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THE TEMPL TIMES

MONDAY, NOVEMBER 9, 2015

Montag 9. November 2015

Prager Autor will neuen Prozess
Restitutionskrimi: Der Journalist hat vor seinem Haftantritt Antrag auf Wiederaufnahme gestellt.
Templ hatte – wie berichtet – bei der Restitution eines Palais in
Wiener Rathausnähe für seine Mutter einen Zuspruch im Wert von
1,1 Millionen Euro erwirkt und dabei seine Tante unterschlagen.
Laut der unabhängigen Schiedsinstanz für Naturalrestitution, die
über Anträge auf Rückgabe von Vermögenswerten aus öffentlchem
Eigentum nach dem Entschädigungsfondsgesetz entscheidet, trifft
Antragsteller keine Pflicht zur Bekanntgabe anderer Anspruchs
berechtigter.

Strafrechtliche Relevanz

Stephan Templ tritt Montag seine Haftstrafe an

Foto: APA/HERBERT NEUBAUER

http://kurier.at/chronik/oesterreich/prager-autor-will-neuen-prozess/156.217.830

Kurz bevor der Prager Journalist und Historiker Stephan Templ
am kommenden Montag seine einjährige Haftstrafe in Wien
antritt, hat er einen Antrag auf Wiederaufnahme seines Verfahrens
eingebracht. Der Autor hat eine bemerkenswerte Entscheidung
der Schiedsinstanz für Naturalrestitution ausgegraben, die seine
­Verurteilung wegen Betruges noch abstruser erscheinen lässt.

Wörtlich heißt es in der Entscheidung:
„... dass eine strafrechtlich (oder sonst wie) sanktionierte Pflicht,
als Erbe in einem Verlassenschaftsverfahren die Existenz weiterer
Erben bekannt zu geben, nicht besteht. Strafrechtliche Relevanz
hätte nur eine falsche Aussage bei einer förmlichen Vernehmung
zur Sache, etwa im Rahmen der Todesfallsaufnahme...“
Genau das, nämlich das Verschweigen seiner Tante als
weitere mögliche Anspruchsberechtigte, wurde Templ zum
Vorwurf gemacht und als Betrug gewertet. Templs Anwalt
Christian ­Leskoschek beantragt im Wiener Landesgericht eine
Wiederaufnahme des Strafverfahrens und einen Freispruch.
Ricardo Peyerl
(KURIER) Erstellt am 02.10.2015

Service / Presse / Pressemitteilung

https://entschaedigungsfonds.org/pressemitteilung/haeufig-gestellte-fragen-zum-restitutionsfall-sanatorium-fuerth.html

Die wahrheitswidrige Behauptung des Entschädigungsfonds
führte zur Verurteilung von Stephan Templ
Fortsetzung auf Seite 2
www.stephantempl.com

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THE TEMPL TIMES, MONDAY, NOVEMBER 9, 2015

Die wahrheitswidrige Behauptung des Entschädigungsfonds
führte zur Verurteilung von Stephan Templ
Presseaussendung der Schiedsinstanz für Naturalrestitution vom
4. Juni 2014, anlässlich des Strafverfahrens gegen Stephan Templ,
am Vorabend der letzten Verhandlung.
https://entschaedigungsfonds.org/pressemitteilung/haeufig-gestellte-fragen-zum-restitutionsfall-sanatorium-fuerth.html

Die Schiedsinstanz führt hier wahrheitswidrig Folgendes an:

Frage 5) b. “Mussten AntragstellerInnen andere ErbInnen angeben?”

“Ja, sofern den AntragstellerInnen mögliche ErbInnen bekannt waren.
Gegebenenfalls waren von diesen Name, Wohnadresse und Telefonnummer anzugeben. Es war keine Erbensuche verlangt.”
Diese Behauptung ist falsch und führte zur Verurteilung von
Stephan Templ

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THE TEMPL TIMES, MONDAY, NOVEMBER 9, 2015

Erbschaftskrimi endet für Autor
mit Haftantritt
Notar bekommt es mit Staatsanwalt zu tun, inzwischen geht Prager Journalist in Wiener Gefängnis.
Ricardo Peyerl
(KURIER) Erstellt am
20.09.2015

Am Montag in einer Woche muss
der in Prag lebende Journalist und
auf Restitution spezialisierte Autor
mit jüdischen Wurzeln, Stephan
Templ, seine einjährige Haftstrafe
in der Justizanstalt Wien-Simmering
antreten. “Untertauchen werde
ich nicht, ich bin ja nicht der Udo
Proksch. Wobei ich nichts gemacht
habe wie der Proksch”, sagt Templ
zum KURIER. Es ist der Schlussakt
in einem skurrilen Erbschaftskrimi,
der Österreich weltweit kritische
Schlagzeilen beschert. Templ geht
für einen Betrug ins Gefängnis, von
dem niemand weiß, wer eigentlich
geschädigt ist.
Das herrschaftliche Sanatorium
Fürth in Rathaus-Nähe in Wien Josefstadt war den jüdischen Besitzern von den Nazis geraubt worden.
Erst spät entschloss sich die Republik Österreich zur Rückgabe bzw.
Ablöse an die Nachfahren der Ei-

gentümer. Ein Wiener Notar machte
für ein Drittel der eingebrachten
Summe als Honorar die verstreuten
Erben ausfindig. Mehrere ließ er
unter den Tisch fallen, bekundete
sogar das Erlöschen einer Linie, obwohl er von einem Berliner Gericht
über einen Rechtsnachfolger informiert worden sein soll.

Keine Gnade
Unter den vom Notar nicht genannten Erben befanden sich Templs
Mutter und deren Schwester. Templ erfuhr durch Zufall davon und
erreichte in Eigenregie – ohne die
gut bezahlten Dienste des Notars
in Anspruch zu nehmen – für seine Mutter einen Zuspruch von 1,1
Millionen Euro. Die Existenz der
Tante, mit der man über Kreuz ist,
unterschlug er. Das kann man moralisch verurteilen. Aber Templ meint,
die Restitution ist ein Gnadenakt,
kein Recht, daher habe er nicht die
Pflicht, sich für andere Erben zu
engagieren. Apropos Gnade: Der
Bundespräsident hat Templs Begna-

Foto: REUTERS/DAVID W CERNY Stephan Templ lebt und arbeitet in Prag, am 28. September muss er in WienSimmering Strafe antreten.

digung abgelehnt.
Vier Jahre nach Ablauf der Antragsfrist informierte der Notar
die Tante, dass sie ebenfalls Erbin
gewesen wäre. Diese zeigte ihren
Neffen prompt an (und klagte ihren
Anteil ein), Templ wurde als Betrüger verurteilt. Wobei: Die Tante
wurde vom Strafgericht nicht als

Geschädigte anerkannt, laut Urteil
wurde die Republik geschädigt. Die
­Finanzprokuratur (Anwaltskanzlei
des Staates) erklärte allerdings,
beim Bund sei kein Schaden entstanden. Für den Notar interessiert
sich verspätet doch noch der Staatsanwalt, aber das kann Templ auch
nicht mehr retten.

http://kurier.at/chronik/wien/erbschaftskrimi-endet-fuer-autor-mit-haftantritt/153.679.655

http://www.jta.org/2015/09/18/news-opinion/world/austrian-prosecutor-to-review-convicted-jewish-historians-discrimination-claims

Austrian prosecutor to review convicted Jewish
historian’s discrimination claims

(JTA) — Austria’s economy ministry
said it asked prosecutors to examine claims
of discriminatory treatment in the trial of a
Jewish historian facing prison for omitting
his aunt from an application for Holocaust
restitution.
Stephan Templ, the historian, is to
report to prison on Sept. 28 to serve out his
2014 sentence of one year in jail for fraud
against the Republic of Austria because he
left out the aunt from the application he
filed in 2006 on behalf of his mother.
The examination pertains to docu-

ments that suggest that an Austrian public
notary, Helmut Scheubrein, also omitted
at least one beneficiary whom he was told
existed from a list of heirs to the asset for
which Templ’s mother received restitution. Scheubrein, who submitted the list in
2007, was not prosecuted while Templ —
who in 2001 wrote a book highly critical
of Austria’s restitution record — received
for the same actions a punishment which
the Anti-Defamation League described as
“extraordinary” and raising “some uncomfortable questions.”

Templ said this showed “discriminatory treatment” of his prosecution, which
he and other critics have called a vendetta,
though Austrian authorities denied this.
“The allegations of Mr. Templ concerning Dr. Scheubrein are new to us,”
Economy Ministry spokesperson Harald
Hoyer told JTA Thursday, adding his office
transmitted the information for examination by “the competent public prosecutor.”
On Wednesday, the human rights lawyer Robert Amsterdam, who is representing Templ pro bono, sent a harshly worded

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letter to Austrian President Heinz Fischer,
whose office earlier this month cited declined ADL’s request to pardon Templ.
“Mr. Templ is now a convicted criminal
because the Republic of Austria claims an
application form he filled out for restitution is homologous with serious fraud.
Unless and until you change that, Austria
carries his conviction on its shoulders,”
Amsterdam wrote.
September 18, 2015

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http://www.theguardian.com/world/2015/oct/04/holocaust-historians-criticise-austrias-jailing-of-jewish-author-stephan-templ

Holocaust historians criticise Austria’s
jailing of Jewish author

Stephan Templ highlighted cases of Jewish property stolen by the Nazis but has now been punished for
omitting an aunt’s name in a restitution claim
Kate Connolly in Berlin
Sunday 4 October 2015

A

historian and vocal critic of the Austrian
government’s irresolute attitude towards returning properties stolen from their Jewish owners by
the Nazis will be jailed on Monday after being
convicted of defrauding the state, in what leading Holocaust historians have condemned as a
“deeply troubling overreaction”.
Stephan Templ, the author of Unser Wien
(Our Vienna), a book that catalogued hundreds of
prominent Jewish-owned properties seized by the
Nazis that were never returned, received a oneyear sentence as punishment for having omitted
the name of an estranged aunt in an application
on behalf of his mother for the return of property
seized from his Jewish relatives in 1938.
Templ’s book, co-written by the historian Tina
Walzer, created a huge stir when it was published
in 2001. It included little-known accounts of Viennese landmarks – from the city’s famous ferris
wheel to luxury hotels – that had been Aryanised
and for which owners or heirs had been either
never, or insufficiently, compensated.
The book triggered a wave of legal claims
against the Austrian state from around the world.
The property at the centre of Templ’s legal
battle with the state is a huge, elegant 19th-century villa near the Ringstrasse in the centre of Vienna that was once a private birth clinic belonging
to Lothar Fürth, a cousin of Templ’s grandmother.
A month before the building was expropriated by the Nazis on 3 April 1938, Fürth, the head
of the clinic, and his wife, Sue, were forced by
a caretaker to clean the pavement in front of the
building using toothbrushes in an ultimate act of
humiliation. The couple then retreated to the oper-

The ferris wheel in Vienna’s Prater amusement park was
revealed by Templ to have been among property seized
from Jewish owners by the Nazis. Photograph: David
Levene for the Guardian

ating room at the top of the hospital and injected
themselves with poison.
Fürth wrote in a suicide note: “We have had
enough.”
In 2005, Templ filed a restitution claim on
behalf of his now 82-year-old mother, Helene, a
Holocaust survivor, for her share of the building.
He had discovered only by chance through media
reports that an arbitration panel – set up as a result
of a restitution treaty between the US and Austria
to facilitate the return of Nazi-confiscated properties that had remained under Austria’s control for
decades – had decided to return the building to
heirs in the US, UK and Switzerland.
“The sanatorium had in fact appeared as one
of the Aryanised properties listed in my book, but
at the time I did the research on it I had not known
that my mother had any claim to it,” Templ told
the Guardian.
A first group of heirs had been tracked down
by a genealogist and a notary, who was also working for the state, and to whom all the non-Austrian
residents were required to pay a 40% contingent
fee. Such fees are illegal in Austria, which is why

Templ supporters suspect his mother, who lives in
Vienna, was never contacted and the family had
to find out for themselves that they were among
the heirs.
After a lengthy legal process, the building was
returned to the heirs – 39 of them in all. When it
was sold in 2010 to be turned into luxury apartments, Helene received €1.1m (£800,000) for her
share.
In 2011, the same notary contacted Helene’s
sister, Elisabeth Kretschmar, who Helene had
been estranged from for several decades, telling
her she had missed the deadline to claim for her
share. A state prosecutor started criminal proceedings against Templ, accusing him of defrauding
Austria on the grounds that had his aunt chosen
not to claim her share, it could have gone to the
state.
A judge ruled that Templ had “damaged the
Republic of Austria”, even though Kretschmar,
86, has gone on record in front of a court to say
she would never have relinquished her share to
the state.
Templ was sentenced to three years in prison,
which was reduced on appeal to one year on the
grounds he has not offended before.
But legal experts in Austria have said Templ,
54, a Czech-Austrian who lives in Prague, was
never under any legal obligation to contact other
heirs. Even the arbitration panel has stated in
previous restitution decisions that the responsibility does not lie with restitution applicants to name
other potential heirs.
Eva Blimlinger, who headed the Austrian Historical Commission’s search for stolen property
said: “It’s the duty of the arbitration panel to find
out if there are other heirs, not that of Stephan
Templ and his mother.”
Templ told the Guardian: “Owing to the fact
that the state stole the property from my family,
the obligation should be on them to track down
the relatives. My only obligation as far as I was
concerned was to assure those deciding on the
restitution that my mother’s claim was bona fide.”
He has since discovered another heir living in
Berlin, who he says the Austrian authorities also
failed to contact.
Robert Amsterdam, a leading human rights
lawyer from Canada who defended the Russian
oligarch Mikhail Khodorkovsky, is representing
Templ on a pro bono basis. He said Templ’s case,
which he believed was “inextricably tied to the
horrors of the Anschluss” (the 1938 annexation
of Austria to Nazi Germany) and the subsequent

Stephan Templ outside the sanatorium building in central Vienna, the property at the centre of the legal claim.
Photograph: Tina Walzer

theft by the Nazis of Jewish-owned property, was
“an affront to justice” and full of flaws.
“It is fraught with legal abnormalities from
beginning to end,” he said. “Some of the prosecutors have tried to defame Stephan by accusing
him of playing a stereotypical greedy Jew, but if
there’s a greedy party it’s the state of Austria, who
stole the property in the first place.
“It’s an obscenity – akin to a robber suing you
because he’s left behind the tools he used to break
into your house.
“The fact we’re seeing this 70 years after
the end of world war two is a terrible personal
tragedy for Stephan, and a crime against personal
memory.”
Last month, the Austrian president, Heinz
Fischer, rejected a request for clemency, saying
the punishment was just because according to the
court ruling Templ had “damaged Austria” by his
actions.
Seventy-five Holocaust historians from
around the world, including Prof Deborah Lipstadt, author of History on Trial, Prof David S
Wyman, author of The Abandonment of the Jews,
and Prof Walter Reich, former executive director of the US Holocaust Memorial Museum in
Washington, have signed a letter to the Austrian
government urging it to cancel Templ’s prison
sentence, which is unprecedented in the history of

Nazi leader Adolf Hitler entering Vienna on 14 March 1938. Photograph: AP

www.stephantempl.com

Austrian restitution law.
Another Templ supporter, Karl Pfeifer, a veteran Austrian journalist and a Holocaust survivor
who has followed the case, said: “The only reason
Templ was prosecuted is that he touched a nerve
with his book, which reminded the Austrians of
how they stole Jewish property.”
Stuart Eizenstat, a former deputy secretary of
the US Treasury and former US ambassador to the
EU, who helped set up Austria’s restitution system, called the prosecution “almost inexplicable”,
and said the burden should be on the state to find
heirs. “Once an heir brings a claim, the government should publish it and say … are there any
more [heirs] out there?” he said.
The general settlement fund, an intergovernmental organisation set up to recommend the
return of Nazi-looted property from the state to its
former owners or their heirs, did not respond to
the Guardian’s request for a statement. Its website
states that it “does not wish to comment on the
criminal proceedings” and refers inquirers instead
“to the publications of the supreme court”.
The justice ministry said it was unable to
comment on the case because it did not want to
“create the impression we’re trying to influence
the jurisdiction of the independent courts”. But it
added that according to the court’s ruling, Templ
had “intentionally sought unjust enrichment”.
Templ’s lawyers said that even when he is behind bars they will continue to fight for a reprieve
or for the case to be reopened.
Templ said he felt trapped in an “absurd and
Kafkaesque” situation. “And imagine the nightmare for my mother as a Holocaust survivor,” he
added. “She says it’s as if the Nazi persecution
continues for her, because they treat us as if we
were profiteering from the anti-Jewish laws and
Austria was a victim of the Nazi era.”
In a further blow, two of the stolpersteine, or
brass plaques – about 50,000 of which have been
set into pavements across the territories of the former Third Reich as reminders of the Jewish citizens who once lived there – have been removed
by the new owners of the former sanatorium.
They were engraved with the names of Lothar and
Sue Fürth and the date of their deaths.
“I suppose it would be too uncomfortable for
the new residents to be reminded every time they
went through the door of the Jewish citizens who
once lived there and the circumstances in which
they died,” Templ said.

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THE TEMPL TIMES, MONDAY, NOVEMBER 9, 2015

Der Fall Templ ist ein Justizskandal
Um einen Unbequemen wegen Restitutionsbetrugs ins Gefängnis zu bringen, haben Behörden und
Gerichte alle Rechtszweifel einfach ausgeblendet
http://derstandard.at/2000022642423/Der-Fall-Templ-ist-ein-Justizskandal
Anwälte im Lauf des Verfahrens zahlreiche
Lücken aufgezeigt, auf die weder die Gerichte noch das Justiz- und das Außenministerium, die das Urteil wortreich verteidigen, eine
Antwort vorweisen konnten.
Keine Verpflichtung, Tante zu erwähnen

foto: apa/neubauer
Stephan Templ hat Österreichs Restitutionspolitik einst
scharf kritisiert – jetzt muss er wegen eines eigenen
Fehlers ins Gefängnis.

BLOG ERIC FREY 23. September 2015
Stephan Templ muss am Montag eine
einjährige Haftstrafe antreten, weil er vor
zehn Jahren beim Antrag auf Restitution
für einen Anteil an einer wertvollen Wiener
Liegenschaft die Existenz einer Tante verschwiegen hat. Beim Verkauf erlöste seine
Mutter 1,1 Millionen Euro, davon wäre die
Hälfte ihrer verhassten Schwester zugestanden. Templ wurde wegen schweren Betrugs
rechtskräftig verurteilt.
So weit, so klar. Allerdings haben Templs

Templ war laut Restitutionsgesetz nicht
verpflichtet, vor der Schiedsinstanz die Tante
zu erwähnen. Berechtigte Erben ausfindig zu
machen ist die Aufgabe des Staates, der das
ganze Verfahren höchst fehlerhaft durchgeführt hat.
Und vor allem wurde in allen Urteilen die
Republik als finanziell Geschädigte genannt,
obwohl sie keinen Schaden davongetragen
hat. Das wurde mit der Fiktion begründet,
dass die Tante, hätte sie von der Restitution
gewusst, ja auf ihren 550.000 Euro wertvollen Anteil an der Immobilie – dem ehemaligen Sanatorium Fürth in Wien-Josefstadt
– zugunsten des Bundes hätte verzichten
können. Warum sollte sie?, muss sich jeder
fragen. Und sie hat auch nicht (sondern
kämpft um ihren Anteil vor einem Zivilgericht).

Unmoralisches Handeln
Es sind diese Aspekte, die irgendwo auf
dem Weg durch die Gerichtsinstanzen zu einem Umdenken hätten führen können. Templ
hat sicherlich unmoralisch gehandelt, wobei
es ihm wahrscheinlich weniger um das Geld
ging als darum, der Tante keinen Gefallen zu
tun (sie wusste damals nichts vom Restitutionsanspruch und hatte mit ihrer Schwester
schon vor Jahrzehnten um Geld gestritten).
Aber Gerichte sind nicht dazu da, Moral
zu predigen, sondern Recht zu sprechen.
Auch gescheiterte Bankmanager gehen frei,
wenn man ihnen keinen Gesetzesverstoß
nachweisen kann. Und dieses Urteil ist so
fragwürdig, dass es jedem unbeteiligten
Beobachter sauer aufstößt.

Internationaler Aufschrei
Und das ist tatsächlich geschehen. Sei es,
weil Templ unter ausländischen Journalisten
sehr gut vernetzt ist oder weil hier ein Nachkomme jüdischer NS-Opfer verurteilt wird,
der zuvor in einem Buch und vielen Artikeln
die österreichische Restitutionspraxis scharf
kritisiert hat – der Fall schlägt international
hohe Wellen. Österreich steht als Land am

Pranger, das die Justiz politisch missbraucht,
um einen jüdischen Kritiker zum Schweigen
zu bringen.
Das mag zwar nicht das wahre Motiv
der Justiz gewesen sein. Und es ist auch
auffällig, dass Templ von der Israelitischen
Kultusgemeinde, die sonst rasch Antisemitismus anprangert, überhaupt keinen Rückhalt
erhält.

Menschenrechtsanwalt verfolgt Causa
Aber die unnötige Härte in diesem Fall wird
Österreich noch Jahre nachhängen. Der renommierte Menschenrechtsanwalt Robert Amsterdam
hat sich der Sache angenommen und wird sie
weiter verfolgen, wenn Templ seine Strafe längst
abgesessen hat. Und die offenen Fragen zu diesem
Urteil werden auch in einigen Jahren nicht beantwortet sein.
Es hätte bessere Wege gegeben, um diese
Causa zu lösen. Man hätte sie den Zivilgerichten
überlassen können, wo sie hingehört. Das Berufungsgericht hätte das Urteil auf eine Geldstrafe
mit bedingter Haft herabsetzen können.
Templ und seiner Mutter sind die 550.000
Euro nicht zugestanden. Er hat sich in einer
unklaren Rechtslage unehrlich verhalten. Aber er
verdient es deshalb nicht, ins Gefängnis zu gehen.
Das hätte auch die Republik nicht nötig gehabt.

http://www.nytimes.com/2015/10/09/world/europe/historian-who-probed-austrias-nazi-past-begins-sentence-for-defrauding-state.html?emc=eta1&_r=0

Historian Who Probed Austria’s Nazi Past Begins Sentence for
Defrauding State
By ALISON SMALE

OCT. 8, 2015

BERLIN — An Austrian historian who
has long criticized his country’s fumbling
restitution of Jewish property seized by the
Nazis began a one-year prison term in Vienna this week after losing his final appeal of
a conviction for defrauding the state.
The case, unfolding over a decade, has
stirred the ghosts of Austria’s murky Nazi
past. It has also fanned outrage among Holocaust historians, dozens of whom wrote to
the Austrian authorities pleading for the case
to be dismissed. Last month, President Heinz
Fischer rejected a plea for clemency, arguing
that he had no mandate to intervene in such
a case.
The historian, Stephan Templ, 54, was
co-author of a book in 2001, “Our Vienna,”
which documented hundreds of properties seized under the Nazis that were never
returned to Jewish owners or their heirs

The Sanatorium Fürth building in Vienna, once owned
by a distant relative of his. Credit Milan Bures for The
New York Times

after World War II. The book outraged many
Austrians, exposing long-held secrets about
the Nazi era, and helped set off a flurry of
legal claims.
Mr. Templ himself became involved in a
restitution case in 2005, the tangled strands
of which resulted in his imprisonment on
Monday after all existing avenues of appeal
had apparently been exhausted.
Mr. Templ’s lawyer, Robert Amsterdam,
said in a telephone interview that his client
was a victim of “selective persecution.” He
“has been subjected to all of this as retribution for the publication of his book,” Mr.
Amsterdam said.
Until 1991, when Chancellor Franz Vranitzky declared that Austrians were not only
victims but also perpetrators of Nazi crimes,
Austria had identified itself as the first victim
of Hitler, who annexed his native Austria in
March 1938. Many Austrians welcomed the
Nazis; others resisted and were punished.
Vienna’s 200,000 Jews were decimated, and
though some managed to flee, 65,000 were
deported and perished in death camps.
This contorted history has been clearly on
view in the still-halting restitution of Jewish
property, most recently chronicled in the
movie “Woman in Gold,” about the return of
one of Gustav Klimt’s most famous paintings.
Mr. Templ’s case began when he acted
for his mother, Helene, a Holocaust survivor.
He applied for her share of a onetime hospi-

tal in central Vienna that had belonged to a
cousin of Mr. Templ’s maternal grandmother
and the cousin’s wife.
That couple committed suicide in 1938
and their property was seized.
The building, now a luxury residence,
was listed in the 2001 book by Mr. Templ
and a fellow historian, Tina Walzer, but he
did not know then that his mother had any
claim. Eventually, it was returned to various
heirs and sold in 2010 to property developers. Mr. Templ’s mother received 1.1 million
euros as her share of that sale.
Mr. Templ’s estranged aunt, Elisabeth
Kretschmer, could also have staked a claim,
but in an interview last year, she said she
did not learn about her rights to the property
until after the deadline to file claims had
passed.
In 2013, state prosecutors accused Mr.
Templ of defrauding the Austrian state, asserting that he should have listed his aunt’s
claim. The prosecutors argued that by failing
to do so, Mr. Templ had deprived the state
of 550,000 euros — half of Helene Templ’s
share — that it could have been entitled to in
the absence of Ms. Kretschmer’s claim.
Mr. Amsterdam and Ms. Walzer both
noted that there were no other known cases
of restitution in Austria in which the government took ownership of property shares
unclaimed by heirs. Nor is it clear that Mr.
Templ was legally obliged to find the aunt or
other heirs, said Eva Blimlinger, who headed

www.stephantempl.com

Stephan Templ wrote about properties lost to the Nazis.
Credit Milan Bures for The New York Times

the Austrian Historical Commission’s search
for stolen property until 2004.
Mr. Templ was first sentenced to three
years in prison in 2013, a punishment that
was reduced on appeal to one year. The
sentence was relatively severe because of the
large sums involved, Ms. Blimlinger said.
Ms. Walzer, a freelance historian, said
she now skirted restitution controversies
and focused instead on Jewish cemeteries.
Despite her long experience with the many
prejudices and problems that surround Vienna’s Nazi past, Mr. Templ’s case is simply
baffling, she said.
“Either I give back property, or I do not
give it back,” said Ms. Walzer, summarizing
the Austrian government’s choice in restitution cases. “But not both at the same time.”

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THE TEMPL TIMES, MONDAY, NOVEMBER 9, 2015

http://www.nzz.ch/international/europa/wiener-journalist-muss-ins-gefaengnis-1.18617534

Keine Gnade im Fall Templ
Wiener Journalist muss ins Gefängnis

Der österreichische Journalist Stephan
Templ muss am nächsten Montag seine
einjährige Haftstrafe antreten. Gnadenappelle in dem international beachteten Fall
zeigten keine Wirkung.
von Charles E. Ritterband, Wien
22.9.2015
Der österreichische Journalist Stephan
Templ, ein Feuilleton-Mitarbeiter der NZZ sowie der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung»,
muss am kommenden Montag um sechs Uhr
morgens seine einjährige Haftstrafe antreten.
Sein Vergehen: Er hatte in einem Restitutionsverfahren, in dem es um ein «arisiertes»,
seinen jüdischen Vorfahren von den Nazis geraubtes Sanatorium in der vornehmen Wiener
Josefstadt ging, auf einem Antragsformular
nur den Namen seiner Mutter als Berechtigte
und nicht auch jenen der Tante angegeben,
mit der seine Familie schon lange keinen
Kontakt mehr gehabt hatte.

Ein strafrechtlicher Fall
Das Gericht machte aus einem zivilrechtlichen einen strafrechtlichen Fall: Der bisher
unbescholtene Templ wurde im Jahr 2013
wegen «schweren Betrugs» zu drei Jahren
Gefängnis (von denen zwei nachträglich zur
Bewährung ausgesetzt wurden) verurteilt. Die
Republik Österreich machte in einer abenteuerlichen Begründung geltend, sie sei durch
die Unterlassung Templs um 550 000 Euro
geschädigt worden. Obwohl die Finanzprokuratur hernach unzweideutig feststellte, dass
die Republik keineswegs geschädigt worden
sei, und obwohl nun der Fall internationale
Aufmerksamkeit erhielt und immer mehr
Rechtsexperten die Korrektheit und Rechtmässigkeit des Verfahrens in Zweifel zogen,
hielten alle Instanzen an dem fragwürdigen
Urteil fest: Templ muss ins Gefängnis.
75 namhafte Holocaust-Forscher weltweit
hatten erfolglos an das österreichische Staatsoberhaupt appelliert, in dem vorliegenden Fall

eines Sohnes von Holocaust-Überlebenden
Gnade walten zu lassen.
Gesuch zurückgewiesen
Ein Gnadenappell der Anti-Defamation
League und ein persönliches Schreiben von
Timothy Bonyhady, dem Autor des Buches
«Wohllebengasse», an Bundespräsident Heinz
Fischer wurden von der Präsidentschaftskanzlei jedoch abschlägig beantwortet: Das
Gnadengesuch sei dem Justizminister vorgelegt worden, und nach dessen Auffassung sei
«ein Gnadenerweis zum derzeitigen Zeitpunkt
in keiner Weise indiziert». Deshalb sei dem
Bundespräsidenten, so wie es die Verfassung
vorschreibe, «kein Gnadenvorschlag unterbreitet» worden.
Das Schreiben liess angesichts sachlicher
Fehler die Folgerung zu, dass der Minister die
Akte Templ nur flüchtig gelesen hatte. Eher
skurril war das Attachment, das der Ablehnung des Gnadengesuchs hinzugefügt wurde:
ein in der NZZ im April des vergangenen

Jahres veröffentlichter Leserbrief des Pressesprechers des Aussenministeriums, Martin
Weiss, in dem dieser argumentierte, es sei der
Republik zwar kein finanzieller, dafür aber ein
«juristischer» Schaden entstanden.
Ein Unbequemer
Stephan Templ ist für manche Österreicher
eine unbequeme Figur. Er hatte vor Jahren
ein Buch veröffentlicht, das den fragwürdigen
Umgang der Zweiten Republik mit den «Arisierungen», dem jüdischen Raubgut, präzis
erforscht und schonungslos dargestellt hatte.
Besonders unangenehm an diesem Werk war
für manche, dass die Namen der «Ariseure»
genannt wurden, deren Nachkommen mitunter
bis heute ungestört am Eigentum der ermordeten oder in die Emigration getriebenen Wiener
Juden festhalten. Templs Anwalt Robert
Amsterdam strebt nach Bekanntwerden neuer
Tatsachen die Wiederaufnahme des Verfahrens
an. Die Chancen erscheinen allerdings angesichts der bisherigen Erfahrungen gering.

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/drei-jahre-haft-fuer-falsch-ausgefuelltes-formular-12861852.html

Drei Jahre Haft für falsch ausgefülltes Formular

Ich fühle mich in Wien wie in Putins Russland
Drei Jahre Gefängnis, weil er in einem Formular seine Tante als mögliche Erbin nicht angegeben hatte? Das wollte der
österreichische Journalist Stephan Templ nicht hinnehmen. Doch seine Berufung wurde abgewiesen.
geht es um einen Bruchteil dieser Summe
- und trotzdem sollen Sie fast ebenso lange
ins Gefängnis.
Aber der Staat hat doch durch mein
angebliches Verbrechen gar keinen Schaden
genommen! Das ist ja das Unglaubliche an
diesem Urteil. Es geht um einen Erbteil an
einer restituierten Immobilie. Dieses Vierundzwanzigstel an einem Haus, das 1938
von den Nationalsozialisten enteignet wurde,
will die österreichische Republik jetzt für
sich beanspruchen? Dann muss sie die Nürnberger Rassegesetze wiedereinführen, den
betreffenden Erbteil des Sanatoriums Fürth
erneut arisieren und den Juden ins Gefängnis werfen - wie damals beim sogenannten
Anschluss.

Der österreichische Journalist Stephan Templ

25.03.2014
Weil der österreichische Journalist Stephan Templ auf einem Formular seine Tante
als mögliche Erbin in einem Restitutionsverfahren nicht angegeben hat, wurde er zu
einer Gefängnisstrafe verurteilt. Das Urteil
wurde nun bestätigt.

© VIA BLOOMBERG

bereithalten, ins Gefängnis zu gehen - für
drei Jahre ohne Bewährung.
Was ist Ihnen da durch den Kopf
gegangen?

Wann haben Sie davon erfahren, dass
der oberste Gerichtshof Ihre Nichtigkeitsbeschwerde abgelehnt hat?

Ich war geschockt, damit hatte ich nicht
gerechnet. Ich konnte nicht glauben, dass der
oberste Gerichtshof ein derartiges Fehlurteil
durchgehen lässt. Das Schlimme ist: Mir
bleiben nun keine Rechtsmittel, um diese
Entscheidung anzufechten.

Vor ungefähr einer Woche. Und dann
kamen am Freitag noch schlechtere Nachrichten: Schon ab 5. April soll ich mich

Uli Hoeneß muss dreieinhalb Jahre in
Haft, weil er mehr als 27 Millionen Euro
Steuern hinterzogen hat. In Ihrem Fall

Insgesamt hat es im Fall des Sanatoriums Fürth mehr als dreißig Anspruchsberechtigte gegeben, deren Anträgen
stattgegeben wurde. Alle haben das gleiche
Formular ausfüllen müssen wie Sie, in
dem auf der vorletzten Seite nach „anderen möglichen Erben“ gefragt wurde. Sie
haben dort niemanden angegeben. Was
haben die anderen Erben getan?
Die haben auch keinen genannt! Niemand
hat irgendeinen anderen angegeben. Aber im
Gegensatz zu mir wurde keiner der anderen
Erben angeklagt, geschweige denn zu einer
mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Das ist
auch völlig undenkbar, weil keine gesetzliche Verpflichtung besteht, weitere Erben zu
nennen.
Wie erklären Sie sich dann den Verlauf
des Verfahrens gegen Sie?

www.stephantempl.com

Das ehemalige Sanatorium in der Wiener Schmidgasse: Weil Templ auf einem Formular für Restitutionsansprüche seine Tante nicht als „mögliche Erbin“
angab, soll er nun ins Gefängnis
© TINA WALZER

Mittlerweile glaube ich: Das ist ein
Rachefeldzug gegen mich. Am Anfang habe
ich das nicht wahrhaben wollen. Natürlich
wusste ich immer, dass einige Leute die
Artikel nicht mögen, die ich schreibe, und
auch mein Buch „Unser Wien - Arisierung
auf Österreichisch“ von manchen als Affront
wahrgenommen wurde. Aber dass all das
solche Konsequenzen haben würde, das habe
ich nicht für möglich gehalten.
Freunde von mir vergleichen den Prozess
mit der Dreyfus-Affäre. Und ich muss sagen:
Ich fühle mich in Österreich m
­ ittlerweile
nicht mehr wie in einem europäischen
Rechtsstaat, sondern wie in Putins Russland.
Aber ich gebe nicht auf. Sobald das Urteil
gegen mich am 4. April rechtskräftig wird,
wende ich mich an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg.
Die Fragen stellte Anne Kohlick.
Quelle: F.A.Z.

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THE TEMPL TIMES, MONDAY, NOVEMBER 9, 2015

Was ist ein „juristischer Schaden“, Herr Botschafter Weiss?
Leserbrief Martin Weiss - Österreichisches Aussenministerium - an die Neue Zürcher Zeitung als Reaktion
auf den NZZ Artikel vom 28.3.2014:
04.04.2014
Die Republik Österreich wehrt sich
Der in der NZZ vom 28. März
unter dem Titel «Freiheitsstrafe
nach der Wiedergutmachung» erschienene Artikel erstaunt. Denn,
ohne es freilich ganz so deutlich
auszusprechen, werden der
österreichischen Justiz darin doch
recht eindeutig «­Revanche-Motive»
vorgeworfen. Bloss weil «ein
Antragsformular zur Restituierung
nicht richtig ausgefüllt» wurde,
soll ein österreichischer Journalist
demnächst eine 3-jährige Haftstrafe
antreten. «Die ausgesprochene
Strafe ist völlig unverständlich»,
ist doch der Journalist bis anhin
unbescholten. Aber, und das könnte

ja das Vorgehen der österreichischen
Justiz erklären, er hat in der
Vergangenheit «in einem Buch und
in verschiedenen Zeitungsartikeln
die Haltung und Praxis Österreichs
in Restitutionsfragen scharf
kritisiert». Und noch eine letzte
«Ungeheuerlichkeit»: Da bezeichnet
sich in diesem Fall «doch wahrhaftig
die Republik Österreich als
Geschädigte».
Ein Blick auf die Fakten kann
vielleicht etwas Licht in die österreichischen Unverständlichkeiten und
Ungeheuerlichkeiten bringen: Bei
diesem Fall handelt es sich um ein
zweijähriges Strafverfahren wegen
schweren Betruges. Das Gericht sah
es als erwiesen an, dass der beklagte

Journalist mit einer Reihe von gezielten Handlungen wahrheitswidrig
vorspiegelte, dass seine Mutter ein
Einzelkind gewesen sei. Die Existenz
einer ebenfalls anspruchsberechtigten
Tante wurde von ihm hingegen verschwiegen. Auf diese Weise wurde
seiner Mutter von der österreichischen Bundesimmobiliengesellschaft
ein Liegenschaftsanteil im Wert
von 1,1 Millionen Euro übertragen.
Gleichzeitig verhinderte der Beklagte, dass seine zu gleichen Teilen
erbberechtigte 84-jährige Tante den
ihr zustehenden Hälfteanteil beanspruchen konnte. Die geschädigte
Tante brachte daraufhin ihren Neffen
zur Anzeige und war in dem Verfahren als Privatbeteiligte vertreten.

Die Verurteilung wegen schweren
Betrugs ist rechtskräftig, über eine
Berufung betreffend die Strafhöhe ist
noch nicht entschieden.
Die Republik Österreich wurde
im juristischen Sinne geschädigt.
Denn aufgrund des erwiesenen
schweren Betruges des Beklagten
hat die Republik seiner Mutter einen
­Liegenschaftsanteil in doppelt so
hohem Wert, als er ihr eigentlich
zustand, übertragen. Eine Diskussion
über die Verhältnismässigkeit von
Strafandrohungen für Eigentumsdelikte im Vergleich zu Gewaltdelikten
kann man freilich führen.
Martin Weiss, Leiter der Presseabteilung des österreichischen Aussenministeriums

http://www.nzz.ch/freiheitsstrafe-nach-der-wiedergutmachung-1.18272164

Die Republik Österreich als Profiteur

Freiheitsstrafe nach der Wiedergutmachung
Ein Wiener Journalist soll für drei Jahre ins Gefängnis, weil er im Verfahren auf Rückerstattung einer
­arisierten Liegenschaft seine Tante als Erbin verschwiegen hat. Der Staat fühlt sich geschädigt.
von Claudia Schoch

28.3.2014

Weil er das Antragsformular zur Restituierung einer von in der Nazizeit seinen
Vorfahren in Wien geraubten Liegenschaft
nicht richtig ausgefüllt hat, soll der Journalist
Stephan Templ, der unter anderem auch für
die «Neue Zürcher Zeitung» schreibt, demnächst eine Freiheitsstrafe von drei Jahren
antreten.

Unverständliches Strafmass
Ein Wiener Strafgericht verurteilte ihn im
April 2013 wegen schweren Betrugs. Die allein mögliche Nichtigkeitsbeschwerde gegen
das Urteil wurde abgewiesen. Strafmass und
bedingter oder unbedingter Vollzug werden
kommende Woche nochmals Thema vor dem
Oberlandesgericht Wien sein. Die ausgesprochene Strafe ist völlig unverständlich.

Arisierung eines Sanatoriums
Es geht um das ehemalige Sanatorium
des jüdischen Wiener Arztes Lothar Fürth,
der sich 1938 das Leben nahm und keine
Kinder hinterliess. Der Tathergang betrifft
allein das Faktum, dass Templ im für seine
Mutter gestellten Restitutionsantrag nur diese
als Erbin aufführte und das Feld für weitere
Erben unausgefüllt liess. Auch auf Fragen im
Verfahren vor dem Entschädigungsfonds soll
er seine Tante, die Schwester seiner Mutter,
nicht genannt haben. Er selbst bestreitet,
danach je ausdrücklich gefragt worden zu
sein. Schliesslich wird ihm vorgeworfen,

im Stammbaum, mit welchem er die Erbenstellung seiner Mutter im Verhältnis zum
ursprünglichen Eigentümer nachwies, nicht
auch deren Schwester angeführt zu haben.
Dies war wohl unkorrekt. Doch dass ein
solches Verhalten eine Verurteilung zu einer
derart hohen Freiheitsstrafe zur Folge hat,
die gar noch unbedingt zu vollziehen sei, ist
nicht nachvollziehbar. Zunächst wäre es für
die Behörden nicht allzu schwer gewesen,
die Schwester der Mutter als weitere Erbin
selbst ausfindig zu machen, wenn sie nicht
gar zu einer solchen Nachforschung verpflichtet gewesen wären.
Templ war bis anhin ein unbescholtener
Mann. Er hat sich bisher noch nie etwas
zuschulden kommen lassen und hat sich
auch seit der Anklage gegen ihn stets wohl
verhalten. Es ist ferner nicht davon auszugehen, dass er je wieder eine solche Tat
begehen könnte. Stefan Templ hat freilich in
einem Buch und in verschiedenen Zeitungsartikeln die Haltung und Praxis Österreichs
in Restitutionsfragen scharf kritisiert. Er war
den Behörden denn auch als kritischer Autor
bekannt. Doch dies darf in einem Rechtsstaat
keine Rolle spielen. Unverständnis und Empörung über das Urteil sind zurzeit Thema in
den verschiedensten deutschen und österreichischen Zeitungen. Die NZZ hatte ein erstes
Mal bereits im vergangenen August darüber
berichtet.

Der Staat sieht sich als Opfer
Das Urteil enthält weitere Ungeheuerlich-

Der Fall wird nächste Woche vor dem Oberlandesgericht Wien behandelt.

keiten. Da bezeichnet sich doch wahrhaftig
die Republik Österreich als Geschädigte.
Durch die unkorrekten Angaben Templs
sei dem Bund ein Vermögensanteil an der
Liegenschaft entzogen worden. Denn der Anteil der Schwester von Templs Mutter wäre
dem Staat Österreich verblieben, da diese
nicht rechtzeitig einen Antrag auf Restitution
gestellt habe. Die Schwester wusste aber
damals nichts von ihrem Anspruch. In der
Befragung im Strafverfahren gegen Templ
sagte sie aus, dass sie selbstverständlich einen Antrag umgehend und rechtzeitig gestellt
hätte, wenn sie davon gewusst hätte.
Templs Mutter hat den ihr zurückerstatteten Anteil an der Liegenschaft von einem
Zwölftel inzwischen für 1,1 Millionen Euro
veräussert. Der Staat Österreich, der durch
das Unrecht der Nazizeit in den Besitz der
Liegenschaft gelangt war und während
Jahren diese genutzt hat, sieht sich nun als

www.stephantempl.com

«Opfer». Einen Schaden von 550 000 Euro
hat dabei wohl aber doch viel eher die Tante
erlitten, die wegen Unkenntnis und nicht
zuletzt auch Untätigkeit des Staates nicht
rechtzeitig ihren Antrag stellte. Der österreichische Staat wäre vom Missgeschick der
Tante somit vor allem Profiteur.

Anträge als Zeichen der Gier
Weiter schüttelt man den Kopf, wenn
im Urteil Templ quasi Geldgier vorgehalten
wird, weil er weitere Anträge auf Naturalrestitution im Zusammenhang mit derselben
Liegenschaft gestellt hatte, die aber alle
abgelehnt wurden. Dies zeugt von wenig
Verständnis des heutigen Rechtsstaats für
die oft verworrenen Rechtslagen, mit denen
Nachkommen von Opfern des nationalsozialistischen Unrechtsstaates nach über 70
Jahren konfrontiert sind.

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THE TEMPL TIMES, MONDAY, NOVEMBER 9, 2015

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/tatort-kommissarin-selma-jacobi-prozess-gegen-stephan-templ-a-960037.html

Der Kritiker: Die Logik der Nazi-Räuber
Ein Kommentar von Georg Diez
Freitag, 21.03.2014

Eine neue “Tatort”-Kommissarin nach
einer ermordeten Jüdin zu benennen, um
sie als “Heldin wiederauferstehen” zu
lassen? Das ist dumm und anmaßend. Wie
allerdings die österreichische Justiz mit
einem Nachfahren von Nazi-Opfern umspringt, sprengt jede Vorstellungskraft.
Der Nachhall der Nazis ist manchmal
grausam und manchmal grotesk - besonders
wenn es um die Rückgabe geraubten Eigentums geht: Opfer werden wieder zu Opfern.
Der Fall Gurlitt hat gezeigt, wie deutsche
Staatsanwälte jüdischen Erben ihr Recht vorenthalten, indem sie restriktiv mit Informationen umgehen. Der Fall Templ aber - den die
“FAZ” als “Prozess wie bei Kafka” umschrieb
- zeigt nun, wie österreichische Gerichte
österreichisches Recht gegen jüdische Erben
wenden - am 5. April muss Stephan Templ
seine dreijährige Haftstrafe wegen schweren
Betrugs antreten.
Sein Vergehen: Der Historiker und Publizist Templ wollte für seine Mutter einen
berechtigten Erbanteil beim österreichischen
Staat einfordern - und gab dabei nicht an, dass
seine Mutter noch eine Schwester hat.

Ist das Betrug? Betrug an seiner Tante?
Aber warum sollte Templ für seine Tante,
die schon seit dreißig Jahren nicht mit seiner
Mutter spricht, eine Anfrage stellen? Und
Templs Tante hat auch gar nicht geklagt - der
österreichische Staat hat geklagt. Und da wird
es wirklich abenteuerlich und schockierend.
Templ soll den österreichischen Staat um
das Erbe seiner Tante betrogen haben. Falls
die ihr Erbe von etwa 500.000 Euro abgelehnt
hätte, wäre es an den Staat gefallen. Aber
die Tante hat erklärt, ihr Erbe annehmen zu
wollen. Case closed?
Im Gegenteil: Der Staat, der ja nie legitimer Eigentümer der in Frage stehenden,
einst den Juden geraubten Immobilie war,
macht sich weiter, nur theoretisch, selbst zum
Geschädigten und baut darauf eine Anklage
wegen Betrugs, die zu schweren finanziellen
Verlusten für Templ führt und zur dreijährigen
Haftstrafe.
Das ist die Logik der Räuber und der
eigentliche Skandal: Das Urteil, das Stephan
Templ seine Freiheit und sein Erbe kostet,
beruht auf einem Gesetz der Leute, die seine
Eltern umbringen wollten. Die Nürnberger
Rassegesetze von 1936 bieten auch im Jahr
2014 noch tragische Fallstricke.
Die Justiz zerstört Menschen, Erinnerung,
Vermögen
Ein Gericht ist nun keine Geschichtskom-

mission - aber wenn das Recht so offensichtlich historisches Unrecht verlängert,
besonders in einem Staat, der bis heute die individuelle Gier der Enteignungen beschweigt,
der den Austro-Faschismus der Dollfuß-Jahre
vor Hitler immer noch beschönigt und der
Restitution nur als Gnadenakt gewährt: Dann
wirkt es tatsächlich, als wolle sich hier jemand, und sei es der österreichische Staat, an
Stephan Templ rächen.
Templ konnte vor Gericht keine eigenen
Zeugen laden oder Dokumente präsentieren,
weil das Gesetz, das die Rückgabe geraubten
Eigentums in Österreich regelt, kein normales
Gerichtsverfahren vorsieht. Wie gesagt: Restitution als Gnadenakt. Das ist geschichtspolitisch falsch und rechtsstaatlich verwerflich.
Wie wirr die Menschen werden, wenn
es um die Nazi-Zeit geht, sieht man gerade
mal wieder in Deutschland auf lächerliche
Art und Weise: Da hat sich die “Tatort”Schauspielerin Margarita Broich für ihre
Figur ausgerechnet den Namen einer ermordeten Jüdin ausgesucht. Die neue Frankfurter
“Tatort”-Kommissarin heißt Selma Jacobi,
benannt nach einer 1854 geborenen Jüdin, die
am 8. August 1943 in Theresienstadt ermordet
wurde. “Ich wäre glücklich in meinem Grab,
wenn auf diese Art und Weise an mich erinnert werden würde”, sagte die verantwortliche
Leiterin des HR-Fernsehspiels, Liane Jessen,

in einer selbst für die öffentlich-rechtlichen
Sendeanstalten seltenen Mischung aus Anmaßung und Dummheit.
“Wir tun hier etwas Gutes”, sagte Jessen
weiter, schließlich seien “Tatort”-Kommissare
“die modernen Helden unserer Zeit, und wir
lassen Selma Jacobi als Heldin wiederauferstehen. Das hätte ihr sicher gefallen.”
Die Ignoranz der Menschen sprengt
manchmal jede Vorstellungskraft. Die Maßlosigkeit der Justiz aber zerstört Menschen,
Erinnerung, Vermögen.
Was Stephan Templ erlebt, ist existentiell.
Er wird mit der vollen Härte des Gesetzes
verfolgt für etwas, das sich nicht mal Franz
Kafka hätte ausdenken können.
“Indem der Nichtigkeitsbewerber ausführt, seine Kenntnis von der Existenz seiner
Tante bedeute ‘nicht zwingend’, dass sie ihm
als Anspruchsberechtigte auch aktuell zum
Zeitpunkt seiner Antragsstellung präsent
war”, heißt es in der vorerst letzten Urteilsbegründung, “verkennt er, dass eine Urteilsbegründung nicht auf logisch zwingenden Ableitungen beruhen muss, das Gericht vielmehr
berechtigt ist, aufgrund freier Beweisführung
gezogener Wahrscheinlichkeitsschlüsse zu
Tatsachenfeststellungen zu gelangen.”
In den Händen so einer Justiz ist man
tatsächlich verloren.

Schreiben der Finanzprokuratur vom 9. September 2014

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THE TEMPL TIMES, MONDAY, NOVEMBER 9, 2015

Schenkungsvertrag
Abtretungsvereinbarung BIG (Bundesimmobiliengesellschaft) - Kretschmer

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THE TEMPL TIMES, MONDAY, NOVEMBER 9, 2015

J’ACCUSE …!
Der Journalist Stephan Templ muss am kommenden Montag, dem 28. September, ins Gefängnis.
Die Republik Österreich beansprucht Eigentumsrechte an einem restituierten Haus, das Templs
Familie unter dem NS-Regime geraubt wurde. Bei dieser Restitution wurden von den Entscheidungsträgern Fehler gemacht, welche nun Stephan Templ zur Last gelegt werden: Sein Restitutionsantrag
habe Informationen unterschlagen. Stephan Templ ist nicht der Erste, dessen Angaben unvollständig
waren. Er ist jedoch der Einzige, der jemals wegen eines Restitutionsantrags ins Gefängnis musste.
Stephan Templ ist bekannt für ein Buch, das Kontinuitäten der österreichischen Nachkriegsgesellschaft zur NS-Zeit darlegt. Er schildert darin berühmte Gebäude, die allesamt geraubt wurden,
und nennt die Profiteure beim Namen, die von der Justiz dieses Landes nie behelligt wurden. Templ
dagegen kommt jetzt für ein Jahr hinter Gitter, dank eines Urteils mit erfundener Rechtsgrundlage.
Österreichische Richter und Vertreter der Zivilgesellschaft, Rechtsanwälte, Restitutionsexperten,
Holocaust-Forscher und Menschenrechtsorganisationen auf der ganzen Welt haben das Strafurteil
gegen Stephan Templ verurteilt und Österreich dazu aufgerufen, Ansprüche auf NS-Raubgut endlich
fallenzulassen.
Die Antwort des österreichischen Staates ist Schweigen.
Zwei Tage vor Stephan Templs Haftantritt wende ich mich an die Repräsentanten der Republik:
An den Nationalfonds: Ich prangere Sie dafür an, wiederholt das Restitutionsgesetz rechtswidrig
dargestellt und Fakten vertuscht zu haben. In einer Ihrer eigenen Entscheidungen stellen Sie fest,
dass das Urteil gegen Templ keine rechtliche Grundlage hat. Und genau diese Entscheidung haben
Sie bis vor einigen Tagen als einzige geheim gehalten.
An die Bundesimmobiliengesellschaft: Ich prangere Sie dafür an, noch heute unbegründete
Eigentumsrechte an Nazi-Raubgut geltend zu machen.
An die österreichischen Ankläger und die unten angeführten Vertreter Österreichs: Ich prangere
Sie dafür an, das Washingtoner Abkommen und die Tatsache auszublenden, dass Restitution in
Österreich ein Akt der Gnade ist, was strafrechtliche Konsequenzen per se ausschließt.
An alle Repräsentanten der Justiz in Österreich: Ich prangere Sie dafür an, ein Gerichtsurteil
hinzunehmen, das mangels rechtlicher Grundlage auf Basis von unterstellter moralischer Schuld
gefällt wurde, und ein Verfahren, das vor ausgedachten Argumenten nur so strotzt.
An den Leiter der Generalprokuratur: Ich prangere Sie dafür an, Ihrer in der Verfassung niedergelegten Pflicht nicht nachgekommen zu sein, bei Vorliegen neuer Beweise Verfahren zu überprüfen
oder wieder aufzunehmen.
An den Bundesminister für Justiz: Ich prangere Sie dafür an, Beweise, die Stephan Templs Verurteilung in Zweifel ziehen, bewusst zu ignorieren und jede Möglichkeit zurückzuweisen, ihm eine
Überprüfung des Verfahrens zuzugestehen.
An den Bundespräsidenten der Republik Österreich: Ich prangere Sie dafür an, jedes an Sie
gerichtete Gnadengesuch mit Gleichgültigkeit abgeschmettert zu haben. Die Fehler in Ihren stets
identischen Antwortschreiben zeigen, dass es für Sie schon zu viel der Mühe war, sich mit den
Anträgen inhaltlich auseinanderzusetzen oder zumindest den Anschein zu erwecken.
Ich rufe alle Bürgerinnen und Bürger auf, die Worte der Obengenannten nicht für bare Münze zu
nehmen, sondern nachzuprüfen. Seit dem 25. April 2013 hat niemand einen Beweis geliefert, dass
Stephan Templ sich in irgendeiner Weise strafbar gemacht hat, als er für seine Mutter den Antrag auf
Restitution stellte. Die Obengenannten haben zur Vertuschung ihrer eigenen Fehler Stephan Templ
verleumdet, Fakten und Gesetzesrahmen bewusst irreführend dargestellt, Informationen unterschlagen sowie den Verurteilten durch bürokratische Hinhaltetaktik eingeschüchtert.
Ich rufe Sie dazu auf, ein wichtiges Werk unserer Generation am Leben zu halten: die Aufarbeitung
der österreichischen Vergangenheit. Raubgut verwandelt sich nicht dadurch in rechtmäßigen Besitz,
dass man den namhaftesten Kritiker der „Arisierung“ einsperrt.
Robert R. Amsterdam
Internationaler rechtlicher Beistand von Stephan Templ
www.stephantempl.com

IMPRESSUM: HÄFTLING Nr. 143 289
HAFTZELLE 1129
JUSTIZANSTALT SIMMERING

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