Adelgunde Mertensacker

Reiki

Um die Reiki-Energie auch in den christlichen Ländern weiter geben zu können, erzählte die „Reiki-Großmeisterin" Hawaya Takata (Hawai) fälschlich, dem katholischen Priester und Direk tor einer Missionsschule in Kyoto, Japan, Dr. Senses Mikaomi Usui, sei die Heil-Energie, mit der Jesus Christus geheilt habe, verliehen und von ihm durch „Weihen" an 2000 Menschen wei tergegeben worden. Die erfundene Geschichte hatte den er warteten Erfolg: Auch in den christlichen Ländern des Westens ist Reiki-Hei lung zu einer Massenbewegung innerhalb der esoterischen Medizin geworden. Deshalb wird die Geschichte immer noch von Reiki-Meistern erzählt - wider besseres Wissen. Recher chen ergaben, daß es in ganz Japan weder eine christliche Schule noch eine Universität gibt, an denen ein Dr. Senses Mi kaomi Usui tätig war. Richtig dagegen ist, daß der am 15.08.1865 in Yogo, Japan, geborene Sense Mikaomi Usui Buddhist war, verheiratet und Vater von zwei Kindern. Er starb am 09.03.1926. Das von ihm in Japan begründete Reiki-System ist eine alte ti betisch-buddhistische Heiltechnik, die er in einer Vision mit geteilt bekam. Er selber erzählte, daß er nach dreiwöchigem Fasten und Meditieren auf dem heiligen Berg von Kori-Yarns eine Lichtgestalt gesehen habe, die sich ihm schnell näherte und zu ihm sprach. Usui erkannte, daß ihm die lange gesuch te Heilkraft übertragen würde, wenn er sich dieser Lichtgestalt hingeben würde. Ihm wurde mitgeteilt, dieses Licht sei so mächtig, daß es ihn durch Berührung töten könne. Er könne wählen. Usui entschied, sein Leben zu riskieren, um die begehrte Fähigkeit, Heilwunder zu wirken, als Geschenk zu erhalten. Im selben Augendick schoß ein Lichtstrahl in seine Stirn. Usui fiel in Trance und hatte die Vision von farbigen Lichtblasen, in de nen Symbole aufleuchteten. Die Lichtgestalt belehrte ihn, wie diese Symbole anzuwenden seien. Nach dieser Vision konnte Usui durch Handauflegung heilen. Er „weihte" rund 2000 Schüler zu „Reiki-Meistern". Diese ver breiteten die okkulte „Reiki-Heilkraft" durch „Weiherituale" weltweit. Das Wort Rei-ki bedeutet „Universelle Lebensenergie". Ziel der Reiki-Weihen ist die Erlangung der „Buddha-Natur": „Durch Rei-ki geschieht Heilung, bis irgendwann vielleicht der Kern übrigbleibt: Unser reines, strahlendes Sein, die „Buddha-Natur" (W. Distel und W. Weltmann, Das Herz des Rei ki, S. 161). Zunächst als Geheimwissen und Ritual der „Reiki-Großmei ster" gehütet, gab Großmeisterin Phyllis Lei Furumoto Ende der 1980er Jahre Reiki offiziell frei.1995 veröffentlichten die ReikiLehrer Wolfgang Distel und Wolfgang Weltmann das „Meistersymbol" Dai Komio (das Licht), „um noch viel mehr Menschen spüren zu lassen, was ,Universale Lebensenergie` ist... und inspiriert von unseren spirituellen Meistern, deren liebevolle Führung wir immer ge fühlt haben... Wir handeln als Werkzeug und im Auftrag von etwas, was größer ist als wir... Wir können sagen, daß nur der geringste Teil dieses Buches von uns selbst ist, der weitaus gewichtigste Teil aber nur von uns aufgeschrieben wurde" (ebda S. 8f). Reiki kann nur durch Übertragung bzw. „Einweihung" weiterge geben werden. Dies geschieht durch Handauflegung oder Massieren. Inspiriert von Großmeisterin Takata wird Reiki in Deutschland „göttliche Energie" genannt, „Heilkraft Jesu", „Lebenskraft", „unversiegbare Quelle allen Lebens", „kosmische Heilenergie" oder „Universelle Lebensenergie". Die Übertragung, Einweihung, Initiation oder Einstimmung ge schieht, während der Reiki-Lehrer oder Reiki-Meister ein be stimmtes Ritual durchführt.

„Was geschieht bei der Einweihung?" fragen die Reiki-Meister Distel und Weltmann: „Um es direkt zu sagen: Wir wissen es nicht. Wir glauben, daß durch die Einweihung zum 1. Grad be stehende energetische Bahnen erweitert oder gesäubert wer den, so daß die Universelle Lebensenergie frei hindurchfließen kann" (ebda S. 24). Distel und Weltmann haben beobachtet, daß Schuldgefühle das Fließen von Reiki verhindern und deshalb aufgelöst wer den müssen: „Wir glauben, daß Schuldgefühle auf einer sehr tiefen, überpersönlichen Ebene aufgelöst werden, die uns vom direkten Kontakt mit der Universellen Lebensenergie abhal ten... Wir wissen, daß die Übertragung geschieht. Wenn Ein weihungen von ausgebildeten Reiki-Lehrern mit den traditio nellen Ritualen, Symbolen und Mantras ausgeführt werden, kann es keine fehlgeschlagenen Einweihungen geben, denn es ist nicht der ReikiLehrer, der die Einweihung vornimmt. Er stellt nur den Kontakt zur Quelle der Universellen Lebensenergie her und dient als Kanal für die Kraft. Alles andere wird von oben bewirkt" (ebda S. 24f). Zahlreiche Schreiben an die Vereinigung zum Schutz schwa cher und hilfloser Menschen beweisen, daß Reiki eine okkulte Kraft ist und nicht „von oben", sondern offenbar „von unten" kommt. Internationale Exorzisten-Kongresse stellen fest, daß die „Reiki-Weihe" zu den gefährlichsten Verfahren unserer Zeit gehört, d.h. daß bei Handauflegung durch Reiki-Meister dämo nische Belastungen, ja sogar Besessenheit übertragen werden können. Erfahrungsberichte „Vor etwa neun Jahren hatten mein Mann und ich gesundheit liche Profi eme. Eine Nachbarin und eine Heilpraktikerin emp fahlen uns Reiki. Weil uns vorgegaukelt wurde, durch die von Reiki geweckten ,Selbstheilungskräfte` hätten wir Einfluß auf unser Wohlbefinden, habe ich meinen Mann überredet, mitzu machen. So haben wir beide den 1. Reiki-Grad erworben. Von Reiki-,Weihe` mag ich schon gar nicht mehr reden. Durch leise Reiki-Musik haben wir uns einschläfern lassen. Das böse Erwachen kam bald hinterher: Mein Mann wurde plötzlich ernsthaft krank und fiel nach eini gen Tagen in einen Trance-Zustand, den ich nur so umschrei ben kann: Er war wie ein Zombie. Der Arzt kam mehrmals am Tag und hatte keine Erklärung. In meiner Not habe ich am 3. Tag 'unseren' ReikiMeister angerufen, der versprach zu hel fen. Er half tatsächlich: Nach seinem Fern-Heilungsritus schlug mein Mann die Augen auf und war wieder er selbst. Dafür kamen andere Schwierigkeiten. Seit jenem Tag der Fernheilung ist mein Mann nicht mehr in der Lage, irgend etwas zu arbeiten, sei es im Garten, in seiner Werkstatt oder im Haus. Kein Arzt, keine Klinik, niemand konnte ihm helfen. Es ist unmöglich, unsere ganze Leidensgeschichte aufzu schreiben, denn auch ich blieb natürlich nicht von Problemen verschont: Bei mir stellten sich so schlimme Allergien ein, daß ich mehrmals damit in eine Klinik mußte. Unser ganzer Freun deskreis ist daran zerbrochen. Aufgefangen wurde ich nur durch einige Priester, bei denen ich Rat und Hilfe suchte. Dann habe ich angefangen, mich umzuhören und viele Men schen getroffen, die nach einer ,Reiki-Weihe` oder ,Reiki-Be handlung' ähnliche Probleme hatten wie wir. Durch persönliche Begegnungen, schriftlichen Austausch und viele Telefonate ha be ich unglaubliche Dinge zu hören bekommen. Aus eigener Erfahrung kann ich heute sagen, daß die buddhi stische ReikiEnergie vom Teufel stammt. Es ist keinesfalls GOTT, der da heilt. Es heilt offenbar der, der genau weiß, wie er die Menschen fangen kann. Er verspricht Gesundheit und Wohlstand, und darauf fallen die meisten Menschen her ein." Hedwig Loth „Bisher konnte uns niemand weiterhelfen. Wir haben durch Reiki unsere Tochter verloren. Sie hat die Reiki-Weihe bis zum ,Meister` empfangen und will seitdem von uns nichts mehr wissen. Sie

hat sich vollkommen verändert. Immer war sie ein gläubiges Mädchen, und jetzt haben wir bereits über ein Jahr nichts mehr von ihr gehört. Auf ihrer Arbeitsstelle lernte sie einen Reiki-Meister kennen. Sie hat sich überreden lassen, die Reiki-Grade zu erwerben, ließ sich von uns ihr Er be auszahlen, löste die Verlobung mit einem frommen jungen Mann und zog aus ihrem Elternhaus aus. Ihr Geld hatte sie dem Reiki-Meister anvertraut, bevor sie im Ausland unter tauchte. Als wir sie ausfindig gemacht hatten, rief sie die Polizei und zeigte uns an, wir würden sie verfolgen. Dann tauchte sie wie der unter. Wir sind in großer Sorge um unsere Tochter, die sich so plötzlich nach den Reiki-Weihen verändert hat." D. und A. Gerling „Herzlichen Dank, daß sie vor Reiki warnen. Ich selber habe nach einer Reiki-Behandlung durch Handauflegung einen schweren Zusammenbruch erlitten mit Klinik-Einweisung. Nachdem ein Bekannter lange Zeit Verwandten und Bekannten heilende Reiki-Energie aus der Ferne geschickt hatte, verbun den mit dem Reiki-Fernheilsymbol, erlitt er plötzlich einen Erin nerungsausfall. Er konnte sich einfach nicht mehr an dieses Symbol erinnern. Was war geschehen? Er hatte an diesem Tag sein Leben JESUS CHRISTUS übergeben. Seitdem ist er der festen Überzeugung, daß Reiki und Christentum nicht verein bar sind." Marga Fendt „Auch ich bin Reiki-Geschädigter. Vor etwa 15 Jahren beschäf tigte ich mich mit alternativen Heilmethoden und stieß dabei auch auf Reiki, diese fernöstliche Geistheilmethode. Ich ließ mich von einer Reiki-Meisterin ,behandeln`, die hauptberuflich Krankenschwester ist. Anfangs erfuhr ich wirklich Linderung meines Leidens. Die Heilerin drängte mich dann, mich auch ei nem Meister zu unterstellen. Ich wollte nicht, und merkwürdi gerweise wurden die Reiki-Behandlungen völlig wirkungslos. Ich wechselte zu einer Heilpraktikerin, die auch Reiki praktiziert. Zur Zeit der Behandlung wachte ich nachts öfter auf und sah grelle Lichthitze vor meinen Augen. Mir wurde erklärt, dies sei die Reiki-Energie und ein gutes Zeichen. In der Folge hatte ich fürchterliche Angst- und Unruhezustände und schreckliche Albträume. Einmal betete ich während einer Reiki-Behandlung zu JESUS. Die Heilerin hielt ihre Hände wenige Zentimeter von meinem Kopf entfernt. Ein Wärmestrom ging von ihr aus. Während ich betete, änderte sich das Wärmegefühl plötzlich. Es wurde eis kalt, und die Heilerin wich erschrocken zurück. Mir geht es seitdem immer schlechter. Schlafen kann ich nur noch mit starken Medikamenten. Vor Reiki- und Geistheilern kann ich nur warnen! Besonders gefährlich ist, daß Heiler in der Regel behaupten, sie hätten ihre Heilkräfte von GOTT oder JESUS CHRISTUS, und so das Vertrauen von Christen erhal ten." Reiner Stubbe „Ich habe die 3. Reiki-Weihe, bin also Reiki-Meisterin, übe aber die Handauflegung nicht aus, weil ich schwer belastet bin. Ich fühle mich vor allem nachts von bösen Geistern verfolgt und körperlich angegriffen. Das geschieht nicht im Schlaf, sondern wenn ich aufwache. Außerdem höre ich Befehle zum Selbst mord. Seit vielen Jahren suche ich Ärzte und Psychologen auf. Alle stellen eine andere Diagnose, d.h. niemand kann mit mei nen Berichten etwas anfangen." Cilli Seibel „Dringend möchte ich aus eigener leidvoller Erfahrung vor Rei ki-Meistern warnen:Ich war damals noch nicht getauft, als ich mich von einem Rei ki-Meister in die Heilkunst einführen und weihen ließ. Unter Reiki versteht man eine ,Energie-Übertragungsmethode`, die eine ,universelle Lebenskraft` bewirken soll. Reiki - so wird be hauptet - bringt physisches, emotionales und geistiges Wohlbefinden und reinigt sowohl von physischen als auch von psy chischen Giften, löst Blockaden und kräftigt den Körper. Reiki sei überkonfessionell und stehe nicht im Widerspruch zu reli giösen und meditativen Praktiken oder Einweihungen, es berei chere sie jedoch.Auf diese Versprechungen fallen auch religiöse Menschen her ein, die irgendwelche Leiden mit dieser

Methode behandeln lassen. Kurz nach meiner ,Weihe` konnte ich mit meinen Hän den heilen. Ich war darüber erstaunt und mächtig stolz, wurde aber von einer bedrängenden Unruhe erfaßt, die mich nicht mehr zur Ruhe kommen ließ. Irgendetwas stimmte nicht mehr mit mir.Ich begann, religiöse Bücher zu lesen und sprach mit einem katholischen Priester. Das war mein Glück. Nach meiner Taufe verlor ich die Fähigkeit zu heilen und gewann einen Frieden, den ich nie mehr missen möchte. Ich könnte eine Menge nega tiver Beispiele über Reiki mitteilen, möchte es aber hiermit be wenden lassen." W. Becker „Auch mir wurde gesagt, nur um mein Vertrauen zu gewinnen, JESUS habe mit Reiki-Energie geheilt. Übrigens werden bei der Reiki-Weihe 2. Grades auch Symbole und Mantras gelehrt, damit die sog. mentale Heilung und Fernbehandlung wirksa mer werden: Acht Symbole sollen die kosmische Energie (Reiki) aktivieren. Diese acht Symbole finden sich übrigens auch an Tempeln der Götter Ägyptens oder auf Grab-Inschriften. Während der sog. Reiki-Weihe wendet der Reiki-Meister neben den Symbolen auch Mantras an, Worte, die in den Schriften Buddhas zu finden sind und eine leibende Verbindung zur universellen Lebensenergie herstellen sollen. Mantras sind nicht Silben mit bestimmten Schwingungen, wie Reiki-Meister lehren, sondern Götter- und damit Dämonen-Namen. Denn ,al le Götter der Heiden sind Dämonen`, sagt die Bibel. Vor einer Behandlung mit Reiki wird ein ,Gebet` gesprochen: ,Darum hebe ich die Hände auf die Stirn, neige meinen Kopf und meinen Oberkörper und lasse meine Hände wieder auf Herzhöhe sinken.` Dieses Ritual ist eine Geste des Respektes vor einem Götzen. Das Zusammenlegen der Hände soll die Vereinigung mit Yin und Yang versinnbildlichen. GOTT verbietet die Kontaktaufnahme mit Geistern und warnt vor den negativen Folgen, die auch aIle Reiki-Meister erfahren, nur nicht darüber sprechen - bis auf wenige Ausnahmen wie ReikiMeister Eckart Warnecke, der in seinem Glauben an die heilende Reiki-Kraft erschüttert wurde und folgerte: ,Was nützt es, alles in Licht und Liebe einzupacken, gleichzeitig aber zu vergessen, daß uns dunkle und auch destruktive Kräfte unbe merkt vereinnahmen?` Ich kann nur aIle warnen, die sich als Kanal der Reiki-Kraft öffnen wollen, in dem irrigen Glauben, sie würden sich selber oder anderen damit Gutes tun. Die Reiki Meister führen in die Irre, wenn sie behaupten, Reiki sei völlig weltanschauungsneutral, die Ausübung der Reiki-Geistheilme thode würde nicht gegen Glaubensvorschriften verstoßen. Für den christlichen Glauben trifft das jedenfalls nicht zu. Der Apo stel Paulus warnt in Kol. 2,8f: ,Seht zu, daß euch niemand be trügt durch Menschenweisheit und leeren Betrug, welche auf menschlichen Überlieferungen und kosmischen Mächten be ruhen und nicht auf CHRISTUS'". Karl Wille Reiki-Meister lehren, daß jeder Mensch durch die Reiki-Weihe zum „Kanal für Reiki" werde, d.h. er könne durch Handaufle gung sich selber Reiki geben und durch sich hindurch zum. Empfänger fließen lassen. Dr. Chujiro Hayashi, der von S.M.Usui die Heilkraft übertragen bekam, entwickelte das „System der drei Reiki-Grade". Dieses System hat inzwischen zahlreiche Erweiterungen erfahren und Kombinationen mit anderen esoterischen Heiltechniken (Bach-Blüten, Edelsteintherapie, Yoga u.a.). Die Übertragung wird in der Regel in Wochenend-Seminaren vorgenommen. Der 1. Grad befähigt zur Selbstheilung und zur Heilung ande rer. Gelehrt werden die Grundpositionen der Handauflegung an bestimmten Körperstellen, die Stimulierung der „Meridiane°, der „Chakren-Ausgleich" und Meditationstechniken. Der 2. Reiki-Grad befähigt zur Fernheilung und zur Anwendung der drei Symbole, die nach wie vor streng geheimgehalten werden. Der 3. Reiki-Grad (3a) befähigt zur Handhabung des sog. Mei ster-Symbols, und der 4. Grad (3b) verleiht den „Reiki-Mei ster".

Zu den Ritualen der Reiki-Weihe gehören: Händewaschen, Ge bete zu den „spirituellen Meistern" oder „geistigen Helfern°, das Vorbeiführen der Hände an einer Kerzenflamme, Aneinan derlegen der Handflächen, die vor das Herz bzw. die Stirn ge halten werden. Metallene Gegenstände (Medaillen, Kreuze u.a.) müssen abge legt werden, da sie den Energiefluß behindern würden.Vernei gen vor dem Reiki-Empfänger, dreimaliges Glätten seiner „Au ra", indem die linke Hand auf dem eigenen Herzen liegt und die rechte dicht am Körper des Empfängers vorbei - vom Kopf bis zu den Füßen und am eigenen Körper zurückgeführt wird, Mu sik, das Entzünden ätherischer Öle und Rauchwerk, um eine „angenehme Stimmung"zu erzeugen, sind weitere Rituale. Die Weihe-Rituale sind streng geheim. Reiki-Empfänger müs sen das feierliche Versprechen ablegen, diese nicht zu verra ten. Das gilt auch für die drei Symbole und Mantras des 2. Rei kiGrades, die „energetisch" übertragen werden: „Sie stellen Resonanzbeziehungen zum morphischen Feld all derer her, die diese Symbole und Mantras bereits angewendet haben... Es ist nicht eigentlich das Symbol oder Mantra, das da wirkt, sondern die Gemeinschaft oder der Geist aller Wesen, die jemals mit diesen Formen und Lauten gearbeitet haben" (a.a.0., S. 120). Symbole und Mantras sollen die „ganz persönliche Beziehung zur Universellen Lebensenergie schaffen": Das 1. Symbol ist ein Befehl an die Universelle Lebensenergie. Sein Name hat die Bedeutung „Krummschwert" und „Transzen dentaler Geist". Das 2. Symbol bedeutet „Dinge, die im Verborgenen sind". Es soll die Verbindung zum Unterbewußten herstellen und menta le (Geist-) Heilung herbeiführen. Das 3. Symbol (3a) bedeutet „Ursprung und Ziel" und befähigt zur Fernheilung.Die Anwendung der Symbole geschieht durch Zeichen in der Luft oder durch „reine Vorstellung", daß sie aus den Händen in die Chakras oder die kranke Körperstelle fließen. Vorausset zung ist das Vertrauen „in eine höhere Führung". Das 4. Symbol (3b) wird als „Meistersymbol" Dai Komío durch drei „Weihen" übertragen. Dieses Symbol festigt die Verbin dung „zum eigenen spirituellen Meister" endgültig, damit er „die innere Führung" übernehme. Um „Dai Komio" (das Licht) auf besondere Weise zu erleben, soll der Reiki-Meister drei Monate lang täglich 30 Minuten das zugehörige Mantra laut intonieren und anschließend 30 Minu ten lang „um sich herum schwingen lassen", bis er „sich auflöst und selber zum Meistersymbol" wird. Mit der Weisung: „Reiki-Lehrer wissen, daß nicht sie es sind, die - abgesehen von der Ausführung des Einweihungsrituals - aktiv handeln"(ebda S. 176), offenbart sich Reiki als okkul te Technik, die das Tor zu „Geistwesen", d.h. zu Dämonen öffnet. Dämonisch belastete Reiki-Empfänger der Reiki-Weihen oder Reiki-"Therapie" können nur durch einen Exorzismus geheilt werden.

Anhang: Reiki Gründer war Buddhist Während meiner Ausbildung zur Reiki Meisterin wurde uns auch erzählt, der „Wiederentdecker des Reiki Systems", Mikao Usui, sei ein kath. Priester gewesen und hätte die christliche Uni in Kyoto geleitet.

Eine lange Geschichte, wie er seine Heilfähigkeit gefunden und durch Handauflegung an andere weitergab, ist offenbar von Frau H. Takata erfunden worden, um Reiki im christlichen Westen auszubreiten. Über Takata wurden dann „Wunderheiler" in Europa und auch in Deutschland geschaffen, die schon unendlich viel Leid, Krankheiten und Störungen bis hin zu Besessenheit bewirkt haben. Auch Takata hatte - wie Usui - Visionen und hörte Stimmen, die Anweisungen gaben. Die Reiki Meister in Deutschland wissen ganz genau, daß Usui Buddhist war und Reiki buddhistische Energie und damit okkult ist, entschuldigen aber die Lügengeschichten damit, daß der Westen erst heute die Originalgeschichte verkraften könne, womit sie ausdrücken, daß der ehemals christliche Westen bereits so verbuddhisiert ist, daß kein nennenswerter Widerstand mehr gegen die okkulte Energie „Reiki" geleistet wird. Ich kann nur alle harmlosen und naiven Patienten warnen, auf Reiki hereinzufallen und sich durch die Reiki Behandlungen oder Weihen schwere gesundheitliche und psychi¬sche Störungen einzuhandeln. Brigitte Maffai P.S. Dem Japaner Sensei Mikaomi Usui (1865-1926) wurde durch eine Lichtgestalt geoffenbart, daß sich die kosmische Energie (Reiki), mit der Buddha geheilt habe, durch Handauflegung übertragen lasse. Reiki kann nicht gelehrt, sondern nur weitergegeben werden. In Wochenend Seminaren werden Schüler für die kosmische Heilenergie geöffnet und zu „Wunderheilern“ „geweiht“. Aus christlicher Sicht ist eindringlich davor zu waren, sich die Hände auflegen zu lassen.

Was will der Dalai Lama? Der Dalai Lama ist das politische und religiöse Oberhaupt der Tibeter. Er wurde 1935 in einer armen Bauernfamilie in der tibetischen Provinz Amdo geboren. 1937 entdeckten buddhistische Mönche das zweijährige Kind, unterzogen es einer Reihe von Tests und bestimmten es zum 14. Dalai Lama, in dessen Körper die Seele des verstorbenen 13. Dalai Lamas eingegangen sei. 1950 wurde dem erst Fünfzehnjährigen die Herrschaft Tibets übertragen. Im selben Jahr eroberte China das Land, und der Dalai Lama floh nach Indien. Von dort versucht er, internationale Unterstützung für die Sache Tibets zu gewinnen. Als religiöser Führer der Buddhisten reist der Dalai Lama in der Welt umher, um die „Botschaft von Liebe, Frieden und Toleranz" zu verkünden. Dafür erhielt er 1989 den Friedensnobelpreis. Vom 11. bis zum 23. Oktober ist der Dalai Lama in Graz, Österreich, wo er ein Kalachakra Tantra Ritual leiten wird, ein Ritual mit Geister- und Dämonenbeschwörungen, um die Buddhisierung Europas voranzutreiben. „Tausende oder Zehntausende werden in den Bann energetisch und magisch geladener Rituale und Gegenstände geraten“, warnt der evangelische Theologe Bruno Waldvogel Frei aus Basel, der sorgfältige Recherchen angestellt hat. „Im Kalachakra-Tantra ist die gesamte Lehre des Buddhismus verdichtet. Dieser Text fordert explizit die Vernichtung Andersgläubiger und die Errichtung einer weltweiten Buddhokratie. In seinem Zentrum befindet sich ein sexualmagisches Ritual, das auf einer raffinierten

Ausbeutung der Frau basiert. Das Kalachakra Tantra prophezeit in 300 Jahren einen Vernichtungskrieg zwischen buddhistischen und islamischen Armeen, aus dem der Buddhismus als Sieger hervorgeht, um als einzige Religion seine Herrschaft über die Welt zu errichten. Ein Mittel, um dieses Ziel zu erreichen, besteht - nach lamaistischer Sicht - in der rituellen Durchführung des Kalachakra Tantra. Dieses gilt als das wichtigste Ritual des Dalai Lama, das er 25 mal aufgeführt hat.“ (H.Röttgen: „Der Schatten des Dalai Lama“, Patmos-Verlag). Das Wort Kalachakra bedeutet „Rad der Zeit", zugleich ist es der Name eines buddhistischen Götzen, dem es um die Errichtung eines mythischen Reiches geht. Tantra bedeutet „ewiger Strom der Kontinuität". Wer beim Kalachakra Tantra mitmacht, dem öffnet sich die buddhistische Welt der Götter: Während der Zeremonien in Graz zeigt ein Wandbild über dem Thron des Dalai Lama den Götzen Kalachakra und seine Gefährtin, die Zeitgöttin „Vishvamata", sexuell vereinigt und in ihren 32 Händen 24 kriegerische Gegenstände haltend: Haken, Schwert, Schädelschalen, Hackmesser. Zahlreiche bei der Zeremonie verwendete Gegenstände stammen von Toten: Schalen aus Menschenschädeln, Trompeten aus Menschenknochen. Der Tantra Text bezeichnet die Führer des Judentums, Islams und Christentums als „Familie der dämonischen Schlangen" und fordert ausdrücklich die buddhistische Weltherrschaft. Auf vielen Seiten beschreibt der Tantra Text mörderische Superwaffen, die von der buddhistischen Shambhala-Armee gegen die „Feinde der buddhistischen Lehre" eingesetzt werden. Jeder Teilnehmer an der Kalachakra-Initiation werde als „Shambhala Krieger" wiedergeboren, um in der Endschlacht zu kämpfen. Während des Rituals wird ein Sand-Mandala erstellt, um Götter und Dämonen einzuladen, im „Mandala-Palast" ihren Wohnsitz zu nehmen. „Weil jedes Sandkorn geladen ist mit den Segnungen des rituellen Prozesses, verkörpert das ganze Sand Mandala einen gewaltigen Speicher an spiritueller Energie", wird auf der Internet Seite des Dalai erklärt. Im Sand-Mandala wird sich auch Nechung niederlassen, ein mächtiger Kriegsgötze und Ratgeber des Dalai Lama, dem die Botschaften Nechungs über ein Medium in Trance zukommen. Nechung ist das offizielle Staatsorakel der tibetischen Exilregierung und wird vor wichtigen Entscheidungen befragt. Während der Trance entwickelt das Medium übermenschliche Kräfte Es kann Eisenschwerter verbiegen und mit einer 40 Kilo schweren Metallkrone auf dem Kopf einen wilden Tanz aufführen. Aus schaumigen Lippen kommen unverständliche Laute, die von tibetischen Mönchen übersetzt werden. Das Kalachakra Tantra ist offensichtlich kein Ritual des Friedens! -------Dave Hunt Holistische Medizin Dem New England Journal of Medicine zufolge lassen sich alljährlich etwa ein Drittel der USAmerikaner auf »unkonventionelle medizinische Behandlungen« ein. Das Time-Magazin berichtete, dass »die Amerikaner jährlich schätzungsweise 30 Milliarden Dollar für ›alternative Therapien und Glaubensheiler‹ ausgeben«... Bei den meisten alternativen Therapien handelt es sich um New-Age-Methoden, zu denen östliche Meditation, Yoga, Visualisierung, Akupunktur,

Irisdiagnose, Homöopathie, Biofeedback und andere mystische Techniken gehören«. Eine offensichtliche Gefahr ist das Fehlen von Vorschriften. »Jeder, der einen Kursus anbieten möchte, kann das tun«, sagt Medizinprofessor Wallace Sampson. »Die Kontrolle geht praktisch gegen Null.« Außerhalb der USA ist die Kontrolle sogar noch geringer. Manche Patienten sind überzeugt, dass sie endlich Hilfe gefunden haben; doch für die meisten bedeutet es die Katastrophe. Als Pat Paulsen von den Ärzten gesagt bekam, dass das Stadium seines Darmkrebses alle Heilungschancen überschritten habe, wandte er sich an »eine der etwa 35 alternativen Kliniken kurz hinter der Grenze [zwischen USA und Mexiko] in Tijuana«. Nach Injektionen »von einem Haifisch-Embryo« fühlte Paulsen sich so viel besser, dass er sich daran machte, ein Buch zu schreiben. Doch stattdessen teilte er das Schicksal vieler anderer und starb. Weit schlimmer als möglicher körperlicher Schaden ist die Gefahr der okkulten Bindung, die daraus resultieren kann. Unter Aufsagen bestimmter Formeln bereitet man ein Kräutergebräu zu, um diesem okkulte Kraft zu verleihen. »Glaube« an das Geheimnisvolle kann eine Antwort aus der Welt der Dämonen einbringen. Dessen ungeachtet berichtete kürzlich die USA-Weekend: »Da sich jeder dritte Amerikaner an alternative Heiler wendet, hat ein Gremium der Regierung nun eine Änderung in der Ärzteausbildung vorgeschrieben. Jetzt studieren mehr angehende Mediziner Kräuter- und Gebetstherapien … An 50 der 135 medizinischen Ausbildungsstätten der USA wird Anatomie und Biochemie jetzt mit Akupunktur, Homöopathie, Ernährungslehre, Massage und Gebet ergänzt … Ein Gremium … des Nationalen Gesundheitsinstituts (NIH) empfahl, dass alle Studenten und Schüler in Medizin und Pflege mit alternativen Theorien und Techniken vertraut gemacht werden müssen … Wir sagen nicht, jeder Medizinstudent müsse ein versierter Akupunkteur oder Hypnotiseur werden«, sagt Allen Neims, ein Arzt aus Florida und Vorsitzender des NIH-Gremiums. »Aber sie sollten genügend von diesen Techniken verstehen, um sich vernünftig mit ihren Patienten und anderen Heilpraktikern darüber auseinander setzen zu können …« Holistisch heißt ganzheitlich Die »holistische Medizin« des New Age wird auch »ganzheitlich« genannt, weil sie angeblich die ganze Person einbezieht: Geist, Seele und Leib. Drei einfache Fragen sollten jedem holistischen Heilpraktiker gestellt werden: 1.) Mit welcher Art »Medizin« würden Sie einen Geist behandeln? 2.) Haben Sie wirklich eine medizinische oder pflegerische Ausbildung, um einen Geist zu diagnostizieren und zu therapieren? 3.) Ist »Geist« nicht vielmehr ein religiöser Begriff? Welche Religion praktizieren Sie an Ihren Patienten im Namen von Wissenschaft? Holistische Medizin ist in Wirklichkeit Schamanismus, der im Abendland zu neuem Leben erweckt wurde. Das Gebiet der Medizin hat zwar aufgrund der Habgier mancher Mediziner und der Inkompetenz einiger Heilpraktiker selbst ihre Probleme und Missbräuche, aber das soll hier nicht das Thema sein. Hier soll es nur um das Okkulte gehen. Die holistische Medizin behauptet, sich geheimnisvoller und übernatürlicher Kräfte zu bedienen. Deshalb können holistische Therapien nicht durch eine medizinische bzw. physiologische Erklärung unterstützt werden. Die angebliche »wissenschaftliche« Grundlage besteht einfach darin, dass sich in einigen Fällen gezeigt hat, dass die Methode »funktioniert«. Außer den bereits angeführten Techniken gehören auch Reflexzonenmassage, Strahlentherapie, Vitamin-Kinesiologie, Heilung durch Kristalle und Berührungstherapie zu den ganzheitlichen Methoden. Mangels Raum können wir hier nicht auf jede einzelne eingehen. Nehmen wir beispielsweise Homöopathie. Jedermann kann sich geschäftlich als Homöopath

niederlassen. Die ursprüngliche Lösung irgendeiner Substanz soll angeblich durch wiederholte Verdünnung zu einem Heilmittel werden, wenn keine messbare Spur dieses Elementes mehr in der Lösung verblieben ist. Solche wiederholten Verdünnungen verleihen der Homöopathie ihre einzigartige Kraft: eine geheimnisvolle »Kraft« in der Lösung, die kein Chemiker oder Physiker identifizieren kann. Ein amerikanisches Ärzteblatt warnte kürzlich: »Abgesehen von den spukenden Molekülen enthält eine homöopathische Lösung nichts anderes als Wasser und Alkohol. Somit können sie Ihnen wahrscheinlich keinen Schaden zufügen. Aber können Sie Ihnen etwas nutzen? Hüten Sie sich vor jedem – und jedem Produkt –, der oder das Ihnen verspricht, dort zu heilen, wo nichts anderes hilft.« Eine erfolgreiche Invasion Ein Leitartikel der Jerusalem Post schrieb kürzlich: »Wir leben in unbarmherzig stressreichen Gesellschaften … Unsere Ernährung strotzt von hormonverseuchtem Fleisch, Weißbrot ohne jede Nährstoffe und mit Chemikalien vollgestopften Früchten und Gemüse.« Dann erklärte der Artikel das Ergebnis der weit verbreiteten Unzufriedenheit mit diesem Zustand: »Der Trend schlug vor ungefähr 30 Jahren um, und zwar mit … der »alternativen« Medizin. Zuerst hat das Ressort der wählerischen … und seltsamen, alternativen Medizin sich beträchtlich ausgeweitet … Heute wird sie von Ärzten in Universitäten und Krankenhäusern in Nordamerika, Europa und ganz Israel angewendet. Israels erste Abteilung für Integrierte Medizin wurde 1991 am Assaf-Harofeh-Hospital eröffnet und behandelt bis zu 14.000 Patienten jährlich … Der Leiter, Dr. Shay Pintov, sagt: »Das ist Bestandteil des Trends in der gesamten westlichen Welt: Die Leute machen sich heute immer mehr Gedanken über ihre eigene Gesundheit und sind die chemischen Mittel leid …« In den USA bieten jetzt über 400 Universitäten auf irgendeiner Ebene Schulung in verhaltensmäßiger [alternative] Medizin an … Erforschungen natürlicher und volkstümlicher Heilungsmethoden ist weltweit ein im Wachstum begriffenes Gebiet … Integrierter bzw. natürlicher Medizin … obliegt eine wichtige Rolle … Ihre Betonung der Geist-KörperBeherrschung und Entspannung kann den unnachgiebigen Stress des postindustriellen Lebens beantworten. Ihr Nachdruck auf eine gesunde naturbelassene Ernährung spricht für sich selbst. Dem Trend zu besserer Ernährung und weg von übermäßigem Gebrauch chemischer Präparate können wir nur beipflichten. Doch das abendländische Gesundheitswesen ist durch das Vertrauen auf mysteriöse, übernatürliche Kräfte aus holistischen Mitteln von einer Invasion des Okkulten befallen worden. Akupunktur beispielsweise wurde in China entwickelt, um den Körper wieder in Einklang mit der universalen Kraft namens Tao zu bringen, die sich aus Yin und Yang zusammensetzt. Ja, eine durch die Haut gebohrte Nadel kann durchaus eine förderliche Reaktion in einer Nervenbahn auslösen, aber das ist nicht die ursprünglich dahinter stehende Theorie. Dem Anthropologen Michael Harner zufolge (der der holistischen Bewegung sehr zugeneigt ist), ist der Begriff »holistisch« eine beschönigende Form für Hexerei, die jetzt als Schamanismus bekannt ist: »Das aufkeimende Feld der Ganzheitsmedizin zeigt eine ungeheure Menge von Experimenten, welche viele bereits lange im Schamanismus praktizierte Techniken wiederfindet, wie beispielsweise Visualisierung, veränderte Bewusstseinszustände, Aspekte der Psychoanalyse, Hypnotherapie, Meditation, positive Einstellung [positives Denken/Denken in Möglichkeiten], Stressabbau und mentaler und emotionaler Ausdruck des persönlichen Willens zur Gesundung und Heilwerdung [positives Bekenntnis]. In gewissem Sinne wird Schamanismus im Westen wiederentdeckt, weil er gebraucht wird.« Ein vor kurzem in der Los Angeles Times erschienener Artikel war betitelt: »Alternative Behandlung schleicht sich in die Schulmedizin.« Okkulte Techniken wie Visualisierung von inneren Führern (die grundlegendste und wirksamste schamanische Praktik) und »Heilung durch Berührung« (der Versuch, durch meditierendes Halten der Hände ein paar Zentimeter über dem Körper des Patienten »Liebe und Wohlbefinden« zu vermitteln und die innere psychische Kraft neu auszurichten) werden in Krankenhäusern in

ganz Amerika offen praktiziert. Diese Bewegung, die »Spiritualität« in die Medizin einbringt, gewinnt in erstaunlichem Maße an Zuspruch und Aufschwung. Die bereits zitierte Psychologin von Harvard, Joan Borysenko, verkündet diese Botschaft allerorts. Eine Werbeanzeige für ihren Vortrag an der Universität von Alberta (Kanada) beschrieb sie als ausgebildet »in den großen spirituellen Traditionen der Welt« und als »fesselnde Rednerin … die Wissenschaft, Psychologie und Spiritualität auf einzigartige und vielsagende Weise in Verbindung bringt … und in Krankenhäusern ebenso zu Hause ist wie in Synagogen, Kirchen und öffentlichen Einrichtungen«. Dr. Borysenko berichtet von ihrem ersten Versuch, professionelle Mediziner von der Idee zu begeistern, dass »spirituelles Wohlbefinden tatsächlich den Unterschied zwischen unserem Leben und Sterben bedeuten kann«: Bei einem fachspezifischen Treffen sprach ich vor einer Gruppe von Gynäkologen und Geburtshelfern … und ich nahm alle meine Nerven zusammen und fing an, über das Wesen des Geistes und des Bewusstseins zu sprechen, über Gebet, Nahtod-Erlebnisse, Wunderheilungen … Ich hatte keine Vorstellung, wie sie reagieren würden und ich war … nervös, aber es wurde zu einer unglaublichen Erfahrung. Noch nie zuvor waren hinterher so viele Leute zu mir gekommen, um mir von ihren Erfahrungen zu berichten, und das ging den ganzen Tag so weiter. Im Foyer hörte ich sie an jenem Abend an jeder Ecke ihre Geschichten austauschen. Der »wissenschaftliche« Segen des »Gebets« Eine Umfrage von 1996 ergab, dass 82 % der US-Amerikaner an die »Heilkraft des persönlichen Gebets« glauben und 77 % glauben, dass »Gott manchmal eingreift, um Menschen zu heilen, die unter einer schweren Krankheit leiden«, während nur 28 % an die »Fähigkeit von Wunderheilern glauben, andere durch ihren Glauben oder ihre persönliche Berührung heilen zu können«. Das Gebet als »spirituelle« Praktik gehört ebenfalls zur holistischen Herangehensweise – allerdings nicht das biblische Gebet zu dem einen wahren Gott. Robert Schuller sagte beim »Larry King Live« zum 31. Mai 1997, dass Positives Denken oder Denken in Möglichkeiten eine Form des Gebets sei. Leider verbreitete Schuller damit das holistische bzw. okkulte Gebet. Anhänger jeder Religion – und sogar Atheisten – können Positives Denken praktizieren. Wie Harner aufzeigt, beinhaltet Schamanismus positive Erklärungen, die eine universale Kraft aktivieren sollen. Ein solches »Gebet« kann von daher an jeden Gott oder jede Kraft oder angebliche »höhere Macht« nach eigener Wahl gerichtet sein, oder sogar an die eigene innere Kraft oder das höhere Selbst. Religion und Spiritualität jeder Art scheint da hilfreich zu sein. Infolgedessen ist »Glaube« zu einem wissenschaftlichen Begriff geworden, der nichts mit Wahrheit oder dem einen wahren Gott zu tun hat, auf den allein echter Glaube gerichtet sein kann. Eine Studie aus dem Jahr 1995 ergab, dass einer der »entscheidendsten Vorhersage-Faktoren für das Überleben nach offenen Herzoperationen das Maß an Kraft und Hoffnung ist, das die Patienten ihren Angaben zufolge aus [irgendeiner] Religion schöpfen … Menschen, die regelmäßig [irgendwelche] religiösen Veranstaltungen besuchen, haben … einen niedrigeren Blutdruck, weniger Herzkrankheiten, weniger Depressionen und einen allgemein besseren Gesundheitszustand als solche, die keine solchen Veranstaltungen besuchen«. Die Daten, die der international bekannte Herzspezialist Dr. Nicholas Fortuin zusammengetragen hat, besagen: »Menschen mit Glauben genesen um etwa 70 % schneller« als solche ohne Glauben. Und anscheinend bewirkt das jeder Glaube. William Dempsey Jr., Arzt in einer Notaufnahme, glaubt, dass Ärzte »mit den Kirchenleuten zusammenarbeiten sollten« und dass die Zeit gekommen sei, dass »die Mauer zwischen Wissenschaft und Religion niedergerissen wird«. (Wir haben bereits gesehen, zu welcher Zerstörung des wahren Glaubens dieser Prozess führt.)

Dr. Dale Matthew, ein bekennender Christ und Mitglied von John Marks Templetons »Beratungsgremium des Informationszentrums für Bescheidenheits-Theologie«, stimmt zu: »Wissenschaftliche Erkenntnis hat die positiven Auswirkungen von Religion erwiesen. Als Arzt und Wissenschaftler kann ich sagen … dass Gebet – wissenschaftlich gesehen – nützlich für Sie ist. Die medizinischen Effekte von Glauben auf die Gesundheit sind keine Frage des Glaubens, sondern der Wissenschaft.« Eine Patientin von Dr. Matthew, die »sich selbst nicht als religiös bezeichnete«, fand dennoch »Matthews Beachtung der spirituellen Dimension extrem hilfreich«. Sie sagte: »Wenn nicht diese spirituellen Besserungen gewesen wären, wäre ich heute wahrscheinlich nicht mehr am Leben.« Wenn man sich einem Geist öffnet, der nicht der Heilige Geist Gottes ist, kann das vielleicht für eine Zeit Vorteile mit sich bringen, aber für die Ewigkeit hat das bedrohliche Konsequenzen. Herbert Benson aus Harvard fragt sich, ob es einen Gott gibt, der wirklich Gebet erhört. Jeffrey Levin sagt dazu: »Ich kann dieser Frage nicht direkt auf den Grund gehen, aber als aufrichtiger Akademiker kann ich sie nicht ausschließen.« Benson verweist jedoch auf den Placebo-Effekt: »Jahrzehntelange Forschungen zeigen: Wenn ein Patient wirklich glaubt, dass eine Therapie hilfreich ist – selbst wenn es sich um eine Zuckerpille oder um Schlangenöl handelt –, dann hat dieser Glaube eine wirksame Heilkraft … Glaube an die medizinische Behandlung … [hat eine] wunderbare therapeutische Wirkung und führt in 60 bis 90% der behandelten Fälle üblicher medizinischer Probleme zum Erfolg. Doch … Glaube an eine unbesiegbare und unfehlbare Kraft birgt sogar noch mehr Heilkraft in sich … Das ist ein absolut wirksamer Glaube.« Widerlegung von Jesu einzigartigem Anspruch? Da religiöser Glaube jeder Art – und das trotz schwerwiegender Widersprüche zwischen den Religionen – zu denselben Erfolgen führt, kann man die Ergebnisse nicht der Wirksamkeit irgendeiner dieser Religionen zuschreiben. Alle diese »Glaubens«-Heilungen müssen auf den Placebo-Effekt zurückzuführen sein, der nicht von einer etwaigen Kraft in der Religion ausgelöst wird, sondern von dem Glauben, dass eine solche Kraft existiert. Der Psychiater Peter Breggin sagt, es sei »wiederholt gezeigt worden, dass bis 50 % oder mehr von depressiven Patienten erfolgreich mit einer Zuckerpille behandelt werden können. Bei einigen Studien zeigten 90% der Patienten Erfolge aufgrund des Placebos.« Für Heilungserfolge ist es offensichtlich belanglos, an was oder wen man glaubt (sei es an Buddhismus oder Hinduismus, an Mohammed oder Christus). Vielmehr scheint der Glaube an sich irgendeine innere Heilkraft auszulösen, die zur Heilung führt. Das stimmt allerdings nur bei psychosomatischen Problemen. Ein fester Glaube an ein angebliches Heilmittel sollte logischerweise das heilen können, was von einer Depression oder der Angst, krank zu werden, verursacht worden ist. Die meisten Gebrechen, unter denen US-Amerikaner leiden –, sowie die meisten »Heilungen« von »Glaubensheilern«, fallen in diese Kategorie. »Zwischen 60 und 90 % der Arztbesuche gehören in den Bereich des Geist-Körper-Zusammenhangs bzw. gehen auf Stress zurück«, meint Dr. Herbert Benson. Die Bibel selbst unterstützt diese Vorstellung: »Ein fröhliches Herz bringt gute Besserung, aber ein niedergeschlagener Geist dörrt das Gebein aus« (Spr 17,22). Mit dieser Aussage ist jedoch keine unbegrenzte innere Heilkraft oder ein grenzenloses menschliches Potenzial gemeint. Sie begrenzt die Wirksamkeit der Verbindung zwischen Geist, Emotionen und dem Körper auf die Art von heilender Förderung, wie man sie auch von einem guten Medikament erwarten könnte. Schlichte Tatsache ist, dass eine entspannte, glückliche und optimistische Haltung die normale Selbstheilungsfähigkeit des Körpers unterstützt. In einem Artikel in Christianity Today (CT) schreibt der führende Evangelikale und Theologe J. I. Packer: »Anhand von Statistiken ist ersichtlich, dass jede Form von Gebet, ob von einem

Christen oder Nichtchristen, die Genesung des Patienten fördert … Wenn Patienten den bestimmten Gott, zu dem sie üblicherweise beten, bitten, dass er sie behütet und heilt und die [ihrem] Gott vertrauen, dass er dies tun wird, entspannen sich innerlich auf eine Weise, die eine ganz natürliche therapeutische Wirkung hat.« CT berichtet mit offensichtlicher Gutheißung: »Stiftungen, Regierungsbehörden, Schulkrankenhäuser und Universitäten fördern jetzt zahlreiche Studien, die einen wissenschaftlichen Nachweis für die Wirksamkeit von Gebet suchen. Im Juli … kamen Forscher von den Universitäten Georgetown, Duke und Harvard sowie vom Nationalen Institut für Gesundheitsforschung (NIHR) zusammen, um »eine Explosion der Forschung auf dem Gebiet von Religion und Gesundheit auszulösen«. Die Konferenz war insbesondere darauf ausgelegt, »die Realisierbarkeit und Methodik zu ermitteln, wie ›der Glaubensfaktor‹ in die herkömmliche Gesundheitsfürsorge einzubringen ist«. »Akademiker entwickeln … Methoden zur Erforschung eines wissenschaftlich erfassbaren Zusammenhangs zwischen Gebet und Heilung … Die bahnbrechende Studie, die zu diesem neuen Interesse führte, wurde 1984 von Randolph Byrd durchgeführt … [und untersuchte] annähernd 400 Patienten im San Francisco General Hospital.« Die Begeisterung von CT ist schwerlich zu begreifen. Wir haben bereits gesehen, dass Vermischen von Wissenschaft und Christentum zu Verirrungen führt und auf Kosten der Wahrheit geschieht. Darüber hinaus würde ein Nachweis, dass das Beten zu irgendeinem Gott nach eigener Wahl heilt, gerade den Glauben an den Gott der Bibel untergraben, den CT doch eigentlich verkündet. Wozu auf Jahwe vertrauen, der Heiligkeit fordert, wenn es mit einem liberalen Gott doch genauso gut funktioniert? Der Artikel zitiert mehrere Kapazitäten (angebliche Christen) dahingehend, dass Siang-Yang Tan, Professor für Psychologie am Fuller Theological Seminary und Autor des Buches »Umgang mit chronischen Schmerzen«, sagt: »Auf der Grundlage von Byrds Untersuchungen können wir nicht sagen, dass ein durch Jesus dargebrachtes Gebet besser ist als das an Allah gerichtete Gebet eines Moslems … wir können nur sagen, dass überhaupt ein Gebet besser ist als gar kein Gebet … Man wird nie beweisen können, dass der jüdisch-christliche Gott der wahre Gott ist. Das kann man nur durch Glauben wissen.« »Glaube« und »Beweise« Ganz im Gegenteil: wir können und müssen beweisen, »dass der jüdisch-christliche Gott der wahre Gott ist«. Wenn Tan Recht hat, warum sollte dann überhaupt noch jemand an den Gott der Bibel glauben anstatt an die Macht aus »Krieg der Sterne« – oder weiterhin an Christus und nicht an Buddha oder einen Medizinmann? Wahrer Glaube ist kein Sprung ins Ungewisse, um überhaupt an »irgendetwas zu glauben«. Es muss einen festen Grund für den persönlichen Glauben geben. Petrus ermahnte die Christen: Seid immer dazu bereit, denen Rede und Antwort zu stehen, die euch nach der Begründung eures Glaubens fragen (1.Petr. 3,15; Wie wir bereits in anderen Büchern gezeigt haben (z. B. Jerusalem – Spielball der Völker und Die Frau und das Tier), gibt es Hunderte klar formulierter biblischer Prophezeiungen über Israel und den Messias. Die ganze Welt ist Zeuge geworden, wie diese Voraussagen in der Geschichte Israels und im Leben, Sterben und Auferstehen Jesu Christi unbestreitbar in Erfüllung gegangen sind. Es sind zu viele und zu spezifische Prophezeiungen, als dass ihre präzise Erfüllung durch Zufall erklärt werden könnte. Das ist ein einleuchtender Beweis, dass der Gott der Bibel der eine wahre Gott ist, dass die Bibel sein Wort und dass Jesus Christus der wahre und einzige Retter der Menschheit ist. Wenn es keinen derartigen Beweis gäbe, wäre der Glaube töricht. Wenn man sein ewiges Schicksal irgendeiner Religion, Kirche oder menschlichen Führung anvertraut, ohne einen hinreichenden Beweis für deren Vertrauenswürdigkeit zu haben, ist das geistlicher Selbstmord. Und ein solcher Beweis findet sich in keinem Buch als nur in der Bibel und für keine andere Person als nur für Jesus Christus.

Ja, Christus lebt im Herzen der Christen (Röm 8,9-11; Kol 1,27) und Gottes Geist bezeugt mit unserem Geist, dass wir seine Kinder sind (Gal 4,6). Doch Nichtchristen brauchen einen objektiven Beweis, und die Bibel bietet einen solchen. Jesus hat sich nicht zurückgehalten, zu beweisen, dass er lebt, und Paulus bewies aus dem Alten Testament, dass Jesus der Christus ist (Apg 9,22); Gleiches tat Apollos (Apg 18,28) und Gleiches müssen auch wir tun. Wenn jemand einen solchen Beweis verstanden hat, kann er die Entscheidung treffen, sich dem Herrn Jesus Christus als seinem persönlichen Retter in Ewigkeit anzuvertrauen. Danach gibt Gott oftmals den nötigen Glauben an ihn, um Heilungen zu erleben, die spontan geschehen und keinesfalls als Placebo-Effekt erklärt werden können. Es gibt viele Berichte von unbestreitbar übernatürlichen Heilungen, die völlig von medizinischer Seite bestätigt werden. Solche Dokumentationen hier anzuführen, ist an dieser Stelle jedoch sowohl unnötig als auch nicht dem Sinn des Buches entsprechend. Dr. Tan freut sich darüber, dass »die Menschen offener für Religion werden«, aber er ist zugleich besorgt, dass sie »offen werden für alle Religionen, einschließlich für alle Spielarten des New Age«. Damit hat er Recht. Und ohne den Beweis, dessen Existenz Dr. Tan leugnet, gibt es keine vernunftgemäße Grundlage für die Entscheidung zugunsten einer Religion oder eines Retters vor allen anderen. Glaube an den Glauben – oder an Gott? Viele Menschen, die sich selber als Christen bezeichnen, sind auf rein subjektiver und emotionaler Basis zu dieser Entscheidung gekommen. Ihr Christsein ist auf sich selbst fixiert und hängt von ihren Gefühlen ab. Sie ziehen von Gemeinde zu Gemeinde und suchen nach Zeichen und Wundern, immer in der Hoffnung, eine neue Erfahrung zu machen und fleischlich Aufregendes zu erleben. Wie Paulus sagte, »ertragen sie nicht die gesunde Lehre« (2.Tim 4,3), die allein eine solide Grundlage für das Leben als Christ bietet. Viele meinen, sie seien Christen, weil sie ein offensichtlich übernatürliches Heilungserlebnis hatten, weil sie in einen tranceartigen Zustand gefallen sind, als sie von einem Glaubensheiler berührt wurden, weil ihnen heiße oder kalte Schauer über den Rücken gelaufen sind oder weil sie heftige Schüttelanfälle bekommen oder seltsame und unfreiwillige Laute von sich gegeben haben. Für solche Christen (wenn sie überhaupt Christen sind) ist Gebet eine religiöse Technik, um das zu bekommen, was man möchte. Sie beten mit aller Kraft, um Gott zu überreden, ihnen doch ihre Wünsche zu erfüllen. »Glaube« ist dann der Kampf, das zu glauben, dass man das bekommt, wofür man betet. Wenn etwas jedoch eintrifft, weil man glaubt, dass es geschieht, braucht man Gott offensichtlich nicht. In Wirklichkeit ist man dann zu seinem eigenen Gott geworden und kann die Realität kraft des eigenen Geistes durch »glauben« schaffen. Scharen von Menschen ist beigebracht worden (von Autoren und Fernsehevangelisten), sich nach persönlicher Aneignung von »übernatürlicher Kraft« auszustrecken. John Wimber und die Vineyard Christian Fellowship standen bei der Verbreitung dieser Illusion in vorderster Front. Zwar wird eine christliche Terminologie benutzt und manchmal werden zur scheinbaren Begründung Bibelverse zitiert, doch die Heilungsbewegung innerhalb eines großen Teils der heutigen Christenheit ist eher eine Mischung aus Irrlehre und Okkultismus, die mehr der Holismus-Bewegung gleicht als dem biblischen Christentum. Dieser »christliche Okkultismus«, auf den wir später noch zurückkommen werden, wird von John Goodwin, dem ehemaligen Pastor einer Vineyard-Gemeinde, beschrieben: Wimber spricht von Heilung, als sei sie eine Technik, die jedermann erlernen könnte … In seinem Heilungs-Video sagt er sogar: »Wenn ich für jemanden bete und dabei Informationen über meine fünf Sinne aufnehme und auswerte … strecke ich meine Antenne auch in die

kosmische Realität aus und fange an, Informationen zu sammeln … Wenn du diese Hitze in deinen Händen spürst, weißt du, dass jemand geheilt werden wird.« Das ist gefährlicher Tobak. Es ist wichtig zu verstehen, welche Verbindung besteht … zwischen den Vorgängen bei den Vineyards einerseits und der okkulten und New-Age-Bewegung andererseits … Sie sind alle miteinander verwandt, weil sie dieselbe Quelle haben. Was aber ist dann wahrer Glaube? Jesus sagte: »Habt Glauben an Gott« (Mk 11,22). Glaube ist die Überzeugung, dass Gott das Gebet erhören wird – aber nur gemäß seinem Willen, zu seiner Zeit und auf seine Weise. Glaube versucht nicht, durch eine bestimmte Gebetstechnik Gottes Willen den eigenen Zielen zuzuneigen. Der wahre Gläubige versucht nicht, durch positives Denken, Denken in Möglichkeiten oder positives Bekenntnis die Erfüllung seiner Wünsche mental zu erzeugen, sondern betet in Unterwerfung unter Gottes Souveränität, Liebe und Weisheit ernstlich so, wie Jesus selbst gebetet hat: »Doch nicht mein Wille, sondern der deine geschehe« (Lk 22,42). Im Gegensatz dazu vertritt holistische Medizin kein Anliegen für Wahrheit oder für den Willen Gottes, sondern nur für etwas, das funktioniert. Und sie beruht auf Techniken, die dem Gewissen und der Bibel widersprechen. Holistische Medizin versucht, eine okkulte Kraft anzuzapfen, und gerade mit diesem Versuch verwirft sie die Gnade des einen wahren und persönlichen Gottes, dessen Existenz und Souveränität sie leugnet. Die faszinierende Magie des Okkulten bringt gerade genug Ergebnisse zustande, dass ihre Opfer weiterhin an diesem Köder knabbern. Eine neue internationale Illusion? Die meisten Menschen denken zuallererst an ihr eigenes Befinden und Wohlergehen. Da sie von einer egozentrischen Sorge um ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden vereinnahmt sind, werden viele zu leichtgläubigen Opfern von »Glaubensheilern« bzw. den Verfechtern der neuesten »alternativen« Therapien und Wundermethoden. Auf der Suche nach ewiger Jugend wenden sie ihre Zeit und ihr Geld auf, indem sie auf verlockende Angebote eingehen, die ihnen unglaubliche Ergebnisse versprechen. Das war der Fall bei Will Baron, der sagt: »Der Psychotherapeut Peter Blythe hat mein Leben total verändert. Aber ich bin ihm nie begegnet.« Alles begann, so sagt Baron, mit Blythes Buch Stress Disease (»Stresskrankheit«): »Es führte in das »holistische« New-Age-Konzept ein, nämlich die Vorstellung, dass Körper, Verstand und Geist untrennbar zusammenhängen und dass alle drei harmonieren müssen, damit vollkommene Gesundheit resultiert … Begeistert las ich von … Akupunktur, Homöopathie, Psycho-Chirurgie, Chakra-Gleichgewicht, Rebirthing, Urschrei-Therapie, Reiki, Edelsteinen und Bioenergetik. Die Beschreibungen dieser Methoden sprachen viel von »Energien«, »Gleichgewicht« und »Ganzheitlichkeit«. Durch alternative Heilungstechniken zum New Age verführt zu werden … scheint ein allgemeines Phänomen zu sein.« Einer der bekanntesten Holismus-Gurus von heute ist Deepak Chopra, den Time in bewundernden Tönen als den »Kaiser der Seele« bezeichnete. Der London Daily Telegraph nennt seinen Bestseller Die Körperzeit »brillant und berauschend«. Die Washington Post beschreibt ihn als »blendend«, die San Francisco Chronicle als »erleuchtend«. Doch dieses Buch ist nichts anderes als ein Aufguss von fernöstlichem Mystizismus in pseudowissenschaftlichen und medizinischen Begriffen, eine clevere Präsentation des Hinduismus in einer für Abendländer attraktiven Weise: »In dem vereinten Bewusstsein kann die Welt als ein Fluss des Geistes erklärt werden, welcher Bewusstheit ist. Unser ganzes Ziel ist es, eine vertraute Beziehung zum Selbst als Geist herzustellen. In dem Maße, wie wir diese Vertrautheit schaffen, machen wir uns die Erfahrung eines alterlosen Körpers und eines zeitlosen Verstandes bewusst …

Wenn Sie mit Ihrer eigenen inneren Intelligenz in Berührung kommen, kommen Sie in Berührung mit dem kreativen Zentrum des Lebens … Durch Lücken in unserer Selbsterkenntnis werden wir zu Opfern von Krankheit, Alterung und Tod.« »Lücken in unserer Selbsterkenntnis« verursachen »Krankheit, Alterung und Tod«? Somit befinden wir uns einfach in Unwissenheit über unsere eigene Göttlichkeit und Unsterblichkeit? Das gesamte Buch, das so hoch gefeiert und in millionenfacher Auflage verkauft wurde, ist ein einziger Versuch zu beweisen, dass die Lüge der Schlange aus Eden wirklich die geheime Wahrheit ist und dass Chopra dies demonstrieren kann. Der verführerische Untertitel des Buches lautet Jung werden – ein Leben lang. Doch Chopra selbst wird älter – genau wie wir alle. Mit einer entsprechenden Ernährung und Lebensweise lebt er unter Umständen länger als andere, doch schon bald wird der Tod seinen Tribut fordern. Doch noch immer schenken seine Anhänger solchen Torheiten wie der folgenden Glauben: »Diese Möglichkeit [über Krankheit und Tod erhaben zu leben] ist im Osten immer als Tatsache angenommen worden. In Indien und China glaubt man von einigen spirituellen Meistern, dass sie infolge des Erreichens eines zeitlosen Bewusstseins Hunderte von Jahren gelebt haben … Wenn der Fluch der Sterblichkeit gebrochen ist, können Sie die Angst, die dem Tod seine Kraft verleiht, fahren lassen … wenn Sie sich selbst in Begriffen eines zeitlosen, todeslosen Wesens sehen, erwacht jede Zelle zu einer neuen Existenz. Wahre Unsterblichkeit kann hier und jetzt erfahren werden … die Erfahrung eines zeitlosen Verstandes und eines alterlosen Körpers, die vom neuen Paradigma für uns vorbereitet wurde. So sind wir also alle »todeslose Wesen«, die nur vom »Fluch des Todes« hinters Licht geführt wurden? Und es gibt tatsächlich intelligente Menschen, die dieser Lüge glauben? Niemand braucht den Tod zu fürchten, schreibt Chopra, weil wir als Bestandteile des universalen Energiefeldes alle unsterblich sind. Scharen von Menschen setzen ihre Hoffnung auf dieses Fantasievorstellung. »Wir sind überhaupt keine individuellen Wesen«, sagt Chopra, »sondern lediglich lokale Ausdrücke eines unendlichen, universalen Energiefeldes«. Energie ist unpersönlich und unbewusst und hat deshalb mit dem menschlichen Geist und individueller Persönlichkeit nichts zu tun. Energie tritt in vielen Formen auf, einschließlich der Moleküle, die die Zellen von Pflanzen, Tieren und unseren Körpern bilden. Für uns ist es kein Trost zu wissen, dass bei Tod und Verwesung unseres Körpers die Energie nicht vernichtet wird, sondern nur in andere Formen übergeht. Die eigentliche Frage ist das Schicksal unserer unsterblichen Persönlichkeit in Seele und Geist – und nicht die Energie, die in unseren vergänglichen Körpern gebunden ist. Chopra bietet zwar eine Menge richtiger Ratschläge für eine gesündere Lebensweise, doch macht er zugleich unrealistische Hoffnungen. Die Holismus-Bewegung wird von einer erstaunlichen Leichtgläubigkeit angetrieben, die von egozentrischen Motiven geschürt wird. Ein Maß für die öffentliche Leichtgläubigkeit Deepak Chopras Mitteilungsblatt vom November 1996 enthält ein interessantes Interview mit Dr. med. Christiane Northrup. Diese »Ärztin und Holismus-Wegbereiterin« verbreitet fernöstlichen Mystizismus und erklärt: »Die Art und Weise, wie das Universum funktioniert, ist, dass wir alles auf uns ziehen, was wir in Schwingung versetzen.« John Marks Templeton lehrt ziemlich das Gleiche. Sagen Sie das einmal den Opfern von Vergewaltigung, Diebstahl und Mord! Haben sie etwa die erlittene Gewalt »in Schwingung versetzt« und somit auf sich gezogen? Northrup sagt weiter: »Deepak spricht von einem Feld des absoluten Glücks und Wohlbefindens … das ist unser Geburtsrecht. Das ist es, wer wir sind.« Wirklich? Warum müssen wir uns dann in einen erweiterten Bewusstseinszustand versetzen, um zu erfahren, »wer wir sind«? Das Ausmaß dieser Wahnvorstellung wird nur noch von dem monumentalen Stolz übertroffen, der diese Idee bereitwillig akzeptiert. Doch die Bereitschaft zur Annahme eines solchen Unsinns hat Chopra zu einem Multimillionär und einem Prominenten gemacht. Seine Bücher haben sich in

kurzer Zeit in 7 Millionen Exemplaren verkauft und die Gebühren für seine Seminare betragen 300 Dollar pro Paar oder mehr. Chopra ist ein Hindu, der glaubt, dass das individuelle Selbst (Atman) identisch ist mit dem universalen Selbst (Brahman). Seltsam, dass wir uns nicht dementsprechend verhalten und uns selbst illusionieren müssen, um zu »erkennen«, was wir angeblich bereits sind! Er versucht unsere fehlende Brahman-Erfahrung dadurch zu erklären, dass »Ansammlungen von Gift … den freien Energiefluss durch Körper, Verstand und Geist beeinträchtigen«. Diese Illusion durchzieht die ganze holistische Medizin. Seine Ratschläge sind eine Mischung aus Hinduismus, insbesondere Agni (dem hinduistischen Feuergott) und Pranayama (Atemtechniken aus dem Yoga), zusammen mit allgemein üblichen Vorstellungen von gesunder Ernährung sowie den Lehren der hinduistischen Ayurveda-Medizin. »Das Gleichgewicht nach der Ayurveda-Medizin ist die Grundlage der Gesundheit«, sagt Chopra. Viele seiner Mediziner-Kollegen würden diese Aussage bestreiten. Nachdem ein Leukämiekranker die Ayurveda-Praktik übernommen hatte und angeblich als geheilt erklärt wurde, starb er dennoch kurz darauf. Seine Witwe führte einen Gerichtsprozess, bei dem auch Chopra erwähnt wurde. Die Klage wurde schließlich abgewiesen und Chopra behauptete, nur minimal damit zu tun zu haben. Doch »in Chopras Büchern wird der Mann, der diese angebliche ›Heilung‹ erklärte … als ›vielleicht der bedeutendste … heute lebende Ayurveda-Arzt‹ beschrieben« Chopra rät, um optimale Gesundheit zu erlangen, solle man »Schuldgefühle aufgeben«. Doch weder Chopras Hinduismus noch seine New-Age-Lehren bieten eine Grundlage für wirkliche Vergebung. Er sagt, dass Schuld »natürlich einfach eine Anklage gegen sich selbst ist«. Im Gegenteil: Der Mensch sündigt gegen Gott und das ist die Ursache seiner Schuld. Chopras Philosophie ist sowohl amoralisch als auch antichristlich. Die Los Angeles Times bezeichnete Chopra als »New-Age-Superstar«. Chopra und zwei andere Ärzte indianischer Abstammung hatten einen Artikel in einer Ärztezeitschrift veröffentlicht, »der mit glühenden Worten für die Ayurveda-Medizin eintrat … Monate später veröffentlichte ein Schreiber [dieser Ärztezeitschrift] einen langen, ausführlich dokumentierten Artikel, der das Trio beschuldigte … aufgewärmte Transzendentale Meditation feilzubieten, die jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehrt … Chopra schlug mit einer Klage gegen [die Zeitschrift] zurück … die inzwischen abgewiesen wurde.« Deepak Chopra behauptet: »Wir haben eine neue Wissenschaft.«In Wirklichkeit bietet Chopra keine Wissenschaft, sondern Religion an. Traurigerweise erliegen die Anhänger von Chopras Ratschlägen oftmals der okkulten Illusion und verfallen auch dem Hinduismus. Marty Kaplan, Leiter eines Hollywood-Filmstudios, Drehbuchautor und Produzent, war einst »kultureller Jude, Agnostiker und heimlicher Nihilist«. Aus einem Buch von Chopra ließ er sich zur Meditation anregen und nahm den maßgeschneiderten falschen Gott des Okkulten – das Selbst – als seinen »Gott« an. Sein Wahn geht so weit, dass er glaubt, das wäre auch der Gott Jesu Christi gewesen. In einem Artikel mit dem Titel »Überraschungsangriff der Spiritualität« berichtet Kaplan begeistert von seiner tragischen Verstrickung im Okkultismus: »Was mich an der Meditation so anzog, war ihre offensichtliche religiöse Neutralität. Man muss dazu an nichts glauben; man braucht sie nur einfach auszuüben … Ihre Spiritualität überfiel mich wie in einem Überraschungsangriff. Unwissentlich ließ ich mich auf eine Praktik ein, die seit Jahrtausenden das Herz des religiösen Mystizismus ist … Der Gott, den ich gefunden habe, ist Mose und Mohammed, Buddha und Jesus gemein … was die Kabbala Ayin nennt, das Nichts … Geist, Dasein, das Alles. Zuvor hielt ich übersinnliche Phänomene für New-Age-Unsinn. Reinkarnation hielt ich für einen Mythos. Die Seele hielt ich für eine Metapher. Jetzt weiß ich, dass es einen Gott gibt – meinen Gott, hier drinnen, der nicht Glauben fordert, sondern Erfahrung.«

Die Maharishi / TM-Connection Als Chopra 1983 des Rauchens und Trinkens müde wurde, mit dem er sich als viel beschäftigter Chefarzt emotional über Wasser zu halten versuchte, besuchte er die indische Zentrale von Maharishi Mahesh Yogi auf. Er wurde zu einem nahezu fanatischen Konvertiten zur TM und reiste fortan durch die Welt, um Maharishis patentierte Ayurveda-Produkte unters Volk zu bringen. Bis 1987 war Chopra »Vorsitzender und alleiniger Aktionär von Maharishi AyurvedaProdukte International. Er war ein Millionär, dem Maharishi einen Titel verlieh, der so viel bedeutet wie »Herr der Unsterblichkeit«. Wenngleich er sich inzwischen mit Maharishi überworfen hat, hilft uns der folgende Auszug aus einem acht Jahre alten Zeitungsartikel, Chopra heute zu verstehen: Der Mann, der gegenwärtig am verantwortlichsten für die Ausbreitung der Ideen des großen Weisen [Maharishi] zeichnet … ist Deepak Chopra, früherer Chefarzt des New England Memorial Hospital und jetzt Präsident der Amerikanischen Gesellschaft für Ayurveda-Medizin … Unter Maharishis Leitung hat Chopra zur Eröffnung von 60 Zentren für Ayurveda-Medizin in 23 Ländern verholfen … [und damit] die alte indische Heilkunst in der westlichen Welt eingeführt … Der 42-jährige Chopra, der zweimal täglich 40 Minuten meditiert, verschreibt sie [Transzendentale Meditation] seinen Patienten routinemäßig. Er fing vor acht Jahren mit Meditation an … er und seine Frau Rita nahmen beide Unterricht … Das veränderte sein Leben … Er brach mit Zigaretten, Kaffee und Alkohol und wurde »zehnfach effektiver …« Inzwischen … gibt Chopra auf seinen Quantenheilungs-Seminaren Materialien heraus: »Wie ich meinen Körper sehe, wie ich ihn wahrnehme, bestimmt darüber, wie ich ihn erfahre. Meine Erfahrung des Körpers bestimmt meine Realität in Bezug auf ihn. Meine Interpretation meines Körpers bestimmt seine Realität, ja seine Moleküle … Jetzt bin ich bereit, meinen Körper neu zu interpretieren als ein Feld wechselnder Muster, die ich in Wirklichkeit unter Kontrolle habe.« Es ist klar, dass sich Chopras Auffassung von Gesundheit und dem Körper von seiner TM-Praxis und der hinduistischen Lehre des Maya herleitet: Dass es »da draußen« keine objektive Welt gibt und wir selbst individuell unsere eigene Realität in unserem Verstand erzeugen. Wie absurd diese Auffassung ist, haben wir bereits gesehen. Chopra bestimmt die molekulare Zusammensetzung und Funktion seines Körpers ebenso wenig, wie er auf Essen und Trinken verzichten kann. Er kennt noch nicht einmal die Moleküle seines Körpers. Wenn jemand erklärt, seine Gedanken würden die Moleküle seines Körpers erzeugen – Moleküle, die er weder sehen noch mit seinen Gedanken erfassen kann – verrät das eine psychotische Wahnvorstellung. Dass Scharen von Menschen Chopra glauben und für sich selbst das Erreichen eines solchen Zustandes erhoffen, zeugt von der verblendenden Macht des Okkulten. Es ist unbestreitbar, dass es sich bei Chopras Aussagen um absoluten Nonsens handelt. Die Moleküle seines Körpers bestehen aus Elektronen und subatomaren Teilchen, die die Wissenschaft noch gar nicht erklären kann. Aber er hat sie unter Kontrolle? Schwachsinn! Wie intensiv TM mit dem Okkultismus verbunden ist, haben wir be¬reits an früherer Stelle gesehen. Chopras tiefe Verstrickung in die TM kann seine Wahnvorstellungen erklären. Der ganze Name »Transzendentale Meditation« ist unehrlich. Nichts Transzendentales ist daran. Mit TM kann man den wahren Gott nicht kennen lernen, der wahrhaft transzendent über allem steht. Stattdessen blickt man in sich selbst und versucht zu erkennen, dass man selbst Gott ist. Schauen wir uns das folgende Zeugnis von zwei weiteren ehemaligen TM-Lehrern an, Joan und Craig: Joan: Die Initiation, die jeder durchexerzieren muss, ist ein hinduistisches Anbetungsritual zur Ehre der Hindugötter und Aufgestiegenen Meister, einschließlich Maharishis verstorbenem Guru

Dev. Als TM-Lehrer wurde ich aufgefordert zu lügen … ich sollte [den Initianten] sagen, dass das Mantra, das sie erhielten, ein bedeutungsloser Klang ist, dessen wiederholtes Aufsagen zur Entspannung verhelfen würde – wobei es in Wirklichkeit der Name einer Hindugottheit war, hinter der enorme okkulte Kräfte stehen. Für diejenigen, die sich wirklich in TM hineinbegaben, war sie wie ein Raketenboot in einen anderen Bewusstseinszustand … Schließlich würden sie glauben, dass … sie zu Gott werden können. Craig: Ich war mehrere Jahre tief in TM verstrickt, bevor ich allmählich merkte, dass ich mich einer Hindusekte angeschlossen hatte. Zu jener Zeit war ich jedoch so sehr darin eingebunden … als dass ich zurück gekonnt hätte … Mehrere Hundert von uns aus aller Welt studierten einen Monat lang mit Maharishi in Europa, um TM-Lehrer zu werden … und die Auswirkungen davon waren zeitweise erschreckend. Einige sahen beim Meditieren groteske Geister neben sich sitzen. Einige wurden von den Geistern angegriffen. Andere … überkam blinde Wut, sodass sie zum Mord genötigt wurden … Maharishi erklärte, dass so böses Karma aus vergangenen Leben abgebaut würde – ein notwendiger Teil unserer Reise zum »höheren Bewusstsein«. Schließlich erreichte ich das »Einheits-Bewusstsein« … Das anfänglich euphorische Gefühl, endlich »am Ziel« zu sein … wich schon bald einer Panik. Ich hatte die Fähigkeit verloren, entscheiden zu können, was »real« war und was nicht. Maharishi sagte mir, ich sollte mit dem Meditieren aufhören. Allmählich gelange ich einigermaßen zur Normalität zurück – doch litt ich weiterhin unter häufigen Rückfällen ins Einheits-Bewusstsein, ähnlich einem Flashback nach LSD. Nachdem ich in die USA zurückgekehrt war, arbeitete ich an Maharishis Internationaler Universität. Mein dortiger Zimmergenosse beging Selbstmord und ich wurde in eine psychiatrische Anstalt eingeliefert. Jenseits des Placebo-Effekts Der Psychologe Albert Ellis, Präsident des Instituts für Rational-Emotive-Therapie, lässt sich von »wissenschaftlichen Nachweisen für Gebet« nicht beeindrucken. Er glaubt, dass »Besserung bei Patienten durch Gebet darauf zurückgeht, dass der Glaube ihr Immunsystem stärkt und nicht, weil tatsächlich ein persönlicher Gott eingreift. Ellis redet in den gleichen Tönen wie Sigmund Freud und witzelt, dass Religion ›irrationalem Denken und emotionaler Störung gleichkommt‹.« Bei den Fällen, die mit einem Placebo-Effekt erklärt werden können, kann Ellis nicht widersprochen werden. Doch nicht alle Heilungen fallen in diese Kategorie. Es gibt spontane organische Heilungen, die unmöglich aus der Kraft der Suggestion resultieren können. Darüber hinaus liegen kontrollierte Experimente vor, bei denen weder die Forscher noch die Probanden wussten, auf welche Gruppe das Gebet gerichtet war. Somit war ein Placebo-Effekt ausgeschlossen. Eine aktuelle Studie von Elisabeth Targ, der Leiterin der psychosozialonkologischen Forschung eines medizinischen Zentrums in San Francisco, umfasste »20 zufällig ausgewählte schwerkranke AIDS-Patienten«. Für die Hälfte von ihnen wurde von »20 Glaubensheilern gebetet«. Niemand wusste, für wen gebetet wurde, doch die Ergebnisse waren ermutigend genug, »um eine größere Folgestudie mit 100 AIDS-Patienten zu rechtfertigen«. Eine typische »Heilerin« bei dieser Studie war Eetla Soracco, die »aus christlicher, buddhistischer und indianischer Tradition schöpft«. Was sie als »christlich« bezeichnet, ist offensichtlich nicht biblisch, sonst stünde es in ernstem Widerspruch mit den »buddhistischen und indianischen Traditionen«. Bei solch einer Religions-Mixtur auf Seiten der beteiligten »Glaubensheiler« kann ein erzielter Erfolg keinem bestimmten »Gott« und keiner bestimmten

Religion zugeschrieben werden. Die Ergebnisse konnten auch nicht etwa dem »Glauben« der Patienten zugeschrieben werden. Ebenso wenig konnten die Ergebnisse auf eine Kraft zurückgeführt werden, die von den Betern projiziert wurde, da sie weder die betreffende Person selbst (nur den Namen) noch ihren Aufenthaltsort kannten. Es muss eine intelligente Regie über diese Sache gegeben haben, und zwar von einer nichtmenschlichen Quelle. Joan Borysenko, Professor an der Harvard Medical School, sagt: »Wir sind bereits ganz. Unser eigenes innerstes Selbst, unsere höhere Natur … war stets vollständig und wird es immer sein. Was wir noch tun müssen, ist, unsere Kämpfe einzusetzen als Weg zurück zu diesem allerwichtigsten Teil unseres Selbst.« Borysenkos Erklärung klingt nicht wahr. Warum sollten wir kämpfen, um zu dem zurückzugelangen, was wir bereits sind? Und warum wurden nur die zehn Patienten »zufällig« als Gebetsobjekte ausgewählt, die sich in einem solchen Kampf befanden? Auf der Suche nach einer Erklärung Bei einer Konferenz an der Harvard Medical School wurde kürzlich »Spiritualität« mit Gesundheit in Verbindung gebracht, und die Referenten sprachen von einer »Spiritualität bei Patienten« als »ungenutzte Ressource«. Herbert Benson von Harvard schreibt in seinem neuesten Buch Heilung durch Glauben: Unser genetischer Plan hat zum Glauben an einen unendlichen, absoluten Teil unserer Natur geführt. Die Evolution hat uns so ausgestattet, um unsere einzigartige Fähigkeit zur Reflexion unserer eigenen Moralität auszugleichen. Um dieser fundamentalen Existenzangst zu begegnen, haben Menschen auch einen Anschluss zu Gott. Wieder stehen wir vor dem höchst erstaunlichen Unsinn aus dem Munde eines Universitätsprofessors: Obwohl Gott nicht existiert, ist es für Menschen vorteilhaft, an einen nichtexistenten »Gott« zu glauben. Da die »Kraft« hinter der Evolution wusste, dass der Glaube an diesen imaginären »Gott« einen wirksamen Placebo-Effekt haben würde, führte sie deshalb diese Fantasie in unseren genetischen Bauplan ein. Welch haarsträubende Fantastereien die Leute sich doch zurechtbasteln, wenn sie versuchen, der moralischen Verantwortung gegenüber dem Gott zu entkommen, der sie erschaffen hat! Wenn nur ein Placebo-Effekt funktionieren soll, ist es egal, was oder an wen man glaubt. Der Glaube an sich aktiviert eine innere Kraft. Die Evolution braucht uns dann gar nicht mit einem »Glaubensanschluss an Gott« ausgestattet zu haben. Wäre es nicht besser gewesen, die Evolution hätte uns mit dem Glauben an uns selbst ausgestattet, damit wir nicht Seminare besuchen müssen, wie man sein Selbstbild aufbaut und Yoga praktiziert, um zu erkennen, dass unser wahres Selbst Gott ist? Dessen ungeachtet erklärt Rhawn Joseph, ein Neurologe an einem medizinischen Zentrum in Kalifornien, in offensichtlich voller Übereinstimmung mit Benson: »Die Fähigkeit zu religiösen Erfahrungen hat eine neuroanatomische Grundlage.« Wie erstaunlich ist es doch, dass dieser Fantasieglaube an einen nichtexistenten Gott in Verbindung mit neurologischen Mechanismen funktioniert, die die Evolution entwickelt hat, damit sie diesen Glauben begleiten! Und diejenigen, die diesen unverschämten Hokuspokus verbreiten, spotten dem wahren Glauben an Gott! Jesu Worte treffen sicherlich auch auf die heutigen Pharisäer der religiösen Wissenschaft zu: »Ihr blinden Führer, die ihr die Mücke seiht, das Kamel aber verschluckt!« (Mt 23,24). Vorsicht, Betrug! Obgleich wir vor dem Okkulten (dämonischen Mächten) hinter einem Großteil der HolismusBewegung warnen müssen, ist nicht alles daran Okkultismus. Es gibt auch viele Schwindel, die auf Täuschung beruhen, während sie vorgeben, eine geheimnisvolle Kraft zu haben. Das gilt

insbesondere für viele so genannte Psycho-Chirurgen, vor allem auf den Philippinen und in Mexiko. Trickkunst wird ebenfalls von Hexenmeistern im Dschungel angewendet, wo man meinen würde, das wäre nicht nötig, weil Satan dort unangefochtene Macht habe. 1930 veröffentlichte Franz Boas einen Teil einer Autobiografie eines Schamanen vom kanadischen Kwakiutl-Stamm. Dieser berichtet, wie sich seine Initiation in den Schamanismus vollzog, als er die Heilungstechniken der Schamanen in seinem Stamm beobachtete. Während der Heilungszeremonie lokalisiert der alte Schamane unter Beistand von vier anderen Schamanen den Krankheitsherd in der Brust des Patienten, saugt etwas daraus hervor, das wie ein blutiger Wurm aussieht, erklärt, er habe die Krankheit entfernt und singt sein heiliges Lied. Er erbricht Blut und ein Stück eines leuchtenden Quarzes, den er in die Luft wirft. Mit dessen »Verschwinden« verkündet er, dass er es in den Magen des künftigen Schamanen geschossen habe. An diesem Punkt wird Letzterer eingeladen, Schamane zu werden und entschließt sich, die Einladung anzunehmen. Der vierjährige Kursus umfasst Techniken zur Täuschung von Patienten und überzeugt zum Glauben, dass Magie stattgefunden habe, während in Wirklichkeit alles auf Täuschung beruht. Bei dem »blutigen Wurm« handelt es sich lediglich um ein Stück Adlerdaunen, das vor der »Heilung« im Mund platziert und in Blut getränkt wurde, indem sich der Schamane seine Zunge anbeißt. Der vielleicht interessanteste Teil dieser Geschichte ist die Tatsache, dass seine Techniken derart einleuchtend waren, dass die Leute scheinbar tatsächlich geheilt wurden. Sie waren nämlich überzeugt, dass er die Krankheit oder das Übel entfernt hat. Das ist wieder der Placebo-Effekt. Das soll nicht heißen, dass alle Schamanen Gaukler sind. Manche sind tatsächlich Diener Satans und Dämonen wirken durch sie auf erstaunliche Weise, damit ihre Anhänger an ihre falsche Religion gebunden bleiben. Wade Davis erklärt etwas von der holistischen Medizin in der haitianischen Voodoo-Gesellschaft. Das hört sich alles wohlvertraut an: In der Voodoo-Gesellschaft ist der Arzt zugleich der Priester, denn der Zustand des Geistes … bestimmt den natürlichen Zustand des Körpers. Gute oder schlechte Gesundheit resultiert … aus dem richtigen oder falschen Gleichgewicht der Person … Gesundheit ist ein Zustand der Harmonie … etwas Heiliges … für die Götter … Zur Wiederherstellung der Gesundheit des Patienten gehört u. U. eine Anzahl von Techniken. Auf materieller Ebene umfassen sie Kräuterbäder und Massagen … und, was vielleicht am wichtigsten ist, ein Opfer: dass der Patient der Erde eine Gabe der Lebensenergie zurückbringt. Aber es ist der Eingriff auf der spirituellen Ebene, der letztlich das Schicksal des Patienten bestimmt, und dazu wird der Priester zum Sklaven der Naturgeister. Der Geist wird entweder in den Kopf des Priesters oder eines Helfers gerufen, und wie ein Orakel teilt der natürliche Körper des Menschen das Wissen der Götter mit. Es gibt viele holistische Heilpraktiker, die aufrichtig sind, die aber selber verführt sind und wirkungslose Techniken erlernt haben. Wir haben einige davon aufgeführt. Der Leser mag nun selber nachforschen und bedenken: Wenn es keine natürlich-medizinische Erklärung gibt, ist die Therapie entweder ein Betrug oder aber, wenn sie funktioniert, steht womöglich eine okkulte Kraft dahinter. Holistische Medizin ist eindeutig ein wichtiger Brückenkopf für die okkulte Invasion. Sie scheint die Existenz einer geheimnisvollen Heilkraft nachzuweisen, die jeder durch »Glauben« nutzen kann. Sie unterstützt die These von Al Gore, dass diese Welt »Glauben an eine höhere Macht braucht, welchen Namen auch immer man ihr gibt«. Holistische Medizin ist nur ein weiterer Riesenschritt der Menschheit hin zur künftigen Weltreligion des Antichristen. -----Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)

Von Adelgunde Mertensacker Der weltanschauliche Hintergrund der Traditionellen Chinesischen Medizin ist eine Mischung aus Taoismus, Konfuzianismus, Universismus (am Universum orientiert), Buddhismus, Schamanismus und magischen Riten. Die Chinesen sprechen von "Lehren" oder "Schulen", da die chinesische Sprache das Wort "Religion" nicht kennt. Grundlegend für das therapeutische System der TCM ist die Vorstellung, daß Makrokosmos und Mikrokosmos durchzogen sind von der kosmischen Lebensenergie Qi und daß das gesamte Universum bestimmt ist von den polaren Kräften Yin und Yang. Krankheiten entstehen nach dieser Theorie, wenn das Gleichgewicht von Yin und Yang gestört ist, so daß die Lebens-Energie Qi nicht mehr ungehindert durch die Meridiane (Energiebahnen) fließen kann. Die Gesundheit kann nur durch die Harmonisierung von Yin und Yang wiedererlangt werden und zwar: 1. durch Medikamente, körperliche Übungen (Qi Gong, Tai Qi Quan), die richtige Atemtechnik und Meditation, 2. durch Einwirken auf die Energiebahnen des Körpers, in denen Qi fließt (Nadelung, Akupressur, Moxitherapie) und 3. durch Gestaltung der Umwelt (Feng Shui). Da die kosmische Energie Qi, die Energiebahnen, Chakren (Energie-Tore), Akupunkturpunkte, Yin und Yang mit wissenschaftlichen Methoden nicht nachweisbar sind, handelt es sich bei der Traditionellen Chinesischen Medizin um einen Glauben: Fundament der TCM ist der Glaube an das Wirken kosmischer Kraft unter dem ewigen Prinzip des Tao, zahlreicher Gottheiten und Geister, vor allem der Ahnengeister, denen regelmäßig geopfert werden muß, um sie gnädig zu stimmen. Qi als zentraler Begriff der TCM ist gleichzusetzen mit Universalkraft, Lebenshauch, Primär oder Urenergie, Heil Energie, kosmischer Energie. In ihrem Selbstverständnis ist die TCM eine Religion. Sie will nicht nur Krankheiten heilen, sondern religiöse Werte vermitteln: Friede, Ruhe, Harmonie, das Heil, d.h. die volle Gesundheit des Körpers und der Seele. "Gesund" sein heißt, "heil" zu sein; "heil" sein heißt, "eins" zu sein mit der kosmischen Energie Qi. Die TCM ist mit dem christlichen Glauben nicht vereinbar: Der Irrglaube an die allgegenwärtige, unpersönliche kosmische Kraft tritt an gegen den personalen GOTT, den Schöpfer und HERRN des Kosmos, Himmels und der Erde, gegen den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist. Grundkonzept der TCM ist das Leben in Harmonie mit Yin und Yang. Diese Zielvorstellung geht an dem einzigen Weg zu GOTT vorbei, an dem Erlöser JESUS CHRISTUS. An die Stelle Seines Erlösungswerkes tritt die Selbsterlösung durch die Anwendung chinesischer Therapien, an die Stelle von Sünde und Vergebung tritt der energetische Ausgleich mangelnder Harmonie mit Qi. Erfolge der TCM müssen als Placebo Wirkung oder okkult erklärt werden.

Daß die TCM außer der Seele auch dem Körper Schaden zufügt, beweisen u.a. Untersuchungen des Medizinischen Labors Bremen. Heilkräuter Rezepturen, die auch in Apotheken angeboten werden, sind belastet mit Cadmium, Thallium, Blei, mit Pestiziden, Schwermetallen und Schimmelpilzen. Helmut Dietrich Koester, Umweltmediziner des Bremer Labors, stellt fest: "Die Pestizidwerte halte ich für bedenklich. Über die hohe Schwermetallbelastung bin ich erschrocken" (GreenpeaceMagazin, 4/04). "Der Handel mit den Arzneimitteln neu auf den Markt drängender, nicht erfasster Therapierichtungen wie der chinesischen Medizin bedarf dringend der Kontrolle. Hier gibt es hohe Risiken durch Toxizität selbst in vermeintlich harmlosen Tees, oder es gibt Beimengungen von Pharmaka wie Cortison u.a. in derartigen Mitteln. Man muß sich von dem Gedanken freimachen, daß auf dem Gebiet der Außenseitermedizin reine Idealisten eine naturgemäße, "sanfte" Medizin betreiben, vielmehr ist dies auch ein Tummelplatz geldgieriger Scharlatane, mit und ohne ärztliche Approbation, die die Patienten schamlos ausnehmen" (K. D. Bock und M. Anlauf, Am Ende des Weges: Magie als Kassenleistung? www.konsequente positivliste.de). Die chinesische Medizin, die ausschließlich genuine pflanzliche, tierische und mineralische Substanzen zusammenstellt, unterscheidet bei der Rezeptherstellung vier Wirkweisen: Der "Herrscher" ist das Hauptmedikament. Es bekämpft die eigentliche Krankheit unterstützt vom "Minister", vom "Assistenten" und dem "Gehilfen". Dem Analogiezauber entsprechend wird z.B. der gelbe Safran eingesetzt gegen Gelbsucht, der Leuchtkäfer gegen Augenleiden. Störungen der oberen Körperhälfte werden mit Medikamenten aus Knospen und Blüten behandelt, Krankheiten der unteren Körperhälfte mit Arzneien aus Wurzeln. Geerntet werden die Pflanzen nachts bei Vollmond. Zubereitet werden sie in irdenen Gefäßen. Während die Medikamente energetisch als sog. "innere Therapie" wirken, werden andere Verfahren als "äußere" Therapie eingesetzt: Die Akupunktur soll das Gleichgewicht zwischen Yin und Yang und damit das ungehinderte Fließen des Qi wiederherstellen. Die Kinesiologie geht davon aus, daß verspannte Muskeln ein Ungleichgewicht von Yin und Yang zeigen. Die Moxibustion will die Harmonisierung durch Wärme bewirken. Qi Gong, im 2. Jahrhundert nach CHRISTUS von dem chinesischen Arzt Hua Tuo entwickelt, soll Qi durch bestimmte körperliche Übungen aktivieren, durch bestimmte Vorstellungen durch den Körper leiten und so Blockaden lösen und energetische Mangelzustände beeinflussen. Qi Gong Meister übertragen die Heil Energie auch aus der Ferne, wirken auf Gegenstände ein, sind fähig, massive Steine und dicke Stahlstangen mit ihren Händen zu zerbrechen und durch "Schleudern" ihrer Energie Feuer zu entzünden. Diese übermenschlichen Fähigkeiten werden auch bei Besessenen beobachtet. Anhang:

T'ai Chi "T'ai Chi" (T'aiji) bedeutet "Höchste Energie" und bezeichnet eine Kampfkunst bzw. Bewegungsmeditation, den Kampf mit einem imaginären Gegner (Schattenboxen). Die im Zeitlupentempo ausgeführten Bewegungen (zwischen 30 bis 180) sind Angriffs , Rückzugs oder Verteidigungsgebärden. Sie sollen die Lebensenergie Chi (Qui, Ki) anregen und Yang und Yin harmonisieren. T'ai Chi gehört zur "Traditionellen Chinesischen Medizin" (TCM) und wird in Deutschland seit etwa 25 Jahren in "Gesundheitszentren", Fitness Centren und Volkshochschulen angeboten. Chinesische T'ai Chi Lehrer schmücken sich häufig mit Dr. bzw. Professorentiteln, die aber keinen akademischen Grad bedeuten, sondern geschäftstüchtige Übertragungen chinesischer Ehrentitel sind. Als therapeutische Methode - so die Werbung - könne T'ai Chi alle körperlichen und seelischen Krankheiten heilen. Wissenschaftliche Belege gibt es dafür nicht. T'ai Chi Ch'uan, bedeutet "höchste Energie der Faust". Diese Kampfkunst ist vergleichbar mit den fernöstlichen Nahkampf-Disziplinen Judo, Karate, Teakwondo oder auch Kung Fu (tödliche Fauststöße). ---Von Adelgunde Mertensacker Das Wort Yoga kommt aus dem Sanskrit (altindische Gelehrtensprache) und bedeutet "Anjochung", "Vereinigung". Gemeint ist die mystische Vereinigung der menschlichen Seele mit einer Gottheit oder "Brahman", das Erlöschen des individuellen Selbst (Atman) im unpersönlichen Ur-Sein. Yoga wurde von den Upanishaden (200 v. Chr.) entwickelt und hat seitdem zahlreiche Ausprägungen erfahren. Letztes Ziel ist ein veränderter Bewußtseinszustand, die Trance. Die Einheit mit einer Gottheit (Krishna) oder "Brahman" erreicht der Yoga Aspirant in 8 Schritten: 1. Er verspricht, alle Leidenschaften auszulöschen. - Dazu dienen ein ritueller Ort, die rituelle Körperhaltung und die Einengung der Konzentration auf einen Punkt. 2. Er unterzieht sich strenger Selbstdisziplin in Stille, Studium und Gebet. 3. Er übt die rechte Körperhaltung und Atemtechnik: Lotussitz, bestimmte Hand-, Finger-, Augenund Zungenhaltung u.a. 4. Er rezitiert und wiederholt die "heilige Silbe" OM (steht für Krishna). 5. Er zieht sich völlig aus der Welt der Sinne zurück. 6. Er übt sich in der völligen Entleerung seines Verstandes. 7. Er übt die Trance ein durch Identifikationsübungen, Deprivationsübungen (Zurückziehen aller Sinneswahrnehmungen), Visualisierungsübungen (Vorstellungen mit Wahrnehmungs-Charakter) u.a.

8. Er erreicht im Trancezustand die mystische Vereinigung mit der erwählten Gottheit oder Brahman. Yoga ist vor allem eine ekstatische Meditations-Technik der Selbsterlösung aus dem Kreislauf der Wiedergeburten, eine Todeskunst. Das Ziel ist der Tod des "Ich" im Nirvana. In der "Bhagavad Gita", dem bedeutendsten altindischen Text, werden die vier Hauptformen des Yoga vorgestellt: Jana Yoga (Weg der Erkenntnis), Bhakti Yoga (Weg der Anbetung und Hingabe), Karma Yoga (Weg des Handelns) und Raja Yoga (der "Königsweg", die Vereinigung aller Yoga Wege). Alle vier Yoga Formen stellen Wege zur Erreichung des Zieles dar: Über spirituelle Transzendenz, liebevolle Hingabe an die Götter, soziale Pflichterfüllung und Meditation, aus dem Kreislauf der Wiedergeburten erlöst zu werden. Aus dem "Raja Yoga" leitet sich der "Hatha Yoga" , die körperliche Vervollkommnung ab. Im Westen werden hauptsächlich die Körper- und Atemübungen des "Hatha Yoga" praktiziert, die sich aber nicht aus der Zielsetzung des Yoga allgemein abtrennen lassen. Mitte der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts wurde in Deutschland die erste Yoga-Schule gegründet. Heute gehört Yoga zu den Standard Angeboten von Volkshochschulen, Kur- und anderen Gesundheitseinrichtungen. Yoga-Lehrer die Berufsbezeichnung ist nicht geschützt - lehren hauptsächlich "Asanas", die Körperstellungen, "Pranayama", die Atemtechnik und "Kriyas", die innere Reinigung. Daneben werden Lebensregeln (Niyama) und Meditationsübungen (Dhyana) angeboten. "Asanas" werden in durchschnittlich 36 Positionen eingeübt. Bei der "Padangustha Sana" sitzt man auf dem Boden, legt den rechten Fußknöchel auf den linken Oberschenkel, hebt den Körper an und balanciert ihn, auf den linken Zehen stehend. Dies soll vor allem der "Sublimation sexueller Triebe" dienen. Jede einzelne Körperstellung wirkt angeblich gegen bestimmte Beschwerden und Leiden: Milz Leber Erkrankungen, Diabetis melitus, Wurmerkrankungen, Blähungen u.a. Gegen Hämorrhoiden helfe die Stellung "Dvipada Kandhara Sana": "Sitzen Sie am Boden und heben Sie das linke Bein von hinten auf die rechte Schulter. Dann nehmen sie auch das rechte Bein nach hinten und legen es auf das andere Bein. Die Hände werden vor der Brust zusammengelegt" (Dhirendra Brahmachari, Yoga progressiv, S. 126f). All diese Übungen sollen stets ohne schmerzhafte Anstrengung bleiben. Die im Westen gebräuchlichsten Körperübungen sind der Schulterstand, der Kopfstand und der Lotos Sitz. Die rechte Atemtechnik (Pranayama) übt u.a. das Anhalten des Atems für längere Zeit und die Hyperventilation. Bei den "inneren Reinigungsübungen" (Kriyas) werden die Nasengänge und der Darm mit Hilfe eines eingeführten Wasserschlauches gereinigt und u.a. das rhythmische Ein und Hochziehen des Magens erlernt. Abgeschlossen wird eine Yoga Stunde mit der sog. "Leichenstellung", der völligen Entspannung des Körpers.

Yoga kann für die Gesundheit sehr gefährlich werden. Schwere Schäden an der Wirbelsäule und massive psychische Störungen durch Hyperventilation bis zu Psychosen sind häufig beobachtete "Nebenwirkungen". Yoga kann auch von seinem religiösen Hintergrund nicht gelöst werden. Yogis, die zum christlichen Glauben gefunden haben, berichten, daß sie spätestens auf den höheren Stufen "in den Machtbereich der Dämonen" geraten sind. In der esoterischen Interpretation des indischen klassischen Yoga sollen kosmische Energie in den Meridianen zum Fließen gebracht, die Chakren aktiviert werden, "Kundalini-Energien" (Schlangenkraft) geweckt und der Mensch zum "Kanal göttlicher Energien" werden. Yoga-Übungen werden häufig mit anderen esoterischen Heilverfahren verbunden, mit Reiki, Aura-Heilung, Psychotechniken u.a. Eine zentrale Rolle spielt Yoga in der "Transzendentalen Meditation" des Maharishi Mahesh Yogi, der sog. "Siddhi-Fähigkeiten" vermitteln will: Levitation (Fliegen ohne Hilfsmittel), Schmerzunempfindlichkeit, Hellsehen, Telepathie, übermenschliche Kräfte, Freisein von Krankheiten und Astral-Reisen in die Vergangenheit und Zukunft. Aus IRRWEGE DES GLÜCKS – Esoterische Medizin von A bis Z von Adelgunde Mertensacker info@horst-koch.de www.horst-koch.de

Maurice Ray »Joga, ja oder nein?« - Auszug Das Wort JOGA kommt aus dem Sanskrit und ist möglicherweise die sprachliche Wurzel für das griechische Wort iogé (Schutz, Schirm) und das lateinische jugum, das Joch. Jogapraktizieren heisst nach diesen sprachlichen Wurzeln: sich unter ein Joch stellen, unter einer beschirmenden Macht Schutz suchen. Hier in dieser Kurzdarstellung kann nur ein stark begrenzter Ausschnitt des Joga gebracht werden. Einige Kernsätze aus dem Werk Mishras erschließen uns die geistige Atmosphäre des Joga: a) Das höhere Ich des Menschen ist transzendent und immanent, es ist ohne Anfang und ohne Ende, hat keine Geburt noch den Tod. b) Joga bedeutet die Synthese des physischen und metaphysischen Universums. c) Himmel und Hölle sind nur Produkte des menschlichen Geistes. d) Auch hinter der Magie, Mystik und hinter dem Okkultismus ist das Jogasystem gegenwärtig.

Schon diese vier Sätze zeigen, daß Joga und Bibel nicht im entferntesten zusammenzubringen sind. Die fernöstlichen Systeme und der christliche Glaube sind unvereinbare Gegensätze. Bei einem Querschnitt durch die bekanntesten Jogaformen lassen sich etwa vier Stufen erkennen. 1. Die e r s t e Stufe hat als Ziel, dem Jogaschüler die Herrschaft über sein Bewußtsein und seinen Körper zu vermitteln. Der Verwirklichung dieses Zieles dienen geistige und körperliche übungen. Zu den geistigen Übungen gehören Meditation, Autogenes Training, Konzentration, Koan = Litanei mit der dauernden Wiederholung eines Mantra (Geheimwort). Die körperlichen übungen umfassen Atemgymnastik, verschiedene Körperstellungen wie Lotossitz, Kobrastellung, Kopfstand usw. Diese erste Stufe hat also psychosomatischen Charakter, die Herstellung der Einheit von Körper und Geist. Es gibt viele Christen, die meinen, man könne ohne Schaden diese erste Stufe des Joga mitmachen. Es handle sich ja doch nur um Entspannungsübungen. Die Seelsorge zeigt einen anderen Sachverhalt. Diese von den Jogi vielgerühmte Entspannungstechnik und »Entleerungsübungen» führen nur dazu, daß ein anderer Geist einströmen kann. Und der Jogajünger merkt es nicht. 2. Die z w e i t e Stufe des Joga umfaßt die Beherrschung des Unbewußten. Der Meister der zweiten Stufe kontrolliert und lenkt z. B. das viscerale Nervensystem. Ich traf Meister der zweiten Stufe, die erstaunliche Experimente zeigten. Einige Beispiele: In einer Universitätsstadt des Westens begegnete ich einem Theologiestudenten, der die zweite Stufe des Joga praktizierte. Er war in der Lage, seine Blutzirkulation zu erhöhen oder zu vermindern. Da er zu Späßen aufgelegt war, unterhielt er mit seinen Fähigkeiten seine Kommilitonen. Er konnte das eine Ohrläppchen rot, das andere blaß werden lassen. Er vermochte sich rote Flecken auf die Haut zu suggerieren. In einer Weltstadt hörte ich von einem Beamten, der ebenfalls die zweite Stufe beherrschte. Er konnte sich Stigmata (Wundmale) auf die Handflächen suggerieren. Er ist keineswegs ein Heiliger, sondern ein Atheist. Nebenbei stellen wir hier fest, daß die Wundmale in den Handflächen durchaus kein religiöses Phänomen sein brauchen. Es gibt unbewußte und bewußte, religiöse und areligiöse Stigmata, also vier Formen von Wundmalen, die mit Christus absolut nichts zu tun haben. Ob es auch durch eine mystische Betrachtung der Wundmale Jesu Imitations -Stigmata gibt, halte ich für möglich. Glaubensnotwendig und heilsnotwendig ist das nicht. Wir haben Jesus und brauchen keine stigmatisierte Heilige oder Unheilige zu unserer Erlösung. In Asien traf ich mehrmals auf Jogi, die Atmung, Herztätigkeit und Blutzirkulation auf ein Minimum reduzieren konnten. Sie verfielen dabei in einen tranceähnlichen Schlaf, der drei bis zehn Wochen anhalten konnte. Während dieser Zeit nahmen sie weder Nahrung noch Flüssigkeit zu sich. Ein aufschlußreiches Erlebnis dieser Art hatte ich in USA. Eine junge Frau berichtete, daß sie Meisterin der zweiten Jogastufe gewesen sei. Bei ihren Jogaübungen hatte sie sogar Jesus als Guru gewählt. Wohlgemerkt, nicht Jesus als Heiland und Erlöser, sondern nur als Vorbild, als großen Meister. Bei ihren Jogaübungen entwickelte sie okkulte Fähigkeiten. Es wurde ihr

unheimlich, und sie versuchte, sich selbst zu befreien. Da merkte sie erst, welche Bindung Joga war. Sie fing an Christus zu suchen. Unter fürchterlichen Kämpfen kam sie los. Sie schrieb einen Bericht unter der Überschrift: Vom Joga zu Christus. Joga befreit nicht, sondern knechtet. Joga löst nicht, sondern bindet. Joga erleuchtet nicht, sondern vernebelt. Joga bereitet nicht den Boden für Christus, sondern macht für die Erlösung durch Christus immun. Joga öffnet nicht die Pforte für den Heiligen Geist, sondern die Türen für die spiritistischen Geister. Das wird noch deutlicher, wenn wir die Stufen drei und vier kurz beschreiben. 3. Die d r i t t e Stufe des Joga betreibt die Beherrschung der Naturkräfte. Im Westen habe ich das äußerst selten gefunden, im Osten dagegen sehr häufig. Es ist eine Spezialität der tibetanischen Jogi, Magie und Joga zu kombinieren. Nach einer dreijährigen Lehrzeit bei einem Lama, der Meister dieser Kunst ist, muß der Adept (Lehrling) in der Lage sein, in der Natur Wärmeenergien auszulösen und etwa durch Gedankenkonzentration Eis zu schmelzen. Mir stehen Beispiele zur Verfügung. Ich wage es aber nicht, sie dem Leser vorzusetzen, weil ich sonst in Gefahr komme, für nicht zurechnungsfähig gehalten zu werden. Die Umkehrung traf ich noch häufiger an, daß Jogi Hitze, ja sogar Feuerflammen erzeugen können. Wir finden das bei den Feueranbetern, die zugleich Feuermagie betreiben. In Südafrika kam ein solcher »Feuermeister« zu mir in die Seelsorge. Er wollte frei werden, schaffte es aber nicht aus eigener Kraft. Ich zeigte ihm den Weg zu Jesus. Er war bereit, Jesus als seinen Herrn anzunehmen. Ich weiß natürlich nicht, ob er durchgehalten hat. Okkultisten haben häufig Rückfälle. Wer auf Stufe eins oder zwei es noch bezweifeln wollte, daß aus dem Joga sich okkulte Vorgänge entwickeln, der muß es auf Stufe drei zugeben, daß Joga zu den Mächten des Abgrundes führt. Jeder, der Hatha Joga ernsthaft betreibt, gewinnt neue Fähigkeiten. Zu ihnen gehören Telepathie, Ahnungsvermögen, das zweite Gesicht und alle Kräfte eines übersinnlichen Zustandes, wie sie für okkulte Handlungen unerläßlich sind. 4. Auf der v i e r t e n Stufe erringt der Jogi die Meisterschaft der schwarzen Künste. Dafür sind vor allem die tibetischen Lamas bekannt. Ich habe sehr viele Beispiele zu Joga Stufe vier gesammelt. Am meisten bekam ich Einblick durch die Beichte eines Mannes Zehn Jahre lang hatte mein Berichterstatter bei den Lamas Joga, Magie und Spiritismus studiert. Er legte dann aber eine Generalbeichte ab und nannte die Dinge beim Namen. Er sagte. »Was die Lamas vermitteln, ist Geisterkult, Dämonenkult. Auch ich kam dadurch in die Gewalt der Dämonen. Bitte helfen Sie mir, daß ich frei werde.« Wir hatten eine lange Aussprache. Von diesem Beichtenden erfuhr ich auch, daß die tibetischen Jogi die Trance beherrschen, die Materiallsationen, die Exkursion der Seele, die Telekinese, die Levitation, vollkommene Meisterschaft in der Telepathie und alle spiritistischen Künste. Auf der Stufe vier, die ich in dieser Intensität nur bei den Tibetanern, Zombis, Alauts, Macumbas, Wuduisten fand, kann sich der Joga beim besten Willen nicht mehr tarnen. Hier ist Joga bei seinem Chef angelangt - Satan, der mit seinen Versprechungen und Künsten die Menschen in den Abgrund reißen will. Die religiöse Seite des Joga muß nicht mehr beleuchtet werden. Joga endet nicht nur in der Selbsterlösung und im Atheismus, sondern im Dämonenkult. Wer sich anschickt, an Jogaübungen teilzunehmen, der begibt sich in ein Kraftfeld, von dem er unbewußt auf den Kraftliniensender ausgerichtet wird. Das sind die Mächte, von denen Paulus in seinen Briefen, z. B. Kol. 2,15 spricht. Christus hat uns von den Geistern, Dämonen und Mächten befreit. Der Boß

dieser Mächte ist Luzifer, der mit seinem trügerischen, irreführenden Licht das Verlorene zurückerobern will. Und wieviel Erfolg ist ihm beschert, denn Joga ist die Mode des Westens geworden! Chris Pike (der Sohn des Bischofs Pike) sagte mir in einem persönlichen Interview, er habe früher einmal Joga und Meditation geübt. Da sei er von Geistwesen beherrscht worden, die nahezu sein Leben zerstörten. Er hat sich dann im Namen Jesu von diesen Mächten losgesagt und ist heute Zeuge für die verwandelnde Kraft Jesu Christi. Sein Leben änderte sich dadurch völlig. Allen Christen, die sich ahnungslos zu Joga verführen lassen, gilt das Wort Gal. 5,1: »Bestehet in der Freiheit, zu der uns Christus befreit hat, und lasset euch nicht wiederum in das knechtische Joch fangen.« ---Dave Hunt

Eingeborene und Naturreligionen Einer der sichersten und verbreitetsten Wege in den Okkultismus ist die heutige »Zurück-zurNatur«-Bewegung im Namen einer ökologischen Bewahrung unseres Planeten. Durch die Achtlosigkeit und Gier der Menschheit ist der Erde viel Schaden zugefügt worden. Während die Industrienationen ihren Teil der Schuld zu tragen haben, ist in den kommunistischen sowie in Entwicklungsländern der Dritten Welt mit die schlimmste Umweltverschmutzung und- zerstörung zu verzeichnen. Zudem sind Umweltverschmutzung (wie z. B. Vulkanausbrüche) und Umweltzerstörung (wie z. B. durch Braunfäule, Insektenplagen, durch Blitzschlag verursachte Waldbrände) integrale Bestandteile der Natur selbst. Dennoch hat die populäre Illusion unangefochtene Akzeptanz erlangt, dass alles »Natürliche« auch segensreich sein muss. Anscheinend übersieht man dabei, dass zum Allernatürlichsten auch Krankheit, Leid, Tod und Naturkatastrophen gehören (Wirbelstürme, Erdbeben, Dürren, Überschwemmungen, um nur einige wenige zu nennen). In Wirklichkeit richten sich die verzweifelten Bemühungen der Menschen, sich davor zu schützen, gegen diese von der Natur immer wieder bewirkte Zerstörung. Dadurch hat die Menschheit überhaupt erst ihr jetziges Niveau der Zivilisation erlangt. Nachdem die Menschheit jahrhundertelang gegen die oft feindlichen und tödlichen Naturkräfte gekämpft hat, scheint es mehr als ironisch, dass es jetzt eine verbreitete und wachsende Bewegung gibt, die zur Partnerschaft mit denselben Kräften aufruft. Derartige Ideen hören sich zwar attraktiv an, doch würden sie einem Treck von amerikanischen Pionieren, die im tiefen und unbezwingbaren Schnee der Sierra Nevada am Verhungern sind, keinen Trost bieten. Für solche Menschen (und andere Opfer von Wind, Eis und Sturm) könnte die Natur nicht grausamer, brutaler und unbarmherziger sein!

Ein Ruf zur Vernunft Dem nicht natürlichen Akt der Vernunft, der sich gegen den natürlichen Lauf der Natur richtete, ist es zu verdanken, dass heute viele einst tödliche Krankheiten beherrscht werden können, dass die Sterblichkeitsrate bei Kindern erheblich gesenkt und die durchschnittliche Lebenserwartung beträchtlich gesteigert wurde. Die völlig unnatürliche Handlung einer Blinddarmoperation, einer

Nierentransplantation oder der Entfernung eines Tumors hat unzählige Leben gerettet. Solche Tatsachen sollte man bei allem Drang zur Verehrung einer mythischen »Mutter Erde« nicht vergessen. Erst ein unerbittlicher Kampf gegen die Natur hat die vielen Annehmlichkeiten und Vorzüge erlangt, die früher unbekannt waren und heute wie selbstverständlich hingenommen werden. Keines dieser Dinge ist ein Produkt der Natur. Es gibt nichts Natürliches an Computern, Fernsehen, Raumfahrt, Dämmen, Brücken, Büchern oder selbst solch grundlegenden Notwendigkeiten des Lebens wie Textilverarbeitung, Nahrungsmittelveredlung, pflügen, pflanzen, Unkraut jäten oder kochen. Warum dann der Ruf »zurück zur Natur«? Außerdem war es die abendländische Wissenschaft, die der Menschheit diese Vorzüge eingebracht hat. Aus der pantheistischen Philosophie des Hinduismus oder aus dem orientalischen Mystizismus wären diese Errungenschaften niemals hervorgegangen. Ebenso wenig wäre die medizinische Wissenschaft aus dem Glauben der nordamerikanischen Indianer entstanden, den der Westen jetzt in seiner Suche nach »Einssein mit der Natur« mit offenen Armen aufgreift. Welche Ironie, dass heute Eingeborenenvölker als Vorbilder des Einklangs mit dem Universum verehrt werden, wo doch gerade diese Völker noch heute gleichgültige Geister gegen die Krankheiten zu Hilfe rufen, von denen sie im rauhen Reich der Natur geplagt werden (dabei handelt es sich um Krankheiten, die die moderne Medizin längst heilen kann)! Damit soll nicht bestritten werden, dass Naturvölker einige Pflanzen und Wurzeln mit Heilwirkungen entdeckt haben oder dass wir etwas von ihnen lernen können. Ebenso wenig wollen wir abstreiten, dass die ökologische Zerstörung in einem unnötigen Ausmaß von der menschlichen Torheit und der Habgier »zivilisierter« Völker verursacht wurde. Dabei müssen die Vorwürfe gegen die Wissenschaft und Technik jedoch auf einer rationalen Grundlage erhoben werden. Von der Achtung und Bewahrung unserer Umwelt (zu der wir aufgerufen sind) bis zur Vergöttlichung der »Mutter Erde« ist es nur ein Quantensprung.

Selektive Bevorzugung Wir dürfen auf keinen Fall die heute grassierenden Vorurteile gegenüber dem christlichen Glauben übersehen oder stillschweigend hinnehmen. Der biblische Glaube ist in unserer westlichen Gesellschaft zu einem Tabu geworden, während alles andere, einschließlich Hexerei und Voodoo, vorbehaltlos akzeptiert wird. Nicht nur in den USA erhebt sich überall Zeter und Mordio, um öffentliche Darstellungen des Kreuzes oder von Krippenszenen zu verbieten. Gleichzeitig sind Totem-Pfähle über jede vergleichbare Kritik oder Anklage erhaben. Sogar die Weltgesundheitsorganisation (WHO) der UNO hat ihre Gutheißung für eine Wiedererweckung von Hexerei erteilt, und das unter dem populären Euphemismus »traditionelle Medizin« oder »Naturheilverfahren«. Alles, was irgendwie »Natur« oder »ursprünglich« ist, wird kritiklos angepriesen, und wehe denen, die sich die Kühnheit herausnehmen, irgendwelche Schattenseiten von Naturkulturen oder- religionen aufzuzeigen. Wir alle müssen es dem gleichtun, was Eingeborene von Afrika oder einer Insel im Südpazifik oder die eingeborenen nordamerikanischen Indianer glauben und praktizieren. Das ist die Schlagzeile, die in den Medien verkündet wird und praktisch unangefochten ihren Lauf nimmt. Am Sonntagabend, dem 17. November 1996, strahlte ein beliebter Fernsehsender die Sendung »Amerikas geheimnisvolle Plätze« aus. Darin wurde Hexerei in Salem und dem frühen Neuengland, zusammen mit Voodoo in New Orleans als segensreich präsentiert. Der Sprecher für Voodoo sagte: »Wir sind Nachkommen der Sklaven, die aus Afrika hierher gebracht wurden und Voodoo mitbrachten.« Ziel des Voodoo sei es, so wurde erklärt, einfach den Geistern zu dienen und die Götter und Göttinnen zu verehren. Kein einziges Wort fiel über die Flüche, die die

Bevölkerung dort terrorisieren, wo Voodoo praktiziert wird. Die Sendung zeigte positive Darstellungen des Schlangengottes. Eine Voodoo-Priesterin erklärte, sie sei das Äquivalent zum katholischen Priester oder zum jüdischen Rabbi. Solche irreführenden Aussagen lassen die Zuschauer fehlinformiert zurück – ja, in Wirklichkeit betrogen. Heidnische Religionen werden in den USA sogar an öffentlichen Schulen eingeführt, trotz des Verbots des christlichen Schulgebets und jeder positiven Bezugnahme auf den christlichen Glauben. Diese Religionen werden natürlich als »Kultur« eingeordnet, was schlicht und einfach Lüge ist. Gleiches gilt für gesellschaftliche Aktionen. Denken wir beispielsweise an Carolee Nishi, »die Begründerin und freiwillige Leiterin eines einzigartigen Nachmittags-Programms für Schüler, das vom CVJM von Honolulu gesponsert wird und Kindern im Alter vom 4 – 14 Jahren die Kultur Hawaiis beibringt«. Das Wort Religion ist in der ganzseitigen Werbeanzeige über Nishi nicht zu finden. Statt dessen, so wird gesagt, unterrichtet sie »Hula-Tanzen … hawaiianische Geschichte und Kultur«. Okkultismus entzieht sich der Erwähnung. Ungeachtet der »Trennung von Kirche und Staat«, die bei allem Christlichen so strikt angewendet wird, unterstützt sogar die US-Regierung die amerikanische Eingeborenen-Spiritualität. Der »National Park Service« fördert die animistische bzw. spiritistische Religion der Indianer – einschließlich der Anbetung von Naturgeistern –, während diese Organisation der Bibel die Schuld am Niedergang des Westens gibt! Gary Hathaway beispielsweise, ein leitender Verantwortlicher der »Lava Beds National Monuments«, schrieb in einem offiziellen Rundbrief, der 1993 an die Besucher des Nationalparks verteilt wurde: »Die eingeborenen Amerikaner waren spirituell mit ihrem Land verbunden … [Die Weißen] nutzten die Ressourcen für ihre eigenen kommerziellen Zwecke, und so wurde die zeitlose Spiritualität des Landes gestört … Ihre spirituellen Ansichten, die im 1. Buch Mose geschrieben sind, riefen sie zur Beherrschung und Unterwerfung des Landes auf … weite Gebiete des Westens wurden zerstört. Heute erfährt die Spiritualität des Landes an den Lava Beds eine Erweckung … überall am Nationaldenkmal kann man die Gegenwart der Geister spüren … man kann sie [sogar] sehen, wenn es ihnen gefällt, sich in ihrer sichtbaren Form zu zeigen … Betreten Sie den Medizinkreis ehrfurchtsvoll, so wie Sie Ihre eigene Kirche betreten würden. Lassen Sie die Geister des Windes, der Felsen und der Tiere zu Ihnen reden …

Die Götter ändern sich Westliche Naturfanatiker geben sich den Fetischen der amerikanischen Eingeborenen hin. Einige tragen diese okkulten Gegenstände (die von der Kraft der Geister erfüllt sein sollen) lediglich als Schmuck, doch Phil Jackson verehrt sie im „inneren Heiligtum“ der Chicago Bulls. Das ist die höchste Form der Verwerfung des christlichen Glaubens, in welchem seine Eltern ihn erziehen wollten, und gleichzeitig eine Auslieferung ans Heidentum. Ein Nachschlagewerk über Heidentum (dessen Autor kein Kritiker, sondern ein Sympathisant ist) erklärt den Ursprung der Kraft, von der Jackson und andere Fans von Eingeborenenamuletten und Talismane glauben, sie wohne in diesen von ihnen verehrten Gegenständen: »Dr. Taylor hat aus aller Welt Musterbeispiele von so genanntem Fetischismus zusammengetragen. Fetischismus ist die Verehrung von sowohl belebten Objekten wie Bäumen, Fischen, Tieren wie auch unbelebten Gegenständen fast jeder denkbaren Art. Dazu gehören auch Steine. Man glaubt, in den Gegenständen wohne ein Geist. Taylor zeigt, dass Götzenbilder ursprünglich Fetische waren, denen man nach und nach eine äußere Form gab, je nach der Gestalt des Geistes oder Gottes, der angeblich darin wohnte … Von der göttlichen Eigenschaft, die in den Bildnissen der Götter [oder Fetische] wohnt, wurde gelehrt … dass sie durch das Auflegen der Hände und durch magische Gesten übertragen werde

… man schrieb ihr außergewöhnliche Heilkräfte zu.« Eingeborene Amerikaner beten immer noch zu Bäumen und Felsen und anderen unbelebten Gegenständen. Das ist der Aberglaube des Animismus, gegen den jegliche Erfahrung und Logik lauthals protestiert. Phil Jackson schwärmt von Crazy Horse als großem, heiligem Mann. Schwarzer Elch behauptet: »Unser großer Häuptling und Priester Crazy Horse … empfing seine große Kraft hauptsächlich durch … Visionen des Felsens, des Schattens, des Dachses, eines tänzelnden Pferdes (von dem er seinen Namen erhielt) und auch von Wanbli Galeshka, dem Adler. Von jedem von ihnen empfing er viel Kraft und Heiligkeit.« Ein Gebet im Räucherwigwam ruft zu den Felsen: O, ihr alten Felsen, die ihr heilig seid, ihr habt weder Ohren noch Augen, doch ihr hört und seht alle Dinge. Durch eure Kraft ist dieser junge Mann rein geworden … würdig, um hinzugehen und eine Botschaft von Wakan-Tanka zu empfangen. Wie erstaunlich, dass Jackson und so viele andere mit ihm den Gott der Bibel verwerfen, der seine Existenz und Liebe doch so völlig erwiesen hat, und sich statt dessen heidnischem Götzendienst zuwenden! Wie erstaunlich, dass so viele, die in christlichen Elternhäusern aufgewachsen sind, das Heil in Christus ablehnen und statt dessen die abergläubische Hoffnung auf eine mysteriöse Kraft in Fetischen ergreifen! Das erinnert uns an Gottes Klage über sein Volk Israel: »Hat irgendeine Nation die Götter vertauscht? – Und jene sind nicht einmal Götter! Aber mein Volk hat seine Herrlichkeit vertauscht gegen das, was nichts nützt. Entsetzt euch darüber, ihr Himmel, und schaudert, erstarrt völlig vor Schreck! spricht der HERR. Denn zweifach Böses hat mein Volk begangen: Mich, die Quelle lebendigen Wassers, haben sie verlassen, um sich Zisternen auszuhauen, rissige Zisternen, die das Wasser nicht halten«(Jer 2,11-13). Diejenigen, die die Wunder Jesu ablehnen, obwohl sie in der Bibel von zuverlässigen Augenzeugen aufgezeichnet sind, nehmen nun bereitwillig die zweifelhaften Legenden und Mythen an, die von eingeborenen »heiligen« Männern und Frauen überliefert wurden. Schwarzer Elch berichtet, wie Langsamer Büffel in einer »Vision« seine Kraft von einem Büffel empfing: Ich sah ein großes Volk, das sein Lager zum Aufbruch abbaute … plötzlich war ich mitten unter ihnen … sie alle verwandelten sich in Büffel … Sie zeigten mir einen großen männlichen Büffel und sagten, er sei mein Großvater … ein junger Büffel … sei mein Vater, dann zeigten sie auf eine Büffelkuh … Es war meine Großmutter … eine jüngere Kuh … war meine Mutter. Sie sagten, mit dieser vierfachen Verwandtschaft solle ich zu meinem Volk zurückkehren und meine Leute das lehren, was ich dort gelehrt worden bin … Dann begann Langsamer Büffel, eines seiner heiligen Lieder zu singen: Dieses Volk ist heilig; Aus dem ganzen Universum kommen sie, um es zu sehen. Die weiße Büffelkuh-Frau erscheint und sitzt dort in heiliger Manier, Sie alle kommen, um sie zu sehen.

Eine unbestreitbare gemeinsame »Kraftquelle« Schamanen von den Eingeborenenvölkern Nord-, Mittel- und Südamerikas glauben, wie der Bericht von Langsamer Büffel zeigt, dass sie Kraft von Tieren und Vögeln empfangen. Manchmal machen sie die Erfahrung, sich selbst in eine dieser Kreaturen zu verwandeln, und die Krafttiere können sich ebenfalls in Menschen verwandeln. Der Biograf von Schwarzer Elch, Joseph Epes Brown, erläutert die Vergöttlichung des Selbst der eingeborenen Amerikaner – die Lüge von Eden:

Der Indianer identifiziert sich tatsächlich mit dem – oder wird zum – Wesensmerkmal oder Prinzip des Geschöpfs oder Gegenstandes, das ihm in einer Vision begegnet, sei es ein wildes Tier, ein Vogel, eines der Elemente oder wirklich jeder Aspekt der Schöpfung. Um zu erreichen, dass diese »Kraft« ihn niemals verlässt, trägt er stets einen materiellen Gegenstand bei sich, das das Tier oder das Objekt repräsentiert, von dem er seine »Kraft« empfangen hat. Wenn er den mit Adlerfedern gefiederten Krieger-Kopfschmuck trägt, wird der Träger tatsächlich selbst zum Adler, was bedeutet, dass er selbst sich, sein wahres Selbst, mit Wakan-Tanka [dem großen Geist, den Wanbli Galeshka (der Adler) repräsentiert] identifiziert. Selbst Skeptiker, die sich rund um die Welt damit beschäftigt haben, erkennen hinter den heidnischen Religionen eine böswillige Kraft. Eine englische Zeitschrift erklärte in ihrer Rezension des Buches von Evans-Wentz: »Nachdem der Autor alle Befunde untersucht hat … kommt er zur Schlussfolgerung, dass … es ein Residuum gibt, ein X, das nicht anders erklärbar ist als nur durch die Hypothese, dass … immaterielle Wesen tatsächlich existieren. Sie offenbaren sich immer wieder an bestimmten Orten Menschen, die eine bestimmte spirituelle Voraussetzung erfüllen, um sie wahrnehmen zu können …« Heidentum ist sicherlich kein Unfall der menschlichen Fantasie, sondern eine gut durchdachte Erfindung einer zeitlosen Intelligenz, die schon immer weltweiten Zugang zur Menschheit hatte. Überall finden sich dieselben Praktiken. Selbst wenn die kulturellen Gepflogenheiten unterschiedlich sind und die Völker aufgrund natürlicher Barrieren wie Ozeane oder weite Landstrecken voneinander getrennt sind, bleiben doch dieselben okkulten Praktiken bestehen. Die Identität der Intelligenz hinter diesen Naturreligionen verrät sich durch das antichristliche Wesen des Heidentums. In jedem Kulturkreis werden diejenigen, die ihr Leben dem Erlernen der Geheimnisse okkulter Kräfte widmen, als Priester, Priesterinnen, Hexen, Hexenmeister, Medizinmänner, Zauberer, Magier, Gurus und Meister verehrt. Alle sind sich so grundsätzlich ähnlich, dass sie von Anthropologen nun unter dem Begriff Schamanen zusammengefaßt werden, dem Titel, den der sibirische Tungu-Stamm seinen Hexenmeistern und Medizinmännern verliehen hat. Sibirische Schamanen praktizieren dieselbe Zauberei, die Carlos Castaneda bezeichnet als »eine religiösphilosophische Erfahrung, die [in Amerika] lange florierte, bevor der Weiße diesen Kontinent betrat, und heute immer noch floriert«. Die weltweite Einbeziehung von Tieren bei heidnischen Religionen bestätigt den biblischen Bericht von der Schlange, die als »kraftspendendes Tier« oder »Leitgeist« zu Eva sprach. Zudem erhalten Schamanen auf der ganzen Welt grundsätzlich dieselbe Information von ihren »Krafttieren« wie einst Eva von der Schlange. Ein einziger Unterschied besteht: Die Bibel weist diese Lehre als große Lüge Satans aus, während die Naturreligionen sie bereitwillig als Wahrheit annehmen. Die Kommentare des Anthropologen Michael Harner, eines weltweit führenden Kenners des Schamanismus und selbst praktizierenden Schamanen, sind äußerst aufschlußreich: Die Verbundenheit zwischen den Menschen und der Tierwelt ist eine Grundlage des Schamanismus … Der Schamane muss einen bestimmten Hüter haben, um seine Aufgabe zu vollbringen … Der Schutzgeist wird von den eingeborenen Nordamerikanern manchmal als Krafttier bezeichnet … Die Fähigkeit der Schutztiergeister, zu einem Menschen zu sprechen oder sich manchmal in Menschengestalt zu manifestieren, wird als ein Zeichen ihrer Kraft angesehen … Die Überzeugung der Schamanen, dass sie sich in die Gestalt ihres Schutztiergeistes oder Krafttieres verwandeln können, ist weit verbreitet und offensichtlich sehr alt … Im Verlauf der Einweihung eines Schamanen des australischen Wi-radjeri-Stammes hatte dieser die nicht alltägliche Erfahrung, dass Federn aus seinen Armen wuchsen und zu Flügeln wurden.

Dann wurde ihm das Fliegen beigebracht.

Eine Frage der Moral Uns wird das Bild vermittelt, dass die Indianervölker angeblich ein idyllisches Leben in vollkommenem Einklang mit der Natur und miteinander lebten, bevor der böse Weiße dazukam; doch das ist nicht wahr. Jungleman, einst fähiger Schamane bei den Yanoamö-Indianern am Amazonas, ist von solchen Lügen persönlich betroffen und klärt in seinem Buch Spirit of the Rainforest (»Geist des Regenwalds«) über die bittere Wahrheit auf, wie die Indianervölker einst lebten. Es ist eine Geschichte von ständiger sexueller Perversion und sexuellem Mißbrauch, von Kriegshetzerei, Brutalität, einem Leben in Angst und Schrecken vor menschlichen und übernatürlichen Feinden, von Flüchen, Leid und Tod. Es ist auch eine Geschichte der Befreiung durch Jesus Christus in ein gänzlich neues Leben des Friedens und der Freude und der Hoffnung auf die Ewigkeit. Zwischen Tier und Mensch besteht eine Kluft der Moral, die durch keinen natürlichen Vorgang überbrückt werden kann. Der Historiker und Philosoph Herbert Schloßberg erinnert uns: »Tiere verhalten sich nicht moralisch oder unmoralisch, sie verhalten sich nur natürlich. Ein ethisches System, das besagt, der Mensch solle sein Verhalten auf die Natur begründen, rechtfertigt somit jegliches Verhalten, weil die Natur keine Ethik kennt.« In völliger Übereinstimmung stellt der Nobelpreisträger Sir John Eccles heraus, dass jede Naturreligion notwendigerweise amoralisch sein muss: Die Begriffe von Ungerechtigkeit, Unrecht und Perversion – sowie die Verpflichtungen, Ehre und Achtung zu erweisen und etwas zu erlauben – sind nur in einem moralischen Kontext und nur für moralische Wesen verständlich. In dem geistlosen, rein natürlichen Universum … gibt es weder Gerechtigkeit noch Gnade, weder Freiheit noch Fairness. Wenn es in der NBA einen Basketballspieler gibt, von dem sogar die säkulare Presse bezeugt, dass ihm das grundlegendste moralische Verhalten fehlt, das man von einem Menschen erwarten kann, so ist das Dennis Rodman. Als Phil Jackson Rodman wegen der Möglichkeit fragte, zu den Chicago Bulls zu wechseln, behauptete Jackson, sein Geist habe sich mit Rodmans Geist verbunden, weil auch Rodman in der amerikanischen Eingeborenen-Spiritualität steckt. Jackson schreibt: Er [Dennis] lächelte und schaute umher und begutachtete die Artefakte der amerikanischen Naturreligion an unseren Wänden und stellte mir Fragen darüber. Er sagte mir, er habe eine Halskette von einem Ponka-Indianer aus Oklahoma und zeigte mir sein Amulett. Lange Zeit saß ich mit Dennis schweigend da. Ich spürte seine Gegenwart … Auf nonverbale Weise hatten wir uns in unseren Herzen verbunden, nach der Weise des Geistes. Die Immoralität und Grausamkeit von Naturvölkern wird nie erwähnt – nur ihre »Naturverbundenheit«. Phil Jackson filtert die üblen Praktiken der Naturreligionen heraus. Er berichtet, wie liebend gern sich »Lakota-Krieger in feindliche Lager schleichen und sich dann mit den Ponys auf und davon machen«. Es fehlt der geringste Hinweis darauf, dass dies Diebstahl ist oder dass sie auch Sklaven verschleppten. Ein paar Seiten weiter spricht er von dem hohen Wert, den er bei seiner Trainertätigkeit einem guten Charakter zumißt! Bei seinen wiederholten Schwärmereien für die Indianerkrieger vergißt Jackson zu erwähnen, dass sie schon seit Jahrhunderten, bevor die Weißen in ihren Kontinent einfielen, ihre Opfer skalpierten und folterten. Jackson spricht hochachtungsvoll vom »Weg der Krieger«; der Untertitel seines Buches lautet: »Spirituelle Lektionen eines Hartholz-Kriegers«. An keiner Stelle erwähnt er das blutrünstige Wesen ihrer Kriegsführung und die brutale Behandlung ihrer Gefangenen und sogar ihrer eigenen Frauen. Diese Glorifizierung der amerikanischen Eingeborenenkultur ist der Kontext, in

dem wir Jacksons Prahlerei bewerten müssen: »Während der folgenden fünf Jahre integrierte ich die Lehren der Lakota in unser [Basketball-] Trainingsprogramm.« In Wirklichkeit ist das eine arg verzerrte Sicht der Lehren und Praktiken der Indianer, die Jackson seiner Mannschaft und den vielen Lesern seines Buches untergeschoben hat.

Salonfähige Blindheit Die im Westen gegenwärtige simplizistische Haltung des »Schwarz ist gut; weiß ist schlecht« ist eine Begleiterscheinung der gleicherweise modernen Blindheit. Sie leugnet die biblische Lehre, dass es keinen Unterschied zwischen den Menschenrassen gibt – dass alle Sünder sind, die alle Erlösung brauchen. Die Medien betonen immer wieder, dass der große Kampf zwischen Schwarz und Weiß stattfindet und dass es vor allem die Schuld der Weißen ist, dass die Schwarzen stets in Frieden lebten, bis der Weiße auf der Bildfläche erschien. Wahrheit ist jedoch, dass die Schwarzen sich dort bereits gegenseitig bekämpften, töteten und versklavten, lange bevor der Weiße überhaupt in Afrika ankam – und dies auch heute noch tun. Erstaunlich, dass Louis Farrakhan einige Schwarze dazu überreden konnte, Muslime zu werden. Es waren die Muslime (Araber), die (aus ihrem reichhaltigen Markt an der westafrikanischen Küste) als Erste Sklaven nach Europa und Amerika brachten. Außerdem waren es die Schwarzen selbst, die ihre eigenen Leute gefangen nahmen und verkauften – natürlich Angehörige anderer Stämme. In ganz Afrika hatten die Stämme ihre Gebiete und kämpften ihre Kriege, wie auch heute noch der Fall. Für Afrikaner ist es vielleicht schwer zu schlucken, aber als die Kolonisten regierten, war mehr Frieden in Afrika als zuvor und auch mehr als danach, als die Afrikaner ihre Unabhängigkeit erlangten. Hier fehlt der Platz, um die jahrhundertelangen Konflikte zwischen den vielen Eingeborenenstämmen Afrikas aufzuzählen. Das Beispiel von nur zwei dieser Stämme, von denen heute viel in den Nachrichten zu hören ist, soll hier genügen. Die Hutus und Tutsis bringen sich seit 400 Jahren gegenseitig um. Die Hutus waren die Ersten, die das als Ruanda und Burundi bekannte Gebiet bevölkerten, und kamen den Tutsis etwa 500 Jahre zuvor. Sie waren Bauern. Die Tutsis waren Viehzüchter und bildeten die ethnische Minderheit, hielten aber eine höhere Stellung in der Besatzungshierarchie ein, waren wohlhabender und wurden von den Kolonisten bevorzugt behandelt. Als Nachwirkung der HutuAufstände des Jahres 1959 traten die Belgier jedoch Ruanda an die Hutus ab, die unverzüglich die Tutsis zu Zehntausenden massakrierten. In Burundi erlangten die Tutsis die Herrschaft und begannen die Hutus abzuschlachten. Das gegenwärtige Blutbad begann 1994: Ruandische Hutus begannen zu randalieren und massakrierten zwischen 500.000 und 1 Million Tutsis. Die Ruandische Patriotische Front, eine in Uganda stationierte Exilarmee der Tutsis, schlug zurück und ergriff die Kontrolle über Ruanda. Zwei Millionen Hutus, von der Rache der Tutsis terrorisiert, flohen nach Tansania und Zaire … Schätzungen zufolge sind etwa eine Million vertriebene Hutus dem Tod durch Hunger und Krankheit ausgeliefert. Im schlimmsten Fall könnte das ganze Herz Afrikas implodieren und die 30 Millionen Menschen dieser Region … in einem Strudel der Gewalt verschlucken.

Aufruf zu aufrichtiger Bewertung Gott sagt, dass »alle gesündigt haben und nicht die Herrlichkeit Gottes erlangen« (Röm 3,23). Es ist unaufrichtig, wenn man Naturvölker so behandelt, als wären sie gegen diesen Fluch gefeit. Denken wir an zwei junge Schwestern, Überlebende des Massakers beim Überfall auf den Oatman-Treck im Jahr 1851. Ihre Gefangennahme durch Apachen und ihr Verkauf in die Sklaverei an einen anderen Stamm ist im qualvollen Detail fest gehalten. Die zwei Mädchen verbrachten einige Jahre mit Sklavenarbeit bei ihren indianischen Peinigern. Die jüngere

Schwester verhungerte. Am interessantesten ist die Reaktion der anderen »Sklavinnen« (indianischen Squaws), mit denen die Mädchen zusammenlebten. Die Frauen waren äußerst erstaunt, als sie erfuhren, wie zuvorkommend der weiße Mann mit seiner Frau umging. Sie hegten dann die vage Hoffnung, zu flüchten und vielleicht in einer so freundlichen Gesellschaft zu leben. Oder wer könnte das grausige Massaker vergessen, das im US-Bundesstaat Washington auf der Marcus-Whitman-Missionsstation verübt wurde? Kein eigentlicher Anlaß bestand dazu; es spiegelt bloß den tragischen Aberglauben der Indianer wider, dass der Gott dieser freundlichen Missionare böswilligerweise den Tod einiger ihrer Stammesangehö¬rigen verursacht habe. Eingeborene sind genauso sündig und verloren wie alle anderen Menschen auch. Wenn wir aufrichtig sind, können wir keinen einzigen Teil der Gesellschaft unserer gefallenen Welt für besser erklären. Margaret Meads Buch Kindheit und Jugend in Samoa wurde in millionenfacher Auflage in vielen Sprachen verkauft und war jahrzehntelang ein anerkanntes Standardwerk in Anthropologie. Als »wissenschaftliche« Rechtfertigung spielte es eine Schlüsselrolle für die sexuelle Revolution, die die Welt von heute und einen Großteil der Christenheit pervertiert. Das Buch war jedoch ein Schwindel, mit dem die Autorin ihre eigene ehebrecherische und lesbische Lebensweise rechtfertigen wollte. Spätere Nachforschungen auf Samoa ergaben, dass Meads Darstellung einer idyllischen Naturgesellschaft ohne sexualmoralische Einschränkungen völlig falsch war. Die Tatsachen der samoanischen Gesellschaft entsprechen exakt dem Gegenteil, doch diese Lüge bietet weiterhin die »wissenschaftliche« Entschuldigung für weltweiten moralischen Verfall. Auf den Inseln von Hawaii hat ein Aufleben der Religion der Eingeborenen, die als Wiederentdeckung einer verlorenen Tradition gefeiert wird, zu öffentlich praktizierter Hexerei geführt, die insgeheim unter einer dünnen Decke angeblichen Christentums fortbestanden hatte. Ein Anhänger dieser Religion, der in einem Interview zunächst offenherzig Rede und Antwort stand, hüllte sich plötzlich in Schweigen, als er nach dem derzeitigen Gebrauch von »bösen Flüchen« gefragt wurde. Nach einer langen, peinlichen Pause rief der Befragte aus: »Ich kann nicht! Ich habe schreckliche Angst davor. Niemand spricht über die Religion. Auch heute noch werden Hawaiianer von anderen Hawaiianern zu Tode verflucht.«

Ein krasser Gegensatz Trotz der Tatsachen, die das Gegenteil beweisen, werden die Eingeborenen-Religionen weiterhin bevorzugt behandelt, wird das Leid und Übel in ihren Gesellschaften weiterhin unehrlich vertuscht und wird das Christentum weiterhin verleumderisch angefeindet. Die Bibel wird von Kritikern peinlich genau seziert, um nur den kleinsten Fehler aufzuzeigen (und dieser Prüfung hat sie standgehalten, wie wir in dem Buch In Defense of the Faith gezeigt haben. Wenn es jedoch um Natur- oder Eingeborenen- Religionen geht, ist jeder Mythos gut genug, so absurd er auch sein mag. Wahrheit und Glaubwürdigkeit sind irrelevant. Allein die Tatsache, dass eine Religion oder ein kultureller Brauch von Eingeborenen stammt, beantwortet alle Fragen. Einige christliche Missionare haben fälschlicherweise das Christentum mit ihrem eigenen abendländischen Lebensstil gleichgesetzt und diesen Lebensstil anderen Kulturkreisen aufgezwängt. Andererseits hat das Heidentum Angst und Tod gebracht, während der wahre christliche Glaube Freiheit und Leben brachte. Ein Missionar schreibt von den Philippinen: »Bevor wir zu diesen Menschen kamen … waren sie Animisten und die Geister, die sie anbeteten, hatten sie gewarnt, dass sie niemals erlauben würden, eine andere Religion in ihr Gebiet eindringen zu lassen. Wenn doch, würden ihre Kinder sterben, die Ernte ausfallen und andere Stämme würden Krieg gegen sie führen und sie besiegen.

Zu ihrer Religion gehörte … die Anbetung von Bäumen, Felsen und ihrer verstorbenen Ahnen, die als Mittler zwischen den Lebenden und den über sie herrschenden Geistern fungierten. Es versteht sich von selbst, dass sie in tiefer Finsternis lebten und immer wieder versuchten, die Beziehung zu den Geistern durch blutige Opfer aufrecht zu erhalten. Zu diesen Opfern zählten Hühner, Schweine und als höchstes Opfer für ein ganzes Dorf ein Menschenopfer … von ihren eigenen Kindern. Gott sei gedankt – für die Higaonon hat sich vieles geändert, seitdem der Herr uns dort eine Tür aufgetan hat … um sein Wort an diese Menschen weiterzugeben … Als die Zeit gekommen war, dass wir ihre Sprache gut genug verstanden, fingen wir an, sie im Wort Gottes zu unterweisen … ausgehend vom 1. Buch Mose … es war faszinierend zu sehen, wie die Menschen ihre Sündhaftigkeit und ihre Unfähigkeit, mit ihren Sünden fertig zu werden, erkannten … Innerhalb der nächsten paar Tage und Wochen sagten uns die meisten … dass sie verstanden haben … dass Jesus für ihre Sünde starb und dass sie ihm und seinem vergossenen Blut vertrauen, um errettet zu werden … Die ersten Gläubigen von ihnen hatten gleich das starke Anliegen, das ganze Volk der Higaonon zu erreichen und sandten ihre eigenen Missionare aus … So wurden in sieben weiteren Dörfern Menschen gläubig.« Shoefoot, der sein Leben als Schamane bei den Yanoamö-Indianern Venezuelas verbrachte, deckt das Übel hinter den Eingeborenen-Religionen auf: »Schamanen sagen ihren Volksangehörigen oft, die Ursache für die Krankheit oder den Tod eines Verwandten sei ein böswilliger Geist, der von einem Nachbardorf geschickt wurde. Vergeltungskriege werden häufig mit Keulen und Pfeil und Bogen ausgefochten … die Leute haben Angst, sich aus ihrem Dorf zu wagen, selbst wenn sie nur jagen gehen oder Wasser vom Fluß holen möchten.« Der ehemalige Schamane schreibt: »Als die Jahre vergingen, lastete die Verantwortung des Schamanen immer schwerer auf mir. Ich war erschöpft. So viele waren krank und starben. Ich konnte sie nicht heilen, so sehr ich es auch versuchte. Mein Dorf war von so vielen Drohungen getroffen. Die Leute plünderten sich und brachten sich gegenseitig um. Ich konnte sie nicht schützen. Oft war Hungersnot. Ich nahm mehr Ebene [eine halluzinogene Droge, die von den Yanoamö-Schamanen verwendet wird], um den Beistand der Geister zu erlangen … aber meine Geister ließen mich allein, mit nichts als nur Angst und Sorgen … Einige Männer [Schamanen] gingen in der Geisterwelt verloren, als sie die Drogen nahmen; viele liefen in den Dschungel und es wurde nie wieder etwas von ihnen gehört. Hin und wieder wurde einer von ihnen tot aufgefunden … Ich war für diesen Weg nicht stark genug. Ein Besucher aus einem anderen Dorf erzählte mir von Fremden, Nabas, die gekommen waren und am Fluß lebten … die würden einen großen Geist kennen, der uns helfen könnte. Es war ein anderer Geist als der große Supergeist [ yai pata] der Yanoamö; er war freundlich und verlangte nicht Tod und Vernichtung. Ich machte mich auf zu diesen Naba und sie erzählten mir von ihrem Geist und seinen Wegen des Friedens … Bald darauf sagten mir meine Geister … dass sie mich töten würden … wenn ich sie verwerfe … Ich hörte auf, Ebene zu nehmen und wandte mich an den Geist der Naba … Er war stärker als meine Waldgeister. Sie bekamen Angst und gingen fort … [Anstatt] mich zum Töten von Menschen oder zu Überfällen aufzufordern … sagte mir der neue Geist, die Kämpfe zu beenden, wann immer es mir möglich sei. Ich wurde innerlich ruhig und die Angst verließ mich. Von da an haßte ich niemanden mehr und wünschte niemandem den Tod. Meine alten Geister waren stets glücklich, wenn jemand gestorben war, und sie hielten die Schamanen zum Anstacheln weiterer Gewalt an. Wir dachten, wir hätten Macht über diese Geister, aber in Wirklichkeit hatten sie die Macht über uns … Selbst

wenn wir Schamanen sangen und Ebene nahmen und zufrieden aussahen, waren wir doch innerlich aufgewühlt, denn unsere Geister forderten uns ständig zu weiterem Töten auf. Einige Männer [Schamanen] verloren sämtliche Kontrolle und Sinne, als sie die Droge nahmen, und brachten sogar ihre eigenen Frauen und Kinder um. Heute lebe ich nicht mehr in Angst … und ich habe mit den Menschen in den Nachbardörfern gesprochen; wir haben unsere Fehden beendet und mit dem Töten aufgehört … wir können uns nun der vermehrten Nahrungsaufzucht widmen und wir haben bessere Häuser, in denen wir mehr vor den Moskitos geschützt sind. Die Nabas sagten uns, dass Malaria von den Moskitos übertragen wird und nicht von bösen Schamanen herrührt, und so haben wir unseren Glauben geändert … Unsere Bevölkerung von »Honigdorf« wächst, während viele andere an Zahl abnehmen. Der neue Geist hat mich von der Angst befreit, die ich bei all den Kriegen sooft hatte. Heute geht es meinem Volk besser und es lebt in Frieden.«

Ritualismus und Naturreligionen Ein grundlegender Irrtum der Naturreligionen ist die Anbetung geschaffener Gegenstände und Geschöpfe anstelle von Gott, der sie erschaffen hat. Wenngleich diese Religionen oft anscheinend einen »großen Geist« hinter diesem allen verehren, ist dieser Gott doch nur die größte Macht in einem Göttertempel, der stets mit verschiedenen Aspekten der Schöpfung gleichgesetzt wird. Die Bibel (und auch der gesunde Menschenver¬stand) erklärt, dass das Universum von einem Schöpfer ins Dasein geru¬fen wurde und von diesem auch erhalten wird. Seine moralischen Geset¬ze sind in jedes Gewissen geschrieben, sodass wir alle wissen, dass wir vor diesem einen wahren Gott moralisch verantwortlich sind, dass wir seine Gesetze gebrochen haben und uns nun an ihn wenden müssen, um erret¬tet zu werden. Die biblische Anklage könnte nicht deutlicher sein: Denn es wird geoffenbart Gottes Zorn vom Himmel her über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, welche die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten, weil das von Gott Erkennbare unter ihnen offenbar ist, denn Gott hat es ihnen offenbart. Denn sein unsichtbares Wesen, sowohl seine ewige Kraft als auch seine Göttlichkeit, wird seit Erschaffung der Welt in dem Gemachten wahrgenommen und geschaut, damit sie ohne Entschuldigung seien; weil sie Gott kannten, ihn aber weder als Gott verherrlichten noch ihm Dank darbrachten, sondern in ihren Überlegungen in Torheit verfielen und ihr unverständiges Herz verfinstert wurde. Indem sie sich für Weise ausgaben, sind sie zu Narren geworden und haben die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes verwandelt in das Gleichnis eines Bildes vom vergänglichen Menschen und von Vö¬geln und von vierfüßigen und kriechenden Tieren. Darum hat Gott sie dahingegeben in den Begierden ihrer Herzen in die Unreinheit, ihre Leiber untereinander zu schänden, sie, welche die Wahrheit Gottes in die Lüge verwandelt und dem Geschöpf Verehrung und Dienst dargebracht haben statt dem Schöpfer, der gepriesen ist in Ewigkeit. Amen (Röm 1,18-25). In allen heidnischen Naturreligionen wird eine Beziehung der Ursache und Wirkung vorausgesetzt, die zwischen Ritual bzw. Zeremonie einerseits und dem Erlangen von Macht zum Heilen oder zum Erteilen ande¬rer Segnungen andererseits besteht. Die gesamte Grundidee heidnischer Rituale – die Riten von Schamanen und Hexen, das Anzünden von Ker¬zen, das Zubereiten von Wundergetränken – besteht darin, dass sie (bei korrekter Durchführung) eine

Reaktion der Götter oder Geister hervor¬rufen sollen. Genau wie die Gesetze der Wissenschaft eine automatische Reaktion nach der natürlichen Ordnung erfordern, so stellt man sich vor, dass auch Götter dazu gebracht werden können, auf bestimmte Weise zu reagieren. Das ist auch im Katholizismus und den orthodoxen Ostkirchen so. Um dies absolut unmißverständlich herauszustellen, verkündete das Konzil zu Trient (die höchste Autorität im Katholizismus): Wer sagt, durch die Sakramente des Neuen Bundes werde die Gnade nicht kraft des vollzogenen Ritus mitgeteilt, sondern zur Erlangung der Gnade reiche der bloße Glaube an die göttliche Verheißung hin, der sei ausgeschlossen [anathema, d. h. verdammt]. Wie wir gesehen haben, erinnert dieses Prinzip der »Ursache und Wirkung« an christianisierte Wissenschaft, auf die es in der Bibel absolut keinen Hinweis gibt. Im Alten Testament gab es viele Opfer und Zere¬monien, die Gott angeordnet hatte, doch an keiner Stelle wird der Ein¬druck vermittelt, dass irgendein Ritual oder Opfer an sich eine Wirkung erziele. Kein Gedanke wurde nahegelegt, dass Gott durch die vollzogene Handlung beeindruckt würde, geschweige denn dass sie aufgrund bestimmter geistlicher Gesetze eine automatische Reaktion Gottes hervorrufen würde. Im Gegenteil: Weil die Priester und das Volk nicht die richtige Herzenshaltung hatten, verwarf Gott die Opferrituale Israels, obwohl sie genau den Zeremonialvorschriften entsprachen, wie sie im Gesetz geschrieben waren: Wozu soll mir die Menge eurer Schlachtopfer dienen? – spricht der HERR. Ich habe die Brandopfer von Widdern und das Fett der Mastkälber satt, und am Blut von Jungstieren, Lämmern und jungen Böcken habe ich kein Gefallen … Bringt nicht länger nichtige Speisopfer! Das Räucherwerk ist mir ein Greuel … Und wenn ihr eure Hände ausbreitet, verhülle ich meine Augen vor euch. Auch wenn ihr noch so viel betet, höre ich nicht: eure Hände sind voll Blut. Wascht euch, reinigt euch! Schafft mir eure bösen Taten aus den Augen, hört auf, Böses zu tun! Lernt Gutes tun, fragt nach dem Recht, weist den Unterdrücker zurecht! Schafft Recht der Waise, führt den Rechtsstreit der Witwe! (Jes 1,11-17).

Ritualismus: Wichtige Unterscheidungen Dieser grundlegende Fehler des Heidentums wiederholt sich in jeglichem Ritualismus: der Glaube, dass bei Durchführung bestimmter Zeremonien göttliches Wohlwollen erlangt würde. Im Heidentum und in den Naturreligionen findet man solche Rituale überall: die Gewänder der Priester, das Schwingen von Weihrauchgefäßen, Zauber- und Beschwörungsformeln, die ausgeklügelten Zeremonien, mit deren Durchführung die Gunst der Götter erlangt werden soll. So finden wir es im Katholizismus wie auch in den orthodoxen Ostkirchen. Als im 4. Jahrhundert unter dem Einfluß des römischen Kaisers Kons¬tantin die römischkatholische Kirche entstand, wurde der Katholizismus zu einer Mischung aus Heiden- und Christentum. Selbst der Kirchenva¬ter Augustinus bezeugte: Wer [in eine Kirche] hineinkommt, muss Trunkenbolde, Geizhälse, Schwindler, Spieler, Ehebrecher, Hurer, Träger von Amuletten, eifrige Schützlinge von Zauberern und Astrologen … sehen. Dieselben Mengen, die bei christlichen Festen in die Kirchen strö¬men, füllen an heidnischen Feiertagen ebenso die Theater. In der Kirche und sogar unter den von Päpsten eingesetzten Königen und Kaisern gab es immer wieder solche, die die Bösartigkeit der alten Heidenkulte erkannten und sie verbaten. Kaiser Karl

der Große verkündete: »Bezüglich Bäumen, Steinen und Quellen, wo bestimmte törichte Menschen Fackeln anzünden oder Aberglauben praktizieren, ordnen wir ernstlich an, dass diese allerübelste, für Gott abscheuliche Gewohnheit entfernt und vernichtet werden soll, wo immer man sie vorfindet.« Gleichzeitig wurden jedoch ähnliche heidnische Praktiken »christianisiert« und in die Kirche aufgenommen, wo sie bis heute Bestandteil des Katholizismus und des ostkirchlichen Orthodoxismus sind. Oftmals wer¬den Priesterschaft und Zeremonialgesetz Israels, die Gott im Alten Tes¬tament angeordnet hatte, als Rechtfertigung für den Sakramentalismus innerhalb der bekennenden Christenheit angeführt. Das Neue Testament verdeutlicht jedoch, dass die Erlösung in Christus die alttestamentliche Ordnung als veraltet erklärt hat. Wir müssen eine wichtige Unterscheidung treffen zwischen den Ritualen heidnischer Religionen und dem Katholizismus einerseits (bei denen man annimmt, aufgrund von Sakramenten Gottes Gunst zu erlan¬gen) sowie den spezifischen Zeremonien der jüdischen Priesterschaft andererseits. Letztere hatten symbolische Bedeutung und deuteten auf die Erlösung hin, die Jesus Christus einst ausführen würde. Alle alttesta¬mentlichen Opfer sind Vorschattungen des Lammes Gottes, des wahren Opfers. Gott selbst kam als Mensch auf diese Erde, um sein Leben als Lösegeld für unsere Sünden zu geben: Dieses [das alttestamentliche Heiligtum] ist ein Gleichnis für die ge¬genwärtige Zeit, nach dem sowohl Gaben als auch Schlachtopfer dargebracht werden, die im Gewissen den nicht vollkommen machen kön¬nen, der den Gottesdienst ausübt. Es sind nur – neben Speisen und Getränken und verschiedenen Waschungen – Satzungen des Fleisches, die bis zur Zeit einer richtigen Ordnung auferlegt sind. Christus aber ist gekommen als Hoherpriester der zukünftigen Gü¬ter und ist durch das größere und vollkommenere Zelt – das nicht mit Händen gemacht, das heißt, nicht von dieser Schöpfung ist – und nicht mit Blut von Böcken und Kälbern, sondern mit seinem eigenen Blut ein für allemal in das Heiligtum hineingegangen und hat uns eine ewi¬ge Erlösung erworben (Hebr 9,9-12). Die gesamte Bibel bezeugt, dass Gott weder an irgendwelche angebli¬chen »geistlichen Gesetze« gebunden ist, noch entsprechend solcher rea¬giert. Mit bestimmten Ritualen kann keine automatische Reaktion sei¬nerseits hervorgerufen werden.

Der derzeitige Trend Die heidnischen Vorstellungen, die sich gegen Gottes Erlösungsplan erheben, durchdringen heute die abendländische Gesellschaft und untergraben den einst so starken Einfluß der Bibel. Dabei ist es gerade dieser biblische Einfluß, dem die wissenschaftlichen, technischen und wirtschaftlichen Errungenschaften des Abendlandes zum Großteil zu verdanken sind. Der daraus hervorgegangene Wohlstand steht in krassem Gegensatz zur erbärmlichen Armut der Dritten Welt, wo das Heidentum regiert, ebenso im Gegensatz zu kommunistischen Ländern, deren Religion der materialistische Atheismus war. Technischer Fortschritt berührt jedoch nur das diesseitige Leben. Seit Anbeginn der Geschichte wurde die Menschheit von der Frage verfolgt, was jenseits dieses kurzen Aufenthalts auf der Erde kommt. An dieser Stelle setzt die Religion an: Sie bietet etwas, das über den Tod hinausgeht – die glücklichen Jagdgründe der amerikanischen Indianer, der himmlische Harem voller hübscher Jungfrauen bei den Muslimen … ein Land, wohin die Geister gehen, doch ein Land des Schattens und der Furcht. Ohne Auferstehung jedoch ist die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod vergeblich.

Weder Buddha noch Konfuzius, noch Mohammed, noch irgendein anderer Religionsführer stand von den Toten auf. Allein Christus kam aus dem Grab zurück, nachdem er sein Leben zur Rettung von Sündern hingegeben hatte. Die Apostel gaben ihr Leben hin, um diese frohe Bot¬schaft der Erlösung, »das Evangelium der Gnade Gottes« (Apg 20,24) in die Welt hinauszutragen. Millionen von Märtyrer haben ihr Leben gelas¬sen, um diese Botschaft rein zu erhalten. Heute wird diese Wahrheit ver¬lästert – und das im Namen Christi! Mit dem freundlichen Akt eines Schuldbekenntnisses bekannte die Vereinigte Kirche Kanadas den ein¬geborenen nordamerikanischen Indianern: »Unser christliches Gottes¬bild ist entstellt und verwischt. Wir waren der Schönheit eurer Spirituali¬tät gegenüber verschlossen. Bitte vergebt uns.« Repräsentanten der römisch-katholischen und Lutherischen Kirche, der Episkopalkirche, der Amerikanischen Baptisten, der United Church of Christ, der United Methodist Church und der Presbyterianischen Kirche haben sich bei den amerikanischen Indianern für die Verkündigung des Evangeliums entschuldigt: Liebe Brüder und Schwestern: Dies ist eine formelle Entschuldigung … für die Zerstörung der traditionellen spirituellen Bräuche der einge¬borenen Amerikaner. Wir bitten euch um Vergebung und Segen. Die spirituelle Macht eurer Religion hätte uns ein großes Geschenk sein können. Im selben Geist kam Mitte November 1996 die Christliche Weltversammlung von Naturvölkern in Rotorua (Neuseeland) zusammen. Richard Twiss, Vertreter der Lakota, sagte, dass Lebensweise und Kultur (Religion) »Gaben Gottes waren«. Twiss ist »ein Berater der Promise Keepers für Versöhnung zwischen den Rassen«. (Die Promise Keepers sind eine schnell wachsende christliche Männerbewegung.) Das Treffen nahm offenherzig Eingeborenen-Religionen an und rief dazu auf, einige ihrer Rituale in die Anbetung in christlichen Kirchen zu integrieren. Elijah Harper, ein kanadischer Politiker, der das Volk der Cree-Indianer vertritt, erklärte, dass »die spirituelle Erweckung der Welt von den Naturvölkern rund um den Globus ausgehen werde«. Versuchen Sie sich einmal vorzustellen, Jesus Christus würde sich da¬für entschuldigen, dass er für die Sünden der Welt gestorben und der einzige Retter ist, oder der Apostel Paulus würde sich vor ehemaligen, zum christlichen Glauben bekehrten Juden, Griechen und Römern dafür entschuldigen, dass er sie für Christus gewonnen hat! Es steht zu viel auf dem Spiel – das ewige Schicksal von Menschenseelen –, als dass die Wahrheit kompromittiert werden könnte. Leider geht der Kompromiß – wie wir sehen werden – von den höchsten christlichen Führungsebenen selbst aus. Jedem steht es frei, Christus anzunehmen oder abzulehnen. Aber es ist unehrlich, sich selbst Christ zu nennen und gleichzeitig die Lehre und das Werk Jesu Christi zu verfälschen. Ebenso müssen Natur- und Eingeborenen-Religionen aufrichtig auf ihr eigentliches Wesen geprüft werden, einschließlich der zugrunde liegenden Lehre und der daraus hervor¬gehenden Resultate ----ESOTERISCHE MEDIZIN VON A – Z

1. Spiritueller Hintergrund esoterischer Medizin 2. Esoterische Diagnose- und Heilverfahren 3. Esoterische Medizin im Urteil der Bibel

Einführung Das aus dem Griechischen kommende Wort Esoterik bedeutete ursprünglich "okkultes Geheimwissen" eines "Innenkreises", zu dem nur Eingeweihte Zugang hatten. Heute bezeichnet Esoterik eine Vielzahl anti-christlicher Heilslehren und Heilswege, die wie die Fänge einer Krake alle Lebensbereiche durchgreifen, vor allem die Medizin, die nach esoterischer Zielsetzung die Gesellschaft "transformieren", umformen soll, d.h. über esoterische Therapien sollen die Menschen "esoterisiert", an ein esoterisches Lebensgefühl gewöhnt und abhängig gemacht werden. Die esoterische Medizin umfaßt ein Sammelsurium exzentrischer und heidnischer Diagnose- und Therapieverfahren, die sich von der "Schulmedizin", der an Hochschulen gelehrten “wissenschaftlichen Medizin“, abgrenzen als "alternativ", "komplementär", "naturheilkundliche" oder "ganzheitliche" Heilverfahren. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts geht die Schulmedizin davon aus, daß Krankheiten natürliche körperliche und psychische Ursachen haben, die mit wissenschaftlichen Methoden erforscht und behandelt werden können. Diese Theorie hat sich weltweit durchgesetzt und u.a. bewirkt, daß die durchschnittliche Lebenserwartung von 30 auf 80 Jahre gestiegen ist. Die Ärzte vor Beginn des 19. Jahrhunderts waren alle sog. Naturärzte. Sie hatten im Vergleich zur wissenschaftlichen Medizin nur mäßige Erfolge. Esoterische Medizin nimmt für sich in Anspruch, "natürlich", "sanft", "ganzheitlich", "altehrwürdig", "ohne Nebenwirkungen" und deshalb "gesund" zu sein. Die Schulmedizin dagegen sei "chemisch", "reine Symptombehandlung", "widernatürlich" und deshalb "schädlich". "Zurück zur Natur!" ist die Devise. Diese Parolen werden von allen Medien propagiert, von Fernsehen, Rundfunk, Presse, ja sogar von Fachzeitschriften für Apotheker und Ärzte. Ihr Ansatz sind die Defizite und Grenzen der Schulmedizin, die keineswegs perfekt und ohne Probleme ist. Die "alte Heilkunde", auf die sich Esoteriker beziehen, ist Erfahrungsmedizin. Sie wurde von Generation zu Generation weitergegeben, ohne kritisch oder wissenschaftlich auf ihre Wirkungen, Nebenwirkungen, Nützlichkeit oder Gefährlichkeit überprüft worden zu sein. Als "Jahrtausende alt" werden Diagnosen und Therapien vorgestellt, die vornehmlich von heidnischen, vor allem fernöstlichen Irrlehren und Religionen (China, Tibet, Japan, Indien) inspiriert sind. Unter "ganzheitlich" verstehen Esoteriker die "harmonische Verbindung von Gegensätzen" wie Ratio (Vernunft) und Intuition (gefühlsmäßiges Erkennen), Geistiges und Materielles, Mensch und Kosmos usw. Die Begriffe "gesund" und "natürlich" werden unreflektiert gebraucht, d.h. sie sind nicht einheitlich definiert. Wissenschaftliche Überprüfungen von "Naturheilmitteln" beweisen, daß diese keineswegs harmlos oder ohne Nebenwirkungen sind, daß sie unwirksam sein können oder nur in bestimmten Konzentrationen wirken, daß sie gesundheitsschädlich, ja sogar hochgiftig sein können. "Chemische Medikamente", die Arzneimittel der wissenschaftlichen Medizin, unterliegen dagegen in der Regel strenger klinischer Kontrolle, die wirksame und unwirksame, nützliche von schädlichen trennt. Zur Entwicklung eines neuen Medikamentes benötigen die Pharmakonzerne durchschnittlich 10 Jahre. Die esoterische Medizin entzieht sich ausdrücklich jeder wissenschaftlichen Überprüfung. Sie will "Erfahrungsmedizin" sein und ist damit offen für subjektive Urteile, für Betrug, Scharlatanerie und Irreführung. Esoterische Heilverfahren sind auch keineswegs ohne Nebenwirkungen. Sie können schwere

gesundheitliche Risiken bedeuten und körperliche, geistige, vor allem aber seelische Schäden bewirken. Renommierte Heilpraktikerschulen wie z.B. die "Paracelsusschulen für Naturheilverfahren", die "offiziellen Ausbildungsstätten des Verbandes Freier Heilpraktiker und Naturärzte" - inzwischen in allen größeren Städten zu finden - bilden angehende Heilpraktiker in folgenden "Naturheilverfahren" aus: Astrotherapie, Ayurveda, Akupunktur, Traditionelle Chinesische Medizin, Magnetismus und Bioenergie, Irisdiagnose, Yoga, Feng Shui, Qi Gong, Kinesiotherapie, Schamanismus und anderen esoterischen "Heilverfahren". Der weltanschauliche Hintergrund esoterischer Heiler ist gekennzeichnet von AuswahlSpiritualität und synkretistischer Vermischung antichristlicher und christlicher Elemente. Esoterische Medizin umfaßt vor allem drei Grundüberzeugung: 1. Der Mensch kann die Grenzen seines normalen Bewußtseins übersteigen und durch außergewöhnliche Erfahrungen höhere Einsichten und durch Einweihung (Initiation) oder bestimmte Techniken Gesundheit erlangen. 2. Der Mensch kann sein Glück nur in Harmonie mit der Natur und dem Kosmos erfahren. 3. Mit einem "Astralleib" umkleidet, der "feinstoffliche Heilkraft" sammelt, ist der Mensch unsterblich und kann sich in einer Reihe von Re-Inkarnationen (Wiederverkörperungen) vergöttlichen. Esoterische und christliche Heilslehre sind unvereinbar: Die Irrlehre von der "kosmischen Energie", die alles durchflute, tritt an gegen den dreieinigen persönlichen GOTT; die Irrlehre von der Wiederverkörperung gegen Auferstehung und Gericht; die "Selbsterlösungslehre" gegen die Erlösung durch JESUS CHRISTUS; die Selbstvergöttlichung gegen die Geschöpflichkeit des Menschen und seine Abhängigkeit von GOTT, seinem Schöpfer; die ethische Verantwortung vor dem "kosmischen Gesetz" gegen die verbindliche Weisung der göttlichen Gebote; das "Abtragen von Karma" gegen Reue, Buße und Vergebung durch GOTT. Der von Esoterikern verkündete "Jesus Christus" ist nicht der Sohn GOTTES, sondern ein falscher Messias, ein "universaler Christus", "die größte, je auf diesem Planeten inkarnierte Seele", "Sonnengeist" oder ein anderer Name für "Heil-Energie". Das kleine Lexikon "Esoterische Medizin von A - Z" will auf Gefahren aufmerksam machen, in die sich Hilfesuchende begeben, wenn sie sich esoterisch ausgerichteten Heilern, Heilpraktikern, Psychologen, Psychotherapeuten, sog. "Naturärzten" und Schulmedizinern anvertrauen. Um esoterisch ausgerichtete Therapien beurteilen zu können, ist ein Grundwissen ihres spirituellen Hintergrundes aus Hinduismus, Buddhismus, Taoismus, Konfuzianismus, Schintoismus, Schamanismus, Spiritismus, Magie, Hexerei und der Heilungsbewegungen unumgänglich.

1. Der spirituelle Hintergrund esoterischer Medizin

Der Hinduismus Der Hinduismus ist eine der ältesten Religionen. Er hat im Laufe der Zeit zahlreiche Veränderungen von Glaubensvorstellungen und religiösen Praktiken erfahren und begreift sich selbst als "ein großer Ozean", der ohne Probleme auch fremde Glaubensinhalte aufzunehmen vermag. "Hindu" (persisch) heißt "Inder". "Hinduismus" bezeichnet seit dem 13. Jahrhundert n.Chr. die "Religion der Inder". Sie selbst nennen ihre religiösen Vorstellungen "Sanatana Dharma", das heißt "ewige Lehre" oder "ewiges Gesetz". Grundgelegt wurde der Hinduismus durch die "Veden", das sind Textsammlungen, die in der Zeit zwischen 1500 bis 900 vor Chr. verfaßt worden sind. "Veda" heißt "heiliges Wissen". Zwischen 1000 bis 500 v. Chr. wurden den Veden die "Brahmanas", Texte der Brahmanen, hinzugefügt. Der Brahmanismus betont das Opferritual, um aus dem Kreislauf der Wiedergeburten erlöst zu werden. Da die Priester (Brahmanen) unbeschränkte Macht besaßen, wurden sie von den Upanishaden bekämpft. Die bis 200 vor CHR. niedergeschriebenen philosophischen Texte, die "Upanishaden", lehren die Erlösung durch Erkenntnis und die Verneinung der Welt und des Lebens im Gegensatz zu den Veden, die beides bejahen. Bei aller Vielgestalt des Hinduismus lassen sich doch allen Hindus gemeinsame Glaubensvorstellungen darstellen: Als Grundlagen ihres Glaubens anerkennen alle Hindus die Veden, das ewige, das ganze Weltall beherrschende Gesetz Dharma, die Gefangenschaft im Kreislauf der Wiedergeburten und als Ziel aller religiösen Bemühungen die Vereinigung von kosmischem Brahman (Ur-sein) und individuellem Sein, dem Atman. Nach hinduistischer Vorstellung wird jede menschliche Seele nach dem Tod wiedergeboren und zwar - je nach Karma - im Körper einer Pflanze, eines Tieres, eines Menschen oder eines Gottes. Karma bedeutet "Taten" oder "Werke". Die "Taten" bestimmen das zukünftige Leben. Wer ein gutes Leben geführt hat, wird in einem "besseren Leib" wiedergeboren. Wer ein "ruchloses Leben" geführt hat, wird "den Körper eines Hundes oder Schweines betreten" (UpanishadenText). Der Mensch ist nicht einem blinden Schicksal unterworfen, sondern hat die Gestaltung zukünftiger Leben selbst in der Hand. Er bestimmt sein Karma und damit die Kaste, in der er leben wird, mit ihren je eigenen kultischen und sozialen Vorschriften. Letztes Ziel aller Hindus ist die Erlösung aus dem Kreislauf der Wiedergeburten, die sie als Auflösung des individuellen Seins verstehen, als Zustand des Nirvana, des "Nicht Seins" im kosmischen Ur-sein, dem Brahman. Die Auflösung des individuellen Seins im Nirvana kann auf drei Wegen erreicht werden: Der "Weg der Werke" ist der älteste hinduistische Heilsweg nach der Weisung der Veden. Der "Weg der Erkenntnis", gelehrt von Yogi und Swamis (erleuchtete Meister), bewahrt den Menschen vor falscher Lebensweise und führt über die Meditation (Yoga) zur Auflösung. Der 3. Weg, der "Weg der Hingabe", ist die Verehrung einer bestimmten Gottheit, die Erlösung verspricht, wenn ihr Name ständig wiederholt wird. Diese Übung des "Mantra" versetzt den Menschen in einen Zustand der Glückseligkeit, der Trance, die an körperlichen Erscheinungen gemessen werden kann. Unter den zahlreichen von den Hindus verehrten Göttern sind drei von besonderer Bedeutung: Brahma, der Schöpfer "Gott", meist mit vier Gesichtern dargestellt; Vishnu (auch in der Erscheinungsform des Krishna), der Bewahrer des ewigen Gesetzes, Retter und Erlöser, oft auf einer Schlange sitzend dargestellt, und Shiva, der Segnende und Zerstörer zugleich, dargestellt

mit einem Halbmond in seinen Haaren. Götter, Geister und Dämonen werden durch Opfer- und Zauberriten beschworen und in Tempeln, Bildern und Symbolen verehrt. Der indische Volks Hinduismus kennt eine Unzahl von Göttern und verehrt neben ihnen auch Menschen, Tiere, Pflanzen, das Feuer, die Erde und das Wasser der heiligen Flüsse Ganges und Indus. Als synkretistisches Religionsgemenge erlaubt der Hinduismus dem einzelnen Hindu sowohl den Polytheismus als auch den Monotheismus, den Pantheismus und Atheismus. Große Bedeutung haben neben den "Priestern", die aus der Kaste der Brahmanen kommen, die "Gurus", geistliche Führer, die nach hinduistischer Vorstellung bereits erlöst sind und deshalb den Weg zur Erlösung am besten weisen können, die Sadhus, auch Fakire genannt, und die Yogi, Mönche, die in Klostergemeinschaften oder Einsiedeleien leben. Wie die Buddhisten sind auch die Hindus in den westlichen Ländern aktiv missionarisch tätig. Der größte Hindu-Tempel Europas wurde in Hamm (Westfalen) gebaut. In der esoterischen Medizin nimmt der Hinduismus vor allem in der Transzendentalen Meditation, beim Yoga und im Ayurveda einen festen Platz ein. Daneben sind zahlreiche Heilverfahren von hinduistischen Irrlehren inspiriert und durchsetzt.

Buddhismus Der Gründer des Buddhismus, Prinz Siddharta Gautama (um 557 - 477 v. Chr.) lebte in Indien (heute Nepal).Weil er unter der hinduistisch brahmanischen Lehre vom Karma und dem Kreislauf der Wiedergeburten (Samsara) litt, verließ er mit 29 Jahren Frau und Kind und suchte die Einsamkeit auf, um Erlösung aus dem Samsara zu finden. In der "Nacht der Erleuchtung" wurde ihm die Antwort geoffenbart, die er als Buddha (der Erwachte, der Erleuchtete) verkündete: Das gesamte irdische Leben bringe Leid: Geburt, Tod, Alter, Liebe, Haß und Hoffnung. Ursache des Leides sei die "Anhaftung an die Welt". Die Erlösung bestehe im absoluten Gleichmut, in der Überwindung aller positiven und negativen Leidenschaften und der Unwissenheit. Zu diesem Ziel führe der sog. Achtfache Pfad: Die Erkenntnis der "Vier edlen Wahrheiten", d.h. die Erkenntnis der Vergänglichkeit und Leere, die rechte Moral: Wohlwollen und Güte und die rechte Meditation. Vor allem in der Meditation müsse der Mensch die Nichtigkeit seines Lebens erkennen und durch Askese seinen Willen zum Leben und sein Ich Bewußtsein ersticken, sich selber also vernichten, um in die ewige Ruhe des Nirvana eingehen zu können, in das unpersönliche All. Seit seiner Frühzeit hat der Buddhismus zahlreiche Veränderungen erfahren, wurde von den Buddha-Jüngern entweder als Lehre verstanden (Ceylon, Birma, Siam) oder als Kult, der Buddha vergöttlicht, ihm Tempel baut, in Figuren darstellt und in zahlreichen Kulten anbetet. In Indien wurde der Buddhismus mit dem Hinduismus gemischt, in China mit dem Taoismus, Konfuzianismus und den alten Naturreligionen, in Japan mit dem Shintoismus und in anderen asiatischen Ländern mit den jeweiligen polytheistischen Volksreligionen. Im 1. Jahrhundert n. Chr. zerfiel der Buddhismus in die beiden großen Gruppen des Hinayana (Kleines Fahrzeug) und des Mahayana (Großes Fahrzeug). Der Mahayana Buddhismus verehrt zahlreiche Götter und glaubt an die Wiedergeburt auch der Bodhisathvas, der Vollendeten, die als Erlöser die Massen zu belehren haben (China, Korea,

Japan). Im Westen wurde durch den Dalai Lama der tibetische oder "tantrische" Buddhismus (Lamaismus) verbreitet. Dieser verspricht seinen Anhängern, Erleuchtung in einem einzigen Leben erlangen und damit aus dem Kreislauf der Wiedergeburten aussteigen zu können. Was der Buddhismus lehrt, ist nicht Licht, sondern Finsternis, Verachtung der Welt und Verneinung des Lebens. Christentum und Buddhismus sind durch eine unüberwindbare Kluft getrennt: Der Buddhist kennt den persönlichen GOTT nicht, den Schöpfer Himmels und der Erde, er kennt die göttliche Offenbarung nicht, den göttlichen Erlöser nicht und nicht die Glaubenswahrheiten, die dem Menschen von GOTT zur Entscheidung vorgelegt sind, damit er mit ihrer Bejahung und Befolgung das höchste Ziel erreicht: Das ewige Leben in der Gemeinschaft mit GOTT. Für den Buddhisten ist das Nichts Basis aller Existenz. Für den Christen ist es das Sein. Der Buddhist hat kein Verständnis für die grundlegenden christlichen Begriffe wie Seele, Gewissen, gut und böse, Sünde und Gnade. Esoterische Heiler mischen buddhistische Elemente in ihre Heilverfahren: Die Irrlehre von der Wiedergeburt, der Selbsterlösung und die Erleuchtung das Buddha Erlebnis als erstrebenswertes "heilbringendes" Ziel. Die Missionsarbeit der Buddhisten, der Personenkult um den Dalai Lama und mangelndes Glaubenswissen haben das Denken vieler Christen von Grund auf verändert.

Taoismus Taoismus ist die Lehre Laotses vom rechten Weg des Menschen nach dem ewigen Naturgesetz, dem Tao. Li Bej jang - mit dem Ehrentitel Lao tse - lebte zwischen 570 und 490 vor Chr. in China. Seine Lehre schrieb er nieder im Dau dej djing, dem Buch "vom Weltgrund und der Tugend". Dau ist gleichbedeutend mit Tao und bezeichnet das Urwesen, das Weltgesetz, Ausgang, Weg und Ziel allen Weltgeschehens, nicht wahrnehmbar, weil "ätherhaft" beschaffen. Nachdem sich der Taoismus mit Zauberei, Wahrsagerei, Alchemie und Astrologie verband, wurden in ihm seit dem 1. Jahrhundert n. Chr. auch zahlreiche Götzen verehrt. Bis heute ist die Volksreligion Chinas ein Gemisch von alten religiösen Vorstellungen, verbunden mit Schintoismus, Taoismus, Konfuzianismus und Buddhismus, die zugleich spirituelle Grundlage der Traditionellen chinesischen Medizin (TCM) sind.

Konfuzianismus Konfuzianismus ist die Lehre des Kung fu tse = Meister K'ung, der als Zeitgenosse Lao tses von 551 - 479 v. Chr. in China gelebt hat. Nach Konfuzius (latinisiert) ist das All mit sämtlichen Einzelerscheinungen von der Kraft Tao durchdrungen. K'ung lehrte: Der Mensch ist von Natur aus gut. Wenn er durch seine Leidenschaften oder Verführungen verdorben worden ist, kann ihn die Pflege des "tao" wieder auf den rechten Weg zurückführen. Konfutse fordert Unterordnung und Harmonie mit den kosmischen Gesetzen, deren Ordnung abhängig ist von der Erfüllung täglicher Pflichten. Übeltäter stören die kosmische Ordnung. Ziel der Menschheit ist "das goldene Zeitalter", in dem alle Menschen Tschung Yung, die "richtige Mitte" leben, d.h. in Harmonie mit dem Kosmos und untereinander.

Später verschmolz der Konfuzianismus mit der alt chinesischen Vorstellung, alle Naturvorgänge ließen sich aus dem Zusammenwirken der beiden kosmischen Kräfte Yang und Yin erklären. Yang sei die männliche Kraft der Helligkeit, Wärme, Trockenheit und Höhe, Yin die weibliche Kraft der Dunkelheit, Kälte, Nässe und Tiefe. Die Irrlehre von Yang und Yin ist wesentliches Element zahlreicher esoterischer Heilverfahren. Schintoismus Das japanische Wort Schin-to bedeutet "Weg der Ahnen" und "Weg der Götter". Diesen Weg als Vorbild zu gehen, ist das Ideal der Schintoisten. Sie verbinden Ahnen, Götter, Natur- und Heldenkult. Die Schintoisten kennen 800 Myriaden Götter. Alles ist von ihnen bewohnt und wird verehrt, selbst triviale Gebrauchsgegenstände des Alltags von der Nähnadel bis zum Abort. Neben den Berg-, Fluß-, Erd-, Berufs-, Tier-, Pflanzen- und anderen Göttern kennen die Schintoisten harmlose und böse Geister. Menschen, die Großes für ihr Volk getan haben, Nationalhelden, Kriegshelden, Rebellen können in die Welt der Götter aufsteigen, ebenso Schamanen und "Heiler". Schamanen heilen Krankheiten durch besondere Reinigungsrituale, da jede Krankheit als Folge böser Taten gedeutet wird. Als "Heiler" bringen sie die göttliche Lebenskraft zurück, die nicht mehr wirken kann, wenn Sünden den Spiegel der Seele wie Staub bedecken, durch den die Strahlen der "göttlichen" Sonne nicht mehr dringen können. Schamanen rufen, gestützt von Trommeln und Glocken, die Seelen der Ahnen herbei, sagen die Zukunft voraus und setzen bei ihren Ritualen Farben ein: Rot als Farbe der Harmonie und der Priester. Weiß bedeutet Ekstase und Vereinigung mit den Schutzgöttern, gelb schöpferische Kraft. Blau ist die Farbe der Lebenskraft, und schwarz symbolisiert den Ur-Anfang und das Paradies. Schintoisten fühlen sich Pflanzen und Tieren verwandt. Mit ihnen suchen sie Harmonie und mystische Verbindung. Den Ahnen bauen sie Opferaltäre, Schreine und Tempel. Familien und Sippen Ahnen werden um Hilfe und um Vergebung der Sünden angerufen. Göttliche Verehrung wird auch dem Kaiser erwiesen, der als Nachkomme der Sonnengöttin gilt. Er ist "Mikado" = die hohe Pforte, "Himmelskönig" oder "Tenno" = Himmelsherr. Der Kaiserpalast und die Kaisergräber gelten als Heiligtümer. In den Göttertempeln werden die als anwesend gedachten Götter unter Symbolen dargestellt: Spiegel, Schwerter, grüne Zweige u.a. Ihnen werden von den "Kanuschi", den Götterbeamten, in langwährenden Zeremonien vor allem Geld und Nahrungsmittel als Opfer dargebracht. Seit dem 6. Jahrhundert n. Chr. wurde der Schintoismus gemischt mit buddhistischer und taoistischer Spiritualität. Bis heute gehören die meisten Japaner mehreren Religionsgemeinschaften gleichzeitig an. Schintoistische Elemente finden sich vor allem in schamanischen und magischen Heilverfahren.

Schamanismus Der Schamanismus ist keine Religion, sondern ein Geisterkult. Schamanismus beruht auf der Erfahrung, daß von Geistern in Besitz genommene Menschen paranormale Erkenntnisse und Fähigkeiten zeigen und in ekstatischen Zuständen (Trance) Geister in ihren Dienst zu stellen vermögen. In heidnischen Kulturen nehmen Schamanen (Männer und Frauen) von der Frühzeit an als Mittler zwischen Menschen und Geistern eine zentrale Stellung ein. Sie haben vor allem die Aufgabe,

Krankheiten zu heilen, die - so der Glaube - von bösen Geistern bewirkt worden sind, nachdem sie die Seele des Patienten in Besitz genommen haben. Schamanen versuchen als "Geistheiler" die Seele des Kranken in den Körper zurückzuführen durch Verhandeln mit den Geistern, durch List und Versprechen von Opfergaben, oder die Krankheitsgeister aus dem Körper zu vertreiben und zu bannen. Schamanen werden "berufen" und "eingeweiht": In der Regel zeigt sich schon in der Kindheit, ob jemand zum Schamanismus berufen ist. Er leidet unter der sog. Schamanenkrankheit: Fieberanfälle, ekstatisches Tanzen bis zur Erschöpfung, Visionen von Quälgeistern in Tiergestalt, unartikulierte Schreie und andere Merkmale bzw. Symptome, wie sie auch bei Besessenen beobachtet werden. In tiefer Bewußtlosigkeit (Trance), Bewegungslosigkeit oder Starre erlebt der Berufene seine Entführung in die Unterwelt, wo sein Körper in grausamster Weise zerstückelt, neu zusammengesetzt und mit "neuen Augen" ausgestattet wird. Der Schamane vermag mehr und anders zu sehen als der gewöhnliche Mensch. Sobald der Berufene erwacht, folgt eine mehrjährige Ausbildung bei einem erfahrenen Schamanen und durch Geister, die sich als "Herren" von Pflanzen und Tieren vorstellen und die Unterscheidung verschiedener Krankheitsgeister, d.h. Diagnose und Heilverfahren lehren. Bei der Einweihung (Initiation) geschehen die Übertragung der Heilkraft und anderer paranormaler Fähigkeiten und die "Possession", die Inbesitznahme des Schamanen durch seinen "Schutz oder Heilgeist", der sich eines oder mehrerer Hilfsgeister bedienen kann. Nach der Initiation wird der Schamane als Doppelnatur verehrt und geachtet, halb Mensch, halb Geist und ausgestattet mit Fähigkeiten, wie sie bei Besessenen beobachtet werden: Hellsehen, Vorausschau und Rückschau in die Vergangenheit, Telepathie, Visionen, übermenschliche Kräfte und wunderbare Heilfähigkeit. Schamanen beherrschen die "kontrollierte Ekstase", d.h. sie können die Trance herbeiführen und auch beenden. Hilfen zur Auslösung sind aufreizende Instrumente wie Trommeln und Rasseln, gleichförmige Körperbewegungen, Hyperventilation, Fasten, monotones Rezitieren bestimmter Wörter, Meditation bzw. Konzentration auf die Kontaktaufnahme mit Geistern, rasende Tanzerei, Drogen, Alkohol, Halluzinogene und andere Gifte. In Seancen, den Heilungsritualen, tragen Schamanen die Tracht und Maske ihres "Schutzgeistes", entweder ein Elch-, Hirsch- oder Ren- Kostüm mit Geweihstangen als Kopfaufsatz oder ein Vogelkostüm mit Federn, langen Stoff oder Lederstreifen und klirrenden Glasperlen am Schuhwerk. Augenzeugen berichten übereinstimmend, daß sie die Seancen als beklemmend, düster, unheimlich erlebt haben und die Schamanen als gequälte, ernste, leidende, versklavte Menschen, in ständigen Erschöpfungszuständen, hager, introvertiert und ausgesprochen finster. Der Schamanismus wird hauptsächlich in Nord- und Zentral- Asien, Nord- und Südamerika, Ozeanien, Australien und Afrika praktiziert - mit zahlreichen lokalen Modifikationen. In Deutschland wird er seit den 1980er Jahren von esoterischen Heilern als Diagnose und Heilverfahren angewandt mit wachsender Bedeutung. Die Zahl schamanischer Zirkel ist kaum noch zu überschauen.

Spiritismus

Das Wort Spiritismus leitet sich ab aus dem lat. "spiritus" (Geist) und bezeichnet den Verkehr mit Geistern und Verstorbenen, Geisterglaube und Geisterkult. Spiritismus ist so alt wie die Menschheit, läßt sich in allen Kulturen nachweisen und wird auch heute noch ausgeübt von Schamanen, Medizinmännern, Zauberern, Hexen, Yogis, Fakiren und im Westen von Esoterikern, Okkultisten und Satanisten. Spiritismus wird bereits im Alten Testament und anderen historischen Dokumenten belegt: Saul befahl der Spiritistin von Endor: "Hole mir Samuel herauf!" Als die Frau den Samuel erblickte, schrie sie laut auf .... und sprach zu Saul: "Ein gottähnliches Wesen sehe ich aus der Erde aufsteigen..." (1. Sam 28). Valenz, der oströmische Kaiser (364-378 n. Chr.) ließ die beiden Spiritisten Hillarius und Patricius hinrichten, weil sie zu ermitteln versucht hatten, wann er sterben und wer sein Nachfolger sein würde. Unter Folter gestand Hillarius: "Wir fertigten ein hölzernes Tischlein an und stellten es in einen Kessel hinein, auf dessen Rand die Buchstaben des Alphabetes eingraviert waren. Auf unsere Frage rührte das Tischlein an die Buchstaben in der Reihenfolge, aus der sich die Antwort ergab. Als wir die Frage aufwarfen, wer dem erhabenen Valenz in der Herrschaft folgen würde, kamen die Buchstaben T H E O. Kaum war der letzte Buchstabe erschienen, als einer der Anwesenden ausrief, das sei Theodorus, worauf wir überzeugt waren, daß dieser es sei und dann unsere Fragen einstellten" (R. Kriese, Okkultismus im Angriff, S. 117). Dieses "Tischerücken" wird heute noch praktiziert: In einem Schreiben aus dem Jahr 2003 an die Vereinigung zum Schutz schwacher und hilfloser Menschen berichtet H. Fischer: "Ein kleines rundes Tischchen, welches an einem Bein einen Bleistift angebunden hatte, wurde auf ein Blatt Papier auf einem größeren Tisch gestellt, Wir vier Teilnehmer mußten nun unsere Hände über das kleine Tischchen halten und zusammen immer denselben Spruch wiederholen. Als das Tischchen plötzlich anfing, sehr heftig zu zittern und ein elektrischer Stromschlag durch meine Hand fuhr, bekam ich Panik und betete inbrünstig ein Ave Maria. Sofort hörte das Tischchen auf zu rücken und blieb den ganzen Abend still, obwohl es die anderen Teilnehmer immer wieder versuchten. Auf dem Nachhause Weg hörte ich laute, schrille, kreischende, aber auch dumpfe Stimmen. Ich fragte meinen Mann, der mich mit dem Auto abgeholt hatte, ob er diese Stimmen auch höre. Er verneinte. Diese Stimmen waren so fürchterlich, daß ich dachte: Ich werde wahnsinnig. Das halt ich nicht mehr aus, wenn das so weitergeht. Ich begann flehentlich zu beten. Nach einer Stunde etwa waren die Stimmen nicht mehr zu hören" (Archiv). Dem Tischrücken ähnlich sind das Glasrücken, das automatische Schreiben (bei dem die Hand eines Mediums zum Schreiben gezwungen wird), das Pendeln und "Rutengehen". Andere spiritistische Phänomene sind: Telekinese (Fernbewegung von Gegenständen, ohne sie zu berühren), Astral-Reisen (Exkursion der Seele aus dem Körper in eine "feinstoffliche Welt"), Translokation (plötzliches Verschwinden einer Person und Auftauchen an einem anderen Ort), Apporte (plötzliches Auftauchen von Gegenständen), Deporte (plötzliches Verschwinden), Levitation (Schweben und Fliegen), Spuk-Erscheinungen (Poltergeister), Konversation mit Geistwesen, Visionen (Erscheinungen von Geistern), Audition (Hören von Stimmen) und automatisches Sprechen (Glossolalie=Zungenreden), Phänomene, die auch bei Besessenen beobachtet werden. Allen spiritistischen Praktiken gemeinsam ist die Erfahrung, daß der Mensch mit Geistern in Verbindung treten und über physikalische Medien (Tisch u.a.) oder "sensitive" Menschen Mitteilungen von Geistern erhalten kann. Spiritismus zeigt sich in vielen Ausprägungen: Vom Schamanismus der Sammler und Jäger über Nekromantie (Totenbefragung) der alten Griechen bis zum Umbanda- und Macumba-Kult in Brasilien heute.

Über die Esoterik ist der Spiritismus in unserer Zeit zu einer Massenbewegung geworden. In der esoterischen Medizin werden Geister verstorbener Heiler beschworen (Bruno Gröning u.a.), mit Hilfe von Geistern werden Operationen durchgeführt (Geist-Chirurgie), über Glossolalie (Zungenreden) und Xeno-Glossie Botschaften in Fremdsprachen empfangen und "Heilkräfte" von einem Geistführer" über einen "Heilungskanal" (Heiler) vermittelt. Spiritistische Praktiken führen zu schweren seelischen Störungen, Verwirrtheits-Zuständen, Psychosen, Persönlichkeitsspaltungen und nicht selten zu Umsessenheit und Besessenheit. Eine Form des Spiritismus ist der Spiritualismus, der ausschließlich die Geister biblischer Gestalten und großer religiöser Persönlichkeiten (Heilige) beschwört und in seinen Dienst stellt und Heilungen dem HEILIGEN GEIST als "Heilgeist" zuschreibt.

Magie, Fetischismus, Hexerei Eine wachsende Zahl von Menschen setzt ihre Hoffnung in Krankheit und Leid auf magische Praktiken. Das Wort "Magie" leitet sich vom griechischen "mageia" ab und bedeutet "Zauberkunst". Nach magischen Vorstellungen ist die belebte und unbelebte Natur von verborgenen, übernatürlichen Kräften, von Geistwesen bewohnt, die positiv oder negativ wirken und vom Menschen in den Dienst genommen werden können. "Heil-Magie" ist eine Handlung dann, wenn sie die übersinnliche Welt beeinflussen, sie lenken und dienstbar machen will, um Krankheiten zu heilen. Esoteriker üben Heil-Magie aus, wenn sie über "kosmische Heil-Energie", über "feinstoffliche" Strahlen, Schwingungen, Vibrationen mittels bestimmter Techniken verfügen wollen (Reiki, Geistheilung u.a.). Der "Fetischismus" schreibt leblosen oder künstlich hergestellten Gegenständen, Figuren (in Menschengestalt) oder Steinen außerordentliche Kräfte als Wohnstätte von Geistern zu: Amulette (Anhänger mit Geheimzeichen) und Talismane (Bilder oder Gegenstände, oft am Körper getragen) sollen Unglück abwehren, "Kettenbriefe" (auch als "Gebetsbriefe" getarnt), "Himmelsbriefe" und "Himmelsbotschaften" Glück und Erfolg bringen, "Besprechungen" (Brauchung, Böten) Krankheiten heilen, "Beschwörungen" böse Geister bannen, "Verwünschungen" Menschen Schaden zufügen, durch "Liebeszauber" Liebe gewonnen, durch "Abwehrzauber" schädigende Einflüsse unwirksam gemacht, durch "Analogiezauber" zahlreiche Ziele erreicht werden: Wasser ausschütten z.B. soll Regen hervorbringen, das Durchbohren eines Fotos oder Bildes dem Abgebildeten den Tod bringen usw. Unter den "Zaubersprüchen" und Sammlungen von Anleitungen zu Magie und Zauberformeln sind "das 6. und 7. Buch Mosis" aus dem 16. Jahrhundert am bekanntesten. Mit den "fünf Büchern Moses" des Alten Testamentes hat dieses Zauberbuch nichts gemein. Verführte Menschen entschuldigen ihr magisches Tun oder die Inanspruchnahme magischer Praktiken mit der Erklärung, es handle sich ausschließlich um "Weiße Magie", die nur Gutes bewirken wolle. Die "Schwarze Magie" dagegen bediene sich der Dämonen, um Schaden zuzufügen. "Weiße Magie" tarnt sich nicht selten religiös und ist deshalb doppelt gefährlich: Unter den Christen sind vornehmlich Orthodoxe und Katholiken anfällig für magische Praktiken, wenn sie religiöse Symbole, Sakramentalien oder die Sakramente mißbrauchen und über die von GOTT geschenkten "Zeichen mit Gnadenwirken" eigenmächtig verfügen, d.h. GOTT vornehmlich den HEILIGEN GEIST - Engel, Heilige oder die Seelen Verstorbener in ihren Dienst zu nehmen versuchen, das Kreuz z.B. als Abwehrzauber und die Handauflegung als Heilzauber

mißbrauchen. Diese "frommen" magischen Praktiken werden im Alten und Neuen Testament scharf verurteilt und mit göttlichen Strafen bedroht. Weiße Magie ist immer Schwarze Magie! Der Mensch kann nicht über GOTT oder göttliche Kräfte verfügen. Wagt er es dennoch, macht er sich schwer schuldig gegen das 2. göttliche Gebot, das Ehrfurcht gebietet: "Du sollst den Namen GOTTES heilighalten!" Der Name GOTTES ist Offenbarung Seines göttlichen Wesens. Der Name GOTTES repräsentiert IHN selber. Menschen, die "Schwarze Magie" betreiben, werden auch "Hexe" oder "Hexer" genannt. Immer mehr Menschen vertrauen sich in Krankheit und Not Hexen an oder lassen "Hexenbannungen" vornehmen, um "Verhexungen" unwirksam zu machen. Tonnenweise wird aus Ostasien "Teufelsdreck" (Asa Foetida), eine übelriechende Masse, importiert. Hexen bieten in Zeitungsanzeigen ihre Dienste an. Die Massenmedien haben das Thema Hexerei als Quotenbringer entdeckt. Spezialgeschäfte für Hexenbedarf öffnen ihre Tore, "Hexen Konvente" geben eigene Mitteilungsblätter heraus, z.B. den "Wicca Brief", das" Magazin für Hexenglauben", oder "Abraxas", das Organ des "Yggdrasil-Kreis e.V.", der als gemeinnützig vom Finanzamt anerkannt ist und in Wahrsagerei, Astralwandern und "Magia Sexualis" einführt. Hexen organisieren Zusammenkünfte bei Vollmond und an geheimen Orten (z.B. verlassene Steinbrüche). Manche Feministinnen bezeichnen sich stolz als "Hexen", weil sie die Hexerei, die in der Geschichte vornehmlich von Frauen ausgeübt wurde, als Symbol weiblicher Macht deuten. Als Erkennungszeichen der Hexerei dient häufig der sog. "Hexenfuß", auch als "Friedenszeichen" bekannt, ein auf dem Kopf stehendes, unten abgewinkeltes Kreuz, auch "Todesrune" oder "NeroKreuz", weil es von Kaiser Nero entworfen wurde als Zeichen seiner Verachtung des Kreuzes JESU CHRISTI. Erfahrene Seelsorger beobachten, daß magische Praktiken in den Machtbereich der Dämonen führen, verbunden mit Depressionen, Neurosen, Psychosen, Wahn- und Suicid-Vorstellungen bis zu Umsessenheit und Besessenheit, die allein durch Gebet und/oder Exorzismus geheilt werden können. Umsessenheit und Besessenheit Schamanen, Spiritisten, Magier, Channeler, Geistheiler und andere "Heiler" zeigen oft die klassischen Merkmale einer Um- bzw. Besessenheit. Nahezu alle esoterischen Heilverfahren können dämonische Belastungen auslösen. Als "Possession" wird eine Besessenheit gewollt herbeigeführt bei schamanischen, spiritistischen und magischen Techniken, unbeabsichtigt durch Übertragung z.B. bei der Handauflegung von Wunder- und Geistheilern oder als "Nebenwirkung" bei Meditationstechniken, Rebirthing, Reinkarnationstherapie u.a. Heilpraktiken. Die Begriffe Umsessenheit und Besessenheit sind nicht einheitlich definiert. Exorzisten sprechen dann von Besessenheit, wenn ein oder mehrere Dämonen vom Körper eines Menschen Besitz ergriffen haben. Besessenheit ist ein körperliches Phänomen, kein seelisches wie beim gewöhnlichen Wirken Satans durch Versuchung oder Verführung zur Sünde. Bei der Umsessenheit wirken die Dämonen von außen, belagern sozusagen "die Stadt". Mit der Besessenheit nehmen sie "die Stadt" ein. Daß es Besessenheit gibt, ist in der Bibel vielfach bezeugt: ,,Meister, ich habe meinen Sohn zu Dir gebracht, der von einem stummen Geist besessen ist. Er packt ihn bald da, bald dort und

zerrt ihn hin und her; dabei kommt ihm der Schaum vor den Mund, er knirscht mit den Zähnen und liegt in Erstarrung." Sie brachten ihn zu IHM. Und sobald er IHN sah, schüttelte ihn der Geist; er stürzte zu Boden und wälzte sich schäumend. Da fragte ER dessen Vater: "Wie lange ist es schon her, daß ihm das widerfährt?" "Von Kindheit an", erwiderte er (Mk 9,17 22). Aus Maria Magdalena hat CHRISTUS sieben böse Geister ausgetrieben (Mk 16,9). Und Lukas berichtet: In der Synagoge befand sich ein Mann, der von einem unreinen Dämonengeist besessen war, der schrie mit lauter Stimme: Ha, was willst du mit uns, Jesus von Nazareth? Bist du gekommen, uns zu verderben? Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes!' Da wies ihn JESUS zurecht und rief: Verstumme und weiche aus ihm!' Der böse Geist schleuderte ihn vor aller Augen hin und her und fuhr von ihm aus, ohne ihm irgendwie zu schaden. Da kam ein Erschauern über alle, und sie sagten zueinander: Was bedeutet dies, daß er den unreinen Geistern mit zwingender Macht befiehlt, und sie fahren aus?' " (Lk 4,33 36). An 23 Stellen wird im Neuen Testament über die Dämonen als "böse Geister", "böse Engel", "unreine Geister" berichtet. Die christliche Theologie hält an der Existenz Satans und seines Anhangs, der dämonischen Mächte und Gewalten, fest: GOTT hat unsichtbare Wesen mit Erkenntnis und freiem Willen erschaffen, die Engel. Unter der Führung "Luzifers" fiel ein Teil der Engel von GOTT ab. Seit ihrem Sturz auf die Erde versuchen der Satan (Luzifer) und seine Dämonen, ihren unheilvollen Einfluß auf die Menschen auszuüben. Ihre Einwirkung hat viele Formen: Versuchungen, Verführung, dämonische Belästigungen, dämonische Erscheinungen, dämonische Ekstasen, Umsessenheit und Besessenheit. Im Laufe der Menschheitsgeschichte sind Fälle von Besessenheit bis in unsere Zeit glaubwürdig bezeugt. Im Neuen Testament kommt der griechische Ausdruck für Besessenheit ("Diamonizesthai") 13mal vor. Rund 50mal berichten die Evangelisten von Exorzismen (Teufelsaustreibungen), die JESUS selber vornahm: "Der Sohn GOTTES ist dazu erschienen, daß Er die Werke des Teufels vernichte" (1. Joh. 3,8). Jeder erfolgreiche Exorzismus zeugt von der Macht JESU über Satan und seine Dämonen. Dem Machtwort JESU muß jeder Dämon weichen: "Ich gebiete dir, fahre aus von ihm, und kehre niemals mehr in ihn zurück!" (Mk. 9,26). Wie dem göttlichen Exorzisten, so muß jeder Dämon auch den Jüngern JESU gehorchen: "Heilt Kranke .... und treibt die bösen Geister aus!" gebot JESUS Seinen Aposteln (Mt 10,8). "In Meinem Namen werden sie Teufel austreiben (Mk 16,17). Zuerst sind die Apostel und ihre Nachfolger, die Bischöfe, beauftragt. Ihnen ist die größte Macht über den Satan und seinen Anhang gegeben. Sie spenden den feierlichen Exorzismus als Sakramentale. Dann die Priester, die von den Bischöfen beauftragt sind. Aber auch alle Getauften, die an JESUS als den Sohn GOTTES glauben: "Als Zeichen aber werden denen, die glauben, diese folgen: In Meinem Namen werden sie böse Geister austreiben!" (Mk 16,17). Niemals darf der Austreibungsbefehl "im Namen JESU" wie eine magische Formel mißbraucht werden. Die Dämonen sind gefährliche Gegner und dem Menschen weit überlegen: "Einige der herumziehenden jüdischen Teufelsbeschwörer versuchten, über die von bösen Geistern Besessenen den Namen des HERRN JESUS anzurufen, indem sie sagten: ‚Ich beschwöre euch bei Jesus, den Paulus verkündet.' Es waren sieben Söhne des jüdischen Oberpriesters Skevas, die es taten. Aber der böse Geist erwiderte ihnen: ‚JESUS kenne ich, auch Paulus ist mir wohlbekannt. Wer aber seid denn ihr?' Damit stürzte sich der Mensch, in dem der böse Geist war, auf sie, überwältigte alle miteinander und ließ seine Macht an ihnen derart aus, daß sie nackt und wund aus jenem Hause flohen. Dies wurde allen Juden und Heiden, die in Ephesus wohnten, bekannt, und Furcht kam über sie alle. Der Name des HERRN JESUS aber

kam hoch zu Ehren" (Apg 19,13 18). Der Exorzismus ist ein an Satan und seine Dämonen gerichteter Befehl, Menschen (Tiere oder Gegenstände) zu verlassen. Der Exorzist befiehlt in der Autorität JESU. Dabei genügt es, den Befehl mental, also nur in Gedanken, zu sprechen. Durch jeden Exorzismus wird der einwohnende Dämon geschwächt. Dagegen lehnt er sich eine Zeitlang heftig auf. Nur in den seltensten Fällen genügt ein einziger Exorzismus. Erfahrene Exorzisten machen die Beobachtung, daß die Befreiung eines von einem Dämon, oft auch von mehreren bösen Geistern besessenen Menschen heute mehr Zeit in Anspruch nimmt als früher, Satan und seinem Anhang also offenbar mehr Macht gegeben ist.

Heilungsbewegungen Die Neugeistbewegung Von dem amerikanischen Arzt Dr. Phineas Parkhurst Quimby 1843 gegründet, lehrt die "Neugeistbewegung", daß im Menschen durch geistige Schulung höhere Kräfte geweckt werden könnten. Ziel ist die Herrschaft des Geistes über die Materie. Jesus sei der erste neugeistliche Weltlehrer gewesen. Quimbys Jünger betrachten sich als "esoterische Christen", nehmen aber auch Nicht Christen in ihre Bewegung auf, die in Christus nur einen großen Weltenlehrer sehen. Die Neugeistbewegung erstrebt Harmonie und Einheit mit Gott, um Gesundheit, Frieden und Freude zu erlangen. Sie lehrt, durch Affirmation, Konzentration, Meditation und Kontemplation könne die Seele mit geistiger Energie geladen werden, die als "spirituelle Lichtkraft" die ganze Erde durchstrahlen soll. Der Mensch sei dann fähig zu Nah- und Fernheilung durch Gebet und Handauflegung. Er erhalte diese Kraft durch geistige Übungen und Einhalten bestimmter Ernährungs-, Kleidungs- und Wohnregeln. Die Christliche Wissenschaft Gegründet wurde die "Christian Science" (Christliche Wissenschaft) 1876 von Mary Baker Eddy (1821 1910). Ihre Anhänger sind auch als "Gesundbeter" bekannt. Wie Dr. P.P. Quimby, Gründer der Neugeistbewegung, glaubte Eddy, alle Krankheiten könnten allein geistig geheilt werden, weil sie nicht real existierten, sondern nur irriges Denken seien. Ihre Behauptung, beim Bibellesen plötzlich "durch den Geist, durch eine der Seele innewohnende Kraft" geheilt worden zu sein, wurde von ihrem Arzt, Dr. Cushing, als Lüge enttarnt. 1881 gründete Eddy zusammen mit ihrem 3. Mann, Asa Gilbert Eddy, in Massachusetts das "Metaphysical College", eine Lehranstalt für geistige Heilkunde. In Deutschland wurde die "Christian Science" bekanntgemacht von der Lehrerin Maria Schön. Die "Christliche Wissenschaft" ist weder wissenschaftlich noch christlich. Sie leugnet die Göttlichkeit JESU CHRISTI und die Dreieinigkeit GOTTES. Schulmedizinische Behandlung und die wissenschaftliche Medizin lehnt sie ab, da Gesundheit allein durch "geistige Einsicht" erreichbar sei und erhalten werden könne. Die Pfingstbewegung

Die Pfingstbewegung begann, als 1901 auf 12 Studenten der von C.F Parham gegründeten Bibelschule in Topeka “der Geist ausgegossen wurde", worauf alle "in Zungen redeten". Seitdem gilt das Zungenreden in der Pfingstbewegung als das biblische Zeichen der "Geisttaufe". Als weltweite Bewegung nahm die Pfingstbewegung ihren Anfang, nachdem W.J. Seymour, ein Schüler Parhams, um die "Geisttaufe" gebetet hatte und am Osterfest 1906 auf die "Kirche des Nazareners" in Los Angeles "Feuer vom Himmel fiel", worauf viele der Versammelten "in Zungen redeten", weissagten und auf den Rücken geworfen wurden: "Drei Tage und drei Nächte jauchzten sie. Es war Ostern. Von überall kamen die Leute. Am anderen Tag war es unmöglich, in die Nähe des Hauses zu kommen. Wer trotzdem ins Haus gelangen konnte, fiel unter die Kraft Gottes (zu Boden) .... aber es wurde keiner verletzt. Männer und Frauen wurden unter die Macht niedergeworfen rings in der Halle" (W.J. Hollenweger, Enthusiastisches Christentum, S. 207). "Es kam über mich ein Schüttelfrost. Auch füllte sich mein Hals, und es war, als ob ich mich verschluckt hätte; dann sank ich um und lag hilflos am Boden. Nun fing meine Zunge an zu arbeiten, und ich stammelte fremde Worte. So lag ich über zwei Stunden da und wußte alles, was vorging, konnte mich aber nicht bewegen. Endlich kam meine Kraft wieder, und ich ging nach Hause" (P. Fleisch, Geschichte der Pfingstbewegung in Deutschland von 1900-1950, S. 24). "Dieselbe Kraft, welche mir die Zungen gegeben hatte, bemächtigte sich meiner Hände und leitete mich ..., sie in einiger Entfernung auf dem Leib eines Kranken auf und nieder zu bewegen und in dem anderen Fall auf das Haupt zu legen. In jedem Fall strömte eine mächtige Kraft von Feuer und Leben in den Kranken ein und bewirkte dessen Heilung" (Hollenweger, a. a. O. S. 15). "Viele kamen nur aus Neugier ... Sogar Spiritisten und Hypnotiseure kamen, um uns auszukundschaften und suchten ihren Einfluß unter uns geltend zu machen ..." (F. Bartleman, Feuer fällt in Los Angeles, S. 8). "Viele Missionare, die in Afrika, Asien oder Europa gearbeitet hatten, und viele Prediger ... eilten nach Los Angeles, um .... das ’Feuer’ in ihre Heimatgemeinden weiterzutragen. Auf diese Weise verbreitete sich die ’Pfingsterweckung’ überall im Land und über die Grenzen hinaus" (W. Bühne, Spiel mit dem Feuer, S.25). Nach drei Jahren war in Los Angeles das "Feuer" erloschen. Über die "Geistestaufe" empfing Schwester Rubly folgende Vision: "Die Teufel berieten, was zu tun sei. Endlich fand ein sehr verkrüppelter Dämon die Lösung: Gebt ihnen eine Geistertaufe in ein ungeheiligtes Leben!' Alle Dämonen klatschten in die Hände und schrien vor Vergnügen" (Hollenweger, a.a.O. S. 27). Von Los Angeles trug der Methodist Th. B. Barret "das Feuer" nach Norwegen, nachdem ihm die Hände aufgelegt worden waren. In Barrets Versammlungen erlebte Emil Meyer, Leiter der Strandmission in Hamburg, daß ein 18-jähriges Mädchen anfing, "mit Kopf, Gesicht und Schultern zu zucken. Beim Gebet wurden Beben und Zucken heftiger, sie klapperte mit den Zähnen" (Fleisch, a.a.O. S.33). In der Wohnung Barrets erlebte Meyer eine Pfingstlerin, die zu Boden geworfen wurde: „Ihr Innerstes fing an zu schreien. Es war ihr, als ob sie nicht selbst geschrieen hätte, als ob es eine andere Macht gewesen wäre (ebda S.35). Meyer bat diese Pfingstlerin, zusammen mit ihrer Schwester nach Hamburg zu kommen, um "das Feuer" in seine Gemeinde zu tragen. Von Hamburg aus wurden die Schwestern im Juli 1907 nach Kassel gerufen. Während der einwöchigen Bibelwoche im Blaukreuzheim stürzten Teilnehmer zu Boden "unter

stets zunehmenden krampfhaften Bewegungen". Der Prediger Dallmeyer wurde "emporgehoben und mußte Halleluja rufen". Seine Frau "sah eine Wolke, die sich auf sie legte ... und hörte Stimmen" (Fleisch, a.a.O. S. 40). Während der Bibelwoche wurden die Vorfälle immer dramatischer. Augenzeugen berichteten: Es gab auch peinliche Situationen, wenn z.B. eine Frau im Fallen ihre Bluse dermaßen zerriß, daß man mehr vom Hemd als von der Bluse sah, oder eine andere so unanständig fiel, daß man, um ihre Kleider in Ordnung zu bringen, eine Frau herzurufen mußte. Ein junges Mädchen, das unter dem Geist der Bewegung stand, wurde getrieben, sich in Gegenwart anderer in ihrer Wohnung zu entkleiden. Ein anderes umschlang einen fremden Mann ... Ein Hauptzungenredner fing in der Ekstase an, mit der Bibel, die er gerade in der Hand hielt, auf eine vor ihm sitzende Frau loszuschlagen, so daß sie erschreckt weglief... Ein Pastor zischte wie eine Schlange und wandte sich einer Schlange gleich auf dem Boden zwischen den Stühlen der Zuhörer durch" (ebda S. 43). Die Bibelwoche in Kassel mußte von der Polizei aufgelöst werden. Ihre "Geistestaufe" aber wurde von Teilnehmern in andere Gemeinden weitergetragen, begleitet von Phänomenen wie Levitation (Schweben), Weissagungen, Rückwärts-Fallen, Zungenreden u.a. Kritiker beurteilen die "Geistestaufe" als "dämonisch bewirkte Geistertaufe". "Der die Menschen fallenmachende Geist muß ein fremder Geist sein" (J. Rubanowitsch in seiner Warnschrift "Das heutige Zungenreden", S.13). Auf der ersten "Zungenredenkonferenz" in Deutschland (1908) wurde das Zungenreden folgendermaßen erklärt: "Zungenreden wird, wie Irrenärzte nachgewiesen haben, auch durch Geisteskrankheit hervorgebracht, wahrscheinlich auch durch Dämonen. Das beweist nur, daß eine Leitung im Gehirn vorhanden ist, durch die solches Werk getan wird. Warum sollte dies nicht erst recht die göttliche Kraft nutzen?" (Fleisch, a.a.O. S. 79). Eindeutige Stellung gegen die Geisttaufe bezog 1909 die sog. Berliner Erklärung der "Gemeinschafts- und Allianzbewegung". Sie verurteilte die Irrlehren und Praktiken der Pfingstbewegung als nicht von GOTT gewirkt. Wörtlich heißt es u.a. in der Berliner Erklärung: "Die sog. Pfingstbewegung ist nicht von oben, sondern von unten. Sie hat viele Erscheinungen mit dem Spiritismus gemein. Es wirken in ihr Dämonen, welche, vom Satan mit List geleitet, Lüge und Wahrheit vermengen, um die Kinder GOTTES zu verführen. In vielen Fällen haben sich sog. Geistbegabte nachträglich als besessen erwiesen. An der Überzeugung, daß diese Bewegung von unten her ist, kann die persönliche Treue und Hingebung einzelner führender Geschwister nicht irremachen, auch nicht die Heilungen, Zungen, Weissagungen usw., von denen die Bewegung begleitet ist. Schon oft sind solche Zeichen mit ähnlichen Bewegungen verbunden gewesen, z.B. mit dem Irvingianismus, ja selbst mit der christlichen Wissenschaft (Christian Science) und dem Spiritismus. Der Geist in dieser Bewegung bringt geistige und körperliche Machtwirkung hervor; dennoch ist es ein falscher Geist. Er hat sich als solcher entlarvt. Die häßlichen bekannten Erscheinungen wie Hinstürzen, Gesichtszuckungen, Zittern, Schreien, widerliches, lautes Lachen usw. treten auch diesmal in Versammlungen auf. Wir lassen dahingestellt, wieviel davon dämonisch, wieviel hysterisch oder seelisch ist. Von GOTT gewirkt sind solche Erscheinungen nicht ... Überhaupt liegt in diesen Weissagungen eine große Gefahr; nicht nur haben sich in ihnen handgreifliche Widersprüche herausgestellt, sondern sie bringen da und dort Brüder und ihre ganze Arbeit in sklavische Abhängigkeit von diesen Botschaften. In der Art ihrer Übermittlung gleichen die letzteren den Botschaften spiritistischer Medien.

Der Mangel an biblischer Erkenntnis und Gründung, an heiligem Ernst und Wachsamkeit, eine oberflächliche Auffassung von Sünde und Gnade, von Bekehrung und Wiedergeburt, eine willkürliche Auslegung der Bibel, die Lust an neuen, aufregenden Erscheinungen, die Neugier, die Neigung zu Übertreibungen, vor allem aber auch Selbstüberhebung - das alles hat dieser Bewegung die Wege geebnet ..." Etliche Pfingstler folgten dem Aufruf, sich von der Pfingstbewegung fernzuhalten. Heute ist die Pfingstbewegung in viele einzelne Pfingstgemeinden zersplittert, ohne einheitliche Leitung und Lehre. Der “Pfingst-Geist“ aber lebt fort in der neopentecostischen und charismatischen Bewegung.

Die Charismatische Bewegung Im Jahre 1936 wurde der südafrikanische Pfingstprediger David du Plessis (1905-1986), bekannt als "Mister Pentecost", von dem Heilungsprediger Smith Wigglesworth in Johannesburg unter Handauflegung berufen, die charismatische Bewegung zu begründen: "Der Herr hat mich zu dir gesandt, um dir zu sagen, was er mir heute Morgen gezeigt hat: Die traditionellen Kirchen werden von einer Erweckung heimgesucht werden, die alles Dagewesene weit übertrifft. Nie zuvor sind solche Dinge geschehen wie das, was kommen wird... Auch die großen Kirchen werden sich für den gleichen Segen (wie die Pfingstbewegung) öffnen und dieselbe Botschaft und Erfahrung bezeugen und weitertragen, und zwar über das hinaus, was die Pfingstbewegung zu tun vermochte. Du wirst es erleben und sehen, wie dieses Werk Dimensionen annimmt, daß die Pfingstbewegung nur eine kleine Sache im Vergleich dazu ist, was Gott durch die alten Kirchen tun wird. Große Scharen von Menschen werden zusammenkommen, wie man es nie gesehen hat. Einflußreiche Führer der christlichen Welt werden ihre Einstellungen ändern und nicht nur die Botschaft, sondern auch den Segen annehmen. Dann sagte mir der Herr: Du wirst dabei eine große Rolle spielen!" (Bob Slosser, Man nennt ihn Mr. Pentecost, S. 8f). 1949 wurde du Plessis beauftragt, den "Weltkongreß der Pfingstgemeinden" zu organisieren, der 1952 in London stattfand und ihm Gelegenheit gab, Kontakte mit dem Weltkirchenrat aufzunehmen. Dieser lud du Plessis zur "Weltkonferenz des Internationalen Missionsrates" 1952 in Villingen ein. Hier berief ihn Dr. Vissert Hooft, Sekretär des Weltkirchenrates, in den Konferenzstab der 2. Vollversammlung des Weltkirchenrates, die 1954 in Evanston, USA, stattfand. In den folgenden Jahren nutzte du Plessis jede Gelegenheit, um auf internationalen ökumenischen Versammlungen zu sprechen und führende Kirchenvertreter mit seiner "PfingstBotschaft" bekanntzumachen. 1964 nimmt du Plessis auf Einladung des Vatikans am II.Vatikanischen Konzil teil, nachdem er in großem Sendungsbewußtsein gegenüber Kardinal Bea "die Erneuerung der katholischen Kirche durch verwandelte Katholiken" gefordert hatte und seine Eindrücke vom Konzil gegenüber einem Bischof zusammenfaßte: "Ich komme mir vor wie Hesekiel im Tal der Totengebeine.... Die Totengebeine regen sich - man hört sie klappern" (B. Slosser, a.a.O. S. 207). Von ihren Anfängen an war die Charismatische Bewegung ökumenisch. Und wegen seiner ökumenischen Offenheit wurde du Plessis 1963 aus den Pfingstgemeinden ausgeschlossen. Den Kontakt zur katholischen Kirche bekam du Plessis über den Priester Bernhard Leeming, Prof. der Oxford Universität und persönlicher Vertreter des Papstes Johannes XXIII. Auf der Vorbereitungstagung für die 3. Vollversammlung des Weltkirchenrates (1961 in Neu Delhi) sprach Leeming du Plessis an:

"Lassen Sie sich von einem katholischen Priester aus tiefstem Herzen danken, daß Sie unsere Aufmerksamkeit auf diese Taufe im Heiligen Geist gelenkt haben. Ich glaubte immer, den Heiligen Geist zu haben. Aber Sie haben mich heute Abend davon überzeugt, daß mir diese Taufe fehlt... Können Sie mir diese Taufe geben ? Sie haben sie bekommen." - Ausdrücklich bat der kath. Priester B. Leeming den Pfingstler du Plessis, ihm die Hände aufzulegen (B. Slosser, a.a.O. S. 194f). Seine Eindrücke vom "Kongreß '75 der Charismatischen Erneuerung in der kath. Kirche" (Rom) faßt du Plessis zusammen: "Es war so pfingstlich, wie ich es während vieler Jahre des Dienstes in vielen Pfingstgemeinden gesehen hatte. Weissagungen erfolgten klar und deutlich über Lautsprecher direkt vom päpstlichen Altar her.... Die Gegenwart des Herrn war so real in dieser Versammlung, daß an diesem Tag ohne Zweifel viele Heilungen geschahen', sagte Pater Bertolucci später... Ich lächelte bei dem Gedanken, daß wir nicht nur ein ökumenisches Pfingsten hatten, sondern auch ein ökonomisches: Die Kirchengebäude standen schon und waren bereits bezahlt, es gab ausgebildete Geistliche, und dieser Rahmen verhalf der Bewegung zu ihrem schnellen Wachstum. Innerhalb nur weniger Jahre haben die Katholiken die Pfingstbotschaft in 91 Länder getragen... Ich schloß die Augen... und sah in großer Wirklichkeitsnähe hoch aufgerichtet und ernst einen mächtigen Gottesmann vor mir stehen Smith Wigglesworth. Allmählich wich der ernste Ausdruck auf seinem Gesicht einem zufriedenen Lächeln" (B. Slosser, a.a.O. S. 224f). Am 23. Mai 1976 wurde du Plessis der Pax Christi Orden verliehen wegen seiner "Rolle als treuer Zeuge des klassischen Pfingstlertums". 1977 prophezeit du Plessis vor 45 000 Teilnehmern der Konferenz für Charismatische Erneuerung in Kansas City, USA: “Nur wenn die Charismatische Erneuerung ökumenisch ist, wird sie charismatisch bleiben. Sobald sie ihren ökumenischen Charakter verliert, wird sie auch ihre Kraft verlieren" (Charisma Geistliche Erneuerung, 1985, S. 50). Nachdem seit 1950 Menschen in großer Zahl die "Geisttaufe" empfangen und in ihre Gemeinschaften und Kirchen getragen hatten, begründeten die evangelischen Landeskirchen die Geistliche Gemeinde-Erneuerung mit Gebetskreisen, Hauskreisarbeit, charismatischen Gottesdiensten und Tagungshäusern (Schloß Craheim, Haus Obernkirchen). Evangelische Gemeinschaften nahmen den charismatischen Geist auf: Ev. Marienschwestern (Darmstadt), Christusbruderschaft (Selbitz), Jesusbruderschaft (Gnadenthal), Schwesterngemeinschaft im Schniewindhaus (Schönebeck). Auch verschiedene "Werke" ließen sich charismatisch ausrichten: CVJM (München), JMS (Jugend , Missions und Sozialwerk Altensteig) und die FCJG (Freie Christliche Jugendgemeinschaft Lüdenscheid). Die "Geisttaufe" wurde auch zu den Baptisten, Methodisten und anderen Freikirchen getragen und von den überkonfessionellen Initiativen aufgenommen: Christen im Beruf, Aglow und Christen im Gesundheitswesen. Charismatische Neugründungen sind: Gemeinde auf dem Weg, Ansgarkirche (Hamburg), Christliches Zentrum Berlin (CZB, Kirche am Südstern), Biblische Glaubensgemeinde Stuttgart, Vineyard Gemeinde, Basileia (Bern) u.a. Charismatisch evangelistisch sind folgende Großveranstaltungen ausgerichtet: Pro Christ, Christus für alle Nationen, Christival, Fürbitter für Deutschland, Promise Keepers, Jesusfreaks, Willow Creek, Marsch für Jesus u.a. Die Charismatische Erneuerung in der katholischen Kirche (CE) entwickelte sich nach 1967 und umfaßt u.a. folgende Gemeinschaften:

Bereitet den Weg des Herrn (Rheinbreitbach), Brot des Lebens (Kloster Vinnenberg und Olching), Chemin Neuf, Emmanuel (Altötting u.a.), Eine Bewegung für Menschen am Rande, Familien mit Christus (Heiligenbrunn), Chara (Gerbach, Pfalz), Neuer Weg (Olching), Jakobsbrunnen (Hildesheim), ICPE Allerheiligen (Institut für Weltevangelisierung), Immanuel (Ravensburg), Jedidja (Würzburg), Koinonia (Augsburg), Lumen Christi/ KEM (Maihingen), Markus Gemeinschaft (Köln), Monte Crucis (Berlin), Gemeinschaft der Seligpreisungen, Heilende Gemeinschaft e.V. u.a. Beim 1. Weltkongreß der Kath. Charismatischen Erneuerung in Rom bezeichnete Papst Paul Vl. diese Bewegung als "eine Chance für die Kirche und die Welt". Anläßlich des Treffens verschiedener kirchlicher Bewegungen 1998 auf dem Petersplatz in Rom lobte Papst Johannes Paul II. die CE als "eines der Geschenke des Heiligen Geistes an unsere Zeit."... Weltweit umfaßt die Charismatische Bewegung etwa 340 Millionen Christen aller Denominationen. Charismatiker und Pfingstler sind davon überzeugt, daß durch Handauflegung die "Geisttaufe", "Geistesgaben" und die Gabe der Krankenheilung übertragen werden können. Skeptiker allerdings sind überzeugt, daß es sich bei der "Geisttaufe" um eine "Geistertaufe" handelt. Der kanadische Journalist und Buchautor John Vennari berichtet als Teilnehmer über die charismatische Großveranstaltung in St. Louis (Missouri, USA) vom 22. bis 25. Juni 2000, organisiert von der Franziskaner Universität von Steubenville (USA) und besucht von rund 15.000 Personen, zu 90 % Katholiken: Ziel der Veranstaltung war "die interkonfessionelle oder ökumenische Einigung", besiegelt von der sog. Geisttaufe: "In den Abendsitzungen dominierten protestantische Prediger, die wahre Spezialisten in der Manipulierung eines hysterischen, aufgeputschten Publikums waren. Hier fand auch die kollektive Geistestaufe statt. ... Bei allen Veranstaltungen erklang Musik, die immer zum Tanz und zum rhythmischen Händeklatschen mit hocherhobenen Armen verleitete ... Die begleitenden Gesänge zielten auf eine fortschreitende Betäubung ab und gerieten im passen Moment zu einem rhythmischen Höllenspektakel ..." (S. 18f in Die charismatische Bewegung unter der Lupe betrachtet, Los Angeles, California). Bei der Massenveranstaltung in St. Louis trat auch John Arnott auf, Mitglied der Gemeinschaft Toronto-Segen: "Als er seine Theologie darlegte, leugnete er an erster Stelle die Gottheit CHRISTI, indem er behauptete, unser Herr hätte sein göttliches Wesen ’im Himmel gelassen’ ... Die anwesenden Katholiken hörten still und ohne Widerrede zu. Nun könne jeder, so fuhr er fort, ähnlich wie Jesus eine ’Weihe des Geistes’ empfangen. Auf diese Art würden wir dann alle kleine Christusgestalten. Die hörbaren animalischen Begleiterscheinungen seien ein Teil der ’Weihen’ und dienten dazu, unseren Stolz zu dämpfen ... Während Arnott noch redete, trat bereits der Lügengeist in Aktion, denn die Menge begann, unbeherrschte Laute auszustoßen: Zunächst ertönten hier und da Halleluja und Amenrufe, dann folgten Lachen, Glucksen, laute Schreie, langanhaltende Seufzer und nervös hysterisches Lachen. Der Lärm nahm so zu, daß die Stimme des Redners, trotz der Mikrophone, zuweilen nicht mehr zu hören war ... Inzwischen rief Arnott den ’Geist’ an, damit er auf die Anwesenden herabsteige ... erneut kamen aus der Menge unkontrollierte, wilde Laute, Heulen, Sprachengestottere und lang hingezogenes Geschrei. Heiliger Geist, suche sie jetzt heim!' begann Arnott laut zu rufen und befahl, jedermann

solle vor dem Nachbarn rufen: ’Komm, o Heiliger Geist! Bring uns deine Gewalt, deine Macht und dein Feuer!’ Alle gehorchten, auch die kath. Ordensfrauen machten mit. Nach diesen Anrufungen verfiel die erregte Menschenmenge in ein so schlimmes und wüstes Geschrei, das jeder Beschreibung spottet. Ich erinnere mich, wie ein Mann immer wieder dieselben Silben ausstieß: ga ga ga daif gu ga ga daif... Die Leute zitterten, verloren die Besinnung und fielen zu Boden. Das Heulen und Schreien nahm an Lautstärke ständig zu. Eine Frau war auf den Rücken gefallen und rollte mit erhobenen Beinen von einer Seite auf die andere; ein unkontrolliertes, ununterdrückbares Lachen hatte sie vollständig erfaßt (ebd. S. 29f). Protestantische Prediger legten den Katholiken, die sich vor der Tribüne drängten die Hände auf. Einer unter ihnen, Stephen Hill, ergriff anwesende Personen beim Kopf und rief mit lauter Stimme: Die neue Konsekration! Die neue Konsekration! Feuer! Feuer!' Danach fielen die vom Geist Geweihten auf den Boden und blieben dort einige Zeit liegen. Am Ende war der Platz rund um die Tribüne herum von Leuten, die zu Boden gefallen waren, nur so übersät" (ebd. S. 52). Die Eröffnungs und Abschlußmesse der charismatischen Veranstaltung zelebrierte der Erzbischof von St. Louis, Justin F. Rigali. Msgr. Sam Jacobs, Bischof von Alexandria (im amerikanischen Staat Lousiana) "führte in die Liturgie charismatische Elemente ein. Das zu diesen Elementen gehörende Zungenreden übte der Würdenträger auf folgende Weise aus: „Während der Wandlung nahm der Bischof bei der Erhebung der Hostie und des Kelches eine feierliche Stellung ein, wandte sich den Gläubigen zu und begann folgendermaßen das Zungengebet: Ham di iah hei dah sham a lam iada...' Darauf antworteten die Gläubigen ihrerseits mit einem Gebrumm von sinnlosen Worten... Die meisten Gläubigen empfingen darauf die Handkommunion" (ebd. S. 117). Der "Rom Kurier" (Ausgabe März 2004, Sion, Schweiz), in dem Vennari zitiert und übersetzt ist, urteilt über die charismatische Bewegung: "Diese religiöse Geistesströmung bewirkte, daß der abscheuliche Kult einer am Anfang stehenden Erleuchtung, dessen Ziel eine Art Vereinigung mit Satan anstrebt, in die katholische Welt eingedrungen ist" (S. 1).

Esoterische Diagnose und Heilverfahren Akupunktur, Moxibustion und Shiatsu Der Begriff Akupunktur setzt sich zusammen aus den lateinischen Wörtern acus = Nadel und punctum = Stich und bedeutet "Behandlung mit Nadelstichen". Die chinesiche Heilmethode der Akupunktur geht auf Kaiser Huang Ti zurück, der vor 5000 Jahren residierte. Er lehrte, die Menschheit müsse in Harmonie mit dem Kosmos sein, nur dann habe sie ihre volle Lebenskraft "Ch'i", die den Körper als Yang (männliches Prinzip) und Yin (weibliches Prinzip) in einem Kanalsystem (Meridiane) durchfließe. Die 12 Haupt Meridiane (nicht zu verwechseln mit Nerven- oder Blutbahnen) seien durch 15 Kanäle miteinander verbunden, von denen 47 NebenKanäle abzweigten. An 365 Stellen (Punkten) näherten sie sich der Haut. Diese Punkte der "Energiebahnen" müßten mit Nadeln angestochen werden, um das Gleichgewicht zwischen Yang und Yin durch Bremsen oder Beschleunigen des Ch'i wiederherzustellen. Heute setzen Akupunktur "Heiler" bis zu 1000 Punkte fest. 100 Punkte sollen sich allein im Ohr befinden, die bei der "Auricula Akupunktur", der Ohr Akupunktur, angestochen werden vor allem zur Behandlung von Rauchern, die von ihrer Sucht befreit werden möchten.

Die Existenz von Yang und Yin kann mit modernen Meßmethoden ebensowenig nachgewiesen werden wie die Meridiane oder Ch'i. Sie sind reine Erfindungen. Trotzdem haben Akupunktur-Therapeuten verblüffende Erfolge aufzuweisen; selbst Operationen gelingen mit Hilfe der Nadelung ohne Narkose. Wie erklären sich Linderung von Leiden und Heilung durch Akupunktur? Schon 1989 konnten Doppelblind-Studien nachweisen, daß sich positive Akupunktur Ergebnisse als Placebo-Effekt erklären lassen: Gezieltes Setzen der Nadeln auf die klassischen Akupunktur-Punkte und willkürliches Setzen auf irgendwelche Körperstellen hatten denselben Erfolg (A. Gentler und F. Spitzschuh, Akupunktur: Neue Fakten contra alte Thesen 1989, S. 46f). Im Jahr 2000 beschlossen die gesetzlichen Krankenkassen, Akupunktur nicht mehr zu finanzieren. In den Jahren 2003 - 2004 initiierten zehn Ersatzkrankenkassen "das größte naturheilkundliche Forschungsprojekt der Welt" mit 500 000 Teilnehmern, wissenschaftlich begleitet vom "Zentrum für naturheilkundliche Forschung" der TU München und vom "Institut für Sozialmedizin" der "Charité", Berlin, mit dem Ergebnis, daß 87 % der Patienten die Akupunktur als erfolgreich beurteilten. Eine Studie aus dem Jahr 2004 bestätigt ebenfalls, daß Akupunktur Erfolge zeigt, unabhängig davon, ob die Nadeln auf die sog. klassischen Punkte der Meridiane oder willkürlich gesetzt werden. Ein Forschungsteam der Orthopädischen Klinik an der Uni Regensburg unter der Leitung von Michael Haake untersuchte die Wirkung der Akupunktur auf chronische Rückenschmerzen nach den Regeln der "Traditionellen Chinesischen Medizin" (TCM) im Vergleich mit willkürlicher Nadelung und schulmedizinischer Schmerztherapie. Ergebnis: Die Akupunktur ist schulmedizinischer Therapie überlegen, aber die Akupunktur der TCM zeigt keine bessere Wirkung als willkürliche Akupunktur. An dieser Studie hatten sich 400 Arztpraxen und 1162 Patienten mit chronischen Rückenschmerzen beteiligt. Schmerztherapeuten vermuten, daß die Erfolge der Akupunktur speziell in der Schmerzbehandlung mit einem "Super Placebo Effekt" erklärt werden können; d.h. Patienten zeigen bei Injektionen und chirurgischen Eingriffen eine stärkere Placebowirkung als bei weniger beeindruckenden Therapien, wie z,B. medikamentöser Behandlung. Allgemein spielt beim Placebo Effekt die Ausschüttung von Endorphinen, den körpereigenen Schmerzstillern, eine besondere Rolle. Bei starken Schmerzen schwerer Krankheiten wie z.B. Krebs versagt die Akupunktur. Vermarktet wird Akupunktur auch als "Elektro Akupunktur" und "Dermapunktur" zur Selbstbehandlung. Bei der Elektro Akupunktur werden Nadeln mit einer Schwachstrom Quelle hoher Frequenz verbunden, die angeblich "den richtigen Akupunktur Punkt findet und in Vibration versetzt". Dermapunktur für die "erfolgreiche Schmerzbehandlung" ist eine Hautreizung durch Nadeln, die mit einem "Roller" über die Haut geführt werden. Eine Variante der Akupunktur ist die Moxibustion, bei der aus getrockneten Kräutern kleine Kegel geformt, angezündet und auf den sog. Akupunkturpunkten abgebrannt werden. Das verbrannte Hautgewebe wird abgeschabt.

Eine andere Art der Moxibustion ist, das Kraut um die Akupunktur Nadel zu wickeln und zu entzünden. Erfahrene Seelsorger wie Pfr. Dr. Kurt Koch weisen darauf hin, daß die Schmerzbetäubung durch Akupunktur-Nadeln auch als "mediale Anästhesie" erklärt werden kann und zwar dann, wenn die Behandlung eingebunden ist in okkult magische Praktiken. Shiatsu Shiatsu (jap. "Fingerdruck") ist eine japanische Methode der Akupressur, die mit Druck auf die Akupunktur-Punkte arbeitet, ein Jahrtausende altes taoistisches Therapie Verfahren, das angeblich "völlig risikofrei" ist. Shiatsu verspricht Heilung bei zahlreichen Erkrankungen, vor allem bei Impotenz. Für den Japaner Tokujiro Namikoskis, der 1925 das erste Shiatsu Institut in Tokio gründete, war "die Hebung der Potenz" zentrales Anliegen. Bei Shiatsu wird Druck auf die Akupunktur Punkte mit Fingern, Ellbogen, Knieen und Füßen ausgeübt, um "Blockaden der in den Meridianen fließenden Lebensenergie (jap. Ki) aufzulösen". Je nach "Heiler" werden 300 bis 1000 Punkte behandelt. Shiatsu ist keineswegs "völlig risikofrei". Die Gesundheit kann großen Schaden erleiden z.B. durch Druck auf die Schilddrüse. In Kampfsportkreisen wird Shiatsu als Kuatsu angewandt. Bei Bewußtlosigkeit z.B., so ein Lehrbuch, müsse lange und kräftig der Punkt "Gokoku" (zwischen Daumen und Zeigefinger) gedrückt werden. Sollte der Bewußtlose trotzdem nicht aufwachen, nehme man den Punkt "Kikai Tanden", das wirke mit hundertprozentiger Sicherheit. Meister des Kuatsu können angeblich sogar "jemanden wieder aufwecken, der gerade eben gestorben ist" (T. Deshimaru, Zen in den Kampfkünsten Japans, S. 119 f). Der Karate Meister Horst Weiland empfiehlt: "Durch Würgen oder Schlag auf den Kehlkopf wird der Kehlkopf eingedrückt. Verletzten aufrecht stehen lassen, eine Hand im Nacken und von vorne mit der anderen Hand kräftig und kurz auf die Schädeldecke schlagen... Durch Stauchung der Wirbelsäule springt der Kehlkopf wieder in seine Normallage" (H. Weiland, Vom Schüler zum Meister, S. 163). Bei der tibetischen Akupunktur wird nur eine einzige Nadel gesetzt, die dem Patienten einige Zentimeter tief eingestochen wird - meist im Nacken. "Eine bevorzugte Stelle ist die kleine Fontanelle am Hinterkopf, in welche die Nadel (die so stark ist wie eine Stricknadel) regelrecht eingerammt wird. Dort wird sie dann einige Minuten belassen" (E. Asshauer, Heilkunst vom Dach der Welt, Tibets sanfte Medizin, S. 174).

Anthroposophische Heilkunde Die Anthroposophische Gesellschaft (mit Sitz in Dornach bei Basel, Schweiz) ist mit über einer Million Anhängern die bedeutendste Esoterik-Gruppe in Deutschland. Begründet wurde sie 1913 von Rudolf Steiner (1861-1925). In seiner Autobiographie "Mein Lebensgang" berichtet Steiner von okkulten Erlebnissen bereits in seiner Kindheit. Als Achtjähriger z.B. begegnete er einem "Geistwesen", das ihm Anweisungen gab, die er ausführte (Steiner TA 38, Dornach, S. 10). Später ließ sich Steiner von dem Wiener Kräutersammler Felix Koguzki und dessen "übersinnlichem Meister" in die okkulten Mysterien einweihen. Im Jahr 1884 begegnete Steiner dem spiritistischen Medium Helena Petrovna Blavatsky. Begeistert von ihren "übersinnlichen Eingebungen" und ihrer Geheimlehre, der "Theosophie",

einer Mischung aus Buddhismus, Gnosis und jüdischer Kabbala, schloß Steiner sich ihrer Bewegung zunächst an, gründete dann aber seine eigene "anthroposophische Geheimwissenschaft". Der Begriff "Anthroposophie" setzt sich zusammen aus dem griechischen "anthropos" = der Mensch und "sophia" = die Weisheit. "Anthroposophie" ist nach Steiner "ein Erkenntnisweg, der das Geistige im Menschenwesen zum Geistigen im Weltall führen möchte" (Steiner, GA 26, Dornach, S. 14). Mit anderen Worten: Die Anthroposophie ist ein Weg, der den Zugang zu okkult esoterischem Geheimwissen und magischen Praktiken öffnet. Grundlegend für die anthroposophische Heilkunde ist die Vier-Leiber Lehre: Nach Steiner besitzt der Mensch nicht nur seinen physischen (stofflichen, materiellen) Leib, sondern noch drei weitere Leiber, den Ätherleib (übersinnlicher Lebensleib), der mit 7 Jahren geboren würde, den Astralleib (übersinnlicher Bewußtseinsleib, der beim Schlaf und zwischen Tod und Wiedergeburt im Weltall weilt), der mit 14 Jahren geboren würde und den Ich-Leib (Erinnerungsleib), den der Mensch mit 21 Jahren erhält. Ziel des Menschen sei, sich über Wiedergeburten und Karma (selbstgeschaffenes Schicksal) zum "Geistesmenschen" zu entwickeln. In der Menschheitsgeschichte sei diese Entwicklung durch das sog. "Luzifer Ereignis" gestört worden, als böse "Mondenwesen" dem Menschen Leidenschaften, Triebe und Begierden in seinen Astralleib eingossen und den bisher nur drei Leibern den vierten, den physischen Leib, hinzufügten. Mit diesem Leib seien die Krankheiten in die Welt gekommen. Von dieser materiellen Verstrickung mußte der Mensch durch das Sonnenwesen "der Christus" erlöst werden, damit Mensch und Kosmos wieder vergeistigt würden. Nach zahlreichen Verkörperungen hätte sich das "Sonnenwesen" zuletzt in "Jesus" verkörpert, und zwar zunächst in zwei Jesusknaben, von denen der eine eine Re-Inkarnation Buddhas und der andere eine Wiedergeburt Zarathustras gewesen sei. Mit 12 Jahren sei der physische Leib Buddhas gestorben, und die beiden Jesusknaben hätten sich zu einem einzigen Individuum vereinigt. Bei der Taufe des Jesus habe das Zarathustra Ich den Jesusleib verlassen, um Platz zu machen für den einziehenden "Christus Sonnengeist". Im "Mysterium von Golgotha" habe das auf die Erde tropfende Blut des Gekreuzigten der Erde "Sonnenkraft" gegeben und den "Sonnengeist" Christus zum "Erdgeist" umgewandelt. Bei der Auferstehung des "Jesus" sei der "Christusgeist" in den Ätherleib des "Jesus" zurückgekehrt. Nur wer - durch die Anthroposophie geschult - zum "Äthersehen", einer Art Hellsehen, befähigt sei, könne den "Erdgeist Christus" erkennen. Dieser Jesus Christus Steiners hat mit dem wahren JESUS CHRISTUS, dem menschgewordenen GOTTES Sohn, nichts gemein. Er ist ein Anti-Christ und will es ausdrücklich sein. In seinem Mysterienspiel "Die Prüfung der Seele" läßt R. Steiner Luzifer sagen: „Man kann für Christi Gegenbild am besten Menschenherzen fangen, wenn Christi Namen man dem Bilde gibt" (Steiners Mysteriendramen I, Dornach, S. 229). Die anti christliche Irrlehre und die magischen Praktiken Steiners sind auch für die anthroposophische Heilkunde bestimmend:

„Die Weltschau der Anthroposophie Rudolf Steiners kann als eine esoterisch okkultistische Geheimwissenschaft mit Elementen aus der Kosmologie, der Astrologie, der Alchemie, der Homöopathie, fernöstlichen Lehren u.a. zusammengefaßt werden. Das Karma, die vier Wesensglieder ("Leiber") des Menschen, eine vermeintliche Dreigliederung des Menschen und der Gestalt der Pflanzen, daraus konstruierte physiologische, pathologische und therapeutische Zusammenhänge, postulierte Beziehungen zwischen Gestirnen, irdischen Metallen und Körperorganen, aus denen absurde Therapieverfahren abgeleitet werden, und vieles andere wurde von Steiner ohne jegliche empirische Basis zu einer mystischen Gesamtschau der Weit und des Menschen vereinigt" (Klaus Dietrich Bock, Am Ende des Weges: Magie als Kassenleistung? unter: www.konsequente positivliste. de). Zu den diagnostischen Methoden der Anthroposophen gehört das "intuitive Erkennen", das Hellsehen: "Ihm (Steiner) war es möglich, mit exaktem Hellsehen die Ursache der Krankheit zu erforschen" (G. Wehr, Rudolf Steiner, S. 305). Krankheiten entstehen nach Steiner dann, wenn das Gleichgewicht zwischen den vier Leibern gestört ist. Ziel anthroposophischer Heilkunst ist die Wiederherstellung des Gleichgewichts. Das geschieht mit einer Vielzahl von Heilverfahren und Medikamenten: Massagen, Bädern, Gymnastik, Eurythmie, Gesprächs- und Maltherapie, vegetarischer Kost und der Kontaktaufnahme mit Geistwesen, die Schicksalsschläge, Krankheiten und Unfälle zu koordinieren haben. Krankheiten können nach anthroposophischer Irrlehre auch in früheren Erdenleben erworben worden sein. Diese sind als Karma dem Menschen bestimmt und deshalb unheilbar. Hergestellt werden die anthroposophischen Medikamente von der Weleda AG (Arlesheim und Schwäbisch Gmünd) und der Wala oHG (Bad Boll, Eckwädchen). Steiner selber wählte für seine Firma den Namen "Weleda", um damit die germanische Heilgöttin zu ehren. Die Weleda AG arbeitet u.a. mit Potenzierungen nach dem Vorbild der Homöopathie, wandelt diese aber ab durch Einmischen der anthroposophischen Irrlehren und eigenwillige Deutungen. Anthroposophische Heilmittel werden "rhythmisch geschüttelt und nach den Mondrhythmen geerntet". Zur künstlerischen Therapie gehört die Heil - Eurythmie: "Durch diese neuartige Tanzkunst sollen vor-christliche Mysterientänze aufgegriffen und weiterentwickelt werden, so daß der moderne Mensch, wie einst der antike Tänzer, Kontakt mit überirdischen Wirklichkeiten bekommt... Rudolf Steiner sprach selbst im Zusammenhang mit Eurythmie über eine ’Erneuerung der alten Tempel-Tanzkunst’. Eine Beziehung des Menschen zum Kosmos sollte hier wie es in alten Mysterien auch getan wurde hergestellt werden. So entstanden z.B. Kreistänze, die in ihren Bewegungen im Zusammenhang mit den Planetenbewegungen stehen, und Gebärden, die Wirkungen der Tierkreiszeichen darstellen... Wie der ernsthaft tanzende Mensch zu allen Zeiten mit seinem Tanz eine Beziehung zur übersinnlichen Welt herstellen wollte, so liegt auch der eurythmischen Betätigung ein solches Bestreben zugrunde" (Johannes Hemsleben, Rudolf Steiner, S. 114 f). In den Waldorfschulen lernen schon die Kinder das "kosmische ABC", die Zuordnung der Konsonanten zu Tierkreiszeichen und der Vokale zu den Planeten. Das L wird z.B. dem „Steinbock“, das N den „Fischen", das V dem „Krebs“ zugeordnet. Der Doppellaut "au" entspricht der Sonne, das A der Venus, das E dem Mars usw. Dieses kosmische ABC wird eurhythmisch eingeübt. In der Gesundheitslehre der Waldorfschulen lernen die Schüler: "Seit altersher wissen die Menschen, daß Leber, Niere und Milz mit bestimmten Planeten in Beziehung stehen. Die Leber wird seit ältesten Zeiten auf den Planeten Jupiter bezogen... Die Nieren sind der Venus

zugeordnet... In der Milzfunktion spiegeln sich die Saturnkräfte, die in Tod und Verjüngung wirksam sind" (S. Jacob/D. Drewes, Aus der Waldorfschule geplaudert, S. 196f).

Anthroposophische Mistel-Therapie Während bei konservativen Medikamenten Wirkung und Unbedenklichkeit klinisch und experimentell nachgewiesen werden müssen, fordert der Gesetzgeber (Arzneimittelgesetz und Sozialgesetzbuch) von den Arzneimitteln der Phytotherapie, Homöopathie und Anthroposophie keine Qualitätsprüfung, so auch nicht für die anthroposophische Misteltherapie. Für die Krebstherapie mit Mistelpräparaten sind Steiners Vorstellungen von den angeblich vier Leibern des Menschen grundlegend: Nur der physische Leib sei sichtbar; die drei höheren Leiber seien nur dem Geistesauge als farbige Lichtgestalt erkennbar: Der Ätherleib, der sich um den physischen Leib lagere, erscheine als rosafarbene, der Astralleib als rot violette und der Ich Leib als blaue Aura. Geschwulstartige Erkrankungen träten auf, wenn der Ätherleib den Zusammenhang mit dem Astral- und dem Ich Leib verliere. Die Ursache für Krebs könne aber auch in vergangenen Erdenleben liegen, in diesen Fällen sei Krebs unheilbar. Anthroposophische Vorstellungen von Entstehung und Verlauf von Krankheiten sind mit naturwissenschaftlichen Erkenntnissen nicht vereinbar. Trotzdem haben Mistelpräparate in der Krebsbehandlung größere Verbreitung gefunden. Nach R. Steiner bauen beim Krebs der Ich- und Astral-Leib den Äther- und physischen Leib nicht genügend ab. Ziel der Therapie müsse es also sein, das Gleichgewicht zwischen den Leibern wiederherzustellen. Nach Steiner "übernimmt die Mistel als äußere Substanz dasjenige, was wuchernde Äthersubstanz beim Karzinom ist, verstärkt dadurch, daß sie die physische Substanz zurückdrängt, die Wirkung des Astralleibes und bringt dadurch den Tumor des Karzinoms zum Aufbröckeln, zum In sich Zerfallen" (In: R. Leroi, Misteltherapie, S. 31). Wie die Mistel als "verunglückte" Samenpflanze, als "mißratener" Baum betrachtet werden könne, so die Krebskrankheit als mangelhaft ausgestattete Scheinorganbildung. Wie die Mistel Ätherkräfte ihres Wirtsbaumes in sich hineinziehe, so könne sie dem krebskranken Menschen helfen, dem Fremdgebilde hemmende Kräfte entgegenzuführen. Die Mistel entziehe dem Tumor den menschenfremden Wucheräther, die Lebenskraft, verstärke den Astralleib und aktiviere den Ich Leib. Dies könne "immer wieder beobachtet werden" (ebda S. 32). Großen Einfluß auf Ernte und Verarbeitung der Mistel habe der Planet Uranus, da er ein Außenseiter in der planetarischen Familie sei wie die Mistel in der Pflanzenwelt. Geerntet wird zweimal im Jahr, um Johanni und in der Weihnachtszeit. Die Sommer und Wintersäfte der Mistel werden in der Oster und Michaeliszeit verarbeitet. Je nach Konstitution des Kranken und der Geschwulst Art werden Misteln bestimmter Wirtsbäume (Laub- oder Nadelbäume) ausgesucht und zugeordnet. Die Indikationen der fünf Hersteller von Mistelpräparaten weichen allerdings voneinander ab, ohne Begründung. "Iscador" setzt Mistelpräparaten von Apfelbaum (für Frauen) und Eiche (für Männer) Silber hinzu und zwar bei Krebs im Urogenitalbereich, bei Darm- und Lymphdrüsenkrebs Quecksilber und Kupfer bei Leber-, Galle-, Magen- und Nierenkrebs. Steiner fordert, den Sommersaft der Mistel in den Wintersaft fließen zu lassen, während dieser in einer Zentrifuge bewegt wird. Bei hoher Rotationsgeschwindigkeit käme die Substanz in den Bereich der vom Kosmos einströmenden ätherischen Kräfte. Die Mischung solle anschließend in einer Tierblase aufbewahrt werden.

D i e Mistelpräparate gibt es nicht, da sie sich je nach Hersteller deutlich unterscheiden, und zwar hinsichtlich Extraktionsverfahren, Konservierung, Mischungsverhältnis und Mengenverhältnis der Inhaltsstoffe. Wissenschaftliche Forschungen haben die Mistel auf ihre Inhaltsstoffe untersucht und festgestellt, daß sie in ihrer Konzentration variieren - je nach Standort, Klima, Wirtsbaum und Erntezeit. Standardisierung und Normierung werden von den Anthroposophen vehement abgelehnt, weil die Misteltherapie dadurch ihre "an der Komplexität realen Lebens und Leides orientierte Wirksamkeit verliert und auf meßbare, quantifizierbare Wirkungen reduziert." Mistelpräparate werden in der anthroposophischen Therapie grundsätzlich nur in einem Gesamtkonzept mit Zusatztherapie eingesetzt. Weil klinische Untersuchungen fehlen, kann über die Wirkung von Mistelpräparaten keine zuverlässige Aussage gemacht werden. Anthroposophen selber gestehen ein, daß die Mistelforschung (nach mehr als 70-jähriger Anwendung) noch im "Anfangsstadium" sei. Da weder Patienten noch Heiler Einblick in das anthroposophische Gesamtkonzept haben, verlassen sie sich auf unbewiesene Behauptungen von Heilerfolgen.

Astro - Medizin Das Wort Astrologie ist vom griechischen Wort "astro-logia" abgeleitet und bedeutet Sterndeutung, Sternkunde (astron = Stern und logos = Kunde). Im Unterschied zur Astrologie beschäftigt sich die wissenschaftlich betriebene Astronomie mit der Gesetzmäßigkeit der Sterne, ihrer Bewegung, Entfernung und ihrem physikalischen Zustand. Zu den Grundbegriffen der Astrologie gehören: Der "Tierkreis", ein gedachtes Band um die Erde, das irrtümlich der Kreisumlaufbahn der Sonne um die Erde während eines Jahres entsprechen soll. Die 12 "Tierkreis oder Sternzeichen", die den Tierkreis in 12 Abschnitte unterteilen und nicht zu verwechseln sind mit den Sternbildern, die bereits von den Babyloniern festgelegt worden sind. Die 12 "Häuser", ein zweiter gedachter Kreis in 12 Abschnitten mit je 24 Stunden. Das "Horoskop", die Stundenschau (von "hora" = die Stunde und "skopeo" = schauen), eine graphische Abbildung des Sternenstandes zum Zeitpunkt der Geburt, des Ascendenten (Sternzeichen, das zum Zeitpunkt der Geburt am östlichen Horizont aufstieg) in Verbindung mit den Tierkreiszeichen, Häusern und Planeten. Kompliziert gestaltete Graphiken mit vielen geheimnisvollen Zeichen erwecken zwar Respekt, können aber inzwischen mit entsprechender Software in jedem Computer erstellt werden. Seriosität wird auch vorgetäuscht, wenn sich Esoteriker, die mit großem Aufwand die Astrologie betreiben, als "wissenschaftlich" von den sog. "Vulgär Astrologen" abgrenzen. Nach astrologischem Irrglauben soll die Konstellation der Sterne den Charakter, die Gesundheit und das Schicksal eines Menschen beeinflussen bzw. festlegen, und zwar durch Strahlung, kosmische Kräfte oder übersinnliche Beziehung. Zahlreiche Forschungsstudien beweisen, daß die Trefferquote astrologischer Vorhersagen dem der Glückspiele entspricht, d.h. bei 4 % liegt und damit als Zufallserfolg zu bewerten ist. Jeder Mensch, der sich nicht mit Astrologie beschäftigt hat, würde bei erfundenen Vorhersagen die gleichen Erfolge erzielen. Dr. Peter Niehenke, Vorsitzender des Deutschen Astrologenverbandes, wollte mit seiner Dissertation über Astrologie an der Universität Bielefeld die Richtigkeit astrologischer Aussagen

nachweisen. Seine wissenschaftliche Forschung wurde für ihn zum Desaster: Niehenke bewies mit seiner Dissertation das Gegenteil... Tatsache ist, daß die Astrologie unserer Zeit immer noch von dem Weltbild des Ptolemäus ausgeht, der 87-165 n. CHR. gelebt hat und seit Kopernikus (16. Jahrhundert) überholt ist: Nach der ptolemäischen Vorstellung ist die Erde das Zentrum des Universums, um das die Sterne, Sonne und der Mond kreisen. Es ist ein Irrglaube, anzunehmen, die Planeten (Wandelsterne) zögen in fester Bahn um die Erde, vorbei an bestimmten Sternbildern. Es handelt sich außerdem um eine optische Täuschung, wenn beobachtet wird, daß ein bestimmter Planet in ein bestimmtes Sternbild tritt. Zwischen den Sternen, die mit einer gedachten Linie zu einem Sternbild zusammengefaßt werden, sind riesige Entfernungen. Sterne im Sternbild der Jungfrau z.B. sind 220 Lichtjahre von der Erde entfernt. Ein einziges Lichtjahr aber entspricht einer Länge von 9,5 Billionen Kilometern. Wie könnte ihre Strahlung noch Einfluß auf den Menschen haben, vergleichbar z.B. mit der Gravitationskraft des Mondes? Außerdem geht die Astrologie unserer Zeit immer noch vom Stand der Sternbilder vor 2000 Jahren aus. Das Weltall aber ist in ständigem Wandel. Wer heute ein "Widder" zu sein glaubt, ist z.B. in Wirklichkeit ein "Fisch". Die Astrologie unserer Zeit vertritt immer noch das heidnisch-mythische Weltbild, wonach den Sternen menschliche Eigenschaften zugeschrieben und die Planeten wie antike Götter verehrt werden, deren Namen sie tragen: Die Venus z.B. soll Liebeskraft bewirken, Mars bedeute Krieg und Tod, Jupiter Macht usw. Die Astrologie spielt in Ausbildungslehrgängen für Heilpraktiker und "Naturärzte" eine wesentliche Rolle: Heilpraktikerschulen bieten "Astrologie als ganzheitliches Diagnosemittel" an oder "spirituelle Astrologie" als Lehrfach. In der "Astro Medizin" wird die Astrologie vor allem "zur Klärung seelischer Hintergründe von Erkrankungen und Krankheits-Dispositionen" eingesetzt oder zur Festlegung "passender Operationstermine". Zu den "allgemeinen Lehrinhalten" der "Astrotherapie" gehören in den "Paracelsus Heilpraktikerschulen" u.a. die "astrologische Analyse", d.h. "Aufbau einer Horoskop Analyse für jede Planetenkraft; Beziehungs und Familienanalyse, die Konstellationen bei Eltern, Partnern, Kindern und Freunden", weiter die "Astro-Medizin", gemeint sind "Naturheilweisen, auf die die Planetenkraft gut anspricht", weiter "Entsprechungen von Bach-Blüten, Edelsteinen, ätherischen Ölen" und "innere Reisen zu dem Organsystem" oder "in die untersten Gefilde und Katakomben, um den verdrängten Anteilen der Kraft zu begegnen und sie zu integrieren", dazu noch "passende Meditationen für die Planetenkraft", was immer dies auch sein mag. Versprochen wird, daß die "Ausbildung in Astropsychologie und Astrotherapie eine gelungene Verbindung zwischen fundiertem astrologischen Wissen und selbsterfahrener Tiefenpsychologie wie auch Astro-Medizin ein außergewöhnliches Angebot auf dem Markt der Astrologiestudien darstellt". Ziel der Ausbildung ist, daß die zukünftigen Heilpraktiker "einen intensiven inneren Erkenntnisund Wandlungsprozeß bei ihren Klienten anzuregen und professionell zu begleiten verstehen ... Teilnehmer ohne Heilerlaubnis können die astrologischen Kenntnisse zur Bewußtseinserweiterung und klärenden Lebensberatung beim gesunden Menschen anbieten und nennen sich Astropsychologische Berater." Tatsächlich sind diese wie viele andere fantastische Berufsbezeichnungen esoterischer Heiler rechtlich nicht geschützt. Astro- Diagnose und- Therapie spielen in zahlreichen esoterischen Heilverfahren eine nicht unwesentliche Rolle:

Die Klangschalen-Therapie ordnet die Frequenzen der einzelnen Klangschalen den 9 Planeten und 12 Tierkreiszeichen zu. Patienten werden angeleitet, Schalen auszusuchen, die ihrem persönlichen Tierkreiszeichen entsprechen. In der Reinkarnations-Therapie wird das Horoskop als Diagnosehilfe herangezogen. Wichtigstes Instrument der Feng Shui Diagnose ist der Lop'an, ein geomantischer Kompaß, der aus den astrologischen Daten der Hausbewohner in Verbindung mit Berechnungen der Himmelsrichtungen und der 5 Elemente angeblich geforderte Wohnungsumbauten und Umstellung der Möbel herleitet. Die beim Channeling beschworenen Geister empfehlen die Astrologie. Wunder- und Geistheiler lassen sich von astrologischen Berechnungen leiten. Die Bioresonanz- Therapie erklärt die Wirkweise ihrer Geräte mit astrologischen Vorstellungen. Die Bach-Blüten - Therapie sucht Entsprechungen zwischen Bach-Blüten und Horoskop des Patienten. Beim Ayurveda soll mit Hilfe des Patienten Horoskops die Balance zwischen den drei Doshas wiederhergestellt werden. In der Aroma - Therapie werden die Aroma Öle dem Klienten nach astrologischen Merkmalen zugeordnet usw. Immer mehr Gerichte werden mit dem Thema Astrologie beschäftigt. Gerichtsurteile bezeichnen astrologische Gutachten als Produkte von "Wahnideen und Irrglaube" und geben Klägern recht, die sich auf den Paragraphen 306 BGB beziehen, demzufolge ein "auf unmögliche Leistung gerichteter Vertrag ungültig" ist (OLG Düsseldorf Az: 5 U 319/52 u.a.). Da die Astrologie ein Aberglaube ist, lassen sich Astrologie-Gläubige nicht von den Sternen bestimmen, sondern von Astrologen. Diese aber sind untereinander heillos zerstritten und schwören auf die unterschiedlichsten "Schulen". Die Zukunft zu kennen, ist verlockende Versuchung aller Menschen, aber GOTT allein vorbehalten. Soweit Vorhersagen und Prophezeiungen dem Menschen heilsam sind, hat GOTT sie im Alten und Neuen Testament geoffenbart. Sie können in der Hl. Schrift nachgelesen werden. Die Astrologie dagegen und alles Wahrsagen hat GOTT unmißverständlich Seinem Gericht unterworfen: "Hast du dich nicht stets bemüht, von den Sternen Rat zu holen? Ruf doch deine Himmelsdeuter, die die Horoskope erstellen. Ob sie dich wohl retten können? Wie den Stoppeln geht es ihnen, die im Nu das Feuer frißt. Und keiner kann sein Leben retten" (Jesaja 47,13f). Astrologie führt nicht zu GOTT, sondern in die Irre. Astro - Medizin macht nicht gesund, sondern seelisch und oft auch körperlich krank: Schuld und Versagen auf die Sterne abzuschieben, heißt, die Schuld ohne Reue, Bekenntnis und Wiedergutmachung zu verdrängen. Diese Schuld kann nicht vergeben werden. Vorhersagen von Katastrophen und Krankheiten können in den Suizid führen, Berechnungen von Operationsterminen lebenserhaltende Eingriffe versäumen lassen.

Bindungen an astrologische Gutachten, Diagnosen oder Therapien können das Unterbewußtsein gefangen halten, zu geistiger Verwirrung und Realitätsverlust führen. In Verbindung mit okkulten Techniken führen sie zu dämonischen Belastungen, Umsessenheit oder gar Besessenheit, die allein der Exorzismus im Namen JESU heilen kann.

Aura - Heilung (Healing) Das lateinische Wort "Aura" bedeutet "Lufthauch". Es bezeichnet ein "magisches Energiefeld", das angeblich den menschlichen Körper als Schutzhülle umgibt. Dieses unsichtbare "Energiefeld" zeige sich nur dem "Aura - Heiler", lehren Esoteriker, und zwar in den sieben Farben des Regenbogens. Form, Beschaffenheit (Risse, Löcher u.a.), Zusammensetzung und Färbung der Aura können angeblich Auskunft über Erkrankungen geben. Um eine defekte Aura wiederherzustellen, legt der "Heiler" seine Hände einige Zentimeter über den Körper des Patienten, bevorzugt über die "Chakren", um "kosmische Energie" einströmen zu lassen. Andere "Heilverfahren" sind das Auflegen von Magneten oder Edelsteinen, welche die Aura "reinigen", "aktivieren", "von Störungen befreien" sollen. Eine störungsfreie Aura schütze vor allen Krankheiten, auch AIDS und Krebs, und gegen alle Angreifer wie Gewalttäter, Hexen u.a., die an der heilen, geheilten Aura "abprallen" würden. In einer defekten Aura könnten sich auch Seelen Verstorbener einnisten bis zu ihrer Wiedergeburt oder Seelen von Menschen, die ihren Tod nicht angenommen hätten und all ihre Gefühle und Schmerzen auf ihren "Wirt" übertragen würden. Menschen, die von Verstorbenen "besessen" seien, bedürften der Aura-Reinigung durch einen (spiritistischen) Exorzismus, bis die fremde Seele die Aura loslassen und "heim ins Licht" gehen könne. Da die Aura eine reine Erfindung ist und mit modernsten Meßverfahren nicht nachgewiesen werden kann, ist deren Wahrnehmung entweder Betrug oder hellsichtig okkult. Aura-Meßgeräte, die auf dem Esoterik Markt teuer verkauft werden, machen bestenfalls die Körperwärme oder den Hautwiderstand einer Person "sichtbar", nicht aber "Aura Energie". Aufdringlich wird das Vertrauen von Patienten umworben mit angeblichen Beweisen, die durch die sog. "Kirlian-Fotografie" geliefert würden.

Ayurveda Die Ayurveda Werbung verspricht "Harmonie zwischen Körper, Geist und Seele, Stimulierung der Selbstheilungskräfte, Vitalität, Aktivierung des Energiesystems" und andere Wirkungen mehr. Ayurveda-Massagen, Ayurveda-Bäder, Ayurveda-Tees, Ayurveda-Körperpflege, Ayurveda-Küche können an "Ayurveda-Schnuppertagen" erprobt werden. Ayurveda ist "in". Das altindische Wort"Ayurveda" ist zusammengesetzt aus Ayur = langes Leben und Veda = Wissen. Diese "Lehre vom langen Leben" wurde drei indischen Heilern der Frühzeit während einer Meditation geoffenbart und ist als "älteste Gesundheitslehre der Weit" Teil der "Veden", der hinduistischen Schriften. Nach vedischer Vorstellung spiegelt der menschliche Organismus die kosmische Ordnung des Universums wider und ist zusammengesetzt aus den fünf Elementen: Feuer, Wasser, Erde, Luft und Äther, die von den drei Doshas (wörtlich "Verderber"), den Temperamenten oder Energiesystemen Vata (Wind), Pitta (Sonne) und Kapha (Mond) geregelt werden, um das innere

Gleichgewicht zu erhalten. Schon die geringste Störung in der Harmonie der Doshas führt nach Ayurveda zu Krankheiten. Die Gesundheitsregeln des Ayurveda leiten sich nicht nur aus der Irrlehre des Hinduismus her, sie widersprechen auch den wissenschaftlichen Erkenntnissen unserer Zeit: Die "Ayurveda-Küche" empfiehlt z.B. "Vata-Typen", Rohkost zu meiden, weil durch Rohkost "Vata" verstärkt würde. "Pitta-Typen" sollen auf Saures verzichten und stattdessen viel Eis und kalte Speisen essen. "Kapha-Typen" sollen Salz und süßes Obst weitmöglichst meiden. In umfangreichen Tests ermitteln "Ayurveda-Experten" den Grundtyp des Hilfesuchenden. Die Fachzeitschrift Ärztliche Praxis nennt die Ayurveda Heiler "selbsternannte Gesundheitsexperten der Maharishi-Sekte" (1990, Nr. 94, S. 27). Bereits 1989 entschied das Bundesverwaltungsgericht, daß es sich bei Maharishi Mahesh Yogi und seinen Anhängern um eine "Psychosekte" handelt... Die Deutsche Gesellschaft für Ayurveda e.V., Traben-Trarbach, beansprucht für sich den "Maharishi-Ayurveda", die "authentische und traditionelle Ayurveda Medizin in höchster Vollendung, das Gütesiegel medizinischer Kompetenz in Ausbildung, Herstellung von Heilmitteln und Vollständigkeit der Therapieverfahren". Sie gründet "Ayurveda Gesundheitszentren" und organisiert Aus- und Weiterbildungs Seminare für Schulmediziner. Ausdrücklich schließt sie "das System des Yoga, Transzendentale Meditation und die alte Gaudhava Veda und andere vedische Disziplinen ein, die alle im alten ayurvedischen Schriftgut für unentbehrlich gelten.... so wie sie von den uralten Sehern in Indien ans Licht gebracht wurden". (www.ayurveda.de). Einer seriösen Überprüfung halten ayurvedische Diagnose- und Therapieverfahren nicht stand, ebenso nicht die gerühmten "fantastischen Heilerfolge" der Ayurveda-Medikamente. Im Gegenteil: Statt der Gesundheit zu dienen, ist die Beimengung von hochgiftigem Quecksilber, Arsen, Blei und anderen Giftstoffen in bestimmten Medikamenten gesundheitsschädlich. Immer mehr Ärzte machen die Erfahrung von unerwünschten Nebenwirkungen, wie z.B. hämmernde Kopfschmerzen nach Stirn-Ölgüssen. - Die Doshas, Kernstück des Ayurveda, sind reine Erfindungen. Studien zur Wirkung von Ayurveda Therapieverfahren fehlen in Deutschland.

Bach-Blüten - Therapie Der englische Arzt Dr. Edward Bach lebte von 1886-1936. Er promovierte als Schulmediziner, arbeitete als Pathologe und Bakteriologe am Londoner Homöopathischen Krankenhaus und leitete später die Unfallstation an der Universitätsklinik in London. Nach seiner Biographin Nora Weeks entdeckte Bach um 1930 sensitive Fähigkeiten. Er verbrannte seine wissenschaftlichen Vorträge und Aufsätze, zerbrach seine Injektionsspritzen, schüttete die von ihm entwickelten Impfstoffe in den Ausguß und ließ sich fortan ausschließlich von "Offenbarungen" und lntuitionen leiten. Schon vor 1930 hatte Bach Patienten durch Handauflegung geheilt. Nach deren Berichten erschien ihnen Bach im Traum, um ihnen die Hände aufzulegen, andere spürten, "wie ein Strom von Lebenskraft zu fließen begann", wenn sie ihn nur ansahen. Nora Weeks berichtet: "Bach hatte in rascher Folge Heilpflanze um Heilpflanze entdeckt und nach seinem neuen Verfahren zubereitet. Die seelischen und körperlichen Torturen, die er vor jeder einzelnen dieser Entdeckungen durchlitten hatte, waren so gravierend gewesen, daß er sich völlig geschwächt und erschöpft fühlte" (N. Weeks, E.Bach, S. 123).

Ob Bach Kontakte zu okkulten Kreisen hatte, ist nicht bekannt, wohl aber, daß er aktiver Freimaurer war. In seinem Vortrag beim Freimaurertreffen im Jahr 1936 lehrte Bach u.a.: "Liebe Brüder alle, der ganze Kern des Lebens ist, unsere Göttlichkeit zu erkennen, daß wir unbesiegbar, unüberwindlich sind und keine Verletzung uns je in unserem Sieg aufhalten kann, den wir im Namen unseres Großen Meisters gewinnen... Im Innern sind wir göttlich" (ebda S.59). Wenn Bach von der Göttlichkeit des Menschen spricht, meint er nicht die von GOTT in der Taufe geschenkte Gotteskindschaft, sondern vertritt die esoterische Irrlehre, die er auch in anderen Überzeugungen erkennen läßt: Der Mensch schreite in zahlreichen Re-Inkarnationen seiner Vollkommenheit entgegen. Durch Selbsterlösung, d.h. durch die Bach Blüten Essenzen, würde es der Menschheit gelingen, alle Krankheiten vom Antlitz der Erde zu vertreiben. Krankheit sei Disharmonie und einzig und allein auf Fehler des Patienten zurückzuführen. Die Überwindung aller Krankheiten hänge hauptsächlich von der Erkenntnis der eigenen Göttlichkeit ab. Folge der Mensch den in sich einwohnenden göttlichen Geboten, erlange er die Gesundheit. Die Bach-Blüten Therapie habe die Aufgabe, dem Menschen zu helfen, "sein geistiges Verfehlen zu korrigieren" (ebda S. 228). Ziel des Menschen also ist es nach Bach, "zu sein wie GOTT". Seine Erlösung geschieht nicht über den menschgewordenen Sohn GOTTES JESUS CHRISTUS, die Befreiung von Schuld nicht über das Bußsakrament, sondern über energetische Arzneien, die Bach-Blüten. Erlösende Heilmittel könnten weder mineralische noch tierische Substanzen sein, lehrt Bach, sondern allein pflanzliche, gewonnen aus Pflanzen, "die in ihrem Entwicklungsstand entsprechend hoch oder höher sind als der durchschnittliche Mensch. Aus dieser Gruppe müssen wir unsere Arzneien wählen, denn diesen ist die Kraft gegeben, zu heilen und uns zum Segen zu gereichen... Sie besitzen die Kraft, unsere Schwingungen anzuheben und damit geistige Kraft herabzuziehen, die Gemüt und Körper reinigt und heilt" (ebda S. 229). Bach-Blüten sind als Ersatz für die Erlösung durch JESUS CHRISTUS "als ein Sakrament zu empfangen, denn sie haben bewiesen, daß sie in ihrem gnadenreichen Wirken mehr als gesegnet sind und ihnen die Kraft gegeben ist, alle Arten von Krankheiten und Leiden zu heilen" (ebda S. 68). Die Herstellung der Bach-Blüten-Essenzen hat Bach genau festgelegt: "Ein möglichst dünnwandiges Glasgefäß wurde mit reinem Wasser, vorzugsweise aus einer Quelle, fast gefüllt. Dann wurden ausreichend Blüten der jeweiligen Pflanze daraufgegeben, um die Wasseroberfläche völlig zu bedecken. Man wählte hierzu einen wolkenlosen Tag. Die Blüten wurden gepflückt, nachdem sie ungefähr zwei Stunden dem Sonnenschein ausgesetzt waren. Das gläserne Gefäß wurde dann in die Sonne gestellt und von Zeit zu Zeit etwas gedreht, damit die Sonne direkt in die Öffnung scheinen, aber auch das Ganze bestrahlen konnte. Ungefähr je ein Viertel der Flüssigkeit wurde nach drei, vier und sieben Stunden abgenommen und jeweils 20 Prozent reinen Alkohols hinzugefügt. So erhielt man direkt, was man als dritte, vierte und siebte Potenz verwenden kann" (E. Bach, Gesammelte Schriften, S. 254). Bach beabsichtigt ausdrücklich nicht, daß materielle Wirkstoffe der Blüten in das Wasser eingehen. Allein "die spirituelle Kraft" der Blüten soll auf das Wasser übertragen werden. Die Anzahl der Bach-Blüten-Essenzen beträgt 38, ergänzt durch die sog. "Notfalltropfen", eine Mischung von drei bis fünf Essenzen. Die 38. Arznei ist reines Quellwasser. Alle Bach Blüten

müssen wild an den von Bach festgelegten Orten gesammelt werden. Einige Wochen vor seinem Tod regte Bach die Gründung einer Bruderschaft an. Alle, die sich wie er - "als Boten der Großen Macht", als "göttliche Gesandte" verstehen, sollten sich zusammenschließen, um "das wunderbare Werk fortzuführen, das wir begonnen haben. Ein Werk, das der Krankheit ihre Macht entreißen kann, das Werk, das Menschen freimachen kann" (ebda S.65). Bach ist überzeugt: "Es wurde uns eine Heilmethode offenbart, wie sie, soweit das menschliche Erinnerungsvermögen reicht, noch nie bekannt wurde... Während wir mehr und mehr das Vertrauen der Menschen um uns gewinnen, verkünden wir ihnen, daß wir glauben, göttliche Gesandte zu sein, die geschickt sind, ihnen in ihrer Not zu helfen" (ebda S. 64). Nach dem Tod Bachs gerieten die Bach-Blüten in Vergessenheit. Heute werden sie vom "BachCenter", London, und in den deutschsprachigen Ländern von Mechthild Scheffler, Leiterin des Instituts für Bach-Blütentherapie, Forschung und Lehre, Hamburg, und Lehrbeauftragte des Bach-Centers, gewinnbringend vermarktet. Da die Bach Blüten nur an den von Bach festgelegten Orten in England geerntet werden dürfen, verteidigt das Bach-Center sein Monopol in der Herstellung von Original-Bach-Blüten-Essenzen. In ihren Publikationen macht Scheffler den esoterischen Hintergrund der Bach-Blüten-Therapie noch deutlicher als Bach selber: "Weil in der Schöpfung alles eine Einheit ist, ist jeder von uns mit allem verbunden, und zwar durch eine gemeinsame, übergeordnete, mächtige Energieschwingung, die mit vielerlei Namen, so z.B. "Schöpfungskraft", "universelles Lebensprinzip", "kosmisches Prinzip", "Liebe im Sinne höherer Vernunft" oder ganz einfach "Gott" genannt wird" (M. Scheffler, Bach Blütentherapie, S. 15). Ziel der Bachschen Therapie ist der "gesunde" Mensch, "stark und glücklich als harmonisch schwingender Teil des größeren kosmischen Energiefeldes" (ebda S. 17). Original Bach-Blüten-Essenzen werden auf Wunsch inzwischen von fast allen deutschen Apotheken aus England bezogen. Sie "heilen" von Schuldgefühlen (Pinien-Essenz), vertreiben Eifersucht, Mißtrauen, Haß und Neidgefühle (Stechpalme), Schüchternheit und Ängstlichkeit (Gauklerblume) u.a. Untugenden.

Channeling Beim Channeling (channel = Kanal) nimmt ein Medium Kontakt mit "höheren Wesen" auf, um Antworten auf Fragen, Ratschläge, Botschaften, Belehrungen und Warnungen zu empfangen. Channeling versteht sich selber als "spirituelle Therapie". Die Botschaften des imaginären Mohawkhäuptlings White Eagle z.B. werden auch nach dem Tod (1979) des engl. Mediums Grace Cooke (Autorin zahlreicher Bücher) über die "White Eagle Lodges" weltweit weiter verbreitet: "Wir kommen aus der geistigen Welt, um euch eine Botschaft der Liebe und Hoffung zu bringen. Ihr alle leidet auf vielfache Weise, die einen unter Schmerzen und körperlichem Unbehagen, manche unter seelischen Belastungen und Ängsten ... Wir kommen, um euch zu trösten, um euch mit neuem Lebensmut zu erfüllen ... Der Weg für alle ist der gleiche ... Laß das Christuslicht in dein Leben einströmen. Unterwerfe dich dem göttlichen Gesetz, gib dich hin, und du wirst Frieden und Freude finden ..." (Das große White-Eagle-Heilungsbuch, S. 10).

White Eagle empfiehlt Handauflegung, Farbbestrahlung, Astrologie, Bach-Blüten-Therapie, HeilMantras u.a. Zahllose Wunder- und Geistheiler arbeiten als Channeler oder mit Channelern zusammen: Channeler versetzen sich über Selbsthypnose, Hyperventilation, Meditation oder Atemanhalten in eine Art Trance. In "Halbtrance" können sie Fragen direkt beantworten, in "Volltrance" spricht ein "Geistwesen" aus ihnen. Die Geist-Belehrungen werden entweder verbal übermittelt oder mit Hilfe eines "OuiJa-Boards" (Witch-Board), eines runden Bretts mit einem Zeiger, der Buchstaben und Zahlen anzeigt, die zu einem Text zusammengesetzt werden. Botschaften werden auch über das sog. "Planchette" vermittelt, ein dreibeiniges Gestell mit angebundenem Stift, der über ein Blatt Papier gefahren wird und Texte schreibt, auch "automatisches Schreiben" genannt. Die gechannelten Botschaften sind entweder Betrug, Produkte geistesgestörter Menschen oder dämonisch gewirkte Wahrsagerei bzw. Weissagung. Um gläubige Menschen abhängig zu machen, geben christlich orientierte Channeler vor, Botschaften von Heiligen, Engeln, Maria, von "Armen Seelen" zu empfangen oder mit "Christusenergie" bzw. "göttlicher Heilkraft" zu heilen. Sie praktizieren "Christustherapie" als Ergebnis direkten Kontaktes zu "Jesus Christus". Eine Flut gechannelter und damit falscher Botschaften wird vor allem von irrgeführten Katholiken weiter verbreitet. Hilfesuchende, die sich von Channelern abhängig machen, sündigen nicht nur schwer gegen GOTT und Sein Verbot der Wahrsagerei, sie tragen auch nicht selten schwere Nervenstörungen, psychische Wahnvorstellungen und dämonische Belastungen, Umsessenheit oder Besessenheit davon.

Edelstein - Therapie Edelsteine und Kristalle sind seit alten Zeiten Medien heidnischer Heiler, Schamanen (Heilkundiger) und Zauberer: Babylonier, Chaldäer, Ägypter, Perser und Araber trugen Edelsteine als Amulett, als Glücks- und Erfolgsbringer. Tibeter und Nepalesen benutzen den Bergkristall zur "Teufelsaustreibung" und als Wahrsagemittel. Schamanen wirken auf Kranke mit Kristallen ein, in denen "kosmische Energie" gebündelt sein soll. Die Yukatan, mexikanische Indianer, betrachten den Kristall als "Tor zu den Göttern". Heute gehören Edelsteine, Halbedelsteine und Kristalle zur Grundausstattung fast jeder esoterischen Heilpraxis. Zahlreiche sog. Lehrbücher befinden sich auf dem Büchermarkt. Der Verkauf von Steinen zu therapeutischen Zwecken boomt. Edelsteine haben angeblich ein gewaltiges "Energie - Potential". Esoterische Heiler behaupten, sie könnten mit Steinen den Körper und die Aura "reinigen", von Verspannungen und Schmerzen befreien, alle möglichen Krankheiten heilen, selbst Epilepsie und Schizophrenie. Sie könnten vor Radioaktivität schützen und Beziehungskrisen lösen. Edelstein-Therapeuten geben vor, mediale Kräfte zu besitzen und Verbindung zur "kosmischen Energie" aufnehmen bzw. herstellen zu können. Katrina Raphaell, eine der bekanntesten Kristall-Therapeutinnen, "erlöst" Patienten mit Hilfe der Edelsteine sogar von Schuld: "Wir umgeben das Herzzentrum mit vielen Rosenquarzen sowie grünen Aventurinen. Wir

visualisieren Vergebung, Liebe und Verständnis.... die beim Einatmen in den Arm strömen." Beim Ausatmen sollen dann die Patienten ihre Schuldgefühle und Gewissensbisse loslassen. Während der pseudo psychotherapeutischen Behandlung arbeitet Raphaell mit einem Quarzkristall, mit dem sie Knöchel, Gelenke, Ellbogen, die Schultern und den Hals berührt. Für Raphaell und andere Heiler sind Edelsteine "Lebewesen": “Mein Umgang mit der Welt der Kristalle zeigt mir bei vielen Gelegenheiten, daß Kristalle und Steine nicht nur spürten, was um sie herum vor sich geht, sondern in liebevoller, unterstützender, manchmal sogar selbstaufopfernder Weise reagieren." Steine seien vor langer Zeit von Wesen aus dem Kosmos "programmiert" worden, um ihr "Wissen heute an die Menschen weiterzugeben" (Rolf Höneisen, Steinzauber, S. 96ff). Geradezu abenteuerlich ist die Aufwertung des Kristalls zum “Christ-All": “Vor Jahrtausenden", so behauptet Peter Ferreira bei seinen Vorträgen, "war das Wort für Bewußtsein ’Christos’. Es ging eigentlich im Leben des Menschen um nichts anderes als darum, den ’Christos’ in uns zu finden und zu erweitern. Und nicht umsonst wurde aus einem Menschensohn Jesus ein Gottessohn ’Christus' durch erweitertes Bewußtsein zum Allbewußtsein zum ’Christ All’ ... Und diesen Kristall' möchte ich gern wieder in Ihnen anregen" (Verlag Salvator Mundi, Gaming, Österreich). Stein-Therapeuten legen Edelsteine auf "Chakren", angebliche Energiezentren des Körpers, oder auf "Meridiane" (Energiebahnen). Sie tauchen Steine ins Wasser, an das sie "Steinenergien" abgeben würden, kombinieren die Stein Therapie mit zahlreichen anderen esoterischen Praktiken (Reiki, Aura-Heilung u.a.), reinigen das "Karma" des Patienten, versetzen Patienten in Trance und erklären, über die Steine Kontakt mit heilenden Geistwesen herstellen zu können. Bei okkulten Meditations-Übungen mit aufgelegten Steinen erleben Patienten Visionen, hören Stimmen, sprechen in unbekannten Sprachen und stehen "wie unter einer fremden Kontrolle", d.h. sie zeigen die klassischen Merkmale dämonischer Beeinflussung. Esoterische Stein-Heiler versprechen und behaupten Heilungserfolge, ohne den wissenschaftlichen Beweis anzutreten. Sie berufen sich auf "Erfahrungen", die nicht überprüft werden dürfen Der Hämatit z.B. soll die Blutbildung fördern. Wie aber das Eisen aus dem Stein ins Blut gelangen soll, erklären Stein-Therapeuten nicht. Einem Test, wie ihn jedes Medikament in der Schulmedizin bestehen muß, werden Edelsteine ausdrücklich nicht unterzogen. Die Steinheilkunde "lebt" von unwissenschaftlichen Argumenten und Widersprüchen: Zur Herstellung von "Heilstein-Elixieren" z.B. werden Edelsteine über Nacht oder Tag ins Wasser gelegt, um dieses zu "energetisieren" oder zu "vitalisieren". Das "Schwingungsmuster” der Edelsteine, das sich dem Wasser mitteile, wird mit Alkohol "konserviert" und die Essenz in Glasfläschchen aufbewahrt zum Schutz gegen "Störfelder" z.B. Keinesfalls dürfe destilliertes Wasser dazu verwendet werden, da es "tot" sei, warnen die einen. Unbedingt müsse dazu doppelt destilliertes Wasser benutzt werden, schreibt dagegen der "Steinkreis e.V." vor. Die einen empfehlen Mineralwasser, für andere muß es Brunnenwasser sein usw. Nüchtern und chemisch betrachtet, bestehen Glasfläschchen aus einem Natrium Calcium Silicat, dem eigentlich eigene "Schwingungen" zugeschrieben werden müßten, die dann aber in Konflikt gerieten mit den Schwingungen der eingefüllten Essenzen. Mit Wissenschaft hat auch die Zuordnung von Steinen und Körper Organen bzw. Krankheiten

nichts zu tun. Sie ist dem Analogiezauber abgeschaut: Rote Minerale z.B. sollen auf die Blutgefäße wirken, weil sie rot sind; calciumhaltige Steine wirken angeblich positiv auf Knochen und Zähne, die bekanntlich Calcium enthalten; der "Augenachat" soll bei Augenkrankheiten helfen (Name!), der "Flammenachat" Fieber senken; Bernstein, versteinertes Harz, soll die Wundheilung fördern, weil Harz die Bäume bei Verwundungen schützt usw. Magisch ist auch die Forderung, Steine (wie Batterien) unter fließendem Wasser von negativer Energie zu entladen und im Sonnenlicht mit positiver Energie aufzuladen, wobei nach einigen Esoterikern die Mittagssonne entladend wirke. Der Mondstein dagegen darf nur im Mondlicht aufgeladen werden (Name!). Wissenschaftlich betrachtet, sind die "Therapien" der Heilsteinkunde völlig haltlos. In keinem einzigen Stein sind mit den modernen Meßmethoden die vorgegebenen Kräfte oder Energien nachzuweisen. Ein Bergkristall z.B. und ein Quarz, der im Gletscherbach matt und rund gewaschen wurde (Kieselstein), haben die gleiche chemische Substanz. Trotzdem ist der Bergkristall nach der esoterischen Heilkunde d e r Kraftspender, als Kieselstein aber habe er keinerlei Heilwirkung. Daß Edelstein-Therapeuten trotz widersprüchlicher Erklärungen und Anwendungen Heilerfolge aufweisen können, erklärt sich aus dem Placebo Effekt, aus Suggestion und Autosuggestion. Die Heilung geht nicht von toten Steinen aus, sondern vom Menschen, der an die Kraft der Steine irrtümlich glaubt. Magische Steinketten und "schützende" Armbänder werden auch von irregeleiteten Christen getragen. Wie andere Amulette sollen sie Segen bringen, Unglück abwehren und als "Glückssteine" zum "guten Geist", zum ständigen Begleiter werden. Christen, die Edelsteine als Heilbringer benutzen und auf Edelsteine als Heilsteine ihr Vertrauen setzen, binden sich an ein anti-christliches, magisches Weltbild und sündigen schwer gegen das 1. göttliche Gebot. Der Glaube an die Heilwirkung von Steinen ist ein Aberglaube, ein Irr-Glaube.

Feng Shui, Ti Li, Kan Yü Seit Mitte der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts ist der Gesundheitsmarkt überschwemmt mit Feng Shui Lehrbüchern (gesprochen Fong Shü eh) und Feng-Shui - Beratern, die ihre Ausbildung in nur wenigen Tagen absolviert haben. Wie viele andere esoterische Heilslehren gründet die Feng Shui Lehre in der Vorstellung, der Mensch müsse, um gesund und glücklich zu sein, mit der Vitalkraft des Kosmos im Einklang stehen. Nur die Beachtung der kosmischen Energie bewirke "gutes" Feng Shui. Mißachtung der kosmischen Gesetze bewirke "schlechtes" Feng Shui. Im Westen dient Feng Shui hauptsächlich der "kosmischen" Wohnraumgestaltung. Die richtige Position der Möbel erzeuge "gutes" Feng Shui. Sie könne mit einem Lo p'an, einem geomantischen Kompaß bestimmt werden, der die vier Himmelsrichtungen, die fünf Elemente (Feuer, Wasser, Luft, Erde, Holz), die Bahn des Mondes und die astrologischen Daten der Hausbewohner in Einklang bringen soll. Geomantie ist Wahrsagen aus der Erde, z.B. aus Sandfiguren. Beim Umbau der Möbel werden auch energieausgleichende Hilfsmittel (Spiegel, Pflanzen, Aquarium usw.) an den bestimmten Stellen angebracht.

Die Feng-Shui - Theorie hält einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht stand. Lehrbücher und Beratungen von Feng-Shui - Experten weichen in ihren Aussagen oft erheblich voneinander ab.

Geist- und Wunderheilung Millionen Deutsche nehmen ihre Zuflucht regelmäßig zu Wunder- und Geistheilern: Schüler von Anton Mesmer übertragen durch Handauflegung angeblich "magnetische Heilkraft", Reiki-Therapeuten "kosmische Heil Energie", Charismatiker heilen "mit dem Heiligen Geist", Magier, Schamanen und Spiritisten übertragen "feinstofflichen Heilstrom" oder "Heil-Energie" von übersinnlichen “Geistführern”. Alle Geistheiler berufen sich auf höhere, übernatürliche Heilkräfte, die durch ihre Hände den Hilfesuchenden mitgeteilt würden. Diese Fähigkeit sei ihnen über Visionen, Auditionen oder im Gefolge einer schweren Erkrankung zuteil geworden. Heil-Energie könne auch in Abwesenheit über ein Foto, einen persönlichen Gegenstand oder Haare, Blut oder Speichel des Kranken übertragen werden. Interessierte lassen sich in Lehrgängen, Wochenend-Seminar oder autodidaktisch mit Hilfe von Kassetten und Videos zu Geistheilern ausbilden. Besonders spektakulär sind die "Geistchirurgen". Sie führen angeblich mit ihren bloßen Händen Operationen durch, indem sie in den Körper des Patienten eindringen, krankes Gewebe entfernen und keine Narben hinterlassen. Viele Geist-Operationen konnten als Betrug entlarvt werden. Esoterik Publizist Robert Sebastian z.B. verspricht in seinem Buch "Die neuen Heiler": "Hoffnung für Millionen, wenn kein Arzt mehr helfen kann ... Längst sind die teils unglaublichen Fähigkeiten der Geistheiler in wissenschaftlichen Untersuchungen bestätigt worden: Sie erwecken Menschen aus dem Koma, ... sie lassen auf unerklärliche Weise bösartige Gehirntumore verschwinden, ja selbst scheinbar hoffnungslos Gelähmte befreien sie von ihrem Rollstuhl ... Sicher ist, daß hier eine schier grenzenlose Kraft am Werk ist, die grundsätzlich jede Krankheit heilen kann" (Klappentext). Was von diesen "wissenschaftlichen Untersuchungen" zu halten ist, belegt z.B. ein Test, der vom schweizerischen Fernsehen in vier Sendungen dokumentiert wurde: Der Test wurde in der Praxis des prominenten griechischen Geistheilers Christos Drossinakis vom 28.08. bis 26.10.1994 in Frankfurt durchgeführt. Wunderheilung konnte in keinem einzigen Fall bewiesen werden, lediglich geringe Besserungen, die sich als Placebo-Effekt erklären lassen. 1995 gründete Dr. Harald Wiesendanger den "Dachverband "Geistiges Heilen" (DGH), in dem deutsche Geist- und Wunderheiler organisiert sind. Größtes Verbandsmitglied ist der "Bruno Gröning Freundeskreis". 1996 gab der DGH einen juristischen Ratgeber für Geistheiler heraus mit Empfehlungen, wie sie das Heilpraktikergesetz umgehen können, da auch Geist- und Wunderheiler nur mit amtsärztlicher Erlaubnis tätig werden dürfen. 1998 wurde Wiesendanger aus dem DGH herausgedrängt. Er ist aber weiter aktiv als Buchautor über Geistheilerei. In Italien ist Geistheilen seit 1996 verboten. In der Begründung betonen die Gerichte, daß es

Pflicht der Justiz sei, Menschen vor Scharlatanerie und Okkultismus zu schützen. Heilerfolge von Geistheilern lassen sich als Placebo Effekt, Betrug, Autosuggestion oder dämonisch bewirkt erklären. In welchem Maße die Szene der Geistheiler auch die Kirchen durchmischt, wird z.B. deutlich an folgendem Bericht über einen Lehrgang der "Deutschen Vereinigung für Geistheilung" (Bonn): "Der fünftägige Lehrgang im Dominikaner Kloster St. Albert, Walberberg, begann täglich mit einer Andacht in der Klosterkapelle, es folgten Vorträge, Meditationen, Eutonie Übungen und Heilbehandlung. Als Termin wurde das Pfingstfest gewählt, weil der Heilige Geist zugleich "heilender Geist" sei. In den Vorträgen wurden folgende Irrlehren verkündet: Im Konzil zu Nicäa (325 n. CHR) seien aus der Bibel alle Stellen gestrichen worden, die von der Wiedergeburt handelten. Das allgemeine Heilen, welches von der Urmenschheit an über alle Kulturen praktiziert worden sei, sei in Nicäa verboten worden. Da im Mittelalter alle medial begabten Menschen ausgerottet worden seien, gäbe es gegenwärtig in Mitteleuropa nur noch wenige medial begabte Menschen... Im Vortrag "Die Geistwesenheit des Menschen" wurden vier verschiedenen Körper vorgestellt, die sich gegenseitig durchdringen würden: Der physische Körper, der Äther-, Astral-, Mental- oder Seelenkörper. Während des Schlafes sei der Astralkörper in der geistigen Welt und nur noch lose durch eine Silberschnur mit dem physischen Körper verbunden. Die Erlebnisse des Astralkörpers würden in der Regel beim Erwachen vergessen. Jeder Körper habe seine eigene Aura, die mit farbigen Skizzen "bewiesen" werden könne. Bei der Heilbehandlung habe jeder Heiler seinen eigenen "Geistführer". Künstlerisch begabte Menschen könnten ihren Geistführer zeichnen. Es wurden z.B. Zeichnungen von White Eagle angefertigt. Die Kraft des Heiligen Geistes, des "Heil Geistes", sei körperlich erlebbar. In den Eutonie-Übungen (Eutonie heißt "schöner Ton") lehrte eine Ordensfrau das bewußte Erleben des Eingespanntseins zwischen Erde und "den erhebenden Kräften des Äthers, in welchem die kosmischen Energien weben" (Augenzeugen Bericht vom 11. Lehrgang 1981 im Archiv der Vereinigung zum Schutz schwacher und hilfloser Menschen).

Charismatische Wunderheiler Wie bei den Geistheilern so spielen auch bei den Charismatikern Wunderheilungen eine bedeutende Rolle. Zu den häufigsten Methoden charismatischer Heilungen gehört das Auflegen der Hände auf den Kopf des Kranken oder auf kranke Körperteile, in der Absicht, "Heilkraft" zu übertragen. Bei Großveranstaltungen werden die Teilnehmer auch aufgefordert, sich gegenseitig die Hände aufzulegen. Fernsehprediger empfehlen, die Hände auf den Fernsehapparat zu legen, um den "Heilstrom" zu empfangen. Viele bezeugen, daß bei der Handauflegung Wärme, Hitze oder Energie übertragen würde, "ähnlich wie Elektrizität". Etliche Charismatiker berufen sich auf Visionen oder Privat-Offenbarungen, in denen sie aufgefordert worden seien, anderen die Hände aufzulegen, um sie zu heilen oder "die

Heilungsgabe weiterzugeben". Während der Handauflegung aus Heilungsgründen wird vermehrt das Phänomen des Rückwärtsfallens beobachtet, das als "Ruhen im Geiste", als "Fallen unter die Kraft Gottes" oder als "Erschlagen vom Geist" interpretiert wird. In der Kirchengeschichte ist das "Umfallen" bzw das Fallen auf den Rücken nur bei Exorzismen bekannt. In der Bibel bedeutet es immer Gerichtshandeln GOTTES. Viele der auf den Rücken geworfenen Menschen erklären, "einen Zustand der Glückseligkeit" oder "Frieden" erlebt, bei erneuter Suche nach diesem Geschehen aber Depressionen und "schwarze Melancholie" erfahren zu haben, die nur durch einen Exorzismus wieder von ihnen genommen werden konnten. Gefühle des Friedens müssen kein Beweis für das Wirken GOTTES sein: "Frieden ist nicht bloß Ruhe, sondern Ruhe in der richtigen Ordnung" (Augustinus). "Ruhe in der Unordnung ist kein Frieden, sondern die letzte Phase der Agonie" (Reto Nay). Welcher "Heilgeist" bei der "Geisttaufe" tätig ist, wird aus Erlebnisberichten deutlich: Elisabeth (58 Jahre) besuchte eine charismatische Großveranstaltung der Freien Christlichen Jugendgemeinschaft Lüdenscheid (FCJG) mit dem Charismatiker Walter Heidenreich. Sie berichtet: "Am letzten Abend standen wir alle auf den Stühlen und Tischen - voll betrunken vom Heiligen Geist und sangen auf Anleitung von Walter Heidenreich: Trink, trink, Brüderlein trink...' und: Einer geht noch, einer geht noch rein...' Es ging zu wie auf einem Münchener Bierfest." Trotz dieses negativen Erlebnisses will Elisabeth die "Geisttaufe" empfangen und reist zum jüdischen Laubhüttenfest der Organisation Internationale Christliche Botschaft Jerusalem, zu einem Heilungsgottesdienst mit dem Inder Mahesh Chavda: "Chavda schrie: ’Wer hat die Geisttaufe noch nicht?’ Jemand gab mir von hinten einen Stups. Jetzt oder nie! So ging ich mit vielen nach vorne. Jeder bekam persönlich die Hände aufgelegt. Und fiel er nicht um, wurde er noch zusätzlich angeblasen. Was ich dann am Boden liegend erlebte, übertraf alles, was ich bisher kannte, nämlich Liebesgefühle ohne Ende. Ich wollte und konnte gar nicht mehr aufstehen. Jetzt lernte ich Jesus noch als Liebhaber kennen. Von nun an konnte ich auch ’in Zungen reden’, anderen die Hände auflegen oder sie anhauchen, und sie fielen auf den Rücken. Auch heilen war keine Seltenheit. Nun war ich ’Jemand’, hochgestiegen auf dieser Leiter der Hierarchie." Bei einem Heilungsgottesdienst mit dem Charismatiker Christoph Häselbarth in Friedrichshafen am Bodensee versuchte das Heilungsteam bei einer Kollegin von Elisabeth per Geistheilung ein verkürztes Bein zu verlängern. Die Kollegin kam völlig verändert zurück: "Meine Kollegin war längere Zeit wie weg. Sie redete wirr durcheinander, schlug mit ihrem Kopf auf die Tischplatte, heulte, lachte, und das nach einem Heilungsgottesdienst! Ja, sie wußte nicht mehr, wo sie überhaupt war. Am Ende wollte sie über den Bodensee laufen wie Petrus" (in: TOPIC plus, Kreuztal, Juli 2004). Joachim (32 Jahre) besuchte ebenfalls einen Heilungsgottesdienst der FCJG in Lüdenscheid und erlebte die 'Geisttaufe' des Charismatikers Olli Ewers: "Ich hatte vor meinen Augen erlebt, wie Menschen durch Gebet von körperlichen Gebrechen geheilt wurden... Je näher Olli sich auf mich zubewegte, desto größer wurde meine Anspannung. Ich hörte, wie er beim Händeauflegen immer wieder kurz in Zungen betete und häufig dabei sagte: ’Der Verstand muß weg’. Auch schnippte er dabei regelmäßig wie selbstverständlich mit den Fingern... Auch bei mir betete Olli kurz etwas in Zungen. Er legte mir seine Hände auf den oberen Stirnbereich und befahl auch mir, daß der Verstand weg muß. Plötzlich spürte ich, wie ich in einer Art Schwerelosigkeit nach hinten kippte. In meinem Geist nahm ich alles wahr, was

geschah. Ich realisierte, daß ich fiel, und daß ich aufgefangen und zu Boden gelegt wurde. Allerdings hatte ich während des Moments des Fallens das Empfinden der Körperlichkeit völlig verloren. Es fühlte sich schwebend an." Von einer zweiten Veranstaltung der FCJG berichtet Joachim: "Als das Singen begann, erlebte ich nun, daß sich in mir eine Regung im Kehlkopfbereich äußerte, die ich zuvor nie erlebt hatte. Ich spürte, wie ich regelrecht dazu gedrängt wurde, meine Stimme ebenfalls zu erheben. Ich tat meinen Mund auf, formte einen Laut, und dann ging es wie von selbst los. Ohne weiter nachzudenken, erlebte ich, wie der Geist meine Stimmbänder benutzte, um irgendwelche Laute zu formen, die mir völlig fremd waren... Und obwohl ich keine Ahnung hatte, was ich da aussprach, begriff ich in jenem Moment doch, was sich gerade ereignet hatte: Die Gabe der Zungenrede war in mir geweckt worden." Joachim hatte ebenfalls die "Reiki Weihe" an sich vollziehen lassen und erlebte während des Betens Phänomene, die er seit dieser "Weihe" kannte: "An einem Morgen, während meiner Stille Zeit, erlebte ich, daß das leichte Wippen meines Körpers, das ich regelmäßig während des Zungenredens erlebte, plötzlich in ein starkes Schütteln überging. Meine Arme, die ich im Gebet seitlich nach oben gestreckt hatte, begannen sich dabei sehr stark hin und her zu bewegen, und mein ganzer Oberkörper wurde plötzlich heftig durchgeschüttelt... Zum ersten Mal erlebte ich derartige Schüttelerlebnisse bei einer Einweihungszeremonie in den ersten Reiki Grad. Als ich mich von der Reiki Meisterin für diese Energie hatte öffnen lassen, spürte ich regelrecht, wie eine fremde Kraft in meinen Körper kam und meinen ganzen Körper heftig durchschüttelte. Ob sich der Heilige Geist genau so manifestiert wie dieser Reiki Geist?" (ebda). TOPIC kommentiert: "Besonders auffällig ist das geradezu fiebrige Bestreben im pfingst-charismatischen Lager, die Gläubigen möglichst schnell mit einem neuen Geist zu impfen. Dieser Geist scheint wie ein Virus per Handauflegung oder auch nur durch Teilnahme an entsprechenden Veranstaltungen überzuspringen.“ Bei sog. Groß Evangelisationen fallen tausende Teilnehmer bei der "Geisttaufe" auf den Rücken und bleiben oft in obszönen Stellungen liegen, so daß die Veranstalter Decken bereithalten, um vor allem Frauen zu bedecken. Weil das Umfallen auch bei katholisch charismatischen "Heilungsgottesdiensten" geschieht, warnte Kardinal Suenens, der "Vater der katholischen charismatischen Bewegung" vor diesem Phänomen, das er als "parapsychologisch" beurteilte. Auf eine Anfrage bei Joseph Kardinal Ratzinger, Kongregation für die Glaubenslehre, Rom, antwortet in dessen Auftrag Msgr. Dr. Georg Gänswein u.a.: "Die von Ihnen beschriebenen Praktiken gewisser charismatischer Kreise sind in der Tat problematisch. Sie zeigen, wie wichtig und richtig die Warnungen von Kardinal Suenens waren, der übrigens vom Papst als Ratgeber der charismatischen Gruppen bestellt war und dessen Stimme deshalb auch amtlichen Charakter hat" (Juli 2004, Archiv der Vereinigung zum Schutz schwacher und hilfloser Menschen). Auch der Psychoanalytiker K.G. Rey, leitendes Mitglied der katholischen charismatischen Erneuerung, Schweiz, stellt fest: "Das Ruhen im Geiste schließt die Gefahr mehrfacher Täuschung in sich... Man glaubt, vom Heiligen Geist umgeworfen worden zu sein, während man sich massenpsychologischen Mechanismen unterzogen hat" (In: Gotteserlebnisse im Schnellverfahren, Kösel 1985, S. 130). Wie das Umfallen so werden auch die charismatischen Wunderheilungen kontrovers beurteilt:

als vom HEILIGEN GEIST bewirkt als Ergebnis von Massensuggestion als Betrug (tatsächlich wird beobachtet, daß Veranstalter Teilnehmer nach hinten stoßen) als dämonisch bewirkt. Viele Christen sind ohne ein klares Urteil: Wundersucht, Erlebnishunger, Verlangen nach schneller Heilung, mangelndes Glaubenswissen, blindes Vertrauen auf Autoritätspersonen wie Prediger und Priester, massenpsychologisch geschickt arrangierte "Heilungsgottesdienste" mit Halleluja-Sprechchören, Zeugnisse "Geheilter" und suggestive Ansprachen bzw. Predigten erzeugen eine Erwartungshaltung, die von GOTT Heilung beanspruchen zu können glaubt, und eine Art magische Atmosphäre, die über den HEILIGEN GEIST oder JESUS CHRISTUS Verfügungsgewalt auszuüben versucht und GOTT damit zu einem Gehilfen des "Heilers" herabwürdigt. Der Mensch hat aber keine Verfügungsgewalt über GOTT. Er hat keinen Anspruch auf Heilung körperlicher Gebrechen. Wer auf der Grundlage eines solch magisch verkommenen Glaubens zu heilen versucht oder Wunderheilung erstrebt, unterwirft sich nicht GOTT, sondern dämonischen Gewalten. In der Regel werden charismatisch bewirkte Heilungen weder medizinisch überprüft noch kirchlichen Stellen gemeldet. Katholische Wunderheiler verstoßen damit gegen das Kirchenrecht, das eine Meldung außergewöhnlicher Heilungen zwecks Überprüfung vorschreibt.

Spiritistische Geist - Chirurgen In einem Schreiben (vom 4.2.2004) an die Vereinigung zum Schutz schwacher und hilfloser Menschen klagt Winfried Veldung, Vorsitzender des Arbeitskreises Radionik und Schwingungsmedizin e.V (Bad Schwartau): "Während unsere katholische Kirche sich anschickt, den großen Verwirrer durch die Esoterikangebote auf die Gläubigen loszulassen, haben selbst unsere Purpurträger nicht begriffen, daß sie es mit einem Gegner zu tun haben. Überlegen Sie doch nur, was unsere kath. Akademie- und Bildungshäuser anbieten: Reiki, Prana Heilung, Yoga und damit Tür und Tor für New Age öffnen. ... Unser Arbeitskreis widersetzt sich der herrschenden Tendenz, die Esoterik in das Heilungssystem einzugliedern..." Tut er das wirklich? Auf der Rückseite dieses Schreibens stellt Veldung sein "Forschungsprojekt Geist-Chirurgie" vor: "Im Rahmen unserer Forschung ’Wie Heilung geschieht und welche Voraussetzungen dazu nötig sind’ führen wir nach den Richtlinien des Dachverbandes Geistiges Heilen ein Forschungsprojekt über die außergewöhnlichen Erfolge der Heiler und Geist-Chirurgen durch... Schwerpunkte unserer Forschung sind: Paranormale Diagnosen u.a. durch Hellsehen und Automatisches Schreiben, Logurgie (GeistOperationen), Heilen durch Energie, Gebetsheilung, Glaubensheilung... Fernheilung und Mediumistische Behandlungen. Ziel: Wir wollen den Nachweis bringen, daß geistige Heilweisen sehr effektiv sind und deshalb auch in Europa toleriert und legalisiert werden sollten... Um Linderung, Besserung und Heilung zu erreichen, führen wir nach wissenschaftlichen Kriterien ’Therapeutische Reisen' auf die Philippinen oder Brasilien im März, Juni und November durch... Selbstkostenpreis für 17 tägige therapeutische Reisen ab 2120 Euro. Wissenschaftliche Leitung: Winfried Veldung, Heiler Sozialtherapeut Heilpraktiker." Seine Begegnungen mit dem Heiler "Caruso", der nach eigenen Angaben kath. Geistlicher ist,

schildert Veldung in seiner "Dokumentation der Geist-Chirurgie": "Der Reverend Caruso kam mit noch zehn weiteren Heilern. Während noch die Mitarbeiter ihre Utensilien auspackten, bereitete sich der Reverend auf das Geschehen vor, das wir Heilung nennen. ... Unauffällig ging er vom Normal- in den Trancezustand über. Zuckungen in Gesicht, Oberkörper und den Armen deuteten darauf hin... Dann war der Reverend im Gespräch mit Gott, wie die Mystiker aller Glaubenden. ’Er lädt den Heiligen Geist ein, bei uns zu sein’, war die Antwort einer Frau auf meinen fragenden Blick. Ein anderer Mitarbeiter las aus der Hl. Schrift in der Landessprache der Philippinen (Tagalog) vor, während wir uns an die Hände faßten und einen Kreis bildeten. Dann folgten frei gesprochene Gebete, und wir schlossen uns mit dem ’Vater unser’ an ... Vor den operativen Eingriffen salbten der Reverend und seine Heilerkollegen jedem von uns mit geweihtem Kokosöl die Stirn, Schläfen, Schultern und die bei jedem unterschiedlich erkrankten Bereiche ... Die Vorbereitungen des Reverend begannen mit dem 150. Psalm: Gelobt seist Du, o Herr. Die erste Patientin legte sich, mit einem Slip bekleidet, auf die Behandlungsliege und erklärte dem Dolmetscher ihr Magen-Darm Leiden. Der Reverend hob seine Hände in Brusthöhe und richtete seine Zeigefinger auf den Magen und - ohne seinen Psalm zu unterbrechen - berührte er mit seinen Fingerspitzen die Bauchdecke, drang durch die Haut, und es bildete sich eine Körperöffnung von 3 mal 1 cm. Sofort rann Blutwasser über die Haut, und zwischen seinen Zeigefingern entwickelte sich die materialisierte Form der Krankheit: Ein Stück menschliches Gewebe von 3 cm Länge und 0,5 cm Stärke wurde sichtbar und allen gezeigt, auch, damit es fotografiert werden konnte. Die Öffnung des Bauches schloß sich. Das Blut wurde abgewischt, und ein schwach roter Fleck war nach weiteren 4 Minuten verschwunden. Der Reverend beendete jetzt den Psalm: Alles, was Atem hat, preise den Herrn.’ Viele sahen zum ersten Mal eine geist-chirurgische Operation, und ihr Erstaunen und Zweifel waren ihnen im Gesicht anzusehen. Ein neuer Patient nahm den Platz auf der Liege ein und ordnete sein Handtuch. Der Reverend begab sich in den ’Schutz des Allerhöchsten’ und besprach mit IHM die nächste Operation. Im stillen habe ich immer wieder unsere Patienten bewundert, wenn sie ihren eigenen Operationen zusahen und voller Vertrauen dem Heiler ihren Körper überließen. Heiler, das waren danach wieder Hausfrauen, Geistliche oder Bauern, die den Körper öffneten, Tumore entfernten, Knochen korrigierten und nie eine Stunde Anatomieunterricht gehabt hatten. Paranormalität ist mit Logik erst einmal schwer zu verstehen ... Nach dem Eingriff - ohne das Lob Gottes zu unterbrechen, setzte sich der Reverend hin, und der Patient, nicht fühlend und wissend, was geschehen war, fragte, warum er nicht anfängt. Die Kassette mit Gregorianischem Choral, die das Besondere dieser Behandlung betonte, war abgelaufen und mußte umgedreht werden ... Die Geist-Chirurgie, als eine Variante der Paramedizin, hatte mich schon immer fasziniert. Woher wußte der Heiler, was zuerst behandelt werden müßte? War jede Krankheit für ihn gleich und spielte das überhaupt eine Rolle? Oder setzte er nur die Selbstheilungskräfte in Gang? Herz und Prostatabeschwerden, Colitis ulcerosa, MS, Krebs in den verschiedenen Organen, Grauer Star mit drohender Erblindung, Tennisarm, hoher Blutdruck, Durchblutungsstörungen oder Stoffwechselregulierungen, alles Krankheiten, die menschliches Leben so scheinbar unnötig erschweren, alles wurde aufgegriffen und IHM, dem Schöpfer des Geschöpfes Mensch vorgetragen. Die Barmherzigkeit Gottes erfüllt den Raum ... Bei einigen von uns holte der Reverend die Watte wieder aus dem Bauch, die er am vorherigen Tag - allen sichtbar - in die Bauchhaut geschoben hatte. Jetzt, nach der ’Reinigung’ war sie mit

Blut und Gewebe behaftet ... Der Reverend ging jetzt deutlich sichtbar vom Trance in den Normalzustand über, erbat eine Cola und sog genußvoll an einer Zigarette ... Jetzt begannen die Heiler die Therapie der Ölmassage vorzubereiten: Auf einem Kocher siedete das teure Kokosöl, der Reverend segnete es, griff hinein und besprengte die Hände seiner Heilerkollegen: Asperges me..., besprenge mich, o Herr ... sang der Chor der Mönche auf der Kassette ... Wie sagte doch der Reverend, als ihm eine Frau so spontan dankte? Abwehrend rief er: Nicht ich, sondern: Preise den Herrn!' Der Reverend nahm nur Spenden an. Jeder gab, was ihm die Behandlung wert war und legte Geld, Süßigkeiten, Kugelschreiber, Kaffee, gebrauchte Kleidung auf ein Tablett ... Am Abend fragte mich eine Frau aus der Gruppe, ob ich die vier Engel um ihn herum gesehen hätte. Hatte ich nicht, da ich nicht hellsichtig bin. Mir war aber, als wäre ein Engel dagewesen ... Was ist Geist-Chirurgie? Nicht eine andere Art schulmedizinischer Chirurgie, sondern aus unserer Sicht ein paranormales Heilungsgeschehen. Es wird nur in Brasilien und auf den Philippinen praktiziert. Störungen und Krankheiten erkennt der Heiler in der Ganzheit seines Patienten. Durch seine Mental-Energie, verbunden mit seinem Bewußtsein, dematerialisiert er Krankheiten Geschwulste - Schmerzen und verschiebt das in einem psycho-plastischen Vorgang durch den Körper und rematerialisiert es auf der Haut. Zugleich wird die energetische Grundregulation wieder aktiviert, so daß die Selbstheilungskräfte funktionieren können ... Der operative Vorgang ist immer schmerzlos. Betäubung und Asepsis sind nicht erforderlich, Nebenwirkungen nicht bekannt, wenig Blutverlust, Zeit 3 - 8 Minuten und unabhängig von der religiösen Einstellungen" (Faltblatt des AK, Waldstr. 20, 23611 Bad Schwartau). Über die an ihm selbst vollzogene Geist - Operation schreibt Veldung: "Nachdem ich mich später intensiv mit ’Geistigen Heilweisen’ beschäftigt hatte und z.B. in Rio die Operation von Dr. Fritz erlebt hatte, flog ich mit einer Gruppe von Kollegen auf die Philippinen. Aus Gründen der medizinischen Dokumentation und um die Beschwerden zu übersetzen, habe ich direkt 250 geistchirurgische oder paramedizinische Eingriffe in den Körper erlebt ... Nach einem Gebet legte die Heilerin ein weißes Handtuch auf meinen Oberkörper, das für sie eine Art Röntgengerät war. In Stichworten sagte sie, daß am Herzen und an der Prostata etwas gemacht werden müßte. Auch wollte sie die aufsteigenden Arterien reinigen und die Leber entschlacken. Sie machte mit ihrem Finger einen psychokinetischen Schnitt (in der Luft) über meiner Herzgegend. Es floß etwas Blut, und ich sah, wie sie mir Klumpen geronnenen Blutes zeigte. Dann nahm sie als Apport dematerialisiertes (pathologisches?) Material, das sich in der Wunde rematerialisierte und gab es mir. Es war einwandfrei menschliches Gewebe. Den Eingriff in meine Prostata filmte meine Kollegin. Ich spürte nichts. Niemals hätte ich mich bei einem Urologen auf den Tisch gelegt, denn die verhängnisvollen Nachteile einer schulmedizinischen Operation waren mir bekannt. Es wurde die lustigste Operation, die ich je erlebte. Am Skrotum (Hodensack) nahm die Heilerin die Watte wieder aus dem Körper, die sie mir in die Stirn gesteckt hatte. Ich wurde dann noch mit Energie aufgeladen, was ich als Prickeln empfand, und nach einem weiteren Gebet war nach einigen Minuten die Behandlung beendet. Wie hoch sind die Heilungsquoten? Es gibt keine exakten statistischen Unterlagen ... Als Richtwert gilt: Ca 3 % Spontanheilungen, 30 % Besserung oder Heilung in 14 Tagen, 30 %

Besserung oder Heilung in bis zu 6 Monaten, 30 % ohne Resonanz" (ebda). In seinem Faltblatt "Meine Begegnung mit dem Heiler und Geist Chirurgen Johannes" schreibt Veldung u.a.: "Der OP war ein Raum in einem Hotel auf den Philippinen ... An der getünchten Wand hing das Gnadenbild der Muttergottes von Guadalupe aus Mexiko City ... Ein Heiler hielt die Heilige Schrift aufgeschlagen mit dem 17. Kapitel des Johannes Evangeliums zwischen den Händen und richtete sie auf die kranke Stelle im Kopf ... Im Hintergrund spielte leise ein Kassettenrekorder die gregorianische Version des ’Veni creator spiritus’, ein Hymnus oder Lobpreis auf den Heiligen Geist, ohne den nichts geschieht. Bruder John (Johannes) legte den Kopf des Mannes auf eine Bibel in der Landessprache Tagalog. Mit seinen Händen glitt er dann über den nackten Körper ... Vorsichtig legte er dann seine Hände auf den Kopf und forderte ihn auf, zu beten und sich auf die Heilung zu konzentrieren. Dann ging alles sehr schnell: Er nahm den linken Zeigefinger einer unserer Patientinnen und machte 30 cm oberhalb der Schläfe einen Schnitt in der Luft. Sofort zeigte sich auf der Schläfenhaut ein 4 cm langer Schnitt, der sich langsam mit Blut füllte. Auf diese Körperöffnung durch einen psychokinetischen Schnitt legte er eine 1 Peso Münze, etwas Watte, die ein anderer Heiler mit einem Feuerzeug anzündete und gleich mit einem Schnapsglas - als Schröpfglas, überdeckte ... Die 4 Heiler warteten und beteten still. John nahm das Schröpfglas ab ... und entwickelte unter leichtem Ziehen ein daumengroßes, rotes Stück Gewebe, die materialisierte Form der Krankheit ... Der Heiler John tat das Beste, was er tun konnte, zu heilen mit den Worten des Sohnes Gottes, als wäre Er hier. Die Ausgabe des Buches der Bücher, voller Ölflecken und die vom Schweiß unzähliger Kranker gewellten Seiten, schien nichts von ihrer ursprünglichen Energie eingebüßt zu haben. Es war, als würde sich diese göttliche Energie nie verbrauchen ... Die geist-chirurgischen operativen Eingriffe geschahen sehr schnell. Wieder spielte sich das gleiche Ritual bei einer krebskranken Lehrerin ab: Aus dem Unterleib, eine Handbreite über dem Schambein, zog John jetzt Plastikfäden, Haarbüschel und eine Plexiglasscheibe hervor. ’Witchcraft’ sagte John ohne Betonung und meinte eine negative Beeinflussung durch dämonische Wesen, schwarze Magie oder eine Verfluchung ... Ihr Heiler gab ihr dann noch ein ungewöhnliches ’Medikament’ mit - die Versöhnung: Du sollst noch vor Sonnenuntergang all den Menschen verzeihen, die dich verletzt, verleumdet und gedemütigt haben (ebda). Veldung meint in gutem Glauben, die geschilderten "charismatisch-katholischen" Geist-Heilungen von magischer Geist-Chirurgie unterscheiden zu können. Über die kath. Geist-Heilerin Nieves, die mit einem kath. Priester und "Energiemasseur" zusammenarbeitet, schreibt er: "Sie gehört nicht zu den Heilmagiern, die ihre paranormalen Fähigkeiten zur Verblüffung der Heilungstouristen einsetzen. Durch eine Show lassen diese sich irritieren. Ihr Heilungsegoismus ist so grenzenlos, daß sie sich nur von den ’besten Heilern’ behandeln lassen wollen und dabei nicht merken, daß sie Magiern und Scharlatanen aufgesessen sind. Hier war alles offensichtlich, nichts war geheimnisvoll oder mit Tricks gespielt. Wir waren dabei. Aber haben wir das Wirken des Heiligen Geistes verstanden, den die Heiler zu Beginn eingeladen hatten?" Auch Nieves "operiert" unter einem Marienbild, segnet zusammen mit 5 anderen Heilerinnen und 3 Energiemasseuren "unser mitgebrachtes Mineralwasser, das vor den Behandlungen getrunken

werden sollte und unser Kokosöl, mit dem wir uns täglich massierten". Zu Beginn einer jeden Behandlung "gingen ihre Hände über den Körper ... Ihre Fingerspitzen drangen über und in die Haut. Blutwasser lief ... Die materialisierte Form der Krankheit nahm sie aus den kleinen, von ihr geschaffenen Körperöffnungen und legte sie auf die Hautfläche des Bauches, der Arme oder des Kopfes. Unter den knautschenden Handbewegungen bildeten sich auf der Bauchdecke unterschiedliche Formen von Gewebe. Dann drückte sie offensichtlich Watte in die erkrankten Bereiche, um sie am nächsten Tag, oft an anderer Stelle, wieder zu entfernen ... Auf einen Bogen Papier schrieb sie sehr schnell einige Sätze, die wir nicht lesen konnten. Am Abend sollte die Frau diesen Zettel verbrennen und die Asche mit einem Glas Saft trinken. Während des ’Automatischen Schreibens’ hatte Nieves Zugang zu Heil-Informationen aus einer anderen Dimension ... Im Hintergrund unseres Behandlungsraumes saß der Geistliche auf einem Stuhl, in sich versunken ... Dieser einfache, schlichte Priester war nicht als Theologe hier, sondern als Energiearbeiter. Nach den operativen Behandlungen lud er die verbrauchte Energie durch Massagen wieder auf. Keiner wollte darauf verzichten ... Eine Frau kam nach ihrer Behandlung zurück. Sie hatte starke Schmerzen... eine Form der Erstverschlimmerung... Nachdem der Schmerz wegmassiert war, setzte sich Nieves, hielt ihre Hände vors Gesicht, und mit tiefen Atemzügen und Erschütterungen kam sie aus ihrer Trance in unsere Wirklichkeit zurück" (Faltblatt "Meine Begegnung mit der Heilerin und Geist Chirurgin Nieves"). Wissenschaftliche Untersuchungen der "Geist - Chirurgie" beweisen, daß diese entweder auf Magie oder Betrug beruht. Der ev. Pfr. Dr. Kurt Koch nennt die Trancechirurgie ein spiritisches Phänomen, in dem es zu Apporten kommt. Diese Apporte bedeuten ein Auftauchen und Verschwinden von Gegenständen in geschlossenen Räumen, sog. Dematerialisationen. Er warnt ausdrücklich vor diesen dämonischen Praktiken, die immer eine Belastung des Seelen-und Glaubenslebens mit sich bringen. Geistheiler Bruno Gröning (Siehe unter Geistheiler bei www.horst-koch.de) Mesmerismus Franz Anton Mesmer (1734-1815) lehrte, einige Menschen seien - wie er - mit der Kraft des "Magnetismus" begabt. Durch "über den Körper streichen", Handauflegung oder Berühren mit besonderen Eisenstangen könnten Kranke an der magnetischen Heilkraft Anteil haben und geheilt werden. Die "Strahlung des Magnetiseurs" ist physikalisch nicht nachweisbar. Mesmer wurde als Betrüger entlarvt, mußte Wien, wo er eine lukrative Praxis unterhielt, verlassen und ließ sich in Paris nieder. Dort führte er "spiritistische Massenheilungen" vor und versprach, seine Heilmethode all denen zu offenbaren, die eine bestimmte Gebühr einzahlten. Dieses nie eingelöste Versprechen brachte ihm 340 000 Livres ein. Zwei vom Staat bestellte Ärzte-Kommissionen, die den sog. Mesmerismus untersuchten, kamen zu dem Ergebnis, daß der sog. "Heil-Magnetismus aller Realität bar und das Werk einer aufgeregten Einbildungskraft, wenn nicht gar absichtlicher Betrug" sei. Mesmer wurde aus Frankreich ausgewiesen, kehrte nach Deutschland zurück, (wo er 1734 in

Iznang am Bodensee geboren wurde) und starb 1815 in Meersburg am Bodensee. Noch heute stehen Mesmers Irrlehren Pate bei einer Vielzahl esoterischer Heilverfahren, die sich angeblich "magnetischer Kräfte" bedienen und durch Handauflegung "heilmagnetisches Fluidum" auf andere zu übertragen vorgeben.

Spiritistische Heiler Seit 1991 zieht die niederländische Geistheilerin Jomanda Tausende Heilungssuchende nach Tiel, nahe Arnheim, in eine mit 3000 Plätzen gefüllte Halle. Die Heilungsveranstaltungen beginnen mit einem englischen Song, dessen Refrain von allen gesungen wird: "Wir sind jetzt alle zusammen, um die Kraft des Lichtes zu bekommen und zu fühlen, wie die Energie nach innen geht". Solo singt Jomanda: "Wenn einst alle Christen und Moslems, Buddhisten und Hindus, arm und reich, solchermaßen sich auf eine höhere gemeinsame Kraft besinnen, dann könnte Frieden auf Erden sein." "Auf die Bitte Jomandas an das Publikum, die Bühne zu betreten, rutschen einige von ihren Stühlen und kriechen, wie ferngesteuert, mit roboterhaften Bewegungen durch den Saal. In Trance liegen Menschen am Boden, Gelähmte springen aus ihren Rollstühlen und rennen drei Stunden lang umher (nach dem Erwachen erinnern sie sich nicht mehr und werden in den Rollstuhl zurückgetragen). Andere brechen in lautes Weinen aus oder in schallendes Gelächter (sie lachen sich gesund), bleiben, wie von einer fremden Macht gefesselt, sitzen oder fallen rückwärts von ihren Stühlen. Bei der Heilbehandlung durch Handauflegung von Jomanda (etwa zwei bis drei Sekunden) fangen weitere Menschen an zu zucken, zu zittern, fühlen sich gewürgt oder spüren Stiche wie bei einer Injektion. Jomanda erklärt, nicht sie heile, sie sei nur Werkzeug, sondern verstorbene Ärzte von der anderen Seite. Der Saal sei voller Lichtwesen, die auch spirituelle Operationen durchführten. Tatsächlich behalten einzelne Besucher Narben oder Hautrötungen für einige Tage zurück. Niemand dürfe einen in Narkose (Trance) liegenden Menschen anfassen, das könnte starke Schmerzen auslösen. Am Ende der Veranstaltungen werden alle Besucher kostenlos mit ’aufgeladenen' Fotos und guten Ratschlägen von Jomanda versorgt: Wasser könne auch vor dem Radioapparat mit Heilkraft aufgeladen werden, wenn Jomanda sonntags regelmäßig über den Rundfunk zu hören ist. Die reichlich fließenden Spenden werden von einer Stiftung verwaltet und für gute Zwecke, für humanitäre Projekte ausgegeben. Überhaupt will Jomanda nur Gutes: Frieden und Liebe auf die Erde bringen". Diesen Bericht (Archiv der Vereinigung zum Schutz schwacher und hilfloser Menschen) ergänzt die Augenzeugin mit dem Kommentar: "Vergleicht man dieses Happening mit charismatischen Veranstaltungen, so ergeben sich viele Ähnlichkeiten. Lachen können die Dämonen auf alle Fälle, gelingt es ihnen doch, die Menschen ihrer Würde zu berauben und sie wie Tiere am Boden kriechen zu lassen. Allerdings wird bei Jomanda nicht gebrüllt, geknurrt oder gegackert wie bei charismatischen Veranstaltungen, wo das Gebrüll z.B. als das ’Brüllen des Löwen von Juda' gedeutet wird."

Geistheilung im Urteil der Bibel Die bei Wunderheilungen von Pfingstlern, Charismatikern und "Heilern" auftretenden Phänomene sind der Bibel unbekannt. Kein einziges Heilungswunder JESU oder der Apostel war mit Rückwärtsfallen, krampfartigen Zuckungen, Zittern, Schreien, "heiligem Lachen", Hüpfen oder Tierlauten verbunden. Von GOTT ergriffene Menschen fallen in Ehrfurcht stets nach vorn - auf ihr Angesicht oder auf die Knie. Das belegen zahlreiche Bibelstellen: "Da erschien die Herrlichkeit des HERRN dem ganzen Volke ... Als das Volk dies sah, jubelte es, und alle fielen auf ihr Angesicht" (3 Mos, 9, 24). "Ich fiel auf meine Knie nieder und breitete meine Hände zum HERRN, meinem GOTT aus" (Esra, 9,5). Zu Boden stürzt, wer vom Gericht GOTTES getroffen ist, wer versucht, Macht über GOTT auszuüben, oder von Dämonen Besessene während eines Exorzismus: "Als der Bote die Bundeslade GOTTES erwähnte (daß sie geraubt worden war), fiel Eli rücklings vom Stuhl" (Sam 4, 18). "Sogleich stürzte Saul seiner ganzen Länge nach zu Boden und geriet in große Angst" (1 Sam 28, 20). "Als ER nun zu ihnen (bei seiner Gefangennahme) sagte: ICH BIN es!', da wichen sie zurück und fielen zu Boden" (Joh 18,6). "Bei dem Anblick JESU schüttelte ihn (den Besessenen) der Geist; er fiel auf die Erde, wälzte sich und schäumte ... Unter lautem Geschrei und heftigen Zuckungen fuhr er (der Dämon) aus" (Mk 9,20). Die bei Geistheilungen zu beobachtenden körperlichen Reaktionen werden auch von Völkerkundlern in zahlreichen Publikationen über heidnische Völker beschrieben. Auch die im Namen JESU gewirkten Heilungen sind keine Garantie für ein Wirken GOTTES: "Viele werden an jenem Tage zu MIR sagen: HERR, haben wir nicht in Deinem Namen viele Wunder gewirkt?' Alsdann werde ICH ihnen offen erklären: Niemals habe ICH euch gekannt! Weichet von MIR, ihr Übeltäter!' (Mt 7,12 f). Schon der Apostel Paulus mahnte: "Lege keinem voreilig die Hände auf, und mache dich nicht fremder Sünden mit schuldig. Halte dich selbst rein" (1. Tim 5,22). Geistheiler und alle Esoteriker, die durch Handauflegung "Heilkraft" übertragen wollen, mißbrauchen das wirkmächtige Symbol der Handauflegung, die bereits im Alten Testament bekannt war zur Übertragung von Vollmachten (Erstgeburtsrecht und Amtsvollmacht). Durch Handauflegung segnete und heilte JESUS CHRISTUS und in Seinem Auftrag heilten auch die Apostel: "Da brachte man Kinder zu IHM, damit ER ihnen die Hände auflegte und für sie betete" (Mt 19,13). "Paulus ging zu ihm hinein und betete; dann legte er ihm die Hände auf und heilte ihn" (Apg 28,8). Die Handauflegung in Auftrag und Namen JESU CHRISTI ist in der katholischen Kirche bei der Sakramentenspendung der Firmung und Priesterweihe heiliges und wirkmächtiges Zeichen.

Unter Handauflegung wird den Priestern die Kraft der Sündenvergebung übertragen: "Da legten sie (Petrus und Johannes) ihnen die Hände auf, und sie empfingen den HEILIGEN GEIST (Apg 8,17). Durch Handauflegung wird der HEILIGE GEIST mitgeteilt, und durch Handauflegung beim Exorzismus werden Dämonen ausgetrieben. Deshalb setzt Satan alles daran, die Handauflegung für seine Zwecke zu vereinnahmen und Lügenwunder zu wirken, wozu er die Macht hat: "Der Widersacher, der sich erhebt über alles, was GOTT und Heiligtum heißt.... der sich für GOTT ausgibt... Sein Auftreten geschieht mit Teufelskraft unter allen möglichen Trugzeichen und Lügenwundern" (2.Thess 2,4f). In welchem Bereich kann der Truggeist durch Scheinwunder mehr Macht über die Menschen gewinnen als im esoterisch-medizinischen? "Heiler" sind nicht wie die Apostel von JESUS CHRISTUS bevollmächtigt und berechtigt, Heilwunder zu wirken. Sie maßen sich die Gabe der Heilung an, täuschen hilfesuchende Menschen und bringen sie in Abhängigkeit von okkulten Kräften. Heilungen durch Häretiker und Esoteriker sind nicht von GOTT geschenkt auch nicht, wenn sie in Heilungsgottesdiensten gewirkt werden. Sie müssen als "Heilzauber" verworfen und gemieden werden. Scharf verurteilt die Bibel, Handauflegung als "Heilzauber" zu mißbrauchen: "Als aber Simon sah, daß durch die Handauflegung der Apo¬stel der HEILIGE GEIST verliehen werde, bot er ihnen Geld an mit der Bitte: Gebt auch mir diese Gewalt, daß jeder, dem ich die Hände auflege, den HEILIGEN GEIST empfange.' Petrus aber erwiderte ihm: „Dein Geld fahre samt dir ins Verderben, weil du gemeint hast, die Gabe GOTTES für Geld zu erwerben. Du hast keinen Anteil und kein Anrecht darauf, denn dein Herz ist nicht aufrichtig vor GOTT“ (Apg 8,18f).

Handlesen Das Schicksal eines Menschen aus der Hand zu wahrsagen, ist Chiromantie, uralt und oft verflochten mit Astrologie. Heute hat das Handlesen - wie die Astrologie - auch seinen Platz in der esoterischen Medizin. Handleser bezeichnen sich als "Chirologen". Ihre Diagnostik nennen sie "Chirologie" (gr.: cheir = Hand und logos = Lehre). Nahezu alle Krankheiten wollen Chirologen aus der Hand lesen können, auch Aids und Homosexualität. Trotz erheblicher Widersprüche in der Deutung von Handzeichen, lassen sich bei Chirologen gemeinsame Vorgehensweisen darstellen: Sie alle beobachten die Handform, die Festigkeit, Farbe und Beweglichkeit der Hände und die auf den Handflächen befindlichen Furchen bzw. Papillar Leisten auf den Fingerkuppen und in der Hand. Widersprüche in der Deutung der Zeichen erklären Chirologen mit dem Hinweis, die Handlesekunst sei Begabung von "Auserwählten", von "Sehern". Vergleichende Untersuchungen von Publikationen über die Chirologie zeigen, daß die Handzeichen weder eindeutig charakterisiert werden, noch Chirologen übereinstimmend Auskunft ge¬ben über eine akute, bevorstehende oder überwundene Erkrankung oder über Krankheits Dispositionen. Es fehlen z.B. übereinstimmende Angaben über Länge der Furchen bzw. Leisten, über deren Anfangs und Endpunkte, ihre Winkelmaße usw.

Forschungen der Wissenschaftlerin Jasmin ei Mahmoud mit Patienten der Uni Klinik Marburg, deren Gallenwegserkrankungen durch klinische Untersuchungen eindeutig nachgewiesen waren, ergaben, daß diese aus der Hand nicht erkannt werden konnten. In einer Voruntersuchung hatte el Mahmoud festgestellt, daß Chirologen Zeichen eines Herzfehlers bei 60,3% der Patienten aus der Hand diagnostizierten, die Gesamtbevölkerung aber nur 0,2% echte Herzfehler aufweist, und daß ein Zeichen für Gallensteine in der Chirologie völlig fehlt, während 15 20% der Bevölkerung an Gallensteinen leidet. Das Ergebnis der Hauptuntersuchung faßt el Mahmoud zusammen: "Aus der Analyse geht hervor, daß es sich bei der Chirologie um ein paramedizinisches Verfahren handelt... Kritische Aufklärung auf diesem Gebiet erscheint daher dringend notwendig... Chirologische Pseudodiagnostik, wie sie zur Zeit betrieben wird, kann nur als Scharlatanerie bezeichnet werden" (I. Oepen, Paramedizin, S. 37f). Chirologie ist nach wie vor Chiromantie, Wahrsagerei, die von GOTT verboten ist. Hildegard Medizin Hildegard von Bingen (1098 - 1179), eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des Mittelalters, erste deutsche Naturforscherin und Mystikerin, war von Kindheit an visionär begnadet. Ihre bedeutendsten mystischen Werke sind: Liber Scivias, Liber vitae meritorum und Liber divinorum operum. Diese Bücher wurden von Hildegard unter Antrieb einer "inneren Stimme" herausgegeben, die ihr befahl, das Geschaute zu offenbaren. Die medizinischen und naturwissenschaftlichen Schriften Hildegards, so das Ergebnis heutiger Forschung, sind nicht visionären Ursprungs, sondern Sammlungen mittelalterlichen Wissens und deshalb nicht nur überholt, sondern z.T. falsch und als therapeutische Anleitungen gefährlich. Die medizinische Schrift Hildegards Causae et Curae ist nur als Handschrift aus dem 13. Jahrhundert erhalten, liegt also nicht im Original vor. Das fälschlich Hildegard zugeschriebene Buch eines unbekannten mittelalterlichen Verfassers "Von den Steinen" wurde erst im 16. Jahrhundert (1533 und in 2. Auflage 1544, Augsburg) ihrem Werk "Physica" (Naturkunde) hinzugefügt. In 26 Kapiteln werden Entstehung, Qualität, Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Steinen beschrieben. So soll z.B. der Magnetstein aus dem Speichel giftiger Schlangen und der Ligurit bzw. Titanit aus Luchs Urin entstanden sein. Viele Aussagen widersprechen dem christlichen Weltbild Hildegards und müssen als magisch und abergläubisch verworfen werden. Der Medizinhistoriker Heinrich Schipperges faßt nach gründlichen Recherchen zusammen: "Angesichts der zunehmenden Aktivitäten einer sog. Hildegard Medizin haben wir festzustellen, daß die naturkundlichen Schriften natürlichen Erfahrungen entstammen und dem Wissensstand der damaligen Zeit entsprechen... Die Versuche, eine durchaus berechtigte Naturheilkunde als Hildegard Medi¬zin' in die ärztliche Praxis und in den Bereich der Apotheke zu bringen, entbehren jeder wissenschaftlichen Grundlage" (Hildegard von Bingen, S. 65). In neuer Übersetzung (1985) machten Dr. med. Gottfried Hertzka und Dr. Wighard Strehlow das Buch des anonymen mittelalterlichen Verfassers als "Edelsteinmedizin der heiligen Hildegard" vor allem Katholiken bekannt, um es später in der Esoterik Szene gewinnbringend zu vermarkten (Bauer Verlag, Freiburg). Als wörtlich von GOTT diktiert und darauf legen beide Herausgeber wert soll Hildegard u.a. folgende Empfehlung gegeben haben:

"Ehe ein Mensch zu Bett geht, trage er allabendlich einen Achat offen (auf der flachen Hand liegend) kreuzweise durch das Haus, der ganzen Hauslänge nach und auch in der ganzen Breite. Dort werden Diebe ihr Handwerk weniger nach Belieben ausüben und beim Stehlen weniger Erfolg haben" (a.a.0. S. 21). Diese Anweisung sei "sicher hildegardisch" betonen die Übersetzer des mittelalterlichen Edelsteinbuches. Nur "peinlich genaues Befolgen der Vorschriften führt zum Erfolg", so vor allem der therapeutischen, da sie ja Offenbarungen Gottes seien: "Das mystische Diktat stellte Hildegard die Wortwahl nicht frei." So mache der Achat "geschickt und feinfühlig und klug im Gespräch, weil der Achat aus Feuer, Luft und Wasser geboren wurde" (ebda S. 18). Ein Epileptiker könne geheilt werden, wenn "er einen Achat drei Tage lang ins Wasser legt, wenn der Mond eben voll geworden ist. Am vierten Tag nehme er ihn wieder heraus und koche dieses Wasser leicht, ohne daß es aufwallt. Dieses Wasser soll er aufheben und damit alle Speisen kochen, die er verzehrt, bis der Mond ganz abgenommen hat" (ebda S.19). Lebensgefährlich sind Therapien, die einen rechtzeitigen Arztbesuch verhindern, wie z.B.: "Wo eine Spinne den Menschen an einer Körperstelle fixiert, da streiche man den Stein (Ametyst) über die Bißstelle, und er wird geheilt werden." Hertzka und Strehlow kommentieren: " Sehr wohl ist auch an einen Zeckenbiß zu denken, dessen Gefährlichkeit in den letzten Jahren in zunehmendem Maße erkannt worden ist. Unseren Wanderern in Wald und Flur kann man nur raten, sich mit einem Ametyst bewaffnet auf den Weg zu machen. Die Zecken, die hauptsächlich im Unterholz auf ihre Opfer lauern, gehören nämlich zu den Gliederfüßlern wie die Spinnen auch" (ebda S. 28). Wer sich auf einen Stein verläßt, für den wird jede Hilfe gegen die gefährliche Zecken Infektion wie Hirnhautentzündung oder Borreliose zu spät kommen. Zahlreiche andere Beispiele beweisen mangelndes Verantwortungsbewußtsein dem Kranken gegenüber: "Sogleich, wenn ein Mensch Gift aß oder trank, schabe er vom Beryll etwas Pulver in (Quell ) Brunnenwasser oder auch in anderes Wasser und trinke das sogleich. So an fünf Tagen einmal täglich nüchtern getrunken, wird er das Gift entweder durch Brechreiz ausspeien, oder es läuft durch den Magen hindurch und verläßt ihn hinten (mit dem Stuhlgang)" (ebda S.47). Theologisch völlig unhaltbar sind therapeutische Empfehlungen zur Heilung von Besessenheit: "Alle Edelsteine sind ihrer Natur nach dem Bösen feind", soll Hildegard in der Einleitung zu "ihrem" Edelsteinbuch geschrieben haben (ebda S.10): "Wenn ein Mensch vom Teufel besessen ist, so gieße man ein wenig Wasser über den Chrysopras und spreche dabei: „O, Wasser, ich gieße dich über diesen Stein mit jener Macht, durch welche Gott die Sonne mit dem Lauf des Mondes verknüpfte.' Und dieses Wasser sollst du dem Besessenen zu trinken geben ... An jenem ganzen Tag wird der Teufel in ihm gequält und immer schwächer und übt dann seine Kräfte in ihm nicht so aus, wie er es vorher getan. So verfahre an fünf Tagen. Am 5. Tag aber mache mit dem Wasser ein dünnes Brötchen, ein Dürrbrot, und gib es ihm zu essen, auf welche Weise du es kannst. Wenn der Luftdämon kein bösartiger ist, wird er von jenem Menschen weichen." Auf folgende Weise könne man erkennen, ob der Luftdämon harmlos oder bösartig sei: "Wenn der Mensch gerne lacht und andere Menschen freundlich, d.h. holdselig ansieht, auch wenn er zwischendurch ab und zu mit den Zähnen knirscht und griesgrämig ist, dann ist dort ein gutartiger Luftgeist da ..." (ebda S. 67f). Abgesehen davon, daß es keine harmlosen oder gar "gutartigen" Dämonen gibt, wird jeder

Exorzismus zum magischen Hokuspokus herabgewürdigt, deutlicher noch in folgendem Beispiel: "Nimm ein noch warmes Roggenbrot und schneide in die obere Kruste das Zeichen des Kreuzes, ohne aber das ganze Brot durchzuschneiden. Dann nimm den Hyazinth, und ziehe den Stein diesen Schnitt entlang von oben nach unten, und sprich dabei: Gott, der die ganze Edelsteinherrlichkeit dem Teufel abnahm, als dieser seinen Auftrag übertrat, befreie dich, N.N., von aller Verblendung und Zaubersprüchen und löse von dir das Leiden dieser Verwirrtheit!' Und nochmals ziehe mit diesem Stein in der Quere über jenes warme Brot und sprich: ,Wie der Glanz, den der Teufel ursprünglich besaß, wegen seiner Übertretung ihm genommen wurde, so werde auch diese Sinnesverwirrung, die dich, N.N., durch mancherlei Blendwerk und mannigfache Verzauberung plagt, von dir genommen und falle von dir ab'... Wenn du das oft machst, wird er geheilt werden" (ebda S. 79f). "Wenn ein Mensch von einem bösen Geist besessen ist, soll ein anderer Mensch den Saphir in Wachs legen und das Wachs in Leder einnähen und ihm den Lederbeutel um den Hals hängen und sprechen: ’O du schädlicher Geist, weiche sofort von diesem Menschen, so wie bei deinem ersten Sturz die Herrlichkeit deines Glanzes sofort von dir abfiel.' Und der böse Geist wird sehr geplagt werden und wird von diesem Menschen weichen, außer wenn es ein ganz böser, ganz schlimmer Geist ist..." (ebda S. 117). Diese Beispiele beweisen den antibiblischen esoterischen Geist des mittelalterlichen Steinbuches. Unter Besessenheit versteht die Bibel die Inbesitznahme des Körpers eines Menschen durch einen oder mehrere Dämonen. Daß es Besessenheit gibt, ist in der Bibel mit rund 50 Berichten über Teufelsaustreibungen (Exorzismen) bezeugt. JESUS selber hat exorziert, um zu beweisen, das durch IHN und nur durch IHN Satan und sein Anhang besiegt worden ist: "Der Sohn GOTTES ist dazu erschienen, daß ER die Werke des Teufels vernichte" (1. Joh 3,8). Und nur "im Namen JESU" können Menschen von Besessenheit geheilt werden: "In Meinem Namen werden sie (die Jünger JESU) Teufel austreiben" (Mk 16,17). In allen Exorzismus Beispielen der sog. Hildegard Edelstein-Medizin ist kein einziges Mal der Name JESUS als wunderwirkende Macht erwähnt. An Seine Stelle sind Steine und Beschwörungsformeln gesetzt, tote Steine und Magie. Indem Hertzka und Strehlow das mittelalterliche Buch der Steine als göttliches Diktat vorstellen, entziehen sie seinen Inhalt nicht nur jeder kritischen Hinterfragung und Überprüfung, sie stellen das esoterische Buch auch gleichwertig neben die Autorität der Bibel. Zahlreiche "Hildegard Freunde" werden dadurch zu magischen und abergläubischen Praktiken verführt und geraten auf den Irrweg esoterischer Medizin. Als Esoteriker enttarnen sich Hertzka und Strehlow auch, wenn sie feststellen: "Die Edelsteine spielen aufgrund ihres kosmischen Ursprungs eine wichtige Schlüsselrolle' bei der Heilung des ganzen Menschen an Körper, Seele und Geist" (a.a.O.136S. 154). Um esoterische Irrlehre handelt es sich auch, die Verantwortung für eine Erkrankung allein dem Patienten zuzuschreiben, Steine als sakramentalen Ersatz aufzuwerten und die Heilung von Krankheiten als Gebetserhörung ausdrücklich auszuschließen: "Alle anderen Heiligen beschatten vom Himmel her immer noch irgendwie das Werk ihrer Erdentage. Die gute Hildegard darf das nicht... So kann niemand mehr behaupten, die medizinischen Erfolge der Hildegardmittel beruhten auf Glaubenswundern" (Handbuch der Hildegard Medizin, 1987, S.1 12). Wer über die Hintergründe der sog. "Hildegard Edelstein Medizin" aufklärt, wird von "Hildegard Freunden" mundtot gemacht:

"Stellen Sie sich vor, welchen Schaden Sie dem Reich Gottes zufügen, wenn Sie so negativ über Edelsteine berichten!" Es folgen dann in der Regel nicht überprüfbare Heilungsberichte, die dem Kritiker "gänzlich die Luft nehmen" sollen, verbunden mit der selbstherrlichen Aufforderung, sich für die "falschen" Informationen zu entschuldigen. Die Edelsteine seien ein Geschenk GOTTES und ihre Wirkung "wissenschaftlich abgesichert". Aber die Steine gäben ihre verborgenen Kräfte eben nur jenen preis, die sich ihrer "inneren Wirklichkeit" öffnen würden. Sog. "Hildegard Freunde" glauben und "wissen" es deshalb immer besser.

Iris - Diagnostik Die "Iris-Diagnostik", nach 1881 durch den ungarischen Homöopathen Ignaz von Peczely bekanntgemacht, wurde bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts verworfen und ist heute durch zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen als Scharlatanerie enttarnt. Trotzdem gehört sie nach wie vor zu den beliebtesten Diagnose-Hilfsmitteln von Heilpraktikern und Heilern. Peczely lehrte, der gesamte Organismus sei durch Nervenbahnen mit der Iris verbunden. Aus Struktur und Verfärbungen der Iris könne auf Störungen und Krankheiten geschlossen werden. Heute sind rund 20 "Iris-Karten" im Gebrauch, die das Auge in Segmente aufteilen, die den einzelnen Organen zugeordnet werden. Diese Iris Karten weichen z.T. erheblich voneinander ab. In einer Doppelblind Studie der Universität Maastricht, Niederlande, sollten Iris-Diagnostiker Gallensteine bzw. eine entzündliche Gallenblase diagnostizieren. Die Versuchsteilnehmer legten als Ort der Gallenblase den unteren Quadranten der rechten Iris fest, etwa die Position "viertel vor Acht". Die Gallensteine hätten dort nach der Iris-Diagnostik an dunklen Flecken erkannt werden müssen, die Gallenblasen Entzündung an weißen Streifen. An dem Versuch nahmen fünf der angesehensten Irisdiagnostiker der Niederlande teil, darunter zwei Schulmediziner. Das Ergebnis war für alle erschütternd. Es entsprach der Zufallshypothese, d.h. die richtigen Treffer hätten von jedem Laien erzielt werden können. Der Versuchsleiter Prof. Dr. Paul Knipschild, Maastricht, stellt abschließend fest: "Statt dem Patienten in die Augen zu sehen, kann man ebenso gut eine Münze werfen... Die Versuchsergebnisse wurden auch einigen an der Studie beteiligten Schulmedizinern vorgelegt. Nach dem Studium der Ergebnisse äußerten sie, daß sie Irisdiagnostik fortan als Quacksalberei betrachten würden" (zitiert in: Skeptiker 3/89). Die Marburger Dissertation "Über die lrisdiagnostik" (von A. Dern, 1984) faßt alle ausländischen Studien zu diesem Thema zusammen. Ergebnis der Studien: Alle Forschungen haben ein negatives Ergebnis. Eine vergleichende amerikanische Studie beweist, daß Iris-Diagnostiker nicht nur falsche Diagnosen stellen, sondern auch untereinander in ihren Ergebnissen stark voneinander abweichen (I. Oepen und A. Sarma, Paramedizin, Band 2). Wer einer Iris-Diagnose vertraut und diese nicht schulmedizinisch überprüfen läßt, läuft Gefahr, gesundheitlichen Schaden davonzutragen.

Klangtherapie Heilende Kräfte werden in der esoterischen Medizin auch "schamanischen" bzw. buddhistischen Musikinstrumenten zugesprochen: Gongs, Zimbeln, Glocken, Trommeln, Maracas oder "Rainsticks" (mit Steinchen gefüllten Kalebassen bzw. Kakteen), Monochorden (Harfensaiten unter Massagetischen) oder tibetischen Klangschalen. Bei den Klangschalen handelt es sich um verschieden große Messingschalen aus dem tibetisch buddhistischen Ritual, die aber en gros in Indien und Nepal (wo sie als traditionelles Küchengeschirr dienen) eingekauft und mit fantastischen Versprechungen teuer weiterverkauft werden. Die Werbung verspricht: "Schon vor 5000 Jahren setzte die alte indische Heilkunde auf die Urkraft der Klänge. Der durchdringende Ton der tibetischen Klangschalen entspannt tiefgreifend, löst Unsicherheiten, Blockaden und Verspannungen, setzt schöpferische Kräfte frei, reinigt die Aura, so daß die kosmische Energie wieder frei fließen kann." Klangschalen Importeure erklären, daß die Klangschalen zum "spirituellen Wegbegleiter" würden, wenn sie für regelmäßige Übungen zu Hause aufgestellt werden, "in Resonanz mit den Planeten schwingen" und entsprechende Töne hervorbringen würden. So schwingt Jupiter angeblich in "Fis", Mars in "D", Venus in "A" usw. Das gesamte Klangschalen Sortiment beträgt 14 Schalen: 11 "Planetentöne", der Kosmos Grundton "Cis", der "Ton des Wassermannzeitalters" F und der "Grundton der Hopi Indianer" E. Zu therapeutischen Zwecken werden die Klangschalen auf den Körper des liegenden Patienten gesetzt und nacheinander mit einem Klöppel angeschlagen. - Die "Klangtherapie" ist Bestandteil zahlreicher esoterischer Heilverfahren.

Meditationstechniken Esoterische Meditationstechniken sind identisch oder vermischt mit fernöstlichen Meditations Praktiken aus dem Hinduismus oder Buddhismus. Esoterische Meditation dient nicht nur dem Streßabbau oder der Entspannung, wie die Werbung verspricht, sondern versteht sich als Religion oder "Glückslehre", die mit der christlichen Heilslehre unvereinbar ist. Versuche, fernöstliche Meditationstechniken zu verchristlichen, sind gescheitert. Ziele esoterischer Meditation sind im wesentlichen: Bewußtseinserweiterung, Selbstentfaltung, innere Ruhe, Frieden, Stärkung der Selbstheilungskräfte, Weisheit, Vereinigung mit Geistwesen oder Göttern, Befreiung von Leid und Krankheit, Erleuchtung, Erlösung aus dem Kreislauf der Wiedergeburten. Voraussetzungen erfolgreicher Meditationsübungen sind: ein ritueller Ort, rituelles Sitzen (oder Liegen), die richtige Körperhaltung (auch der Hände und Finger), Kontrolle der Sinneswahrnehmungen (Augen geschlossen, Ausschaltung aller akustischen, optischen und taktilen Reize), Gefühlskontrolle (Gleichmut), Atemkontrolle (auch Hyperventilation), Gedankenkontrolle (die Aufmerksamkeit soll auf einen Punkt eingeengt werden), körperliche Entspannung. Objekte der Konzentration sind in der Regel: Ein vorgestellter Punkt in kurzer Entfernung leicht über dem Boden, Töne, Klänge, das sog. Dritte Auge (zwischen den Augenbrauen), die Nasenspitze, eine Kerzenflamme, ein Mantra (Name

eines Götzen), ein Mandala, Erinnerungsvorstellungen, bestimmte Lehrsätze (Ich bin Brahman), die Leere u.a. In der "Visualisierungstechnik" soll sich der Meditierende auf bestimmte Vorstellungen konzentrieren, bis er sie "sieht": Licht, geistige Wesen, Symbole, Feuer, Farben, Buddha und Götter. Bei der "Rezitationstechnik" werden sog. Heilige Silben (OM), Götternamen oder Verse laut gesprochen oder gesungen und oft stundenlang wiederholt. Die Wiederholung von Götternamen sind zugleich Anrufungen. Die Silbe OM steht für den indischen Götzen Krishna: "Ich bin... die Silbe OM in allen Veden" (Baghavad Gita 7,8). In der "Identifikationstechnik" soll sich der Meditierende ein Objekt wählen, mit dem er zu einer Einheit verschmelzen will. Hilfsmittel bei der Meditation sind u.a. Kerzen, Düfte, aromatische Öle, Schaukel und Wiegebewegungen, Kreiseln, Drehen, ekstatische Gebärden. Meditationsübungen sollen "erweitertes Bewußtsein", Satori (Erleuchtung), transzendentale Zustände, außerkörperliche Erfahrungen herbeiführen und das Tor zur "anderen Welt" öffnen, d.h. Kontakte zu "Jenseitswesen", zur astralen Welt, zur "höheren Welt", zum "Göttlichen", zu den Tiefen der Seele, zum absoluten Sein, zur spirituellen Wirklichkeit, zur inneren Welt herstellen. Diese "innere Welt" ist immer die äußere Welt der Geister, die sich in der Meditations Trance dem Menschen nähern, weil er mit ihnen Verbindung gesucht hat bewußt oder unbewußt. Die herbeigerufenen "Lichtwesen", Schutzgeister, Geistführer, Luft- und Feuerwesen oder spirituellen Führer sind immer Dämonen, da sich die guten Geister, die Engel, nicht vom Menschen herbeizitieren lassen. Letztes Ziel der Meditationsübungen ist die "inkorporation", die Einverleibung transcendentaler Mächte, Energien oder Kräfte, die zu übermenschlichen Leistungen befähigen sollen: Hellsehen, Levitation, Wissen um Verborgenes, Telepathie, Wunderheilungen , Visionen und Auditionen. Diese "übernatürlichen" Fähigkeiten zeigen auch Besessene. Esoterische und fernöstliche Meditationstechniken haben keine Heilkraft. Im Gegenteil: Sie können zu schweren seelischen und geistigen Erkrankungen führen, zu Depressionen, Ängsten, Albträumen, Suizidgedanken, zu Umsessenheit und Besessenheit. Nicht die "Leere des Geistes" ist das Ziel des Menschen, sondern aktives Gebet, das Gespräch mit GOTT und aktives Studium der hl. Schrift. Nicht Gleichmut ist dem Menschen aufgegeben, sondern tätige GOTTES und Nächstenliebe im Gehorsam gegenüber den Geboten GOTTES. "Seid nüchtern und wachsam!" mahnt die Bibel. Mandala Meditation Mandalas sind Kreisbilder mit konzentrischem Aufbau. Sie werden aus verschiedenen Materialien hergestellt und enthalten geometrische, gegenständliche oder abstrakte Muster. Im Hinduismus und Buddhismus dienen sie als Meditationshilfe, um außerordentliche Kräfte und Energien im Zustand der Trance zu wecken. Auf die kleine Anfrage im baden württembergischen Landtag, welche Bedeutung das Mandala Malen in den Schulen habe, antwortete das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport am 27.7.1998: "Unter Mandala (Sanskrit = Kreis, Ring) versteht man ein mystisches Diagramm, welches in konzentrierter Anordnung den Kosmos und die Götterwelt versinnbildlicht. Es handelt sich dabei um eine Darstellung symbolhafter religiöser Erfahrungen zu Meditationszwecken".

Durch Konzentration der Aufmerksamkeit auf einen Punkt, die Mitte des Mandalas, soll es dem Menschen gelingen, wie durch einen Tunnel in die jenseitsgelegene Welt zu gelangen. Mandalas werden auch im Schamanismus für "Astral Reisen" eingesetzt, als Technik der spirituellen Transkommunikation, der Kontaktaufnahme mit Geistwesen. Esoteriker nennen diese Geistwesen auch "höheres Selbst" oder "göttliche Energien", die durch Mandala Meditation bzw. Mandala Malen geweckt werden sollen. Mandalas spielen auch in Schulen bei Konzentrations und "Stille Übungen" eine immer größere Rolle. Schulkinder werden angeleitet, sich auf das Zentrum des Mandalas zu konzentrieren: "Du fühlst dich, als würdest du da hereingezogen... Stell dir vor, daß du einen langen Tunnel entlang in das Zentrum hineinwanderst. Du gehst direkt in das Zentrum hinein, durch dieses Zentrum hindurch und kommst auf der anderen Seite in das reine Licht hinaus" (D. Rozmann, Meditation für Kinder). Mandalas werden von tibetischen Mönchen für magische Rituale benutzt: Während des "Kalachakra Tantra Rituals" in Graz (Oktober 2002) unter dem Vorsitz des Dalai Lama, wurde z.B. ein Sand-Mandala erstellt mit der Einladung an Götter und Dämonen, im "Mandala Palast" ihren Wohnsitz zu nehmen. An erster Stelle unter 100 mächtigen Göttern wurden Nechung, der mächtige Kriegsgötze, offizielles Staatsorakel der tibetischen Exilregierung und persönlicher Ratgeber des Dalai Lama, eingeladen und der Todesgott Yama, Feldherr der Yama Truppen, ausgestattet mit schadenbringenden Gegenständen wie Tierhäuten und "abgeschnittenen Köpfen fleischfressender Dämonen". Durch die Sand Mandala Zeremonie sollen die angerufenen Götzen spirituelle Herrscher über ein bestimmtes Gebiet und seine Bewohner werden. Die Internet Seite des Dalai Lama erklärt zum Sand Mandala in Graz: "Weil jedes Sandkorn geladen ist mit den Segnungen des rituellen Prozesses, verkörpert das ganze Sand Mandala einen gewaltigen Speicher an spiritueller Energie". Je nach Anleitung kann es beim meditativen Ausmalen eines Mandala Bildes zu einer Kontaktaufnahme mit der übersinnlichen Welt kommen, vor allem, wenn es verbunden wird mit ritueller Körperhaltung, bestimmten Atemübungen und anderen Meditationspraktiken in abgedunkelten Räumen, begleitet von meditativer Musik, Kerzenlicht u.a. Einzelne Schulkinder zeigen nach Mandala Meditation Verstörtheit bis zu schweren seelischen Störungen: Ängste, Albträume, Verwirrtheit und Suicidgedanken. Mandala Meditation muß zu den okkulten Praktiken gezählt werden. "Das große Praxisbuch der Weißen Magie" (München, 2000) zählt das Mandala zu den magischen Symbolen.

Reiki Siehe unter www.horst-koch.de

Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) Der weltanschauliche Hintergrund der Traditionellen Chinesischen Medizin ist eine Mischung aus Taoismus, Konfuzianismus, Universismus (am Universum orientiert), Buddhismus, Schamanismus und magischen Riten. Die Chinesen sprechen von "Lehren" oder "Schulen", da die chinesische Sprache das Wort

"Religion" nicht kennt. Grundlegend für das therapeutische System der TCM ist die Vorstellung, daß Makrokosmos und Mikrokosmos durchzogen sind von der kosmischen Lebensenergie Qi und daß das gesamte Universum bestimmt ist von den polaren Kräften Yin und Yang. Krankheiten entstehen nach dieser Theorie, wenn das Gleichgewicht von Yin und Yang gestört ist, so daß die Lebens-Energie Qi nicht mehr ungehindert durch die Meridiane (Energiebahnen) fließen kann. Die Gesundheit kann nur durch die Harmonisierung von Yin und Yang wiedererlangt werden und zwar: 1. durch Medikamente, körperliche Übungen (Qi Gong, Tai Qi Quan), die richtige Atemtechnik und Meditation, 2. durch Einwirken auf die Energiebahnen des Körpers, in denen Qi fließt (Nadelung, Akupressur, Moxitherapie) und 3. durch Gestaltung der Umwelt (Feng Shui). Da die kosmische Energie Qi, die Energiebahnen, Chakren (Energie Tore), Akupunkturpunkte, Yin und Yang mit wissenschaftlichen Methoden nicht nachweisbar sind, handelt es sich bei der Traditionellen Chinesischen Medizin um einen Glauben: Fundament der TCM ist der Glaube an das Wirken kosmischer Kraft unter dem ewigen Prinzip des Tao, zahlreicher Gottheiten und Geister, vor allem der Ahnengeister, denen regelmäßig geopfert werden muß, um sie gnädig zu stimmen. Qi als zentraler Begriff der TCM ist gleichzusetzen mit Universalkraft, Lebenshauch, Primär oder Urenergie, Heil Energie, kosmischer Energie. In ihrem Selbstverständnis ist die TCM eine Religion. Sie will nicht nur Krankheiten heilen, sondern religiöse Werte vermitteln: Friede, Ruhe, Harmonie, das Heil, d.h. die volle Gesundheit des Körpers und der Seele. "Gesund" sein heißt, "heil" zu sein; "heil" sein heißt, "eins" zu sein mit der kosmischen Energie Qi. Die TCM ist mit dem christlichen Glauben nicht vereinbar: Der Irrglaube an die allgegenwärtige, unpersönliche kosmische Kraft tritt an gegen den personalen GOTT, den Schöpfer und HERRN des Kosmos, Himmels und der Erde, gegen den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist. Grundkonzept der TCM ist das Leben in Harmonie mit Yin und Yang. Diese Zielvorstellung geht an dem einzigen Weg zu GOTT vorbei, an dem Erlöser JESUS CHRISTUS. An die Stelle Seines Erlösungswerkes tritt die Selbsterlösung durch die Anwendung chinesischer Therapien, an die Stelle von Sünde und Vergebung tritt der energetische Ausgleich mangelnder Harmonie mit Qi. Erfolge der TCM müssen als Placebo Wirkung oder okkult erklärt werden. Daß die TCM außer der Seele auch dem Körper Schaden zufügt, beweisen u.a. Untersuchungen des Medizinischen Labors Bremen. Heilkräuter Rezepturen, die auch in Apotheken angeboten werden, sind belastet mit Cadmium, Thallium, Blei, mit Pestiziden, Schwermetallen und Schimmelpilzen. Helmut Dietrich Koester, Umweltmediziner des Bremer Labors, stellt fest: "Die Pestizidwerte halte ich für bedenklich. Über die hohe Schwermetallbelastung bin ich erschrocken" (GreenpeaceMagazin, 4/04). "Der Handel mit den Arzneimitteln neu auf den Markt drängender, nicht erfasster Therapierichtungen wie der chinesischen Medizin bedarf dringend der Kontrolle. Hier gibt es hohe Risiken durch Toxizität selbst in vermeintlich harmlosen Tees, oder es gibt Beimengungen von Pharmaka wie Cortison u.a. in derartigen Mitteln. Man muß sich von dem Gedanken freimachen, daß auf dem Gebiet der Außenseitermedizin reine Idealisten eine naturgemäße, "sanfte" Medizin betreiben, vielmehr ist dies auch ein Tummelplatz geldgieriger Scharlatane, mit und ohne ärztliche Approbation, die die Patienten schamlos ausnehmen" (K. D. Bock und M. Anlauf, Am Ende des Weges: Magie als Kassenleistung? www.konsequente positivliste.de).

Die chinesische Medizin, die ausschließlich genuine pflanzliche, tierische und mineralische Substanzen zusammenstellt, unterscheidet bei der Rezeptherstellung vier Wirkweisen: Der "Herrscher" ist das Hauptmedikament. Es bekämpft die eigentliche Krankheit unterstützt vom "Minister", vom "Assistenten" und dem "Gehilfen". Dem Analogiezauber entsprechend wird z.B. der gelbe Safran eingesetzt gegen Gelbsucht, der Leuchtkäfer gegen Augenleiden. Störungen der oberen Körperhälfte werden mit Medikamenten aus Knospen und Blüten behandelt, Krankheiten der unteren Körperhälfte mit Arzneien aus Wurzeln. Geerntet werden die Pflanzen nachts bei Vollmond. Zubereitet werden sie in irdenen Gefäßen. Während die Medikamente energetisch als sog. "innere Therapie" wirken, werden andere Verfahren als "äußere" Therapie eingesetzt: Die Akupunktur soll das Gleichgewicht zwischen Yin und Yang und damit das ungehinderte Fließen des Qi wiederherstellen. Die Kinesiologie geht davon aus, daß verspannte Muskeln ein Ungleichgewicht von Yin und Yang zeigen. Die Moxibustion will die Harmonisierung durch Wärme bewirken. Qi Gong, im 2. Jahrhundert nach CHRISTUS von dem chinesischen Arzt Hua Tuo entwickelt, soll Qi durch bestimmte körperliche Übungen aktivieren, durch bestimmte Vorstellungen durch den Körper leiten und so Blockaden lösen und energetische Mangelzustände beeinflussen. Qi Gong Meister übertragen die Heil Energie auch aus der Ferne, wirken auf Gegenstände ein, sind fähig, massive Steine und dicke Stahlstangen mit ihren Händen zu zerbrechen und durch "Schleudern" ihrer Energie Feuer zu entzünden. Diese übermenschlichen Fähigkeiten werden auch bei Besessenen beobachtet. T'ai Chi (T'aiji) bedeutet "Höchste Energie" und bezeichnet eine Kampfkunst bzw. Bewegungsmeditation, den Kampf mit einem imaginären Gegner (Schattenboxen). Die im Zeitlupentempo ausgeführten Bewegungen (zwischen 30 bis 180) sind Angriffs , Rückzugs oder Verteidigungsgebärden. Sie sollen die Lebensenergie Chi (Qui, Ki) anregen und Yang und Yin harmonisieren. T'ai Chi gehört zur "Traditionellen Chinesischen Medizin" (TCM) und wird in Deutschland seit etwa 25 Jahren in "Gesundheitszentren", Fitness Centren und Volkshochschulen angeboten. Chinesische T'ai Chi Lehrer schmücken sich häufig mit Dr. bzw. Professorentiteln, die aber keinen akademischen Grad bedeuten, sondern geschäftstüchtige Übertragungen chinesischer Ehrentitel sind. Als therapeutische Methode so die Werbung könne T'ai Chi alle körperlichen und seelischen Krankheiten heilen. Wissenschaftliche Belege gibt es dafür nicht. T'ai Chi Ch'uan, bedeutet "höchste Energie der Faust". Diese Kampfkunst ist vergleichbar mit den fernöstlichen Nahkampf-Disziplinen Judo, Karate, Teakwondo oder auch Kung Fu (tödliche Fauststöße).

Transzendentale Meditation (TM) Transzendentale Meditation, kurz TM, ist sowohl die Bezeichnung einer Psycho-Technik als auch der Sekte unter der Führung des indischen Gurus (göttlicher Meister) Maharishi (großer Weiser)

Mahesh Yogi. Daß es sich bei der TM um eine "Psychosekte" handelt, hat das Bundesverwaltungsgericht bereits 1989 entschieden.... In ihrer Werbung verspricht die TM Sekte "höhere Intelligenz, mehr Energie, mehr Kreativität und Produktivität, Steigerung der Abwehrkräfte und harmonische Persönlichkeitsentfaltung, die in einer natürlichen und leicht erlernbaren Technik" erreicht werden könnten. Dieser sog. "Maharishi Effekt" sei wissenschaftlich nachgewiesen. In sieben Stufen soll der TM Schüler aufsteigen zum sog. "Siddhi Programm", weiches "übernatürliche Kräfte" vermitteln könne: Die Schüler erlebten "einen Energiestrom, der durch den Körper geht, verbunden mit Licht und Glückseligkeit". Sie könnten dann "auf der Luft gehen", fliegen, "durch Wände schreiten" usw. Die erste Stufe ist Vorstellung der TM, die zweite Stufe Einführung in die TM Technik, die dritte ein persönliches Gespräch mit dem TM Lehrer, die vierte das Einführungs-Ritual "Puja" mit der Übergabe des "Mantras", die 5. bis 7 Stufe sind Überprüfungen des TM Schülers in autoritärem Stil. Die als "wertneutrale Meditationstechnik" vorgestellte TM ist in Wahrheit Götzendienst. "Puja" ist Anbetung von Hindu Götzen verbunden mit Opfergaben. Das zu meditierende "Mantra" ist ein Götzen Name, verbunden mit einer Verehrungsformel, z.B. "Shree Aing Nahma" = "Oh du wunderbarer Aing, vor dir verneige ich mich!" Bei TM Schülern werden nicht selten Nervenstörungen, Ängste und Depressionen beobachtet, die von den TM Lehrern als vorübergehende Reaktion eines ungeübten Nervensystems verharmlost werden und deshalb unbehandelt bleiben. TM-Lehrer sind weder psychologisch noch psychiatrisch ausgebildet. Das festzustellen, hat das Oberverwaltungsgericht Münster ausdrücklich erlaubt. 1975 hat Maharishi Mahesh Yogi das "Zeitalter der Erleuchtung" ausgerufen und 1976 "die Weltregierung des Zeitalters der Erleuchtung" gegründet. Seit 1994 tritt die TM Sekte als Naturgesetz Partei – Aufbruch zu neuem Bewußtsein bundesweit zu Wahlen an. Yoga (Joga) Das Wort Yoga kommt aus dem Sanskrit (altindische Gelehrtensprache) und bedeutet "Anjochung", "Vereinigung". Gemeint ist die mystische Vereinigung der menschlichen Seele mit einer Gottheit oder "Brahman", das Erlöschen des individuellen Selbst (Atman) im unpersönlichen Ur Sein. Yoga wurde von den Upanishaden (200 v. Chr.) entwickelt und hat seitdem zahlreiche Ausprägungen erfahren. Letztes Ziel ist ein veränderter Bewußtseinszustand, die Trance. Die Einheit mit einer Gottheit (Krishna) oder "Brahman" erreicht der Yoga Aspirant in 8 Schritten: 1. Er verspricht, alle Leidenschaften auszulöschen. - Dazu dienen ein ritueller Ort, die rituelle Körperhaltung und die Einengung der Konzentration auf einen Punkt. 2. Er unterzieht sich strenger Selbstdisziplin in Stille, Studium und Gebet. 3. Er übt die rechte Körperhaltung und Atemtechnik: Lotussitz, bestimmte Hand , Finger , Augen und Zungenhaltung u.a. 4. Er rezitiert und wiederholt die "heilige Silbe" OM (steht für Krishna). 5. Er zieht sich völlig aus der Welt der Sinne zurück. 6. Er übt sich in der völligen Entleerung seines Verstandes. 7. Er übt die Trance ein durch Identifikationsübungen, Deprivationsübungen (Zurückziehen aller Sinneswahrnehmungen), Visualisierungsübungen (Vorstellungen mit Wahrnehmungs Charakter) u.a. 8. Er erreicht im Trancezustand die mystische Vereinigung mit der erwählten Gottheit oder

Brahman. Yoga ist vor allem eine ekstatische Meditations Technik der Selbsterlösung aus dem Kreislauf der Wiedergeburten, eine Todeskunst. Das Ziel ist der Tod des "Ich" im Nirvana. In der "Bhagavad Gita", dem bedeutendsten altindischen Text, werden die vier Hauptformen des Yoga vorgestellt: Jana-Yoga (Weg der Erkenntnis), Bhakti-Yoga (Weg der Anbetung und Hingabe), Karma-Yoga (Weg des Handelns) und Raja-Yoga (der "Königsweg", die Vereinigung aller Yoga Wege). Alle vier Yoga Formen stellen Wege zur Erreichung des Zieles dar: Über spirituelle Transzendenz, liebevolle Hingabe an die Götter, soziale Pflichterfüllung und Meditation, aus dem Kreislauf der Wiedergeburten erlöst zu werden... Der ausfühliche Joga - Artikel siehe unter www.horst-koch.de

Za – Zen Meditation Die Za Zen Meditation stammt aus dem chinesischen Ch'an-Buddhismus, der in Japan weiterentwickelt wurde. Zen ist eine Vermischung von Taoismus und Buddhismus. Za Zen (japan.) bedeutet "Sitzen im Lotossitz". Ziel der Za-Zen Meditation, eine der wichtigsten Zen Methoden, ist die Erlangung des "Satori", der blitzartigen Erleuchtung, wie sie Buddha, dem Erleuchteten, zuteil geworden ist: Ein neues Bewußtsein und ein Zustand der absoluten Harmonie mit dem Kosmos. Endziel ist die Selbsterlösung. Meditation ist das Herzstück der buddhistischen Religion. Bei der Za Zen Meditation sitzt der Meditierende mit kerzengerade aufgerichtetem Oberkörper im Lotossitz auf einem etwa 20 cm hohen Kissen am Boden, überkreuzt die Beine und legt die linke Hand in die rechte unterhalb des Bauchnabels. Seine Augen richtet er auf einen Punkt am Boden in etwa einem Meter Entfernung. Neben der Einübung der "Seiza", der richtigen Körperhaltung, fordert die Za Zen Meditation die Zen Atmung, eine rhythmische Bauchatmung, die so lehren Zen Meister "ein Gefühl unbegrenzter Freiheit erzeugen soll, um sich in den Weiten des Kosmos zu verlieren". Eingeübt wird ferner die "Meditation im Gehen", das Kinshin. Regelmäßige Übungen sind Pflicht. Sie können bis zu 18 Stunden täglich ausgedehnt und zur Sucht werden. Der Leipziger Religionsphilosoph Karlfried Graf Dürckheim (1896-1988) machte im Westen über seine "Initiatische Therapie" (eine Abfolge bestimmter Übungen) die Zen Meditation bekannt: "Der Schüler des Zen beginnt den Tag mit Za Zen und beschließt ihn mit Za Zen. Und wann immer er einen Augenblick Zeit hat und mehr und mehr findet er solche Augenblicke geht er in Za Zen. Und wenn er nachts aufwacht und nicht gleich wieder einschläft, richtet er sich auf, kreuzt die Beine und übt Za Zen. Kein Meditieren eines heiligen Wortes (Mantras) oder Bildes, einfach sitzen, mit dem ausdrücklichen Bemühen, sich aller Bilder und Gedanken zu entledigen, also möglichst im ,Nichts' zu sitzen" (K. Dürckheim, Zen und Wir, S. 76). Die "Entleerung für Buddha" ist Einübung von Trance-Zuständen der völligen Passivität. Trance aber öffnet satanischen Mächten das Tor zum Eintritt: Das Erleuchtungserlebnis "Satori" wird als plötzliche Inbesitznahme beschrieben, die den Menschen "im tiefsten berührt und wandelt". Buddhisten, die zum Christentum konvertiert sind, geben aus diesem Grund die Zen-Meditation

auf. Als "ein in ganz Europa einzigartiges und geschätztes Zen-Zentrum" preist der Antonius Kalender 2005, das Jahrbuch des Franziskaner-Missions-Vereins, München, die Zen-Halle des Franziskaner Klosters in Dietfurt a.d. Altmühl, Oberpfalz, die 1980 im klassisch japanischen Stil mit Meditationsgarten erbaut wurde: "Das Franziskanerkloster und sein Zen Meditationszentrum Zendo ist für jährlich 2000 Menschen ein geistliches 'Biotop', ein Ort, wo sie sich wohlfühlen, wo sie hinter Klostermauern seriöse Anleitungen bekommen für eine wirklich abenteuerliche Reise: der Reise zu sich selbst. Das Abenteuer heißt Za Zen und bedeutet 'Sitzen im Schweigen' " (a.a.O. S. 30). Za Zen, so wird betont, "ist nicht das Nachdenken über etwas. Es ist mehr ein Geschehenlassen, ein Zulassen, ein passives Sich Öffnen... Der Weg führt... hin zum eigenen Selbst" (ebda). Sechsmal täglich jeweils 20 Minuten werden Sitzen, Schweigen und die Zen Atmung eingeübt. "Dazwischen schreiten die Kursteilnehmer in Socken auf grobem Sand meditativ durch die Wandelgänge." Ziel der Zen Meditation ist "das Gegenwärtigwerden für die Gegenwart des Gegenwärtigen. Es geht um die Erfahrung des 'Ich¬ bin da'... Im Zen nennt man diese Erfahrung 'Satori' oder Erleuchtung. Wir Christen sprechen von Gotteserfahrung... Es ist das Herz der christlichen Religion, ja es ist das Herz aller Religionen." Spätestens hier wird deutlich, daß das im Za Zen gesuchte "Absolute" nicht der persönliche, drei einige GOTT ist: "Wer meditiert, soll frei werden für die Erfahrung des Einen, des Absoluten." Der Versuch zahlreicher christlicher Bildungshäuser, die Za-Zen Meditation "in den christlichen Glauben einzubinden", muß scheitern. Konsequenterweise sind zu den Za Zen Kursen in Dietfurt und anderswo nicht nur Christen aller Konfessionen, sondern auch Anhänger antichristlicher Religionen eingeladen. Im Za Zen findet jeder seinen "Gott", das unpersönliche "Ki", "das Absolute", was immer er auch glaubt. Za Zen führt nicht zur Anbetung des wahren GOTTES, sondern in die unfruchtbare Einsamkeit des Ego (Ich) oder in die Abhängigkeit böser Geister, die in ein ungeheiligtes Leben eintreten: "Ich merkte, daß einzelne Lehrsätze des Buddhismus nicht einfach in neue Grundlagen übernommen werden können. Sie lassen sich nicht von dem ganzen System loslösen... Sobald ich auch nur Teile der buddhistischen Lehre wieder annahm - auch wenn sie menschlich gesehen, gute Aspekte aufwiesen - verband ich mich damit erneut mit dem ganzen geistlichen Gebilde. Erst jetzt erkannte ich das wahre Gesicht des Buddhismus. Er erscheint auf den ersten Blick in angenehmer Gestalt, etwa mit seiner Friedfertigkeit oder seinem hervorragenden moralischen Standard. Dann aber entpuppte er sich als schlechter Geist, der mich unmerklich für sich vereinnahmen und in die furchtbare, einsame Leere des Nirwana mitreißen will, in der es keine Beziehung zu einem persönlichen Gott gibt und in der jegliches Leben fehlt" (Martin Kamphuis, Ich war Buddhist, S.193). Auch der bekannte Benediktiner und Zen Meister Pater Williges Jäger, früher in der Abtei Münsterschwarzach, ist mit seinem Versuch, Zen-Meditation zu verchristlichen, gescheitert. In Japan ließ er sich in den Rang eines "Inka Shomei" erheben. Rom erteilte ihm Rede und Publikationsverbot, mit der Begründung, daß er sich von der Lehre der katholischen Kirche entfernt habe. W. Jäger ignoriert dieses Verbot: Vor dem Commit Institut Deggendorf (Institut für Controllingund Managementberatung) erklärte er (am 5.5.2003):

"Ich freue mich immer, wenn ich nicht in einer Kirche sprechen muß". Der Horizont bei einem "nicht so christlich geprägten Publikum" sei meistens größer. Die Antwort auf die essenzielle Frage nach dem "Warum?" habe er im Christentum nicht gefunden: "Dazu muß erst eine neue Bewußtseinsebene erreicht werden." Mit seinen Zuhörern praktizierte Jäger einen zehnminütigen "Ausflug in den transpersonalen Raum" (Augenzeugenbericht im Archiv der Vereinigung zum Schutz schwacher und hilfloser Menschen). Versuche, die Za Zen Meditation aus dem buddhistischen Kontext zu lösen und zu verchristlichen, müssen deshalb mißlingen, weil die Zen Meditation ungegenständlich ist und einen neuen "Bewußtseinszustand" erstrebt, die christliche Meditation dagegen sich an der Hl. Schrift, dem Wort GOTTES orientiert. Nach dem Selbstverständnis des Zen Buddhismus ist das eigene Herz Buddha oder die Leere: "Die verblendete Welt weiß nicht, daß ihr eigenes Herz selbst der Buddha ist... Buddha ist nirgends als im eigenen Herzen" (Sh. Hisamatsu, Vom Wesen des Zen, S. 45). Das Herz eines Christen aber hat keinen Raum für Buddha, weil es von GOTT ergriffen ist.

Esoterische Medizin im Urteil der Bibel Esoterische Diagnose und Heilverfahren lassen sich mit einem Leben nach den Weisungen GOTTES nicht vereinbaren. Sie sind heidnisch und anti christlich und stehen im Gegensatz zur "gesunden" Lehre des Evangeliums. Sie machen deshalb seelisch und oft auch körperlich krank. Therapeuten, die sich als "sensitiv", als "Medium" oder "Kanal", als "Mittler" zwischen übersinnlichen Wesen und den Menschen verstehen, führen Hilfesuchende in die okkulte Welt der Dämonen, die sich häufig als"Lichtwesen" zu tarnen, in betörender Sprache der "Liebe und Güte" mitzuteilen und Gefühle des"Glücks, der Harmonie und des Friedens" zu vermitteln verstehen (z.B. bei der Handauflegung von Wunderheilern). Die von "Heilern" herbeigerufenen und beschworenen "Geistwesen, Engel, Führer, Schwingungen, Energien oder Götter" haben mit den von GOTT erschaffenen "Angeli" (Engel), den guten Geistern, nichts zu tun. Wenn "Heiler" Patienten anleiten, durch Rituale oder Gedankenkraft mit "höheren Wesenheiten" Kontakt aufzunehmen, bringen sie Hilfesuchende in den Wirkbereich böser Geister, der von GOTT abgefallenen Engel. Die guten Geister (Engel) oder die Seelen Verstorbener entziehen sich der Beschwörung von Menschen. Sie lassen sich nicht von ihnen herbeirufen oder in ihren Dienst stellen. Wenn sie erscheinen und dafür gibt es Zeugnisse in der Bibel dann nur im Auftrag GOTTES, als Seine Boten (Engel = Bote) und zu einer Zeit, die allein GOTT bestimmt. Zahlreiche "Heiler" setzen an die Stelle von "gut" und "böse" die Begriffe "Erleuchtung" und "unvollkommene Erkenntnis", die es zu überwinden gelte, um zu gesunden. Die Existenz des Bösen und der Sünde verwerfen sie als "gesundheitsschädlichen Aberglauben". Sünde, der Ungehorsam gegen GOTT und Seine Gebote wird als nicht existent erklärt, und Schuldgefühle werden wegtherapiert. Wo es aber keine Sünde gibt, da gibt es keine Erlösung durch den Sohn GOTTES, da gibt es kein Gericht GOTTES und keine Hölle, die GOTTES Ferne. Die Erlösung JESU CHRISTI wird durch "Selbsterlösung" ersetzt, dem einzigen Leben auf Erden wird mit der Irrlehre von der Wiedergeburt der Ernst der Bewährung genommen. Die Geschöpflichkeit und Abhängigkeit des Menschen von seinem Schöpfer wird ersetzt durch den

Irrglauben an eine Selbstvergöttlichung: "Wir sind Götter". Esoteriker setzen sich an die Stelle GOTTES. "Erweiterung des Bewußtseins" und die Erfahrung der "Selbstüberschreitung", der "Selbstverwirklichung" und "lch Entgrenzung" stehen im Mittelpunkt zahlreicher esoterischer Heilverfahren. Dazu gehören u.a. Trance Techniken wie Channeling und Geistheilung, Deute Techniken wie Pendeln und Wünschelrutengehen, Meditations und Ekstase Techniken, Yoga, Transzendentale Meditation, Reiki, schamanische und spiritistische Praktiken. Wenn esoterische Therapeuten von "Gott" sprechen, von der "göttlichen Kraft" des Menschen, die es zu entdecken gelte, füllen sie diese Begriffe mit anti christlichen Inhalten. Das "göttliche Leben", das Esoteriker zu vermitteln beanspruchen, ist nicht das in der Taufe von GOTT geschenkte göttliche Leben, sondern "unpersönliche Energie", "Lebensprinzip" oder "Heilgeist". Die "göttliche Energie" wird irreführend auch "ChristusEnergie" genannt, die Energie des "universalen Christus". Dieser esoterische Christus ist nicht JESUS CHRISTUS, die 2. göttliche Person in der Dreieinigkeit, sondern Titel von Menschen, die ihre "innere Göttlichkeit" wahrgenommen und sich zum "universellen Meister" entwickelt haben. Der Messias JESUS CHRISTUS dagegen ist nach esoterischer Irrlehre einer von zahlreichen Manifestationen des "kosmischen Christus". Esoteriker verstehen den Kosmos als "Ozean aus Energie", der als Ganzes oder als Beziehungs Netz gedeutet wird. Als Zukunft wird "die versöhnte göttliche Einheit" alles Seienden erträumt. Esoterische Heiler stellen das ICH in den Mittelpunkt ihres Lebens. Der Christ dagegen öffnet sich dem DU: GOTT und den Mitmenschen in gehorsamer Erfüllung des von GOTT Gebotenen und in tätiger Nächstenliebe. Die Liebe des Esoterikers dagegen gilt sich selbst. Nach der Offenbarung GOTTES steigt nicht der Mensch zu GOTT herauf durch irgendwelche Techniken oder "erweitertes Bewußtsein", sondern GOTT neigt sich dem Menschen zu durch Sein Wort, das in der 2. göttlichen Person Fleisch wurde. Der Mensch kann sich GOTT nicht mit spirituellen Praktiken nähern. Er kann GOTT nicht zwingen durch Handauflegung Wunder zu wirken, sondern GOTT beschenkt in freier Wahl Menschen mit Seiner Gnade und Seiner Gemeinschaft, wenn sie sich Seiner Führung anvertrauen, wenn sie auf jede "Ich-Sucht", auf jede eitle "Über Heblichkeit" verzichten, wenn sie IHN lieben. Die Liebe zu GOTT aber beweist sich in der Erfüllung der Gebote GOTTES: "Wer Mich liebt, hält Meine Gebote!" (Joh 14,15). Nicht "Selbstvergöttlichung" ist das Lebensziel des Menschen, sondern die ewige Gemeinschaft mit GOTT. Esoterische Heiler lehren das Vertrauen auf die eigene Kraft, auf die "Selbsterlösung". Sie behaupten, "göttliche Heil Energie" zu aktivieren, zu entwickeln, zu übertragen, wann immer sie es wollen. Der Versuch, "göttliche Macht" zu erlangen, zu sein wie GOTT, kostete schon die ersten Menschen das Paradies, die Gemeinschaft mit GOTT. Menschen können nicht wie GOTT sein. Sie sind Geschöpfe GOTTES und müssen diese ihre Geschöpflichkeit anerkennen, wenn sie nicht der Gemeinschaft mit GOTT verlustig gehen wollen, ihres ewigen Heils. Esoterische Heiler lehren, daß Steine, Pflanzen, Tiere und die Planeten "beseelt" seien, sich gegenseitig beeinflussen würden und von Menschen mit Hilfe bestimmter Rituale und Praktiken in den Dienst genommen werden könnten. Eine Unzahl von esoterischen Heilverfahren soll die Harmonie mit dem Kosmos und der Natur herstellen, um dadurch die Heilung von Krankheit und Leid zu bewirken.

Der Apostel Paulus warnt, die Hoffnung auf "kosmische Mächte" zu setzen: "Seht zu, daß euch niemand betrügt durch Menschenweisheit und leeren Betrug, welche auf menschlicher Überlieferung und kosmischen Mächten beruhen und nicht auf CHRISTUS" (Kol 2,8f). Paulus warnt vor den "kosmo kratorae" (kosmos = Welt und kratos = Macht, Kraft), weil sie satanische Mächte sind. Der "Fürst dieser Welt" ist der "Fürst des Kosmos". GOTT verbietet jede Kontaktaufnahme mit Satan und seinem Anhang, den Dämonen. Allein durch JESUS CHRISTUS ist das Heil zu finden. Nur in JESUS CHRISTUS kann der Mensch Zugang zur übersinnlichen Welt finden: "Keiner kommt zum Vater als nur durch MICH!" (Joh 14,6). GOTT läßt sich nicht durch Meditationstechniken, durch Mantras, Mandalas oder Formeln verfügbar machen, auch nicht durch eitle, selbsüchtige Gebete. Zahlreiche esoterische Heilverfahren basieren auf weißer oder schwarzer Magie, die übermenschliche Fähigkeiten wecken will und einsetzt, um geistige Wesen dienstbar zu machen. Diese "Wesen" sind immer Satan und seine Daemonen, die ständig den Menschen umlauern, immer bereit, sich ihm zu nähern, um ihn in die GOTTES Ferne hinabzuziehen. GOTT verbietet die Kontaktaufnahme mit Geistern oder Seelen verstorbener Menschen: "Niemand finde sich, der Wahrsagerei, Zeichendeuterei, Geheimkünste und Zauberei betreibt, niemand der Bannungen vornimmt, einen Totengeist oder Wahrsagegeist befragt oder Auskünfte bei den Toten sucht. Denn ein Greuel für den HERRN ist ein jeder, der solches tut!" (5 Mose 1,10f). Ein Christ, der magische Heilverfahren an sich vollziehen läßt, sündigt schwer: "Unheil wird dich treffen, das du nicht zu bannen vermagst. Dich wird treffen Verderben, eh du dich versiehst"(Jes47,11). Sämtliche Heil-Praktiken, die Magie und Zauberei anwenden, mit denen geheime Mächte, Energien, Kräfte dienstbar gemacht werden sollen, verstoßen schwer gegen das 1. göttliche Gebot: "Du sollst keine Götzen anbeten!" Das gilt vornehmlich für christliche Therapeuten und Wunderheiler, die esoterische Diagnose und Heilverfahren mit seriösen verbinden. Vor ihnen warnt die Bibel: "Es werden falsche Messiasse (Heilsbringer) und falsche Propheten auftreten und Zeichen und Wunder wirken (auch Krankenheilungen), um, wenn es möglich wäre, auch die Auserwählten in die Irre zu führen. Ihr aber seht euch vor!" (Mk 13,22f). Der leidende Mensch hofft auf Gesundheit. Er wird angetrieben von dem Ruf und der sittlichen Pflicht, sich gesund zu erhalten. Der leidende Christ setzt seine Hoffnung auf GOTT. Er überschreitet aber die Hoffnung auf übernatürlich gewirkte Heilung, wenn er den natürlichen Weg über erfolgreiche schulmedizinische Therapien verweigert und sich stattdessen esoterischen Heilern anvertraut. Wer einen "Rechtsanspruch" auf wunderbare Heilung zu haben glaubt, sündigt gegen GOTT durch Vermessenheit. Er setzt eine falsche Zuversicht auf die Hilfe GOTTES, vor allem dann, wenn er unbußfertig, d.h. ohne Reue über seine Sünden, GOTTES Barmherzigkeit herausfordert. Diese Vermessenheit ist "Sünde wider den HEILIGEN GEIST". Die Gnade GOTTES setzt die Mitwirkung des Menschen voraus. Ein Mensch, der versäumt zu tun, was er zu tun vermag und stattdessen alle Hilfe von GOTT erwartet, versucht GOTT. GOTT zu versuchen aber, ist schwere Sünde.

Die Barmherzigkeit GOTTES setzt voraus, daß der Mensch seine Geschöpflichkeit anerkennt, daß er bereit und willens ist, sich seinem Schöpfer zu unterwerfen, daß er sich bemüht, GOTT zu lieben. GOTT lieben aber heißt, Seine Gebote zu erfüllen: "Wer MICH liebt, hält Meine Gebote". Dieses ist das erste und größte Gebot. Ein zweites aber ist diesem gleich: "Du sollst den Nächsten lieben, wie dich selbst!" Nicht in schwelgerischen Gefühlen, die sich denen mitteilen, die bei Handauflegung von Spiritisten, Wunderheilern oder Charismatikern zu Boden stürzen, gewinnt der Mensch sein Heil, sondern in tätiger GOTTES und Nächstenliebe. Charismatiker, die den HEILIGEN GEIST als "Heilgeist" mißbrauchen und in ihren Dienst stellen, sündigen schwer wider IHN. Vermessenheit ist infantil, weil sie der Wirklichkeit nicht gerecht wird. Vermessenes Hoffen ist eitle Selbstüberschätzung. Die Gebete der Vermessenen nehmen die Erfüllung ihrer Hoffnung auf Heilung vorweg; der demütig Bittende erwartet die Erfüllung seiner Hoffnung in tätiger Mitwirkung. Er respektiert GOTT als den Gerechten. Christliche Hoffnung ist gebunden an die Furcht des HERRN, eine der sieben Gaben des HEILIGEN GEISTES. Diese Furcht ist sowohl Ehrfurcht vor GOTTES Größe und schließt deshalb jede Eitelkeit, jeden Stolz aus, als auch Furcht, schuldigwerden zu können, die Furcht vor der Trennung von GOTT, und schließt deshalb die immerwährende Bereitschaft zu Reue und Wiedergutmachung ein. Der vermessen hoffende Mensch kennt diese Furcht nicht. Er wiegt sich selbstsicher im Hochmut, stellt sich höher, als er ist, strebt göttliche Macht an, ist selbst überheblich. Er maßt sich an, GOTT zwingen zu können, Seine Gnade mitzuteilen, wann immer der Mensch es will. Gnade aber ist ungeschuldetes Geschenk. Nicht das irdische Wohlergehen ist das letzte Ziel GOTTES mit dem Menschen, sondern das ewige Heil, die ewige Gemeinschaft mit IHM. Hochmut ist d a s Grundübel der Menschheitsgeschichte, die Ursünde der von GOTT abgefallenen Engel und Menschen. Sehnsucht nach Genesung ist letztlich die Sehnsucht nach Erlösung, nach dem Heil. Das wissen esoterische Heiler zu nutzen, indem sie nicht nur körperliche Heilung versprechen, sondern zugleich das Heil. Diese ihre Zielsetzung macht die esoterische Medizin nicht nur unvereinbar mit der wissenschaftlichen Medizin, sondern zugleich mit der christlichen Heilslehre. Wer sich nicht mit den weltanschaulichen Hintergründen esoterischer Diagnosen und Therapien auseinandersetzt, wird esoterisch verführt und geprägt ob er es will oder nicht.

Was ist Gesundheit? "Nicht nur die Abwesenheit von Krankheit ist Gesundheit", so definiert die Weltgesundheitsorganisation, sondern "ein Zustand des vollkommenen physischen, psychischen und sozialen Wohlbefindens". Für einen Christen kann das nicht alles sein. Aus biblischer Sicht ist der Mensch gesund, der "heil" ist und sich von GOTT immer wieder heilen läßt. Gesundheit ist Frieden mit GOTT. Deshalb betet der Apostel Paulus: "Der GOTT DES FRIEDENS heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele

und Leib unversehrt, untadelig für die Ankunft unsere HERRN JESUS CHRISTUS" (1. Thess 5,23). Viele körperliche Gebrechen sind selbst verschuldet: Durch Süchte, falsche Ernährung, mangelnde Bewegung, durch Aufsuchen von esoterischen Heilern und Verweigerung gebotener schulmedizinischer Behandlung z.B. Diese Leiden sind erworben durch Verstöße gegen das 5. Gebot: "Du sollst nicht töten!" Du sollst Dich nicht der Gefahr aussetzen, krank zu werden und krank zu bleiben, denn das ist Selbstmord in Raten. Jeder ist verantwortlich vor GOTT auch für seine körperliche Gesundheit: "Oder wißt ihr nicht, daß euer Leib ein Tempel des HEILIGEN GEISTES ist, der in euch wohnt, den ihr von GOTT habt? Wißt ihr nicht, daß ihr nicht euch selbst gehört? Verherrlicht GOTT in eurem Leibe!" (1. Kor 6,19f). "So ertötet also Unzucht und Unreinigkeit, Leidenschaft und böse Lust, Habsucht... Ihr sollt das alles ablegen: Zorn, Erbitterung, Bosheit, Lästerung, unehrbare Rede aus eurem Munde. Belügt einander nicht" (Kol 3,5f). Die Mahnungen des Apostels Paulus werden durch medizinische Forschungen unserer Zeit bestätigt: All diese Sünden gegen GOTT und den Mitmenschen machen krank. Sie erzeugen Herz Kreislauf Erkrankungen, Krebs, Aids, Stoffwechsel oder Geschlechtskrankheiten u.a. Die Gegenmittel sind: "Herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Sanftmut, Geduld. Ertragt einander, wenn einer dem anderen etwas vorzuwerfen hat... Über das alles aber habet die Liebe" (Kol 3,12f). Die Liebe zu GOTT in der Erfüllung Seiner Gebote und die Liebe zu den Mitmenschen. ---Bachblütentherapie Können Tröpfchen Seelen heilen?

Eine kritische Auseinandersetzung mit der Bachblüten -Therapie nach Edward Bach Bettina K. Hakius und Jochen Riemer Es gibt wohl kaum eine Apotheke in Deutschland, die in den letzten Monaten nicht BachblütenProdukte auf Kundenwunsch importiert hat. Vor allem das Institut für Bach-Blütentherapie, Forschung und Lehre in Hamburg unter der Leitung der Lehrbeauftragten des Dr. Edward Bach Centre in England, Mechthild Scheffer, leistet der Bewegung großen Vorschub. Sie veröffentlichen weiterführende Literatur und Fragebögen, die helfen sollen, das richtige Präparat zur Selbstmedikation auszusuchen. Und wer fühlt sich nicht auch angesprochen bei Fragen wie "Bedauern Sie zur Zeit, daß heute vieles nicht mehr so wie früher ist?" oder "Schwanken Sie in diesen Tagen zwischen zwei Entscheidungsmöglichkeiten hin und her?" [ 1 ] Hält diese Therapieform ihr Versprechen, die Seele durch Blüten zu heilen? 1. Kurzdarstellung der Bachblüten-Therapie In der Bachblüten-Therapie werden pflanzliche Wirkstoffe eingesetzt, um negative Gemütszustände günstig zu beeinflussen. Die 38 'Wirkstoffe' sind wäßrige Auszüge von wildwachsenden nichtgiftigen Pflanzen. Sie wollen

nicht physische Krankheiten behandeln, sondern krankheitsauslösende Gemütszustände therapieren und so die Entstehung von Krankheiten verhindern. Dabei wird vorausgesetzt, daß jedem Krankheitsausbruch eine seelische Disharmonie vorausgeht. Die Wirkung der Blüten liegt also im Bereich der 'Charakterpflege', und das langfristige Ziel ist eine 'Seelenreinheit', die sich in größtmöglicher Entfaltung und Stabilität der Persönlichkeit ausdrückt. In der Therapie ist jeder Seelennot (wie z.B. Ungeduld, Eifersucht, Kleinmütigkeit) eine bestimmte Blüte zugeordnet. Ihre Wirkung ist naturwissenschaftlich nicht nachweisbar. In der erhältlichen Verdünnung sind keine mikroskopisch nachweisbaren Wirkstoffe mehr vorhanden.[ 2 ] "Gesundheit ist da, wenn vollkommene Harmonie zwischen Seele, Geist und Körper herrscht" (E.Bach)

2. Entstehung und Hintergründe der Bachblüten-Therapie 2.1. Biographische Daten zu Edward Bach (1886-1936 Der walisische Arzt Edward Bach war auf Bakteriologie spezialisiert, sein eigentliches Interesse galt aber dem psychischen Zustand seiner Patienten sowie psychosomatischen Zusammenhängen. 1930 gab Edward Bach seine gutgehende Londoner Praxis auf, um sich auf dem Lande der Suche nach natürlichen Heilmethoden zu widmen. Über verschiedene Vorstufen entwickelte er 1930-1936 seine Therapie und Konzepte. 2.2. Die Weltanschauung hinter der Bachblüten-Therapie 2. 2. 1. Gottesbild und Weltbild Gott ist in uns selbst zu finden. Gleichzeitig zeigt er sich in der Einheit des ganzen Kosmos. Gut und Böse werden als 'Ausprägungen desselben göttlichen Prinzips' bezeichnet. Dieser Ansatz klingt stark an die taoistische Lehre an. Tao ist die kosmische universelle Energie, welche zwei Gesichter hat: ein gutes und ein böses, auch unter Ying und Yang bekannt. "Jede Heilung [durch Bachblüten] ist Zeichen für unsere Heilheit und Heiligkeit." (M. Scheffer) Die Bachblüten-Therapie wendet sich gegen ein materialistisches Weltbild und kämpft gegen eine materialistische Medizin. Sie will die spirituelle Ebene in die Medizin einbeziehen. Es werden Anleihen bei verschiedensten esoterischen oder spirituellen Weltbildern gemacht; der Pantheismus ist die zugrundeliegende Philosophie. 2 .2. 2. Menschenbild Der Mensch besteht aus seiner Seele, seiner Persönlichkeit und seinem Höheren Selbst. Aber auch Begriffe wie Fühl-Ich, Denk-Ich und Höheres Selbst versuchen den Menschen in seiner Ganzheit zu beschreiben. Die letztgenannten Kategorien erinnern stark an Sigmund Freuds Trichotomie von Es, Ich, Über-Ich. Diese drei Dimensionen sollen in Harmonie miteinander kommen. Die Seele ist der göttliche Lebenskern, der "göttliche Funke" in uns, der seine göttlichen Eigenschaften verwirklichen möchte. Die unsterbliche Seele des Menschen kennt den Auftrag des Menschen durch das höhere Selbst und will ihn ausleben. Die menschliche Persönlichkeit kennt diesen Auftrag noch nicht, solange keine umfassende Harmonie erreicht ist. Auch die Anthroposophie Rudolf Steiners betont, daß die menschlichen Gedanken Ausdruck eines höheren Weltganzen sind.

"In einer transpersonalen Aura drückt sich das Höhere Selbst aus, welches sich in mir entfalten möchte. Die Bachblüten werden in der Aura wirksam." (M. Scheffer) [ 4 ] Auch Rudolf Steiner sprach von einer Aura. Die Begriffe "Aura" und "Höheres Selbst" sind wohl austauschbar. An diesem Beispiel zeigt sich, wie in der esoterischen Bewegung viele Ideen miteinander korrespondieren. Im New-Age wird immer von einem mehrfachen Selbst gesprochen. Scheffer nimmt in Weiterführung der Bachblüten-Therapie auch fernöstliches Gedankengut in ihr Menschenbild auf. Sie spricht z.B. von Chakra- Energiezentren[ 5 ] im Körper. Bach definiert 38 Seelenzustände, die in ihrer Gesamtheit alle negativen Seelenkonzepte darstellen. Die eigentliche Ursache sieht er in Charakterschwächen, die sich für ihn in Stolz, Haß, Grausamkeit, Habgier, Unwissenheit, Unsicherheit und Egoismus ausdrücken. 2.2.3. Heilskonzept Das Ziel ist, zur Vollkommenheit zu kommen - eins zu werden mit Gott und der Schöpfung. Diese Einheit beginnt in uns selbst. Unsere Schwingungen müssen in Harmonie mit dem kosmischen Energiefeld kommen. "Der göttliche Funke ist in uns! - Die Blütenessenzen helfen zur Rückverbindung zu unserem göttlichen Ursprung. Sie heilen nicht nur, sondern schenken auch Frieden, Hoffnung, Freude." (M. Scheffer) 2.2.4. Lebensführung und Ethik Die Bachblüten-Therapie beruft sich auf zwei geistige Grundgesetze, die in allen Weltreligionen Gültigkeit haben sollen und somit synkretistischen Charakters sind. 1. Das Gesetz der Einheit, das besagt, daß alles Tun im Einklang mit dem größeren kosmischen Zusammenhang stehen soll. 2. Das Gesetz der inneren Führung, das bedeutet, dem höheren Selbst, der eigenen inneren Stimme, zu folgen. Es gibt keine autoritativen Normen. Selbstverantwortung und ethische Unabhängigkeit ist oberstes Gebot, außenliegende Zwänge bringen Disharmonie. "Alles, was wir tun müssen ist, unsere Persönlichkeit zu wahren, unser eigenes Leben zu leben, der Kapitän unseres Schiffes zu sein und alles wird gut sein. [...] Es ist die Einmischung anderer Menschen, die uns hindert, auf die Befehle unserer Seele zu lauschen, und so entsteht Disharmonie und Krankheit." (M. Scheffer) [ 7 ] "Erkenne Dich Selbst ist die wichtigste Voraussetzung - Mit Bachblüten beschäftigen heißt mit sich Selbst beschäftigen." (G. Blome) [ 8 ] "Alles, was wir tun, muß dem Interesse der großen Einheit dienen." (M. Scheffer) [ 9 ] 2.2.5. Gesundheit und Krankheit Krankheit wird als Ergebnis von Konflikten zwischen dem Höheren Selbst und der eigenen Persönlichkeit gesehen. Sie ist das Korrektiv, das auf den Weg der Wahrheit und des Lichts zurückbringen soll und seelisches Wachstum sowie spirituelle Entfaltung fördern kann. Gesundheit ist erreichbar, wenn die innere Harmonie erlangt ist. "Archetypische Seelenkonzepte wie Sanftmut und Stärke [...] wollen sich bei uns realisieren. Wenn sie nicht verwirklicht werden, werden wir krank - erst seelisch, dann körperlich." (M. Scheffer) [ 10 ] 3. Die Lehre der Bachblüten-Therapie

3.1. Herstellung Die Blüten, die zur Herstellung verwendet werden, müssen folgende Kriterien erfüllen: An sonnigen Tagen werden sie morgens vor 9 Uhr gepflückt; nur voll aufgeblühte Blüten sind erlaubt. Die Blüten dürfen nur von wildwachsenden Pflanzen stammen. Auch legte Bach die Orte genau fest, so daß England das Monopol zur Orginalherstellung hat. Die Vorgehensweise bei der Herstellung wird in folgenden Schritten beschrieben: "Gesundheit ist erreichbar, wenn die innere Harmonie erlangt ist." Die Blüten werden in einer Glasschale mit frischem Quellwasser drei Stunden der Sonne ausgesetzt, solange, bis sie welk sind. Sobald die Blüten verwelkt sind, werden sie mit einem Zweig derselben Pflanze aus dem Wasser herausgefischt. Das Blütenwasser von Bäumen und Sträuchern wird 1/2 Stunden lang gekocht. Die so entstandene Flüssigkeit wird mit Cognac oder Brandy im Verhältnis 1:1 konserviert. Danach wird die Essenz mit Wasser im Verhältnis 1:240 verdünnt, ähnlich dem Potenzierungsverfahren in der Homöopathie. (Die Wirkungsweise in der Homöopathie wird jedoch anders erklärt: sie beruht auf dem Ähnlichkeitsprinzip im Gegensatz zur Bachblütenessenz, die auf direktem Weg eingreift.) 3.2. Wirkung Die Wirkung der Bachblüten beruht auf der Annahme, daß je eine Blüte auf einen spezifischen defizitären Seelenzustand des Menschen einwirken kann. Diese Zuordnungen beruhen auf Bach's 'intuitiven' Erkenntnissen, die er niemand vermitteln konnte und wollte. Durch die Sonne werden kosmische Kräfte in Form von 'vibrationellen, feinstofflichen Informationen' an die Blüten gebunden. Diese Informationen werden beim Einlegen der Blüten in eine mit frischem Quellwasser gefüllte Glasschale durch Sonneneinstrahlung auf das Wasser übertragen. Es entsteht eine Essenz, die nicht auf somatischer Ebene, sondern über feinere energetische Schwingungsebenen auf das Energiesystem des Menschen wirkt. In den Essenzen der Pflanzen ist ein 'geistiges Potential', auch 'Energie' oder 'Tugend' enthalten, das Heilung bewirkt. Die Essenz nimmt direkten Kontakt mit dem negativen menschlichen Seelenkonzept auf, und die Seele gibt über Info-Schwingungen dem 'Höheren Selbst' Befehle zur Harmonisierung. Die Essenz harmonisiert also durch ihre stoffliche Schwingung die körperliche Schwingungsfrequenz. Dadurch werden die Selbstheilungskräfte des Menschen aktiviert. "Heile dich selbst!" (Der Kernsatz von E. Bach) 3.3. Ziele und Schritte in der Therapie Zuerst wird der disharmonische Seelenzustand oder das negative Gefühlskonzept durch Fragebögen oder Intuition des 'Arztes' herausgefunden. Nötige Eigenschaften des 'Arztes' sind nach Bach menschliche Reife, Auffassungsgabe, Denk- und Erkenntnisfähigkeit, natürliches Einfühlungsvermögen und mitmenschliches Empfinden. Das dem 'Patienten' vor Augen stehende Ziel ist die seelische Reinigung, Selbsterkenntnis, harmonische Entfaltung, größere Stabilität der Persönlichkeit und größere Resistenz gegenüber seelischen psychosomatischen Störungen. Dieses soll erreicht werden durch die Herstellung der Harmonie zwischen Mensch und kosmischem Energiefeld. "Wenn die Seele geheilt ist, gesundet auch der Körper." (E.Bach)

4. Medizinische Beurteilung 4.1. Eigenanspruch "Heile dich selbst!" Bachblüten wollen nur Prophylaxe (Vorbeugung) gegen körperliche Leiden durch Stabilisierung des Seelenzustandes sein. Sie stellen eine Alternative zur herkömmlichen Schulmedizin dar. Bachblüten-Therapie wird jedoch nicht mit gleicher Ausschließlichkeit vertreten wie Homöopathie, die alle anderen Verfahren ablehnt, sondern will eine Ergänzung zur Medizin im Bereich der 'Charakterpflege' oder 'seelische Gesundheitsvorsorge' sein. Bachblüten-Mittel sind in der Bundesrepublik Deutschland bisher nicht als Arzneimittel zugelassen, die Behandlung und Medikation bezahlt der Kunde selbst. Ihr Verfahren gilt wissenschaftlich als nicht belegbar und ist umstritten. Bachblüten sind in der Apotheke frei erhältlich. 4.2. Gefahr Es kann leicht zur Verzögerung bewährter medizinischer Maßnahmen in Diagnostik und Therapie kommen, da Klienten die Grenzen dieser Therapiemöglichkeit nicht erkennen; Verschleppung und Verschlimmerung von Krankheiten sind deshalb möglich, und ernste Erkrankungen werden unter Umständen zu spät behandelt. Da Bachblüten ähnlich wie Psychopharmaka wirken können, warnen Mediziner vor einer Unterschätzung der Wirkung. 4.3. Wirkung der Essenz Wissenschaftlich ist keine Wirkung nachweisbar, jedoch hoffen Anhänger, daß in wenigen Jahren mit naturwissenschaftlich anerkannten Methoden die Ursache der energetischen Veränderung mit 'feinstofflichen Methoden' bewiesen werden kann. Es ist natürlich nicht auszuschließen, daß im Körper noch nicht entdeckte Mechanismen existieren, die auf hohe Verdünnungen stark reagieren - dies liegt aber bisher im Bereich der Spekulation (Problematik der Potenzierung). Außerdem wird die Wirkungsurache hochpotenzierter Medikamente von ihren Vertretern ohnehin nicht auf physiologischer Ebene erklärt, sondern auf Energie- und Schwingungsfelder zurückgeführt. Die Existenz von 'geistigem Potential', 'Tugend' oder 'Energie' in Pflanzen, die dann auf der 'feinstofflichen Ebene' des menschlichen Körpers über 'Schwingungsfrequenzen' wirken solle, bleibt ein hypothetisches Konstrukt, das eher an Magie und Esoterik als an empirisch nachweisbare Funktionsabläufe des menschlichen Körpers erinnert. 4.4. Therapie Die intensive Auseinandersetzung mit der eigenen Person und seinen persönlichen Schwächen ist primär positiv zu sehen, denn Selbsterkenntnis kann der erste Schritt zur Besserung sein. Kommt dann noch die Kontaktaufnahme mit einem 'Arzt' (Berater) hinzu, ist die Erfolgschance noch größer, da der 'Patient' mit seinen Problemen die Grenze der Isolation durchbricht. Im Aussprechen des Problems liegt ein weiterer Schritt zur Problemlösung. Hier tritt auch schnell der Plazebo-Effekt ein, der durch die Zugabe der entsprechenden Tropfen gesteigert werden kann. Zu würdigen ist Bach's psychosomatischer Ansatz; er sieht den Menschen als Einheit von Leib und Seele. Dieser Ansatz wird in der heutigen Schulmedizin leider oft vergessen oder kommt zu kurz. Er wirkt sich natürlich positiv auf das Befinden des Patienten aus, da dieser sich mit seiner

ganzen Person im Mittelpunkt der Therapie weiß und fühlt. Heilung durch 'harmonisierenden Schwingungseffekt'? Weiter soll als Therapieschritt durch den Aufbau einer Beziehung zwischen Mensch und Natur über den 'harmonisierenden Schwingungseffekt' Heilung erzielt werden. Zwar stehen Natur und Mensch in Wechselbeziehung, doch fraglich bleibt der Ursache- Wirkungs- Zusammenhang der Essenzen mit dem menschlichen Körper bzw. seiner Psyche. 4.5. Erklärungsversuche für therapeutische Erfolge 4.5.1. Plazebo-Effekt Daß vielen Menschen durch Bachblütenmittel geholfen wurde, ist nicht von der Hand zu weisen. Erklärung hierfür ist vor allem der Plazebo- Effekt. Der 'Patient' wird mit seinen Angstzuständen ernst genommen und behandelt. Andere haben seine Not realisiert und reagieren darauf. Dies kann sich natürlich positiv auf das emotionale Empfinden des Konsumenten auswirken. 4.5.2. Selbsterkenntnis und therapeutisches Gespräch Diese beiden Elemente machen einen Großteil der Wirkung aus. Weiß jemand, daß er zu unkontrollierten Zornesausbrüchen neigt und ganz bewußt etwas dagegen unternimmt, um aus diesem Verhaltensmuster auszubrechen, so hat er schon den Kreislauf aufgebrochen. Ein Arzt oder Berater, der die von Bach für notwendig empfundenen Eigenschaften hat, wird durch seine gesunde menschliche Erkenntnis Hilfestellung geben können. 4.5.3. Spontanheilung Nicht auszuschließen ist auch Spontanheilung, bei der aufgrund immunologischer, reparativer Potenz eine Besserung eintritt und negatives Empfinden plötzlich verschwindent. 4.5.4. Begrenzte Erkenntnis Natürlich dürfen wir unsere jetzigen medizinisch- physikalischen Erkenntnismöglichkeiten nicht als Grenze für alles Mögliche definieren. Es muß offen bleiben, ob nicht doch uns unbekannte körperliche Mechanismen auf diese Essenzen reagieren können und auch im emotionalen Bereich ähnliche Wirkungen erzielen wie etwa Hormone. 4.5.5. Okkulte Mächte Die Offenheit des Patienten kann auch vom Teufel gebraucht werden Angedacht muß auch werden, ob sich nicht okkulte, satanische Mächte der Tropfen bemächtigen Die Offenheit, die ein Patient mit sich bringt, wenn er mit dem Kosmos eins werden will, könnte vom Teufel selbst gebraucht werden, um die Person in eine Abhängigkeit an übernatürliche Mächte und magisch-mystisches Denken zu ziehen.

5. Geistliche Beurteilung 5.1. Grundsätzliches Einstiegsdroge für die Esoterik

Die Bachblüten-Therapie ist an eine Weltanschauung gebunden, die ein Heilskonzept mit religiösem Charakter vertritt. Sie tritt insofern in Konkurrenz zum biblischen Gott, als sie vorgibt, Lebenserfüllung und Harmonie zu ermöglichen. Der suchende Mensch wird von Gott weg auf sich selbst verwiesen. Die Bachblüten-Therapie kann leicht als Einstieg zu weitergehender Beschäftigung mit Esoterik dienen; so wird bei manchen Therapiesitzungen gependelt, um die richtige Blütenkombination herauszufinden. Die Bachblüten- Literatur verweist auf esoterische Veröffentlichungen und beschreibt die Therapie als Teil eines esoterischen Weltbildes. "Zuerst unseren Lebenszweck herausfinden und dann die Schwierigkeiten lokalisieren die uns hindern - das sind unsere Schwächen und Mängel. Wir müssen für uns selbst herausfinden, an welcher Front wir besonders zu kämpfen haben und dann voll Dankbarkeit jene Blüte annehmen, die eigens dafür bestimmt ist, uns zum Sieg zu verhelfen. [...] Wir sollten diese wundersamen Blüten des Feldes als Sakrament zu uns nehmen wie eine Gottesgabe, die uns in Zeiten der Not Linderung bringt." (M. Scheffer)

5.2. Detailkritik 5.2.1. Gottesbild und Weltbild Daß der Mensch in die Natur eingebunden ist, steht außer Zweifel. Seine direkte oder indirekte Abhängigkeit zu kosmischen Energiefeldern ist jedoch nicht beweisbar. Dieser Gedanke findet zwar breiten Raum in der Astrologie (nach 5Mo 4,19 verboten) und jeglicher Art von esoterischen Strömungen, muß aber vom biblischen Weltbild her abgelehnt werden. Der Mensch ist nach der Bibel in die Beziehung zu Gott gestellt. Er kann sich Gott zwar entziehen, stellt sich damit aber gleichzeitig in den Wirkungskreis des Teufels (Jes 60,2; Eph 5,8). In der Bachblüten-Therapie wird Gott nur als Kraft und höhere Macht bezeichnet. Gott offenbart sich aber in der Geschichte als eine Persönlichkeit mit konkretem Willen und aktivem Handeln. Er steht außerhalb des Menschen, unterscheidet sich in seinem Sein grundsätzlich von ihm. 5.2.2. Menschenbild Gut erkannt hat Bach, daß Krankheiten ihre Ursache oft in Stolz, Haß oder Egoismus haben. Die von ihm gebrauchte Bezeichnung 'Charakterschwäche' ist jedoch eine völlige Verharmlosung von Sünde, die eben nicht nur Krankheit, sondern den Tod zur Folge hat (Röm 6,23). Gott will nicht nur Seelenkosmetik betreiben, sondern uns ein neues Herz und einen neuen Geist schenken (Ps 51,12; Hes 11,19; 36,26). Gott betreibt keine Seelenkosmetik, er schenkt einen neuen Geist. Gott ist auf keinen Fall identisch mit dem 'Selbst' eines Menschen. Die Göttlichkeit der menschlichen Seele ist eine Vorstellung des Pantheismus und steht diametral der von der Heiligen Schrift konstatierten Sündhaftigkeit des menschlichen Herzens gegenüber (1Mo 8,21; Mt 15,19). Verständlich ist auch Bachs Kritik an dem rein somatischen und materialistischen Menschenbild der Schulmedizin. Allerdings versucht er, die unsichtbare und seelische Dimension des Menschen an Gott vorbei zu definieren und mit Inhalten zu füllen. Er verfehlt somit die geschöpfliche Realität und öffnet sich dem spirituellen Weltbild der Esoterik. 5.2.3. Heilskonzept Bach war ehrlich genug um zuzugeben, daß der Mensch sich in einer Disharmonie befindet. Doch einen Zustand des völligen inneren Wohlbefindens werden wir auf Erden nie erreichen. Die

Schöpfung, und wir als ein Teil von ihr, sind hier im Zustand des Seufzens und der Bedrängnis (Röm 8,18-25). Das menschliche Leben bewegt sich im Zustand der Hoffnung und der Erwartung auf eine neue Welt, in der unser defizitärer Status aufgehoben ist (1Thess 4,13ff; Offb 21,1ff). Die eschatologische Spannung des 'schon jetzt - aber noch nicht' bleibt erhalten (1Jo 3,2). Der Trost, den die Präparate versprechen, ist eine traurige Alternative zu dem Trost, den uns Gott selbst durch seinen Heiligen Geist verheißen hat (2Kor 1,3-9). Wenn Gott dem Menschen Heilung seiner Seele schenkt (Ps 103,3; Jes 53,5; 57,18ff; Hos 5,13), dann geschieht das immer durch Gotteserkenntnis (Hebr.: jadah), aus der heraus auch Selbsterkenntnis erwachsen kann. Autonom von Gott ist tiefe Selbsterkenntnis oder gar die Entwicklung von Selbstheilungskräften allerdings nicht möglich - nur Gott kann das menschliche Herz richtig erforschen (Ps 139,23; Jer 17,10). 5.2.4. Lebensführung und Ethik Im Weltbild Bachs und seiner Schüler gibt es keinerlei absolut gültige Maßstäbe. Die Anthropozentrik führt in völlige Subjektivität und letztlich in Orientierungslosigkeit. Die Bibel verpflichtet dagegen zur Einhaltung göttlicher Maßstäbe. Das Zusammenleben der Menschen wird durch Gebote geregelt, durch den Dekalog oder auch durch Regeln für die Gemeinde (z.B. 1Kor 4-8). Jeder Mensch wird auch nach einem klaren Maßstab von Gott gerichtet werden (Röm 1,18- 2,16). Gottes Souveränität schließt eine subjektive menschliche Ethik aus. Traurige Alternative: Trost durch Präparate! Das Prinzip der Nichteinmischung steht der Verantwortung, die wir für unsere Mitchristen haben, diametral entgegen (Mt 18,15ff; 2Kor 1,5-11; Gal 6,1-5; Jak 5,19f). Gott möchte, daß wir Menschen uns gegenseitig ermahnen und zurechthelfen. Er hat uns nicht für das Alleinsein geschaffen und auch nicht dafür, daß jeder sich in Selbstbespiegelung und Tröpfchentherapie zurückzieht. Auch die von Gott gebotene Verantwortung für die Welt (Jer 29,7) geht weit über das von Bach und Scheffer vertretene 'Prinzip der Nichteinmischung' hinaus. 5.2.5. Gesundheit und Krankheit Krankheit ist nicht nur negativ Krankheit ist durch die Sünde in die Welt gekommen (1Mose 2,17; Röm 5,12). Sie gehört zur Realität irdischen Lebens und wird erst in der neuen Welt Gottes überwunden sein (Offb 21,4). Bach fordert zu Recht, hinter die rein somatische Sicht von Krankheit zurückzugehen und nach seelischen Ursachen zu suchen. Die endgültige Antwort auf die Ursache von Krankheiten ist bei ihm jedoch falsch, da er von kosmischer Disharmonie anstatt von Sünde spricht. Damit sind auch alle seine Schlußfolgerungen zur Überwindbarkeit von Krankheit hinfällig. Nach der Bibel ist Krankheit auch nicht durchweg negativ. Sie kann zur Erkenntnis eigener Begrenztheit und neuem Vertrauen auf Gott führen (Hiob; 2Kor 12,9). Die Erneuerung der Seele durch den Glauben (2Kor 5,17) ist unabhängig von leiblichem Wohlbefinden. 7. Fazit Die Bachblüten-Therapie ist abzulehnen. Ihr Ziel, die Seele zu heilen, steht in direkter Konkurrenz zu biblischem Glauben. Jede Anwendung der Bachblüten-Therapie, die sich an den Vorgaben der Therapie orientiert, bedeutet eine Beschäftigung mit der dahinterstehenden esoterischen Weltanschauung. Diese Weltanschauung ist aus biblischer Sicht klar abzulehnen und vor Aufnahme und Anwendung esoterischen Gedankenguts ist zu warnen.

Sollte jemand ohne Wissen um die Hintergründe und Ziele der Bachblüten-Therapie die Tropfen genommen haben, ist er nach Meinung der Autoren nicht gefährdet. Da die Tropfen keine nachweisbare stoffliche Wirkung haben, kann von dem Stoff an sich auch keine Gefahr ausgehen. Eine spirituelle Wirkung des Präparates ohne Kenntnis der dahinterstehenden Philosophie nehmen die Autoren nicht an. Das hebt nicht die Ablehnung der Therapie auf, kann aber diejenigen beruhigen, die unwissend diese Tropfen verwendet haben. Jedem, der Bachblüten verwendet, sollte das überlegene Angebot Gottes, die Seele zu erneuern, bekannt gemacht werden. ---Dr. Samuel Pfeifer

GESUNDHEIT - UM JEDEN PREIS ?

Einleitung Teil I: Zurück zur Natur? 1. Kapitel: In den Klauen der modernen Medizin? 2. Kapitel: Der Bio - Boom 3. Kapitel: Der okkulte Aufbruch im Westen Teil II: Heilmethoden im Kreuzfeuer 4. Kapitel: Akupunktur - heilende Nadeln aus Fernost 5. Kapitel: Fußreflexzonenmassage - Handauflegung am Fuß 6. Kapitel: Homöopathie - kosmische Energie in Flaschen 7. Kapitel: Irisdiagnose - zeigen sich Krankheiten am Auge? 8. Kapitel: Erdstrahlengefahr - Krebsvorsorge durch Pendeln? 9. Kapitel: Phytotherapie - Kräuter gegen Krankheit (unter Berücksichtigung der Anthroposophischen Medizin)

Teil III: Neue Medizin - Hilfe oder Gefahr? 10. Kapitel: Rätselhafte Phänomene suchen eine Erklärung 11. Kapitel: Die Botschaft der Naturheiler 12. Kapitel: Gesundheit um jeden Preis?

Vorwort Seit 1967 habe ich die Zeitströmungen in Europa und Amerika genau verfolgt. Was mich dabei am meisten erstaunte, war die rasche Ausbreitung von östlichen Religionen, Mystizismus, Okkultismus. Während die westliche Welt allmählich ihr christliches Glaubenserbe hinter sich ließ, wendete sie

sich mehr und mehr dem Atheismus, dem Agnostizismus, dem Materialismus und dem Humanismus zu, um dort Alternativen zu finden. Doch diese Philosophien haben sich als unzulänglich erwiesen und führten ganze Generationen in eine moralische und geistliche Sackgasse. Zu den Lebensbereichen, die von dieser Entwicklung am meisten betroffen sind, gehört das Gesundheitswesen. Es ist offenkundig, daß das medizinische Weltbild des Westens durch eine tiefgreifende Krise geht. Millionen von Menschen suchen heute nicht nur auf ihre geistlichen Fragen Lösungen und Antworten im Orient, sondern erhoffen sich auch neue Gesundheit durch Heilmethoden aus dem Osten. Wann immer ich Vorträge in Universitäten oder öffentlichen Auditorien halte, so betreffen die häufigsten Fragen in den nachfolgenden Diskussionen Akupunktur, Homöopathie, Irisdiagnose und ähnliches. Eine typische Frage lautet: »Wenn doch Akupunktur wirkt, warum soll man sich dann nicht damit behandeln lassen?« Immer wieder treffe ich vor allem Christen, die sich dieser Problematik gegenübersehen und in ein Netz von Verwirrung und Unsicherheit verstrickt sind. Im Bemühen um eine fundierte Antwort bedauerte ich immer das Fehlen eines Buches, das diese Heilmethoden aus christlicher Sicht behandelt. Ich kann deshalb meiner Freude nicht genug Ausdruck verleihen, daß nun dieses so wichtige Buch zu dem brandaktuellen Thema erscheint. Es ist mein Vorrecht, Dr. med. Samuel Pfeifer seit über 10 Jahren zu kennen und mit ihm zusammenarbeiten zu dürfen. Er studierte an der Universität Zürich und arbeitete seither an verschiedenen Krankenhäusern in der Schweiz und in der Dritten Welt. Seine Festigkeit und Aufrichtigkeit als Christ und sein Glaube an Gottes Wort, gepaart mit harter Arbeit und dem klaren, nüchternen Herangehen an die Materie, haben ein äußerst informatives und lehrreiches Buch entstehen lassen. Dr. med. Samuel Pfeifer hatte den Vorteil, das Problem von beiden Seiten betrachten zu können, nämlich als Arzt und als Christ. Seine Sprachkenntnisse ermöglichten es ihm zudem, aus einem extrem großen Quellenmaterial schöpfen zu können. Aus all diesen Gründen unterstütze ich »Gesundheit um jeden Preis? « von ganzem Herzen. Ich empfehle es als Pflichtlektüre nicht nur für Pastoren und Seelsorger, sondern auch für Laien, denen das Dilemma des modernen Menschen ein Anliegen ist und die eine echte Hilfe und Wegweisung geben wollen. Rabindranath R. Maharaj, Autor des Buches: »Der Tod eines Guru«

Einleitung Als Arzt wurde ich immer wieder gefragt, was Christen von Akupunktur und Fußreflexzonenmassage, von Homöopathie und Irisdiagnose, von anthroposophischen Heilmitteln und anderen Naturheilpraktiken zu halten haben. Lassen sich nicht wissenschaftliche Beweise für ihre Wirksamkeit anführen? Wird man dadurch wirklich okkult belastet? Gibt es eine neutrale Anwendung dieser Heilmethoden? Stimmt der Slogan: »Wer heilt, hat recht!«? In christlichen Büchern fand ich zu diesen Fragen kaum, und wenn, dann nur spärliche Hinweise. Bei Ärzten und Seelsorgern, die ich anfragte, traf ich im allgemeinen auf große Unsicherheit, wenn nicht gar Ratlosigkeit. So begann ich mich näher mit dem Phänomen der »Naturheilkunde« auseinanderzusetzen, die heute zunehmend als »Ganzheitsmedizin« bezeichnet und propagiert wird. Ich sprach mit Heilern und deren Patienten sowie mit Ärzten und Seelsorgern über ihre

Erlebnisse mit »ganzheitlichen« Heilmethoden. Sehr viel Zeit verbrachte ich auch in großen Bibliotheken, die ich nach Büchern und Artikeln zu diesem Thema durchforstete. Das Ergebnis meiner Nachforschungen ist dieses Buch. Ich habe versucht, möglichst umfassend darzustellen, was hinter der neuen Bewegung »Zurück zur Natur« steckt. Dabei war von Anfang an klar, daß nicht nur Erlebnisberichte und wissenschaftliche Daten verarbeitet werden durften, die geistlichen Aspekte der »Ganzheitsmedizin« mußten ebenso berücksichtigt werden. Denn was nützt es dem Menschen, wenn er sich bester Gesundheit erfreut und doch Schaden nimmt an seiner Seele? Ich bin mir bewußt, daß ich mit diesem Buch an ein heißes Eisen anrühre. Denn nicht von ungefähr finden wir in der christlichen Literatur kaum engagierte Beiträge zu diesem ganzen Problemkreis. Eine lückenlose Darstellung aller para medizinischer Strömungen im Rahmen einer solchen Arbeit ist kaum möglich und auch nicht wünschenswert. Es geht hier nicht darum, jeden einzelnen Heilpraktiker geistlich, philosophisch oder wissenschaftlich zu klassifizieren. Vielmehr möchte ich in diesem Buch einzelne große Linien herausstellen, die dem Leser helfen sollen, die Geister zu unterscheiden. Es ist meine Absicht, Warntafeln aufzurichten, die dem Patienten sagen: »Halt! Vorsicht!« Dieses Buch will nicht zuletzt auch aufrufen zu einer Rückbesinnung auf bleibende geistliche Werte. Allzuoft haben auch Christen den Fehler begangen, den sie der Naturwissenschaft zum Vorwurf machen: sie trennten Materie und Geist, Seele und Leib. Wir müssen von neuem lernen, zu einer ganzheitlichen Schau des Krankheitsgeschehens auf biblischer Grundlage zu kommen. Wenn wir der Naturheilkunde kritisch gegenüberstehen, so ist damit noch nicht gesagt, daß wir auf Gedeih und Verderb der modernen Medizin ausgeliefert sind, die mit ihrer einseitigen Betonung des Leiblichen so vielen Krankheiten hilflos gegenübersteht. Ich bin davon überzeugt, daß Gottes Wort, die Bibel, eine Antwort auf die mannigfachen Probleme unserer Zeit hat. Es ist mein aufrichtiges Anliegen, Sie mit diesem Buch nicht nur vor Irrlichtern und Minen im Grenzbereich okkulter Heilpraktiken zu warnen, sondern Ihnen auch neue Zuversicht und Hoffnung zu geben, daß die Begegnung mit Gott in Jesus Christus nicht nur Auswirkungen auf Ihr geistliches Leben hat, sondern Ihr ganzes Leben - Geist, Seele und Leib - zu durchdringen und zu verändern vermag. Dr. med. S. Pfeifer

Teil I - Zurück zur Natur?

1. Kapitel In den Klauen der modernen Medizin? Das Krankenhaus ist aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Praktisch jeder Mensch in den westlichen Industrienationen kommt heute in einer Klinik zur Weit. Zwei von dreien sterben im Krankenhaus, nicht wenige im Gewirr von Drähten und Infusionsschläuchen, zwischen piepsenden Computern, flimmernden EKG Monitoren und chromglänzenden Geräten ein erschreckendes Bild. Angst vor dem Krankenhaus

Immer mehr Patienten haben Angst vor dem Krankenhaus. Als seelenlosen Alptraum aus Beton, Glas und Neonlicht empfinden sie das Haus, in dem ihnen eigentlich geholfen werden sollte, und wo man Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe erwartet. Die Angst beginnt schon beim Krankenhausgeruch, diesem eigenartigen Duft von Sterilität. Sie wird nicht geringer beim Anblick anderer Patienten mit Gipsbein, Dauertropf und bleichem Gesicht. An jedem Patienten nagt zu Beginn die Ungewißheit: »Was werden sie wohl bei mir finden? Welche Untersuchungen werde ich über mich ergehen lassen müssen? Wird es weh tun? Werde ich dieses Haus überhaupt je wieder verlassen können?« Bald ist er eingekleidet in sein anonymes weißes Krankenhemd, und er, der noch zu Fuß eingetreten ist, wird nun im Bett durch endlose Gänge geschoben, von einer Untersuchung zur andern. Eine Tür tut sich auf. Das Bett wird ins Halbdunkel geschoben. Ein eigenartiges Summen erfüllt den Raum, farbige Lämpchen blinken aus dem Dunkel. Keiner ist da, der ihm genau erklärt, was ein »Thorax« ist, den man »schießen« will. Langsam erkennt er die schemenhaften Umrisse eines riesigen Gerätes; Röhren und Kabel hängen an der Decke über ihm, moderner technischer Ersatz für das Damokles Schwert des Altertums. Die Zeit des Wartens erscheint ihm in seiner Angst endlos lange. Der Sekundenzeiger an der großen Uhr kriecht im Schneckentempo von einem Teilstrich zum nächsten ... Endlich erscheint die Röntgenassistentin. Sie hilft ihm aus dem Bett, zeigt ihm, wie er sich hinstellen muß, und schon ist der Brustkasten geröntgt es war gar nicht so schlimm. Während er in irgendeinem Korridor auf die nächste Untersuchung wartet, kommen ihm all die Zeitungsartikel in den Sinn, die er in der letzten Zeit gelesen hat. »Menschenversuche» »seelenloses Krankenhaus« - »Kunstfehler: Ärzte vor Gericht« - »Vermeidbare Operationen« »Operation gelungen - Patient tot«, so schwirrt es ihm durch den Kopf. Das Bild, das die Journalisten von der modernen Medizin zeichnen, ist allerdings erschreckend. Oft werden Einzelfälle geschildert, von den Zeitungsmachern zur publikumswirksamen Gruselstory hochstilisiert. In die Schlagzeilen gerät die Medizin erst dann, wenn ein Zwischenfall passiert. Man spricht nicht von den hunderten von zufriedenen und geheilten Patienten, von der segensreichen Wirkung vieler Medikamente, von den tausenden gelungener Operationen. Andererseits darf nichts beschönigt werden: Wo Missstände auftreten, soll man sich nicht achselzuckend ins Unvermeidliche fügen, in das uns die moderne Wissenschaft mit ihrem einseitigen Bild vom Menschen gebracht hat. Zu lange hat man Leib und Seele auseinander gerissen, wurde wohl der Körper wiederhergestellt, aber die seelische Problematik hinter der Krankheit vernachlässigt. Macht das Krankenhaus krank? Das Krankenhaus bringt nicht nur Heilung, in vielen Fällen macht es krank. Das wurde in verschiedenen Studien nachgewiesen. »Verzögert oder gefährdet«, sagt der Münchner Psychologe Georg Sieber, werde der Heilungsprozess durch »jedes Warten, alle kleinen und großen Ängste, jede erzwungene Verzögerung eines Bedürfnisses, jedes Gefühl der Ohnmacht und des Ausgeliefertseins.« Das Gespräch mit dem Arzt trägt oft nicht viel zur Beruhigung bei. Pro Visite verbringt der Krankenhausarzt nach verschiedenen Untersuchungen nicht mehr als 1,7 3,7 Minuten im Gespräch mit dem Kranken. Häufig genug habe ich selbst erlebt, wie sich die Ärztekorona bei der täglichen Visite mehr für Labordaten und EKGs interessierte als für die Fragen und Anliegen des Patienten. Da murmelt man sich über den Kopf des Patienten hinweg lateinische Fachwörter zu, die dieser nicht versteht und aus denen er sich womöglich die greulichsten Dinge

zusammenreimt. Besonders schlimm ist es, wenn er durch die Diagnose auch noch seinen Namen verliert, zum »«Psycho« gestempelt wird oder das Todesurteil »hoffnungslos« erhält. Im Krankensaal ist er vielleicht »der stenocardische Anfall«(Herzschmerzen), »das Magen-C.A.« (Magenkrebs), »das irritable Colon« ( Störung der Dickdarmtätigkeit) oder ganz einfach »der Alte am Fenster«. Die Medizin mit ihrem Anspruch des Helfens und Heilens steht zunehmend unter Beschuß. Immer treffender scheint Molières Ausspruch zu werden: »Die meisten Menschen sterben an ihren Medizinen und nicht an ihren Krankheiten.« Tabletten statt Gespräch Laborautomaten und elektronische Diagnostik Hilfen ersetzen mehr und mehr den persönlichen Kontakt mit dem Arzt. So kam ein Patient aus den USA zu einem meiner Professoren in Zürich, einem weltbekannten Fachmann der Inneren Medizin, mit nicht weniger als 89 Laborwerten, vom Hämoglobin bis zu exotischen Enzymen wie der Serum Fruktose1,6 Diphosphat Aldolase. Vor allem aber bringt die Gesprächsarmut den modernen Arzt um die Chance, frühzeitig jenen 35 - 55 % aller Beschwerden auf die Spur zu kommen, bei denen die besten Geräte in der Diagnose nicht weiterhelfen. Statt eines hilfreichen Gesprächs gibt es oftmals Tabletten en masse. Wer drei Wochen in einem westdeutschen Krankenhaus liege, so ermittelte der West Berliner Pharmakologie Professor Hans Herken, werde mit durchschnittlich neun bis zehn verschiedenen Arzneimitteln behandelt. Belegt der Patient auch noch das Bett eines Universitätskrankenhauses, so ist die Chance groß, daß er mit Medikamenten behandelt wird, die erst in Erprobung stehen. Wer in eine »kontrollierte Studie»« als Versuchskaninchen hineingerät, wird häufig erheblich mehr und unnötigerweise gestochen, geröntgt und getestet. Fest steht, daß viel zu viele Medikamenten Studien aus reinen Prestigegründen gemacht werden. Auf der anderen Seite müssen neue Medikamente nun einmal am Menschen auf die Wirksamkeit hin geprüft werden, nachdem man vorher bei Tierversuchen möglichst alle Risiken auszuschalten versucht hat. Und doch: ein gewisses Unbehagen bleibt ... Sehnsucht nach einer neuen Medizin Die nicht ganz unberechtigte Angst vor der modernen Apparate Medizin macht besser verständlich, warum sich immer mehr Menschen nach einer Medizin sehnen, die ihnen die Schrecken des Krankenhauses erspart, nach einer Therapie ohne riesige Apparate, nach Heilmitteln ohne Nebenwirkungen, nach Heilung ohne Operation. Genau das versprechen ihnen die Heilpraktiker und Naturärzte. Hier kommt es wieder zum ersehnten menschlichen Kontakt. Hier wird nicht in unverständlichen Ausdrücken eine komplizierte lateinische Diagnose ausgesprochen, sondern die Krankheit in einen einfachen, allgemeinverständlichen Zusammenhang gestellt. Da fehlt es vielleicht am elektrischen Gleichgewicht des Körpers oder am vegetativen Nervensystem. Da muß einmal ein krankmachendes Störfeld gesucht werden, oder die Fußreflexzonen sind vernachlässigt worden, Begriffe, die jedem Illustrierten Leser vertraut sind. Die verschriebenen Kräuter¬ und Bio Säfte sind »natürlich«, und haben deshalb so die Folgerung des medizinischen Laien keine Nebenwirkungen. Daß die Dinge so einfach nun doch nicht liegen, werden wir in späteren Kapiteln noch sehen. Ein Hauptvorteil der Heilmethoden von Außenseitern liegt für den Patienten darin, daß eine vielleicht schon angesetzte Operation plötzlich überflüssig wird. Hier hakt auch der deutsche

Heilpraktiker Papst Köhnlechner ein mit seinem medizinkritischen Buch »Vermeidbare Operationen»«, in dem er zeigt, daß jede siebente Operation nicht nötig gewesen wäre. Neuraltherapeutische Injektionen von Impletol sollen eine Gallenblasenoperation verhüten und Akupunktur die vereiterten Kieferhöhlen sanieren, Ozon Injektionen in die Arterien sollen Raucher vor der Beinamputation bewahren und das homöopathische Mittel >,Flor de Piedra»« in den Verdünnungen D4 und D6 die Funktion der Schilddrüse wieder ins Lot bringen. Mit einer bewundernswerten schriftstellerischen Eleganz werden hier vermeintliche Rettungsseile ausgeworfen, an die sich so viele hängen, die vor einer gefürchteten Operation stehen. Wenn Prof. Julius Hackethal, vom brillanten Chirurgen zum Anhänger der Naturheiler bekehrt, seinen Patienten mit Prostata Krebs den Rat gibt: »Laufen Sie so schnell Sie können, wenn Sie einen Urologen sehen, so trägt das nicht unbedingt zum Vertrauen in den Arzt bei. Ins gleiche Horn bläst Paul Uccusic, Autor des Buches »Naturheiler«, wenn er seinen Lesern rät: »Wer gesund werden will, darf sich nicht allein auf den Arzt verlassen«. Kein Wunder, daß der Hamburger Psychosomatiker Arthur Jores die Behauptung aufstellt: »50 Prozent der Deutschen zwischen 25 und 50 glauben nicht mehr an ihren Arzt.« Und weiter: »Wer immer nur hört: Das bringen wir schon in Ordnung, wer immer nur mit Rezepten abgespeist wird, der sucht einen Ausweg beim Wunderheiler.« Anmerkung des Verfassers: In diesem Kapitel 1 wurde das Bild der Schulmedizin absichtlicht so nachgezeichnet, wie es von der heutigen Presse wiedergegeben wird. Es deckt sich in dieser krassen Form nicht mit meiner persönlichen Meinung. Auch wenn ich Anfragen an extreme Auswüchse der technisierten Medizin habe, so bin ich doch fest davon überzeugt, daß die Ärzte und das Pflegepersonal in den Krankenhäusern ehrlich für das Wohl der Patienten besorgt sind. Komplikationen sind selten, lassen sich aber niemals völlig vermeiden. Wer einseitig nur Fehler und Probleme der Schulmedizin an die Öffentlichkeit zerrt, verkennt die wahre Situation der modernen Medizin, deren segensreiche Wirkungen keiner missen möchte. Wie ich jedoch in vielen persönlichen Gesprächen mit Patienten und Gesunden feststellen mußte, geht in den meisten die Saat der Furcht und des Misstrauens auf, die von den Medizinkritikern gestreut wurde. Über die Folgen, d. h. über die verzweifelte Suche des heutigen Menschen nach Alternativ Lösungen, soll in den folgenden Kapiteln die Rede sein.

2. Kapitel - Der Bio-Boom »Zweimal am Tag kommt auf richterliche Verfügung eine Krankenschwester in das kleine Haus im Bostoner Vorort Scituate im US Bundesstaat Massachusetts und gibt dem zweijährigen Chad Green fünf kleine weiße Pillen. Der Knabe leidet an akuter Leukämie, dem sogenannten Blutkrebs. Die Ärzte meinen, daß die Medikamente Chads einzige Chance sind, das dritte Lebensjahr zu erreichen. Chads Mutter dagegen glaubt, die Pillen seien Gift für ihren Sohn. Die Greens setzen großes Vertrauen in die richtige Ernährung, und die Mutter hat ein Programm zusammengestellt, das aus Obst, frischem Gemüse, Ziegenmilch, Käse, destilliertem Wasser, Vitaminen und Mineralien besteht. Verzichtet wird auf Zucker, Fleisch, Konservierungsmittel und Lebensmittelfarbstoffe. Am liebsten würde sie ihren Sohn zu einem Arzt bringen, der sie dabei unterstützt und Chad hilft, seinen Körper selbst zu heilen« Soweit der Bericht aus einer Tageszeitung. Weil die Leukämie unter Frau Greens Bio Therapie zurückgekehrt war, hatten schließlich die Ärzte die Hilfe der Justiz zur Behandlung des kleinen Chad angerufen.

Das Beispiel ist typisch für unsere Zeit, die als Reaktion auf die Ohnmacht der Wissenschaft einen wahren Bio Boom erlebt. 50 000 Arzneimittel - 50 000 Nebenwirkungen Etwa 70 % der westdeutschen Frauen und rund 55 % der Männer nehmen, so das Ergebnis einer Umfrage, regelmäßig irgendwelche Medikamente ein Tabletten, Dragees und Kapseln in allen Farben, Pulver, Säfte, Tropfen oder Zäpfchen. Im Durchschnitt verbraucht derzeit jeder Deutsche (und in den andern Industrieländern ist es ähnlich) fünfmal soviele Arzneimittel wie vor dem Zweiten Weltkrieg. Rund 50 000 Arzneimittelspezialitäten sind heute auf dem Markt. Wer jedoch meint, man könne damit auch die meisten Krankheiten heilen, sieht sich arg getäuscht: Nur gegen ein Drittel aller heute bekannten Krankheiten stehen Arzneimittel zur Verfügung, die das Grundleiden beeinflussen können. Und gerade bei der Behandlung der großen Volkskrankheiten dieses Jahrhunderts Krebs, Arteriosklerose, Herz -und Kreislaufleiden müssen Ärzte noch immer ohne Medikamente auskommen, die die Ursachen der Übel angehen könnten. Nebenwirkungen gibt es etwa gleich viele wie Arzneimittel. In einem Computerzentrum der WHO (Weltgesundheitsbehörde) registrierte man allein seit 1968 rund 50 000 Nebeneffekte von Medikamenten. Jedes Jahr werden in den USA 3 Milliarden Dollar ausgegeben, um Arznei Nebenwirkungen zu behandeln. Selbst das Allerweltsmittel Aspirin (Jahreskonsum in den USA: 20 000 Tonnen) weist nach Angaben der WHO-Studie die stattliche Liste von 31 unerwünschten Wirkungen auf, vom Hautausschlag bis zum Magengeschwür. Während die meisten Zwischenfälle aufgrund von Medikamenten Nebenwirkungen glimpflich ablaufen, kam es vor rund 20 Jahren beim Schlafmittel Contergan (Thalidomid) zur Katastrophe: Tausende von Kindern, deren Mütter während der Schwangerschaft dieses Mittel genommen hatten, kamen verstümmelt zur Welt. Beruhigungsmittel, wie etwa die Medikamente Valium und Librium, sind schon beinahe zum Symbol der westlichen Wohlstandsgesellschaft geworden. Sie machen insgesamt rund 30 % des Umsatzes der Pharmaindustrie aus. Jeder zehnte Nachtschlaf in England wird mit einem dieser Mittel eingeleitet. Bereits 1977 waren von den 80 000 Suchtkranken, die in den Einrichtungen der Deutschen Hauptstelle gegen Suchtgefahr behandelt worden waren, 11 000 von Beruhigungs und Anregungsmitteln abhängig, die ihnen der Arzt verschrieben hatte. Der Prozentsatz dieser »Pharmasüchtigen« ist in raschem Anstieg begriffen. Risse im Tempel Parallel zu dieser chemischen Invasion wächst auch die Ablehnung gegen die Chemie. Die Menschen sind von der Wissenschaft, die ihnen so viel versprochen hat, enttäuscht. Immer mehr fühlen sie sich von den unvorhersehbaren Auswirkungen bedroht und wenden sich mit einer Heftigkeit von ihrem früheren Götzen ab, die noch vor einem Jahrzehnt unvorstellbar gewesen wäre. Sie stehen alle in einer Reihe: die Bauern, die vor einer Aluminiumfabrik in der Schweiz mit Traktoren und schwarzen Fahnen gegen den hohen Fluor Ausstoß demonstrierten; die Umweltschützer, die den Bau eines riesigen Wasserkraftwerks im US Bundesstaat Maine verhinderten, weil dadurch eine bestimmte Läusekrautart vom Aussterben bedroht worden wäre; die Atomkraftwerkgegner mit ihren Molotow Cocktails und Politparolen und nicht zuletzt die fanatisierten Massen eines Ayatollah Chomeiny, die den Schah nicht nur aus religiösen Gründen stürzten, sondern auch deshalb, weil er ihnen die Industrialisierung ihres Landes zu überstürzt

und zu rücksichtslos vorangetrieben hatte. Die Hoffnung auf eine glücklichere Zukunft«, sagt der deutsche Arzt und Wissenschafts Journalist Hoimar von Ditfurth, hat der Angst vor einer übervölkerten, verschmutzten und immer lückenloser reglementierten Welt Platz gemacht.« Jahrzehntelang hatten die Wissenschaftler und die Massenmedien den Menschen die Verheißung gepredigt, daß mit Hilfe der menschlichen Vernunft einst alle Probleme gelöst werden könnten. Nun bröckelt der Tempel der Wissenschaft langsam ab, gleich den griechischen Heiligtümern auf der Athener Akropolis. Die Risse im Gemäuer werden unübersehbar, und keiner ist sicher, ob nicht irgendwann einmal das Dach über ihm einstürzt. Die modernen Priester mit ihren Reagenzgläsern und Computern konnten die Hoffnung der Menschheit auf eine neue, bessere Welt nicht befriedigen. Tanaland ist ruiniert Der Gießener Psychologie Professor Dörner machte vor einigen Jahren einen äußerst interessanten Versuch, der dies belegt: Zwölf deutsche Studenten verschiedener Fachbereiche bekamen alle Vollmachten, die Lebensbedingungen der im afrikanischen Entwicklungsgebiet »Tanaland« am Rande des Existenzminimums lebenden Stämme der Tupis und der Moros zu verbessern in Computersimulation. Die Entwicklungshelfer ließen Dämme bauen, Bewässerungssysteme anlegen, Wälder roden und Ackerland düngen, machten Jagd auf Raubtiere und versprayten Insektizide. Das Ergebnis all ihrer Anstrengungen war niederschmetternd. Idi Amin hätte Tanaland nicht schlimmer herunterwirtschaften können. Trotz all ihres Wissens sie alle waren überdurchschnittlich intelligent gelang es ihnen nicht, die Wirkungen ihrer Maßnahmen abzuschätzen und auch mögliche Nebeneffekte mit einzukalkulieren. So dezimierten sie z. B. mit Giften die plantagenschädigenden Affen, bedachten aber nicht, daß die Leoparden sich nun mangels Futter über die Rinderherden hermachen würden. Tanaland aber ist überall: Wo der Mensch in die ökologischen Systeme eingreift, kommt es früher oder später zur Katastrophe. Die Überschwemmungen, die Indien jedes Jahr in schlimmerem Maße heimsuchen, haben ihren Grund in der Rodung riesiger Waldgebiete im Norden des Landes, die früher Wasser aufgesaugt hatten. Eine der schlimmsten Zeitbomben, die der Mensch gelegt hat, ist das Insektizid DDT, mit dem jahrelang ausgerottet wurde, was da kreucht und fleucht und dem Menschen Mühe macht. In ihrem Buch »Die Grenzen des Wachstums« haben die Wissenschaftler des »Club of Rome« eindrücklich gezeigt, wie noch Jahrzehnte später das DDT in Fischfleisch angereichert wird. Ja, man hat sogar in der Muttermilch DDT Konzentrationen gefunden, die die gesetzliche Grenze weit überstiegen. Zum Glück braucht es große Mengen, um einen Menschen zu vergiften, während das Mittel für eine Fliege schon in einer Dosis von einem Hundertstel eines Millionstel Gramms tödlich wirkt. Dennoch beschleicht viele Leute ein ungutes Gefühl, wenn die Obstbauern mehrmals pro Jahr mit hochwirksamen Insektengiften durch ihre Plantagen fahren. Immer mehr Hausfrauen zahlen gerne einen höheren Preis für Äpfel, die nicht gespritzt sind. Verkaufsargument »biologisch« Das Wort »biologisch« ist zu einem Verkaufsargument mit magischer Anziehungskraft geworden.

Fast jedes Waschmittel wird heute für seine biologische Abbaubarkeit gerühmt, auch wenn dies nur gerade bedeutet, daß es den gesetzlichen Vorschriften entspricht. Die Natur muß herhalten für die Alkoholwerbung und für die Zigaretten, die ja alles andere als gesundheitsfördernd sind. Da wird »Bio Hefe» gegen Akne angeboten und mehr als zehn Sorten »biologisch vollwertigen« Brotes, Marmelade »garantiert ohne künstliche Farbstoffe«, Naturprodukte aus »biologisch gezogenen Frischpflanzen«, Shampoo »aus garantiert naturreinen Extrakten«, ein Insektenspray, der »biologisch abbaubar, ozonfreundlich« ist, und Goldmelissensirup »«für Ihre Gesundheit«. Vollrohrzucker der Marke »Marga«, »100 % natürlich«, wird siebenmal teurer verkauft als ein Kilo normalen Zuckers, der die Zähne nicht mehr schädigt als der braune Vollrohrzucker, Besonders lukrativ ist der Bio Boom für die Reformhäuser und die Hersteller von Naturprodukten. Seit zwei Jahren, so eine Reformhausbesitzerin, sei ein sehr starker Trend zum Natürlichen festzustellen. Die »Bioforce» im schweizerischen Roggwil, eine Fabrik, die Naturprodukte nach den Rezepten des Naturheilers A. Vogel herstellt, weist Zuwachsraten von beachtlichen 40% jährlich auf trotz flauer Wirtschaftslage und hohem Kurs des Schweizerfrankens. Selbst, selbst, selbst Der Trend »Zurück zur Natur« schlägt sich auch nieder in den Bücherregalen. So führte z. B. die »Atkins Diätrevolution« monatelang die Bestsellerlisten an, eine Diät nur unter vielen. Da erreicht ein Bildband mit dem Titel »Rettet die Vögel« innert kürzester Zeit Auflagen, die selbst den Verlag überraschen. Denen, die genug vom Leben in unseren verschmutzten Städten mit ihrem Stress haben und aufs Land ziehen wollen, hat der britische Schriftsteller John Seymour einen Ratgeber geschrieben, der bald in die Top Ten des Büchermarkts aufstieg: »Das große Buch vom Leben auf dem Lande« mit praktischen Anweisungen zum Melken und zum Anlegen eines Gemüsegartens. Ziel des Lebens auf dem Lande: die totale Selbstversorgung, vom Frühstücksei bis zum Schweineschnitzel, vom eigenen Bienenhonig bis zum selbstgebackenen Brot. Hier sind wir bei einem Wort angelangt, das in diesem Zusammenhang immer wieder auftaucht und bei näherer Betrachtung der Biowelle nachdenklich stimmen muß. Immer wieder hört man aus all diesen Bewegungen das Wort »selbst«: Selbstversorgung, Selbstverwirklichung, Selbstheilung, Selbsthypnose, Selbstsuggestion ... Der Mensch hat eingesehen, daß ihm Wissenschaft und Technik nicht alles geben können. Doch statt sich dem zuzuwenden, »in dem wir leben, weben und sind«, wie Paulus das in seiner Rede in Athen ausdrückte, suchen sie das Heil bei sich selbst. Der moderne Mensch wird bereit, »Buße« zu tun, sich abzuwenden von seinem Raubbau an Natur und Gesundheit, vom Verlust persönlicher Beziehungen in der Gesellschaft und speziell in der Medizin. Er ist bereit, sein Leben zu ändern, strenge Diätvorschriften einzuhalten, stundenlang zu meditieren oder sich in Anti Kernkraftwerks Demonstrationen zu exponieren. Seine neuen Götter sind die Natur, seine Gesundheit, sein Ich; sein neues Ziel ist das Erkennen des höheren »Seins« in sich selbst, der Einklang mit den kosmischen Kräftefeldern, die Erlangung eines neuen Gleichgewichts und im Endeffekt das Einswerden mit dem Universum. Vom christlichen Standpunkt gesehen treffen alle diese Bemühungen nicht den Kern des menschlichen Dilemmas, sie entsprechen vielmehr dem Menschenbild hinduistischer und buddhistischer Philosophie oder dem kosmischen Modell der Astrologen. »Auf den Altären, von denen die Götter der Vergangenheit vertrieben wurden«, schreibt Hoimar von Ditfurth, »machen sich nun viele kleine Götzen breit.«

3. Kapitel Der okkulte Aufbruch im Westen

Wir leben in einer Zeit der okkulten »Erweckung«. Was vor zehn Jahren noch unmöglich schien, ist heute alltäglich. Was noch vor kurzem vom Durchschnittsbürger als Aberglaube, Hexerei und Spiritismus abgelehnt wurde, ist heute durch Wissenschaft und Parapsychologie salonfähig geworden. Mehr Astrologen als Physiker Kaum eine Zeitung will heute noch auf das regelmäßige Horoskop verzichten... In Europa und in den USA werden heute dreimal so viele eingetragene Astrologen gezählt wie Chemiker und Physiker. Zu den Kunden der Astrologen gehören längst nicht nur geistig Minderbemittelte, sondern Manager, Unternehmensleiter, höhere Beamte in verantwortlicher Position und führende Politiker. Vielleicht lächeln Sie über die Hausastrologen der politischen Führer im fernen Indien. Versichern Sie sich zuerst, ob nicht der Parlamentsabgeordnete, den sie unterstützt haben, sich ein Horoskop hat stellen lassen, um zu erfahren, welche Chancen er hat. In Amerika werden okkulte Spiele als ideales Geschenk für Kinder angeboten, so z. B. das »Ouija-Brett« oder die Spiele »Clairvoyant« (Hellseher), »Horoscope«, »Kabbala« oder »Voodoo«. Tischrücken, Hypnose oder die Kontaktaufnahme mit Toten durch ein Medium sind zu beliebten Partyspielen geworden. Hellseher werden gerne zur Lösung von Kriminalfällen herangezogen. So hat der Telepath Peter Hurkos der Polizei in 17 Ländern geholfen, Mordfälle aufzuklären. Telepathie im U Boot Telepathie wird angewendet, wo man sie nie vermuten würde. Weil man diese okkulte Technik als Verständigungsmittel für U Boote einsetzen möchte, ist die Parapsychologie in der Sowjetunion zum Staatsgeheimnis erhoben worden. Aber auch die amerikanische Navy hat 1959 Versuche telepathischer Verständigung mit dem getauchten U Boot »Nautilus« angestellt. Telepathische Experimente hat auch der amerikanische Astronaut Captain Edgar D. Mitchell auf dem Apollo 14 Flug zum Mond durchgeführt. Auf mindestens 10 Millionen wird die Zahl der Amerikaner geschätzt, die sich mit Hexerei, Satanskult und Schwarzer Magie beschäftigen. England zählt 8 000 praktizierende »Hexer« und »Hexen«, die allen Gesellschaftsschichten entstammen und in »Convents« organisiert sind. Allein zwischen Rom und Mailand arbeiten 10 000 Magier und Wahrsager. In Frankreich gibt es mehr Kartenleger, Handlinienieser und Astrologen als katholische Priester. 1966 wurde in Kalifornien die erste Satanskirche gegründet. Ihr Hohepriester, Anton LaVey sagt: »Das Zeitalter der Teufelsanbetung begann im Jahre 1966, als man Gott für tot erklärte, der Verein für sexuelle Freizügigkeit entstand und die Hippies eine freie Subkultur entwickelten.« Doch nicht nur Europa und die USA erleben diesen Boom des Spiritismus. In Brasilien haben die afrikanischen Riten der Macumba und Umbanda eine Anhängerschaft von 30 Millionen. Der Umbandakult ist offiziell als Religion anerkannt. Die Zahl der Anhänger wächst von Jahr zu Jahr. Besonders die benachteiligten Schichten in den Großstädten haben ihren Glauben an die korrupte Regierung und die erstarrte Kirche verloren und erhoffen sich nun Heil und Heilung immer mehr von den Hohepriestern der Satanskulte. Spätestens seit dem Hollywood Spektakel »Der Exorzist« haben Teufel, Psi und Wunderheiler auch die Massenmedien in Europa erobert. Was einst geheim im düstern Kerzenlicht praktiziert wurde, wird heute millionenfach durchs Fernsehen ausgestrahlt. Wo früher ein paar hundert Leute einen Magier im Varieté bewunderten, erliegen heute Millionen der Suggestion eines Uri

Geller. Das Geschäft mit dem Okkulten Die okkulte Explosion hat auch den Büchermarkt ergriffen. Hunderte von einschlägigen Werken drängen jedes Jahr neu auf den Markt und erreichen schwindelerregende Auflagenhöhen, von Erich von Dänikens Astronauten Göttern bis zum Jahreshoroskop für Jungfrau, Widder oder Löwe, vom tibetanischen Totenbuch bis zu Moody's »Leben nach dem Tode.« Selbst angesehene Verlage verdienen heute munter mit am Geschäft mit dem Okkulten. Wo früher linkslastige Philosophie und materialistische Weltanschauung das Programm beherrschten, sprossen immer mehr Bücher, die eine jenseitige Welt nicht mehr ausschließen wollen. So werden immer mehr Menschen bereit, außersinnliche Geschehnisse als Wahrheit zu glauben. Science Fiction Literatur hat nicht mehr nur Unterhaltungswert, sie wird zum Schrittmacher einer neuen Einstellung zum Transzendenten. Da ist mit den Helden des Films »Star Wars« eine gute »Macht«, die sie beschützt. Steven Spielbergs »Unheimliche Begegnung der dritten Art« hat so eindeutig religiöse Untertöne, daß ein Kommentar von einer »Ersatzreligion« spricht. Geistheilung auf den Philippinen »Gegenwärtig gelangt der Aberglaube zu neuer, beinahe mittelalterlich anmutender Hochblüte«, schreibt ein deutsches Nachrichtenmagazin. »Mit einer Vehemenz, vor einem Jahrzehnt kaum vorstellbar, haben sich die Menschen - auch Intellektuelle - in den westlichen Industriestaaten von der einst hochgespannten Wissenschaftserwartung abgewandt: Enttäuschte des Wissenschaftszeitalters, die Hermann Hesses Mystizismus wiederentdeckten oder auch den Zen Buddhismus oder die transzendentale Meditation.« Der neue Aberglaube macht nicht halt beim Übersinnlichen in Weltraum und Technik. Immer mehr Menschen sind auch bereit, Krankenheilungen von Methoden zu erwarten, denen jede naturwissenschaftliche Basis fehlt. Jedes Jahr pilgern Tausende von Patienten aus dem Westen zu den Philippinen, wo sie sich ihre Krankheiten durch Geistheiler mit bloßen Händen operieren lassen... Der amerikanische Chirurg Dr. Nolen hat sehr eindrücklich beschrieben, mit welch fingerfertigen Tricks die Heiler die PSI Gläubigen aus dem Westen täuschen. Trotzdem hält der Präsident der Parapsychologischen Gesellschaft Zürich, Dr. Nägeli, an seiner Darstellung fest, daß es sich hier um einen »feinstofflichen Leib« handle, der operiert werde. »Ich glaube«, sagte Nägeli in einem Interview mit einer großen Schweizer Zeitung, »daß die Existenz des feinstofflichen Körpers bis in 10 oder 20 Jahren auch in Europa allgemein anerkannt wird.« Handauflegung und Hypnose Sie müssen nicht bis zu den Philippinen reisen, um Zeuge zu werden, wie sich Patienten einem Heiler anvertrauen, der ihnen verspricht, sie mit magischen Kräften zu heilen. Diese Dinge geschehen auch auf unseren Breitengraden. In einem kleinen Schweizer Dorf z. B. bietet eine Frau ihren Patienten Magnetismus und Geistheilung, Mediale Beratungen und Meditationskurse an. Seit eine große Tageszeitung über sie berichtet hatte, pilgerten Tausende zu ihr, um sich durch Handauflegung von ihren Krankheiten, vornehmlich psychosomatischen Leiden, heilen zu lassen. Diejenigen, die mit dem Rauchen aufhören wollen, werden immer wieder Inserate finden, die ihnen Handauflegung und Hypnose zur Lösung ihres Problems anbieten. Solange diese Praktiken im medizinischen Abseits ausgeübt werden, haben wenige etwas

dagegen. In Amerika ist man schon einen Schritt weiter. Die »New York Times« berichtet: »Eine ungewöhnliche Therapie wird in Spitälern und Schwesternschulen im ganzen Land eingeführt. Krankenschwestern versuchen, den Patienten ihr Los durch Handauflegen leichter zu machen. Die Therapie ist in vielerlei Hinsicht ähnlich dem Handauflegen von Wunderheilern und Mystikern . . .« Der Unterricht im Handauflegen ist Teil einer neuen Bewegung in Amerika mit dem verheißungsvollen Namen »Holistic-Health«. (Ganzheitsmedizin), die in ihrem Programm auch Akupunktur, Akupressur, autogenes Training, Bio-Feedback, »kreatives Träumen«, Hatha Yoga und andere okkulte Techniken der Heilung anbietet. Auch Ärzte nicht immun Selbst schulmedizinisch ausgebildete Ärzte sind gegen die massive Okkult-Welle nicht mehr immun. 1968 wurde im Deutschen Ärzteblatt eine Umfrage unter 500 Ärzten veröffentlicht, die zeigte, daß nur noch 27 % der deutschen Ärzte sich auf die wissenschaftlich anerkannten Therapien beschränken. Es mag vielen von ihnen zugute gehalten werden, daß sie es nur tun, weil sie dem Patienten harmlose Naturheilmittel statt gefährlicher Medikamente abgeben wollen. Die Tendenz ist dennoch eindeutig. Über 1500 Ärzte in der BRD praktizieren Akupunktur (in Frankreich liegen die Dinge ähnlich), über 1000 Ärzte sind Anhänger der Homöopathie, 14 deutsche Krankenhäuser haben eine homöopathische Abteilung (wobei die meisten von der anthroposophischen Medizin her geprägt sind). In Großbritannien arbeiten nach Angaben eines Schweizer Parapsychologen rund 1600 »Geistheiler« in öffentlich finanzierten Gesundheitsdiensten. Die Zahl der Ärzte, die Yoga, Zen und transzendentale Meditation anraten, ist nicht mehr zu überblicken. Ich weiß von mehreren Ärzten, die mit mir studiert haben, daß sie einem okkulten Orden angehörten, spiritistischen Seancen beiwohnten oder sich in die Transzendentale Meditation einführen ließen. Immer stärker lassen sich Ärzte dafür einspannen, obskure Außenseitertherapien bekannt und salonfähig zu machen. Ziel vieler Okkultisten ist es denn auch, eine »Heirat von Wissenschaft und Religion«, eine Romanze von Physik und Okkultismus zu arrangieren. Es wird heute viel von der »neutralen« Anwendung verschiedener Methoden gesprochen, die ihre Wurzel im Okkulten haben. Ein wissenschaftlich ausgebildeter Arzt wird nur zu gerne als Garantie für »saubere« Paramedizin genommen. Doch die Tatsachen zeigen klar: Auch der Titel »Dr. med.« ist für den Patienten keine Sicherheit mehr, daß keine Außenseiter Therapie mit okkultem Hintergrund in ihrer »neutralen, wissenschaftlichen« Form angewendet wird, und damit keine Auswirkungen auf die Psyche und das geistliche Leben hat. Auch die Schulmedizin, noch vor wenigen Jahren ausschließlich Domäne der Vernunft, wird zunehmend von östlicher Philosophie durchsetzt. Die Hoffnung auf die Wissenschaft, auf den Sieg über die großen Geißeln der Menschheit hat sich zerschlagen. Die Enttäuschung hat auch in vielen Ärzten eine Ratlosigkeit hinterlassen, die sie und ihre Patienten immer mehr in die Arme der Gurus und Heiler treibt.

Teil II - Heilmethoden im Kreuzfeuer 4. Kapitel Akupunktur - heilende Nadeln aus Fernost

Die amerikanischen Professoren waren verblüfft. Sie standen auf Einladung der chinesischen Regierung auf der Zuschauertribüne eines modern eingerichteten Operationssaales in der Pekinger Medizinischen Universität. Im gleißenden Licht liegt ein Mann mittleren Alters auf dem Operationstisch. Um den Patienten ist ein Chirurgenteam versammelt. Nun tritt der Akupunkturarzt an den Tisch und gibt dem Patienten eine kleine Dosis Morphium in einen Akupunkturpunkt nahe dem Unterkiefer. Darauf reinigt er sorgfältig den linken Vorderarm mit Alkohol und sticht dann eine Nadel zwischen Handgelenk und Ellbogen ein. Sanft dreht er sie mit seinen Fingern hin und her. Rund zwanzig Minuten später erklärt der Patient, daß er das typische Gefühl der Schwere und der Taubheit im Gebiet um die Nadel herum fühlt. Der Akupunkteur gibt nun dem Chirurgen das Zeichen zum Beginn der Operation. Die amerikanischen Wissenschaftler, ein jeder ein bekannter Spezialist seines Gebietes, schauen ungläubig zu, wie der Chirurg in Sekunden einen 30 cm langen Schnitt von der Wirbelsäule über die linke Seite des Brustkastens bis nach vorn zum Brustbein legt. Dann entfernt er mit einem scherenähnlichen Instrument zwei Rippen, drückt sie mit einem Retraktor auseinander, und da liegt die rosige Lunge, die sich im Rhythmus des Atems auf und abbewegt. Das Erstaunlichste: Während der ganzen Operation, die eine der schwierigsten ist, die wir kennen, spricht und scherzt der Patient mit den Ärzten. Nach einiger Zeit wird eine kleine Pause eingelegt, in der der Patient etwas zu essen bekommt. Während der ganzen Prozedur bewegt der Akupunkteur ständig die Nadel im Arm des Patienten. Einer der amerikanischen Ärzte erinnert sich: »Der Patient zuckte mit keiner Wimper, noch bewegte er sich oder schwitzte er. Er tat nichts, was Schmerz oder Unwohlsein angedeutet hätte.« Seit 1971, als dies geschah, reißen die Berichte in den Zeitungen über die chinesischen Nadelwunder nicht mehr ab. Die Akupunktur ist auch in den Universitäten der westlichen Wissenschaftler zu einem anerkannten Forschungsobjekt geworden, über dessen Wirkungsweise sich die Gelehrten bis heute nicht einig sind. Große Universitätskliniken wie z. B. die Justus Liebig Universität in Gießen wenden Akupunkt⁵r an tausenden von Patienten an, um angeblich die Risiken der Narkose zu verringern und Medikamente einzusparen. Das große Rätsel Doch wird die Akupunktur längst nicht mehr nur zur Schmerzlinderung eingesetzt. Immer mehr Naturärzte und Heilpraktiker wenden sie mit großem Erfolg gegen Leiden aller Art an, vom Heuschnupfen bis zum Magengeschwür, von Schweißfüßen bis zur Drogenentziehung. Heute praktizieren in Frankreich über 1000 Akupunkturärzte, in Deutschland mehr als 1500, und ihre Zahl ist ständig im Steigen begriffen. Fast jedes Jahr wird eine neue Variante der Akupunktur »erfunden«. So wird bei der Akupressur statt der Nadeln einfach der Druck der Finger angewendet, bei der Laserakupunktur »sticht« man mit Hilfe einer kleinen Laserkanone. Die Ohrakupunkteure schließlich behaupten, es genüge, die Nadeln nur am Ohr anzusetzen. Bei der Elektroakupunktur werden die Nadeln an ein batteriebetriebenes Gerät angeschlossen, das feine elektrische Vibrationen erzeugt. Im Grunde genommen sind alle diese neuen Methoden aufgebaut auf dem Prinzip der chinesischen Akupunktur. Unter den einzelnen Schulen herrscht teilweise eine erbitterte Auseinandersetzung um den »rechten Weg«. Auf diesen Streit kommen wir noch zu sprechen. Besonders unklar ist jedoch, wie denn Akupunktur eigentlich wirkt. Allein in den Jahren 1976/77 erschienen in angesehen medizinischen Zeitschriften über hundert wissenschaftliche Arbeiten, in denen sich die Gelehrten den Kopf darüber zerbrachen, wie es möglich sei, daß z. B. eine goldene Nadel im Ohr Beschwerden bei Krampfadern lindern könne. Was sollen wir als Christen von der Akupunktur halten? Hat sie, wie mir ein Arzt sagte, »mit der

chinesischen Akupunktur nur noch den Namen gemeinsam?« Oder ist sie eine neue Form der Hypnose, die einen Menschen unter den Einfluß widergöttlicher Mächte bringen kann? Inwieweit wirkt sich der Hintergrund der östlichen Philosophie auf die Anwendung durch den Arzt und Heilpraktiker von heute aus? Ich will versuchen, Licht in diese Fragen zu bringen anhand der Aussagen, die die Akupunkteure unserer Zeit in ihren Büchern machen, sowie aufgrund der Erfahrungen verschiedener Seelsorger, die hinter die Kulissen der mit Akupunktur behandelten Patienten gesehen haben. »Des Gelben Kaisers Lehre von der Inneren Medizin« - eine kurze Geschichte der Akupunktur Die chinesische Medizin ist uralt. Die Grundlagen der traditionellen Medizin des Reichs der Mitte werden auf den sagenumwobenen Kaiser Huang Ti zurückgeführt, der vor etwa 5000 Jahren gelebt haben soll. Seine Lehren wurden über Jahrhunderte mündlich überliefert und dann im Buch »Huang Ti Nei Ching« (übersetzt: Des Gelben Kaisers Lehre von der Inneren Medizin) niedergeschrieben. Darin unterhält sich der Kaiser mit einem seiner Minister über die Funktionen des menschlichen Körpers, über seine Erkrankungen und ihre Heilung. Das ganze Werk ist inspiriert von den astrologisch-religiösen Auffassungen der damaligen Zeit und ist für den westlichen Leser unverständlich und geheimnisvoll wie das große Land hinter der chinesischen Mauer selbst. Es war das Anliegen Huang Tis und späterer medizinischer Schriftsteller in China, die Funktion des Menschen in die Funktion des Weltalls einzufügen. »Weil die Welt sich aus fünf Elementen zusammensetzte, gab es fünf Hauptorgane: Herz, Lunge, Niere, Leber und Milz. Zu ihnen gehörten fünf Hilfsorgane: Dickdarm, Dünndarm, Gallenblase, Magen und Harnblase. Sie standen in einem merkwürdigen Verhältnis von Freundschaft und Feindschaft zueinander, die wiederum auf die Eigenarten der fünf Elemente Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser zurückgingen. Die Niere als Organ des Wassers mußte ein Feind des Herzens sein, das als Organ des Feuers galt. Jedem Organ entsprach ein bestimmter Planet und eine bestimmte Jahreszeit. So besaß das Herz z. B. eine Wechselbeziehung zum Sommer.« Am wichtigsten jedoch war die Wirksamkeit der durch alle Menschen fließenden Energie, des Tao und ihrer Komponenten Yang und Yin. Dieser »Weltgeist« bewegte sich angeblich durch ein System zahlreicher Adern und Kanäle auch Meridiane genannt , die bis heute nicht nachgewiesen werden konnten. Da es den Chinesen aus religiösen Gründen verboten war, menschliche Körper zu sezieren, besaßen sie nur ungenaue Kenntnisse der anatomischen Verhältnisse. Das Gehirn hielten sie für ein kleines unbedeutendes Organ, die Milz dagegen für das Denkzentrums. Sie ersetzen diesen Mangel an Wissen durch die Zuordnung der beiden Kräfte Yin und Yang zu den einzelnen Organen. So war der Rücken Yang, der Bauch Yin. Leber, Herz, Milz, Lunge und Niere waren Yang, während Magen, Galle, Dickdarm, Dünndarm und Harnblase Yin waren. Yang ist das Symbol der Wärme, der Kraft, der Männlichkeit. Yin hingegen steht für Kälte, Schwäche, für das Weibliche. Die »Zauberpforte« Im zweiten Teil des Buches, genannt »Zauberpforte«, beschreibt das »Nei Ching«, welche Möglichkeiten der Akupunkturarzt hat, um Krankheiten zu verhüten und zu heilen. Dazu gehörte nicht nur die Kenntnis der richtigen Nadelungspunkte, sondern auch eine Unmenge von KräuterRezepten, verschiedene Massageformen und nicht zuletzt Zaubersprüche und Amulette. Sie alle sollten irgendwie das Gleichgewicht der kosmischen Kräfte wiederherstellen. Die Theorien des ersten und die praktischen Anweisungen des zweiten Teils des »Nei Ching« bilden noch heute die Grundlagen der traditionellen chinesischen Medizin.

Wie in anderen Hochkulturen lag auch im alten China das Wissen um die Medizin in den Händen der Priester. Dies ergaben Knochenfunde aus dem 2. Jahrtausend v. Chr., auf denen Texte eingeritzt waren, die sich sehr ausführlich mit verschiedenen Krankheiten beschäftigen. »Die Beschreibung solcher Leiden auf Orakelknochen, mit deren Hilfe die Götter um Rat gefragt wurden, zeigt, wie sehr auch die altchinesische Medizin einmal von der Vorstellung erfüllt war, daß die Krankheiten von Göttern und Dämonen gesandt seien.« Offensichtlich geht die Behandlung mit Nadeln, die man später im Westen »Akupunktur« (vom Lateinischen acus = Nadel und punctus = Punkt) nannte, auf die allerfrühesten Ärzte zurück, wahrscheinlich auf spiritistische Schamanen. »Der Kampf gegen die vermeintlichen Dämonen im Körper eines Kranken hatte letzteren vielleicht den Gedanken eingegeben, die bösen Geister durch Einstiche mit Nadeln zu vertreiben«. Die späteren Gelehrten verließen die Geistertheorie und bauten statt dessen die Akupunktur in ihre astrologischen Systeme ein. Nicht nur in der Behandlung ging die chinesische Medizin eigene Wege, sie entwickelte auch eigene Diagnoseverfahren. Schon früh hatte man nach äußeren Zeichen für innere Krankheiten gesucht. »Zufallsbeobachtungen führten dazu, Beziehungen zwischen dem Aussehen der Zunge oder des Auges mit verborgenen Krankheiten herzustellen.« Darauf wurde dann ein ganzes Lehrgebäude errichtet, das mehr auf Spekulation und wildwuchernder Phantasie beruhte als auf der Wirklichkeit. Man wird dabei unwillkürlich an moderne diagnostische Außenseitermethoden erinnert, wie die Irisdiagnose (siehe Kap. 8). Den wichtigsten Platz nahm jedoch die »Pulsdiagnose« ein, denn »auch der Puls war ein Glied der großen Vorstellungswelt von Kosmos und Mensch.« Wir werden später noch darauf zu sprechen kommen. Durch die Jahrtausende wurde auch in China selbst die Akupunktur verschieden beurteilt, sie blieb jedoch ein wichtiger Bestandteil der Volksmedizin. Durch Jesuitenmissionare, die in China tätig waren, wurde das Wissen um die Akupunktur schon vor 200 Jahren nach Frankreich gebracht. Zur Zeit der französischen Revolution war die Akupunktur eine richtige Modetherapie, doch verschwand sie bald wieder aus dem öffentlichen Blickfeld". Im Pariser Krankenhaus »Hotel Dieu« finden noch heute regelmäßig Akupunktur-Sprechstunden statt, und französische Krankenkassen vergüten die Anwendung von Akupunktur, wenn sie von Ärzten betrieben wird und keine andere Behandlung zum Ziel führt. Bevor wir uns jedoch mit der Anwendung der Akupunktur im Westen beschäftigen, wollen wir ein wenig mehr auf die philosophischen Hintergründe der Akupunktur, insbesondere auf den Taoismus, eingehen. Harmonie mit dem Kosmos Der Taoismus ist eine alte chinesische Religion, die auf den sagenumwobenen Philosophen Lao Tse zurückgeht. Sie »schillert in allen Farben und enthält Elemente des philosophischen Taoismus . . . zusammen mit Bestandteilen der alten Volksreligion, mit Zauberei, Geomantik und Alchemie.« Schon lange vor Lao Tse gab es im alten China Spekulationen über die Naturkraft, die diese Welt hervorgebracht hat. Diese kosmische Kraft nannten sie Tao und ihre verschiedenen Auswirkungen führten sie auf die beiden Kräfte Yin und Yang zurück. »Der Begriff Tao, von dem die Religion ihren Namen herleitet«, schreibt der Chinakenner und ehemalige Direktor der China-Inland-Mission, Leslie Lyall, »besagt dasselbe wie das Wort, das als Übersetzung verwendet wird für >das Wort< im 1. Kapitel und für den >Weg< im 14. Kapitel

des Johannesevangeliums. Diese Begriffe sind in der chinesischen Philosophie sehr wichtig, und Tao bedeutet nichts anderes als >der Weg des Universums<. Tao ist das erste und wichtigste Prinzip und steht damit noch über Gott selbst. Es ist die >universelle kosmische Energie hinter allen natürlichen Ordnungen<.« Das Tao hat zwei Gesichter, Yin und Yang. Sie sind einander entgegengesetzt und doch eins. Es gibt im Taoismus nicht, wie die Bibel es lehrt, die beiden widerstreitenden Kräfte von Licht und Finsternis, von Gott und Satan. Gut und Böse kommen aus derselben Quelle. »Die Chinesen«, schreibt Marcel Granet, ein Kenner der chinesischen Philosophie, »sehen in der Religion und in der Magie ebensowenig wie im Reinen und im Unreinen absolute Gegensätze.« Eine solche Lehre bezeichnet man als »Monismus« (mono = eins). Wir finden sie in allen östlichen Religionen wieder, aber auch hinter allen modernen Naturheilverfahren. Diese Lehre wird konsequenterweise auch auf die chinesische Medizin angewandt. »Für die chinesische Medizin ist der ganze Mensch, Körper und Seele, eine echte Einheit, deren vollkommene Harmonie erst das Tao ausmacht.« »Dieses Universum schwingt hin und her zwischen den Polen von Yin und Yang«, schreibt ein moderner taoistischer Philosoph. »Alle Wesen und Naturereignisse, die erscheinen und vergehen, sind nichts anderes als vielfältige Ausdrucksformen dieser kosmischen Ur-Energie. Alles fließt aus dieser einen Unendlichkeit und unterscheidet sich nur durch ein verschiedenes Maß an Yin und Yang.« Yin und Yang haben Beziehungen zu den Sternbildern und zu den Naturelementen (Feuer, Holz, Wasser etc.), zu den Jahreszeiten und zu den Farben, zu unseren Gemütsregungen und zu unseren Körperfunktionen. Wiederholt haben chinesische Philosophen Systeme entworfen, die alle diese Beziehungen einordnen. So teilten sie auch den Körper in acht Teile, denen sie acht Zeichen zuordneten. Diese bestehen aus kurzen und langen Balken, die in drei Lagen übereinander angeordnet sind und deshalb auch Trigramme genannt werden. Sie wurden früher vor allem von den Meistern der Orakelkunst gebraucht, um Diagnosen zu stellen. Heute findet man sie immer wieder in den Akupunkturbüchern abgebildet. Das Hauptthema der taoistischen Philosophie ist der Einklang zwischen Mensch und Kosmos. Der Mensch soll sich dem Walten des Himmels, dem Handeln des Tao unterstellen und tugendhaft leben. Die chinesischen Philosophen waren überzeugt davon, daß der Makrokosmos, also die Sterne und die Naturgewalten, einen Einfluß auf den Mikrokosmos haben, auf das also, was im menschlichen Körper abläuft. Wer die Beziehungen zwischen den Körperöffnungen und den Eingeweiden kenne, der wisse nicht nur Bescheid über den Menschen, sondern habe dadurch auch eine umfassende Kenntnis von Himmel und Erde, weil es Entsprechungen gebe zwischen Eingeweiden, Tugenden, Elementen, Gefühlsregungen und der himmlischen Energie »Ch'i«, die das ganze Universum und auch den Menschen durchströme. Unsterblich durch Meditation? Lao Tse könnte auch ein Ausgeflippter von heute sein, denn er war gegen Wissenschaft und Kultur und sah das Heil in der Rückkehr zum natürlichen und einfachen Leben. Viele taoistische Einsiedler und Asketen versuchten durch Versenkung in das Tao und durch die Naturverbundenheit ihr Leben zu verlängern. Mit Hilfe von Alchemie, Rutengehen, Magie und Mystik wurden allerlei Lebenselixiere und Unsterblichkeitspillen hergestellt. Wer sein unbedingtes Vertrauen in sie setzte, erlebte den Erfolg der Mittel. So erzählt eine Legende, wie ein Gläubiger eine Unsterblichkeitstablette zuerst an seinem Hund ausprobierte, der prompt verendete. Dennoch nahm er im Glauben die Pille ein - und starb. Genauso erging es seinem Bruder. Als aber der jüngste Bruder die Leichen begraben wollte, erwachten sie nicht nur wieder zum Leben, sondern erhielten zur Belohnung für ihren Glauben die Unsterblichkeit.

Ein weiteres Element des Taoismus war die Meditation. Durch sie wollte man einen vergeistigten, über alle Beschränkungen dieser Welt erhabenen Körper erlangen. Durch körperliche und geistige Zucht sollte das eigene Ich ausgelöscht werden und an seine Stelle das weltumfassende Tao treten. Wer dies erreicht habe, dem könne nichts mehr in dieser Welt etwas anhaben. Er gehe durch Mauern und reite auf Wolken. Die Geister und Dämonen seien ihm untertan, und er könne sie herbeirufen und ihnen Befehle erteilen. Gesundheit und Unbesiegbarkeit durch Meditation - wer wird da nicht an die Versprechungen des Maharishi Mahesh Yogi mit seinem Programm der Transzendentalen Meditation erinnert? Immer wieder und unter immer neuem Gesicht bieten okkulte Heilslehren dem Menschen an, wovon er schon lange träumt! Doch was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, und dabei doch Schaden an seiner Seele nimmt? Keine Akupunktur ohne östliche Philosophie Der okkulte Hintergrund der Akupunktur wird von vielen ihrer heutigen Anhänger verharmlost. So schreibt Dr. J. Bischko, ein Wiener Akupunkteur, die Chinesen seien »kein mystisches Volk, ganz im Gegenteil sehr ausgeprägte Realisten. Sie haben es aber meisterhaft verstanden, durch Einsetzen höherer Gewalten bestimmte Dinge auf der Erde durchzusetzen. So wurden beim Hausbau Geomanten (Wünschelrutengänger) zugezogen, die erforschen sollten, ob die geplante Lage einer Wohnstatt auch den diversen Geistern angenehm sein würde. In Wirklichkeit waren diese Leute Landschaftsarchitekten . . .« Es wundert bei dieser Haltung nicht, daß an dem von Dr. Bischko geleiteten Ludwig Boltzmann Institut in Wien unter anderem auch mit dem Pendel »Forschung« betrieben wird'. Andere Akupunkteure haben sich völlig von der Mutter ihrer Kunst, von der taoistischen Philosophie abgewandt. »Vergessen Sie die alten Lehren des Taoismus«, sagte mir ein Akupunktur-Arzt. »Was wir heute mit unseren Nadeln bewirken, beruht auf der Stimulierung des vegetativen Nervensystems. Yin entspricht dem Parasympathikus, Yang dem Sympathikus. Die alten Chinesen haben dieses System in genialer Weise erkannt, haben es aber mangels besseren Wissens in ihre Philosophie eingebaut.« Diese Ansicht wird vor allem von naturwissenschaftlich ausgebildeten Ärzten vertreten, die eine gewisse Wirkung nicht leugnen wollen, sich sonst aber von Okkultismus und Aberglauben freihalten möchten. Solche Akupunktur-Ärzte zu finden, gleicht der Suche nach einer Stecknadel im Heuhaufen, denn, so sagte mir ein Akupunktur-Spezialist: »Neunzig Prozent aller Akupunkteure arbeiten mit okkulten Mitteln.« Dies zeigt sich auch in der Literatur über die Akupunktur. Was die einen verharmlosen und die andern verleugnen, wird von der dritten Gruppen vehement verteidigt. Ihre erstaunlichen Wirkungen entfalte die Akupunktur »nur, wenn sich der Behandler nach den originalen Vorschriften richte, die auf jahrtausendealten Grundsätzen beruhen«, meint der Freiburger Akupunktur-Spezialist Dr. C. Schnorrenberger. Selbst eine Kombination von westlicher Diagnose und chinesischer Behandlung lehnt er ab. Er rät den westlichen Akupunkturärzten, sie dürften in keinem Fall ihre Einstichpunkte der westlichen Medizin zuordnen. Der Akupunkteur »muß sich unbedingt zusätzlich nach den Theorien der alten chinesischen Medizin orientieren, wenn er bedeutende Heilerfolge haben will. Verhält er sich anders, mag er bestenfalls so etwas wie eine unspezifische Reiztherapie zustandebringen«. Diese Ansicht vertritt auch der neuzeitliche taoistische Philosoph G. Ohsawa. Er sagt ganz klar, die orientalische Medizin sei nicht von ihren philosophischen Grundlagen zu trennen. Für viele Parapsychologen und Spiritisten ist die Akupunktur ein Beweis ihrer okkulten Lehren. Und immer mehr Menschen glauben ihnen unter dem Eindruck der Erfolgsmeldungen, die überall veröffentlicht werden.

Pulse, Punkte, Meridiane Wir sehen, die Akupunkteure sind sich selbst nicht einig. Doch bevor wir näher darauf eingehen, wollen wir einen Blick auf die Begriffe werfen, die sie immer wieder verwenden: 1. Die Energie Ch'i 2. Die Meridiane 3. Yin und Yang 4. Die Akupunkturpunkte 5. Die Diagnose 6. Die Therapie Sodann wollen wir einige Forscher zu Wort kommen lassen, die diese Dinge näher untersucht haben. Gibt es wissenschaftliche Beweise für die Behauptungen der Akupunktur? In einem weiteren Abschnitt werden wir die Theorien diskutieren, die man sich über die Wirkungsweise der Akupunktur gemacht hat. Läßt sich der Effekt der Akupunktur wissenschaftlich nachweisen? Weshalb wirkt sie auch bei europäischen Patienten im Krankenhaus, z. B. bei der Narkose? Schließlich wollen wir uns der Frage zuwenden, ob und wo okkulte Elemente in die moderne Ausübung der Akupunktur hineinspielen. 1. Die Energie Ch'i »Die Wurzel der Akupunktur liegt im Geist . . . Der menschliche Geist ist vom Himmel gegeben, die körperliche Energie stammt von der Erde. « So beschreibt es eine alte chinesische Schrift. Wir haben schon gesehen, daß die schöpferische Urkraft eine zentrale Rolle im chinesischen Denken spielte. Die Energie, die den Menschen durchfließt und aus der Unendlichkeit des Kosmos ausströmt, wird Ch'i genannt. Jede unsichtbare Kraft, sei dies das Rollen des Donners, das Zucken der Blitze, die Bewegung eines Armes oder das Wachsen einer Pflanze, wird auf Ch'i zurückgeführt. Die gleiche Vorstellung finden wir bei den Hindus, die der Lebenskraft den Namen »Prana« gaben. Prana offenbart sich im Weltall, hat ihren Sitz aber im Herzen des Menschen. Mit ihrer Energie rechnen auch die Besprecher, und einige von ihnen nennen sich deshalb »pranische Heiler«. Diese Energie hat noch weitere Namen. Sie entspricht dem »Ätherleib« der Anthroposophen und der »feinstofflichen Energie«, mit der spiritistische Heiler arbeiten. Das Ch'i des menschlichen Körpers wird nach Ansicht der Chinesen aufgenommen aus dem Ch'i der Luft und geht von dort in das Organsy¬stem der Lunge, die wiederum mit dem Dickdarm verbunden ist. Der Magen entzieht sein Ch'i der Nahrung und gibt sie weiter an die Milz. Der Mensch kann nur funktionieren, wenn sein Ch'i mit der kosmischen Energie im Einklang steht. Eine Mutter kann nur ein Kind empfangen, wenn sie in dieser kosmischen Harmonie lebt. Nimmt das Ch'i im Körper ab, so entsteht eine Schwächung; der Tod tritt ein, wenn das Ch'i aus dem Körper entflieht. 2. Die Meridiane Die Energie zirkuliert nach Ansicht der chinesischen Forscher in vorgezeichneten Bahnen, auch »Meridiane« genannt. Diese haben nichts mit Nerven, Arterien, Venen oder Lymphgefäßen zu tun. Unser Körper weise angeblich zwölf Meridiane auf, die den verschiedenen Organen

zugeord¬net sind. So gibt es einen Herz Meridian und einen Gallenblasen-Meridian, einen Lungen und einen Dickdarm Meridian u. a. m. Jeder wird mit einem Buchstaben und mit einer Zahl bezeichnet. Eine beson¬dere Rolle spielt der Meridian mit dem blumigen Namen »Dreifacher Erwärmer«. Über ihn werden drei Funktionskreise beeinflußt: die Atmung, die Nahrungsaufnahme und die sexuelle Potenz. Während diese zwölf Kanäle paarig als je sechs Yin und sechs Yang Meridiane angelegt sind, gibt es noch zwei »wunderbare Gefäße«, das »Konzep¬tionsgefäß« und das »Lenkergefäß«, auf denen viele wichtige Punkte liegen. Die Energie pulsiert in diesen Meridianen in einem bestimmten kosmischen Rhythmus. Jeder Meridian hat zu einer gewissen Zeit seine größte Energiefülle, zu einer anderen Zeit seine größte Energieleere. So hat der »Meister des Herzens« seine größte Empfindlichkeit zwischen 12 und 14 Uhr, der Leber Meridian aber zwischen 2 und 4 Uhr morgens. Auf alle diese Rhythmen muß der Akupunkteur Rücksicht nehmen, wenn er richtig behandeln will. 3. Yin und Yang Die Kräfte Yin und Yang spielen nicht nur in der chinesischen Philosophie eine große Rolle. Wie die ganze Natur zwischen Yin und Yang hin und her schwingt, so verhält es sich auch im menschlichen Körper. Solange diese Kräfte im Gleichgewicht sind, kann die Energie Chi fließen. Geraten Yin und Yang aber aus der Balance, so entsteht Krankheit. So werden die schrecklichen Fieberattacken bei Malaria von Kaiser Huang-Ti folgendermaßen erklärt: »Das Frostgefühl und das Fieber werden durch die abwechselnde Vorherrschaft von Yin und Yang verursacht. Die Erscheinung kommt zustande, indem im Sommer Hitze unter der Haut gespeichert wird, die sich dann in den anderen Jahreszeiten, wenn sich das Gleichgewicht zwischen Yang und Yin verschiebt, in Form von Frostschauern und Fieber äußert.« Für den westlich geschulten Mediziner sind auch die Leiden, die durch eine Energieverschiebung hervorgerufen werden, nur schwer mit dem schuldigen Meridian zu verbinden. So verursacht ein Yin Yang-Ungleichgewicht im Milz Meridian folgende Symptome: Übelkeit, Magenschmerzen, Schluckauf, Verdauungsstörungen, Schlaflosigkeit, übermäßiges Verlangen nach süßschmeckender Nahrung, Tagesmüdigkeit, Durchfall und ein allgemeines Krankheitsgefühl. Ist der Dünndarm Meridian betroffen, so können Taubheit, Gelbfärbung der Augen, Ellenbogenschmerzen, Nackenschmerzen oder Gesichtsschwellungen entstehen. 4. Die Akupunkturpunkte Auf den Meridianen liegen über 700 Punkte, die man nadeln kann. Die Akupunkteure unterscheiden verschiedene Typen: Tonisierungs und Sedierungspunkte, Quell und Durchgangspunkte, Herolds und Zustim¬mungspunkte, Reunions und Kardinalpunkte (nach Bischko"). Um diese Punkte mit einem Durchmesser von 1-3 mm aufzufinden, verwendet der Akupunkteur ein Punktoskop. Dieses ist nichts anderes als ein Hautwiderstandsmeßgerät. Wenn es auf einen Punkt mit erniedrigtem Hautwiderstand stößt, so kann der Akupunkteur dies an einer Skala oder an einem Lämpchen sehen. Der wissenschaftliche Wert dieser oft mit großem technischem Klimbim versehenen Punktoskope ist sehr umstritten. 5. Die Diagnose Die chinesische Medizin kennt vier Arten der Diagnose: 1. WANG = Beobachten 2. TING = Hören und Riechen

3. WEN 4. TSIE

= Befragen = die Pulsdiagnose

Wenn der Akupunkteur beobachtet, so sucht er nicht wie der westliche Arzt nach Krankheitszeichen, auch wenn er ganz ähnlich vorgeht. Er beobachtet besonders die Körperöffnungen, von denen Zunge und Augen am wichtigsten sind. Die Augen sind die Öffnung der Leber, das Oberlid gibt Aufschluß über die Milz, und das Augenweiß zeigt ihm den Zustand der Lungen. Das Verfahren gehört zu den Vorläufem der heutigen lrisdiagnose, auf die wir noch zu sprechen kommen. Durch Hören und Riechen erfährt der Akupunktur Arzt weitere wichtige Details. Er hört nicht nur auf die Schwingungen der Stimme, sondern versucht auch feinste Körpergerüche festzustellen, die das Zentrum der Yin Yang Störungen ermitteln helfen, eine Arbeit, die ihm durch die moderne Kosmetikindustrie nicht gerade erleichtert wird. Auch in der Befragung legt der Akupunkteur andere Schwerpunkte als der westlich geschulte Mediziner. Weil die vier Himmelsrichtungen Beziehungen zu den Organen haben, ist die Anfälligkeit für Krankheiten davon abhängig, wo ein Patient wohnt. Je nachdem muß er auch seine Nadeln anders einsetzen. In seiner Befragung interessiert sich der Akupunktur Spezialist daher besonders für das Klima, unter dem der Patient lebt, für seine Nahrung, für seine Aktivitäten und nicht zuletzt für seinen Tagesrhythmus, denn die Tageszeit und die Sterne haben seiner Ansicht nach ganz bestimmte Einflüsse auf den Körper. Alle Fragen beziehen sich auf Yin und Yang und geben ihm so nach der chinesischen Philosophie den besten Aufschluß über den körperlichen Gesundheitszustand. Diese alten Diagnosemethoden werden von den heutigen Akupunkteuren im Westen in verschiedener Weise angewendet. Die einen halten nichts mehr davon und verlassen sich lieber auf die westliche Diagnostik von Blut, Urin und Stuhl, andere beharren darauf, daß nur die chinesische Art der Diagnose den rechten Aufschluß für die korrekte Behandlung gibt. Besonders umstritten im Lager der westlichen Nachahmer Huang Ti's ist die wichtigste chinesische Diagnosehilfe: die Pulstastung. Für den Akupunkturarzt bedeutet der Puls mehr als nur der Schlag des Herzens. Er sieht darin das Pulisieren der kosmischen Energie, die ihm die besten Aussagen über den Zustand des Patienten machen kann. Er faßt die Hand des Patienten ungefähr an der Stelle, wo auch die westlichen Ärzte den Puls fühlen und legt drei Finger im Abstand von ungefähr 1,5 cm darauf. Zuerst setzt er die Fingerkuppen nur leicht auf und tastet dabei die oberflächlichen Pulse, die ihm an der rechten Hand Auskunft geben über die Funktion des Dickdarms, des Magens und des »dreifachen Erwärmers«. Dann verstärkt er den Druck, um auch die »tiefen Pulse« zu tasten, die ihm an der rechten Hand den Zustand der Lunge, der Milz und des Organs »Kreislauf Sexualität« anzeigen. Um die andern sechs Organe auf ihren Energiegehalt zu untersuchen, fühlt er die sechs Pulse der linken Hand. Dazu schreibt der Akupunkteur Stiefvater: »Die Pulsdiagnose bringt meines Erachtens das Unbewußte von Arzt und Patient in Kontakt . . . Das ganze Procedere legt den Gedanken nahe, daß es sich hierum eine archaische Methode handelt, die sich über den Puls an die seelischkörperliche Komplexität dessen heranzutasten versucht, was die Chinesen Ch'i (Energie) nennen. Möglicherweise gibt es sensitive Untersu¬cher, die auf diese Weise das Unbewußte des Patienten anzapfen können«.

6. Die Therapie

Wenn der Akupunkteur die Diagnose gestellt hat, sei es durch die Pulsdiagnose, sei es mit den Mitteln der modernen Medizin, so beginnt er mit der Behandlung. Der moderne Akupunkteur hat heute im Minimum folgende Nadeln, deren Länge zwischen 2 und 17 cm schwankt: 2 Gesichtsnadeln aus Gold (angeblich anregende Wirkung) 2 Gesichtsnadeln aus Silber (angeblich beruhigende Wirkung) 2 große Goldnadeln 4 kleine Goldnadeln 4 große Silbernadeln 6 kleine Silbernadeln 2 Japannadeln mit Führungsröhrchen (aus Silber oder Stahl) Doch gibt es auch Ärzte, die mit einem ganz anderen Besteck arbeiten. Strittig ist, ob man wirklich Gold und Silbernadeln verwenden soll, oder ob die gleichen Effekte nicht einfach auch mit Nadeln aus Stahl erzielt werden können. Geteilter Meinung sind die Experten auch über die Zahl der Nadeln. Während man noch vor ein paar Jahren Bilder von Patienten veröffentlichte, die einem Igel ähnlich sahen, werden heute oft nur noch einige wenige Nadeln gesetzt. Ziel der Nadeltherapie ist die Wiederherstellung des gestörten Gleich¬gewichts zwischen Yin und Yang und damit die Heilung der Krankheit. Wo will Akupunktur helfen? Welche Krankheiten können nach Angaben der Akupunkteure eigentlich behandelt und geheilt werden? Die folgende Liste ist einem Vortrag des französischen Akupunkturarztes Dr. de Tymowsky entnommen: 1. Alle Arten von Schmerzen, insbesondere rheumatische Beschwerden, Sehnenentzündungen, Neuralgien, Migräne und Gürtelrose 2. Die krampfartigen Beschwerden: Magen und Darmkrämpfe (Verstopfung, Durchfall, Geschwüre an Magen und Zwölffingerdarm). Die Akupunktur sei auch nützlich bei Umschulungstherapien in Fällen von Kinderlähmung und Querschnittslähmung (!) 3. Schlafstörungen 4. Bettnässen 5. Allergien: Heuschnupfen, Ekzeme, Asthma, Hautjucken 6. Leichte Depressionen und Angstzustände 7. Krampfadern, Hämorrhoiden 8. Nach Unfällen und Operationen, schnellere Heilung von Knochen¬brüchen 9. Gewisse Fälle von Schwerhörigkeit und Taubstummheit

10. Alkoholiker, Raucherentwöhnung, Suchtentwöhnung 11. Narkose Diese Liste, die leicht gekürzt wiedergegeben wurde, ist ein klassi¬sches Beispiel für die Überschätzung der Akupunkturwirkungen. Es ist ein Verbrechen, Querschnittgelähmten mit Akupunktur Hoffnung zu machen und ihnen große Summen Geldes abzuknöpfen. Auch in der Behandlung von Schwerhörigkeit gibt es bis jetzt keine überzeugenden Resultate". Wir kommen darauf noch am Schluß des Kapitels zu sprechen. Soweit die Stimme der Akupunkteure. Aber wie beweisen sie ihre Aussagen? Inwieweit können ihre Erklärungen wissenschaftlichen Untersuchungen standhalten? Wird die Akupunktur den hohen Erwar¬tungen, die sie weckt, wirklich gerecht? Warum funktioniert sie nicht bei jedem Patienten? Ist die Nadeltechnik wirklich so ungefährlich? Diese Fragen bedürfen einer Klärung. Fadenscheinige Beweise Vielen Ärzten, die selbst Akupunktur praktizieren, ist es nicht recht wohl mit dem philosophischen und okkulten Ballast, den sie in ihrem Beruf mit sich herumtragen. Immer wieder versuchen sie, ihre Therapie zu rechtfertigen und zu erklären. Die Deutsche Akademie für Akupunktur e. V. lehnt daher jede Akupunkturerklärung ab, die mit »Himmel und Erde« und »verdorbenen Energien« zu tun hat. Dr. Johannes Bischko vom Ludwig Boltzmann Institut in Wien will so weit nicht gehen. Er versucht zwar auch, die Akupunktur zu entmystifizieren, möchte aber die Begriffe beibehalten, weil sie »weit über unsere eng gefaßten Synonyme hinausgehen«. Auch in China wird auf diesem Gebiet eifrig Forschung betrieben, denn auch den kommunistischen Machthabern paßt die mystische Grundlage der Akupunktur nicht in ihr materialistisches Weltbild. Weil Bischko die »kosmische Energie« für nichts anderes als Änderungen des elektrischen Kraftfeldes der Erde hält, beschäftigen sich Forscher an seinem Institut insbesondere mit dem Nachweis dieser elektrischen Energien. Ein Mitarbeiter Bischkos, der Physiker Maresch, der nebenbei auch mit dem Pendel an der Erforschung von Naturheilmethoden arbeitet, untersuchte das Verhalten der Haut unter verschiedenen Wetterbedingungen. Mit Hilfe empfindlicher Hautwiderstandsmessungen fand er Punkte mit einem speziell niedrigen Widerstand. Und diese stimmten angeblich genau mit den Akupunkturpunkten überein. Wie schon erwähnt, wird die gleiche Methode auch in der Alltagspraxis angewendet, um die Akupunkturpunkte zu »finden«. Zweifel an diesen Messungen meldet sogar ein Experte an, der selbst vom Fach ist, der Akupunktur Sepzialist Dr. G. Fisch: Zahlreiche Messungen seien falsch und hätten nicht sehr weit geführt. Der Hautwiderstand ist nämlich von vielen Faktoren abhängig, die nichts mit der Akupunktur zu tun haben. Im Grunde mißt man mit solchen Geräten nur die Schweiß Absonderung des Patienten. Jeder Mensch wird stärker schwitzen, wenn man ihm eine Nadel in die Haut sticht. Aber das beweist noch gar nicht, daß deshalb spezielle Akupunkturpunkte existieren. In der Psychologie wird der Hautwiderstand immer wieder benutzt, um zu sehen, wie eine Versuchsperson von einer Situation oder von einem Bild, das man ihr zeigt, innerlich erregt wird"'. Dem gleichen Ziel dient die Hautwiderstandsmessung bei der Überprüfung des Erfolgs der modernen Werbung'. Auch in der Kriminalistik hat man sich das Prinzip zunutze gemacht: Der amerikanische Lügendetektor beruht ebenfalls darauf. Wenn ein Verdächtigter sich im Kreuzverhör in Lügen verstrickt, sondert er unwillkürlich mehr Schweiß ab. Die Apparatur registriert sofort den Abfall des Hautwiderstandes und zeigt dem Beamten, daß an diesem Punkt etwas faul ist. Einen weiteren Versuch zum Nachweis der Akupunkturpunkte hat der Wiener Histologe Kellner gemacht, indem er 12000 Proben von Hautstellen untersuchte, die man kürzlich Verstorbenen

herausgestanzt hatte. Dabei glaubte er, einen speziellen Aufbau der Akupunkturpunkte nachgewiesen zu haben. Dazu ist zu sagen, daß schon mehrere Arbeiten über einen angeblich besonderen Aufbau der Akupunktur¬punkte erschienen sind, die nach genauer Prüfung selbst von den Akupunktur Anhängern wieder verworfen werden mußten. Auch kann man mit einem anatomisch festgelegten System nicht mehr erklären, weshalb sich dann, wie der Akupunkteur Dr. Schnorrenberger schreibt, die Punkte bei Krankheiten und psychischen Belastungen verschieben können. Noch schwieriger als der Nachweis der Akupunkturpunkte ist ein Beleg des Meridiansystems. Die Akupunkteure geben ja selbst zu, daß ihre Meridiane nichts mit Nerven und Blutgefäßen zu tun haben. Die wenigen Erklärungen, die dafür gegeben werden, beruhen auf höchst seltenen Einzelbeobachtungen. Im ganzen gesehen sind sie dünn und kraftlos. Was sagt die Schulmedizin? In einigen Universitäts Krankenhäusern Europas wird heute die Akupunktur zur Unterstützung der Narkose angewendet. In einem Bericht über 500 Operationen am Deutschen Herzzentrum München berichtete Dr. Pongratz, daß Narkosemittel hätten eingespart werden können und daß die Patienten auch während komplizierter Operationen ansprechbar geblieben seien. Wenn man sie etwas fragte, so konnten sie mit Nicken oder Kopfschütteln Antwort geben. Durch die Elektroakupunktur Stimu¬lation seien auch die Narkose Komplikationen nach der Operation vermindert worden. Es ist wichtig, daß wir zuerst klarstellen, in welchem Rahmen Aku¬punktur bei der Narkose in westlichen Krankenhäusern angewendet wird. Die Narkose wird wie üblich mit einer kurzen Vollnarkose eingeleitet. In dieser Zeit werden die Nadeln gesetzt und an ein batteriebetriebenes Stimulier Gerät angeschlossen. Dazu kommen alle üblichen Kon¬trollgeräte einer modernen Narkose. Nach etwa einer halben Stunde läßt man den Patienten langsam zu sich kommen: Er wird wacher, verspürt aber weiterhin keine Schmerzen. Sollte dies ausnahmsweise doch der Fall sein, so gibt man mehr Schmerzmittel in die Tropfinfusion. Neurophysiologen (Wissenschaftler, die sich mit der Erforschung der Nervenfunktionen befassen) haben verschiedene Theorien aufgestellt, die die Wirkung der in den westlichen Operationssälen angewendeten Elektro Akupunktur erklären könnten. Grundsätzlich sagen sie, daß es durch Akupunktur zu einer unbewu߬ten Ablenkung vom Schmerz komme. Schmerzlinderung durch Ablen¬kung das gab es schon, bevor man bei uns von Akupunktur redete. Im Krieg kam es immer wieder vor, daß Soldaten in der Hitze des Gefechts gar nicht merkten, daß sie einen Arm verloren hatten. Erst als die Spannung nachließ, verspürten sie den furchtbaren Schmerz an dem von Granaten zerfetzten Stumpf. Betrachten wir nun einige der wissenschaftlichen Theorien näher: Da ist zuerst einmal die Gate Controi Theorien: Darin stellt der kanadische Psychologie Professor Melzack die Hypothese auf, daß ein Schmerzreiz im Gehirn eine viel schwächere Reaktion auslöst, wenn gleichzeitig Druckrezeptoren in der Haut gereizt werden. Vielleicht erklärt dies, weshalb wir uns das Schienbein reiben, wenn wir es angeschlagen haben: Wir tun damit nichts anderes, als aus einem natürlichen Instinkt heraus einen Druck auf die Haut auszuüben und über diesen Mechanis¬mus den Schmerzreiz im Gehirn zu dämpfen. Doch hat auch diese Hypothese ihre Schwächen, und bereits wurde sie von einigen Forschern widerlegt und durch andere Hypothesen ersetzt: Ganz sicher kann sie nicht alle Phänomene der Akupunktur erklären. Großes Aufsehen haben neue Forschungen mit Mäusen erregt, die nachweisen, daß durch die Stimulation mit Nadeln im Gehirn selbst eine schmerzlindernde Substanz freigesetzt wird,

Endorphin genannt. Diese Substanz ist in ihrer Wirkung dem Morphium ähnlich, wird aber vom Körper selbst produziert. Bereits hat man mehrere Stoffe dieser Art im Gehirn isoliert und versucht, sie auf den verschiedensten Gebieten der Medizin anzuwenden. Andere Arbeiten zeigen jedoch, daß Endorphine auch freigesetzt werden, wenn ein Patient eine wirkungslose Tablette, »Placebo« genannt, einnimmt und fest daran glaubt, daß sie seine Schmerzen lindern könne. An der Universität von San Franzisko machte man eine Untersuchung an rund 50 Patienten, denen ein Weisheitszahn herausoperiert wurde. Wer einmal einen Zahn ziehen lassen mußte, weiß wie schmerzhaft das ist. Es zeigte sich, daß bei einer Gruppe von Testpersonen auch völlig wirkungslose Stoffe zu einer genügenden Schmerzfreiheit führten, wenn sie nur daran glaubten. Die Schmerzen kamen wieder, wenn man ein Mittel injizierte, das die Endorphine des Gehirns blockierte. So haben vielleicht diejenigen Forscher nicht unrecht, die die Wirkung der Akupunktur auf Hypnose und Suggestion zurückführen. Prof. Wall beispielsweise beschreibt in zwei Artikeln seine eigenen Erlebnisse in China: Die Patienten, die unter Akupunktur Narkose operiert werden, glauben felsenfest an diese Methode. Sie werden schon Tage oder Wochen vor der Operation aufgenommen und unterziehen sich einem intensiven psychischen Training. Die Ärzte sprachen von »geistigen Aspekten« der Akupunktur, um ihre Wirksamkeit zu erklären. Interessant ist, daß in China selbst immer weniger Patienten mit Hilfe von Akupunktur narkotisiert werden. Nach einem Bericht der nationalen Akademie der Wissenschaften der U.S.A. werden heute nur etwa 10 % der Operationen mit Hilfe von Akupunktur durchgeführt, und auch dabei kombiniert man sie mit westlichen Narkosemethoden. Andere Berichte sprechen sogar von nur 5 %. Zweifel bestehen auch hinsichtlich der Notwendigkeit, genau in die Punkte zu stechen, die auf den alten Akupunkturtafein angegeben werden. Prof. Wall schreibt, der Akupunkturreiz bei der Narkose werde in China so chaotisch verschiedenartig« gegeben, daß man auf dieser Grundlage gar nicht beginnen könne, die Akupunkturwirkungen wissen¬schaftlich exakt zu erforschen. Durch Forschungen an Freiwilligen in Toronto haben andere Forscher ebenfalls festgestellt, daß auch die Nadelung falscher Punkte zum gleichen schmerzlindernden Effekt führt. Hinter vorgehaltener Hand erzählte an einem Narkose Kongreß ein Mitarbeiter eines deutschen Akupunktur Professors einem anderen Narkose Oberarzt, daß bei einigen Patienten die Nadeln während der Operation unbemerkt herausgefallen seien. Sie hätten trotzdem keine Schmerzen gespürt, weil daneben genügend Schmerzmittel gegeben wurden. Ich habe selbst ein Jahr auf der Narkoseabteilung eines großen Krankenhauses gearbeitet und dabei erlebt, wie wenig Schmerzmittel bei manchen Patienten genügen, um eine Operation durchführen zu können. Vielleicht sind die Arbeiten von Dr. Pongratz in München und von Prof. Hergete in Gießen weniger ein Beweis für die Wirksamkeit der Akupunktur als vielmehr dafür, daß man auch mit kleineren Mengen von Narkosemitteln Schmerzfreiheit erzeugen kann, als dies bis anhin ange¬nommen wurde. Die wissenschaftlichen »Beweise« für die Akupunktur sind so ver¬schieden und einander widersprechend, daß der amerikanische Narkose Papst und weltbekannte Schmerzspezialist Prof. Dr. J.J. Bonica die Akupunktur nicht einmal für Narkose, geschweige denn für die Heilung von chronischen Leiden anwenden würde, bevor genauere Forschungen vorliegen. Ich kann gut verstehen, wenn Ihnen jetzt der Kopf raucht. Worauf ist denn Verlaß? Bis heute steht die Wissenschaft vor einem Rätsel, wie die Akupunktur denn eigentlich funktioniert. Es gibt wohl Modelle, wie wir gesehen haben, aber schlüssige Antworten gibt es nicht.

Der Beweisnotstand der Akupunktur Anhänger schafft einen fruchtba¬ren Nährboden für spiritistische Erklärungsmodelle jeder Art. Immer mehr Bücher wollen gar nichts mehr wissen von einem materiellen Beweis für die Akupunktur. Sie rechnen ganz neu mit okkulten Kräften, auch wenn sie diese wissenschaftlich verbrämen. Dr. G. Fisch spricht für viele, wenn er sagt: »Die Akupunktur kann nicht getrennt werden von der chinesischen Medizin, von der Wissenschaft der menschlichen Energe¬tik . . . Wir sind weit entfernt von der einfachen Reflextherapie, die in Europa durch die Unkenntnis von der chinesischen Medizin aus der Akupunktur gemacht wurde.« Die gefährliche Schlange Nach der Überzeugung der Hindus ruht in jedem Menschen eine gefährliche Schlange. Ihr Name ist »Kundalini«, und sie liegt zusammengerollt am Ende der Wirbelsäule. Man sollte nie versuchen, sie ohne die Anleitung eines Guru zu wecken. Erhebt sie sich nämlich, und wird sie ohne Kontrolle losgelassen, so rast sie, und kein Mensch kann ihr widerstehen. Die Schlange »Kundalini« symbolisiert für die Hindus die verborgene übernatürliche Energie, die in jedem Menschen schlummert. Um sie freizusetzen, üben die Gurus ein spezielles Yoga, das Kundalini Yoga. Wenn die Schlange erwacht, so bewegt sie sich entlang feiner Kanäle, Chakras genannt, und steigt auf bis zum Herzen, wo sie dann Wohnung nimmt'. Doch was hat dies mit unserem Thema zu tun? Verschiedene Forscher stellen einen Zusammenhang zwischen Kundalini und der chinesischen Energie Ch'i her. Die Kanäle, denen die Schlange folge, entsprächen den Akupunktur Meridianen. Akupunktur sei nichts anderes als ein kontrolliertes Wecken und Gebrauchen der Schlange »Kundalini«, wie dies im Kundalini Yoga geschehe. Als den Punkt, wo westliche Medizin, chinesische Heilkunde und indisches Yoga sich treffen, bezeichnet Dr. Hiroshi Motoyama, Leiter des Instituts für religiöse Psychologie in Tokio, die Akupunktur. Besondere Anstrengungen werden unternommen, um zu zeigen, daß der Mensch wirklich von einer kosmischen Energie durchflossen wird. Schon 1854 hat der deutsche Freiherr von Reichenbach ein Buch veröffentlicht, in dem er beschreibt, daß »sensitive« Menschen im Dunkeln ein Licht abstrahlen, das manchmal bläulich, manchmal orange aufglimme. 1939 entdeckte der sowjetische Forscher Kirlian eine Fotographie, die nach ihm benannt ist und angeblich das Energiefeld des Menschen, seine Aura, zeigt'. Wenn man die Hand eines Menschen in ein Hochspannungsfeld bringt und sie dann fotografiert, zeigen sich bläuliche und rötliche Blitze an den Fingerspitzen. Seriöse Wissenschaft¬ler erklären, daß es sich dabei um elektrische Phänomene handle, die von feinsten Wassertröpfchen an der Hand ausgehen. Doch Parapsy¬chologen und Akupunkturforscher in aller Welt verwenden die Kirlian-Photografien als Beweis für die Existenz der von Chinesen und Hindus postulierten kosmischen Lebensenergie. Professor William Tiller von der Stanford Universität glaubt, das bisher gesammelte Material genüge, um zu beweisen, daß der Mensch nicht nur seinen leiblichen Körper habe, sondern auch einen »Astralleib«, wie ihn die Yoga Literatur beschreibt. Der Körper bestehe aus sieben Ebenen: 1. die Ebene des sichtbaren Körpers. Die 2. Ebene nennt er die ätherische. Sie werde angeblich von einem »ätherischen Double« bewohnt, das den Körper nicht verlassen könne und vor allem die Aufgabe habe, die kosmische Energie im Körper zu verteilen und die Gesundheit des Menschen zu erhalten. Auf dieser Ebene lägen auch die Wirkungen der Akupunktur. Die dritte Ebene bilde dann der Astralleib, der in etwa der menschlichen Seele entspreche und den Körper ver¬lasse, wenn er sterbe, um sich später wieder zu reinkarnieren. Dazu kommen noch weitere hypothetische Körperebenen. Die Liste von okkulten »Beweisen« für die Existenz der kosmischen Energie der Akupunktur könnte beliebig fortgesetzt werden. Je mehr sich die Wissenschaft erfolglos abmüht, das Phänomen der Akupunktur befriedigend zu erklären, desto mehr wenden sich die Menschen von heute den Erklärungen der Parapsychologie zu, ob diese nun stimmen oder nicht. Immer mehr

Menschen gelangen durch die Erfolgsmeldun¬gen der Akupunktur zu der Überzeugung, daß die Philosophien der Hindus und der Chinesen die Grundlagen für die Wiederherstellung der Gesundheit in sich tragen. Immer mehr Menschen werden offen für die östlichen Heilslehren und verlassen Gottes Weg, den ihnen die Bibel zeigt. Tod im Nadel Wirrwarr Die Akupunktur birgt nicht nur geistliche Gefahren in sich, sondern auch medizinische Komplikationen. Die meisten Heilpraktiker haben sich die neue Einnahmequelle nämlich in einem kurzen Kurs von ein bis sieben Tagen erworben. Dennoch wird nach einer solchen Wochenendkurs¬-Schnellbleiche munter drauflos gestochen und zwischen 50 und 200 Mark pro Sitzung kassiert. Dementsprechend kommt es auch häufig zu Komplikationen und Fehlschlägen, die jedoch geflissentlich verschwiegen werden. So beschreibt ein Artikel im »Journal of the American Medical Association« (JAMA) verschiedene schwere Folgeerscheinungen durch Akupunktur; die Liste reicht von Infektionen nach Nadelstichen über verpaßte Diagno¬sen bis hin zum Anstechen der Lunge". Besonders tragisch ist der Fall eines deutschen Arztes, der während eines Einführungskurses in die Akupunktur einen Herzinfarkt erlitt: Statt ihn sofort ins Krankenhaus einzuliefern, versuchten sich die verschiede¬nen »Spezialisten« mit ihren Nadeltherapien an dem armen Kollegen. Die herbeigerufenen Sanitäter wurden in ihrer Rettungsarbeit behindert: Immer wieder mußten Nädelchen aus der Oberlippe entfernt werden, um den Patienten richtig beatmen zu können. Endlich gelang es, eine Infusion anzulegen, die jedoch von einem Kollegen herausgerissen wurde, weil er einen Aderlass für angezeigt hielt. Die Folge: »Tod im Nadel Wirrwarr«, wie ein deutsches Nachrichtenmagazin seinen Bericht betitelte; der Patient starb auf dem Weg ins Krankenhaus. Dieser Vorfall macht deutlich, daß die Akupunkteure sich auch im Katalog der Leiden, die sie behandeln wollen, bei weitem überschätzen. Wir müssen ganz deutlich festhalten: Keine Krankheit, die von einer nachweisbaren organischen Veränderung hervorgerufen wird (Infektio¬nen, Lähmungen, Krebs, Erbkrankheiten, Arteriosklerose, Taubheit, Multiple Sklerose u.v.a.m.) kann durch Akupunktur beeinflußt werden, auch wenn dies immer wieder behauptet wird. Dies haben wiederholte Nachprüfungen der von Akupunkteuren beanspruchten Erfolge ergeben. Unbestreitbar sind jedoch die Erfolge bei den sogenannten funktionellen Erkrankungen, denjenigen Leiden also, bei denen die Funktion eines Organs gestört ist, z. B. die veränderte Ausschüttung von Magensäure, die unter Streß zu Magengeschwüren führt, oder die ebenfalls durch vielerlei psychische Faktoren beeinflußten Hautausschläge. Große Erfolge buchen die Akupunktur Heiler auch bei der vorübergehenden Linderung von rheumatischen Schmerzen aller Art. Zu den Spitzenrei¬tern gehört die Migräne, die oftmals psychisch überlagert sein kann. Doch selbst auf dem Gebiet der funktionellen Krankheiten ergeben genauere Untersuchungen ein anderes Bild: Die Erfolge waren nur von kurzer Dauer, und viele Patienten gingen enttäuscht auf die neuerliche Suche nach Gesundheit. Soll ein Christ sich mit Akupunktur behandeln lassen? Nachdem wir nun alle diese Hintergründe der Akupunktur gesehen haben, kommen wir zu der wichtigen Frage: Soll ein Christ unter diesen Umständen zum Akupunkteur gehen oder nicht?

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir unterscheiden zwischen 1. Akupunktur bei Narkose im Krankenhaus und 2. Akupunktur zur angeblichen Heilung von Krankheiten durch Heilpraktiker. Ich bin davon überzeugt, daß wir nicht alle Wirkungen der Akupunktur dämonischen Kräften in die Schuhe schieben können. Viele der Erfolge der Akupunktur sind Suggestiverfolge, die ebensogut durch ein »Placebo« (eine wirkungslose Tablette) oder durch geschickte Suggestion hätten erzielt werden können. Ich weiß aus persönlichen Gesprächen, daß es Akupunkturärzte gibt, die nichts, aber auch gar nichts von den philosophisch okkulten Hintergründen der Akupunktur wissen wollen. Sie sind davon überzeugt, daß sie mit ihren Nadeln nur das unwillkürliche Nervensystem beeinflussen. Diese Ärzte sind selten, aber wir dürfen sie nicht in den Eimer okkulter Verallgemeinerungen werfen. Vor allem trifft man diese Ärzte in den Narkose Abteilungen westlicher Krankenhäuser, doch selbst hier werden nicht selten okkulte Modelle für die Erklärung der Akupunktur gebraucht. Wir haben schon gesehen, daß sich einige Effekte auf diesem Gebiet durch die spezielle Bau und Funktionsweise unseres Nervensystems erklären lassen. Auf der ande¬ren Seite dürfte die zusätzliche Anwendung von herkömmlichen Schmerzmitteln einen nicht geringen Anteil an den vermeintlichen Erfol¬gen der Akupunktur in der Narkose haben. Wenn Sie jedoch als Christ die Anwendung von Akupunktur während der Narkose nicht mir Ihrem Gewissen vereinbaren können, so teilen Sie dies einfach dem verantwortlichen Arzt mit. »Die Methode ist nämlich nicht angezeigt«, sagt der Gießener Professor Herget, »wenn die Patienten . . . dem Verfahren von vornherein ablehnend gegenüberstehen.« Nun kommen wir aber zur zweiten Gruppe, zu jenen Akupunkteuren, die mit ihren Nadeln Krankheiten heilen wollen und die zu 90 % mit der Wirkung okkulter Kräfte rechnen. Ich habe zu der Frage, ob ein Christ sich von ihnen behandeln lassen soll, verschiedene Ärzte und Seelsorger um eine Stellungnahme gebeten. Besonders interessiert uns natürlich die Meinung eines christlichen Arztes, der unter Chinesen arbeitet. Dr. Peter Wee ist selbst Chinese und führt eine Praxis in Singapore. Er schreibt: »Hier in Singapore wird der Akupunkteur einfach als Heilpraktiker der chinesischen Medizin betrachtet und sonst nichts. Sucht der Patient mehr, als ihm der Akupunkteur bieten kann, so geht er in einen buddhistischen Tempel, um ein Medium zu konsultieren. Vielleicht empfiehlt ihm dann das Medium Akupunktur, je nachdem, ob es Erfahrung damit hat oder nicht. Obwohl die Akupunktur seit Präsident Nixons Besuch in China 1972 im Westen Mode geworden ist, hat das die medizinische Alltagsarbeit hier in Singapore in keiner Weise beeinflußt. Es gibt hier einige westlich ausgebildete Ärzte, die versuchen, Geld auf diesem Gebiet zu machen, aber die Leute, die sich häufig durch Akupunktur behandeln lassen, gehen nicht zu westlich ausgebildeten Ärzten, die sich ihr Wissen nur in einem raschen Kurs angeeignet haben. Nach der Volksmeinung sollten die westlichen Ärzte bei ihrer Art von Medizin bleiben und Akupunktur und Kräutermedizin den Heilpraktikern der traditionellen chinesischen oder malayischen Medizin überlassen. Ich habe oftmals Patienten, die zu mir kommen, wenn die Akupunktur versagt hat (z. B. bei Arthritis, Fibrositis, Neuritis, etc.) . . . So hatte ich bis jetzt keinen Grund, einen Patienten und noch weniger einen christlichen Patienten zu einem Akupunkteur zu schicken. Die westlichen Medika¬mente, die wir geben, genügen vollauf, um die meisten rheumatischen Leiden zu behandeln, die die Menschheit befallen. Wenn die Krankheit unheilbar ist, dann kann der Akupunkteur auch nicht mehr machen, sind doch die meisten seiner >Behandlungen< rein symptomatisch. Man beanspruchte immer wieder dramatische Heilungen durch Akupunktur, so wie man oft zu Unrecht wunderbare Heilungen in der charismatischen Bewegung aufbauschte . . .

Persönlich habe ich keine Erfahrung mit Akupunktur, und ich habe auch kein Verlangen, einen Kurs zu besuchen, denn ich habe viel zu oft die Komplikationen und das Elend gesehen, das entstanden ist, weil die Patienten Zuflucht beim Akupunkteur suchten. Patienten mit halbseitigen und mit Querschnittslähmungen sowie mit Krebs haben riesige Summen für Akupunkturbehandlungen ausgegeben, ohne jeden Erfolg. In vielen Fällen wären rheumatische Leiden auch ohne Medikamente und Akupunktur ausgeheilt, denn wir wissen sehr gut, wie durch die Weisheit unseres Herrn die Körpergewebe sich selbst heilen, ohne daß irgendein Eingriff durch Medikamente, Kräuter oder Nadeln nötig wäre.« Dr. Christian Klopfenstein, Autor des Buches »La Bible et la santé«, schrieb mir: »Ich persönlich glaube, daß die Akupunktur keine sehr exakte Wissenschaft ist. Selbst wenn gewisse Aspekte wissenschaftliche Erklärungen haben, ist nichts sehr sicher. Dennoch gibt es Phänomene, die sich möglicherweise wissenschaftlich erklären lassen werden. Es scheint mir aber offenkundig, daß der Geist der Magie und die Suggestion einen sehr großen Einfluß auf die Resultate haben. Alle diese Naturheilmethoden beanspruchen den Glauben der Kranken, vielleicht weil ihnen die medizinische Wissenschaft Gott oder den Glauben an Gott wegnehmen wollte. Der Mensch hat ein fundamentales Bedürfnis, etwas zu glauben und sich jemandem anzuvertrauen. Und wenn er nicht an den wahren Gott glaubt, dann setzt er sein Vertrauen auf alle Arten von Betrug, Nachahmungen und auf alle möglichen Dinge, die ihn in die Irre leiten . . .« In der Seelsorge scheint sich zu bestätigen, daß viele westliche Akupunkteure mit okkulten Mitteln arbeiten. Dr. Kurt Koch, bekannt durch seine zahlreichen Veröffentlichungen zum Problemkreis von Seelsorge und Okkultismus, sieht hinter den Erfolgen der Akupunktur als wichtige Kraft den medialen Faktor. Der spiritistische Hintergrund der östlichen Religionen und Heilpraktiken führe zur Entwicklung medialer Kräfte, die Dr. Koch folgendermaßen definiert: »Medialität ist ein Offensein für das Transpsychische, das Metaphysische, das Supranaturale, das Dämonische.« Er zitiert dann Missionare und gläubige Forscher, die jahrelang in Asien gelebt haben. Sie erklären, daß 95-99 % der nichtchristlichen Bevölkerung medial veranlagt seien. Diese Medialität habe verschiedene Stärke, je nachdem, wie stark sich eine Person in die okkulten Praktiken der asiatischen Religionen eingelassen habe. Weil im Westen der Prozentsatz medial veranlagter Menschen viel kleiner sei, habe die Akupunktur dort auch viel weniger Erfolg. Koch fügt hinzu, »daß Medialität die Meditation, die Suggestionen jeder Art, die Hypnose, die Narkose, die Telepathie, die Trancefähigkeit vertieft. Nahezu alle spiritistischen Praktiken sind ohne Medialität nicht durchführbar. Akupunktur ist in vielen Fällen eine mediale Anästhesie (Unempfindlichkeit, Schmerzbetäubung). Ob das in allen Fällen zutrifft, vermag ich nicht zu sagen.« Die kritiklose Öffnung für die Einwirkung einer unbekannten Energie führt immer wieder zum Einfluß widergöttlicher, dämonischer Mächte und in der Folge zu schweren Glaubenshindernissen sowie zu psychischen Störungen. Dies geschieht auch beim blinden Glauben an die Wirksamkeit der Akupunktur, besonders wenn der Akupunkteur bewußt mit übernatürlichen Mächten rechnet. Dr. Kuster, Arzt und Seelsorger, erzählte mir, daß sich die Frau eines Predigers in der Schweiz von einem Akupunkteur habe behandeln lassen. Die rheumatischen Schmerzen seien weggegangen, doch habe sie wochenlang nicht mehr mit ihrem Mann beten können. Dies ist kein Einzelfall. Ein anderer sehr erfahrener Seelsorger, ein Pfarrer der Schweizerischen Landeskirche, schrieb mir von einer Familie, in der sich mehrere Mitglieder bei einem Akupunkteur behandeln ließen. Die Folge: »Sie gerieten durch die Behandlung in ein geistiges Durcheinander, in eine Verwirrung, die ihnen jede Lust nahm, je wieder zur Akupunktur Zuflucht zu nehmen. Sie durften dann in der Seelsorge wieder zurechtfinden.«

Kampf um den Geist Der Kampf um die Heilung durch Akupunktur spielt sich auf der Ebene des Geistes ab. »Manches deutet darauf hin, daß sich auf dem Weg über die Ohrmuscheln eine Änderung des Bewußtseins einleiten und sich der Mensch seelisch manipulieren läßt«, meint der Freiburger Akupunkteur Dr. Schnorrenberger im Hinblick auf die Ohrakupunktur. Und an die Versprechungen der modernen östlichen Heilslehren erinnert ein Ausspruch der deutschen Akupunkteurin Gräfin Hardenberg: »Leute, die immer irgendwelche seelischen Konflikte haben, mache ich einfach frei . . .« Für Christen stellt sich die Frage: An wen glauben Sie? Wer macht Sie wirklich frei? Wem öffnen Sie Ihr Bewußtsein, um sich manipulieren zu lassen? Die Aussagen der Akupunkteure und die Verheißungen Gottes stehen sich diametral gegenüber. Wer beansprucht, Menschen mit Hilfe von Nadeln »frei zu machen«, der bietet Steine statt Brot. Wer sich einer Bewußtseinsänderung unter Akupunktur öffnet, der wird »seelisch manipuliert« - aber von wem? Was ein amerikanischer Experte auf dem Gebiet östlicher Denkströmungen, Mark Albrecht, schreibt, deckt sich auch mit meiner Erfahrung: »Obwohl viele Arten psychischer Heilung, wie z. B. die Akupunktur, nicht offen anti-christlich oder anti-biblisch sind, zeigt unsere Erfahrung, daß Leute, die sich mit diesen Dingen einlassen, meistens zu irgendeiner Form okkulter Weltanschauung oder östlich mystischer Praktik gelangen.« Ein Abschnitt aus dem Buch von Dr. Duke über Akupunktur mag zum Abschluß noch einmal illustrieren, wie sehr auch die heutige Anwendung der Akupunktur verwoben ist mit östlicher Philosophie: »Der Akupunktur Spezialist . . . ist von dem Bewußtsein erfüllt, daß im Universum alles Geschehen von absoluter Präzision und Ordnung erfüllt ist und es somit keine Mysterien gibt, die sich seinem Begreifen entziehen. Das ist keine Arroganz, sondern das beglückende Gefühl einer innigen Verbindung zwischen Mensch und Natur. Da keine höchste Macht, kein Herr über himmlische Heerscharen die Welt erschaffen hat, liegen die Kräfte, die hinter Leben und Tod, Krankheit und Gesundheit stehen, nicht jenseits des menschlichen Fassungsvermögens. Sie sind als Ch'i in jedem Lebewesen, jedem Baum und jeder Blume, jedem Windhauch und jedem Regentropfen enthalten. Der Akupunkturarzt sieht das Leben jedes Kranken als integralen Bestandteil des Weltalls. Er stellt die Gesundheit des Patienten nicht nur um ihrer selbst willen wieder her, sondern auch damit die ganze Welt richtig funktionieren kann. Jede Nadel, die er zwischen seinen Fingern dreht, führt die »gewichtige Sendung universaler Harmonie in ihrer dünnen Spitze mit sich«. Die wichtige Anfrage der Christen an die Akupunktur liegt nicht nur in der Gefahr der okkulten Belastung. Viel wichtiger ist die Frage: Wem glauben wir mehr, den Verheißungen der Bibel oder den Versprechungen östlicher Philosophien? Wem öffnen wir unser Bewußtsein: Gott oder fremden Mächten, die uns seelisch manipulieren? Hier liegen die wahren Gefahren der Akupunktur. Unter dem Deckmantel der Wissen¬schaft und unter dem Anspruch, die Gesundheit wiederzugeben, wird dem Patienten unmerklich eine Dosis östlicher Philosophie unter die Haut gespritzt. Das ist der wunde Punkt, an dem sich Christen ernstlich fragen müssen, ob sie diese Methode anwenden und gar weiterempfeh¬len sollen oder nicht. »Seht zu«, schreibt der Apostel Paulus an die Kolosser, »daß Euch niemand beraubt durch die Philosophie und leeren Betrug, nach der Überlieferung der Menschen, nach den Grundsätzen der Welt und nicht nach Christus. Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig; und ihr habt alles völlig in ihm (Kol. 2, 8-9).«

5. Kapitel Fußreflexzonenmassage Handauflegung am Fuß

Immer wenn der 53 jährige Maschinenschlosser Roland Becker, beim Arbeiten spürt, wie sich seine Nackenmuskulatur verkrampft, weiß er, daß ein Migräneanfall bevorsteht. Dann verläßt er für kurze Zeit seinen Arbeitsplatz und verzieht sich in die Ankleideräume im Keller. Dort zieht er die Schuhe aus, streift hastig die Socken ab, winkelt das Bein an und beginnt seine große Zehe mit langsamen Strichen zu massieren. Nach einigen Minuten wechselt er die Stellung und vollzieht das gleiche Ritual an der anderen Großzehe. Dann kehrt er wieder zurück zu seiner Maschine. Roland Becker ist Anhänger einer neuen Heilmethode, die immer mehr Menschen in ihren Bann zieht. Er vertraut in allen kleineren Unbilden des Lebens auf die heilende Wirkung der Fußreflexzonenmassage. So alt wie die Akupunktur Was ist eigentlich Fußreflexzonenmassage? Woher kommt sie? Die Geschichte dieser Therapie führt uns 5000 Jahre zurück in die Zeit der alten chinesischen und indischen Volksmedizin'. Sie hat dieselbe Wurzel wie die Akupunktur. Schon damals behandelten die Ärzte ihre Patienten nicht nur mit Nadeln, sondern auch mit Massage an verschiedenen Druckpunkten. Ähnliche Behandlungsmethoden fanden sich auch in der indianischen Volksmedizin'. Es verwundert daher nicht, daß wir in den Hintergründen der Fußreflexzonenmassage alle Elemente der östlichen Philosophie wiederfinden, die wir schon bei der Akupunktur kennengelernt haben. Wiederholen wir kurz die wichtigsten Punkte und vergleichen wir sie mit den Aussagen der Fußreflexzonen Therapeuten. 1. Makrokosmos und Mikrokosmos entsprechen sich und beeinflussen sich gegenseitig. In einem Vortrag weist Frau Marquardt, die Verfasserin des Buches »Reflexzonenarbeit am Fuß«, auf die Irisdiagnose, die Ohrakupunktur und die Kunst des Handlinienlesens hin und sagt: »So, wie Sie in der heutigen Zeit oft hören werden, daß sich im Teil das Ganze spiegelt . . ., so werden wir auch vom Fuß her mit diesem Wissen konfrontiert.« In ihrem Buch wird sie noch deutlicher: »Das Gesamtbild des Körpers kann man sich monitorähnlich verkleinert in den Füßen vorstellen ... Jedes Organ findet in der Regel seine entsprechende Reflexzone da am Fuß, wo im Körper die gleiche Körperzone durch das Organ führt.« 2. Der Mensch steht in einem kosmischen Energiefeld und wird von Energie durchflossen. »Für die Reflexzonentherapie der Füße sollte man bedenken, daß die Füße eine wechselwirksame Verbindung mit der Erde herstellen. Man kann sie auch als Pole auffassen, gewissermaßen um das elektromagnetische Spannungsfeld im Menschen auszugleichen.« Über die Beziehungen zwischen Organen und Fußreflexzonen sagt Frau Marquardt: »Dieser Zusammenhang ist ein energetischer, der weiter noch nicht wissenschaftlich erfaßt werden kann. Sie können jedoch sicher sein, daß er nicht direkt über heute bekannte Nervenbahnen läuft. Diese Energieübertragung vom Fuß hinein in die Organe ist auch nicht an die Meridianlehre gebunden; es muß sich um ein in sich selbst geordnetes Energie System handeln, das sowohl vom Körper in die einzelnen Fußteile hineinwirkt und vom Fuß Rückwirkungen in den Körper hat.« 3. Krankheit ist die Folge eines Energie Ungleichgewichts. Dazu wieder ein Zitat der Reflexzonenmasseure: » Die Aufgabe des Therapeuten ist die, daß er anhand eines großen Helfers, nämlich des Schmerzes, feststellen kann, wo der Mensch in seinem >Kleinformat Fuß<, nicht mehr geordnet ist. Aus der Akupunkturlehre ist der Satz bekannt: >Schmerz ist der Schrei des Gewebes nach flutender Energie<.« 4. Die Behandlung der Krankheit erfolgt über den Zufluß von Energie nach den Prinzipien von Yin und Yang. Frau Marquardt sagt: »Wir haben damit eine wirkliche Be-Hand-lung im wahrsten Sinne des Wortes. Wir befassen uns mit dem Menschen, wir fassen seinen Fuß an, und dadurch, daß wir mit der Hand arbeiten, stellen wir als Therapeut unsere Dynamik, unseren Rhythmus zur

Verfügung, um die gestörte Dynamik und den gestörten Rhythmus des Patienten zu ordnen«, und weiter: »Es ist wichtig zu wissen, daß bei der Methode der Reflexzonenbehandlung am Fuß nie ein Symptom oder eine Indikation, sondern immer der kranke Mensch als energetische Einheit behandelt wird.« Auch die Idee von Yin und Yang wird angetönt: Wir arbeiten an den Reflexzonen des Menschen ganz bewußt mit einer bestimmten Grifftechnik, denn wir bedienen uns eines wellenförmigen Griffes, der sich dadurch, daß er in zwei gegensätzlichen Phasen geht (nämlich in die Aktion und in die Ruhe), ganz wesentlichen Lebensprinzipien unterordnet. Alles Lebendige ist von dieser Polarität gekennzeichnet, ob sie die Gegensätze Sommer und Winter nehmen, Ebbe und Flut oder Einatmung und Ausatmung ... Diese wenigen Zitate zeigen, daß auch die Fußreflexzonenmassage in die Reihe derjenigen Naturheilmethoden eingereiht werden muß, die auf östlicher Philosophie beruhen. Das Anatomiebuch auf den Fuß projiziert Diese alten chinesischen Prinzipien wurden zu Anfang des 20. Jahrhunderts vom amerikanischen Hals-Nasen-Ohren Arzt William Fitzgerald neu entdeckt und konsequent auf ein Gebiet angewandt, das sich neben Irisdiagnostik und dem Handlinienlesen ebenfalls als Spiegel des menschlichen Körpers eignete: auf den Fuß. In einem zusammen mit einem anderen Arzt verfaßten Buch, Zone- Therapie, gab er für praktische Ärzte, Zahnärzte, Gynäkologen, Hals Nasen Ohren Ärzte und Chiropraktoren-Krankengeschichten und Therapievorschläge heraus. Er teilte den Menschen in zehn senkrechtverlaufende »Reflexzonen« ein, die an der Fußsohle enden und dort angeblich alle Organe des Körpers genau abbilden. »Unreinheiten im Blut« sinken nach unten und lagern sich angeblich als Harnsäure Kristalle an den Nervenenden der Fußsohle ab, wo man sie mit ein wenig Übung tasten könne: Dadurch finde man nicht nur das erkrankte Organ, sondern könne die Krankheit durch Wegmassieren dieser Unreinheiten heilen. Praktisch tat er damit nichts anderes, als die Zeichnungen in seinem alten Anatomiebuch so gut wie möglich auf die Fußsohlen zu übertragen. Das Großhirn projizierte er auf die große Zehe, das Herz beispielsweise auf den vorderen Fußballen, die Nieren in das Fußgewölbe. Weil nicht mehr alle Organe auf der Fußsohle Platz hatten, dehnte er seine Lehre von den Reflexzonen auf die seitlichen Teile des Fußes bis hinauf zu den Knöcheln aus. So wurde es denn angeblich möglich, alle Organe, von der Großhirnrinde bis zum Hüftgelenk, vom Weisheitszahn bis zum Dünndarm, nur über die Massage am Fuß zu behandeln. Die neue Wundermethode verbreitete sich bald über ganz Amerika und war 1925 »überall da, wo man medizinische Zeitschriften druckte, bekannter als irgendeine manuelle Therapie.« Dr. Fitzgerald und seine Anhänger führten sogar, getreu dem Vorbild der Akupunktur, kleinere Operationen im Hals Nasen Rachenraum durch, bei denen die Narkose nur durch einen Assistenten bewerkstelligt wurde, der während des ganzen Eingriffs die Fußreflexzonen massierte. Wie es mit allen Modeströmungen so geht, geriet auch die Fußreflexzonenmassage in Amerika bald wieder in Vergessenheit. Erst die Nostalgiewelle der 70er Jahre brachte auch dieses Relikt vergangener Tage wieder an die Oberfläche. Die amerikanische Ärztevereinigung nennt die Renaissance der Reflexologie in Amerika schlicht »einen Kult«. Reflexzonen - aber nicht am Fuß Obwohl die ernsthafteste Vertreterin der Fußreflexzonenmassage in Europa, Frau Hanne

Marquardt, selbst betont, daß die Wirkungen und die Behauptungen ihrer Lehre wissenschaftlich nicht zu belegen sind, versuchen andere Anhänger der Therapie immer wieder, die Reflexzonenmassage mit herkömmlichen Modellen der Wissenschaft zu erklären. Der Begriff Reflexzone stammt eigentlich nicht von Dr. Fitzgerald, sondern von Dr. Head, der schon 1898 seine Entdeckung von reflektorischen Zonen am menschlichen Rumpf veröffentlicht hat. Im Gegensatz zu den Fußreflexzonen sind diese Reflexgebiete eine Realität, die jeder kennt, der sich schon einmal in den Krämpfen einer Gallenkolik wand: nicht nur die inneren Organe sind betroffen, sondern auch die Muskelgebiete, die durch feine Nerven mit diesen Organen verbunden sind. Sie werden bretthart und tun ungemein weh, so daß man kaum mehr weiß, wie man sich bewegen soll. Warme Wickel, an diesen Stellen aufgelegt, wirken als schmerzlindernde Maßnahme oft Wunder. Wir müssen jedoch festhalten, daß die Head'schen Reflexzonen nur am Rumpf existieren, wo der Körper sich aus Segmenten von Haut, Muskeln und Nerven aufbaut, die eine klar definierte und nachgewiesene Beziehung zu den einzelnen Organen im Brust und Bauchraum haben. Sie lassen sich in keiner Weise auf die Fußreflexzonenmassage anwenden. Eine wichtige Rolle spielen auch die Reflexzonen im Bindegewebe des Rumpfes. Viele Massageanwendungen durch Physiotherapeutinnen im Krankenhaus beruhen auf der sog. Bindegewebszonen Massage nach Frau Teirich Leubell. Sie fand heraus, daß Störungen in der Funktion der Bauch und Brustorgane sich oftmals in einer veränderten Beschaffenheit der dazugehörigen Bindegewebszonen äußern. Eine fachgerechte Massage dieser Gebiete, aber auch die Anwendung von warmen Wickeln, kann bei funktionellen und chronischen Krankheiten oft zu einer entscheidenden Besserung führen. Die Wirkung der Massageanwendungen erfolgt jedoch nicht auf dem Weg von Reflexen, wie man dies früher annahm. Neuere Arbeiten zeigen, daß die Bearbeitung durch die Physiotherapeutin in der Haut Stoffe freisetzt, die das Gefäßsystem beeinflussen. Auf diese Weise kommt es auch zu Wirkungen an Organen, die weit vom Massageort entfernt sind, was sich insbesondere in einer Verbesserung der Durchblutung äußert. Daß bei allen diesen anerkannten Formen der Massage psychische Faktoren mitspielen, gibt Prof. Dr. A. Kohlrausch, ein bekannter deutscher Spezialist für Physiotherapie, ohne weiteres zu: »Für viele Patienten hat schon allein die Tatsache, längere Zeit regelmäßig behandelt zu werden, eine große Bedeutung. Die aufmerksame Zuwendung des Massierenden erzeugt im Patienten das tröstliche Bewußtsein, daß etwas für ihn getan wird. In der zwangsläufig individuellen Anwendung dieser Therapie liegt ohne Zweifel ein Aktivum: Der so wichtige Kontakt von Patient und Therapeut stellt sich beim >HandAuflegen< fast zwangsläufig ein.« Psychische Faktoren dürften denn auch eine große Rolle spielen im Erfolg der Fußreflexzonentherapie der Heilpraktiker. Wer das abstreitet und stur auf seinen Reflexen beharrt, muß sich den Vorwurf der Psychosomatikers Prof. Uexküll gefallen lassen, den dieser schon dem großen Forscher Pawlow machte, welcher den Begriff der Reflexe einführte, nämlich: seine Untersuchungen hätten dazu geführt, daß »nicht mehr von der Seele, sondern nur noch von Reflexen gesprochen werden dürfte.« Während der Massage kommt es meistens zu einem Gespräch zwischen Be Handler und Patient, das dieser beim Arzt so oft vermißt. Frau Marquardt schreibt: ~Seelische Umstimmungen können sich in einerbreiten Skala äußern; sie reicht von befreiendem Ausweinen bis zur Aussprache von Problemen“. Es gibt denn auch Fußreflexzonen Therapeuten, die mit dem philosophischen Hintergrund und

den häufig okkulten Begleiterscheinungen nichts zu tun haben wollen. Unter ihnen finden sich sogar Christen, die dabei manchmal ein seelsorgerliches Gespräch führen, wenn es sich ergibt: Ich glaube nicht, daß man durch sie okkult belastet wird. Dennoch kann ihnen der Vorwurf nicht erspart werden, indirekt Wegweiser für eine Philosophie zu sein, die aus östlicher Weisheit schöpft und schon viele Menschen vom Evangelium weggeführt hat. Zudem ist der medizinische Wert der Fußreflexzonenmassage auch bei diesen Therapeuten sehr fraglich. Kosmische Energie durch Handauflegung am Fuß Eigentlich wollte ich zu Beginn meiner Recherchen selbst einen Kurs für Fußreflexzonenmassage machen. Ich schrieb zwei Institute an, die in einer »Bio Zeitung« inserierten, Sie können sich meine Überraschung vorstellen, als ich den ersten Brief öffnete: Man bot mir darin nicht nur die Erlernung der Fußreflexzonenmassage an, nein, ich könne beim selben Institut gleich auch noch das Pendeln erlernen! Auf dieses Angebot wollte ich mich jedoch nicht einlassen, und so wartete ich die Nachricht des zweiten Fußreflexzonen Massagekurses ab. Diesmal war die Kursleiterin eine Frau, die ihren Patienten nicht nur die Füße massierte, sondern ihnen auch die Diagnose aus den Handlinien stellte. Langsam dämmerte mir, daß hinter der so enthusiastisch gelobten Fußmassage in vielen Fällen okkult arbeitende Heilpraktiker stecken. Eine Patientin, die früher täglich bis zu zehn Tabletten gegen ihr Kopfweh nahm, brauchte in der ersten Begeisterung nur noch Fußreflexzonenmassage. In ihrem missionarischen Eifer für die neue Heilslehre schickte sie mir das Buch »Gesund in die Zukunft«. Neben schönen farbigen Skizzen der Fußreflexzonen enthält das Buch auch Ratschläge für ein gesünderes Leben. Doch wie man früher eine kleine Dosis Gift in ein gutes Essen mischte, um mißliebige Personen verschwinden zu lassen, wird hier unter einer Sammlung guter Anstöße für die Erhaltung der Gesundheit ein kleines Kapitel über die schädliche Wirkung der Erdstrahlen und Wasserstrahlen gemixt". Dem (aber )gläubigen Patienten wird dann eingeredet, er schlafe über schädlichen Wasserstrahlen, wenn er sich am Morgen nicht ausgeruht fühle, wenn er Kopf und Gliederschmerzen habe, die kurz nach dem Aufstehen verschwinden. Besonders gewarnt wird er davor, daß diese schädlichen Erdstrahlen auch Krebs hervorrufen könnten, »Leider ist diese Strahlung bis heute nicht wissenschaftlich nachweisbar«, bedauert die Schreiberin, gibt dann aber den Rat: »Festzustellen sind sie mit der Rute oder dem Pendel.« Um gegen diese schädlichen Strahlen geschützt zu sein, empfiehlt sie, eine kleine Plastikbadewanne mit einem Spiegel darin unter das Bett zu stellen, eine Methode, die »auch nach zehn und mehr Jahren genauso wirksam« sei wie am ersten Tag. Für Christen sollte klar sein, daß diese Praktiken in das Gebiet des Okkultismus gehören (vergl. Kap. 10). Wie aber sollten wir uns dann in gläubiger Erwartung einer Behandlung durch Menschen unterziehen, die solche Praktiken üben? Schon die alten chinesischen Masseure hatten ein höheres Ziel mit ihrer Behandlung als nur das Wegmassieren schädlicher Harnsäureablagerungen. »Der Masseur ist sich bewußt, daß er während seiner Behandlung ein starkes Ch'i aufrechterhalten muß... Heilpraktiker haben ihren Bewußtseinszustand als völlig leer von jedem Gedanken beschrieben. Dies erlaubt ihnen, sich zu konzentrieren und ihr Ch'i während der Behandlung stark und gleichmäßig zu kanalisieren. Wenn er in diesem Bewußtsein massiert, so glaubt der Praktiker, daß seine Behandlung eine Beziehung bekommt zu den natürlichen Prozessen oder Lebensrhythmen, die dann noch stärker und gleichmäßiger durch ihn auf seine Patienten übergeht.« »Eigentlich sah ich schon im Wartezimmer ein Pendel hängen«, erzählte mir Frau Sturm, eine

gläubige Christin. »Ich dachte: bei der Fußreflexzonenmassage braucht er das Pendel ja nicht. Während er mir die Kopfzone an der großen Zehe massierte, merkte ich plötzlich, daß er einen eigenartigen Gesichtsausdruck bekam, als wäre er in Trance. Ich fragte ihn: »Was machen Sie da?« Er antwortete: »Ich konzentriere mich, um Ihnen Lebensenergie einzumassieren.« Als ich am nächsten Tag wie gewohnt meine stille Zeit machen wollte, hatte ich keine Freude mehr an Bibel und Gebet. Ich merkte dann, in was ich mich eingelassen hatte, und bat Jesus Christus, mir zu vergeben.« Frau Sturm wurde wieder frei. Ihr Beispiel zeigt aber, daß viele Fußreflexzonenmasseure bei ihrer Arbeit eine Kraft gebrauchen, die nicht von Gott ist und die Menschen unter einen okkulten Bann bringen kann. Die Seelsorgererfahrung hat immer wieder gezeigt, daß durch körperlichen Kontakt böse Mächte auf andere Menschen übergehen können. Spiritistische Bücher geben die Anleitung, sich bei Séancen bei den Händen zu halten, damit jeder von der Energie des Geistes erfaßt wird". Nicht umsonst warnt Alexander Seibel vor den gefährlichen Folgen unkritischer Handauflegung. Die Kräfte, die dabei übertragen werden, können leicht zu geistlicher Verwirrung und zu Bindungen führen. Man wird erinnert an ein Beispiel aus der Medizingeschichte. Der Wiener Frauenarzt Ignaz Semmelweis (1818 1865) gilt als Retter der Mütter, denn er entdeckte als erster die Ursache des grauenhaften Müttersterbens in den Wiener Gebärkliniken der damaligen Zeit, Das Kindbettfieber raffte junge Mütter zu Hunderten dahin. Damals wußte man noch kaum etwas von Bakterien. Die Ärzte kamen direkt vom Sezieren der Leichen und behandelten dann mit ungewaschenen Händen und Instrumenten die Frauen auf der Abteilung. Kein Wunder, daß viele von ihnen elend zugrunde gingen. Semmelweis führte dann eine ebenso einfache wie effektive Methode ein, die dem Müttersterben ein rasches Ende setzte: ein Waschbecken mit Seife und Handtuch, wo die Assistenzärzte ihre Hände gründlich reinigten. Für den gläubigen Patienten ist es wichtig, daß ein Fußreflexzonenmasseur seine Hände nicht im okkulten »Seziersaal« mit »Kraft« auflädt, um sie ihm dann zu übertragen. Doch auch wenn die Hände, geistlich gesehen, »rein« sind, muß er sich immer wieder fragen, ob Methoden auf dem Hintergrund östlicher Philosophie wirklich die Lösung für seine Probleme darstellen.

6. Kapitel Homöopathie - kosmische Energie in Flaschen Machen Sie einmal eine Umfrage darüber, was eigentlich Homöopathie sei. Sie werden die verschiedensten Antworten erhalten. Zum Beispiel: »Das ist doch die Medizin, in der nichts drin ist! Wenigstens schadet sie nichts« oder: »Die Heilpraktiker im Appenzellerland in der Schweiz arbeiten doch mit dieser Homöopathie. Ist das nicht etwas Okkultes?« So recht weiß jedoch keiner, was unter Homöopathie zu verstehen ist. Was ist eigentlich Homöopathie? Die Grunddefinition wurde von Samuel Hahnemann (1755 -1843) aufgestellt: »Ähnliches wird durch Ähnliches geheilt«, oder wie es einmal anders formuliert wurde: »Die Homöopathie ist die Behandlung, die darin besteht, daß der Kranke ein Medikament bekommt, das im Versuch am Gesunden ähnliche Symptome auslöst, wie sie beim Kranken vorliegen.«

Nehmen wir ein praktisches Beispiel: Ein Patient hat Durchfall. Wir alle wissen, daß Rizinusöl beim Gesunden auch Durchfall erzeugt. Nach dem Grundsatz der Homöopathie muß man dem Patienten also Rizinusöl als Medikament geben. Bekäme der Arme das Rizinusöl jedoch in normaler Dosis, so würde er wahrscheinlich das WC nicht mehr verlassen können. Deshalb muß das Medikament verdünnt werden. Hier kommen wir zu einem weiteren wichtigen Punkt der Homöopathie: zur Verdünnungslehre. Oberflächlich betrachtet geht es den Homöopathen darum, mit der kleinsten Arzneimittelmenge auszukommen. Ihre Verdünnungen bezeichnen sie mit dem Buchstaben D für »dezimal«, dahinter steht eine arabische Ziffer, die die Zahl der Nullen hinter der Eins angibt. Eine Verdünnung D 10 ist also ein Verhältnis von 1 Kubikzentimeter auf 10 000 000 000 Kubikzentimeter oder ein Teelöffel auf einen Tank von der Größe eines 100 Meter hohen Kirchturms. Viele Homöopathen arbeiten aber mit noch viel stärkeren Verdünnungen. Hahnemann selbst zog die Verdünnung D 30 vor, eine Verdünnung, bei der man in einer Flasche kein einziges Molekül des Heilmittels mehr finden würde. Um zu erklären, weshalb das Mittel dennoch wirksam sei, müssen wir nun zu einer dritten wichtigen Grundlage der Homöopathie übergehen, zum Potenzieren, die uns mitten in die Welt der Astrologie, des Buddhismus und des Hinduismus führt. Wenn ein Homöopath ein Mittel herstellt, so bereitet er zuerst eine Urtinktur zu, zum Beispiel aus feingehackten Brennesseln, deren Saft er mit Alkohol extrahiert. Nun nimmt er einen Teil dieser Urtinktur, verdünnt ihn mit 9 Teilen Lösungsmittel und verschüttelt diese Lösung in einem Glas. Er hat nun eine Verdünnung von einem Zehntel, also von D 1 oder, wie er es ausdrückt, die »Potenz D 1«. Um zu D 2 zu gelangen, nimmt er wieder 1 Teil der D 1 Lösung und verschüttelt sie mit 9 Teilen Lösungsmittel. Das homöopathische Mittel wird also in Zehnerschritten verdünnt, obwohl man im Grunde gleich einen Tropfen Urtinktur auf z. B. 999999 Tropfen Lösungsmittel geben könnte, um die Verdünnung D 6 zu erhalten. Doch Hahnemann war überzeugt, »daß sein Verschüttelungsprozeß mehr bedeutet als bloßes Verdünnen. Durch sein Verschütteln (Potenzieren) wird etwas Dynamisches frei. Was der dunkle Mesmer, direkt tut, bewirkt Hahnemann indirekt: auf dem Wege über die lebendige Menschenhand wird er zum Be Handler der Kranken.« Mit anderen Worten: Hahnemann glaubt, daß beim Verschüttelungsprozeß kosmische »Lebenskraft« in das homöopathische Mittel eingefangen wird. Die Kraft, die beim okkulten Besprechen und Handauflegen direkt auf den Patienten übergeht, wird hier auf das homöopathische Mittel übertragen und indirekt weitergegeben. Wer war Samuel Hahnemann? Um eine Lehre besser zu verstehen, ist es oft gut, einen kleinen Blick in das Leben des Gründers zu werfen. Bei Samuel Hahnemann zeigt sich besonders deutlich, daß die berechtigte Auflehnung gegen Mißstände seiner Zeit nicht zu einer Lösung der Menschheitsprobleme führen kann, wenn sie aus antichristlichem Geist geschieht. Hahnemanns Leben wurde in verschiedenen Biographien ausführlich dargestellt, so daß ich mich an dieser Stelle auf einige wenige Hinweise beschränken möchte. 1755 wurde er als Sohn eines Porzellanmalers in Meißen/Sachsen geboren. Er war ein hochbegabter Schüler, so daß ihm das Medizinstudium in Leipzig, Wien und Erlangen ermöglicht wurde. Verschiedene Versuche, sich eine ärztliche Existenz aufzubauen, scheiterten, und er lebte mit seiner Frau und seinen neun Kindern meist in großer Armut. In seiner ewigen Rastlosigkeit wechselte er mehr als zwanzig Mal seinen Wohnort. Sein Leben verdiente er sich mit dem Übersetzen von Büchern aus dem Englischen, Italienischen und Französischen. Daneben experimentierte er dauernd an der Herstellung neuer Heilmittel herum. Er wurde zunehmend als ein scharfer Kritiker der damaligen

Schulmedizin bekannt. Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete er mit 80 Jahren ein zweites Mal. Er starb 1843 schließlich als wohlhabender Mann in Paris. Betrachtet man die medizinische Situation im 18. Jahrhundert, so versteht man, daß sich Hahnemann dagegen auflehnte. Der Aderlaß war das Heilmittel gegen alles. So bestand die Therapie gegen Lungenentzündung darin, dem Kranken innerhalb von 14 Tagen 7 Liter Blut abzulassen. Meist wurde die Krankheit durch den Tod des Patienten »geheilt«. Andere verschrieben pfundweise Opium, und wieder andere versuchten, mit Hilfe von täglichem Klistieren die Krankheit aus dem Körper zu vertreiben. Hahnemann erkannte intuitiv, daß vieles, was hier als Schulmedizin angepriesen wurde, keine echte Hilfe bieten konnte. In Aufsätzen und Büchern lehnte er sich immer heftiger gegen die »hochbetitelten Gesundheitsverderber« auf. Man wird unwillkürlich an den deutschen Chirurgen Hackethal erinnert, der sich in unserer Zeit mit ähnlich ungehobelter Vehemenz gegen die übertriebene technisierte Schulmedizin wendet, dumpf ahnend, daß der Wurm in einer Behandlung sitzt, die den Menschen nicht mehr als Ganzes sieht (vgl. Kapitel 1). Mit der Zeit vollzog sich eine eigenartige Wandlung in Hahnemanns Charakter. Er wurde immer schroffer, unduldsamer, unzuverlässiger. Jahrelange Freundschaften brach er ab; selbst gegen Menschen, die zu ihm hielten, kam es zu unerwarteten, hemmungslosen Angriffen. Immer stärker wirkte sich diese Veränderung auch auf seine Kinder aus. Ihr Schicksal war eine Kette von Tragödien: Die Ehen dreier Töchter wurden geschieden, zwei Töchter wurden auf merkwürdige Art ermordet, eine weitere starb bereits 30jährig. Sein einziger Sohn Friedrich verließ Frau und Kind und blieb verschollen. Der Biograph Fritsche meint sogar: »Friedrich Hahnemann mußte zu Ende leben, was sein Vater ihm an Dämonie mitgab.« Im Jahre 1810 gab Hahnemann sein Hauptwerk, das »Organon der Heilkunst« heraus. Jahrelange Forschungen waren diesem Buch vorausgegangen. Auf den Weg der Homöopathie brachten ihn die Berichte des englischen Arztes Cullen über die Wirkung der Chinarinde gegen Malaria. Hahnemann probierte die Droge an sich selbst aus. Er stellte dabei Symptome fest, die der Malaria ähnlich waren: Fieber, Schüttelfröste und Abgeschlagenheit. Zwei bis drei Stunden dauerte jeweils der Anfall, sobald er das Mittel genommen hatte; sonst war er wohlauf. Plötzlich kam Hahnemann die Idee: Was das Fieber beim Gesunden auslöste, heilte das Fieber der Kranken! Nun begann er, unzählige Stoffe an sich selbst, seiner Familie und an seinen Freunden auszuprobieren. Jedes Symptömchen, vermeintlich oder echt, wurde peinlich genau registriert: 1422 Prüfungssymtome will er bei Beiladonna (Extrakt der Tollkirsche) entdeckt haben, 1267 bei Nux vomica (Brechnuß), 1163 bei der Pflanze Pulsatilla (Pelzanemone). Mehr noch: Er stellte eine Beziehung her zwischen dem »Charakter« der Heilmittel und dem Charakter des Kranken. Es würde zu weit führen, hier näher auf die homöopathische Charakterlehre einzugehen. Wer jedoch eine gute Übersicht sucht, wird sie in Prokops Buch »Medizinischer Okkultismus« finden. Vor besondere Probleme stellten Hahnemann die chronischen Krankheiten. Weshalb konnten so viele Menschen nicht durch seine Mittel geheilt werden? Eine Antwort gibt er in seinem Alterswerk »Die chronischen Krankheiten, ihre eigentümliche Natur und homöopathische Heilung«. Darin stellt er fest: Sieben Achtel aller chronischen Krankheiten werden durch die »Psora«, die »innere Krätze« verursacht. Wenn die Arznei eines ihrer Glieder trifft, so wachsen alsbald unzählige neue. Mit besonderer »Wut tut sie sich hervor«, wenn man ihr das äußere Zeichen des innewohnenden Übels, den Hautausschlag, nimmt. Sein Ratschlag an die Chronischkranken aller Art: alle 30 bis 50 Tage eine einzige Dosis homöopathischen Schwefels innerlich. Selbst der Biograph Gumpert, der Hahnemann mit Luther, Goethe Kant und Bismarck verglich,

meint: »Diese Art, Homöopathie zu betreiben, bleibt ein einmaliges psychisches Phänomen und erforderte weit jenseits der Grenzen des Erlebbaren eine fast indische Fähigkeit der Versenkung und Konzentration«. Wie recht er damit hat, zeigt eine genauere Untersuchung der Philosophie hinter der Homöopathie, die in allen Stücken von hinduistischen und buddhistischen Vorstellungen durchdrungen ist. Konfuzius, der gerade Weg zu Gott? Verschiedene Begriffe, die in der Homöopathielehre immer wieder gebraucht werden, machen einen stutzig. Da ist von Lebenskraft die Rede, von Harmonie mit der Weltenergie, von Ätherleib. Man denkt unwillkürlich an die Lehren, die uns durch Gurus und Yogis in den Westen gebracht worden sind. Je mehr man sich in die Bücher Hahnemanns und seiner Jünger einliest, desto mehr muß man erkennen: Die Homöopathie baut in allen wichtigen Punkten auf der östlichen Philosophie auf. Schon in jungen Jahren hatte sich Hahnemann bei den Freimaurern aufnehmen lassen. Diese Bewegung gebraucht wohl viele christliche Schlagworte, ja in den meisten Freimaurer Tempeln liegt sogar eine Bibel auf, Die Botschaft des Evangeliums von der Erlösung des verlorenen Menschen durch den Kreuzestod Jesu aber lehnen die Freimaurer klar ab". Für sie liegt die Erlösung im Menschen selbst. F.C. Endres schreibt in seinem Buch »Das Geheimnis des Freimaurers« folgende Sätze: »Die Macht der Sündenvergebung liegt in uns selbst. Die Möglichkeit, ein neues Leben, unbelastet von den Lasten der Vergangenheit, zu beginnen, liegt in unserer Seele ... « Die Seelsorge hat immer wieder gezeigt, daß Freimaurer, die eine echte Hinwendung zu Christus vollzogen hatten, sich sofort genötigt sahen, aus der Loge auszutreten. Es wundert daher nicht, daß Hahnemann als Mitglied der Loge Jesus einen »Erzschwärmer« nannte. Einer der Biographen Hahnemanns schreibt: »Der Erzschwärmer Jesus von Nazareth, der nicht Erleuchtete auf dem geraden Weg zur Weisheit führt, sondern mit Zöllnern und Sündern den schweren Weg zum Gottesreich auf Erden erkämpfen will, . . . dieser das Dunkel der Welt auf sich nehmende Schmerzensmann ist dem Liebhaber der ätherischen Weisheit anstößig.« Und weiter: »Christ kann Hahnemann keiner sein, obwohl er fromm ist wie ein Pietist. Hahnemanns Gott greift zwar fortwährend als führende und schenkende Macht in das Leben ein, aber er führt zur Erkenntnis und beschenkt das Hirn, nicht das Herz ... Arzt ist Hahnemann am Krankenbett, weil er nicht anders kann. Wo er hingegen als Erkennender ringt und um Erleuchtung bittet, gerät er in enge Geistesnachbarschaft zum Osten, Konfuzius ist sein Vorbild.« Über Konfuzius schreibt Hahnemann selbst in einem Brief: "Da ist göttliche Weisheit zu lesen, ohne Wunder Fabel und ohne Aberglauben. Es ist ein wichtiges Zeichen der Zeit, daß Konfuzius bei uns nun kann gelesen werden. Ihn selbst werde ich im Reiche der glücklichen Geister nun bald umarmen, den Wohltäter der Menschheit, der uns den geraden Weg zur Weisheit und zu Gott führte, schon 650 Jahre vor dem Erzschwärmer.« Kann klarer noch gesagt werden, welchem Geist die Homöopathie entsprungen ist? Die Verehrung östlicher Weisheit war nicht nur das stille Hobby Hahnemanns. Sie bildet vielmehr die Grundlage der Herstellung homöopathischer Arzneien. Einer der bekanntesten Homöopathen der Schweiz ist der heute etwa 80 jährige Adolf Voegeli. Ich traf den Autor vieler Bücher und Streitschriften für die Homöopathie in einem Zürcher Hotel. Unser Gespräch drehte sich um die Wirkungsmechanismen der Homöopathie. Während er seine selbst gedrehten Zigaretten rauchte, erzählte er mir von seinen Erfahrungen mit der Homöopathie, wie er Bauern in den Walliser Seitentälern nur mit homöopathischen Essenzen bei Lungenentzündungen durchbringe und Manager von ihren Magengeschwüren heile. Auf die kosmische Kraft angesprochen, die Hahnemann in seine Mittel hinein »potenzierte«, erklärte er

mir: »Wissen Sie, ich glaube an die Kraft der Sterne, Ein Astrologe hat mir schon sieben Jahre vorher vorausgesagt, wer meine zweite Frau sein würde, bevor ich sie überhaupt kannte.« Über die Wirkungsweise der Homöopathie hat Dr. Voegeli einen Artikel in der »Zeitschrift für Klassische Homöopathie« veröffentlicht. Das Literaturverzeichnis dazu gleicht einer Sammlung okkulter, hinduistischer und anthroposophischer Literatur. Dr. Voegeli bekräftigt, daß die Wirkung der Hochpotenzen geistiger Natur sei. Die beste Erklärung dafür biete die hinduistische Sankhya Philosophie. Der Mensch hat danach nicht nur einen Leib, sondern auch einen Ätherleib mit einem speziellen Kraftliniensystem. Dieser Ätherleib ordne die Abwehrfunktion des Körpers und fördere die Wundheilung. Auf dieser Ebene sei die Homöopathie wirksam. Ein weiteres energetisches System, das die Empfindungen des Menschen steuere, sei der Astralleib. Die höchste Energieform des Menschen sei jedoch sein Geist, dessen Ziel es sei, ein immer vollkommeneres Instrument der göttlichen Impulse aus dem Kosmos zu werden. »Das Ziel des Menschen ist die Höherentwicklung, die Vergeistigung.« Dazu reicht ein Leben niemals aus, und die logische Folgerung ist die Lehre von der Reinkarnation, die zuletzt zur Vollkommenheit führen soll. Östliche Philosophie dringt im übrigen auch bei vielen anderen Autoren durch. So führt der Heilpraktiker Ulf Evertz aus, daß der Gesundheit ein ungestörter Energiefluß zugrunde liege. »Krankheit ist folglich in erster Linie eine Störung dieser Energieverteilung innerhalb des Orga¬nismus.« Der Londoner Homöopath Dr. J.P. Randeira zeigt den Weg zur Heilung auf: »Die homöopathischen Heilmittel sind durch das Verfahren der Potenzierung in der Lage, den harmonischen Fluß der Lebenskräfte in jeder einzelnen menschlichen Zelle wiederherzustellen.« Mit fast religiöser Inbrunst drückt es ein anderer Homöopath aus: »Unter dem heiligen Akt des Potenzierens löste sich die Heilkraft aus den Fesseln der irdischen Struktur und zeugte im kranken Organismus wieder die Harmonie.« Am militantesten werden die Lehren, die der Homöopatie zugrunde liegen, heute von den Anthroposophen vertreten, in deren Medizin die Homöopathie eine zentrale Stellung hat (vgl. Kapitel 9). Doch zieht sich die östliche Philosophie als Grundlage der Homöopathie wie ein roter Faden auch durch die Behandlungsräume der Heilpraktiker. Homöopathie heute Wer sich ein wenig in die abstrusen Ideen Hahnemanns eingelesen hat, dem fällt es schwer zu glauben, daß man im Zeitalter der Wissenschaftlichkeit noch voll zum Guru der Homöopathie halten würde. Das Gegenteil ist der Fall. Allein in Deutschland praktizieren mehr als 1000 Ärzte und etwa 3500 offiziell zugelassene Heilpraktiker" die Kunst der Homöopathie. 14 Krankenhäuser haben homöopathische Abteilungen". Die philosophischen und medizinischen Auffassungen der heutigen Homöopathen haben lediglich ein neues Gesicht bekommen, im Grunde sind sie den Lehren Hahnemanns treu. Wir müssen drei Arten von Homöopathen unterscheiden: 1. Diejenigen, die die Homöopathie »entmythologisiert« haben und weder extrem verdünnte noch »kosmisch aufgeladene« Mittel abgeben. Meistens gehen sie nicht mehr über D 6 hinaus, um sicherzugehen, daß eine materielle Wirkung noch möglich wäre. Sie wollen nichts wissen von dem Hintergrund chinesisch indischer Philosophie und »potenzieren« ihre Mittel auch nicht nach Hahnemanns Vorbild. Ihnen geht es vor allem um die biologische Arznei ohne Nebenwirkung.

2. Die zweite Gruppe verleugnet schamhaft die heute als falsch erkannten medizinischen Theorien Hahnemanns. Sie versucht aber, seine Heilmittel mit »wissenschaftlichen Methoden« salonfähig zu machen. Zu ihrem Instrumentarium gehört unter anderem das Pendel, Es stört sie auch nicht, die östlichen Begriffe »Weltseele«, oder »Lebenskraft« in ihr Weltbild einzubauen. 3. Die dritte Gruppe glaubt blind an Hahnemanns Lehren. Seine Aussagen z. B. über die Krätze als Ursache der chronischen Krankheiten werden zwar nicht mehr wörtlich genommen, dafür aber in den Bereich des Außersinnlichen verschoben und dort als richtig erkannt. Diese Leute bekennen offen ihren Glauben an die Astrologie und andere spiritistische Praktiken. Als besonders aktive Sondergruppe sind hier die Anthroposophen zu nennen. Aber auch alle Anhänger der »klassischen Homöopathie« fallen in diese Kategorie. »Strophantus gratusc« gegen Angst vor spitzen Gegenständen Aus der Fülle homöopathischer Gruppierungen will ich nur einige Beispiele herausgreifen, die uns besser zeigen, in welcher Gedankenwelt sie sich bewegen. Alle Beispiele sind Büchern neueren Datums entnommen und entsprechen dem heutigen Stand der Homöopathielehre. Das erste Beispiel illustriert die blinde Gläubigkeit in Hahnemanns Theorien. Es findet sich in dem Buch von F. Gauß, »Wie finde ich das passende Arzneimittel?« F. Gauß schreibt: »Man wird sich dankbar bewußt, daß die Homöopathie eine Heilweise darstellt, die sich bis heute bestens bewährt und erhalten hat. Gerade in unserer Zeit ist besonders hervorzuheben, daß die homöopathischen Arzneimittel keinerlei sogenannte Nebenwirkungen haben, die mehr krank als gesund machen.« Den esoterischen Gehalt der Homöopathie tönt er nur mit einem Satz zu den Hochpotenzen von D 30 bis D 1000 und höher an: »Die Hochpotenzen wirken viel tiefer, sie greifen in die geheimsten Lebensvorgänge ein . . .« Wie einst Hahnemann, führt auch Gauß feinste Unterschiede in seinen Diagnosen auf. So unterscheidet er nicht weniger als 24 Angstformen. Gegen jede Form muß ein anderes Medikament gegeben werden. Gegen Angst vor der Geburt verschreibt er »Cimicifuga« (Silberkerze) in der Verdünnung D 30, gegen »Angst, es könnte etwas aus der Ecke hervorkommen«, Phosphor D 6. »Angst vor Berührung bei großer Traurigkeit und jammervoller Stimmung« erfordert »Antimonium crudum«, (Roh Antimon) und »Angst vor spitzen Gegenständen (Messer, Gabel usw.)« behandelt er mit »Strophantus gratus«, D 6. Daß diese skurille Diagnosenfülle eine Verständigung mit der Schulmedizin sehr erschwert, dürfte einleuchten. Mehr noch: Wie kommt der Homöopath dazu, gegen die Angst vor spitzen Gegenständen ausgerechnet »Strophantus gratus« in der Konzentration D 6 und nicht etwas anderes in einer anderen Potenz zu geben? Allein gegen die 24 Formen der Angst kennt Gauß nämlich 30 Mittel in den Potenzen D 6 bis D 1000. Das ergibt 715 680 Möglichkeiten der Behandlung der Angst! Doch diese Fragen seien nur am Rande gestellt. Woher kommt die Energie? Das nächste Beispiel über den Stand der heutigen Homöopathie ist dem Buch von Paul Uccusic, »Naturheiler«, entnommen. Er berichtet über »wissenschaftliche« Forschungen am Ludwig Boitzmann Institut in Wien, dessen Leiter, Prof. Bischko, eines der wichtigsten Lehrbücher für die westlichen Akupunkteure geschrieben hat. In diesem Institut arbeitet Dr. Otto Maresch an der Erforschung der Heilkraft hoher Potenzen (also D 30 bis D 1000 und mehr). Wie wir gesehen haben, findet man bei dieser Verdünnung kein einziges wirksames Molekül mehr in einem Fläschchen. Die heilende Wirkung, so erklären die Homöopathen, habe das Mittel dann durch die kosmische Kraft, die durch den Vorgang des Potenzierens eingefangen worden sei. Diese heilende Kraft wird also von Dr. Maresch erforscht. Da man diese kosmische Lebenskraft mit physikalischen Meßmethoden nicht messen kann, braucht er andere Mittel. Uccusic schreibt: »Man lasse sich nicht davon abstoßen, daß Maresch bisweilen Bioindikatoren zum Nachweis der

Mikrowellenstrahlung benützt, nämlich Wünschelrute und Pendel.« Nachdem dem Leser nun klar ist, daß die Wahrsagemittel Wünschelrute und Pendel ganz harmlose wissenschaftliche »Bioindikatoren«, sind, wird zur Erklärung der Kraft der Vergleich mit dem Mikrowellengrill herangezogen, der mit seinen unsichtbaren Strahlen innert Minuten Fleisch garkocht. Und wenn ein Schwingquarz in einem Funkgerät Mikrowellen abstrahlt, weshalb soll dann nicht auch ein Mensch, ein Organ, ein Tumor oder ein Medikament eine eigene Schwingung ausstrahlen? Während jedem klar ist, daß ein Funkgerät eine Energiequelle braucht, bleibt Uccusic die Antwort schuldig, woher die Energie bei den homöopathischen Mitteln kommt. Um nun für jede Krankheit und für jeden einzelnen Patienten das richtige Medikament zu finden, hat Maresch folgenden Versuch festgelegt: »Ein homöopathisches Mittel wird eine um so bessere Wirkung entfalten, je präziser seine vorherrschende Wellenlänge der des erkrankten Organs oder des erkrankten Systems entspricht.« Für den Arzneimittelversuch am Gesunden werden der Versuchsperson fünf Elektroden an sein »elektromagnetisches System« (Meridiane, Akupunkturpunkte) befestigt. Auf der Suche nach einem Mittel gegen Krebs hält er in der einen Hand ein Pulver, das aus einem echten Tumor hergestellt wurde. Die Nadel schlägt nun ganz stark aus. Nun sucht er ein Mittel, das gegen diese »Krebsstrahlung« wirkt. Nachdem er verschiedene Stoffe ausprobiert hat, fällt endlich die Nadel auf die Null Stellung zurück: Veilchensaft in der homöopathischen Potenz D 8 D 12 wirkt gegen Krebs! Doch es geht auch einfacher: »Der kürzere Weg ist der Weg über den Bioindikator Pendel.« Um diese »wissenschaftlich nachgewiesene« Strahlung jedoch feststellen zu können auch mit dem »neutralen« elektromagnetischen Gerät brauche es mehr: Nicht jeder Arzt könne das lernen, weil eine gewisse Sensitivität notwendig sei. Sensitivität wofür? Warum können diese Energien nur von wenigen speziell empfindlichen Menschen aufgespürt werden? Was für Energien werden da gemessen? Kurt Koch gebraucht statt des Wortes Sensitivität das Wort Medialität, Er schreibt dazu: »Die Medialität findet sich meistens in der Nachbarschaft von Zaubereisünden. Wenn die Vorfahren im dritten oder gar vierten Glied Spiritisten waren oder Magie und andere Formen der okkulten Künste betrieben haben, dann sind die Nachkommen gewöhnlich medial veranlagt . . . Die Rutenfühligkeit und die Pendelreaktion ist eine mediale Veranlagung.« Wissenschaftliche Untersuchungen der Homöopathie Wenn immer die homöopathisch arbeitenden Heilpraktiker sich einer kontrollierten Untersuchung stellen müssen, versagen sie, oder sie geben den übernatürlichen Charakter ihrer Methode zu, indem sie darauf hinweisen, daß man die homöopathische Heilwirkung nicht mit wissenschaftlichen Methoden erfassen könne (dafür jedoch mit Pendeln und medialer Begabung). Zu diesem Fragenkomplex ist ein Buch von O. und L. Prokop mit dem Titel »Homöopathie und Wissenschaft« erschienen. Es würde den Rahmen dieses Buches sprengen, ausführlich über dessen Ergebnisse zu berichten. Interessant sind vielleicht einige Ausführungen von Dr. Donner, der selbst Homöopath war und dessen Ziel es war, die homöopathische Lehre wissenschaftlich zu untermauern. Der erste ernsthafte Versuch eines Homöopathen, die Wahrheit im Dschungel homöopathischer Behauptungen zu finden, endete mit einem Fiasko und mit der Abkehr Dr. Donners vom pseudoreligiösen Glauben an die Homöopathie. Angefangen hatten Dr. Donners Zweifel bei einem Vortrag im heute noch existierenden homöopathischen Robert Bosch Krankenhaus in Stuttgart. Dort führte ein bekannter Homöopath aus, daß das Mittel »Apis mellifica« am besten wirke bei Patienten mit Krankheiten auf der rechten Seite, verbunden mit »Durstlosigkeit« und mit einem »Säcklein am rechten unteren Augenlid«. Speziell gut wirke es bei rechtseitigen Eierstockzysten, während man links ein anderes Medikament geben müsse.

Als Donner nun alte Berichte über die Wirkung von »Apis meilifica« (nichts anderes als Bienengift) durchforschte, las er nicht nur, daß doppelt soviele Krankheiten auf der linken Seite vorkommen, sondern auch, daß das »Säcklein unter dem Auge« erstmals durch die Schwellung nach einem Bienenstich aufgetreten war. Sein Zweifel war geweckt, und er begann nun im Laufe einiger Jahre Prüfungen an nahezu zweihundert Ärzten vorzunehmen, wobei er die Potenzen D 4 bis D 12 prüfte. Er verglich die »wirksamen« homöopathischen Mittel mit völlig neutralen Stoffen, die man in der Medizin »Placebo« nennt. Die Resultate waren vernichtend. Schon bei den ersten Versuchen mit unwirksamen Placebos traten bei den homöopathiegläubigen Testpersonen zahlreiche Symtome auf, z.T. so heftig, daß die Prüfungen abgebrochen werden mußten. Eine Berliner Ärztin bekam nach dreitägiger Placeboeinnahme solch heftige Migräne Anfälle, daß sie ein halbes Jahr lang nur noch halbtags arbeiten konnte. Die »Ungläubigen« hingegen spürten weder unter Placebos noch unter den homöopathischen Mitteln irgendwelche Wirkungen. Besonders interessant war das Verhalten eines homöopathischen Arztes, der selbst in der Prüfungsleitung saß. Bei einem Versuch mit »Nuxvomica« in der astronomischen Potenz C30 (entspricht D 60) hatte er vergessen, daß ja zuerst Placebos gegeben worden waren. Er nahm die Berichte der Prüflinge zur Hand und fing an, die Symptome, die er bei Nux vomica kannte, herauszulesen! Was ihm nicht ins Konzept paßte, ließ er einfach weg. Dieses Vorkommnis zeigt eine weitere Schwachstelle auf in den ellenlangen Listen von Arzneisymptomen, die man in der Geschichte der Homöopathie angelegt hat: Wenn der Prüfungsleiter weiß, was er gibt, nimmt er von den berichteten Symptomen, was er für richtig hält, den Rest bezeichnet er als unwichtig. Mit der Suche nach der Wahrheit, die gerade Christen ein Anliegen sein sollte, hat das nur noch wenig zu tun. Dennoch bin ich der Auffassung, daß die meisten Homöopathen nicht bewußt lügen. Aber ihr Denken ist oft so auf den Pfad der Homöopathiewirkungen eingeschliffen, daß sie nicht mehr fähig sind zu kritischen Überlegungen. Mehr Wirkstoffe im Gemüse als in homöopathischen Mitteln Sollten unsere Krankheiten wirklich nur vom Fehlen gewisser Spurenelemente und Mineralstoffe abhängig sein, so ist nicht einzusehen, weshalb wir noch homöopathische Mittel einnehmen sollen. Denn »Verunreinigungen, die trotz aller küchentechnischen Maßnahmen an unseren täglichen Nahrungsmitteln haften, enthalten mehr »Calcarea«, »Silicea«, »Carbonicum«, und andere in der Homöopathie gebräuchliche Mittel als die unter diesen Bezeichnungen verwendeten Arzneien.« Wozu also all diese homöopathischen Mittel, deren Wirkstoffe bereits in unserer natürlichen Umgebung vorkommen? Ein Argument, das gerne von den Homöopathen als Beweis ihrer Lehren gebraucht wird, ist die Impfung. Hier wird wirklich Ähnliches mit Ähnlichem geheilt. Abgetötete oder abgeschwächte Viren werden unter die Haut gespritzt und schützen den Geimpften vor eben diesen Viren. Daß sich diese Vorsorgemaßnahme auf äußerst wenige der über 10 000 heute bekannten Krankheiten anwenden läßt, wird dabei wohlweislich verschwiegen. Auch macht man sich nicht die Mühe, die Abwehrvorgänge des Körpers, die beim Impfen aktiviert werden, auch bei der Anwendung homöopathischer Mittel nachzuweisen. Es wäre auch sinnlos, denn sie kommen dort nicht zur Geltung. Das Beispiel zeigt uns aber auch, wie unbeschwert wissenschaftliche Aussagen aus ihrem Zusammenhang herausgerissen werden, um diese absurden Lehren zu unterstützen. Eine »brillante Fähigkeit« attestiert Prokop den Homöopathen, Erkenntnisse der Wissenschaft »mit Grundlagen der Homöopathie zu identifizieren, die sich auch beim besten Willen nicht auf einen Nenner bringen lassen.«

Würde eine religiöse Gruppe die Aussagen der Bibel in dieser Weise anwenden, um hinduistisches und buddhistisches Gedankengut christlich zu verbrämen, so würde sie bald im Abseits und im Sektenlexikon landen. Die Homöopathen genießen jedoch in weiten Kreisen der christlichen Gemeinde größeres Ansehen als die Macht des Gebets. Warum hat denn die Homöopathie solche Erfolge? Es besteht kein Zweifel daran, daß die Homöopathie Erfolge zu verzeichnen hat. Jeder meiner Leser wird schon Berichte von Bekannten und Verwandten gehört haben, die durch ein homöopathisches Mittel, das ihnen ein Naturarzt gegeben hat, wunderbar kuriert worden sind. Ich will diese Berichte nicht einfach vom Tisch wischen. Die Frage ist nur: Wodurch sind sie wirklich geheilt worden? Durch das Mittel? Durch die kosmische, okkulte Kraft der Arznei? Durch die begleitenden Maßnah¬men (Rauchverbot, keine Genußmittel, Ausruhen)? Oder durch den Glauben an den Heilpraktiker bzw. seine Mittel? Es ist heute allgemein bekannt, daß körperliche Krankheiten durch psychische Einflüsse ausgelöst werden können. Denken Sie nur an das Bauchweh nach einem Schreckerlebnis. Schwierigkeiten in der Familie können Migräne auslösen, und Liebeskummer kann sich auch einmal in unerklärlichem Durchfall äußern. Selbst bei Krebs will man psychische Faktoren als auslösende Ursache gefunden haben. Umgekehrt können aber auch psychische Einflüsse zur Heilung von Krankheiten führen. Erinnern Sie sich noch, wie Sie als kleines Kind mit einer Schramme zu Mutti gelaufen sind? Wie wohl hat doch die Zuwendung getan, welche Wunder wirkte das Pflaster! Nun, wir Erwachsenen brauchen vielleicht etwas kompliziertere Behandlungsformen, im Grunde aber reagieren wir, auch wenn wir es nicht wahrhaben wollen, ähnlich wie das Kind mit der Schramme. Schon im letzten Jahrhundert hat man die ersten Experimente mit Placebos gemacht, mit Medikamenten also, die absolut keinen Wirkstoff enthalten. Man hat entdeckt, daß wichtiger als die Substanzwirkung einer Arznei der Glaube ist, daß das Mittel wirkt. Ein Arzt, der seinen Patienten ein Mittel mit großer Überzeugung verschreibt, erzielt selbst mit schwachen Arzneien große Erfolge. Umgekehrt versagt ein sonst gut wirkendes Mittel, wenn es von einem kritischen, schweigsamen und pessimistischen Arzt verschrieben wird. Der wichtigste Heilfaktor ist also der Arzt (oder der Heilpraktiker) selbst, so daß verschiedene Autoren bereits von der »Droge Arzt«, sprechen". Wo eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Arzt und Patient fehlt, hat die Verwendung von Placebos oder homöopathischen Mitteln wenig Sinn und Zweck. Nicht immer muß es der Naturarzt sein, der einem das homöopathische Mittel mit Überzeugung gibt, es kann auch die Nachbarin sein oder die Freundin, die damit einen phänomenalen Erfolg gegen ihr ständiges Kopfweh hatte. Der Placebo Effekt ist bei den Mitteln der Homöopathie wohl der wichtigste Grund für deren Erfolg. Das konnte in verschiedenen Studien, die ich oben erwähnt habe, eindeutig nachgewiesen werden. Schlecht muß dieser Effekt gar nicht sein, denn damit können viele gefährliche Medikamente eingespart werden. Für Christen stellt sich allerdings die Frage: Warum glauben wir an homöopathische Streukügelchen und Tinkturen und nicht vielmehr an die Kraft des Gebets? Wie groß ist doch die Gefahr, daß wir gerade homöopathischen Mitteln (aber nicht nur ihnen) mehr Ehre geben als Gott! Es gibt aber noch einen weiteren Grund für die Erfolge der homöopathischen Medizin. Kürzlich erzählte mir die Tochter eines Managers von einem Großbetrieb, daß ihre Eltern in einem christlichen Kurhaus gewesen seien, wo sie unter anderem mit homöopathischen Mitteln behandelt wurden. Die Kur habe großen Erfolg gehabt, die Eltern seien wirklich erholt und gesundheitlich gestärkt zurückgekommen, Meine Frage: Was hat hier geholfen?

Dr. Lipross, der Autor des Buches »Logik und Magie in der Medizin« schreibt: »Schon die Kurpromenade, das obligatorische Kurkonzert und viele andere bei flüchtiger Betrachtung nebensächlich erscheinende Dinge sind ebenso maßgebend für den Kurerfolg wie die örtlichen Riten bei den Trink und Badekuren«. Heilung hat hier nicht das homöopathische Mittel gebracht, sondern die ganze Atmosphäre, die Wanderungen, die Ruhe und die Entspannung. Das Medikament diente nur dazu, daß dem Glauben an die Tabletten Medizin unseres Zeitalters Genüge getan wurde, daß der Eindruck erweckt wurde, man sei auch wirklich »behandelt« worden. Die geringste Wahrscheinlichkeit, eine Heilung herbeigeführt zu haben, hat das homöopathische Mittel selbst zu verbuchen. Organisch¬-materiell ist von einem Heilmittel in homöopathischen Verdünnungen über D 6 keine Wirkung mehr zu erwarten. Seriöse Homöopathen, die von okkulten Kräften nichts wissen wollen, gehen denn gewöhnlich auch nicht über diese Potenz hinaus. Okkulte Einwirkungen durch Homöopathie Die Wirkung höher potenzierter Mittel liegt auf der Ebene des Geistes, sei dies durch den Placebo Effekt oder durch okkulte Einwirkungen. Hahnemann hat in seinem wichtigsten Werk, dem »Organon«, ausdrücklich auf die Wirkungen von Mesmers tierischem Magnetismus hingewiesen, diese »oft törichterweise geleugnete Heilkraft«, und sie rückhaltlos unterstützt und selbst angewendet. Wir haben gesehen, daß sowohl er als auch seine modernen Anhänger daran glauben, mit ihrem potenzierten Heilmittel »kosmische Lebensenergie« weiterzugeben. Mesmer lehrte, der gesunde Mensch könne sich aus dem magnetischen Kraftfeld der Erde magnetisch aufladen und dann durch Bestreichen mit den Händen kranke Menschen heilend beeinflussen. In seinem »Palais Mesmer« in Paris traf sich häufig die gesellschaftliche Oberschicht zu magnetischen »Séancen«. Die Kranken waren in einem mit orientalischer Pracht ausgestatteten Raum versammelt und bildeten, sich an den Händen haltend, eine Kette. Aus dem Nebenzimmer drang rhythmische Musik, die Spannung stieg. »Dann tritt Mesmer auf. Er ist gekleidet wie ein indischer Zauberer. Mit seinem Eisenstäbchen geht er die Kette ab, spricht leise mit seinen Patienten, bestreicht sie mit dem Magnetstab, bannt die Aufmerksamkeit des einzelnen Kranken durch Anstarren. Bald beginnt der eine oder andere Kranke zu zittern, dann zu schreien, zu lachen, zu tanzen oder in Krämpfe zu fallen. Die von Mesmer von jeher beabsichtigte >Krise< ist eingetreten!« Die Erfahrung hat gezeigt, daß die Magnetopathie nach Mesmer praktisch immer als okkulte Praktik zu gelten hat. Sowohl Pastor Modersohn als auch Dr. Kurt Koch warnen eindringlich, sich mit Magnetopathen einzulassen. Sehr oft treten nämlich nach der Behandlung durch einen Magnetiseur mediale »Geistergaben« auf. Auf diesem Wege bekam auch der ehemalige Pfarrer Bolte seine Gabe der Wahrsagerei mit dem Pendel. Wie viele andere Homöopathen pendelt er die richtigen Mittel für einen Patienten aus. In seinem Büchlein: »Von der Pendelforschung zur Wunderheilung« schreibt er: »An den Schreibtisch gesetzt, Pendel raus, die Schwabe'sche Liste der homöopathischen Mittel vorgenommen und dann telephonisch das gefundene Mittel in Leipzig bestellt.« Meist verordnete ihm das Pendel ein Mittel in Hochpotenz. Mehr noch: Bolte fing auch an, Flaschen »magnetisch aufzuladen«. »Etwas ist geblieben, was man zur Not oft einsetzen kann: Geistige Heilkräfte auf Flaschen gebannt! So kann man durch geistige Kraft oder mit Hilfe des Himmels Weine oder Alkohol so aufladen, daß das zu einem ganz bestimmten Heilmittel wird: gegen eine bestimmte Infektionskrankheit, gegen Würmer oder

gegen alles sonstige Beliebige. Das ist eine Kunst, die man jedem Anfänger der geistigen Heilweisen beibringen kann. Ich habe sogar Ärzte dazu gebracht, daß sie dies wirksam anwenden konnten. Schließlich habe ich mir damals sogar ganze Kästen solcher aufgeladener nachgefüllter homöopathischer Fläschchen angelegt.« Die Folgen einer solchen Diagnose und Behandlung beschreibt Dr. Kurt Koch. Er erzählt von einem Mann, der zu einem Besprecher ging, sich von ihm beraten ließ und seine »magnetisierten« Heilmittel einnahm. »Das körperliche Leid verschwand, dafür stellten sich psychische Störungen und die Auslösung der Hellsichtigkeit ein. Der Sohn des Mannes litt von Jugend auf an Schwermut, Lästergedanken, periodischen Depressionen und Anfechtungen mancherlei Art«. Soll ein Christ homöopathische Mittel nehmen? Dies ist natürlich eine Gewissensfrage, die sich jeder selbst beantworten muß, wenn er dieses Buch gelesen hat. Ein ehemaliger Heilpraktiker und Magnetiseur schreibt mir: »Satan hat einen Riesenkatalog von Methoden, durch welche er uns Menschen offen oder verborgen vom Heil in Christus Jesus trennen will. Dabei offeriert er eben auch diverse >Heilmethoden<, die dem Kranken Heilung bringen sollen. Sicher trifft es zu, daß viele Christen nicht unterscheiden können, ob diese >Heilmethoden< vom Feind unterwandert sind, und dabei auch unseriösen Heilpraktikern zum Opfer fallen, insbesondere dann, wenn man um jeden Preis gesund werden will, statt um jeden Preis nach Gottes Willen zu fragen. Bei dieser Gelegenheit möchte ich allerdings auch erwähnen, daß wir nicht alle Heilmethoden zum vornherein als okkult klassifizieren dürfen. So hat z. B. die Homöopathie als solche mit Zauberei nichts zu tun ... Es ist aber so, daß manche sogenannte Heilpraktiker sich in unseriöser Weise dieser Mittel bedienen, indem sie diese magisch besprechen, damit sie ganz sicher wirken. In diesem Fall wirken dann solche Heilmittel als >Kontaktmittel< des Feindes und bringen uns unterdessen Herrschaft und Abhängigkeit, was sich bis zum Selbstmord steigern kann.« Soweit die Meinung eines Mannes, der früher selbst als Heilpraktiker tätig war. Ich persönlich könnte nach all dem, was ich in diesem Kapitel zusammengetragen habe, keinem Patienten homöopathische Mittel verschreiben. Wer es dennoch tut, ist sich meistens nicht bewußt, welche Hintergründe diese Lehre hat. Speziell warnen möchte ich vor Mitteln, die über die Potenz D 6 hinausgehen, gibt es doch über diese Grenze außer dem Placeboeffekt nur noch okkulte Erklärungen für deren Wirkung. Besondere Gefahr besteht auch bei homöopathischen Mitteln von Heilpraktikern, die pendeln, Handlinien lesen, magnetisieren oder Fernbehandlungen durchführen. Diese Praktiken sind jedoch für den Patienten nicht immer zu erkennen. Wie soll er dann feststellen, aus welcher Quelle die homöopathischen Mittel kommen, die er schluckt? Wo haben wir den berühmten Strich zu ziehen, homöopathische Mittel zu gebrauchen oder die Finger ganz davon zu lassen? Die Beantwortung dieser Frage soll angesichts der ohnehin fraglichen Grundlage und Wirkung dieser Mittel dem Leser selbst überlassen bleiben.

7. Kapitel Irisdiagnose - zeigen sich Krankheiten am Auge?

Es war vor etwa 150 Jahren, im Jahre 1831, als ein elfjähriger ungarischer Junge sich durch das Dickicht eines Waldes schlug. Die Bäume standen so dicht, daß kaum mehr Licht auf die Erde drang. Kein Laut war zu hören. Manchmal schreckte plötzlich ein Reh auf und entfloh in langen Sprüngen, dann wieder hörte man nichts mehr außer dem Knacken kleiner Ästchen unter Ignaz' Füßen. Ohne daß Ignaz es wußte, wurde er von zwei großen unheimlichen Augen beobachtet. Plötzlich schoß ein riesiges Etwas aus dem Dämmerlicht. Schreckerstarrt stand der Junge da. Bevor er etwas tun konnte, hatte die Eule auch schon ihre scharfen Krallen in den Arm ihres Feindes geschlagen, der vielleicht, ohne daß er wollte, ihrem Nest zu nahe gekommen war. Ignaz wehrte sich verzweifelt gegen das wütende Tier. Schließlich wußte er sich nicht mehr anders zu helfen, als der Eule ein Bein zu brechen. Im selben Augenblick beobachtete er, wie im Eulenauge ein schwarzer Strich auftrat, der in der Regenbogenhaut fast senkrecht nach unten lief. Lange dachte der Junge nach über das, was er dort im Wald mit der Eule erlebt hatte. Das Brechen des Beines, so die Folgerung Ignaz Peczelys, hatte in der Iris ein Zeichen gesetzt. Jahre vergingen, und Peczely, zuerst Mechaniker von Beruf, bildete sich zum Naturheilkundigen und Homöopathen weiter. Nach vier Seinestern Studium in Wien errang er die Würde eines Doktors der Medizin. Eines Tages beobachtete er bei einem Patienten einen Strich in der Regenbogenhaut, und plötzlich erinnerte er sich wieder an sein Erlebnis mit der Eule. Genauso, wie der Beinbruch einen Strich im Eulenauge verursacht hatte, müßten sich auch andere Krankheiten in der Iris zeigen, folgerte er'. Damit war die Irisdeuterei geboren! Peczely begann nun, die Iris in 12 Abschnitte einzuteilen, und ordnete jedem Abschnitt verschiedene Organe zu. So zeigten sich angeblich in einem schmalen Ring direkt um die schwarze Pupille Krankheiten des Magens. Die Beine hatten ihre Entsprechungen in den Sektoren 6 und 7, die Kopforgane lagen in den oberen Abschnitten der Iris. Auf diese Weise projizierte er zuletzt den ganzen Menschen auf die kleine Regenbogenhaut. Fast zur gleichen Zeit begannen auch andere Naturheiler und Homöopathen die Iris als Diagnosehilfe zu entwickeln. Richtig bekannt wurde die Irisdeuterei erst durch einen Prozeß gegen den Naturheiler und Irisdeuter Felke, auch »Lehmpastor« genannt. Allein in einem Jahr hatte er 15000 Patienten behandelt. Obwohl er behauptete: »Die Irisdiagnose ist unfehlbar, sie irrt nie«, versagte er völlig: Vor Gericht sollte er 20 Patienten die Diagnose aus der Iris stellen. Dabei stellte er bei einem Mann mit der Geschlechtskrankheit Syphilis folgende »Krankheiten« fest: »Pupillen nicht gleichmäßig, vermutlich Wurmplage. Trinkt gute Boullion und guten Kaffee, träumt viel nachts, Füße kalt, Blutdrang, Schmerzgefühl des Leibes, verbunden mit Schmerzen im Kreuz, muß einmal hart auf die Beine gesprungen sein, hat leicht Migräne, Magenschmerz, neigt zu Gallensteinen.« Die wirkliche Krankheit erkannte er nicht. Genauso ging es ihm mit weiteren 19 Patienten. Die Irisdiagnose begann jedoch ungehindert ihren Siegeszug durch die Welt der Abergläubischen. Das Auge - die Öffnung der Leber? Wenn ein chinesischer Arzt vor 4000 Jahren einen Patienten untersuchte, so bediente er sich damals schon einer Art von Irisdiagnose. So, wie das Schicksal des kleinen Menschen von den Sternen des großen Kosmos abhängig sei, so zeigten sich nach chinesischer Denkweise auch die Krankheiten und Organe des großen Menschen im kleinen Auge: Der Mikrokosmos entspricht dem Makrokosmos. Für die Chinesen war die Iris die Öffnung der Leber. Wer sie genau untersuchte, der konnte dort alle Krankheiten der Leber erkennen. Doch sie sahen noch mehr am Auge: das obere Augenlid entsprach der Milz, das untere dem Magen, das Weiße des Augapfels zeigte Krankheiten der Lunge, die schwarze Pupille die Funktion der Niere. Der innere

Augenwinkel entsprach dem Herzen, der äußere schließlich gab Auskunft über Herz und Dünndarm. Die graue Eminenz im Hintergrund der heutigen Naturheilkunde, Paracelsus, sah das Auge als Mikrokosmos, den Menschen als Makrokosmos und schuf Verbindungen zur Astrologie'. Die Entsprechungslehre von Makrokosmos und Mikrokosmos bildet aber nicht nur die Grundlage der Astrologie, sondern auch des Handlinienlesens, der Magie sowie der Akupunktur und der Fußreflexzonenmassage, wie wir das schon in früheren Kapiteln gesehen haben. Und diese Lehre war unter den Naturheilpraktikern zur Zeit Ignaz Peczelys nicht weniger verbreitet als in unseren Tagen. Der Astrologe Libra schrieb zu Beginn des 19. Jahrhunderts unter dem Thema »Zodiacus, des Auges«: »Warum muß alles, was im Körper geschieht, in der Iris ausgedrückt sein? Aus dem selben Grund, aus dem sich im Menschen alles abspielt, was im Kosmos vorfällt. Im Auge spiegelt sich der Kosmos des Menschen ab im Augenblick, wo er geboren wurde, sowie auch die Äußerungen, die darin seit jenem Zeitpunkt stattfanden. Es ist nicht nötig, darauf hinzuweisen, daß diese Spiegelung ebensogut in jedem anderen Teil des Körpers stattfindet, aber die Iris eignet sich zur Wahrnehmung am besten.« Es fügt sich nahtlos in dieses Bild, daß die Zwölfereinteilung der Iris, wie sie die Irisdeuter annehmen, auf die Feldereinteilung des astrologischen Tierkreises zurückgehen soll. Viele Irisdeuter unserer Tage leugnen schamhaft die Herkunft ihrer Kunst und versuchen ihre Arbeit mit vielen pseudowissenschaftlichen Erklärungen salonfähig zu machen. Die Tatsache bleibt jedoch bestehen, daß auch sie eine diagnostische Methode auf dem Boden östlicher Philosophie und magischer Vorstellungen anwenden. Das Wunder des Auges Das menschliche Auge ist eines der wunderbarsten Organe unseres Körpers. Nur so groß wie ein Tischtennisball, vermittelt es uns doch das Schönste, was wir kennen: die farbige Welt des Lichts und der Formen um uns herum; das leuchtende Rot der Rosen, das Azurblau des Meeres, das helle Grün des Frühlings. 6 Millionen Zäpfchen (für das Farbsehen) und 120 Millionen Stäbchen (Schwarz Weiß Sehen) finden sich in der Netzhaut eines Auges. Die von ihnen gesammelte Information wird im Gehirn verarbeitet und gespeichert. Im Auge selbst sorgt ein wunderbares System dafür, daß trotz extremster Lichtbedingungen immer die genau richtige Lichtmenge auf die Netzhaut auftrifft. Ein wesentlicher Bestandteil dieses Systems ist die Iris oder Regenbogenhaut Ist sie stark angefärbt, so sind die Augen braun; enthält sie wenig Pigment, so erscheinen die Augen blau. Die Farbe der Regenbogenhaut erben wir von unseren Eltern. Durch das fein aufeinander abgestimmte Spiel des Pupillarmuskels wird die Pupille in der Dunkelheit weit, während sie sich im hellen Licht der Sonne auf Stecknadelkopfgröße verengt. Um diese andauernde Bewegung durchzustehen, ist die Iris aus feinsten Bälkchen schwammartig aufgebaut, ähnlich den Lamellen einer Blende beim Fotoapparat. Je nachdem, wie das Licht in diese speichenartig angeordneten Bälkchen einfällt, entsteht ein unterschiedliches Muster, das dazu noch bei jedem Menschen einzigartig ist, genauso, wie jeder Mensch seinen eigenen unverwechselbaren Fingerabdruck hat. Dieses Muster hat keine weitere Bedeutung. Aus der Anordnung der Bälkchen und aus deren Farbe Krankheiten herauslesen zu wollen, ist genauso hoffnunglos, wie wenn man aus den Fingerabdrücken eines Verbrechers herausfinden wollte, ob er sich einmal ein Bein gebrochen hat. Was kann denn nun der Arzt im Auge sehen? Selbstverständlich kann er bei genauer Untersuchung alle Krankheiten feststellen, die am Auge selbst auftreten. Hier interessieren uns jedoch besonders die Körperkrankheiten, die sich unter anderem auch am Auge zeigen.

Beginnen wir mit der weißen Bindehaut. Es ist allgemein bekannt, daß eine Gelbsucht sich zuerst an der Bindehaut oder Sklera zeigt. Dies hat seinen Grund darin, daß der Gallenfarbstoff am besten auf weißem Hintergrund zu sehen ist, obwohl er genauso auch in die übrige Haut eingelagert wird, die jedoch meist ein wenig dunkler ist. Hinter einer »Gelbsucht« können sich die verschiedensten Erkrankungen verstecken: eine harmlose Stoffwechselstörung oder ein bösartiger Tumor in der Bauchspeicheldrüse, Schwierigkeiten der Leber mit der Verarbeitung eines Medikaments (häufig die »Pille«) oder aber eine Entzündung der Leber durch Viren. Die Liste könnte seitenlang fortgesetzt werden, wollte man alle bekannten Krankheiten aufzählen, die zu einer Gelbfärbung führen. Viel weniger häufig als gelbe sind blaue Skleren, die bei einer seltenen Knochenkrankheit auftreten. Die Hornhaut kann bei einer Viruserkrankung (Herpes) mit betroffen sein. Sie reagiert aber auch besonders empfindlich bei Austrocknung oder bei verhältnismäßig leichten Verletzungen. Oft entwickelt sich dann ein Geschwürchen, und die verbleibende Narbe ist weiß und undurchsichtig, so daß das Sehen schwer beeinträchtigt sein kann. Bei vielen älteren Leuten kann man einen grauen Ring sehen, der jedoch nur eine harmlose Farbstoffablagerung darstellt. Selten ist auch die Linse bei allgemeinen Erkrankungen mit betroffen. Der Mangel gewisser Vitamine oder die Einnahme von Medikamenten kann zu einer Trübung der Linse führen, die dann das Sehen stark beeinträchtigt. Schwere Veränderungen der Linse können schon bei einem Baby auftreten, wenn seine Mutter während der Schwangerschaft die Röteln durchmachte. Besonders ergiebig ist für den Arzt die Spiegelung des Augenhintergrundes. Hier kann er nicht nur die Netzhaut beobachten, sondern auch die Blutgefäße und den Sehnerv. Die Blutgefäße zeigen so wichtige Krankheiten wie Arterienverkalkung und Zuckerkrankheit. Der Sehnerv kann z. B. bei einem Hirntumor oder bei einer Drucksteigerung des Liquors (Hirnwasser) verändert sein. Wenden wir uns noch der Regenbogenhaut (Iris) zu, aus der die Irisdeuter so viel herauslesen wollen. Sie ist meist im Rahmen einer Entzündung der Aderhaut mit betroffen und schwillt dann grünlich auf. Ursachen für eine solche Entzündung können Infektionsherde, Tuberkulose, Geschlechtskrankheiten oder seltene Formen des Gelenkrheumatismus sein, wobei neben diesen Augensymptomen noch weitere Anzeichen vorhanden sein müssen, damit die richtige Diagnose gestellt werden kann. Als Arzt mehr herauslesen zu wollen, wäre vermessen. Leberschrumpfung oder kleiner Finger? Weil sich die Arbeit eines Irisdiagnostikers nicht mit der Untersuchung des Arztes vergleichen läßt, soll hier immer von Irisdeuterei und nicht von Irisdiagnose die Rede sein. Prof. Schreck, ein bekannter deutscher Augenarzt, schreibt: »Ein gegensätzliches und in keiner Weise damit (mit der ärztlichen Untersuchung) vergleichbares untersuchungstechnisches Verhalten zeigen die Irisdeuter. Sie >ersehen< die Krankheiten des menschlichen Körpers aus normalem Irisgewebe, ja sogar aus einer ganz oberflächlichen Betrachtung der Oberfläche.« Und weiter meint er. »Wir stehen hier also vorder in der ganzen Heilkunde einzigartigen, unerhörten Paradoxie und Groteske, ja Absurdität, daß Leute aus normalem Gewebe Krankheiten erkennen wollen. Diese Unsinnigkeit steigert sich dadurch, daß sie hierbei nicht Krankheiten des untersuchten Gewebes meinen, sondern sogar Erkrankungen von Körperorganen, welche ohne jede organische Beziehungen weit von ihm entfernt liegen ... Was die Irisdeuter meinen und woraus sie Krankheiten des Körpers >ersehen<, sind und bleiben nichts weniger und nichts mehr als einfache Varianten der normalen Struktur und Färbung der Iris, denen keinerlei krankhafte Bedeutung und deshalb auch keinerlei diagnostischer Wert zukommen kann.«

Obwohl jeder Irisdeuter dem Patienten gegenüber behauptet, es gebe nur einen Diagnoseschlüssel zur Iris, hat Prof. Jentzsch nicht weniger als deren 19 gezählt. In einer Tabelle vergleicht er elf Systeme. Dabei sollen sich z. B. zwischen 230 und 240 Grad, d. h. auf der Breite einer Nähnadel, je nach Schlüssel, die Leber, der kleine Finger, der Arm, das Zwerchfell, die Hand, die Rippen, eine Leberschrumpfung, die Achseldrüsen oder die Gallenblase manifestieren. Man schätzt, daß es etwa 10000 Krankheiten gibt. Es ist nicht klar, wie diese alle auf dem kleinen Raum der Iris Platz haben sollen. Wissenschaftliche Untersuchungen Weil eine Diagnose aus der Iris viele aufwendige Untersuchungen ersparen könnte, wurden die Behauptungen der Irisdeuter in vielen Studien ernsthaft überprüft. Wir wollen nur einige wenige herausgreifen. Beginnen wir mit Ignaz Peczelys Beobachtung an der Eule. Eine Veränderung am Eulenauge hätte sich leicht durch Fotografien vor und nach einem Knochenbruch zeigen lassen. Dieser Nachweis konnte nie erbracht werden: Die Irisdeuterei in ihrer heutigen Form begann also bereits durch einen Irrtum ihres Entdeckers. 1957 Konnte Dr. Wöhlisch aufzeigen, was der 11 jährige Ignaz damals gesehen hatte. Er beobachtete, daß beim Lidschluß die Nickhaut von oben innen nach unten außen über die Hornhaut gezogen wird und daß sie bei langsamer Öffnung des Auges gegen die Bewegung des oberen Augenliedes zurückbleibt. Man sieht dann, wie der Rand der Nickhaut als tiefschwarzer, nicht ganz senkrecht verlaufender Strich über die helle Iris zieht. Wöhlisch's Fotos sind so überzeugend, daß diese Deutung wohl richtig ist'. Ein anderer Mediziner untersuchte 762 Patienten mit schwersten Erkrankungen, darunter 60 Amputierte und Kriegsverletzte. Sein Urteil, die Irisdeuterei sei ein Hirngespinst, belegte er mit Zahlen. Von den 762 Patienten hatten nur 18 (das sind 2,7 von Hundert) ein Zeichen im Felde des erkrankten Organs, dagegen hatte fast die Hälfte Krankheitszeichen in Feldern von Organen, die nie erkrankt waren. Derselbe Untersucher machte einen Versuch mit dem berühmten Iridologen Kläser, bei dem Ärzte und Laien Zeuge waren. Als Patienten zeigte man Herrn Kläser Kranke mit sehr schweren Leiden und Verstümmelungen, die man auch als Laie gut erkennen konnte. Nach acht Versuchen wurde das Experiment abgebrochen, weil der »berühmte« Mann nichts als Fehldiagnosen gestellt hatte. Bei einem Patienten mit amputiertem Bein fand er z. B. nur eine »schwere Belastung des Rückenmarks«. Die Liste von wissenschaftlichen Untersuchungen könnte beliebig fortgesetzt werden. Eine sehr gute Sammlung hat Prof. Jentzsch in dem Buch von O. Prokop, »Medizinischer Okkultismus«, veröffentlicht. In keiner Untersuchung konnten die Irisdeuter ihre Behauptungen durch entsprechende Erfolge untermauern. Warum gelingen doch so viele richtige Diagnosen? Eine Frau berichtete mir: »Vor vielen Jahren ging ich zu einem Augendiagnostiker ins Appenzellerland, weil mir meine damalige Arbeit zu schwer geworden war und ich mich elend fühlte. Er stellte fest, daß ich gesund sei, jedoch Entspannung und Aufbaumittel brauche. Jedoch stellte er »aus heiterem Himmel« fest, daß meine Gallenblase sich schwer tue, und ich sie schonen müsse. Er gab mir Kräuterpillen, die beim Verdauen halfen. Wenige Jahre später stellte ein Mediziner anläßlich einer Routine Untersuchung einen vermutlich angeborenen Ikterus (Gelbfärbung der Haut) fest.« Wie so viele andere war diese Patientin verblüfft, daß der Irisdeuter diese Krankheit schon Jahre vorher festgestellt hatte. In diesem Fall aber ist der Grund nicht weit zu suchen: ein angeborener Ikterus zeigt sich an- und abschwellend immer wieder auch in der weißen Bindehaut des Auges,

wie wir das im vorhergehenden Abschnitt gesehen haben. Der Irisdeuter hatte in diesem Fall also seine Diagnose nicht aufgrund der Struktur der Regenbogenhaut gestellt, sondern wie später auch der Arzt die Gelbfärbung der Sklera beobachtet. Somit ist der erste Grund für einen diagnostischen Erfolg eine gute Beobachtung des Patienten, Dazu kommt, daß die Patienten oft auch ihre Beschwerden vortragen, so daß man sich bald einige Diagnosen zusammen reimen kann. An zweiter Stelle steht die verschwommene Ausdrucksweise der Irisdeuter. Was heißt, »die Gallenblase tue sich schwer«? Wie Sie vielleicht wissen, gibt es die verschiedensten Möglichkeiten einer Gallenblasenerkrankung, von Steinen über Entzündungen bis zum Tumor. In diesem Fall war es jedoch überhaupt nicht die Gallenblase, sondern in streng medizinischem Sinne die Leber, die durch eine harmlose Stoffwechselstörung Gallenfarbstoffe ins Blut rückstaute. Die meisten Iridologen begnügen sich nicht mit einer einzigen Diagnose, sondern servieren gleich eine ganze Liste. Ein Beispiel ist die Litanei von »Lehmpastor Felke« auf Seite 90. Schon ein kurzer Blick auf die »Diagnosen« zeigt, daß er ja irgendwo recht haben mußte: Denn wer träumt nachts nicht viel? Wer hat nicht manchmal kalte Füße, wer hatte noch nie Rückenschmerzen? »Wer vieles bringt«, schreibt Dr. Jentzsch, »wird manchem etwas bringen.« Und sollte der Deuter einmal ganz daneben gegriffen haben, so hat er noch eine besonders einleuchtende Erklärung in Reserve: Entweder sind es Zeichen, die auf die Krankheiten der Eltern oder Großeltern hinweisen, oder die Zeichen lassen darauf schließen, daß eine »Organschwäche« vorliegt, die in Zukunft eventuell einmal zu einer Krankheit führen könnte. Als dritten Grund für richtige Diagnosen kommen wir nun zu einem Punkt, wo das ungefährliche und amüsante Trickreservoir der Irisdeuter ein jähes Ende findet. Es besteht die Möglichkeit der okkulten Irisdiagnose durch mediale Einflüsse, doch ist diese eher selten. Der Augenarzt Dr. Jaensch schreibt dazu: »Wenn auch nicht bestritten werden kann, daß gelegentlich einmal Hellsehen bei der Augendiagnose eine Rolle spielt, oder daß der Augendiagnostiker als sensitive Person dem Kranken Bewußtseinsinhalte abzapft, so ist doch zu bedenken: Die Medien sind sehr selten, sicher können nicht alle Augendiagnostiker Medien sein.« Es gibt auch okkult arbeitende Irisdiagnostiker, deren Diagnosen dann oft ins Schwarze treffen. Diese Iris »Hellseher«, wie ich sie einmal nennen möchte, sind nach Dr. Koch »medial veranlagt und arbeiten mit verschiedenen Spielformen der Medialität. Die Iris ist nur eine »Kontaktbrücke«, die für ein telepathisches oder hellfühlendes oder trancehaftes Anzapfen des Bewußtseins oder Unterbewußtseins benützt wird.« Und damit sind wir schon bei der nächsten, entscheidenden Frage, die sich unmittelbar aufdrängt: Kann man durch die Irisdeuterei okkult belastet werden? Nach der Erfahrung verschiedener Seelsorger führt keineswegs jede Iris »Diagnose« zu einer okkulten Belastung. Dr. Koch schreibt dazu: »Es gibt mediale, okkulte Diagnosestellungen. Damit keine Mißverständnisse entstehen, will ich erklären, daß es wenig okkulte Irisdiagnostiker gibt. Viele Irisdiagnostiker haben nichts mit Okkultismus zu tun. Der medizinische Wert ihrer Diagnosen ist aber außerordentlich dürftig, in vielen Fällen sogar bedeutungslos.«

Gefährlich ist aber jener kleine Rest, der mit okkulten Mitteln arbeitet. Dabei ist auch der Titel »Dr. med.« keine Garantie für eine neutrale Irisdeutung. Dr. Koch erwähnt in seinem »Okkulten ABC«, daß er Vollmediziner in der Seelsorge hatte, die ihre okkulten Praktiken beichteten und danach aufgaben. Es ist müßig zu fragen, wie man sich vor Heilpraktikern und Ärzten schützen kann, die die Irisdiagnose okkult anwenden. Ein Gespräch mit dem Heilpraktiker bringt zudem oft wenig ein. Die Frage stellt sich vielmehr, ob man einem Patienten eine Diagnosemethode empfehlen kann, die nicht nur auf okkulter Philosophie, sondern zudem auf einem Irrtum des Entdeckers beruht.

8. Kapitel Erdstrahlengefahr - Krebsvorsorge durch Pendeln? Eine der schlimmsten Geißeln der Menschheit ist der Krebs. Jeder dritte Einwohner der westlichen Industrienationen wird einmal an Krebs sterben. Fachleute und Laien stehen hilflos da. Denn weder ist bekannt, weshalb ein Zellverband plötzlich Amok läuft, noch weiß man, wie man dem menschenfressenden Moloch »Krebs« wirksam begegnen kann. Trotz aufwendiger Vorsorge Untersuchungs Programme, trotz modern¬ster chirurgischer Verfahren, trotz riesiger Bestrahlungskanonen hat die Sterblichkeit an dieser unheimlichen Krankheit nicht abgenommen, auch wenn man auf gewissen Gebieten Teilerfolge erzielt hat. Todbringende Erdstrahlen? Wie immer, wenn etwas unheimlich und unerklärt ist, kam es auch auf diesem Gebiet zu einem Wildwuchs von Theorien und Hypothesen, von Spekulationen über die Entstehung des Krebses und von Vorschlägen zur Heilung. Sich in diesem Dschungel noch zurechtzufinden, ist beinahe unmöglich. Der Versuch, das Krebsgeschehen zu erklären, ist längst nicht nur Domäne der Wissenschaftler und Ärzte; immer mehr werden auch Spekulationen von Laien in die Diskussion geworfen und von den Illustrierten ausgeschlachtet. Hierher gehört die Behauptung, daß Krebs, aber auch eine ganze Liste anderer Krankheiten durch Wasseradern und Erdstrahlen hervorgerufen werden sollen'. Nach Stanley Krysiak, einem kanadischen Pendler, werden folgende Krankheiten zu »90 % durch die schädlichen Erdstrahlen verursacht: Gefäßkrankheiten, verschiedene Arten von Krebs, Selbstmord, in der Entwicklung zurückgebliebene Kinder, Geisteskrankheit, Arthritis und Rheumatismus, Diabetes, Magen und Darmkrankheiten (Leber und Niere), Blindheit und Hautkrankheiten.« Er ist davon so überzeugt, daß er schreibt: »Die medizinische Wissenschaft wird keinen wesentlichen Fortschritt machen, wenn sie den größten Faktor, die todbringenden Erdausstrahlungen, nicht berücksichtigt.« Belegt wird diese Behauptung mit Geschichten wiederfolgenden: »Dr. Birkelbach erzählt von einer in Deutschland wohnenden Magd, die in einem Landhaus arbeitete. Sie war bei allen beliebt und schien glücklich zu sein, aber eines Tages versuchte sie sich aufzuhängen. Sie konnte jedoch noch rechtzeitig gerettet werden und wurde ins Krankenhaus gebracht. Dort stieg sie in einem unbewachten Augenblick aus dem Bett und erhängte sich erneut. Dieses Mal konnte sie nicht gerettet werden.« Die Untersuchung durch den Pendler ergab selbstverständlich Erdstrah¬len unter dem Bett der Magd. Andere Ursachen wurden überhaupt nicht erwogen'. In einem anderen Bericht werden die schlechten Schulleistungen der Kinder in Salzburg auf

schädliche Erdstrahlen zurückgeführt: »Die Salzburger Lehrerin Käthe Bachler hatte Hunderte von Schulplätzen, 2000 Wohnungen von schulpflichtigen Kindern, deren Lerneifer immer mehr nachließ, und die Lage der Betten dieser Kinder mit einer Wün¬schelrute getestet und ist zusammen mit 70 Ärzten zum Schluß gekommen, daß Schulkinder lethargisch werden, wenn sie in der Schule über Wasseradern sitzen oder daheim ihre Betten dem Einfluß von Erdstrahlen ausgesetzt sind.« Auch hier wieder kein Wort von anderen Ursachen, nichts über soziale Schwierigkeiten zuhause, keine Miteinbeziehung der Umgebung und schon gar nicht der Gedanke, daß es jedem Schüler ab und zu einmal an Lerneifer fehlt und die meisten das Leben später doch noch gut meistern. Die Lösung ist viel einfacher: an allem sind die Erdstrahlen schuld. Bedenklich muß der Bericht stimmen, weil nicht nur 2000 Familien in Salzburg auf diese Weise mit okkulten Machenschaften in Kontakt kamen, sondern weil auch 70 Ärzte und der Präsident des Salzburger Landesschulamtes voll hinter diesen Praktiken der Lehrerin Bachler standen. Am einträglichsten ist jedoch das Geschäft mit der Krebsangst. Krebs, so die Rutengänger, entstehe zu 90 % bei Menschen, die über einer »Wasserader« schlafen. Ganz besonders schlimm sei es bei Schlafstellen über einer Kreuzung von »Reizstreifen«. Belegt werden diese Aussagen durch immer neue Skizzen von Dörfern, in denen die Wasseradern oder Reizstreifen meist unter den Häusern verlaufen, in denen Patienten an Krebs gestorben seien. Im Jahre 1936 veröffentlichte ein Schweizer Arzt, Dr. Jenny, eine größere Untersuchung mit weißen Mäusen, die angeblich über Erdstrahlen Reizstreifen schneller an künstlich hervorgerufenem Krebs starben als auf »neutralem« Gebiets. Die Versuchsanordnung bot jedoch bei näherem Hinsehen soviele Möglichkeiten zur Manipulation, daß die Ergebnisse bei einer ernsthaften Überprüfung mehrmals widerlegt werden konnten'. Dennoch berufen sich viele Pendler noch heute auf diese Arbeit von Dr. Jenny. Da werden die abenteuerlichsten Erklärungen gegeben: »Der Kampf zwischen den lebenden Körperorganismen und den Mikroben ist ein Krieg zwischen ein und austretenden Wellen.« Jede Zellart soll ihre spezielle Wellenlänge haben. Die schädlichen Erdstrahlen stören dieses Gleichgewicht der Mikrowellen, und dadurch entsteht Krankheit und insbesondere Krebse. Ganz einig sind sich jedoch auch die Pendler nicht: Die einen sprechen von kosmischer Strahlung, »die von der heute kosmologisch erkennbaren Grenze des Universums ausgeht und es isotrop durchstrahlt.« Andere pochen auf Strahlen aus dem Erdinnern. Ein neues Schlagwort hat die Physik mit dem Begriff »Mikrowelle« geliefert. Mikrowellen helfen beim Backen und Kochen, Mikrowellen senden aber auch die Radar Systeme am Flughafen aus. Auch die Ultra-Kurz Wellen von Radio und Fernsehen sind Mikrowellen. Während die erwähnten Wellen alle physikalisch meßbar sind, ist das mit den Mikrowellen, die Krebs hervorrufen sollen, anders: Sie kann man nur durch die Wünschelrute erfassen. Sie seien nämlich so schwach, daß sie mit herkömmlichen Geräten nicht erfaßt werden könnten. Da taucht doch unmittelbar die Frage auf: Wie kann der Wünschelru¬tengänger aus dem ganzen Mikrowellensalat, der uns ständig umgibt, genau die Wellen herausspüren, die so schwach sind, daß man sie nicht einmal messen kann? Eine Antwort sind die Pendler bis heute schuldig geblieben. Ja, sie geben sogar selbst zu, daß die Forschung das Phänomen der Wünschelrute bis heute noch nicht klären konnte. Der Talisman im Schlafzimmer Daß ihre Behauptungen nur auf einer okkulten Grundlage beruhen, hindert viele Pendler nicht daran, ihren Patienten Abschirmgeräte gegen die schädlichen Erdstrahlen zu verkaufen. Der Bonner Gerichtsmediziner Prof. Prokop hat eine Liste von 50 verschiedenen Geräten zusam¬mengestellt. Es ist sicher interessant, einmal zu sehen, was da alles als Abschirmgerät installiert oder unters Bett gestellt wird: Kupferspiralen und Bakelit Teller, Flaschen mit

»magnetisch aufgeladenem« Wasser oder Öl, Farnkraut, Drahtschlingen, auf Schnüre aufgereihte Kastanien werden empfohlen. Dazu kommen unzählige Geräte mit mehr oder weniger aufwendigen Konstruktionen: Manchmal enthalten sie eine Taschenlampenbatterie, eine Drahtschlinge und einen Kondensator. Damit es komplizierter aussieht, wurde ein anderes Gerät auch noch mit einem stufenweise verstellbaren Schalter versehen, der im Nichts endet. Jedoch wie ein solcher Apparat wirkt, kann keiner so recht erklären . . . Rutengänger im Test Wir haben bereits gesehen, daß selbst in einer Pendlerzeitschrift zugegeben wurde, daß die Forschung das Phänomen der Wünschelrute nicht klären konnte. Als Laie auf physikalischem Gebiet könnte man sich aber immerhin vorstellen, daß der Wünschelrutenausschlag irgendwie von elektrischen Wellen oder durch magnetische Energie beeinflußt oder ausgelöst wird. Wiederholte Versuche sind jedoch allesamt negativ verlaufen. Zum Problem der Mikrowellen haben wir schon angetönt, daß die Behauptungen der Wünschelrutengänger nicht zutref¬fen. Ein Magnetfeld kann vom Menschen nicht festgestellt werden. 1954 wurden in Holland Versuche gemacht, in denen Rutengänger verschieden starken Magnetfeldern ausgesetzt wurden, die allesamt stärker waren als das natürliche Magnetfeld der Erde. Die Versuchspersonen konnten nicht feststellen, wann ein Feld aufgebaut war und wann nicht. Bleibt noch die These von der »spezifischen Wasserstrahlung«: Warum strahlt denn nur unterirdisches Wasser, nicht aber jenes an der Oberfläche? Wie ist es physikalisch möglich, daß eine »Wasserader« (selbst dieser Begriff ist geologisch nicht haltbar) ihre »Strahlung« so stark gebündelt abgibt, daß man sie noch im 20. Stockwerk eines Hochhauses feststellen kann? Warum soll gerade hier das physikalische Prinzip der Strahlen Streuung nicht Anwendung finden? Die Antwort auf diese Fragen bleiben die Pendler schuldig. Statt dessen verschanzen sie sich hinter einem Wust von pseudowissenschaftlichen Abhandlungen, in denen Namen von Professoren und anderen berühmten Persönlichkeiten angeführt und physikalische Begriffe wahllos aneinandergereiht werden. Statt »Pendlerei und Fluten¬geherei« wird heute der viel wissenschaftlicher klingende Name »Radiästhesie« verwendet. Auf den Laien macht das natürlich einen gewaltigen Eindruck. Weniger beeindruckt sind alle diejenigen, die die Leistungen verschiedener Rutengänger getestet und verglichen haben. Resultat einer Prüfung von 75 Rutengängern in Neuseeland: »Keine Übereinstimmung, gleiche Ergebnisse (d. h. ebenfalls keine Übereinstimmung) beim Raten.« Meistens ergeben sich so viele Resultate wie Pendler geprüft werden. Sogar in der schweizerischen Zeitschrift der Pendler und Rutengänger gibt man dies indirekt zu: »Unbestritten ist, daß sich hier Laborbedingungen störend auswirken können, die kritische Kontrolle häufig ablehnender Wissenschaftler, unterstützt von technischen Me߬geräten, ebenso wie der Druck eines Muß Erfolges. Auch ist in Erwä¬gung zu ziehen, daß nur wenige Versuchspersonen über die Erfahrung verfügen, eventuell auftretende Reize richtig zu deuten.« Enttäuscht wurde auch der Schweizer Professor F. Gassmann von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich. Er wollte nämlich die Strahlung erforschen, die von Pendlern und Rutengängern gemes¬sen wird. 16 teils recht bekannte und angeblich sehr erfolgreiche Pendler stellten sich für den Test zur Verfügung. Unter ihnen befanden sich 11 Ingenieure und Techniker, einer von ihnen war sogar Hochschulprofes¬sor. Professor Gassmann wollte nun zuerst eine möglichst starke Strahlungsquelle finden und schickte die 16 Rutengänger über sieben Felder. Unter jedem lag eine Wasserleitung. Eine führte sogar 16 000 Liter pro Minute. Das Ergebnis: »Man sieht sofort, daß auf keinem der sieben Versuchs¬felder von mehreren Rutengängern übereinstimmende Reizfelder zu finden sind, die sich von einer unzweifelhaft reizfreien Umgebung abheben.

Das . . . aufgestellte Ziel der Versuche (auf sieben Versuchsfeldern gemeinsam sogenannte Reizzonen zu finden) ist also nicht erreicht worden. Es ist uns trotz eingehender Bearbeitung des Materials nicht gelungen, sichere Anhaltspunkte zu finden, die uns die Möglichkeit gegeben hätten, Angaben einzelner Rutengänger vor denen der andern als allein maßge¬bend oder auch bloß als besonders zuverlässig auszuzeichnen.« Die große Wasserleitung »ist von überhaupt keinem der Rutengänger angezeigt worden, währenddem von mehreren Rutengängern an verschiedenen Stellen (im Felde B, offensichtlich beeinflußt durch die sichtbaren Schachtdeckel) nicht existierende Wasserleitungen angegeben worden sind. Es ist nicht gelungen, mit Hilfe der beschriebenen Versuche Reizstel¬len zu ermitteln, die als Grundlage für physikalische Messungen hätten dienen können.« Warum antwortet das Pendel? Trotz dieser vielen negativen Versuche bleibt das Rätsel des Pendels noch immer ungelöst. Der Ausschlag von Pendel und Rute ist eine Realität. Wenn die Kraft, die Wünschelrute und Pendel bewegt, nicht physika¬lisch feststellbar ist, woher kommen dann die Ausschläge dieser Geräte? Welche Kraft wirkt auf die Pendler ein? Warum kann nicht jeder pendeln? Warum überträgt sich die Gabe des Rutengehens oft schlagartig, wenn der Neuling von einem erfahrenen Pendler berührt wird? Diese Fragen bedürfen einer Antwort. Verschiedene Wissenschaftler haben Theorien aufgestellt, wie es zum Ausschlag des Pendels kommen könnte: 1. Auch wenn die Pendler behaupten, sie hielten die Hand völlig ruhig, wenn das Pendel zu kreisen beginne, so machen sie eben doch ganz feine Muskelzuckungen. Dr. W. Reimann vom Gerichtsmedizinischen Institut in Bonn hat in einer längeren Abhandlung die Faktoren zusammengestellt, die selbst bei einem völligen Stillhalten noch zu kleinsten Muskelbewegungen der Hand führen. Diese Zuckungen werden nicht nur von den Muskeln selbst, von der Atmung und von den Kapillarpuls¬wellen der Fingerspitzen hervorgerufen, sondern ganz besonders von Gedankenabläufen im menschlichen Gehirn. Jeder, der schon einmal ein Gewehr in der Hand hatte, weiß, wie unmöglich es ist, trotz größter Willensanstrengung, Korn und Kimme völlig ruhig in eine Linie zu bringen. Je länger man zögert, je nervöser man wird, desto mehr schwankt der Gewehrlauf. Ähnlich ist es beim Mikadospielen: Je zarter man in die Stäbchen hineinzugreifen versucht, je vorsichtiger man es anstellt, desto stärker beginnt man mit der Hand zu zittern, ohne daß man es will. Genauso, sagen die Wissenschaftler, sei es auch beim Pendler und Rutengänger: Die innere Spannung steigere sich auf einen Höhepunkt, auf dem es dann plötzlich, ohne bewußte Absicht, zu einem Ausschlag komme. 2. Pendler beobachten gut und leiten von daher ihre Ergebnisse ab. So weist ein Schachtdeckel meistens darauf hin, daß in der Nähe eine Wasserleitung oder ein Kanalisationsrohr sein muß. Die Beobachtung eines solchen Hinweises löst im Rutengänger die Spannung und führt zum Ausschlag der Rute. 3. Suggestion und Auto Suggestion: Die meisten Pendler stellen »Wasseradern« dann fest, wenn sie bereits wissen, daß in diesem Bett jemand gestorben ist oder in jenem Stall eine Kuh erkrankt ist. Der Gedanke daran löst beim Pendler die erwartete Antwort aus, und das Pendel bewegt sich entsprechend. Dr. Reimann schreibt: »Diese Hand ist aber nur gewissermaßen ein Außenwerk der psychischen und emotionalen Person des Pendlers.«

Auf Suggestion und Autosuggestion beruht denn auch oftmals die »Heilwirkung« der Erdstrahlen Abschirmgeräte. Psychosomatische Faktoren dürften auch hier eine wichtige Rolle spielen. Läßt der Glaube an das Gerät nach, so kommen auch die Schmerzen wieder. Alle diese Theorien zeigen etwas ganz deutlich: Nicht eine physikalisch meßbare Kraft bewegt Pendel und Rute, sondern die Macht des Unterbewußtseins, die Kraft des Geistes bringt die Schwingungen hervor. Geistig völlig passiv bleiben Einen Faktor berücksichtigen alle diese wissenschaftlichen Untersu¬chungen nicht: Die Beeinflußbarkeit des menschlichen Geistes durch okkulte Kräfte. Unter dem Thema »Die geistige Haltung beim Pendeln« gibt ein Pendler folgende Anweisungen: »Objektive Ergebnisse können wir daher nur erzielen, wenn wir bei unseren Versuchen geistig völlig passiv bleiben.« Ein anderer schreibt: »Einzig . . . eine absolut in jedem Falle vorurteilsfreie Haltung kann regelmäßige, erfolgreiche Resultate liefern«. Mit andern Worten: Wer aufrichtig betet, wird nicht erfolgreich pendeln können, denn er ist nicht mehr vorurteilsfrei. Geistige Passivität genau das ist das Ziel jeder Form von Yoga und Meditation. Es erstaunt daher nicht, daß man in den Veröffentlichungen aus Pendlerkreisen auf Schritt und Tritt hinduistischem Gedankengut begegnet. Die Idee von Mikro und Makrokosmos, die wir schon bei der Akupunktur, der Fußreflexzonenmassage und der Irisdiagnose kennen lernten, fehlt hier genauso wenig wie der Hinweis auf die alles durchströmende Lebenskraft oder das Prana (die hinduistische Vorstellung der kosmischen Weltenergie). Ein schweizerisches Institut für Radiästhesie hat sich den Namen »Mediana« zugelegt. Sein Leiter begründet die Wahl des Namens folgendermaßen: »Es ist nicht Zufall, daß ich den Namen Mediana gewählt habe. Er ist abgeleitet von Meditation (Konzentration, Entspannung) und Ananda (Glückseligkeit). Göttliche Kräfte vereinigen sich in diesem Namen«. Geistige Passivität birgt die Gefahr in sich, daß sich Kräfte eines Menschen bemächtigen, die ihn völlig verändern und zerstören können. Man denke nur an die blinde Abhängigkeit der Ananda Marga Sekte einer hinduistischen Bewegung, von deren geistigem Oberhaupt. Der »Weg zur Glückseligkeit«, wie der Name übersetzt heißt, hat nicht wenige Anhänger in das grauenhafte Ende der Selbstverbrennung geführt. Zu schweren Persönlichkeitsveränderungen führt die Transzenden¬tale Meditation, die ihre Jünger mit Hilfe des »Mantra« in die völlige geistige Öffnung und damit in die Abhängigkeit von widergöttlichen Mächten führt. Die Gefahr der geistigen Passivität zeigt sich auch in der Öffnung für die Hypnose: Nicht wenige spiritistische Medien entdeckten ihre Medialität erstmals nach einer Versenkung in Hypnose. Als eine Maschine, die auch ein Geist bedienen kann, hat der Nobelpreisträger und weltbekannte Hirnforscher Sir John Eccles das menschliche Gehirn bezeichnet. »Normalerweise ist meine Persönlichkeit, der >Geist<, der mein Gehirn bedient«, führt der bekannte Schriftsteller Dave Hunt aus, »aber wenn ich mich in einen veränderten Bewußtseinszustand begebe und einer Macht die Kontrolle übergebe, die ein Spiritist oder Meditationslehrer eine kosmische Kraft nennt oder ein Medium als einen Geist bezeichnet, dann hindert nichts diesen neuen >Geist~, mein Gehirn zu steuern und darin Erlebnisse hervorzurufen, die mir zwar sehr real vorkommen, in Wirklichkeit aber gar nicht stattfinden«. Geistige Passivität ist auch die Voraussetzung für die »Ausbildung der Medien«, wie sie der Spiritualist J. Greber beschreibt: »Er beginnt mit einem kurzen Gebet, hält eine Lesung aus der Heiligen Schrift und denkt über das Gelesene nach. Darauf hält er . . . seine Hand mit einem Bleistift auf ein vor ihm liegendes Blatt Schreibpapier und verhält sich abwartend ohne

irgendwelche geistige Spannung. Wird er zur Niederschrift von Gedanken gedrängt, die ihm mit großer Bestimmtheit inspiriert werden, so schreibe er sie nieder. Wird seine Hand durch eine fremde Kraft in Bewegung gesetzt, so gebe er nach.« Beachten Sie den frommen Rahmen dieser Anleitung zur Entwicklung medialer Fähigkeiten! Lange nicht jeder, der christliche Vokabeln in seinem Munde führt, hat seine Gaben von Gott. Dies gilt auch für diejenigen Pendler, die gutgläubig meinen, Gott hätte ihnen diese »Gabe« gegeben. Watchmann Nee schreibt: »Alle Gedanken und Offenbarungen, die der leere Verstand empfängt, haben ihren Ursprung in bösen Mächten.« Das Pendel - ein Hilfsgerät zur Wahrsagerei Ein ehemaliger Pendler, der sich später bekehrte, schreibt: »Es ist erstaunlich, wie geschickt der Teufel seine Sache tarnt, um unter der Flagge der Wissenschaft auch die >Gelehrten< zu umgarnen. Das Pendel ist nichts anderes als ein Hilfsgerät zur Wahrsagerei«. Der Geist, der den passiven Pendler erfaßt, so meint der Schweizer Seelsorger und Autor eines Buches über das Pendeln aus christlicher Sicht, Hans Schwendimann, ist ein Wahrsagegeist, wie er uns auch in der Bibel des öfteren begegnet. Dies zeigt sich klar darin, daß man beim Rutengehen oder Pendeln nicht eigentlich eine Kraft mißt, sondern Fragen an sein Gerät stellt. Geht ein Rutengänger über ein Feld, wo er Wasser suchen soll, so stellt er verschiedene Fragen, etwa: 1. Ist der gesuchte Gegenstand (z. B. Wasser) vorhanden? Ja oder nein? 2. Wie tief liegt er? (es folgt eine Maßangabe) 3. In welcher Menge ist er vorhanden? (Minutenliterzahl) Genauso wird auch bei der Auswahl von Medikamenten oder bei der Diagnose von Krankheiten das Pendel zur Wahrsagerei benutzt. Die Rutenfühligkeit ist nach dem erfahrenen Seelsorger Dr. Koch ebenfalls eine mediale Veranlagung, die sich meistens in der Nachbar¬schaft von andern Zaubereisünden findet. Wie kann man sich nun eine solche Rutenfühligkeit erwerben? Dr. Koch meint: »Die Gabe, mit der Rute zu gehen oder durch das Pendel Verborgenes aufzuspüren, kann auf dreifache Weise erworben werden: Entweder durch Vererbung von den Vorfahren, zweitens durch Übertragung durch einen starken Okkultisten und drittens durch Experimentieren mit magischen Formeln, wie sie auch in okkulten Büchern veröffentlicht sind.« So kann beispielsweise auch die Behandlung durch einen Magneti¬seur zur Medialität führen, wie dies der ehemalige lutherische Pfarrer und spätere Okkultist Bolte beschreibt: Er hatte mit dem Pendeln aufgrund einer Anleitung in der Zeitung begonnen, und das Pendel funktionierte in seiner Hand! » Ich gehörte also wohl zu den sogenannten Sensitiven, die genügend Od Strom in sich haben. Erst später kam ich dahinter, daß ich das keineswegs von Geburt her hatte. Sondern kurz vorher war ich schwer krank gewesen und durch die Behandlung eines damals sehr bekannten Magnetiseurs... zweifellos in diesem Sinne magnetisch geworden, daß ich mit dieser Kraft dann später selber pendeln lernen konnte. So kann man durch die heilmagnetische Behandlung jeden, der es will und reinen Herzens ist, magnetisch und pendelfähig machen.« Was soll ein Christ tun, wenn er bei sich eine mediale Veranlagung entdeckt, die ihm z. B. das Pendeln ermöglicht? Dr. Koch sagt: »Wenn ein Christ eine mediale Veranlagung in seinem Leben entdeckt, soll er Gott darum bitten, daß er ihm diese Veranlagung wegnimmt. Die Vorstellung mancher Theologen, daß Medialität gereinigt und dann für den Dienst im Reiche Gottes gebraucht werden könne, ist unbiblisch. Das zeigt uns etwa die Geschichte von der Wahrsagerin

von Philippi (Apostelgeschichte 16, 16 18). Wenn ein Christ mediale Kräfte gebraucht, dann wird das zur Schuld, für die er Vergebung braucht«. ... ein Geist der Unzucht hat sie verführt Wünschelrute und Pendel sind jahrtausend alte Formen der Wahrsagerei. Es darf uns daher nicht erstaunen, daß sich schon die Heilige Schrift mit diesen Dingen auseinandersetzte. Der Prophet Hosea klagt: »Sie haben davon abgelassen, auf den Herrn zu achten. Mein Volk befragt sein Holz, und sein Stab soll ihm wahrsagen; denn ein Geist der Unzucht hat sie verführt, daß sie ihrem Gott untreu geworden sind« (Hosea 4,12). Die Worte »Holz« und »Stab« entsprechen den früheren Formen der Wünschelrute. Mose gebietet dem Volk Israel im Namen Gottes: »Ihr sollt euch nicht wenden zu den Wahrsagern noch an die Zeichendeuter; ihr sollt sie nicht fragen, damit ihr nicht durch sie verunreinigt werdet«. Und weiter heißt es über die Wahrsager: »Wer solches tut, der ist dem Herrn ein Greuel«(5. Mose 18,9). Diese Aussagen bleiben mit ihrer ganzen Härte bestehen, auch wenn vielleicht geltend gemacht wird, man tue mit dem Pendel doch vielfach etwas Gutes. Viele Pendelgläubige unter den Christen berufen sich denn auch darauf, daß beispielsweise der Brunnen einer Bibelschule mit der Wünschelrute gefunden worden sei. Andere sagen, es gebe doch auch Evangelisten, die pendelten und Abschirmgeräte einbauten. Das Bestre¬ben vieler Pendler, mit ihrer »Geistergabe« Gutes zu tun, ist anerken¬nenswert, es setzt jedoch nicht Gottes klare Richtlinien außer Kraft. Jesus hat seine Jünger davor gewarnt, daß in der Endzeit falsche Propheten kommen werden, »die große Zeichen und Wunder tun, um womöglich auch die Auserwählten zu verführen«. Und an einer anderen Stelle spricht Jesus vom schrecklichen Tag, an dem die Wahrheit ans Licht kommen wird: »Viele werden an jenem Tage zu mir sagen: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt und in deinem Namen Dämonen ausgetrieben und in deinem Namen viele Taten vollbracht? Und dann werde ich ihnen bezeugen: Ich habe euch nie gekannt. Weicht von mir ihr Übeltäter« (Matth.7,32). Daß die »Gabe« des Pendelns nicht von Gott ist, zeigt sich auch darin, daß aufrichtiges Gebet die Wirksamkeit des Pendels außer Kraft setzt. Ein ehemaliger Pendler erzählt: »Der Pendel schlug bei mir sehr gut aus, und ich habe mit viel Erfolg gependelt. Ich habe diese Fähigkeit als eine Gabe von Gott betrachtet. Die Schwingungen habe ich mir durch die Wirkung magnetischer Kräfte zu erklären versucht. Ich habe viel darüber gebetet. Aber da die Sache mit den Abschirmvorrichtungen immer wieder versagte, kam ich immer mehr in Zweifel und mußte mich fragen: Steckt am Ende nicht doch der Feind hinter der ganzen Sache? Ich fing an, den Herrn mit ganzem Ernst zu bitten, er möge mir doch völlige Klarheit schenken. Ich betete: Herr, zeige mir, ob die Schwingungen des Pendels wirklich von dir sind oder vom Feind! Wenn diese Schwingungen nicht von dir sind, soll das Pendel keine Bewegung mehr machen; wenn die Schwingungen aber von dir sind, so laß das Pendel schwingen! Und das Resultat: Das Pendel blieb stehen! Mit dem gleichen Resultat versuchte ich es noch über zwei anderen Wasseradern zu Hause, bei denen das Pendel sonst immer stark ausschlug. Aber nach dem Gebet machte es auch hier keine Bewegung mehr« (H. Schwendimann). »Betrügerische Kräfte« »Die Hausgötter haben leere Versprechungen gemacht, und die Wahrsager haben trügerische Gesichte gesehen, und sie erzählen erlogene Träume und trösten vergeblich« (Sach.10,2). Würde man statt Hausgötter das Wort »Abschirmgeräte« einsetzen und statt Wahrsager das Wort »Pendler«, so könnten wir die heutige Situation auf diesem Gebiet nicht klarer

zusammenfassen als damals der Prophet Sacharja. Wie in alten Zeiten, so werden auch heute unzählige Menschen, die sich auf Aberglauben verlassen, betrogen. Auch der Prophet Micha kannte diese Situation: »Ihre Propheten wahrsagen um Geld; und dabei stützen sie sich auf den Herrn und sagen: Ist nicht der Herr unter uns?« (Micha 3,11). So mancher Rutenausschlag über einer »krankmachenden Erdstrahlenquelle« wird weniger von deren magnetischen Kraft, als vielmehr vom Geldbeutel des Fragestellers bewirkt. Es ist daher kein Widerspruch, wenn im ersten Teil dieses Kapitels vom Betrug der Pendler und im zweiten Teil von ihren dunklen Kräften die Rede war. Schon der Apostel Paulus warnte die Thessalonicher vor dem, »dessen Auftreten nach der Wirkung Satans erfolgt, unter Entfaltung aller betrügerischen Kräfte ...« (2.Thess.2,9). Menschen, die sich für diese Mächte öffnen, indem sie ihre Wohnung auspendeln und sich Talismane in Form von Abschirmgeräten einbauen lassen, kommen unter einen okkulten Bann. Sie erleben zwar in manchen Fällen eine körperliche Besserung, geraten aber in schwere seelische Nöte. Sie verlieren nicht nur das Interesse an Bibellese und Gebet, sondern entwickeln oft unerklärliche Ängste, Jähzorn, Süchte, sexuelle Probleme, Zwangsneurosen und Depressionen, die bis zum Selbstmord führen können. Doch es gibt auch Befreiung, indem der betroffene Mensch diesen okkulten Bindungen klar absagt. Es ist sehr zu empfehlen, daß man dies in Gegenwart eines erfahrenen Seelsorgers tut. Wenn Sie sich in die Praktiken eingelassen haben, die in diesem Kapitel beschrieben wurden, so bitten Sie Jesus, Ihnen zu vergeben, daß Sie sich mehr auf Wahrsagerei und Talismane verlassen haben als auf ihn. Stellen Sie sich ganz bewußt unter seine Herrschaft, und Sie dürfen sicher sein, daß er Sie aus allen okkulten Bindungen befreien wird.

9. Kapitel Phytotherapie Kräuter gegen Krankheit In den letzten zwanzig Jahren ist der Umsatz an Kräutertees phänomenal in die Höhe geschnellt: 10 000 Tonnen wurden 1977 in der Bundesrepublik Deutschland abgesetzt. Vor 20 Jahren waren es nur 50 Tonnen gewesen. 155 Millionen Mark geben die Deutschen jährlich für heilende Pflanzen aus, meist in Form von Brust , Blasen oder Nerventees. Immer mehr Menschen greifen, wenn sie z. B. ein hartnäckiger Husten quält, nicht gleich zum chemischen Kanonendonner, sondern brauen sich erst einmal einen Bronchialtee. Wer hat nicht schon an sich selbst erlebt, wie wunderbar ein solches Getränk aus Gottes Apotheke so manches kleine Weh Weh kuriert? Die ältesten Heilmittel der Welt Kein Mittel in der Medizin ist so alt wie die Heilkräuter. In allen Kulturen, seien sie hochentwickelt oder primitiv, finden sich Heilkräuter in der Behandlung von Krankheiten. Rund 900 Rezepte enthält der altägyptische Papyrus Eber. Die Ägypter kannten wenigstens ein Drittel der Heilmittel, die in neuzeitlichen Medikamenten Listen verzeichnet sind. Sie heilten nicht nur mit Wachholder, Knoblauch, Fenchel, Thymian, Rizinus und mit vielen anderen pflanzlichen Mitteln, sondern auch mit dem Schlafmohn, aus dem die schmerzlindernden Medikamente Morphium und Codein hergestellt werden, die die Leiden so vieler Kranker unserer Tage lindern. Auch die alten Völker Mexikos hatten einen großen Schatz an Heil-Kräutern: In einem umfangreichen Werk über die »Naturgeschichte der Neuen Welt« stellte der königlich spanische Arzt für West Indien, Dr. Francisco Hernandez, 1200 Drogen und sonstige Heilmittel zusammen, die in der Aztekenzeit verwendet worden waren. Neben Priestern, Wahrsagern und Zauberern

gab es auch kräutersammelnde Apotheker und Ärzte. Aus China sind verschiedene bedeutende Kräuterbücher erhalten, darunter das berühmte Heilmittelbuch »PenTsao Kang Mu« mit wundervollen, sehr detaillierten Abbildungen der einzelnen Pflanzen. Schon im zweiten Jahrtausend vor Christus kannten chinesische Ärzte die Pflanze »Ephedra sinica« gegen Husten und Lungenleiden. Heute enthalten viele Hustenmittel Ephedrin, genau jenen Stoff, der in dieser Pflanze enthalten ist. Wohl die größte Popularität unter den altchinesischen Heilmitteln hat die Ginseng Wurzel erreicht, die heute tonnenweise gegen Impotenz und Müdigkeit genommen wird. Wissenschaftliche Forschungen haben nachgewiesen, daß die Wurzel, die einem verhutzelten Männchen gleicht, wirklich Stoffe enthält, die in einer milden Art anregend wirken. Es gäbe noch viel zu erzählen von Pflanzen und Heilkräutern in den alten Hochkulturen von Babylonien, Peru und Indien, von Griechenland und Rom. Überall begegnen uns, unter dem Staub der Jahrtausende begraben, versteckt in umfangreichen Büchern voll seltsamer Mixturen und magischer Beschwörungen, Heilkräuter, deren Wirkung in unserem Jahrhundert neu entdeckt und wissenschaftlich bewiesen wurde, Auch in der Bibel finden wir Ansätze für eine Behandlung mit pflanzlichen Mitteln. Im 2. Buch der Könige 20, 7 lesen wir von Jesajas Rezept für König Hiskia: »Und Jesaja sprach: Bringt eine getrocknete Feigenmasse her! Und als sie eine solche brachten, legten sie dieselbe auf das Geschwür, und er wurde gesund.« Während des Mittelalters waren es die Mönche in Europas Klöstern, die das Wissen über die Heilkräuter weiterpflegten. Das Kräuterbuch des Klosters St. Gallen in der Schweiz (geschrieben im Jahre 820 n. Chr.) beginnt mit den Worten: »Im Namen Christi hebet an die Kunst der Medizin.« Der wohl bekannteste Arzt des Mittelalters war Theophrastus Bombastus von Hohenheim, kurz Paracelsus genannt, der von 1493 bis 1541 lebte. In seiner Person verbanden sich christliche Mystik, östliche Naturphilosophie und schwarze Magie. Auf der einen Seite predigte er seinen Zeitgenossen: »Der Kranke, der auf die Arznei hofft, ist kein Christ; der aber seine Hoffnung auf Gott setzt, der ist ein Christ.« »Daneben«, so schreibt der bekannte Psychoanalytiker C.G. Jung, »drängt sich aber bei ihm der Erdgeist hervor in einem Maße, das oft beinahe erschreckend wirkt: es gibt sozusagen keine Form der Mantik und Magie, die er nicht entweder betreibt oder empfiehlt.« Wohl spricht er von dem Gott, der »den Kräutern Macht und Kraft gegeben hat, den Menschen von seiner Krankheit zu befreien, auf daß er nicht allzu bald vom Tode überwunden werde.« Doch sein wahrer Gott ist die Natur, seine Lehrmeister sind dämonische Kräfte. Ja, er machte es sogar den Ärzten seiner Zeit zum Vorwurf, daß sie nichts von Magie verständen. Die Werke von Paracelsus haben die späteren Heilpraktiker nachhaltig beeinflußt, und seine Gedanken bilden noch heute in großem Maße die Grundlage der Naturheilkunde. Dieses Spannungsfeld von oberflächlicher Gläubigkeit und tiefem Okkultismus kennzeichnet viele Kräuterkundige durch alle Jahrhunderte hindurch bis in unsere Zeit hinein. Kräuter gegen Krebs - Schulmedizin von heute Ohne pflanzliche Mittel könnten wir uns eine moderne Medizin nicht vorstellen. Viele Mittel, von denen man es nie denken würde, stammen aus dem Reich der Pflanzen. Wußten Sie z. B., daß die wichtigsten Medikamente im Kampf gegen den Krebs pflanzlicher Natur sind? Die Alkaloide Vinkristin und Vinblastin stammen aus einer madegassischen Form des

Immergrün. Mit ihrer Hilfe konnten dramatische Erfolge bei der Hodgkin'schen Krankheit, bei der akuten lymphatischen Leukämie und beim Wilms Tumor, einem kindlichen Nierentumor, erzielt werden. Wo es früher keine Hoffnung mehr gab, erleben Patienten heute Remissionen (weitgehende Besserung ihres gesundheitlichen Zustandes) in 80 bis 99 Prozent der Fälle dank dieser pflanzlichen Medikamente, Viele pflanzliche Wirkstoffe beeinflussen das Nervensystem. Die wichtigsten Schmerzmittel sind pflanzlicher Herkunft. Statt Aspirin können Sie auch ein Extrakt aus Weiden oder Pappelrinde zu sich nehmen. Beide enthalten den gleichen Wirkstoff, nur ist die Tablette sicherer zu dosieren. Zudem enthält sie einen neutralisierenden Zusatz, damit der Wirkstoff, die Acetyisalicyl Säure, die Magenschleimhaut nicht so sehr angreifen kann. Von der Bedeutung des Schlafmohn Saftes, aus dem das Morphium und seine Abkömmlinge stammen, haben wir schon gesprochen. Fast so wichtig wie das Messer des Chirurgen ist ein pflanzlicher Wirkstoff, der in der Narkose zum Erschlaffen der Muskulatur gebraucht wird: das indianische Pfeilgift Curare, Auf einem weiteren Gebiet leisten uns Pflanzen unschätzbare Dienste: Die meisten Menschen sterben in den Industrieländern an Herz Kreislauf Krankheiten. Wo wären wir heute ohne den Stoff des Fingerhuts, ohne Digitalis? Mehr als drei Millionen Amerikaner nehmen dieses Mittel täglich, nur um am Leben zu bleiben. Ohne Digitalis und verwandte Präparate könnte das Herz dieser Patienten seine Aufgabe nicht mehr erfüllen, und die meisten müßten innert kurzer Zeit sterben. Eine andere Killer Krankheit unserer Zeit wird ebenfalls mit Mitteln aus der Pflanzenwelt behandelt: der Bluthochdruck. Vor 1950 war das Schicksal der Hochdruckpatienten unausweichlich: Schlaganfälle, Herz- und Nierenversagen waren die Folge. Dann entdeckte man im Saft der Pflanze Rauwolfia einen Stoff, mit dessen Hilfe die meisten Patienten mit Bluthochdruck ein normales Leben führen können. Die Pflanze war jedoch schon seit Jahrtausenden in der Ayurvedischen Medizin Indiens bekannt, wo sie wegen ihrer beruhigenden Wirkung verwendet wurde. Noch viele andere Krankheiten werden heute in der Schulmedizin mit pflanzlichen Mitteln behandelt: gegen den grünen Star (Glaukom) wirkt ein Stoff der Kalabar Bohne aus Nigeria. Bei Asthma helfen Ephedrin und Theophyllin, und Schleim in den Bronchien löst sich besser durch lpecacuanha Sirup. Unzählige Pflanzen dienen der Regulation der Darmtätigkeit: die einen erzeugen Brechreiz, andere lösen Krämpfe; Bananen stopfen, Rizinusöl bewirkt das Gegenteil. Neue Bedeutung hat die Kleie erreicht, seit bekannt wurde, daß Darmkrebs bei unserer ballaststoffarmen Nahrung viel häufiger auftritt. Diese wenigen Beispiele zeigen, daß man niemals einen Graben zwischen Schulmedizin und der Therapie mit wirksamen pflanzlichen Mitteln aufreißen kann. Wo Wirkungen nachgewiesen sind, wird die Medizin immer wieder auf pflanzliche Heilmittel zurückgreifen. Allerdings können viele Stoffe, die in Pflanzen gefunden werden, chemisch nachgebaut und in reiner Form gewonnen werden. Dies hat zwei Vorteile: 1 . Der Arzt kann genauer dosieren. Es ist leichter für den Mediziner, zwei Tabletten Digitalis zu geben, von denen er genau weiß, wieviel sie enthalten, als zwei Tropfen Fingerhutsaft, in dem die wirksame Heilmittelmenge nicht genau bekannt ist. Die Grenze zwischen Heilung und Vergiftung ist gerade hier schnell überschritten. 2. Giftige Nebenstoffe in pflanzlichen Säften werden ausgeschaltet. Es ist nämlich keineswegs so, daß »biologische Heilmittel« immer ungefährlich sind. Viele Pflanzenstoffe sind hochwirksame Gifte, die nur in der richtigen Konzentration ihre heilenden Kräfte entfalten.

Naturheilmittelhersteller behaupten oft, daß ein Medikament nur wirke, wenn es in seiner »natürlichen Form« verabreicht werde. Also: Vitamin C in einer Brausetablette wirke nicht so gut wie das gleiche Vitamin C in einer Orange. Abgesehen davon, daß eine frische Frucht viel besser schmeckt, konnte der Beweis für diese Behauptung bis jetzt nicht erbracht werden. Was ist Phytotherapie? Das altewissen um die heilende Wirkung der Pflanzen wird heute gerne als »Phytotherapie« bezeichnet (von griechisch phyton = Pflanze und therapeia = Heilung). Die Phytotherapie geht davon aus, daß sich in der Natur immer noch die besten Heilmittel für die meisten Krankheiten finden. Und damit hat sie gar nicht so unrecht. Es ist ein großes Verdienst so mancher Phytotherapeuten, daß sie wieder ein gesundes Mißtrauen gegen die teils schrecklichen »Segnungen« der chemikalien-fütternden Drei Minuten Medizin säen. Daran sind nicht nur die Ärzte schuld. Viele Menschen wollen gar nicht ihr Leben ändern. Sie wollen gar nicht die Probleme ausräumen, die ihnen den Schlaf rauben. Lieber schlucken sie Beruhigungs und Aufputschtabletten. Wenn man einmal tablettensüchtige Ruinen gesehen hat, dann versteht man den Aufschrei der Phytotherapie gegen die Chemie, die Gegenbewegung zurück zu den weniger gefährlichen Heilmitteln nach den Kräuter Rezepten unserer Vorfahren. So gut die eingeschlagene Richtung der Phytotherapie auch ist, darf man ihren Vertretern dennoch nicht unkritisch gegenüberstehen. Geschäftemacherei und okkulte Praktiken haben die Zunft in ein schummriges Zwielicht gerückt, in dem es oft schwer ist, die Grenze zwischen Nutzen für den Leib und Schaden für die Seele zu ziehen. Dennoch wäre es auch hier falsch, alle in den selben Topf zu werfen. Ich möchte im folgenden drei Beispiele von Pflanzen Heilern vorstellen: 1 . Einen Kräuterkundigen, der sich deutlich von der Zuhilfenahme des Pendels in Diagnose und Therapie distanziert. 2 Eine Firma, deren Produkte eindeutig auf einer okkulten philosophi¬schen Basis, nämlich der Anthroposophie, hergestellt werden: die Weleda AG, 3, Pflanzenheiler, die bewußt mit okkulten Hilfsmitteln zu ihrer Diagnose und zu ihrer Therapie gelangen. Heilkräuter in der Volksmedizin Ich habe Menschen kennengelernt, denen es ein echtes Anliegen ist, ihren Patienten und Mitmenschen zu einem gesünderen Leben zu verhelfen. Dafür setzen sie ihr ganzes Leben ein. Insbesondere liegt es ihnen fern, einen Diät und Kräuterkult aufzubauen oder die Auswahl ihrer Heilkräuter durch okkulte Methoden zu treffen. Einer dieser Phytotherapeuten ist. Dr. h. c. Vogel sein Buch »Der kleine Doktor« mit einer Weltauflage von über einer halben Million Exemplaren ist er nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Deutschland, Holland, Skandinavien, den USA und Australien bekannt geworden. Rund 500 000 Familien vom hohen Norden Finnlands bis zu den einsamen Farmen Australiens schlagen hier zuerst nach, wenn sie von Krankheit befallen werden. Der 860 Seiten dicke Band ist eine bunte Sammlung von mehr oder weniger hilfreichen Ratschlägen aus der schweizerischen Volksheilkunde. Natürlich kann der kritische Wissenschaftler so manches darin anzweifeln. Auf der anderen Seite muß dem Buch zugute gehalten werden, daß sich nicht wenige Familien dadurch bei kleineren Weh Wehchen den Gang zum Arzt erspart haben. Es würde manch einem gut tun, die Ratschläge zu befolgen, die A. Vogel bezüglich Lebensführung gibt.

Die Bioforce AG stellt die pflanzlichen Heilmittel her, die von A. Vogel empfohlen werden. An einem sonnigen Herbstnachmittag nahm sich der Betriebsleiter eine ganze Stunde Zeit, um mir die Fabrikation in dem modern eingerichteten Betrieb zu zeigen. Abgesehen davon, daß es sich bei den Grundstoffen der Heilmittel um pflanzliche Extrakte handelt, unterscheidet sich die Herstellung und Abpackung durch nichts von einem pharmazeutischen Unternehmen. Mit einer Hexenküche, wie man sich die Herstellung von Pflanzenheilmitteln gerne vorstellt, hat dieser Betrieb sicher nichts zu tun. Eines Tages hatte ich dann Gelegenheit, den untersetzten, drahtigen und lebensprühenden Naturarzt persönlich kennenzulernen, als er einen Vortrag an der Fachhochschule Konstanz hielt. In einem persönlichen Gespräch konnte ich verschiedene Fragen mit ihm besprechen: Wie findet A. Vogel eigentlich ein neues Pflanzenheilmittel? Er hat dieser Frage ein längeres Kapitel in seinem Buch gewidmet. Wenn er von einer Pflanze den Eindruck hat, sie könnte eine wertvolle Wirkung haben, so probiert er sie an sich selbst aus, sofern sie sicher nicht giftig ist. Damit andere Nahrungsstoffe die Einwirkung der Pflanze nicht stören, fastet er vorher 2 -3 Tage. »Je nachdem wir nun das eine oder andere Kräutlein genießen«, schreibt Vogel, »werden wir feststellen können, daß es entweder die Darm oder die Nierentätigkeit anregt. Es kann auf den Magen reagieren und Appetit verschaffen oder auf irgendeine andere Weise die Körperfunktionen beleben. Wenn man einen gut arbeitenden Körper besitzt, dann kann man auf diese Art leicht gewisse Wirkungen wahrnehmen. Es ist die sogenannte Prüfung des Mittels am Gesunden.« Für den wissenschaftlich geschulten Arzt sind diese Erklärungen weitgehend unbefriedigend, denn wir wissen, wie verschieden Patienten auf das gleiche Mittel reagieren können. Zudem entfalten gewisse Pflanzenmittel, wie zum Beispiel das Digitalis, ihre Wirkung nicht am gesunden, sondern erst am kranken Herzen. Immerhin darf man A. Vogel zugutehalten, daß er bei der Suche nach neuen Mitteln keine okkulten Hilfsmittel wie das Pendel benützt. Damit sind wir schon bei der nächsten Frage angelangt. Was hält A. Vogel von den okkulten Methoden, die viele seiner Kollegen anwenden? In einem Brief an einen Patienten, der ihm dieselbe Frage gestellt hatte, schreibt der Naturarzt, der ein aktives Mitglied der Zeugen Jehovas ist »Ich kann Ihnen offen und ehrlich sagen. daß ich ein Gegner vom Pendeln bin ... In der Bioforce AG gibt es nichts, was mit Okkultismus zu tun hat, denn ich bin ein Gegner dieser dunklen Machenschaften. Ich habe bei den Indianern und Naturvölkern genügend Okkultismus kennengelernt und weiß, daß Satan, der Teufel, dahintersteckt, der die Menschen unter seine Botmäßigkeit bringen will.« In einem Brief an eine andere Fragestellerin schreibt er: »Es gibt viele Naturärzte, die mit Okkultismus zu tun haben, Ich habe mich auch im Verband der Naturärzte ganz offen dagegen gewehrt und gesagt, wenn bei den Verbandszusammenkünften irgendeine Diskussion über den Okkultismus kommt, dann werde ich protestieren. Ich werde dies unter keinen Umständen in meiner Gegenwart dulden, denn man kann Naturarzt sein und auf einer seriösen, korrekten naturwissenschaftlichen Grundlage stehen.« Daß Vogel sich mit diesen klaren Worten viele Feinde geschaffen hat, versteht sich von selbst, Obwohl sich A. Vogel in seinen Briefen sehr klar gegen okkulte Praktiken ausgesprochen hat, kann doch über zwei Dinge nicht hinweggegangen werden, die mich bedenklich stimmen: 1. Wiederholt trat er als Referent an Naturheilerkongressen auf, wo unter anderem auch Akupunktur, Yoga, östliche Meditation und Anthroposophie propagiert wurden. Eine klare Distanzierung von diesen Praktiken wäre meines Erachtens geboten. 2. A. Vogel verschreibt Mittel und erteilt Ratschläge an Patienten, die er nicht persönlich untersucht hat und deren Krankengeschichte er nur ungenügend kennt. So ist mir der Fall einer

78-jährigen Patientin mit Hautkrebs, Asthma und Herzschwäche bekannt, die zu allem auch noch einen sehr schmerzhaften Herpes zoster (Gürtelrose) entwickelte. Ohne ihr Wissen fragte ihre Nachbarin bei A. Vogel an, was man gegen die hartnäckigen Schmerzzustände und gegen das Asthma tun könne. Es folgte umgehend ein Brief mit der Empfehlung von Schondiät, Nierentropfen, Asthmatropfen, Kalktabletten und drei homöopathischen Mitteln (eines in der Potenz D 12). Rückfragen wurden keine gestellt. dafür ein Satz über die Natur des Leidens eingeflochten, der in seiner Vieldeutigkeit des Orakels von Delphi würdig gewesen wäre. Dr. h. c. Vogel ist also das Beispiel eines Kräuterkundigen, der sich in seinem Schrifttum bewußt von okkulten Praktiken distanziert, dem es aber in der Praxis nicht immer gelingt, einen klaren Trennungsstrich zu ziehen zwischen einer sauberen und seriösen Kräutermedizin und dem Treiben seiner Berufskollegen. Weleda Heilmittel: Kräuter mit kosmischer Kraft Gehen wir nun einen Schritt weiter zu Heilmitteln, die bewußt auf einer sog. »magischen« Grundlage aufbauen. Das bekannteste Beispiel sind dabei wohl die Weleda Produkte, die nach den Prinzipien der Anthroposophie hergestellt werden. Hier haben wir es nicht einfach mit Mitteln aus natürlichen Heilkräutern zu tun, dahinter steht eine okkulte Philosophie, die die Zubereitung maßgeblich beeinflußt. Werfen wir zuerst einen Blick auf Rudolf Steiner, den Gründer der Anthroposophischen Gesellschaft. 1861 in der Nähe von Wien geboren, wuchs er in sehr einfachen Verhältnissen auf. Sein Vater förderte den jungen Rudolf in seinem Wissensdurst und ermöglichte ihm, höhere Schulen und schließlich die Universität in Wien zu besuchen. Mit der Kirche wollte der Vater nichts zu tun haben, er bezeichnete sich als »Freigeist«. Sein Sohn Rudolf jedoch begann schon früh über die tieferen Fragen des Menschseins nachzudenken. Bereits mit 17 Jahren hatte er Kants Werke in sich aufgenommen, später folgten Fichte, Hegel, Schelling und schließlich auch Darwin, dessen Lehren Steiner zeit seines Lebens faszinierten und den Anstoß bildeten zu einer eigenen, spiritistisch ausgeschmückten Evolutionslehre. Mit acht Jahren entdeckte der Knabe eine seltsame Fähigkeit, das »Hellsehen«, wie er es nannte. Immer mehr kam er dadurch mit Geistern von Verstorbenen in Kontakt, doch konnte er mit niemand darüber reden, weil ihn seine Umgebung nicht verstand. Steiner schreibt später: »Ich hielt mich damals verpflichtet, durch die Philosophie die Wahrheit zu suchen ... Den gestorbenen Menschen verfolgte ich weiter auf seinem Wege in die geistige Welt hinein.« Nach dem Abitur nahm der damals 18-jährige sein Studium an der Universität Wien auf. Im Zug, der ihn täglich in die Hauptstadt brachte, begegnete er einem kauzigen Kräutersammler, mit dem er über seine Geistererlebnisse sprechen konnte, und der ihn noch tiefer in die mystische Welt einführte. Eine zweite Persönlichkeit, deren Namen Steiner nie nannte, wurde während seiner Studienzeit zu seinem »geistigen Meister«. Er half Rudolf Steiner, sich über seine Sendung klarzuwerden: »Wissenschaft und Religion wieder zu verknüpfen. Gott in die Wissenschaft und die Natur in die Religion einzuführen.« Sein »Meister« zeigte ihm den Weg: »Wenn du den Feind besiegen willst, so beginne damit, daß du ihn zuerst begreifst. Du wirst nur dann Sieger über den Drachen werden, wenn du in seine Haut schlüpfst.« Fortan versuchte Steiner soviel von Wissenschaft und Philosophie zu lernen, wie er konnte. Nach seinem Doktorat arbeitete er sieben Jahre an den Werken Goethes, der ihn sosehr beeinflußte, daß er ihm später mit seinem Zentrum in Dornach in der Schweiz ein Denkmal in Form des »Goetheanums« setzte. Um die Jahrhundertwende schloß er sich der »Theosophischen Gesellschaft« an, in der er sich zum Generalsekretär hocharbeitete. Die Theosophen haben nicht nur ihren Hauptsitz in Indien,

auch ihre ganze Lehre ist dem östlichen Denken entnommen. Das unausweichliche Schicksal, »Karma«, und die Wiederverkörperungslehre, die »Reinkarnation«, bilden Grundpfeiler ihrer Lehre. Der Knabe Krishnamurti wurde zur Reinkarnation Jesu erklärt. Aus verschiedenen Gründen verließ Steiner später die Theosophen wieder, in seiner eigenen »anthroposophischen« Lehre blieben jedoch Karma und Reinkarnation zentrale Punkte. So beruht die Heilpädagogik Steiners, die in über hundert Instituten auf der ganzen Weit praktiziert wird, auf der Voraussetzung, daß »das Schicksal (Karma) die Seelen der Kinder in erkrankte, mißgebildete Leiber geführt hat.« Ziel der Therapie sei es, die Kinder »zu neuen Kräften für die nächste Inkarnation heranreifen zu lassen.« Unter dem Einfluß Steiners wurde auch eine neue Kirche, die »Chri¬stengemeinschaft« gegründet. Genauso wie die Transzendentale Meditation behauptet auch die Anthroposophie, sie vertiefe das religiöse Erleben, ganz gleich, ob man Christ, Jude oder Hindu sei. »Geisteswissenschaft kann im höchsten Maße und insbesondere auch mit Bezug auf das Christus Mysterium eine Stütze, eine Unterbauung des religiösen Lebens und der religiösen Übung sein.« Wenn Steiner auch viele christliche Begriffe gebraucht, so müssen wir uns trotzdem klar sein, daß seine Lehre weit entfernt ist vom biblischen Bild der Wirklichkeit. Jesus ist für ihn nicht der Sohn Gottes, sondern ein normaler Mensch. Erst »in der Jordantaufe nahm der Gott, der in der Vorzeit in der außerirdischen Sonnenwelt zuhause war, von einem Menschen, Jesus von Nazareth, Besitz und lebte in ihm die drei Jahre seines Erdenwirkens bis zum Kreuzestod auf Golgatha.« Der Grund für das Sterben Jesu am Kreuz war sein »Mysterienverrat«. Jesus habe die Geheimnisse von alten mystischen und okkulten Geheimlehren verraten und öffentlich zugänglich gemacht. Zum Glauben an Christus findet man laut Steiner nicht durch ein Übergabegebet, sondern durch eine spezielle Form der Meditation, durch die in der Anthroposophie das »übersinnliche Wahrnehmungsvermögen« geschult werden soll. In seinem unablässigen Schaffen Steiner schrieb über hundert Bücher und hielt tausende von Vorträgen äußerte sich Rudolf Steiner nicht nur zu Heilpädagogik, Schulerziehung, Kunst, Musik, Landwirtschaft, Theologie und Philosophie, sondern auch zur Medizin. Das grundlegende Werk der anthroposophischen Heilkunde bildet das Buch »Geisteswissenschaft und Medizin«. Darin führt Steiner eine ganz neue »geisteswissenschaftliche« Auffassung vom Menschen ein. Sie ist von der naturwissenschaftlichen Medizin so verschieden, daß es äußerst schwierig ist, sich in die anthroposophischen Theorien einzufühlen. Steiner gründete seine medizinischen Ansichten auf die Astrologie und auf eigene »geisteswissenschaftliche Erkenntnisse«, die er in der Meditation empfangen habe. Eine wichtige Rolle spielen Elemente des Hinduismus, insbesondere die Begriffe Karma und Reinkarnation. Andere Elemente sind der mystisch okkulten Lehre der Entsprechung von Makrokosmos und Mikrokosmos entnommen, die wir schon des öfteren angetroffen haben . Ähnlich wie in der chinesischen Philosophie stellt Steiner Beziehungen zwischen Körper und Kosmos, zwischen Metallen und Heilmitteln her. Wie diese Zusammenhänge abgeleitet werden, ist dem Außenstehenden schleierhaft. Der folgende Textausschnitt mag aber illustrieren, mit welcher Phantasie Metalle mit Planeten, Heilkräften, Geistern, griechischen Göttersagen und wissenschaftlichen Erkenntnissen des beginnenden 20. Jahrhunderts in einem System geordnet werden, das höchstens für Anthroposophie Gläubige logisch ist: »Die durch den Silberprozeß >belebten< Substanzen müssen in den Dienst des ganzen Organismus gestellt werden und dürfen kein Eigenleben erhalten. Sie müssen einer höheren Funktion entgegengeführt werden. Der Prozeß, der dies bewirkt, ist dem Merkur identisch. Seit

alters her werden im Merkur die vermittelnden und verbindenden Kräfte gesehen. Merkur, der Götterbote, vermittelt zwischen Himmel und Erde, zwischen höheren geistigen Wesenheiten und dem Menschen, aber auch zwischen verschiedenen Gebieten. Insofern liegt hier ein UrHeilungsprinzip vor, da viele Krankheiten auf einer mangelnden Vermittlung beruhen: An einem Ort ist substantiell oder prozessual etwas zuviel, was andernorts fehlt. So können Stauungen entstehen, der Merkurprozeß löst sie auf und führt weiter. Deshalb war im Altertum der Merkur der Gott der Kaufleute, denn ihre Aufgabe war es, etwas von einem Ort des Überflusses zu einem Mangelgebiet zu vermitteln. In höherem Sinne ist dies tatsächlich eine heilende Tätigkeit, weshalb der Merkur zugleich der Gott der Ärzte war. Als Organ wird aus den Kräften des Merkur die Lunge gebildet. Sie vermittelt in der Ein und Ausatmung die belebenden und abtötenden Kräfte. Mit diesem typisch menschlich tierischen Atmungsvorgang ist die Grundlage für ein höheres, seelisches Leben gegeben, das über das biologische vegetative Leben hinausgeht.« Der kleine Ausschnitt zeigt, daß es bei den Wirkungen der anthroposophischen Heilmittel nicht einfach um die chemische Wirkung im Körper geht. Vielmehr ist Rudolf Steiner überzeugt, daß die Heilmittel im Mikrokosmos des menschlichen Körpers die gleichen Bildekräfte entfalten, wie die »makrokosmischen planetarisch ätherischen Prozesse« bei der Entstehung der Welt. Empfänglich für diese Kräfte sei der »Ätherleib« des Menschen. »Da der menschliche Ätherleib ein Mikrokosmos, eine Zusammenfassung des ätherisch planetarischen Lebens des Makrokosmos ist, spiegeln sich in ihm nicht nur die ätherischen Saturn , Jupiter usw. Prozesse, sondern auch deren gegenseitige Beziehungen, Konjunktionen, Oppositionen ".<~ Alle diese Begriffe sind der Astrologie entnommen. Wer Heilmittel einnimmt, die nach den Lehren von Rudolf Steiner zubereitet worden sind, der verwendet Mittel, die nach Aussage der Anthroposophen selbst »weit über die einfache Form des Kräutertees hinausgehen«. Kaum ein Akupunkteur baut so stark auf östlicher und okkulter Philosophie auf wie die Anthroposophen. Hier finden wir alle Elemente der taoistischen Krankheitslehre wieder . Der Ätherleib der Anthroposophie entspricht der chinesischen Vorstellung der Energie Ch'i, die den Menschen durchfließt. Für den anthroposophischen Arzt liegt im Ätherleib "der eigentliche innere Heiler«. Auch Yin und Yang finden wir bei Rudolf Steiner wieder unter dem Ausdruck der »Polarität«. Krankheit ist nach seiner Lehre zu deuten »als Ungleichgewicht von Prozessen ... innerhalb der polaren Funktionen im Organismus«. Natürlich war es Rudolf Steiners Nachfolgern ein Anliegen, die kosmi¬schen Bildekräfte in ihre Heilmittel einzufangen. Dazu haben sie verschiedene Verfahren entwickelt. »Es handelt sich dabei eigentlich um alchemistische Prozesse, die nur aus dem Durchschauen dieser Grundlage verständlich werden«, schreibt der Anthroposophen Arzt Dr. Otto Wolff. Bei der Wirkung einer Pflanze auf eine Krankheit komme es nicht in erster Linie auf den Wirkstoff an, sondern auf das »Wesensbild« der betreffenden Pflanze: »Die Kräuterweiber alter Zeiten besaßen ganz gewiß nicht die Fähigkeit für exakte Untersuchungen. Vielmehr lag bei diesen ein anderer Bewußtseinzustand vor. Diese Menschen hatten beim Anblick der Heilpflanzen Empfindungen, die ähnlich waren wie bei den betreffenden Krankheitszuständen. Sie erlebten unmittelbar das Wesen und damit die Wirkung der Pflanze.« Um diese Pflanzenwirkung noch zu steigern, wird sie »kosmischen Kräften« ausgesetzt oder »biorhythmisch«, behandelt. Steiner hatte folgende Anweisung gegeben: »Es wird Aufgabe der guten und heilsamen Wissenschaft sein, gewisse kosmische Kräfte zu finden, welche durch das Zusammenwirken zweier kosmischer Richtungsströmungen auf der Erde entstehen können . . . Das wird das Gute sein, daß man entdecken wird, wie von zwei Seiten des Kosmos her Morgen und Abendkräfte in den Dienst der Menschheit gestellt werden können.«

Als praktische Folge dieser Anweisungen werden die Heilpflanzen für die Heilmittel der Anthroposophen möglichst zu Zeiten gepflanzt, geerntet und verarbeitet, wenn die Sterne in einer »wirksamen« Konstellation zueinander stehen. Durch Bewegungen und durch rhythmisches Erwärmen und Abkühlen sollen dabei kosmische Bildekräfte in das Medikament eingefangen werden. Sehr oft werden die Pflanzensäfte auch nach homöopathischen Grundsätzen verarbeitet. Dabei glauben die Anthroposophen, wie einst Hahnemann, daß durch den Vorgang des Schüttelns kosmische Kräfte in das Mittel aufgenommen werden. Die Konsequenz für Christen sollte klar sein: Wenn wir auch das aufrichtige Verlangen der Anthroposophen anerkennen, zu einem tieferen Verständnis der geistlichen Realitäten zu gelangen, wenn wir auch bewundern, mit welcher Aufopferung sie sich behinderten Kindern widmen und Krebs Kranken durch die Injektion von Mistel Extrakten und durch lange Gespräche neuen Mut zum Leben machen, so können wir uns der Tatsache nicht entziehen, daß die Lehren Rudolf Steiners weit entfernt sind vom biblischen Bild der Wirklichkeit. Die Anthroposophie ist durchdrungen von okkulten Vorstellungen und östlicher Philosophie, und ihre Heilmittel werden bewußt auf dieser Grundlage zusammengestellt und zubereitet. Pflanzensuche mit Pendel und Magie Der bekannte französische Naturarzt Maurice Mességué wurde eines Tages zum Parteipräsidenten der radikalsozialistischen Partei Frankreichs gerufen. Der schwergewichtige Politiker, der nicht mehr der Jüngste war, litt seit Jahren an Rheuma, und keiner seiner Ärzte hatte ihm helfen können. Nun versuchte er sein Glück mit einem Naturheiler. Mességué nahm sein Pendel aus der Tasche und ließ es über dem Patienten kreisen. Mit der anderen Hand nahm er kleine Fläschchen aus der Rocktasche, eines nach dem anderen. Als die Umstehenden sich noch erstaunt fragten, was er wohl mache, war die Untersuchung schon zu Ende. »Morgen bringe ich Ihnen ein Fläschchen Essenz«, sagte er dem Parteipräsidenten. »Warum können Sie mir den Wundertrank nicht sofort geben?« »Mon Président, ich muß ihn erst speziell für Sie zubereiten.« »Geben Sie denn nicht allen Rheumakranken dasselbe?« »Nein. Während ich das Pendel über Ihnen kreisen ließ, habe ich gleichzeitig mit Hilfe dieser Reagenzfläschchen die Pflanzen getestet, die Ihnen helfen werden.« Diese kleine Geschichte illustriert, auf welche Weise viele Naturärzte und Heilpraktiker zu ihrer Diagnose und zu ihrer Therapie gelangen. Wollte man jeden einzeln nennen, der so verfährt, man könnte ein ganzes Adreßbuch füllen, denn sie machen einen Großteil der Naturheiler aus. Wohl einer der bekanntesten unter ihnen war der Schweizer Kräuterpfarrer Künzle. Sein Buch »Chrut und Uchrut« (zu deutsch: Kraut und Unkraut) hat die Auflage von 1,2 Millionen überschritten und ist damit in der Schweiz nach der Bibel das verbreitetste Buch. Die Nachlaßverwalter des kauzigen Kämpfers für Gesundheit und natürliche Lebensweise verarbeiten heute 50 000 kg Heilpflanzen jährlich und verkaufen sie als Lapidar Tabletten und Künzle Kräutertees in rund zwanzig Ländern der Erde. Viele Naturheiler haben einen christlichen Lacküberzug. Mességué bekennt, er sei ein gläubiger Katholik. Künzle war sogar katholischer Priester. Andere Pendler und Naturheiler, wie z. B. der deutsche Pfarrer Johannes Bolte, kommen aus dem protestantischen Lager. Selbst unter evangelikalen Christen herrscht große Uneinigkeit in der Beurteilung des Pendelns. Dr. Kurt Koch

schreibt: »Ich begegnete Ärzten, Pfarrern, Missionaren, selbst Evangelisten, die mit Rute und Pendel arbeiten und der Meinung sind, sie hätten diese Gabe von Gott empfangen. Hier wird die Verführungskunst Satans offenbar, der es verstanden hat, selbst gläubige Christen zu täuschen (Okkultes ABC). Fromme Worte im Mund zu führen, ist noch lange kein Qualitätsmerkmal für einen Naturheiler. Das Pendeln ist eine okkulte Praxis, der in gleicher Weise östliche Philosophie zugrunde liegt wie den andern Methoden, die wir schon betrachtet haben. Auch hier wird davon ausgegangen, daß jeder Mensch und jeder Gegenstand ein eigenes Energiefeld habe, das man zwar nicht mit physikalischen Meßgeräten, wohl aber bei entsprechender Sensitivität mit dem Pendel messen könne. Weil wir auf Pendel und Rute schon im vorherigen Kapitel ausführlich eingegangen sind, will ich hier nur die Anwendung des Pendels in Diagnose und Therapie der Naturärzte beschreiben. Wenn die Harmonie mit dem Kosmos aus dem Gleichgewicht kommt, so äußert sich das nach Aussagen der Pendler auch in der Anzeige des Pendels. Auf diese Weise ist es nicht mehr nötig, viele Fragen zu stellen und eine genaue Untersuchung durchzuführen. Pfarrer Künzle z. B. fand die angebliche Hauptursache eines Leidens gleich mit dem Pendel heraus. Wenn Sie dieses Buch bis hierher gelesen haben, dann wissen Sie auch schon den Grundsatz östlicher Philosophie für die Therapie: Das Energie Ungleichgewicht muß wieder ins Lot gebracht werden. Nach Aussagen des Wiener Physikers Maresch, der auch Grundlagenforschung für die Akupunktur betreibt, hat jeder Gegenstand und jede Pflanze ihre »spezifische Mikrowellen Strahlung«. Das Pendel stellt nun eine möglichst ähnliche Substanz fest, die dem Energiedefizit des Körpers entgegenwirkt. Dazu muß der Heiler ständig in körperlichem Kontakt mit dem Patienten bleiben. Dann stellt er Fragen an das Pendel. Einer von ihnen schreibt: »Ich frage mein Pendel: >Ist das geeignete Heilmittel Ammonium phosphoricum?< Antwortet das Pendel mit >nein<, so gehe ich zum nächsten Mittel über, bis ich das geeignete gefunden habe und das Pendel mit >ja< antwortet.« Dieses Frage und Antwortritual straft die Behauptungen jener Pendler Lügen, die sagen, sie würden damit eine vorhandene Strahlung messen. Wir müssen festhalten: die Pendeldiagnose ist eine Methode der Wahrsagerei und ermöglicht dem Heiler durch die körperliche Berührung eine mediale Kontaktaufnahme, die auch dem Patienten, der sich einem solchen Heiler anvertraut, unter den Bann widergöttlicher Mächte bringen kann. Nicht selten kommt es vor, daß nach einer solchen Behandlung der Patient plötzlich selbst mediale Kräfte an sich entdeckt, die er vorher nicht hatte. Parallel dazu geht ein abnehmendes Interesse an geistlichen Dingen. Weitere Symptome sind, so der erfahrene Rundfunkseelsorger Richard Kriese, Lästergedanken, Krampfzustände, Unruhe, Zwangsgedanken bis hin zu schweren psychischen Störungen (Okkultismus im Angriff). Diese seelischen Schäden sind sehr ernst zu nehmen. Wer meint, er könne mit diesen Dingen spaßen, oder gar glaubt, diese Kräfte kämen von Gott, der gibt dem Teufel den kleinen Finger, dem bald die ganze Seele nachfolgt. Die Bibel macht in Bezug auf jegliche Form der Wahrsagerei, und sei sie noch so fromm verbrämt, sehr klare Aussagen: »Es soll niemand unter dir gefunden werden, der seinen Sohn oder seine Tochter durchs Feuer gehen lasse oder ein Wahrsager, oder ein Wolkendeuter, oder ein Schlangenbeschwörer, oder ein Zauberer, oder ein Bannsprecher, oder ein Medium, oder einer, der einen Wahrsagegeist hat, oder jemand, der die Toten befragt. Denn wer solches tut, der ist dem Herrn ein Greuel«. Wer sich in seiner Suche nach Gesundheit um jeden Preis mit Pendlern einläßt, ist Gott damit ein Greuel.

Wie kann man sich vor okkulten Heilern schützen? Wie schon gesagt, besteht kein Zweifel daran, daß viele Kräuter eine echte medizinische Wirkung haben. Gott hat uns darin die Möglichkeiten gegeben, so manches Leiden zu lindern. Wenn ich vor den meisten Phytotherapeuten warne, so will ich dabei nicht das Kind mit dem Bade ausschütten, d. h. die Heilkräuter verdammen, nur weil sie heute oft von okkulten Heilpraktikern verschrieben werden. Aber wie kann man Heilkräuter gebrauchen, ohne mit den finsteren Praktiken in Berührung zu kommen? 1. Kaufen Sie sich ein Buch, das Ihnen die wichtigsten Anwendungsmöglichkeiten von Pflanzen, Kräutertees und Umschlägen beschreibt. Achten Sie besonders darauf, daß es keine Hinweise auf »schädliche Erdstrahlen« und auf das Pendeln enthält. Hüten Sie sich vor Büchern, die neben guten Ratschlägen auch Beschwörungsformeln zur Heilung verschiedener Leiden enthalten. Im übrigen gibt Ihnen jeder Apotheker gerne Auskunft, welche Tees Sie zu welchen Zwecken verwenden können. 2. Konsultieren Sie vor einer längeren Behandlung mit Mitteln der Pflanzenheilkunde ihren Hausarzt, um eine ernsthafte Erkrankung auszuschließen. Es ist allzuoft vorgekommen, daß durch die Anwendung von Naturheilmitteln wertvolle Zeit verstrich, in der man z. B. eine Geschwulst noch durch eine Operation hätte beseitigen können. 3. Vermeiden Sie jeden Kontakt mit Heilpraktikern, die nicht eine ganz klare Stellung gegen okkulte Praktiken wie das Pendeln, Besprechungsformeln, Handlinienlesen, Magnetopathie und Fernbehandlungen einnehmen. Meiden Sie auch jeden Heiler oder Arzt, der Ihnen Yoga und östliche Meditation zur Lösung Ihrer Probleme anbietet. 4. Beschränken Sie sich beim Kauf von Naturheilmitteln auf Kräutertees derjenigen Marken, die frei sind von jedem Ruch einer okkulten Herstellung. 5. Am wichtigsten: Vertrauen Sie Gott für Ihre Heilung und nicht der Göttin »Natur«. Danken Sie ihm für die Kräuter, die er hat wachsen lassen. Und wenn Sie Ihren Freunden von den phänomenalen Erfolgen Ihrer Behandlung erzählen, so geben Sie dem Schöpfer die Ehre, die ihm gebührt.

10. Kapitel Rätselhafte Phänomene suchen eine Erklärung Was geschieht eigentlich, wenn ein Patient durch einen Heilpraktiker von seinen Schmerzen befreit wird? Wie kann Homöopathie helfen, wenn keine wirksame Substanz in den potenzierten Mitteln enthalten ist? Wodurch lindert Fußreflexzonenmassage Rückenschmerzen und nimmt Depressionen weg? Weshalb schlafen Menschen besser und ohne Schmerzen, wenn sie ein Abschirmgerät unter ihrem Bett installiert haben? Warum gelingt Naturheilern dort ein Erfolg, wo sich Ärzte jahrelang vergeblich abgemüht haben? Viele Christen sind geneigt, sofort die Einwirkung okkulter Kräfte anzunehmen, um zu erklären, wie ein Patient durch einen Heilpraktiker geheilt werden konnte. Ich glaube, wir machen es uns mit einem solchen Rundum Schlag zu einfach.

Fünf Möglichkeiten bieten sich an, um die rätselhaften Phänomene der Heilung durch Naturheiler zu erklären: 1. Der Mensch wäre auch ohne jegliche Therapie wieder gesund ge¬worden. 2. Die Naturheiler lösen mit ihren Mitteln echte, wenn auch heute noch nicht erklärbare Wirkungen aus, etwa über die Nerven oder körpereigene biochemische Stoffe. 3. Die Wirkung kommt über einen Placebo Effekt zustande. 4. Bei der Heilung sind Suggestion oder Hypnose im Spiel, 5. Der Patient wird durch die direkte Einwirkung von okkulten Mächten geheilt. Die heilende Kraft des Körpers Der wichtigste Helfer der Ärzte wie der Naturheilkunde ist die sogenannte Spontanheilung. Was bedeutet dieses Wort eigentlich? Bei vielen Krankheiten ist der menschliche Körper durch die wunderbaren Abwehreinrichtungen, mit denen Gott ihn ausgestattet hat, in der Lage, sich oft mehr oder weniger selbst zu heilen. Sogar Krebszellen werden vom gesunden Körper lange Zeit in Schach gehalten, bis plötzlich ihr Wachstum übermächtig wird. Ein Schnupfen heilt mit oder ohne ärztliches Dazutun in jedem Fall von selbst ab. Dennoch erzählte mir eine junge Frau begeistert von der Wirkung der Fußreflexzonenmassage bei Schnupfen: »Stellen Sie sich vor, bereits nach drei Tagen war er völlig abgeklungen!« Die Ehre und das Geld gibt man dem Heiler, ohne daran zu denken, daß Gott dem Körper die Kräfte gab, die Krankheit selbst zu überwinden. Ein anderes Beispiel sind die Warzen. Ein Mann erzählte mir von seiner Frau, die unter äußerst schmerzhaften Warzen an der Fußsohle litt. Ein Chirurg entfernte sie schließlich, doch nach einem Jahr waren sie wieder da und taten so weh wie zuvor. Nach langem Zögern gab die Frau dem Drängen des Mannes nach und ließ sich von einem homöopathischen Arzt behandeln. Die Monate vergingen, die Frau nahm regelmäßig ihre homöopathischen Mittel, und nichts geschah. »Nach fünf Monaten aber«, erzählte er mir ganz begeistert, »spürte meine Frau plötzlich keine Schmerzen mehr, und einige Monate später waren die Warzen verschwunden. Ist das nicht ein Beweis für die Wirksamkeit der Homöopathie?« Leider nicht. Warzen sind nämlich von Viren hervorgerufene Hautwucherungen, die in einem langen Kampf schließlich von den Abwehrmechanismen des Körpers besiegt werden. »Warzen haben eine hohe Spontanheilungsrate«, schreibt der Kölner Hautspezialist Prof. Steigleder, »doch kann sich diese Heilung Jahre hinauszögern. Plötzliche Abheilungen haben zu der Annahme geführt, daß bei Warzen Suggestivmaßnahmen erfolgreich seien. Eine kontrollierte Studie spricht dagegen.« Weil aber der letzte Versuch einer Behandlung die Homöopathie war, gab dieser Mann alle Ehre seinem homöopathischen Arzt. Doch wer hat die Abwehrsysteme des Körpers erschaffen? Der Arzt ist nur Handlanger Gottes Bei einem Knochenbruch kann der Arzt das gebrochene Glied einrichten und es in Gips legen. Doch schon wenige Stunden nach dem Unfall beginnt ein wunderbarer Prozeß: Freßzellen aus dem Blut räumen das zerstörte Gewebe weg. Dann wachsen neue Zellen ein. Das Blut bringt Nährstoffe und Kalzium heran, und schon bald entsteht eine feste Brücke zwischen den beiden

Bruchstücken. Wenige Wochen später kann der Gips abgenommen werden. Das Bein oder der Arm ist wieder so fest wie zuvor. Hat nun der Arzt das Bein geheilt? Natürlich nicht. Es waren die wunderbaren Einrichtungen Gottes, die zur Heilung des gebrochenen Gliedes führten. Der Arzt tat nur Handlangerdienste. Selbst wenn ein Chirurg eine Operation zur Entfernung einer Krebsgeschwulst durchführt, kann er die Ehre für die Heilung nicht für sich allein in Anspruch nehmen. Ohne die wunderbaren, von Gott gegebenen Reparatur Equipen im Blut und in den Geweben wären alle seine Bemühungen umsonst gewesen. Unbekannte Mechanismen Gibt es aber vielleicht nicht doch Wirkungsmöglichkeiten, die wir einfach noch nicht entdeckt haben? Sind die Heilpraktiker ihrer Zeit voraus, wie es früher die Entdecker der Bakterien waren? Steckt hinter den Naturheilmethoden nicht doch eine Wirkung, die sich eines Tages durch neue Forschungen beweisen läßt? Zumindest für die schmerzlindernde Wirkung der Elektroakupunktur bei der Narkose scheint eine nachweisbare Wirkung vorhanden zu sein. Einige Theorien, die diesen Effekt erklären könnten, habe ich im 4. Kapitel kurz erläutert. Doch wenn Elektoakupunktur bei der Narkose eine wissenschaftlich nachweisbare Wirkung entfaltet, so verliert sie 90 Prozent dessen, was die chinesischen Gelehrten des Altertums und die modernen Akupunkteure von ihrer Nadelkunst behaupten. Übrig bliebt ein System elektrischer Haut und Muskelreizung zur Unterstützung der Narkose, das mit der alten Akupunktur gerade noch den Namen gemeinsam hat. Die Weltseele »Tao«, die kosmische Energie »Ch'i«, die rhythmischen Kräfte »Yin« und »Yang«, die »Harmonie mit dem Universum«, alle diese Begriffe verschwinden von der Bühne. Nicht einmal das Meridiansystem oder das exakte Einstechen der Nadeln an den Akupunkturpunkten ist notwendig, um den schmerzlindernden Effekt zu erzielen, der zu dem noch von Patient zu Patient sehr unterschiedlich ist. Patienten auf der Jagd nach der Gesundheit suchen jedoch gerade jene »magischen«, rätselhaften Methoden der Heilung. Deshalb werden Akupunkteure den wissenschaftlichen Striptease nicht mitmachen. Logisch begründete Heilmethoden verlieren ihren Reiz. Es mag sehr wohl sein, daß man diese Methode zumindest in den Krankenhäusern bald wieder als unpraktisch und unsicher verläßt, um mit Mitteln zu arbeiten, die sich zuverlässiger und einfacher handhaben lassen. Das Land, das den Akupunktur Boom ausgelöst hat, geht bereits auf diesem Weg voran: Schon heute wird in der Volksrepublik China von 20 Patienten nur noch einer mit Hilfe von Akupunktur narkotisiert, und auch dann setzt man daneben noch die Medikamente westlicher Herkunft ein. Das Wundernetz Doch wie steht es mit der Wirkung der Akupunktur bei der Heilung von Krankheiten? Gibt es auch hier Möglichkeiten einer echten Wirkung? Kann Fußreflexzonenmassage wirklich die Durchblutung fördern? Um diese Frage zu beantworten, müssen wir einen Blick tun in das wunderbar aufgebaute vegetative Nervensystem. Jeder Mensch hat zwei Nervensysteme: Das willkürliche und das unwillkürliche (oder vegetative) Nervensystem.

Wenn ich einen schönen rotbackigen Apfel an einem Baum hängen sehe und meine Hand danach ausstrecke, um ihn zu pflücken, so betätige ich mein willkürliches Nervensystem. Mein Gehirn verarbeitet die Sinneseindrücke der Augen, das Lustzentrum wird angeregt. Dann gebe ich meiner Hand den Befehl, sich zu bewegen, die Finger zu öffnen und dann im richtigen Augenblick den Apfel zu ergreifen. Auch wenn alles blitzschnell abläuft, so kann ich doch jede Bewegung mit meinem Willen kontrollieren. Doch es gibt eine zweites System in meinem Körper, das meiner Kontrolle entzogen ist. Es besteht aus feinsten Nervenfasern, die jedes Blutgefäß, jede Schweißdrüse und alle inneren Organe begleiten und umgeben wie ein feingesponnener Kokon. Dieses System nennen wir das unwillkürliche oder vegetative Nervensystem. Trete ich z. B. aus einem dunklen Raum in die helle Sonne hinaus, so verengen sich meine Pupillen in Bruchteilen von Sekunden, ob ich das nun will oder nicht. Oder machen Sie einmal bei warmem Wetter eine Fahrradtour: Ob Sie wollen oder nicht, Sie werden zu schwitzen beginnen. Der Schweiß verdunstet und hält den Körper trotz der Hitze auf einem bewundernswert gleichmäßigen Temperaturniveau. Wenn unser Darm viel zu verdauen hat, so öffnen sich auf Befehl des vegetativen Nervensystems feinste Muskelschleusen in den Blutgefäßen. Es fließt ohne unser Dazutun mehr Blut, um die anfallenden Nährstoffe abzutransportieren. Dasselbe passiert im Gehirn, wenn wir mehr Energie brauchen, um eine schwere Rechenaufgabe zu lösen. Wenn nun die Funktion des vegetativen Nervensystems mit seinen beiden Teilkomponenten Sympathikus und Parasympathikus gestört ist, Können die verschiedensten Krankheiten entstehen: Magengeschwüre, Asthma, Durchfall, Verstopfung, Hautausschläge, Menstrualbeschwerden, Impotenz, hoher Blutdruck, Herzrhythmusstörungen, Kopfschmerzen aller Art bis hin zur Migräne und viele andere Krankheiten mehr. Natürlich kann jede dieser Krankheiten auch andere Ursachen haben, aber sehr oft besteht ein mehr oder weniger starker Zusammenhang mit dem vegetativen Nervensystem. Darmgeschwüre und Psyche Besonders gut erforscht sind diese Zusammenhänge bei der Entstehung von Geschwüren im Zwölffingerdarm. In der Magenschleimhaut liegen eng nebeneinander unzählige von kleinen Drüsenschläuchen, die Enzyme und Magensäure zur Verdauung produzieren. An jedem der Millionen Drüsenschläuche endigen die feinen Fasern des vegetativen Nervensystems. Wenn wir nur schon ein saftiges Hühnchen auf einem Teller sehen, läuft uns nicht nur der Speichel im Mund zusammen, nein, auch unsere Magendrüsen beginnen mehr Säure zu produzieren, um den Leckerbissen verdauen zu können, Streß, Angst, Ärger, Sorgen und Schuld können jedoch das vegetative Nervensystem aus seinem gewohnten Rhythmus bringen. Dadurch werden die Magendrüsen angeregt, viel zu lang und viel zuviel Magensäure auszuschütten. Die Säure läuft in den Zwölffingerdarm und brennt dort ein Loch in die Wand ein Geschwür ist entstanden. Bohrende Schmerzen nach dem Essen, Unwohlsein und Appetitlosigkeit sind die Folgen. Die moderne Medizin hat schon ein ganzes Arsenal an Waffen gegen die »Managerkrankheit« entwickelt. Zuerst versucht man es mit regelmäßigen kleinen Mahlzeiten, um die Säure besser zu neutralisieren. Man schluckt Natronpulver, löffelt aluminiumhaltigen Sirup oder probiert es mit teuren Tagamet Tabletten. Wenn alles nichts hilft, wird eben operiert: Dabei wird der schuldige Nerv, der die Säureproduktion so stark angeheizt hat, durchgetrennt. Nicht selten muß auch der untere Teil des Magens dran glauben.

Wie schön wäre es doch, diese Nerven durch unseren Willen zu beeinflussen, statt sie solch drastischen Radikalkuren zu unterwerfen! Wie schön wäre es, könnte man ihnen einfach den Befehl geben, nicht mehr so viel Säure zu produzieren! Direkt ist das nicht möglich. Natürlich könnte der gestreßte Manager sich in ein stilles Alpendorf zurückziehen und einmal richtig Ferien machen. Dann würde sich sein Nervensystem beruhigen, und damit würden auch die Magengeschwüre ausheilen. Aber so einfach ist das leider nicht! Schließlich muß seine Familie auch leben! Und wie kann jemand, der im dauernden Nervenkitzel lebt, plötzlich zum entspannten Gemütsmenschen werden? Doch es gibt Möglichkeiten, das vegetative Nervensystem zu überlisten, um seine Funktion nachhaltig zu verändern. Wie ist das möglich? Der Weg führt über eine erstaunliche Entdeckung zu einem völlig neuen Verständnis der Naturheilung. Das Placebo Phänomen Vor einiger Zeit erhielten zwei Patientinnen, die unter Kopfweh litten, die gleiche Tablette mit dem Hinweis, daß es sich dabei um ein neues, vielversprechendes Präparat handle. Der ersten Patientin sagte man, die Tablette werde ihre Schmerzen lindern und ihr neuen Elan geben. Der zweiten Patientin wurde gesagt, die Tablette befinde sich noch im Versuchsstadium und könne möglicherweise einige unangenehme Nebenwirkungen haben; es lohne sich trotzdem, sie zu nehmen. Schon am nächsten Tag zeigte sich bei beiden die Wirkung, die man ihnen vorausgesagt hatte. Der einen Patientin ging es wirklich besser, die andere klagte über ein Kribbeln in den Fingerspitzen und über leichtes Magenbrennen. Und doch hatten beide das gleiche Medikament eingenommen. Wie war dieser starke Unterschied möglich? Beiden Patientinnen hatte man ein »Placebo« verabreicht, eine Tablette also, die keinerlei Wirkstoffe, sondern nur Milchzucker enthielt. Die Reaktion der beiden zeigte jedoch, daß die Wirkung einer Tablette nur zum kleineren Teil von der darin enthaltenen Substanz abhängt. Vielmehr kommt es darauf an, weiche Erwartungen der Patient an das Präparat stellt. Das Wort »Placebo«, stammt aus dem Lateinischen und heißt übersetzt: »ich werde gefallen«. Im Mittelalter brauchte man das Wort für einen unterwürfigen Heuchler, einen schmeichelnden Höfling. Die moderne Medizin übernahm das Wort für ein Medikament, das der Arzt einem Patienten aus reiner Gefälligkeit verschreibt, ohne daß es eine wirksame Substanz enthält. Und dennoch verzeichnen Placebos so erstaunliche Erfolge, daß ein bekannter Experte an einem Kongreß feststellte: »Das Placebo ist ein Medikament«! Welche Krankheiten lassen sich denn mit Placebos behandeln? Die Liste deckt sich erstaunlicherweise ziemlich genau mit denjenigen Krankheiten, die auch durch die Methoden der Heilpraktiker geheilt oder gebessert werden können. So kommt es bei einer Behandlung mit Placebos zu einer Besserung bei Schmerzen verschiedener Art in 28 % der Fälle Kopfschmerzen in 62 % der Fälle Migräne in 32 % der Fälle Erkältungen in 45 % der Fälle

Neurosen in 34 % der Fälle Angina pectoris, in 18 % der Fälle Magen Darm Beschwerden in 58 % der Fälle Rheuma Schmerzen in 49 % der Fälle Regelbeschwerden in 24 % der Fälle Im Durchschnitt sprechen etwa 30 bis 40 Prozent aller Patienten sehr gut auf die Behandlung mit Placebos an, etwa ein Drittel reagiert überhaupt nicht darauf. Menschen, die gut auf Scheinpräparate ansprechen, nennen wir »Placebo Responder«. Es ist wohl mehr als Zufall, daß ungefähr gleich viele Menschen, also etwa ein Drittel, bei der Anwendung von Akupunktur, Homöopathie, Phythotherapie und anderen Naturheilmethoden sehr gute Erfolge zeigen. »Sie sind meine letzte Hoffnung!« Wissenschaftler haben festgestellt, daß es bei der Verschreibung eines Placebos sehr auf die Beziehung zwischen Arzt und Patient ankommt: »Je eindrucksvoller und liebenswerter die Persönlichkeit eines Arztes ist, desto ungeeigneter ist er, Arzneimittel zu erproben, da er mit seinem Einfluß unbewußt die Reaktionen des Kranken beherrscht.« In einer Versuchsreihe ließ man ein neues Medikament, eine Beruhigungstablette, von zwei verschiedenen Ärzten verschreiben. »Als Resultat ergab sich, daß die Patienten in der Gruppe des Arztes, der von dem Tranquilizer sehr begeistert war, die besten therapeutischen Ergebnisse zeigten. Dieser Arzt war interessiert an seinen Patienten und genoß deshalb ihr Vertrauen. Er war freundlich, untersuchte die Kranken eingehend, zeigte Selbstbewußtsein und war seiner Sache sicher.« Es gab keine Widersprüche bei ihm. Diese menschliche Haltung war in jeder Weise überzeugend und deshalb die Voraussetzung für ein positives Placebo Phänomen. Die zweite Gruppe, von einem therapeutischen Nihilisten behandelt, reagierte auf das gleiche Medikament sehr unbefriedigend. Dieser Arzt war von seiner, eigenen Problemen erfüllt, abweisend, ärgerlich, launisch. Ihm fehlte die Kraft, den Kranken davon zu überzeugen, daß er von diesem Medikament etwas Gutes erwarten könne: So war denn auch der Erfolg entsprechend negativ. Besonders gut wirkt ein Placebo dann, wenn ein Patient in äußerster Not ist und alles schluckt, was ihm irgendwie helfen könnte. Genau diese Voraussetzung ist bei den Heilpraktikern gegeben. Wie oft hören sie in ihrer Sprechstunde: »Sie sind meine letzte Hoffnung! Dann ist es ganz gleich, was der Heiler tut: ob er nun Nadeln einsticht oder ein Kräutermittel verschreibt, der Patient ist gläubig und willig, alles zu tun, was ihm gesagt wird. Dabei spielt sich, so haben neuere Forschungen ergeben, etwas Interessantes im Gehirn ab: Es bildet sich ein Eiweißstoff mit dem Namen »Endorphin«, der in seiner Wirkung dem Morphium sehr ähnlich ist. Dieser Stoff entfaltet eine starke schmerzlindernde Wirkung und könnte die Erklärung für die wunderbare Wirksamkeit von Placebos und Naturheilmethoden abgeben. Läßt sich hier gläubiges Vertrauen chemisch nachweisen? Die Frage sei dahingestellt, eines ist jedoch sicher: Der Glaube an die Wirkung des Medikaments bewirkt im Patienten ein verändertes Reagieren des vegetativen Nervensystems: die Blutgefäße im Gehirn tun wieder ihren Dienst: die Migräne verschwindet. Die Säureproduktion in den Belegzellen der Magenschleimhaut geht zurück und damit auch die Magengeschwüre.

Die heilende Macht der Suggestion Wenn jedoch der Glaube eine so starke Auswirkung auf den Zustand eines Menschen hat, müßte es auch gelingen, Kranke allein durch die Macht des gesprochenen Wortes zu heilen, sofern ihre Erkrankung in die Gruppe der psychosomatischen Leiden fällt. Die Erfahrung zeigt, daß Suggestion eine große Rolle in der Heilung dieser Leiden spielt. Der französische Apotheker Coué empfahl seinen Patienten die Methode der Autosuggestion. Tausende von Patienten suchten ihn in Nancy auf, vom Schlaflosen bis zum halbseitig Gelähmten. In einem Saal hielt Coué jeden Tag Versammlungen zur Erlernung der Autosuggestion ab. Nachdem er den Hilfesuchenden zuerst mit Hilfe von Experimenten gezeigt hatte, welche Kraft die Suggestion hat, bat er alle, die Augen zu schließen. Dann gab er jedem je nach seinem Leiden einen Satz, den sie sich 20 bis 30 Mal pro Tag einreden sollten: »Schließen Sie jeden Morgen unmittelbar nach dem Erwachen und jeden Abend vor dem Einschlafen die Augen und flüstern Sie mit den Lippen ebenso laut, um ihre eigene Worte zu hören, etwa 20 Mal .... >Es geht mir von Tag zu Tag in jeder Hinsicht besser und besser<«. Coués Methode der Autosuggestion hatte unglaubliche Erfolge. Doch auch die Gefahren sind klar: Die Sätze, die sich die Patienten in ihrer täglichen Morgenmeditation einreden, haben große Ähnlichkeit mit den hinduistischen Mantras, die in ihrer monotonen Rhythmik den Geist für Einflüsse öffnen, die nicht mehr kontrollierbar sind. Die Frage liegt nahe, ob nicht auch in den Heilungs Gottesdiensten einer Kathryn Kuhlman oder eines Dr. Yonggi Cho ähnliche Mechanismen mitgespielt haben. Wenn sich die Veranstaltung ihrem Höhepunkt näherte, wenn das Halleluja immer lauter, die Gebete immer inbrünstiger wurden, war die beste Voraussetzung für eine Heilung durch Massensuggestion gegeben. Auf Anweisung Kathryn Kuhlmans standen manchmal gleich Hunderte von Patienten auf und schwenkten ihre Arme, die sie schon seit langer Zeit wegen rheumatischer Schmerzen nicht mehr bewegt hatten. Viele Menschen glaubten auch wirklich, geheilt worden zu sein. Ein erfahrener Chirurg, der später eine große Zahl von Patienten nachuntersuchte, mußte aber leider feststellen, daß sich zwar mancher »Geheilte« einige Zeit besser gefühlt hatte, dann aber an demselben Krebs verstarb, an dem er auch vor dem »Wunder« gelitten hatte. Meist waren es Kranke mit psychosomatischen Leiden, die eine dauernde Heilung erlebten. Ich will nicht in Abrede stellen, daß auch echte Heilungen geschahen und daß Menschen innerlich und äußerlich in positiver Weise verändert wurden. Dennoch müssen wir bei überschwenglichen Berichten vorsichtig sein. Die großen Erfolge von Heilern aller Art erklären sich durch die Tatsache, daß über 50 % aller Erkrankungen, die der praktische Arzt in seiner Sprechstunde sieht, psychosomatischer Natur sind. Das Problem ist nur, daß der Arzt viel zu wenig Zeit hat, um sich die Beschwerden anzuhören und dem Patienten wirksam zu helfen. Viele Kranke sind enttäuscht und ihre Not steigert sich noch mehr. Die Folge: Sie werden in noch größerem Maße offen für die heilende Kraft der Suggestion. Umfassende wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, daß es »keine Organfunktion des Organismus gibt, die nicht auf suggestivem Wege beeinflußbar ist.« Doch kann nicht nur Heilung durch Suggestion hervorgebracht werden, Suggestion kann auch zu schweren Schädigungen ohne äußere Ursache führen. Allein durch Einreden konnten Forscher allergische Hautausschläge hervorrufen. In einem anderen Fall gelang es, bei einer Versuchsperson eine Brandblase hervorzurufen, allein durch die Vorstellung, es werde ihr eine heiße Münze auf die Haut gelegt. Gleiche Phänomene, im Guten wie im Schlechten, lassen sich auch durch Autogenes Training

oder durch Hypnose hervorrufen. Alle diese Methoden machen Körper und Geist in höchstem Maße empfänglich für Einflüsse von außen. Zauberschlüssel »Glaube« Wichtig bei allen diesen Formen der Suggestion ist der Glaube. Ich möchte noch einen Schritt weitergehen: Wichtig ist die Öffnung des Geistes für eine Einwirkung von außen. Autogenes Training, Autosuggestion und Hypnose haben jedoch eine solch enge Geistesnachbarschaft zur östlichen Meditation, daß Christen sich fragen müssen: Wofür öffne ich mich da eigentlich? Wem glaube ich? Nicht umsonst legt die Bibel solchen Wert auf den Glauben. Der Glaube ist eine mächtige Brücke zur übersinnlichen Welt, die wir nicht sehen. Glaube kann uns in eine Beziehung zu Gott bringen. Der Glaube kann aber auch den Kontakt zu bösen, dämonischen Kräften herstellen. Claude M. Bristol schreibt in seinem Buch »The Magic of Believing«: »Ich habe buchstäblich Tausende von Büchern über moderne Psychologie, Metaphysik, alte Magie, Voodoo Kulte, Yoga, Thesophie, christliche Wissenschaft ... gelesen, Bücher, die sich mit »Geistes material« beschäftigen, wie ich es nennen möchte ... Ein roter Faden läuft durch sie alle hindurch: der Glaube ... Glaube läßt sie alle wirksam werden.« Dasselbe gilt auch für die Heilung durch Heilpraktiker, die vorgeben, sie arbeiteten mit bestimmten kosmischen Kräften, mit Energien, die sie durch Meditation konzentrieren müßten. »Wer sie aufsucht, weiß um das medizinische Nichtwissen dieser Heiler, aber er lebt auch in dem Glauben, daß es solche nicht faßbare, gewissen Menschen gegebene Kräfte gibt«, schreibt der bekannte Psychosomatiker Prof. Arthur Jores. Er fährt fort mit der Feststellung, daß eigentlich kein Unterschied besteht zwischen der Wirkung eines Heilers und dem, was der Zauberer der Primitiven tut: »In beiden Fällen kommt es auf die Gläubigkeit des Patienten und seine möglichst völlige Unterwerfung unter die angewandten Methoden an. Je intensiver die Unterwerfung ist, desto plötzlicher ist die Heilung; das sind dann die Wunder, die sich in den Sprechstunden der Kurpfuscher oder der Außenseiter so oft vollziehen und in unseren Krankenhäusern so selten sind. Man kann hier wirklich von der Kraft des Glaubens sprechen ... « Es bestehe kein Unterschied, »ob es der Glaube an ein neues Heilmittel, an die übernatürlichen Kräfte eines Heilers oder auch an Gott ist. Wenn wir uns einmal fragen, was geschieht in der Haltung des Glaubens, so bedeutet Glaube eine Unterwerfung unter einen höheren Willen. Glauben bedeutet den Verzicht auf das eigene Ich, auf die ganzen Verstrickungen, in denen die meisten Menschen leben ...« Und Prof. Jores wagt nicht auszuschließen, daß es durch diese Glaubenshaltung noch mehr gibt, nämlich »eine direkte Einwirkung von Unbewußtem zu Unbewußtem, von Geist zu Geist ...« »Glaubet nicht jedem Geist« Die Bibel warnt uns vor blindem Glauben an irgend etwas, »wenn es nur hilft«, wie so viele sagen. So schreibt der Apostel Johannes: »Geliebte, glaubt nicht jedem Geist, sondern prüft die Geister, ob sie von Gott sind! Denn es sind viele falsche Propheten ausgegangen in die Welt« (1.Joh.4,1). Es besteht für Christen ein fundamentaler Unterschied zwischen dem Glauben an Jesus Christus und dem Glauben an kosmische Kräfte, die aus einer völlig anderen Philosophie kommen. Wenn Jesus sagt: »Sei getrost meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen« (Matth.9,22), so ist damit etwas anderes gemeint als der unbedingte Glaube, den Lao Tse's Nachfolger verlangten, wenn

ihre Heilmittel und Lebenselixiere wirken sollten. Unkritischer Glaube an geistige Kräfte öffnet diesen Tür und Tor. Der bekannte Parapsychologe Prof. Hans Bender schreibt, daß »die Angst des Patienten und die affektive Bindung und gläubige Hingabe an die Person des Menschen, von dem Heilung oder Besserung erwartet wird, eine günstige Voraussetzung für das Auftreten von Psi Phänomen darstellen.« (Psi ist der 23. Buchstabe im griechischen Alphabet und zugleich der Anfangsbuchstabe des Wortes »Psyche«. Unter Psi versteht man in der Parapsycholo¬gie okkulte Phänomene, die durch geistige Kräfte zustande kommen und durch wissenschaftliche Modelle nicht erklärt werden können). Doch der Glaube ist keine Garantie, daß die Erlebnisse von übernatürlichen Phänomenen immer positiv verlaufen. Obwohl die Transzendentale Meditation »vollkommene Gesundheit« verspricht, haben nicht wenige Meditierende während ihrer Übungen so schreckliche Erlebnisse gemacht, daß sie in psychiatrische Kliniken verbracht werden mußten. Yoga Meister warnen davor, daß böse Kräfte die Macht über den Geist übernehmen können, wenn man sich ihnen öffnet. In ähnlicher Weise muß davor gewarnt werden, sich »magnetischen« oder »kosmischen« Kräften auszuliefern, auch wenn sie durch wissenschaftliche »Forschungen« und »Beweise« oder schlimmer noch durch einen religiösen Anstrich getarnt sind. Neutrale Kräfte? Parapsychologen versuchen mühsam, die okkulten Seiten der Heilpraktiken mit Hilfe von komplizierten Theorien zu belegen. Der Mensch, der nicht an übersinnliche Kräfte glauben will, möchte sich irgendwie vorstellen, wie es »funktioniert«, daß es durch nicht chemische, nicht anatomische, nicht psychische Mittel zum Heilerfolg kommt. Doch schon im Auseinanderhalten von Psychischem und Okkultem tut man sich schwer. Gehören Telepathie, Hellsehen, Rutenfühligkeit oder Magnetismus noch zu den neutralen menschlichen Kräften, die einfach nicht bei jedem in gleicher Weise zutage treten? Ist eine Heilung wirklich erst dann okkult, wenn es zum Kontakt mit persönlichen Geistermächten kommt, wenn eindeutig Magie und Zauberei betrieben wird? Muß ein Patient wirklich erst eine Satansmesse für seine Gesundheit zelebrieren lassen, um okkult belastet zu werden? Oder genügt es schon, sich im Glauben einem Heilpraktiker auszuliefern, der sich auf unmeßbare Energien, unsichtbare Meridiane oder kosmische Potenzen verläßt? Wieweit ist die Heilung durch Paramedizin nur psychisch, wie weit ist sie okkult? »Es ist unmöglich«, schreibt J. Stafford Wright, »eine feste Grenzlinie zwischen okkult und psychisch zu ziehen, weil das Okkulte das Psychische einschließen kann. Wenn Kontakt mit Geistern besteht, werden sich diese der im Menschen schlummernden Kräfte bedienen. So gibt es Menschen, die sich ihrer eigenen latenten menschlichen Kräfte bedienen und gleichzeitig das Werkzeug von Geistern sind, die sich diese Fähigkeiten zunutze machen. Das bedeutet: Wir werden einmal einem Sowohl Als auch gegenüberstehen, ein andermal einem Entweder-Oder. Die Grenzlinie ist also selbst für den Erfahrenen schwer zu ziehen. Die Frage steht im Raum: Sind die Energien, mit denen die Akupunkteure arbeiten, wirklich so neutral? Sind die magnetischen Kräfte, die der Pendler erfühlt, wirklich nur von der Wissenschaft unentdeckte natürliche Schwingungsfelder? Sind die »magnetischen«, Strahlen wirklich göttliche Gaben zur Heilung der Menschen? Wie erklärt sich dann, was J. Stafford Wright in seinem Buch »Der Christ und das Okkulte« schreibt: »Menschen, die diese Fähigkeit bewußt pflegen, neigen allzu leicht zum Bösen wie die schwarzen Magier , oder sie werden machtbesessen wie andere Magier oder Hexenmeister oder pantheistisch bzw. atheistisch wie die Anhänger gewisser Yoga Richtungen, die die persönliche und unpersönliche innere Welt erforschen, ohne den Blick zu dem über allem

stehenden Gott zu erheben.« Brooks Alexander, ein Experte aus der kalifornischen Universitätsstadt Berkeley, sagt: >,Es ist nicht schwer einzusehen, daß eine psychische Manipulation eine anderweitig gutartige Behandlungsmethode in eine geistliche Minenfalle verwandeln kann. Es liegt in der Natur des Arzt Patienten Verhältnisses, daß sich auf manchen Ebenen eine Art des Vertrauens, der Unterwerfung an den Heiler ergibt. Wenn nun ein Christ sich passiv einem Heiler ausliefert, der mit geistigen Kräften rechnet (seien es seine eigenen oder andere Einflüsse, denen er als Kanal dient), so kann es leicht zu geistlicher Verwirrung oder Bindung kommen, Es ist wahrscheinlich, daß keine der östlichen oder okkulten Heilmethoden neutral in sich selbst ist, auch wenn sie bewußt von offenkundig philosophischen Aussagen getrennt wird; der metaphysische Rahmen, dem sie entstammen, durchdringt und umschließt sie derart, daß jedes Detail der Ausübung eng verwoben ist mit dem zugrunde liegenden Glaubenssystem.« Wenn wir also die Kräfte hinter den Naturheilmethoden beurteilen wollen, so müssen wir sehen, weiche Auswirkungen sie auf den Glauben der Heilpraktiker und den ihrer Patienten haben. Die Wahrheit kann sich selbst nicht widersprechen. Übernatürliche Heilungskräfte, die von Gott inspiriert sind, können auch in ihren Grundlagen nicht Gottes Wort widersprechen. Welche Botschaft bringen uns aber die Naturheiler? Dieser Frage wollen wir im nächsten Kapitel nachgehen.

11. Kapitel Die Botschaft der Naturheiler Pir Vilayat Khan, geistliches Oberhaupt des islamischen Sufi Ordens im Westen, stand im gleißenden Rampenlicht der Bühne und leitete den Beginn des Kongresses mit einer Anrufung der Götter ein: »Dem Einen, der Perfektion der Liebe, der Freude, der Harmonie und der Schönheit, in Gemeinschaft mit allen erleuchteten Seelen, der Hierarchie der geistlichen Regierung dieser Welt Rama, Krishna, Shiva, die großen Rishis und Autoren der Veden, Buddha, Hermes. Plato, Sokrates, Plotinus, Zoroaster, Noah, Henoch, Abraham, Moses, Melchisedek, Elia, Hesekiel, Jesaja, Jesus Christus und all die anderen christlichen Heiligen und Märtyrer, Mohammed, Ali und die Sufis ...« Sicher möchten Sie nun wissen, an welchem Kongreß dieses unglaubliche geistliche und theologische Durcheinander als Einleitungsgebet diente. Im Parkett saßen nicht verzückte Blumenkinder, die einen neuen Guru verehrten, sondern rund 3000 Zuhörer aller Alters- und Gesellschaftsschichten, 60 % von ihnen Ärzte und Krankenschwestern. Sie trafen sich im September 1977 zum Symposium der »Association for Holistic Health« (AHH), in San Diego, USA. Das Thema des Kongresses: »Das medizinische Modell der Zukunft erfahren eine gründliche Einführung in die ganzheitliche Medizin.« Neben Vorträgen über die philosophischen und wissenschaftlichen Grundlagen der Naturheilmethoden gab es Seminare und praktische Übungen in Akupunktur, Fußreflexzonenmassage, Kräuterheilkunde, Bio Feedback (eine wissenschaftlich verbrämte Form des Yoga), Transzendentaler Meditation, Yoga, Geistheilung, Hypnose u. a. m.

Die Sehnsucht nach einer neuen Medizin Das Programm dieser »Gesellschaft für ganzheitliche Medizin« entspricht einem Bedürfnis vieler Menschen in der westlichen Welt. Nie zuvor war die Menschheit so offen für eine neue Medizin, für eine neue Heilslehre, wie in unseren Tagen. Zu lange hatte man Körper und Geist auseinander gerissen, in den Krankenhäusern wohl den Leib wiederhergestellt, aber nicht die geistliche Not des Menschen gelindert. Die Sehnsucht nach einer ganzheitlichen Lebensphilosophie, nach einer ganzheitlichen Behandlung des Menschen wird immer größer. Die Wiederherstellung der Gesundheit hat eine zentrale Stellung eingenommen. Wer die mannigfachen Leiden des modernen Menschen zu heilen verspricht; wer ihm verheißt, seinen Streß zu lindern und seine Süchte wegzunehmen; wer ihm Hoffnung machen kann auf »vollkommene Gesundheit« (Transzendentale Meditation), der kann sich des Zulaufs von Patienten kaum mehr erwehren. Noch nie hatten die Heilpraktiker so volle Wartezimmer. Doch was steckt hinter diesem Boom der Neuen Medizin? Warum hat sie so eindeutig religiöse Untertöne? Die Weltreligion der Zukunft Die Bibel spricht davon, daß sich in den letzten Tagen der Welt eine neue Weltreligion entwickeln wird. Der Apostel Johannes schreibt in der Offenbarung vom »Geheimnis Babylon«, einem totalitären System, das politische Macht, wirtschaftliche Kontrolle, religiöse Zeremonien, okkulte Erkenntnis, die Freisetzung psychischer Kräfte und einen Weltführer mit einem begeisternden Charisma miteinander verbindet. Otto Zeit von der amerikanischen Gruppe »Spiritual Counterfeits Project«, deren Anliegen es ist, die heutigen Zeitströmungen aus biblischer Sicht zu analysieren, schreibt: »Die kommende große Weltreligion wird sich uns als Alte Weisheit und »verborgene Wahrheit« anbieten, die in sich alle religiösen Formen der Geschichte einschließt. In Wirklichkeit ist sie jedoch nicht Wahrheit im eigentlichen Sinne, sondern Lüge.« Immer mehr Menschen stehen heute unter dem Eindruck, daß sich die Prophezeihungen der Offenbarung schon sehr bald bewahrheiten werden. So schreibt der Schweizer Mystiker und Psychosomatik Professor Dr. Balthasar Staehelin: »Wir gehen ja unaufhaltsam einer einheitlichen Weltreligion entgegen, wie es der immer gleichen Innerlichkeit jedes Menschen entspricht, dementsprechend auch einem einzigen politischen Land, das Erde hieße. . . « Stafford Wright, Autor des Buches »Der Christ und das Okkulte« schreibt: »Nach Aussagen der heiligen Schrift ist es Satans höchstes Ziel, ein Weltsystem aufzubauen, aus dem Gott ausgeschlossen ist.« Otto Zeit ist der Überzeugung, daß sich die Prinzipien, die die Schlange gegenüber der Mutter der Menschheit, Eva, ausgesprochen hat, auch in der Religion der Endzeit wiederfinden werden. Wir sehen folgende sechs Punkte: 1. Die Leugnung des Fluchs des Todes 2. Die Leugnung der Wahrhaftigkeit Gottes 3. Die Leugnung der Fürsorge Gottes 4, Die Verheißung von Weisheit 5. Die Verheißung der Göttlichkeit 6. Die Verheißung der Macht.

In der Weltreligion der Zukunft wird das Prinzip des »Monismus« herrschen (Monismus leitet sich ab vom Wort »mono« = eins). In dem Denken: »Alles ist eins« haben Satan und Hölle keinen Platz mehr. Gutes und Schlechtes kommen aus der gleichen Quelle. Gott ist nicht mehr der persönliche Schöpfer Gott, wie ihn uns die Bibel offenbart, sondern eine unpersönliche Macht die das ganze Universum und alles, was darin ist, durchströmt und umfaßt. Der Tod wird geleugnet und dem Menschen vorgegaukelt, er werde durch Reinkarnation immer neue Chancen haben. Meditation wird alle Menschen vereinen und zur »Erleuchtung« führen, ihnen psychische Kräfte und endlich die Illusion vermitteln, sie seien selber Gott. Im Vorfeld dieser neuen Weltreligion »werden falsche Christusse und falsche Propheten auftreten und werden große Zeichen und Wunder tun, um womöglich auch die Auserwählten zu verführen«, sagt Jesus Christus in seiner berühmten Rede über die Endzeit. Wunderheilungen werden diesem Weltsystem den Weg bahnen. Wer einen Menschen heilen kann, dessen philosophisch religiöse Grundhaltung nimmt der geheilte auch als Lebensanschauung an, ob er das merkt oder nicht. Die Naturheiler hämmern es ihren Patienten denn auch in Büchern und Zeitschriften, in Radio und Fernsehen sowie in persönlichen Gesprächen immer wieder ein: »Wer heilt, hat recht!« Wegbereiter einer kommenden Weltreligion? Haben die Naturheiler wirklich recht? Oder ist die »Medizin der Zukunft«, wie die Heilpraktiker ihre Medizin bezeichnen, nur Wegbereiter einer kommenden Weltreligion? Sind die Wunder, die sie zu tun vorgeben, wirklich eine Botschaft Gottes? Oder bahnen sie andern Kräften den Weg zur Macht? Warum ist es so wichtig, »vorurteilslos«, »offen«, »völlig passiv« und »vertrauensvoll« zu sein? Warum spielt der Glaube eine solch wichtige Rolle für die Heilung? Wenn wir diese Fragen beantworten wollen, müssen wir die philosophischen Voraussetzungen der Ganzheitsmedizin näher untersuchen und sehen, welche Botschaft die Naturheiler ihren Patienten und der Welt bringen. Niemand kann leugnen, daß die »Neue Medizin« mehr ist als nur eine Sammlung ungewöhnlicher Heilmethoden. Die geistlichen Aspekte dieser Bewegung sind unübersehbar. So schreibt Dr. Marc Duke über den Akupunktur Heiler: »Er stellt die Gesundheit seiner Patienten nicht nur um ihrer selbst willen wieder her, sondern auch, damit die ganze Welt richtig funktionieren kann. Jede Nadel, die er zwischen seinen Fingern dreht, führt die gewichtige Sendung universaler Harmonie in ihrer dünnen Spitze mit sich.« Selbst wenn sich andere Heiler noch so wissenschaftlich und neutral geben, »ist es unsere Überzeugung«, so die Experten von Spiritual Counterfeits Project, »daß nichts im Universum getrennt stehen kann von geistlichen Realitäten oder ohne geistliche Auswirkungen ist. Alle Dinge, ob materiell oder nicht materiell, erhalten ihre Bedeutung durch ihre Beziehung zu Gott und seinen Absichten.« Wenn wir die Botschaft der Naturheiler verstehen wollen, müssen wir folgende Fragen beantworten: 1. Welches ist ihre Quelle der Wahrheit? 2. Was lehrt die Naturheilkunde über Gott und das Universum?

3. Was sagt sie über den Menschen? 4. Wie sieht sie das Problem der Sünde? 5. Welches ist der Weg zur Erlösung? Wenn ich verallgemeinernd von »der Naturheilkunde« spreche, so bin ich mir bewußt, daß es in dieser sehr farbigen, in vielerlei Sekten und Grüppchen aufgesplitterten Bewegung immer wieder Leute geben wird, die nicht genau jene Gedanken formulieren, die ich im folgenden skizzieren werde. Dennoch ist es mir nach dem Studium von hunderten von Büchern und Arbeiten aufgefallen, daß sich die Lehren im allgemeinen gleichen und wie ein roter Faden alle Lager der Ganzheitsmedizin« durchziehen. Liegt die Wahrheit im Orient? Dr. Oyle war zwanzig Jahre lang als Arzt in New York tätig. Doch immer stärker nagte in ihm die Unsicherheit, ob das, was man ihm an der Universität beigebracht hatte, wirklich die Probleme seiner Patienten lösen könne. Heute ist Dr. Oyle überzeugt, daß der westliche Versuch, die Menschen zu heilen, an einem toten Punkt angelangt sei. Wir müßten einen völlig neuen medizinischen Weg beschreiten, wenn weitere Fortschritte erzielt werden sollen. Er ist nun Leiter des Headlands Healing Service in Kalifornien und forscht auf dem Gebiet der Hochfrequenzwellen und der Akupunktur. Sein neuer Weg zum medizinischen Fortschritt führt in den Osten. Dort lägen seit Jahrtausenden die Wahrheiten verborgen, die auch dem westlichen Menschen zu neuer Gesundheit verhelfen könnten. Sein neues Evangelium ist die östliche Philosophie. Dr. Voegeli, ein Schweizer Homöopath, hat früher eine gutgehende Röntgenpraxis in Zürich geführt. Heute ist er von der westlichen Medizin enttäuscht. Er ist überzeugt, daß mehr hinter Krankheit und Heilung steckt als physikalisch und chemisch meßbare Werte. Doch »die Wissenschaftler sprechen nicht gerne von diesen Dingen. Jeder hat hierüber sozusagen seine private Ansicht, offiziell werden diese Probleme geflissentlich ignoriert ... Wesentlich umfassendere und befriedigendere Auffassungen wurden im Orient, besonders in Indien, entwickelt. Die Sankhya Philosophie hat sich besonders diesen Problemen zugewandt.« Dr. Voegeli und Dr. Oyle sind nur zwei Beispiele unter tausenden von Naturheilpraktikern, »Ganzheitsmedizinern« oder »Geistheilern«, die den gleichen Weg beschreiten. Nehmen Sie einen beliebigen Naturheiler, kratzen sie ein wenig am medizinischen Lack, und darunter erscheint östliche Philosophie. Enttäuscht vom westlichen Materialismus und leer gelassen von einer in Tradition und liberaler Theologie erstickten Kirche wenden sie sich andern Quellen zu. Sie wollen nicht mehr ausschließen, daß Wahrheit in den östlichen Religionen gefunden werden kann. Und diese Botschaft verkündigen sie immer stärker: nicht vor einigen verträumten Guru Anhängern, sondern vor Millionen von Menschen wie Sie und ich, die in gleichem Maße von der westlichen Denkweise enttäuscht sind. Gesteuert? Mit beängstigender Einheit haben sich die Naturheiler dem östlichen Denkmodell zugewandt. Sie kennen einander oft gar nicht, und doch sprechen sie den gleichen Gedanken aus. Sie versuchen, sich auf medizinische Methoden zu beschränken, aber ihre philosophischen Grundlagen kommen immer wieder zum Vorschein. Die Quelle der Wahrheit liegt für die Naturheiler heute im Osten, ob sie das zugeben oder nicht.

Zusammen mit okkulten Physikern, liberalen Theologen, mit Parapsychologen, Ufo Gläubigen und Gurus sind sie zu »Rufern in der Großstadtwüste« geworden, die sagen: »Bereitet der Philosophie des Ostens den Weg!« Sie sind sich in ihrer Botschaft trotz aller äußeren Unterschiede so einig, daß der Gedanke nicht fernliegt, es stecke mehr dahinter, als nur persönliche Überzeugung. Verschiedene Autoren sprechen es offen aus: Sind sie von einer übernatürlichen, transzendenten Macht gesteuert? Sind sie so einig, weil sie sich dem gleichen widergöttlichen Geist geöffnet haben? Selbst diejenigen Heilpraktiker, die eigentlich nichts mit diesem philosophischen System zu tun haben wollen, liefern mit ihren echten und vermeintlichen Erfolgen unbewußt den Beweis, daß östliche Philosophie der neue Weg zur Gesundheit ist. Fast könnte man den Slogan prägen: »Denk an deine Gesundheit, denk östlich!« Daß dies keine Übertreibung ist, beweist der Umstand, daß ein Großteil der Bücher, die sich mit den in meiner Untersuchung dargestellten Heilmethoden befassen, Hinweise auf Yoga, Zen Meditation und andere offenkundig okkulte Praktiken enthalten. Dabei muß betont werden, daß diese Bücher nicht nur von den Heilpraktikern selbst gelesen, sondern sehr oft auch an die Patienten abgegeben werden. Diese Botschaft aber verhallt nicht ungehört: Immer mehr Menschen sind heute der Auffassung, die Wahrheit sei nicht absolut, man dürfe nicht länger daran festhalten, daß die Bibel die einzige Antwort auf die Fragen der Menschen sei. Umfragen unter Studenten ergeben, daß über 50 % unbewußt ein östliches Weltbild in sich tragen": alles ist relativ, nichts ist absolut. Warum soll die Wahrheit nicht in anderen Philosophien liegen? Warum können nicht auch Buddhismus oder Hinduismus die Antworten auf unsere Fragen haben? Die Fragen sind an sich bestechend »Ja, warum eigentlich nicht?« Selbst bekennende Christen, die sich mit Bio Präparaten befassen, kommen in den Sog dieser Lehren. »Ich bin Katholik«, sagte ein bekannter Hersteller von biologischen Säften, »aber ich habe alle Religionen studiert. Mit der Zeit habe ich erkannt: Die Wahrheit ist viel größer, als daß sie an einem Ort Platz hätte. Suchen wir die Perlen, brauchen wir sie in unserem Alltag.« Auf die Frage nach der Quelle der Wahrheit gibt die Bibel eine klare Antwort. Jesus sagt: »Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater als durch mich.« Und die Apostel bekräftigen diese Aussage später mit den Worten: »In keinem andern ist das Heil, auch ist kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir gerettet werden sollen.« Aber das Wort Gottes zeigt auch vom ersten bis zum letzten Buch, daß die Menschen immer wieder der Frage der Schlange erlegen sind: »Sollte Gott gesagt haben«? Der Kommentar Gottes: »Denn mein Volk hat eine zweifache Sünde begangen; mich die Quelle des lebendigen Wassers haben sie verlassen, um sich Zisternen zu graben, löchrige Zisternen, die kein Wasser halten.« Ist Gott nur ein kosmisches Energiefeld? Mit der östlichen Philosophie haben die Naturheiler auch das östliche Gottesbild übernommen. Es ist kein persönlicher, liebender Gott, der sich um den Menschen kümmert, sondern eine unpersönliche »Weitseele«, eine »kosmische Energie.« John Keel, ein bekannter Parapsychologie Journalist in den USA, faßt zusammen, was viele denken: »Die Standard Definition Gottes, >Gott ist Licht<, ist nur die einfache Art zu sagen, daß Gott Energie ist, elektromagnetische Energie. Er ist nicht ein Er, sondern ein Es, ein Energiefeld, das das ganze Universum durchdringt ...«

Für die sogenannte »Ganzheitsmedizin« sind Gott, Energie, Universum und Natur untereinander austauschbare Begriffe. »Bioplasma«, »Od« und »Aura« sind nur andere, wissenschaftlich gefärbte Ausdrücke für den gleichen Sachverhalt. Wenn die Akupunkteure von »kosmischer Energie« sprechen und die Geistheiler von »Prana«, so gebrauchen sie dabei Worte, die für sie gleichbedeutend sind mit ihrer Vorstellung von Gott. In seinem Buch »Naturheiler« schreibt Paul Uccusic: »Wie Sie dieses Heilprinzip nennen, diese eine Medizin das ist Ihre Sache. Ob »Natur, ob Geist, ob Gott.« Der Gottesbegriff der Naturheiler ist nichts anderes als die Vorstellung der Hindus von »Brahman« und die Ideen Lao Tses von der Weltseele »Tao«. Wie für die Hindus, so ist auch für die Ganzheitsmedizin die ganze Welt eins. Es gibt keinen Unterschied zwischen Schöpfer und Geschöpf. Jedes Lebewesen ist von göttlicher Energie durchdrungen. Irgendwie sind wir alle ein Teil Gottes. Es gibt keinen Unterschied zwischen Gut und Böse. Beide kommen aus derselben Quelle. Dem Ruf des Heilpraktikerpapstes in Deutschland, Dr. Manfred Köhnlechner: »Alles ist eins!« folgt unweigerlich das Echo der Patienten: »Wir alle sind Gott!« Die alten Einflüsterungen der Schlange von einst zischen in neuer Form in die Ohren der Menschheit: »Ihr werdet sein wie Gott...«. Mit dem christlichen Glauben läßt sich das monistische Gottesbild der Naturheiler beim besten Willen nichtvereinbaren. Die Bibel offenbart uns Gott nicht als unpersönliche Energie, in der Gut und Böse gleicherweise ihren Ursprung haben. Sie zeigt uns den mächtigen Schöpfergott, der heilig und rein ist. »Gott ist Licht und in ihm ist keine Finsternis«, schreibt der Apostel Johannes. Der Mensch ist nicht ein Teil Gottes, er ist sein Werk. Jesus Christus ist nicht ein Prophet unter vielen anderen Gottheiten und Heiligen, nein, er ist der Sohn Gottes, der uns den Weg zurück zu Gott zeigt: »Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen einzigen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verlorengehen, sondern das ewige Leben haben« Joh.3,16. Der Mensch - ein Funke des All Geistes? »Unser Geist ist ein Funke des All Geistes, und die Einzelseele ist ein Seelenfunke Gottes«, meint die Geistheilerin Ursula Kreß in Deutschland. »Bewußtsein/Materie/Gott durchfluten das ganze Universum. Sie werden immer komplexer, und durch einen Quanten Sprung entsteht ein Körper, ein Mensch.« So sieht es der amerikanische Akupunkturforscher Dr. Oyle. Die Naturheiler drücken sich vielleicht verschieden aus, einmal wissenschaftlich, einmal mystisch, aber sie sagen alle das gleiche: Der Mensch ist nichts anderes als ein Teil Gottes, wie ein Wassertropfen in einem Ozean. Er ist durchflossen von der alles durchdringenden göttlichen Energie, ein kleines Zahnrad in der großen göttlichen Maschine. Daraus folgt logischerweise, daß der Mensch auch Spielball der kosmischen Kräfte ist. Der Makrokosmos beeinflußt den Mikrokosmos. Die Sterne im großen Universum bestimmen das Schicksal des Menschen, dessen Körper eine kleine Welt für sich ist. Die gleiche Entsprechungslehre wird wiederum auf den Menschen und seine Organe angewandt. So schrieb der Wiener Irisdeuter Dr. Beer: »So, wie der Mensch als kleine Welt (Mikrokosmos) im Verhältnis zum Weltall betrachtet werden muß, ebenso muß man das Auge als Mikrokosmos zum individuellen Menschen ansehen, in dem sich seine Seele und sein Körper spiegelt, Alles, was auf das Ganze wirkt, wirkt auch auf den Teil, und alles, was auf den Teil wirkt, muß auch auf das Ganze wirken ...« Mit dieser Sicht des Menschen haben die Naturheiler die alten Grundlagen der Astrologie, der

Magie und der Wahrsagekunst zu neuen Ehren erhoben. Die alten Mysterien der Astrologen Babylons blühen neu im endzeitlichen Jahrhundert. Immer mehr Menschen glauben daran, denn ist nicht die Augendiagnose ein Beweis dafür? Wirkt nicht die Fußreflexzonenmassage aufgrund dieses Prinzips? Umdeutung des Lebens Auch Krankheit, Heilung und Tod erhalten in der Weltanschauung der Naturheiler eine neue Bedeutung, die voll und ganz dem östlichen Gedankengut entnommen ist. »Wenn man daran glaubt, daß der menschliche Mikrokosmos den Makrokosmos wiederspiegelt«, schreibt der französische Arzt und Christ Dr. Christian Klopfenstein, »an diese Konzeption, die alle Organe auf Automatismen reduziert, so wird man zurückgeführt ins Heidentum, das die ganze Welt als von den Sternen und Planeten gelenkt sieht; zurück in deren regulierte Automatismen und in ihren absoluten Fatalismus. Es handelt sich da um eine Welt ohne Geist, ohne Gewissen, ohne Ziel, ohne Bedeutung, eine Welt der Automaten, die Welt der Götzenanbeter, der >Diener der Sterne und des Schicksals<, des antiken Heidentums und der Anhänger der mechanistischen Philosophie des modernen Neuheidentums.« So hat in der östlichen Philosophie denn auch Krankheit keinen letzten Sinn, sie ist unausweichliches »Karma«. Mit diesem Wort umschreiben die Hindus das Schicksal. Jede Tat, jedes Wort und jeder Gedanke hat seine Folgen. Was der Mensch sät, das muß er ernten. Durch seine Fehler gerät die göttliche Energie, die ihn durchfließt, aus dem Gleichgewicht, und der Mensch wird krank. Dieser Gedanke ist uns in den vorhergehenden Kapiteln immer wieder begegnet. Auch Heilung hat einen neuen Sinn: Sie ist mehr als nur Wiederherstellung des Menschen, sie ist quasi ein Erlösungswerk: Die Harmonie mit dem göttlichen Universum wird erneuert, der göttliche Funke kann wieder ungehindert fließen. Nadeln und Massage, homöopathische Potenzen und magnetische Abschirmgeräte, sie alle sollen dem Menschen zu neuer Einheit mit dem All, mit Gott, verhelfen. Oft läßt sich die Einheit mit der göttlichen Energie nicht in einem Leben erreichen. Die Naturheiler haben deshalb auch die Idee der Reinkarnation, der Wiederverkörperung nach dem Tode, übernommen, Der Mensch habe dann eine neue Chance, die Fehler seines früheren Lebens wiedergutzumachen und so das Rad des Schicksals weiterzudrehen. Auch das Menschenbild der sogenannten »Ganzheitsmedizin« ist unvereinbar mit den Aussagen der Heiligen Schrift. Die Bibel hält ganz klar fest: Der Mensch ist nicht ein Teil Gottes, er ist sein Werk. Er ist nicht Spielball kosmischer Kräfte, sondern hat den freien Willen, mit dem er sich zwischen Gut und Böse, zwischen Gott und seinem Widersacher Satan entscheiden kann. Seine Krankheit ist nicht ohne Sinn (vergleiche Kap. 12). Gesundheit ist nicht automatisch ein Zeichen für die Harmonie mit Gottes Willen. Und auch die Botschaft der Reinkarnation ist trügerisch: Sie gaukelt dem Menschen vor, daß er in einem nächsten Leben noch eine Chance hat, mit Gott in Ordnung zu kommen. Dem hält die Bibel entgegen: »Denn es ist dem Menschen gesetzt, einmal zu sterben, danach aber das Gericht« (Hebr.9,27). Wir haben nur dieses Leben. Unsere Entscheidung in dieser Zeit bestimmt unsere Ewigkeit. Das Problem der Sünde Die östliche Philosophie kennt den Begriff der Sünde im christlichen Sinne nicht. Dies wird eindrücklich illustriert durch die Rede des Hinduphilosophen Vivekananda auf dem Weltkongreß

der Religionen in Chikago 1893: »Hört, ihr Kinder der unsterblichen Glückseligkeit! ... Erlaubt mir, euch, ihr Brüder, mit diesem süßen Namen anzureden ... Der Hindu weigert sich, euch Sünder zu nennen, ihr seid Kinder Gottes, Teilhaber unsterblicher Glückseligkeit, heilige und unvollkommene Lebewesen. Ihr seid Gottheiten auf Erden. Sünder? Es ist eine Sünde, einen Menschen so zu nennen, es ist eine bleibende Entehrung der menschlichen Natur ...« Guru Maharishi Mahesh Yogi, das Oberhaupt der Transzendentalen Meditation, dessen Lehren auch unter den Naturheilern viele Anhänger haben, sieht die Ursachen von Armut, Krankheit, Haß, Ausbeutung und Krieg nicht in der Sündhaftigkeit der menschlichen Natur. Für ihn haben diese uralten Menschheitsprobleme ihre Wurzeln in einem psychischen Defekt des Menschen, der sich in den genannten Übeln auswirkt. Wohl ist der Mensch auch in den Augen der Naturheilkunde ein unvollkommenes Wesen, das immer wieder Verfehlungen begeht. Seine Fehler beeinträchtigen zwar den freien Fluß der göttlichen Energie, aber sie trennen ihn nicht von Gott. Wohl wird gepredigt, daß man sich an seinem Körper versündige, wenn man nicht gesund lebe. Wohl spricht Konrad Lorenz von den acht Todsünden der Menschheit". Naturschützer prangern die Umweltverschmutzung als kollektive Schuld an (was sie auch ist!). Diät Verfechter kämpfen gegen Ernährungssünden, gegen die falsche Zusammensetzung der Nahrung, gegen die künstlichen Konservierungsstoffe, gegen das Schlemmen. Lesen Kranke ihre Bücher, »so werden sie ganz eigentlich zu Besessenen«, schreibt Dr. Paul Tournier. »Da erhebt sich eine neue, feindliche Welt vor ihnen: ein Körnchen >Industriezucker<, eine Tomate, eine Injektion eines Medikaments, ein chirurgischer Eingriff, ein Pneumothorax, werden gescheut wie die Sünde selbst.« Doch sie gehen der Tatsache aus dem Wege, daß unsere Sünde uns auf ewig von Gott trennt. Erlösung? - Nicht mehr nötig! Es ist nach dem vorher gesagten klar, daß auch die Zukunft des Menschen in der Ganzheitsmedizin anders beurteilt wird als durch die Lehren Jesu. Wo kein Satan ist, da gibt es auch keine ewige Verdammnis, wo kein persönlicher Gott ist, da gibt es kein Gericht. Wo kein endgültiger Tod ist, braucht es keine Entscheidung in diesem Leben, denn es wird noch viele Chancen geben. Wenn es keine Sünde gibt, gibt es auch keine Trennung von Gott. Und schließlich: Wenn wir alle durchdrungen sind von göttlicher Energie, brauchen wir keinen Weg zur Versöhnung mit Gott, wir sind ein Teil Gottes. Das Ziel der Ganzheitsmedizin ist einzig und allein, dem Menschen den Weg zu zeigen, wie er sich selbst helfen kann. Selbsterlösung ist die Botschaft der Naturheiler. Die Kraft, sich selbst zu heilen, schlummere in jedem Patienten, vergleichbar der Schlange »Kundalini« im Hinduismus. Die verschiedenen Heilmethoden dienten nur dazu, diese latenten psychischen Kräfte zu wecken. Yoga und Meditation sollen dem ratsuchenden Patienten helfen, sich selbst zu finden, seine psychischen Defekte, seine körperlichen Leiden selbst zu überwinden. Durch »ganzheitsmedizinische« Behandlung soll er zurückkehren zur energetischen Ausgewogenheit, zur Harmonie mit dem Universum. Dann ist er auch eins mit Gott, was auch immer das bedeuten mag. Diese Lehre geht ein wie süßer Wein, und Millionen sind ihrer Anziehungskraft erlegen. Es ist die Botschaft, die die Menschen gerne hören, nach der ihnen »die Ohren jucken«, wie die Bibel es formuliert. Und die Erfolge der Naturheiler sind die begleitenden Zeichen und Wunder, die es

bestätigen: Wir sind Gott und brauchen keine Erlösung mehr! Vermählung von Wissenschaft und Religion Das berauschende Getränk östlicher Philosophie wurde gekeltert in den okkulten Lehren der Astrologen Babylons; es wurde immer wieder hervorgeholt in den mystischen Kulten und Religionen der Jahrtausende. Es inspirierte die Alchemisten und beeinflußte so manchen großen Dichter oder Philosophen, wie z. B. Goethe und Kant". Heute wird der alte Wein in neue wissenschaftliche Schläuche abgefüllt. Es sei das Ziel der »Ganzheitsmedizin«, sagte der Vorsitzende der Association of Holistic Health, David Harris, die Wissenschaft mit der Religion zu vermählen. Und der frühere Astronaut Edgar Mitchell, der sich heute mit der Erforschung des Okkulten beschäftigt, doppelt nach: »Die Zeit ist gekommen, daß wir unsere mit dem Verstand nicht erfaßbaren Fähigkeiten zu einer >subjektiven Technologie< entwickeln, die die Hochzeit von Wissenschaft und Religion, von Verstand und Intuition, von Physikalischem und Geistlichem einleitet.« Ähnlich klang es auch am 2. Weltkongreß der Naturheilkunde 1976 in der Schweiz. »Der Zusammenschluß zwischen Esoterik und Wissenschaft ist möglich«, meinte der französische Homöopath Michaud, »und die Homöopathie hat eine wichtige Rolle als Bindeglied zwischen diesen zwei Denkweisen zu spielen.« Dieses Ziel verfolgen nicht nur Hinterhof Heiler und Schmalspur-Wissenschaftler. Auch Physiker an anerkannten Instituten in Ost und West widmen sich der Ergründung des Okkulten mit Hilfe der modernen Atomphysik. Einstein ist der neue Stein der Weisen geworden. Seine Lehre von der allgemeinen Relativitätstheorie wird heute umgebogen in eine Alibi Begründung für die alte monistische Formel: »Alles ist eins«. Lesen Sie ein beliebiges Buch über Grenzgebiete von Wissenschaft, Medizin und Okkultismus: Es wimmelt nur so von Doktor und Professorentiteln. Um ihre Thesen zu belegen, stört es die Naturheiler nicht, wahllos Zitate aus dem Zusammenhang zu reißen und sie zur Begründung ihrer Lehren heranzuziehen. Nicht selten kommt bei der Suche nach Erkenntnis und Wissen die Wahrheit unter die Räder. Die mystischen Physiker, ob sie nun für die Transzendentale Meditation arbeiten oder an der Erforschung der Akupunktur teilhaben, verfolgen ein Ziel, das der amerikanische Physiker Dr. Jack Sarfatti deutlich ausgesprochen hat: »Wir wollen die Gesellschaft mit einer neuen Sicht der Wirklichkeit infizieren. Die Physiker sind die Hohepriester der Gesellschaft.« Sarfattis neue Sicht der Wirklichkeit ist in Wahrheit alte mystische Weisheit: Buddhas Erleuchtung, das Gottesbewußtsein der Hindus, das Licht der Zen Meditation. Der verbleichende Götze der westlichen Zivilisation, die Wissenschaft, hilft dem neuen Gott der östlichen Philosophie in den Steigbügel auf das Pferd der Macht. Wegweiser für den Antichristen? Die Darstellung der Botschaft der Naturheiler ist nicht nur theoretische Spiegelfechterei. Sie ist äußerst wichtig, um zu verstehen, welche Hintergründe die neue Welle von Wundern und Zeichen in unserer Welt hat. Während die Heilpraktiker früher ein Schattendasein als Kurpfuscher fristeten, vergeht in unserer Zeit kaum ein Tag, an dem nicht irgendeine Zeitung von ihren Wundern berichtet. Und die Menschen glauben heute wieder an Wunder. Je enttäuschter sie von den Fortschrittsversprechungen der Wissenschaft sind, desto offener sind sie für die übersinnliche

Welt, Anders sind die Erfolge von Uri Geller und Erich von Däniken nicht erklärbar. Sie öffnen, millionenfach verstärkt durch die Massenmedien, dem geistlich hungrigen Menschen ein Fenster in die jenseitige Welt. Der Wunderglaube sei eine der sieben Säulen der okkulten Philosophie, schreibt der Okkultist Marc Edmund Jones. »Heilungswunder waren folglich der Eckstein esoterischer Tradition durch alle Zeiten hindurch ... Als ersten Schritt zu tieferen Mysterien soll der Suchende den einfachen Segen Gesundheit, Reichtum, Glück annehmen und ausleben, und er wird eingehen auf den Weg des Wissens.« Auch viele Christen erliegen fromm getarnten Verführern, wenn sie Wunderheilungen zum Zentrum ihres Glaubens machen und damit dem Wunsch nach Heilung um jeden Preis zum Opfer fallen, Nur zu oft wird im Rausch der Verzückung über angebliche Wunderheilungen der biblische Weg zur ganzheitlichen Heilung verlassen (siehe Kap. 12). Selbst Gelehrte, die dem christlichen Glauben nicht ausdrücklich verpflichtet sind, sehen die Gefahr der Ausnützung dieses Wunderglaubens. So schreibt der deutsche Psychosomatiker und Autor mehrerer Bestseller, Prof. Horst Eberhard Richter: »Vieles spricht dafür, daß unkritische Ausnützung des Faszinationsreizes sensationeller Suggestionserscheinungen weit mehr Schaden stiften als viele umstrittene Horror Krimis oder Pornofilme. Epidemische Hörigkeitsbereitschaft und Wundergläubigkeit sind der ideale Nährboden nicht nur für Hellseher, Psychokinetiker oder Wunderheiler, sondern nicht minder für Demagogen eines ungleich gefährlicheren Kalibers. Man erinnere sich: Erst kam Hanussen . . .« Was meint Professor Richter mit diesen Sätzen? Um diese Frage zu beantworten, müssen wir in die Geschichte des Dritten Reiches zurückblenden. Jan Erik Hanussen war ein spiritistisches Medium, das großen Einfluß auf die Entscheidungen Hitlers hatte. Bekannt als »Prophet des Dritten Reiches«, gab er in der Berliner Scala Vorstellungen, in denen er Tausende von seinen Fähigkeiten als Hellseher und Gedankenleser überzeugte. Angeblich soll er es gewesen sein, der Hitler in entscheidender Weise zur Macht verhalf, indem er ihm Gedanken und Absichten seiner Gegner rechtzeitig offenbarte. Erst kam Hanussen, dann trat der Führer auf. Noch wissen sie es nicht, die Akupunkteure, in welche Gesetze sie eingreifen, . . . die Augendiagnostiker, welche sichtbar gewordene Strahlungsfelder untersuchen, die Pendler und Rutenforscher, die verborgene Rhythmen erfühlen, aber sie alle sind Vorboten einer Offenbarung im medizinischen Weltbild. Während die Gelehrten noch über Echtheit oder Placebo Effekt bei den Wundern der Heilpraktiker streiten, während Christen noch über Pro und Contra von okkulter Belastung nach Akupunktur und Homöopathie diskutieren, vollzieht sich unmerklich die Hinwendung der Massen zu einer neuen Weltanschauung, die die Naturheiler, bestärkt von ihren »Wundern«, verkünden. Diesem Sog kann kaum einer ausweichen. Wer sich Heilmethoden auf östlicher Grundlage ausliefert, wer sich in meditative Praktiken jeder Art einläßt, wird oft nicht direkt in Kontakt mit okkulten Mächten kommen oder gar besessen werden. Aber es gibt andere geistliche Auswirkungen, die mindestens ebenso gefährlich sind: der Patient wird geistlich umgepolt, er öffnet sich bewußt oder unbewußt dem philosophisch¬ religiösen »Wein der Unzucht«, den die »Hure Babylon«, wie sich die Bibel drastisch ausdrückt (Offb.17,2), einst allen Völkern im Vorfeld des Antichristen servieren wird. Es wird Zeit, daß die Christen den Giftbecher des »Monismus« erkennen und sich bewußt auf Gottes Wort zurückbesinnen. Die Bibel ruft uns auf, die ganze Waffenrüstung Gottes anzuziehen, um den geschickt getarnten Angriffen Satans zu widerstehen. Die Botschaft der Bibel steht in klarem Gegensatz zu den Lehren der Naturheiler.

Jesus Christus ist der einzige Weg zu Gott. Er hat uns Gottes Liebe und seinen Plan für uns verkündigt. Er kam, um uns durch seinen stellvertretenden Tod am Kreuz zu erlösen. Der Weg zu Gott führt nicht über eine vermeintliche Harmonie mit dem Universum durch Homöopathie, Massage oder Akupunktur; er führt nicht über Meditation und Yoga. Aus eigener Kraft können wir niemals mit Gott in Ordnung kommen. Die Bibel sagt: »Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Mensch Jesus Christus, der sich selbst als Lösegeld für alle gegeben hat« (1.Tim.2,5). Befreiung von Streß und Krankheit ist nicht Erlösung. Ganzheitsmedizin ist solange nicht ganzheitlich, als sie an der wahren Lösung der menschlichen Probleme vorbeigeht und die Sünde leugnet. Erst wenn ein Mensch seine Sünden bekennt und sich dem einen Mittler Jesus Christus anvertraut, wird er wahrhaft in Harmonie mit seinem Gott leben

12. Kapitel Gesundheit - um jeden Preis? Wie wir im Verlaufe dieser Untersuchung bereits des öfteren festgestellt haben, sind heute viele Menschen auf einer verzweifelten Jagd nach Gesundheit. Metzgermeister Armin Braun ist nur ein Beispiel dafür: Er ist 29jährig, schmal gebaut und blaß. Er klagt über dauernde Magenschmerzen, die er manchmal nur als unangenehme Blähung empfindet, dann wieder als drückende, bohrende Schmerzen. Nachts steigern sie sich oft zu furchtbaren Koliken. Er kann nicht mehr richtig schlafen und hat auch in seiner beruflichen Leistung nachgelassen. Manchmal kann er den Schmerz durch Biertrinken betäuben. Er wagt nichts mehr zu essen, und in den letzten Jahren hat er stark an Gewicht verloren. Bisher hat Herr Braun rund zwanzig Ärzte konsultiert. Er ist bei mehreren Heilpraktikern gewesen, hat bereits fünf Klinikaufenthalte und mehrere Heilkuren in Badeorten hinter sich. Alles erfolglos. Die gestellten Diagnosen schwankten zwischen »Gastritis«, »nervösen Magenbeschwerden«, »Subacidität«, »Ulcusverdacht«, »Erkrankung der Bauchspeicheldrüse«, »Leber und Gallenleiden«, »Porphyrieverdacht« und »vegetativer Dystonie«. Jeder sagte wieder etwas anderes, jeder schlug eine neue Kur vor. Zunächst kam es zu einer Besserung, im Endeffekt aber waren sie alle gleich nutzlos. Auf Anraten eines Professors hat er sogar sein gutgehendes Metzgergeschäft aufgegeben, um eine weniger anstrengende Arbeit als Angestellter in einem Betrieb anzunehmen. Eine Besserung ist dadurch aber nicht eingetreten. Herr Braun ist völlig verzweifelt, Er hat kein Vertrauen mehr und betrachtet sich als »verlorenen Mann«. Dennoch, so sagt er seinem Arzt Nr. 21, sei er weiter auf der Suche nach dem richtigen Medikament und nach Hilfe, falls diese überhaupt noch möglich sei. Warum eigentlich Krankheit? Herrn Brauns Krankengeschichte hat einen Hintergrund, der uns noch beschäftigen wird. Doch zuerst wollen wir uns mit der Frage beschäftigen, die so viele Menschen umtreibt: Warum gibt es überhaupt die Krankheit mit all ihrem Leid? Weshalb sind auch Christen von Krankheit nicht verschont? Warum schaut Gott gleichsam mit verschränkten Armen zu, wie sich ein Menschenwurm in Schmerzen windet? Warum trifft es gerade die einen und andere nicht? Wahre Ströme von Tinte sind in den Versuch geflossen, dieser Frage auf den Grund zu gehen.

Ich bin kein Theologe. Erwarten Sie deshalb hier keine gelehrte Abhandlung mit unzähligen Fremdwörtern und Literaturangaben. Ich bin ein junger Arzt; ich habe manches über das Thema gelesen; ich habe mit erfahrenen Ärzten und Seelsorgern über das Problem gesprochen; ich habe am Bett von so manchem Patienten gesessen, und ich bin zutiefst davon überzeugt, daß die Bibel Gottes Botschaft an den Menschen ist. Dennoch stehe auch ich, wie jeder andere, manchmal betroffen vor unfaßbarem Leid, unfähig zu helfen, krampfhaft zu verstehen und zu trösten versuchend, wo ich keine letzte Antwort habe. Es geht mir wie dem großen Apostel und Theologen Paulus: ~Wir sehen jetzt durch einen Spiegel wie im Rätsel, dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise, dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin'. Dornen, Disteln und Bakterien Immerhin lassen sich einige grobe Linien skizzieren in der Frage nach dem Warum der Krankheit. Ob wir es wahrhaben wollen oder nicht, wir leiden noch heute unter dem Sündenfall des Menschen. Wir tragen die Folgen der Fehlentscheidung der ersten Menschen Adam und Eva. Die Welt, in der wir leben, steht seither unter dem Fluch Gottes. Der Erdboden trug fortan nicht nur Dornen und Disteln, er wurde auch Heimstätte von Krankheitserregern jeder Art. Der Leib des Menschen war nach dem Fall nicht mehr vollkommen, er wurde vergänglich. Der Tod hat Einzug gehalten, begleitet von seinen Wegbereitern Krankheit und Alter. Auch Christen leben in der Welt, selbst wenn sie nicht mehr von der Welt sind. So, wie ein Mensch mit seiner Bekehrung nicht automatisch von der Schwerkraft befreit wird, wird er auch nicht auf einen Schlag von seiner leiblichen Krankheit befreit. Paulus schreibt . »Denn wir wissen, daß die ganze Schöpfung mitseufzt und mit in Wehen liegt bis jetzt, und nicht nur sie, sondern auch wir selbst, die wir die Erstlingsgabe des Geistes haben, auch wir erwarten seufzend die Sohnesstellung, die Erlösung unseres Leibes.« Vermeidbare Krankheiten Viele Krankheiten treffen alle Menschen, ob gläubig oder gottlos, ohne Unterschied. Schnupfen ist ein banales, die Multiple Sklerose ein bedrückendes Beispiel dafür. Andere Krankheiten sind jedoch eindeutig Folge der Sünde. Wie viele Menschen öffnen durch ihr sündiges Leben der Krankheit Tür und Tor, um nachher darüber zu klagen, daß Gott nur untätig zuschaue. Ein hervorragendes Buch zu diesem Thema hat der amerikanische Arzt Dr. McMillen geschrieben. Der Titel: »Vermeidbare Krankheiten«. Es ist erschreckend zu sehen, wie viele Krankheiten durch ein verändertes Leben vermieden werden könnten. Lungenkrebs zum Beispiel könnte praktisch zum Verschwinden gebracht werden, wenn keine Zigaretten mehr geraucht würden. Heute jedoch liegt der weltweite Verbrauch bei 4000 Milliarden Zigaretten im Jahr. Rund 220 Milliarden Mark werden jährlich als blauer Dunst verpafft. Oder nehmen wir ein anderes Laster: Alkohol. Rund 8 10% aller Männer in den westlichen Ländern sind als Alkoholiker zu betrachten. Wieviel Leid verursacht der vermeintliche »Seelentröster« in unzähligen Familien! Die psychiatrischen Kliniken sind voll mit Alkohol Ruinen. Ein großer Teil der Verkehrsunfälle wird durch betrunkene Fahrer verursacht. Und wer einmal einen Säufer im Leberkoma verenden sah, wird diesen schrecklichen Eindruck nicht so schnell vergessen können. Der zunehmende Wohlstand verführt immer mehr Menschen zum Schlemmen, gefolgt von einem Rattenschwanz von Krankheiten: Hoher Blutdruck, Arteriosklerose, Herzinfarkt, Zuckerkrankheit,

Gicht und Karies sind nur einige davon. Um die Jahrhundertwende lag die Zahl der Zuckerkranken bei nur 2 von 1000, heute hat sich die Rate fünfzehnfach erhöht. Erschreckend ist auch die Zunahme der Geschlechtskrankheiten. Glaubte man die Lustseuchen vor wenigen Jahren noch durch die modernen Antibiotika unter Kontrolle zu haben, breiten sie sich heute durch die sexuelle Freizügigkeit wieder sprunghaft aus. Schlimmer noch: Bereits gibt es Erreger, denen nur noch sehr schwer beizukommen ist. Sie sind resistent geworden gegen alle bisher bekannten Mittel. Schuld als Krankheitsursache Die meisten Krankheiten, die der praktische Arzt jedoch heute in seinem Sprechzimmer sieht, haben mit dem veränderten Lebensstil unserer Zeit zu tun. Mehr als die Hälfte aller Patienten leiden an psychosomatischen Leiden. Wenn auch die Auslöser vielfältig sind, so haben sie doch ihre Ursache größtenteils in der Entwurzelung und in der Gottferne des modernen Menschen. »Gott hat einen Plan für unser Leben«, schreibt der Genfer Arzt und Seelsorger Dr. Paul Tournier, »wie er einen Plan für die Welt hat. Und wie die Welt heute krank ist, weil sie den Gesetzen Gottes nicht gehorcht, so sind auch die Menschen krank, weil sie nicht nach dem Plan Gottes leben.« Diesen Satz belegt Dr. Paul Tournier in seinem leicht lesbaren Buch »Krankheit und Lebensprobleme« mit vielen Geschichten aus dem Leben seiner Patienten. Ich bin davon überzeugt, daß dieses Buch für manchen Patienten größeren Wert hat als eine Großpackung Beruhigungstabletten - falls er die Ratschläge Tourniers befolgt. Denn gerade die Unruhe unserer Zeit, Einsamkeit, Streß, Sorgen und Angst sowie die Unfähigkeit zu festen Bindungen gehören zu den Hauptursachen psychosomatischer Erkrankungen. Dazu kommt oft die unbewältigte Vergangenheit und unvergebene Schuld. Nehmen wir nochmals das Beispiel von Herrn Braun: Eine genaue Untersuchung seiner Lebensgeschichte deckte die Ursache seines hartnäckigen Magenleidens auf: Mit seinem Vater hatte der Patient lebenslang ein gespanntes Verhältnis. Nachdem es aus geringfügigem Anlaß zum Streit gekommen war, blieb Herr Braun dem Elternhaus zwei Jahre lang fern. »Im Alter von 20 Jahren hatte er mit einer verwitweten Frau die ersten intimen Sexualbeziehungen, die er als große Schuld empfunden hat. Danach ging er als Geselle zu einem Metzger, der ihn in seine Familie aufnahm und ihn >wie einen Sohn< behandelte. In dieser Zeit starb der Vater an einem Magenkarzinom. Mit seiner Chefin, die von ihrem Ehemann vernachlässigt wurde, kam es zu einem leidenschaftlichen Liebesverhältnis, und als es etwa zwei Monate nach dem Tod des Vaters zur ersten intimen Liebesbeziehung mit ihr kam, reagierte er nicht nur mit schweren Schuldgefühlen, sondern erstmals auch mit heftigen Magenschmerzen, die ihn von da an nie mehr verließen.« Der Sinn der Krankheit Es wäre falsch, Krankheit als Keulenschlag Gottes gegen unbotmäßige Sünder zu sehen. Als Christen sollten wir überhaupt nicht so sehr nach dem Warum, sondern vielmehr nach dem Wozu einer Krankheit fragen. Ich bin davon überzeugt, daß Gott manche Krankheiten zuläßt, um Menschen in die Stille zu führen und sie innerlich hörfähig zu machen für das, was er ihnen sagen will. So darf Krankheit zu einer Läuterung des Glaubens führen. Haben Sie Gott schon einmal gebeten, Ihnen zu zeigen, was er Ihnen durch Ihr Leiden sagen will? Ist Ihr Lebensstil zu schnell, zu gehetzt, ohne Zeit für Gott? Ist es Schuld, die Sie nicht mehr

schlafen läßt? Sind es Sorgen, die Sie noch nicht bei Gott abgelegt haben? Eine weitere Möglichkeit, warum Gott Krankheit zuläßt, sehen wir am Beispiel Hiobs. Der Krankenhausseelsorger Dr. Fritz Laubach spricht von Bewährungsleiden: »Sie sollen dazu helfen, daß ein Mensch es lernt, sich mutig der gewaltigen Hand Gottes anzuvertrauen ... Wir wissen, daß die geistliche Dunkelheit auf dem Leidensweg des Hiob so groß wurde, daß er Gott anklagt. Gott hat in seiner wunderbaren Güte Hiob nicht fallenlassen. Die Bibel macht deutlich, daß Gott Krankheiten in das Leben seiner Kinder hineinlegen kann, die den Gläubigen in eine Art Zerreißprobe führen, die bis an die äußerste Grenze des Ertragbaren geht. Der Leidensweg des Hiob veranschaulicht das Wort Jesu: Was ich tue, verstehst du jetzt noch nicht, du wirst es aber nachher verstehen.« Ich sehe noch einen weiteren Aspekt der Krankheit: Gott will uns durch die Krankheit einige Lektionen beibringen. So manch einer, der früher hart war im Urteilen über andere, lernte seine Mitmenschen besser verstehen, nachdem er selbst durch schwere Krankheit hindurchgegangen war. In der Krankheit dürfen wir auch lernen, wie vergänglich diese Schöpfung ist und daß es wertvollere Dinge gibt als irdischen Reichtum und Gesundheit. Dazu noch einmal Dr. Fritz Laubach: »Krankheit im Leben eines Gläubigen soll seinen Blick auf die kommende Herrlichkeit Gottes richten und ihm helfen, sich ganz bewußt an die Zusagen des prophetischen Wortes zu halten.« Heil und Heilung Wenn auch Krankheit in manchen Fällen ein Segen für einen Patienten sein kann, so dürfen wir uns doch nicht resignierend in unser Schicksal ergeben und in selbstzerfleischender Askese jeden Tropfen des bitteren Tranks auskosten. Heilung ist ein wichtiger Bestandteil der christlichen Botschaft. Jesus hat, wo er auch hinkam, Kranke gesund gemacht. Seinen Jüngern gab er den Auftrag, nicht nur die Botschaft vom Himmelreich zu verkündigen, sondern auch Kranke von ihren Leiden zu befreien. Die Apostel führten diese Tradition weiter: Immer wieder lesen wir von wunderbaren Heilungen, die ihre Botschaft begleiteten. In den biblischen Heilungsberichten fällt uns eines ganz deutlich auf: Heilung war immer mit der Botschaft vom Heil verbunden. Als Jesus den lahmen Mann heilte, der von seinen vier Freunden gebracht wurde, sprach er ihm bewußt zuerst die Vergebung seiner Sünden zu. Das Seelenheil stand bei Jesus an erster Stelle. Um aber der umstehenden Menschenmenge zu zeigen, daß er wirklich der Messias sei und das Recht habe, Schuld zu vergeben, schenkte er dem Gelähmten auch die Gesundheit wieder. Wie viele Patienten, unter ihnen nicht wenige Christen, sind heute auf der Suche nach Gesundheit um jeden Preis. Ihr Hauptanliegen wird nur noch spärlich bedeckt von einem Lendenschurz christlicher Riten und Worte. R. A. Torrey, der Superintendent des Moody Bible Institute stellt in seinem Büchlein »Divine Healing« traurig fest: »Der Mensch ist heute der gleiche wie zu den Zeiten Jesu. Unübersehbare Massen scharten sich um ihn, reisten meilenweit, um ihn zu sehen, in der Hoffnung, von ihm Heilung für ihren Leib zu erlangen. Aber nur wenige suchten das Heil für ihre Seele.« Jesus machte seine Haltung einmal sehr drastisch deutlich: »Es ist besser für dich, daß du lahm oder verstümmelt in das Leben eingehst, als daß du zwei Hände oder zwei Füße hast und in das ewige Feuer geworfen wirst.« Gibt es noch Wunder? Haben denn heute alle Wunderheilungen durch die Macht Gottes aufgehört? Sind sie nur noch psychosomatischer Natur oder von unten gewirkt? Extreme Charismatiker sind der Meinung,

daß Jesus mit der Sünde auch alle Krankheiten ans Kreuz getragen habe. Ein Christ könne daher nicht mehr krank sein. Krankheit sei ein Zeichen von Unglaube. Rationalistische Theologen und viele Ärzte vertreten die Ansicht, schon die Wunderheilungen Jesu hätten alle eine natürliche Erklärung gehabt; die Krankheiten seien psychosomatischer Natur gewesen, oder es sei einfach falsch berichtet worden. Wunder habe es nie gegeben, Wunder gebe es auch heute nicht. Extreme sind immer gefährlich und entsprechen nicht der Wirklichkeit. Wer behauptet, jeder Christ müsse sich völliger Gesundheit erfreuen, der steckt den Kopf vor den Tatsachen in den Sand. Wie viele Tränen sind schon geflossen durch die harten Botschaften von Heilungsfanatikern! Wie oft wurden Patienten gerade durch solche Prediger weiter von Gott weggetrieben in die Dunkelheit von Zweifel und Angst oder in das absurde Jagen nach Gesundheit um jeden Preis! Wer andererseits Wunder völlig leugnet, der lebt in dem kindlichen Wirklichkeitsverständnis von Juri Gagarin, dem ersten Sowjet Kosmonauten, der nach seiner Rückkehr aus dem All verkündete: »Es gibt keinen Gott. Ich habe ihn nicht gesehen!« Ich habe mehrere Berichte von zuverlässigen Menschen gelesen und gehört, die von Wunderheilungen berichteten. Es ist unmöglich, diese einfach vom Tisch zu wischen. Wunder waren nie die Regel und sind es auch heute nicht. Wir finden sie vor allem dort, wo das Evangelium erstmals verkündigt wird. Sie dienen dann wie in urchristlichen Zeiten der Bestätigung der Botschaft Gottes. Mit dem Heilungsrummel, der im religiös übersättigten Westen gemacht wird, haben sie jedoch nichts gemeinsam. Je stärker sich das Evangelium ausgebreitet hat, je mehr die Botschaft in den neutestamentlichen Briefen festgelegt worden ist, desto seltener hören wir von außergewöhnlichen Heilungswundern. Paulus führte trotz seiner geistlichen Vollmacht den »geliebten Arzt« Lukas mit sich. Er selber litt unter einem äußerst schmerzhaften Gebrechen, doch Gott gab ihm auf sein mehrmaliges Bitten nicht strotzende Gesundheit, sondern die Antwort: »Laß dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig« (2.Kor.12,9). Auch seine Mitarbeiter wurden von Krankheit nicht verschont: Seinen Reisegefährten Trophimus mußte er krank in Milet zurücklassen(2.Tim.4,20), der junge Gemeindeleiter Timotheus litt häufig unter seinem kranken Magen(1.Tim.5,23). Die Bibel ist nicht gegen Medizin Der bekannte Theologe John Stott sagte einmal: »Jede Heilung ist göttliche Heilung, ob sie nun ohne Medikamente oder mit Hilfe von stofflichen, psychologischen oder chirurgischen Hilfsmitteln geschieht.« Der gläubige Chirurg Dr. Gordon Scorer unterscheidet zwischen »natürlicher Heilung« und »Wunderheilung.« Beide seien von Gott gewirkt. Durch seinen Sohn Jesus Christus hat Gott echte Wunder gewirkt, die einzigartig dastehen. Es wäre aber vermessen, jede Heilung, die nicht bewußt mit dem christlichen Glauben verbunden ist, als nicht von Gott gewirkt zu bezeichnen. Ist es nicht Gott, der unseren Körper mit so vielen wunderbaren Abwehrmechanismen ausgestattet hat? Paracelsus hat einmal gesagt: »Gott sollte euch Christen der höchste und erste Arzt sein, der mächtigste und nicht der geringste; nichts geschieht ohne ihn, Die Heiden und die Ungläubigen schreien zu den Menschen um Hilfe ihr aber sollt zu Gott rufen, und er wird euch jenen senden, der euch wieder gesund macht - sei er ein Heiliger, ein Arzt oder er selber.« Wer auch immer der Handlanger ist, die Ehre gebührt dem Schöpfer unseres Körpers, ohne dessen wunderbare Einrichtungen jede ärztliche Kunst vergeblich wäre.

Es ist deshalb kein Zeichen von Unglaube, sich bei Krankheit dem Arzt anzuvertrauen. Dr. Paul Tournier sieht keine Kluft zwischen Wissenschaft und Glauben. Für ihn »ist die Wissenschaft in biblischer Sichteine Gabe Gottes, ein kostbares Geschenk, das er uns anvertraut, damit wir unsere Kranken besser betreuen können. Aber sie birgt unvermeidlich auch die Gefahr, unsere Demut zu verlieren, ohne die es keine Wissenschaft und keine wahre Medizin gibt, und die wir nur durch diese Rückkehr zu Gott wiederfinden können, durch die Sinnesänderung, von der die Bibel von Anfang bis zum Ende spricht.« Die Bibel ist nicht gegen Heilmittel. Als der König Hiskia todkrank war, sandte ihm Gott auf sein Bitten hin den Propheten Jesaja. Gesundwurde er nicht durch ein Wunder im strengen Sinne, sondern »Jesaja sprach: Man bringe eine Feigenmasse und lege sie ihm als Pflaster auf das Geschwür, so wird er leben.« Der Apostel Paulus schrieb, inspiriert vom Heiligen Geist, an Timotheus: »Trinke nicht mehr bloß Wasser, sondern gebrauche ein wenig Wein um deines Magens willen und wegen deiner häufigen Krankheiten.« Heute wissen wir, daß im Traubensaft und im Wein Stoffe enthalten sind, die sehr stark gegen Viren und Bakterien wirksam sind. Wichtig ist, daß wir die richtigen Schwerpunkte setzen, Als Hiskia gesund geworden war, lobte er nicht den Propheten Jesaja für seine gute Arbeit und auch nicht das hervorragende Naturheilmittel »Feigenpflaster«, sondern er dankte Gott für seine Genesung! »Herr, davon lebt man, und darin besteht das Leben meines Geistes, daß du mich gesund und lebendig machst. Siehe, um Frieden war ich bitterlich bekümmert, aber du hast meine Seele liebevoll umfangen und sie aus der Grube des Verderbens herausgezogen; denn du hast alle meine Sünden hinter deinen Rücken geworfen« (Jes.38,16). Ist es nicht eigenartig? Für viele Christen ist es selbstverständlich, im »Vater Unser« auch die Bitte um das tägliche Brot auszusprechen. Sie bitten darum und danken Gott dafür, obwohl sie genau wissen, daß das Mehl vom Müller gemahlen wird, daß der Teig vom Bäcker gemischt, geknetet und in modernen Hochleistungsbetrieben gebacken wird, und das Brot zuletzt für gutes Geld über den Ladentisch geht. Warum fällt es uns so schwer, Gott im gleichen gläubigen Vertrauen um Weisheit für den Arzt und um das rechte Medikament zu bitten, und ihm die Ehre dafür zu geben, wenn es wirkt? Wichtiger noch als die Heilung unseres Leibes aber ist die Heilung der Seele. So sagt Paul Tournier: »Zweifellos sehen wir eine Gnade Gottes auch in den wirkungsvollen Medikamenten, die uns erlauben, einen Schmerz zu stillen, eine Diarrhöe anzuhalten, ein versagendes Herz anzuregen oder einem Kranken ein wenig Schlaf zu verschaffen. Aber wie sehr müssen wir darüber wachen, daß wir mit dieser Waffe nicht auch das Gewissen des Kranken einschläfern: sein Wissen darum, weiche Änderungen in seiner Lebensführung nötig sind.« Zur Änderung ihres Lebens sind aber viele Patienten nicht bereit. Sie scheuen sich davor, zuzugeben, daß es nicht äußere, sondern innere Giftstoffe, wie Sorgen, Angst, Schuld, Bitterkeit und Streß sind, die ihre Schmerzen verursachen. Sie wollen wohl Gesundheit, aber nicht ihr Leben vor Gott offenlegen und es ihm ausliefern. Lieber versuchen sie sich selbst an den Haaren aus dem Sumpf zu ziehen. Diese Menschen sind es denn auch, die besonders häufig in den Wartezimmern der Naturheiler sitzen. Tragisch ist es, wenn auch Christen trotz des Wissens um die Hintergründe der »Ganzheitsmedizin« lieber dort Zuflucht suchen, als sich beim Seelsorger auszusprechen. Gefährliche Minen

Menschen, die sich in ihrer Suche nach Gesundheit um jeden Preis an die Naturheiler wenden, erleben immer wieder eine Verschiebung der Schwerpunkte in ihrem Leben. Dieser Gefahr müssen sich besonders gläubige Patienten bewußt sein. Wer sich in dieses Gebiet vorwagt, begibt sich in eine Grenzzone, die mit Minen gespickt ist, die unvermutet und jederzeit hochgehen können. Die erste Mine ist die Bindung an Menschen. Viele Patienten »schwören auf ihren Heilpraktiker«. Andere sind felsenfest überzeugt von der »einzig richtigen Diät«. Allzuleicht geschieht es dann, daß Menschen und Mittel zu Ersatzgöttern werden, zu regelrechten Heilsbringern. »Verflucht ist der Mann«, ruft der Prophet Jeremia aus, »der auf Menschen vertraut und Fleisch für seinen Arm hält und dessen Herz vom Herrn weicht!« Und wenig später betet er: »Heile du mich Herr, so werde ich heil! Hilf du mir, so wird mir geholfen sein, denn du bist mein Lob« (Jer.17,5). Die zweite Mine ist die Folge der ersten. Mich erschreckt manchmal der fanatische missionarische Eifer von Patienten, die bei einem Naturheilpraktiker waren oder gute Erfahrungen mit irgendeiner neuen Diät gemacht haben. Wenn die Natur an die Stelle Gottes tritt, dann wird die Naturheilkunde wirklich zu einer »fanatischen Religion« wie Dr. Paul Tournier richtig bemerkt. Nachdem zum Beispiel Frau Steuber, eine gläubige Christin, durch Fußreflexzonenmassage eine Besserung ihrer Kopfschmerzen erlebt hatte, kaufte sie etwa 10 Bücher zum Stückpreis von 30 Mark, um sie mit einem begeisterten Begleitbrief an ihre Freunde zu schicken. Daß in dem Buch auch noch okkulte Praktiken weiterempfohlen wurden, störte sie ob der wunderbaren Methode, die es enthielt, kaum noch. Ich mußte mich fragen: Wieviel Geld hat Frau Steuber wohl schon für christliche Bücher ausgegeben, um sie mit derselben Begeisterung an Menschen zu schicken, deren Seele krank ist? Oder nehmen wir das Beispiel einer lieben gläubigen Großmutter. Jahrelang war sie von Arthritis geplagt worden, einer Gelenkerkrankung, von der wir wissen, daß Sorgen, Leid und Bitterkeit viel zu den Schmerzen beitragen. Nun hat sie Erleichterung durch Akupunktur erlebt. Die Großmutter ist wie neu geboren, und heute schleppt sie Kinder und Enkelkinder bei jedem Weh Weh zu ihrem Akupunkteur. Ich wünschte, sie würde sie mit dem gleichen Eifer für Christus zu gewinnen suchen! Eine weitere gefährliche Mine ist die religiöse Botschaft der Naturhei¬ler. Wir haben im 11. Kapitel ausführlich darüber gesprochen. Christen müssen sich bewußt sein, daß sie sich beim Heilpraktiker zumeist mit Methoden behandeln lassen, die auf okkulter und östlicher Philosophie gründen. Sie setzen sich damit der Gefahr der geistlichen Beeinflussung und Umpolung aus. Paulus schrieb an die Kolosser: »Seht zu, daß euch niemand einfängt durch Philosophie und leeren Trug, die sich auf menschliche Überlieferung gründen, auf die Mächte dieser Welt und nicht auf Christus. Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig; und ihr habt alles völlig in ihm« (Kol.2,8). Diese Warnung sollten wir in unserer Zeit ganz neu beherzigen. Okkulte Bindungen Die gefährlichste Mine im naturmedizinischen Grenzgebiet ist die Gefahr okkulter Bindungen. Wie viele Menschen haben auf ihrer Suche nach Heilung ihren inneren Frieden als Preis gezahlt! »Wenn Patienten bei einem okkult arbeitenden Heiler waren, leiden sie oft unter großer Angst«, sagte mir ein Arzt. »Dann kommen sie und wollen Beruhigungstabletten.« Für geistliche Dinge stumpfen diese Menschen oft erschreckend ab. Sie entwickeln einen regelrechten Widerstand gegen alles Göttliche und leiden unter neurotischen Störungen, Jähzorn, sexuellen Perversionen, Süchten oder Zwangsgedanken, bis hin zum Selbstmordversuch. Sollten sich solche Symptome bei Ihnen nach einer Behandlung durch einen Heilpraktiker eingestellt haben, so rate ich Ihnen dringend, einen erfahrenen Seelsorger aufzusuchen. Lösen

Sie sich ganz bewußt von jeder okkulten Bindung und übergeben Sie Ihr Leben neu an Jesus Christus. Auf der anderen Seite ist es gefährlich, alle unerklärlichen Erscheinungen dämonischen Kräften in die Schuhe zu schieben. Wir kritisieren zu Recht diejenigen Psychiater, die Sünde nicht mehr beim Namen nennen, sondern ihr einfach das Etikett einer psychischen Störung geben. In ähnlicher Weise verfahren aber auch Seelsorger, die den Ratsuchenden mit der stets gleichen und einfachen Diagnose einer okkulten Belastung von jeder Verantwortung für seine Sünden freisprechen. Wie kann man bewahrt werden vor okkulten Bindungen? Ein ehemaliger Heilpraktiker schreibt mir: »Leider ist es so, daß viele Christen nicht unterscheiden können, ob diese Heilmethoden vom Feind unterwandert sind. Dabei fallen sie eben auch unseriösen Heilpraktikern zum Opfer, insbesondere dann, wenn man um jeden Preis gesund werden will, statt um jeden Preis nach Gottes Willen zu fragen.« Johann Christoph Blumhardt, der die Heilung vieler Menschen miterleben durfte, der aber auch um die Gefahr dämonischer Bindungen wußte, schreibt, daß die Macht der Dämonen »nur über die Naseweisen und Lüsternen groß ist, die alles prüfen und kosten wollen, vor keiner Falle sich scheuen, etwa auch sagen: »Was tut es, wenn ich hingehe?« Bleib weg, wo du nicht hingehörst, und wo du merkst, daß sie etwas Fremdes dir anbieten wollen. Was hast du alle Neuheiten zu prüfen, mit denen man Leute fangen will? Unvermerkt nimmt man den, der etwas Neues bringt, für einen Heiland ... Wer in der Einfalt bleibt, bei seinem kindlichen Glauben, wie er nach der Schrift von unseren Vätern her ererbt worden ist, den überfällt kein Dämon.« Was meint Paulus dazu? Mancher Leser wird mir jetzt entgegenhalten: »Ich bin seit Jahren in Behandlung bei einem Homöopathen, aber mein geistliches Leben hat nicht darunter gelitten. Ich kenne diesen Mann persönlich und bin davon überzeugt, daß er keine okkulten Praktiken anwendet. Muß ich nun alle homöopathischen Mittelchen in den Mülleimer werfen?« Andere werden mir schreiben: »Ich habe gehört, daß diese oder jene Firma ihre Kräutertees unter Zuhilfenahme des Pendels hergestellt hat. Stimmt das? Der Tee hat mir wirklich geholfen, und ich habe keine negativen Auswirkungen auf mein Leben mit Christus verspürt. Bin ich nun okkult belastet, weil ich davon getrunken habe?« Die ersten Christen in Korinth hatten ähnliche, wenn nicht noch schwerwiegendere Probleme. Für sie stellte sich die Frage: Dürfen wir Fleisch von Tieren, die in den Götzentempeln geschlachtet wurden, noch essen, oder werden wir dadurch okkult belastet? Was hat Paulus ihnen auf ihre Fragen geantwortet? Lesen wir nach in seinem Brief an die Korinther (1.Kor.10,14f.): »Liebe Freunde! Nehmt nicht an Götzenopfern teil. Ihr seid ja verständige Leute; beurteilt also selbst, was ich sage. Denkt an den Abendmahlsbecher, über dem wir das Dankgebet sprechen: Gibt er uns nicht Teil an dem Blut, das Christus für uns vergoß? Denkt an das Brot, das wir austeilen: Gibt es uns nicht Teil an seinem Leib? Es ist nur ein einziges Brot. Darum bilden wir alle, auch wenn wir viele sind, einen einzigen Leib; denn wir essen alle von dem einen Brot. Seht doch, wie es heute beim Volk Israel ist: Alle die vom Fleisch der Opfertiere essen, stehen in der engsten Verbindung mit Gott, dem das Opfer dargebracht wird. Will ich damit etwa sagen, daß es mit dem Opferfleisch eine besondere Bewandtnis hat? Oder daß der Götze, dem das Opfer dargebracht wird, für uns etwas bedeutet? Nein! Aber was die Götzenverehrer opfern, gilt nicht Gott, sondern den Dämonen. Ich möchte aber nicht, daß ihr euch mit Dämonen verbindet. Ihr könnt nicht aus dem Becher des Herrn trinken und zugleich aus dem Becher der Dämonen. Ihr könnt nicht am Tisch des Herrn essen und am Tisch der Dämonen. Oder wollen wir den Herrn herausfordern? Glaubt ihr, daß wir stärker sind als er?

Ihr sagt: Alles ist erlaubt! Gewiß, aber nicht alles ist deshalb auch schon gut. Alles ist erlaubt, aber nicht alles fördert die Gemeinde. Ihr sollt nicht an euch selbst denken, sondern an die anderen. Ihr könnt jedes Fleisch essen, das auf dem Markt verkauft wird. Es ist nicht nötig, daß ihr eine Gewissenssache daraus macht und nachforscht, woher das Fleisch kommt, Denn es heißt: Die Erde und alles auf ihr gehört dem Herrn. Auch wenn euch ein Ungläubiger zum Essen einlädt und ihr die Einladung annehmt, könnt ihr essen, was man euch anbietet. Es ist nicht nötig, daß ihr aus Gewissensgründen nachforscht, woher das Fleisch kommt. Nur wenn euch jemand sagt: Das Fleisch ist von einem Opfer, sollt ihr nicht davon essen. Unterlaßt es mit Rücksicht auf den, der euch darauf hingewiesen hat, und mit Rücksicht auf das Gewissen. Ich meine natürlich nicht euer eigenes Gewissen, sondern das des andern. Das Gewissen eines andern darf sich allerdings nicht zum Richter über meine Freiheit machen. Ich genieße das Opferfleisch mit Dank gegen Gott. Keiner hat das Recht, mir den Glauben abzusprechen, wenn ich etwas esse, wofür ich Gott danke. Ich sage also: Wenn ihr eßt oder trinkt oder sonst etwas tut, so tut alles zur Ehre Gottes. Lebt so, daß ihr für keinen ein Glaubenshindernis seid, weder für die Juden noch für die Griechen noch für die Gemeinde Gottes. Macht es so wie ich: Ich versuche immer allen Menschen entgegenzukommen. Ich denke nicht an meinen eigenen Vorteil, sondern an den Vorteil aller, damit sie gerettet werden. Folgt meinem Beispiel, so wie ich dem Beispeil folge, das Christus uns gegeben hat!« Setzen Sie statt Opferfleisch »homöopathische Essenzen« oder »Kräuter Heilmittel« ein, und lesen sie den Text noch einmal durch. Ob sie diese Mittel weiter einnehmen sollen, müssen Sie selbst entscheiden, wenn Sie dieses Buch gelesen haben. Diese Entscheidung kann Ihnen niemand abnehmen. Mehr als Medikamente Haben wir als Christen eine Alternative? Haben wir kranken und beladenen Menschen mehr anzubieten als Medikamente und trügerischen Verlaß auf neue »Wundermethoden«? Ich meine ja. »Ist jemand unter euch krank«, schreibt der Apostel Jakobus an die christlichen Gemeinden, »der rufe zu sich die Ältesten der Gemeinde, daß sie über ihm beten und ihn salben mit Öl im Namen des Herrn. Und das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen, und der Herrwird ihn aufrichten; und wenn er Sünden begangen hat, wird ihm vergeben werden. Bekennet einer dem andern seine Sünden und betet füreinander, daß ihr gesund werdet. Das Gebet des Gerechten vermag viel, wenn es inständig ist« (Jak.5,14). Dieser Abschnitt enthält vier wichtige Aspekte für Heilung im bibli¬schen Sinne. Erstens, eine Absage an die moderne Krankheit der Isolation, der Vereinsamung. Christen gehören in die Gemeinschaft der Gläubigen. Wie viele Menschen versuchen heute, ihre Probleme im eigenen kleinen Schneckenhaus zu lösen. Sie haben niemand, der ihnen Trost zusprechen könnte, der sie ermutigen würde, der ihnen vielleicht auch einmal sagen würde: »Das ist nicht richtig, was du machst.« Diese Menschen sehen nur noch sich selbst und ihre Probleme. Es erstaunt nicht, daß sie deshalb oft unter vielfältigen psychosomatischen Störungen leiden. Ihnen möchte ich aus dem Therapieplan Gottes zuerst einmal »verbindliche Mitarbeit in einer lebendigen Gemeinschaft von Christen« verschreiben. Lernen Sie andere Menschen mit ihren Nöten kennen und verstehen. Suchen Sie in

gemeinsamem Bibelstudium die Verheißungen Gottes auf und freuen Sie sich daran! Öffnen Sie sich für andere und besprechen Sie miteinander Ihre Probleme. Sie werden lernen, von sich selber wegzuschauen und Gottes Wirken im Alltag zu erleben. Wundern Sie sich nicht, wenn plötzlich Ihr jahrelang herumgeschlepptes Leiden verschwindet und Ihre Depression sich aufhellt. Ein zweiter Schritt zur Heilung ist das Gebet. Welcher Reichtum liegt in der Zwiesprache mit Gott! Aufrichtiges Gebet geht nicht nur bis zur Zimmerdecke. Gott ist gegenwärtig, und er hört jedes Wort. Was andere Menschen jahrelang in sich hineinfressen und verdrängen, bis es sich zum Beispiel in Darmgeschwüren Luft macht, dürfen Christen im Gebet vor Gott bringen und abladen. Doch das Gebet ist nicht nur ein geistliches »Sorgentelefon«. Hier dürfen wir uns auch bewußt machen, wofür wir zu danken haben. Danken kann die ganze Einstellung zum Leben verändern. Paulus schrieb an die Gemeinde von Ephesus: »Sagt Gott, dem Vater, allezeit Dank für alles, im Namen unseres Herrn Jesus Christus.« Wer seine Sorgen bei Gott ablädt und wer lernt, Gott für alles zu danken, in dessen Herz wird tiefer Friede einziehen. Paulus hat diese Tatsache in die ewig gültigen Verse gefaßt: »Sorgt euch um nichts, sondern in allem laßt durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kund werden. Und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und Sinne bewahren in Jesus Christus« (Phil.4,6). Somit kann man wohl ohne Übertreibung behaupten, daß das Gebet mehr bietet als jedes »positive Denken« und auch mehr als jedes tiefenpsychologische Analysegespräch! Bekenntnis und Vergebung Als Drittes mißt Jakobus dem Bekenntnis der Sünden und der Annahme der Vergebung eine zentrale Rolle für eine Heilung nach Gottes Plan zu. Viele moderne Psychotherapeuten wirbeln wohl den Schmutz des Lebens auf, geben aber keine echte Hilfe. Der Begriff »Sünde« existiert nicht mehr in ihrem Vokabular. Sie versuchen, verdrängte Konflikte zu lösen, und verdrängen selbst das größte menschliche Problem, nämlich die Schuld, die uns von Gott trennt. Der Patient verläßt ihr Spechzimmer und geht seelisch entblößt und verwundet nach Hause. Sünde und Schuld aber sind Realitäten, die zu verschweigen nicht nur unklug, sondern auch gefährlich sind. Sünde und Schuld sind wie Sand im Getriebe unseres Leibes. Wenn wir einmal erkannte Schuld »unter den Tisch wischen« wollen, wird dies niemals ohne ernsthafte Folgen bleiben. Das hatte schon ein König David erkannt, wenn er sagt: »Denn als ich es verschweigen wollte, verschmachteten meine Gebeine durch mein tägliches Klagen, Denn deine Hand lag Tag und Nacht schwer auf mir, daß mein Saft vertrocknete, wie es im Sommer dürre wird« (Psalm 32,3). Wer nicht bereit ist, sich zu seiner Schuld zu stellen und sie auch auszuräumen, d. h. sie durch Jesus Christus ausräumen zu lassen, läßt die wichtigste Bedingung für Gottes Heilungswirken außer acht. Wenn wir von Sünde sprechen, dürfen wir jedoch nicht nur an Lüge, Diebstahl, Ehebruch usw. denken. All diese vordergründigen Verfehlungen sind im Grunde nur Folgen der Ursünde des Menschen, des Mißtrauens, der bewußten Loslösung von Gott. All die kleinen und großen Sünden der Menschen wurzeln im Grund in dem altbekannten Satz: »Sollte Gott gesagt haben?« Jesus gab einmal eine sehr umfassende Erklärung des Begriffes »Sünde«. Er sagte, er werde die Welt überzeugen von der »Sünde, daß sie nicht an mich glauben« (Joh.16,9). In dieser Sünde aber leben nicht nur Menschen in der Gottesferne, diese Sünde begehen auch Christen immer wieder: Sie haben kein Vertrauen zu Gott und bezweifeln damit seine Allmacht

und Güte. Auch Christen leben sehr oft dahin, als ob sie noch niemals von dem gehört hätten, der sagt: »Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken« (Matth.11,28). Obwohl Gott uns versprochen hat, daß er für uns sorgen werde, obwohl wir darum wissen, daß der Herr unser Hirte ist und uns deshalb nichts mangeln kann, kommen wir mit unseren kleinen und großen Sorgen und sehr oft auch mit den dunklen, belastenden Dingen unseres Lebens doch nicht zu Jesus, sondern verbringen lieber schlaflose Nächte im Grübeln und Problemewälzen. In dieses Kapitel gehört auch unsere Unversöhnlichkeit. Obwohl wir von Gott immer wieder die Vergebung all unserer Schuld zugesprochen bekommen und er unendliche Geduld mit uns hat, fällt es uns oft so schwer, denen zu vergeben, die an uns schuldig geworden sind. Wie oft benehmen wir uns doch wie kleinliche »geistliche Betreibungsbeamte«, die anderen Menschen ihre Fehler und Sünden nachtragen und nicht vergeben wollen! Dazu folgendes Beispiel: Frau Gruber, eine 42 jährige Hausfrau, litt jedes Jahr an einer Depression, wenn der Herbst über das Land hereinbrach. In der Kirche hörte sie eines Sonntags die Botschaft von der Heilung nach Gottes Plan. Nach dem Gottesdienst kam sie in die Seelsorge. Sie hatte eine fürchterliche Jugend hinter sich. Als sie alt genug war, zog sie von zuhause weg. Nie mehr hatte sie ihren Vater auch nur gegrüßt. In diesem Gottesdienst, unter der Botschaft von der Vergebung, merkte sie, daß dieser Groll zwischen ihr und Jesus Christus stand. Mit der Hilfe Gottes rang sie sich dazu durch, ihrem Vater zu vergeben. Ein halbes Jahr später kam sie wieder zu ihrem Pfarrer. »Stellen Sie sich vor«, sagte sie ihm, »im Herbst erwartete ich wie üblich meine Depression. Aber sie kam nicht mehr. Seit ich meinem Vater vergeben habe, bin ich gelöst und frei!« Diese Geschichte macht deutlich, daß es sehr viel wichtiger ist, um jeden Preis mit Gott und den Mitmenschen ins reine zu kommen, als um jeden Preis gesund zu werden. Wer ganze Sache mit Gott macht, der darf eine Heilung an Geist, Seele und nicht seiten auch an seinem Leib erfahren. Die Salbung mit Öl Jakobus zeigt uns ein viertes Mittel aus Gottes Therapieplan: »Siesollen über ihm beten und ihn salben mit Öl im Namen des Herrn.« R. A. Torrey, der geisterfüllte Autor vieler Bücher, ist davon überzeugt, daß die Ölung einen Akt der Hingabe und Heiligung darstellt. Für den Gesalbten bedeutet dies eine »völlige Auslieferung seiner Hände an Gott, um für ihn und ihn allein zu arbeiten; seiner Füße, um für ihn und ihn allein zu gehen; seines ganzen Körpers, um ein Tempel des Heiligen Geistes zu sein. Und das Öl war ein Symbol des Heiligen Geistes in seiner heilenden Kraft.« Auch an dieser Stelle wird deutlich, daß das Streben nach Gesundheit um der Gesundheit bzw. um unserer selbst willen am Ziel vorbeigeht. Was nützte es dem Menschen, wenn er kerngesund wäre und doch Schaden nähme an seiner Seele? Nicht vergeblich hat Jesus in einem anderen Zusammenhang einmal gesagt: »Es ist besserfürdich, daß eins deiner Glieder verdirbt und nicht der ganze Leib in die Hölle fährt.« Das Wort des Jakobus von der Salbung mit Öl zeigt uns, daß wir als Christen weniger fragen sollten: »Wie kann ich nur wieder gesund werden?« sondern vielmehr: »Warum und wozu möchte ich eigentlich wieder gesund werden?« Wenn wir ganz Gott hingegeben sind, ist es im Grunde nicht so wichtig, ob wir gesund oder krank sind. Wichtig ist nur, daß unser Wille in Gottes

Willen ruht. Wenn er es für gut und notwendig hält, uns von einem Leiden zu befreien, werden unsere Bitten gewiß nicht unerhört bleiben. Ganzheitliche Heilung Aufgrund der Aussagen der Heiligen Schrift darf sich ganzheitliche Medizin nicht nur auf die Beseitigung von Krankheiten beschränken. Umfassende Medizin führt den Patienten zurück in eine feste Bindungzu Gott. Die sogenannte »Ganzheitsmedizin« ist nicht ganzheitlich. Wohl benützen ihre Vertreter die Eingangspforte des Geistes, um den Körper und seine Funktionen zu beeinflussen. Wenn aber psychosomatische Krankheiten durch irgendwelche Maßnahmen geheilt werden, ohne daß der geistliche Hintergrund gesehen und verarbeitet wird, so bleibt die Behandlung durch den Arzt oder Heilpraktiker an der Oberfläche. Lassen Sie mich Ihnen deshalb am Schluß dieses Buches die Fragen stellen: »Warum Gesundheit um jeden Preis? Können und dürfen Sie »Wunder« erwarten von Heilmethoden, die sich auf Lehren gründen, die dem Evangelium völlig entgegengesetzt sind und sich daher nur zu oft als trügerische Hoffnung erweisen?« In der Bibel wird uns der Weg zu einer wirklich umfassenden Heilung gezeigt. Jesus bietet uns »Leben und volle Genüge« an. Wer ihn als Erlöser und Herr in sein Leben eingelassen hat, für den verliert nicht nur die Krankheit ihre Schrecken, sondern auch der Tod. Er, der Herr, steht über allem, und wir dürfen wissen, daß nichts an uns herankommt, was nicht an ihm vorbeigegangen ist! Wer sich die Augen für diese Wahrheit öffnen läßt, für den steht das Ringen um Gesundheit nicht mehr im Mittelpunkt. Der wird vielmehr mit dem Psalmisten des 23. Psalm wieder kindlich gläubig beten können: »Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf grünen Auen und führt mich zu stillen Wassern. Er erquicket meine Seele, er führt mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Und ob ich schon wanderte im finstern Todestal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich! Du bereitest vor mir einen Tisch angesichts meiner Feinde; du hast mein Haupt mit Öl gesalbt, mein Becher fließt über. Nur Güte und Gnade werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.« -----Samuel Pfeifer Homöopathie - kosmische Energie in Flaschen Machen Sie einmal eine Umfrage darüber, was eigentlich Homöopathie sei. Sie werden die verschiedensten Antworten erhalten. Zum Beispiel: »Das ist doch die Medizin, in der nichts drin ist! Wenigstens schadet sie nichts« oder: »Die Heilpraktiker im Appenzellerland in der Schweiz arbeiten doch mit dieser Homöopathie. Ist das nicht etwas Okkultes?« So recht weiß jedoch keiner, was unter Homöopathie zu verstehen ist. Was ist eigentlich Homöopathie? Die Grunddefinition wurde von Samuel Hahnemann (1755 -1843) aufgestellt: »Ähnliches wird durch Ähnliches geheilt«, oder wie es einmal anders formuliert wurde: »Die Homöopathie ist die Behandlung, die darin besteht, daß der Kranke ein Medikament bekommt, das im Versuch am Gesunden ähnliche Symptome auslöst, wie sie beim Kranken vorliegen.«

Nehmen wir ein praktisches Beispiel: Ein Patient hat Durchfall. Wir alle wissen, daß Rizinusöl beim Gesunden auch Durchfall erzeugt. Nach dem Grundsatz der Homöopathie muß man dem Patienten also Rizinusöl als Medikament geben. Bekäme der Arme das Rizinusöl jedoch in normaler Dosis, so würde er wahrscheinlich das WC nicht mehr verlassen können. Deshalb muß das Medikament verdünnt werden. Hier kommen wir zu einem weiteren wichtigen Punkt der Homöopathie: zur Verdünnungslehre. Oberflächlich betrachtet geht es den Homöopathen darum, mit der kleinsten Arzneimittelmenge auszukommen. Ihre Verdünnungen bezeichnen sie mit dem Buchstaben D für »dezimal«, dahinter steht eine arabische Ziffer, die die Zahl der Nullen hinter der Eins angibt. Eine Verdünnung D 10 ist also ein Verhältnis von 1 Kubikzentimeter auf 10 000 000 000 Kubikzentimeter oder ein Teelöffel auf einen Tank von der Größe eines 100 Meter hohen Kirchturms. Viele Homöopathen arbeiten aber mit noch viel stärkeren Verdünnungen. Hahnemann selbst zog die Verdünnung D 30 vor, eine Verdünnung, bei der man in einer Flasche kein einziges Molekül des Heilmittels mehr finden würde. Um zu erklären, weshalb das Mittel dennoch wirksam sei, müssen wir nun zu einer dritten wichtigen Grundlage der Homöopathie übergehen, zum Potenzieren, die uns mitten in die Welt der Astrologie, des Buddhismus und des Hinduismus führt. Wenn ein Homöopath ein Mittel herstellt, so bereitet er zuerst eine Urtinktur zu, zum Beispiel aus feingehackten Brennesseln, deren Saft er mit Alkohol extrahiert. Nun nimmt er einen Teil dieser Urtinktur, verdünnt ihn mit 9 Teilen Lösungsmittel und verschüttelt diese Lösung in einem Glas. Er hat nun eine Verdünnung von einem Zehntel, also von D 1 oder, wie er es ausdrückt, die »Potenz D 1«. Um zu D 2 zu gelangen, nimmt er wieder 1 Teil der D 1 Lösung und verschüttelt sie mit 9 Teilen Lösungsmittel. Das homöopathische Mittel wird also in Zehnerschritten verdünnt, obwohl man im Grunde gleich einen Tropfen Urtinktur auf z. B. 999999 Tropfen Lösungsmittel geben könnte, um die Verdünnung D 6 zu erhalten. Doch Hahnemann war überzeugt, »daß sein Verschüttelungsprozeß mehr bedeutet als bloßes Verdünnen. Durch sein Verschütteln (Potenzieren) wird etwas Dynamisches frei. Was der dunkle Mesmer, direkt tut, bewirkt Hahnemann indirekt: auf dem Wege über die lebendige Menschenhand wird er zum Be Handler der Kranken.« Mit anderen Worten: Hahnemann glaubt, daß beim Verschüttelungsprozeß kosmische »Lebenskraft« in das homöopathische Mittel eingefangen wird. Die Kraft, die beim okkulten Besprechen und Handauflegen direkt auf den Patienten übergeht, wird hier auf das homöopathische Mittel übertragen und indirekt weitergegeben. Wer war Samuel Hahnemann? Um eine Lehre besser zu verstehen, ist es oft gut, einen kleinen Blick in das Leben des Gründers zu werfen. Bei Samuel Hahnemann zeigt sich besonders deutlich, daß die berechtigte Auflehnung gegen Mißstände seiner Zeit nicht zu einer Lösung der Menschheitsprobleme führen kann, wenn sie aus antichristlichem Geist geschieht. Hahnemanns Leben wurde in verschiedenen Biographien ausführlich dargestellt, so daß ich mich an dieser Stelle auf einige wenige Hinweise beschränken möchte. 1755 wurde er als Sohn eines Porzellanmalers in Meißen/Sachsen geboren. Er war ein hochbegabter Schüler, so daß ihm das Medizinstudium in Leipzig, Wien und Erlangen ermöglicht wurde. Verschiedene Versuche, sich eine ärztliche Existenz aufzubauen, scheiterten, und er lebte mit seiner Frau und seinen neun Kindern meist in großer Armut. In seiner ewigen Rastlosigkeit wechselte er mehr als zwanzig Mal seinen Wohnort. Sein Leben verdiente er sich mit dem Übersetzen von Büchern aus dem Englischen, Italienischen und Französischen. Daneben experimentierte er dauernd an der

Herstellung neuer Heilmittel herum. Er wurde zunehmend als ein scharfer Kritiker der damaligen Schulmedizin bekannt. Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete er mit 80 Jahren ein zweites Mal. Er starb 1843 schließlich als wohlhabender Mann in Paris. Betrachtet man die medizinische Situation im 18. Jahrhundert, so versteht man, daß sich Hahnemann dagegen auflehnte. Der Aderlaß war das Heilmittel gegen alles. So bestand die Therapie gegen Lungenentzündung darin, dem Kranken innerhalb von 14 Tagen 7 Liter Blut abzulassen. Meist wurde die Krankheit durch den Tod des Patienten »geheilt«. Andere verschrieben pfundweise Opium, und wieder andere versuchten, mit Hilfe von täglichem Klistieren die Krankheit aus dem Körper zu vertreiben. Hahnemann erkannte intuitiv, daß vieles, was hier als Schulmedizin angepriesen wurde, keine echte Hilfe bieten konnte. In Aufsätzen und Büchern lehnte er sich immer heftiger gegen die »hochbetitelten Gesundheitsverderber« auf. Man wird unwillkürlich an den deutschen Chirurgen Hackethal erinnert, der sich in unserer Zeit mit ähnlich ungehobelter Vehemenz gegen die übertriebene technisierte Schulmedizin wendet, dumpf ahnend, daß der Wurm in einer Behandlung sitzt, die den Menschen nicht mehr als Ganzes sieht (vgl. Kapitel 1). Mit der Zeit vollzog sich eine eigenartige Wandlung in Hahnemanns Charakter. Er wurde immer schroffer, unduldsamer, unzuverlässiger. Jahrelange Freundschaften brach er ab; selbst gegen Menschen, die zu ihm hielten, kam es zu unerwarteten, hemmungslosen Angriffen. Immer stärker wirkte sich diese Veränderung auch auf seine Kinder aus. Ihr Schicksal war eine Kette von Tragödien: Die Ehen dreier Töchter wurden geschieden, zwei Töchter wurden auf merkwürdige Art ermordet, eine weitere starb bereits 30jährig. Sein einziger Sohn Friedrich verließ Frau und Kind und blieb verschollen. Der Biograph Fritsche meint sogar: »Friedrich Hahnemann mußte zu Ende leben, was sein Vater ihm an Dämonie mitgab.« Im Jahre 1810 gab Hahnemann sein Hauptwerk, das »Organon der Heilkunst« heraus. Jahrelange Forschungen waren diesem Buch vorausgegangen. Auf den Weg der Homöopathie brachten ihn die Berichte des englischen Arztes Cullen über die Wirkung der Chinarinde gegen Malaria. Hahnemann probierte die Droge an sich selbst aus. Er stellte dabei Symptome fest, die der Malaria ähnlich waren: Fieber, Schüttelfröste und Abgeschlagenheit. Zwei bis drei Stunden dauerte jeweils der Anfall, sobald er das Mittel genommen hatte; sonst war er wohlauf. Plötzlich kam Hahnemann die Idee: Was das Fieber beim Gesunden auslöste, heilte das Fieber der Kranken! Nun begann er, unzählige Stoffe an sich selbst, seiner Familie und an seinen Freunden auszuprobieren. Jedes Symptömchen, vermeintlich oder echt, wurde peinlich genau registriert: 1422 Prüfungssymtome will er bei Beiladonna (Extrakt der Tollkirsche) entdeckt haben, 1267 bei Nux vomica (Brechnuß), 1163 bei der Pflanze Pulsatilla (Pelzanemone). Mehr noch: Er stellte eine Beziehung her zwischen dem »Charakter« der Heilmittel und dem Charakter des Kranken. Es würde zu weit führen, hier näher auf die homöopathische Charakterlehre einzugehen. Wer jedoch eine gute Übersicht sucht, wird sie in Prokops Buch »Medizinischer Okkultismus« finden. Vor besondere Probleme stellten Hahnemann die chronischen Krankheiten. Weshalb konnten so viele Menschen nicht durch seine Mittel geheilt werden? Eine Antwort gibt er in seinem Alterswerk »Die chronischen Krankheiten, ihre eigentümliche Natur und homöopathische Heilung«. Darin stellt er fest: Sieben Achtel aller chronischen Krankheiten werden durch die »Psora«, die »innere Krätze« verursacht. Wenn die Arznei eines ihrer Glieder trifft, so wachsen alsbald unzählige neue. Mit besonderer »Wut tut sie sich hervor«, wenn man ihr das äußere Zeichen des innewohnenden Übels, den Hautausschlag, nimmt. Sein Ratschlag an die Chronischkranken aller Art: alle 30 bis 50 Tage eine einzige Dosis homöopathischen Schwefels innerlich.

Selbst der Biograph Gumpert, der Hahnemann mit Luther, Goethe Kant und Bismarck verglich, meint: »Diese Art, Homöopathie zu betreiben, bleibt ein einmaliges psychisches Phänomen und erforderte weit jenseits der Grenzen des Erlebbaren eine fast indische Fähigkeit der Versenkung und Konzentration«. Wie recht er damit hat, zeigt eine genauere Untersuchung der Philosophie hinter der Homöopathie, die in allen Stücken von hinduistischen und buddhistischen Vorstellungen durchdrungen ist. Konfuzius, der gerade Weg zu Gott? Verschiedene Begriffe, die in der Homöopathielehre immer wieder gebraucht werden, machen einen stutzig. Da ist von Lebenskraft die Rede, von Harmonie mit der Weltenergie, von Ätherleib. Man denkt unwillkürlich an die Lehren, die uns durch Gurus und Yogis in den Westen gebracht worden sind. Je mehr man sich in die Bücher Hahnemanns und seiner Jünger einliest, desto mehr muß man erkennen: Die Homöopathie baut in allen wichtigen Punkten auf der östlichen Philosophie auf. Schon in jungen Jahren hatte sich Hahnemann bei den Freimaurern aufnehmen lassen. Diese Bewegung gebraucht wohl viele christliche Schlagworte, ja in den meisten Freimaurer Tempeln liegt sogar eine Bibel auf, Die Botschaft des Evangeliums von der Erlösung des verlorenen Menschen durch den Kreuzestod Jesu aber lehnen die Freimaurer klar ab". Für sie liegt die Erlösung im Menschen selbst. F.C. Endres schreibt in seinem Buch »Das Geheimnis des Freimaurers« folgende Sätze: »Die Macht der Sündenvergebung liegt in uns selbst. Die Möglichkeit, ein neues Leben, unbelastet von den Lasten der Vergangenheit, zu beginnen, liegt in unserer Seele ... « Die Seelsorge hat immer wieder gezeigt, daß Freimaurer, die eine echte Hinwendung zu Christus vollzogen hatten, sich sofort genötigt sahen, aus der Loge auszutreten. Es wundert daher nicht, daß Hahnemann als Mitglied der Loge Jesus einen »Erzschwärmer« nannte. Einer der Biographen Hahnemanns schreibt: »Der Erzschwärmer Jesus von Nazareth, der nicht Erleuchtete auf dem geraden Weg zur Weisheit führt, sondern mit Zöllnern und Sündern den schweren Weg zum Gottesreich auf Erden erkämpfen will, . . . dieser das Dunkel der Welt auf sich nehmende Schmerzensmann ist dem Liebhaber der ätherischen Weisheit anstößig.« Und weiter: »Christ kann Hahnemann keiner sein, obwohl er fromm ist wie ein Pietist. Hahnemanns Gott greift zwar fortwährend als führende und schenkende Macht in das Leben ein, aber er führt zur Erkenntnis und beschenkt das Hirn, nicht das Herz ... Arzt ist Hahnemann am Krankenbett, weil er nicht anders kann. Wo er hingegen als Erkennender ringt und um Erleuchtung bittet, gerät er in enge Geistesnachbarschaft zum Osten, Konfuzius ist sein Vorbild.« Über Konfuzius schreibt Hahnemann selbst in einem Brief: "Da ist göttliche Weisheit zu lesen, ohne Wunder Fabel und ohne Aberglauben. Es ist ein wichtiges Zeichen der Zeit, daß Konfuzius bei uns nun kann gelesen werden. Ihn selbst werde ich im Reiche der glücklichen Geister nun bald umarmen, den Wohltäter der Menschheit, der uns den geraden Weg zur Weisheit und zu Gott führte, schon 650 Jahre vor dem Erzschwärmer.« Kann klarer noch gesagt werden, welchem Geist die Homöopathie entsprungen ist? Die Verehrung östlicher Weisheit war nicht nur das stille Hobby Hahnemanns. Sie bildet vielmehr die Grundlage der Herstellung homöopathischer Arzneien. Einer der bekanntesten Homöopathen der Schweiz ist der heute etwa 80 jährige Adolf Voegeli. Ich traf den Autor vieler Bücher und Streitschriften für die Homöopathie in einem Zürcher Hotel. Unser Gespräch drehte sich um die Wirkungsmechanismen der Homöopathie. Während er seine selbst gedrehten Zigaretten rauchte, erzählte er mir von seinen Erfahrungen mit der Homöopathie, wie er Bauern in den Walliser Seitentälern nur mit homöopathischen Essenzen bei Lungenentzündungen durchbringe und Manager von ihren Magengeschwüren heile. Auf die

kosmische Kraft angesprochen, die Hahnemann in seine Mittel hinein »potenzierte«, erklärte er mir: »Wissen Sie, ich glaube an die Kraft der Sterne, Ein Astrologe hat mir schon sieben Jahre vorher vorausgesagt, wer meine zweite Frau sein würde, bevor ich sie überhaupt kannte.« Über die Wirkungsweise der Homöopathie hat Dr. Voegeli einen Artikel in der »Zeitschrift für Klassische Homöopathie« veröffentlicht. Das Literaturverzeichnis dazu gleicht einer Sammlung okkulter, hinduistischer und anthroposophischer Literatur. Dr. Voegeli bekräftigt, daß die Wirkung der Hochpotenzen geistiger Natur sei. Die beste Erklärung dafür biete die hinduistische Sankhya Philosophie. Der Mensch hat danach nicht nur einen Leib, sondern auch einen Ätherleib mit einem speziellen Kraftliniensystem. Dieser Ätherleib ordne die Abwehrfunktion des Körpers und fördere die Wundheilung. Auf dieser Ebene sei die Homöopathie wirksam. Ein weiteres energetisches System, das die Empfindungen des Menschen steuere, sei der Astralleib. Die höchste Energieform des Menschen sei jedoch sein Geist, dessen Ziel es sei, ein immer vollkommeneres Instrument der göttlichen Impulse aus dem Kosmos zu werden. »Das Ziel des Menschen ist die Höherentwicklung, die Vergeistigung.« Dazu reicht ein Leben niemals aus, und die logische Folgerung ist die Lehre von der Reinkarnation, die zuletzt zur Vollkommenheit führen soll. Östliche Philosophie dringt im übrigen auch bei vielen anderen Autoren durch. So führt der Heilpraktiker Ulf Evertz aus, daß der Gesundheit ein ungestörter Energiefluß zugrunde liege. »Krankheit ist folglich in erster Linie eine Störung dieser Energieverteilung innerhalb des Orga¬nismus.« Der Londoner Homöopath Dr. J.P. Randeira zeigt den Weg zur Heilung auf: »Die homöopathischen Heilmittel sind durch das Verfahren der Potenzierung in der Lage, den harmonischen Fluß der Lebenskräfte in jeder einzelnen menschlichen Zelle wiederherzustellen.« Mit fast religiöser Inbrunst drückt es ein anderer Homöopath aus: »Unter dem heiligen Akt des Potenzierens löste sich die Heilkraft aus den Fesseln der irdischen Struktur und zeugte im kranken Organismus wieder die Harmonie.« Am militantesten werden die Lehren, die der Homöopatie zugrunde liegen, heute von den Anthroposophen vertreten, in deren Medizin die Homöopathie eine zentrale Stellung hat (vgl. Kapitel 9). Doch zieht sich die östliche Philosophie als Grundlage der Homöopathie wie ein roter Faden auch durch die Behandlungsräume der Heilpraktiker. Homöopathie heute Wer sich ein wenig in die abstrusen Ideen Hahnemanns eingelesen hat, dem fällt es schwer zu glauben, daß man im Zeitalter der Wissenschaftlichkeit noch voll zum Guru der Homöopathie halten würde. Das Gegenteil ist der Fall. Allein in Deutschland praktizieren mehr als 1000 Ärzte und etwa 3500 offiziell zugelassene Heilpraktiker" die Kunst der Homöopathie. 14 Krankenhäuser haben homöopathische Abteilungen". Die philosophischen und medizinischen Auffassungen der heutigen Homöopathen haben lediglich ein neues Gesicht bekommen, im Grunde sind sie den Lehren Hahnemanns treu. Wir müssen drei Arten von Homöopathen unterscheiden: 1. Diejenigen, die die Homöopathie »entmythologisiert« haben und weder extrem verdünnte noch »kosmisch aufgeladene« Mittel abgeben. Meistens gehen sie nicht mehr über D 6 hinaus, um sicherzugehen, daß eine materielle Wirkung noch möglich wäre. Sie wollen nichts wissen von dem Hintergrund chinesisch indischer Philosophie und »potenzieren« ihre Mittel auch nicht nach Hahnemanns Vorbild. Ihnen geht es vor allem um die biologische Arznei ohne Nebenwirkung.

2. Die zweite Gruppe verleugnet schamhaft die heute als falsch erkannten medizinischen Theorien Hahnemanns. Sie versucht aber, seine Heilmittel mit »wissenschaftlichen Methoden« salonfähig zu machen. Zu ihrem Instrumentarium gehört unter anderem das Pendel, Es stört sie auch nicht, die östlichen Begriffe »Weltseele«, oder »Lebenskraft« in ihr Weltbild einzubauen. 3. Die dritte Gruppe glaubt blind an Hahnemanns Lehren. Seine Aussagen z. B. über die Krätze als Ursache der chronischen Krankheiten werden zwar nicht mehr wörtlich genommen, dafür aber in den Bereich des Außersinnlichen verschoben und dort als richtig erkannt. Diese Leute bekennen offen ihren Glauben an die Astrologie und andere spiritistische Praktiken. Als besonders aktive Sondergruppe sind hier die Anthroposophen zu nennen. Aber auch alle Anhänger der »klassischen Homöopathie« fallen in diese Kategorie. »Strophantus gratusc« gegen Angst vor spitzen Gegenständen Aus der Fülle homöopathischer Gruppierungen will ich nur einige Beispiele herausgreifen, die uns besser zeigen, in welcher Gedankenwelt sie sich bewegen. Alle Beispiele sind Büchern neueren Datums entnommen und entsprechen dem heutigen Stand der Homöopathielehre. Das erste Beispiel illustriert die blinde Gläubigkeit in Hahnemanns Theorien. Es findet sich in dem Buch von F. Gauß, »Wie finde ich das passende Arzneimittel?« F. Gauß schreibt: »Man wird sich dankbar bewußt, daß die Homöopathie eine Heilweise darstellt, die sich bis heute bestens bewährt und erhalten hat. Gerade in unserer Zeit ist besonders hervorzuheben, daß die homöopathischen Arzneimittel keinerlei sogenannte Nebenwirkungen haben, die mehr krank als gesund machen.« Den esoterischen Gehalt der Homöopathie tönt er nur mit einem Satz zu den Hochpotenzen von D 30 bis D 1000 und höher an: »Die Hochpotenzen wirken viel tiefer, sie greifen in die geheimsten Lebensvorgänge ein . . .« Wie einst Hahnemann, führt auch Gauß feinste Unterschiede in seinen Diagnosen auf. So unterscheidet er nicht weniger als 24 Angstformen. Gegen jede Form muß ein anderes Medikament gegeben werden. Gegen Angst vor der Geburt verschreibt er »Cimicifuga« (Silberkerze) in der Verdünnung D 30, gegen »Angst, es könnte etwas aus der Ecke hervorkommen«, Phosphor D 6. »Angst vor Berührung bei großer Traurigkeit und jammervoller Stimmung« erfordert »Antimonium crudum«, (Roh Antimon) und »Angst vor spitzen Gegenständen (Messer, Gabel usw.)« behandelt er mit »Strophantus gratus«, D 6. Daß diese skurille Diagnosenfülle eine Verständigung mit der Schulmedizin sehr erschwert, dürfte einleuchten. Mehr noch: Wie kommt der Homöopath dazu, gegen die Angst vor spitzen Gegenständen ausgerechnet »Strophantus gratus« in der Konzentration D 6 und nicht etwas anderes in einer anderen Potenz zu geben? Allein gegen die 24 Formen der Angst kennt Gauß nämlich 30 Mittel in den Potenzen D 6 bis D 1000. Das ergibt 715 680 Möglichkeiten der Behandlung der Angst! Doch diese Fragen seien nur am Rande gestellt. Woher kommt die Energie? Das nächste Beispiel über den Stand der heutigen Homöopathie ist dem Buch von Paul Uccusic, »Naturheiler«, entnommen. Er berichtet über »wissenschaftliche« Forschungen am Ludwig Boitzmann Institut in Wien, dessen Leiter, Prof. Bischko, eines der wichtigsten Lehrbücher für die westlichen Akupunkteure geschrieben hat. In diesem Institut arbeitet Dr. Otto Maresch an der Erforschung der Heilkraft hoher Potenzen (also D 30 bis D 1000 und mehr). Wie wir gesehen haben, findet man bei dieser Verdünnung kein einziges wirksames Molekül mehr in einem Fläschchen. Die heilende Wirkung, so erklären die Homöopathen, habe das Mittel dann durch die kosmische Kraft, die durch den Vorgang des Potenzierens eingefangen worden sei. Diese heilende Kraft wird also von Dr. Maresch erforscht. Da man diese kosmische Lebenskraft mit physikalischen Meßmethoden nicht messen kann, braucht er andere Mittel. Uccusic schreibt:

»Man lasse sich nicht davon abstoßen, daß Maresch bisweilen Bioindikatoren zum Nachweis der Mikrowellenstrahlung benützt, nämlich Wünschelrute und Pendel.« Nachdem dem Leser nun klar ist, daß die Wahrsagemittel Wünschelrute und Pendel ganz harmlose wissenschaftliche »Bioindikatoren«, sind, wird zur Erklärung der Kraft der Vergleich mit dem Mikrowellengrill herangezogen, der mit seinen unsichtbaren Strahlen innert Minuten Fleisch garkocht. Und wenn ein Schwingquarz in einem Funkgerät Mikrowellen abstrahlt, weshalb soll dann nicht auch ein Mensch, ein Organ, ein Tumor oder ein Medikament eine eigene Schwingung ausstrahlen? Während jedem klar ist, daß ein Funkgerät eine Energiequelle braucht, bleibt Uccusic die Antwort schuldig, woher die Energie bei den homöopathischen Mitteln kommt. Um nun für jede Krankheit und für jeden einzelnen Patienten das richtige Medikament zu finden, hat Maresch folgenden Versuch festgelegt: »Ein homöopathisches Mittel wird eine um so bessere Wirkung entfalten, je präziser seine vorherrschende Wellenlänge der des erkrankten Organs oder des erkrankten Systems entspricht.« Für den Arzneimittelversuch am Gesunden werden der Versuchsperson fünf Elektroden an sein »elektromagnetisches System« (Meridiane, Akupunkturpunkte) befestigt. Auf der Suche nach einem Mittel gegen Krebs hält er in der einen Hand ein Pulver, das aus einem echten Tumor hergestellt wurde. Die Nadel schlägt nun ganz stark aus. Nun sucht er ein Mittel, das gegen diese »Krebsstrahlung« wirkt. Nachdem er verschiedene Stoffe ausprobiert hat, fällt endlich die Nadel auf die Null Stellung zurück: Veilchensaft in der homöopathischen Potenz D 8 D 12 wirkt gegen Krebs! Doch es geht auch einfacher: »Der kürzere Weg ist der Weg über den Bioindikator Pendel.« Um diese »wissenschaftlich nachgewiesene« Strahlung jedoch feststellen zu können auch mit dem »neutralen« elektromagnetischen Gerät brauche es mehr: Nicht jeder Arzt könne das lernen, weil eine gewisse Sensitivität notwendig sei. Sensitivität wofür? Warum können diese Energien nur von wenigen speziell empfindlichen Menschen aufgespürt werden? Was für Energien werden da gemessen? Kurt Koch gebraucht statt des Wortes Sensitivität das Wort Medialität, Er schreibt dazu: »Die Medialität findet sich meistens in der Nachbarschaft von Zaubereisünden. Wenn die Vorfahren im dritten oder gar vierten Glied Spiritisten waren oder Magie und andere Formen der okkulten Künste betrieben haben, dann sind die Nachkommen gewöhnlich medial veranlagt . . . Die Rutenfühligkeit und die Pendelreaktion ist eine mediale Veranlagung.« Wissenschaftliche Untersuchungen der Homöopathie Wenn immer die homöopathisch arbeitenden Heilpraktiker sich einer kontrollierten Untersuchung stellen müssen, versagen sie, oder sie geben den übernatürlichen Charakter ihrer Methode zu, indem sie darauf hinweisen, daß man die homöopathische Heilwirkung nicht mit wissenschaftlichen Methoden erfassen könne (dafür jedoch mit Pendeln und medialer Begabung). Zu diesem Fragenkomplex ist ein Buch von O. und L. Prokop mit dem Titel »Homöopathie und Wissenschaft« erschienen. Es würde den Rahmen dieses Buches sprengen, ausführlich über dessen Ergebnisse zu berichten. Interessant sind vielleicht einige Ausführungen von Dr. Donner, der selbst Homöopath war und dessen Ziel es war, die homöopathische Lehre wissenschaftlich zu untermauern. Der erste ernsthafte Versuch eines Homöopathen, die Wahrheit im Dschungel homöopathischer Behauptungen zu finden, endete mit einem Fiasko und mit der Abkehr Dr. Donners vom pseudoreligiösen Glauben an die Homöopathie. Angefangen hatten Dr. Donners Zweifel bei einem Vortrag im heute noch existierenden homöopathischen Robert Bosch Krankenhaus in Stuttgart. Dort führte ein bekannter Homöopath aus, daß das Mittel »Apis mellifica« am besten wirke bei Patienten mit Krankheiten auf der rechten Seite, verbunden mit »Durstlosigkeit« und mit einem »Säcklein am rechten unteren Augenlid«. Speziell gut wirke es bei rechtseitigen Eierstockzysten, während man links ein

anderes Medikament geben müsse. Als Donner nun alte Berichte über die Wirkung von »Apis meilifica« (nichts anderes als Bienengift) durchforschte, las er nicht nur, daß doppelt soviele Krankheiten auf der linken Seite vorkommen, sondern auch, daß das »Säcklein unter dem Auge« erstmals durch die Schwellung nach einem Bienenstich aufgetreten war. Sein Zweifel war geweckt, und er begann nun im Laufe einiger Jahre Prüfungen an nahezu zweihundert Ärzten vorzunehmen, wobei er die Potenzen D 4 bis D 12 prüfte. Er verglich die »wirksamen« homöopathischen Mittel mit völlig neutralen Stoffen, die man in der Medizin »Placebo« nennt. Die Resultate waren vernichtend. Schon bei den ersten Versuchen mit unwirksamen Placebos traten bei den homöopathiegläubigen Testpersonen zahlreiche Symtome auf, z.T. so heftig, daß die Prüfungen abgebrochen werden mußten. Eine Berliner Ärztin bekam nach dreitägiger Placeboeinnahme solch heftige Migräne Anfälle, daß sie ein halbes Jahr lang nur noch halbtags arbeiten konnte. Die »Ungläubigen« hingegen spürten weder unter Placebos noch unter den homöopathischen Mitteln irgendwelche Wirkungen. Besonders interessant war das Verhalten eines homöopathischen Arztes, der selbst in der Prüfungsleitung saß. Bei einem Versuch mit »Nuxvomica« in der astronomischen Potenz C30 (entspricht D 60) hatte er vergessen, daß ja zuerst Placebos gegeben worden waren. Er nahm die Berichte der Prüflinge zur Hand und fing an, die Symptome, die er bei Nux vomica kannte, herauszulesen! Was ihm nicht ins Konzept paßte, ließ er einfach weg. Dieses Vorkommnis zeigt eine weitere Schwachstelle auf in den ellenlangen Listen von Arzneisymptomen, die man in der Geschichte der Homöopathie angelegt hat: Wenn der Prüfungsleiter weiß, was er gibt, nimmt er von den berichteten Symptomen, was er für richtig hält, den Rest bezeichnet er als unwichtig. Mit der Suche nach der Wahrheit, die gerade Christen ein Anliegen sein sollte, hat das nur noch wenig zu tun. Dennoch bin ich der Auffassung, daß die meisten Homöopathen nicht bewußt lügen. Aber ihr Denken ist oft so auf den Pfad der Homöopathiewirkungen eingeschliffen, daß sie nicht mehr fähig sind zu kritischen Überlegungen. Mehr Wirkstoffe im Gemüse als in homöopathischen Mitteln Sollten unsere Krankheiten wirklich nur vom Fehlen gewisser Spurenelemente und Mineralstoffe abhängig sein, so ist nicht einzusehen, weshalb wir noch homöopathische Mittel einnehmen sollen. Denn »Verunreinigungen, die trotz aller küchentechnischen Maßnahmen an unseren täglichen Nahrungsmitteln haften, enthalten mehr »Calcarea«, »Silicea«, »Carbonicum«, und andere in der Homöopathie gebräuchliche Mittel als die unter diesen Bezeichnungen verwendeten Arzneien.« Wozu also all diese homöopathischen Mittel, deren Wirkstoffe bereits in unserer natürlichen Umgebung vorkommen? Ein Argument, das gerne von den Homöopathen als Beweis ihrer Lehren gebraucht wird, ist die Impfung. Hier wird wirklich Ähnliches mit Ähnlichem geheilt. Abgetötete oder abgeschwächte Viren werden unter die Haut gespritzt und schützen den Geimpften vor eben diesen Viren. Daß sich diese Vorsorgemaßnahme auf äußerst wenige der über 10 000 heute bekannten Krankheiten anwenden läßt, wird dabei wohlweislich verschwiegen. Auch macht man sich nicht die Mühe, die Abwehrvorgänge des Körpers, die beim Impfen aktiviert werden, auch bei der Anwendung homöopathischer Mittel nachzuweisen. Es wäre auch sinnlos, denn sie kommen dort nicht zur Geltung. Das Beispiel zeigt uns aber auch, wie unbeschwert wissenschaftliche Aussagen aus ihrem Zusammenhang herausgerissen werden, um diese absurden Lehren zu unterstützen. Eine »brillante Fähigkeit« attestiert Prokop den Homöopathen, Erkenntnisse der Wissenschaft »mit Grundlagen der Homöopathie zu identifizieren, die sich auch beim besten Willen nicht auf einen Nenner bringen lassen.«

Würde eine religiöse Gruppe die Aussagen der Bibel in dieser Weise anwenden, um hinduistisches und buddhistisches Gedankengut christlich zu verbrämen, so würde sie bald im Abseits und im Sektenlexikon landen. Die Homöopathen genießen jedoch in weiten Kreisen der christlichen Gemeinde größeres Ansehen als die Macht des Gebets. Warum hat denn die Homöopathie solche Erfolge? Es besteht kein Zweifel daran, daß die Homöopathie Erfolge zu verzeichnen hat. Jeder meiner Leser wird schon Berichte von Bekannten und Verwandten gehört haben, die durch ein homöopathisches Mittel, das ihnen ein Naturarzt gegeben hat, wunderbar kuriert worden sind. Ich will diese Berichte nicht einfach vom Tisch wischen. Die Frage ist nur: Wodurch sind sie wirklich geheilt worden? Durch das Mittel? Durch die kosmische, okkulte Kraft der Arznei? Durch die begleitenden Maßnah¬men (Rauchverbot, keine Genußmittel, Ausruhen)? Oder durch den Glauben an den Heilpraktiker bzw. seine Mittel? Es ist heute allgemein bekannt, daß körperliche Krankheiten durch psychische Einflüsse ausgelöst werden können. Denken Sie nur an das Bauchweh nach einem Schreckerlebnis. Schwierigkeiten in der Familie können Migräne auslösen, und Liebeskummer kann sich auch einmal in unerklärlichem Durchfall äußern. Selbst bei Krebs will man psychische Faktoren als auslösende Ursache gefunden haben. Umgekehrt können aber auch psychische Einflüsse zur Heilung von Krankheiten führen. Erinnern Sie sich noch, wie Sie als kleines Kind mit einer Schramme zu Mutti gelaufen sind? Wie wohl hat doch die Zuwendung getan, welche Wunder wirkte das Pflaster! Nun, wir Erwachsenen brauchen vielleicht etwas kompliziertere Behandlungsformen, im Grunde aber reagieren wir, auch wenn wir es nicht wahrhaben wollen, ähnlich wie das Kind mit der Schramme. Schon im letzten Jahrhundert hat man die ersten Experimente mit Placebos gemacht, mit Medikamenten also, die absolut keinen Wirkstoff enthalten. Man hat entdeckt, daß wichtiger als die Substanzwirkung einer Arznei der Glaube ist, daß das Mittel wirkt. Ein Arzt, der seinen Patienten ein Mittel mit großer Überzeugung verschreibt, erzielt selbst mit schwachen Arzneien große Erfolge. Umgekehrt versagt ein sonst gut wirkendes Mittel, wenn es von einem kritischen, schweigsamen und pessimistischen Arzt verschrieben wird. Der wichtigste Heilfaktor ist also der Arzt (oder der Heilpraktiker) selbst, so daß verschiedene Autoren bereits von der »Droge Arzt«, sprechen". Wo eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Arzt und Patient fehlt, hat die Verwendung von Placebos oder homöopathischen Mitteln wenig Sinn und Zweck. Nicht immer muß es der Naturarzt sein, der einem das homöopathische Mittel mit Überzeugung gibt, es kann auch die Nachbarin sein oder die Freundin, die damit einen phänomenalen Erfolg gegen ihr ständiges Kopfweh hatte. Der Placebo Effekt ist bei den Mitteln der Homöopathie wohl der wichtigste Grund für deren Erfolg. Das konnte in verschiedenen Studien, die ich oben erwähnt habe, eindeutig nachgewiesen werden. Schlecht muß dieser Effekt gar nicht sein, denn damit können viele gefährliche Medikamente eingespart werden. Für Christen stellt sich allerdings die Frage: Warum glauben wir an homöopathische Streukügelchen und Tinkturen und nicht vielmehr an die Kraft des Gebets? Wie groß ist doch die Gefahr, daß wir gerade homöopathischen Mitteln (aber nicht nur ihnen) mehr Ehre geben als Gott! Es gibt aber noch einen weiteren Grund für die Erfolge der homöopathischen Medizin. Kürzlich erzählte mir die Tochter eines Managers von einem Großbetrieb, daß ihre Eltern in einem christlichen Kurhaus gewesen seien, wo sie unter anderem mit homöopathischen Mitteln behandelt wurden. Die Kur habe großen Erfolg gehabt, die Eltern seien wirklich erholt und

gesundheitlich gestärkt zurückgekommen, Meine Frage: Was hat hier geholfen? Dr. Lipross, der Autor des Buches »Logik und Magie in der Medizin« schreibt: »Schon die Kurpromenade, das obligatorische Kurkonzert und viele andere bei flüchtiger Betrachtung nebensächlich erscheinende Dinge sind ebenso maßgebend für den Kurerfolg wie die örtlichen Riten bei den Trink und Badekuren«. Heilung hat hier nicht das homöopathische Mittel gebracht, sondern die ganze Atmosphäre, die Wanderungen, die Ruhe und die Entspannung. Das Medikament diente nur dazu, daß dem Glauben an die Tabletten Medizin unseres Zeitalters Genüge getan wurde, daß der Eindruck erweckt wurde, man sei auch wirklich »behandelt« worden. Die geringste Wahrscheinlichkeit, eine Heilung herbeigeführt zu haben, hat das homöopathische Mittel selbst zu verbuchen. Organisch¬-materiell ist von einem Heilmittel in homöopathischen Verdünnungen über D 6 keine Wirkung mehr zu erwarten. Seriöse Homöopathen, die von okkulten Kräften nichts wissen wollen, gehen denn gewöhnlich auch nicht über diese Potenz hinaus. Okkulte Einwirkungen durch Homöopathie Die Wirkung höher potenzierter Mittel liegt auf der Ebene des Geistes, sei dies durch den Placebo Effekt oder durch okkulte Einwirkungen. Hahnemann hat in seinem wichtigsten Werk, dem »Organon«, ausdrücklich auf die Wirkungen von Mesmers tierischem Magnetismus hingewiesen, diese »oft törichterweise geleugnete Heilkraft«, und sie rückhaltlos unterstützt und selbst angewendet. Wir haben gesehen, daß sowohl er als auch seine modernen Anhänger daran glauben, mit ihrem potenzierten Heilmittel »kosmische Lebensenergie« weiterzugeben. Mesmer lehrte, der gesunde Mensch könne sich aus dem magnetischen Kraftfeld der Erde magnetisch aufladen und dann durch Bestreichen mit den Händen kranke Menschen heilend beeinflussen. In seinem »Palais Mesmer« in Paris traf sich häufig die gesellschaftliche Oberschicht zu magnetischen »Séancen«. Die Kranken waren in einem mit orientalischer Pracht ausgestatteten Raum versammelt und bildeten, sich an den Händen haltend, eine Kette. Aus dem Nebenzimmer drang rhythmische Musik, die Spannung stieg. »Dann tritt Mesmer auf. Er ist gekleidet wie ein indischer Zauberer. Mit seinem Eisenstäbchen geht er die Kette ab, spricht leise mit seinen Patienten, bestreicht sie mit dem Magnetstab, bannt die Aufmerksamkeit des einzelnen Kranken durch Anstarren. Bald beginnt der eine oder andere Kranke zu zittern, dann zu schreien, zu lachen, zu tanzen oder in Krämpfe zu fallen. Die von Mesmer von jeher beabsichtigte >Krise< ist eingetreten!« Die Erfahrung hat gezeigt, daß die Magnetopathie nach Mesmer praktisch immer als okkulte Praktik zu gelten hat. Sowohl Pastor Modersohn als auch Dr. Kurt Koch warnen eindringlich, sich mit Magnetopathen einzulassen. Sehr oft treten nämlich nach der Behandlung durch einen Magnetiseur mediale »Geistergaben« auf. Auf diesem Wege bekam auch der ehemalige Pfarrer Bolte seine Gabe der Wahrsagerei mit dem Pendel. Wie viele andere Homöopathen pendelt er die richtigen Mittel für einen Patienten aus. In seinem Büchlein: »Von der Pendelforschung zur Wunderheilung« schreibt er: »An den Schreibtisch gesetzt, Pendel raus, die Schwabe'sche Liste der homöopathischen Mittel vorgenommen und dann telephonisch das gefundene Mittel in Leipzig bestellt.« Meist verordnete ihm das Pendel ein Mittel in Hochpotenz. Mehr noch: Bolte fing auch an, Flaschen »magnetisch aufzuladen«. »Etwas ist geblieben, was man zur Not oft einsetzen kann: Geistige Heilkräfte auf Flaschen gebannt! So kann man durch geistige Kraft oder mit Hilfe des Himmels Weine oder Alkohol so aufladen, daß das zu einem

ganz bestimmten Heilmittel wird: gegen eine bestimmte Infektionskrankheit, gegen Würmer oder gegen alles sonstige Beliebige. Das ist eine Kunst, die man jedem Anfänger der geistigen Heilweisen beibringen kann. Ich habe sogar Ärzte dazu gebracht, daß sie dies wirksam anwenden konnten. Schließlich habe ich mir damals sogar ganze Kästen solcher aufgeladener nachgefüllter homöopathischer Fläschchen angelegt.« Die Folgen einer solchen Diagnose und Behandlung beschreibt Dr. Kurt Koch. Er erzählt von einem Mann, der zu einem Besprecher ging, sich von ihm beraten ließ und seine »magnetisierten« Heilmittel einnahm. »Das körperliche Leid verschwand, dafür stellten sich psychische Störungen und die Auslösung der Hellsichtigkeit ein. Der Sohn des Mannes litt von Jugend auf an Schwermut, Lästergedanken, periodischen Depressionen und Anfechtungen mancherlei Art«. Soll ein Christ homöopathische Mittel nehmen? Dies ist natürlich eine Gewissensfrage, die sich jeder selbst beantworten muß, wenn er dieses Buch gelesen hat. Ein ehemaliger Heilpraktiker und Magnetiseur schreibt mir: »Satan hat einen Riesenkatalog von Methoden, durch welche er uns Menschen offen oder verborgen vom Heil in Christus Jesus trennen will. Dabei offeriert er eben auch diverse >Heilmethoden<, die dem Kranken Heilung bringen sollen. Sicher trifft es zu, daß viele Christen nicht unterscheiden können, ob diese >Heilmethoden< vom Feind unterwandert sind, und dabei auch unseriösen Heilpraktikern zum Opfer fallen, insbesondere dann, wenn man um jeden Preis gesund werden will, statt um jeden Preis nach Gottes Willen zu fragen. Bei dieser Gelegenheit möchte ich allerdings auch erwähnen, daß wir nicht alle Heilmethoden zum vornherein als okkult klassifizieren dürfen. So hat z. B. die Homöopathie als solche mit Zauberei nichts zu tun ... Es ist aber so, daß manche sogenannte Heilpraktiker sich in unseriöser Weise dieser Mittel bedienen, indem sie diese magisch besprechen, damit sie ganz sicher wirken. In diesem Fall wirken dann solche Heilmittel als >Kontaktmittel< des Feindes und bringen uns unterdessen Herrschaft und Abhängigkeit, was sich bis zum Selbstmord steigern kann.« Soweit die Meinung eines Mannes, der früher selbst als Heilpraktiker tätig war. Ich persönlich könnte nach all dem, was ich in diesem Kapitel zusammengetragen habe, keinem Patienten homöopathische Mittel verschreiben. Wer es dennoch tut, ist sich meistens nicht bewußt, welche Hintergründe diese Lehre hat. Speziell warnen möchte ich vor Mitteln, die über die Potenz D 6 hinausgehen, gibt es doch über diese Grenze außer dem Placeboeffekt nur noch okkulte Erklärungen für deren Wirkung. Besondere Gefahr besteht auch bei homöopathischen Mitteln von Heilpraktikern, die pendeln, Handlinien lesen, magnetisieren oder Fernbehandlungen durchführen. Diese Praktiken sind jedoch für den Patienten nicht immer zu erkennen. Wie soll er dann feststellen, aus welcher Quelle die homöopathischen Mittel kommen, die er schluckt? Wo haben wir den berühmten Strich zu ziehen, homöopathische Mittel zu gebrauchen oder die Finger ganz davon zu lassen? Die Beantwortung dieser Frage soll angesichts der ohnehin fraglichen Grundlage und Wirkung dieser Mittel dem Leser selbst überlassen bleiben.

7. Kapitel Irisdiagnose - zeigen sich Krankheiten am Auge?

Es war vor etwa 150 Jahren, im Jahre 1831, als ein elfjähriger ungarischer Junge sich durch das Dickicht eines Waldes schlug. Die Bäume standen so dicht, daß kaum mehr Licht auf die Erde drang. Kein Laut war zu hören. Manchmal schreckte plötzlich ein Reh auf und entfloh in langen Sprüngen, dann wieder hörte man nichts mehr außer dem Knacken kleiner Ästchen unter Ignaz' Füßen. Ohne daß Ignaz es wußte, wurde er von zwei großen unheimlichen Augen beobachtet. Plötzlich schoß ein riesiges Etwas aus dem Dämmerlicht. Schreckerstarrt stand der Junge da. Bevor er etwas tun konnte, hatte die Eule auch schon ihre scharfen Krallen in den Arm ihres Feindes geschlagen, der vielleicht, ohne daß er wollte, ihrem Nest zu nahe gekommen war. Ignaz wehrte sich verzweifelt gegen das wütende Tier. Schließlich wußte er sich nicht mehr anders zu helfen, als der Eule ein Bein zu brechen. Im selben Augenblick beobachtete er, wie im Eulenauge ein schwarzer Strich auftrat, der in der Regenbogenhaut fast senkrecht nach unten lief. Lange dachte der Junge nach über das, was er dort im Wald mit der Eule erlebt hatte. Das Brechen des Beines, so die Folgerung Ignaz Peczelys, hatte in der Iris ein Zeichen gesetzt. Jahre vergingen, und Peczely, zuerst Mechaniker von Beruf, bildete sich zum Naturheilkundigen und Homöopathen weiter. Nach vier Seinestern Studium in Wien errang er die Würde eines Doktors der Medizin. Eines Tages beobachtete er bei einem Patienten einen Strich in der Regenbogenhaut, und plötzlich erinnerte er sich wieder an sein Erlebnis mit der Eule. Genauso, wie der Beinbruch einen Strich im Eulenauge verursacht hatte, müßten sich auch andere Krankheiten in der Iris zeigen, folgerte er'. Damit war die Irisdeuterei geboren! Peczely begann nun, die Iris in 12 Abschnitte einzuteilen, und ordnete jedem Abschnitt verschiedene Organe zu. So zeigten sich angeblich in einem schmalen Ring direkt um die schwarze Pupille Krankheiten des Magens. Die Beine hatten ihre Entsprechungen in den Sektoren 6 und 7, die Kopforgane lagen in den oberen Abschnitten der Iris. Auf diese Weise projizierte er zuletzt den ganzen Menschen auf die kleine Regenbogenhaut. Fast zur gleichen Zeit begannen auch andere Naturheiler und Homöopathen die Iris als Diagnosehilfe zu entwickeln. Richtig bekannt wurde die Irisdeuterei erst durch einen Prozeß gegen den Naturheiler und Irisdeuter Felke, auch »Lehmpastor« genannt. Allein in einem Jahr hatte er 15000 Patienten behandelt. Obwohl er behauptete: »Die Irisdiagnose ist unfehlbar, sie irrt nie«, versagte er völlig: Vor Gericht sollte er 20 Patienten die Diagnose aus der Iris stellen. Dabei stellte er bei einem Mann mit der Geschlechtskrankheit Syphilis folgende »Krankheiten« fest: »Pupillen nicht gleichmäßig, vermutlich Wurmplage. Trinkt gute Boullion und guten Kaffee, träumt viel nachts, Füße kalt, Blutdrang, Schmerzgefühl des Leibes, verbunden mit Schmerzen im Kreuz, muß einmal hart auf die Beine gesprungen sein, hat leicht Migräne, Magenschmerz, neigt zu Gallensteinen.« Die wirkliche Krankheit erkannte er nicht. Genauso ging es ihm mit weiteren 19 Patienten. Die Irisdiagnose begann jedoch ungehindert ihren Siegeszug durch die Welt der Abergläubischen. Das Auge - die Öffnung der Leber? Wenn ein chinesischer Arzt vor 4000 Jahren einen Patienten untersuchte, so bediente er sich damals schon einer Art von Irisdiagnose. So, wie das Schicksal des kleinen Menschen von den Sternen des großen Kosmos abhängig sei, so zeigten sich nach chinesischer Denkweise auch die Krankheiten und Organe des großen Menschen im kleinen Auge: Der Mikrokosmos entspricht dem Makrokosmos. Für die Chinesen war die Iris die Öffnung der Leber. Wer sie genau untersuchte, der konnte dort alle Krankheiten der Leber erkennen. Doch sie sahen noch mehr am Auge: das obere Augenlid entsprach der Milz, das untere dem Magen, das Weiße des Augapfels

zeigte Krankheiten der Lunge, die schwarze Pupille die Funktion der Niere. Der innere Augenwinkel entsprach dem Herzen, der äußere schließlich gab Auskunft über Herz und Dünndarm. Die graue Eminenz im Hintergrund der heutigen Naturheilkunde, Paracelsus, sah das Auge als Mikrokosmos, den Menschen als Makrokosmos und schuf Verbindungen zur Astrologie'. Die Entsprechungslehre von Makrokosmos und Mikrokosmos bildet aber nicht nur die Grundlage der Astrologie, sondern auch des Handlinienlesens, der Magie sowie der Akupunktur und der Fußreflexzonenmassage, wie wir das schon in früheren Kapiteln gesehen haben. Und diese Lehre war unter den Naturheilpraktikern zur Zeit Ignaz Peczelys nicht weniger verbreitet als in unseren Tagen. Der Astrologe Libra schrieb zu Beginn des 19. Jahrhunderts unter dem Thema »Zodiacus, des Auges«: »Warum muß alles, was im Körper geschieht, in der Iris ausgedrückt sein? Aus dem selben Grund, aus dem sich im Menschen alles abspielt, was im Kosmos vorfällt. Im Auge spiegelt sich der Kosmos des Menschen ab im Augenblick, wo er geboren wurde, sowie auch die Äußerungen, die darin seit jenem Zeitpunkt stattfanden. Es ist nicht nötig, darauf hinzuweisen, daß diese Spiegelung ebensogut in jedem anderen Teil des Körpers stattfindet, aber die Iris eignet sich zur Wahrnehmung am besten.« Es fügt sich nahtlos in dieses Bild, daß die Zwölfereinteilung der Iris, wie sie die Irisdeuter annehmen, auf die Feldereinteilung des astrologischen Tierkreises zurückgehen soll. Viele Irisdeuter unserer Tage leugnen schamhaft die Herkunft ihrer Kunst und versuchen ihre Arbeit mit vielen pseudowissenschaftlichen Erklärungen salonfähig zu machen. Die Tatsache bleibt jedoch bestehen, daß auch sie eine diagnostische Methode auf dem Boden östlicher Philosophie und magischer Vorstellungen anwenden. Das Wunder des Auges Das menschliche Auge ist eines der wunderbarsten Organe unseres Körpers. Nur so groß wie ein Tischtennisball, vermittelt es uns doch das Schönste, was wir kennen: die farbige Welt des Lichts und der Formen um uns herum; das leuchtende Rot der Rosen, das Azurblau des Meeres, das helle Grün des Frühlings. 6 Millionen Zäpfchen (für das Farbsehen) und 120 Millionen Stäbchen (Schwarz Weiß Sehen) finden sich in der Netzhaut eines Auges. Die von ihnen gesammelte Information wird im Gehirn verarbeitet und gespeichert. Im Auge selbst sorgt ein wunderbares System dafür, daß trotz extremster Lichtbedingungen immer die genau richtige Lichtmenge auf die Netzhaut auftrifft. Ein wesentlicher Bestandteil dieses Systems ist die Iris oder Regenbogenhaut Ist sie stark angefärbt, so sind die Augen braun; enthält sie wenig Pigment, so erscheinen die Augen blau. Die Farbe der Regenbogenhaut erben wir von unseren Eltern. Durch das fein aufeinander abgestimmte Spiel des Pupillarmuskels wird die Pupille in der Dunkelheit weit, während sie sich im hellen Licht der Sonne auf Stecknadelkopfgröße verengt. Um diese andauernde Bewegung durchzustehen, ist die Iris aus feinsten Bälkchen schwammartig aufgebaut, ähnlich den Lamellen einer Blende beim Fotoapparat. Je nachdem, wie das Licht in diese speichenartig angeordneten Bälkchen einfällt, entsteht ein unterschiedliches Muster, das dazu noch bei jedem Menschen einzigartig ist, genauso, wie jeder Mensch seinen eigenen unverwechselbaren Fingerabdruck hat. Dieses Muster hat keine weitere Bedeutung. Aus der Anordnung der Bälkchen und aus deren Farbe Krankheiten herauslesen zu wollen, ist genauso hoffnunglos, wie wenn man aus den Fingerabdrücken eines Verbrechers herausfinden wollte, ob er sich einmal ein Bein gebrochen hat. Was kann denn nun der Arzt im Auge sehen? Selbstverständlich kann er bei genauer Untersuchung alle Krankheiten feststellen, die am Auge selbst auftreten. Hier interessieren uns

jedoch besonders die Körperkrankheiten, die sich unter anderem auch am Auge zeigen. Beginnen wir mit der weißen Bindehaut. Es ist allgemein bekannt, daß eine Gelbsucht sich zuerst an der Bindehaut oder Sklera zeigt. Dies hat seinen Grund darin, daß der Gallenfarbstoff am besten auf weißem Hintergrund zu sehen ist, obwohl er genauso auch in die übrige Haut eingelagert wird, die jedoch meist ein wenig dunkler ist. Hinter einer »Gelbsucht« können sich die verschiedensten Erkrankungen verstecken: eine harmlose Stoffwechselstörung oder ein bösartiger Tumor in der Bauchspeicheldrüse, Schwierigkeiten der Leber mit der Verarbeitung eines Medikaments (häufig die »Pille«) oder aber eine Entzündung der Leber durch Viren. Die Liste könnte seitenlang fortgesetzt werden, wollte man alle bekannten Krankheiten aufzählen, die zu einer Gelbfärbung führen. Viel weniger häufig als gelbe sind blaue Skleren, die bei einer seltenen Knochenkrankheit auftreten. Die Hornhaut kann bei einer Viruserkrankung (Herpes) mit betroffen sein. Sie reagiert aber auch besonders empfindlich bei Austrocknung oder bei verhältnismäßig leichten Verletzungen. Oft entwickelt sich dann ein Geschwürchen, und die verbleibende Narbe ist weiß und undurchsichtig, so daß das Sehen schwer beeinträchtigt sein kann. Bei vielen älteren Leuten kann man einen grauen Ring sehen, der jedoch nur eine harmlose Farbstoffablagerung darstellt. Selten ist auch die Linse bei allgemeinen Erkrankungen mit betroffen. Der Mangel gewisser Vitamine oder die Einnahme von Medikamenten kann zu einer Trübung der Linse führen, die dann das Sehen stark beeinträchtigt. Schwere Veränderungen der Linse können schon bei einem Baby auftreten, wenn seine Mutter während der Schwangerschaft die Röteln durchmachte. Besonders ergiebig ist für den Arzt die Spiegelung des Augenhintergrundes. Hier kann er nicht nur die Netzhaut beobachten, sondern auch die Blutgefäße und den Sehnerv. Die Blutgefäße zeigen so wichtige Krankheiten wie Arterienverkalkung und Zuckerkrankheit. Der Sehnerv kann z. B. bei einem Hirntumor oder bei einer Drucksteigerung des Liquors (Hirnwasser) verändert sein. Wenden wir uns noch der Regenbogenhaut (Iris) zu, aus der die Irisdeuter so viel herauslesen wollen. Sie ist meist im Rahmen einer Entzündung der Aderhaut mit betroffen und schwillt dann grünlich auf. Ursachen für eine solche Entzündung können Infektionsherde, Tuberkulose, Geschlechtskrankheiten oder seltene Formen des Gelenkrheumatismus sein, wobei neben diesen Augensymptomen noch weitere Anzeichen vorhanden sein müssen, damit die richtige Diagnose gestellt werden kann. Als Arzt mehr herauslesen zu wollen, wäre vermessen. Leberschrumpfung oder kleiner Finger? Weil sich die Arbeit eines Irisdiagnostikers nicht mit der Untersuchung des Arztes vergleichen läßt, soll hier immer von Irisdeuterei und nicht von Irisdiagnose die Rede sein. Prof. Schreck, ein bekannter deutscher Augenarzt, schreibt: »Ein gegensätzliches und in keiner Weise damit (mit der ärztlichen Untersuchung) vergleichbares untersuchungstechnisches Verhalten zeigen die Irisdeuter. Sie >ersehen< die Krankheiten des menschlichen Körpers aus normalem Irisgewebe, ja sogar aus einer ganz oberflächlichen Betrachtung der Oberfläche.« Und weiter meint er. »Wir stehen hier also vorder in der ganzen Heilkunde einzigartigen, unerhörten Paradoxie und Groteske, ja Absurdität, daß Leute aus normalem Gewebe Krankheiten erkennen wollen. Diese Unsinnigkeit steigert sich dadurch, daß sie hierbei nicht Krankheiten des untersuchten Gewebes meinen, sondern sogar Erkrankungen von Körperorganen, welche ohne jede organische Beziehungen weit von ihm entfernt liegen ... Was die Irisdeuter meinen und woraus sie Krankheiten des Körpers >ersehen<, sind und bleiben nichts weniger und nichts mehr als einfache Varianten der normalen Struktur und Färbung der Iris, denen keinerlei krankhafte Bedeutung und deshalb auch keinerlei diagnostischer Wert zukommen kann.«

Obwohl jeder Irisdeuter dem Patienten gegenüber behauptet, es gebe nur einen Diagnoseschlüssel zur Iris, hat Prof. Jentzsch nicht weniger als deren 19 gezählt. In einer Tabelle vergleicht er elf Systeme. Dabei sollen sich z. B. zwischen 230 und 240 Grad, d. h. auf der Breite einer Nähnadel, je nach Schlüssel, die Leber, der kleine Finger, der Arm, das Zwerchfell, die Hand, die Rippen, eine Leberschrumpfung, die Achseldrüsen oder die Gallenblase manifestieren. Man schätzt, daß es etwa 10000 Krankheiten gibt. Es ist nicht klar, wie diese alle auf dem kleinen Raum der Iris Platz haben sollen. Wissenschaftliche Untersuchungen Weil eine Diagnose aus der Iris viele aufwendige Untersuchungen ersparen könnte, wurden die Behauptungen der Irisdeuter in vielen Studien ernsthaft überprüft. Wir wollen nur einige wenige herausgreifen. Beginnen wir mit Ignaz Peczelys Beobachtung an der Eule. Eine Veränderung am Eulenauge hätte sich leicht durch Fotografien vor und nach einem Knochenbruch zeigen lassen. Dieser Nachweis konnte nie erbracht werden: Die Irisdeuterei in ihrer heutigen Form begann also bereits durch einen Irrtum ihres Entdeckers. 1957 Konnte Dr. Wöhlisch aufzeigen, was der 11 jährige Ignaz damals gesehen hatte. Er beobachtete, daß beim Lidschluß die Nickhaut von oben innen nach unten außen über die Hornhaut gezogen wird und daß sie bei langsamer Öffnung des Auges gegen die Bewegung des oberen Augenliedes zurückbleibt. Man sieht dann, wie der Rand der Nickhaut als tiefschwarzer, nicht ganz senkrecht verlaufender Strich über die helle Iris zieht. Wöhlisch's Fotos sind so überzeugend, daß diese Deutung wohl richtig ist'. Ein anderer Mediziner untersuchte 762 Patienten mit schwersten Erkrankungen, darunter 60 Amputierte und Kriegsverletzte. Sein Urteil, die Irisdeuterei sei ein Hirngespinst, belegte er mit Zahlen. Von den 762 Patienten hatten nur 18 (das sind 2,7 von Hundert) ein Zeichen im Felde des erkrankten Organs, dagegen hatte fast die Hälfte Krankheitszeichen in Feldern von Organen, die nie erkrankt waren. Derselbe Untersucher machte einen Versuch mit dem berühmten Iridologen Kläser, bei dem Ärzte und Laien Zeuge waren. Als Patienten zeigte man Herrn Kläser Kranke mit sehr schweren Leiden und Verstümmelungen, die man auch als Laie gut erkennen konnte. Nach acht Versuchen wurde das Experiment abgebrochen, weil der »berühmte« Mann nichts als Fehldiagnosen gestellt hatte. Bei einem Patienten mit amputiertem Bein fand er z. B. nur eine »schwere Belastung des Rückenmarks«. Die Liste von wissenschaftlichen Untersuchungen könnte beliebig fortgesetzt werden. Eine sehr gute Sammlung hat Prof. Jentzsch in dem Buch von O. Prokop, »Medizinischer Okkultismus«, veröffentlicht. In keiner Untersuchung konnten die Irisdeuter ihre Behauptungen durch entsprechende Erfolge untermauern. Warum gelingen doch so viele richtige Diagnosen? Eine Frau berichtete mir: »Vor vielen Jahren ging ich zu einem Augendiagnostiker ins Appenzellerland, weil mir meine damalige Arbeit zu schwer geworden war und ich mich elend fühlte. Er stellte fest, daß ich gesund sei, jedoch Entspannung und Aufbaumittel brauche. Jedoch stellte er »aus heiterem Himmel« fest, daß meine Gallenblase sich schwer tue, und ich sie schonen müsse. Er gab mir Kräuterpillen, die beim Verdauen halfen. Wenige Jahre später stellte ein Mediziner anläßlich einer Routine Untersuchung einen vermutlich angeborenen Ikterus (Gelbfärbung der Haut) fest.« Wie so viele andere war diese Patientin verblüfft, daß der Irisdeuter diese Krankheit schon Jahre vorher festgestellt hatte. In diesem Fall aber ist der Grund nicht weit zu suchen: ein angeborener

Ikterus zeigt sich an- und abschwellend immer wieder auch in der weißen Bindehaut des Auges, wie wir das im vorhergehenden Abschnitt gesehen haben. Der Irisdeuter hatte in diesem Fall also seine Diagnose nicht aufgrund der Struktur der Regenbogenhaut gestellt, sondern wie später auch der Arzt die Gelbfärbung der Sklera beobachtet. Somit ist der erste Grund für einen diagnostischen Erfolg eine gute Beobachtung des Patienten, Dazu kommt, daß die Patienten oft auch ihre Beschwerden vortragen, so daß man sich bald einige Diagnosen zusammen reimen kann. An zweiter Stelle steht die verschwommene Ausdrucksweise der Irisdeuter. Was heißt, »die Gallenblase tue sich schwer«? Wie Sie vielleicht wissen, gibt es die verschiedensten Möglichkeiten einer Gallenblasenerkrankung, von Steinen über Entzündungen bis zum Tumor. In diesem Fall war es jedoch überhaupt nicht die Gallenblase, sondern in streng medizinischem Sinne die Leber, die durch eine harmlose Stoffwechselstörung Gallenfarbstoffe ins Blut rückstaute. Die meisten Iridologen begnügen sich nicht mit einer einzigen Diagnose, sondern servieren gleich eine ganze Liste. Ein Beispiel ist die Litanei von »Lehmpastor Felke« auf Seite 90. Schon ein kurzer Blick auf die »Diagnosen« zeigt, daß er ja irgendwo recht haben mußte: Denn wer träumt nachts nicht viel? Wer hat nicht manchmal kalte Füße, wer hatte noch nie Rückenschmerzen? »Wer vieles bringt«, schreibt Dr. Jentzsch, »wird manchem etwas bringen.« Und sollte der Deuter einmal ganz daneben gegriffen haben, so hat er noch eine besonders einleuchtende Erklärung in Reserve: Entweder sind es Zeichen, die auf die Krankheiten der Eltern oder Großeltern hinweisen, oder die Zeichen lassen darauf schließen, daß eine »Organschwäche« vorliegt, die in Zukunft eventuell einmal zu einer Krankheit führen könnte. Als dritten Grund für richtige Diagnosen kommen wir nun zu einem Punkt, wo das ungefährliche und amüsante Trickreservoir der Irisdeuter ein jähes Ende findet. Es besteht die Möglichkeit der okkulten Irisdiagnose durch mediale Einflüsse, doch ist diese eher selten. Der Augenarzt Dr. Jaensch schreibt dazu: »Wenn auch nicht bestritten werden kann, daß gelegentlich einmal Hellsehen bei der Augendiagnose eine Rolle spielt, oder daß der Augendiagnostiker als sensitive Person dem Kranken Bewußtseinsinhalte abzapft, so ist doch zu bedenken: Die Medien sind sehr selten, sicher können nicht alle Augendiagnostiker Medien sein.« Es gibt auch okkult arbeitende Irisdiagnostiker, deren Diagnosen dann oft ins Schwarze treffen. Diese Iris »Hellseher«, wie ich sie einmal nennen möchte, sind nach Dr. Koch »medial veranlagt und arbeiten mit verschiedenen Spielformen der Medialität. Die Iris ist nur eine »Kontaktbrücke«, die für ein telepathisches oder hellfühlendes oder trancehaftes Anzapfen des Bewußtseins oder Unterbewußtseins benützt wird.« Und damit sind wir schon bei der nächsten, entscheidenden Frage, die sich unmittelbar aufdrängt: Kann man durch die Irisdeuterei okkult belastet werden? Nach der Erfahrung verschiedener Seelsorger führt keineswegs jede Iris »Diagnose« zu einer okkulten Belastung. Dr. Koch schreibt dazu: »Es gibt mediale, okkulte Diagnosestellungen. Damit keine Mißverständnisse entstehen, will ich erklären, daß es wenig okkulte Irisdiagnostiker gibt. Viele Irisdiagnostiker haben nichts mit Okkultismus zu tun. Der medizinische Wert ihrer Diagnosen ist aber außerordentlich dürftig, in vielen Fällen sogar bedeutungslos.«

Gefährlich ist aber jener kleine Rest, der mit okkulten Mitteln arbeitet. Dabei ist auch der Titel »Dr. med.« keine Garantie für eine neutrale Irisdeutung. Dr. Koch erwähnt in seinem »Okkulten ABC«, daß er Vollmediziner in der Seelsorge hatte, die ihre okkulten Praktiken beichteten und danach aufgaben. Es ist müßig zu fragen, wie man sich vor Heilpraktikern und Ärzten schützen kann, die die Irisdiagnose okkult anwenden. Ein Gespräch mit dem Heilpraktiker bringt zudem oft wenig ein. Die Frage stellt sich vielmehr, ob man einem Patienten eine Diagnosemethode empfehlen kann, die nicht nur auf okkulter Philosophie, sondern zudem auf einem Irrtum des Entdeckers beruht. -----Feng Shui Tony Lambert «Was ist Fengshui – und wie sollte man sich als Christ Fengshui gegenüber verhalten?» Die historischen Ursprünge des Fengshui Obwohl einzelne Elemente des Fengshui auch in älteren Quellen zu finden sind, lässt sich ein geschlossenes Konzept erst seit etwa 2000 Jahren nachweisen. Da Fengshui über Jahrhunderte hinweg vom Kaiser und der Elite Chinas als geheimnisvolle Wissenschaft behandelt wurde, blieben seine Ursprünge notwendigerweise im Dunkel versteckt. Der erste historisch gesicherte Vertreter des Fengshui ist Zhang Liang (ca. 230-185 v.Chr.), ein bekannter Gelehrter während der Han-Dynastie. Berühmt wurde der General Zhu Geliang, der seine Feinde mit einer vom Fengshui inspirierten Taktik besiegte. Die Blütezeit hatte die Kunst des Fengshui während der Tang-Dynastie (618-906 n.Chr.), in der es eine grosse Anzahl von Fengshui-Schulen gab. Fengshui ist die alte chinesische Lehre von der räumlichen Beziehung der Dinge untereinander. Versuche einer Definition sind: «Fengshui ist die Kunst, das eigene Glück zu beeinflussen.» Oder: «Fengshui ist der chinesische Weg, unsere unmittelbare Umwelt so zu gestalten, dass wir mit ihr in Harmonie leben.» Übersetzt heisst Fengshui «Wind und Wasser». Noch vor 20 oder 30 Jahren hatte kaum jemand im Westen von dieser Lehre gehört. Heutzutage hat Fengshui auf erstaunliche Weise Eingang in die Gedankenwelt weiter Kreise unserer Gesellschaft gefunden und ist Teil der «New Age» - Bewegung. Fengshui führt uns weg von der klassischen, westlichen Weltanschauung, die auf Vernunft und Überlegung aufbaut, hin zu einem im östlichen Mystizismus verankerten Relativismus, der keine absoluten Werte kennt. Der Ursprung des Fengshui verliert sich in der jahrtausendealten Geschichte Chinas. Das «Qi»,eines der Grundprinzipien des Fengshui Fengshui ist tief in der Philosophie des Taoismus verwurzelt. Alles Sein kommt aus dem Tao (=Der Weg). Das Prinzip des Tao ist unpersönlich und unbegreifbar. Das Tao fließt durch alles und verbindet alles durch eine geheimnisvolle Energie, den Lebensgeist des «Qi» (Atem). «Qi» ist der Atem des Kosmos, der von den Taoisten oft als beseeltes Wesen oder auch als großer Drachen dargestellt wird. Dieser Drache symbolisiert die Fruchtbarkeit und seine Stimme ist der Donner. Das «Qi» ist somit für das Denken der Chinesen von elementarer Bedeutung: Fengshui, Akupunktur, die traditionelle chinesische Medizin und die Atemtechnik des «Qigong» sind durchdrungen von dieser Lehre.

Das «Qi» sinkt im Regen auf die Erde und steigt im Wachsen der Ernte wieder empor. «Qi» kann ein guter, aber auch eine schlechter Energiefluss sein. Fengshui versucht das «Qi» zu verstehen und zu beeinflussen. Das Ziel des Fengshui ist es deshalb, Räume und die eigene Position darin so zu beeinflussen, dass der Energiefluss des «Qi» dem eigenen Schicksal zu Hilfe kommt. «Qi» sammelt sich in den Bergen und im Boden, weshalb dem Bau von Tunnels, ja sogar dem Aufstellen von Telegrafenmasten oft Widerstand entgegengebracht wird. Das «Qi» im Meer ist äußerst wertvoll und darum sind Wohnungen mit Aussicht auf das Meer besonders begehrt. Auch Gebäude beeinflussen den Fluss des «Qi»: Spitze Winkel und scharfe Ecken leiten das «Qi» auf aggressive Weise gegen benachbarte Gebäude. Gotische Kathedralen mit ihren Türmen und Spitzbogen haben daher ein besonders schlechtes Fengshui (!). Schlechte Einflüsse können jedoch mit der Hilfe von Spiegeln und die Anordnung von anderen Gegenständen abgewehrt werden. Das Prinzip von Yin und Yang Der zweite Grundgedanke, der dem Fengshui zugrunde liegt, ist das Prinzip von «Yin und Yang». Die beiden Elemente sind einander nicht entgegengesetzt, sondern ergänzen sich, so wie wir es an den folgenden Beispielen sehen Obwohl einzelne Elemente des Fengshui auch in älteren Quellen zu finden sind, lässt sich ein geschlossenes Konzept erst seit etwa 2000 Jahren nachweisen. Da Fengshui über Jahrhunderte hinweg vom Kaiser und der Elite Chinas als geheimnisvolle Wissenschaft behandelt wurde, blieben seine Ursprünge notwendigerweise im Dunkeln versteckt. Der erste historisch gesicherte Vertreter des Fengshui ist Zhang Liang (ca. 230-185 v.Chr.), ein bekannter Gelehrter während der Han Dynastie. Berühmt wurde der General Zhu Geliang aus der Periode der 3 Königreiche (234-181 v.Chr.), der seine Feinde mit einer vom Fengshui inspirierten Taktik besiegte. Die Blütezeit hatte die Kunst des Fengshui während der Tang Dynastie (618-906 n.Chr.), in der es eine grosse Anzahl von Fengshui-Schulen Das Yin-Yang Symbol zeigt Gegensätze, aber auch, dass in jedem Element jeweils auch ein stückweit das andere Element enthalten ist. Die Praxis des Fengshui Alle chinesischen Fengshui-Meister benützen einen Gegenstand, den sie Kompass oder «luopan» nennen. Er ist aus Hartholz gemacht und hat eine Nadel, die nach Süden zeigt. Der Süden ist immer oben und stimmt nicht notwendigerweise mit unseren Himmelsrichtungen überein. Der Süden ist die Richtung des «Yang», das den Himmel darstellt. Um das Zentrum des Kompasses sind bis zu 36 Kreise mit astrologischen und kalendarischen Details angeordnet. Der Fengshui-Meister bringt den Kompass in Übereinstimmung mit den Hauptachsen des Gebäudes und liest dann die Informationen des Kompass’ ab. Ein dünner Faden wird über den Kompass gelegt und mit einem Gewicht verankert, um die Position des Gebäudes mit dem Horoskop der darin wohnenden oder arbeitenden Person(en) zu verbinden. In Gebäuden mit einem schlechten Fengshui muss man den Fluss des «Qi» beeinflussen. Innerhalb der Räume kann man die Möbel und andere Einrichtungsgegenstände umstellen, um den Fluss des guten «Qi» zu verbessern. Das kann so weit gehen, dass man Wände, Türen und Fenster anders anordnen muss. Auch Windspiele, Mobiles und andere Gegenstände fördern die positiven Energien. Glücksbringende Farben, wie zum Beispiel Rot, können helfen, zukünftigen Reichtum anzuziehen. Der FengshuiMeister versucht mit alldem, eine aus seiner Sicht optimale Harmonie des Gebäudes und seiner Eine Bewertung aus christlicher Sicht

Die im Westen zu beobachtende Faszination des Fengshui konzentriert sich vor allem auf die Verbesserung der innenarchitektonischen Gestaltung und auf den Gartenbau. Die östliche Tradition der Einfachheit ist attraktiv und spricht für sich selbst. Christen können von der jahrhundertealten Kultur der Ästhetik aus China und Japan ohne Angst etwas lernen. Die universellen Prinzipien von Schönheit und Ästhetik sind dem Osten und dem Westen gemeinsam, denn die Schönheiten der Natur sind ja letztlich ein Geschenk unseres Schöpfergottes. Bei alledem muss ein Christ sich immer der okkulten Wurzeln des Fengshui bewusst sein. Selbst wenn ihr Hauptziel scheinbar nur die Verbesserung der Inneneinrichtung ist, beschreiben mehr oder weniger alle im Westen erhältlichen Bücher die astrologischen und spiritistischen Praktiken des Fengshui. Das ist auch weiter nicht erstaunlich, denn auf ihnen baut diese Lehre auf. Es besteht somit die Gefahr, dass Menschen, die sich zuerst nur für die ästhetischen Aspekte interessieren, unbewusst in das okkulte Gewebe des Fengshui hineingezogen werden. Wir werden auch im Westen zunehmend mit Menschen konfrontiert, die von den okkulten Lehren des Ostens fasziniert sind. Es ist wichtig, dass wir ihnen sagen können, warum Fengshui und der christliche Glaube nicht zueinander Tao, der Heilige Geist? Das unpersönliche Tao existiert in einem Universum ohne verbindliche Werte. Der Gott der Bibel jedoch hat sich uns in seinem Sohn Jesus Christus als Person offenbart. Auch der unpersönliche Energiestrom «Qi» hat keine Gemeinsamkeiten mit der Person des Heiligen Geistes. Das «Qi» soll nur übernatürliche Phänomene zur Schau stellen, während der Heilige Geist das Zeugnis von der Größe Jesu Christi bezweckt. ----Geistheiler Wunderheiler Bruno Gröning Bruno Gröning wurde 1906 in Danzig geboren. Bevor er als Wunderheiler auftrat, konnte er auf ein bewegtes Berufsleben zurückblicken: Gröning verließ die Schule nach dem 5. Schuljahr, brach seine Zimmermannslehre ab, versuchte sich als Depeschenbote, als Hafenarbeiter, dann in einer Lackfabrik, anschließend in einer Zuckerfabrik, der eine Tätigkeit in einer Schokoladenfabrik folgte. Später stanzte er Hoheitsadler, sammelte Lumpen, begann einen erfolglosen Tauschhandel, verdingte sich eine Zeit lang als Vertreter für Lacke und Farben, dann als Radio und Uhrenmechaniker, stellte schließlich Segeltuchschuhe her und gründete 1948 eine erfolglose Laienspielgruppe. Gröning starb mit 52 Jahren an Halskrebs. Seine Söhne waren bereits im Kindesalter an Rippenfellentzündung und KnochenTuberkulose gestorben. Um 1948 versucht sich Bruno Gröning als Heiler. Seine "Wunderheilungen" werden über die Regenbogenpresse bekannt und Gröning von Managern, Juristen, Verlegern und Presse vermarktet. 1954 wird Gröning wegen Verstoßes gegen das Heilpraktikergesetz gerichtlich die Heiltätigkeit verboten. Um weiterarbeiten zu können, nennt er sich "Heilpraktiker Gehilfe". 1958 verurteilt ihn das Landgericht München zu 8 Monaten Gefängnis auf Bewährung wegen falscher Heilungsversprechen. Seit 1954 hatte Gröning Auftrittsverbot in allen Bundesländern. Nach seinem Tod fließt "der Heilstrom" weiter, Weltweit bilden sich "Bruno Gröning Freundeskreise". In Deutschland wird Gröning organisatorisch und publizistisch weiter vermarktet, vor allem von Grethe Häusier, Köln.

Gröning behauptete, von GOTT als Erlöser auf die Erde gesandt worden zu sein: "Ich will die Menschen auf den wahren göttiichen Weg zurückführen. Die Brücke zu diesem Weg habe ich gebaut ... Den Menschen, die teuflisch sind, die einen kleinen oder großen Teufel im Leib haben, will ich diesen abziehen. Denn ich führe den Kampf mit dem leibhaftigen Satan, und ich kann diesen meistern, es macht mir nichts aus. Und Sie alle sollen wieder zu dem wahren, göttlichen Glauben zurückgeführt werden" (Thomas Busse , Die Lehre Bruno Grönings, S. 73f). "Das ist ja mein Hiersein auf dieser Erde. Ich wußte, warum ich kommen mußte" ... "Der kleine Fachmann, der die Verbindung zum Herrgott wieder herstellen kann, will ich nicht nur sein, sondern der bin ich!" (ebda). Über seine "Heilkraft", den "Heilstrom" oder die "Heilwelle" sagt Gröning: "Ich stehe vor den Menschen wie ein Transformator, der den Strom vom göttlichen Werk empfängt und weiterleitet ... Nicht ich heile, es heilt die göttliche Kraft durch mich ... Sie sollen empfangen, was ich sende, und das, was ich sende, ist die Heilwelle" (ebda S. 76f). Diesen "Heilstrom" kann Gröning auch aus der Ferne mitteilen: "Ich brauche auch nicht hier zu sein ... Die Heilwelle geht genauso durch den Äther, durch die Wand, durch Berg und Erde wie eine Radioweiie ... Deswegen ist es möglich, daß Sie auch zu Hause oder gleich wo Sie sich befinden ... die Heilwelle empfangen ... Sie brauchen sich nur einzuschalten" (ebda S. 80f). "Wenn Sie Schmerzen kriegen, sofern das nicht der Regelungsschmerz ist, nehme ich Ihnen das ab, wenn Sie mich geistig rufen" (ebda S. 107). "Regelungsschmerz" nannte Gröning die bis zur Unerträglichkeit gesteigerten Schmerzen, die oft tagelang anhielten. Diese "Regelungsschmerzen" seien Beweis eingeleiteter Heiiung: "Wer zu mir gekommen ist, wer erst keine Schmerzen hatte, bekommt weiche. Also müssen Sie das schon in Kauf nehmen" (ebda S. 158). Damit der Heilstrom fließen kann, müssen die Patienten eine bestimmte Körperhaltung einnehmen. Auf keinen Fall darf die Kreuzesform gezeigt werden, denn sie hindert den Heilstrom: "ich habe all meinen Mitmenschen immer angeraten, daß sie die Beine nicht zu überkreuzen haben ... und sie mit offenen Händen frei dasitzen ... mit leeren Händen ... und den Rücken (ohne Lehne) freihalten" (ebda S. 137). Gröning vermittelte den Heilstrom auch über Kügelchen aus Stanioipapier, über sein Foto und "heilige Orte": "Wenn ich eine Kugel berührt habe, so kehren in ihr alle Strahlungen, von denen unsere Erde umflossen ist, wieder und bringen den Menschen mit der himmlischen Strahlung in eine sich niemals erschöpfende Verbindung. Das Kügelchen dient als Antenne für den Empfänger der Heilswelle ... Die Kugel ist in der rechten Hand zu halten ... Die Kugel ist ein Stück von mir ... Wenn Sie Schmerzen haben, dann halten Sie das Kügelchen dran ... Für Ihre bekannten und verwandten Kranken bitte ich Sie, ebenfalls die Heilung aufzunehmen, indem Sie diese Kranken den angesprochenen Gegenstand berühren lassen ... Sie brauchen auch kein Kügelchen ... Sie sind so geschaltet; ich habe etwas an Ihrem Körper getan, wo und was, ist für Sie unwichtig; das werden Sie später erfahren" (ebda S. 138f). Über sein Foto sagt Gröning: "Es ist nicht nur so, daß es ein Bild von mir ist, sondern dieses Foto erfüilt Ihnen noch einen ganz ganz großen Zweck, und zwar, wenn Sie das Bild nur in die Hand nehmen, so werden Sie verspüren, was für eine Kraft aus diesem Bild herausströmt, die Ihnen dann ebenfalls durch den ganzen Körper geht" (ebda S. 140). Auch Orte und Gegenstände strahlen Grönings Heilkraft aus: "Ich werde Plätze ansprechen, den Boden ansprechen ... Ich handle nach Eingebungen. Ich kann sagen, daß dieser Boden, worauf Sie stehen, ein heiliger geworden ist ... Dieser Boden befreit sie von all Ihren Leiden, von all Ihren Krankheiten. Und dies geschieht am laufenden Band ... So hab ich überall Stellen eingerichtet, auch in Privatwohnungen ... Der Stuhl, auf dem ich saß, heilt! Der Boden, auf dem ich stehe, heilt! Die Straße, über die ich fahre, wird ebenfalls heilen!" (ebda S. 141). Diese Heilkraft erleben Hilfesuchende bis heute wie elektrischen Strom: Der Strom durchrieselt meinen Körper', wie oft

hab ich das gehört!" (ebda S. 151). Als Folgen seiner "Behandlung" beschreibt Gröning neben dem "Regelungsschmerz": Darmstörungen, Umfallen und dramatische Trancezustände: "Wenn ich einen anspreche, fällt es manch einem gleich auf den Darm, indem er gleich einen Durchmarsch bekommt ... Manchmal ist die Umstellung so stark, daß der Mensch tatsächlich in eine Ohnmacht verfällt ... das artet auch so aus, daß das Herzchen stehenbleibt. Und dann setze ich es wieder neu in Bewegung und pumpe ... Wenn ein Mensch von seinem Leiden zur Gesundheit übergehen soll, das ist eine Wandlung. Früher habe ich gesagt: 'Ich verwandle das Blut' ... Wenn diese Wandlung kommt, so haben viele erlebt, daß diese Menschen umfallen, als wären sie tot ... Und ich tat, was ich für richtig hielt. Ich ließ den Menschen liegen, als wäre er tot. Herz bleibt stehen, dann ist er tot, klar. Es hat aber seine Richtigkeit, das Herz wird wieder in Bewegung gesetzt, die Umstellung kommt ... Ich habe schon viele Fälle gehabt, wo tatsächlich alles stehenbleibt, auch die Unruh, das Herz. Aber die Wandlung kommt! Das gibt einen Ruck, einen Zuck, dann setzt das Neue ein. Es arbeitet, aber nicht früher, ehe ich herangehe" (ebda S. 160ff). Gröning rühmt sich auch der Gabe des Hellsehens und der Wahrsagerei: "Wenn der eine oder andere den Weg zu mir gefunden und um Hilfe für seine Angehörigen gebeten hat, ohne mir zu sagen, wer dieser Kranke ist, wo er wohnt, was für ein Leiden er hat, so war ich in der Lage und bin es auch weiter, ihm diesen Kranken genau mit seinen kranken Stellen zu beschreiben. So wie ich auch in der Lage war zu sagen, was für ein Menschenkind er ist, mit seinen ganzen Vorlieben bis zu dieser Stunde. Alles habe ich sagen können und habe auch diesem Menschen die Krankheit auf dem Fernweg abgenommen ... Wenn Sie mir einen großen Brief schreiben, so stecke ich diesen geschlossen in die Tasche. Ich brauche den Brief nicht zu öffnen, ich weiß, was drinsteht ... Ich sehe nicht nur Menschen, ich sehe auch, was weiter zurückliegt: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft, alles, was um und an ihm ist..." (ebda S. 165ff). Außer der Irrlehre: "Nur wer gesund ist, ist in Gott", verkündet Gröning: "Jeder Mensch bringt schon sein Schicksal mit auf die Welt. Die Erinnerungen an frühere Erdenleben sind dem Menschen nicht genommen worden nein! ... Und so ihr das Gute jetzt beherzigt, werdet ihr es immer bei euch und auch in euch tragen ... und später in einem anderen Erdenleben, wenn ihr wieder mal auftaucht in einem noch sehr jungen Körper, werdet ihr viel Gutes, Wahres von euch geben (ebda S. 245). Die Bruno Gröning Freundeskreise Nach seinem Tod wird Bruno Gröning von seinen Freunden wie ein Heiliger verehrt und sein "Heimgangstag" am 26. Januar alljährlich mit Grabbesuch (Dillenburg) und Hymnen gefeiert. In den von ihm eingeführten "Gemeinschaftsstunden" treffen sich seine "Jünger" regelmäßig, um Werbestrategien auszuarbeiten und Interessenten mit Heilungsberichten zu beeindrucken. Einladungen zur "internationalen Vortragsreihe" versprechen: "Zuhörer können während des Vortrages auf einfache und natürliche Weise die Heilkraft selbst erleben ... Hier können Interessierte und Hilfesuchende kostenlos lernen, den Heilstrom aufzunehmen. Dabei geschehen häufig erstaunliche Heilungen, selbst von iangjährigen organischen Leiden ... Zahlreiche Erfolgsberichte zeigen, daß auch bei Alkohol¬und Drogensucht, Ängsten, Depressionen, Allergien, Frust etc. eine Heilung auf geistigem Weg möglich ist ... Der Bruno Gröning Freundeskreis ist weltweit einer der größten Zusammenschlüsse für Heilung auf geistigem Weg ..." (Faltblatt der " Zentrale Informationsstelle", Hennef). Heilungen geschehen auch beim Anschauen des Bruno Gröning Films "Der Wunderapostel", der seit 1997 vorgeführt wird. Einige hundert Heilungs Berichte sind im Internet zu finden, von angeblich "unabhängigen" Ärzten der internen "MedizinischWissenschaftlichen Forschungsgruppe (MWF)" überprüft. Skeptiker werden verteufelt, wie Gröning selber es zu tun pflegte. Sie sind "schlechte,

schmutzige, böse Menschen": "Soeben haben Sie gehört, was alles für schlechte Menschen am Werk sind, dieses gute, dieses große, göttliche Werk zu zerstören... Ich werde verfolgt auf Steg und Weg... Vier Vergiftungen sind da, aber ich bin noch nicht tot... Machen Sie sich deswegen keine Sorgen, ich trinke es literweise... Ich stehe unter dem reinen, göttlichen Schutz... Gegen alle diese wenigen Geg¬ner werde ich den Kampf aufzunehmen wissen... Ich habe diesen Menschen, die vom Teufel besessen sind, immer richtig zu antworten gewußt... Alle werden sie namentlich in einem Büchlein festgehalten, daß sie nicht mehr entrinnen können" (Busse, a.a.O. S. 282ff). Gerichtlichem Heilverbot trotzte Gröning: "Es gibt kein Gesetz, das mir mein Wirken, Menschen zu helfen, verbieten kann... Wem Gott die Kraft gegeben hat, Menschen zu heilen, dem darf sie die Polizei nicht nehmen" (ebda S. 294). Negative Erfahrungen von Hilfesuchenden werden verschwiegen oder ignoriert. Nachstehende Berichte stehen exemplarisch für zahlreiche ähnliche im Archiv der Vereinigung zum Schutz schwacher und hilfloser Menschen: "Vor einiger Zeit besuchte ich einen Vortrag Heilung auf geistigem Weg nach der Lehre Bruno Grönings'. Auch nach seinem Tod schreibt man Gröning heilende Kräfte zu. Zum Beispiel soll eine taube Frau wieder hören können, weil sie zwei Jahre nach Anweisung Grönings meditiert habe. Ihr lnnenohr habe sich vollkommen neu gebildet. Es sprachen fünf Ärzte und ein Heilpraktiker. Mit einem Projektor zeigten sie Patientenakten. Inzwischen gebe es 46 000 Anhänger allein in Deutschland. Aus Neugierde meditierte ich mit bei der fünfstündigen Veranstaltung, während sanfte Musik aufgelegt wurde. Plötzlich bekam ich mit gesundem Herzen! Herzrasen. Doch ich beruhigte mich. Diese Symptome waren wohl eine Heil Reinigungswirkung. Wir erfuhren dann: Sie können aber nur dauernde Heilung erreichen, wenn Sie täglich morgens und abends immer um neun Uhr Heilstrom Meditation machen und regelmäßig zu den Freundeskreisen kommen. Nur so ist die göttliche Heilkraft durch Bruno Gröning am stärksten... Auch sein Bild hat eine besondere heilende Kraft. Viele sind schon geheilt worden, weil sie sich sein Foto auf das erkrankte Organ gelegt haben.' Zu Hause kam ich auf die wahnwitzige Idee, das uns geschenkte Foto unters Kopfkissen zu legen. Da wurde mein ganzer Körper von einem inneren Stromfluß erfaßt. Auf meiner Zunge hatte ich den Geschmack, als hinge sie an einer Batterie. Mein Kopf zuckte von links nach rechts. Mein Herz begann zu rasen, meine Bauchdecke zu hüpfen. Später erwachte ich mit Halsschmerzen. Da fing ich an zu beten und bat JESUS um Seinen Schutz. Ich zerriß das Bild und löschte die Kassette, auf der Gröning besungen wird, als sei er der Messias. Von einer Freundin, die zwei Jahre lang meditiert hatte, hörte ich, daß Gröning Anhänger sich auf dem Boden zuckend hin und herwarfen, mit Schaum vor dem Mund. Andere machten Bocksprünge und brabbeiten dabei in einer fremden Sprache... " K. Bruns "Es fing vor 20 Jahren damit an, daß ich außergewöhnlich viele Geldstücke auf Straßen und Plätzen fand. Mein Mann riet mir, diese Münzen in einem Album zu sammeln: Es waren genau 2840. Die Sache wurde mir unheimlich, zumal ich auch vor Straßenbiegungen genau wußte, hinter dieser Biegung liegt wieder eine Münze. Ich hatte damals unter Anleitung eines Esoterik Buches das Automatische Schreiben gelernt, bei dem die Hand mit dem Stift geführt wird - aus der geistigen Welt. Nachdem immer mehr Lügen auf dem Papier entstanden, z.B. ,Heute nacht stirbt dein Vater', wurde mir das Schreiben unheimlich, und ich habe es eingestellt. Eine Bekannte nannte mir die Adresse eines Bruno Gröning - Freundeskreises. Er habe im Namen JESU geheilt und gewirkt. Ich ging also voll Vertrauen zu einem Treffen. In dem Raum

hing ein großes Bild von Bruno Gröning. Auch ein postkartengroßes Bild vom leidenden JESUS war aufgestellt. Meine Be¬kannte erzählte mir, daß beim Tod Grönings dessen Herz ausgebrannt gewesen sei, weil er soviel gute Energie verbraucht hätte, daß sein Herz verbrannt sei. Die Gruppen Leiterin des Gröning Kreises leitete uns an, uns zu entspannen, damit Heilenergie fließen kann'. Arme oder Beine dürften nicht überkreuzt sein. Sofort spürte ich ein Kribbeln durch meinen Körper fließen, und plötzlich schoß ein Blitz aus dem Gröning Bild auf meine Stirn. Vor Schreck brach ich in Tränen aus. Die Leiterin beruhigte mich: Freuen Sie sich doch. Das ist der Heilstrahl!' Und ein älteres Ehepaar schwärmte: Bruno Gröning kommt persönlich und hilft allen, die fest an ihn glauben. In unserem Garten hat er sogar Schnecken vertrieben.' Die Leiterin erklärte weiter, die Heilkraft Grönings würde sich in Armen und Beinen bemerkbar machen durch Zwicken, Beißen oder Ziehen. Wenn diese Schmerzen vorüber seien, könne man sich wünschen, was man wolle. Alles gehe in Erfüllung. Als ich während ihres Vortrages Herzschmerzen bekam und eine innere Stimme hörte: ich fresse Dein Herz', wurde es mir so unheimlich, daß ich panisch den Vortrag verlassen habe. Ober lange Zeit hatte ich mit massiven Nervenstörungen zu kämpfen." N. Brückner Was Bruno Gröning Freunde praktizieren, ist von GOTT ausdrücklich verboten, nämlich Kontakt mit Verstorbenen aufzunehmen, damit sie dem Menschen dienen: "Niemand finde sich, der ... einen Totengeist befrage oder Auskünfte bei den Toten sucht. Denn ein Greuel für den HERRN ist ein jeder, der solches tut" (5. Mose 1,10 ff). -----Rute und Pendel Adelgunde Mertensacker Radiästhesie: Pendeln und Rutengehen Pendel und "Wünschelrute" sind sog. radiästhetische Instrumente. Radiästhesie setzt sich als lateinisch griechisches Kunstwort zusammen aus radius = Strahl und aisthesis = Empfindung, und bedeutet "Strahlenfühligkeit". Radiästheten sind "Strahlenfühlige", die angeblich Strahlen fühlen, die mit physikalischen Meßgeräten nicht nachweisbar sind. Ein Pendel besteht aus einer etwa 30 cm langen Schnur, an deren Ende ein kleines Gewicht befestigt ist. Der Pendelnde hält den Anfang der Schnur zwischen Daumen und Mittelfinger und führt die Schnur über den Zeigefinger, so daß sie frei hängen kann. Ohne willentliche Beeinflussung beginnt das Pendel bei ruhiggehaltener Hand unter dem Einfluß der Schwerkraft zu schwingen, linear oder in Kreisbewegungen mit und gegen den Uhrzeiger, links oder rechtsdrehend. Die Bewegungsrichtung wird vom Pendler als Antwort auf eine gestellte Frage festgelegt: Kreisen nach links z.B. als "nein" gedeutet, Schwingungen nach rechts als "ja" usw. Wie ein Pendel in Bewegung gesetzt wird, ist wissenschaftlich bewiesen: Ein Pendel bewegt sich durch Pulswellen, Muskelanspannung, Atembewegungen, Vorstellungen, Erwartungen und Gefühle. Diese wirken als sog. "Carpenter Effekt", benannt nach dem englischen Arzt W B. Carpenter (1813 1855), der feststellte: "Jede Bewegungsvorstellung bewirkt bereits einen Antrieb zum Vollzug dieser Bewegung." Bereits 1640 hatte der Jesuit Athanasius Kirchner vermutet, daß unwillkürliche Muskelbewegungen die Ursache für das Pendeln sind. Heute kann die Medizin beweisen, daß es einen absoluten Ruhezustand der Muskeln nicht gibt. Beim Pendeln kommt es durch Ermüdung zusätzlich zu unmerklichem Muskelzittern. Diese geringen Impulse schaukeln sich nach dem physikalischen Resonanzgesetz hoch zu immer größeren Schwingungen im gleichen Rhythmus. In ihrem Handbuch "Die andere Medizin" faßt die "Stiftung Warentest" (Berlin) zusammen: "Die

Bewegung des Pendels ist nicht von kosmischen Energien abhängig. Die Impulse stammen aus Muskelspannungsänderungen ... Sie werden von unbewußten Vorstellungen des Pendelnden gesteuert. Die Wissenschaft nennt dieses Phänomen ideometrische Bewegung" (S. 322). Ein Pendel macht die Bewegung, die ein Pendler sich vorstellt. Erwartet er, daß sein Pendel nach links ausschlägt, wird es das tun, ebenso nach rechts oder im Kreis. Legt man ein Pendel über einen feststehenden Gegenstand, steht es absolut still und beweist damit, daß es gar nichts spürt oder weiß. Pendeln zu Diagnose- oder Therapiezwecken ist Betrug oder Wahrsagerei. Der esoterische Fachhandel bietet eine Fülle Pendel verschiedenster Materialien und Beschaffenheit an: "UFO Pendel" zum Testen von Aura und Chakren, "ISIS Pendel" zur Medikamententestung, "OSIRIS Pendel" gegen Bakterien und Viren, "Universalpendel" zum "energetischen Ausgleich", "Kristallpendel" zur "Entfaltung geistigen Potentials", "Energie Sensor", um die "Verträglichkeit von Nahrungsmitteln" oder den Gesundheitszustand auszupendeln. Zahlreiche Arbeitskreise, Heilpraktikerschulen und Esoterik Institute führen Kurse und Lehrgänge in Pendeln und Rutengehen durch: Das Institut für Parapsychologie und Grenzwissenschaften, Eggenfelden, bietet vier Lehrgänge in Parapsychologie, Astrologie, Chirologie und "das große Studium" an zum Gesamtpreis zwischen 742 und 2549 Euro: Innerhalb des 1. Lehrgangs "Parapsychologie" lernt der Vorauszahlende u.a. Bewußtseinserweiterung, Berechnung der Sternstunde, Geistige Selbstheilung, Außersinnliche Wahrnehmungen, Hellsehen, Levitation, Materialisation, Telepathie, Psychokinese, Pendeln und Rutengehen. In der Werbebroschüre "Die IPG Lehrgänge - der Schlüssel zum Erfolg" wird das Interesse mit fantastischen Behauptungen zu wecken versucht. Unter dem Stichwort "Radiästhesie" heißt es z.B.: "US Soldaten, die dafür in speziellen Lehrgängen ausgebildet wurden, suchten in Vietnam erfolgreich mit Wünschelruten nach Minen und Mörsergranaten Blindgängern ... Noch effektiver arbeiteten die sowjetischen Geologen N.N. Sotschewanow und V.S. Matewejew. In Karelien, der Ukraine und Tadschikistan konnten sie bedeutende Mineralvorkommen entdecken, indem sie große Gebiete mit dem Hubschrauber überflogen und dabei eine Wünschelrute in der Hand hielten ... Evelyn Penrose, die weltweit dafür bekannt ist, Wasser und Ölquellen aufzuspüren, arbeitet bei ihrer Suche mit Pendel und Landkarte. Sie ist der Auffassung, daß ihre Fähigkeit, Wasser und Öl auch über große Entfernungen hinweg festzustellen, auf übersinnlichen Wahrnehmungen beruht ..." - Eine Antwort auf die Frage, warum Pendel und Wünschelrute mit den gleichen Schwingungen bzw. Ausschlägen einmal auf Wasser, dann auf Störfelder, Krankheiten, Nahrungsmittel, Minen, Erz, Gold u.a. reagieren, bleiben Radiästheten schuldig. Die Wünschelrute oder "Glücksrute" wurde schon im Mittelalter aus gegabelten Haselnuß- oder Weidenzweigen hergestellt. Heute werden diese traditionellen Ruten ergänzt durch Metallbögen oder V bzw. Y förmige Drahtgestelle, die in beiden Händen gehalten werden, bis sie ausschlagen. Sie sollen "gefährliche Erdstrahlen", "Reizzonen", "gesundheitsschädigende Wasseradern" oder "Störzonen Kreuzungen" aufspüren. Diese "krankmachenden Einflüsse", die angeblich aus der Erde aufsteigen und denen man durch Umstellen von Betten oder Schreibtischen ausweichen könne, gibt es nicht. Das beweisen eine Reihe wissenschaftlicher Untersuchungen: Dr. Otto Bergmann, Wien, Versuchsleiter eines vom österreichi¬schen Bundesministerium für Wirtschaftliche Angelegenheiten über mehrere Jahre geförderten Forschungsprojektes, stellt 1990 fest: "Es ist so gut wie sicher, daß es keine Erdstrahlen im Sinne des Wortes gibt, daß dieser Begriff vielmehr aus dem Kausalitätsbedürfnis der Rutengänger enstanden ist.

Meßtechnisch sind über den Reizzonen noch nie Strahlen nachgewiesen worden." Kommentatoren des Forschungsprojektes ergänzen: "Zusammenfassend ist festzustellen, daß mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Wiener Gruppe überhaupt keine, wie auch immer gearteten Reizzonen lokalisieren konnte" (Skeptiker 1/91, S. 11 f). Unter Begleitung des Hessischen Rundfunks führte die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchungen von Parawissenschaften, GWUP, den "Wünschelruten Test Kassel" durch: Rund 100 Wünschelrutengänger hatten sich gemeldet. Die Mehrheit gab an, fließendes Wasser in künstlichen Leitungen mit 90 bis 100prozentiger Sicherheit bestimmen zu können. Einige Radiästheten behaupteten, auch Bodenschätze wie Kohle, Metalle u.a. aufspüren zu können. Im Doppelblindversuch (d.h. weder der Versuchsleiter noch die Rutengänger kannten die Lage der Wasserrohre) und mit einem ausgesetzten Preisgeld von 10.000 Euro wollten die 20 für den Test übriggebliebenen Rutengänger zunächst Störzonen ermitteln, um dann anschließend den Wassertest und 14 von ihnen auch das "Kisten Experiment" durchzuführen, d.h. in Kisten deponierte, von ihnen ausgewählte Gegenstände aus Gold, Silber, Kupfer, Eisen, Kohle, oder einen Magneten aufspüren. Das Ergebnis war für alle Wünschelrutengänger erschütternd: Jeder Rutengänger ermittelte "Störzonen" an anderen Stellen, die in erheblicher Entfernung voneinander lagen. Jeder Versuchsteilnehmer erklärte "seine" Störzone mit einer anderen Ursache: Wasseradern, vergrabene Metalle, "Globalgitter-Netz" usw. Die Treffer beim Wassertest und Kistenexperiment waren Zufallsergebnisse. Zusammenfassend stellten die Versuchsleiter fest: "Keiner der Rutengänger konnte unter den gesetzten Bedingungen mit der erforderlichen Trefferquote Wasser in Rohren oder Gegenstände in Behältern finden... Das Versuchsergebnis bestätigt damit die Zufallshypothese" (ebda). Das heißt mit andern Worten: Die Treffer hätten auch von jedem beliebigen Teilnehmer durch Raten erbracht werden können. In zahlreichen Versuchen wurden Wohnungen von mehreren Rutengängern (nacheinander) auf "Erdstrahlen" untersucht mit dem Ergebnis, daß unter Betten, die an "störfreie" Stellen verschoben worden waren, von anderen Rutengängern "besonders schädliche Kreuzungszonen" geortet wurden. Studien beweisen: Erfolge von Rutengängern bei der Wassersuche zeigen nicht ihre "Strahlenfühligkeit", sondern bestätigen nur, daß in Deutschland nahezu überall Wasser gefunden werden kann höher oder tiefer , da nach geologischem Befund das Grundwasser flächig steht. Schädigende Wirkungen von Erdstrahlen gibt es nicht, da es keine Erdstrahlen gibt. Die auf dem Esoterikmarkt angebotenen "Strahlenschutzgeräte" werden häufig mit der Warnung geliefert: "Vorsicht! Beim Öffnen des Gerätes geht die Wirkung verloren." Wer das Gerät dennoch öffnet, findet oft wertlose Altmaterialien. Zu Diagnosezwecken führt der Radiästhet die Rute an der "Aura" des Patienten entlang, bis die Rute ausschlägt. Um Ferndiagnosen zu erstellen, werden Fotos oder persönliche Gegenstände auf "Vibrationen" mit der Rute untersucht. Abgesehen davon, daß es keine Aura gibt, kann der Rutenausschlag zweifelsfrei als unwillkürliche Muskelbewegung erklärt werden. Nicht "Strahlungen" bewirken die Bewegungen einer Wünschelrute, sondern das "KohnstammPhänomen": Die angespannte Hand- und Armhaltung beim Führen der Rute, Wunschvorstellungen, Gefühle und andere vom "Carpenter-Effekt" bekannte Reaktionen führen in kurzer Zeit zu einem geringen Muskelkrampf, der das Ausschlagen der Rute bewirkt. Weil der Glaube an Erdstrahlen eine Selbsttäuschung ist, können auch "Entstrahlungsgeräte", "Strahlenschutzdecken" u.a. vom Esoterikmarkt angebotenen Hilfen keine Wirkung haben. Sie

sind Betrug, Geschäftemacherei und Verführung zum Aberglauben. Die Verbraucherzentrale Rheinland Pfalz warnt vor Personen, die "Hausbegehungen" mit der Wünschelrute anbieten, da es keinerlei Beweise für Erdstrahlen gibt. Eine Vielzahl von Gerichtsurteilen und zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen beweisen: Krankmachende Erdstrahlen gibt es nicht. Die auf dem Esoterik Markt angebotenen Pendel, Wünschelruten und Meßgeräte verschiedener Ausführungen und in allen Preisklassen sind aus juristischer Sicht "Hilfsmittel betrügerischen Handelns." Das Amtsgericht Miesbach erklärte den Kaufvertrag einer "Anti-Erdstrahlen Matratze" für ungültig: Eine Frau hatte im Anschluß an eine "Hausbegehung" von einem Wünschelrutengänger eine Entstrahlungs Matratze für 3825 DM erworben. Als sich ihre Schlafprobleme nicht lösten, sich stattdessen Rückenbeschwerden einstellten, sandte sie die Matratze zurück, ohne die Rechnung zu bezahlen (Az: 3 C 201/94). Gleich mehrfach wurde ein Seminarleiter für Radiästhesie wegen "Betruges und Verstoßes gegen die guten Sitten" zu empfindlichen Geldbußen verurteilt, weil er u.a. ein "Universalpendel" und einen "Energiegenerator" vertrieben hatte. Das "Universalpendel" so seine Werbung könne aufgrund seiner "elektromagnetischen Schwingungen energetisch ausgleichen". Der "Energiegenerator" baue "einen einfachen Schutzschild um den Körper, der negative Einflüsse abweist und neutralisiert" (Landgericht München, Amtsgericht Überlingen u. a.). Die Einstellung ihres Ermittlungsverfahrens gegen das "Institut für Parapsychologie und Grenzwissenschaften (IPG)", Eggenfelden, begründet die Staatsanwaltschaft Landshut u.a.: "Es ist allgemein bekannt, daß die vom Beschuldigten IPG angepriesenen Phänomene (darunter Pendel und Rutengehen) mit naturwissenschaftlichen Mitteln weder hervorgerufen noch nachgewiesen werden können. Somit kann schon aus dem Grund niemand behaupten, er habe ernsthaft geglaubt, die genannten Phänomene durch ein Studium beim Beschuldigten erlernen bzw. erwerben zu können" (Az: 35 Js 12423 / 95 kl). Mit anderen Worten: Wer sich betrügen lassen will, ist selber schuld. Das hindert das kath. Missionswerk "missio", Aachen, nicht daran, in seiner Zeitschrift (Nr. 6, 2003) Jean Gerard Pankert, Wasserbauingenieur beim Bischöflichen Hilfswerk Misereor und Wünschelrutengänger, vorzustellen mit seiner falschen Behauptung: "Jede Materie hat eine spezifische Schwingung. Diese Schwingungen treffen auf das biologische Energiefeld des Rutengängers und resultieren in einem Nervstimulus, der die Wünschelrute sichtbar ausschlagen läßt. Dieser Rutenausschlag muß dann richtig interpretiert werden... Im Grunde genommen läßt man als Rutengänger Ströme fließen ... Ich stelle eine Frage, die eindeutig mit ja oder nein beantwortet sein muß. Zum Beispiel: ’Gibt es hier Trinkwasser?’ Die zweite, für mich ganz entscheidende Sache ist: Ich bitte um Hilfe von oben, von Gott oder einer höheren Macht (sic). Und diese Hilfe, nämlich die Sensibilität, die Dinge zu finden, wird mir dann von oben gewährt. Ich mache mich zum Mittler (Medium) dieser Aufgabe." Mißerfolge erklärt Pankert so: "Die Treffsicherheit hängt ab von der Tageszeit, davon ob er ausgeruht, im seelischen Gleichgewicht ist oder nicht." Stimme die Tagesverfassung, liege seine Treffsicherheit bei 75 bis 85 %. Und so einfach ist das: "Ich mache es so: Ich stelle mich irgendwo hin und frage mich, wo Norden ist, drehe mich um meine eigene Achse. Die Wünschelrute gibt mir Aufschluß über die Himmelsrichtung ..."

Ruten- und Pendelgläubige fallen Betrügern und Scharlatanen zum Opfer oder dem Aberglauben und Trugschluß, aus dem Schwingen eines Pendels bzw. Rutenschlags könne auf die Existenz von Strahlen geschlossen werden. Rutengänger nutzen die Rute, um Kenntnisse über Verborgenes zu erlangen. Das aber ist Wahrsagerei. Pendel und Rute als Wahrsage Instrumente "Heiler", Ärzte und Heilpraktiker, die Pendel und Rute zu diagnostischen bzw. therapeutischen Zwecken einsetzen, befragen sie als Wahrsage Instrumente, um Aufschluß zu bekommen über verborgene Krankheiten, geeignete Medikamente und die passende Therapie. Zu diagnostischen Zwecken wird der Körper eines Patienten von oben bis unten abgependelt, nachdem willkürlich festgelegt worden ist und je nach Heiler durchaus auch gegensätzlich welche Schwingungsrichtung Antwort auf die gestellten Fragen geben soll. Sind Störfelder oder kranke Organe gefunden, wird aus einer Medikamenten Liste die "richtige" Arznei bestimmt, indem das Pendel von Zeile zu Zeile geführt wird, bis es ausschlägt. Diagnosen und Therapien werden auch mit Hilfe einer "Dowsing Chart" gefunden, indem das Pendel im Mittelpunkt eines Kreises gehalten wird, bis es in eines der eingezeichneten Segmente schwingt, in denen die Antworten aufgelistet sind. Mit dem Pendel werden auch Ferndiagnosen erstellt, indem eine Körperdarstellung abgependelt wird, neben die ein Foto, eine Urinprobe oder Haare des Hilfesuchenden gelegt wurden. Wer zu diagnostischen bzw. therapeutischen Zwecken pendelt, ist entweder ein Scharlatan, ein Betrüger, oder er macht sich der Wahrsagerei schuldig: "Mein Volk befragt sein Holz, sein Stab (Rute) soll ihm Auskunft geben. Der Geist der Unzucht hat sie betört: Sie entfernen sich buhlend (durch Götzendienst) von ihrem Gott" (Hosea 4, 12). Christen, die pendeln oder für sich auspendeln lassen, versündigen sich gegen das 1. Gebot Gottes, das Götzendienst verbietet: "Ihr sollt weder Wahrsagerei noch Zauberei treiben!" (3. Mose 19, 26). "Niemand finde sich bei dir, der Wahrsagekünste betreibt. Denn ein Greuel für den Herrn ist jeder, der solches tut" (5. Mose 18, 10). Pendeln gehört zu den alten Wahrsagetechniken: Schon 375 n. Chr. erwähnt es der römische Historiker Marceltinus unter dem Namen "Zauberring". Seit 1941 versuchten die Nazis in ihrem Pendelinstitut der deutschen Kriegsmarine Seekarten auszupendeln, um feindliche UBoote auszuspähen ohne Erfolg. In katholischen Kreisen wurde das Pendel um die Jahrhundert¬wende populär durch die beiden französischen Pfarrer Abbé Bouly und Abbé Mermet, die es als Diagnose Instrument einsetzten und über eine rege Vortragstätigkeit und Veranstaltungen bekanntmachten. Christen, die unaufgeklärt oder verführt sind, verteidigen "gutes" Pendeln gegen "schlechtes". "Gut" sei Pendeln dann, wenn es guten Zwecken diene, z.B verborgene Krankheiten aufspüre, "schlecht" sei es dann, wenn es Schaden zufüge. Gut sei der Einsatz einer "Wünschelrute" dann, wenn sie gefährliche Erdstrahlen auffinde: Mit großem Erwählungs und Sendungsbewußtsein verbreitet die katholische Wünschelrutengängerin Käthe Bachler durch ihre Publikationen und eine rege Vortragstätigkeit esoterische Irrlehren: "An manchen Stellen des Erdbodens wird die natürliche Strahlung gestört, z.B. über unterirdisch

fließenden Gewässern, auch Wasseradern genannt, die sich im Boden reiben, oder auch über Erzeinlagerungen ... Bei den gestörten Stellen sprechen wir von ’Störzonen’... Wenn an einem Platz zwei oder mehr Störzonen zusammentreffen, sprechen wir von einer Störzonen Kreuzung! Dort ist der schlechte Einfluß besonders stark... Erdstrahlen ist der Stammbegriff für die ’schlechte’ Strahlung, die aus der Erde kommt... Der nicht gestörte Platz wird als der ’gute Platz’ bezeichnet..." (K. Bachler, Der gute Platz, S. 38). "Heute will Jesus ganz gewiß, daß wir den Leidenden helfen, wenn notwendig, auch mit Hilfe der Instrumente Rute und Pendel" (ebda S. 22). "So wie die Erde einen Schutzmantel (Atmosphäre) hat, so hat auch jeder Mensch einen unsichtbaren Schutzmantel (Aura). Bei ständiger Kontaktaufnahme mit schädlicher Strahlung, wie es beim Rutengänger geschieht, kann dieser natürliche Schutzmantel geschwächt werden, durchlöchert, so daß der Rutengänger dann - genau so wie die Menschen, die jahrelang über Störzonenkreuzungen schlafen - die schwersten körperlichen Erkrankungen, auch gänzliches Herzversagen, oder auch die schwersten seelischen Erkrankungen bekommen kann, und schließlich so wie Störzonengeschädigte sogar in der Nervenklinik oder im Selbstmord enden kann" (ebda S. 27). K. Bachler entdeckte nach einer schweren Erkrankung ihre "Rutenfühligkeit" und läßt sich seitdem von einer "inneren Stimme" leiten: "Alle Sensitiven, nicht nur die Radiästheten, haben in besonderem Maße auch die Fähigkeit, die innere Stimme zu hören. Doch da heißt es vorsichtig zu sein, denn wie schon erwähnt, kann sich der Versucher auch im Scheine des Guten einschleichen... Die innere Stimme, die guten Einsprechungen, bekommt der demütig betende Mensch oft in der Nacht oder am Morgen beim Erwachen" (ebda S. 35). Als "Sensitive" fühlt sich Bachler Geistheilern verwandt und läßt sich von ihnen empfehlen. Wer es wagt, Frau Bachler darauf hinzuweisen, daß sie getäuscht sein könnte, oder wer wissenschaftliche Beweise gegen "Erdstrahlen" und "schlechte Plätze" vorlegt, wird als rückständig, uneinsichtig und böse verteufelt: "Der Uneinsichtige - er ist, ohne es zu wissen, ein Diener des Bösen - tritt mit täuschender Überredungskunst auf. Den Rutengänger befällt Unruhe und Angst, er kann Herzklopfen bekommen, es kann ihm der Atem geraubt werden, es wird ihm möglicherweise unheimlich... Er glaubt jetzt dem Versucher, der im Scheine des Guten auftritt... und den plötzlichen Schwächezustand so auslegt, daß er ein Zeichen dafür sei, daß jede Arbeit mit Rute und Pendel eine Greuelsünde vor dem HERRN ist... Diese Unruhe und Angst sind ein Zeichen für die Begegnung mit dem bösen Geist. Es ist ein Zeichen, daß hier böse Mächte anwesend und wirksam sind..." (ebda S.23). K. Bachler zieht aus ihrer heilsamen Unruhe leider nicht die richtige Konsequenz. Statt die Rute beiseitezulegen, sucht sie Priester und Bischöfe auf, um sich bestätigen zu lassen: Im Jahr 1984 erbat sie den apostolischen Segen von Papst Johannes Paul II. für ihr radiästhetisches Wirken und erreichte, daß Dr. Karl Berg, Erzbischof von Salzburg, das Vorwort zu ihrer Schrift "Der gute Platz" schreibt. Getäuscht und in Unkenntnis über das wahre Wesen der Rutengängerei, empfiehlt Dr. Berg "auch gläubigen Christen unbedenklich, ja wärmstens... die radiästhetische Arbeit von Frau Käthe Bachler und auch die Lektüre ihres Buches Erfahrungen einer Rutengängerin." Da die Rutengängerei noch nicht "die volle Anerkennung" habe, empfiehlt K. Bachler einstweilen den "Platztest" auch all jenen, die keine Gelegenheit haben, einen Rutengänger zur Wohnungsbegehung kommen zu lassen: "Ruhig stehend oder auf einem Holzstuhl sitzend, prüft man langsam dabei in den Körper hineinhorchend, und zwar nicht verkrampft und ängstlich, sondern entspannt und froh das

gesamte Schlafzimmer Quadratmeter für Quadratmeter und macht sich dabei Notizen auf einem Plan. Dort, wo man sich wohlfühlt, kann man jeweils ein paar Minuten bleiben. Die schlechten Plätze, wo man schwer durchatmen kann, Mißbefinden, Schwindel, Kribbeln, Ziehen, Krämpfe, Herzstechen oder verschiedene Schmerzen verspürt, soll man dagegen gleich wieder verlassen. Für das Bett braucht man bloß zwei Quadrat¬meter gesunden Platz, und diesen wird man ziemlich sicher finden" (ebda S. 109). Was aber, wenn dieser Test von mehreren Personen nacheinander durchgeführt wird, die alle an anderen Stellen "schlechte" oder "gute" Plätze finden? Wie die meisten Esoteriker, so behauptet auch Käthe Bachler: "Der Kosmos strahlt, die ganze Erde strahlt. Die natürliche Strahlung ist eine Grundbedingung für alles Leben bei Pflanzen, Tier und Mensch" (ebda S. 38). Im Mai 1997 meldete sich der selbsternannte "Sachverständige für Umweltstrahlen", Dieter Koitzenburg, beim Botanischen Insti¬tut der Universität Würzburg mit der Bitte um wissenschaftliche Überprüfung seiner Fähigkeit, "gefährliche Strahlen", die von Pflanzen ausgingen, mit seiner Wünschelrute feststellen zu dürfen. Seine 40jährige Erfahrung hätte ihn gelehrt, daß viele Pflanzen gesundheitsschädigende "materielose negative Strahlung" abgäben, die mehrere Meter weit wirkte. Der Mensch habe "positiv strahlende Organe", vor allem die Haut sei eine gewisse "Abschirmung" gegen schädliche Strahlen. Alle Krankheiten würden durch "strahlende Pflanzen" ausgelöst und könnten durch "Gegenstrahlung" ohne Nebenwirkung geheilt werden. Der Doppelblindversuch des Biologischen Institutes widerlegte eindeutig die Behauptung des Wünschelrutengängers, er könne "strahlende Pflanzen mit seiner Rute orten". Die Universität teilt Koitzenburg mit: "Wir bedauern, daß dieser Test keinerlei Hinweise auf die von Ihnen genannten Strahlen geliefert hat... Wir haben Verständnis für Ihre Enttäuschung über den Ausgang des Experimentes und dafür, daß Sie wie viele andere vor Ihnen wohlbekannte Mechanismen der Selbsttäuschung erlebt haben. Wir möchten Sie daher bitten, das Ergebnis unseres Experimentes uneingeschränkt zu akzeptieren. Denn sicherlich möchten Sie nicht als ein Scharlatan angesehen werden: Jemand, der weiß oder wissen kann, daß seine Ideen falsch gewesen sind, und der trotzdem öffentlich an ihnen festhält. Nachgewiesenermaßen falsche Vorstellungen in Fortbildungskursen weiterzugeben, halten wir als geistige Umweltverschmutzung für ethisch nicht vertretbar. In diesem Zusammenhang halten wir es auch für unsere Pflicht, Sie davor zu warnen, durch Panikmache vor der Gefahr angeblich strahlender Zimmerpflanzen Ihre Mitmenschen zu verunsichern..." - (Skeptiker 4 / 98). Die Versuchsleiter fragen: "Ist der Proband als naives shuteye' (Augen zu) einzuordnen? Als Vogel Strauß?" Tatsache ist, daß Koitzenburg weiter gegenüber der Presse behauptet, seine Rute habe sich noch nie geirrt und bereits wenige Wochen nach dem Experiment anläßlich seiner "Aufklärungsveranstaltung" dem evangelischen Bildungszentrum Würzburg Fortbildungskurse in Radiästhesie in seiner Privatwohnung anbot, im "Institut für alternative Ursachenforschung."

Pendel und Rute als magische Instrumente Vor allem in Jugend und Frauen Zeitschriften werden Pendel und Wünschelruten Gehen als "Spaß" und Nervenkitzel mit detaillierten Anweisungen vorgestellt und von den Redaktionen als harmlos verteidigt. Leserbriefe beweisen das Gegenteil: Mit dem Pendel werden Geister beschworen, Kontakte mit Verstorbenen hergestellt, über das

Oui Ja Board Ja Nein Antworten aus dem Jenseits oder ganze Botschaften empfangen und Unfälle und Todesdaten ausgependelt. Leserbriefschreiber berichten von Ängsten, Depressionen, Albträumen, Spuk, Visionen, Stimmen Hören, von Nervenstörungen und psychotischen Zuständen. Wenn sich die ausgependelten Botschaften aus dem Jenseits nicht tiefenpsychologisch erklären lassen, als Aufsteigen vergessener Wahrnehmungen und Erlebnisse, muß angenommen werden, daß sich Dämonen auch durch Pendel und Wünschelrute herbeirufen lassen bzw. mitteilen. Eine Reihe von Suiciden und Todesfällen nach dem Auspendeln von Todesdaten sind dokumentiert. Die immer wieder behaupteten Erfolge von Pendelnden und Rutengängern beim Auffinden von vermißten Personen können, wenn nicht als Erfindung und Betrug enttarnt, als dämonisch inspiriert interpretiert werden. Wer Pendel und Wünschelrute als magische Instrumente einsetzt, unterwirft sich dämonischer Führung. Erfolge muß er teuer bezahlen, wie der Bericht eines ehemaligen Satanspriesters zeigt, dessen Weg in die magische Abhängigkeit mit dem Auspendeln eines Oui Ja Boards begann: Ich war Satans Priester "Neugierde ist der Fliegenfänger Satans. Der Mensch möchte alles wissen, möchte neugierig sein, bohrt und bohrt. So kam auch ich vom Okkultismus zum Satanismus: Ein Kumpel von mir erzählte, daß man über ein Brett (Qui Ja-Board) Kontakt mit Vorausgegangenen herstellen könne. Ich dachte an meinen Vater, an meine Oma und machte mit. Ich wußte nicht, daß mein Kamerad Satanist war. Nach der ersten Sitzung fragte er mich, ob ich etwas dagegen hätte, wenn er andere mitbringen würde. Auf diese Weise geriet ich in seinen Zirkel. Damals hatte ich noch ein gesundes Gespür. Als mich unsere Nachbarin, die auch pendelte, fragte, was ich davon hielte, riet ich ab: Wer mit dem Feuer spielt, wird sich verbrennen. Irgendwann stand unsere Nachbarin zitternd vor unserer Tür. Sie und ihre Tochter hatten wieder rumgespielt. Nun traute sie sich nicht mehr zurück in ihre Wohnung: Der Mülleimer schoß durch die Küche, Glühbirnen knallten durch. Auch meine Mutter bekam Angst. Damals hatte ich schon eine gewisse Macht. Ich ging ins Haus der Nachbarin und drohte: Ich befehle dir ... !' Dann war Ruhe. Auch ich hatte ähnliche Erfahrungen bereits gemacht: Schatten wie Gnome im Flur, rote Irrlichter im Raum, Glühbirnen knallten durch, meine Lieblingspflanze wurde durch das Wohnzimmer geschleudert. Es kratzte am Fenster, klopfte an die Tür. Ein dickes Brotbrett flog gegen die Küchentür und blieb darin stecken. Wir riefen einen Priester. Er wollte zunächst alle Erscheinungen verharmlosen als Einbildung. Als aber dann der neben ihm stehende Sessel durch das Wohnzimmer schoß und eine Kaktuspflanze quer durch den Raum flog, verließ er in Panik unsere Wohnung und ließ uns einfach mit unseren Ängsten allein. Als ich mit einer meiner zahlreichen weiblichen Bekannten einmal spazierenging, sahen wir beide ein durchsichtiges menschliches Wesen. Ich versuchte, locker zu bleiben und tröstete: Davor mußt du keine Angst haben. Tote tun dir ja nichts. Ich war solchen Wesen schon öfters begegnet. Dieses aber war herrlich anzuschauen. Es ist dumm anzunehmen, Dämonen würden sich immer häßlich zeigen. Das stimmt nicht. Dämonen können faszinieren. Sie sind klug und nicht immer ungeduldig. Wer Menschen gewinnen will, der läßt sich Zeit. Und Ihr Verhalten ist so unterschiedlich, wie die Geisterweit verschieden ist. Wer die Macht der Dämonen kennengelernt hat, wird sich verlieren. Ich meine das wörtlich: Er läßt sich beherrschen, macht sich abhängig. Und er stürzt sich nicht nur selber ins Unglück! Er

reißt andere Menschen mit. Er begeistert oder tut weh mit Lug und Trug. Satan kennt keine Gnade! Wem es gelingt, ihm zu entkommen, der wird brechen vor Reue und Schmerz. Man wird verzweifeln. Diesen Kampf kann man nicht allein gewinnen. Es gibt nur einen einzigen Ausweg. Und dieser Weg heißt JESUS CHRISTUS! Ich war 12 Jahre Satanist und die meiste Zeit Priester Satans. Es gibt viele Satans Zirkel, und jeder Zirkel hat einen eigenen Kult. Die Rituale steigern sich zu perversen Schweinereien und bestialischen Opferungen. Da gibt es Besessene und Werkzeuge, das passiert jedem Satanisten. Und ich bin davon überzeugt, daß Satan und seine Dämonen schon beim ersten Pendelversuch, bei den ersten Wahrsagespielchen, beim Gläser und Tischchenrücken auf der Lauer liegen. Satan geht es um die Gewinnung von Seelen, und er nutzt jede Gelegenheit. Satan verführt, bindet, stellt Abhängigkeit her. Jeder Okkultist ist ein fleißiger Diener Satans, denn Satan will nicht nur seine Seele, er will, daß seine Diener wirken, falsche Ideen und Praktiken verbreiten. Er schenkt Erfolge (z.B. "Wunderheilungen"), um andere zu beeindrucken und mitzureißen. Und wer denkt, Satan wage sich nicht an gute Christen, den lache ich aus. Satan wagte sich bei der Versuchung in der Wüste selbst an CHRISTUS. Satanisten behaupten, daß Tiere und andere Lebewesen Energien hätten und beobachten, je mehr Energie, umso größer ist der Kontakt zu Dämonen. Ich wurde als Priester gewählt und hatte die Aufgabe und Macht, den Geist des Zirkels herbeizubefehlen. Ich hatte die Regeln Satans zu befolgen, wurde von ihm angegriffen, verletzt, herumgeschleudert, hatte Erscheinungen. Ich konnte befehlen: ’Erscheine sichtbar und freundlich und tue, was ich von dir will. Denn du bist von mir beschworen, dem du Gehorsam schuldest!’ Dieser Augenblick ist der gefährlichste und spannendste: Was wird er tun? Wird er schaden oder freundlich sein? Alles kann passieren, und niemand von den Anwesenden kann helfen. Wer es nicht selber erlebt hat, kann es sich nicht vorstellen. Ein Priester Satans hat sich selbst vollkommen verloren. Er lebt nicht mehr sich selber und wird niemanden mehr an sich heranlassen, nicht einmal seine eigene Frau. Dir bleibt die Luft weg, wenn Du gestreichelt wirst, bekommst Pickel, wenn Du umarmt wirst. Du wirst Schmerzen haben. Du kannst nicht weinen. Liebende Nähe erträgst Du nicht. Meine Schwiegermutter bettelte mich an, ich solle doch wenigstens die Hände falten, wenn sie betete. Ich sagte: ’Wenn Du nur GOTT sagst, dann falte ich meine Hände.' Sobald sie den Namen JESUS aussprach, wurde ich wild: ’Du hast es mir versprochen, du linke Kuh! Du hast es mir versprochen, den Namen JESUS nicht auszusprechen!’ Den Namen JESUS können die Dämonen nicht ertragen. Meiner Frau befahl ich, die Bibel wegzuwerfen. Sie tat es und verriet ihren GOTT! Von da an wurde alles noch schlimmer: Ich wurde gewalttätig, schlug sie, mißhandelte sie. Diese Frau hatte die Hölle auf Erden. Das war nicht mehr ich selber... Seit Jahren kannte ich mein Todesdatum. Ich wußte, daß ich nicht älter als 30 Jahre würde und der Julmond (Dezember) meine Zeit sei, abzutreten... Ich kam in eine gesicherte Zelle. Die Türschließerin sagte mir den Grund meiner Inhaftierung: ’Sie haben Ihre Frau ja übel zugerichtet. Sie hätte beinahe ein Bein verloren wegen der Verletzungen.' In meiner Gefängniszelle lag eine Bibel. Ich litt furchtbar. Dieses Buch war mir unerträglich. Die Bibel sollte raus, nur raus!

Ich schrie das Personal an: ’Nehmt das Ding mit! Sofort!' Sie lachten nur. Ich schmiß ihnen die Bibel hinterher, und sie warfen sie zurück. Ich lief um die Bibel herum. Dann zerriß ich sie. Da lag sie zerrissen. Ich starrte sie an und spuckte darauf... Dann wurde mir bewußt: Der Julmond war vorbei. Hatte ich etwas falsch verstanden? Sollte ich mich selber umbringen? Und dann geschah es: Der ganze Raum war in Farbe getaucht. Ich kann diese Farbe nicht beschreiben. Und aus der Ferne kam ein Licht auf mich zu. Und in diesem Licht war jemand. Und dann sah ich alle meine Vergehen, aber auch wunderschöne Dinge. Und ich begriff: JESUS CHRISTUS ist LIEBE. Heute verstehe ich mich als kindlicher Soldat JESU CHRISTI. Und ich sehe es als meine Aufgabe an, vor allem okkult begeisterte Menschen zu CHRISTUS zu führen." - Konrad (Schreiben im Archiv der Vereinigung zum Schutz schwacher und hilfloser Menschen) Anhang: Handlesen Das Schicksal eines Menschen aus der Hand zu wahrsagen, ist Chiromantie, uralt und oft verflochten mit Astrologie. Heute hat das Handlesen - wie die Astrologie - auch seinen Platz in der esoterischen Medizin. Handleser bezeichnen sich als "Chirologen". Ihre Diagnostik nennen sie "Chirologie" (gr.: cheir = Hand und logos = Lehre). Nahezu alle Krankheiten wollen Chirologen aus der Hand lesen können, auch Aids und Homosexualität. Trotz erheblicher Widersprüche in der Deutung von Handzeichen, lassen sich bei Chirologen gemeinsame Vorgehensweisen darstellen: Sie alle beobachten die Handform, die Festigkeit, Farbe und Beweglichkeit der Hände und die auf den Handflächen befindlichen Furchen bzw. Papillar Leisten auf den Fingerkuppen und in der Hand. Widersprüche in der Deutung der Zeichen erklären Chirologen mit dem Hinweis, die Handlesekunst sei Begabung von "Auserwählten", von "Sehern". Vergleichende Untersuchungen von Publikationen über die Chirologie zeigen, daß die Handzeichen weder eindeutig charakterisiert werden, noch Chirologen übereinstimmend Auskunft ge¬ben über eine akute, bevorstehende oder überwundene Erkrankung oder über Krankheits Dispositionen. Es fehlen z.B. übereinstimmende Angaben über Länge der Furchen bzw. Leisten, über deren Anfangs und Endpunkte, ihre Winkelmaße usw. Forschungen der Wissenschaftlerin Jasmin el Mahmoud mit Patienten der Uni Klinik Marburg, deren Gallenwegserkrankungen durch klinische Untersuchungen eindeutig nachgewiesen waren, ergaben, daß diese aus der Hand nicht erkannt werden konnten. In einer Voruntersuchung hatte el Mahmoud festgestellt, daß Chirologen Zeichen eines Herzfehlers bei 60,3% der Patienten aus der Hand diagnostizierten, die Gesamtbevölkerung aber nur 0,2% echte Herzfehler aufweist, und daß ein Zeichen für Gallensteine in der Chirologie völlig fehlt, während 15 20% der Bevölkerung an Gallensteinen leidet. Das Ergebnis der Hauptuntersuchung faßt el Mahmoud zusammen: "Aus der Analyse geht hervor, daß es sich bei der Chirologie um ein paramedizinisches Verfahren handelt... Kritische Aufklärung auf diesem Gebiet erscheint daher dringend notwendig... Chirologische Pseudodiagnostik, wie sie zur Zeit betrieben wird, kann nur als Scharlatanerie bezeichnet werden" (I. Oepen, Paramedizin, S. 37f).

Chirologie ist nach wie vor Chiromantie, Wahrsagerei, die von GOTT verboten ist. Pfr. Dr. Kurt Koch schreibt in seinem Buch Christus oder Satan über die Chiromantie: Neben der Spiegelmantik und der Kartenlegerei gehört auch das Handlinienlesen zu den bekannten Formen der Mantik... Die Wahrsagerei steht eindeutig unter dem Gerichtsurteil Gottes: „Dass nicht jemand unter dir gefunden werde, der ein Wahrsager sei, oder ein Tagewähler oder der auf Vogelschrei achte oder ein Zauberer oder Zeichendeuter oder der die Toten frage. Denn wer solches tut, der ist dem Herrn ein Greuel. (5. Mose 18, 10 – 12). Auszug aus dem wertvollen Buch IRRWEGE DES GLÜCKS, von Frau Adelgund Mertensacker. Hervorhebungen sind von mir. Horst Koch, Herborn, im März 2007 www.horst-koch.de info@horst-koch.de ANHANG: Besonders aus seelsorgerlicher Sicht ist der Beitrag von Pfarrer K. Koch eine gute Ergänzung des Themas. - Horst Koch

Dr. Kurt Koch - Auszug aus dem Buch CHRISTUS ODER SATAN 4. Rute und Pendel Wie viele okkulte Praktiken versucht auch die Pendelpraxis wissenschaftlich hoffähig zu werden. Man entwickelte die Radiästhesie, die Strahlenkunde und behauptet, daß alle Materie strahlt. Der Rutengänger oder Pendler wäre imstande, sich auf diese Strahlen einzufühlen. Die wissenschaftliche Seite dieses Problems wird in meinem Buch “Seelsorge und Okkultismus” abgehandelt. In diesem Buch geht es um seelsorgerlich praktische Fragen. Um Unkundige nicht zu verwirren, sei gesagt, daß mit Rute oder Pendel die gleichen Vorgänge erfaßt werden. Das Pendel soll lediglich der feinere Indikator (Anzeiger) sein. Um ein objektives Urteil zu ermöglichen, sollen zuerst Beispiele folgen, bei denen anscheinend keine Störungen als Folgen nachgewiesen werden können. Es gibt Ärzte, Pfarrer, Missionare, Ingenieure, die von der Brauchbarkeit und Exaktheit der Pendelmutungen (Ergebnisse mit Rute und Pendel) überzeugt sind. Sie erklären, daß sie außer einer gewissen Schwächung der Nervenkraft keine nachteiligen Folgen spüren. B 19 Ein 28-jähriger Mann nahm sich das Leben. Da man den Leichnam nicht fand, wurde er von der Polizei gesucht. Sein Schwager zog einen Pendler zu Rate. Der Pendler bat um einen Gegenstand des Toten. Man brachte ihm die Socken des Vermißten. Der Pendler legte die Socken auf den Boden und lief dann mit einer Metallrute im Rechteck um die Socken. Dann gab der Pendler richtig die Personalien des Toten an. Er sagte Name, Geburtsdatum und die Stelle, an welcher der Tote liegen sollte. Der Pendler machte dann zusätzlich eine Probe seiner eigenen Angaben, holte eine Landkarte und pendelte noch einmal nach dem Ort des Toten. Das Pendel bestätigte die Angaben der Rute. Der Schwager ging mit der Polizei an den angegebenen Ort und fand den Toten tatsächlich an der vom Pendler angegebenen Stelle. In einem kleinen Schuppen im Wald hatte der Selbstmörder sich erschossen. B 20 Ein Arzt aus dem Elsaß ist Rutengänger. Er hält diese Fähigkeit für eine Gabe Gottes. Bemerkenswert ist jedoch seine Nervosität und seine Abwehr gegen das Göttliche.

B 21 Ein Postbeamter besitzt die Fähigkeit, mit Rute oder Pendel Wasseradern zu suchen und auch die Lage der Postkabel mit dem Pendel exakt anzugeben. Er spricht davon, daß sich bei ihm nach dem Rutengehen kleine Müdigkeitserscheinungen zeigen. B 22 Ein Arzt baute sich ein Wohnhaus. Er hätte in seinem Garten gern einen Brunnen angelegt. Ein Freund von ihm, ein evangelischer Pfarrer, hörte von diesem Wunsch. Er ließ sich von dem Arzt einen Grundriß von Haus und Garten geben. Dann nahm er das Pendel und stellte auf dem Grundriß fest, wo Wasser zu finden wäre. Seine Angaben stimmten. Beim Nachgraben fand man an der bezeichneten Stelle Wasser. B 23 Ein Missionar besitzt die Fähigkeit, vom 2. Stock eines Hauses aus mit dem Pendel festzustellen, ob unten eine männliche oder weibliche Person den 1. Stock betreten hat. Er kann ferner von oben durch den Fußboden feststellen, ob etwa die weibliche Person unten ein Kind erwartet und welches Geschlecht das Kind haben wird. Er führte im Beisein von Freunden viele derartige Experimente durch, die zum vollen Erfolg wurden. In der gleichen Weise kann er auch auf Friedhöfen angeben, ob eine männliche oder weibliche Person unter dem Grabstein liegt. Selbstverständlich stellt er sich hinter den Stein, so daß er die Namen nicht lesen kann. B 24 Bei meiner zweiten Missionsreise in den fernen Osten hörte ich von der Tätigkeit einer Missionarin. Sie ist mir als Glied einer deutschen Missionsgesellschaft sehr gut bekannt. Diese Frau, die viele Jahre in China arbeitete, kann mit dem Pendel nahezu alle unbekannten Fragen klären. Sie stellt zum Beispiel auf eine Entfernung von vierzig Kilometern fest, wann eine Missionarin ein Kind erwartet. Sie kann diesen Tatbestand diesen Missionarsfrauen zu einem Zeitpunkt mitteilen, an dem noch nichts in der Öffentlichkeit bekannt ist. Sie gibt gleichzeitig an, ob es ein Junge oder ein Mädchen werden wird. Ihre Prognosen stimmten in allen Fällen. Nach diesen Fähigkeiten befragt, gab diese pendelnde Missionarin zur Antwort, sie könnte sich auf die Strahlungen der schwangeren Frau einstellen. B 25 Ein Heilsarmeeoffizier führte seit Jahren eine Pendelpraxis durch. Als im Krieg sein Sohn vermißt war, pendelte er über seinem Foto, um festzustellen, ob der Sohn noch lebte. Als ihm in der Nachkriegszeit ein Koffer gestohlen wurde, pendelte er nach dem Aufbewahrungsort des gestohlenen Koffers. Tatsächlich gab ihm der Pendelausschlag den richtigen Ort an. Auf meine Frage, ob er irgendwelche nachteiligen Folgen seiner Pendelei spüre, verneinte dieser Reichgottesarbeiter. Er erklärte, er fühle keine Schädigung des Glaubenslebens. Die flüchtige Ausbeute dieser Beispiele liefert schon einige Anhaltspunkte für die Beurteilung. Zunächst wird deutlich, daß man mit der Humbugtheorie nicht durchkommt. Es gibt Rutengänger und Pendler, die exakte Angaben machen können, wenn auch viele Geologen und andere Wissenschaftler leidenschaftlich dagegen wettern. Natürlich darf nicht übersehen werden, daß es viele Pendelangaben gibt, die nur ein ganz verworrenes, konfuses Zeug darstellen, mit dem nichts anzufangen ist. Ferner geht aus den wenigen Beispielen hervor, daß die Rutengängerei und Pendelei ein stark umstrittenes Gebiet ist. Hier werden Ärzte, Pfarrer, Missionare, Beamte genannt, die mit dem Pendel arbeiten. Wer hat nun recht? Die fanatischen Befürworter oder die leidenschaftlichen Bekämpfer? Falsch ist folgendes Argument: Wenn Pfarrer und andere Reichgottesarbeiter mit dem Pendel arbeiten, dann muß das doch eine harmlose Angelegenheit sein. Wir können ja auch nicht sagen, der Ehebruch ist erlaubt, weil ein Missionar die Ehe gebrochen hat. Wiederum anfechtbar ist folgende Begründung: Wenn manche Reichgottesarbeiter bei der Pendelei keine nachteiligen Folgen spüren, dann wäre eine andersliegende Beobachtung gegenstandslos. Ich kenne zwar Fälle, bei denen anscheinend das Wassersuchen mit der Rute ohne Folgen für den Träger dieser Gabe geblieben ist. Es darf aber nicht verschwiegen werden, daß die Folgen auch latent (verborgen) bleiben können. Bei manchen Menschen zeigt sich der Pferdefuß erst auf dem Sterbebett oder schon vorher, wenn sie zu Christus kommen wollen. Wir müssen uns auch von der Vorstellung befreien lassen, als wäre jeder ein wiedergeborener Christ, der das Wort Gottes verkündigt. Das Wort der Heiligen Schrift gilt auch heute noch: „Sie

predigen, und ich habe sie nicht gesandt” (Römer 10,15). Ein pendelnder Pfarrer kann genauso belastet sein wie ein Angehöriger einer anderen Berufsgruppe. So beobachtete ich durch viele Seelsorgefälle, daß von dem katholischen Pfarrer Emmenegger, der seine Patienten bependelte, vielfach schwere Belastungen auf seine Kunden übergehen. Vor einiger Zeit wurde auch der evangelische Pendelpfarrer Bolte wegen schwerer Mißgriffe bei einer Pendelbehandlung angezeigt und gerichtlich verurteilt. Eine verhängnisvolle Verwechslung ist die Vorstellung, als wäre die Pendelei eine Gabe Gottes. Nicht nur der erwähnte Elsäßer Arzt ist dieser Meinung, sondern auch manche Pfarrer. Wie steht es nun damit? Die Überprüfung vieler Familiengeschichten zeigte, daß die Rutenfühligkeit, Pendelreaktion, Heilmagnetismus, Hellsehen, Hellfühlen, Fähigkeit des zweiten Gesichtes und Wahrträume bei solchen Menschen auftreten, in deren Vorfahrenreihe aktive magische Besprecher oder aktive Spiritisten sind. Diese ungewöhnlichen menschlichen Fähigkeiten sind also keine Geistesgaben (charismata), auch noch nicht einmal neutrale Naturgaben, sondern mediale Gaben. Es gibt viele Menschen, die solche medialen Kräfte besitzen, ohne es zu wissen. Manchmal werden sie durch Zufall entdeckt. Es tritt mitunter auch der kuriose Fall ein, daß solche Besitzer medialer Kräfte gläubig werden und zu Christus kommen. Plötzlich entdecken sie in der Nachfolge Jesu ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten und sind dann der Meinung, es handle sich um Geistesgaben. Das ist natürlich eine Täuschung. Man macht in der Seelsorge folgende Beobachtung: Manchmal verschwinden bei der Bekehrung eines Menschen die medialen Kräfte. Oft werden sie aber auch in das neue Leben mitgeschleppt. Wenn ein Jünger Jesu ernstlich um die Befreiung von diesen Gaben bittet, dann wird sie ihm geschenkt. Vielen Christen sind diese Gaben lästig. Markus Hauser erklärte, seine Hellseherei wäre ihm eine Plage und keine Gabe. Auf keinen Fall dürfen diese medialen Fähigkeiten als Geistesgaben angesehen werden. Mediale Fähigkeiten werden auch nicht durch die Bekehrung geheiligt. Was im Satansdienst der Vorfahren erworben wurde, wird vom Heiligen Geist nicht übernommen und sanktioniert. (Apg. 16, 16 f.) Der Zusammenhang zwischen Pendelei und medialen Kräften soll an zwei Beispielen deutlich werden. B 26 Ein junger Mann ließ sich von einem Naturheilkundigen, der auch pendelte und das magische Besprechen übte, gegen ein Leiden behandeln. Nach der Behandlung stellten sich bei dem Patienten selbst mediale Fähigkeiten ein. Er konnte plötzlich hellsehen und entwickelte die Fähigkeit der Fernbeeinflussung. B 27 Eine Frau ließ nach dem Krieg über dem Photo des vermißten Mannes pendeln. Hinterher stellten sich hellseherische Eigenschaften ein. Sie bekam somnambulistische Erlebnisse. Sie konnte ihre Seele gleichsam über große Entfernungen aussenden. Ihre seelische Not brachte sie in die seelsorgerliche Aussprache. Nach einer Beichte und der Auslieferung ihres Lebens an Christus waren diese medialen Fähigkeiten wieder verschwunden. Es gibt bewußte und unbewußte Übertragungen von medialen Kräften. Bei der Behandlung durch hochmediale Okkultisten wird der behandelte Patient selbst leicht medial. Wir haben hier das dämonische Gegenstück zu der Handauflegung der Jünger Jesu in der Apostelgeschichte. Durch Handauflegung der Apostel empfingen viele Christen die Gabe des Heiligen Geistes. (Apg. 8,17; 19,6.) Es gibt auch bewußte Übertragungen bei Rutengängern und Pendlern. Schon manche berichteten mir in der Seelsorge, sie hätten ihre Rutenfühligkeit dadurch erhalten, daß ein starker Rutengänger ihnen beim Wassersuchen die Hand gehalten hatte. Dann wäre plötzlich auch bei ihnen ein Rutenausschlag erfolgt. Diese mediale Fühligkeit blieb auch hinterher bestehen. Zu der Auseinandersetzung zwischen den medialen Fähigkeiten und den geistlichen, biblischen Kräften folgen hier einige Beispiele, die besser als alle Theorie Einblick in die spannungsgeladene Problematik geben.

B 28 Eine Frau mit einem organischen Leiden ging zu einem Pendeldoktor, um sich untersuchen zu lassen. Die Diagnose und die Bestimmung des Medikamentes wurde mit dem Pendel gestellt. Die Frau, die eine christliche Einstellung besaß, fühlte hinterher unheimliche Kräfte auf sich zukommen. Diese merkwürdigen Anfechtungen dauerten einige Monate. Im Verlauf dieser seltsamen Angstgefühle kam sie zur seelsorgerlichen Aussprache. B 29 Ein Mädchen hatte von Kind auf die Fähigkeit des zweiten Gesichtes. Sie sah öfter Wiedergänger. Gegen göttliche Dinge war sie stark ablehnend. Bei einer Evangelisation kam sie zum Glauben an Christus und verlor von dieser Zeit an die Resistenz (Widerstand) gegen alles Göttliche. Bei einer Erkrankung ging sie ahnungslos zu einem Pendler. Sofort waren ihre seelischen Störungen und ihr Widerstand gegen Gottes Wort und Gebet wieder da. Dieses Beispiel bestätigt folgenden Sachverhalt. Es wurde oben schon gesagt, daß auch die Fähigkeit des zweiten Gesichtes zu den magischen Spätwirkungen okkulter Betätigung der Vorfahren gehört. Ein Begleitsymptom dieser magischen Spätwirkungen ist oft auch die Resistenz gegen alles Göttliche. Das Mädchen in B 29 hatte beide Symptome. Nach ihrer Hinkehr zu Christus verschwand die mediale Belastung. Nach ihrer Pendelbehandlung trat beides wieder auf. Auch hier wird also der mediale Charakter der Pendelei sichtbar. - Das Merkmal der Resistenz als Begleitsymptom soll noch durch weitere Beispiele deutlich gemacht werden. B 30 Eine Frau suchte bei einer Erkrankung Hilfe bei einem weithin bekannten Pendler. Sie dachte sich nichts Unrechtes dabei und hatte bis dahin auch nichts Nachteiliges über die Pendeldiagnose gehört. Im Wartezimmer des Pendeldoktors wurde sie innerlich unruhig. Diese Unruhe steigerte sich noch bei der Behandlung selbst. Sie nahm die vom Pendler herausgependelten Medikamente. Der Grad ihrer seelischen Störung wurde dabei immer größer. Sie konnte nicht mehr beten, gewann eine Abneigung gegen das Wort Gottes und empfand immer intensiver einen Widerwillen gegen alles Göttliche. Ohne daß ihr jemand einen entsprechenden Rat gab, warf sie schließlich aus eigenem Antrieb die Medikamente weg. Dann erst kam sie zur seelsorgerlichen Aussprache und fragte mich, wie ich über die Pendeldiagnose und Pendelbestimmung der Medikamente denke. B 31 Ein Pendler suchte meinen seelsorgerlichen Rat. Er bekannte ganz offen, daß das Pendeln ihn sehr anstrenge und seine Nervenkraft aufbrauchen würde. Er spezialisierte sich vor allem darauf, die Lebensmittel auf deren Verträglichkeit hin abzupendeln. Er erklärte, der weiße Zucker würde bei ihm negativ wirken, der Rohrzucker positiv. Honig nach Erhitzung auf 60 Grad ebenfalls positiv. Bei der jahrelangen Pendelpraxis beobachtete er an sich selbst seelische Veränderungen. Er büßte seine Energie und Entschlußkraft ein. Es entwickelte sich bei ihm eine unheimliche Sensibilität. Nervenzucken und eine Föhn- und Wasserempfindlichkeit stellten sich ein. Versuchte er die Bibel zu lesen, dann kam ihm das Gefühl des Ekels und ein großer Abscheu. Gegen Christus und auch gegen die Kruzifixe empfand er einen heftigen Widerwillen. Da er selbst beobachtete, daß diese seelischen religiösen Störungen mit seiner Pendelpraxis zusammenhingen, nahm er seelsorgerliche Hilfe in Anspruch und war bereit, sein Leben unter Christus zu stellen. An diesen beiden Beispielen zeigt sich, daß sowohl die pendelbehandelte Frau als auch der aktive Pendler durch ein gesundes Gefühl und eine klare Beobachtungsgabe an sich selbst auf die Schädlichkeit der Pendelpraxis aufmerksam wurden. Sie kamen zur Ablehnung der Pendelei, ehe sie einen diesbezüglichen seelsorgerlichen Rat erhalten hatten. Die Gegensätzlichkeit der medialen Pendelei und der geistlichen Gebetsvollmacht soll an vier Beispielen geklärt werden. B 32 Ein bekannter Rutengänger wurde eines Tages von einem Professor der Medizin gebeten, er möchte doch die verschiedenen Häuser der Klinik mit der Rute abgehen und Reaktionen der Rute feststellen. Der Grund zu dieser Bitte des Professors war die Beobachtung, daß ein Haus

der Klinik eine besonders hohe Todesziffer hatte. Wenn Schwerkranke in dieses Haus gelegt wurden, verschlimmerte sich meistens ihr Zustand. Der Professor sagte aber von dieser Beobachtung dem Rutengänger nichts. Er wollte ein unbeeinflußtes Ergebnis haben. Der Rutengänger ging die verschiedenen Häuser durch und stellte tatsächlich in dem „Totenhaus" stärkere Impulse fest. Der Professor, der nicht an das Rutenphänomen glaubte, ließ, um das Experiment zu vervollständigen, in dem betreffenden Haus Abschirmgeräte einbauen. Der Erfolg war verblüffend. Die Todesziffer ging sofort zurück. Um nicht durch diese Maßnahme bei seinen Kollegen ins Gerede zu kommen, schweigt dieser Professor im allgemeinen über dieses durchgeführte Experiment. Dieser Rutengänger besaß außer der Rutenfühligkeit noch die Gabe des Hellsehens. Er kann jederzeit angeben, wo sich seine Angehörigen befinden. Er wird auch von Versicherungsgesellschaften und Häusermaklern zur Bestimmung der Bodenbeschaffenheit, von Bauplätzen und Häusern herangeholt. Im Verlauf seiner Tätigkeit erklärte dieser Rutengänger und Hellseher, er könnte nicht mehr beten. Eine innere Macht würde ihn daran hindern. B 33 Ein gläubiger Parkbesitzer wollte in seinem Garten eine Quelle suchen lassen. Ein Rutengänger hatte an zwei Stellen des Parkes Ausschläge. Es wurde danach ohne Erfolg gegraben. Der Rutengänger erklärte daraufhin: „Das ist mir noch nicht passiert.” Der Parkbesitzer anwortete: „Ich habe darum gebetet, da mir nicht klar war, ob ich als Christ einen Rutengänger rufen darf.” Daraufhin äußerte der Rutengänger: „Ach, deshalb; dann klappt es natürlich nicht!" B 34 Ein Pendler bespricht Warzen, Hühneraugen, Kröpfe, Hautausschläge und dergleichen. Ferner experimentiert er auf dem Gebiet des magischen Todeszaubers. Er behauptet auch, er könne Menschen krank und gesund machen. Eine gläubige Frau, die von seiner Magie nichts wußte und ihn nur für einen Naturheilkundigen hielt, kam zu ihm in die Sprechstunde. Sie betete innerlich im Wartezimmer. Plötzlich redete er sie an: „Sie können nach Hause gehen, Ihnen kann ich nicht helfen.” Trotzdem hatte diese Frau von dieser Stunde an Anfechtungen. Schwermut und Selbstmordgedanken plagten sie. Ihr Ehemann, der keine klare Stellung zu Christus hat, ließ sich vom gleichen Pendler magisch helfen. Die Kinder, die ihm nach dieser Behandlung von seiner Frau geboren wurden, sind belastet. Merkwürdig ist, daß dieser Pendler von einem Arzt schwierige Patienten zugeschickt bekommt. B 35 Bei einer Evangelisation in Süddeutschland suchte mich ein gläubiger Christ auf. Er gab mir die Genehmigung, den folgenden Bericht zu veröffentlichen. Als junger Mann entdeckte dieser Berichterstatter, daß die Rute bei ihm ausschlug. Durch Vergleich mit den Ergebnissen anderer Rutengänger sah er auch, daß er in exakter Weise die Lage und Tiefe der Quellen angeben konnte. Schnell sprach sich seine Fähigkeit herum. Er wurde nicht nur von Bauern, sondern auch von Industriellen geholt, um Wasser zu suchen. Die Fabrikanten, die durch seine zutreffenden Angaben sich die Kosten für kostspielige Wasserbohrungen ersparten, zahlten ihm gute Honorare. Soweit ging die Sache klar. Der junge Rutengänger gewann einen dankbaren Kundenkreis. Nach diesen jahrelangen Erfahrungen trat etwas Neues in das Leben dieses Rutengängers. Er erlebte bei einer Evangelisation seine Bekehrung. Durch Gottes Gnade durfte er Christus finden. Da er sich bei seiner Rutenfühligkeit nichts dachte, suchte er weiterhin Wasser. Nun aber stellte er auf einmal merkwürdige Dinge an sich selbst fest. Jedesmal, wenn er Wasser gesucht hatte, konnte er etwa zwei Tage lang nicht mehr beten und die Bibel lesen. Nur beim Lesen der Bibel - nicht beim Lesen der Zeitung - flimmerten ihm die Augen. Beim Beten war ihm sofort die Konzentration weg. Zwei Tage lang fühlte er einen starken Unfrieden. Durch längere Beobachtung stellte er einen Zusammenhang zwischen seinem Wassersuchen und den Störungen seines Glaubenslebens fest. Diese Erfahrung führten diesen gläubigen Bruder zu mir in die Seelsorge. Er sagte von sich aus: “Meine Fähigkeit, mit der Rute Wasser zu suchen, lähmt jedesmal für einige Zeit mein geistliches Leben. Ich muß es aufstecken, so sehr mich auch meine alten Kunden plagen und mir hohe Summen bieten.” - Das ist der Bericht eines stark medialen Rutengängers. Zu erwähnen ist, daß er keine Honorare verlangte. Seine dankbaren Kunden hatten ihm von sich aus viel Geld gegeben.

Diese vier Beispiele zeigen, daß die Rutengängerei die Gebetsfreudigkeit lähmte. Andererseits machte das Gebet des gläubigen Christen in B 33 das Wassersuchen unmöglich. Die betende Frau im Wartezimmer legte die Aktivität des magischen Pendlers lahm. In B 35 sahen wir, daß der Rutengänger nach seiner Bekehrung selbst merkte, daß seine mediale Tätigkeit die Nachfolge Jesu empfindlich störte. Pneuma (Heiliger Geist) und Medialität (Anwendung okkulter Kräfte) schließen sich gegenseitig aus. Den Folgen der Pendelei sei ein besonderer Abschnitt gewidmet. Es handelt sich hier nicht um Schädigungen des Glaubenslebens, sondern um medizinisch nachweisbare Störungen. B 36 Ein junger Mann, der arbeitslos wurde, ließ sich von einem Pendler freie Stellen herauspendeln. Mit Hilfe dieses Mannes bekam er an einem Tag fünf Offerten. Er erhielt sofort eine Stelle, mußte sie nach einigen Tagen aber wieder aufgeben, da er gemütskrank wurde. Einige Monate war er in einer Nervenheilanstalt untergebracht. Nach der eingetretenen Besserung wandte er sich an Mönche, die ihn wieder durch das Pendel berieten. Schließlich ließ er sich noch durch einen Besprecher beraten. Der Erfolg war, daß er einige Tage danach Tobsuchtsanfälle bekam und erneut in die Nervenheilanstalt eingeliefert wurde. B 37 Ein junger Mann mit Bronchialasthma ließ sich von einem Pendler behandeln. Der Pendler stellte mit dem Pendel die Diagnose und auch das richtige Medikament fest. Außer dieser Pendelpraxis übte er noch das magische Besprechen. Bei dem jungen Mann mit Bronchialasthma wandte er einen magischen Spruch aus dem 6./7. Buch Mose an. Dann klebte er bei dem Patienten an verschiedenen Körperstellen Pflaster auf. Die Hansaplastpflaster waren mit einer Salbe bestrichen. Nach einigen Tagen hatte sich unter diesen Pflastern tatsächlich Eiter gebildet. Der Eiter floß ab, aber eine Heilung des Bronchialasthmas war dadurch nicht erreicht. Der junge Mann bekam aber von dieser Zeit an nervöse und geistige Störungen. Er spürte ein Nachlassen seines Gedächtnisses, konnte sich als Student nicht mehr richtig konzentrieren und spürte eine Benommenheit des Kopfes. Diese Störungen veranlaßten ihn, zur seelsorgerlichen Aussprache zu kommen. B 38 Der Prediger einer evangelischen Gemeinschaft pendelte nach Wasser und Erzen. Er stellte auch Krankheiten und die Zuträglichkeit der Medikamente mit dem Pendel fest. Ein Schweizer Universitätsprofessor untersuchte seine Fähigkeiten. In Gegenwart seiner Assistenzärzte und der Studenten stellte er dem Pendler 20 Patienten vor. Der Pendler konnte mit seinem Pendel bei allen 20 Kranken richtige Diagnosen stellen. Auch dieser Prediger blieb von den Auswirkungen der Pendelei nicht verschont. Seine Frau verunglückte tödlich. Alle seine Kinder starben eines unnatürlichen Todes. Er selbst befindet sich seit drei Jahren im Irrenhaus. B 39 Ein Pfarrer in Mitteldeutschland bependelte Krankheiten und Medikamente. Er unternahm auch Fernheilungen. Kranke schickten ihm ihre Fotos, die er bependelte. Anschließend stellte er die zur Krankheit passenden Medikamente fest. Eine gläubige Christin sandte ihm ebenfalls ihr Foto ein, um sich von ihm behandeln zu lassen. Sie erhielt die Diagnose und Medikamente. Hinterher wurde sie wahnsinnig und kam ins Irrenhaus. Ihre Angehörigen meldeten es der Kirchenbehörde. Der Pfarrer wurde dann zur Rechenschaft gezogen. Diese vier Beispiele aus der Seelsorge zeigen die hundertfach beobachtete Tatsache, daß mit der Pendeltherapie Erleichterungen und gewisse Heilungen im organischen Bereich erzielt werden. Diese Entspannungen im organischen Sektor werden aber weitgehend mit Störungen im seelischen Bereich bezahlt. Selbst dem Prediger, der aktiver Pendler war, blieb das nicht erspart. Der Grad der seelischen Erkrankungen ist in der Weise verschieden, daß der aktive Pendler kompliziertere Erkrankungen als Folgeerscheinungen seiner medialen Betätigung erlebt als der passiv Pendelbehandelte. Der okkulte Charakter der Pendelei wird in vielen Fällen daran sichtbar, daß die Pendler oft noch andere okkulte Praktiken wie magisches Besprechen, Spiritismus, Hellsehen, Heilmagnetismus usw. ausüben. Die Pendelei befindet sich da in guter Gesellschaft. Gleich und Gleich gesellt sich gern.

Vor Jahren hatte ich die Gelegenheit, als stiller Beobachter und Kritiker an einer Pendlertagung an der Evang. Akademie in Tutzing teilzunehmen. Die Konferenz wurde von einem Theologen geleitet. Etwa 60 Pendler und Rutengänger aus verschiedenen Teilen Europas waren erschienen. Die Pendler unterschieden ein sogenanntes physikalisches und ein mentales Pendeln. Physikalisch nannten sie die Form, bei der die Pendler oder Rutengänger über ein Stück Land schreiten und nach Bodenschätzen suchen. Mental nannten sie das Pendeln, wenn z. B. nur über einer Landkarte gependelt wurde. Das Abgehen der freien Natur ist beim mentalen Pendeln nicht erforderlich. Ein Schweizer Pendler sagte z.B., er könnte auf einer Landkarte feststellen, wo es in der Umgebung von Tokio (Japan) Wasser gäbe. Die Landkarte ist in diesem Fall eine geistige Brücke, das Kontaktmittel für derartige Feststellungen. Mit dem mentalen Pendeln werden natürlich nicht nur Bodenschätze gesucht, sondern alle Fragen beantwortet, die ein Ratsuchender stellen mag. So haben sich schon viele Ehemänner durch das Bependeln des Fotos ihrer Ehefrau sagen lassen, ob ihnen die Frau treu geblieben ist oder nicht. Der Abschluß und Höhepunkt dieser Pendlertagung war, daß der leitende Theologe unter dem großen Hallo aller anwesenden Pendler meine Kritik zurückwies und jede Form des Pendelns und Rutengehens anerkannte. Grund für diese Anerkennung durch den Theologen war eine merkwürdige Auslegung des ersten Glaubensartikels. Was diesem Theologen jedoch abgeht, ist die ausgiebige Erfahrung über die Auswirkungen des Rutengehens und Pendelns. Nur durch logisches und theologisches Nachdenken läßt sich die Frage der Radiästhesie nicht klären. Wenn ein grober Vergleich gewagt werden darf: die Auferstehung Jesu kann nicht durch theologisches Nachdenken erkannt, sondern muß glaubensmäßig erlebt werden. So können auch alle charismatischen und medialen Funktionen nicht durch logische Schlußfolgerungen erhärtet werden. Diesem Irrtum ist der Tagungsleiter zum Schaden des Volkes Gottes verfallen. Ein zweiter Kurzschluß liegt dieser seltsamen Beurteilung der Radiästhesie zugrunde. Man kann nicht aus dem ersten Glaubensartikel die Berechtigung der medialen Kräfte nachweisen. Der Kosmos, die Natur sind in den Sündenfall der Menschheit hineingezogen. Damit sind auch die unmittelbaren Kräfte, die im Paradies noch vorhanden waren, nicht in ihrer Ursprünglichkeit erhalten geblieben. Zuletzt muß auch noch darauf hingewiesen werden, daß wir den ersten Glaubensartikel nur vom zweiten und dritten Artikel her verstehen können. Die isolierte Betrachtung führt zu Entgleisungen, wie es tatsächlich geschehen ist. Diese sogenannte “Naturfühligkeit” ist eine Naturschwärmerei. Schwärmerei aber stammt nicht aus dem Heiligen Geist. Das haben uns die Sekten gründlich gelehrt. Man kann aus jedem isolierten Glaubensartikel heraus eine Schwärmerei entwickeln. Aus dem ersten Artikel eine Naturmystik, aus dem zweiten Artikel eine Jesusmystik, aus dem dritten Artikel die sattsam bekannte Schwarmgeisterei. Mystik und Fanatismus aber haben nichts mit dem Weg der Bibel zu tun. -----

Alexander Seibel

Heilungsdienste - Bereicherung oder Verführung?

Immer mehr wird man heute mit dem Anspruch konfron tiert, man habe nur das »halbe« und nicht das »volle« Evangelium, wenn man nicht die Kranken heilt. Angeblich schließe die Evangeliumsverkündigung auch den Heilungs auftrag mit ein. »Predigt und heilt« laute der biblische Missionsbefehl. Gott begleite auch heute noch die Verkündi gung seines Wortes mit übernatürlichen Machtwirkungen, Zeichen und Wundern. Der Chor der Stimmen, der dies fordert und früher eher schwach zu vernehmen war, schwillt heute immer lauter an und ist unüberhörbar geworden. Vorweg muß deutlich gesagt werden, daß in keiner Weise der Eindruck vermittelt werden soll, als könne Gott heute nicht mehr heilen. Zwar muß gesehen werden, daß unser Leib in diesem Äon noch nicht erlöst ist (Röm 8,23). Dies geschieht erst mit der Vollendung der Gemeinde (1 Kor 15,51-55). Deswegen ist es unhaltbar zu behaupten (wie es zu den dogmatischen Aussagen der Pfingstbewegung gehört), das Kreuzesopfer Jesu schließe jetzt schon auch die Heilung von unseren Krankheiten ein. Dennoch heilt der lebendige Gott auch heute noch wann, wo und wie Er will. Ich selber weiß von Heilungen - selbst von Krebs - im Rahmen der Anleitungen nach Jakobus 5,14-16. Ein populärer Heilungsdienst Doch in unseren Tagen offenbart sich mehr und mehr ein Heilungsdienst ganz besonderer Art. Heilungsevangelisten wie John Wimber, Reinhard Bonnke, Wolfram Kopfermann, Yonggi Cho und andere sprechen eine ständig zunehmende Zahl von Christen an. John Wimber ist ein sympathisch wirkender Mann von faszinierender Ausstrahlung, der sicherlich nur das Beste für die Gemeinde beabsichtigt. Doch entheben uns selbst eine große Massenbegeisterung und edle Motive nicht von der Verpflichtung, die Geister zu prüfen. So deutet der Herr Jesus mit keinem Wort etwa eine Dämpfung des Geistes dadurch an, daß die Gläubigen zu Ephesus »geprüft haben, die da sagen, sie seien Apostel, und sind's nicht« (Offb 2,2). Im Gegenteil, sie werden dafür gelobt. Wie geschah nun bei John Wimber die Hinwendung zur charismatischen Bewegung, bei dem Mann, der heute viel leicht am meisten zur Ausbreitung der Heilungsdienste innerhalb der Christenheit im Westen beiträgt? Über seinen Werdegang konnte man u. a. folgendes in einer englischen Zeitschrift lesen: »Bevor er soweit war, ihre Ansichten zu teilen (Seine Frau hatte sich vor ihm der charismatischen Strömung geöffnet, Anm.), wollte seine Frau wissen, ob er die Gabe der Hei lung habe. Eines Nachts, während er schlief, nahm sie seine Hand, legte sie auf ihre rheumatische Schulter und betete, >OK, Herr, nun tue es!< Eine Woge von Hitze strömte plötzlich in ihre Schulter und John Wimber wachte auf, seine eigene Hand heiß und pulsierend.« Was soll man von dieser Art Heilung halten? Dies erinnert eher an den medialen Berührungskontakt bzw. Sympathie zauber, als an ein biblisches Heilungswunder. Die Persön lichkeit Wimbers bzw. sein Wille ist zweifelsfrei umgangen. Er ist als Schlafender buchstäblich Medium einer Geistes kraft, die ihn wie einen Kanal benützt und durchströmt. Geistliche Wahrheiten aber werden bekanntlich über den Verstand und nicht über das Gefühl vermittelt. Umgehen oder Ausschalten des Verstandes aber bedeutet das Nichtbe achten der Persönlichkeit bzw. des Willens des Menschen. Wie bereits gesagt, ist dies dem Heiligen Geist völlig fremd.

Die Geistheiler und ihre Begleitsymptome Auch die Hitzeempfindung ist eine altbekannte Begleiter scheinung von Geistheilem bzw. Geistheilungen. Dies soll an einigen Zitaten belegt werden.

Harry Edward, Englands berühmtester Geistheiler, erklärte, daß die Geister verstorbener Menschen durch seine Hände wirkten. Auf die Frage, wie er und der Patient den Heilvor gang wahrnähmen, antwortete er: »Vor allem Wärme - dort, wo man die Hand auflegt. Sowohl Heiler als auch Patient spüren das. Es muß sich dabei irgendein Energieumsatz abspielen.« Über den in Deutschland tätigen Geistheiler Starczewski hieß es in einer Tageszeitung: »Er heile Krankheiten nicht selbst, sondern als Medium mit Hilfe einer besonderen kosmischen Strahlkraft, einer gebündelten Wärme, die durch seine Hände fließe, als Medium von Geistern aus dem Jenseits, sagt er.« Paul Uccusic, Fachautor über esoterische Themen und Geist heilung, schrieb unter dem Titel »Die heilende Kraft der Hände«: »Bei der Direktbehandlung wird der Heiler in der Regel seine Hände, die stärkste seiner Waffen im Kampf gegen die Krankheit, bemühen ... Die meisten Heiler spüren die Kraft in Armen und Händen, und sie wissen auch, daß die Kraft nicht aus ihnen selbst kommt; aber dennoch wirkt sie mittels der Hände ... Bei diesem Verfahren, dem Handauflegen, spürt der Kranke meist eine Wärme, die das Gewebe und die Knochen durchdringt und die Schmerzen in der Regel bald zum Verschwinden bringt. Der Kranke glaubt, die Hände des Heilers seien warm; aber das ist unrichtig: er spürt einfach die Kraft.« Ständig wird betont, wie diese Heilungskräfte eine göttliche Gabe zum Wohle der Menschheit seien. Mit dieser Überzeu gung verbindet sich oft ein selbstloser Einsatz. Man kann nun berechtigterweise fragen, was denn dieser offensichtliche Mediumismus mit den christlichen Heilern zu tun habe? Zunächst fällt auf, wie an einigen Beispielen der Heilungs evangelisten und führender Charismatiker bereits aufgezeigt, daß die Symptome (Wärme etc.) verblüffend ähnlich sind. Doch berechtigt das zu solchen Schlußfolgerungen? Wie wurde der Heilungsauftrag wiederentdeckt? Dazu soll kurz und ohne Anspruch auf Vollständigkeit skizziert werden, durch welche Schlüsselleute der angebliche Auftrag zu heilen »wiederentdeckt« und in den Gemeinden verkündet wurde. Das Thema Heilung war schon immer eine Domäne der Pfingst- und späteren charismatischen Bewegung, doch wie drang es in die etablierten Kirchen und Freikirchen ein? Denn Tatsache ist, daß die Thematik Heilung erst in den letzten Jahrzehnten oder eigentlich Jahren so an Aktualität gewonnen hat. Man liest weder von Missionaren des vorigen Jahrhunderts, noch bei solchen, die sich noch früher hinauswagten wie Bartholomäus Ziegenbalg oder William Carey, daß sie neben ihrer Verkündigung auch Heilungsdienste abgehalten hätten. So schrieb David Livingstone in einem Brief: »Meine Praxis ist hier außerordentlich groß. Gegenwärtig habe ich Patienten, die mehr als 200 km weit hergekommen sind, um sich von mir behandeln zu lassen. Viele sehr schlimme Fälle wurden vor mich ge bracht, und manchmal war mein Wagen von Blinden, Hin kenden und Lahmen förmlich belagert. Welch ein gewaltiger Erfolg würde erzielt, wenn einer der siebzig Jünger hier wäre, um sie alle mit einem Wort zu heilen! - Übrigens sind sie ausgezeichnete Patienten. Da gibt es kein Gejam mer. Bei einer Operation sitzen selbst die Frauen unbeweg lich.« Gerade auf diese Aussendungsbefehle an die zwölf bzw. siebzig Jünger beruft man sich heute

immer häufiger zur biblischen Legitimierung des Heilungsauftrages. David Livingstone, einer der gesegnetsten Missionare überhaupt, wußte nichts von dieser »Vollmacht des Heilens«. Hatte auch dieser einmalige Diener Gottes nicht das »volle« Evangelium? So ist es auch von diesem historischen Standpunkt erwäh nenswert, was Roland Brown in seiner Biographie »Gott ist gut, Jesus ist wunderbar« in diesem Zusammenhang, es war das Jahr 1924, schreibt: »Ich malte mir aus, wie herrlich es wäre, wenn wir jeman den berühren könnten und der Herr ihn heilen würde. Aller dings hatte ich bisher von solchen Heilungen in unserer Zeit nicht gehört. Auch in Predigten kam dieses Thema nicht vor; ich kannte auch kein Buch darüber und keinen Zeit schriftenartikel. In mir lebte der große Wunsch, daß das, was bei den Anfängen des Christentums geschehen war, auch heute geschehen sollte.« Roland Brown lebte damals in Chikago. Teilweise waren noch Nachwirkungen der großen Erweckung unter D. L. Moody, der dort so segensreich gewirkt hatte, vorhanden. Ist es möglich, daß die damalige Christenheit solch einen angeblich wesentlichen Aspekt der Verkündigung einfach außer acht gelassen hat? Wer waren nun die Schlüsselleute für die Wiederentdec kung dieser »verschollenen« Gabe? Cameron Peddie, schotti scher Pfarrer der anglikanischen Kirche, nannte sein Buch, in dem er die Krankenheilung als bleibenden biblischen Auftrag vertrat, bezeichnenderweise »Die vergessene Gabe«. Er schreibt von seinen Wahrnehmungen der » Heilungskräf te«: »Der, der die Behandlung durchführt, ist sich dabei stets dessen bewußt, daß Kraft durch ihn strömt (wenn er dafür in seinem Inneren genügend empfänglich ist), und der Pati ent spürt ein eigenartiges Hitze- oder Kältegefühl. Die Hitze, die an den kranken Stellen entsteht, ist manchmal so stark, daß der Patient die Bemerkung macht: >O, es brennt ja geradezu!<« Aus welcher Quelle bezieht nun Cameron Peddie seine Gabe und seinen Auftrag? Bei ihm ist der spiritistische Einfluß ganz offensichtlich. Er gibt zu, wie er 1942 zu einem Medium ging: »Allmählich schienen sich ihre Gesichtszüge zu wandeln und ein östliches Aussehen anzunehmen. Sie befand sich im Trancezustand ... Wir hatten das Gefühl, in der Gegen wart eines Engels zu sein - gewiß nicht in der eines Teu fels. Sie legte meiner Frau die Hände auf ... Die spirituali stischen Medien heilten im Namen und in der Kraft vertrau ter Geister, die nicht unbedingt böse, aber körperlose Geister waren.« Seine Berufung, den Heilungsauftrag in der Kirche wieder bekannt zu machen, spielte sich folgendermaßen ab: »Ich sagte zu Gott: Vater, ich bin noch immer im Dunkeln ... Wie kann ich da meinen Mitbrüdern den Heilungsauftrag recht weitergeben? Wenn ich mein Schlafzimmer betrete, werde ich die Bibel öffnen. Bitte laß die ersten Worte, die ich dort sehe, eine Botschaft sein, die mir Weisung gibt. ...Ich zeigte mit dem Finger auf einen Vers und wollte ihn gerade lesen, als sich drei Seiten von selbst einzeln umblätterten, eine nach der anderen, als ob sie von einer unsichtbaren Hand bewegt worden wären.« Diese Berufung zum Heilungsauftrag ist hier jenseits allen Zweifels eine mediale Steuerung, ein Werk verführerischer Geister, die gemäß 1 Tim 4,1 am Ende der Tage besonders aktiv sein werden. Ein biblischer Heilungsauftrag? Als Beleg für den Heilungsauftrag zitiert man die Passagen aus den Evangelien, nämlich Mt 10,5 ff. und Luk 10,9. Dies aber war vor Golgatha und stand ganz offensichtlich in Beziehung zu Israel

(besonders Mt 10,5-6). Im Missions befehl von Mt 28, wo (ganz im Gegensatz zu Mt 10) aus drücklich gesagt wird, nun unter alle Völker zu gehen, wird ein Heilungsauftrag dagegen mit keiner Silbe erwähnt. Auch findet sich der vollendete Ratschluß für die Gemeinde nicht primär in den Geschichtsbüchern oder gar Evangelien (das Wort Gemeinde wird nur dreimal in den vier Evangeli en erwähnt), sondern in den Briefen. Vom Römer- bis Judasbrief wird jedoch kein einziges Mal befohlen, daß die Gläubigen Kranke heilen sollen. Warum wird bei der Evangeliumsverkündigung - selbst in der Apostelgeschichte - den Zuhörern immer nur Vergebung der Sünden angeboten und nie Heilung von Krankheiten angesprochen? Hätte dann nicht z. B. Petrus im Hause des Kornelius sagen müssen: »Von diesem bezeugen alle Pro pheten, daß durch seinen Namen alle, die an ihn glauben, Vergebung der Sünden empfangen« (Apg 10,43) und (nun in diesem Sinne fortfahrend) Heilung von ihren Krankheiten erfahren? Sollten die Apostel solch einen wesentlichen Bestandteil des Verkündigungsauftrags vergessen haben zu erwähnen? Besonders der 1. Johannesbrief zeigt den Grund des Kom mens unseres Herrn, erwähnt die Warnung vor Verführung und befiehlt das Prüfen der Geister. Dieser Brief zeigt die biblischen Kriterien für den Gläubigen. Dort nun, wo der Grund für Jesu Kommen erwähnt wird (1 Joh 3, Verse 5 und 8 usw.) steht diese Aussage immer in Verbindung mit der Sünde. Kein einziges Mal heißt es, daß Jesus erschienen sei, um die Kranken zu heilen. »Darin besteht die Liebe: nicht, daß wir Gott geliebt haben, sondern daß er uns ge liebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsere Sünden« (1 Joh 4,10). Dies wäre eine sonderbare Auslassung, wenn es einfach für selbstverständlich erachtet werden sollte, daß die Gemeinde zu heilen hat. George Bennett und seine Heilungserfahrungen Auch George Bennett, Priester der anglikanischen High Church, verkündigt mit Berufung auf die gleichen Bibelstel len den Heilungsauftrag. Auf der Rückseite seines Buches »Heilung brauchen wir alle«, heißt es bezeichnenderweise: »In unseren Tagen entdeckt die Kirche neu ihren Auftrag zu heilen.« Es ist also nicht etwas, das immer schon durch die Jahrhun derte der Kirchengeschichte praktiziert wurde, sozusagen seit Beginn der Gemeinde oder der Reformation, sondern etwas, das neu auf uns zukommt. Zunächst sind George Bennetts Ansichten, die er in seinem Buch vertritt, eine Vermischung von Heilungsdienst und kirchlicher Sakramentslehre. Besonders aufschlußreich ist der Abschnitt seines Buches, wo er erläutert, wie man die Krankheiten erfühlen bzw. die Krankheitsherde mit den Händen feststellen kann. Wörtlich heißt es: »Eine >andere< Empfindung mag auch die Fähigkeit sein, durch Intuition oder Berührung die kranken Stellen im Körper eines Leidenden ausfindig zu machen. Manchmal spürt der Ausübende in seinen Fingerspitzen, daß die Stel len, die geheilt werden sollen, heiß sind oder sich >tot< anfühlen. Der >Heiler< weiß dann unwillkürlich, wie lange er seine Hände über dem kranken Körperteil halten sollte. Manchmal vibrieren seine Hände, wenn die schöpferischen Energien Gottes durch sie hindurchströmen. Später berichtet der Leidende vielleicht, daß er eine >Glutwelle< oder so etwas wie einen elektrischen Strom verspürte, der durch ihn hindurchlief. Ein derartiges Geschehen hat als solches keine Bedeutung; es ist nur die äußere Erscheinungsform des Wirkens der wirklichen Kraft im Innern - obwohl es sehr beunruhigend sein kann, wenn es das erste Mal auftritt.« Dies sind nun wiederum unzweifelhafte Symptome des Mediumismus, nicht des Wirkens des Heiligen Geistes. Interessanterweise erklärt George Bennett unmittelbar da nach, wie sich diese »Gabe«, die Krankheiten mit den Händen zu erfühlen, auswirkt:

»Der >Heiler< spürt, daß er von dieser Kraft in eine ganz andere, wunderbare Welt versetzt wird, die sich nicht richtig erklären läßt. Er mag manchmal darüber erschrocken sein. und unsicher werden, ... Auch stellt er fest, daß er selbst verwundbarer gegenüber den Verletzungen in seinem Leben und den Zugriffen des Bösen wird.« Auch hier werden die Zusammenhänge durch solche Selbst zeugnisse offensichtlich. John Wimber und die »Dritte Welle des Heiligen Geistes« Diese Wahrnehmungen einer Wärme bzw. Hitze werden auf fallend häufig in dem von John Wimber herausgegebenen Buch »Die Dritte Welle des Heiligen Geistes« erwähnt. So schreibt seine Frau Carol über das Kommen des angebli chen Heiligen Geistes. »Aber ich wußte, daß Gott zu uns gekommen war. Ich war sehr glücklich, denn ich hatte so lange um Gottes Kraft gebetet. Ich hatte es mir etwas anders vorgestellt, aber Gott gab uns seine Kraft eben auf diese Weise. Ich stand auf, ging umher und hielt meine Hände in die Nähe der Men schen, die auf der Erde lagen. Ich konnte die Kraft spüren, die von ihren Körpern ausging, es war so etwas wie Hitze oder Elektrizität.« In diesem Zusammenhang erscheint erwähnenswert, daß auch Katholiken, die nun angeblich von der Himmelköni gin Maria geheilt worden sind, die gleichen Begleitsym ptome erleben. Ein gelähmter Mann, der in Lourdes geheilt wurde, berichtet, wie er am ganzen Körper eine starke Hitze verspürte. Danach konnte er aus dem Rollstuhl aufstehen. Überrascht es da noch sonderlich, daß John Wimber in seinem Buch »Vollmächtige Evangelisation« sogar Lourdes im positiven Sinne anführt? Angeblich soll es ein Ort sein, wo Gottes zeichenhaftes Wunderhandeln erfahrbar ist. In demselben Buch erklärt Amerikas bekanntester Heilungs evangelist wörtlich: »Manchmal bekomme ich Schmerzen in verschiedenen Teilen meines Körpers. Das zeigt mir an, welche Krankhei ten Gott bei anderen heilen will.« Auch dafür gibt es keine biblische Parallele, doch sind solche Phänomene den Geistheilern nur zu gut bekannt. Aus dem Glauben an den persönlichen Gott der Bibel wird mehr und mehr die Wahrnehmung einer unpersönlichen Kraftwirkung, die sich in erster Linie physisch bemerkbar macht. In Wimbers Buch »Die Dritte Welle des Heiligen Geistes«, das übrigens eine wahre Fundgrube für solche Phänomene darstellt, berichtet seine Frau Carol: »So ging John im Zimmer umher und betete für uns. Von seinen Händen strömte eine unglaubliche Kraft. Wenn er die Menschen berührte, fielen diese einfach um. Für John war es, als ob aus seinen Händen eine geistliche Kraft strömte, ähnlich wie Elektrizität. Es war das erste Mal, daß John tatsächlich fühlte, wie Kraft von ihm ausging.« Wie oben dargelegt, mißachtet dieser Geist, der leider als Heiliger Geist angesehen und angesprochen wird, die Per sönlichkeit bzw. die Selbstkontrolle des Menschen. So erzählt Carol von ihrem Mann gleich danach: »John ging zum Kühlschrank, weil er ein Glas Milch trinken wollte. Während er sich die Milch einschenkte, sagte er: >Ich glaube, wenn man das Wort Gottes lehrt, dann wird der Heilige Geist ...< John konnte seine Gedanken nicht mehr ausführen. Als er >der Heilige Geist< sagte, sackten ihm plötzlich die Beine weg, und er konnte sich gerade noch an der Theke festhalten. Die Milch spritzte überall herum. Er schaute überrascht und lachend zu mir hoch und sagte: >Ich

glaube, wir werden noch einiges erleben, Carol Kay<.« Hier noch ein weiteres Beispiel zu diesen Phänomenen der sogenannten »Dritten Welle« des Heiligen Geistes. Terry Virgo, Pfingstprediger aus England, schreibt über ein Ge betstreffen in Südafrika: »Während wir für sie beteten, fiel auf einmal mit Macht der Heilige Geist ... Etliche fielen unter der Kraft Gottes zu Boden, und einige fingen heftig an zu zittern. Ein junger Mann wurde mit Macht auf dem Boden hin und her gewor fen, er bewegte sich wie ein aufs Trockene geworfener, zappelnder Fisch. Es war undenkbar, daß er die körperlichen Verrenkungen selber machte. Seit jenem Abend hat sein Leben einen ganz neuen Glanz bekommen.« Hier wird zugegeben, wie eine andere Kraft den Menschen kontrolliert. Wie vermittelt nun John Wimber die Gabe der Heilung? Wir haben schon erwähnt, wie sich diese Kraft primär im seelisch-körperlichen Bereich manifestiert. Lassen wir aus diesem mehrfach zitierten Bestseller »Die Dritte Welle ...« jemanden zu Worte kommen, der dies buchstäblich am eigenen Leibe erfahren hat. Unter dem bemerkenswerten Titel »Darüber kann man lachen«, schildert der Neuseeländer Murray Robertson seine Ausrüstung für den Heilungsdienst folgendermaßen: »>Alle, die der Herr zum Dienst der Heilung beruft, werden an ihrem Körper eine Reaktion merken<, fuhr John Wimber fort. >Wenn Sie dies merken, dann kommen Sie nach vorne, und wir werden für Sie beten.< ...Da begann meine rechte Hand plötzlich stark zu zittern, so als ob sie einen Preßluft bohrer festhalten würde... Darum ging ich nach vorne. Für alle, die nach vorne gekommen waren, wurde gebetet ... In mir stieg ein Lachen auf, doch da der Augenblick dafür völlig unpassend war, unterdrückte ich es. >Der Geist wird in Wellen kommen<, sagte Wimber, >jede neue Welle wird mehr Menschen mit hineinnehmen als die vorherige.< In den ersten Reihen fingen einige Menschen an zu lachen ... Diejenigen, die gelacht hatten, wurden still - bis auf mich. Ich konnte einfach nicht aufhören. Und schließlich konnte ich auch nicht mehr stehen! Ich fiel zuerst nach vorne, dann nach hinten, und zum Schluß lag ich auf dem Boden, rollte hin und her und hielt mir vor Lachen die Seite. Inzwischen war ich umringt von Zuschauern, ich lieferte eine gute Unterhaltungsshow! ... Ich lachte etwa eine dreiviertel Stun de lang. Als ich schließlich aufhörte, kam ein Kollege, ein sehr guter Freund von mir, legte mir die Hand auf den Kopf und sagte: >Herr, gib ihm noch mehr davon< - und ich mußte noch einmal eine dreiviertel Stunde lang lachen! Dann flehte ich ihn an, nicht mehr für mich zu beten, meine Rippen schmerzten schon von all dem Lachen!« Der Brite H. E. Alexander, Gründer der Action Biblique, schrieb schon vor Jahrzehnten über die Phänomene des christlichen Spiritismus unmißverständlich deutlich – fast zu deutlich, jedoch für das gerade Zitierte möglicherweise nicht übertrieben: »Hast du noch nie starke, physisch seelische Empfindun gen, Verzückungen und seelisch geistliche Gemütserregun gen gehabt? Hat dich ein außergewöhnliches Zittern befal len? Wurdest du zur Erde geworfen und bliebest auf deinen Knieen liegen oder krochest du herum, indem du glaubtest, unter der Wirkung des Heiligen Geistes zu stehen? Sei versichert, daß in diesem Augenblick Satan von deinem Körper ganz oder teilweise Besitz genommen hat, der damit ein Medium des Geistes >des Engels des Lichts< wurde ... Dabei wähnst du, daß die, welche dich vor dieser schreckli chen Gefahr warnen, gegen den >Heiligen Geist sündigen<, indem sie sich dem Wirken Gottes entgegenstellen. Dein Leben steht in direkter Verbindung mit der Dämonenwelt und dies im Namen Gottes!« Es war Prof. Peter Wagner, der John Wimber zu Vorlesun gen am Fuller Theological Seminary (Kalifornien) berief. Nach dem theoretischen Teil wurde der Heilungsdienst gleich praktisch ausgeführt. John Wimbers Einfluß hat dadurch eine viel größere Plattform erhalten. So nahm an

diesen Kursen auch der angesehene christliche Psychiater Dr. John White teil, Autor vieler einflußreicher und erfolg reicher Bücher. Leider beweist auch er wenig Unterschei dungsvermögen, wenn er über die Heilung des verletzten Beines eines Studenten im positiven Sinne berichtet: »Der junge Mann hatte sein Gesicht erhoben, es glänzte ein wenig von Schweiß. Die Augenlider zuckten. Nach einer Weile begannen sein Kopf und seine Oberarme zu zittern, zuerst nur leicht, dann immer stärker. Schon bald zitterte sein ganzer Körper, und zwar so stark, daß man befürchten mußte, er würde das Gleichgewicht verlieren und zu Boden stürzen. Seine Krücke polterte zu Boden, und zwei Studenten liefen zu ihm, um ihn vorsichtig auf den Boden zu legen, wo er noch stärker zu zittern begann... Inzwischen schlug das rechte Bein des jungen Mannes in alle Richtungen aus und gab dabei einer Aktenmappe einen kräftigen Schubs, so daß diese über den Boden rutschte. Ich machte mir Sorgen, weil das linke Bein (das ich fälschli cherweise für das verletzte hielt) angewinkelt unter dem Bein lag, das wild hin und her zuckte. Ich bat die Studen ten, die am nächsten bei dem jungen Mann saßen, das Bein vorsichtig unter dem anderen wegzuziehen. Als sie dies versuchten, wurden sie scheinbar ebenfalls von dem Zittern ergriffen, so daß sie meiner Bitte nicht nachkommen konn ten. Nach fünf bis sieben Minuten hörte das Ganze wieder auf ...« Der vorhin erwähnte Dr. Peter Wagner ist Professor für Gemeindewachstum am Fuller Theological Seminary »School of World Mission«, Pasadena, Kalifornien. Seine Arbeiten zum Thema Gemeindewachstum sind so zahl- und einflußreich, daß man ihm schon den Namen »Mr. Church Growth« (Mr. Ge meindewachstum) gegeben hat. Der Einfluß von Peter Wagner auf die weltweite evangelikale Bewegung kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Nun liest man bereits in seinem Beitrag zu dem schon mehrfach zitierten Buch von John Wimber »Die Dritte Welle des Heili gen Geistes« eher merkwürdige Dinge. Zunächst meint er, besonders im Visier Satans zu sein: »Der Herr hatte mich nämlich auch wissen lassen, daß ich auf Satans schwarzer Liste ziemlich weit oben stände. Im Januar 1983 wurde nach einem Seelsorgegespräch mit John Wimber die Kraft eines bösen Geistes gebrochen, der mir seit Jahren Kopfschmerzen verursacht hatte, die mich sehr behinderten. Im März versuchte der Teufel, mich zu töten, indem er mir eine Leiter unter den Füßen wegzog. Aus drei Meter Höhe fiel ich mit dem Kopf zuerst auf den Betonboden.« Unmittelbar danach nahmen die angeblichen Geisterangriffe noch sonderbarere Formen an: »Dieses Ereignis weckte in uns die Vermutung, daß der Feind böse Geister in unser Haus geschickt hatte. Dies bestätigte sich später, als meine Frau Doris in unserem Schlafzimmer tatsäch lich einen solchen Geist sah. Dieser Mann versucht nun dank seines großen Einflusses, die Prinzipien des Heilungsdienstes und Gemeindewachstums - verbunden mit Zeichen und Wundern - in die von der charisma tischen Bewegung noch nicht tangierten Kreise systematisch einzuschleusen. Sein letztes Buch, »How to Have a Healing Ministry Without Making Your Church Sick« (Regal, 1988), behandelt wiederum das Thema Heilungsdienste und wie diese von den Gemeinden in die Praxis umgesetzt werden können. Die deutsche Ausgabe trägt den Titel »Der gesunde Aufbruch« (Wolfgang Simson Verlag, 1989). In einer jüngsten Veröffentlichung behandelt nun Peter Wag ner das Thema »Territorial spirits and world missions«, wo er sich besonders mit dämonischen Aktivitäten in Zusammenhang mit der Ausbreitung des Evangeliums auseinandersetzt. Dieser Artikel enthält manch Richtiges und zu Beherzigendes. Aller dings finden sich auch eine Menge absonderlicher Berichte und Begebenheiten. So erzählt Peter Wagner von einer Südameri kanerin namens Rita Cabezas, deren Dienst darin besteht, die Namen der Hierarchie Satans zu erforschen. »Ich werde nicht ihre Methoden beschreiben, nur möchte ich erwähnen, daß alles mit ihren

umfangreichen Psychologischen- und Befreiungspraktiken seinen Anfang nahm und später sich bis zum Empfang von Worten der Erkenntnis und Offenbarung entwickelte. Sie entdeckte, daß direkt unter Satan weltweit sechs Fürstentümer stehen, namens Damian, Asmodeo, Men guelesh, Arios, Beelezebub und Nosferasteus. Unter jedem, so berichtet sie, sind sechs Regenten für jedes Land.« Dann werden u. a. auch die sechs Namen der für die USA zuständigen Regenten aufgezählt, die angeblich folgendermaßen lauten: Ralphes, Anoritho, Manchester, Apolion, Devil took und ein Ungenannter. Hier meint man offensichtlich, die Tiefen Satans erkannt zu haben (Offb. 2, 24). Vollends offenbar aber wird der fromme Spiritismus bei folgen dem Bericht, den Peter Wagner im Zusammenhang mit dem berüchtigten »Bermuda Dreieck« zustimmend wiedergibt: »Kenneth McAll verbrachte viele Jahre als Missionsarzt in China und kehrte danach nach England als beratender Psychia ter zurück. In China begann er einen Befreiungsdienst und engagierte sich durch umfangreiche Untersuchungen und Veröffentlichungen zu diesem Thema. 1972 fuhren er und seine Frau mit dem Schiff durch das Bermuda Dreick. Viele Schiffe und Flugzeuge waren dort spurlos verschwunden, aber sie dachten, daß so etwas ihnen nicht widerfahren könne. Es geschah. Ein gewaltiger Sturm überwältigte sie, doch glücklich erweise wurden sie gerettet. McAll entdeckte durch seine Nachforschungen, daß im Bermuda Dreieck Sklavenhändler an die zwei Millionen Sklaven, die entweder zu krank oder zu schwach waren, um verkauft werden zu können, über Bord geworfen und danach noch Versicherungsgelder für sie einge strichen hatten. Er hatte den Eindruck, daß Gott ihn anleitete, etwas zu unternehmen. McAll versammelte mehrere Anglika nische Bischöfe, Priester und andere in ganz England, um eine Jubiläums-Eucharistiefeier im Jahre 1977 abzuhalten. Eine andere wurde kurz danach auf der Bermudainsel selber gefei ert. Die erklärte Absicht war, >die spezielle Befreiung all derer zu erlangen, die ein unzeitgemäßes Ende im Bermuda Dreieck erfuhren<. Als Resultat davon wurde der Fluch aufgehoben. McAll berichtete 1982, >Von dem Zeitpunkt der Jubiläumsmes se bis jetzt - 5 Jahre - hat sich kein unerklärlicher Unfall im Bermuda Dreieck ereignet<. Gemeindewachstum und geistliche Kampfführung vorangetra gen durch Messen für Verstorbene? Inzwischen bekam Peter Wagner nicht nur das Charisma der Krankenheilung, sondern auch die besondere Gabe, zu kurze Beine verlängern zu können. Seine Geistestaufe erhielt er bei Yonggi Cho, von dem im »Dictionary of the Penetecostal und Charismatic Movements« berichtet wird, daß ihm bei seiner Bekehrung Jesus als Feuerwehrmann erschien. Yonggi Cho ist Koreaner und Pastor der größten Kirche der Welt. Sein Bestseller »Die vierte Dimension« ist aber eher, wie Dave Hunt eindrücklich aufzeigt, eine Apologetik des Okkul tismus bzw. christlich verbrämtes Schamanentum denn bibli sches Christentum. So schrieb die englische Zeitschrift » Sword & Trowel« einen ganzen Artikel über Yonggi Chos Heilungstechniken unter der Überschrift »Occult healing bu ilds the world's largest church« (Okkultheilung baut die größte Kirche der Welt). Ähnlich äußert sich Hank Hanegraaff. In seinem neuerschiene nen Buch » Christianity in Crisis« stellt er unumwunden fest: »Chos Vorstellung des vierdimensionalen Denkens ist nichts anderes als Okkultismus. In seinem Bestseller >Die vierte Dimension< offenbart Cho sein Abweichen von der histori schen christlichen Theologie und sein Eindringen in die Welt des Okkultismus.« Der Einfluß von Agnes Sanford

Als Schlüsselfigur für die Wiedereinführung der Heilungs dienste in die Hauptgruppierungen der amerikanischen Chri stenheit gilt Agnes Sanford. Vielleicht gibt es kaum eine Frau in diesem Jahrhundert, die einen so großen Einfluß auf die heutige Christenheit in Amerika ausübte, wie diese Lehrerin und Autorin vieler erfolgreicher Bücher. Sie ist die entscheidende Wegbereiterin zur Ausbreitung der »vergesse nen Gabe«. Francis MacNutt, ein katholischer Pater, wurde ebenfalls durch Agnes Sanford zu diesem Heilungsdienst motiviert. Er war einer der ersten Katholiken, der sich in der charis matischen Erneuerung engagierte und einer der ersten, der Gebet für Heilung in Gebetsgruppen praktizierte. Er schreibt dazu: »Diese Schulen wurden von Pastor Ted Sanford und seiner Frau Agnes gegründet, um die Geistlichen davon zu über zeugen, daß der Heilungsdienst Teil des normalen Auftrags eines jeden Pastors sein sollte. Obwohl ihr Gatte vor ein paar Jahren starb, hat Frau Sanford das Werk des Unter richts weitergeführt und ist vielleicht mehr als jeder andere für die Erneuerung des Heilungsdienstes in den großen Denominationen Amerikas verantwortlich.« In ihrem Buch über die Heilungsgaben des Geistes schreibt sie: »Beim Zungenreden wird nun diese Macht, die im Unbe wußten aller Menschen verborgen liegt ... zum Leben er weckt, so daß das Unbewußte Verbindung aufnehmen kann mit dem Unbewußten eines anderen, der irgendwo auf dieser Erde lebt, oder mit jemandem, der früher hier gelebt hat oder erst in der Zukunft leben wird ...« In einem weiteren bedeutenden Werk, »Heilendes Licht«, wird die spiritualistische Verstrickung, die fromme Verbun denheit mit Totengeistern, noch offensichtlicher. »Auch die >Geister der vollendeten Gerechten<, für die wir vielleicht gebetet haben, als sie noch auf Erden waren, sind Gegenwart (Hebr 12) und wirken durch uns, denn die Brüc ken, die von Geist zu Geist gebaut werden, dauern über den Abgrund des Todes hinüber ... In der Bitte um sein Kommen und in der Mitarbeit der anderen »Heiligen« erleben wir einen Machtzustrom. Viele von uns empfinden ihn als einen wirklichen Strom voller Leben, der ins Inner ste des Körpers dringt und durch das Rückgrat aufwärts steigt. Er ist so kräftig, daß wir gezwungen sind, uns ganz gerade zu halten und ganz leicht und ruhig zu atmen. Für eine kleine Weile können wir vielleicht auch nicht sprechen ... Diese Fülle muß weitergegeben werden.« Wie sich die Heilungsmethoden dieser Frau auswirken, kann man wiederum in dem Buch »Die Dritte Welle des Heiligen Geistes« nachlesen. Mike Flynn, Priester einer Episkopalkirche in Kalifornien, schreibt im Zusammenhang mit Agnes Sanford: »Es gab einige Dinge, die mich beunruhigten, und ich beschloß, Agnes Sanford aufzusuchen ... Agnes, die hinter meinem Stuhl stand, sagte, sie würde trotzdem für mich beten. Sie ließ mich wissen, daß sie beim Beten zitterte. Ich sollte mich davon nicht stören lassen. Sie legte mir die Hände auf den Kopf und war eine Weile still.« Danach praktiziert er die typischen Visualisierungen, wo der Jesus des Wortes durch einen Jesus des Bildes bzw. der Vorstellung ersetzt wird. Eine Frau, die mit Schwierig keiten und Problemen zu ihm in die Seelsorge kommt, wird folgendermaßen »geheilt«: »Ich hatte mir angewöhnt, mir Jesu Gegenwart bildlich vorzustellen. Überall, wo ich war, konnte ich ihn auf dem Thron sitzen sehen. So blickte ich zu Jesus. Er erhob sich von seinem Thron, kniete sich neben die Frau, legte den rechten Arm um ihre Schulter, griff mit seiner Linken in ihr Herz und holte etwas heraus, das wie eine schwarze, gallertartige Masse aussah. Diese Masse tat er in sein eige nes Herz, wo sie schrumpfte, bis sie sich in nichts auflöste. Dann griff er erneut in sein Herz und holte eine weiße Masse heraus, die er vorsichtig in das Herz der Frau legte, an die Stelle, wo vorher die dunkle Masse gewesen war. Schließlich wandte sich Jesus mir zu und sagte: >Tu das< ... Innerhalb der nächsten Jahre betete ich in ähnlicher Weise für Hunderte von

Menschen und lehrte viele diese Art des Gebets.« Diese Methode der »Inneren Heilung« bzw. Visualisierung, nämlich die Überzeugung, daß man durch eine bildliche Vorstellung Jesu seiner göttlichen Kräfte teilhaftig wird, hat durch Agnes Sanford eine überaus große Verbreitung gefunden. Dave Hunt legt in seinem Bestseller >Die Verfüh rung der Christenheit< dar, wie diese Visualisierungstechni ken der heidnischen Welt und besonders den Schamanen bekannt sind und einen direkten und schnellen Zugang in die Geisterwelt vermitteln. Abgesehen davon, daß es un denkbar ist, daß der erhöhte Herr, vor dem sich einmal alle Kniee beugen müssen, nun selber vom Thron herabsteigt und sich bei einer Frau hinkniet. Diese Methode der Visualisierung empfiehlt auch Richard Forster in seinem vielgelesenen Buch »Nachfolge feiern«. Beispielsweise soll man sich vorstellen, wie man seinen Leib verläßt und immer tiefer in den Weltenraum ver schwindet, bis man schließlich nur noch in der warmen Gegenwart des ewigen Schöpfers verweilt. Richard Forster aber gehört zu den vielen Bewunderern von Agnes Sanford. Er schreibt: »Agnes Sanford und mein lieber Freund, Pfarrer Bill Vas wig, haben mir sehr geholfen, die Bedeutung der Phantasie für die Fürbitte besser zu verstehen. In dem Buch »Nachfolge feiern« finden sich auch sehr empfehlenswerte Passagen, doch tragisch ist wiederum die teilweise vorhandene Naivität gegenüber Strömungen und Gestalten, die die Gemeinde Gottes zerstörten und verfolg ten. So empfiehlt er die Exerzitien des Ignatius von Loyola, des Gründers des Jesuitenordens, und versteigt sich sogar zu der Behauptung: »Sein (Ignatius, Anm.) dünnes Büchlein über Meditations übungen mit seiner Betonung der Phantasie (imagination) hatte einen unglaublich positiven Einfluß zum Guten im 16. Jahrhundert.« In diesem Jahrhundert aber begann dank Ignatius von Loyo la und seiner Jesuiten die Gegenreformation, in deren Folge Abertausende von Nachfolgern Jesu getötet wurden. Jedenfalls sind durch Agnes Sanfords übergroßen mediumi stischen Einfluß fast alle charismatischen Kreise, die Hei lung propagieren, durchsäuert worden. So war sie eine beliebte und häufige Sprecherin bei Camp Farthest Out, dessen internationaler Direktor der oben erwähnte Roland Brown war. Auch Larry Christenson verdankt seine neop fingstlichen Impulse wesentlich dem Buch »Heilendes Licht«, wie er im Vorwort zur deutschen Auflage anerken nend schreibt. Arnold Bittlinger, zusammen mit Larry Christenson der Vater der charismatischen Bewegung auf deutschem Boden, veröffentlichte in seiner Schrift »...und sie beten in anderen Sprachen« einen Artikel von Agnes Sanford unter dem Titel »Erfahrungen mit dem Sprachenreden.« In dem Gaben-Test von Christian Schwarz wird unter dem Charisma der Auslegung des Zungenredens Agnes Sanford als Autorität für die Existenz dieser Gabe zitiert. Dies ist nur eines von etlichen Beispielen bei diesem Test, wo man bezüglich der diakritischen Gabe dieser Gemeindewachstums strategen größte Fragezeichen setzen muß. Körperliche Heilung empfiehlt auch Morton Kelsey, der mit Agnes Sanford eng verbunden war. Eines seiner Hauptwerke trägt den Titel » Healing and Christianity« (Heilung und Chri stentum). Kelsey gibt zu, wie ihm seine Methode durch das Studium von C. G. Jung erwachsen ist. Jungs wissenschaftliche Karriere aber begann durch spiritistische Sitzungen mit seiner Cousine Helly Preiswerk. Kelsey empfiehlt sogar den Kontakt mit Verstorbenen. »Dank Jungs Eintreten für die aktive Phantasie und seinem Verständnis der Toten, die in Wirklichkeit weiterleben, konnte ich dieses besondere Zusammentreffen mit meiner (toten) Mutter

erleben ... es erschien mir alles ganz echt.« Was ist dann von John Wimbers Unterscheidungsgabe zu halten, wenn auf seinen Büchertischen die Werke von Agnes Sanford und Morton Kelsey zum Verkauf angeboten werden? Ja, er preist sogar dieses zutiefst mediumistische Werk >Heilendes Licht< in seinem jüngst erschienen Buch>Heilungsdienst praktisch< als »den Klassiker unseres Jahrhun derts über die Thematik der göttlichen Heilung« an. Übrigens greift auch Arnold Bittlinger in der bereits genann ten Veröffentlichung unter der Überschrift »Glossolalie - psychologisch betrachtet« Morton Kelsey positiv auf. »In der Schule C. G. Jungs wird die Glossolalie erklärt als eine Sprache, die aus dem Kollektiv-Unbewußten kommt. So schreibt z. B. der Jung-Schüler Prof. Morton Kelsey: >Bei der Glossolalie geschieht ein echtes Bewußtwerden von Inhalten, die aus den tiefsten Schichten des Kollektiv-Unbe wußten kommen.< (M. Kelsey, Tongue Speaking, New York 1964, S. 199).« Bittlinger weiter: »Nach dieser Meinung wäre also das Sprachenreden ein Ausdruck des Kollektiv-Unbewußten, das die gesamte Menschheit miteinander verbindet. Dies war auch mein Eindruck, als ich zum ersten Mal dem Phänomen des Spra chenredens begegnete. Dadurch könnte auch das Phänomen der Xenoglossia erklärt werden.« C. G. Jung aber hat seine Lehre von dem Kollektiv-Unbe wußten bzw. den damit verbundenen Archetypen, wie oben kurz erwähnt, aus spiritistischer Literatur abgeleitet. Der nicht unbedeutende Einfluß von C.G. Jung, nach all den positiven Erwähnungen führender Leute der Neopfingstbewe gung überrascht es auch keineswegs, wird von charismati scher Seite offen zugegeben: »C.G. Jung spielt bei vielen Verantwortlichen der charismatischen Erneuerung eine wich tige Rolle.« Eingedenk der Tatsache, daß durch Arnold Bittlinger die charismatische Bewegung in Deutschland Fuß faßte, stellt sich erneut die Frage, um welchen Geist es sich bei dieser Bewegung handelt, wenn hier ohne Bedenken Personen als Autoritäten herangezogen werden, die sich offenkundig aktiv mit dem Spiritismus befaßt haben. Diese Vermischung mit unbiblischen Strömungen wird durch eine jüngste Veröffentlichung von Arnold Bittlinger noch deutlicher. Um einen Eindruck von der Schlüsselrolle und Lehrauffassung zu vermitteln, die sich mit dieser Person verbinden, möchte ich noch zwei Zitate voranstellen. So schreibt Wolfram Kopfer mann: »Ein eigenes Schrifttum der evangelischen Gemeinde-Erneue rung ist noch im Entstehen begriffen. Hinzuweisen ist bisher auf einige Veröffentlichungen von Arnold Bittlinger, vor allem zum Gesamtgebiet der Charismen, speziell auch zum Thema Sprachengebet, die als Standardwerke gelten. Überhaupt kommt Bittlinger das Verdienst zu, schon in den sechziger Jahren die Anliegen der charismatischen Bewegung theolo gisch so reflektiert und dargelegt zu haben, daß sie von vielen sonst kritischen deutschen Zuhörern bzw. Lesern aufgenom men werden konnten.« Zum Phänomen des Zungenredens erklärt Arnold Bittlinger: »Glossolalie ist sehr häufig das Phänomen, durch das Menschen Zugang zur Dimension des Charismatischen finden .... Im Privatgebet spielt die Glossolalie innerhalb der Charismati schen Bewegung eine bedeutende Rolle. Millionen von Chri sten, darunter viele Pfarrer, Priester und Bischöfe, haben durch die Glossolalie Zugang zu einem verinnerlichten Beten gefun den - ohne daß sie diese Gabe in einem öffentlichen Gottes dienst praktizieren. Man kann deshalb zweitens sagen: >Ohne Glossolalie gäbe es keine Charismatische Erneuerung<.

»In Verbindung mit meiner Forschung im Bereich der Charis matischen Erneuerung, der ökumenischen Spiritualität und der Tiefenpsychologie, bin ich allmählich in Verbindung mit nicht christlichen geistlichen Erfahrungen und Praktiken ge kommen. Seit 1962 habe ich Forschungen über die Charismatische Er neuerung angestellt. Ich war ein Mitglied des inneren Teams im Dialog zwischen der römisch-katholischen Kirche und der pfingstlich/charismatischen Erneuerungsbewegung. Ich war auch als Berater für die charismatische Erneuerung beim Weltkirchenrat tätig. Im Zuge meiner Nachforschungen begann ich mich für die afrikanischen unabhängigen Kirchen zu interessieren, wo ich eine harmonische Vermischung von traditionellen afrikani schen und christlichen Elementen vorfand. Als ich entdeckte, daß viele charismatische Elemente dieser Kirchen ihre Wurzel in vorchristlichen Traditionen hatten, begann ich auch nach charismatischen Elementen in anderen Religionen Ausschau zu halten. Ich entdeckte, daß vor allem die Charismata der >Heilung< und der >Prophezeiung< in solchen Religionen manchmal überzeugender waren als in der charismatischen Erneuerungsbewegung - wenigstens soweit sie von der nordamerikanischen Art des Christentums beeinflußt ist. Im Scha manismus fand ich faszinierende Parallelen zu dem Dienst Jesu, den ich immer mehr als einen Archetypus des Schamanen erkannte. Bezüglich »Heilung« war ich besonders beeindruckt durch den ganzheitlichen Zugang zur Heilung, den ich unter den Indianern fand. Das hat mich motiviert, zu solch einem Zugang auch für unsere christlichen Heilungsdienste Mut zu machen. Bezüglich >Prophetie< bin ich beeindruckt von Erfahrungen im Hinduismus. Einige unserer europäischen >Propheten< ent deckten und entfalteten ihre prophetische Gabe unter dem Einfluß von indischen Gurus. Auch andere charismatische Erfahrungen haben ihre manchmal eindrücklichen Entspre chungen in anderen religiösen Traditionen (z.B. >Beten im Geist< im Japa Yoga). Ich bin davon überzeugt, daß die charismatische Erneuerungsbewegung noch bedeutender wird - besonders für die Mission der Kirche - wenn sie auch die charismatischen Gaben von anderen Religionen ernst nimmt. Seit 1966 habe ich in der Arbeit einer ökumenischen Akademie mitgewirkt, die auch mit einer ökumenischen Kommunität verbunden ist. Ein Hauptanliegen dieser Arbeit besteht darin, eine ökumenische Spiritualität zu entwickeln. Aber wir waren auch an der Spiritualität anderer Religionen interessiert. So hatten wir beispielsweise eine Konferenz zu dem Thema der Bedeutung von Abraham als eine Wurzel des Glaubens im Judaismus, Christentum und Islam und auch eine Konferenz über afrikanische, indische und jüdische Spiritualität mit Refe renten dieser Traditionen. Wir hatten auch Konferenzen über das chinesische I Ging und das Tibetanische Bardo Gödol (Tibetanische Totenbuch, Anm.). Aber unser Hauptanliegen ist, zu unseren eigenen keltischen und alemannischen Traditio nen zurückzugehen und sie wiederum zu beleben, um sie in unseren christlichen Glauben integrieren zu können.« - Soweit A. Bittlinger Nun werden sich zweifellos die meisten Charismatiker von solchen Aussagen distanzieren. Auch Wolfram Kopfermann lehnt diesen Synkretismus entschieden ab. Dennoch ist die Entwicklung Bittlingers fast ein Paradebeispiel für die Manife station des verführerischen Geistes dieser Strömungen und für die damit verbundene Öffnung zu immer bibelfremderen Quel len. Erst sind die charismatischen Erfahrungen im evangelikal protestantischen Lager scheinbar bibeltreu verpackt. Dann entdeckt man auf einmal bereichernde spirituelle Elemente in der katholischen Kirche, danach in der Liturgie der orthodoxen Kirche und letztlich findet man ähnliche oder identische » Spiri tualität« in anderen Religionen und heidnischen Kulten über die gemeinsame religiöse Erfahrung. Über charismatische Auf brüche führt es in den ökumenischen Dialog, schließlich zurück zur katholischen Kirche und danach ins reine Heidentum.

Wunderheiler

Auch Oral Roberts verkündigt ganz entschieden den Hei lungsauftrag. Schon seit Jahrzehnten hält er seine Heilungs feldzüge. Er hat sich allerdings durch seine Methoden, den Leuten Spendengelder aus der Tasche zu ziehen, mehr als ein Wolf im Schafspelz denn als demütiger Diener Christi ausgewiesen. So verschickte er Gebetstücher und sogar »heiliges Wasser«, das richtig angewandt alle möglichen Probleme heilen sollte. William Branham erschien ein Engel, angeblich aus der Gegenwart Gottes, der ihm mitteilte, er habe die Gabe der Glaubensheilung. Branham leugnete die Trinität und glaubte, daß uns das Wort Gottes in dreifacher Weise gegeben sei: Durch den Tierkreis, durch die ägyptischen Pyramiden und durch die Heilige Schrift. Er war einer der entschiedensten Verfechter der notwendi gen Heilung und Übertragung des Geistes durch Handauf legung. Er hatte unglaubliche Heilungskräfte und spürte oft Hitze in den Händen, wenn er die kranke Seele berührte. Durch seine starken okkulten Fähigkeiten konnte er bei Leuten, die er überhaupt nicht kannte, ihre Krankheiten wie Sünden durch mediale Eingebung erkennen. Die Bewegung, die ihm am meisten ihre organisatorische Basis zur Verfü gung stellte, waren die »Geschäftsleute des vollen Evangeli ums« (GdvEI). Als Branham starb, schrieb Demos Shakarian, der Gründer der GdvEI: »Rev. Branham machte öfters die Feststellung, daß die einzige Gemeinschaft, der er angehörte, die der GdvEI war.« Sicherlich ließe sich noch manch anderes aufschlussreiche Beispiel anführen. Doch praktisch ausnahmslos stößt man auf dasselbe Grundmuster. Greift man durch diese Lehren und Praktiken des Heilungs auftrages nicht auf Quellen zurück, die womöglich höchst gefährlich sind? Nach Offb 13, Vers 3 wird einmal ein Heilungswunder in aller Welt Munde sein: Der antichristli che Übermensch wird von einer tödlichen Wunde geheilt, worüber alle Welt verwundert sein wird. Ein Blick in die weltliche Literatur verrät, daß das Thema Heilung, beson ders im Rahmen von New Age, die beherrschende Thematik ist. Die Hexen behandeln in ihren Seminaren ganz selbstverständlich Themen wie: Intuition, Prophetie, geistige und spirituelle Heilung. Geschieht hier womöglich eine eschatologische Hinführung zu den übernatürlichen Manifestationen des kommenden Verführers (Offb 13,13-14), und zwar sowohl im weltlichen wie im christlichen Bereich? Wir erleben ja in unseren Tagen einen wahren Dammbruch des Spiritismus. Die Tageszeitung »Die Welt« spricht sogar davon, wie »der Satan das Lebensgefühl dieser Generation verkörpert«. Das Totenreich hält machtvollen Einzug. So erklärte John Wimber in einer Botschaft an seine Gemein deglieder vor kurzem: »Es werden Männer auftreten, die den Herrn Jesus Christus gesehen haben und die die Zeichen und Wunder eines Apostels tun werden. Wir haben Männer dieser Art seit dem ersten Jahrhundert nicht gehabt. Doch wenn Gott dies zu Beginn verwendet hat, warum soll er es nicht am Ende gebrauchen?... Weiter wird es ein neues Verständnis des Übernatürlichen geben. Engelerscheinungen werden in Versammlungen zum Normalen gehören und auch der Herr selbst wird in den kommenden Monaten und Jahren erscheinen. Hei lungen werden so selbstverständlich werden, daß sogar Kinder imstande sein werden, sie auf regelmäßiger Basis durchzufüh ren... sogar Auferstehungen von den Toten werden zum Allge meingut werden... Ihr werdet Heilungsevangelisten erleben, die ihre Hände hochheben und Licht wird aus ihren Händen hervorgehen. Wenn dieses Licht irgend jemanden trifft, der krank ist, dann wird er sofort geheilt sein. Ihr werdet amputier te Arme und Glieder nachwachsen sehen, wenn das Licht aus der Hand des Evangelisten sie trifft.« Teilnehmer an den Kongressen mit John Wimber und Reinhard Bonnke berichten von starken psychischen Erfahrungen wie Ruhen im Geist, Berauschung, unerhörtes Glücksgefühl, »La chen und Weinen im Geist« usw. Ist John Wimbers »Dritte Welle« und die Begleiterscheinungen von anderen Heilungs evangelisten etwas Neues? Den Befürwortern dieser »Power-Evangelisationen« soll nicht eine Passage vorenthalten werden,

die in dem Klassiker über geistliche Verführung »War on the Saints« nachzulesen ist. Unter der Thematik, wie sich ein falscher Geist auch unter Kindern Gottes während der Verkündigung manifestieren kann, berichten die Autoren Evan Roberts (das begnadete Werkzeug der Erweckung von Wales) und Jessie Penn-Lewis mit zum Teil verblüffender Vorwegnahme aktueller Ereignisse: »Die Mehrzahl der Anwesenden mag die eingeschlichene Mi schung gar nicht erkennen. Einige fallen zu Boden, unfähig, die spannende Erregung länger zu ertragen. Andere werden von einer übernatürlichen Gewalt umgeworfen. Und wieder andere fangen an, ekstatisch zu schreien. Der Redner verläßt die Plattform und geht an einem jungen Mann vorüber, der sich eines Gefühls der Berauschung bewußt wird, das ihn lange nicht loslässt. Mehrere lachen in einem Überschwall der Selig keit. Einige haben wirklich Hilfe und geistlichen Segen durch die Auslegung des Gotteswortes erhalten und das durch die ungetrübte Wirkung des Heiligen Geistes, ehe dieser >Höhe punkt< erreicht wurde. Aus diesem Grund nehmen sie nun die nachfolgenden seltsamen Erscheinungen als >von Gott< hin. Sie können nicht die zwei total verschiedenen >Strömungen< durch denselben >Kanal< unterscheiden. Zweifeln sie die Ausartun gen an, so fürchten sie, gegen ihre innere Überzeugung zu kämpfen, die ihnen sagt, daß der Anfang göttlich war. Andere wissen wohl, daß ihr geistliches Urteil die besagten Kundge bungen ablehnen muß, aber um des erhaltenen Segens willen unterdrücken sie ihre Bedenken und sagen: >Wir können zwar diese körperlichen Erscheinungen nicht verstehen. Aber es ist nicht nötig, alles zu verstehen, was Gott tut. Wir wissen nur, daß die Verkündigung der Wahrheit von Gott war und unserem Bedürfnis entsprach. Niemand kann die Aufrichtigkeit und die reinen Motive des Redners in Frage stellen... darum, obgleich wir das Übrige nicht verstehen und zugeben, daß es uns abstößt, dennoch muß alles von Gott sein.< Dieses Streiflicht beleuchtet den Zustand der Mischung, in den z.B. die Gemein de seit der Erweckung in Wales geraten war; denn beinahe ohne Ausnahme hat sich in jedem Land, wo neues Leben durchbrach, nach kurzer Zeit ein verführerischer Geist mit dem wahren vermengt. Und ebenso wurde beinahe ohne Ausnahme das Unechte mit dem Echten zusammen angenommen, weil die Gläubigen die Möglichkeit derartiger konkurrierender Einflüs se nicht ahnten.« Auch ist von keiner noch so falschen Religion bekannt, daß sie nicht Heilung in irgendeiner Form in ihrem Angebot hätte. Zurecht beklagt Peter May: »Die Betonung, die gegenwärtig auf Heilungen gelegt wird, wirkt neurotisierend. Das Äußere, das Sichtbare und das Zeitliche werden in den Mittelpunkt gerückt, während das Innere, das Unsichtbare und das Ewige vernachlässigt werden. Hier werden wir vom positiven Wert des Leidens abgelenkt... Hinzu kommt, daß der, dem es um Zeichen und Wunder geht, das Sofortige und das Spektakuläre in den Mittelpunkt rückt und die Pflege der chronisch Kranken vernachlässigt. Diese Einseitigkeit läßt falsche Erwartungen bezüglich der Gesundheit und des Wesens der Erlösung aufkommen und untergräbt die Heilsgewissheit derer, die nicht geheilt werden. Im Blick auf die geistliche Gesundheit der Kirche sind diese Fakten von erheblicher Bedeutung.«

Ermutigt die Bibel zu Wunderberichten? In der Bibel wird uns davon berichtet, wie jemand aus dem Totenreich missionieren wollte. Seine Absichten waren echt und gut gemeint. Es handelt sich um den reichen Mann, der in Lukas 16, die Verse 19-31 erwähnt wird. Er möchte einen Toten, nämlich Lazarus, auferstehen lassen, um seine fünf Brüder zu warnen. Bei solch einem Wunder, so meint er, würden die Menschen nicht mehr zweifeln können und Buße tun. Er bekommt zur Antwort: »Sie haben Mose und die Prophe ten, mögen sie die hören«. Doch dies ist dem reichen Mann eindeutig zu wenig, und aus dem Totenreich kommt das Nein

gegenüber dem Worte Gottes: >Nein, sondern wenn jemand von den Toten zu ihnen geht, werden sie Buße tun.< Sein Vorschlag lautete, nun mit anderen Worten: Die Bibel ist gut, aber das Wort genügt nicht. Wir brauchen Zeichen, Wunder, Heilungen, Visionen, Totenauferweckungen usw., dann wird wirklich etwas für das Reich Gottes geschehen. Dann wird es atem beraubendes Gemeindewachstum geben. Dann werden die Menschen glauben und sich bekehren. Doch dies war buchstäblich ein Vorschlag von unten, aus dem Totenreich. Und weil dieses Totenreich (der Machtbe reich Satans) sich leider immer mehr in den letzten Tagen ausweitet (Offb 6,8), deswegen wachsen parallel damit die Vorschläge und Rufe nach großen Zeichen und mächtigen Taten. Man belegt aber damit nur, daß man auch aus einer fremden Quelle getrunken hat. Der oben erwähnte Cameron Peddie schrieb schon über die damalige (während des Krieges) Situation in England: »Wenn unsere Pfarrer wüssten, wie viele aus ihrer Gemein de spiritualistische Medien aufsuchen, um sich von ihnen den Heilungsdienst erweisen zu lassen, wären sie be stürzt.« Wen nimmt es da wunder, daß in England fast alle evangelikalen Kreise von der charismatischen Bewegung durchsäuert sind? Dort gibt es kaum noch Berührungsäng ste zwischen diesen Gruppen. Insofern muß man leider feststellen, daß die Geistheiler sowohl in der Welt wie auch fromm getarnt innerhalb der Gemeinde große Erfolge verzeichnen. Diese Beziehung Totenreich und »Evangelisation mit Zeichen und Wundern« ist bei Benny Hinn, dem neuen Stern am amerikanischen »christlichen Fernsehhimmel« nicht einmal mehr getarnt. In einer Predigt vom 7. April 1991 offenbarte er, daß er das Grab von Amerikas berühmter Pfingstpredigerin, Aimee McPherson, Begründerin der einflußreichen »Foursquare Gospel Church«, besuchte: »Ich fühlte eine unglaubliche Salbung . . .! Ich zitterte am ganzen Leib . . . zitterte unter der Kraft Gottes . . . >Lieber Gott<, sagte ich, >ich fühle die Salbung.< . . . Ich glaube, die Salbung verweilte über dem Körper von Aimee.« Der reiche Mann muß jedenfalls zur Kenntnis nehmen, daß nicht ein Wunder die Menschen überführt, sondern das Wort Gottes: »Hören sie Mose und die Propheten nicht, so werden sie auch nicht glauben, wenn jemand von den Toten aufstünde (Luk 16,31).« Ist alle Heilung göttlich? Walter Hollenweger ist entscheidender Bahnbrecher für die Pfingst- und charismatische Bewegung gewesen. Sein Buch »Enthusiastisches Christentum« hat wesentlich zur gesamtkirchlichen Anerkennung dieser Strömungen beige tragen. Er verschleiert nicht einmal mehr diesen sich abzeichnen den Sachverhalt der Geistesverwandtschaft zwischen den Geistheilern und den Heilungsevangelisten. In seinem Referat über »Heilung« auf der »Konferenz über pfingstli che und charismatische Forschung« erklärt Prof. Walter Hollenweger ganz offen: » >Alle Heilung kommt von Gott<, betonte Hollenweger und wollte keinen grundsätzlichen Unterschied zwischen der Gabe der Heilung etwa bei den Geistheilem in der 3. Welt und der christlichen Heilungsgabe feststellen. Entscheidend sei der Kontext, in dem die Gabe ausgeübt werde.« Auch in einem weiteren Bereich zeigt sich diese Geistes-Verwandtschaft. Es ist üblich, bei den Heilungsversamm lungen mit John Wimber, Wolfram Kopfermann oder ande ren, daß die Hände auf die kranken Stellen gelegt werden, soweit es der Takt erlaubt. Biblisch ist dafür kaum ein

Vorbild zu finden, besonders nicht bei dem Dienst der Jünger Jesu bzw. seiner Apostel. Jedoch einer der Ersten, wenn nicht der Erste überhaupt, der lehrte, daß man dem Patienten wohlwollend die Hände auf die kranke Stelle legen und dadurch, bei freundlichem Anblicken des Kran ken, Lebenskraft übertragen soll, war Franz Mesmer. Franz Mesmer aber ist der Begründer des sogenannten animali schen Magnetismus und Bahnbrecher des Spiritismus. Ein magisches Denken verlangt immer einen Berührungs punkt, besonders den direkten Kontakt mit der erkrankten Stelle. Durch diesen sichtbaren Kontakt wird ein Wirken oder Hindurchströmen der Heilungskraft erwartet. Man wandelt nicht im Glauben, sondern im »berührenden« Schauen. Kenneth Hagin, führender Wunderheiler der in Amerika zunehmend populärer werdenden Heilungsbewegung » faith movement«, spricht es ganz offen aus: »Ich lege Hände auf durch Anleitung des Hauptes der Ge meinde, Jesus Christus, und im Gehorsam gegenüber dem Gesetz der Berührung und Übertragung. Der Kontakt meiner Hände überträgt die Heilungskraft Gottes ... Da ist sie! ... Sie wird euch alle heilen, wenn ihr es mit Glauben vermischt ...« Ähnlich formuliert es John Wimber bzw. seine Frau Carol: »Wir hatten noch nicht erkannt, daß man das, was Gott einem selbst gibt, durch Handauflegung einem anderen weitergeben kann.« Hier ist der Heiler auch magischer Mittler. Mag er auch noch so oft zur Beschwichtigung leichtgläubiger Gemüter behaupten, nicht er könne heilen, sondern nur allein Jesus, so ändert dies nichts daran, daß er tatsächlich das Medium eines verführerischen Geistes ist, der durch ihn heilt und eben jenen Kontakt benötigt.

Der Sog der Verführung Ergibt sich bei den angeführten Fakten nicht fast unaus weichlich die Schlussfolgerung, daß diese Zeichen und Wun der in den Bereich der für die Endzeit angekündigten Ver führungen fallen (2 Thess 2,9)? Daß diese Verführungen in den letzten Tagen besonders erfolgreich sein werden, hat uns das Neue Testament vorausgesagt (Mt 24,11 u. a.). In eindrücklicher Weise führt Dr. Gerhard Maier in seinem Kommentar zu Matthäus, Kap. 24, aus: »Es fällt auf, daß Jesus die Warnung vor den Verführern an die Spitze stellt. Verführung ist für die Gemeinde gefähr licher als Verfolgung. Verfolgung eint die Gemeinde, Ver führung spaltet sie. Verfolgung läßt das Echte hervortreten, Verführung das Unechte triumphieren ... Aber was ist das Furchtbarste in jener Zeit? Körperliche Leiden? Nein. Kata strophen und Kriege? Nein. Verfolgung? Nein. V. 23-27 geben die Antwort. Es ist die Verführung ... Von daher versteht man, wie notwendig der Kampf gegen die Irrlehre ist.« Dies erinnert an die Ermahnung, von der wir im Judasbrief lesen, »daß wir nämlich für den Glauben kämpfen sollen, der ein für allemal den Heiligen übergeben ist« (V. 3). So möchte ich das ermahnende Wort von Wilhelm Busch, das er damals in Zusammenhang mit dem Wunderwirken des deutschen Heilungsevangelisten Hermann Zaiß aus sprach, wiederholen: »Der Teufel kann sich verstellen in einen Engel des Lichts, wie die Bibel sagt. Es kann also geschehen, daß eine Bewe gung den Namen >Jesus< rühmt und doch einen >fremden< Geist, ein fremdes Feuer (3 Mose 10) hat ... Wunder bewei sen nichts. Denn nach Offenbarung 13,13 tut auch der Geist aus dem Abgrund Wunder ... Nein! Mit diesem Geist wollen wir nichts zu tun haben ... Unser Herz schreit nach Erweckung. Aber nicht auf diesem Wege der alten, wieder neu

aufgelegten Pfingstbewegung. Nein! Auf diesem Wege nicht!« Zeichen und Wunder Abschließend soll noch auf folgendes hingewiesen werden: Bei den heutigen Manifestationen von Zeichen und Wundern beruft man sich in der Regel auf die Apostelgeschichte. Man behauptet, weil Gott heute noch derselbe ist, deswegen geschehen auch in unserer Zeit diese übernatürlichen Macht erweise. Selbstverständlich kann der lebendige und allmächtige Gott übernatürlich wirken und eingreifen, wie und wann es Ihm gefällt. Doch es ist zunächst festzustellen, daß in den Ab schnitten über die Wiederkunft Jesu die Begriffe »Zeichen und Wunder« nicht neutral oder gar positiv, sondern nur in Verbindung mit Verführung erwähnt werden. Daß unser Herr derselbe ist wie zu allen Zeiten, steht fest. Das bedeu tet aber noch lange nicht, daß er auch heute noch genau so handelt. Hebr 1,1: >Nachdem Gott vielfältig und auf vielerlei Weise ehemals zu den Vätern geredet hat in den Propheten, hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohn...< Wir glauben der Heiligen Schrift aufs Wort, daß Gott die biblischen Wunder getan hat. Doch man kann feststellen, daß es im Laufe der Heilsgeschichte nur ganz bestimmte Zeitabschnitte gegeben hat, in denen göttliche Zeichen und Wunder ihre besondere Aufgabe hatten bzw. gehäuft auftra ten. Für die Zeit der Urgemeinde z.B. gilt Hebr. 2,3-4: »Wie wollen wir entrinnen, wenn wir ein solches Heil nicht achten, welches zuerst gepredigt ist durch den Herrn, bei uns bekräftigt durch die, die es gehört haben. Und Gott hat dazu Zeugnis gegeben mit Zeichen und Wundern und Taten und Austeilung des Heiligen Geistes nach seinem Willen.« Nun ist bekannt, daß der Herr gewöhnlich auf zwei oder drei Zeugen hin eine Sache bekräftigte, und in den Versen 3 und 4 haben wir nun die drei Zeugen des neuen Bundes. Der erste Zeuge ist unser Herr Jesus Christus, »zuerst ge predigt durch den Herrn«. Darauf folgen die Apostel, die Augen- und Ohrenzeugen, die das Wort bestätigen, denn es heißt, »bei uns bekräftigt durch die, die es gehört haben«. Als dritter Zeuge wird Gott selbst erwähnt, der sein Wort mit Zeichen und Wundern bekräftigte. Warum nun soll Gott heute noch so wirken, nachdem das Zeugnis vollgültig abgeschlossen ist? Wenn wir diese Verse näher betrachten, so stellen wir fest, daß das Prädikat des Hauptsatzes passiv ist und im Aorist des Indikativs steht. Also liegt hier ein deutig eine Vergangenheitsform vor. Der Schreiber des Hebräerbriefes redet damit zu seiner Zeit schon in der Vergangenheit. Wohl steht der V. 4 dann in der Gegen wartsform, dieser ist aber ein genetivus absolutus, somit zeitlich dem Prädikat des Hauptsatzes zu- und untergeordnet. Die Vergangenheitsform in diesen Versen des Hebräerbriefes gibt uns eine Erklärung dafür, daß Gott zur Zeit Jesu und zu Beginn der Gemeindezeit so zeichenhaft handelte und wirkte. Wenn wir uns beispielsweise das Gerichtshandeln Gottes bei Ananias und Saphira in Erinnerung rufen (Apg 5), so ist offensichtlich, daß dies nicht die normale Form der Bestrafung von Sünde bei Gläubigen seitens des Herrn heute ist! Die Verse Markus 16,17-20b, die oft von Irrströmungen oder anderen sektiererischen Gruppen (Mor monen, Christliche Wissenschaft etc.) zitiert werden, mün den ebenfalls zeitlich - jedenfalls in ihrem Zeichencharakter - in die Darlegung von Hebr 2,3-4 ein. Wir müssen uns nun folgendes vor Augen halten: Genau die gleichen Begriffe von Hebr 2,4 nämlich Zeichen (semeion), Wunder (teras) und Krafttaten (dynamis) - die nur in fünf Bibelstellen als gemeinsamer Ausdruck vor kommen, finden wir, wenn auch in anderer Reihenfolge, in 2 Thess 2,9 wieder. Dort werden ja, wie bereits ausgeführt, die Wiederkunft Jesu und die unmittelbar vorausgehenden Ereignisse geschildert. Somit werden diese Zeichen, Wunder und Krafttaten, die zu Beginn der Gemeindezeit da waren, nochmals auftreten, aber mit anderem Vorzeichen. Und hier erfüllt die Charismatische Bewegung in gewisser Hinsicht Gottes Wort. Hätte man noch nie von solchen Strömungen gehört, müßte man allein schon aufgrund der biblischen Prophetie annehmen, daß genau so etwas kommen und sich ausbreiten muß. Doch ist diesmal die Quelle nicht aus Gott, sondern, wie der 9. Vers aus 2 Thess 2 unzweideutig sagt, aus

Satan. Das zeigt auch die Geschichte der Pfingst- und Charismatischen Bewegung ziemlich deutlich. Wenn man auf den ersten Blick vielleicht versucht, im positiven Sinne an die Ereignisse der Urgemeinde zu denken - es werden ja auch dieselben Begriffe gebraucht -, so verbirgt sich doch etwas völlig anderes dahinter. Wenn nüchterne Seelsor ger hinter die Kulissen dessen blicken, was sich zunächst so biblisch gebärdet, dann finden sie gewöhnlich eine okkul te Quelle. Wir haben bereits dargelegt, wie das einen guten Nährboden für das Verlangen nach Zeichen und Wundern und auch besonderen Charismen bedeutet. Die Aussage von Hebr. 2,3-4 dürfte auch erklären, warum die Abschnitte der Bibel, die sich mit der Zeit vor der Wiederkunft Jesu befassen (was einigermaßen unseren Ta gen entspricht), die Begriffe Zeichen und Wunder, wie bereits kurz vermerkt, nur in Verbindung mit Verführung erwähnen. So die oben erwähnte Stelle 2. Thess 2,9-10 oder Matth 24,24: »Sie werden so große Zeichen und Wunder tun, so daß, wenn es möglich wäre, auch die Auserwählten verführt würden« oder Offb 13,14: »... und verführt, die auf Erden wohnen, durch die Zeichen.« Siehe auch Offb 16,14 und 19,20. Aus diesem Blickwinkel erscheinen die in charismatischen Kreisen immer wieder »strapazierten« Passagen der Bibel, nämlich Apg 2,17-18 als angebliche heutige Erfüllung der Prophetie bei Joel oder Mark 16, 17-18 in einem neuen Licht. Es handelt sich hier um denBeginn der Gemeinde zeit. Für das Ende der Gnadenzeit aber, wie oben dargelegt, ergibt sich ein völlig anderes Bild. Interessanterweise greift auch der bekannte englische Bibel lehrer und weitgereiste Missionar Michael Griffiths diese Verse aus dem Hebräerbrief auf. Im Zusammenhang mit der Gabe des Wunderwirkens schreibt er: Wir sollten beachten, daß die Stelle in Hebr 2,4 nahelegt, Zeichen, Wunder, Machttaten und Gaben eine besondere Beglaubigung des apostolischen Zeugnisses für die Worte des Herrn Jesu sind, wobei Paulus den Korinthern erklärt, daß >die Zeichen eines Apostels unter euch geschehen sind in aller Geduld, mit Zeichen und mit Wundern und mit Taten<. Ein starkes Argument kann davon abgeleitet werden, besonders wenn man Wunder mit Zeichen zur Bestätigung des Dienstes der ursprünglichen Apostel in Verbindung bringt, zu behaupten, daß die Gabe aufgehört habe ... Lukas scheint absichtlich Beispiele ausgewählt zu haben, um die apostolischen Dienste von sowohl Petrus als auch Paulus zu beglaubigen. Gewiss ist in der Schrift als Ganzes das Wunderwirken im Alten Testament offenbar auf gewisse Perio den der Geschichte konzentriert, wie etwa der Auszug aus Ägypten und die Zeit von Elia und Elisa. Ähnlich kann argumentiert werden, daß wir erwarten können, daß der Dienst des Herrn Jesu und die Bekräftigung des apostolischen Zeugnisses solch eine Periode sein dürfte. Wir haben auch die relative Seltenheit der apostolischen Wunder wie das Auferwecken von Toten und die völlige Abwesenheit der Heilung von Aussatz und Blindheit (abgesehen von Paulus' zeitweiliger Blindheit) registriert. Doch während wir einerseits den relativen Mangel von Wundern erkennen, sollten wir andererseits uns offen halten für die Möglichkeit solcher Wunder heute, besonders vielleicht in der primitiven Pioniersituation, wo die Notwendigkeit für eine gewisse Bestätigung des apostolischen Zeugnisses gegeben sein mag ... Ich muß jedoch aber auch berichten, daß ich Missionare in besonders schwierigen und harten Gebieten gekannt habe, die speziell um die Gabe des Wunderwirkens gebetet hatten. Mir ist kein Fall bekannt, daß dieses Gebet jemals erhört worden ist.« Erklärt dies womöglich auch, warum man bei genauerem Überprüfen von solchen Fällen, die bei einem Heilungsfeldzug angeblich gesund geworden sind, gewöhnlich große Enttäu schungen erlebt? So wird von folgendem Untersuchungsergebnis berichtet: Nach einem Heilungsfeldzug von Dr. Price in Vancouver wurden 350 Fälle von Heilungen

proklamiert. Verschiedene Christen taten sich zusammen, um die Wahrheit dieser Behaup tung zu überprüfen. Die Resultate waren: 39 Fälle starben innerhalb von sechs Monaten an der Krankheit, von der sie angeblich geheilt worden waren; fünf der Fälle wurden geistes krank; bei 301 Fällen stellte sich nach sechs Monaten heraus, daß sie keinen Nutzen empfangen hatten; viele gaben dies unumwunden zu; von fünf wurde berichtet, daß sie tatsächlich geheilt waren, doch litten sie an psychosomatischen Beschwer den, die auf psychiatrische Behandlung ansprachen.

Worauf es ankommt Nüchternen Christen und Gemeinden wird heute oft der Vorwurf gemacht: Euch fehlt Vollmacht, euch fehlt Kraft, es ist doch bei euch nicht so, wie es nach der Bibel sein sollte! Wenn wir aufrichtig sind, müssen wir uns unter diesen Vorwurf beugen. Jeder, der von sich aus sagen würde, bei mir ist alles in Ordnung, müßte sich doch wohl wie ein Heuchler vorkommen. Aber die Alternative für echtes Glaubensleben ist keineswegs die Schnellmethode des Handauflegens, der eilige Empfang eines >zweiten Segens< durch Berührung, um die >Geistestaufe< zu erhalten, Erleb nisse zu haben und Gaben, Charismen und Erfahrungen zu bekommen. Das alles führt letzten Endes zur Selbsterhö hung. Der biblische Weg, zu mehr Geistesfrucht zu kom men, ist ein anderer. Es steht nur einmal in der Bibel, daß der Vater läuft, daß der Schöpfer seinem Geschöpf mit Riesenschritten entgegeneilt, nämlich in der Geschichte vom verlorenen Sohn. Hier haben wir den Fall, wo jemandem der Segen, die Fülle und Gnade Gottes in >Windeseile< zuteil wird. Pastor Wilhelm Busch stellte einmal die Frage: Wem läuft der Vater entgegen? Den Großen dieser Welt, den Frommen oder den Kirchenchristen? Auf unser Thema bezogen müßten wir die Frage erweitern: Oder den Men schen, die nach mehr Geistesgaben, nach einer >Geistestau fe< oder nach mehr Erlebnissen streben? Nein, sondern der Vater läuft dem Sünder entgegen, der um Gnade fleht: >Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir< (Luk 15,21). Wenn wir so vor unseren Herrn treten, erhalten wir >in Eile< die Gnade, den Segen, die Fülle und die Kraft Gottes. Das ist der Weg zum Herzen Gottes, der Weg zu mehr geistlicher Kraft: Buße! In den Sendschreiben werden sehr beklagenswerte Zustände dargestellt. Es kann tatsäch lich Rückschritte im Glaubensleben geben. Aber keiner der Gemeinden wirft der Herr Jesus vor, daß sie die Geistestau fe nicht empfangen habe oder womöglich zu wenig Gaben besitze. Jedoch mahnt er fünfmal: Tue Buße! Möge der Herr uns Gnade schenken, dass wir täglich den Weg des Kreuzes gehen, den Weg des Zerbruchs und des Gehorsams, und daraus immer neu die Gnade, den Segen und die Kraft Gottes empfangen dürfen, um auch in diesen letzten Tagen überwinden zu können und in aller Nüchternheit ein Leben zu führen, das zur Ehre Gottes gereicht und Segensspuren hinterlässt. Alexander Seibel