Übersicht der bipolaren Symbolik

Joannes Richter

Abb. 1: Initialen der Alten Geschichten (14. JH.) Dieses Manuskript dokumentiert eine Kurzübersicht der bipolaren Symbolik, ausgehend von den androgynen Skulpturen, die man in Gagarino und Uighur gefunden hat, bis zu den modernen Symbolen der nationalen Flaggen. Die Kurzfassung enthält die Beziehungen zur PIE-Sprache, zum Namen YHWH, IU-piter, zu den keltische Webverfahren, zum Buch Exodus, Platos Symposium, zum Yin & Yang, zu den keltischen Skulpturen, zu Janus & Janua, zu den mittelalterlichen Bibeln, zu den mittelalterlichen Manuskripten der Genesis, zum Sohar, zur mittelalterlichen Bekleidung der Kaisern und Königen, zum Peers-System und zu den Flaggen. Weitere Details befinden sich in: Der Himmelsgott Dyæus

Am Anfang...
wurde eine winzige Skulptur1 aus Elfenbein eines bereits ausgestorbenen Mammuts mit einer Höhe von 14.8 cm2 in einer Steinzeitsiedlung (datiert auf ein Alter von 21.800 Jahre) bei Gagarino in der Ukraine gefunden. Die männliche und die weibliche Hälfte sind am Kopf verbunden und mit vollem Körper ausgearbeitet. Tarassov ging noch einen Schritt weiter und korrelierte diese Kopf-Verbindungsbeziehung mit der doppelten Beerdigung eines jungen Paars in Sungir, wobei zwei Einzelpersonen mit sich berührenden Schädel in einem Grab beerdigt worden sind. Eine weitere zwei-gesichtige Skulptur mit einem Alter von 18,000 bis 20,000 Jahre wurde in der alten Stadt Uighu gefunden.

Die androgyne Pronomina U, I und UI
Eine von Sprachwissenschaftlern ausgearbeiteten Tabelle3 enthält in Reihenfolge die bedeutendsten Wörter der PIE, der Proto-Indoeuropäischen Sprache, ausgearbeitet von Morris Swadesh (zitiert in einem Buch von C. Renfrew4). Die Reihenfolge der Prioritäten beginnt mit den Pronomina: • • •
1:
2:

I für die erste Person Singular (Ich), U für die zweite Person Singular (Du) und UI für die erste Person Plural (Wir).

Quelle: Institut für die Eiszeitforschung wobei die weibliche Figur 5.2 cm und die männliche Gestalt 9.6 hoch ist 3: von Morris Swadesh und C. Renfrew 1988 4: C. Renfrew 1988, "Archeology and Language, Das Puzzle der of IndoEuropäischen Ursprüngen, Cambridge University Press, New York, 1988.

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Diese Proto-Pronomina sind die Basiselemente für die religiöse, androgyne Symbolik, in dem zum Beispiel der Name Tuisco durch Verkettung der Pronomina "Thou"/"Thu" und "I"/"Ih" entsteht.

Die Mesha-Stele
Die Buchstaben I und V im Namen IHVH bzw. YHVH symbolisieren die männlichen, bzw. weiblichen Antipoden in der 34-zeiligen Mesha-Stele (850 BC). Die Matres Lectionis5 lehren uns, dass wir den Namen YHVH als IU lesen sollten.

Das Buch Exodus
Im Buch Exodus6 erhält Moses sage und schreibe 25 Mal die göttlichen Anweisung, Tücher und Gewänder mit den Farbangaben "Blau, Purpur und Scharlachrot" zu erstellen als Bestandteile des Offenbarungzeltes. Im Buch 2. Chronik7 erhält Salomo zudem dreimal eine ähnliche Anweisung Gottes für die Ausstattung des Tempels in Jerusalem. Die Farbkombinationen Salomo sind jedoch: "Blau, Purpur und Karmesinrot".

Keltische Webverfahren in Hochdorf
Purpur ist auch die Farbe des Mantels, dessen Struktur im Grab des Keltenfürsten Hochdorfs nur unter der Lupe als extrem dicht gewebtem Muster aus roten und blauen Fäden erkennbar ist. Der Keltenfürst wurde in mehreren, abwechselnd roten und blauen Tüchern eingewickelt.
5:

6:
7:

Latein "Mütter zum Lesen" Kap. 25->27 und 35->39 Kap. 2 & 3

3

Das Grab stammt aus der Zeit von etwa 530 vor Christus. Aufgrund der Ähnlichkeit der Farbsymbolik sollten wir vielleicht doch eine gemeinsamen Farbcodierung für Purpur, Rot und Blau annehmen für die frühen Kulturen in Israel und Hochdorf.

Das Fries am Parthenon
Nach Angaben des Britischen Museums in London waren die Friesskulpturen des Parthenons in Athen und vieler altägyptischen Tempeln ursprünglich in den hellen Farben Rot, Weiß und Blau koloriert.

Platos Gastmahl (Symposium)
Der griechische Philosoph Platon veröffentlicht um 380 v.C. ein berühmtes Buch mit dem Namen Symposium (Gastmahl), in dem er die androgyne Menschwerdung erstmalig öffentlich dokumentiert.

Die androgyne Gottheit Zurvan
Eine Silberplatte8 dokumentiert die Geburt des bedeutenden Zoroastrischen Gott Ahura Mazdā und seines Antipoden Ahriman (der Teufel), die aus den Schultern der androgynen Gottheit Zurvan hervorgehen.

Keltische Kunst
Das weibliche Yin und männliche Yang werden bereits um 300 vor Christus in der keltischen Kunst dokumentiert.
8:

Ausgestellt im Cincinatti Art Museum, Ohio, USA

4

Yin & Yang
Gefärbte Yin/Yang-Symbole werden dargestellt in Rot (Sonne / Erde / weiblich) beziehungsweise Blau (Mond / Himmel / männlich). Die Symbole deuten immer auf Antipoden und bilden die Grundlage des Tao.

Keltische zweigesichtige Skulpturen
Der römische Konsul Gaius Sextius Calvinus zerstört 124 v.C. die Tempelanlage für die Skulptur von Roquepertuse. Ein Größenunterschied von 7-10% zwischen beiden Gesichtern deutet auf androgyne Symbolik. Eine weitere zweigesichtige Skulptur wurde in Holzgerlingen9 gefunden.

Jahwe

Abb. 2: Genesis Kopfzeile, NeapolitanischerBibel Bei der Studie der Genesis gehen die Pharisäer10 von einer mannweiblichen, d..h androgynen Adamgestalt aus, indem sie die Bibelstelle Gen. i. 27 als „männlich und weiblich“ anstelle „Mann und Frau“ lesen und dass die Geschlechter erst später durch operativer Auftrennung der Adamgestalt gebildet wurden.
9: 10:

zur Zeit ausgestellt im Landesmuseum in Stuttgart Aus der Jüdischen Enzyklopädie: Adam Kadmon ( Er. 18a, Gen. R. viii.)

5

Die frührömische Religion
Nach Aussagen von Macrobius und Cicero bilden Janus11 und Jana zusammen ein Götterpaar, das als Sonne und Mond verehrt wurde. Aus diesem Grund wurden sie als Hauptgötter betrachtet, und es wurden ihnen Opfergaben vor allen anderen Göttern angeboten. Janus und Janua sind Varianten der Götternamen Dianus und Diana. Beide beziehen sich auf den Wortstamm für „Dies“, das heißt „Tag“, beziehungsweise „Deus“, das heißt „Gott“ (siehe auch „Dyaeus“). In späteren Jahren übernehmen die Römer IU-piter als den ursprünglich androgynen Vater des IU-Prinzips.

Tuisco
Tacitus beschreibt Tuisco oder Tuisto in Germania12. Tuiscos Name weist androgyne Symbolik auf13. Im Kern UI verweist der göttliche Name auf den gleichen androgynen Kern als das IU in IU-piter und IU in Jahwe. In der Germania beschreibt Tacitus Tuisco als eine aus der Erde geborene Gottheit. Julius Cäsar vergleicht Tuisco mit DisPater, dem Vater der Finsternis und Unterwelt14. Die römische Geschichtsschreibung nennt Hermes als den wichtigsten Gott der in Gallien, bzw. Germanien verehrt wird. Diese Identifizierung basiert vielleicht auf die Zweigesichtigkeit der Hermen.

11:

Information aus: (Englischer) Wikipedia-Eintrag (Janus) De origine et situ Germanorum liber 13: Die deutsche Mythologie – von Jacob Grimm (1888) 14: De Bello Gallico – Julius Cäsar, Buch VI, 53 b.C.
12:

6

Der androgyne Adam
Jeremiah ben Eleazar15, ein Gelehrter aus dem zweiten Jahrhundert, dokumentiert, dass Adam zweigesichtig, und zwar mit einem männlichen und mit einem weiblichen Gesicht erschaffen und erst später von Gott aufgetrennt wurde. Rabbi Rashi (1040-1105) dokumentiert in seinem Genesis16: “ … Gott erschuf den Menschen, der sowohl männlich als weiblich war, der dann danach in zwei Personen aufgeteilt wurde“ .

Dekoration in den mittelalterlichen Bibeln
In den mittelalterlichen Bibeln wurden die Kopfzeilen sowie Initialen und andere wichtige Teile des Bibeltextes abwechselnd in roten und blauen Buchstaben geschrieben. Zudem wurden im Mittelalter der Schöpfergott und die Heiligen oft mit roter und blauer oder aber mit Purpur Bekleidung dargestellt17.

Abb 3: Kopfzeile der Korczek-Bibel (Prag- um 1410)

15: 16:

Info der Webseite: Jewish Encyclopedia Kapitel 27 17: Codex 1179, fol. 1v (Genesis)

7

Mittelalterlichen Gewänder für die Fürsten
Ein mittelalterliches Gemälde18 zeigt ein Bildnis des Kaisers Barbarossa19 und seinen Söhnen. Der Kaiser trägt einen blauen Mantel über roter Unterbekleidung. Seine Söhne tragen rote Mäntel über blauer Bekleidung. Kaiser Heinrich wird in der Codex Manesse20 mit nach religiöser Kleidervorschrift mit einem Purpur-roten Obermantel und blauen Untermantel dargestellt. Auch die Umrandung des Bildes wird in den göttlichen Farbcodes Rot und Blau gestaltet21.

Der Sohar
Moses de Leon dokumentiert in 13e Jahrhundert im kabbalistischen Buch Sohar die androgyne Symbolik des heiligen Namens IHVH. Die kabbalistische Literatur beschreibt das hebräische Tetragrammaton IHVH als eine Kombination eines weiblichen Buchstabens (V) und eines männlichen Symbols (das „I“22). Im Sephiroth23 geht von der zentralen Säule Kether eine männliche, rechten Säule und eine weibliche, linken Säule aus. Die männliche Säule mit der Sephira namens Chokhmah wird mit der blauen Farbe und die weibliche Säule mit der Sephira Binah wird mit der roten Farbe assoziiert.
18: 19:

Miniatur aus der Chronik der Welfen Barbarossa regierte von 1155 bis 1190

20:

Cod. Pal. germ. 848, Große Heidelberger Liederhandschrift (Codex Manesse), Zürich, 1305 bis 1340 21: Siehe das komplette Bild: Kaiser Heinrich 22: das kleinste Symbol und Kernbuchstabe Jod 23: Siehe Bild aus Wikipedia-Commons

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Flaggen
Um 1328 schmückten sich die Herren des Haus Valois, d.h. eines französischen Königshauses, aus dem dreizehn Könige von Frankreich stammten, in Blau mit goldenen Fleurs-de-lis in einer roten Umrandung. Seitdem tragen die französische Könige auf Vignetten und Manuskripte ein rotes Gewand unter einem blauen Obergewand, das mit goldenen Fleurs-de-lis geschmückt wird. Diese Kleiderordnung stimmt im übrigen genau überein mit der Farbcodierung für die mittelalterlichen Ikonen. Die symbolische Farben für die Stadt Paris sind seit 1358 traditionell Blau und Rot, als der Pariser Revolutionsführer Etienne Marcel sie gegen den König und Dauphin eingeführt hat. Kommandant Lafayette hat dann 1794 daraus durch Hinzufügen von der Farbe Weiß die französischen Flagge in Blau-Weiß-Rot gestaltet.

Abb. 4: Französische Flagge in Blau-Weiß-Rot (1358) Aus einer analogen Entwicklung seien ggf. auch die Flagge der Niederlanden24, die Union Jack, die US-Flagge und die russische Flagge aus der göttlichen, bzw. biblischen Vorschrift zur Farbkombination der Bücher Exodus bzw. Chroniken entstanden.
24:

Die niederländische Trikolore Orange-Weiß-Blau wird 1572 erstmalig dokumentiert.

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Adlige sind Purpur gefärbten „Peers“
Ursprünglich basierte das englische Wort „peers“ wohl auf die Gleichwertigkeit („pares“) der männlichen und weiblichen Elementen im göttlichen Symbolkern (IU). Auch das niederländische Wort „paars“ (in der Bedeutung der Farbe „Purpur“) wurde ursprünglich für die Definition des Adels benutzt. Zwei Dokumente aus dem Jahr 1672 und 1742 enthalten Verweise auf Substantive „Paars“ sowie „Pers“. Es handelt sich in beiden Fällen um einen Saal, den man „Paars“ oder „Pers“ nennt. Es betrifft wohl den Versammlungssaal für die freien Bürger, der Stadt Leiden, die man in England „Peers“ nennt und im britischen Adel als Sammelbegriff für adlige Personen verwendet wird. In der französischen Sprache lautet die Übersetzung „pairs“. Die niederländisch Farbe „Paars“ ist die Farbe der „Peers“, bzw. der „Pairs“, d.h. des Adels.

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Abb. 5: La Divina Commedia (Dante) (Codex aus dem Vatikan)

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