sprachgebrauch beschränkt ist). gen zu unterbinden suchte. Der taumeln von starkem Getränk. den sollen.

Daraus folgt. dass unter den Samaritern. Völ­ ker. i n dem sie saßen. auch der Zauberer Simon war. 1 54 rers verbreiteten. 2:5-8. was als eine symbolische Zahl zu verstehen ist.empfingen die Apostel zu Pfingsten nach der Himmelfah rt Jesu. so werdet ihr empfangen die Gabe des Heil igen Geistes (r�v öwpt:av roü äyiou rrvtü�aro�)" (Apg. kamen sie dorthin. daher auch insgesamt •siebzig' verschiedene Sprachen . Und es erschienen ihnen Zun gen. ließ er sich taufen und schloss sich Philippus an. ln den Augen der talmudischen Weisen gab es auf der Weit •siebzig. aus Galiläa? Wie hören wir denn jeder seine eigene Muttersprache? [. h. 8:14-19). wie Jesus versprochen hatte. die die Botschaft nach dem Tod ihres Anüh­ neuen Gläubigen. wie im obigen Beispiel. nachdem diese bereits getauft worden waren (Apg. Doch noch wichtiger ist der Zustand der Ekstase. was es mit den geistigen Gaben auf sich hat: Der Gläubige spricht in verschiedenen Sprachen. wobei die Taufe im Wasser immer von der Taufe im Geist begleitet war. manchmal aber wurden diese Gaben. die ih nen der Heilige Geist bescherte: »Petrus sprach zu ihnen: Tut Buße und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Verge­ bung eurer Sünden. Doch in der Geschichte. mit geistigen Gaben ei nherging.'92 um die Botschaft an alle Völker der Welt zu überbringen: verwunderten sich und sprachen: Siehe. sind nicht diese alle. dem Gläubigen erst nach der Taufe Lukas verdeutlicht weiterhin. zerteilt wie von Feuer. 155 .die Fähigkeit zur Glossolalie sowie zur Prophetie . die Philippus überbrachte. die hier erzählt wird. wie der Geist ihnen gab aus­ zusprechen. Später in der Apostelgeschichte wird erzählt. 2:1 -4) f Die Jünger Jesu. dass die Taufe manchmal gleich den Empfang der Gaben des Heili­ gen Geistes mit sich zog. die nur zur Reinigung von Sünden als Vorbereitung auf die Endzeit dient. und da die Wunder des Philippus größer waren als seine eigenen. deren er nicht mächtig sein sollte. kam die Menge zu­ sammen und wurde bestürzt. Als nun dieses Brausen geschah. Simon glaube an die Botschaft. sich dem christlichen Glauben anzuschließen. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus. Nach der Taufe im Geist sprachen die Apostel in vielen Sprachen. 2:38). d. Nachdem die anderen Apostel von Philippus' Erfolg in Samaria gehört hatten. als die Ersteren Letztere auszugrenzen suchten. (Apg.'i3 die den Apostel Philippus kennenlemten. waren sie alle an einem Ort beieinander. und er setzte sich auf einen jeden von ihnen. Sie entsetzten sich aber. Sie entsetzten sich aber al le und wurden ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll von sü ßem Wein. denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. die da reden. Diese geistigen Gaben . (Apg. und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu pre­ digen in andern Sprachen. der mit seiner Zauberei die Ansässi­ gen erstaunte. '82 Als Hintergrund der Bedeutung von Mehrsprachigkeil ist hier der tal­ mud ische Begriff der •Siebzig Völker der Weit' zu erwähnen. dabei erfuhren sie eigentlich die Taufe im Geist. tauften die '"' Lukas bezieht sich indirekt auf den Konflikt zwischen Jude n und Sa­ maritern. geli ngt es den Samaritern..salz zur Taufe von Johan nes dem Täufer. damit die Gläubigen durch Handauflegung den Heiligen Geist empfangen.] [W]ir hören sie in unsem Sprachen von den großen Taten Gottes reden. 11-13) Und als der Pfingsttag gekommen war.. die waren gottes­ fürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. in dem der Gläubige ist und aufgrund dessen andere ihn für betrunken halten: Es wohnten aber in Jerusalem Juden.

als Partner in Jesu Sonder­ stellung als Gottes geliebter Sohn. Und als Paulus die Hände auf sie legte. dass sie in Zungen redeten und Gott hoch priesen. hier ist nicht Mann noch Frau. entsetzten sich. materiellen Welt) ab und führt zur Gleichheit vor dem 157 . son­ dern als Taufe in die Gegenwart von Jesus selbst figuriert man zieht sich seine Gestalt an. Da antwortete Petrus: Kann auch jemand denen das Wasser zur Taufe verwehren. 1 0:44-48) Es stellt sich jedoch heraus. 19:1-6) Die geistige Taufe. die die Gläubi­ gen als Söhne von Gottvater. noch vorhanden ist. war im Begriff. die nicht direkt mit dem Heiligen Geist und dessen Gaben iden­ tifiziert ist und von den Konkurrenten des Pauius in Ephesos vollzogen wurde: Es geschah aber. hier ist nicht Sklave noch Freier. ahmt ihn nach. die sich nicht auf das reinigende Tauchen in Wasser beschränkt. dass trotz der Neuerung in Gestalt der Taufe im Geist. fiel der Heili­ ge Geist auf alle. dass es einen Heiligen Geist gibt. sie zu taufen in dem Namen Jesu Christi. der nach ihm kommen werde. erfahren hatte. erreichen. die ihr auf Christus getauft seid. das für Außenseiter sinnlos klingt): Während Petrus noch diese Worte redete. Diese geistige Taufe baut Grenzen und Hierarchien (der jetzigen. Paulus aber sprach: Johannes hat getauft mit der Taufe der Buße und dem Volk gesagt. die dem Wort zuhörten. sie sollten an 156 den glauben. kam der Heilige Geist auf sie und sie redeten in Zungen und weissagten. Taufe in den Messias bei Paulus und »Communitas" Denn ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus. sondern war nunmehr direkt mit dem Messias und dem Leben in ihm und dem Heiligen Geist verknüpft . denn sie här­ ten. d. nämlich an Jesus. 3:26-28) Im Brief an die Galater wird die Position betont.und bisweilen erfolgte die Taufe. wie wir gleich sehen werden. habt Christus angezogen. Ihre Teilnahme an Jesus und ihr Sein in ihm ergeben sich aus der Taufe. Zu denen sprach er: Habt ihr den Heiligen Geist empfangen. wie Lukas sie in der Apostelgeschichte dar­ stellt. nämlich eine Taufe. Und die gläu­ big gewordenen Juden. die mit Petrus gekommen wa­ ren. infolgedessen der Gläubige mit der Glos­ solalie beginnt Uenes Murmeln. ein Überbleibsel aus der Zeit von Johannes dem Täufer. weil auch auf die Heiden die Gabe des Heiligen Geistes ausgegossen wurde. die Paulus nach der Apostelgeschichte ein­ führte. als ihr gläubig wurdet? Sie sprachen zu ihm: Wir haben noch nie gehört.zuteil . im Rahmen des christlichen Glaubens einen dominanten Platz einzunehmen: Von da an diente die Taufe nicht nur zur persönlichen Reinigung von der Sünde als Vorbereitung auf und Vorzeichen für das jüngste Gericht (wie noch bei Hesekiel und Johannes dem Täufer). denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus. (Gal. (Apg. identifiziert sich mit ihm. Denn ihr alle. als Apollos i n Korinth war. ließen sie sich taufen auf den Namen des Herrn Jesus. h. Und er fragte sie: Worauf seid ihr denn getauft? Sie antworteten: Auf die Taufe des Jo­ hannes. Insgesamt besteht hier ein Zusam­ menhang zwischen der Taufe und dem Empfang der Gaben des Heiligen Geistes. Als sie das hörten. Hier ist nicht Jude noch Grieche. (Apg.was sich in den Briefen von Paulus selbst deutlich manifestiert. dass Pau­ lus durch das Hochland zog und nach Ephesus kam und einige Jünger fand. nachdem der Gläubige diese Gaben bereits empfan­ gen bzw. die den Heiligen Geist em­ pfangen haben ebenso wie wir? Und er befahl. auch eine andere Taufe.

S. Communitas erfah­ ren. der eigentlich ein Anti-Zustand. S. wie auch als Schwellenphase. Eine Überbetonung der Struktur kann zu pathologischen Erscheinungsformen von Communitas führen. nur um. untereinander neigen die Neophyten dazu. in dem die Differen­ zierungen zwischen Herr und Sklave. wie sie in be­ stimmten. Turner (2000). intensive Kame­ radschaft und Egalitarismus zu entwickeln. •• Ebd. "' ln diesem Zusammenhang ist zu erwähnen. ein unmöglicher Zwischenzustand ist. ebd. 159 .. Unterschiede nivellierenden religiösen und politischen Bewegungen vorkommt.Vater. Keine Gesellschaft kann ohne � . •• Vgl. durch diese Erfahrung revitalisiert.'98 Möglicherweise liegt die theologische Quelle hierfür bei Paulus. die Turner •Communitas• nennt und so beschreibt: . dem Sohn. dass dieser Zustand von Communitas. zur Struktur zurückzukehren. in dem alle sozia] en Hierarchien zusammenbrechen: Für einen Augenblick des Ubergangs vom Vorher zum Nachher.' Und Ierner: Communitas dringt in der Liminalität durch die Lücken der Struktur. der auf einen uto­ pisch-eschatologischen Zustand hindeutet. Das Untertauchen im Wasser und der Ausgang aus demselben wurden sowohl als eine Fähig�eit. überschreitet oder aufhebt und von der Erfahrung beispielloser Kraft begleitet ist. angesehen. was in mönchischen und bettler­ artigen Bewegungen zum Ausdruck kam. '116 Ebd. die die Gemeinde und das Individuum bedroht. in bestimmten Momenten der christlichen Geschichte zu einem festen Zustand wurde. S.. Diese Beschreibung deckt sich nach Victor Turner'94 mit der Schwellenphase im Ritual. 125.'� "' Ebd. die Herausforderungen des Wassers (Strom. Gottes Söhne sind. Weltliche Status­ 95 oder Rangunterschiede verschwinden«. die strukturierte und institutionalisierte Beziehungen leiten. S. während in den Ü bergangsriten die Menschen.'90 Diese mystische Erfahrung. die außerhalb des Rahmens »des �esetzes« stehen und gegen es gerichtet sind.. in der Marginalität an den Rändern der Struktur und in der Inferiorität von unterhalb der Struktur ein. 1 05-1 1 1 . die dem Ü bergang von der Befreiung vom Gesetz hin zur Forderung nach Einheit­ lichkeit des Denkens bei seinen Adressaten innewohnt. 126. 95. deren Endziel in der Rückkehr in den Schoß der Gesellschaft besteht: Wir haben es hier mit einem dialektischen Prozeß zu tun da die Unmittelbarkeit der Communitas dem Struk­ tur ustand weicht. übermäßige Bürokratisierung oder andere For­ men struktureller Erstarrung münden. wird einerseits von der Gesellschaft als Gefährdung und Unterminierung der gesell­ schaftlichen Grundlagen angesehen.'"' Turners Einsichten in die Gefahr von Despotismus und struktu­ reller Rigidität als Reaktion auf Communitas können auch die bei Paulus vorhandene Dialektik beleuchten. doch andererseits ist es auch eine vorläufige Erfahrung. da alle aufgrund ihrer Identifika­ tion mit Jesus. kann sehr schnell in Despotie. betont Turner. dass die Taufe im Was­ ser im alten Orient sowie in der Bibel als ein gefährliches Gescheh­ nis begriffen wurde. Darüber hinaus meint Turner. Jude und Grieche aufgehoben werden. Meer) zu Oberwtnden. lösen sich die sozialen Konventionen und die Hierarchien von Werten in einer Erfah­ rung auf. 158 diese Dialektik auskommen. Mann und Frau. das durch enorme menschliche Kräfte oder dank götUicher Wunder überwunden werden soll.. auf der Schwelle.. vielleicht weil sie die Normen.. von der Struktur befreit. Sie gilt beinahe überall auf der Weft als sakral oder •heilig•.. Eine Uberbetonung der Communitas. S.

könnte symbo­ lisch gut durch die für das Funktio nieren der Radstruktur uner1äßli­ che •Leere in der Mitte• dargestellt werden. Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig und an die­ ser Fülle habt ihr teil in ihm. Denn die Hauptmotivation von Paulus beim Verfassen des Galaterbriefes ist die Konstituierung einer •gesunden• christlichen Gemeinde. eine Beschneidung im Geist und im Namen des Messias. Turners Worte (Kursiv im Original): »Hier paßt Lao·t�es Ge­ schichte vom Wagenrad. der zentrale Radblock. der das Haupt aller Mächte und Gewal­ ten ist. 124). präödipale Phase erlebt. eine Identität als Söhne. als Grundlage fOr das soziale Recht an sich. dass alle Signifikanten eben sie. der die Achse und die Speichen hält). sondern auch der Hinweis auf Gleichheit im Imaginären (also dem Präödipalen) unter den Brüdern. d. die in ihrer Unstrukturiertheit das •Mark• menschlicher Verbundenheit. Ebenfalls relevant ist der (postpaulinische) Brief an die Kolosser. 161 . der ihn aufer­ weckt hat von den Toten. Seinem bisherigen Leben gegenüber stirbt der Gläubige. 160 Anstatt der alten Hierarchien bietet Paulus eine neue ldenti· tät an.Gewissermaßen kann man auch behaupten. die alle neben dem ersten Sohn Jesus vor Gott als gleich gelten. mit ihm seid ihr auch auf­ erstanden durch den Glauben aus der Kraft Gottes. umkreisen. an der sie befestigt sind. der sich während der Schwellenphase des Taufakts vollzieht. die Leere in der Mitte nicht. also mit dem Namen-des-Vaters befasste). 2:8-13). Daher wendet er sich gegen das Beschneidungsritual und sucht das Taufritual für die christliche Gemeinde als Alternative zum bisherigen Über­ gangsritus darzustellen!'" Nicht nur der Hinweis auf den Abbau der Grenzen und Hierarchien im Rahmen der Taufe in Jesus ist wichtig. und hat uns vergeben alle Sünden« (Kol. '"' Vgl. und •real• im Sinne des von Turner beschriebenen lee­ ren Kerns. Im Römerbrief wird der theologische Aspekt der Taufe in Jesus noch weiter entwickelt. als die­ ser sich mit dem realen Kern des Subjekts und der gesellschaft­ lichen Ordnung. hier S. Paulus stellt den christlichen Täufling in die reale Ordnung und tut dies als not­ wendige Schwellenphase auf dem Weg zum christlichen Imagi­ nären. Diese Auffas­ sung von Levi-Strauss kommt bei Lacan zum Au�dru�. 791-820. Communitas. Sprach­ subjekt ist. dass das Subjekt während des Taufrituals erneut die reale. Und er hat euch mit ihm lebendig gemacht. dass die Com­ munitas aus der lacanschen Perspektive imaginäre und reale Aspekte enthält: •imaginär• in Bezug auf die Gleichheit der Ge­ meindemitglieder kraft ihrer Zugehörigkeit zu ein und derselben Gruppe. der gerade in seiner Abwesenheit äußerst anwesend ist . die ermöglicht. Siehe hier­ zu insbesondere den Aufsatz von Levi-Strauss (1991). Lacan 1973a). 806. Von einem psychoanalytischen Blickpunkt aus lässt sich sagen. repräsentiert. dass euch niemand ein­ fange durch Philosophie und leeren Trug. Nock (1972). Diese Metapher deutet auf einen geistigen Tod hin. dort aber als Tod in Jesus. das Zwischenmenschliche." (Turner (2000). gäbe es das Loch. wären nutzlos. wie Buber sagt. h. die an Claude Levi-Strauss' •Nuii-Ty­ pus. gegründet auf die Lehre von Menschen und auf die Mächte der Weil und nicht auf Christus. h. als ihr nämlich euer fleischli· ches Wesen ablegtet in der Beschneidung durch Christus.'00 erinnert (Diese Auffassung von Levi-Strauss hatte An­ fang der 1950er Jahre großen Einfluss auch auf Lacan.eine Sichtweise. schwellenartigen Zustand versetzen . die auf Grenzen beruht und vom Judentum getrennt ist. definiert ist: »Seht zu. sagte Lao-tse. Der •Null-Typus• bei Levi-Strauss Ist jene leere Stelle inmitten der sozialen Gesetze. ln ihm seid ihr auch beschnitten worden mit einer Beschnei­ dung. die nicht mit Händen geschieht. Mit ihm seid ihr begraben worden durch die Taufe. S. in der es seine eigene Identität noch nicht erfährt. die ihr tot wart in den Sünden und in der Unbeschnittenheit eures Fleisches. Die Grenzen zwischen Hier/Subjekt/Säugling und Dort/Objekt/Welt existieren nicht. der sie bis zu seiner Formulierung des •Namen-des-Vaters• 1m Smne vom lee­ ren Kern der symbolischen Ordnung weiterentwickelt (s.ihn somit nicht in die symbolische Ordnung überführen? ••• Vgl. den Freiraum. S. er stirbt in Jesus hinein. mithin noch kein Sprachwesen bzw. Es stellt sich also die Frage: Will Paulus den Gläubigen in einen realen. wo die Taufe als Be­ schneidung des Messias. das aus narzisstischen Identifikationen der Gemeinde­ mitglieder mit sich selbst (gegenseitig) und mit der Figur Jesu. Die Speichen des Rads und d1e Nabe (d.

denn ohne diese Wiederaufstehung sei alles sinnlos: Gibt es keine Auferstehung der Toten. für den Tod finden . 6:3-5) Hiermit will Paulus. Doch um ins Imaginäre zu gelangen. den er nicht aufer­ weckt hätte. Kor. damit. 15:13-19. Wir würden dann auch als falsche Zeugen Gottes befunden. die in Christus ent­ schlafen sind. wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters. weil wir gegen Gott bezeugt hätten. ] Wenn die Toten nicht auferstehen. sondern auch die Wie­ derauferstehung aus dem Tod. wenn doch die Toten nicht auferstehen. die bevorzugte Stellung des Imaginären. 162 · der mit neuem Glauben. abschaffen. so sind wir die elendasten unter allen Menschen. 163 . Das bedeutet nicht allein den Tod. Denn wenn wir mit ihm verbunden und ihm gleich geworden sind in seinem Tod. mit einer Erklärung gefüllt werden muss. Der Tod. das er vorfindet und nach dem der Getaufte sich mit dem Täufer (sei es etwa Paulus 202 Vgl. das heißt durch den Tod Jesu. so ist Christus auch nicht auferstanden. Wir sehen also. Ist Christus aber nicht aufer­ standen. wie Paulus dies Im siebten Kapitel des Römerbriefs erklärt. [. h. genauso wie Jesus wiederauferstanden sei: Oder wisst ihr nicht. die wir auf Christus Jesus getauft sind. Der Vater nimmt optimis­ tisch an. so werden wir ihm auch ln der Auferstehung gleich sein. so ist auch Chris­ tus nicht auferstanden. dass alle. Denn wenn die Toten nicht auferstehen. u m den Körper des Gläubigen im himm­ lischen Körper Jesu neu zu schaffen. die sind in seinen Tod getauft? So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod. (Röm. 32) Taufe und Täufer Im ersten Korintherbrief werden bestehende Rituale (die Taufe und das Herrenmahl) herangezogen. hinterlässt einen bedrohlichen Abstand.nämlich den Glauben an die Wiederauferstehung des Gläubigen in Anlehnung an die Wiederauferstehung Jesu. darum führt das Gesetz dazu. eine Logik für das flüchtige Reale. verloren. Nur durch die Taufe in Jesus. wie ich in den letzten Kapiteln bereits erklärt habe.die symbolische Ordnung ermöglicht kein Entkommen aus der Sünde und dem von ihr verursachten Tod. könne der Mensch von der tötenden Sünde und der Versklavung durch das Gesetz zugleich erlöst werden. so ist auch euer Glaube vergeblich. . die fleischliche Sünde. denn morgen sind wir tot!«202 (1 .sodass er in diesem Sinne auch wiederauferstehen kann. . die Sünde durch die Wir­ kung des Gesetzes von selbst aufheben würden. so sind auch die. Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus. als Komplize von Übertretung und Sünde in einer gemeinsamen Koalition gegen das Subjekt. dann »lasst uns essen und trinken. jedoch fungiert das Gesetz. Jesaja 22:13. durch den Tod in Jesus. darum wollten Theologen wie Paulus eine Erklärung. so ist unsre Predigt vergeblich. er habe Christus auferweckt. so seid ihr noch in euren Sünden. dass Paulus auch hier. um die Korinther Gemein­ de zu etablieren. der hinsicht­ lich des Alten erfolgt. anstatt die gesetzliche Ordnung des Symbolischen zu betreten. auch wir in einem neuen Leben wandeln. erhalten möchte. also den Ausgang aus der Tau­ fe in eine neue eschatologische Phase. Paulus wendet sich gegen das dort und damals übliche Verständnis der Taufe. der Identifikation mit der Figur Jesu. d. dass sich das Genießen bzw. eigentlich das übertretende Genießen. muss der Gläubige zunächst durch das Reale hindurch. so ist euer Glaube nichtig. dass die Forderung nach Genuss neu ent­ steht . Ist aber Christus nicht auferstan­ den.

Daraus folgt. mit Jesus identifiziert: Denn es ist mir bekannt geworden Ober euch. Taufe für die Toten). h.selbst. damit nicht jemand sagen kann. dass es sich bei der Taufe nicht nur um die Reinigung im Wasser handelt. die in der Gemeinde zu Rissen und Teilungen führten. vgl.""• Paulus betonte ferner. h. 1 : 1 1 -17. 10:2).auf eine •höhere• theologische Ebene bringt. Kor. nicht möglich ist: »Betreffs der Taufe aber: Tauft so: Nach- 165 . damit nicht das Kreuz Christi zunichte werde. . ob ich noch jemanden getauft habe.'l04 lehnt diese gleichzeitig ab. Vgl. Apg. getauft. auf der die Taufe ausschließlich mit Jesus. 8:36. Kor. dass sich einige für die Toten taufen lassen? Wenn die Toten gar nicht auferstehen.und Ankleidung im Messias Das Wort. was lassen sie sich dann für sie taufen?« (1. ihr wäret auf meinen Namen getauft. Ich meine aber dies. sondern das Evangelium zu predigen . Beasley-Murray (1 974). dass ich niemanden unter euch getauft habe außer Krispus und Gajus. Heb. Ich habe aber auch Stephanas und sein Haus doxerweise muss hier Paulus ein Argument anführen.nicht mit klugen Worten. Denn Christus hat mich nicht gesandt zu taufen. dass Streit unter euch ist. der andere: Ich zu Apollos. mit dem im Altgriechischen der Taufakt bezeichnet wird (ßamf�tlv). S. bei denen Lebende sich für die Toten tau­ fen ließen. Im ersten Korintherbrief sucht Paulus den Glauben an die Wieder­ auferstehung des Messias und folglich auch aller anderen Toten zu bekräftigen.gleichsam eine hagel­ sehe Aufhebung . bedeutet •mit dem ganzen Körper im Wasser untertauchen•. wenn eine richtige Taufe. Zum oben zitierten Vers s.diese kannten nämlich heidnische Riten. d. die zu unzähligen Kommentaren ührten: f »Was soll es sonst. (1. um die verschie­ denen anderen Identifikationen zu verdrängen. die aus der Vielzahl der Identifikationen mit dem einen oder anderen Apostel entsteht.. als ob die Taufe in ihren Namen erfolgen würde.. das den Getauften (die Kinder Israels) mit dem Täufer (Moses) identifi­ ziert. Kor. dass die Taufe sowohl bei Paulus als auch bei seinen Adressaten mit Tod und Auferstehung zugleich zusammen­ hängt. Christiansen (1995). liebe Brü­ der. Para- . 294-298. Apollos oder Johannes der Täufer) und nicht mit dem Objekt der Taufe. Darum wies er auf den sozialen Aspekt der Taufe hin als Zeichen für die innergemeindliche Ein­ heit um Jesus herum und in dessen Namen sowie gegen die Teilung. Mit dieser theologischen Hand­ lung erhöht also Paulus seine Gläubigen in ein neues Imaginä­ res absoluter Identifikation mit der Figur Jesu. 10:22 sowie in der Didache (einer frühchrisUi· chen Schrift) 7: t-3. der Vierte: Ich zu Christus. Daraus lässt sich vielleicht auf die Dialektik von Paulus' Rhetorik schließen: Er verwendet Auffassungen der Taufe. in dem seine Korinther Adressaten lebten .. wo das Besprengen mit Wasser nur dann erfolgt.. sondern auch um eine spirituelle Dimension der Identifikation mit Jesus. Ent. dass unter euch der eine sagt: Ich gehöre zu Paulus. Es scheint. d. dass Paulus die Taufe aus dem Zusammenhang heraus besprechen wollte. Er fügt noch folgende Worte hinzu. der Dritte: Ich zu Kephas. 185. Wie? Ist Christus etwa zerteilt? Ist denn Paulus für euch gekreuzigt? Oder seid ihr auf den Namen des Paulus getauft? Ich danke Gott. wie dies schon bei den Kindern Israels im Auszug aus Ägypten der Fall gewesen sei: »und alle sind auf Mose getauft worden durch die Wolke und durch das Meer« "" Vgl. die seinen Adressaten bekannt sind (Identifikation mit dem Täufer. seinem Tod und Auferstehung identifiziert wird. 15:29).205 So scheint es schon bei der Taufe von Johan- blem von Identifikationen mit verschiedenen Täufern. das Untertauchen mit dem ganzen Körper. S. durch die Leute der Chloä. während er sie jedoch auch teilweise bewahrt und . 164 (1 . sonst weiß ich nicht. auch 3:4-9) Die christliche Taufe verursachte ein theologisch-soziales Pro­ Taufe. Dieses Problem wollte Paulus lösen.

6:11 ). ihr seid gerecht geworden durch schen an.] durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung im Heiligen Geist. die von Jesus. der zum Judentum von euch ab den alten Menschen mit seinem früheren Wandel rt Übertretende. (dann) in warmem. S.nes dem Täufer gewesen zu sein .. der allen gemeinsam Ist. Die Taufe führt die Gläubigen durch den •Einen<. Wedderburn (1987). wie es der Proselyt. auch Lev. So gesehen. ln die Stellung von Gottes Söhnen ein. tauchte ganz im Wasser unter (und wurde also nicht mit Wasser Anlehnung an Paulus) heißt. folgenden Wortlaut im postpaulinischen Brief an Titus: "[ . an:212 »Legt neuen Kleidem an. dem jüdischen Ritualbad. dann gieße auf den Kopf dreimal Wasser auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Hei ligen Geistes . tu 167 . wo es heißt: . ." Vgl. 292.. habt der Taufe entwickelt: Die spirituelle Entkleidung als Parallele Christus angezogen« (Gal.. 3. Meeks (1983). Christi ansen (1995). und im Urchristentum zur Zeit des Paulus. durch die Söhne in der Gemeinde dargelegt habe: Die Christen ziehen sich die alte dem ihr dies alles zuvor gesagt habt. aus und eine neue Gestalt.wie auch beim jüdischen Taufritual in der Mikwe. wie auch Christus die Gemeinde gel iebt hat und hat sich selbst für sie dahingegeben.und Mose ließ herzutreten Aaron und seine Söhne und wusch sie mit Wasser und legte ihm das leinene Gewand an und gürtete ihn m it dem Gürtel und zog ihm das Obergewand an und tat i hm den Pries­ terschurz um und gOrtele ihn mit dem Gurt des Schurzes. die ihr auf Christus getauft seid. wohnt dem Tauf­ und Heiligkeit<< (Eph. was ich in den inne. dem Hohenpriester. Im Epheserbrief wird ein weiterer Aspekt der Taufe angedeutet näml ich die Abgabe einer Erklärung vor Zeugen: »Ihr Männer. . Erneue solche sind einige von euch gewesen. des Herrn Jesus Christus und durch den Geist unseres Gottes<< ( 1 . 231. Aber ihr seid rein euch aber in eurem Geist und Sinn und zieht den neuen Men­ gewaschen. Kor.213 Diese Erkenntnis hinsichtlich der Imitation Jesu durch die ritus etwas von der Symbolik der Todes. Wenn du aber kein lebendiges Wasser hast.das Untertauchen in Jesus und die Annahme seiner Gestalt. Er hat si e gerei­ nigt durch das Wasserbad im Wort (: . Außerdem tragen sie nun eine Art •Uniform< in einer Gestalt. Martos (1981). "'' Vgl. 3:27).und Geburtsriten Vorstellung von der Ankleidung knüpft daran an. S. um sie zu heiligen. taufe in anderem Wasser. Wenn du aber nicht in kaltem Wasser (taufen) kannst. Betz (1988). '"' Vgl. 201 Vgl . an. unsern Heiland« (3:5-6). mit der Taufe in der Mikwe ebenfalls tat::il)8 »Und der sich durch trügerische Begierden zugrunde richtet. 166 Weit.2" wo es (in im Wasser vorausging. nämlich Jesus.. S. 8:6-7. 4:22-24).207 ging aus dem Wasser heraus und zog sich mit materielle Leben) aus und neue. ihr seid geheiligt. dass der Gläubige den Messias bzw. Eigentlich wird die christliche Gemeinde mit Jesus selbst gleich­ gesetzt. liebt eure Frauen. s. tauft auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes m it lebendigem ( = fließendem) Wasser. . Conzel­ mann (1967). Damit will Paulus den Gläubigen vom identitätslosen und bedrohlichen Realen durch die narzisstische Identifikation "' S. 5:25-26).]• (Eph. "" S. der gegenüber sie sterben. in diesem Zusammenhang beispiels eise die Ent. 363-371. 151. S. die seinerzeit dem Untertauchen auch im postpaulinischen Brief an die Epheser.und Anklei­ w dung von Jeschua.er zieht seine alte Kleidung (das besprengt). Damals zog sich der Täufling aus. S. in Sacharj a Kap. was auch im Brief an die Galater zum Ausdruck kommt:210 »Denn ihr alle.200 Darum wird im ersten Korintherbrief eine weitere Metapher zum paulinischen Begri � Die Taufe in Jesus lässt sich also auch als Entkleidung cha­ rakterisieren .. Diese Metapher finden wir zur tatsächlichen Entkleidung. vgl. Nachahmung der Figur Jesu. dessen Gestalt trägt .. 164. Wenn du aber beides nicht hast. des Sohnes. "'' S. 65. S. den er über uns reichlich ausgegossen hat durch Jesus Christus.2051 wobei die Taufe den Übergang vom früheren Leben zum letzten Kapiteln als die paulinische Auffassung narzisstischer neuen Leben in Jesus symbolisiert . Kitchen (1994). 84-85. der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit den Namen .

also mit dem Ande­ ren (Apollos. sich mit dem Täufer zu identifizieren. Gott aber ist das Haupt Christi« ( 1 . Diese Sichtweise sollte danach in den postpaulinischen Gemeinden noch mehr betont werden. mit jenem ·Einen•. Kor. während Paulus im Rahmen dieses •Einen• eine neue Hierarchie konstruiert. •. die Gefahr und der Kompromiss Die Frage nach der innergemeindlichen Hierarchie wird im ers­ ten Korintherbrief später nochmals aufgegriffen. dass Christus das Haupt eines jeden Mannes ist. •eine• Taufe. d. Vor diesem Hintergrund sucht er in seinem ersten Korinther­ brief das Imaginäre (narzisstische Gleichheit vor Jesus) und das Symbolische (Unterordnung unter Jesus und Einführung von Gesetzen für die Gemeinde) zusammenschließen. h. wenn Paulus von der weiblichen Kopfbedeckung beim Gebet spricht. der Mann aber ist das Haupt der Frau. organisierten Gemein­ de für den Messias . ersetzen und ein neues soziales Ge­ webe tragen. jedoch achtet er zu gleicher Zeit darauf. Paulus selbst. die Frau. und sind alle mit •einem• Geist getränkt. doch •ein• Leib sind: so auch Christus. denn die Gemeinde entsteht durch die Imitation des Körperbildes bzw. aber gleichzeitig greift er die Radikalität der jüdischen Gesetzestreue an. Jahwes. 168 Die imaginäre Fantasie vom ·Einen• wird somit aufrecht­ erhalten. symbolisch-imaginäre Ordnung konstruieren. 12:12-13) Die Metapher der Glieder bezieht sich auf die Etablierung der innergemeindlichen Hierarchie. Glossolalie.mit demselben Jesus. zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens: •ein• Leib und •ein• Geist. •ein• Glaube.die Gestalt der Gemeinde zu kreieren. Zu diesem Zweck bedarf es der Allegorie des menschlichen Körpers.. obwohl sie viele sind. Diese Ordnung soll diejenige des Vaters. Paulus möchte eine gemischte. erlöst zu werden .in die­ sem Sinne ist die Taufe ein Vorzeichen. Johannes. die sich noch erfüllen sollte. obwohl alle gleichsam wie Gliede� eines Körpers verschieden sind. i n das soziale Gefüge des Imaginären bringen: Denn wie der Leib •einer• ist und doch viele Glieder hat. die sich auf die Figur Jesu stützt. der Gestalt Jesu. in dem keine Hierarchien mehr gelten. sie in keine pseudo-jüdische. S. die sich wiederum auf die Gleichheit selbst stützt: Alle sind gleich.im Sinne der Gestaltpsychologie . symbolische Ord­ nung einzuführen. des verwundeten Jesu in seiner Gänze. Paulus kann zwar nicht ganz auf das Symbolische verzichten. die demselben ·Einen• dient. wir seien Jud­ en oder Griechen. eine Verheißung.doch auch durch ihn. zum anderen geht es um die Leiden­ schaft.. wie ihr auch berufen seid zu >einer• Hoffnung eurer Berufung. indem er sich mit den Leidenschaften des Subjekts auseinander setzt: zum einen ist das die Leidenschaft. 1 1 :3). Sklaven oder Freie. die aber allesamt notwendig sind. in denen »Paulus" auf die Bedeutung der Einigkeit um den •Einen• herum hindeutee. ] Ertragt einer den andern in liebe und seid darauf bedacht. Diese Balance erhält Paulus aufrecht. Meeks (1983). 169 . eindeutig gesetzorientierte. Denn wir sind durch •einen• Geist alle zu •einem• Leib getauft. Seine Gemeinde­ mitglieder kann Paulus nicht in diesem gefährlichen Schwellen­ zustand des Realen verlassen. Dort weist Paulus auf die Hierarchie von Frau und Mann hin: »Ich lasse euch aber wissen. Petrus). •ein• Herr. [ . um . 157. ln dieser Hinsicht setzt die Rhetorik vom den Körpergliedern und dem ganzen Körper die imaginäre Denkweise fort. All das dient der Gründung einer vollständigen. •ein• Gott und . ln Anlehnung an Paulus werden seine Jünger die Brie­ fe an die Kolosser und an die Epheser verfassen. (1. Kor. . der verschiedene Glieder hat. S. alle Glieder des Leibes aber. All dies braucht Paulus.

4:6-7) 215 210 Ebd.215 dass die Zungenredner bei der Taufe oder gleich danach das (aramä i­ sche.das ist die­ selbe Ambivalenz. als ein Diskurs des Anderen. Oieses Er1ebnis des •Abba<-Rufs wie auch die Erfahrung der Glossolalie können. die Gründung einer gemeindlichen Hierarchie im Rahmen des •Einen< an. ordnet euch euren Männern unter wie dem Herrn. Meeks nimmt an.. zu gleicher Zeit aber auch deren Unterordnung unter den Mes­ sias."'6 Aus lacanianischer Perspektive lässt sich die Glossolalie als eine Art •lalangue< (dieser lacansche Begriff wird im Folgenden erklärt) definieren. 171 .. das Unbewusste die Kontrolle über den Gläubigen innehat und ihn betätigt. Der Täufling ruft also •Abba<. Aber wie nun die Gemeinde sich Christus unterordnet. wie Paulus es begreift . Ihr Männer. grundlegende Einheiten. dann auch Erbe durch Gott. Ihr Frauen. wie auch Christus die Gemeinde geliebt hat und hat sich selbst für sie dahingegeben. Auch damit wird die Taufe in Ver­ bindung gebracht: Durch sie entsteht die Einheit der Gemeinde. 4:2-6} Im Epheserbrief strebt der Verfasser. wie dies in den Briefen an die Galater und die Römer erzählt wird. 151-152. hat Gott den Geist seines Soh­ nes gesandt in unsre Herzen. wie auch Christus das Haupt der Gemeinde ist. wenn e r das Zum-Schweigen-Bringen der Zungenredner mit deren Zum-Schweigen-Bringen verknüpft. Denn der Mann ist das Haupt der Frau. sondern Kind. wenn aber Kind. d. Vater. auch die Väter sollen auf die Söhne Rücksicht nehmen) und dass ein ähnliches Verhältnis zwischen Sklaven und Herren bestehen solle (Eph. lieber Vater! (gr. Er hat sie gereinigt durch das Wasserbad im Wort [. dass das Verhältnis zwischen der Gemein- 170 destruktur und dem Taufritual auch mit dem Bild der Frau in der Gemeinde zu tun hat.noch hinzu. so sollen sich auch die Frauen ihren Män­ nern unterordnen in allen Dingen. 5:21-26) Späterhin fügt der Verfasser des Epheserbriefs .Vater aller. 119-121 . Wir haben aus der Apostelgeschichte bereits ersehen. S. die Phoneme der Spra­ che als getrennte. dass auch die Söhne auf die Väter hören müssen (und umgekehrt. die hiermit selbst­ ständig werden. aus der auch die parallele Unterordnung der Frau unter ihren Mann folgt. die er als seinen Leib erlöst hat. während dem der Geist bzw. h. anscheinend in Anleh­ nung an Paulus.wie auch Pau­ lus im ersten Korintherbrief und im Gegensatz zur nonkonfor­ mistischen Tendenz zur Aufhebung der Hierarchie bei der Tau­ fe selbst .. mit magischer Kraft beladene) Wort •Abba< (Vater) geru­ fen haben. der da ist über allen und durch alle und in allen. Aber es stellt sich heraus. des Unbewuss­ ten.. etwa die Prophetie oder die Glossolalie. 6:1-9). (Gal. um sie zu heiligen. Dieser Diskurs enthält die Signifikanten bzw. das das Subjekt betätigt (dies deutet das Christentum als die Wirkung des Heiligen Geistes auf den Gläubigen). Oie Beziehung zwischen beiden Ehegatten soll auf Partnerschaft und Unterwürfigkeit beruhen . S. ] (Eph. Ebd. so Meeks. im Rahmen seiner Adoption als Sohn Gottes: Weil ihr nun Kinder seid. (Eph.insbesondere dann. als ein seeli­ scher Vorgang der Dissoziation beschrieben werden. durch die sich auch die Beziehung zwischen dem (oder den) Gläubigen und dem Messias kennzeich�et: Ähnlichkeit (Identifikation und Imitation) und Unterschied (hierarchische Unterordnung): Ordnet euch einander unter in der Furcht Christi.: aßßa 6 rrar�p) So bist du nun nicht mehr Knecht. liebt eure Frauen. dass den Täuflingen der Heilige Geist geistige Gaben beschert. der da ruft: Abba.

auch die Parallelstellen: Matthäus 26:39. sich mit der Erfah rung der Glossolalie ausemanderzusetzen. dass ihr euch abermals fürchten müsstet. Punkt beschreiben. Lukas 22:42. sondern versu cht sie auf das Gemein­ dewohl zu richten. der sich 172 � P�y ose ein Mechanismus der � Verwerfung (Ir. .usdrücke und � eol�­ eli ­ gismen wiederholt. redner n1cht absolut ab. weder Subjekt noch Objekt. sich mit der Vaterfigur identifizieren. sondern was du willst!« (Markus 14:36). Bd. : �urde).sich eh er tür . die ihn aus dieser realen Umi­ nalität erretten könnte. Diskusston bet Macey (1988). Das zu taufende Subjekte befin­ det sich in einem bedrohlichen Zustand von weder-hier-noch­ dort. Der Täufling möchte vom bedrohlichen Realen abweichen. Bei Ch�ram­ bault bezeichnet der Wiederholungsautomatismus d1e verbale Hallu­ zination beim Psychotiker. lieber Vater! (aßßa o nar�p) (Röm.211 Die Glossolalie lasst ��c folglich als der Ort bzw. msbesondere mit 1 dem Täufer. als eme psychotische Halluzination. Dte r etgehe nd �1t d�m �y­ giös-mystische Glossolalie können wir also w l chotisch-automatischen Sprechen gleichsetzen.automatisch• A. S. das dem Subjekt vom großen Anderen implantiert wird. verdrängt . doch nicht. denn bet be1dem 1st es ein externer Faktor-Gott un d/oder der gro ße Andere-.dieser Signifikant taucht dann wieder auf. indem er sich mit irgen deiner .. ähnlich dem Ruf Jesu in Gethsemane vor seiner Kreuzigung:2'7 »und (Jesus] sprach: Abba. sonde� ihr habt einen kindlichen Geist empfangen. Erwähnenswert ist an dieser Stelle auch die Auffassung vom •Wie­ derholungsautomatismus• (Ir. besteht in der '" Vgl. eine . S. wie im ödipalen Prozess (aber nicht unbedingt im chronologischen Sinne). 172-174 hinweisen. die neurobiologischen Zusammenhänge der Psychose mteressterte). auf d1 s1ch Paulus (im Gegensatz zur Prophetie � ) als Zustand ant1·s oz1 a l er Abnormität bezieht.2'8 Wie Lacan erklärt. sich davon abspalten und. Eigentlich können wir die Glossolalie auch als eine ekstati­ sche Erfahrung darstellen. die keinen unmittelbaren �mn ergeben. Erfahrung. 1. mein Vater (aßßa 6 natr)p). die gewissermaßen parallel zum psychotischen Sprechen ist. in die das getaufte Subjekt infolge des Empfangs des en Taufakt begle itenden Geistes gerät. Er lehnt die Zungen­ . an dem . zu diesem Zweck gewissermaßen zu •kastrieren< � � � ? Denn wer in Zungen redet. torclusion) des S�gmf1kanten Name-des-Vaters. hierzu auch Macey (1988)." S. Die Psychosen (1955-56) (s. 41-43) �in . 8:15) Den Ruf ·Abba< lässt sich auch als Hilferuf deuten. ausg edrückt im Schrei •Vater !• (genauso also. diesbezüglich Lacan 1973. des Subjekts bemächtigt und in ihm scheinbar willkürlich die Grund­ lagen der Sprache betätigt. in einem Schwellenzustand also. der S1gn1f1kant des Vaters entfe rnt wird and anderwärts wieder auftaucht. weshalb er um seine eigene Unterordnung unter den Vater bittet. Dort erklärt Macey. Anscheinend beeinflusste dieser Hinter­ grund Lacans Auffassung ��n •lalangue• und der Psychose (insbe­ sondere du rch �1e T�xtualttät von James Joyce) in seiner späten L �hre. der sich wäh­ rend der Taufe im Wasser und im Geist physisch in der Nähe des Täuflings befindet). dass �as Interesse des späten Lacan an der psychotischen Sprache gar n1cht so getrennt von seinen früheren Lehrphasen war zu denen etwa Lacans Fokussierung auf den Signifikanten und sei� Interesse an_ der surrealistischen Auffassung des automatischen Sprechens zahlen. der ein unmittelbarer Lehrer Lacans war und dessen Auffassung der Psychose stark beeinflusste (auch wenn Ch�rambault . denn niemand versteht ihn. Ferner möchte ich auch auf die . nimm diesen Kelch von mir. der redet nicht für Menschen sondern für Gott. der . S. was ich will. P� ulus versucht also.: automatisme de repetition) des lran­ zösischen Psychiaters Gaätan Gatian de Cl6rambault (1872-1934).. jedoch in der realen Ordnung (dessen was nicht subli miert bzw. 61-70. nämlich im Realen. . Darauf weist Lacan a m Anfang vom Seminar 111. osung erhofft. wi� der Täufling sich von der Erfahrung der T�ufe ebe� alls E . 'f'!'e _1ch h1er ze1gen möchte. alles ist dir möglich. F1gur ldentflz1ert.Denn ihr habt nicht einen knechtischen Geist empfan­ gen. unter eine Autorität. der das symbolische Gesetz tragt . vielmeh . 173 . durch den w1r rufen: Abba.

wegen. aufgrund des sozialen Kriteriums. um über den •Gaben des Geistes< Gebrauch macht. der eine innergemeindliche Kommu­ bezieht er sich auf dieses Phänomen. wo es um erwähnt Lacan. die Auslegung betont. "' Sein 20. weil es die Gemeinde aufbaut. dass ihr alle in Zungen (1. das ". die oben zitierte Stelle 1 . wäh­ (1. Vgl. und zwar Zungen. Kapitel hinzu: Die geistigen Gaben. 14:5). des Unbewussten aussprechen würden: »Wenn nun die ganze Kapitel zeigt sich bereits eine Hierarchie der Phänomene: Pau­ Gemeinde an einem Ort zusammenkäme und alle redeten in lus stuft die Glossolalie niedriger ein als die Prophetie. damit die Gemeinde dadurch erbaut werde. dass die Uber­ Diese Einstellung ist uns schon mal begegnet. nämlich Liebe als oiKo?oiJ� würden sie nicht sagen. seien wertlos. ihr seid von Sinnen?« (Aufbau. dass Paulus. jedoch legt er in Eindruck entstehen. sie seien verrückt. dass ich mehr in Zungen rede als ihr alle. erbaut die Gemeinde. Kor. Thaissen nimmt also an. 272-276. Ich wollte. Seminar unterrichtete Jacques Lacan in den Jahren 197273 unter dem Titel Encore. aber noch viel mehr. der in Zungen redet. Dieses Seminar eröffnet die Phase. der zehntausend Worte in Zungen. ist größer Theologie stellt Thaissen eine wichtige These zur Glossolalie als der. Wenn der Zungenredner sich auf sich selbst bezieht. 14:23). während ihre ne Antwort an diejenigen Mitglieder. auf. S. und 1 75 . Daraus folgt. die nach dem Zungenredners aufdeckt. rend der Prophezeiende sich. d. Im 12. und liebevoll wird dieses Verhältnis des­ süßem Wein«) geht. Kor. meinem Verstand. legenheit der Prophetie und des klaren. dass sie die Tiefen in der Seele des Paulus antwortet hier den Gemeindemitgliedern. 14:18-19} reden könntet. ·Mehr< . Wer aber prophe­ Ich danke Gott. und den­ noch bevorzugt er um des Gemeindlichen willen die Zurück· haltung des Geistigen: 174 I m Seminar XX. als der erbaut sich selbst. die nach Paulus alle dem einen Heiligen Geist entstam­ Einheitlichkeit der Gemeinde. die an diesem Phänomen Anstoß nahmen). dass die Phänomen der Glossolalie fragen (anscheinend richtet sich sei­ Glossolalie die Sprache des Unbewussten ist. Der Unterschied zwischen Glossolalie und Prophetie ergibt sich also aus dem Kriterium der Verständlichkeit (vgl. Kor. Kapitel des ersten Korintherbriefes Auslegung sowie die Prophetie zum Bewusstsein gehören. verständlichen Spre­ oben zitierten Stelle aus der Apostelgeschichte chens aus einem liebevollen Verhältnis zu den Gemeindemit­ die Wahrnehmung der Zungenredner als Betrunkene (»voll von gliedern resultiert. an den 14:2-5} Nächsten und die Gemeinde wendet. h. jedoch setzt er sich dort unverständlichen Diskurs des Unbewussten hinauszugelangen. der redet den Menschen zur Erbauung und Aber ich will i n der Gemeinde lieber fünf Worte reden mit zur Ermahnung und zur Tröstung. nämlich bei der (1. dass ihr prophetisch ln seiner Studie der psychologischen Aspekte der paulinischen reden könntet. ihr zuträglich ist. zuträgliche Partnerschaft}. 2:13. Die kriti­ Denn dieser Diskurs entgleitet der geregelten und kontrollierten sche Dimension kommt erst im Kommunikation innerhalb der Gemeinde und unterminiert die 1 3 . Im 14. noch nicht kritisch mit dem Phänomen auseinander. wenn sie Liebe ermangeln.220 Die Zungenredner lassen den men.22' dass Frauen zu jenem übermäßigen Genießen geneigt sind. Encore (1 972-73). wie Paulus es darstellt. Gerd Thaissen (1983). es kämen aber Unkundige oder Ungläubige hinein. Aufgrund seiner eigenen Erfahrung ist sich Paulus des geistigen Wertes der Glossolalie bewusst. Das heißt. wer aber prophetisch redet.redet er im Geist von Geheimnissen. indem er vom Begriff nikation errichten möchte. tisch redet. die gemeinhin Lacans •letzte Lehre< bezeichnet wird. Wer in Zungen redet. als ob sie den Diskurs diesem Kapitel noch keinen Wert auf die Glossolalie. damit ich auch andere unterweise. Denn wer prophetisch redet. Kor. es sei denn. er legt es auch aus. dann lässt sich die Glos­ solalie auch so verstehen.

so ist es.« Lacan diejenigen über­ selbst als weiblich. 281). 151 ) : »Eben weil es das Unbewußte gibt. ein savoir­ faire mit lalangue. denn das ist von derselben Art. nießt. das ist weder Geschwätz noch . schon da als Wissen. die ich. geht �m vieles über das hinaus. (1986). Eine feministisch-wei {2006). •Gott bliche Kritik an nießen der Frau". daß die Effekte von lalangue.nicht nur a-phallisch ist. Siehe diesbe­ mystische Erfahrung mit dem weiblichen Genieß und das Ge­ züglich vor allem das 6.. Seminar. S. aber daß sie davon Wortmacheret. genannt das sprechende Sein. Aber das Unbewußte ist ein Wissen. grundlegenden Ebene erfahren (also etwa im . was sie mit sich bringt als Effekte. weit über alles hinausgehen. um Rechenschaft zu geben von dem. chaotische Grundlage.. Ich Bedmgung.« (Ebd. Gott und {dte) Frau . was man zu tun weiß mit lalangue. S. Und das. Kapitel im 20. die zu Genießen führen . sondern auch die Grundlage bildet. •lalangue• steht also für die uranfängliche. An den lacanschen Begriff der •lalangue• lässt sich auch die Glosso­ lalie anknüpfen: Dem Substantiv •lalangue• fügt Lacan den Artikel •Ia• hinzu. was ich lalangue nenne. während die Frauen bei ihm die Sprache eher auf der körperlichen. glaube an das überzeugt sein werden. weil sie die Replik impliziert. frühen beim nlfikant des großen Fehlen das auf nheit Abwese iner •Frau• der uns in se e hinweist. auf der die Zeichen der Sprache basieren. daß sie es empfinden. Anmerkung . Seminar Encore: »Allein. Diese gen. S. was man lesen kann vom Beste!) von Jacques der Seite. der die nicht-kommunikativen Aspekte der Sprache kennzeich­ net.Dem hinzuzufügen die Ecrits natürlich.. das spricht. Lacan bringt das weibliche Genießen direkt mit der mittelalterlichen Erfahrung weiblicher Mystik in Verbindung. An die Stelle des Vaters der Signifikant Lacan späten beim tritt Lacan. trismus des lacanschen Diskurses begreift.der uranfängliche Stoff. um zu bezeichnen. die Spra­ che ist nur das. Evans (2002). kann der Signifikant aufgerufen sein. was tatsächlich geübt wird im Genuß von lalangue. Sie alle Lacan. Forderu dessen an haben. daß Genießen der Frau. Dadurch e�richtet Lacan die dr:ifach n e n verl<nupft dte Identifikation . Lalangue s was dient ganz anderen Dingen als der Kommunikation. Diese genießensarienterte Grundlage der n Uouissance) dreht sich um das übermäßige. mystischen Ergüsse. Die folgenden Zeil�n sind erhaupt: Lacan ub kanntesten aus dem 20. Womit. Es mag somit 1 950er und -60er raschen die sich an die lacanschen Schriften der den Begriff •Name­ ng. � A d re (I'Autre) 176 Sprache nennt lacan •lalangue<. und nicht für nichts so genannt. lrigaray Lacan unter diesem Aspekt findet sich bei Ettinger sie als Phallozen­ s w . um auf diese Art und Weise einen Neologismus zu schöp­ fen. Das ist eine mühselige Ausarbeitung von Wis­ sen über lalangue. mystisch. sofern aus Kohabitation mit dieser sich ein Sein definiert. daß ich an G?tt glaube. wöhnt g Jahre hen Untersu­ des-Vaters• in den Mittelpunkt der psychoanaly1tsc Frau die unbe­ chung zu stellen. � . Wenn sich die Kommunikation dem annähert. in einem einzigen Wort schreibe. Lalangue affiziert uns zunächst durch alles das. S. Diese Erfahrung war a-phallisch und sprachlich zugleich. "Die Sprache ohne Zweifel ist ge­ macht aus lalangue. Aber dient lalangue zuerst dem Dialog? �ie ich es früher auseinandergesetzt habe. Sie davor einen Schirm stellen. die Affekte sind. das tst nichts wissen. Grosz (1990).. Es folgen Lacans Worte hierzu aus dem 20. aus dem die Sprache selbst entsteht (vgl. also diejenigen. 155).« (Lacan (1986). daß das Unbewußte strukturiert ist als eine Sprache. weibliche Genieße iehung« (il ny a sowie um die Formel »ES gibt keine Geschlechtsbez womögl� h die be­ pas de rapport sexue�. vorgeht das gegen e � Schärfst aufs die (1979). S. ist nichts weniger Sicher.ganz unten auf das ist in summa. Es ist da die Erfahrung des Unbewußten uns gezeigt hat. 150). um sofort zu begretfe sie? Es ist klar. nämlich lalangue. wovon man Rechenschaft geben kann tm Namen der Sprache. eines ist klar. die durch Mehrdeutigkel­ ten charakterisiert ist . Wenn man sagen kann. daß Ste ge­ von Bemini ansehen zu gehen. . erklärt habe. anders gesagt den Dialog.der Andere. da. sow1e bet die eine umfassende Analyse des Problems darlegt. 177 . unter der ich es recht dieses mehr. begreift der späte lacan den Gebrauch der Sprache durch Männer als Teil der phallischen Ordnung von Sinn und Ver­ nunft. wenn mcht von �tatue die Rom in nur sich n brauche Sie Theresa » [ .im Gegensatz zur wissenschaftlichen Auffassung der Sprache. insofern es mehr 1st.gibt es keinen Zweifel. insofem es ge acht ist aus lalangue. wie Sie wissen." (Ebd. Zetchen zu machen. •lalangue• macht den Signifikanten zum Zeichen und spielt damit. jener lalangue. was das Sein. Und w�ssen genie�t JUStament zu sa­ daß das wesentliche Zeugnis der Mysttker. 71-84..222 Wie Robert Harari erwähnt. bevor sich definiert g Dichtun Diese 83. so ist es darin. was unser jeder Affäre ist sogenannte lalangue maternelle. was der wissenschaftliche Diskurs ausarbeitet. � .und en. fähig ist auszu­ sagen. die die sorgfältige Orga­ nisation derselben unterminieren. Doch nunmehr soll der Name (der) als fehlender Stg­ setzte Stelle einnehmen. ] die heilige n. Seminar. S. barock.

wie auch das Gesetz sagt. warum Paulus gleich auch die weibliche Stimme verbieten möchte. nicht gemeinschaftli­ chen Worte der Zungenredner. und keineswegs in der Öffentlichkeit äußern. Das ist die Bedeutung des lacanschen Ausdrucks ·die Frau ist nicht alles•. »Weiblichen« Reaktion auf Gottvater) innewohnt.und Gleichheitsideologie. in der Männer und Frauen stehen . sondern sie sollen sich unterordnen. die in seinen Augen nicht zum Aufbau der Gemeinde beitragen und womöglich sogar eine Gefahr darstel­ len. ln diesem Zusammenhang beschäftigt er sich mit beider Beziehung zur Weil der phallischen Werte sowie mit der jeweiligen Identifikation mit diesen Werten. sondern schöpft die •lalangue• bzw. bringt er die weibliche Stimme vollkommen zum Schweigen: Die Frau darf sich nur im Rahmen der Familie. Ist aber kein Ausleger da. so schweige er in der Gemeinde und rede für sich selber und für Gott. so seien es zwei oder höchstens drei und einer nach dem andern. vor ihrem Mann. eine Offenbarung zuteil wird. so schweige der Erste. Sowohl die Glossolalie als auch die weibliche Stimme. Wollen sie aber etwas lernen. die er dem Realen zurechnet. gehören zur »Stimme« im realen Sinne. Auch von den Propheten lasst zwei oder drei reden. ( 1 . sondern ein strukturel­ les Verhältnis zwischen den beiden Signifikanten •Mann• und •Frau• darstellt. in der Gemeinde zu reden.ungeachtet und jenseits der Befreiungs. und die andern lasst darüber urteilen. 178 179 . so sehr diese gerechtfertigt sein mag. indem er ihnen das Reden vor der Gemeinde ausschließlich über Dolmetscher erlaubt. der in den Mittelpunkt seiner Theologie ein göttliches Identifikationsobjekt stellt. So gesehen scheint es. die Paulus zum Schweigen bringen will. Vor diesem Hintergrund lässt sich nun verstehen. dass für Paulus. wie Paulus von der Notwendigkeit der Auslegung von Glossolalie und Prophetie zur Rolle der weiblichen Stimme in der Gemeinde übergeht: Wenn jemand in Zungen redet. die Frau wird nicht mit der Totalisierung der Sprache verknüpft. die erfahrungsmäßigen Aspekte der Glossolalie und der weiblichen Stimme das eigentlich Bedrohliche am Objekt •Stimme• von Jesus-Frau sind. Darum beschreibt Lacan auch die soziale Situation. Ihr könnt alle prophetisch reden. so sollen sie daheim ihre Männer fragen. Die folgende Passage veranschaulicht prägnant. Wie in allen Gemeinden der Heiligen sollen die Frauen schweigen in der Gemein­ deversammlung. Denn Gott ist nicht ein Gott der Un­ ordnung. nachdem er sich zunächst gegen die Zungenredner gewandt hat. Harari (2002). Während er die Zungenredner bändigt. Daher sollte die Stimme der Frauen genauso verboten werden wie die unverständlichen. denn es ist ihnen nicht gestattet zu re­ den. und einer lege es aus. dem etwas von der Weiblichkelt jenseits des Phallischen (in der pas­ siven bzw. jedoch Ist zu verdeutlichen. der dabeisitzt.223 Es scheint. 214. die also ein Objekt klein a darstellen "" S. die uranfänglichen Einhei­ ten der Sprache. sondern des Friedens. Für Lacan bildet die Stimme eines der vier Objekte. dass seine Sicht nichts mit rein anatomisch-bio­ logischen Differenzierungen zu tun hat. Kor. doch einer nach dem andern.Ireudsehen Sinne des Primärvorgangs). Die Geister der Propheten sind den Propheten untertan. Wenn aber einem andem. chaotische Basis der Sprache mit der Erfahrung der Glossolalie (als verwirrter Verwendung eigenständiger Signifi­ kanten bzw. damit alle lernen und alle ermahnt werden. Es steht der Frau schlecht an. d. 14:27-35) Lacans Erörterung des Weiblichen könnte vielleicht als stereo­ type Vorwürfe gegen Frauen verstanden werden. h. Phoneme) bei den Täuflingen in Verbindung brin­ gen kann. S. dass man die •lalangue• als die als Genuss erfahrbare.

Freud erkannte das Un­ heimliche als jenes verdrängte Objekt. der sich auf eine bolischen.stützt: ie in allen Gemeinden der Heiligen sollen die Frauen schweigen in der Gemeindeversammlung. ist eigentlich kein Ding. hierzu Ettinger (2006). dass diese Signifikantenkette eine andere Art der Kommunikation bezieht als diejenige des Sym­ Subjekts mit dem großen der jeweiligen Kultur bequeme Bedeutung trägt. . der zu Lacans Ordnungen des »Imaginären« und des »Realen« parallel verwendet wird. m Vgl. 14:33-34). die Verwerfung ist weder Subjekt noch Objekt. manifestiert sich in unterbinden. dem etwas von der eiblich eit und Mütterlichkeit anhaftet. Traktat ·Brachet". Die Abjektion bzw. die Stimme könnte. h. die der mit den Zungenrednern. in Kristeva (1980) beschreibt sie den ersten Versuch des werdenden Subjekts. Heiligen herrühren können. also auf die ihnen die reale Stimme. insbesondere Kap. das überraschend wieder­ kehrt und bei uns Angst hervorruft. sondern sie sollen sich unterordnen. denn es ist ihnen nicht gestattet zu reden. damit ist ebenfalls das Nichtsymbolische. die mit der Stimme von Paulus selbst Thora selbst. die wiederum durch den Affekt des Mitgefühls ermöglicht wer­ den. d. wo das Objekt ·Blick• (re­ gard) erörtert wird. 6-9. dass er sich auf das übliche Gesetz womit anscheinend das jüdische Gesetz em ei ist . Man kann auch sagen. S. �ondern e n vor­ . schoßmäßige Mutter. Eine Diskussion über Lacans Auffassung der Stimme findet sich bei Dolar (1996). der zwanghaft wiederkehrt. Dieses Unheimliche brachte Freud mit dem Geschlechtsorgan der Mutter in Verbindung (s. nichtmenschlichen lich nicht grundlos. ob bei Sprechen oder Gesang. Für Paulus (einen Mann) repräsentieren die Frauen und die Zungenredner jenen nichtkulturellen. Diese Dimension des weiblichen Unbewussten nennt Ettinger •das Matrixielle• (eng. Die Gleichset­ zung von Glossolalie und weiblicher Stimme ist für Paulus folg­ anhand des •Semiotischen•. . m Das »Semiotische« ist ein Begriff von Julia Kristeva. 227-278). d. Präödipale gemeint. der Kot und die Brust). h. das vom um Jesus herum aufbauen will. während er den gemeindlichen Rahmen angehört. welcher nach Ettinger im weiblichen Unbewussten uranfänglich sei. die archai­ sche. Um diese Tendenz zu Anderen bzw. 24): Da wird die weibliche Stimme mit dem wei iche Genitalorgan gleichgesetzt. aber nicht weniger interessante Frage nach der Ähnlichkeit zwischen Kristevas Begriff des •Semiotischen• und Lacans •lalangue• in des­ sen Seminar XX. dass die Frau. Hier operiert Paulus im Einklang mit den Ansichten.227 Letztere fordern. ge- g bl nt � W n ab 181 . Paulus selbst behauptet. mütterliche und bedrohliche Seite des nicht-symboli­ schen •Semiotischen•. Babylonischer Talmud. gang. Hier zeig1 sich Kristeva von Freud beeinflusst. was Kristeva die •Abjektion• nennt. S. Durch die Ablehnung seiner Mutter trennt s1ch der Saughng von der müllerliehen Union. Lacan (1978b). Matrixia�. Kor. auch Bracha Ettingers Auffassung der •Matrix•. d. eines Begriffs. Dies zeigt Kristevas Theorie kulturelle Rahmen stets mit der Kette der Signifikanten zu umhüllen sucht. 7-31. und zwar im Hinblick auf die Auffassung des Unheimlichen beim Mann ange­ sichts des weiblichen Geschlechtsorgans . die ebenfalls uranfänglich sei aber über die Andere erfolgt.. Obwohl beide auch von der Seite des/der Bereich. Hinter diesen Worten des Paulus scheint das ha­ lachisch-rabbinische Verbot der Frauenstimme in der Öffentlichkeit (vgl. wie auch das Gesetz sagt" (1. die auf ihre •dichterische• Art und Wei­ se das Symbolische unterminieren. die Auf­ merksamkeit des Mannes vom Gebet le nken und soll daher. h. s. dass die uran­ längliche Erkennung des Anderen erst über den seelischen Affekt des Verworfenen und Abstoßenden erfolgt. die dem Vater und der symbolischen Ordnung konkurrieren könnte. Dieser Vorgang der Abjektlon lässt einen inneren Raum für die Entwicklung einer eigenen Identität ent­ stehen. die die Kultur zu verdrängen sucht. Des Weiteren stellt sich eine andere. eine Begegnung. sich von seiner Mutter zu trennen. stützt sich Paulus auf das Gesetz. und zwar so.225 von dem sich die patriarchale Kultur �· s. Nach Ettlnger schließe Krislava an die Ireudsehen Vorstellung an.226 Tatsächlich identifiziert Paulus die Frauen sem Sinne ist die Stimme die unerträgliche Begegnung des Anderen. dass die Frau und die Glossolalie das ausdrücken. S.. h.22' ln die­ bereinigen möchte. die im damali­ gen Judentum und der hellenistischen Kultur den Frauen galten. D1e unangenehme Se1te des Se­ miotischen ist das Verworfene. Jedoch ird dieser Raum bis zur Entdeckung des Vaters leer bleiben. die Abjektion.(außer der Stimme der Blick. Demgegenüber stellt das ettingersche Modell eine andere Erkenntnis des Anderen dar. Freud W � ! w 180 (1966b). mittels seelischer Grenzverbindun­ gen. d. jene ver­ worfene.

vom Symbolischen Abweichende..Gesetz bzw. 271. verboten werden. 172.die teilweise der Taufe entspringen - droht. mutterleibliche Erfahrung reprä: . traumatischer Aspekt inne. zum Schweigen gebracht wird. hierzu Forbes (1997). Mitmenschen bzw. Sowohl der Zungenredner als auch die Frau brin­ gen eine Leidenschaft zum Ausdruck. während es jedoch auch ein destruktives Potenzial in sich birgt. sich von der Taufe im Wasser vollzieht. S. getauften Subjekts . der diese Stelle eben· falls Paulus zuschreibt. S. da sonst die Gefahr besteht. dem Messias. ihrer Stellung und Stimme in der Öffentlichkeit auch in diesem Kulturkreis strenge Beschränkungen auferlegt wurden. bei MacDonald {1 996}. . S. Kor. Beide bedürfen also eines Vermittlers. Boyarin (1994). Wir sollten jedoch vor­ lenartiger. Diese Bibelstellen betonen die bei Paulus vorhandene Spannung zwischen dem Widerstand gegen die bloße Befol­ Darüber hinaus weist die Frau indirekt auf die Taufe hin inde� sie die�elbe mütterliche. nur über einen anderen.m enthüllt sich bei Paulus dasselbe Verhältnis zum Jüdi­ schen und zum Weiblichen zugleich: Beides repräsentiert das Abgegrenzte. Erwähnenswert ist die Tendenz in der neutestamentlichen Forschung. der hier angesprochen werden soll ist der •Egoismus• des Paulus in Bezug auf die Teilhabe an 'der mystischen Erfahrung: Solange er noch selbst eine Offenba­ rung durch Jesus erfuhr und in Zungen redete (wie er in 1 . �ent1ert. auch wenn die beiden eine imaginäre mann. S. der das Funktio­ sichtig sein. Der Taufe wohnt folglich ein schwel­ Denkweise des Gesetzes zu trennen. imagi­ nären Ordnung. 158-200. S. das das den Juden abgrenzt. 274277. Mehr hierüber findet man bei Tomson (1990). Kor. S. aus. Davon geht auch Forbes (1997). Wie Daniel Boyarin zeigt. ln redner •baut sich selbst auf• und so handelt auch die Frau. Aber wie Chris­ topher Forbes zeigt. die Struktur der Gesellschaft sowie den Glau­ ben an Jesus zu bewahren. sowie bei Schüssler Fiorenza (1984}. Mehr über Paulus' Verhältnis zu Frauen findet man bei Withe­ rington (1990). Paulus' Lösung ist die Bändigung der Leidenschaften des 182 durch die Errichtung einer neuen. weil sie eng mit den Aussagen zusammenhängt. sondern auf das Unbe­ jüdischen Symbolischen zu begreifen. die ganz und gar auf der Figur Jesu basiert und den Zweck hat. 123-197. Der Zungen­ sich dem •Einen< anschließen könnte: Jesus. vielmehr setzt diese Position als auch dem Mystiker obliegt es. d1e d1e Kultur zu verdrängen sucht. also des Symbolischen fort. die in demselben Kapitel über Prophetie und Glossolalie gemacht werden. Das Taufritual ermöglicht daher Paulus. s. dass aus ihren Mündern der reale Andere spräche. die Identität der Gemeinde zu stiften. Mitglied in der Gemeinde zu sprechen. realer. Dagegen wendet sich etwa Witherington (1990}. wie die Frau durch ihre Stimme ausschließlich als Resultat seiner Positionierung innerhalb des in der Auffassung des Paulus die Existenz der Gemeinde be­ nauso wie die Bloßstellung der Genitalien. eine Erfahrung. den des Paulus paradoxerweise seine Ablehnung des Gesetzes. dieser Hinsicht bildet die paulinische Einstellung zu Frauen im Darum gilt es nach Paulus. 14:33-36 als einen nichtpaulinischen Text anzusehen. 183 . S. existierte auch in der griechisch-römischen Welt eine mit der jüdisch�n Position identischen Einstellung zur weibli­ chen Stimme in der Offentlichkeit. pseudo-symbolischen. S. dass diese sozusagen unbequeme Stelle über die Verdrängung der Frauen doch von Paulus stammt und dem Ersten Korintherbrief wesentlich innewohnt. damit es wusste} und sich nicht an die Gemeinde wendet. der meint. S. sodass den Frauen. die beiden zu bändigen: den Zun­ ersten Korintherbrief keine direkte Kontinuität der jüdischen genredner durch einen Dolmetscher. wie sich ja auch die gung des Gesetzes und dem wahren Unvermögen. 205-241. die 1m Wasser der Gebärmutter stattfindet. das neu konstituiert werden muss. die auf sich selbst gerichtet ist (nicht auf das bewusste Ich. 131·139. Sowohl der Frau Affm1tat zuemander aufweisen. Paulus' Position hinsichtlich der Weiblichkeit nicht nieren der Gesellschaft bedroht. die Frau durch ihren Ehe­ Po�i!i?. 189-195. die Stelle 1 . Ein weiterer Aspekt.n zu� Weiblichen.. das die Gemeinde zersetzen könnte und mit dem Paulus sich ausein­ ander setzen will.

das die 14:18 erste Grundlage für die Gemeinde lieferte. damit sich die formlose Masse der Füllung nicht zu leicht bewegt• (nach: Sowie 1991. 3:1 0-1 1 ) Ein weiterer Begriff von Lacan. Gegen diesen realen Jesus wird Paulus kämpfen.. Ohne solche Anker erscheint alles willkürlich. konnte nicht zu euch reden wie zu geistlichen Menschen. S. seid ihr da nicht fleischlich und lebt nach Menschenweise? Ich nach Gottes Gnade. denn ihr konntet sie noch n icht vertragen. Die Psychosen (1955-56). 2:2. 3:1-3. unaufhör­ lich das Reale. 74�. nämlich an meine Worte Ober die masochistische Identifikation des Christen mit Objekt klein a. der Paulus wiederum ja durch eine ekstatische Offenbarung den Glauben schenkte. Ü. Kor. mit ihm konkurrieren. als ihr alle«). Lacan (1997a). sondern nur durch die imaginäre Ordnung des Sohnes erleben. Ein jeder aber sehe zu.] . ein anderer baut darauf. sinnlos und chaotisch. dass dieses mimetische Verhalten nur bis zu einem bestimmten Punkt anhält und somit auch das soziale Lustp rin zip und die Struktur der Gemeinde bewahrt. zu verstärken. die Paulus errich­ ten will und um deren willen er sich anstrengt.290 Diesen Begriff bespricht Lacan im Seminar 111. wie zu unmündigen Kindern in Christus. denn es war dieses Reden. erlaubt er keinen anderen mehr. sondern wie zu fleischlichen. Denn wenn Eifersucht und Zank unter euch sind. Daraus folgt. d. 185 . Aus dem Ve rglei ch der Glossolalie mit dem weiblichen Sprechen geht hervor. . den Jesus der Imitation.. Steppunkt. wie in der Psy- ""' [A. ( 1 . der gelegt ist. den Gekreuzigten. weil sie in seinen Augen minderwertig seien. körperliche Erfahrung von Paulus selbst gegenüber der g öttlichen Macht. welcher ist Jesus Christus. unter euch nichts zu wissen als allein Jesus Christus. das dem Anderen geopfert wird. liebe Brüder.. Ich m öchte an dieser Stelle an das letzte Kapitel erinnern. Milch habe ich euch zu trinken gegeben und nicht feste Speise. weil ihr noch fleischlich seid. um den imaginären Jesus. Vgl.gesteht: . sich wie Paulus selbst zu verhalten. dass Paulus nicht unbedingt deswegen die Frauen aus­ grenzt. ist der •point de capiton• bzw. S. dieselbe Erfahrung zu machen. Einen andern Grund kann niemand legen als den. den realen Jesus heraufbeschwört. Doch sobald Paulus diese fertige Gru ndlage zur Verfügung stellt. _ 184 >Jesus• . Diese Grundlage stützte sich auf die passive. Und ich.231 Für den Neurotiker bildet der Step­ punkt die sinnstiftende Verbindung zwischen dem Bereich der Signifikanten und dem der Signifikate..der Supersignifikant und der Durchbruch des Realen Denn ich h ielt es für richtig. doch andererseits wird (wie von einer göttlichen Macht) verlangt. So gesehen. f?lglich sind di� Steppunkte eben diejenigen Punkte.229 . sondern gerade deswegen.. die mir gegeben ist habe den Grund gelegt als ein weiser Baumeister. dass Paulus. ließ er das zu. dass Paulus seme Gernemde um einen realen Kern herum aufbaut. Im An schluss _ daran lässt sich nun vielleicht sagen. dass ich mehr in Zungen rede . Ich danke Gott.. der das Imaginäre der Gemeinde stiftet.: Dylan Evans schreibt zum •Steppunkt•: »Die wörtliche Be­ deutung von Steppunkt ist ein Polsterknopf. erscheint das Mimetische an Paulus doppel­ deutig: Einerseits ist es die Forderung. mit dem wir Paulus' theologi­ sche Wege beleuchten können. der da gesetzt wird wo •der Polsterer mit seiner Nadel hart geart>eitet hat.. den Kern von Jesu Stimme und Blick. und zwar um die gesellschaftliche Ordnung. Evans (2002). Auch jetzt könnt ihr's noch nicht. wie er darauf baut. diesen Kern darf man jedoch niemals berühren. weil sie ihn bedrohen. _ zusammengeknüpft sind• (Se 3' an denen •S1gn1fikat und S1gmfikant 303) . 305-319.

Lacan (1975). Paui_!Js zum •ar­ chimedischen Punkt• des neuen Glaubens. nischer Hinsicht auf der Ebene des lmagtnaren). S. in das das Subjekt sich flüchten möchte (man denke etwa an den Auf •Vater' sowie an die Leidenschaft der Galater. aus Liebe heraus. eine Gemeinde zu errichten. Zwar vereinigt diese Erfahrung die Gemeinde unter einem Signifikanten. wenn sie i n das Haus Streit bringen oder es auf eine andere Grundlage stützen sollten als die. 3:11}.nämlich die Kreuzigung Jesu . sie dabei unbeaufsichtigt lassen. mit dem Paulus das. also � � desjenig n. Die Taufe repräsentiert somit eine reale Schwellenphase. Jesus ist folglich der Phallus (im lacanschen Sinne des Wor­ . Jesu Tod als •Verlierer<. . und zwar gerade mit jenem organisierenden Signifikanten.. worauf Lacan hinweist. Daher stellt er die Taufe als den Ort dar. Aber der Stgnt· fikant der Signifikante Ist. sondern bringt auch Ordnung m dte Unordnung. christliche Gemeinde organisiert (in prakttscher Htnstcht � geschieht das auf der Ebene des Symb?li�chen. dessen Grundlagen der Messias bildet. einen verzögernden Faktor bei der Gründung der Gemeinde auf gleichzeitig zwei Ebenen bil­ det: sowohl auf der symbolischen als auch auf der imaginären. auch der Sig­ nifikant des Fehlens.) Vgl.chose. an dem dieses also 232 m Zizek (1994). wie auch das Gesetz. sofern derauferstehung verknüpft ist. an dem das Subjekt i n Jesus hinein· getauft wird. Seine •Kinder< . Er droht ihnen sogar an. Zizek meint. tes).kann Paulus unmöglich solchen unbequemen Erfahrun­ gen aussetzen. dem Messtas. wenn die Verbindungen zwischen den beiden Bereichen schwächer werden. der Signifikant aller Signifikante. ihr Gebärender und Stillender. des Lochs im symbolischen Sein. das das Subjekt zu dekon­ struieren droht.] der Sühnetod von Jesus. hier S. Dieses Problem kommt in der Erfahrung der Taufe in Jesus zum Ausdruck. im Messias neu geboren wird. dass ohne den Glauben an den Tod und die Wiederauferstehung Jesu alles umsonst sei. die Gebote der Thora zu befolgen und sich beschneiden zu lassen). die den Täufling als Subjekt � be roht. Doch der Steppunkt des Paulus . 187 . der die Grundlage bildet. Für diese Situa­ tion findet Paulus eine Lösung auf der Ebene des Imaginären: Unter den Mitgliedern der Gemeinde soll Liebe herrschen die wiederum auf Identität und Identifikation mit der Figur des Mes­ sias basiert.233 Darum gibt es aus der Sicht des Paulus ein Problem. in die ekstatischen Erfahrungen. Paulus will daher die verschiedenen Erfahrungsebenen zu bewältigen: sowohl das Genießen. desselben Jesu.verankert nicht nur die Sinnlosigkeit v� n . Aussers Aufsatz liegt in hebräischer Sprache vor: Flusser (1 983).rte von David Flusser: "(. die Paulus für sie legt. der Privation. doch zu gleicher Zeit bringt sie den Täufling mit dem Realen in Berührung. was z �nächst sinnlos erscheint mit Sinn ausfüllen möchte: Das Schettern Jesu. Als Vater der Gemeindemitglie­ der. um den herum stch dte . h. die ens�hheit z � erretten und wie es zunächst zu sein scheint.. in ideal-p�ul ­ .wie er sie nennt . auf der Paulus die Gemeinde errichtet (1." (Eigene Ubersetzung. errichtet er ihnen ein heili­ ges Haus. ja sogar die Frau­ en können damit zum Schweigen gebracht werden . Kor.und das alles im Namen Jesu. wurde se�t. 124. hierzu die wo. des Entzugs bzw. (15:1 3-32) erinnert l n seinem ersten Konntherbnef Paulus die Gläubigen daran. dass der Tod und die Wiederauferstehung Jesu der Steppunkt sind. der ein Hindernis bzw. 103-134. die auf dem totalen Abbau von Hierarchien basiert. d . Bei Paulus wird der Tod Jesu paradoxerweise �r mit dem Wissen u� die W�e­ zum eigentlichen Sinn. mit •Jesus•. Vgl. dass dieses Haus zugrunde ginge. 186 stirbt und. der dazu bestimmt war. ntcht emmal stch selbst � rett n konnte. er verweist paradoxerweise auf das Aeale. Dabei erfährt der Täufling die Gaben des Heiligen Getstes als Durchbruch des Realen in die symbolische Wirklich­ keit. denn es ist nicht sein Ziel.

Eigentlich nimmt das Ritual Bezug auf Jesu letztes Abendmahl. DAS HERRENMAHL .. lebt. d. Elberfelder: •Herrenmahl•). 188 189 . •Gemeinschaft•) bekannt. die als demütige. Ausführliche Infor­ mationen hierzu finden sich bei Ferguson (1990). die er darum bittet.. •.VI. ihres Messias und Herrn. Jesus zu imitieren: Sich der Taten Jesu auf Erden.: deutschen Übersetzung dieses Begriffs s. rev. Kor. und identifizieren sich mit seinem Leiden und seiner Kreuzigung. Während des Herrenmahls erinnern sich die Mitglieder der Gemeinde an den Tod Jesu. seines Leidens. Über diese Stelle hinaus ist dieses urchristliche Ritual auch als euxoptc:rria (Eu­ charistie bzw. S. 320-321. ln den vier Evangelien sowie im ersten Korintherbrief wird dieses Abendmahl erwähnt: Bevor Jesus an den Hohepriester ausgeliefert wird. das mit seinem eigenen Fleisch gleichgesetzte Brot zu essen und den mit seinem eigenen Blut gleichgesetzten Wein zu trinken . seiner Kreuzigung und Wiederauferste­ hung zu erinnern und all dieses als der Gläubige.DIE GEMEINDE VERZEHRT SICH SELBST Das Ritual des Herrenmahls234 (KuplaKöv ötTrrvov)235 knüpft bei Paulus an das Taufritual an und ergänzt die Identitätsstiftung und Grenzsatzung der Gemeinde. zu rekonstruieren. Ü.. auf Latein communio bzw. Dieser paulinische Begriff stammt aus 1 . indem es die Identifikation mit dem Herrn Jesus erneuert. das bei der Kreuzigung noch vergos­ sen werden sollte. Zur [A.. das vor seiner Kreuzigung zusammen mit seinen Jüngern statt­ fand. zum Nachahmungs­ objekt der Gläubigen. speist er mit seinen Jüngern. der in ihm. dem Messias. Zeit seines Lebens wird der Christ aufgefordert. ·Danksagung•) sowie als KOtvwvia (Kommunion. in der Ein­ führung Fußnote 1 I . 1 1 :20 (Luther 1984: •Abendmahl des Herrn•.das Blut also. lnfolge seines Todes wur­ de Jesus zum Objekt des Glaubens selbst. leidende Söhne seine Wege beschreiten.

über den Narzissmus hin· ausgehende Charakterzüge hinweisen. m1t narz1sst1schen Charaktereigenschaften zu begreifen (s. Paulus fügt noch hinzu. den mythischen Jesus als Figur . Die hier von mir vertretene Position untersucht die Darstellungen des mythischen Jesu in den ersten Jahrzehnten nach dessen Kreu­ zigung. die sich insbesondere in seinem ersten Brief an die Korinther manifestieren.. der sich an den Herrn wendet und ihn dabei verzehrt. das Herrenmahl nicht als Gelegenheit zur Sättigung und bloßer Fröhlichkeit anzusehen. wie dieser bei Paulus (und in den anderen neutestamentlichen Schriften) dargestellt ist. wer als Subjekt? Jesu Selbstopfer Bi sherhab� ich vorgeschlagen. näm· lieh das ideale bzw. Meiner Ansicht nach erfüllt das paulinische Ritual des Herrenmahls auf diese Art und Weise das narzisstische Ideal des Rituals. des Messias und Herrn der Gemeinde. Eine entgegengesetzte Position. wobei diese Identifikation von einer Entfrem�ung des Ich vom es konstruierenden Bild. Dies bespricht Lacan insbeson­ dere im Seminar I. als Einführung in die Diskussion über das Herrenmahl. wie jede christliche Gemeinde. Darum fordert er von den Adressa­ ten seines ersten Korintherbriefes. Nun möchte ich. eine von Judentum und Heidentum zugleich abgegrenzte. S. Daraus ergeben sich komplexe. eines Rituals. das den Gläubigen auf sich selbst zurückverweist. 2). wahrend d1e 1mag1näre Identifikation auf den bewussten Identifikationsagent verweist. wo er seine frühere Beschäftigung mit dem Spie­ gelstadium näher ausführt: Lacan (1 978a). machte vom Ritual des Abend­ bzw. 191 . der sich zum Ziel setzte. unter­ suchen.. innerlich harmonische christli­ che Gemeinde zu errichten. auf weitere. zu besinnen. Die spätere. der sich von den Opfern ernährt. dem Messias. selbst anbetet. sondern darin die Möglichkeit zu erblicken. ihrem Doppelgänger. weil der Gläubige. seine eigene Gemeinde verzehrt. darum auch von AggressiVität gegen das Ich begleitet wird. vertritt Girard (1987). symbolische Identifikation 190 dung bringen. . die nach Lacan mit dieser Art der Identifikation einhergehen. Die Identifikation ist der Prozess der Subjektbildung. sich auf das Anden­ ken Jesu. l n diesem Kapitel möchte ich die soziotheologischen Cha­ rakteristika jener paulinischen Neuformulierung des Herren­ mahls untersuchen. hier­ zu Kap. 236. Ausschlaggebend dabei ist die Frage nach der Ausrich­ tung der Imitation im Verhältnis zwischen den Gläubigen und dem Messias: Wer fungiert als Nachahmungsobjekt.237 037 erfolgt in den letzten Stadien des Ödipuskomplexes und umfasst die Identifikation mit der Vaterfigur sowie mit den Werten der symboli­ schen Ordnung und des Gesetzes. S. wechsel­ seitige Beziehungen zwischen dem Bild der Gemeinde und dem Bilde Jesu als Objekt der Nachahmung.Paulus. Herrenmahls sowie von demjenigen der Taufe Gebrauch. dem Gott des Tempels. das das mangel­ hafte Ich ergänzt. 167-184. bei dem sich die narzisstische Ge­ meinschaft der Söhne durch die Betrachtung von Jesus. selbst Jesu heiliger Leib sei: Es besteht eine Identität zwischen der Gemeinde und dem Herrn der Gemeinde. Ich werde ferner das Verhältnis zwischen der Gründung der paulinischen Gemeinde im Rahmen des Herrenmahls und dem Bild von Jesus. Wichtig sind dabei auch die aggressiven Aspek­ te. dies sind die masochis­ tischen Eigenschaften Jesu und seine Selbstopferung als Teil seiner symbolischen Identifikation mit dem Vater. eigentlich sich selbst bzw. Diese Charakteristika wer­ de ich mit der lacanschen Auffassung der imaginären Identifika­ tion (i m Gegensatz zur symbolischen ldentifikation)236 in Verbin- . Im ersten Stadium handelt es sich um eine imagi­ näre Identifikation mit einem narzisstischen Bild. um in der Tischrunde die christliche Solidarität durch die Erinne­ rung an Jesus zu evozieren. Die symbolische Identifikation bezieht sich � uf den unbewu �sten Identifikationsagent bzw. •Ideal-Ich•. Damit möchte ich die kannibalisch-orale Seite des Herrenmahls beleuchten. die sich gegen die Auffas­ sung vo� Jesus als Mas�hist wendet. dass die christliche Gemeinde in Karinth. das ·Ich-Ideal•. Nach G1rards Verstandms habe Jesus sich selbst nicht geopfert.

wie ihn die verschiedenen Evangelien darstellen. 112-1 19). was uns verkündet wurde. hierzu Levenson (1993). Ein barmher­ ziger und dennoch grausamer Vater. seines Herrn. die uns gefallen hätte. aber da war keine Gestalt. in der Vater und Sohn sich wie Herr und Sklave zueinander verhalten. betsp1elswe1se Meir Orlinski (1971 ). geschlagene Subjekt ist es. S. tiven. der den Vertrag zusta�de bnngt. der nach dem Willen Gottes. dieses Subjekt ist der Dramatiker bzw. . weil seine Gestalt hässlicher war als die anderer Leute und sein Aussehen als das der Menschenkin­ der. sovne me1nen e1genen fsatz: Beny�mini (2006). der ihn am Kreuz opfern lassen wird. weil sie die Art und Weise außer Acht lässt. wobei er Ihnen als eine Art Sündenbock gedient habe.'38 Die mythische Figur e sondern versucht.enthche Regtsseur.Jesus. s. stellt sich einem allmächtigen Vater in Gestalt Gottes entgegen. Als e� ge�artert ward. S. ln . Stuckeschreiber innerhalb wie außerhalb des Theaterstücks. das �erstummt vor seinem Scherer. wo von Gottes Knecht die Rede ist. jedoch sei diese Gewalt von den Juden gegen ihn angewandt worden.nach innen. Jesu scheint nach den Charateristika einer sadomasochisti­ schen Persönlichkeit entworfen zu sein�39 Der Masochist sucht mit dem ihn eine sehr enge Beziehung verbindet. s. und zwar unter ••christlicher« Idealisie­ rung seiner Figur und seiner Liebe zu den Menschen. und durch seine Wun­ den stnd V. meinem Knecht wird's gelingen. Aber er ist um unsrer Missetat . Sowohl �ie Ireudsehe als auch die leeansehe Psychoanalyse sehen den Sad1smus und den Masochismus als die zwei Seiten ein und derselben sexuellen M�dail�e an: Die eine Seite richtet gewalttätige Energ1e nach auß�n htn.sse des Urchristentums an dieser Figur des Knecht G�ttes als Reprasentation bzw. voller Schmerzen und Krankheit. Wir gi ngen alle in die Irre wie Schafe. ein jeder sah auf setnen Weg. der 1m 19. "" Die Figur Jesu als Masochist leitet sich in einem nicht geringen Aus­ maß von jenen bekannten Versen bei Jesaja ab. Obwohl Girards Den­ ken sehr viel zum Forschungsdiskurs Ober die Figur Jesu beizutra­ gen vermag. . etg. Von einem psychoanalytischen. dass auch Könige werden ihren Mund vor ihm zuhalten. 21-64. Jahrhundert in Anlehnung an den Schriftsteller Leopold von Sacher-Masoch. so wird er viele Heiden besprengen. und das Jesus sich im Verhältnis zum HerrnNater absichtlich auf eine eher niedrige. m 193 . wie das Bild von Jesus selbst im Laufe der Jahre konstruiert wurde. . in deren Rahmen die Menschheit operiert. S. bei­ Spielsweise Sawyer (1996). Wir aber hielten ihn für den. Antizipation von Jesus selbst s. unterwürfige Stufe stellt. a f dass wir Frieden hätten. 57-58. aus Liebe zu Gott � »Wit!<hch« steh selbst opfert (s. den �egnft •Masochismus• prägte. Diese Verse bildeten die Grundlage für den urchristlichen Mythos vom gedemütigten Jesus: »Siehe. Zum lntere:. der heutigen �orschung 1st noch umstntten. dass man das Angesicht vor ihm verbarg. dass es � eigentlich Jesus ist. wie •Gottes Knecht• des z�etten Jesa1a. dte masoch1st1schen Erfahrungen von Sacher-Masoch zurück. in den Kapiteln 40·53 zu verstehen ist: Handelt es SICh um d1e Person des Propheten selbst um eine andere Person oder �ar u� das Volk Israel schlechthin? ber diese Kontroverse s. im Namen der Liebe von der Gewaltwirtschaft abzuweichen. Er war der Allerverachtetste und Unwerteste. wo lsaak. Das gefesselte bzw. der geplagt und von G ott geschlagen und gemartert wäre. Der . So auch in der alterna­ . Denn denen nichts davon verkündet ist. litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf w1e etn Lamm. die werden es merken. Er war so verachtet. 200-201. Fürwahr. Wlll�n verw�ndet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Er hatte keine Gestalt und Hoheit. 1n Uberble1bseln noch in frührabbinischen Schriften und der . Eine angere. der Sohn. ln dieser Bibelstelle akzeptiert der . die werden es nun sehen. Wir sahen ihn. und die nichts davon gehört haben. nehme ich hier seine Position nicht an. Ab�r der HERR warf unser aller Sünde auf ihn. Aber wer glaubt dem. er wird erhöht und sehr hoch erhaben sein. sondern der Mann. Dieser Roman geht auf . 15-22 (in hebräischer Spra· ehe). �nech! tn_L1ebe s etn Le1den und seinen Tod. nichttheologischen Gesichtspunkt aus betrachtet. tat er sein n Mund nicht auf« (Jesa!a 52:1 3 . Freuds Auffas­ sung des Mas?ch1smus setzt die Position des Psychologen Krafft· Ebtng fort. das etg�mtllch d1e Regeln festlegt. d1e andere . gedemütigt wird.53:7). kann man meinen. der die Beziehung aufbaut. darum haben wir ihn für nichts geachtet. und wem isi der Arm des HERRN offenbart? Er schoss auf vor i hm wie ein Reis und wie eine Wurzel aus dürrem Erdreich. das zur Schlachtbank geführt wird· und wie ein Schaf. die im vertraq zwtschen thm und seiner Herrin zum Ausdruck kommen. Hauptdarsteller und Herr ist nicht die mit der Pell s ehe sc�lagende Frau. der meinen ähnliche Kritik an Girards Position findet man bei Zizek �u O (1992). Die Stra­ fe h�t auf thm. damaligen apokalyptischen Literatur auffindbaren Erzählung von der vesu?hten Opferung lsaaks. den Verfasser von Venus Im Pelz (� 870). er trug unsre Krankheit und lud auf sich 192 unsre Schmerzen. Wie sich viele über ihn entsetzten.:ir gehetlt.

mich . das Subjekt identifiziert sich mit dem erwl- . normalerweise die erste Manipula tion des Kindes �� semer Ll�besbeziehung mit seinen Eltern ist (•Könnten sie s1ch von m1r trennen?• •Kön nten sie es aushalten. n1cht w1de rs!ehen. lich d1e N1chtex1stenz des Ande ren zu kompensieren. die . Lacan begreift die Selbstopferung als Reaktion auf die Frage des Sub­ jekts: •Was will der Andere von mir?• (Lacan zieht hier die italie­ nische Formulierung •Che voui?< heran). irgendeiner anderen externen Macht ausgeliefert wäre. Der masochistische Ty­ pus neigt also dazu.das subjekt kann der zu starken Versuchung der Selbstopferung . in diesem Rahmen sucht das Subjekt die �esp�ltenhe!l d s Anderen (in diese m � Fall: Gottes).denn •vielleicht wird er mich trotz allem _ n?• erlos genauso. Mit dem Af<! der S Jbstopferung erzw ingt das Subjekt eine Beziehun � g ZWI�hen s1ch und dem nichtexist enten Anderen. • •Menschensohn• ist eine eschatologische Bezeichnung für Jesus. wie das Phantasm � a des Todes. d1e Leidenschaft des Ande ren (Vater/Gott). Sein bitteres Ende führt er selber herbei. Anzuerkennen ist daß � � für den. enigmatische Gegenwart des Anderen indirekt in Schutz . in der Gott mutmaßlich die Fäden ziehe. . n1cht als das Unternehmen. das ist das Mindeste. Er agiert nämlich nach dem Muster der Selbstopferung für den Anderen. der dieses Unternehmen auf sich geno me vom Herrn ausgehende Bestrafung. daß er den Preis dafür gezahlt Kreuzigung. doch gleichzeitig sollte es auch die Liebe Gottes tt auf d1e Probe stellen . Jesus ist sich dessen be­ wusst und prophezeit seinen eigenen Tod. sein eigenes Leben fatalistisch zu betrach­ ten. als erwarte Jesu den Augenblick seiner hat. als ob er dem Schicksal bzw. es konstruiert . sagt Lacan Folgendes: Darum konzentriert sich der Masochist nicht nur auf sein eige­ nes Leiden. um immer wie­ demden Blick des großen der die Gewalt des drohenden. "' lacan (1978b). folgfleh eme �rt Adresse für den Akt der Selbstopferung. sondern eher auf die Beziehung zwischen Demüti­ Es ist wahr. b� sa 1gen . jedoch bleibt er gerade lnfolge dieser Leidensch aft machtlos. und zwar insbe­ sondere in Jerusalem und im Tempel. die Menschen zu retten' gendem und Gedemütigtem: Das Leiden ist nichts anderes als die Bestätigung für die Existenz dieser Beziehung bzw. Jedoch stellt er diese Situation als eine vorherbestimmte Beziehung dar. Das alles geschieht im Rahmen der symbolischen Identifikation (im Gegensatz zur imaginären Identifikation des Ich im Verhältnis zu seinem eige­ nen Bild).. was man sagen kann!'' Beim ldentifikationsakt nimm t das sich opfernde Subjekt . Diese Akte werden zu seiner eigenen Kreuzigung führen. sie zu lehren: Der Menschensohn240 muss viel leiden und verworfen werden von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und nach drei Tagen auferstehen" (Markus 8:31 ). für die sondern als das.eine Beziehung mit einem demütigenden Herrn. daß die Historioie des Christus sich darstellt . indem er seine provokante Botschaft verbreitet. 194 Anderen. damit das endgültige Leiden die Existenz seiner Beziehung mit dem demütigenden Vater bestätige. zu v� rheren_? • ). Das Phantasma des !odes sollte die Beziehun g zwischen Herrn und Sklaven . des Ver­ �chw�nden�. S. 117. Zur Selbstopferung Jesu hat . Tatsächlich opfert Jesus sich selbst aus einer masochisti­ schen Position heraus. 195 . 257. So lässt sich die Verwirrung Jesu gegenübe r dem n1cht e lasenden Gott sowohl beim Gebet in Gethsemane r als "' lacan (1986). Das heißt. Christus nämlich. S.242 Zw�r kre1ert Jesus damit ein Phantasma als Reaktion auf . also eigent­ . Es sieht so aus. da alles vom Anderen abhängt: »Und er fing an. Gott zu retten. bestrafenden Vaters z u erleben.

in uns . dass ich nicht mehr trinken werde vom Gewächs des Weinstocks bis an den Tag. wie es in einem der Evangelien heißt: Und als sie aßen. an dem ich aufs Neue davon trinke im Reich Gottes. 26:17-30.auch am Kreuz erl<lären: »Mein Gott. und werden ohne Ver­ dienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung. Der Zusammenhang des letzten Abendmahls mit Passach wird in den des Matthäus hergestellt. Kor. 22:7-23 und Joh. 8:3-4) Dieses Sühneopfer verknüpft Paulus mit dem letzten Abend­ mahl. Den hat Gott für den Glauben hingestellt als Sühne in seinem Blut [. 13:12-30. und sie tranken alle daraus. ihn und seine Botschaft. dankte und brach's und gab's ihnen und sprach: Nehmet. ). (Röm. scheint Paulus zu sein. die das Abendmahl mit seinen Jüngern vor der Kreuzigung beschreiben. 5:7) [S]ie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes. Vgl. Bei diesem Abendmahl prophezeit Jesus seinen _ Tod sowie seinen Verrat durch einen der am Abend­ e1genen mahl teilhabenden Jünger. Denn auch wir haben ein Passalamm. weil es durch das Fleisch geschwächt war. als wären es sein Leib und Blut. dem Vater ·Gott< bzw. wie ihr ja ungesäuert seid. begründete: Darum schafft den alten Sauerteig weg. manifestieren sich auch in jenen Textstellen. mein Gott. 197 . das für viele ver­ gossen wird. auch Matt. warum hast du mich verlassen?« (Matthäus 27:46). dass nicht nur die Jünger das Brot essen und vom Wein trinken. das ist �ein Leib. der sich selbst opfert. das tat Gott: Er sandte seinen Sohn in der Gestalt des sündigen Fleisches und um der Sünde willen und verdammte die Sünde im Fleisch. Jesu.. Der Haup�erantwort­ liche für die Konstruktion des mythischen Jesu als Jemand. die wir nun nicht nach dem Reisch leben' sondern nach dem Geist. dankte und gab �hnen den. Und er nahm den Kelch. 3:23-25) Denn was dem Gesetz unmöglich war. als Andeutung des aus semem gekreuzigten Körpers herausfließenden Bluts den Ritualwein ausschenkte und seine Jünger darum bat. Wahrlich. luk. der geopfert ist. s und �uka � d . Vom Standpunkt der christlichen Tradition aus verzehrten damit die Jünger i n Wirl<lichkeit Jesus selbst. vom Gesetz gefordert. (Markus 14:22-25)2<3 Es lässt sich aber auch sagen. bei dem Jesus als prophetische Andeutung auf sein Hi�scheiden am Kreuz das Brot brach. d . Und er sprach zu Ihnen: Das ist mein Blut des Bundes. den sie bei Gott haben sollten. Gottvater gewidmeten Lamms. das Brot zu essen und den Wein zu trinken. der die Lehre von der Sühne Jesu als eines für die Sünden der Menschheit geopfer­ ten. damit die Gerechtigkeit. (1 . ich sage euch.. als wäre es die Kreuz1gung selbst. Die Gründe hierfür sind erstens das jüdische . Das letzte Abendmahl: Autokannibalismus Im Vorhergehenden habe ich psychologische Charakterzüge der Jesus-Figur dargestellt. sondern auch Jesus selbst sie verzehrt. um die Art und Weise zu beleuch­ ten. (Röm. damit ihr ein neuer Teig seid. das ist Christus. wie die paulinische Gemeinde im Rahmen des christlichen Rituals und in Zusammenhang mit dem letzten Abendmahl ihres Herrn.. Diese Aspekte der Figur Jesu.· erfüllt würde.. 196 i. die durch Christus Jesus geschehen ist. Im Evangelium Evangelien des des Johannes w1 d r das letzte Aben mah l nicht im Sinne einer Opfe­ rung esu als Passalamm sondern so dargestellt. sich selbst begreift. nahm Jesus das Brot. h. nämlich Masochismus und Selbstopferung.

Mit die­ _ sem Autokannibalismus drückt er d1e Verschlossenheit emes tet Paulus seinen heidnischen Adressaten seine eigene Konver­ Subjekts aus. Die rituelle Trans­ . ist Paulus zweifelsohne voller Misstrauen gegen Gesetze. �lso da� Opferblut Daher kann das letzte Abendmahl au�h als em �yth�­ des• und •verinnerlichendes• Ritual bezeichne.Ritual bei dem derjenige. die ich als •veräußerlichen­ sage euch. Ferner sagt Jesus. identifiziert er sich mit dem Blick bzw. wo es eine klare Differenzierung zwischen dem adressie­ scher Ort bezeichnet werden. der die Segen zum Brot und zum Wein �usspricht. Wir können auch zwischen zwei Arten von Geboten im All­ gemeinen und von biblischen bzw. Im Gegensatz zum jüdischen Konversions­ schen• Verzehrakt seiner selbst vollzieht. und zwar zwischen der mit mir seinen Bissen i n die Schüssel taucht« zwei Arten des religiösen Rituals. zweitens erklärt Jesus die Teilnahme der anderen. seine Figur zieht.. der von ihm vermeintlich die Y_t Selbstopferung verlangt. Das ist der Punkt. der Beschneidung (im Falle männlicher Konvertiten). wer ihn ausliefern sollte): »Ei­ _ ner unter euch. Jesus trinkt also sein eigenes Blut. seinen eigenen Körper. Er beteiligt � ich am väterlichen Strafakt. sondern auch die göttliche Vorsehung umfassen. (ebd. der Adresse. bie­ eigenen Tod. der ihm ermöglicht. dass die paulinische Theologie eine dualistische Differenzierung in sich birgt. An diesen Erfahrungen ist die Gottheit in auch. dem Kultobjekt bzw. die mit ihm am selben T1sch verzehren (und deutet dabei an. Wie oben erläutert. auch als Erster isst und trinkt. an dem Jesus emen •kanmbali­ renden Subjekt (dem Gläubigen) und dem adressierten Objekt zisstisch-masochistische Charakterzug Jesu zum Ausdruck: Be1 gerichtet ist) gibt. an dem der m hl­ _ sche Jesus paradoxerweise vom eigenen Narzissmus abwe1cht und darüber hinausgeht. an die das Opfer ritual. und zwar insbeson­ sion zum Glauben an Jesus und die Taufe als Idealmuster reli­ uneingeschränktem Ausmaß beteiligt. wo Jesus seine Selbstopferung es vor. Jesus identifiziert sich jedoch (auf der symbolischen Ebene) Vater. an dem 1ch aufs Neue davon sein Misstrauen gegen das jüdische und das heidnische Ritual. wenn der Heilige Geist formation soll demnach nicht nur die Taten und Wünsche des Menschen. der ihn als Passaopf� r ver­ _ zehren wollte . sich mit Vorschriften zu begnügen. Hierin kommt der nar� seinem letzten Abendmahl konzentriert sich Jesus auf seinen (Gott.als Masochist. Paulus artikuliert die den Gläubigen auf einen eX1emen göttlichen Faktor verwei­ sen und bei denen der Mensch es ist. dessen Vollzie­ hung gebieten (um vor Gott gerechtfertigt zu werden). andererseits diejenigen zwischen dem Einzelnen und sei­ nen Mitmenschen. dass ich nicht mehr trinken �erde vom Gewachs des Weinstocks bis an den Tag. aber zu gleicher Zeit ist es auch der Punkt. das noch vergossen werden sollte. das sich selbst verzehrt. Schaffung einer •gesunden•. die von vornherein zentration der Gemeinde (zunächst nur von seinen Jüngern. indem er sich selbst zum Kreuz fuhrt. So gesehen. »Einer von den Zwölfen Das Herrenmahl bei Paulus: und Gemeinschaftsnarzissmus -masochismus Ich möchte behaupten. 14:20). sein eigenes Leid. der eine Bez1ehung zw1schen Opferndem und Geopfer�em zustande bringt. Aller­ zur Schau stellt und somit die völlige Aufmerksamkeit und Kon­ später von der gesamten Christenheit) auf sich bzw. wie oben zitiert: »Wahrlic�: ich trinke im Reich Gottes« (ebd. alttestamentarischen Gebo­ ten im Besonderen differenzieren: Einerseits sind es die Gebote zwischen dem Menschen und der Gottheit (in Form des Ritu­ als). die das Ritual bzw. im Verhältnis zu seiner Umgebung seine narzisstische Position zu verstärken. So etwa beim jüdischen Beschneidungs­ ritual. wie gesagt. Er zieht dere beim letzten Abendmahl. der mit mir isst« (Markus 14:18). geschlossenen Gemeinde. 14:25). giöser Konversion an.. der die konkrete rituelle Begebenheit initiiert. 198 auf eine bestimmte Zielsetzung beschränkt sind. nämlich die dings will er nicht vollkommen auf die christlichen Rituale ver­ zichten (die noch vor seiner Aktivität i m Rahmen des messia- 199 . sich selbst verzehrt. mit dem dem Gläubigen zuteil wird und bei ihm weilt. Blickwinkel Gottes.

herum an (im Gegensatz z�m Verz�hr d�s Mannas). Daraus folgt. folgte ihnen der chen Felsen. taten liten gen.. ln die­ sem Zusammenhang druckt Paulus sein ·Misstrauen gegen die Gesetze aus. und alle sind auf Mo­ ngen gega r Mee hs durc alle gewesen und n e und durch das Meer und habe se getauft worden durch die Wolk elben dens alle n habe und ssen alle dieselbe geistliche Speise gege i­ tranken nämlich von dem geistl geistlichen Trank getrunken.. geisti­ ges Ritual zu konstituieren sucht. um zu esse� und zu t�nken. und sie standen auf. Darum sucht er diese Rituale neu zu gestalten. denn sie wur­ den meisten von ihnen hatte Gott ist aber geschehen uns zum Vorden in der Wüste erschlagen. die eng mit der �esch1chte des Goldenen Kalbs zusammenhängt: »Danach setzte �1ch das Volk. um zu �anzen"' (1. dass Paulus sich gegen das jüdische Gesetz wendet. wie jene sie hat­ ten« (1. Paulus scheint sl?h �1erm1t auf eme soz1ate S1tuation zu beziehen. _10:1-�). Kor. weil die Rei: chen . nimmt beim E�sen sein eigenes Mahl vorweg und der eine �st hungng. das das Ritual auf eine externe. 1 1 :20-22.« . bez1eht steh aber auf eine Stelle in Exodus. Kor. dass das paulinische Ritual eigentlich auch den Punkt bildet. d1e sattig�n sollte . s� wartet aufetnan?er. auch die rev. näm­ lich auf Jesus.. um thre Lu�t zu t. Paulus bekämpft hier die heidnische und jüdii­ m. 6�-83. sodass sie seinen spezifischen theolo­ gischen Ansichten entsprechen. so hält man da nicht das Abendmahl des Herrn. . Habt ihr denn nicht Häuser. die wie die zwei Seiten einer Medaille eigentlich eines sind: ·Du sollst deinen Nächsten I deinen Messias lieben wie dich selbst<) mit dem Ritual: Das Ritual wird zu einem religiösen Akt. dass die zentrale (1996). liebe Brüder.eine Gemeinde. d�n Kor!nthern ereignete: Es gab Gläubige. 33-34): . wie uns der erste Korintherbrief zeigt. Vgl. sondern auch an der fortwährenden Ausführung des Rituals beteiligt. Kor. 3�:6) -: und dazu meint Paulus: »Werdet _ auc� n1cht Gotzendlener. d. S. dass der _ Tempel m Jerusalem zu� Zeit des Paulus noch existiert). K�r. auf das ideale Selbstbild der christlichen Gemeinde gerichtet ist. Paulus bittet die Korinther daru its vom geistigen bere sie dem nach . 8:8) . �m zu essen und zu trinken. der mit Argumenten gegen das jüdische und heidnische Opferritual durchsetzt ist.uch loben? H1enn lobe ich euch nicht.. nicht in Un­ Brot gegessen hatten: »Ich will euch e unsre Väter alle unter der Wolk wissenheit darOber lassen.] Darum eine heben Bruder. wo 1hr essen und tnnken konnt? Oder verachtet ihr die Gemeinde Got­ tes und beschämt die. w � nn ihr zusammenkommt. die das Her­ renmahl als �1n r �h �1ö ses Mahl.. T�e1ssen_meint. 8:8). weil die Ge­ meinde mit der Gottheit (Jesus) selbst gleichgesetzt wird..speise aber macht uns mcht angenehm vor Gott« (1. so esse er daheim. die ihrem Herrn Jesus durch die Liebe gleich wird. wo es k_eme klare Differenzierung zwischen kultischen Mahlern und Mahlz�1 ten zum Zweck der Sättigung gab (vgl. S. Denn em Jeder. Stowers :75). eme soziale Spannung ist und zwa_r d1e Spannung zwischen Reichen und Armen.nischen Glaubens praktiziert wurden). 201 . als Rituale. [. der �dere 1�1 betrunken. um zu essen. und zwar schon deswegen. die Paulus h1er losen mochte. die sich wohl tat­ .245 Die Bedeutung bild. Hat Jemand Hunger. Aber an aber Fels der ..1m Gegensatz zu den Armen . damit ihr nicht zum Genchi zusammenkommt.. die den Gläu­ bigen auf seine Gemeinde zurückverweisen . Das 200 sehe Leidenschaft für Fleischopfer (man bedenke. sie war Christus. Er erwahnt d1e Geschichte zwar nicht d1rekt. die nichts haben? Was soll ich euch sa en? �oll 1ch e. Damit vereint sich das Gebot der christlichen Liebe (das zwei Objekte hat. Paulus deutet hiermit die SOnde des Essens und der Frohliehkelt um das Golden� Kalb .wie es in der hellenistischen Kultur u�ltch war. zugleich aber auch als eine Mahlzeit �u�assten. veräußerlichte Gottheit richtet.. an dem die Gottheit sich nicht nur an der ersten Ein-. 145-168)..während des Herrenmahls genug zu essen hatten (Theissen (1982). welch� die Ausführung des Rituals erzwingen (um vor Gott gerechtfertigt zu werden): »Aber Speise wird uns nicht vor Gottes Gericht bringen« (1. 1 0:7). damit wir nicht am Bösen unsre Lust haben. So ist es bei der paulinischen Erörterung des Herrenmahls. w1e e1mge von ihnen es wurden wie ge­ s�hneben steht: •Das Volk setzte sich nieder. wie es die Israe aber. Siehe hierzu folgende Stellen (1. un� sta� auf. kein Wohlgefallen. sachlich bei.wenn ihr nun zusam­ �e�kommt. h1er S: 74 Spannung. und das christliche Ritual als ein verinnerlichtes. dass sind. Elberfelder Übersetzung dieser Passage: .. nicht mit Götzendienst zu sünd . das nach innen. Wir können also sagen. h. bei dem die Gemeinde ihre Liebe zu Jesus und die Liebe eines jeden Gemeindemitglieds zu seinen Nächsten verwirklicht. � .e1ben« (Ex. Kor.

Dazu zählt etwa die Zusammenkunft der Teilnehmer in einer Gruppe. Kor. der zugleich auch Herr der de organisieren .solcher Gesetze tauscht er gegen Verordnungen. Girard {1987a). Ein anderes Beispiel ist die hebräische Quelle von einer der griechi schen Bezeichnungen des Rituals: EÜXOPIOTia {dt Eucharistie). in der Nacht. 1 0:14-17) Das Ritual des Herrenmahls erinnert gewissermaßen an heidni­ sche und jüdische Rituale. das tut zu meinem Gedächtnis. ( 1 .. zu meinem Gedächtnis. etwa als Tischgebet) zurückgeht. externes Objekt bzw. der wird schuldig sein am Leib und Blut des Herrn. einschließlich ihrer weichen. die allen drei gemeinsam ist (vgl. da er verraten ward. h. ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi? Denn •ein• Brot ist's: So sind wir viele •ein• Leib. S. im Gegensatz zur christ­ 202 durch das Trinken des Opferbluts: .247 Die Gemeinde vertauscht bzw. sooft ihr daraus trinkt. die auf das hebräische Wort . Kor. beurteilt ihr. und wiederholt auf diese Art Eigenschaften.• Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt. 203 . und zwar anhand einer traditionellen Formel. lichen Position. Der gesegnete Kelch. nahm er das Brot. gerade vor der Verwirklichung dieser Identität lässt sich auch auf die alttestamentarische Auffassung der Ähn­ zurückführen. sanftmütigen Dieses alternative Ritual soll die Geschlossenheit der Gemein­ lichkeit zwischen dem Opfer Jesus. ist der nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi? Das Brot. flieht den Götzendienst! Ich rede doch zu verständigen Menschen.• Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: •Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut. Somit richtet sich das Ritual im christlichen Fall nicht an ein auch Paulus die Gemeinde verstanden. Es sieht also gewissermaßen •menschlich• aus. das wir brechen. Die Gemeinde ist opferung. dass das zu opfernde Tier oft der menschlichen Gestalt ähnelt. und zwar der Darbringung eines Opfers wegen. welcher aber selbst die Gemeinde ist. wie es im damaligen Judentum (zur Zeit des Pau­ lus) Obiich war. der für euch gegeben wird. So hat lichkeit zwischen bzw. was ich sage. Hierin besteht die Ähn­ Gemeinde ist. verwandelt ihre eigene Selbst­ und Weise das masochistisch-narzisstische Verhaltensmuster von Jesus in dessen Verhältnis zu sich selbst.yu (•Bracha•. dankte und brach's und sprach: ·Das ist mein Leib. Jedoch warnt die Thora. Segnung. Herrn. indem sie stattdessen Jesus als Opfer darbringt.. Kor. S. einen externen Adressaten. Dabei sucht er das Ritual des Herrenmahls als Alternative und sogar in Konkurrenz zu den im Judentum2A6 und im Heiden­ tum bereits bestehenden Ritualen zu organisieren: Darum. ( 1 .gesunde• Gemeinde schaffen und deren Zusammenhalt för­ dern. d. hierzu Tomsen (1990). die eine .. renmahls hin. Identität von Opfer und Opferndem . bis er kommt. der mit ihr wiederum identisch ist. die er erhalten hat (und die derjenigen in den Evangelien relativ ähnlich ist): Denn ich habe von dem Herrn empfangen. Das stark auf ihr eigenes Bild und ihr eigenes Leiden fixiert. was ich euch weitergegeben habe: Der Herr Jesus. Tomsen weist auf den jüdischen Hintergrund des Rituals des Har­ . meine Lieben. 1 1 :23-27) Rene Girard weist darauf hin. weil wir alle an •einem• Brot teilhaben. sondern an einen Gott bzw.die Gemeinde verzehrt ihren Herrn. 2-3. Im christlichen Ritual opfert die Gemeinde jedoch nichts anderes als ihren eigenen Herrn. Wer nun unwürdig von dem Brot isst oder aus dem Kelch des Herrn trinkt. der eigentlich die Gemeinde selbst ist. und dem Selbstbild der Gemeindemitglieder. das tut. 1 . wie etwa das Lamm. Vgl.. Segen bzw. 10:1822). verkün­ digt ihr den Tod des Herrn. den wir segnen.

S. nicht mehr des Vaters. Diese Mahlzeit ergibt sich sowohl aus den Schuldgefühlen als auch aus der Wiederholung des Mordaktes selbst {die Söhne sollen dem­ nach wegen ihrer Anziehung zur Mutter und den Schwestern den Vater ermordet haben). Dieses Über-Ich führt eigentlich dazu dass die sadomasochistische Energie nach innen gerichtet: also gegen das Ich gewendet wird. s1e kann sich ebenso zum Ausdruck der Zärtlichkeit wie zum Wunsch der Beseitigung wenden. denn die Söhne haben ambivalente Gefühle zum Vater. Falk (1996). S. 1 1 6 . anstatt nach außen gerichtet zu werden: Das •christliche• Uber-lch verlangt vom Ich. aus Gründen des Hasses und der Rivalität. ein Kreis: Die Gemeinde bändigt die aggressiven Energien untern ihren Mitgliedern und lenkt sie auf die Liebe unter denselben hin sodass diese Liebe die Bedürfnisse der Gemeinde erfüllt Di� aggressive Energie in der Gemeinde kann jedoch nicht ver­ schwinden und wird daher gegen den Messias selbst gewendet. . Zum :z:ei­ chen dieser Ersetzung wird die alte Totemmahlzelt als Kommunton wieder belebt. 205 . Familienzusammenhalt.. Vgl. die Figur Jesu sp1egelt s1ch 1n der Selbstauffassung der Gemeinde wider. weil das Leben in ihm ist." Freud (1913). sowie La Barre (1972). der den Narzissmus der Gemeinde be­ zeugt. Konkurrenz und Rache zusammen. 291. was das Masochistische am Ritual des Herrenmahls angeht... . und er frißt nur die. in welcher nun die Brüderschar vom Fleisch und Blut des Sohnes. S . in welcher man sich das begehrte und ge­ schätzte Objekt durch Essen einverleibte und es dabei als solches vernichtete.im Gegensatz zum Exokannibalismus. dass ihr damit entsühnt werdet. der imaginären Ordnung zuschreiben. gegen den will ich mein Antlitz kehren und will ihn aus seinem Volk ausrotten. b�i dem ein Mitglied der eigenen Gruppe verzehrt wtrd. 608. genießt.'""' Im Paulinischen Christentum schlägt die gewalttätige Energie _ me1stens auf das Ich zurgck. (Lev. Der erstere hat mit Opferung. Siehe hierzu Brown ( 1 987). d . Dieser Mordakt ist es.248 Den Endekannibalismus können wir wohl als kannibalischen Akt.Und wer vom Haus Israel oder von den Fremdlingen un­ ter euch irgendwelches Blut isst. S. Im Kannibalismus drückt das Subjekt seine ambivalenten Gefühle zu seinem Liebesobjekt aus: �ie Identifizierung ist eben von Anfang an ambivalent. Denn das Blut ist die Entsühnung. sich durch diesen Genuß heiligt und mit ihm identifiziert. 207. Reinkar­ nation und anderen Gefühlen und Vorstellungen der Gruppe zu tun. bei dem ein Mitglied einer anderen Gemeinde geg�ssen wird. Letzterer hängt mit Vernichtung. der die Schulgefühle hervorrief.eigentlich verzehren sie damit auch die Gemeinde selbst Im Rahmen dieser »maso­ chistischen ldentifikation«251 spiegelt sich die Gemeinde im Bild ihres Her� �esu wider . Das christliche Herrenmahl bringt Freud mit jener Totemmahlzeit in Verbindung: »Die Sohnesreligion löst die Vaterreli�ion ab. Anthropologen unterscheiden zwischen Endokannibalismus. während dessen die Gemeinde einen ihr nahen Menschen verzehrt . den die Gemeindemitglieder verzehren .und umgekehrt. sondern den Nächsten zu lieben. Der Kannibale bleibt bekanntlich auf diesem Standpunkt stehen.. er hat seine Feinde zum Fressen lieb. bei dem die Gemeinde ihren Feind verzehrt. 17:10-11) Beim Herrenmahl vollzieht sich folglich eine Art Endokannibalis­ mus. und Exokanm­ balismus. * '5' Freud (1972). 60-62. ln Totem und Tabu stellt Freud den während der Totemmahlzeit stattfindenden Kannibalismus als Identifikation mit der Vaterfigur dar. Sie benimmt sich wie ein Abkömmling der ersten oralen Phase der Libido­ organisation. 204 die wiederum mit der kannibalisch-oralen Phase zusammen­ hängt.2'9 Mit anderen Wor­ ten: Es besteht hier eine identiä ttsmäßige Ambivalenz im Ver­ hältnis zum verzehrten Objekt. h. Somit schließt sich hier. S. die er lieb hat. Denn des Leibes Leben ist im Blut und ich habe es euch für den Altar gegeben. die sadisti­ schen Energien nicht nach außen zu richten. wie Freud es in Bezug auf die kannibalische Identifikation mit dem Verzehrten festgestellt hat.

auch der Jude Jesus erblickt in Gott einen Vater. hierzu auch die Diskussion über die masochistische Struktur der christlichen Persönlichkeit im vierten Kapitel dieses Buches. gewissenhaften Über­ Ich in die Weit brachte. als eine Figur wendet.. auch auf Englisch mit dem Titel After Nachwort hegt rnzwschen �ord : The F� ther _the Son and the Ritual . ­ �ls 207 . ohne sie klar zu �nters�herden. Der Jude erwartet die Vorsehung und Aufmerk­ samkeit von diesem Gott-Vater-Herrn und genauso seine Stra­ � fen (aber auch die Vorbeugung gegen solche S rafen durch �as Opferblut der Beschneidung). s.Ideal-Ich und Ich­ Ideal -. das Über-Ich im Ireudsehen Sinne er­ �eist sich beim melancholischen Subjekt als besonders aggres­ s�v. s. ""' Siehe hierzu auch mein Nachwort zur hebräischen Ausgabe von �Trauer und Melancholie« und »Zwangshandlungen und Religions­ ubungen« �190!) in einem Band. der eine •gesunde• Verinnerlichung durchmacht) und diese dar�ufhin �o internalisiert. nichts anderes als die Zerstörung des Gesetzes und dre Betonung des Negativen jenes väterlichen Gesetzes. der srch an Gott. 23-84. in "Trauer und Melancholie«254 weist Freud darauf hin. den er gleichermaßen verwendet). dass srch der Melancholiker nach dem Verschwinden des Toten mit der Frgur des Toten identifiziert (im Gegensatz zum Trauern­ den. und dem Narzissmus der Gemeinde. � owre Freud (1917)..Freud's Double Percep­ Anhang zur englischen Übersetzung von tton �f Chns!la n �rtes" _ ll s mus vor: Benyamini (2012). dass sie sich gegen ihn. dass das gewrssenhafte Ideal-Ich eine Entwicklung des Ich bildet' das sich wiederum ein vollkommenes Identifikationsbild kreiert. nchtet. dass Freud die gewissenhafte Autoriä tt ebenfalls auf diese Art und Weise beschrieben hätte. S. 1 :24. zwar dank der Gegenwart externer Faktoren. Diese Annahme erweist sich jedoch als falsch: Zu ihrer Einflussnahme gelangt die theoretische Quelle des Über-Ich. Dieses . S. so dürtte man annehmen. Siehe auch Lacans Dis­ kussren uber das Ideal-Ich und das Uber-lch in: Lacan (2001 ). So gesehen. Lacan versuchte. Freud (1914). Bei Lacan ist das Ideal-Ich der _ _ r�agrnar-negative Faktor in der Seele. v �n denen Freud Gebrauch machte. der 2002 erschienen ist. während das Ich-Ideal tur die positive.2S3 Das Ideal-Ich bzw.202 Das Andenken an Jesus und der Schutz vor dem Geist des Toten Ehe Freud den Begriff des aggressiven. was das Über­ Ich macht. 206 . den Vater. Demgegenüber löst Paulus die Spannung zwischen dem Masochismus Jesu. nämlich das Ideal-Ich. der eigentlich dem christlichen Ich entspricht. letztlich verwandelt sich die masochistische Orientierung auf den Herrn in eine voll­ kommen narzisstische (im Gegensatz zu Jesus also. im narzisstischen �erl der Seele. ln beiden Texten zeigt er. der eine Synthese der imaginären und der symbolischen Identifikation verkörpert) . leitende Identifikation i m Rahmen des sozialen <:"lesetzes steh t. der an einen externen Herrn (Gottvater) gerichtet wird. indem er (Paulus) einen •Herrn• schafft. Wie das Über-Ich als Verinner­ lichung des elterlichen Anderen dargestellt wird. Die Liebesgefühle sind eben ambivalent und � ""' Zum N ziss�us und Frauds Begriff des Ideal-Ich s. zu differenzieren. Dies erläutert Freud insbesondere in "zur Ein­ fuhrung des Narzißmus« vom Jahre 1914 und in »Trauer und Mel�ncholie« von 1915. hatte er die kritische und gewissenhafte Autorität in der menschlichen Seele mit dem Begriff des •Ideal­ Ich• beschrieben (zugleich mit dem Begriff des •Ich-Ideals•. in der sich das Ich Jesu nicht ganz widerspiegelt (es handelt sich also um eine symbolische Identifikation). So ist es auch ber Jesus. ag �re�srver Faktor auf derselben seelischen Logik wie das narzrsstrsche Ideal-Ich. Nach Lacan ist das. s. beruht das Über-Ich als ein nega­ _ tiver. wie Freud betont.Der Masochismus Jesu beruht auf dem Verhältnis des Juden zu dessen Gott . 288-30_1 . den Melan­ choliker. aber seinen Ursprung hat das Ideal-Ich. die beiden Begriffe . 95-106. Umver s a Narztssffscher >> _ .

sich vor dem Realen bzw. Dieser Punkt ist es also. des Herrenmahls. und Melancholie. Somit ermöglicht das Ritual der Gemeinde. dass der Signifikant des verlorenen Objekts mangels einer rituellen Trauerarbeit wieder auftaucht. das Trauerritual um Jesus (wie Paulus es darstellt). während das Urchristentum gerade die Vorstellung bekämpfte. verkündigt ihr den Tod des Herrn. S. dem Toten zu schützen. Darum drücken die Melancholiker.enthalten auch aggressive Elemente. nicht in der Erlösung des Einzelnen. dass sein geliebter Jesus einfach so. ohne jedwede Verheißung einer besseren Zukunft oder gar einer Erlösung. Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt. kehrt in der psychotischen Halluzination wieder. die sich vom bedrohlichen Objekt befreien möchte. ist die rituelle (zwanghafte) Trauer notwendig. um dadurch die Entste­ hung einer •gesunden< Gemeinde zu ermöglichen. h. So liegt die Hauptmotivation ür f das Ritual Lacan erwähnt ferner. eigentlich Wut gegen das verlorene Objekt der Leidenschaft aus. bis er kommt« ( 1 . 208 209 . . Das bedeutet also: Kein Verzicht auf das ver­ lorene Objekt. die das Objekt nicht mehr loslässt und das christliche Ich an die Schwelle seine Ver­ hängnisses führt. d . Das christliche Ritual ermöglicht Paulus. Jesus zu beschützen' wie es während der rituellen Übergangsphase tatsächlich der Fall ist. der im Seminar VI in Anlehnung an Freuds »Trauer und Melancholie« Harnlet analysiert. Alsdann riefen die ersten Christen den Messias erneut ins Leben. 1 1 :26). h. die Anerkennung seines Todes.� dass die Trauerrituale den Ort bil­ den. was aus der symbolischen Ordnung entfernt wird. Ist also das paulinische Christentum insgesamt nichts ande­ res als Trauerarbeit um die Figur Jesu? ·Trauerarbeit< bedeutet jedoch den Verzicht auf das Objekt. Um Jesus willen muss Paulus also •Jesus• bändigen.. wobei der eine Anteil des Ich den anderen Anteil betrachtet. Lacan (1 958-59). Das paulinlsche Christentum oszilliert folglich zwischen ritueller Trauerarbeit. um Jesu willen. der auf die Spaltung des Subjekts hindeutet. an dem die Gemeinde ihre Identität im Verhältnis zu der realen klaffenden Leerstelle stiftet. zugleich aber ist Paulus dadurch in der Lage. die die Forderung des Toten. sondern im Andenken an den Tod Jesu. Das ist der Ursprung der Selbstbestrafung und des strengen Gewissens beim melancholischen Subjekt. an dem die Mitglieder der Gemeinde dem Tod ihres Herrn nachtrauern und dabei in diesem verlorenen Liebesobjekt auf­ gehen: . d . die Gemeinde um den Hauptsignifikanten •Jesus< herum. Lacan. die infolge des Verschwin­ dans des verlorenen Objekts entstanden ist. die innerlich perfekt organisiert und frei von internen Konflikten ist. erfüllt und stillt. Das Herrenmahl fungiert als der Ort.. dass seiner gedacht wird. Das heißt: Das. meint. am Kreuz starb. die Gemeinde vor Ihrer eigenen Verletzbarkeil bei einer etwaigen Begegnung mit dem Realen bzw. zu vereinigen. die sich selbst misshandeln.. Um jedoch die Begegnung mit dem Realen zu vermeiden. Kor. die Intensität der Erfahrung von •Jesus<.

Zunächst scheint dieser Sohn. Paulus wagt es nicht. die die Figur des Sohnes in den Mittelpunkt ihres Seins rückt. der Übertretung habe. auf Jesus. weil Letzteres sei­ ner Auffassung nach eine dialektische Beziehung zum realen Genießen. dass Paulus eine imaginäre Gemeinde errichtet. der Sünde bzw. die Paulus heranzieht. die das Judentum darstellt (in der die Juden durch das Gesetz von Gott. Eines der Mittel. sich von seinem Gesetz zu befreien. nämlich die Engel. die bis dahin als Gottes Söhne galten. Daraus folgt. das sich im Spiegel. den die Gemeinde in diesem Spiel vor sich hält. der eine narzisstische Gemeinde von Söhnen begründet. sich ausdrücklich gegen den Vater zu wenden. also Jesus.SCHLUSSWORT: PAULUS UND DAS POLITISCHE? Die vorliegende Studie. Vor diesem Hintergrund bezeichnet er das Gesetz des Vaters als eine Ver­ suchung zur Sünde und somit als den Weg in den Tod. lässt mich den Schluss ziehen. wird aber zu gleicher Zeit von seiner Versuchung bedroht und sucht daher. den Sohn. indem sie sich in ihrem eigenen Spiegelbild spiegelt. im Bild von Jesus. dem Vater. Dieser Zug vollzieht sich parallel zu Paulus' Ablehnung der symbolischen Ordnung. gesteuert wer­ den). der den Vater selbst in den Schatten des Glaubens stellt. d. Aber eine meiner in dieser Studie dargelegten Schlussfol­ gerungen lautet. der als Gottes Sohn dargestellt ist. das Nachahmungsobjekt der Söhne zu sein. widerspiegelt. um im Rahmen der Gemeinde 210 21 1 . die vom kritischen Scharfsinn Frauds und Lacans Gebrauch macht. Das christliche Imaginäre postuliert Paulus als eine alterna­ tive Ordnung zum jüdischen Symbolischen. Hierin kommt die •ödipale< Ambivalenz von Paulus in seinem Verhältnis zu Gottvater zum Ausdruck: Er glaubt noch an ihn. h. dass die Figur Jesu auch eine Projektion des Bildes des paulinischen Gläubigen selbst ist. diejenigen zu erniedri­ gen. sondern begnügt sich damit. Gleich­ zeitig verweist er auf ein neues Glaubensobjekt. die ihre eigene Iden­ tität stiftet. dass Paulus als jemand beschrieben werden kann.

vom heidnischen Realen als auch vom jüdischen Symbolischen zu trennen. sich wirklich von den Zwangsmustern des Gesetzes zu befreien. Im Rahmen dieses Rituals soll der christliche Gläubige Jesus. aber auch ein reales Objekt. während für den Juden als Vertreter des Gesetzes die regressive Konversion in der Taufe besteht. wie gegen die Weiblichkeit. welche die Selbstauffassung des christlichen Ichs nachbildet. die um 213 . weil diese sich an das Imaginäre und das Reale richtet. das Paulus konstruiert. die Gemeinde auf der Ebene des Imaginären zu begründen. in der alle gleich und dem einen Supersignifikanten unterworfen sind . h. Da aber diese Liebe auf einem ethischen Glaubensatz beruht . ist das christliche Ri­ tual. Gegen diese realen Erfahrungen kämpft er genauso. So etwa im ersten Korintherbrief. Für Paulus stellt die Beschneidung eine regressive Konversion zum Symbolischen dar. die sich in Gestalt des Über-Ich gegen das Ich zurückwendet Diese Be­ wegung veranschaulicht die Komplexität von Paulus' Auffas­ sung des Gesetzes: einerseits die Ablehnung des Gesetzes in dessen jüdischer Ausprägung.Jesus.der bei Paulus eine hagelsehe Aufhebung aller Gesetze der Thora be­ deutet -. aber auch eine Projektion. ist sie im Imaginären situiert. setzt dieses Liebesgebot die Nächstenliebe auch in ein Verhältnis zum Realen bzw. Meine wichtigste Schlussfolgerung lautet also. deren Söhne bzw. nämlich die ekstatische bzw. verzehren. wie auch der Aggression. ihn womöglich sogar spirituell kastrieren. der Erfahrung des Genießens. dass •Jesus< als Hauptsignifikant in der paulinischen Theologie zwei Gesich­ ter hat: Er ist ein Nachahmungsobjekt der Gemeinde. So sieht sich Paulus im Rahmen seines Versuches. das ihn in die materielle Wirklichkeit. Das ist das Genießen. das der Beziehung des aggressiven Ich zu seinem Nächsten innewohnt. ln die- 212 sem Rahmen durchquert der Christ die Übergangsphase der Taufe selbst . und zwar im Rahmen jenes gegenseitig-egaliären t Imaginären. Als Alternative zur jüdischen Beschneidung stellt Paulus sei­ ne Konversion und die christliche Taufe als Akte hin.um eine neue Identität anzunehmen. Solange diese Liebe gegenseitig ist und dem christlichen Nächsten gilt. bei denen das Subjekt dem Symbolischen entsagt. die sich insbesondere in seinem Brief an die Gala­ ter manifestiert. und zwar zugunsten des Imaginären.bei der er weder Jude noch Heide ist und die daher eine diffuse Situation bildet. Mitglieder in Liebe verbunden sind. •psychotische< Glossolalie. dazu genötigt. dann wäre der •arme< Christ dem symbolischen Gesetz unterworfen. in •diese böse Welt' versetzen würde. Auf dieselbe Art und Weise verhält sich Paulus zum Ritual des Herrenmahls. um sich somit vom Gespann der dia­ lektischen Beziehungen. Die christliche Auffassung der Taufe konstruiert Paulus als den Punkt. Dabei verzehrt die christliche Gemeinde eigentlich sich selbst. Mit anderen Worten: Auf dem Weg bzw. erneut die realen Erfahrungen als Begleiterscheinungen der rituellen Tätigkeit zu behandeln. um eine organisch-imaginäre Gemeinde zu be­ gründen. der den Zusammenhalt der Gemeinde ermöglicht. in der-seine Identität einen kurzen Augenblick lang verschwindet . wo Paulus sich gegen eine der realen Begleiterscheinungen der Taufe wendet. dem Übergang vom jüdischen oder heidnischen Symbolischen zum Imaginären muss der Täufling die Erfahrung des Realen durch­ machen. sein Nachahmungsobjekt. Doch neben diesem Imaginären taucht durch das masochistische Vorgehen von Jesus (bei seinem letzten Abendmahl) und der sich selbst verzehrenden Gemein­ de das aggressiv-reale Genießen auf. Von Paulus' Blickpunkt aus könnte die Be­ schneidung eines Christen die Spiritualität desselben entwei­ hen. Paulus' Reaktion auf das Gesetz bildet auch den Hinter­ grund für seine antagonistische Position zur jüdischen Be­ schneidung. er Ist ein Signifikant.das christliche Imaginäre zu konstruieren. Die Erfordernis einer solchen Liebe begründet Paulus mit dem biblischen Gebot der Nächstenliebe. welche die Identität des Christen stiftet. das bei einer rituellen Begegnung dieselbe Gemeinde bedroht. eschatologischen Sinne von seiner alten Weit ablässt. zugleich die Schwierigkeit. an dem der Christ in den Tod Jesu hineingetauft wird und zugunsten einer •neuen Schöpfung' im . d. das die Gründung der Gemeinde ermöglicht.

zumal d1e Gebote. wobei das Gesetz das Judentum verkörpern s? ll). d1e werde zu t htfertig gerec Gott der Thora vor Frage der Grenzen der die auf hmlich vorne Paulus bespricht.. Diese Interpretation Zizeks setzt Paulus' Kritik am Gesetz und die dichotomlsche Differenzierung zwi- � � 215 . was er das •psychoanalytische Judentum• nennt: »Die übliche Verteidigung des •psychoanalytischen Judentums• gegenüber dem Christentum [. Eine der Sicht Zizeks entgegengesetzte . darunter . 57-75. meint Santner. nämlich die so�iale das Gesetz bzw. dass es sich bei der Ethik. und zwar nicht nur von seinem Gegenüber.tnsbesondere ben worden ist. S. der metnt. die Thora darste und den anderen Volkern und d1e zierung zwischen dem Volk Israel ens der Befolgu�g der Gebote Unmöglichkeit. die viele Forscher im Anschluss an Martin Luther vertraten (im Rahmen seines Kampfes gegen den Katholizismus betonte Luther Paulus' Kampf gegen das jüdi­ sche Gesetz. in der die Annahme von Gott allein durch die Befolgung von Geboten erreicht wird!. katholischen} Htnter­ weils den innerchristlichen (evan ung von Pau�us' Auffassu�g des grund der akademischen Forsch ezüglichen Uberbhcke bet Boy�­ diesb die s. ln ei­ n�m Aufsatz behauptet �izek.insbesondere bei Alain Badiou und Slavoj Zizek als ein Beispiel für eine radikale politische Denkweise beschrie­ ben . sondern seine Ent­ fremdung. (Zi!ek (2003). das von einem jüdischen. n. Dieses Buch ist zur Gänze eine Ver­ teidigungsrede für _Paulus . 126). außerhalb des Rahm n. die chri t­ lich-jüdischen Beziehungen und den Holocaust große Auswir­ kungen hat. ist nicht seine räumlich-körperliche Entfernung. Die neue Perspektive betrifft nicht nur Paulus.infolge von Badiou (2002). ähnliche Unruhe in den Bereichen der politischen Philosophie und der Theologie i n der christlich-abendländischen Weit. Bei dieser Gelegenheit greift Zi!ek auch das an. hier S. Vgl. � die auf gewichtige Themen wie den Antisemitismus. sowie die Position von pfte. dass (1990). sich die Beschneidung. auch dte en Toms bei rin (1994). Santner (2010). Im aktuel­ len philosophischen Diskurs hingegen wird Paulus' Botschaft bisweilen . der Sabtba und jüdischen Gemeinde beziehen: s (Dunn (1991).seiner willen begründet wird.. 42-56 und gengesetzten Pos11ton v�n Hager der innovativen Perspektive entge Dunn. S. Die neue kritische Position hinterfragt die gängigen Konventionen in der Paulusforschung. S. 117-139). 11 1-130. .. s. Auf der Schnittstelle zwischen dem forschenden und dem philoso­ phischen Ansatz liegt Daniel Boyarins Werk A Radical Jew. dass Lacan das Judentum gerade auf dte Se•te des negatrven Uber-lch stellt und das Christentum als eine erfolgreiche Befreiung vom Gesetz zugunsten der Liebe versteht (ii!ek (2002).. . ]: Nur im Judentum be­ gegnen wir der Angst vor dem traumatischen Realen des Gesetzes. . der in den Worten des Paulus eine Herausfor­ derung für die Frage nach der Partikularität der jüdischen Identi­ tät gegenüber der Universalistischen Position erblickt. die der Psy­ choanalyse wie auch der christlich-jüdischen Tradition innewohnt : um die eigene Verantwortung für den Nächsten mit dessen Unbe wusstem handelt. postmodernen Standpunkt aus geschrie­ Seit einigen Jahrzehnten gibt es in der westlichen Welt einige akademische Aufregung rund um die Frage nach Paulus' Ver­ hältnis zum Gesetz. rhebe hervo Gesetzes (1990). die Regeln des koscheren Essen e�­ r Diffe 214 257 Zi� eks Interpretation von Paulus ist Teil seiner jüngsten Entwicklung. 1-3�.eine Frage.'"'7 Meine in diesem Buch dargelegte Sichtweise wider- die •evangelische• Position. die je· Hinsichtlich der verschiedenen Einste gelischen vs. Parallel zu diesem Aufruhr auf dem Gebiet der neutesta­ mentlichen Forschung hinsichtlich der Paulusbriefe besteht eine 256 llungen zu diese. ormuherung ftnden wtr bet Enc L. was den Anderen anders macht. zur Thora und zum Judentu m . was bekäm s solche als Gesetz das Paulus nicht llen. sondern d<�:s. Das Christentum hingegen deckt diesen Abgrund mit der Liebe zu das heißt mit der imaginären Versöhnung Gottes und des Mansche und schwächt damit die Angst einflößende Begegnung mit dem Realen a b [ . Mit diesen Widersprüchen setzt sich Paulus in seinen uns überlieferten Briefen auseinander. was er als •Levinasian-Derri­ dean• �udentu m begr�ift. sondern Ins­ besondere das Judentum im ersten Jahrhundert: Dieses war und ist keine Religion. dem Abgrund des Begehrens des Andern (•Was willst du?•).. 60}. der in seiner Ein­ fuhrung d1e These aufstellt. sondern auch von sich selbst.]. be1 der er sich gegen alles wendet. Z�eks Position scheint auch mit seiner besonderen Interpretation von Laca!JS Seminar VII zusammenzuhängen.r Frage. S. S.

1 1 -75. so geht auch hier die grundlegende Position auf Identifikation zurück: "Ich bin ja Pauliner. erblick salistischen Revolutionär tische D�n ker. unism Kom den n:' lichkeit postuliert: das Christentum und Diskussionen gehoren Die von Zizek und Badiou geführten im philosophischen Denken einer zeitgenössischen Tendenz ff der •politischen Theologie< an.Toward a Political Theology of the Neighbor«. der i n seiner Gänze eine messianische Opposi­ tion zum Jüdischen Gesetz der Thora bildet. aus. 122. Lacan und der christlich-jüdische Diskur ristli�hen Bas1s beruht. der in seinem Buch Paulus Denker Die poliüsche Theologie des (das auf einer Vorlesung beruht. versalistischen Ethik zum Ausd uc ein und der­ Ausdr als se We he kritisc Strömungen auf sehr _ heit und Bruder­ Gleich von asie Phant schen salisti selben Univer us. S.. en chätz einzus ) rvativ konse nicht gar is gegenube� Jeder um­ beispielsweise kommt seine tiefe Skeps er zwe1 kulturelle wenn ruck. . ebenso wenig die . Seide werden auch der Aus�angspunkt dass . nicht entha V�ter � � i t 216 besteht das eigentlich Politische an der Theologie des Paulus. die auf Paulus mit dem Begri _ � � ! _ Bezug nehmen. dass Lacan zwisch _ �aulus . so Taubes.momentan nur auf Hebräisch vorlieg i�:. Diese Richtung setzte sich. Santner. S. - � A� 217 . dem zwisc ltnis Verhä zum kulierten Position ion liegt die Identifikation Posit ihrer denn s. anschließend an Carl Schmitt und seine Politische Theologie. insbesondere in dessen Brief an die Römer. ln bestimmter Hinsicht könnte meine vorliegende Studie mit dem Begriff der politischen Theologie im Einklang stehen. Auch das Werk Waller Benjamins liest amben so.� Nach Taubes' Auffassung widersetzt sich die paulinische Theo­ logie zwar dem jüdischen Gesetz.. doch dagegen ist anzub (wenn skepisch eher ht Hinsic cher politis in t von Lacans Lehre seine� S�minar V l ln ist. mess1an1sch-theologische Position des Ausnahmezustandes wie diejenige des inneren sowie äußeren Feindes der die bloße � kann.das heißt also eine Identifikation mit dem Politi­ schen am Theologischen. mehr dazu im ersten Kap1te zu enden . Wiederbelebt wurde diese Diskussion in den letzten beiden Jahrzehnten vom deutsch-jüdischen Jacob Taubes. die das marxis sind Zizek und grunde. Existenz der liberalen Rechtsordnung gefährde Eben­ diesen Aspekt des Ausnahmezustandes macht Taubes bei Paulus. S. nicht Christ. ringen hen.und hierin. Badiou in den M1ttelpunkt 1hres Thema des ethischen Universalismus als Lacanianer angese­ Denkens stellen. in dem Fortsetzung des ruhen t tion die seiner Meinung nach eine direkte sei und nicht vom Semtnar Lac n. durch den man das Politische neu verstehen kann. �einen Aufsatz .dem •späten• Zizek arti­ spricht weitgehend der bei Badiou und hen dem Gesetz. in dem und seiner Botschaft zu­ en. vermeintlich unterdrückenden sehen dem Judentum als Religion des Religion der Liebe fort. Jacques Tei-Av ität Univers der an 2007 Jahre Lacan aus dem s.$ Nach Schmitt berücksichtigen libe­ rale Interpreten des Staatsrechts. aber Pauliner«:!M . etwa der österreichisch-jüdi­ sche R�chtswissen�chaftler Hans Kelsen. 250 210 Taubes (1993). sprechende Abschnitt ist in der deutsc lten.�espncht �nd (was dem mit kation der positiven Identifi lc Uberchen chnsth � dlff�­ ven nega!1 Lacan paraphrasiert) und dem _ l d1eses Buches _sow1e I!' mei­ renziert (s. hterzu s. Wie bei Badiou und Zizek. Paulu und tum Juden sie ein Vorbild für den Univer­ mit dem Apostel Paulus. Dem­ Gesetzes und dem Christentum als en dem jüdischen Gesetz gegenüber meine Ich. in: Ziiek. . die auf einer pro-ch 006)) zu� lax View (Zizek _(2 Paral The Buch seinem in auch t komm cheu osl­ lytiS na sychoa p Mjüdisch die gegen er Ausdruck. Schmitt (1922). auch Agamben (2006) Agamben liest den Römerbrief �eu als e �e� Text. bei Badiou und dessen Auf­ fassung des Ereignisses fort. S. desgleichen beim lacanianischen Theoretiker Kenneth Reinhard (s. also eigentlich vom Seminar VII 10 Gesetz das lich gegen . Benyam1m (2009)). Reinhard (2005). vgl.D1sserta1on t ner . Frankfurt am Main 2006. wende Sinne em dessen äußerst jüdisch hen Ausgabe Parallaxe. Diese Position von iizek. XX (in dem der späte Lacan sich angeb Der ent­ 255). gleichermaßen jedoch auch den Gesetzen des Römischen Reiches .. wie gesagt. die er 1987 in Haidei­ berg gehalten hat) in diesem einen originellen Denker erblickt. als gehe Benjamins Begriff des Aus­ nahmezustandes 1n dessen posthum erschienenem Aufsatz »Über den Begriff der Geschichte" ebenfalls auf Paulus zurück.

sich tatsächlich aber kulturell rund um die Erfahrung libidinöser bzw. so zu tun. wie das 20. Meiner Meinung nach haben diese Briefe . Mit anderen Worten: Mein Ziel war es nicht. dre srch rm Ernklang mrt rhrem stereotypen Bild als Anti-Gesetz darstellt.und Vernichtungsobjekt? Desgleichen können wir nach der zionistischen Bewegung und Weltanschauung fragen. die wir uns als Söhne positioniert haben aber nach wie vor nicht wissen. auch auf die Ent�ic�lung der christli­ _ chen Theologie und die Struktur der chnst11chen Gernemde anwenden? Schließlich beruht beides auf denselben Briefen des Paulus. sondern darum. . auch bei deren psychoanalytischer Lektüre. will sagen: Es geht um das Politische an sich und nicht darum. Was haben die Liebe zu Gott. als wäre es durch eine externe politische Motivation getrieben wie etwa durch den Widerstand gegen Rom. der Grundordnung an sich zwar nrcht berücksichtigt.wür­ d� sie sich nicht unter einem anderen Aspekt von Gesetz orga­ _ nrsreren. der die sozialen und politischen Auswir· kungen jenes Christentums andeutet. den ich in diesem Buch erarbeitet habe � ein durch den psychoanalytischen Diskurs gestalteter theol gischer Begriff. Nur aus diesem Ansatz heraus wollte ich auch die etwaigen politischen Auswirkungen des theologi­ schen Textes untersuchen. die sich aus der vor­ liegenden Studie ergeben. Was gilt für uns Zionisten wie auch Postzionlsten. jedoch erreichen diese Briefe auch weiterhin tagtäglich alle christlichen Gemeinden. das Paulus mit starken Geburtswehen zur Welt brachte. . zum Nachbarn.trotz (und vielleicht gerade wegen) ihrer Universalistischen Absichten . sowohl bei der Rechten als auch bei der Lrnken? Welcher Weg führt von der paulinischen Erfindung des Gewrssens zur kapitalistischen Gedankenpolizei. ja logischerweise auch zur Anti-Identifikation mrt ernem Hass. nicht darum. was wir mit jenem zerborstene � Vater tun sollen? ln der Hoffnung. sich dadurch vom väterlichen 219 .: emotionaler Einheit organisiert und in unserer postmodernen Ara das autoritäre Gesetz durch ein f diese ldentifika­ �nderes Identifikationsobjekt ersetzt? Und ührt tr�n �otwendiger-. und zur politischen Gedan­ kenpolizei. welches sie organisieren könnte .eine narzisstische Gemeinschaftlichkeit der rebellierenden Söhne begründet. Für mich handelt es sich bei der Lektüre der Paulusbnefe.wie auch heutzutage? Wie sollte sich e�ne Bewegu�g organisieren. sondern auch etwas über die politische Organisation infolge dieses Ausnahmezustandes bzw. um eine Gemeinde ohne jedwedes interne oder exter­ ne Gesetz zu errichten. die sich zur Zeit des Paulus manifestierte . infolge der politisch-geistigen Krise. Lassen sich also die Schlussfolgerungen.jedoch nicht so. ln diesem Sinne ist die ·Gemeinschaft der Söhne•. das z war sensibel wäre. _ d�s �ber �ach rnnen umso zwanghafter wäre und sich ganz auf d�e Ernh��t des Denkans und die Wahrheit des Kampfes Iokus­ sreren wurde? Was sollte im Fall der demokratischen politi­ schen Ordnung gelten. irgendetwas ·Paulinisches• ohne das •Christliche• her­ auszuarbeiten. das Politische selbst zu erforschen. wie dieser im derzeitigen Diskurs versta�den wird. ja veralteten G setz � ':'l P?sit oni�rt? as wäre mit irgendeiner anarchistischen Gruppe. Jahrhundert sie kannte? Können wir aus Paulus nicht nur etwas über die Dimension des Ausnahmezustandes (im Sinne der aktuellen Diskussionen über politische Theologie) lernen. den Briefen eine politische Ethik abzugewinnen. . wie wir sie aus der Fernsehwerbung kennen. die er seinen direkten Adressaten zuschickte zwar den damaligen Adressaten. der Begriff also. sendem die religiöse Macht des Kreuzes für Paulus zu verstehen. ein Gesetz der Liebe etwa. . die nach der Auffassung Carl Schmitts d�n ·Feind• des Systems bzw. zum Nächsten und dem Anderen mit dem christlich-europäischen Imperialismus und Kolonialismus zu tun? Was verbindet die Vorstellungen von Brüderlichkeit und Gleichheit unter den Mitgliedern der christli­ chen Gemeinde mit den Utopistischen Tendenzen im politischen 218 e�ropäischen Denken. die sich selbst als eine progres­ srve Alternative zu einer zusammenbrechenden Kultur � zu einem vermeintlich nicht mehr relevanten.

das Eliade (Hg. London. Die Erneuerung der Psychoanalyse und _ der JU d ts c h-<. • . Tel Aviv. über die Erfahrungen im alle auf­ nehmenden. dingt eine konservative Position. 0. hagen beseitigen möchte. so hat uns Freud (1995). die das bereits bestehende wenn man das kulturelle Unbehagen nicht bedenkt.angefangen mit der kommunalen Phantasie BIBLIOGRAPHIE des Lebens im Kibbuz. Baptism in the New Testament. Romans 6«. (1995). Thomas J. nämlich Barthes. unserer Existenz in Israel ermöglichen? Sollen wir die Tendenz bleibt. der revolutionären Söhne fortsetzen? Oder wäre es besser. Grand Beidelman. New York. sich der Gefahr bewusst zu werden.). universal wäre . Transferring a Ritual: Paul's ln1erpretation of Baptism in . R. Basel. der uns schon einmal versucht hat. ltzhak (2006). G. Analyzing with Lacan«.genauso wie das Gesetz. T. Albany.in Gestalt des religiösen Juden (als Vertreter des Vaters) und des sephardischen Juden (der die Agamben. nistlc Context.hnstlichen Ethik. � _ Romerbnet. ist nicht unbe­ zu schnellen Befreiung vom Vater und dessen Gesetz steckt. Wie könnten wir die­ sen Vater überlisten? Wie könnte es uns gelingen. Frankfurt am Main. Altizer. gegenüber dem anderen Rasehf­ Kommentarzum Pentateuch. Psychoanalytic Reading of Jacques Derrida. der für uns die Grenzen unse­ rer Gemeinde markiert. nur für sich selbst verantwortlich zu sein. dem Vater in ein Gespräch zu kommen und auf diesem Wege Pau/ in his Helle­ Minneapolis. Denn was gelehrt. die in einer Mythen des Alltags. _ Portrat. der nicht im Sohn narzisstisch­ (1987). 221 . Misstrauen sowohl gegen dieses bestehende Politische als (2012) Narcissist Universalism. in: Alma­ nac of Psychoanalysis.wenn wir im Vater leben wollten? den Versuch. Frankfurt am Main.The Akeda-s Complex. Pau/'s Epistles. Badiou. stets misstrauisch zu bleiben . Es geht mir um auch . Ein Kommentar zum (1985).. Vol.) ' Benyamini. mit Bamberger. Berlin. versucht. Stuttgart. ••Circumcision . sondern das immerwährende der Alternative des Sohnes innewohnt. Was könnte uns Juden den Fortbestand die Paulus. Betz. Politische bekräftigen würde.. Hans-Dieter Utopistische politische Phantasien anbelangt. Der Galaterbrief. auch gegen utopistisch-radikale Tendenzen. in: auch den anderen geopferten Söhnen zu begegnen.J. Die Begründung des Universalismus' _ Mu�hen. Bruderschaft der Europäer störte) .. die eben dieses Unbe­ The Counter-Narrative in Judaism. Giogo (2006). einen Bund von Geopferten zu schließen. »Ich bin dein Gott und sein Gott«. . haben wir uns eine Gemeinde der liebe organisiert . v_ (20��) Lacans Diskurs. die auch weiterhin glauben. Roland (2010).Gesetz befreien zu können. m: Troels Engberg-Pedersen (Hg. bis hin zur endgültigen Schächtung seiner beiden Söhne. The Akeda and its Was ich mit diesen Fragen andeuten möchte. Die Zeit. Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers_ Revi­ dierter Text von 1984. . Bibel 220 A Bennington� Geoffrey I Jacques Derrida (2001). Ein (1988). zu opfern und dies immer noch eifrig Beasley-Murray. Ein Kommentar zum Brief des Apostels Paulus an die Gemeinden in Ga/affen. Vol. München.. (1974). Selig (1994). 3.. einverleibenden Militär bis hin zur Konstruktion eines inneren Feindes . in: Miracea Encyclopedia of Religion. Alain (2002).wie auch eines äußeren Feindes in Gestalt des Arabers. den lsmailiten? Es geht also um jenen Vater. History as Apocalypse. Rap1ds.

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Er lehrt an der Univer­ sität Haifa sowie an der Bezafef Academy of Arts and Design in Jerusalem.il).co. Veröffentlichungen auf Hebräisch (Auswahl) • • Abrahams Gelächter. Eine Deutung der Genesis als kritische Theologie. Tel-Aviv 2009 • Paulus und die Geburt der Gemeinschaft der Söhne. Tel Aviv 2007 . Philosoph und Theoretiker. Tel Aviv 2011 Lacans Diskurs: Die Revision der Psychoanalyse und derjüdisch-christlichen Ethik. Darüber hinaus ist er Verlagsleiter des Resling-Verlages (resling.370 ltzhak Benyamini (*1968 in Tel Aviv). mit einem Schwerpunkt auf der Schnittstelle von Religion und Psychoanalyse.

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