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Das Risiko der Kernenergie ist deutsch

Ulrich Wolff
Mai 2016
Deutschland steigt aus der Kernenergie aus! Das Risiko ihrer Nutzung sei nicht
akzeptabel! – Auch der Nachbar Frankreich hatte sich für Kernenergie entschieden
und bleibt dabei! - Russland, Japan und viele andere Staaten bauen und betreiben
weiter viele Hunderte von Kernkraftwerken. Sind die Menschen dort alle blind?
Das Bundesamt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in Deutschland zeichnet für
das Jahr 2013 mit einer „langjährig normalen“ Unfallstatistik das Bild der Risiken für
Leib und Leben in dem Deutschland, das immer noch ein Fünftel seines Stroms mit
der Kernenergie erzeugt.

Auch im Jahr 2013 taucht die Kernenergie einmal mehr nicht in der Unfallstatistik des
Landes auf. Gleiches gilt für all die anderen Länder, die nun seit mehr als 50 Jahren
ebenfalls Kernenergie nutzen. In ihren Unfallstatistiken finden sich weder Verletzte
noch Todesopfer1 als Folge der Nutzung des Stroms aus mehr als 400 Kraftwerken.

1 Der Unfall in Tschernobyl traf eine Maschine, die zur Erzeugung von Plutonium für Kernwaffen
konstruiert worden war mit der Stromerzeugung als Nebenprodukt zur Senkung ihrer
Herstellungskosten. Die Zahl der Opfer mit Todesfolge blieb deutlich kleiner als 1000.
Der Unfall in Fukushima war die Folge einer Naturkatastrophe. Eine nach dem Stand der
Wissenschaft unnötige Evakuierung, die z. Zt. beendet wird, verursachte dort etwa 100 Todesopfer.

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Auch die Nutzung der Kernenergie zur Stromerzeugung kann grundsächlich - wie
jede andere Tätigkeit auch – zu einer Gefahr für Leib und Leben von Menschen
werden. Ihre friedliche Nutzung wude daher mit besondere Sorgfalt begonnen. Es
war wohl der Blick auf die Bombe, den alle an ihrer Entwicklung Beteiligten von
Anfang an niemals aus dem Auge verloren. Der bisher in der Technik übliche Weg
von „Trial and Error“ wurde verlassen. Eine vorlaufende Risikoanalyse ist weltweit
verbindlich wesentlicher Bestandteil von Entwicklung, Konstruktion, Errichtung und
Betrieb der Kernkraftwerke:
Alle erkennbaren Einwirkungen und Fehler wurden und werden erfasst, bewertet und
sind Grundlage der organisatorischen und technischen Anforderungen wie z. B. die
Quantifizierung erforderlicher Redundanzen, der Diversifizierung in den Systemen
und Komponenten des Kraftwerkes und der Grad der Automatisierung. Auf diese
Weise ist es mit einer großindustriell eingesetzten Technik erstmalig in der
Geschichte bis heute gelungen, Schäden an Leib und Leben zu vermeiden.
Dieser überzeugende Nachweis der mit Kernnergie erreichten beispiellosen
Reduktion der Risiken darf trotzdem nicht als Nullrisiko falsch verstanden werden!
So zeigt die Fehlinschätzung der Tsunamigefahr in Fukushima, dass auch in Zukunft
Unfälle, die das Potential haben, Leib und Leben von Menschen zu gefährden, nicht
mit absoluter Sicherheit ausgeschlossen werden können.
In Tschernobyl war es allerdings eine grob fahrlässige Nichbeachtung vorgenannter
Grundregeln in einer Militärtechnik, die dann zu einer Bennstoffexplosion führte und
Menschenleben im Kraftwerksbereich gefordert hat.
Offenbar ist es ausserhalb Deutschlands – wie auch für den Autor - schwer zu
verstehen, dass man nach 50 Jahren in einem Land (mit mehr als 1 Million
Unfalltoten während dieses Zeitraums) auf eine Technik, die bisher weltweit
niemanden verletzt hat, wegen ihres angeblichen Risikos verzichtet.