"Für mich war immer klar, das manche Bücher eine Seele besitzen", sagte der Mann im schwarzen

Anzug und dem weissen Hut. "Nehmen wir dieses hier zum Beispiel." Er hält ein altes in Leder gebundenes Buc h nach oben und kümmert sich aber nicht weiter darum ob sein Publikum den Titel des Buches erkennt. "Ich bekam es zu meinem 18. Geburtstag geschenkt und habe es bisher noch nie zu Ende gelesen. Es war für mich immer ein Zeichen dafür das ic h älter werde, ein Zeichen für Verfall, und wenn ich es lesen würde, wäre ich er wachsen. Trotzdem blättere ich gerne darin, schnuppere gerne in das Erwachsensei n. Ich weigere mich aber meine Jugend abzugeben, weigere mich diesen Schritt zu gehen der alles verändern würde." Er machte eine kurze Pause und blickte in die Gesichter der Zuschauer, die Still e im Raum wurde recht schnell unangenehm, wieso der Mann die Pause dann absichtl ich verlängerte, wartend auf eine Reaktion. Er bekam keine. "Ich habe in meinem doch schon recht langen Leben viele Bücher geschrieben. Viel e Bücher die gelesen wurden, viele die nie veröffentlicht wurden, sei es weil si e mir nicht gefielen oder meinen Verlegern. Doch alle meine Bücher hatten eine S eele, sie hatten einen Grund und ultimativ sollten sie das Leben der Menschen, d ie sie lesen verändern. Während ich hier stehe und zu ihnen rede wird mein letzt es Werk gerade bereit gemacht für den weltweiten Verkaufsstart. Ich sage bewusst 'Mein letztes Werk', denn es werden keine mehr folgen." Wieder herrschte Stille im Raum, kein Raunen ging durch die Reihen der Zuschauer , kein Seufzen, keine Aufschreie entsetzter Buchkritiker. Nach wenigen Sekunden hat der Mann am Rednerpult wieder das kleine Lederbuch in seiner Hand, hält es h och, und verkündet: "Dies ist mein letztes Werk, wie sie erkennen können, ist es das selbe, dass ich zu meinem 18ten Geburtstag geschenkt bekam. Dies, meine Her ren, ist meine Seele, auf Papier gebannt, in Leder gebunden, und für immer festg ehalten um das Leben der Menschen, die daraus lesen zu verändern. Dies ist mein Tagebuch. Danke." Der Mann nahm seinen Mantel von einem Stuhl hinter sich, steckte das Buch in ein e der Innentaschen, zog ihn an und setzte sich auf den Stuhl und blickte in die Zuschauerreihen. Die Stille im Raum endete plötzlich, als der Mann seine Augen schloss, es kehrte Leben in die Reihen der befreundeten Autoren, Kritiker und Reporter. Es war als hätte man ihnen wieder Leben eingehaucht, hätte ihnen etwas unglaublich wertvol les gezeigt, den schon bald vibrierte der Raum von den lebendigen, freudigen und interessierten Gesprächen über das gerade erlebte und diesen historischen Augen blick. Niemand von ihnen bemerkte aber, dass der Mann seine Augen nicht mehr öff nete.

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