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Templ: "Bin behandelt worden wie ein Hendldieb" ­ Wien ­ derStandard.at › Panorama

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Templ: "Bin behandelt worden wie ein
Hendldieb"
INTERV IEW
PETRA  STUIBER
11. Juni 2016, 12:00

223 POSTINGS

Der Publizist über seinen Restitutionsfall rund um das
ehemalige Sanatorium Fürth und seine Verurteilung wegen
schweren Betrugs

STANDARD: Kam Ihre Enthaftung überraschend für Sie?
Templ: Überhaupt nicht. Mir war ja eigentlich vom
Justizministerium die Halbierung der unbedingten Haftstrafe
zugesagt worden. Aber der Strafvollzugsrichter hat gemeint,
mein angeblicher Betrug an der Republik Österreich sei so
schwerwiegend, dass man mich nicht freilassen könne – obwohl
die Finanzprokuratur keine Schädigung der Republik erkennen
konnte. Aber nach Verbüßung von zwei Dritteln der Haftstrafe
mussten sie mich eigentlich freilassen. Ich war erstverurteilt und
habe mich in Haft ordnungsgemäß benommen.
STANDARD: Damit ist die Sache aber noch nicht beendet?
Templ: Nein, ich habe noch zwei Jahre, drei Monate und etliche
Tage bedingt.
STANDARD: Was werden Sie jetzt unternehmen?

foto: heribert corn

Templ will einen neuen Strafprozess: "Der
Entschädigungsfonds hat seine Arbeit nicht gut
gemacht. Ich musste dafür büßen."

Templ: Ich wende mich an den Europäischen Gerichtshof für
Menschenrechte in Straßburg. Im Zivilverfahren, das meine
Tante Elisabeth K. gegen mich angestrengt hat, gab es kein
Beweisverfahren. Das war ein eklatanter Nachteil für mich, das
hat mir schweren Schaden zugefügt. Dazu kommt, dass die
Republik ihre Ansprüche an der Restitution des Palais Fürth,
das meiner Familie von den Nazis geraubt worden war, an
meine Tante abgetreten hat. In einem Geheimvertrag, der nun
dem Gericht vorlag. Sie hat mich daraufhin auf die Erstattung
von 550.000 Euro geklagt. Das ist ein Präzedenzfall dafür, dass
die Republik ihre eigenen Gesetze nicht ernst nimmt.
STANDARD: Wie meinen Sie das?
Templ: Wozu braucht man Restitutionsgesetze mit
Antragsfristen und ­bedingungen, wenn die Republik dann
geheim potenzielle Erben beschenkt? Das ging doch alles nicht
mit rechten Dingen zu.
STANDARD: Es stört Sie nur der Verlauf des Zivilprozesses?
Am Strafprozess gab es nichts auszusetzen?
Templ: Da gab es eine Menge auszusetzen. Mein Anwalt hat
einen Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens gestellt.
Vieles, was für mich sprach, wurde im Prozess nicht
berücksichtigt.
STANDARD: Zum Beispiel?
Templ: Etwa die Tatsache, dass dem Entschädigungsfonds seit

http://derstandard.at/2000038688658/Templ­Bin­behandelt­worden­wie­ein­Hendldieb

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Templ: "Bin behandelt worden wie ein Hendldieb" ­ Wien ­ derStandard.at › Panorama

2003 bekannt war, dass es eine Tante gibt. Dazu kommt, dass
ich diese Tante beim Restitutionsantrag, den ich im Namen
meiner Mutter gestellt habe, auf Formularen insgesamt
sechsmal erwähnt habe. Das Problem ist, dass der
Entschädigungsfonds seine Arbeit nicht gut gemacht hat. Und
ich musste dafür büßen. Ich bin behandelt worden wie ein
Hendldieb.
STANDARD: Eine Sportreporter­Frage: Wie fühlen Sie sich
jetzt?
Templ: Wut und Ärger überwiegen eigentlich die Erleichterung,
wieder auf freiem Fuß zu sein. Diese Gefühle darf man ja in der
Haft nicht aufkommen lassen, sonst gilt man gleich als
unkooperativ. Ich habe versucht, das zu trennen. Jene, die
mich bewachten, waren ja nicht diejenigen, die mich
eingeschlossen haben.
STANDARD: Fühlten Sie sich korrekt behandelt im Gefängnis?
Templ: Im Freigang ja. Die meisten Justizwachebeamten waren
nett und korrekt. Bis auf einen, der war ein Sadist. (Petra
Stuiber, 11.6.2016)
Zur Person
Stephan Templ (56) ist Architekturpublizist und Spezialist für
Arisierungen. Er hat ein Buch über den Umgang der Republik mit
Restitutionen geschrieben.

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