EDITORIAL Liebe Israelfreunde

Die Machtkämpfe zwischen Hamas und Fatah im Gazastreifen, die mit der Vertreibung der Fatah aus Gaza endeten, haben ironischerweise dazu geführt, dass die Fatah Israel um Hilfe gebeten hat. Israel soll die Hamas aus dem Westjordanland vertreiben, damit diese nicht auch dort die Macht an sich reissen kann. Die einst radikale Fatah muss sich heute davor fürchten, von der noch viel radikaleren Hamas verdrängt zu werden. Zudem sind die Machtkämpfe in Gaza ein Ausdruck dessen, was sich innerhalb der ganzen islamischen Welt auszubreiten droht. Eine führende Persönlichkeit innerhalb der Fatah sagte deshalb: «Die blutige Machtübernahme der Hamas in Gaza sollte in der ganzen arabischen Welt Besorgnis auslösen, zumal hinter der Hamas das Mullahregime im Iran steht, das nicht nur dem Westen den Kampf angesagt hat, sondern auch allen prowestlichen arabischen Regimes.» Was die Hamas weiter unter «prowestlich» versteht, verdeutlichen unter anderem die Angriffe auf Kirchen und andere christliche Einrichtungen im Gazastreifen. Der ehemalige stellvertretende israelische Verteidigungsminister Ephraim Sneh warnte davor, dass der Iran nicht erst durch den Bau einer Atombombe eine Gefahr sei, sondern durch die Unterstützung des weltweiten Terrors schon heute eine ernsthafte Bedrohung darstelle. Die Konfrontation mit dem Iran liege für Israel nicht etwa in der Zukunft, sondern habe bereits begonnen. An allen Fronten haben wir es schon heute mit Vertretern des Irans zu tun, und zwar mit der Hamas und der Gruppe «Islamischer Dschihad» in Gaza und dem Westjordanland sowie mit der Hisbollah im Libanon und in Syrien. Auch das Terrornetzwerk El Kaida hat sich wieder einmal mit einem Video zu Wort gemeldet, diesmal mit ihrem zweiten Mann Ayman al Zawahiri. Darin rief er alle Muslime auf, sich im Dschihad, also im heiligen Krieg, gegen die USA und deren Verbündete zu vereinen. Die arabischen Völker waren traditionsgemäss immer untereinander zerstritten. Das war schon in der Zeit von Mohammed der Fall. Mohammed ist es damals durch Eroberungskriege, die lukrative Beute versprachen, gelungen, die verschiedenen Stämme zu vereinen. Der Erfolg dieser Strategie für die Ausbreitung des Islam führte dann dazu, dass der Dschihad zu einer der Säulen im Islam wurde. Heute haben Muslime mit dieser Sichtweise über den Dschihad meistens ein Problem. Viele lehnen deshalb den Dschihad ab oder verstehen ihn nur als geistigen Kampf. El Kaida hält jedoch unverblümt am militärischen Kampf als von Allah verordnetem Mittel zur Ausbreitung des Islam fest. Diese Terrorgruppe geht sogar so weit, alle anderen Muslime, die nicht ihrer Meinung sind, als Verräter am Islam anzuprangern und den Sturz gemässigter Regierungen zu fordern. Aus diesem Grund haben heute viele arabische Regimes Angst vor dem radikalen Islam. Sie sind sogar bereit, mit Israel über die Lösung des Palästinenserproblems zu reden, weil sie glauben, dadurch den Extremisten den Zündstoff für ihre kriegerische Hetze nehmen zu können. Vielleicht trägt diese Situation tatsächlich zu einer vermeintlichen Friedenslösung bei. Doch aus der Perspektive der biblischen Prophetie wissen wir, dass sich die kommende grosse Auseinandersetzung dadurch nicht aufhalten lässt. Wenn diese Konfrontation stattfindet, werden die Feinde Israels gerade durch ihre innere Uneinigkeit zu Fall gebracht, so wie es zum Beispiel der Prophet Sacharja schreibt: «Und es wird geschehen an jenem Tag, da wird eine grosse Verwirrung von dem Herrn unter ihnen entstehen, sodass einer des anderen Hand packen und sich seine Hand gegen die Hand seines Nächsten erheben wird» (Sach 14,13). Im Aufblick zu Dem, der auch die Kriege lenkt, grüsst Sie mit einem herzlichen Shalom Ihr Fredi Winkler

Was die Hamas weiter unter «prowestlich» versteht, verdeutlichen unter anderem die Angriffe auf Kirchen und andere christliche Einrichtungen im Gazastreifen

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Nachrichten aus Israel • 8/2007

Nachrichten aus Israel®
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Lebenszeichen von Gilead Shalit. Es war ein makabrer, aber wohlgewählter Zeitpunkt. Als in Israel zum ersten Mal die Trauerfeiern für die Opfer des Zweiten Libanonkrieges abgehalten wurden, gaben die palästinensischen Entführer von Gilead Shalit eine Tonbandaufnahme frei. Seite 9 «Pillcam». Bei Medizinern ist die Kameradiagnostik dank der israelischen Innovation «Pillcam» als Kamera-Endoskopie bekannt. Die «Pillcam», die vor allem den Patienten das Leben erleichtert und in Europa bereits teilweise eingesetzt wird, wurde jetzt von den US-Behörden zugelassen, sodass der weltweite Markt offensteht. Seite 19

EDITORIAL
3 von Fredi Winkler

BIBLISCHE BOTSCHAFT
5 Warum gerade Israel? - Teil 1

YESHUA UND ISRAEL
8 Ein «fünftes Evangelium»

H I N T E R G R U N D I N F O R M AT I O N E N A U S I S R A E L
9 10 10 11 12 13 13 14 15 16 16 17 18 19 19 19 20 21 22 Lebenszeichen von Gilead Shalit Mit 83 am Ziel Angst vor Verfolgung Israel weint Kriegstrommeln oder Friedensglocken? Bewegung im Nahen Osten? «Ofek-7» Barak verliert Millionen Will man das tatsächlich boykottieren? In Israel leben 7 200 Millionäre Amerikanisch-israelische Kooperation Israelische Erfolge Militärische Rekordsummen Militärkooperation Israel holt auf «Pillcam» Mobiler Luftschutzraum Familienforschung im Internet Der neuste Hit in Israel

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DIE BIBLISCHE BOTSCHAFT

TEIL 1

WARUM GER ADE

Eine oft gestellte Frage! Die einzige verlässliche Antwort gibt uns die Bibel, Gottes Wort. Der berühmte Philosoph Hegel soll einmal gesagt haben: «Meine Philosophie erklärt alles, ausser die Juden.» Warum denn? Weil das jüdische Volk in Gottes Plänen und Absichten einen einzigartigen Platz einnimmt. Das Schicksal Israels ist in der Bibel mit göttlicher Genauigkeit vorausgesagt und die Geschichte und Existenz dieses Volkes bestätigt die Zuverlässigkeit biblischer Prophetie.
Norbert Lieth Alles begann mit der Sünde. Die Bibel schildert uns in 1. Mose 3 den Sündenfall des Menschen. Gott schuf den Menschen nach Seinem Bild und stattete ihn mit einem freien Willen aus, denn Er wollte ein Gegenüber haben. Adam und Eva konnten somit selbst entscheiden, ob sie den Willen ihres Schöpfers tun wollten oder nicht. Es gelang dem Teufel, Gottes Wort zu untergraben, sodass Eva zu zweifeln begann. Die tragische Folge war, dass sie den Willen Gottes missachtete und sich für den Ungehorsam ihrem Schöpfer gegenüber entschied. Adam tat dasselbe. Dadurch erfüllte sich das erste prophetische Wort der Bibel: Der Tod hielt

ISRAEL?
Einzug, und zwar sowohl der physische als auch der geistliche Tod. Letzterer bedeutet, dass der Mensch seiner Sünde wegen auf ewig von Gott getrennt sein wird. Gott wollte in Seiner Liebe jedoch einen Ausweg schaffen. Das erforderte eine Lösung, die einerseits Seiner heiligen Gerechtigkeit Genüge tat und andererseits Seiner Liebe entsprach. Gott entschied sich dafür, die Schuld des Menschen selbst auf sich zu nehmen, um Vergebung gewähren zu können. Da der ewige Gott jedoch selbst nicht sterben konnte, wurde Er in Jesus Christus Mensch. Und in Jesus Christus vollbrachte Er das Werk der Erlösung.

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DIE BIBLISCHE BOTSCHAFT
Nachrichten aus Israel • 8/2007

Die erste prophetische Verheissung hinsichtlich einer Erlösung gab der Allmächtige kurz nach dem Sündenfall, als Er Satan den Kampf ansagte: «Ich will Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Samen und ihrem Samen: Er wird dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen» (1.Mo 3,15). Diese Aussage beinhaltet, dass … 1. sich die Menschheitslinie teilen wird. Es wird fortan auf dieser Erde eine Linie geben, die sich durch Satan beeinflussen lässt und Gott nicht glaubt. Und es wird eine andere geben, die dem Ruf Gottes Folge leistet; 2. diese beiden Linien verfeindet sein werden, weil sich die eine durch den Teufel und die andere durch Gott leiten lässt; 3. eines Tages jemand aus der Nachkommenschaft der Frau hervorgehen wird, der Satan, Sünde und Tod besiegt. Dieser Nachkomme wird Satan den Kopf zerBereits kurz nach dem Sündenfall zeichnet sich die Menschheitslinie, die Gott verliess und ihre eigenen Wege ging, deutlich ab. Sie beginnt mit Kain, der seinen Bruder Abel erschlug und so zum ersten Mörder wurde

treten und Satan wird ihn in die Ferse stechen. Bereits kurz nach dem Sündenfall zeichnet sich die Menschheitslinie, die Gott verliess und ihre eigenen Wege ging, deutlich ab. Sie beginnt mit Kain, der seinen Bruder Abel erschlug und so zum ersten Mörder wurde. Gott erwählt Abraham. Die Menschheitslinie, die Gott sucht und Ihm gehorsam sein will, beginnt mit Seth, dem Sohn, der Adam und Eva anstelle von Abel geboren wurde. Diese Linie finden wir im irdischen Stammbaum Jesu. Weil der ewige Gott in Jesus Christus aus dem Himmel auf die Erde kommen und in die Menschheitsgeschichte eintreten wollte, brauchte Er ein Volk, ein Land und einen konkreten Geburtsort. Im Blick auf dieses Ziel erwählte Gott Abraham, der aus Ur in Chaldäa (Babylonien) stammte. Der Allmächtige hätte auch jemand anders rufen können, aber Seine souveräne Wahl fiel auf Abraham. Über dessen Berufung berichtet die Bibel: «Der Herr aber hatte zu Abram gesprochen: Geh hinaus aus deinem Land und aus deiner Verwandtschaft und aus dem Haus deines Vaters in das Land, das ich dir zeigen werde! Und ich will dich zu einem grossen Volk machen und dich segnen und deinen Namen gross machen, und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet

werden alle Geschlechter auf der Erde!» (1.Mo 12,1-3). Diese Erwählung Gottes umfasst drei elementare Dinge: 1. Abraham sollte ein Land bekommen 2. Abraham sollte zu einer Nation werden 3. In Abrahams Nachkommenschaft sollten alle Geschlechter auf Erden gesegnet werden Mit diesem Segen ist der Welterlöser Jesus Christus gemeint. Er sollte aus der Nachkommenschaft Abrahams stammen und in Israel geboren werden. Abraham wurde als erster Mensch «Hebräer» genannt (1.Mo 14,13). Gott hatte mit Abrahams Berufung und der Landverheissung an ihn und später mit Jerusalem und der jüdischen Nation nur das eine Ziel: Jesus in diese Welt zu senden. Gott erfüllte Seinem Freund (wie Er Abraham auch nannte, vgl. Jak 2,23) gegenüber Seine Verheissung, indem Er ihm das verheissene Land gab. Doch der verheissene Same schien auszubleiben, denn Abraham blieb jahrzehntelang kinderlos. Als ihm und seiner Frau Sara dann endlich ein Sohn geboren wurde, verlangte Gott von Abraham, diesen einzigen, geliebten Sohn zu opfern. Das können wir nur vom Neuen Testament her verstehen. Denn auf dem Berg Morija, wo Abraham seinen Sohn Isaak opfern sollte, lag das spätere Golgatha, wo Jesus für uns starb. Zu guter Letzt musste Abraham seinen Sohn nicht opfern, wogegen Gott selbst seinen einzigen, innigst geliebten Sohn Jesus Christus für eine verlorene Menschheit dahingab. Der verheissene Segen war gekommen. Doch Jesus blieb nicht im Tode. Er ist aus den Toten auferstanden und lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Aus Jakob wird Israel. Als Isaak, der Sohn Abrahams, ein Mann geworden war, heiratete er und bekam mit seiner Ehefrau Rebekka Zwillingssöhne. Der eine hiess Esau, der andere Jakob. Jakob entpuppte sich als ziemlich hinterlistig. Es fiel ihm leicht, andere zu betrügen, sogar seinen eigenen Vater. Zahlreiche Schwierigkeiten, Nöte und Lebenskrisen brachten ihn jedoch dazu, den Herrn inständig anzurufen. Und Gott liess sich finden. War sein Grossvater Abraham zum ersten Hebräer geworden, so wurde Jakob zum ersten Israeliten. Warum erwählte sich Gott gerade Jakob beziehungsweise Israel, einen ehemaligen Betrüger? Darauf gibt es nur eine Antwort, die Gott mit der Feststellung beginnt: «Ich bin der Herr, der Gott deines Grossvaters Abraham und der Gott Isaaks; das Land, auf dem du liegst, will ich dir und deinem Samen geben. Und dein Same soll werden wie der Staub der Erde, und nach Westen, Osten, Norden und Süden sollst du dich ausbreiten; und in dir und in deinem Samen sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde! Und siehe, ich bin mit dir, und ich will dich behüten überall, wo du hinziehst, und dich wieder in dieses Land bringen. Denn ich will dich nicht verlassen, bis ich vollbracht habe, was ich dir zugesagt habe!» (1.Mo 28,13-15). Gottes Versprechen an Jakob ist sozusagen die Wiederholung der heilsgeschichtlich wichtigsten Zusage an Abra-

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ham: Alle Geschlechter auf Erden sollen durch ihn gesegnet werden. Nahezu 2 000 Jahre nach dieser Aussage sprach der Israelit Jesus von Nazareth am Kreuz von Golgatha die berühmt gewordenen Worte aus: «Es ist vollbracht!» (Joh 19,30). Die Erlösung für alle Geschlechter auf Erden war Tatsache geworden. Die zwölf Stämme Israels. Jakob wurden zwölf Söhne geboren, die Stammväter der zwölf Stämme Israels. Aus diesen zwölf Stämmen trat der Stamm Juda besonders hervor, denn aus ihm sollte der Messias Israels, Jesus Christus, kommen. Gott kündete dies etwa neunzehn Jahrhunderte vor dem Kommen Jesu an: «Es wird das Zepter nicht von Juda weichen, noch der Herrscherstab von seinen Füssen, bis der Schilo kommt, und ihm werden die Völker gehorsam sein» (1.Mo 49,10). Das Wort «Schilo» bedeutet «Held» und ist ein Hinweis auf den Messias. Tatsächlich war der Stamm Juda in Israel stets führend: Bei der Wüstenwanderung ging Juda voran (4.Mo 10,14). Bei der Volkszählung durch Mose erwies sich der Stamm Juda als der grösste (4.Mo 26,22). Aus Juda kamen die hervorragendsten Könige Israels, David und Salomo. In Juda stand der jüdische Tempel. Und die Königsdynastie Judas reichte bis zum höchsten aller Könige, dem Messias Israels und Christus der Welt: «Denn es ist ja bekannt, dass unser Herr aus Juda entsprossen ist …» (Hebr 7,14). Durch Joseph, den zweitjüngsten Sohn Jakobs, kamen die zwölf Stämme Israels nach Ägypten. Dort lebten sie einige Jahrhunderte als Fremde und wuchsen von anfänglich 70 Menschen auf ca. zwei Millionen an (vgl. 5. Mo 10,22). Aber als Sklaven wurden sie von den Ägyptern arg bedrängt. Deshalb schrien sie zu Gott, und Gott erwählte sich Mose und dessen Bruder Aaron. Diese beiden sollten die Israeliten aus Ägypten in das Land zurückführen, das Er Abraham, Isaak und Jakob versprochen hatte. Denn später sollte Jesus im verheissenen Land zur Welt kommen. Mose sagte im Blick auf Jesus prophetisch: «Einen Propheten wie mich wird dir der Herr, dein Gott, erwecken aus deiner Mitte, aus deinen Brüdern; auf ihn sollst du hören!» (5.Mo 18,15). Viele Jahrhunderte später bezogen sich Jesus und Seine Jünger auf alttestamentliche Aussagen wie die soeben zitierte (Joh 1,45). Kurz nach Seiner Kreuzigung und Auferstehung aus den Toten sprach Jesus zu Seinen Jüngern: «Musste nicht der Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen?» Und dann heisst es: «Er begann bei Mose und bei allen Propheten und legte ihnen in allen Schriften aus, was sich auf ihn bezieht» (Lk 24,26-27). Wer ist der «Stern aus Jakob»? Während der langen Zeit der Wüstenwanderung von Ägypten ins verheissene Land kam es immer wieder zur Konfrontation mit Feinden, die Israel vernichten wollten. Doch Gott hielt jedes Mal Seine schützende Hand über das Volk. Warum Er das tat, kommt in einer Begebenheit in 4. Mose 22 bis 24 besonders stark zum Ausdruck: Der Moabiterkönig Balak wollte Israel verfluchen. Zu diesem Zweck heuerte er einen Wahrsager namens Bileam an. Aber Gott lenkte Bileams Herz um, sodass er keine okkulte Wahrsagerei betreiben konnte, sondern eine göttliche Prophezeiung aussprechen musste. Diese lautete: «Ich sehe ihn, aber jetzt noch nicht; ich schaue ihn, aber noch nicht in der Nähe. Ein Stern tritt

hervor aus Jakob, und ein Zepter erhebt sich aus Israel …» (4.Mo 24,17). Wer ist mit dem Stern gemeint, was mit dem Zepter? Etwa 1 400 Jahre später wurde Jesus in Bethlehem geboren, und in Verbindung damit erschien der inzwischen weltberühmt gewordene «Stern von Bethlehem» am Himmel! Darüber hinaus deutet der Stern auf den «leuchtenden Morgenstern». Und das Zepter ist ein Hinweis auf die zukünftige Königsherrschaft Jesu. Er wird wiederkommen und über die ganze Welt herrschen. «Er trägt an seinem Gewand und an seiner Hüfte den Namen geschrieben: ‹König der Könige und Herr der Herren›» (Offb 19,16). Jesus Christus selbst sagt auf der letzten Seite der Bibel: «Ich, Jesus, habe meinen Engel gesandt, um euch diese Dinge für die Gemeinden zu bezeugen. Ich bin die Wurzel und der Spross Davids, der leuchtende Morgenstern … Es spricht, der dies bezeugt: Ja, ich komme bald! Amen. – Ja, komm, Herr Jesus!» (Offb 22,16.20). Israel konnte in der Vergangenheit nie vernichtet werden, weil der Messias Jesus Christus als Stern aus Jakob durch dieses Volk in die Welt kommen sollte. Und ebenso wenig wird Israel heute oder in der Zukunft ausgelöscht werden können, weil der Herr in Seinem Volk und Land wiederkommen will und wiederkommen wird. Der Prophet Jesaja, der hauptsächlich in Jerusalem und dessen Umgebung wirkte, lebte im 7. Jahrhundert vor Christus. Er hatte im Auftrag Gottes viele zukunftsbezogene Ankündigungen zu machen. Die wohl bekanntesten finden wir in Jesaja 53. Eine Prophezeiung dieser Art, deren Erfüllung in die Weltgeschichte einging, ist beispiellos. Etwa zur gleichen Zeit wie Jesaja lebte und wirkte ein anderer Prophet in der Gegend von Juda: Micha. Durch ihn kündigte Gott Bethlehem als den Geburtsort Jesu an (vgl. Mi 5,1). Darüber hinaus gibt es im Alten Testament etwa 300 Weissagungen, die sich auf das erste Kommen Jesu beziehen, und alle haben sich in Christus buchstäblich erfüllt. Mehr über die einzigartige Erfüllung biblischer Prophetie finden Sie in der nächsten Ausgabe. 

Wir druckten den ersten von zwei Teilen einer Darlegung von Norbert Lieth ab. Demnächst werden die beiden Kapitel zusammengefasst als Sonderdruck unter dem auf Seite 5 erwähnten Titel in unserem Verlag erhältlich sein. Da der zweite Teil evangelistisch ist, eignet sich dieser Sonderdruck sehr gut zum gezielten Verteilen. Zur Vertiefung dieses so wichtigen Themas erscheint zudem in naher Zukunft auch ein Buch mit dem Titel «Warum gerade Israel?» (ca. 115 Seiten), das wir allen Israelfreunden und solchen, die es werden wollen, schon jetzt herzlich zur Lektüre empfehlen. Bitte bestellen Sie erst dann, wenn Sonderdruck und Buch in unseren Zeitschriften angeboten werden. Danke!
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YESHUA
Nachrichten aus Israel • 8/2007

UND

ISRAEL

EIN MESSIANISCHES PANORAMA AUS JERUSALEM

Ein «fünftes Evangelium» zwischen messianischem Judentum und palästinensischem Christentum
«Es wohnten aber in Jerusalem Juden, gottesfürchtige Männer, von jeder Nation unter dem Himmel» (Apg 2,5).
DR. GERSHON NEREL – TEIL 13 Am Montag, dem 28. Mai 2007, bat mich das Vidal Sassoon International Center for the Study of Antisemitism (dt.: Internationales Zentrum für das Studium des Antisemitismus, kurz SICSA) um einen Vortrag an der Hebräischen Universität in Jerusalem über das Thema «Palästinensisches Christentum und Zionismus, der Staat Israel und das Judentum». Meinen Vortrag hielt ich auf Hebräisch. Dabei zeigte ich eine PowerPoint-Präsentation mit etwa 60 bebilderten Darstellungen. Die Veranstaltung gehörte zu den monatlichen, von der SICSA für das Studienjahr organisierten Seminaren auf dem Universitätsgelände am Scopusberg in Jerusalem. In meinen Ausführungen erläuterte ich unter anderem auch die heutige «christliche Realität» im Land Israel. Es besteht nämlich eine eindeutige theologische Kontroverse zwischen zwei «Jesus-Gestalten». Die Vertreter der beiden Gruppierungen behaupten jeweils von sich, sie seien die Repräsentanten der authentischen «Muttergemeinde» aus dem ersten Jahrhundert. Anders ausgedrückt besteht eine gewisse Konkurrenz zwischen dem israelisch-messianischen Judentum einerseits und dem arabischpalästinensischen Christentum andererseits. Obwohl beide Gruppierungen an denselben biblischen Text des Alten und Neuen Testaments glauben, kommen sie zu diametral gegensätzlichen Schlussfolgerungen, wenn es um die Verbindung zwischen dem modernen und dem alten Volk Israel geht. Weiter herrscht zwischen ihnen Uneinigkeit über die Auslegung der biblischen Landverheissungen an Israel. Diese theologischen Differenzen zwischen palästinensischen Christen und jüdischen Nachfolgern von Yeshua finden ihren deutlichsten Ausdruck in der Frage, ob die göttlichen Bündnisse mit Israel und auch die Erwählung Israels innerhalb eines historischen Heilsplans heute noch gültig seien. Diese Problematik wird besonders offenkundig bei Themen wie moderner Zionismus und biblische Prophetie. Während messianische Juden fest davon überzeugt sind, dass die biblischen Bündnisse mit Israel noch immer gültig sind und sich in unserer Zeit in dem Land erfüllen, das den Juden verheissen ist, lehnen palästinensische Geistliche und Theologen diese Sichtweise ab. Nach deren Argumentation war die Erwählung Israels an Bedingungen geknüpft und zeitlich begrenzt. Seitdem der Kanon des Neuen Testaments abgeschlossen ist, hätte diese Erwählung ihre Gültigkeit verloren. Im Land der Menschwerdung Yeshuas spiewaren die ersten, die die Bergpredigt hörten und den Herrn begleiteten … Das Christentum des Heiligen Landes ist palästinensisch.» Im Gegensatz dazu sind messianische Juden der Auffassung, dass sie diejenigen seien, die heute – wie durch ein Wunder und als Zeichen erfüllter biblischer Prophetie – die ursprüngliche, jüdische Mutter-Kehila (hebr.: Gemeinde) wieder zu neuem Leben erwecken. Wer hat deshalb im Land der Bibel den Anspruch, die buchstäbliche, geistliche und legitime Fortsetzung der authentischen Muttergemeinde zu sein? Die heutige Realität ist sehr komplex und problembehaftet. Wenn heutige jüdische Gläubige an Jesus den Anspruch erheben, sie seien die Vertreter einer authentischen Wiederbelebung der frühen jüdischen Christen, dann reagieren palästinensische Christen darauf, indem sie den jüdischen Charakter des Neuen Testaments verwässern. Mit ihrem Wunsch, die einzig legitime «Mutterkirche des Heiligen Landes» zu sein, folgt die palästinensische Christenheit erneut der alten theologischen Auffassung, nach der die Kirche an die Stelle Israels tritt. Wenn arabische Geistliche jedoch das jüdische durch das palästinensische Christentum ersetzen, entdecken sie paradoxerweise ihre nationalen Wurzeln unter den heidnischen Kanaanitern des Alten Testaments. Auf diese Weise stellt die Entjudaisierung der Bibel durch die Palästinenser sogar eine Verbindung zur heidnischen Welt her. Das Seminar auf dem Scopusberg endete mit einer erbittert geführten Diskussion über die Problematik einer theologisch begründeten antiisraelischen Haltung in der Christenheit, und zwar in der Vergangenheit wie in der Gegenwart. Es wurde jedoch auch deutlich, dass Israel heute unter Christen aus allen Nationen viele treue Freunde hat, die es unterstützen und auch für dessen Zukunft beten. 

Es wurde deutlich, dass Israel heute unter Christen aus allen Nationen viele treue Freunde hat, die es unterstützen und auch für dessen Zukunft beten
gelt dieser Streit um Glaubenslehren die Entstehung eines «fünften, lokalen Evangeliums» wider, «die Entwicklung einer Polarisierung zwischen palästinensischen Christen und messianischen Juden bei der Frage nach der Erfüllung von biblischen Prophezeiungen über die Endzeit». Dabei wenden die Vertreter beider Seiten die Texte der Bibel auf sich selbst und ihre jeweiligen Lebensumstände an. Während zum Beispiel die Apostelgeschichte (2,11) jüdische Pilger aus Arabien erwähnt, die zum Shavuot-Fest (Pfingsten) nach Jerusalem und zum Tempel kamen, verfälschen heute palästinensische Christen den biblischen Kontext mit der Behauptung: «Sie, unsere Vorfahren,

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H I N T E R G R U N D I N F O R M AT I O N E N

AUS ISRAEL

SEINE STIMME VERHEISST HANDFESTE HOFFNUNG

Lebenszeichen von Gilead Shalit
Es war ein makabrer, aber wohlgewählter Zeitpunkt. Als in Israel zum ersten Mal die Trauerfeiern für die Opfer des Zweiten Libanonkrieges abgehalten wurden, gaben die palästinensischen Entführer von Gilead Shalit eine Tonbandaufnahme frei.
Es geschah am 25. Juni 2007 – ein Jahr, nachdem palästinensische Terroristen durch einen Überfall auf israelisches Territorium Gilead Shalit entführt hatten. Zunächst kam die Audiobotschaft in die Hände des israelischen Nahost-Berichterstatters Ehud Ya’ari. Bevor sie der Öffentlichkeit präsentiert wurde, setzte man Gileads Eltern in Kenntnis. Nicht nur die Eltern, sondern ganz Israel war in Aufruhr. Die Worte, zu denen die Entführer ihre Geisel gezwungen hatten, waren immer wieder im Radio und Fernsehen zu hören. Schnell erging sich die ganze Medienlandschaft in Fragen und Spekulationen. Die israelischen Experten sind sich einig, dass die Botschaft erst kurz vor ihrer Freigabe aufgezeichnet wurde. Am Ende des Bandes war das Bruchstück einer Frage zu hören, die Gilead an seine Entführer richtete. Daher vermutet man, dass es mehrere Aufzeichnungsversuche gab. Gilead sagt unter anderem, dass er dringend medizinisch behandelt werden müsse. Dies dürfte wohl stimmen, denn die Untersuchungen am Ort seiner Entführung deuten darauf hin, dass er tatsächlich verletzt wurde. Dennoch sind sich viele uneinig, ob die Entführer diesen Teil der Botschaft dramatisiert haben, um Druck auszuüben, oder ob Gileads Worte seinen tatsächlichen Gesundheitszustand reflektieren. Gileads Vater, Noam Shalit, trat wenig später vor die Presse und sagte, dass dieses Band für ihn und seine Frau ein Schimmer der Hoffnung sei. Dennoch würden sie sich keinen Illusionen hingeben. Sie wissen, dass dies kein humanitärer Akt der Entführer ist, sondern diese vielmehr mit mit dem Rücken zur Wand steht. Die Hamas-Führung habe nicht damit gerechnet, dass sie tatsächlich so schnell die Oberhand im Gazastreifen gewinnen würde. Da nun alle Verantwortung auf den Schultern der Hamas liege, wozu unter anderem auch die Versorgung der Zivilbevölkerung gehöre, sei die Hamas unter Druck. Die Freigabe des Bandes zeuge somit nicht von Macht, sondern vielmehr von Schwäche. Dabei sei auch von Bedeutung, dass die Hamas wisse, dass Israel keinen Kontakt aufnehmen werde. Ein weiterer Punkt, den die israelische Öffentlichkeit hitzig diskutierte, dreht
Gilead Shalit

der Freigabe des Bandes und dem gewählten Zeitpunkt Druck ausüben wollen. An diesem Punkt gehen die Meinungen der israelischen Experten auseinander. Alle äusserten die Vermutung, dass die Freigabe mit den Entwicklungen im Gazastreifen zusammenhänge, legen dies jedoch unterschiedlich aus. Einige sind der Ansicht, dass die Hamas damit zeigen will, dass sie nun auch offiziell an der Macht ist. Andere Kommentatoren glauben hingegen, dass die Hamas

sich um die Frage, ob Israel für die Freilassung des 20-jährigen Soldaten palästinensische Häftlinge vorzeitig entlassen solle, und wenn ja, wie viele. Viele sprachen sich dagegen aus, Palästinenser freizulassen, die Blut an ihren Händen haben. AN Kommentar: Schon der Psalmist betet: «Herr, bringe wieder unsre Gefangenen …» (Ps 126,4). Bei Gott sind alle Dinge möglich, auch dass Shalit freikommt. Gerade als Gläubige des Neuen Bundes und Freunde Israels wollen wir in dieses Gebet des Psalmisten einstimmen. Gott erhört Gebete! CM 

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H I N T E R G R U N D I N F O R M AT I O N E N
Nachrichten aus Israel • 8/2007

AUS ISRAEL

HERR STAATSPRÄSIDENT, SHIMON PERES

Mit 83 am Ziel
Shimon Peres, 83, war schon 1948 persönlicher Berater des Gründers des Staates Israel, David Ben Gurion. Während seiner jahrzehntelangen Karriere hatte er zahlreiche Ämter inne.
Shimon Peres war Staatssekretär, Minister mit verschiede- seinem Rücken entschied sich die Shas-Partei dann doch für den nen Amtsbereichen, stellvertretender Ministerpräsident sowie Likud-Politiker Moshe Katzav, gegen den in den letzten Monaten dreimal Ministerpräsident Israels (April 1977, 1984-1986 und Ermittlungen wegen sexueller Belästigung und Vergewaltigung 1995-1996). Seit 1959 amtierte er durchgängig als Mitglied der liefen. Als Peres Knesset. sein Amt antrat, Peres, der ein Freund der Künste und guter Literatur ist, gilt war noch immer zudem als «Vater der israelischen Atombombe». Doch vor allem nicht klar, wie ist Peres, der am 2. August 1923 in Wieniawa (früher Polen, heute die Katzav-Affäre Weissrussland) als Szymon Perski geboausgehen würde. ren wurde, ein Meister der GeheimdiploEin grosses Israels neuer Staatspräsident an der Klagemauer matie. Er pflegt nicht nur Beziehungen mit Geheimnis bleibt Europa, sondern fädelte auch viele Kondas Privatleben takte mit der arabischen Welt ein. So lud er in den 1980er-Jahren der Familie Pebeispielsweise die gesamte Auslandspresse zur öffentlichen Präres, auch wenn sentation des von Israel produzierten Kampfflugzeuges «Lavi» auf Peres’ drei Kinder den Flughafen von Tel Aviv ein, um selbst heimlich nach Marokko erstmals zusammen mit ihrem Vater und einigen Enkeln dem zu einem historischen Treffen mit König Hassan zu fliegen. Peres israelischen Fernsehen ein Interview gewährten. Peres’ Frau war die treibende Kraft hinter den Geheimkontakten mit der PLO, Sonja, 81, erlitt vor einigen Monaten einen Herzinfarkt. Ganz die den Osloer Abkommen vorausgingen. Seinen Partner, Geg- Israel fühlte mit. Inzwischen ist sie wieder zu Hause und liess ner, Freund und sprichwörtlichen Intimfeind, Ministerpräsident kurz nach der Wahl ihres Mannes verlauten, dass sie eine wunYitzhak Rabin, musste er regelrecht dazu drängen, Yassir Arafat derschöne Wohnung in Ramat Aviv habe und nicht gedenke, in vor dem Weissen Haus in Washington die Hand zu drücken. Alle den Präsidentenpalais in Jerusalem umzuziehen. Sonja, eine Sodrei erhielten den Friedensnobelpreis. Vor allem Peres gilt als zialarbeiterin, gilt als «grosse Persönlichkeit». Doch niemals trat Vordenker des «Neuen Nahen Ostens». sie aus dem Schatten ihres bescheidenen Privatlebens heraus Ähnlich wie seinerzeit Willy Brandt im Ausland viel populärer und zeigte sich nie in der Öffentlichkeit. US war als in den eigenen Reihen, so erging es bisher auch Peres. Es grenzt fast an ein Wunder, dass Peres jetzt – im hohen Alter Kommentar: Gott setzt Könige ein und ab – so auch Shimon und als sechsfacher Grossvater – doch noch zum neunten Prä- Peres. Dass er nie längere Zeit an der Spitze des Staates Israel sidenten Israels gewählt wurde. stand und der «ewige Verlierer» war, liegt vielleicht daran, dass Im Laufe seiner ganzen Karriere gewann er keine einzige er immer bereit war, Land an die Araber zurückzugeben. Peres Wahl, sodass ihn schon viele den «ewigen Verlierer» nannten. Er sorgte diesbezüglich immer wieder für Spaltungen im Volk, was unterlag gegen Rabin beim Parteivorsitz, gegen Benjamin Neta- denn auch sein Name unterstreicht: Peres bedeutet «Riss». So nyahu bei der Wahl zum Ministerpräsidenten, gegen Amir Peretz hat Gott auch darüber gewacht, dass Peres, bei allen Verdiensten bei Wahlen in der Arbeitspartei. Schon vor sieben Jahren galt für das Wohl Israels, nicht imstande war, Land an die Araber Peres als der sichere Favorit bei der Präsidentenwahl. Aber hinter zurückzugeben, das gemäss der Bibel zu Israel gehört. CM  CHRISTEN IN GAZA IN BEDRÄNGNIS

Angst vor Verfolgung
Bei ihrem militärischen Putsch im Gazastreifen ging die Hamas nicht nur gegen Fatah-Anhänger vor. Auch die 2 000 im Gazastreifen lebenden palästinensischen Christen gerieten ins Visier der Islamisten.
«Die letzen Tage waren sehr schwer und gefährlich. Mitte Juni konnte ich meine Predigt wegen der schweren Schiessereien in der Nähe des Gemeindehauses nicht zu Ende bringen. Meine Gemeinde wurde sehr nervös und hatte Angst. Deshalb brachen wir die Versammlung ab», heisst es im Zeugenbericht eines palästinensischen Christen, der im Internet veröffentlicht wurde. Kurz darauf brannte die Kirche und die Schule des Gemeindezentrums. Dabei wurde ein Gemeindemitglied verletzt. Darüber hinaus wurde die berühmte Statue des unbekannten Soldaten im Zentrum von Gaza und ein Kloster von «nicht identifizierten Vandalen» zertrümmert. Das erklärte der ehemalige palästinensische Informationsminister Mustafa Barguti. Die Ruinierung der Statue – in den 1950er-Jahren von den Ägyptern errichtet, von den Israelis im

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Krieg zerstört und dann von Arafat neu errichtet – bezeichnete Barguti als «barbarischen Akt». Als «sündig» verurteilte Barguti zudem den Angriff auf die lateinische Kirche und das Kloster in Gaza. Die Kirche und das Kloster seien verbrannt und geplündert worden, schreibt die unabhängige palästinensische Nachrichtenagentur «Maan» unter Berufung auf Barguti. Ebenso sei eine Nonnenschule attackiert worden. Der christlichen Minderheit im Gazastreifen stehen nach der Machtübernahme der Hamas unheilvolle Zeiten bevor. Darüber liess auch Sheik Abu Saqer, Anführer

der Bewegung «Jihadia Salafiya», in einem Interview gegenüber «WorldNetDaily» keinen Zweifel.

Frauen. Wörtlich verkündete Abu Saqer: «Ich erwarte von unseren christlichen Nachbarn, dass sie verstehen, dass die neue Hamas-Herrschaft einen radikalen Wandel bedeutet. Sie müssen für die islamische Herrschaft bereit sein, wenn sie weiterhin in Frieden in Gaza leben wollen.» AN

Kommentar: Unsere Brüder und Schwestern in Christus im Gazastreifen brauchen unsere Gebetsunterstützung. Gleichzeitig sollten diese Tatsachen in der Welt bekannt gemacht werden, zum Beispiel durch Leserbriefe oder auch andere Mittel. Die Menschen müssen In Zukunft müssen christliche Frauen in Gaza wissen, dass der ein Kopftuch tragen Islam nicht nur gegen die Juden, sondern auch gegen die pixelio.de Christen vorgeht. Für Kenner der Bibel Abu Saqer betonte, dass Christen von ist das auch kein Wunder, denn von einer nun an nur dann sicher in Gaza leben solch antichristlichen Religion ist nichts könnten, wenn sie das islamische Gesetz anderes zu erwarten. Der Kampf des Islam akzeptierten. Darin eingeschlossen sei das gegen das Christentum spitzt sich immer Alkoholverbot und die Kopftuchpflicht für mehr zu. CM 

TRAUERFEIERN ZUM ERSTEN JAHRESTAG DES LIBANONKRIEGES

Israel weint
In Israel fanden kürzlich die Trauerfeiern für die Opfer des Zweiten Libanonkrieges statt. Es wurde an verschiedenen Orten der gefallenen Soldaten wie auch der zivilen Opfer gedacht.
Viele Familien – seien es Angehörige von Soldaten oder Zivilisten – fanden sich zu kleineren Trauerfeiern zusammen. Die Bewohner von Haifa gedachten ihrer Mitbürger, die vor einem Jahr bei den Raketenangriffen ums Leben gekommen waren. In Kfar Giladi versammelten sich die Angehörigen der zwölf Reservisten der israelischen Armee, die noch vor dem Kampfeinsatz den Tod gefunden hatten. Als diese sich nämlich in dem Kibbuz an der Grenze zum Libanon gruppiert hatten, war es zu einem Raketenangriff gekommen. Die meisten hatten dabei keine Deckung mehr finden können. Doch es wurde auch der beiden in den Libanon entführten israelischen Soldaten gedacht, deren Schicksal weiterhin unklar ist. Unmittelbar bevor die libanesische Hisbollah-Miliz ihren Raketenbeschuss auf Israel begann, hatte sie eine israelische Grenzpatrouille überfallen. Dabei waren Ehud Goldwasser und Eldad Regev entführt worden. Die Familien der beiden waren nicht nur auf den offiziellen Zeremonien zugegen. Sie reisen seit der Entführung ihrer Söhne und Ehemänner rund um die Welt, um sich für ihre Freilassung einzusetzen. Der erste Jahrestag der Entführung war für sie ein schwieriger Meilenstein, der dennoch zumindest eine gute Nachricht brachte. Bisher bezahlten sie den Kampf, den sie zum Wachrütteln der Weltöffentlichkeit führen, aus eigener Tasche. Kurz vor dem ersten Jahrestag des Zweiten Libanonkrieges gab dann jedoch die israelische Regierung bekannt, zukünftig für ihre Reisekosten aufzukommen. Im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stand jedoch die zentrale Gedenkveranstaltung, die vom Staat Israel ausgerichtet wurde. Die Feier fand auf dem Jerusalemer Herzl-Berg statt. Viele versammelten sich: Politiker und Militärs, Angehörige, Freunde und Menschen, die ihr Mitgefühl ausdrücken wollten. Dalia Itzik erschien in ihrer Aufgabe als zeitweilige Staatspräsidentin. Ehud Barak, der erst kurz zuvor zum neuen Verteidigungsminister ernannt worden war, hielt eine viel beachtete Rede. Ebenfalls positiv gewertet wurde das Erscheinen von Amir Peretz, der während des Libanonkrieges als Verteidigungsminister amtiert hatte und später wegen mangelhafter Amtsausübung ins Kreuzfeuer der Kritik geraten war (Bericht der Untersuchungskommission unter der Leitung von Richter a.D. Winograd). Die Emotionen vieler Staatsbürger brachte Ohad Klausner zum Ausdruck. Die Familie Klausner hatte im Libanonkrieg ihren Sohn verloren. Zwei Monate danach starb die Mutter an einem Herzinfarkt. Der Vater ist seither am Boden zerstört, er versteht die Welt nicht mehr. AN Kommentar: Wie lebendig wird in diesem Zusammenhang das Wort des Propheten: «Tröstet, tröstet mein Volk!, spricht euer Gott» (Jes 40,1). Ist es nicht auch der Auftrag der Gemeinde Jesu, ihre jüdischen Brüder zu trösten? Wir können dies tun, indem wir Israel besuchen, für Israel beten, für Israel spenden, Leserbriefe zugunsten von Israel schreiben usw. Mehr denn je braucht Israel echte Freunde. CM 

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DIE LAGE IM NORDEN

Kriegstrommeln oder Friedensglocken?
Die Lage im Gazastreifen stellt gegenwärtig keine sicherheitspolitische Bedrohung für Israel dar. Eine solche braut sich eher im Norden des Landes zusammen.
Aus dem syrischen Damaskus sind immer wieder Friedensbekundungen zu hören. Präsident Bashar al-Assad und einige seiner Regierungsbeamten deuteten immer wieder an, zu Verhandlungen bereit zu sein. Sie betonten, über die Golanhöhen verhandeln zu wollen, um letztlich ein Friedensabkommen mit Israel zu schliessen. Doch mehr oder weniger in derselben Region werden auch Kriegstrommeln geschlagen. Assad hob nämlich ebenfalls hervor, dass «Kriegsoptionen» im Raum stehen würden, damit «die Golanhöhen wieder unter syrische Herrschaft kommen». Um seinen Äusserungen mehr Gewicht und Glaubwürdigkeit zu verleihen, rüstet sich Syrien mit russischen Waffensystemen auf. Dafür gibt das Land mehrere Millionen US-Dollar aus. Darüber hinaus erhält Syrien Lieferungen aus den hochmodernen Beständen der iranischen Waffenarsenale. Zu diesen syrischen Vorbereitungen gehört auch weiterhin eine Stärkung der libanesischen Hisbollah-Miliz, die ebenfalls vom Iran gefördert wird. Eine weitere Erscheinung seien die zahlreichen Besuche führender Persönlichkeiten der radikalislamischen Terrororganisationen in der syrischen Hauptstadt. Die einander widersprechenden Botschaften aus Syrien verwirren die israelische Öffentlichkeit und auch die Entscheidungsträger des Landes. Einige der israelischen Sicherheitsexperten sind der Ansicht, dass die Friedensbekundungen aus Syrien ernst zu nehmen sind. Deshalb sprechen sie sich dafür aus, diese historische Gelegenheit nicht verstreichen zu lassen und Verhandlungen mit dem Assad-Regime aufzunehmen. Doch andere israelische Experten legen diese Konstellation anders aus. Die Leitung der israelischen Armee zum Beispiel ist wegen der Kriegsvorbereitungen in Syrien sehr besorgt. Man ist der Ansicht, dass Syrien wesentliche Lehren aus dem Zweiten Libanonkrieg gezogen hat. Dazu gehöre auch, dass in Syrien inzwischen anscheinend die Meinung vorherrscht, dass Israel ausschliesslich die Sprache der Gewalt verstehe. Daher bleibe Syrien nicht mehr untätig, sondern würde sich aktiv für einen möglichen Krieg rüsten. In Israel ist man sich sicher, dass die Hisbollah im Falle einer kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Israel und Syrien eine zweite Front entlang der libanesischen Grenze eröffnen wird. Die Hisbollah wurde zwar als Folge des Libanonkrieges von 2006 weiter ins Landesinnere zurückgedrängt, wird aber vom Iran aufgerüstet und kann somit Israel auch von wesentlich weiter nördlich gelegenen Stellungen angreifen. Angesichts dieser Entwicklungen ist die israelische Armee auf alle Eventualitäten vorbereitet. Kürzlich wurden auf den Golanhöhen zum ersten Mal seit langer Zeit wieder umfangreiche Manöver durchgeführt. Die Syrer liess man vorab wissen, dass diese Übungen zu Verteidigungszwecken dienen würden. Trotzdem riefen die Syrer sofort eine allgemeine Alarmbereitschaft aus. Somit war die militärische Lage in dieser Region in den letzten Wochen extrem angespannt. Um dem entgegenzuwirken, informierte Israel Syrien darüber, dass man die eigene Alarmbereitschaft zurückgeschraubt habe. In Israel ist man besorgt, weil man einen Überraschungsangriff Syriens durchaus für möglich hält. Obwohl bisher keine Reservisten einberufen wurden, Israelische Manöver auf den Golanhöhen sind gegenwärtig mehr israelische Truppen auf den Golanhöhen präsent als zuvor. Israel kann es sich einfach nicht erlauben, nochmals unvorbereitet überrascht zu werden. Diese Situation kommt einem Pulverfass gleich. Es braucht nicht viel, damit es explodiert. Dazu reicht eine simple Fehleinschätzung einer alltäglichen Situation an der Grenze. ZL Kommentar: Die Syrer sind die engsten Blutsverwandten Israels («Mein Vater war ein Syrer …», 5.Mo 26,5) und gleichzeitig seine schlimmsten Feinde. Oft ist das auch in christlichen Familien so: Die Botschaft Jesu spaltet ganze Familien. Die an Jesus gläubigen Mitglieder einer Familie können auf Dauer kaum mit ungläubigen zusammenleben. Die Geister prallen aufeinander. Im Alten Bund war es der Gott Israels, durch den familiäre Beziehungen zwischen den beiden Völkern auseinandergerissen wurden. Schon seit Jahrtausenden gehören die Syrer zu den stärksten Gegnern des jüdischen Volkes. Wie zu biblischen Zeiten kann Israel den Syrern auch heute nicht vertrauen. In der biblischen Prophetie spielt Syrien einerseits zukünftig noch eine wichtige Rolle. Andererseits sollten wir nicht vergessen, dass die Kunde von Jesus Christus einst das ganze Land Syrien durchdrang: «Und sein Ruf verbreitete sich in ganz Syrien» (Mt 4,24). Auch die Syrer brauchen Jesus Christus. Und es wird noch eine Zeit kommen, in der sich auch die Syrer zu Jesus Christus bekehren werden: «… und die Ägypter werden mit Assur dem Herrn dienen … Denn der Herr der Heerscharen segnet es (Israel) und spricht: Gesegnet sei Ägypten, mein Volk, und Assur, meiner Hände Werk, und Israel, mein Erbteil!» (Jes 19,23.25). Dann, und erst dann, wird Frieden herrschen zwischen Israel und Syrien. CM 

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ISRAEL NIMMT WIEDER KONTAKTE MIT MAROKKO AUF

Bewegung im Nahen Osten?
Auf den ersten Blick scheint die Situation verfahren. Dennoch steht Israel inzwischen wieder im Dialog mit einigen arabischen Staaten, zu denen die Kontakte in den letzten Jahren brachlagen. Und auch Libyens Gaddafi machte einmal mehr erstaunliche Äusserungen.
Der Generaldirektor des israelischen Aussenministeriums, Aharon Abramovitch, reiste Anfang Juni 2007 für einige Stunden nach Marokko. Während des zunächst geheim gehaltenen Besuches traf er mit dem marokkanischen Aussenminister und einigen anderen Vertretern dieses nordafrikanischen Königreichs zusammen. Im Zentrum der Gespräche standen die von Saudi-Arabien vorgeschlagene arabische Friedensinitiative und die sich zuspitzende Lage im Gazastreifen. Kurz nachdem in Israel dieses Zusammentreffen bekannt geworden war, brachte die israelische Tageszeitung «Ma’ariv» neueste Meldungen über Äusserungen des libyschen Diktators Gaddafi. In einem Interview für einen arabischen Nachrichtensender hatte dieser den Zionismus als eine legitime «nationale Bewegung» bezeichnet und Israel hier und da sogar ein Lob ausgesprochen. Schon seit einigen Jahren meldet sich Gaddafi mit Aussagen zu Wort, die immer wieder erstaunen. Er gilt als eine der schillerndsten Führungspersönlichkeiten der arabischen Welt. ISRAELS STAR AM HIMMEL In dem Interview zeigte er der saudiarabischen Friedensinitiative allerdings die kalte Schulter und propagierte erneut seinen eigenen Friedensplan unter der Überschrift «Isratin» – eine Kombination von Israel und Falestin, wie Palästina auf Arabisch heisst. Diesbezüglich war er jedoch weniger ausführlich als im Hinblick auf die allgemeine Kriegsführ ung Muammar al-Gaddafi Israels, der er ein Lob aussprach. Zudem berichtete die ausländische Presse, dass Gaddafi wieder einmal seine Bereitschaft bekundet habe, den aus seinem Land geflohenen Juden eine Entschädigung zu zahlen. Auch das habe man im Licht seiner Bestrebungen zu sehen, einen «persönlichen Beitrag zur Normalisierung zwischen den arabischen Staaten und Israel» zu leisten. Dennoch hat Gaddafi seinen hochtrabenden Worten bisher noch keine einzige handfeste Tat folgen lassen. AN 

«Ofek-7»
Er wiegt rund 300 Kilogramm, ist 2,3 Meter lang und hat einen Durchmesser von 1,2 Metern: der neueste israelische Spionagesatellit «Ofek-7», der vor Kurzem erfolgreich ins All lanciert wurde.
Der israelische Satellit «Ofek-7» umkreist die Erde in einer Höhe zwischen 311 und 600 Kilometern. Eine Umrundung der Erde schafft er in nur anderthalb Stunden. Dabei sendet er Bilder zur Bodenstation, die von Experten als «einzigartig» 11. Juni 2007: Ofek-7 wird ins All geschossen bezeichnet wurden. «Ofek-7» wurde im Juni 2007 in den Weltraum geschossen und ging schon nach sieben Tagen auf Sendung, was ein Rekord ist. Doch vor allem begeistert dieser Satellit durch die Qualität seiner Bilder.

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und führten bisher zur Lancierung mehrerer Satelliten (sowohl für militärische als auch zivile Zwecke). Lediglich zweimal kam es zu Schwierigkeiten. Im September 2004 beispielsweise stürzte «Ofek-6» kurz nach dem Start ins Meer. Abgesehen von «Ofek-5» und «Ofek-7» umrunden noch fünf weitere israelische Satelliten die Erde, die auch der Kommunikation dienen: «TechSAR-2» (ein kleiner Aufklärungssatellit), «Eros-A1» und «Eros-B» sowie «Amos-1» und «Amos2». Israel beabsichtigt, Ende 2007 einen weiteren Satelliten des Typs «Amos» zu lancieren. ZL 

Laut der Meldungen kann man Vorgänge am Boden dank dieser Bilder sehr gut beobachten. So lassen sich Truppenbewegungen mit Leichtigkeit ausmachen. Der «Ofek-7» sendet nämlich klare Bilder von allen Objekten, die grösser als 70 Zentimeter sind. Obwohl keine offizielle israelische Institution sich zur Bestätigung dieser Angaben hinreissen liess, so besteht dennoch kein Zweifel, dass es sich um ein ungewöhnlich gutes Leistungsvermögen handelt. Selbstverständlich kommentierte keine der beteiligten israelischen Seiten, dass dieser Satellit vor allem zur Beobachtung der Vorgänge in den iranischen

Atomforschungsstätten eingesetzt werden soll. Wenn weiterhin alles nach Plan verläuft, wird «Ofek-7» rund vier Jahre lang Bilder aus dem All senden. Man geht jedoch davon aus, dass er zwei weitere Jahre voll betriebsfähig sein wird. Gegenwärtig umrundet noch ein israelischer Spionagesatellit die Erde. «Ofek-5» kreist seit 2002 im Weltall und sendet auch heute noch Bilder zur Erde. Mit mittlerweile zwei leistungsfähigen Spionagesatelliten kann ein enorm grosser Beobachtungsraum abgedeckt werden. Israels Weltraumaktivitäten wurden Anfang der 1980er-Jahre aufgenommen

KOSTEN EINER RÜCKKEHR IN DIE POLITIK

Barak verliert Millionen
Es war keine Überraschung, dass einer der am höchsten dekorierten Soldaten Israels und eine der Führungspersönlichkeiten der Arbeitspartei die Rückkehr in die grosse Politik feiern konnte. Was heisst das jedoch für den Geschäftsmann Ehud Barak?
Ehud Barak wurde 1942 im Kibbuz Mishmar HaSharon geboren. Er schlug 1959 eine militärische Karriere ein. Barak war an Aufsehen erregenden Militäroperationen beteiligt, führte mit seinen Kommandoeinheiten auch Geheimdienstaufträge aus und machte sich zudem als Befehlshaber im Ersten Libanonkrieg einen Namen. Im April 1991 wurde er zum Generalstabschef der israelischen Armee ernannt. 1995 ging er dann in die Politik und gewann 1999 die Ministerpräsidentenwahlen. Doch seine Regierung zerbrach nur zwei Jahre später. Nachdem er 2001 bei den Wahlen gegen Ariel Sharon verloren hatte, wandte er sich dem Geschäftsleben zu. Barak reiste um die ganze Welt. Er machte nicht nur viel Geld mit Vorträgen, sondern tat sich auch als Geschäftsmann hervor. Baraks Marktkapital wird auf mehrere Millionen USDollar geschätzt, die er vor allem mit seiner Beratungsfirma für sicherheitspolitische Angelegenheiten erwirtschaftet haben soll. Doch er beteiligte sich beispielsweise auch an Investmentfonds und kaufte sich in verschiedene israelische HightechKonzerne ein, darunter die namhafte Firma «Tecnomatix». Eine der ausländischen Firmen, in deren Direktorium er amtiert und an der er fünf Prozent der Aktien hält, wird an der Wallstreet mit gut gehenden Aktien gehandelt. Im Juli 2005 wurde Barak zum
Ehud Barak

Präsidenten der Firma «Gilat Satcom» ernannt, die im Bereich der Satellitenkommunikation aktiv ist. Sein monatliches Gehalt belief sich auf 15 000 US-Dollar. Zudem erhielt er bei neuen Geschäftsabschlüssen jeweils einen Bonus von 100 000 US-Dollar. Nur wenige Monate später verliess Barak die Firma. Er war um 190 000 US-Dollar reicher und verfügt seither über 3,9 Prozent der «Gilat Satcom»-Aktien. Durch seine Rückkehr in die Politik als Vorsitzender der Arbeitspartei und Verteidigungsminister wird der geschiedene Familienvater Barak alle Nebentätigkeiten aufgeben müssen. Obwohl ihm sein Aktienportfolio erhalten bleibt, wird ihn sein Wiedereintritt in die Politik, so schätzen die israelischen Medien, mehrere Millionen US-Dollar kosten. AN 

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ISRAELS ERRUNGENSCHAFTEN ZUGUNSTEN DER GESAMTEN MENSCHHEIT

Will man das tatsächlich boykottieren?
Immer wieder wird zu einem Boykott Israels aufgerufen. Zumeist wird damit gegen die israelische Politik gegenüber den Palästinensern protestiert. Was ginge der Menschheit jedoch verloren, wenn Israel tatsächlich boykottiert würde?
Das eine Mal sollen keine israelischen Produkte gekauft werden, ein anderes Mal die Akademiker aus der weltweiten Forschungsgemeinschaft ausgeschlossen werden. Einerlei gegen was oder wen sich solche Boykotte richten, sie würden nicht nur Israel, sondern auch der ganzen Menschheit schaden. Dies unterstrich im vergangenen Monat ein israelisches Internetportal, indem es eine Liste mit israelischen Errungenschaften von weltweiter Bedeutung zusammenstellte. Hier nur einige Ausschnitte aus der langen Liste: • Zwei der weltweit am meisten verschriebenen Medikamente zur Behandlung von Multipler Sklerose, «Copaxane» und «Rebif», konnten aufgrund jahrelanger Forschungsstudien am Weizmann-Institut für Naturwissenschaften in Rehovot entwickelt werden. • Wissenschaftler der Hebräischen Universität Jerusalem haben schon vor Jahren das Medikament «Exelon» entwickelt, das weltweit zur Behandlung von Alzheimer-Patienten eingesetzt wird. Auch die gegenwärtigen Forschungen an dieser renommierten israelischen Hochschule, denen die «Exelon»-Erkenntnisse zugrunde liegen, geben einen vielversprechenden Ausblick auf eine innovative Therapie von Schlaganfällen und Gehirnverletzungen. • Ein Wissenschaftlerpaar der Technischen Hochschule Haifa (Technion) entwickelte ein bahnbrechendes Medikament zur Bekämpfung von Krebs. Für diese Forschung wurden die israelischen Wissenschaftler 2004 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet. • Ein Forscher der Ben-Gurion-Universität entwickelte eine biologische Kontrolle von Mückenplagen, durch die Malaria übertragen wird, wodurch bereits Millionen von Menschen das Leben gerettet wurde. • Zusammen mit ausländischen Kollegen konnten Wissenschaftler der Universität Haifa Getreide mit nahrhaften Proteinen anreichern, sodass sie einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung des weltweiten Hungers leisteten. • Das «Pentium 4»-Computerbetriebssystem wurde von «Intel Israel» entwickelt. • Die meisten der «Windows»-Betriebssysteme wurden von den israelischen Forschungslaboren des Konzerns «Microsoft» entwickelt. • Die US-Firmen «Microsoft» und «Cisco» unterhalten neben ihren Laboren in den USA ihre wichtigsten Forschungseinrichtungen in Israel. Israel ist das einzige Land, in dem «Microsoft» gleich mehrere Forschungs- und Entwicklungszentren unterhält. • Die meisten Sicherheitssysteme – sei es für den Bereich der Computer, schluss, während dieser Prozentsatz in den USA und Holland bei zwölf Prozent liegt. Auf 10 000 Arbeitnehmer kommen 145 Wissenschaftler und Techniker. Zudem werden in Israel pro Kopf weltweit am meisten wissenschaftliche Publikationen herausgegeben. Und das Land verfügt verhältnismässig über die grösste Anzahl von Jungunternehmen, die sich wichtigen Forschungsbereichen widmen. AN Kommentar: Müssen wir nach einem solchen Bericht nicht an Mose denken, der vor seinem Tode ausrief: «Wohl dir, Israel! Wer ist dir gleich?» (5.Mo 33,29). So mancher ungläubige Wissenschaftler aus unseren Ländern fragt sich, weshalb der jüdische GeniDank Israel haben biologische Kontrollen über Mückenplagen schon Millionen Menschen das Leben gerettet

us so erfolgreich ist. Die Antwort findet sich in der Bibel: Israel ist und bleibt Gottes auserwähltes Volk auf Erden und ist auf keinem Gebiet mit anderen Natioder Bankwirtschaft oder der nationalen Sicherheit – gehen auf israelische Innovationen zurück. Viele dieser Errungenschaften beruhen auf einem enorm hohen Standard der israelischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Dies belegt auch eine Studie des amerikanischen «Milken Institute». In der Bewertung von 400 Universitäten aus aller Welt belegte die Hebräische Universität Jerusalem den 12. und die Universität Tel Aviv den 21. Rang. Das Weizmann-Institut wurde als «weltweit beste naturwissenschaftliche Forschungseinrichtung» bezeichnet. In Israel verfügen 24 Prozent aller Arbeitnehmer über einen Universitätsabnen zu vergleichen. In Israel wurde der Messias Jesus Christus geboren, der der ganzen Welt die Erlösung gebracht hat. Nur Israel ist Gottes besonderes Volk vor allen andern Völkern auf Erden (vgl. 5.Mo 7,6). Alle biblischen Propheten und Apostel kamen aus Israel. Auch die Urgemeinde Jesu setzte sich ausschliesslich aus Juden zusammen. Nur das jüdische Volk überlebte eine zweitausendjährige Zerstreuung unter den Nationen. Alle andern Völker haben sich assimiliert und sich so innerhalb der Völkerwelt aufgelöst. Israel ist das Wunder Gottes vor den Augen der Welt und gleichzeitig DER Beweis für die Wahrheit der Bibel! CM 

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AUFSCHWUNG

In Israel leben 7 200 Millionäre
In Israel machte die Meldung über die Zahl der im Land lebenden Millionäre und Milliardäre Schlagzeilen. Dies weist auf einen wirtschaftlichen Aufschwung hin, verdeutlicht aber auch, dass die Kluft zwischen Arm und Reich wächst.
Im Laufe des letzten Jahres wurden die 500 reichsten Personen des Staates Israel um weitere 25 Prozent wohlhabender. Ihr Vermögen stieg von 65 auf 81 Milliarden US-Dollar an. Um dies in eine Relation zu setzen: Das Budget des Staates Israel beläuft sich im Jahr 2007 auf 70 Milliarden US-Dollar. Doch dies sind nicht die einzigen Daten, die das Wirtschaftsblatt «The Marker», das die angesehene israelische Tageszeitung «Ha´aretz» vor rund fünf Jahren gründete, im Monat Juni 2007 der Öffentlichkeit präsentierte. Bisher galt Stef Wertheimer, der im letzten Jahr mit einem Rekordverkauf seiner «Iscar»-Geschäftsanteile an Warren Buffet Schlagzeilen machte, als der reichste Mann Israels. Nunmehr führt diese illustre Liste Lev Leviev an, der der Hauptaktionär der Firma «Africa Israel» ist und vom Magazin «Forbes» in der Liste der Reichen der Welt auf Platz 278 eingestuft wurde. Die Firma «Africa Israel» tätigte unter Levievs Leitung umfassende Investitionen im Ausland, vor allem in den USA, in Osteuropa sowie in Fernost, und brachte alleine durch ihre Diamantgeschäfte grosse Profite ein. Levievs Vermögen wird auf rund 6,5 Milliarden US-Dollar geschätzt. Wertheimer belegt laut «The Marker» mit zirka sechs Milliarden den zweiten Platz. Auf dem dritten Rang befindet sich eine Frau: Shari Arison bringt es mit ihrem Lebensmittelkonzern und ihrer Kreuzschifffahrtsgesellschaft auf fünf Milliarden US-Dollar. Doch nicht nur Milliardäre waren in aller Munde; denn das Land hat auch verhältnismässig viele Millionäre vorzuweisen, nämlich 7 200 Personen. Im Vergleich zum Jahr 2006 bedeutet dies einen Anstieg um 12,9 Prozent. Die Daten veröffentlichte die Firma «Merrill Lynch» Ende Juni 2007 in ihrem «World Wealth Report». Uri Goldfarb, der Vizepräsident für Privatbankwirtschaft der israelischen Niederlassung dieser Firma, führt die Zunahme sowohl der Millionäre als auch der Multi-Millionäre (Personen, die über mehr als 30 Millionen US-Dollar verfügen) auf Investitionen in wirtschaftsschwachen Ländern, auf den Ankauf von Immobilien im In- und Ausland und den Anstieg des Handelsvolumens der Tel Aviver Aktienbörse zurück. «The Marker» nahm dies zum Anlass, um eine Umfrage zu starten. Man wollte herausfinden, wie gut die israelische Öffentlichkeit über die Reichen des Landes Bescheid weiss. Zudem wurde gefragt, welche Persönlichkeiten am populärsten sind. 94 Prozent aller Befragten war der Mogul Arcadi Gaydamak ein Begriff. Rund 45 Prozent lobten zudem dessen soziales Engagement, auch wenn sie sich bewusst waren, dass die Geschäfte dieses Mannes mit einem Makel behaftet sind: Er wird unter anderem mit fragwürdigen Waffengeschäften in Verbindung gebracht. Über Shari Arison und Lev Leviev wussten immerhin noch 88 Prozent aller Befragten Bescheid. Das soziale Engagement dieser beiden Personen wurde hingegen nur von acht bzw. 18 Prozent der Umfrageteilnehmer gelobt. AN  Homepage des reichsten Mannes Israels: www.leviev.com «MICROSOFT» INVESTIERT MILLIONEN IN ISRAEL

Amerikanisch-israelische Kooperation
Der US-Computerkonzern von Bill Gates unterhält neben seinen Forschungslaboren in den USA lediglich in Israel mehrere derartige Einrichtungen. Im Sommer 2007 wurden die neuesten Israel-Pläne von «Microsoft» bekannt.
Der Computerriese «MicroMicrosoft will in der Küstenstadt Herzlija ein weiteres Forschungszentrum einrichten

soft» beabsichtigt, mehrere Millionen US-Dollar in Israel zu investieren. Der Konzern gab im Frühsommer dieses Jahres bekannt, seine Aktivitäten in Israel, die ihren Schwerpunkt in der Forschung und Entwicklung haben, massiv ausbau-

en zu wollen. Dieser Plan sieht auch vor, in der Küstenstadt Herzlija ein weiteres Forschungszentrum einzurichten. Laut Auskunft der israelischen Forschungsleitung von «Microsoft» stellte der Konzern mehrere Hundert Millionen US-Dollar für die Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten in Israel zur Verfügung. Das Geld soll im Verlauf der kommenden fünf Jahre im Land in-

vestiert werden. Den Angaben zufolge hat «Microsoft» seine Einrichtungen in Israel als «strategische Entwicklungszentren» bezeichnet. Dadurch kommt den israelischen Niederlassungen ein einzigartiger Status zu. Denn abgesehen von den Forschungsabteilungen in den USA und in Israel wurden lediglich zwei weitere Forschungszentren in China und Indien als Einrichtung von «stra-

tegischer Bedeutung für die weltweiten Aktivitäten» von «Microsoft» bezeichnet. Ingesamt unterhält «Microsoft» 22 Forschungs- und Entwicklungszentren in aller Welt, die sich mit unterschiedlichen Schwerpunkten befassen. In Israel beschäftigt «Microsoft» rund 4 000 Angestellte. Für das neue Forschungszentrum in Herzlija sollen weitere 150 Mitarbeiter verpflichtet werden. ZL 

ISRAEL AN DER PARISER LUFTFAHRTSCHAU

Israelische Erfolge
Auf dem Flughafen Le Bourget bei Paris findet jedes Jahr eine Luftfahrtschau statt, die auch unter der Bezeichnung «Pariser Aérosalon» bekannt ist. Es ist die international am meisten beachtete Messe dieses Bereichs. Israel überraschte erneut die Besucher.
Der israelische Ausstellungspavillon ist immer eine Attraktion. Dorthin pilgern Sicherheitsexperten, Generalstabschefs, Militärs jeder Rangordnung, Wissenschaftler und auch Spione. Die I n n ov a t i o n e n der israelischen Firmen werden immer sehr genau unter die Lupe genommen. Und auch dieses Mal enttäuschte Israel nicht, denn viele der Besucher waren überrascht und fasziniert. Zu den Überraschungen gehörte auch ein Roboter der Firma «Elbit
Die Pariser Luftfahrtschau

nehmen und ihnen letztlich das Leben retten. Eine weitere Besonderheit dieses Roboters ist seine geringe Grösse, denn er kann von einem Soldaten bequem auf dem Rücken transportiert und damit

auf kleinsten Bildschirmen in Echtzeit begutachtet werden können. Auch die neuesten Drohnen – die unbemannten Aufklärungsflugzeuge – erregten viel Aufsehen. Nicht umsonst

Systems Ltd.», der die Treppen herunterstieg, die Umstehenden fotografierte und ihnen anschliessend die Bilder überreichte. Ein Prototyp dieses Roboters wird bereits von der israelischen Armee getestet. Er sieht wie ein Spielzeug aus, ist jedoch für den Kampfeinsatz im Schlachtfeld gedacht: Er soll gefährliche Missionen übernehmen. Dadurch könnte er Soldaten etliche Aufgaben ab-

praktisch sofort in jeder Region eingesetzt werden, in der die Soldaten unter Beschuss geraten. Selbstverständlich ist der Roboter ferngesteuert. Während seines Einsatzes sendet er Bilder von der Situation vor Ort, die von den Soldaten

gilt Israel auf diesem Gebiet als absolut tonangebend, vor allem was Innovationen und Verbesserungen angeht. Die israelische Luftfahrtindustrie (IAI) stellte in Paris ein unbemanntes Flugzeug des Typs «Eitan» vor. Es handelt

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AUS ISRAEL
Vertrag mit dem amerikanischen Konzern «Raytheon», um gemeinsam weitere Schutzmechanismen für die Bodenkontrolle von Flughäfen zu entwickeln. Der Protoyp eines solchen Mechanismus soll schon demnächst an einem US-Flughafen praktisch erprobt werden. Die Messeleitung gab die Auskunft, dass mehr als 20 000 Besucher den israelischen Pavillon aufgesucht hätten. Die vor Ort von israelischen Firmen abgeschlossenen Verträge belaufen sich auf 800 Millionen US-Dollar. Man kann allerdings davon ausgehen, dass nachfolgend noch weitere Verträge abgeschlossen werden. ZL  Website der Luftfahrtschau: www.paris-airshow.com/en

sich dabei um eine relativ grosse Drohne mit einem Gewicht von 4 650 Kilogramm. Sie kann anderthalb Tage ununterbrochen in der Luft bleiben und eine Ladung von 1 000 Kilogramm transportieren. Dieses Flugzeug ist dafür vorgesehen, Raketenabschussrampen anzugreifen. Die IAI möchte es noch weiterentwickeln, sodass es zukünftig selbst Raketen ausser Gefecht setzen kann. Laut des Vorsitzenden der IAI, Yair Shamir, handelt es sich um «ein strategisches Instrument, das einen grossen Einsatzradius hat und eine lange Flugzeit absolvieren kann. Das waren im Bereich der Drohnen bisher undenkbare Eigenschaften.» Die Firma «Elbit Systems» stellte ebenfalls ein grosses unbemanntes Flugzeug vor. Die Drohne «Hermes 900» kann

einen zweitägigen Flug ohne Unterbrechung absolvieren und eine Ladung von 300 Kilogramm transportieren. Eine weitere Attraktion am israelischen Stand waren die neuartigen Schutz- und Sicherheitssysteme für Flughäfen und Flugzeuge. In diesem Bereich unterzeichnete die Firma «Elbit Systems» erst kürzlich einen Vertrag mit der Firma «Electronic Roma» (ELT). Der Inhalt dieses Vertrages wird geheim gehalten. Auch die Details zu Mechanismen zum Schutz von Passagierflugzeugen gegen Angriffe mit Mörsern und Raketen werden der Öffentlichkeit nicht preisgegeben. Die israelische Behörde für die Entwicklung von Kriegsmitteln («Rafael»), die ebenfalls unter den israelischen Ausstellern war, unterzeichnete einen

ISRAEL FÄHRT DURCH VERKÄUFE VON WAFFENSYSTEMEN MILLIARDEN EIN

Militärische Rekordsummen
Die Ausgaben für das Verteidigungsministerium sind nach wie vor der grösste Einzelposten des israelischen Staatshaushaltes. Doch gerade die Militärindustrie und private Firmen dieses Bereichs fahren wieder enorme Summen ein.
Die israelische Behörde für die Entwicklung von Kriegsmitteln, kurz «Rafael» genannt, schloss mit Indien einen lukrativen Liefervertrag über diverse Verteidigungssysteme ab. In den israelischen Medien wurde der Kaufwert mit einer Summe von vier Milliarden US-Dollar beziffert. Im ersten Schritt sollen Luftabwehrsysteme des Typs «Spyder» im Wert von 250 Millionen US-Dollar geliefert werden. Dabei handelt es sich um ein umfunktioniertes Boden-Luft-Abwehrsystem, das einen besseren Schutz insbesondere vor Kampfflugzeug- und Hubschrauberangriffen gewährt. Im Rahmen der internationalen Luftfahrtschau in Paris wurde zudem bekannt, dass die israelische Luftfahrtindustrie (IAI) zukünftig mit dem französischen Flugzeugproduzenten «Dassault» kooperieren will. Ziel ist die Herstellung von Privatjets unterschiedlicher Grösse, von der sich die IAI jedoch auch einen Ausbau gewisser Elemente verspricht, die im Hinblick auf Sicherheit und Schutz eine Rolle spielen. Ebenfalls einen Erfolg konnte die israelische Firma «Elbit Systems Ltd.» verbuchen, denn deren englische Tochterfirma gewann eine Ausschreibung der britischen Armee. Die Firma, die auf elektronische Verteidigungs- und Sicherheitssysteme spezialisiert ist, soll für 110 Millionen US-Dollar ein System namens «Istar» (Intelligence, Surveillance, Target Acquisition and Reconnaissance; dt.: Information, Überwachung, Zielerfassung und Aufklärung) an die britischen Streitkräfte liefern. Der Vertrag, der mit sofortiger Lieferung angelaufen ist, sieht die Bereitstellung mehrerer technischer Innovationen der Firma vor, darunter auch unbemannte Aufklärungsflugzeuge, sogenannte Drohnen. Zudem soll laut Vertrag britisches Personal zur Bedienung der in Israel entwickelten Verteidigungssysteme ausgebildet werden. Erfolgreich war auch die israelische Firma «Plasan Sasa», denn sie konnte sich bei einer US-Ausschreibung gegen neun andere Firmen durchsetzen. «Plasan Sasa» ist eine auf die Herstellung von Schutzschilden spezialisierte Firma mit rund 430 Mitarbeitern, die der Kibbuz Sasa unterhält. Sie erhielt den Zuschlag der US-Marine zur Lieferung von Fahrzeugen, die mit besonderen Explosionsschutzschilden ausgerüstet sind. Die Bestellungen der US-Streitkräfte bei dieser Kibbuz-Firma belaufen sich auf rund 200 Millionen US-Dollar. Es handelt sich laut der Angaben des Geschäftsführers Dani Ziv um insgesamt 1 200 Fahrzeuge. Die Firma «Plasan Sasa» erzielte im Jahr 2006 eine Gesamtverkaufssumme von 180 Millionen US-Dollar, von denen 97 Prozent durch Exporte erwirtschaftet wurden. Gegenwärtig ist die Firma der drittprofitabelste Kibbuz-Betrieb des Landes. AN  Website von «Plasan Sasa»: www.plasansasa.com

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GEMEINSAMES FLIEGEN – GEMEINSAMES LERNEN

Militärkooperation
Wie erst im Juni 2007 aufgrund von Manövern bekannt wurde, haben die israelischen Luftstreitkräfte mit der US-Luftwaffe ein Abkommen betreffend wiederholte gemeinsame Übungen zum Zweck des gemeinschaftlichen Lernens geschlossen.
Mitte Juni 2007 rasten sie Seite an Seite durch die Lüfte, die Piloten der israelischen und der amerikanischen Luftwaffe. Sie flogen gemeinsam Manöver und hielten anschliessend ausführliche Lagebesprechungen. Die Flugübungen erregten in der Region grosse Aufmerksamkeit. Insbesondere die arabischen Medien berichteten ausführlich darüber und ergingen sich in Spekulationen, die sich ausschliesslich um einen möglichen Angriff auf den Iran drehten. Diesbezüglich wurde vor allem die Geschichte um den israelischen Luftangriff auf den irakischen Atommeiler im Jahre 1981 aufgerollt und der Frage nachgegangen, ob Israel wieder einen Alleinangriff versuchen werde oder aber die Manöver mit der US-Luftwaffe auf eine militärische Kooperation hindeuteten. ISRAELISCHE LANGSTRECKENRAKETEN Nach dem Manöver sagte der Pressesprecher der israelischen Armee, dass die Übung «Teil eines Mehrjahresplanes» sei, um «durch gemeinsame Flugstunden ein gemeinschaftliches Lernen zu fördern». Darüber hinaus betonte er: «Dieses kooperative Manöver steht in keinerlei Zusammenhang mit der gegenwärtigen Situation im Nahen Osten.» Alon Ben-David, der als israelischer Militärberichterstatter unter anderem für das angesehene Magazin «Jane’s Defence Weekly» schreibt, kommentierte dazu, dass die Manöver den Wunsch Israels verdeutlichten, die militärische Kooperation mit freundlich gesinnten Staaten auszubauen. «Israel hat gelernt, dass der Weg nach vorne nur durch eine Koalition bewältigt werden kann. Alleingänge sind dem nicht förderlich», sagte er abschliessend. AN  NEUARTIGE KAMERADIAGNOSTIK

Israel holt auf
Der jüdische Staat hat sein Raketenarsenal aufgestockt. Dabei handelt es sich um Mittelstreckenraketen, deren Reichweite israelische Wissenschaftler in den letzten Jahren verdreifachen konnten.
Schon seit langer Zeit verfügt Israel über die «Jericho»-Rakete. Zunächst war es eine Kurzstreckenrakete, die Israel im eigenen Land und durch die Mithilfe der Vereinigten Staaten und Frankreichs entwickelte. Die israelische Armee verfügt seit 1973 über den Raketentyp «Jericho-1». Seit Anfang der 1990er-Jahre lagern in den israelischen Waffenarsenalen Raketen des Typs «Jericho-2», die als Mittelstreckenraketen gelten und eine Reichweite von 1 500 Kilometern haben. Im Vergleich dazu beläuft sich der Aktionsradius der «Jericho-1» auf 500 Kilometer. Seit Anfang dieses Jahrzehnts wurde an der Rakete «Jericho-3» gearbeitet. Diese Entwicklungstätigkeiten haben für Israel einen entscheidenden Erfolg gebracht, denn inzwischen kommt die «Jericho-3» auf eine Reichweite von 3 500 bis 4 800 Kilometern, gilt also als Langstreckenrakete. Dieser Raketentyp gehört bereits zum Waffenbestand der israelischen Armee und gilt als einsatzbereit. Kürzlich sickerten Neuigkeiten aufgrund der Herausgabe des «Wisconsin-Berichtes» durch. Bei diesem Bericht handelt es sich um einen Kontrollbericht über atomare Waffen und deren Abschussmöglichkeiten. Im Bericht heisst es, dass auch die «Jericho-3»-Rakete mit atomaren Sprengköpfen bestückt werden kann. Es wird zudem ausdrücklich festgehalten, dass dank dieser Rakete der Iran in Israels Reichweite kommt. Ausserdem vermuten die Experten, dass Israel mit der «Jericho-3» sogar noch gewisse Regionen Pakistans erreichen kann. Schon in der Vergangenheit berichtete die ausländische Presse darüber, dass die israelische Armee in Zusammenarbeit mit der israelischen Luftfahrtindustrie den Raketentyp «Jericho-3» erfolgreich getestet haben soll. Die Tests sollen vom Fliegerhorst Palmachim an der Mittelmeerküste aus vorgenommen worden sein. Inzwischen liegen überdies Meldungen vor, wonach die israelischen Wissenschaftler die Treffsicherheit dieser Rakete verbessert haben sollen. ZL 

«Pillcam»
Bei Medizinern ist die Kameradiagnostik dank der israelischen Innovation «Pillcam» als Kamera-Endoskopie bekannt. Die «Pillcam», die vor allem den Patienten das Leben erleichtert und in Europa bereits teilweise eingesetzt wird, wurde jetzt von den US-Behörden zugelassen, sodass der weltweite Markt offensteht.
Viele kennen es: Ein in die Speiseröhre eingeführtes Endoskop ist unangenehm und bedeutet eine grosse Belastung. Die

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Nachrichten aus Israel • 8/2007

AUS ISRAEL
denn er muss sich keiner Anästhesie mehr unterziehen; er darf lediglich zwei Stunden vorher nichts mehr essen. Darüber hinaus erspart ihm die neuartige Prozedur die Einführung eines sperrigen Fremdkörpers. Abgesehen von diesen Vorteilen erleichtert die «Pillcam» dem Mediziner die Diagnose. Eine verbesserte Version der «Pillcam» wurde nun auch von den US-Gesundheitsbehörden freigegeben, sodass einem Vertrieb auf dem Weltmarkt nichts mehr im Wege steht. In der Folge stieg der Wert der in Israel gehandelten Aktien von «Given Imaging Ltd.» um fast vier Prozent. Da Patienten dieses Diagnoseverfahren einer herkömmlichen Endoskopie vorziehen, wird sich dieses Produkt nach Ansicht der Firmenleitung rasch weltweit durchsetzen. Derzeit arbeitet man an einer Möglichkeit, die «Pillcam» auch als Diagnosegerät für Magen- und Darmspiegelungen einzusetzen. AN  Mehr Informationen zu dieser Innovation: www.givenimaging.com

israelische Firma «Given Imaging Ltd.» wollte unbedingt Abhilfe schaffen, sodass ein Forscherteam schon vor einigen Jahren ein neuartiges Diagnoseverfahren entwickelte. Bei der «Pillcam» handelt es sich im Grunde genommen um eine winzige Videokamera. Das Gerät ist ungefähr so gross wie eine Vitamintablette. Es verfügt an beiden Enden über eine Linse, die Videoaufnahmen macht. Ein Patient muss diese winzige Kapsel im Liegen schlucken. Über einen Zeitraum von fünf Minuten darf der Patient nachfolgend graduell aufstehen, wobei bestimmte Neigungswinkel unbedingt eingehalten werden müssen. Die «Pillcam» gleitet auf diese Weise langsam durch die Speiseröhre, gelangt

in den Magen und anschliessend ins Verdauungssystem, von wo aus sie durch die natürlichen Bewegungen in Richtung After transportiert wird. Die Kamera macht pro Sekunde 14 Aufnahmen, die sie an ein Gerät sendet, das von «Given Imaging Ltd.» «DataRecorder» genannt und patentiert wurde. Durch das langsame Aufstehen wird die Kamera in der gewünschten Geschwindigkeit in die zu untersuchende Region befördert. Nach dem Aufstehen des Patienten erhält der behandelnde Arzt für einen Zeitraum von ungefähr 15 Minuten die für ihn relevanten Aufzeichnungen der Speiseröhre und des Mageneingangs. Die gesamte Prozedur dauert somit lediglich 20 Minuten. Die Kamera wird auf dem natürlichen Weg ausgeschieden. Das geschieht in der Regel 24 Stunden später. Dieses innovative Diagnoseverfahren, das eine unproblematische Erkennung von verschiedenen Erkrankungen der Speiseröhre und des Mageneingangs ermöglicht, bedeutet für den Patienten wesentlich weniger Stress,

ISRAELISCHE INGENIEURTECHNISCHE REVOLUTION

Mobiler Luftschutzraum
Vor einiger Zeit jährte sich der Ausbruch des zweiten Libanonkrieges. Die physischen Schäden sind beseitigt. Dennoch fragen sich in Israel weiterhin viele, wie man den Schutz der Zivilbevölkerung verbessern könne.
Im zweiten Libanonkrieg war Josh Adler unter den Freiwilligen, die im Norden Hilfsgüter verteilten. Damals erlebte er hautnah mit, dass es nicht genügend Luftschutzräume gibt. «Doch es gab noch ein anderes Problem: Aufgrund der geringen Zeitspanne zwischen dem Alarm und dem Raketeneinschlag erlebte ich immer wieder, dass den Menschen nicht genügend Zeit blieb, um einen öffentlichen Luftschutzbunker aufzusuchen. Wenn sie auf der Strasse waren, Autos parkten oder sich mit ihren Kindern auf dem Spielplatz aufhielten, um endlich einmal Luft zu schnappen, konnten sie nirgendwo mehr Schutz suchen. Das brachte mich auf die Idee, einen mobilen Luftschutzraum zu entwickeln, den man überall aufstellen und dessen Standort an die gegebenen Notwendigkeiten angepasst werden kann», sagte Adler, der 1976 nach Israel zog. Den mobilen Luftschutzraum entwickelte er zusammen mit seinem Partner, Shep Alster, der ein Neueinwanderer aus den USA ist. Sie arbeiteten dafür eng mit der Kommandozentrale zum Schutz der Zivilbevölkerung zusammen, die der israelischen Armee untersteht. Das Ergebnis ihrer Arbeit ist der «LifeShield» (Lebensschild), ein kleiner, transportabler Raum. Er wiegt rund 42 Tonnen, da er mit massiven Stahlplatten verstärkt ist. Als sie ihre grundlegende Idee verfeinert hatten, bekamen sie Hilfe von Ingenieur Haim Finkelstein, der für die Kommandozentrale arbeitet. Den Konstruktionsplan setzte letztlich eine Firma namens «Orpaz Engineering» aus Beit Shean um. Eine weitere wichtige Schutzeigenschaft dieses mobilen Luftschutzraums beruht auf dem Stoff Flexdek, der eine galvanisierte Schutzschicht von rund 1,2 Millimeter Stärke bildet. Da dieser Stoff in den Beton eingearbeitet ist, verleiht er dem Schutzraum eine zusätzliche Standhaftigkeit von rund 15 bis 20 Prozent. Der Raum ist drei Meter hoch und bietet eine Innenfläche von rund 13 Quadratmetern. Darin finden bequem acht bis zehn Personen Platz. Für einen kurzzeitigen Schutz als Unterschlupf können jedoch wesentlich mehr Personen Zuflucht finden. Ein solcher mobiler Schutzraum verhindert das Eindringen von Kugeln, Schrapnell-Splittern und Fragmenten von Raketen. Tests haben gezeigt, dass er auch einen direkten Treffer einer Rakete aushält. «Als wir diesen Luftschutzraum entwickelten, hatten wir auch die Situation in Sderot vor Augen, denn dort haben die Menschen noch viel weniger Vorwarnzeit als im Norden. Doch schon bald wurde uns klar, dass die Stadtverwaltung nicht genügend Finanzmittel hat, um an Bushaltestellen und in der Nähe von Geschäften und Spielplätzen solche mobilen Luftschutzräume aufstellen zu lassen. Daher haben wir eine Spendenaktion gestartet. Auf diese Weise konnten bereits einige unserer mobilen Luftschutzräume in Sderot aufgestellt werden», berichtete Adler. Yossi Ben-Baruch, Projektmanager bei «Orpaz Engineering», erzählte, dass inzwischen schon Anfragen aus dem Ausland kämen. «Vor allem die Vereinten Nationen haben sich bereits dafür interessiert und die eingehenden Anfragen deuten darauf hin, dass unsere Innovation für die gesamte Welt von Interesse ist.» AN 

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FAMILIE FÜR FAMILIE MITEINANDER VERKNÜPFEN

Familienforschung im Internet
Es ist ein ambitiöser israelischer Plan: Ein Internetportal bietet die Möglichkeit, einen persönlichen Familienstammbaum zu erstellen. Zunächst möchten die Betreiber die jüdische Gemeinschaft und dann die ganze Welt miteinander vernetzen, Familie für Familie.
«Wir haben tatsächlich die Vision, diesem Ziel, denn im letzten Jahr lancieralle Menschen der Welt durch Stamm- te man mit Hilfe des israelischen Erziebäume miteinander zu vernetzen», sagte hungsministeriums ein Projekt in einigen Danny Rolls, der Vordenker und Grün- Schulen des Landes. «Das Projekt lief mit der des Internetportals «Famillion». mehreren Hundert Schülern der siebten Der 34-Jährige ist der Ansicht, dass bis Klasse an. Doch schon innerhalb eines Ende des Jahres die Stammbäume aller Monats verfügten wir über 15 000 neue jüdischen Familien vorliegen können. Stammbäume», erinnerte sich Rolls. Weltweit zählt die jüdische Bevölkerung an die 13 Millionen Personen. «In zwei weiteren Jahren wollen wir die westliche Welt erfasst haben», erläuterte Rolls das nächste Ziel, das er und seine Mitarbeiter sich gesteckt haben. Es klingt nach einem ambitiösen, wenn nicht sogar unerreichbaren Ziel, doch tatsächlich bietet dieses Internetportal mehr als nur die Möglichkeit, einen Familienstammbaum zu erstellen. Die von den Internetsurfern zusammengestellten persönlichen Stammbäume werden nämlich durch ein besonderes Computerprogramm verarbeitet. Sie werden automatisch vernetzt, indem nach Verbindungen sowohl zwischen Individuen als auch ganzen Im Internet werden ganze Familien vernetzt Familien gesucht wird. Daher entsteht eine automatische Verknüpfung. Je mehr Menschen sich in das Portal eintragen, das heisst je umfangreicher die Datenbank wird, desto grösser sind die Chancen, sogar entfernte verwandtschaftliche Beziehungen aufzudecken, von denen man gar nichts wusste. Der Entwickler des ComputerproWichtig sind dabei auch noch weitere gramms berichtete zudem, dass es für Eigenschaften dieses Computerpro- Juden von besonderer Bedeutung sei, gramms: Beispielsweise muss man nicht die Familiengeschichte zu erhellen. «Wir einmal die Namen unbedingt richtig leben in aller Welt verstreut. Es ist wie ein schreiben und kann auch Kosenamen Puzzle, das wir nun endlich zusammenangeben. Die Algorithmen wissen, dass setzen wollen. Doch es geht nicht nur daBob und Robert eigentlich identisch rum, gegenwärtige Verwandtschaften zu sind, und überprüfen auch unterschiedli- entdecken und die Entwicklung unserer che Schreibweisen von Familiennamen, Familiengeschichte historisch zu bedie sich im Laufe der Zeit manchmal trachten. Eines Tages könnte man dank ergeben haben (zum Beispiel durch Aus- dieses Internetportals auch auf die Spur wanderung). von genetischen Krankheiten kommen, Rolls erklärte den israelischen Medien von denen man nichts wusste und deren im Juli 2007, dass er lediglich 200 000 Ursprung man nicht kannte, weil man Stammbäume brauche, um eine komplette schlichtweg lückenhafte Kenntnisse über Kartierung der jüdischen Welt anzulegen. seine Vorfahren hat.» Rolls hat von der Und tatsächlich steht «Famillion» kurz vor Idee bis zur Umsetzung rund sechs Jahre Arbeit investiert. «Am schwierigsten war es, mit der unterschiedlichen Schreibweise von Namen umzugehen. Der Durchbruch kam, als ich die Stammbäume nicht mehr aufgrund der Namen, sondern als bioinformatische Systeme betrachtete. Dann war es nicht mehr wichtig, ob sich der Familienname Weiss, Weiß, Weiz

oder Weisz schrieb. Der Algorithmus, den ich entwickelt habe, übernimmt, um es einfach zu formulieren, die Arbeit des Sortierens.» Inzwischen hat sich schon die medizinische Schule der US-Universität Harvard für das Portal interessiert und angeboten, im Rahmen eines Pilotprojektes die grundlegenden Gesundheitsangaben von 4 000 Personen und deren Familiengeschichte bereitzustellen. Das ist ein Durchbruch, von dem Rolls und die lange Liste seiner Investoren schon seit einiger Zeit träumen. AN  Unter der folgenden Internetadresse können auch Sie Ihren Familienstammbaum zusammenstellen: www.famillion.com

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Nachrichten aus Israel • 8/2007

AUS ISRAEL

AGROTOURISMUS TEIL 1: DIE NEGEV-WÜSTE

Der neuste Hit in Israel
Obwohl Israel für seine herausragende Landwirtschaft bekannt ist, haben immer weniger Israelis einen Bezug dazu, weil sie in urbanen Zentren leben. Daher machen sich gerade Familien mit Kindern immer häufiger zu «agrotouristischen Ausflügen» auf.
Für die einheimischen Touristen haben die entsprechenden Ministerien bereits einen «Agrotourismusführer» herausgegeben, der über Führungen durch Weinanbaugebiete in der Wüste, Melkstunden für Kinder in Viehzuchtbetrieben und Blumenund Obstplantagen informiert, auf denen die Besucher ihre Produkte selbst ernten können. Doch nicht nur für Israelis ist das ein interessantes Thema, denn auch immer mehr ausländische Touristengruppen informieren sich über diese teilweise einzigartigen Projekte. Israel verfügt über 21 000 Quadratkilometer Landfläche, von denen 66 Prozent als aride oder semi-aride Gebiete eingestuft sind, das heisst Regionen, in denen Wüstenklima herrscht. Wenn man in Israel durch die Wüste tourt, kann man jedoch nicht nur weite Landstriche ohne Vegetation und Bebauung bewundern, sondern man stösst immer wieder auch auf Felder mit Getreide, Obst und Gemüse sowie auf Weinanbau. Einige Besucher sind auch über Schilder erstaunt, die auf Fischzuchtfarmen inmitten der Wüste hinweisen. Zudem entdeckt man auf Gemüse- und Obstplantagen Schilder mit der Aufschrift: «Vorsicht! Kein Trinkwasser!» Dennoch werden die Pflanzen gerade mit diesem Wasser versorgt, denn Israel ist weltweit führend, was die Bewässerung von Nutzpflanzen mit relativ salzhaltigem Wasser angeht. Im Hinblick auf die Landwirtschaft kann die Negev-Wüste in vier Regionen unterteilt werden. In der Küstenregion herrscht ein mildes Klima. Hier stösst man in gewissen Gegenden noch auf Grundwasser, das allerdings schon einen relativ hohen Salzgehalt hat. Trotzdem werden hier fast alle Obst- und Gemüsesorten angebaut. In den Höhen um den Kibbuz Sde Boker wird trotz der geringen Wasservorkommen Wein angebaut. In der Region um die
Mitten in der Negev-Wüste sieht man immer wieder bewirtschaftetes Land

Stadt Beersheba, die in Israel auch als «Wüstenhauptstadt» bekannt ist,

Station» besuchen und sich näher über die Fischzucht inmitten einer ariden Region informieren. Hier erfährt man mehr über Fischzucht im Allgemeinen sowie die Besonderheiten einer Fischzucht in der Wüste hinsichtlich Wasserqualität, Wasseraufbereitung und Züchtung von neuen Fischsorten. Der Kibbuz Sde Boker, wo sich das Grab des Staatsgründers David Ben Gurion befindet, baut bereits seit den 1990er-Jahren Wein an. Hier wird seither erfolgreich mit Weinanbau in der Wüstenregion experimentiert. Nach Voranmeldung erfährt man nicht nur mehr über die Grundsätze des Anbaus von Reben und

wird vor allem Getreide angebaut. In der Arava – der Wüstenebene zwischen dem Toten und dem Roten Meer – werden insbesondere verschiedene Gemüseund Obstsorten, Gewürze und Blumen angebaut, von denen bis zu 60 Prozent für den Export bestimmt sind. Deshalb unterliegt dieser Anbau sehr hohen Qualitätsanforderungen. Für einen Anbau von Obst und Gemüse in dieser unwirtlichen Region sind mehrere israelische Innovationen von Bedeutung: fortschrittliche Bewässerungsverfahren, modernste Pflanzenforschung, biologische Schädlingsbekämpfung, effektive Nutzungsverfahren eingeschränkter Ressourcen und vieles mehr. Agrotouristen können in der NegevWüste beispielsweise die «Yari Research

deren Verarbeitung zu Wein, sondern auch über die Besonderheiten eines Anbaus in der Wüste. Der Kibbuz Ketura liegt abgeschieden inmitten der Einöde. Trotz der stechenden Hitze beinahe zu jeder Jahreszeit findet der Agrotourist hier eine der grössten und schönsten Orchideenzuchten des Landes. Der Kibbuz hat sich weltweit einen Namen damit gemacht, diese empfindliche Pflanze trotz der klimatischen Bedingungen und des salinen Wassers anzubauen. Zudem wird in dem Kibbuz über die Forschung im Bereich des Obst- und Gemüseanbaus in der Wüste informiert. AN  Weinanbau in der Wüste: www.sde-boker.org.il/winery/index.html

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