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Armutsbericht

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Der Armutsbericht der Bundesregierung
Der Armutsbericht der Bundesregierung

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Mit der Sozialhilfe wurde ein mit Rechtsansprüchen ausgestattetes System geschaffen, das vor
Armut und sozialer Ausgrenzung ebenso wie vor den Folgen besonderer Belastungen schützen
soll. Der Gesetzgeber hat dabei die Sozialhilfe immer wieder an die sich ändernden gesell-
schaftlichen Rahmenbedingungen angepasst. So hat die Bundesregierung jüngst aufgrund der
anhaltend hohen Arbeitslosigkeit, die in den letzten Jahren zur wichtigsten Ursache für den
Bezug laufender Hilfe zum Lebensunterhalt wurde, eine grundlegende Reform der deutschen
Arbeitsmarktpolitik und der Sozialhilfe beschlossen. Die steuerfinanzierten bedürftigkeitsab-
hängigen Sozialleistungssysteme Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe für Erwerbsfähige wurden im
SGB II zusammengeführt (s. Teil B, Kap. V). Ab dem 1. Januar 2005 erhalten erwerbsfähige
arbeitsuchende bisherige Sozialhilfe- und Arbeitslosenhilfeempfänger im Alter von 15 bis 64
Jahren Leistungen der neuen Grundsicherung für Arbeitsuchende.

Parallel zur Eingliederung der erwerbsfähigen Sozialhilfeempfänger in das SGB II wurde auch
die Sozialhilfe mit dem Ziel des verstärkten „Förderns und Forderns“ reformiert. Entsprechend
dem bereits eingeleiteten Paradigmenwechsel werden auch behinderte und pflegebedürftige
Menschen stärker als bisher darin unterstützt, ein möglichst selbstständiges und selbstbe-
stimmtes Leben zu führen. Ein wichtiger Beitrag zur Bekämpfung verschämter (Alters-) Armut
wurde schon durch die Einführung der bedarfsorientierten Grundsicherung ab 2003 geleistet (s.
Teil B, Kap. II).

II.2

Umfang, Struktur und Ursachen des Bezugs von Hilfe zum Lebensunterhalt

Die Hilfe zum Lebensunterhalt garantiert Personen und Haushalten, deren Einkommen oder
Vermögen zum Lebensunterhalt nicht ausreicht, die Deckung des lebensnotwendigen Bedarfs
(Bedarfsdeckungsprinzip). Die in diesem Rahmen geleisteten materiellen Mittel beschränken
sich nicht auf das zum physischen Überleben Erforderliche, sondern sichern darüber hinaus
auch Beziehungen zur Umwelt und die Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben (sozio-kultu-
relles Existenzminimum); sie werden durch persönliche Hilfen und den Zugang zu erforderli-
chen Dienstleistungen flankiert.73

73

Der Bedarf an Hilfe zum Lebensunterhalt außerhalb von Einrichtungen setzt sich aus Regelsätzen,
einmaligen Leistungen, evtl. anfallenden Mehrbedarfszuschlägen und Kosten der Unterkunft ein-
schließlich Heizkosten zusammen. Die Festsetzung der Regelsätze wird jährlich zum 1. Juli vorge-
nommen. Die seit dem 1. Juli 2004 in den Ländern jeweils geltenden Regelsätze sowie deren
langfristige Entwicklung sind den Anhangtabellen II.1 bis II.3 zu entnehmen. Mit Inkrafttreten des
neuen Sozialhilferechts (SGB XII) zum 1. Januar 2005 werden die bisherigen „einmaligen
Leistungen“ bis auf wenige Ausnahmen in den Regelsatz mit einbezogen.

- 53 -

Über die gesetzlich geregelten Leistungen hinaus erbringen viele Kommunen noch weitere Zu-
satzleistungen, um die Belastungen der Sozialhilfeempfänger abzumildern und ihnen Teilhabe-
und Verwirklichungschancen zu eröffnen.74

Dies geschieht vor allem in Form von Preisnachläs-
sen und Ermäßigungen. Die angebotenen Zusatzleistungen ermöglichen insbesondere:

• Zugang zur Bildung durch Nutzung von städtischen Bibliotheken, Volkshochschulkursen und
Musikschulen bzw. Ermöglichung des Besuchs städtischer Kindergärten und -horte auch für
Kinder aus Familien mit niedrigen Einkommen,

• Zugang zur Kultur durch verbilligte Theater-, Konzert-, Opern- und Museumskarten,

• Zugang zu Sport und Freizeitaktivitäten durch verbilligte Zoo- und Tierparkbesuche sowie
Besuche von Frei- und Hallenbädern,

• Zugang zu Verkehrsdiensten über Preisnachlässe für die Nutzung des öffentlichen Nahver-

kehrs,

• Zugang zu Medien durch Preisnachlässe auf die vertelefonierten Gebühreneinheiten (Deut-
sche Telekom) und die gebührenfreie Nutzung von Radio und Fernsehen.

Dieses breit gefächerte Zusatzleistungsangebot steht neben den Empfängern laufender Hilfe
zum Lebensunterhalt auch Niedrigeinkommensempfängern, allein Erziehenden, kinderreichen
Familien und Senioren zur Verfügung.

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