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Schlafzimmerblicke aus Oxford

# 159
April 2008

0,00 €
www.intro.de

Wien Special Blood Red Shoes Be Kind, Rewind Carl Craig Fleisch ist mein Gemüse
Küsse am Praterstern Zwischen Grunge und Bristol Gondry dreht nach Endstation: Detroit Heinz Strunk isst fremd

Schlafzimmerblicke aus Oxford


Alle Produkte und Firmennamen sind Handelsmarken ihrer jeweiligen Eigentümer. Sony Ericsson nutzt diese ausschließlich als Lizenznehmer. © 2008 Sony Ericsson Mobile Communications AB. Alle Rechte vorbehalten.
Stand: Januar 2008 – Änderungen und Irrtümer vorbehalten. * Die Anzahl der Songs basiert auf der Annahme, dass die Songs im eAAc+-Format vorliegen, ca. 1 MB pro Song.

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Ansage No. 159 003

008 + 048
Wien Special
ANSAGE NO.159
»Baba! Bei einem Wien-Spezialheft muss man die Leser mit Baba begrüßen«,
flötet Mode- und Bildredakteurin Amelie Schneider ins Ohr. »Ja klar, wird
gemacht«, bekommt die reizende Mozartkugel zugeraunt, während es in
Gedanken bereits heißt: »Auf keinen Fall!« Auf keinen Fall »Baba«, denn auf den
nächsten Seiten, ihr werdet es sehen, schmeißen wir uns noch aufwendig genug
an die befreundete Kettenraucher-Republik und speziell an Wien ran. Warum
auch nicht? Neben den üblichen Klischees von Architektur, Sahne, Berg, Ruhe,
Todessehnsucht fand sich so viel Berichtenswertes mehr, dass wir gern einen
ganzen Indie-Kultur-Reiseführer herausgegeben hätten. Doch dann hätten
wir ja all die Nicht-Ö-Acts wie Foals, den dicken Rummelsnuff oder Carl Craig
herauslassen müssen. Wäre ebenfalls zu schade gewesen. Insofern passt schon
alles, wie es ist. Und nun also viel Spaß beim hochverdichteten Wien-Special – und
dem ganzen tollen Kram drum rum. Und, okay: Baba!
Kommando zurück. Eins hätten wir doch glatt vergessen: Am 25.03. geht unsere
beliebte Website www.intro.de komplett erneuert an den Start.

Liebe Grüße aus der Kölner Redaktion


004 Inhalt

MONITOR
028 006
Mit

006 Wien Special: FM4


008 Neulich
010 Monitor mit u. a. Rummelsnuff, Blackmail, Smoke Blow, Kenna, Moby, Tegan
And Sara, Motorpsycho, The Kooks
018 Impressum

MUSIK
024

024 024 Foals


Foals 028 Mit / Dillon
032 Blood Red Shoes
036 The Teenagers
038 Navel
040 Calvin Harris
042 Carl Craig

WIEN SPECIAL
048

048 Wien, das geht mit Schoenwetter, Wohnzimmer, Geco Tonwaren &
Hoanzl, Klein, Diskokaine, G-Stone / Ja, Panik
052 Essen mit Austrofred, Tex Rubinowitz und Thomas Edlinger
054 Servicestrecke
056 Mode Shortcuts
060 Produktpalette

MODE
062
042
Carl Craig 062 Markentreffen
063 Brands4Frieds

WEITER
060

064 Film: Michel Gondry: Be Kind Rewind / 54. Intern. Kurzfilmtage Oberhausen
068 Film: Falco / Verdammt, wir leben noch
069 Film: Film-ABC für Österreich
070 Film: Heinz Strunk / Fleisch ist mein Gemüse
072 Neue Filme
068 076 Neue DVDs
Falco 080 Neue Literatur
082 Neue Spiele
086 Neue Technik

PROBEFAHRT
089

089 Charts / Spalter


090 Platten vor Gericht
092 Neue Alben und DVDs

DAS GEHT
128 113
Festivalguide

113 Da geht’s
118 Heimspiel
122 Intro Intim
124 Intro empfiehlt
125 Das geht
128 Festivalguide
130 Katz & Goldt / All The Next
Coca-Cola, Coke und die Konturflasche sind eingetragene Schutzmarken der The Coca-Cola Company. Coca-Cola ist koffeinhaltig.

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006 Wien Special: Monitor
Foto: Holger Risse
Wien Special: Monitor 007

INDIE FUNKT
FM4

In Deutschland will man ja gleich seinen Therapeuten an-


rufen, wenn das Wort auf die Radiolandschaft kommt. Zu
deprimierend waren zuletzt die News aus dem Äther. Da
wird allerorts an Ambitionen nicht nur gegeizt, sondern
auch gekürzt. So ist der Zündfunk unter Dauerbeschuss,
stellte der Hessische Rundfunk vor zwei Jahren diverse
Sendungen ein bzw. gestaltet um, und auch beim West-
deutschen Rundfunk wird nicht auf die Macht des Wor-
tes vertraut, wie ganz aktuell die Diskussionen um die Zu-
kunft von WDR3 zeigen.
Ganz anders die Situation in Wien mit FM4. Seit nunmehr
15 Jahren wird hier mit viel Leidenschaft und Fachkom-
petenz und im Auftrag des ORF ein Programm gestrickt,
das in Nischen agiert, dies aber vielseitig und offen tut.
Angenehmer Nebeneffekt: Man hört kein Wehklagen we-
gen Überalterung oder ähnliche Lieblingsthemen der deut-
schen Senderchefs: Wo bei uns Jugendradio meint, dass
alle über 30 gemobbt werden, werden die Promopäckchen
in Wien noch mit 60 und einem fetten Grinsen im Gesicht
aufgerissen. Diese spürbare Euphorie (auch der jünge-
ren Moderatoren- und Redakteurschaft) merkt man dem
Programm an – und das macht den Sender so wichtig für
die österreichische Indieszene: FM4 stärkt das Selbst-
verständnis der lokalen Szene, ist Meinungsmacher und
durch die mannigfaltigen Tätigkeiten der Macher (also
Produzenten, DJs, Autoren ...) zugleich auch Teil davon.
Also so was wie Intro, nur im Äther.
Besonders empfohlen sei noch das “Sumpf”-Format mit
seinem John-Peel-Status und den legendären Typen Fritz
Ostermayer und Thomas Edlinger (siehe “Essen mit” in
dieser Ausgabe).
Überhaupt: Unser Wien-Special startet auf Seite 48.
008 Neulich

By:Larm, 21.02., N-Oslo, 22:08 Uhr: Alle


Osloer Szene-Clubs und -Gänger sind
voll – das By:Larm hat in Skandinavien
eine Art Völkerwanderung ausgelöst.
Typen mit Metal-Mähne dreschen auf
Elektrogerätschaften ein, hübsche
Mädchen mit Band üben Ausdruckstanz,
und es wird auf Norwegisch gerappt.
Amüsant? Allemal. Nächstes Mal wieder
gerne, Infos unter www.bylarm.no.

NEULICH:
Smashing Pumpkins, 22.02.,
Frankfurt, Jahrhunderthalle,
21:13 Uhr: Großartige Songs
werden niemals vergehen. Doch
wenn eine der größten Bands
der 90er-Jahre plötzlich vor
halbleeren Hallen spielt, hat man
auch als Besucher das Gefühl,
dramatisch gealtert zu sein.
Foto: Reiner Pfisterer

Band Of Horses, 02.03., Hamburg, Knust, 22:23 Uhr: »Is there


a ghost in my Stromkreis?« fragt sich hinten der Best Boy in
Lauerstellung. Offenbar ja, denn kurz nach diesem Foto kam sein
großer Auftritt bei der Behebung technischer Bühnenprobleme.
Davor und danach: ein souveräner Auftritt von Band Of Horses vor
ausverkauftem Haus. Foto: Jann Wilken
Myyy Bitch Club, 23.02., A-Wien, Laderaum im Badeschiff,
03:50 Uhr: Underaged und overdressed: Fancy Footwork ist
Geschichte. Den New Rave Dance-Contest bestritten die
Einheimischen zu Madonnas »Like A Prayer« und »Short Dick Man«
von 20 Fingers. Schön hier. Im Taxi auf der Heimfahrt läuft Mozarts
Klavierkonzert Nr. 23. Das Adagio. Einfach gefahren werden. Der
perfekte Soundtrack zur erhabenen Kulisse. Foto: Jasmin Baltres

Hobnox Evolution-Party, 28.02., Berlin, Tresor, 23:25 Uhr: Kick-


off-Veranstaltung für das interaktive Portal www.hobnox.com. Die
Preisverleihung (es gab insgesamt 75.000 Euro in drei Kategorien)
war so was wie der Oscar für Raucher, Styler und Post-Slacker.
Hysterie inklusive, zudem hatte man auch Calvin Harris auf der 98./99./20. JULI 2008 FERROPOLIS
Bühne. Mehr Start-up-Stardom an einem Abend? Kaum denkbar.
Foto: Arne Sattler
Alter Ego | Battles | Björk | Bonde do Role | Booka Shade
Boys Noize | Burger/Voigt | Cobblestone Jazz | The Count &
Sinden live | Crookers | Daniel Haaksmann | dEUS | Die Türen
Does It Offend You, Yeah? | Editors | Efdemin | Ellen Allien
Fotos | Franz Ferdinand | Friendly Fires | Fujiya & Miyagi
Gui Boratto | Gus Gus live | Hercules And Love Affair | Hot Chip
Jack Penate | Kate Nash | Kissy Sell Out live | Klee | Ladyhawke
Len Faki | Mathew Jonson | Miss Platnum | The Mitchell
Brothers | Miss Kittin & The Hacker | Modeselektor | Mr. Oizo
Operator Please | PeterLicht | Renato Ratier | Sascha Funke
Stereo MCs | Supermayer | Róisín Murphy | The Teenagers
Tobias Thomas | Tomas Andersson | Turbostaat | Uffie & Feadz
The Whitest Boy Alive | The Wombats | Zoot Woman u. v. a.

WWW.MELTFESTIVAL.DE
EIN FEST VON UNTERSTÜTZT VON
010 Monitor

The Kooks

LOVE, LOVE, LOVE!


I ch habe es nicht nachgezählt, aber das Wort
»Love« findet auf eurem Album gefühlte
236 Mal Erwähnung. Und trotzdem heißt es
»Konk« – was nach Space-Saga oder Prog-
rock-Album klingt, aber auch der Name eures Studios
– da redet man eigentlich von Erfolgsdruck. Aber
»Konk« klingt so locker aus der Hüfte gespielt, als
hättet ihr es von der ersten bis zur letzten Sekunde
geliebt, im Studio zu sein. War dem so? Klar, Mann! Ich
habe es verdammt noch mal geliebt! Worauf willst du hi-
sent auf »Konk«. In »Stormy Weather« singst du sogar
»It feels like love, love, love« – ist das nicht manchmal
ein wenig too much? Nö. Die Liebe ist schließlich eines
der großen Themen der Popgeschichte. Es gibt doch
schon genug selbstgefälliges Gewimmere, so langwei-
(das den Kinks bzw. Ray Davies gehört) ist. Wie kamt naus? Im Studio zu sein, eigene Musik zu machen – das lige Scheiße, bei der man laut schreien möchte. Wobei
ihr auf die Idee, diesen Namen so durchzuziehen? Luke ist doch nicht wirklich harte Arbeit. Das ist die absolut natürlich auch depressive Songs schön sein können
Pritchard: Ich mochte die Alliterationen, die das Wort mit geilste Sache, mit der man sein Geld verdienen kann! – aber das muss man können, und das können viele
sich brachte: Kooks, Konk, Kinks. Wir saßen rum, hatten Na ja, es gibt Bands, die erzählen das anders ... Da Bands heutzutage nicht. Für mich soll Popmusik den
ein paar Bier (zu viel), diskutierten drüber und plötzlich gibt’s schon mal Druck von der Plattenfirma, Erwar- Leuten Spaß machen. Sie soll aufmuntern, mitreißen –
sagte Hugh: »Lass es uns Konk nennen.« Worauf wir rie- tungshaltungen der Fachpresse, blablabla ... Hör mal wie unser Album. Die Leute sollen sich dazu verlieben –
fen: »Fick dich!« Aber dann spielten wir mit dem Wort – wir sind nur vier Kids, die es lieben, Musik zu machen. ach was, sie sollen es hören, während sie sich lieben!
rum, gewöhnten uns an den Klang und fanden Gefallen Es ist nicht unser verdammter Job, bei der Emi Arbeits- Interview: Daniel Koch
dran. Da steckt natürlich kein wildes Konzept hinter – plätze zu retten. Klar, vielleicht läuft es darauf hinaus –
hat sich also was mit Progrock. aber das hat uns doch nicht zu interessieren, oder? The Kooks »Konk« (CD // Virgin / Emi // VÖ 11.04.). Auf intro.de:
Zweites Album nach so einem Karriere-Traumstart Ich sagte es schon: Das Wort »Love« ist fast überprä- Verlosung. Live in Deutschland vom 17.-22.06.

Super-Indie-Nerd, dich liebt wer!


Oli Ferreira und René Roggmann sind circa die langsamsten Comic’n’Pop-Nerds der
Stadt, ihre Stadt ist dabei Hamburg – und nur weil die Bandverweise der ältesten
Panels mitunter hoffnungslos datet sind, sind sie noch lange nicht schlecht. In »Da-
niel & Oleg« (Zwerchfell, EUR 10) haben sie in jedem Fall die Abenteuer von ihren
schwindsüchtigen Post-Loser-Typen, die eher Slacker als prekär sind, gesammelt. Der
Vorlauf zur abgebildeten Geschichte ist übrigens, dass der lange Typ zu seinem Indie-
Schrecken erfahren hat, seine Freundin könne sich Sex mit Rollins vorstellen.
Monitor 011

Neu auf intro.de


Neue Videos und Audiofiles von
Jamie Lidell, Gnarls Barkley, The Kooks,
Adam Green, Operator Please, Calvin
Harris, Foals, R.E.M., Nada Surf und vie-
len mehr. Täglich.

CUSTOMIZE Moby
Exklusiv: Moby redet über Politik, den
anstehenden Machtwechsel im Wei-

MY COVER
ßen Haus und darüber, dass die meisten
Amerikaner lieber Popstars im Oval Of-
fice sähen als irgendwelche Politiker. Au-
ßerdem exklusive Interviews mit Gold-
frapp, Los Campesinos!, Mando Diao, Ju-

DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK stice, Stephen Malkmus & The Jicks so-
wie Lang-Versionen der Heft-Interviews.
www.intro.de/spezial/onlinexklusiv

Black Francis
Der ehemalige Pixies-Frontmann Frank
Zuletzt riefen wir an dieser Stelle auf, Variationen ein- Black a.k.a. Black Francis spielte im
zusenden, auf denen ihr euch als Teil von Plattencover- Rahmen seiner Deutschland-Tour eine
Artwork verdingt. Was da alles zustande kam, findet sich Reihe exklusiver Vorab-Gigs in Kneipen,
seitdem mit regelmäßigen Updates unter www.intro.de. Bars und auf der Straße. Wir waren in
Join the show, klick deine Bilder rein (cover@intro.de). Köln dabei.
Hier nun noch mal weitere Varianten der fröhlichen Ko-
pisten-Party, diesmal ohne Hüllen im Bild: Daniela Bur- Bildergalerie: Fashion Victims
ger stellt in dem Buch »Shramps« (Verbrecher Verlag) Die größten Mode-Opfer in Pop und an-
das Picknick der Blumfeld-Rückseite nach. Ein Freund derswo: von Hot Chip bis The White Stri-
des Intro-Chef-Autoren Arno Raffeiner macht pes, von The Polyphonic Spree bis Kriss
einen auf Giorgio Moroder inklusive Schnauz- Kross ...
bart, Jens Friebe covert sich selbst, und der
Logintro Brotvielfalt war mit seiner Promi-Cli- Neues aus der Community
que im Streichelzoo – die Beach Boys und die Mixtape-Spaß galore, passend zum Ös-
Ziegen haben’s ihm gedankt. terreich-Special: die besten Songs über
Wien. Und auch: die besten Songs über
Wein. Auch gut: 1001 Songs über Hunde.
Wuff wuff. www.intro.de/spezial/com-
munitynews

Wien Spezial
Noch mehr Österreich. Mit exklusiven
Interviews zu Monochrom, Siluh und
Soap And Skin.

Mehr Wien, mehr Ö, mehr alles! Videoblog


Wieder da bzw. immer noch: die Kolle-
Passend zum verspäteten Mozartjahr im Intro gibt es auch eine exklusive gen Volkmann und Flore im Kölner Büro
Download-Zusammenstellung für Euch. Das heißt unter www.intro.de/aman mit Neuigkeiten aus der Intro-Redakti-
könnt ihr euch Tracks runterladen, die unser Ö-Special noch weit reichender on. Die Festivalguide-Redakteure Fust
illustrieren. Und das Ganze komplett for free sowie mit Tracks von Monk, Ja, und Koch mit den Platten der Woche. Da
Panik, The Curbs, Son Of The Velvet Rat, Waldeck, Parov Stelar, Texta, Soul- schau her!
chemistry, Rodney Hunter, Karl Moestl, Sally Shapiro, Bunny Lake, Susanna
Ridler, Trouble Over Tokyo, Convertible und Russkaja.
012 Monitor

Intro Vor Elf Jahren


Ausgabe #43:
April 1997
Titel: Dinosaur Jr + ein
unbekannter Hund
Interviews mit: Rol-
lins Band, Laurent
Garnier, Shihad,
Mobylettes, Cake,
Trans Am
Erster bei »Platten vor Gericht«: James
»Whiplash«
Letzter bei »Platten vor Gericht«: Sabri-
na Setlur »Die neue S-Klasse«
Aus den Charts: Daft Punk »Homework«,
Mary J Blige »Share My World«, Motor-
psycho »Angels And Demons At Play«,
Stalin »Weißer Müll«
Zitat: »Völlig beknackte Musik ist dies,
wenig ansprechend und dröge [...] ge-
nug gelangweilt.« Tja, so mies kommt im
Regionalteil das erste Demo von Kirmes
aus Münster weg. Es hieß »Kunststoff
und Trivialliteratur«. Dass sich aus der
Asche von Kirmes mal Jahre, Jahre spä-
ter Die Türen zusammensetzen würden –
der Rezensent konnte es nicht ahnen. Es
wäre ihm wohl auch egal gewesen.
Spektakel: David Bowie »Earthling«, La-
tryx »The Album«, Workshop »Meiguiwei-
sheng Xiang«, Cake »Fashion Nugget«
Besondere Vorkommnisse: Als Juro-
rin bei »Platten vor Gericht« agiert das
bayrische Cowgirl Nicki. Sie benutzt
Worte wie »flott« oder »Fete«. Zudem
taucht eine Proto-Version der heutigen
1 Frage an Technik-Rubrik auf. Mit »Studiobege-

MOTORPSYCHO
hung« sowie »Warentest« erschließen
die Intro-Role-Models Fust und Glietsch
visionär jene Schauplätze, die Jahre
später zum Standard in Pop-Magazinen
werden sollen. Gut, man muss bei allem
Selbstlob erwähnen, dass sich diese Ur-

B
form hier auch ganz schnell wieder ein-
gestampft fand.
eim Hören des neuen Motorpsycho-Albums ab ca. 1975 der Blick von Rock’n’Roll eher rückwärts als
fragt man sich unweigerlich: Ist Rock’n’Roll nach vorn gerichtet war, im Gegensatz zu Punk. Wäre die
wirklich tot? Von Jason Pierce, Kopf der Alternative die Zukunft, die REO Speedwagon und Styx
Band Spiritualized, ist überliefert, dass er repräsentierten, würde ich lieber ausschließlich zurück- Usergalerie-Foto
Rock’n’Roll als authentische Form seit 1975 als gestor-
ben ansieht. Möglich wären heutzutage nur noch Zi-
blicken. Impliziert Pierce aber, dass Rock mit dem Ge-
schichtsbewusstsein auch seine Reinheit verloren hätte
des Monats:
tate und Paraphrasierungen. Wie wird das in Norwegen und damit irgendwie zu einer Meta-Kunstform geworden
gesehen? wäre, hat er sich, wie ich fürchte, vertan: Ich wette, dass
Bent Sæther: Das Alphabet hat nur eine begrenzte Anzahl alle bekannten Meister jedweder Kunstform ein tief grei-
Buchstaben, die Oktave eine begrenzte Anzahl Noten. Ob fendes Wissen über das hatten, was vorausgegangen ist.
Dinge funktionieren, hängt davon ab, wie man sie mitei- Das muss so sein, denn nichts kommt von alleine. Sollte
nander kombiniert. »Authentischer« Rock’n’Roll wäre für Wissen irgendwie in Konflikt mit Authentizität stehen, habe
mich Eddie Cochran und Chuck Berry und eher ein kultur- ich wirklich eine Menge Dinge im Leben falsch verstanden.
anthropologischer oder kulturgeschichtlicher Gegenstand Ich würde wetten, dass das, was z. B. einen Lappländer
als irgendetwas anderes. Trotzdem läuft es mir den Rücken ausmacht, sein Wissen über alle lappländischen Dinge ist:
herunter, wenn ich »Ace Of Spades«, »Hells Bells«, »Freak Dieses Wissen macht ihn zu einem Lappländer. Anders ge-
Scene«, »Negative Creep«, »No One Knows«, »Devils Hair- sagt: Weil man Rock kennt, ist man ein Rocker. Man wird
cut«, »Main Offender« und wahrscheinlich ein paar Dut- nicht als solcher geboren – auch wenn Bon Scott womög-
zend mehr Songs höre. Genauso wie wenn ich einen groß- lich anderer Meinung ist!
artigen »authentischen« Rock’n’Roll-Song höre. Es wohnt Die Frage stellte Joachim Henn
beiden also etwas grundsätzlich Gemeinsames inne. Für
mich ist das definitiv eine Energiesache, keine stilistische Motorpsycho »Little Lucid Moments« (CD // Stickman / Indigo). sergia
Angelegenheit. Ich bin einverstanden mit der These, dass Live in Deutschland am 30.+31.05. www.intro.de/galerie/view/1201599021
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Die angegebenen Konditionen gelten nicht für Service- und Sonderrufnummern.
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014 Monitor

Grüße aus
New York
Von Moby
Was ist toll an deiner Stadt? Durch die
Bürgermeister Guiliani und jetzt Bloom-
berg hat sich einiges verändert: NY ist
ziemlich sicher geworden. In den 70ern
und 80ern hattest du gute Chancen, an-
gegriffen zu werden auf offener Straße.
Und was ist scheiße? New York ist wahn-
sinnig teuer. Viele Künstler müssen weg-
ziehen. Früher hast du als Musiker,
Künstler, Autor einfach jenseits der 14th
Street in Manhattan gelebt. Jetzt ziehen
alle nach Queens, Brooklyn oder sogar
Jersey. Deprimierende Entwicklung.
Welches New-York-Klischee stimmt?
New Yorker misstrauen den Amerikanern Mein Plattenladen
– Amerikaner misstrauen den New Yor-
kern. Wegen der Klischees. New York ist
multikulturell, voller Homosexueller, vol- MIT MICHELLE RECORDS
S
ler Schwarzer, voller Latinos, voller Ara-
ber. Deswegen liebe ich New York. Der
Rest der Amerikaner denkt: Das ist doch eit wann gibt es Michelle? Michelle Records pelin und Joy Division / Warsaw sowie »The Original Schau-
seltsam und falsch! In Oklahoma ist je- wurde 1977 eröffnet. fenster Konzert Series Vol. 2«.
der weiß, jeder hört Country-Musik und Wer hat bei euch schon alles im Schaufen- Wie stellst du dir den Plattenladen 2010 vor? In zwei Jah-
geht am Sonntag in die Kirche. Alles, was ster Musik gespielt? Es wären einfach zu viele ren wird es immer noch Plattenläden geben, definitiv und
anders ist, wirkt auf diese Leute bedroh- Bands, um sie alle aufzuzählen, hier ein paar Beispiele auch darüber hinaus. Diejenigen, die nicht nur rumjam-
lich. Deswegen mögen die auch Bush der bisherigen Gäste: Absolute Beginner, Art Brut, Bag- mern, sondern was anbieten, werden überleben. Es gibt
oder McCain – die haben vertraute Ge- gio, Bernd Begemann, Britta, Calexico, CocoRosie, Chuck genügend begeisterungsfähige Leute, die einfach gute
sichter. Die Leute in diesen Staaten ha- Ragan, Giant Sand, Go-Betweens, Goldfrapp, Jens Friebe, Musik haben wollen. Bei uns bekommen die genau das,
ben Angst, dass sich die Welt verändert Kante, Kettcar, Minor Majority, Nada Surf, Peaches, Sonic und wir werden weiterhin den Kulturauftrag ernst neh-
– und sie ausgeschlossen bleiben. Youth, Tomte, Weakerthans. men und unsere Kunden mit gutem Sound (ohne MP3-Te-
Der beste Club? NY hat Myriaden von Gibt es eine schöne Anekdote zu diesen Schaufenster- lefon-Quatsch-Sound) und musikalischen Inhalten versor-
Bars und Clubs. Aber: Die Bars sind alle konzerten? Unsere beiden »The Original Schaufenster gen. Letztendlich entscheiden es die Leute in der jeweiligen
klein, die Clubs sind alle riesig und für Konzert Series«-Sampler beinhalten tolle musikalische Stadt, ob sie sich den geilen, saubilligen Märkten und der
Touristen. Deswegen habe ich diese ei- Anekdoten. Nummer #2 ist soeben erschienen, der erste überteuerten Amazon-Krake hingeben oder Strukturen
gene Reihe namens »Degenerates« im Teil unserer Serie bald ausverkauft. Ansonsten: Das erste unterstützen wollen, die Musik und Künstler abseits von
Hiro Ballroom im Meatpacking District, Konzert mit Violent Femmes auf selbst gebasteltem Papp- gekauftem Hype auf- und ausbauen wollen. Das Kartell
in der ich vor allem für New Yorker aufle- karton-Schlagzeug mit all den verrückten Musikern war ein lauert überall, ihr habt die Wahl, ... noch!!
ge in einem Laden, der nicht zu klein und spaßiges Highlight.
nicht zu groß ist. Was sind eure aktuellen fünf Topseller? Cat Power, Get Michelle Records, Gertrudenkirchhof 10, 20095 Hamburg
Das schönste Restaurant? Ich weiß Well Soon, Home Of The Lame, Hot Chip, alles von Led Zep- www.michelle-records.de
schon, worauf das abzielt. Aber ehrlich
gesagt hat sich da einiges geändert in
den letzten Jahren: Ich trinke – zu oft und
zu viel –, ich bin längst kein strikter Vega-
ner mehr, ich nehme manchmal Drogen,
date auch die falschen Leute. Ich bin ein- »Ich finde es eine asoziale
fach nicht mehr so strikt wie früher. Am
besten kauft man sich das Time Out Ma-
Sauerei von Bushido, dass
gazine. Es ändert sich alles so schnell. er die Hymne meiner Jungs
Ein Club, der heute noch geil ist, kann
nächste Woche schon scheiße sein. von Dimmu Borgir, die
Welche Künstler aus deiner Stadt be- mich vor dem Selbstmord
wunderst du? Ich habe während einer
Karaoke-Nacht eine Sängerin namens bewahrt haben, so beklaut
Nabeelah kennengelernt. Ihr Englisch
ist schlecht, aber sie hat eine großar-
und die Band dadurch
tige Präsenz, mit ihr habe ich dann einen beleidigt.«
Song namens »Hyenas« aufgenommen
für mein Album. Auf Tex Rubinowitz trifft man in unserem Wien-Spezial bei So zu lesen von einer Jessica auf den Leserbrief-Seiten
Was hast du sonst so vor? Wenn ich zu- Tisch (Seite 54). Dort erzählt er vom Fernsehen, dem La- bei den Kollegen vom Metal Hammer (Feb 08). Es geht vor-
rückkomme, will ich eine Punkband grün- bel und seinem reinkarnierten Schrullo-Elektro-Projekt dergründig um das von Bushido gerippte Sample auf sei-
den mit einigen Freunden. Die spielen bei Mäuse. Aber am bekanntesten ist er vielleicht als Zeich- nem Song »Mittelfingah«, eigentlich aber um Fan-Wahn
den Bad Brains und den Cro-Mags. ner, seine Miniaturen kann man u.a. aus der Titanic ken- und vereitelten Selbstmord. Solche Briefe bekämen wir
Moby »Last Night« (CD // Mute / Emi // VÖ 28.03.) nen. Und so ungefähr sehen sie aus. auch gern mal.
Weitblick beim Start
in die Zukunft.
Austro-Deutsch Mit dem VR-FinanzPlan.
Ach, Österreich. Wer bei unseren Nachbarn nicht im- „Herausforderungen mit Weitblick
mer nur sein Schwarzgeld und die Ski-Hänge be- meistern. Eigentlich sollten wir das auch
sucht, wird bald merken, dass es hier auch die deut- bei der Zukunftsvorsorge machen…“
sche Sprache gibt – im Detail allerdings oft raffiniert Sebastian Fischer und Steffi Arndt, Studenten, zwei unserer Mitglieder.

modifiziert.

Paradeiser – Tomate
Topfen – Quark
Ribisl – Johannisbeere
Kren – Meerrettich
Powidl – Pflaumenmus
hackeln – arbeiten
Leiwand – Superaffengeil, du Sau!
Tschik – Zigarette
die Rettung – Sanitäter
Mist – Müll (siehe auch rechts: Das Misttelefon)
Hausverstand – das gute Gewissen eines Hauseigners
(stammt aus der Werbekampagne von Billa)
Billa – so was wie Aldi
Cordoba – schöne Erinnerung der Österreicher an ein
spannendes Fußballspiel 1978

»I drink myself to limits sometimes. I don’t mean to destroy myself, but in those
moments I really feel alive.« Kazu Makino / Blonde Redhead

Solche und andere menschliche wie schockierende Wahrheiten finden sich auf www.99matters.com. In dem
Blog äußern sich unzählige Indie-Stars zu der einen Frage: »What matters to you?«

Mit Weitblick richtig vorsorgen. Mit dem


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016 Monitor

Kenna

KRANK AM KILIMANDSCHARO
Der in Äthiopien geborene und in den USA aufgewachsene Sänger und passionierte
Bergsteiger Kenna hat mit »Make Sure They See My Face« gerade sein zweites Album
veröffentlicht. Musikalisch zeigt er sich inspiriert von The Cure über R'n'B bis HipHop. George Dubose
I Speak Music

D as Album wurde u.a. von Chad Hugo und


teilweise auch von Pharrell Williams pro-
duziert. Justin Timberlake taucht als
Gastsänger auf. Wie kam es dazu? Chad
ist seit Jahren schon so etwas wie mein musikalischer
Du sollst dir kein Bild von mir machen.
Sagt Gott ja immer. Passt auch auf Mu-
sik. Aber nicht auf Bands. Die haben Ge-
sichter, enge Hosen, komische Haare,
kleine Hüte, Schmuck, Wahn etc. Der Fo-
Partner und Freund, wir kennen uns noch aus der Schu- tograf George Dubose bannte so viele von
le. Die Neptunes produzieren gewissermaßen das Sound- ihnen in den letzten Jahrzehnten auf Bil-
gerüst um den Song herum. Sie schreiben keine Songs für der, dass es für ganze Bücher reicht. Ge-
mich, haben aber meistens irgendwelche Ideen, wie man rade erschienen »I Speak Music HipHop
was verbessern könnte. Die Texte sind jedoch ausschließ- – Old School Volume One« sowie »I Speak
lich von mir. Mit Justin bin ich auch schon länger befreun- Music Ramones« (zu beziehen über www.
det. Er kann ja sogar ganz gut Schlagzeug spielen. Ich hat- george-dubose.com). Und zuletzt stellte
te mal die Idee, ihn als Drummer zu engagieren. Das würde er die classic Bilder der B-52’s für den Ar-
aber wohl nicht nur aus Termingründen schwierig werden. tikel in Intro #158.
Warum heißt die Platte »Make Sure They See My Face«?
In älteren Videos war ich prinzipiell nie zu sehen, das ist
jetzt das erste Mal, dass ich als Person visuell wahrnehm-
bar bin. Im Video zu »Say Goodbye To Love« bin ich zum er- Zwei wie ihr,
sten Mal wirklich präsent, die Leute sehen also endlich den
Menschen hinter der Musik.
die dürfen sich nie
Ist es nur ein Gag, dass du mal den Kilimandscharo be- verlieren
stiegen hast? Nein, kein Witz. Ich habe aber den Gipfel
nicht ganz erreicht, weil ich knapp 1000 Fuß davor ziem-
lich krank wurde. Es war die Hölle, gefühlte minus vierzig
Grad, die Bedingungen waren schrecklich. Ich musste dann
ein Medikament nehmen, auf das ich allerdings allergisch
reagiert habe, wir sind dann wieder umgekehrt. Die ande-
ren hatten mich beim Abstieg also noch im Schlepptau.
Text: Sebastian Ingenhoff

Kenna »Make Sure They See My Face« (CD // Interscope / Universal). Mit Neelix (»Raumschiff Voyager«-Koch)
Auf intro.de: Verlosung. Live in Deutschland vom 22.03.-01.04. und HA Schult (Kölner Aktionskünstler)
Monitor 017

Fünf Wodka mit Aydo

MIT BLACKMAIL AM TRESEN


Im März erscheint das sechste Studioalbum von Blackmail. Nicht nur, aber auch anlässlich
dieses Ereignisses traf Senta Best Sänger Aydo Abay im Kölner Proletarierclub HoteLux. Ohne
zweites »L«, dafür aber mit 60 verschiedenen Sorten Wodka. Foto: Leonie Altendorf

1. Wodka Chili-Wodka inklusive Pfeffer-Gurke Du bist doch Vegetarier! Ach


Ist bei der neuen Platte »Tempo Tempo« irgendwas so, was’n das überhaupt??
anders als bei den letzten Alben? Na ja, die neue Plat- Irgendwas mit Fleisch halt!
te ist ja im totalen Wodka-Wahn entstanden ... »Heute verweigerte ich ei-
Heißt die Platte also »Tempo Tempo«, weil man von nen ganzen Teller Pichel-
Wodka schnell voll wird? Nein, äh, die heißt so, weil wir, steiner Eintopf, als im Traum
hm, jetzt Angst haben, dass wir mit unserer Musik, die ja erschienener Vegetarier ging
sehr jugendlich klingt, einfach zu alt aussehen! das nicht gut in meinen Kopf,
Zu ALT? Aussehen?? Okay, dazu passt ja direkt das da beschäftigte ich mich lie-
nächste Thema: Warum schneidest du nicht mal dei- ber mit diesem Schachbrett-
nen ganzen Bandkollegen die Haare? Ach so, ja, ähm, muster, denn da kam noch
also das hat keinen Sinn! was rum für meinen Gehirn-
Die Frage oder das mit den Haaren? Das mit den Haa- schuster!« Und deswegen
ren! Das wächst binnen Sekunden GENAU SO nach. Also singen wir auf Englisch, ob-
vor fünf Jahren hatte ich da auch noch Bedenken, aber wohl: Ich finde diesen Text
mittlerweile denke ich, das ist so eigen, dass es FAST jetzt schon besser als die
schon Style hat! Texte vieler vieler anderer
Bands, die es auf Deutsch
2. Wodka Lenins Blut (Aydo), Honig-Wodka (Senta) probieren und dann doch
Du, ich wollte da mal noch was klarstellen: Wir sind ja so keinen Inhalt haben!
als arrogante Band verschrien, sind wir gar nicht! Druck
das jetzt, und zwar in der ganzen Auflage! 4. Wodka Heißt »Oval«, sehr teuer 5. Wodka Estragon-Flavour
Als arrogant? Wieso denn das? Das liegt an den klingo- Warum sollen wir auch Deutsch singen, wenn wir ja alle Eine Frage geht schon noch, oder? Welche?
nischen Zügen, die die Band so aufweist! gar nicht aus Deutschland kommen?? Ich bin Türke, und Die hab ich mir noch nicht ausgedacht!! Ich weiß eine:
die anderen sind Zigeuner, und die können überall sein, Warum sind wir eigentlich sooo geil??
3. Wodka Wieder Chili-Wodka (weil’s so lecker war) nur Mario ist deutsch. Aber: Es geht ja auch ein biss- Ja, warum eigentlich? Ich WEISS es nicht! Mir ist grad
Ihr seid ja eine deutsche Band und könntet es ja ei- chen hier um unser neues Album, das ja »Tempo Tem- klar geworden, dass ich nicht auf der Welt bin, um glück-
gentlich auch mal mit deutschen Texten versuchen. po« heißt. Und wir nehmen grad ‘ne Version von »Good- lich zu werden, sondern zum Arbeiten!
Zum Test: Kannst du mal einen Reim auf Deutsch ma- part« mit ‘ner richtigen Gipsy-Familie auf! Ich denk, du arbeitest gar nicht! Doch, mein Kopf ar-
chen? Mit den Worten »Pichelsteiner Eintopf« und Ich fürchte, das war die einzig sinnvolle Info bisher! beitet die ganze Zeit ...
»Schachbrettmuster«, Vierzeiler vielleicht? »Heute So, und damit hätten wir dann das musikalisch-journa-
gab es bei mir Pichelsteiner Eintopf ...« listische Dings ja schon mal abgehakt! Blackmail »Tempo Tempo« (CD // City Slang // VÖ 28.03.).

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DIE ERBEKA NEXT M
DER WERMANY’S OW!
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018 Monitor

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Aktuelle Anzeigenpreisliste Mediadaten 2008
(Nr. 18 aus 11/’07)
Bankverbindung Volksbank Borgloh e. G.
BLZ: 26 5624 90, Nr.: 406490900
AutorInnen Alex Bechberger, Bernd Begemann, Dirk Böhme,
Dana Bönisch, Georg Boskamp, Jochen Brandt, Andreas We Are Scientists

MAL GANZ
Brüning, Silke Bücker, Lars Bulnheim, Christoph Büscher,
Uwe Buschmann, Martin Büsser, Cay Clasen, Calle Claus,
Kerstin Cornils, Lina Dinkla, Jürgen Dobelmann, Henrik
Drüner, Sonja Eismann, Rasmus Engler, Marco Fuchs, Boris
Fust, Kerstin Grether, Sandra Grether, Andreas Grüter, Lutz
Happel, Lee Hollis, Silke Hohmann, Ulf Imwiehe, Sebastian
Ingenhoff, Alexander Jürgs, Jan Kage, Christian Kahrmann,

IM ERNST
Arnold Kant, Olaf Karnik, Kai Klintworth, Felix Klopotek,
Felix Knoke, Daniel Koch, Christoph Koch, Hendrik Kröz,
Mario Lasar, Alexander Lazarek, Nils Lindenstrauß, Aram
Lintzel, Hannes Loh, Jasmin Lütz, Thomas Markus, Oliver
Minck, Dörte Miosga, Dirk Mönkemöller, Severin Most,
Tobias Mull, Wolfgang A. Müller, Felix Mutter, Tobias Nagl,
Jasper Nicolaisen, Florian Opitz, Sven Opitz, Rainer Ott,
Jan Pehrke, Bernhard Przybilla, Nils Quak, Arno Raffeiner,
Andreas Reihse, Anja Reinhardt, T.L. Renzsche, Martin
Riemann, Ingo Rieser, Thomas Ritter, Vanessa Romotzky,
Gerd Rosenacker, Moritz Sauer, Frank Sawatzki, Joachim
Schaake, Max Scharl, Susanne Schmetkamp, Simon
Die New Yorker We Are Scientists, nach dem Weggang von Drummer Michael Tapper
Schmitz, Frank Apunkt Schneider, Matthias Schneider,
Andreas Schnell, Barbara Schulz, Frank Schuster,
nur noch zu zweit, legen mit ihrem neuen Album »Brain Thrust Mastery« nach. Peter
Bernd Seidel, Sascha Seiler, Christian Steinbrink, Till
Stoppenhagen, Barbara Streidl, Jörg Sundermeier, Klaas
Flore traf Sänger und Gitarrist Keith Murray in Berlin und sprach mit ihm unter
Tigchelaar, Markus Tomsche, Thees Uhlmann, Benjamin
anderem über gute Witze. Foto: Christoph Voy.

B
Walter, Klaus Walter, Matthias Weber, Ralf Weihrauch,
Alexandra Welsch, Burkhard Welz, Christian Wessels,
Christian Werthschulte, Franzi Widenmann, Nils Wiere,
Gregor Wildermann, Roland Wilhelm, Meike Wolf, Peter
Wolff, Vina Yun, Sascha Ziehn
rain Thrust Mastery« – was ist das denn für tun, ist, heiße Luft abzulassen, darüber, wie cool sie doch
FotografInnen Lena Böhm, Sibilla Calzolari, Barbara
Donaubauer, Markus Feger, Sibylle Fendt, Jonathan ein Albumtitel? Bitte erklär’s mir, als wäre sind. Ich halte das für Bullshit. Ich denke, es gibt einen Un-
Forsythe, Nathalie Genet, Dominik Gigler, Susanna
Goonewardena, Gerrit Hahn, Rainer Holz, Alfred Jansen, ich acht Jahre alt. Wenn es um eine ober- terschied dazwischen, respektiert bzw. verehrt werden zu
Lars Kiss, Christian Knieps, Maryse Larivière, Miriam
Lindthaler, Elke Meitzel, Ela Mergels, Gianni Occhipinti,
flächliche Definition geht, ist das eine Non- wollen, Letzteres ist uns egal. Es scheint manche Leute
Reiner Pfisterer, Edzard Piltz, Katharina Poblotzki, Nadine sens-Phrase, die einfach groß und bedeutungsvoll klingt. wahnsinnig zu machen, dass wir uns keine Gedanken da-
Preiß, Nils Rodekamp, Claudia Rorarius, Katja Ruge, Arne
Sattler, Lioba Schneider, Marc Seebode, Ansgar Sollmann, Es ist bedeutungslos. rüber machen, wie cool wir aussehen. Ich unterhalte lieber
Sandra Steh, Sandra Stein, Maxi Uellendahl, Christoph
Voy, Marc Weber, Jann Wilken, Justin Winz, Joachim Ist es schwer, ernst genommen zu werden, wenn man jemanden, als von ihm verehrt zu werden.
Zimmermann und Pressefotofreigaben
Illustrationen Alex Jahn, Elisabeth Moch, Calle Claus
in einer Band wie We Are Scientists ist? Komischerwei- Ich habe mich letztens mit Eddie Argos von Art Brut un-
Cover Tom, Ts74 se ist mein Eindruck, dass es die Journalisten sind, denen terhalten, und er sagte, niemand habe sie ernst nehmen
Termine für Nr. 160 / Mai 2008 es schwerfällt, uns ernst zu nehmen, die Fans nehmen uns wollen, bis sie Erfolg hatten. Glaubst du, es ist bei euch
Redaktionsschluss 28.03.2008
Termin- & Anzeigenschluss 05.04.2008 ernst. Ich habe aber kein Problem damit, einerseits als ent- das Gleiche? Ich denke schon. Der Unterschied ist aber:
Druckunterlagenschluss 11.04.2008
Erscheinungstermin 21.04.2008 spannte Indie-Rockband wahrgenommen zu werden und Eddie möchte ein Star sein. Er verhält sich wie ein Mann
Druck Konradin Druck GmbH, Leinfelden-Echterdingen andererseits als ein Witz. Auch die, die uns für einen Witz aus dem Volke, aber ich denke, er ist derzeit die einzige Per-
Geprüfte Auflage & Verbreitung halten, merken, dass wir gute Musik machen. son in der Musik, die ich als Popstar bezeichnen würde. Ed-
laut ivw-IV. Quartal 2007
Druckauflage: 138.259 Andererseits: Wenn man nicht ernst genommen wird, hat die Argos ist, und das meine ich im besten Sinne, einer vom
Verbreitung: 132.406
Vertrieb an 1.843 Auslagestellen im gesamten man natürlich auch das eine oder andere Überraschungs- Schlage Madonna oder Prince. Eine starke Persönlichkeit,
Bundesgebiet und Ausland, über diverse Mailorder sowie
im Abonnement moment auf seiner Seite ... Wir wollen respektiert werden. von der man nicht die Augen lassen kann.
Gedruckt auf chlorfrei gebleichtem Papier, Inhalt aus 100% Wir sehen uns nicht als Clowns. Wir nehmen alles, was wir Das ganze Interview gibt’s exklusiv auf www.intro.de/
Altpapier
Alle Veranstaltungsdaten sind ohne Gewähr und Verlosun-
machen, ernst, und wenn wir Spaß machen, machen wir spezial/onlineexklusiv
gen vom Rechtsweg ausgeschlossen. Abdruck, auch aus- das zur Unterhaltung. Wenn wir Interviews geben, wollen
zugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages!
Mit Namen gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt wir zeigen, was dahintersteht. Bei den meisten Indie-Rock- We Are Scientists »Brain Thrust Mastery« (CD // Virgin / Emi).
die Meinung der Redaktion wieder. Keine Haftung für unver-
langt eingesandte Manuskripte und Fotos! bands habe ich nicht das Gefühl, dass sie das tun. Was sie Auf intro.de: Verlosung. Live in Deutschland vom 29.04.-08.05.
Monitor 019

BITTE BLEIBEN SIE GESUND!


MIT TEGAN AND SARA
Was ist die schlimmste Krankheit, die du je hattest?
Sara: Bei mir gibt es jenseits von Grippe nichts Spannendes Immer nur arbeiten und nie feiern: Fotos
zu berichten. Tegan hatte aber einmal eine Lungenentzün- unterwegs mit Timid Tiger in Benelux
dung gepaart mit Keuchhusten. Was es, nun ja, allerdings und England. Das Tourtagebuch gibt’s
noch etwas unangenehmer gemacht hat für sie: Wir waren auf intro.de.
eineinhalb Monate ohne Day-off auf Tour mit The Killers
zu der Zeit. Sie war komplett auf Antibiotika, hatte stän-
dig Fieber, aber wir haben sie dazu genötigt, weiter durch-
zuhalten. Achtung!
Wie wurde das auskuriert? Ganz einfach: Die Tour war ir-
gendwann zu Ende, und sie konnte sich ausruhen. Sie hat
Verwechslung:
sich dann nicht zu Unrecht beschwert, sie hätte nie eine
Chance auf Heilung bekommen, weil sie immer weiter auf-
treten musste. Meiner Meinung nach haben die Antibiotika
Tegan übrigens lediglich davor bewahrt zu sterben. Besse- Volker Wittkamp war erst nur Indie-Fan und ist mittlerweile
rung haben die keine gebracht. zusätzlich angehender Arzt
Welche Krankheit hältst du für überschätzt? Über-
schätzt? Was für ein masochistisches Blatt ist Intro ei- Die Diagnose:
gentlich? Aber eine Erkältung ist natürlich komplett über- »Frau Tegan. Wahrscheinlich hatten Sie sich eine bakteriel-
schätzt, da könnte ich ausrasten, wenn Leute lamen- le Infektion der Lunge durch Pneumokokken eingefangen,
tieren. auch Lungenentzündung oder Pneumonie genannt. Übri- Duke Special: bürgerlich Peter Wilson.
Wie kuriert ihr den berüchtigten, unvermeidlichen Tour- gens die häufigste zum Tod führende Infektionskrankheit in Dreadbelockter Songwriter mit Hobo-
schnupfen bei Konzerten im Herbst und Winter? Ich gar den Industrieländern, jedoch eher bei Kleinkindern, älteren Chic aus Belfast. Nicht adelig.
nicht. Ich gehöre zu den Leuten, die glauben, dass Medi- Menschen oder immunsupprimierten Patienten. Duke Special »Songs From The Deep Forest« (V2 / Univ.)
kamente nicht helfen, sondern nur Symptome zutage för- Der von Ihnen geschilderte Keuchhusten ist eher ein die
dern. Deshalb nehme ich nichts, trinke aber viel Wasser Pneumonie begleitender Husten mit rotbraunem Sputum
und versuche, so viel wie möglich zu schlafen. Und damit (Auswurf). Ich werde Sie noch schnell abhören und Ihnen
fahre ich besser als die Jungs in meiner Band, die immer etwas Blut abnehmen. Dann machen wir noch ein Rönt-
Medikamente nehmen und zwei Wochen krank sind, wo es genbild Ihrer Lunge.
bei mir nach drei Tagen wieder weggeht. Da raste ich dann Meine Kollegen haben Ihnen ja seinerzeit ein Antibioti-
immer aus: »Wann zur Hölle wird es dir eigentlich endlich kum verschrieben, und gegen das Fieber sollte man in so
mal besser gehen? Sollen wir dir etwa ein Krankenhausbett einem Fall natürlich Paracetamol nehmen. Auch sollten
organisieren?« Insofern mein Ratschlag: Trinkt viel Wasser, Sie allgemein viel trinken und sich vor allem schonen.
schlaft viel, nehmt die Krankheit bereitwillig an. Keine Widerrede! The Duke Spirit: Noise-Grunge-Rock-
Die Fragen stellte Doktor Felix Scharlau Ihr Doc Intro« Quintett aus Cheltenham, England.
Ebenfalls eher Straße als Adel.
Tegan And Sara »The Con« (CD // Sire / Warner) The Duke Spirit »Neptune« (Pias / Rough Trade)

REALITYCHECK
The Long Blondes

03.05. Osnabrück. Glanz & Gloria


Pop til you drop
The Breeders
04.05. Hamburg, Knust
Music meets Boulevard: Je ein Lied über Nicole Richie und 05.05. Berlin, Lido
Scarlett Johansson haben The Teenagers schon geschrie- 06.05. Köln, Prime Club
Neues Album „Mountain Battles“ ben. Popkultig, so darf man annehmen, geht es bei den 07.05. München, Atomic Café
Kim und Kelley Deal in Hochform! Franzosen auch in Zukunft weiter. Tonspion.de
ab 04.04. im Handel - CD/LP Out Now - CD/LP ab 4.4. im Handel

www.beggarsgroup.de
Frank Spilker Gruppe

ANTIPOPKURS
Frank Spilkers Soloalbum ist eine kleine Sensation in diesem Frühjahr!
Alleingänge von Band-Künstlern – Die Sterne gibt es natürlich weiterhin –
münden ja selten in echte Meisterwerke. Genau ein solches aber ist »Mit all den
Leuten« von der Frank Spilker Gruppe geworden. Kein Scheiß. Sandra Grether
besuchte ihn zu Hause, bekam zu Antworten auch noch Kaffee.

W ie hat man sich den Weg vor-


zustellen von den letzten bei-
den Sterne-Platten zum Soloal-
bum? Von Anfang an gab ja es bei
den Sternen den Kollektivgedanken: Wir machen al-
das oder woran kann das liegen, und das ist dann die
politische Ebene.
Das Album beginnt, mehr oder weniger, mit Songs,
die aus einer eher isolierten Perspektive verfasst
sind, und bewegt sich immer weiter nach außen –
les zusammen. D. h., es gibt kein Songwriting, es wird bis hin zum hypnotisierenden Ausgehlied »Mit all den
mit Versatzstücken gearbeitet. Und dann bastelt man Leuten«. Gerade weil die Platte so sehr persönlich ist,
gemeinsam eine Songstruktur. Und weil das eine be- ist das Stück »Mit all den Leuten« der Ausgleich. Ich
stimmte Beschränkung beinhaltet, die natürlich auch glaube, dass das Bedürfnis, sich in ein Massenerlebnis
toll sein kann, habe ich gleichzeitig auch immer das zu begeben und da mitzuschwingen – sei es ein Rock-
Bedürfnis nach so einem eher klassischen Song wie z. konzert, eine Tanzveranstaltung, eine politische Ver-
B. »Universal Tellerwäscher«. sammlung –, damit zusammenhängt, runterkommen
Wie bist du dann vorgegangen, als klar war, du machst zu wollen von diesem Gedankenzug im Kopf.
das jetzt solo? Ich habe mit »Ich geh gebückt« ange- Groovt das Stück deshalb so schön? Das ist auch
fangen. Dazu hatte ich eine Vision von sehr schlichter Glück gewesen. Ich hab das mit dem Laptop program-
Rockmusik, die dieses Persönliche beinhaltet. Aber im miert und dann mit der Band nachgespielt – und das
positiven Sinne, wie vielleicht die White Stripes Blues hat dadurch unglaublich gewonnen. Ich bin sowieso
sind: also vom Aspekt des Erzählens aus betrachtet. der totale Groove-Typ. Ich fange häufig mit der Schlag-
Und eben nicht als Liedermacher-Ästhetik. Man muss zeug-Programmierung an.
dann sehen, dass man eine Ästhetik findet, die immer
noch rockt. Textlich ist der Song ja eher so ein Blues; Frank Spilker Gruppe »Mit all den Leuten« (CD // Staatsakt / Indigo).
mir geht’s scheiße. Und dann am Schluss, woran liegt Live in Deutschland vom 01.03.-12.04.
IMMER DIESES KIND
MIT SMOKE BLOW
Jonas Freitag ist mit zehn Jahren jüngster Intro-Mitarbeiter. Damit er aber nicht
wie Britney Spears sein verkorkstes Leben später darauf schieben kann, dass
er keine Kindheit hatte, gaben wir ihm letzte Ausgabe frei. Jetzt muss er aber
wieder ran. Und trifft auf den Kieler Gangster-Punk der Herren Smoke Blow bzw.
auf deren legendären Vortänzer Jack Letten.

W elche Spiele spielt ihr gerne bei


langen Autofahrten? Für die mei-
sten Gesellschaftsspiele sind
wir schlicht zu blöd. Kürzlich ver-
suchten wir uns im Pokern. Aussichtslos. Wir beschäf-
Wenn man schon ein paar CDs gemacht hat, wie hat
man dann Ideen für die nächste? Eine sehr gute Fra-
ge! Ehrlich. Eigentlich nimmt man sich immer diesel-
ben Ideen zur Brust, verpackt sie hingegen komplett
neu und verfeinert somit mehr oder minder seinen
tigen uns auf langen Autofahrten eher damit, desillu- Stil. So wie zum Beispiel bei der Zubereitung einer gu-
sioniert aus dem Fenster zu blicken und uns ab und an ten Spaghetti Bolo. Hier kann man sich nämlich auch
Beleidigungen an den Kopf zu werfen. stetig weiterentwickeln. Da denk jetzt erst mal drüber ABSOLUTELY
Einer von euch heißt MC Straßenköter. Woher kommt nach, mein junger Freund! FABULOUS –
denn der Name? Ja, der ist in der Tat etwas einfalls- Findet ihr Fußball gut? Na logisch, du Knallkopf. Wir Sammlerbox
Die komplette Serie
los-doof geraten. Der gute MC möchte damit lediglich wollen ja schließlich wie richtige Männer um die Ecke mit den Staffeln 1-5
zum Ausdruck bringen, dass er ein recht abgehalfterter biegen. Einer von uns steht aber nicht auf Fußball. Der und vielen Specials!
Räuber ist, dem man besser nicht über den Weg trauen mit dem harten Straßennamen. Du kennst doch si- (7 DVDs)
4006448 75500 3
sollte. Stichwort Hotzenplotz! cherlich Torwandschießen. Bei uns läuft das so: MC
Jack, du bist auch Kindergärtner. Singst du Lieder Straßenköter stellt sich an die Wand, und jeder darf
mit den Kindergartenkindern? Wenn ja, welche? Oh ein paarmal kräftig draufhalten. So doll er kann. Wer
ja, das tue ich. Mindestens zweimal die Woche. Am die Beine trifft, erhält einen Punkt, der Bauchbereich
liebsten intoniere ich den guten alten Gassenhauer von bringt zwei, und wer ihm die Pille lässig zwischen die
JETZT NEU
Graf Dracula. Und jetzt alle: »Wer hat Angst vor Dracu- Augen zirkelt, knackt den Jackpot.
la, wer hat Angst vor Dracula, wenn er erwacht um Mit- Ihr schreit auf eurer Platte ja sehr. Geht’s euch denn
ternacht ...« Gruselige Lieder kommen bei meinen Kids nicht so gut? So kann man das sehen, du bist mir ja ein
wirklich am besten an. Öde Hits wie »Der Mond ist auf- pfiffiger Kerl. Sei froh, dass du noch so jung bist, denn
gegangen« interessieren sie hingegen gar nicht. je älter man wird, desto schlechter wird deine Laune im
Papa sagt, in der Nähe von da, wo ihr wohnt, ha- Allgemeinen. Merkste bald selbst.
ben wir vor zwei Jahren Urlaub gemacht. Da hatten Werdet ihr bei den schnellen Liedern nicht auch mal
die in einem Zoo so süße Tiger, wo der Papa aber ein müde, wenn ihr die auf der Bühne hintereinander
Löwe ist und die Mutter ein Tiger. Kennt ihr die? [Ge- spielt? Abermals eine sehr gute Frage. Dies ist näm- LITTLE BRITAIN –
meint ist offenbar der Zoo in Grömitz mit seinen drei lich für alte Männer wie uns ein verdammt großes Pro-
Staffel 3
(2 DVDs)
Ligern.] Das, wo du mit dei’m Papa warst, ist ganz weit blem geworden. Vielleicht sollte man in unserem Alter inkl. 185 Min.
weg von mich. Ich kicke in einer ganz anderen Liger. diese Art von Musik nicht mehr spielen. Da wir jedoch Bonusmaterial!
Meine Kinder und ich stylen gerne mal lässig im Strei- einen kleinen Tick zu böse sind, um schöne Musik zu 4006448 75522 5 JETZT NEU
chelzoo ab. Ich steh mehr so auf einheimische Tiere, machen, müssen wir diesen Quatsch jetzt durchzie-
die man noch anfassen kann. Ziegen, Hausschweine, hen, bis wir auf der Bühne umfallen. Siehe auch: Lem-
Esel, Ponys und dergleichen. Eine Kreuzung aus Tiger my von Motörhead.
und Löwe ist ja wohl ein bisschen übertrieben. Dach-
te immer, solch seltsam herangezüchtetes Getier gäbe Smoke Blow »Colossus« (CD // Pias / Rough Trade // VÖ 28.03.)
es nur im Zirkus. Live in Deutschland vom 18.04.-17.05.
EXTRAS –
Staffel 1
(2 DVDs)
Die neue Golden-
Globe- und Emmy-
Gustav: Irgendwas mit Abhauen prämierte Comedy
von und mit Ricky
Gervais („The Office“)
Wäre Gustav ein Junge geworden, hätte er Gustav heis- und jeder Menge
sen sollen, allerdings wurde sie ein Mädchen und heißt Gaststars, u.a.
Ben Stiller, Kate
in echt demnach gar nicht Gustav. Aber als Künstlerin. Winslet und Samuel
Gustav alias Eva aus Wien mag ohnehin das Spiel mit L. Jackson
den Geschlechter-Identitäten: Anfang des Jahres stell- 4006448 75505 8
JETZT NEU
te sie die Musik für die an Virginia Woolf angelehnte
Genderfuck-Burleske »Orlanding The Dominant«. Bald
erscheint der Nachfolger zum Album »Rettet die Wale«.
»Irgendwas mit Stadt oder Weg aus der Stadt soll es
heißen, aber es soll nicht heißen, dass es auf dem Land
besser ist. Es geht um das Motiv des Abhauens«, sagt
Eva und trinkt drei fast rohe Eier. Mehr demnächst.
Überall wo es gute DVDs gibt.
KOMPLETTES BRITCOM-PROGRAMM UNTER WWW.POLYBAND.DE
022 Monitor

Im Theater mit
Schorsch Kamerun
»Berlin! Berlin! Wir fahren nach Berlin!«
Sieg! Finalteilnahme! Die Hauptstadt
kann sich auf was gefasst machen... Aber
Moment. Das Kampfgeheul entstammt
keiner Fangruppe, die ihre Mannschaft
zum DFB-Pokalendspiel supporten will.
Es sind vielmehr die sektlaunigen Da-
men einer Stadttheaterabteilung, deren
Institution zum Treffen der »besten Pro-
duktionen eines Jahres« von einer Kri-
tikerjury nach Berlin eingeladen wurde
und die nun die Lorbeeren verbal formu-
Rummelsnuff lieren. Eine verständliche Freude, selbst
in so einer irritierenden Form. Der Tri-

KOMMINFORM umph planiert eben auch gesetzte Um-


gebungen. Wie auch immer: Dieses kurze
Festival mit der hohen Bedeutung für die
Der Exil-Dresdner Rummelsnuff schreibt zu Post-EBM-Songs Texte übers Ringen, die Spielbühnen gibt es. Und über die Pro-
weite See, über Hunde-Ehre und schwitzige Treue. Wären Laibach Bodybuilder und grammausrichtung wird – natürlich – arg
statt einer Gruppe nur ein Mann, so ungefähr käme man raus. Ach so, und statt den gestritten. In diesem Jahr ist man sich al-
Uniformen gibt es martialischste Homoerotik wie sonst nur bei »300«. Felix Scharlau lerdings so weit einig, dass eher bereits
etablierte Regisseure mit ihren Inszenie-
und Linus Volkmann treffen auf ein muskulöses Feuerwerk der Zeichen.
rungen eingeladen wurden. Ausnahme:

G
»Die Erscheinungen der Martha Rubin«,
ein radikales betretbares Langzeitper-
ibt es irgendeine Distanz zu der Figur Nein, wir sind eigentlich total die Streber. Seit wann formanceprojekt, aufgeführt in der Halle
Rummelsnuff? Von außen wirkt sie ja sehr macht ihr das? Kalk des Kölner Schauspielhauses. Da-
pointiert, sehr erschaffen. Da gibt es kei- Ein paar Jahre. Aber kein Krafttraining? mit wollte die Jury wohl darauf hinwei-
nen Unterschied zu mir selbst, auch wenn Doch! Aber nur zweimal die Woche. Nee, das kann ich nicht sen, dass sich in Köln am Theater was tut
das für viele scheinbar schwer zu glauben ist. durchgehen lassen, denn es ist gar nicht so entscheidend, – was lange nicht so war. Und ja, mit neu-
Wie gehst du mit den Missverständnissen um, die Rum- wie oft man es macht, sondern was. Bei mir ist es schon so, er Intendanz ist man dort letzten Som-
melsnuff produziert? Als Künstler kannst du auch nicht dass ich auch mal eine Stunde nur Schulter mache. Also, mer bemerkenswert gestartet. Auch ich
immer von jedem verstanden werden. Das wäre ja auch de- um da was zu formen, muss man sehr spezialisiert vor- glaube, dass es sich lohnen könnte, da
primierend, wenn es so wäre. Ich bin auch nicht empfind- gehen. Mit dem üblichen Ganzkörperprogramm, das so in mal hinzugehen. Zum Beispiel, um den
lich gegenüber Kritik und sicher, dass das, was nicht pola- Sportstudios herrscht, kommst du nie zu solchen Muskeln. wirklich grandiosen Hamburger Schau-
risiert, einfach auch langweilt. Man kommt halt einfach in Form, und das ist doch auch spieler und Polizistensohn Fabian Hin-
Dadurch, dass du die Electro-Marschmusik im Sound gut. Was aber auf jeden Fall nötig ist, ist ein guter Trainer. richs in einer Aufführung zu sehen.
auch brichst, sie nicht so wandmäßig ausformulierst, Ich habe selbst einen Trainerlehrgang gemacht. Vor dem Fi- Und wenn die aus eurer Sicht nicht gut
entsteht noch eine weitere Reflexions-Ebene. Das mag nanzamt bin ich offiziell Fitnesstrainer. inszeniert sein sollte, könntet ihr durch-
sein, obwohl ich zu dem Produzenten Moses Schneider Und mal unter uns: Wie sieht es aus, den Körper so ans aus richtig liegen. Denn jedes zweite The-
gegangen bin mit meinen Versionen und ihn gefragt habe, Limit zu bringen, muss man da nicht nachhelfen? Steroi- aterstück wird scheiße. Mindestens.
was man da noch machen könnte. Der hörte sich das an de, Anabolika? Man muss nicht, man kann. Es gibt ja noch Sorry, euer Kamerun Diaz
und meinte: »Lass das bloß genau so.« Ach, und man muss moderatere Möglichkeiten, die auch gut funktionieren. L-
vielleicht noch sagen, dass er, während er das sagte, am Glutamin, das bekommst du in jedem Sportfachgeschäft
Boden lag und sich kringelte. Später, als er wieder zu sich im freien Verkauf, kostet zwar ein Heidengeld, ist aber in
kam, meinte er aber auch, dass es nur so funktionieren Zeiten von Stagnation zu empfehlen.
könne – oder ganz minimalistisch, also nur Schlagzeug, Du hast ja optisch auch was sehr Ungetümeskes. Wie
Gitarre. Wie bei Trio. steht es denn aus mit »harte Schale, weicher Kern«? Tja,
Und jetzt mal, wo du in dieser Pracht hier vor uns sitzt so sieht es wohl auch bei mir aus.
und wir bei Intro kaum unsere Handtaschen tragen kön- Foto: Arne Sattler / Assistenz: Alexander Gusek
nen: Was muss man machen, um endlich muskulöser zu
werden? Die Sportstudio-Mitgliedschaften gibt es be- Rummelsnuff »Halt durch« (CD // ZickZack / What’s So Funny About /
reits. Euch fehlt einfach der Arschtritt! Indigo). Auf intro.de: Verlosung. Live in Deutschland vom 29.03.-14.06.
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024 Musik

Foals

SCHÖNE UND
SCHLIMME
TELEFONMO
MENTE
Foals, zu Deutsch Fohlen. Sie sind jung, hektisch und hübsch. Und haben ziemlich viel
Hunger. Alles andere ist wenig fohlenhaft an diesen fünf Briten, die zurzeit vergeblich
versuchen, der Hypemaschine im eigenen Land zu entkommen. Die wiederum
hat zufällig mal etwas für sich entdeckt, das Substanz hat. Und Mathematik. Und
Herzschlag. Dana Bönisch traf zunächst die Pat&Patachon-Besetzung Yannis Philippakis
(klein, laut, singt) und Jimmy Smith (groß, still, spielt Gitarre) in Berlin, später die ganze
Band(e) in Paris. Fotos: Ts74.

D as Foto zeigt eine schmächtige, gräulich-wei-


ße Einbauküche; auf dem Boden zerborste-
ne Spanplatten, Putz, Dreck und einen Hau-
fen nicht weiter identifizierbarer Trümmer, die
Wand zu einem dunklen Nebenzimmer fehlt völlig, nur ein
Ur-Erzählung über einen euphorischen Mob und ausge-
schlagene Zähne stimmt. »Sieht so aus, als würden wir
von der gleichen Maschine aufgefressen, der wir immer
sehr skeptisch gegenüberstanden. Man kann nicht dage-
gen ankämpfen. Je mehr man das tut, desto tiefer steckt
Türrahmen steht noch. Die Ikonografie sagt: Bombarde- man drin«, sagt Philippakis, der in seinem atemlosen Ox-
ment, Gasexplosion, Abrissbirne, Familiendrama. Tatsäch- ford-Englisch genauso gerne über die Unmöglichkeit von
lich, so ist vermerkt, hat hier eine Band gespielt – was die Originalität in der Postmoderne wie über Whiskypisse und
genannten Lösungsmöglichkeiten allerdings auf gewisse die Lebenserwartung von Fischen doziert.
Weise einschließt. Zumindest in diesem Fall. Die Times schliff die Foals hübsch griffig zu fünf
Yannis Philippakis ist ein wenig stolz auf diese durch- »Oxbridge Drop-outs« ab; tatsächlich waren nur Sänger Oxbridge
brochene Wand, die eine Art Emblem der Foals-Geschich- Yannis und Edwin Congreave, der Mann für die Tastenin- Obwohl die Unis Oxford und Cambridge
te geworden ist. Gleichzeitig enttarnt er die legendären strumente, an der Traditions-Uni eingeschrieben. traditionell Rivalen sind, was ihre Ruder-
teams betrifft, hat sich dieses Kofferwort
Wohnzimmerkonzerte als Mythos der frühen Tage, auf eingebürgert. Noch immer wird Oxbridge
den die britischen Medien allzu sehr abfuhren. Es hatte Turning down the academy / Pop und Elite dafür kritisiert, zu wenige Studenten aus
zwar einige gegeben – wobei »Wohnzimmer« schon fast Es könnte trotzdem eine gute Geschichte sein: Der Talar staatlichen Schulen aufzunehmen. 2007
fragte die Philosophische Fakultät im
zu hoch gegriffen ist, tatsächlich handelte es sich eher wird abgenommen und dafür ein Gitarrengurt umgehängt. Auswahlverfahren: »Are you cool?« – und
um College-Doppelzimmer oder schmale Flure –, doch Wie verhielt es sich wirklich mit der Wissenschaft und dem erwartete vermutlich mehr als ein beherz-
der mediale Vervielfältigungseffekt durch YouTube und Pop? »Oxford macht einfach zu viel Arbeit, um nebenbei tes »Yeah«.
Abschreibepraktiken führten zu ein wenig Übertreibung. noch eine Band zu haben«, erzählt Yannis. »Aber es ging
Jedenfalls, was die Quantität der Flurshows betraf; die nicht nur um ein Zeitproblem: Ich mochte mein Fach, ≥
Musik 025

Rockstarleben und evangelisches Jugendcamp: Nah wie nie


1979
026 Musik

≥ aber dieses Wissen ist Macht-Ding war mir unheimlich. er und Gitarrist Jimmy merkwürdig hoch und eng an der
Edwin ist allerdings der wahre Held: Er war der Drittbes- Brust halten. Fast, als wären sie damit verwachsen.
te in English Literature, das in Oxford wirklich viele stu-
dieren ...« – »... Ohne je zur Schule gegangen zu sein. Sei- Your quiet heartbeat, race runner / Machine and body
ne Eltern sind Zeugen Jehovas und haben ihn zu Hause Ist das nicht eigentlich ein bisschen zu viel Konzept, um
unterrichtet«, wirft Jimmy ein. – »... Und dann hat er ein- im Tanzfieber dazu Mauern einzureißen? »No, it’s strictly
fach aufgehört, von einem Tag auf den anderen, ohne ir- gut and heart«, versichert Yannis emphatisch, »sehr in-
gendjemandem etwas zu erklären.« tuitiv, zumindest zu Beginn des Entwicklungsprozesses.
Es wäre indes schön, aber nicht ganz zutreffend, die bei- Später müssen wir es rationalisieren. Wir mögen es, wenn
den jungen Herren als Akademie-Verweigerer aus Prinzip Form in der Musik hörbar gemacht wird, wie zum Beispiel
zu betrachten. Immerhin: Die Idee von Pop als anti-elitä- Steve Reich das konnte.« Einerseits. Andererseits arbei-
rem Prinzip zieht sich durch Philippakis’ Monologe: »Pop- tet das Foals-Labor komplett entgegengesetzt, nämlich
musik soll die Leute zusammenführen, nicht spalten: Dar- jenseits aller Musiktheorie. Und wieder Yannis: »Wir konn-
um geht es. Die meisten Bands in Oxford sind unglaublich ten zu Beginn ja nicht mal richtig Instrumente spielen. Es
Avantgarde. Wir wollten etwas schaffen, für das man nicht ging nur um Sound, um Töne, nicht um Harmonien und Ak-
irgendwie drinnen sein muss, um es zu kapieren.« korde. Das wollten wir uns bewahren; wir versuchen, un-
Und natürlich bekommt nicht nur die Avantgarde von sere ignorante Herangehensweise zu beschützen. Musik
Philippakis was auf den Deckel: »Es scheint mir ein zykli- sollte irgendwie autistisch sein. Und authentisch – auch
sches Ding zu sein, und deshalb entsteht auch nichts Pro- wenn das kaum noch möglich scheint. Kennst du die Auf-
gressives mehr: Viele englische Indie-Bands leben in einer nahmen von Alan Lomax? Was diese Leute singen, kommt Alan Lomax
Sepia-getönten Modrocker-Postkartenwelt, weil sie auf die direkt aus ihrer Seele. Das ist besser als alles, was Bach Liedjäger, musikalischer Feldforscher.
Plattensammlung ihrer Eltern geprägt sind. Wir sind nicht je gemacht hat.« In den 30er-Jahren klapperte Lomax
Amerikas Arbeiterviertel, Gefängnisse
mit dieser geistigen Architektur aufgewachsen. Ich habe Gut, wer mit Foals spricht, sollte vielleicht ein Schwein und Arbeitslager ab und nahm vor Ort
eher einen Folk-Hintergrund, mein Vater baut traditionel- mit der Aufschrift »Widersprüche und Gegensätze« da- Gesänge und Musik auf. Ziel war eine Art
le griechische Instrumente. Und Jimmys Eltern sind Bud- beihaben. Zum Münzen-Reinwerfen natürlich. Oder sich alternative Musikgeschichtsschreibung,
die eine elitistische Kultur in Frage stellte.
dhisten.« – Jimmy präzisiert: »Buddhistische Steuerbe- eben darauf einlassen, dass hier so manche Dichotomie Nebenbei forschte Lomax über die Wur-
rater.« – »Musikmachen besteht aus so viel mehr als aus stilvoll zertrümmert wird. Immer geht es gleichzeitig um zeln des Blues, entdeckte Woody Guthrie
dem Recyclen alter Musik. Alles spielt eine Rolle: Naturdo- Chaos und Präzision, Riot und Mathematik – und die Su- und kompilierte eine »World Library Of
kumentationen gucken, Bücher lesen, Filme sehen.« che nach dem Punkt, an dem sich alles trifft: »Wir versu- Folk Music«.
Auch Yannis’ Art, über Musik zu sprechen, bewegt sich chen, so komplizierte Musik zu machen, dass sie schon
weniger auf einer Metaebene als innerhalb der Grenzen wieder simpel ist.« Dass Yannis im Video zu »Hummer« im
des Gesamtkunstwerkes. Der kleine Mann mit der Tolle Achtziger-Wimbledon-Dress einen Robotertanz performt,
wirkt, als werde sein Kopf von drei Initialzündungen pro sieht derweil nach inszeniertem Nerdtum aus, hängt aber
Sekunde gebeutelt, was allerlei verschwurbelte Syntax- angeblich einfach mit Tennis als seiner Lieblingsmetapher
Ausflüge mit sich bringt. Ständig fallen ihm neue Verglei- zusammen; auch dabei überschneiden sich schließlich
che ein, seine Idee eines Sounds oder dessen tatsächliche Technik und Herzensblut. (Mit »French Open« hat Yannis
Umsetzung zu beschreiben: Die Gitarren sollten klingen übrigens seinem persönlichen Tennis-Helden, dem mäßig
wie Schwärme von Kolibris oder Insekten, die Songstruk- erfolgreichen Andy Roddick, ein Denkmal gesetzt.) Besser
tur sei wie eine komplizierte Stickerei mit wiederkehren- trifft diese Kombination nur noch der Songtitel »Mathle-
den Motiven. Oder wie ein chemisches System, die einzel- tics«, der wiederum genauso gut für die gesamte Musik
nen Töne und Muster seien wie Moleküle organisiert. Oder der Foals in all ihrer schizoiden Großartigkeit stehen könn-
wie ein Bild aus Rasterpunkten: »Wenn du den Song von te. Oder gleich ein neues Genre begründet.
Nahem betrachtest und auseinandernimmst, scheint al- Tatsächlich bewegen sich die Oxforder Jungs – und hier
les sehr abstrakt und strukturstreng. Wenn du dann aber ist das Wort einmal angebracht, denn wir sprechen von
ein Stückchen weiter weg gehst und ihn als Ganzes siehst, einem Altersdurchschnitt um die 20 – irgendwo an der Texte
wird er organisch und lebendig.« Spitze jener Pop-Evolutionslinie, auf der die Tanzmusik Da die Vocals eher als Klangschicht denn
Dass davon gesprochen wird, die Musik zu »sehen«, ist gerade ihre elektronische Kälte verliert, ohne dass je ein als Gesang zu sehen sind, oft auch in
Form hypnoider Shouts, sind Yannis’ Texte
symptomatisch für das Foals-Universum; alles ist mitei- klassischer Liedaufbau im Spiel wäre. entsprechend nicht narrativ und strophen-
nander verwoben: Musik, Fotos, Illustrationen und Texte Die Blogger persiflieren gerne den Referenzrahmen, den haft. Umso mehr strahlen die poetisch
stehen in einem engen Bezugssystem. So schickt Song- man der Band aufdrängen will, und nehmen nebenbei den wirren Bilder, so man sie versteht. Sogar
Briten haben Probleme. Yannis singt: »A
schreiber Yannis regelmäßig eine Liste von Wörtern oder großen und den kleinen Mediendiskurs auseinander. An quiet heartbeat, race runner / you shine
Zeilen, aus denen vielleicht Songs werden sollen, an Gra- einem Tag bieten sie Obama großzügig den Trikottausch like millions / Oh! Come on.« Ein Fan
fiker Tinhead; der zeichnet, was ihm dazu einfällt. an, am nächsten berichten sie über die Reaktion von Clin- hörte: »Choir of harpies, rice runs through
Tatsächlich lässt sich Yannis’ wilde Metaphorik übrigens ton: »CNN gegenüber bezeichnete sie uns als Indiepunk- you / Shine my melons / Pokemon.«
immer nachvollziehen, nur der oben genannte Optik-Ver- funk-Müll, [...] in der BBC als Minus The Bear auf Speed
gleich humpelt ein wenig: Schwirrende Rasterpunkte, die und nicht so gut wie die Battles. Wir möchten uns auf so Fleischbasierte Metaphorik
immer neue Muster konstituieren, würden vielleicht eher ein arthropodes [wurmhaftes] Niveau gar nicht erst be- ... ist nicht grundsätzlich der Interpre-
passen als ein linearer Zoom-Effekt. In den Songstruktu- geben, Rodham [Mädchenname von Hillary Clinton], und tationshorizont für Philippakis’ Texte,
sondern bezieht sich auf das Video zu
ren, deren Grundsteine Yannis und Jimmy mit Gitarrenloop- antworten durch das Medium zeitgenössischer Tanzmu- »Cassius«. Da bastelt die Band ein Mobile
Experimenten an verdrogten Nachmittagen legen, klingt sik und fleischbasierter Metaphorik.« aus Schweineherzen (behauptet Yannis
verschlüsselt ihre Vorliebe für Kölner Minimal Techno mit Dass das ewige »It’s all about the music« kein Mantra – sieht nach Rouladen aus) und spielt
z. B. imaginäre Synthesizer. Könnte ein
– rückübersetzt von Maschinen in Körper, versteht sich. für die Journalisten-Mikrofone ist, glaubt man sofort. Bei- Kommentar zur Maschinen/Körper-The-
Natürlich werden Synthesizer benutzt, wird gestückelt spielsweise nahm die Band ausgerechnet den auf Trans- matik sein. Oder auch nicht. Anmerkung:
und zusammengesetzt. Dabei kreist jedoch alles um die gressive veröffentlichten Singlehit »Hummer«, über den Der Regisseur arbeitet in einer Londoner
Gitarren, die so clean gespielt werden, dass man Yannis NME und Konsorten bereits in hysterisches Gebell ver- Dönerbude.
den Kolibri-Vergleich nicht übel nehmen kann – und die fallen waren, nicht aufs Album. Er war im Rückblick »zu
Musik 027

ich ihm sagen musste, dass wir mit diesem Mix nicht le-
ben können und ihn neu machen werden.« Jimmy: »Was
er in diesem Moment wohl gerade macht?« Es folgt eine
nachdenkliche Stille. Ungefähr so, als wäre ein heimliches
sechstes Bandmitglied verloren gegangen. Geblieben sind
die von Foals geliebten Bläser, entfernt wurde u. a. der von
Sitek allzu sehr geliebte Hall, der wohl tatsächlich dazu
beigetragen hätte, die Dialektik von Präzision und Wahn-
sinn, Schönheit und Mechanik dann doch in einem schnö-
den Electrodance-Entwurf aufzulösen.
Als sich Yannis später wieder in Rage redet, scheint es
dann fast, als hätte sich Zyklopen-Sitek noch einmal von
ferne eingeloggt: »Unsere Innenwelt ist so viel besser als
die Außenwelt! Und deshalb gehen wir nicht aus! Alles ist
verknüpft, alles ist verbunden! Es ist wie Alice im Wunder-
land! Alles, was dich unglücklich macht, ist auf lange Sicht
gesehen ziemlich gut! Wir werden alle sterben ... Jetzt!«

Air sur la terre / Suchen und zerstören


Oder auch jetzt: Die Fohlen sind in der Pariser Maroqui-
nerie zu Gast und zerlegen fleißig Bühne, Zeitgefühl und
Publikum. Oh, wie sie schwitzen. Hat eben noch jemand
von Mathematik gesprochen? Drummer Jack Bevan, das
rothaarige Burberry-Model, überlebt wahrscheinlich nur
ohne Herzinfarkt, weil er der Jüngste unter den Jungen
eindimensional« (Jimmy) geraten. Auch die Entscheidung, ist. Der scheue Jimmy springt unaufhörlich von verschie-
»Antidotes« in New York aufzunehmen, hing damit zusam- denen Gegenständen. Während sich beispielsweise die Antidotes
men. Yannis: »Andere Produzenten wollten dieses Electro- Battles, um diesen eigentlich unangebrachten Vergleich Das Album habe, so Yannis, eine be-
dance-Ding aus uns machen, aber Dave Sitek hatte sofort zu bemühen, mit ihren Instrumenten live zu einer Art Rie- sondere Laufrichtung: »Es fängt an wie
eine Pop-Platte, und dann dehnen sich
eine progressivere, zeitlosere Vision. Ich hatte das beste senmaschine vereinigen, deren Hebelchen ihre synchron diese Parameter in der Mitte aus, es wird
Telefongespräch meines Lebens mit ihm. In London hät- wippenden Oberkörper darstellen, driften Foals gerade- komplizierter, und mit Big Big Love und
te es wieder geheißen: Warner will dies, Warner will das wegs in Richtung Rockshow. Like Swimming zerstört sich das Album
quasi selbst.« Und so kann das endlos
...« Jimmy: »Außerdem ist in NYC immer Musikgeschichte Die New-Rave-Kinder von Paris probieren sich im Crowd- weitergehen: »Antidotes« sollte auf keinen
präsent: Sonic Youth, die Talking Heads, TV On The Radio Surfen und verlieren ihre beknackten Leuchtstäbchen, die Fall (nur) in Tanzflächeneinheiten zerlegt
... Die haben alle gemacht, was sie wollten. So let’s fuck im Abgang noch ein einziges Mal selbstständig über die rezipiert werden. Denn dafür ist es zu groß
around: Wir wollten Bläser!« Menge hüpfen. Später werden sowohl ein paar Kinder als komponiert.
Also beorderte Sitek kurzerhand die Antibalas ins Stu- auch Hunderte Stäbchen die Tanzfläche bedecken, zer-
dio, ein 12-köpfiges Afrobeat-Orchester aus Brooklyn. Die- knickt und verglüht – wie bezeichnend. Der doppelte Ret- Dave Sitek
se Idee brachte dem Album nicht nur das letzte große Dis- ro-Boden der Scheinironie ist durchgetanzt und ward nicht Gitarrist bei TV On The Radio, Fotograf,
tinktionsmoment, sondern zog eine weitere Ebene ein, auf mehr gesehen. Zumindest hier und heute nicht. Maler. Arbeitete u. a. mit den Yeah Yeah
Yeahs, den Liars und aktuell mit Scarlett
der sich Elektronisches und dessen größtmöglicher Ge- Es folgt der Teil, der für so manche Band nicht weni- Johansson – und sein Ruf eilt ihm voraus.
gensatz erneut gegenseitig ausleuchten. »Wie Sitek da- ger anstrengend ist als das Konzert: vor dem Club rum- Philippakis dazu: »Zu sagen, dass Dave
stand und mit geschlossenen Augen die Bläser der Anti- stehen, Hände schütteln, trinken. Jimmy schaut verloren viel kifft, wäre maßlos untertrieben. Er
existiert nur rauchend. Er ist der beste
balas dirigierte«, erinnert sich Jimmy, »das war einer der unter seiner Kapuze hervor, während er vor lauter »Great Produzent, den man sich vorstellen kann
besten Momente meines Lebens.« Und Yannis, inzwischen show, man«-Schulterklopen leicht hin und her gebeutelt – und völlig wahnsinnig.« Über das Foals-
ein wenig stoned, fährt fort, das Phänomen Sitek einzu- wird. »Wir haben gar keine Zeit, irgendetwas zu verarbei- Album sagte Sitek laut Bassist Walter
kreisen: »Er hat eine panoptische Sicht auf die Dinge, er ist ten«, murmelt er, »das hier ist doch ein Film. Oder irgend- Gervers, es habe ihn »Stripperinnen ficken
und Omas erschießen« lassen wollen.
wie der Zyklop ganz oben im Turm, dessen Auge rotiert. Er eine Show. Jedenfalls kein Rock’n’Roll.«
öffnete unsere Köpfe, nahm unsere Gehirne heraus, wusch Stunden später sitzen einige bei Whisky und Pommes
sie in der Badewanne, tat sie wieder rein, klebte den gan- im Tourbus. Andere knutschen in den Seitenstraßen. Die
zen Kram zu und schickte uns zurück nach England, um Entourage simuliert mit deformierten Baguettes einen La-
die Musikindustrie von unten aufzumischen. Wir sollten serschwertkampf. »Ich habe mich umentschieden«, sagt
richtig Ärger machen. Er empfahl mir, bei nächster Gele- Jimmy, »es ist doch Rock’n’Roll, und es lohnt sich.« Dann
genheit Thom Yorke zu sagen, dass ich ihn liebe, und ihm klopft er auf die Flanke des roten Doppeldeckers, der sie
dann eine reinzuhauen. Als wir in New York angekommen in ein paar Minuten, Punkt 4 Uhr 30, nach Reims bringen
waren, hatte er seinen Thron direkt mitten in unserer Mit- wird. »Wir haben noch viel vor.«
te aufgebaut, wohl wissend, dass wir Grünschnäbel aus
Oxford sind: Fucking listen up, boys. Er wurde so eine Art Auf intro.de: Verlosung.
Über-Vaterfigur für uns. Genau deshalb mussten wir uns Live in Deutschland vom 03.-07.04.
unser Album auch schließlich zurückholen. Und jetzt re- Intro Intim goes Timewarp mit Foals:
den wir nicht mehr mit ihm. Sitek ist so ein Mensch, der 04.04. Mannheim, Maimarktclub
seine eigenen Aufnahmen sabotieren würde, der ein Al-
bum zerstören würde, damit alle darüber sprechen. Er ist Intro empfiehlt
verdammt großartig, aber er hat es am Ende versaut. Ich Foals
korrigiere: Mit Sitek hatte ich nicht nur mein schönstes, Antidotes
sondern auch mein schlimmstes Telefongespräch – als CD // Warner // VÖ 28.03.
028 Musik

Mit / Dillon

ÄPFEL UND
BIRNEN

Mit mit Passanten


Musik 029

Musik aus Köln oder Düsseldorf steht generell unter


Karnevals-, Krautrock- oder schlicht Avantgarde-
Verdacht. Nur Mit klingen ganz anders, auch
wenn sie ihre Herkunft nicht verleugnen können.
Wolfgang Frömberg traf Tamer und Edi noch
vor dem Hype. Sebastian Ingenhoff huldigt dem
Pop-Nesthäkchen Dillon, das sich aus demselben
Dunstkreis wie Mit von Köln in die Welt abgesetzt
hat. Fotos: Katharina Poblotzki

S tockhausen wäre stolz auf die Jungs. Meint je-


denfalls ein vollkommen verzückter englischer
Schreiber, der Mit im Februar im Camden Barfly
erlebte. Was den enthusiastischen Briten auch
dazu veranlasst haben mag, den weltberühmten Kompo-
so in Bewegung, alte Wanderpfade werden neu ausge-
treten, das Treffen der Generationen muss nicht erst auf
dem Melatenfriedhof stattfinden.
Am schönsten klingt so eine Begegnung der besonderen
Art aber gewiss im Kopf eines englischen Freundes rheini-
nisten als Referenz anzuführen, es könnte damit zusam- schen Kulturguts. Kollege Paul Bridgewater im Wortlaut:
menhängen, dass der gute Karlheinz zwar nach eigenem »Frontman Edi – a facsimile of a wide-eyed suburban kid
Bekunden auf dem lodernden Stern Sirius eine heiße Aus- from a Myazaki animation but with a severe Damo Suzuki
bildungszeit erlebt hatte und offiziellen Unterlagen zufol- fetish – is a gutsy, electric presence. If it weren’t for Mit, he
ge neben Schumis Kart-Bahn in Kerpen geboren worden would perhaps be making homemade bombs out of Mickey
ist – gemeinhin geht er jedoch als Kölscher Jeck durch. Mouse alarm clocks and sending them to the Reichstag.«
Und eben aus dem Provinzkaff Colonia stammen auch Abgesehen davon, dass es Karlheinz Stockhausen war,
jene Jungs, die im Booklet zum Debütalbum »Coda« ihre der nach 9/11 Kunst mit Mord und Totschlag verwechsel-
kompletten Namen angeben, so, als stünden sie auf alt- te, und eine Zwangsradikalisierung von Mit eh völlig ab-
modischen Fahndungsplakaten: Tamer Fahri Özgönenc, wegig erscheint, stimmt die Beschreibung genau, wovon
Felix Stefan Römer und Edi Danartono Winarni. ich mich selbst bei Mits Erscheinen auf der Geburtstags-
Wer dauernd nach neuen Verantwortlichen sucht, die party der Kölner Stadtrevue sowie bei einem Gig im Raum
den Inhabern gut sortierter Plattensammlungen mal wie- für Kunst und Musik überzeugen konnte. Mit »Coda« be-
der einen Grund geben, ihren reichen Erfahrungsschatz ginnt aber auch ein neuer Abschnitt in der Bandgeschichte.
an passender Stelle funkeln zu lassen, darf »Coda« aus Man wollte diesmal anders klingen als zuvor; die Produk-
dem Raster ziehen und die Schreibschablone auflegen. tion sollte nicht mehr den Anschein eines Demos haben,
Mit sind schließlich selbst schuld. Weil sich die Bezeich- die Stimme nicht mehr nach Micky Maus beim G-8-Gip-
nungen mythischer Fabelwesen – ob Bläck Fööss, Can fel klingen. Diese Wünsche haben sich erfüllt.
oder Kraftwerk – wie von selbst neben Städte wie Köln Ein besseres Bild als alle englischen und deutschen
oder Düsseldorf schreiben, rotiert die popkulturelle Achse Popauskenner zusammen haben Tamer und Edi selbst für
des Elektronischen und Experimentösen doch als zwei- den Sound von Mit respektive ihre Performances in petto,
schneidiges Schwert zwischen den beiden Metropolen. wie sich beim Geplauder in einer dieser nach Kaffee und
Immer ein Thema beim Frühschoppen und letztens auch Pasta riechenden Filialen der italienischen Mafia heraus-
Pop am Rhein Grund für die Ausstellung »Pop am Rhein«, das. Und wäh- stellt. So erzählen sie von den Leiden des Drummers Felix
Der umfangreiche Katalog zur Ausstellung rend es den Rest beim Flüggewerden nach Berlin zog, ver- während ihrer Auftritte. Der habe ständig das laute Klicken
(herausgegeben vom Kurator Uwe Huss- schlug es Edi ausgerechnet an die Kö. Kein Wunder also, auf den Kopfhörern, um hinter der Wall-of-Playback nicht
lein, 290 S., EUR 24,80) ist im Verlag der
Buchhandlung Walther König erschienen.
dass ein Nerd von der Insel, in dessen Vokabelheft deut- aus dem Takt zu geraten. Er merke kaum, wann der eine
Aus dem Inhaltsverzeichnis: Can, Mouse scher Film wie »F-a-s-s-b-i-n-d-e-r« und deutsche Pop- Song aufhöre und der nächste – klickklickklick – begin-
On Mars, Fehlfarben, Kraftwerk, Der Plan, musik wie »K-r-a-u-t-r-o-c-k« buchstabiert werden, Mit in ne, weshalb sie ihm kurze Signale eingebaut haben. »Es
S.Y.P.H., Wolfgang Voigt, Superpitcher,
Pow Pow Movement ... Check it out.
der Köln-Düsseldorfer Gesellschaft verortet. muss die Hölle sein!« schmunzeln die Kollegen. Ich hät-
Zwar sind die Zeiten vorbei, als Can-Mitglied Holger te ihnen ja mal davon erzählen können, wie sich das Kla-
Czukay auf den Kölner »Cosmic Orgasm«-Partys – mit cken der Tastatur für einen Schreiber anhört, der einen Ge-
De:Bug-Herausgeber Sascha Kösch an den Plattentel- brauchstext abliefern muss und – klackklackklack – nicht
lern – wie ein verirrtes Gespenst herumlungerte. Dafür mehr weiß, worüber er überhaupt schreibt. Das wäre aber
tauchte der lange verschollene Damo Suzuki, einst von selbstentlarvend. Deshalb lieber der Hinweis darauf, dass
der Straße weg als Sänger von Can engagiert, letztens die neue strukturelle Eleganz des Mo-Tucker-meets-Ja-
leibhaftig im Line-up Von Spars auf, die zuvor mit dem in- ki-Liebezeit-meets-Adam-And-The-Ants-Getrommels im
zwischen ausgestiegenen Sänger Thomas Mahmoud ei- Verbund mit den Möglichkeiten des Moog und dem jetzt
nen an die Loops und Cut-ups der Krautrock-Ära gemah- auch mal ruhigere Töne anschlagenden Gesang darauf
nenden Golem namens »Xaxapoya« fabriziert hatten. Die zurückzuführen ist, dass man sich bei den Aufnahmen zu
tektonischen Platten des historischen Areals bleiben al- »Coda« gegenseitig in Ruhe ließ, ohne es mit der De- ≥
030 Musik

≥ mokratie zu übertreiben – und in der One-Man-Show


Namosh einen kongenialen Produzenten fand, der den
Komponenten Luft zum Atmen lässt und trotzdem einen
dichten Soundteppich mit minimalem Muster webt, zu dem
sich tanzen und denken lässt. Habe ich schon den Hinweis
auf die Neue Deutsche Welle, Postpunk und Postrock ge-
bracht – oder die Palais-Schaumburg-Referenz gedroppt?
Ich hab’s wohl gelassen, damit kein falscher Eindruck ent-
steht. Weil es sich bei Mit um eine in der Gegenwart ver-
ankerte Band handelt, die sich zeitgemäßer Mittel und
Wege bedient. Den Moog, das vierte unverzichtbare Mit-
glied, haben sie auf eBay ersteigert – und den Schlagzeu-
ger per Kontaktanzeige kennengelernt. Schon beim zwei-
ten Date hat’s gefunkt. Der erste Kandidat, den Tamer und
Edi nicht wollten, hatte zu viele Teebeutel in der Tasche.
Ein Musiker, der zu viel in der Tasche hat, muss einem ja
verdächtig vorkommen. So viel unausgesprochener Re-
alismus ehrt junge Künstler, die weltweit für Aufsehen
sorgen: »This could be their year. Stockhausen would be
proud of these wonderful boys.« Eine Platte sind sie dem
fürsorglichen Label Haute Areal noch schuldig. Wie wär’s
mit einer Cover-Illu von Gerhard Richter?

Auf intro.de: Verlosung


Intro empfiehlt die Mit-Tour vom 04.04.-24.05.

Intro empfiehlt
Mit
Coda
CD // Haute Areal / Cargo

Dillon
Ludwig
7-Inch // Combination Records
&
C Unseen Sea
MP3 // Kitty-Yo

Dillon

KELIS IM WONDERLAND
Zusammen mit ihrem besten Freund Tamer Özgönenc, sei- tig war, war das Stück Your Toothbrush fertig. Little Pige-
nes Zeichens Keyboarder von Mit, hat Pop-Nesthäkchen on zum Beispiel haben mein kleiner Bruder Aragon und ich
Dillon vor Kurzem nach Berlin rübergemacht. Zu ihren Köl- zusammen ausgebrütet. Wir fanden ein Ei und hatten ei-
ner Zeiten nannte sich die 19-Jährige noch Ladybird. Da- nes Tages dann eine kleine Taube.« Natürlich ist das nied-
mals hatte sie ein paar Songs, die größtenteils aus Key- lich – und vom Ansatz her auch Punk. Nicht im Sinne bier-
boardstandardsounds und Gesang bestanden, auf ihre selig-rockistischer Männercombos, die breitbeinig von den
MySpace-Seite geladen und für Furore gesorgt. Slut buch- Bühnenbrettern dieser Welt herunterbrüllen in der Annah-
ten sie als Gastsängerin, und Kitty-Yo forderten gleich ei- me, sie seien noch irgendwie subversiv. Sondern weil es mit
ne EP (die nun in dem neuen Digitalformat des Labels er- einfachsten Mitteln gemacht und bockig dahintremoliert
scheinen wird). Die Musik changiert zwischen Lo-Fi-HipHop wird. Auf dem Düsseldorfer Label Combination Records
und zerbrechlich-elegischen Kinderliedern. Ein bisschen erscheint Anfang Mai die 7-Inch-Single »Ludwig«. Einen
wie Kelis im Wonderland mit Spielzeuginstrumenten. Die Ludwig hat sie nämlich anfangs in Berlin kennengelernt.
Texte sind ulkig, leidvoll, trotzköpfig dahingemurmelt. Sie Seitdem wohnt der bei ihr. Die zusammen mit Tamer neu
hat mal erzählt, sie habe eine Aufmerksamkeitsspanne arrangierten Stücke findet sie »unnormal tanzbar«. Wäh-
von vielleicht 15 Minuten, danach müsse sie immer was renddessen trällert und klimpert die Taube weiter und hat
anderes machen. »In meinem Kopf befindet sich fast kei- wahrscheinlich in der Zeit, in der dieser Text hier entstan-
ne Stille. Meistens sind es Wörter. Oft sind es Melodien. den ist, wieder fünf neue Lieder aufgenommen. Nicht nur
Manchmal passt Wort auf Melodie. Einmal stand ich im der Tamer und der Ludwig werden die bald schon unter der
Badezimmer und habe meine Zähne geputzt. Als ich fer- Dusche nachpfeifen. Sebastian Ingenhoff
www.replay.it
032 Musik

Blood Red Shoes

GITARRENGÖT
TIN IN STÖCKE
LSCHUHEN Dem alten Schuhwerk
Rockmusik begegnen sie
auf Stöckelschuhen und mit
extra dreschenden Gitarren.
Das sensationelle Brightoner
Duo Blood Red Shoes leuchtet
uns den Grunge und lässt
Bubenwangen rot erglühen.
Sandra Grether traf sie gleich
zweimal. Fotografiert hat an
ihrer Seite Christoph Voy.
Musik 033

Allein in Berlin Deutschland in den 20ern Unter vielen in Berlin


Die leuchtenden Gesichter der teils schon grau melier- »Die Zwanzigerjahre: Tanz am Rande Am Tag zuvor, beim Soundcheck in der leeren Columbia-
ten Männer im Berliner Bang Bang Club, wo die Blood Red des Abgrunds und Jahrzehnt der Befrei- halle – später werden die Blood Red Shoes hier als Sup-
ung. Berlin in den Zeiten der Inflation:
Shoes ihren zweiten Berlin-Gig in Folge spielen, sind wie rußgeschwärzte Hinterhoftristesse,
port von Maximo Park ein furioses Konzert geben –, sind
die von kleinen Kindern, die heimlich verbotene Türchen aber auch das Zentrum der Avantgarde wir Riot Grrrls hingegen unter uns. Laura-Mary schlurft
öffnen und vom Adventskalender naschen. Denn die Blood und Eldorado der Frauen, die es in ein in einem ausgeleierten Shirt mit Madonna-Aufdruck auf
neuartiges, aufregendes Leben drängte:
Red Shoes haben tatsächlich eine Frontfrau, die einen Vicki Baum und Gabriele Tergit, Helen
die Bühne, Steven trägt einen »Nirvana In Utero«-Pullover
wieder an das Weihnachtspersonal glauben lässt, dar- Hessel und Dinah Nelken, Anita Berber, und albert mit dem Soundmischer rum – während Laura-
an, dass alles verziehen wird, alles gut wird. Normaler- Marlene Dietrich oder Claire Waldoff, Mary konzentriert an Verzerrern und dem Amp den opti-
Hannah Höch, Charlotte Wolff, Valeska
weise geht die Rock-Crowd ja nicht für Gitarrenheldinnen Gert, Trude Hesterberg [...] prägten in
malen Nirvana-Sound einstellt.
in die Knie. Aber Laura-Mary Carter hat es ihnen angetan! der Weimarer Republik das Bild der Beim darauffolgenden Interview stellt sich heraus, dass
Die Frauen im Publikum hingegen wirken beleidigt, fast Neuen Frau, die mit Bubikopf, kniekur- die Blood Red Shoes eine diskursive, offene, humorvolle
zem Rock oder Smoking die morderne
eifersüchtig, angesichts dieses coolen weiblichen Role- Band sind. Laura: »Ich habe mir praktisch noch als Kind
Metropole eroberte.« (Ute Scheub
Models, fühlen sich damit konfrontiert, dass man auch »Verrückt nach Leben. Berliner Szenen Hole- und L7-Platten gekauft. Allen voran liebe ich die
auf unbürgerlichem Weg – und ohne von führenden De- in den 20er-Jahren« Rowohlt, 2000) Babes In Toyland. Ich hatte selbst eine etwas traumati-
signern verkleidet zu werden – auf einer Bühne bejubelt sche Jugend. Wir sind 15 Mal innerhalb von London um-
werden kann. Schlimm, schlimm, wenn darauf die eige- gezogen, ich war auf 15 verschiedenen Schulen. Mein Va-
nen Jungs abfahren: »Mit der würdest du doch sofort ins Frauenwahlrecht ter hatte Gelegenheitsjobs, und weil wir uns die tägliche
Bett gehen, was?« sagt etwa eine Lady säuerlich zu ih- Dem Frauenwahlrecht ging ein langer Fahrkarte mit der U-Bahn nicht leisten konnten, mussten
rem nach vorne drängenden Freund. Es sind halt nicht Kampf der Frauenbewegung voraus, wir immer dahin ziehen, wo sein aktueller Job war. Damit
der bereits im 18. Jahrhundert begann.
nur die Männer daran schuld, dass es Frauen im Rock- Wyoming (USA) führte 1869 als erster ich zu Fuß zur Schule gehen konnte.« Und Steven ergänzt:
geschäft so schwer haben. Die Augen der Girls sind eine neuzeitlicher Staat das Frauenwahlrecht »Wenn ich mit Laura durch London laufe, dann sagt sie an-
einzige Dolchstoßlegende. Wenn es nach ihnen ginge, gä- ein, in Deutschland erlangten Frauen am dauernd: Hier habe ich mal gewohnt und dort.« [lacht]
19.01.1919 aktives und passives Wahl-
be es weder das Wahlrecht für Frauen noch die Blood Red recht, in Großbritannien am 02.07.1928. Der erste Song auf dem vital-aggressiven Debütalbum
Shoes. Dafür aber jede Menge Blut am Schuh. »Box Of Secrets« heißt »Doesn’t Matter Much« und ist ≥
034 Musik

»Jetzt wird es
langsam besser.
Früher bin
ich dauernd
angeschrieen
worden, vom
Publikum, von den
Mischern usw., weil
ich als Mädchen
auf einer Bühne
die Gitarre spiele.
Ekelhaft.«

≥ einer der wenigen, die der aufgeweckte, blonde, gut Als könnte man die Rippen eines Rocksongs neu einsal-
aussehende, zarte Steven singt. Oder, so fragt man sich ben, mit der dritten Spur beginnen und sich einen Dreck
zumindest beim ersten Hören, ist das doch die hochener- um all das Basics-Fleisch scheren, spielt Laura die ers-
getische Stimme der talentierten Sängerin und Gitarristin te und einzige Gitarre als tragendes Instrument der Band
Laura-Mary? Kennt man die Band, die in England in den wie eine zweite Gitarre in einer voll besetzten Rockband
letzten drei Jahren fünf Singles auf fünf verschiedenen und, ja, wie einen Bass. Denn natürlich sind es auch die
Homerecording-Labels veröffentlicht hat, noch nicht so tiefen Töne, die ihr Spaß machen.
gut, ist man zunächst etwas verwirrt. Bis man versteht:
Hier agieren Musiker mal jenseits der rockistischen Ge- Und ganz sicher ohne die White Stripes
schlechterklischees, wonach der Mann hart und locker So gesehen haben die Blood Red Shoes, auch wenn’s al-
und die Frau sanft und locker zu sein hat. Und zum Glück bern klingt, die Rockmusik in neue Höhen getrieben, zu-
für uns alle sind die Blood Red Shoes dabei authentisch mal sie zudem auch noch den guten alten Blues verach-
und aware ob der gesellschaftlichen Sexismen – und re- ten. Was im Übrigen mit ein Grund dafür ist, warum sie
den nicht lange um den heißen Brei herum. Laura-Mary: den Vergleich mit den White Stripes lautstark ablehnen.
»Jetzt wird es langsam besser. Früher bin ich dauernd Steven: »Nur weil wir auch ein Girl/Boy-Duo sind, werden
angeschrieen worden, vom Publikum, von den Mischern wir andauernd mit den White Stripes verglichen. Könnten
usw., weil ich als Mädchen auf einer Bühne die Gitarre sich die Leute bitte mal unsere Musik anhören?« Nun ja.
spiele. Ekelhaft.« Ist man nicht auch ein bisschen selbst schuld an so ei-
Der Boy gibt sich weiblich; verspielt, in hohen fiebrigen nem Vergleich, wenn man, genau wie die White Stripes, ein
Sequenzen at home, intoniert er stakkatohaft die leider Farbkonzept im Namen hat und eine Cover-Ästhetik, in der
etwas phrasenhafte, aber gut dringliche und vielsagen- immerzu ein Gegenstand (Torte, Brille usw.) rot zu sein hat
de Songzeile: »Find A Reason Why«. Dann beide im Chor (nur nie Schuhe!)? Egal. Denn die Blood Red Shoes lieben,
(schreiend): »No no no, no no no.« Es sind optimistische wie gesagt, andere Bands, neben Babes In Toyland sind
Huggy Bear und orgiastische No’s, aber es sind und bleiben No’s, die das vor allem Huggy Bear und Nirvana, so Steven.
Englische Riot-Grrrl-Band, gegründet mehr sind als eine knallige phonetische Abwechslung, Und das alte Schuhwerk Rockmusik wollen sie schon
1991 in Brighton, verweigerte Interviews wie man das zuletzt bei vielen der aktuellen Rockbands gar nicht neu erfinden, ihm aber gern, in Stöckelschuhen
und Fotosessions mit der Mainstream-
Presse, veröffentlichte eine legendäre
hören konnte. Nein, nein, nein, nein, nein, nein, ein Teen- und schwarzen Spitzenkleidchen, den unschuldigen Ex-
Split-Single mit Bikini Kill, mischte Spirit, der sich mal wieder echt verweigert und dabei ei- orzismus der Jugend einhämmern. Laura: »Ich habe bis
TV-Serien auf und wurde von der engli- nen echten Schmerz rauslässt, statt ihn auszustellen wie zu meinem 18. Geburtstag nie eine Hose getragen. Was
schen Musikpresse mit den Sex Pistols
verglichen.
eine Trophäe, an der statt Blut ein flüssigkeitsarmes Er- mich an so Bands wie Babes In Toyland immer fasziniert
satzpräparat namens Konsens hängt. Als man den Song hat, war diese Mischung aus ausgestellter Weiblichkeit
schon fast am Ende wähnt, legt Laura noch ein Gitarren- und total aggressivem Auftreten.« Und so verwundert es
solo hin, das sich gewaschen hat, dirty und präzise. Über- nicht, dass sie ganz begeistert ist, als ich ihre Art, Gitar-
haupt spielt Laura-Mary Gitarre wie Gott. Sie malträtiert re zu spielen, mit der von Kat Bjelland von Babes In Toy-
Babes In Toyland die hohen Saiten, lässt einzelne Töne wie Teufelchen mit- land vergleiche: »Danke! Sie ist meine absolute Gitarren-
Einflussreiche alternative Riot-Grrrl- einander ringen, ist sowieso spezialisiert auf schmissi- heldin. Ich habe sehr viel von ihr gelernt.« Ich umarme sie
Rock-Band aus Minneapolis, die von ge und spröde Riffs. Denn sie verachtet die »jingly jangly flüchtig und gehe endlich mal wieder beschwingt von ei-
1987 bis 1997 fünf Alben veröffentlichte.
Bekannt für den sog. »Kinderwhore«-Look:
chords«, die herkömmlichen offenen Akkorde, und spricht nem Interview nach Hause.
zerrissene Blümchenkleid-Ästhetik bei sympathisch-trotzig-abfällig von traditionellem Songwri-
gleichzeitigem aggressiven, dramatischen, ting als »Folk-Scheiße«. Und für »Folk-Scheiße« ist Laura Live in Deutschland vom 26.04.-06.05.
lauten Gitarrenspiel und Gesang. Kat
Bjelland ist heute die Leadsängerin und
zu wütend und zu elegant: Sie möchte rocken. »Sie liebt es,
Gitarristin der Band Katastrophy Wife. die Gitarre hart anzufassen und dann zu schlagen«, sagt Intro empfiehlt
ihr Mitmusiker Steven voller Bewunderung für das kleine, Blood Red Shoes
dunkelhaarige, leicht depressiv wirkende Mädchen, das Box Of Secrets
Augenbrauen zupfend neben ihm sitzt. CD // Cooperative / Universal // VÖ 11.04.
036 Musik

The Teenagers

AGE AIN’T
NOTHING BUT A
NUMBER

Knuffiger ist nur noch Schnuffel aus den Klingeltoncharts


Musik 037

Sie sind 1981 und 82 geboren, kommen aus Paris und leben heute in London. Als Quentin
Delafon, Dorian Dumont und Michael Szpiner an einem öden Weihnachtsabend die
Band The Teenagers gründeten, waren sie bereits jenseits der Zwanzig. Und ja, sie sind
auf dem besten Wege, Stars zu werden. Sagt nicht nur Christine Käppeler. Foto: Katja Ruge

D ie Eckpfeiler des Teenagers-Universums sind


die Pop- und Trashkultur der Neunziger- und
Nuller-Jahre. Dating-Queen Scarlett »Star-
lett Johansson« ist die Heldin ihrer ersten
Single-Veröffentlichung; die frühe Scarlett wohlgemerkt,
auf ihre Seite stellten, schickte Merok direkt eine Mail mit
dem Angebot, ihn als Single zu veröffentlichen.
Beim Klick auf die Homepage von Merok drängt sich je-
doch unweigerlich die Frage auf, wovon die Band eigent-
lich lebt. Hinter jedem ihrer Kleinode steht seit Ewigkeiten
die in Sofia Coppolas »Lost In Translation« als Prototyp »sold out«, auch neben dem tasty Schinkenröllchen-Co-
der »Eigentlich sollten wir erwachsen werden«-Genera- ver der Single »Homecoming«; allein neben »Starlett Jo-
tion schlaflos durch Tokio streift. »Nach ›Lost In Transla- hansson« steht »buy here«. Davon also? Quentin feixt, er
tion‹ wurde sie zu einer Art Institution«, erklärt Quentin, werde mal nachfragen, ob Scarlett Johansson ihnen den
weshalb er kein uneingeschränkter Fan der Scarlett der Unterhalt finanziere, während Dorian mir erklärt, dass Me-
Louis-Vuitton-Ära mehr ist. »Sie hat jetzt diesen Look- rok inzwischen zu XL Recordings gehöre, die in den 90ern
at-me-I’m-famous-Blick. Früher hatte sie so etwas Un- mit The Prodigy groß geworden sind und heute als Label
schuldiges«, ergänzt Dorian. »Wobei«, wirft Quentin ein, von Radiohead und M.I.A. bekannt sind: »Daher kommt
»sie war ein Kinderstar. Die sind nie unschuldig.« In dem das Geld vermutlich.«
Teenagers-Song heißt es dazu: »She started at eight on Dass »Homecoming« nach wie vor auf Vinyl zu haben ist
Broadway.« (auf der »Maison«-Compilation #5), geht auf das Konto des
Während Scarlett mit 13 neben Robert Redford für »Der Pariser Labels Kitsuné. Klar empfanden es die erklärten
Pferdeflüsterer« vor der Kamera stand, verfolgten die drei Kitsuné-Fans als große Ehre, vom aktuell stilsichersten
Pariser Vorort-Jungs fasziniert das Leben der Teenager Pariser Label ein Angebot für eine »Homecoming«-Maxi
in der Fernsehserie »Beverly Hills 90210«. »Wir dachten, plus Remixe zu bekommen. »Wir waren vor allem sehr auf-
das sei real. Jeder in dieser Serie hatte ein Auto, und in geregt, weil sie für die Cover der LPs immer Zeichnungen
der Schule produzierten sie eine Radioshow. Also dach- von den Künstlern anfertigen«, erzählt Quentin. Vom Re-
ten wir, in Amerika fährt jeder mit dem Cabrio zur Schu- sultat war er allerdings mit Recht enttäuscht. Als kleiner,
le und alle sind DJs. Unser Schulalltag war da vergleichs- bärtiger Typ im Profil kommt er neben seinen Bandkolle-
weise lahm.« Der Ausgangspunkt des Songs »Wheel Of gen auf dem Cover unverhältnismäßig schlecht weg. Was
Fortune« ist denn auch die Kultserie aus den 90ern: »If er von der Mode des Labels hält? »Mir sind die Sachen zu
Shannon Doherty stayed in 90210, maybe she would have schlicht. Ich besitze gerne ein Teil von Kitsuné, aber ich Shannon Doherty
never met Alyssa Milano?« würde mich nie komplett in ihrem Look kleiden.« Auf ei- ... spielte in der Fernsehserie »Beverly
Die Frage der Fragen, die Quentin und Dorian sich selbst ne weitere Zusammenarbeit mit dem Label hofft Quentin Hills 90210« die Rolle des Landeis Brenda
Welsh. Doherty war als Biest verschrien,
stellen, ist klar: »Was wäre, wenn wir Weihnachten 2005 aber nicht: »Kitsuné haben diese Goldgräber-Mentalität. Shirts mit dem Aufdruck »I hate Brenda«
nicht zusammen verbracht hätten? Gäbe es die Teenagers Wenn sie ein Nugget gefunden haben, dann überlassen waren damals sehr en vogue. Doherty flog
heute nicht?« – »Oder hätten wir uns einfach zwei Monate sie anderen die weitere Verarbeitung. Na ja, mit Ausnah- nach der vierten Staffel raus und wurde
in der Serie »Charmed« zur zauberhaften
später getroffen und einen Song aufgenommen, der Hap- me von Digitalism, die gehören Kitsuné.« Hexe Prue. Auch da flog sie – angeblich
py Michelle heißt?« – »Oder Fuck Christine?« Manchmal Und deswegen erscheint die nächste Teenagers-Sing- wegen anhaltendem Twist mit Alyssa
meint es das Schicksal mit allen Beteiligten gut. Am Ende le »No Love« wieder bei Merok, mit einem Remix der spa- Milano, die noch bis 2006 in der Rolle der
des betrunkenen Weihnachtsabends 2005 stand der Song nischen Band Delorean. Wenn die Teenagers umgekehrt magischenSerie war.
Schwester Phoebe Teil der

»Fuck Nicole«, und einen Tag später bastelten Quentin, Do- andere remixen, dann kommen die Tracks von Dorian. Be-
rian und Michael ihren MySpace-Band-Account. Dann pas- sonders hübsch ist seine Version des Au-Revoir-Simone-
sierte allerdings sechs Monate nichts, was u. a. daran lag, Songs »Fallen Snow«. Von deren Look scheinen auch die
dass Quentin zu der Zeit bereits in London lebte und dort Girls im »Homecoming«-Video inspiriert zu sein. Ziem-
für das britischste aller Fashionlabels, Burberry, im Ver- lich Coppola’esk vernaschen sie Cupcakes und schwin-
kauf arbeitete: »Paris ist eine wunderschöne Stadt, aber gen ihre PomPoms zu dem ebenso expliziten wie smashi-
ich hatte mich dort langsam gelangweilt, für mich gab es gen Refrain »I fucked my American cunt«. Aus den USA,
dort keine neue Energie mehr.« Also Flucht nach London, wo sie im April und Mai auf Tour sein werden, kamen da-
genauer: Hackney, Ex-Problem-Viertel im Osten der Stadt, rauf noch keine kritischen Reaktionen, in die amerikani-
das langsam, aber sicher zu Londons Williamsburg mutiert. schen Schulradios lädt man sie mit diesem Hit allerdings Williamsburg, New York
In Hackney sitzt auch ihr erstes Label Merok. Für Scenes- vermutlich nicht ein. Mutierte dank billiger Mieten in den 90ern
ter schon jetzt eine exquisite Adresse: Merok veröffentlich- vom Arbeiterdistrikt zur Künstlerkolonie.
Radio 4 lebten hier, die Liars und die
te »Atlantis To Interzone« von den Klaxons und den zuge- Auf intro.de: Verlosung. Live auf dem Melt! Festival Yeah Yeah Yeahs auch, haben dem Hype
hörigen Remix des Crystal-Castles-Fricklers Ethan Kath allerdings längst den Rücken gekehrt –
sowie die erste Crystal-Castles-Single »Alice Practices«. The Teenagers wie die meisten ehemaligen Bewohner des
Viertels, die sich die rasant steigenden
Als die Teenagers sechs Monate nach der Eröffnung ih- Reality Check Mietpreise nicht mehr leisten konnten.
res Accounts den Song »Homecoming« aufnahmen und CD // XL / Beggars / Indigo
038 Musik

Navel

VOM FLIESSBAND
NACH SEATTLE

Grunge ist doch zu dritt am geilsten


Musik 039

Navel haben ein


unschlagbares
Mittel gefunden,
ihre Musik fühlbar
zu machen.
Intensität. Nun
liegt ihr Debüt
endlich vor. Lutz
Happel sprach
mit Sänger Jari
Altermatt über
die Schweizer
Provinz, Wut als
produktive Kraft
W enn Louisville-Labelchef Patrick Wag-
ner (Ex-Surrogat) über das Debüt seiner
Schützlinge spricht, merkt man: Da ha-
ben sich die Richtigen gefunden, um der
endlosen Erzählung Rock eine neue Wendung zu geben –
leicht ist nun die Zeit gekommen für eine neue Gitarren-
rotzigkeit, wie sie sich hierzulande (Jolly Goods), in Eng-
land (Blood Red Shoes) oder eben in der Schweiz (Navel)
jenseits gepflegter Nadelstreifen-Bühnenoutfits andeu-
tet. Und doch muss der Sommer 08 nicht gleich zum gro-
und die geht in der Musik als auch im Reden über Musik ßen Grunge-Backlash ausgerufen werden, denn laut Rolf
und den Blues eindeutig in Richtung Schnörkellosigkeit: »Das Kaff, aus Dieter Brinkmann machen ja zum Glück alle weiter, also
der Stromgitarre dem wir kommen, liegt in der Schweiz. Schön, langweilig, auch die Musik. Auf der Suche nach einer möglichen Be-
Absturz, futsch ... Wir sind jung genug, dass ihr uns glau- nennung des passenden Gefühls zur Musik landen wir
als dem neuen ben werdet. Wir sind gelangweilt genug, dass wir nichts deswegen und nur konsequent bei einer vermeintlich ganz
Grunge. Foto: anderes tun außer Rock ... Wir hassen das Scheißperfek- anderen Bezeichnung als Grunge: dem Blues. »Das ist für
te, wir schlafen am liebsten auf der Bühne, und wir haben mich eher das Gefühl: Blues. Genauso wie der Albumti-
Sibilla Calzolari. alle drei dieses unbestimmte Gefühl, nicht sonderlich alt tel: Frozen Souls. Da hat jeder ein Gefühl dafür, was es
werden zu müssen«, so Jari Altermatt, zuständig für Gi- bedeutet.«
tarre, Gesang und Geschrei. Für Altermatt hängt dieses Gefühl zur Musik auch mit
Treffender lässt es sich kaum ausdrücken. Ferner als Orten zusammen. Kennengelernt haben sich die drei aus
Navel kann man von Zitat, Hipstertum und Imagepflege Erschwil bei Basel am Fließband bei Ricola. Was sich wie
kaum sein – obwohl die mediale Aufmerksamkeit im Vor- die Plattitüde einer Musikbiografie anhört, war für Navel
feld der Veröffentlichung für einigen Wirbel sorgte: Der Antrieb, herauszukommen aus der Provinz, etwas zu un-
NME beschrieb sie Hype-bewusst als »younger and bet- ternehmen gegen diesen Zustand, ihre gesamte Energie,
ter looking than the Arctic Monkeys while Pete Doherty is samt des Drecks, der sich dabei ansammelt, in das Auf-
licking their boots for a lesson in Rock«. Zuschreibungen, nahmestudio zu tragen. Für das Debüt ließen sich das La-
die das Trio eher kalt lassen: »Ich finde das okay. Das heißt bel und dessen junge Band aber trotzdem Zeit: Zunächst
nicht, dass ich die Babyshambles für eine schlechte Band wurden über 100 Bühnen bespielt, im Vorprogramm von
halte. Und das Heft kannte ich vorher gar nicht.« Queens Of The Stone Age und Wolfmother auch die gro-
Sitzt man dem ruhigen, bedächtigen jungen Mann mit ßen. Was dann nach zwei Jahren Liveerfahrungen binnen
der Cobain-Gedenkfrisur gegenüber, merkt man schnell, acht Tagen in einem abgelegenen Studio in Frankreich mit
dass es ihm vor allem um Ehrlichkeit geht, um die Musik, dem Produzenten Peter Deimel entstand, ist die Essenz
um Energie, um Wut, kurz: um schnörkelloses Rocken oh- dieser Haltung: Wut und Traurigkeit werden für die Musik
ne Inszenierung. Ihre Konzerte sind eher aus der Intensität produktiv genutzt, ohne doppelten Boden, ohne Inszenie-
eines Gefühls heraus spektakulär, weniger durch bewusst rung, und gerade diese Intensität, die ganz offensicht-
geplante Effekte. Sie setzen auf Lautstärke und Kompro- lich in ihrer Roh- und Ungeschliffenheit an den amerika-
misslosigkeit und lassen unweigerlich längst vergessene nischen Gitarrensound der Neunziger erinnert, wird – wie
Nirvana-Shows vor dem inneren Auge auftauchen. Wäh- sehr lange schon nicht mehr – aufs Angenehmste her-
rend des Gesprächs erinnert sich Altermatt an einen Gig ausgeschrien. Wenn hier von Blues die Rede ist, dann im
Townes Van Zandt in Österreich: »Für uns war es ein ganz mieses Konzert. Sinne von Townes Van Zandt, Led Zeppelin, Black Sab-
US-amerikanischer Singer/Songwri- Aber der Booker sagte dann, es sei das Beste gewesen, bath, Soundgarden oder eben auch Nirvana; ein Strom-
ter. Van Zandt schaffte es über seinen das er je von uns gesehen habe. Und wir dachten: Na gut, gitarrendruck, der in gewaltiger Lautstärke Wut und Me-
Kultstatus hinaus nie zu größerem kom-
merziellen Durchbruch. Seit den 90ern
wenn das so ist. Da hat sich wahrscheinlich eine gewis- lancholie transportiert. Und wenn Navel singen: »I got a
haben zunehmend Musiker aus anderen se Wut mit der Energie der Musik hochgespielt, sodass bleeding hand, I got a foreign name, I got a frozen soul«,
Stilrichtungen – u. a. die Tindersticks, man es gespürt hat.« nur um gleich hinterherzuschieben: »I got a loaded gun –
Mudhoney und Norah Jones – Stücke von
ihm aufgenommen.
we kill you all«, dann ist das, ohne Witz, nicht so gemeint,
Zurück zum Grunge wie es da steht, sondern wie es sich anfühlt.
Als sich Kurt Cobain 1994 in einer Garage in Seattle ein
Loch in den Kopf schoss, steckten die Protagonisten von Live in Deutschland vom 01.-09.05.
Grunge Navel noch in den Kinderschuhen. Und dennoch ist Grunge,
Englisch für Schmuddel, Dreck. Oft syn- die Anti-Haltung der 90er, wichtiger Einfluss auf ihre Mu- Intro empfiehlt
onym für den Seattle-Sound verwendet. sik. Vielleicht ist es gerade jetzt angesagt für junge Bands, Navel
Bezeichnet einen Musikstil. Populärste
Referenzen sind Nirvana, Pearl Jam, Alice
dort anzuknüpfen; gerade, da sie sich nicht mehr direkt Frozen Souls
In Chains, Soundgarden. auf Grunge als Jetztzeitphänomen beziehen können. Viel- CD // Louisville / Universal
040 Musik

Calvin Harris

TWO HEARTS

Soft Resistance statt Schottenrock


Musik 041

Schottland ist musikalisch vor allem für seine Indie-Szene bekannt. Die geriert sich mal
zynisch-melancholisch (Arab Strap), mal entrückt-wolkig (Teenage Fanclub) oder gleich
beides zusammen (Belle & Sebastian). Grell-aufgetragen wurde bislang woanders.
Sebastian Ingenhoff kündet von einem, der das ändern will. Foto: Arne Sattler.

M it Calvin Harris kommt ein quietschbun-


tes Discotier dahergerauscht und stellt
alles auf den Kopf. Er belehrt jene eines
Besseren, die meinen, Glasgow und Um-
gebung böten nur bekümmert daherkommenden Depres-
klargekommen.« Róisín Murphy hat letztendlich auch be-
schlossen, die mit Calvin aufgenommenen Stücke nicht
auf ihr Album zu packen. Die Tracks für eigene Produktio-
nen zu nutzen wurde ihm gleichfalls untersagt. »Das war
alles schon ein bisschen ärgerlich, aber ich habe beschlos-
sivenpop. In seinem Schlafzimmer hat der 24-Jährige hau- sen, nicht mehr drüber nachzudenken und mich auch nicht
fenweise flippige Electropop-Nummern auf seinem Amiga mehr sonderlich aufzuregen«, resümiert er dieses Inter-
arrangiert, die nun gebündelt unter dem leicht hybrid an- mezzo. Mit Kylie hingegen wurde ihm von Seiten der Ta-
mutenden Titel »I Created Disco« auch in Deutschland bloid-Press sogar schon eine Affäre angedichtet. Keine
veröffentlicht werden. Klar, dass man da als Interview- Ahnung, ob da wirklich was dran ist, jedenfalls schwärmt
er erst mal einen Scherzkeks erwartet. Jedenfalls kein der Junge im Interview ziemlich von der smarten Austra-
Bübchen mit Frisur, das etwas irritiert und verschüch- lierin und blüht währenddessen sogar richtig auf. Ist ja
tert durch die Gegend blickt ob der Aufmerksamkeit, die gut, Don Juan. Aber wie sollte das denn überhaupt gelau-
ihm gewidmet wird. fen sein? Schließlich wohnt Calvin immer noch bei seiner
Mutter irgendwo in der schottischen Provinz. Die würde
I just can’t get you out of my head sich sicherlich freuen über einsfünfzig große Enddreißi-
Später am Abend wird er im Tresorclub auf einer Party des gerdiven, die morgens im Schlafrock Marmeladentoast
Internetportals Hobnox auftreten, zusammen mit den Pup- auf den Familienteppichboden krümeln. (»Mum, darf ich
petmastaz und diversen Nachwuchsbands, die sich für die Mrs Robinson vorstellen: Das ist meine Mrs Robinson.«)
Endrunde eines internen Förderwettbewerbs qualifiziert ... wird in dem berühmten Film »The
haben. Aber erst mal hat er, wie es sich gehört, in Berlin Graduate« (1967) von Anne Bancroft ver- Give me just a little more time
körpert. Die verheiratete, mittelalte Frau
Sightseeing gemacht. Na ja, Sightseeing ist etwas über- verführt den Schuljungen Dustin Hoffman, Jedenfalls darf Calvin weiterhin in seinem Zimmer Musik
trieben. Er hat vornehmlich Bären fotografiert, die er mir der sich vor lauter Aufregung im Vorfeld machen, und das ziemlich erfolgreich. Die Singles »Accep-
auf seinem Fotoapparat stolz präsentiert: Bärenattrap- schon dermaßen einen zurechtstottert, table In The 80s«, »The Girls« und »Merrymaking At My
dass der Zuschauer gar nicht glauben
pen, einen als Bären verkleideten Menschen und kleine kann, dass da unter der Bettdecke alles
Place« sind allesamt weit oben in den britischen Charts
flauschige Souvenirteddys, die es in Berlin an jeder Stra- mit rechten Dingen zugegangen ist. gelandet, »The Girls« schaffte es gar bis auf Rang #3. Dass
ßenecke gibt. Die Fotosammlung kommentiert er mit ei- der Schotte an seinem Computer leichtfüßig einen ziem-
nem flapsigen »You know, Germany is well-known for its lich schmissigen Sound zusammenbastelt, hat sich bis zu
bears«. Dann grinst er endlich mal. Heidi Klum herumgesprochen. Die wollte »Acceptable In
Das Interview gestaltet sich nämlich schwieriger, als The 80s« gleich als Trailermusik für ihr Hungerhakendefilee
man angesichts des Videos zu »The Girls« erwartet hät- »Germany’s Next Topmodel« haben. Probleme hat Calvin
te. Dort tanzte er noch salonlöwenhaft vor einer Horde damit überhaupt nicht. Er habe das Ganze gar nicht mehr
Perückenmädchen herum, gab den lässigen Partyrocker richtig verfolgt, sondern einfach nur abgesegnet.
und protzte ein bisschen ironisch, dass er sie alle kriegen Am Abend rockt er dann den Tresor. Live tritt er mit einer
würde, die Girls. Im direkten Gespräch ist Harris hingegen richtigen Band auf, auch seine drahtigen Mitmusiker sind
zunächst eher wortkarg, was wohl auch damit zu tun hat, gut frisiert. Man merkt allerdings auch, dass er, wenn er
dass er heute bereits einen regelrechten Interviewmara- mit seinen Jungs auf Tour ist, schon ein bisschen den Na-
thon zu absolvieren hatte. poleon spielt. Anders ginge es leider nicht, er sei halt ein
Dass das Interesse an seiner Person so groß ist, ist nicht Kontrollfreak. An dem neuen Material arbeitet er deswe-
nur dem Album, sondern auch seiner Produzententätigkeit gen auch wieder komplett alleine; das nächste Album ist
für Kylie Minogue, Sophie Ellis-Bextor und Róisín Murphy schon zu einem guten Viertel fertig. Und vielleicht zieht er
geschuldet. Die Zusammenarbeit mit Kylie fand er erqui- Kylie Minogue dann endlich auch mal von zu Hause aus. Aber bekanntlich
ckend, viel besser als die mit der kapriziösen Róisín. Vor Australisches Soapsternchen und Sän- kann man Spatzenkinder ja nicht flügge werfen.
der habe er nämlich einen Heidenrespekt gehabt, und die gerin. Spielte in der Serie »Neighbours«
zusammen mit Jason Donovan. Stock
Kollaboration habe sich auch nicht wirklich fruchtbar ge- Aitken Waterman produzierten für sie Auf intro.de: Verlosung. Live in Deutschland am 04.+05.04.
staltet: »Sie war nicht unfreundlich oder so, aber schon ir- Ende der Achtziger Hits wie »Locomotion« Intro Intim Unexplored mit Calvin Harris:
gendwie einschüchternd für einen Anfangzwanziger, der oder »I Should Be So Lucky«. Ihr bestes 05.04. Berlin, Lido
Stück ist nach wie vor das 1994 erschiene-
als Produzent einfach noch nicht besonders viel Erfah- ne TripHop-Brett »Confide In Me«. Kylie
rung gesammelt hat. Mit Kylie war es besser, sie war viel Minogue veröffentlicht auch heute noch Intro empfiehlt
lockerer und umgänglicher, auch wenn sie rein vom Na- erfolgreich Platten. Calvin Harris
men her ein viel größerer Popstar ist. Wir waren eine Wo- I Created Disco
che zusammen im Studio und sind glänzend miteinander CD // Ministry Of Sound / Edel / VÖ 29.04.
042 Musik

Carl Craig

MYTHEN
IN TRÜMMERN
Ein Techno-Pionier zieht Bilanz. Nach über 20 Jahren wird es Zeit für einen Abgleich
zwischen Aura und Alltag. Jonathan Forsythe fotografierte Carl Craig auf einer Rundfahrt
durch seine Heimatstadt Detroit, Arno Raffeiner hat ihn nach den Hintergründen befragt.
Musik 043

Links: Dieses Gebäude ist um die Ecke von meinem Office. Ich fahre da jeden Tag vorbei. Es ist so groß, dass man es sogar vom Freeway aus sehen kann.
Es symbolisiert die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Detroits – wobei die Zukunft, dem exzessiven Kapitalismus und den Uneinigkeiten geschul-
det, eher ein stetes Auswischen der Stadt ist. Ich liebe dieses Gebäude dafür, dass es mich immer wieder daran erinnert, was wirklich Realität ist, egal,
wie gut es einem geht – das sind die Roots. Oben: Ein Symbol des Scheiterns der drei Großen. Bessere Technologie gleich besseres Produkt.

P opschreibe bedeutet Aufladung. Es geht um das


Vermitteln, das Suchen und Finden, manchmal
auch das Herbeihalluzinieren von Kontexten,
Zusammenhängen und unerwarteten Querver-
bindungen. Gerade Orte, an denen in Sachen Pop Beson-
mit einer vernünftigen Portion Selbstbewusstsein als Tech-
no-Star und Allround-Musiker. Zum anderen hält er sich
angesichts der Geschichte und des Stadtbilds Detroits
nicht lange mit Glorifizierungen auf, sondern geht lieber
auf soziale und ökonomische Bedingungen ein, die diesen
deres passiert, werden so schnell durch eine magische Ort genau so haben werden lassen. Trotzdem bleibt da
Aura überhöht. Je unspektakulärer oder trister die realen ein Rest an Geheimnis und mythischer Aufladung, näm-
Gegebenheiten vor Ort, umso stärker muss die auratische lich in seiner Musik.
Verklärung knistern. So schön kaputt alles hier! Der My- Carl Craig nimmt unter den Detroiter Produzenten eine
thos der Stadt Detroit und ihrer ureigenen Musik Techno Sonderstellung ein. Die Techno-Pioniere Juan Atkins, Der-
wurde genau deshalb schon oft genug erzählt. Nun soll rick May und Kevin Saunderson – die berühmten Bellevil-
also ausgerechnet Carl Craig auf einer Rundfahrt durch le Three – treten kaum noch mit eigenen Produktionen in
seine Heimatstadt als Zeremonienmeister der Entzau- Erscheinung und bereisen eher als museale Verwalter ih-
berung herhalten? rer eigenen Vergangenheit die Tanzflächen der Welt. Wie
Sagen wir lieber: als Realist. Zum einen vermittelt sich die Belleville Three ist Craig ebenfalls seit Ende der 80er-
seine Persönlichkeit nicht durch Mysterium, Militanz oder Jahre dabei, war aber auch in den letzten Jahren sehr pro-
afro-futuristische Erlösungsutopien. Er präsentiert sich duktiv und steht nach einer nicht enden wollenden Se- ≥
044 Musik
Musik 045

Links: Das ist der Hart Plaza – hier findet das Movement Festival statt (früher hieß es Detroit Electronic Music Festival). Mein Lebenstraum ist wahr ge-
worden, als in diesem Park elektronische Musik gespielt wurde. Ende Mai ist die ganze Gegend hinter mir voll mit Musikfans. Oben: Michigan Central
Train Station. Herzlich willkommen in Detroit. In jeder europäischen Stadt wäre das das Stadtzentrum, in Detroit ist es der Anfang vom Ende. Aber genau
deswegen liebe ich die Stadt so. Der Zustand dieses Bahnhofs ist das direkte Resultat des Kriegs gegen die Massentransport-Infrastruktur in den USA.
Alles, was nicht auf Autos hinausläuft, ist der Feind und wurde systematisch zerstört. Damit es den drei großen amerikanischen Autofirmen gut geht.

≥ rie an Remix-Hits im Zentrum der Aufmerksamkeit. Mit der Stadt, die ihn nach wie vor maßgeblich inspiriert. Im
einer Compilation zieht er nun Bilanz, vorläufig. »Sessi- Gespräch könnte er sich wohl stundenlang über Details
ons« ist eine Retrospektive, die Tracks vom Anfang der auslassen: über die Veränderungen der einst so inspirie-
90er mit aktuelleren Produktionen, vor allem aber sei- renden Radiolandschaft mit Charakteren wie The Elec-
nen zahlreichen Remixen verbindet. trifying Mojo, über Ron Murphy, den kürzlich verstorbenen
Diese Mixe fabriziert Craig sozusagen unter dem Ver- Soundingenieur des Mastering-Studios NSC, und was man
größerungsglas. Er sucht die Originale – die wohl bekann- von Murphy alles lernen konnte. Die Ruinen der Stadt sind
testen stammen von den Junior Boys, Theo Parrish, Delia für Craig Mahnmale, etwa eine verlassene Fabrik in der
Gonzales & Gavin Russom – nach ihren kleinsten funktio- Nähe seines Büros, bei der keine Fensterscheibe mehr heil
nalen Einheiten ab und baut daraus zunächst nichts ande- ist. »Ich sehe dieses Gebäude jeden Tag. Es stellt für mich
res als einen Groove. Für Tanzmusik würde das im Grun- die Geschichte von Detroit dar, die Geschichte eines Ortes,
de ausreichen. Spannend wird es, wenn Craig auf dieser der eine blühende Industriestadt war und jetzt eben nicht
Grundlage richtig episch wird, nicht nur im Sinne einer ewig mehr ist. Solche Ruinen sind Monolithen, aber sie sagen
in die Länge gezogenen Dancefloor-Hypnose, sondern auch mir in geschichtlicher Hinsicht das Gleiche wie die Trüm-
im Sinne einer Erzählung, die Craig oft mit nur minimalen mer in Rom oder Griechenland: Es geht um das Erinnern
Variationen aus den Grooves herausholt. einer gewesenen Kultur. Diese Fabrik erzählt von einsti-
Er erzählt damit auch von der Geschichte Detroits, von ger Größe – und sie ist das Gerippe, das davon übrig ≥
046 Musik

Ein Bild aus der »Moderne Kunst«-


Abteilung des Detroiter Institute
Of Arts. Ich bin da als Kind immer
sehr gerne hingegangen, ein tol-
ler Platz, um sich inspirieren zu
lassen. Kunst ist eine genauso
wichtige Inspiration für mich wie
Musik, immer und überall, vor al-
lem dann, wenn man nicht damit
rechnet. Ich liebe es, einen Künst-
ler oder ein Kunstwerk zu entde-
cken, von dem ich vorher nichts
wusste.

Henry Ford ≥ blieb.« Craig ist trotzdem kein Nostalgiker. Auf seiner stehen können: diese Idee, etwas, das im Grunde so kalt
Als Autofabrikant hat Ford Anfang des 20. Rundfahrt durch Detroit besucht er nur solche Orte, die ist, durch Musik mit Seele aufzuladen.«
Jahrhunderts maßgeblich moderne indus- heute für ihn relevant sind. Keine ehemaligen Clubs also, So wurde das Motown-System namenloser, im Akkord
trielle Produktionsweisen sowie den nach
ihm benannten Fordismus geprägt. Er
sondern lieber sein Wohnzimmer und sein Studio, Räu- arbeitender Studiomusiker von kleinen elektronischen
machte Detroit zu einer prosperierenden me, die er als Zufluchtsorte und quasi heilige Bereiche Kisten abgelöst, deren Namen und Sounds immer noch
Stadt, die jedoch in hohem Grad von der beschreibt. An einer alten Weisheit aber hält er fest: dass von Mythen umrankt sind. TR 808, TB 303, SH 101. Heu-
Autoindustrie abhängig war, was in den
Krisen der 70er-Jahre fatale Auswirkun-
Techno nirgendwo anders als hier hätte entstehen können. te gibt es neue Maschinen, und es gibt neue Ruinen. Carl
gen hatte. »Es gibt keine andere Stadt auf der Welt, die wie Detroit Craig ist einer, der immer wieder von den Spannungsver-
ist. Henry Ford hat hier das Fließband erfunden, und die- hältnissen dazwischen erzählt.
Berry Gordy ses Konzept hat Berry Gordy darin beeinflusst, wie er Mo-
... baute im Detroit der 60er-Jahre mit town führte. Gordy wollte ohne Unterlass Musik produzie- Auf intro.de: Verlosung
Motown eines der wichtigsten schwar- ren und sie konstant veröffentlichen, einfach, um immer
zen Pop-Labels überhaupt auf. 1972
verschwand er nach L.A., passend zum
genug Angebot für die Nachfrage zu haben. Als die Auto-
Niedergang der Stadt nach Rassenunru- produktion aber zunehmend auf Roboter umstieg, hat das
hen und Finanzkrisen. Das seither leer Juan Atkins beeinflusst. Beide waren also im Grunde ins- Carl Craig
stehende Motown-Bürogebäude wurde im
Jahr 2006 abgerissen.
piriert von diesem Ford’schen System. Ich glaube, an ei- Sessions
nem anderen Ort als Detroit hätte so etwas gar nicht ent- 2 CD // !K7 / Al!ve (??)
048 Wien Special: Musik

WIEN, DAS
GEHT.
Die Indie-Labellandschaft einer Stadt in knapp drei Tagen abzustiefeln mag per se
schon ein arg ambitioniertes Ziel sein, konkret auf Wien bezogen stellt es sich natür-
lich schnell als unmöglich heraus. Zu viel geht hier, im Großen und – gerade durch
das merklich weniger prekäre Kultur-Klima – auch im Kleinen. Aber wer will sich
beklagen, weil er aus dem Vollen schöpfen kann? Wir sicher nicht. Thomas Venker,
Florian Obkircher und Linus Volkmann haben Taxen angeheuert und sind auf Be-
suchstour gefahren.
Fotos: Holger Risse
Wien Special: Musik 049

Schoenwetter Wohnzimmer
Im Netz: http://inkmusic.at Im Netz: www.wohnzimmer.com
Das Wichtigste: Die in Deutschland via Tapete Records be- Das Wichtigste: Wohnzimmer ist vielleicht das konstan-
kannten Garish motivierten vor vier Jahren Hannes Tschürtz teste Indie-Label der österreichischen Jetztzeit. Finan-
zur Gründung eines Labels, das in dem Konglomerat Inkmusic ziell kann man sicher nicht klotzen, aber es ist spürbar,
mit Aktivitäten wie Booking, Merch, Österreich-Lizenzierun- dass hier auf kleinem Level richtig klassisch mit Releases
gen (die letzte Tom Liwa beispielsweise) etc. aufging. Die Ver- gearbeitet wird. Ein Umstand, der dann natürlich auch in-
öffentlichungszahlen der Exil-Burgenländer Clique befinden sofern zurückstrahlt, dass einige der Wohnzimmer-Acts
sich bereits in den 20ern. Die wenigsten sind dabei in Deutsch- über den Geheimtipp-Status rausschauen. Also Bands
land erschienen; ein Umstand, den es 2008 zu beheben gilt. wie z. B. Velojets, The Beautiful Kantine Box, Fuzzman,
Vor allem mit den beliebten Locals Ja, Panik, aber auch dem Shy, The Seesaw. Zudem führt das Label in seinen Rei-
Import Trouble Over Tokyo dürfte sich der Fame des Kleinbe- hen Indie-Celebs wie Kreisky (deren Sänger ja als Aus-
triebs auch in hiesige Gefilde tragen lassen. trofred fungiert) oder Rotifer (die Band des Musikjour-
Nächste Veröffentlichungen: The Jessica Fletchers »You Spi- nalisten Robert Rotifer, der aus London für die heimische
der«, Beangrowers »Not In A Million Lovers«, Across The Del- Presse telegrafiert).
ta »Dancing To Architecture« Nächste Veröffentlichungen: Rotifer »Coach No. 12 Of
In Action: Schoenwetter wohnen etwas draußen, das DIY-La- 11«, Kreisky »Kreisky«, The Artistry »The Artistry«
bel besitzt dabei ein richtiges Ladengeschäft, in dem Shirts, In Action: In einem der vielen Restaurants des Wiener Mu-
CDs und Mutters Strudel zu kaufen sind. Über einen ihrer Acts seumsgeländes treffen wir auf Peter und Lelo, also 2/3
sowie über verwandtschaftliche Verstrickungen von Hannes Wohnzimmer. Wobei wir Lelo gleich erkennen: Er spiel-
tun sich im Gespräch plötzlich Beziehungen zum Kapitän der te mal bei Heinz Aus Wien. Einer Bekenntnis-Jungsband
österreichischen Nationalmannschaft auf. Dennoch werden von großer Bekanntheit. Über unsere Textsicherheit von
wir auch nach wiederholtem Nachfragen nicht mit EM-Kar- alten halb coolen Hits wie »Ich mag das Mädchen, das
ten bestochen. Die Spieler, so erfährt man, bekämen selbst trinkt« sieht Lelo großzügig hinweg und erzählt, was vor-
nur acht zum freien Gebrauch. her nur zu vermuten war: Wohnzimmer läuft auch deshalb
so gut und professionell, weil keiner der drei Beteiligten
Geld damit verdienen muss. Groschengrab Plattenfirma
Geco Tonwaren & Hoanzl als amtliches Hobby – so viel Enthusiasmus kann doch
Im Netz: www.hoanzl.at gar nicht falsch sein.
Das Wichtigste: Hinter dem rätselhaften Namen Hoanzl ver-
birgt sich ein renommierter, langsam gewachsener Indie-Ver-
trieb in Österreich. Angefangen hat alles mit Kabarett und Fil-
men, aber mittlerweile (und besonders auch nach der Pleite
von Soul Seduction) hat sich die Ausnahmestellung auch für
Musikprodukte verfestigt. Jenen Musikbereich betreut Chris-
toph Moser, ein Szene-Urgestein, aktiv seit den 70ern in allen
möglichen und unmöglichen Bereichen.
Nächste Veröffentlichungen: Netnakisum, [koe:r], Coshiva /
Butterfly, Fatima Spar & The Freedom Fries »Remix-EP«
In Action: Moser betreibt innerhalb von Hoanzl neben einem
Label für Dancehall-Reggae auch eines für HipHop mit dem Na-
men Geco Tonwaren. Hier erschien zuletzt die aktuelle Platte
von Texta, einem bewussten Rap-Act, wie es ihn in Deutsch-
land seit dem Siegeszug von Proll’n’Aggro so gar nicht mehr
gibt und der in Österreich mit seinem klassischen Sound im-
mer noch für Furore sorgt. Texta trägt auch die Verantwortung
für den Song des Jahres 2007 auf FM4: »So schnö kaust gar
net schaun« (featuring Attwenger).
050 Wien Special: Musik

Diskokaine Klein Records


Im Netz: www.myspace.com/diskokaine Im Netz: www.kleinrecords.com
Das Wichtigste: Schaut mal auf Diskokaines Myspace- Das Wichtigste: Wiener Institution, die schon lange nicht
Seite, und schon dürfte alles klar sein: Wildester Teletex- mehr nur in Downbeat macht. Das von Christian Candid
Kaputt-Style wird da gefahren. Und genau so ist der Typ 1997 gegründete Label ist derzeit das beste Beispiel für
hinter dem Label und Produzentennamen auch: Wolfram den fruchtbaren Boden, auf den die AMAN-Initiative (Aus-
Eckert repräsentiert den angenehm verwirrten Bohemi- trian Music Ambassador Net) stößt. AMAN ist ein Zusam-
en, der – obwohl er so verzaust rüberkommt – so viel auf menschluss diverser österreichischer Labels mit dem Ziel,
die Reihe bekommt. Den will man nur knubbeln. Dement- sich gemeinsam besser für den internationalen Markt
sprechend hört sich auch seine Reinstolper-Geschich- aufzustellen. Gemeinsam mit Schoenwetter Rec. küm-
te an. Bisherige Referenzliste: Produktionen auf Clone, mert sich Klein Records um die englischen Indie-Popper
Gomma und dem eigenen Label Diskokaine, die Entde- Trouble Over Tokyo und zusammen mit Diskokaine um die
ckung und Produktion von Sally Shapiro und Koopera- schwedische Neo-Disco-Sensation Sally Shapiro. So rich-
tionen mit der New Yorker HipHop-Queen Princess Su- tig bekannt geworden ist das Label mit den Wiener So-
perstar, dem Wiener Techno-Urgestein Patrick Pulsinger fa Surfers. Neben dem Label wird noch die »Pling Plong
sowie ganz aktuell drei Remixe für Moby (erschienen am Klub«-Partyreihe im Wiener Club Fluc (Praterstern 5, 1020
14.03. auf Emi). Wien, www.fluc.at) betrieben.
Nächste Veröffentlichungen: Wolfram feat. Marcus Mixx Nächste Veröffentlichungen: Neben Trouble Over Tokyo
»America, Fuck Yeah« (Creme / Clone), Sally Shapiro »Disco (»Pyramides«) kommt dieser Tage eine Kollaboration von
Romance Remixed« (Paperbag / Permanent Vacation) mit Louie Austen und Seor Coconut – die beiden haben sich
Remixen von u. a. Lindstrm, DFA, Junior Boys und Dntel. des »La Boum«-Klassikers »Reality« von Richard Sander-
Kannst du mal kurz erzählen, wie du so angefangen son angenommen. Für den Herbst stehen Alben von Louie
hast? Ist ja eine gute Geschichte. Austen, den Sofa Surfers und Bunny Lake an.
Wolfram Eckert: Ich bin halt 2001 vom Land nach Wien EM-Tipp?
gezogen und hab dann dem Patrick Pulsinger einen Mix Christian Candid: Wenn Österreich und die Schweiz fusi-
für seine Radiosendung auf FM4 geschickt. Der hat mich onieren, holen wir den Titel. Na ja, ich bin immer auf Itali-
dann gleich eingeladen und auch noch nach New York zu en eingeschossen. Österreich schafft ein Tor.
einem Booking mitgenommen. Da bin ich dann drei Mo- Wie positionierst du dich ästhetisch, um der Gefahr der
nate hängen geblieben und hab sauviele Leut kennenge- Etikettierung »Wiener Sound« zu entgehen?
lernt, dauernd aufgelegt, mit so ziemlich jedem. Das kam Ich wollte mich nie auf den Wiener Sound festlegen lassen,
einfach so. Und so lief das auch mit den Zusammenar- deswegen gab es von Anfang an auch roughere, härtere
beiten. Ich legte beispielsweise auf der !K7-Party auf und Sachen, Dub-Veröffentlichungen, Clubgeschichten und
lernte Kaos und Princess Superstar kennen. Das ist zu- auch Black Music. Ich habe Acts gesucht und gefunden,
mindest die Interviewstory. [lacht] die das Label diverser gemacht haben. Wobei ich schon
Italo-Disco und Holland-Techno sind ja schon sehr wi- viele Sachen rausbringe, die Downtempo sind – die kom-
dersprüchliche Soundeinflüsse. men übrigens eher in südlicheren Ländern gut an, und
Ich vermisch halt alles. Sicher produziere ich, aber ich bin auch in den USA.
nicht so ein Produzent-Produzent. Meine Sachen klingen Wie wichtig ist Wien sozial für dich?
ja nie so ausproduziert, so perfekt. Nach ein paar Stun- Mal mehr, mal weniger. Es ist nicht einfach, aus Wien he-
den wird mir das immer zu fad. raus etwas in die Welt zu bringen, was auch daran liegt,
Und wie sieht es mit einem ersten Album bei dir aus? dass die Medien nicht so stark sind. Auf der anderen Seite
Ich wollte das vor Weihnachten schon fertig haben, kann man von hier aus aber in Ruhe arbeiten, und es geht
die Gomma-Leute, die das machen wollen, hät- auch immer mal mehr, derzeit ist beispielsweise die Club-
ten es dann noch vorm Sommer rausbringen kön- szene wieder sehr gut. Mir ist auch wichtig, dass wir selbst
nen, aber dann ist ein Remixauftrag für Moby da präsent sind. Wir positionieren uns ja auch durch unse-
dazwischengekommen. re Bookings hier, holten beispielsweise als Erste Whitest
Angst, das Material dann zu alt ist, hast du Boy Alive oder Rex The Dog in die Stadt.
nicht?
Ich bin mit allem eh schon 20 Jahre zu spät.
Wien Special: Musik 051

G-Stone Ja, Panik


Im Netz: www.g-stoned.com Im Netz: www.ja-panik.com
Das Wichtigste: Noch so eine Wiener Institution. Und auch Das Wichtigste: Der Falter-Magazin-Musikchef Gerhard
wenn sie noch mehr als Klein Rec. für immer und ewig – Stöger bezeichnete das burgenländische Quintett un-
dem markanten Werk von Kruder & Dorfmeister geschul- längst als beste deutschsprachige Rockband, die kaum
det – mit Downbeat assoziiert werden, eint vor allem die wer kennt. Doch nicht nur ihm hat es der ungestüme Gi-
extreme Produktionstightness und nicht der eine Sound tarrenrock dieser jungen Herren angetan, auch Jens Frie-
den Labelkatalog: G-Stone veröffentlicht langsam – und be zählt Ja, Panik aktuell zu seinen Favoriten. Und das mit
das kommt der Qualität zugute. Weiteres Kennzeichen der mangelnden Bekanntheit sollte sich ohnehin bald er-
des Labels: Die Künstler sind alle sehr eng mit dem La- ledigt haben, scharrt das zweite Album »The Taste And
bel verbandelt, man ist eine Familie. Dazu gehören u. a. The Money« doch schon in den Startlöchern. Von quirligen
Tosca, Peace Orchestra und DJ DSL. Aktuell überzeugt Ukulele-Klängen über hymnische Refrains bis zu spitzi-
vor allem Makossa & Megablast, der gemeinsame Afro- gen Post-Punk-Salven – musikalisch ist da alles drinnen,
beat-Hybrid von Sascha Weis und dem FM4-Musikchef was das Indie-Herz begehrt. Obendrein wirken Andreas
Marcus Wagner-Lapierre. Und wer sich fragt, was K&D Spechtls rotzig hingeschmetterte Texte über die Party und
so machen: Tracks für eine neue EP liegen in den letzten den Morgen danach so nah und authentisch, dass man
Zügen, nebenbei haben die beiden zuletzt auch ande- gleich selbst zu Bier und Aspirin greifen möchte.
re Produktionen verfolgt und beispielsweise den Sound Nächste Zeit: Die Gitarrenkoffer für die große Deutsch-
für die beiden Nokia-Handys 8800 Arte and 8800 Sap- land-Tour im Frühling sind bereits gepackt, einige »Ja,
phire Arte gebastelt. Panik Manifeste« im knallgelben Reclam-Outfit, ge-
Nächste Veröffentlichungen: Bereits Ende Januar er- dacht als CD-Gimmick, müssen die Jungs dafür aber
schienen, aber noch immer heiß: Rodney Hunter »Hun- noch heften.
terville«. Im ersten Halbjahr 2008 kommen das Remix-Al- Rock und Reclam, ist das nicht eine ähnlich seltsame
bum von Voom sowie »The Private Collection 1« von Peter Paarung wie Geld und Geschmack?
Kruder. Andreas Spechtl: Unserer Meinung nach ist Geld und Ge-
EM-Tipp? schmack zwar eine äußerst seltene Paarung, aber doch Weiter rein
Stefan Dorfmeister: Österreich wird es nicht werden, und eine durchaus zu begrüßende. Ein Blick aus dem Fenster exklusive Interviews mit Monochrom,
Deutschland auch nicht. Bleiben nur Frankreich und Itali- lässt einen das wohl leicht nachvollziehen. Über die Paa- Siluh und Soap And Skin auf
www.intro.de
en übrig, und die werden es schon hinkriegen. rung Rock und Reclam haben wir weiter noch nicht nach-
G-Stone ist ein Familienunternehmen... gedacht. Das Reclam-Heft steht aber vorwiegend für die
Ja, so ist es. Wir hatten früher mit !K7 einen kompetenten humoristische Komponente unseres Programms. Es be-
Partner, arbeiten mit ihnen und Compost noch immer eng ginnt ja schon mit den Worten »Von der Notwendigkeit des
zusammen, aber machen jetzt eigentlich fast alles aus Zitats, ja Plagiats«. Spätestens dann sollte die Form dem
der Verwertungskette selbst. Lediglich das Booking und Leser ein Lächeln aufsetzen.
das Clearing der Synchronisationsrechte wird von Elec- Recht oft geht’s auf eurem neuen Album um Feuer und
tric Chair gemacht. ums Brennen. Stehen diese Bilder im Zeichen eurer ju-
Wie sehr trifft euch denn die Pleite des Soul-Seduction- gendlichen Exzessbereitschaft oder eher für ein kathar-
Vertriebs, an dem ihr ja auch beteiligt war? tisches Erwachen?
Wir sind der größte Gläubiger, noch größer als die Ban- Zuallererst möchten wir erwähnen, dass wir uns jeglichen
ken. Wirklich viel Geld. Zum Schluss, in den letzten Jah- Kurzschluss auf unsere Biografien verbitten, da das ein
ren, hat es eine Form von Treue gegeben, wir wollten den trügerisches Bild auf die Gruppe Ja, Panik werfen würde.
letzten auch den Export abdeckenden Indievertrieb im Wir haben einen Helden erschaffen, den wir 40 Minuten
Land stützen. Jetzt machen wir alles direkt mit jedem lang auf zwölf Stationen schicken. Es ist die Geschichte
Land, was ja heute nicht mehr so einfach ist. Wir fahren eines jungen Menschen, den abstrakte Formen beherr-
das gleiche Modell wie das Sonar Kollektiv, das einen ex- schen, der auf der Suche nach Verantwortlichen ist, nach
ternen Export/Sales-Manager hat. denjenigen, die niedergeschlagen werden sollen. Wir schi-
Die AMAN-Geschichte geht ja auf eine Initiative von dir cken ihn also auf diese Reise und sehen, was mit unse-
zurück. Erzähl doch mal, wie es dazu kam. rem Helden passiert.
Ich wollte so ein Netzwerk eigentlich selbst machen, sah
aber ein, dass G-Stone nicht genug Releases pro Jahr hat,
um so eine Struktur aufzuziehen – und da andere das glei-
che Problem haben, kam es zur Kooperation, unterstützt
von der öffentlichen Hand. War natürlich eine Art Markt-
versagen des existierenden Exportbüros. Selbst wenn man
noch nicht sagen kann, dass es wirtschaftlich was bringt,
so doch allein schon, dass wir alle viel mehr gemeinsam
am Tisch sitzen und übers Geschäft reden.
052 Musik

ESSEN MIT AUSTROFRED, TEX UND THOMAS


Text: Linus Volkmann / Fotos: Thomas Venker

Die allgemein unterstellten Komplexe der Österreicher gegenüber dem fetten


Lokalmatador Deutschland werden für uns hier in Wien einfach nicht aufgeboten. Viel
eher möchte uns die aufwendige Schönheit der Stadt die Rücklichter zeigen.

S chaut in unsere malerischen Gassen, in unsere


Melange-geröteten, aber völlig ebenen Gesich-
ter.« Ja, verdammt. Wien ist zauberhaft, Köln
hässlich wie ein Troll. Jetzt zufrieden? Oder
müssen wir noch jede schmucke Brücke, jede Jugend-
und rauchende Kulturszene, die auch über die Landes-
grenzen hinausschwappt. Aktuell verbindet beide vor al-
lem die neue ORF-Late-Night-Show »Willkommen Öster-
reich«, die zuletzt auch in Deutschland als Weblink durch
die Postfächer geisterte – und zwar, als darin Ulf Poschardt
Stephan Rath stilfassade und jede urig bis coole Lebensäußerung ein- von der Rapperin Lady Bitch Wasser ins Gesicht bekam,
Im Auftrag des Label-Bündnisses AMAN zeln fotografieren? Schaut sich hinterher ja doch wieder die Sendung verließ und kurz darauf bei Vanity Fair raus-
tatsächlich als Botschafter für österreichi- niemand an. flog (keine Kausalitätsgarantie). Rubinowitz konzipierte
sche Musik in Deutschland aktiv. Sonst
u. a. Manager für Tocotronic mit Hang zu
die Show mit, sitzt dort auch als Sidekick regelmäßig im
Mod and Soul. Mehr in seinem Wikipedia- Tex / Thomas Schrank, Thomas Edlinger schreibt Einmarschtexte über
Eintrag to come. Jetzt haben wir auf jeden Fall Hunger. Die Intro-Reisegrup- die Gäste. Ein Job von vielen für beide.
pe findet sich allerdings trotz dieses universalen Bedürf- Rubinowitz besitzt, das wird bei Tisch schnell deutlich,
nisses hoffnungslos zerstritten wieder. Eure Durchlaucht, schwer zu ignorierende exzentrische Züge. Früher, also vor
der von AMAN berufene österreichische Musikbotschaf- elf Jahren, war er der eine des Selfmade-Elektronik-Duos
ter aus Hamburg, Stephan Rath, will so sehr Fleisch, als Mäuse. Ein Projekt, das dieses Jahr eine Wiederauferste-
würde er Part-Time bei Madsen und nicht den Goldenen hung mit mehr Beteiligten feiern wird. Erscheinen soll die
Tex Rubinowitz Zitronen trommeln. Kann er aber vergessen. Denn wir be- bis dato noch nicht fertige Platte (»ach, die Songs sind aber
Dem einen sicher auch als Autor oder suchen das Mondscheinstüberl, Ecke Mondscheingasse schnell gemacht«) auf dem Label Angelika Köhlermann,
schräger Comic-Zeichner ein Begriff. im siebten Bezirk. Gutbürgerliche Küche, allerdings kom- das sich Tex mit wem anders noch teilt. »Das eigene Album
plett vegan, was dann so viel bedeutet wie »Serbischer auf dem eigenen Label rauszubringen ist ja schon pein-
Thomas Edlinger Reis ohne Fleisch« oder »Wiener Weizenschnitzel«. Spit- lich«, meint er und hat damit natürlich unrecht. Aber viel
Eine der Stimmen des Radiosenders FM4. ze. Auch wenn der Botschafter Salz im Essen und einer wichtiger ist ihm ohnehin, mit dem Label Veranstalter der
Dort unterhält er als Moderator mit dem unserer Gäste Alkohol im Bier vermisst. Spalter! dritten Max-Müller-Soloplatte zu sein. Der schwierige Ex-
Alpen-John-Peel Fritz Ostermayer die,
man muss es so nennen, Kult-Sendung
Aber was war das? Gäste? Genau. Uns gegenüber sit- Mutter-Sänger mit seinem schwierigen Werk – mitunter
»Im Sumpf«. Zudem ist er Buchautor, zen mit Tex Rubinowitz und Thomas Edlinger zwei top Bei- verhaspelte Miniaturen, Publikumsferne, geringe Verkaufs-
Kurator und Tennisprofi. spiele für Österreichs bzw. speziell Wiens prosperierende erwartungen. Tex freut sich einen Ast. Nicht trotzdem, son-
Musik 053

dern gerade deshalb. Zeit, in die Schlafzimmeraugen von Austrofred dabei zum Glück nicht. Im regulären Rockzir-
Edlinger zu schwenken. Typ: Filou, klassischer Fall eines kus ist er Sänger bei den Indie-Stylern Kreisky, und die
Mannes, der einen emotional unglücklich machen würde Kostüm-Diva ergab sich eher nebenher. Dennoch sind die
und bei man sich aber dennoch darum reißen würde, dass Verhältnisse klar. Und zwar: »97:3«, das gibt Austrofred auf
er einem das ganze Programm antut. Österreichs ewige die Frage zu Protokoll, wie sich denn Geld und Aufmerk-
Geheimwaffe: Romeo-Agenten. Statt Mahlzeiten nimmt samkeit auf seine zwei musikalischen Spielfelder verteilen.
Thomas Bier in Halbliter-Intervallen zu sich. Und was die Grell sells eben. Und nicht nur Konzertkarten. Austrofred
anstehende Fußball-EM angeht, ist er der Erste, auf den hat neben einem Bootleg (eine »echte« CD wäre wegen der
wir treffen, der bezüglich des eigenen Teams nicht in de- Songrechte zu aufwendig) bereits eine DVD herausgege-
pressiven Untergangsmetaphern spricht. Das gefällt uns, ben, die elf Folgen seiner Kabel-TV-Serie »Hello Austrof-
es gibt Hoffnung, es gibt Heilung. Auch in Wien. Danach red, Hello Vienna« beinhaltet, zudem gibt es bereits die
geht’s ins Jenseits [leider bloß in eine rotplüschige Bar, die fiktive Biografie seines Alter Egos: »Alpenkönig und Men-
diesen Sponti-Namen trägt – Nelkengasse 3, 1060 Wien] schenfreund«. Weitere Bücher sollen folgen. »Eins habe
und danach für den Rest vom Schützenfest in den Futur- ich schon fertig, das wird heißen Ich rechne noch in Schil-
garden [Schadekgasse 6, 1060 Wien]. ling.« Dieser kauende schmale Mann mit dem Bart besitzt
viel, das merkt man gleich. Auch die von uns wohlinfor-
Austro / Fred mierten deutschen Pop-Journos aufgebrachte Tatsache,
Tags darauf arbeiten wir den good old Naschmarkt ab, ei- dass sein Idol Freddie Mercury schwul gewesen sei, kann Freddie Mercury
ne Meile feinster Angebote – sieht man mal von dem un- den überzeugten Heterosexuellen nicht aus der Ruhe brin- ... machte einst in München eine große
ausgesprochenen Bizarro-Fakt ab, dass sie sich thema- gen. Bleibt noch zu klären, ob er wirklich als Darsteller des Motto-Party. Jeder sollte im Look seines
Lieblingsstars kommen. Freddie kam
tisch ab dem vierten Stand immer nur noch wiederholt: anderen Pop-Toten, also von Falco, im Gespräch gewesen dabei ... als er selbst.
Olive, Obst, Käse, Wurst – eingebettet vorne und hinten sei. »Nee, aber ich habe den Typen, der es spielt, in einer
noch von gefälschtem Nirvana- und Onkelz-Merchandise. Vorschau gesehen, wie er sagt: Ist des noch mai Wien? Und Falco
Abends dann wieder Streit ums Essen. Restaurant Gold- ich dachte, Falco ist so leicht nachzumachen, aber den Das Biopic zu Falco »Verdammt wir leben
marie (Hoffmeistergasse, 12. Bezirk). Es gibt echte Wiener Satz allein hätten schon mal zwei Millionen Österreicher noch« lief gerade in Österreich an. Mehr
dazu auf den Seiten 68 und 69.
Schnitzel für die einen, lange Gesichter für die anderen. besser gekonnt.« Diesen Tiefschlag mit der überlieferten
Und es gibt Austrofred. Der Freddie Mercury von Wien, der Unfähigkeit des Wieners, gönnen zu können, zu erklären
deren Texte mit Klassikern des Austro-Pop tauscht. Klingt wäre kurzsichtig. Gerade auch angesichts des gestüm- Austro-Pop
nicht kruder, als es ist. Aus »Another One Bites The Dust« perten Films. Nein, Wien und seine Leute können fast al- Mischung aus alpenländischer Volksmusik
wird zum Beispiel »Eich Doddln gib i Gas«. Die Bierzelt-Tra- les. Und jetzt, ein paar Tage später, schauen wir uns so- in Mundart und Rock. Als überregional
bekannter Vertreter wird gern Wolfgang
vestie mit angeklebtem Bart, Gassenhauern, Volksmusik gar die 240 MB mit Fotos eurer schmucken Brücken an. Ambros genannt.
und Schunkelsuff erfüllt sich in Franz Wenzls Kunstfigur So scheiße gern haben wir euch nämlich.
054 Wien Special: Musik

WOHIN,
WIEN?
22

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20

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08 35
15 29 04
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Fotos: Holger Risse

16
Wien Special: Musik 055

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Elfenkleid 09 an der Donaukanallände (s. »Neulich«, S. 8)
Neubaugürtel 4a
Margaretenstr. 39/3+4 www.hotel-fuerstenhof.at
www.badeschiff.at
www.elfenkleid.com
Wiener Damen-Chic
Hotel Altstadt 40
KINO Kirchengasse 4
www.altstadt.at
CAFÉS Schikaneder 25
Margaretenstr. 24 Hollmann Beletage 41
www.schikaneder.at Köllnerhofgasse 6
Café Jelinek 10
www.hollmann-beletage.at
Otto-Bauer-Gasse 5
Mit gemütlichen Sitzecken. Für Butterbrot und Top Kino 26
Gugelhupf. Rahlgasse 1 Pension Nossek 42
www.topkino.at Graben 17
www.pension-nossek.at
Café Prückel 11
Stubenring 24
www.prueckel.at BARS Hotel Stadthalle 43
Hackengasse 20
Café Drechsler 12 Futuregarden 27 www.hotelstadthalle.at
Linke Wienzeile 22 Schadekgasse 6
www.cafedrechsler.at
Elektrogönner 28 MEDIEN
Café Ritter 13 Mariahilferstr. 101/2
Mariahilfer Str. 73 www.elektro-g.at
Falter
Wiener Schmäh in seiner schönsten Form: gran- Stadtzeitung, EUR 2,40
tige, aber adrett im Frack gekleidete Kellner. Tanzcafé Jenseits 29 www.falter.at
Nelkengasse 3
www.tanzcafe-jenseits.com
Elliefant 14 Unit F büro für mode
www.elliefant.com www.unit-f.at
(s. »Produktpalette«, S. 58) Donau 30 Publikation: Das Modebuch. Mit u.a.
Karl-Schweighofer-Str. 10 Wendy&Jim, Petar Petrov, Fabrics Interseason.
www.myspace.com/donau 318 Seiten, 48 Euro. Im Leporello-Format.
Lena & Laurenz Essgeschäft 15
Zollergasse 4
www.lenaundlaurenz.at Espresso 31 FM4
Gesundes to go. Wir empfehlen die vegane Burggasse 57 Der Radiosender. Auf 104.6 MHz oder als Live-
Russendisko. www.wirr.at/espresso Stream auf www.fm4.at
056 Wien Special: Mode

Ajla Karic
STAUB ZU STAUB
Mode von Ajla Karic wirkt streng im Sinne von verbindlich, und ver-
spielt, was die ausufernden Formen betrifft. Symbolik und Werte
von inspirierenden Bildern »nicht zu verwaschen«, ist der 26-jäh-
rigen Absolventin der Modeklasse an der Angewandten in Wien
dabei besonders wichtig. Ihr ästhetisches Vokabular entwickelte
sie unter der Ägide der belgischen Stardesigner Raf Simons und
Veronique Branquinho, die derzeit Gastprofessuren in Wien haben
bzw. hatten. Für die in Sarajewo geborene Karic hat der Start ins
harte Designerleben jedoch nicht nur wegen der Belgien-Depen-
dence in Wien gut angefangen. Ihre Abschlusskollektion wurde mit
dem Modepreis des österreichischen Bundeskanzleramts aus-
gezeichnet, anschließend folgte ein Praktikum bei Haider Acker-
mann. Schmuck designt Karic neuerdings auch. Die erste Kollek-
tion gemeinsam mit einem Freund soll »Staub zu Staub« heißen.
Kontakt: ajla.ka@gmail.com
058 Wien Special: Mode

Park Wilfried Mayer


DAS MODE MUSEUM SPLEEN UND DEMUT
Park gilt – da sind sich Wiener wie Touristen einig – allgemein als der Ein vererbter finnischer Wollpullover, unendlich oft geflickte Jeans und
superste Shop der Stadt. Das liegt zum Teil daran, dass der bis in den ein selbst genähtes schwarzes Kleid der Großmutter: Die Rohstoffe sei-
letzten Millimeter in kaltem, puristisch-weißem Design durchgestyl- ner Kindheit beflügeln Wilfried Mayer noch heute. Nachdem er bis 2002
te Concept Store statt im verstaubten traditionellen Edelboutiquen- Philosophie, Kommunikations- und Politikwissenschaften studiert hat-
Viertel Wiens im hippen Studentenbezirk Neubau liegt. Die Klientel te, kam er schließlich doch dem Ruf seines parallel schlagenden Herzens
ist also jung und smart – und deshalb auch nur insofern wohlha- nach, um an der Universität für angewandte Kunst in Salzburg zu lernen
bend, andächtig über das exzellente Angebot von Chalayan über – und in Wien sesshaft zu bleiben. Er begründet das wie folgt: »Klar wür-
Demeulemeester bis Vibskov streicheln und lediglich eines der an- den die Standorte Paris, London oder Mailand Vorteile mit sich bringen,
gebotenen Bücher, Magazine oder eine schwedische Jeans kaufen in Wien ist der Zugang zu Wissen jedoch demokratisch, und Produkti-
zu können. Das Kaufen steht bei einem Besuch im Park aber ohne- onsstandorte auf gutem Qualitätsniveau befinden sich in Reichweite.«
hin nicht im Vordergrund – ein Streifzug durch die fast 500 Quadrat- Die aktuelle Herrenkollektion von Mayer setzt auf Details und traditio-
meter auf zwei Ebenen gleicht eher einem Ausflug ins Museum. Das nelle Verarbeitung, garniert mit einem unverkennbaren ironischen Ges-
erklärt vielleicht auch, warum sich die Verkäufer dort gerne mal wie tus. Das Ausland hat seine charmante Ungeschliffenheit längst erkannt
die Museumsaufsicht benehmen. und wird ihn gut im Auge behalten.
Text: Kira Stachowitsch Text: Susanne Pospischil

Advanced Minority Les Frotteurs


DIE T-SHIRT GALERIE WIR STICKEN!
Beim T-Shirt-Label Advanced Minority steht der Designer im Mittel- Das kleine Wiener Mode- und Accessoires-Label Les Frotteurs fertigt
punkt, nicht die Marke. Weit ab von jeder Form des anonymen Corpo- Shirts mit handgestickten Motiven nach Wunschvorlagen von Fotos
rate Design, versteht sich das Label, ähnlich wie eine Kunstgalerie, oder Zeichnungen. Bei seinen Fahrradausflügen ins unweit von Wien
als Plattform für Künstler und Kreative. Maler, Illustratoren, Grafiker, gelegene Bratislava deckte sich Roland Schifferegger, Chefsticker und
Fotografen und andere talentierte Gestalter nutzen die Shirts als Me- einer der Protagonisten des Wiener Lo-Fi-Kollektivs Murmel Comics,
dium für ihre Arbeiten. Die kurzärmligen Baumwollkunstwerke zum stets begeistert mit Pixelrätselheften ein. Aus diesem Enthusiasmus
Preis von 39 Euro sind stets mit einem Schildchen versehen, das Aus- für abstrahierte Zeichnungen folgte eine Beschäftigung mit Kreuzstich,
kunft über den Werdegang des jeweiligen Designers gibt. So erfährt der ja nach dem gleichen Nullen/Einsen-Schema funktioniert, was ihn
man, wer das Motiv gestaltet hat und dank eines Fotos auch, wie der- weiter zum Rückstich transportierte, mit dem sich Zeichnungen per-
jenige aussieht. Unweit des Museumsquartiers in der Zollergasse 2 fekt in Stickbilder umsetzen lassen. Seine Partnerin Elfi Spießberger,
im Stadtteil Neubau im 7. Bezirk Wiens betreiben die Advanced-Mi- Absolventin der prestigereichen Modeschule Hetzendorf, näht eigen-
nority-Initiatoren den Laden Betastore. Dort kann man auf Tuchfüh- händig die T-Shirts, und verkauft werden die Unikate für sagenhafte
lung mit den T-Shirts gehen. Preise in der 50-Euro-Gegend. www.lesfrotteurs.com
Text: Kay Alexander Plonka Text: Ulrike Löffler
MUSIC NEWS AUSTRIA
Ö
sterreich, Europa, Frühjahr 2008 – die EURO 08 rollt noch nicht. Noch ist die Luft frisch und lässt Raum für Klänge abseits der Nordkurve. Obgleich
jüngst FALCO wieder auferstanden ist. Auf Zelluloid, auf DVD, auf allen erdenklichen Medien. Was soll’s. Die Österreichische Musikszene hat das Mo-
zartjahr überlebt, da wird man auch damit noch fertig. Apropos Mozart! Für den diesjährigen AMADEUS-AWARD (den Austro Grammy) wurden u.a.
nominiert: Waldeck mit “Ballroom Stories”, Count Basic mit “Love & Lights” und das Gypsy-Jazz-Nachwuchstalent Diknu Schneeberger mit “Rubina”. Pro-
behören auf www.aman.ag. Hier nun noch ein paar Kostproben die nicht auf’s erste Hören nach Österreich klingen und doch nur von dort kommen können:

JA PANIK TROUBLE OVER TOKYO


The Taste And The Money Pyramides
GENRE: ALTERNATIVE, ROCK&POP
GENRE: ALTERNATIVE, ROCK&POP LABEL: Schoenwetter Schallplatten
LABEL: Schoenwetter Schallplatten WEBSITE: www.schoenwetterschall.at
WEBSITE: www.schoenwetterschall.at Ein Solo-Album im Wortsinn: Die Songs gespielt, gesungen,
Schon im Herbst vergangenen Jahres erschien mit „The geschrieben und mit aller Emotion gelebt von der britischen
Taste and The Money“ das zweite, schon heiß erwartete One-Man-Show Christopher „Toph“ Taylor, das Artwork zur
Album der in Wien gegründeten Band. Die Stücke spielen Gänze von seiner Hand gezeichnet (inklusive einer Leer-
in einem Leben fernab wohlbehüteter Indie-Sentimentali- seite, die dazu da ist, sie erneut von Hand von ihm bema-
tät. Gehetzt und mit langem Atem zelebrieren Ja, Panik len zu lassen, wenn man ihm begegnet). „Pyramides“
z.B. ihre obligatorische Hass-Liebe zu Wien und verwan- umfasst zehn Titel zwischen Melancholie und Tanzboden,
deln sich dabei in die Geister dieser Stadt. zwischen Hoffnung und Verzweiflung, zwischen schüch-
terner Zerbrechlichkeit und der Macht einer Stimme.

SOULCHEMISTRY RUSSKAJA
Discovery Kasatchok Superstar
GENRE: ELECTRONIC, HIP HOP, DUB GENRE: WORLD, SKA, ALTERNATIVE
LABEL: DEFusion Records LABEL: chat chapeau
WEBSITE: www.defusionrecords.com WEBSITE: www.chatchapeau.com
Soul Chemistry ist der jüngste Wurf von Karl Moestl – dem
In der vergangenen 18 Monate schaffte es die Russian-
Producer-Part des erfolgreichen G-Stone Duos “Walkner
Balkan-Ska Formation RUSSKAJA vom Wiener Geheimtipp
Möstl”. Im Team mit MC Coppa (UK), Elle (A) und dem Soul
zur Crossover Kulttruppe aufzusteigen. Ihre Konzerte sind
Chemistry Collective Big John (USA), Aminata (A), Yosua
Ereignisse, die vom 100% wie vom Enthusiasmus der
(D) und Betty Semper (UK) zielt die innovative Fusion von
wachsenden Fangemeinde getragen werden. Mit ihrem
kühlen, elektronischen Klängen und erdigem, warmen Hip-
Debut-Album “Kasatchok Superstar” schafften Sie jüngst
Hop und Dub sowohl auf den Dancefloor als auch auf den
auf Anhieb den Einstieg in die Top 30 der Österreichischen
anspruchsvollen Hörer daheim. Zum wirklichen Hörgenuss
Albumcharts.
wird das Ganze vor allem durch die hochkarätigen Soul-
stimmen von Big John, Aminata und Yosua.

Exquisites aus Österreich ausgewählt für INTRO von den AMAN Ambassadoren
AMBASSADOR Der österreichische Labelverband AMAN – Austrian Music Ambassador Network stellt den INTRO Lesern eine exklusive Auswahl von
Releases der AMAN Mitgliedslabels zum gratis Download zur Verfügung. Zusammengestellt wurde die Kollektion, die nirgendwo käuf-

KOLLEKTION lich zu erwerben ist, von dem deutschen AMAN Ambassadoren.

MONK JA, PANIK THE CURBS PAROV STELAR WALDECK SON OF THE VELVET RAT
GRATIS-DOWNLOAD AUF
TEXTA SOULCHEMISTRY RODNEY HUNTER KARL MOESTL SALLY SHAPIRO BUNNY
WWW.AMAN.AG/INTRO
LAKE SUSANNA RIDLER TROUBLE OVER TOKYO CONVERTIBLE RUSSKAJA

LIVE
JA PANIK ACROSS THE DELTA RUSSKAJA TEXTA
27.03. Kulturlabor Stromboli, Hall in Tirol (A) 23.04. Pretty Vacant, Düsseldorf (D) 27.03. Boogaloo, Pfarrkirchen (D) 28.03. Arena, Flims (CH)
04.04. Kapu, Linz (A) 24.04. Astra Stube, Hamburg (D) 28.03. Schlachthof, Kassel (D) 29.03. Intersport Nova, Silvretta (A)
05.04. Carinisaal, Lustenau (A) 25.04. Schokoladen, Berlin (D) 29.03. Kaffee Burger, Berlin (D) 11.04. WUK, Wien (A)
12.07. Rock am Hof, St. Agatha (A) 26.04. Unikum, Halle (D) 30.03. Hafenklang, Hamburg (D) 18.04. Kufstein (A)
01.08. Palaverama Festival, Gmünd (A) 27.04. Noch Besser Leben, Leipzig (D) 03.04. Backstage, München (D) 19.04. Kraftwerk, Krummenau (CH)
30.04. Campus Rock, Linz (A) 05.04. KGB, Freiburg (D) 30.04. Prater, Wien (A)
WALDECK 17.05. K-Festival, Wiesen (A) 18.04. Sinkkasten, Frankfurt (D) 02.05. Biberach (D)
19.04. Europäische Clubnacht, Berlin (D) 19.04. Underground, Köln (D)

Music News Austria ist ein Service von AMAN - AUSTRIAN MUSIC AMBASSADOR NETWORK.
Mehr Info über Musik aus Österreich gibt es auf www.aman.ag

Mit freundlicher Unterstützung von wientourismus.at


060 Wien Special: Mode

PROD
UKT PAL
ETTE
1+7 Souvenirs vom Naschmarkt, einem riesigen Wochenmarkt mit
kosmopolitischem Flair. Endlos Stände voller frischer Waren und
zu Flohmarktzeiten am Samstag Laufsteg und Fundgrube für un-
sereins. Kleid und Weidenkätzchen, je 2 Euro.

2+10 Diese Streichholz-Schatulle schmücken die Wiener Wahr-


zeichen: Staatsoper, Schloss Schönbrunn, Stephansdom und das
Riesenrad. Hier ins Bild galoppierend: ein Reiter der Spanischen
Hofreitschule. 1752 gegründet, ist sie weltweit die letzte, die klassi-
sche Reitkunst praktiziert. Im Sommer kann man den wohlerzoge-
nen Lipizzanerhengsten in Vorführungen näher kommen. Die ganz
verrückten Ponymädchen unter uns sollten sich aber lieber um ei-
ne Fohlenpatenschaft bemühen! Oder sich eine Turnierschleife an
die Bluse heften: God Bless You, je 2,50 Euro.

3+5 Der frisch eröffnete Shop Kawaii auf der Lindengasse birgt gleich
zwei zauberhafte Labels: selbst genähte Lingerie von Juana De Arco
und durchgeknallte Jewellery von Claire Pain. Set mit BH und Hös-
chen: 49 Euro; Minnie-Mouse-Kette: 55 Euro.

3
4 Aufs Indie ist Verlass: Viermal im Jahr zeigt das Magazin eine ge-
konnte Mischung aus internationaler Mode und Musik. Betäubend,
kreischbunt, kurzsichtig. Neu im Verlag ist die Luxus-Version mit
dem Fokus auf Accessoires. Der vielsagende Name: Material Girl.
Heft: 5 Euro / 7 Euro.
1
6 Diese kleinen Plastik-Viecher warten auf Einsatz: als Wasserpis-
tölchen auf der nächsten New-Rave-Party. Kroko, Schildi und Ele-
fant, aufgelesen im 1-Euro-Shop.

8 Ellie ist Engländerin, in ihrem Café Elliefant auf der Neubaugasse


gibt’s Soup, Sandwiches und Süßigkeiten. Was genau sie in ihrem
Pickle zusammenbraut, bleibt jedoch ihr Geheimnis. Glas: 6 Euro. 2
9 Was bei uns die Bionade, ist dem Österreicher sein Almdudler:
30 natürliche Alpenkräuter enthält die schmackhafte Limo. Lieb-
haber schwören außerdem auf das Almradler, den 50/50-Mix mit
Puntigamer Bier. Flasche: 1,95 Euro.

11 Sweet as Gugelhupf: Neben der in Wien hergestellten Waffel-


schnitte Manner ist das wohl berühmteste Dessert seit 1832 die
Original Sacher-Torte, Schokoladentorte mit Aprikosenmarmela-
de, und so richtig original gibt es sie nur vor Ort. Außer, man gönnt
sich eine Prise Dekadenz und bestellt sie sich per Post ins Haus.
Die Piccolo-Variante kommt für 19 Euro plus Versand genussfer-
tig im Holzkästchen direkt aus Wien. Passend dazu: ungesüßter
Schlagobers, cremige Sahne. www.sacher.com

Produktion + Text: Amélie Schneider


Foto: Lioba Schneider

Wir verlosen das Unterwäsche-Ensemble von Juana De Arco, Größe


M. Mail an verlosung@intro.de, Betreff: »Vienna Calling«.
Wien Special: Mode 061

5
7
9

8
4

6 10 11
062 Mode

GEMEINSAME SACHE
High-Fashion-Designer, Sportmarke oder Jeanslabel – Koopera-
tionen stehen bei allen hoch im Kurs. Waren es anfangs meist
namhafte Künstler oder renommierte Designer, die von den Global
Playern der Branche zu exklusiven Projekten gebeten wurden, sind
es momentan die Marken selbst, die sich gegenseitig unter die
Arme greifen. Eine Momentaufnahme in vier Akten von Kay Alex-
ander Plonka.

Z uletzt sorgte die Präsentation der gemeinsa-


men Jeanshosenlinie »adidas Originals Denim
by Diesel« in Berlin für Aufsehen. Der Sportar-
tikelhersteller aus Herzogenaurach und die Fa-
shion-Jeans-Marke aus Molvena ließen ihre Designab-
wohl bekannteste Street-Couture-Designertrio gebeten,
einen Schuh anlässlich des 100-jährigen Firmenjubilä-
ums zu gestalten. Beeindruckt von der Herstellung der
Turnschuhe im nordenglischen Werk in Flimby, hatten die
Dänen zugesagt.
teilungen unter der Leitung von Diesels Kreativdirektor Beim amerikanischen Taschen-Spezialisten Eastpak
Wilbert Das zwei Hosenmodelle für Männer und Frauen hingegen gehören Kooperationen mit bekannten Persön-
in verschiedenen Waschungen entwickeln. Diese sind nun lichkeiten schon lange zum Konzept. Egal, ob es sich da-
seit Anfang Februar ausschließlich in den Läden von adi- bei um Rock’n’Roll-Legenden wie z. B. Ex-Guns-N’-Roses-
das Originals erhältlich. Gitarrist Slash und Altrocker Ozzy Osbourne handelt, die
Crosspromotion nennt man diese Art der Zusammen- Klassiker aus der Kollektion für einen guten Zweck mit
arbeit. Und »adidas Originals Denim by Diesel« ist nur ei- selbst gemalten Bildern verzieren, oder um Signatur-Se-
nes von vielen aktuellen Beispielen dafür. Fast zeitgleich rien von Profi-Skateboardern wie die von Steve Caballe-
hatten in Japan der Jeanshersteller Edwin und die Sport- ro. Neu hingegen ist Eastpaks Engagement im absoluten
schuhmarke Asics die gleiche Idee. So entwickelten die High-Fashion-Bereich: Der belgische Star-Designer Raf
Edwin-Designer für die Linie »Onitsuka Tiger«, in der his- Simons hatte für seine Modenschauen in Paris 50 Ruck-
torische Turnschuhe aus den Archiven von Asics wieder säcke als Teil des Gesamtoutfits kreiert und in Kooperati-
neu aufgelegt werden, ebenfalls zwei Hosenmodelle. Die- on mit Eastpak umgesetzt. »Material World«, so das Motto
se sind aufgrund der geringen Stückzahlen hierzulande der Kollektion, für die keine bestehenden Eastpak Modelle
nur im markeneigenen Onitsuka-Tiger-Laden in Berlin- re-designt, sondern vollkommen neue Muster produziert
Mitte erhältlich. wurden. Die Top-5 der auf dem Catwalk präsentierten Mo-
Berlins Mitte scheint ohnehin das Kollabo-Mekka zu delle gingen danach in Produktion und sind nun in streng
sein, denn auch die vom Label Wood Wood designten New- limitierter Auflage zu Preisen zwischen 200 und 3.000 Eu-
Balance-Laufschuhe gab es nur 96 Mal in den eigenen Lä- ro ausschließlich in Läden, die auch die Kollektionen von
den der Dänen in Berlin-Mitte und in Kopenhagen sowie Raf Simons verkaufen, erhältlich.
im Internetshop. Hintergrund solcher Kooperationen ist
oft die gegenseitige Wertschätzung der Design- oder Pro-
duktqualität. Im Falle von New Balance und Wood Wood et-
wa hatte das englische Laufschuhunternehmen das derzeit
Mode 063

Verlosung

Wir verlosen je zwei H&M-Kollektionen


für Jungen (M) und Mädchen (38), be-
stehend aus einem Kapuzen-Sweater
Fotos: Marlene Lucia Rehs

und einem T-Shirt aus der jüngst


veröffentlichten, limitierten »Fashion
Against Aids«-Kollektion. In den meis-
ten Läden sind die »Fashion Against
Aids«-Produkte schon vergriffen. Hier
habt ihr noch mal die Chance, eines
abzugreifen. www.intro.de/gewinne

DOLCE & GABBANA FÜR ALLE


Shoppingclub? Hm, das klingt irgendwie nach Bertels- kommen zugänglich gemacht. Bis dato sind seit dem Up-
mann Club, also nach Konsenskultur für die breite Käu- load im September 2007 schon 200.000 User registriert,
ferschicht. Zumindest erinnern wir das so aus den 80ern, darunter auch einige Player aus der Modewelt. Nicht um-
als wir noch an der Hand von Mama durch die Innenstadt sonst wurde brands4friends.de im Jahrespoll des Webpor-
geschleift wurden. tals gruenderszene.de von einer Expertenjury auf Platz #1
Dass es aber auch ambitionierter geht, zeigt derzeit in der Kategorie »Wirtschaftlicher Erfolg« gewählt. Aller-
brands4friends.de. Die Idee dabei ist simpel und nahe lie- dings, so viel Exklusivität sollte bei den gedroppten Mar-
gend: Die Macher kaufen attraktive Posten von Marken- kennamen doch drin sein, muss man vorher als Mitglied
klamotten wie Dolce & Gabbana, Calvin Klein, Quicksilver der kostenlosen Community akzeptiert werden – dazu be-
oder Nudie auf und bieten sie in begrenzter Menge im Rah- nötigt man eine Einladung eines Mitglieds. Oder aber ihr
men von zeitlich begrenzten Sonderaktionen an; bis zu 70 geht auf intro.de/brands4friends, wo wir 500 Zugänge ver-
% unter dem regulären Ladenpreis. Kurzum: Hier wird die geben. Einfach so.
Modewelt demokratisiert, auch abseits der Spitzenein- Text: T.L. Renzsche

s“)
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Mit M und Joe S

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www.galileomedien.de
064 Film

RU
Michel Gondry / Abgedreht – Be Kind Rewind

VERBESSE
FILM

F ür immer zwölf Jahre jung sein. »I’ve been twel-


ve forever«, gesteht Musikvideo- und Filmregis-
seur Michel Gondry in der Dokumentation auf
der Directors-Label-DVD über ihn. Zum ersten
Mal zwölf war Gondry im Jahr 1975. Damals liefen Filme
wie Scorseses »Taxi Driver« und Formans »Einer flog übers
Kuckucksnest« in den Kinos. Die werden in »Abgedreht
– Be Kind Rewind« leider nicht durch die filmhistorische verpatzter Sabotageversuch am Stromnetz macht aus
Wiederaufbereitungsanlage gejagt. Dafür gibt es skurri- Jerry einen wandelnden Magneten. Und sämtliche Bän-
le Mini-Parodien von »Ghostbusters« bis »Men In Black«. der der Videothek beinhalten wegen ihm nur noch weißes
Wie auf einer essbaren Kette aus Süßigkeiten werden sie Rauschen. Als tatsächlich eine Kundin (Mia Farrow) im La-
in rascher Folge aneinandergereiht. den auftaucht und nach »Ghostbusters« verlangt, droht
die Panne aufzufliegen. Was tun? In ihrer Not beschlie-
We’re afraid of no remake ßen Jerry und Mike, den Film in aller Eile nachzudrehen.
Scheinbar sind alle Protagonisten aus Gondrys viertem »Ich bin Bill Murray – du bist alle anderen.«
Spielfilm auf dem geistigen Niveau von Zwölfjährigen ste- »Ghostbusters« ist nur der Anfang. Mit Hilfe von Mikes
cken geblieben. Bei Jerry (Jack Black) kann man nicht ein- Videokamera und Jerrys Erfindungsreichtum als Auto-
mal sicher sein, ob er es überhaupt so weit geschafft hat. mechaniker sowie unter Mitwirkung jeder Menge Alufo-
Weil der Trailer, in dem er wohnt, neben einem Umspann- lie, Bindfaden und Pappkartons beginnen die Dilettanten-
werk abgestellt ist, trägt er Tag und Nacht Kopfbedeckun- Filmer ihr verlorenes Archiv wieder aufzufüllen. Drehorte
gen aus Metall. Dadurch sollen die Mikrowellen abgelenkt sind die Bibliothek, der Spielplatz und die Schrotthalde.
werden, mit denen die Regierung – oder wer auch immer – Letztere muss zugleich als Requisiten-Lager herhalten.
seine Gedanken unter Kontrolle zu bringen versucht. Als Nach und nach wird die gesamte Nachbarschaft in die
ob bei ihm noch was zu retten wäre! Jerrys bester Kumpel Selfmade-Produktionen eingespannt. Die Palette ihres
Mike (Mos Def) ist ebenfalls keine große Leuchte. Er hat es Schaffens reicht von »RoboCop« über die Muhammad-
aber immerhin zur Aushilfskraft der heruntergekomme- Ali-Doku »When We Were Kings« bis hin zum Südstaa-
nen Videothek von Mr Fletcher (Danny Glover) geschafft.
Fletcher verleiht Filme noch auf VHS und hat seine Kund-
schaft längst an die protzige DVD-Filiale an der nächsten
Ecke verloren. Die entscheidende Wendung: Ein gründlich
Film 065

UNGSANSTALTEN
Clip-Regisseur Michel Gondry galt als Meister der kurzen Form, bevor er mit
Spielfilmen auf sich aufmerksam machte. In Gondrys »Abgedreht – Be Kind Rewind«
werden Blockbuster auf ihre Essenz verkürzt. Eine Metapher für die sogenannte
Demokratisierung der Bilder im Netz? Auch die Kurzfilmtage in Oberhausen müssen
sich mit der Wirkung von YouTube und Co. befassen. Dietmar Kammerer nimmt
Gondrys Film und die Planungen für das 54. Festival unter die Lupe.

der letzten zwanzig Jahre Popcorn-Kino. Auch für Insi-


derwitze ist gesorgt. So darf Jack Black die Seiten wech-
seln und im neuen »King Kong« das Monster spielen. Die
»Ghostbusters«-Heroine Sigourney Weaver bekommt ei-
nen Auftritt als herz- und humorlose Rechtsanwältin der
Filmindustrie. Sie sieht sich durch das Treiben nämlich
in ihren finanziellen Interessen verletzt und schickt die
Rechtsvertreter mitsamt Dampfwalze vorbei, welche die
ten-Melodram »Driving Miss Daisy«. Natürlich darf auch selbst gedrehten – im Jargon des Films: »geschwede-
der Lieblingsfilm des Viertels, »Der König der Löwen«, in ten« – Bänder vor den Augen der versammelten Nach-
einer Art Puppentheater-Version nicht fehlen. Als der Er- barschaft platt fährt.
folg sich einmal eingestellt hat, ist er nicht mehr zu brem- Könnte man den Kampf der Kulturindustrie vs. die heil-
sen: Selbst lächerlich hohe Antrags-Hürden für eine Vi- los romantisch erscheinende Utopie einer nicht-entfrem-
deotheken-Mitgliedschaft – inklusive Telefonrechnungen deten Produktion schöner inszenieren? Gondrys Helden
und Blutprobe – können nicht verhindern, dass die Fan- befördern den Begriff des »Guerilla-Filmmaking« auf neue
gemeinde täglich größer wird. Höhen. Oder in neue Tiefen. Je nachdem. Hinter dem amü-
santen Bekenntnis zum Do-It-Yourself-Prinzip steht aber
Twenty years of popcorn ein geradezu philosophischer Gedanke: »Unsere Vergan-
Es ist nicht das verborgene Genie von Mike und Jerry, das genheit gehört uns. Wir können sie ändern, wenn wir wol-
die kollektive Begeisterung für die Low-Tech-Bricolage len«, wie das Filmteam – natürlich erfolglos – den Gra-
des Regieduos entfacht. Im unbedingten Durchhaltewil- nitköpfen der Urheberrechtsindustrie entgegenhält. Der
le unter widrigsten Bedingungen erinnern ihre Remakes Ort dieser Utopie heißt heute selbstverständlich Internet.
eher an die Camp-Ästhetik der Zwillingsbrüder George und Genauer gesagt verheißen ihn Videoportale wie YouTube, George und Mike Kuchar
Mike Kuchar. Der vollständige Mangel an Schauspielta- Clipfish, MyVideo. Dort wimmelt es nur so von obskuren Legendäre Lo-Fi-Twins aus New York
lent stellt sogar Ed Woods Kuriositäten-Kinoperle »Plan Remakes, Neuerfindungen, umgeschnittenen Versionen City, deren Filme berüchtigt sind für
mangelnde Handlungen, Inhalte und das
Nine From Outer Space« in den Schatten. der Lieblingsfilme der User. ≥ nicht vorhandene Schauspieltalent der
»Abgedreht – Be Kind Rewind« probt das bizarre Auf- involvierten Darsteller. Gesäumt werden
einandertreffen von Mainstreamfilm und handgebastel- ihre Karrieren von Namen wie Andy War-
hol, Kenneth Anger, Art Spiegelman und
tem Underground-Flair. Das Publikum erfährt ein perma- John Waters.
nentes »Making-of« und Wiedersehen mit den Evergreens
066 Film

≥ The path of least resistance


Allerdings tritt an diesem Punkt auch schon das Dilemma
von »Abgedreht – Be Kind Rewind« deutlich hervor. Un-
sere Vergangenheit gehört uns? Jeder kann ein Künstler
sein? Gemessen an den hohen geäußerten Ansprüchen
an demokratische Selbstermächtigung, am zu verneh-
menden Ruf nach Aufstand gegen Corporate-Business-
Interessen sowie den Appellen an die Macht der eigenen
Fantasie, darf man das fertige Produkt tatsächlich der
Vorstellungswelt eines ahnungslosen Teenagers zurech-
nen. Natürlich schafft Gondry nicht den Sprung hinaus aus
den Bedingungen der Kulturindustrie, sondern inszeniert
nur deren Kreisen um sich selbst. Und selbstverständlich
werden im Abspann sorgfältig sämtliche zitierten Klassi-
ker gelistet, deren »re-enactment rights« sich die feder-
führenden Produktionsfirmen New Line Cinema und Par-
tizan zuvor vertraglich gesichert haben.
Das muss nun nicht überraschen, schließlich will nie-
mand mit Klageforderungen der MPAA überhäuft werden. MPAA
Bedauerlich ist allerdings, dass die »geschwedeten« Ver- Abkürzung für Motion Picture Association
sionen ihren Vorbildern außer einer Überdosis Schrullig- of America. Zu diesem Verband gehören
die sechs großen Major-Labels Holly-
keit nichts hinzuzufügen haben. Nur mal zum Vergleich: Als woods: Walt Disney, Sony, Paramount,
»Star Wars – The Phantom Menace« in die Kinos kam, kur- 20th Century Fox, Universal und Warner.
sierte einige Zeit später unter der Hand eine Piraten-Ver- Und um deren Geschäftsinteressen geht
es natürlich auch, heutzutage vor allem,
sion. In dieser war Jar Jar Binks, der trottelige und allseits wenn es um Copyright-Angelegenheiten
verhasste Sidekick der stolzen Helden, komplett heraus- geht. Außerdem kontrolliert die MPAA das
geschnitten worden. Jene Fassung wurde derart beliebt, Film Rating System, das Äquivalent der
dass einer schönen – und ganz bestimmt erfundenen – hiesigen Freiwilligen Selbstkontrolle, die
Altersbeschränkungen für Filme festlegt.
Legende zufolge George Lucas nicht deshalb wütend wur-
de, weil er seine Autorenrechte verletzt sah, sondern weil
er nicht selbst auf die Idee gekommen war. An derartige
Vorstellungen, die tatsächlich dem Credo einer kreativen
Aneignung gerecht werden könnten, wagt sich Michel Gon-
dry nicht heran. Stattdessen werden die Szenen mit dem
höchsten Wiedererkennungswert der jeweils kopierten Fil-
me abgespult: die Fahrt auf der Tunneldecke in »Men In
Black« oder der Schleimangriff des grünen Schwabbel-
Monsters in »Ghostbusters«. Jack und Mike sind letztlich
keine Filmfreaks, sondern Hobbybastler, die sich stän-
dig fragen: Wie wurde das gemacht? Wie können wir die-
sen Effekt nachmachen? Anstatt: Wie könnten wir diesen
Film besser machen?
»Sometimes the best movies are the ones we make
up.« Gondrys Motto erfüllt sich erst am Schluss: Mit Hil-
fe der gesamten Community und mit einem eigenen Dreh-
buch machen sich Jack und Mike an ihr erstes richtiges
Filmprojekt: die frei erfundene Geschichte des Viertels
als Geburtsort der Jazz-Legende Fats Waller. Das kann
den Abriss der Videothek, die einem Stadtsanierungs-
programm weichen muss, jedoch auch nicht mehr auf-
halten. So endet der Film als nostalgische Hommage an
die Blütezeit des Jazz. Ebenjene Musik, die das freie Im-
provisieren und Wiederverwenden anderer Melodien zur
Kunstform erhoben hat.
Wird »Abgedreht – Be Kind Rewind« als VHS erschei-
nen? Nie im Leben. Wird es erlaubt sein, Remakes davon
herzustellen? Ganz sicher nicht. Halt, vielleicht doch. Auf
www.youtube.com/user/BeKindMovie hat Gondry eine
»geschwedete« Version seines eigenen Trailers hochge-
laden. In sämtlichen Rollen: er selbst.

Abgedreht – Be Kind Rewind


USA 2008
R: Michel Gondry; D: Jack Black, Mos Def, Danny Glover, Mia Farrow,
Melonie Diaz; 03.04.; Preview in Köln siehe www.intro.de
Film 067

Jack Black und Mos Def schön verpackt. Oder: Wie aus
Couch Potatoes und Pantoffelhelden glitzernde Stars
werden. Michel Gondry macht's möglich.

Ein Vorausblick auf die 54. Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen

KLEINE FORM GANZ GROSS


Der Kurzfilm – die kleine Form ganz groß. Das, was jeder ratierte Programm »Grenzgänger und Unruhestifter« auf
machen kann, der in der Lage ist, eine Kamera zu hal- die Suche nach Definitionen des Politischen: Wie haben
ten. Dafür ist kein teurer High-Definition-Digitalappa- sich die Strategien des politischen Films und Videos ent-
rat mit Nachtsichtfunktion nötig. Ein Camcorder für den wickelt – aktuell und in ihrer historischen Form? In Beglei-
Heimgebrauch tut’s ebenso. Vielleicht auch Vaters alte tung zu den zahlreichen kuratierten Programmen sowie
Super-8. Oder schlicht ein Handy mit Kamerafunktion. zum internationalen und deutschen Wettbewerb werden
Wichtig sind Idee, Inszenierung, Dreh und Schnitt. Dann sich darüber hinaus ExpertInnen aus verschiedenen Diszi-
ins Netz hochladen, verbreiten – und fertig! Plattformen plinen in mehreren Panels über das Verhältnis von Gesell-
gibt’s reichlich, auch Festivals, die ausschließlich im In- schaft und Bildung, von Ästhetik und medialen Inhalten
ternet stattfinden. Dass der Minutenfilm zum Mainstream auseinandersetzen. Ein »Gespräch zwischen den Genera-
wird, hat medienökonomische Gründe: Weil sich die Zahl tionen« über den Begriff der »Kritik« unternehmen am 02.
der Kanäle rasant vervielfacht, bleibt pro Augenpaar weni- Mai die AutorInnen Kerstin Grether und Jörg Heiser, der
ger Aufmerksamkeit übrig. Nur wer seine Botschaft, sein Filmhistoriker Klaus Kreimeier und die Filmwissenschaft-
Verkaufsargument, seine Selbstdarstellung schnell und lerin Heide Schlüpmann. Der Dramaturg Carl Hegemann,
prägnant auf den Punkt bringt, hat eine Chance, wahrge- die Kuratorin Ruth Noack und der Autor Mark Terkessidis
nommen zu werden. (»Mainstream der Minderheiten«) treffen sich am 03. Mai
Noch hält Hollywood dagegen – kein Film, der ein Block- unter dem Titel »Das große Verstehen: Welche Bildung,
buster werden möchte, kommt unter 120 Minuten zum wessen Bildung?«, um über Kunstproduktion zu reden.
Schluss. Die epische Länge auf der großen Leinwand als In einem Umfeld, wo Kunst als »Kulturelle Bildung« aller-
letztes Argument für die Kinokarte – und alles andere fin- orts pädagogisch aufbereitet wird. Denn trotz der Vielfalt
det im Netz statt? Auch das Kino kann sich letztendlich der Formen und des Auftriebs, den der Kurzfilm zurzeit
dem Trend zum Kurzen nicht verschließen: Michel Gond- erlebt: Ohne den Fokus aufs Politische bleibt die schöns-
ry hat der YouTube-Bewegung jetzt mit »Abgedreht – Be te »Demokratisierung« des Filmemachens nicht viel mehr
Kind Rewind« ein Denkmal gesetzt. Die Helden der Video- als ein müßiger Zeitvertreib in Bits und Bytes.
theken-Komödie produzieren selbst gemachte Filmchen,
die in nicht mehr als zwanzig Minuten vorüber sind – und
haben unerwartet Erfolg. Regisseur Gondry war schon im-
mer ein Spezialist, große Geschichten in kurzer Zeit abzu-
handeln. Als Musikvideofilmer hat er die White Stripes mit
Legosteinen animiert, Björk als Truckfahrerin und Bom-
benlegerin inszeniert. Kylie Minogue schickte er dreimal
auf Spaziergang mit sich selbst durchs Viertel.
Bereits seit zehn Jahren haben Musikvideos in Oberhau-
sen ein Forum auf der großen Leinwand: Dieses Jubiläum
Links:
wird im Zuge der dortigen 54. Internationalen Kurzfilmta-
www.kurzfilmtage.de
www.bekindmovie.com ge vom 01.-06. Mai groß gefeiert – mit einer von Intro prä-
www.youtube.com/user/BeKindMovie sentierten Party. Weniger spaßbetont wird der Rest des
www.youtube.com/watch?v=- Festivals ablaufen. So geht etwa das von den Filmema-
B0dJQ35rDs
chern und Künstlern Sherry Millner und Ernest Larsen ku- Muvi-Gewinner-Clip 2007: Sieht so ein Sieger aus?
068 Film

Thomas Roth / Verdammt, wir leben noch

WIENS GROSSER
AUSSENSEITER
Im letzten Jahr wäre Falco 50 Jahre alt geworden. Vor zehn Jahren ist er bei einem Au-
tounfall ums Leben gekommen. Das Biopic »Verdammt, wir leben noch« versucht eine
Annäherung an die private Person und die öffentliche Figur. Vom »Kommissar« bis zum
»Mann mit dem Koks«. Wolfgang Frömberg traf Regisseur Thomas Roth in Wien.

M it Elvis Presley hat der österreichische Bub


Johann Hölzel mehr gemein, als man zu-
nächst glauben mag. Nicht nur die Anzahl
der Buchstaben seines Künstlernamens
legt Analogien nahe. Auch die Abwesenheit der verstor-
Grabe getragen wurde, auf dem eine Glastafel an seine
größten Hits erinnert. Elvis wurde zum Abgott, Falco war
immerhin ein Weltstar. Von den Gesichtsprominenten der
aufsteigenden Boulevardkultur unterscheidet sich seine
glamouröse Figur durch ihre vom Alltag enthobene Künst-
benen Geschwister – Elvis war einsamer Zwilling, Falco lichkeit. Nachdem er sein Alter Ego als arroganter Schnö-
gar einzig überlebender Drilling – und das Faible für ver- sel entworfen hatte, existierte »der Hans« nur mehr für
botene Substanzen verbindet die beiden Sängerknaben. sein privates Umfeld. Dass der Bub sich auch dort ab ei-
Bewusste Ernährung geht anders. Elvis starb 1977 im Al- nem gewissen Punkt arrogant und egozentrisch aufführ-
ter von 42 Jahren, Falco trat 1998 kurz vor seinem 41. Ge- te – davon handelt unter anderem Thomas Roths Biopic
burtstag ab. Ihr Ruhm wirkt nach. Während jährlich gut ei- »Verdammt, wir leben noch«.
ne halbe Million Schwärmer die Pilgerstätte Graceland in Mit Ian Curtis und Bob Dylan hat der in Wien geborene
Memphis besuchen, um durch Presleys Wohnstube zu ta- Falco auch was gemeinsam. Nämlich, dass im Jahr von
pern, schleichen Falcos Bewunderer auf dem Wiener Zen- »Control« und »I’m Not There« zudem eine Verfilmung sei-
tralfriedhof herum, wo der »erste weiße Rapper« von Mit- nes Lebens in die deutschen Kinos kommt. Zwar hat »Ver-
gliedern der Motorrad-Gang »Outsider Austria« zu jenem dammt, wir leben noch« hierzulande bislang keinen Ver-
Film 069

leih, man kann aber davon ausgehen, dass der kommerziell


erfolgreiche Start in Austria mit rund 100.000 Besuchern
Film-ABC für Österreich
nach einer Woche dazu beitragen wird, den Film im Jahr
A
heißen Kapuziner, Franziskaner, Kleiner
lbert, Barbara. Autorin, Produzen-
des zehnten Todestags von Falco und der Fußballeuropa- tin und Filmregisseurin (»Nordrand«,
Brauner oder Einspänner.
meisterschaft in Österreich auch in der BRD bestens ver-
markten zu können.
»Böse Zellen«, »Fallen«). Hat gemeinsam
mit Jessica Hausner, Antonin Svoboda
und Martin Gschlacht die Produktionsfir-
N ordrand. Vielfach preisgekrönter De-
bütfilm von Barbara Albert mit Nina
Proll, Edita Malovèiæ und Georg Friedrich
Für die Produzenten wäre das eine Erleichterung. Regis- ma Coop99 gegründet. über zwei Schulfreundinnen, die sich nach
seur und Drehbuchautor Thomas Roth jedenfalls scheint Jahren zufällig in einer Abtreibungsklinik
froh, erst mal keine weiteren Landsleute von der Presse B ussi und Baba. Grußformel auf Ös-
terreichisch. Hört man in Austro-Ko-
wiedersehen.

vor sich zu haben, deren Kritik schon bei der Besetzung


der Hauptrolle anfängt. Das Andenken an Falco ist so was
mödien ständig. Heißt ins Hochdeutsche
übersetzt: Küsschen und Tschüss. Ö sterreichischer Dokumentarfilm.
Mit Titeln wie »We Feed The World«,
»Workingman’s Death«, »Darwin’s Night-
wie ein Heiligtum im kollektiven nationalen Gedächtnis –
und der Neidfaktor laut Roth erheblich. Da kann man sich C oop99. Produktionsfirma im Besitz
von Filmschaffenden. Laut Eigen-
werbung die »Plattform einer neuen Fil-
mare«, »Unser täglich Brot« nicht nur po-
litisch engagierter als der deutsche, son-
eigentlich nur in die Nesseln setzen. Roth wollte ursprüng- memacherInnen-Generation«. Unter an-
dern auch um einiges erfolgreicher.

lich Robert Stadlober. Nachdem der abgesagt hatte, ent-


schied er sich für ein unverbrauchtes Gesicht mit einer äu-
derem für »Free Rainer«, »Slumming« und
»Immer nie am Meer« verantwortlich. P rückel. Wiener Kaffeehaus an der
Ringstraße. Beliebter Treffpunkt von
Künstlern und Cineasten während der Vi-
ßerlichen Nähe zum Original. Manuel Rubey verkörpert die
private Person Hölzel und die öffentliche Figur Falco mit D iagonale. Festival des österreichi-
schen Films in Graz. Festivalzentrum
ist das Kunsthaus, eine Ausstellungshalle
ennale, die sich dort ihren Nachschub an
hausgemachten Mehlspeisen abholen.
im Handlungsverlauf zunehmender Eindringlichkeit. Wo
er in den ersten Szenen hölzern wirkt in seiner Hochnä-
in biomorpher Architektur mit aufwendiger
Medienkunstfassade.
Q ualtinger, Helmut (1928-1986).
Schauspieler, Kabarettist, Rezita-
tor. Berühmt und berüchtigt geworden als
sigkeit, trifft er den irren Blick beim späteren Auftritt als
Kulttype auf dem Donaufestival ganz wunderbar. Wäh- E dition österreichischer Film. Samm-
lung von 100 ausgewählten Spiel-,
Dokumentar- und Experimentalfilmen auf
»Der Herr Karl« (1961). Die Entlarvung des
Spießbürgers als Mitläufer der NS-Zeit
rend Hölzel sich von seiner ersten Freundin und seiner DVD, herausgegeben unter der Schirm-
gelang ihm so gut, dass er Morddrohun-
gen erhielt.
Ehefrau als dummer Macho verlachen lassen muss, lie- herrschaft von der Tageszeitung Der Stan-
gen Falco die Massen zu Füßen. Eine Diskrepanz, die sich dard und dem Filmarchiv Austria.
R uzowitzky, Stefan. Regisseur und
frisch gebackener Oscar-Preisträ-
hier in Rubeys Augen ablesen lässt. Neben dem Telefonat
mit der Tochter, die nicht Falcos leibliches Kind ist, einer F ilmmuseum Wien. Kein Museum, son-
dern eine Kinemathek. Epizentrum
der österreichischen Cinephilie. Direktor
ger für »Die Fälscher«. Außerdem verant-
wortlich für Regie und Drehbuch von »Die
Siebtelbauern« und dem Mediziner-Hor-
der stärksten Momente des Films. Alexander Horwath war 2007 Filmkurator ror »Anatomie«.
Mit dem wirklichen Falco hat der von Rubey gespiel- der documenta 12 und soll zweimal das
te vor allem die biografischen Eckdaten gemein. Thomas
Roth legte nach eigener Aussage bei der Darstellung sei-
Angebot abgelehnt haben, ans New Yorker
MoMA zu wechseln.
S ixpackfilm. Filmverleih und -vermark-
ter. Vermittelt die aktuelle Film- und
Videoproduktion der in- und ausländi-
nes Filmhelden Wert auf Authentizität. Allerdings kann Au-
thentizität immer nur ein Teil der Inszenierung sein – und
G artenbaukino. Das glanzvollste Kino
der Viennale, mit 736 Sitzplätzen
das letzte große Nicht-Multiplex in der
schen Avantgarde- und Experimental-Sze-
ne an internationale Festivals. www.six-
packfilm.com; www.index-dvd.at
die Quellen waren wegen des noch zu Falcos Leb- Wiener Innenstadt. Martin Scorsese hat

zeiten vertraglich gesicherten Schweigens seiner


Ex-Gattin Isabella (im Film Jacqueline) und der
darüber gesagt, für eine solche Leinwand
habe er seine Filme erträumt. T scherkassy, Peter. Kurator und Expe-
rimentalfilmer (»L’Arrivée«, »Get Rea-
dy«, »Outer Space«, »Dream Work«, »Ma-
Krankheit seiner Mutter nicht alle zugänglich.
Anders als Todd Haynes’ »I’m Not There«, da-
H aneke, Michael. Regisseur. »Für
mich sind Hanekes Filme notwendige
Filme. Von Zeit zu Zeit sollte man sie sich
nufraktur«, »Instructions For A Light And
Sound Machine«). Macht mit Found Foot-
age die schönsten Filme ohne Kamera.
für ähnlich wie Anton Corbijns »Control« ist ansehen. Aber sicher nicht immer« (Juli-

Thomas Roths Biopic nichtsdestotrotz mit


der Dekonstruktion aller möglichen Mythen
ette Binoche, Hauptdarstellerin in seinem
Film »Caché«). U ntertitel. Österreichisch ist nicht
Deutsch und Vorarlbergerisch ist
nicht Wienerisch. Wenn die Figuren keine
rund um das öffentliche Image des Künst-
lers beschäftigt. Das lässt zwei Schlüsse
I ndien. Gefühlte Gegend in Niederös-
terreich, glaubt man der gleichnami-
gen Tragikomödie von Alfred Dorfer und
Hochsprache sprechen, müssen die Filme
für den deutschsprachigen Markt mit Un-
tertiteln übersetzt werden.
zu: Entweder bedauert man den Blick durchs Josef Haderer über zwei Gesundheitsbe-

Schlüsselloch, der den permanenten menschli-


chen Niedergang vom »Hans« ins Visier nimmt,
amte, die in der Provinz Gasthäuser auf
die Einhaltung von Hygienebestimmungen
überprüfen.
V iennale. Internationales Filmfest
Wien. Vergibt keine goldenen Statu-
etten und legt keine Teppiche aus. Führt

J
oder man erfreut sich an der realistischen elinek, Elfriede. Schriftstellerin. Lite- aber jedes Jahr im Oktober eine Auswahl
raturnobelpreisträgerin. Kulturinsti- der interessantesten Spiel- und Doku-
Darstellung des freudlosen Vegetierens mentarfilme des aktuellen Weltkinoge-
tution. Mehrere ihrer Romane wurden ver-
im kulturindustriellen Sumpf, wo allein filmt, zuletzt »Die Klavierspielerin« durch schehens vor. www.viennale.at
gute Verkaufszahlen vorübergehend
Glück verheißen. Der Falco aus »Ver-
Michael Haneke. Was sie davon hält,
steht auf www.elfriedejelinek.com. W eingartner, Hans. Ist, entgegen
hartnäckigen Gerüchten, kein deut-
scher, sondern ein österreichischer Filme-
dammt, wir leben noch« hat sich selbst
verwirklicht, indem er sich vollkommen K olik-Film. Halbjährliche Pu-
blikation, die Film und Kino
als künstlerische, gesellschaftli-
macher, der in Berlin lebt. Hat Neurowis-
senschaften studiert und lieferte mit »Das
verausgabt hat. Aus dem Bub, der che und politische Praxis ernst
weiße Rauschen« eine filmische Studie
über Schizophrenie ab.
die Schule schwänzte, um ins Kino nimmt und dabei von akademi-
zu gehen, wurde eine koksende,
Videos glotzende Couch-Pota-
schem Jargon genauso entfernt
ist wie von marketingdiktier-
X aver Schwarzenberger. Kameramann
und Regisseur aus Wien. Hat für
Fassbinder »Berlin, Alexanderplatz« und
ten Hochglanz-Faseleien. www.
to. Letzte Zeugin seines wider- »Lili Marleen« fotografiert und ist später
kolikfilm.at
selbst in den Regiestuhl gewechselt, unter
sprüchlichen Werdegangs ist im
Film keine Geringere als Grace L isl Ponger. Filmemacherin, Fo-
tografin, Künstlerin. Beschäf-
anderem für »Otto – Der Film«.

Jones. Den Tod durch einen Au-


tounfall hat Falco mit James Dean
tigt sich in Filmen wie »Phantom
fremdes Wien« mit Reisen, Tourismus, vi-
sueller Kultur, Exotismus, dem Fremden
Z ufall. Beliebtes Motiv im neuen öster-
reichischen Film, u. a. in »Spiele Le-
ben« (Antonin Svoboda), »71 Fragmen-
gemeinsam. und dem Eigenen. www.lislponger.com te einer Chronologie des Zufalls« (Michael
Haneke) und »Böse Zellen« (Barbara Al-

Alles weitere über »Verdammt, wir leben M elange. Kaffee. Wird hergestellt
aus (kandierten) Kaffeebohnen,
aufgeschäumter Milch und obendrauf Ka-
bert). Ein Zufall kann das nicht sein.

Dietmar Kammerer
noch« auf www.falcoderfilm.at. kaopulver. Andere Wiener Kaffeesorten
070 Film

Heinz Strunk / Fleisch ist mein Gemüse

DIE EWIGE
WURSTELEI

Keine Kulisse für Tragödien: so sieht's bei Strunks zu Hause aus


Film 071

Rechtzeitig vor der Veröffentlichung des neuen Romans »Die Zunge Europas« kommt
die Verfilmung von Heinz Strunks Debüt in die Kinos. Eine Komödie zum Weinen? Eine
Tragödie zum Lachen? Alter Buck in neuen Schläuchen? Lars Brinkmann traf Herrn
Strunk und liefert Erklärungen. Foto: Susanna Goodewardena

D ie vermeintlich schlechte Nachricht zuerst:


Der Hamburger Regisseur und Autor Chris-
tian Görlitz (»Freier Fall«, »Das Böse«, »Au-
ßer Kontrolle«, »Die Geisel«) hat »Fleisch ist
mein Gemüse« verfilmt, das erstaunlich komische Buch
»Für mein Empfinden hätte es gereicht, Schmidt sozusa-
gen nur Gurki spielen zu lassen. Aber Görlitz war aus dra-
maturgischen Gründen der Meinung, dass man die Figur
eben so anlegen muss – als Hofnarr und als sehr eindi-
mensionale Quatschfigur. Ich sehe das eigentlich genau-
von Heinz Strunk. Und sein Film ist gar nicht mal so ko- so wie du: Wenn der Film komisch sein will, ist das schwä-
misch. Wenn man wollte, könnte man Görlitz also vorwer- cher als die ernsthaft traurigen Sachen. Daran sieht man
fen, dass er nicht das leistet, was Strunk auf so eloquente aber eben auch – das ist ja Görlitz’ erster Kinofilm, und
Art mit seinem Buch gelungen ist: der Tragödie mit erzäh- der Mann ist ja bekannt für so härteste Psycho-Sozial-
lerischen Mitteln direkt in ihrer Schilderung die komischen Dramen –, dass das sein eigentliches Anliegen ist. Es ist
Seiten abzuringen – oder besser: sie ihr einzuschreiben. das, was er seit Jahrzehnten macht.« Ist es das Geheim-
Doch dieser Missstand hat einen guten Grund. Und kei- nis dieses Films, dass der Regisseur gar keine Komödie
ne Angst, am Ende dieses Textes ist der Film trotz extre- machen wollte?
mer Untertöne eine Komödie. Warum das so sein muss, »Ich habe mich entschieden, neben den komischen Bil-
erklärte Friedrich Dürrenmatt, der uns schon im Deutsch- dern eine realistische Geschichte zu erzählen«, erklärt
unterricht um den Verstand gelangweilt und seine Theater- Christian Görlitz im Presseheft. Etwas weiter unten fügt
stücke durchweg als Komödien bezeichnet hat, in seinem er noch hinzu: »Einige Filme der letzten Zeit gaukeln Re-
gleichnamigen Aufsatz über »Theaterprobleme« alität vor, bleiben aber dennoch nur aneinandergereihte Theaterprobleme
Strunks autobiografisch angelegter Held, im Film sehr Sketche, die wie Witze erzählt werden. Aber in dem Mo- »Die Tragödie setzt Schuld, Not, Maß,
eindringlich von Maxim Mehmet dargestellt, pendelt zwi- ment, wo das wirkliche Leben anfängt, wird es doch erst Übersicht, Verantwortung voraus. In
der Wurstelei unseres Jahrhunderts, in
schen Verzweiflung und Nichtverzweifeln, zwischen Ohn- spannend. Nur: Da gibt es keine Comedy mehr, da beginnt diesem Kehraus der weißen Rasse, gibt es
macht und Aufbegehren. Er ist ein Loner, ein Freak, ge- die Tragikomödie!« keine Schuldigen und auch keine Verant-
zeichnet von einer schlimmen »Aktentaschen-Akne«, wie Das Wort, das ich bisher nicht nur aus Manierismus wortlichen mehr. Alle können nichts dafür
und haben es nicht gewollt ... Wir können
Helge Schneider sagen würde. Trotz Star-Ambitionen lebt vermieden habe, trifft es nicht wirklich. Könnte es sein, das Tragische aus der Komödie heraus
er vor den Toren der Stadt in einem tristen Reihenhäus- dass »Fleisch ist mein Gemüse« keine Tragikomödie ist, erzielen, hervorbringen als einen schreck-
chen bei seiner psychisch kranken Mutter. Zunächst wirkt sondern die erste deutsche Reality-Komödie, seit Det- lichen Moment, als einen sich öffnenden
es so, als würde er sich seinem Schicksal ergeben, um lev Buck keine mehr macht (also seit circa 1993 und »Wir Abgrund, so sind ja schon viele Tragödien
Shakespeares Komödien, aus denen
bis ans Ende aller Tage gemeinsam mit Rosi, der überge- können auch anders ...«)? Wenn der Begriff nicht so fies heraus das Tragische aufsteigt. Nun liegt
wichtigen Nachbarin ohne Mann, im stinkigen Wohnzim- wäre, könnte er darüber hinaus dazu dienen, noch mal der Schluß nahe, die Komödie sei der
mer dahinzuvegetieren und den Schmerz des Lebens mit deutlich auf das Wichtigste und Beste dieses Films hin- Ausdruck der Verzweiflung, doch ist dieser
Schluß nicht zwingend. Gewiß, wer das
Alkohol zu betäuben. Doch dann rafft sich Heinz auf und zuweisen: das Casting. Mein Liebling ist die dicke Rosi, Sinnlose, das Hoffnungslose dieser Welt
schickt sich an, gegen alle eigenen und fremden Wider- während Heinz schon bei der Erinnerung an die schau- sieht, kann verzweifeln, doch ist diese
stände seinen Weg als Berufsmusiker zu gehen. Wie die spielerische Leistung von Susanne Lothar als seine Mutter Verzweiflung nicht eine Folge dieser Welt,
sondern eine Antwort, die er auf diese
Jungfrau zum Kinde kommt er zu einer Position als Sa- etwas blass um die Nase wird. Und bei einem seiner sel- Welt gibt, und eine andere Antwort wäre
xofonist in einer Kappelle mit dem schönen Namen Tif- tenen Besuche während der Dreharbeiten konnte Heinz sein Nichtverzweifeln, sein Entschluß
fanys. Nicht »The Tiffanys«! Darauf legt Bandleader Gur- Maxim Mehmet aus den Augenwinkeln beobachten, wie etwa, die Welt zu bestehen, in der wir oft
leben wie Gulliver unter den Riesen.«
ki gesteigerten Wert, warum auch immer. Es folgt eine Art er einfach so in der Gegend rumstand: »Da hatte ich das
»Spinal Tap« mit Tanzmusikern in der Rolle von Rockstars. Empfinden, das bin ich – auch in dieser Grundanmutung
Ihre Welt sind die improvisierten Show-Bühnen, ob auf von Verlorenheit und von tiefer Melancholie durchdrun-
dem Schützenfest oder im Altersheim. Die Devise lautet: gen.« Sagt es, grinst fast unmerklich, und bevor es zu ku-
»Abliefern.« Aber in Heinz keimt mehr ... schelig wird, fügt er noch hinzu: »Man weiß gar nicht, wo-
»Ich weiß, was du meinst«, beruhigt mich Heinz. »Ich fin- her die guten Schauspieler das haben, so ein intuitives, ...
de die dramatischen und traurigen Szenen auch besser als man kann da auch gar nicht von intellektuell durchdringen
die lustigen.« Dennoch, und das bestätigen auch die aus- sprechen. Viele Schauspieler sind ja auch schon ernst-
nehmend gut informierten PR-Kräfte, gab es wohl bei den haft doof und können trotzdem tierisch gut spielen, be-
ersten Vorführungen viele Lacher. Schallend laut sollen greifen gar nicht, was sie da machen, aber sie machen es
sie darüber hinaus gewesen sein. Dazu kann ich nichts sa- trotzdem gut.« So oder so – und das ist letztlich die wich-
gen, ich habe den Film in Begleitung von drei Bodyguards tigste Erkenntnis –, diesen Film haben sie in jeder Bezie-
gesehen, die zuvor mein Telefon und meinen Fotoapparat hung gut gemacht.
beschlagnahmt hatten. Das mag natürlich auch etwas auf
die Stimmung gedrückt haben. Aber später, als wir über Fleisch ist mein Gemüse
den zwar hervorragend von Andreas Schmidt gespielten, D 2008
aber dennoch etwas zu hysterisch angelegten Gurki spre- R: Christian Görlitz; D: Maxim Mehmet, Andreas Schmidt,
chen, präzisiert Heinz noch mal das Ding mit der Komik: Susanne Lothar, Heinz Strunk; 17.04.
072 Film

Chiko
Ein aufgetunter Mercedes, ein fettes
Appartement in der Stadt und eine neue
Niere für Chikos Mutter. Die beiden Bud-
dys Chiko (Denis Moschitto) und Tibet
(Volkan Özcan) wissen genau, was sie
wollen – und wie sie es erreichen kön-
nen. Drogendealer heißt das Zauberwort,
das sie zum Glück führen soll. Doch dafür
müssen sie sich erst mit dem Hambur-
ger Drogenboss Brownie (Moritz Bleib-
treu) kurzschließen. Der gibt den Novi-
zen eine Chance, die der trottelige Ti-
bet jedoch ordentlich in den Sand setzt.
Ohne Chikos Wissen unterschlägt er Geld
bei ihrem ersten Deal und muss dafür von
Brownies Schlägercrew eine ordentliche
Tracht Prügel einkassieren. Soll Chiko
sich nun aus Loyalität auf die Seite sei-
nes Freundes schlagen oder beim Chef,
der ziemlich angetan von dem cleveren
Kerlchen ist, im Schnellschritt die Kar-
riereleiter erklimmen? Die Handlung von
Özgür Yildirims Regiedebüt ist alles an-
dere als neu und ziemlich vorhersehbar.
Besonders an »Chiko« ist jedoch die Här-
te und Brutalität, mit der die Geschichte
der beiden Freunde erzählt wird, die aus
ihren einfachen Verhältnissen ausbre-
chen wollen. Dabei orientiert er sich an
so großen Vorbildern wie Scorsese und
Fatih Akin, der Yildrims Debüt auch pro-
duzierte. Durch die klischeehaften Sätze,

HAI FIDELITY
die der Regisseur seinen Protagonisten in
den Mund legt, verdeutlicht er wohl tat-
sächlich am besten den Zwiespalt zwi-
schen ihrem weichen Kern und harten
Äußeren, das sie zum Überleben an den
Tag legen müssen. Und das ihre Ärsche
Flossen aus der Suppe! Eigentlich wollte Rob Stewart, Fotograf, Taucher und Hai-Experte, schlussendlich doch nicht rettet.
eine Doku zum besseren Verständnis der gefürchteten Meeresungeheuer drehen, Bettina Schuler
»Sharkwater« aber ist ein Krimi geworden, der von menschlichen Abgründen handelt.

H
Chiko (D 2007; R: Özgür Yildirim; D: Moritz
Bleibtreu, Denis Moschitto, Volkan Özcan, Fahri
aie genießen unter Tierfreunden keine Lob- Flosse abgeschnitten, anschließend wirft man ihn zurück Ogün Yardim, Reyhan Sahin; 17.04.)
by. Sie sind weder kuschelig noch warm. ins Wasser, wo er langsam und qualvoll stirbt. Der Rest der
Sie verzaubern nicht mit großen Kullerau- Geschichte folgt der Logik und Verwertungskette der Dro-
gen und verhalten sich nicht ansatzweise genindustrie mit einem entsprechenden Hintergrund von
so possierlich wie ihre Konkurrenten, diese ewig grinsen- Korruption und Brutalität.
den Tätowiervorlagen. Selbst die Klassifizierung klingt ir- Es bedurfte ein paar Sonderlinge, um auf diese Ab-
gendwie eklig: Knorpelfisch. Dennoch können sie einem scheulichkeit hinzuweisen. Allen voran Rob Stewart, Fo-
leid tun. tograf, Taucher, Hai-Spezialist und Regisseur von »Shark-
Es sind mal wieder unsere asiatischen Freunde, die ei- water«. Was als Doku über die faszinierenden, oft miss-
ner bedrohten Tierart extrem zusetzen und an ihrer fina- verstandenen Ur-Viecher begann, endete in einem Krimi-
len Ausrottung arbeiten. Bis zu zwölf Millionen Haie fallen reifen Drama, das sich über vier Jahre und 15 Länder er-
im Jahr der Fischerei und der Gier nach den Flossen zum strecken sollte. Unterstützung erhielt Stewart von Paul
Opfer. Haiflossen gelten in China und vielen anderen Tei- Watson, bekannt als einer der Urväter von Greenpeace.
len Asiens als Delikatesse – für einen Teller der mit ihnen Ein Mann, der mehrere Walfänger versenkt hat. Im Ge-
bestückten Suppe muss ein skrupelloser Feinschmecker gensatz zu seinen alten Kameraden schreckt Watson mit
umgerechnet ca. 150 Dollar hinblättern. Für Menschen, seiner Sea Shepherd Conservation Society auch nicht vor
die meinen, alles fressen zu müssen, weil sie an der Spit- militanteren Aktionen zurück. Dieser Garant für Action
ze der Nahrungskette stehen, scheint das im ersten Mo- und knapp 20 Auszeichnungen sollten auch dem größten
ment ein fairer Preis zu sein. Das Problem: Die Begehr- Schisser genug Grund geben, sich mit »Sharkwater« den
lichkeit oder auch Nachfrage bestimmt den Preis auf dem eigenen Ängsten zu stellen. Wie sagen Bruce, Hammer und
»Rohstoffmarkt«. Das blutige Geschäft mit den Haiflos- Hart in »Findet Nemo«: Fische sind Freunde, kein Futter!
sen brummt – und wie überall, wo viel Geld zu holen ist, Lars Brinkmann
herrschen hier mafiöse Strukturen. Das Verbrechen fängt
beim sogenannten Finning an. Dem lebenden Hai wird die Sharkwater – Wenn Haie sterben (USA 2006; R: Rob Stewart; 10.04.)
Film 073

FIDELE ALTE ROCKER Meer is nich

Martin Scorsese gönnt sich einen weiteren Altherren-Triumph. Seine Dokumentation


des Rolling-Stones-Gigs bei Bill Clintons Geburtstagsparty ist gar nicht so langweilig
wie gedacht. Christian Meyer erklärt, wie und warum »Shine A Light« funktioniert.

B esser eine Filmkritik oder eine Konzertbe-


sprechung schreiben? Oder beides hinterei-
nander? Martin Scorsese liefert ein kurzes
Intro, das die Scharmützel zwischen ihm und
der Band – vor allem Jagger – veranschaulicht. Nach einer
len die vier Stones und ihre Dauergäste ohne Mitglieder-
status, Bassist Darryl Jones und Keyboarder Chuck Lea-
vell. Hinzu kommen Bläser und Sänger. Außerdem tre-
ten der ehrfürchtig lächelnde Jack White, der supercoole
Bluesveteran Buddy Guy und die peinlich-überkandidelte
Stippvisite von Bill Clinton mit Anhang – die beiden Kon- Christina Aguilera auf. Die Band spielt viel Blues-Rock, so-
zerte, die die Basis für die Rolling-Stones-Konzert-Doku gar ein Country-Stück. Keine Joint Ventures mit VW oder
»Shine A Light« liefern, fanden am 29. Oktober und 1. No- AmEx trüben das wertkonservative Rock’n’Roll-Gefühl.
vember 2006 im Beacon Theatre in New York anlässlich von Dennoch ist dieses Reiche-spielen-für-Reiche-Szena-
Clintons 60. Geburtstag statt – geht es dann gleich los: Die rio eher strange. Und auch die vor der Bühne stehenden
Mitt-60er betreten die Bühne. 16 Kameras sind in Position. Töchter der Reichen geben ein komisches Bild ab. Trotz-
Die Konzertsituation hat mit der üblichen Stadiongiganto- dem wird es nie langweilig. Dazu tragen zwar auch die hin
manie der Band nicht viel gemein: Vor relativ kleinem Pu- und wieder eingestreuten historischen Interview-Sequen-
blikum und auf einer normal proportionierten Bühne spie- zen mit den Stones bei, aber neben der infantil-sportlichen
Show von Jagger und dem drolligen Posing von Richards Festivalidylle: feiern, tanzen, mit Freun-
ist das vor allem ein Verdienst der Inszenierung: In schnel- den den Sommer genießen. Zelt is nich
len Schnitten wechseln die Kameraeinstellungen, springen – geschlafen wird gleich unter freiem
zwischen den einzelnen Musikern hin und her und fahren Himmel. Lena ist es satt, sich von Besof-
an der Bühne entlang und über den Zuschauersaal hinweg. fenen die Jacke vollkotzen zu lassen. Die
Seltsamerweise wirkt das nie wie eine betont jugendlich 17-Jährige hat zwar keine Ahnung, was
entfesselte Kamera – und es führt auch nicht zu einer ro- sie will, das hier ist es aber definitiv nicht.
ckistischen Geilheit, auf die Fingerfertigkeiten zu zoomen. Auch die Ausbildung, die ihren Eltern für
Scorsese hat nach seinen Elvis- und The-Band-Konzertfil- sie vorschwebt, ist nicht ihr Ding. Ihr Va-
men, seinem Bluesfilm »Feel Like Going Home« und seiner ter ist ein arbeitsloser Heuchler, und
überlangen Dylan-Doku »No Direction Home« wieder ein- Lena geht die eigene Orientierungslosig-
mal gezeigt, dass er Film und Musik wirkungsvoll zusam- keit selbst auf den Geist. Aber was willst
menbringen kann. Filmrezension und Konzertbericht kom- du machen in der ostdeutschen Provinz,
men zu dem gleichen Schluss: überraschend gelungen. wenn die Perspektiven ernüchternd sind?
Antwort: Schlagzeug spielen.
Shine A Light (USA 2008; R: Martin Scorsese; 04.04.) Oje! Wenn sich Kino an Jugendkul-
Verlosung: 5 x Soundtrack auf www.intro.de tur versucht, dann kann das schnell so
formelhaft enden wie zuletzt in »Berlin
am Meer«. Man kann sich aber natürlich
auch direkt bei der Zielgruppe selbst
nach ihren Träumen, Wünschen und Zie-
len erkundigen, so wie das zuletzt Bet-
tina Blümner mit »Prinzessinnenbad«
Vineta getan hat. Der Debütfilmer Hagen Kel-
ler sieht die Sache ganz ähnlich und nä-
Wie ist eine Verbindung von Arbeitssucht mit sozialsystemischer Kritik zu bewerkstelligen? Franziska Stünkel gelingt hert sich seiner unwahrscheinlichen Hel-
das Kunststück in intensiven Szenen und dank erstklassiger Ensemblearbeit mit ihrem Spielfilmdebüt »Vineta«. Der din auf Augenhöhe. Ein Indie-Girl trom-
Makel einer zu arg strapazierten Ausgangsmetapher sollte ihr verziehen werden. Warum? Weil deutsches Nachwuchs- melt sich den Frust vom Leib – klingt
kino derzeit zu wenige Stünkels auf die Leinwand lässt. Autorenfilmer also, die sensibel nach der Wunde »Arbeitsgesell- nach Fetischistenkino, ist aber überra-
schaft« tasten. Nicht, weil sie blindwütig wehtun wollen, sondern um den schend einfühlsam. Die Nähe zum Sub-
Schmerz daran sichtbar zu machen. Wer kennt keinen Typen in seiner jekt erreicht Keller beiläufig, aber nach-
näheren Umgebung, der so ist wie die Figur des Architekten Seba- haltig auch durch die Einbindung von
stian Färber? Begabte Hochleistungsmotivierte gibt es en masse. Lenas Schrott-Band Sleazy Inc. Opera-
Sie sind vermehrt in Berufsgruppen der (Zwangs-) Selbstständigen ted in die Handlung und verwirklicht da-
zu finden – medizinisch, lehrend, organisatorisch, künstlerisch und mit eine zeitgemäße Idee von Punk. Eli-
pflegerisch tätiges Personal –, alle für sich ausgestattet mit dem nor Lüdde wurde für ihre Hauptrolle mit
verführerisch schillernden Tröpfchen »Freiheit« in ihrer Arbeitsge- dem Bayrischen Filmpreis belohnt. Wohl
staltung. So ein Leben kann in eine Form der Abhängigkeit führen, zu Recht. Sie ist zwar mit Mitte zwanzig
in der das Überwältigtwerden und die verinnerlichte Auslieferung ein wenig älter als Lena, verkörpert die
wortwörtlich nachgearbeitet werden. So ein Alltag produziert kei- Ruhelosigkeit Heranwachsender aber
nen Ekel wie die stoffabhängige Suchtschmuddelecke, sondern glaubhafter als all die Schmollmünder
wird gefordert und belohnt. Arbeitssucht ist unserem zeitgenös- und Rehaugen, die sonst für so etwas
sischen Gesellschaftssystem inhärent, das sich durch die eigens an- bereitstehen.
gefertigte goldene Hintertür, deren weiterer Ausbau entschieden ver- Alexander Dahas
weigert werden sollte, selbst in den Schwanz beißt. Birgit Binder
Meer is nich (D 2008; R: Hagen Keller; 27.03.)
Vineta (D 2006; R: Franziska Stünkel; D: Peter Lohmeyer, Matthias Brandt; 03.04.) Verlosung: 5 x T-Shirt und 3 x 2 Tickets auf intro.de
074 Film

Before The Devil


Knows You’re Dead
Als amerikanischer Autorenfilmer scheint
Sidney Lumet auf ein Genre festgelegt
zu sein, das in den letzten Jahrzehnten
an Prestige verloren hat. Gangsterfil-
men wird nur noch ausnahmsweise die
Bedeutung zugestanden, auf die sich
Werke wie etwa Lumets »Hundstage« in
den Siebzigern noch verlassen konnten.
Ein Kritikproblem? Der strukturelle Um-
bruch in den Formen der Gewohnheits-
kriminalität animierte New Hollywood
damals zu neuen (Anti-) Helden, heute
regiert der Folterporno als weithin sicht-
barster Punkt auf einem unübersicht-
lichen Feld unterkomplexer Gewalt. »Be-
fore The Devil Knows You’re Dead« ist ein
beinahe klassizistischer Gegenentwurf
im Stile einer muskulösen Erzähltradi-
tion und für Lumet eine Rückkehr zur
Form. Die Geschichte dreht sich um ein
moralisch ziemlich bankrottes Brüder-
paar, das einen Raubüberfall auf ein Ju-
weliergeschäft plant. Und zwar auf das
der eigenen Eltern. Fast scheint es, als
hätte Lumet damit eine perverse Fort-
setzung seines unangenehm kitschigen
»Family Business« im Sinn gehabt, die
das romantisierte Bild vom Verbrecher
als ehrgeizigem Kleinunternehmer re-
vidiert. Denn auch wenn Philip Seymour
Hoffman eins von den Gesichtern hat,
die immer irgendwie schon Niedertracht
suggerieren, sind hier keine grimassie-
renden Gangstervisagen nötig, um die
Gewalttätigkeiten zu vermitteln, aus
denen der Film praktisch besteht. Da-
für reichen die emotionale Tiefenschär-
ABSURDE PROBLEME
fe und die Erkenntnis, dass sie marode Leben in Sinnkrisenzeiten als Grundlage eines Films für Freunde französischer Kino-
ist, die Kernfamilie als Keimzelle der Ge- kultur. Regisseurin Valeria Bruni Tedeschi ist nicht auf der Suche nach einer Moral von
sellschaft. Wenn sie heute lebten, hätte der Geschicht’ und schildert die Sorgen und Nöte ihrer »Actrices« mit Leichtigkeit.

D
man direkt Angst um die Gangster aus
den Dreißigerjahre-Filmen.
Alexander Dahas ie erfolgreiche Schauspielerin Marcelline nen oder zu stark mit den Anforderungen des Alltags be-
(Valeria Bruni Tedeschi) befindet sich in ei- schäftigt sind. Marcelline verkörpert jenen Typ, der sich für
ner Sinnkrise: Nicht nur, dass sie kurz vor die Kunst entschieden hat und plötzlich Angst bekommt,
ihrem 40. Geburtstag steht, sie findet auch die falsche Entscheidung getroffen zu haben. Sie flüch-
keinen Zugang zu ihrer Figur in Andreij Turgenjews Komö- tet sich in Tagträume und führt Gespräche mit der Figur
die »Ein Monat auf dem Lande«. Ihr ganzes Leben erscheint aus Turgenjews Komödie. Ihre ehemalige Schauspielkol-
ihr wie ein böser Traum, aus dem sie aufwacht, um fest- legin Nathalie, die sie nach Jahren bei den Proben wieder
zustellen, dass sie zugunsten ihrer Karriere auf das Wich- trifft, durchlebt die gegensätzliche Entwicklung: Sie hat
tigste verzichtet hat: darauf, eine Familie zu gründen. Pa- sich nach der Schauspielschule für die Familie und wider
nisch beginnt sie die heilige Maria anzuflehen, ihr doch die Karriere entschieden. Doch jetzt, als sie das Leben der
endlich den Mann fürs Leben zu schicken. Begleitet wird erfolgreichen Kommilitonin sieht, glaubt sie ebenfalls, et-
sie von den pragmatischen Ratschlägen ihrer nicht altern was verpasst zu haben. Glücklichweise will Bruni Tedeschi
wollenden Mutter, doch einfach wieder mit dem Ex anzu- dem Zuschauer nicht den einen wahren Sinn des Lebens
bändeln. Ehefrau hin oder her. aufdrücken, sondern stellt die beiden möglichen Entwür-
»Actrices« trägt ebenso wie Bruni Tedeschis erster fe und deren tragikomische Aspekte nebeneinander. Und
Spielfilm »Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr ...« auto- schafft dadurch mit »Actrices« einen klassischen Ensem-
biografische Züge. Waren es beim Debüt vor allem die Kon- blefilm, der letztlich mehr als das komödiantische Porträt
flikte mit ihrem reichen Elternhaus, die sie in den Mittel- zweier knapp 40-Jähriger in der Sinnkrise zu bieten hat.
punkt des Geschehens stellte, so ist es in »Actrices« das Bettina Schuler
Problem, die richtige Balance zwischen Beruf und Privat-
Before The Devil Knows You’re Dead (USA 2007; leben zu finden. Insbesondere Künstler, so Bruni Tedeschis Actrices ... oder der Traum aus der Nacht davor
R: Sidney Lumet; D: Philip Seymour Hoffman, These, können keine wahre Balance zwischen den beiden (F 2007; R: Valeria Bruni Tedeschi; D: Valeria Bruni Tedeschi, Louis Garrel,
Ethan Hawke, Albert Finney, Marisa Tomei; 10.04.) Polen finden, da sie entweder zu sehr für die Kunst bren- Noémie Lvovsky, Valeria Golino, Marisa Borini; 10.04.)
DVD 075

»FÜR MICH DAS


HOROSCOPE BUCH DES JAHRES!«
Sterne und Filme im April

WIDDER 21.03. bis 20.04.


Bela B., Die Ärzte
»Ein großartiger Krimi über die Plattenindustrie!« Hollow Skai +++
Im Moment hörst du »Run, Fatboy, Run« (03.04.) wahrscheinlich ziem-
lich oft, aber lass dir gesagt sein: Die Highschool dauert nicht für immer, »Dank Nivens Antiheld Steven Stelfox ist die literarische Welt um
Volker. Deine Peiniger werden eines Tages Müllkutscher sein und du eine einen bösen Sympathieträger von der Klasse eines Darth Vader,
Prinzessin! Hannibal Lecter oder Don Corleone reicher!« Thees Uhlmann, Tomte
+++ »Ein Hooligan von einem Buch. Und jeder, der noch an das Gute
STIER 21.04. bis 21.05.
Dimitrij Medwedew, der neue Präsident Russlands, lädt dich diesen Mo- in der Musik glaubt, kriegt’s hier mit einer mit Nägeln versehenen
nat zu einem Vergnügungsurlaub in seine malerische Heimat ein. Nimm Baseballkeule besorgt! Bela B., Die Ärzte +++ »Wirklich hochamüsant,
die »Transsiberian« (17.04.) und hilf mit, Vorurteile abzubauen! vor allem der durch und durch hassenwerte Held.« Markus Kavka, MTV
+++ »Pop ist virtuelles Kapital und das wurde bisher selten so brül-
ZWILLINGE 22.05. bis 21.06.
Die Venus bestimmt zum Wochenende hin wieder dein nonexistentes Lie- lend komisch auf den Punkt gebracht, wie in KILL YOUR FRIENDS.«
besleben und lenkt deine Schritte in den Horrorfilm »Shutter« (03.04.). Jürgen Ziemer, Musikjournalist +++ »In KILL YOUR FRIENDS zeichnet
Im Kino wartet dann ein narbengesichtiger Psychiatriepatient darauf, dei- John Niven die schmutzigsten Seiten des schmutzigen Geschäfts
ne Bekanntschaft zu machen.
noch schmutziger, als wir es uns in unseren schmutzigsten Träumen
KREBS 22.06. bis 22.07. vorstellen.« Klaus Walter, taz +++ »Das Buch ist für alle, die jemals
Wissen ist für dich nächsten Donnerstag Macht. Verblüff den Einpeit- etwas mit der Musikbranche zu tun gehabt haben, ein absolutes
scher in deinem Sweat Shop bei der Gelegenheit doch einfach mal mit Muss.« Dietrich Eggert, Musikmanager +++ »Eine Art Patrick Bate-
Spartenwissen zum Thema »Outsourced« (10.04.)!
man, der sich durch Meetings lügt, seine Mitarbeiter ausbeutet, Kon-
LÖWE 23.07. bis 23.08. kurrenten aus dem Weg schlachtet und seinen Künstlern deren
Immer noch traurig, dass die Concorde ausgemustert wurde? Bof! We- Träume nimmt.Ein grandioses Buch!« Ingo Heinzmann, A&R-Manager
sentlich schneller nach New York geht’s in »Jumper« (27.03.).
»Das American Psycho der Musikindustrie.«
JUNGFRAU 24.08. bis 23.09. Tim Renner, Motor Entertainment +++++++
Vorsicht vor unbezahlten Praktika! Was auf den ersten Blick aussieht wie »Schonungslos stellt John Niven in KILL YOUR FRIENDS die Platten-
ein harmloses Bäuerchen im Lebenslauf, entpuppt sich rasch als Sack-
industrie und ihre üblen Machenschaften bloß. Der Roman ist so ab-
gasse. Merke: Echte Könner brauchen keine Übung. Wie der Serienkiller
in »Untraceable« (03.04.). gefahren wie Frank Zappa, so
direkt wie AC/DC und so brutal
WAAGE 24.09. bis 23.10. wie Motörhead.« Kai Keup, Play-
Warum die Zornesfalten? Stress? Anspannung? Frustration? »Schmet-
boy +++ »KILL YOUR FRIENDS
terling und Taucherglocke« (27.03.) sorgt für die spirituellen Gegenge-
wichte und hilft dir, den Alltag zu meistern, verdammte Scheiße! sollte für jede Frau, die ihr Glück
im Popbusiness versuchen will, zur
SKORPION 24.10. bis 22.11. Pflichtlektüre gehören. Denn die-
Obacht! Gruppenzwang kann in ganz seltenen Fällen falsch sein. Dabei
ser Roman ist weitaus weniger Sa-
erfordern gerade Glücksspiele wie »21« (10.04.) Eigeninitiative.
tire, als so mancher Kritiker
SCHÜTZE 23.11. bis 21.12. wahrhaben will.« Suzie Kerstgens,
Zur Mitte des Monats hin sorgt Uranus für bittersüße Nostalgie. Passend Klee +++ »KILL YOUR FRIENDS
dazu kannst du deine erste Liebe bereuen und in »Sommer« (17.04.) von
geht meilenweit hinaus über die
Jimi Blue Ochsenknecht lernen, wie man’s richtig macht.
ach-so-furchtbar-unheilige Drei-
STEINBOCK 22.12. bis 20.01. faltigkeit Sex, Drugs & Rock’n’-
Wusstest du, dass Manfred von Richthofens bester Freund einen gol- Roll.« Rembert Stiewe, Glitterhouse
denen Kickbox-Gürtel in seiner Imbissbude hängen hatte? Informationen
Records +++ »Ein Buch, das mit der
dieser Art werden dich in »Der Rote Baron« (10.04.) überraschen.
Scheinwelt des Musikbiz gnadenlos aufräumt.« Stefan Kulick, Musiker
WASSERMANN 21.01. bis 19.02. und Promoter. Lesereise:
6.5. Berlin, Roter Salon ·
Kinder brauchen viel Zuwendung und Geduld. Verschieb deshalb dei-
nen Scheidungstermin bis nach der Premiere von »Definitely, Maybe«
7.5. München, Substanz · 8.5. Köln, Museum
(27.03.) und schenk dem Junior ein neues Killerspiel. Ludwig
FISCHE 20.02. bis 20.03.
Ein kühler Kopf ist bei dir diesen Monat besonders gefragt, etwa im Kon-
text eigenmächtiger Ermittlungen wie in »Street Kings« (17.04.). Da ste-
Roman · 384 Seiten · € 12,–
hen Bullen drauf. Vielleicht lassen sie dich auch mal ihren Gummiknüp-
ISBN 978-3-453-67544-5
pel anfassen.
Leseprobe unter www.heyne-hardcore.de

Jetzt überall, wo es Bücher gibt


076 DVD

Takashi Miike Leroy


Der 1960 in Osaka geborene Takashi Mi- Der Versuch des Bildhauers Armin Völckers, seinen gelun-
ike ist mit einem Output von mindestens genen Kurzfilm »Leroy räumt auf« (siehe YouTube) zum ko-
vier Filmen pro Jahr einer der produk- mischen Langfilm für Kinder ab zwölf zu strecken, stol-
tivsten Regisseure von Weltrang. Dabei pert zwar über manch Plattheit im anvisierten Themen-
war sein Traumberuf Motorradrennfah- spektrum der Ismus-Evergreens Rassismus, Faschismus
rer, als er noch annahm, dass Filmema- und Sexismus, er ist aber insgesamt trotzdem vergnüglich
chen etwas für die Intelligenzija sei. Die dank des hinreißenden Alain Morel in der Rolle des 17-jäh-
von Shohei Imamura gegründete Film- rigen Leroy, der sich mit den Faschobrüdern seiner Freun-
schule besuchte er, weil sie im Gegen- din Anna auseinandersetzen muss. Auch gut: eigens für
satz zur Universität keine Aufnahme- den Film komponierte Tracks von u. a. Torch, Jan Delay
tests hatte. Außerdem lag sie im ent- und Blumentopf. Wenn Leroy zusammen mit fünf Neona-
fernten Yokohama, was seinen Auszug zi-Skins als funky Boygroup rappt, könnte man sich glatt
aus dem Elternhaus rechtfertigte: »Es wünschen, wieder zwölf zu sein.
war eine Möglichkeit, Erwachsenwer- Ed Junge
den und Arbeiten zu vermeiden.« Letzte-
res hat nicht funktioniert. Bei über sech- Leroy (D 2007; R: Armin Völckers; D: Alain Morel, Anna Hausburg,
zig Filmen macht Zählen keinen Spaß Constantin von Jascheroff; X-Filme / Warner Home Video)
mehr. Miike, der sich als »Arrangeur«,

BENDER, AL
nicht Auteur definiert, kann Gejammere
über ausbleibendes Kinopublikum nicht
nachvollziehen. Wer eh nie einen Hit lan-
det, darf nach seiner Logik wahrhaftig
kühndreiste Werke fabrizieren. Und ge-
nau das scheint er meist zu beherzigen,

GORE UND
selbst wenn mit »Audition« (1999) ver-
spätet die europäische Begeisterung für
sein Werk begann und der Film zum Hor-
ror-Hit (v)erklärt wurde.
Vielleicht hält sich deshalb das Miss-
verständnis, Miike sei »der Horror-Re-
gisseur« made in Japan. Dieser Reduk-

COOLIO
tion kann u. a. mit den Filmen der »Ta-
kashi Miike Collector’s Box« widerspro-
chen werden. Neben »Audition« enthält
sie »Izo« und »Visitor Q«. »Izo« ist Philo-
sophie-Splatter mit Kitano als Premier-
minister plus einem Liedermacher, des-
sen Gesang man nicht vergisst. »Visitor
Q« wurde mit einem Budget von umge-
rechnet 45.000 Euro in einer Woche auf Vor vier Jahren kam das TV-Aus für »Futurama«. Aber die Fangemeinde blieb der
Video abgedreht und setzt schonungs- Serie treu. Und mit »Bender’s Big Score« kehrt Matt Groenings Sci-Fi-Satire jetzt als
los das Brennglas auf den kleinfamili- DVD-Reihe zurück. So etwas nennt man wohl Demokratie des Marktes.

M
ären Alltag. Wie Miike selbst bemerkte:
»Dadurch, dass ich menschliche Wesen
filme, wird es natürlicherweise ein Hor- an hat es dem Zigarren rauchenden Ro- ma« wie das andere Groening-Vehikel »The Simpsons« eine
rorfilm.« Also doch. boter nie leicht gemacht: Der US-Sen- popreferenzielle Wunderkiste ist, steigert zu viel Nerd-Wis-
Birgit Binder der FOX verschob »Futurama« so oft sen das Vergnügen. Etwa zu Filmbeginn, wenn der interpla-
von Sendeplatz zu Sendeplatz, dass netare Lieferservice Planet Express seine Lizenz zurücker-
Verlosung: 3 x auf www.intro.de: am Ende nicht einmal Groening selbst mehr wusste, wann hält, die ihm das ominöse BOX-Network entzogen hatte. Im
Takashi Miike Collector’s Box der Fernseher einzuschalten war. Nach vier Jahren kam Unterschied zur richtigen Welt erhalten die BOX-Manager
(J 1999-2004; R: Takashi Miike; Rapid Eye Movies) das endgültige Aus. »Futurama« wurde abgesetzt und allerdings eine gerechte Strafe: Sie werden gefeuert und zu
machte Bildungsformaten wie »The Simple Life« mit Pa- feinem Pulver gerieben, das als Wundmittel genauso taugt
ris Hilton Platz. Die letzte Episode strahlte FOX im August wie als Futter für Köpfe in Formaldehyd.
2003 aus. Sie begann mit dem Titel-Screen der drei Haupt- Und »Bender’s Big Score« ist mehr als eine bloße Anein-
darsteller Bender (hedonistischer Roboter), Leela (Zyklo- anderreihung solcher Gags, nämlich eine astreine Science-
pin) und Fry (Trottel), von den Machern um den Untertitel Fiction-Story, in deren 90 Minuten ein halbes Dutzend Zeit-
»See you on some other channel« ergänzt. Und tatsächlich: reisen Platz finden, dazu eine Geschichte über unerwiderte
Auf Sendern wie Cartoon Network und später Comedy Cen- Liebe, zwei Musical-Nummern, außerirdische Spam-Betrü-
tral fanden »Futurama«-Wiederholungen ein treues, stets ger – und Gastauftritte von Al Gore, Sarah Silverman, Mark
wachsendes Publikum. Anlass für die FOX-Buchhalter, »Fu- Hamill und Coolio (nein, wirklich). Nicht zu vergessen ein
turama« als DVD-Serie auferstehen zu lassen. »Bender’s besonders schönes Feature der DVD-Extras: »Alle lieben
Big Score« ist die erste von vier neuen Episoden in Spiel- die Hypnokröte – Eine faszinierende Episode über das be-
filmlänge, die zusammen eine fünfte Season bilden. Man liebteste Fernsehprogramm der Zukunft«. Jürg Tschirren
muss die Vorgeschichte nicht kennen, um an »Bender’s Big
Score« Spaß zu haben. Genauso wenig muss man wissen, Futurama: Bender’s Big Score (USA 2007; R: Dwayne Carey-Hill; FOX)
dass ein Song der Incredible String Band die Idee zur Serie Futurama und Family Guy gewinnen?
gab (»Robot Blues«, um genau zu sein). Aber weil »Futura- Bender-Sprechblasencontest auf www.intro.de
DVD 077

Wet Desire Sunkissed


Die reizende Entkleidungskünstlerin Sa- Das Motiv ist simpel und dürfte sich auch jedem erschlie-
yuri Ichijô, Pionierin ihres Fachs, spielt ßen, der nicht mit Klassikern des schwulen Independent-
sich in dieser Perle des als »King of Films wie »The Fluffer« oder »Get Real« vertraut ist: Ver-
Roman[tic] Porn« in die Kinogeschichte kopfter Durchschnittstyp trifft spröden, vor Testosteron
eingegangenen Regisseurs Tatsumi Ku- strotzenden und mehr oder minder heterosexuellen Mü-
mashiro selbst. Von Kumashiro ist der ßiggänger, in dessen bodenständige Erscheinung er sich
Satz überliefert: »Meine Filme handeln verguckt – in der Hoffnung, dort irgendwo eine Hintertür
von Menschen, nicht Biologie.« So prägte für das eigene Begehren zu finden. Für »Sunkissed« ver-
er die zweite Welle des japanischen Soft- legt Patrick McGuinn ein solches Tête-à-Tête in die Wüste
core-Genres mit, indem er sich das Ma- Kaliforniens, wo sich die beiden hübschen Protagonisten in
ximum an künstlerischer Freiheit nahm, und vor einem abgetakelten Ferienhaus fleißig – und wohl
das dieses vom Studio Nikkatsu entwi- auch nicht ganz ironiefrei – in knappen Badehöschen mit
ckelte Subgenre des romanu poruno zu dem Gartenschlauch abduschen oder sehnsüchtig in die
bieten hatte: Satire und (Geschlechter-) Kamera starren, während sie sich zum (plötzlich gar nicht
Politik werden geschickt mit den Rah- mehr so asexuell anmutenden) Soundtrack von The Sea
menvorgaben - u.a einer Sexszene alle And Cake ihrer Shirts entledigen. Das ist hübsch anzuse-
zehn Minuten - verwoben. Kumashi- hen und erinnert nicht zuletzt aufgrund der schwülstigen
ro überzeugte nicht nur das Publikum, Super-8-Ästhetik an alte Warhol-Filme. Unangenehm wird
sondern auch immer wieder die Filmkri- es allerdings dann, wenn der Regisseur zu viel will, wenn er ler. Dann würde man am liebsten vorspulen oder sich zu-
tik, die ihm für die Geschichte der Sayu- die beiden Jungs plötzlich aus heiterem Himmel abgedro- mindest die Ohren zuhalten – wenn die zwischendurch ein-
ri Ichij den »Kinema-Junpô« verlieh. Der schenes Coming-out-Geschwafel aufsagen lässt oder uns gestreute Musik nicht so wunderhübsch wäre.
Regisseur moralisiert nicht, er zeigt die in der zweiten Hälfte durch dramaturgisch katastrophales Hanno Stecher
staatliche Verfolgung unter dem Namen Verwirrspiel Marke Lynch allen Ernstes weismachen will,
der »Erregung öffentlichen Ärgernisses« es handle sich bei diesem Indie-Softporno um einen Thril- Sunkissed (USA 2006; R: Patrick McGuinn; D: John Ort; Edition Salzgeber)
als das, was sie ist: eine Repressalie ge-
genüber den Frauen und nicht gegenüber
ihren finanziellen Nutznießern.
Birgit Binder Schlachthof 5
Wet Desire (J 1972; R: Tatsumi Kumashiro; D: Sayuri Im Grunde ist ein Buch wie Kurt Vonneguts »Schlachthof 5« entschied sich Hill für die visuell interessanteste und ver-
Ichijô, Hiroko Isayama; Rapid Eye Movie) unverfilmbar. Ein offenes Werk, das dem Leser viel Raum nünftigste Sichtweise, was den Film seit jeher polarisie-
für Interpretation lässt. Erstaunlich also, dass George Roy ren ließ: Die eine Seite ist begeistert über ein wirklich soli-
Hill bereits kurze Zeit nach dem Escheinen des Romans des und spannendes Werk; die andere hasst ihn, weil er der
eine Kinofassung anging; übrigens eine der ganz wenigen komplexen Narration des Buchs nicht unbedingt gerecht
Vonnegut-Verfilmungen überhaupt. Was blieb dem Regis- wird. Vielleicht der Grund, warum uns eine DVD-Auswer-
seur übrig, als das Buch auf seine Weise zu lesen und dem- tung so lange vorenthalten wurde. Nun endlich kann sich
entsprechend den Film anzulegen? So ist Hills »Schlacht- jeder selbst ein Urteil bilden.
hof 5« die Perspektive Hills auf diesen Roman. Das ist des- Sascha Seiler
wegen interessant, weil es fanatische Vonnegut-Fans gibt,
die sich, ebenso wie die Forschung, in mindestens drei La- Verlosung: 3 x auf www.intro.de:
ger aufteilen, wie denn der Roman zu lesen sei. Natürlich Schlachthof 5 (USA 1972; R: George Roy Hill; Koch Media)

One-Two LIVE
19.03.2008
30.03.2008
31.03. 2008
01.04.2008
03.04.2008
Hilfiger Live Session in Berlin, Tape
Lingen Emslandhalle*
Bielefeld Ringlokschuppen*
Oldenburg Kongresshalle*
Braunschweig Jolly Joker*
ONE-TWO
04.04.2008
05.04.2008
Rostock MAU Club*
Kiel Halle 400*
Das neue Album
1 1.04.2008
12.04.2008
Berlin Magnet
Potsdam Waschhaus Arena*
the story of bob star
13.04.2008
15.04.2008
Potsdam Waschhaus Arena*
Wartenberg Wartenberg Oval* release 07.03.2008
16.04.2008 Nürnberg Löwensaal*
17.04.2008 Trier Europahalle*
19.04.2008 Augsburg Kongresshalle*
20.04.2008 Göttingen Stadthalle*
*Support von WIR SIND HELDEN

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Intro empfiehlt 04.08
Jeden Monat neu: hier die Tipps der Redaktion,

BARBET
die den Sticker »empfohlen von Intro« tragen.

SCHROEDER
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Warner Ministry of Sound Infos unter www.intro.de/aman BLUFVS-FU[UIJOCFTDIFSUFFS8FT"OEFSTPOTTPMJQTJTUJTDIFS/JDIUJHLFJUx5IF%BS
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FEFSOVSGàSEJF&YQFEJUJPO[VEFO.BQVHBVOE
x.PSFjIBMUGàSEFO,PMMFLUJWBCTDIVTT/JDIU
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Tolle Plattenläden, BVT4QJFMVOE%PLVNFOUBSGJMN


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bei denen es auch das aktuelle Intro gibt.


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Dies ist nur eine kleine Auswahl. Alle ca. 2.400 Auslagestellen finden sich unter: EJF4FDIT[VTFU[FO EFOOBVGEFN1SP 4JTUFSTj 4BTDIB4FJMFS
www.intro.de/auslagestellen
HERBST
IM FRÜHLING

Filme zur RAF-Geschichte mit Frank Schuster

Die RAF ist heute längst zum Popmythos geworden. Ihr Emblem ziert T-Shirts, die
Zeitschrift Tussi Deluxe druckte eine Modestrecke mit nachgestellten Baader- und
Ensslin-Fotos, und der um wenig Authentizität bemühte Film »Baader« (2002) ver-
klärte das Terroristenduo quasi zu bundesrepublikanischen »Bonnie & Clyde«. In ei-
ner Zeit, als die RAF noch existierte und bombte, war solche Mythosbildung undenk-
bar. Filmemachern der 70er- und 80er-Jahre ging es eher darum, zu entmythologi-
sieren, die verhetzte und aufgeheizte Stimmung abzukühlen, sich in die politische
Debatte einzuschalten. »Wir haben versucht, mit anderen als mit polizeistaatlichen
Methoden die Situation zu entschärfen«, sagt Regisseur Volker Schlöndorff im Inter-
view, das der DVD-Fassung von »Die verlorene Ehre der Katharina Blum« (1975) als
Bonusmaterial anhängt, einem der ersten Filme überhaupt, der sich mit dem RAF-
Thema beschäftigte. Man kann dem Schlöndorff-Film, wie vielen seiner Werke, ei-
nen Hang zum Dickauftragen vorwerfen. Doch zugegebenermaßen wirkt er auch nach
über 30 Jahren wenig angestaubt, was man nicht von allen deutschen Autorenfil-
men jener Zeit sagen kann. Gleiches gilt erstaunlicherweise auch für die fünf ande-
ren Filme, die in der mit »Deutscher Herbst« (Kinowelt) betitelten Box stecken. Es ist,
als motivierte der Terror zu filmemacherischen Höhenflügen. Was RAF-Filme einmal
auslösen konnten, zeigen die Reaktionen auf Reinhard Hauffs »Stammheim« (1986).
Überall im Land gab es bei Vorführungen Sabotageakte aus der Sympathisantensze-
ne; in den Kinos wurden Kerosinspuren gelegt, Filmvorführer eingesperrt, Kopien ge-
klaut. Der Vorwurf der Linken lautete, der Film nähre die Selbstmordthese, die bür-
gerliche Interpretation der Todesnacht im Hochsicherheitsgefängnis Stammheim.
Stärken des Gerichtsfilms sind die »Die zwölf Geschworenen«-artige Reduktion auf
den Verhandlungssaal sowie das authentische Wortmaterial, das Drehbuchschrei-
ber Stefan Aust in den über hundert Akten zu den RAF-Prozessen vorfand. Während
Margaretha von Trotta mit »Die bleierne Zeit« (1981) ein sensibles Porträt zweier an
die Ensslin-Schwestern angelehnten Frauen schuf, begleitet »Das Messer im Kopf«
(1978), ebenfalls von Hauff, einen von einem Polizisten angeschossenen Sympathi-
santen auf seinem Weg der Genesung (und Entfremdung), zu atmosphärischer Mu-
sik von Can-Keyboarder Irmin Schmidt. Rainer Werner Fassbinders bittere Verschwö-
rungstheorie-Farce »Die dritte Generation« fällt dagegen völlig aus dem Rahmen.
Terroristen werden hier von einem Industriellen eingesetzt, um neue Absatzmärkte
für seine Computer zu schaffen. Fassbinder war auch mit einer wütenden Episode
an »Deutschland im Herbst« (1978) beteiligt, einem Gemeinschaftswerk damals
führender deutscher Autorenfilmer. Der Streifen war unmittelbare Reaktion auf die
Schleyer-Ermordung und Stammheim-Tode; Ereignisse, die eine große Desillusionie-
rung unter den Linken auslösten. »Die Scharen Langmähniger, die jetzt die Kinokasse
umlagern, nicht vom Staate weg in die gedankliche und tätliche Verzweiflung zu trei-
ben, sondern sie an ein Staatswesen zu binden, das auch für kritische Geister Platz
hat, darum ist dieser Film bemüht«, schrieb die FAZ zum Filmstart. Heute mag die
RAF Mythos sein, damals war sie Realität.
080 Literatur

Zehn Wahrheiten
Im Klappentext von Miranda Julys Kurz-
geschichtenband »Zehn Wahrheiten«
heißt es, bei der Autorin werde »das
Alltägliche wieder zum Wunder«. Ist es
etwa alltäglich oder ein Wunder, wenn
drei 80-Jährige Schwimmunterricht auf
dem Küchenfußboden nehmen? Wenn
eine Erdbebenschutzfachfrau, die sich
für den Tod hält, eine Obsession für Prinz
William entwickelt? Oder ein Teenager
eine Affäre mit einer Art Schatten hat,
der jede Nacht in ihr Bett kommt? »Un-
sere Gespräche führten wir in meinem
Blut, oder ich drückte, wenn ich seine
Stimme hören wollte, auf meinem Pla-
stik-Casio die Tasten für Fis und das ein-
gestrichene C, und unter diesen Noten
war eine weit entfernte, knisternde Stim-
me zu hören.«
Miranda July zählt zu jener Art von
Autoren, die unerklärlich gut darin sind,
Momente zu schaffen. Ähnlich wie Jef-
frey Eugenides und Dave Eggers, beides
US-Short-Story-Helden, die sich auch
im July-Netzwerk bewegen – mit dem
Unterschied, dass »Zehn Wahrheiten«
im Grunde ausschließlich aus solchen
leuchtenden Augenblicken besteht. (Wer
von so viel Schönheit genervt ist, sollte
zwischendurch eine deutsche Kurzge-
schichte lesen. So als neutralisierenden
Zwischengang. Danach gefallen Julys Fi-

BIO STATT GUERILLA guren umso mehr.)


Dass man beim Lesen dazu neigt, die
Grundregel des Nicht-Eins-Seins von
Deutschland ehrt seine Terroristen: Jutta Ditfurth über Ulrike Meinhof. Angesichts Autor und Ich-Erzähler zu missachten,
der radikale Einsichten versprechenden Kombination ist unser Rasterfahnder Linus mag an Miranda Julys sonstigem Out-
Volkmann letztlich etwas enttäuscht von der betulichen Genügsamkeit des Werks. put als Performance-Künstlerin und Re-
gisseurin (»You And Me And Everyone We

W
Know«) liegen; immer nimmt sie im eige-
nen Werk eine zentrale Rolle ein. Weil
ie sauer Status quo, Gesellschaft, Me- konsensträchtige Linkspartei. Im Vorfeld der Buchveröf- sich das »Ich« auch hier so omnipräsent
dienarbeiter und andere Loser immer fentlichung reflexartig die jeweilige Gesinnungslyrik an – auf die verschiedensten Charaktere zer-
noch auf die RAF sind, bemerkt man, so empörten sich konservative Blätter über die fehlende splittert, scheint es fast selbstverständ-
wenn man die mittlerweile konsens- Dämonisierung, Antiimp-Blogs über zu viel Distanz, und lich, auch den alten Angestellten einer
fähige Lesart zum deutschen Terrorismus betrachtet, die die antideutsche Position in der Jungle World peitschte Handtaschenfirma, der schließlich in
sich alle gemeinsam zusammengepuzzelt haben und de- sich gar auf Ausfalls-Polemik gegen Meinhof wie Ditfurth einem traurig-rauschhaften Akt mit sei-
rer sich in immer scherenschnittigerer Art und Weise stets hoch. nem Kollegen schläft, als Teil von ihr zu
aufs Neue versichert werden muss. Motive der seinerzeit Tja, und ganz zum Schluss steht dann das Buch. Ein betrachten.
Handelnden dürfen somit offiziell und unbedingt nur per- Buch, das all die Aufregung in seinen 34 chronologischen Gender Trouble, so gelesen. Viele der
sönliche Deformation oder Pathologisches widerspiegeln, Kapiteln nicht nötig hätte. Die Sprache betulich, und es 16 Geschichten sind ein wenig unheim-
bei Meinhof kommt gern noch der zum Hirntumor des Bö- ergießt sich (»Fremd-Biografie«-typisch) immerfort diese lich, sowohl im Sinne von »spooky« als
sen gehypte Blutschwamm hinzu, der ihr während der Kaskade an zusammengetragenen uninteressanten Klein- auch im Sinne Freuds; auch das rührt
Schwangerschaft 1962 entnommen worden ist. Emanzi- Klein-Informationen. Und die droht jegliche Erkenntnisse von Uneindeutigkeiten her. Ist da viel-
patorische Real-Utopien wie zum Beispiel der große An- zu ersticken. Denn solche blinken hier und da schon mal leicht eine »andere« Art von Liebe zwi-
teil von Frauen in Führungsrollen der Gruppe wurden im auf: Ditfurth liefert immer auch den gesellschaftlichen schen Adoptivtochter und Mutter? Liegt
öffentlichen Display längst zugunsten von »der verruchte Kontext mit, um die Beweggründe ihrer Protagonistin da so was wie Sex in der Luft, wenn der
Chauvi-Gangster-Baader und seine abhängigen Groupies nicht nur über das Private zu erzählen. Viel weiter gerade kleine Junge von gegenüber die Mitt-
bzw. Schlampen« umgeschrieben. auch in die Motive der RAF reicht das alles aber nicht. Un- dreißigerin besucht? Immer geht es
Bei so viel geglückter Verzerrung wundert man sich al- aufgeregt, realistisch, wohlmeinend spulen sich die Sta- um Beziehungen, die sich in Randbe-
lerdings, warum Dinge rund um die RAF dennoch weiterhin tionen von den Großeltern bis zum Tod in Stammheim ab. reichen und Zwischenräumen bewegen
derart aufgeladen rezipiert werden. Dahingehend durfte Aufschlussreicher und irgendwie auch lebendiger sind da – bis dahin, wohin Sprache im Normal-
man sich nun auch von Jutta Ditfurths epischer Meinhof- doch die gesammelten Meinhof-Essays in »Die Würde des fall nicht reicht.
Biografie einiges versprechen. Immerhin kehrte Ditfurth Menschen ist antastbar« (Wagenbach, 1980). Dana Bönisch
den Grünen Anfang der 90er den Rücken wegen deren Linus Volkmann
Rechtsentwicklung a.k.a. dem Einflussgewinn der Realo- Miranda July »Zehn Wahrheiten«
Fraktion und gründete mit der Ökolinx eine weit weniger Jutta Ditfurth »Ulrike Meinhof – Die Biografie« (Ullstein, 482 S., EUR 22,90) (Diogenes, 252 S., EUR 18,90)
Literatur 081

FICK DAS SYSTEM Wir Alphamädchen


Charlotte Roche hat mit ihrem Roman
»Feuchtgebiete« das Feuilleton aufge-
mischt. So viel Aufmerksamkeit wer-
Im lahmarschigen Deutschland kommt es selten genug vor, queere Underground-Praktiken und feministisches Auto- den Meredith Haaf, Susanne Klingner
dass man sagen kann: »Es geht was.« Aber gerade ist es so: renkino. Der Umstand, dass das pluralistische Rumgedok- und Barbara Streidl für »Wir Alphamäd-
Die Interventionen queer-feministischer Subkulturen und tere an tausend Ecken und Enden auch verdeckt, wie weit chen« nicht einheimsen. Die Aussage ist
die Debatten über Kunst, Politik und Gender Studies tra- viele Diskussionen noch in den Kinderschuhen stecken, ist unterm Strich aber dieselbe: Warum Fe-
gen Früchte im bürgerlichen Milieu. Das Thema Sexualität eher normal. Und Texte von queeren Theoretikern und Ak- minismus das Leben schöner macht. Wa-
erfährt derzeit geradezu einen Hype. Wie der einigermaßen tivisten über eine Revolution ohne gemeinsamen Kampf rum die Schönheitsindustrie Frauen ein-
reflektierte Popkonsument weiß, sind Hypes weder voll- gegen alltägliches Ich-AG-Dasein sind zwar ähnlich limi- redet, dass sie angeblich nie schön ge-
blöd noch supergeil. Sie sind warenförmig und aufdringlich. tiert wie eine universalistische Linke ohne Erfahrung mit nug sind. »Wir Alphamädchen« ist popu-
Manchmal sind sie förderlich, um Begehren zu politisieren queeren Lebensformen und dafür »objektivem« Gerede lärwissenschaftliche Erklärung, dass die
und soziale Alternativen vorstellbar zu machen. über die Verhältnisse und deren Überwindung, aber 95 Frauenbewegung gemeinhin drei Phasen
Immer wieder lustig zu beobachten, wie sich durch die Prozent aller monatlichen Publikationen sind trotzdem hatte: den Kampf um das Wahl- und Bil-
zunehmende Sexualisierung des Mainstreams ge- sinnloser. Das hat auch seine Gründe. Inwieweit es dungsrecht für Frauen im 19. Jahrhun-
arbeitet wird, als hätte es irgendwann Formen ge- zum Beispiel alle – der Mainstream, der konser- dert, das Pochen auf ein Abtreibungs-
sellschaftlicher Produktion gegeben, in denen Ar- vative Feminismus und die linken Magazine – ver- recht und sexuelle Befreiung in den
beit nicht vergeschlechtlicht gewesen wäre – und pennt haben, mit proletarischen Frauen zu spre- 60er-Jahren sowie den heutigen Third-
das Verhältnis von Lust/Mobilisierung oder Kör- chen, anstatt von oben herab über sie zu urteilen, Wave-Feminismus mit popkulturellem
pern/Begehren neben der Repression von »ande- macht Virginie Despentes’ jüngstes Buch klar. Die Bezug. Es geht um Verhütung und Por-
ren« Körpern tatsächlich mal abwesend. Nimmt Roman-Schriftstellerin und Regisseurin von »Baise- nos, Frauen in Sprache, Politik und Me-
man dazu Gayatri Spivaks Beobachtung, dass die Moi – Fick mich« hat ihre erste Essay-Sammlung ver- dien. Durchaus eine vielseitige Analyse
Ehe die älteste Institution der Weltgeschichte öffentlicht. Darin bezieht sie eine konsequente Pro- des Ist-Zustandes – mit allen Errungen-
ist, wird klar, dass in Deutschland der Femi- Sex-Feminismus-Position, die sich gewaschen schaften, aber auch Defiziten Etwa, dass
nismus noch mehr an platten Ressentiments hat. Ihre »King Kong Theorie« (Berlin Verlag, 160 in Deutschland Frauen im Schnitt immer
als an einer neokonservativ verbrämten Alice S., EUR 18) rockt in Punk-Speech und ohne elitäres noch 20 Prozent weniger verdienen als
Schwarzer leidet. Apropos: Mit dem bald er- Uni-Gehabe durch Debatten zu Pornografie, Sexar- Männer. Positiv ist das deutliche Benen-
scheinenden Magazin Missy gibt es zukünf- beit und Vergewaltigung. Sie postuliert einen Fe- nen der verängstigten »Altherrenriege
tig eine postfeministische Alternative sowohl minismus, mit und bei dem Männer viel zu tun ha- der Journalisten« im Spiegel oder in der
zu Oma Alice als auch zur Masse an männlich ben. Despentes’ radikale Textsammlung ist nicht FAZ, die in engagierten Vätern die »wah-
geprägten Pop-Magazinen. Chapeau! nur in Sachen Balance zwischen Form und Inhalt, re Männlichkeit« bedroht sehen. Teilwei-
Die »Testcard« (Ventil Verlag, 288 S., EUR Persönlichem und Politischem außerordentlich ge- se nerven die Autorinnen etwas mit ih-
14,50), eine der beliebtesten nicht-universi- lungen, sie führt nachdrücklich eine Stimme ein, die rem übertriebenen Girlie-Stil à la »grün-
tären Reader-Reihen zur Popgeschichte, pro- sich nicht nur von Eva Herman und Alice Schwarzer, den wir eine Mädchenmannschaft«. In-
biert sich mit ihrer 17. Nummer ebenfalls am sondern auch von Ariadne von Schirach und Charlotte haltlich bin ich aber mit im Team – und
Thema »Sex«. In einer irren Mischung fliegen da- Roche unterscheidet. »King Kong Theorie« ist schlicht Charlotte Roche bestimmt auch.
bei Perspektiven durcheinander, bis einem im po- eines der allerwichtigsten Bücher seit Judith Butlers Dörte Miosga
sitiven Sinne schwindlig wird: Kapitalismuskri- »Gender Trouble« zur Frage, was Frau ist – und wer da-
tik und alternativer Porno, Transgender- von zu berichten hat. Meredith Haaf, Susanne Klingner, Barbara Streidl
Beziehungen und sexuelle Arbeit, Tim Stüttgen »Wir Alphamädchen«
(Hoffmann und Campe, 253 S., EUR 19,95)

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082 Spiele

Perry Rhodan
Seit dem ersten Erscheinen 1961 hat es
die Romanheftreihe »Perry Rhodan« auf
stolze 2400 Ausgaben geschafft. Nach
einem rundenbasierten Strategiespiel
»Perry Rhodan – Operation Eastside«
von 1998 und dem Abenteuerspiel »Die
verbotene Stadt« aus dem Jahre 1999 ist
Devil May Cry 4 das schlicht mit »Perry Rhodan – The Ad-
venture« betitelte Point&Click-Adventure

UNAUFGEREGTER eine endlich ernst zu nehmende der größ-


ten Science-Fiction-Serie der Welt.Chef-

GENERATIONSWECHSEL autor Robert Feldhoff höchstpersönlich


zeichnet für die komplett neue Story ver-
antwortlich: Wir schreiben das Jahr 1346
»Devil May Cry« zählt zu den meistverkauften Titeln der PS2-Geschichte: ein Spiel, in dem neuer galaktischer Zeitrechnung: Perry
beinahe alles passte. Jetzt wagte die prachtvoll inszenierte Dämonenhatz den Sprung auf Rhodan sieht sich nach einem Angriff auf
die neuen Plattformen – wir haben nachgesehen, ob sie ihn schadlos überstanden hat. die solare Residenz, Zentrum der terra-

M
nischen Macht, und der Entführung sei-
ner Vertrauten Mondra Diamond durch
it der Potenz der neuen Konsolen sind inzwischen beinahe Rockstar-Status (mit eigener Zeichen- außerirdische Kampfroboter plötzlich
auch die Ansprüche gestiegen: Der trickserie und veritablem Fankult) genießt, zum Bösewicht von einem gewaltigen Netz aus Intrigen
Konsument erwartet Revolutionen, erklärt. Stattdessen agiert man nun als Nero, der von sei- und Lügen umgeben. Schloss, Prinzes-
konzeptuell wie im Detail. Die Schon- nem Vorgänger äußerlich kaum zu unterscheiden ist, cha- sin, Entführung – na, klingelt da was? Wie
zeit für Software-Hersteller ist mittlerweile verstrichen, rakterlich aber komplexer zu sein scheint – so sehr man dem auch sei: In beeindruckenden Sze-
aber Verbraucher und Fachpresse sind sich weiterhin ei- die abgeklärte Arroganz von Dante mochte, so dumpf ge- narien der fünf unterschiedlichen Welten
nig: Die großspurig angekündigte Revolution lässt auf sich riet meist die Story. Ansonsten bleibt vieles beim Alten: mit warten unzählige Logik- und Kombinati-
warten. Bilanziert man das bisherige Sortiment, konnten anachronistisch linear verlaufenden Levels, sporadischen onsrätsel, durch deren Lösung man et-
nur wenige Titel die Erwartungen erfüllen: Das optisch be- Rätselpassagen und gigantischen Bossgegnern, die es mit was Licht in die Angelegenheit bringen
eindruckende »Burnout« oder das elegant erzählte Meu- dem erwartungsgemäß drallen Move- und Waffenarsenal kann. Die Symbiose aus dem Detailreich-
chelepos »Assassin’s Creed« gehören vielleicht in jene Ka- zu bezwingen gilt. Was vielleicht obsolet klingen mag, sich tum der 2-D-Hintergründe und den atmo-
tegorie; den Hammer, der eine neue Ära markiert, sucht in der Praxis aber ziemlich gut anfühlt: Logischer, intui-
man aber immer noch vergebens. Ein Spiel, das stilprä- tiver und ästhetischer lassen sich Polygonen selten steu-
gend wirkt wie einst »GTA« oder »Devil May Cry« für die ern. Hinzu kommen abwechslungsreiche Levels (vom üp-
letzte Generation. Weswegen man vielerorts mit den Hu- pigen Dschungel über postapokalyptische Straßenzüge hin
fen scharrte, als der Branchenriese Capcom eine Fortset- zu antiken Tempelanlagen) und ein optischer Standard, der
zung von »Devil May Cry« für die neuen Plattformen ankün- den neuen Erwartungen großteils gerecht wird. Weshalb
digte. Der vierte Teil des Hack&Slay-Klassikers erscheint guten Gewissens resümiert wird: sicher keine Revolution,
jetzt erstmalig auch auf PC und Xbox 360. Eine pankompa- aber eine bodenständige, wohl geratene Fortsetzung eines
tible Großoffensive also, und die Expansion beginnt reich- Klassikers der Videospiel-Historie. Gerd Rosenacker
lich unorthodox: nämlich mit dem Rauswurf des Hauptdar-
stellers. In der Startsequenz wird Dämonenjäger Dante, der Devil May Cry 4 (PS3, Xbox 360, PC; Capcom)

sphärischen Licht- und Schatteneffek-


ten sowie den weichen Animationen der
3-D-Charaktere lässt das Spiel zu einem
authentischen und im höchsten Maße
Illuminati spannenden Abenteuer werden. Unter-
stützt wird die äußerst dichte Atmosphä-
SIE sind uns allen ja bekanntlich auf den Fersen – per Han- in die Schranken zu weisen. »Illuminati« kombiniert also re durch einen stimmungsvollen Sound-
dymasten, Testbildflimmern und diesen Nummern auf den mehrere Spielinhalte: etwas Legespiel, etwas Taktik bei track und 3-D-Soundeffekte, die zusätz-
Euroscheinen. Wie alles mit allem zusammenhängt, darum Angriff und Übernahme fremder Unterorganisationen und liche Spannungsbögen zu erzeu-
geht’s im wahrsten Sinne des Wortes in diesem Spiel. ein bisschen Gefühl von Gruppendynamik und Verhand- gen wissen.
Jeder Spieler übernimmt einen der Geheimbünde, die lungsgeschick. Das Highlight des Spiels sind sicherlich die Alles in allem ist »Perry Rho-
um die Weltherrschaft ringen, und versucht im Lauf des absurden Netzwerke, die sich entspannen, wenn etwa die dan – The Adventure« nicht
Spiels, ein stetig wucherndes Karten-Netzwerk aus Unter- Jünger Cthulhus die Post kontrollieren, die wiederum die zuletzt durch ein moder-
organisationen vor sich aus- Leichenbestatter in ihrem Würgegriff hält, von denen die nes und benutzerfreund-
zulegen. Um die Übernah- Ölmultis abhängen, die die Kindergärten unterwandert ha- liches Interface ein lie-
meversuche der anderen ben, die ihrerseits die Sozialdemokraten kontrollieren und bevoll umgesetztes
Spieler abzublocken, müs- so weiter. Schnell erlernter Spaß also, der mit einfachem Abenteuer aus dem
sen die Karten möglichst Grundprinzip immer neue Spielverläufe ermöglicht. Dass in »Perryversum«, das
geschlossen aneinander- den Medienhinweisen Daniel Kullas Klassiker »Entschwö- Lust auf mehr macht.
gelegt werden. Zudem heißt rungstheorie« fehlt – tja, das haben wohl der BND und die Marc Seebode
es, mit den anderen Global Delfine zusammen gedeichselt.
Playern die richtigen (tem- Jasper Nicolaisen Perry Rhodan – The Adventure
porären) Bündnisse einzu- (PC; Deep Silver)
gehen, um allzu forsch ex- Illuminati (Brettspiel von Steve Jackson für 2-6 Spieler, Wir verlosen drei Exemplare des
pandierende Konkurrenten Pegasus Spiele, ca. EUR 24,95) Spiels. verlosung@intro.de
Spiele 083

SPORTY PIXEL-SPICE FIFA Street 3


Raus aus den Stadien, zurück zu den
Wurzeln: Die Idee der »FIFA Street«-Se-
rie, in der Ronaldinho und Konsorten in
Pro Evolution Soccer 2008 für PSP (Konami) spielen oder Carrerabahn fahren. Keine der genannten und Fünfer-Teams auf Hinterhöfen gegenei-
Eine kurze Meldung vom Breitensport, bevor es in die weiteren Disziplinen dauert dabei länger als drei Minuten, nander antreten, ist durchaus lobens-
sportliche Peripherie geht: Endlich kommt der aktuelle Spaß machen sie aber alle – für eine kurze Zeit. wert. Doch selbst geneigte Konsumenten
»PES«-Teil auch fürs Handheld. Und eigentlich ist alles wie werden einräumen müssen, dass dieses
bei Konsole oder PC: Eine eigene Mannschaftskarriere ist Balls Of Fury für Wii und DS (Zoo) Mätzchenmassaker mit Straßenfußball
per Meisterliga möglich, Gegner machen beim Stand von Ob der Underground-Tischtennis-Spielfilm »Balls Of Fury« bisher wenig zu tun hatte – Sportska-
0:5 vor lauter Verunsicherung nur noch Fehlpässe, und die mit Christopher Walken, der erst Mitte des Jahres bei uns meraden, die schon mal einen Fallrück-
Ballphysik ist, wenn auch einfacher, so doch auch hier von in die Kinos kommt, sein bester Film ist, weiß ich nicht. Be- zieher auf Asphalt versucht haben, wis-
beeindruckender Natur. Grafisch das beste Fußballspiel, zweifelt werden darf es aber, wenn man sich den Trailer an- sen genau, wovon die Rede ist. Und »FIFA
das es je für unterwegs gab. Das merkt man unter anderem schaut. Egal: In den USA lief er schon, und jetzt kriegen wir Street 3«, der nun dritte Versuch, macht
auch an den exorbitant langen Ladezeiten – vor dem Spiel. eben mal vor dem Film das dazugehörige Digi- bedauerlicherweise genau da weiter, wo
Im Spiel selbst läuft aber alles angenehm flüssig. tal-Mer- die Vorgänger aufgehört
c h a n d i- haben. Positiv zu ver-
King Of Clubs für Wii (Oxygen) se. Darin ist merken ist das neue gra-
Minimilk, Ministeck, Minigolf. Mythen mit Mini- vorne sind alles ähnlich, fische, karikative Kon-
ja eigentlich unkaputtbar. Denkt man. Will man dem Fami- wenn auch we- zept – anson-
lienspaß aus Gummibällen, Golfschlägern und Eis am Stiel niger vereinsmeierig als sten aber be-
aber doch an den Kragen, verlege man das Setting des Mi- bei Rockstars »Tischtennis«. gegnen einem
nigolf-Spiels, das man programmieren will, einfach in die Die Bedienung ist gleich in- bekannte
Wüste von Nevada, wo degenerierte Rednecks dann zwi- tuitiv, dafür sind die Settings Ä r g e r-
schen Rost, Staub und neun Farben Grau auf Bahnen voller der einzelnen Spiele schö- nisse:
Trash-Prähistorik und schönster PS1-Grafik ihr Bestes ge- ner – und man kann Walken wenig Langzeitmotiva-
ben sollen. Dazu läuft dann noch entmenschter Gitarren- in einem Kimono spielen. tion wegen abstruser
Blues. Schade, es hätte so schön sein können. Besonders bizarr: Im Sto- Mannschafts- und
ry-Modus durchspielt man Ligakonstellationen,
EA Playground für Wii (EA) tatsächlich den ganzen Film. reichlich irritierende
Grell, aber auch niedlich, dieses Spiel. Mediale Ironie: An- Nach erklärenden Standbildern Füllbalken und eine
statt mit Nintendo DS oder Handy vertreiben sich die zu und Textsequenzen wird dann jedes Inflation von ziemlich
spielenden Kinder aus »EA Playground« ihre Zeit am lieb- im Film auftauchende Match bestritten. beliebig wirkenden
sten mit Analogem: Papierflieger steigen lassen, Völkerball Felix Scharlau Manövern, bei deren
Performance man auf
Hinterhöfen nur ein
Wort zugeraunt bekä-
me: Poser.
Gerd Rosenacker

FIFA Street 3
(PS3, Xbox 360, DS; EA Sports)
084 Spiele

Digitale Paradiese
Andreas Rosenfelders Essaysammlung
mit dem etwas schwülstigen Titel »Di-
gitale Paradiese« beleuchtet die groß-
en innovativen Spieletitel der letzten
30 Jahre. Das Buch stellt deren Erzähl-
techniken und spielerische Innovationen
in einen Sinnzusammenhang (und da-
durch auf die gleiche Stufe) mit arrivier-
ter Hochkultur. Killerspieldebatte, Spiel- There will be blood
sucht und bildungsbürgerliche Ressenti-
ments gegen das Genre bleiben weitest-
gehend vor der Tür. Das Buch liefert viel-
mehr vermeintlich proaktiv eine zum Teil
GEWALT IM SPIEL, TEIL 3205
intelligente Games-Beweihräucherung,
über deren zwischenzeitliche Pointiert- Nur ein Bruchteil der veröffentlichten Computerspiele wird indiziert oder bekommt eine
heit sich Spiele-Fans freuen dürften. Bei- Freigabe für Spieler über 18 Jahren. Und doch sorgen einige wenige Titel immer wieder
spielsweise dort, wo es um das absurde für Schlagzeilen und rufen Videospielgegner auf den Plan. Berechtigt oder übertrieben?
Zusammenfallen von Arbeit und Freizeit Ein Blick in einige aktuelle Titel zeigt die Notwendigkeit der Differenzierung ...

D
beim Computerspielen geht. Augenzwin-
kernd wird hier die Perversität dargelegt,
die dazugehört, sich freiwillig dem prote- ie Meldung kam nicht überraschend: Der ren Spielzweck irritiert. Abseits der menschlichen Treffer
stantischen Leistungsprinzip zu unter- Shooter »Call Of Duty 4: Modern Warfare« gibt es pro Level jedoch auch Dutzend andere Heraus-
werfen, indem man bei »GTA« zum zwan- war mit sieben Millionen verkauften Exem- forderungen, die klar zeigen, wie sehr die Spielmechanik
zigsten Mal versucht, die schwierige Ga- plaren neben »Halo 3« der erfolgreichste über dem Inhalt steht. In »The Club« wird Geschicklichkeit
belstapler-Mission zu schaffen, obwohl Konsolentitel des Jahres. Dabei sieht »COD 4« so erschre- in einem übersteuerten Testosteron-Umfeld inszeniert,
man doch nur einen virtuellen bzw. ab- ckend realistisch aus, dass beim Spielen tatsächlich ein das weitaus mehr an Filme wie »Crank« oder »Shoot Em
surden emotionalen Gewinn davonträgt. übler Kriegtreiber-Nachgeschmack bleibt. Up« erinnert.
Mitunter wirkt genau dieser laterale Re- Während in anderen europäischen Ländern nur in Ex- Stellenweise greifen Computerspiele durchaus auch
ferenz-Gestus aber auch zu bemüht – tremfällen wie »Manhunt 2« Zensur gefordert oder ausge- aktuelle Problematiken auf, verhandeln diese jedoch in
nicht alle erwähnten Spielelemente las- übt wird, hört der Spaß in Deutschland schneller auf. Zum der Regel gerade mal auf dem Niveau des miesen Klap-
sen sich so stichhaltig in die Tradition Beispiel dann, wenn Töten im Spiel zum reinen Selbst- pentextes: In »Frontlines – Fuel Of War« wird Ölknappheit
des klassischen Bildungsromans oder zweck inszeniert oder mit einem Belohnungssystem kom- zum Motiv eines Shooters, der inhaltlich dann doch purer
biniert wird. Aktuellstes Beispiel ist »The Club« vom eng- technischer Show-off ist. Erst wer vergleichbare Spiele
lischen Entwickler Bizarre Creations, bei dem die Grund- kennt, sieht den wirklichen Hintergrund solcher Shooter,
prämisse des Spiels tatsächlich abstoßend klingt: An die oft nur den erreichten technischen Spielstandard ver-
Schauplätzen wie einem alten deutschen Stahlwerk oder feinern und verbessern wollen. Fazit: Leider wird zu selten
inmitten von Venedig geht man auf Menschenjagd. Kopf- versucht, die Inhalte einen Schritt weiter zu denken. Aber:
schüsse und besonders gelungene Trefferkombinationen Auch die Spieler verstehen im Regelfall, dass diese Spiele
bringen Highscore-Punkte ein. Abstoßend? Verwerflich? eben nur die erwähnten Ziele erreichen wollen. Leider nicht
In den ersten Spielminuten des in Deutschland nicht be- mehr und oft eher weniger.
worbenen oder erhältlichen Spieles ist man über den wah- Gregor Wildermann

Patapon
der Thesen von Platon bis Adorno stel- Vielleicht mag einen bei Bildern von Mark Rothko oder bei nen Befehlen schnell ein Rhythmus wird. Klingt auf dem
len, wie Rosenfelder es gerne hätte. So Filmen von Luis Buñuel schon mal ein ähnlicher Effekt Papier nicht ganz so töfte, lässt einen aber so schnell nicht
ergibt sich das Buch mitunter eben doch heimgesucht haben: Da sieht man etwas, kann es aber in mehr los. Insgesamt 30 verschiedene Arten von Abenteu-
ohne Not einer hochtrabenden Recht- Worten und Metaphern nur schlecht erfassen. So in etwa ern in Form von Monsterjagden, Rettungsaktionen und
fertigungsrolle gegenüber den unsicht- erging es mir bei »Patapon«, einem der aktuell schlichtweg chaotischen Schlachten werden im Trommelfeuer ange-
baren Gegnern des Genres. Für Gamer ungewöhnlichsten Handheldspiele. Erstaunlich, wenn man leitet. Auch wenn nicht immer ersichtlich ist, was wirklich
birgt das Buch aber interessante An- bedenkt, dass Sonys PSP in puncto Spielauswahl bisher auf dem Plan steht, sucht »Patapon« wahrlich seinesglei-
sätze, auch wenn es bei der konkreten doch eher stiefmütterlich behandelt wurde und abseits chen. Und wem das alles zu anstrengend ist, der kann sich
Abhandlung einzelner Titel bisweilen zu von »LocoRoco« wirklich originelle Spiele Mangelwa- auch noch bei acht Minispielen verlustigen. Und allein für
oberflächlich vorgeht. Nichtgamern hin- re waren. Vom gleichen Entwickler kommt nun der näch- die Grafik vom französischen Designer Rolito, den Freunde
gegen wird Toleranz gelehrt - sofern sie ste böse Streich. Die Handlung klingt zunächst simpel: Die von Designer-Toys bestens kennen werden, hätte dieses
in der Kürze die Argumentation und das Patapons sind winzige tapfere Krieger, die nur auf den Be- Spiel einen Platz im Museum verdient.
Wesen der erwähnten Spiele überhaupt fehl von Trommeln in den Kampf ziehen. Ebendiese Trom- Gregor Wildermann
zu erfassen vermögen. meln betätigt der Spieler in persona einer Gottheit mit den
Felix Scharlau vier rechten Buttons, sodass aus der Abfolge von einzel- Patapon (PSP; Sony)

Andreas Rosenfelder »Digitale Paradiese. Von der


schrecklichen Schönheit der Computerspiele«
(KiWi, 191 S., EUR 8,95)
086 Technik

01 P Die Mega Drive Comeback-Show 02 P Nokia Disco 03 P Ashhole 04 P Flexibler Multitouch-Controller


Der Sega Mega Drive gehört zu den 90er- JBL, Technik-Laien auch bekannt als Ob Ukraine oder USA, ob Fürstenhaus Tastatur und Maus sind wenig komfor-
Kronjuwelen wie »Beverly Hills 90210« Hersteller »dieser kleinen Kneipen-Laut- oder 5er-WG – am Tag nach der Party tabel bei der Musikproduktion. Die fran-
und Dr. Alban. Leider verlor Sega aber sprecher«, macht das Nokia 5310 zum herrscht Gleichheit zwischen Kulturen zösische Firma Jazzmutant schafft Ab-
bald den globalen Hardware-Kampf und Soundsystem. Passgenau wird das Han- und Klassen: Überall stehen vollgeaschte hilfe. »Dexter« ist eine touch-sensitive
produziert heute nur noch Software. Die dy in die »JBL on call«-Box eingeklinkt Bierflaschen, die nur 30 Prozent ihrer ge- Fernsteuerung für Cubase, Nuendo, Lo-
2,4-Zoll-TFT-Spielkonsole von Millen- und so zum kompakten Audio-Begleiter planten Zigaretten-Befüllung beinhalten gic und Sonar. Das 12-Zoll-Display er-
nium beinhaltet nun 20 Spieleklassiker bei Picknick’n’Schwimmbad. Der Sound – der Rest ist auf dem Boden gelandet kennt beliebig viele Finger gleichzeitig
des Mega Drive für unterwegs. Darun- der Box (2x3 Watt) ist schlicht hervor- und hat dort Hermelin- bzw. Ikea-Tep- und erlaubt einen schnellen Zugriff auf
ter auch »Ecco The Dolphin« und »Sonic ragend zu nennen. Auch bei enorm lau- pich ruiniert. Das kann durch diesen Fla- die wichtigsten Parameter des jewei-
& Knuckles«. Der Clou: Das mitgeliefer- ter Benutzung ist kaum eine Verzerrung schenaufsatz verhindert werden – sogar ligen Sequenzers. Das kostenlos erhält-
te Video-Kabel dockt das Handheld auch auszumachen. Blöd nur, wenn Mama sehr kostensparend. Völlig kostenlos ist liche Lemur-Upgrade ermöglicht zudem
an den Fernseher an – und dann wird während der Disco-Time anruft. Circa hingegen dieser Tipp: Stellen Sie einfach das Gestalten von eigenen Bedienober-
dort weitergespielt mit exakt der Auflö- EUR 90 (Box) / EUR 220 (Handy ohne Ver- mehr Aschenbecher auf, bevor die Gäste flächen sowie das Steuern von VJ- und
sung von einst. Circa EUR 50. www.me- trag). www.jbl.com / www.nokia.de kommen. Circa EUR 10. www.gadgets. 3-D-Programmen. Teuer, aber geil. Circa
gadrive-portable.de dk/ashhole.html EUR 2600. www.jazzmutant.com
WELT, DEINE
VST-PLUG-INS
Heute: mit De La Mancha

L a Mancha – in jener spanischen Landschaft kämpft der von seiner


blühenden Fantasie getriebene Don Quijote gegen imaginäre Wind-
mühlen. Und auch die Effekt- und Instrumenten-Plug-ins des gleich-
namigen Londoner Musiksoftware-Tüftlers entführen den Nutzer in
ferne Klangwelten. Innerhalb nur eines Jahres sind sechzehn VST-Effekte und neun
VST-Instrumente für Windows entstanden, die sich auf einer Skala von »krank« bis
»inspirierend« bewegen und unterm Strich einfach nur Spaß machen. Und das Be-
ste: Mit Ausnahme des komplexen Pitch-Shifters »Octav8r«, der für schlappe 15
Dollar erhältlich ist, stehen alle Plug-ins zunächst einmal zum kostenfreien Down-
load bereit! Da es sich um sogenannte Donationware handelt, entscheidet jeder
selbst, ob er den Entwickler mit einer Spende, die vor allem für die anfallenden
Serverkosten verwendet wird, unterstützen möchte. Dafür findet man auf www.
delamancha.co.uk unter anderem den C64-Lo-Fi-Synth »basic64«, den Drumsam-
pler »erratic« oder den spacigen Multieffekt »truc«, der mit ausgefeilten Morphing-
Funktionen aufwartet. Nicht nur beim Effekt »br0xx3n«, der dem Signal schlicht
»brokenness« hinzufügt, wird klar, dass hier weniger Alltägliches geboten wird und
die Plug-ins eine wahre Fundgrube für experimentierfreudige Sound-Frickler sind.
Zweckentfremdung ausdrücklich erwünscht! Drei neue Synthesizer sowie zwei Ef-
fekte sind derzeit übrigens in Arbeit – ein regelmäßiger Besuch lohnt sich somit.
Nils Wiere

www.delamancha.co.uk

Verlosung:
Blu-rays, Webcams
Das Rennen ist entschieden: Bildgewaltiges Hollywood-
Kino kommt in der Post-DVD-Zukunft ausschließlich via
Blu-ray in die heimischen Wohnzimmer. Als Appetizer je-
ner hoch auflösenden Technik verlosen wir zwei Blu-ray-
Sets. Bestehend aus »Independence Day« und »Sunshi-
ne« auf Blu-ray (Fox Home) sowie je einer Vicious and
Divine Laplace-Webcam mit 2-Megapixel-Fotoauflö-
sung und 1,3-Megapi-
xel-Videoauflösung. Der
übrigens weltweit ersten
USB-Webcam mit inte-
griertem Blitzlicht. Ge-
winnen? Eine Mail an ver-
losung@intro.de genügt.
&*(
HZeiZbWZg'%%,
\gVi^h
lll#^cigd#YZ

CG#&*( %.#'%%,B#>#6#T6C>B6A8DAA:8I>K:T7GD@:CHD8>6AH8:C:T=6G9";>T<:CIA:B:CTI6A>7@L:A>TI=DB6H=6GA6C
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6#
6C>B6A8DAA:8I>K:
>>K
K:
8:C:
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=6G9";>
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lichungstermin des jeweiligen Tonträgers. Das Abonnement kostet im Inland 25 Euro (inkl. Prämie), im Ausland 30 Euro frei Haus (ohne Prämie). Für den Prämienversand ins
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Probefahrt 089

Intros liebste Platten


01 Foals
Antidotes
02 Navel
Frozen Souls
03 Blood Red Shoes
Box Of Secrets
04 Operator Please
Yes Yes Vindictive
05 Girls In Hawaii
Plan Your Escape
06 Isobel Campbell & Mark Lanegan
Sunday At Devil Dirt
07 Trouble Over Tokyo
Pyramides
08 Jason Collet
Here’s To Being Here
09 Motorpsycho
Little Lucid Moments
10 Headman
Catch Me
11 Wolke
Teil 3
12 Johnossi
Supergrass All They Ever Wanted
13 Mark Stewart

SPALTER: EIN LEBEN 14


Edit
The Black Keys

NACH DEM ZENIT


Attack & Release
15 The Long Blondes
Couples

Supergrass, das waren diese kleinen niedlichen druggy Äffchen aus den
Britpop-Neunzigern – mit den vielen kleinen bis ziemlich großen Hits für den Lesers liebste Platten
geschmackssicheren MTV-Zuschauer. Aber was heißt eigentlich waren?

Z
01 Radiohead
In Rainbows
uletzt noch erfreuten sich die nun auch et- mag: Etwas weniger Ambition hätte dem Album gutgetan. 02 Amy Winehouse
was älteren Jungs großer Lebendigkeit und Es könnte alles lockerer sein. Ist es aber nicht. Back To Black
uns mit einem Best-of-Album, das ein unbe- Bernd Seidel 03 Die Ärzte
streitbares Vermächtnis ihrer Größe darstellt. Jazz ist Anders
Aber die Bandgeschichte wird weiter geschrieben. Gibt es Nach ein paar Hör-Durchläufen der sechsten Supergrass- 04 Hot Chip
ein Leben nach dem Zenit? Natürlich, das wissen unzähli- Platte hatte sich die Review quasi von selbst geschrieben. Made In The Dark
ge Bands, kann es auch außerhalb des Gipfels schön sein. Ungefähr so sollte das klingen: »Nach knackigem, unge- 05 Slut
Wer hielte denn auch eine Existenz auf konstanter Aus- stümem Anfang (I Should Coco, 1995) und frühem, unge- Still No1
sichts-Plateau-Höhe aus? Okay, außer vielleicht die Ecua- mein druckvollem Karrierehöhepunkt (In It For The Money, 06 Nada Surf
dorianer mit ihren Stätten 2000 Meter über Normalnull. Na, 1997) schleicht sich die Karriere der Ex-Britpopper langsam Lucky
keiner. Und dennoch gibt es solche und solche Fade-out- aus ...« Na ja, in diese Richtung sollte es gehen, das war 07 Foo Fighters
Karrieren. Die einen gedeihen unter der offiziellen Wahr- schnell klar. Doch im Grunde läuft es mit »Diamond Hoo Echoes, Silence, Patience & …
nehmungsgrenze dank treuer Fans noch richtig gut, andere Ha« wie bei jeder neuen Platte von Supergrass: Sie wächst. 08 Arcade Fire
haben überraschende Alters-Highlights in petto, und wie- Woran liegt das eigentlich? Im Grunde hat die Band tat- Neon Bible
der andere werden zynische Selbstkopisten an der Schwel- sächlich spätestens seit dem selbst betitelten Album von 09 Beatsteaks
le zur Scham. 1999 alle Pfade ihrer Musik ausgelotet: Ausgelassenheit, .limbo messiah
Supergrass hängen bei all dem irgendwo dazwischen. Dynamik, Melancholie. Seitdem pendeln sie sich ein mit 10 Feist
Sind zwar nicht ihre eigene Coverband geworden, versu- leicht beschleunigten Midtempo-Songs, mehr oder weni- The Reminder
chen aber so angestrengt, noch ins längst an ihnen vor- ger eingängigen Refrains, hier und da Boogie-Woogie-Ele- 11 Interpol
beigezogene Geschehen einzugreifen, dass es auch dem menten, einem Schellenkranz, einer Orgel. Aber: Wer Su- Our Love To Admire
Zuhörer den Schweiß auf die Stirn treibt. Aktuell bemühte pergrass live beobachten konnte, wird übereinstimmen: 12 Vampire Weekend
man sich, den eigenen Sound mit schweinerockigem Glam Die Leidenschaft, mit der sich die Band durch ihre urbri- Vampire Weekend
aufzuplustern, aber kurz bevor ein Riff mal wirklich auf- tischen Songs spielt, macht auch im schlimmsten Falle 13 Miss Kittin
geht, fällt Steigerung doch wieder in sich zusammen. Man mittelmäßiges Songwriting wieder wett. Und dieses nur Batbox
kennt es von sich selbst vielleicht: Wenn man denkt, man schwer gezügelte Temperament, diese kaum gebändigten 14 Get Well Soon
müsste niesen, und es dann aber doch nichts wird. Die Er- Ausbruchsversuche – sie sind immer noch da. Man muss Rest Now Weary Head! You …
lösung des Moments fehlt und frustriert. So geht es eben nur genau hinhören. 15 Editors
auch »Diamond Hoo Ha«. Das Mühen um juvenilen Drive Heiko Behr An End Has A Start
und Rotz ist spürbar und verkehrt damit das Ergebnis in Eure Top 10 an Intro, PF 19 02 43, 50499 Köln oder
etwas Standstreifiges, etwas Biederes. So blöd es klingen Supergrass »Diamond Hoo Ha« (Emi) an charts@intro.de. Verlosungsgewinne winken.
090 Probefahrt

PLATTEN
VOR
GERICHT
Justice Goldfrapp Yeasayer Blood Red Shoes
Xavier de Rosnay, Gaspard Alison Goldfrapp, Will Gregory Chris Laura-Mary Carter, Stephen
Augé Ansell

Ø 6,1 Ø 3,57 Ø 5,3


Ø 3,7

01 Isobel Campbell X: I can picture a guy, like sin-


ging and falling asleep on
A: Reminds me of Lee Hazle-
wood and Nancy Sinatra. W: I
Very Leonard Cohen. It’s nice-
ly cinematic. Sounds not as
S: I like it. It’s really cinematic.
Reminds me of Leonard Co-
& Mark Lanegan stage. (6) like the western style. (6) good as Cohen, I’m a big fan hen. LM: You need to be in the
Sunday At Devil Dirt of Cohen. A little repetitive mood and have a place to lis-
for me. (5) ten to it. (7)
V2 / Universal / VÖ 07.05.

02 Neoangin G: Yeah, why not? X: Sounds


like Hot Chip. I don’t really like
A: [schaut auf den Boden und
streicht ihre Haare ins Ge-
Very polka. Sounds playful
like French electropop. Now it
S: I can’t take it seriously.
Sounds as if you crossed Te-
The Happy Hobo it. It’s harmless music. (6) sicht] I’ve heard people do sounds like En Vogue. (7) letubbies with LCD Sound-
& The Return Of The Freaks this well, he’s a bad copy. (2) system. I think it’s a joke. LM:
Yeah, must be. Four points for
www.neoangin.info
laughing. (4)

03 Clinic G: Trying too hard to sound


lo-fi. (6)
Sounds like he’s singing with
his mouth full. This is really
LM: I really like the guitar
sounds, it’s quite cool. The
Do It boring. (4) rest bored me a little bit. S:

Domino / Indigo Interesting, weird stuff. But
nothing that gets your atten-
tion. (4,5)

04 Firewater G: It’s like a gipsy band. X: It’s


not touching us, no it’s not our
A: I like this traditional sound,
but I don’t like the vocals. (4)
I like the percussions. It re-
minds me of Tom Waits. Wow,
LM: I would never buy this.
I find it a little bit dull. I just
The Golden Hour style. (6) the lyrics are very direct. The can’t make any sense of it.
Nois-o-lution / Indigo guy’s voice is almost annoy- S: Sounds just like a freaky
ing, but not really. I like that cheap version of Gogol Bor-
it’s a political album too. (8) dello. (4)

05 White Rabbits X: It’s okay. It sounds very


English. (6)
W: I don’t like it. A: I don’t want
to hear three more shit fu-
This band sounds like a lot of
people shaking tambourines
LM: I find it quite boring. It
doesn’t get to anything and
Fort Nightly cking records. [Steht auf, and stuff. I really don’t like the when it does it’s pretty obvi-
Fierce Panda / Cargo geht raus und bestellt einen production. The tambourine ous. S: Predictable, dull, emo-
Eiswein.] (4) is so high and this band loves tionless, pedestrian piece of
the tambourine. (6) shit. Nothing happened. (2)

06 Blackmail X: It sounds like 90s rock


and Foo Fighters. It’s cool
Interesting graphic design.
Based on the song titles and
S: Really rock. The singing
gets on my nerves. Sounds
Tempo Tempo for some people but not for the spelling, I would give four like they’re from the West

City Slang / Universal us. (6) points. If they’re from Germa- Coast. LM: The melodies
ny, why do they sing in Eng- aren’t as cool as they could
lish? (4) be. (6)

07 Calvin Harris X: It’s something you have


heard ten thousand times be-
It doesn’t really make me
dance, neither do I find it sti-
It’s cool, reminds me of Junior
Senior. It’s catchy dance mu-
S: He is dumb as fuck, kind of
fun. There’s nothing to it, no
I Created Disco fore. Lyrics are not interes- mulating. (4) sic for a party. (7) substance. But I can’t pre-
Ministry Of Sound / Edel / VÖ 25.04. ting but I know people who tend that it doesn’t make me
would like this. G: It’s very flat, smile. He makes you dance
homemade electronic pop. (6) and that’s his job, isn’t it? (1)

08 The Long Blondes G: Sounds like Blondie, each


song is different. (7)
A: [mit dem Kopf auf den ver-
schränkten Armen, Blick wei-
I like the voice and the voice
and the production. The voice
LM: It might take a few listens
to understand it, because it’s
Couples terhin gen Boden] It’s a tas- sounds like Dido. ... First I quite different from their last
Beggars / Rough Trade te thing, but not our cup of liked it, than I get bored of one. I’m a bit undecided, but
tea. (4) it. Her singing is the whole it sounds a bit weak. S: I can’t
show. (5) stand it. (2,5)

09 Johnossi X: Sounds like the French


band Indochine. One song re-
W: [verzieht das Gesicht] They
need a bass player. Bad versi-
The voice is a bit like Frank
Black. Seems they’re trying to
S: They fucking suck. I hate
this band even more because
All They Ever Wanted minds me of »Lump« by Pre- on of The White Stripes. (1) sound like The Presidents Of someone just told me that we
Universal sidents Of The USA. (6) The USA. I never thought so- sound like this band. We’re re-
meone would try that. Wow, ally offended. Are they retar-
this is really bad. (2) ded? LM: Just a: (0)

10 Lichter X: It’s all music from 1992


or 1994. It doesn’t sound
I like the packaging. Sounds
like Linkin Park, this one line.
S: I think it’s cool that they
sing in their native language.
Lichter new. (6) It’s a really bad and cheap It seems they found some in-

Loob Musik / Universal keyboard. (5) teresting notes on the piano
and the guitar. But not major-
ly exciting. (6)

All Time Faves The Beatles Brian Eno & David Byrne Sonic Youth
Abbey Road My Life In The Bush Of Ghosts Dirty
– Beach Boys Dr. Octagon Nirvana
Pet Sounds Dr. Octagon In Utero
Burt Bacharach The Beatles Q And Not U
Casino Royale Abbey Road No Kill No Beep Beep
Probefahrt 091

Eight Legs Panic At The Disco Tilman Rossmy Tomlab Gummikuh Intro-Praktis
Sam, Jack, Adam, Will, Ryan Quartett Gordon Intro.de-User (Postings: 56) Elena, Senta, Thomas, Jo-
Jack G. hannes, Nils, Marlene, Dénes

Ø 6,7 Ø 7,2 Ø 5,2 Ø 5,3 Ø 3,8 Ø 6,0 Ø

J: His first record was great.


This one is also cool. Great
Hut ab! Ganz enorm. (10) Wunderschön. Musik zum Zu-
hören und Weintrinken. Er-
Erste Platte, die ich von ihm
höre. Gefällt mir schon allein
D: Der hat diese Großer-Bö-
ser-Wolf-Nummer einfach 7,24
contrast, the beauty and the – innert manchmal an Kylie M. wegen der schönen sonoren drauf. T: Klingt genau wie Nick
beast. J: He’s so masculine und Nick C. (8) Herrenstimme. (8) Cave und Kylie Minogue, nur
and he’s lost his voice. (9) dass Isobel hier nur ein biss-
chen hauchen darf. (6,2)

J: Very eastern and also re-


minds me a bit of Hot Chip.
Ha, sounds like a Nintendo.
Like the background music of
Eine Welt zwischen Auto-
scooterdiskothek und Jahr-
Ist das die neue Band von
James di Salvio von Bran-
Allein schon 10 Punkte für:
»Make copys for everyone
E: Klingt, wie es aussieht. T:
Fröhliches Lo-Fi-Zeug. Erin- 5,98
JG: Yeah, Hot Chip. I like it. a game. Very electronic. (-) marktsgassenhauer. Frag- Van3000? Klingt ein bisschen you like.« Niedlich! (10) nert an Stereo Total. J: Nur
S: It doesn’t sound very or- lich, wie lang man das so. Am besten gefällt mir die schade, dass er immer das
ganic. (5) aushält, aber der Akzent ist Coverversion »See You« von Gleiche macht. M: Schrill und
echt. (7) Depeche Mode. (6) dabei stur. (6,8)

S: Can I keep it? A bit like


Thom Yorke. J: Sounds like
Oh, I like it. It’s real rock’n’roll.
Reminds me of The Stones
Eine Haschrockretrospekti-
ve. Dieser topfige Gesangs-
Ist halt einfach ein Clinic-
Album. Nicht besser oder
Die wievielte Platte ist das
von denen? Keine Ahnung,
N: Klingt wie Frank Zappa.
T: Boah, ist das super! N: Ich 5,91
underground stuff. A: Like it’s and The Doors. Can we go on sound ist gut. (7) schlechter als die Alben da- aber eine hätte gereicht. (3) sehe gerade einen Zirkusdi-
been recorded in a garage. (9) listening to it? (7,5) vor. Leider keine große Über- rektor vor mir. D: Unnötiges
raschung, die ich mir erhofft Album, find ich. M: Kann ich
habe. (5,5) die CD bitte haben? (6,7)

A: Can we also give eleven


points? Eleven points for
Haha, that’s interesting.
Sounds like a mixture of Bol-
Die haben Bärte ... (2) Ein bisschen super, ein biss-
chen merkwürdig. (5)
Viel zu pathetische und po-
litische Weltverbessererka-
T: Erinnert mich an Nick Cave
und die Violent Femmes. S: 5,64
them moving to Asia. This lywood and Gogol Bordello. I cke! (2) Mich an Ali Baba und die 40
cheers me up. (10) like it. We don’t have that kind Räuber. D: In der Dönerbude
of music in the States. (7) kann man das gut hören. (8,4)

S: It’s very genuine and has


no drive, but it’s very Smiths-
I already have this record. It’s
one of the best I bought this
... hoppeln in den Sonnenun-
tergang. Alles gut, Cowboy. (6)
Nichts Besonderes, einfach
nett gemachte Musik ohne
Calypso-Indie? Brauch ich
nicht. (2)
D: Das Klavier bringt Latino-
Style rein. S: Abwechslungs- 5,43
like. A: It’s cool. J: Can we go year. Cool vibes and an Egyp- viel Mut zu Außergewöhnli- reiche Beats. M: Geil schrul-
on listening to it? (7,5) tian touch. I like the produc- chem. (4,5) lig! (7,8)
tion and everything about this
record. (8,5)

J: It’s classic rock and rocks


more than our stuff. S:
Cool sound. Where do they
come from? These bands
Andere Baustelle, aber gut
gemacht. (5)
Meine BM-Lieblingsalben:
»Friend Or Foe« und »Science
Iiiiiihhhhh, Indierock! Möchte
ich nie wieder hören! Habe ich
T: Total die Monster-Mag-
net-Kopie – nur nicht so geil. 5,42
Doesn’t sound very warm but from Europe have a very pro- Fiction«. Das hier ist großar- keine Punkte für über. (0) J: Das hat nichts Markantes,
he has a great voice. A: Foo per style. They sound like tig, viele Überraschungsmo- eine sehr durchschnittliche
Fighters. (5) a real band. A rock’n’roll mente, fetter Sound und per- Alternative-Band. M: Fortbe-
band! (7) fektes Songwriting. Top! (9,5) wegungsmusik. (6,3)

JG: Welcome to the 80s par-


ty. J: It’s a laptop sound, but
I don’t like it, it’s not my
sound. Can you skip it? (-)
Die 80er-Jahre sind mittler-
weile passé, das macht aber
Das klingt super! Coole
Drums, lässiger Bass. Bee
»I Created Disco«? Hätte
ich jetzt mehr von erwartet
D: Klingt wie ein schwuler
Prince. T: Nee, dafür hat er zu 4,69
it’s interesting to listen to nichts. Er mag Mädchen, und Gees treffen auf Beck. Aber bei dem Titel. Hat den Mund wenig Soul. S: Ich steh nicht
such music. We always listen am Schluss wird’s doch noch auch nur bei Lied #1, der Rest ein bisschen zu voll genom- auf solchen Disco-Scheiß.
to the same stuff. S: Is he se- romantisch. (8) plätschert so dahin. (3,5) men. (4) Das ist eine Dauer-Schleife.
rious? (4) M: Gekauft! (4,7)

J: We should give them ten


because they’re so hot. One
Skip it. (-) Dieser Damengesang ist aber
anstrengend. Vielleicht eher
Zum Wegrennen ... (2) Man hört die Erol-Akan-Pro-
duktion: Long Blondes goes
D: Eunuchen-Chor! T: Erinnert
mich total an Bis. S: Fürchter- 4,52
of them worked with us in the was für Teenager mit besse- to the club! (7) lich! D: Verdammt langweilig.
studio. A: Can we keep this ren Nerven. (2) J: Die Songs beginnen immer
CD? Cool flow. S: In my eyes anders, und im Refrain wird’s
it’s too electronic. (6,5) dann die gleiche Soße. (4,7)

J: It doesn’t grab me really,


but he has a cool and aggres-
I like his voice. It’s very si-
milar to Blackmail, but it
Stadionrock – Achselzu-
cken. (2)
Was hat eine bekannte Ham-
burger Band gesungen: Es ist
Ich weiß nicht, wozu ich so et-
was hören sollte. (1)
S: Man würde nicht denken,
dass die nur zu zweit sind. 3,72
sive voice. (7,5) also sounds a bit like Bruce einfach Rockmusik. (6) Tolle Stimme! N: Schöne Mu-
Springsteen. (6) sik zum Reisen. S: Das erste
Album war viel besser. (5,7)

W: Good lyrics. J: And Bloc


Party guitars. A: No. (3,5)
Oh yeah, it’s cool. Good voice
and interesting sound. What
Zu clever. (3) Oh Gott, gar nicht meine Bau-
stelle. Wird bestimmt einige
So hört es sich wohl an, wenn
man als Kind alles hatte.
S: Die Stimme ist grausam,
und die Texte gehen über- 3,71
do they talk about? (-) Rose-Club-Indie-Girls geben, Ganz schlimme Texte. (1) haupt nicht. D: Das ist ja der-
die das mögen. Für mich ist art langweilig. N: Musik als
das ÜBERHAUPT nichts. Raus Selbsttherapie? (2,2)
damit! (3)

The Beatles Bob Dylan Smashing Pumpkins International Pony


The White Album Blonde On Blonde Siamese Dream We Love Music
– Bob Dylan John Cale Depeche Mode Moloko –
Blonde On Blonde Fragments Of A Rainy Season Violator Things To Make And Do
Tom Waits The Allman Brothers Band Quicksand Greens Keepers
Alice Brothers And Sisters Slip The Ziggy Franklin Radio …
092 Probefahrt

Be Your Own Pet


Get Awkward
XL / Beggars / Indigo
Wenn man noch nicht zwan-
zig Jahre alt ist, dann ist die
Geschichte des Rock’n’Roll
ein schier endlos weites Feld
und eine vollgestopfte Fundgrube, in der
es sich fabelhaft stöbern lässt. Zumin-
dest versucht man sich als Vertreter der
Ü30-Fraktion diese Illusion im Zuge ver-
blassender Erinnerungen vorzugaukeln.
Be Your Own Pet aus Nashville, durch das
Debüt zur Teen-Punk-Sensation auserko-
ren, setzen mit »Get Awkward« im Grun-
de an der Stelle an, wo »Be Your Own
Pet« endete. Neben jeder Menge mitrei-
ßendem Lärm finden sich auch auf dem
Nachfolger fulminante Songideen, mit de-
nen den Yeah Yeah Yeahs und Blood Brot-
hers dieser Welt Paroli geboten wird. Frü-
her wäre ein solches Album bei Crypt Re-
cords veröffentlicht worden: Scharfkan-
tige Breaks, Heavy-Metal-Riffs und räu-
dige SST-Punk-Attitüde sorgen in den oft-
mals skizzenhaft angerissenen Songs für Girls In Hawaii
den brodelnden Unterbau. Darüber wütet
Sängerin Jemina Pearl Abegg, ein keines-
wegs affektiert wirkendes Riot Grrrl mit
dem Look einer jungen Debbie Harry und
FLUCHTPLAN
dem Bühnengestus der Marke Beth Ditto,
Karen O. oder Juliette Lewis. Bezeichnend Naturverliebte Melancholie eines belgischen Künstlerkollektivs –
der Titel »Blow Yr Mind«: 42 Sekunden voll und dennoch geht’s nur ums Abhauen. Dabei ist »Plan Your Escape«
in die Fresse. Der Verhoeven-Klassiker eigentlich viel zu schön, um Eskapismus zu predigen.

H
»RoboCop« diente als Inspirationsquel-
le für »Bitches Leave«, insbesondere die
Szene, in der Kurtwood Smith ein Kokain- ört man die Folk-Popmelodien von Girls In chen, war es andersherum. Da wollte ich aus meinem Dorf
Kränzchen abrupt beendet, indem er mit Hawaii, ziehen sofort wunderbare Land- flüchten und für längere Zeit mit der Band unterwegs sein.
vorgehaltener Pistole die nackten Frauen schaften vor dem inneren Auge vorbei. Also ist man so gesehen ständig auf der Flucht.
mit ebenjenen Worten unverblümt zum Geht gar nicht anders. 2004 traten die Bel- Auf »Plan Your Escape« fallen viele verschiedene Sound-
Verlassen der Party drängt. »The Kelly Af- gier mit ihrem Debüt »From Here To There« zum ersten Mal und Geräuschelemente auf. Habt ihr diese Extras alle eher
fair« bringt die unverwüstlichen Sonics in unser virtuelles Bewusstsein. Nach einer ausgiebigen zufällig eingebaut?
auf den Plan, während der rare Melodie- Konzertreise quer durch Europa kehrten sie erschöpft nach A: Ja, im Grunde genommen waren das alles kleine Un-
gesang bei »Becky« an Little Evas »The Brüssel zurück und brauchten erst einmal eine kleine Aus- fälle, die wir letztendlich spontan in die Songs eingebaut
Loco-Motion« erinnert. Nach 35 Minu- zeit, um sich klarzumachen, was genau sie wollten. Fast ein haben. In der Regel ist in einem Studio alles sehr steril. Da
ten geballter, wild scheppernder Kraft- Jahr dauerte es, bis sie sich entschieden, eine neue Platte gibt es keine Unterbrechungen oder Störungen. Diese Ra-
meierei sollte man wieder unbeschadet aufzunehmen und den Weg als Vollzeitmusiker einzuschla- diostimmen auf »Luna« haben wir direkt aus unserem Ver-
vom Kronleuchter runterkommen. An die gen. Osteuropäische Einflüsse, einsame Mandolinen und stärker aufgenommen, als die plötzlich auftauchten, wäh-
frische Luft. Am besten in den Streichel- Kinderreim-Gesang (»Couples On TV«) machen dabei auch rend wir was ganz anderes machen wollten. Das passiert
zoo. Henrik Drüner das zweite Album zu etwas ganz Besonderem. Unterwas- schon mal, dass man plötzlich irgendeine Radiofrequenz
ser-Glockenspiele (»Coral«), jede Menge Geräuschelemente über die Verstärker empfängt. Normalerweise nervt das
The Black Crowes und zufällige Begebenheiten wie Regen, Hundegebell, das eher, aber in dem Moment war es ideal, und unser Produ-
Warpaint Läuten der Kirchturmuhr (»Plan Your Escape«) oder Radio- zent sagte sofort: »Kommt, das nehmen wir auf.« Und somit
Essential / Indigo frequenzen aus dem Verstärker (»Road To Luna«) erschaf- klingen die Tracks organischer und weniger steril.
Sieben lange Jahre nach fen eine traumhafte Akustik-Kulisse, schwerelos und ener- Das erste Album habt ihr ja komplett alleine produziert.
ihrem letzten Studioalbum gisch zugleich. Die Band war schon immer sehr naturver- Jetzt hattet ihr aber Unterstützung von Jean Lamoot.
melden sich die Gebrüder bunden, Blumenkinder inklusive Verzerrer. Und vom eigenen A: Ja, wir wollten für »Plan Your Escape« einen Außenste-
Robinson endlich wieder Fluchtplan kann sie auch noch einiges erzählen: henden dabeihaben. Jean hat schon viele französische und
mit neuem Album auf der Bildfläche zu- Also, Parole: abhauen. Aber wie? afrikanische Bands produziert (Alain Bashung, Noir Désir).
rück. Die Unstimmigkeiten des Brüder- Antoine: Für mich persönlich ist die Musik mein Flucht- Wir konnten uns ganz auf unsere Songs konzentrieren, wäh-
paars scheinen also vorerst beigelegt, die plan. Nach anstrengenden Monaten der Arbeit ist es gut, rend er sich um das Equipment und die Technik gekümmert
reformierte Band (hinzugekommen sind das Gefühl zu haben, man ist frei, um machen zu können, hat. Manchmal hat er auch was zu den einzelnen Stücken
Gitarrist Luther Dickinson und Keyboar- was man will. »Plan Your Escape« steht für die Freiheit in- gesagt, das war hilfreich. Er hat uns aber nie seine Meinung
der Adam MacDougall) trägt den Sound – nerhalb der Band. aufgeschwatzt, sondern war einfach ein guter Begleiter, ein
wie zu ihren besten Zeiten eine dreckige Daniel: Als wir von unserer ersten Tour zurückkamen, neutrales Mitglied, außerhalb der Band.
Mischung aus Rock, Blues, Country – mit war ich froh, wieder zu Hause zu sein. Das war meine ganz Jasmin Lütz
sehr viel Seele vor. Mit »Warpaint« erfin- persönliche Flucht. Ich wohne in einem kleinen Dorf 100 Ki-
den sich die alten Krähen natürlich we- lometer von Brüssel entfernt, und es war so schön, wieder
der neu, noch erweitern sie jenen ≥ zurück in meine Heimat zu kommen. Als wir zur Tour aufbra- Girls In Hawaii »Plan Your Escape« (Naive / Indigo)
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26.03. Frankfurt, Cookies (nur Hadouken + Les Yper Sound DJs)
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EJF"MUFO8FOOXJSJN4UVEJPTJOE àCFS )FSFT5P#FJOH)FSF 27.03. Berlin, Maria (+ DJ Supermarkt, Jack Tennis)
MBTTFOXJSVOTHBO[VOTFSFN'MPX XJSIB "SUT$SBGUT"MWF 28.03. Hamburg, Uebel & Gefährlich (+ Shir Khan, DJ Supermarkt)
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EIN FEST VON EMPFOPHLEN VON


094 Probefahrt

≥ spruchsvolles Songwriting noch die ten Teil der »Computerincarnations For Foals glaubt man ihnen das auch. Natürlich ha-
Chance hatte, bis in den Mainstream vor- World Peace« ganz der Balearic Disco. Die Antidotes ben Foals, ganz Briten, auch den Style für
zudringen (was heute ja teilweise wieder Compilation liefert einen guten Überblick Transgressive / Warner sich gepachtet, ähnlich wie bei Bloc Par-
möglich geworden ist). Es ist schon dreist, über das Genre. Janson bringt in erster Li- Gerede von Krisen ist im- ty erhebt sich Glam hier aber nicht zum
wie sehr sich z. B. »Somehow« nach Brian nie Obskuritäten und Unveröffentlichtes mer griffiger als Affirmation, Selbstzweck. Stattdessen unterfüttern
Ferry anhört ... Ähnliche Analogien zu an- zusammen, man findet Stücke von Prins trotzdem muss auch dieses sie ihren atmosphärisch variablen, aber
deren großen Namen könnte man bei fast Thomas & Todd Terrje, Chateau Flight (ne- einmal gesagt werden: Der immer unmittelbaren Gesang mit Gitar-
jeder anderen Nummer ziehen. Und doch ben ihren Discoproduktionen auch Prota- Start des Popmusikjahres 2008 ist mit renarrangements, die sich bei allem von
handelt es sich bei »Here’s To Being Here« gonisten des ewigen House-Revivals) und Hercules And Love Affair, Vampire Week- Electropop über New Wave bis Postrock
um eine eigenständige Leistung, die sich Lexx. Alles natürlich im unteren bpm-Be- end und (kurz davor) Yeasayer ungemein bedienen, hypnotischen Grooves und an-
vom Indie-Einerlei gerade dadurch unter- reich. Es gibt rare Remixe von Mu-Mas- aufregend und übertrifft für viele sogar regenden Soundeskapaden. Klassische
scheidet, dass sie auf Namen, Songstruk- termind Maurice Fulton und Daniel Wang das Jahr 2001, als Strokes und Konsor- Singalongs hat »Antidotes« nicht, das
turen und Arrangements setzt, die gerne + Brennan Green, und unschlagbar sind ten wie aus dem Nichts auf den Plan tra- stört aber kein bisschen. Die Platte ver-
als »zeitlos« beschrieben werden. Dass das sanft vor sich hin scheppernde »To ten. Mit Foals aus Oxford ist auch schon mittelt eher den Eindruck eines äußerst
hier eine Platte gelungen ist, die Großel- And Fro« von Ray Mang sowie das fast die nächste Band in den Startlöchern, hybriden, sich im steten Fluss befind-
tern und Enkel gleichermaßen zufrieden new wavige »Tyrant« von San Serac. Die die ohne größeren Vorlauf mit einem von lichen Projektes, das ahnen lässt, dass
stellt, bricht dieser Konsens-Musik kei- Stücke werden strikt nacheinander ab- vorne bis hinten überzeugenden Debüt Anfang und Ende der Darbietung Foals
nen Zacken aus der Krone, auch wenn ei- gespielt und nicht ineinander gemischt. auffährt. Wobei ihr Album »Antidotes« nicht leichtfertig gesetzt werden kön-
nige argumentieren könnten, dass genau Dabei ist Disco ja eigentlich nicht schwer nicht mit einem ähnlich unerhörten Stil- nen. Nicht nur das zeigt die Substanz,
solche Platten den Wunsch nach einer mit zu mischen. Das kriegen selbst Grobmo- mix aufwarten kann wie Erstgenann- die diese Platte hat.
Punk vergleichbaren Musik-Rebellion vo- toriker hinter den Plattentellern einiger- te. Das macht die Platte aber kein biss- Christian Steinbrink
rantreiben. Martin Büsser maßen hin. Gut, Janson wird seine Grün- chen schlechter. Denn was zunächst wie
de haben. Schließlich ist er nicht nur ein eine Mischung aus Rapture und Bloc Par- Robert Forster
Diverse sehr guter DJ, sondern vor allem auch ty mit gehörigem Devo-Einschlag wirkt, The Evangelist
Computerincarnations ein echter Stöberer. Auf effekthasche- entpuppt sich mit der Zeit als eine un- Tuition / BB*Island / Indigo / VÖ 04.04.
For World Peace 2 rische Hits wird größtenteils verzichtet, geheuer komplexe, ausdauernd ravende Es soll nicht sicher gewe-
Sonar Kollektiv / Groove Attack Lindstrm-Produktionen sucht man zum und doch nicht in billige New-Rave-Mu- sen sein, ob Robert Forster
Der für elegante House-Sets Beispiel vergeblich. Stattdessen sind ster verfallende Angelegenheit. Die Band nach dem Tod seines Part-
bekannte DJ und Groove/ hier schon jene Stücke versammelt, die selbst betont gerne ihre Math-Rock-Sozi- ners Grant McLennan und
Spex-Autor Gerd Janson in einem halben Jahr die Tanzflächen re- alisation, und aufgrund der teilweise so- dem damit verbundenen Ende der Go-
widmet sich auf dem zwei- gieren werden. Sebastian Ingenhoff gar verschrobenen Schemata ihrer Songs Betweens überhaupt noch ein Album ma-
Probefahrt 095

chen würde. Die Entscheidung war letzt- sich Forster auch anstrengen mag. Je- die Sterne erinnert. Ihre neuen Songs tische Mitteilungsfreude ehrt ihn natür-
endlich wohl keine bewusste. Sein im Info mand ist nicht mehr da. Er fehlt. Nicht klingen schlanker und eingängiger und lich – befremdete aber ein wenig im Zu-
zitierter Satz »this summer it just mate- nur auf dieser Platte. sind vor allem in ihrer Tanzbarkeit stark. sammenspiel mit seiner Musik. Dieses
rialized« bezieht sich darauf. Forster hat Christian Steinbrink Ihr neuer Stil steht Fotos gut, auch die Empfinden hat sich auch mit dem neu-
seine Songs zusammen mit den letzten große Variabilität der Songs zwischen Po- en Album nicht geändert. Aber man sieht
Go-Betweens Glenn Thompson und Adele Fotos phits wie »Ein Versprechen« und eher ver- so langsam, wohin die Reise führen soll.
Pickvance aufgenommen, und es ist leicht Nach dem Goldrausch trackten Stücken wie »Ich häng an dir und Duckworth versteht sich als politischer
vorstellbar, dass gerade der Songwriting- Labels / Emi du hängst an mir« gefällt. Sicher ist nicht Künstler und zeigt das auf Album Num-
prozess, also das, was ihn und McLennan Vernachlässigen wir mal jeder der neuen Songs unverzichtbar, si- mer zwei konsequenter als auf seinem
am engsten verband, zehrend gewesen den Neil Young-Titelver- cher sind manche der Texte nicht beson- Debüt. »The Children Are (The Consu-
sein dürfte. Auf »The Evangelist« finden weis. Interessanter ist, ob ders markant, trotzdem: Fotos haben sich mers Of) The Future« ist dafür ein gutes
sich drei Songs, die noch zusammen mit Fotos tatsächlich so etwas weiter verbessert, ihr Album ist amtlich. Beispiel: Pluckerbeats, Streicher im Hin-
McLennan entstanden sind, und in min- wie einem Goldrausch verfielen, als sie Und ich sehe keinen Grund, warum es mit tergrund, dezentes Gitarrenspiel und ein
destens zweien, nämlich »Demon Days« vor zwei Jahren ihr Debüt veröffentlich- »Nach dem Goldrausch« nicht mit dem Text, der persönliche Beobachtungen auf
und »It Ain’t Easy«, finden sich direkte ten. Ich schätze sie eher so ein, dass sie Durchbruch klappen könnte. einer Londoner Einkaufsstraße mit dem
lyrische Links auf den Schmerz, die der die Ochsentour über jede noch so kleine Christian Steinbrink großen Ganzen in Verbindung bringt. »You
Verlust McLennans bei Forster ausgelöst Bühne, die auf das Release folgte, durch- could be the children of the revolution«,
hat. Musikalisch wirkt »The Evangelist« aus erahnen konnten. Anderthalb Jahre Get Cape. Wear Cape. Fly hält er den shoppenden Kids vor – aber er
selbst in Relationen der Go-Betweens später war damit jedenfalls Schluss, Zeit, Searching For The Hows And tut das eher betrübt als anklagend. Kei-
gesetzt, die Platte ist eindeutig bedeu- eine neue Platte aufzunehmen. Und was Whys ne schlechte Idee, seine Message unters
tungsvoll und gut, aber genauso deut- nach 150 Auftritten mit immer denselben Atlantic / Warner Volk zu bringen. Man muss ja nicht im-
lich wird, dass etwas fehlt. Wie schon bei Songs folgerichtig scheint, ereilte auch Die UK-Festival-Auftritte des mer schreien. Die Musik dazu ist wohl-
den früheren Soloplatten von Forster und diese Band: Sie hatten nicht mehr so 21-jährigen Sam Duckworth klingender denn je, was vor allem dem
auch McLennan fehlt das songwriterische recht Lust, den von Brit-Rave geprägten gerieten im letzten Jahr mit- massiven Streicheransatz zu verdan-
Korrektiv, es fehlt der kongeniale Partner, Sound der letzten Platte zu spielen. Es unter zu seltsamen Ange- ken ist. So ist dieses Album genau das,
das Zwiegespräch, das die Songs beider folgte eine Neuorientierung, und die hat legenheiten: War sein Laptop-meets- was der Titel verspricht: eine Sinnsuche
auf Go-Betweens-Alben immer so zwin- zum Resultat, dass die Verzerrer nun et- Akustikklampfen-Sound eher melan- im Privaten wie im Politischen, sehr per-
gend machte. Forster braucht McLennan, was zurückgedreht werden. Fotos haben cholischer Natur, hingen überall auf der sönlich, aber mit genug Andockpunkten
um die bestmöglichen Songs zu produzie- einen von Funk angehauchten Pop entwi- Bühne Slogans, die nach Revolution für den Hörer. Und damit es nicht zu be-
ren, so wie McLennan Forster brauchte. ckelt, der mehr auf ausgefeilte Rhythmen und Punkrock schrieen. Fight Rascism! deutungsschwanger wird, findet man
Das wird nicht mehr geschehen, so sehr setzt und oft an Phoenix und seltener an Kill Poverty! Solche Sachen. Diese poli- auch noch Überraschungen wie den ≥

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096 Probefahrt

≥ Track »Better Things«, in dem Duck-


worth charmant im Duett mit Kate Nash
von nervigen Tourbegegnungen erzählt.
Daniel Koch

Gutter Twins
Saturnalia
Sub Pop / Cargo
Greg Dulli (Afghan Whigs,
Twilight Singers) und Mark Johnossi
Lanegan (Screaming Trees)

GLÜCKLICH,
sind: Gutter Twins. Wow.
Wahnsinn. Hätte man wohl noch vor we-
nigen Jahren gesagt. Was für eine Super-
group des Alternative-Rock.
Heute gilt diese Stilart ja als komplett
unmodern, Opamusik, da gerät niemand
NEIN, DOCH NICHT
mehr so leicht in Wallung. Sollte er/sie
aber. Denn dieses Album ist ein Meilen- Konzerte bis zum Abwinken, Arcade Fire fast so toll wie sie selbst und jetzt die
stein. Es hat das Zeug, zusammen mit zweite Platte. Johnossi wollen, sollen und können damit vom Mini-Hype des Debüts
dem unlängst erschienenen Black-Moun- aufs nächste Plateau kommen. Der Berg ruft.

D
tain-Album eine Art Heavyrock-Revival
einzuläuten. Wenn man in solchen Kate-
gorien denken mag. er Titel dreht sich um das Phänomen, dass seren Livesound einzufangen, und haben deshalb nicht
Die Zusammenkunft dieser beiden Menschen immer unzufrieden sind und mehr sechs Monate an dem Album gearbeitet, sondern es
Charismaten, immerhin zwei der besten Sehnsüchte haben. Wenn sie es geschafft in zehn Tagen fertiggestellt. Wir haben nahezu alles live ein-
Stimmen des Rock ever, ist in vielerlei haben, diese Sehnsüchte zu befriedigen, gespielt. Wir haben uns voll auf die Aufnahmen konzentriert,
Hinsicht überraschend, wenn nicht sen- merken sie, dass sie doch nicht so glücklich sind, wie sie mit niemandem außer unserem Produzenten gesprochen.
sationell. Zum einen hatte man nicht un- eigentlich dachten, sondern etwas ganz anderes wollen.« Beim ersten Mal hatten wir über Monate hinweg nur zwei
bedingt erwarten können, dass diese als Das sagt John Engelbert, Sänger von Johnossi. Sind die bei- Tage die Woche aufgenommen.«
durchaus schwierig geltenden Charakte- den Schweden jetzt etwa auf die Idee gekommen, mit ih- Das Ergebnis ist ein Rock’n’Roll-Album der überzeu-
re einen zweiten Frontmann neben sich rem zweiten Album die großen gesellschaftlichen Themen genden Sorte, kraftvoll und durch seine Energie frisch,
auf Albumlänge dulden können. Zum an- anzupacken? Wohl eher nicht. Denn John schiebt noch sei- trotz des ausgelatschten Genres. Was übrigens John ähn-
deren hatten sowohl Dulli als auch Lane- nen persönlichen Bezug nach: »Die Texte der ersten Platte lich sieht: »Ich habe im Rock schon lange nichts mehr ge-
gan in den letzten Jahren aufgrund von drehten sich stark um den Wunsch, verliebt zu sein, eine hört, was mich wirklich begeistert hat. Die beste Band der
Suchtproblemen genug mit sich selbst Freundin zu haben. Als das aber eintrat, war ich gar nicht letzten Jahre war für mich Arcade Fire. Aber unser Album
zu tun. Trotzdem verstanden sich die so glücklich, wie ich zu sein meinte, und hatte das Gefühl, ist auch gut. Ich höre es oft über Kopfhörer, wenn ich nachts
beiden immer gut, und als Lanegan in doch etwas anderes zu wollen.« Überhaupt ist das erste, betrunken nach Hause gehe. Ich mag es in diesen Situati-
einem Journalistengespräch ins Blaue noch stark an White Stripes erinnernde Album heute gar onen, und das nimmt mir die letzten Zweifel. Denn betrun-
hinein ein gemeinsames Album ankün- nicht mehr zeitgemäß. ken bin ich am objektivsten.«
digte, schien Dulli, obwohl ungefragt, Der Sound von John und Ossi hat sich vor allem durch Christian Steinbrink
nicht abgeneigt. die 250 Livegigs seitdem stark verändert, ist massiver und
Das Ergebnis »Saturnalia« beweist voller geworden. Dem trägt »All They Ever Wanted« Rech-
zunächst einmal die Akribie, mit der ≥ nung. »Wir sind mit dem Vorsatz ins Studio gegangen, un- Johnossi »All They Ever Wanted« (Universal)
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098 Probefahrt

≥ die beiden an dem Projekt arbeiteten.


Grundlegend ist die Platte der soulbasier-
ten Dynamik der Afghan Whigs näher als
Lanegans Soloarbeiten. Sie ist aber auch
deutlich dichter und atmosphärisch sub-
stanzvoller als alles, was Dulli auf seinen
letzten Arbeiten vollbrachte. Die Stilart
der beiden ist Rock, daran wagte niemand
zu rütteln, sie haben sich aber die Freiheit
genommen, Arrangements anzulegen, die
in ihrer Epik durchaus etwas von experi-
mentellen Rockbands wie Silver Mt. Zion Wolke
oder auch Bohren & The Club Of Gore ha-
ben. Trotzdem ist es gerade die fast alle
Songs durchsetzende Dynamik, die »Sa-
turnalia« unwiderstehlich macht. Diese
SPRING RUNTER
langsam wabernde, raue, aber nie brachi-
ale Gewalt, die sich durch die Harmonien Zuerst war da ein halbgares Demo, dann kam »Susenky«, das erste richtige Album,
rollt und von den erstaunlich gut zueinan- und ab dem Zeitpunkt waren Wolke im Kollektivgedächtnis von deutschem Pop
der passenden Stimmen Dullis und Lane- präsent, beneidenswert souverän, eigenständig und gut.

D
gans gleichzeitig gekrönt und unterfüt-
tert wird. Die Stimmung der Platte ist dü-
ster, sie ist durchtränkt von der beseelten och wie fing das eigentlich an mit Oliver machen als zuvor.« Tatsächlich trägt »Teil 3« einen Spagat
Spiritualität ihrer Protagonisten, Gottes- Minck und Benedikt Filleböck, den andro- zwischen Evolution und Werterhaltung in sich. Das Album
furcht und Gottvertrauen durch die Er- gynen Wahlkölnern vom Bodensee? Minck enthält schönste Popsongs mit warmen Melodien und fei-
fahrung vieler dunkler Lebensphasen antwortet: »Wir haben jahrelang, schon als nen Texten, die weiterhin kategorisch auf Gitarren verzich-
sind eng ineinander verschränkt nicht nur Schüler, in Rockbands gespielt. Wir hießen Weltmeister. In ten und nie überladen sind, im Einzelfall aber doch dichtere
in Stücken wie »Who Will Lead Us?« hör- etwa zu der Zeit, als wir nach Köln kamen, hatten wir keine Arrangements bekommen haben. Optisch haben Wolke ihr
bar. Ganz klar: »Saturnalia« ist die kom- rechte Lust mehr auf dieses Bandprinzip. Folge war, dass umwerfendes Stilbewusstsein etwas gelockert, ihr Cover
plexeste und beste Rock’n’Roll-Platte seit wir unseren Sound bewusst reduziert und auf die Basis vom von der einheitlichen Codierung, die noch die ersten beiden
Langem. Man muss sicher viel gelebt ha- Computer gestellt haben.« Resultat war »Susenky«, ein Al- Platten prägte, befreit und mit Schreibmaschinentypogra-
ben, um so ein Album machen zu können. bum mit Songs, die zum Teil schon lange vorher in ganz an- fie und Geheimagentenmotiv eine anschlussfähigere Äs-
Und selbst dann schaffen es höchstens deren Versionen existierten. Danach manifestierten die bei- thetik gewählt. Textlich versucht Minck weiterhin mit seiner
solche Koryphäen wie diese beiden eh- den mit »Möbelstück« und dem unwiderstehlichen Hit »Se- ganz eigenen Lyrik, »Melancholie als konstruktive Option«
renhaft zerfurchten Alten. cond Hand Gefühl« die Auswahl der Mittel, um nun, mit ih- darzustellen und sie nicht zwangsläufig in Resignation en-
Christian Steinbrink rem dritten Album »Teil 3«, zumindest ein Stück weit aus den zu lassen. Und als besonderes Bonbon zeigen Wolke
den selbst gesetzten Limitierungen auszubrechen. mit ihrer eingedeutschten Version von Van Halens »Jump«
Headman »Wir hatten das Gefühl, dass beim dritten Album etwas auf, was für einen todtraurigen und doch schönen Text die-
Catch Me passieren muss. Wir haben versucht, ein echtes Schlag- ser eigentlich so schrecklich sportive Song in Wirklichkeit
Gomma / Groove Attack zeug zu nutzen und dadurch eine richtige Band zu wer- hat. Das ist nur das offensichtlichste Merkmal einer wie-
Nicht nur das Münchener den, haben uns von diesem Weg dann aber wieder ziem- der wundervollen Platte von einer der besten Bands des
Gomma-Label ist in den lich schnell verabschiedet. Stattdessen haben wir die elek- Landes. Christian Steinbrink
letzten Jahren fulminant tronische Komponente unseres Sounds geöffnet, haben
zum Global Player auf- ≥ uns gegönnt, die Arrangements gegebenenfalls breiter zu Wolke »Teil 3« (Tapete / Indigo)
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100 Probefahrt

≥ gestiegen, auch das Schweizer Label- Chose. Mit seinem neuen Album »Catch ne. Auf dem vielleicht schönsten Song Joy Division
zugpferd Headman kann sich mittlerwei- Me« folgt der Schweizer nun dem Weg, des Albums explizieren sie ihre Pose noch The Best Of
le A-Certain-Ratio-Sänger Jez Kerr als den die Franzosen ihm vorgegeben haben. mal genüsslich: »It’s the last significant Warner
Gastsänger leisten. Für alle zu spät Ge- Nicht umsonst war er zuletzt unter ande- statement to be made in rock’n’roll: we Es ist selten, dass die Ver-
borenen: A Certain Ratio gehörten neben rem mit Justice, den Klaxons und Soulwax are old!« So alt sind sie zwar gar nicht, öffentlichung einer »Best
Gang Of Four und E.S.G. zu den wohl ein- auf Tour. Ob das Stück »Dreampieces« mit aber das unumstößliche Diktat von Ju- Of« derartig right on time
flussreichsten Postpunkbands der End- Jez Kerr ein veritabler »It Rough«-Nach- gend und Pop derart zu fronten bleibt ist. Und zwar nicht nur on
siebziger und frühen Achtziger und wa- folgehit ist, wird sich zeigen. Fest steht: natürlich hängen. Gerade auch, wenn es time, weil sie sich gut verkaufen wird,
ren ebenfalls für die Manchester-Ravebe- Zu dieser Platte wird wieder viel Schweiß musikalisch so griffig ausformuliert wird. sondern weil dieser Tage dringend eine
wegung mehr als nur wichtig. Headman fließen. Sebastian Ingenhoff Erinnert nämlich besonders mit der ab- gute Übersicht zu den traurigen Jungs
heißt im wahren Leben Robi Insinna und gestoppten Gitarre sehr an 80er-Pop- aus Manchester in den Regalen stehen
ist ein verhältnismäßig junger Spund; ob The Indelicates Rock wie Starship oder auch an »Take sollte. Schließlich haben sich diverse
er A Certain Ratio noch aktiv miterlebt American Demo Me Home Tonight« von Eddie Money. In Faktoren der Popkultur des Moments
hat, darf also bezweifelt werden. Aber Weekender / Indigo der Tat recht selten verwandte Opa-Re- gerade auf diese Band fokussiert. Der
wir leben in einer Zeit, in der Achtzehn- Wer kann schon ernsthaft ferenzen, die durch ihre Seltenheit natür- kontemporäre Retro-Brit-Wave-Sound
jährige wieder zu »Damaged Goods« über glauben, im Retro-Wave- lich heller glänzen als die ewige Gang-Of- wäre nicht denkbar ohne das Wissen um
die Tanzflächen fegen und Songs über Joy Styler-Artsy-Raucherzim- Four-Addicted-Huberei. Nur Pulp hatten und das Verehren von Joy Division, Acts
Division schreiben. mer der Jetztzeit gäbe es Alter (»Help The Aged«) seinerzeit noch wie The Wombats explizierten ihre Refe-
Headman hatte Anfang der Nullerjah- noch wirklich was oder wen zu scho- glanzvoller und koketter in Pop gepresst. renzen sogar so weit, dass ihre bis dato
re mit »It Rough« mal einen kleinen Dis- cken? Der größte denkbare Skandal einer Mit diesem Ranking dürften The Indeli- erfolgreichste Single »Let’s Dance To Joy
cohit. Na ja, streng genommen war der saucoolen NME-erprobten Band dürfte cates sicher auch einverstanden sein; Division« hieß – und dann natürlich der
eigentliche Hit der Chicken-Lips-Remix: höchstens noch sein, wenn der Sänger Hauptsache, abseits der um sich greifen- Film. Selbst mit einem guten Soundtrack
Das Stück mit der sich überschlagenden nicht mehr in seine Cheap-Monday-Hose den Schulhof-Herrlichkeit mal ein aufre- ausgestattet, konzentriert sich dieser al-
Basslinie und dem entrückt monotonen passte. The Indelicates mit ihrem mitun- gendes Basis-Lager aufgeschlagen. lerdings eher auf das musikalische Um-
Gesang war eine der Blaupausen für je- ter Toy-Dolls’esken bzw. Mann/Frau-Ge- Linus Volkmann feld der Zeit. Was fehlt, sind demnach
nen Sound, den James Murphy später mit sang machen sich dennoch gerechtfer- die Originale. Und die gibt es nun hier. Die
seinem Label DFA perfektionieren sollte. tigte Hoffnungen, dass die Stücke ihres Janet Jackson paar Dutzend Songs der Band schmilzt
Disco und House wurden wieder in den neuen Albums ein wenig mehr sind als Discipline CD1 geschmackssicher auf 14 zusam-
Hipsterkanon integriert, man nahm Ele- nur ein weiterer Liter Wasser im Sturz- Island / Def Jam / Universal men, und auf CD2 gibt es die (ebenfalls
mente aus Postpunk und Funk hinzu und bach der funktionierenden neuen Brit- Das Album »Control«, mit sehr intim produzierten) Peel-Sessions.
hatte den Salat. Noch später kamen La- Bands. Ihr Thema nämlich: »We hate the dem Janet Jackson 1986 Bisschen Gänsehaut kommt dann ganz
bels wie Kitsuné und Ed Banger auf und kids.« Arschtritt statt Affirmation für die vorpreschte, las sich quasi zum Schluss noch auf, wenn über ein ge-
brachten noch eine Spur mehr Rock in die sonst so umschwärmte Underage-Sze- als künstlerische wie auch plaudertes Radio-Interview mit Stephen
persönliche Unabhängigkeitserklärung Morris und vor allem Ian Curtis diese so
der damals 20-jährigen Sängerin: »My distanzierte, fremde Welt plötzlich ganz
name ain’t baby, it’s Janet, Ms. Jack- nah erscheint. Als Einsteiger, aber auch
son, if you’re nasty.« Diese Subjektwer- Komplettist kommt man an diesem Al-
dung markierte Jackson einst mit dem bum eigentlich nicht vorbei.
Satz »My last name is control«, heute Sandra Brosi
erscheint »Kontrolle« bei Janet Jackson
in ihrer verinnerlichten Form, die sich The Long Blondes
»Disziplin« nennt und auf deren sexuel- Couples
len Charakter man nur allzu deutlich hin- Rough Trade / Beggars / Indigo
gewiesen wird: Bondage-Chic auf dem Die Rezeption der Long
Albumcover und gehauchte SM-Fanta- Blondes war zunächst mal
sien sollen das sexuelle Befreiungssta- reichlich eingeschränkt:
dium von Ms. Jackson unterstreichen, Sängerin Kate Jackson
denn »yeah, that’s sexy, sexy, sexy« und tauchte in der »New Cool List« des NME
»so come and get it babe«. Gleichwohl auf, der Guardian befragte sie artig nach
wurde unter dem Einsatz wummernder ihrem Style (»Glamorous Punk!«). Über-
Dance-Beats die pornoreife Stöhnerei der haupt: der reine Wahnsinn! Eine Frau
letzten Jahre, die zwischen naiver Zele- singt in einer Rockband! Und die ist sty-
brierung der eigenen Sexualität und der lish! Und dann gibt’s da sogar noch zwei
Bedienung übelster Klischees pendelte, andere Frauen! Auch stylish! Plus zwei
zurückgedreht. Erstmals ließ Jackson ihr Männer! Die Band aus Sheffield war
langjähriges Produzenten-Team Jimmy schnell genervt und hofft nun, dass die
Jam und Terry Lewis hinter sich und nahm Medien nach Kate Nash, Amy Winehouse
ihr zehntes Album mit u. a. Jermaine Du- oder Beth Ditto von The Gossip endlich
pri, Ne-Yo, Tricky Stewart und Rodney Jer- von diesem Reflex abrücken, Rock-Sty-
kins auf. Auch wenn der aufwendig mo- lertum mit weiblicher Beteiligung wie ei-
dernisierte Pop-Funk-Sound stellenweise nen Yeti zu begrüßen. Warum der Um-
etwas Britney’esk anmutet und in der neu stand einer weiblichen Sängerin tatsäch-
gezündeten Club-Affinität allerlei Vocal- lich immer noch derart explizit verhandelt
Filter-Spielereien zum Einsatz kommen, werden muss, das mögen mir andere er-
ist doch unüberhörbar, dass Janet Jack- klären – es bleibt ein ödes Ärgernis.
sons klassische Performance noch immer Zur Platte. Verpflichtete man für den
der alten Schule geschuldet ist. Glückli- Vorgänger »Someone To Drive You Home«
cherweise, wie man sagen möchte. noch Pulps Steve Mackey, hat heuer Erol
Vina Yun Alkan die Regler bedient. Der Londo- ≥
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≥ ner konnte sich zwar durch seine elek- dieses dritte Album nach der Spediti- Moby eingängigen Blues-Samples auszuge-
tronische Remix-Arbeit für Bloc Party oder onsfirma benannt ist, die seine ständigen Last Night hen. Das pluckert alles vor sich hin, und
Franz Ferdinand einen Namen machen – Umzüge durchführt, und mit dem Ge- Emi selbst die dramatischen Pianoflächen ge-
Auswirkungen auf den Sound des zweiten räusch eines wegfahrenden Transporters Fast jeder lässt »Play« ir- hen ins emotionale Nichts. Mit den Lizen-
Albums der Long Blondes kann ich jedoch eröffnet wird. Während er für die ersten gendwo im Ikea-Regal vor zierungsdeals wird es wohl nichts mehr
beim besten Willen nicht ausmachen. Na- beiden Alben vieles im Alleingang erle- sich hin stauben. Oder hat werden für Moby. Mal nachfragen:
türlich klingen Songs wie die erste Sin- digte, hat er diesmal noch mehr Reisebe- es zumindest eine Zeit lang Dir ist ja sicher bewusst, dass über
gle »Century« nach Giorgio Moroder und kanntschaften und neue Nachbarn einge- ziemlich oft hören müssen. Irgendwo dich sehr viele Vorurteile kursieren ...
schwülem Discosound. Doch so klangen laden. Der Bass kommt wie gewohnt von müssen die neun Millionen verkauften 1991 habe ich einige Interviews in der
Blondie eben auch schon mal, an deren Charlie Jones (Goldfrapp, Robert Plant), Platten ja schließlich rumstehen heute. britischen Presse gemacht. Und das ist
Sängerin Debbie Harry Kate Jackson im- die Drums liefert Clive Deamer (Portis- Aber warum eigentlich war die Platte scheinbar bis heute haften geblieben: Da-
mer noch stark erinnert. Keine schlechte head, Roni Size), neben den Backing-Vo- so allgegenwärtig? Weil »Honey« so ein- mals trank ich nicht, war ein etwas schrä-
Referenz, sicher, aber die hektisch her- cals von den Tourmates The Earlies (»Call gängig war? Weil »Porcelain« so geil ab- ger Christ, Veganer – ich habe die Welt da-
beigeredeten »unterschiedlichen Sound- Me«) ist aber vor allem die Verpflichtung ging? Na ja, vielleicht. Vor allem aber hat mals etwas vereinfacht gesehen. Heute
ansätze«, sie bleiben mir verborgen. Auf- eines alten, arbeitslosen Schauspielers Moby damals einen neuen Trend ange- halte ich die Welt eher für zu kompliziert.
gehübschter, flotter, Sixties-orientierter aus Bath für ein paar Tom-Waits-mä- stoßen: Er hat seinen Output en masse Aber irgendwie bleibt das Image haften.
Sound mit cleveren Texten. Da machen ßige Gesangsphrasen schön verschro- lizenzieren lassen. Sodass seine Songs Fünfzehn Jahre lang ...
die wohl ironisch eingesetzten Film-Zi- ben Lambert-mäßig. Der Sound wurde plötzlich in allen möglichen Werbespots Stört dich das denn, dass viele Leute zu
tate, die einige Songs zieren, plötzlich dabei weiter verfeinert, somnambul ver- gesichtslosen Produkten eine gewisse wissen glauben, wer du bist und wie du
Sinn: »Not the most original sentiment I spielte Band-Arrangements im unteren popkulturelle Aura verliehen. Und im so tickst? Ehrlich gesagt ist da was per-
heard. So what’s new?« Eben. Tempobereich treffen auf teilweise fast Gegenzug auch Werbung für sich selbst vers Unterhaltendes für mich dabei. Ich
Heiko Behr optimistische Singer/Songwriter-Num- machten. Wenn man sich dann mal seine kann mich darum aber auch nicht wirk-
mern. Electronica sucht man diesmal Veröffentlichungen seit 1999 anschaut, lich kümmern. Letztlich ist es ja auch für
Merz ziemlich vergeblich, dafür gibt es kleine, merkt man: Der berühmteste Veganer der die Presse so: Schau dir Thom Yorke an
Moi Et Mon Camion schräge Flöten und Glöckchen, Vogelge- Welt überarbeitet sich nicht gerade. »Last oder Kate Bush, sehr zurückgezogene
Grönland / Cargo zwitscher und eine allumfassende herz- Night« ist erst die dritte komplette Plat- Menschen. Die Journalisten beklagen
Conrad Lambert, der Multi- erweichende Empfindsamkeit, die auch te seit »Play«. Dazwischen zwei B-Sei- sich dann, dass sie keine vernünftigen
instrumentalist hinter Merz, den härtesten Seemann zu Freudenträ- ten-Alben, eine Best-of und eine Best- Interviews führen können, andererseits
scheint es nach wie vor nicht nen rühren wird. of-Remixed! Große Inspirationen sind fahren sie total drauf ab – und schrei-
lange an einem Ort auszu- Klaas Tigchelaar dann auch auf »Last Night« nicht zu er- ben die besten Dinge über diese Leute.
halten. So ist es nur konsequent, dass warten, im Gegenteil scheinen ihm die Wenn ich schlau wäre, würde ich mich in
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eine Hütte in Finnland zurückziehen und produziert, und tja, wie das dann klingt, De facto sind My Little Airport die Stu- tischen Provinz, diesmal hieß das erste
der Plattenfirma ab und an eine Kasset- kann jeder an seinen zehn feingliedrigen dienfreunde Nicole und P – sie singt, er Basislager Erschwil im Kanton Solothurn.
te schicken. Fingerchen abzählen. Die Schnittmen- strickt die Sounds. Da »Zoo Is Sad, Peo- Ein roher, gezackter Brocken Musik in
Denkst du manchmal: Mein Gott, wann ge aus oben genannten Klassikern mit ple Are Cruel« ein Mix ihrer beiden Alben psychedelischen Farben, herausgeschla-
ist mir dieses Moby-Ding eigentlich aus einem tüchtigen Schuss »just do it« er- »Because I Was Too Nervous At The Time« gen aus den Berghängen des Faltenjuras.
dem Ruder gelaufen? Ich hab ja nicht an gibt herrlich unhysterischen Gitarrenpop, und »The Okay Thing To Do On A Sunny Rock, ganz klar. Gehörnte Biester, die sich
meinem Image gefeilt oder so. Mein Gott, der weder rundgelutscht noch aufdring- Afternoon Is To Toddle In The Zoo« für am Verstärker die Köpfe blutig stoßen.
ich hätte komplett versagt, wenn das hier lich daherkommt und immer von einem den internationalen Markt ist, kann man Wie wild und archaisch das klingt. Wer
dabei rausgekommen wäre. Leute wie Jon leichten Hauch Proberaum-Authenti- wohl von einem augenzwinkernden Zu- Navel nun aber Redundanz und mangeln-
Bon Jovi arbeiten hart an ihrem Image. Ich zität umweht wird. Und dafür, den (ver- geständnis an europäische Hongkong- de Eigenständigkeit unterstellen möchte,
bin nur der glatzköpfige Typ, der in seinem mutlich?) spanischen Text von »Butter- Klischeevorstellungen bei der Coverge- weil die Gitarre wieder richtig verzerrt und
Schlafzimmer Platten macht. Ich wär ja fly« so klingen zu lassen, als ob es rück- staltung ausgehen. Dabei funktioniert ihr der Gesang heiser und rau ist, hat sich
gern glamouröser, aber ehrlich gesagt wärts gesungenes Englisch wäre, gibt es Text/Sound-Verhältnis quasi nach dem für diesen Trip die falschen Schuhe an-
weiß ich nicht, wie das gehen soll ... extra Applaus. Klaas Tigchelaar Belle&Sebastian-Prinzip: je freundlicher gezogen. »Frozen Souls« ist ein brutales,
Heiko Behr die Melodien, desto unverblümter die aber immer smartes Bekenntnis zur Ka-
My Little Airport Message. »I don’t know how to download puttheit, zum Schmerz, zum Jungsein.
Mondo Fumatore Zoo Is Sad, People Are Cruel good AV like Iris does« etwa, ein Song über Und das sind universelle Themen – im-
The Hand Elefant / Rough Trade Porno-Tausch unter Freundinnen. Lovely mer aktuell, niemals aus der Mode. Ein
Rewika / Al!ve / VÖ 18.04. Natürlich geht man dem und ein wenig bizarr ist diese Platte. Wo- paar der 13 Stücke tun erst fast weh und
Nachdem das ständige Coverbild, das zwei Schul- mit sie allen globalen Klischees von zu- nerven beim Hausputz, doch dann prü-
Knöpfchendrücken am mädchen im soften Gegen- ckersüßer Popmusik entspricht. geln dich Navel unterm Kopfhörer zurück
Drumcomputer für das licht zeigt, erst mal auf den Christine Käppeler ins Juz, und du merkst, wie sehr du den
Kreuzberger Duo anschei- Leim. Logo, so sieht ein Duo aus Hong- Krach und das Gebrüll vermisst hast. Nur
nend doch zu anstrengend war, hol- kong aus, das fluffigen Streichelzoo- Navel ist es diesmal deutlich besser gemacht.
ten Mondomarc und Gwendolin für Al- Pop spielt. Teils Englisch, teils im süd- Frozen Souls »Neogrunge!« wird mir über den Tresen
bum Nummer vier den Trommler O. Love chinesischen Dialekt Kantonesisch singt Louisville / Universal ins Ohr geschrieen. Mag sein. Blues? Mit
(Hip Young Things, Jens Friebe) zur Ver- eine glockenhelle Stimme über transpa- Der stinkneutrale Nummern- Sicherheit. Das alles lässt sich über Navel
stärkung und öffneten das Tor zur Refe- renten Electro-Blubberbläschen, Com- konten- und Schokistaat. sagen, auch ohne den Namen der Überre-
renzhölle: Friebe schrieb das Bandinfo, J puter-Game-Sounds und Gitarrenlärm. Der Nabel der Schweiz. ferenz Nirvana überhaupt zu erwähnen.
Mascis spielte Gastgitarre (»Yeah, Yeah, Die Teenie-Girls in den pastellgrünen Uni- Nach den Jolly Goods schon Und jetzt ist es doch passiert.
Yeah«), Krite (Sharon Stoned, Floor) hat formröckchen passen da eins a ins Bild. das zweite Louisville-Signing aus der exo- Benjamin Walter
music pool europe gmbh präsentiert:

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Operator Please te, kaufte sie ihm ein Schlagzeug. Das nahm Kristoffer,
Yes Yes Vindictive erfüllt von jugendlichem Entdeckungsgeist, erst einmal
Brille / Pias / Rough Trade auseinander. Um es anschließend wieder zusammen-
The kids are alright, das steht fest: In Eng- zusetzen. Bald baute er sein erstes eigenes Drumset,
land veranstaltet ein Teenager das span- Schwedens Jazzer wollten alle eins kaufen ... Und auf
nendste Festival des letzten Jahres, in einmal war 2003 sein erstes Album fertig. Seitdem hat
24.03.08 Hamburg organisieren die 14-jährigen Kids er ein wenig Gitarre geübt, Songs geschrieben, ein Heim-
München - Muffathalle
vom DJ-Team I Used To Dance With My Daddy ihre eige- studio eingerichtet und weiß doch selbst nicht so genau,
29.03.08 ne Indie-Clubnight, und allerorts werden Bands abseits wie ihm geschehen ist. Er arbeitete ein wenig als Tonin-
Köln - Theater am Tanzbrunnen
von Cover- und Casting-Trash gegründet. Neueste Prota- genieur in Hamburg, komponierte in Japan Film-Sound-
30.03.08 gonisten der Underage-Szene sind Operator Please aus tracks – und außerdem ein neues Album: »Sweet Bills«
Hamburg - Gr. Freiheit 36
Australien. Dass sich die fünf Kids angeblich für eine Pa- bedient Referenzen aus etwa drei Jahrzehnten Popmu-
ckung Doughnuts (dem Hauptgewinn eines Schulband- sik. Die Stücke sind meistens beschwingt und aus der
wettbewerbs) zusammengetan haben sollen und die Hüfte tanzbar, mit einem angenehm melancholischen
Bandmitglieder den Tourvan noch nicht selbst fahren Unterton. Kristoffer singt hübsche Melodien und lustige
dürfen – all das vergisst man sofort wieder, wenn Aman- Texte: »My girl wants to be an astronaut, my boss wants
dah Wilkinson, diese Teenage-Personalunion von Karen to be a talent scout.« Dazu spielt seine Band funky Gi-
O und Beth Ditto, zum ersten Mal den Refrain von »Get tarren, gelegentlich ein paar Bläser, hier einen Rück-
What You Want« durch die Boxen jagt. Ähnlich amused wärtsloop und dort ein Sound-Gimmick ... Das ist nett,
war auch Englands Indie-Papst Zane Lowe von der BBC, sympathisch, manchmal vielleicht aber auch ein biss-
der den Song zur »hottest record in the world« erklärt chen beliebig. Christian Wessels
hat. Und dieses Etikett hätte auch ihre Tischtennis-Hym-
ne »Just A Song About Ping Pong« verdient. Denn ei- Robots In Disguise
gentlich wussten wir es schon damals, auf der Konfir- We’re In The Music Biz
manden-Freizeit im Naturfreundehaus: Tischtennis ist President / Cargo
ziemlich Rock’n’Roll. Christine Franz »Cheer up, Luv!« Mein peinlichster Konzert-
Moment geht auf das Konto von Robots-In-
Paramount Styles Disguise-Gitarristin und -Sängerin Sue De-
Failure American Style nim. 2005 im mittlerweile geschlossenen
Cycle / Konkurrent Schick und Schön im Mainzer Südbahnhof muss ihr mein
17.04.08, BERLIN - TACHELES
Es passiert nicht selten, dass ein gereifter gelangweiltes Gesicht in der zweiten Reihe aufgefallen
18.04.08, KÖLN - UNDERGROUND
Rocker, der sich nach dem – zumindest vor- sein. Die Menge der Anwesenden war zu klein, um Mas-
läufigen – Ende einer gefeierten Bandkarri- senanonymität zu garantieren, und so sprach sie mich
ere mit einem Soloprojekt zurückmeldet, ir- von der Bühne aus direkt an, mit diesem phänomenalen
gendwas von »strip things down« und »back to the roots« Akzent, der bei aller Riot-Grrrlishness immer auch ein
knurrt und ein Album auf den Nischenmarkt für Die- wenig wie Her Majesty, The Queen of England, klingt:
Hard-Fans wirft, das mit seinem bisherigen Schaffen »Cheer up, Love!« Dabei war ich cheerful hingekommen
möglichst wenig zu tun hat. Selten wird so etwas groß- – die letzte Performance der beiden Superheroinen im
artig (John Frusciante), oft anstrengend bis schwer zu Spacekostüm als Support von Interpol noch bestens in
ertragen (Jimmy Chamberlin). Und manchmal lässt einen Erinnerung –, fantasielos aber waren die Visuals, und die
das Ergebnis auch ratlos zurück. So wie »Failure Ameri- Songs des damals aktuellen Albums »Get Rid!« kamen
can Style«, das Debüt von Paramount Styles, McLouds ans Debüt »Robots In Disguise« auch nicht ran.
neuer Band nach dem Quasi-Ende der Post-Punk-Helden Sue Denim und Plume Dee bleiben nun – entgegen
Girls Against Boys. Dass der Mann für einige der strah- der abschließenden Zeile ihres neuen Titeltracks – zwar
lendsten und schnodderigsten Lärmrock-Dreiminüter weit davon entfernt, »The most unsuccessful duo the UK
der 90er verantwortlich ist, erscheint angesichts dieser has ever known« zu sein, aber so hundertprozentig ins
27.04.08 BERLIN - TACHELES Musik wie die vage Erinnerung an einen bizarren Traum. Fleisch dringt ihre Gender-Rollen-Business-Kritik auch
28.04.08 HAMBURG - MOLOTOW Das Album eröffnet mit einem flotten AOR-Riff, auf den dieses Mal nicht mehr. Die Robots verlieren sich in Phra-
29.04.08 KÖLN - UNDERGROUND Bryan Adams stolz gewesen wäre. »These Starry Nights« sen und Themen, die man allzu auswendig kennt: »Give
30.04.08 MÜNCHEN - 59TO1 erinnert mit Synthiestreichern und zum geheimnisvollen our disc a quick flick and sigh / I can’t hear the hits« zum
Raunen zerbröckelnder Stimme an darken 80er-Edel- Beispiel. Und auch die Produktion ist weder richtig arty
kitsch à la Fields Of The Nephilim oder The Mission. »I self-made noch richtig deep. Gewöhnlich und schade
Keep Losing You« entwickelt sich zur witzigen Rockabilly- und auch dieses Mal weit hinter den einst geweckten
Travestie mit Acid-Sounds und U2-Refrain. Seine besten Erwartungen.
Momente hat das Album bei den akustischen Stücken, PS: Für die Faktenchecker: Das Schick und Schön hat
wenn sich McLoud in die Nähe von Mike Ness’ Soloalben in Mainz an anderer Stelle zuletzt wieder aufgemacht.
aufschwingt. Doch die können diesen etwas verqueren Christine Käppeler
Selbstfindungstrip auch nicht retten. Interessant miss-
raten, das Ganze. Till Stoppenhagen Tilman Rossmy Quartett
In einem fremden Land
Kristoffer Ragnstam Popappeal / Broken Silence
Sweet Bills Tilman Rossmy strahlt mit jeder Zeile, mit
Weekender / Indigo / VÖ 11.04. jedem Akkord, mit jeder Geste aus, dass
Kristoffer Ragnstam ist ein smarter Typ. Er er niemandem mehr auch nur irgendetwas
verbrachte seine Kindheit in der Nähe von beweisen muss. Er hat mit seiner Band Die
23.04.08 Osnabrück - Rosenhof
Göteborg, spielte Fußball und aß Kekse. Mit Regierung und als Solokünstler seine Fußspuren hinter-
27.04.08 München - Kesselhaus
24.04.08 Stuttgart - Röhre 28.04.08 Berlin - Postbahnhof 15 Jahren versprach er seiner Mutter, ein lassen, und reich werden wird er mit seiner Musik auch
25.04.08 Frankfurt - Batschkapp 29.04.08 Köln - Stadtgarten
26.04.08 Dresden - Fahrenheit 100 30.04.08 Hamburg - Stage Club Jahr auf sämtliche Süßigkeiten zu verzichten. Da Mama nicht mehr. Also kann er sich voll und ganz darauf kon-
offensichtlich wusste, was das für ein Opfer bedeute- zentrieren, dieses Leben auf seine wunderbar nö- ≥
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08.04. BERLIN, MARIA

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14.04. KÖLN, KULTURKIRCHE/07.05. MÜNCHEN, KLEINE ELSERHALLE

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01.04. MÜNCHEN, 59:1/02.04. KÖLN, STADTGARTEN
03.04. HAMBURG, MOLOTOW/04.04. MANNHEIM, MAIMARKTCLUB
05.04. BERLIN, LIDO (MIT CALVIN HARRIS)

THE WHIP 16.04. HAMBURG, MOLOTOW


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THE TING TINGS/LATE OF THE PIER/XX TEENS


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25.04. OSNABRÜCK, KLEINE FREIHEIT (NUR LATE OF THE PIER)

LESUNG

»KILL YOUR FRIENDS« JOHN NIVEN – BERND BEGEMANN


06.05. BERLIN, ROTER SALON/07.05. MÜNCHEN, SUBSTANZ/08.05. KÖLN, MUSEUM LUDWIG

BATTLES/FUCK BUTTONS
12.05. BERLIN, MARIA/13.05. KÖLN, GEBÄUDE 9

Kevin Devine & The Goddamn Band/Jenny Owen Youngs


07.05. NÜRNBERG, MUZ-CLUB/08.05. MÜNSTER, AMP/18.05. FREIBURG, WHITE RABBIT
19.05. FRANKFURT, BROTFABRIK/23.05. FULDA, KULTURKELLER
24.05. LEIPZIG, MORITZBASTEI/25.05. BERLIN, LIDO/26.05. HAMBURG, FUNDBUREAU
27.05. DRESDEN, BEATPOL/28.05. JENA, ROSENKELLER/29.05. MÜNCHEN, FEIERWERK
30.05. KÖLN, BLUE SHELL/31.05. BREMEN, LAGERHAUS

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106 Probefahrt

Ö? Ö!

STILLER VISUELLE KOMMUNIKATION Foto: Helmut Berns


Österreich über Österreich Fleischmann seine neue Scheibe »Ano-
Von seinen Synthesizern hat sich der ther Illusion« (Konkord) abermals unter
Wahlberliner Florian Horwath, Ex-Hälf- die Schirmherrschaft der Roland Groo-
te der Electro-Clashieros Grom, mittler- vebox. Will heißen: Obwohl die elektro-
weile ganz verabschiedet. Mehr noch als nischen Popsongs des Duos etwas fiep-
auf seinem Debütalbum »We Are All Gold« siger und Gameboy-esker ausfallen als
liebäugelt der Beau neuerdings mit der Fleischmanns letzte Soloreleases, die

Pfingsten 9. – 12. Mai 2008


Form des verträumten Folksongs. Die Tracks klingen dennoch charmant che-
13 Stücke auf »Sleepyhead« (Roof / In- ap und knistern wie eh und je. Und wer
digo) weisen dabei Spuren seiner großen obendrein so überschwängliche Cover-
Liebe, den Flaming Lips, auf, wie eben- versionen von Dinosaur Jr und Imagina-
so Einflüsse aus dem Kalifornien der frü- tion aus dem Elektronikkasten zaubert,
hen Siebzigerjahre. Aber keine Angst: Ver- kann kein Schlechter sein.
hallte Steel-Gitarren, blumige Pianoriffs In Gefilden jenseits von Gut und Böse
und eine sanfte Männerstimme machen treibt der FM4-Radiomacher und Musi-
European Jazz Orchestra noch lange keinen Hippie. Oder doch? ker Fritz Ostermayer sein Unwesen. Die-
Egal, denn spätestens beim ergreifend ser Tage macht sich der selbst ernannte
musikFabrik schönen Duett mit Nina Persson dürfte Dilettant wieder einmal als Kompilateur
Ttukunak sogar jedem hartgesottenen Punk das verdient. Nach seinem Trauermarsch-
Piercing respektive Herzerl aufgehen. Sampler »Dead & Gone« ließ er sich von
John Zorn
Mit ähnlich geschliffenem Songwriting der Münchner Qualitätsschmiede Trikont
Campbell Brothers wartet Paperbirds neues Album »Cryp- diesmal zu einer Zusammenstellung sei-
Crossroads tozoology« (Sea You) auf. Das Zweitlings- ner Mariachi-Top-Twenty hinreißen. Und
werk der Wiener Musikerin ist allerdings alle, die an Calexico schon immer vor-
www.moers-festival.de

Free Tallinn Trio weitaus intimer als Horwaths Folkpop- nehmlich die kitschigen Streicher und
Samúel J. Samúelsson Big Band Entwurf. Lediglich mit Gitarre, Glocken- Trompeten liebten, werden an »Maria-
spiel und Mundharmonika ausgestat- chi – The Sound Of Hysteria And Hear-
Battles
tet, entführt uns Paperbird in ihre im tache« (Trikont) ihre Freude haben. Von
Punkt – live remix wahrsten Sinne des Wortes fabel-hafte jeglichem Authentizitätsanspruch be-
Welt zwischenmenschlichen Beziehungs- wusst weit entfernt, findet hier mexika-
Jason Moran „In my Mind“
krams. Kennt vielleicht noch wer Mirah nische Folklore mit HipHop, House und
Caito Marcondes Connecting Orchestra von K-Records? In eine ähnliche Ker- Herzschmerzballaden unter einem Som-
The Peter Evans Quartet be schlägt Paperbird. Erhaben über all- brero zusammen. Muchos grandiosos!
zu rührselige Larmoyanz und zu gut, um Fast humorlos kommt da im Vergleich
Theo Bleckmann
von jedem seitengescheitelten Saddle- die Neue von Smacs & Patrick Kong. Aber
Frode Gjerstads Circulasione Totale Orchestra Creek-Fan verstanden zu werden. gut, Electro-House spielt halt mit ande-
Letzteres trifft wohl auch auf Ma- ren Parametern. Und in Sachen Tanzbar-
Dälek
rilies Jagschs Debütalbum »Obituary keit kann man dem Wiener Duo wirklich
The Either/Orchestra & Mulatu Astatke For A Lost Mind« (Asinella / Broken Si- nichts vorwerfen. Auf ihrer neuen EP »Co-
Angelika Niescier lence) zu. Sicher sind die Cat-Power-Plat- ming From« (Flex Schallplatten / Neu-
ten der gebürtigen Oberösterreicherin ton) vermählen sie ravig flirrende Syn-
TYFT schon recht abgespielt, dennoch bergen ths mit oldschooligen Drumsounds und
Avishai Cohen Roots Project ihre Songs durch die zerbrechliche Inten- klingen dabei ein wenig wie Marc Rom-
sität und die düstere Wucht eine sehr ei- boy mit leichter Italo-Fahne oder Trick &
Cecil Taylor & Tony Oxley
genständige Note. Ähnlich ihrer Kollegin Kubic auf Diät. Für den Einstand der bei-
Supersilent Paperbird hat übrigens auch Jagsch ih- den aber ein recht gelungenes und tightes
ren Freundeskreis als Mitmusiker rekru- Release, das seinen Weg sicher in die DJ-
tiert: vom neuen Wiener Indie-Schwarm Sets von oben Genannten finden wird.
A Life, A Song, A Cigarette über den Be- Florian Obkircher ist Musiker bei TNT
rufs-Grantler Ernst Molden bis hin zu B. Jackson und Autor unter anderem für
Fleischmann, der in einigen Songs den Falter, The Gap und TBA
Beat verlegt hat.
Und wo wir gera-
de beim alten Frickel-
Guru sind: Der hat sein
trautes Heim bei Morr
Music unlängst ver-
lassen, um einen Sei-
tensprung mit seinem
Projekt Duo 505 zu
wagen. Gemeinsam
mit Herbert Weixel-
baum stellt Bernhard
108 Probefahrt

≥ lige Art und Weise in Songs zu fassen. einen kontemporären HipHop-Klassi- Ziel ist dabei vor allem, wie schon der Pro- mals gepusht haben? Beschweren sich
Oder absurd schöne Coverversionen wie ker des US-Underground veröffentlicht. jektname unmissverständlich klarmacht, darüber, dass die Band ihre Webseite zu
»Sonnige Seite der Straße« (Van Morri- Polternde Beats von Madlib, J Dilla (R.I.P.) die Mehrung dieses gewissen Soul-Fak- selten pflegt, dass man ewig aufs VÖ-Da-
son) und »Fragezeichen« (Nena!) in neue oder Mr Porter ebneten dabei den Weg. tors in Sachen Tanzboden. Gerade Cop- tum warten muss, dass man nüscht über
Höhen zu katapultieren. Dieses coun- Darüber räuspert Guilty Simpson mit prä- pa kann sich im Verlauf von »Discovery« die neuen Songs erfährt. Ach, all die hei-
tryeske Geschwurbel hebt sich so wohltu- gnanter Stimmlage wuchtige Verse. Das durch seinen ganz eigenen Flow und kluge ße Leidenschaft, mancher reagiert da wie
end erwachsen von dem ganzen bemüh- ist einfach Schmirgelpapier, um sich mal Lyrics hervortun. Alles dabei recht funky, ein enttäuschter Liebhaber. Für »Walk It
ten und bedeutungsschwangeren Dreck wieder die vom allzu slicken Mainstream- nur das angestrebte Gleichgewicht zwi- Off« ist die Band aus Minneapolis nun in
ab, der einem sonst die Ohren und Augen HipHop verstopften Gehörgänge aufzu- schen »kühl-elektronisch« und »warm- ein richtiges Studio gezogen, hat mit Da-
zu verstopfen und verkleben sucht. Und kratzen. Nieder mit dem Status quo. soulful« kippt oft in erstere Richtung. Was vid Fridmann (Weezer, Sleater-Kinney,
selbst diejenigen, die seit »Willkommen Uwe Buschmann eigentlich schade ist. Gemessen an den Mogwai) einen richtigen Produzenten
zuhause« einen Bogen um T. Rossmy ma- Möglichkeiten der Beteiligten, kann »Dis- engagiert. Und hebt den Up-Beat-Post-
chen, sollten vier Minuten und vierund- Soul Chemistry covery« nicht jeden wirklich glücklich ma- Pixies-Sound folgerichtig auf eine neue
vierzig Sekunden vorbeischauen: »Eins« Discovery chen. Insbesondere nicht, nachdem etwa Stufe: die Drums druckvoller, differen-
ist die perfekte Symbiose aus dem wis- Defusion / Groove Attack Stereotyps Soul-Ansatz aus dem letzten zierter, der Bass bedrohlicher, der Ge-
senden Jetzt-Rossmy und dem unter- In Krisenzeiten muss man Jahr die Messlatte zum Thema doch ex- sang präsenter. Im Gegensatz zum Vor-
schwellig brutalen Rossmy der Zeit, als sich zwecks Evolution halt trem hoch gelegt hatte. Georg Boskamp gänger »The Loon« finden sich hier aller-
Die Regierung noch deutschsprachige umschauen ..., das gilt natür- dings weniger offensichtliche Hits – abge-
Blaupause für alles Pop-Relevante nach lich auch für namhafte Pro- Tapes ‘n Tapes sehen von der ersten Single-Auskopplung
1994 und einen ganzen Sack voll Musi- ducer mit Wiener Background. Aufbruch Walk It Off »Hang Them All«. »Walk It Off« scheint ein
kjournalisten war. Wieder mal unten mit zu anderen Ufern bedeutet zwar nicht XL / Beggars / Indigo / VÖ 04.04. klassisches Durchgangs-Album zu sein:
Tilman. Ach so, was ich noch loswerden unbedingt immer die ultimative Lösung, Tapes ‘n Tapes gelten heu- einerseits inklusive der erwähnten Wei-
wollte: Danke! Marco Fuchs zumindest aber doch einen Neuanfang. te als eine der ersten Bands terentwicklung, andererseits aber auch
Den wagt der etablierte Beatschrauber Amerikas, die ihren Aufstieg etwas richtungs- und orientierungslos.
Guilty Simpson Karl Moestl (vormals als 50 % von Walk- den bloggenden Musiknerds Tapes ‘n Tapes sind sehr schnell ins Ram-
Ode To The Ghetto ner.Moestl Teil des imposanten G-Stone- verdanken. Das ist erst ein Jahr her – so penlicht gezerrt worden, und eben dort
Stones Throw / Groove Attack Imperiums) zusammen mit MC Coppa (u. jung ist dieses Phänomen also, fühlt sich findet nun auch ihr Selbstfindungspro-
Guilty Simpson hat natür- a. bekannt durch Kollabos mit Stereotyp dabei aber so an, als seien die Stones zess statt, der bei vergleichbaren Bands
lich nichts mit dem Spring- oder Roni Size) und einer gewissen Elle anno dunnemals bereits vom »Gorilla eher im Stillen vonstatten geht. Der gan-
field zu tun, sondern mit ... Plus zusätzliche Vokaleinlagen von Big vs. Bear«-Blogspot gehypt worden. Und ze große Wurf – er könnte noch kommen.
seinem Album mal eben so John, Aminata, Yosua und Betty Semper. wie reagieren die Blogs heute, die TnT da- Das hier ist er nicht. Heiko Behr
Probefahrt 109

Teitur Jahre natürlich scheitern. Die Bestimmt- um es zu vereinnahmen. Das macht »Py- rem Logo, bei Yakuzi ist es die Trompe-
The Singer heit, mit der das passiert, und wie sich ramides« zwar nicht automatisch zu ei- te. Berührungsängste und Stilmittel-
Edel Teitur zwischen Schablone und Selbsti- ner Platte voller Hits, zumindest aber ist verknappung sind ja eher was für Groß-
Quo vadis, Teitur? Mit »The ronie verirrt, das macht ihn aber – wieder dieser Brückenschlag beeindruckend. städte. Die Band wäre vielleicht auf dem
Singer« bewegt sich der mal – ziemlich sympathisch. Die Stücke von Toph strotzen zwar von Stapel der Gitarren-Newcomer unterge-
(ehemals auf den Färöer- Hendrik Kröz grenzwertigen Synthiesounds und fla- gangen, wenn sie nicht gewollt oder un-
Inseln heimische) Londoner chen Drum-Programmings, seine behän- gewollt auch in das nächste Retro-Phä-
weiter durch ein Territorium, das er mit Trouble Over Tokyo de Kopfstimme ist aber durchaus kraft- nomen, das von Früh-90s-Rock, voll mit
»Poetry And Aeroplanes« und »Stay Un- Pyramides voll und in der Lage, manche Halbheit zu reinspielen würden. Navel machen die-
der The Stars« schon sehr für sich einge- Schoenwetter / Broken Silence überdecken. Und auch das überall her- sen Monat Grunge wieder Salon- bzw.
nommen hat: Teitur ist ein Singer/Song- Es gibt jetzt Trouble Over vortriefende Pathos passt gut ins Bild. Juz-fähig, bei Yakuzi ist es der offensive
writer alter Schule, der mit viel Charme Tokyo, und damit ist eine »Pyramids« ist keine umfassend über- Rückgriff auf alte NoFX-Alben, auf Snuff,
und Talent aufhorchen lässt. Seine neue der letzten festen Grenzen zeugende Platte, aber die durchgehend No User For A Name und Ähnliche. Jene
Platte ist schlicht und klassisch instru- der Popmusik gebrochen: zur Schau gestellte Egozentrik und Ex- machen eine Historisierung zwar dadurch
mentiert, an manchen Stellen wird er nur nämlich die zwischen kleinen Gitarren- altiertheit lässt sie zumindest nicht so schwer, weil sie sich teilweise bis heute
von einem brummelnden Cello begleitet, indie-Labels auf der einen und effekthe- schnell vergessen. Christian Steinbrink noch selbst covern, äh, weiterschleppen.
und konzentriert sich komplett auf die ischendem R’n’B auf der anderen Seite. Aber um wirklich frisch nach einst zu klin-
mehr oder weniger traurigen Geschichten Die kleine österreichische Firma Scho- Yakuzi gen, brauchte es offenbar einfach auch
in seinem Notizbuch. Immer dann, wenn enwetter hat, nachdem sie zuvor eher Red Thin Line frische Kräfte. Wie eben Yakuzi. Keegan
Euphorie und das große Fanal einsetzen Gitarrenacts wie Garish oder Ja, Panik & aus Köln sind mit ihrem Powerpop weit-
könnten, kommt alles anders, die Stim- veröffentlichte, diesen Grenzübertritt Keegan aus zeitgemäßer, haben deshalb aber
me bleibt gebrochen. Ausnahmen bilden ins ehemalig feindliche Land geschafft. Looking Out For No. 1 auch mehr Konkurrenz. Instant-Erfolg
Teiturs Ode an »Catherine The Waitress«, Das ist zunächst mal lobenswert, macht Beide Rookie / Cargo wird sich da außerhalb des erweiterten
die McCartneys »Lovely Rita Meter Maid« aber auch eine Neuorientierung nötig. Punk aus der Provinz. Eine Freundeskreises wohl kaum durchsetzen
ganz schön schmierig klingen lässt, und Also: Trouble Over Tokyo ist vor allem ein nicht enden wollende Lie- – ab in die Live-Mühle, hundert Konzerte
die Drake-Hommage »The Girl I Don’t einzelner Brite namens Toph, der offen- be. Ähnlich wie »Bauer sucht später sieht man, wer noch kann und was
Know«: tolle Songs, die hoffentlich bald sichtlich auf jede Musik steht, die auf Frau«. Aus der Yakuzi-Ecke wirklich geht.
im Radio landen. Im Ganzen betrachtet, die große Geste setzt. Ob nun schwel- nahe Pforzheim kennt der Linus Volkmann
wandert »The Singer« über den schmalen gerischer Pop à la Muse oder Tiger Lou, eine oder die andere viel-
Grat zwischen Folk, Chanson und Musi- R’n’B wie von Timberlake oder Pet-Shop- leicht noch Across The Bor-
cal und muss in Anbetracht der jungen Boys-Electropop – nichts ist zu weit weg, der. Die hatten Folk in ih-

KLAUS BÖNISCH FÜR KBK GMBH PRÄSENTIERT:

Frozen Souls Tour

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01.05.08 HAMBURG Grüner Jäger
02.05.08 BOCHUM Matrix 31.03.08 HANNOVER Capitol
03.05.08 KÖLN Underground 04.04.08 FRANKFURT Batschkapp 24.04.08 NÜRNBERG MEISTERSINGERHALLE 07.05.08 DRESDEN KULTURPALAST
04.05.08 FRANKFURT Nachtleben
06.05.08 BERLIN Magnet
05.04.08 KÖLN E-Werk 25.04.08 KARLSRUHE KONZERTHAUS 08.05.08 BONN BEETHOVENHALLE
26.04.08 FÜSSEN FESTSPIELHAUS 09.05.08 FRIEDRICHSHAFEN
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22.05.08 CHEMNITZ Subway to Peter 09.04.08 MÜNCHEN Backstage Werk 29.04.08 FRANKFURT ALTE OPER 10.05.08 BOCHUM JAHRHUNDERHALLE
24.05.08 LEIPZIG Louisville Records Show 14.04.08 DRESDEN Alter Schlachthof 01.05.08 MÜNCHEN PHILHARMONIE S O M M E R S H OW S
26.05.08 STUTTGART Kellerclub 02.05.08 LANDSHUT SPARKASSENARENA 24.05.08 DILLINGEN LOKSCHUPPEN
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110 Probefahrt

Motorpsycho

MONSTER
Vier Songs, 59 Minuten. Das ist freilich nicht der einzige Grund,
warum es sich bei »Little Lucid Moments« nicht einfach nur um »ein
weiteres« Motorpsycho-Album handelt. Handeln kann.

V erstärkt durch den zehn Jahre jüngeren


Drummer Kenneth Kapstad sind Motor-
psycho wieder ein Trio. Und die gewon-
nene Spielfreude trieft aus jeder (Hallu-
ci)fuge. Allein das Titelstück, eine Suite mit vier Teilen,
wird organischer und freier. Und macht tatsächlich eine
Menge Spaß. Wir haben die »wirklichen« MP noch nicht
auf einer Studio-Platte festgehalten. Diese kommt un-
seren Konzerten sehr nahe. Die Songs bluten (sic!) inei-
nander, Teile oder Übergänge zwischen den Songs sind
ist ein Monster. Zwei Powerrock-Stücke, eine Riesen- improvisiert, und bei dem Ganzen geht’s weniger darum,
Jam, die scheinbar alle Spielarten von Rock durchde- die Songs »perfekt« zu spielen, als vielmehr darum, ei-
kliniert, immer wieder zu straighten Parts zurückfin- nen übergangslosen Fluss herzustellen; eine alles um-
det, und dann die Auflösung: erhaben und abgehangen fassende Erfahrung für alle Beteiligten, die hoffentlich
... Soulfood. Alles scheint ineinander verwoben, auch über eine »normale« Hörerfahrung hinausgeht.
auf der textlichen Ebene, den Prozess von Übergängen In Anlehnung an den Titel hast du selbst das Album
und der einhergehenden Desorientierung beschreibend. beschrieben als kleine klare Momente, umgeben von
Man kann Spaß haben an den wieder reichlich vorhan- einem »Haufen Kacke«. Ist diese »Kacke« ein (notwen-
denen Zitaten, auch überraschenden (Bent nennt für diger) Weg zur Weisheit? Die Konzentration, die nötig ist,
den zweiten Teil von »She Left On The Sun Ship« Steve um sich an so lange Stücke zu erinnern und sie spielen
Reich), man kann sich suhlen im dynamischen Wechsel- zu können, zwingt dich als Performer dazu, dich total
spiel und mit jedem Hören neue Verbindungen innerhalb dem Moment hinzugeben. Das ist der Kick: Wenn du so
des Werks entdecken. Oder diese Einblicke genießen, an damit beschäftigt bist, zu spielen, vergisst du den Rest
denen uns die Band teilhaben lässt, und sich einfach des Universums, und nichts anderes ist mehr von Be-
mitnehmen lassen, wenn Snah in »Year Zero (A Dama- deutung. Auf jeden Fall: ein Mittel, um Klarheit zu fin-
ge Report)« herzergreifend singt: »We turn our backs den. Vielleicht nicht unbedingt notwendig, aber sicher
on what we knew ...« eine großartige Möglichkeit, sich Zen aufzuzwingen! ...
Viele Teile scheinen ziemlich improvisiert zu sein, es und dazu trippy as fuck!
gibt wenige einfache und durchgängige Songstruk- Rosenborg Trondheim mischt bei jeder Teilnahme rich-
turen. Ihr habt Spaß gehabt zu jammen? Bent: Nach den tig gut mit. Werden wir den Tag erleben, an dem sie die
Aufnahmen zum letzten Album haben wir einen festen Champions League gewinnen? Nein. Nicht in abseh-
neuen Drummer dazubekommen und sind wieder eine barer Zukunft. Es kommt jetzt aber eine neue Generation
voll funktionsfähige Band. Das ändert die Dinge radikal. an den Start, und ich habe große Hoffnungen!
Im Gegensatz zu den letzten paar haben wir dieses Al- Joachim Henn
bum alle gleichzeitig live im Studio aufgenommen. Diese
Herangehensweise befreit die Arrangements, und alles Motorpsycho »Little Lucid Moments« (Stickman / Indigo)
12 KURZE
We The They »The Shabby Road Ses- Herrenmagazin und beweisen, dass
sions« (Siluh) – Der Begriff des »Gute Indie-Pop der neue Punkrock ist. Mit
Laune«-Songs hat oft einen negativen Kettcar’haftigem Gesang zwar um ei-
Touch. Völlig zu Unrecht. Die von Roger niges sanfter, aber auch bissiger und in-
Greenawalt (Ben Kweller) produzierte telligent. Sehr schön.
EP besteht zu 100 % aus »Gute Laune«- Karate Disco »I Killed Bambi« (Hero-
Songs. New Yorker Indie-Songs irgend- in / Kidnap Music) – Ironie haben sie auf
wo zwischen surfenden Pilzköpfen und jeden Fall. Die Genre-Beschreibung auf
den Beach Boys. Und um die gute Lau- ihrer Website: »Deutsch-LK-Punk«. Lu-
ne von euch knauserigen Studenten und stig gemeinte Sätze wie »Dein Freundes-
Hartz-IV-Empfängern noch zu steigern: kreis hat sich dramatisch extendiert« und
Die EP gibt’s als freien Download auf »was du so treibst, interessiert mich pe-
siluh.com. ripher« wirken aber leider doch zu ver-
Cerys Matthews »Awyren = Aero- krampft witzig.
plane« (My Kung Fu / Rough Trade) – Ei- The Horror The Horror »Yes (I’m Co-
gentlich müsste sie von Grund auf unsym- ming Out)« (Tapete / Indigo) – Die schwe-
pathisch sein: Cerys Matthews (Ex-Cata- dischen Maximo Park machen mit ihrer
tonia) posierte für FHM und das englische Single zum zweiten Album nichts falsch:
Dschungelcamp. Und doch kann man sich sehr schöne Bassläufe und alles noch
ihrer zerbrechlichen Stimme spätestens markanter als auf dem Debüt. Nichts für
beim folkigen »Y Corryn Ar Pry’« kaum die Ewigkeit, aber angenehm kurzweilig.
entziehen – selbst wenn man kein Wort Television Personalities »The Good
Walisisch versteht. Anarchist« (Elefant / Rough Trade) –
Idaho »The Forbidden EP & Alas – Schon wieder ein Lebenszeichen der Kult-
Special Edition« (Talitres / Rough Trade) Band um Dan Tracey: eine zerbrechlich
– Großartige Neuveröffentlichung zweier schöne Single à la Velvet Underground mit
vergriffener Platten von Jeff Martin. Lei- Gastsängerin und eine northern-soulige
ser Singer/Songwriter-Pop für verregnete b-Seite. Mehr als nur Parttime-Punks.
Frühlingsabende. Simian Mobile Disco »Clock EP« (Wi-
Craig David »6 Of 1 Thing« (Warner) – chita / Coop / Universal) – Vergangenen
Laut Promotext ist diese Single ein »durch Sommer brachten sie noch sämtliche
und durch groovendes Stück Musik, das Dancefloors zum Beben. Nun sind SMD
mit Funk-Bass und upliftenden Bläser- mit einer neuen EP am Start: ganz ohne
sätzen besetzt ist«. Meiner Meinung nach Vocals, mit weniger 80er-Einflüssen, im
sieht das etwas anders aus: Es ist ein Opener auch mal krautrockig und im be-
dreister Euphemismus für belanglosen sten Track »Simple« tatsächlich einfach
R’n’B, der kein einziges Vorstadt-Kind in nur minimalistisch. Deutlich unaufge-
die Großraumdisko locken wird. regter, aber im positiven Sinne: nichts
Heidi Mortenson »Diamonds & Un- für die Konsensdisko (»Never Be Alo-
derwear« (Wired / Broken Silence) – Ei- ne«) oder den New-Rave-Floor (»It’s The
gentlich hasse ich nervige Samples aus Beat«), sondern schlicht für den Club.
der Welt der Telekommunikation. Zu be- Stereo Total »Plastico EP« (Elefant
legt sind beispielsweise die Assoziationen / Rough Trade) – Mit Lo-Fi in gewohnter
von besetzten Telefonleitungen. Der spie- High-Quality geben die Multilingu-
lerische Umgang mit Modem- und ICQ- isten Stereo Total ihr grand de-
Sounds auf »Stronger Than This« ist aber but auf dem spanischen Label
großartig. Und auch der Rest: Electrosoul Elefant Records. Hierfür inter-
vom Feinsten. DAS groovt wirklich. pretieren sie ihren Paris/
Nein Nein Nein »Endstation Berlin-Song »Plastic« auf
Bullshit« (Twisted Chords / Bro- Spanisch und covern sich
ken Silence) – Apropos schlech- munter durch den Ele-
te Promotexte: Die Verweigerer fant-Backkatalog. Muy
Nein Nein Nein werden uns er- bien.
wartungsvoll als eine Band mit Manuel Czauderna
der Rohheit und Wut der frühen 80er-
Jahre-Deutschpunks angekündigt.
Leider klingt ihre Veröffentlichung
einfach nur nach schlechtem JuZ-
Melodycore. Schade.
Herrenmagazin »#1« (Motor Mu-
sic) – »Du kaufst dein Bier jetzt bei
der Bank und Deutschland stinkt
für alle«, singen die Hanseaten von Der eine von We The They
Da geht’s 113

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-)ôô & Robin (AUT)
18.04. COOKYS 21.00 Di. 20.05. • Live Music Hall • Köln So. 25.05. • 3001 • Düsseldorf
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Di. 15.04. Sit Down And Sing 4: So. 01.06. • Live Music Hall • Köln Mi. 04.06. • Live Music Hall • Köln
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Sa. 19.04. Get Well Soon (D) 23.04. MOUSONTURM 21.00
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Mi. 23.04. This Will
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dEUS
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AREA4 FESTIVAL
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mit: Die Ärzte, Apocalyptica, Mi. 16.04. • Luxor • Köln
Penny wise, Madsen, Kilians,
Less Than Jake u.v.a. MIDGE URE
29.-31.08.08 · Lüdinghausen, Flugpl.
Do. 17.04. • Luxor • Köln

ROONEY
So. 20.04. • Luxor • Köln

TINA DICO special guests:


AM, NEUSER

Mo. 21.04. • Studio 672 • Köln

Do. 03.04.
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MILÙ (Ex-Mila Mar)
„Longing speaks with many tongues“ - Tour 2008
Mo. 21.04. • Blue Shell • Köln
Mi. 09.04.
HUSHPUPPIES
GET CAPE. WEAR CAPE. FLY
Support: AULETTA
Sixties-Indie-Rock aus Frankreich Do. 24.04. • Luxor • Köln
Do. 10.04.
SHAMROCK
19:00 Uhr
CLASH
MIT: FIDDLER`S GREEN, BLOOD OR WHISKEY
4LYN
& MR. IRISH BASTARD | Irish Independent Speed-Folk-Punk
Sa. 12.04. Di. 29.04. • Luxor • Köln
AKA FRONTAGE
CD-Release-Party | Support: LUIS & LASERPOWER BLACKMAIL special
DIORAMIC
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Ambient Doom Metal | Veranstalter: Mountcaldera BALKAN BEAT BOX
Do. 24.04.
SMOKE BLOW Mo. 12.05. • Luxor • Köln

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The Next Party | Kult Prog Kraut Rock
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Da geht’s 117
118 Heimspiel empfiehlt

Das Band-Voting beginnt: großen Band-Clash gegeneinander antre- und Gebote lauern. »Wir sind ganz Feuer und bei den krachigeren Sachen auch ein
Ihr habt die Wahl! ten. Zuvor erhalten sie noch ein profes- und Flamme für alles, was auch nur an- bisschen Postpunk raus, den aber in er-
sionelles Coaching mit nützlichen Praxi- satzweise brennt«, heißt es typisch dop- träglichen Dosen. Hier wird nicht krampf-
Am 05. April startet die Voting-Phase der stipps in Sachen Live-Performance. Wer peldeutig in einem Titel, der ansonsten haft versucht, das nächste große New-
Coca-Cola Soundwave Discovery Tour in dieser Runde besteht, reitet schließlich ständig die Hoffnung sterben lässt. Wo- Rave-Ding zu werden, sondern frisch und
2008. Das heißt: Ihr habt es in der Hand auf der Soundwave über die Top-Festivals gegen oder wofür die strenge Pose am unbeschwert aufgespielt. Dabei dürfen
und im Clickfinger, welche Acts in diesem wie Hurricane und Highfield. Zehn Acts Ende posiert, bleibt freilich dunkel. Was die Reime auch gerne mal vorhersehbar
Sommer auf die Festivals dürfen. werden so die Chance bekommen, sich andererseits ja nicht schlecht zum zeit- sein oder holpern. Highlight auf der EP
Hunderte Bands nutzten ab Anfang vor dem härtesten Juror zu bewähren – lupenhaft tragischen Wischen und Knir- ist die Ballade »Fieber«, ein rundum ge-
März die Chance, an Europas größtem dem Publikum. Euch. schen und den traurigen Keyboardlines lungenes Liebeslied zwischen Sehnsucht
Newcomer-Wettbewerb teilzunehmen. passt, die auch die vier Remixe in unter- und Übermut. Die Renaissance von Indie-
Kein Wunder, hatte wohl jeder noch die AC Vibes schiedlichen Abstraktionsformaten vor- Bayern ist dank junger Bands wie Char-
Bilder des großen Finales im letzten Jahr Plastic Bitch führen. Markus Schneider lotte in vollem Gange, der Song »Ready To
vor Augen. Da dachte so mancher: »Das CD // Vervetone Go« gibt die Parole aus: »Wer jetzt nicht
will ich auch!« Die zahlreichen Songbei- In ihrer Kurzinfo bezeichnen Tristan Brusch mitkommt, kommt zu spät.« Richtig.
träge, die seit dem 05. März auf www. sich die AC Vibes selbst als My Ivory Mind Philipp Jedicke
coke.de hochgeladen wurden, zeigen »guitar’n’beat thing«. Die CD // Timezone / Rough Trade
bereits, dass es ein harter Wettbewerb Bezeichnung greift: Beat So etwas kommt wohl da- Deathspirit
wird. Denn das Niveau ist beachtlich! haben sie definitiv, Gitarre auch. Das Er- bei raus, wenn man als Sohn Deathspirit
Auch in diesem Jahr streifen die Beiträ- folgsrezept ist einfach: In ihren Songs professioneller Musiker und CD // Let It Burn
ge wieder durch alle Genres: Melodischer wird ein simpler Schlagzeugbeat mit Weltenbummler in Belfast, »Talent borrows, genuis ste-
Punk misst sich mit knackigem HipHop, einem Brett-Gitarrenriff und der nölig-le- Virginia und später in Deutschland auf- als«, hieß es schon bei Os-
aggressiver Rock legt sich mit elegischen thargischen Stimme von Sänger Micha- wächst, seit dem dritten Geburtstag Gei- car Wilde. Und so hält es
Popsongs an. Also für jeden etwas dabei. el Gabriel kombiniert. Und das ist auch genunterricht vom Vater bekommt, sich auch die bayrische Hard-
Aufgrund der hohen Teilnehmerzahl traf vollkommen okay so. Trotz der minimali- später Klavier und Gitarre draufschafft, core-Band Deathspirit um Sänger Mar-
diesmal eine Expertenrunde eine Voraus- stischen Instrumentierung schafft es das dazwischen Klassik und das weiße Al- co Walzel. Im Jahr 2000 veröffentlich-
wahl. Die Jury aus Musikjournalisten und Duo, catchy Songs mit Rock’n’Roll-Arsch- bum der Beatles hört, nebenbei für’s Abi ten die damaligen Hoffnungsträger der
Musikschaffenden brütete lange über die lochattitüde und den richtigen Akzenten paukt und sich in der Freizeit Dostojew- europäischen Musikszene My Hero Died
Entscheidung, welche 50 Acts in die Vo- an genau den richtigen Stellen zu schrei- ski und Dogma reinzieht – da kann man Today das Album »The City Will Pay For
tingphase einziehen. Keine leichte Aufga- ben. Back-up-Vocals und Keyboards wer- doch wirklich nur so was machen wie »My This« und lösten sich kurz danach auf.
be: Augen- und Ohrenzeugen berichten den gewollt nur pointiert eingesetzt – Ivory Mind«. Der 19jährige Tristan Brusch Auf dem Mini-EP-Erstling von Death-
von harten Verhandlungen, in denen es Beat und Gitarre herrschen immer vor. ist damit nun schon beim zweiten Album spirit findet sich nun ein gleichnamiger
auch schon mal laut werden konnte. Das »thing« funktioniert: Die Mischung angelangt und suhlt sich nach seinem et- Song. Und bei genauerer Betrachtung
Jetzt seid endlich ihr am Zug: Auf aus The-Black-Crowes-Countryversion, was elektronischeren Debüt in schwelge- merkt man: Auch die Lyrics sind diesel-
www.coke.de könnt ihr euch mühelos Nick-Cave-Düsterdenken und No-Futu- rischen Banjo-, Geigen- und Gitarrenme- ben wie damals. Jetzt könnte es dem Wal-
durch die einzelnen Songs hören, für eu- re-Punkattitüde brachte ihnen Ende letz- lodien, die ein wenig an Sufjan Stevens zel gehen wie den verklagten Fall Out Boy
ren Favoriten voten, Bands an Freunde ten Jahres schon eine Mini-Tour mit Phil- erinnern. Aber Brusch macht’s einem – wird es aber nicht. Denn seltsamerwei-
empfehlen – und so eine ganze Fan-Army lip Boa & The Voodoo Club ein. nicht so leicht, wie das Harmoniedauer- se hält er sich an sich selbst: Der Shouter
mobilisieren. Euer Click zählt! Hier seid ihr Julia Gudzent feuer des Herrn Stevens. Vor allem sein war auch Kopf hinter My Hero Died To-
die A&Rs, die Talentsucher, die Trendset- seltsamer Gesang, ein melodisch-nä- day und schrieb die Lyrics schon damals.
ter - oder aber die Fanbeauftragten eurer Audio88 selndes Quietschen, macht seine Musik Ob dies nun billiges Eigenplagiat ist oder
Lieblingsband. Das Heimspiel wird ab der Ein besserer Mensch wahrlich besonders. Wohlklang mit ei- das zeitsparende Werk eines Genies, sei
nächsten Ausgabe regelmäßig einige Fa- CD // Himalaya Pop gener Note – in Perfektion vertont z. B. dahingestellt. Fest steht nur eins: Zeter
voriten vorstellen. »Selbst ich bin mir nicht si- in »Funny Man« und »Sad Clown«. An- und Mordio schreien kann der Walzel al-
Nach Abschluss der Online-Voting- cher, ob ich alle meine Ge- geblich werkelt Brusch übrigens schon lemal. Mit viel Fuck-you-Attitüde und Me-
Phase am 21.04. gilt bei der Coca-Cola danken laut aussprechen wieder an neuem Material – diesmal an tal-Brett spuckten Deathspirit ihre dre-
Soundwave auch in diesem Jahr: »Was sollte«, erklärt Audio88 einem Radiohead-inspirierten Elektronik- schige Gesellschaftskritik voller Arbeiter-
zählt, ist auf der Bühne.« Die 20 Bands im Titelstück seiner EP »Ein besserer Album. Himmel hilf, wo soll das noch hin- klasse-Ideologie und Straßenkampfsze-
mit den meisten Stimmen werden vom 06. Mensch«. Es scheint irgendwie darum zu führen? Michael Schütz nerie nach nur zwei Bandproben und zwei
bis zum 08. Juni auf dem Rock am Ring im gehen, dass man täglich viel korrektes Po- Tagen im Aufnahmestudio aus. Da blieb
tenzial verschwendet und meist doch nur Charlotte wohl nicht genug Zeit, um neue Texte zu
im Konjunktiv lebt: »Ich wäre so gern ein Küsschen links Küsschen rechts schreiben. Julia Gudzent
besserer Mensch.« Dazu dräut recht an- CD // Auf die Plätze / Samsonido
sprechend ein elektronisch brummender Die Indie-Revolution aus Diverse
Nebel, dessen Harmonien ein bisschen der Provinz geht weiter: Bunte Bezüge
klingen, als habe jemand »Fade To Grey« Das Bamberger Trio Char- LP // E-Klageto
als Doom-Hop re-imaginiert. Hier nun lotte singt auf seiner ak- Ein Zwischenstandsbericht
also das andere HipHop-Neukölln, ga- tuellen EP »Küsschen links Küsschen aus dem solide vor sich hin
rantiert un-gangsta und anti-rütli, wes- rechts« naiv-forsche Reime wie »Wir alternden deutschen Post-
halb es auf Audio88s Website auch kämp- kommen an / Alles läuft nach Plan«. Die Kassetten-Untergrund. Und
ferische Querverweise zu Protesten gegen Songs erinnern nicht nur aufgrund der in dem regiert eiserne Traditionsverbun-
Studiengebühren gibt. Die Stimme rhyth- bewusst einfach gehaltenen Texte über denheit und das stalkistische Reenact-
misiert, ohne zu reimen oder besondere Liebesleid und Tatendrang an die frü- ment ihrer wenigen, doch umso glamou-
Nähe zum Rapformalen zu suchen. Statt- hen Ärzte. Genau wie jene möchte man röseren NDW-Sternstündchen. Verlässlich
dessen reiht sie eher parolenhaft Gedan- die selbst ernannten Dreiakkordsportler gibt es auf dieser Compilation: kleintei-
ken und Ideen aneinander, die gern ein we- erst mal in die Fun-Punk-Ecke stecken, ligen Humorbierernst, in mühevoller Klein-
nig paradox formuliert darauf hinweisen, aber eigentlich haben sie damit musika- arbeit zusammen geschraubte Schwach-
dass die Welt eher ungefähr und mehr- lisch so gar nichts am Hut. Bei Charlot- sinnsnamen, Darbietungs-Angstfreiheit
deutig ist, auch wenn überall Vorschriften te hört man eher die Britpop-Einflüsse an der grünen Grenze zur sozialen Auf-
Heimspiel empfiehlt 119

eifern oder sich in »At Last« im reinen


Songwriterfolk verträumen, der an Nina
Perssons »A Camp« erinnert. GOMD ha-
ben übrigens überaus freundlich ange-
fragt, ob man denn ohne Plattenvertrag
eine Chance hätte, im Intro zu landen. Da
kann man nur antworten: Mit so einem Al-
bum – gerne doch! Daniel Koch

Benevolent Henk Jr.


Heavy Mellow

WEICHE SCHALE, EP // www.henk-o-rama.de


Henk Jr. sind nicht mehr jung.

WEICHER KERN
Das hört man ihrer Debüt-EP
an, und das ist auch völlig
okay so. Sie haben schon zu
viele Moden erlebt, um darauf noch etwas
Muss man als Musiker denn immer so verdammt cool sein? Nö. Das sagen auch Benevolent, zu geben, sie müssen auch keine künst-
die kein Problem damit haben, sich selbst als harmoniesüchtig und sensibel zu bezeichnen. liche Euphorie mehr entfachen oder Tanz-

D
flächen in Discos stürmen. Sie spielen ge-
setzten und auf dezente Harmonien set-
en Bandnamen darf man eins zu eins neh- dungen. Weichheit schützt vor Kunstfertigkeit nicht- und so zenden Gitarrenpop, mellow eben, jeden-
men: Benevolent sind wirklich so wohlwol- ist zu erahnen, dass die Bandmitglieder sicher auch die ein falls im Sinne von »ausgereift«. Sie klingen
lend. Weichere Musik kann man kaum ma- oder andere frühe Genesis im Regal stehen haben. so, wie man sich als Ungereister ihre Hei-
chen, alles strebt hier nach Einklang: Die Ganz ohne Labelunterstützung ist es Benevolent nun matstadt Aachen vorstellt: heimelig und
getupften Gitarren, das perlige Klavier, der grummelnde also gelungen, mit »The Rain and the Sea« ein Album auf die freundlich, leicht melancholisch, leicht
Kontrabass, das federnde, perkussive Schlagzeug, und na- Reihe zu bekommen, das musikalisch, klanglich und visu- romantisch. Zu verorten irgendwo zwi-
türlich der dezent melodramatische, zurückgenommene ell ein unglaubliche Wertigkeit ausstrahlt. Ein großer logi- schen Dirk Darmstaedter und John Ma-
Harmoniegesang. Hauptsänger Stefan Honig gesteht es stischer und menschlicher Aufwand, bedenkt man, dass es yer. Alles gut so weit. Nur schade, dass sie
ganz unverblümt ein: »Wir sind einfach alles relativ sensi- sich hier nicht um günstig zu produzierende Rechnermusik ihren einprägsamsten Song nur auf ihrer
ble Typen und haben Lust auf harmonische Töne. Sowohl handelt, sondern um orchestral arrangierten Akustiksound, Homepage zum (immerhin freien) Down-
musikalisch als auch sozial.« Coolness muss man also wo- der mithilfe vieler Gäste an Streich- und Blasinstrumenten load anbieten: »Alle Mann sind Aleman-
anders suchen. Das Problem, das die Band hat, ist natür- inszeniert wurde. »Keiner hat irgendwie Geld gewollt oder nia« heißt das Schmuckstück, und des-
lich die Herkunft. Fünf Typen aus Krefeld, Köln und Düssel- gesehen«, berichtet Honig, »als alles fertig war, haben wir sen Klasse in den Relationen landläufiger
dorf spielen englischsprachigen Singer-/Songwriterpop, der alle gemeinsam zum Essen eingeladen und einen tollen Fußballsongs muss man sogar als Anhän-
in einer verwandtschaftlichen Linie steht mit Cat Stevens, Abend verbracht.« So ist es also allein der Idealismus und ger der wahren Schwarz-Gelben im We-
Suzanne Vega, Elliott Smith und Sufjan Stevens. Darf das die Freude an der Musik, der die Musiker treibt: »Es scheint sten anerkennen. Christian Steinbrink
sein? Unbedingt. Benevolent sind ja keine wandelnden Ab- uns sehr unwahrscheinlich, mit so einer Musik Geld zu ver-
ziehbildchen, sondern eine Band mit Profil, die seit Jahren dienen, aber es wäre schon sehr schön, wenn sich die gan- Julius
an ihrer Folk-Pop-Vision feilt. Dazu gehört das Beharren auf ze Sache selber finanziert.« Eigentlich ein Minimum an Ge- Leise, zusammen
ein im autorengeprägten Folk-Kontext ungewöhnlich kre- genleistung, das ein talentierter und inspirierter Musiker für CD // Urbanprovince
ativen Bandprinzip: Die Lieder entstehen im Verbund. Was seinen Einsatz erwarten dürfte. Oliver Minck Der Julius hat eine schöne
sich bemerkbar macht in komplexen Songstrukturen, ver- Platte gemacht. Das Art-
schlungenen Melodieführungen und überraschenden Wen- Benevolent »The Rain And The Sea« (CD / www.benevolent.de) work ist dezent, das Book-
let auf teurem, dickem Pa-
pier gedruckt und die Songtitel in Deutsch
wie in Englisch machen sich gelesen aus-
fälligkeit usw. Geändert hat sich dort also »Silke Arp bricht« in Hannover. »Bunte deutscher Sprache vorstellen könnten. gesprochen gut: »Writing A Name« z. B.
annäherungsweise nichts seit – sagen wir Bezüge« hat einen blöden Namen, aber Wahrscheinlich ungefähr im Juli zur Sil- oder dazu sehr passend »In großen Buch-
– 1987, obwohl es natürlich immer weiter durchaus dichte und unvermittelte Mo- bermondphase, als der Klee so schön staben.« Alles sehr schön anzuschauen.
geht, wenn auch nicht voran. (Wie eigent- mente qua hingebungsvollen Schwach- blühte. Jedenfalls stellen die vier Nord- Leider ist der akustische Eindruck von
lich überall…) Der in sich selbst stehen ge- sinnshits auf Autopilot (Ordnungsamt) lichter gleich klar, dass es sie nur in Eng- »Leise, zusammen« dann stellenwei-
bliebene/gestrandete Bewegungsdrang oder elaborierter Soundart (Yangwelle, die lisch gibt – und zwar, »um vermeintlichen se eher durchwachsen. Der Wahlbre-
noch-abtrünniger End-Dreißiger auf dem ein Fieldrecording von John Cages Halber- Assoziationen à la Silbermond gleich dem mer Julius ist zwar ein solider Leisetre-
langen Marsch durch die Möbiusschleife stadt-Orgelkonzert zu einem massiv-fili- Erdboden gleichzumachen«. Hat man das ter, und braucht wenig mehr als seine Gi-
der Selbstbezüglichkeit und der Artefakt- granen Dubstep-Hänger umfälschen). Mit geklärt, hat man ein wirklich gelungenes tarre, um es heimelig werden zu lassen,
Tauschkreislauf-Intimität mit vier bis drei- ein paar Gramm Selbstgenügsamkeit we- Popdebüt vor sich, das zwar musikalisch nur leider verhebt er sich bei den deut-
undzwanzig Gleichgesinnten klingt in gut niger könnte derlei sogar irgendwann noch an einigen Stellen die Silbermond-Asso- schen Songs oft an der Metapherndrech-
der Hälfte der Beiträge sogar noch halb- mal richtig angreifen. Und das vielleicht ziationen nicht loswird, aber nicht deren selei (vgl. »dein Lächeln glänzt im Feiera-
wegs spannend oder zumindest: berech- sogar schon in der übernächsten Gene- Pathosschmock aufnimmt, sondern eher benddämmerlicht, als wir in großen Buch-
tigt, die andere sackt in erprobter Unter- ration. Frank Apunkt Schneider auf Understatement setzt. In den wirklich staben auf die Wagen schrieben: Wasch
grundmanier so durch – aber ein Unent- guten Momenten – z. B. im Song »Out- mich, ich bin dreckig heut Nacht.«), wäh-
schieden ist da ja kein schlechtes Ergeb- GOMD land« – erinnern sie dank Sängerin Do- rend man den englischen Stücke einfach
nis, wo die aktuelle Titelstory es vermut- Alter Ego rit Jakobs fast an die seligen Belly. Ein anhört, dass ein Norddeutscher zwang-
lich mal wieder nur auf anderthalb er- CD // Space Bee / www.gomd.de Kompliment, das man ja nicht so ohne haft die Aussprache treffen will, die ihm
trägliche Stücke gebracht haben wird. Da hat doch sicher schon Weiteres ausspielen sollte. Positive Re- der Englischlehrer in der 8a eingetrichtert
Eine sichere Bank stellen die beteiligten mal eine große Plattenfir- ferenzen fallen einem noch an anderen hat. Und das ist ja immer der schlechteste
Gruppen aus dem Umfeld des legendären ma geklopft, ob sich GOMD Stellen ein, z. B., wenn sie in »Cows & Weg, die Sache mit dem Englischsingen
Clubs und Überlebenszusammenhangs nicht auch das Singen in Dogs« einem frühen R.E.M.-Song nach- anzugehen. Aber Julius soll an dieser ≥
120 Heimspiel empfiehlt

≥ Stelle natürlich nicht runtergeputzt Performance-Kunst denken lässt – hör- tenschweife ab! Muss an der Schwerelo- Be-PeterLicht sein Notizbuch in St. Ober-
werden. Sehen wir es lieber so: Da ist bar ist das jedenfalls auf Langstrecke nur sigkeit liegen. Ganz erdig besehen ist das holz vergessen. Inhaltlich geht es Super-
noch Luft nach oben. Michael Schütz bedingt. Paula Bongartz alles wirklich schön gedacht. Doch leider shirt um den abendlichen Einkauf an der
gilt es, bei der Haltungsnote Abzüge zu »Tanke«, um Punk und was man draus
Kollision Playfellow machen. In der Ausführung ist das ein- macht und - ja, richtig - um Konsumkri-
Kollision Penumbra fach nicht glatt und bombastisch und tik: »Kauf weniger ein. Dann brauchst du
myspace.com / Kollisionsmusik CD // Sweet Home / Poor Dog cheesy genug. Ach, hätten The Space weniger Geld. Dann musst du weniger ar-
Neulich las ich in einem Ist Chemnitz das neue Ox- Songs doch genug Kleingeld oder wahl- beiten gehen.« Vor ein paar Jahren hät-
amerikanischen HipHop- ford? Wenn man der Band weise Sternenstaub zusammenkratzen te man ähnlich gewagte Textkonstrukte
Blog von Kollision und ihrem Playfellow so zuhört, könnte können, um einen James Last als Cap- wohl eher im Fun-Punk, etwas später viel-
selbst betitelten Demo, das man glatt meinen, in der tain Kirk für ihre Produktion zu engagie- leicht auch im deutschen HipHop veror-
schwer empfohlen wurde. Ich ging von ei- sächsischen Stadt hätten sich vor einigen ren! Dann würden The Space Songs ver- tet. Spätestens seit »Remmidemmi« fin-
ner Ami-Truppe aus. Tatsächlich kommen Jahren die deutschen Radiohead gegrün- mutlich hoch oben am Kitscho-Charts- den infantile Blödsinns-Lyrics aber immer
Kollision aber aus München, sie rappen det. Der erste Höreindruck sagt untrüg- Firmament erstrahlen. öfter auch den Weg auf die Tanzflächen.
auf Deutsch. Warum ich diese öde Ge- lich: Thom Yorke. Der zweite Höreindruck Malte Carli Das geht charmant wie bei Deichkind oder
schichte erzähle? Es zeigt, dass die 17 bestätigt das, aber er differenziert ein eben so: »Dancen [sic!] ist das, was euch
selbst produzierten Songs tatsächlich wenig: Thom Yorke singt heute in Chem- Stars Play Music interessiert – dancen und dancen, bis hier
auf einem gewissen internationalen Le- nitz empfindsame Indie-Folk-Songs, hat Distance Is Necessary mal etwas passiert.« Auch schön: »Komm
vel funktionieren - für deutschen HipHop in früheren Jahren gerne Jane’s Addiction CD // Skycap / Rough Trade jetzt nicht mit digital. Uns wird der Döner
immer noch ein Ritterschlag. Tatsächlich gehört und steht heimlich auf Element Of Eine Fotoserie in der Zeit, To- kalt.« Hin und wieder fragt man sich, wie
sind die oft abgebremsten Beats durch- Crime. Bloß kann er deren deutsche Texte bias Levin (Kante, Tocotro- ernst meinen die das jetzt mit dem Mu-
aus durchschlagskräftig, wenn auch auf nicht so recht leiden, wegen des gewis- nic) hat produziert und ei- sikmachen? »Du bist super« ist ein bun-
die lange Distanz etwas ähnlich gera- sen Peinlichkeitsfaktors und weil das zum nige Jahre Erfahrung in ver- ter Strauß tanzbarer Superquatsch, was
ten. Die Sounds kreieren oft dramatische verwischten, schwärmerischen Gitarren- schiedenen Bandprojekten. So ungefähr hier eher nicht als Kompliment gemeint
Stimmungen, nutzen filmartige Scores sound von Playfellow einfach zu hart und lesen sich die Eckdaten des Bandinfos zu ist. Zwei Argumente gibt’s dann aber doch
und Sprachsamples, kleistern dabei nicht direkt kommen würde. Große Emotionen Stars Play Music. Würde unter dem Strich für diese Platte: ein herausnehmbarer Mi-
alles zu, lassen Luft zum Atmen. Kommen lassen sich eben am einfachsten in kom- eine solide deutsche Gitarren-Platte er- ni-Glowstick im Album-Cover für die New-
wir also zum Knackpunkt: die deutschen plett vernuschelten englischen Textzeilen geben, ist in diesem Fall jedoch nicht ganz Rave-Sause zu Hause und die Erkennt-
Texte. Die MCs Fay-B und Zen-Siar mü- verpacken. Der sächsische Thom Yorke, so. Deutsch wird nicht gesungen, und es nis, dass sich Klopapier (in etwa) auf Do-
hen sich mal mit dystopischen, vage futu- der in echt Toni Niemeier heißt, gibt da- ist der Gitarren-Pop, der bei den Müns- senbier reimt.
ristischen Themen (Raumschiffe und so), bei alles, expressiv bis hin zum Kopfstand teranern groß geschrieben wird. An eini- Christine Franz
mal wird studentisch philosophiert, gern seiner Stimme. Die anderen vier Band- gen Stellen zu groß. Songs wie »Waiting
auch mit leicht altmodischem, etwas ar- mitglieder halten dazu, in den ganz lei- By The Flags« oder »Horizon« wirken im Ton
tifiziellem Vokabular. Das klingt manch- sen Momenten ebenso wie bei lärmigen ersten Hördurchgang zu seicht, zu weich- Wir haben die Zeit sie uns zu
mal etwas überambitioniert, der Flow hol- Ausbrüchen, immer die nötige Spannung gespült. Dagegen stehen Songs wie »Di- nehmen
pert dann arg. Aber man muss den Wil- aufrecht. Einmal von den großen Vorbil- stance« oder »Propeller«. Beides sind CD // BonnBoomMusic
len, hier etwas ganz Eigenständiges zu er- dern freigestrampelt, kann das noch was ausgereifte, gut arrangierte Gitarrenpop- Auf dem Cover Landschafts-
schaffen, bewundern in einem Klima, das Tolles werden. Nummern, die in ihrer nur vordergrün- aufnahmen mit weiten Feld-
nicht gerade für derlei HipHop-Entwürfe Arno Raffeiner digen Einfachheit und Unbeschwertheit ern und einsamen Gestal-
geschaffen ist. zeitweise an Whitest Boy Alive erinnern. ten, die modische Denker-
Heiko Behr The Space Songs Die Stimme von Alexandra Romary manö- hüte tragen. Auf ihrer Website ein flim-
Ballads For The Age Of Science vriert das Quintett in eine Ecke mit Mina mernd gefilmtes Video, das die Band auf
David Lipp & Die Liebe CD // Sopot / Al!ve oder Contriva, beides Bands, mit denen der Walz bestreitet – passt ja auch, denn
Die einsamen Häuser Auswendig lernen mal an- Levin bereits gearbeitet hat. Schon befin- der Song heißt »Von hier bis in die Welt«.
CD // www.davidlipp.com / ders: Das Berliner Trio The den sich Stars Play Music in guter Gesell- Und dann dieser gesetzte Albumtitel. Ist
www.tronrecords.com Space Songs hat mit dem schaft von Bands mit einem feinen Sinn ja gut, man hat’s verstanden: Junge Leu-
Nach »In Immer: Love« ist Konzeptalbum »Ballads For für Popmusik. Da sind sie goldrichtig. te mit Fernweh und Folk in den Adern me-
»Die einsamen Häuser« das The Age Of Science« einen regelrechten Thomas Markus lancholieren in der Provinz und machen
zweite Album des Österrei- Coup in Sachen Pädagogen-Pop gelan- ein Album. Ganz so einfach ist es dann
chers David Lipp. Lipp & Die det. Die Idee dahinter ist so simpel wie Supershirt aber doch nicht. Denn hinter Ton verbirgt
Liebe, das klingt ja dem Namen nach fast schrullig und hat wohl mit regelmäßigen Du bist super sich in erster Linie Ex-Wohlstandskinder-
wie Begemann & Die Befreiung. Was na- Flohmarktbesuchen zu tun. Die Musike- CD // Kasabi Tunez / Broken Silence Sänger Tobias Röger, der hier nun ganz
mentlich so hübsch anmutet, macht beim rInnen Künstler Treu, Chloé Leloup und An Superlativen, musika- unverblümt und unpeinlich seine persön-
Anhören der Platte aber Schwierigkeiten. Miss LaLa Vox haben auf jeden Fall eini- lischen Ambitionen und liche Songwritervision umsetzt – die man
In den Songs werden Gitarrenpickings und ge »educational children’s records« aus Selbstbewusstsein man- ihm in dieser Form nicht unbedingt zuge-
Computer bzw. Keyboardsounds, die an den zukunftsvernarrten USA der 1950er gelt es Supershirt auf ih- traut hätte. Musikalisch ist das auf Lang-
Supermario erinnern, mit Boy/Girl-Ge- ausgegraben und in ein putziges Easy- rem Album »Du bist super« so gar nicht: strecke vielleicht manchmal etwas zu re-
sang kombiniert. So weit, so gut. Aller- Listening-Mäntelchen gesteckt. Ihre In- »Hallo Deutschland! Wir sind’s wieder, laxt und abgehangen, dafür sind die Texte
dings wirkt das Songwriting vor allem we- terpretationen von Schulbuchtexten über lassen was von uns hören und machen durchweg gelungen, in den pathosanfäl-
gen der abstrakt-absurden, bedeutungs- ferne Galaxien, das atomkraftgetriebene uns noch viel beliebter. Supershirt: mit ligen Songs (»Sommer« oder »Am Ende«)
schwangeren Lyrics dermaßen um den Sonnenlicht und sinnlich-physikalische Lizenz zum auf die Kacke hauen. Super- ebenso wie in den launigen Alltagsbeo-
Eindruck von Kunst oder Dekonstruktion Phänomene wie Reibungsenergie über- shirt: und nicht mehr hat dieses Land ge- bachtungen über »Lieder, in denen Ber-
bemüht, dass die Songs darüber einfach bieten einander geradezu in abgespacter braucht«, meinen die Herren aus Berlin lin vorkommt« oder »Ü-30 Parties«. »Wir
unangenehm werden. Vielleicht ist das ja Kitschvergötterung. Treu schmeißt seine und Rostock. Es wird genäselt, als wäre benahmen uns fast erwachsen / Und wir
in einem Brecht’schen Sinne gewollt, so schönsten Fieps- und Quietschmaschi- man gerne Jan Delay, gepluckert, als lachten über Ottifanten. Da geht mein Le-
nach dem Motto: »Ich mach’s dem Rezi- nen an, und die Stimmen von Leloup und möchte man lieber mit der Mediengrup- ben hin / Vom Überraschungsei zu Ü-30
pienten nicht zu bequem!« Wer weiß. Oder LaLa Vox tanzen dazu im Paarlauf durch pe Telekommander die Regler tauschen, Parties« – tja, so niederschmetternd und
Lipp & Die Liebe haben einfach Spaß an unendliche glitzernde Weiten zwischen und unbeschwert über das Ende des Ka- tragikomisch kann die Wahrheit sein.
einer Art Musik, die einen die ganze Zeit an den Sternennebeln ... Hoppla, ich kome- pitalismus getextet, als hätte ein Wanna- Daniel Koch
POP IM KONZERTHAUS
Mit Kinderzimmer Productions – unplugged am 26.04.08.
Alle Infos unter www.pop-abo.de

Präsentiert und unterstützt von


122 Intro Intim

INTRO INTIM UK Auf welchem Stand wäre die Musikgeschichte ohne das Vereinigte Königreich? Eine Frage, die trotz
der Rückkehr des US-Indies und des Abflauens oder Über-Habens der Britwelle immer noch aktuell
ist. Man muss sich einfach mal vor Augen führen, wie regelmäßig dieses nicht wirklich große Land
weltweit für musikalischen Wirbel sorgt: Beatlemania, Punk, Rave, Britpop, Britrock, New Rave –
you name it. Deshalb setzt die kommende Intim-Offensive auch verstärkt auf Newcomer aus dem
UK. Es ist einfach immer noch so verdammt spannend. Aber warum eigentlich?

The Whip (Manchester)


Bruce Carter: »Keine Ahnung, ob es an der Wirkung der britischen Musikpresse liegt
oder ob das Publikum einfach leidenschaftlicher ist. Jedenfalls kann man auf der
Insel schnell in so einen Hype reingeraten, der unheimlich viele Leute mitreißt und
oft für wirklich geile, ausverkaufte, verschwitzte Shows sorgt. Dann braucht man
wahrscheinlich nur noch einen fickrigen A&R dahin schleppen, und die Sache läuft.«
Live beim Intro Intim (16.-19.04.); www.myspace.com/thewhipmanchester

Late Of The Pier (Castle Donington)


Samuel Eastgate: »Es sind die Fans.
Hat man sich erst mal in ihr Herz
gespielt, wird eine unheimliche Euphorie
freigesetzt. Sie pushen dich so, dass
man irgendwann denkt, man kann auch
außerhalb der Insel alles erreichen.«
Live beim Intro Intim Unexplored UK
(23.-25.04.)
www.myspace.com/lateofthepier

The Ting Tings (Salford)


Katie White: »Die öffentliche Akzeptanz
von Musik und Musikmachen war in
England und speziell in unserem Umfeld
immer schon sehr ausgeprägt. Interes-
santerweise haben uns die Leute immer
ernst genommen, es gab kein: »Wovon
lebt ihr?« Wenn man sich allein über das
Musikmachen definierte, war das Aus-
sage genug. Niemand hat nach deinem XX-Teens (London)
»Beruf« gefragt.« Ben Rymer (Manager): »Es
Live beim Intro Intim Unexplored UK ist ganz einfach. Es gibt viele
(23.-25.04.) Bands. Viele gute Bands.
www.myspace.com/thetingtings Heißt im Klartext: große
Konkurrenz – das belebt die
Szene ungemein.«
Live beim Intro Intim
Unexplored UK (23.-25.04.)
www.myspace.com/xxteens

Fuck Buttons (London)


Andrew Hung: »Es gibt so viele Bands bei uns, die völlig verschiedene
Foals (Oxford) Dinge machen. Es ist meiner Meinung nach eher so, dass man raus-
Yannis Phillippakis (Vocals): »Hier ist immer alles gleich Hype. Fürch- hört, in welcher Stadt eine Band ihren Sound geprägt hat. Aber es
terlich. Auch wir werden dermaßen gehypt. Es fühlt sich an, als wären besteht schon ein generelles Interesse an neuer Musik auf der Insel –
wir da in die Maschinerie geraten, die wir immer umgehen wollten.« und es gibt viele große Radiostationen und Magazine, die das trans-
Live beim Intro Intim Goes Timewarp (04.04. Mannheim, Maimarkth.) portieren. Das mag helfen.«
www.myspace.com/foals Live: Intro Intim mit Battles (12.-13.05.); myspace.com/fuckbuttons
Intro Intim 123

Intro Intim goes Time Warp Intro Intim


mit Deichkind, Foals, Stereo Total, Hot
Chip DJs, Does It Offend You, Yeah?
goes Time Warp
04.04. Mannheim, Maimarktclub
Vergessen wir mal die Söhne Mann-
Intro Intim Blonde Redhead heims. Laith Al-Deen. Xavier Naidoo.
mit Devastations, Smoosh Davon ab ist Mannheim eine verdammt
08.04. Berlin, Maria am Ostbahnhof coole Stadt. Gibt sich wie keine andere
Mühe, die Popmusik nach vorne zu brin-
Intro Intim dEUS gen (Stichwort: Popakademie), hat mit
09.04. Saarbrücken, Roxy » 10.04. dem Milk!-Club Techno-Geschichte ge-
Mannheim, Alte Feuerwache » 14.04. schrieben und hat vor allem: die Time
Köln, Kulturkirche » 07.05. München, Warp. Und mittendrin wieder das Intro In-
Georg-Elser-Halle tim. Diesmal allerdings nicht mehr in der
Feuerwache, sondern im größeren Mai-
Intro Intim Does It Offend You, Yeah? marktclub. Aber dieses Line-up braucht
01.04. München, 59to1 » 02.04. Köln, halt ein wenig mehr Platz. Mit dabei sind
Stadtgarten » 03.04. Hamburg, Molotow Deichkind, Foals, Stereo Total, Does It Of-
» 05.04. Berlin, Lido fend You, Yeah? und Hot Chip (DJ-Set).

Intro Intim Calvin Harris 04.04. Intro Intim goes Time Warp,
mit Does It Offend You, Yeah? Mannheim, Maimarktclub
05.04. Berlin, Lido

Intro Intim The Whip Alle Infos, Tickets und Termine auf
mit Intro-DJs www.intro.de/intim
16.04. Hamburg, Molotow » 17.04.
Berlin, Magnet Club » 18.04. München,
Atomic Café

Intro Intim Unexplored UK


BLONDE REDHEAD
mit Late Of The Pier, The Ting Tings, Auch wenn man es beim Anblick dieses Fotos nicht glauben mag: Das NY-Trio um Kazu Makino
XX-Teens funktioniert auch bei geschlossenen Augen. Sphärische Gitarrenflächen, elektronische Verzierungen,
23.04. Köln, Gebäude 9 » 24.04. entrückter Gesang – ein Kopfkino-Score par excellence. Mit dabei: Devastations und Smoosh.
Foto: Arne Sattler

Berlin, Maria am Ostbahnhof » 25.04. 08.04. Berlin, Maria am Ostbahnhof (einzige Deutschlandshow!)
Osnabrück, Kleine Freiheit (Late Of The
Pier, Disco Punx)

Intro Intim Kevin Devine


mit Jenny Owen Youngs
07.05. Nürnberg, Muz-Club » 08.05.
Münster, Amp » 19.05. Frankfurt/ Backstage-Schnack mit
Main, Brotfabrik » 20.05. A-Wien, B 72
» 22.05. L-Luxemburg, D:Qliq » 23.05.
Does It Offend You, Yeah?
Fulda, Kulturzentrum Kreuz » 24.05.
Leipzig, Moritzbastei » 25.05. Berlin, Belauscht auf dem Intro Intim Januar in Berlin,
Lido » 26.05. Hamburg, Fundbureau ca. 37 Sekunden nach ihrem Auftritt:
» 27.05. Dresden, Beatpol » 28.05. James: Wir waren beschissen.
Jena, Rosenkeller » 29.05. München, Morgan: Nein, die Leute waren beschissen.
Feierwerk » 30.05. Köln, Blue Shell James: Stimmt. So still. So faul. So verdammt träge.
» 31.05. Bremen, Kulturzentrum 01.04. München, 59to1 » 02.04. Köln, Stadtgarten
Lagerhaus » 03.04. Hamburg, Molotow » 05.04. Berlin, Lido
www.myspace.com/doesitoffendyou
Intro Intim Battles
mit Fuck Buttons
12.05. Berlin, Maria am Ostbahnhof »
13.05. Köln, Gebäude 9
Reingehört und vorgefreut auf dEUS »Vantage Point«
Intro Intim Kill Your Friends
Lesung mit John Niven und Bernd »When She Comes Down« ist ein sperriger Opener, nervös funky, melodisch im Refrain, verwirrend
Begemann grandios. »Oh Your God« stampft und stottert mit lauten Gitarren und knallenden Drums, während
06.05. Berlin, Roter Salon » 07.05. Barman den Grantler gibt. »Eternal Woman« ist ein Streicher-verziertes Durchatmen. »Favourite
München, Substanz » 08.05. Köln, Game« und »Slow« wiederum setzen auf den dunklen Groove, den man als Grundton des Albums aus-
Museum Ludwig machen könnte. »Is A Robot« und »The Architect« – die mutige Single – fügen sich da gut ein. Die letz-
ten drei Songs sind dann der elegische Abgang, »so melodisch, wie man uns noch nie gehört hat«, sagen dEUS selbst.
Intro Intim @ Splash Stimmt. Vor allem der Rausschmeißer »Popular Culture« zeigt das. Release ist am 18.04., zuvor sind sie live bei uns:
mit M.I.A., Sick Girls, Birdy Nam Nam, Le 09.04. Saarbrücken, Roxy » 10.04. Mannheim, Alte Feuerwache » 14.04. Köln, Kulturkirche »
Peuple de L'Herbe u. a. 07.05. München, Georg-Elser-Halle
11.-13.07. Pouch, Halbinsel
124 Das geht

02 P 03 P 04 P 05 P 06 P 07 P

09 P 08 P 09 P 10 P 19 P 12 P 13 P

Intro empfiehlt
01 P Electronic Beats Live Special 04 P Gus Black 07 P José Gonzáles 11 P Kristofer Aström
Die Konzert-Serie der Electronic Beats Schwarzer Anzug, Akustikgitarre, um- »José Gonzáles heißt Gitarre und Ge- Der Schwede macht noch einen zweiten
– nicht zu verwechseln mit dem Festi- werfende Backgroundsängerin – und sang. Nicht mehr und nicht weniger.« So Tourschlenker zu seinem aktuellen Al-
val Electronic Beats – gastierte zum dann diese dunkel croonende Stimme: sagte Gonzáles einst im Interview. Das bum »Rainaway Town«. Im Intro-Maga-
letzten Mal im Jahr 2004 im Bonner »Today is not the day ... to fuck with me.« ist auch live so – und hat trotzdem we- zin erklärte er damals: »Ich habe mich
T-Mobile-Forum. Nach diversen euro- Geht klar, solange er noch ein paar die- nig mit Schnarchnasen-Songwriter-Ge- bewusst in Richtung Pop bewegt, weil
päischen Abstechern nach Wien, Prag, ser Düster-Folk-Songs raus haut. klampfe zu tun. ich so direkt wie möglich sein wollte.«
Budapest oder Bratislava schaut man 19.04. Offenburg, Spitalkeller » 20.04. Zürich, 16.04. Alsdorf, Stadthalle » 17.04. Berlin, Admirals- 09.04. Bremen, Römer » 10.04. Bielefeld, Forum
Hafenkneipe » 21.04. Ulm, Roxy » 23.04. Stuttgart, palast » 18.04. Ludwigshafen, BASF Feierabendhaus » 11.04. Hannover, Cafe Glocksee » 12.04. Bonn,
am 19. April nun wieder in der Bonner
Die Röhre » 24.04. München, 59to1 » 25.04. » 20.04. Dachau, St. Jakob » 21.04. Wien, Flex Harmonie » 13.04. Karlsruhe, Jubez » 14.04.
Homebase vorbei. Diesmal werden Mia. Wuppertal, Live Club Barmen » 26.04. Münster, Wiesbaden, Schlachthof » 16.04. Heidelberg,
auf der Bühne den »Zirkus« veranstal- Gleis 22 » 27.04. Hamburg, Logo » 29.04. Dresden, Karlstorbahnhof » 17.04. Freiburg, Mensabar »

ten, der schon das gleichnamige Album


Beatpol » 30.04. Berlin, Lido » 01.05. Osnabrück, 08 P Lightspeed Champion 19.04. Solothurn, Kofmehl » 21.04. Wien, Chelsea
Kleine Freiheit » 02.05. Halle, Objekt 5 » 03.05. Köln, » 22.04. München, Atomic Café » 23.04. St. Pölten,
auf Platz #2 der Charts brachte. Außer- Blue Shell
Devonte Hynes, damals mal bei den Cinema Paradiso » 24.04. Dresden, Beatpol » 25.04.

dem werden es sich die altgedienten Pi- Schreihälsen Test Icicles, ist der Light- Marburg, Kfz » 26.04. Magdeburg, Projekt 7 » 27.04.
Berlin, Babylon » 29.04. Hamburg, Knust » 30.04.
oniere des alternativen HipHop, die Ste- speed Champion. Als solcher schreibt
Kiel, Weltruf
05 P Helsinki In Berlin er wunderbare Singer/Songwriter-Tunes
reo MC’s, wohl nicht verkneifen kön-
Die spinnen, die Finnen. Denkt man sich wie z.B. »Fucksucker«, die sich streich-
nen, Songs des in Kürze erscheinenden 12 P The National Bank
schnell, wenn man sich den musika- zart in die Gehörgänge schmeicheln.
neuen Albums zu präsentieren. Dritter In ihrem Heimatland Norwegen sind sie
lischen Output des kleinen Landes so 01.04. Hamburg, Molotow » 02.04. Berlin, Bang Bang
Act im Bunde sind Klee aus der Nach- so eine Art Vorzeigeband: eine Super-
anschaut. Ihr hausgemachter Metal à la Club » 03.04. Stuttgart, Schocken
barstadt Kölle, die ein neues Album für group, zusammengezimmert aus den
Nightwish erobert gleich die ganze Welt,
Mai in der Pipeline haben. Helden der nationalen Indie-Szene von
ihr Indie ist sogar schräger als der kana- 09 P Morcheeba
19.04. Bonn, T-Mobile-Forum
dische (22-Pistepirkko), Lordi gibt’s nicht Zu dritt war gestern. Die Gebrüder God- Jaga Jazzist, BigBang und dann noch
(mit Mia., Stereo MC’s, Klee)
nur auf Platte, sondern auch als Wein- frey arbeiten auf dem neuen Album »Dive Thomas Dybdahl, ein mit Preisen über-
gummi, und der finnische Electro plu- Deep« nun mit spannenden Gastsängern häuftes Wunderkind.
02 P Blood Red Shoes ckert, bratzt und beept wie kein anderer 31.03. Hamburg, Knust » 01.04. München, Atomic
wie dem Norweger Thomas Dybdahl, der
»It’s getting boring by the sea«, sang das Café » 03.04. Köln, Luxor » 04.04. Berlin, Lido
(Op:l Bastards). Im April präsentiert sich französischen Sängerin Marta oder dem
Brighton-Duo auf seiner Debüt-EP. Was Helsinki all over Berlin – und wir präsen- Avantgarde-Rapper Cool Calm Pete.
dagegen hilft? Die Langeweile rausspie- tieren die spannendsten Abende. 23.04. Zürich, Volkshaus » 24.04. Ludwigshafen,
13 P The Pigeon Detectives
len! Nachzuhören auf dem Album »Box Of 25.04. Berlin, 103 Club (Op:l Bastards) » 26.04. Berlin, Das Haus » 05.05. Hamburg, Grünspan » 06.05. Die Band aus Leeds hat sich hohe Ziele
Secrets«. Kate Nash liebt es. Wir auch. Magnet Club (22-Pistepirkko, Judge Bone, Anssi) » Berlin, Passionskirche » 09.05. Köln, Gloria » 10.05. gesteckt: Am liebsten wäre sie nicht we-
29.04. Berlin, Quasimodo (M.A. Numminen, Sväng, Luxemburg, Den Atelier
26.04. Hamburg, Molotow (Club NME) » 28.04. Köln,
Marko Haavisto, Poutahaukat) niger als der offizielle Beatles-Nachfol-
Gebäude 9 » 29.04. Dortmund, FZW » 30.04. München,
Atomic Café » 06.05. Berlin, Maria am Ostbahnhof
ger. Dabei hat ihr herrlich mitrölkom-
10 P Wolke patibler UK-New-Wave-Schrammelpunk
06 P MIT Das Kölner Duo hat auf»Teil 3« zum drit- nicht viel mit den Fab Four gemein.
03 P Girls In Hawaii Bei ihrer Gründung hatten MIT einen rela- ten Mal Knöpfe gedreht, in die Klavierta- 08.04. München, Atomic Café » 09.04. Berlin, Lido
Die Girls In Hawaii betreiben natürlich tiv genauen Plan: kurz auftauchen, kurz sten gehauen und poetische Worte kom-
Etikettenschwindel, weil sie erstens aus spielen und dann wieder verschwinden. biniert. Nach ihren Pop-Dolmetscher-
Für alle von uns präsentierten
Belgien stammen und zweitens ein kom- Das ging zum Glück in die Hose. Nun sind Tätigkeiten auf EinsLive zelebrieren sie
Touren verlosen wir 3x2 Tickets
plettes Jungsding sind. Aber kann man sie mit ihrem Debüt »Coda« unterwegs. endlich wieder das eigene Liedgut.
das ihnen und ihrem Weltflucht-Pop 04.04. Köln, Bogen 2 » 05.04. Darmstadt, 603 qm 16.04. Hamburg, Nachtasyl im Thalia » 17.04. Dessau,
» 11.04. Dortmund, Suite 023 » 12.04. Hamburg, Beat Club » 18.04. Berlin, Roter Salon » 19.04.
übel nehmen? Hafenklang » 18.04. Leipzig, Sweat Club » 19.04. Münster, Amp » 23.04. Frankfurt/Main, Das Bett » Alle Touren, alle
22.04. Heidelberg, Karlstorbahnhof » 23.04. Berlin, Scala » 24.04. Paderborn, Cube » 25.04. 24.04. Karlsruhe, Kohi » 25.04. Dortmund, Subrosa
Hamburg, Uebel & Gefährlich » 25.04. Berlin, Lido Heidelberg, Zum Teufel » 26.04. München, Feierwerk » 26.04. Aachen, Raststätte » 03.05. Köln, Tsunami Clubs, alle Locations:
» 26.04. Dresden, Beatpol » 28.04. Wien, Chelsea » » 23.05. Bayreuth, Glashaus » 24.05. Augsburg, Club » 10.05. Duisburg, Buschbrand » 24.06. Dresden,
29.04. München, Ampere » 30.04. Leipzig, Nato Schwarzes Schaf Societätstheater www.intro.de
Das geht 125

22 Pistepirkko
28.03. Marburg, Kfz
P Empfohlen von Intro:
Chikinki
Digitalism
05.04. Mannheim, Maimarkthalle
Niels Frevert
07.04. Köln, Gebäude 9
Intro-Sputnik
Magazin
29.03. Münster, Gleis 22 24.03. Frankfurt / Main, Geht weiter! 08.04. Stuttgart, Keller Klub
30.03. Stuttgart, Laboratorium Batschkapp 09.04. Frankfurt / M., Sinkkasten
03.04. A-Wien, B 72 25.03. Konstanz, Kulturladen P Empfohlen von Intro: 10.04. Essen, Grend
05.04. Dresden, Puschkin 26.03. Köln, Underground Electronic Beats 11.04. Berlin, Roter Salon
06.04. Leipzig, Moritzbastei 27.03. Hamburg, Live Special 12.04. HH, Uebel & Gefährlich
08.04. Erlangen, E-Werk Uebel & Gefährlich 19.04. Bonn, T-Mobile-Forum
09.04. Jena, Rosenkeller 28.03. Osnabrück, Alle Infos siehe S. 124 F.S.K.
10.04. München, 59to1 Kleine Freiheit 26.03. München, Rote Sonne
11.04. Bielefeld, Forum Alec Empire 27.03. Frankf. / M., Mousonturm
12.04. Cottbus, Glad-House Coheed And Cambria mit The Hellish Vortex 28.03. Berlin, Volksbühne
13.04. Hamburg, Knust mit Oceansize 01.04. Stuttgart, Die Röhre 29.03. Hamburg, Hafenklang
Geht weiter! 07.04. Köln, Live Music Hall 02.04. München, Ampere 30.03. Köln, Stadtgarten
13.04. Berlin, Huxley’s 03.04. Nürnberg, Hirsch 01.04. Leipzig, Conne Island
P Empfohlen von Intro: 15.04. München, Georg-Elser-H. 04.04. Köln, Luxor 02.04. Stuttgart, Schocken
Kristofer Aström 16.04. Stuttgart, LKA-Longhorn 05.04. HH, Uebel & Gefährlich 03.04. Weinheim, Café Central
09.-30.04. Alle Infos siehe S. 124 17.04. Hamburg, Markthalle 08.04. Bochum, Riff
09.04. Münster, Café Sputnik Get Cape.
Bernd Begemann Coke DJ-Culture! 10.04. Berlin, Festsaal Wear Cape. Fly
& Die Befreiung mit Robert Owens, Theo Kreuzberg 19.04. Berlin, Lido
24.03. A-Wien, Chelsea Parrish, Omar S, Quarion 12.04. Bremen, Tower 20.04. Hamburg, Prinzenbar
25.03. Erfurt, Museumskeller 11.04. Berlin, Engelbrot Geht weiter! 21.04. Köln, Blue Shell
26.03. Berlin, Frannz 12.04. Hamburg, Click 23.04. München, 59to1
04.04. Hamburg, Knust 17.04. München, Die Registratur P Empfohlen von Intro:
Geht weiter! 18.04. Köln, Triple A Get Well Soon
19.04. Erfurt, Joue Joue Club 12.04. Heidelberg,
Belasco Karlstorbahnhof
27.03. Viersen, Conny’s Come In Das Schöne Leben 15.04. Frankfurt / M., Brotfabrik
28.03. Bielefeld, Forum (Konzert & Lesung) 17.04. HH, Mandarin Kasino
29.03. Hagen, Kultopia mit Christiane Rösinger, 19.04. Münster, Gleis 22
Andreas Spechtl, DJ 24.04. Biberach, Kulturh. Abdera

C
Be Your Own Pet Forestopper Fancy Footwork 25.04. Konstanz, Kulturladen
07.04. Hamburg, Molotow 28.03. Berlin, Festsaal Party Tour
Kreuzberg mit Yelle, Trash Fashion P Empfohlen von Intro:
P Empfohlen von Intro: 10.04. Potsdam, Spartacus 26.03. Berlin, 103 Club Girls In Hawaii heckt das, neue Bands!«
Gus Black 11.04. Hamburg, Golden Pudel 27.03. Frankfurt / Main, O25 22.-30.04. Alle Infos siehe S. 124 heißt eins der be-
19.-30.04. Alle Infos siehe S. 124 12.04. Bremen, Stauerei 28.03. Dortmund, FZW
14.04. Düsseldorf, Zakk 29.03. Köln, Die Werkstatt Gogol Bordello liebtesten Formate in
Blackmail 15.04. Stuttgart, Schocken 04.04. Berlin, Postbahnhof unserem Heft. Darin
28.04. Frankfurt / Main, 17.04. A-Wien, Wuk Fettes Brot 06.04. Leipzig, Conne Island
tauchten jüngst auch Foals als kleiner
Batschkapp 18.04. München, Kranhalle 22.04. Flensb., Deutsches Haus
29.04. Köln, Luxor Geht weiter! 23.04. Dortmund, Westfalenhalle Max Goldt (Lesung) Tipp für 2008 auf. Nächster Stopp in die-
30.04. Bochum, Zeche 24.04. Trier, Europahalle 27.03. Stuttgart, Theaterhaus ser Ausgabe: Titelgeschichte. So schnell
Geht weiter! P Empfohlen von Intro: 25.04. Köln, Palladium 28.03. Karlsruhe, Tollhaus
27.04. Stuttgart, LKA-Longhorn 29.03. Heilbronn, Komödienh.
kann’s gehen. Warum die fünf Jungs aus
P Empfohlen von Intro: 29.04. Wiesbaden, Schlachthof 30.03. Mannheim, Alte Feuerw. UK das mehr als verdient haben – hört es
Blood Red Shoes 30.04. München, Georg-Elser-H. 05.04. Weinböhla, Zentralgasth.
im April Ton für Ton nach, wenn in unserer
26.04. Hamburg, Molotow Geht weiter! 22.04. Bielefeld, Theater am
(+ NME DJs) Alten Markt Radiosendung der Beweis geführt wird.
28.04. Köln, Gebäude 9 P Empfohlen von Intro: 23.04. Köln, Comedia Diesmal und überhaupt immer mit
29.04. Dortmund, FZW Flash! (Party) 24.04. Würzburg, Saalb. Luiseng.
30.04. München, Atomic Café Dead Meadow 04.04. Köln, Luxor Geht weiter!
dabei: die Song-Battles des Monats. Der
Geht weiter! 24.03. A-Wien, Arena Song, der beim Voting auf intro.de ge-
26.03. München, Ampere Foals Gravenhurst winnt, wird in der folgenden Sendung
Billy Bragg 27.03. Berlin, Lido 03.04. München, 59to1 22.04. Nürnberg, K 4
15.04. Hamburg, Markthalle 28.03. Hamburg, Molotow 04.04. Mannheim, 23.04. Dresden, Puschkin gespielt. Und hier sind sie:
Maimarkthalle (Intro Intim) 24.04. Wiesbaden, Schlachthof
P Empfohlen von Intro: Deichkind 05.04. Köln, Die Werkstatt 25.04. Weinheim, Café Central
03.04. Krefeld, Kulturfabrik
03.04. Sind wir nicht alle Seefahrer?
06.04. Hamburg, Molotow 26.04. Hannover, Cafe Glocksee
04.04. Mannheim, 07.04. Berlin, Postbahnhof 27.04. Bielefeld, Forum Rummelsnuff »Halt durch!«
Maimarkthalle www.tickets.de vs. Tocotronic »Sailorman«
05.04. Marburg, Kfz Adam Green
17.04. Kassel, Musiktheater Fotos 13.04. Köln, Live Music Hall
18.04. Heidelberg, 28.03. Lüneburg, AStA-Wohnz. 21.04. HH, Große Freiheit 36 10.04. In Rankings leider weit hinten
Karlstorbahnhof 29.03. Neubrandenburg, Zebra 22.04. Berlin, Huxley’s 18th Dye »Song For Helen« vs.
Bratze 19.04. Eisenach, Spitz 02.04. Berlin, Postbahnhof 23.04. Frankf. / M., Mousonturm
11.04. Kiel, Weltruf 24.04. Fulda, Kulturzentr. Kreuz 03.04. HH, Uebel & Gefährlich 24.04. München, Georg-Elser-H. Eleventh Dream Day »Coercion«
18.04. Osnabrück, Glanz & Gloria 25.04. Frankfurt / Main, St. 04.04. Köln, Gebäude 9
19.04. Erfurt, Besetztes Haus Petersgemeinde 05.04. Münster, Gleis 22 P Empfohlen von Intro:
17.04. Jetzt hilft nur noch Wein
20.04. Hamburg, Molotow 09.04. Dresden, Beatpol Helsinki Week
24.04. Berlin, ZMF Delbo 10.04. Erlangen, E-Werk 25.-29.04. Alle Infos siehe S. 124 The Cardigans »I Need Some
25.04. Greifswald, 02.04. Jena, Rosenkeller 11.04. Augsburg, Ostwerk Fine Wine And You, You Need
Geographenkeller 03.04. Bielefeld, Falkendom 14.04. A-Wien, Flex Home Of The Lame
26.04. Neubrandenburg, Zebra 04.04. Wiesbaden, Kulturpalast 15.04. München, 59to1 26.03. Bielefeld, Falkendom
To Be Nicer« vs.
Geht weiter! 05.04. Leipzig, Panam 17.04. Stuttgart, Schocken 27.03. Frankfurt / M., Das Bett The National »All The Wine«
06.04. Hamburg, Prinzenbar 18.04. Frankfurt / Main, Cooky’s 28.03. Regensburg, Heimat
Ian Brown 08.04. Braunschweig, Nexus 19.04. Hannover, Cafe Glocksee 29.03. Stuttgart, Schocken
15.04. München, Atomic Café 09.04. Bielefeld, Falkendom 25.04. Rostock, Mau-Club 31.03. A-Wien, B 72 24.04. Ex-Arab-Strap vs. Ex-Arab-Strap
(ausverkauft) 10.04. Magdeburg, Projekt 7 26.04. Bremen, Tower 01.04. München, Feierwerk Malcolm Middleton »Loneliness
11.04. Rostock, Mau-Club 02.04. Siegen, Vortex
Shines« vs. Aidan John Moffat
Buback Tonträger 12.04. Dresden, Scheune Frank Spilker Gruppe 03.04. Köln, Blue Shell
präsentiert 14.04. Köln, Kulturbunker 28.03. Kiel, Weltruf 04.04. Hannover, Korn »Nothing In Common«
und feiert Jubiläum Mülheim 29.03. Bremen, Kulturzentrum 05.04. Mannheim, Lagerhaus
mit Freiwillige Selbstkontrolle, 15.04. Siegen, Vortex Lagerhaus
Adolf Noise 16.04. Frankfurt / Main, 30.03. Hamburg, Golden Pudel Hush Puppies Das Intro-Sputnik Magazin: jeden Don-
28.03. Berlin, Volksbühne Elfer-Music-Club 31.03. Hannover, Indiego Glocks. 08.04. Ulm, Roxy nerstag und Sonntag 21h bis 22h auf
29.03. Hamburg, Hafenklang 18.04. Stuttgart, Keller Klub 01.04. Düsseldorf, Zakk 09.04. Karlsruhe, Substage
20.04. A-Wien, Fluc
MDR Sputnik. Unter www.intro.de/sput-
02.04. Köln, Luxor 10.04. Berlin, Bang Bang Club
Keith Caputo 21.04. München, Sunny Red 03.04. Bielefeld, Kamp 11.04. Bremen, Kulturz. Lagerh. nik auch als Podcast abonnierbar und
30.04. Köln, Underground 22.04. Hamburg, D-Club 04.04. Berlin, Festsaal 12.04. Bonn, Harmonie via Player im Stream zu hören.
Geht weiter! (mit Kettcar) Kreuzberg 13.04. Dresden, Beatpol
05.04. Leipzig, Conne Island 24.04. Hannover, Musikzentrum
Chumbawamba DeVotchKa 09.04. Schorndorf, Manufaktur 25.04. Lingen, Alter Schlachthof
17.04. Hamburg, Lola 17.04. Berlin, Tacheles 10.04. München, Rote Sonne 26.04. Hamburg, Molotow
Kulturzentrum 18.04. Köln, Underground 12.04. Dresden, Groove Station 27.04. Dortmund, FZW
126 Das geht

ILiKETRAiNS P Empfohlen von Intro: Portishead


14.04. Stuttgart, Schocken Lightspeed Champion 02.04. München, Tonhalle
15.04. Frankfurt / Main, Brotfabrik 01.-03.04. Alle Infos siehe S. 124 03.04. Berlin, Columbiahalle
(mit Get Well Soon) 06.04. Köln, Palladium
16.04. Münster, Gleis 22 Madsen www.tickets.de
09.04. A-Wien, Arena
P Empfohlen von Intro: 11.04. Magdeburg, Factory Kristoffer Ragnstam
Intro DJ-Team: 12.04. Dresden, Strasse E 17.04. Rostock, MS Stubnitz
Schlank Und Beliebt 14.04. HH, Uebel & Gefährlich 18.04. Hamburg, Prinzenbar
Durch Voodoo 15.04. Bochum, Zeche 20.04. Dresden, Beatpol
29.03. Köln, Pegel 16.04. Köln, Live Music Hall 29.04. Berlin, Admiralspalast
18.04. München, Georg-Elser-H.
P Empfohlen von Intro: 19.04. Heidelberg, Halle 02 P Empfohlen von Intro:
20.04. Berlin, Postbahnhof

Marah
25.03. Hamburg, Knust

Scott Matthew
12.04. Leipzig, Schaubühne
Intro Intim Lindenfels Charlotte Roche
Alle Infos und Termine siehe S. 123 13.04. Hamburg, Kampnagel 26.03. Wolfsburg, Hallenbad
15.04. Berlin, Babylon 27.03. Münster, Prinzipalsaal
Isis 17.04. Dresden, Scheune 31.03. Würzburg, Saalbau
22.04. A-Wien, Arena Geht weiter! Luisengarten

I Am Kloot Meine Mutter Hat Ihren Rocknacht


25.03. Berlin, Postbahnhof Pudel Erschossen! mit Good Charlotte, Jolly Goods,
mit Richard Von Der Schulenburg, The Futureheads, The Hives,
Jägermeister Rockliga Knarf Rellöm, Pascal Fuhlbrügge Velvet Revolver
Saison 2007/08 Gruppe D 19.04. Hannover, Indiego Glocksee 29.03. Köln, Palladium
mit The Electric Soft Parade,
Mediengruppe Telekommander, P Empfohlen von Intro: Rooney
Zoot Woman Melt! Klub 01.04. Stuttgart, Zapata
24.03. Essen, Zeche Carl 26.03. Frankfurt / Main, Cooky’s 02.04. Berlin, Frannz
25.03. München, Backstage (Hadouken) 17.04. Köln, Luxor
26.03. Stuttgart, Die Röhre 27.03. Berlin, Maria am Ostbahnh.
27.03. Leipzig, Werk 2 (Supermayer, Hadouken, Olli Schulz
28.03. Dresden, Beatpol DJ Supermarkt, Jack Tennis) 24.03. Hannover, Musikzentrum
28.03. Hamburg, Uebel & 25.03. Magdeburg, Projekt 7
Johnossi Gefährlich (Supermayer, 26.03. Rostock, Mau-Club
mit Sibling Sense Hadouken, Shir Khan) 27.03. Flensburg, Volksbad
11.04. Hamburg, Grünspan Geht weiter! 29.03. Osnabrück, Glanz & Gloria
12.04. Bremen, Kulturz. Lagerhaus 31.03. Düsseldorf, Zakk
13.04. Bochum, Zeche Miss Platnum 01.04. Krefeld, Kulturfabrik
14.04. Köln, Gloria 25.03. Hamburg, Mandarin Kasino 02.04. Weinheim, Café Central
15.04. Heidelberg, Karlstorbahnh. 26.03. Bonn, Harmonie 03.04. Trier, Tuchfabrik
16.04. Bielefeld, Kamp 27.03. Ulm, Roxy 07.04. Stuttgart, Schocken
18.04. Erfurt, Stadtgarten 08.04. Freiburg, Jazzhaus
19.04. Freiburg, Jazzhaus P Empfohlen von Intro: 09.04. Gießen, MuK
20.04. Dresden, Beatpol MIT 10.04. Koblenz, Circus Maximus
20.04. Stuttgart, LKA-Longhorn 04.-24.05. Alle Infos siehe S. 124 11.04. Heidelberg, Karlstorbahnh.
21.04. Frankfurt / Main, Brotfabrik 12.04. Bischofswerda, Eastclub
Moonbootica 17.04. Leipzig, Conne Island
P Empfohlen von Intro: 28.03. Nürnberg, Rakete 18.04. Hannoversch Münden,
José González 29.03. Stuttgart, Romy S. Kurbelkasten
16.-21.04. Alle Infos siehe S. 124 19.04. Bad Oeynhausen, Druckerei
P Empfohlen von Intro: 20.04. Oldenburg, Amadeus
Kante Morcheeba
08.04. Hamburg, Knust 23.04.-10.05. Infos siehe S. 124 Sit Down And Sing
mit Rosie Thomas, Nicolai
Karpatenhund Oceansize Dunger, Josh Ottum
18.04. Chemnitz, Atomino 03.04. Duisburg, Steinbruch 14.04. Hamburg, Knust
19.04. Frankfurt / Main, Das Bett 04.04. Osnabrück, Glanz & Gloria 15.04. Münster, Gleis 22
26.04. Lüdenscheid, Alte Druckerei 05.04. Dresden, Beatpol 16.04. Bremen, Moments
30.04. Viersen, Conny’s Come In 17.04. Ludwigshafen, Das Haus
Patrick Watson 22.04. Frankfurt / Main, Das Bett
Kettcar 26.03. Köln, Gebäude 9 24.04. Leipzig, Panam
18.04. Hamburg, Hafenklang 27.03. München, 59to1 25.04. Magdeburg, Oli-Lichtspiele
19.04. HH, Uebel & Gefährlich 29.03. Berlin, Admiralspalast 26.04. Berlin, Maschinenhaus
20.04. Hamburg, Molotow 30.03. Hamburg, Uebel
21.04. Hamburg, Knust & Gefährlich Sternbuschweg
22.04. Hamburg, D-Club www.tickets.de 28.03. Leipzig, Noch Besser Leben
23.04. Hamburg, Fabrik 29.03. Dresden, Groove Station
30.04. Rostock, Mau-Club Paula 31.03. Berlin, Bang Bang Club
24.04. Bielefeld, Falkendom 01.04. Kiel, Schaubude
Kilians 25.04. Essen, Grend 03.04. Köln, Tsunami Club
28.03. Leer, Juz 26.04. Karlsruhe, Tempel 05.04. Duisburg, Buschbrand
29.03. Hannover, Béi Chéz Heinz 27.04. Heidelberg, 10.04. Augsburg, Schwarzes Schaf
18.04. Erlangen, E-Werk Karlstorbahnhof 12.04. Reichenau, Bütezettel
19.04. Schwabmünchen, U-Turn 30.04. Osnabrück, Rosenhof 18.04. Frankfurt / Main, Das Bett
20.04. Leipzig, Moritzbastei Geht weiter! 19.04. Paderborn, Cube
26.04. Lüdenscheid, Alte Druckerei
Lichter P Empfohlen von Intro: 30.04. Viersen, Conny’s Come In
mit Monotektoni**, Fotos*
03.04. Hamburg, Grüner Jäger P Empfohlen von Intro:
05.04. Rostock, Jaz**
06.04. Berlin, Bang Bang Club
09.04. Dresden, Beatpol*
10.04. Erlangen, E-Werk*
11.04. Augsburg, Ostwerk*
12.04. Stuttgart, Manufaktur Pop-Abo
13.04. Weinheim, Café Central 29.03. Dortmund, Konzerthaus
15.04. München, 59to1* (Polarkreis 18 unplugged) Red Bull Tourbus
23.04. Frankfurt / Main, Das Bett 26.04. Dortmund, Konzerthaus 20.-27.04. Puppetmastaz
26.04. Bonn, Kult 41 (Kinderzimmer Productions) Infos: www.redbulltourbus.com
Teitur P Empfohlen von Intro: Visions Spring Tour
mit Brisa Roche* mit The Rifles, Die Mannequin,
25.03. Hamburg, Prinzenbar* The Futureheads, Trashmonkeys
26.03. Münster, Gleis 22* 02.04. Köln, Live Music Hall
27.03. Heidelberg, 03.04. Berlin, Postbahnhof
Karlstorbahnhof 04.04. München, Backstage
28.03. München, Ampere 05.04. Wiesbaden, Schlachthof
30.03. Berlin, Roter Salon* 06.04. Hamburg, Markthalle
31.03. Bielefeld, Kamp* The Levi’s Electric Disco
01.04. Köln, Luxor* mit Shitdisco, MSTRKRFT, We Are Scientists
Punks Jump Up 24.03. Köln, Gloria
Tele 03.04. A-Wien, Fluc 25.03. Hamburg, Uebel & Gefährl.
mit Wagner Love* 04.04. Offenbach, Hafen 2 26.03. Dresden, Beatpol
17.04. Regensburg, Suite 15 05.04. Köln, Gebäude 9 29.03. München, Georg-Elser-H.
18.04. Tübingen, Sudhaus 09.04. CH-Zürich, Mascotte 30.03. Frankfurt / M., Mousonturm
19.04. Bonn, Harmonie 10.04. Berlin, Lido 29.04. Heidelberg, Karlstorbahnh.
20.04. Dortmund, FZW* 11.04. München, Die Registratur Geht weiter!
21.04. Hannover, Indiego
Glocksee*
12.04. Hamburg, Mandarin Kasino
Wir Sind Helden
Ticketmaster/Kartenhaus empfiehlt:
22.04. Frankfurt / Main, P Empfohlen von Intro: 26.03. Mannheim, Maimarktclub
Nachtleben* The National Bank 27.03. Stuttgart, Liederhalle
23.04. Fulda, Kulturkeller* 31.03.-04.04. Infos siehe S. 124 28.03. Bochum, Jahrhunderthalle
24.04. Freiburg, Waldsee* 30.03. Lingen, Emslandhalle
26.04. Bischofswerda, Eastclub* The Notwist 31.03. Bielefeld, Ringlokschuppen
28.04. A-Wien, Radiokulturhaus 01.04. Oldenburg, Weser-Ems-H.
These New Puritans 03.04. Braunschweig, Jolly Joker
09.04. Berlin, Magnet Club P Empfohlen von Intro: 04.04. Rostock, Mau-Club
12.04. München, Babalu The Pigeon Detectives 05.04. Kiel, Halle 400
08.-09.04. Alle Infos siehe S. 124 12.04. Potsdam, Waschhaus
The Aim Of Design Is To (ausverkauft)
Define Space The Rifles 13.04. Potsdam, Waschhaus
28.03. Berlin, Magnet Club 02.04. Köln, Live Music Hall 15.04. Wartenberg, Oval
03.04. Berlin, Postbahnhof 16.04. Nürnberg, Löwensaal
P Empfohlen von Intro: 04.04. München, Backstage 17.04. Trier, Europahalle
05.04. Wiesbaden, Schlachthof 19.04. Augsburg, Kongresshalle
06.04. Hamburg, Markthalle 20.04. Göttingen, Stadthalle
Geht weiter!
The Tellers
25.03. Ludwigshafen, Das Haus P Empfohlen von Intro:
26.03. Marburg, Trauma Wolke
27.03. Berlin, Roter Salon 16.04.-24.06. Infos siehe S. 124
The Boxer Rebellion 28.03. Düsseldorf, Pretty Vacant
27.04. Berlin, Tacheles Woog Riots
28.04. Hamburg, Molotow The Whitest Boy Alive 19.04. Offenbach, Rotari
29.04. Köln, Underground 25.03. Jena, Kassablanca Gleis 1
30.04. München, 59to1 27.03. A-Wien, Fluc Lizz Wright
02.04. Schorndorf, Manufaktur
The Breeders The Wombats 04.04. München, Georg-Elser-H.
22.04. Köln, Luxor 29.03. Köln, Gebäude 9 05.04. Köln, Gloria
23.04. Berlin, Columbia Club 30.03. Berlin, Lido 07.04. Hamburg, Grünspan
(abgesagt) 31.03. Hamburg, Molotow 08.04. Berlin, Postbahnhof
06.04. München, Atomic Café www.tickets.de
The Electric Soft Parade
24.03. Bochum, Zeche T-Mobile Extreme P Empfohlen von Intro:
Playgrounds -
The Futureheads The Dirt Session
03.04. Berlin, Postbahnhof mit Millencolin,
04.04. München, Backstage Sportfreunde Stiller
05.04. Wiesbaden, Schlachthof 20.04. Duisburg, Kraftzentrale
06.04. Hamburg, Markthalle (Emscherstr. 71)

The Gutter Twins Tocotronic Zoot Woman


18.04. Hamburg, Logo 16.04. Münster, Skater’s Palace 29.03. Hamburg, Uebel & Gefährl.
19.04. Berlin, Postbahnhof 17.04. Bochum, Schauspielhaus 31.03. Köln, Luxor
19.04. Karlsruhe, Festh. Durlach 01.04. Frankfurt / Main,
The Hidden Cameras 20.04. Darmstadt, Centralstation Batschkapp
& Der Münchener 22.04. Ulm, Roxy
Fußballchor 23.04. Jena, Kassablanca Gleis 1
28.04. München, Freiheizhalle
29.04. Köln, Gloria
24.04. Braunschweig, Meier M. H.
25.04. Potsdam, Waschhaus Die kommen,
The Hives
(mit 18th Dye)
die Touren:
27.03. Saarbrücken, Turbonegro Xiu Xiu (01.-12.05.)
Mechanische Werkstatt mit Year Long Disaster, Navel (01.-07.05.)
28.03. Bremen, Pier 2 Valient Thorr Flowin’ Immo (ab 03.05.)
29.03. Köln, Palladium 25.03. Essen, Weststadthalle Why? (06.05.-01.06)
02.04. A-Wien, Gasometer 26.03. Stuttgart, LKA-Longhorn Scout Niblett (13.-16.05.)
03.04. München, Tonhalle 30.03. Leipzig, Werk 2 Amanda Rogers (15.05.-13.06.)
01.04. Wiesbaden, Schlachthof Leipzig (Pop Up (22.-25.05.)
02.04. Bremen, Schlachthof New Amsterdams (22.-23.05.)
The Horror The Horror
Eagle*Seagull (24.05.-01.06.)
28.03. Hannover, Faust
29.03. Leipzig, Ilses Erika Turbostaat Bob Mould (ab Juni)
30.03. Düsseldorf, Pretty Vacant 27.03. Erlangen, E-Werk Tegan And Sara (22.-24.06.)
31.03. Aachen, Raststätte 28.03. München, Backstage The Gossip (ab 01.07.)
01.04. Frankfurt / Main, Das Bett 29.03. Chemnitz, Bunker Video Games Live (20.08.)
02.04. Halle, Objekt 5 05.04. Göttingen, Musa
03.04. Bayreuth, Glashaus 06.04. Münster, Halle Münsterland

Tickets?
04.04. Berlin, Roter Salon 07.04. Dortmund, Westfalenhalle
05.04. Hamburg, Knust 17.04. Erfurt, Thüringenhalle
25.04. Erlangen, E-Werk 18.04. Darmstadt, Oetinger Villa

Tickets!
26.04. Stuttgart, Schocken 19.04. Hannover, Korn

The Kills Urlaub In Polen


25.03. Köln, Gebäude 9
02.04. Hamburg, Logo
16.04. Nürnberg, Muz-Club
17.04. Dresden, Puschkin
www.intro.de/
03.04. Berlin, Maria am Ostbahnh. 18.04. Göttingen, Lumière ticketshop
128 Festivalguide

Fanperspektive:
Immergut FESTIVALSAISON 2008!
Susann Kobs (21): »Seit ich 13 bin, geh’ Huch! Ist ja schon bald wieder Festivalsaison. Was man auf keinen Fall vergessen sollte: 1. Obama wählen (lassen),
ich zum Immergut. Ohne Scheiß, ich bin sonst schmollen Rage Against The Machine und spielen ihre Gigs nicht. 2. Kutte waschen, weil wegen Wacken. 3. braune
dem Festival verfallen. Die Leute sind so Chucks kaufen (die »verschwinden« so schön in den Haldern-Kuhfladen). 4. Dosenpfand stürzen (damit man nicht wie-
locker, die Musik ist so anders – so neu. der überall in diese verf… Scherben rennt). 5. »Druff, druff, druff, drei Tage wach!« Deshalb für’s Melt! besorgen: Kaf-
Ich wohne inzwischen in London und fee! Kaffee! Kaffee! 6. Immer brav den Teller leer essen (sonst kriegt man wieder den ganzen Sommer den Arsch nass …).
komme trotzdem.« 7. Schlamm vom letzten Jahr aus Schlafsack, Unterwäsche und Iso-Matte kämmen. 8. Und natürlich: Immer gut rocken!

30.-31. Mai, Festivalgelände Bürgerseeweg 29,


17235 Neustrelitz; The Notwist, The Weakerthans Alte Hasen: vs. junge Hüpfer:
Get Well Soon, iLiKETRAiNS, Olafur Arnalds, Slut,
Studio Braun, The Audience u. a.; VVK: 42,- Euro;
Passauer Pfingst Open Air Sputnik Spring Break
AK: 54,-Euro; www.immergutrocken.de

Ihr macht jetzt schon seit 1980 mit kleinen Pausen ein Angeblich gibt’s eh zu viele Festivals. Ihr macht trotzdem
Ihr habt ja wohl Festival zu Pfingsten. Wird das nicht fürchterlich lang- ein neues. Seid ihr verrückt?
weilig?
ein Ohr Open! Kathi Rauecker: Das Passauer Pfingst Open Air gibt’s tat-
Markus Ohm: Ein bisschen Wahnsinn wohnt ja wohl jeder
Live-Veranstaltung inne. Aber im Ernst: So absolut neu ist
sächlich schon seit 1980. Aber 2001 begann die Reani- das Festival nicht. Sputnik Spring Break ist sozusagen die
Open Ohr - der Name hat Programm. Ein mierung auf neuem Platz und mit neuem, jungem Team. Weiterentwicklung der Turntable Days, nur eben anders
offenes Ohr ist hier nicht nur bei den Mu- Wir versuchen uns regelmäßig Neues einfallen zu las- und woanders. Das Konzept unterscheidet sich auch von
sikbeiträgen gewünscht, es soll auch sen, sei es bei der Auswahl der Bands oder bei verrückten dem der meisten Festivals, da hier der Spaß im Vorder-
lautstark diskutiert werden – diesmal Ideen wie unserem Weltrekordversuch der längsten Polo- grund steht, der sich aus der Mischung von Musik und all
über »Konsum« und seine Abarten. naise der Welt ... So wollen wir die Traditionen eines wun- den anderen Angeboten auf dem Platz ergibt. Unter ande-
derbaren alt(ernativ)en Festivals beibehalten und gleich- rem gibt’s ‘nen Dirt Bike Cup, Motocross und unseren be-
09.-12. Mai, Zitadelle in 55131 Mainz zeitig stetig weiterdenken. rüchtigten Foampit.
Asian Dub Foundation, Bernadette LaHengst, Was habt ihr den jungen Festivalhüpfern voraus? Was habt ihr den alten Hasen voraus?
Ohrbooten, PinksNotRed, Turbostaat u. a.; VVK: Wir sind etabliert, wir müssen nicht mit den neuesten Na, so ganz taufrisch sind wir ja auch nicht mehr. Ich denke
28,- Euro; AK: 33,- Euro; Tagesticket: 18,- Euro Pseudo-Trends Schritt halten, um als hip zu gelten. Das mal, dass gerade der neue Ansatz ein ganzes Stück weit
www.openohr.de entstresst die Atmosphäre ungemein. Bei uns gibt’s ge- weg ist vom alten Hasenstall und sich damit beides nicht
lebten Chill – und das glaubwürdig. wirklich wehtut.

09.-11. Mai, Festplatz, Hauzenberg bei Passau; Madsen, Asian 10.-12. Mai, Halbinsel Pouch, 06749 Pouch
Dub Foundation, Shantel & Bucovina Club Orkestar, Agnostic Front, Wir Sind Helden, Deichkind, Digitalism, Moonbootica, Klee, Northern Lite,
Nosliw, Turbostaat, Attwenger, Ohrbooten, Fotos u. a.; VVK: EUR 35 Klee, Lexy & K Paul, Moguai, Wighnomy Brothers, Karotte, Troy Pierce,
Alle Festivals, alle Acts, alle Infos: (3-Tagesticket), EUR 22 (Tagesticket Fr), EUR 25 (jeweils Tagesticket Sa & Disco Boys, The Sonic Boom Foundation u. a.; kostenlos;
www.festivalguide.de So), alle Preise zzgl. EUR 5 Müllpfand; www.pfingstopenair.de www.sputnik-springbreak.de
Festivalguide 129

Festivals Leipzig Pop Up


22.-25.05. Leipzig
Hurricane / Southside
NoFX, Beatsteaks, Radiohead,
Obstwiesen
10.-12.07. Dornstadt
Sonnenrot
Chikinki, Donots u. a.
Highfield
Die Ärzte, Sportfreunde Stiller,

im April iXS Dirt Masters


Foo Fighters, Maximo Park, Billy
Talent, The Chemical Brothers, Jazzopen
01.-02.08. Gelting The Hives u. a.
15.-17.08. Hohenfelden
Peter Pan Speedrock u. a. Sigur Rós u. a. Lenny Kravitz, Chicago u. a. Palaverama
Phaenomenale 23.-25.05. Winterberg 20.-22.06. Scheeßel / 11.-19.07. Stuttgart 01.-02.08. A-Gmünd Populario
Die Türen u. a. Neuhausen ob Eck 15.-16.08. Hoyerswerda
22.03.-20.04. Wolfsburg Urban Art Forms Festival Internacional Øya
DJ Hell, Roni Size, Moonbootica, MTV Campus Invasion De Benicàssim 05.-09.08. N-Oslo Eupen Arena
Time Warp 2raumwohnung, Groove Armada, Sportfreunde Stiller, Fettes Brot, 17.-20.07. E-Benicàssim Die Ärzte u. a.
Sven Väth, Richie Hawtin, GusGus, Digitalism u. a. Clueso u. a. Haldern Pop 17.08. B-Eupen
Turntablerocker, Alter Ego, 29.-31.05. A-Wiesen 28.06. Jena, 12.07. Tübingen, Gurten The Flaming Lips, The National,
Moonbootica, Digitalism, Ricardo 19.07. Kiel 17.-20.07. CH-Wabern Foals, Yeasayer u. a. Chiemsee Reggae
Villalobos, Tiefschwarz, Laurent Primavera Sound 07.-09.08. Rees-Haldern Summer
Garnier u. a. Portishead, Public Enemy u. a. Rock Werchter Burg Herzberg Festival Shaggy, Culcha Candela u. a.
29.03.-05.04. Mannheim 29.-31.05. E-Barcelona 03.-06.07. B-Werchter The Waterboys, Motorpsycho u. a. Olgas Rock 22.-24.08. Übersee
17.-20.07. Breitenbach 08.-09.08. Oberhausen
Snowbombing Citadel Music Festival Rototom Sunsplash Mini Rock
Madness, The Pigeon Detectives, Rage Against The Machine, 03.-12.07. I-Osoppo Melt! Taubertal 22.-23.08. Horb / Neckar
Dirty Pretty Things, Calvin Harris, The Chemical Brothers u. a. Björk, Franz Ferdinand, Editors, Die Ärzte, Die Fantastischen Vier,
Foals, Courteeners, Lightspeed 30.05.-31.08. Berlin Roskilde Róisín Murphy, Kate Nash, dEUS, The Hives, Fettes Brot u. a. Deichbrand
Champion u. a. Radiohead, The Chemical Zoot Woman, Stereo MC’s u. a. 08.-10.08. Rothenburg o. d. Tauber Oomph!, Die Happy, Grand
31.03.-06.04. A-Mayrhofen Pinkpop Brothers, Slayer, Neil Young u. a. 18.-20.07. Gräfenhainichen Avenue, Empty Trash, 4Lyn,
Foo Fighters, Rage Against The 03.-06.07. DK-Roskilde Open Flair Jennifer Rostock, Kilians u. a.
WDR Crossroads Machine, Metallica, The Hives, Nuke The Hives, Die Fantastischen Vier, 22.-24.08. Cuxhaven
Festival Counting Crows, The Verve u. a. With Full Force Lenny Kravitz, The Chemical Fettes Brot, Blackmail u. a.
Kristofer Åström & The 30.05.-01.06. NL-Landgraaf Machine Head, In Flames, Brothers, Gentleman u. a. 08.-10.08. Eschwege Rocco Del Schlacko
Rainaways, The Bellrays, Hush Agnostic Front, The Cavalera 18.-19.07. A-St. Pölten Madsen, Deichkind u. a.
Puppies, Beasts Of Bourbon u. a. Zita-Rock Conspiracy, Ministry u. a. SonneMondSterne 22.-23.08. Köllerbach
09.-12.04. Bonn Subway To Sally, Unheilig u. a. 04.-06.07. Löbnitz Summercase Moby, Massive Attack u. a.
31.05. Berlin 18.-19.07. E-Madrid/Barcelona 08.-10.08. Saalburg Rock For Nature
Mayday Open’er Nena, Scorpions, Wir Sind
Paul Van Dyk, Sven Väth, Rock The Race The Chemical Brothers u. a. Amphi M’era Luna Helden u. a.
Westbam, Chris Liebing, Dominik Herbert Grönemeyer, 04.-06.07. PL-Gdingen And One, Oomph!, Deine Lakaien, VNV Nation, Unheilig u. a. 22.-24.08. Wolpertshausen
Eulberg, Moonbootica u. a. Die Fantastischen Vier, Project Pitchfork, Covenant u. a. 09.-10.08. Hildesheim
30.04. Dortmund 2raumwohnung u. a. La Pampa 19.-20.07. Köln Feuertal Festival
06.-08.06. Oschersleben Polarkreis 18, The Fashion, Sziget Subway To Sally, Fiddler’s Green,
Urlaub In Polen, Grand Island u. a. Loveparade Iron Maiden, R.E.M. u. a. Schelmish, Rabenschrey u. a.
Rock im Park / 04.-06.07. Hagenwerder 19.07. Dortmund 12.-18.08. H-Budapest 23.08. Wuppertal
Rock am Ring
Die kommen, Metallica, Die Toten Hosen, Bullet Summerjam MTV HipHop Open c/o pop Open Source
die Festivals For My Valentine, Rage Against
The Machine, Bad Religion,
Shaggy, Clueso, Culcha Candela,
Common u. a.
19.07. Stuttgart 13.-17.08. Köln 23.08. Düsseldorf

Incubus, The Prodigy u. a. 04.-06.07. Köln Berlin Festival FM4 Frequency Area 4
Orange Blossom Special 06.-08.06. Nürnberg / Nürburg 25.-26.07. Berlin R.E.M., Die Fantastischen Die Ärzte u. a.
Girls In Hawaii, Scout Niblett, The Rheinkultur Vier u. a. 29.-31.08. Lüdinghausen
Audience u. a. Greenfield 05.07. Bonn Omas Teich 14.-16.08. A-Hof
08.-11.05. Beverungen Die Ärzte, NoFX, Beatsteaks, Goose, Turbostaat u. a. Summer Spirit
Linkin Park u. a. Wacken Rocks Seaside 25.-26.07. Großefehn Summer Breeze 29.-31.08. Niedergörsdorf
Stadtpark Open R 13.-15.06. CH-Interlaken Motörhead, Machine Head, Helloween, Exodus u. a.
Fettes Brot, Ich + Ich u. a. Saxon, Torfrock u. a. Wacken Open Air 14.-16.08. Dinkelsbühl SWR3 New Pop Festival
09.05.-14.09. Hamburg Nova Rock 05.07. Aurich Iron Maiden, Nightwish u. a. 18.-20.09. Baden-Baden
Rage Against The Machine, Die 31.07.-02.08. Wacken Afrika Karibik Festival
Wave Gotik Treffen Ärzte, Sex Pistols, Incubus, Dour Jan Delay & Disko No. 1, Shaggy, Reeperbahn Festival
Samsas Traum, Chamber, Beatsteaks, Motörhead u. a. Gogol Bordello, Woven Hand, Nachtdigital Gentleman, Ohrbooten u. a. 25.-27.09. Hamburg
Covenant, London After Midnight, 13.-15.06. A-Nickelsdorf The Fall, Blitzen Trapper u. a. 01.-03.08. Cavertitz 14.-17.08. Aschaffenburg
Welle:Erdball, Unheilig u. a. 17.-20.07. B-Dour Enjoy Jazz
09.-12.05. Leipzig Open Air St. Gallen Nature One Pukkelpop 04.10.-15.11. Heidelberg, Mann-
27.-29.06. CH-St. Gallen Splash! 01.-03.08. Kastellaun 14.-16.08. B-Hasselt heim, Ludwigshafen
Pfingst Open Air Werden Shaggy, Dynamite Deluxe, Culcha
Line-up tbc. Glastonbury Candela, Jan Delay u. a. Prima Leben Und Stereo Dockville Popkomm Festival
12.05. Essen 27.-29.06. GB-Pilton 11.-13.07. Pouch 01.-02.08. Freising 15.-17.08. Hamburg 08.-11.10. Berlin

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