Wien Special

Küsse am Praterstern
Blood Red Shoes
Zwischen Grunge und Bristol
Be Kind, Rewind
Gondry dreht nach
Carl Craig
Endstation: Detroit
Fleisch ist mein Gemüse
Heinz Strunk isst fremd
Schlafzimmerblicke aus Oxford
Schlafzimmerblicke aus Oxford
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# 159
April 2008

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ANSAGE NO. 159
»Baba! Bei einem Wien-Spezialheft muss man die Leser mit Baba begrüßen«,
flötet Mode- und Bildredakteurin Amelie Schneider ins Ohr. »Ja klar, wird
gemacht«, bekommt die reizende Mozartkugel zugeraunt, während es in
Gedanken bereits heißt: »Auf keinen Fall!« Auf keinen Fall »Baba«, denn auf den
nächsten Seiten, ihr werdet es sehen, schmeißen wir uns noch aufwendig genug
an die befreundete Kettenraucher-Republik und speziell an Wien ran. Warum
auch nicht? Neben den üblichen Klischees von Architektur, Sahne, Berg, Ruhe,
Todessehnsucht fand sich so viel Berichtenswertes mehr, dass wir gern einen
ganzen Indie-Kultur-Reiseführer herausgegeben hätten. Doch dann hätten
wir ja all die Nicht-Ö-Acts wie Foals, den dicken Rummelsnuff oder Carl Craig
herauslassen müssen. Wäre ebenfalls zu schade gewesen. Insofern passt schon
alles, wie es ist. Und nun also viel Spaß beim hochverdichteten Wien-Special – und
dem ganzen tollen Kram drum rum. Und, okay: Baba!
Kommando zurück. Eins hätten wir doch glatt vergessen: Am 25.03. geht unsere
beliebte Website www.intro.de komplett erneuert an den Start.
Liebe Grüße aus der Kölner Redaktion
Ansage No. 159
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008 + 048
Wien Special
Inhalt159.indd 3 12.03.2008 23:50:00 Uhr
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Inhalt
006

MONITOR
006 Wien Special: FM4
008 Neulich
010 Monitor mit u. a. Rummelsnuff, Blackmail, Smoke Blow, Kenna, Moby, Tegan
And Sara, Motorpsycho, The Kooks
018 Impressum
024

MUSIK
024 Foals
028 Mit / Dillon
032 Blood Red Shoes
036 The Teenagers
038 Navel
040 Calvin Harris
042 Carl Craig
048

WIEN SPECIAL
048 Wien, das geht mit Schoenwetter, Wohnzimmer, Geco Tonwaren &
Hoanzl, Klein, Diskokaine, G-Stone / Ja, Panik
052 Essen mit Austrofred, Tex Rubinowitz und Thomas Edlinger
054 Servicestrecke
056 Mode Shortcuts
060 Produktpalette
062

MODE
062 Markentreffen
063 Brands4Frieds
060

WEITER
064 Film: Michel Gondry: Be Kind Rewind / 54. Intern. Kurzfilmtage Oberhausen
068 Film: Falco / Verdammt, wir leben noch
069 Film: Film-ABC für Österreich
070 Film: Heinz Strunk / Fleisch ist mein Gemüse
072 Neue Filme
076 Neue DVDs
080 Neue Literatur
082 Neue Spiele
086 Neue Technik
089

PROBEFAHRT
089 Charts / Spalter
090 Platten vor Gericht
092 Neue Alben und DVDs
113

DAS GEHT
113 Da geht’s
118 Heimspiel
122 Intro Intim
124 Intro empfiehlt
125 Das geht
128 Festivalguide
130 Katz & Goldt / All The Next
028
Mit
042
Carl Craig
068
Falco
128
Festivalguide
024
Foals
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Wien Special: Monitor
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Wien Special: Monitor
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In Deutschland will man ja gleich seinen Therapeuten an-
rufen, wenn das Wort auf die Radiolandschaft kommt. Zu
deprimierend waren zuletzt die News aus dem Äther. Da
wird allerorts an Ambitionen nicht nur gegeizt, sondern
auch gekürzt. So ist der Zündfunk unter Dauerbeschuss,
stellte der Hessische Rundfunk vor zwei Jahren diverse
Sendungen ein bzw. gestaltet um, und auch beim West-
deutschen Rundfunk wird nicht auf die Macht des Wor-
tes vertraut, wie ganz aktuell die Diskussionen um die Zu-
kunft von WDR3 zeigen.
Ganz anders die Situation in Wien mit FM4. Seit nunmehr
15 Jahren wird hier mit viel Leidenschaft und Fachkom-
petenz und im Auftrag des ORF ein Programm gestrickt,
das in Nischen agiert, dies aber vielseitig und offen tut.
Angenehmer Nebeneffekt: Man hört kein Wehklagen we-
gen Überalterung oder ähnliche Lieblingsthemen der deut-
schen Senderchefs: Wo bei uns Jugendradio meint, dass
alle über 30 gemobbt werden, werden die Promopäckchen
in Wien noch mit 60 und einem fetten Grinsen im Gesicht
aufgerissen. Diese spürbare Euphorie (auch der jünge-
ren Moderatoren- und Redakteurschaft) merkt man dem
Programm an – und das macht den Sender so wichtig für
die österreichische Indieszene: FM4 stärkt das Selbst-
verständnis der lokalen Szene, ist Meinungsmacher und
durch die mannigfaltigen Tätigkeiten der Macher (also
Produzenten, DJs, Autoren ...) zugleich auch Teil davon.
Also so was wie Intro, nur im Äther.
Besonders empfohlen sei noch das “Sumpf”-Format mit
seinem John-Peel-Status und den legendären Typen Fritz
Ostermayer und Thomas Edlinger (siehe “Essen mit” in
dieser Ausgabe).
Überhaupt: Unser Wien-Special startet auf Seite 48.
FM4
INDIE FUNKT
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Neulich
NEULICH:
Band Of Horses, 02.03., Hamburg, Knust, 22:23 Uhr: »Is there
a ghost in my Stromkreis?« fragt sich hinten der Best Boy in
Lauerstellung. Offenbar ja, denn kurz nach diesem Foto kam sein
großer Auftritt bei der Behebung technischer Bühnenprobleme.
Davor und danach: ein souveräner Auftritt von Band Of Horses vor
ausverkauftem Haus. Foto: Jann Wilken
By:Larm, 21.02., N-Oslo, 22:08 Uhr: Alle
Osloer Szene-Clubs und -Gänger sind
voll – das By:Larm hat in Skandinavien
eine Art Völkerwanderung ausgelöst.
Typen mit Metal-Mähne dreschen auf
Elektrogerätschaften ein, hübsche
Mädchen mit Band üben Ausdruckstanz,
und es wird auf Norwegisch gerappt.
Amüsant? Allemal. Nächstes Mal wieder
gerne, Infos unter www.bylarm.no.
Smashing Pumpkins, 22.02.,
Frankfurt, Jahrhunderthalle,
21:13 Uhr: Großartige Songs
werden niemals vergehen. Doch
wenn eine der größten Bands
der 90er-Jahre plötzlich vor
halbleeren Hallen spielt, hat man
auch als Besucher das Gefühl,
dramatisch gealtert zu sein.
Foto: Reiner Pfisterer
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WWW.MELTFESTIVAL.DE
Alter Ego | Battles | Björk | Bonde do Role | Booka Shade
Boys Noize | Burger/Voigt | Cobblestone Jazz | The Count &
Sinden
live
| Crookers | Daniel Haaksmann | dEUS | Die Türen
Does It Offend You, Yeah? | Editors | Efdemin | Ellen Allien
Fotos | Franz Ferdinand | Friendly Fires | Fujiya & Miyagi
Gui Boratto | Gus Gus
live
| Hercules And Love Affair | Hot Chip
Jack Penate | Kate Nash | Kissy Sell Out
live
| Klee | Ladyhawke
Len Faki | Mathew Jonson | Miss Platnum | The Mitchell
Brothers | Miss Kittin & The Hacker | Modeselektor | Mr. Oizo
Operator Please | PeterLicht | Renato Ratier | Sascha Funke
Stereo MCs | Supermayer | Róisín Murphy | The Teenagers
Tobias Thomas | Tomas Andersson | Turbostaat | Uffie & Feadz
The Whitest Boy Alive | The Wombats | Zoot Woman u. v. a.
98./99./20. JULI 2008 FERROPOLIS
EIN FEST VON UNTERSTÜTZT VON
Myyy Bitch Club, 23.02., A-Wien, Laderaum im Badeschiff,
03:50 Uhr: Underaged und overdressed: Fancy Footwork ist
Geschichte. Den New Rave Dance-Contest bestritten die
Einheimischen zu Madonnas »Like A Prayer« und »Short Dick Man«
von 20 Fingers. Schön hier. Im Taxi auf der Heimfahrt läuft Mozarts
Klavierkonzert Nr. 23. Das Adagio. Einfach gefahren werden. Der
perfekte Soundtrack zur erhabenen Kulisse. Foto: Jasmin Baltres
Hobnox Evolution-Party, 28.02., Berlin, Tresor, 23:25 Uhr: Kick-
off-Veranstaltung für das interaktive Portal www.hobnox.com. Die
Preisverleihung (es gab insgesamt 75.000 Euro in drei Kategorien)
war so was wie der Oscar für Raucher, Styler und Post-Slacker.
Hysterie inklusive, zudem hatte man auch Calvin Harris auf der
Bühne. Mehr Start-up-Stardom an einem Abend? Kaum denkbar.
Foto: Arne Sattler
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ch habe es nicht nachgezählt, aber das Wort
»Love« findet auf eurem Album gefühlte
236 Mal Erwähnung. Und trotzdem heißt es
»Konk« – was nach Space-Saga oder Prog-
rock-Album klingt, aber auch der Name eures Studios
(das den Kinks bzw. Ray Davies gehört) ist. Wie kamt
ihr auf die Idee, diesen Namen so durchzuziehen? Luke
Pritchard: Ich mochte die Alliterationen, die das Wort mit
sich brachte: Kooks, Konk, Kinks. Wir saßen rum, hatten
ein paar Bier (zu viel), diskutierten drüber und plötzlich
sagte Hugh: »Lass es uns Konk nennen.« Worauf wir rie-
fen: »Fick dich!« Aber dann spielten wir mit dem Wort
rum, gewöhnten uns an den Klang und fanden Gefallen
dran. Da steckt natürlich kein wildes Konzept hinter –
hat sich also was mit Progrock.
Zweites Album nach so einem Karriere-Traumstart
– da redet man eigentlich von Erfolgsdruck. Aber
»Konk« klingt so locker aus der Hüfte gespielt, als
hättet ihr es von der ersten bis zur letzten Sekunde
geliebt, im Studio zu sein. War dem so?Klar, Mann! Ich
habe es verdammt noch mal geliebt! Worauf willst du hi-
naus? Im Studio zu sein, eigene Musik zu machen – das
ist doch nicht wirklich harte Arbeit. Das ist die absolut
geilste Sache, mit der man sein Geld verdienen kann!
Na ja, es gibt Bands, die erzählen das anders ... Da
gibt’s schon mal Druck von der Plattenfirma, Erwar-
tungshaltungen der Fachpresse, blablabla ... Hör mal
– wir sind nur vier Kids, die es lieben, Musik zu machen.
Es ist nicht unser verdammter Job, bei der Emi Arbeits-
plätze zu retten. Klar, vielleicht läuft es darauf hinaus –
aber das hat uns doch nicht zu interessieren, oder?
Ich sagte es schon: Das Wort »Love« ist fast überprä-
sent auf »Konk«. In »Stormy Weather« singst du sogar
»It feels like love, love, love« – ist das nicht manchmal
ein wenig too much? Nö. Die Liebe ist schließlich eines
der großen Themen der Popgeschichte. Es gibt doch
schon genug selbstgefälliges Gewimmere, so langwei-
lige Scheiße, bei der man laut schreien möchte. Wobei
natürlich auch depressive Songs schön sein können
– aber das muss man können, und das können viele
Bands heutzutage nicht. Für mich soll Popmusik den
Leuten Spaß machen. Sie soll aufmuntern, mitreißen –
wie unser Album. Die Leute sollen sich dazu verlieben –
ach was, sie sollen es hören, während sie sich lieben!
Interview: Daniel Koch
The Kooks »Konk« (CD // Virgin / Emi // VÖ 11.04.). Auf intro.de:
Verlosung. Live in Deutschland vom 17.-22.06.
Super-Indie-Nerd, dich liebt wer!
Oli Ferreira und René Roggmann sind circa die langsamsten Comic’n’Pop-Nerds der
Stadt, ihre Stadt ist dabei Hamburg – und nur weil die Bandverweise der ältesten
Panels mitunter hoffnungslos datet sind, sind sie noch lange nicht schlecht. In »Da-
niel & Oleg« (Zwerchfell, EUR 10) haben sie in jedem Fall die Abenteuer von ihren
schwindsüchtigen Post-Loser-Typen, die eher Slacker als prekär sind, gesammelt. Der
Vorlauf zur abgebildeten Geschichte ist übrigens, dass der lange Typ zu seinem Indie-
Schrecken erfahren hat, seine Freundin könne sich Sex mit Rollins vorstellen.

The Kooks
LOVE, LOVE, LOVE!
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Neu auf intro.de
Neue Videos und Audiofiles von
Jamie Lidell, Gnarls Barkley, The Kooks,
Adam Green, Operator Please, Calvin
Harris, Foals, R.E.M., Nada Surf und vie-
len mehr. Täglich.
Moby
Exklusiv: Moby redet über Politik, den
anstehenden Machtwechsel im Wei-
ßen Haus und darüber, dass die meisten
Amerikaner lieber Popstars im Oval Of-
fice sähen als irgendwelche Politiker. Au-
ßerdem exklusive Interviews mit Gold-
frapp, Los Campesinos!, Mando Diao, Ju-
stice, Stephen Malkmus & The Jicks so-
wie Lang-Versionen der Heft-Interviews.
www.intro.de/spezial/onlinexklusiv
Black Francis
Der ehemalige Pixies-Frontmann Frank
Black a.k.a. Black Francis spielte im
Rahmen seiner Deutschland-Tour eine
Reihe exklusiver Vorab-Gigs in Kneipen,
Bars und auf der Straße. Wir waren in
Köln dabei.
Bildergalerie: Fashion Victims
Die größten Mode-Opfer in Pop und an-
derswo: von Hot Chip bis The White Stri-
pes, von The Polyphonic Spree bis Kriss
Kross ...
Neues aus der Community
Mixtape-Spaß galore, passend zum Ös-
terreich-Special: die besten Songs über
Wien. Und auch: die besten Songs über
Wein. Auch gut: 1001 Songs über Hunde.
Wuff wuff. www.intro.de/spezial/com-
munitynews
Wien Spezial
Noch mehr Österreich. Mit exklusiven
Interviews zu Monochrom, Siluh und
Soap And Skin.
Videoblog
Wieder da bzw. immer noch: die Kolle-
gen Volkmann und Flore im Kölner Büro
mit Neuigkeiten aus der Intro-Redakti-
on. Die Festivalguide-Redakteure Fust
und Koch mit den Platten der Woche. Da
schau her!
Monitor
011
Zuletzt riefen wir an dieser Stelle auf, Variationen ein-
zusenden, auf denen ihr euch als Teil von Plattencover-
Artwork verdingt. Was da alles zustande kam, findet sich
seitdem mit regelmäßigen Updates unter www.intro.de.
Join the show, klick deine Bilder rein (cover@intro.de).
Hier nun noch mal weitere Varianten der fröhlichen Ko-
pisten-Party, diesmal ohne Hüllen im Bild: Daniela Bur-
ger stellt in dem Buch »Shramps« (Verbrecher Verlag)
das Picknick der Blumfeld-Rückseite nach. Ein Freund
des Intro-Chef-Autoren Arno Raffeiner macht
einen auf Giorgio Moroder inklusive Schnauz-
bart, Jens Friebe covert sich selbst, und der
Logintro Brotvielfalt war mit seiner Promi-Cli-
que im Streichelzoo – die Beach Boys und die
Ziegen haben’s ihm gedankt.
CUSTOMIZE
MY COVER
DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK
Mehr Wien, mehr Ö, mehr alles!
Passend zum verspäteten Mozartjahr im Intro gibt es auch eine exklusive
Download-Zusammenstellung für Euch. Das heißt unter www.intro.de/aman
könnt ihr euch Tracks runterladen, die unser Ö-Special noch weit reichender
illustrieren. Und das Ganze komplett for free sowie mit Tracks von Monk, Ja,
Panik, The Curbs, Son Of The Velvet Rat, Waldeck, Parov Stelar, Texta, Soul-
chemistry, Rodney Hunter, Karl Moestl, Sally Shapiro, Bunny Lake, Susanna
Ridler, Trouble Over Tokyo, Convertible und Russkaja.
159_Monitor.indd 11 13.03.2008 1:01:44 Uhr
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eim Hören des neuen Motorpsycho-Albums
fragt man sich unweigerlich: Ist Rock’n’Roll
wirklich tot? Von Jason Pierce, Kopf der
Band Spiritualized, ist überliefert, dass er
Rock’n’Roll als authentische Form seit 1975 als gestor-
ben ansieht. Möglich wären heutzutage nur noch Zi-
tate und Paraphrasierungen. Wie wird das in Norwegen
gesehen?
Bent Sæther: Das Alphabet hat nur eine begrenzte Anzahl
Buchstaben, die Oktave eine begrenzte Anzahl Noten. Ob
Dinge funktionieren, hängt davon ab, wie man sie mitei-
nander kombiniert. »Authentischer« Rock’n’Roll wäre für
mich Eddie Cochran und Chuck Berry und eher ein kultur-
anthropologischer oder kulturgeschichtlicher Gegenstand
als irgendetwas anderes. Trotzdem läuft es mir den Rücken
herunter, wenn ich »Ace Of Spades«, »Hells Bells«, »Freak
Scene«, »Negative Creep«, »No One Knows«, »Devils Hair-
cut«, »Main Offender« und wahrscheinlich ein paar Dut-
zend mehr Songs höre. Genauso wie wenn ich einen groß-
artigen »authentischen« Rock’n’Roll-Song höre. Es wohnt
beiden also etwas grundsätzlich Gemeinsames inne. Für
mich ist das definitiv eine Energiesache, keine stilistische
Angelegenheit. Ich bin einverstanden mit der These, dass
ab ca. 1975 der Blick von Rock’n’Roll eher rückwärts als
nach vorn gerichtet war, im Gegensatz zu Punk. Wäre die
Alternative die Zukunft, die REO Speedwagon und Styx
repräsentierten, würde ich lieber ausschließlich zurück-
blicken. Impliziert Pierce aber, dass Rock mit dem Ge-
schichtsbewusstsein auch seine Reinheit verloren hätte
und damit irgendwie zu einer Meta-Kunstform geworden
wäre, hat er sich, wie ich fürchte, vertan: Ich wette, dass
alle bekannten Meister jedweder Kunstform ein tief grei-
fendes Wissen über das hatten, was vorausgegangen ist.
Das muss so sein, denn nichts kommt von alleine. Sollte
Wissen irgendwie in Konflikt mit Authentizität stehen, habe
ich wirklich eine Menge Dinge im Leben falsch verstanden.
Ich würde wetten, dass das, was z. B. einen Lappländer
ausmacht, sein Wissen über alle lappländischen Dinge ist:
Dieses Wissen macht ihn zu einem Lappländer. Anders ge-
sagt: Weil man Rock kennt, ist man ein Rocker. Man wird
nicht als solcher geboren – auch wenn Bon Scott womög-
lich anderer Meinung ist!
Die Frage stellte Joachim Henn
Motorpsycho »Little Lucid Moments« (CD // Stickman / Indigo).
Live in Deutschland am 30.+31.05.
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Monitor
Intro Vor Elf Jahren
Ausgabe #43:
April 1997
Titel: Dinosaur Jr + ein
unbekannter Hund
Interviews mit: Rol-
lins Band, Laurent
Garnier, Shihad,
Moby lettes, Cake,
Trans Am
Erster bei »Platten vor Gericht«: James
»Whiplash«
Letzter bei »Platten vor Gericht«: Sabri-
na Setlur »Die neue S-Klasse«
Aus den Charts: Daft Punk »Homework«,
Mary J Blige »Share My World«, Motor-
psycho »Angels And Demons At Play«,
Stalin »Weißer Müll«
Zitat: »Völlig beknackte Musik ist dies,
wenig ansprechend und dröge [...] ge-
nug gelangweilt.« Tja, so mies kommt im
Regionalteil das erste Demo von Kirmes
aus Münster weg. Es hieß »Kunststoff
und Trivialliteratur«. Dass sich aus der
Asche von Kirmes mal Jahre, Jahre spä-
ter Die Türen zusammensetzen würden –
der Rezensent konnte es nicht ahnen. Es
wäre ihm wohl auch egal gewesen.
Spektakel: David Bowie »Earthling«, La-
tryx »The Album«, Workshop »Meiguiwei-
sheng Xiang«, Cake »Fashion Nugget«
Besondere Vorkommnisse: Als Juro-
rin bei »Platten vor Gericht« agiert das
bayrische Cowgirl Nicki. Sie benutzt
Worte wie »flott« oder »Fete«. Zudem
taucht eine Proto-Version der heutigen
Technik-Rubrik auf. Mit »Studiobege-
hung« sowie »Warentest« erschließen
die Intro-Role-Models Fust und Glietsch
visionär jene Schauplätze, die Jahre
später zum Standard in Pop-Magazinen
werden sollen. Gut, man muss bei allem
Selbstlob erwähnen, dass sich diese Ur-
form hier auch ganz schnell wieder ein-
gestampft fand.
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Grüße aus
New York
Von Moby
Was ist toll an deiner Stadt? Durch die
Bürgermeister Guiliani und jetzt Bloom-
berg hat sich einiges verändert: NY ist
ziemlich sicher geworden. In den 70ern
und 80ern hattest du gute Chancen, an-
gegriffen zu werden auf offener Straße.
Und was ist scheiße? New York ist wahn-
sinnig teuer. Viele Künstler müssen weg-
ziehen. Früher hast du als Musiker,
Künstler, Autor einfach jenseits der 14th
Street in Manhattan gelebt. Jetzt ziehen
alle nach Queens, Brooklyn oder sogar
Jersey. Deprimierende Entwicklung.
Welches New-York-Klischee stimmt?
New Yorker misstrauen den Amerikanern
– Amerikaner misstrauen den New Yor-
kern. Wegen der Klischees. New York ist
multikulturell, voller Homosexueller, vol-
ler Schwarzer, voller Latinos, voller Ara-
ber. Deswegen liebe ich New York. Der
Rest der Amerikaner denkt: Das ist doch
seltsam und falsch! In Oklahoma ist je-
der weiß, jeder hört Country-Musik und
geht am Sonntag in die Kirche. Alles, was
anders ist, wirkt auf diese Leute bedroh-
lich. Deswegen mögen die auch Bush
oder McCain – die haben vertraute Ge-
sichter. Die Leute in diesen Staaten ha-
ben Angst, dass sich die Welt verändert
– und sie ausgeschlossen bleiben.
Der beste Club? NY hat Myriaden von
Bars und Clubs. Aber: Die Bars sind alle
klein, die Clubs sind alle riesig und für
Touristen. Deswegen habe ich diese ei-
gene Reihe namens »Degenerates« im
Hiro Ballroom im Meatpacking District,
in der ich vor allem für New Yorker aufle-
ge in einem Laden, der nicht zu klein und
nicht zu groß ist.
Das schönste Restaurant? Ich weiß
schon, worauf das abzielt. Aber ehrlich
gesagt hat sich da einiges geändert in
den letzten Jahren: Ich trinke – zu oft und
zu viel –, ich bin längst kein strikter Vega-
ner mehr, ich nehme manchmal Drogen,
date auch die falschen Leute. Ich bin ein-
fach nicht mehr so strikt wie früher. Am
besten kauft man sich das Time Out Ma-
gazine. Es ändert sich alles so schnell.
Ein Club, der heute noch geil ist, kann
nächste Woche schon scheiße sein.
Welche Künstler aus deiner Stadt be-
wunderst du? Ich habe während einer
Karaoke-Nacht eine Sängerin namens
Nabeelah kennengelernt. Ihr Englisch
ist schlecht, aber sie hat eine großar-
tige Präsenz, mit ihr habe ich dann einen
Song namens »Hyenas« aufgenommen
für mein Album.
Was hast du sonst so vor? Wenn ich zu-
rückkomme, will ich eine Punkband grün-
den mit einigen Freunden. Die spielen bei
den Bad Brains und den Cro-Mags.
Moby »Last Night« (CD // Mute / Emi // VÖ 28.03.)
S
eit wann gibt es Michelle? Michelle Records
wurde 1977 eröffnet.
Wer hat bei euch schon alles im Schaufen-
ster Musik gespielt? Es wären einfach zu viele
Bands, um sie alle aufzuzählen, hier ein paar Beispiele
der bisherigen Gäste: Absolute Beginner, Art Brut, Bag-
gio, Bernd Begemann, Britta, Calexico, CocoRosie, Chuck
Ragan, Giant Sand, Go-Betweens, Goldfrapp, Jens Friebe,
Kante, Kettcar, Minor Majority, Nada Surf, Peaches, Sonic
Youth, Tomte, Weakerthans.
Gibt es eine schöne Anekdote zu diesen Schaufenster-
konzerten? Unsere beiden »The Original Schaufenster
Konzert Series«-Sampler beinhalten tolle musikalische
Anekdoten. Nummer #2 ist soeben erschienen, der erste
Teil unserer Serie bald ausverkauft. Ansonsten: Das erste
Konzert mit Violent Femmes auf selbst gebasteltem Papp-
karton-Schlagzeug mit all den verrückten Musikern war ein
spaßiges Highlight.
Was sind eure aktuellen fünf Topseller? Cat Power, Get
Well Soon, Home Of The Lame, Hot Chip, alles von Led Zep-
pelin und Joy Division / Warsaw sowie »The Original Schau-
fenster Konzert Series Vol. 2«.
Wie stellst du dir den Plattenladen 2010 vor? In zwei Jah-
ren wird es immer noch Plattenläden geben, definitiv und
auch darüber hinaus. Diejenigen, die nicht nur rumjam-
mern, sondern was anbieten, werden überleben. Es gibt
genügend begeisterungsfähige Leute, die einfach gute
Musik haben wollen. Bei uns bekommen die genau das,
und wir werden weiterhin den Kulturauftrag ernst neh-
men und unsere Kunden mit gutem Sound (ohne MP3-Te-
lefon-Quatsch-Sound) und musikalischen Inhalten versor-
gen. Letztendlich entscheiden es die Leute in der jeweiligen
Stadt, ob sie sich den geilen, saubilligen Märkten und der
überteuerten Amazon-Krake hingeben oder Strukturen
unterstützen wollen, die Musik und Künstler abseits von
gekauftem Hype auf- und ausbauen wollen. Das Kartell
lauert überall, ihr habt die Wahl, ... noch!!
Michelle Records, Gertrudenkirchhof 10, 20095 Hamburg
www.michelle-records.de
»Ich finde es eine asoziale
Sauerei von Bushido, dass
er die Hymne meiner Jungs
von Dimmu Borgir, die
mich vor dem Selbstmord
bewahrt haben, so beklaut
und die Band dadurch
beleidigt.«
So zu lesen von einer Jessica auf den Leserbrief-Seiten
bei den Kollegen vom Metal Hammer (Feb 08). Es geht vor-
dergründig um das von Bushido gerippte Sample auf sei-
nem Song »Mittelfingah«, eigentlich aber um Fan-Wahn
und vereitelten Selbstmord. Solche Briefe bekämen wir
auch gern mal.
Auf Tex Rubinowitz trifft man in unserem Wien-Spezial bei
Tisch (Seite 54). Dort erzählt er vom Fernsehen, dem La-
bel und seinem reinkarnierten Schrullo-Elektro-Projekt
Mäuse. Aber am bekanntesten ist er vielleicht als Zeich-
ner, seine Miniaturen kann man u.a. aus der Titanic ken-
nen. Und so ungefähr sehen sie aus.
Mein Plattenladen
MIT MICHELLE RECORDS
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meistern. Eigentlich sollten wir das auch
bei der Zukunftsvorsorge machen…“
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Austro-Deutsch
Ach, Österreich. Wer bei unseren Nachbarn nicht im-
mer nur sein Schwarzgeld und die Ski-Hänge be-
sucht, wird bald merken, dass es hier auch die deut-
sche Sprache gibt – im Detail allerdings oft raffiniert
modifiziert.
Paradeiser – Tomate
Topfen – Quark
Ribisl – Johannisbeere
Kren – Meerrettich
Powidl – Pflaumenmus
hackeln – arbeiten
Leiwand – Superaffengeil, du Sau!
Tschik – Zigarette
die Rettung – Sanitäter
Mist – Müll (siehe auch rechts: Das Misttelefon)
Hausverstand – das gute Gewissen eines Hauseigners
(stammt aus der Werbekampagne von Billa)
Billa – so was wie Aldi
Cordoba – schöne Erinnerung der Österreicher an ein
spannendes Fußballspiel 1978
»I drink myself to limits sometimes. I don’t mean to destroy myself, but in those
moments I really feel alive.« Kazu Makino / Blonde Redhead
Solche und andere menschliche wie schockierende Wahrheiten finden sich auf www.99matters.com. In dem
Blog äußern sich unzählige Indie-Stars zu der einen Frage: »What matters to you?«
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Mit Neelix (»Raumschiff Voyager«-Koch)
und HA Schult (Kölner Aktionskünstler)
Zwei wie ihr,
die dürfen sich nie
verlieren
George Dubose
I Speak Music
Du sollst dir kein Bild von mir machen.
Sagt Gott ja immer. Passt auch auf Mu-
sik. Aber nicht auf Bands. Die haben Ge-
sichter, enge Hosen, komische Haare,
kleine Hüte, Schmuck, Wahn etc. Der Fo-
tograf George Dubose bannte so viele von
ihnen in den letzten Jahrzehnten auf Bil-
der, dass es für ganze Bücher reicht. Ge-
rade erschienen »I Speak Music HipHop
– Old School Volume One« sowie »I Speak
Music Ramones« (zu beziehen über www.
george-dubose.com). Und zuletzt stellte
er die classic Bilder der B-52’s für den Ar-
tikel in Intro #158.
D
as Album wurde u.a. von Chad Hugo und
teilweise auch von Pharrell Williams pro-
duziert. Justin Timberlake taucht als
Gastsänger auf. Wie kam es dazu? Chad
ist seit Jahren schon so etwas wie mein musikalischer
Partner und Freund, wir kennen uns noch aus der Schu-
le. Die Neptunes produzieren gewissermaßen das Sound-
gerüst um den Song herum. Sie schreiben keine Songs für
mich, haben aber meistens irgendwelche Ideen, wie man
was verbessern könnte. Die Texte sind jedoch ausschließ-
lich von mir. Mit Justin bin ich auch schon länger befreun-
det. Er kann ja sogar ganz gut Schlagzeug spielen. Ich hat-
te mal die Idee, ihn als Drummer zu engagieren. Das würde
aber wohl nicht nur aus Termingründen schwierig werden.
Warum heißt die Platte »Make Sure They See My Face«?
In älteren Videos war ich prinzipiell nie zu sehen, das ist
jetzt das erste Mal, dass ich als Person visuell wahrnehm-
bar bin. Im Video zu »Say Goodbye To Love« bin ich zum er-
sten Mal wirklich präsent, die Leute sehen also endlich den
Menschen hinter der Musik.
Ist es nur ein Gag, dass du mal den Kilimandscharo be-
stiegen hast? Nein, kein Witz. Ich habe aber den Gipfel
nicht ganz erreicht, weil ich knapp 1000 Fuß davor ziem-
lich krank wurde. Es war die Hölle, gefühlte minus vierzig
Grad, die Bedingungen waren schrecklich. Ich musste dann
ein Medikament nehmen, auf das ich allerdings allergisch
reagiert habe, wir sind dann wieder umgekehrt. Die ande-
ren hatten mich beim Abstieg also noch im Schlepptau.
Text: Sebastian Ingenhoff
Kenna »Make Sure They See My Face« (CD // Interscope / Universal).
Auf intro.de: Verlosung. Live in Deutschland vom 22.03.-01.04.
Der in Äthiopien geborene und in den USA aufgewachsene Sänger und passionierte
Bergsteiger Kenna hat mit »Make Sure They See My Face« gerade sein zweites Album
veröffentlicht. Musikalisch zeigt er sich inspiriert von The Cure über R'n'B bis HipHop.
Kenna
KRANK AM KILIMANDSCHARO
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1. Wodka Chili-Wodka inklusive Pfeffer-Gurke
Ist bei der neuen Platte »Tempo Tempo« irgendwas
anders als bei den letzten Alben? Na ja, die neue Plat-
te ist ja im totalen Wodka-Wahn entstanden ...
Heißt die Platte also »Tempo Tempo«, weil man von
Wodka schnell voll wird? Nein, äh, die heißt so, weil wir,
hm, jetzt Angst haben, dass wir mit unserer Musik, die ja
sehr jugendlich klingt, einfach zu alt aussehen!
Zu ALT? Aussehen?? Okay, dazu passt ja direkt das
nächste Thema: Warum schneidest du nicht mal dei-
nen ganzen Bandkollegen die Haare? Ach so, ja, ähm,
also das hat keinen Sinn!
Die Frage oder das mit den Haaren? Das mit den Haa-
ren! Das wächst binnen Sekunden GENAU SO nach. Also
vor fünf Jahren hatte ich da auch noch Bedenken, aber
mittlerweile denke ich, das ist so eigen, dass es FAST
schon Style hat!
2. Wodka Lenins Blut (Aydo), Honig-Wodka (Senta)
Du, ich wollte da mal noch was klarstellen: Wir sind ja so
als arrogante Band verschrien, sind wir gar nicht! Druck
das jetzt, und zwar in der ganzen Auflage!
Als arrogant? Wieso denn das? Das liegt an den klingo-
nischen Zügen, die die Band so aufweist!
3. Wodka Wieder Chili-Wodka (weil’s so lecker war)
Ihr seid ja eine deutsche Band und könntet es ja ei-
gentlich auch mal mit deutschen Texten versuchen.
Zum Test: Kannst du mal einen Reim auf Deutsch ma-
chen? Mit den Worten »Pichelsteiner Eintopf« und
»Schachbrettmuster«, Vierzeiler vielleicht? »Heute
gab es bei mir Pichelsteiner Eintopf ...«
Du bist doch Vegetarier! Ach
so, was’n das überhaupt??
Irgendwas mit Fleisch halt!
»Heute verweigerte ich ei-
nen ganzen Teller Pichel-
steiner Eintopf, als im Traum
erschienener Vegetarier ging
das nicht gut in meinen Kopf,
da beschäftigte ich mich lie-
ber mit diesem Schachbrett-
muster, denn da kam noch
was rum für meinen Gehirn-
schuster!« Und deswegen
singen wir auf Englisch, ob-
wohl: Ich finde diesen Text
jetzt schon besser als die
Texte vieler vieler anderer
Bands, die es auf Deutsch
probieren und dann doch
keinen Inhalt haben!
4. Wodka Heißt »Oval«, sehr teuer
Warum sollen wir auch Deutsch singen, wenn wir ja alle
gar nicht aus Deutschland kommen?? Ich bin Türke, und
die anderen sind Zigeuner, und die können überall sein,
nur Mario ist deutsch. Aber: Es geht ja auch ein biss-
chen hier um unser neues Album, das ja »Tempo Tem-
po« heißt. Und wir nehmen grad ‘ne Version von »Good-
part« mit ‘ner richtigen Gipsy-Familie auf!
Ich fürchte, das war die einzig sinnvolle Info bisher!
So, und damit hätten wir dann das musikalisch-journa-
listische Dings ja schon mal abgehakt!
5. Wodka Estragon-Flavour
Eine Frage geht schon noch, oder? Welche?
Die hab ich mir noch nicht ausgedacht!! Ich weiß eine:
Warum sind wir eigentlich sooo geil??
Ja, warum eigentlich? Ich WEISS es nicht! Mir ist grad
klar geworden, dass ich nicht auf der Welt bin, um glück-
lich zu werden, sondern zum Arbeiten!
Ich denk, du arbeitest gar nicht! Doch, mein Kopf ar-
beitet die ganze Zeit ...
Blackmail »Tempo Tempo« (CD // City Slang // VÖ 28.03.).
Fünf Wodka mit Aydo
MIT BLACKMAIL AM TRESEN
Im März erscheint das sechste Studioalbum von Blackmail. Nicht nur, aber auch anlässlich
dieses Ereignisses traf Senta Best Sänger Aydo Abay im Kölner Proletarierclub HoteLux. Ohne
zweites »L«, dafür aber mit 60 verschiedenen Sorten Wodka. Foto: Leonie Altendorf
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rain Thrust Mastery« – was ist das denn für
ein Albumtitel? Bitte erklär’s mir, als wäre
ich acht Jahre alt. Wenn es um eine ober-
flächliche Definition geht, ist das eine Non-
sens-Phrase, die einfach groß und bedeutungsvoll klingt.
Es ist bedeutungslos.
Ist es schwer, ernst genommen zu werden, wenn man
in einer Band wie We Are Scientists ist? Komischerwei-
se ist mein Eindruck, dass es die Journalisten sind, denen
es schwerfällt, uns ernst zu nehmen, die Fans nehmen uns
ernst. Ich habe aber kein Problem damit, einerseits als ent-
spannte Indie-Rockband wahrgenommen zu werden und
andererseits als ein Witz. Auch die, die uns für einen Witz
halten, merken, dass wir gute Musik machen.
Andererseits: Wenn man nicht ernst genommen wird, hat
man natürlich auch das eine oder andere Überraschungs-
moment auf seiner Seite ... Wir wollen respektiert werden.
Wir sehen uns nicht als Clowns. Wir nehmen alles, was wir
machen, ernst, und wenn wir Spaß machen, machen wir
das zur Unterhaltung. Wenn wir Interviews geben, wollen
wir zeigen, was dahintersteht. Bei den meisten Indie-Rock-
bands habe ich nicht das Gefühl, dass sie das tun. Was sie
tun, ist, heiße Luft abzulassen, darüber, wie cool sie doch
sind. Ich halte das für Bullshit. Ich denke, es gibt einen Un-
terschied dazwischen, respektiert bzw. verehrt werden zu
wollen, Letzteres ist uns egal. Es scheint manche Leute
wahnsinnig zu machen, dass wir uns keine Gedanken da-
rüber machen, wie cool wir aussehen. Ich unterhalte lieber
jemanden, als von ihm verehrt zu werden.
Ich habe mich letztens mit Eddie Argos von Art Brut un-
terhalten, und er sagte, niemand habe sie ernst nehmen
wollen, bis sie Erfolg hatten. Glaubst du, es ist bei euch
das Gleiche? Ich denke schon. Der Unterschied ist aber:
Eddie möchte ein Star sein. Er verhält sich wie ein Mann
aus dem Volke, aber ich denke, er ist derzeit die einzige Per-
son in der Musik, die ich als Popstar bezeichnen würde. Ed-
die Argos ist, und das meine ich im besten Sinne, einer vom
Schlage Madonna oder Prince. Eine starke Persönlichkeit,
von der man nicht die Augen lassen kann.
Das ganze Interview gibt’s exklusiv auf www.intro.de/
spezial/onlineexklusiv
We Are Scientists »Brain Thrust Mastery« (CD // Virgin / Emi).
Auf intro.de: Verlosung. Live in Deutschland vom 29.04.-08.05.
Die New Yorker We Are Scientists, nach dem Weggang von Drummer Michael Tapper
nur noch zu zweit, legen mit ihrem neuen Album »Brain Thrust Mastery« nach. Peter
Flore traf Sänger und Gitarrist Keith Murray in Berlin und sprach mit ihm unter
anderem über gute Witze. Foto: Christoph Voy.
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Was ist die schlimmste Krankheit, die du je hattest?
Sara: Bei mir gibt es jenseits von Grippe nichts Spannendes
zu berichten. Tegan hatte aber einmal eine Lungenentzün-
dung gepaart mit Keuchhusten. Was es, nun ja, allerdings
noch etwas unangenehmer gemacht hat für sie: Wir waren
eineinhalb Monate ohne Day-off auf Tour mit The Killers
zu der Zeit. Sie war komplett auf Antibiotika, hatte stän-
dig Fieber, aber wir haben sie dazu genötigt, weiter durch-
zuhalten.
Wie wurde das auskuriert? Ganz einfach: Die Tour war ir-
gendwann zu Ende, und sie konnte sich ausruhen. Sie hat
sich dann nicht zu Unrecht beschwert, sie hätte nie eine
Chance auf Heilung bekommen, weil sie immer weiter auf-
treten musste. Meiner Meinung nach haben die Antibiotika
Tegan übrigens lediglich davor bewahrt zu sterben. Besse-
rung haben die keine gebracht.
Welche Krankheit hältst du für überschätzt? Über-
schätzt? Was für ein masochistisches Blatt ist Intro ei-
gentlich? Aber eine Erkältung ist natürlich komplett über-
schätzt, da könnte ich ausrasten, wenn Leute lamen-
tieren.
Wie kuriert ihr den berüchtigten, unvermeidlichen Tour-
schnupfen bei Konzerten im Herbst und Winter? Ich gar
nicht. Ich gehöre zu den Leuten, die glauben, dass Medi-
kamente nicht helfen, sondern nur Symptome zutage för-
dern. Deshalb nehme ich nichts, trinke aber viel Wasser
und versuche, so viel wie möglich zu schlafen. Und damit
fahre ich besser als die Jungs in meiner Band, die immer
Medikamente nehmen und zwei Wochen krank sind, wo es
bei mir nach drei Tagen wieder weggeht. Da raste ich dann
immer aus: »Wann zur Hölle wird es dir eigentlich endlich
mal besser gehen? Sollen wir dir etwa ein Krankenhausbett
organisieren?« Insofern mein Ratschlag: Trinkt viel Wasser,
schlaft viel, nehmt die Krankheit bereitwillig an.
Die Fragen stellte Doktor Felix Scharlau
Tegan And Sara »The Con« (CD // Sire / Warner)
Volker Wittkamp war erst nur Indie-Fan und ist mittler weile
zusätzlich angehender Arzt
Die Diagnose:
»Frau Tegan. Wahrscheinlich hatten Sie sich eine bakteriel-
le Infektion der Lunge durch Pneumokokken eingefangen,
auch Lungenentzündung oder Pneumonie genannt. Übri-
gens die häufigste zum Tod führende Infektionskrankheit in
den Industrieländern, jedoch eher bei Kleinkindern, älteren
Menschen oder immunsupprimierten Patienten.
Der von Ihnen geschilderte Keuchhusten ist eher ein die
Pneumonie begleitender Husten mit rotbraunem Sputum
(Auswurf). Ich werde Sie noch schnell abhören und Ihnen
etwas Blut abnehmen. Dann machen wir noch ein Rönt-
genbild Ihrer Lunge.
Meine Kollegen haben Ihnen ja seinerzeit ein Antibioti-
kum verschrieben, und gegen das Fieber sollte man in so
einem Fall natürlich Paracetamol nehmen. Auch sollten
Sie allgemein viel trinken und sich vor allem schonen.
Keine Widerrede!
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Dreadbelockter Songwriter mit Hobo-
Chic aus Belfast. Nicht adelig.
DukeSpecial »SongsFromTheDeepForest«(V2/Univ.)
Achtung!
Verwechslung:
The Duke Spirit: Noise-Grunge-Rock-
Quintett aus Cheltenham, England.
Ebenfalls eher Straße als Adel.
The Duke Spirit »Neptune« (Pias / Rough Trade)
Immer nur arbeiten und nie feiern: Fotos
unterwegs mit Timid Tiger in Benelux
und England. Das Tourtagebuch gibt’s
auf intro.de.
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W
ie hat man sich den Weg vor-
zustellen von den letzten bei-
den Sterne-Platten zum Soloal-
bum? Von Anfang an gab ja es bei
den Sternen den Kollektivgedanken: Wir machen al-
les zusammen. D. h., es gibt kein Songwriting, es wird
mit Versatzstücken gearbeitet. Und dann bastelt man
gemeinsam eine Songstruktur. Und weil das eine be-
stimmte Beschränkung beinhaltet, die natürlich auch
toll sein kann, habe ich gleichzeitig auch immer das
Bedürfnis nach so einem eher klassischen Song wie z.
B. »Universal Tellerwäscher«.
Wie bist du dann vorgegangen, als klar war, du machst
das jetzt solo? Ich habe mit »Ich geh gebückt« ange-
fangen. Dazu hatte ich eine Vision von sehr schlichter
Rockmusik, die dieses Persönliche beinhaltet. Aber im
positiven Sinne, wie vielleicht die White Stripes Blues
sind: also vom Aspekt des Erzählens aus betrachtet.
Und eben nicht als Liedermacher-Ästhetik. Man muss
dann sehen, dass man eine Ästhetik findet, die immer
noch rockt. Textlich ist der Song ja eher so ein Blues;
mir geht’s scheiße. Und dann am Schluss, woran liegt
das oder woran kann das liegen, und das ist dann die
politische Ebene.
Das Album beginnt, mehr oder weniger, mit Songs,
die aus einer eher isolierten Perspektive verfasst
sind, und bewegt sich immer weiter nach außen –
bis hin zum hypnotisierenden Ausgehlied »Mit all den
Leuten«. Gerade weil die Platte so sehr persönlich ist,
ist das Stück »Mit all den Leuten« der Ausgleich. Ich
glaube, dass das Bedürfnis, sich in ein Massenerlebnis
zu begeben und da mitzuschwingen – sei es ein Rock-
konzert, eine Tanzveranstaltung, eine politische Ver-
sammlung –, damit zusammenhängt, runterkommen
zu wollen von diesem Gedankenzug im Kopf.
Groovt das Stück deshalb so schön? Das ist auch
Glück gewesen. Ich hab das mit dem Laptop program-
miert und dann mit der Band nachgespielt – und das
hat dadurch unglaublich gewonnen. Ich bin sowieso
der totale Groove-Typ. Ich fange häufig mit der Schlag-
zeug-Programmierung an.
Frank Spilker Gruppe »Mit all den Leuten« (CD // Staatsakt / Indigo).
Live in Deutschland vom 01.03.-12.04.
Frank Spilkers Soloalbum ist eine kleine Sensation in diesem Frühjahr!
Alleingänge von Band-Künstlern – Die Sterne gibt es natürlich weiterhin –
münden ja selten in echte Meisterwerke. Genau ein solches aber ist »Mit all den
Leuten« von der Frank Spilker Gruppe geworden. Kein Scheiß. Sandra Grether
besuchte ihn zu Hause, bekam zu Antworten auch noch Kaffee.
Frank Spilker Gruppe
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elche Spiele spielt ihr gerne bei
langen Autofahrten? Für die mei-
sten Gesellschaftsspiele sind
wir schlicht zu blöd. Kürzlich ver-
suchten wir uns im Pokern. Aussichtslos. Wir beschäf-
tigen uns auf langen Autofahrten eher damit, desillu-
sioniert aus dem Fenster zu blicken und uns ab und an
Beleidigungen an den Kopf zu werfen.
Einer von euch heißt MC Straßenköter. Woher kommt
denn der Name? Ja, der ist in der Tat etwas einfalls-
los-doof geraten. Der gute MC möchte damit lediglich
zum Ausdruck bringen, dass er ein recht abgehalfterter
Räuber ist, dem man besser nicht über den Weg trauen
sollte. Stichwort Hotzenplotz!
Jack, du bist auch Kindergärtner. Singst du Lieder
mit den Kindergartenkindern? Wenn ja, welche? Oh
ja, das tue ich. Mindestens zweimal die Woche. Am
liebsten intoniere ich den guten alten Gassenhauer von
Graf Dracula. Und jetzt alle: »Wer hat Angst vor Dracu-
la, wer hat Angst vor Dracula, wenn er erwacht um Mit-
ternacht ...« Gruselige Lieder kommen bei meinen Kids
wirklich am besten an. Öde Hits wie »Der Mond ist auf-
gegangen« interessieren sie hingegen gar nicht.
Papa sagt, in der Nähe von da, wo ihr wohnt, ha-
ben wir vor zwei Jahren Urlaub gemacht. Da hatten
die in einem Zoo so süße Tiger, wo der Papa aber ein
Löwe ist und die Mutter ein Tiger. Kennt ihr die? [Ge-
meint ist offenbar der Zoo in Grömitz mit seinen drei
Ligern.] Das, wo du mit dei’m Papa warst, ist ganz weit
weg von mich. Ich kicke in einer ganz anderen Liger.
Meine Kinder und ich stylen gerne mal lässig im Strei-
chelzoo ab. Ich steh mehr so auf einheimische Tiere,
die man noch anfassen kann. Ziegen, Hausschweine,
Esel, Ponys und dergleichen. Eine Kreuzung aus Tiger
und Löwe ist ja wohl ein bisschen übertrieben. Dach-
te immer, solch seltsam herangezüchtetes Getier gäbe
es nur im Zirkus.
Wenn man schon ein paar CDs gemacht hat, wie hat
man dann Ideen für die nächste? Eine sehr gute Fra-
ge! Ehrlich. Eigentlich nimmt man sich immer diesel-
ben Ideen zur Brust, verpackt sie hingegen komplett
neu und verfeinert somit mehr oder minder seinen
Stil. So wie zum Beispiel bei der Zubereitung einer gu-
ten Spaghetti Bolo. Hier kann man sich nämlich auch
stetig weiterentwickeln. Da denk jetzt erst mal drüber
nach, mein junger Freund!
Findet ihr Fußball gut? Na logisch, du Knallkopf. Wir
wollen ja schließlich wie richtige Männer um die Ecke
biegen. Einer von uns steht aber nicht auf Fußball. Der
mit dem harten Straßennamen. Du kennst doch si-
cherlich Torwandschießen. Bei uns läuft das so: MC
Straßenköter stellt sich an die Wand, und jeder darf
ein paarmal kräftig draufhalten. So doll er kann. Wer
die Beine trifft, erhält einen Punkt, der Bauchbereich
bringt zwei, und wer ihm die Pille lässig zwischen die
Augen zirkelt, knackt den Jackpot.
Ihr schreit auf eurer Platte ja sehr. Geht’s euch denn
nicht so gut? So kann man das sehen, du bist mir ja ein
pfiffiger Kerl. Sei froh, dass du noch so jung bist, denn
je älter man wird, desto schlechter wird deine Laune im
Allgemeinen. Merkste bald selbst.
Werdet ihr bei den schnellen Liedern nicht auch mal
müde, wenn ihr die auf der Bühne hintereinander
spielt? Abermals eine sehr gute Frage. Dies ist näm-
lich für alte Männer wie uns ein verdammt großes Pro-
blem geworden. Vielleicht sollte man in unserem Alter
diese Art von Musik nicht mehr spielen. Da wir jedoch
einen kleinen Tick zu böse sind, um schöne Musik zu
machen, müssen wir diesen Quatsch jetzt durchzie-
hen, bis wir auf der Bühne umfallen. Siehe auch: Lem-
my von Motörhead.
Smoke Blow »Colossus« (CD // Pias / Rough Trade // VÖ 28.03.)
Live in Deutschland vom 18.04.-17.05.
IMMER DIESES KIND
MIT SMOKE BLOW
Jonas Freitag ist mit zehn Jahren jüngster Intro-Mitarbeiter. Damit er aber nicht
wie Britney Spears sein verkorkstes Leben später darauf schieben kann, dass
er keine Kindheit hatte, gaben wir ihm letzte Ausgabe frei. Jetzt muss er aber
wieder ran. Und trifft auf den Kieler Gangster-Punk der Herren Smoke Blow bzw.
auf deren legendären Vortänzer Jack Letten.
Wäre Gustav ein Junge geworden, hätte er Gustav heis-
sen sollen, allerdings wurde sie ein Mädchen und heißt
in echt demnach gar nicht Gustav. Aber als Künstlerin.
Gustav alias Eva aus Wien mag ohnehin das Spiel mit
den Geschlechter-Identitäten: Anfang des Jahres stell-
te sie die Musik für die an Virginia Woolf angelehnte
Gen derfuck-Burleske »Orlanding The Dominant«. Bald
erscheint der Nachfolger zum Album »Rettet die Wale«.
»Irgendwas mit Stadt oder Weg aus der Stadt soll es
heißen, aber es soll nicht heißen, dass es auf dem Land
besser ist. Es geht um das Motiv des Abhauens«, sagt
Eva und trinkt drei fast rohe Eier. Mehr demnächst.
Gustav: Irgendwas mit Abhauen
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Der Exil-Dresdner Rummelsnuff schreibt zu Post-EBM-Songs Texte übers Ringen, die
weite See, über Hunde-Ehre und schwitzige Treue. Wären Laibach Bodybuilder und
statt einer Gruppe nur ein Mann, so ungefähr käme man raus. Ach so, und statt den
Uniformen gibt es martialischste Homoerotik wie sonst nur bei »300«. Felix Scharlau
und Linus Volkmann treffen auf ein muskulöses Feuerwerk der Zeichen.
Rummelsnuff
KOMMINFORM
G
ibt es irgendeine Distanz zu der Figur
Rummelsnuff? Von außen wirkt sie ja sehr
pointiert, sehr erschaffen. Da gibt es kei-
nen Unterschied zu mir selbst, auch wenn
das für viele scheinbar schwer zu glauben ist.
Wie gehst du mit den Missverständnissen um, die Rum-
melsnuff produziert? Als Künstler kannst du auch nicht
immer von jedem verstanden werden. Das wäre ja auch de-
primierend, wenn es so wäre. Ich bin auch nicht empfind-
lich gegenüber Kritik und sicher, dass das, was nicht pola-
risiert, einfach auch langweilt.
Dadurch, dass du die Electro-Marschmusik im Sound
auch brichst, sie nicht so wandmäßig ausformulierst,
entsteht noch eine weitere Reflexions-Ebene. Das mag
sein, obwohl ich zu dem Produzenten Moses Schneider
gegangen bin mit meinen Versionen und ihn gefragt habe,
was man da noch machen könnte. Der hörte sich das an
und meinte: »Lass das bloß genau so.« Ach, und man muss
vielleicht noch sagen, dass er, während er das sagte, am
Boden lag und sich kringelte. Später, als er wieder zu sich
kam, meinte er aber auch, dass es nur so funktionieren
könne – oder ganz minimalistisch, also nur Schlagzeug,
Gitarre. Wie bei Trio.
Und jetzt mal, wo du in dieser Pracht hier vor uns sitzt
und wir bei Intro kaum unsere Handtaschen tragen kön-
nen: Was muss man machen, um endlich muskulöser zu
werden? Die Sportstudio-Mitgliedschaften gibt es be-
reits. Euch fehlt einfach der Arschtritt!
Nein, wir sind eigentlich total die Streber. Seit wann
macht ihr das?
Ein paar Jahre. Aber kein Krafttraining?
Doch! Aber nur zweimal die Woche. Nee, das kann ich nicht
durchgehen lassen, denn es ist gar nicht so entscheidend,
wie oft man es macht, sondern was. Bei mir ist es schon so,
dass ich auch mal eine Stunde nur Schulter mache. Also,
um da was zu formen, muss man sehr spezialisiert vor-
gehen. Mit dem üblichen Ganzkörperprogramm, das so in
Sportstudios herrscht, kommst du nie zu solchen Muskeln.
Man kommt halt einfach in Form, und das ist doch auch
gut. Was aber auf jeden Fall nötig ist, ist ein guter Trainer.
Ich habe selbst einen Trainerlehrgang gemacht. Vor dem Fi-
nanzamt bin ich offiziell Fitnesstrainer.
Und mal unter uns: Wie sieht es aus, den Körper so ans
Limit zu bringen, muss man da nicht nachhelfen? Steroi-
de, Anabolika? Man muss nicht, man kann. Es gibt ja noch
moderatere Möglichkeiten, die auch gut funktionieren. L-
Glutamin, das bekommst du in jedem Sportfachgeschäft
im freien Verkauf, kostet zwar ein Heidengeld, ist aber in
Zeiten von Stagnation zu empfehlen.
Du hast ja optisch auch was sehr Ungetümeskes. Wie
steht es denn aus mit »harte Schale, weicher Kern«?Tja,
so sieht es wohl auch bei mir aus.
Foto: Arne Sattler / Assistenz: Alexander Gusek
Rummelsnuff »Halt durch« (CD // ZickZack / What’s So Funny About /
Indigo). Auf intro.de: Verlosung. Live in Deutschland vom 29.03.-14.06.
022
Monitor
»Berlin! Berlin! Wir fahren nach Berlin!«
Sieg! Finalteilnahme! Die Hauptstadt
kann sich auf was gefasst machen... Aber
Moment. Das Kampfgeheul entstammt
keiner Fangruppe, die ihre Mannschaft
zum DFB-Pokalendspiel supporten will.
Es sind vielmehr die sektlaunigen Da-
men einer Stadttheaterabteilung, deren
Institution zum Treffen der »besten Pro-
duktionen eines Jahres« von einer Kri-
tikerjury nach Berlin eingeladen wurde
und die nun die Lorbeeren verbal formu-
lieren. Eine verständliche Freude, selbst
in so einer irritierenden Form. Der Tri-
umph planiert eben auch gesetzte Um-
gebungen. Wie auch immer: Dieses kurze
Festival mit der hohen Bedeutung für die
Spielbühnen gibt es. Und über die Pro-
grammausrichtung wird – natürlich – arg
gestritten. In diesem Jahr ist man sich al-
lerdings so weit einig, dass eher bereits
etablierte Regisseure mit ihren Inszenie-
rungen eingeladen wurden. Ausnahme:
»Die Erscheinungen der Martha Rubin«,
ein radikales betretbares Langzeitper-
formanceprojekt, aufgeführt in der Halle
Kalk des Kölner Schauspielhauses. Da-
mit wollte die Jury wohl darauf hinwei-
sen, dass sich in Köln am Theater was tut
– was lange nicht so war. Und ja, mit neu-
er Intendanz ist man dort letzten Som-
mer bemerkenswert gestartet. Auch ich
glaube, dass es sich lohnen könnte, da
mal hinzugehen. Zum Beispiel, um den
wirklich grandiosen Hamburger Schau-
spieler und Polizistensohn Fabian Hin-
richs in einer Aufführung zu sehen.
Und wenn die aus eurer Sicht nicht gut
inszeniert sein sollte, könntet ihr durch-
aus richtig liegen. Denn jedes zweite The-
aterstück wird scheiße. Mindestens.
Sorry, euer Kamerun Diaz
Im Theater mit
Schorsch Kamerun
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024
Musik
D
as Foto zeigt eine schmächtige, gräulich-wei-
ße Einbauküche; auf dem Boden zerborste-
ne Spanplatten, Putz, Dreck und einen Hau-
fen nicht weiter identifizierbarer Trümmer, die
Wand zu einem dunklen Nebenzimmer fehlt völlig, nur ein
Türrahmen steht noch. Die Ikonografie sagt: Bombarde-
ment, Gasexplosion, Abrissbirne, Familiendrama. Tatsäch-
lich, so ist vermerkt, hat hier eine Band gespielt – was die
genannten Lösungsmöglichkeiten allerdings auf gewisse
Weise einschließt. Zumindest in diesem Fall.
Yannis Philippakis ist ein wenig stolz auf diese durch-
brochene Wand, die eine Art Emblem der Foals-Geschich-
te geworden ist. Gleichzeitig enttarnt er die legendären
Wohnzimmerkonzerte als Mythos der frühen Tage, auf
den die britischen Medien allzu sehr abfuhren. Es hatte
zwar einige gegeben – wobei »Wohnzimmer« schon fast
zu hoch gegriffen ist, tatsächlich handelte es sich eher
um College-Doppelzimmer oder schmale Flure –, doch
der mediale Vervielfältigungseffekt durch YouTube und
Abschreibepraktiken führten zu ein wenig Übertreibung.
Jedenfalls, was die Quantität der Flurshows betraf; die
Ur-Erzählung über einen euphorischen Mob und ausge-
schlagene Zähne stimmt. »Sieht so aus, als würden wir
von der gleichen Maschine aufgefressen, der wir immer
sehr skeptisch gegenüberstanden. Man kann nicht dage-
gen ankämpfen. Je mehr man das tut, desto tiefer steckt
man drin«, sagt Philippakis, der in seinem atemlosen Ox-
ford-Englisch genauso gerne über die Unmöglichkeit von
Originalität in der Postmoderne wie über Whiskypisse und
die Lebenserwartung von Fischen doziert.
Die Times schliff die Foals hübsch griffig zu fünf
»Oxbridge Drop-outs« ab; tatsächlich waren nur Sänger
Yannis und Edwin Congreave, der Mann für die Tastenin-
strumente, an der Traditions-Uni eingeschrieben.
Turning down the academy / Pop und Elite
Es könnte trotzdem eine gute Geschichte sein: Der Talar
wird abgenommen und dafür ein Gitarrengurt umgehängt.
Wie verhielt es sich wirklich mit der Wissenschaft und dem
Pop? »Oxford macht einfach zu viel Arbeit, um nebenbei
noch eine Band zu haben«, erzählt Yannis. »Aber es ging
nicht nur um ein Zeitproblem: Ich mochte mein Fach,
Foals
SCHÖNE UND
SCHLIMME
TELEFONMO
MENTE
Foals, zu Deutsch Fohlen. Sie sind jung, hektisch und hübsch. Und haben ziemlich viel
Hunger. Alles andere ist wenig fohlenhaft an diesen fünf Briten, die zurzeit vergeblich
versuchen, der Hypemaschine im eigenen Land zu entkommen. Die wiederum
hat zufällig mal etwas für sich entdeckt, das Substanz hat. Und Mathematik. Und
Herzschlag. Dana Bönisch traf zunächst die Pat&Patachon-Besetzung Yannis Philippakis
(klein, laut, singt) und Jimmy Smith (groß, still, spielt Gitarre) in Berlin, später die ganze
Band(e) in Paris. Fotos: Ts74.

Oxbridge
Obwohl die Unis Oxford und Cambridge
traditionell Rivalen sind, was ihre Ruder-
teams betrifft, hat sich dieses Kofferwort
eingebürgert. Noch immer wird Oxbridge
dafür kritisiert, zu wenige Studenten aus
staatlichen Schulen aufzunehmen. 2007
fragte die Philosophische Fakultät im
Auswahlverfahren: »Are you cool?« – und
erwartete vermutlich mehr als ein beherz-
tes »Yeah«.
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Musik
025
1979 Rockstarleben und evangelisches Jugendcamp: Nah wie nie
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026
Musik
aber dieses Wissen ist Macht-Ding war mir unheimlich.
Edwin ist allerdings der wahre Held: Er war der Drittbes-
te in English Literature, das in Oxford wirklich viele stu-
dieren ...« – »... Ohne je zur Schule gegangen zu sein. Sei-
ne Eltern sind Zeugen Jehovas und haben ihn zu Hause
unterrichtet«, wirft Jimmy ein. – »... Und dann hat er ein-
fach aufgehört, von einem Tag auf den anderen, ohne ir-
gendjemandem etwas zu erklären.«
Es wäre indes schön, aber nicht ganz zutreffend, die bei-
den jungen Herren als Akademie-Verweigerer aus Prinzip
zu betrachten. Immerhin: Die Idee von Pop als anti-elitä-
rem Prinzip zieht sich durch Philippakis’ Monologe: »Pop-
musik soll die Leute zusammenführen, nicht spalten: Dar-
um geht es. Die meisten Bands in Oxford sind unglaublich
Avantgarde. Wir wollten etwas schaffen, für das man nicht
irgendwie drinnen sein muss, um es zu kapieren.«
Und natürlich bekommt nicht nur die Avantgarde von
Philippakis was auf den Deckel: »Es scheint mir ein zykli-
sches Ding zu sein, und deshalb entsteht auch nichts Pro-
gressives mehr: Viele englische Indie-Bands leben in einer
Sepia-getönten Modrocker-Postkartenwelt, weil sie auf die
Plattensammlung ihrer Eltern geprägt sind. Wir sind nicht
mit dieser geistigen Architektur aufgewachsen. Ich habe
eher einen Folk-Hintergrund, mein Vater baut traditionel-
le griechische Instrumente. Und Jimmys Eltern sind Bud-
dhisten.« – Jimmy präzisiert: »Buddhistische Steuerbe-
rater.« – »Musikmachen besteht aus so viel mehr als aus
dem Recyclen alter Musik. Alles spielt eine Rolle: Naturdo-
kumentationen gucken, Bücher lesen, Filme sehen.«
Auch Yannis’ Art, über Musik zu sprechen, bewegt sich
weniger auf einer Metaebene als innerhalb der Grenzen
des Gesamtkunstwerkes. Der kleine Mann mit der Tolle
wirkt, als werde sein Kopf von drei Initialzündungen pro
Sekunde gebeutelt, was allerlei verschwurbelte Syntax-
Ausflüge mit sich bringt. Ständig fallen ihm neue Verglei-
che ein, seine Idee eines Sounds oder dessen tatsächliche
Umsetzung zu beschreiben: Die Gitarren sollten klingen
wie Schwärme von Kolibris oder Insekten, die Songstruk-
tur sei wie eine komplizierte Stickerei mit wiederkehren-
den Motiven. Oder wie ein chemisches System, die einzel-
nen Töne und Muster seien wie Moleküle organisiert. Oder
wie ein Bild aus Rasterpunkten: »Wenn du den Song von
Nahem betrachtest und auseinandernimmst, scheint al-
les sehr abstrakt und strukturstreng. Wenn du dann aber
ein Stückchen weiter weg gehst und ihn als Ganzes siehst,
wird er organisch und lebendig.«
Dass davon gesprochen wird, die Musik zu »sehen«, ist
symptomatisch für das Foals-Universum; alles ist mitei-
nander verwoben: Musik, Fotos, Illustrationen und Texte
stehen in einem engen Bezugssystem. So schickt Song-
schreiber Yannis regelmäßig eine Liste von Wörtern oder
Zeilen, aus denen vielleicht Songs werden sollen, an Gra-
fiker Tinhead; der zeichnet, was ihm dazu einfällt.
Tatsächlich lässt sich Yannis’ wilde Metaphorik übrigens
immer nachvollziehen, nur der oben genannte Optik-Ver-
gleich humpelt ein wenig: Schwirrende Rasterpunkte, die
immer neue Muster konstituieren, würden vielleicht eher
passen als ein linearer Zoom-Effekt. In den Songstruktu-
ren, deren Grundsteine Yannis und Jimmy mit Gitarrenloop-
Experimenten an verdrogten Nachmittagen legen, klingt
verschlüsselt ihre Vorliebe für Kölner Minimal Techno mit
– rückübersetzt von Maschinen in Körper, versteht sich.
Natürlich werden Synthesizer benutzt, wird gestückelt
und zusammengesetzt. Dabei kreist jedoch alles um die
Gitarren, die so clean gespielt werden, dass man Yannis
den Kolibri-Vergleich nicht übel nehmen kann – und die
er und Gitarrist Jimmy merkwürdig hoch und eng an der
Brust halten. Fast, als wären sie damit verwachsen.
Your quiet heartbeat, race runner / Machine and body
Ist das nicht eigentlich ein bisschen zu viel Konzept, um
im Tanzfieber dazu Mauern einzureißen? »No, it’s strictly
gut and heart«, versichert Yannis emphatisch, »sehr in-
tuitiv, zumindest zu Beginn des Entwicklungsprozesses.
Später müssen wir es rationalisieren. Wir mögen es, wenn
Form in der Musik hörbar gemacht wird, wie zum Beispiel
Steve Reich das konnte.« Einerseits. Andererseits arbei-
tet das Foals-Labor komplett entgegengesetzt, nämlich
jenseits aller Musiktheorie. Und wieder Yannis: »Wir konn-
ten zu Beginn ja nicht mal richtig Instrumente spielen. Es
ging nur um Sound, um Töne, nicht um Harmonien und Ak-
korde. Das wollten wir uns bewahren; wir versuchen, un-
sere ignorante Herangehensweise zu beschützen. Musik
sollte irgendwie autistisch sein. Und authentisch – auch
wenn das kaum noch möglich scheint. Kennst du die Auf-
nahmen von Alan Lomax? Was diese Leute singen, kommt
direkt aus ihrer Seele. Das ist besser als alles, was Bach
je gemacht hat.«
Gut, wer mit Foals spricht, sollte vielleicht ein Schwein
mit der Aufschrift »Widersprüche und Gegensätze« da-
beihaben. Zum Münzen-Reinwerfen natürlich. Oder sich
eben darauf einlassen, dass hier so manche Dichotomie
stilvoll zertrümmert wird. Immer geht es gleichzeitig um
Chaos und Präzision, Riot und Mathematik – und die Su-
che nach dem Punkt, an dem sich alles trifft: »Wir versu-
chen, so komplizierte Musik zu machen, dass sie schon
wieder simpel ist.« Dass Yannis im Video zu »Hummer« im
Achtziger-Wimbledon-Dress einen Robotertanz performt,
sieht derweil nach inszeniertem Nerdtum aus, hängt aber
angeblich einfach mit Tennis als seiner Lieblingsmetapher
zusammen; auch dabei überschneiden sich schließlich
Technik und Herzensblut. (Mit »French Open« hat Yannis
übrigens seinem persönlichen Tennis-Helden, dem mäßig
erfolgreichen Andy Roddick, ein Denkmal gesetzt.) Besser
trifft diese Kombination nur noch der Songtitel »Mathle-
tics«, der wiederum genauso gut für die gesamte Musik
der Foals in all ihrer schizoiden Großartigkeit stehen könn-
te. Oder gleich ein neues Genre begründet.
Tatsächlich bewegen sich die Oxforder Jungs – und hier
ist das Wort einmal angebracht, denn wir sprechen von
einem Altersdurchschnitt um die 20 – irgendwo an der
Spitze jener Pop-Evolutionslinie, auf der die Tanzmusik
gerade ihre elektronische Kälte verliert, ohne dass je ein
klassischer Liedaufbau im Spiel wäre.
Die Blogger persiflieren gerne den Referenzrahmen, den
man der Band aufdrängen will, und nehmen nebenbei den
großen und den kleinen Mediendiskurs auseinander. An
einem Tag bieten sie Obama großzügig den Trikottausch
an, am nächsten berichten sie über die Reaktion von Clin-
ton: »CNN gegenüber bezeichnete sie uns als Indiepunk-
funk-Müll, [...] in der BBC als Minus The Bear auf Speed
und nicht so gut wie die Battles. Wir möchten uns auf so
ein arthropodes [wurmhaftes] Niveau gar nicht erst be-
geben, Rodham [Mädchenname von Hillary Clinton], und
antworten durch das Medium zeitgenössischer Tanzmu-
sik und fleischbasierter Metaphorik.«
Dass das ewige »It’s all about the music« kein Mantra
für die Journalisten-Mikrofone ist, glaubt man sofort. Bei-
spielsweise nahm die Band ausgerechnet den auf Trans-
gressive veröffentlichten Singlehit »Hummer«, über den
NME und Konsorten bereits in hysterisches Gebell ver-
fallen waren, nicht aufs Album. Er war im Rückblick »zu
Alan Lomax
Liedjäger, musikalischer Feldforscher.
In den 30er-Jahren klapperte Lomax
Amerikas Arbeiterviertel, Gefängnisse
und Arbeitslager ab und nahm vor Ort
Gesänge und Musik auf. Ziel war eine Art
alternative Musikgeschichtsschreibung,
die eine elitistische Kultur in Frage stellte.
Nebenbei forschte Lomax über die Wur-
zeln des Blues, entdeckte Woody Guthrie
und kompilierte eine »World Library Of
Folk Music«.

Texte
Da die Vocals eher als Klangschicht denn
als Gesang zu sehen sind, oft auch in
Form hypnoider Shouts, sind Yannis’ Texte
entsprechend nicht narrativ und strophen-
haft. Umso mehr strahlen die poetisch
wirren Bilder, so man sie versteht. Sogar
Briten haben Probleme. Yannis singt: »A
quiet heartbeat, race runner / you shine
like millions / Oh! Come on.« Ein Fan
hörte: »Choir of harpies, rice runs through
you / Shine my melons / Pokemon.«
Fleischbasierte Metaphorik
... ist nicht grundsätzlich der Interpre-
tationshorizont für Philippakis’ Texte,
sondern bezieht sich auf das Video zu
»Cassius«. Da bastelt die Band ein Mobile
aus Schweineherzen (behauptet Yannis
– sieht nach Rouladen aus) und spielt
z. B. imaginäre Synthesizer. Könnte ein
Kommentar zur Maschinen/Körper-The-
matik sein. Oder auch nicht. Anmerkung:
Der Regisseur arbeitet in einer Londoner
Dönerbude.
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Musik
027
eindimensional« (Jimmy) geraten. Auch die Entscheidung,
»Antidotes« in New York aufzunehmen, hing damit zusam-
men. Yannis: »Andere Produzenten wollten dieses Electro-
dance-Ding aus uns machen, aber Dave Sitek hatte sofort
eine progressivere, zeitlosere Vision. Ich hatte das beste
Telefongespräch meines Lebens mit ihm. In London hät-
te es wieder geheißen: Warner will dies, Warner will das
...« Jimmy: »Außerdem ist in NYC immer Musikgeschichte
präsent: Sonic Youth, die Talking Heads, TV On The Radio
... Die haben alle gemacht, was sie wollten. So let’s fuck
around: Wir wollten Bläser!«
Also beorderte Sitek kurzerhand die Antibalas ins Stu-
dio, ein 12-köpfiges Afrobeat-Orchester aus Brooklyn. Die-
se Idee brachte dem Album nicht nur das letzte große Dis-
tinktionsmoment, sondern zog eine weitere Ebene ein, auf
der sich Elektronisches und dessen größtmöglicher Ge-
gensatz erneut gegenseitig ausleuchten. »Wie Sitek da-
stand und mit geschlossenen Augen die Bläser der Anti-
balas dirigierte«, erinnert sich Jimmy, »das war einer der
besten Momente meines Lebens.« Und Yannis, inzwischen
ein wenig stoned, fährt fort, das Phänomen Sitek einzu-
kreisen: »Er hat eine panoptische Sicht auf die Dinge, er ist
wie der Zyklop ganz oben im Turm, dessen Auge rotiert. Er
öffnete unsere Köpfe, nahm unsere Gehirne heraus, wusch
sie in der Badewanne, tat sie wieder rein, klebte den gan-
zen Kram zu und schickte uns zurück nach England, um
die Musikindustrie von unten aufzumischen. Wir sollten
richtig Ärger machen. Er empfahl mir, bei nächster Gele-
genheit Thom Yorke zu sagen, dass ich ihn liebe, und ihm
dann eine reinzuhauen. Als wir in New York angekommen
waren, hatte er seinen Thron direkt mitten in unserer Mit-
te aufgebaut, wohl wissend, dass wir Grünschnäbel aus
Oxford sind: Fucking listen up, boys. Er wurde so eine Art
Über-Vaterfigur für uns. Genau deshalb mussten wir uns
unser Album auch schließlich zurückholen. Und jetzt re-
den wir nicht mehr mit ihm. Sitek ist so ein Mensch, der
seine eigenen Aufnahmen sabotieren würde, der ein Al-
bum zerstören würde, damit alle darüber sprechen. Er ist
verdammt großartig, aber er hat es am Ende versaut. Ich
korrigiere: Mit Sitek hatte ich nicht nur mein schönstes,
sondern auch mein schlimmstes Telefongespräch – als
ich ihm sagen musste, dass wir mit diesem Mix nicht le-
ben können und ihn neu machen werden.« Jimmy: »Was
er in diesem Moment wohl gerade macht?« Es folgt eine
nachdenkliche Stille. Ungefähr so, als wäre ein heimliches
sechstes Bandmitglied verloren gegangen. Geblieben sind
die von Foals geliebten Bläser, entfernt wurde u. a. der von
Sitek allzu sehr geliebte Hall, der wohl tatsächlich dazu
beigetragen hätte, die Dialektik von Präzision und Wahn-
sinn, Schönheit und Mechanik dann doch in einem schnö-
den Electrodance-Entwurf aufzulösen.
Als sich Yannis später wieder in Rage redet, scheint es
dann fast, als hätte sich Zyklopen-Sitek noch einmal von
ferne eingeloggt: »Unsere Innenwelt ist so viel besser als
die Außenwelt! Und deshalb gehen wir nicht aus! Alles ist
verknüpft, alles ist verbunden! Es ist wie Alice im Wunder-
land! Alles, was dich unglücklich macht, ist auf lange Sicht
gesehen ziemlich gut! Wir werden alle sterben ... Jetzt!«
Air sur la terre / Suchen und zerstören
Oder auch jetzt: Die Fohlen sind in der Pariser Maroqui-
nerie zu Gast und zerlegen fleißig Bühne, Zeitgefühl und
Publikum. Oh, wie sie schwitzen. Hat eben noch jemand
von Mathematik gesprochen? Drummer Jack Bevan, das
rothaarige Burberry-Model, überlebt wahrscheinlich nur
ohne Herzinfarkt, weil er der Jüngste unter den Jungen
ist. Der scheue Jimmy springt unaufhörlich von verschie-
denen Gegenständen. Während sich beispielsweise die
Battles, um diesen eigentlich unangebrachten Vergleich
zu bemühen, mit ihren Instrumenten live zu einer Art Rie-
senmaschine vereinigen, deren Hebelchen ihre synchron
wippenden Oberkörper darstellen, driften Foals gerade-
wegs in Richtung Rockshow.
Die New-Rave-Kinder von Paris probieren sich im Crowd-
Surfen und verlieren ihre beknackten Leuchtstäbchen, die
im Abgang noch ein einziges Mal selbstständig über die
Menge hüpfen. Später werden sowohl ein paar Kinder als
auch Hunderte Stäbchen die Tanzfläche bedecken, zer-
knickt und verglüht – wie bezeichnend. Der doppelte Ret-
ro-Boden der Scheinironie ist durchgetanzt und ward nicht
mehr gesehen. Zumindest hier und heute nicht.
Es folgt der Teil, der für so manche Band nicht weni-
ger anstrengend ist als das Konzert: vor dem Club rum-
stehen, Hände schütteln, trinken. Jimmy schaut verloren
unter seiner Kapuze hervor, während er vor lauter »Great
show, man«-Schulterklopen leicht hin und her gebeutelt
wird. »Wir haben gar keine Zeit, irgendetwas zu verarbei-
ten«, murmelt er, »das hier ist doch ein Film. Oder irgend-
eine Show. Jedenfalls kein Rock’n’Roll.«
Stunden später sitzen einige bei Whisky und Pommes
im Tourbus. Andere knutschen in den Seitenstraßen. Die
Entourage simuliert mit deformierten Baguettes einen La-
serschwertkampf. »Ich habe mich umentschieden«, sagt
Jimmy, »es ist doch Rock’n’Roll, und es lohnt sich.« Dann
klopft er auf die Flanke des roten Doppeldeckers, der sie
in ein paar Minuten, Punkt 4 Uhr 30, nach Reims bringen
wird. »Wir haben noch viel vor.«
Antidotes
Das Album habe, so Yannis, eine be-
sondere Laufrichtung: »Es fängt an wie
eine Pop-Platte, und dann dehnen sich
diese Parameter in der Mitte aus, es wird
komplizierter, und mit Big Big Love und
Like Swimming zerstört sich das Album
quasi selbst.« Und so kann das endlos
weitergehen: »Antidotes« sollte auf keinen
Fall (nur) in Tanzflächeneinheiten zerlegt
rezipiert werden. Denn dafür ist es zu groß
komponiert.
Dave Sitek
Gitarrist bei TV On The Radio, Fotograf,
Maler. Arbeitete u. a. mit den Yeah Yeah
Yeahs, den Liars und aktuell mit Scarlett
Johansson – und sein Ruf eilt ihm voraus.
Philippakis dazu: »Zu sagen, dass Dave
viel kifft, wäre maßlos untertrieben. Er
existiert nur rauchend. Er ist der beste
Produzent, den man sich vorstellen kann
– und völlig wahnsinnig.« Über das Foals-
Album sagte Sitek laut Bassist Walter
Gervers, es habe ihn »Stripperinnen ficken
und Omas erschießen« lassen wollen.
Auf intro.de: Verlosung.
Live in Deutschland vom 03.-07.04.
Intro Intim goes Timewarp mit Foals:
04.04. Mannheim, Maimarktclub
Intro empfiehlt
Foals
Antidotes
CD // Warner // VÖ 28.03.
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028
Musik
Mit / Dillon
ÄPFEL UND
BIRNEN
Mit mit Passanten
159_Musik_Steil.indd 28 13.03.2008 2:46:21 Uhr
Musik
029
S
tockhausen wäre stolz auf die Jungs. Meint je-
denfalls ein vollkommen verzückter englischer
Schreiber, der Mit im Februar im Camden Barfly
erlebte. Was den enthusiastischen Briten auch
dazu veranlasst haben mag, den weltberühmten Kompo-
nisten als Referenz anzuführen, es könnte damit zusam-
menhängen, dass der gute Karlheinz zwar nach eigenem
Bekunden auf dem lodernden Stern Sirius eine heiße Aus-
bildungszeit erlebt hatte und offiziellen Unterlagen zufol-
ge neben Schumis Kart-Bahn in Kerpen geboren worden
ist – gemeinhin geht er jedoch als Kölscher Jeck durch.
Und eben aus dem Provinzkaff Colonia stammen auch
jene Jungs, die im Booklet zum Debütalbum »Coda« ihre
kompletten Namen angeben, so, als stünden sie auf alt-
modischen Fahndungsplakaten: Tamer Fahri Özgönenc,
Felix Stefan Römer und Edi Danartono Winarni.
Wer dauernd nach neuen Verantwortlichen sucht, die
den Inhabern gut sortierter Plattensammlungen mal wie-
der einen Grund geben, ihren reichen Erfahrungsschatz
an passender Stelle funkeln zu lassen, darf »Coda« aus
dem Raster ziehen und die Schreibschablone auflegen.
Mit sind schließlich selbst schuld. Weil sich die Bezeich-
nungen mythischer Fabelwesen – ob Bläck Fööss, Can
oder Kraftwerk – wie von selbst neben Städte wie Köln
oder Düsseldorf schreiben, rotiert die popkulturelle Achse
des Elektronischen und Experimentösen doch als zwei-
schneidiges Schwert zwischen den beiden Metropolen.
Immer ein Thema beim Frühschoppen und letztens auch
Grund für die Ausstellung »Pop am Rhein«, das. Und wäh-
rend es den Rest beim Flüggewerden nach Berlin zog, ver-
schlug es Edi ausgerechnet an die Kö. Kein Wunder also,
dass ein Nerd von der Insel, in dessen Vokabelheft deut-
scher Film wie »F-a-s-s-b-i-n-d-e-r« und deutsche Pop-
musik wie »K-r-a-u-t-r-o-c-k« buchstabiert werden, Mit in
der Köln-Düsseldorfer Gesellschaft verortet.
Zwar sind die Zeiten vorbei, als Can-Mitglied Holger
Czukay auf den Kölner »Cosmic Orgasm«-Partys – mit
De:Bug-Herausgeber Sascha Kösch an den Plattentel-
lern – wie ein verirrtes Gespenst herumlungerte. Dafür
tauchte der lange verschollene Damo Suzuki, einst von
der Straße weg als Sänger von Can engagiert, letztens
leibhaftig im Line-up Von Spars auf, die zuvor mit dem in-
zwischen ausgestiegenen Sänger Thomas Mahmoud ei-
nen an die Loops und Cut-ups der Krautrock-Ära gemah-
nenden Golem namens »Xaxapoya« fabriziert hatten. Die
tektonischen Platten des historischen Areals bleiben al-
so in Bewegung, alte Wanderpfade werden neu ausge-
treten, das Treffen der Generationen muss nicht erst auf
dem Melatenfriedhof stattfinden.
Am schönsten klingt so eine Begegnung der besonderen
Art aber gewiss im Kopf eines englischen Freundes rheini-
schen Kulturguts. Kollege Paul Bridgewater im Wortlaut:
»Frontman Edi – a facsimile of a wide-eyed suburban kid
from a Myazaki animation but with a severe Damo Suzuki
fetish – is a gutsy, electric presence. If it weren’t for Mit, he
would perhaps be making homemade bombs out of Mickey
Mouse alarm clocks and sending them to the Reichstag.«
Abgesehen davon, dass es Karlheinz Stockhausen war,
der nach 9/11 Kunst mit Mord und Totschlag verwechsel-
te, und eine Zwangsradikalisierung von Mit eh völlig ab-
wegig erscheint, stimmt die Beschreibung genau, wovon
ich mich selbst bei Mits Erscheinen auf der Geburtstags-
party der Kölner Stadtrevue sowie bei einem Gig im Raum
für Kunst und Musik überzeugen konnte. Mit »Coda« be-
ginnt aber auch ein neuer Abschnitt in der Bandgeschichte.
Man wollte diesmal anders klingen als zuvor; die Produk-
tion sollte nicht mehr den Anschein eines Demos haben,
die Stimme nicht mehr nach Micky Maus beim G-8-Gip-
fel klingen. Diese Wünsche haben sich erfüllt.
Ein besseres Bild als alle englischen und deutschen
Pop auskenner zusammen haben Tamer und Edi selbst für
den Sound von Mit respektive ihre Performances in petto,
wie sich beim Geplauder in einer dieser nach Kaffee und
Pasta riechenden Filialen der italienischen Mafia heraus-
stellt. So erzählen sie von den Leiden des Drummers Felix
während ihrer Auftritte. Der habe ständig das laute Klicken
auf den Kopfhörern, um hinter der Wall-of-Playback nicht
aus dem Takt zu geraten. Er merke kaum, wann der eine
Song aufhöre und der nächste – klickklickklick – begin-
ne, weshalb sie ihm kurze Signale eingebaut haben. »Es
muss die Hölle sein!« schmunzeln die Kollegen. Ich hät-
te ihnen ja mal davon erzählen können, wie sich das Kla-
cken der Tastatur für einen Schreiber anhört, der einen Ge-
brauchstext abliefern muss und – klackklackklack – nicht
mehr weiß, worüber er überhaupt schreibt. Das wäre aber
selbstentlarvend. Deshalb lieber der Hinweis darauf, dass
die neue strukturelle Eleganz des Mo-Tucker-meets-Ja-
ki-Liebezeit-meets-Adam-And-The-Ants-Getrommels im
Verbund mit den Möglichkeiten des Moog und dem jetzt
auch mal ruhigere Töne anschlagenden Gesang darauf
zurückzuführen ist, dass man sich bei den Aufnahmen zu
»Coda« gegenseitig in Ruhe ließ, ohne es mit der De-
Musik aus Köln oder Düsseldorf steht generell unter
Karnevals-, Krautrock- oder schlicht Avantgarde-
Verdacht. Nur Mit klingen ganz anders, auch
wenn sie ihre Herkunft nicht verleugnen können.
Wolfgang Frömberg traf Tamer und Edi noch
vor dem Hype. Sebastian Ingenhoff huldigt dem
Pop-Nesthäkchen Dillon, das sich aus demselben
Dunstkreis wie Mit von Köln in die Welt abgesetzt
hat. Fotos: Katharina Poblotzki

Pop am Rhein
Der umfangreiche Katalog zur Ausstellung
(herausgegeben vom Kurator Uwe Huss-
lein, 290 S., EUR 24,80) ist im Verlag der
Buchhandlung Walther König erschienen.
Aus dem Inhaltsverzeichnis: Can, Mouse
On Mars, Fehlfarben, Kraftwerk, Der Plan,
S.Y.P.H., Wolfgang Voigt, Superpitcher,
Pow Pow Movement ... Check it out.
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030
Musik
Zusammen mit ihrem besten Freund Tamer Özgönenc, sei-
nes Zeichens Keyboarder von Mit, hat Pop-Nesthäkchen
Dillon vor Kurzem nach Berlin rübergemacht. Zu ihren Köl-
ner Zeiten nannte sich die 19-Jährige noch Ladybird. Da-
mals hatte sie ein paar Songs, die größtenteils aus Key-
boardstandardsounds und Gesang bestanden, auf ihre
MySpace-Seite geladen und für Furore gesorgt. Slut buch-
ten sie als Gastsängerin, und Kitty-Yo forderten gleich ei-
ne EP (die nun in dem neuen Digitalformat des Labels er-
scheinen wird). Die Musik changiert zwischen Lo-Fi-HipHop
und zerbrechlich-elegischen Kinderliedern. Ein bisschen
wie Kelis im Wonderland mit Spielzeuginstrumenten. Die
Texte sind ulkig, leidvoll, trotzköpfig dahingemurmelt. Sie
hat mal erzählt, sie habe eine Aufmerksamkeitsspanne
von vielleicht 15 Minuten, danach müsse sie immer was
anderes machen. »In meinem Kopf befindet sich fast kei-
ne Stille. Meistens sind es Wörter. Oft sind es Melodien.
Manchmal passt Wort auf Melodie. Einmal stand ich im
Badezimmer und habe meine Zähne geputzt. Als ich fer-
tig war, war das Stück Your Toothbrush fertig. Little Pige-
on zum Beispiel haben mein kleiner Bruder Aragon und ich
zusammen ausgebrütet. Wir fanden ein Ei und hatten ei-
nes Tages dann eine kleine Taube.« Natürlich ist das nied-
lich – und vom Ansatz her auch Punk. Nicht im Sinne bier-
selig-rockistischer Männercombos, die breitbeinig von den
Bühnenbrettern dieser Welt herunterbrüllen in der Annah-
me, sie seien noch irgendwie subversiv. Sondern weil es mit
einfachsten Mitteln gemacht und bockig dahintremoliert
wird. Auf dem Düsseldorfer Label Combination Records
erscheint Anfang Mai die 7-Inch-Single »Ludwig«. Einen
Ludwig hat sie nämlich anfangs in Berlin kennengelernt.
Seitdem wohnt der bei ihr. Die zusammen mit Tamer neu
arrangierten Stücke findet sie »unnormal tanzbar«. Wäh-
renddessen trällert und klimpert die Taube weiter und hat
wahrscheinlich in der Zeit, in der dieser Text hier entstan-
den ist, wieder fünf neue Lieder aufgenommen. Nicht nur
der Tamer und der Ludwig werden die bald schon unter der
Dusche nachpfeifen. Sebastian Ingenhoff
Dillon
KELIS IM WONDERLAND
mokratie zu übertreiben – und in der One-Man-Show
Namosh einen kongenialen Produzenten fand, der den
Komponenten Luft zum Atmen lässt und trotzdem einen
dichten Soundteppich mit minimalem Muster webt, zu dem
sich tanzen und denken lässt. Habe ich schon den Hinweis
auf die Neue Deutsche Welle, Postpunk und Postrock ge-
bracht – oder die Palais-Schaumburg-Referenz gedroppt?
Ich hab’s wohl gelassen, damit kein falscher Eindruck ent-
steht. Weil es sich bei Mit um eine in der Gegenwart ver-
ankerte Band handelt, die sich zeitgemäßer Mittel und
Wege bedient. Den Moog, das vierte unverzichtbare Mit-
glied, haben sie auf eBay ersteigert – und den Schlagzeu-
ger per Kontaktanzeige kennengelernt. Schon beim zwei-
ten Date hat’s gefunkt. Der erste Kandidat, den Tamer und
Edi nicht wollten, hatte zu viele Teebeutel in der Tasche.
Ein Musiker, der zu viel in der Tasche hat, muss einem ja
verdächtig vorkommen. So viel unausgesprochener Re-
alismus ehrt junge Künstler, die weltweit für Aufsehen
sorgen: »This could be their year. Stockhausen would be
proud of these wonderful boys.« Eine Platte sind sie dem
fürsorglichen Label Haute Areal noch schuldig. Wie wär’s
mit einer Cover-Illu von Gerhard Richter?

Auf intro.de: Verlosung
Intro empfiehlt die Mit-Tour vom 04.04.-24.05.
Intro empfiehlt
Mit
Coda
CD // Haute Areal / Cargo
Dillon
Ludwig
7-Inch // Combination Records
&
C Unseen Sea
MP3 // Kitty-Yo
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032
Musik
Blood Red Shoes
GITARRENGÖT
TIN IN STÖCKE
LSCHUHEN
Dem alten Schuhwerk
Rockmusik begegnen sie
auf Stöckelschuhen und mit
extra dreschenden Gitarren.
Das sensationelle Brightoner
Duo Blood Red Shoes leuchtet
uns den Grunge und lässt
Bubenwangen rot erglühen.
Sandra Grether traf sie gleich
zweimal. Fotografiert hat an
ihrer Seite Christoph Voy.
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Musik
033
Allein in Berlin
Die leuchtenden Gesichter der teils schon grau melier-
ten Männer im Berliner Bang Bang Club, wo die Blood Red
Shoes ihren zweiten Berlin-Gig in Folge spielen, sind wie
die von kleinen Kindern, die heimlich verbotene Türchen
öffnen und vom Adventskalender naschen. Denn die Blood
Red Shoes haben tatsächlich eine Frontfrau, die einen
wieder an das Weihnachtspersonal glauben lässt, dar-
an, dass alles verziehen wird, alles gut wird. Normaler-
weise geht die Rock-Crowd ja nicht für Gitarrenheldinnen
in die Knie. Aber Laura-Mary Carter hat es ihnen angetan!
Die Frauen im Publikum hingegen wirken beleidigt, fast
eifersüchtig, angesichts dieses coolen weiblichen Role-
Models, fühlen sich damit konfrontiert, dass man auch
auf unbürgerlichem Weg – und ohne von führenden De-
signern verkleidet zu werden – auf einer Bühne bejubelt
werden kann. Schlimm, schlimm, wenn darauf die eige-
nen Jungs abfahren: »Mit der würdest du doch sofort ins
Bett gehen, was?« sagt etwa eine Lady säuerlich zu ih-
rem nach vorne drängenden Freund. Es sind halt nicht
nur die Männer daran schuld, dass es Frauen im Rock-
geschäft so schwer haben. Die Augen der Girls sind eine
einzige Dolchstoßlegende. Wenn es nach ihnen ginge, gä-
be es weder das Wahlrecht für Frauen noch die Blood Red
Shoes. Dafür aber jede Menge Blut am Schuh. ≥
Unter vielen in Berlin
Am Tag zuvor, beim Soundcheck in der leeren Columbia-
halle – später werden die Blood Red Shoes hier als Sup-
port von Maximo Park ein furioses Konzert geben –, sind
wir Riot Grrrls hingegen unter uns. Laura-Mary schlurft
in einem ausgeleierten Shirt mit Madonna-Aufdruck auf
die Bühne, Steven trägt einen »Nirvana In Utero«-Pullover
und albert mit dem Soundmischer rum – während Laura-
Mary konzentriert an Verzerrern und dem Amp den opti-
malen Nirvana-Sound einstellt.
Beim darauffolgenden Interview stellt sich heraus, dass
die Blood Red Shoes eine diskursive, offene, humorvolle
Band sind. Laura: »Ich habe mir praktisch noch als Kind
Hole- und L7-Platten gekauft. Allen voran liebe ich die
Babes In Toyland. Ich hatte selbst eine etwas traumati-
sche Jugend. Wir sind 15 Mal innerhalb von London um-
gezogen, ich war auf 15 verschiedenen Schulen. Mein Va-
ter hatte Gelegenheitsjobs, und weil wir uns die tägliche
Fahrkarte mit der U-Bahn nicht leisten konnten, mussten
wir immer dahin ziehen, wo sein aktueller Job war. Damit
ich zu Fuß zur Schule gehen konnte.« Und Steven ergänzt:
»Wenn ich mit Laura durch London laufe, dann sagt sie an-
dauernd: Hier habe ich mal gewohnt und dort.« [lacht]
Der erste Song auf dem vital-aggressiven Debütalbum
»Box Of Secrets« heißt »Doesn’t Matter Much« und ist
Deutschland in den 20ern
»Die Zwanzigerjahre: Tanz am Rande
des Abgrunds und Jahrzehnt der Befrei-
ung. Berlin in den Zeiten der Inflation:
rußgeschwärzte Hinterhoftristesse,
aber auch das Zentrum der Avantgarde
und Eldorado der Frauen, die es in ein
neuartiges, aufregendes Leben drängte:
Vicki Baum und Gabriele Tergit, Helen
Hessel und Dinah Nelken, Anita Berber,
Marlene Dietrich oder Claire Waldoff,
Hannah Höch, Charlotte Wolff, Valeska
Gert, Trude Hesterberg [...] prägten in
der Weimarer Republik das Bild der
Neuen Frau, die mit Bubikopf, kniekur-
zem Rock oder Smoking die morderne
Metropole eroberte.« (Ute Scheub
»Verrückt nach Leben. Berliner Szenen
in den 20er-Jahren« Rowohlt, 2000)
Frauenwahlrecht
Dem Frauenwahlrecht ging ein langer
Kampf der Frauenbewegung voraus,
der bereits im 18. Jahrhundert begann.
Wyoming (USA) führte 1869 als erster
neuzeitlicher Staat das Frauenwahlrecht
ein, in Deutschland erlangten Frauen am
19.01.1919 aktives und passives Wahl-
recht, in Großbritannien am 02.07.1928.
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034
Musik
Huggy Bear
Englische Riot-Grrrl-Band, gegründet
1991 in Brighton, verweigerte Interviews
und Fotosessions mit der Mainstream-
Presse, veröffentlichte eine legendäre
Split-Single mit Bikini Kill, mischte
TV-Serien auf und wurde von der engli-
schen Musikpresse mit den Sex Pistols
verglichen.
einer der wenigen, die der aufgeweckte, blonde, gut
aussehende, zarte Steven singt. Oder, so fragt man sich
zumindest beim ersten Hören, ist das doch die hochener-
getische Stimme der talentierten Sängerin und Gitarristin
Laura-Mary? Kennt man die Band, die in England in den
letzten drei Jahren fünf Singles auf fünf verschiedenen
Homerecording-Labels veröffentlicht hat, noch nicht so
gut, ist man zunächst etwas verwirrt. Bis man versteht:
Hier agieren Musiker mal jenseits der rockistischen Ge-
schlechterklischees, wonach der Mann hart und locker
und die Frau sanft und locker zu sein hat. Und zum Glück
für uns alle sind die Blood Red Shoes dabei authentisch
und aware ob der gesellschaftlichen Sexismen – und re-
den nicht lange um den heißen Brei herum. Laura-Mary:
»Jetzt wird es langsam besser. Früher bin ich dauernd
angeschrieen worden, vom Publikum, von den Mischern
usw., weil ich als Mädchen auf einer Bühne die Gitarre
spiele. Ekelhaft.«
Der Boy gibt sich weiblich; verspielt, in hohen fiebrigen
Sequenzen at home, intoniert er stakkatohaft die leider
etwas phrasenhafte, aber gut dringliche und vielsagen-
de Songzeile: »Find A Reason Why«. Dann beide im Chor
(schreiend): »No no no, no no no.« Es sind optimistische
und orgiastische No’s, aber es sind und bleiben No’s, die
mehr sind als eine knallige phonetische Abwechslung,
wie man das zuletzt bei vielen der aktuellen Rockbands
hören konnte. Nein, nein, nein, nein, nein, nein, ein Teen-
Spirit, der sich mal wieder echt verweigert und dabei ei-
nen echten Schmerz rauslässt, statt ihn auszustellen wie
eine Trophäe, an der statt Blut ein flüssigkeitsarmes Er-
satzpräparat namens Konsens hängt. Als man den Song
schon fast am Ende wähnt, legt Laura noch ein Gitarren-
solo hin, das sich gewaschen hat, dirty und präzise. Über-
haupt spielt Laura-Mary Gitarre wie Gott. Sie malträtiert
die hohen Saiten, lässt einzelne Töne wie Teufelchen mit-
einander ringen, ist sowieso spezialisiert auf schmissi-
ge und spröde Riffs. Denn sie verachtet die »jingly jangly
chords«, die herkömmlichen offenen Akkorde, und spricht
sympathisch-trotzig-abfällig von traditionellem Songwri-
ting als »Folk-Scheiße«. Und für »Folk-Scheiße« ist Laura
zu wütend und zu elegant: Sie möchte rocken. »Sie liebt es,
die Gitarre hart anzufassen und dann zu schlagen«, sagt
ihr Mitmusiker Steven voller Bewunderung für das kleine,
dunkelhaarige, leicht depressiv wirkende Mädchen, das
Augenbrauen zupfend neben ihm sitzt.
Als könnte man die Rippen eines Rocksongs neu einsal-
ben, mit der dritten Spur beginnen und sich einen Dreck
um all das Basics-Fleisch scheren, spielt Laura die ers-
te und einzige Gitarre als tragendes Instrument der Band
wie eine zweite Gitarre in einer voll besetzten Rockband
und, ja, wie einen Bass. Denn natürlich sind es auch die
tiefen Töne, die ihr Spaß machen.
Und ganz sicher ohne die White Stripes
So gesehen haben die Blood Red Shoes, auch wenn’s al-
bern klingt, die Rockmusik in neue Höhen getrieben, zu-
mal sie zudem auch noch den guten alten Blues verach-
ten. Was im Übrigen mit ein Grund dafür ist, warum sie
den Vergleich mit den White Stripes lautstark ablehnen.
Steven: »Nur weil wir auch ein Girl/Boy-Duo sind, werden
wir andauernd mit den White Stripes verglichen. Könnten
sich die Leute bitte mal unsere Musik anhören?« Nun ja.
Ist man nicht auch ein bisschen selbst schuld an so ei-
nem Vergleich, wenn man, genau wie die White Stripes, ein
Farbkonzept im Namen hat und eine Cover-Ästhetik, in der
immerzu ein Gegenstand (Torte, Brille usw.) rot zu sein hat
(nur nie Schuhe!)? Egal. Denn die Blood Red Shoes lieben,
wie gesagt, andere Bands, neben Babes In Toyland sind
das vor allem Huggy Bear und Nirvana, so Steven.
Und das alte Schuhwerk Rockmusik wollen sie schon
gar nicht neu erfinden, ihm aber gern, in Stöckelschuhen
und schwarzen Spitzenkleidchen, den unschuldigen Ex-
orzismus der Jugend einhämmern. Laura: »Ich habe bis
zu meinem 18. Geburtstag nie eine Hose getragen. Was
mich an so Bands wie Babes In Toyland immer fasziniert
hat, war diese Mischung aus ausgestellter Weiblichkeit
und total aggressivem Auftreten.« Und so verwundert es
nicht, dass sie ganz begeistert ist, als ich ihre Art, Gitar-
re zu spielen, mit der von Kat Bjelland von Babes In Toy-
land vergleiche: »Danke! Sie ist meine absolute Gitarren-
heldin. Ich habe sehr viel von ihr gelernt.« Ich umarme sie
flüchtig und gehe endlich mal wieder beschwingt von ei-
nem Interview nach Hause.
Live in Deutschland vom 26.04.-06.05.
Intro empfiehlt
Blood Red Shoes
Box Of Secrets
CD // Cooperative / Universal // VÖ 11.04.

Babes In Toyland
Einflussreiche alternative Riot-Grrrl-
Rock-Band aus Minneapolis, die von
1987 bis 1997 fünf Alben veröffentlichte.
Bekannt für den sog. »Kinderwhore«-Look:
zerrissene Blümchenkleid-Ästhetik bei
gleichzeitigem aggressiven, dramatischen,
lauten Gitarrenspiel und Gesang. Kat
Bjelland ist heute die Leadsängerin und
Gitarristin der Band Katastrophy Wife.
»Jetzt wird es
langsam besser.
Früher bin
ich dauernd
angeschrieen
worden, vom
Publikum, von den
Mischern usw., weil
ich als Mädchen
auf einer Bühne
die Gitarre spiele.
Ekelhaft.«
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Musik
The Teenagers
AGE AIN’T
NOTHING BUT A
NUMBER
Knuffiger ist nur noch Schnuffel aus den Klingeltoncharts
159_Musik_Steil.indd 36 13.03.2008 2:49:02 Uhr
D
ie Eckpfeiler des Teenagers-Universums sind
die Pop- und Trashkultur der Neunziger- und
Nuller-Jahre. Dating-Queen Scarlett »Star-
lett Johansson« ist die Heldin ihrer ersten
Single-Veröffentlichung; die frühe Scarlett wohlgemerkt,
die in Sofia Coppolas »Lost In Translation« als Prototyp
der »Eigentlich sollten wir erwachsen werden«-Genera-
tion schlaflos durch Tokio streift. »Nach ›Lost In Transla-
tion‹ wurde sie zu einer Art Institution«, erklärt Quentin,
weshalb er kein uneingeschränkter Fan der Scarlett der
Louis-Vuitton-Ära mehr ist. »Sie hat jetzt diesen Look-
at-me-I’m-famous-Blick. Früher hatte sie so etwas Un-
schuldiges«, ergänzt Dorian. »Wobei«, wirft Quentin ein,
»sie war ein Kinderstar. Die sind nie unschuldig.« In dem
Teenagers-Song heißt es dazu: »She started at eight on
Broadway.«
Während Scarlett mit 13 neben Robert Redford für »Der
Pferdeflüsterer« vor der Kamera stand, verfolgten die drei
Pariser Vorort-Jungs fasziniert das Leben der Teenager
in der Fernsehserie »Beverly Hills 90210«. »Wir dachten,
das sei real. Jeder in dieser Serie hatte ein Auto, und in
der Schule produzierten sie eine Radioshow. Also dach-
ten wir, in Amerika fährt jeder mit dem Cabrio zur Schu-
le und alle sind DJs. Unser Schulalltag war da vergleichs-
weise lahm.« Der Ausgangspunkt des Songs »Wheel Of
Fortune« ist denn auch die Kultserie aus den 90ern: »If
Shannon Doherty stayed in 90210, maybe she would have
never met Alyssa Milano?«
Die Frage der Fragen, die Quentin und Dorian sich selbst
stellen, ist klar: »Was wäre, wenn wir Weihnachten 2005
nicht zusammen verbracht hätten? Gäbe es die Teenagers
heute nicht?« – »Oder hätten wir uns einfach zwei Monate
später getroffen und einen Song aufgenommen, der Hap-
py Michelle heißt?« – »Oder Fuck Christine?« Manchmal
meint es das Schicksal mit allen Beteiligten gut. Am Ende
des betrunkenen Weihnachtsabends 2005 stand der Song
»Fuck Nicole«, und einen Tag später bastelten Quentin, Do-
rian und Michael ihren MySpace-Band-Account. Dann pas-
sierte allerdings sechs Monate nichts, was u. a. daran lag,
dass Quentin zu der Zeit bereits in London lebte und dort
für das britischste aller Fashionlabels, Burberry, im Ver-
kauf arbeitete: »Paris ist eine wunderschöne Stadt, aber
ich hatte mich dort langsam gelangweilt, für mich gab es
dort keine neue Energie mehr.« Also Flucht nach London,
genauer: Hackney, Ex-Problem-Viertel im Osten der Stadt,
das langsam, aber sicher zu Londons Williamsburg mutiert.
In Hackney sitzt auch ihr erstes Label Merok. Für Scenes-
ter schon jetzt eine exquisite Adresse: Merok veröffentlich-
te »Atlantis To Interzone« von den Klaxons und den zuge-
hörigen Remix des Crystal-Castles-Fricklers Ethan Kath
sowie die erste Crystal-Castles-Single »Alice Practices«.
Als die Teenagers sechs Monate nach der Eröffnung ih-
res Accounts den Song »Homecoming« aufnahmen und
auf ihre Seite stellten, schickte Merok direkt eine Mail mit
dem Angebot, ihn als Single zu veröffentlichen.
Beim Klick auf die Homepage von Merok drängt sich je-
doch unweigerlich die Frage auf, wovon die Band eigent-
lich lebt. Hinter jedem ihrer Kleinode steht seit Ewigkeiten
»sold out«, auch neben dem tasty Schinkenröllchen-Co-
ver der Single »Homecoming«; allein neben »Starlett Jo-
hansson« steht »buy here«. Davon also? Quentin feixt, er
werde mal nachfragen, ob Scarlett Johansson ihnen den
Unterhalt finanziere, während Dorian mir erklärt, dass Me-
rok inzwischen zu XL Recordings gehöre, die in den 90ern
mit The Prodigy groß geworden sind und heute als Label
von Radiohead und M.I.A. bekannt sind: »Daher kommt
das Geld vermutlich.«
Dass »Homecoming« nach wie vor auf Vinyl zu haben ist
(auf der »Maison«-Compilation #5), geht auf das Konto des
Pariser Labels Kitsuné. Klar empfanden es die erklärten
Kitsuné-Fans als große Ehre, vom aktuell stilsichersten
Pariser Label ein Angebot für eine »Homecoming«-Maxi
plus Remixe zu bekommen. »Wir waren vor allem sehr auf-
geregt, weil sie für die Cover der LPs immer Zeichnungen
von den Künstlern anfertigen«, erzählt Quentin. Vom Re-
sultat war er allerdings mit Recht enttäuscht. Als kleiner,
bärtiger Typ im Profil kommt er neben seinen Bandkolle-
gen auf dem Cover unverhältnismäßig schlecht weg. Was
er von der Mode des Labels hält? »Mir sind die Sachen zu
schlicht. Ich besitze gerne ein Teil von Kitsuné, aber ich
würde mich nie komplett in ihrem Look kleiden.« Auf ei-
ne weitere Zusammenarbeit mit dem Label hofft Quentin
aber nicht: »Kitsuné haben diese Goldgräber-Mentalität.
Wenn sie ein Nugget gefunden haben, dann überlassen
sie anderen die weitere Verarbeitung. Na ja, mit Ausnah-
me von Digitalism, die gehören Kitsuné.«
Und deswegen erscheint die nächste Teenagers-Sing-
le »No Love« wieder bei Merok, mit einem Remix der spa-
nischen Band Delorean. Wenn die Teenagers umgekehrt
andere remixen, dann kommen die Tracks von Dorian. Be-
sonders hübsch ist seine Version des Au-Revoir-Simone-
Songs »Fallen Snow«. Von deren Look scheinen auch die
Girls im »Homecoming«-Video inspiriert zu sein. Ziem-
lich Coppola’esk vernaschen sie Cupcakes und schwin-
gen ihre PomPoms zu dem ebenso expliziten wie smashi-
gen Refrain »I fucked my American cunt«. Aus den USA,
wo sie im April und Mai auf Tour sein werden, kamen da-
rauf noch keine kritischen Reaktionen, in die amerikani-
schen Schulradios lädt man sie mit diesem Hit allerdings
vermutlich nicht ein.
Shannon Doherty
... spielte in der Fernsehserie »Beverly
Hills 90210« die Rolle des Landeis Brenda
Welsh. Doherty war als Biest verschrien,
Shirts mit dem Aufdruck »I hate Brenda«
waren damals sehr en vogue. Doherty flog
nach der vierten Staffel raus und wurde
in der Serie »Charmed« zur zauberhaften
Hexe Prue. Auch da flog sie – angeblich
wegen anhaltendem Twist mit Alyssa
Milano, die noch bis 2006 in der Rolle der
magischen Schwester Phoebe Teil der
Serie war.
Williamsburg, New York
Mutierte dank billiger Mieten in den 90ern
vom Arbeiterdistrikt zur Künstlerkolonie.
Radio 4 lebten hier, die Liars und die
Yeah Yeah Yeahs auch, haben dem Hype
allerdings längst den Rücken gekehrt –
wie die meisten ehemaligen Bewohner des
Viertels, die sich die rasant steigenden
Mietpreise nicht mehr leisten konnten.
Musik
037
Auf intro.de: Verlosung. Live auf dem Melt! Festival
The Teenagers
Reality Check
CD // XL / Beggars / Indigo
Sie sind 1981 und 82 geboren, kommen aus Paris und leben heute in London. Als Quentin
Delafon, Dorian Dumont und Michael Szpiner an einem öden Weihnachtsabend die
Band The Teenagers gründeten, waren sie bereits jenseits der Zwanzig. Und ja, sie sind
auf dem besten Wege, Stars zu werden. Sagt nicht nur Christine Käppeler. Foto: Katja Ruge
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038
Musik
Navel
VOM FLIESSBAND
NACH SEATTLE
Grunge ist doch zu dritt am geilsten
159_Musik_Steil.indd 38 13.03.2008 2:52:45 Uhr
Musik
039
W
enn Louisville-Labelchef Patrick Wag-
ner (Ex-Surrogat) über das Debüt seiner
Schützlinge spricht, merkt man: Da ha-
ben sich die Richtigen gefunden, um der
endlosen Erzählung Rock eine neue Wendung zu geben –
und die geht in der Musik als auch im Reden über Musik
eindeutig in Richtung Schnörkellosigkeit: »Das Kaff, aus
dem wir kommen, liegt in der Schweiz. Schön, langweilig,
Absturz, futsch ... Wir sind jung genug, dass ihr uns glau-
ben werdet. Wir sind gelangweilt genug, dass wir nichts
anderes tun außer Rock ... Wir hassen das Scheißperfek-
te, wir schlafen am liebsten auf der Bühne, und wir haben
alle drei dieses unbestimmte Gefühl, nicht sonderlich alt
werden zu müssen«, so Jari Altermatt, zuständig für Gi-
tarre, Gesang und Geschrei.
Treffender lässt es sich kaum ausdrücken. Ferner als
Navel kann man von Zitat, Hipstertum und Imagepflege
kaum sein – obwohl die mediale Aufmerksamkeit im Vor-
feld der Veröffentlichung für einigen Wirbel sorgte: Der
NME beschrieb sie Hype-bewusst als »younger and bet-
ter looking than the Arctic Monkeys while Pete Doherty is
licking their boots for a lesson in Rock«. Zuschreibungen,
die das Trio eher kalt lassen: »Ich finde das okay. Das heißt
nicht, dass ich die Babyshambles für eine schlechte Band
halte. Und das Heft kannte ich vorher gar nicht.«
Sitzt man dem ruhigen, bedächtigen jungen Mann mit
der Cobain-Gedenkfrisur gegenüber, merkt man schnell,
dass es ihm vor allem um Ehrlichkeit geht, um die Musik,
um Energie, um Wut, kurz: um schnörkelloses Rocken oh-
ne Inszenierung. Ihre Konzerte sind eher aus der Intensität
eines Gefühls heraus spektakulär, weniger durch bewusst
geplante Effekte. Sie setzen auf Lautstärke und Kompro-
misslosigkeit und lassen unweigerlich längst vergessene
Nirvana-Shows vor dem inneren Auge auftauchen. Wäh-
rend des Gesprächs erinnert sich Altermatt an einen Gig
in Österreich: »Für uns war es ein ganz mieses Konzert.
Aber der Booker sagte dann, es sei das Beste gewesen,
das er je von uns gesehen habe. Und wir dachten: Na gut,
wenn das so ist. Da hat sich wahrscheinlich eine gewis-
se Wut mit der Energie der Musik hochgespielt, sodass
man es gespürt hat.«
Zurück zum Grunge
Als sich Kurt Cobain 1994 in einer Garage in Seattle ein
Loch in den Kopf schoss, steckten die Protagonisten von
Navel noch in den Kinderschuhen. Und dennoch ist Grunge,
die Anti-Haltung der 90er, wichtiger Einfluss auf ihre Mu-
sik. Vielleicht ist es gerade jetzt angesagt für junge Bands,
dort anzuknüpfen; gerade, da sie sich nicht mehr direkt
auf Grunge als Jetztzeitphänomen beziehen können. Viel-
leicht ist nun die Zeit gekommen für eine neue Gitarren-
rotzigkeit, wie sie sich hierzulande (Jolly Goods), in Eng-
land (Blood Red Shoes) oder eben in der Schweiz (Navel)
jenseits gepflegter Nadelstreifen-Bühnenoutfits andeu-
tet. Und doch muss der Sommer 08 nicht gleich zum gro-
ßen Grunge-Backlash ausgerufen werden, denn laut Rolf
Dieter Brinkmann machen ja zum Glück alle weiter, also
auch die Musik. Auf der Suche nach einer möglichen Be-
nennung des passenden Gefühls zur Musik landen wir
deswegen und nur konsequent bei einer vermeintlich ganz
anderen Bezeichnung als Grunge: dem Blues. »Das ist für
mich eher das Gefühl: Blues. Genauso wie der Albumti-
tel: Frozen Souls. Da hat jeder ein Gefühl dafür, was es
bedeutet.«
Für Altermatt hängt dieses Gefühl zur Musik auch mit
Orten zusammen. Kennengelernt haben sich die drei aus
Erschwil bei Basel am Fließband bei Ricola. Was sich wie
die Plattitüde einer Musikbiografie anhört, war für Navel
Antrieb, herauszukommen aus der Provinz, etwas zu un-
ternehmen gegen diesen Zustand, ihre gesamte Energie,
samt des Drecks, der sich dabei ansammelt, in das Auf-
nahmestudio zu tragen. Für das Debüt ließen sich das La-
bel und dessen junge Band aber trotzdem Zeit: Zunächst
wurden über 100 Bühnen bespielt, im Vorprogramm von
Queens Of The Stone Age und Wolfmother auch die gro-
ßen. Was dann nach zwei Jahren Liveerfahrungen binnen
acht Tagen in einem abgelegenen Studio in Frankreich mit
dem Produzenten Peter Deimel entstand, ist die Essenz
dieser Haltung: Wut und Traurigkeit werden für die Musik
produktiv genutzt, ohne doppelten Boden, ohne Inszenie-
rung, und gerade diese Intensität, die ganz offensicht-
lich in ihrer Roh- und Ungeschliffenheit an den amerika-
nischen Gitarrensound der Neunziger erinnert, wird – wie
sehr lange schon nicht mehr – aufs Angenehmste her-
ausgeschrien. Wenn hier von Blues die Rede ist, dann im
Sinne von Townes Van Zandt, Led Zeppelin, Black Sab-
bath, Soundgarden oder eben auch Nirvana; ein Strom-
gitarrendruck, der in gewaltiger Lautstärke Wut und Me-
lancholie transportiert. Und wenn Navel singen: »I got a
bleeding hand, I got a foreign name, I got a frozen soul«,
nur um gleich hinterherzuschieben: »I got a loaded gun –
we kill you all«, dann ist das, ohne Witz, nicht so gemeint,
wie es da steht, sondern wie es sich anfühlt.
Navel haben ein
unschlagbares
Mittel gefunden,
ihre Musik fühlbar
zu machen.
Intensität. Nun
liegt ihr Debüt
endlich vor. Lutz
Happel sprach
mit Sänger Jari
Altermatt über
die Schweizer
Provinz, Wut als
produktive Kraft
und den Blues
der Stromgitarre
als dem neuen
Grunge. Foto:
Sibilla Calzolari.
Townes Van Zandt
US-amerikanischer Singer/Songwri-
ter. Van Zandt schaffte es über seinen
Kultstatus hinaus nie zu größerem kom-
merziellen Durchbruch. Seit den 90ern
haben zunehmend Musiker aus anderen
Stilrichtungen – u. a. die Tindersticks,
Mudhoney und Norah Jones – Stücke von
ihm aufgenommen.
Live in Deutschland vom 01.-09.05.
Intro empfiehlt
Navel
Frozen Souls
CD // Louisville / Universal
Grunge
Englisch für Schmuddel, Dreck. Oft syn-
onym für den Seattle-Sound verwendet.
Bezeichnet einen Musikstil. Populärste
Referenzen sind Nirvana, Pearl Jam, Alice
In Chains, Soundgarden.
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040
Musik
Calvin Harris
TWO HEARTS
Soft Resistance statt Schottenrock
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Musik
041
M
it Calvin Harris kommt ein quietschbun-
tes Discotier dahergerauscht und stellt
alles auf den Kopf. Er belehrt jene eines
Besseren, die meinen, Glasgow und Um-
gebung böten nur bekümmert daherkommenden Depres-
sivenpop. In seinem Schlafzimmer hat der 24-Jährige hau-
fenweise flippige Electropop-Nummern auf seinem Amiga
arrangiert, die nun gebündelt unter dem leicht hybrid an-
mutenden Titel »I Created Disco« auch in Deutschland
veröffentlicht werden. Klar, dass man da als Interview-
er erst mal einen Scherzkeks erwartet. Jedenfalls kein
Bübchen mit Frisur, das etwas irritiert und verschüch-
tert durch die Gegend blickt ob der Aufmerksamkeit, die
ihm gewidmet wird.
I just can’t get you out of my head
Später am Abend wird er im Tresorclub auf einer Party des
Internetportals Hobnox auftreten, zusammen mit den Pup-
petmastaz und diversen Nachwuchsbands, die sich für die
Endrunde eines internen Förderwettbewerbs qualifiziert
haben. Aber erst mal hat er, wie es sich gehört, in Berlin
Sightseeing gemacht. Na ja, Sightseeing ist etwas über-
trieben. Er hat vornehmlich Bären fotografiert, die er mir
auf seinem Fotoapparat stolz präsentiert: Bärenattrap-
pen, einen als Bären verkleideten Menschen und kleine
flauschige Souvenirteddys, die es in Berlin an jeder Stra-
ßenecke gibt. Die Fotosammlung kommentiert er mit ei-
nem flapsigen »You know, Germany is well-known for its
bears«. Dann grinst er endlich mal.
Das Interview gestaltet sich nämlich schwieriger, als
man angesichts des Videos zu »The Girls« erwartet hät-
te. Dort tanzte er noch salonlöwenhaft vor einer Horde
Perückenmädchen herum, gab den lässigen Partyrocker
und protzte ein bisschen ironisch, dass er sie alle kriegen
würde, die Girls. Im direkten Gespräch ist Harris hingegen
zunächst eher wortkarg, was wohl auch damit zu tun hat,
dass er heute bereits einen regelrechten Interviewmara-
thon zu absolvieren hatte.
Dass das Interesse an seiner Person so groß ist, ist nicht
nur dem Album, sondern auch seiner Produzententätigkeit
für Kylie Minogue, Sophie Ellis-Bextor und Róisín Murphy
geschuldet. Die Zusammenarbeit mit Kylie fand er erqui-
ckend, viel besser als die mit der kapriziösen Róisín. Vor
der habe er nämlich einen Heidenrespekt gehabt, und die
Kollaboration habe sich auch nicht wirklich fruchtbar ge-
staltet: »Sie war nicht unfreundlich oder so, aber schon ir-
gendwie einschüchternd für einen Anfangzwanziger, der
als Produzent einfach noch nicht besonders viel Erfah-
rung gesammelt hat. Mit Kylie war es besser, sie war viel
lockerer und umgänglicher, auch wenn sie rein vom Na-
men her ein viel größerer Popstar ist. Wir waren eine Wo-
che zusammen im Studio und sind glänzend miteinander
Schottland ist musikalisch vor allem für seine Indie-Szene bekannt. Die geriert sich mal
zynisch-melancholisch (Arab Strap), mal entrückt-wolkig (Teenage Fanclub) oder gleich
beides zusammen (Belle & Sebastian). Grell-aufgetragen wurde bislang woanders.
Sebastian Ingenhoff kündet von einem, der das ändern will. Foto: Arne Sattler.
klargekommen.« Róisín Murphy hat letztendlich auch be-
schlossen, die mit Calvin aufgenommenen Stücke nicht
auf ihr Album zu packen. Die Tracks für eigene Produktio-
nen zu nutzen wurde ihm gleichfalls untersagt. »Das war
alles schon ein bisschen ärgerlich, aber ich habe beschlos-
sen, nicht mehr drüber nachzudenken und mich auch nicht
mehr sonderlich aufzuregen«, resümiert er dieses Inter-
mezzo. Mit Kylie hingegen wurde ihm von Seiten der Ta-
bloid-Press sogar schon eine Affäre angedichtet. Keine
Ahnung, ob da wirklich was dran ist, jedenfalls schwärmt
der Junge im Interview ziemlich von der smarten Austra-
lierin und blüht währenddessen sogar richtig auf. Ist ja
gut, Don Juan. Aber wie sollte das denn überhaupt gelau-
fen sein? Schließlich wohnt Calvin immer noch bei seiner
Mutter irgendwo in der schottischen Provinz. Die würde
sich sicherlich freuen über einsfünfzig große Enddreißi-
gerdiven, die morgens im Schlafrock Marmeladentoast
auf den Familienteppichboden krümeln. (»Mum, darf ich
vorstellen: Das ist meine Mrs Robinson.«)
Give me just a little more time
Jedenfalls darf Calvin weiterhin in seinem Zimmer Musik
machen, und das ziemlich erfolgreich. Die Singles »Accep-
table In The 80s«, »The Girls« und »Merrymaking At My
Place« sind allesamt weit oben in den britischen Charts
gelandet, »The Girls« schaffte es gar bis auf Rang #3. Dass
der Schotte an seinem Computer leichtfüßig einen ziem-
lich schmissigen Sound zusammenbastelt, hat sich bis zu
Heidi Klum herumgesprochen. Die wollte »Acceptable In
The 80s« gleich als Trailermusik für ihr Hungerhakendefilee
»Germany’s Next Topmodel« haben. Probleme hat Calvin
damit überhaupt nicht. Er habe das Ganze gar nicht mehr
richtig verfolgt, sondern einfach nur abgesegnet.
Am Abend rockt er dann den Tresor. Live tritt er mit einer
richtigen Band auf, auch seine drahtigen Mitmusiker sind
gut frisiert. Man merkt allerdings auch, dass er, wenn er
mit seinen Jungs auf Tour ist, schon ein bisschen den Na-
poleon spielt. Anders ginge es leider nicht, er sei halt ein
Kontrollfreak. An dem neuen Material arbeitet er deswe-
gen auch wieder komplett alleine; das nächste Album ist
schon zu einem guten Viertel fertig. Und vielleicht zieht er
dann endlich auch mal von zu Hause aus. Aber bekanntlich
kann man Spatzenkinder ja nicht flügge werfen.
Mrs Robinson
... wird in dem berühmten Film »The
Graduate« (1967) von Anne Bancroft ver-
körpert. Die verheiratete, mittelalte Frau
verführt den Schuljungen Dustin Hoffman,
der sich vor lauter Aufregung im Vorfeld
schon dermaßen einen zurechtstottert,
dass der Zuschauer gar nicht glauben
kann, dass da unter der Bettdecke alles
mit rechten Dingen zugegangen ist.
Kylie Minogue
Australisches Soapsternchen und Sän-
gerin. Spielte in der Serie »Neighbours«
zusammen mit Jason Donovan. Stock
Aitken Waterman produzierten für sie
Ende der Achtziger Hits wie »Locomotion«
oder »I Should Be So Lucky«. Ihr bestes
Stück ist nach wie vor das 1994 erschiene-
ne TripHop-Brett »Confide In Me«. Kylie
Minogue veröffentlicht auch heute noch
erfolgreich Platten.
Auf intro.de: Verlosung. Live in Deutschland am 04.+05.04.
Intro Intim Unexplored mit Calvin Harris:
05.04. Berlin, Lido
Intro empfiehlt
Calvin Harris
I Created Disco
CD // Ministry Of Sound / Edel / VÖ 29.04.
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042
Musik
Ein Techno-Pionier zieht Bilanz. Nach über 20 Jahren wird es Zeit für einen Abgleich
zwischen Aura und Alltag. Jonathan Forsythe fotografierte Carl Craig auf einer Rundfahrt
durch seine Heimatstadt Detroit, Arno Raffeiner hat ihn nach den Hintergründen befragt.
Carl Craig
MYTHEN
IN TRÜMMERN
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Musik
043
P
opschreibe bedeutet Aufladung. Es geht um das
Vermitteln, das Suchen und Finden, manchmal
auch das Herbeihalluzinieren von Kontexten,
Zusammenhängen und unerwarteten Querver-
bindungen. Gerade Orte, an denen in Sachen Pop Beson-
deres passiert, werden so schnell durch eine magische
Aura überhöht. Je unspektakulärer oder trister die realen
Gegebenheiten vor Ort, umso stärker muss die auratische
Verklärung knistern. So schön kaputt alles hier! Der My-
thos der Stadt Detroit und ihrer ureigenen Musik Techno
wurde genau deshalb schon oft genug erzählt. Nun soll
also ausgerechnet Carl Craig auf einer Rundfahrt durch
seine Heimatstadt als Zeremonienmeister der Entzau-
berung herhalten?
Sagen wir lieber: als Realist. Zum einen vermittelt sich
seine Persönlichkeit nicht durch Mysterium, Militanz oder
afro-futuristische Erlösungsutopien. Er präsentiert sich
mit einer vernünftigen Portion Selbstbewusstsein als Tech-
no-Star und Allround-Musiker. Zum anderen hält er sich
angesichts der Geschichte und des Stadtbilds Detroits
nicht lange mit Glorifizierungen auf, sondern geht lieber
auf soziale und ökonomische Bedingungen ein, die diesen
Ort genau so haben werden lassen. Trotzdem bleibt da
ein Rest an Geheimnis und mythischer Aufladung, näm-
lich in seiner Musik.
Carl Craig nimmt unter den Detroiter Produzenten eine
Sonderstellung ein. Die Techno-Pioniere Juan Atkins, Der-
rick May und Kevin Saunderson – die berühmten Bellevil-
le Three – treten kaum noch mit eigenen Produktionen in
Erscheinung und bereisen eher als museale Verwalter ih-
rer eigenen Vergangenheit die Tanzflächen der Welt. Wie
die Belleville Three ist Craig ebenfalls seit Ende der 80er-
Jahre dabei, war aber auch in den letzten Jahren sehr pro-
duktiv und steht nach einer nicht enden wollenden Se-
Links: Dieses Gebäude ist um die Ecke von meinem Office. Ich fahre da jeden Tag vorbei. Es ist so groß, dass man es sogar vom Freeway aus sehen kann.
Es symbolisiert die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Detroits – wobei die Zukunft, dem exzessiven Kapitalismus und den Uneinigkeiten geschul-
det, eher ein stetes Auswischen der Stadt ist. Ich liebe dieses Gebäude dafür, dass es mich immer wieder daran erinnert, was wirklich Realität ist, egal,
wie gut es einem geht – das sind die Roots. Oben: Ein Symbol des Scheiterns der drei Großen. Bessere Technologie gleich besseres Produkt.

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044
Musik
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Musik
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rie an Remix-Hits im Zentrum der Aufmerksamkeit. Mit
einer Compilation zieht er nun Bilanz, vorläufig. »Sessi-
ons« ist eine Retrospektive, die Tracks vom Anfang der
90er mit aktuelleren Produktionen, vor allem aber sei-
nen zahlreichen Remixen verbindet.
Diese Mixe fabriziert Craig sozusagen unter dem Ver-
größerungsglas. Er sucht die Originale – die wohl bekann-
testen stammen von den Junior Boys, Theo Parrish, Delia
Gonzales & Gavin Russom – nach ihren kleinsten funktio-
nalen Einheiten ab und baut daraus zunächst nichts ande-
res als einen Groove. Für Tanzmusik würde das im Grun-
de ausreichen. Spannend wird es, wenn Craig auf dieser
Grundlage richtig episch wird, nicht nur im Sinne einer ewig
in die Länge gezogenen Dancefloor-Hypnose, sondern auch
im Sinne einer Erzählung, die Craig oft mit nur minimalen
Variationen aus den Grooves herausholt.
Er erzählt damit auch von der Geschichte Detroits, von
der Stadt, die ihn nach wie vor maßgeblich inspiriert. Im
Gespräch könnte er sich wohl stundenlang über Details
auslassen: über die Veränderungen der einst so inspirie-
renden Radiolandschaft mit Charakteren wie The Elec-
trifying Mojo, über Ron Murphy, den kürzlich verstorbenen
Soundingenieur des Mastering-Studios NSC, und was man
von Murphy alles lernen konnte. Die Ruinen der Stadt sind
für Craig Mahnmale, etwa eine verlassene Fabrik in der
Nähe seines Büros, bei der keine Fensterscheibe mehr heil
ist. »Ich sehe dieses Gebäude jeden Tag. Es stellt für mich
die Geschichte von Detroit dar, die Geschichte eines Ortes,
der eine blühende Industriestadt war und jetzt eben nicht
mehr ist. Solche Ruinen sind Monolithen, aber sie sagen
mir in geschichtlicher Hinsicht das Gleiche wie die Trüm-
mer in Rom oder Griechenland: Es geht um das Erinnern
einer gewesenen Kultur. Diese Fabrik erzählt von einsti-
ger Größe – und sie ist das Gerippe, das davon übrig
Links: Das ist der Hart Plaza – hier findet das Movement Festival statt (früher hieß es Detroit Electronic Music Festival). Mein Lebenstraum ist wahr ge-
worden, als in diesem Park elektronische Musik gespielt wurde. Ende Mai ist die ganze Gegend hinter mir voll mit Musikfans. Oben: Michigan Central
Train Station. Herzlich willkommen in Detroit. In jeder europäischen Stadt wäre das das Stadtzentrum, in Detroit ist es der Anfang vom Ende. Aber genau
deswegen liebe ich die Stadt so. Der Zustand dieses Bahnhofs ist das direkte Resultat des Kriegs gegen die Massentransport-Infrastruktur in den USA.
Alles, was nicht auf Autos hinausläuft, ist der Feind und wurde systematisch zerstört. Damit es den drei großen amerikanischen Autofirmen gut geht.


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046
Musik
Ein Bild aus der »Moderne Kunst«-
Abteilung des Detroiter Institute
Of Arts. Ich bin da als Kind immer
sehr gerne hingegangen, ein tol-
ler Platz, um sich inspirieren zu
lassen. Kunst ist eine genauso
wichtige Inspiration für mich wie
Musik, immer und überall, vor al-
lem dann, wenn man nicht damit
rechnet. Ich liebe es, einen Künst-
ler oder ein Kunstwerk zu entde-
cken, von dem ich vorher nichts
wusste.
Henry Ford
Als Autofabrikant hat Ford Anfang des 20.
Jahrhunderts maßgeblich moderne indus-
trielle Produktionsweisen sowie den nach
ihm benannten Fordismus geprägt. Er
machte Detroit zu einer prosperierenden
Stadt, die jedoch in hohem Grad von der
Autoindustrie abhängig war, was in den
Krisen der 70er-Jahre fatale Auswirkun-
gen hatte.
Berry Gordy
... baute im Detroit der 60er-Jahre mit
Motown eines der wichtigsten schwar-
zen Pop-Labels überhaupt auf. 1972
verschwand er nach L.A., passend zum
Niedergang der Stadt nach Rassenunru-
hen und Finanzkrisen. Das seither leer
stehende Motown-Bürogebäude wurde im
Jahr 2006 abgerissen.
blieb.« Craig ist trotzdem kein Nostalgiker. Auf seiner
Rundfahrt durch Detroit besucht er nur solche Orte, die
heute für ihn relevant sind. Keine ehemaligen Clubs also,
sondern lieber sein Wohnzimmer und sein Studio, Räu-
me, die er als Zufluchtsorte und quasi heilige Bereiche
beschreibt. An einer alten Weisheit aber hält er fest: dass
Techno nirgendwo anders als hier hätte entstehen können.
»Es gibt keine andere Stadt auf der Welt, die wie Detroit
ist. Henry Ford hat hier das Fließband erfunden, und die-
ses Konzept hat Berry Gordy darin beeinflusst, wie er Mo-
town führte. Gordy wollte ohne Unterlass Musik produzie-
ren und sie konstant veröffentlichen, einfach, um immer
genug Angebot für die Nachfrage zu haben. Als die Auto-
produktion aber zunehmend auf Roboter umstieg, hat das
Juan Atkins beeinflusst. Beide waren also im Grunde ins-
piriert von diesem Ford’schen System. Ich glaube, an ei-
nem anderen Ort als Detroit hätte so etwas gar nicht ent-
stehen können: diese Idee, etwas, das im Grunde so kalt
ist, durch Musik mit Seele aufzuladen.«
So wurde das Motown-System namenloser, im Akkord
arbeitender Studiomusiker von kleinen elektronischen
Kisten abgelöst, deren Namen und Sounds immer noch
von Mythen umrankt sind. TR 808, TB 303, SH 101. Heu-
te gibt es neue Maschinen, und es gibt neue Ruinen. Carl
Craig ist einer, der immer wieder von den Spannungsver-
hältnissen dazwischen erzählt.
Auf intro.de: Verlosung
Carl Craig
Sessions
2 CD // !K7 / Al!ve (??)

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048
Wien Special: Musik
WIEN, DAS
GEHT.
Die Indie-Labellandschaft einer Stadt in knapp drei Tagen abzustiefeln mag per se
schon ein arg ambitioniertes Ziel sein, konkret auf Wien bezogen stellt es sich natür-
lich schnell als unmöglich heraus. Zu viel geht hier, im Großen und – gerade durch
das merklich weniger prekäre Kultur-Klima – auch im Kleinen. Aber wer will sich
beklagen, weil er aus dem Vollen schöpfen kann? Wir sicher nicht. Thomas Venker,
Florian Obkircher und Linus Volkmann haben Taxen angeheuert und sind auf Be-
suchstour gefahren.
F
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Wien Special: Musik
049
Schoenwetter
Im Netz: http://inkmusic.at
Das Wichtigste: Die in Deutschland via Tapete Records be-
kannten Garish motivierten vor vier Jahren Hannes Tschürtz
zur Gründung eines Labels, das in dem Konglomerat Inkmusic
mit Aktivitäten wie Booking, Merch, Österreich-Lizenzierun-
gen (die letzte Tom Liwa beispielsweise) etc. aufging. Die Ver-
öffentlichungszahlen der Exil-Burgenländer Clique befinden
sich bereits in den 20ern. Die wenigsten sind dabei in Deutsch-
land erschienen; ein Umstand, den es 2008 zu beheben gilt.
Vor allem mit den beliebten Locals Ja, Panik, aber auch dem
Import Trouble Over Tokyo dürfte sich der Fame des Kleinbe-
triebs auch in hiesige Gefilde tragen lassen.
Nächste Veröffentlichungen: The Jessica Fletchers »You Spi-
der«, Beangrowers »Not In A Million Lovers«, Across The Del-
ta »Dancing To Architecture«
In Action: Schoenwetter wohnen etwas draußen, das DIY-La-
bel besitzt dabei ein richtiges Ladengeschäft, in dem Shirts,
CDs und Mutters Strudel zu kaufen sind. Über einen ihrer Acts
sowie über verwandtschaftliche Verstrickungen von Hannes
tun sich im Gespräch plötzlich Beziehungen zum Kapitän der
österreichischen Nationalmannschaft auf. Dennoch werden
wir auch nach wiederholtem Nachfragen nicht mit EM-Kar-
ten bestochen. Die Spieler, so erfährt man, bekämen selbst
nur acht zum freien Gebrauch.
Geco Tonwaren & Hoanzl
Im Netz: www.hoanzl.at
Das Wichtigste: Hinter dem rätselhaften Namen Hoanzl ver-
birgt sich ein renommierter, langsam gewachsener Indie-Ver-
trieb in Österreich. Angefangen hat alles mit Kabarett und Fil-
men, aber mittlerweile (und besonders auch nach der Pleite
von Soul Seduction) hat sich die Ausnahmestellung auch für
Musikprodukte verfestigt. Jenen Musikbereich betreut Chris-
toph Moser, ein Szene-Urgestein, aktiv seit den 70ern in allen
möglichen und unmöglichen Bereichen.
Nächste Veröffentlichungen: Netnakisum, [koe:r], Coshiva /
Butterfly, Fatima Spar & The Freedom Fries »Remix-EP«
In Action: Moser betreibt innerhalb von Hoanzl neben einem
Label für Dancehall-Reggae auch eines für HipHop mit dem Na-
men Geco Tonwaren. Hier erschien zuletzt die aktuelle Platte
von Texta, einem bewussten Rap-Act, wie es ihn in Deutsch-
land seit dem Siegeszug von Proll’n’Aggro so gar nicht mehr
gibt und der in Österreich mit seinem klassischen Sound im-
mer noch für Furore sorgt. Texta trägt auch die Verantwortung
für den Song des Jahres 2007 auf FM4: »So schnö kaust gar
net schaun« (featuring Attwenger).
Wohnzimmer
Im Netz: www.wohnzimmer.com
Das Wichtigste: Wohnzimmer ist vielleicht das konstan-
teste Indie-Label der österreichischen Jetztzeit. Finan-
ziell kann man sicher nicht klotzen, aber es ist spürbar,
dass hier auf kleinem Level richtig klassisch mit Releases
gearbeitet wird. Ein Umstand, der dann natürlich auch in-
sofern zurückstrahlt, dass einige der Wohnzimmer-Acts
über den Geheimtipp-Status rausschauen. Also Bands
wie z. B. Velojets, The Beautiful Kantine Box, Fuzzman,
Shy, The Seesaw. Zudem führt das Label in seinen Rei-
hen Indie-Celebs wie Kreisky (deren Sänger ja als Aus-
trofred fungiert) oder Rotifer (die Band des Musikjour-
nalisten Robert Rotifer, der aus London für die heimische
Presse telegrafiert).
Nächste Veröffentlichungen: Rotifer »Coach No. 12 Of
11«, Kreisky »Kreisky«, The Artistry »The Artistry«
In Action: In einem der vielen Restaurants des Wiener Mu-
seumsgeländes treffen wir auf Peter und Lelo, also 2/3
Wohnzimmer. Wobei wir Lelo gleich erkennen: Er spiel-
te mal bei Heinz Aus Wien. Einer Bekenntnis-Jungsband
von großer Bekanntheit. Über unsere Textsicherheit von
alten halb coolen Hits wie »Ich mag das Mädchen, das
trinkt« sieht Lelo großzügig hinweg und erzählt, was vor-
her nur zu vermuten war: Wohnzimmer läuft auch deshalb
so gut und professionell, weil keiner der drei Beteiligten
Geld damit verdienen muss. Groschengrab Plattenfirma
als amtliches Hobby – so viel Enthusiasmus kann doch
gar nicht falsch sein.
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050
Wien Special: Musik
Diskokaine
Im Netz: www.myspace.com/diskokaine
Das Wichtigste: Schaut mal auf Diskokaines Myspace-
Seite, und schon dürfte alles klar sein: Wildester Teletex-
Kaputt-Style wird da gefahren. Und genau so ist der Typ
hinter dem Label und Produzentennamen auch: Wolfram
Eckert repräsentiert den angenehm verwirrten Bohemi-
en, der – obwohl er so verzaust rüberkommt – so viel auf
die Reihe bekommt. Den will man nur knubbeln. Dement-
sprechend hört sich auch seine Reinstolper-Geschich-
te an. Bisherige Referenzliste: Produktionen auf Clone,
Gomma und dem eigenen Label Diskokaine, die Entde-
ckung und Produktion von Sally Shapiro und Koopera-
tionen mit der New Yorker HipHop-Queen Princess Su-
perstar, dem Wiener Techno-Urgestein Patrick Pulsinger
sowie ganz aktuell drei Remixe für Moby (erschienen am
14.03. auf Emi).
Nächste Veröffentlichungen: Wolfram feat. Marcus Mixx
»America, Fuck Yeah« (Creme / Clone), Sally Shapiro »Disco
Romance Remixed« (Paperbag / Permanent Vacation) mit
Remixen von u. a. Lindstrm, DFA, Junior Boys und Dntel.
Kannst du mal kurz erzählen, wie du so angefangen
hast? Ist ja eine gute Geschichte.
Wolfram Eckert: Ich bin halt 2001 vom Land nach Wien
gezogen und hab dann dem Patrick Pulsinger einen Mix
für seine Radiosendung auf FM4 geschickt. Der hat mich
dann gleich eingeladen und auch noch nach New York zu
einem Booking mitgenommen. Da bin ich dann drei Mo-
nate hängen geblieben und hab sauviele Leut kennenge-
lernt, dauernd aufgelegt, mit so ziemlich jedem. Das kam
einfach so. Und so lief das auch mit den Zusammenar-
beiten. Ich legte beispielsweise auf der !K7-Party auf und
lernte Kaos und Princess Superstar kennen. Das ist zu-
mindest die Interviewstory. [lacht]
Italo-Disco und Holland-Techno sind ja schon sehr wi-
dersprüchliche Soundeinflüsse.
Ich vermisch halt alles. Sicher produziere ich, aber ich bin
nicht so ein Produzent-Produzent. Meine Sachen klingen
ja nie so ausproduziert, so perfekt. Nach ein paar Stun-
den wird mir das immer zu fad.
Und wie sieht es mit einem ersten Album bei dir aus?
Ich wollte das vor Weihnachten schon fertig haben,
die Gomma-Leute, die das machen wollen, hät-
ten es dann noch vorm Sommer rausbringen kön-
nen, aber dann ist ein Remixauftrag für Moby
dazwischengekommen.
Angst, das Material dann zu alt ist, hast du
nicht?
Ich bin mit allem eh schon 20 Jahre zu spät.
Klein Records
Im Netz: www.kleinrecords.com
Das Wichtigste: Wiener Institution, die schon lange nicht
mehr nur in Downbeat macht. Das von Christian Candid
1997 gegründete Label ist derzeit das beste Beispiel für
den fruchtbaren Boden, auf den die AMAN-Initiative (Aus-
trian Music Ambassador Net) stößt. AMAN ist ein Zusam-
menschluss diverser österreichischer Labels mit dem Ziel,
sich gemeinsam besser für den internationalen Markt
aufzustellen. Gemeinsam mit Schoenwetter Rec. küm-
mert sich Klein Records um die englischen Indie-Popper
Trouble Over Tokyo und zusammen mit Diskokaine um die
schwedische Neo-Disco-Sensation Sally Shapiro. So rich-
tig bekannt geworden ist das Label mit den Wiener So-
fa Surfers. Neben dem Label wird noch die »Pling Plong
Klub«-Partyreihe im Wiener Club Fluc (Praterstern 5, 1020
Wien, www.fluc.at) betrieben.
Nächste Veröffentlichungen: Neben Trouble Over Tokyo
(»Pyramides«) kommt dieser Tage eine Kollaboration von
Louie Austen und Seor Coconut – die beiden haben sich
des »La Boum«-Klassikers »Reality« von Richard Sander-
son angenommen. Für den Herbst stehen Alben von Louie
Austen, den Sofa Surfers und Bunny Lake an.
EM-Tipp?
Christian Candid: Wenn Österreich und die Schweiz fusi-
onieren, holen wir den Titel. Na ja, ich bin immer auf Itali-
en eingeschossen. Österreich schafft ein Tor.
Wie positionierst du dich ästhetisch, um der Gefahr der
Etikettierung »Wiener Sound« zu entgehen?
Ich wollte mich nie auf den Wiener Sound festlegen lassen,
deswegen gab es von Anfang an auch roughere, härtere
Sachen, Dub-Veröffentlichungen, Clubgeschichten und
auch Black Music. Ich habe Acts gesucht und gefunden,
die das Label diverser gemacht haben. Wobei ich schon
viele Sachen rausbringe, die Downtempo sind – die kom-
men übrigens eher in südlicheren Ländern gut an, und
auch in den USA.
Wie wichtig ist Wien sozial für dich?
Mal mehr, mal weniger. Es ist nicht einfach, aus Wien he-
raus etwas in die Welt zu bringen, was auch daran liegt,
dass die Medien nicht so stark sind. Auf der anderen Seite
kann man von hier aus aber in Ruhe arbeiten, und es geht
auch immer mal mehr, derzeit ist beispielsweise die Club-
szene wieder sehr gut. Mir ist auch wichtig, dass wir selbst
da präsent sind. Wir positionieren uns ja auch durch unse-
re Bookings hier, holten beispielsweise als Erste Whitest
Boy Alive oder Rex The Dog in die Stadt.
159_Wien.indd 50 12.03.2008 23:04:38 Uhr
Wien Special: Musik
051
G-Stone
Im Netz: www.g-stoned.com
Das Wichtigste: Noch so eine Wiener Institution. Und auch
wenn sie noch mehr als Klein Rec. für immer und ewig –
dem markanten Werk von Kruder & Dorfmeister geschul-
det – mit Downbeat assoziiert werden, eint vor allem die
extreme Produktionstightness und nicht der eine Sound
den Labelkatalog: G-Stone veröffentlicht langsam – und
das kommt der Qualität zugute. Weiteres Kennzeichen
des Labels: Die Künstler sind alle sehr eng mit dem La-
bel verbandelt, man ist eine Familie. Dazu gehören u. a.
Tosca, Peace Orchestra und DJ DSL. Aktuell überzeugt
vor allem Makossa & Megablast, der gemeinsame Afro-
beat-Hybrid von Sascha Weis und dem FM4-Musikchef
Marcus Wagner-Lapierre. Und wer sich fragt, was K&D
so machen: Tracks für eine neue EP liegen in den letzten
Zügen, nebenbei haben die beiden zuletzt auch ande-
re Produktionen verfolgt und beispielsweise den Sound
für die beiden Nokia-Handys 8800 Arte and 8800 Sap-
phire Arte gebastelt.
Nächste Veröffentlichungen: Bereits Ende Januar er-
schienen, aber noch immer heiß: Rodney Hunter »Hun-
terville«. Im ersten Halbjahr 2008 kommen das Remix-Al-
bum von Voom sowie »The Private Collection 1« von Peter
Kruder.
EM-Tipp?
Stefan Dorfmeister: Österreich wird es nicht werden, und
Deutschland auch nicht. Bleiben nur Frankreich und Itali-
en übrig, und die werden es schon hinkriegen.
G-Stone ist ein Familienunternehmen...
Ja, so ist es. Wir hatten früher mit !K7 einen kompetenten
Partner, arbeiten mit ihnen und Compost noch immer eng
zusammen, aber machen jetzt eigentlich fast alles aus
der Verwertungskette selbst. Lediglich das Booking und
das Clearing der Synchronisationsrechte wird von Elec-
tric Chair gemacht.
Wie sehr trifft euch denn die Pleite des Soul-Seduction-
Vertriebs, an dem ihr ja auch beteiligt war?
Wir sind der größte Gläubiger, noch größer als die Ban-
ken. Wirklich viel Geld. Zum Schluss, in den letzten Jah-
ren, hat es eine Form von Treue gegeben, wir wollten den
letzten auch den Export abdeckenden Indievertrieb im
Land stützen. Jetzt machen wir alles direkt mit jedem
Land, was ja heute nicht mehr so einfach ist. Wir fahren
das gleiche Modell wie das Sonar Kollektiv, das einen ex-
ternen Export/Sales-Manager hat.
Die AMAN-Geschichte geht ja auf eine Initiative von dir
zurück. Erzähl doch mal, wie es dazu kam.
Ich wollte so ein Netzwerk eigentlich selbst machen, sah
aber ein, dass G-Stone nicht genug Releases pro Jahr hat,
um so eine Struktur aufzuziehen – und da andere das glei-
che Problem haben, kam es zur Kooperation, unterstützt
von der öffentlichen Hand. War natürlich eine Art Markt-
versagen des existierenden Exportbüros. Selbst wenn man
noch nicht sagen kann, dass es wirtschaftlich was bringt,
so doch allein schon, dass wir alle viel mehr gemeinsam
am Tisch sitzen und übers Geschäft reden.
Ja, Panik
Im Netz: www.ja-panik.com
Das Wichtigste: Der Falter-Magazin-Musikchef Gerhard
Stöger bezeichnete das burgenländische Quintett un-
längst als beste deutschsprachige Rockband, die kaum
wer kennt. Doch nicht nur ihm hat es der ungestüme Gi-
tarrenrock dieser jungen Herren angetan, auch Jens Frie-
be zählt Ja, Panik aktuell zu seinen Favoriten. Und das mit
der mangelnden Bekanntheit sollte sich ohnehin bald er-
ledigt haben, scharrt das zweite Album »The Taste And
The Money« doch schon in den Startlöchern. Von quirligen
Ukulele-Klängen über hymnische Refrains bis zu spitzi-
gen Post-Punk-Salven – musikalisch ist da alles drinnen,
was das Indie-Herz begehrt. Obendrein wirken Andreas
Spechtls rotzig hingeschmetterte Texte über die Party und
den Morgen danach so nah und authentisch, dass man
gleich selbst zu Bier und Aspirin greifen möchte.
Nächste Zeit: Die Gitarrenkoffer für die große Deutsch-
land-Tour im Frühling sind bereits gepackt, einige »Ja,
Panik Manifeste« im knallgelben Reclam-Outfit, ge-
dacht als CD-Gimmick, müssen die Jungs dafür aber
noch heften.
Rock und Reclam, ist das nicht eine ähnlich seltsame
Paarung wie Geld und Geschmack?
Andreas Spechtl: Unserer Meinung nach ist Geld und Ge-
schmack zwar eine äußerst seltene Paarung, aber doch
eine durchaus zu begrüßende. Ein Blick aus dem Fenster
lässt einen das wohl leicht nachvollziehen. Über die Paa-
rung Rock und Reclam haben wir weiter noch nicht nach-
gedacht. Das Reclam-Heft steht aber vorwiegend für die
humoristische Komponente unseres Programms. Es be-
ginnt ja schon mit den Worten »Von der Notwendigkeit des
Zitats, ja Plagiats«. Spätestens dann sollte die Form dem
Leser ein Lächeln aufsetzen.
Recht oft geht’s auf eurem neuen Album um Feuer und
ums Brennen. Stehen diese Bilder im Zeichen eurer ju-
gendlichen Exzessbereitschaft oder eher für ein kathar-
tisches Erwachen?
Zuallererst möchten wir erwähnen, dass wir uns jeglichen
Kurzschluss auf unsere Biografien verbitten, da das ein
trügerisches Bild auf die Gruppe Ja, Panik werfen würde.
Wir haben einen Helden erschaffen, den wir 40 Minuten
lang auf zwölf Stationen schicken. Es ist die Geschichte
eines jungen Menschen, den abstrakte Formen beherr-
schen, der auf der Suche nach Verantwortlichen ist, nach
denjenigen, die niedergeschlagen werden sollen. Wir schi-
cken ihn also auf diese Reise und sehen, was mit unse-
rem Helden passiert.
Weiter rein
exklusive Interviews mit Monochrom,
Siluh und Soap And Skin auf
www.intro.de
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S
chaut in unsere malerischen Gassen, in unsere
Melange-geröteten, aber völlig ebenen Gesich-
ter.« Ja, verdammt. Wien ist zauberhaft, Köln
hässlich wie ein Troll. Jetzt zufrieden? Oder
müssen wir noch jede schmucke Brücke, jede Jugend-
stilfassade und jede urig bis coole Lebensäußerung ein-
zeln fotografieren? Schaut sich hinterher ja doch wieder
niemand an.
Tex / Thomas
Jetzt haben wir auf jeden Fall Hunger. Die Intro-Reisegrup-
pe findet sich allerdings trotz dieses universalen Bedürf-
nisses hoffnungslos zerstritten wieder. Eure Durchlaucht,
der von AMAN berufene österreichische Musikbotschaf-
ter aus Hamburg, Stephan Rath, will so sehr Fleisch, als
würde er Part-Time bei Madsen und nicht den Goldenen
Zitronen trommeln. Kann er aber vergessen. Denn wir be-
suchen das Mondscheinstüberl, Ecke Mondscheingasse
im siebten Bezirk. Gutbürgerliche Küche, allerdings kom-
plett vegan, was dann so viel bedeutet wie »Serbischer
Reis ohne Fleisch« oder »Wiener Weizenschnitzel«. Spit-
ze. Auch wenn der Botschafter Salz im Essen und einer
unserer Gäste Alkohol im Bier vermisst. Spalter!
Aber was war das? Gäste? Genau. Uns gegenüber sit-
zen mit Tex Rubinowitz und Thomas Edlinger zwei top Bei-
spiele für Österreichs bzw. speziell Wiens prosperierende
und rauchende Kulturszene, die auch über die Landes-
grenzen hinausschwappt. Aktuell verbindet beide vor al-
lem die neue ORF-Late-Night-Show »Willkommen Öster-
reich«, die zuletzt auch in Deutschland als Weblink durch
die Postfächer geisterte – und zwar, als darin Ulf Poschardt
von der Rapperin Lady Bitch Wasser ins Gesicht bekam,
die Sendung verließ und kurz darauf bei Vanity Fair raus-
flog (keine Kausalitätsgarantie). Rubinowitz konzipierte
die Show mit, sitzt dort auch als Sidekick regelmäßig im
Schrank, Thomas Edlinger schreibt Einmarschtexte über
die Gäste. Ein Job von vielen für beide.
Rubinowitz besitzt, das wird bei Tisch schnell deutlich,
schwer zu ignorierende exzentrische Züge. Früher, also vor
elf Jahren, war er der eine des Selfmade-Elektronik-Duos
Mäuse. Ein Projekt, das dieses Jahr eine Wiederauferste-
hung mit mehr Beteiligten feiern wird. Erscheinen soll die
bis dato noch nicht fertige Platte (»ach, die Songs sind aber
schnell gemacht«) auf dem Label Angelika Köhlermann,
das sich Tex mit wem anders noch teilt. »Das eigene Album
auf dem eigenen Label rauszubringen ist ja schon pein-
lich«, meint er und hat damit natürlich unrecht. Aber viel
wichtiger ist ihm ohnehin, mit dem Label Veranstalter der
dritten Max-Müller-Soloplatte zu sein. Der schwierige Ex-
Mutter-Sänger mit seinem schwierigen Werk – mitunter
verhaspelte Miniaturen, Publikumsferne, geringe Verkaufs-
erwartungen. Tex freut sich einen Ast. Nicht trotzdem, son-
ESSEN MIT AUSTROFRED, TEX UND THOMAS
Text: Linus Volkmann / Fotos: Thomas Venker
Die allgemein unterstellten Komplexe der Österreicher gegenüber dem fetten
Lokalmatador Deutschland werden für uns hier in Wien einfach nicht aufgeboten. Viel
eher möchte uns die aufwendige Schönheit der Stadt die Rücklichter zeigen.
Stephan Rath
Im Auftrag des Label-Bündnisses AMAN
tatsächlich als Botschafter für österreichi-
sche Musik in Deutschland aktiv. Sonst
u. a. Manager für Tocotronic mit Hang zu
Mod and Soul. Mehr in seinem Wikipedia-
Eintrag to come.
Tex Rubinowitz
Dem einen sicher auch als Autor oder
schräger Comic-Zeichner ein Begriff.
Thomas Edlinger
Eine der Stimmen des Radiosenders FM4.
Dort unterhält er als Moderator mit dem
Alpen-John-Peel Fritz Ostermayer die,
man muss es so nennen, Kult-Sendung
»Im Sumpf«. Zudem ist er Buchautor,
Kurator und Tennisprofi.
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Musik
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Freddie Mercury
... machte einst in München eine große
Motto-Party. Jeder sollte im Look seines
Lieblingsstars kommen. Freddie kam
dabei ... als er selbst.
Falco
Das Biopic zu Falco »Verdammt wir leben
noch« lief gerade in Österreich an. Mehr
dazu auf den Seiten 68 und 69.
Austro-Pop
Mischung aus alpenländischer Volksmusik
in Mundart und Rock. Als überregional
bekannter Vertreter wird gern Wolfgang
Ambros genannt.
dern gerade deshalb. Zeit, in die Schlafzimmeraugen von
Edlinger zu schwenken. Typ: Filou, klassischer Fall eines
Mannes, der einen emotional unglücklich machen würde
und bei man sich aber dennoch darum reißen würde, dass
er einem das ganze Programm antut. Österreichs ewige
Geheimwaffe: Romeo-Agenten. Statt Mahlzeiten nimmt
Thomas Bier in Halbliter-Intervallen zu sich. Und was die
anstehende Fußball-EM angeht, ist er der Erste, auf den
wir treffen, der bezüglich des eigenen Teams nicht in de-
pressiven Untergangsmetaphern spricht. Das gefällt uns,
es gibt Hoffnung, es gibt Heilung. Auch in Wien. Danach
geht’s ins Jenseits [leider bloß in eine rotplüschige Bar, die
diesen Sponti-Namen trägt – Nelkengasse 3, 1060 Wien]
und danach für den Rest vom Schützenfest in den Futur-
garden [Schadekgasse 6, 1060 Wien].
Austro / Fred
Tags darauf arbeiten wir den good old Naschmarkt ab, ei-
ne Meile feinster Angebote – sieht man mal von dem un-
ausgesprochenen Bizarro-Fakt ab, dass sie sich thema-
tisch ab dem vierten Stand immer nur noch wiederholt:
Olive, Obst, Käse, Wurst – eingebettet vorne und hinten
noch von gefälschtem Nirvana- und Onkelz-Merchandise.
Abends dann wieder Streit ums Essen. Restaurant Gold-
marie (Hoffmeistergasse, 12. Bezirk). Es gibt echte Wiener
Schnitzel für die einen, lange Gesichter für die anderen.
Und es gibt Austrofred. Der Freddie Mercury von Wien, der
deren Texte mit Klassikern des Austro-Pop tauscht. Klingt
nicht kruder, als es ist. Aus »Another One Bites The Dust«
wird zum Beispiel »Eich Doddln gib i Gas«. Die Bierzelt-Tra-
vestie mit angeklebtem Bart, Gassenhauern, Volksmusik
und Schunkelsuff erfüllt sich in Franz Wenzls Kunstfigur
Austrofred dabei zum Glück nicht. Im regulären Rockzir-
kus ist er Sänger bei den Indie-Stylern Kreisky, und die
Kostüm-Diva ergab sich eher nebenher. Dennoch sind die
Verhältnisse klar. Und zwar: »97:3«, das gibt Austrofred auf
die Frage zu Protokoll, wie sich denn Geld und Aufmerk-
samkeit auf seine zwei musikalischen Spielfelder verteilen.
Grell sells eben. Und nicht nur Konzertkarten. Austrofred
hat neben einem Bootleg (eine »echte« CD wäre wegen der
Songrechte zu aufwendig) bereits eine DVD herausgege-
ben, die elf Folgen seiner Kabel-TV-Serie »Hello Austrof-
red, Hello Vienna« beinhaltet, zudem gibt es bereits die
fiktive Biografie seines Alter Egos: »Alpenkönig und Men-
schenfreund«. Weitere Bücher sollen folgen. »Eins habe
ich schon fertig, das wird heißen Ich rechne noch in Schil-
ling.« Dieser kauende schmale Mann mit dem Bart besitzt
viel, das merkt man gleich. Auch die von uns wohlinfor-
mierten deutschen Pop-Journos aufgebrachte Tatsache,
dass sein Idol Freddie Mercury schwul gewesen sei, kann
den überzeugten Heterosexuellen nicht aus der Ruhe brin-
gen. Bleibt noch zu klären, ob er wirklich als Darsteller des
anderen Pop-Toten, also von Falco, im Gespräch gewesen
sei. »Nee, aber ich habe den Typen, der es spielt, in einer
Vorschau gesehen, wie er sagt: Ist des noch mai Wien? Und
ich dachte, Falco ist so leicht nachzumachen, aber den
Satz allein hätten schon mal zwei Millionen Österreicher
besser gekonnt.« Diesen Tiefschlag mit der überlieferten
Unfähigkeit des Wieners, gönnen zu können, zu erklären
wäre kurzsichtig. Gerade auch angesichts des gestüm-
perten Films. Nein, Wien und seine Leute können fast al-
les. Und jetzt, ein paar Tage später, schauen wir uns so-
gar die 240 MB mit Fotos eurer schmucken Brücken an.
So scheiße gern haben wir euch nämlich.
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Wien Special: Musik
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Kawaii 01
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Naschmarkt 04
Wochenmarkt Mo–Fr 06–18:30 Uhr
Flohmarkt Sa 06:30–18 Uhr
(s. »Produktpalette«, S. 58)
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Hofmühlgasse 6
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Secondhand und junge Designer
Song 06
Praterstr. 11-13
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High-Fashion-Labels
Shu 07
Neubaugasse 34
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Kirchengasse 26
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Elfenkleid 09
Margaretenstr. 39/3+4
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CAFÉS
Café Jelinek 10
Otto-Bauer-Gasse 5
Mit gemütlichen Sitzecken. Für Butterbrot und
Gugelhupf.
Café Prückel 11
Stubenring 24
www.prueckel.at
Café Drechsler 12
Linke Wienzeile 22
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Café Ritter 13
Mariahilfer Str. 73
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tige, aber adrett im Frack gekleidete Kellner.
Elliefant 14
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Lena & Laurenz Essgeschäft 15
Zollergasse 4
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Gesundes to go. Wir empfehlen die vegane
Russendisko.
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Gasthaus Goldmarie 16
Hoffmeisterstr. 7
www.goldmarie.at
(s. »Essen mit«, S. 52)
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Payergasse 12 (Yppenplatz)
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Nicht ganz billig, aber sehr edle Kombinationen.
Mondscheinstüberl 18
Zollergasse 24
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Maschu Maschu 20
Rabensteig 8
Beste Falafel der Stadt
CLUBS
Flex 21
Donaukanal/Augartenbrücke
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Fluc 22
Praterstern 5
www.fluc.at
Club U 23
Karlsplatz Obj. U26
www.club-u.at
Laderaum im Badeschiff 24
an der Donaukanallände (s. »Neulich«, S. 8)
www.badeschiff.at
KINO
Schikaneder 25
Margaretenstr. 24
www.schikaneder.at
Top Kino 26
Rahlgasse 1
www.topkino.at
BARS
Futuregarden 27
Schadekgasse 6
Elektrogönner 28
Mariahilferstr. 101/2
www.elektro-g.at
Tanzcafé Jenseits 29
Nelkengasse 3
www.tanzcafe-jenseits.com
Donau 30
Karl-Schweighofer-Str. 10
www.myspace.com/donau
Espresso 31
Burggasse 57
www.wirr.at/espresso
Werkzeug H 32
Schönbrunnerstr. 61
www.werkzeugh.at
KUNST
Museumsquartier 33
Museumsplatz 1
www.mqw.at
Riesiger Gebäude-Komplex für moderne Kunst
Das Weiße Haus 34
Westbahnstr. 11-13/I/3
www.dasweissehaus.at
Schnapsloch 35
Lehárgasse
www.myspace.com/schnapsloch
Bar für Schnaps, Dosenbier und Performance
PLATTENLÄDEN
Record Shack 36
Reinprechtsdorfer Str. 60
www.recordshack.org
Substance 37
Westbahnstr. 16
www.substance-store.com
Hier gibt’s das neue Intro!
Rave Up 38
Hofmühlgasse 3
www.rave-up.at
HOTELS
Hotel Fürstenhof 39
Neubaugürtel 4a
www.hotel-fuerstenhof.at
Hotel Altstadt 40
Kirchengasse 4
www.altstadt.at
Hollmann Beletage 41
Köllnerhofgasse 6
www.hollmann-beletage.at
Pension Nossek 42
Graben 17
www.pension-nossek.at
Hotel Stadthalle 43
Hackengasse 20
www.hotelstadthalle.at
MEDIEN
Falter
Stadtzeitung, EUR 2,40
www.falter.at
Unit F büro für mode
www.unit-f.at
Publikation: Das Modebuch. Mit u.a.
Wendy&Jim, Petar Petrov, Fabrics Interseason.
318 Seiten, 48 Euro. Im Leporello-Format.
FM4
Der Radiosender. Auf 104.6 MHz oder als Live-
Stream auf www.fm4.at
159_Wien.indd 55 13.03.2008 14:49:43 Uhr
Ajla Karic
STAUB ZU STAUB
Mode von Ajla Karic wirkt streng im Sinne von verbindlich, und ver-
spielt, was die ausufernden Formen betrifft. Symbolik und Werte
von inspirierenden Bildern »nicht zu verwaschen«, ist der 26-jäh-
rigen Absolventin der Modeklasse an der Angewandten in Wien
dabei besonders wichtig. Ihr ästhetisches Vokabular entwickelte
sie unter der Ägide der belgischen Stardesigner Raf Simons und
Veronique Branquinho, die derzeit Gastprofessuren in Wien haben
bzw. hatten. Für die in Sarajewo geborene Karic hat der Start ins
harte Designerleben jedoch nicht nur wegen der Belgien-Depen-
dence in Wien gut angefangen. Ihre Abschlusskollektion wurde mit
dem Modepreis des österreichischen Bundeskanzleramts aus-
gezeichnet, anschließend folgte ein Praktikum bei Haider Acker-
mann. Schmuck designt Karic neuerdings auch. Die erste Kollek-
tion gemeinsam mit einem Freund soll »Staub zu Staub« heißen.
Kontakt: ajla.ka@gmail.com
056
Wien Special: Mode
Mode-1.indd 56 12.03.2008 22:34:44 Uhr
Park
DAS MODE MUSEUM
Park gilt – da sind sich Wiener wie Touristen einig – allgemein als der
superste Shop der Stadt. Das liegt zum Teil daran, dass der bis in den
letzten Millimeter in kaltem, puristisch-weißem Design durchgestyl-
te Concept Store statt im verstaubten traditionellen Edelboutiquen-
Viertel Wiens im hippen Studentenbezirk Neubau liegt. Die Klientel
ist also jung und smart – und deshalb auch nur insofern wohlha-
bend, andächtig über das exzellente Angebot von Chalayan über
Demeulemeester bis Vibskov streicheln und lediglich eines der an-
gebotenen Bücher, Magazine oder eine schwedische Jeans kaufen
zu können. Das Kaufen steht bei einem Besuch im Park aber ohne-
hin nicht im Vordergrund – ein Streifzug durch die fast 500 Quadrat-
meter auf zwei Ebenen gleicht eher einem Ausflug ins Museum. Das
erklärt vielleicht auch, warum sich die Verkäufer dort gerne mal wie
die Museumsaufsicht benehmen.
Text: Kira Stachowitsch
Advanced Minority
DIE T-SHIRT GALERIE
Beim T-Shirt-Label Advanced Minority steht der Designer im Mittel-
punkt, nicht die Marke. Weit ab von jeder Form des anonymen Corpo-
rate Design, versteht sich das Label, ähnlich wie eine Kunstgalerie,
als Plattform für Künstler und Kreative. Maler, Illustratoren, Grafiker,
Fotografen und andere talentierte Gestalter nutzen die Shirts als Me-
dium für ihre Arbeiten. Die kurzärmligen Baumwollkunstwerke zum
Preis von 39 Euro sind stets mit einem Schildchen versehen, das Aus-
kunft über den Werdegang des jeweiligen Designers gibt. So erfährt
man, wer das Motiv gestaltet hat und dank eines Fotos auch, wie der-
jenige aussieht. Unweit des Museumsquartiers in der Zollergasse 2
im Stadtteil Neubau im 7. Bezirk Wiens betreiben die Advanced-Mi-
nority-Initiatoren den Laden Betastore. Dort kann man auf Tuchfüh-
lung mit den T-Shirts gehen.
Text: Kay Alexander Plonka
Wilfried Mayer
SPLEEN UND DEMUT
Ein vererbter finnischer Wollpullover, unendlich oft geflickte Jeans und
ein selbst genähtes schwarzes Kleid der Großmutter: Die Rohstoffe sei-
ner Kindheit beflügeln Wilfried Mayer noch heute. Nachdem er bis 2002
Philosophie, Kommunikations- und Politikwissenschaften studiert hat-
te, kam er schließlich doch dem Ruf seines parallel schlagenden Herzens
nach, um an der Universität für angewandte Kunst in Salzburg zu lernen
– und in Wien sesshaft zu bleiben. Er begründet das wie folgt: »Klar wür-
den die Standorte Paris, London oder Mailand Vorteile mit sich bringen,
in Wien ist der Zugang zu Wissen jedoch demokratisch, und Produkti-
onsstandorte auf gutem Qualitätsniveau befinden sich in Reichweite.«
Die aktuelle Herrenkollektion von Mayer setzt auf Details und traditio-
nelle Verarbeitung, garniert mit einem unverkennbaren ironischen Ges-
tus. Das Ausland hat seine charmante Ungeschliffenheit längst erkannt
und wird ihn gut im Auge behalten.
Text: Susanne Pospischil
Les Frotteurs
WIR STICKEN!
Das kleine Wiener Mode- und Accessoires-Label Les Frotteurs fertigt
Shirts mit handgestickten Motiven nach Wunschvorlagen von Fotos
oder Zeichnungen. Bei seinen Fahrradausflügen ins unweit von Wien
gelegene Bratislava deckte sich Roland Schifferegger, Chefsticker und
einer der Protagonisten des Wiener Lo-Fi-Kollektivs Murmel Comics,
stets begeistert mit Pixelrätselheften ein. Aus diesem Enthusiasmus
für abstrahierte Zeichnungen folgte eine Beschäftigung mit Kreuzstich,
der ja nach dem gleichen Nullen/Einsen-Schema funktioniert, was ihn
weiter zum Rückstich transportierte, mit dem sich Zeichnungen per-
fekt in Stickbilder umsetzen lassen. Seine Partnerin Elfi Spießberger,
Absolventin der prestigereichen Modeschule Hetzendorf, näht eigen-
händig die T-Shirts, und verkauft werden die Unikate für sagenhafte
Preise in der 50-Euro-Gegend. www.lesfrotteurs.com
Text: Ulrike Löffler
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sterreich, Europa, Frühjahr 2008 – die EURO 08 rollt noch nicht. Noch ist die Luft frisch und lässt Raum für Klänge abseits der Nordkurve. Obgleich
jüngst FALCO wieder auferstanden ist. Auf Zelluloid, auf DVD, auf allen erdenklichen Medien. Was soll’s. Die Österreichische Musikszene hat das Mo-
zartjahr überlebt, da wird man auch damit noch fertig. Apropos Mozart! Für den diesjährigen AMADEUS-AWARD (den Austro Grammy) wurden u.a.
nominiert: Waldeck mit “Ballroom Stories”, Count Basic mit “Love & Lights” und das Gypsy-Jazz-Nachwuchstalent Diknu Schneeberger mit “Rubina”. Pro-
behören auf www.aman.ag. Hier nun noch ein paar Kostproben die nicht auf’s erste Hören nach Österreich klingen und doch nur von dort kommen können:
JA PANIK
27.03. Kulturlabor Stromboli, Hall in Tirol (A)
04.04. Kapu, Linz (A)
05.04. Carinisaal, Lustenau (A)
12.07. Rock am Hof, St. Agatha (A)
01.08. Palaverama Festival, Gmünd (A)
WALDECK
19.04. Europäische Clubnacht, Berlin (D)
wientourismus.at
Music News Austria ist ein Service von AMAN - AUSTRIAN MUSIC AMBASSADOR NETWORK.
Mehr Info über Musik aus Österreich gibt es auf www.aman.ag
Mit freundlicher Unterstützung von
LIVE
ACROSS THE DELTA
23.04. Pretty Vacant, Düsseldorf (D)
24.04. Astra Stube, Hamburg (D)
25.04. Schokoladen, Berlin (D)
26.04. Unikum, Halle (D)
27.04. Noch Besser Leben, Leipzig (D)
30.04. Campus Rock, Linz (A)
17.05. K-Festival, Wiesen (A)
RUSSKAJA
27.03. Boogaloo, Pfarrkirchen (D)
28.03. Schlachthof, Kassel (D)
29.03. Kaffee Burger, Berlin (D)
30.03. Hafenklang, Hamburg (D)
03.04. Backstage, München (D)
05.04. KGB, Freiburg (D)
18.04. Sinkkasten, Frankfurt (D)
19.04. Underground, Köln (D)
TEXTA
28.03. Arena, Flims (CH)
29.03. Intersport Nova, Silvretta (A)
11.04. WUK, Wien (A)
18.04. Kufstein (A)
19.04. Kraftwerk, Krummenau (CH)
30.04. Prater, Wien (A)
02.05. Biberach (D)
MUSICNEWS AUSTRIA
SOULCHEMISTRY
Discovery
GENRE: ELECTRONIC, HIP HOP, DUB
LABEL: DEFusion Records
WEBSITE: www.defusionrecords.com
Soul Chemistry ist der jüngste Wurf von Karl Moestl – dem
Producer-Part des erfolgreichen G-Stone Duos “Walkner
Möstl”. Im Team mit MC Coppa (UK), Elle (A) und dem Soul
Chemistry Collective Big John (USA), Aminata (A), Yosua
(D) und Betty Semper (UK) zielt die innovative Fusion von
kühlen, elektronischen Klängen und erdigem, warmen Hip-
Hop und Dub sowohl auf den Dancefloor als auch auf den
anspruchsvollen Hörer daheim. Zum wirklichen Hörgenuss
wird das Ganze vor allem durch die hochkarätigen Soul-
stimmen von Big John, Aminata und Yosua.
Exquisites aus Österreich ausgewählt für INTRO von den AMAN Ambassadoren
Der österreichische Labelverband AMAN – Austrian Music Ambassador Network stellt den INTRO Lesern eine exklusive Auswahl von
Releases der AMAN Mitgliedslabels zum gratis Download zur Verfügung. Zusammengestellt wurde die Kollektion, die nirgendwo käuf-
lich zu erwerben ist, von dem deutschen AMAN Ambassadoren.
MONK JA, PANIK THE CURBS PAROV STELAR WALDECK SON OF THE VELVET RAT
TEXTA SOULCHEMISTRY RODNEY HUNTER KARL MOESTL SALLY SHAPIRO BUNNY
LAKE SUSANNA RIDLER TROUBLE OVER TOKYO CONVERTIBLE RUSSKAJA
RUSSKAJA
Kasatchok Superstar
GENRE: WORLD, SKA, ALTERNATIVE
LABEL: chat chapeau
WEBSITE: www.chatchapeau.com
In der vergangenen 18 Monate schaffte es die Russian-
Balkan-Ska Formation RUSSKAJA vom Wiener Geheimtipp
zur Crossover Kulttruppe aufzusteigen. Ihre Konzerte sind
Ereignisse, die vom 100% wie vom Enthusiasmus der
wachsenden Fangemeinde getragen werden. Mit ihrem
Debut-Album“Kasatchok Superstar” schafften Sie jüngst
auf Anhieb den Einstieg in die Top 30 der Österreichischen
Albumcharts.
JA PANIK
The Taste And The Money
GENRE: ALTERNATIVE, ROCK&POP
LABEL: Schoenwetter Schallplatten
WEBSITE: www.schoenwetterschall.at
Schon im Herbst vergangenen Jahres erschien mit „The
Taste and The Money“ das zweite, schon heiß erwartete
Album der in Wien gegründeten Band. Die Stücke spielen
in einem Leben fernab wohlbehüteter Indie-Sentimentali-
tät. Gehetzt und mit langem Atem zelebrieren Ja, Panik
z.B. ihre obligatorische Hass-Liebe zu Wien und verwan-
deln sich dabei in die Geister dieser Stadt.
TROUBLE OVER TOKYO
Pyramides
GENRE: ALTERNATIVE, ROCK&POP
LABEL: Schoenwetter Schallplatten
WEBSITE: www.schoenwetterschall.at
Ein Solo-AlbumimWortsinn: Die Songs gespielt, gesungen,
geschrieben und mit aller Emotion gelebt von der britischen
One-Man-ShowChristopher „Toph“ Taylor, das Artwork zur
Gänze von seiner Hand gezeichnet (inklusive einer Leer-
seite, die dazu da ist, sie erneut von Hand von ihm bema-
len zu lassen, wenn man ihm begegnet). „Pyramides“
umfasst zehn Titel zwischen Melancholie und Tanzboden,
zwischen Hoffnung und Verzweiflung, zwischen schüch-
terner Zerbrechlichkeit und der Macht einer Stimme.
AMBASSADOR
KOLLEKTION
GRATIS-DOWNLOAD AUF
WWW.AMAN.AG/INTRO
Aman_Intro:Layout 1 Kopie 4 10.03.2008 16:57 Uhr Seite 1
PROD
UKT PAL
ETTE
1+7 Souvenirs vom Naschmarkt, einem riesigen Wochenmarkt mit
kosmopolitischem Flair. Endlos Stände voller frischer Waren und
zu Flohmarktzeiten am Samstag Laufsteg und Fundgrube für un-
sereins. Kleid und Weidenkätzchen, je 2 Euro.
2+10 Diese Streichholz-Schatulle schmücken die Wiener Wahr-
zeichen: Staatsoper, Schloss Schönbrunn, Stephansdom und das
Riesenrad. Hier ins Bild galoppierend: ein Reiter der Spanischen
Hofreitschule. 1752 gegründet, ist sie weltweit die letzte, die klassi-
sche Reitkunst praktiziert. Im Sommer kann man den wohlerzoge-
nen Lipizzanerhengsten in Vorführungen näher kommen. Die ganz
verrückten Ponymädchen unter uns sollten sich aber lieber um ei-
ne Fohlenpatenschaft bemühen! Oder sich eine Turnierschleife an
die Bluse heften: God Bless You, je 2,50 Euro.
3+5 Der frisch eröffnete Shop Kawaii auf der Lindengasse birgt gleich
zwei zauberhafte Labels: selbst genähte Lingerie von Juana De Arco
und durchgeknallte Jewellery von Claire Pain. Set mit BH und Hös-
chen: 49 Euro; Minnie-Mouse-Kette: 55 Euro.
4 Aufs Indie ist Verlass: Viermal im Jahr zeigt das Magazin eine ge-
konnte Mischung aus internationaler Mode und Musik. Betäubend,
kreischbunt, kurzsichtig. Neu im Verlag ist die Luxus-Version mit
dem Fokus auf Accessoires. Der vielsagende Name: Material Girl.
Heft: 5 Euro / 7 Euro.
6 Diese kleinen Plastik-Viecher warten auf Einsatz: als Wasserpis-
tölchen auf der nächsten New-Rave-Party. Kroko, Schildi und Ele-
fant, aufgelesen im 1-Euro-Shop.
8 Ellie ist Engländerin, in ihrem Café Elliefant auf der Neubaugasse
gibt’s Soup, Sandwiches und Süßigkeiten. Was genau sie in ihrem
Pickle zusammenbraut, bleibt jedoch ihr Geheimnis. Glas: 6 Euro.
9 Was bei uns die Bionade, ist dem Österreicher sein Almdudler:
30 natürliche Alpenkräuter enthält die schmackhafte Limo. Lieb-
haber schwören außerdem auf das Almradler, den 50/50-Mix mit
Puntigamer Bier. Flasche: 1,95 Euro.
11 Sweet as Gugelhupf: Neben der in Wien hergestellten Waffel-
schnitte Manner ist das wohl berühmteste Dessert seit 1832 die
Original Sacher-Torte, Schokoladentorte mit Aprikosenmarmela-
de, und so richtig original gibt es sie nur vor Ort. Außer, man gönnt
sich eine Prise Dekadenz und bestellt sie sich per Post ins Haus.
Die Piccolo-Variante kommt für 19 Euro plus Versand genussfer-
tig im Holzkästchen direkt aus Wien. Passend dazu: ungesüßter
Schlagobers, cremige Sahne. www.sacher.com
Produktion + Text: Amélie Schneider
Foto: Lioba Schneider
Wir verlosen das Unterwäsche-Ensemble von Juana De Arco, Größe
M. Mail an verlosung@intro.de, Betreff: »Vienna Calling«.
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GEMEINSAME SACHE
High-Fashion-Designer, Sportmarke oder Jeanslabel – Koopera-
tionen stehen bei allen hoch im Kurs. Waren es anfangs meist
namhafte Künstler oder renommierte Designer, die von den Global
Playern der Branche zu exklusiven Projekten gebeten wurden, sind
es momentan die Marken selbst, die sich gegenseitig unter die
Arme greifen. Eine Momentaufnahme in vier Akten von Kay Alex-
ander Plonka.
Z
uletzt sorgte die Präsentation der gemeinsa-
men Jeanshosenlinie »adidas Originals Denim
by Diesel« in Berlin für Aufsehen. Der Sportar-
tikelhersteller aus Herzogenaurach und die Fa-
shion-Jeans-Marke aus Molvena ließen ihre Designab-
teilungen unter der Leitung von Diesels Kreativdirektor
Wilbert Das zwei Hosenmodelle für Männer und Frauen
in verschiedenen Waschungen entwickeln. Diese sind nun
seit Anfang Februar ausschließlich in den Läden von adi-
das Originals erhältlich.
Crosspromotion nennt man diese Art der Zusammen-
arbeit. Und »adidas Originals Denim by Diesel« ist nur ei-
nes von vielen aktuellen Beispielen dafür. Fast zeitgleich
hatten in Japan der Jeanshersteller Edwin und die Sport-
schuhmarke Asics die gleiche Idee. So entwickelten die
Edwin-Designer für die Linie »Onitsuka Tiger«, in der his-
torische Turnschuhe aus den Archiven von Asics wieder
neu aufgelegt werden, ebenfalls zwei Hosenmodelle. Die-
se sind aufgrund der geringen Stückzahlen hierzulande
nur im markeneigenen Onitsuka-Tiger-Laden in Berlin-
Mitte erhältlich.
Berlins Mitte scheint ohnehin das Kollabo-Mekka zu
sein, denn auch die vom Label Wood Wood designten New-
Balance-Laufschuhe gab es nur 96 Mal in den eigenen Lä-
den der Dänen in Berlin-Mitte und in Kopenhagen sowie
im Internetshop. Hintergrund solcher Kooperationen ist
oft die gegenseitige Wertschätzung der Design- oder Pro-
duktqualität. Im Falle von New Balance und Wood Wood et-
wa hatte das englische Laufschuhunternehmen das derzeit
wohl bekannteste Street-Couture-Designertrio gebeten,
einen Schuh anlässlich des 100-jährigen Firmenjubilä-
ums zu gestalten. Beeindruckt von der Herstellung der
Turnschuhe im nordenglischen Werk in Flimby, hatten die
Dänen zugesagt.
Beim amerikanischen Taschen-Spezialisten Eastpak
hingegen gehören Kooperationen mit bekannten Persön-
lichkeiten schon lange zum Konzept. Egal, ob es sich da-
bei um Rock’n’Roll-Legenden wie z. B. Ex-Guns-N’-Roses-
Gitarrist Slash und Altrocker Ozzy Osbourne handelt, die
Klassiker aus der Kollektion für einen guten Zweck mit
selbst gemalten Bildern verzieren, oder um Signatur-Se-
rien von Profi-Skateboardern wie die von Steve Caballe-
ro. Neu hingegen ist Eastpaks Engagement im absoluten
High-Fashion-Bereich: Der belgische Star-Designer Raf
Simons hatte für seine Modenschauen in Paris 50 Ruck-
säcke als Teil des Gesamtoutfits kreiert und in Kooperati-
on mit Eastpak umgesetzt. »Material World«, so das Motto
der Kollektion, für die keine bestehenden Eastpak Modelle
re-designt, sondern vollkommen neue Muster produziert
wurden. Die Top-5 der auf dem Catwalk präsentierten Mo-
delle gingen danach in Produktion und sind nun in streng
limitierter Auflage zu Preisen zwischen 200 und 3.000 Eu-
ro ausschließlich in Läden, die auch die Kollektionen von
Raf Simons verkaufen, erhältlich.
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DOLCE & GABBANA FÜR ALLE
Shoppingclub? Hm, das klingt irgendwie nach Bertels-
mann Club, also nach Konsenskultur für die breite Käu-
ferschicht. Zumindest erinnern wir das so aus den 80ern,
als wir noch an der Hand von Mama durch die Innenstadt
geschleift wurden.
Dass es aber auch ambitionierter geht, zeigt derzeit
brands4friends.de. Die Idee dabei ist simpel und nahe lie-
gend: Die Macher kaufen attraktive Posten von Marken-
klamotten wie Dolce & Gabbana, Calvin Klein, Quicksilver
oder Nudie auf und bieten sie in begrenzter Menge im Rah-
men von zeitlich begrenzten Sonderaktionen an; bis zu 70
% unter dem regulären Ladenpreis. Kurzum: Hier wird die
Modewelt demokratisiert, auch abseits der Spitzenein-
kommen zugänglich gemacht. Bis dato sind seit dem Up-
load im September 2007 schon 200.000 User registriert,
darunter auch einige Player aus der Modewelt. Nicht um-
sonst wurde brands4friends.de im Jahrespoll des Webpor-
tals gruenderszene.de von einer Expertenjury auf Platz #1
in der Kategorie »Wirtschaftlicher Erfolg« gewählt. Aller-
dings, so viel Exklusivität sollte bei den gedroppten Mar-
kennamen doch drin sein, muss man vorher als Mitglied
der kostenlosen Community akzeptiert werden – dazu be-
nötigt man eine Einladung eines Mitglieds. Oder aber ihr
geht auf intro.de/brands4friends, wo wir 500 Zugänge ver-
geben. Einfach so.
Text: T.L. Renzsche
Verlosung
Wir verlosen je zwei H&M-Kollektionen
für Jungen (M) und Mädchen (38), be-
stehend aus einem Kapuzen-Sweater
und einem T-Shirt aus der jüngst
veröffentlichten, limitierten »Fashion
Against Aids«-Kollektion. In den meis-
ten Läden sind die »Fashion Against
Aids«-Produkte schon vergriffen. Hier
habt ihr noch mal die Chance, eines
abzugreifen. www.intro.de/gewinne
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usik von Pete D
oherty („Babysham
bles“)
und Joe Strum
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er („The Clash“)

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www.galileomedien.de
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Film
F
ür immer zwölf Jahre jung sein. »I’ve been twel-
ve forever«, gesteht Musikvideo- und Filmregis-
seur Michel Gondry in der Dokumentation auf
der Directors-Label-DVD über ihn. Zum ersten
Mal zwölf war Gondry im Jahr 1975. Damals liefen Filme
wie Scorseses »Taxi Driver« und Formans »Einer flog übers
Kuckucksnest« in den Kinos. Die werden in »Abgedreht
– Be Kind Rewind« leider nicht durch die filmhistorische
Wiederaufbereitungsanlage gejagt. Dafür gibt es skurri-
le Mini-Parodien von »Ghostbusters« bis »Men In Black«.
Wie auf einer essbaren Kette aus Süßigkeiten werden sie
in rascher Folge aneinandergereiht.
We’re afraid of no remake
Scheinbar sind alle Protagonisten aus Gondrys viertem
Spielfilm auf dem geistigen Niveau von Zwölfjährigen ste-
cken geblieben. Bei Jerry (Jack Black) kann man nicht ein-
mal sicher sein, ob er es überhaupt so weit geschafft hat.
Weil der Trailer, in dem er wohnt, neben einem Umspann-
werk abgestellt ist, trägt er Tag und Nacht Kopfbedeckun-
gen aus Metall. Dadurch sollen die Mikrowellen abgelenkt
werden, mit denen die Regierung – oder wer auch immer –
seine Gedanken unter Kontrolle zu bringen versucht. Als
ob bei ihm noch was zu retten wäre! Jerrys bester Kumpel
Mike (Mos Def) ist ebenfalls keine große Leuchte. Er hat es
aber immerhin zur Aushilfskraft der heruntergekomme-
nen Videothek von Mr Fletcher (Danny Glover) geschafft.
Fletcher verleiht Filme noch auf VHS und hat seine Kund-
schaft längst an die protzige DVD-Filiale an der nächsten
Ecke verloren. Die entscheidende Wendung: Ein gründlich
verpatzter Sabotageversuch am Stromnetz macht aus
Jerry einen wandelnden Magneten. Und sämtliche Bän-
der der Videothek beinhalten wegen ihm nur noch weißes
Rauschen. Als tatsächlich eine Kundin (Mia Farrow) im La-
den auftaucht und nach »Ghostbusters« verlangt, droht
die Panne aufzufliegen. Was tun? In ihrer Not beschlie-
ßen Jerry und Mike, den Film in aller Eile nachzudrehen.
»Ich bin Bill Murray – du bist alle anderen.«
»Ghostbusters« ist nur der Anfang. Mit Hilfe von Mikes
Videokamera und Jerrys Erfindungsreichtum als Auto-
mechaniker sowie unter Mitwirkung jeder Menge Alufo-
lie, Bindfaden und Pappkartons beginnen die Dilettanten-
Filmer ihr verlorenes Archiv wieder aufzufüllen. Drehorte
sind die Bibliothek, der Spielplatz und die Schrotthalde.
Letztere muss zugleich als Requisiten-Lager herhalten.
Nach und nach wird die gesamte Nachbarschaft in die
Selfmade-Produktionen eingespannt. Die Palette ihres
Schaffens reicht von »RoboCop« über die Muhammad-
Ali-Doku »When We Were Kings« bis hin zum Südstaa-
Michel Gondry / Abgedreht – Be Kind Rewind
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VERBESSE
FILM
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Film
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George und Mike Kuchar
Legendäre Lo-Fi-Twins aus New York
City, deren Filme berüchtigt sind für
mangelnde Handlungen, Inhalte und das
nicht vorhandene Schauspieltalent der
involvierten Darsteller. Gesäumt werden
ihre Karrieren von Namen wie Andy War-
hol, Kenneth Anger, Art Spiegelman und
John Waters.
ten-Melodram »Driving Miss Daisy«. Natürlich darf auch
der Lieblingsfilm des Viertels, »Der König der Löwen«, in
einer Art Puppentheater-Version nicht fehlen. Als der Er-
folg sich einmal eingestellt hat, ist er nicht mehr zu brem-
sen: Selbst lächerlich hohe Antrags-Hürden für eine Vi-
deotheken-Mitgliedschaft – inklusive Telefonrechnungen
und Blutprobe – können nicht verhindern, dass die Fan-
gemeinde täglich größer wird.
Twenty years of popcorn
Es ist nicht das verborgene Genie von Mike und Jerry, das
die kollektive Begeisterung für die Low-Tech-Bricolage
des Regieduos entfacht. Im unbedingten Durchhaltewil-
le unter widrigsten Bedingungen erinnern ihre Remakes
eher an die Camp-Ästhetik der Zwillingsbrüder George und
Mike Kuchar. Der vollständige Mangel an Schauspielta-
lent stellt sogar Ed Woods Kuriositäten-Kinoperle »Plan
Nine From Outer Space« in den Schatten.
»Abgedreht – Be Kind Rewind« probt das bizarre Auf-
einandertreffen von Mainstreamfilm und handgebastel-
tem Underground-Flair. Das Publikum erfährt ein perma-
nentes »Making-of« und Wiedersehen mit den Evergreens
der letzten zwanzig Jahre Popcorn-Kino. Auch für Insi-
derwitze ist gesorgt. So darf Jack Black die Seiten wech-
seln und im neuen »King Kong« das Monster spielen. Die
»Ghostbusters«-Heroine Sigourney Weaver bekommt ei-
nen Auftritt als herz- und humorlose Rechtsanwältin der
Filmindustrie. Sie sieht sich durch das Treiben nämlich
in ihren finanziellen Interessen verletzt und schickt die
Rechtsvertreter mitsamt Dampfwalze vorbei, welche die
selbst gedrehten – im Jargon des Films: »geschwede-
ten« – Bänder vor den Augen der versammelten Nach-
barschaft platt fährt.
Könnte man den Kampf der Kulturindustrie vs. die heil-
los romantisch erscheinende Utopie einer nicht-entfrem-
deten Produktion schöner inszenieren? Gondrys Helden
befördern den Begriff des »Guerilla-Filmmaking« auf neue
Höhen. Oder in neue Tiefen. Je nachdem. Hinter dem amü-
santen Bekenntnis zum Do-It-Yourself-Prinzip steht aber
ein geradezu philosophischer Gedanke: »Unsere Vergan-
genheit gehört uns. Wir können sie ändern, wenn wir wol-
len«, wie das Filmteam – natürlich erfolglos – den Gra-
nitköpfen der Urheberrechtsindustrie entgegenhält. Der
Ort dieser Utopie heißt heute selbstverständlich Internet.
Genauer gesagt verheißen ihn Videoportale wie YouTube,
Clipfish, MyVideo. Dort wimmelt es nur so von obskuren
Remakes, Neuerfindungen, umgeschnittenen Versionen
der Lieblingsfilme der User.
UNGSANSTALTEN
Clip-Regisseur Michel Gondry galt als Meister der kurzen Form, bevor er mit
Spielfilmen auf sich aufmerksam machte. In Gondrys »Abgedreht – Be Kind Rewind«
werden Blockbuster auf ihre Essenz verkürzt. Eine Metapher für die sogenannte
Demokratisierung der Bilder im Netz? Auch die Kurzfilmtage in Oberhausen müssen
sich mit der Wirkung von YouTube und Co. befassen. Dietmar Kammerer nimmt
Gondrys Film und die Planungen für das 54. Festival unter die Lupe.

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Film
MPAA
Abkürzung für Motion Picture Association
of America. Zu diesem Verband gehören
die sechs großen Major-Labels Holly-
woods: Walt Disney, Sony, Paramount,
20th Century Fox, Universal und Warner.
Und um deren Geschäftsinteressen geht
es natürlich auch, heutzutage vor allem,
wenn es um Copyright-Angelegenheiten
geht. Außerdem kontrolliert die MPAA das
Film Rating System, das Äquivalent der
hiesigen Freiwilligen Selbstkontrolle, die
Altersbeschränkungen für Filme festlegt.
The path of least resistance
Allerdings tritt an diesem Punkt auch schon das Dilemma
von »Abgedreht – Be Kind Rewind« deutlich hervor. Un-
sere Vergangenheit gehört uns? Jeder kann ein Künstler
sein? Gemessen an den hohen geäußerten Ansprüchen
an demokratische Selbstermächtigung, am zu verneh-
menden Ruf nach Aufstand gegen Corporate-Business-
Interessen sowie den Appellen an die Macht der eigenen
Fantasie, darf man das fertige Produkt tatsächlich der
Vorstellungswelt eines ahnungslosen Teenagers zurech-
nen. Natürlich schafft Gondry nicht den Sprung hinaus aus
den Bedingungen der Kulturindustrie, sondern inszeniert
nur deren Kreisen um sich selbst. Und selbstverständlich
werden im Abspann sorgfältig sämtliche zitierten Klassi-
ker gelistet, deren »re-enactment rights« sich die feder-
führenden Produktionsfirmen New Line Cinema und Par-
tizan zuvor vertraglich gesichert haben.
Das muss nun nicht überraschen, schließlich will nie-
mand mit Klageforderungen der MPAA überhäuft werden.
Bedauerlich ist allerdings, dass die »geschwedeten« Ver-
sionen ihren Vorbildern außer einer Überdosis Schrullig-
keit nichts hinzuzufügen haben. Nur mal zum Vergleich: Als
»Star Wars – The Phantom Menace« in die Kinos kam, kur-
sierte einige Zeit später unter der Hand eine Piraten-Ver-
sion. In dieser war Jar Jar Binks, der trottelige und allseits
verhasste Sidekick der stolzen Helden, komplett heraus-
geschnitten worden. Jene Fassung wurde derart beliebt,
dass einer schönen – und ganz bestimmt erfundenen –
Legende zufolge George Lucas nicht deshalb wütend wur-
de, weil er seine Autorenrechte verletzt sah, sondern weil
er nicht selbst auf die Idee gekommen war. An derartige
Vorstellungen, die tatsächlich dem Credo einer kreativen
Aneignung gerecht werden könnten, wagt sich Michel Gon-
dry nicht heran. Stattdessen werden die Szenen mit dem
höchsten Wiedererkennungswert der jeweils kopierten Fil-
me abgespult: die Fahrt auf der Tunnel decke in »Men In
Black« oder der Schleimangriff des grünen Schwabbel-
Monsters in »Ghostbusters«. Jack und Mike sind letztlich
keine Filmfreaks, sondern Hobbybastler, die sich stän-
dig fragen: Wie wurde das gemacht? Wie können wir die-
sen Effekt nachmachen? Anstatt: Wie könnten wir diesen
Film besser machen?
»Sometimes the best movies are the ones we make
up.« Gondrys Motto erfüllt sich erst am Schluss: Mit Hil-
fe der gesamten Community und mit einem eigenen Dreh-
buch machen sich Jack und Mike an ihr erstes richtiges
Filmprojekt: die frei erfundene Geschichte des Viertels
als Geburtsort der Jazz-Legende Fats Waller. Das kann
den Abriss der Videothek, die einem Stadtsanierungs-
programm weichen muss, jedoch auch nicht mehr auf-
halten. So endet der Film als nostalgische Hommage an
die Blütezeit des Jazz. Ebenjene Musik, die das freie Im-
provisieren und Wiederverwenden anderer Melodien zur
Kunstform erhoben hat.
Wird »Abgedreht – Be Kind Rewind« als VHS erschei-
nen? Nie im Leben. Wird es erlaubt sein, Remakes davon
herzustellen? Ganz sicher nicht. Halt, vielleicht doch. Auf
www.youtube.com/user/BeKindMovie hat Gondry eine
»geschwedete« Version seines eigenen Trailers hochge-
laden. In sämtlichen Rollen: er selbst.
Abgedreht – Be Kind Rewind
USA 2008
R: Michel Gondry; D: Jack Black, Mos Def, Danny Glover, Mia Farrow,
Melonie Diaz; 03.04.; Preview in Köln siehe www.intro.de

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Der Kurzfilm – die kleine Form ganz groß. Das, was jeder
machen kann, der in der Lage ist, eine Kamera zu hal-
ten. Dafür ist kein teurer High-Definition-Digitalappa-
rat mit Nachtsichtfunktion nötig. Ein Camcorder für den
Heimgebrauch tut’s ebenso. Vielleicht auch Vaters alte
Super-8. Oder schlicht ein Handy mit Kamerafunktion.
Wichtig sind Idee, Inszenierung, Dreh und Schnitt. Dann
ins Netz hochladen, verbreiten – und fertig! Plattformen
gibt’s reichlich, auch Festivals, die ausschließlich im In-
ternet stattfinden. Dass der Minutenfilm zum Mainstream
wird, hat medienökonomische Gründe: Weil sich die Zahl
der Kanäle rasant vervielfacht, bleibt pro Augenpaar weni-
ger Aufmerksamkeit übrig. Nur wer seine Botschaft, sein
Verkaufsargument, seine Selbstdarstellung schnell und
prägnant auf den Punkt bringt, hat eine Chance, wahrge-
nommen zu werden.
Noch hält Hollywood dagegen – kein Film, der ein Block-
buster werden möchte, kommt unter 120 Minuten zum
Schluss. Die epische Länge auf der großen Leinwand als
letztes Argument für die Kinokarte – und alles andere fin-
det im Netz statt? Auch das Kino kann sich letztendlich
dem Trend zum Kurzen nicht verschließen: Michel Gond-
ry hat der YouTube-Bewegung jetzt mit »Abgedreht – Be
Kind Rewind« ein Denkmal gesetzt. Die Helden der Video-
theken-Komödie produzieren selbst gemachte Filmchen,
die in nicht mehr als zwanzig Minuten vorüber sind – und
haben unerwartet Erfolg. Regisseur Gondry war schon im-
mer ein Spezialist, große Geschichten in kurzer Zeit abzu-
handeln. Als Musikvideofilmer hat er die White Stripes mit
Legosteinen animiert, Björk als Truckfahrerin und Bom-
benlegerin inszeniert. Kylie Minogue schickte er dreimal
auf Spaziergang mit sich selbst durchs Viertel.
Bereits seit zehn Jahren haben Musikvideos in Oberhau-
sen ein Forum auf der großen Leinwand: Dieses Jubiläum
wird im Zuge der dortigen 54. Internationalen Kurzfilmta-
ge vom 01.-06. Mai groß gefeiert – mit einer von Intro prä-
sentierten Party. Weniger spaßbetont wird der Rest des
Festivals ablaufen. So geht etwa das von den Filmema-
chern und Künstlern Sherry Millner und Ernest Larsen ku-
ratierte Programm »Grenzgänger und Unruhestifter« auf
die Suche nach Definitionen des Politischen: Wie haben
sich die Strategien des politischen Films und Videos ent-
wickelt – aktuell und in ihrer historischen Form? In Beglei-
tung zu den zahlreichen kuratierten Programmen sowie
zum internationalen und deutschen Wettbewerb werden
sich darüber hinaus ExpertInnen aus verschiedenen Diszi-
plinen in mehreren Panels über das Verhältnis von Gesell-
schaft und Bildung, von Ästhetik und medialen Inhalten
auseinandersetzen. Ein »Gespräch zwischen den Genera-
tionen« über den Begriff der »Kritik« unternehmen am 02.
Mai die AutorInnen Kerstin Grether und Jörg Heiser, der
Filmhistoriker Klaus Kreimeier und die Filmwissenschaft-
lerin Heide Schlüpmann. Der Dramaturg Carl Hegemann,
die Kuratorin Ruth Noack und der Autor Mark Terkessidis
(»Mainstream der Minderheiten«) treffen sich am 03. Mai
unter dem Titel »Das große Verstehen: Welche Bildung,
wessen Bildung?«, um über Kunstproduktion zu reden.
In einem Umfeld, wo Kunst als »Kulturelle Bildung« aller-
orts pädagogisch aufbereitet wird. Denn trotz der Vielfalt
der Formen und des Auftriebs, den der Kurzfilm zurzeit
erlebt: Ohne den Fokus aufs Politische bleibt die schöns-
te »Demokratisierung« des Filmemachens nicht viel mehr
als ein müßiger Zeitvertreib in Bits und Bytes.
Ein Vorausblick auf die 54. Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen
KLEINE FORM GANZ GROSS
Muvi-Gewinner-Clip 2007: Sieht so ein Sieger aus?
Links:
www.kurzfilmtage.de
www.bekindmovie.com
www.youtube.com/user/BeKindMovie
www.youtube.com/watch?v=-
B0dJQ35rDs
Jack Black und Mos Def schön verpackt. Oder: Wie aus
Couch Potatoes und Pantoffelhelden glitzernde Stars
werden. Michel Gondry macht's möglich.
159_Musik_Steil.indd 67 13.03.2008 3:05:09 Uhr
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Film
Im letzten Jahr wäre Falco 50 Jahre alt geworden. Vor zehn Jahren ist er bei einem Au-
tounfall ums Leben gekommen. Das Biopic »Verdammt, wir leben noch« versucht eine
Annäherung an die private Person und die öffentliche Figur. Vom »Kommissar« bis zum
»Mann mit dem Koks«. Wolfgang Frömberg traf Regisseur Thomas Roth in Wien.
M
it Elvis Presley hat der österreichische Bub
Johann Hölzel mehr gemein, als man zu-
nächst glauben mag. Nicht nur die Anzahl
der Buchstaben seines Künstlernamens
legt Analogien nahe. Auch die Abwesenheit der verstor-
benen Geschwister – Elvis war einsamer Zwilling, Falco
gar einzig überlebender Drilling – und das Faible für ver-
botene Substanzen verbindet die beiden Sängerknaben.
Bewusste Ernährung geht anders. Elvis starb 1977 im Al-
ter von 42 Jahren, Falco trat 1998 kurz vor seinem 41. Ge-
burtstag ab. Ihr Ruhm wirkt nach. Während jährlich gut ei-
ne halbe Million Schwärmer die Pilgerstätte Graceland in
Memphis besuchen, um durch Presleys Wohnstube zu ta-
pern, schleichen Falcos Bewunderer auf dem Wiener Zen-
tralfriedhof herum, wo der »erste weiße Rapper« von Mit-
gliedern der Motorrad-Gang »Outsider Austria« zu jenem
Grabe getragen wurde, auf dem eine Glastafel an seine
größten Hits erinnert. Elvis wurde zum Abgott, Falco war
immerhin ein Weltstar. Von den Gesichtsprominenten der
aufsteigenden Boulevardkultur unterscheidet sich seine
glamouröse Figur durch ihre vom Alltag enthobene Künst-
lichkeit. Nachdem er sein Alter Ego als arroganter Schnö-
sel entworfen hatte, existierte »der Hans« nur mehr für
sein privates Umfeld. Dass der Bub sich auch dort ab ei-
nem gewissen Punkt arrogant und egozentrisch aufführ-
te – davon handelt unter anderem Thomas Roths Biopic
»Verdammt, wir leben noch«.
Mit Ian Curtis und Bob Dylan hat der in Wien geborene
Falco auch was gemeinsam. Nämlich, dass im Jahr von
»Control« und »I’m Not There« zudem eine Verfilmung sei-
nes Lebens in die deutschen Kinos kommt. Zwar hat »Ver-
dammt, wir leben noch« hierzulande bislang keinen Ver-
Thomas Roth / Verdammt, wir leben noch
WIENS GROSSER
AUSSENSEITER
159_Musik_Steil.indd 68 13.03.2008 3:06:11 Uhr
Film
069
leih, man kann aber davon ausgehen, dass der kommerziell
erfolgreiche Start in Austria mit rund 100.000 Besuchern
nach einer Woche dazu beitragen wird, den Film im Jahr
des zehnten Todestags von Falco und der Fußballeuropa-
meisterschaft in Österreich auch in der BRD bestens ver-
markten zu können.
Für die Produzenten wäre das eine Erleichterung. Regis-
seur und Drehbuchautor Thomas Roth jedenfalls scheint
froh, erst mal keine weiteren Landsleute von der Presse
vor sich zu haben, deren Kritik schon bei der Besetzung
der Hauptrolle anfängt. Das Andenken an Falco ist so was
wie ein Heiligtum im kollektiven nationalen Gedächtnis –
und der Neidfaktor laut Roth erheblich. Da kann man sich
eigentlich nur in die Nesseln setzen. Roth wollte ursprüng-
lich Robert Stadlober. Nachdem der abgesagt hatte, ent-
schied er sich für ein unverbrauchtes Gesicht mit einer äu-
ßerlichen Nähe zum Original. Manuel Rubey verkörpert die
private Person Hölzel und die öffentliche Figur Falco mit
im Handlungsverlauf zunehmender Eindringlichkeit. Wo
er in den ersten Szenen hölzern wirkt in seiner Hochnä-
sigkeit, trifft er den irren Blick beim späteren Auftritt als
Kulttype auf dem Donaufestival ganz wunderbar. Wäh-
rend Hölzel sich von seiner ersten Freundin und seiner
Ehefrau als dummer Macho verlachen lassen muss, lie-
gen Falco die Massen zu Füßen. Eine Diskrepanz, die sich
hier in Rubeys Augen ablesen lässt. Neben dem Telefonat
mit der Tochter, die nicht Falcos leibliches Kind ist, einer
der stärksten Momente des Films.
Mit dem wirklichen Falco hat der von Rubey gespiel-
te vor allem die biografischen Eckdaten gemein. Thomas
Roth legte nach eigener Aussage bei der Darstellung sei-
nes Filmhelden Wert auf Authentizität. Allerdings kann Au-
thentizität immer nur ein Teil der Inszenierung sein – und
die Quellen waren wegen des noch zu Falcos Leb-
zeiten vertraglich gesicherten Schweigens seiner
Ex-Gattin Isabella (im Film Jacqueline) und der
Krankheit seiner Mutter nicht alle zugänglich.
Anders als Todd Haynes’ »I’m Not There«, da-
für ähnlich wie Anton Corbijns »Control« ist
Thomas Roths Biopic nichtsdestotrotz mit
der Dekonstruktion aller möglichen Mythen
rund um das öffentliche Image des Künst-
lers beschäftigt. Das lässt zwei Schlüsse
zu: Entweder bedauert man den Blick durchs
Schlüsselloch, der den permanenten menschli-
chen Niedergang vom »Hans« ins Visier nimmt,
oder man erfreut sich an der realistischen
Darstellung des freudlosen Vegetierens
im kulturindustriellen Sumpf, wo allein
gute Verkaufszahlen vorübergehend
Glück verheißen. Der Falco aus »Ver-
dammt, wir leben noch« hat sich selbst
verwirklicht, indem er sich vollkommen
verausgabt hat. Aus dem Bub, der
die Schule schwänzte, um ins Kino
zu gehen, wurde eine koksende,
Videos glotzende Couch-Pota-
to. Letzte Zeugin seines wider-
sprüchlichen Werdegangs ist im
Film keine Geringere als Grace
Jones. Den Tod durch einen Au-
tounfall hat Falco mit James Dean
gemeinsam.
Alles weitere über »Verdammt, wir leben
noch« auf www.falcoderfilm.at.
A
lbert, Barbara. Autorin, Produzen-
tin und Filmregisseurin (»Nordrand«,
»Böse Zellen«, »Fallen«). Hat gemeinsam
mit Jessica Hausner, Antonin Svoboda
und Martin Gschlacht die Produktionsfir-
ma Coop99 gegründet.
B
ussi und Baba. Grußformel auf Ös-
terreichisch. Hört man in Austro-Ko-
mödien ständig. Heißt ins Hochdeutsche
übersetzt: Küsschen und Tschüss.
C
oop99. Produktionsfirma im Besitz
von Filmschaffenden. Laut Eigen-
werbung die »Plattform einer neuen Fil-
memacherInnen-Generation«. Unter an-
derem für »Free Rainer«, »Slumming« und
»Immer nie am Meer« verantwortlich.
D
iagonale. Festival des österreichi-
schen Films in Graz. Festivalzentrum
ist das Kunsthaus, eine Ausstellungshalle
in biomorpher Architektur mit aufwendiger
Medienkunstfassade.
E
dition österreichischer Film. Samm-
lung von 100 ausgewählten Spiel-,
Dokumentar- und Experimentalfilmen auf
DVD, herausgegeben unter der Schirm-
herrschaft von der Tageszeitung Der Stan-
dard und dem Filmarchiv Austria.
F
ilmmuseum Wien. Kein Museum, son-
dern eine Kinemathek. Epizentrum
der österreichischen Cinephilie. Direktor
Alexander Horwath war 2007 Filmkurator
der documenta 12 und soll zweimal das
Angebot abgelehnt haben, ans New Yorker
MoMA zu wechseln.
G
artenbaukino. Das glanzvollste Kino
der Viennale, mit 736 Sitzplätzen
das letzte große Nicht-Multiplex in der
Wiener Innenstadt. Martin Scorsese hat
darüber gesagt, für eine solche Leinwand
habe er seine Filme erträumt.
H
aneke, Michael. Regisseur. »Für
mich sind Hanekes Filme notwendige
Filme. Von Zeit zu Zeit sollte man sie sich
ansehen. Aber sicher nicht immer« (Juli-
ette Binoche, Hauptdarstellerin in seinem
Film »Caché«).
I
ndien. Gefühlte Gegend in Niederös-
terreich, glaubt man der gleichnami-
gen Tragikomödie von Alfred Dorfer und
Josef Haderer über zwei Gesundheitsbe-
amte, die in der Provinz Gasthäuser auf
die Einhaltung von Hygienebestimmungen
überprüfen.
J
elinek, Elfriede. Schriftstellerin. Lite-
raturnobelpreisträgerin. Kulturinsti-
tution. Mehrere ihrer Romane wurden ver-
filmt, zuletzt »Die Klavierspielerin« durch
Michael Haneke. Was sie davon hält,
steht auf www.elfriedejelinek.com.
K
olik-Film. Halbjährliche Pu-
blikation, die Film und Kino
als künstlerische, gesellschaftli-
che und politische Praxis ernst
nimmt und dabei von akademi-
schem Jargon genauso entfernt
ist wie von marketingdiktier-
ten Hochglanz-Faseleien. www.
kolikfilm.at
L
isl Ponger. Filmemacherin, Fo-
tografin, Künstlerin. Beschäf-
tigt sich in Filmen wie »Phantom
fremdes Wien« mit Reisen, Tourismus, vi-
sueller Kultur, Exotismus, dem Fremden
und dem Eigenen. www.lislponger.com
M
elange. Kaffee. Wird hergestellt
aus (kandierten) Kaffeebohnen,
aufgeschäumter Milch und obendrauf Ka-
kaopulver. Andere Wiener Kaffeesorten
heißen Kapuziner, Franziskaner, Kleiner
Brauner oder Einspänner.
N
ordrand. Vielfach preisgekrönter De-
bütfilm von Barbara Albert mit Nina
Proll, Edita Malovèiæ und Georg Friedrich
über zwei Schulfreundinnen, die sich nach
Jahren zufällig in einer Abtreibungsklinik
wiedersehen.
Ö
sterreichischer Dokumentarfilm.
Mit Titeln wie »We Feed The World«,
»Workingman’s Death«, »Darwin’s Night-
mare«, »Unser täglich Brot« nicht nur po-
litisch engagierter als der deutsche, son-
dern auch um einiges erfolgreicher.
P
rückel. Wiener Kaffeehaus an der
Ringstraße. Beliebter Treffpunkt von
Künstlern und Cineasten während der Vi-
ennale, die sich dort ihren Nachschub an
hausgemachten Mehlspeisen abholen.
Q
ualtinger, Helmut (1928-1986).
Schauspieler, Kabarettist, Rezita-
tor. Berühmt und berüchtigt geworden als
»Der Herr Karl« (1961). Die Entlarvung des
Spießbürgers als Mitläufer der NS-Zeit
gelang ihm so gut, dass er Morddrohun-
gen erhielt.
R
uzowitzky, Stefan. Regisseur und
frisch gebackener Oscar-Preisträ-
ger für »Die Fälscher«. Außerdem verant-
wortlich für Regie und Drehbuch von »Die
Siebtelbauern« und dem Mediziner-Hor-
ror »Anatomie«.
S
ixpackfilm. Filmverleih und -vermark-
ter. Vermittelt die aktuelle Film- und
Videoproduktion der in- und ausländi-
schen Avantgarde- und Experimental-Sze-
ne an internationale Festivals. www.six-
packfilm.com; www.index-dvd.at
T
scherkassy, Peter. Kurator und Expe-
rimentalfilmer (»L’Arrivée«, »Get Rea-
dy«, »Outer Space«, »Dream Work«, »Ma-
nufraktur«, »Instructions For A Light And
Sound Machine«). Macht mit Found Foot-
age die schönsten Filme ohne Kamera.
U
ntertitel. Österreichisch ist nicht
Deutsch und Vorarlbergerisch ist
nicht Wienerisch. Wenn die Figuren keine
Hochsprache sprechen, müssen die Filme
für den deutschsprachigen Markt mit Un-
tertiteln übersetzt werden.
V
iennale. Internationales Filmfest
Wien. Vergibt keine goldenen Statu-
etten und legt keine Teppiche aus. Führt
aber jedes Jahr im Oktober eine Auswahl
der interessantesten Spiel- und Doku-
mentarfilme des aktuellen Weltkinoge-
schehens vor. www.viennale.at
W
eingartner, Hans. Ist, entgegen
hartnäckigen Gerüchten, kein deut-
scher, sondern ein österreichischer Filme-
macher, der in Berlin lebt. Hat Neurowis-
senschaften studiert und lieferte mit »Das
weiße Rauschen« eine filmische Studie
über Schizophrenie ab.
X
aver Schwarzenberger. Kameramann
und Regisseur aus Wien. Hat für
Fassbinder »Berlin, Alexanderplatz« und
»Lili Marleen« fotografiert und ist später
selbst in den Regiestuhl gewechselt, unter
anderem für »Otto – Der Film«.
Z
ufall. Beliebtes Motiv im neuen öster-
reichischen Film, u. a. in »Spiele Le-
ben« (Antonin Svoboda), »71 Fragmen-
te einer Chronologie des Zufalls« (Michael
Haneke) und »Böse Zellen« (Barbara Al-
bert). Ein Zufall kann das nicht sein.
Dietmar Kammerer
Film-ABC für Österreich
159_Musik_Steil.indd 69 13.03.2008 3:06:47 Uhr
070
Film
Heinz Strunk / Fleisch ist mein Gemüse
DIE EWIGE
WURSTELEI
Keine Kulisse für Tragödien: so sieht's bei Strunks zu Hause aus
159_Musik_Steil.indd 70 13.03.2008 3:07:15 Uhr
Film
071
D
ie vermeintlich schlechte Nachricht zuerst:
Der Hamburger Regisseur und Autor Chris-
tian Görlitz (»Freier Fall«, »Das Böse«, »Au-
ßer Kontrolle«, »Die Geisel«) hat »Fleisch ist
mein Gemüse« verfilmt, das erstaunlich komische Buch
von Heinz Strunk. Und sein Film ist gar nicht mal so ko-
misch. Wenn man wollte, könnte man Görlitz also vorwer-
fen, dass er nicht das leistet, was Strunk auf so eloquente
Art mit seinem Buch gelungen ist: der Tragödie mit erzäh-
lerischen Mitteln direkt in ihrer Schilderung die komischen
Seiten abzuringen – oder besser: sie ihr einzuschreiben.
Doch dieser Missstand hat einen guten Grund. Und kei-
ne Angst, am Ende dieses Textes ist der Film trotz extre-
mer Untertöne eine Komödie. Warum das so sein muss,
erklärte Friedrich Dürrenmatt, der uns schon im Deutsch-
unterricht um den Verstand gelangweilt und seine Theater-
stücke durchweg als Komödien bezeichnet hat, in seinem
gleichnamigen Aufsatz über »Theaterprobleme«
Strunks autobiografisch angelegter Held, im Film sehr
eindringlich von Maxim Mehmet dargestellt, pendelt zwi-
schen Verzweiflung und Nichtverzweifeln, zwischen Ohn-
macht und Aufbegehren. Er ist ein Loner, ein Freak, ge-
zeichnet von einer schlimmen »Aktentaschen-Akne«, wie
Helge Schneider sagen würde. Trotz Star-Ambitionen lebt
er vor den Toren der Stadt in einem tristen Reihenhäus-
chen bei seiner psychisch kranken Mutter. Zunächst wirkt
es so, als würde er sich seinem Schicksal ergeben, um
bis ans Ende aller Tage gemeinsam mit Rosi, der überge-
wichtigen Nachbarin ohne Mann, im stinkigen Wohnzim-
mer dahinzuvegetieren und den Schmerz des Lebens mit
Alkohol zu betäuben. Doch dann rafft sich Heinz auf und
schickt sich an, gegen alle eigenen und fremden Wider-
stände seinen Weg als Berufsmusiker zu gehen. Wie die
Jungfrau zum Kinde kommt er zu einer Position als Sa-
xofonist in einer Kappelle mit dem schönen Namen Tif-
fanys. Nicht »The Tiffanys«! Darauf legt Bandleader Gur-
ki gesteigerten Wert, warum auch immer. Es folgt eine Art
»Spinal Tap« mit Tanzmusikern in der Rolle von Rockstars.
Ihre Welt sind die improvisierten Show-Bühnen, ob auf
dem Schützenfest oder im Altersheim. Die Devise lautet:
»Abliefern.« Aber in Heinz keimt mehr ...
»Ich weiß, was du meinst«, beruhigt mich Heinz. »Ich fin-
de die dramatischen und traurigen Szenen auch besser als
die lustigen.« Dennoch, und das bestätigen auch die aus-
nehmend gut informierten PR-Kräfte, gab es wohl bei den
ersten Vorführungen viele Lacher. Schallend laut sollen
sie darüber hinaus gewesen sein. Dazu kann ich nichts sa-
gen, ich habe den Film in Begleitung von drei Bodyguards
gesehen, die zuvor mein Telefon und meinen Fotoapparat
beschlagnahmt hatten. Das mag natürlich auch etwas auf
die Stimmung gedrückt haben. Aber später, als wir über
den zwar hervorragend von Andreas Schmidt gespielten,
aber dennoch etwas zu hysterisch angelegten Gurki spre-
chen, präzisiert Heinz noch mal das Ding mit der Komik:
»Für mein Empfinden hätte es gereicht, Schmidt sozusa-
gen nur Gurki spielen zu lassen. Aber Görlitz war aus dra-
maturgischen Gründen der Meinung, dass man die Figur
eben so anlegen muss – als Hofnarr und als sehr eindi-
mensionale Quatschfigur. Ich sehe das eigentlich genau-
so wie du: Wenn der Film komisch sein will, ist das schwä-
cher als die ernsthaft traurigen Sachen. Daran sieht man
aber eben auch – das ist ja Görlitz’ erster Kinofilm, und
der Mann ist ja bekannt für so härteste Psycho-Sozial-
Dramen –, dass das sein eigentliches Anliegen ist. Es ist
das, was er seit Jahrzehnten macht.« Ist es das Geheim-
nis dieses Films, dass der Regisseur gar keine Komödie
machen wollte?
»Ich habe mich entschieden, neben den komischen Bil-
dern eine realistische Geschichte zu erzählen«, erklärt
Christian Görlitz im Presseheft. Etwas weiter unten fügt
er noch hinzu: »Einige Filme der letzten Zeit gaukeln Re-
alität vor, bleiben aber dennoch nur aneinandergereihte
Sketche, die wie Witze erzählt werden. Aber in dem Mo-
ment, wo das wirkliche Leben anfängt, wird es doch erst
spannend. Nur: Da gibt es keine Comedy mehr, da beginnt
die Tragikomödie!«
Das Wort, das ich bisher nicht nur aus Manierismus
vermieden habe, trifft es nicht wirklich. Könnte es sein,
dass »Fleisch ist mein Gemüse« keine Tragikomödie ist,
sondern die erste deutsche Reality-Komödie, seit Det-
lev Buck keine mehr macht (also seit circa 1993 und »Wir
können auch anders ...«)? Wenn der Begriff nicht so fies
wäre, könnte er darüber hinaus dazu dienen, noch mal
deutlich auf das Wichtigste und Beste dieses Films hin-
zuweisen: das Casting. Mein Liebling ist die dicke Rosi,
während Heinz schon bei der Erinnerung an die schau-
spielerische Leistung von Susanne Lothar als seine Mutter
etwas blass um die Nase wird. Und bei einem seiner sel-
tenen Besuche während der Dreharbeiten konnte Heinz
Maxim Mehmet aus den Augenwinkeln beobachten, wie
er einfach so in der Gegend rumstand: »Da hatte ich das
Empfinden, das bin ich – auch in dieser Grundanmutung
von Verlorenheit und von tiefer Melancholie durchdrun-
gen.« Sagt es, grinst fast unmerklich, und bevor es zu ku-
schelig wird, fügt er noch hinzu: »Man weiß gar nicht, wo-
her die guten Schauspieler das haben, so ein intuitives, ...
man kann da auch gar nicht von intellektuell durchdringen
sprechen. Viele Schauspieler sind ja auch schon ernst-
haft doof und können trotzdem tierisch gut spielen, be-
greifen gar nicht, was sie da machen, aber sie machen es
trotzdem gut.« So oder so – und das ist letztlich die wich-
tigste Erkenntnis –, diesen Film haben sie in jeder Bezie-
hung gut gemacht.
Fleisch ist mein Gemüse
D 2008
R: Christian Görlitz; D: Maxim Mehmet, Andreas Schmidt,
Susanne Lothar, Heinz Strunk; 17.04.
Rechtzeitig vor der Veröffentlichung des neuen Romans »Die Zunge Europas« kommt
die Verfilmung von Heinz Strunks Debüt in die Kinos. Eine Komödie zum Weinen? Eine
Tragödie zum Lachen? Alter Buck in neuen Schläuchen? Lars Brinkmann traf Herrn
Strunk und liefert Erklärungen. Foto: Susanna Goodewardena
Theaterprobleme
»Die Tragödie setzt Schuld, Not, Maß,
Übersicht, Verantwortung voraus. In
der Wurstelei unseres Jahrhunderts, in
diesem Kehraus der weißen Rasse, gibt es
keine Schuldigen und auch keine Verant-
wortlichen mehr. Alle können nichts dafür
und haben es nicht gewollt ... Wir können
das Tragische aus der Komödie heraus
erzielen, hervorbringen als einen schreck-
lichen Moment, als einen sich öffnenden
Abgrund, so sind ja schon viele Tragödien
Shakespeares Komödien, aus denen
heraus das Tragische aufsteigt. Nun liegt
der Schluß nahe, die Komödie sei der
Ausdruck der Verzweiflung, doch ist dieser
Schluß nicht zwingend. Gewiß, wer das
Sinnlose, das Hoffnungslose dieser Welt
sieht, kann verzweifeln, doch ist diese
Verzweiflung nicht eine Folge dieser Welt,
sondern eine Antwort, die er auf diese
Welt gibt, und eine andere Antwort wäre
sein Nichtverzweifeln, sein Entschluß
etwa, die Welt zu bestehen, in der wir oft
leben wie Gulliver unter den Riesen.«
159_Musik_Steil.indd 71 13.03.2008 3:07:47 Uhr
Flosse abgeschnitten, anschließend wirft man ihn zurück
ins Wasser, wo er langsam und qualvoll stirbt. Der Rest der
Geschichte folgt der Logik und Verwertungskette der Dro-
genindustrie mit einem entsprechenden Hintergrund von
Korruption und Brutalität.
Es bedurfte ein paar Sonderlinge, um auf diese Ab-
scheulichkeit hinzuweisen. Allen voran Rob Stewart, Fo-
tograf, Taucher, Hai-Spezialist und Regisseur von »Shark-
water«. Was als Doku über die faszinierenden, oft miss-
verstandenen Ur-Viecher begann, endete in einem Krimi-
reifen Drama, das sich über vier Jahre und 15 Länder er-
strecken sollte. Unterstützung erhielt Stewart von Paul
Watson, bekannt als einer der Urväter von Greenpeace.
Ein Mann, der mehrere Walfänger versenkt hat. Im Ge-
gensatz zu seinen alten Kameraden schreckt Watson mit
seiner Sea Shepherd Conservation Society auch nicht vor
militanteren Aktionen zurück. Dieser Garant für Action
und knapp 20 Auszeichnungen sollten auch dem größten
Schisser genug Grund geben, sich mit »Sharkwater« den
eigenen Ängsten zu stellen. Wie sagen Bruce, Hammer und
Hart in »Findet Nemo«: Fische sind Freunde, kein Futter!
Lars Brinkmann
Sharkwater – Wenn Haie sterben (USA 2006; R: Rob Stewart; 10.04.)
Flossen aus der Suppe! Eigentlich wollte Rob Stewart, Fotograf, Taucher und Hai-Experte,
eine Doku zum besseren Verständnis der gefürchteten Meeresungeheuer drehen,
»Sharkwater« aber ist ein Krimi geworden, der von menschlichen Abgründen handelt.
H
aie genießen unter Tierfreunden keine Lob-
by. Sie sind weder kuschelig noch warm.
Sie verzaubern nicht mit großen Kullerau-
gen und verhalten sich nicht ansatzweise
so possierlich wie ihre Konkurrenten, diese ewig grinsen-
den Tätowiervorlagen. Selbst die Klassifizierung klingt ir-
gendwie eklig: Knorpelfisch. Dennoch können sie einem
leid tun.
Es sind mal wieder unsere asiatischen Freunde, die ei-
ner bedrohten Tierart extrem zusetzen und an ihrer fina-
len Ausrottung arbeiten. Bis zu zwölf Millionen Haie fallen
im Jahr der Fischerei und der Gier nach den Flossen zum
Opfer. Haiflossen gelten in China und vielen anderen Tei-
len Asiens als Delikatesse – für einen Teller der mit ihnen
bestückten Suppe muss ein skrupelloser Feinschmecker
umgerechnet ca. 150 Dollar hinblättern. Für Menschen,
die meinen, alles fressen zu müssen, weil sie an der Spit-
ze der Nahrungskette stehen, scheint das im ersten Mo-
ment ein fairer Preis zu sein. Das Problem: Die Begehr-
lichkeit oder auch Nachfrage bestimmt den Preis auf dem
»Rohstoffmarkt«. Das blutige Geschäft mit den Haiflos-
sen brummt – und wie überall, wo viel Geld zu holen ist,
herrschen hier mafiöse Strukturen. Das Verbrechen fängt
beim sogenannten Finning an. Dem lebenden Hai wird die
072
Film
Chiko
Ein aufgetunter Mercedes, ein fettes
Appartement in der Stadt und eine neue
Niere für Chikos Mutter. Die beiden Bud-
dys Chiko (Denis Moschitto) und Tibet
(Volkan Özcan) wissen genau, was sie
wollen – und wie sie es erreichen kön-
nen. Drogendealer heißt das Zauberwort,
das sie zum Glück führen soll. Doch dafür
müssen sie sich erst mit dem Hambur-
ger Drogenboss Brownie (Moritz Bleib-
treu) kurzschließen. Der gibt den Novi-
zen eine Chance, die der trottelige Ti-
bet jedoch ordentlich in den Sand setzt.
Ohne Chikos Wissen unterschlägt er Geld
bei ihrem ersten Deal und muss dafür von
Brownies Schlägercrew eine ordentliche
Tracht Prügel einkassieren. Soll Chiko
sich nun aus Loyalität auf die Seite sei-
nes Freundes schlagen oder beim Chef,
der ziemlich angetan von dem cleveren
Kerlchen ist, im Schnellschritt die Kar-
riereleiter erklimmen? Die Handlung von
Özgür Yildirims Regiedebüt ist alles an-
dere als neu und ziemlich vorhersehbar.
Besonders an »Chiko« ist jedoch die Här-
te und Brutalität, mit der die Geschichte
der beiden Freunde erzählt wird, die aus
ihren einfachen Verhältnissen ausbre-
chen wollen. Dabei orientiert er sich an
so großen Vorbildern wie Scorsese und
Fatih Akin, der Yildrims Debüt auch pro-
duzierte. Durch die klischeehaften Sätze,
die der Regisseur seinen Protagonisten in
den Mund legt, verdeutlicht er wohl tat-
sächlich am besten den Zwiespalt zwi-
schen ihrem weichen Kern und harten
Äußeren, das sie zum Überleben an den
Tag legen müssen. Und das ihre Ärsche
schlussendlich doch nicht rettet.
Bettina Schuler
Chiko (D 2007; R: Özgür Yildirim; D: Moritz
Bleibtreu, Denis Moschitto, Volkan Özcan, Fahri
Ogün Yardim, Reyhan Sahin; 17.04.)
HAI FIDELITY
159_Weiter.indd 72 13.03.2008 1:10:55 Uhr
Film
073
Meer is nich
Festivalidylle: feiern, tanzen, mit Freun-
den den Sommer genießen. Zelt is nich
– geschlafen wird gleich unter freiem
Himmel. Lena ist es satt, sich von Besof-
fenen die Jacke vollkotzen zu lassen. Die
17-Jährige hat zwar keine Ahnung, was
sie will, das hier ist es aber definitiv nicht.
Auch die Ausbildung, die ihren Eltern für
sie vorschwebt, ist nicht ihr Ding. Ihr Va-
ter ist ein arbeitsloser Heuchler, und
Lena geht die eigene Orientierungslosig-
keit selbst auf den Geist. Aber was willst
du machen in der ostdeutschen Provinz,
wenn die Perspektiven ernüchternd sind?
Antwort: Schlagzeug spielen.
Oje! Wenn sich Kino an Jugendkul-
tur versucht, dann kann das schnell so
formelhaft enden wie zuletzt in »Berlin
am Meer«. Man kann sich aber natürlich
auch direkt bei der Zielgruppe selbst
nach ihren Träumen, Wünschen und Zie-
len erkundigen, so wie das zuletzt Bet-
tina Blümner mit »Prinzessinnenbad«
getan hat. Der Debütfilmer Hagen Kel-
ler sieht die Sache ganz ähnlich und nä-
hert sich seiner unwahrscheinlichen Hel-
din auf Augenhöhe. Ein Indie-Girl trom-
melt sich den Frust vom Leib – klingt
nach Fetischistenkino, ist aber überra-
schend einfühlsam. Die Nähe zum Sub-
jekt erreicht Keller beiläufig, aber nach-
haltig auch durch die Einbindung von
Lenas Schrott-Band Sleazy Inc. Opera-
ted in die Handlung und verwirklicht da-
mit eine zeitgemäße Idee von Punk. Eli-
nor Lüdde wurde für ihre Hauptrolle mit
dem Bayrischen Filmpreis belohnt. Wohl
zu Recht. Sie ist zwar mit Mitte zwanzig
ein wenig älter als Lena, verkörpert die
Ruhelosigkeit Heranwachsender aber
glaubhafter als all die Schmollmünder
und Rehaugen, die sonst für so etwas
bereitstehen.
Alexander Dahas
Meer is nich (D 2008; R: Hagen Keller; 27.03.)
Verlosung: 5 x T-Shirt und 3 x 2 Tickets auf intro.de
B
esser eine Filmkritik oder eine Konzertbe-
sprechung schreiben? Oder beides hinterei-
nander? Martin Scorsese liefert ein kurzes
Intro, das die Scharmützel zwischen ihm und
der Band – vor allem Jagger – veranschaulicht. Nach einer
Stippvisite von Bill Clinton mit Anhang – die beiden Kon-
zerte, die die Basis für die Rolling-Stones-Konzert-Doku
»Shine A Light« liefern, fanden am 29. Oktober und 1. No-
vember 2006 im Beacon Theatre in New York anlässlich von
Clintons 60. Geburtstag statt – geht es dann gleich los: Die
Mitt-60er betreten die Bühne. 16 Kameras sind in Position.
Die Konzertsituation hat mit der üblichen Stadiongiganto-
manie der Band nicht viel gemein: Vor relativ kleinem Pu-
blikum und auf einer normal proportionierten Bühne spie-
len die vier Stones und ihre Dauergäste ohne Mitglieder-
status, Bassist Darryl Jones und Keyboarder Chuck Lea-
vell. Hinzu kommen Bläser und Sänger. Außerdem tre-
ten der ehrfürchtig lächelnde Jack White, der supercoole
Bluesveteran Buddy Guy und die peinlich-überkandidelte
Christina Aguilera auf. Die Band spielt viel Blues-Rock, so-
gar ein Country-Stück. Keine Joint Ventures mit VW oder
AmEx trüben das wertkonservative Rock’n’Roll-Gefühl.
Dennoch ist dieses Reiche-spielen-für-Reiche-Szena-
rio eher strange. Und auch die vor der Bühne stehenden
Töchter der Reichen geben ein komisches Bild ab. Trotz-
dem wird es nie langweilig. Dazu tragen zwar auch die hin
und wieder eingestreuten historischen Interview-Sequen-
zen mit den Stones bei, aber neben der infantil-sportlichen
Show von Jagger und dem drolligen Posing von Richards
ist das vor allem ein Verdienst der Inszenierung: In schnel-
len Schnitten wechseln die Kameraeinstellungen, springen
zwischen den einzelnen Musikern hin und her und fahren
an der Bühne entlang und über den Zuschauersaal hinweg.
Seltsamerweise wirkt das nie wie eine betont jugendlich
entfesselte Kamera – und es führt auch nicht zu einer ro-
ckistischen Geilheit, auf die Fingerfertigkeiten zu zoomen.
Scorsese hat nach seinen Elvis- und The-Band-Konzertfil-
men, seinem Bluesfilm »Feel Like Going Home« und seiner
überlangen Dylan-Doku »No Direction Home« wieder ein-
mal gezeigt, dass er Film und Musik wirkungsvoll zusam-
menbringen kann. Filmrezension und Konzertbericht kom-
men zu dem gleichen Schluss: überraschend gelungen.
Shine A Light (USA 2008; R: Martin Scorsese; 04.04.)
Verlosung: 5 x Soundtrack auf www.intro.de
FIDELE ALTE ROCKER
Martin Scorsese gönnt sich einen weiteren Altherren-Triumph. Seine Dokumentation
des Rolling-Stones-Gigs bei Bill Clintons Geburtstagsparty ist gar nicht so langweilig
wie gedacht. Christian Meyer erklärt, wie und warum »Shine A Light« funktioniert.
Wie ist eine Verbindung von Arbeitssucht mit sozialsystemischer Kritik zu bewerkstelligen? Franziska Stünkel gelingt
das Kunststück in intensiven Szenen und dank erstklassiger Ensemblearbeit mit ihrem Spielfilmdebüt »Vineta«. Der
Makel einer zu arg strapazierten Ausgangsmetapher sollte ihr verziehen werden. Warum? Weil deutsches Nachwuchs-
kino derzeit zu wenige Stünkels auf die Leinwand lässt. Autorenfilmer also, die sensibel nach der Wunde »Arbeitsgesell-
schaft« tasten. Nicht, weil sie blindwütig wehtun wollen, sondern um den
Schmerz daran sichtbar zu machen. Wer kennt keinen Typen in seiner
näheren Umgebung, der so ist wie die Figur des Architekten Seba-
stian Färber? Begabte Hochleistungsmotivierte gibt es en masse.
Sie sind vermehrt in Berufsgruppen der (Zwangs-) Selbstständigen
zu finden – medizinisch, lehrend, organisatorisch, künstlerisch und
pflegerisch tätiges Personal –, alle für sich ausgestattet mit dem
verführerisch schillernden Tröpfchen »Freiheit« in ihrer Arbeitsge-
staltung. So ein Leben kann in eine Form der Abhängigkeit führen,
in der das Überwältigtwerden und die verinnerlichte Auslieferung
wortwörtlich nachgearbeitet werden. So ein Alltag produziert kei-
nen Ekel wie die stoffabhängige Suchtschmuddelecke, sondern
wird gefordert und belohnt. Arbeitssucht ist unserem zeitgenös-
sischen Gesellschaftssystem inhärent, das sich durch die eigens an-
gefertigte goldene Hintertür, deren weiterer Ausbau entschieden ver-
weigert werden sollte, selbst in den Schwanz beißt. Birgit Binder
Vineta (D 2006; R: Franziska Stünkel; D: Peter Lohmeyer, Matthias Brandt; 03.04.)
Vineta
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074
Film
Before The Devil
Knows You’re Dead
Als amerikanischer Autorenfilmer scheint
Sidney Lumet auf ein Genre festgelegt
zu sein, das in den letzten Jahrzehnten
an Prestige verloren hat. Gangsterfil-
men wird nur noch ausnahmsweise die
Bedeutung zugestanden, auf die sich
Werke wie etwa Lumets »Hundstage« in
den Siebzigern noch verlassen konnten.
Ein Kritikproblem? Der strukturelle Um-
bruch in den Formen der Gewohnheits-
kriminalität animierte New Hollywood
damals zu neuen (Anti-) Helden, heute
regiert der Folterporno als weithin sicht-
barster Punkt auf einem unübersicht-
lichen Feld unterkomplexer Gewalt. »Be-
fore The Devil Knows You’re Dead« ist ein
beinahe klassizistischer Gegenentwurf
im Stile einer muskulösen Erzähltradi-
tion und für Lumet eine Rückkehr zur
Form. Die Geschichte dreht sich um ein
moralisch ziemlich bankrottes Brüder-
paar, das einen Raubüberfall auf ein Ju-
weliergeschäft plant. Und zwar auf das
der eigenen Eltern. Fast scheint es, als
hätte Lumet damit eine perverse Fort-
setzung seines unangenehm kitschigen
»Family Business« im Sinn gehabt, die
das romantisierte Bild vom Verbrecher
als ehrgeizigem Kleinunternehmer re-
vidiert. Denn auch wenn Philip Seymour
Hoffman eins von den Gesichtern hat,
die immer irgendwie schon Niedertracht
suggerieren, sind hier keine grimassie-
renden Gangstervisagen nötig, um die
Gewalttätigkeiten zu vermitteln, aus
denen der Film praktisch besteht. Da-
für reichen die emotionale Tiefenschär-
fe und die Erkenntnis, dass sie marode
ist, die Kernfamilie als Keimzelle der Ge-
sellschaft. Wenn sie heute lebten, hätte
man direkt Angst um die Gangster aus
den Dreißigerjahre-Filmen.
Alexander Dahas
Before The Devil Knows You’re Dead (USA 2007;
R: Sidney Lumet; D: Philip Seymour Hoffman,
Ethan Hawke, Albert Finney, Marisa Tomei; 10.04.)
nen oder zu stark mit den Anforderungen des Alltags be-
schäftigt sind. Marcelline verkörpert jenen Typ, der sich für
die Kunst entschieden hat und plötzlich Angst bekommt,
die falsche Entscheidung getroffen zu haben. Sie flüch-
tet sich in Tagträume und führt Gespräche mit der Figur
aus Turgenjews Komödie. Ihre ehemalige Schauspielkol-
legin Nathalie, die sie nach Jahren bei den Proben wieder
trifft, durchlebt die gegensätzliche Entwicklung: Sie hat
sich nach der Schauspielschule für die Familie und wider
die Karriere entschieden. Doch jetzt, als sie das Leben der
erfolgreichen Kommilitonin sieht, glaubt sie ebenfalls, et-
was verpasst zu haben. Glücklichweise will Bruni Tedeschi
dem Zuschauer nicht den einen wahren Sinn des Lebens
aufdrücken, sondern stellt die beiden möglichen Entwür-
fe und deren tragikomische Aspekte nebeneinander. Und
schafft dadurch mit »Actrices« einen klassischen Ensem-
blefilm, der letztlich mehr als das komödiantische Porträt
zweier knapp 40-Jähriger in der Sinnkrise zu bieten hat.
Bettina Schuler
Actrices ... oder der Traum aus der Nacht davor
(F 2007; R: Valeria Bruni Tedeschi; D: Valeria Bruni Tedeschi, Louis Garrel,
Noémie Lvovsky, Valeria Golino, Marisa Borini; 10.04.)
Leben in Sinnkrisenzeiten als Grundlage eines Films für Freunde französischer Kino-
kultur. Regisseurin Valeria Bruni Tedeschi ist nicht auf der Suche nach einer Moral von
der Geschicht’ und schildert die Sorgen und Nöte ihrer »Actrices« mit Leichtigkeit.
D
ie erfolgreiche Schauspielerin Marcelline
(Valeria Bruni Tedeschi) befindet sich in ei-
ner Sinnkrise: Nicht nur, dass sie kurz vor
ihrem 40. Geburtstag steht, sie findet auch
keinen Zugang zu ihrer Figur in Andreij Turgenjews Komö-
die »Ein Monat auf dem Lande«. Ihr ganzes Leben erscheint
ihr wie ein böser Traum, aus dem sie aufwacht, um fest-
zustellen, dass sie zugunsten ihrer Karriere auf das Wich-
tigste verzichtet hat: darauf, eine Familie zu gründen. Pa-
nisch beginnt sie die heilige Maria anzuflehen, ihr doch
endlich den Mann fürs Leben zu schicken. Begleitet wird
sie von den pragmatischen Ratschlägen ihrer nicht altern
wollenden Mutter, doch einfach wieder mit dem Ex anzu-
bändeln. Ehefrau hin oder her.
»Actrices« trägt ebenso wie Bruni Tedeschis erster
Spielfilm »Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr ...« auto-
biografische Züge. Waren es beim Debüt vor allem die Kon-
flikte mit ihrem reichen Elternhaus, die sie in den Mittel-
punkt des Geschehens stellte, so ist es in »Actrices« das
Problem, die richtige Balance zwischen Beruf und Privat-
leben zu finden. Insbesondere Künstler, so Bruni Tedeschis
These, können keine wahre Balance zwischen den beiden
Polen finden, da sie entweder zu sehr für die Kunst bren-
ABSURDE PROBLEME
159_Weiter.indd 74 13.03.2008 1:14:45 Uhr
DVD
075
Sterne und Filme im April
WIDDER 21.03. bis 20.04.
Im Moment hörst du »Run, Fatboy, Run« (03.04.) wahrscheinlich ziem-
lich oft, aber lass dir gesagt sein: Die Highschool dauert nicht für immer,
Volker. Deine Peiniger werden eines Tages Müllkutscher sein und du eine
Prinzessin!
STIER 21.04. bis 21.05.
Dimitrij Medwedew, der neue Präsident Russlands, lädt dich diesen Mo-
nat zu einem Vergnügungsurlaub in seine malerische Heimat ein. Nimm
die »Transsiberian« (17.04.) und hilf mit, Vorurteile abzubauen!
ZWILLINGE 22.05. bis 21.06.
Die Venus bestimmt zum Wochenende hin wieder dein nonexistentes Lie-
besleben und lenkt deine Schritte in den Horrorfilm »Shutter« (03.04.).
Im Kino wartet dann ein narbengesichtiger Psychiatriepatient darauf, dei-
ne Bekanntschaft zu machen.
KREBS 22.06. bis 22.07.
Wissen ist für dich nächsten Donnerstag Macht. Verblüff den Einpeit-
scher in deinem Sweat Shop bei der Gelegenheit doch einfach mal mit
Spartenwissen zum Thema »Outsourced« (10.04.)!
LÖWE 23.07. bis 23.08.
Immer noch traurig, dass die Concorde ausgemustert wurde? Bof! We-
sentlich schneller nach New York geht’s in »Jumper« (27.03.).
JUNGFRAU 24.08. bis 23.09.
Vorsicht vor unbezahlten Praktika! Was auf den ersten Blick aussieht wie
ein harmloses Bäuerchen im Lebenslauf, entpuppt sich rasch als Sack-
gasse. Merke: Echte Könner brauchen keine Übung. Wie der Serienkiller
in »Untraceable« (03.04.).
WAAGE 24.09. bis 23.10.
Warum die Zornesfalten? Stress? Anspannung? Frustration? »Schmet-
terling und Taucherglocke« (27.03.) sorgt für die spirituellen Gegenge-
wichte und hilft dir, den Alltag zu meistern, verdammte Scheiße!
SKORPION 24.10. bis 22.11.
Obacht! Gruppenzwang kann in ganz seltenen Fällen falsch sein. Dabei
erfordern gerade Glücksspiele wie »21« (10.04.) Eigeninitiative.
SCHÜTZE 23.11. bis 21.12.
Zur Mitte des Monats hin sorgt Uranus für bittersüße Nostalgie. Passend
dazu kannst du deine erste Liebe bereuen und in »Sommer« (17.04.) von
Jimi Blue Ochsenknecht lernen, wie man’s richtig macht.
STEINBOCK 22.12. bis 20.01.
Wusstest du, dass Manfred von Richthofens bester Freund einen gol-
denen Kickbox-Gürtel in seiner Imbissbude hängen hatte? Informationen
dieser Art werden dich in »Der Rote Baron« (10.04.) überraschen.
WASSERMANN 21.01. bis 19.02.
Kinder brauchen viel Zuwendung und Geduld. Verschieb deshalb dei-
nen Scheidungstermin bis nach der Premiere von »Definitely, Maybe«
(27.03.) und schenk dem Junior ein neues Killerspiel.
FISCHE 20.02. bis 20.03.
Ein kühler Kopf ist bei dir diesen Monat besonders gefragt, etwa im Kon-
text eigenmächtiger Ermittlungen wie in »Street Kings« (17.04.). Da ste-
hen Bullen drauf. Vielleicht lassen sie dich auch mal ihren Gummiknüp-
pel anfassen.
HOROSCOPE
»Ein großartiger Krimi über die Plattenindustrie!« Hollow Skai +++
»Dank Nivens Antiheld Steven Stelfox ist die literarische Welt um
einen bösen Sympathieträger von der Klasse eines Darth Vader,
Hannibal Lecter oder Don Corleone reicher!« Thees Uhlmann, Tomte
+++ »Ein Hooligan von einem Buch. Und jeder, der noch an das Gute
in der Musik glaubt, kriegt’s hier mit einer mit Nägeln versehenen
Baseballkeule besorgt! Bela B., Die Ärzte +++ »Wirklich hochamüsant,
vor allem der durch und durch hassenwerte Held.« Markus Kavka, MTV
+++ »Pop ist virtuelles Kapital und das wurde bisher selten so brül-
lend komisch auf den Punkt gebracht, wie in KILL YOUR FRIENDS.«
Jürgen Ziemer, Musikjournalist +++ »In KILL YOUR FRIENDS zeichnet
John Niven die schmutzigsten Seiten des schmutzigen Geschäfts
noch schmutziger, als wir es uns in unseren schmutzigsten Träumen
vorstellen.« Klaus Walter, taz +++ »Das Buch ist für alle, die jemals
etwas mit der Musikbranche zu tun gehabt haben, ein absolutes
Muss.« Dietrich Eggert, Musikmanager +++ »Eine Art Patrick Bate-
man, der sich durch Meetings lügt, seine Mitarbeiter ausbeutet, Kon-
kurrenten aus dem Weg schlachtet und seinen Künstlern deren
Träume nimmt.Ein grandioses Buch!«Ingo Heinzmann, A&R-Manager
»Das American Psycho der Musikindustrie.«
Tim Renner, Motor Entertainment +++++++
»Schonungslos stellt John Niven in KILL YOUR FRIENDS die Platten-
industrie und ihre üblen Machenschaften bloß. Der Roman ist so ab-
gefahren wie Frank Zappa, so
direkt wie AC/DC und so brutal
wie Motörhead.« Kai Keup, Play-
boy +++ »KILL YOUR FRIENDS
sollte für jede Frau, die ihr Glück
im Popbusiness versuchen will, zur
Pflichtlektüre gehören. Denn die-
ser Roman ist weitaus weniger Sa-
tire, als so mancher Kritiker
wahrhaben will.« Suzie Kerstgens,
Klee +++ »KILL YOUR FRIENDS
geht meilenweit hinaus über die
ach-so-furchtbar-unheilige Drei-
faltigkeit Sex, Drugs & Rock’ n’ -
Roll.« Rembert Stiewe, Glitterhouse
Records +++ »Ein Buch, das mit der
Scheinwelt des Musikbiz gnadenlos aufräumt.« Stefan Kulick, Musiker
und Promoter. Lesereise: 6.5. Berlin, Roter Salon ·
7.5. München, Substanz · 8.5. Köln, Museum
Ludwig
Roman · 384 Seiten · 12,–
ISBN 978-3-453-67544-5
Leseprobe unter www.heyne-hardcore.de
Jetzt überall, wo es Bücher gibt
»FÜR MICH DAS
BUCH DES JAHRES!«
Bela B., Die Ärzte
159_Weiter.indd 75 13.03.2008 1:13:31 Uhr
ma« wie das andere Groening-Vehikel »The Simpsons« eine
popreferenzielle Wunderkiste ist, steigert zu viel Nerd-Wis-
sen das Vergnügen. Etwa zu Filmbeginn, wenn der interpla-
netare Lieferservice Planet Express seine Lizenz zurücker-
hält, die ihm das ominöse BOX-Network entzogen hatte. Im
Unterschied zur richtigen Welt erhalten die BOX-Manager
allerdings eine gerechte Strafe: Sie werden gefeuert und zu
feinem Pulver gerieben, das als Wundmittel genauso taugt
wie als Futter für Köpfe in Formaldehyd.
Und »Bender’s Big Score« ist mehr als eine bloße Anein-
anderreihung solcher Gags, nämlich eine astreine Science-
Fiction-Story, in deren 90 Minuten ein halbes Dutzend Zeit-
reisen Platz finden, dazu eine Geschichte über unerwiderte
Liebe, zwei Musical-Nummern, außerirdische Spam-Betrü-
ger – und Gastauftritte von Al Gore, Sarah Silverman, Mark
Hamill und Coolio (nein, wirklich). Nicht zu vergessen ein
besonders schönes Feature der DVD-Extras: »Alle lieben
die Hypnokröte – Eine faszinierende Episode über das be-
liebteste Fernsehprogramm der Zukunft«. Jürg Tschirren
Futurama: Bender’s Big Score (USA 2007; R: Dwayne Carey-Hill; FOX)
Futurama und Family Guy gewinnen?
Bender-Sprechblasencontest auf www.intro.de
M
an hat es dem Zigarren rauchenden Ro-
boter nie leicht gemacht: Der US-Sen-
der FOX verschob »Futurama« so oft
von Sendeplatz zu Sendeplatz, dass
am Ende nicht einmal Groening selbst mehr wusste, wann
der Fernseher einzuschalten war. Nach vier Jahren kam
das endgültige Aus. »Futurama« wurde abgesetzt und
machte Bildungsformaten wie »The Simple Life« mit Pa-
ris Hilton Platz. Die letzte Episode strahlte FOX im August
2003 aus. Sie begann mit dem Titel-Screen der drei Haupt-
darsteller Bender (hedonistischer Roboter), Leela (Zyklo-
pin) und Fry (Trottel), von den Machern um den Untertitel
»See you on some other channel« ergänzt. Und tatsächlich:
Auf Sendern wie Cartoon Network und später Comedy Cen-
tral fanden »Futurama«-Wiederholungen ein treues, stets
wachsendes Publikum. Anlass für die FOX-Buchhalter, »Fu-
turama« als DVD-Serie auferstehen zu lassen. »Bender’s
Big Score« ist die erste von vier neuen Episoden in Spiel-
filmlänge, die zusammen eine fünfte Season bilden. Man
muss die Vorgeschichte nicht kennen, um an »Bender’s Big
Score« Spaß zu haben. Genauso wenig muss man wissen,
dass ein Song der Incredible String Band die Idee zur Serie
gab (»Robot Blues«, um genau zu sein). Aber weil »Futura-
BENDER, AL
GORE UND
COOLIO
Vor vier Jahren kam das TV-Aus für »Futurama«. Aber die Fangemeinde blieb der
Serie treu. Und mit »Bender’s Big Score« kehrt Matt Groenings Sci-Fi-Satire jetzt als
DVD-Reihe zurück. So etwas nennt man wohl Demokratie des Marktes.
Takashi Miike
Der 1960 in Osaka geborene Takashi Mi-
ike ist mit einem Output von mindestens
vier Filmen pro Jahr einer der produk-
tivsten Regisseure von Weltrang. Dabei
war sein Traumberuf Motorradrennfah-
rer, als er noch annahm, dass Filmema-
chen etwas für die Intelligenzija sei. Die
von Shohei Imamura gegründete Film-
schule besuchte er, weil sie im Gegen-
satz zur Universität keine Aufnahme-
tests hatte. Außerdem lag sie im ent-
fernten Yokohama, was seinen Auszug
aus dem Elternhaus rechtfertigte: »Es
war eine Möglichkeit, Erwachsenwer-
den und Arbeiten zu vermeiden.« Letzte-
res hat nicht funktioniert. Bei über sech-
zig Filmen macht Zählen keinen Spaß
mehr. Miike, der sich als »Arrangeur«,
nicht Auteur definiert, kann Gejammere
über ausbleibendes Kinopublikum nicht
nachvollziehen. Wer eh nie einen Hit lan-
det, darf nach seiner Logik wahrhaftig
kühndreiste Werke fabrizieren. Und ge-
nau das scheint er meist zu beherzigen,
selbst wenn mit »Audition« (1999) ver-
spätet die europäische Begeisterung für
sein Werk begann und der Film zum Hor-
ror-Hit (v)erklärt wurde.
Vielleicht hält sich deshalb das Miss-
verständnis, Miike sei »der Horror-Re-
gisseur« made in Japan. Dieser Reduk-
tion kann u. a. mit den Filmen der »Ta-
kashi Miike Collector’s Box« widerspro-
chen werden. Neben »Audition« enthält
sie »Izo« und »Visitor Q«. »Izo« ist Philo-
sophie-Splatter mit Kitano als Premier-
minister plus einem Liedermacher, des-
sen Gesang man nicht vergisst. »Visitor
Q« wurde mit einem Budget von umge-
rechnet 45.000 Euro in einer Woche auf
Video abgedreht und setzt schonungs-
los das Brennglas auf den kleinfamili-
ären Alltag. Wie Miike selbst bemerkte:
»Dadurch, dass ich menschliche Wesen
filme, wird es natürlicherweise ein Hor-
rorfilm.« Also doch.
Birgit Binder
Verlosung: 3 x auf www.intro.de:
Takashi Miike Collector’s Box
(J 1999-2004; R: Takashi Miike; Rapid Eye Movies)
076
DVD
Leroy
Der Versuch des Bildhauers Armin Völckers, seinen gelun-
genen Kurzfilm »Leroy räumt auf« (siehe YouTube) zum ko-
mischen Langfilm für Kinder ab zwölf zu strecken, stol-
pert zwar über manch Plattheit im anvisierten Themen-
spektrum der Ismus-Evergreens Rassismus, Faschismus
und Sexismus, er ist aber insgesamt trotzdem vergnüglich
dank des hinreißenden Alain Morel in der Rolle des 17-jäh-
rigen Leroy, der sich mit den Faschobrüdern seiner Freun-
din Anna auseinandersetzen muss. Auch gut: eigens für
den Film komponierte Tracks von u. a. Torch, Jan Delay
und Blumentopf. Wenn Leroy zusammen mit fünf Neona-
zi-Skins als funky Boygroup rappt, könnte man sich glatt
wünschen, wieder zwölf zu sein.
Ed Junge
Leroy (D 2007; R: Armin Völckers; D: Alain Morel, Anna Hausburg,
Constantin von Jascheroff; X-Filme / Warner Home Video)
159_Weiter.indd 76 13.03.2008 1:26:13 Uhr
Wet Desire
Die reizende Entkleidungskünstlerin Sa-
yuri Ichijô, Pionierin ihres Fachs, spielt
sich in dieser Perle des als »King of
Roman[tic] Porn« in die Kinogeschichte
eingegangenen Regisseurs Tatsumi Ku-
mashiro selbst. Von Kumashiro ist der
Satz überliefert: »Meine Filme handeln
von Menschen, nicht Biologie.« So prägte
er die zweite Welle des japanischen Soft-
core-Genres mit, indem er sich das Ma-
ximum an künstlerischer Freiheit nahm,
das dieses vom Studio Nikkatsu entwi-
ckelte Subgenre des romanu poruno zu
bieten hatte: Satire und (Geschlechter-)
Politik werden geschickt mit den Rah-
menvorgaben - u.a einer Sexszene alle
zehn Minuten - verwoben. Kumashi-
ro überzeugte nicht nur das Publikum,
sondern auch immer wieder die Filmkri-
tik, die ihm für die Geschichte der Sayu-
ri Ichij den »Kinema-Junpô« verlieh. Der
Regisseur moralisiert nicht, er zeigt die
staatliche Verfolgung unter dem Namen
der »Erregung öffentlichen Ärgernisses«
als das, was sie ist: eine Repressalie ge-
genüber den Frauen und nicht gegenüber
ihren finanziellen Nutznießern.
Birgit Binder
Wet Desire (J 1972; R: Tatsumi Kumashiro; D: Sayuri
Ichijô, Hiroko Isayama; Rapid Eye Movie)
www.one-two.info . www.myspace.com/powerpopuptothetop . www.fourmusic.com
One-Two LIVE
19.03.2008 Hilfiger Live Session in Berlin, Tape
30.03.2008 Lingen Emslandhalle*
31.03. 2008 Bielefeld Ringlokschuppen*
01.04.2008 Oldenburg Kongresshalle*
03.04.2008 Braunschweig Jolly Joker*
04.04.2008 Rostock MAU Club*
05.04.2008 Kiel Halle 400*
11.04.2008 Berlin Magnet
12.04.2008 Potsdam Waschhaus Arena*
13.04.2008 Potsdam Waschhaus Arena*
15.04.2008 Wartenberg Wartenberg Oval*
16.04.2008 Nürnberg Löwensaal*
17.04.2008 Trier Europahalle*
19.04.2008 Augsburg Kongresshalle*
20.04.2008 Göttingen Stadthalle*
*Support von WIR SIND HELDEN
Das neue Album
the story of bob star
release 07.03.2008
ONE-TWO
DVD
077
Schlachthof 5
Im Grunde ist ein Buch wie Kurt Vonneguts »Schlachthof 5«
unverfilmbar. Ein offenes Werk, das dem Leser viel Raum
für Interpretation lässt. Erstaunlich also, dass George Roy
Hill bereits kurze Zeit nach dem Escheinen des Romans
eine Kinofassung anging; übrigens eine der ganz wenigen
Vonnegut-Verfilmungen überhaupt. Was blieb dem Regis-
seur übrig, als das Buch auf seine Weise zu lesen und dem-
entsprechend den Film anzulegen? So ist Hills »Schlacht-
hof 5« die Perspektive Hills auf diesen Roman. Das ist des-
wegen interessant, weil es fanatische Vonnegut-Fans gibt,
die sich, ebenso wie die Forschung, in mindestens drei La-
ger aufteilen, wie denn der Roman zu lesen sei. Natürlich
entschied sich Hill für die visuell interessanteste und ver-
nünftigste Sichtweise, was den Film seit jeher polarisie-
ren ließ: Die eine Seite ist begeistert über ein wirklich soli-
des und spannendes Werk; die andere hasst ihn, weil er der
komplexen Narration des Buchs nicht unbedingt gerecht
wird. Vielleicht der Grund, warum uns eine DVD-Auswer-
tung so lange vorenthalten wurde. Nun endlich kann sich
jeder selbst ein Urteil bilden.
Sascha Seiler
Verlosung: 3 x auf www.intro.de:
Schlachthof 5 (USA 1972; R: George Roy Hill; Koch Media)
Sunkissed
Das Motiv ist simpel und dürfte sich auch jedem erschlie-
ßen, der nicht mit Klassikern des schwulen Independent-
Films wie »The Fluffer« oder »Get Real« vertraut ist: Ver-
kopfter Durchschnittstyp trifft spröden, vor Testosteron
strotzenden und mehr oder minder heterosexuellen Mü-
ßiggänger, in dessen bodenständige Erscheinung er sich
verguckt – in der Hoffnung, dort irgendwo eine Hintertür
für das eigene Begehren zu finden. Für »Sunkissed« ver-
legt Patrick McGuinn ein solches Tête-à-Tête in die Wüste
Kaliforniens, wo sich die beiden hübschen Protagonisten in
und vor einem abgetakelten Ferienhaus fleißig – und wohl
auch nicht ganz ironiefrei – in knappen Badehöschen mit
dem Gartenschlauch abduschen oder sehnsüchtig in die
Kamera starren, während sie sich zum (plötzlich gar nicht
mehr so asexuell anmutenden) Soundtrack von The Sea
And Cake ihrer Shirts entledigen. Das ist hübsch anzuse-
hen und erinnert nicht zuletzt aufgrund der schwülstigen
Super-8-Ästhetik an alte Warhol-Filme. Unangenehm wird
es allerdings dann, wenn der Regisseur zu viel will, wenn er
die beiden Jungs plötzlich aus heiterem Himmel abgedro-
schenes Coming-out-Geschwafel aufsagen lässt oder uns
in der zweiten Hälfte durch dramaturgisch katastrophales
Verwirrspiel Marke Lynch allen Ernstes weismachen will,
es handle sich bei diesem Indie-Softporno um einen Thril-
ler. Dann würde man am liebsten vorspulen oder sich zu-
mindest die Ohren zuhalten – wenn die zwischendurch ein-
gestreute Musik nicht so wunderhübsch wäre.
Hanno Stecher
Sunkissed (USA 2006; R: Patrick McGuinn; D: John Ort; Edition Salzgeber)
159_Weiter.indd 77 13.03.2008 1:26:54 Uhr
078
DVD
BARBET
SCHROEDER
Dìesen McnaL erreìchL uns eìn Penake
der bescnderen /rL, und zwar vcn Scì-
Fì-Klassìker »SLar Wars«: Dìe BeseLzunç
der anìnìerLen SìLccn »Fanìly 0uy«
spìelL çenau dìesen nach, nìL den be-
lìebLen Fìçuren aus der Serìe ìn den Pcl-
len des »SLar Wars«-Perscnals, und na-
Lurlìch nìL SLevìe als DarLh \ader. Das
lauíL unLer den Ñanen »BIue Harvest«,
seìnerzeìL der /rbeìLsLìLel íur den 0rì-
çìnalíìln. Superhelden anderer Mach-
arL Lreìben ìn »Herces« ìhr Ünwesen;
der ÜberraschunçshìL des leLzLen Jah-
res lauíL ìn zweìLen Teìl auí eìn spekLa-
kulares und uberraschendes Fìnale zu.
/uch »Psych«, dìe Serìe un eìnen nìL
ubersìnnlìchen KraíLen hanLìerenden De-
LekLìv, çìlL als ÜberraschunçshìL der Saì-
scn. Dìe kanadìsche Serìe »Pe-Cenesis«
çehL ìn ìhre zweìLe SLaííel; belìebL ìsL sìe
vcr allen weçen ìhrer rechL realìsLìschen
DarsLellunç wìssenschaíLlìcher /bncrnì-
LaLen und ìhrer ançenehnen /nLì-Hclly-
wccd-/sLheLìk.
ÑaLurlìch çehL es auch nìL der \ercí-
íenLlìchunç vcn Fernsehklassìkern weì-
Ler: Dabeì scheìnL nan auí dìe Funí und
dìe Sechs zu seLzen, denn auí den Prc-
çrann sLehen dìe íuníLe Seascn vcn
»Miami Vice« und der »CcIden CirIs«
scwìe vcn »Hër maI, wer da hämmert«.
SechsLe SLaííeln çìbL es vcn »McLecds
Tëchtern« und der »Lindenstraße« (3 x
zu çewìnnen auí www.ìnLrc.de) scwìe vcn
der durchçeknallLen /rzLe-Serìe »Sc-
rubs - Die Anfänger«.
Endlìch auí D\D erscheìnL ìndes dìe
ìn den 90er-Jahren außersL belìebLe Scì-
Fì/MysLery-Serìe »The Duter Limits«,
dìe seìnerzeìL ia ìnner ìn Dcppelpack
nìL »/kLe `« ìn deuLschen Fernsehen
lìeí und dìe den 0eìsL der leçendaren
»TwìlìçhL Zcne« wìeder auíleben lìeß. Eìn
verçessenes Juwel, çerade auíçrund der
Trash-/sLheLìk. /prcpcs: Wìe vìel SLaí-
íeln çab es eìçenLlìch vcn »DaIIas«?
Schwer zu saçen, dcch hìer kcnnL be-
reìLs dìe achLe Seascn ìn dìe D\D-Peçale,
ebensc wìe dìe zweìLe des dynanìschen
DeLekLìvs »Pcckfcrd«.
/bçerundeL wìrd der McnaL durch
eìne 0esanLausçabe der brìLìschen Cc-
nedyreìhe »AbscIuteIy FabuIcus« sc-
wìe dìe ersLe SLaííel des hervcrraçenden
anerìkanìschen Dranas »Brcthers And
Sisters«. Sascha Seìler
BarbeL Schrceder - naskulìnes Charìsna pur, PrcduzenL, Peçìsseur, 0eleçenheìLs-
akLeur. LeLzLhìn bescherLe er Wes /nderscns sclìpsìsLìscher ÑìchLìçkeìL »The Dar-
ieelìnç LìnìLed« (2007) als exzenLrìscher Mechanìker ìhren eìnzìçen erìnnerunçswur-
dìçeren McnenL. Der Mann ìsL eìne der eìçenarLìçsLen und eìçensìnnìçsLen 0esLal-
Len der Ñcuvelle \açue. \ìelleìchL çar ìhre eìnçebauLe /nLìLhese. Sex, Drcçen und pc-
lìLìsche ExperìnenLe sLehen ìn ZenLrun seìnes Fruhwerks, aus den vìa Ped PIanet
nun zweì Perlen - beìde nìL Pìnk-Flcyd-Psychedelìc-Teppìchen unLerleçL - erscheì-
nen: »Mcre« (l969) und »La VaIIée« (l972). ¦n »Mcre« werden Drcçen weççehauen
und dann runçepìnperL, dass sìch das Ünìversun auílcsL. ¦n »La \allée« wìrd eìne
Peìse zu den Mapuça zur \erdeuLlìchunç zìvìlìsaLcrìscher \erlusLe - an Ende sLehen
Schrceders Lebenssìnnsucher sLeLs dunn da. /ber auch kluçer, weìl un eìne EnLLau-
schunç reìcher. Der Weç ìsL das Zìel, sc wìe Schrce-
ders Fìlne nur den 0rund zur \erwìrklìchunç eìçe-
ner FanLasìen lìeíern: »La \allée« drehLe Schrc-
eder nur íur dìe ExpedìLìcn zu den Mapuça und
»Mcre« halL íur den KcllekLìvabschuss. ÑìchL
unìnLeressanL ìsL, dass Schrceder eìçenLlìch
eìn abscluLer KcnLrcllíanaLìker ìsL - sìehe auch
seìne wenìç verhchlen auLcbìcçraíìsche S&M-
/bhandlunç »MaìLresse« (l975) nìL der Frau 0e-
nahlìn ìn der TìLelrclle. /ndererseìLs weìß er auch
un dìe /bçrunde íanaLìscher KcnLrclle, was
seìn \ersuch uber »0eneral ¦dì /nìn Dada«
vcn l974 dencnsLrìerL. 0eneìnsan ìsL allen
Werken eìne sehr beunruhìçende Mìschunç
aus Spìel- und DckunenLaríìln.
0laí Mcller
Serien
159_Weiter.indd 78 13.03.2008 1:27:16 Uhr
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Musìk Bad Neuenahr-AhrweiIer: /nnPlaLLenkìsLe Bad SaIzungen: Elkes Musìkbcx Bad Segeberg: Scund-Eck
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Emsdetten: Musìc & \ìdec Erding: Musìcwcrld Erfurt: Dìxcn-SLcre, WccdsLcck ErIangen: Der SchallPlaLLen-
nann, Musìcland ErIangen: ZìLelnann's Musìkland Essen: ¦npcrLanL Peccrds l, ÑewLìíeshark, PccksLcre
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Musìc, FlìçhL l3, Mcnc Freudenstadt: Peccrd ¦n FuIda: Marleen Fürth: Kìcskì, McncLcn Ceisenheim: PlaLLens-
Luebchen Cera: SchwarznarkL Ciessen: Musìc /LLack, PenLaLcnìk Schallwaren CërIitz: Schallhaus PlaLLenladen
Cëttingen: Dìs Peccrds, JPC CreifswaId: Hcck PeccrdsLcre HaIIe: ÑewScund Hamburg: /nders Hcren, BurncuL,
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le Peccrds, 0Laku, Pcp-Musìk Ünd Mcde, Pekcrd, Pcck'Ñ'Pcll Warehcuse, Puíí Trade Peccrds, ScraLch Peccrds,
Snallvìlle Peccrds, Scundwìnd, SLarpcìnL Peccrds, TexL - Tcne, \annauer, Zardcz Hanau: Musìc-/rLs-/kLìv
Hanncver: 25 Musìc, HcL ShcL Peccrds, MìnL Musìc, \ìnyl WelL HeideIberg: Crazy Dìancnd, Dcwn Tcwn Peccrds,
HunpLy Peccrds, \ìnyl 0nly HeiIbrcnn: Dreanwcrld Peccrds Hennef: Musìc /dvenLure Husum: Dìscc Express
IngeIheim: 0hrwurn Peccrds IserIchn: Cashbcx Itzehce: /nn ¦Lzehce 0nbH Jena: FaLplasLìcs, M:Bass:/, Mr.
Musìc KaisersIautern: Pcp-Shcp, PrcLcn KarIsruhe: Dìsccver, PlaLLenLasche KasseI: SLudìc 26 Kaufbeuren: Dìe
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SLcre KëIn: /-Musìk, 0rccve /LLack, KcnpakL, Musìc PcìnL, Ñcrnal Peccrds, Ñunk Musìc, Parallel Peccrds,
Schallhandel, Ünderdcç Peccrds Kcnstanz: Cha Cha SLcre, SLudìc l Kcrbach: CìLy Musìc 0nbH KrefeId: Pìlle
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Lippstadt: SLcne Free Musìc Lërrach: ¦ndìepunk Peccrds Lübeck: PressezenLrun, SLudìc l Ludwigsburg: ¦nLer-
pccl Lüneburg: Musìksalcn WcrdundLcn, Sancwar Peccrds, SìLc Musìc Magdeburg: BeaL BcuLìque HcL PaLs,
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Filme zur RAF-Geschichte mit Frank Schuster
Die RAF ist heute längst zum Popmythos geworden. Ihr Emblem ziert T-Shirts, die
Zeitschrift Tussi Deluxe druckte eine Modestrecke mit nachgestellten Baader- und
Ensslin-Fotos, und der um wenig Authentizität bemühte Film »Baader« (2002) ver-
klärte das Terroristenduo quasi zu bundesrepublikanischen »Bonnie & Clyde«. In ei-
ner Zeit, als die RAF noch existierte und bombte, war solche Mythosbildung undenk-
bar. Filmemachern der 70er- und 80er-Jahre ging es eher darum, zu entmythologi-
sieren, die verhetzte und aufgeheizte Stimmung abzukühlen, sich in die politische
Debatte einzuschalten. »Wir haben versucht, mit anderen als mit polizeistaatlichen
Methoden die Situation zu entschärfen«, sagt Regisseur Volker Schlöndorff im Inter-
view, das der DVD-Fassung von »Die verlorene Ehre der Katharina Blum« (1975) als
Bonusmaterial anhängt, einem der ersten Filme überhaupt, der sich mit dem RAF-
Thema beschäftigte. Man kann dem Schlöndorff-Film, wie vielen seiner Werke, ei-
nen Hang zum Dickauftragen vorwerfen. Doch zugegebenermaßen wirkt er auch nach
über 30 Jahren wenig angestaubt, was man nicht von allen deutschen Autorenfil-
men jener Zeit sagen kann. Gleiches gilt erstaunlicherweise auch für die fünf ande-
ren Filme, die in der mit »Deutscher Herbst« (Kinowelt) betitelten Box stecken. Es ist,
als motivierte der Terror zu filmemacherischen Höhenflügen. Was RAF-Filme einmal
auslösen konnten, zeigen die Reaktionen auf Reinhard Hauffs »Stammheim« (1986).
Überall im Land gab es bei Vorführungen Sabotageakte aus der Sympathisantensze-
ne; in den Kinos wurden Kerosinspuren gelegt, Filmvorführer eingesperrt, Kopien ge-
klaut. Der Vorwurf der Linken lautete, der Film nähre die Selbstmordthese, die bür-
gerliche Interpretation der Todesnacht im Hochsicherheitsgefängnis Stammheim.
Stärken des Gerichtsfilms sind die »Die zwölf Geschworenen«-artige Reduktion auf
den Verhandlungssaal sowie das authentische Wortmaterial, das Drehbuchschrei-
ber Stefan Aust in den über hundert Akten zu den RAF-Prozessen vorfand. Während
Margaretha von Trotta mit »Die bleierne Zeit« (1981) ein sensibles Porträt zweier an
die Ensslin-Schwestern angelehnten Frauen schuf, begleitet »Das Messer im Kopf«
(1978), ebenfalls von Hauff, einen von einem Polizisten angeschossenen Sympathi-
santen auf seinem Weg der Genesung (und Entfremdung), zu atmosphärischer Mu-
sik von Can-Keyboarder Irmin Schmidt. Rainer Werner Fassbinders bittere Verschwö-
rungstheorie-Farce »Die dritte Generation« fällt dagegen völlig aus dem Rahmen.
Terroristen werden hier von einem Industriellen eingesetzt, um neue Absatzmärkte
für seine Computer zu schaffen. Fassbinder war auch mit einer wütenden Episode
an »Deutschland im Herbst« (1978) beteiligt, einem Gemeinschaftswerk damals
führender deutscher Autorenfilmer. Der Streifen war unmittelbare Reaktion auf die
Schleyer-Ermordung und Stammheim-Tode; Ereignisse, die eine große Desillusionie-
rung unter den Linken auslösten. »Die Scharen Langmähniger, die jetzt die Kinokasse
umlagern, nicht vom Staate weg in die gedankliche und tätliche Verzweiflung zu trei-
ben, sondern sie an ein Staatswesen zu binden, das auch für kritische Geister Platz
hat, darum ist dieser Film bemüht«, schrieb die FAZ zum Filmstart. Heute mag die
RAF Mythos sein, damals war sie Realität.
HERBST
IM FRÜHLING
159_Weiter.indd 79 13.03.2008 1:28:02 Uhr
konsensträchtige Linkspartei. Im Vorfeld der Buchveröf-
fentlichung reflexartig die jeweilige Gesinnungslyrik an –
so empörten sich konservative Blätter über die fehlende
Dämonisierung, Antiimp-Blogs über zu viel Distanz, und
die antideutsche Position in der Jungle World peitschte
sich gar auf Ausfalls-Polemik gegen Meinhof wie Ditfurth
hoch.
Tja, und ganz zum Schluss steht dann das Buch. Ein
Buch, das all die Aufregung in seinen 34 chronologischen
Kapiteln nicht nötig hätte. Die Sprache betulich, und es
ergießt sich (»Fremd-Biografie«-typisch) immerfort diese
Kaskade an zusammengetragenen uninteressanten Klein-
Klein-Informationen. Und die droht jegliche Erkenntnisse
zu ersticken. Denn solche blinken hier und da schon mal
auf: Ditfurth liefert immer auch den gesellschaftlichen
Kontext mit, um die Beweggründe ihrer Protagonistin
nicht nur über das Private zu erzählen. Viel weiter gerade
auch in die Motive der RAF reicht das alles aber nicht. Un-
aufgeregt, realistisch, wohlmeinend spulen sich die Sta-
tionen von den Großeltern bis zum Tod in Stammheim ab.
Aufschlussreicher und irgendwie auch lebendiger sind da
doch die gesammelten Meinhof-Essays in »Die Würde des
Menschen ist antastbar« (Wagenbach, 1980).
Linus Volkmann
Jutta Ditfurth »Ulrike Meinhof – Die Biografie« (Ullstein, 482 S., EUR 22,90)
Deutschland ehrt seine Terroristen: Jutta Ditfurth über Ulrike Meinhof. Angesichts
der radikale Einsichten versprechenden Kombination ist unser Rasterfahnder Linus
Volkmann letztlich etwas enttäuscht von der betulichen Genügsamkeit des Werks.
W
ie sauer Status quo, Gesellschaft, Me-
dienarbeiter und andere Loser immer
noch auf die RAF sind, bemerkt man,
wenn man die mittlerweile konsens-
fähige Lesart zum deutschen Terrorismus betrachtet, die
sich alle gemeinsam zusammengepuzzelt haben und de-
rer sich in immer scherenschnittigerer Art und Weise stets
aufs Neue versichert werden muss. Motive der seinerzeit
Handelnden dürfen somit offiziell und unbedingt nur per-
sönliche Deformation oder Pathologisches widerspiegeln,
bei Meinhof kommt gern noch der zum Hirntumor des Bö-
sen gehypte Blutschwamm hinzu, der ihr während der
Schwangerschaft 1962 entnommen worden ist. Emanzi-
patorische Real-Utopien wie zum Beispiel der große An-
teil von Frauen in Führungsrollen der Gruppe wurden im
öffentlichen Display längst zugunsten von »der verruchte
Chauvi-Gangster-Baader und seine abhängigen Groupies
bzw. Schlampen« umgeschrieben.
Bei so viel geglückter Verzerrung wundert man sich al-
lerdings, warum Dinge rund um die RAF dennoch weiterhin
derart aufgeladen rezipiert werden. Dahingehend durfte
man sich nun auch von Jutta Ditfurths epischer Meinhof-
Biografie einiges versprechen. Immerhin kehrte Ditfurth
den Grünen Anfang der 90er den Rücken wegen deren
Rechtsentwicklung a.k.a. dem Einflussgewinn der Realo-
Fraktion und gründete mit der Ökolinx eine weit weniger
080
Literatur
Zehn Wahrheiten
Im Klappentext von Miranda Julys Kurz-
geschichtenband »Zehn Wahrheiten«
heißt es, bei der Autorin werde »das
Alltägliche wieder zum Wunder«. Ist es
etwa alltäglich oder ein Wunder, wenn
drei 80-Jährige Schwimmunterricht auf
dem Küchenfußboden nehmen? Wenn
eine Erdbebenschutzfachfrau, die sich
für den Tod hält, eine Obsession für Prinz
William entwickelt? Oder ein Teenager
eine Affäre mit einer Art Schatten hat,
der jede Nacht in ihr Bett kommt? »Un-
sere Gespräche führten wir in meinem
Blut, oder ich drückte, wenn ich seine
Stimme hören wollte, auf meinem Pla-
stik-Casio die Tasten für Fis und das ein-
gestrichene C, und unter diesen Noten
war eine weit entfernte, knisternde Stim-
me zu hören.«
Miranda July zählt zu jener Art von
Autoren, die unerklärlich gut darin sind,
Momente zu schaffen. Ähnlich wie Jef-
frey Eugenides und Dave Eggers, beides
US-Short-Story-Helden, die sich auch
im July-Netzwerk bewegen – mit dem
Unterschied, dass »Zehn Wahrheiten«
im Grunde ausschließlich aus solchen
leuchtenden Augenblicken besteht. (Wer
von so viel Schönheit genervt ist, sollte
zwischendurch eine deutsche Kurzge-
schichte lesen. So als neutralisierenden
Zwischengang. Danach gefallen Julys Fi-
guren umso mehr.)
Dass man beim Lesen dazu neigt, die
Grundregel des Nicht-Eins-Seins von
Autor und Ich-Erzähler zu missachten,
mag an Miranda Julys sonstigem Out-
put als Performance-Künstlerin und Re-
gisseurin (»You And Me And Everyone We
Know«) liegen; immer nimmt sie im eige-
nen Werk eine zentrale Rolle ein. Weil
sich das »Ich« auch hier so omnipräsent
auf die verschiedensten Charaktere zer-
splittert, scheint es fast selbstverständ-
lich, auch den alten Angestellten einer
Handtaschenfirma, der schließlich in
einem traurig-rauschhaften Akt mit sei-
nem Kollegen schläft, als Teil von ihr zu
betrachten.
Gender Trouble, so gelesen. Viele der
16 Geschichten sind ein wenig unheim-
lich, sowohl im Sinne von »spooky« als
auch im Sinne Freuds; auch das rührt
von Uneindeutigkeiten her. Ist da viel-
leicht eine »andere« Art von Liebe zwi-
schen Adoptivtochter und Mutter? Liegt
da so was wie Sex in der Luft, wenn der
kleine Junge von gegenüber die Mitt-
dreißigerin besucht? Immer geht es
um Beziehungen, die sich in Randbe-
reichen und Zwischenräumen bewegen
– bis dahin, wohin Sprache im Normal-
fall nicht reicht.
Dana Bönisch
Miranda July »Zehn Wahrheiten«
(Diogenes, 252 S., EUR 18,90)
BIO STATT GUERILLA
159_Weiter.indd 80 13.03.2008 1:28:39 Uhr
FICK DAS SYSTEM
Im lahmarschigen Deutschland kommt es selten genug vor,
dass man sagen kann: »Es geht was.« Aber gerade ist es so:
Die Interventionen queer-feministischer Subkulturen und
die Debatten über Kunst, Politik und Gender Studies tra-
gen Früchte im bürgerlichen Milieu. Das Thema Sexualität
erfährt derzeit geradezu einen Hype. Wie der einigermaßen
reflektierte Popkonsument weiß, sind Hypes weder voll-
blöd noch supergeil. Sie sind warenförmig und aufdringlich.
Manchmal sind sie förderlich, um Begehren zu politisieren
und soziale Alternativen vorstellbar zu machen.
Immer wieder lustig zu beobachten, wie sich durch die
zunehmende Sexualisierung des Mainstreams ge-
arbeitet wird, als hätte es irgendwann Formen ge-
sellschaftlicher Produktion gegeben, in denen Ar-
beit nicht vergeschlechtlicht gewesen wäre – und
das Verhältnis von Lust/Mobilisierung oder Kör-
pern/Begehren neben der Repression von »ande-
ren« Körpern tatsächlich mal abwesend. Nimmt
man dazu Gayatri Spivaks Beobachtung, dass die
Ehe die älteste Institution der Weltgeschichte
ist, wird klar, dass in Deutschland der Femi-
nismus noch mehr an platten Ressentiments
als an einer neokonservativ verbrämten Alice
Schwarzer leidet. Apropos: Mit dem bald er-
scheinenden Magazin Missy gibt es zukünf-
tig eine postfeministische Alternative sowohl
zu Oma Alice als auch zur Masse an männlich
geprägten Pop-Magazinen. Chapeau!
Die »Testcard« (Ventil Verlag, 288 S., EUR
14,50), eine der beliebtesten nicht-universi-
tären Reader-Reihen zur Popgeschichte, pro-
biert sich mit ihrer 17. Nummer ebenfalls am
Thema »Sex«. In einer irren Mischung fliegen da-
bei Perspektiven durcheinander, bis einem im po-
sitiven Sinne schwindlig wird: Kapitalismuskri-
tik und alternativer Porno, Transgender-
Beziehungen und sexuelle Arbeit,
queere Underground-Praktiken und feministisches Auto-
renkino. Der Umstand, dass das pluralistische Rumgedok-
tere an tausend Ecken und Enden auch verdeckt, wie weit
viele Diskussionen noch in den Kinderschuhen stecken, ist
eher normal. Und Texte von queeren Theoretikern und Ak-
tivisten über eine Revolution ohne gemeinsamen Kampf
gegen alltägliches Ich-AG-Dasein sind zwar ähnlich limi-
tiert wie eine universalistische Linke ohne Erfahrung mit
queeren Lebensformen und dafür »objektivem« Gerede
über die Verhältnisse und deren Überwindung, aber 95
Prozent aller monatlichen Publikationen sind trotzdem
sinnloser. Das hat auch seine Gründe. Inwieweit es
zum Beispiel alle – der Mainstream, der konser-
vative Feminismus und die linken Magazine – ver-
pennt haben, mit proletarischen Frauen zu spre-
chen, anstatt von oben herab über sie zu urteilen,
macht Virginie Despentes’ jüngstes Buch klar. Die
Roman-Schriftstellerin und Regisseurin von »Baise-
Moi – Fick mich« hat ihre erste Essay-Sammlung ver-
öffentlicht. Darin bezieht sie eine konsequente Pro-
Sex-Feminismus-Position, die sich gewaschen
hat. Ihre »King Kong Theorie« (Berlin Verlag, 160
S., EUR 18) rockt in Punk-Speech und ohne elitäres
Uni-Gehabe durch Debatten zu Pornografie, Sexar-
beit und Vergewaltigung. Sie postuliert einen Fe-
minismus, mit und bei dem Männer viel zu tun ha-
ben. Despentes’ radikale Textsammlung ist nicht
nur in Sachen Balance zwischen Form und Inhalt,
Persönlichem und Politischem außerordentlich ge-
lungen, sie führt nachdrücklich eine Stimme ein, die
sich nicht nur von Eva Herman und Alice Schwarzer,
sondern auch von Ariadne von Schirach und Charlotte
Roche unterscheidet. »King Kong Theorie« ist schlicht
eines der allerwichtigsten Bücher seit Judith Butlers
»Gender Trouble« zur Frage, was Frau ist – und wer da-
von zu berichten hat.
Tim Stüttgen
Literatur
081
3. Ma| 2008
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54. Iateraat|oaa|e kurzñ|mtaoe 0berhausea !. · 6. Ma| 2008
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Wir Alphamädchen
Charlotte Roche hat mit ihrem Roman
»Feuchtgebiete« das Feuilleton aufge-
mischt. So viel Aufmerksamkeit wer-
den Meredith Haaf, Susanne Klingner
und Barbara Streidl für »Wir Alphamäd-
chen« nicht einheimsen. Die Aussage ist
unterm Strich aber dieselbe: Warum Fe-
minismus das Leben schöner macht. Wa-
rum die Schönheitsindustrie Frauen ein-
redet, dass sie angeblich nie schön ge-
nug sind. »Wir Alphamädchen« ist popu-
lärwissenschaftliche Erklärung, dass die
Frauenbewegung gemeinhin drei Phasen
hatte: den Kampf um das Wahl- und Bil-
dungsrecht für Frauen im 19. Jahrhun-
dert, das Pochen auf ein Abtreibungs-
recht und sexuelle Befreiung in den
60er-Jahren sowie den heutigen Third-
Wave-Feminismus mit popkulturellem
Bezug. Es geht um Verhütung und Por-
nos, Frauen in Sprache, Politik und Me-
dien. Durchaus eine vielseitige Analyse
des Ist-Zustandes – mit allen Errungen-
schaften, aber auch Defiziten Etwa, dass
in Deutschland Frauen im Schnitt immer
noch 20 Prozent weniger verdienen als
Männer. Positiv ist das deutliche Benen-
nen der verängstigten »Altherrenriege
der Journalisten« im Spiegel oder in der
FAZ, die in engagierten Vätern die »wah-
re Männlichkeit« bedroht sehen. Teilwei-
se nerven die Autorinnen etwas mit ih-
rem übertriebenen Girlie-Stil à la »grün-
den wir eine Mädchenmannschaft«. In-
haltlich bin ich aber mit im Team – und
Charlotte Roche bestimmt auch.
Dörte Miosga
Meredith Haaf, Susanne Klingner, Barbara Streidl
»Wir Alphamädchen«
(Hoffmann und Campe, 253 S., EUR 19,95)
159_Weiter.indd 81 13.03.2008 1:29:58 Uhr
inzwischen beinahe Rockstar-Status (mit eigener Zeichen-
trickserie und veritablem Fankult) genießt, zum Bösewicht
erklärt. Stattdessen agiert man nun als Nero, der von sei-
nem Vorgänger äußerlich kaum zu unterscheiden ist, cha-
rakterlich aber komplexer zu sein scheint – so sehr man
die abgeklärte Arroganz von Dante mochte, so dumpf ge-
riet meist die Story. Ansonsten bleibt vieles beim Alten: mit
anachronistisch linear verlaufenden Levels, sporadischen
Rätselpassagen und gigantischen Bossgegnern, die es mit
dem erwartungsgemäß drallen Move- und Waffenarsenal
zu bezwingen gilt. Was vielleicht obsolet klingen mag, sich
in der Praxis aber ziemlich gut anfühlt: Logischer, intui-
tiver und ästhetischer lassen sich Polygonen selten steu-
ern. Hinzu kommen abwechslungsreiche Levels (vom üp-
pigen Dschungel über postapokalyptische Straßenzüge hin
zu antiken Tempelanlagen) und ein optischer Standard, der
den neuen Erwartungen großteils gerecht wird. Weshalb
guten Gewissens resümiert wird: sicher keine Revolution,
aber eine bodenständige, wohl geratene Fortsetzung eines
Klassikers der Videospiel-Historie. Gerd Rosenacker
Devil May Cry 4 (PS3, Xbox 360, PC; Capcom)
»Devil May Cry« zählt zu den meistverkauften Titeln der PS2-Geschichte: ein Spiel, in dem
beinahe alles passte. Jetzt wagte die prachtvoll inszenierte Dämonenhatz den Sprung auf
die neuen Plattformen – wir haben nachgesehen, ob sie ihn schadlos überstanden hat.
M
it der Potenz der neuen Konsolen sind
auch die Ansprüche gestiegen: Der
Konsument erwartet Revolutionen,
konzeptuell wie im Detail. Die Schon-
zeit für Software-Hersteller ist mittlerweile verstrichen,
aber Verbraucher und Fachpresse sind sich weiterhin ei-
nig: Die großspurig angekündigte Revolution lässt auf sich
warten. Bilanziert man das bisherige Sortiment, konnten
nur wenige Titel die Erwartungen erfüllen: Das optisch be-
eindruckende »Burnout« oder das elegant erzählte Meu-
chelepos »Assassin’s Creed« gehören vielleicht in jene Ka-
tegorie; den Hammer, der eine neue Ära markiert, sucht
man aber immer noch vergebens. Ein Spiel, das stilprä-
gend wirkt wie einst »GTA« oder »Devil May Cry« für die
letzte Generation. Weswegen man vielerorts mit den Hu-
fen scharrte, als der Branchenriese Capcom eine Fortset-
zung von »Devil May Cry« für die neuen Plattformen ankün-
digte. Der vierte Teil des Hack&Slay-Klassikers erscheint
jetzt erstmalig auch auf PC und Xbox 360. Eine pankompa-
tible Großoffensive also, und die Expansion beginnt reich-
lich unorthodox: nämlich mit dem Rauswurf des Hauptdar-
stellers. In der Startsequenz wird Dämonenjäger Dante, der
SIE sind uns allen ja bekanntlich auf den Fersen – per Han-
dymasten, Testbildflimmern und diesen Nummern auf den
Euroscheinen. Wie alles mit allem zusammenhängt, darum
geht’s im wahrsten Sinne des Wortes in diesem Spiel.
Jeder Spieler übernimmt einen der Geheimbünde, die
um die Weltherrschaft ringen, und versucht im Lauf des
Spiels, ein stetig wucherndes Karten-Netzwerk aus Unter-
organisationen vor sich aus-
zulegen. Um die Übernah-
meversuche der anderen
Spieler abzublocken, müs-
sen die Karten möglichst
geschlossen aneinander-
gelegt werden. Zudem heißt
es, mit den anderen Global
Playern die richtigen (tem-
porären) Bündnisse einzu-
gehen, um allzu forsch ex-
pandierende Konkurrenten
in die Schranken zu weisen. »Illuminati« kombiniert also
mehrere Spielinhalte: etwas Legespiel, etwas Taktik bei
Angriff und Übernahme fremder Unterorganisationen und
ein bisschen Gefühl von Gruppendynamik und Verhand-
lungsgeschick. Das Highlight des Spiels sind sicherlich die
absurden Netzwerke, die sich entspannen, wenn etwa die
Jünger Cthulhus die Post kontrollieren, die wiederum die
Leichenbestatter in ihrem Würgegriff hält, von denen die
Ölmultis abhängen, die die Kindergärten unterwandert ha-
ben, die ihrerseits die Sozialdemokraten kontrollieren und
so weiter. Schnell erlernter Spaß also, der mit einfachem
Grundprinzip immer neue Spielverläufe ermöglicht. Dass in
den Medienhinweisen Daniel Kullas Klassiker »Entschwö-
rungstheorie« fehlt – tja, das haben wohl der BND und die
Delfine zusammen gedeichselt.
Jasper Nicolaisen
Illuminati (Brettspiel von Steve Jackson für 2-6 Spieler,
Pegasus Spiele, ca. EUR 24,95)
Illuminati
Devil May Cry 4
UNAUFGEREGTER
GENERATIONSWECHSEL
082
Spiele
Perry Rhodan
Seit dem ersten Erscheinen 1961 hat es
die Romanheftreihe »Perry Rhodan« auf
stolze 2400 Ausgaben geschafft. Nach
einem rundenbasierten Strategiespiel
»Perry Rhodan – Operation Eastside«
von 1998 und dem Abenteuerspiel »Die
verbotene Stadt« aus dem Jahre 1999 ist
das schlicht mit »Perry Rhodan – The Ad-
venture« betitelte Point&Click-Adventure
eine endlich ernst zu nehmende der größ-
ten Science-Fiction-Serie der Welt.Chef-
autor Robert Feldhoff höchstpersönlich
zeichnet für die komplett neue Story ver-
antwortlich: Wir schreiben das Jahr 1346
neuer galaktischer Zeitrechnung: Perry
Rhodan sieht sich nach einem Angriff auf
die solare Residenz, Zentrum der terra-
nischen Macht, und der Entführung sei-
ner Vertrauten Mondra Diamond durch
außerirdische Kampfroboter plötzlich
von einem gewaltigen Netz aus Intrigen
und Lügen umgeben. Schloss, Prinzes-
sin, Entführung – na, klingelt da was? Wie
dem auch sei: In beeindruckenden Sze-
narien der fünf unterschiedlichen Welten
warten unzählige Logik- und Kombinati-
onsrätsel, durch deren Lösung man et-
was Licht in die Angelegenheit bringen
kann. Die Symbiose aus dem Detailreich-
tum der 2-D-Hintergründe und den atmo-
sphärischen Licht- und Schatteneffek-
ten sowie den weichen Animationen der
3-D-Charaktere lässt das Spiel zu einem
authentischen und im höchsten Maße
spannenden Abenteuer werden. Unter-
stützt wird die äußerst dichte Atmosphä-
re durch einen stimmungsvollen Sound-
track und 3-D-Soundeffekte, die zusätz-
liche Spannungsbögen zu erzeu-
gen wissen.
Alles in allem ist »Perry Rho-
dan – The Adventure« nicht
zuletzt durch ein moder-
nes und benutzerfreund-
liches Interface ein lie-
bevoll umgesetztes
Abenteuer aus dem
»Perryversum«, das
Lust auf mehr macht.
Marc Seebode
Perry Rhodan – The Adventure
(PC; Deep Silver)
Wir verlosen drei Exemplare des
Spiels. verlosung@intro.de
159_Weiter.indd 82 13.03.2008 1:31:04 Uhr
Spiele
083
FIFA Street 3
Raus aus den Stadien, zurück zu den
Wurzeln: Die Idee der »FIFA Street«-Se-
rie, in der Ronaldinho und Konsorten in
Fünfer-Teams auf Hinterhöfen gegenei-
nander antreten, ist durchaus lobens-
wert. Doch selbst geneigte Konsumenten
werden einräumen müssen, dass dieses
Mätzchenmassaker mit Straßenfußball
bisher wenig zu tun hatte – Sportska-
meraden, die schon mal einen Fallrück-
zieher auf Asphalt versucht haben, wis-
sen genau, wovon die Rede ist. Und »FIFA
Street 3«, der nun dritte Versuch, macht
bedauerlicherweise genau da weiter, wo
die Vorgänger aufgehört
haben. Positiv zu ver-
merken ist das neue gra-
fische, karikative Kon-
zept – anson-
sten aber be-
gegnen einem
bekannte
Ä r g e r-
n i s s e :
wenig Langzeitmotiva-
tion wegen abstruser
Mannschafts- und
Ligakonstellationen,
reichlich irritierende
Füllbalken und eine
Inflation von ziemlich
beliebig wirkenden
Manövern, bei deren
Performance man auf
Hinterhöfen nur ein
Wort zugeraunt bekä-
me: Poser.
Gerd Rosenacker
FIFA Street 3
(PS3, Xbox 360, DS; EA Sports)
SPORTY PIXEL-SPICE
Pro Evolution Soccer 2008 für PSP (Konami)
Eine kurze Meldung vom Breitensport, bevor es in die
sportliche Peripherie geht: Endlich kommt der aktuelle
»PES«-Teil auch fürs Handheld. Und eigentlich ist alles wie
bei Konsole oder PC: Eine eigene Mannschaftskarriere ist
per Meisterliga möglich, Gegner machen beim Stand von
0:5 vor lauter Verunsicherung nur noch Fehlpässe, und die
Ballphysik ist, wenn auch einfacher, so doch auch hier von
beeindruckender Natur. Grafisch das beste Fußballspiel,
das es je für unterwegs gab. Das merkt man unter anderem
auch an den exorbitant langen Ladezeiten – vor dem Spiel.
Im Spiel selbst läuft aber alles angenehm flüssig.
King Of Clubs für Wii (Oxygen)
Minimilk, Ministeck, Minigolf. Mythen mit Mini- vorne sind
ja eigentlich unkaputtbar. Denkt man. Will man dem Fami-
lienspaß aus Gummibällen, Golfschlägern und Eis am Stiel
aber doch an den Kragen, verlege man das Setting des Mi-
nigolf-Spiels, das man programmieren will, einfach in die
Wüste von Nevada, wo degenerierte Rednecks dann zwi-
schen Rost, Staub und neun Farben Grau auf Bahnen voller
Trash-Prähistorik und schönster PS1-Grafik ihr Bestes ge-
ben sollen. Dazu läuft dann noch entmenschter Gitarren-
Blues. Schade, es hätte so schön sein können.
EA Playground für Wii (EA)
Grell, aber auch niedlich, dieses Spiel. Mediale Ironie: An-
statt mit Nintendo DS oder Handy vertreiben sich die zu
spielenden Kinder aus »EA Playground« ihre Zeit am lieb-
sten mit Analogem: Papierflieger steigen lassen, Völkerball
spielen oder Carrerabahn fahren. Keine der genannten und
weiteren Disziplinen dauert dabei länger als drei Minuten,
Spaß machen sie aber alle – für eine kurze Zeit.
Balls Of Fury für Wii und DS (Zoo)
Ob der Underground-Tischtennis-Spielfilm »Balls Of Fury«
mit Christopher Walken, der erst Mitte des Jahres bei uns
in die Kinos kommt, sein bester Film ist, weiß ich nicht. Be-
zweifelt werden darf es aber, wenn man sich den Trailer an-
schaut. Egal: In den USA lief er schon, und jetzt kriegen wir
eben mal vor dem Film das dazugehörige Digi-
tal-Mer-
chandi -
se. Darin ist
alles ähnlich,
wenn auch we-
niger vereinsmeierig als
bei Rockstars »Tischtennis«.
Die Bedienung ist gleich in-
tuitiv, dafür sind die Settings
der einzelnen Spiele schö-
ner – und man kann Walken
in einem Kimono spielen.
Besonders bizarr: Im Sto-
ry-Modus durchspielt man
tatsächlich den ganzen Film.
Nach erklärenden Standbildern
und Textsequenzen wird dann jedes
im Film auftauchende Match bestritten.
Felix Scharlau
159_Weiter.indd 83 13.03.2008 1:33:21 Uhr
084
Spiele
ren Spielzweck irritiert. Abseits der menschlichen Treffer
gibt es pro Level jedoch auch Dutzend andere Heraus-
forderungen, die klar zeigen, wie sehr die Spielmechanik
über dem Inhalt steht. In »The Club« wird Geschicklichkeit
in einem übersteuerten Testosteron-Umfeld inszeniert,
das weitaus mehr an Filme wie »Crank« oder »Shoot Em
Up« erinnert.
Stellenweise greifen Computerspiele durchaus auch
aktuelle Problematiken auf, verhandeln diese jedoch in
der Regel gerade mal auf dem Niveau des miesen Klap-
pentextes: In »Frontlines – Fuel Of War« wird Ölknappheit
zum Motiv eines Shooters, der inhaltlich dann doch purer
technischer Show-off ist. Erst wer vergleichbare Spiele
kennt, sieht den wirklichen Hintergrund solcher Shooter,
die oft nur den erreichten technischen Spielstandard ver-
feinern und verbessern wollen. Fazit: Leider wird zu selten
versucht, die Inhalte einen Schritt weiter zu denken. Aber:
Auch die Spieler verstehen im Regelfall, dass diese Spiele
eben nur die erwähnten Ziele erreichen wollen. Leider nicht
mehr und oft eher weniger.
Gregor Wildermann
Nur ein Bruchteil der veröffentlichten Computerspiele wird indiziert oder bekommt eine
Freigabe für Spieler über 18 Jahren. Und doch sorgen einige wenige Titel immer wieder
für Schlagzeilen und rufen Videospielgegner auf den Plan. Berechtigt oder übertrieben?
Ein Blick in einige aktuelle Titel zeigt die Notwendigkeit der Differenzierung ...
D
ie Meldung kam nicht überraschend: Der
Shooter »Call Of Duty 4: Modern Warfare«
war mit sieben Millionen verkauften Exem-
plaren neben »Halo 3« der erfolgreichste
Konsolentitel des Jahres. Dabei sieht »COD 4« so erschre-
ckend realistisch aus, dass beim Spielen tatsächlich ein
übler Kriegtreiber-Nachgeschmack bleibt.
Während in anderen europäischen Ländern nur in Ex-
tremfällen wie »Manhunt 2« Zensur gefordert oder ausge-
übt wird, hört der Spaß in Deutschland schneller auf. Zum
Beispiel dann, wenn Töten im Spiel zum reinen Selbst-
zweck inszeniert oder mit einem Belohnungssystem kom-
biniert wird. Aktuellstes Beispiel ist »The Club« vom eng-
lischen Entwickler Bizarre Creations, bei dem die Grund-
prämisse des Spiels tatsächlich abstoßend klingt: An
Schauplätzen wie einem alten deutschen Stahlwerk oder
inmitten von Venedig geht man auf Menschenjagd. Kopf-
schüsse und besonders gelungene Trefferkombinationen
bringen Highscore-Punkte ein. Abstoßend? Verwerflich?
In den ersten Spielminuten des in Deutschland nicht be-
worbenen oder erhältlichen Spieles ist man über den wah-
Digitale Paradiese
Andreas Rosenfelders Essaysammlung
mit dem etwas schwülstigen Titel »Di-
gitale Paradiese« beleuchtet die groß-
en innovativen Spieletitel der letzten
30 Jahre. Das Buch stellt deren Erzähl-
techniken und spielerische Innovationen
in einen Sinnzusammenhang (und da-
durch auf die gleiche Stufe) mit arrivier-
ter Hochkultur. Killerspieldebatte, Spiel-
sucht und bildungsbürgerliche Ressenti-
ments gegen das Genre bleiben weitest-
gehend vor der Tür. Das Buch liefert viel-
mehr vermeintlich proaktiv eine zum Teil
intelligente Games-Beweihräucherung,
über deren zwischenzeitliche Pointiert-
heit sich Spiele-Fans freuen dürften. Bei-
spielsweise dort, wo es um das absurde
Zusammenfallen von Arbeit und Freizeit
beim Computerspielen geht. Augenzwin-
kernd wird hier die Perversität dargelegt,
die dazugehört, sich freiwillig dem prote-
stantischen Leistungsprinzip zu unter-
werfen, indem man bei »GTA« zum zwan-
zigsten Mal versucht, die schwierige Ga-
belstapler-Mission zu schaffen, obwohl
man doch nur einen virtuellen bzw. ab-
surden emotionalen Gewinn davonträgt.
Mitunter wirkt genau dieser laterale Re-
ferenz-Gestus aber auch zu bemüht –
nicht alle erwähnten Spielelemente las-
sen sich so stichhaltig in die Tradition
des klassischen Bildungsromans oder
der Thesen von Platon bis Adorno stel-
len, wie Rosenfelder es gerne hätte. So
ergibt sich das Buch mitunter eben doch
ohne Not einer hochtrabenden Recht-
fertigungsrolle gegenüber den unsicht-
baren Gegnern des Genres. Für Gamer
birgt das Buch aber interessante An-
sätze, auch wenn es bei der konkreten
Abhandlung einzelner Titel bisweilen zu
oberflächlich vorgeht. Nichtgamern hin-
gegen wird Toleranz gelehrt - sofern sie
in der Kürze die Argumentation und das
Wesen der erwähnten Spiele überhaupt
zu erfassen vermögen.
Felix Scharlau
Andreas Rosenfelder »Digitale Paradiese. Von der
schrecklichen Schönheit der Computerspiele«
(KiWi, 191 S., EUR 8,95)
There will be blood
GEWALT IM SPIEL, TEIL 3205
Patapon
Vielleicht mag einen bei Bildern von Mark Rothko oder bei
Filmen von Luis Buñuel schon mal ein ähnlicher Effekt
heimgesucht haben: Da sieht man etwas, kann es aber in
Worten und Metaphern nur schlecht erfassen. So in etwa
erging es mir bei »Patapon«, einem der aktuell schlichtweg
ungewöhnlichsten Handheldspiele. Erstaunlich, wenn man
bedenkt, dass Sonys PSP in puncto Spielauswahl bisher
doch eher stiefmütterlich behandelt wurde und abseits
von »LocoRoco« wirklich originelle Spiele Mangelwa-
re waren. Vom gleichen Entwickler kommt nun der näch-
ste böse Streich. Die Handlung klingt zunächst simpel: Die
Patapons sind winzige tapfere Krieger, die nur auf den Be-
fehl von Trommeln in den Kampf ziehen. Ebendiese Trom-
meln betätigt der Spieler in persona einer Gottheit mit den
vier rechten Buttons, sodass aus der Abfolge von einzel-
nen Befehlen schnell ein Rhythmus wird. Klingt auf dem
Papier nicht ganz so töfte, lässt einen aber so schnell nicht
mehr los. Insgesamt 30 verschiedene Arten von Abenteu-
ern in Form von Monsterjagden, Rettungsaktionen und
chaotischen Schlachten werden im Trommelfeuer ange-
leitet. Auch wenn nicht immer ersichtlich ist, was wirklich
auf dem Plan steht, sucht »Patapon« wahrlich seinesglei-
chen. Und wem das alles zu anstrengend ist, der kann sich
auch noch bei acht Minispielen verlustigen. Und allein für
die Grafik vom französischen Designer Rolito, den Freunde
von Designer-Toys bestens kennen werden, hätte dieses
Spiel einen Platz im Museum verdient.
Gregor Wildermann
Patapon (PSP; Sony)
159_Weiter.indd 84 13.03.2008 1:34:05 Uhr
Unbenannt-1 1 11.03.2008 18:57:25 Uhr
01
P
Die Mega Drive Comeback-Show
Der Sega Mega Drive gehört zu den 90er-
Kronjuwelen wie »Beverly Hills 90210«
und Dr. Alban. Leider verlor Sega aber
bald den globalen Hardware-Kampf und
produziert heute nur noch Software. Die
2,4-Zoll-TFT-Spielkonsole von Millen-
nium beinhaltet nun 20 Spieleklassiker
des Mega Drive für unterwegs. Darun-
ter auch »Ecco The Dolphin« und »Sonic
& Knuckles«. Der Clou: Das mitgeliefer-
te Video-Kabel dockt das Handheld auch
an den Fernseher an – und dann wird
dort weitergespielt mit exakt der Auflö-
sung von einst. Circa EUR 50. www.me-
gadrive-portable.de
02
P
Nokia Disco
JBL, Technik-Laien auch bekannt als
Hersteller »dieser kleinen Kneipen-Laut-
sprecher«, macht das Nokia 5310 zum
Soundsystem. Passgenau wird das Han-
dy in die »JBL on call«-Box eingeklinkt
und so zum kompakten Audio-Begleiter
bei Picknick’n’Schwimmbad. Der Sound
der Box (2x3 Watt) ist schlicht hervor-
ragend zu nennen. Auch bei enorm lau-
ter Benutzung ist kaum eine Verzerrung
auszumachen. Blöd nur, wenn Mama
während der Disco-Time anruft. Circa
EUR 90 (Box) / EUR 220 (Handy ohne Ver-
trag). www.jbl.com / www.nokia.de
03
P
Ashhole
Ob Ukraine oder USA, ob Fürstenhaus
oder 5er-WG – am Tag nach der Party
herrscht Gleichheit zwischen Kulturen
und Klassen: Überall stehen vollge aschte
Bierflaschen, die nur 30 Prozent ihrer ge-
planten Zigaretten-Befüllung beinhalten
– der Rest ist auf dem Boden gelandet
und hat dort Hermelin- bzw. Ikea-Tep-
pich ruiniert. Das kann durch diesen Fla-
schenaufsatz verhindert werden – sogar
sehr kostensparend. Völlig kostenlos ist
hingegen dieser Tipp: Stellen Sie einfach
mehr Aschenbecher auf, bevor die Gäste
kommen. Circa EUR 10. www.gadgets.
dk/ashhole.html
04
P
Flexibler Multitouch-Controller
Tastatur und Maus sind wenig komfor-
tabel bei der Musikproduktion. Die fran-
zösische Firma Jazzmutant schafft Ab-
hilfe. »Dexter« ist eine touch-sensitive
Fernsteuerung für Cubase, Nuendo, Lo-
gic und Sonar. Das 12-Zoll-Display er-
kennt beliebig viele Finger gleichzeitig
und erlaubt einen schnellen Zugriff auf
die wichtigsten Parameter des jewei-
ligen Sequenzers. Das kostenlos erhält-
liche Lemur-Upgrade ermöglicht zudem
das Gestalten von eigenen Bedienober-
flächen sowie das Steuern von VJ- und
3-D-Programmen. Teuer, aber geil. Circa
EUR 2600. www.jazzmutant.com
086
Technik
L
a Mancha – in jener spanischen Landschaft kämpft der von seiner
blühenden Fantasie getriebene Don Quijote gegen imaginäre Wind-
mühlen. Und auch die Effekt- und Instrumenten-Plug-ins des gleich-
namigen Londoner Musiksoftware-Tüftlers entführen den Nutzer in
ferne Klangwelten. Innerhalb nur eines Jahres sind sechzehn VST-Effekte und neun
VST-Instrumente für Windows entstanden, die sich auf einer Skala von »krank« bis
»inspirierend« bewegen und unterm Strich einfach nur Spaß machen. Und das Be-
ste: Mit Ausnahme des komplexen Pitch-Shifters »Octav8r«, der für schlappe 15
Dollar erhältlich ist, stehen alle Plug-ins zunächst einmal zum kostenfreien Down-
load bereit! Da es sich um sogenannte Donationware handelt, entscheidet jeder
selbst, ob er den Entwickler mit einer Spende, die vor allem für die anfallenden
Serverkosten verwendet wird, unterstützen möchte. Dafür findet man auf www.
delamancha.co.uk unter anderem den C64-Lo-Fi-Synth »basic64«, den Drumsam-
pler »erratic« oder den spacigen Multieffekt »truc«, der mit ausgefeilten Morphing-
Funktionen aufwartet. Nicht nur beim Effekt »br0xx3n«, der dem Signal schlicht
»brokenness« hinzufügt, wird klar, dass hier weniger Alltägliches geboten wird und
die Plug-ins eine wahre Fundgrube für experimentierfreudige Sound-Frickler sind.
Zweckentfremdung ausdrücklich erwünscht! Drei neue Synthesizer sowie zwei Ef-
fekte sind derzeit übrigens in Arbeit – ein regelmäßiger Besuch lohnt sich somit.
Nils Wiere
www.delamancha.co.uk
WELT, DEINE
VST-PLUG-INS
Heute: mit De La Mancha
Das Rennen ist entschieden: Bildgewaltiges Hollywood-
Kino kommt in der Post-DVD-Zukunft ausschließlich via
Blu-ray in die heimischen Wohnzimmer. Als Appetizer je-
ner hoch auflösenden Technik verlosen wir zwei Blu-ray-
Sets. Bestehend aus »Independence Day« und »Sunshi-
ne« auf Blu-ray (Fox Home) sowie je einer Vicious and
Divine Laplace-Webcam mit 2-Megapixel-Fotoauflö-
sung und 1,3-Megapi-
xel-Videoauflösung. Der
übrigens weltweit ersten
USB-Webcam mit inte-
griertem Blitzlicht. Ge-
winnen? Eine Mail an ver-
losung@intro.de genügt.
Verlosung:
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immer genau richtig
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Das Kleingedruckte
Es steht ein begrenztes Kontingent an Prämien zur Verfügung. Wir garantieren nicht die Lieferung der Wunschprämie. Der Versand der Prämie erfolgt erst nach dem Veröffent-
lichungstermin des jeweiligen Tonträgers. Das Abonnement kostet im Inland 25 Euro (inkl. Prämie), im Ausland 30 Euro frei Haus (ohne Prämie). Für den Prämienversand ins
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The Foals
Antidotes
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Calvin Harris
I Created Disco
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Girls In Hawaii
Plan Your Escape
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Joy Division
The Best of
2 CDs
MIT
Coda
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Navel
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Wolke
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Blood Red Shoes
Box of Secrets
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SZ Cinemathek - Série Noire 04
Der Clan der Sizilianer
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Studio Ghibli
Die Chroniken von Erdsee
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This Gift
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6
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The Foals
Antidotes
CD
Abo159.indd 118 12.03.2008 19:06:33 Uhr
Z
uletzt noch erfreuten sich die nun auch et-
was älteren Jungs großer Lebendigkeit und
uns mit einem Best-of-Album, das ein unbe-
streitbares Vermächtnis ihrer Größe darstellt.
Aber die Bandgeschichte wird weiter geschrieben. Gibt es
ein Leben nach dem Zenit? Natürlich, das wissen unzähli-
ge Bands, kann es auch außerhalb des Gipfels schön sein.
Wer hielte denn auch eine Existenz auf konstanter Aus-
sichts-Plateau-Höhe aus? Okay, außer vielleicht die Ecua-
dorianer mit ihren Stätten 2000 Meter über Normalnull. Na,
keiner. Und dennoch gibt es solche und solche Fade-out-
Karrieren. Die einen gedeihen unter der offiziellen Wahr-
nehmungsgrenze dank treuer Fans noch richtig gut, andere
haben überraschende Alters-Highlights in petto, und wie-
der andere werden zynische Selbstkopisten an der Schwel-
le zur Scham.
Supergrass hängen bei all dem irgendwo dazwischen.
Sind zwar nicht ihre eigene Coverband geworden, versu-
chen aber so angestrengt, noch ins längst an ihnen vor-
beigezogene Geschehen einzugreifen, dass es auch dem
Zuhörer den Schweiß auf die Stirn treibt. Aktuell bemühte
man sich, den eigenen Sound mit schweinerockigem Glam
aufzuplustern, aber kurz bevor ein Riff mal wirklich auf-
geht, fällt Steigerung doch wieder in sich zusammen. Man
kennt es von sich selbst vielleicht: Wenn man denkt, man
müsste niesen, und es dann aber doch nichts wird. Die Er-
lösung des Moments fehlt und frustriert. So geht es eben
auch »Diamond Hoo Ha«. Das Mühen um juvenilen Drive
und Rotz ist spürbar und verkehrt damit das Ergebnis in
etwas Standstreifiges, etwas Biederes. So blöd es klingen
mag: Etwas weniger Ambition hätte dem Album gutgetan.
Es könnte alles lockerer sein. Ist es aber nicht.
Bernd Seidel
Nach ein paar Hör-Durchläufen der sechsten Supergrass-
Platte hatte sich die Review quasi von selbst geschrieben.
Ungefähr so sollte das klingen: »Nach knackigem, unge-
stümem Anfang (I Should Coco, 1995) und frühem, unge-
mein druckvollem Karrierehöhepunkt (In It For The Money,
1997) schleicht sich die Karriere der Ex-Britpopper langsam
aus ...« Na ja, in diese Richtung sollte es gehen, das war
schnell klar. Doch im Grunde läuft es mit »Diamond Hoo
Ha« wie bei jeder neuen Platte von Supergrass: Sie wächst.
Woran liegt das eigentlich? Im Grunde hat die Band tat-
sächlich spätestens seit dem selbst betitelten Album von
1999 alle Pfade ihrer Musik ausgelotet: Ausgelassenheit,
Dynamik, Melancholie. Seitdem pendeln sie sich ein mit
leicht beschleunigten Midtempo-Songs, mehr oder weni-
ger eingängigen Refrains, hier und da Boogie-Woogie-Ele-
menten, einem Schellenkranz, einer Orgel. Aber: Wer Su-
pergrass live beobachten konnte, wird übereinstimmen:
Die Leidenschaft, mit der sich die Band durch ihre urbri-
tischen Songs spielt, macht auch im schlimmsten Falle
mittelmäßiges Songwriting wieder wett. Und dieses nur
schwer gezügelte Temperament, diese kaum gebändigten
Ausbruchsversuche – sie sind immer noch da. Man muss
nur genau hinhören.
Heiko Behr
Supergrass »Diamond Hoo Ha« (Emi)
Intros liebste Platten
01
Foals
Antidotes
02
Navel
Frozen Souls
03
Blood Red Shoes
Box Of Secrets
04
Operator Please
Yes Yes Vindictive
05
Girls In Hawaii
Plan Your Escape
06
Isobel Campbell & Mark Lanegan
Sunday At Devil Dirt
07
Trouble Over Tokyo
Pyramides
08
Jason Collet
Here’s To Being Here
09
Motorpsycho
Little Lucid Moments
10
Headman
Catch Me
11
Wolke
Teil 3
12
Johnossi
All They Ever Wanted
13
Mark Stewart
Edit
14
The Black Keys
Attack & Release
15
The Long Blondes
Couples
Lesers liebste Platten
01
Radiohead
In Rainbows
02
Amy Winehouse
Back To Black
03
Die Ärzte
Jazz ist Anders
04
Hot Chip
Made In The Dark
05
Slut
Still No1
06
Nada Surf
Lucky
07
Foo Fighters
Echoes, Silence, Patience & …
08
Arcade Fire
Neon Bible
09
Beatsteaks
.limbo messiah
10
Feist
The Reminder
11
Interpol
Our Love To Admire
12
Vampire Weekend
Vampire Weekend
13
Miss Kittin
Batbox
14
Get Well Soon
Rest Now Weary Head! You …
15
Editors
An End Has A Start
Eure Top 10 an Intro, PF 19 02 43, 50499 Köln oder
an charts@intro.de. Verlosungsgewinne winken.
Probefahrt
089
SPALTER: EIN LEBEN
NACH DEM ZENIT
Supergrass, das waren diese kleinen niedlichen druggy Äffchen aus den
Britpop-Neunzigern – mit den vielen kleinen bis ziemlich großen Hits für den
geschmackssicheren MTV-Zuschauer. Aber was heißt eigentlich waren?
Supergrass
159_Hoertest.indd 89 13.03.2008 0:38:24 Uhr
Isobel Campbell
& Mark Lanegan
Sunday At Devil Dirt
V2 / Universal / VÖ 07.05.
Neoangin
The Happy Hobo
& The Return Of The Freaks
www.neoangin.info
Clinic
Do It
Domino / Indigo
Firewater
The Golden Hour
Nois-o-lution / Indigo
White Rabbits
Fort Nightly
Fierce Panda / Cargo
Blackmail
Tempo Tempo
City Slang / Universal
Calvin Harris
I Created Disco
Ministry Of Sound / Edel / VÖ 25.04.
The Long Blondes
Couples
Beggars / Rough Trade
Johnossi
All They Ever Wanted
Universal
Lichter
Lichter
Loob Musik / Universal
All Time Faves
01
02
03
04
05
06
07
08
09
10
X: I can picture a guy, like sin-
ging and falling asleep on
stage. (6)
G: Yeah, why not? X: Sounds
like Hot Chip. I don’t really like
it. It’s harmless music. (6)
G: Trying too hard to sound
lo-fi. (6)
G: It’s like a gipsy band. X: It’s
not touching us, no it’s not our
style. (6)
X: It’s okay. It sounds very
English. (6)
X: It sounds like 90s rock
and Foo Fighters. It’s cool
for some people but not for
us. (6)
X: It’s something you have
heard ten thousand times be-
fore. Lyrics are not interes-
ting but I know people who
would like this. G: It’s very flat,
homemade electronic pop. (6)
G: Sounds like Blondie, each
song is different. (7)
X: Sounds like the French
band Indochine. One song re-
minds me of »Lump« by Pre-
sidents Of The USA. (6)
X: It’s all music from 1992
or 1994. It doesn’t sound
new. (6)

A: Reminds me of Lee Hazle-
wood and Nancy Sinatra. W: I
like the western style. (6)
A: [schaut auf den Boden und
streicht ihre Haare ins Ge-
sicht] I’ve heard people do
this well, he’s a bad copy. (2)

A: I like this traditional sound,
but I don’t like the vocals. (4)
W: I don’t like it. A: I don’t want
to hear three more shit fu-
cking records. [Steht auf,
geht raus und bestellt einen
Eiswein.] (4)

It doesn’t really make me
dance, neither do I find it sti-
mulating. (4)
A: [mit dem Kopf auf den ver-
schränkten Armen, Blick wei-
terhin gen Boden] It’s a tas-
te thing, but not our cup of
tea. (4)
W: [verzieht das Gesicht] They
need a bass player. Bad versi-
on of The White Stripes. (1)

The Beatles
Abbey Road
Beach Boys
Pet Sounds
Burt Bacharach
Casino Royale
S: I like it. It’s really cinematic.
Reminds me of Leonard Co-
hen. LM: You need to be in the
mood and have a place to lis-
ten to it. (7)
S: I can’t take it seriously.
Sounds as if you crossed Te-
letubbies with LCD Sound-
system. I think it’s a joke. LM:
Yeah, must be. Four points for
laughing. (4)
LM: I really like the guitar
sounds, it’s quite cool. The
rest bored me a little bit. S:
Interesting, weird stuff. But
nothing that gets your atten-
tion. (4,5)
LM: I would never buy this.
I find it a little bit dull. I just
can’t make any sense of it.
S: Sounds just like a freaky
cheap version of Gogol Bor-
dello. (4)
LM: I find it quite boring. It
doesn’t get to anything and
when it does it’s pretty obvi-
ous. S: Predictable, dull, emo-
tionless, pedestrian piece of
shit. Nothing happened. (2)
S: Really rock. The singing
gets on my nerves. Sounds
like they’re from the West
Coast. LM: The melodies
aren’t as cool as they could
be. (6)
S: He is dumb as fuck, kind of
fun. There’s nothing to it, no
substance. But I can’t pre-
tend that it doesn’t make me
smile. He makes you dance
and that’s his job, isn’t it? (1)
LM: It might take a few listens
to understand it, because it’s
quite different from their last
one. I’m a bit undecided, but
it sounds a bit weak. S: I can’t
stand it. (2,5)
S: They fucking suck. I hate
this band even more because
someone just told me that we
sound like this band. We’re re-
ally offended. Are they retar-
ded? LM: Just a: (0)
S: I think it’s cool that they
sing in their native language.
It seems they found some in-
teresting notes on the piano
and the guitar. But not major-
ly exciting. (6)
Sonic Youth
Dirty
Nirvana
In Utero
Q And Not U
No Kill No Beep Beep
Very Leonard Cohen. It’s nice-
ly cinematic. Sounds not as
good as Cohen, I’m a big fan
of Cohen. A little repetitive
for me. (5)
Very polka. Sounds playful
like French electropop. Now it
sounds like En Vogue. (7)
Sounds like he’s singing with
his mouth full. This is really
boring. (4)
I like the percussions. It re-
minds me of Tom Waits. Wow,
the lyrics are very direct. The
guy’s voice is almost annoy-
ing, but not really. I like that
it’s a political album too. (8)
This band sounds like a lot of
people shaking tambourines
and stuff. I really don’t like the
production. The tambourine
is so high and this band loves
the tambourine. (6)
Interesting graphic design.
Based on the song titles and
the spelling, I would give four
points. If they’re from Germa-
ny, why do they sing in Eng-
lish? (4)
It’s cool, reminds me of Junior
Senior. It’s catchy dance mu-
sic for a party. (7)
I like the voice and the voice
and the production. The voice
sounds like Dido. ... First I
liked it, than I get bored of
it. Her singing is the whole
show. (5)
The voice is a bit like Frank
Black. Seems they’re trying to
sound like The Presidents Of
The USA. I never thought so-
meone would try that. Wow,
this is really bad. (2)
I like the packaging. Sounds
like Linkin Park, this one line.
It’s a really bad and cheap
keyboard. (5)
Brian Eno & David Byrne
My Life In The Bush Of Ghosts
Dr. Octagon
Dr. Octagon
The Beatles
Abbey Road
Justice
Xavier de Rosnay, Gaspard
Augé
Ø 6,1
Goldfrapp
Alison Goldfrapp, Will Gregory
Ø 3,57
Yeasayer
Chris
Ø 5,3
Blood Red Shoes
Laura-Mary Carter, Stephen
Ansell
Ø 3,7
PLATTEN
VOR
GERICHT
090
Probefahrt
159_PVG.indd 90 13.03.2008 2:22:53 Uhr
J: His first record was great.
This one is also cool. Great
contrast, the beauty and the
beast. J: He’s so masculine
and he’s lost his voice. (9)
J: Very eastern and also re-
minds me a bit of Hot Chip.
JG: Yeah, Hot Chip. I like it.
S: It doesn’t sound very or-
ganic. (5)
S: Can I keep it? A bit like
Thom Yorke. J: Sounds like
underground stuff. A: Like it’s
been recorded in a garage. (9)
A: Can we also give eleven
points? Eleven points for
them moving to Asia. This
cheers me up. (10)
S: It’s very genuine and has
no drive, but it’s very Smiths-
like. A: It’s cool. J: Can we go
on listening to it? (7,5)
J: It’s classic rock and rocks
more than our stuff. S:
Doesn’t sound very warm but
he has a great voice. A: Foo
Fighters. (5)
JG: Welcome to the 80s par-
ty. J: It’s a laptop sound, but
it’s interesting to listen to
such music. We always listen
to the same stuff. S: Is he se-
rious? (4)
J: We should give them ten
because they’re so hot. One
of them worked with us in the
studio. A: Can we keep this
CD? Cool flow. S: In my eyes
it’s too electronic. (6,5)
J: It doesn’t grab me really,
but he has a cool and aggres-
sive voice. (7,5)
W: Good lyrics. J: And Bloc
Party guitars. A: No. (3,5)


Ha, sounds like a Nintendo.
Like the background music of
a game. Very electronic. (-)
Oh, I like it. It’s real rock’n’roll.
Reminds me of The Stones
and The Doors. Can we go on
listening to it? (7,5)
Haha, that’s interesting.
Sounds like a mixture of Bol-
lywood and Gogol Bordello. I
like it. We don’t have that kind
of music in the States. (7)
I already have this record. It’s
one of the best I bought this
year. Cool vibes and an Egyp-
tian touch. I like the produc-
tion and everything about this
record. (8,5)
Cool sound. Where do they
come from? These bands
from Europe have a very pro-
per style. They sound like
a real band. A rock’n’roll
band! (7)
I don’t like it, it’s not my
sound. Can you skip it? (-)
Skip it. (-)
I like his voice. It’s very si-
milar to Blackmail, but it
also sounds a bit like Bruce
Springsteen. (6)
Oh yeah, it’s cool. Good voice
and interesting sound. What
do they talk about? (-)
The Beatles
The White Album
Bob Dylan
Blonde On Blonde
Tom Waits
Alice
Erste Platte, die ich von ihm
höre. Gefällt mir schon allein
wegen der schönen sonoren
Herrenstimme. (8)
Allein schon 10 Punkte für:
»Make copys for everyone
you like.« Niedlich! (10)
Die wievielte Platte ist das
von denen? Keine Ahnung,
aber eine hätte gereicht. (3)
Viel zu pathetische und po-
litische Weltverbessererka-
cke! (2)
Calypso-Indie? Brauch ich
nicht. (2)
Iiiiiihhhhh, Indierock! Möchte
ich nie wieder hören! Habe ich
keine Punkte für über. (0)
»I Created Disco«? Hätte
ich jetzt mehr von erwartet
bei dem Titel. Hat den Mund
ein bisschen zu voll genom-
men. (4)
Man hört die Erol-Akan-Pro-
duktion: Long Blondes goes
to the club! (7)
Ich weiß nicht, wozu ich so et-
was hören sollte. (1)
So hört es sich wohl an, wenn
man als Kind alles hatte.
Ganz schlimme Texte. (1)
International Pony
We Love Music
Moloko
Things To Make And Do
Greens Keepers
The Ziggy Franklin Radio …
D: Der hat diese Großer-Bö-
ser-Wolf-Nummer einfach
drauf. T: Klingt genau wie Nick
Cave und Kylie Minogue, nur
dass Isobel hier nur ein biss-
chen hauchen darf. (6,2)
E: Klingt, wie es aussieht. T:
Fröhliches Lo-Fi-Zeug. Erin-
nert an Stereo Total. J: Nur
schade, dass er immer das
Gleiche macht. M: Schrill und
dabei stur. (6,8)
N: Klingt wie Frank Zappa.
T: Boah, ist das super! N: Ich
sehe gerade einen Zirkusdi-
rektor vor mir. D: Unnötiges
Album, find ich. M: Kann ich
die CD bitte haben? (6,7)
T: Erinnert mich an Nick Cave
und die Violent Femmes. S:
Mich an Ali Baba und die 40
Räuber. D: In der Dönerbude
kann man das gut hören. (8,4)
D: Das Klavier bringt Latino-
Style rein. S: Abwechslungs-
reiche Beats. M: Geil schrul-
lig! (7,8)
T: Total die Monster-Mag-
net-Kopie – nur nicht so geil.
J: Das hat nichts Markantes,
eine sehr durchschnittliche
Alternative-Band. M: Fortbe-
wegungsmusik. (6,3)
D: Klingt wie ein schwuler
Prince. T: Nee, dafür hat er zu
wenig Soul. S: Ich steh nicht
auf solchen Disco-Scheiß.
Das ist eine Dauer-Schleife.
M: Gekauft! (4,7)
D: Eunuchen-Chor! T: Erinnert
mich total an Bis. S: Fürchter-
lich! D: Verdammt langweilig.
J: Die Songs beginnen immer
anders, und im Refrain wird’s
dann die gleiche Soße. (4,7)
S: Man würde nicht denken,
dass die nur zu zweit sind.
Tolle Stimme! N: Schöne Mu-
sik zum Reisen. S: Das erste
Album war viel besser. (5,7)
S: Die Stimme ist grausam,
und die Texte gehen über-
haupt nicht. D: Das ist ja der-
art langweilig. N: Musik als
Selbsttherapie? (2,2)

Wunderschön. Musik zum Zu-
hören und Weintrinken. Er-
innert manchmal an Kylie M.
und Nick C. (8)
Ist das die neue Band von
James di Salvio von Bran-
Van3000? Klingt ein bisschen
so. Am besten gefällt mir die
Coverversion »See You« von
Depeche Mode. (6)
Ist halt einfach ein Clinic-
Album. Nicht besser oder
schlechter als die Alben da-
vor. Leider keine große Über-
raschung, die ich mir erhofft
habe. (5,5)
Ein bisschen super, ein biss-
chen merkwürdig. (5)
Nichts Besonderes, einfach
nett gemachte Musik ohne
viel Mut zu Außergewöhnli-
chem. (4,5)
Meine BM-Lieblingsalben:
»Friend Or Foe« und »Science
Fiction«. Das hier ist großar-
tig, viele Überraschungsmo-
mente, fetter Sound und per-
fektes Songwriting. Top! (9,5)
Das klingt super! Coole
Drums, lässiger Bass. Bee
Gees treffen auf Beck. Aber
auch nur bei Lied #1, der Rest
plätschert so dahin. (3,5)
Zum Wegrennen ... (2)
Was hat eine bekannte Ham-
burger Band gesungen: Es ist
einfach Rockmusik. (6)
Oh Gott, gar nicht meine Bau-
stelle. Wird bestimmt einige
Rose-Club-Indie-Girls geben,
die das mögen. Für mich ist
das ÜBERHAUPT nichts. Raus
damit! (3)
Smashing Pumpkins
Siamese Dream
Depeche Mode
Violator
Quicksand
Slip
Hut ab! Ganz enorm. (10)
Eine Welt zwischen Auto-
scooterdiskothek und Jahr-
marktsgassenhauer. Frag-
lich, wie lang man das
aushält, aber der Akzent ist
echt. (7)
Eine Haschrockretrospekti-
ve. Dieser topfige Gesangs-
sound ist gut. (7)
Die haben Bärte ... (2)
... hoppeln in den Sonnenun-
tergang. Alles gut, Cowboy. (6)
Andere Baustelle, aber gut
gemacht. (5)
Die 80er-Jahre sind mittler-
weile passé, das macht aber
nichts. Er mag Mädchen, und
am Schluss wird’s doch noch
romantisch. (8)
Dieser Damengesang ist aber
anstrengend. Vielleicht eher
was für Teenager mit besse-
ren Nerven. (2)
Stadionrock – Achselzu-
cken. (2)
Zu clever. (3)
Bob Dylan
Blonde On Blonde
John Cale
Fragments Of A Rainy Season
The Allman Brothers Band
Brothers And Sisters
7,24
5,98
5,91
5,64
5,43
5,42
4,69
4,52
3,72
3,71
Intro-Praktis
Elena, Senta, Thomas, Jo-
hannes, Nils, Marlene, Dénes
Ø 6,0
Eight Legs
Sam, Jack, Adam, Will,
Jack G.
Ø 6,7
Panic At The Disco
Ryan
Ø 7,2
Tilman Rossmy
Quartett
Ø 5,2
Tomlab
Gordon
Ø 5,3
Gummikuh
Intro.de-User (Postings: 56)
Ø 3,8 Ø
Probefahrt
091
159_PVG.indd 91 13.03.2008 2:23:52 Uhr
Be Your Own Pet
Get Awkward
XL / Beggars / Indigo
Wenn man noch nicht zwan-
zig Jahre alt ist, dann ist die
Geschichte des Rock’n’Roll
ein schier endlos weites Feld
und eine vollgestopfte Fundgrube, in der
es sich fabelhaft stöbern lässt. Zumin-
dest versucht man sich als Vertreter der
Ü30-Fraktion diese Illusion im Zuge ver-
blassender Erinnerungen vorzugaukeln.
Be Your Own Pet aus Nashville, durch das
Debüt zur Teen-Punk-Sensation auserko-
ren, setzen mit »Get Awkward« im Grun-
de an der Stelle an, wo »Be Your Own
Pet« endete. Neben jeder Menge mitrei-
ßendem Lärm finden sich auch auf dem
Nachfolger fulminante Songideen, mit de-
nen den Yeah Yeah Yeahs und Blood Brot-
hers dieser Welt Paroli geboten wird. Frü-
her wäre ein solches Album bei Crypt Re-
cords veröffentlicht worden: Scharfkan-
tige Breaks, Heavy-Metal-Riffs und räu-
dige SST-Punk-Attitüde sorgen in den oft-
mals skizzenhaft angerissenen Songs für
den brodelnden Unterbau. Darüber wütet
Sängerin Jemina Pearl Abegg, ein keines-
wegs affektiert wirkendes Riot Grrrl mit
dem Look einer jungen Debbie Harry und
dem Bühnengestus der Marke Beth Ditto,
Karen O. oder Juliette Lewis. Bezeichnend
der Titel »Blow Yr Mind«: 42 Sekunden voll
in die Fresse. Der Verhoeven-Klassiker
»RoboCop« diente als Inspirationsquel-
le für »Bitches Leave«, insbesondere die
Szene, in der Kurtwood Smith ein Kokain-
Kränzchen abrupt beendet, indem er mit
vorgehaltener Pistole die nackten Frauen
mit ebenjenen Worten unverblümt zum
Verlassen der Party drängt. »The Kelly Af-
fair« bringt die unverwüstlichen Sonics
auf den Plan, während der rare Melodie-
gesang bei »Becky« an Little Evas »The
Loco-Motion« erinnert. Nach 35 Minu-
ten geballter, wild scheppernder Kraft-
meierei sollte man wieder unbeschadet
vom Kronleuchter runterkommen. An die
frische Luft. Am besten in den Streichel-
zoo. Henrik Drüner
The Black Crowes
Warpaint
Essential / Indigo
Sieben lange Jahre nach
ihrem letzten Studioalbum
melden sich die Gebrüder
Robinson endlich wieder
mit neuem Album auf der Bildfläche zu-
rück. Die Unstimmigkeiten des Brüder-
paars scheinen also vorerst beigelegt, die
reformierte Band (hinzugekommen sind
Gitarrist Luther Dickinson und Keyboar-
der Adam MacDougall) trägt den Sound –
wie zu ihren besten Zeiten eine dreckige
Mischung aus Rock, Blues, Country – mit
sehr viel Seele vor. Mit »Warpaint« erfin-
den sich die alten Krähen natürlich we-
der neu, noch erweitern sie jenen
092
Probefahrt
H
ört man die Folk-Popmelodien von Girls In
Hawaii, ziehen sofort wunderbare Land-
schaften vor dem inneren Auge vorbei.
Geht gar nicht anders. 2004 traten die Bel-
gier mit ihrem Debüt »From Here To There« zum ersten Mal
in unser virtuelles Bewusstsein. Nach einer ausgiebigen
Konzertreise quer durch Europa kehrten sie erschöpft nach
Brüssel zurück und brauchten erst einmal eine kleine Aus-
zeit, um sich klarzumachen, was genau sie wollten. Fast ein
Jahr dauerte es, bis sie sich entschieden, eine neue Platte
aufzunehmen und den Weg als Vollzeitmusiker einzuschla-
gen. Osteuropäische Einflüsse, einsame Mandolinen und
Kinderreim-Gesang (»Couples On TV«) machen dabei auch
das zweite Album zu etwas ganz Besonderem. Unterwas-
ser-Glockenspiele (»Coral«), jede Menge Geräuschelemente
und zufällige Begebenheiten wie Regen, Hundegebell, das
Läuten der Kirchturmuhr (»Plan Your Escape«) oder Radio-
frequenzen aus dem Verstärker (»Road To Luna«) erschaf-
fen eine traumhafte Akustik-Kulisse, schwerelos und ener-
gisch zugleich. Die Band war schon immer sehr naturver-
bunden, Blumenkinder inklusive Verzerrer. Und vom eigenen
Fluchtplan kann sie auch noch einiges erzählen:
Also, Parole: abhauen. Aber wie?
Antoine: Für mich persönlich ist die Musik mein Flucht-
plan. Nach anstrengenden Monaten der Arbeit ist es gut,
das Gefühl zu haben, man ist frei, um machen zu können,
was man will. »Plan Your Escape« steht für die Freiheit in-
nerhalb der Band.
Daniel: Als wir von unserer ersten Tour zurückkamen,
war ich froh, wieder zu Hause zu sein. Das war meine ganz
persönliche Flucht. Ich wohne in einem kleinen Dorf 100 Ki-
lometer von Brüssel entfernt, und es war so schön, wieder
zurück in meine Heimat zu kommen. Als wir zur Tour aufbra-
chen, war es andersherum. Da wollte ich aus meinem Dorf
flüchten und für längere Zeit mit der Band unterwegs sein.
Also ist man so gesehen ständig auf der Flucht.
Auf »Plan Your Escape« fallen viele verschiedene Sound-
und Geräuschelemente auf. Habt ihr diese Extras alle eher
zufällig eingebaut?
A: Ja, im Grunde genommen waren das alles kleine Un-
fälle, die wir letztendlich spontan in die Songs eingebaut
haben. In der Regel ist in einem Studio alles sehr steril. Da
gibt es keine Unterbrechungen oder Störungen. Diese Ra-
diostimmen auf »Luna« haben wir direkt aus unserem Ver-
stärker aufgenommen, als die plötzlich auftauchten, wäh-
rend wir was ganz anderes machen wollten. Das passiert
schon mal, dass man plötzlich irgendeine Radiofrequenz
über die Verstärker empfängt. Normalerweise nervt das
eher, aber in dem Moment war es ideal, und unser Produ-
zent sagte sofort: »Kommt, das nehmen wir auf.« Und somit
klingen die Tracks organischer und weniger steril.
Das erste Album habt ihr ja komplett alleine produziert.
Jetzt hattet ihr aber Unterstützung von Jean Lamoot.
A: Ja, wir wollten für »Plan Your Escape« einen Außenste-
henden dabeihaben. Jean hat schon viele französische und
afrikanische Bands produziert (Alain Bashung, Noir Désir).
Wir konnten uns ganz auf unsere Songs konzentrieren, wäh-
rend er sich um das Equipment und die Technik gekümmert
hat. Manchmal hat er auch was zu den einzelnen Stücken
gesagt, das war hilfreich. Er hat uns aber nie seine Meinung
aufgeschwatzt, sondern war einfach ein guter Begleiter, ein
neutrales Mitglied, außerhalb der Band.
Jasmin Lütz
Girls In Hawaii »Plan Your Escape« (Naive / Indigo)
Naturverliebte Melancholie eines belgischen Künstlerkollektivs –
und dennoch geht’s nur ums Abhauen. Dabei ist »Plan Your Escape«
eigentlich viel zu schön, um Eskapismus zu predigen.
FLUCHTPLAN
Girls In Hawaii

159_Hoertest.indd 92 13.03.2008 0:38:51 Uhr
078
DVD
BARBET
SCHROEDER
Dìesen McnaL erreìchL uns eìn Penake
der bescnderen /rL, und zwar vcn Scì-
Fì-Klassìker »SLar Wars«: Dìe BeseLzunç
der anìnìerLen SìLccn »Fanìly 0uy«
spìelL çenau dìesen nach, nìL den be-
lìebLen Fìçuren aus der Serìe ìn den Pcl-
len des »SLar Wars«-Perscnals, und na-
Lurlìch nìL SLevìe als DarLh \ader. Das
lauíL unLer den Ñanen »BIue Harvest«,
seìnerzeìL der /rbeìLsLìLel íur den 0rì-
çìnalíìln. Superhelden anderer Mach-
arL Lreìben ìn »Herces« ìhr Ünwesen;
der ÜberraschunçshìL des leLzLen Jah-
res lauíL ìn zweìLen Teìl auí eìn spekLa-
kulares und uberraschendes Fìnale zu.
/uch »Psych«, dìe Serìe un eìnen nìL
ubersìnnlìchen KraíLen hanLìerenden De-
LekLìv, çìlL als ÜberraschunçshìL der Saì-
scn. Dìe kanadìsche Serìe »Pe-Cenesis«
çehL ìn ìhre zweìLe SLaííel; belìebL ìsL sìe
vcr allen weçen ìhrer rechL realìsLìschen
DarsLellunç wìssenschaíLlìcher /bncrnì-
LaLen und ìhrer ançenehnen /nLì-Hclly-
wccd-/sLheLìk.
ÑaLurlìch çehL es auch nìL der \ercí-
íenLlìchunç vcn Fernsehklassìkern weì-
Ler: Dabeì scheìnL nan auí dìe Funí und
dìe Sechs zu seLzen, denn auí den Prc-
çrann sLehen dìe íuníLe Seascn vcn
»Miami Vice« und der »CcIden CirIs«
scwìe vcn »Hër maI, wer da hämmert«.
SechsLe SLaííeln çìbL es vcn »McLecds
Tëchtern« und der »Lindenstraße« (3 x
zu çewìnnen auí www.ìnLrc.de) scwìe vcn
der durchçeknallLen /rzLe-Serìe »Sc-
rubs - Die Anfänger«.
Endlìch auí D\D erscheìnL ìndes dìe
ìn den 90er-Jahren außersL belìebLe Scì-
Fì/MysLery-Serìe »The Duter Limits«,
dìe seìnerzeìL ia ìnner ìn Dcppelpack
nìL »/kLe `« ìn deuLschen Fernsehen
lìeí und dìe den 0eìsL der leçendaren
»TwìlìçhL Zcne« wìeder auíleben lìeß. Eìn
verçessenes Juwel, çerade auíçrund der
Trash-/sLheLìk. /prcpcs: Wìe vìel SLaí-
íeln çab es eìçenLlìch vcn »DaIIas«?
Schwer zu saçen, dcch hìer kcnnL be-
reìLs dìe achLe Seascn ìn dìe D\D-Peçale,
ebensc wìe dìe zweìLe des dynanìschen
DeLekLìvs »Pcckfcrd«.
/bçerundeL wìrd der McnaL durch
eìne 0esanLausçabe der brìLìschen Cc-
nedyreìhe »AbscIuteIy FabuIcus« sc-
wìe dìe ersLe SLaííel des hervcrraçenden
anerìkanìschen Dranas »Brcthers And
Sisters«. Sascha Seìler
BarbeL Schrceder - naskulìnes Charìsna pur, PrcduzenL, Peçìsseur, 0eleçenheìLs-
akLeur. LeLzLhìn bescherLe er Wes /nderscns sclìpsìsLìscher ÑìchLìçkeìL »The Dar-
ieelìnç LìnìLed« (2007) als exzenLrìscher Mechanìker ìhren eìnzìçen erìnnerunçswur-
dìçeren McnenL. Der Mann ìsL eìne der eìçenarLìçsLen und eìçensìnnìçsLen 0esLal-
Len der Ñcuvelle \açue. \ìelleìchL çar ìhre eìnçebauLe /nLìLhese. Sex, Drcçen und pc-
lìLìsche ExperìnenLe sLehen ìn ZenLrun seìnes Fruhwerks, aus den vìa Ped PIanet
nun zweì Perlen - beìde nìL Pìnk-Flcyd-Psychedelìc-Teppìchen unLerleçL - erscheì-
nen: »Mcre« (l969) und »La VaIIée« (l972). ¦n »Mcre« werden Drcçen weççehauen
und dann runçepìnperL, dass sìch das Ünìversun auílcsL. ¦n »La \allée« wìrd eìne
Peìse zu den Mapuça zur \erdeuLlìchunç zìvìlìsaLcrìscher \erlusLe - an Ende sLehen
Schrceders Lebenssìnnsucher sLeLs dunn da. /ber auch kluçer, weìl un eìne EnLLau-
schunç reìcher. Der Weç ìsL das Zìel, sc wìe Schrce-
ders Fìlne nur den 0rund zur \erwìrklìchunç eìçe-
ner FanLasìen lìeíern: »La \allée« drehLe Schrc-
eder nur íur dìe ExpedìLìcn zu den Mapuça und
»Mcre« halL íur den KcllekLìvabschuss. ÑìchL
unìnLeressanL ìsL, dass Schrceder eìçenLlìch
eìn abscluLer KcnLrcllíanaLìker ìsL - sìehe auch
seìne wenìç verhchlen auLcbìcçraíìsche S&M-
/bhandlunç »MaìLresse« (l975) nìL der Frau 0e-
nahlìn ìn der TìLelrclle. /ndererseìLs weìß er auch
un dìe /bçrunde íanaLìscher KcnLrclle, was
seìn \ersuch uber »0eneral ¦dì /nìn Dada«
vcn l974 dencnsLrìerL. 0eneìnsan ìsL allen
Werken eìne sehr beunruhìçende Mìschunç
aus Spìel- und DckunenLaríìln.
0laí Mcller
Serien
159_Weiter.indd 78 13.03.2008 1:27:16 Uhr
Scund, der zu ìhren Markenzeìchen çe-
wcrden ìsL. Dìe Band ìsL eìníach çanz sìe
selbsL - und çenau das nachL das neue
/lbun sLark. Eìn íìnales ÜrLeìl uber eìn
Black-Crcwes-/lbun zu íallen íunkLìc-
nìerL nìchL nach nur eìnen Durchlauí. ¦hre
SLucke nuss nan aLnen lassen wìe çu-
Len Weìn cder anderen Kase. Denn nur,
wenn nan sìe wìrklìch an sìch ranlassL,
drìnçen sìe zun Kern vcr und enLíalLen
ìhre çanze SchcnheìL. ¦rçendwann wìll
nan çar nìchL nehr abschalLen. ¦ch wer-
de dann ncch nal eìnen çuLen Jahrçanç
enLkcrken ... ChrìsLìan Schlaçe
The BIack Keys
/LLack & Pelease
Cccp / Ünìversal
/uí dìeser PlaLLe haLLe nan
beìnahe ¦ke Turner sìnçen
hcren, denn dìe Black Keys
waren vcn Schìcksal und vcr
allen vcn PrcduzenLen als dessen kcn-
çenìale PrciekLparLner auserkcren. Dann
kan aber, wìe nan weìß, alles anders.
Wenn nan als cccler PrcduzenL çrcße
Eríclçe íeìerL, kann es eìnen schcn nal
durch den Kcpí zucken: Dìeser alLe, çe-
scheìLerLe Held, den nan als Kìnd çanz
çrcßarLìç íand, der brauchLe dcch eìn-
íach nur den rìchLìçen PrcduzenLen!
Dançer Mcuse (0narls Barkley, 0crìl-
laz) haLLe wchl sc eìnen /níall vcn /ll-
nachLswahn. Jedeníalls wcllLe er das
neue /lbun vcn ¦ke Turner prcduzìeren.
Das scllLe aber nìchL ìrçendeìn /uíçuss
werden: ¦ke haLLe 0ìLarre çespìelL und
çesunçen, unLersLuLzen scllLen ìhn als
BeçleìLband The Black Keys, das 0ara-
çenduc aus der LìeísLen 0hìc-Prcvìnz.
»Dançer Mcuse haL uns íur das /lbun
nìL ¦ke das çesanLe ScnçwrìLìnç uber-
lassen«, erzahlL Dan /uerbach, 0ìLarrìsL
der Black Keys. »Es ware eìne zìenlìch
rcuçhe /nçeleçenheìL çewcrden.« Dan-
çer Mcuse, /uerbach und Schlaçzeuçer
PaLrìck Carney waren vcn den MaLerìal sc
uberzeuçL, dass sìe es auch nach Turners
/bleben vcr dreì McnaLen unbedìnçL ver-
wenden wcllLen. Sc wurde Dançer Mcu-
se der ersLe PrcduzenL der Black Keys,
bìslanç haLLen sìe ìhre /lben ìn Eìçenre-
çìe auíçencnnen und abçenìschL. JeLzL
alsc alles anders? »Ñeìn«, wìeçelL /uer-
bach lakcnìsch ab. »Wìr sìnd ìnner ncch
dìe /lLen. Wenn wìr ìn SLudìc sìnd, uber-
lassen wìr uns çanz unseren Flcw, wìr ha-
ben keìnen MasLerplan.« De íacLc ìsL aber
dcch alles anders: The Black Keys haben
das KcnzepL des 0araçenrcck - ausçes-
parLe /rrançenenLs, unbehauener Blues,
Lìve-/Lncsphare - çanzlìch hìnLer sìch
çelassen. Dìe Scnçs klìnçen verspìelLer,
varììeren sLark (un das zu dencnsLrìe-
ren, packen sìe scçar zweì çrundverschìe-
dene \arìanLen eìnes Scnçs auí das /l-
bun). Eìne Heerschar vcn 0asLnusìkern
und kcnìsch-íìepsìçen ¦nsLrunenLen
(0uerílcLen!) unspulen den kncchìçen
Blues. ZusannençehalLen wìrd das /l-
bun leLzLlìch durch das ScnçwrìLìnç Dan
/uerbachs. »Ürsprunçlìch haLLe ìch dìe
¦dee, eìn Sclcalbun auízunehnen, Sìn-
çer/ScnçwrìLer-Musìk.« Dann wurden dìe
Scnçs ¦ke Turner çewìdneL, ieLzL çehc-
ren sìe çanz den Black Keys. Dìe EnLsLe-
hunçsçeschìchLe des /lbuns scheìnL /u-
erbach selbsL nìchL scnderlìch zu hìnLer-
íraçen: The Black Keys bleìben íur ìhn auí
ewìç dìe 0araçenband aus /krcn, selbsL
wenn sìe dennachsL nìL SLeve /lbìnì ìn
Chanscns nachen scllLen.
Felix Klopotek
CIinic
Dc ¦L
Dcnìnc / Pcuçh Trade / ###BOT_TEXT### 04.04.
»Dc ¦L« ìsL nìLLlerweìle das
sechsLe /lbun vcn Clìnìc. Dìe
Band - scwchl vcn ÑME als
auch vcn Jchn Peel çeadelL
- weìß auch 2008 eìnnal nehr, wìe nan
kcnsLanL çeìl ablìeíerL, chne sìch zu wìe-
derhclen. Schcn der ersLe Track »Menc-
rìes« blasL dìch un ìn seìner kruden Mì-
schunç aus 70er-Pcckrìíís und selLsaner
BeaLles-Wendunç. EìçenLlìch verschnel-
zen beì ieden Scnç dìe pcphìsLcrìschen
ZeìLen zu eìnen spannunçsreìchen
Durcheìnander. Eçal, cb SpaçheLLì-We-
sLern, 0rçelspìel, plcLzlìche SynLh-/LLak-
ken, (PcsL)Punk- cder Pcckabìlly-/nleìhen
- ìrçendwìe íuhlL nan sìch beì Clìnìc ìn-
ner eìn bìsschen wìe auí den Punnel-
plaLz, und ìn HìnLerçrund spìelen ìrçend-
wc dìe \ìclenL Fennes cder Wìre. Sìcher-
lìch bleìbL dabeì íur dìe ÑìchL-Eìnçeweìh-
Len ersL nal iede Mençe \ersLcrunç und
/drenalìn zuruck. \ìelleìchL auch dìe Fraçe
nach den Warun. /n dìeser SLelle scll dìe
Band sìch dcch an besLen nal selbsL er-
klaren: »Mencrìes are all we cwn.« Eben.
Wenn nan scnsL nìchLs haL, Erìnnerunçen
wìrd nan selLen çanz lcs. Clìnìc kcnLexLu-
alìsìeren SLìlrìchLunçen neu, çekcnnL und
uberraschend. Wen das ìnner ncch PaL-
sel auíçìbL, der seì kurz auí das Ccver ver-
wìesen, auí den dìe Sphìnx abçebìldeL ìsL
nìL eìner Sprechblase, ìn der sLehL: »Dc
ìL!« Eìne sìch selbsL erklarende MeLapher
an der Schwelle zun \erweìswahn - wìe
das çanze /lbun. Thcnas Blasen
Jascn CcIIett
Here's Tc Beìnç Here
/rLs & CraíLs / /l!ve
HcrL sìch an wìe eìn San-
pler, auí den es nur dìe
çanz 0rcßen der Sechzìçer
und vcr allen Sìebzìçer çe-
schaííL haben: Dylan, Lenncn, Sprìnç-
sLeen, Bcwìe. Ünd an Ende, der besse-
ren HalíLe dìeser PlaLLe, Tìn Hardìn und
Brìan Ferry. MìL ÜnLersLuLzunç vcn Kevìn
Drew und Musìkern vcn /pcsLle 0í HusLle,
alsc den çanzen PaLLenschwanz vcn Brc-
ken Sccìal Scene, haL CclleLL eìn TrìbuLe
an iene ZeìL auíçencnnen, als an- ÷
159_Hoertest.indd 93 13.03.2008 0:39:22 Uhr
EIN FEST VON EMPFOPHLEN VON
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halbe seite Intro 159.indd 1 13.03.2008 14:34:38 Uhr
Intro159.indd 3 13.03.2008 15:14:51 Uhr
spruchsvolles Songwriting noch die
Chance hatte, bis in den Mainstream vor-
zudringen (was heute ja teilweise wieder
möglich geworden ist). Es ist schon dreist,
wie sehr sich z. B. »Somehow« nach Brian
Ferry anhört ... Ähnliche Analogien zu an-
deren großen Namen könnte man bei fast
jeder anderen Nummer ziehen. Und doch
handelt es sich bei »Here’s To Being Here«
um eine eigenständige Leistung, die sich
vom Indie-Einerlei gerade dadurch unter-
scheidet, dass sie auf Namen, Songstruk-
turen und Arrangements setzt, die gerne
als »zeitlos« beschrieben werden. Dass
hier eine Platte gelungen ist, die Großel-
tern und Enkel gleichermaßen zufrieden
stellt, bricht dieser Konsens-Musik kei-
nen Zacken aus der Krone, auch wenn ei-
nige argumentieren könnten, dass genau
solche Platten den Wunsch nach einer mit
Punk vergleichbaren Musik-Rebellion vo-
rantreiben. Martin Büsser
Diverse
Computerincarnations
For World Peace 2
Sonar Kollektiv / Groove Attack
Der für elegante House-Sets
bekannte DJ und Groove/
Spex-Autor Gerd Janson
widmet sich auf dem zwei-
ten Teil der »Computerincarnations For
World Peace« ganz der Balearic Disco. Die
Compilation liefert einen guten Überblick
über das Genre. Janson bringt in erster Li-
nie Obskuritäten und Unveröffentlichtes
zusammen, man findet Stücke von Prins
Thomas & Todd Terrje, Chateau Flight (ne-
ben ihren Discoproduktionen auch Prota-
gonisten des ewigen House-Revivals) und
Lexx. Alles natürlich im unteren bpm-Be-
reich. Es gibt rare Remixe von Mu-Mas-
termind Maurice Fulton und Daniel Wang
+ Brennan Green, und unschlagbar sind
das sanft vor sich hin scheppernde »To
And Fro« von Ray Mang sowie das fast
new wavige »Tyrant« von San Serac. Die
Stücke werden strikt nacheinander ab-
gespielt und nicht ineinander gemischt.
Dabei ist Disco ja eigentlich nicht schwer
zu mischen. Das kriegen selbst Grobmo-
toriker hinter den Plattentellern einiger-
maßen hin. Gut, Janson wird seine Grün-
de haben. Schließlich ist er nicht nur ein
sehr guter DJ, sondern vor allem auch
ein echter Stöberer. Auf effekthasche-
rische Hits wird größtenteils verzichtet,
Lindstrm-Produktionen sucht man zum
Beispiel vergeblich. Stattdessen sind
hier schon jene Stücke versammelt, die
in einem halben Jahr die Tanzflächen re-
gieren werden. Sebastian Ingenhoff
Foals
Antidotes
Transgressive / Warner
Gerede von Krisen ist im-
mer griffiger als Affirmation,
trotzdem muss auch dieses
einmal gesagt werden: Der
Start des Popmusikjahres 2008 ist mit
Hercules And Love Affair, Vampire Week-
end und (kurz davor) Yeasayer ungemein
aufregend und übertrifft für viele sogar
das Jahr 2001, als Strokes und Konsor-
ten wie aus dem Nichts auf den Plan tra-
ten. Mit Foals aus Oxford ist auch schon
die nächste Band in den Startlöchern,
die ohne größeren Vorlauf mit einem von
vorne bis hinten überzeugenden Debüt
auffährt. Wobei ihr Album »Antidotes«
nicht mit einem ähnlich unerhörten Stil-
mix aufwarten kann wie Erstgenann-
te. Das macht die Platte aber kein biss-
chen schlechter. Denn was zunächst wie
eine Mischung aus Rapture und Bloc Par-
ty mit gehörigem Devo-Einschlag wirkt,
entpuppt sich mit der Zeit als eine un-
geheuer komplexe, ausdauernd ravende
und doch nicht in billige New-Rave-Mu-
ster verfallende Angelegenheit. Die Band
selbst betont gerne ihre Math-Rock-Sozi-
alisation, und aufgrund der teilweise so-
gar verschrobenen Schemata ihrer Songs
glaubt man ihnen das auch. Natürlich ha-
ben Foals, ganz Briten, auch den Style für
sich gepachtet, ähnlich wie bei Bloc Par-
ty erhebt sich Glam hier aber nicht zum
Selbstzweck. Stattdessen unterfüttern
sie ihren atmosphärisch variablen, aber
immer unmittelbaren Gesang mit Gitar-
renarrangements, die sich bei allem von
Electropop über New Wave bis Postrock
bedienen, hypnotischen Grooves und an-
regenden Soundeskapaden. Klassische
Singalongs hat »Antidotes« nicht, das
stört aber kein bisschen. Die Platte ver-
mittelt eher den Eindruck eines äußerst
hybriden, sich im steten Fluss befind-
lichen Projektes, das ahnen lässt, dass
Anfang und Ende der Darbietung Foals
nicht leichtfertig gesetzt werden kön-
nen. Nicht nur das zeigt die Substanz,
die diese Platte hat.
Christian Steinbrink
Robert Forster
The Evangelist
Tuition / BB*Island / Indigo / VÖ 04.04.
Es soll nicht sicher gewe-
sen sein, ob Robert Forster
nach dem Tod seines Part-
ners Grant McLennan und
dem damit verbundenen Ende der Go-
Betweens überhaupt noch ein Album ma-

094
Probefahrt
159_Hoertest.indd 94 13.03.2008 0:42:18 Uhr
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20.04.08
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T
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Z
T
A
U
C
H
: 5
-
F
R
E
U
N
D
E
Probefahrt
095
chen würde. Die Entscheidung war letzt-
endlich wohl keine bewusste. Sein im Info
zitierter Satz »this summer it just mate-
rialized« bezieht sich darauf. Forster hat
seine Songs zusammen mit den letzten
Go-Betweens Glenn Thompson und Adele
Pickvance aufgenommen, und es ist leicht
vorstellbar, dass gerade der Songwriting-
prozess, also das, was ihn und McLennan
am engsten verband, zehrend gewesen
sein dürfte. Auf »The Evangelist« finden
sich drei Songs, die noch zusammen mit
McLennan entstanden sind, und in min-
destens zweien, nämlich »Demon Days«
und »It Ain’t Easy«, finden sich direkte
lyrische Links auf den Schmerz, die der
Verlust McLennans bei Forster ausgelöst
hat. Musikalisch wirkt »The Evangelist«
selbst in Relationen der Go-Betweens
gesetzt, die Platte ist eindeutig bedeu-
tungsvoll und gut, aber genauso deut-
lich wird, dass etwas fehlt. Wie schon bei
den früheren Soloplatten von Forster und
auch McLennan fehlt das songwriterische
Korrektiv, es fehlt der kongeniale Partner,
das Zwiegespräch, das die Songs beider
auf Go-Betweens-Alben immer so zwin-
gend machte. Forster braucht McLennan,
um die bestmöglichen Songs zu produzie-
ren, so wie McLennan Forster brauchte.
Das wird nicht mehr geschehen, so sehr
sich Forster auch anstrengen mag. Je-
mand ist nicht mehr da. Er fehlt. Nicht
nur auf dieser Platte.
Christian Steinbrink
Fotos
Nach dem Goldrausch
Labels / Emi
Vernachlässigen wir mal
den Neil Young-Titelver-
weis. Interessanter ist, ob
Fotos tatsächlich so etwas
wie einem Goldrausch verfielen, als sie
vor zwei Jahren ihr Debüt veröffentlich-
ten. Ich schätze sie eher so ein, dass sie
die Ochsentour über jede noch so kleine
Bühne, die auf das Release folgte, durch-
aus erahnen konnten. Anderthalb Jahre
später war damit jedenfalls Schluss, Zeit,
eine neue Platte aufzunehmen. Und was
nach 150 Auftritten mit immer denselben
Songs folgerichtig scheint, ereilte auch
diese Band: Sie hatten nicht mehr so
recht Lust, den von Brit-Rave geprägten
Sound der letzten Platte zu spielen. Es
folgte eine Neuorientierung, und die hat
zum Resultat, dass die Verzerrer nun et-
was zurückgedreht werden. Fotos haben
einen von Funk angehauchten Pop entwi-
ckelt, der mehr auf ausgefeilte Rhythmen
setzt und oft an Phoenix und seltener an
die Sterne erinnert. Ihre neuen Songs
klingen schlanker und eingängiger und
sind vor allem in ihrer Tanzbarkeit stark.
Ihr neuer Stil steht Fotos gut, auch die
große Variabilität der Songs zwischen Po-
phits wie »Ein Versprechen« und eher ver-
trackten Stücken wie »Ich häng an dir und
du hängst an mir« gefällt. Sicher ist nicht
jeder der neuen Songs unverzichtbar, si-
cher sind manche der Texte nicht beson-
ders markant, trotzdem: Fotos haben sich
weiter verbessert, ihr Album ist amtlich.
Und ich sehe keinen Grund, warum es mit
»Nach dem Goldrausch« nicht mit dem
Durchbruch klappen könnte.
Christian Steinbrink
Get Cape. Wear Cape. Fly
Searching For The Hows And
Whys
Atlantic / Warner
Die UK-Festival-Auftritte des
21-jährigen Sam Duckworth
gerieten im letzten Jahr mit-
unter zu seltsamen Ange-
legenheiten: War sein Laptop-meets-
Akustikklampfen-Sound eher melan-
cholischer Natur, hingen überall auf der
Bühne Slogans, die nach Revolution
und Punkrock schrieen. Fight Rascism!
Kill Poverty! Solche Sachen. Diese poli-
tische Mitteilungsfreude ehrt ihn natür-
lich – befremdete aber ein wenig im Zu-
sammenspiel mit seiner Musik. Dieses
Empfinden hat sich auch mit dem neu-
en Album nicht geändert. Aber man sieht
so langsam, wohin die Reise führen soll.
Duckworth versteht sich als politischer
Künstler und zeigt das auf Album Num-
mer zwei konsequenter als auf seinem
Debüt. »The Children Are (The Consu-
mers Of) The Future« ist dafür ein gutes
Beispiel: Pluckerbeats, Streicher im Hin-
tergrund, dezentes Gitarrenspiel und ein
Text, der persönliche Beobachtungen auf
einer Londoner Einkaufsstraße mit dem
großen Ganzen in Verbindung bringt. »You
could be the children of the revolution«,
hält er den shoppenden Kids vor – aber er
tut das eher betrübt als anklagend. Kei-
ne schlechte Idee, seine Message unters
Volk zu bringen. Man muss ja nicht im-
mer schreien. Die Musik dazu ist wohl-
klingender denn je, was vor allem dem
massiven Streicheransatz zu verdan-
ken ist. So ist dieses Album genau das,
was der Titel verspricht: eine Sinnsuche
im Privaten wie im Politischen, sehr per-
sönlich, aber mit genug Andockpunkten
für den Hörer. Und damit es nicht zu be-
deutungsschwanger wird, findet man
auch noch Überraschungen wie den ≥
159_Hoertest.indd 95 13.03.2008 0:46:20 Uhr
096
Probefahrt
Track »Better Things«, in dem Duck-
worth charmant im Duett mit Kate Nash
von nervigen Tourbegegnungen erzählt.
Daniel Koch
Gutter Twins
Saturnalia
Sub Pop / Cargo
Greg Dulli (Afghan Whigs,
Twilight Singers) und Mark
Lanegan (Screaming Trees)
sind: Gutter Twins. Wow.
Wahnsinn. Hätte man wohl noch vor we-
nigen Jahren gesagt. Was für eine Super-
group des Alternative-Rock.
Heute gilt diese Stilart ja als komplett
unmodern, Opamusik, da gerät niemand
mehr so leicht in Wallung. Sollte er/sie
aber. Denn dieses Album ist ein Meilen-
stein. Es hat das Zeug, zusammen mit
dem unlängst erschienenen Black-Moun-
tain-Album eine Art Heavyrock-Revival
einzuläuten. Wenn man in solchen Kate-
gorien denken mag.
Die Zusammenkunft dieser beiden
Charismaten, immerhin zwei der besten
Stimmen des Rock ever, ist in vielerlei
Hinsicht überraschend, wenn nicht sen-
sationell. Zum einen hatte man nicht un-
bedingt erwarten können, dass diese als
durchaus schwierig geltenden Charakte-
re einen zweiten Frontmann neben sich
auf Albumlänge dulden können. Zum an-
deren hatten sowohl Dulli als auch Lane-
gan in den letzten Jahren aufgrund von
Suchtproblemen genug mit sich selbst
zu tun. Trotzdem verstanden sich die
beiden immer gut, und als Lanegan in
einem Journalistengespräch ins Blaue
hinein ein gemeinsames Album ankün-
digte, schien Dulli, obwohl ungefragt,
nicht abgeneigt.
Das Ergebnis »Saturnalia« beweist
zunächst einmal die Akribie, mit der

D

er Titel dreht sich um das Phänomen, dass
Menschen immer unzufrieden sind und
Sehnsüchte haben. Wenn sie es geschafft
haben, diese Sehnsüchte zu befriedigen,
merken sie, dass sie doch nicht so glücklich sind, wie sie
eigentlich dachten, sondern etwas ganz anderes wollen.«
Das sagt John Engelbert, Sänger von Johnossi. Sind die bei-
den Schweden jetzt etwa auf die Idee gekommen, mit ih-
rem zweiten Album die großen gesellschaftlichen Themen
anzupacken? Wohl eher nicht. Denn John schiebt noch sei-
nen persönlichen Bezug nach: »Die Texte der ersten Platte
drehten sich stark um den Wunsch, verliebt zu sein, eine
Freundin zu haben. Als das aber eintrat, war ich gar nicht
so glücklich, wie ich zu sein meinte, und hatte das Gefühl,
doch etwas anderes zu wollen.« Überhaupt ist das erste,
noch stark an White Stripes erinnernde Album heute gar
nicht mehr zeitgemäß.
Der Sound von John und Ossi hat sich vor allem durch
die 250 Livegigs seitdem stark verändert, ist massiver und
voller geworden. Dem trägt »All They Ever Wanted« Rech-
nung. »Wir sind mit dem Vorsatz ins Studio gegangen, un-
seren Livesound einzufangen, und haben deshalb nicht
mehr sechs Monate an dem Album gearbeitet, sondern es
in zehn Tagen fertiggestellt. Wir haben nahezu alles live ein-
gespielt. Wir haben uns voll auf die Aufnahmen konzentriert,
mit niemandem außer unserem Produzenten gesprochen.
Beim ersten Mal hatten wir über Monate hinweg nur zwei
Tage die Woche aufgenommen.«
Das Ergebnis ist ein Rock’n’Roll-Album der überzeu-
genden Sorte, kraftvoll und durch seine Energie frisch,
trotz des ausgelatschten Genres. Was übrigens John ähn-
lich sieht: »Ich habe im Rock schon lange nichts mehr ge-
hört, was mich wirklich begeistert hat. Die beste Band der
letzten Jahre war für mich Arcade Fire. Aber unser Album
ist auch gut. Ich höre es oft über Kopfhörer, wenn ich nachts
betrunken nach Hause gehe. Ich mag es in diesen Situati-
onen, und das nimmt mir die letzten Zweifel. Denn betrun-
ken bin ich am objektivsten.«
Christian Steinbrink
Johnossi »All They Ever Wanted« (Universal)
Konzerte bis zum Abwinken, Arcade Fire fast so toll wie sie selbst und jetzt die
zweite Platte. Johnossi wollen, sollen und können damit vom Mini-Hype des Debüts
aufs nächste Plateau kommen. Der Berg ruft.
GLÜCKLICH,
NEIN, DOCH NICHT
Johnossi

159_Hoertest.indd 96 13.03.2008 0:46:54 Uhr
Der lußballsommer beginnI und Nike
sIarIeI den ,Urban Skills Club" - ein
SIreeIsoccer-8aIIle, das RipRop miI
SIraßenIußball vereinI und eine Rom-
mage an den legendaren Nike-Sneaker
DUNK isI. GekickI wird in IünI
GroßsIadIen, das große linale des
,Nike Urban Skills Club" hndeI am
zi. Mai zoo8 in Zürich miI einem Kon-
zerI aller beIeiligIen KünsIler sIaII.
MiI dabei: K.l.Z. aus 8erlin, Deichkind
aus Ramburg, AIrob aus SIuIIgarI,
WaxoluIionisIs live & special guesI MA-
doppel1 aus Wien und O8K Iür Zürich.
Pass Ihe mic - pass Ihe ball: RipRop
und SIreeIsoccer verbindeI viel mehr als
nur die urbane Umgebung. Ohne
KreaIiviIaI und 1eamgeisI gehI hier wie
dorI nichIs. Und deshalb sind RipRop
und lußball auch in der PopkulIur eng
miIeinander verzahnI. Was zahlI, sind
die Skills des Linzelnen und die lahig-
keiI, diese in der Gruppe zu enIIalIen.
Wir suchen deshalb Iür den ,Nike Urban
Skills Club" die besIen SIreeIsoccer-
Ieams aus DeuIschland, ÖsIerreich und
der Schweiz. Und damiI nichI genug:
Der »Nike Urban Skills Club« IeierI zu-
gleich eine Nike lkone, die wie keine
andere die AkzepIanz der SIraße
erIahren haI: Den NlKL DUNK. ¡n8<
ursprünglich als 8askeIballschuh auI
den MarkI gekommen, isI er heuIe ein
KulI-Schuh in der RipRop-Szene.
AusgeIragen wird der ,Nike Urban Skills
Club" in IünI SIadIen miI langer luß-
ballIradiIion, leidenschaIIlichen lans
und einer sIarken SIraßenkulIur-Szene.
Die PaIen der vorrundenspiele sind
Iolgende KulI-Clubs: Ramburg miI dem
lC SI. Pauli, 8erlin miI dem ¡. lC Union,
SIuIIgarI miI den SIuIIgarIer Kickers,
Zürich miI dem lC Zürich und Wien miI
dem ¡. lC vienna. !edem dieser Clubs
widmen lokale KünsIler ein spezielles
Dunk-ArIwork.
02/-/4)/.
SPlLLMODUS:
ZwölI ausgewahlIe 1eams aus |eder SIadI
IreIen auI einem lußball-KleinIeld gegenein-
ander an. Line MannschaII besIehI aus IünI
Spielern (inkl. zwei LrsaIzspielern), gespielI
wird drei gegen drei. Die besIen 1eams |eder
Gruppe qualihzieren sich Iür das vierIelhnale,
es Iolgen Ralbhnale, Spiel um PlaIz Drei und
das linale des |eweiligen vorrundenIurniers.
Die einzelnen SiegerIeams IreIen dann als
verIreIer ihrer SIadI in Zürich beim großen
linal-8aIIle am zi. Mai zoo8 gegeneinander
an und beweisen, wer die besIen Skills haI.
(!-"52'
Sa. z6.oi. zoo8 - Arrival: ¡o.oo Uhr,
Kick-OII ¡¡.oo Uhr
lC SI. Pauli/LocaIion: SporIplaIz an der leldsIrasse,
am MillernIorsIadion, zo¸<n Ramburg
Anmeldeschluss: ¡z.oi.zoo8
"%2,).
So. oi.o<. zoo8 - Arrival: ¡o.oo Uhr,
Kick-OII ¡¡.oo Uhr
¡.lC Union/LocaIion: An der alIen lörsIerei, An der
Wuhlheide z<z-z<6, ¡z<<< 8erlin
Anmeldeschluss: zo.oi.zoo8
7)%.
Sa. ¡).o<. zoo8 - Arrival: ¡o.oo Uhr,
Kick-OII ¡¡.oo Uhr
¡.lC vienna/LocaIion: SIadion Rohe WarIe,
Klabundgasse, ¡¡ni Wien
Anmeldeschluss: o¸.o<.zoo8
34544'!24
So. ¡¡.o<. zoo8 - Arrival: ¡o.oo Uhr,
Kick-OII ¡¡.oo Uhr
SIuIIgarIer Kickers/LocaIion: vereinsgelande
SIuIIgarIer Kickers, KönigssIrassle <6, )o<)i
SIuIIgarI/Degerloch
Anmeldeschluss: z).oi.zoo8
:e2)#(
lr. z¸.o<. zoo8 - Arrival: ¡<.¸o Uhr,
Kick-OII ¡6.¸o Uhr
lC Zürich/LocaIion: S88 ParkplaIz, RohlsIrasse
Lcke DuIIweiler 8rücke, 8oi8 Zürich
Anmeldeschluss: on.o<.zoo8
&).!,%:e2)#(
Sa. zi.o<. zoo8 - Arrival: ¡i.oo Uhr,
Kick-OII ¡<.oo Uhr, KonzerI: zo.oo Uhr
LocaIion: MAAG LvenI Rall, RardsIrasse z¡n,
8oo< Zürich
ALLL Uk8AN SKlLLS CLU8 1UkNlLk-1LkMlNL lM U8Lk8LlCK
52"!.ª3+),,3ª#,5"ªª
.)+%ª34!24%4ª342%%43/##%2%6%.43%2)%
8LWLk8UNG UND
kLGlS1klLkUNG:
MiImachen kann |eder ab ¡8 !ahren, der
SIreeIsoccer und Rip Rop liebI und sich
rechIzeiIig anmeldeI. Die 8ewerbung und
kegisIrierung Iür die limiIierIen 1urnierplaIze
sowie weiIere lnIos rund um den ,Nike Urban
Skills Club" sind ab MiIIe Marz zoo8 unIer
zu hnden.
RAUP1PkLlS:
ein exklusives vlP-Wochenende zum
lußballereignis des !ahres in Wien.
WWWMYSPACECOMURBANSKILLSCLUB
D
och wie fing das eigentlich an mit Oliver
Minck und Benedikt Filleböck, den andro-
gynen Wahlkölnern vom Bodensee? Minck
antwortet: »Wir haben jahrelang, schon als
Schüler, in Rockbands gespielt. Wir hießen Weltmeister. In
etwa zu der Zeit, als wir nach Köln kamen, hatten wir keine
rechte Lust mehr auf dieses Bandprinzip. Folge war, dass
wir unseren Sound bewusst reduziert und auf die Basis vom
Computer gestellt haben.« Resultat war »Susenky«, ein Al-
bum mit Songs, die zum Teil schon lange vorher in ganz an-
deren Versionen existierten. Danach manifestierten die bei-
den mit »Möbelstück« und dem unwiderstehlichen Hit »Se-
cond Hand Gefühl« die Auswahl der Mittel, um nun, mit ih-
rem dritten Album »Teil 3«, zumindest ein Stück weit aus
den selbst gesetzten Limitierungen auszubrechen.
»Wir hatten das Gefühl, dass beim dritten Album etwas
passieren muss. Wir haben versucht, ein echtes Schlag-
zeug zu nutzen und dadurch eine richtige Band zu wer-
den, haben uns von diesem Weg dann aber wieder ziem-
lich schnell verabschiedet. Stattdessen haben wir die elek-
tronische Komponente unseres Sounds geöffnet, haben
uns gegönnt, die Arrangements gegebenenfalls breiter zu
machen als zuvor.« Tatsächlich trägt »Teil 3« einen Spagat
zwischen Evolution und Werterhaltung in sich. Das Album
enthält schönste Popsongs mit warmen Melodien und fei-
nen Texten, die weiterhin kategorisch auf Gitarren verzich-
ten und nie überladen sind, im Einzelfall aber doch dichtere
Arrangements bekommen haben. Optisch haben Wolke ihr
umwerfendes Stilbewusstsein etwas gelockert, ihr Cover
von der einheitlichen Codierung, die noch die ersten beiden
Platten prägte, befreit und mit Schreibmaschinentypogra-
fie und Geheimagentenmotiv eine anschlussfähigere Äs-
thetik gewählt. Textlich versucht Minck weiterhin mit seiner
ganz eigenen Lyrik, »Melancholie als konstruktive Option«
darzustellen und sie nicht zwangsläufig in Resignation en-
den zu lassen. Und als besonderes Bonbon zeigen Wolke
mit ihrer eingedeutschten Version von Van Halens »Jump«
auf, was für einen todtraurigen und doch schönen Text die-
ser eigentlich so schrecklich sportive Song in Wirklichkeit
hat. Das ist nur das offensichtlichste Merkmal einer wie-
der wundervollen Platte von einer der besten Bands des
Landes. Christian Steinbrink
Wolke »Teil 3« (Tapete / Indigo)
098
Probefahrt
die beiden an dem Projekt arbeiteten.
Grundlegend ist die Platte der soulbasier-
ten Dynamik der Afghan Whigs näher als
Lanegans Soloarbeiten. Sie ist aber auch
deutlich dichter und atmosphärisch sub-
stanzvoller als alles, was Dulli auf seinen
letzten Arbeiten vollbrachte. Die Stilart
der beiden ist Rock, daran wagte niemand
zu rütteln, sie haben sich aber die Freiheit
genommen, Arrangements anzulegen, die
in ihrer Epik durchaus etwas von experi-
mentellen Rockbands wie Silver Mt. Zion
oder auch Bohren & The Club Of Gore ha-
ben. Trotzdem ist es gerade die fast alle
Songs durchsetzende Dynamik, die »Sa-
turnalia« unwiderstehlich macht. Diese
langsam wabernde, raue, aber nie brachi-
ale Gewalt, die sich durch die Harmonien
rollt und von den erstaunlich gut zueinan-
der passenden Stimmen Dullis und Lane-
gans gleichzeitig gekrönt und unterfüt-
tert wird. Die Stimmung der Platte ist dü-
ster, sie ist durchtränkt von der beseelten
Spiritualität ihrer Protagonisten, Gottes-
furcht und Gottvertrauen durch die Er-
fahrung vieler dunkler Lebensphasen
sind eng ineinander verschränkt nicht nur
in Stücken wie »Who Will Lead Us?« hör-
bar. Ganz klar: »Saturnalia« ist die kom-
plexeste und beste Rock’n’Roll-Platte seit
Langem. Man muss sicher viel gelebt ha-
ben, um so ein Album machen zu können.
Und selbst dann schaffen es höchstens
solche Koryphäen wie diese beiden eh-
renhaft zerfurchten Alten.
Christian Steinbrink
Headman
Catch Me
Gomma / Groove Attack
Nicht nur das Münchener
Gomma-Label ist in den
letzten Jahren fulminant
zum Global Player auf-

Zuerst war da ein halbgares Demo, dann kam »Susenky«, das erste richtige Album,
und ab dem Zeitpunkt waren Wolke im Kollektivgedächtnis von deutschem Pop
präsent, beneidenswert souverän, eigenständig und gut.
Wolke
SPRING RUNTER

159_Hoertest.indd 98 13.03.2008 0:47:16 Uhr
21.05. BERLIN, Tempodrom
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** Tickets EUR 60,-- im Vorverkauf zzgl. VVK-Gebühren
Tickets erhältlich an allen Vertragsvorverkaufsstellen.
Änderungen vorbehalten. Weitere Konzerte anderer Künstler in
Vorbereitung. Infos unter www.tickets.de
Tourneeveranstalter: MCT Agentur GmbH
ONLINE TICKETS FÜR ALLE KONZERTE UNTER
WWW.TICKETS.DE
OXYGENE
JEAN MICHEL JARRE
IN CONCERT
with special guests G LOVE & SPECIAL SAUCE
SHERYL CROW SHERYL CROW
Hdcn:g^XhhdcEgdjYanEgZhZcih
KONZERTE
gestiegen, auch das Schweizer Label-
zugpferd Headman kann sich mittlerwei-
le A-Certain-Ratio-Sänger Jez Kerr als
Gastsänger leisten. Für alle zu spät Ge-
borenen: A Certain Ratio gehörten neben
Gang Of Four und E.S.G. zu den wohl ein-
flussreichsten Postpunkbands der End-
siebziger und frühen Achtziger und wa-
ren ebenfalls für die Manchester-Ravebe-
wegung mehr als nur wichtig. Headman
heißt im wahren Leben Robi Insinna und
ist ein verhältnismäßig junger Spund; ob
er A Certain Ratio noch aktiv miterlebt
hat, darf also bezweifelt werden. Aber
wir leben in einer Zeit, in der Achtzehn-
jährige wieder zu »Damaged Goods« über
die Tanzflächen fegen und Songs über Joy
Division schreiben.
Headman hatte Anfang der Nullerjah-
re mit »It Rough« mal einen kleinen Dis-
cohit. Na ja, streng genommen war der
eigentliche Hit der Chicken-Lips-Remix:
Das Stück mit der sich überschlagenden
Basslinie und dem entrückt monotonen
Gesang war eine der Blaupausen für je-
nen Sound, den James Murphy später mit
seinem Label DFA perfektionieren sollte.
Disco und House wurden wieder in den
Hipsterkanon integriert, man nahm Ele-
mente aus Postpunk und Funk hinzu und
hatte den Salat. Noch später kamen La-
bels wie Kitsuné und Ed Banger auf und
brachten noch eine Spur mehr Rock in die
Chose. Mit seinem neuen Album »Catch
Me« folgt der Schweizer nun dem Weg,
den die Franzosen ihm vorgegeben haben.
Nicht umsonst war er zuletzt unter ande-
rem mit Justice, den Klaxons und Soulwax
auf Tour. Ob das Stück »Dreampieces« mit
Jez Kerr ein veritabler »It Rough«-Nach-
folgehit ist, wird sich zeigen. Fest steht:
Zu dieser Platte wird wieder viel Schweiß
fließen. Sebastian Ingenhoff
The Indelicates
American Demo
Weekender / Indigo
Wer kann schon ernsthaft
glauben, im Retro-Wave-
Styler-Artsy-Raucherzim-
mer der Jetztzeit gäbe es
noch wirklich was oder wen zu scho-
cken? Der größte denkbare Skandal einer
saucoolen NME-erprobten Band dürfte
höchstens noch sein, wenn der Sänger
nicht mehr in seine Cheap-Monday-Hose
passte. The Indelicates mit ihrem mitun-
ter Toy-Dolls’esken bzw. Mann/Frau-Ge-
sang machen sich dennoch gerechtfer-
tigte Hoffnungen, dass die Stücke ihres
neuen Albums ein wenig mehr sind als
nur ein weiterer Liter Wasser im Sturz-
bach der funktionierenden neuen Brit-
Bands. Ihr Thema nämlich: »We hate the
kids.« Arschtritt statt Affirmation für die
sonst so umschwärmte Underage-Sze-
ne. Auf dem vielleicht schönsten Song
des Albums explizieren sie ihre Pose noch
mal genüsslich: »It’s the last significant
statement to be made in rock’n’roll: we
are old!« So alt sind sie zwar gar nicht,
aber das unumstößliche Diktat von Ju-
gend und Pop derart zu fronten bleibt
natürlich hängen. Gerade auch, wenn es
musikalisch so griffig ausformuliert wird.
Erinnert nämlich besonders mit der ab-
gestoppten Gitarre sehr an 80er-Pop-
Rock wie Starship oder auch an »Take
Me Home Tonight« von Eddie Money. In
der Tat recht selten verwandte Opa-Re-
ferenzen, die durch ihre Seltenheit natür-
lich heller glänzen als die ewige Gang-Of-
Four-Addicted-Huberei. Nur Pulp hatten
Alter (»Help The Aged«) seinerzeit noch
glanzvoller und koketter in Pop gepresst.
Mit diesem Ranking dürften The Indeli-
cates sicher auch einverstanden sein;
Hauptsache, abseits der um sich greifen-
den Schulhof-Herrlichkeit mal ein aufre-
gendes Basis-Lager aufgeschlagen.
Linus Volkmann
Janet Jackson
Discipline
Island / Def Jam / Universal
Das Album »Control«, mit
dem Janet Jackson 1986
vorpreschte, las sich quasi
als künstlerische wie auch
persönliche Unabhängigkeitserklärung
der damals 20-jährigen Sängerin: »My
name ain’t baby, it’s Janet, Ms. Jack-
son, if you’re nasty.« Diese Subjektwer-
dung markierte Jackson einst mit dem
Satz »My last name is control«, heute
erscheint »Kontrolle« bei Janet Jackson
in ihrer verinnerlichten Form, die sich
»Disziplin« nennt und auf deren sexuel-
len Charakter man nur allzu deutlich hin-
gewiesen wird: Bondage-Chic auf dem
Albumcover und gehauchte SM-Fanta-
sien sollen das sexuelle Befreiungssta-
dium von Ms. Jackson unterstreichen,
denn »yeah, that’s sexy, sexy, sexy« und
»so come and get it babe«. Gleichwohl
wurde unter dem Einsatz wummernder
Dance-Beats die pornoreife Stöhnerei der
letzten Jahre, die zwischen naiver Zele-
brierung der eigenen Sexualität und der
Bedienung übelster Klischees pendelte,
zurückgedreht. Erstmals ließ Jackson ihr
langjähriges Produzenten-Team Jimmy
Jam und Terry Lewis hinter sich und nahm
ihr zehntes Album mit u. a. Jermaine Du-
pri, Ne-Yo, Tricky Stewart und Rodney Jer-
kins auf. Auch wenn der aufwendig mo-
dernisierte Pop-Funk-Sound stellenweise
etwas Britney’esk anmutet und in der neu
gezündeten Club-Affinität allerlei Vocal-
Filter-Spielereien zum Einsatz kommen,
ist doch unüberhörbar, dass Janet Jack-
sons klassische Performance noch immer
der alten Schule geschuldet ist. Glückli-
cherweise, wie man sagen möchte.
Vina Yun
Joy Division
The Best Of
Warner
Es ist selten, dass die Ver-
öffentlichung einer »Best
Of« derartig right on time
ist. Und zwar nicht nur on
time, weil sie sich gut verkaufen wird,
sondern weil dieser Tage dringend eine
gute Übersicht zu den traurigen Jungs
aus Manchester in den Regalen stehen
sollte. Schließlich haben sich diverse
Faktoren der Popkultur des Moments
gerade auf diese Band fokussiert. Der
kontemporäre Retro-Brit-Wave-Sound
wäre nicht denkbar ohne das Wissen um
und das Verehren von Joy Division, Acts
wie The Wombats explizierten ihre Refe-
renzen sogar so weit, dass ihre bis dato
erfolgreichste Single »Let’s Dance To Joy
Division« hieß – und dann natürlich der
Film. Selbst mit einem guten Soundtrack
ausgestattet, konzentriert sich dieser al-
lerdings eher auf das musikalische Um-
feld der Zeit. Was fehlt, sind demnach
die Originale. Und die gibt es nun hier. Die
paar Dutzend Songs der Band schmilzt
CD1 geschmackssicher auf 14 zusam-
men, und auf CD2 gibt es die (ebenfalls
sehr intim produzierten) Peel-Sessions.
Bisschen Gänsehaut kommt dann ganz
zum Schluss noch auf, wenn über ein ge-
plaudertes Radio-Interview mit Stephen
Morris und vor allem Ian Curtis diese so
distanzierte, fremde Welt plötzlich ganz
nah erscheint. Als Einsteiger, aber auch
Komplettist kommt man an diesem Al-
bum eigentlich nicht vorbei.
Sandra Brosi
The Long Blondes
Couples
Rough Trade / Beggars / Indigo
Die Rezeption der Long
Blondes war zunächst mal
reichlich eingeschränkt:
Sängerin Kate Jackson
tauchte in der »New Cool List« des NME
auf, der Guardian befragte sie artig nach
ihrem Style (»Glamorous Punk!«). Über-
haupt: der reine Wahnsinn! Eine Frau
singt in einer Rockband! Und die ist sty-
lish! Und dann gibt’s da sogar noch zwei
andere Frauen! Auch stylish! Plus zwei
Männer! Die Band aus Sheffield war
schnell genervt und hofft nun, dass die
Medien nach Kate Nash, Amy Winehouse
oder Beth Ditto von The Gossip endlich
von diesem Reflex abrücken, Rock-Sty-
lertum mit weiblicher Beteiligung wie ei-
nen Yeti zu begrüßen. Warum der Um-
stand einer weiblichen Sängerin tatsäch-
lich immer noch derart explizit verhandelt
werden muss, das mögen mir andere er-
klären – es bleibt ein ödes Ärgernis.
Zur Platte. Verpflichtete man für den
Vorgänger »Someone To Drive You Home«
noch Pulps Steve Mackey, hat heuer Erol
Alkan die Regler bedient. Der Londo-
100
Probefahrt


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Intro 04 12.03.2008 15:10 Uhr Seite 1
102
Probefahrt
ner konnte sich zwar durch seine elek-
tronische Remix-Arbeit für Bloc Party oder
Franz Ferdinand einen Namen machen –
Auswirkungen auf den Sound des zweiten
Albums der Long Blondes kann ich jedoch
beim besten Willen nicht ausmachen. Na-
türlich klingen Songs wie die erste Sin-
gle »Century« nach Giorgio Moroder und
schwülem Discosound. Doch so klangen
Blondie eben auch schon mal, an deren
Sängerin Debbie Harry Kate Jackson im-
mer noch stark erinnert. Keine schlechte
Referenz, sicher, aber die hektisch her-
beigeredeten »unterschiedlichen Sound-
ansätze«, sie bleiben mir verborgen. Auf-
gehübschter, flotter, Sixties-orientierter
Sound mit cleveren Texten. Da machen
die wohl ironisch eingesetzten Film-Zi-
tate, die einige Songs zieren, plötzlich
Sinn: »Not the most original sentiment I
heard. So what’s new?« Eben.
Heiko Behr
Merz
Moi Et Mon Camion
Grönland / Cargo
Conrad Lambert, der Multi-
instrumentalist hinter Merz,
scheint es nach wie vor nicht
lange an einem Ort auszu-
halten. So ist es nur konsequent, dass
dieses dritte Album nach der Spediti-
onsfirma benannt ist, die seine ständigen
Umzüge durchführt, und mit dem Ge-
räusch eines wegfahrenden Transporters
eröffnet wird. Während er für die ersten
beiden Alben vieles im Alleingang erle-
digte, hat er diesmal noch mehr Reisebe-
kanntschaften und neue Nachbarn einge-
laden. Der Bass kommt wie gewohnt von
Charlie Jones (Goldfrapp, Robert Plant),
die Drums liefert Clive Deamer (Portis-
head, Roni Size), neben den Backing-Vo-
cals von den Tourmates The Earlies (»Call
Me«) ist aber vor allem die Verpflichtung
eines alten, arbeitslosen Schauspielers
aus Bath für ein paar Tom-Waits-mä-
ßige Gesangsphrasen schön verschro-
ben Lambert-mäßig. Der Sound wurde
dabei weiter verfeinert, somnambul ver-
spielte Band-Arrangements im unteren
Tempobereich treffen auf teilweise fast
optimistische Singer/Songwriter-Num-
mern. Electronica sucht man diesmal
ziemlich vergeblich, dafür gibt es kleine,
schräge Flöten und Glöckchen, Vogelge-
zwitscher und eine allumfassende herz-
erweichende Empfindsamkeit, die auch
den härtesten Seemann zu Freudenträ-
nen rühren wird.
Klaas Tigchelaar
Moby
Last Night
Emi
Fast jeder lässt »Play« ir-
gendwo im Ikea-Regal vor
sich hin stauben. Oder hat
es zumindest eine Zeit lang
ziemlich oft hören müssen. Irgendwo
müssen die neun Millionen verkauften
Platten ja schließlich rumstehen heute.
Aber warum eigentlich war die Platte
so allgegenwärtig? Weil »Honey« so ein-
gängig war? Weil »Porcelain« so geil ab-
ging? Na ja, vielleicht. Vor allem aber hat
Moby damals einen neuen Trend ange-
stoßen: Er hat seinen Output en masse
lizenzieren lassen. Sodass seine Songs
plötzlich in allen möglichen Werbespots
gesichtslosen Produkten eine gewisse
popkulturelle Aura verliehen. Und im
Gegenzug auch Werbung für sich selbst
machten. Wenn man sich dann mal seine
Veröffentlichungen seit 1999 anschaut,
merkt man: Der berühmteste Veganer der
Welt überarbeitet sich nicht gerade. »Last
Night« ist erst die dritte komplette Plat-
te seit »Play«. Dazwischen zwei B-Sei-
ten-Alben, eine Best-of und eine Best-
of-Remixed! Große Inspirationen sind
dann auch auf »Last Night« nicht zu er-
warten, im Gegenteil scheinen ihm die
eingängigen Blues-Samples auszuge-
hen. Das pluckert alles vor sich hin, und
selbst die dramatischen Pianoflächen ge-
hen ins emotionale Nichts. Mit den Lizen-
zierungsdeals wird es wohl nichts mehr
werden für Moby. Mal nachfragen:
Dir ist ja sicher bewusst, dass über
dich sehr viele Vorurteile kursieren ...
1991 habe ich einige Interviews in der
britischen Presse gemacht. Und das ist
scheinbar bis heute haften geblieben: Da-
mals trank ich nicht, war ein etwas schrä-
ger Christ, Veganer – ich habe die Welt da-
mals etwas vereinfacht gesehen. Heute
halte ich die Welt eher für zu kompliziert.
Aber irgendwie bleibt das Image haften.
Fünfzehn Jahre lang ...
Stört dich das denn, dass viele Leute zu
wissen glauben, wer du bist und wie du
so tickst? Ehrlich gesagt ist da was per-
vers Unterhaltendes für mich dabei. Ich
kann mich darum aber auch nicht wirk-
lich kümmern. Letztlich ist es ja auch für
die Presse so: Schau dir Thom Yorke an
oder Kate Bush, sehr zurückgezogene
Menschen. Die Journalisten beklagen
sich dann, dass sie keine vernünftigen
Interviews führen können, andererseits
fahren sie total drauf ab – und schrei-
ben die besten Dinge über diese Leute.
Wenn ich schlau wäre, würde ich mich in

159_Hoertest.indd 102 13.03.2008 0:49:19 Uhr
eine Hütte in Finnland zurückziehen und
der Plattenfirma ab und an eine Kasset-
te schicken.
Denkst du manchmal: Mein Gott, wann
ist mir dieses Moby-Ding eigentlich aus
dem Ruder gelaufen? Ich hab ja nicht an
meinem Image gefeilt oder so. Mein Gott,
ich hätte komplett versagt, wenn das hier
dabei rausgekommen wäre. Leute wie Jon
Bon Jovi arbeiten hart an ihrem Image. Ich
bin nur der glatzköpfige Typ, der in seinem
Schlafzimmer Platten macht. Ich wär ja
gern glamouröser, aber ehrlich gesagt
weiß ich nicht, wie das gehen soll ...
Heiko Behr
Mondo Fumatore
The Hand
Rewika / Al!ve / VÖ 18.04.
Nachdem das ständige
Knöpfchendrücken am
Drumcomputer für das
Kreuzberger Duo anschei-
nend doch zu anstrengend war, hol-
ten Mondomarc und Gwendolin für Al-
bum Nummer vier den Trommler O. Love
(Hip Young Things, Jens Friebe) zur Ver-
stärkung und öffneten das Tor zur Refe-
renzhölle: Friebe schrieb das Bandinfo, J
Mascis spielte Gastgitarre (»Yeah, Yeah,
Yeah«), Krite (Sharon Stoned, Floor) hat
produziert, und tja, wie das dann klingt,
kann jeder an seinen zehn feingliedrigen
Fingerchen abzählen. Die Schnittmen-
ge aus oben genannten Klassikern mit
einem tüchtigen Schuss »just do it« er-
gibt herrlich unhysterischen Gitarrenpop,
der weder rundgelutscht noch aufdring-
lich daherkommt und immer von einem
leichten Hauch Proberaum-Authenti-
zität umweht wird. Und dafür, den (ver-
mutlich?) spanischen Text von »Butter-
fly« so klingen zu lassen, als ob es rück-
wärts gesungenes Englisch wäre, gibt es
extra Applaus. Klaas Tigchelaar
My Little Airport
Zoo Is Sad, People Are Cruel
Elefant / Rough Trade
Natürlich geht man dem
Coverbild, das zwei Schul-
mädchen im soften Gegen-
licht zeigt, erst mal auf den
Leim. Logo, so sieht ein Duo aus Hong-
kong aus, das fluffigen Streichelzoo-
Pop spielt. Teils Englisch, teils im süd-
chinesischen Dialekt Kantonesisch singt
eine glockenhelle Stimme über transpa-
renten Electro-Blubberbläschen, Com-
puter-Game-Sounds und Gitarrenlärm.
Die Teenie-Girls in den pastellgrünen Uni-
formröckchen passen da eins a ins Bild.
De facto sind My Little Airport die Stu-
dienfreunde Nicole und P – sie singt, er
strickt die Sounds. Da »Zoo Is Sad, Peo-
ple Are Cruel« ein Mix ihrer beiden Alben
»Because I Was Too Nervous At The Time«
und »The Okay Thing To Do On A Sunny
Afternoon Is To Toddle In The Zoo« für
den internationalen Markt ist, kann man
wohl von einem augenzwinkernden Zu-
geständnis an europäische Hongkong-
Klischeevorstellungen bei der Coverge-
staltung ausgehen. Dabei funktioniert ihr
Text/Sound-Verhältnis quasi nach dem
Belle&Sebastian-Prinzip: je freundlicher
die Melodien, desto unverblümter die
Message. »I don’t know how to download
good AV like Iris does« etwa, ein Song über
Porno-Tausch unter Freundinnen. Lovely
und ein wenig bizarr ist diese Platte. Wo-
mit sie allen globalen Klischees von zu-
ckersüßer Popmusik entspricht.
Christine Käppeler
Navel
Frozen Souls
Louisville / Universal
Der stinkneutrale Nummern-
konten- und Schokistaat.
Der Nabel der Schweiz.
Nach den Jolly Goods schon
das zweite Louisville-Signing aus der exo-
tischen Provinz, diesmal hieß das erste
Basislager Erschwil im Kanton Solothurn.
Ein roher, gezackter Brocken Musik in
psychedelischen Farben, herausgeschla-
gen aus den Berghängen des Faltenjuras.
Rock, ganz klar. Gehörnte Biester, die sich
am Verstärker die Köpfe blutig stoßen.
Wie wild und archaisch das klingt. Wer
Navel nun aber Redundanz und mangeln-
de Eigenständigkeit unterstellen möchte,
weil die Gitarre wieder richtig verzerrt und
der Gesang heiser und rau ist, hat sich
für diesen Trip die falschen Schuhe an-
gezogen. »Frozen Souls« ist ein brutales,
aber immer smartes Bekenntnis zur Ka-
puttheit, zum Schmerz, zum Jungsein.
Und das sind universelle Themen – im-
mer aktuell, niemals aus der Mode. Ein
paar der 13 Stücke tun erst fast weh und
nerven beim Hausputz, doch dann prü-
geln dich Navel unterm Kopfhörer zurück
ins Juz, und du merkst, wie sehr du den
Krach und das Gebrüll vermisst hast. Nur
ist es diesmal deutlich besser gemacht.
»Neogrunge!« wird mir über den Tresen
ins Ohr geschrieen. Mag sein. Blues? Mit
Sicherheit. Das alles lässt sich über Navel
sagen, auch ohne den Namen der Überre-
ferenz Nirvana überhaupt zu erwähnen.
Und jetzt ist es doch passiert.
Benjamin Walter
Probefahrt
103
Karten an den bekannten Vorverkaufsstellen
Bundesweite Tickethotline: 01805 - 9 69 00 00*
(*14 Ct./Min. Mobilfunkpreise können abweichen)
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PRÄSENTIERT:
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23.04.08 Osnabrück - Rosenhof
24.04.08 Stuttgart - Röhre
25.04.08 Frankfurt - Batschkapp
26.04.08 Dresden - Fahrenheit 100
27.04.08 München - Kesselhaus
28.04.08 Berlin - Postbahnhof
29.04.08 Köln - Stadtgarten
30.04.08 Hamburg - Stage Club
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24.03.08
München - Muffathalle
29.03.08
Köln - Theater am Tanzbrunnen
30.03.08
Hamburg - Gr. Freiheit 36
17.04.08, BERLIN - TACHELES
18.04.08, KÖLN - UNDERGROUND
music pool europe gmbh präsentiert:
Operator Please
Yes Yes Vindictive
Brille / Pias / Rough Trade
The kids are alright, das steht fest: In Eng-
land veranstaltet ein Teenager das span-
nendste Festival des letzten Jahres, in
Hamburg organisieren die 14-jährigen Kids
vom DJ-Team I Used To Dance With My Daddy ihre eige-
ne Indie-Clubnight, und allerorts werden Bands abseits
von Cover- und Casting-Trash gegründet. Neueste Prota-
gonisten der Underage-Szene sind Operator Please aus
Australien. Dass sich die fünf Kids angeblich für eine Pa-
ckung Doughnuts (dem Hauptgewinn eines Schulband-
wettbewerbs) zusammengetan haben sollen und die
Bandmitglieder den Tourvan noch nicht selbst fahren
dürfen – all das vergisst man sofort wieder, wenn Aman-
dah Wilkinson, diese Teenage-Personalunion von Karen
O und Beth Ditto, zum ersten Mal den Refrain von »Get
What You Want« durch die Boxen jagt. Ähnlich amused
war auch Englands Indie-Papst Zane Lowe von der BBC,
der den Song zur »hottest record in the world« erklärt
hat. Und dieses Etikett hätte auch ihre Tischtennis-Hym-
ne »Just A Song About Ping Pong« verdient. Denn ei-
gentlich wussten wir es schon damals, auf der Konfir-
manden-Freizeit im Naturfreundehaus: Tischtennis ist
ziemlich Rock’n’Roll. Christine Franz
Paramount Styles
Failure American Style
Cycle / Konkurrent
Es passiert nicht selten, dass ein gereifter
Rocker, der sich nach dem – zumindest vor-
läufigen – Ende einer gefeierten Bandkarri-
ere mit einem Soloprojekt zurückmeldet, ir-
gendwas von »strip things down« und »back to the roots«
knurrt und ein Album auf den Nischenmarkt für Die-
Hard-Fans wirft, das mit seinem bisherigen Schaffen
möglichst wenig zu tun hat. Selten wird so etwas groß-
artig (John Frusciante), oft anstrengend bis schwer zu
ertragen (Jimmy Chamberlin). Und manchmal lässt einen
das Ergebnis auch ratlos zurück. So wie »Failure Ameri-
can Style«, das Debüt von Paramount Styles, McLouds
neuer Band nach dem Quasi-Ende der Post-Punk-Helden
Girls Against Boys. Dass der Mann für einige der strah-
lendsten und schnodderigsten Lärmrock-Dreiminüter
der 90er verantwortlich ist, erscheint angesichts dieser
Musik wie die vage Erinnerung an einen bizarren Traum.
Das Album eröffnet mit einem flotten AOR-Riff, auf den
Bryan Adams stolz gewesen wäre. »These Starry Nights«
erinnert mit Synthiestreichern und zum geheimnisvollen
Raunen zerbröckelnder Stimme an darken 80er-Edel-
kitsch à la Fields Of The Nephilim oder The Mission. »I
Keep Losing You« entwickelt sich zur witzigen Rockabilly-
Travestie mit Acid-Sounds und U2-Refrain. Seine besten
Momente hat das Album bei den akustischen Stücken,
wenn sich McLoud in die Nähe von Mike Ness’ Soloalben
aufschwingt. Doch die können diesen etwas verqueren
Selbstfindungstrip auch nicht retten. Interessant miss-
raten, das Ganze. Till Stoppenhagen
Kristoffer Ragnstam
Sweet Bills
Weekender / Indigo / VÖ 11.04.
Kristoffer Ragnstam ist ein smarter Typ. Er
verbrachte seine Kindheit in der Nähe von
Göteborg, spielte Fußball und aß Kekse. Mit
15 Jahren versprach er seiner Mutter, ein
Jahr auf sämtliche Süßigkeiten zu verzichten. Da Mama
offensichtlich wusste, was das für ein Opfer bedeute-
te, kaufte sie ihm ein Schlagzeug. Das nahm Kristoffer,
erfüllt von jugendlichem Entdeckungsgeist, erst einmal
auseinander. Um es anschließend wieder zusammen-
zusetzen. Bald baute er sein erstes eigenes Drumset,
Schwedens Jazzer wollten alle eins kaufen ... Und auf
einmal war 2003 sein erstes Album fertig. Seitdem hat
er ein wenig Gitarre geübt, Songs geschrieben, ein Heim-
studio eingerichtet und weiß doch selbst nicht so genau,
wie ihm geschehen ist. Er arbeitete ein wenig als Tonin-
genieur in Hamburg, komponierte in Japan Film-Sound-
tracks – und außerdem ein neues Album: »Sweet Bills«
bedient Referenzen aus etwa drei Jahrzehnten Popmu-
sik. Die Stücke sind meistens beschwingt und aus der
Hüfte tanzbar, mit einem angenehm melancholischen
Unterton. Kristoffer singt hübsche Melodien und lustige
Texte: »My girl wants to be an astronaut, my boss wants
to be a talent scout.« Dazu spielt seine Band funky Gi-
tarren, gelegentlich ein paar Bläser, hier einen Rück-
wärtsloop und dort ein Sound-Gimmick ... Das ist nett,
sympathisch, manchmal vielleicht aber auch ein biss-
chen beliebig. Christian Wessels
Robots In Disguise
We’re In The Music Biz
President / Cargo
»Cheer up, Luv!« Mein peinlichster Konzert-
Moment geht auf das Konto von Robots-In-
Disguise-Gitarristin und -Sängerin Sue De-
nim. 2005 im mittlerweile geschlossenen
Schick und Schön im Mainzer Südbahnhof muss ihr mein
gelangweiltes Gesicht in der zweiten Reihe aufgefallen
sein. Die Menge der Anwesenden war zu klein, um Mas-
senanonymität zu garantieren, und so sprach sie mich
von der Bühne aus direkt an, mit diesem phänomenalen
Akzent, der bei aller Riot-Grrrlishness immer auch ein
wenig wie Her Majesty, The Queen of England, klingt:
»Cheer up, Love!« Dabei war ich cheerful hingekommen
– die letzte Performance der beiden Superheroinen im
Spacekostüm als Support von Interpol noch bestens in
Erinnerung –, fantasielos aber waren die Visuals, und die
Songs des damals aktuellen Albums »Get Rid!« kamen
ans Debüt »Robots In Disguise« auch nicht ran.
Sue Denim und Plume Dee bleiben nun – entgegen
der abschließenden Zeile ihres neuen Titeltracks – zwar
weit davon entfernt, »The most unsuccessful duo the UK
has ever known« zu sein, aber so hundertprozentig ins
Fleisch dringt ihre Gender-Rollen-Business-Kritik auch
dieses Mal nicht mehr. Die Robots verlieren sich in Phra-
sen und Themen, die man allzu auswendig kennt: »Give
our disc a quick flick and sigh / I can’t hear the hits« zum
Beispiel. Und auch die Produktion ist weder richtig arty
self-made noch richtig deep. Gewöhnlich und schade
und auch dieses Mal weit hinter den einst geweckten
Erwartungen.
PS: Für die Faktenchecker: Das Schick und Schön hat
in Mainz an anderer Stelle zuletzt wieder aufgemacht.
Christine Käppeler
Tilman Rossmy Quartett
In einem fremden Land
Popappeal / Broken Silence
Tilman Rossmy strahlt mit jeder Zeile, mit
jedem Akkord, mit jeder Geste aus, dass
er niemandem mehr auch nur irgendetwas
beweisen muss. Er hat mit seiner Band Die
Regierung und als Solokünstler seine Fußspuren hinter-
lassen, und reich werden wird er mit seiner Musik auch
nicht mehr. Also kann er sich voll und ganz darauf kon-
zentrieren, dieses Leben auf seine wunderbar nö- ≥
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B
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European Jazz Orchestra
musikFabrik
Ttukunak
John Zorn
Campbell Brothers
Crossroads
Free Tallinn Trio
Samúel J. Samúelsson Big Band
Battles
Punkt – live remix
Jason Moran „In my Mind“
Caito Marcondes Connecting Orchestra
The Peter Evans Quartet
Theo Bleckmann
Frode Gjerstads Circulasione Totale Orchestra
Dälek
The Either/Orchestra & Mulatu Astatke
Angelika Niescier
TYFT
Avishai Cohen Roots Project
Cecil Taylor & Tony Oxley
Supersilent
Ö? Ö!
Österreich über Österreich
Von seinen Synthesizern hat sich der
Wahlberliner Florian Horwath, Ex-Hälf-
te der Electro-Clashieros Grom, mittler-
weile ganz verabschiedet. Mehr noch als
auf seinem Debütalbum »We Are All Gold«
liebäugelt der Beau neuerdings mit der
Form des verträumten Folksongs. Die
13 Stücke auf »Sleepyhead« (Roof / In-
digo) weisen dabei Spuren seiner großen
Liebe, den Flaming Lips, auf, wie eben-
so Einflüsse aus dem Kalifornien der frü-
hen Siebzigerjahre. Aber keine Angst: Ver-
hallte Steel-Gitarren, blumige Pianoriffs
und eine sanfte Männerstimme machen
noch lange keinen Hippie. Oder doch?
Egal, denn spätestens beim ergreifend
schönen Duett mit Nina Persson dürfte
sogar jedem hartgesottenen Punk das
Piercing respektive Herzerl aufgehen.
Mit ähnlich geschliffenem Songwriting
wartet Paperbirds neues Album »Cryp-
tozoology« (Sea You) auf. Das Zweitlings-
werk der Wiener Musikerin ist allerdings
weitaus intimer als Horwaths Folkpop-
Entwurf. Lediglich mit Gitarre, Glocken-
spiel und Mundharmonika ausgestat-
tet, entführt uns Paperbird in ihre im
wahrsten Sinne des Wortes fabel-hafte
Welt zwischenmenschlichen Beziehungs-
krams. Kennt vielleicht noch wer Mirah
von K-Records? In eine ähnliche Ker-
be schlägt Paperbird. Erhaben über all-
zu rührselige Larmoyanz und zu gut, um
von jedem seitengescheitelten Saddle-
Creek-Fan verstanden zu werden.
Letzteres trifft wohl auch auf Ma-
rilies Jagschs Debütalbum »Obituary
For A Lost Mind« (Asinella / Broken Si-
lence) zu. Sicher sind die Cat-Power-Plat-
ten der gebürtigen Oberösterreicherin
schon recht abgespielt, dennoch bergen
ihre Songs durch die zerbrechliche Inten-
sität und die düstere Wucht eine sehr ei-
genständige Note. Ähnlich ihrer Kollegin
Paperbird hat übrigens auch Jagsch ih-
ren Freundeskreis als Mitmusiker rekru-
tiert: vom neuen Wiener Indie-Schwarm
A Life, A Song, A Cigarette über den Be-
rufs-Grantler Ernst Molden bis hin zu B.
Fleischmann, der in einigen Songs den
Beat verlegt hat.
Und wo wir gera-
de beim alten Frickel-
Guru sind: Der hat sein
trautes Heim bei Morr
Music unlängst ver-
lassen, um einen Sei-
tensprung mit seinem
Projekt Duo 505 zu
wagen. Gemeinsam
mit Herbert Weixel-
baum stellt Bernhard
Fleischmann seine neue Scheibe »Ano-
ther Illusion« (Konkord) abermals unter
die Schirmherrschaft der Roland Groo-
vebox. Will heißen: Obwohl die elektro-
nischen Popsongs des Duos etwas fiep-
siger und Gameboy-esker ausfallen als
Fleischmanns letzte Soloreleases, die
Tracks klingen dennoch charmant che-
ap und knistern wie eh und je. Und wer
obendrein so überschwängliche Cover-
versionen von Dinosaur Jr und Imagina-
tion aus dem Elektronikkasten zaubert,
kann kein Schlechter sein.
In Gefilden jenseits von Gut und Böse
treibt der FM4-Radiomacher und Musi-
ker Fritz Ostermayer sein Unwesen. Die-
ser Tage macht sich der selbst ernannte
Dilettant wieder einmal als Kompilateur
verdient. Nach seinem Trauermarsch-
Sampler »Dead & Gone« ließ er sich von
der Münchner Qualitätsschmiede Trikont
diesmal zu einer Zusammenstellung sei-
ner Mariachi-Top-Twenty hinreißen. Und
alle, die an Calexico schon immer vor-
nehmlich die kitschigen Streicher und
Trompeten liebten, werden an »Maria-
chi – The Sound Of Hysteria And Hear-
tache« (Trikont) ihre Freude haben. Von
jeglichem Authentizitätsanspruch be-
wusst weit entfernt, findet hier mexika-
nische Folklore mit HipHop, House und
Herzschmerzballaden unter einem Som-
brero zusammen. Muchos grandiosos!
Fast humorlos kommt da im Vergleich
die Neue von Smacs & Patrick Kong. Aber
gut, Electro-House spielt halt mit ande-
ren Parametern. Und in Sachen Tanzbar-
keit kann man dem Wiener Duo wirklich
nichts vorwerfen. Auf ihrer neuen EP »Co-
ming From« (Flex Schallplatten / Neu-
ton) vermählen sie ravig flirrende Syn-
ths mit oldschooligen Drumsounds und
klingen dabei ein wenig wie Marc Rom-
boy mit leichter Italo-Fahne oder Trick &
Kubic auf Diät. Für den Einstand der bei-
den aber ein recht gelungenes und tightes
Release, das seinen Weg sicher in die DJ-
Sets von oben Genannten finden wird.
Florian Obkircher ist Musiker bei TNT
Jackson und Autor unter anderem für
Falter, The Gap und TBA
106
Probefahrt
159_Hoertest.indd 106 13.03.2008 0:51:17 Uhr
lige Art und Weise in Songs zu fassen.
Oder absurd schöne Coverversionen wie
»Sonnige Seite der Straße« (Van Morri-
son) und »Fragezeichen« (Nena!) in neue
Höhen zu katapultieren. Dieses coun-
tryeske Geschwurbel hebt sich so wohltu-
end erwachsen von dem ganzen bemüh-
ten und bedeutungsschwangeren Dreck
ab, der einem sonst die Ohren und Augen
zu verstopfen und verkleben sucht. Und
selbst diejenigen, die seit »Willkommen
zuhause« einen Bogen um T. Rossmy ma-
chen, sollten vier Minuten und vierund-
vierzig Sekunden vorbeischauen: »Eins«
ist die perfekte Symbiose aus dem wis-
senden Jetzt-Rossmy und dem unter-
schwellig brutalen Rossmy der Zeit, als
Die Regierung noch deutschsprachige
Blaupause für alles Pop-Relevante nach
1994 und einen ganzen Sack voll Musi-
kjournalisten war. Wieder mal unten mit
Tilman. Ach so, was ich noch loswerden
wollte: Danke! Marco Fuchs
Guilty Simpson
Ode To The Ghetto
Stones Throw / Groove Attack
Guilty Simpson hat natür-
lich nichts mit dem Spring-
field zu tun, sondern mit
seinem Album mal eben so
einen kontemporären HipHop-Klassi-
ker des US-Underground veröffentlicht.
Polternde Beats von Madlib, J Dilla (R.I.P.)
oder Mr Porter ebneten dabei den Weg.
Darüber räuspert Guilty Simpson mit prä-
gnanter Stimmlage wuchtige Verse. Das
ist einfach Schmirgelpapier, um sich mal
wieder die vom allzu slicken Mainstream-
HipHop verstopften Gehörgänge aufzu-
kratzen. Nieder mit dem Status quo.
Uwe Buschmann
Soul Chemistry
Discovery
Defusion / Groove Attack
In Krisenzeiten muss man
sich zwecks Evolution halt
umschauen ..., das gilt natür-
lich auch für namhafte Pro-
ducer mit Wiener Background. Aufbruch
zu anderen Ufern bedeutet zwar nicht
unbedingt immer die ultimative Lösung,
zumindest aber doch einen Neuanfang.
Den wagt der etablierte Beatschrauber
Karl Moestl (vormals als 50 % von Walk-
ner.Moestl Teil des imposanten G-Stone-
Imperiums) zusammen mit MC Coppa (u.
a. bekannt durch Kollabos mit Stereotyp
oder Roni Size) und einer gewissen Elle
... Plus zusätzliche Vokaleinlagen von Big
John, Aminata, Yosua und Betty Semper.
Ziel ist dabei vor allem, wie schon der Pro-
jektname unmissverständlich klarmacht,
die Mehrung dieses gewissen Soul-Fak-
tors in Sachen Tanzboden. Gerade Cop-
pa kann sich im Verlauf von »Discovery«
durch seinen ganz eigenen Flow und kluge
Lyrics hervortun. Alles dabei recht funky,
nur das angestrebte Gleichgewicht zwi-
schen »kühl-elektronisch« und »warm-
soulful« kippt oft in erstere Richtung. Was
eigentlich schade ist. Gemessen an den
Möglichkeiten der Beteiligten, kann »Dis-
covery« nicht jeden wirklich glücklich ma-
chen. Insbesondere nicht, nachdem etwa
Stereotyps Soul-Ansatz aus dem letzten
Jahr die Messlatte zum Thema doch ex-
trem hoch gelegt hatte. Georg Boskamp
Tapes ‘n Tapes
Walk It Off
XL / Beggars / Indigo / VÖ 04.04.
Tapes ‘n Tapes gelten heu-
te als eine der ersten Bands
Amerikas, die ihren Aufstieg
den bloggenden Musiknerds
verdanken. Das ist erst ein Jahr her – so
jung ist dieses Phänomen also, fühlt sich
dabei aber so an, als seien die Stones
anno dunnemals bereits vom »Gorilla
vs. Bear«-Blogspot gehypt worden. Und
wie reagieren die Blogs heute, die TnT da-
mals gepusht haben? Beschweren sich
darüber, dass die Band ihre Webseite zu
selten pflegt, dass man ewig aufs VÖ-Da-
tum warten muss, dass man nüscht über
die neuen Songs erfährt. Ach, all die hei-
ße Leidenschaft, mancher reagiert da wie
ein enttäuschter Liebhaber. Für »Walk It
Off« ist die Band aus Minneapolis nun in
ein richtiges Studio gezogen, hat mit Da-
vid Fridmann (Weezer, Sleater-Kinney,
Mogwai) einen richtigen Produzenten
engagiert. Und hebt den Up-Beat-Post-
Pixies-Sound folgerichtig auf eine neue
Stufe: die Drums druckvoller, differen-
zierter, der Bass bedrohlicher, der Ge-
sang präsenter. Im Gegensatz zum Vor-
gänger »The Loon« finden sich hier aller-
dings weniger offensichtliche Hits – abge-
sehen von der ersten Single-Auskopplung
»Hang Them All«. »Walk It Off« scheint ein
klassisches Durchgangs-Album zu sein:
einerseits inklusive der erwähnten Wei-
terentwicklung, andererseits aber auch
etwas richtungs- und orientierungslos.
Tapes ‘n Tapes sind sehr schnell ins Ram-
penlicht gezerrt worden, und eben dort
findet nun auch ihr Selbstfindungspro-
zess statt, der bei vergleichbaren Bands
eher im Stillen vonstatten geht. Der gan-
ze große Wurf – er könnte noch kommen.
Das hier ist er nicht. Heiko Behr

108
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Teitur
The Singer
Edel
Quo vadis, Teitur? Mit »The
Singer« bewegt sich der
(ehemals auf den Färöer-
Inseln heimische) Londoner
weiter durch ein Territorium, das er mit
»Poetry And Aeroplanes« und »Stay Un-
der The Stars« schon sehr für sich einge-
nommen hat: Teitur ist ein Singer/Song-
writer alter Schule, der mit viel Charme
und Talent aufhorchen lässt. Seine neue
Platte ist schlicht und klassisch instru-
mentiert, an manchen Stellen wird er nur
von einem brummelnden Cello begleitet,
und konzentriert sich komplett auf die
mehr oder weniger traurigen Geschichten
in seinem Notizbuch. Immer dann, wenn
Euphorie und das große Fanal einsetzen
könnten, kommt alles anders, die Stim-
me bleibt gebrochen. Ausnahmen bilden
Teiturs Ode an »Catherine The Waitress«,
die McCartneys »Lovely Rita Meter Maid«
ganz schön schmierig klingen lässt, und
die Drake-Hommage »The Girl I Don’t
Know«: tolle Songs, die hoffentlich bald
im Radio landen. Im Ganzen betrachtet,
wandert »The Singer« über den schmalen
Grat zwischen Folk, Chanson und Musi-
cal und muss in Anbetracht der jungen
Jahre natürlich scheitern. Die Bestimmt-
heit, mit der das passiert, und wie sich
Teitur zwischen Schablone und Selbsti-
ronie verirrt, das macht ihn aber – wieder
mal – ziemlich sympathisch.
Hendrik Kröz
Trouble Over Tokyo
Pyramides
Schoenwetter / Broken Silence
Es gibt jetzt Trouble Over
Tokyo, und damit ist eine
der letzten festen Grenzen
der Popmusik gebrochen:
nämlich die zwischen kleinen Gitarren-
indie-Labels auf der einen und effekthe-
ischendem R’n’B auf der anderen Seite.
Die kleine österreichische Firma Scho-
enwetter hat, nachdem sie zuvor eher
Gitarrenacts wie Garish oder Ja, Panik
veröffentlichte, diesen Grenzübertritt
ins ehemalig feindliche Land geschafft.
Das ist zunächst mal lobenswert, macht
aber auch eine Neuorientierung nötig.
Also: Trouble Over Tokyo ist vor allem ein
einzelner Brite namens Toph, der offen-
sichtlich auf jede Musik steht, die auf
die große Geste setzt. Ob nun schwel-
gerischer Pop à la Muse oder Tiger Lou,
R’n’B wie von Timberlake oder Pet-Shop-
Boys-Electropop – nichts ist zu weit weg,
um es zu vereinnahmen. Das macht »Py-
ramides« zwar nicht automatisch zu ei-
ner Platte voller Hits, zumindest aber ist
dieser Brückenschlag beeindruckend.
Die Stücke von Toph strotzen zwar von
grenzwertigen Synthiesounds und fla-
chen Drum-Programmings, seine behän-
de Kopfstimme ist aber durchaus kraft-
voll und in der Lage, manche Halbheit zu
überdecken. Und auch das überall her-
vortriefende Pathos passt gut ins Bild.
»Pyramids« ist keine umfassend über-
zeugende Platte, aber die durchgehend
zur Schau gestellte Egozentrik und Ex-
altiertheit lässt sie zumindest nicht so
schnell vergessen. Christian Steinbrink
Yakuzi
Red Thin Line
&
Keegan
Looking Out For No. 1
Beide Rookie / Cargo
Punk aus der Provinz. Eine
nicht enden wollende Lie-
be. Ähnlich wie »Bauer sucht
Frau«. Aus der Yakuzi-Ecke
nahe Pforzheim kennt der
eine oder die andere viel-
leicht noch Across The Bor-
der. Die hatten Folk in ih-
rem Logo, bei Yakuzi ist es die Trompe-
te. Berührungsängste und Stilmittel-
verknappung sind ja eher was für Groß-
städte. Die Band wäre vielleicht auf dem
Stapel der Gitarren-Newcomer unterge-
gangen, wenn sie nicht gewollt oder un-
gewollt auch in das nächste Retro-Phä-
nomen, das von Früh-90s-Rock, voll mit
reinspielen würden. Navel machen die-
sen Monat Grunge wieder Salon- bzw.
Juz-fähig, bei Yakuzi ist es der offensive
Rückgriff auf alte NoFX-Alben, auf Snuff,
No User For A Name und Ähnliche. Jene
machen eine Historisierung zwar dadurch
schwer, weil sie sich teilweise bis heute
noch selbst covern, äh, weiterschleppen.
Aber um wirklich frisch nach einst zu klin-
gen, brauchte es offenbar einfach auch
frische Kräfte. Wie eben Yakuzi. Keegan
aus Köln sind mit ihrem Powerpop weit-
aus zeitgemäßer, haben deshalb aber
auch mehr Konkurrenz. Instant-Erfolg
wird sich da außerhalb des erweiterten
Freundeskreises wohl kaum durchsetzen
– ab in die Live-Mühle, hundert Konzerte
später sieht man, wer noch kann und was
wirklich geht.
Linus Volkmann
Probefahrt
109
159_Hoertest.indd 109 13.03.2008 0:52:20 Uhr
MONSTER
V
erstärkt durch den zehn Jahre jüngeren
Drummer Kenneth Kapstad sind Motor-
psycho wieder ein Trio. Und die gewon-
nene Spielfreude trieft aus jeder (Hallu-
ci)fuge. Allein das Titelstück, eine Suite mit vier Teilen,
ist ein Monster. Zwei Powerrock-Stücke, eine Riesen-
Jam, die scheinbar alle Spielarten von Rock durchde-
kliniert, immer wieder zu straighten Parts zurückfin-
det, und dann die Auflösung: erhaben und abgehangen
... Soulfood. Alles scheint ineinander verwoben, auch
auf der textlichen Ebene, den Prozess von Übergängen
und der einhergehenden Desorientierung beschreibend.
Man kann Spaß haben an den wieder reichlich vorhan-
denen Zitaten, auch überraschenden (Bent nennt für
den zweiten Teil von »She Left On The Sun Ship« Steve
Reich), man kann sich suhlen im dynamischen Wechsel-
spiel und mit jedem Hören neue Verbindungen innerhalb
des Werks entdecken. Oder diese Einblicke genießen, an
denen uns die Band teilhaben lässt, und sich einfach
mitnehmen lassen, wenn Snah in »Year Zero (A Dama-
ge Report)« herzergreifend singt: »We turn our backs
on what we knew ...«
Viele Teile scheinen ziemlich improvisiert zu sein, es
gibt wenige einfache und durchgängige Songstruk-
turen. Ihr habt Spaß gehabt zu jammen? Bent: Nach den
Aufnahmen zum letzten Album haben wir einen festen
neuen Drummer dazubekommen und sind wieder eine
voll funktionsfähige Band. Das ändert die Dinge radikal.
Im Gegensatz zu den letzten paar haben wir dieses Al-
bum alle gleichzeitig live im Studio aufgenommen. Diese
Herangehensweise befreit die Arrangements, und alles
wird organischer und freier. Und macht tatsächlich eine
Menge Spaß. Wir haben die »wirklichen« MP noch nicht
auf einer Studio-Platte festgehalten. Diese kommt un-
seren Konzerten sehr nahe. Die Songs bluten (sic!) inei-
nander, Teile oder Übergänge zwischen den Songs sind
improvisiert, und bei dem Ganzen geht’s weniger darum,
die Songs »perfekt« zu spielen, als vielmehr darum, ei-
nen übergangslosen Fluss herzustellen; eine alles um-
fassende Erfahrung für alle Beteiligten, die hoffentlich
über eine »normale« Hörerfahrung hinausgeht.
In Anlehnung an den Titel hast du selbst das Album
beschrieben als kleine klare Momente, umgeben von
einem »Haufen Kacke«. Ist diese »Kacke« ein (notwen-
diger) Weg zur Weisheit? Die Konzentration, die nötig ist,
um sich an so lange Stücke zu erinnern und sie spielen
zu können, zwingt dich als Performer dazu, dich total
dem Moment hinzugeben. Das ist der Kick: Wenn du so
damit beschäftigt bist, zu spielen, vergisst du den Rest
des Universums, und nichts anderes ist mehr von Be-
deutung. Auf jeden Fall: ein Mittel, um Klarheit zu fin-
den. Vielleicht nicht unbedingt notwendig, aber sicher
eine großartige Möglichkeit, sich Zen aufzuzwingen! ...
und dazu trippy as fuck!
Rosenborg Trondheim mischt bei jeder Teilnahme rich-
tig gut mit. Werden wir den Tag erleben, an dem sie die
Champions League gewinnen? Nein. Nicht in abseh-
barer Zukunft. Es kommt jetzt aber eine neue Generation
an den Start, und ich habe große Hoffnungen!
Joachim Henn
Motorpsycho »Little Lucid Moments« (Stickman / Indigo)
Motorpsycho
Vier Songs, 59 Minuten. Das ist freilich nicht der einzige Grund,
warum es sich bei »Little Lucid Moments« nicht einfach nur um »ein
weiteres« Motorpsycho-Album handelt. Handeln kann.
110
Probefahrt
12 KURZE
We The They »The Shabby Road Ses-
sions« (Siluh) – Der Begriff des »Gute
Laune«-Songs hat oft einen negativen
Touch. Völlig zu Unrecht. Die von Roger
Greenawalt (Ben Kweller) produzierte
EP besteht zu 100 % aus »Gute Laune«-
Songs. New Yorker Indie-Songs irgend-
wo zwischen surfenden Pilzköpfen und
den Beach Boys. Und um die gute Lau-
ne von euch knauserigen Studenten und
Hartz-IV-Empfängern noch zu steigern:
Die EP gibt’s als freien Download auf
siluh.com.
Cerys Matthews »Awyren = Aero-
plane« (My Kung Fu / Rough Trade) – Ei-
gentlich müsste sie von Grund auf unsym-
pathisch sein: Cerys Matthews (Ex-Cata-
tonia) posierte für FHM und das englische
Dschungelcamp. Und doch kann man sich
ihrer zerbrechlichen Stimme spätestens
beim folkigen »Y Corryn Ar Pry’« kaum
entziehen – selbst wenn man kein Wort
Walisisch versteht.
Idaho »The Forbidden EP & Alas –
Special Edition« (Talitres / Rough Trade)
– Großartige Neuveröffentlichung zweier
vergriffener Platten von Jeff Martin. Lei-
ser Singer/Songwriter-Pop für verregnete
Frühlingsabende.
Craig David »6 Of 1 Thing« (Warner) –
Laut Promotext ist diese Single ein »durch
und durch groovendes Stück Musik, das
mit Funk-Bass und upliftenden Bläser-
sätzen besetzt ist«. Meiner Meinung nach
sieht das etwas anders aus: Es ist ein
dreister Euphemismus für belanglosen
R’n’B, der kein einziges Vorstadt-Kind in
die Großraumdisko locken wird.
Heidi Mortenson »Diamonds & Un-
derwear« (Wired / Broken Silence) – Ei-
gentlich hasse ich nervige Samples aus
der Welt der Telekommunikation. Zu be-
legt sind beispielsweise die Assoziationen
von besetzten Telefonleitungen. Der spie-
lerische Umgang mit Modem- und ICQ-
Sounds auf »Stronger Than This« ist aber
großartig. Und auch der Rest: Electrosoul
vom Feinsten. DAS groovt wirklich.
Nein Nein Nein »Endstation
Bullshit« (Twisted Chords / Bro-
ken Silence) – Apropos schlech-
te Promotexte: Die Verweigerer
Nein Nein Nein werden uns er-
wartungsvoll als eine Band mit
der Rohheit und Wut der frühen 80er-
Jahre-Deutschpunks angekündigt.
Leider klingt ihre Veröffentlichung
einfach nur nach schlechtem JuZ-
Melodycore. Schade.
Herrenmagazin »#1« (Motor Mu-
sic) – »Du kaufst dein Bier jetzt bei
der Bank und Deutschland stinkt
für alle«, singen die Hanseaten von
Herrenmagazin und beweisen, dass
Indie-Pop der neue Punkrock ist. Mit
Kettcar’haftigem Gesang zwar um ei-
niges sanfter, aber auch bissiger und in-
telligent. Sehr schön.
Karate Disco »I Killed Bambi« (Hero-
in / Kidnap Music) – Ironie haben sie auf
jeden Fall. Die Genre-Beschreibung auf
ihrer Website: »Deutsch-LK-Punk«. Lu-
stig gemeinte Sätze wie »Dein Freundes-
kreis hat sich dramatisch extendiert« und
»was du so treibst, interessiert mich pe-
ripher« wirken aber leider doch zu ver-
krampft witzig.
The Horror The Horror »Yes (I’m Co-
ming Out)« (Tapete / Indigo) – Die schwe-
dischen Maximo Park machen mit ihrer
Single zum zweiten Album nichts falsch:
sehr schöne Bassläufe und alles noch
markanter als auf dem Debüt. Nichts für
die Ewigkeit, aber angenehm kurzweilig.
Television Personalities »The Good
Anarchist« (Elefant / Rough Trade) –
Schon wieder ein Lebenszeichen der Kult-
Band um Dan Tracey: eine zerbrechlich
schöne Single à la Velvet Underground mit
Gastsängerin und eine northern-soulige
b-Seite. Mehr als nur Parttime-Punks.
Simian Mobile Disco »Clock EP« (Wi-
chita / Coop / Universal) – Vergangenen
Sommer brachten sie noch sämtliche
Dancefloors zum Beben. Nun sind SMD
mit einer neuen EP am Start: ganz ohne
Vocals, mit weniger 80er-Einflüssen, im
Opener auch mal krautrockig und im be-
sten Track »Simple« tatsächlich einfach
nur minimalistisch. Deutlich unaufge-
regter, aber im positiven Sinne: nichts
für die Konsensdisko (»Never Be Alo-
ne«) oder den New-Rave-Floor (»It’s The
Beat«), sondern schlicht für den Club.
Stereo Total »Plastico EP« (Elefant
/ Rough Trade) – Mit Lo-Fi in gewohnter
High-Quality geben die Multilingu-
isten Stereo Total ihr grand de-
but auf dem spanischen Label
Elefant Records. Hierfür inter-
pretieren sie ihren Paris/
Berlin-Song »Plastic« auf
Spanisch und covern sich
munter durch den Ele-
fant-Backkatalog. Muy
bien.
Manuel Czauderna
Der eine von We The They
Anz. MTV_CC_EHE IST_GEFÄNGNIS_für INTRO Heft 159 23.01.2008 15:57 Uhr Seite 1
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Veranstalter: Jugendamt der Stadt Mainz und die Freie Projektgruppe
Tel: 06131/12-2173 und -2827 | Karten an den bekannten Vorverkaufsstellen
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Deutz!Mülheimer Strasse 127–129
51063 Köln
Alle Infos: www.gebaeude9.de
Vorverkauf: www.kartenhaus.de
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Fotos
05.04.
Levi‘s Electric Disco
Shitdisco, Mstrkrft,
Punks Jump Up
07.04.
Niels Frevert
08.03.
Mark Stewart &
The Maa
09.04.
Get Well Soon
12.04.
Be Your Own Pet
16.04.
Blood Red Shoes
23.04.
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The Ting Tings,
XX Teens u.a.
28.04.
Blood Red Shoes
Clubbing Highlights:
04.04.
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Sa. 12.07. • Freilichtbühne Loreley • St. Goarshausen
Di. 17.06. • Palladium • Köln
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Mo. 07.04. • Westfalenhalle 1 • Dortmund
BEATSTEAKS
special guest:
TURBOSTAAT
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Fr. 09.05. • E-Werk • Köln
KETTCAR
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OLA PODRIDA
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So. 18.05. • E-Werk • Köln
Mi. 02.04. • Live Music Hall • Köln
THE RIFLES • THE FUTUREHEADS • TRASHMONKEYS • DIE MANNEQUIN
SPRING TOUR 2008
T-Mobile Forum • Bonn
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Mi. 07.05. • E-Werk • Köln
TARJA
Di. 02.09. • E-Werk • Köln
Di. 13.05. • Live Music Hall • Köln
FLOGGING MOLLY
Mo. 12.05. • Live Music Hall • Köln
WEEN
So. 01.06. • Live Music Hall • Köln
Mi. 16.04. • Live Music Hall • Köln
Mo. 07.04. • Live Music Hall • Köln
COHEED AND CAMBRIA
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special guest: OZEANSIZE
special guest: KREISKY
So. 13.04. • Live Music Hall • Köln
ADAM GREEN
Mo. 14.04. • Gloria • Köln
JOHNOSSI
Fr. 09.05. • Gloria • Köln
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Sa. 03.05. • Weststadthalle • Essen
DIRTY DEEDS ‘79 • NEWTALLICA
MONSTERS ARE BACK2008
Di. 06.05. • Live Music Hall • Köln
DIGITALISM
Mo. 16.06. • Weststadthalle • Essen
Mi. 04.06. • Live Music Hall • Köln
CAT POWER
STRAY CATS
Di. 08.07. • E-Werk • Köln
JOHN BUTLER TRIO
Di. 03.06. • Palladium • Köln
Mo. 08.09. • Kölnarena • Köln
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Sa. 05.04. • Gloria • Köln
LIZZ WRIGHT
WITH
BAND
plus special guest
special guest: SIBLING SENSE
Di. 20.05. • Live Music Hall • Köln
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So. 18.05. • Live Music Hall • Köln
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(Exit/M
etalheadz/UK)
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03.04. München, Orangehouse
04.04. Bielefeld, Forum
07.04. Berlin, Café Zapata
08.04. Duisburg, Steinbruch
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28.03. Berlin, Privatclub
23.04. Hamburg, Grüner Jäger
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01.05. Heidelberg, Zum Teufel


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11.04. Hamburg, Grüner Jäger
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21.04. Karlsruhe, Café Nun


THIS WILL DESTROY YOU
31.03. Karlsruhe, Jubez
02.04. Heidelberg, Karlstorbahnhof
04.04. Köln, MTC
16.04. Dornbirn (A), Café Schlachthaus
19.04. München, Glockenbachwerkstatt
20.04. Fulda, Kulturkeller
21.04. Hamburg, Hafenklang
22.04. Berlin, Café Zapata
23.04. Münster, Gleis 22
24.04. Duisburg, Steinbruch
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26.04. Graz (A), Forum Stadtpark
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HOLLY GOLIGHTLY
06. 05. 08 · Köln, Studio 672
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TEGAN & SARA
24. 06. 08 · Bochum, Zeche
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Do. 10.04. 19:00 Uhr
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Sa. 12.04.
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Mi. 16.04.
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So. 20.04.
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Ambient Doom Metal | Veranstalter: Mountcaldera
Do. 24.04.
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Punk `n` Roll | Veranstalter: MTP
Sa. 26.04. 19:00 Uhr
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The Next Party | Kult Prog Kraut Rock
In der Festhalle Durlach!
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Do. 01.05.
EMIL BULLS
Alternative Metal | Support: SILENT DECAY & GRANTIG
Fr. 02.05. 19:00 Uhr
SCHANDMAUL
Support: THE SEER | Mittelalter Rock
In der Festhalle Durlach!
Preview:
08.05. HOT WATER MUSIC
16.05. TANGENT, RITUAL & BEARDFISH
22.05. KATE MOSH
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Der Monatstipp!
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Heimspiel empfiehlt
Das Band-Voting beginnt:
Ihr habt die Wahl!
Am 05. April startet die Voting-Phase der
Coca-Cola Soundwave Discovery Tour
2008. Das heißt: Ihr habt es in der Hand
und im Clickfinger, welche Acts in diesem
Sommer auf die Festivals dürfen.
Hunderte Bands nutzten ab Anfang
März die Chance, an Europas größtem
Newcomer-Wettbewerb teilzunehmen.
Kein Wunder, hatte wohl jeder noch die
Bilder des großen Finales im letzten Jahr
vor Augen. Da dachte so mancher: »Das
will ich auch!« Die zahlreichen Songbei-
träge, die seit dem 05. März auf www.
coke.de hochgeladen wurden, zeigen
bereits, dass es ein harter Wettbewerb
wird. Denn das Niveau ist beachtlich!
Auch in diesem Jahr streifen die Beiträ-
ge wieder durch alle Genres: Melodischer
Punk misst sich mit knackigem HipHop,
aggressiver Rock legt sich mit elegischen
Popsongs an. Also für jeden etwas dabei.
Aufgrund der hohen Teilnehmerzahl traf
diesmal eine Expertenrunde eine Voraus-
wahl. Die Jury aus Musikjournalisten und
Musikschaffenden brütete lange über die
Entscheidung, welche 50 Acts in die Vo-
tingphase einziehen. Keine leichte Aufga-
be: Augen- und Ohrenzeugen berichten
von harten Verhandlungen, in denen es
auch schon mal laut werden konnte.
Jetzt seid endlich ihr am Zug: Auf
www.coke.de könnt ihr euch mühelos
durch die einzelnen Songs hören, für eu-
ren Favoriten voten, Bands an Freunde
empfehlen – und so eine ganze Fan-Army
mobilisieren. Euer Click zählt! Hier seid ihr
die A&Rs, die Talentsucher, die Trendset-
ter - oder aber die Fanbeauftragten eurer
Lieblingsband. Das Heimspiel wird ab der
nächsten Ausgabe regelmäßig einige Fa-
voriten vorstellen.
Nach Abschluss der Online-Voting-
Phase am 21.04. gilt bei der Coca-Cola
Soundwave auch in diesem Jahr: »Was
zählt, ist auf der Bühne.« Die 20 Bands
mit den meisten Stimmen werden vom 06.
bis zum 08. Juni auf dem Rock am Ring im
großen Band-Clash gegeneinander antre-
ten. Zuvor erhalten sie noch ein profes-
sionelles Coaching mit nützlichen Praxi-
stipps in Sachen Live-Performance. Wer
in dieser Runde besteht, reitet schließlich
auf der Soundwave über die Top-Festivals
wie Hurricane und Highfield. Zehn Acts
werden so die Chance bekommen, sich
vor dem härtesten Juror zu bewähren –
dem Publikum. Euch.
AC Vibes
Plastic Bitch
CD // Vervetone
In ihrer Kurzinfo bezeichnen
sich die AC Vibes selbst als
»guitar’n’beat thing«. Die
Bezeichnung greift: Beat
haben sie definitiv, Gitarre auch. Das Er-
folgsrezept ist einfach: In ihren Songs
wird ein simpler Schlagzeugbeat mit
einem Brett-Gitarrenriff und der nölig-le-
thargischen Stimme von Sänger Micha-
el Gabriel kombiniert. Und das ist auch
vollkommen okay so. Trotz der minimali-
stischen Instrumentierung schafft es das
Duo, catchy Songs mit Rock’n’Roll-Arsch-
lochattitüde und den richtigen Akzenten
an genau den richtigen Stellen zu schrei-
ben. Back-up-Vocals und Keyboards wer-
den gewollt nur pointiert eingesetzt –
Beat und Gitarre herrschen immer vor.
Das »thing« funktioniert: Die Mischung
aus The-Black-Crowes-Countryversion,
Nick-Cave-Düsterdenken und No-Futu-
re-Punkattitüde brachte ihnen Ende letz-
ten Jahres schon eine Mini-Tour mit Phil-
lip Boa & The Voodoo Club ein.
Julia Gudzent
Audio88
Ein besserer Mensch
CD // Himalaya Pop
»Selbst ich bin mir nicht si-
cher, ob ich alle meine Ge-
danken laut aussprechen
sollte«, erklärt Audio88
im Titelstück seiner EP »Ein besserer
Mensch«. Es scheint irgendwie darum zu
gehen, dass man täglich viel korrektes Po-
tenzial verschwendet und meist doch nur
im Konjunktiv lebt: »Ich wäre so gern ein
besserer Mensch.« Dazu dräut recht an-
sprechend ein elektronisch brummender
Nebel, dessen Harmonien ein bisschen
klingen, als habe jemand »Fade To Grey«
als Doom-Hop re-imaginiert. Hier nun
also das andere HipHop-Neukölln, ga-
rantiert un-gangsta und anti-rütli, wes-
halb es auf Audio88s Website auch kämp-
ferische Querverweise zu Protesten gegen
Studiengebühren gibt. Die Stimme rhyth-
misiert, ohne zu reimen oder besondere
Nähe zum Rapformalen zu suchen. Statt-
dessen reiht sie eher parolenhaft Gedan-
ken und Ideen aneinander, die gern ein we-
nig paradox formuliert darauf hinweisen,
dass die Welt eher ungefähr und mehr-
deutig ist, auch wenn überall Vorschriften
und Gebote lauern. »Wir sind ganz Feuer
und Flamme für alles, was auch nur an-
satzweise brennt«, heißt es typisch dop-
peldeutig in einem Titel, der ansonsten
ständig die Hoffnung sterben lässt. Wo-
gegen oder wofür die strenge Pose am
Ende posiert, bleibt freilich dunkel. Was
andererseits ja nicht schlecht zum zeit-
lupenhaft tragischen Wischen und Knir-
schen und den traurigen Keyboardlines
passt, die auch die vier Remixe in unter-
schiedlichen Abstraktionsformaten vor-
führen. Markus Schneider
Tristan Brusch
My Ivory Mind
CD // Timezone / Rough Trade
So etwas kommt wohl da-
bei raus, wenn man als Sohn
professioneller Musiker und
Weltenbummler in Belfast,
Virginia und später in Deutschland auf-
wächst, seit dem dritten Geburtstag Gei-
genunterricht vom Vater bekommt, sich
später Klavier und Gitarre draufschafft,
dazwischen Klassik und das weiße Al-
bum der Beatles hört, nebenbei für’s Abi
paukt und sich in der Freizeit Dostojew-
ski und Dogma reinzieht – da kann man
doch wirklich nur so was machen wie »My
Ivory Mind«. Der 19jährige Tristan Brusch
ist damit nun schon beim zweiten Album
angelangt und suhlt sich nach seinem et-
was elektronischeren Debüt in schwelge-
rischen Banjo-, Geigen- und Gitarrenme-
lodien, die ein wenig an Sufjan Stevens
erinnern. Aber Brusch macht’s einem
nicht so leicht, wie das Harmoniedauer-
feuer des Herrn Stevens. Vor allem sein
seltsamer Gesang, ein melodisch-nä-
selndes Quietschen, macht seine Musik
wahrlich besonders. Wohlklang mit ei-
gener Note – in Perfektion vertont z. B.
in »Funny Man« und »Sad Clown«. An-
geblich werkelt Brusch übrigens schon
wieder an neuem Material – diesmal an
einem Radiohead-inspirierten Elektronik-
Album. Himmel hilf, wo soll das noch hin-
führen? Michael Schütz
Charlotte
Küsschen links Küsschen rechts
CD // Auf die Plätze / Samsonido
Die Indie-Revolution aus
der Provinz geht weiter:
Das Bamberger Trio Char-
lotte singt auf seiner ak-
tuellen EP »Küsschen links Küsschen
rechts« naiv-forsche Reime wie »Wir
kommen an / Alles läuft nach Plan«. Die
Songs erinnern nicht nur aufgrund der
bewusst einfach gehaltenen Texte über
Liebesleid und Tatendrang an die frü-
hen Ärzte. Genau wie jene möchte man
die selbst ernannten Dreiakkordsportler
erst mal in die Fun-Punk-Ecke stecken,
aber eigentlich haben sie damit musika-
lisch so gar nichts am Hut. Bei Charlot-
te hört man eher die Britpop-Einflüsse
und bei den krachigeren Sachen auch ein
bisschen Postpunk raus, den aber in er-
träglichen Dosen. Hier wird nicht krampf-
haft versucht, das nächste große New-
Rave-Ding zu werden, sondern frisch und
unbeschwert aufgespielt. Dabei dürfen
die Reime auch gerne mal vorhersehbar
sein oder holpern. Highlight auf der EP
ist die Ballade »Fieber«, ein rundum ge-
lungenes Liebeslied zwischen Sehnsucht
und Übermut. Die Renaissance von Indie-
Bayern ist dank junger Bands wie Char-
lotte in vollem Gange, der Song »Ready To
Go« gibt die Parole aus: »Wer jetzt nicht
mitkommt, kommt zu spät.« Richtig.
Philipp Jedicke
Deathspirit
Deathspirit
CD // Let It Burn
»Talent borrows, genuis ste-
als«, hieß es schon bei Os-
car Wilde. Und so hält es
auch die bayrische Hard-
core-Band Deathspirit um Sänger Mar-
co Walzel. Im Jahr 2000 veröffentlich-
ten die damaligen Hoffnungsträger der
europäischen Musikszene My Hero Died
Today das Album »The City Will Pay For
This« und lösten sich kurz danach auf.
Auf dem Mini-EP-Erstling von Death-
spirit findet sich nun ein gleichnamiger
Song. Und bei genauerer Betrachtung
merkt man: Auch die Lyrics sind diesel-
ben wie damals. Jetzt könnte es dem Wal-
zel gehen wie den verklagten Fall Out Boy
– wird es aber nicht. Denn seltsamerwei-
se hält er sich an sich selbst: Der Shouter
war auch Kopf hinter My Hero Died To-
day und schrieb die Lyrics schon damals.
Ob dies nun billiges Eigenplagiat ist oder
das zeitsparende Werk eines Genies, sei
dahingestellt. Fest steht nur eins: Zeter
und Mordio schreien kann der Walzel al-
lemal. Mit viel Fuck-you-Attitüde und Me-
tal-Brett spuckten Deathspirit ihre dre-
schige Gesellschaftskritik voller Arbeiter-
klasse-Ideologie und Straßenkampfsze-
nerie nach nur zwei Bandproben und zwei
Tagen im Aufnahmestudio aus. Da blieb
wohl nicht genug Zeit, um neue Texte zu
schreiben. Julia Gudzent
Diverse
Bunte Bezüge
LP // E-Klageto
Ein Zwischenstandsbericht
aus dem solide vor sich hin
alternden deutschen Post-
Kassetten-Untergrund. Und
in dem regiert eiserne Traditionsverbun-
denheit und das stalkistische Reenact-
ment ihrer wenigen, doch umso glamou-
röseren NDW-Sternstündchen. Verlässlich
gibt es auf dieser Compilation: kleintei-
ligen Humorbierernst, in mühevoller Klein-
arbeit zusammen geschraubte Schwach-
sinnsnamen, Darbietungs-Angstfreiheit
an der grünen Grenze zur sozialen Auf-
159_Hoertest.indd 118 13.03.2008 0:54:58 Uhr
fälligkeit usw. Geändert hat sich dort also
annäherungsweise nichts seit – sagen wir
– 1987, obwohl es natürlich immer weiter
geht, wenn auch nicht voran. (Wie eigent-
lich überall…) Der in sich selbst stehen ge-
bliebene/gestrandete Bewegungsdrang
noch-abtrünniger End-Dreißiger auf dem
langen Marsch durch die Möbiusschleife
der Selbstbezüglichkeit und der Artefakt-
Tauschkreislauf-Intimität mit vier bis drei-
undzwanzig Gleichgesinnten klingt in gut
der Hälfte der Beiträge sogar noch halb-
wegs spannend oder zumindest: berech-
tigt, die andere sackt in erprobter Unter-
grundmanier so durch – aber ein Unent-
schieden ist da ja kein schlechtes Ergeb-
nis, wo die aktuelle Titelstory es vermut-
lich mal wieder nur auf anderthalb er-
trägliche Stücke gebracht haben wird.
Eine sichere Bank stellen die beteiligten
Gruppen aus dem Umfeld des legendären
Clubs und Überlebenszusammenhangs
»Silke Arp bricht« in Hannover. »Bunte
Bezüge« hat einen blöden Namen, aber
durchaus dichte und unvermittelte Mo-
mente qua hingebungsvollen Schwach-
sinnshits auf Autopilot (Ordnungsamt)
oder elaborierter Soundart (Yangwelle, die
ein Fieldrecording von John Cages Halber-
stadt-Orgelkonzert zu einem massiv-fili-
granen Dubstep-Hänger umfälschen). Mit
ein paar Gramm Selbstgenügsamkeit we-
niger könnte derlei sogar irgendwann noch
mal richtig angreifen. Und das vielleicht
sogar schon in der übernächsten Gene-
ration. Frank Apunkt Schneider
GOMD
Alter Ego
CD // Space Bee / www.gomd.de
Da hat doch sicher schon
mal eine große Plattenfir-
ma geklopft, ob sich GOMD
nicht auch das Singen in
deutscher Sprache vorstellen könnten.
Wahrscheinlich ungefähr im Juli zur Sil-
bermondphase, als der Klee so schön
blühte. Jedenfalls stellen die vier Nord-
lichter gleich klar, dass es sie nur in Eng-
lisch gibt – und zwar, »um vermeintlichen
Assoziationen à la Silbermond gleich dem
Erdboden gleichzumachen«. Hat man das
geklärt, hat man ein wirklich gelungenes
Popdebüt vor sich, das zwar musikalisch
an einigen Stellen die Silbermond-Asso-
ziationen nicht loswird, aber nicht deren
Pathosschmock aufnimmt, sondern eher
auf Understatement setzt. In den wirklich
guten Momenten – z. B. im Song »Out-
land« – erinnern sie dank Sängerin Do-
rit Jakobs fast an die seligen Belly. Ein
Kompliment, das man ja nicht so ohne
Weiteres ausspielen sollte. Positive Re-
ferenzen fallen einem noch an anderen
Stellen ein, z. B., wenn sie in »Cows &
Dogs« einem frühen R.E.M.-Song nach-
eifern oder sich in »At Last« im reinen
Songwriterfolk verträumen, der an Nina
Perssons »A Camp« erinnert. GOMD ha-
ben übrigens überaus freundlich ange-
fragt, ob man denn ohne Plattenvertrag
eine Chance hätte, im Intro zu landen. Da
kann man nur antworten: Mit so einem Al-
bum – gerne doch! Daniel Koch
Henk Jr.
Heavy Mellow
EP // www.henk-o-rama.de
Henk Jr. sind nicht mehr jung.
Das hört man ihrer Debüt-EP
an, und das ist auch völlig
okay so. Sie haben schon zu
viele Moden erlebt, um darauf noch etwas
zu geben, sie müssen auch keine künst-
liche Euphorie mehr entfachen oder Tanz-
flächen in Discos stürmen. Sie spielen ge-
setzten und auf dezente Harmonien set-
zenden Gitarrenpop, mellow eben, jeden-
falls im Sinne von »ausgereift«. Sie klingen
so, wie man sich als Ungereister ihre Hei-
matstadt Aachen vorstellt: heimelig und
freundlich, leicht melancholisch, leicht
romantisch. Zu verorten irgendwo zwi-
schen Dirk Darmstaedter und John Ma-
yer. Alles gut so weit. Nur schade, dass sie
ihren einprägsamsten Song nur auf ihrer
Homepage zum (immerhin freien) Down-
load anbieten: »Alle Mann sind Aleman-
nia« heißt das Schmuckstück, und des-
sen Klasse in den Relationen landläufiger
Fußballsongs muss man sogar als Anhän-
ger der wahren Schwarz-Gelben im We-
sten anerkennen. Christian Steinbrink
Julius
Leise, zusammen
CD // Urbanprovince
Der Julius hat eine schöne
Platte gemacht. Das Art-
work ist dezent, das Book-
let auf teurem, dickem Pa-
pier gedruckt und die Songtitel in Deutsch
wie in Englisch machen sich gelesen aus-
gesprochen gut: »Writing A Name« z. B.
oder dazu sehr passend »In großen Buch-
staben.« Alles sehr schön anzuschauen.
Leider ist der akustische Eindruck von
»Leise, zusammen« dann stellenwei-
se eher durchwachsen. Der Wahlbre-
mer Julius ist zwar ein solider Leisetre-
ter, und braucht wenig mehr als seine Gi-
tarre, um es heimelig werden zu lassen,
nur leider verhebt er sich bei den deut-
schen Songs oft an der Metapherndrech-
selei (vgl. »dein Lächeln glänzt im Feiera-
benddämmerlicht, als wir in großen Buch-
staben auf die Wagen schrieben: Wasch
mich, ich bin dreckig heut Nacht.«), wäh-
rend man den englischen Stücke einfach
anhört, dass ein Norddeutscher zwang-
haft die Aussprache treffen will, die ihm
der Englischlehrer in der 8a eingetrichtert
hat. Und das ist ja immer der schlechteste
Weg, die Sache mit dem Englischsingen
anzugehen. Aber Julius soll an dieser
Heimspiel empfiehlt
119

D
en Bandnamen darf man eins zu eins neh-
men: Benevolent sind wirklich so wohlwol-
lend. Weichere Musik kann man kaum ma-
chen, alles strebt hier nach Einklang: Die
getupften Gitarren, das perlige Klavier, der grummelnde
Kontrabass, das federnde, perkussive Schlagzeug, und na-
türlich der dezent melodramatische, zurückgenommene
Harmoniegesang. Hauptsänger Stefan Honig gesteht es
ganz unverblümt ein: »Wir sind einfach alles relativ sensi-
ble Typen und haben Lust auf harmonische Töne. Sowohl
musikalisch als auch sozial.« Coolness muss man also wo-
anders suchen. Das Problem, das die Band hat, ist natür-
lich die Herkunft. Fünf Typen aus Krefeld, Köln und Düssel-
dorf spielen englischsprachigen Singer-/Songwriterpop, der
in einer verwandtschaftlichen Linie steht mit Cat Stevens,
Suzanne Vega, Elliott Smith und Sufjan Stevens. Darf das
sein? Unbedingt. Benevolent sind ja keine wandelnden Ab-
ziehbildchen, sondern eine Band mit Profil, die seit Jahren
an ihrer Folk-Pop-Vision feilt. Dazu gehört das Beharren auf
ein im autorengeprägten Folk-Kontext ungewöhnlich kre-
ativen Bandprinzip: Die Lieder entstehen im Verbund. Was
sich bemerkbar macht in komplexen Songstrukturen, ver-
schlungenen Melodieführungen und überraschenden Wen-
dungen. Weichheit schützt vor Kunstfertigkeit nicht- und so
ist zu erahnen, dass die Bandmitglieder sicher auch die ein
oder andere frühe Genesis im Regal stehen haben.
Ganz ohne Labelunterstützung ist es Benevolent nun
also gelungen, mit »The Rain and the Sea« ein Album auf die
Reihe zu bekommen, das musikalisch, klanglich und visu-
ell ein unglaubliche Wertigkeit ausstrahlt. Ein großer logi-
stischer und menschlicher Aufwand, bedenkt man, dass es
sich hier nicht um günstig zu produzierende Rechnermusik
handelt, sondern um orchestral arrangierten Akustiksound,
der mithilfe vieler Gäste an Streich- und Blasinstrumenten
inszeniert wurde. »Keiner hat irgendwie Geld gewollt oder
gesehen«, berichtet Honig, »als alles fertig war, haben wir
alle gemeinsam zum Essen eingeladen und einen tollen
Abend verbracht.« So ist es also allein der Idealismus und
die Freude an der Musik, der die Musiker treibt: »Es scheint
uns sehr unwahrscheinlich, mit so einer Musik Geld zu ver-
dienen, aber es wäre schon sehr schön, wenn sich die gan-
ze Sache selber finanziert.« Eigentlich ein Minimum an Ge-
genleistung, das ein talentierter und inspirierter Musiker für
seinen Einsatz erwarten dürfte. Oliver Minck
Benevolent »The Rain And The Sea« (CD / www.benevolent.de)
Benevolent
WEICHE SCHALE,
WEICHER KERN
Muss man als Musiker denn immer so verdammt cool sein? Nö. Das sagen auch Benevolent,
die kein Problem damit haben, sich selbst als harmoniesüchtig und sensibel zu bezeichnen.
159_Hoertest.indd 119 13.03.2008 0:55:17 Uhr
Stelle natürlich nicht runtergeputzt
werden. Sehen wir es lieber so: Da ist
noch Luft nach oben. Michael Schütz
Kollision
Kollision
myspace.com / Kollisionsmusik
Neulich las ich in einem
amerikanischen HipHop-
Blog von Kollision und ihrem
selbst betitelten Demo, das
schwer empfohlen wurde. Ich ging von ei-
ner Ami-Truppe aus. Tatsächlich kommen
Kollision aber aus München, sie rappen
auf Deutsch. Warum ich diese öde Ge-
schichte erzähle? Es zeigt, dass die 17
selbst produzierten Songs tatsächlich
auf einem gewissen internationalen Le-
vel funktionieren - für deutschen HipHop
immer noch ein Ritterschlag. Tatsächlich
sind die oft abgebremsten Beats durch-
aus durchschlagskräftig, wenn auch auf
die lange Distanz etwas ähnlich gera-
ten. Die Sounds kreieren oft dramatische
Stimmungen, nutzen filmartige Scores
und Sprachsamples, kleistern dabei nicht
alles zu, lassen Luft zum Atmen. Kommen
wir also zum Knackpunkt: die deutschen
Texte. Die MCs Fay-B und Zen-Siar mü-
hen sich mal mit dystopischen, vage futu-
ristischen Themen (Raumschiffe und so),
mal wird studentisch philosophiert, gern
auch mit leicht altmodischem, etwas ar-
tifiziellem Vokabular. Das klingt manch-
mal etwas überambitioniert, der Flow hol-
pert dann arg. Aber man muss den Wil-
len, hier etwas ganz Eigenständiges zu er-
schaffen, bewundern in einem Klima, das
nicht gerade für derlei HipHop-Entwürfe
geschaffen ist.
Heiko Behr
David Lipp & Die Liebe
Die einsamen Häuser
CD // www.davidlipp.com /
www.tronrecords.com
Nach »In Immer: Love« ist
»Die einsamen Häuser« das
zweite Album des Österrei-
chers David Lipp. Lipp & Die
Liebe, das klingt ja dem Namen nach fast
wie Begemann & Die Befreiung. Was na-
mentlich so hübsch anmutet, macht beim
Anhören der Platte aber Schwierigkeiten.
In den Songs werden Gitarrenpickings und
Computer bzw. Keyboardsounds, die an
Supermario erinnern, mit Boy/Girl-Ge-
sang kombiniert. So weit, so gut. Aller-
dings wirkt das Songwriting vor allem we-
gen der abstrakt-absurden, bedeutungs-
schwangeren Lyrics dermaßen um den
Eindruck von Kunst oder Dekonstruktion
bemüht, dass die Songs darüber einfach
unangenehm werden. Vielleicht ist das ja
in einem Brecht’schen Sinne gewollt, so
nach dem Motto: »Ich mach’s dem Rezi-
pienten nicht zu bequem!« Wer weiß. Oder
Lipp & Die Liebe haben einfach Spaß an
einer Art Musik, die einen die ganze Zeit an
Performance-Kunst denken lässt – hör-
bar ist das jedenfalls auf Langstrecke nur
bedingt. Paula Bongartz
Playfellow
Penumbra
CD // Sweet Home / Poor Dog
Ist Chemnitz das neue Ox-
ford? Wenn man der Band
Playfellow so zuhört, könnte
man glatt meinen, in der
sächsischen Stadt hätten sich vor einigen
Jahren die deutschen Radiohead gegrün-
det. Der erste Höreindruck sagt untrüg-
lich: Thom Yorke. Der zweite Höreindruck
bestätigt das, aber er differenziert ein
wenig: Thom Yorke singt heute in Chem-
nitz empfindsame Indie-Folk-Songs, hat
in früheren Jahren gerne Jane’s Addiction
gehört und steht heimlich auf Element Of
Crime. Bloß kann er deren deutsche Texte
nicht so recht leiden, wegen des gewis-
sen Peinlichkeitsfaktors und weil das zum
verwischten, schwärmerischen Gitarren-
sound von Playfellow einfach zu hart und
direkt kommen würde. Große Emotionen
lassen sich eben am einfachsten in kom-
plett vernuschelten englischen Textzeilen
verpacken. Der sächsische Thom Yorke,
der in echt Toni Niemeier heißt, gibt da-
bei alles, expressiv bis hin zum Kopfstand
seiner Stimme. Die anderen vier Band-
mitglieder halten dazu, in den ganz lei-
sen Momenten ebenso wie bei lärmigen
Ausbrüchen, immer die nötige Spannung
aufrecht. Einmal von den großen Vorbil-
dern freigestrampelt, kann das noch was
Tolles werden.
Arno Raffeiner
The Space Songs
Ballads For The Age Of Science
CD // Sopot / Al!ve
Auswendig lernen mal an-
ders: Das Berliner Trio The
Space Songs hat mit dem
Konzeptalbum »Ballads For
The Age Of Science« einen regelrechten
Coup in Sachen Pädagogen-Pop gelan-
det. Die Idee dahinter ist so simpel wie
schrullig und hat wohl mit regelmäßigen
Flohmarktbesuchen zu tun. Die Musike-
rInnen Künstler Treu, Chloé Leloup und
Miss LaLa Vox haben auf jeden Fall eini-
ge »educational children’s records« aus
den zukunftsvernarrten USA der 1950er
ausgegraben und in ein putziges Easy-
Listening-Mäntelchen gesteckt. Ihre In-
terpretationen von Schulbuchtexten über
ferne Galaxien, das atomkraftgetriebene
Sonnenlicht und sinnlich-physikalische
Phänomene wie Reibungsenergie über-
bieten einander geradezu in abgespacter
Kitschvergötterung. Treu schmeißt seine
schönsten Fieps- und Quietschmaschi-
nen an, und die Stimmen von Leloup und
LaLa Vox tanzen dazu im Paarlauf durch
unendliche glitzernde Weiten zwischen
den Sternennebeln ... Hoppla, ich kome-
tenschweife ab! Muss an der Schwerelo-
sigkeit liegen. Ganz erdig besehen ist das
alles wirklich schön gedacht. Doch leider
gilt es, bei der Haltungsnote Abzüge zu
machen. In der Ausführung ist das ein-
fach nicht glatt und bombastisch und
cheesy genug. Ach, hätten The Space
Songs doch genug Kleingeld oder wahl-
weise Sternenstaub zusammenkratzen
können, um einen James Last als Cap-
tain Kirk für ihre Produktion zu engagie-
ren! Dann würden The Space Songs ver-
mutlich hoch oben am Kitscho-Charts-
Firmament erstrahlen.
Malte Carli
Stars Play Music
Distance Is Necessary
CD // Skycap / Rough Trade
Eine Fotoserie in der Zeit, To-
bias Levin (Kante, Tocotro-
nic) hat produziert und ei-
nige Jahre Erfahrung in ver-
schiedenen Bandprojekten. So ungefähr
lesen sich die Eckdaten des Bandinfos zu
Stars Play Music. Würde unter dem Strich
eine solide deutsche Gitarren-Platte er-
geben, ist in diesem Fall jedoch nicht ganz
so. Deutsch wird nicht gesungen, und es
ist der Gitarren-Pop, der bei den Müns-
teranern groß geschrieben wird. An eini-
gen Stellen zu groß. Songs wie »Waiting
By The Flags« oder »Horizon« wirken im
ersten Hördurchgang zu seicht, zu weich-
gespült. Dagegen stehen Songs wie »Di-
stance« oder »Propeller«. Beides sind
ausgereifte, gut arrangierte Gitarrenpop-
Nummern, die in ihrer nur vordergrün-
digen Einfachheit und Unbeschwertheit
zeitweise an Whitest Boy Alive erinnern.
Die Stimme von Alexandra Romary manö-
vriert das Quintett in eine Ecke mit Mina
oder Contriva, beides Bands, mit denen
Levin bereits gearbeitet hat. Schon befin-
den sich Stars Play Music in guter Gesell-
schaft von Bands mit einem feinen Sinn
für Popmusik. Da sind sie goldrichtig.
Thomas Markus
Supershirt
Du bist super
CD // Kasabi Tunez / Broken Silence
An Superlativen, musika-
lischen Ambitionen und
Selbstbewusstsein man-
gelt es Supershirt auf ih-
rem Album »Du bist super« so gar nicht:
»Hallo Deutschland! Wir sind’s wieder,
lassen was von uns hören und machen
uns noch viel beliebter. Supershirt: mit
Lizenz zum auf die Kacke hauen. Super-
shirt: und nicht mehr hat dieses Land ge-
braucht«, meinen die Herren aus Berlin
und Rostock. Es wird genäselt, als wäre
man gerne Jan Delay, gepluckert, als
möchte man lieber mit der Mediengrup-
pe Telekommander die Regler tauschen,
und unbeschwert über das Ende des Ka-
pitalismus getextet, als hätte ein Wanna-
Be-PeterLicht sein Notizbuch in St. Ober-
holz vergessen. Inhaltlich geht es Super-
shirt um den abendlichen Einkauf an der
»Tanke«, um Punk und was man draus
macht und - ja, richtig - um Konsumkri-
tik: »Kauf weniger ein. Dann brauchst du
weniger Geld. Dann musst du weniger ar-
beiten gehen.« Vor ein paar Jahren hät-
te man ähnlich gewagte Textkonstrukte
wohl eher im Fun-Punk, etwas später viel-
leicht auch im deutschen HipHop veror-
tet. Spätestens seit »Remmidemmi« fin-
den infantile Blödsinns-Lyrics aber immer
öfter auch den Weg auf die Tanzflächen.
Das geht charmant wie bei Deichkind oder
eben so: »Dancen [sic!] ist das, was euch
interessiert – dancen und dancen, bis hier
mal etwas passiert.« Auch schön: »Komm
jetzt nicht mit digital. Uns wird der Döner
kalt.« Hin und wieder fragt man sich, wie
ernst meinen die das jetzt mit dem Mu-
sikmachen? »Du bist super« ist ein bun-
ter Strauß tanzbarer Superquatsch, was
hier eher nicht als Kompliment gemeint
ist. Zwei Argumente gibt’s dann aber doch
für diese Platte: ein herausnehmbarer Mi-
ni-Glowstick im Album-Cover für die New-
Rave-Sause zu Hause und die Erkennt-
nis, dass sich Klopapier (in etwa) auf Do-
senbier reimt.
Christine Franz
Ton
Wir haben die Zeit sie uns zu
nehmen
CD // BonnBoomMusic
Auf dem Cover Landschafts-
aufnahmen mit weiten Feld-
ern und einsamen Gestal-
ten, die modische Denker-
hüte tragen. Auf ihrer Website ein flim-
mernd gefilmtes Video, das die Band auf
der Walz bestreitet – passt ja auch, denn
der Song heißt »Von hier bis in die Welt«.
Und dann dieser gesetzte Albumtitel. Ist
ja gut, man hat’s verstanden: Junge Leu-
te mit Fernweh und Folk in den Adern me-
lancholieren in der Provinz und machen
ein Album. Ganz so einfach ist es dann
aber doch nicht. Denn hinter Ton verbirgt
sich in erster Linie Ex-Wohlstandskinder-
Sänger Tobias Röger, der hier nun ganz
unverblümt und unpeinlich seine persön-
liche Songwritervision umsetzt – die man
ihm in dieser Form nicht unbedingt zuge-
traut hätte. Musikalisch ist das auf Lang-
strecke vielleicht manchmal etwas zu re-
laxt und abgehangen, dafür sind die Texte
durchweg gelungen, in den pathosanfäl-
ligen Songs (»Sommer« oder »Am Ende«)
ebenso wie in den launigen Alltagsbeo-
bachtungen über »Lieder, in denen Ber-
lin vorkommt« oder »Ü-30 Parties«. »Wir
benahmen uns fast erwachsen / Und wir
lachten über Ottifanten. Da geht mein Le-
ben hin / Vom Überraschungsei zu Ü-30
Parties« – tja, so niederschmetternd und
tragikomisch kann die Wahrheit sein.
Daniel Koch

120
Heimspiel empfiehlt
159_Hoertest.indd 120 13.03.2008 0:56:25 Uhr
POP IM KONZERTHAUS
Mit Kinderzimmer Productions – unplugged am 26.04.08.
Alle Infos unter www.pop-abo.de
Präsentiert und unterstützt von
INTRO INTIM UK
Auf welchem Stand wäre die Musikgeschichte ohne das Vereinigte Königreich? Eine Frage, die trotz
der Rückkehr des US-Indies und des Abflauens oder Über-Habens der Britwelle immer noch aktuell
ist. Man muss sich einfach mal vor Augen führen, wie regelmäßig dieses nicht wirklich große Land
weltweit für musikalischen Wirbel sorgt: Beatlemania, Punk, Rave, Britpop, Britrock, New Rave –
you name it. Deshalb setzt die kommende Intim-Offensive auch verstärkt auf Newcomer aus dem
UK. Es ist einfach immer noch so verdammt spannend. Aber warum eigentlich?
122
Intro Intim
Late Of The Pier (Castle Donington)
Samuel Eastgate: »Es sind die Fans.
Hat man sich erst mal in ihr Herz
gespielt, wird eine unheimliche Euphorie
freigesetzt. Sie pushen dich so, dass
man irgendwann denkt, man kann auch
außerhalb der Insel alles erreichen.«
Live beim Intro Intim Unexplored UK
(23.-25.04.)
www.myspace.com/lateofthepier
The Whip (Manchester)
Bruce Carter: »Keine Ahnung, ob es an der Wirkung der britischen Musikpresse liegt
oder ob das Publikum einfach leidenschaftlicher ist. Jedenfalls kann man auf der
Insel schnell in so einen Hype reingeraten, der unheimlich viele Leute mitreißt und
oft für wirklich geile, ausverkaufte, verschwitzte Shows sorgt. Dann braucht man
wahrscheinlich nur noch einen fickrigen A&R dahin schleppen, und die Sache läuft.«
Live beim Intro Intim (16.-19.04.); www.myspace.com/thewhipmanchester
The Ting Tings (Salford)
Katie White: »Die öffentliche Akzeptanz
von Musik und Musikmachen war in
England und speziell in unserem Umfeld
immer schon sehr ausgeprägt. Interes-
santerweise haben uns die Leute immer
ernst genommen, es gab kein: »Wovon
lebt ihr?« Wenn man sich allein über das
Musikmachen definierte, war das Aus-
sage genug. Niemand hat nach deinem
»Beruf« gefragt.«
Live beim Intro Intim Unexplored UK
(23.-25.04.)
www.myspace.com/thetingtings
XX-Teens (London)
Ben Rymer (Manager): »Es
ist ganz einfach. Es gibt viele
Bands. Viele gute Bands.
Heißt im Klartext: große
Konkurrenz – das belebt die
Szene ungemein.«
Live beim Intro Intim
Unexplored UK (23.-25.04.)
www.myspace.com/xxteens
Fuck Buttons (London)
Andrew Hung: »Es gibt so viele Bands bei uns, die völlig verschiedene
Dinge machen. Es ist meiner Meinung nach eher so, dass man raus-
hört, in welcher Stadt eine Band ihren Sound geprägt hat. Aber es
besteht schon ein generelles Interesse an neuer Musik auf der Insel –
und es gibt viele große Radio stationen und Magazine, die das trans-
portieren. Das mag helfen.«
Live: Intro Intim mit Battles (12.-13.05.); myspace.com/fuckbuttons
Foals (Oxford)
Yannis Phillippakis (Vocals): »Hier ist immer alles gleich Hype. Fürch-
terlich. Auch wir werden dermaßen gehypt. Es fühlt sich an, als wären
wir da in die Maschinerie geraten, die wir immer umgehen wollten.«
Live beim Intro Intim Goes Timewarp (04.04. Mannheim, Maimarkth.)
www.myspace.com/foals
159_Weiter.indd 122 13.03.2008 2:18:25 Uhr
Intro Intim
goes Time Warp
Vergessen wir mal die Söhne Mann-
heims. Laith Al-Deen. Xavier Naidoo.
Davon ab ist Mannheim eine verdammt
coole Stadt. Gibt sich wie keine andere
Mühe, die Popmusik nach vorne zu brin-
gen (Stichwort: Popakademie), hat mit
dem Milk!-Club Techno-Geschichte ge-
schrieben und hat vor allem: die Time
Warp. Und mittendrin wieder das Intro In-
tim. Diesmal allerdings nicht mehr in der
Feuerwache, sondern im größeren Mai-
marktclub. Aber dieses Line-up braucht
halt ein wenig mehr Platz. Mit dabei sind
Deichkind, Foals, Stereo Total, Does It Of-
fend You, Yeah? und Hot Chip (DJ-Set).
04.04. Intro Intim goes Time Warp,
Mannheim, Maimarktclub
Alle Infos, Tickets und Termine auf
www.intro.de/intim
Reingehört und vorgefreut auf dEUS »Vantage Point«
»When She Comes Down« ist ein sperriger Opener, nervös funky, melodisch im Refrain, verwirrend
grandios. »Oh Your God« stampft und stottert mit lauten Gitarren und knallenden Drums, während
Barman den Grantler gibt. »Eternal Woman« ist ein Streicher-verziertes Durchatmen. »Favourite
Game« und »Slow« wiederum setzen auf den dunklen Groove, den man als Grundton des Albums aus-
machen könnte. »Is A Robot« und »The Architect« – die mutige Single – fügen sich da gut ein. Die letz-
ten drei Songs sind dann der elegische Abgang, »so melodisch, wie man uns noch nie gehört hat«, sagen dEUS selbst.
Stimmt. Vor allem der Rausschmeißer »Popular Culture« zeigt das. Release ist am 18.04., zuvor sind sie live bei uns:
09.04. Saarbrücken, Roxy » 10.04. Mannheim, Alte Feuerwache » 14.04. Köln, Kulturkirche »
07.05. München, Georg-Elser-Halle
Backstage-Schnack mit
Does It Offend You, Yeah?
Belauscht auf dem Intro Intim Januar in Berlin,
ca. 37 Sekunden nach ihrem Auftritt:
James: Wir waren beschissen.
Morgan: Nein, die Leute waren beschissen.
James: Stimmt. So still. So faul. So verdammt träge.
01.04. München, 59to1 » 02.04. Köln, Stadtgarten
» 03.04. Hamburg, Molotow » 05.04. Berlin, Lido
www.myspace.com/doesitoffendyou
Intro Intim
123
Intro Intim goes Time Warp
mit Deichkind, Foals, Stereo Total, Hot
Chip DJs, Does It Offend You, Yeah?
04.04. Mannheim, Maimarktclub
Intro Intim Blonde Redhead
mit Devastations, Smoosh
08.04. Berlin, Maria am Ostbahnhof
Intro Intim dEUS
09.04. Saarbrücken, Roxy » 10.04.
Mannheim, Alte Feuerwache » 14.04.
Köln, Kulturkirche » 07.05. München,
Georg-Elser-Halle
Intro Intim Does It Offend You, Yeah?
01.04. München, 59to1 » 02.04. Köln,
Stadtgarten » 03.04. Hamburg, Molotow
» 05.04. Berlin, Lido
Intro Intim Calvin Harris
mit Does It Offend You, Yeah?
05.04. Berlin, Lido
Intro Intim The Whip
mit Intro-DJs
16.04. Hamburg, Molotow » 17.04.
Berlin, Magnet Club » 18.04. München,
Atomic Café
Intro Intim Unexplored UK
mit Late Of The Pier, The Ting Tings,
XX-Teens
23.04. Köln, Gebäude 9 » 24.04.
Berlin, Maria am Ostbahnhof » 25.04.
Osnabrück, Kleine Freiheit (Late Of The
Pier, Disco Punx)
Intro Intim Kevin Devine
mit Jenny Owen Youngs
07.05. Nürnberg, Muz-Club » 08.05.
Münster, Amp » 19.05. Frankfurt/
Main, Brotfabrik » 20.05. A-Wien, B 72
» 22.05. L-Luxemburg, D:Qliq » 23.05.
Fulda, Kulturzentrum Kreuz » 24.05.
Leipzig, Moritzbastei » 25.05. Berlin,
Lido » 26.05. Hamburg, Fundbureau
» 27.05. Dresden, Beatpol » 28.05.
Jena, Rosenkeller » 29.05. München,
Feierwerk » 30.05. Köln, Blue Shell
» 31.05. Bremen, Kulturzentrum
Lagerhaus
Intro Intim Battles
mit Fuck Buttons
12.05. Berlin, Maria am Ostbahnhof »
13.05. Köln, Gebäude 9
Intro Intim Kill Your Friends
Lesung mit John Niven und Bernd
Begemann
06.05. Berlin, Roter Salon » 07.05.
München, Substanz » 08.05. Köln,
Museum Ludwig
Intro Intim @ Splash
mit M.I.A., Sick Girls, Birdy Nam Nam, Le
Peuple de L'Herbe u. a.
11.-13.07. Pouch, Halbinsel
BLONDE REDHEAD
Auch wenn man es beim Anblick dieses Fotos nicht glauben mag: Das NY-Trio um Kazu Makino
funktioniert auch bei geschlossenen Augen. Sphärische Gitarrenflächen, elektronische Verzierungen,
entrückter Gesang – ein Kopfkino-Score par excellence. Mit dabei: Devastations und Smoosh.
08.04. Berlin, Maria am Ostbahnhof (einzige Deutschlandshow!)
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Intro empfiehlt
124
Das geht
01
P
Electronic Beats Live Special
Die Konzert-Serie der Electronic Beats
– nicht zu verwechseln mit dem Festi-
val Electronic Beats – gastierte zum
letzten Mal im Jahr 2004 im Bonner
T-Mobile-Forum. Nach diversen euro-
päischen Abstechern nach Wien, Prag,
Budapest oder Bratislava schaut man
am 19. April nun wieder in der Bonner
Homebase vorbei. Diesmal werden Mia.
auf der Bühne den »Zirkus« veranstal-
ten, der schon das gleichnamige Album
auf Platz #2 der Charts brachte. Außer-
dem werden es sich die altgedienten Pi-
oniere des alternativen HipHop, die Ste-
reo MC’s, wohl nicht verkneifen kön-
nen, Songs des in Kürze erscheinenden
neuen Albums zu präsentieren. Dritter
Act im Bunde sind Klee aus der Nach-
barstadt Kölle, die ein neues Album für
Mai in der Pipeline haben.
19.04. Bonn, T-Mobile-Forum
(mit Mia., Stereo MC’s, Klee)
02
P
Blood Red Shoes
»It’s getting boring by the sea«, sang das
Brighton-Duo auf seiner Debüt-EP. Was
dagegen hilft? Die Langeweile rausspie-
len! Nachzuhören auf dem Album »Box Of
Secrets«. Kate Nash liebt es. Wir auch.
26.04. Hamburg, Molotow(Club NME) » 28.04. Köln,
Gebäude 9 » 29.04. Dortmund, FZW» 30.04. München,
Atomic Café » 06.05. Berlin, Maria amOstbahnhof
03
P
Girls In Hawaii
Die Girls In Hawaii betreiben natürlich
Etikettenschwindel, weil sie erstens aus
Belgien stammen und zweitens ein kom-
plettes Jungsding sind. Aber kann man
das ihnen und ihrem Weltflucht-Pop
übel nehmen?
22.04. Heidelberg, Karlstorbahnhof » 23.04.
Hamburg, Uebel & Gefährlich » 25.04. Berlin, Lido
» 26.04. Dresden, Beatpol » 28.04. Wien, Chelsea »
29.04. München, Ampere » 30.04. Leipzig, Nato
04
P
Gus Black
Schwarzer Anzug, Akustikgitarre, um-
werfende Backgroundsängerin – und
dann diese dunkel croonende Stimme:
»Today is not the day ... to fuck with me.«
Geht klar, solange er noch ein paar die-
ser Düster-Folk-Songs raus haut.
19.04. Offenburg, Spitalkeller » 20.04. Zürich,
Hafenkneipe » 21.04. Ulm, Roxy » 23.04. Stuttgart,
Die Röhre » 24.04. München, 59to1 » 25.04.
Wuppertal, Live Club Barmen » 26.04. Münster,
Gleis 22 » 27.04. Hamburg, Logo » 29.04. Dresden,
Beatpol » 30.04. Berlin, Lido » 01.05. Osnabrück,
Kleine Freiheit » 02.05. Halle, Objekt 5 » 03.05. Köln,
Blue Shell
05
P
Helsinki In Berlin
Die spinnen, die Finnen. Denkt man sich
schnell, wenn man sich den musika-
lischen Output des kleinen Landes so
anschaut. Ihr hausgemachter Metal à la
Nightwish erobert gleich die ganze Welt,
ihr Indie ist sogar schräger als der kana-
dische (22-Pistepirkko), Lordi gibt’s nicht
nur auf Platte, sondern auch als Wein-
gummi, und der finnische Electro plu-
ckert, bratzt und beept wie kein anderer
(Op:l Bastards). Im April präsentiert sich
Helsinki all over Berlin – und wir präsen-
tieren die spannendsten Abende.
25.04. Berlin, 103 Club (Op:l Bastards) » 26.04. Berlin,
Magnet Club (22-Pistepirkko, Judge Bone, Anssi) »
29.04. Berlin, Quasimodo (M.A. Numminen, Sväng,
Marko Haavisto, Poutahaukat)
06
P
MIT
Bei ihrer Gründung hatten MIT einen rela-
tiv genauen Plan: kurz auftauchen, kurz
spielen und dann wieder verschwinden.
Das ging zum Glück in die Hose. Nun sind
sie mit ihrem Debüt »Coda« unterwegs.
04.04. Köln, Bogen 2 » 05.04. Darmstadt, 603 qm
» 11.04. Dortmund, Suite 023 » 12.04. Hamburg,
Hafenklang » 18.04. Leipzig, Sweat Club » 19.04.
Berlin, Scala » 24.04. Paderborn, Cube » 25.04.
Heidelberg, Zum Teufel » 26.04. München, Feierwerk
» 23.05. Bayreuth, Glashaus » 24.05. Augsburg,
Schwarzes Schaf
07
P
José Gonzáles
»José Gonzáles heißt Gitarre und Ge-
sang. Nicht mehr und nicht weniger.« So
sagte Gonzáles einst im Interview. Das
ist auch live so – und hat trotzdem we-
nig mit Schnarchnasen-Songwriter-Ge-
klampfe zu tun.
16.04. Alsdorf, Stadthalle » 17.04. Berlin, Admirals-
palast » 18.04. Ludwigshafen, BASF Feierabendhaus
» 20.04. Dachau, St. Jakob » 21.04. Wien, Flex
08
P
Lightspeed Champion
Devonte Hynes, damals mal bei den
Schreihälsen Test Icicles, ist der Light-
speed Champion. Als solcher schreibt
er wunderbare Singer/Songwriter-Tunes
wie z.B. »Fucksucker«, die sich streich-
zart in die Gehörgänge schmeicheln.
01.04. Hamburg, Molotow » 02.04. Berlin, Bang Bang
Club » 03.04. Stuttgart, Schocken
09
P
Morcheeba
Zu dritt war gestern. Die Gebrüder God-
frey arbeiten auf dem neuen Album »Dive
Deep« nun mit spannenden Gastsängern
wie dem Norweger Thomas Dybdahl, der
französischen Sängerin Marta oder dem
Avantgarde-Rapper Cool Calm Pete.
23.04. Zürich, Volkshaus » 24.04. Ludwigshafen,
Das Haus » 05.05. Hamburg, Grünspan » 06.05.
Berlin, Passionskirche » 09.05. Köln, Gloria » 10.05.
Luxemburg, Den Atelier
10
P
Wolke
Das Kölner Duo hat auf»Teil 3« zum drit-
ten Mal Knöpfe gedreht, in die Klavierta-
sten gehauen und poetische Worte kom-
biniert. Nach ihren Pop-Dolmetscher-
Tätigkeiten auf EinsLive zelebrieren sie
endlich wieder das eigene Liedgut.
16.04. Hamburg, Nachtasyl im Thalia » 17.04. Dessau,
Beat Club » 18.04. Berlin, Roter Salon » 19.04.
Münster, Amp » 23.04. Frankfurt/Main, Das Bett »
24.04. Karlsruhe, Kohi » 25.04. Dortmund, Subrosa
» 26.04. Aachen, Raststätte » 03.05. Köln, Tsunami
Club » 10.05. Duisburg, Buschbrand » 24.06. Dresden,
Societätstheater
11
P
Kristofer Aström
Der Schwede macht noch einen zweiten
Tourschlenker zu seinem aktuellen Al-
bum »Rainaway Town«. Im Intro-Maga-
zin erklärte er damals: »Ich habe mich
bewusst in Richtung Pop bewegt, weil
ich so direkt wie möglich sein wollte.«
09.04. Bremen, Römer » 10.04. Bielefeld, Forum
» 11.04. Hannover, Cafe Glocksee » 12.04. Bonn,
Harmonie » 13.04. Karlsruhe, Jubez » 14.04.
Wiesbaden, Schlachthof » 16.04. Heidelberg,
Karlstorbahnhof » 17.04. Freiburg, Mensabar »
19.04. Solothurn, Kofmehl » 21.04. Wien, Chelsea
» 22.04. München, Atomic Café » 23.04. St. Pölten,
Cinema Paradiso » 24.04. Dresden, Beatpol » 25.04.
Marburg, Kfz » 26.04. Magdeburg, Projekt 7 » 27.04.
Berlin, Babylon » 29.04. Hamburg, Knust » 30.04.
Kiel, Weltruf
12
P
The National Bank
In ihrem Heimatland Norwegen sind sie
so eine Art Vorzeigeband: eine Super-
group, zusammengezimmert aus den
Helden der nationalen Indie-Szene von
Jaga Jazzist, BigBang und dann noch
Thomas Dybdahl, ein mit Preisen über-
häuftes Wunderkind.
31.03. Hamburg, Knust » 01.04. München, Atomic
Café » 03.04. Köln, Luxor » 04.04. Berlin, Lido
13
P
The Pigeon Detectives
Die Band aus Leeds hat sich hohe Ziele
gesteckt: Am liebsten wäre sie nicht we-
niger als der offizielle Beatles-Nachfol-
ger. Dabei hat ihr herrlich mitrölkom-
patibler UK-New-Wave-Schrammelpunk
nicht viel mit den Fab Four gemein.
08.04. München, Atomic Café » 09.04. Berlin, Lido
Für alle von uns präsentierten
Touren verlosen wir 3x2 Tickets
Alle Touren, alle
Clubs, alle Locations:
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09
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159_DasGeht.indd 124 13.03.2008 2:38:01 Uhr
Das geht
125
C
heckt das, neue Bands!«
heißt eins der be-
liebtesten Formate in
unserem Heft. Darin
tauchten jüngst auch Foals als kleiner
Tipp für 2008 auf. Nächster Stopp in die-
ser Ausgabe: Titelgeschichte. So schnell
kann’s gehen. Warum die fünf Jungs aus
UK das mehr als verdient haben – hört es
im April Ton für Ton nach, wenn in unserer
Radiosendung der Beweis geführt wird.
Diesmal und überhaupt immer mit
dabei: die Song-Battles des Monats. Der
Song, der beim Voting auf intro.de ge-
winnt, wird in der folgenden Sendung
gespielt. Und hier sind sie:
03.04. Sind wir nicht alle Seefahrer?
Rummelsnuff »Halt durch!«
vs. Tocotronic »Sailorman«
10.04. In Rankings leider weit hinten
18
th
Dye »Song For Helen« vs.
Eleventh Dream Day »Coercion«
17.04. Jetzt hilft nur noch Wein
The Cardigans »I Need Some
Fine Wine And You, You Need
To Be Nicer« vs.
The National »All The Wine«
24.04. Ex-Arab-Strap vs. Ex-Arab-Strap
Malcolm Middleton »Loneliness
Shines« vs. Aidan John Moffat
»Nothing In Common«
Das Intro-Sputnik Magazin: jeden Don-
nerstag und Sonntag 21h bis 22h auf
MDR Sputnik. Unter www.intro.de/sput-
nik auch als Podcast abonnierbar und
via Player im Stream zu hören.
Intro-Sputnik
Magazin
22 Pistepirkko
28.03. Marburg, Kfz
29.03. Münster, Gleis 22
30.03. Stuttgart, Laboratorium
03.04. A-Wien, B72
05.04. Dresden, Puschkin
06.04. Leipzig, Moritzbastei
08.04. Erlangen, E-Werk
09.04. Jena, Rosenkeller
10.04. München, 59to1
11.04. Bielefeld, Forum
12.04. Cottbus, Glad-House
13.04. Hamburg, Knust
Geht weiter!
PEmpfohlenvonIntro:
Kristofer Aström
09.-30.04. Alle Infos siehe S. 124
Bernd Begemann
& Die Befreiung
24.03. A-Wien, Chelsea
25.03. Erfurt, Museumskeller
26.03. Berlin, Frannz
04.04. Hamburg, Knust
Geht weiter!
Belasco
27.03. Viersen, Conny’s Come In
28.03. Bielefeld, Forum
29.03. Hagen, Kultopia
Be Your Own Pet
07.04. Hamburg, Molotow
PEmpfohlenvonIntro:
Gus Black
19.-30.04. Alle Infos siehe S. 124
Blackmail
28.04. Frankfurt / Main,
Batschkapp
29.04. Köln, Luxor
30.04. Bochum, Zeche
Geht weiter!
PEmpfohlenvonIntro:
Blood Red Shoes
26.04. Hamburg, Molotow
(+NME DJs)
28.04. Köln, Gebäude 9
29.04. Dortmund, FZW
30.04. München, Atomic Café
Geht weiter!
Billy Bragg
15.04. Hamburg, Markthalle
PEmpfohlenvonIntro:
Bratze
11.04. Kiel, Weltruf
18.04. Osnabrück, Glanz &Gloria
19.04. Erfurt, Besetztes Haus
20.04. Hamburg, Molotow
24.04. Berlin, ZMF
25.04. Greifswald,
Geographenkeller
26.04. Neubrandenburg, Zebra
Geht weiter!
Ian Brown
15.04. München, Atomic Café
(ausverkauft)
Buback Tonträger
präsentiert
und feiert Jubiläum
mit FreiwilligeSelbstkontrolle,
Adolf Noise
28.03. Berlin, Volksbühne
29.03. Hamburg, Hafenklang
Keith Caputo
30.04. Köln, Underground
Geht weiter!
Chumbawamba
17.04. Hamburg, Lola
Kulturzentrum
PEmpfohlenvonIntro:
Chikinki
24.03. Frankfurt / Main,
Batschkapp
25.03. Konstanz, Kulturladen
26.03. Köln, Underground
27.03. Hamburg,
Uebel &Gefährlich
28.03. Osnabrück,
Kleine Freiheit
Coheed And Cambria
mit Oceansize
07.04. Köln, Live Music Hall
13.04. Berlin, Huxley’s
15.04. München, Georg-Elser-H.
16.04. Stuttgart, LKA-Longhorn
17.04. Hamburg, Markthalle
Coke DJ-Culture!
mit Robert Owens, Theo
Parrish, Omar S, Quarion
11.04. Berlin, Engelbrot
12.04. Hamburg, Click
17.04. München, Die Registratur
18.04. Köln, Triple A
19.04. Erfurt, Joue Joue Club
Das Schöne Leben
(Konzert & Lesung)
mit ChristianeRösinger,
AndreasSpechtl, DJ
Forestopper
28.03. Berlin, Festsaal
Kreuzberg
10.04. Potsdam, Spartacus
11.04. Hamburg, Golden Pudel
12.04. Bremen, Stauerei
14.04. Düsseldorf, Zakk
15.04. Stuttgart, Schocken
17.04. A-Wien, Wuk
18.04. München, Kranhalle
Geht weiter!
PEmpfohlenvonIntro:
Dead Meadow
24.03. A-Wien, Arena
26.03. München, Ampere
27.03. Berlin, Lido
28.03. Hamburg, Molotow
Deichkind
03.04. Krefeld, Kulturfabrik
04.04. Mannheim,
Maimarkthalle
05.04. Marburg, Kfz
17.04. Kassel, Musiktheater
18.04. Heidelberg,
Karlstorbahnhof
19.04. Eisenach, Spitz
24.04. Fulda, Kulturzentr. Kreuz
25.04. Frankfurt / Main, St.
Petersgemeinde
Delbo
02.04. Jena, Rosenkeller
03.04. Bielefeld, Falkendom
04.04. Wiesbaden, Kulturpalast
05.04. Leipzig, Panam
06.04. Hamburg, Prinzenbar
08.04. Braunschweig, Nexus
09.04. Bielefeld, Falkendom
10.04. Magdeburg, Projekt 7
11.04. Rostock, Mau-Club
12.04. Dresden, Scheune
14.04. Köln, Kulturbunker
Mülheim
15.04. Siegen, Vortex
16.04. Frankfurt / Main,
Elfer-Music-Club
18.04. Stuttgart, Keller Klub
20.04. A-Wien, Fluc
21.04. München, Sunny Red
22.04. Hamburg, D-Club
(mit Kettcar)
DeVotchKa
17.04. Berlin, Tacheles
18.04. Köln, Underground
Digitalism
05.04. Mannheim, Maimarkthalle
Geht weiter!
PEmpfohlenvonIntro:
Electronic Beats
Live Special
19.04. Bonn, T-Mobile-Forum
Alle Infos siehe S. 124
Alec Empire
mit TheHellishVortex
01.04. Stuttgart, Die Röhre
02.04. München, Ampere
03.04. Nürnberg, Hirsch
04.04. Köln, Luxor
05.04. HH, Uebel &Gefährlich
08.04. Bochum, Riff
09.04. Münster, Café Sputnik
10.04. Berlin, Festsaal
Kreuzberg
12.04. Bremen, Tower
Geht weiter!
PEmpfohlenvonIntro:
Fancy Footwork
Party Tour
mit Yelle, TrashFashion
26.03. Berlin, 103 Club
27.03. Frankfurt / Main, O25
28.03. Dortmund, FZW
29.03. Köln, Die Werkstatt
Fettes Brot
22.04. Flensb., Deutsches Haus
23.04. Dortmund, Westfalenhalle
24.04. Trier, Europahalle
25.04. Köln, Palladium
27.04. Stuttgart, LKA-Longhorn
29.04. Wiesbaden, Schlachthof
30.04. München, Georg-Elser-H.
Geht weiter!
PEmpfohlenvonIntro:
Flash! (Party)
04.04. Köln, Luxor
Foals
03.04. München, 59to1
04.04. Mannheim,
Maimarkthalle (Intro Intim)
05.04. Köln, Die Werkstatt
06.04. Hamburg, Molotow
07.04. Berlin, Postbahnhof
www.tickets.de
Fotos
28.03. Lüneburg, AStA-Wohnz.
29.03. Neubrandenburg, Zebra
02.04. Berlin, Postbahnhof
03.04. HH, Uebel &Gefährlich
04.04. Köln, Gebäude 9
05.04. Münster, Gleis 22
09.04. Dresden, Beatpol
10.04. Erlangen, E-Werk
11.04. Augsburg, Ostwerk
14.04. A-Wien, Flex
15.04. München, 59to1
17.04. Stuttgart, Schocken
18.04. Frankfurt / Main, Cooky’s
19.04. Hannover, Cafe Glocksee
25.04. Rostock, Mau-Club
26.04. Bremen, Tower
Frank Spilker Gruppe
28.03. Kiel, Weltruf
29.03. Bremen, Kulturzentrum
Lagerhaus
30.03. Hamburg, Golden Pudel
31.03. Hannover, Indiego Glocks.
01.04. Düsseldorf, Zakk
02.04. Köln, Luxor
03.04. Bielefeld, Kamp
04.04. Berlin, Festsaal
Kreuzberg
05.04. Leipzig, Conne Island
09.04. Schorndorf, Manufaktur
10.04. München, Rote Sonne
12.04. Dresden, Groove Station
Niels Frevert
07.04. Köln, Gebäude 9
08.04. Stuttgart, Keller Klub
09.04. Frankfurt / M., Sinkkasten
10.04. Essen, Grend
11.04. Berlin, Roter Salon
12.04. HH, Uebel &Gefährlich
F.S.K.
26.03. München, Rote Sonne
27.03. Frankf. / M., Mousonturm
28.03. Berlin, Volksbühne
29.03. Hamburg, Hafenklang
30.03. Köln, Stadtgarten
01.04. Leipzig, Conne Island
02.04. Stuttgart, Schocken
03.04. Weinheim, Café Central
Get Cape.
Wear Cape. Fly
19.04. Berlin, Lido
20.04. Hamburg, Prinzenbar
21.04. Köln, Blue Shell
23.04. München, 59to1
Get Well Soon
12.04. Heidelberg,
Karlstorbahnhof
15.04. Frankfurt / M., Brotfabrik
17.04. HH, Mandarin Kasino
19.04. Münster, Gleis 22
24.04. Biberach, Kulturh. Abdera
25.04. Konstanz, Kulturladen
PEmpfohlenvonIntro:
Girls In Hawaii
22.-30.04. Alle Infos siehe S. 124
Gogol Bordello
04.04. Berlin, Postbahnhof
06.04. Leipzig, Conne Island
Max Goldt (Lesung)
27.03. Stuttgart, Theaterhaus
28.03. Karlsruhe, Tollhaus
29.03. Heilbronn, Komödienh.
30.03. Mannheim, Alte Feuerw.
05.04. Weinböhla, Zentralgasth.
22.04. Bielefeld, Theater am
Alten Markt
23.04. Köln, Comedia
24.04. Würzburg, Saalb. Luiseng.
Geht weiter!
Gravenhurst
22.04. Nürnberg, K4
23.04. Dresden, Puschkin
24.04. Wiesbaden, Schlachthof
25.04. Weinheim, Café Central
26.04. Hannover, Cafe Glocksee
27.04. Bielefeld, Forum
Adam Green
13.04. Köln, Live Music Hall
21.04. HH, Große Freiheit 36
22.04. Berlin, Huxley’s
23.04. Frankf. / M., Mousonturm
24.04. München, Georg-Elser-H.
PEmpfohlenvonIntro:
Helsinki Week
25.-29.04. Alle Infos siehe S. 124
Home Of The Lame
26.03. Bielefeld, Falkendom
27.03. Frankfurt / M., Das Bett
28.03. Regensburg, Heimat
29.03. Stuttgart, Schocken
31.03. A-Wien, B72
01.04. München, Feierwerk
02.04. Siegen, Vortex
03.04. Köln, Blue Shell
04.04. Hannover, Korn
05.04. Mannheim, Lagerhaus
Hush Puppies
08.04. Ulm, Roxy
09.04. Karlsruhe, Substage
10.04. Berlin, Bang Bang Club
11.04. Bremen, Kulturz. Lagerh.
12.04. Bonn, Harmonie
13.04. Dresden, Beatpol
24.04. Hannover, Musikzentrum
25.04. Lingen, Alter Schlachthof
26.04. Hamburg, Molotow
27.04. Dortmund, FZW
159_DasGeht.indd 125 13.03.2008 2:39:09 Uhr
126
Das geht
ILiKETRAiNS
14.04. Stuttgart, Schocken
15.04. Frankfurt / Main, Brotfabrik
(mit Get Well Soon)
16.04. Münster, Gleis 22
PEmpfohlenvonIntro:
Intro DJ-Team:
Schlank Und Beliebt
Durch Voodoo
29.03. Köln, Pegel
PEmpfohlenvonIntro:
Intro Intim
Alle Infos und Termine siehe S. 123
Isis
22.04. A-Wien, Arena
I Am Kloot
25.03. Berlin, Postbahnhof
Jägermeister Rockliga
Saison 2007/08 Gruppe D
mit TheElectricSoft Parade,
MediengruppeTelekommander,
Zoot Woman
24.03. Essen, Zeche Carl
25.03. München, Backstage
26.03. Stuttgart, Die Röhre
27.03. Leipzig, Werk 2
28.03. Dresden, Beatpol
Johnossi
mit SiblingSense
11.04. Hamburg, Grünspan
12.04. Bremen, Kulturz. Lagerhaus
13.04. Bochum, Zeche
14.04. Köln, Gloria
15.04. Heidelberg, Karlstorbahnh.
16.04. Bielefeld, Kamp
18.04. Erfurt, Stadtgarten
19.04. Freiburg, Jazzhaus
20.04. Dresden, Beatpol
20.04. Stuttgart, LKA-Longhorn
21.04. Frankfurt / Main, Brotfabrik
PEmpfohlenvonIntro:
José González
16.-21.04. Alle Infos siehe S. 124
Kante
08.04. Hamburg, Knust
Karpatenhund
18.04. Chemnitz, Atomino
19.04. Frankfurt / Main, Das Bett
26.04. Lüdenscheid, Alte Druckerei
30.04. Viersen, Conny’s Come In
Kettcar
18.04. Hamburg, Hafenklang
19.04. HH, Uebel &Gefährlich
20.04. Hamburg, Molotow
21.04. Hamburg, Knust
22.04. Hamburg, D-Club
23.04. Hamburg, Fabrik
30.04. Rostock, Mau-Club
Kilians
28.03. Leer, Juz
29.03. Hannover, Béi Chéz Heinz
18.04. Erlangen, E-Werk
19.04. Schwabmünchen, U-Turn
20.04. Leipzig, Moritzbastei
Lichter
mit Monotektoni**, Fotos*
03.04. Hamburg, Grüner Jäger
05.04. Rostock, Jaz**
06.04. Berlin, Bang Bang Club
09.04. Dresden, Beatpol*
10.04. Erlangen, E-Werk*
11.04. Augsburg, Ostwerk*
12.04. Stuttgart, Manufaktur
13.04. Weinheim, Café Central
15.04. München, 59to1*
23.04. Frankfurt / Main, Das Bett
26.04. Bonn, Kult 41
PEmpfohlenvonIntro:
Lightspeed Champion
01.-03.04. Alle Infos siehe S. 124
Madsen
09.04. A-Wien, Arena
11.04. Magdeburg, Factory
12.04. Dresden, Strasse E
14.04. HH, Uebel &Gefährlich
15.04. Bochum, Zeche
16.04. Köln, Live Music Hall
18.04. München, Georg-Elser-H.
19.04. Heidelberg, Halle 02
20.04. Berlin, Postbahnhof
Marah
25.03. Hamburg, Knust
Scott Matthew
12.04. Leipzig, Schaubühne
Lindenfels
13.04. Hamburg, Kampnagel
15.04. Berlin, Babylon
17.04. Dresden, Scheune
Geht weiter!
Meine Mutter Hat Ihren
Pudel Erschossen!
mit RichardVonDer Schulenburg,
Knarf Rellöm, Pascal Fuhlbrügge
19.04. Hannover, Indiego Glocksee
PEmpfohlenvonIntro:
Melt! Klub
26.03. Frankfurt / Main, Cooky’s
(Hadouken)
27.03. Berlin, Maria amOstbahnh.
(Supermayer, Hadouken,
DJ Supermarkt, Jack Tennis)
28.03. Hamburg, Uebel &
Gefährlich (Supermayer,
Hadouken, Shir Khan)
Geht weiter!
Miss Platnum
25.03. Hamburg, Mandarin Kasino
26.03. Bonn, Harmonie
27.03. Ulm, Roxy
PEmpfohlenvonIntro:
MIT
04.-24.05. Alle Infos siehe S. 124
Moonbootica
28.03. Nürnberg, Rakete
29.03. Stuttgart, Romy S.
PEmpfohlenvonIntro:
Morcheeba
23.04.-10.05. Infos siehe S. 124
Oceansize
03.04. Duisburg, Steinbruch
04.04. Osnabrück, Glanz &Gloria
05.04. Dresden, Beatpol
Patrick Watson
26.03. Köln, Gebäude 9
27.03. München, 59to1
29.03. Berlin, Admiralspalast
30.03. Hamburg, Uebel
&Gefährlich
www.tickets.de
Paula
24.04. Bielefeld, Falkendom
25.04. Essen, Grend
26.04. Karlsruhe, Tempel
27.04. Heidelberg,
Karlstorbahnhof
30.04. Osnabrück, Rosenhof
Geht weiter!
PEmpfohlenvonIntro:
Pop-Abo
29.03. Dortmund, Konzerthaus
(Polarkreis 18 unplugged)
26.04. Dortmund, Konzerthaus
(Kinderzimmer Productions)
Portishead
02.04. München, Tonhalle
03.04. Berlin, Columbiahalle
06.04. Köln, Palladium
www.tickets.de
Kristoffer Ragnstam
17.04. Rostock, MS Stubnitz
18.04. Hamburg, Prinzenbar
20.04. Dresden, Beatpol
29.04. Berlin, Admiralspalast
PEmpfohlenvonIntro:
Charlotte Roche
26.03. Wolfsburg, Hallenbad
27.03. Münster, Prinzipalsaal
31.03. Würzburg, Saalbau
Luisengarten
Rocknacht
mit GoodCharlotte, JollyGoods,
TheFutureheads, TheHives,
Velvet Revolver
29.03. Köln, Palladium
Rooney
01.04. Stuttgart, Zapata
02.04. Berlin, Frannz
17.04. Köln, Luxor
Olli Schulz
24.03. Hannover, Musikzentrum
25.03. Magdeburg, Projekt 7
26.03. Rostock, Mau-Club
27.03. Flensburg, Volksbad
29.03. Osnabrück, Glanz &Gloria
31.03. Düsseldorf, Zakk
01.04. Krefeld, Kulturfabrik
02.04. Weinheim, Café Central
03.04. Trier, Tuchfabrik
07.04. Stuttgart, Schocken
08.04. Freiburg, Jazzhaus
09.04. Gießen, MuK
10.04. Koblenz, Circus Maximus
11.04. Heidelberg, Karlstorbahnh.
12.04. Bischofswerda, Eastclub
17.04. Leipzig, Conne Island
18.04. Hannoversch Münden,
Kurbelkasten
19.04. Bad Oeynhausen, Druckerei
20.04. Oldenburg, Amadeus
Sit Down And Sing
mit RosieThomas, Nicolai
Dunger, JoshOttum
14.04. Hamburg, Knust
15.04. Münster, Gleis 22
16.04. Bremen, Moments
17.04. Ludwigshafen, Das Haus
22.04. Frankfurt / Main, Das Bett
24.04. Leipzig, Panam
25.04. Magdeburg, Oli-Lichtspiele
26.04. Berlin, Maschinenhaus
Sternbuschweg
28.03. Leipzig, Noch Besser Leben
29.03. Dresden, Groove Station
31.03. Berlin, Bang Bang Club
01.04. Kiel, Schaubude
03.04. Köln, Tsunami Club
05.04. Duisburg, Buschbrand
10.04. Augsburg, Schwarzes Schaf
12.04. Reichenau, Bütezettel
18.04. Frankfurt / Main, Das Bett
19.04. Paderborn, Cube
26.04. Lüdenscheid, Alte Druckerei
30.04. Viersen, Conny’s Come In
PEmpfohlenvonIntro:
Red Bull Tourbus
20.-27.04. Puppetmastaz
Infos: www.redbulltourbus.com
Ticketmaster/Kartenhaus empfiehlt:
Teitur
mit BrisaRoche*
25.03. Hamburg, Prinzenbar*
26.03. Münster, Gleis 22*
27.03. Heidelberg,
Karlstorbahnhof
28.03. München, Ampere
30.03. Berlin, Roter Salon*
31.03. Bielefeld, Kamp*
01.04. Köln, Luxor*
Tele
mit Wagner Love*
17.04. Regensburg, Suite 15
18.04. Tübingen, Sudhaus
19.04. Bonn, Harmonie
20.04. Dortmund, FZW*
21.04. Hannover, Indiego
Glocksee*
22.04. Frankfurt / Main,
Nachtleben*
23.04. Fulda, Kulturkeller*
24.04. Freiburg, Waldsee*
26.04. Bischofswerda, Eastclub*
These New Puritans
09.04. Berlin, Magnet Club
12.04. München, Babalu
The Aim Of Design Is To
Define Space
28.03. Berlin, Magnet Club
PEmpfohlenvonIntro:
The Boxer Rebellion
27.04. Berlin, Tacheles
28.04. Hamburg, Molotow
29.04. Köln, Underground
30.04. München, 59to1
The Breeders
22.04. Köln, Luxor
23.04. Berlin, Columbia Club
(abgesagt)
The Electric Soft Parade
24.03. Bochum, Zeche
The Futureheads
03.04. Berlin, Postbahnhof
04.04. München, Backstage
05.04. Wiesbaden, Schlachthof
06.04. Hamburg, Markthalle
The Gutter Twins
18.04. Hamburg, Logo
19.04. Berlin, Postbahnhof
The Hidden Cameras
& Der Münchener
Fußballchor
28.04. München, Freiheizhalle
29.04. Köln, Gloria
The Hives
27.03. Saarbrücken,
Mechanische Werkstatt
28.03. Bremen, Pier 2
29.03. Köln, Palladium
02.04. A-Wien, Gasometer
03.04. München, Tonhalle
The Horror The Horror
28.03. Hannover, Faust
29.03. Leipzig, Ilses Erika
30.03. Düsseldorf, Pretty Vacant
31.03. Aachen, Raststätte
01.04. Frankfurt / Main, Das Bett
02.04. Halle, Objekt 5
03.04. Bayreuth, Glashaus
04.04. Berlin, Roter Salon
05.04. Hamburg, Knust
25.04. Erlangen, E-Werk
26.04. Stuttgart, Schocken
The Kills
25.03. Köln, Gebäude 9
02.04. Hamburg, Logo
03.04. Berlin, Maria amOstbahnh.
PEmpfohlenvonIntro:
The Levi’s Electric Disco
mit Shitdisco, MSTRKRFT,
PunksJumpUp
03.04. A-Wien, Fluc
04.04. Offenbach, Hafen 2
05.04. Köln, Gebäude 9
09.04. CH-Zürich, Mascotte
10.04. Berlin, Lido
11.04. München, Die Registratur
12.04. Hamburg, Mandarin Kasino
PEmpfohlenvonIntro:
The National Bank
31.03.-04.04. Infos siehe S. 124
The Notwist
28.04. A-Wien, Radiokulturhaus
PEmpfohlenvonIntro:
The Pigeon Detectives
08.-09.04. Alle Infos siehe S. 124
The Rifles
02.04. Köln, Live Music Hall
03.04. Berlin, Postbahnhof
04.04. München, Backstage
05.04. Wiesbaden, Schlachthof
06.04. Hamburg, Markthalle
The Tellers
25.03. Ludwigshafen, Das Haus
26.03. Marburg, Trauma
27.03. Berlin, Roter Salon
28.03. Düsseldorf, Pretty Vacant
The Whitest Boy Alive
25.03. Jena, Kassablanca Gleis 1
27.03. A-Wien, Fluc
The Wombats
29.03. Köln, Gebäude 9
30.03. Berlin, Lido
31.03. Hamburg, Molotow
06.04. München, Atomic Café
T-Mobile Extreme
Playgrounds -
The Dirt Session
mit Millencolin,
SportfreundeStiller
20.04. Duisburg, Kraftzentrale
(Emscherstr. 71)
Tocotronic
16.04. Münster, Skater’s Palace
17.04. Bochum, Schauspielhaus
19.04. Karlsruhe, Festh. Durlach
20.04. Darmstadt, Centralstation
22.04. Ulm, Roxy
23.04. Jena, Kassablanca Gleis 1
24.04. Braunschweig, Meier M. H.
25.04. Potsdam, Waschhaus
(mit 18th Dye)
Turbonegro
mit Year LongDisaster,
Valient Thorr
25.03. Essen, Weststadthalle
26.03. Stuttgart, LKA-Longhorn
30.03. Leipzig, Werk 2
01.04. Wiesbaden, Schlachthof
02.04. Bremen, Schlachthof
Turbostaat
27.03. Erlangen, E-Werk
28.03. München, Backstage
29.03. Chemnitz, Bunker
05.04. Göttingen, Musa
06.04. Münster, Halle Münsterland
07.04. Dortmund, Westfalenhalle
17.04. Erfurt, Thüringenhalle
18.04. Darmstadt, Oetinger Villa
19.04. Hannover, Korn
Urlaub In Polen
16.04. Nürnberg, Muz-Club
17.04. Dresden, Puschkin
18.04. Göttingen, Lumière
Visions Spring Tour
mit TheRifles, DieMannequin,
TheFutureheads, Trashmonkeys
02.04. Köln, Live Music Hall
03.04. Berlin, Postbahnhof
04.04. München, Backstage
05.04. Wiesbaden, Schlachthof
06.04. Hamburg, Markthalle
We Are Scientists
24.03. Köln, Gloria
25.03. Hamburg, Uebel &Gefährl.
26.03. Dresden, Beatpol
29.03. München, Georg-Elser-H.
30.03. Frankfurt / M., Mousonturm
29.04. Heidelberg, Karlstorbahnh.
Geht weiter!
Wir Sind Helden
26.03. Mannheim, Maimarktclub
27.03. Stuttgart, Liederhalle
28.03. Bochum, Jahrhunderthalle
30.03. Lingen, Emslandhalle
31.03. Bielefeld, Ringlokschuppen
01.04. Oldenburg, Weser-Ems-H.
03.04. Braunschweig, Jolly Joker
04.04. Rostock, Mau-Club
05.04. Kiel, Halle 400
12.04. Potsdam, Waschhaus
(ausverkauft)
13.04. Potsdam, Waschhaus
15.04. Wartenberg, Oval
16.04. Nürnberg, Löwensaal
17.04. Trier, Europahalle
19.04. Augsburg, Kongresshalle
20.04. Göttingen, Stadthalle
Geht weiter!
PEmpfohlenvonIntro:
Wolke
16.04.-24.06. Infos siehe S. 124
Woog Riots
19.04. Offenbach, Rotari
Lizz Wright
02.04. Schorndorf, Manufaktur
04.04. München, Georg-Elser-H.
05.04. Köln, Gloria
07.04. Hamburg, Grünspan
08.04. Berlin, Postbahnhof
www.tickets.de
PEmpfohlenvonIntro:
Zoot Woman
29.03. Hamburg, Uebel &Gefährl.
31.03. Köln, Luxor
01.04. Frankfurt / Main,
Batschkapp
Die kommen,
die Touren:
Xiu Xiu (01.-12.05.)
Navel (01.-07.05.)
Flowin’ Immo (ab 03.05.)
Why? (06.05.-01.06)
Scout Niblett (13.-16.05.)
Amanda Rogers (15.05.-13.06.)
Leipzig (Pop Up (22.-25.05.)
New Amsterdams (22.-23.05.)
Eagle*Seagull (24.05.-01.06.)
Bob Mould (ab Juni)
Tegan And Sara (22.-24.06.)
The Gossip (ab 01.07.)
Video Games Live (20.08.)
Tickets?
Tickets!
www.intro.de/
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FESTIVALSAISON 2008!
Huch! Ist ja schon bald wieder Festivalsaison. Was man auf keinen Fall vergessen sollte: 1. Obama wählen (lassen),
sonst schmollen Rage Against The Machine und spielen ihre Gigs nicht. 2. Kutte waschen, weil wegen Wacken. 3. braune
Chucks kaufen (die »verschwinden« so schön in den Haldern-Kuhfladen). 4. Dosenpfand stürzen (damit man nicht wie-
der überall in diese verf… Scherben rennt). 5. »Druff, druff, druff, drei Tage wach!« Deshalb für’s Melt! besorgen: Kaf-
fee! Kaffee! Kaffee! 6. Immer brav den Teller leer essen (sonst kriegt man wieder den ganzen Sommer den Arsch nass …).
7. Schlamm vom letzten Jahr aus Schlafsack, Unterwäsche und Iso-Matte kämmen. 8. Und natürlich: Immer gut rocken!
vs. junge Hüpfer:
Sputnik Spring Break
Angeblich gibt’s eh zu viele Festivals. Ihr macht trotzdem
ein neues. Seid ihr verrückt?
Markus Ohm: Ein bisschen Wahnsinn wohnt ja wohl jeder
Live-Veranstaltung inne. Aber im Ernst: So absolut neu ist
das Festival nicht. Sputnik Spring Break ist sozusagen die
Weiterentwicklung der Turntable Days, nur eben anders
und woanders. Das Konzept unterscheidet sich auch von
dem der meisten Festivals, da hier der Spaß im Vorder-
grund steht, der sich aus der Mischung von Musik und all
den anderen Angeboten auf dem Platz ergibt. Unter ande-
rem gibt’s ‘nen Dirt Bike Cup, Motocross und unseren be-
rüchtigten Foampit.
Was habt ihr den alten Hasen voraus?
Na, so ganz taufrisch sind wir ja auch nicht mehr. Ich denke
mal, dass gerade der neue Ansatz ein ganzes Stück weit
weg ist vom alten Hasenstall und sich damit beides nicht
wirklich wehtut.
10.-12. Mai, Halbinsel Pouch, 06749 Pouch
Wir Sind Helden, Deichkind, Digitalism, Moonbootica, Klee, Northern Lite,
Klee, Lexy & K Paul, Moguai, Wighnomy Brothers, Karotte, Troy Pierce,
Disco Boys, The Sonic Boom Foundation u. a.; kostenlos;
www.sputnik-springbreak.de
Alte Hasen:
Passauer Pfingst Open Air
Ihr macht jetzt schon seit 1980 mit kleinen Pausen ein
Festival zu Pfingsten. Wird das nicht fürchterlich lang-
weilig?
Kathi Rauecker: Das Passauer Pfingst Open Air gibt’s tat-
sächlich schon seit 1980. Aber 2001 begann die Reani-
mierung auf neuem Platz und mit neuem, jungem Team.
Wir versuchen uns regelmäßig Neues einfallen zu las-
sen, sei es bei der Auswahl der Bands oder bei verrückten
Ideen wie unserem Weltrekordversuch der längsten Polo-
naise der Welt ... So wollen wir die Traditionen eines wun-
derbaren alt(ernativ)en Festivals beibehalten und gleich-
zeitig stetig weiterdenken.
Was habt ihr den jungen Festivalhüpfern voraus?
Wir sind etabliert, wir müssen nicht mit den neuesten
Pseudo-Trends Schritt halten, um als hip zu gelten. Das
entstresst die Atmosphäre ungemein. Bei uns gibt’s ge-
lebten Chill – und das glaubwürdig.
09.-11. Mai, Festplatz, Hauzenberg bei Passau; Madsen, Asian
Dub Foundation, Shantel & Bucovina Club Orkestar, Agnostic Front,
Nosliw, Turbostaat, Attwenger, Ohrbooten, Fotos u. a.; VVK: EUR 35
(3-Tagesticket), EUR 22 (Tagesticket Fr), EUR 25 (jeweils Tagesticket Sa &
So), alle Preise zzgl. EUR 5 Müllpfand; www.pfingstopenair.de
Alle Festivals, alle Acts, alle Infos:
www.festivalguide.de
128
Festivalguide
F
m
Fanperspektive:
Immergut
Susann Kobs (21): »Seit ich 13 bin, geh’
ich zum Immergut. Ohne Scheiß, ich bin
dem Festival verfallen. Die Leute sind so
locker, die Musik ist so anders – so neu.
Ich wohne inzwischen in London und
komme trotzdem.«
30.-31. Mai, Festivalgelände Bürgerseeweg 29,
17235 Neustrelitz; The Notwist, The Weakerthans
Get Well Soon, iLiKETRAiNS, Olafur Arnalds, Slut,
Studio Braun, The Audience u. a.; VVK: 42,- Euro;
AK: 54,-Euro; www.immergutrocken.de
Ihr habt ja wohl
ein Ohr Open!
Open Ohr - der Name hat Programm. Ein
offenes Ohr ist hier nicht nur bei den Mu-
sikbeiträgen gewünscht, es soll auch
lautstark diskutiert werden – diesmal
über »Konsum« und seine Abarten.
09.-12. Mai, Zitadelle in 55131 Mainz
Asian Dub Foundation, Bernadette LaHengst,
Ohrbooten, PinksNotRed, Turbostaat u. a.; VVK:
28,- Euro; AK: 33,- Euro; Tagesticket: 18,- Euro
www.openohr.de
159_Weiter.indd 128 13.03.2008 2:20:03 Uhr
Festivalguide
129
myspace.com/fibheineken
Festivals
im April
Phaenomenale
DieTürenu. a.
22.03.-20.04. Wolfsburg
Time Warp
SvenVäth, RichieHawtin,
Turntablerocker, Alter Ego,
Moonbootica, Digitalism, Ricardo
Villalobos, Tiefschwarz, Laurent
Garnier u. a.
29.03.-05.04. Mannheim
Snowbombing
Madness, ThePigeonDetectives,
DirtyPrettyThings, CalvinHarris,
Foals, Courteeners, Lightspeed
Championu. a.
31.03.-06.04. A-Mayrhofen
WDR Crossroads
Festival
Kristofer Åström&The
Rainaways, TheBellrays, Hush
Puppies, BeastsOf Bourbonu. a.
09.-12.04. Bonn
Mayday
Paul VanDyk, SvenVäth,
Westbam, ChrisLiebing, Dominik
Eulberg, Moonbooticau. a.
30.04. Dortmund
Die kommen,
die Festivals
Orange Blossom Special
GirlsInHawaii, Scout Niblett, The
Audienceu. a.
08.-11.05. Beverungen
Stadtpark Open R
FettesBrot, Ich+Ichu. a.
09.05.-14.09. Hamburg
Wave Gotik Treffen
SamsasTraum, Chamber,
Covenant, LondonAfter Midnight,
Welle:Erdball, Unheiligu. a.
09.-12.05. Leipzig
Pfingst Open Air Werden
Line-uptbc.
12.05. Essen
Leipzig Pop Up
22.-25.05. Leipzig
iXS Dirt Masters
Peter PanSpeedrocku. a.
23.-25.05. Winterberg
Urban Art Forms
DJ Hell, Roni Size, Moonbootica,
2raumwohnung, GrooveArmada,
GusGus, Digitalismu. a.
29.-31.05. A-Wiesen
Primavera Sound
Portishead, PublicEnemyu. a.
29.-31.05. E-Barcelona
Citadel Music Festival
RageAgainst TheMachine,
TheChemical Brothersu. a.
30.05.-31.08. Berlin
Pinkpop
FooFighters, RageAgainst The
Machine, Metallica, TheHives,
CountingCrows, TheVerveu. a.
30.05.-01.06. NL-Landgraaf
Zita-Rock
SubwayToSally, Unheiligu. a.
31.05. Berlin
Rock The Race
Herbert Grönemeyer,
DieFantastischenVier,
2raumwohnungu. a.
06.-08.06. Oschersleben
Rock im Park /
Rock am Ring
Metallica, DieTotenHosen, Bullet
For MyValentine, RageAgainst
TheMachine, BadReligion,
Incubus, TheProdigyu. a.
06.-08.06. Nürnberg / Nürburg
Greenfield
DieÄrzte, NoFX, Beatsteaks,
LinkinParku. a.
13.-15.06. CH-Interlaken
Nova Rock
RageAgainst TheMachine, Die
Ärzte, SexPistols, Incubus,
Beatsteaks, Motörheadu. a.
13.-15.06. A-Nickelsdorf
Open Air St. Gallen
27.-29.06. CH-St. Gallen
Glastonbury
27.-29.06. GB-Pilton
Hurricane / Southside
NoFX, Beatsteaks, Radiohead,
FooFighters, MaximoPark, Billy
Talent, TheChemical Brothers,
Sigur Rósu. a.
20.-22.06. Scheeßel /
NeuhausenobEck
MTV Campus Invasion
SportfreundeStiller, FettesBrot,
Cluesou. a.
28.06. Jena, 12.07. Tübingen,
19.07. Kiel
Rock Werchter
03.-06.07. B-Werchter
Rototom Sunsplash
03.-12.07. I-Osoppo
Roskilde
Radiohead, TheChemical
Brothers, Slayer, Neil Youngu. a.
03.-06.07. DK-Roskilde
With Full Force
MachineHead, InFlames,
AgnosticFront, TheCavalera
Conspiracy, Ministryu. a.
04.-06.07. Löbnitz
Open’er
TheChemical Brothersu. a.
04.-06.07. PL-Gdingen
La Pampa
Polarkreis18, TheFashion,
UrlaubInPolen, GrandIslandu. a.
04.-06.07. Hagenwerder
Summerjam
Shaggy, Clueso, CulchaCandela,
Commonu. a.
04.-06.07. Köln
Rheinkultur
05.07. Bonn
Wacken Rocks Seaside
Motörhead, MachineHead,
Saxon, Torfrocku. a.
05.07. Aurich
Dour
Gogol Bordello, WovenHand,
TheFall, BlitzenTrapper u. a.
17.-20.07. B-Dour
Splash!
Shaggy, DynamiteDeluxe, Culcha
Candela, JanDelayu. a.
11.-13.07. Pouch
Obstwiesen
10.-12.07. Dornstadt
Jazzopen
LennyKravitz, Chicagou. a.
11.-19.07. Stuttgart
Festival Internacional
De Benicàssim
17.-20.07. E-Benicàssim
Gurten
17.-20.07. CH-Wabern
Burg Herzberg Festival
TheWaterboys, Motorpsychou. a.
17.-20.07. Breitenbach
Melt!
Björk, FranzFerdinand, Editors,
RóisínMurphy, KateNash, dEUS,
Zoot Woman, StereoMC’su. a.
18.-20.07. Gräfenhainichen
Nuke
LennyKravitz, TheChemical
Brothers, Gentlemanu. a.
18.-19.07. A-St. Pölten
Summercase
18.-19.07. E-Madrid/Barcelona
Amphi
AndOne, Oomph!, DeineLakaien,
Project Pitchfork, Covenant u. a.
19.-20.07. Köln
Loveparade
19.07. Dortmund
MTV HipHop Open
19.07. Stuttgart
Berlin Festival
25.-26.07. Berlin
Omas Teich
Goose, Turbostaat u. a.
25.-26.07. Großefehn
Wacken Open Air
IronMaiden, Nightwishu. a.
31.07.-02.08. Wacken
Nachtdigital
01.-03.08. Cavertitz
Nature One
01.-03.08. Kastellaun
Prima Leben Und Stereo
01.-02.08. Freising
Sonnenrot
Chikinki, Donotsu. a.
01.-02.08. Gelting
Palaverama
01.-02.08. A-Gmünd
Øya
05.-09.08. N-Oslo
Haldern Pop
TheFlamingLips, TheNational,
Foals, Yeasayer u. a.
07.-09.08. Rees-Haldern
Olgas Rock
08.-09.08. Oberhausen
Taubertal
DieÄrzte, DieFantastischenVier,
TheHives, FettesBrot u. a.
08.-10.08. Rothenburg o. d. Tauber
Open Flair
TheHives, DieFantastischenVier,
FettesBrot, Blackmail u. a.
08.-10.08. Eschwege
SonneMondSterne
Moby, MassiveAttacku. a.
08.-10.08. Saalburg
M’era Luna
VNVNation, Unheiligu. a.
09.-10.08. Hildesheim
Sziget
IronMaiden, R.E.M. u. a.
12.-18.08. H-Budapest
c/o pop
13.-17.08. Köln
FM4 Frequency
R.E.M., DieFantastischen
Vier u. a.
14.-16.08. A-Hof
Summer Breeze
Helloween, Exodusu. a.
14.-16.08. Dinkelsbühl
Afrika Karibik Festival
JanDelay&DiskoNo. 1, Shaggy,
Gentleman, Ohrbootenu. a.
14.-17.08. Aschaffenburg
Pukkelpop
14.-16.08. B-Hasselt
Dockville
15.-17.08. Hamburg
Highfield
DieÄrzte, SportfreundeStiller,
TheHivesu. a.
15.-17.08. Hohenfelden
Populario
15.-16.08. Hoyerswerda
Eupen Arena
DieÄrzteu. a.
17.08. B-Eupen
Chiemsee Reggae
Summer
Shaggy, CulchaCandelau. a.
22.-24.08. Übersee
Mini Rock
22.-23.08. Horb/ Neckar
Deichbrand
Oomph!, DieHappy, Grand
Avenue, EmptyTrash, 4Lyn,
Jennifer Rostock, Kiliansu. a.
22.-24.08. Cuxhaven
Rocco Del Schlacko
Madsen, Deichkindu. a.
22.-23.08. Köllerbach
Rock For Nature
Nena, Scorpions, Wir Sind
Heldenu. a.
22.-24.08. Wolpertshausen
Feuertal Festival
SubwayToSally, Fiddler’sGreen,
Schelmish, Rabenschreyu. a.
23.08. Wuppertal
Open Source
23.08. Düsseldorf
Area 4
DieÄrzteu. a.
29.-31.08. Lüdinghausen
Summer Spirit
29.-31.08. Niedergörsdorf
SWR3 New Pop Festival
18.-20.09. Baden-Baden
Reeperbahn Festival
25.-27.09. Hamburg
Enjoy Jazz
04.10.-15.11. Heidelberg, Mann-
heim, Ludwigshafen
Popkomm Festival
08.-11.10. Berlin
159_Weiter.indd 129 13.03.2008 2:21:19 Uhr
130
All the next
THE NOTWIST, DEATH CAB FOR CUTIE,
SXSW-SPEZIAL, PORTISHEAD, KETTCAR,
JAMIE LIDELL, MGMT, DEUS, COMIC-UP
DATE, WILLIAM GIBSON, NOZE, JAPE
Katz & Goldt
All The Next No. 160 ≥ 21.04.08
159_Musik_Steil.indd 130 13.03.2008 3:08:53 Uhr
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0 1 8 0 5 / 8 6 1 8 0 0 0 ( 1 4 C e n t / M i n u t e a u s d e m d e u t s c h e n F e s t n e t z , M o b i l -
f u n k p r e i s e k ö n n e n a b w e i c h e n ) . B i t t e B e s t e l l n u m m e r a n g e b e n : 5 8 4 9 5 4
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