EDITORIAL

Liebe Israelfreunde
Der Einmarsch russischer Truppen in Georgien hat die Menschen im Westen aufhorchen lassen. Man hat wieder einmal erkennen müssen, dass die Öffnung Russlands zum Westen hin nur eingeschränkt stattfindet. In diesem Zusammenhang erschien in der israelischen Presse ein Artikel, in dem die Autorin die Beziehung Israels zu Russland mit dem Verhältnis Israels zur Türkei vergleicht. Ähnlich wie Russland gebe sich die Türkei zwar nach aussen hin offen und prowestlich, doch ihre offene Freundschaft zum Iran, dem grössten Feind Israels, fordere dazu heraus, die israelisch-türkischen Beziehungen zu überdenken. Als erstes NATO-Mitglied habe die Türkei schliesslich den iranischen Präsidenten Ahmadinedschad zu einem Staatsbesuch eingeladen. Auf ähnliche Weise sei dieses Land mit dem syrischen Präsidenten Assad verfahren, um Syrien aus der internationalen Isolation herauszuhelfen. Ausserdem gehöre die türkische Regierung seit einigen Monaten zu den wichtigsten Anhängern des iranischen Atomprogramms. Während des Libanonkriegs 2006 stellte sich die Türkei sogar offen hinter die Hisbollah und erlaubte dem Iran, über ihr Land an diese Terrorgruppe Waffen zu liefern. Trotz der unaufhaltsamen Wandlung von einem prowestlichen Land zu einem antiwestlichen islamischen Staat distanzieren sich die USA und Israel nicht von der Türkei, sondern ermutigen sie sogar, zwischen Syrien und Israel sowie zwischen den USA und dem Iran zu vermitteln. Aber damit schwächen Israel und Amerika letzten Endes nur ihre eigene Position. Ausserdem meint die Verfasserin des Artikels, sei es Selbstbetrug, wenn die USA und Israel glaubten, die Türkei sei ihr strategischer Verbündeter. Vielmehr sei es angebracht, die türkische Vermittlerrolle sofort zu beenden und dem Land mit dem Ausschluss aus der NATO zu drohen, falls es seine Beziehungen zum Iran aufrecht erhalte und weiter ausbaue. Wenn Amerika befürchte, dass durch solche Massnahmen die antiamerikanischen Gefühle in der Türkei weiter angeheizt würden, dann sollte man die Ergebnisse einer neuen, internationalen Umfrage zurate ziehen. Demnach sei die türkische Gesellschaft im weltweiten Vergleich am stärksten vom Antiamerikanismus geprägt. Es ist bemerkenswert, dass es in dem Artikel um Länder geht, die in der Bibel im Zusammenhang mit dem Überfall auf Israel durch Gog aus dem Land Magog (vgl. Hes 38) sogar mit Namen genannt werden. Das aktuelle Geschehen lässt uns immer klarer erkennen, wie für die gewaltigen Ereignisse vor dem Wiederkommen des Herrn Jesus Christus zur Aufrichtung Seines Reichs die «Bühne» vorbereitet wird. Andererseits sind gerade die Menschen in westlichen Ländern so intensiv mit ihren eigenen Plänen, den Dingen dieser Welt und ihren Alltagsproblemen beschäftigt, dass sie kaum auf die Zeichen der Zeit achten. In Matthäus 24, den Versen 37 und 38 warnt Jesus vor dieser Entwicklung und vergleicht die Endzeit mit der Zeit Noahs. Schliesslich sagt Er in Vers 39: «Und sie beachteten es nicht, bis die Sintflut kam und raffte sie alle dahin –, so wird es auch sein beim Kommen des Menschensohns.» Die Verfasserin des oben erwähnten Artikels ist empört, dass Israel und die USA im Hinblick auf die Türkei vor den besorgniserregenden Tatsachen die Augen verschliessen. Wir dagegen sollten auf die biblischen Warnungen über die Endzeit achten, damit wir unseren Blick nach oben richten und unsere Häupter erheben, weil unsere Erlösung naht (Lk 21,28). In diesem Achten auf die Zeichen der Zeit mit Ihnen verbunden grüsst Sie mit einem herzlichen Shalom aus Haifa Ihr Fredi Winkler

Trotz der unaufhaltsamen Wandlung von einem prowestlichen Land zu einem antiwestlichen islamischen Staat distanzieren sich die USA und Israel nicht von der Türkei, sondern ermutigen sie sogar, zwischen Syrien und Israel sowie zwischen den USA und dem Iran zu vermitteln

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Nachrichten aus Israel • 10/2008

Nachrichten aus Israel®
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Bruderkrieg im Gazastreifen. Was sich in den letzten Wochen im Gazastreifen zugetragen hat, grenzt ans Absurde: FatahKämpfer bangten um ihr Leben, retteten sich nach Israel und kamen letztlich nach Jericho ins «Exil». Seite 10

Krieg in Georgien – nur EL AL wagte den Anflug. In Israel wird der Spruch der Weisen: «Jeder Jude bürgt für den anderen», hochgehalten. Dass man diese Verantwortung sehr ernst nimmt, zeigte sich erneut, als Georgien zum Kriegsgebiet wurde, in dem auch israelische Reisende festsassen und georgische Juden in Gefahr schwebten. Seite 12

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3 von Fredi Winkler

BIBLISCHE BOTSCHAFT
5 Der Prophet Jesaja und die Wiederherstellung Israels

YESHUA UND ISRAEL
9 Messianische Juden und die Medien in Israel

H I N T E R G R U N D I N F O R M AT I O N E N A U S I S R A E L
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DIE BIBLISCHE BOTSCHAFT

Der Prophet Jesaja und die

Wiederherstellung Israels
In der heutigen Zeit, in der es fast schon zum guten Ton gehört, sich von Israel abzuwenden, ist es hilfreich, sich darauf zu besinnen, was die Bibel diesbezüglich sagt. Insbesondere der Prophet Jesaja hat zu Israel einiges zu sagen.
Samuel Rindlisbacher
Jesaja wurde im Todesjahr des Königs Ussijas, ca. 739 v.Chr., von Gott zum Propheten berufen (Jes 6,1.8). Das Thema seiner Botschaft war die Gerichtsandrohung Gottes über Israel, die Verheissung eines kommenden Erlösers wie auch die zukünftige Wiederherstellung Israels. Zum Zeitpunkt der Berufung Jesajas herrschten in Israel schlimme Verhältnisse: Land und Volk waren in ein Süd- und Nordreich gespalten. Untereinander waren die Israeliten zerstritten und führten sogar Bruderkriege. Hinzu kam ein schrecklicher Götzendienst, bei dem Kinder dem Götzen Moloch geopfert wurden und man während des Baalskults sexuellen Perversionen frönte.

Widdern und des Fettes der Mastkälber überdrüssig, und am Blut der Jungstiere, Lämmer und Böcke habe ich kein Gefallen! … Bringt nicht mehr vergebliches Speisopfer! Räucherwerk ist mir ein Gräuel! … Frevel verbunden mit Festgedränge ertrage ich nicht! Eure Neumonde und Festzeiten hasst meine Seele; sie sind mir zur Last geworden; ich bin es müde, sie zu ertragen. … Und wenn ihr eure Hände ausbreitet, verhülle ich meine Augen vor euch, und wenn ihr auch noch so viel betet, höre ich doch nicht, denn eure Hände sind voll Blut!» (Jes 1,11-15). Gott war ihrer müde, war doch ihr Gottesdienst nur noch Schein, und mit ihrem Herzen waren sie Ihm fremd. 2. Götzendienst. Zum inneren Abfall kam die äussere Umsetzung: Ein erschreckender Götzendienst und eine bewusste und offene Rebellion gegen Gott. «Priester und Prophet sind vom Rauschtrank berauscht, vom Wein benebelt, sie taumeln vom Rauschtrank; sie sehen nicht mehr klar, urteilen unsicher.

Die Gerichtsandrohung. Jesaja übte seinen Dienst 50 bis 70 Jahre lang aus, ohne jemals auf offene Ohren zu stossen. Gott beauftragte Seinen Diener mit einer überaus tragischen Botschaft – mit der des Gerichts (Jes 6,9-13). Obwohl Gott nicht den Tod des Sünders will, sondern, «dass der Gottlose umkehre von seinem Weg und lebe» (Hes 33,11), dürfen wir nicht ausser Acht lassen, dass Gottes Geduld und Barmherzigkeit eines Tages ein Ende hat. Denn Gott hatte – angefangen bei Mose, bis hin zum Propheten Jesaja – Sein Volk immer wieder zurechtgewiesen und ermahnt; 500 Jahre lang! Nun war der Zeitpunkt des Gerichts gekommen. Denn Israel hatte eine zweifache Sünde begangen: 1. Gottesdienst ohne Gott. Ihr geistliches Leben war nur noch ein frommer Ritus, eine Fassade – ein Gottesdienst ohne Gott. «Hört das Wort des HERRN, ihr Fürsten von Sodom! Nimm zu Ohren das Gesetz unseres Gottes, du Volk von Gomorra …» (Jes 1,10). Gott verglich Jerusalem und Juda mit Sodom und Gomorra, weil in ihren Mauern die gleiche Sünde zu finden war. Und dann fragte der Herr: «Was soll mir die Menge eurer Schlachtopfer? … Ich bin der Brandopfer von

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DIE BIBLISCHE BOTSCHAFT
Nachrichten aus Israel • 10/2008

Ja, alle Tische sind besudelt mit Erbrochenem und Kot bis auf den letzten Platz» (Jes 28,7-8). «Denn mein Volk ist ein widerspenstiges Volk. Wie missratene, verlogene Kinder sind sie, die sämtliche Weisungen von mir in den Wind schlagen. Sie verbieten den Propheten zu weissagen. ‹Wir wollen die Wahrheit gar nicht hören›, wehren sie ab. ‹Prophezeit uns lieber, was uns gefällt. Lasst uns in schönen Trugbildern leben, täuscht uns ruhig. Biegt doch die Wahrheit ein wenig zurecht! Nur lasst uns endlich in Ruhe, verschont uns mit diesem heiligen Gott Israels›» (Jes 30,9-11, Hfa). Das Gericht. Darum blieb Gott nichts anderes übrig, als das über lange Zeit angedrohte Gericht auszuführen. Es begann damit, dass man nicht mehr hören konnte: «Stutzt und staunt, lasst euch verblenden und erblindet! Sie sind trunken, aber nicht vom Wein; sie schwanken, aber nicht vom Rauschtrank. Denn der HERR hat über euch einen Geist tiefen Schlafes ausgegossen, und er hat eure Augen, die Propheten, verschlossen und eure Häupter, die Seher, verhüllt» (Jes 29,9-10). Israel wollte nicht hören, sondern so leben, wie es ihm gerade passte. Erinnert uns das nicht an die Situation der Gemeinde Jesu heute? Es kam schliesslich so weit, dass Israel nicht mehr hören konnte. Das war die Verstockung der Herzen. Dann kam der zweite Schritt des göttlichen Gerichts: «Siehe, der HERR wird das Land entvölkern und verwüsten, er wird sein Angesicht entstellen und seine Bewohner zerstreuen. Dann wird der Priester sein wie das Volk, der Herr wie sein Knecht, die Frau wie ihre Magd, der Verkäufer wie der Käufer, der Verleiher wie der, der borgt, der Gläubiger wie der Schuldner. Das Land wird gänzlich entvölkert und ausgeplündert werden; ja, der HERR hat dieses Wort gesprochen! Es trauert und welkt das Land; der Erdkreis verschmachtet und verwelkt; es verschmachten die Hohen des Volkes im Land. Denn das Land liegt entweiht unter ihren Bewohnern; denn sie haben die Gesetze übertreten, die Satzungen abgeändert, den ewigen Bund gebrochen! Darum hat der Fluch das Land verzehrt, und die darin wohnen, müssen es büssen; darum sind die Bewohner des Landes von der Glut verzehrt, und nur wenige Menschen sind übrig geblieben» (Jes 24,1-6). Das von Jesaja angekündigte Gericht glich einem aufziehenden Gewitter, dessen Wolken langsam am Horizont

aufstiegen. Es begann damit, dass die Assyrer ab 733 v.Chr. anfingen, auf ihren Raubzügen Teile der Stämme Ruben, Gad, Naftali und Manasse aus dem Westjordanland zu vertreiben. Und es endete 586 v.Chr., als Nebukadnezar II. Jerusalem eroberte, den Tempel zerstörte, alles in Schutt und Asche legte und die Einwohner nach Babel deportierte. Das Prophetenwort hatte sich erfüllt. Es war die tragische Folge der Sünde und Auflehnung gegen Gott. Der Irrtum. Das angekündigte Gericht ist eingetroffen. Gottes Wort hat sich erfüllt. Damit ist die Botschaft des Buches Jesaja zu Ende. Sie denken nun: «Was soll das? Das kann man doch nicht sagen!» Doch leider tun dies heute viele. Man scheint das Buch Jesaja nur noch bis zum 39. Kapitel zu lesen, dazu vielleicht noch einige Verse aus Kapitel 53 und tut so, als sei damit die Botschaft des Propheten Jesaja abgeschlossen. Alles Weitere wird vergeistigt oder ignoriert, als ob es heute keine Bedeutung mehr hätte. Dies geschieht leider auch vermehrt in evangelikalen Kreisen. Es wird behauptet, Israel sei von Gott verflucht. Gott habe Sein Volk verstossen, enterbt und die Kirche habe dessen Platz eingenommen. Ich zitiere aus einer Auslegung über die Offenbarung: «… Gottes alte Schöpfung – Israel, muss somit aufgelöst werden, wenn das Reich an die Gemeinde, die neue Schöpfung, übergeben wird … in Gottes gerechter Vernichtung Israels wird Er sogar Himmel und Erde erschüttern, um Sein Reich Seiner neuen Nation, der Gemeinde, zu übertragen.»1 Und: «… Jesus wies Seine Jünger an, Verwünschungsgebete zu beten, Gott anzuflehen, Israel zu vernichten, den Feigenbaum verdorren zu lassen, den abtrünnigen Berg ins Meer stürzen zu lassen. Und genau das geschah dann auch. Die verfolgte Gemeinde, bedrängt von den abtrünnigen Das von Jesaja angekündigte Gericht glich Juden, einem aufziehenden Gewitter, dessen Wolken langsam am Horizont aufstiegen begann um Gottes Vergeltung an Israel zu beten, darum, dass der Berg Israel aufgehoben und ins Meer gestürzt werde. Ihre Gebetsopfer wurden am himmlischen Altar angenommen, und als Erwiderung befahl Gott Seinen Engeln, Seine Strafgerichte auf das Land hinabzuwerfen. Israel wurde zerstört!»2 Die ganze Tragik dieser Sichtweise ist umso grösser, weil dieses Buch auch über einen konservativen evangelikalen Verlag zu beziehen ist! So werden zwar die Gerichte über

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Israel bejaht, doch die Segnungen, die Wiederherstellung und Erneuerung lehnt man ab! Die Verheissung. Gott sagt durch den Propheten Jeremia: «Hört das Wort des HERRN, ihr Heidenvölker, und verkündigt es auf den fernen Inseln und sprecht: Der Israel zerstreut hat, der wird es auch sammeln und wird es hüten wie ein Hirte seine Herde» (Jer 31,10). Dementsprechend erklärt nun auch Jesaja: «Er wird seine Herde weiden wie ein Hirte; die Lämmer wird er in seinen Arm nehmen und im Bausch seines Gewandes tragen; die Mutterschafe wird er sorgsam führen» (Jes 40,11). «Du aber, Israel, mein Knecht, Jakob, mein Auserwählter, du Same Abrahams, meines Freundes, den ich von den Enden der Erde ergriffen und aus ihren entferntesten Winkeln berufen habe, und zu dem ich gesprochen habe: Du bist mein Knecht, ich habe dich auserwählt und nicht verworfen – fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir; sei nicht ängstlich, denn ich bin dein Gott!» (Jes 41,810; vgl. V 18-20). «Und nun, so spricht der HERR, der dich geschaffen hat, Jakob, und der dich gebildet hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst! Ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein. Wenn du durchs Wasser gehst, so will ich bei dir sein, und wenn durch Ströme, so sollen sie dich nicht ersäufen. Wenn du durchs Feuer gehst, sollst du nicht versengt werden, und die Flamme soll dich nicht verbrennen. Denn ich bin der HERR, dein Gott, der Heilige Israels, dein Erretter! Ich habe Ägypten hingegeben als Lösegeld für dich, Kusch und Saba an deiner Stelle. Darum, weil du kostbar bist in meinen Augen und wertgeachtet, und ich dich lieb habe, so gebe ich Menschen für dich hin und Völker für dein Leben. Fürchte dich nicht, denn ich bin bei dir. Ich will deinen Samen vom Osten herführen und dich vom Westen her sammeln. Ich will zum Norden sagen: Gib her! und zum Süden: Halte nicht zurück! Bringe meine Söhne aus der Ferne herbei und meine Töchter vom Ende der Welt» (Jes 43,1-6). Wer also behauptet, Gott habe Israel verworfen, Israel sei von Gott verflucht und die Kirche habe dessen Platz eingenommen, stellt sich klar gegen Gottes Wort! Ja, er stellt sich gegen Seine Treue, Verheissungen und Zusagen! «So spricht der HERR, der die Sonne als Licht bei Tag gegeben hat, die Ordnungen des Mondes und der Sterne zur Leuchte bei Nacht; der das Meer erregt, dass seine Wellen

brausen, HERR der Heerscharen ist sein Name: Wenn diese Ordnungen vor meinem Angesicht beseitigt werden können, spricht der HERR, dann soll auch der Same Israels aufhören, allezeit ein Volk vor meinem Angesicht zu sein! So spricht der HERR: Wenn man den Himmel droben messen kann und die Grundfesten der Erde drunten zu erforschen vermag, so will ich auch den ganzen Samen Israels verwerfen wegen all dessen, was sie getan haben, spricht der HERR» (Jer 31,35-37). Damit sagt der Herr: «So unwandelbar wie Ebbe und Flut sind, so ewig der Rhythmus von Tag und Nacht ist, so unergründlich die Weiten des Alls und unerforschlich die Tiefen der Meere, so unwandelbar, ewig, unergründlich und unerforschlich ist Meine Treue zu Meinem Bundesvolk Israel!»
Wer behauptet, Gott habe Israel verworfen, Israel sei von Gott verflucht und die Kirche habe dessen Platz eingenommen, stellt sich klar gegen Gottes Wort

Gott kann nicht lügen! Bedenken wir: Sollte Gottes Treue Seinem Bundesvolk Israel gegenüber nicht zuverlässig sein, wer gibt uns als Gemeinde Jesu dann die Garantie, dass Er mit uns ans Ziel kommt? Paulus schreibt: «Ich bin darin guter Zuversicht, dass der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird‘s auch vollenden bis an den Tag Christi Jesu» (Phil 1,6). Wenn wir nun die Treue Gottes Israel gegenüber in Frage stellen, sägen wir auch den Ast ab, auf dem wir sitzen! Ich ziehe einen weiteren Zeugen herbei, einen heidnischen und gottlosen Propheten. Dieser musste wider seinen Willen Gottes Treue Seinem Bundesvolk gegenüber bestätigen. So hatte der gottlose, amalekitische König Balak den Propheten Bileam gerufen, um Israel zu verfluchen. Doch entgegen seinem Vorhaben musste er Israel nicht nur segnen, sondern im gleichen Atemzug auch noch den Bund, den Gott mit Seinem Volk geschlossen hatte, bestätigen: «Gott ist nicht ein Mensch, dass er lüge, noch ein Menschenkind, dass ihn etwas gereue. Sollte er etwas sagen und nicht tun? Sollte er etwas reden und nicht halten? Siehe, zu segnen ist mir befohlen; er hat gesegnet und ich kann‘s nicht wenden» (4.Mo 23,19-20). Vergessen wir nicht, dass sich Gott Seinem Volk Israel gegenüber mit einem Bund verpflichtet hat. Er schwor Seinem Freund Abraham: «Ich will dich zu einem grossen Volk machen und dich segnen und deinen Namen gross machen, und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die

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DIE BIBLISCHE BOTSCHAFT
Nachrichten aus Israel • 10/2008

dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf der Erde!» (1.Mo 12,2-3). David, dem Mann nach dem Herzen Gottes, sagte der Herr: «Es wird geschehen, wenn deine Tage erfüllt sind, sodass du zu deinen Vätern hingehst, so will ich deinen Samen nach dir erwecken, der von deinen Söhnen sein wird; und ich werde sein Königtum bestätigen. Der wird mir ein Haus bauen, und ich werde seinen Thron auf ewig befestigen. … ich will ihn auf ewig über mein Haus und mein Königreich einsetzen, und sein Thron soll auf ewig fest stehen!» (1.Chr 17,7.11-12.14). Ein ewiger Bund. Mag sich die ganze Welt – auch die christliche – von Israel abwenden, Gott steht dennoch zu Seinem Wort und Seinen Zusagen! Der Apostel Paulus bestätigt die Aussagen Jesajas, indem er erklärt: «Denn Gottes Gnadengaben und Berufung können ihn nicht reuen» (Röm 11,29). Überdies prophezeite Jesaja einen neuen, ewigen Bund, den Gott mit Israel schliessen würde – einen Bund der Herzen. Jesaja sagt: «… ich werde ihnen ihren Lohn in Treue geben und einen ewigen Bund mit ihnen schliessen» (Jes 61,8). Der Prophet Jeremia präzisiert diese von Jesaja gemachte Aussage: «Siehe, es kommen Tage, spricht der HERR, da ich mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda einen neuen Bund schliessen werde … Ich will mein Gesetz in ihr Innerstes hineinlegen und es auf ihre Herzen schreiben, und ich will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein!» (Jer 31,31.33). Wann soll dies geschehen? Jesaja sagt sogar den Zeitpunkt voraus! «Ehe sie Wehen empfand, hat sie geboren; bevor die Kindesnot sie ankam, wurde sie von einem Knaben entbunden! Wer hat je so etwas gehört? Wer hat etwas Derartiges gesehen? Wurde je ein Land an einem Tag zur Welt gebracht? Ist je ein Volk auf einmal geboren worden? Denn Zion hat Wehen bekommen und zugleich ihre Kinder geboren. Sollte

soll nicht lange nach dem eben erwähnten stattfinden und wird Israel den ersehnten Frieden bringen. Doch zuerst wendet sich der Herr durch Jesaja an uns, die wir Israel lieben: «Freut euch mit Jerusalem und frohlockt über sie, ihr alle, die ihr sie liebt; frohlockt, teilt nun auch ihre Freude mit ihr, ihr alle, die ihr euch um sie betrübt habt, indem ihr euch satt trinkt an ihrer tröstenden Brust, indem ihr euch in vollen Zügen labt an der Fülle ihrer Herrlichkeit!» (Jes 66,10-11). Das erinnert an Jesaja 40, wo der Herr spricht: «Tröstet, tröstet mein Volk!» Dann richtet Jesaja, nachdem er die plötzliche, wundersame Geburt angesprochen hat, sein Augenmerk auf den Trost und Frieden Israels. «Denn so spricht der HERR: Siehe, ich will den Frieden zu ihr hinleiten wie einen Strom und die Herrlichkeit der Heidenvölker wie einen überfliessenden Bach; und ihr sollt gestillt werden. Man wird euch auf den Armen tragen und auf den Knien liebkosen. Wie einen, den seine Mutter tröstet, so will ich euch trösten; ja, in Jerusalem sollt ihr getröstet werden!» (Jes 66,12-13). Israel als Nation ist eine Tatsache. Was jedoch noch aussteht, ist der Friede und Trost Israels. Jesaja definiert auch diesen Frieden, ja er weist ihn einer Person zu: «Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben; und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und man nennt seinen Namen: Wunderbarer, Ratgeber, starker Gott, Ewig-Vater, Friedefürst» (Jes 9,5). Das ist niemand anders als Jesus Christus, der Messias Israels! Und schliesslich heisst es in Jesaja Kapitel 66,14: «Wenn ihr dies seht, dann wird euer Herz sich freuen, und eure Gebeine werden sprossen wie grünes Gras. So wird sich die Hand des HERRN zu erkennen geben an seinen Knechten, sein Zorn aber an seinen Feinden.» Was meint Jesaja, wenn er sagt, «wenn ihr dies seht»? Meint er den Trost oder den Frieden? Weder Trost noch Frieden kann man sehen. Das sind Gefühlsregungen. Wohl sieht man deren Auswirkungen, den Zustand selbst aber nicht! Was man jedoch sehr deutlich sehen kann, ist eine Geburt. Diese ist etwas völlig Reales. Genau das will uns Jesaja im Auftrag Gottes sagen. Wenn das Eine zu sehen ist, nämlich die Geburt der Nation Israel, dann werden auch der Trost und der Frieden nicht mehr fern sein. Der Herr kommt bald! Wir erkennen und sehen mit eigenen Augen, dass Israel wieder eine Nation ist. Die Geburt hat stattgefunden. Was noch aussteht, ist Israels Trost und Friede: der Messias! Und darum steht Sein Kommen unmittelbar vor der Tür! Eine Frage an Sie ganz persönlich: Wenn Jesus heute käme, wären Sie bereit, Ihm zu begegnen? Maranatha, Jesus kommt, Amen! Lesen Sie mehr über den Propheten Jesaja in der aktuellen Oktober-Ausgabe des Mitternachtsruf. Hören Sie mehr über den Propheten Jesaja in der Multipack-CD «Jesaja und die Botschaft», Bestellnr. 13154
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Wenn Jesus heute käme, wären Sie bereit, Ihm zu begegnen?

ich bis zum Durchbruch bringen und doch nicht gebären lassen? spricht der HERR. Sollte ich, der ich gebären lasse, die Geburt verhindern? spricht dein Gott» (Jes 66,7-9). Hier ist von der nationalen Geburt Israels die Rede. Was man zuvor nie gehört hat, ist seit dem 14. Mai 1948 Realität. Der Staat Israel ist nach 2 000 Jahren wieder eine Nation. In der Zwischenzeit sind schon wieder 60 Jahre vergangen, allen Feinden zum Trotz! Doch Jesaja bleibt nicht bei diesem Ereignis stehen. Vielmehr sieht er ein weiteres Ereignis, das heute noch nicht eingetroffen ist. Dieses zweite Ereignis

Die grosse Trübsal, David Chilton, S. 75 Die grosse Trübsal, David Chilton, S. 87

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YESHUA
EIN MESSIANISCHES PANORAMA AUS JERUSALEM

UND

ISRAEL

Messianische Juden und die Medien in Israel
«Ihr seid das Licht der Welt; eine Stadt, die oben auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen sein» (Mt 5,14).
DR. GERSHON NEREL – TEIL 27 In der in Israel auflagenstärksten Wochenendbeilage der Tageszeitung Yediot Achronot erschien am 8. August 2008 ein in einem boshaften Ton geschriebener, neunseitiger Leitartikel über im Land lebende messianische Juden. Auf der Titelseite prangte ein Bild, auf dem ein junger Mann einem blonden Mädchen segnend die Hände auflegt. Vor diesem Hintergrund steht in grossen Buchstaben: «Erfahrungsbericht». Die Schlagzeile darunter lautet: «Die Sekte der Täufer». Im Titeltext folgt die Erklärung: «Eine Reporterin … hat sich in die Sekte der messianischen Juden in Israel eingeschleust. Zwei Monate lang dokumentierte sie die Versuche dieser Gruppierung, Kinder, Soldaten und Holocaust-Überlebende zum Religionswechsel zu bewegen und für Yeshu zu gewinnen.» Bewusst wurde der Name «Yeshu» verwendet, eine sinnentleerte Form des ursprünglichen Namens Yeshua, der auf Hebräisch «Gott ist/bringt Erlösung» bedeutet. Der auf die Sensationslust der Leserschaft abzielende Artikel ist auf der Innenseite überschrieben mit: «Der Messias-Code». Mit dieser Anspielung auf den «Da Vinci Code» soll die Aufmerksamkeit der Leser geweckt und eine Verbindung zu Verschwörungstheorien und Geheimbünden hergestellt werden. Dieser journalistische Trick wirkt jedoch lächerlich, weil die messianische Bewegung sich weder in Katakomben versteckt noch ein esoterischer Geheimbund ist. Im Gegenteil: Die Gemeinden sind offen für Besucher; Gäste sind immer willkommen. Deshalb ist es schlicht absurd, wenn man behauptet, man müsse sich in die Versammlungen «einschleusen». Schon diese Wortwahl lässt erkennen, dass die Journalistin ihre Leser in eine bestimmte Richtung lenken will. Sie berichtet unter anderem über diese «seltsamen» Vorgänge: «Sie machen im ganzen Land inkognito ihre Missionsarbeit, indem sie ganzseitige Anzeigen in den bedeutendsten Tageszeitungen und Plakate an den Strassen platzieren, sogar Militärstützpunkte aufsuchen und Soldaten im Freien während ihrer Übungen ansprechen. In den Augen der israelischen Durchschnittsbürger ist ein solches Verhalten widerlich … Als sie an der Promenade von Tel Aviv ihre aggressiven Evangelisationskampagnen durchführten und dabei sangen, das Schofar bliesen und Flugblätter verteilten, wurden sie angegriffen, bespuckt, geschlagen und bedroht … Ihre Gemeinden bieten den Aussenseitern der israelischen Gesellschaft eine Zuflucht. In ihnen finden sich schwer erziehbare Teenager, orthodoxe Juden, die ihre Synagogen verlassen haben und unter der Entfremdung von ihren Familien leiden, unverheiratete Soldaten, Olim (Neueinwanderer) und Gastarbeiter aus dem Ausland … Ausdrücke wie ‹Satan›, ‹Krieg gegen den Teufel›, ‹die Mächte des Bösen›, ‹Busse›, ‹Gnade›, ‹Endzeit› und ‹Liebe zum Messias› sind ein fester Bestandteil ihres Vokabulars. Sie sind in ihren Gemeinden unaufhörlich aktiv, und sie predigen immer zu Juden, die nicht an Yeshu glauben. Obwohl orthodoxe Juden kommen auch messianische Juden kurz zu Wort, mit Aussagen wie: «… wir glauben an ein biblisches Judentum, und jeder Jude/ jede Jüdin hat das Recht, seine/ihre eigene Auffassung vom Judentum darzulegen. Der Staat erlaubt uns, unseren Glauben zu erklären. Die humanitäre Hilfe für Bedürftige, Arme und Prostituierte ist unser Beitrag für ein besseres Leben in unserer Gesellschaft.» Es ist interessant, dass viele Israeli auf den Artikel reagiert haben. An dieser Stelle seien nur zwei Rückmeldungen erwähnt. Menachem Ben, Journalist der Ma’ariv, schrieb eine Woche später, dass der Titel «rassistisch» sei und mit dem an sich «positiven» Inhalt nichts zu tun habe, denn darin werde «das soziale Engagement messianischer Juden für Überlebende der Shoah, für Obdachlose und gefährdete Teenager beschrieben. Die hässliche Titelzeile der Verfasserin könnte die Leser dazu auffordern, Briefbomben zu verschicken und die Verbrennung von Neuen Testamenten anzuzetteln.» Yiftach Elazar, Journalist und Doktorand in Politikwissenschaften an der Princeton-Universität, schrieb am 17. August 2008 in einer Kolumne des Internetmagazins «Das siebte Auge» unter anderem zynisch: «Welch ein Heldenstück des Journalismus, wenn man eine Reporterin in eine gefährliche Sekte einschleust, die sich für Huren und Drogensüchtige engagiert und an Überlebende der Shoah Lebensmittel verteilt. Der aufgehetzte Mob macht sich bereits mit brennenden Fackeln auf den Weg.» Mit sarkastischen Worten prangerte er die billige Effekthascherei des Artikels an, weil dessen Stil und Wortwahl nur auf die Sensationslust der Leser und die Verleumdung der messianischen Juden abziele. Schliesslich schrieb er, die wirkliche Angst der israelischen Gesellschaft bestünde darin, dass jüdische Gläubige an Yeshua sich ohne Bedenken als authentische Juden und als Erben der ersten Jünger Yeshuas präsentierten und dadurch das heutige Judentum als Norm und Autorität in Frage stellten. 

«Welch ein Heldenstück des Journalismus, wenn man eine Reporterin in eine gefährliche Sekte einschleust, die sich für Huren und Drogensüchtige engagiert und an Überlebende der Shoah Lebensmittel verteilt»
sie verfolgen und angreifen, reagieren säkulare Juden positiv auf ihre Strassenpropaganda … Sie feiern ‹Seudat Ha’Adon›, das Herrenmahl, bei dem sie Brot (Challah, das süsse Sabbatbrot) essen und Wein trinken. Während dieser Feier hüllen sich ihre Ältesten in den Tallith, den Gebetsschal, und präsentieren öffentlich die Thorarolle. Aber ihre wichtigste Zeremonie ist die Taufe, für den Gläubigen der einzige Weg zur Neugeburt.» Alles in allem hat der Artikel das Ziel, die messianischen Juden als «Exoten» darzustellen und Yeshua zu verunglimpfen. Um den Anschein der «Objektivität» zu wahren,

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AUFSEHEN ERREGENDER FUND

Antikes Siegel einer biblischen Person
Immer wieder stösst man dort, wo das antike Jerusalem war, auf bedeutende archäologische Fundstücke. Dieses Mal versetzte eine Entdeckung sogar die erfahrenen israelischen Archäologen in Erstaunen.
Jemand rief, man habe etwas ent- König: Lass doch diesen Mann töten; denn deckt. Die verantwortlichen Archäologen auf diese Weise nimmt er den Kriegsleuten, eilten sofort herbei. Zunächst starrten sie erstaunt und beinahe ungläubig auf das entdeckte Siegel, dann hörte man nur noch freudige Jubelrufe. Jeder drängte sich um den Schutthaufen am Rande eines der Ausgrabungsareale in der Davidstadt, dem Gebiet Jerusalems, das in der Antike das bedeutendste Bevölkerungszentrum der Stadt war. Hier, wo einst der Allen Nichtchristen liefert Israel hier einmal Palast der Könige mehr einen unzweideutigen Hinweis, dass stand, entdeckte die Bibel wahr und authentisch ist man ein Siegel mit einer gut leserlichen Aufschrift in antikem Hebräisch: Gedalja, der Sohn Paschhurs. Den Archäologen, die aufgrund ihrer Arbeit die noch übrig sind in dieser Stadt, den Mut, bestens mit der Bibel vertraut sind, war desgleichen dem ganzen Volk, weil er solche der Name nur allzu gut bekannt. Gedalja, Worte zu ihnen sagt. Denn der Mann sucht der Sohn Paschhurs, war ein wichtiger nicht, was diesem Volk zum Heil, sondern was Beamte am Hof von König Zedekia, der zum Unheil dient» (Jer 38,1-4). über Jerusalem und Judäa zwischen 598 Dr. Eilat Mazor leitet im Auftrag der und 586 v.Chr. herrschte. Israelischen Antikenbehörde bereits seit «Es hörten aber Schefatja, der Sohn Mat- einigen Jahren Ausgrabungen in dieser Retans, und Gedalja, der Sohn Paschhurs, und gion und lehrt zudem an der Hebräischen Juchal, der Sohn Schelemjas, und Paschhur, Universität Jerusalem. Sie konnte ihre der Sohn Malkijas, die Worte, die Jeremia Aufregung nicht verbergen: «Oftmals wird zu allem Volk redete. So spricht der HERR: ein leitender Archäologe herbeigerufen, um Wer in dieser Stadt bleibt, der wird durch ein Fundstück zu begutachten. Dennoch ist Schwert, Hunger und Pest sterben müssen; es immer wieder ein einzigartiges Erlebnis, wer aber hinausgeht zu den Chaldäern, der wenn man plötzlich ein Fundstück in der soll am Leben bleiben und wird sein Leben Hand hält, das seit vielen Jahrhunderten wie eine Beute davonbringen. Denn so spricht nicht von Menschen berührt wurde. Wenn der HERR: Diese Stadt soll übergeben werden es sich dabei auch noch um ein Fundstück dem Heer des Königs von Babel und es soll handelt, das einer in der Bibel erwähnten sie einnehmen. Da sprachen die Oberen zum Person gehörte, dann ist das ein ganz aus«UNTER DEN EIGENEN BRÜDERN IM EXIL» – EIN KOMMENTIERENDER RÜCKBLICK sergewöhnliches Gefühl, das man kaum in Worte fassen kann.» Dieses Fundstück ist ein Beweis, dass diese in der Bibel erwähnte Person tatsächlich lebte. Das war auch bei einem anderen Fundstück der Fall, das man vor einigen Jahren in derselben Region entdeckte, und das Juchal, dem Sohn Schelemjas, gehörte. Er wird in obigem Bibelzitat auch erwähnt. ZL

Homepage der Israelischen Antikenbehörde: www.antiquities.org.il
Kommentar: Es ist klar, dass wir als Christen keinen «Beweis» für die Wahrheit der Bibel benötigen. Allen Nichtchristen jedoch liefert Israel hier einmal mehr einen unzweideutigen Hinweis, dass die Bibel wahr und authentisch ist. Wo gibt es ein Land auf der Welt, in dem so viele «Beweise» für die Wahrheit der Heiligen Schrift ausgegraben werden?! So könnte Israel für manche Wissenschaftler und Archäologen ein Werkzeug der Verbreitung des Evangeliums werden, dann nämlich, wenn sich der eine oder andere indirekt durch diese Ausgrabungen zu Christus bekehrt. CM 

Bruderkrieg im Gazastreifen
Was sich in den letzten Wochen im Gazastreifen zugetragen hat, grenzt ans Absurde: Fatah-Kämpfer bangten um ihr Leben, retteten sich nach Israel und kamen letztlich nach Jericho ins «Exil».
Ende Juli kamen im Gazastreifen vier Hamas-Kämpfer und ein Mädchen bei der Explosion einer Bombe ums Leben. Dadurch brachen Kämpfe zwischen Hamas und Fatah aus, bei denen auch noch Familienclanbindungen eine Rolle spielten. Die einen verteidigten sich, die anderen griffen an und umgekehrt; es kommt immer auf den Blickwinkel an. Nach heftigen Kämpfen lautete die traurige Bilanz: Elf Tote und 80 Verwundete, darunter mehrere Kinder. Diese Situation bestätigt, was viele schon lange haben kommen sehen: Die Palästinenser gehen sich gegenseitig an die Gurgel. Darüber hinaus wirft die Human Right Watch, die die Einhaltung der Menschenrechte beobachtet, in einem Bericht sowohl Hamas als auch Fatah vor, im Laufe des letzten Jahres schwerwiegende Verstösse gegen die Menschenrechte begangen zu haben. Keine der beiden Partei-

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en kann ihre Hände in Unschuld waschen. Allerdings agiert die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) der Fatah, die im Westjordanland den Ton angibt und zum Bericht Stellung nahm, als gewählte Körperschaft, während die Hamas, die zum Bericht schwieg, die Macht im Gazastreifen im Sommer 2007 mit Waffengewalt an sich gerissen hat. Als die in Not geratenen Fatah-Kämpfer zur israelischen Grenze flohen, gingen bei Verteidigungsminister Ehud Barak die Gesuche der Ägypter und PA ein, den Fatah-Leuten die Einreise nach Israel zu gestatten, da sie in Lebensgefahr seien. Barak genehmigte – «aus humanitären Gründen», wie es aus dem israelischen Verteidigungsministerium hiess – den zeitweiligen Aufenthalt von 180 FatahKämpfern. Noch im Grenzbereich wurden sie von der Hamas beschossen. Neun Verwundete wurden im Soroka Klinikum in Beer Sheva medizinisch versorgt. Unterdessen verfolgten die Hamas-Anhänger weiter Fatah-Leute im Gazastreifen. Das veranlasste Fatah-Mitglieder dazu, Hamas-Funktionäre im Westjordanland ins Visier zu nehmen. Dass bei dieser Bruderfehde auch Kinder ums Leben kamen, löste – anders als sonst üblich, wenn Israel involviert ist – kaum einen Aufschrei in der Öffentlichkeit aus. Da unklar war, was aus den in Israel in Sicherheit gebrachten Fatah-Kämpfern werden sollte, titelten einige Zeitungen sinnigerweise: «Angst vor schneller Genesung.» Dabei wurde darauf eingegangen, dass die Fatah-Leute am liebsten möglichst lange in Israel medizinisch versorgt werden wollten, um sich so in Sicherheit zu wissen. Letztlich fand man eine Lösung: Einige Dutzend mussten auf Geheiss von

PA-Präsident Abbas tatsächlich in den Gazastreifen zurückkehren, für die anderen fand man nach vielem Hin und Her eine andere Lösung. Sie durften in das Westjordanland einreisen, müssen sich aber in Jericho aufhalten – sie sind nach eigenen Angaben «von unseren Brüdern in unserem Land ins Exil geschickt worden».
Gaza: Fatah-Kämpfer fliehen vor der Hamas nach Israel

19,2; Hes 38,21). Man stelle sich vor, was passieren würde, wenn sich die gesamte arabische Welt einig wäre und ihre Macht und Kraft einzig und allein darauf verwendete, Israel zu vernichten. Rein menschlich gesehen hätte Israel gegen

Anzumerken bleibt abschliessend, dass die in London herausgegebene, arabischsprachige Zeitung Al-Hayat unter Berufung auf ägyptische Quellen meldete, Israel habe mehrere Dutzend Fatah-Kämpfer während des Aufenthalts in Israel verhört. Man habe mehr über den Verbleib des 2006 entführten israelischen Soldaten Shalit in Erfahrung bringen wollen, hiess es in der Zeitung, die zudem darauf hinwies, dass die Hamas weiterhin versuchen werde, die «Pokerkarte» Shalit bis zum Ende auszureizen. AN Kommentar: Die Tatsache, dass die Palästinenser untereinander zerstritten sind, sehen wir eigentlich in der gesamten arabischen Welt. Kaum ein arabischer Staat traut dem anderen. Das ist ein Vorteil für Israel und wird von Gott so gesteuert (vgl. z.B. Jes

100 Millionen Araber keine Chance. Der Zerstrittenheit von Hamas und Fatah ist es sicher auch zu «verdanken», dass es noch keinen palästinensischen Staat gibt. Alle müssen den Willen Gottes tun, auch die Feinde. Gott erreicht Seine Ziele in, mit und durch Israel und benützt dazu dessen Feinde. Dass Israel ausserdem feindliche Kämpfer aufgenommen und versorgt hat, ist auch einzigartig. Wie sehr erfüllt es damit beispielsweise das Wort aus Sprüche 25,21-22: «Hat dein Feind Hunger, so speise ihn mit Brot; hat er Durst, so gib ihm Wasser zu trinken! Denn damit sammelst du feurige Kohlen auf sein Haupt, und der HERR wird dir’s vergelten.» CM 

OFFIZIELLE ENTSCHULDIGUNG BEIM ISRAELISCHEN AUSSENMINISTERIUM

Al-Dschasira: «Bericht war unethisch»
Seit der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira auch in englischer Sprache sendet, erreicht er ein immer grösseres Publikum. Das israelische Aussenministerium war mehrfach verärgert über die Berichterstattung des TV-Senders aus Katar. Jetzt entschuldigte dieser sich in einer Angelegenheit erstmals offiziell bei Israel.
Schon vor etlichen Monaten wurden die in Israel akkreditierten Journalisten des arabischen TV-Nachrichtensenders Al-Dschasira ins Aussenministerium zitiert; denn Israel warf ihnen «einen Verlust der Ausgewogenheit und der Objektivität bei der Berichterstattung über die Ereignisse in der Region» vor, so ein hochrangiger Mitarbeiter des Aussenministeriums. Im israelischen Aussenministerium war die Vermutung geäussert worden, dass sich Al-Dschasira auf die Seite der Terrororganisation Hamas gestellt habe. Man warf dem TV-Sender «tendenziöse Meinungsmache, die an Lügen angrenzt», vor. Im Frühjahr 2008 erwog das israelische Aussenministerium sogar einen Entzug der staatlichen Kommunikationsdienstleistungen für den TV-Sender. Letztlich sprach Israel mehrmals seinen Missmut aus, liess die Journalisten aber dennoch weiterhin ungehindert in Israel arbeiten. Man legte ihnen keine Steine in den Weg, kam ihnen allerdings auch nicht hilfsbereit entgegen.

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auch noch tendenziös kommentiert. Kuntar war einer der von Israel im Austausch gegen Ehud Goldwasser und Eldad Regev freigelassenen Inhaftierten. Er hatte im Frühjahr 1979 im Norden Israels grausame Morde begangen und war seither in israelischer Haft gewesen. Im Rahmen der Berichterstattung anlässlich seines Empfangs im Libanon hatte das libanesische Al-Dschasira-Büro diesen Mann unter anderem als «pan-arabischen Helden» gefeiert. Inzwischen ging eine offizielle Entschuldigung von Al-Dschasira in Israel ein. Sie wurde vom Geschäftsführer Chanfar Wadh ausgesprochen. In seiner Entschuldigung legt er dar, dass «Elemente des Programms» nicht dem «ethischen Code seines Senders» entsprochen hätten. Weiter heisst es in dem Schreiben, dass der Programmdirektor die Anweisung erhalten habe, solche Vorfälle in Zukunft zu unterbinden. Die israelische Tageszeitung Ha’aretz, der eine Kopie des Schreibens vorlag, gab darüber hinaus an, dass Al-Dschasira den Vorfall «mit grosser Ernsthaftigkeit» zu handhaben gedenke. Ha’aretz liess zwar dahingestellt, was genau das nun heisst, hob jedoch hervor, dass Al-Dschasira zum ersten Mal auf Führungsebene zu den israelischen Vorwürfen Stellung nahm und sich darüber hinaus auch noch förmlich entschuldigte. AN Kommentar: Dass Israel eine wirkliche Demokratie ist, beweist diese Meldung. Man stelle sich vor, israelische Journalisten würden sich in arabischen Ländern akkreditieren wollen – es wäre schlicht unmöglich! Der Unterschied zwischen Israel und seinen Nachbarn tritt hier einmal mehr zutage … CM 

Im Sommer dieses Jahres kam es dann im Zuge der Al-DschasiraBerichterstattung über den Gefangenenaustausch zwischen Israel

Al-Dschasira

und dem libanesischen «Staat im Staat» – der Hisbollah-Miliz – erneut zum Eklat. Israel hatte die Berichterstattung des Senders harsch kritisiert. Dieses Mal liess man die Leitung des TV-Senders über das Pressebüro der israelischen Regierung wissen, nicht gewillt zu sein, die Angelegenheit auf sich beruhen zu lassen. Israel verlangte eine offizielle Entschuldigung. Al-Dschasira hatte nämlich nicht nur die «Willkommensfeierlichkeiten» der libanesischen Hisbollah-Miliz für den freigelassenen Terroristen Samir Kuntar live übertragen, sondern

ISRAELS RETTUNGSAKTION FÜR SEINE STAATSBÜRGER UND GEORGISCHE JUDEN

Krieg in Georgien – nur EL AL wagte den Anflug
In Israel wird der Spruch der Weisen: «Jeder Jude bürgt für den anderen», hochgehalten. Dass man diese Verantwortung sehr ernst nimmt, zeigte sich erneut, als Georgien zum Kriegsgebiet wurde, in dem auch israelische Reisende festsassen und georgische Juden in Gefahr schwebten.
Die israelischen Stellen reagierten schnell und arbeiteten Hand in Hand: Die israelische Regierung, das Aussenministerium, die Jewish Agency und
Nur die EL AL wagte es, in Georgiens Hauptstadt Tiflis zu landen, um 550 israelische Staatsbürger aus dem Kriegsgebiet zu retten

die Fluggesellschaft EL AL. Mit Ausbruch der Kämpfe in Georgien setzten sie alle Hebel in Bewegung, um israelische Staatsbürger, die im Kampfgebiet

festsassen, unbeschadet herauszuholen. Zudem wurden Notfalldienste für georgische Juden eingerichtet, um ihnen Hilfe zukommen zu lassen. Auch stellte man den georgischen Juden die schnelle und unbürokratische Auswanderung nach Israel in Aussicht, falls sie wegen der Situation in ihrer Heimat daran interessiert seien. Zu den ergriffenen Massnahmen gehörte eine Luftbrücke. Durch Sonderflüge wurden innerhalb von 14 Stunden alle israelischen Reisenden nach Hause geholt, die in Georgien festsassen. EL AL war die einzige Luftfahrtgesellschaft, die es wagte, auf dem Flughafen der georgischen Hauptstadt Tiflis zu landen, in deren Umgebung zeitweise auch Kämpfe tobten. Auf diese Weise rettete Israel 550 seiner Staatsbürger aus dem Kampfgebiet, und zwar zu einem Zeitpunkt, als noch nicht klar war, wie sich die militärische Lage entwickeln würde. An Bord der ers-

ten EL-AL-Flugzeuge befanden sich auch fast einhundert georgische Juden, die den schnellen Entschluss gefasst hatten, das Kampfgebiet für immer zu verlassen und nach Israel auszuwandern. Vor Ort koordinierte die israelische Botschaft alle Angelegenheiten. Sie machte Reisegruppen oder die allein Reisenden ausfindig, stellte Listen zusammen und sorgte für die Rückholung nach Tiflis und die Unterbringung in einigen zentralen Hotels. Alle Massnahmen zur Rückholung der israelischen Staatsbürger aus dem Krisengebiet erfolgten auf Rechnung des israelischen Aussenministeriums. Insgesamt landeten vier israelische Flugzeuge auf dem Flughafen der georgischen Hauptstadt. Sie trafen kurz nacheinander auf vollkommen verwaisten Rollbahnen ein. Auch in den Terminals waren die Israelis weit und breit die einzigen Fluggäste. Israel hatte Georgien

und Russland vorab von dieser Luftbrücke informiert, da man verhindern wollte, dass die Flugzeuge angegriffen wurden. Die Operation, die von den in Jerusalem und Tiflis eingerichteten Notfallzentralen koordiniert wurde, kostete den Staat Israel 210 000 Euro. In diesen Notfallzentralen wurden auch die Anrufe besorgter Bürger entgegengenommen, die nach Familienangehörigen in Georgien fragten, zu denen der Kontakt abgebrochen war. Hier gingen auch die Gesuche von vorwiegend aus Gori geflohenen Juden ein, die sich für eine umgehende Einwanderung nach Israel interessierten. Laut Angaben der Operationsleiterin, Orit Shani, erforderte die Umsetzung der Luftbrücke grosses politisches Feingefühl. Man habe dabei nicht nur Absprachen mit den Georgiern treffen müssen, sondern ebenfalls Kontakt mit den Russen und sogar mit den Amerikanern gehalten. «Es

war nicht einfach», sagte Shani, «aber wir können stolz sein, denn alles hat bestens und ohne Zwischenfälle geklappt. In der Zwischenzeit kümmern wir uns weiter um die rund 10 000 georgischen Juden, die nach wie vor dringend Hilfe brauchen.» ZL Kommentar: Dass EL AL als einzige Fluggesellschaft nach Tiflis flog, um israelische Mitbürger abzuholen, spricht für die Einzigartigkeit Israels. Israel tut mehr als andere Länder. Israel ist eben Gottes Volk. Auch wenn es noch nicht an Gott glaubt, so schenkt ihm der Herr doch immer wieder grossartige Siege und Errungenschaften. Vielleicht darf man hier an das Wort von König David erinnern, der einmal sagte: «Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen» (vgl. Ps 18,30). Christen dürfen dieses Wort in Jesus für sich persönlich in Anspruch nehmen, in welcher Lebenssituation sie sich auch befinden. CM 

DER RUSSISCHE BÄR IN DER HEILIGEN STADT

Russland erobert Jerusalem
Als Russland seine Armee in Georgien einmarschieren liess, meinten etliche Jerusalemer, dass Russland ebenfalls in ihrer Stadt auf dem Vormarsch sei – allerdings ohne Armee. Russland hat sich nämlich seiner Geschichte in der Heiligen Stadt besonnen und macht seine Präsenz geltend.
Im 19. Jahrhundert herrschte ein Aufbruch des Nationalismus, und viele Grossmächte strebten dabei unter anderem eine Präsenz im Heiligen Land an. Das russische Zarenreich war dabei in Jerusalem schon früh und massiv präsent. Russland verfügt noch heute über umfangreichen Grundbesitz in Jerusalem. Eine der bekanntesten Anlagen ist der sogenannte Russenplatz, der im heutigen Stadtzentrum liegt und dessen Bebauung 1858 begann. Der Sergei-Hof dieser Anlage zählt noch heute zu den schönsten Komplexen, die in der Moderne in der Stadt gebaut wurden. Zudem verfügt Russland über Grundstücke in der angrenzenden Prophetenstrasse – eine sehr prestigevolle Adresse. Das Zarenreich kaufte die Grundstücke dem herrschenden Osmanischen Reich ab und liess im Laufe des 19. Jahrhunderts oftmals Gebäude errichten, in denen Botschaften, Postämter und Krankenhäuser oder Herbergen für den beständig wachsenden Strom russischer Pilger eingerichtet wurden. Nahe des Russenplatzes befindet sich auch eine Kirche mitsamt Kloster. Durch die Oktoberrevolution und den Ausgang des Ersten Weltkrieges, der zum Ende der osmanischen Herrschaft im Land führte, konfiszierten die neuen britischen Machthaber alle Grundstücke und Gebäude. Nur die Kirche mit dem
Als Vladimir Putin 2005 Israel besuchte, erwachte das russische Interesse an einstigen Besitztümern in Jerusalem

der deshalb eine gewaltige Summe an die Sowjetunion zahlte, damit Israel offiziel-

Kloster ging in den Besitz der russischorthodoxen Kirche über. Als dann der Staat Israel gegründet wurde, ging die Handhabung aller Angelegenheiten, die mit den Grundstücken und Gebäuden in Zusammenhang standen, an eine staatlich-israelische Treuhandstelle über. 1964 übten die Russen deswegen enormen Druck auf den Staat Israel aus,

ler Eigentümer würde. Damals änderte sich nichts am Status der Kirche und des Klosters.

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Kommentar: Sind diese russischen Landnahmen in Jerusalem nicht so etwas wie eine Vorhut von Gog in Magog, das Israel unter der Führung (wahrscheinlich) Russlands überfallen wird (Hes 38-39)? Es ist womöglich nicht einfach nur Zufall, dass die Russen mehr und mehr in die Heilige Stadt kommen. Es scheint, dass sie jetzt schon wie von unsichtbarer Hand nach Israel gezogen werden. Man vergleiche diesbezüglich auch Hesekiel 38,4, wo klar hervorgeht, dass Gott selbst diese Völker nach Israel bringen bzw. ziehen wird, nämlich zum Gericht Gottes! Sein Wort erfüllt sich! CM 

Als Vladimir Putin 2005 Israel besuchte, erwachte das russische Interesse an diesen einstigen Besitztümern. Kurz darauf ging beim Staat Israel die Bitte ein, diese historischen Bauten wieder an Russland zurückzugeben. Die Verhandlungen zwischen dem russischen und dem israelischen Aussenministerium wurden im Januar 2008 abgeschlossen. Es wurde vereinbart, dass der Russenplatz und die angrenzenden Gebäude innerhalb eines halben Jahres wieder in russischen Besitz übergehen. Kurz nach Abschluss der Verhandlungen wurden in Israel skeptische Stimmen laut. Einige Organisationen und mehrere

israelische Politiker äusserten Bedenken, dass dieses Abkommen einen Präzedenzfall schaffe, der Russland «Tür und Tor für weitere Ansprüche öffne». Israelis, die gegen ein «Schlüsselgeld» langjährige Pachtverträge für Wohnungen hatten, erhielten bereits Kündigungen vom russischen Staat. Wenn man bedenkt, dass auch weitere Grundstücke und Gebäude, in denen unter anderem israelisch-staatliche Institutionen untergebracht sind, einst dem russischen Zarenreich gehörten, dann mag man sich gar nicht ausdenken, welche Entwicklungen der modernen Stadt Jerusalem noch bevorstehen könnten. ZL

FRÜHERE ENTDECKUNG IRANISCHER RAKETEN MÖGLICH GEMACHT

Amerikanische Radarstation im Negev
Israel und die USA haben vereinbart, dass in der Negev-Wüste ein US-Radarsystem aufgestellt und mit einem amerikanischen Team besetzt werden soll. Es ist eine einzigartige Massnahme in der Geschichte des Staates Israel, der bisher nicht gestattete, dass eine fremde Armee beständig im Land präsent ist.
Das Radarsystem, das die Amerikaner im Negev aufzubauen gedenken, soll an ein US-Satellitensystem angeschlossen werden. Dadurch wird eine schnellere Erkennung von feindlichen Raketen möglich. Sollte Israel beispielsweise vom Iran mit Raketen beschossen werden, so könnte man diese dank des US-Radarsystems doppelt so schnell wie bisher orten. So verbessert sich das Potenzial, diese Raketen in sicherer Entfernung abschiessen zu können. Entfernung von 800 bis 900 Kilometern zu erkennen vermag. Einige iranische Raketen benötigen beispielsweise elf Minuten für den Flug nach Israel. Das US-Radarsystem kann solche Raketen etwa fünf bis sechs Minuten nach dem Start entdecken, während das Radar des israelischen Raketenabwehrsystems diese erst zwei bis drei Minuten vor Eindringen in den israelischen Luftraum entdecken würde. Der Direktor der Missle Defense Agency (MDA) des US-Aussenministeriums, General Henry A. Obering, führte dazu aus: «Durch dieses Radarsystem können die Israeli feindliche Raketen viel eher erkennen, als mit ihrem eigenen System. Die Bedrohung des Landes durch einen Raketenangriff aus dem Iran ist durchaus realistisch. Wir müssen diese Gefahr ernst nehmen und uns entsprechend und beizeiten darauf vorbereiten.» Ein israelischer Experte für Raketenabwehr fügte hinzu, dass «der Zeitgewinn enorm ist, sodass die Chancen US-Soldaten sollen in der Negev-Wüste stazum rechtzeitigen tioniert werden Abschuss einer solchen Rakete wesentlich besser stehen». Man geht davon aus, dass dank dieser «vereinten Kräfte» neun von zehn Raketen noch während des Anflugs unschädlich gemacht werden können. Aus israelischen Regierungskreisen wurde verlautbart, dass das Land schon seit zehn Jahren die USA darum bittet, an ihr Satellitensystem angeschlossen zu werden. Diese Gesuche wurden bisher vom Pentagon mit der Begründung abgelehnt, dass man seine technologischen Geheimnisse in diesem Bereich nicht preisgeben könne. Dass nun dennoch die Einrichtung einer solchen Radarstation erfolgt, ist auf eine Entscheidung von Präsident George W. Bush zurückzuführen. In Jerusalem hiess es dazu: «Bush wollte uns anscheinend noch vor seinem Ausscheiden aus dem Präsidentenamt

Die Radarstation soll mit amerikanischen Soldaten besetzt werden, die für die Bedienung und Wartung, aber auch für die Kommunikation mit den entsprechenden Schaltstellen des israelischen Militärs verantwortlich sein werden. Gegenwärtig geht man davon aus, dass diese neue Radarstation Anfang 2009 in Betrieb genommen wird. Raketen im Anflug auf Israel können dann schon in einer Entfernung von 2 000 Kilometern entdeckt werden. Zurzeit verfügt Israel über ein eigenes Radarsystem, das feindliche Raketen lediglich in einer

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ein Geschenk machen. Es ist eine sehr grosszügige Gabe an den Staat Israel, sodass wir unsererseits auf die Politik der Ablehnung einer permanenten Stationierung fremder Soldaten gerne verzichten.» Die Installation dieser Radarstation im Negev bedeutet tatsächlich, dass Israel seine Maxime: «Wir verteidigen uns selbst, ausschliesslich aus eigenen Kräften und auf Grundlage eigenständiger Entscheidungen», aufgibt. Die Amerikaner haben nämlich die Bedingung aufgestellt, dass Israel verpflichtet ist, die USA über einen Angriff auf den Iran vorab zu informieren. Auf diese Weise wollen die Amerikaner ihre zukünftig in Israel anwesenden Soldaten schützen, da man davon ausgeht, dass das US-Radarsystem eines der ersten Ziele eines iranischen Raketenangriffs wäre. Israelische Militärs äusserten in diesem

Zusammenhang die Vermutung, dass die Amerikaner inzwischen einen israelischen Präventivschlag gegen das iranische Atomforschungsprogramm ablehnen und genau wie die Europäer ausschliesslich auf Diplomatie setzen. ZL Kommentar: Müssen wir hier nicht an das Wort aus der Schrift denken: «Wenn der HERR nicht die Stadt behütet, so wacht der Wächter umsonst»? (Ps 127,1). Nur der Gott Israels ist die Garantie für die Sicherheit und den Erhalt Israels! Von Ihm lesen wir, dass Er weder schläft noch schlummert (Ps 121,4). Seine Augen sind Tag und Nacht über Israel geöffnet. Möge das Israel viel mehr bewusst werden. CM 

ISRAELISCHE WISSENSCHAFTLER MACHEN EINE NEUE ENTDECKUNG

Jasmin verheisst Hoffnung bei Krebs
Jasmin verbreitet einen angenehmen Duft und ist schön anzusehen. Die Pflanze stammt aus dem Nahen Osten. Auf Persisch bedeutet der Name «Geschenk Gottes». Israelische Wissenschaftler entdeckten neue, erstaunliche medizinische Eigenschaften dieser Pflanze.
In der Naturheilkunde wird Jasmin vor allem zur Linderung von die sich dann mit der Entwicklung von neuartigen Medikamenten Husten, Halsschmerzen und Bronchitis angewandt. Die Blüte enthält beschäftigen werden. So wäre diese Pflanze nicht mehr nur Hormone der Gruppe der Jasmonate. Dieser Name stammt auch von der Jasmin-Pflanze, in der die Jasmonate erstmals entdeckt wurden. Um die gesundheitsfördernden Eigenschaften dieser Jasmonate kranken Menschen in Form von Medikamenten zugänglich zu machen, gründete Prof. Eliezer Flescher von der Universität Tel Aviv die Firma Sepal Pharma Ltd. Die israelischen Wissenschaftler entdeckten, dass Jasmonate Jasmonate können Krebszellen zum Abstervielleicht auch Krebspatienten helfen könnben bringen ten. Vor allem Patienten, die unter Leukämie leiden, scheint der Stoff Hoffnung in Aussicht zu stellen. Studien der Sepal Pharma Ltd. ergaben, dass Jasmonate das Wachstum in Krebszellen nicht nur hindern, sondern diese sogar zum Absterben bringen. Bisher konnte man beobachten, dass sich dadurch die Nebenwirkungen einer Chemotherapie reduzieren lassen und die herkömmlichen Medikamente zugleich wesentlich besser wirken. eine wohlriechende Augenweide, sondern könnte die HeiDie Verantwortlichen von Sepal Pharma Ltd. hoffen, ihre Erkennt- lungschancen von unzähligen Patienten in aller Welt entscheidend nisse in Form von Patenten an Pharmakonzerne zu veräussern, verbessern. ZL 
WARUM MACHT EIN ATOMFORSCHUNGSZENTRUM MIT EINER DIÄT SCHLAGZEILEN?

Kantine wird zum Forschungslabor
Die israelische Stadt Dimona ist den meisten nur wegen des in der Nähe angesiedelten Atomforschungszentrums bekannt. Kürzlich machten die Mitarbeiter Schlagzeilen, nicht wegen ihrer atomaren Forschungsarbeit, sondern aufgrund ihrer Diät.
Sie waren von Wissenschaftlern der Universitäten Harvard, Leipzig und Ontario auserkoren worden. Über 300 Mitarbeiter des Atomforschungszentrums in Dimona nahmen für einen Zeitraum von zwei Jahren an der Studie teil. Dabei ging es nicht um die Arbeit im Atommeiler, sondern um Übergewicht. In der Kantine wurden drei verschiedene Diäten erprobt: Eine fettarme Diät, eine sogenannte mediterrane Diät und eine kohlenhydratarme Diät im Atkins-Stil. Am effektivsten und als gesundheitsfördernd erwiesen sich die beiden letztgenannten Diäten. Überwacht wurde die Studie von Wissenschaftlern der Ben-Gurion-Universität des Negev, die in Beer Sheva angesiedelt ist. Sie arbeiteten dafür eng mit Kollegen der amerikanischen Universität Harvard, der Universität Leipzig sowie der kanadischen Universität von Western Ontario

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Diäten am meisten der Gesundheit zuträglich ist. Medizinische Untersuchungen ergaben, dass insbesondere die Probanden, die die mediterrane Diät eingehalten hatten, eine Reduzierung des Blutzuckerniveaus und eine Verbesserung des Cholesterinniveaus im Blut aufwiesen. Im Gegensatz dazu schnitt die fettarme Diät am schlechtesten ab, weil alle Probanden einen merklichen Anstieg des Blutzuckergehalts aufwiesen. Dr. Iris Shai arbeitet an der Ben-Gurion-Universität des Negev am Zentrum für Gesundheit und Ernährung und leitete diese Studie. Sie sagte zum Ergebnis: «Wir sind mit den Testpersonen sehr zufrieden und sogar stolz, dass so viele durchgehalten haben. Insgesamt entsprach der Gewichtsverlust bei allen drei Diäten dem Umfang, den unsere Ärzte zuvor berechnet haben. Das Ergebnis wird Mediziner zukünftig jedoch dazu veranlassen, ihren Patienten nicht einfach nur eine fettarme Kost zu verordnen, sondern aufgrund der gesundheitsfördernden Aspekte entweder eine mediterrane Diät oder aber eine kohlenhydratarme Diät zu empfehlen.» AN 

zusammen. Gemeinsam planten sie eine «Gesundheitsrevolution» in der Kantine und Cafeteria des Atomforschungszentrums Dimona und boten den übergewichtigen Mitarbeitern an, eine von drei Diäten zu wählen. Wer sich für einen der Diätpläne

Atomforschungszentrums in Dimona fiel, weil dieses ziemlich isoliert ist. Die Angestellten können in der Mittagspause nicht eben mal über die Strasse springen und sich am nächsten Kiosk verpflegen. An der Studie nahmen insgesamt 322 Angestellte teil, die alle an moderatem Übergewicht litten. Sie haben ausnahmslos in dem von Ärzten zuvor geschätzten Mass an Gewicht
Gesund abspecken lässt es sich am besten mit der mediterranen Diät

einschrieb, erhielt weiterführende Beratungen, um auch zu Hause die Ernährung entsprechend umstellen zu können. Erwähnen muss man, dass die Wahl der Wissenschaftler ausgerechnet auf die Mitarbeiter des

verloren. Erstaunlich war für die Wissenschaftler, dass relativ viele die Diäten nicht nur einhielten, sondern 85 Prozent aller Teilnehmer den Ernährungsplan über volle zwei Jahre auch zu Hause umsetzten. Für die Wissenschaftler war jedoch nicht nur das ausschlaggebend, sondern es interessierte sie vor allem, welche der

Mehr zu den Grundelementen der Mittelmeerdiät: www.mediterraneandiet.com

ISRAELISCHE INNOVATION VERHEISST HOFFNUNG

Neue Perspektive für Querschnittsgelähmte
«ReWalk» heisst die israelische Innovation, die bereits weltweit für Schlagzeilen sorgte und vielen Menschen, die im Rollstuhl sitzen, neue Hoffnung gibt, wieder auf eigenen Beinen stehen, laufen und Treppen steigen zu können.
1994 sah die Karriere von Dr. Amit Goffer sehr vielversprechend aus. Er war ein brillanter Elektroingenieur, der seine Festanstellung
Dieser Mann ist querschnittsgelähmt, dank ReWalk kann er wieder gehen

kündigte, um die Firma Odin Medical Technologies zu gründen. Diese

Firma entwickelte ein Gerät, das heute in keinem Krankenhaus zur Durchführung der Magnetresonanztomografie (MRT) mehr fehlt. 2006 wurde die Firma für rund 20 Millionen Euro verkauft. Doch damals war Dr. Goffer schon lange nicht mehr unter den Mitarbeitern. Er hatte die Leitung abgeben müssen, weil er infolge eines schweren Autounfalls im Rollstuhl sitzt. Dennoch gab er nicht auf. Seine Behinderung veranlasste ihn, nach Lösungen für Probleme zu suchen, mit denen gelähmte Personen konfrontiert sind. Nach einer langen Rehabilitationsphase gründete er, obwohl er weiterhin an einen Rollstuhl

gefesselt ist, die Firma Argo Medical Technologies. Er wollte an einer Idee arbeiten, die gelähmten Personen wieder ein eigenständiges Gehen erlauben würde. So entstand der «ReWalk», eine Apparatur, die einem Anzug gleicht und am Körper – vorwiegend um die Beine – angelegt wird. Die Steuerung erfolgt computerisiert über Sensoren und weiteren technologischen Ausrüstungsbestandteile. Mittels eines Senders, der am Arm befestigt ist, kann man ReWalk sagen, was man gerade tun möchte. Gesteuert wird alles mittels eines Rechners, der zusammen mit den erforderlichen Batterien in einem Rucksack versteckt ist. Ein Querschnittsgelähmter braucht lediglich Krücken, um mithilfe des ReWalk gehen zu können. Testpersonen sind sogar in der Lage, Stufen zu bewältigen. Der ReWalk befindet sich gegenwärtig in der klinischen Testphase. Er wird in Krankenhäusern in Israel, Holland und Italien erprobt. Weitere Testreihen sind in den Vereinigten Staaten geplant. Die Firma hat vor Kurzem einen Film in Umlauf gebracht, der zeigt, wie der querschnitts-

gelähmte 40-jährige Mitarbeiter Radi Kioff mit dem ReWalk läuft. Im Film ist er zu Hause mit seiner Frau zu sehen. Es wird gezeigt, wie er ohne Hilfe aufsteht und sich wieder hinsetzt. Zudem führt Kioff vor, welche Bewegungen er dank des ReWalk eigenständig auszuführen vermag. «Diese Innovation verschafft gelähmten Menschen nicht nur mehr Selbstständigkeit und Bewegungsfreiheit, sondern sie können zudem mit ihren Familien, Freunden und Arbeitskollegen wieder auf Augenhöhe reden. Das ist ein vollkommen anderes Gefühl als beständig vom Rollstuhl aus den Kopf anheben zu müssen, um den Umstehenden ins Gesicht zu blicken, wenn man mit ihnen redet», erläuterte Uri Attir, Generaldirektor der Argo Medical Technologies. Der ReWalk ist für alle Menschen geeignet, deren unterer Körper paralysiert ist. Laut Angaben von Generaldirektor Attir handelt es sich dabei um rund 300 000 Menschen, denen der ReWalk ein völlig neues Lebensgefühl schenken könnte. «Das ist meine erste Innovation auf diesem Gebiet», meinte Dr. Goffer. «Ich

bin mir sicher, dass diese Erfindung vielen Menschen helfen wird. Es ist der erste Durchbruch, um den Rollstuhl als einzige Fortbewegungsalternative endlich in die Ecke zu verbannen. Und wir werden weiterhin an ähnlichen Innovationen arbeiten. Als nächstes Ziel habe ich mir vorgenommen, Menschen mehr Bewegungsfreiheit zu verschaffen, die – so wie ich – durch eine Lähmung des Oberkörpers noch umfassender eingeschränkt sind.» ZL Kommentar: Ist es nicht symptomatisch, dass diese Erfindung in Israel gemacht wurde, wo Jesus Christus viele Lahme heilte (vgl. Mt 11,5)? Auch durch die Hände der Apostel wurden Lahme geheilt (vgl. Apg 8,7). Natürlich waren das einmalige Zeichen. Dennoch dürfen wir davon ausgehen, dass, wenn das heute zum grossen Teil noch gottlose Israel solch kleine Wunder vollbringt, diese viel grösser sein werden, wenn sich Israel dereinst bekehrt haben wird und unter der Herrschaft des Messias steht. CM 

Mehr zu ReWalk: www.argomedtec.com

TROTZ SEINES NAMENS DOCH NICHT TOT

Das Tote Meer spendet Lebensqualität
Das Tote Meer hat seinen Namen nicht umsonst erhalten, denn wegen des enorm hohen Salzgehalts ist es ein feindliches Umfeld für Lebewesen. Dennoch führt der Name in die Irre, denn gerade aufgrund des Salzgehalts spendet es Linderung und Lebensqualität.
Zu den gesundheitsfördernden Kräften, die das Tote Meer hat, führte einer der namhaftesten israelischen Internisten, Prof. Shaul Sukenik, der am Medizinischen Zentrum Soroka in Beer Sheva tätig ist, aus: «Das Tote Meer ist zweifelsfrei eines der bedeutendsten Bäder der Welt.» In einem kürzlich publizierten Artikel hält Prof. Sukenik fest, dass die gesundheitsfördernden Eigenschaften des Toten Meeres auf das Zusammenwirken mehrerer einzigartiger Faktoren zurückgeht: Auf den Salzgehalt des Meeres, die Mineralien in der Luft und das Klima. Eine derartige Kombination findet man an keinem zweiten Ort der Welt. Prof. Sukenik erklärt auch, dass es selbstverständlich viele Kurorte gibt – insbesondere in Europa –, wo man gewisse Leiden lindern kann. Das Tote Meer allerdings verspricht Patienten mit ganz unterschiedlichen Beschwerden eine Linderung der Symptome und eine Besserung ihres Gesundheitszustands. Damit Kurorte ihre Quellen als Heilquellen ausschreiben dürfen, muss deren Wasser mindestens ein Gramm Mineralien pro Liter enthalten. Das Wasser des Toten Meeres – und auch das Wasser der Badebecken in den Hotels – enthält 330 Gramm Mineralien pro Liter. Der Schlamm, den man am Toten Meer findet, ist ein besonderes und weltweit
Das Tote Meer ist zweifelsfrei eines der bedeutendsten Bäder der Welt

unvergleichliches Konglomerat unterschiedlicher organischer und anorganischer Stoffe. Durch Behandlungen mit dem Schlamm des Toten Meeres lassen sich Gelenkentzündungen besonders effektiv behandeln. Abgesehen vom besonderen Wasser und einzigartigen Schlamm spielen auch die geografische Lage und das Klima eine Rolle. Da es

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kungen wie Psoriasis (Schuppenflechte), Neurodermitis und Störungen der Pigmentproduktion der Haut. Auch berichten Personen, die sich länger am Toten Meer aufhalten, von einer inneren Ruhe und Gelassenheit. Sie sprechen von einem ungewöhnlich guten und erholsamen Schlaf. Das ist ebenfalls auf die Mineralwolke zurückzuführen, denn sie enthält unter anderem das Element Brom. Brom hat eine beruhigende und entspannende Wirkung, weshalb es schon seit vielen Jahren in der Medizin in Form von Kaliumbromid bei Narkose-, Beruhigungs- und Schlafmitteln eingesetzt wird. Prof. Sukenik weist in seinem Artikel zudem darauf hin, dass das Tote Meer zweifelsfrei gesundheitsfördernd ist. Viele der dort behandelten Krankheiten sind zwar nicht heilbar, aber die Patienten verspüren durch einen Kuraufenthalt am Toten Meer eine enorme Linderung der Symptome. Ferner unterstreicht er, dass es sich hierbei um eine vollkommen natürliche Behandlungsmethode handelt. ZL  Mehr zum Toten Meer: www.deadsea.co.il

sich um den tiefsten Punkt der Erde handelt – mehr als 400 Meter unter dem Meeresspiegel – herrscht hier ein besonders hoher, atmosphärischer Druck. Jener Druck wirkt sich beispielsweise bei Gelenkbeschwerden günstig aus. Dank dieser Lage des Toten Meeres enthält die Luft auch mehr Sauerstoff als üblich. Daher fühlen sich Patienten mit Lungenbeschwerden am Toten Meer sehr viel besser als sonst irgendwo. Studien haben belegt, dass sie am Toten Meer ein wesentlich höheres physisches Leistungsvermögen erreichen. Durch die Lage des Toten Meeres und die hohen Temperaturen in der Wüstenregion kommt es überdies zu einer starken Verdunstung des Wassers. Das führt dazu, dass über dem Meer viele Mineralien freigesetzt werden. Diese Mineralwolke beeinflusst die Sonneneinstrahlung. So wird die Ultraviolettstrahlung der Klassifizierung B, die für unsere Haut besonders schädlich ist, abgefangen, während die UV-A-Strahlen durchdringen können, die vielen Kranken ein heilendes und zugleich unbeschwertes Sonnenbad ermöglichen. Gerade dies trägt wesentlich zur heilenden Kraft des Toten Meeres bei, insbesondere bei Hauterkran-

VERSTEIGERUNG EINZIGARTIGER DOKUMENTE DER VORSTAATLICHEN GESCHICHTE

Historie unter dem Hammer
Im Londoner Auktionshaus «Mullock’s» fand eine für Israel interessante Versteigerung statt, denn es ging um seltene Dokumente aus der britischen Mandatszeit in Palästina.
Versteigert wurden drei Dokumente, die mit der jüdischen Ansiedlung im britischen Mandatsgebiet Palästina zu tun haben. Neben zwei Dokumenten der vorstaatlichen jüdischen Armee Haganah erregte vor allem ein Dokument einer jüdischen Untergrundorganisation aus dem Jahr 1946 Aufsehen. Das Schriftstück kam für etwas mehr als 2 000 Euro unter den Hammer. Das versteigerte Dokument wurde kurz nach dem wohl spektakulärsten Anschlag einer jüdischen Untergrundorganisation auf die britischen Machthaber verfasst. Die Untergrundorganisation stand damals unter dem Kommando von Menachem Begin, der von 1977 bis 1983 als israelischer Ministerpräsident amtierte. Die «Irgun Zwa’i Le’umi», was so viel wie nationale Militärorganisation heisst, wurde 1931 ins Leben gerufen. Diese rechtsradikale zionistische Untergrundorganisation spaltete sich infolge ideologischer Auseinandersetzung von der Haganah ab und existierte bis kurz nach Gründung des Staates Israel im Jahre 1948. Die Irgun-Untergrundkämpfer orientierten sich an der rechtsnationalistischen Ideologie von Zeev Jabotinsky, die heute gerne als «Wiege des Likud» bezeichnet wird. Eine Radikalisierung des Kampfes der Irgun gegen die britische Mandatsmacht erfolgte 1937 durch einen Führungswechsel. Das in London versteigerte Dokument ist so interessant, weil es einen unmittelbaren Einblick in den Denkansatz der rund 5 000 organisierten Irgun-Mitglieder gewährt. Das Flugblatt ist «von den Soldaten des Untergrunds an die Soldaten der Besatzungsarmee» gerichtet und sollte den Briten eine Warnung sein, dass die Irgun gewillt ist, ihre Drohungen umzusetzen. Darin wird unter anderem eine Parallele zwischen Grossbritannien unter der Bedrohung durch Nazideutschland und der Situation der Juden gezogen, die in Palästina einen eigenen Staat aufzubauen versuchten: «Denken Sie an 1940. Damals schien es ziemlich gut möglich, dass Ihr Inselland

Das in London versteigerte Dokument ist so interessant, weil es einen unmittelbaren Einblick in den Denkansatz der rund 5 000 organisierten Irgun-Mitglieder gewährt
von Hitlers Horden erobert und unterjocht würde. (...) Was hätten Sie getan? Wären Sie in den Untergrund gegangen?» Wie im Hinblick auf alle radikalen Bewegungen, so löst auch die Irgun heute noch hitzige Diskussionen aus. Ex-Ministerpräsident Benjamin Netanyahu bezeichnete die Irgun-Kämpfer als Helden, weil sie anders als palästinensische Attentäter der Gegenwart «Moral gezeigt haben, indem sie vor den Aktionen konkrete Warnungen absetzten». In der Geschichtsschreibung wird allgemein die Gewaltbereitschaft verurteilt, die diese Organisation im Kampf um die Gründung eines souveränen jüdischen Staates an den Tag legte. AN 

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«KOMMANDO BIELSKI» – AUSSERGEWÖHNLICHE RETTUNG VON JUDEN

Jüdische Partisanen im Zweiten Weltkrieg
Die aussergewöhnliche Geschichte der Brüder Bielski ist kaum bekannt. Das änderte eine erste Buchpublikation vor einigen Jahren. Zudem soll jetzt auch über die ungewöhnliche Geschichte der Rettung von 1 200 Juden durch Juden in der Nazizeit ein Film gedreht werden.

Die Bielski-Partisanen

Hollywood wird die aussergewöhnliche Geschichte der Brüder Bielski in die Kinos bringen. Ende dieses Jahres sollen die Dreharbeiten abgeschlossen werden. Im Film «Defiance» spielt Daniel Craig, dessen Karriere 2005 durch die Rolle des legendären Filmgeheimagenten James Bond einen Höhepunkt erreichte, Tuvia Bielski, Anführer einer jüdischen Partisanengruppe, die 1 200 anderen Juden das Leben rettete. Tuvia, Alexander Zisel, Asael und Aharon Bielski wuchsen in einer Bauernfamilie in Weissrussland auf. Als die Wehrmacht im Zuge von «Unternehmen Barbarossa» am 22. Juni 1941 die Sowjetunion angriff, wurden sie mit ihren Familien in ein Getto zwangsumgesiedelt. Den Brüdern gelang wenig später zusammen mit 13 Nachbarn die Flucht in die Wälder, wo sie sich als Partisanen organisierten. Sie hatten von Anfang an erklärt, sich aktiv gegen die Nazis zur Wehr setzen zu wollen. Die Brüder Bielski waren hoch aufgeschossen, hatten blonde Haare und glichen äusserlich ihren polnischen und russischen Nachbarn, sodass sie ihre jüdische Herkunft in dieser schwierigen Zeit recht gut verbergen konnten. Tuvia Bielski wurde zum Anführer der Partisanengruppe. Er kam 1906 auf die Welt, hatte der zionistischen Jugendbewegung angehört und war ein Veteran der polnischen Armee. Er gab den Ton an, wobei

ihm in erster Linie wichtig war, Juden vor den NS-Verfolgern zu retten. Die Gruppe entsandte Kundschafter in die Gettos, um möglichst viele Juden herauszuschmuggeln. Im Laufe der Zeit stiessen dann auch jüdische Häftlinge dazu, die aus Konzentrations- und Vernichtungslagern fliehen konnten. Das Anwachsen der Gruppe erforderte eine Infrastruktur, und somit wurde in den Wäldern nach und nach ein kleines jüdisches Dorf geschaffen. Es gab eine Küche, eine Mühle, eine Bäckerei, ein Badehaus, eine Krankenstation sowie eine Isolierstation für ehemalige Häftlinge, die mit ansteckenden Krankheiten wie Typhus aus den Lagern geflohen waren und mehrheitlich zufällig auf die Gruppe stiessen. Zudem gab es eine Synagoge, und Handwerker richteten verschiedene Werkstätten ein. Die Gruppe, die schon bald auf 1 200 Männer, Frauen und Kinder angewachsen war, hielt sogar Milchkühe. Um jedoch überleben zu können, lancierten sie Übergriffe auf Dörfer in der näheren und ferneren Umgebung ihres Hauptquartiers, das sie aus Sicherheitsgründen mehrmals wechseln mussten. Bei solchen Übergriffen beschafften sie sich Lebensmittel, die sie dringend zum Überleben brauchten. Dabei kooperierten sie oft mit sowjetischen und polnischen Partisanen. In einem Fall gerieten die Par-

tisanen der Brüder Bielski in Verdacht, an einem Massaker in einem polnischen Dorf beteiligt gewesen zu sein. Nach dem Krieg stellte sich heraus, dass die Bielski-Gruppe zu dem Zeitpunkt gar nicht in der besagten Region gewesen war. Die Bielskis überfielen nur Dörfer, die offen mit den Nazis kooperierten. Vor diesem Hintergrund statuierten sie einige Exempel, um die Kollaboration ihrer ehemaligen Nachbarn mit dem Feind anzuprangern. Im Laufe der Zeit überfielen sie auch NS-Truppen in ihrer Region. Waffen fanden sie zumeist in alten Arsenalen der Russen. Als sie einige Einheiten der Wehrmacht in frontalen Kämpfen besiegten, gelangten modernere Waffen in den Besitz der Gruppe. Die Nazis setzten schliesslich auf Tuvia Bielski einen Kopfpreis von 100 000 Reichsmark aus. Als die Region 1944 von der Roten Armee befreit wurde, tauchten die jüdischen Bielski-Schützlinge aus dem Wald auf. Viele kampffähige Männer schlossen sich den russischen Truppen an. So auch Asael Bielski, der 1945 in der Schlacht um Königsberg fiel. Nach dem Krieg wanderten Tuvia und Alexander Zisel nach Eretz Israel aus, gingen 1955 jedoch in die USA. Als Tuvia Bielski starb, liess man ihm in Israel die Ehre eines Begräbnisses mit militärischen Ehren zuteilwerden. ZL 

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EINE ENTDECKUNG IN ZIPPORI

Römischer Tempel unter Kirche gefunden
In der galiläischen Stadt Zippori, dem altrömischen Diocaesarea, auch Sephoris genannt, haben Archäologen der Hebräischen Universität Jerusalem die Grundmauern eines römischen Tempels unter den Überresten einer byzantinischen Kirche entdeckt.
In Zippori – während der römischen Periode die «jüdische Hauptstadt» Galiläas – lebte einst eine gemischte jüdisch-heidnische Bevölkerung. In späteren Perioden prosperierte hier zudem eine grössere christliche Gemeinde. Die zerstörte historische Stadt Zippori ist heute ein Nationalpark mit zahlreichen archäologischen Attraktionen. Im Zentrum sind die Überreste einer byzantinischen Kirche zu besichtigen. Vor Kurzem entdeckten Archäologen unter Leitung von Prof. Zeev Weiss vom Fachbereich für Archäologie der Hebräischen Universität Jerusalem unter In Zippori wurde ein römischer Tempel diesen Ruinen die gefunden Überreste eines römischen Tempels, der grob in das 2. Jahrhundert n.Chr. datiert wird. Der Tempel steht südlich des Decumanus, der von Ost nach West und von Säulen gesäumten Hauptstrasse der Stadt. Der im Grundriss 24 mal 14 Meter grosse Tempel hatte zur Strasse hin eine geschmückte Fassade. Anhand von Münzen aus der Zeit des Antoninus Pius ist bekannt, dass es in Zippori einen Tempel gab, der Zeus und Tyche gewidmet war. Weil aber alle Mauern des Tempels in späterer Zeit – der genaue Zeitpunkt ist nicht festzustellen – geplündert worden und nur noch die Grundmauern übrig geblieben waren, konnten die Archäologen die Hinweise auf den Münzen bisher nicht eruieren. Die Überbauung eines heidnischen Tempels mit einer Kirche und die zentrale Lage deuten auf ein ausgeprägtes religiöses Leben hin. Zugleich zeugt es zusammen mit anderen Gebäudeüberresten auch davon, dass hier Juden, Heiden und später Christen miteinander gelebt und gemeinsam die antike Infrastruktur ihrer Heimatstadt entwickelt haben. Gegenüber der Ruine der byzantinischen Kirche fand man bei den Ausgrabungen in diesem Sommer zudem die Überreste eines einst monumentalen Gebäudes. Zwar ist bisher noch unklar, welchen Zweck dieser Gebäudekomplex erfüllte, doch sowohl seine Grösse als auch die geografische Lage deuten auf eine zentrale Funktion hin. Man fand unter anderem einen gut erhaltenen Fliesenboden und farbenfrohe Mosaike. Die meisten Wände und Säulen sind eingestürzt, was die Archäologen einem Erdbeben zuschreiben. Zippori liegt nahe Nazareth, das zur Zeit Jesu nur ein kleines Dorf war, während sich Zippori damals zu einer grossen und vor allem reichen Stadt entwickelte. Weil Josef, der Vater Jesu im Neuen Testament im Griechischen als «Tekton» bezeichnet wird, vermutete der verstorbene Theologe Carsten Peter Thiede, dass Josef wohl eher Architekt und nicht Zimmermann war. Und als «Architekt», so Thiede in einem vor einigen Jahren geführten Interview, dürfte Joseph eher im nahe gelegenen Zippori tätig gewesen sein. US 
EIN «BEEINDRUCKENDER UND EINZIGARTIGER» ARCHÄOLOGISCHER FUND

Grösste antike Olivenpresse entdeckt
Das Heilige Land war für sein Olivenöl weit über die Grenzen hinaus bekannt. Immer wieder finden Archäologen Olivenpressen, die das belegen. Doch noch niemals zuvor stiessen sie auf eine derart grosse Anlage, wie jetzt.
Antike Olivenpresse in Israel

Die Herstellung von Olivenöl wird in der Bibel mehrmals erwähnt, wie beispielsweise in 2. Mose 29,40 und 30,24 oder in Jesaja

17,6. Diese Tradition wurde im Heiligen Land über viele Jahrhunderte fortgesetzt, und die Produktion von Olivenöl scheint, wie der jetzige Fund zeigt, in byzantinischer Periode zur Anlage von Grossproduktionsstätten geführt zu haben. Die in den israelischen Medien als «beeindruckend und einzigartig» bezeichnete Olivenpresse wurde im Moschaw Ahihud entdeckt, der rund neun Kilometer östlich von Akko liegt. Die Presse wurde von Experten der Israelischen Antikenbehörde in das 6. oder 7. Jahrhundert n.Chr. datiert – in die Zeit der byzantinischen Herrschaft im Heiligen Land, die mit Kaiser Konstantins Bekehrung zum Christentum 313 n.Chr. einsetzte und 636 n.Chr. mit der muslimischen Besatzung des Landes ein Ende

fand. Die Experten gehen davon aus, dass die Olivenpresse zu einem byzantinischen Kloster gehörte, das vor 1 400 Jahren durch einen Grossbrand zerstört wurde. Dieser Grossbrand zerstörte zwar das Kloster, sorgte aber zugleich auch dafür, dass etliche Teilanlagen der Nachwelt erhalten blieben, darunter die nun entdeckte Olivenpresse, wie Ausgrabungsleiter Michael Cohen gegenüber der Jerusalem Post erläuterte. In der Mitte des Gebäudes wurde ein grosser runder Stein zum Pressen gefunden, auf dem ein Mühlstein platziert war. Darüber hinaus fanden die Archäologen zwei Steinbehälter, die mit Mosaikböden ausgelegt und deren Wände verspachtelt sind. In diesen Anlagen konnten, so die Schätzungen der Experten, zusammen rund 20 000 Liter

Olivenöl gelagert werden. Ferner wurden in der Umgebung marmorne Altarbilder, mehrere Lampen, eine Bronzekette sowie Keramiküberreste gefunden. Das alles scheint darauf hinzudeuten, dass der Komplex nicht auf die Initiative einer Einzelperson zurückgeht. Daher wurde die Vermutung geäussert, dass es sich um eine Klosteranlage handelt. Die Entdeckung jener antiken Überreste im Moschaw erfolgte aufgrund von Bauarbeiten. Diese wurden dann zeitweise ausgesetzt, um den Archäologen Gelegenheit zu geben, die Überreste zu retten. Jetzt prüfen die israelischen Behörden in Abstimmung mit den Bewohnern des Moschaw, wie dieser einzigartige Fund der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann. AN 

BRINGT EIN NEUES PHÄNOMEN EINE WEITERE MASSENEINWANDERUNG?

«Marranos» besinnen sich auf ihre jüdischen Wurzeln
Im Mittelalter wurden sie von den spanischen Inquisitoren «Marranos» genannt, was Schwein bedeutet. Der Ursprung dieses Wortes geht vermutlich auf das arabische Wort «Mahram» – verbotene Sache – zurück. Die Nachfahren dieser einst zum Übertritt zum Christentum gezwungenen Juden konvertieren nun zurück zum Judentum.
Einst war «Marranos» ein Schimpfwort. Heute erfüllt es ihn mit Stolz, wenngleich er die hebräische Bezeichnung «Anousim» (Die, die gezwungen wurden) vorzieht. Dennoch ist es ein heimlicher Stolz. Wenn er sich in seiner Wohnung im spanischen Toledo aufhält, trägt der 41-jährige Antonio Lopez ganz offen seine grosse weisse Kippa. Wenn er jedoch an seinem Arbeitsplatz in einer grossen Bank sitzt oder unter fremden Menschen ist, verbirgt er, dass er gerade einen Übertritt zum Judentum durchläuft. Auch vor seinen Eltern hält er dies geheim. «Ich finde nicht den Mut, es ihnen zu erzählen», meinte er. «Es wäre so, als würde ich in einer offenen Wunde wühlen, die meiner Familie noch immer Schmerzen bereitet. Meine Eltern wollen sich nicht daran erinnern, wie ihre jüdischen Vorfahren einst behandelt wurden.» Lopez ist einer von vielen. Schon seit einiger Zeit ist unter Spaniern, Portugiesen und Brasilianern dieses Phänomen zu beobachten. Viele versuchen, ihre Familiengeschichte zu ergründen. Wenn sie entdecken, dass sie Nachfahren der «Marranos» sind, erklären sich plötzlich ihre «merkwürdigen Familientraditionen»: Am Freitagabend wurden Kerzen angezündet. Schweinefleisch war verpönt, anderes Fleisch wurde nach der Schlachtung in Salz eingelegt, um das Blut herauszuziehen, und dann gab es da einen Tag im Herbst, an dem gefastet wurde. Die ersten Generationen der «Marranos» taten das heimlich. Irgendwann wurde
Wenn manche entdecken, dass sie Nachfahren der «Maranos» sind, erklären sich plötzlich ihre «merkwürdigen Familientraditionen»

indem sie sich wieder einem jüdischen Lebensstil zuzuwenden beginnt. Die jungen

der Grund für diese rituellen Handlungen vergessen, auch wenn man sie über viele Generationen fortsetzte. Die jetzige, jüngere Generation fing an, zu hinterfragen und zog ihre Konsequenzen,

Menschen, die sich über solche Traditionen in ihren Familien wundern, werden

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der Staat Israel eine besondere Abteilung einrichten solle, um sich dieser Menschen und ihrer Angelegenheiten anzunehmen, denn er ist der Überzeugung, dass das Volk Israel ihnen gegenüber eine moralische Verpflichtung zu erfüllen habe. ZL Kommentar: Dieser Bericht ist ein weiteres Beispiel dafür, was im Namen des Christentums den Juden in den letzten 2 000 Jahren angetan wurde. Auch die Nazis bezeichneten sich als Christen. Adolf Eichmann war getaufter Christ. Umso wichtiger ist es, dass wir heute als Christen in Israel die wirkliche Liebe Jesu leben, zeigen und weitergeben. Das tun wir unter anderem dadurch, indem wir Israel beispielsweise finanziell unterstützen, also die tätige Liebe Jesu vorleben. Paulus sagte, dass er versuche, seine jüdischen Brüder eifersüchtig zu machen, sodass sie Christus in ihm sehen würden (vgl. Röm 11,14). Darin sehen auch wir von Beth-Shalom unseren Auftrag. Kommen Sie mit nach Israel und strahlen Sie Jesus aus! CM 

bei ihren Nachforschungen schnell ins Mittelalter zurückversetzt. Alles nahm 1391 seinen Anfang. 1492 erreichte die Verfolgung von Juden in Spanien ihren Höhepunkt mit der Ausweisung aller Juden, die nicht den erzwungenen Übertritt zum Christentum vollzogen. Später war davon auch Portugal betroffen. Viele Juden verliessen das Land, andere beugten sich dem Gebot, fortan als Christen zu leben. Trotzdem praktizierten viele ihr Judentum zumindest heimlich weiter. Laut Schätzungen sollen rund 20 Prozent der Einwohner des heutigen Portugals von zwangskonvertierten Juden abstammen. In vielen Familien ist das Wissen darüber verloren gegangen, andere wissen um ihre jüdische Abstammung, hüten sie jedoch immer noch als Familiengeheimnis. Einige jüdische Organisationen kümmern sich jetzt um solche Personen, die Nachfahren der vor Jahrhunderten zwangsweise christianisierten Juden sind. Michael Freund, der der Organisation Shavei Israel (Rückkehrer nach Israel) vorsitzt, liess kürzlich in Costa del Sol in Spanien ein Seminar für 50 Nachfahren der «Anousim» ausrichten,

die sich dafür interessierten, ihre jüdischen Wurzeln erneut aufleben zu lassen. Das jüdisch-religiöse Establishment steht diesem Phänomen jedoch sehr skeptisch gegenüber. Den betroffenen Personen wird eine Konversion zum Judentum schwer gemacht. Paolo Vitorino, ein 40jähriger erfolgreicher Geschäftsmann aus Lissabon, berichtete: «Ich habe eine Frau geheiratet, die ebenfalls aus einer Familie mit jüdischen Wurzeln stammt. Als wir uns einer Synagogengemeinde anschliessen wollten, wurden wir abgewiesen. Wie können sie das wagen? 500 Jahre lang wurden in meiner Familie gewisse jüdische Traditionen bewahrt und von Generation zu Generation weitergegeben, doch jetzt schliesst man mich erneut aus?» Michael Freund, der Gründer der Organisation Shavei Israel, ist der Ansicht, dass sich der Staat Israel um diese Angelegenheit kümmern müsse. Es gebe Tausende von Personen, die nach Israel einwandern wollten, meinte er. Andere, die keine Einwanderung beabsichtigten, wären, so Freund, «wunderbare Botschafter des Zionismus in ihrer Heimat». Er fordert, dass

Homepage von Shavei Israel: www.shavei.org

NEUER FEIND DER ISRAELISCHEN ARMEE

Rekrutenmangel und längerer Reservedienst
Die israelische Armee gilt nach wie vor als eine der schlagkräftigsten des Nahen Ostens. Gegenwärtig macht sich aber der Feind Demografie bemerkbar, denn es herrscht Rekrutenmangel.
In der israelischen Armee dienen gegenwärtig in den drei Bereichen der Luftstreitkräfte, des Heeres und der Marine rund 170 000 Männer und Frauen. Das Land kann darüber hinaus 450 000 Reservisten mobilisieren. Allerdings macht sich seit einigen Jahren ein Rekrutenmangel bemerkbar, der die Armee und israelische Regierung inzwischen sogar zu Konsequenzen, unter anderem in Form von neuen Gesetzen, veranlasste. In diesem Novembermonat 2008 erfolgt die Mobilisierung des nächsten Jahrgangs der 18-jährigen Männer und Frauen. Im Vergleich zur Mobilisierung 2004 verzeichnet die Armee rund zwölf Prozent weniger Rekruten. Ein solcher Rückgang macht sich inzwischen seit vier Jahren bemerkbar. Die Zahlen sind dabei immer weiter zurückgegangen und haben 2008 einen Tiefstand erreicht, der weder zu ignorieren noch zu tolerieren ist. Die Zahl der eingezogenen Wehrpflichtigen des Jahres 2008 kommt der Zahl der Mobilisierten vor 20 Jahren gleich, wie das Internetnachrichtenportal Ynet berichtete. Dies ist vor allem auf einen drastischen Rückgang der Geburtenrate vor zwei Jahrzehnten zurückzuführen. Darüber hinaus macht sich bemerkbar, dass weniger Neueinwanderer im wehrpflichtigen Alter ins Land kommen. Der Rekrutenmangel wird sich laut Angaben der Armeeabteilung für Planung und Personalverwaltung vor allem in den Service- und Logistikeinheiten bemerkbar machen. Geplant ist, mehr Frauen in Einheiten aufzunehmen, die die kämpfenden Truppen unterstützen. Dann kann man nämlich aus den logistischen Einheiten Männer zu den Kommandotruppen abziehen. In einem Bericht wird darauf hingewiesen, dass die jungen Wehrpflichtigen weiterhin extrem motiviert seien, in kämpfenden Einheiten zu dienen. Annähernd 70 Prozent aller mobilisierten jungen Männer würden am liebsten in Kommandoeinheiten dienen. Viele strebten sogar eine Aufnahme in die Elitetruppen an. Dennoch muss man etwas gegen den allgemeinen Rekrutenmangel unternehmen. Somit hat die Armee beschlossen, Anträge auf Freistellung vom Wehrdienst eingehender zu prüfen. Dabei kann es sich um gesundheitliche Gründe handeln, doch viel weiter verbreitet ist in Israel die Angabe, aufgrund der religiösen Überzeugung nicht dienen zu können. Auch die wenigen Wehrdienstverweigerer aus anderen Gründen sollen genauer unter die Lupe genommen werden, denn in den nächsten Jahren zeichnet sich kein Anstieg der Rekrutenzahlen ab. Parallel dazu entschied die Knesset auf Antrag, die Dienstzeit der Reservisten sowohl für Soldaten als auch für Offiziere zu verlängern. Zudem gab Verteidigungsminister Barak an, dass fortan nicht mehr nur einfache Übungen und «irgendwelche Lücken füllenden Programme» auf dem Dienstplan der Reservisten stehen sollen, sondern Manöver durchgeführt werden, die den tatsächlichen militärischen Einsatz proben. AN 

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