Ander B

99

1 / 99

neun
und
neunzig
(z.ü.)

aphorismen & gedichte

2 / 99

….den Märtyrern der Meinungsfreiheit....

3 / 99

Inhaltsverzeichnis

1.

….der nil ist bei kairo angelangt....

S. 6

2.

Die Welt ist eine Idee / Was die Sterne sich fragen

S. 13

3.

….meine sprache ist meine heimat....

S. 15

4.

Am Anfang war das Leben / Gestern....

S. 21

5.

….sous cet angle....

S. 23

6.

Le Poesie / probably

S. 32

7.

….something wicked this way comes....

S. 33

8.

….der kalten barbarenhöhle....

S. 45

9.

Morris „Moe“ Berg / Augusto Boal

S. 51

10.

...zerfallserscheinungen....

S. 55

11.

….sieben mal hinfallen, achtmal (wieder) aufstehen....

S. 64

12.

Detroit / Nighthawks

S. 73

13.

….von geiern und hyänen....

S. 75

14.

Die Hungrigen / Ein Loblied auf die Majestät

S. 85

15.

….neunundneunzig

S. 88

16.

一望 / 一眸 / Потёмкинская деревня

S. 96

(Anmerkungen zu den einzelnen Kapiteltitel und Erläuterungen zu den Gedichten am Ende
des Buches)

4 / 99

1.

….der nil ist bei kairo angelangt....

5 / 99

Information ist die heißeste Ware mit der es die Menschheit jemals zu tun hatte.

Die Schwindsucht der Intelligenten wurde mit der Verschwendungssucht der
Mehrheit ersetzt.

....Frank Schirrmacher....
Den kulturellen Reichtum und die intellektuelle Scharfsinnigkeit kann man
nicht in der Halbzeit auswechseln.

Die Zielgruppe ist anscheinend die Zielgruppe, zumindest medial gesehen das
Brot.

Gegen die Hetze der Mehrheit kann man sich nicht wehren, denn dafür müsste
die Mehrheit eigenständig denken können und nicht meist vorgegebene Denkund Verhaltensmuster übernehmen.

Der Algorythmus entscheidet in Nanosekunden und ist doch nur eine schlechte
Kopie des menschlichen Gehirn.

6 / 99

Die Komplexität hat einen schlechten Ruf.

Das Echo der Kultur ist die Zivilisiertheit, nur hat die „seichte Unterhaltung“
viele Menschen taub gemacht.

Jene Leute, welche als Talent die Intelligenz haben, sind oft der Außenseiter in
ihrem jeweiligen Metier, denn es setzt sich meist das Angepasste durch, oft auch
das Charakterlose im pragmatisch Anschmiegsamen eines intrigengestählten
Rollenmodell.

Mittlerweile hat man so viele Verbrechen unter den Teppich gekehrt, dass schon
der Himmel stinkt.

Das kollektive Verdrängen „kollektiver Verbrechen“ kommt nie aus der Mode.

Es wird alles Störende, Schwache und Irritierende beiseite geschoben, damit
man ein schwarzes Loch in der Mitte der Gesellschaft, Kultur, Politik und
Wirtschaft hat.

7 / 99

Eine coole Sonnenbrille macht noch keine komplexe Persönlichkeit.

Das Militär hat oft die „modernste Technik“ und das „älteste Menschenbild“.

Der Pöbel sucht sich das leichteste Opfer, der Intellektuelle das Schwerste.

Die Mundtotmacher genießen in einer Gesellschaft immerzu ein hohes Ansehen.

So wie die junge Wissenschaft der Psychologie den Makel des
„Systembedingten“ mit sich herumschleppt, somit die psychologische Diagnose
immer in einem gesellschaftlichen Systemkontext fällt, so trägt die alte
Wissenschaft des Recht den Makel mit sich herum, fast immer nur das
„individuelle Verbrechen“ straf-/zivilrechtlich zu sanktionieren, um als blinde
Justizia die Augen vor dem „kollektiven Verbrechen“ zu verschließen.

8 / 99

Gegen den Irrsinn der Mehrheit hat die Vernunft des Einzelnen noch nie eine
Chance gehabt.

Der Begriff „Lügenpresse“ ist falsch, denn es impliziert, dass die Massenmedien
irgendwann seit ihrem Bestehen die „allgemeine Wahrheit“ geschrieben haben
und nicht nur die Meinung der „herrschenden Klasse“ widergegeben haben.

Den eigentlichen Intellektuellen, welcher nicht im Elfenbeinturm Prinzessinnenerbsen zählt, zur Projektionsfläche des Negativen zu machen, ist zwar ein kluger
Schachzug der herrschenden Klasse; zeugt aber letzten Endes nur von deren
Unfähigkeit einen Diskurs zu prägen und diesen nicht nur in die Einbahnstraße
Richtung Unterdrückung zu zwingen.

Wenn der Wahnsinn Methode haben sollte, dann dürfte der Zeitgeist sehr
methodisch in seinem Agieren sein.

Früher sammelte man Briefmarken und heute sammelt man
Verdachtsmomente.
9 / 99

Die Hysterie und die Irrationalität beim Volk zu steigern, ist wie bei der
herrschenden Klasse die Brutalität und Grausamkeit, etwas was man als
Kulturvolk mit größtmöglichen Aufwand zu verhindern versuchen sollte.

Mit der Kunst begann die Reflexion über das Leben und nicht mit dem
Quartalsbericht irgendeines Rüstungsfabrikanten.

Früher hatten die Alten das Wissen und heute haben die Daten das Wissen.

Um so näher man der Wahrheit kommt, um so mehr Leute werden sich darum
bemühen einen in ein schlechtes Licht zu rücken.

Die Forschung bestärkt den rationalen Schein einer irrationalen Welt.

Ein Problem jedes GeistesMenschen ist die Mentalität, da sie meist von jenen
geprägt wird, die keine haben.

10 / 99

Die Hybris war schon bei den alten Griechen ein großes Problem.

Einen eigenen Standpunkt zu vertreten ist eines der gefährlichsten Dinge die
man als Mensch überhaupt tun kann.

Gegen die meinungslose Meinung des Privatfernsehen hat man als
Intellektueller niemals eine Chance gehabt, denn es vereinfacht die Sachverhalte
auf den kleinsten gemeinsamen Nenner....der Idiotie....

Fortschritt hat seinen Preis. Es bezahlen wie immer diejenigen, die nichts von
ihm haben.

Allein mit einer libertären Geisteshaltung schafft man sich schon mehr Feinde,
als wie man jemals fertigen werden wird.

Ein eigener Gedanke ist am heutigen Tag schon wie eine einzelne Blume in einer
Betonwüste.
11 / 99

Die trockenen Hölzer unter den Menschen, welche als Daseinszustand nur die
Nüchternheit, in oftmals Erkenntnis kennen, sind bei der besseren Hälfte der
Menschheit vorzufinden.

Die Dummheit hat viele Gesichter; aber dessen schönstes Gesicht bleibt immer
noch jenes der Überlegenheit.

Bevor die meisten über Bedingungen nachzudenken beginnen, entschließen sie
sich für deren kurzfristige Annahme.

12 / 99

2.

Die Welt ist eine Idee
Die Welt ist eine Idee;
ein Gedankenfluß
in einem Ozean aus Eindrücken
und die Augenblicke, die Zeit;
das Leben ist ein Gedanke;
ein Frühlingserwachen
in einem See aus Ausdrücken
und die Orte, der Raum;
der Mensch ist ein Traum;
ein Wintersturm
in einem Tropfen aus Liebe
und niergendwo, allerzeiten;
die Frau ist ein Gefühl;
ein Eisberg aus Leidenschaft
in einem Atom aus Schönheit
und keinerzeit, überall;
der Mann ist ein Gefühl;
eine Wüstendüne aus Rationalität
in einem Atom aus Schönheit
und
das Leben ist eine Idee;
und
die Welt ist ein Gedanke
und
ein jeder Mensch ist eine Welt.

13 / 99

Was die Sterne sich fragen
glitzert im Abendlicht
mit den Verdammten;
was die Fehler verschweigen
spielt im Feuer
mit den Puppen;
was die Zahlen träumen
schwimmt im Wasser
mit den Schatten
und
die Verhängnisse lösen
im Tode sich auf,
in den Lebensfäden
verdrehen sich
die Tragödien
und die Gewissheiten
verlieren sich
in Unverwundenem
und so
treibt man auf gebrochenen Wörtern dahin,
schreit in stummen Gewändern,
zieht die Nacktheit über,
verstummt vor boshaften Masken
und schüttelt die Dummheit
aus den Gedanken.

14 / 99

3.

….meine sprache ist meine heimat....

15 / 99

In der Unwissenheit zeigt der innere Kompass immer Richtung schwarz/weiß.

Die Massenkultur opfert auf dem Altar des Zeitgeist oft das Anspruchsvolle,
Komplizierte und Tiefgründige.

Propaganda und Information sollte man trennen und nicht andauernd zur
medialen Wirklichkeit inszenieren.

Unterhaltung dient der Zerstreuung; Zerstreuung der Ablenkung und die
Ablenkung dient der Manipulation.

Kulturelle Nahrung ist überlebenswichtig, während man mit „Wasser und Brot“
in Form von seichter Unterhaltung gefüttert wird.

Das Comic ist ein Schlüsselcode zum Verständnis der heutigen Kultur und es
gibt nicht nur Walt-Disney.

16 / 99

Heutzutage sind die Journalisten zumeist nur noch der Fragesteller, als
Komparsen im Theater der Macht.

Die Kulturschaffenden, welche am Zenith des Zeitgeistes stehen, bauen ihre
kulturellen Kathedralen aus Sand.

Die kollektive Gleichschaltung ist das eigentliche TV-Programm auf allen
Kanälen gleichzeitig.

So wie das Böse in der Populärkultur gezeichnet wird, besteht wenig Hoffnung,
dass das Böse jemals mit seinem wahren Namen benannt wird.

Wer den Elitenkonsens stört, verliert seine Stimme und von dem wird man im
öffentlichen Diskurs lange Zeit nichts mehr hören.

Das Wissen hat ein schwieriges Verhältnis zur Intelligenz.

17 / 99

Wenn man das Leben durch eine Lupe betrachtet, wird man kurzsichtig.

Der Neid der Frauen und die Gier der Männer ist der Strick an dem die Welt
erstickt.

Was die Boulevardmedien betreiben ist nichts anderes als Volksverhetzung.

Wenn man keinen kulturellen Diskurs hat, dann hat man nur Knochen und
Fleisch und nicht Geist und Seele.

Kulturpessismus ist meist nur über Jahre angereicherter Realitätssinn.

Wenn Vertreter der Massenkultur anspruchsvoll sein wollen, dann fehlt meist
das Wichtigste. Namentlich das Publikum.

Die Fehler der Vergangenheit sind die großen Verbrechen der Zukunft.
18 / 99

Promiskuvität bleibt an der Oberfläche und zeugt meist von Substanzlosigkeit.

Es zählt fast nur die oberste Oberfläche und ebendort zählen dann die
Schwätzer und Blender.

Die Schattenseiten von Erfolgsgeschichten werden immer als Erstes perfekt
ausgeblendet.

….Momo....
Im Erziehungs-/Bildungswesen macht man aus blauen, grünen, roten,
schwarzen, weißen Denkmustern ein graues Denkmuster.

Die einfache Lösung in Schwarz/Weiß hat beinahe nur Patentrezepte, welche an
den Wurzeln von Ursache und Wirkung vorbei gehen.

Über den Tellerrand können kaum welche hinausblicken; was man dabei
erblickt, ist auch kaum geeignet den Hunger zu stillen.

19 / 99

Authentisches sucht das Wahrhaftige und nicht das beliebig Manipulierte.

Es erscheint einem andauernd solchermaßen zu sein, als ob es so etwas wie Sex
offiziell niemals gegeben hat, denn der Sex fristet dann ein inoffizielles Dasein,
gleich einem Geheimnis, über welches niemand spricht.

Das 1a Erfolgsmodell ist das Einzige was zählt, ja als ob das einzige Buch in
einer Bibliothek „1984“ von George Orwell wäre.

Der Krebs ist die Geisel der Technik.

Ein rigider Sittenkodex beschneidet weniger die Sexualität, vielmehr die
Artikulation.

20 / 99

4.
Am Anfang war das Wort
bevor der Lauf der Dinge
das Heft aus der Hand
und nichts mehr so war
wie es werden würde;
denn im Sinne der Notwendigkeiten,
alles den Tatsachen sich beugte.
Am Anfang war der Mensch
zwischen Schicksal und Zufall
in die Natur hinausgeworfen;
zu sein, um der Welt zu werden;
zu fallen; um wie Gott ihn erschuf,
immerzu aufzustehen.
Am Anfang war das Leben
die Kraft aus der Tat
im Verderben des Alltäglichen
zur Kultur herangereift;
um vom tierischen Gezänk
zu einer Sprache des Miteinander,
im allzeitigen Gegeneinander
zu erblühen.
Am Ende war das Wort unendlicher,
als das Gemetzel,
jahrtausendelang, sekundenkurz,
aus Folter, Gewalt und Tod;
sanfter als der Hammer der Unvernunft,
den steinigen Weg zu Reflexion und Einsicht bereitend.
Am Ende war der Mensch
ein Mehr an Können,
als ein Weniger an Zwang;
denn ein zur Sehnsucht Verdammtes,
an Gefühlen und Geist sich Satthungerndes,
in Zeit und Raum
verlorenes, atemloses Geschöpf Gottes.
Am Ende war das Leben
ein Hoffnungsschimmer aus Licht und Schatten;
dem Verständnis des Nächsten,
sinnvoller und aufmerksamer;
an Respekt und Würde wachsend,
den Wurzeln des Sein;
abseits und dieseits
menschlicher an Wörtern, an Leben,
im hier und jetzt.
21 / 99

Gestern....
für Magdalena
Gestern
wurde ich
frühabends
beinahe
von einer Träne erschlagen;
sie fiel
und riss mich mit;
am Boden
lachte ich
und brach zusammen.
Heute
musste ich
frühmorgens
meinem Schatten ausstellen,
denn bedrohlich
stellte sich mir dieser
in den Weg;
ein Blutstropfen
rannte meine Stirn entlang
und dann
senkte sich Stille
über meine Augen.
Gestern
wachte ich auf
und schlief;
gähnte
und so erfasste mich ein Sturm;
fielen die Assen aus dem Pokergesicht;
ich fluchte und fiel zu Boden;
zuckrig war das Husten
und schneeweiß die Bäume.
Heute
flogen
alte Reiskörner
durch die Luft;
alle wurden satt;
ein schwarzes Schaf
kroch unter dem Zaun
hindurch
und das Kind schlief ein.

22 / 99

5.

….sous cet angle....

23 / 99

Gleichschaltung ist das erste Symptom einer gesellschaftlichen Konditionierung
und die Krankheit lässt nicht lange auf sich warten.

Bei der „Moral“ geht es oft nicht um ein „Gut oder Böse“, denn es geht um
einen „Kodex der Durchschnittlichkeit“.

Klischees, Manipulation, Stereotpyen oder Rollenbilder...es bleibt dann ein 1:0
für die Manipulation....

Man hantiert mit Begrifflichkeiten, um Stereotypen, ja um Schubladen mit
Gesichtern und Inhalten zu füllen, damit die Leute auch ein Vorurteil und ein
Pauschalurteil dann aussprechen können.

Im Hamsterrad ist jede Ablenkung willkommen, auch wenn es meist nur die
Kondition im Hamsterrad verschärft.

24 / 99

Wenn Wohlstand Kultur erschafft, warum schwimmen dann 99% der Leute im
Wasser der 1%?

Es geht allen um die Zukunft, während jene welche in der Gegenwart leben, die
Vergangenheit vergessen haben.

Es glauben alle an den Ellebogen, um sich durchzusetzen bei jenen, welche als
Kondition nur den Ellebogen kennen.

Die Eindimensionalität beim Denken entspricht dem Wertekanon des
Durchschnitt.

Die Ohren des Volkes sind taub….der Pöbel hat zu laut geschrien.

Der Diskurs der Moderne wurde mit dem Internet neu geprägt.

25 / 99

Auch die Gesellschaft hat eine Fieberkurve und man kann das Fieber mit „Brot
und Spiele“ senken.

Solidarität ist ein Begriff der andauernd möchte und selten kann.

Gestern dichteten die Dichter für jene, liebten die Frauen jene, stand das Volk
für jene Spalier, salutierten die Offiziere vor jenen Unterdrückern die ihnen die
Freiheit und die Luft zum Atmen nahmen; heute dichten die Dichter für jene,
lieben die Frauen jene, steht das Volk für jene Spalier, salutieren die Offiziere
vor jenen Unterdrückern die ihnen die Freiheit und die Luft zum Atmen
nehmen und morgen werden die Dichter für jene dichten, die Frauen jene
lieben, das Volk für jene Spalier stehen, die Offiziere vor jenen Unterdrückern
salutieren, welche ihnen die Freiheit und die Luft zum Atmen nehmen
werden….

Der Jugend gehört die Zukunft.
Die kann sie gerne haben, solange ihr nicht die Gegenwart gehört.

Wenn es mehr als Zufall ist, dann ist es Bestimmung.

26 / 99

Die Schwäche eines Einzelnen reizt die Mehrheit bis zur Weißglut daraus
Boshaftigkeiten zu schlagen.

Öffentlich Stellung zu beziehen ist auch eine Form von sozialem Selbstmord.

Die Paranoia des Durchschnitt ist der Wahnsinn der Normalität.

Satte Leute fragen meist nicht nach Bedingungen, denn nur nach Nachschub.

Nach dem Schicksal der Opfer fragt meist niemand, denn die Monstrosität der
Täter bestimmt den gesellschaftlichen und politischen Diskurs.

Die Dummschwätzer haben immer ein großes Publikum.

27 / 99

Den Pöbel kann man dressieren; die Intelligenz nicht; die konditioniert
Generationen.

Die Leute lieben Vorurteile; denn es bestätigt die Leute im Nicht-Denken.

Man schüchtert ein, nicht um ein Übel abzuwenden, denn um die Mehrheit sich
schreckhaft zu halten.

Minderheiten sind der Schmuck einer liberalen Gesellschaft.

Der Henker/Folterer wird wohl in allen Zeiten und Kulturen ein Optimist sein.

Die Leute sehnen sich nach klaren Strukturen, inklusive Sicherheiten und dafür
nimmt man die Selbstgefälligkeit einer abgehobenen Elite, inklusive aller
Kollateralschäden, billigend in Kauf.

Die Wahrheit über das innere Feindbild weiß ein jeder ganz genau, denn es lässt
sich jeder für die Repression tyrannischer Verhältnisse instrumentalisieren.

28 / 99

Der Sündenbock ist selten der eigentliche Täter; denn dient zur Verschleierung
der tatsächlichen Zu/Umstände.

Die Tragödie macht keinen Unterschied zwischen materiell reich und materiell
arm, hat aber die Angewohnheit bei den materiell Armen inflationär
aufzutreten.

Der Künstler braucht die Freiheit, der Bürger die Sicherheiten, welche dem
Künstler die Freiheit nehmen, damit die Bürger auch ihre Freiheit Sicherheit
nennen können.

Es geht um die Vereinheitlichung des geistigen Konformitationsprozess, also um
die Leute kollektiv und nicht individuell sich zu halten.

Der Einzelne stellt eher selten eine Bedrohung dar, aber die Mehrheit für den
Einzelnen fast immer.

29 / 99

Im Strom der Zeit zu schwimmen bedeutet angenehm unterzugehen.

Auch der moderne Mensch wird früher oder später ziemlich altmodisch.

Das Gewissen haben die Meisten oft ausgeschaltet, deshalb können sie auch so
leicht urteilen.

Falsche Freundschaften bestärken die Illusion gefragt zu sein.

Wer der Allgemeinheit widerspricht, bewegt sich nicht auf dünnen Eis, denn ist
schon darin eingebrochen.

Der Massentourismus-Apparat hat mit der Natur, der Kultur, den spezifischen
Eigenschaften einer Region wenig zu tun, denn es geht vor allem um artifizielles
Plastik mit hohem Wiedererkennungswert, welches beliebig austauschbar eine
Identifikation an der Oberfläche, zwischen Schein und Schein, ermöglicht.

30 / 99

6.
Le poesie
non possono essere ammazzate,
intimidite e minacciate,
non c`hanno
una madre, un padre,
ma sono
figli e figlie
di tutti
e in tutti vivrano per sempre.
Le frasi
non possono essere accoltelate,
pichiate e seppelite,
non c`hanno
un corpo, una mente,
ma sono
una parte
di tutti
e in tutti vivrano per sempre.
Alle parole
non si puó sparare
e non é possibile
prometterli
delle bombe,
non c´hanno
una faccia, un volto,
ma sono
l`essenza
del mondo
e nel mondo vivrano per sempre.
Le storie
non possono essere imprigionate,
torturate e umiliate,
non c´hanno
una sorella, un fratello,
ma sono
i fratelli e le sorelle
di tutti
e in tutti vivrano per sempre.
31 / 99

probably
too sad
to be mad,
too lazy
to be crazy,
too strong
to be wrong,
too depressive
to be aggressive,
too much
to be
and don’t care
life isn’t fair.
too glad
to be bad,
too drunk
to be punk,
too slow
to grow,
too doubtful
to be thoughtful,
to less
to be
and don’t mind
is humankind.

32 / 99

7.

….something wicked this way comes....

33 / 99

Kalte Fassaden glänzen in den Bürokratie-Pyramiden am hellsten.

Die Privilegien der Bürokraten sind die 10. Gebote der Bürokraten.

Die Ungerechtigkeit, die einer/m Nächsten widerfährt, stört die Meisten nicht,
auch wenn unbewusst viele mitzuleiden beginnen und am Ende steht eine
herrschende Klasse perplex vor der Aufgabe, irgendjemand zu finden, den man
die eigenen Fehler in die Tasche schieben kann.

Es geht einem Staatswesen unter anderem darum, dass man ein Stalingrad zu
halten hat, auch wenn alle dort ihr Leben verlieren.

Das kleingeistige Bürokratische, in befehlsartigen Machtstrukturen
eingebunden, ersieht im Künstlerischen ein Bedrohungspotential, da es sich der
konformistischen Klassifizierung zu entziehen versucht.

34 / 99

Das bürokratische System arbeitet in erster Linie für das bürokratische System.

Der Staatsterrorismus war und ist das größte Verbrechen in der
Menschheitsgeschichte.

Ein Teil der Elite hat sich global aus der Bevölkerung zurückgezogen und jetzt
sterben sie an der Langeweile in ihren „Gated Communities“.

Die Deals im Hinterzimmer sollten kein Pokerspiel sein, wo es nur darum geht,
nur ja nicht sein Gesicht zu verlieren.

Der Spielraum der kafkaesken Staatsapparate ist unendlich, damit der
Spielraum jedes Einzelnen so eingeengt wie möglich ist.

Die Interessen der herrschenden Klasse sollten nicht der einzige Inhalt einer
Verfassung sein.

35 / 99

In einer jeden Bürokratiepyramide ist die Dunkelheit die größte Ressource,
welche man ebendort als Erstes über jede kriminelle Handlung wirft.

Die totale Öffentlichkeit nach unten ist die absolute Verschwiegenheit oben.

Das System zwingt die Menschen in das Korsett der Vorstellungen der
herrschenden Klasse.

Um den Mächtigen zu gefallen, begeht die überwiegende Mehrheit der
Menschen jene Verbrechen, die sie ansonsten natürlich andauernd verurteilen.

Bildung dient sich eher selten der Intelligenz an, denn der
Qualifikationsmerkmale der herrschenden Klasse zu entsprechen.

Der Disziplinierungsprozess hat sich in der Gesellschaft automatisiert und
erfolgt bereits ohne äußere Inputs, denn es gibt nur noch die Feinabstimmung
durch die herrschende Klasse.
36 / 99

Dass was den Leuten etwas bedeutet, kann man politisch nicht einfach so
wegwerfen, wie zum Beispiel den Wählerwillen.

Die Unmoral und Dekadenz einer herrschenden Klasse ist nur ein Anzeichen,
eines an Relevanz, Bedeutung und Einfluss verlierendem Volk.

Das medial-politisch-kulturell andauernd propagierte 1a Erfolgsmodell in
charakterlicher Faltenlosigkeit, verrät doch so einiges über die Substanzlosigkeit
der Eliten.

Rechststaatliche Prinzipien sind bedeutungslos, wenn das übergeordnete
Interesse einer herrschenden Klasse davon berührt wird.

Auf ein Zeichen von Menschlichkeit bei einer herrschenden Klasse zu hoffen, ist
wie vor einem Erschießungskommando zu stehen und zu hoffen, dass keine der
Patronen einen trifft.

37 / 99

Die irrationalen Ängste der Mehrheit zu stärken, ist der Nährboden für
politischen Extremismus.

Der Elitenkonsens schaltet als erstes die Mitbestimmung des Volkes in dem
meisten relevanten Prozessen aus.

Das tödlichste Gift des Establishment ist das Volk.

Die Mäßigung der eigenen Bedürfnisse, als relgiöse Ethik, wird von den
gesellschaftlichen Vorbildern andauernd ad absurdum geführt.

Der Widerstand gegen die herrschende Klasse ist in den Augen vieler Menschen
ein unverzeihliches Verbrechen.

38 / 99

Demokratie war wohl immer schon eine Elite-Veranstaltung; mit dem Volk vor
den verschlossenen Toren des Veranstaltungsort.

Die Niedertracht einer politischen Hetze funktioniert immer hervorragend, eine
intelligenzmäßig geprägte Aufklärungskampagne hingegen beinahe nie.

Wenn sich ein grobschlächtiger Politiker bei seinem Stammpublikum profiliert,
dann hat die Moderne und eine jede zivile Errungenschaft seit der Erfindung
des Buchdruck Sendepause.

Die Gesellschaft diszipliniert und kontrolliert sich andauernd selbst, auf dass
diese im Sinne der herrschenden Klasse, auch nach deren Willkür funktioniert.

Sehr viele Politiker haben mehr gestohlen als Geld; sie haben den Wählern das
Vertrauen in die Politik gestohlen.

39 / 99

Wenn man an den Idealismus in der Politik appeliert, dann wird man doppelt
bestraft.

Der politische Wille wird im Hinterzimmer gebildet und nicht in der
Wahlkabine.

Der politische Opportunismus ist das eigentliche Wahlverhalten.

Parteisoldaten sind auch nur Kanonenfutter.

Die eigentlichen Gesetze einer Gesellschaft drehen sich um das Monetäre einer
herrschenden Klasse.

40 / 99

Die Staatsgläubigkeit und die politische Unmündigkeit stehen oft auf der
gleichen Stufe.

Sobald die Machtstruktur von einem kriminellen Virus infiziert ist, steht immer
die Käuflichkeit im Mittelpunkt eines jeden politischen Interesse.

Der Populismus bringt Wählerstimmen, aber selten reale Macht.

Mit den Opfern politischer Machenschaften hat man meist leichtes Spiel.

Den geistigen Höhenflieger werden durch die politischen Metzger, wohl direkt
von ihrem Stammtisch, die Flügel abgeschlachtet, damit die weibliche Meute
auch weiß, in welchem Wohnzimmer das größte Hirschgeweih dann hängt.

Vom Kollateralschaden politischer Verbrechen ist noch niemals etwas in einer
Zeitung gestanden.
41 / 99

Die moderne Politikerkaste erinnert fatal an die alte Aristokratenklasse.

Wenn sich ein Politiker politisch profilieren möchte, dann opfert dieser etwas
Geist, Seele und Kraft seines Volkes und schon sind alle auf seiner Seite.

Die Rückbesinnung auf den inneren Feind, gegenüber dem äußeren Feind, ist
auch nur ein alter Hut aus der Mottenkiste der Staatsgewalt.

Die politische Intrige, als Narkotikum eines erwachenden politischen
Bewusstsein, setzt immer dann ein, wenn eine Gefahr für den Status Quo droht.

Die Macht der Mächtigen ist eine Illusion, welche vor allem dazu dient, das Volk
zu desillusionieren.

42 / 99

Die Leute projezieren ihre Wut seltsamerweise auf die Opfer der
Machenschaften, welche deren eigenes Leben zur Hölle machen.

Das persönliche finanzielle Interesse der politischen Klasse wird oft als
Allgemeinwohl bezeichnet.

Beschämend ist wie andauernd der Tragödien der kleinen Leute von den großen
Leute für deren Machtinteressen missbraucht werden.

Die am besten dressierten Herdentiere sind immer die Lieblinge der
herrschenden Klasse.

Wenn die Obrigkeiten moralische Urteile zu fällen beginnen, dann tobt wohl
wieder einmal ein Machtkampf zwischen der größten Niedrigkeit und der
widerlichsten Boshaftigkeit.

43 / 99

Der charakterlose Interessensvertreter, welcher Beliebigkeit seine wichtigste
Eigenschaft nennt, ist in einem jedem System, auf der Karriereleiter oben
vorzufinden.

Die Heuchelei ist beinahe schon der gesamte Inhalt der Tagespolitik.

Der Monarch strebt oft danach ein Sonnengott für sein Volk zu sein, aber in der
Realität ist es oft nur ein schmieriger Manipulator.

Die Anmaßung ist nicht von unten die Brutalität und Grausamkeit oben zu
kritisieren, denn die Anmaßung ist von oben mit unvorstellbarer Brutalität und
grenzenloser Grausamkeit auf jeden Zweifel oder Einwand von unten zu
reagieren.

Der aalglatte Managertyp als politisches Rollenmodell entspricht der geistigen
und emotionalen Beschränktheit des Volkes.

44 / 99

8.

….der kalten Barbarenhöhle....

45 / 99

Bei der Tragödienproduktion ist die politische Klasse der Provinz Hollywood.

In Wahrheit ist die „heile Welt“ nichts anderes als ein „Paradies der Intoleranz“,
dominiert von Kleingeistern.

Beinahe ein jedes städtische Establishment in der Provinz bildet sich zu viel auf
ihre gesellschaftliche Stellung ein, denn da kräht kein Hahn im nächsten Dorf
danach.

Was provinzielle Eliten so treiben; also auf dem „Schachbrett der Macht“ sind
dass immer noch der „Bauern“ und interessiert dann eigentlich nur die
provinziellen Eliten, ihr Volk und ihre Lakaien.

Das Provinzielle ist die Kapitulation des Komplexen und die andauernde
Revolution des Einfachen.

Die verschlossenen Türen in der Provinz sieht man nur von außerhalb der
Provinz.
46 / 99

In der Provinz weiß man Bescheid über den nächsten Menschen und vor der
eigenen Haustür hat man noch nie gekehrt.

Wenn alle Stricke reißen, bleibt einem immer noch die Provinz.

An einer kollektive Unmenschlichkeit werden einige Wenige materiell reicher
und die große Mehrheit verarmt geistig und seelisch.

Im Paradies des Faschismus gibt es kein politisches oder wirtschaftliches
Verbrechen, denn das gesamte System ist ein politisches und wirtschaftliches
Verbrechen.

In der Provinz jagt man dann ja bekanntlich vor allem der Gespenster, damit
die Monster ungestört in ihren eigenen vier Wänden ihren kleinen Gulag
einrichten können.

Im letzten Provinzkaff hinter dem letzten Berg hält man sich für den
Mittelpunkt der Welt und in der Welt ist man das letzte Provinzkaff hinter dem
letzten Berg.
47 / 99

Der Slogan Indifferenz dürfte in der Provinz die meisten Wählerstimmen
bringen.

….der heilen Welt ihr „Karma“....
Die Leute kollektiv aufzuhetzen, damit man sie noch leichter indoktrinieren und
manipulieren kann.

Man wird sich daran gewöhnen müssen, dass die globalisierte Welt auch in der
Provinz vor der Haustür steht.

Wenn einem das Leben der Anderen mehr interessiert als das Eigene, ist man in
der Provinz angekommen.

Die Moderne impliziert Komplexität in einer globalisierten Welt, wo mittels der
Vernetzung sich alles grundlegend verändert und in der europäischen Provinz
wartet man als der Dinosaurier auf den nächsten Kometen.

48 / 99

Wenn die Realität in die heile Welt einbricht, dann ist alles gefragt, außer jenem,
was in der heilen Welt gezählt hat.

Der Biedermeier verarbeitet den Schock einer globalisierten, multipolaren Welt,
zu einer heilen Weltromantik des Weltabgewandten.

Mit „anderen Leuten einen Galgen zu drehen“ macht man nur noch in der
tiefsten Provinz Karriere.

Systembedingte Unmenschlichkeit wird von den 99% in den meisten Fällen glatt
verleugnet, ausgeblendet oder einfach nur ignoriert.

Die heile Welt Idylle ist Weltflucht und nicht Heimat.

49 / 99

Wenn die Moderne keine Moderne, die Faschisten keine Rassisten und die
Demokraten keine Demokraten, dabei der Neoliberalismus sozialistisch und der
Kommunismus libertär, das Gute das Böse und die Gerechtigkeit die
Ungerechtigkeit zu sein hat, dann befindet man sich in der politischen Realität
der Provinz, wo nach der herrschenden Klasse Tageslaune keine Moderne die
Moderne und die Rassisten keine Faschisten und keine Demokraten
Demokraten, dabei der Sozialismus neoliberal und der Liberalismus
kommunistisch, das Böse das Gute und die Ungerechtigkeit die Gerechtigkeit zu
sein hat.

Die Gewissenlosigkeit ist immer dort am größten, wo die Würde keinen Wert
hat, denn von einer grobschlächtigen Verrohtheit ersetzt wurde; somit zielt
ebendort auch die Kultur nicht auf Zivilisiertheit, denn bleibt nur ein
„Verstärker“ des banalen Vulgären.

Ein aufgeklärtes und modernes Weltbild ist meist ein Dorn im Auge jener,
welcher für den Status-Quo Sorge tragen.

Die gesellschaftlichen Implikationen, welche ein andauerndes Bejahen des
Faschismus im Wirtschaftlichen, Politischen und Gesellschaftlichen mit sich
bringt, ist ein andauerndes Nein zu jedem Pluralismus, zu jeder Demokratie, zu
jeder Aufklärung und zu jedem Humanismus.

50 / 99

9.
Morris “Moe” Berg (1902-1972)
Den Raum betreten,
freundlich grüßen;
Smalltalk, Shake hands;
to touch base;
sich nichts anmerken lassen,
den Sitzplatz suchen,
sich umblicken,
ruhig bleiben, geduldig warten,
während auf den Schultern
die freie Welt auf einen lastet.
Keep your eye on the ball;
noch ist Zeit,
noch ist der Mord nicht vollbracht,
noch ist der Tod nicht Gast,
sich kurz räuspern,
an die schöne Ehefrau,
den fein geschnittenen Gesichtszügen,
den sanften Augen, den zarten Händen denken
und dabei keinen Zweifel aufkommen lassen
seinem Land zu dienen,
geladen die Pistole am Gürtel.
Der seltsamste Mann,
der jemals Baseball spielte
zwischen den Stühlen,
zwischen den Atomphysikern,
denkt er an die Bücherverbrennungen,
aber schon kehrt Ruhe ein,
Totenstille,
kein Fallschirm hängt an seinem Rücken,
keine Rettungsleine kann er jetzt noch ziehen
und die Schultern beginnen zu schmerzen.
Langsam verstreichen die Sekunden,
der Tod kennt keine Zeit, keinen Druck
und die Uhr tickt,
Heisenberg betritt den Raum,
abgelaufen ist nun seine Zeit,
gestern, vorgestern
51 / 99

waren sie noch zusammen mit Scherrer
durch Zürich spaziert,
Heisenberg näher am Tod, als dem Leben,
aber doch die Notwendigkeit,
denn was hatte Bohr nochmals gesagt
und Heisenberg beginnt mit seinem Vortrag.
To throw someone a curve ball,
zu Fall bringen; den Auftrag erfüllen,
er hochkonzentriert; Notizen schreibend,
dem Vortrag folgend,
der über Leben oder Tod Heisenbergs entscheidet,
welche Schlußfolgerungen,
welche Schußbahn,
einige Fragen stellen
und nur ein, zwei Meter trennen die Beiden,
trennen Heisenberg vom Tod,
ist jetzt der Zeitpunkt gekommen
für sein Land
sich zu opfern?
To go to bat;
das Schicksal der freien Welt
liegt womöglich jetzt in seiner Hand,
nicht als Soldat an der Front,
nicht als Arbeiter in der Fabrik,
hier und jetzt,
der Vortrag endet,
entsichert die Pistole,
jetzt oder nie, nein;
es wird keine deutsche Bombe
in diesem Krieg mehr geben;
nein; heute wird er nicht zum Mörder,
lässt die Pistole ruhen,
geht ab und fragt sich dabei:
“Warum habe ich nicht geschossen?”

52 / 99

Augusto Boal (1931-2009)
Wieviel Spott, Hass und Gelächter
musste er von den Admirälen der alten Ordnung,
dem Geldadel der subtilen Repression,
den Generälen des Kapital
und den Handwerkern der Folter,
als sie an ihm ihr Tagessoll erbrachten;
ernten;
ihm, der die Menschen inspirierte,
aufklärte,
das Alphabet, das EinMalEins,
das Lesen, das Schreiben,
ja lächerlich, bemitleidenswert,
krank und verrückt
muss so einer wohl sein;
denn wer braucht, tut, hat oder möchte
so etwas
einer Menschenwelt,
in welcher doch nur
die Panzer der alten Ordnung,
die Kanonen des Kapital,
die MG´s des Geldadel
und die Pistolen der Skrupellosen
einzig allein zählen.
Wieviel Glückstränen, Momente und Freude
konnte er in diese ausgemergelte Armut,
diesem verzweifelten Soll und Haben der Habenichtse,
in diese Gefängnisse der Hoffnungslosigkeit
hinein säen;
und unleugbar ist die Tatsache,
dass dies der Menschenwelt nichts zählt,
denn dass was zählt ist profitabel,
wirft Rendite und nicht Schatten;
konsumiert, produziert,
lässt sich bereitwillig zähmen,
denn wer zählt
sind die Regisseure des Todes,
die Schergen der Macht,
die Großgrundbesitzer
und die Alternative
53 / 99

Schläge, Bestialisches,
Hunger im Verlies;
aber dann doch was zählt,
nicht am Anfang, der Mitte, dem Ende,
denn nicht das Geld,
die militärische Option,
die Subtilität der Unterdrückungsmechanismen,
die Akkumulation des Kapital,
was zählt;
vor dem Anfang,
nach dem Ende
und zwischen der Mitte,
dass sind Menschen wie Augusto Boal.

54 / 99

10.

….zerfallserscheinungen....

55 / 99

„Über das Leiden“ schreibt keine Gegenwartsikone, obwohl es religiös
angehaucht eine der wichtigsten Rollen im Leben spielt und doch sollte man
nicht nur ausblenden, denn seine Augen für die Welt öffnen.

Das Scheitern sollte man dann auch irgendwann verbieten, denn so wird es
bereits in der Realität aller Tage gehandthabt.

Das Internetprotokoll ist keine moderne Form eines öffentlichen Pranger.

Fachidioten sind fleißig, präzise und ordentlich, aber intelligent ist etwas
anderes.

Die Langeweile ist kein Instrument der Moral, um andere Leute dann zu
terrorisieren, da diese nicht dem biederen Kodex hin zum geistig Aphatischen,
politisch Desinteressierten, auf sich Bezogenen, im Ego-Wahn Verfallenen, an
Gleichgültigkeit nicht zu überbietenden, angepassten und kantenlosen
Erfolgsmodell folgen.

56 / 99

Als bei Gedichten die Komma-Setzung wichtiger wurde, als der Inhalt, da hat
die Moderne die falsche Abfahrt genommen.

Die Totalüberwachung ist ein Mittel der Repression und endet gegen das
Zielobjekt fast immer in „offenen Terror“.

Die moralische Überlegenheit der Frauen zeigt sich vor allem bei deren
Intoleranz gegenüber allem nicht 1:1 Systemkonformen.

Schlagwörter sind etwas für Idioten, denn da werden die niedrigen Instinkte
meist gleich überfordert.

Wo man jedes Minimaldelikt mit maximaler Strafe konsequent verfolgt, wo
beiben dann bei den Maximaldelikten die minimalsten Strafen?

57 / 99

Den Sättigungsgrad beim Brot und Spiele hat man auf „unendlich steigerbar“
gestellt, somit reicht die verabreichte Dosis immer nur bis zum nächsten Schuss.

Wenigstens hat man noch ein Unterbewusstsein und noch keine digitale
Schnittstelle ebendort.

Ein unbequemer Mitwisser lebt gefährlicher, als die eigentlichen Täter.

Die Überforderung ist das neue Mittelmaß.

Frauen sind oft keine moralischen Leuchttürme, denn der verlängerte Arm eines
gewissenlosen Patriarchat.

58 / 99

Wenn die Kontrolle sich alles erlauben kann, wo ist dann der legale Rahmen?

Die Leute gehen oft vom Idealzustand aus, wo es keine Ecken und keine Kanten
gibt, denn alles harmonisch kreisrund zu sein hat und derweil entscheiden im
Leben fast immer die Ecken und Kanten.

Regelkonformes Verhalten im Kollektiv ist Gleichschaltung par exellence.

Die verrohte Grobschlächtigkeit in Rücksichtslosigkeit kennt keinen
Kollateralschaden, denn nur das andauernde Bejahen von Bestialität.

Das Ideal ist der perfekte Lebenslauf, welchem die Mittelschicht als wichtige
Prämisse folgt, aber fast alle großen Geistesmenschen waren gebrochene
Schicksale.

59 / 99

Wenn bei den Grausamen und Brutalen immer alles bestens funktioniert und
bei den Sensiblen und Intelligenten immer alles schief läuft, dann ist der Weg
zurück in die Steinzeit vorgezeichnet.

Bei den Unhöflichen fällt einem weniger die Dummheit, denn deren niedrige
charakterliche Prägung in das Auge.

Die Frauen von Adeligen haben immer schon gerne über die Moral des Volkes
bestimmt, zumeist dann wenn gerade der Kuchen zu Neige ging.

Die Moderne impliziert Toleranz, Weltoffenheit, Individualität und ein
aufgeklärtes Weltbild; also etwas an welches man sich womöglich gewöhnen
sollte.

Die Liebe zum Detail manifestiert sich vor allem darin, nicht nur das Blendende,
Offensichtliche und in Übermaß Vorhandene wahrzunehmen.
60 / 99

Der Bodensatz einer Gesellschaft ist über die Achillesverse der Intelligenten oft
am besten informiert.

Die Aufmersamkeitsspanne wird immer kürzer und außer gedankenloser
Betroffenheit der Anderen haben die Opfer von Verbrechen nichts, denn nach 3
Tagen stehen sie dann allein vor den Scherben ihres Leben.

Wo gesellschaftliche Reibungsflächen bestehen, sind die Brandstifter meist nicht
weit davon entfernt vorzufinden.

Die hässlichen Seiten des Nationalismus bekommen jene besonders hart zu
spüren, welche das Schwarz/Weiß der allgemeinen Vereinfachungs-Idiotie in
Frage stellen.

Im großen politischen und wirtschaftlichen Verbrechen geschehen fast immer
der unzähligen kleinen Verbrechen gegen jene, welche die Opfer des großen
Verbrechen dann sind.

61 / 99

In einem System der kollektiven Gleichschaltung wird alles was von der
vorgegebenen Linie abweicht immer scheitern und dabei in erster Linie das
kollektiv Gleichgeschaltete in deren „Richtigkeits-Vorstellung“ in
Gleichmacherei bestärken.

Bigotte Ultrareaktionäre, welche ihre geistige Frigidität als einzige Wahrheit
kennen, gibt es überall wie Sand am Meer.

Es geht um die Konditionierung der 99% und wenn man das „Lesen von
Büchern“ in einem kriminellen Kontext setzen würde, dann würden die 99%
andauernd der Leute denunzieren oder anzeigen, ja es würde der endlosen
Justiz-Prozesse geben, medial im Rampenlicht für alle nachvollziehbar, dass es
sich beim „Lesen von Büchern“, um einen unglaublich kriminellen Akt dann
handelt.

Die Leute, welche verstehen wie es läuft, schweigen.

62 / 99

Ein „Fähnchen im Wind“ ist die öffentliche Meinung und wenn es zu stürmen
beginnt, dann hat man unkompliziert eine Einheitsmeinung, wo es dann auch
wenig abweichende Meinungen gibt.

Der Kitsch ist das Plastik des Massentourismus.

Mit politischer oder gesellschaftlicher Hetze hin zu einer hysterischen
Gesellschaft, hat man noch kein einziges Verbrechen verhindert, denn deren
Tausende erst erzeugt.

Die Konditionierung macht absichtlich das Kleingeistige im Provinziellen zur
Deutungs- und Interpretationswahrheit; denn es stärkt den
Disziplinierungsprozess der 99% gegenüber den 1%.

63 / 99

11.

….sieben mal hinfallen, achtmal (wieder) aufstehen....

64 / 99

Wenn nur die Instinkte zu zählen haben, dann braucht man wenigstens kein
Gewissen.

Geistige oder menschliche Entfaltungsmöglichkeiten, die vom gesellschaftlich
Vorgebenen abweichen, werden oft zerstört.

Die Steigerungsform der Hetze ist die Hysterie und Letztere tritt zuerst in
weiblicher Ausformung auf.

Die Gleichgültigkeit gegenüber dem „Leid des Nächsten“ wird nicht durch eine
„moralische Überlegenheit“ wieder wett gemacht, denn verschärft nur die
„Gleichgültigkeit“ gegenüber dem „Leid des Nächsten“.

Die Bedingungen sind fast immer unmenschlich; deshalb sollte man versuchen
bedingungslos menschlich zu sein.

65 / 99

Beeinflussungen folgen einem Zweck, sind also nicht selbstlos und am Ende nur
Manipulation auf andauernder Absicht.

Hinter der Absicht liegt die eigentliche Motivation verborgen.

Prioritäten sind sehr oft nur die Ausprägungen individuellen Wahnsinns.

Hitzköpfe haben gesellschaftlich zumeist nichts zu melden, denn schüren nur
das Feuer für die noch größeren Hitzköpfe.

Bevor man allzu große Angst vor dem Tod entwickelt, sollte man erst einmal die
Angst vor dem Leben verlieren.

Bewusstseinsmanipulation geschieht andauernd und die Massenpsychologie
versagt andauernd.

66 / 99

Gute Menschen zeichnen sich oft dadurch aus, dass sie sich allen Widrigkeiten
des Lebens zum Trotz, noch einen Galgenhumor bewahrt haben.

Die Sensibilität ist das erste Opfer in einer Welt der Täter.

Das Bewundernswerte am Leben ist, wie die Menschen aus ihrer Tragödie
heraus noch etwas Konstruktives, Bereicherndes und Erhebendes machen.

Ein Einzelkämpfer hat immerhin noch die Verzweiflung an seiner Seite.

Mit dem Alter kommt die Verachtung für die Dummheit und man lernt das
Missgünstige und Missliebige ziemlich gut zu ignorieren.
Aus der dicken Haut wird ein Panzer.

Der Starrsinn hält alle anderen Sinne gefangen.

67 / 99

Die Gemütlichkeit ist die Unbekümmertheit des Aphatischen.
Freiheit, Liebe, Hoffnung…Begriffe mit denen der Mensch operiert…aber der
Patient Leben hat anderes vor….Kompromisse, Anpassung, Flucht vor sich
selbst und den Anderen….und dann stirbt der Mensch…

Das Schreckliche prägt nachhaltig und schafft Gewissheiten die noch
schrecklicher sind.

Nur wenige Menschen bemühen sich dahingehend einen überhaupt zu
verstehen, denn die überwiegende Mehrheit verlässt sich doch lieber auf das
Pauschalurteil.

Obszön ist meist jenes, was die Elite stört.

Am Scheitelpunkt haben schon viele den Halt verloren.

Man hat immerzu nur die Gegenwart zu sehen, denn ansonsten wird einem
schwarz vor Augen, vor all dem Monströsen und Grauenhaften, was die Guten
so im Verlauf der bisherigen Menschheitsgeschichte, gegen zumeist Unschuldige,
unter dem immer gleichgebliebenen Beifall der Mehrheit, so aufgeführt haben.
68 / 99

Die Einschätzung einer Gefahrenlage ist oft die größte Gefahrenquelle.

Man passt sich an, also man unterwirft sich.

Was der Gegenwart der Mehrheit als Vorbilder und Idole sich andient, prägt
nicht das Zeitalter, denn nur die Illusionen der Mehrheit.

Der Lebensmittelpunkt ist meist ein Nebenschauplatz.

Die Steigerungsform der Oberfläche ist anscheinend unendlich in der heutigen
Zeit ausformuliert. Man kann also schon gar nicht oberflächig genug sein.

69 / 99

Die Pose, als Imponiergehabe, ist oft wichtiger, als die Aussage oder gar so etwas
„Unwichtiges“, wie der Inhalt.

Was bedenklich stimmen sollte, ist die Tatsache, dass am heutigen Tag
Beurteilungen immer schneller ausgesprochen werden, wo man gerade bei
diesen sehr langsam sein sollte.

Die Psyche eines Menschen sollte man womöglich anders beurteilen, als eine
neue Modekollektion.

Die Geschwätzigkeit schmeichelt der Dummheit und verachtet die Intelligenz.

Beurteilungen fallen gewöhnlich von oben herab.

Ihr Nervenkostüm haben viele Menschen im Laufe ihres Leben in der
Garderobe vergessen.

70 / 99

Die Irrationalität der Ängstlichkeit der Leute ist dann wahrlich beängstigend.

Wenn es zu spät ist, hat man möglicherweise nur eine falsche Vorstellung von
der Zeit.

Freundlichkeit und Höflichkeit öffnen Türen und der Portier bleibt einsam.

Hinter der Fassade lauern die Abgründe, aber kaum hat man einen Blick darauf
genommen, schon stürzt man.

Wo alle genauestens über die Psyche eines Nächsten bescheid zu wissen
erscheinen, sollte doch die Gegenfrage erlaubt sein, wie leicht manipulierbar die
Psyche all jener ist, welche da der Pauschalurteile an der obersten Oberfläche
fällen.

Traurige Geschichten möchte keiner hören, denn es würde nur das Misstrauen
der Leute gegenüber den anderen Leuten vertiefen.
71 / 99

Auch auf dem Boden der Tatsachen sind die meisten Anderen schon abgehoben.

Wahrlich erschreckend ist die Naivität der Leute unten gegenüber der
menschlichen Verkommenheit der Leute oben.

72 / 99

12.
Detroit
Schmerzensverzerrt
das Ende eines jeden Tages;
erbeerrot das Blut
den ausgetrockneten Straßen;
vermodernd die Fabriken
an den Ratten, der Moderne;
benzingeschwängert
die Narben der Stadt;
verzweifelt stöhnend,
hustend und keuchend
die sterbende Stadt.
Rostig das Eisen;
dass einst die Zukunft formte;
vergilbt die Haut
der bunten Vergangenheit;
dem Crack verfallen;
Viertel; ganze Straßenzüge
zerfallen; farblos und blass
die stehengebliebene Sonne;
resigniert aufbäumend;
blutend und krächzend
die verreckende Stadt.
Leerestehende Menschen;
ausgebrannte Autowracks;
kalte Suppenküchen;
Ruinen;
sich selbst überlassen;
Schicksale
als schmierige Tragödien;
verottende Vorstädte
und wärmend die Hände
der Gier, des Neid;
verwahrlost und obdachlos;
sich selbst vergessend,
die tote Stadt.

73 / 99

Nighthawks
1.
Verlorene Momente in gelöschten Blicken,
zitternde Erwartungen der Dunkelheit verblühend,
fertig gemachte Beginne, die im Nichts enden,
lange Straßen mit knappem Ende,
die in das falsche Leben abgebogen sind;
erkaltetes Dasein in traurigen Körpern.
Der Boshaftigkeit grausamer Schatten
über den Frohsinn sich legend,
umfallende Armut
zur Bitterkeit gekrönt,
frageloses Verbleiben
in unverstandenen Zeiten,
sprachlose Zeichen
in Niedergeschlagenheit gekleidet,
frierenden Gedanken, den Gefühlen gefangen.
2.
Unbemerkte Untergänge,
niedrige Triebe,
nie zueinander gefunden,
von einem Ende,
verzweifelt,
ungerechte Schritte,
Leid,
ungerade Überlegenheit.
Freundliche Gesichter,
versteckte Grausamkeit,
erbrechendes Fleisch,
unnütze, überflüssige Gründe
und die Härte der Formen.

74 / 99

13.

….von geiern und hyänen....

75 / 99

Der soziale Tod der Alten ist eines der traurigsten Kapitel im Buch des
Neoliberalismus.

Es geht nicht mehr um Umverteilung; denn es geht nur um die Privilegien der
herrschenden Klasse.

Man verkauft die „heile Welt“ an die Senioren, damit zumindest das chinesische
Plastik nicht der einzige Fetisch von allen dann ist.

Ein Gesellschaftssystem, wo das Raubtier den anderen Tieren alles wegfrisst,
verdammt nicht das Raubtier, denn stellt es als Götze über sich.

Das Geld spielt keine Rolle; das Geld ist auch der Regisseur.

Die öffentliche Meinung kann man nicht kaufen; denn diese ist schon vor langer
Zeit verkauft worden.

76 / 99

Die Geier haben ein leichtes Spiel mit den materiell Armen, da jene sich
untereinander wie der Hyänen verhalten.

Das Erfolgsgeheimnis ist die Verhaltensmuster der 1a Erfolgsmodelle zu
imitieren und zu kopieren, damit man dann als eine Kopie von einer Kopie von
einer Kopie von einem etablierten 1a-Erfolgsmodell-Menschen Erfolg dann hat.

Die individuelle Ausprägung des Menschen war bisher nur im Kapitalismus
möglich.

Sündenböcke sind die gefragteste „Ware“ in Krisenzeiten.

Der Sozialismus war totalitär, der Kapitalismus ist einfach nur brutal.

Eine wirtschaftliche Rezession herrscht dann vor, wenn die materiell Reichen
nicht mehr materiell reicher werden und eine wirtschaftliche Depression liegt
vor, wenn die materiell Reichen beginnen weniger materiell reich zu werden.
Das Volk….welches Volk?
77 / 99

Die Anzahl der Verlierer hat keine Auswirkungen auf die Gewinner.

Im Wettbewerb der Besten gewinnt immer der Konformismus.

Einige Hedge-Fonds Zocker und schon ist es um die Verfassung geschehen.

Im Schatten der „Kommerzialisierung“ allem/alles/jedem/r/.... blendet die
„Sonne des Konsum“ am Hellsten.

Ob ein kapitalistisches System mehr Schattenseiten oder Sonnenseiten hat, dass
liegt in einigen Aspekten an einem jeden selbst, was dann auch sehr viel vom
Reiz eines kapitalistischen System ausmacht.

Wer Skrupel hat; wird meistens keine Karriere machen.

Der „Mehrnutzen aus Effizienz“ basiert auf intelligenten Entscheidungen und
nicht auf der Verschärfung von Ausbeutungsstrukturen.

78 / 99

Wenn Geld, welches bekanntlich nicht stinkt, nur noch nach „Unmenschlichkeit
und Tyrannei“ stinken würde, dann würden trotzdem alle Frauen/Männer ihre
Nase nicht rümpfen.

Der äußere Schein wird von der Werbung als Spiegelbild der Seele verkauft.
Die materiell Reichen mögen vor allem die toten Künstler; die lebenden
Künstler mag dann eigentlich niemand.

Der Generationenvertrag wurde von den Alten stillschweigend gekündigt.

Um gesellschaftlich erfolgreich zu sein, wie so oft als ein Psychopath dann zu
enden, ist weder reizvoll, noch verlockend, zumindest vom Charakterlichen,
Emotionalen und Seelischen.

Der neoliberalen Hinwendung folgte glatt die erste empathische Eiszeit in der
Geschichte der Menschheit.

Gefühle sind auch eine Form von Währung. Leider sind viele bankrott.
79 / 99

Ein Problem ist, dass die große Mehrheit der systemirrelevanten Menschen
nicht nur für das System irrelevant sind, denn vor allem für die wenigen
systemrelevanten Menschen.

Die ökonomischen Zweckmäßigkeiten machen aus den Leuten Automaten und
Roboter, welche außer schwarz/weiß zu sein keine andere Farbe kennen.
Angesichts der neoliberalen Ausrichtung der heutigen Gesellschaft, sollte das
wichtigste Schulfach mittlerweile doch Rücksichtslosigkeit heißen.

Man hat sich bereits daran gewöhnt, die Leute sich zu kaufen, anstatt diese zu
überzeugen.

Im Zeitalter des „Kalten Kriegs“ brauchte man noch die Kultur und heute
braucht man nur noch Werbung und Marketing.

Die eigentliche Perversion ist die Reduktion aller Aspekte auf den monetären
Aspekt, um dabei jeden kulturellen, religiösen und gesellschaftlichen Diskurs
kalt zu stellen.

Das „organisierte Geld“ ist die erste Macht im Staat und dann kommt erst
einmal lange gar nichts.

80 / 99

Die Fröhlichkeit ist heutzutage oft nur ein Verkaufsargument.

Die Preispolitik hat mittlerweile eine unmittelbarere Auswirkung auf das
Verhalten der Leute, als die Realpolitik.

Wenn man etwas gegen den Reichtum/die Reichen sagt; also über etwas, über
dass man nicht spricht, dann stören sich die Menschen daran; sagt man
hingegen etwas gegen die Armut/den Armen, stimmen die Meisten zu.

Die andauernde Ausblendung der menschlichen, kulturellen und seelischen
Kosten, ob dem Primat des Wirtschaftlichen, lässt tief in die menschliche Natur
hineinblicken.

Eine Bank hat mehr Geheimnisse als eine Frau.

Das Attribut “erfolgreich” ist ein Käufliches.
81 / 99

Die Visionäre im wirtschaftlichen Bereich haben die Welt nicht nur vielfältig
bereichert, denn den Diskurs auf eine breitere Ebene gestellt.

Die Armen sind ein Schuldenberg ohne liquide Mittel.

Der Materialismus ist zum Teil schon dermaßen degeneriert, dass es nicht um
das Ding an sich, denn nur noch um den Preis des Dings geht.

Mit Geld kann man alle ködern und damit angelt man dann nach all jenen,
welche das Geld in Frage stellen.

Die Menschen sind käuflich, angefangen bei jenen die nichts wert sind.

Die intellektuelle Antwort ist nicht kapitalistisch kurzfristig, denn zieht sich
gewöhnlich in eine generationenübergreifende Länge.

82 / 99

Persönliche Überzeugungen zählen zu den billigsten Waren im kapitalistischen
System.

Das Fieber der heutigen Zeit ist die Gier. Das Hauptsymptom ist der Neid.

Für das „große Geld“ ist mittlerweile alles möglich, denn man definiert den
Preis und den Markt für das „kleine Geld“.

Die gute Laune ist zu einem selten gesehenen Urlaubsgast im vom
wirtschaftlichen Krisenhaften dauerhaft durchgeschüttelten Europa geworden.

In einer Warenwelt ist der Konsum die erste Bürgerpflicht.

Mit der Verzweiflung und Ohnmacht der Leute macht man zumeist „gutes
Geld“.
83 / 99

Was dem Drogensüchtigen sein Heroin, dass ist dem Volk sein Superreicher.

Die Zentralbanker hat niemand gewählt, wohl deshalb haben sie am heutigen
Tag die absolute Macht im Staat.

Positive Veränderungen im Gesellschaftlichen sind eigentlich beinahe nur über
das Wirtschaftliche möglich.

Während die Politik oft den Pessismismus fördert, stellt doch die Wirtschaft eine
Spielwiese für Optimisten dar

Die Schikane ist die erste Hürde auf dem Weg nach oben.

Neid ist auch die Mißgunst gegenüber dem Gelungenen.

84 / 99

14.
Die Hungrigen
Es sind nicht die Apathischen, die Trägen,
die Zufriedenen und die Satten;
es sind nicht die Reichen, die Elitären,
die Exklusiven und die Auserwählten;
denn es sind die Unruhigen, die Ungeliebten
und die Getriebenen;
es sind nicht die Luxugeschöpfe, die Villenbesitzer,
die Gelangweilten und die Gewohnheitsmenschen;
es sind nicht die Provinzler, die Relikte,
die Unaufgeklärten und die Zurückgebliebenen;
denn es sind die Schwierigen, die Traurigen
und die Stillen;
es sind nicht die Genießer, die Degustierer,
die Konsumgeier und die Hochwohlgeborenen;
es sind nicht die Angepassten, die Pragmatiker,
die Opportunisten und die Gelegenheitsergreifer;
denn es sind die Verstoßenen, die Zurückgewiesenen
und die Abgelehnten;
es sind nicht die Ausbeuter, die Zerstörer,
die Beliebten und die Oberflächigen;
denn es sind die Verfluchten, die Verdammten
und die Verlierer;
es sind nicht die Naiven, die Natürlichen,
die Präpotenten und die Möchtegerne;
denn es sind die Verzweifelten, die Verlorenen
und die Verlassenen;
es sind nicht die Umworbenen, die Protegierten,
die Umsorgten und die Geförderten;
es sind nicht die Nüchternen, die Technokraten,
die Geschwätzigen und die Scheinheiligen;
denn es sind die Erniedrigten, die Entehrten
und die Wütenden;
es sind nicht die Erfolgreichen, die Glücklichen,
die Schönen und die Begehrten;
es sind nicht die Rohen, die Gewalttätigen,
die Dumpfen und die Abgestumpften;
denn es sind die Zweifler, die Unsicheren
und die Suchenden;
es sind nicht die Durchschnittlichen, die Unscheinbaren,
die Gewissenlosen und die Folgsamen;
denn es sind die Fallenden, die Einsamen
und die Hungrigen.
85 / 99

Ein Loblied auf die Majestät
Entschuldigen`s Gnädigste,
verzeihen´s mir,
dass so einer wie ich es wagt
zu schreiben was und wie
es ihm beliebt;
ja seine Meinung unter keinem Berg versteckt,
denn eine hat;
ja unverzeihlich Madame,
mille regrets mademoiselle,
dass ich ungebildeter Hobel
zu krisieren mir erlaube;
Kuchen, ich weiß, nicht Brot.
Blass die Noblesse,
anstandsgemäß, dezent die Umgangsform
und für solch einen Frevel
den Kopf abzuschlagen
und so kniee ich ja schon
vor soviel Allerfeinstem
und ja, mein Auftreten;
da rümpft die feine Dame ihre Nase;
da wendet sich der Gentlemen von Welt
mit Grauen ab;
Kaviar, ich weiß, nicht Reis.
Ich würd ja meinen Hut
vor euch so gerne ziehen;
aber dass ziemt sich nicht;
ja sittlich und bieder
und nicht anmaßend, töricht;
so läuft der arme Mensch
in das Verderben;
die Flinte knallt
und schon wieder hat der gute Geschmack gesiegt;
Champagner, ich weiß; nicht Wasser.
Excusez-moi,
ja, ja; ich werde noch kriechend
in Ehrerbietung vor euch
im Dreck mich suhlend,
dreimal auf jedes Kreuz
geschlagen werden;
unappetitlich, not en-vogue,
unpassend
und immer schöner glänzt das Gold
aus euren Räubertaschen;
da bleibt an eurem Hofstaat
86 / 99

mir nur noch das Exil;
dienen; ich weiß; nicht leben.
In Scherben soll´s zerfallen,
vergessen werden dieses Werk;
ja, was erlaubt sich
denn der Knecht;
die Rute ist gezückt, gestriemt der Rücken;
gebeugt ist endlich die devote Haltung;
ach, hätt ich doch geschwiegen;
dann könnt ich weiter vor euch kriechen;
Geld, ich weiß; nicht Mensch.
Und nun hat euer Bannstrahl mich getroffen;
tobt der Pöbel, flucht die Sau;
soll er halt verrecken,
ja so einen, ja so einen
den brauchen wir hier nicht;
Loblieder sollst schreiben;
die Minne preisen;
huldigen den Reichen
und so versuche ich sogleich
in diesen Versen;
Faschismus, ich weiß; nicht Menschlichkeit.
Und wenn ich endlich dann verstumme
ist der Frohsinn wieder hergestellt;
Disziplin, Ordnung, Sauberkeit;
damit auch jeder weiß
wessen Geistes Kinder;
dass alles bleibt beim Alten
und wenn ich dann vom Galgen baumle,
damit glücklich das Geld und der Besitz;
Einfalt, ich weiß; nicht Vielfalt.

87 / 99

15.

….neunundneunzig....

88 / 99

Als erstes verdrängt der Frühling den Schatten, alles wird heller und klarer, als
ob die Maschinen Rost angesetzt hätten.

Ruiniert ist man dann, wenn alles so ist, wie es sein sollte.

Brav zu sein hat auch noch niemanden geholfen.

Im Silicon Valley gibt es nur noch Einhörner und der Algortyhmus hat seine
Märchenstunde für die Schafe.

Das kurzfristige Monetäre hat immerzu im Mittelpunkt zu stehen, damit man
auch niemals bemerkt, dass man dabei der geistigen und seelischen Werte
langfristig zerstört.

Das Zerstörte in einem Menschen kann man nicht mehr messen, nur erahnen.

89 / 99

Die Angst vor der Bibliothekarin bleibt einem in allen Lebensabschnitten
erhalten.

Allzu Klares ergraut; das Nebulöse bleibt.

Der kulturelle Einheitsbrei verdirbt die feinen Sinne, damit die seichte
Unterhaltung auch besonders gut schmeckt.

In einer Tragödie spielen meistens die Schurken die Hauptrolle, aber die
eigentliche Handlung sollte sich um die Würde der Opfer drehen.

Man malt über das Grau der Leute das Schwarz.

Man fährt mit dem Rad, man sitzt in einer Vorlesung, man geht auf der Straße
spazieren, man besucht ein Lebensmittelgeschäft, man trinkt ein Bier in einer
Kneipe und alles was man sieht und hört sind Leute, die auf ihr Smartphone
starren.
90 / 99

Die satten Menschen haben keine Ahnung von den hungrigen Menschen und die
hungrigen Menschen haben überhaupt keine Ahnung.

Die Wahrheit ist ein tiefer Brunnen und das Wasser geht zur Neige.

So leicht erscheint alles und am Ende ist es immer Arbeit.

Die größte Ressource einer jeden Nation sind ihre engstirnigen IdiotenInnen.

Ärzte sind heutzutage mehr Krankheitsexperten, als Heiler.

Eine Hand wäscht die Andere, wohl damit am Ende alle krank sind.

Wenn es nur eine einzige richtige Seite gibt, dann ist es die falsche Seite.

91 / 99

Der deutsche Aktenschrank hat aber sehr viele Schubladen.

Die Muse wird immer mehr Hure als Heilige sein.

Die Logik ist oft von Feinden umstellt.

Die Gewohnheit ist die Herrin und der Mensch ihr Sklave.

Der Mainstream kennt nur den Refrain des Geistlosen.

Die Zähigkeit lehrt Demut.

Auch ein schmaler Grat ist ein Weg.

92 / 99

Der Lauf der Dinge stolpert über die Kondition.

Der natürliche Lauf der Dinge ist oft unnatürlich.

Kein Schatten ist so dunkel wie die Finsternis, wo ein böses Leben dann endet.

Die kultivierten „Zivilisierten“ sprechen fast immer in leisen Tönen, denn das
kulturlose „Unzivilisierte“ kreischt ja in andauernder Hystiere, gleich der Geier,
über den Köpfen aller.

Es gibt nicht nur die profane, monetäre Ebene, wo der niedrige Charakter
triumphiert, denn es gibt noch Ebenen, von denen die Meisten überhaupt keine
Ahnung haben.

Irgendjemand hat die Ursuppe aus der alles entstammt versalzt.

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Als Künstler lebt man immer in einem bestimmten Spannungsfeld und dann ist
Stromausfall.

Aus 99 Meinungen eine Meinung und aus 99 Ansichten eine Ansicht und aus 99
Möglichkeiten eine Möglichkeit zu machen, erscheint bei vielen Leuten deren
eigentliche Lebensaufgabe zu sein.

Der lange Atem benötigt gar nichts mehr; denn dieser setzt sich über alles
Kurzfristige langfristig durch.

Eine Träne im Wind ist die Macht der Mächtigen.

Die Farblosigkeit ist nicht die schönste Farbe.

Der Geistesblitz ist etwas vom Langsamsten überhaupt.

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Verzweifelt versuchen so Einige sich eine eine Kindlichkeit zu bewahren,
während Roboter und Automaten, welche diese umgeben, das Diktat der
Effizienz zur Religion des Alltags hochpredigen.

An der Front den Feind ausbluten zu lassen, so wie im 1. Weltkrieg an der
Westfront, sagt schon alles, was man womöglich vom Krieg jemals wissen sollte.

Wenn man zweifelt, dann ist man meistens für die Welt schon verloren.

Als ob es der Mehrheit jemals, aber auch nur ein einziges Mal, um die
Gerechtigkeit gegangen wäre.

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16.
一望 / 一眸 (*1)
Ungebrochen der Wille,
von ausgeprägter Disziplin
auch des vorbildhaften Gemeinschaftssinn,
nicht nur durchzuhalten,
denn fleißig und höflich,
aus Asche zu neuen Metropolen,
hin zu Wolkenkratzern aus Ruinen,
um der Tragödie aus Erdbeben, Tsunami und Atom,
am Tiefpunkt angelangt,
doch allem Schrecken zum Trotz,
eine Nation der Welt ein Beispiel zu geben,
nicht aufzugeben, nicht der Verzweiflung,
denn sich wieder aufzurichten,
wie der Heldenschar,
das Opfer ihres Lebens Todesmut,
um die Zukunft ihres Volkes,
zäh und tapfer kämpfend,
um einer endlosen Stadt,
zur Avantgarde des Menschheitsgeschlecht,
eines Landes der aufgehenden Sonne,
bewundert der Welt,
innovativ, geistreich und inspirierend
die Welt bereichert zu haben,
tugendhaft sich hochgearbeitet,
um auch der bittersten Stunde
die ehrenvolle Aufgabe,
Land und Zukunft sich zurück zu erobern,
stolzen Blickes emsig und bemüht,
denn nach wie vor
der Wille und der Glaube,
die Seele eines Volkes
ungebrochen.

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Потёмкинская деревня / Das Potemkinsche Dorf
Glanz und Glorie auf den runzeligen Tapeten;
herabgerissen wird der fade Nachgeschmack
von Weitblickendem;
aussortiert das Hinterfragende,
denn praktisch hat alles zu sein,
unverbogen, geradeaus
und die Nachfrage steigt,
der Kunde, der Gast, der Konsument;
und die Gebete dem Überfluss hinzu,
denn die Götzen gebärden sich als Wohltäter.
Verlogener wird der Erfolgreiche
auf den Thron ermporgehoben;
Fassaden errichtet und zerschmettert;
das Mögliche eingezäunt
und die Herde in Sicherheit;
der Besitz und die Ordnung sind Brüder,
die Menschen;
verstoßen wird,
wer an den Dogmen
zu rütteln sich anmaßt.
Zuversichtlicher werden die Entscheidungen;
Baum um Baum fällt;
zurückzuziehen hat man sich;
abzulassen
und sich zur Durchschnittlichkeit zu bekehren;
Trostlosigkeit ist das Versprechen,
welches ein jeder einzuhalten versucht
und gewaltig sind noch
die Detonationen früherer Kriege
in den Menschen zu finden.
Schwankend hält der Intellekt
an seinen Überzeugungen sich fest,
stürzt und kämpft,
trocken fährt die Erntezeit
ihre Traktoren
in die Geistlosigkeit hinaus;
runder werden die Stammtischgespräche,
polternder das Schimpfgewitter
und alles wird von dem
wie immer gleichen Gelächter
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überschattet;
Splitter fallen durch die Einfalt
und fallen weiter.
Besser wird es nicht mehr,
nur überzeugter
die Schwafler von ihrem Einmaleins,
geradeaus halten die Obrigkeiten
Ausschau nach Schiefem,
langweiliger wird es heute
nicht mehr werden;
alles muss bleiben,
damit niemand versucht;
einsam bleibt das Elend und die Freude.

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Anmerkungen:
Kapitel-Titel:
der Nil ist bei Kairo angelangt.....von Arthur Schopenhauer....
meine Sprache ist meine Heimat....von Heinrich Böll...
sous cet angle....französisch für „aus jener Perspektive“....
something wicked this way comes....William Shakespeares MacBeth, geflügeltes
Wort/Englisch
....der kalten Barbarenhöhle....Provinzielles....
sieben Mal hinfallen, acht Mal (wieder) aufstehen....1 七転び、八起き, japanisches
Sprichwort

Zum Gedicht: 一望 / 一眸, japanisch: ichibou; in das englische übersetzt; an "unbroken
view"; bezüglich der Bedeutung dahingehend zu verstehen: ungebrochen; somit nicht
geschwächt; nicht verzweifelt, nicht niedergeschlagen.

Zum Gedicht: Потёмкинская деревня....russisch für „potemkisches Dorf“

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