Der Sandmann (1816

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Von E. T. A. Hoffmann geboren am 24. 1 .1776 in Königsberg, gestorben am 25. 6. 1822 in Berlin) *

Nathanael an Lothar Gewiss seid Ihr alle voll Unruhe, dass ich so lange - lange nicht geschrieben. Mutter zürnt wohl, und Klara mag glauben, ich lebe hier in Saus und Braus und vergesse mein holdes Engelsbild, so tief mir in Herz und Sinn eingeprägt, ganz und gar. Dem ist aber nicht so; täglich und stündlich gedenke ich Eurer aller, und in süßen Träumen geht meines holden Klärchens freundliche Gestalt vorüber und lächelt mich mit ihren hellen Augen so anmutig an, wie sie wohl pflegte, wenn ich zu Euch hineintrat. Ach, wie vermochte ich denn Euch zu schreiben in der zerrissenen Stimmung des Geistes, die mir bisher alle Gedanken verstörte! - Etwas Entsetzliches ist in mein Leben getreten! Dunkle Ahnungen eines grässlichen mir drohenden Geschicks breiten sich wie schwarze Wolkenschatten über mich aus, undurchdringlich jedem freundlichen Sonnenstrahl. - Nun soll ich Dir sagen, was mir widerfuhr. Ich muss es, das sehe ich ein, aber nur es denkend, lacht es wie toll aus mir heraus. - Ach, mein herzlieber Lothar, wie fange ich es denn an, Dich nur einigermaßen empfinden zu lassen, dass das, was mir vor einigen Tagen geschah, denn wirklich mein Leben so feindlich zerstören konnte! Wärst Du nur hier, so könntest Du selbst schauen; aber jetzt hältst Du mich gewiss für einen aberwitzigen Geisterseher. Kurz und gut, das Entsetzliche, was mir geschah, dessen tödlichen Eindruck zu vermeiden ich mich vergebens bemühe, besteht in nichts anderem, als dass vor einigen Tagen, nämlich am 30.

Oktober, mittags um 12 Uhr, ein Wetterglashändler in meine Stube trat und mir seine Ware anbot. Ich kaufte nichts und drohte, ihn die Treppe herabzuwerfen, worauf er aber von selbst fortging. Du ahnest, dass nur ganz eigne, tief in mein Leben eingreifende Beziehungen diesem Vorfall Bedeutung geben können, ja, dass wohl die Person jenes unglückseligen Krämers gar feindlich auf mich wirken muss. So ist es in der Tat. Mit aller Kraft fasse ich mich zusammen, um ruhig und geduldig Dir aus meiner frühem Jugendzeit so viel zu erzählen, dass Deinem regen Sinn alles klar und deutlich in leuchtenden Bildern aufgehen wird. Indem ich anfangen will, höre ich Dich lachen und Klara sagen: „Das sind ja rechte Kindereien!“ - Lacht, ich bitte Euch, lacht mich recht herzlich aus! - ich bitt’ Euch sehr! - Aber Gott im Himmel! Die Haare sträuben sich mir, und es ist, als flehe ich Euch an, mich auszulachen, in wahnsinniger Verzweiflung, wie Franz Moor den Daniel. - Nun fort zur Sache! Außer dem Mittagsessen sahen wir, ich und mein Geschwister, tagsüber den Vater wenig. Er mochte mit seinem Dienst viel beschäftigt sein. Nach dem Abendessen, das alter Sitte gemäß schon um sieben Uhr aufgetragen wurde, gingen wir alle, die Mutter mit uns, in des Vaters Arbeitszimmer und setzten uns um einen runden Tisch. Der Vater rauchte Tabak und trank ein großes Glas Bier dazu. Oft erzählte er uns viele wunderbare Geschichten und geriet darüber so in Eifer, dass ihm die Pfeife immer ausging, die ich, ihm brennend Papier hinhaltend, wieder anzünden musste, welches mir denn ein Hauptspaß war. Oft gab er uns aber Bilderbücher in die Hände, saß stumm und starr in seinem Lehnstuhl und blies starke Dampfwolken von sich, dass wir alle wie im Nebel schwammen. An solchen Abenden war die Mutter sehr traurig, und kaum schlug die Uhr neun, so sprach sie: „Nun Kinder! - zu Bette! Zu Bette! Der Sandmann kommt, ich merk’ es schon.“ Wirklich hörte ich dann jedes Mal etwas schweren, langsamen Tritts die Treppe heraufpoltern; das musste der Sandmann sein. Einmal war mir jenes dumpfe Treten und Poltern besonders graulich; ich frug die Mutter, indem sie uns fortführte: „Ei, Mama! Wer ist denn der böse Sandmann, der uns immer von Papa forttreibt? - Wie sieht er denn aus?“ „Es gibt keinen Sandmann, mein liebes Kind“; erwiderte die Mutter, „wenn ich sage, der Sandmann kommt, so will das nur heißen, ihr seid schläfrig und könnt die Augen nicht offen behalten, als hätte man euch Sand hineingestreut.“ - Der Mutter Antwort befriedigte mich nicht, ja in meinem kindischen Gemüt entfaltete sich deutlich der Gedanke, dass die Mutter den Sandmann nur verleugne, damit wir uns vor ihm nicht fürchten sollten, ich hörte ihn ja immer die Treppe heraufkommen. Voll Neugierde, Näheres von diesem Sandmann und seiner Beziehung auf uns Kinder zu erfahren, frug ich endlich die alte Frau, die meine jüngste Schwester wartete, was denn das für ein Mann sei, der Sandmann. „Ei Thanelchen,“ erwiderte diese, „weißt du das noch nicht? Das ist ein böser Mann, der kommt zu den Kindern, wenn sie nicht zu Bett gehen wollen, und wirft ihnen Hände voll Sand in die Augen, dass sie blutig zum Kopf herausspringen, die wirft er dann in den Sack und trägt sie in den Halbmond zur Atzung für seine Kinderchen; die sitzen dort im Nest und haben krumme Schnäbel, wie die Eulen, damit picken sie der unartigen Menschenkindlein Augen auf.“ - Grässlich malte sich nun im Innern mir das Bild des grausamen Sandmanns aus; sowie es abends die Treppe heraufpolterte, zitterte ich vor Angst und Entsetzen. Nichts als den unter Tränen hergestotterten Ruf: „Der Sandmann! Der Sandmann!“ konnte die Mutter aus mir herausbringen. Ich lief darauf in das Schlafzimmer, und wohl die ganze Nacht über quälte mich die fürchterliche Erscheinung des Sandmanns. Schon alt genug war ich geworden, um einzusehen, dass das mit dem Sandmann und seinem Kindernest im Halbmonde, so wie es mir die Wartefrau erzählt hatte, wohl nicht ganz seine Richtigkeit haben könne; indessen blieb mir der Sandmann ein fürchterliches Gespenst, und Grauen - Entsetzen ergriff mich, wenn ich ihn nicht allein die Treppe heraufkommen, sondern auch meines Vaters Stubentür heftig aufreißen und hineintreten hörte. Manchmal blieb er

In meinem Kämmerchen vernahm ich. schnell entfernen. wies mich die Mutter aus der Kinderstube in ein Kämmerchen. seltsam riechender Dampf. er bemerkte mich nicht. Näher . beschloss ich. nicht mehr mochten. als verbreite sich im Hause ein feiner. vorgezogen war. die die gefältelte Halsbinde schloss. durch den Flur ging es. den Vater darum zu befragen hielt mich eine unüberwindliche Scheu zurück. Immer höher mit der Neugierde wuchs der Mut.s. wenn die Mutter vorübergegangen. die Tür springt rasselnd auf! . Coppelius erschien immer in einem altmodisch zugeschnittenen aschgrauen Rocke.leise öffnete ich des Vaters Stubentür. und ein breiter verschlossener Haarbeutel starrte von dem Nacken weg. Der Sandmann steht mitten in der Stube vor meinem Vater. Die Mutter eilte mit dem Geschwister mir vorüber. der helle Schein der Lichter brennt ihm ins Gesicht! . Die Haustür knarrte. Kohle hinzeichnete. dröhnenden Schrittes nach der Treppe. schweren. ich schützte daher große Müdigkeit vor. . der fürchterliche Sandmann ist der alte Advokat Coppelius. aber nichts konnte ich erlauschen. Das hatte . dass der Sandmann kommen werde. Sein Umgang mit dem Vater fing an.w. den fabelhaften Sandmann zu sehen. Hexen. großer. Oft schlich ich schnell aus dem Kämmerchen auf den Korridor. so dass man die silberne Schnalle sah.Der Sandmann. den ich in den seltsamsten. das so schon leicht im kindlichen Gemüt sich einnistet. schnell war ich hinein und hinter der Gardine.Dicht. . dazu keimte mit den Jahren immer mehr die Lust in mir empor. langsamen. gucke ich behutsam hervor. was er damit berührte. unter denen ein Paar grünliche Katzenaugen stechend hervorfunkeln. Däumlingen u.Denke Dir einen großen breitschultrigen Mann mit einem unförmlich dicken Kopf. stumm und starr den Rücken der Türe zugekehrt. die einem gleich neben der Türe stehenden öffnen Schrank. Die kleine Perücke reichte kaum bis über den Kopfwirbel heraus. so dass wir. auf irgendeine Weise des Sandmanns Bekanntschaft zu machen. erdgelbem Gesicht. dann kam er öfter hintereinander.es hustete und scharrte und brummte seltsam draußen. Die ganze Figur war überhaupt widrig und abscheulich. und bald darauf war es mir dann. wie gewöhnlich. Leise . zu hören oder zu lesen. an der Mutter Traurigkeit merkte ich eines Abends. haarichten Fäuste zuwider. dann werden auf den Backen ein paar dunkelrote Flecke sichtbar. Noch immer mussten wir uns. Schränke und Wände mit Kreide. aber vor allem waren uns Kindern seine großen knotichten. aber obenan stand immer der Sandmann. verließ schon vor neun Uhr das Zimmer und verbarg mich dicht neben der Türe in einen Schlupfwinkel. aber dazu schwarze Strümpfe und Schuhe mit kleinen Steinschnallen. worin meines Vaters Kleider hingen. Jahrelang dauerte das. Endlich von unwiderstehlichem Drange getrieben. Der Sandmann hatte mich auf die Bahn des Wunderbaren. dicht vor der Türe ein scharfer Tritt . der manchmal bei uns zu Mittage isst! Aber die grässlichste Gestalt hätte mir nicht tieferes Entsetzen erregen können als eben dieser Coppelius. Das schiefe Maul verzieht sich oft zum hämischen Lachen.Mit Gewalt mich ermannend. wie er bei dem Vater hineintrat. starker über die Oberlippe gezogener Nase.selbst das Geheimnis zu erforschen. nicht bleicher wurde in mir das Bild des grausigen Sandmanns. wenn ich den Platz erreicht hatte. Nichts war mir lieber.immer näher dröhnten die Tritte . buschichten grauen Augenbrauen. im Zimmer des Vaters selbst mich zu verbergen und den Sandmann zu erwarten.lange weg. ebensolcher Weste und gleichen Beinkleidern. Als ich zehn Jahre alt geworden. denn immer war der Sandmann schon zur Türe hinein. und nicht gewöhnen konnte ich mich an den unheimlichen Spuk. Abenteuerlichen gebracht. und ein seltsam zischender Ton fährt durch die zusammengekniffenen Zähne. wenn auf den Schlag neun Uhr sich jener Unbekannte im Hause hören ließ. als schauerliche Geschichten von Kobolden. wo er mir sichtbar werden musste. Er saß. meine Phantasie immer mehr und mehr zu beschäftigen. das auf dem Korridor unfern von meines Vaters Zimmer lag. An des Vaters Schweigen. abscheulichsten Gestalten überall auf Tische.ein heftiger Schlag auf die Klinke. Das Herz bebte mir vor Angst und Erwartung. aber selbst . die Kleblocken standen hoch über den großen roten Ohren.

aber der Sandmann war mir nicht mehr jener Popanz aus dem Ammenmärchen. schnarrender Stimme und warf den Rock ab. Jammer Not . ein jäher Krampf durchzuckte Nerv und Gebein . wo er einschreitet.wie sich nun mein alter Vater zum Feuer herabbückte. wie ich deutlich dachte. . wenn wir unsern Ärger nur leise schluchzend äußern durften. dass das. wir durften.lass sie ihm!“ Coppelius lachte geltend auf und rief: „Mag denn der Junge die Augen behalten und sein Pensum flennen in der Welt. Die Mutter schien ebenso wie wir den widerwärtigen Coppelius zu hassen. dass wir. wenn uns an Feiertagen der Vater ein klein Gläschen süßen Weins eingeschenkt hatte. der wir uns erfreuen sollten. Coppelius trat hinzu.kleine Bestie!“ meckerte er zähnfletschend . der dem Eulennest im Halbmonde Kinderaugen zur Atzung holt. irgendein Stückchen Kuchen oder eine süße Frucht.riss mich auf und warf mich auf den Herd. Da hob mein Vater flehend die Hände empor und rief: „Meister! Meister! Lass meinem Nathanael die Augen .“ Und damit fasste er mich gewaltig. Ein grässlicher krampfhafter Schmerz schien seine sanften ehrlichen Züge zum hässlichen widerwärtigen Teufelsbilde verzogen zu haben. ihr heiteres unbefangenes Wesen umgewandelt in traurigen. die er dann emsig hämmerte. da sah er ganz anders aus. Er durfte nur leise andeuten. die Näscherei. ich erwachte wie aus dem Todesschlaf. dass ja niemand anders als er der Sandmann sein könne. kein Wandschrank. Der Vater betrug sich gegen ihn.zum Werk“. Mir war es.“ So flüsterte Coppelius und griff mit den Fäusten glutrote Körner aus der Flamme. tiefe schwarze Höhlen statt ihrer. Dann fuhr er schnell mit der Faust herüber oder brachte wohl gar das Glas an die blauen Lippen und lachte recht teuflisch. denn sowie er sich zeigte. die uns die gute Mutter heimlich auf den Teller gelegt. dessen Unarten man dulden und das man auf jede Weise bei guter Laune erhalten müsse. Der Vater öffnete die Flügeltür eines Wandschranks. so wie es war! . „Auf! . hart gestraft zu werden. als würden Menschengesichter ringsumher sichtbar. düstern Ernst. die er mir in die Augen streuen wollte. Wo sie die hernahmen. war er zugegen. keinen Laut von uns geben und verwünschten den hässlichen.nein! . und Lieblingsgerichte wurden gekocht und seltene Weine kredenzt. Ebenso machte er es. Ein sanfter warmer Hauch glitt über mein Gesicht. die Mutter hatte sich über mich hingebeugt.ein hässlicher gespenstischer Unhold. nicht mehr genießen mochten vor Ekel und Abscheu. ewiges Verderben bringt. und beide kleideten sich in lange schwarze Kittel. „’s steht doch überall nicht recht! ’s gut. Mein Vater empfing den Coppelius feierlich. „Nein. blieb ich stehen.ich fühlte nichts mehr. „Ist der Sandmann noch da?“ stammelte ich. aber alles um mich her wurde schwarz und finster.scheußliche. unter diesem oder jenem Vorwande zu berühren. sondern vielmehr eine schwarze Höhlung war. der uns recht mit Bedacht und Absicht auch die kleinste Freude verdarb. Da ergriff mich Coppelius. Augen her!“ rief Coppelius mit dumpfer dröhnender Stimme. und eine blaue Flamme knisterte auf dem Herde empor. den Kopf lauschend durch die Gardine hervorgestreckt. Ich war festgezaubert. von wildem Entsetzen gewaltig erfasst. dass die Flamme mein Haar zu sengen begann: „Nun haben wir Augen . bald dort wieder ein.Augen . helle Tränen in den Augen. war ihr Frohsinn.Der Alte hat’s verstanden!“ So zischte und lispelte Coppelius. als sei er ein höheres Wesen. was ich so lange dafür gehalten. rief dieser mit heiserer. Allerlei seltsames Geräte stand umher. dass die Gelenke knackten. der überall. und stürzte aus meinem Versteck heraus auf den Boden. ging es grausig und entsetzlich in meiner Seele auf. und schrob mir die Hände ab und die Füße und setzte sie bald hier. in der ein kleiner Herd stand. feindlichen Mann.ein schön Paar Kinderaugen. aber ohne Augen . Er pflegte uns nur immer die kleinen Bestien zu nennen. aber ich sah. Auf die Gefahr entdeckt und. aber nun wollen wir doch den Mechanismus der Hände und der Füße recht observieren. Dieser schwang die glutrote Zange und holte damit hellblinkende Massen aus dem dicken Qualm. Als ich nun diesen Coppelius sah. „Augen her. Ach Gott! . Er sah dem Coppelius ähnlich.er bemerkt. „Kleine Bestie! . . und nun war es seine Freude. hatte ich übersehen. Der Vater zog still und finster seinen Schlafrock aus. Ich kreischte auf.zeitliches.

es ist Coppelius“. Nathanael. waren seine Gesichtszüge wieder mild und sanft geworden. Der verhasste abscheuliche Coppelius stand vor mir mit funkelnden Augen und lachte mich hämisch an. Die Tränen stürzten der Mutter aus den Augen. „Ist der Sandmann noch da?“ . den ich vielleicht nur sterbend zerreiße. es hieß. verruchter Satan. fort stürzte ich nach des Vaters Zimmer. es rasselte und rauschte bei meiner Türe vorüber.mein liebes Kind. du hast den Vater erschlagen!“ . der Vorfall wurde ruchtbar und kam vor die Obrigkeit. dann wirst Du überzeugt sein.mein Atem stockte! . wiederholte der Vater mit matter. der ist lange. der tut dir keinen Schaden!“ .Das war mein erstes gesundes Wort und das Zeichen meiner Genesung.ich war bei der Lauscherei entdeckt und von Coppelius gemisshandelt worden. Tröstend ging es in meiner Seele auf.schlafe .Nur noch den schrecklichsten Moment meiner Jugendjahre darf ich Dir erzählen. als ein entsetzlicher Schlag geschah. und langsame eisenschwere Schritte dröhnten durch den Hausflur die Treppe herauf. Wenn ich Dir nun sage. „Zum letzten Male kommt er zu mir. Vater!“ rief sie. plötzlich die Haustür in den Angeln knarren. mein herzlieber Freund.Geht . „Das ist Coppelius“.Ich ließ mich fortführen. als es neune schlug. rief mir die Mutter nach. mein herzlieber Lothar! Was soll ich so weitläuftig einzelnes hererzählen. Coppelius ließ sich nicht mehr sehen. für einen piemontesischen Mechanikus aus und nennt sich Giuseppe Coppola. so wirst Du mir es nicht verargen. dass sein Bund mit dem teuflischen Coppelius ihn nicht ins ewige Verderben gestürzt haben könne. die Türe stand offen. die er in seiner Jugend gemacht. der Herr! . er habe die Stadt verlassen. welche den Coppelius zur Verantwortung vorfordern wollte. als wir der alten unveränderten Sitte gemäß abends an dem runden Tische saßen. dass es nicht meiner Augen Blödigkeit ist. wenn mir nun alles farblos erscheint.Vor dem dampfenden Herde auf dem Boden lag mein Vater tot mit schwarz verbranntem. an dem ich mehrere Wochen krank lag. „Ja! . Geh nur. als sei ich in schweren kalten Stein eingepresst . aber Coppelius’ Figur und Gesichtszüge sind zu tief in mein Innerstes eingeprägt. wie ich höre. Ein Jahr mochte vergangen sein.schlafe“.geht zu Bette! Gute Nacht!“ Mir war es.die Mutter ohnmächtig daneben! . sei ruhig. ich trat in meine Kammer. Er gibt sich hier. meiner Rettung. Er war anders gekleidet. erstickenden Dampf quoll mir entgegen. das Dienstmädchen schrie: „Ach. um ihn herum heulten und winselten die Schwestern . Die Explosion hatte die Nachbarn geweckt. Da hörten wir. wie wenn ein Geschütz losgefeuert würde. sondern dass ein dunkles Verhängnis wirklich einen trüben Wolkenschleier über mein Leben gehängt hat. Der war aber spurlos vom Orte verschwunden. „Sei ruhig.So schrie ich auf. „Das ist Coppelius!“ rief ich entsetzt und sprang aus dem Bette. als dass hier ein Irrtum möglich sein sollte. „Aber Vater. „Muss es denn so sein?“ . vergebens trachtete ich sein Bild los zu werden. . Es mochte wohl schon Mitternacht sein. grässlich verzerrtem Gesicht.„Zum letzten Male!“ erwiderte dieser. komme nur!“ . Zudem hat Coppelius nicht einmal seinen Namen geändert. dass jener Wetterglashändler eben der verruchte Coppelius war. . Angst und Schrecken hatten mir ein hitziges Fieber zugezogen. lege dich ins Bette! . ich verspreche es dir. dass ich die feindliche Erscheinung als schweres Unheil bringend deute.Die Mutter ergriff mich beim Arm. mir vergingen die Sinne. wie sie im Leben waren. Der Vater war sehr heiter und erzählte viel Ergötzliches von den Reisen.„Coppelius. sagte meine Mutter erblassend. Da kreischte es auf in schneidendem trostlosen Jammer. geh mit den Kindern! .So sprach die Mutter und küsste und herzte den wiedergewonnenen Liebling. aber von unbeschreiblicher innerer Angst und Unruhe gequält. die Haustüre wurde klirrend zugeworfen. da noch so vieles zu sagen übrig bleibt? Genug! .der Herr!“ . konnte ich kein Auge zutun. als ich unbeweglich stehen blieb: „Komm. Als man zwei Tage darauf meinen Vater in den Sarg legte. lange fort. Was soll ich Dich ermüden. Das ganze Haus erdröhnte. gebrochener Stimme.

wie das zugehen könne. dass ich trotz Deiner seltsamen Ahnung. Kindern vorzüglich gefährlicher Unhold blieb. schon den andern Tag.Ich bin entschlossen. womit die Mutter nicht zufrieden sein konnte. . glaubtest Du auch nicht an den Sandmann. mein herzgeliebter Nathanael. die ich gar nicht zu behalten vermochte. Geradeheraus will ich es Dir nur gestehen. und nannte dabei so viel sonderbar klingende Namen. wie Dein guter alter Vater solch entsetzlichen. als dass beide insgeheim alchimistische Versuche machten. Du wirst sagen: „In dies kalte Gemüt dringt kein Strahl des Geheimnisvollen. Der sagte: „Ei allerdings“ und beschrieb mir nach seiner Art gar weitläuftig und umständlich. Nun wirst Du wohl unwillig werden über Deine Klara. es zu gestehen. mein herzlieber Lothar!“ . Der fatale Wetterglashändler Giuseppe Coppola verfolgte mich auf Schritt und Tritt. dass Du recht lange mir nicht geschrieben hast.Ich las und las! . Sei mir nur nicht böse. Klara an Nathanael Wahr ist es. drohe das Haus den Einsturz. da gewiss viel Geld unnütz verschleudert und obendrein. suchte mich zu beruhigen. wie es will.Ach. mag es denn nun gehen. ein gespenstischer. noch vor schneller Flucht ganz geschwinde einen falschen Kniff in der Fenstergardine glatt streichen würde. es flimmerte mir vor den Augen. nur in Deinem Innern vorging. dass. Coppelius werde Dir etwas Böses antun. Dich niemals wiedersehen. Bruder Lothar. Doch bald. ganz von dem trügerischen Drange nach hoher Weisheit erfüllt. dem ich sein Eigentum zustellte. . hatte sich alles anders in mir gestaltet. Ich konnte kaum atmen. dass Du mich in Sinn und Gedanken trägst. Der Vater hat wohl gewiss durch eigne Unvorsichtigkeit seinen Tod herbeigeführt. Denn meiner gedachtest Du wohl recht lebhaft. aber dennoch glaube ich. Glaubst Du. des Vaters Gemüt. mein Inniggeliebter. ich hätte solch ruhiges. aber dass er Kinder hasste. unbefangenen Sinnes bin wie immer. alles Entsetzliche und Schreckliche. Lebe wohl etc. etc. sonst so ruhigen Schlaf in allerlei wunderlichen Traumgebilden zerstören konnte. sondern den Brief dem Bruder geben sollen. Natürlich verknüpfte sich nun in Deinem kindischen Gemüt der schreckliche Sandmann aus dem Ammenmärchen mit dem alten Coppelius. Aber hast Du mir auch sonst manchmal in kindischer Neckerei vorgeworfen. der Dir. was konnte so Entsetzliches in Dein Leben getreten sein! Trennung von Dir. der Familie abwendig gemacht wurde. wie es immer mit solchen Laboranten der Fall sein soll. die wahre wirkliche Außenwelt aber daran wohl wenig teilhatte. als Du Deinen letzten Brief an Bruder Lothar absenden wolltest und die Aufschrift statt an ihn an mich richtetest. ob wohl bei chemischen Versuchen eine solche augenblicklich tötende Explosion möglich sei. wenn Lothar Dir etwa sagen möchte.Grüße meine liebe holde Klara.Nun hätte ich nicht weiter lesen. so darf ich doch wohl kaum versichern. Widerwärtig genug mag der alte Coppelius gewesen sein. dass ich wie jene Frau. und beinahe schäme ich mich. es mit ihm aufzunehmen und des Vaters Tod zu rächen. dass Deines Briefes Anfang mich tief erschütterte. Das unheimliche Treiben mit Deinem Vater zur Nachtzeit war wohl nichts anders. aber es gelang ihm schlecht. Der Mutter erzähle nichts von dem Erscheinen des grässlichen Unholds . dass er selbst meinen gesunden. ganz heitern. Erst jetzt vernahm ich. weiblich besonnenes Gemüt. und Coppelius ist nicht schuld daran. gewaltsamen Todes starb. wie ich meine. der Gedanke durchfuhr meine Brust wie ein glühender Dolchstich. wovon Du sprichst. dass ich den erfahrnen Nachbar Apotheker gestern frug. das brachte in Euch Kindern wahren Abscheu gegen ihn hervor. das den Menschen oft mit unsichtbaren Armen .Deine Schilderung des widerwärtigen Coppelius ist grässlich. ich schreibe ihr in ruhigerer Gemütsstimmung. Freudig erbrach ich den Brief und wurde den Irrtum erst bei den Worten inne: „Ach.

nachdem ich nicht ohne Mühe das Hauptsächlichste aufgeschrieben. Ganz und gar nicht fürchte ich mich vor ihm und vor seinen garstigen Fäusten. dass Klara neulich den Brief an Dich aus. dass Coppelius und Coppola nur in meinem Innern existieren und Phantome meines Ichs sind.heiter! . oft fremde Gestalten. etc. Sie beruft sich auf Dich. denn nur so glauben wir an sie und räumen ihr den Platz ein. um jenes geheime Werk zu vollbringen. so muss sie in uns sich wie wir selbst gestalten. durch das heitre Leben gestärkten Sinn genug. so. um fremdes feindliches Einwirken als solches stets zu erkennen und den Weg. mein herzgeliebter Nathanael. verderblichen Wege. Gibt es eine dunkle Macht.“ Ach. Sie hat mir einen sehr tiefsinnigen philosophischen Brief geschrieben. woran sie uns dann festpackt und fortzieht auf einem gefahrvollen. Lothars letzte Worte verstehe ich nicht ganz. in deren Innern tödliches Gift verborgen. Sei heiter . dass auch in heitern unbefangenen .Ich finde wohl gar am Ende nicht die rechten Worte. haben wir uns durch uns selbst ihr hingegeben. „dass die dunkle physische Macht. man sollte gar nicht glauben. in unser Inneres hineinzieht.sorglosen Gemütern die Ahnung wohnen könne von einer dunklen Macht. mein herzinnigstgeliebter Nathanael etc.“ . die mir nun. so geht wohl jene unheimliche Macht unter in dem vergeblichen Ringen nach der Gestaltung. und doch ist es mir. uns recht über die Materie von dunklen Mächten und Gewalten ausgesprochen haben. wenn ich sie als solche erkenne. dessen innige Verwandtschaft und dessen tiefe Einwirkung auf unser Gemüt uns in die Hölle wirft oder in den Himmel verzückt. dass wir. ja unser Selbst werden. . sondern weil ich mich so ungeschickt anstelle. den wir sonst nicht betreten haben würden . die so recht feindlich und verräterisch einen Faden in unser Inneres legt. nicht. mit lautem Lachen fortzubannen. Es ist das Phantom unseres eigenen Ichs. er soll mir weder als Advokat eine Näscherei noch als Sandmann die Augen verderben. wahrhaftig. Du liesest ihr wohl logische Kollegia. die augenblicklich zerstäuben. und Du lachst mich aus. ruhigen Schrittes zu verfolgen. ich ahne nur. wie wir in wunderlicher Täuschung glauben. in den uns Neigung und Beruf geschoben. bei Dir zu erscheinen wie Dein Schutzgeist und den hässlichen Coppola. dass der Geist. Irrtum erbrach und las. weil ich was Dummes meine. die feindlich uns in unserm eignen Selbst zu verderben strebt? . Spräche nicht aus jeder Zeile Deines Briefes die tiefste Aufregung Deines Gemüts.umfasst.Du merkst. aus jener Gestalt spricht. so gar verständig. die unser eignes Spiegelbild sein sollte. dass diese fremden Gestalten nichts über Dich vermögen. Ich bitte Dich.Ich habe mir vorgenommen. dessen sie bedarf. es zu sagen. die die Außenwelt uns in den Weg wirft. nur der Glaube an ihre feindliche Gewalt kann sie Dir in der Tat feindlich machen. Ihr habt über mich gesprochen. damit sie alles . dass wir selbst nur den Geist entzünden. etc. ich könnte über den Advokaten Sandmann und den Wetterglashändler Coppelius scherzen. ordentlich tiefsinnig vorkommt. glaubst Du denn nicht. worin sie ausführlich beweiset. Dir im Traum beschwerlich zu fallen. Nathanael an Lothar Sehr unlieb ist es mir. wenn ich einfältig Mädchen mich unterfange.gibt es eine solche Macht. Sei überzeugt. ich und Bruder Lothar. sollte er es sich etwa beikommen lassen. was er meint. so magistermäßig distinguieren könne. freilich durch meine Zerstreutheit veranlasstem. der. sie erschaut nur die bunte Oberfläche der Welt und freut sich wie das kindische Kind über die goldgleißende Frucht. was ich eigentlich von solchem Kampfe im Innern glaube. auf irgendeine Weise anzudeuten. schlage Dir den hässlichen Advokaten Coppelius und den Wetterglasmann Giuseppe Coppola ganz aus dem Sinn. schmerzte mich nicht Dein Zustand recht in innerster Seele. mein herzlieber Nathanael.Aber verzeih’ es mir. Haben wir festen. Ewig. der aus solch hellen holdlächelnden Kindesaugen oft wie ein lieblicher süßer Traum hervorleuchtet. In der Tat.“ fügt Lothar hinzu. „Es ist auch gewiss. als sei alles sehr wahr.

Entsetzliche. günstiger Leser. Da trugen dich die Freunde: „Wie ist Ihnen. der wie jener berühmte Naturforscher Spalanzani heißt und italienischer Abkunft ist. . Neulich steige ich die Treppe herauf und nehme wahr. dass durchaus kein Mensch in ihre Nähe kommen darf. Ich bin froh. neugierig durchzublicken. es war mir so. wie ich es . sprang das Blut durch die Adern und färbte höher deine Wangen. Du und Klara.Lass das bleiben! . die Hände zusammengefaltet. im leeren Raum erfassen. dass die Gestalt.Am Ende hat es eine Bewandtnis mit ihr. Ganz beruhigt bin ich nicht. herrlich gekleidetes Frauenzimmer saß im Zimmer vor einem kleinen Tisch. Geneigtester. die er sonderbarer. Dieser Professor ist ein wunderlicher Kauz. aber wie mich dünkt. als dasjenige ist. Ich höre bei dem erst neuerdings angekommenen Professor der Physik. und die nüchternen Fragen der Freunde schlagen wie eisige Windeshauche hinein in deine innere Glut. feiner Nase. kein ehrlicher. Worte zu finden. gelegt hatte. dass der Wetterglashändler Giuseppe Coppola keinesweges der alte Advokat Coppelius ist. aufgeworfenen Lippen. alles. Haltet Ihr. den Coppelius’ verfluchtes Gesicht auf mich macht. das deine Brust. zu erzählen unternommen. das aus deinem Gemüt hervorgegangen! .Weshalb schreibe ich Dir aber das alles? Besser und ausführlicher hätte ich Dir das mündlich erzählen können. . sehr schlank im reinsten Ebenmaß gewachsenes. was sich mit meinem armen Freunde. dass er fort ist aus der Stadt. wie ich dazu kam. dass ich über vierzehn Tage bei Euch bin. keinem andern Auge sichtbar. wohl jemals etwas erlebt. das daneben gelegen. Aber es war dir. anschauest. Lustige. wie mir Spalanzani sagt. beinahe möchte’ ich sagen. Sinn und Gedanken ganz und gar erfüllte. und das lebendige Gewühl mannigfacher Gestalten riss die Freunde fort. Hattest du aber wie ein kecker Maler erst mit einigen verwegenen Strichen den Umriss deines innern Bildes hingeworfen. das sich zugetragen. Seltsamer und wunderlicher kann nichts erfunden werden. Grauenhafte. Doch jedes Wort. Selbst weiß ich nicht. Hast du. so dass es wie ein elektrischer Schlag alle treffe.und schlechterweise einsperrt. mich immerhin für einen düstern Träumer. die sich (ich muss das gestehen) nach dem fatalen verständigen Briefe meiner bemeistern wollte. als müsstest du nun gleich im ersten Wort alles Wunderbare. so. Weggehaucht wird dann die Verstimmung sein. wiedersehen. um nur anzufangen. Spalanzanis Tochter Olimpia war.Was haben Sie. dass er wirklich Piemonteser ist. wenn Du den Cagliostro. und überhaupt hatten ihre Augen etwas Starres. sich selbst mitten im Bilde. Wisse nämlich. Sie saß der Türe gegenüber.So sieht Spalanzani aus. dass die sonst einer Glastüre dicht vorgezogene Gardine zur Seite einen kleinen Spalt lässt. was Rede vermag. kleinen stechenden Augen. zur siedenden Glut entzündet. etc. Ein kleiner rundlicher Mann. und die Rede zerfloss in dunkle Seufzer. bis sie verlöschen will. Dein Blick war so seltsam. Tausend Grüße etc. als schliefe sie mit offnen Augen. die ich gesehen. sie ist vielleicht blödsinnig oder sonst. und sie sahen. meine Klara. Deshalb schreibe ich auch heute nicht an sie. alles andere daraus verdrängend? Es gärte und kochte in dir. Doch besser als in jeder Beschreibung siehst Du ihn. auf den sie beide Arme. als wolle er Gestalten. Sie schien mich nicht zu bemerken. Coppelius war ein Deutscher.Mich hat. Nachher erfuhr ich. Herrliche. Ein hohes. . wie er von Chodowiecki in irgendeinem Berlinischen Taschenkalender steht. Der kennt den Coppola schon seit vielen Jahren. wie du. schien dir farblos und frostig und tot.fein sichten und sondern lerne. und was ich dir. Kollegia. das Gesicht mit starken Backenknochen. recht zusammengreifen. so trugst du mit leichter Mühe immer glühender und glühender die Farben auf. aber nicht los kann ich den Eindruck werden. und deshalb schlich ich leise fort ins Auditorium. Du suchst und suchst und stotterst und stammelst. Verehrter? . zugetragen. dem jungen Studenten Nathanael. etc. . Mir wurde ganz unheimlich. so dass ich ihr engelschönes Gesicht ganz erblickte.Übrigens ist es wohl gewiss. Ich muss mein süßes liebes Engelsbild. Teurer?“ Und nun wolltest du das innere Gebilde mit allen glühenden Farben und Schatten und Lichtern aussprechen und mühtest dich ab. keine Sehkraft. und überdem hört man es auch seiner Aussprache an.

Nimm. bedeutend .Das hatte ich in der Tat schon aufgeschrieben. dass bald darauf. was gleich anfangs zu wissen nötig.was Spiegel! . ohne das Original zu kennen. der ebenfalls gestorben und sie verwaist nachgelassen.der schönste Anfang jeder Erzählung. um seine Studien in G. der Student Nathanael. Wald. der reichen Landschaft ganzes buntes. denn ohne zu viel zu reden. Seltsame davon erfüllte meine ganze Seele. Spalanzani. . tragen sie etwas so in sich. Nun könnte ich getrost in der Erzählung fortfahren. du weißt ja aber wohl. kindischen Kindes. dass nichts wunderlicher und toller sei als das wirkliche Leben. Dichter und Meister gingen aber weiter und sprachen: „Was See . Klara und Nathanael fassten eine heftige Zuneigung zueinander. und nebenher auch wohl noch die ganze Welt: „Was ist es denn? Erzählen Sie. Vielleicht wirst du. wogegen kein Mensch auf Erden etwas einzuwenden hatte. heitres Leben spiegelt. . fortzusetzen. welches nichts Geringes ist. aber in dem Augenblick steht Klaras Bild so lebendig mir vor Augen. wenigstens ausholend zum Klimax. das so tun will. in das ich nun erzählend immer mehr und mehr Farbe hineinzutragen mich bemühen werde. ja dass es dir ist. die sich von Amts wegen auf Schönheit verstehen. Klara hatte die lebenskräftige Phantasie des heitern unbefangenen. verliebten sich dagegen sämtlich in das wunderbare Magdalenenhaar und faselten überhaupt viel von Battonischem Kolorit. die in unser Innerstes dringen. als der Wetterglashändler Giuseppe Coppola“ . Klara und Lothar. quälte ich mich ab. Mir kam keine Rede in den Sinn. wie in eines matt geschliffnen Spiegels dunklem Widerschein. eigentlich niemand nach der Geschichte des jungen Nathanael gefragt. Wunderliches zu ertragen. das meinten alle. auffassen könne. o mein Leser! gleich geneigt machen musste. als sei es Gesang.“ Es war dem so. Nathanaels Geschichte. der in ihre Nähe kommt. dass da alles wach und rege wird? Singen wir selbst dann nichts wahrhaft Gescheites. manche Gestalt wie ein guter Porträtmaler so aufzufassen. Da ist er nun in seinem letzten Briefe und hört Kollegia bei dem berühmten Professor Physices. o mein Leser! dann glauben. Damit klarer werde. . in dem sich des wolkenlosen Himmels reines Azur. Die Nebler und Schwebler hatten bei ihr böses Spiel. so ist überhaupt nicht viel an uns. unerachtet nur einzelne Töne verworren durcheinander springen. als Nathanaels den Ort verließ. als Nathanaels Vater gestorben. wie ich es vorhin beschrieben. wenn wir uns unterfangen. geneigter Leser.So trieb es mich denn gar gewaltig. Vielleicht gelingt es mir. für den Umriss des Gebildes. Ich beschloss gar nicht anzufangen. Doch lobten die Architekten die reinen Verhältnisse ihres Wuchses. Wut und Entsetzen im wilden Blick. Schultern und Brust beinahe zu keusch geformt. als hättest du die Person recht oft schon mit leibhaftigen Augen gesehen. dass ich zu dem wunderlichen Geschlechte der Autoren gehöre. Liebster!“ . ein tiefes weiblich-zartes Gemüt. als frage jeder.„In der kleinen Provinzialstadt S. ein wirklicher Phantast. verglich aber höchst seltsamer Weise Klaras Augen mit einem See von Ruisdael. ohne dass uns aus ihrem Blick wunderbare himmlische Gesänge und Klänge entgegenstrahlen. rief.Oder gleich medias in res: „‚Scher’ er sich zum Teufel’. ist jenen Briefen noch hinzuzufügen. so wie es immer geschah. einen gar hellen. Kinder eines weitläuftigen Verwandten. Einer von ihnen. ergreifend. von Nathanaels verhängnisvollem Leben zu dir zu sprechen. sie waren daher Verlobte. die Maler fanden Nacken.Für schön konnte Klara keinesweges gelten. anzufangen: „Es war einmal“ .dir. die drei Briefe. und das lesen wir denn auch deutlich in dem um Klaras Lippen schwebenden feinen Lächeln. so zumute wird. von Nathanaels Mutter ins Haus genommen wurden. gestehen muss. Das Wunderbare. denen. welche Freund Lothar mir gütigst mitteilte. die Geschichte ist aber gar nicht spaßhaft. aber ebendeshalb und weil ich dich. und dass dieses der Dichter doch nur.originell. scharf sichtenden Verstand.Können wir denn das Mädchen anschauen. wenn sie mich holdlächelnd anblickte. geneigter Leser.und Blumenflur. lebte“ etwas besser. die nur im mindesten etwas von dem Farbenglanz des innern Bildes abzuspiegeln schien. als ich in dem wilden Blick des Studenten Nathanael etwas Possierliches zu verspüren glaubte. dass du sie ähnlich findest. ihr etwas vorzuquinkelieren. zu nüchtern! . dass ich nicht wegschauen kann.

er kann Entsetzliches wirken wie eine teuflische Macht. stand er bei ihr und las ihr aus allerlei mystischen Büchern vor. da Nathanael gleich in den ersten Tagen in seinem ganzen Wesen durchaus verändert sich zeigte. jetzt waren seine Dichtungen düster. Klara brach aber verdrießlich ab. gefühllos. Er ging so weit. weshalb er nicht abließ mit Versuchen. Nathanael! Du hast recht. alles stehen und liegen lassen und dir. nur dein Glaube ist seine Macht. sondern sei das Einwirken irgendeines außer uns selbst liegenden höheren Prinzips. unverständlich.was überhaupt in Klaras schweigsamer Natur nicht lag. wenn Klara das Frühstück bereiten half. und ihr bekommt alle kein Frühstück!“ . Sein Verdruss über Klaras kaltes prosaisches Gemüt stieg höher. gestaltlos. in Blick und Rede sprach sich dann ihre nicht zu besiegende geistige Schläfrigkeit aus. Nichts war für Klara tötender als das Langweilige. kalten unempfänglichen Gemütern verschließen sich solche tiefe Geheimnisse. als er sich von ihr trennte. Recht hatte aber Nathanael doch. ist er auch und wirkt. wenn ich dich nun das böse Prinzip schelten wollte. prosaisch gescholten. was das Schicksal verhängt habe. was ihn in dem Augenblick erfasst habe. dass Coppelius das böse Prinzip sei. das feindlich auf meinen Kaffee wirkt? . wollte dann hervorrücken mit der ganzen mystischen Lehre von Teufeln und grausen Mächten. doch keiner so sehr als Nathanael. wie Nathanael geglaubt. Coppelius ist ein böses. in Kunst und Wissenschaft nach selbsttätiger Willkür zu schaffen. wie er im letzten Briefe an Lothar es verheißen. die sichtbarlich in das Leben trat. so läuft mir der Kaffee ins Feuer. dass des widerwärtigen Wetterglashändlers Coppola Gestalt recht feindlich in sein Leben getreten sei.Nathanael klappte das Buch heftig zu und rannte voll Unmut fort in sein Zimmer. zu Nathanaels nicht geringem Ärger. dass ich eure verfließende Schattengebilde für wahre Gestalten ansehen soll mit Leben und Regung?“ Klara wurde deshalb von vielen kalt. wenn Nathanael bewies. sich auf Widerlegung einzulassen. wie jeder Mensch. Sonst hatte er eine besondere Stärke in anmutigen. und dass dieser widerwärtige Dämon auf entsetzliche Weise ihr Liebesglück stören werde. indem sie irgend etwas Gleichgültiges dazwischenschob. wie wenig sie davon angesprochen wurde. als er Klara wiedersah. lieber Nathanael. liebten ungemein das gemütvolle. nur dunklen Mächten zum grausamen Spiel diene. ohne sich deutlich bewusst zu sein. Der verständigen Klara war diese mystische Schwärmerei im höchsten Grade zuwider. denn die Begeisterung. kindliche Mädchen. Solange du an ihn glaubst. aber nur dann. der sich in Wissenschaft und Kunst kräftig und heiter bewegte. dachte er weder an den Advokaten Coppelius noch an Klaras verständigen Brief. in der man nur zu schaffen fähig sei. Nur dann. Klara hing an dem Geliebten mit ganzer Seele. in die Augen schauen soll. lebendigen Erzählungen. so dass. er doch wohl fühlte. da wurde Klara sehr ernst und sprach: „Ja. denn in dem Augenblick. als er hinter dem Vorhange lauschte. sie in jene Geheimnisse einzuweihen. die ersten Wolkenschatten zogen durch ihr Leben.Denn wenn ich. Mit welchem Entzücken flog sie in seine Arme. dass Klara die Existenz des Dämons nur in seinem eignen Innern statuiere. die das Leben in klarer Tiefe aufgefasst. doch schien es vergebens. dass Klara bat: „Aber. verständige. ganz erzürnt. und die Klara mit dem innigsten Vergnügen anhörte. Alles. aber andere.“ . Er versank in düstre Träumereien und trieb es bald so seltsam. als er seinem Freunde Lothar schrieb. zu behaupten. die er aufschrieb. immer sprach er davon. Nathanaels Dichtungen waren in der Tat sehr langweilig. wenn du ihn nicht aus Sinn und Gedanken verbannst. dass er Klara eben zu solchen untergeordneten Naturen zähle. jede Verstimmung war verschwunden. Es geschah so. das ganze Leben war ihm Traum und Ahnung geworden. vergeblich lehne man sich dagegen auf.Nathanael. indem du liesest. wie man es niemals von ihm gewohnt gewesen. Alle fühlten das. als er nun. demütig müsse man sich dem fügen. wenn Klara schonend es auch nicht sagte. wenn man glaube. Klara konnte . Der dachte. Am frühen Morgen. komme nicht aus dem eignen Innern. feindliches Prinzip. sich frei wähnend. dass es töricht sei. sagte ihnen der helle Blick und jenes feine ironische Lächeln: „Liebe Freunde! Wie möget ihr mir denn zumuten. wirklich in seiner Vaterstadt ins Zimmer der Mutter eintrat. wie du es willst.

da fasste ihn Grausen und wildes Entsetzen. schluchzte sie laut. Nathanael und Klara. ruhte er nicht. wie blutige Funken sengend und brennend. der mit Klaras Augen ihn freundlich anschaut. ihre Liebe zerstörendes Geschick weissagten. wozu denn Klara entzündet und wozu es denn nun eigentlich führen solle. etwas Langweiliges wie gewöhnlich vermutend und sich darein ergebend. und er schrie auf: „Wessen grauenvolle Stimme ist das?“ Bald schien ihm jedoch das Ganze wieder nur eine sehr gelungene Dichtung. bittre Tränen vergoss die tief verletzte Klara. er warf ihm das unsinnige Betragen gegen die geliebte . Klara. „Ach er hat mich niemals geliebt. jene düstre Ahnung. war er sehr ruhig und besonnen.wirf das tolle . in seiner Phantasie erbleicht. Klara war sehr heiter. als fasst der Gedanke gewaltig in den Feuerkreis hinein.er fasste Klaras Hand und seufzte. verdammter Automat!“ Er rannte fort. sie mit den grauenvollen Bildern zu ängstigen. erscheint der entsetzliche Coppelius und berührt Klaras holde Augen. und ich bin ihr eigen ewiglich.Klara!“ .wahnsinnige Märchen ins Feuer. die so in deiner Brust brannten. wie wir den hässlichen Coppelius vertrieben haben?“ Da fiel dem Nathanael erst ein.Lothar trat in die Laube. wiewohl er nicht deutlich dachte. er liebte seine Schwester mit ganzer Seele. siehst du es wohl. recht lebendig zu kolorieren. Die Gestalt des hässlichen Coppelius war.Endlich hatte er geschlossen. er stöhnte in tiefer Ermattung . und da er sich dem metrischen Zwange unterworfen. wie aufgelöst in trostlosem Jammer: „Ach! . das waren ja nicht meine Augen. Tränen quollen ihm aus den Augen . Es kam ihm endlich ein. langweilige Mystik nicht überwinden. aber es ist der Tod.unsinnige . bis alles rein und wohlklingend sich fügte. die springen in Nathanaels Brust.Klara drückte ihn sanft an ihren Busen und sagte leise.Sie. er feilte und besserte an jeder Zeile. als griffe eine schwarze Faust in ihr Leben und risse irgendeine Freude heraus.Klara . jedes Wort ihrer Anklage fiel wie ein Funke in sein Inneres. als sie schon am Traualtar stehen. ohne es selbst zu bemerken. nicht mit seinen Träumen und Ahnungen geplagt hatte. Coppelius fasst ihn und wirft ihn in einen flammenden Feuerkreis. denn er versteht mich nicht“. dass Coppelius sein Liebesglück stören werde. Während Nathanael dies dichtete. hochrot färbte seine Wangen die innere Glut. Aber so wie immer schwärzer und schwärzer das düstre Gewölk aufstieg. wo er als grauser Schicksalspopanz auftrat. und im schwarzen Abgrund verrauscht dumpf das Getöse. Nathanael blickt in Klaras Augen. so dass der Unmut.Nathanael denkt: „Das ist Klara.ich habe ja meine Augen. das waren ja glühende Tropfen deines eignen Herzbluts . saßen in der Mutter kleinem Garten. düstere. Als er jedoch nun endlich fertig worden und das Gedicht für sich laut las. als müsse Klaras kaltes Gemüt dadurch entzündet werden. die sich wie schwarze. in treuer Liebe verbunden. was vorgefallen. die er habe vorlesen wollen. Klara von sich stoßend: „Du lebloser. und es war ihm. Endlich. Klara musste ihm erzählen. Er lief zu Nathanael. die ein entsetzliches. dass er ja die Dichtung in der Tasche trage. aber sehr langsam und ernst: „Nathanael .mein herzlieber Nathanael! . Auch Nathanael sprach lebhaft und froh von lustigen Dingen wie sonst.ihren Unmut über Nathanaels dunkle. ruhig zu stricken. Er stellte sich und Klara dar. wie Nathanael selbst es sich gestehen musste. in denen er an jener Dichtung schrieb. sieh mich doch nur an!“ .Da ist es. ihn in seinen Dichtungen. weil Nathanael sie seit drei Tagen. als wenn der Orkan grimmig hineinpeitscht in die schäumenden Meereswellen. Es ist ein Tosen. den er wider den träumerischen Nathanael lange im Herzen getragen.“ . und es kostete ihm oft Mühe. zum Gegenstande eines Gedichts zu machen. weißhauptige Riesen empor bäumen in wütendem Kampfe. sich entzündete zum wilden Zorn. Er zog auch sogleich die Blätter hervor und fing an zu lesen. aber dann und wann war es. dass er stehen bleibt. und so entfernten beide im Innern sich immer mehr voneinander. der sich dreht mit der Schnelligkeit des Sturmes und ihn sausend und brausend fortreißt. Den riss seine Dichtung unaufhaltsam fort. Aber durch dies wilde Tosen hört er Klaras Stimme: „Kannst du mich denn nicht erschauen? Coppelius hat dich getäuscht. fing an. so dass Klara sagte: „Nun erst habe ich dich ganz wieder. . die ihnen aufgegangen.“ Da sprang Nathanael entrüstet auf und rief. ließ sie den Strickstrumpf sinken und blickte starr dem Nathanael ins Auge. .

denn wie soll ich denn länger leben auf der Welt. wie Nathanael. ja als habe er. wiewohl die Züge des Gesichts undeutlich und verworren blieben. Der Zweikampf war unvermeidlich. welches Nathanael nun sogleich bezog. dann aber auf immer nach seiner Vaterstadt zurückzukehren gedachte. gerettet. unter tausend Tränen umarmten sich die drei versöhnten Menschen und schwuren. was geschehen sollte. denn man wusste. dass er aus seinem Fenster gerade hinein in das Zimmer blickte. ohne irgendeine Beschäftigung an einem kleinen Tische saß und dass sie offenbar unverwandten Blickes nach ihm herüberschaute. so dass er ihre Figur deutlich erkennen konnte. hatten Lothar und Nathanael soeben düster schweigend die Röcke abgeworfen.Lothar wurde gerührt von des Freundes tiefem Schmerz. Das Mordgewehr entfiel seiner Hand. und nur zuweilen sah er flüchtig über sein Kompendium herüber nach der schönen Bildsäule. Sie beschlossen. wahnsinniger Geck wurde mit einem miserablen. und ebenso wenig schien es ihm etwas Besonderes. Ein phantastischer. dass das ganze Haus niedergebrannt war. ehe ihr euch anfällt. die ihn zu Boden gedrückt. dass sie nicht ohne Entsetzen an ihn denken konnte. indessen. Nathanael fühlte sich im Innersten erbeben. dass Olimpia oft stundenlang in derselben Stellung.Eben schrieb er an Klara. meine herzgeliebte Klara! . aber in Nathanaels Innern ging in herzzerreißender Wehmut alle Liebe wieder auf. verschwiegen worden. Klara hatte den heftigen Streit gehört und gesehen. nahm sich mit aller Gewalt zusammen und sprach so sanft und gelassen. Unerachtet das Feuer in dem Laboratorium des Apothekers. „Kannst du mir denn jemals verzeihen. Widerstand leistend der finstern Macht. ausgebrochen war. mein herzlieber Bruder Lothar!“ . Der Mutter war alles. er stürzte zu Klaras Füßen. Sie ahnte. dem Vernichtung drohte. Dem Nathanael war es zumute.Stoßt mich nur gleich nieder. als er bemerkte. als sei eine schwere Last. rüstigen Freunden gelungen. wo er noch ein Jahr zu bleiben. wollten sie gegeneinander ausfallen. blieb ihm die steife.Schwester in harten Worten vor. starre Olimpia höchst gleichgültig. Nicht sonderlich achtete er darauf. wenn der Geliebte den Bruder. dass er nie einen schöneren Wuchs gesehen.. schämte er sich aber selbst seiner kindischen Gespensterfurcht. dann kehrte er zurück nach G. blutdürstige Kampflust im brennenden Auge. sich am folgenden Morgen hinter dem Garten nach dortiger akademischer Sitte mit scharfgeschliffenen Stoßrapieren zu schlagen. nicht voneinander zu lassen in steter Liebe und Treue. wo oft Olimpia einsam saß. eingedenk dessen. gemeinen Alltagsmenschen erwidert. Instrumente zu retten. Manuskripte. Schluchzend rief sie laut: „Ihr wilden entsetzlichen Menschen! . so dass aus dem Schutthaufen nur die nackten Feuermauern hervorragten. Stumm und finster schlichen sie umher. wie er sie jemals in der herrlichen Jugendzeit schönsten Tagen für die holde Klara empfunden. Klara im Herzen. Noch drei selige Tage verlebte er bei den Lieben. oder wenn der Bruder den Geliebten ermordet hat!“ . und Coppolas widerwärtiges Gesicht sah hinein. die der aufbrausende Nathanael ebenso erwiderte. Wohl fiel es ihm endlich auf. noch zu rechter Zeit in Nathanaels im obern Stock gelegenes Zimmer zu dringen und Bücher. das Haus daher von unten herauf gebrannt hatte. ihm den Tod ihres Mannes schuld gab. Wie erstaunte Nathanael. dass er dem Professor Spalanzani gegenüber wohnte. dass der Fechtmeister in der Dämmerung die Rapiere brachte. als möglich: „Ich kaufe kein . weil sie. was ihm Spalanzani über den Landsmann Coppola gesagt und was er auch rücksichts des Sandmanns Coppelius der Geliebten so heilig versprochen. als er in seine Wohnung wollte und sah. so war es doch den kühnen. sein ganzes Sein. sie öffnete sich auf seinen Zuruf. . das war alles. du meine einzige. als Klara durch die Gartentür herbeistürzte.Lothar ließ die Waffe sinken und sah schweigend zur Erde nieder. die ihn befangen. Auf dem Kampfplatz angekommen. was sich auf Coppelius bezog. von ihm abgewälzt. Alles hatten sie unversehrt in ein anderes Haus getragen und dort ein Zimmer in Beschlag genommen. der im untern Stocke wohnte. wie er sie einst durch die Glastüre entdeckte. er musste sich auch selbst gestehen. als es leise an die Türe klopfte.Kannst du mir verzeihen.

„Adieu.drei Dukat“ . aber ein Blick durchs Fenster überzeugte ihn. sehr sauber gearbeitetes Taschenperspektiv und sah. gehen Sie nur!“ Da trat aber Coppola vollends in die Stube und sprach mit heiserem Ton. wie von unwiderstehlicher Gewalt getrieben. nicht ohne viele seltsame Seitenblicke auf Nathanael. an Klara denkend. durch das Fenster. immer fort und fort die himmlisch-schöne Olimpia betrachtend.aber hier sköne Glas“ . um noch mehr Brillen herauszubringen.“ Jetzt setzte er sich hin.Und damit holte er immer mehr und mehr Brillen heraus.Brill’ . um den Brief an Klara zu enden. Er ergriff ein kleines. Coppola machte sich mit heiserem widrigen Lachen sanft los und mit den Worten: „Ah! . sprach er zu sich selber. war es. beschloss Nathanael dem Coppola jetzt wirklich etwas abzukaufen. sah er wohl ein.„Nu . nix Wetterglas! . noch jetzt so sonderbar ängstigt. „Nun ja. den Grund davon sehe ich gar nicht ein. mein lieber Freund. Übermannt von tollem Entsetzen.Brill’ auf der Nas’ su setze. das merkte er wohl. . „Nick so? . das die Gegenstände so rein. rasch zahlte er das Verlangte. die Hände gefaltet.sköne Oke!“ . fürchterlicher Mensch!“ . wie kannst du Augen haben? . wie gewöhnlich. weil ich ihm das kleine Perspektiv gewiss viel zu teuer bezahlt habe . ich hätte das Glas dem Coppola zu teuer bezahlt.hab auch sköne Oke . „hat wohl recht. . beim Arm festgepackt. sprang er auf. die Coppola nun auf den Tisch gelegt.sköne Glas!“ frug Coppola mit seiner widerwärtigen heisern Stimme und dem hämischen Lächeln.Entsetzt rief Nathanael: „Toller Mensch. Tausend Augen blickten und zuckten krampfhaft und starrten auf zum Nathanael. wohl mehr als närrisch.Augen? -„ Aber in dem Augenblick hatte Coppola seine Wettergläser beiseite gesetzt. um alles wieder gutzumachen. Nur die Augen schienen ihm gar seltsam starr und tot. scharf und deutlich dicht vor die Augen rückte. und immer mehr Brillen legte Coppola hin. unerachtet schon der ganze Tisch überdeckt war. dass der entsetzliche Spuk nur aus seinem Innern hervorgegangen. Unwillkürlich sah er hinein in Spalanzanis Zimmer. Er hörte ihn auf der Treppe laut lachen. Noch im Leben war ihm kein Glas vorgekommen. als wenn nun erst die Sehkraft entzündet würde. indem sich das weite Maul zum hässlichen Lachen verzog und die kleinen Augen unter den grauen langen Wimpern stechend hervorfunkelten: „Ei. „er lacht mich aus. das sein meine Oke . war es.nix für Sie .Coppola verließ. ja.hatte er alle Brillen zusammengerafft. aber er konnte nicht wegschauen von dem Tisch. aber närrisch ist es doch . immer lebendiger und lebendiger flammten die Blicke. nix Wetterglas. der eben in die Tasche griff. Zudem hatten alle Gläser. Sowie die Brillen nur fort waren.Augen . das Zimmer. Nathanaels Atem stockte vor innerer Angst. gar nichts Besonderes. Coppola stand hinter ihm: „Tre Zechini . so dass es auf dem ganzen Tisch seltsam zu flimmern und zu funkeln begann. Nathanael lag wie festgezaubert im Fenster. keinesweges aber Coppelii verfluchter Doppeltgänger und Revenant sein könne. „Ja. schrie er auf: „Halt ein! Halt ein. Ein Räuspern und Scharren weckte ihn wie aus tiefem Traum. .“ meinte Nathanael. ja!“ erwiderte Nathanael verdrießlich. bis ihn Freund und Bruder Siegmund abrief ins . lieber Freund!“ . am wenigsten so etwas Gespenstisches wie die Brillen und. und immer wilder und wilder sprangen flammende Blicke durcheinander und schossen ihre blutrote Strahlen in Nathanaels Brust. sowie dass Coppola ein höchst ehrlicher Mechanikus und Optikus.Nathanael hatte den Optikus rein vergessen.Nun erschaute Nathanael erst Olimpias wunderschön geformtes Gesicht. griff in die weiten Rocktaschen und holte Lorgnetten und Brillen heraus.sköne Oke!“ .sköne Glas . wurde Nathanael ganz ruhig und.ach. die er auf den Tisch legte. und im Augenblick. vor dem kleinen Tisch. Es schien. dass sie mich für einen abgeschmackten Geisterseher hält. „Klara“.Er hatte ja aber selbst so aufgeseufzt. Doch wie er immer schärfer und schärfer durch das Glas hinschaute. als halle ein tiefer Todesseufzer grauenvoll durch das Zimmer. Olimpia saß. ergriff Coppolas Perspektiv und konnte nicht los von Olimpias verführerischem Anblick. dass mich der dumme Gedanke.zu teuer bezahlt!“ . dass Olimpia noch dasäße.Wetterglas.Er hatte Coppola.Nu .Indem er diese Worte leise sprach. eingesteckt und aus der Seitentasche des Rocks eine Menge großer und kleiner Perspektive hervorgeholt. als gingen in Olimpias Augen feuchte Mondesstrahlen auf. die Arme darauf gelegt. um es zu prüfen.

er stand in der hintersten Reihe und konnte im blendenden Kerzenlicht Olimpias Züge nicht ganz erkennen. zum erstenmal erscheinen lassen werde. er starrte Olimpia ins Auge. Olimpia spielte den Flügel mit großer Fertigkeit und trug ebenso eine Bravour-Arie mit heller. das manchem unangenehm auffiel. Olimpia erschien sehr reich und geschmackvoll gekleidet. aufzufordern? Doch! . Eiskalt war Olimpias Hand. zum Professor. er dachte nichts als Olimpia und klagte ganz laut und weinerlich: „Ach. Das Konzert begann. vielmehr mit großer Verwunderung wahrnehme. er konnte Olimpia ebenso wenig hier als die beiden folgenden Tage hindurch in ihrem Zimmer entdecken. aber wie sich erheben zu dem Mut. Ganz unvermerkt nahm er deshalb Coppolas Glas hervor und schaute hin nach der schönen Olimpia. der Ball fing an. da trat Siegmund lachend zu ihm und sprach: „Nun. wie jeder Ton erst deutlich aufging in dem Liebesblick. wie sie voll Sehnsucht nach ihm herübersah. er fühlte sich durchbebt von grausigem Todesfrost. und in dem Augenblick war es auch.da wurde er gewahr. Der etwas seltsam eingebogene Rücken. die er so lange jedem menschlichen Auge recht ängstlich entzogen. Ach! . wie von glühenden Armen plötzlich erfasst. sie.Kollegium bei dem Professor Spalanzani. die noch nicht aufgefordert worden. die wespenartige Dünne des Leibes schien von zu starkem Einschnüren bewirkt zu sein. da er durchaus nichts vom Professor wisse. unerachteter kaum das Fenster verließ und fortwährend durch Coppolas Perspektiv hinüberschaute. als schon der Tanz angefangen. sich nicht mehr halten. Die Gesellschaft war zahlreich und glänzend. bist du mir denn nur aufgegangen. dass Spalanzani seine Tochter Olimpia. lief er hinaus vors Tor. da erfuhr er denn von Siegmund. ihren Wuchs bewundern. dass er. der zündend sein Inneres durchdrang. als fingen an in der kalten Hand Pulse zu schlagen und des Lebensblutes Ströme zu glühen. die Königin des Festes. was sagst du zu unserem alten Spalanzani?“ Nathanael versicherte. Und auch in Nathanaels Innern glühte höher auf die Liebeslust. als schon die Wagen rollten und die Lichter in den geschmückten Sälen schimmerten. alles Strebens. man trug allerlei Geräte hinein. konnte er. die Fenster des ersten Stocks waren ausgehoben. Nathanael fand eine Einladungskarte und ging mit hochklopfendem Herzen zur bestimmten Stunde. du mein hoher herrlicher Liebesstern. Nathanael war ganz entzückt. das strahlte ihm voll Liebe und Sehnsucht entgegen. Die künstlichen Rouladen schienen dem Nathanael das Himmelsjauchzen des in Liebe verklärten Gemüts.er selbst wusste nicht. Allgemein verbreite man. manche lachten. „Mit ihr zu tanzen! . dass Spalanzani morgen ein großes Fest geben wolle.Alle sahen sich um nach ihm. um gleich wieder zu verschwinden und mich zu lassen in finstrer hoffnungsloser Nacht?“ Als er zurückkehren wollte in seine Wohnung. Am dritten Tage wurden sogar die Fenster verhängt. man schrieb es dem Zwange zu. Die Gardine vor dem verhängnisvollen Zimmer war dicht zugezogen. Der Domorganist schnitt aber noch ein finstreres Gesicht als vorher und sagte bloß: „Nun nun!“ . dicht neben Olimpia stand. Klaras Bild war ganz aus seinem Innern gewichen. Die Türen standen offen.Das Konzert war zu Ende.mit ihr!“ das war nun dem Nathanael das Ziel aller Wünsche. und dass die halbe Universität eingeladen sei. mit großen Haarbesen hin und her fahrend. geschäftige Mägde kehrten und stäubten. wie in dem stillen düstern Hause ein tolles Treiben und Wirtschaften losgegangen. Konzert und Ball. Nathanael blieb in vollem Erstaunen auf der Straße stehen. und dass er. den ihr die Gesellschaft auflegte. ihre Hand ergriff. und als nun endlich nach der Kadenz der lange Trillo recht schmetternd durch den Saal gellte. inwendig klopften und hämmerten Tischler und Tapezierer. er musste vor Schmerz und Entzücken laut aufschreien: „Olimpia!“ . dass er gar nichts sagen könne. wie es geschah. In Schritt und Stellung hatte sie etwas Abgemessenes und Steifes. Olimpias Gestalt schwebte vor ihm her in den Lüften und trat aus dem Gebüsch und guckte ihn an mit großen strahlenden Augen aus dem hellen Bach. Man musste ihr schöngeformtes Gesicht. beinahe schneidender Glasglockenstimme vor. Ganz verzweifelt und getrieben von Sehnsucht und glühendem Verlangen. wurde er in Spalanzanis Hause ein geräuschvolles Treiben gewahr. kaum vermögend einige Worte zu stammeln. er umschlang die schöne Olimpia und .

dass eben die zwei letzten Lichter in dem leeren Saal hernieder brennen und ausgehen wollten. als würd’ es hienieden beim Professor Spalanzani merklich finster. schied Nathanael von dannen. Bruder.„Ja.Du Strahl aus dem verheißenen Jenseits der Liebe . so wussten doch die lustigen Köpfe von allerlei Unschicklichem und Sonderbarem zu erzählen. Doch diese vielleicht. indessen schwieg er. aber fest hatte ihn Olimpia an sich gedrückt. hatte ein grauliches gespenstisches Ansehen. fühlte er sich von innerem Grausen erfasst. er küsste Olimpias Hand. das sich begeben.“ sprach Nathanael. Siegmund.ach!“ . und sprach hochentflammt und begeistert von seiner Liebe in Worten. stumme Olimpia her. ach!“ replizierte Olimpia fortschreitend. aber Olimpia seufzte bloß immer wieder: “Ach. der man.Einen ganzen hellen strahlenden Himmel in der Brust. lieber Herr Nathanael. finden Sie Geschmack daran. „tu mir den Gefallen und sage. weder er noch Olimpia. eiskalte Lippen begegneten seinen glühenden! . der sie Olimpias tiefes herrliches Gemüt zu erkennen hindert?“ „Tu mir den Gefallen. “denn“. zu seinem Erstaunen blieb darauf Olimpia bei jedem Tanze sitzen. „Trennung. . wie sehr ihm der Takt gemangelt.Der Professor Spalanzani ging einige mal bei den Glücklichen vorüber und lächelte sie ganz seltsam zufrieden an. himmlische Frau! . Dem Nathanael schien es. Nathanael folgte ihr. Er wollte jedoch mit keinem andern Frauenzimmer mehr tanzen und hätte jeden.liebst du mich. in die Holzpuppe da droben zu vergaffen?“ Nathanael wollte zornig auffahren.ach . aber an der ganz eignen rhythmischen Festigkeit. so wäre allerlei fataler Zank und Streit unvermeidlich gewesen. Hätte Nathanael außer der schönen Olimpia noch etwas anders zu sehen vermocht. Trennung“. Unerachtet der Professor alles getan hatte.Liebst du mich?“ So flüsterte Nathanael. denn sie sah ihm unverrückt ins Auge und seufzte ein Mal übers andere: „Ach . warum Spalanzani sie so lange Verborgen gehalten. aber Olimpia seufzte. ach!“ . und seine Figur. unerachtet er sich in einer ganz andern Welt befand. Durch den Tanz und durch den reichlich genossenen Wein erhitzt. er neigte sich zu ihrem Munde. dass eben ihr eigner Stumpfsinn es ist. und vorzüglich fiel man über die todstarre. man konnte gar nicht wissen. nur: „Ach .durchflog mit ihr die Reihen. ihres schönen Äußern unerachtet. nun. totalen Stumpfsinn andichten und darin die Ursache finden wollte. „Liebst du mich . mühsam unterdrückte Gelächter. deinem regen Sinn Olimpias himmlischer Liebreiz entgehen . in dem sich mein ganzes Sein spiegelt“ und noch mehr dergleichen. Doch nur zweimal geschah dies. wie deinem sonst alles Schöne klar auffassenden Blick. merkte er bald. was sich in diesem und jenem Winkel unter den jungen Leuten erhob. Längst hatten Musik und Tanz aufgehört.“ . die Legende von der toten Braut ging ihm plötzlich durch den Sinn. als er Olimpias kalte Hand berührte. seine Schritte klangen hohl wieder. mit einem Mal. wirst verklären mein Inneres immerdar!“ . recht splendid zu erscheinen. wie es dir gescheiten Kerl möglich war. Olimpia? . „bist mir aufgegangen und wirst leuchten. „würde es wohl verlohnen. dich in das Wachsgesicht. so sollen mir Ihre Besuche willkommen sein. indem sie aufstand. doch schnell besann er sich und erwiderte: „Sage du mir. dachte er. Spalanzanis Fest war der Gegenstand des Gesprächs in den folgenden Tagen. und in dem Kuss schienen die Lippen zum Leben zu erwärmen.“ sprach eines Tages Siegmund. du mein holder. schrie er ganz wild und verzweifelt. und er ermangelte nicht. warum. Nathanael vernahm das nicht ohne innern Grimm. hatte Nathanael alle ihm sonst eigne Scheu abgelegt. „Sie haben sich außerordentlich lebhaft mit meiner Tochter unterhalten“. mit dem blöden Mädchen zu konversieren. womit Olimpia tanzte und die ihn oft ordentlich aus der Haltung brachte.„Ach. „nun. er schaute um sich und wurde zu seinem nicht geringen Schreck gewahr. die sie mit ganz kuriosen Blicken verfolgten. nur gleich ermorden mögen. ihre Hand in der seinigen.Der Professor Spalanzani schritt langsam durch den leeren Saal. immer wieder sie aufzuziehen.ach!“ worauf denn Nathanael also sprach: „O du herrliche. .du tiefes Gemüt.Er glaubte sonst recht taktmäßig getanzt zu haben. sprach dieser lächelnd. sie standen vor dem Professor. der sich Olimpia näherte. von flackernden Schlagschatten umspielt. diesen Burschen zu beweisen.So wie. die keiner verstand. Er saß neben Olimpia.Nur dies Wort! . denn offenbar ging das halbleise. um sie aufzufordern. herrlicher Liebesstern. auf die schöne Olimpia.

Herr Bruder. Euch mag es nicht recht sein.“ rief Nathanael auf seiner Stube. als habe Olimpia über seine Werke. wenn er bedachte.Nur mir ging ihr Liebesblick auf und durchstrahlte Sinn und Gedanken. sie spielte mit keinem Schoßhündchen.Lothar . Sie ist uns . Gedichte. das wurde täglich vermehrt mit allerlei ins Blaue fliegenden Sonetten. Visionen. du tiefes Gemüt.Nathanael gab sich dem bittern Gefühl. sie sah nicht durchs Fenster. „aber mir scheint es. Nathanael hatte rein vergessen.dann aber: „Gute Nacht.nimm es nicht übel. Sie stickte und strickte nicht. bei der er täglich stundenlang saß und von seiner Liebe. Ihr Spiel. was er jemals geschrieben. mit keiner Lieblingskatze. Vermag denn .“ sagte Siegmund sehr sanft. ihr Singen hat den unangenehm richtigen geistlosen Takt der singenden Maschine. als tue sie nur so wie ein lebendiges Wesen und doch habe es mit ihr eine eigne Bewandtnis. wirklich an Olimpias gänzliche Passivität und Wortkargheit. Doch für alles das habt ihr keinen Sinn. er lebte nur für Olimpia.“ . und immer glühender. Erzählungen. wenn alles . hinzu: „Wunderlich ist es doch. und alles sind verlorne Worte. das ist wahr. von dir allein werd’ ich ganz verstanden. und das alles las er der Olimpia stundenlang hintereinander vor. Nur wenn Nathanael endlich aufstand und ihr die Hand. ich mag nichts weiter sagen! -„ Dem Nathanael war es plötzlich. ich möchte sagen. und ebenso ist ihr Tanz. immer lebendiger wurde dieser Blick. ja als habe die Stimme aus seinem Innern selbst herausgetönt. welches alles Olimpia mit großer Andacht anhörte. Aber auch noch nie hatte er eine solche herrliche Zuhörerin gehabt. welch wunderbarer Zusammenklang sich in seinem und Olimpias Gemüt täglich mehr offenbare. beinahe wehmütig. ach!“ . Kanzonen. denn mehr Worte als vorhin erwähnt sprach Olimpia niemals. denn es schien ihm. Phantasien.„O du herrliches. dass in der Liebe niemals über den Gegenstand zu rechten sei. Aus dem tiefsten Grunde des Schreibpults holte Nathanael alles hervor. das ihn bei diesen Worten Siegmunds ergreifen wollte.stundenlang sah sie mit starrem Blick unverwandt dem Geliebten ins Auge. sagte sie: „Ach. das ist wahr! . z. es war uns.“ Siegmund merkte wohl. Nur dem poetischen Gemüt entfaltet sich das gleich organisierte! . sie fütterte keinen Vogel.konnte? Doch eben deshalb habe ich. die er sonst geliebt. Auf mich kannst du rechnen. du seiest auf bösem Wege.auf seltsame Weise starr und seelenlos erschienen. nur in Olimpias Liebe finde ich mein Selbst wieder. von zum Leben erglühter Sympathie. sie durfte kein Gähnen durch einen leisen erzwungenen Husten bezwingen . von psychischer Wahlverwandtschaft phantasierte. durchaus nicht hin.Sie könnte für schön gelten. dass viele von uns über Olimpia ziemlich gleich urteilen. Das musste denn wohl auch sein. er schüttelte daher die ihm dargebotene Hand recht herzlich. als meine der kalte prosaische Siegmund es sehr treu mit ihm. Ihr Schritt ist sonderbar abgemessen. wenn ihr Blick nicht so ganz ohne Lebensstrahl. ihr kalten prosaischen Menschen. Sie spricht wenig Worte.“ Er erbebte vor innern Entzücken. sie drehte keine Papierschnitzchen oder sonst etwas in der Hand. Dank sei es dem Geschick. auch wohl den Mund küsste.Worte! . Ihr Wuchs ist regelmäßig sowie ihr Gesicht.“ „Behüte dich Gott. dass sie nicht in platter Konversation faselt wie die andern flachen Gemüter.alle waren aus seinem Gedächtnis entschwunden. morgens gleich nach dem Erwachen. jede Bewegung scheint durch den Gang eines aufgezogenen Räderwerks bedingt. Bruder! . „nur von dir. mein Lieber!“ . lenkte geschickt ein und fügte. über seine Dichtergabe überhaupt recht tief aus seinem Innern gesprochen. . Romane. er wurde Herr seines Unmuts und sagte bloß sehr ernst: „Wohl mag euch. denn sonst müsste einer von uns blutend fallen. dass es eine Klara in der Welt gebe. Olimpia unheimlich sein. ohne Sehkraft wäre. aber diese wenigen Worte erscheinen als echte Hieroglyphe der innern Welt voll Liebe und hoher Erkenntnis des geistigen Lebens in der Anschauung des ewigen Jenseits. wir mochten nichts mit ihr zu schaffen haben.Nein. dich nicht zum Nebenbuhler.B. Erinnerte sich aber auch Nathanael in hellen nüchternen Augenblicken. ohne sich zu rücken und zu bewegen. ohne zu ermüden. Stanzen.Der Blick ihres himmlischen Auges sagt mehr als jede Sprache hienieden. wie es mit dem Freunde stand.kurz! .die Mutter . Uns ist diese Olimpia ganz unheimlich geworden. so sprach er doch: „Was sind Worte . nachdem er geäußert.

ein Klirren . die zerrten und zagen sie hin und her.ihm nach . streitend in voller Wut um den Besitz.halt . Der Professor hatte eine weibliche Figur bei den Schultern gepackt. ihn anstarrten.Da packte ihn der Wahnsinn mit glühenden Krallen und fuhr in sein Inneres hinein. dazwischen Flüche und Verwünschungen.Satan . wie aus Springquellen strömte das Blut empor.Verruchter! . was längst ihr holder Liebesblick ihm gesagt.Sprache . um ihn Olimpia als Symbol seiner Hingebung. ihn zu überwältigen.Erstarrt stand Nathanael nur zu deutlich hatte er gesehen. dass sie seine Brust trafen. aber das Getöse hatte viele Menschen herbeigelockt. die ergriff Spalanzani mit der unverletzten Hand und warf sie nach ihm. gleichgültig warf er sie beiseite. aufflammend in wildem Zorn wollte er den Wütenden die Geliebte entreißen. wurde er nach dem Tollhause gebracht.lustig! Holzpüppchen.Gang .„Ihm nach .Coppelius. brennendes Verlangen im Herzen. Glasscherben hatten ihm Kopf. die so durcheinander schwirrten und tobten. ich hab’ die Augen gemacht . von namenloser Angst ergriffen. der schrie mit fürchterlicher Stimme immerfort: „Holzpüppchen. dreh’ dich“ und schlug um sich mit geballten Fäusten.fort . dass sie das unumwunden in deutlichen Worten ausspreche. auf dem Flur vernahm er ein wunderliches Getöse. Er suchte nach dem Ringe.überhaupt ein Kind des Himmels sich einzuschichten in den engen Kreis. aber in dem Augenblick wand Coppola.die Augen dir gestohlen.Professor Spalanzani schien hocherfreut über das Verhältnis seiner Tochter mit Nathanael. er werde seiner Tochter völlig freie Wahl lassen.Feuerkreis Feuerkreis! Dreh’ dich Feuerkreis .hol’ mir Olimpia da hast du die Augen! -„ Nun sah Nathanael. Endlich gelang es der vereinten Kraft mehrerer.teuflische Bestie! .lustig . lächelte dieser mit dem ganzen Gesicht und meinte.Verdammter . mein bestes Automat hat er mir geraubt .die Augen . Hinein stürzte Nathanael. wie ein Paar blutige Augen. so dass die hässlich herunterhängen den Füße der Figur auf den Stufen hölzern klapperten und dröhnten. den ihm beim Abschiede die Mutter geschenkt. indem sie ihn zu Boden warfen und banden. Aber er raffte seine Kräfte zusammen.lass los!“ .verfluchter Hund von einfältigem Uhrmacher . Siegmund.fort mit dir . beschloss Nathanael. „Laß los . . der gleich verbunden wurde. als er die Figur für Olimpia erkannte. statt ihrer schwarze Höhlen. auf dem Phiolen. gleich am folgenden Tage Olimpia anzuflehen.dummer Teufel mit deinem Räderwerk .Ein Stampfen . „Hui . . Nun warf Coppola die Figur über die Schulter und rannte mit fürchterlich geltendem Gelächter rasch fort die Treppe herab. seines mit ihr aufkeimenden. . dreh’ dich -„ damit warf er sich auf den Professor und drückte ihm die Kehle zu.Zwanzig Jahre daran gearbeitet . fand den Ring.Ermutigt durch diese Worte. . Retorten.Coppelius .das Räderwerk . taumelte und hinstürzte. Olimpias toderbleichtes Wachsgesicht hatte keine Augen. blühenden Lebens darzureichen. den ein klägliches irdisches Bedürfnis gezogen?“ . .ha ha ha ha! . er gab diesem allerlei unzweideutige Zeichen seines Wohlwollens.Verfluchter . Schon auf der Treppe.ein Stoßen Schlagen gegen die Tür.hui! . So in grässlicher Raserei tobend.mein . sich mit Riesenkraft drehend. der Italiener Coppola bei den Füßen. schön’ Holzpüppchen.lass los Infamer .Leib und Leben daran gesetzt . es schien aus Spalanzanis Studierzimmer herauszuschallen. was zauderst du? . Brust und Arm zerschnitten.halt Peipendreher . gläserne Zylinder standen. Sinn und Gedanken zerreißend. die Figur dem Professor aus den Händen und versetzte ihm mit der Figur selbst einen fürchterlichen Schlag. hui. Er hätte ihn erwürgt. Flaschen. auf dem Boden liegend. Lothars Briefe fielen ihm dabei in die Hände. dass er rücklings über den Tisch. Seine Worte gingen unter in entsetzlichem tierischen Gebrüll.ich. steckte ihn ein und rannte herüber zu Olimpia.so haben wir nicht gewettet . Voll tiefen Entsetzens prallte Nathanael zurück. alles Gerät klirrte in tausend Scherben zusammen. Klaras. sie war eine leblose Puppe.Es waren Spalanzanis und des gräßlichen Coppelius Stimmen.ich das Räderwerk .hui . und als es Nathanael endlich wagte. Spalanzani wälzte sich auf der Erde. . von ferne auf eine Verbindung mit Olimpia anzuspielen. die drangen ein. - .ihm nach.Darum Leib und Leben daran gesetzt? . vermochte nicht den Rasenden zu bändigen. rissen den wütenden Nathanael auf und retteten so den Professor. dass sie sein eigen immerdar sein wolle. so stark er war.

stricke. bald erkräftigte sich Nathanael in der sorglichen Pflege der Mutter. klappte die Dose zu. wohl irgend jemanden verdächtig vorgekommen sein. und unfern standen die Mutter und Lothar. wurde von mehreren Liebhabern verlangt. Bruder! Ich war auf schlimmem Wege. Er musste indes die Universität verlassen. aus Besorgnis. weil Nathanaels Geschichte Aufsehen erregt hatte und es allgemein für gänzlich unerlaubten Betrug gehalten wurde. er schlug die Augen auf und fühlte. Um nun ganz überzeugt zu werden. Nathanael mit seiner Klara. und erkannte nun erst recht Klaras himmlisch reines. der Freunde. dass sie nicht bloß höre. die Mutter. der getreulich ausgeharrt bei dem Freunde in großer Not. was sich weiter mit dem unglücklichen Nathanael zugetragen.Sapienti sat!“ Aber viele hoch zu verehrende Herren beruhigten sich nicht dabei. die ihnen verdächtig vorgekommen.“ . dass sie beim Vorlesen sticke.Es .s. um jedem Verdacht zu begegnen. endlich. dass die Geliebte etwas taktlos singe und tanze. es war ja Klara! -„ Siegmund ließ ihn nicht weiter reden. Er lag in seinem Zimmer in des Vaters Hause auf dem Bette. herrliches Gemüt. kann ich dir.Jede Spur des Wahnsinns war verschwunden. meinte der Elegant. war gestorben und hatte der Mutter nebst einem nicht unbedeutenden Vermögen ein Gütchen in einer angenehmen Gegend unfern der Stadt hinterlassen. Nathanael war milder. vor allen Dingen aber. und er stöhnte tief auf: „Meine .Spalanzani musste. der Geliebten. dass kein Mensch (ganz kluge Studenten ausgenommen) es gemerkt habe. Niemand erinnerte ihn auch nur durch den leisesten Anklang an die Vergangenheit. ..w. vernünftigen Teezirkeln (Olimpia hatte sie mit Glück besucht) statt der lebendigen Person eine Holzpuppe einzuschwärzen. kindlicher geworden. tief verletzende Erinnerungen möchten ihm zu hell und flammend aufgehen. räusperte sich und sprach feierlich: „Hoch zu verehrende Herren und Damen! merken Sie denn nicht. dass er von seinen Wunden völlig geheilt wurde. denn ein alter karger Oheim. Der Professor der Poesie und Beredsamkeit nahm eine Prise. „Man kann wahrhaftig nicht dafür stehen“.Ach. dass man keine Holzpuppe liebe. solltest du einigen Anteil an dem geschickten Mechanikus und Automatfabrikanten Spalanzani nehmen.Siegmund. um der Kriminaluntersuchung wegen des der menschlichen Gesellschaft betrüglicherweise eingeschobenen Automats zu entgehen. Dort wollten sie hinziehen. sagte dieser und jener. Das Glück war unterdessen in das Haus eingekehrt.nun bist du genesen von schwerer Krankheit . wie gesagt.w. o mein herzlieber Nathanael . dass dies Sprechen wirklich ein Denken und Empfinden voraussetze.B. mit dem Möpschen spiele u. trat herein. dass nach der Aussage eines eleganten Teeisten Olimpia gegen alle Sitte öfter genießet als gegähnt hatte? Ersteres. Klara hatte sich über ihn hingebeugt. „Endlich.s. als er gegen das Publikum gerichtet und so schlau angelegt worden.nun bist du wieder mein!“ .meine Klara!“ . unerachtet jetzt alle weise tun und sich auf allerlei Tatsachen berufen wollten. und es schlich sich in der Tat abscheuliches Misstrauen gegen menschliche Figuren ein. Das Liebesbündnis vieler wurde fester und dabei anmutiger. Diese letzteren brachten aber eigentlich nichts Gescheites zutage. die Geschichte mit dem Automat hatte tief in ihrer Seele Wurzel gefasst. von dem niemand etwas gehofft. Nathanael erwachte wie aus schwerem. wie ein unbeschreibliches Wonnegefühl mit sanfter himmlischer Wärme ihn durchströmte. u. dir zu erzählen fortfahre. andere dagegen gingen leise auseinander. versichern. sprach Nathanael: „Bei Gott. Coppola war auch verschwunden. die er nun zu heiraten gedachte. Nur als Siegmund von ihm schied. . sondern auch manchmal in der Art spreche. als er je gewesen.Ehe ich.So sprach Klara recht aus tiefer Seele und fasste den Nathanael in ihre Arme. günstiger Leser. In den Tees wurde unglaublich gegähnt und niemals genießet. Nathanael reichte ihm die Hand: „Du treuer Bruder hast mich doch nicht verlassen. fürchterlichem Traum. fort. sei das Selbstaufziehen des verborgenen Triebwerks gewesen.eine fortgeführte Metapher! . Juristen nannten es sogar einen feinen und um so härter zu bestrafenden Betrug. merklich habe es dabei geknarrt. Denn konnte z. und Lothar. wo der Hase im Pfeffer liegt? Das Ganze ist eine Allegorie .Sie verstehen mich! . aber zu rechter Zeit leitete mich ein Engel auf den lichten Pfad! . Aber dem quollen vor lauter Wehmut und Entzücken die hellen glühenden Tränen aus den Augen.

Rasch wie der Blitz erfasste Lothar die Schwester. „Sieh doch den sonderbaren kleinen grauen Busch. wurde den Coppelius gewahr.totenbleich starrte er Klara an. aber Klara krallte sich in verzweifelnder Todesangst fest an das Geländer. . stiegen herauf. schrie er in schneidendem Ton: „Holzpüppchen dreh’ dich .Feuerkreis. Nathanael blieb plötzlich wie erstarrt stehen. Gott im Himmel . war Coppelius im Gewühl verschwunden. um sich des Rasenden zu bemächtigen. . dass Klara das ruhige häusliche Glück noch fand. von dem rasenden Nathanael erfasst.wartet nur. er schaute seitwärts . nicht geneigt.stärker hallte Klaras Jammergeschrei. er hörte Klaras Angstgeschrei. und Lothar. der kommt schon herunter von selbst“. „Sie ist hin . Es wäre daraus zu schließen. über der Galerie in den Lüften . dass er zurückprallte und die Todesbeute fahren ließ.rettet -„ so erstarb die Stimme in den Lüften. . unter ihnen ragte riesengroß der Advokat Coppelius hervor.und mit gewaltiger Kraft fasste er Klara und wollte sie herabschleudern.Holzpüppchen dreh’ dich“ . er bückte sich herab. sprach Klara. dreh’ dich“ . wollte unten warten. grässlich brüllte er auf wie ein gehetztes Tier. da lachte Coppelius. Als Nathanael mit zerschmettertem Kopf auf dem Steinpflaster lag.Sie war gerettet. er sprengte die Tür aus den Angeln. „Ei!“ sagte Klara. der hohe Ratsturm warf seinen Riesenschatten über den Markt. aber bald glühten und sprühten Feuerströme durch die rollenden Augen.Klara stand vor dem Glase! .Die Verzweiflung gab ihm Riesenkraft.nur mit einer Hand hatte sie noch die Eisenstäbe umklammert. Auch die Tür zur Galerie war zugeschlagen. der ordentlich auf uns loszuschreiten scheint“. das ihrem heitern lebenslustigen Sinn zusagte und das ihr der im Innern zerrissene Nathanael niemals hätte gewähren können. dreh’ dich . die Tür der zweiten Treppe war verschlossen . die endlich aufsprang .ermordet von dem Rasenden“.Klara schwebte. . dass die vier glücklichen Menschen nach dem Gütchen ziehen wollten. und schaute wie die übrigen hinauf. wie sie mit einem freundlichen Mann Hand in Hand vor der Türe eines schönen Landhauses saß und vor ihr zwei muntre Knaben spielten. Unsinnig vor Wut und Angst stieß er gegen die Tür. Lothar rannte herab. ENDE . Da standen die beiden Liebenden Arm in Arm auf der höchsten Galerie des Turmes und schauten hinein in die duftigen Waldungen. so schrie Lothar. Zur Mittagsstunde gingen sie durch die Straßen der Stadt.Matter und matter wurden nun Klaras Laute: „Hilfe rettet . die vielen Stufen zu erklettern. und mit dem geltenden Schrei: „Ha! Sköne Oke . Sie hatten manches eingekauft.Nun raste Nathanael herum auf der Galerie und sprang hoch in die Lüfte und schrie: „Feuerkreis.war an der Zeit. Nathanael und Klara. dann sprang er hoch in die Lüfte. er rannte herauf. die ohnmächtige Schwester in den Armen. sprechend: „Ha ha . die Mutter ging mit der Dienstmagd nach Hause. „steigen wir doch noch einmal herauf und schauen in das ferne Gebirge hinein!“ Gesagt. und grausig dazwischen lachend. der eben in die Stadt gekommen und gerades Weges nach dem Markt geschritten war. Nach mehreren Jahren will man in einer entfernten Gegend Klara gesehen haben.Nathanael fasste mechanisch nach der Seitentasche.Da zuckte es krampfhaft in seinen Pulsen und Adern . getan! Beide. Man wollte herauf. grässliche Ahnung durchflog ihn. Lothar hörte den Rasenden toben. zog sie hinein und schlug in demselben Augenblick mit geballter Faust dem Wütenden ins Gesicht. er fand Coppolas Perspektiv.Sköne Oke“ sprang er über das Geländer.Die Menschen liefen auf das wilde Geschrei zusammen. hinter denen das blaue Gebirge wie eine Riesenstadt sich erhob.

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