DIE GEWALTSAME ITALIANISIERUNG DER FAMILIENNAMEN IN SÜDTIROL

WIE WÄRE HEUTE MEIN FAMILIENNAME?
ISTITUTO DI STUDI PER L’ALTO ADIGE

LA RESTITUZIONE DEL COGNOME ATESINO

ELENCO DEI COGNOMI DELL’ALTO ADIGE
DEFORMATI O STRANIERI, CON LE FORME ADOTTATE PER LA RESTITUZIONE O VERSIONE

1936 - XIV

ORIGINALDOKUMENT VON ETTORE TOLOMEI HERAUSGEBER: SÜDTIROLER HEIMATBUND

Vorwort
Der Südtiroler Heimatbund fühlt sich verpflichtet, das Buch von Ettore Tolomei mit den ins Italienische übersetzten deutschen Familiennamen Südtirols originalgetreu nachzudrucken und somit einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ettore Tolomei hat neben rund 8000 Orts- und Flurnamen auch alle Familiennamen erfunden und geschändet. Die Ortsnamen, Familiennamen und die Muttersprache sind das höchste Kulturgut und Ausdruck der Identität eines Volkes. Das hat Tolomei gewusst und hat hier den Hebel angesetzt, um die Welt zu täuschen. Er war praktisch der Wegbereiter für die Zerreißung des Landes Tirol. Der Südtiroler Heimatbund (SHB) ist darum der Meinung, dass dieses Buch unters Volk gebracht werden soll, damit es möglichst viele Südtiroler zu lesen bekommen. Die meisten werden ihren Namen auf deutsch und italienisch finden und werden erkennen, wie groß die Gefahr der Italienisierung war. Viele Südtiroler, welche damals eine öffentliche Stellung bekleideten und auch behalten wollten, mussten ihren historisch gewachsenen Namen ins Italienische umschreiben lassen. Jene Südtiroler, welche zwischen den beiden Weltkriegen geboren sind, mussten ihre Taufnamen automatisch italienisch eintragen lassen. Viele solche italienisierte Familiennamen finden wir auf den Friedhöfen des Landes; sie sind Zeugen dieser Schandtat. Nach Inkrafttreten des zweiten Autonomiestatuts 1972 wurde uns die Gelegenheit geboten, die italienisierten Namen wieder ins Deutsche zurückzuführen. Leider haben das viele verpasst. Nun werden manche sagen, das sei Schnee von gestern und längst vorbei. Der Südtiroler Heimatbund ist der Auffassung, daß die Gefahr sogar sehr groß ist: Nicht sosehr bei den Familien- und Taufnamen, wohl aber bei den Orts- und Flurnamen. Das Land hat die Zuständigkeit, die amtlichen italienischen Ortsnamen abzuschaffen und nur die geduldeten, historisch gewachsenen Namen wieder einzuführen. Die Landesregierung hat aber nicht den Mut dazu, weil sie Angst hat, die Koalitionspartner und die Italiener im Lande zu verärgern. Der Landeshauptmann hat ihnen ca. 500 Namen angeboten, in italienisch zu belassen, aber das war ihnen zu wenig. Außerdem: Sollen tatsächlich 500 vergewaltigte Namen vom Unrecht zum Recht werden? Es ist unsere Pflicht und Aufgabe, mit allen uns zur Verfügung stehenden demokratischen Mitteln dagegen anzukämpfen, dass diese Verschandelung der Ortsnamen nicht vom Unrecht zum Recht wird! Die Umbenennung des Friedensplatzes in Siegesplatz hat wieder einmal gezeigt, wie die Italiener in Südtirol denken. Sie nehmen keine Rücksicht auf die Gefühle der einheimischen Bevölkerung und klammern sich krampfhaft an geschichtsirreführende, faschistische Relikte wie Siegesdenkmal, Beinhäuser, Relief am Finanzamt in Bozen u.a.; übrigens einmalig in Europa. Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich hier auf dem Gipfel des Klockerkarkopfes, dem Schicksalsberg der Südtiroler, den Ettore Tolomei in „Vetta d‘Italia“ umgetauft und verschandelt hat. Er hat ihn zum nördlichsten Gipfel Italiens erklärt und seine Besteigung als Erstbesteigung ausgetan. Das stimmt gar nicht: Dr. Fritz Kögel war schon neun Jahre vor ihm auf diesem Gipfel.

Genau vor einem Jahr (2002) hat der Südtiroler Schützenbund den Gipfel wieder rehabilitiert. Er hat eine Bronzetafel angebracht mit der Inschrift: „Klockerkarkopf - mitten in Tirol“. Es hat auch eine Feier stattgefunden, bei der ca. 200 meist junge Leute anwesend waren. Als die Tiroler Fahne gehisst wurde, ging ein Jubel der Begeisterung durch die Reihen der Gipfelstürmer. Meine Gedanken gehen zurück zum Ursprung des Südtirol-Problems, und wie ein Film laufen die verschiedenen schicksalsschweren Ereignisse unserer Heimat vor meinem geistigen Auge ab. Den Anfang genommen hat das Südtirol-Problem mit der Zerreißung Tirols, dem Land im Gebirge, wie es vor der Einigung hieß, das rund 1000 Jahre eine Einheit war und 600 Jahre zu Österreich gehörte. Die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen, unter dem Faschismus, war wohl die schlimmste in der Geschichte unserer Heimat. Alles, was deutsch war, wurde aufgelöst: die Parteien, die Vereine, Verbände, Schulen und die Sprache wurden verboten. Faschistische Horden zogen umher und verprügelten die Leute, wenn sie sie deutsch reden hörten. Damals entstanden auch die Katakombenschulen, wo die Schüler in Kellern, Scheunen und Stuben notdürftig das Deutsch lernen konnten. Dann kam die Option. Die Südtiroler mussten sich zwischen Heimat und italienisch werden oder Deutschland und Auswandern entscheiden. Eine schicksalsschwere Entscheidung, die so manche Familie und Freundschaften entzweit hat, ja manche hatten sich sogar das Leben genommen. Der Großteil hatte sich für Deutschland entschieden. 70.000 sind ausgewandert und nur ca. die Hälfte ist nach dem Krieg wieder heimgekehrt. Nach dem Krieg setzten die Südtiroler ihre Hoffnung auf die Alliierten und forderten das Selbstbestimmungsrecht. Es wurde ihnen wiederum verwehrt, das Völkerrecht wurde mit Füßen getreten. Dafür bekam Südtirol den bekannten Pariser Vertrag zum Schutz der deutschsprachigen Bevölkerung, der aber buchstäblich ein leeres Blatt Papier blieb. 1957 kam es dann zur bekannten Großkundgebung auf Schloss Sigmundskron, mit 35.000 Menschen, bei der das „Los von Trient“ ausgerufen wurde, anstatt das „Los von Rom“, wie es viele Teilnehmer erwartet hatten. 1959 wurde in ganz Tirol der Freiheitskämpfe von 1809 gedacht und im ganzen Land wurden Feiern abgehalten. Der Höhepunkt war der Umzug in Innsbruck mit Teilnehmern aus ganz Tirol. Dadurch wurde das Zusammengehörigkeitsgefühl wieder wesentlich gestärkt. Ende der 50er Jahre spitzte sich die politische, soziale und wirtschaftliche Lage in unserer Heimat so zu, dass sich beherzte Männer um Sepp Kerschbaumer, Jörg Klotz und Luis Amplatz zum Widerstand entschlossen. Der Freiheitskampf dauerte ca. 10 Jahre und gipfelte in der bekannten Feuernacht 1961, wo 47 Masten in die Luft flogen. In den folgenden Jahren hat auch der italienische Geheimdienst mitgemischt und brutale Anschläge verübt, wobei es auch Tote auf beiden Seiten gab. Damit sollte der Freiheitskampf diskriminiert werden, um in der Bevölkerung den Rückhalt zu verlieren, was auch teilweise gelungen ist. Am 7. September 1964 wurde Luis Amplatz vom bezahlten Agenten Christian Kerbler auf der Brunner-MahderAlm im Schlaf erschossen und Georg Klotz angeschossen. Klotz konnte noch schwer verwundet mit Hilfe von Freunden nach Nordtirol flüchten. Die Beerdigung von Luis Amplatz wurde zu einer wahren Kundgebung mit ca. 15.000 Menschen. 1961 bei der großen Verhaftungswelle

wurden viele Südtiroler Häftlinge schwer gefoltert. Zwei davon, Franz Höfler und Toni Gostner sind an deren Folgen gestorben. Am 7. Dezember 1964 ist Sepp Kerschbaumer, der Kopf der Widerstandsbewegung (BAS), im Gefängnis von Verona an Herzversagen gestorben. Zu diesem Anlass organisierten Heimatbund und Schützenbund alljährlich am 8. Dezember in St. Pauls eine Gedenkfeier für ihn und für die im Freiheitskampf verstorbenen Mitstreiter Franz Höfler, Toni Gostner, Luis Amplatz, Georg Klotz und Kurt Welser. Diese Gedenkfeier ist im Laufe der Jahre zu einer großen Landesfeier angewachsen. 1969 wurde das Paket, die Ergebnisse der 19er Kommission, mit 52 zu 48 % von der Landesversammlung der SVP in Meran angenommen. 1972 trat dann das zweite Autonomiestatut in Kraft. Von da an herrschte Ruhe im ganzen Land; man wollte abwarten und schauen, wie sich die erweiterte Autonomie auswirkt. Da wir wesentlich mehr wirtschaftliche Kompetenzen erhalten haben - die volkstumspolitischen blieben auf der Strecke - und die Südtiroler auch tüchtig arbeiteten, setzte ein kleines Wirtschaftswunder ein, das sich mit der Zeit zu einem ansehnlichen Wohlstand entwickelte. In der Mitte der 80er Jahre hat sich eine Gruppe von angeblichen Patrioten gebildet, die sich „Ein Tirol“ nannte. Ein Teil dieser Gruppe waren Südtiroler Kriminelle, welche vom italienischen Geheimdienst angeheuert worden sind, um Anschläge zu verüben. Diese Kriminellen sind dann nach Nordtirol „geflüchtet“, haben dort um politisches Asyl angesucht und sich dann auch auftragsgemäß in patriotische Kreise eingeschlichen. Diese Gruppe hat dann ca. 40 Anschläge verübt und ist dabei so frech vorgegangen, dass sich die Südtiroler alsbald gesagt haben, da stimme etwas nicht, dass trotz der vielen Straßensperren und Bewacher nie jemand erwischt werde. Diese Anschläge haben unserer Heimat sehr geschadet. Die Jahrtausendwende ist vorübergegangen und wenn man heute die Autonomie und das Leben in Südtirol betrachtet, möchte man glauben, es sei alles in Ordnung. Sie wird auch von vielen Politikern als Modell für europäische Minderheiten hingestellt. Es hat sich auch vieles gebessert, das muss man zugeben. Aber nimmt man das „Modell“ genauer unter die Lupe, dann kommt man zur Erkenntnis, daß noch manches im Argen liegt. Seit dem Inkrafttreten des zweiten Autonomiestatutes 1972 ist z.B. der Proporz noch immer nicht restlos durchgeführt, ja in manche Sparten hat er sich sogar wieder zugunsten der Italiener verschoben. Beim geförderten Wohnbau verhält es sich so ähnlich. Die Beipackzettel sind immer noch italienisch, obwohl die Pharma-Firmen schon seit 10 Jahren gesetzlich verpflichtet wären, die Medikamente mit deutschen Beipackzetteln zu versehen. Die Steuervordrucke sind auch noch italienisch, ebenso die Zuschriften von INPS und Post. Bei der Zweisprachigkeit in den Ämtern sprechen manche italienische Beamte immer noch nicht deutsch, obwohl sie die Zweisprachigkeitszulage beziehen. Ja und die leidige Ortsnamenfrage, die deutschen Orts- und Flurbezeichnungen sind nur geduldet. Amtlichkeit besitzen immer noch die erfundenen, faschistischen Ortsnamen. Eine Schande für die Südtiroler Landesregierung, nachdem das Land die Kompetenz zur Abschaffung der faschistischen Dekrete hat. Die deutsche Schule, bisher eine Säule der Autonomie, wird auch immer mehr untergraben. Jetzt will man den Italienischunterricht in die erste Klasse Grundschule vorverlegen, obwohl

dies im Autonomiestatut erst ab der zweiten oder dritten Klasse vorgesehen ist. Immersionsmodelle laufen auch schon seit einiger Zeit, allerdings nicht offiziell, aber geduldet. Ebenso das spielerische Erlernen der italienischen Sprache im Kindergarten. Alles läuft auf die gemischtsprachige Schule hinaus, trotz großspuriger Beteuerungen von SVP-Obmann Brugger, dass die deutsche Schule unangetastet bleibe. Das Erlernen der italienischen Sprache ist für die Südtiroler selbstverständlich eine sehr wichtige Sache, aber alles zur richtigen Zeit und nicht in dem Alter, wo das Kind nicht einmal die Muttersprache richtig beherrscht. Das sind nur einige Schwachstellen unserer Autonomie, es gibt deren noch genug, vor allem volkstumspolitische. Es ist erschreckend mitzuerleben, wie die Südtiroler Volkspartei zu einem Verwaltungs- und Geldverteilungsapparat herabgesunken ist. Gerade sie, die 1945 zum Schutz der Tiroler Eigenart südlich des Brenners mit der Forderung nach Selbstbestimmung gegründet wurde, hat ihren Auftrag verraten und arrangiert sich mit Rom. Als Dr. Magnago noch Landeshauptmann und SVP-Obmann war, hat er zu uns Selbstbestimmungsvertretern öfters gesagt: „Wenn jemand die Selbstbestimmung verlangt, dann ist es die SVP. Aber noch ist die Zeit dafür nicht reif.“ Vor zwei Jahren, als die Memoiren vom verstorbenen ehemaligen Innenminister Taviani bekannt wurden, kam auch der Grund auf, warum die Zeit für die Selbstbestimmung nie reif war: Dr. Magnago hat in den 60er Jahren bei einem Rombesuch versprochen, die Selbstbestimmungsbewegung in Südtirol zu bekämpfen und sie für Südtirol nicht zu fordern! Wenn man die heutige politische Linie der SVP genau unter die Lupe nimmt, dann muss man sagen, etwas stimmt auch heute nicht. Denn wenn die größte Partei des Landes, welche vorgibt, eine Volksgruppe zu vertreten, die nach wie vor stark durch die Assimilierung bedroht ist und ständig um die Erhaltung ihrer Tiroler Eigenart kämpfen muss, ein ausgezeichnetes Verhältnis zu den italienischen Regierungen hat, dann muss irgendwo etwas faul sein! Ich zitiere eine Aussage der österreichischen Außenministerin Ferrero-Waldner, welche im Buch vom Prof. Warasin auf Seite 182 abgedruckt ist: „Was sich darin deutlich spiegelt, ist nicht zuletzt auch ein ausgezeichnetes Verhältnis zwischen Bozen und Rom, ein hohes Maß an Vertrauen zwischen den politischen Vertretern Südtirols und den jeweiligen Regierungen und dem römischen Parlament.“ Für den Südtiroler Heimatbund ist die heutige Autonomie nur eine Übergangslösung, denn auf die Dauer ist sie niemals imstande, unsere Tiroler Eigenart zu schützen. Die einzige gerechte Lösung ist nach wie vor das Selbstbestimmungsrecht: die Südtiroler sollen endlich frei entscheiden können, zu welchem Staat sie gehören wollen. Der verstorbene Südtirol-Freund und international anerkannte Völkerrechtler Felix Ermacora hat vor ca. 15 Jahren im Grieser Kulturheim bei einer Veranstaltung gesagt: „Keine Macht der Erde kann einem Volk auf die Dauer die Selbstbestimmung verweigern, auch Italien den Südtirolern nicht. Aber wollen und verlangen muss man sie!“ Ahrntal, im Juli 2003 Sepp Mitterhofer Obmann des Südtiroler Heimatbundes die Bundesleitung

Geleitwort
Viele werden erstaunt sein, dass der Südtiroler Heimatbund ausgerechnet dieses Fälschungswerk Ettore Tolomeis nachdrucken und verbreiten lässt. Ich halte dies jedoch für eine ausgezeichnete Idee und danke dem Heimatbund dafür. Fast jede Südtirolerin, jeder Südtiroler wird in diesem Buch den eigenen Familiennamen finden und kann so nachvollziehen, welches Verbrechen in der Faschistenzeit an den eigenen Vorfahren verübt worden ist. Seit urdenklichen Zeiten bedient sich der Mensch des Namens, um sich in der Gemeinschaft von anderen zu unterscheiden. Der Name ist aber nicht nur reine Kennzeichnung, sondern er verleiht unwiederholbare Identität, man behält ihn ein Leben lang. Wird der Name angegriffen, so werden Ehre und Würde verletzt. Es kommt einer Erniedrigung und Demütigung gleich. In der Bibel wird die Namengebung sogar mit Besitzanspruch verbunden: „Ich habe dich beim Namen gerufen, du gehörst mir.“ Name verpflichtet! Der Jerusalemer Weisheitslehrer Jesus Sirach erkannte schon vor zwei Jahrtausenden: „Das Gut des Lebens währt zählbare Tage, das Gut des Namens unzählige Tage!“ In der Zeit der faschistischen Unterdrückung vergriff man sich nicht nur an den Orts- und Flurnamen, sondern auch an den persönlichen Namen. Tolomei und seine Schergen erkannten, dass sich mit der erzwungenen Veränderung des Namens ein wichtiges Stück Persönlichkeit wandeln ließ. Man konnte dem Namensträger einen Teil seines Selbstbewusstseins und seiner Selbstsicherheit nehmen. Es war also gezielte Entwurzelungstaktik, barbarische Schändung intimster Werte, mit der Absicht, jedem einzelnen seine Identität, sein Selbstbewusstsein und Selbstverständnis zu nehmen! Die Auslöschung von Namen, deren willkürliche Übersetzung oder Ersetzung durch Schreibtischkonstruktionen, die mit der geschichtlich-kulturellen Entwicklung des Siedlungsraumes und Siedlungsvolkes nichts zu tun haben, ist und bleibt ein Akt geistig-kultureller Vergewaltigung und Barbarei. Wie kam es zu dieser Schändung intimster Werte in Südtirol? Mit List und Tücke, gegen jedes Recht und jede Moral hatte Italien 1918 den südlichen Teil Tirols in seine Gewalt gebracht. Den faschistischen Machthabern ging es darum, dieses Land auf ewig zu behalten und es fest an Italien zu binden. Dem stand die Tatsache entgegen, dass es sich nicht um italienisches, sondern um deutsches und zu einem kleineren Teil ladinisches Siedlungs- und Kulturland handelte, mit anderen Sitten und Bräuchen, einer anderen Sprache und Geschichte. Italien konnte keinerlei Ansprüche auf den Süden Tirols geltend machen. Also musste man solche erfinden, um die Weltöffentlichkeit zu täuschen. Man zog dem Land und Volk gewaltsam

ein italienisches Kleid über: nicht nur den Orten und Fluren verpasste man italienisch klingende Namen, sondern auch den Menschen! Ettore Tolomei hieß der Erfinder dieser Falschnamen, mit welchen er langfristig die Identität der Tiroler südlich des Brenners verändern wollte. Zu diesem Zweck übersetzte oder erfand er über 8000 italienisch klingende Orts-, und rund 6000 Familiennamen und setzte sie an die Stelle der seit Alters her gebräuchlichen. Das bedeutet, dass mehr oder weniger alle in Südtirol seit Jahrhunderten gewachsenen Namen ausradiert und die Bevölkerung ihrer wahren Identität beraubt werden sollten, um den Anspruch Italiens auf dieses Land zu rechtfertigen. Als die Faschisten an die Macht kamen, erklärten sie Tolomeis Italienisierungsprogramm zum offiziellen Regierungsprogramm. Dann ging es Schlag auf Schlag. Das im Juli 1923 von Tolomei in Bozen in Mussolinis Namen verkündete Italienisierungsprogramm sah nicht nur die Einführung der italienischen Amtssprache, das Verbot der deutschen Schulen und Aufschriften vor, sondern auch die Italienisierung der Orts- und Straßennamen, sowie der deutschen Familiennamen (Punkt 16). Tolomei nannte diese Maßnahme „Rückführung oder Wiederherstellung“ von Namen römischer Herkunft, die im Laufe der Zeit nur „verstümmelt und verunstaltet“, also germanisiert worden seien. Sein ganzes Namensfälschungswerk beruht auf verbrecherischer Geschichtsfälschung. Der Begleittext zur vorliegenden Sammlung „Altoatesinischer Familiennamen“ ist erschütterndes Zeugnis dieser dreisten Vergewaltigung. Der Identitätsraub durch Fälschung der Namen war das brutalste, aber auch wirksamste Mittel, den ergaunerten Kulturraum Südtirol geistig zu verfälschen und ihm seine Seele zu nehmen, denn die Namen, auch die Ortsund Flurnamen, sind tief in der Muttersprache verwurzelt und geben den Personen, aber auch einer Landschaft erst Identität und kulturelle Zuordnung. Mit der Fälschung und Schändung der Namen wurde jeder Hinweis auf die jahrhundertelange Zugehörigkeit zu Tirol und zum deutschen Sprach- und Kulturraum ausgelöscht. Das Recht auf den eigenen Namen gehört nicht nur zu den selbstverständlichen Naturrechten, sondern auch zu den inzwischen von der internationalen Staatengemeinschaft anerkannten grundlegenden Menschenrechten. Deshalb gilt als oberstes Gebot, dass Namen nicht übersetzt oder durch willkürlich erfundene ersetzt werden dürfen. Das gilt auch für die Ortsnamen: Nur die geschichtlich gewordenen, natürlich gewachsenen dürfen amtliche Gültigkeit haben. Nach dem Ende der faschistischen Diktatur gelang die Rückeroberung des alten persönlichen Namengutes. Mit einfachem Verwaltungsakt konnten die Südtiroler ihre Vor- und Nachnamen, also Familiennamen in ihrer ursprünglichen Fassung zurückgewinnen. Nicht so die Orts- und Flurnamen: bis heute sind amtlich nur die gefälschten Schandnamen gültig, und dies fast 60 Jahre nach dem offiziellen Ende des Faschismus! Eva Klotz

Zum Nachdruck
Ettore Tolomei ist uns allen kein Unbekannter. Sein Geist begegnet uns tagtäglich landauf landab in Südtirol, und zwar in der Ortsnamengebung. Was aber vielleicht schon so mancher unserer Landsleute nicht mehr wissen dürfte: Ettore Tolomei hat nicht nur Südtirols Ortsnamen, sondern auch sämtliche Südtiroler Familiennamen italianisiert! Der Sinn und Zweck seiner Aktion waren in beiden Fällen der Gleiche: Tirol südlich des Brenners, westlich von Arnbach und nördlich der Salurner Klause sollte flächendeckend mit einem Firnis der Italianität überzogen werden. Nur so konnte vor aller Welt glaubhaft gemacht werden, dieser Teil Tirols, dem Tolomei die Etikette “Alto Adige”, also “Hochetsch” verpasste, sei bis in den letzten Winkel kontinuierlich seit der Römerzeit von den Romanen und deren direkten Nachfahren, den Italienern, besiedelt. Nur so konnte der territoriale Anspruch auf das “Hochetsch” durch Italien auch noch unter dem Deckmantel der Wissenschaft begründet werden. Tolomeis Fantasienamen für alle erdenklich entlegenen Orte Südtirols wurden mit drei faschistischen Dekreten zum Gesetz: 1923, 1940 und 1942. Der amtliche Gebrauch der deutschen und ladinischen Ortsnamen wurde gleichzeitig verboten. An diesem Zustand hat sich bis heute de iure nichts geändert. De facto ist es zwar so, dass seit 1943 neben den pseudoitalienischen (über 8000) und echten italienischen Ortsnamen (nach dem neuesten Forschungsstand sind dies über 200) auch die deutschen und ladinischen Ortsnamen amtlich gebraucht werden, amtlich verbindlich ist deren Gebrauch aber nicht. Über den Gebrauch der deutschen Namen belehrt uns auch der Artikel 101 des Autonomiestatuts für die Region Trentino-Südtirol: “In der Provinz Bozen müssen die öffentlichen Verwaltungen gegenüber den deutschsprachigen Bürgern auch die deutschen Ortsnamen verwenden, wenn ein Landesgesetz ihr Vorhandensein festgestellt und die Bezeichnung genehmigt hat.” Laut diesem Artikel müssen also in erster Linie die “italienischen” Ortsnamen verwendet werden, ohne dass man sich überhaupt festlegt, was mit “italienisch” gemeint ist. Erst in einem zweiten Schritt dürfen neben den “italienischen” Ortsnamen auch die deutschen Ortsnamen verwendet werden, dies jedoch erst dann, nachdem diese durch ein Landesgesetz festgestellt und genehmigt worden sind. Tatsache ist, dass seit 1972 immer noch kein Landesgesetz geschaffen worden ist, das die Amtlichkeit der deutschen Ortsnamen festgestellt und genehmigt hat, geschweige denn eines, das die tolomeisch-faschistischen, also pseudoitalienischen Ortsnamen aus dem amtlichen Gebrauch entfernt hätte. Im Klartext heißt dies, dass einzig und allein die “italienischen” (d. h. die tolomeisch-faschistischen und italienischen) Namen amtlich gültig sind, und dass die Verwendung der deutschen Namen zwar gang und gäbe ist, aber in keinem Landesgesetz verankert ist. Während also die tolomeisch-faschistische Ortsnamengebung noch immer Gesetz und somit Gegenwart ist, ist die tolomeisch-faschistische Familiennamengebung Geschichte. Zur Umsetzung der tolomeisch-faschistischen Familiennamengebung ist es aufgrund der Option nur mehr zum Teil gekommen. Außerdem, und das ist das Ausschlaggebende, wird mit Absatz

1, Buchstabe b des Pariser Vertrages von 1946 den deutschsprachigen Einwohnern der Provinz Bozen und der benachbarten zweisprachigen Gemeinden der Provinz Trient das Recht zuerkannt, “die deutschen Familiennamen wieder zu erwerben, die im Laufe der vergangenen Jahre italianisiert wurden”. Eine entsprechende Stelle, die auch die Wiederherstellung der italianisierten Ortsnamen vorsieht, suchen wir sowohl im Pariser Vertrag als auch im Autonomiestatut vergebens. Dabei sind Familienname und Ortsname ihrem Wesen und ihrer Funktion nach ein- und dasselbe. Beide bezeichnen etwas Individuelles, etwas Einzigartiges, etwas Eigenes, daher auch der Begriff Eigenname. Namen, und somit nicht nur Ortsnamen und Nachnamen, sondern auch Vornamen, schaffen Identität und Heimat. Sie erzählen uns viel über die Sprache eines Landes, über die Eigentümlichkeit der Völker. Eigennamen haben einen hohen emotionalen und symbolischen Wert. Jede willkürliche Veränderung eines Namens kommt einer Geschichtsfälschung und einer kulturellen Vergewaltigung gleich und bedeutet die Entwürdigung des Ortes oder der Person, die davon betroffen sind. Ettore Tolomei, der Erfinder des “Alto Adige”, wusste über diese besondere Funktion der Namen bestens Bescheid, und diese hat er gezielt für seine Zwecke missbraucht. Durch seine schier zahllosen Namenfälschungen nahm er jeder Örtlichkeit und jedem Individuum ihre eigene Geschichte, ihre eigene Identität, die bloß nicht zu deutsch anmuten durften, und hauchte ihnen eine fremde, italienisch anmutende Seele ein. In Bezug auf die Ortsnamengebung ist das vom Faschismus eingeführte Unrecht immer noch Recht, in Bezug auf die Familiennamengebung ist den Südtirolern Gerechtigkeit widerfahren. Zum hier vorliegenden Nachdruck des Buches “La Restituzione del cognome Atesino” – “Elenco dei Cognomi dell’Alto Adige” [Die Wiederherstellung des Etschländer Familiennamens – Verzeichnis über die Familiennamen des Hochetsch], das aus dem Jahr 1936 stammt, gibt es das Pendant “Prontuario dei nomi locali dell’Alto Adige”, also das Handbuch der Ortsnamen des Hochetsch, und dieses stammt aus dem Jahr 1935. Der Autor ist freilich in beiden Fällen derselbe: Ettore Tolomei. Im Gegensatz zum Verzeichnis über die Familiennamen ist das Handbuch der Ortsnamen bis heute immer noch das einzig gesetzlich verbindliche Namenbuch in Südtirol. Wenn der Leser nun durch das Verzeichnis der Familiennamen blättert, mag er sich vielleicht lustig machen, wenn er erfährt, wie absurd sein Familienname Tolomeis Fantasie zufolge gelautet hätte. Gleichzeitig sollte sich der Benutzer dieses Nachdruckes aber vor Augen halten, dass der Ort oder zumindest der Ortsteil, in dem er lebt, wahrscheinlich ja immer noch einen absurden Namen trägt. Dem Familiennamen Durnwalder würde laut Tolomei ein “italienisches” Durna entsprechen: Der Weiler Durnwald in Gsies heißt heute amtlich aber immer noch Durna. Dem Familiennamen Kollmann würde ein tolomeisches Colmano entsprechen. Aber der Ort Kollmann hat ja immer noch einen tolomeischen Namen: Colma. Den Familiennamen Rieder hat Tolomei zu Dalnovale, Novali italianisiert, genauso wie er die vielen Orte, die Ried lauten, zu Novale italianisiert hat. Im Unterschied zu Dalnovale, Novali sind aber die vielen absurden Novale-Namen immer noch amtlich! Zum besseren Verständnis wurde der einleitende Text, der ebenfalls von Tolomei persönlich

stammt, ins Deutsche übersetzt. Das darin genannte “Istituto di studi per l’Alto Adige” und die dazugehörige Zeitschrift “Archivo per l’Alto Adige” gibt es noch heute. Es darf nicht verwundern, wenn das Institut und die Zeitschrift, die ja beide von Tolomei gegründet wurden, heute von Florenz aus manchmal immer noch ihr nationalistisches Unwesen treiben, und dies nach einer altbewährten Methode: Unter dem Deckmantel der Wissenschaft. Gerne wird in diesen Kreisen auch heute noch dahingehend argumentiert, als seien viele der lateinischen Namen im Zuge der Eindeutschung des Tiroler Raumes von den Germanen übersetzt, verstümmelt und entstellt worden, und Tolomei habe ihnen lediglich ihre italienische Form zurückgegeben. Die Argumente dieses Instituts und dieser Zeitschrift sind also fadenscheinig wie seit je. Dass aber ein Unterschied besteht zwischen natürlicher Namengebung, die also vom Volk ausgeht und sprachwissenschaftlich und siedlungsgeschichtlich lückenlos nachvollziehbar ist, und widernatürlicher Namengebung, die aus imperialistischen Überlegungen heraus vom Schreibtisch aus erfolgt und jeder historischen und sprachlichen, ja geschweige denn ethischen Grundlage entbehrt, wird tunlichst verschwiegen. Wenn schon von Verstümmelung die Rede ist, dann sind es just Tolomeis Namen, die eine Verstümmelung darstellen. Mit der viel zitierten Wissenschaft und Richtigkeit oder gar “Läuterung” hat dies nichts zu tun. Angefangen bei “Alto Adige”: Was hat “Alto Adige” (Hochetsch) mit Tirol oder Südtirol zu tun? Weiter über Durnwalder und Durnwald: Stellen “Durna” und “Selva in Durna” wirklich eine italienische Übersetzung oder Übertragung dar? Bis hin zu weiteren Namen wie Weißenbacher und Weißensteiner: Wie können solche Namen, die eindeutig germanischer Herkunft sind, überhaupt in eine “italienische” Form zurückgeführt werden? Tolomei maßt sich an zu behaupten, dass sämtliche Rückführungen weder widersprüchlich, noch fehlerhaft, sondern durchwegs gerechtfertigt, korrekt und gar dokumentiert seien. Man muss sich schon fragen: Wo außerhalb des Verzeichnisses sind all die Familiennamen in der von Tolomei “rückgeführten” Form dokumentiert? Um zusätzliche Überzeugungsarbeit leisten zu wollen, beruft sich Tolomei auf Sprachgelehrte, die ausschließlich aus dem deutschen Sprachraum stammen. Aber auch an dieser Stelle muss Folgendes gesagt werden: Im italienischen Sprachraum hatte man sich mit der wissenschaftlichen Seite der Namengebung in Südtirol gar nie seriös beschäftigt. Daher hätte es gar keinen italienischen Wissenschaftler gegeben, auf den sich Tolomei hätte berufen können. Zudem tut Tolomei so, als sei der damalige wissenschaftliche Stand der Namenkunde endgültig und unwiderlegbar. Dem ist freilich nicht so. Die Wissenschaft hat sich seit Tolomei weiterentwickelt. So hat sich beispielsweise herausgestellt, dass der Name Willeit keineswegs von lat. biliêtum “Ansammlung von Baumstämmen” stammt, sondern von lat. ovîlêtum “Schafstall”. Um so peinlicher und wenn man so will, in der Tat “verstümmelter” sind dann freilich die tolomeische Form Bedolé und Betulleto. Alles in allem: Das Verzeichnis möge zum Schmunzeln, aber Familiennamen sind das Eine, Ortsnamen sind das Andere. In beiden Fällen haben wir es aber mit Eigennamen zu tun, die historisch gewachsen sind, heimat- und identitätsstiftend sind, und die nicht vom Schreibtisch aus manipuliert werden dürfen. Cristian Kollmann

Die Wiederherstellung der Familiennamen im Hochetsch
Die Wiederherstellung der Familiennamen in den annektierten Provinzen ist Staatsgesetz. In Julisch Venetien ist sie schon fast abgeschlossen, im Hochetsch wird sie demnächst durchgeführt. Das “Istituto di studi per l’Alto Adige” [= Institut für Hochetschstudien] hat die Lieferung des Verzeichnisses übernommen. Nachdem das Verzeichnis in drei aufeinanderfolgenden Heften des “Archivio per l’Alto Adige” [= Archiv für das Hochetsch] publiziert wurde, wird es nunmehr in einem einzigen Band vorgestellt. Es muss wohl nicht gesagt werden, dass die italienischen Familiennamen gänzlich weggelassen wurden: die zahlreichen italienischen Familiennamen im Hochetsch. Das Verzeichnis beinhaltet die Familiennamen lateinischer Herkunft, die germanisiert und verstümmelt wurden, und die in die italienische Form zurückkehren. Erforderlich ist auch die Rückführung in die italienische Form jener Namen, die germanischer Herkunft sind. In diesem Verzeichnis wird sie angeboten. Bei dem vorliegenden Werk handelt es sich nicht um eine familiennamenkundliche Studie – diese wird an anderer Stelle durchgeführt werden –, sondern um ein praktisches Handbuch, dass den Behörden und den Familien dienen soll, das Gesetz zu erfüllen und spontane Fragen zu beantworten. Das Verzeichnis, das in fünf Spalten angelegt ist, beinhaltet: 1. Den Familiennamen, wie er aus den Registern der Gemeinden hervorgeht. 2. Die jeweilige Gemeinde oder die jeweiligen Gemeinden des Hochetsch, in denen der Familienname verbreitet ist. 3. Einen Hinweis auf die Überlieferung, anhand derer die genaue Wiederherstellung oder Übertragung gemacht wurde. 4. Die Anmerkungen für den Fall, dass das eine oder andere Etymon fraglich ist oder mehrere Etyma möglich sind. 5. Die vorgeschlagene Form. Oft werden mehrere unterschiedliche Formen angeboten – alle sind gerechtfertigt –, aus denen die Familie, die gedenkt, den Namen zurückzuführen, frei wählen kann. Es muss wohl nicht hinzugefügt werden, dass das von der faschistischen Regierung geschaffene Gesetz zur Wiederherstellung der Familiennamen in den annektierten Gebieten frei von jeglichem falsch zu interpretierenden Ansatz ist, wenn man an die deutsche oder slawische Nation denkt, die in unseren benachbarten und mit uns befreundeten Staaten die absolute Mehrheit bilden. Es handelt sich wie gesagt um die richtige Wiedergabe des lateinischen Etymons, und zwar in korrekter italienischer Form oder in einer freien Übertragung. Mit der Lieferung dieses Verzeichnisses sorgt das Institut dafür, dass die Rückführungen

Herausgeber:
Südtiroler Heimatbund www.suedtiroler-freiheitskampf.net

Druck:
Druckerei Hauger-Fritz, Meran Die Seiten der Namen entsprechen dem Original aus dem Jahre 1936

August 2003