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Charaktere russischer Märchen unter heidnischen

Gesichtspunkten

In russischen Märchen gibt es immer wieder kehrende Elemente; die Zahl drei spielt eine
große Rolle: oft gibt es drei wichtige Begegnungen, drei Hindernisse zu überwinden usw.
Ein anderes Element ist die Mystik; kaum ein russisches Märchen kommt ohne Zauber, ohne
sprechende Tiere, Naturgeistern und spirituellen Erfahrungen aus.
Ein weiteres Element sind wieder kehrende Personen, die zwar immer sie selbst, aber doch
jedes mal anders sind.
Ihre Vielschichtigkeit macht sie lebendig und glaubwürdig.

Baba Jaga

Die wohl wichtigste und am häufigsten auftauchende Person ist die Hexe Baba Jaga,
knöcherndes Bein. „Baba“ bedeuted soviel wie „altes Weib“ und „Jaga“ ist vermutlich eine
Kurzform des Namens „Jadwiga“.
Baba Jaga wohnt tief in einem Wald versteckt, in einer Hütte auf Hühnerbeinen (dieses Haus
erinnert stark an samische Lagerhäuser, die auf Stelzen gebaut werden). Ihr Wohnort selbst
hat schon etwas mystisches; man bekommt den Eindruck, er befindet sich zwischen den
Welten, muss ewig reisen, die seltsamsten Wege beschreiten, um dahin zu gelangen.
An der Hütte angekommen, muss man feststellen, dass diese keine Tür hat. Erst nach dem
Aufsagen eines bestimmten Spruches, dreht sich das Häuschen zu einem hin und man erhält
Einlass.
Drinnen erblickt der Mensch meist die Baba Jaga auf ihrem Ofen liegend, eine Spindel und
allerlei hexisches.
Ob die Baba Jaga dem Besucher freundlich gesinnt ist, oder nicht, hängt manchmal scheinbar
von dessen Geisteshaltung ab; ist er entschlossen, seinen steinigen Weg trotz aller Gefahren
und Risiken zu gehen um sein Ziel zu erreichen, hilft die Baba Jaga mit Rat und Tat. Ist er
jemand, der sich bloß von einer Situation in die nächste treiben lässt –egal, wie geschickt er
sich dabei anstellt- setzt die Baba Jaga sofort das Kochwasser auf, um ihn nachher zu
verspeisen.
Dem Unglücksseligen wird aber oft von den Leidtragenden der Baba Jaga geholfen; zu
nennen ist da insbesondere die Hausmaus, die sich schlecht behandelt fühlt und die Besucher
warnt und ihre Aufgaben –die ihnen Baba Jaga auferlegt hat- erledigt, damit sie unbemerkt
fliehen können.
Bemerkt die Baba Jaga das Fehlen ihres Abendessens, setzt sie ihm fuchsteufelswild in ihrem
fliegenden Mörser nach.

In Esoterikkreisen wird heute gemutmaßt, es handle sich bei der Baba Jaga um die heidnische
Muttergöttin, oder zumindest um einen Aspekt von ihr. Nach heidnischer Sicht vertritt die
Muttergöttin drei Aspekte; die Jungfrau, die (blutende) Frau/Mutter und die alte Weise. Baba
Jaga entspricht der letzteren, ihre beiden Schwestern, die ebenfalls Baba Jaga heißen, sollen
nach esoterischer Auffassung die beiden anderen Aspekte vertreten.
Auch, dass sie die Menschen nach ihrer Geisteshaltung „selektiert“, passt zur naturreligiösität;
die Starken überleben, die Schwachen müssen nicht unbedingt alle sterben, aber haben es
doch in mancher Hinsicht schwer.

Märchen mit Baba Jaga sind zB:
Froschkönigin, Baba Jaga, Wilde Schwäne, Filipka , Maria Morewna, Schneeflöckchen

da sie sich naiv der Situation ergibt. scheint sie dem Aspekt der Jungfrau in der Göttin zu spiegeln. wie Menschen in dieser Kälte erfrieren. Auch nach ihrer Flucht –bei der ihr geholfen wurde. das Märchen endet.Väterchen Frost Väterchen Frost könnte wie die Baba Jaga dem vorchristlichen. In einem anderen Märchen bleibt Schneeflöckchen als einzige von ihren Freundinnen eine Gefangene Baba Jagas. ewig Kind zu bleiben. Alles andere stimmt sie traurig. Er kommt mit all seiner Härte. Der Sprung über ein Feuer kommt einer Initiation gleich. mit Schneemassen und Frost. weint sie ihrer Jahreszeit. wie es begann und Schneeflöckchen äußert den selben kindlichen Wunsch wie vor ihrer Reise. dem Winter. Im Laufe der Zeit wurde Väterchen Frost zu einer ähnlichen Figur. heidnischen Glauben entsprungen sein. ihre Saat im Schutze der weißen Schneedecke gedeihen zu lassen.zeigt sich in ihrem Verhalten keine Veränderung. die Geschenke zu den Kindern zu bringen. sie kann nicht loslassen. Dies ist wohl der Christianisierung und Hollywood zu verdanken. Trotzdem bleibt er seinem Weg treu und lässt nicht etwa den Winter zurückziehen. In einer Geschichte ist der Sprung über ein Lagerfeuer. kann aber nicht dabei zusehen. Er bedeckt die Erde nicht. den sie zusammen mit einigen Freundinnen wagt. Aus seinem eisblauen Mantel wurde ein roter. In den Märchen und unter heidnischen Gesichtspunkten. Sie scheint nicht zu reifen. zu überleben. Er begegnet ihnen mit Herzenswärme. ihr Ende. um sie zu erfrieren. Im Gegenteil. hinter her und erfreut sich nur an Dingen. Sie hilft ihm. Allerdings ist Schneeflöckchen aus Schnee erschaffen und dementsprechend starr. die sie an die Vergangenheit erinnern. Schreitet der Jahreskreis voran. . Diesen Schritt hat Schneeflöckchen nicht überstanden. schenkt ihnen warmes anzuziehen und hilft ihnen auf diese Weise. er scheint die Personifikation des Winters zu sein. Entsprechend dieser Haltung lässt er das Land in ewigem Eis versinken. wie der Weihnachtsmann. und zu Jahresbeginn bringt er den Kindern Geschenke. doch hat er im inneren eine Väterliche Wärme. Schneeflöckchen Heute wird Schneeflöckchen vor allem als Helferin des Väterchen Frosts verstanden. sondern um sie vor kalten Winden zu schützen und der (Mutter) Erde in ihrer Schwangerschaft zu ermöglichen. Feuer gilt in der Magie des Heidentums oft transformierend.

drehen sich oft um das Thema Liebe. dass er dies menschlichen Schattenseiten verkörpern sollte. So kann er zwar körperlich verletzt werden. möchte nur gutes. verfügt allerdings auch über Zauberkräfte. in dem an Heirat zu denken ist.Wasilisa …die Weise oder Schöne. seine Seele verweilt außerhalb seiner Körpers. doch töten kann man ihn nur. . die ihm zur Verfügung stehen. Zu seinem Schutz hat er sich etwas besonderes ausgedacht. welches in einer Ente ist. die Selbstaufopferung zu sein. Wasilisa jedoch hat für sich den guten Weg gewählt. Übertragen könnte ich mir vorstellen. die unter einer Eiche auf der Insel Buyan vergraben liegt. Es ist schwierig. in denen Wasilisa vorkommt. schlau. Sie ist brav. hübsch. die er entführt und gefangen hält. Er hat eine Vorliebe für junge Frauen. wenn man seine Seele findet und diese niederstreckt. Sie ist versteckt in einer Nadel. Er wird als hässlich und alt beschrieben und seine Handlungen sind ebenso unsympathisch. Koschej im heidnischen Kontext einzuordnen. Die Kehrseite all ihrer mütterlich-weiblichen Eigenschaften. dient ihrem Mann oder lässt sich retten und denkt auch in der misslichsten Lage scheinbar nicht daran. Sie ist stark in ihrer Persönlichkeit. er nimmt sich. Sie könnte dem zweiten Aspekt der Muttergöttin entsprechen. geduldig und sittsam. Koschej Koschej. Märchen mit ihr als Protagonistin enden nicht selten mit einer Hochzeit. Am ehesten sehe ich in ihm die Aspekte der Seelenlosigkeit und der Gier. scheint die Selbstaufgabe. welche weit draußen im Meer liegt. der in einer eisernen Kiste sitzt. welche sich in einem Ei befindet. Die Seele ist jedoch nicht leicht zu finden. sich mit Hilfe der Magie zu retten. Er nutzt die Magie für seine eigene Zwecke und hat es mit ihrer Hilfe zu beachtlicher Macht und Reichtum geschafft. Sie ist jung. ist der Vater von Wasilisa.der seine Magie für böse Zwecke einsetzt. was er braucht und mit allen Mitteln. der Herrscher über das Böse. weiblich und in einem Alter. Sie ist die Tochter eines sehr mächtigen Zauberers – Koschej. Die Ente wiederum versteckt sich in einem Hasen. wenn dies nicht dem Nutzen anderer dienlich ist. Märchen. der (blutenden Frau). Mir persönlich kommt sie etwas „domestiziert“ vor.