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In: Robert L. Benson, Johannes Fried (Hgg.

), Ernst Kantorowicz Erträge einer Doppeltagung (Princeton/Frankfurt), Stuttgart 1997

Ernst Kantorowicz Das Geheime Deutschland
Vorlesung, gehalten bei Wiederaufnahme der Lehrtätigkeit am 14. November 1933*
- Edition von Eckhart Grünewald -

Es ist alter akademischer Brauch bei Neuantritt eines Amtes sich durch eine eigene Vorlesung mit seinem künftigen Hörerkreis bekannt zu machen. Ich habe zwar nur ein Semester hindurch meine öffentliche Lehrtätigkeit ruhen lassen .. doch das ungeheuere Geschehen der letzten Monate rechtfertige es, dass auch die blosse 'Wiederaufnahme eines Lehramtes als Gelegenheit ergriffen werde, sich seinen Hörern von neuem vorzustellen. Heute will ich darum, bevor ich zu dem eigentlichen Stoffgebiet dieses Wintersemesters übergehe, Ihnen in einer Art "Antrittsvorlesung" über ein ganz anderes Thema sprechen. Mehr als jede Erklärung mag dann dieses Bekenntnis - und warum führte man den Titel eines "Professor", wollte man nicht in entscheidenden Stunden auch Bekenner zu sein den Mut haben! - Ihnen zum Verständnis dienen, warum- meine Auffassungen über letzte Quelle und letztes Ziel alles Lehrens sich unverändert gleichbleiben durften, so dass ich heute genauso zu Ihnen sprechen kann wie ehedem und genauso den Faden wiederaufzunehmen gewillt bin, wie er im Frühjahr zu Boden fiel. Daraus wird sich freilich Eines ergeben: dass Sie von mir nicht erhoffen dürfen, ich würde Klüfte mit Flechtwerk überdecken und Schwierigkeiten vermeidend mir mit Phrasen heraushelfen, wo doch nur Eins dem heutigen wie dem künftigen Deutschland zu dienen vermag: Klarheit und ein durch nichts zu

* Das Manuskript der Vorlesung von Ernst Kantorowicz liegt in zwei Fassungen vor: die erste Fassung "F" aus dem Nachlaß von Ernst Kantorowicz im Leo Baeck Institute, New York, das mit hoher Wahrscheinlichkeit den Text wiedergibt, den Kantorowicz in seiner. Frankfurter Vorlesung vorgetragen hat. Die zweite Fassung ist aus dem Nachlaß von Edgar Salin, C 34, Öffentliche Bibliothek der Universität Basel. Diese Fassung hat Ernst Kantorowicz mit Schreiben vom 23.11.1933 an Salin übersandt; er wollte sie Stefan George zukommen lassen, der, schon schwer krank, in Minusio bei Locarno wohnte. Diese zweite Fassung ist von Ernst Kantorowicz stilistisch leicht überarbeitet worden, ihr Wortlaut wird in dieser Edition wiedergegeben. Der abweichende Wortlaut der ersten Fassung "F" ist jeweils in den alphabetischen Fußnoten dokumentiert. Die Rechtschreibung von Ernst Kantorowicz wurde beibehalten, so z.B. die im George-Kreis gebräuchliche Verwendung des "ss" statt .B" und andere Eigenheiten. Orthographische Fehler wurden stillschweigend berichtigt. Ralph Giesey, Tucson, Arizona, dem Schüler und Freund von Ernst Kantorowicz und Erben seines wissenschaftlichen Nachlasses, sei gedankt für die Erlaubnis, den Text zu publizieren.
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F: dass

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erschütternder Glauben an die Unsterblichen dieses Landes und seine" Verheissungen. Und das mag unsere gemeinsame Basis bilden.

I. Das Thema dieser Antrittsvorlesung soll heissen: Das Geheime Deutschland. Manchen von Ihnen wird unbekannt sein, dass dieser Begriff "das geheime Deutschland" schon seine Geschichte hat. Von Lagarde geprägt', hat Langbehn, der .Rernbrandt-Deutschev-, den Begriff übernommen und ihn in dem Sinn angewandt, dass er von Rembrandt, Beethoven, Goethe als den "wahren Kaisern des geheimen Deutschland" sprach. Dann griff Karl Wolfskehl im ersten Jahrbuch für die geistige Bewegung das Wort vom "geheimen Deutschland" auf und gab ihm einen etwas andern Sinn-'. Wolfskehl verstand unter dem "geheimen Deutschland" die Träger gewisser deutscher, noch schlummernder Kräfte, in welchen sich das zukünftige erhabenste Sein der Nation vorgebildet oder schon verkörpert fand. In dem "geheimen Deutschland" sah er die Empfänger einer -unveränderlichen, ewig gleichen- Kraft, die als Unterstrom unter dem sichtbaren Deutschland geheim bleibt und auch nicht anders zu fassen ist als durch Bilder. Zugleich übertrug Wolfskehl den Begriff auf eine lebende Gemeinschaft, welche diese geheimen Kräfte bewahrte und behütete. Ihm war das "geheime Deutschland" jenes "einzig lebendige" der Vorkriegszeit, das - erweckt durch die neue Dichtung - damals allein in der Umgebung Stefan Georges zu Wort gekommen ist und sich in ihr manifestierte. "Dass dies geheime Deutschland - so schrieb Wolfskehl im Jahre 1910 nicht verdorrt ist, dass es vernehmlicher denn seit langem aus seiner Berg- und Höhlenentrückung herauf will ans Licht, das gibt uns die tiefe Zuversicht für eine Zukunft, die gewiss ernst, schwer und düster, gewiss voll der unerhörtesten Erschütterungen sein wird, in der aber auch zum letzten Male vielleicht die Tiefenkräfte" sich offenbaren wollen. "5
) Paul de Lagarde (*1827, t1891), Orientalist, Kulturphilosoph und Zeitkritiker, in seinen Schriften "Die Religion der Zukunft" (1878) und "Über die gegenwärtige Lage des Deutschen Reiches" (1886) , s. hierzu das Kapitel "Das 'Geheime Deutschland:" in: Eckhart Grünewald, Ernst Kantorowicz und Stefan George. Beiträge zur Biographie des Historikers bis zum Jahre 1938 und zu seinem Jugendwerk "Kaiser Friedrich der Zweite", Wiesbadenl982, S.74 ff; Peter Hoffmann, Claus Schenk Graf von Stauffenberg und seine Brüder, Stuttgart 1992, S.61 ff. 2 Julius Langbehn (* 1851,t1907), Schriftsteller, hatte unglaublichen Erfolg mit seinem Buch .Rernbrandt als Erzieher. Von einem Deutschen" (1. Aufl. 1890,55. Aufl. 1922), darin vor allem das Kapitel "Der heimliche Kaiser", in der Erstauflage S.352-356, hierzu Grünewald (wie Anm.l) S.78 f. 3 Karl Wolfskehl (* 1869,t1948), Dichter, Freund und Mitarbeiter Stefan Georges, in seinem Aufsatz "Die Blätter für die Kunst und die neuste Literatur", in: Jahrbuch für die geistige Bewegung 1 (1910) S. 1-18. 4 Im Text von Wolfskehl heißt es nur: "Tiefen". 5 Wolfskehl (wie Anm.3) S.15.
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F: ihre F: unveränderlich, sich ewig gleichbleibender

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Mit dieser Zuversicht, mit dem Glauben an das Sein eines "geheimen Deutschland" verband dsich, zunächst nur bei einigen Wenigen, auch" der Glauben an die Nation und ihre glänzende Wiedergeburt. In den Jahren der grössten wirtschaftlichen Not Deutschlands nach dem Kriege, die manche sonst stumme Saite wieder spannte und leise anklingen liess, fanden sich wohl einige mehr, die sich zu einem "geheimen Deutschland" bekannten. Doch sie weiteten den Begriff nur auf, suchten sich das schwer zu Erringende etwas billiger zu gestalten, es mit ganz andern Wesenheiten: Tageszielen und Sonderbelangen, Grüppchen und Bündchen zu verquicken'', bis schliesslich der Dichter selbst der Gefahr einer Verwässerung entgegentrat: in dem Gedicht "Geheimes Deutschland"? ward ein mythisches Bild gegeben und mit ihm das Mysterium des andern Reiches geschaffen. Unter den Zeichen einzelner Begegnungen mit Menschen seines Freundeskreises hüllt der Dichter hier die fremdesten seltsamsten der wirkenden Mächte des "geheimen Deutschland" ein in die Unhebbarkeit von Lebensbildern, welche jeder Zersetzung trotzen und der Zerre dung entrückt sind . .über diese Lebensbilder Heutigen Aufschluss zu geben, erübrige sich einmal weil die Kenntnis von Einzelheiten wenig besagte und doch kein stärkeres Bild in der Seele hinterliesse als das Gedicht selbst.. dann weil es dem Sinn der Schlussverse widerspräche, dass Geheimes nicht auch geheim bleibe, dass Nur was im schützenden schlaf Wo noch kein taster es spürt Lang in tiefinnerstem schacht Weihlicher erde noch ruhtWunder undeutbar für heut Geschick wird des kommenden tages.

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Nicht über das engere "geheime Deutschland", in welchem der Dichter lebt und lebte, sondern über das weitere "geheime Deutschland", das zu erkennen er durch sein Leben lehrt und lehrte, will ich heute zu Ihnen sprechen .. also von jenem grösseren "geheimen Deutschland", dessen Epiphanien uns allen wohlbekannt sind und die es hier als ein Gesamt zu fassen gilt.

11.
Unnötig, Ihnen nach dem Angedeuteten noch ausdrücklich zu erklären, dass man das "geheime Deutschland" weder als einen verbotenen Geheimbund suche, der irgendwo, noch als ein utopisches Hirngebilde höhne, das nirgendwo zu treffen
6 Beispiele wären vielleicht: Friedrich Glum, Das geheime Deutschland. Die geheime Aristokratie der demokratischen Gesinnung, Berlin 1930; Jacob Schaffner, Die Predigt der Marienburg, Berlin 1931; Franz Schauwecker, Deutsche allein. Schnitt durch die Zeit, Berlin 1931. 7 Stefan George, "Geheimes Deutschland", in: Das Neue Reich. Gesamt-Ausgabe der Werke. Endgültige Fassung, Bd.9, Berlin 1928, S.59-65 8 Ebd., S.65.

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F: sich bei einigen Wenigen auch

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sei. Das "geheime Deutschland" ist gleich einem Jüngsten Gericht und Aufstand der Toten stets unmittelbar nahe, ja gegenwärtig .. ist tödlich-faktisch und seiend. Es ist die geheime Gemeinschaft der Dichter und Weisen, der Helden und Heiligen, der Opfrer" und Opfer, welche Deutschland hervorgebracht hat und die Deutschland sich dargebracht haben .. die Gemeinschaft derer, die - obwohl bisweilen fremd erscheinend - dennoch allein das echte Antlitz der Deutschen erschufen. Es ist als Gemeinschaft ein Götterreich wie der Olymp, ist ein Geisterreich wie der mittelalterliche Heiligen- und Engelsstaat, ist ein Menschenreich wie Dantes als "Humana civilitas" erschaute Jenseitswelt der drei Bezirke .. es ist die in Stufen und Ränge geordnete Heroenwelt des heutigen, des künftigen und des ewigen Deutschland. Von dem "geheimen Deutschland" - gebunden diesmal an den tatsächlichen deutschen Raum, obwohl weit über ihn hinausgreifend gelte daher das Nämliche wie von allen Mysterien: 'toü'to BE E'YEVE'tOJlEV OUBE1tO'tEEän BE OEl, "dieses hat sich nie zugetragen, hat sich niemals begeben, aber es ist immerwährend und ewig." Das will besagen: ein solches geheimes Reich, das niemals da war und doch ewig ist, erschliesst sich so wenig wie die Mysterien einem Jeden. Aber wer Augen hat zu sehen und Ohren zu hören, der weiss, dass fast zu allen Zeiten, seit es ein "Deutsches" im emphatischen Sinne des Worts gab, bis zum heutigen Tag unabhängig von dem jeweiligen Zustand, der jeweiligen Verfassung des Reichs immer noch ein andres Deutschland gewesen ist, welchem jenseits des öffentlich sichtbaren Reiches' Wesen und Leben beschieden war. Es ist ein Seelenreich, in welchem immerdar die gleichen deutschesten Kaiser eigensten Ranges und eigenster Artung herrschen und thronen, unter deren Zepter sich zwar noch niemals die ganze Nation aus innerster Inbrunst gebeugt hat, deren Herrenturn aber dennoch immerwährend und ewig ist und in tiefster Verborgenheit gegen das jeweilige Aussen lebt und dadurch für das ewige Deutschland. "Das Beste ist (um hier Goethe, einen der gHerrscher jenen geheimeng Reiches, sprechen zu lassen) die tiefe Stille, in der ich gegen die Welt lebe und wachse und gewinne, was sie mir mit Feuer und Schwert nicht nehmen können." In der Tat: gegen alles Gewaffen sind die Herrscher des "geheimen Deutschland" gefeit, und man wird ihrer nicht habhaft, indem man ihr Bild auf die Strasse zerrt, sie dem Markt anähnelt und dann als eigen Fleisch und Blut feiert!" Dann zerinnen die Schatten .. und Sie wissen aus der homerischen Nekyia? und dem VI. Buch der Aeneis!", Sie wissen aus der .Divina Commedia", dass nur unter besonderen Umständen die Seltnen das Reich der Schatten betreten durften und dass selbst den Seltnen die Schatten oft nur unwillig Rede und Antwort standen. Wem es also nicht todernst ist mit diesem "geheimen Deutschland", wer sich mit ihm nur brüsten will oder gar: es missbrauchen will zu unlautrem Zweck - der
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Odyssee, 11. Gesang. Vers 232-898.

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F: Opferer F: Deutschland g-g F: Kaiser jenes h F: feiert.

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werfe keinen Blick erst auf dieses geheime Reich. Auch die Genien können töten! Durch ihr blosses Sein sind sie Richter, und immer vernichten sie den, der sie mutwillig beschwört und sich dadurch mit ihnen und an ihnen misst. Mit Gewalt ist dieser Himmel niemals zu stürmen, und laue Heuchelei verschafft keinen Zutritt selbst zum Inferno. Denn die Bewohner des "geheimeni Deutschland" sind Vornehme, geben sich keinem Zugriff unlautrer Hände preis und küberhören den Anruf eines" Geschlechts, das nicht höhen kennt, die seelen-höhen sind.t)

Suchen Sie also, wie dies' Ihnen ansteht und zukommt, Ihren Götterhimmel und Ihre Richter? - nun gut: hier sind Ihre Götter, hier Ihre Heiligen .. hier ist das Forum, vor dem jedes Geschlecht, vor dem wir alle uns zu verantworten haben'". Und von dieser Welt ein Etwas zu ahnen, geschweige zu fassen, ist keine Sache materialistischer Prädestination, sondern neben der selbstverständlichen Helle einzig und ausschliesslich Sache der Ehrfurcht und Sache der Liebe! Das will sagen: Liebe zu der im "geheimen Deutschland" verkörperten Dreieinheit, die da heisst: Schönheit Adel Grösse! Wer diese Liebe nicht aufbringt und nicht die Ehrfurcht, welche der Liebe entspringt und umgekehrt, oder wer glaubt, es besser zu wissen als jene Genien, der versuche sich ihnen niemals zu nahen: er erfasst nichts als ein paar leere Redeforrnen" .. das "geheime Deutschland" aber bleibt für ihn stumm wie jedes Reich der Mysterien und Mythen. Denn ein solches Reich ist das "geheime Deutschland". Es ist ein Reich zugleich von dieser und nicht von dieser Welt.. ein Reich zugleich da und nicht da .. ein Reich zugleich der Toten und der Lebenden, das sich wandelt und dennoch ewig ist und unsterblich - gelenkt von seinen Kaisern und einem Adel, welcher sich nicht aus Zeugungsregeln, sondern durch die Zeugung geheimster Mächte erneuert und somit dem Wirken der Faten noch Raum lässt: Stammlos wachsen im gewühle Seltne sprossen eignen ranges'? IH. Lassen Sie mich von diesen Kaisern und von diesem Adel jetzt sprechen. Gewiss wäre es eine lockende Aufgabe, die Heldenschau dieses geheimen Reiches zu geben, die deutschen Hierarchien zu ordnen und ein genaueres Bild jener HeerlIStefan George, "Goethe-Tag", in: Der Siebente Ring. Gesamt-Ausgabe der Werke. Endgültige Fassung, Bd.617, Berlin 1931, 5.10. 12 Stefan George, "Neuen adel den ihr suchet", in: Der Stern des Bundes. Gesamt-Ausgabe der Werke. Endgültige Fassung, Bd.8, Berlin 1929,5.85. F: geheimen F: hören auf den Anruf keines I dieses m F: haben, ob wir mit dem uns übermachten Pfunde hinlänglich gewuchert haben. n F: Phrasen
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scharen hervorzuzaubern. Aber wollte ich eine solche .Divina Commedia teutsch" schreiben, so reichte ein Leben nicht aus und ich müßte ein Dante sein und nicht bloss ein Professor der °Historik. Als solcher jedoch zunächst" ein paar Worte über die Genealogie dieses Reiches und seine geschichtliche Stellung. Jedes starke und so glaubensfähige Geschlecht wie das Ihre schuf sich seine Götterbereiche mit hohen und niederen Gottheiten, deren Allheit und deren Vielheit wiederum alle urmenschliehen Artungs- und Seinsmöglichkeiten eines Lebenskreises widerspiegeln, also:" ein Universales darstellen. Am unmittelbarsten und vollzähligsten erfasste und vergottete Hellas die menschlichen Urkräfte und Urerscheinungen in dem Gestaltenreichtum seines Olymp, seiner Götterwelt. Und Hellas blieb für das Abendland ein so nicht wieder erreichtes Urbild. Denn seither ist im Grunde an menschlichen Urgestaltungen nichts Neues mehr dazugekommen .. nur sehr Vieles verloren. Auch die Herrschaft des qEinen Gottes'! brachte in gewissem Bereich keinen Wandel. Denn unbeschadet das All in ihn einging, erwies sich bei lebendigem Kult die Erschaffung einer Heiligen- und Genienwelt als unvermeidlich, in welcher sich die menschlichen Urbilder der christlichen Ewigkeit und des christlichen Allraums fanden. Daneben schufen sich die Nationen ihre Nationalheiligen, und es stand am Anfang der Geschichte fast aller abendländischen Staaten ein heiliggesprochener König als Nationalheiliger und Heros eponymos, der dem Lande Patron war und in welchem das Volk seine höchste christliche Ausdrucksform ehrte. Einzig Deutschland von allen Staaten Europas macht hierin eine Ausnahme: eine eigentlich' nationale Heiligenwelt hat das Mittelalter den Deutschen nicht hinterlassen. Als dann die ausschliessliche Allherrschaft der römischen Kirche zu Ende ging, das zweite grosse Göttersterben mit der Säkularisation der mittelalterlichen Welt anhob .. als verklärt durch den schaurig-süssen Zauber der Frührenaissance der Weg ins Diesseits gebrochen wurde: da hat Dante aus den Schatten der christlichen Jenseitswelt die neue menschliche Götterwelt erschaffen. Dante hat die Seelenhierarchien des Weltkreises und der Weltzeit zusammengeschaut und geordnet und aus ihnen ein neues Reich, das der .Humana Civilitas", der Menschheitskultur erstellt, dessen Bild als geheimer zeugender Kraftkern die Renaissance beherrscht und Europa durchformt hat und noch in die heutige Zeit überschwingt. Nur Deutschland hatte - nach frühem verheissungsvollem Beginn, welchen die Glaubensspaltung vernichtete - auch an Dantes .Humana Civilitas", an der Menschheitskultur der Renaissance spärlichen Anteil.. denn wo die Philosophie bei den Führern des Volkes als "ein altes Weib, das nach Griechenland stinkt", gelten konnte, hatte auch Apoll keinen Raum. Eine Götterwelt konnte hier so bald nicht entstehen. In diese Reihe der mythischen Politeien - hellenische Götterwelt, civitas Dei, humana civilitas - fügt sich das "geheime Deutschland" für alle kommende Zeit,
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F: Historik. (Absatz) Zunächst F: also q-q F: Eingotts
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Fehlt in F

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die uns angeht, als das letzte Glied an. Wohl zeigt es als ein Menschenreich gewisse Verwandtschaft mit dem letztvorangegangenen Reich Dantes. Aber aus der universalen Christenheit war Europa geworden: nicht das christliche Denken blieb Maasstab der Werte im "geheimen Deutschland", und nicht die einheitliche Kultur der universalen Menscheitsgemeinde hat es zu wirken, sondern das "geheime Reich", wie es George zu sehen lehrte und in seinem Werk einfing, beschränkt sich auf den deutschen Raum, in dem es wurzelt und den es zu formen hat - gleichgültig wie weit der Dichter über die engeren Grenzen hinaus greifend das Unsterbliche der Genien andrer Rassen und Zeiten einbezog oder einzudeutschen versuchte, das heisst: der Substanz nach als deutsch- begriff. Und diese Beschränkung des Dichters hat seinen Grund: Gemäss den Verheissungen der Früheren vertraute er, dass wie einst Hellas auf engstem Raum, so dereinst Deutschland auf eignern Raum wiederum das Gesamt aller urmenschlichen Gestaltungen und Kräfte erstehen lassen werde. Den zum Bau jedes Kosmos notwendigen Gestalten- und Kräftereichtum, den aufzubringen das Mittelalter die Engelsräume durchsuchen und Dante den Orbis terrarum der Weltzeit durchwandeln liess: diesen Reichtum an menschlichen Urartungen wusste George in Deutschland - im "geheimen Deutschland" - vorhanden, wenn man nur die Geheimnisvollen entdeckte und ihr Geheimnis fruchtbar zu machen verstand. Wie also Hellas - um hier eine vereinfachende Formel zu bringen - in dem Gesamt seiner Götter gleichsam den "Makro-Anthropos" schlechthin ahnen liess, so erstünde dieser Makro-Anthropos deutscher Prägung wieder in dem Gesamt der durch das "geheime Deutschland" gebannten Gestalten und Kräfte und ihrer Einwirkung auf das sichtbare Reich. "Deutschland, dem Götterbilde Hellas gleichend" - ein Wort Stifters - wäre also eine (als Erfüllung wahrhaftig noch ferne!) Vision, die sich nicht in der Nachahmung des hellenischen Vorbildes erschöpfte, sondern bedeutet: einen solchen Lebensreichtum, eine solche Gestaltenfülle, eine solche umfassende Allheit urmenschliehen Seins aus sich selbst zu zeugen, dass man diesem Gleichendes auf so engem Raum nur noch in Hellas wiederzufinden vermöchte .. gleichgültig wie verschieden hier und dort Benennung und Schichtung der Mächte erscheinen mögen. Und Benennung und' Schichtung der Mächte sind gewiss sehr andere geworden .. zumal seit der letzten Wandlung", seit aus Christenheit ein Europa erstand, aus Imperium sacrum die Gemeinschaft der abendländischen Nationen. Ein Weltgesamt, ein Universales, wie es jede Götterwelt und jedes mythische Reich darzustellen hat, denkt der Heutige sich vorwiegend unter dem Bild der Nationen. Die sich offenbarenden menschlichen Urmächte also, welche Hellas in seinen Göttern unmittelbar menschlich darstellte, die civitas Dei als Gott-emanierte Virtutes sich dachte, Dante unter den Verleiblichungen von Sünden und Tugenden begriff - diese Urmächte verstehen wir Heutigen vielfach (nicht immer!) unter dem Bilde der verschiedenen Nationen .. empfinden dieses als italienisch,
P: Deutsch "F: wie U P: Metamorphose
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jenes als französisch, andres als englisch, spanisch und nordisch, zu schweigen vom Römischen und Hellenischen. Und allzu leicht ist man geneigt, "so Geartetes einfach- als fremd abzulehnen. Aber man verwechsle nicht fremdländisch mit urtümlich .. verwechsle nicht Einflüsse von aussen mit elementaren Durchbrüchen des innersten Kerns. Nicht als undeutsche Fremdheiten, sondern als menschlich ursprüngliche Gegebenheiten der deutschen Urtiefen sind Römisches und Hellenisches, Italienisches und Englisches im "geheimen Deutschland" aufzufassen .. und nur in scheinbarem Widersinn" könnte man sagen: es sei ein "Spanisches" schon dagewesen, ehe es ein Spanien gab. Es hiesse die Weitenspanne der Unterströme verkennen, welche aus den Ur-Räumen Europas Substanzen mit sich führend" unter der Oberfläche des jeweils sichtbaren Reiches dahinrollen, um bald hier, bald dort unerwartet die Erdkruste zu durchbrechen und in einem Emfangsbereiten zu zeugen. Und ebenso hiesse es die Tiefenkräfte Deutschlands unterschätzen, welche zu ihrer Stunde aufbrechend den einen Deutschen dem Gefolge des Zeus, einen andern dem des Apollon, einen dritten dem des Dionysos zuführen können .. Diese Erkorenen>, welche dann bald die, bald jene abendländische Seinsart oder urmenschliehe Kraft in deutscher Gestaltung verkörpern: sie sind die eigentlichen Träger, sind Kaiser und Adel des "geheimen Deutschland", und nur in ihnen enthüllt sich das deutsche Sein. Ihren Rang aber bestimmt das Maass ihres Teilhabens an jenen zGrundmächten der Tiefe-.

IV. Kann es nach dem Gesagten verwundern, dass die obersten Herrscher des "geheimen Deutschland" zunächst das Eine verbindet: dass sie nicht die eigentlich Volkstümlichen der Nation sind! Niemals kann das Aufsteigen von Urgewalten, kann das Kommen eines Gottes vertraulich--gemütvoll sein .. und ist schon das "geheime Deutschland" als solches verborgen, so gilt erst recht von seinen Herrschern, seinen Hütern, dass: nur heimlich sind dem zarten keime Wächter.
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So entsteht das seltsame Bild, dass im "geheimen Deutschland" fast immer die höchsten Throne gerade Jene innehaben, welche dem öffentlichen sichtbaren Deutschland als "Fremdeste" erschienen. Ja, man könnte beinahe zum Grundsatz erheben, dass Popularität in bezug auf das "geheime Deutschland" und auf den
13 Stefan George, "Wahrzeichen", in: Der Teppich des Lebens und die Lieder von Traum und Tod, mit einem Vorspiel. Gesamt-Ausgabe der Werke. Endgültige Fassung, Bd.5, Berlin 1932, S.56.

v-v
W

F: es F: Paradox x F: fördernd Y F: Erkornen z-z F: Mächten a F: traulich

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Rang in diesem Reich misstrauisch machen könnte. Wohl aber bliebe die Frage offen, ob nicht das weniger populäre Antlitz derb Unsterblichen das Wahrere ist, ob nicht das verborgnere Bild das eigentlich zeugerische, noch immer zukunftsträchtige ist. Denken Sie etwa an Barbarossa, ob er- nicht jenseits des landläufigen Bildes noch als" ein Andrer zu suchen ist als" jener, der bei der ersten unmittelbaren Begegnung mit dem Geist der Caesaren erschauerte und dessen männliches Ergriffensein die Leidenschaft aufflammen' liess für die Grösse römischer Maasse. Denken Sie überhaupt an die deutschen Kaiser des Mittelalters! Wirken sie denn nur fort als die Beginner einer glücklichen Ostpolitik, als die Leiter einer wenig glücklichen Innenpolitik und als die Erliegenden in Italien? Wahrhaftig, es wäre allzu viel nutzlos verschwendet, und enttäuscht könnte man fragen: Tut so der väter berg sich auf?14 gäbe es nicht die Antwort: als Träger eines grossen tragischen Volksgeschicks, als die tieftragischen Figuren, die sie gselbst gewesene, gehören diese Kaiser mit zu dein Erschütterndsten in der hWeltgeschichte! Und als Gestalten einer heut fremden Welt wirken" die Ottonen, Salier und Staufer fort im "geheimen Deutschland"! Oder fragen Sie sich, ob nicht noch ein unbekannterer Holbein 'ist: jener, dessen' unzugänglich gläserne Klarheit ihn im Zeitalter der gefeiertsten Seelenaufrührer - keines völkischen Luthers und faustischen Dürers" - zum Wächter des andern Reiches machte. Oder denken Sie an die unnennbare Einsamkeit, welche Friedrich dem Grossen die deutschen Urtiefen gebaren und welche - mehr vielleicht als mancher Waffensieg - ihn wie sein Land "überpreussisch" machte! Für sie alle und noch manch einen der wirklich Grossen, welche man feiert und die volkstümlich scheinen, gelte das Gleiche wie für Goethe, von dem jeder weiss, dass er insgeheim noch unendlich viel Ungehobnes verschliesst und
14 Ernst Kantorowicz zitiert hier ungenau einen Vers aus dem Gedichtfragment .Bismarck" von Stefan George, in dem es über den Reichskanzler u.a. heißt: In des ehrwürdig römischen Kaisertumes Sandgrube dieses reich gebaut, als mitte Die kalte stadt von heer- und handelsknechten Und herold wurdest seelloser jahrzehnie Von habgier feilem sinn und hohlem glanz? Tat so nach väter traum der berg sich auf? Dieses Fragment ist publiziert von Robert Boehringer, Mein Bild von Stefan George, München, Düsseldorf 21968, S. 82.

F: einzelner der Fehlt in F d Fehlt in F e Fehlt in F f F: aufglühen s-s F: sind h-h F: Weltgeschichte, wirken i-i F: ist, dessen k-k F: völkisch Luthers und faustisch Dürers
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..dass an ihm dem strahlenden schon viel Verblichen ist, was ihr noch ewig nennt. 15 Sind es hier die noch unerschlossenen Reichtümer der mehr volkstümlich Grossen, so begegnet bei den anderen Herrschern des "geheimen Deutschland" immer wieder jene vermeintlich undeutsche Fremdheit, obwohl gerade sie die tiefsten Schächte erschürften. So ist es - um hier Beispiele zu nennen - bei dem "grössten Friedrich", dem Stauferkaiser, dessen römische Artung noch heute die Geschichtsbücher klagen lässt: "aber er war kein Deutscher!" So ist es in späterem Jahrhundert mit dem seltsamen Spähsinn Hamanns und Herders, so mit Winckelmann, dessen Geheimes sich zwar Goethe erschloss, der jedoch dem grossen Deutschland noch heute so fremd ist, wie er es dem nach-goetheschen Zeitalter wurde. So ist es sogar mit Goethe selbst, dem sich Deutschland durch Feiern höchstens entfremdet, den man wohl Olympier nannte und ihn mit dieser Ehrung am ehrenvollsten deutschem Wesen fremd kennzeichnete, den man kaltherzig hiess und gar Feind unsres vaterlands, opfrer an falschem altar.t''

Niemals! verzieh man ihm, dass er wie Hölderlin, wie Jean Paul, wie zeitweise auch Hegel in dem .Allgenannten", in Napoleon, den antikischen Heros der Zeit und die gleichgestimmte "Weltseele" erspürte. Diese Fremdheit galt auch für Hölderlin, den man als Griechenromantiker abtat, dessen Kritik an den Deutschen man gern überhörte, als .Entdeutschung" empfand .. und der sich doch selber genannt hat: Gruft und Tempel, zu denen er die Künftigen mit Kränzen zu wallen lud. Und nicht weniger fremd blieben - ganz zu schweigen von einer Macht wie Jean Paul- munzählbare andrem Deutsche .. von den kleineren Sternen wie Platen, der in sonst nicht gekannter Reinheit dem Schönen Altäre errichtete, bis zu den grössten Gestirnen, bis zu Nietzsche, der die Macht des "wahnsinnigen Gottes" erfuhr und der deutschen Umwelt fremd blieb, und bis zu George, den man wirklichkeitsfern und fremdländisch nannte, weil man ihn in die Bürgerwelt des öffentlichen Deutschland nicht einzureihen wusste. Immer galten die grössten Genien als "undeutsch", weil sie einem billigen Einheitsschlag, den man jeweils "deutsch" hiess, gewiss nicht entsprachen .. und dies bis in die Körperbildung und Geste hinein. Denn so vergessen ist dem 20. Jahrhundert die wahrhaft königliche Haltung, dass der die echtesten Gestalten der Nation beschwörende Dichter den stau fisch-fränkischen Königstyp des .Bamberger Reiters" ansprechen konnte als den "Fremdesten", dessen Wiederkunft er freilich verhiess:

15 Stefan George, "Goethe-Tag", in: Der Siebente Ring. Gesamt-Ausgabe der Werke. Endgültige Fassung, Band.617, Berlin 1931, S. II. 16 Stefan George, "Goethes letzte Nacht in Italien", in: Das Neue Reich. Gesamt-Ausgabe der Werke. Endgültige Fassung, Bd.9, Berlin 1928, S.ll. .

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m-rn

F: Und niemals F: unendliche andere

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Du Fremdester brichst noch als echter spross Zur guten kehr aus deines volkes flanke. 17 Doch das Fremdsein dieser Heroen des "geheimen Deutschland" fällt nicht ihnen zur Last. Sie sind so wenig undeutsch wie die Landschaft, die sie gehegt. Wenn jener römische Kaiser beim Eintritt in das Arkadien der Bergstrasse ausrufen konnte: "wo bin ich? bin ich in Italien?" .. wenn manchen Tag das Neckartal an Toskana erinnern kann .. Münchens klare alpengekühlte Luft an die Klarheit südlicher Städte, wenn schwäbische Striche bisweilen an Frankreichs Zartheit gemahnen, oder wenn gar ein Leuchten über den Uferhügeln des Rheins andere Visionen hervorrief Und nicht mehr neiden liess den alt-ersehnten Den glanz des göttlichen des Inselmeers's wenn also die deutsche Landschaft schliesslich Bilder des ganzen Europa hervorzaubern kann und dennoch nicht fremd und nicht undeutsch wird - sofern man nicht bloss nützliche Rübenäcker als die deutsche Landschaft anspricht -: dann darf man auch nicht die Menschen, die solcher Landschaft entsprechen, als fremd oder undeutsch empfinden. Nur das Eine trifft zu: dass "alles in seiner Art Vollkommene über seine Art hinausgeht" .. dass also die Genien wie die Landschaft des "geheimen Deutschland", weil sie über ihre Art hinausgehen und überdeutsch scheinen, in Wahrheit nur das Vollkommen-Deutsche herausstellen. So ging das vollkommene Preussentum Friedrichs des Grossen über Preussisches hinaus und griff schon ins Deutsche hinüber.. und so gilt immer wieder das Wort Goethes: "es müsse der vollkommne Deutsche stets mehr sein als deutsch", das heißt über-deutsch. Und so - im Sinne des Über-deutschen - ist dann auch das so gefährlich scheinende Paradox Nietzsches zu verstehen: "um deutscher zu werden müsse man sich entdeutschen l'"? Indessen: kein Irrtum wäre grösser als der, dass unsre Anbetung jener ewigdeutschen und über-deutschen Heroen des geheimen Reiches irgendetwas gemein hätte mit ästhetisch Blassem oder unverbindlich Allgemein-Menschlichem oder gar mit "dem Wünschen derer", die einem all-europäischen Einheits-Mischmasch das Wort reden wie jene modernen Literaten, deren unsaubere Hand an das Mysterium des "geheimen Deutschland" rührt, um sich somit den Verpflichtungen gegen die Nation zu entziehen und sich "europäisch-weltbürgerlich" zu heissen. Das "geheime Deutschland" darf nicht als Schutzschild dienen, hinter
17 Stefan George, .Barnberg", in: Der Siebente Ring. Gesamt-Ausgabe der Werke. Endgültige Fassung, Bd.617, Berlin 1931, S.205. 18 Stefan George, "Vor-abend war es", in: Der Stern des Bundes. Gesamt-Ausgabe der Werke. Endgültige Fassung, Bd.8, Berlin 1929, S.74. 19 Das Zitat heißt genau: "Gut deutsch sein heisst sich entdeutschen." Friedrich Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches, 2. Bd., Vermischte Meinungen und Sprüche, Nr. 323, in: Werke, Kritische Gesamtausgabe, hg. von Giorgio Colli und Mazzino Montinari, 4. Abt., 3. Bd., Berlin 1967, S. 147.

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dem sich undeutsches und die Nation auflösendes Wesen bequem breitmachen kann .. sondern im Gegenteil: im "geheimen Deutschland" ist der innerste wesenhafte Kern der Nation selbst geborgen, und wer ihn einmal? erschaut, ist auf ihn auch verpflichtet wie der Soldat auf die Fahne. Dass dieser Kern die Wesenheiten des gesamten Europa und der Mittelmeerländer, soweit sie einstmals Germanenstämme besetzten, in sich trägt.. gerade das erhöht, nicht vermindert die ungeheuere Verpflichtung des Einzelnen, dem echten Bilde des Deutschen gerecht zu werden .. gerade das macht die Weltträchtigkeit Deutschlands aus .. gerade das ist die Essenz jener Verheissung Schillers: "Jedes Volk hat seinen Tag in der Geschichte, doch der Tag des Deutschen ist die Ernte der ganzen Zeit. "20 Nur ist es von andrer Sicht her kein weniger gefährliches Missverstehen, wenn man als "nationale Dichtung" nicht etwa Hölderlin oder George begreifen will, sondern solche> in den "Rossen von Gravelottev-' und dem "Trompeter von Säckingen't-? zu finden meint. Dem einen wie dem andern verschliesst sich der Blick für das echte Antlitz des Deutschen, welches das "geheime Deutschland" nur scheu enthüllt. Von hier aus erhält es dann seinen Sinn, wenn gerade die mächtigsten Fürsten des geheimen Reiches über die Landesgrenzen hinübergreifen und die Kräfte der Genien andrer Völker und Zeiten hereinholen und eindeutschen .. nicht um Fremdes in Deutschland heimisch zu machen, sondern weil in ihnen die gleichen urmenschlichen Grundtriebe wirksam sind, welche als eine Naturgegebenheit in dem universalen Deutschland selbst beheimatet sind: weil und sofern sie menschliche Urkräfte enthalten, schwingen sie in dem deutschen Geisterreigen mit.. ja werden gerade durch ihr Eigentlichstes selbst deutsch. Kein deutscher Shakespeare ohne Herder und Goethe .. kein deutscher Dante ohne die qGrossen der katholischens Kirche, ohne Stefan George .. kein deutsches Caesarbild ohne Karolinger, Ottonen, Salier und insbesondere die Staufer. Und vor allem: die geheime Verbundenheit des Deutschen mit Hellas - wo wäre sie sichtbar geworden, wenn nicht durch Winckelmann, wenn nicht durch Hölderlin, wenn nicht - um von anderen zu schweigen - durch Nietzsche und durch George? Freilich gibt es eine
20Friedrich Schiller, Deutsche Größe (Fragment, 1809), in: Sämtliche Gedichte, hg. von Jochen Golz, 21992, S.556 ff. Dieses Schillerzitat verwendet Kantorowicz auch an markanter Stelle in seinem Vortrag auf dem Historikertag zu Halle a.d.S., 1930; s. hierzu Eckhart GrünewaId, Sanctus amor patriae dat animum - ein Wahlspruch des George-Kreises? Ernst Kantorowicz auf dem Historikertag zu Halle a.d. Saale im Jahr 1930 (mit Edition), in: Deutsches Archiv 50 (1994) S. 101, 125. 21Populäres "vaterländisches" Gedicht von Karl v. Gerok (*1815, t1890), evangelischer Theologe und vielgelesener Erbauungsschriftsteller. Das Gedicht behandelt die für die deutsche Armee siegreiche "Schlacht von Gravelotte-St.Privat" (18.8.1870) des Deutsch-Französischen Krieges 1870171. 22Idyllisches Versepos (1854) von Joseph Victor v. Scheffel (*1826, t1886), das bis zu seinem Tode in 140 Auflagen erschien.
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geheime Blutsverwandtschaft zwischen Hellas und Deutschland .. aber sie muss erst gezeugt werden! Denn das Verhältnis ist nicht das von Sohn zu Vater, sondern von Schüler zu Meister, deren Pulse im Gleichtakt schlagen nur" durch gemeinsame Liebe zu gemeinsamem Götterbild und Urbild des Menschen .. oder als Gleichnis: die Verwandtschaft, ja Anverwandlung des Blutes gebiert sich nuraus Liebe und Ehrfurcht gegen Götter und Genien. Nur wenn der Jüngling in Ehrfurcht und Liebe sich vor dem Götterbild neigt, nicht wenn der Infantile eine natürliche Sohnschaft nachweist, ertönt die Antwort: 0 SohnJ23 Damit ist aber auch die Abgrenzung gegen allen "Klassizismus", das heisst gegen jede nur formale Nachahmung sei es der Antike, sei es irgendeiner andern Frist der Allblüte gegeben. Schon dass Nietzsche das geheime Reich mitregiert, bürgt dafür, dass Apollon hier nicht ohne Dionysos sein kann.. dass das "Dämonische" hier nicht fehlt. Nicht nur an jene Grossen wird man denken, deren Leben oder Werk in einem absoluten Sinne Dämonen verleibt, wie etwa an den Staufer Friedrich H., in welchem der christliche Herr des Endes, der Antichrist auf Erden erschien .. oder an einen Grünewald, der für ein Lächeln siegender Yerkldrungl" eine Welt der Ungeheuer mitheraufsteigen liess .. oder an einen Rembrandt, der für einen Strahl 'des Lichts' eine Welt der Finsternis mitgebären musste. Wer von dem "geheimen Deutschland" nur ein Geringes erfasste, kann sich dem nicht entziehen, in allen Göttern des deutschen Mythenreiches - und mögen sie noch so apollinisch erscheinen - auch die dämonische Gegensicht wahrzunehmen. Urtiefen sind immer zugleich dämonisch. Doch ist das Dämonische nicht deshalb, weil es hier in deutscher Gestaltung erscheint, als "faustisch" zu verstehen. Im Gegenteil: das Nur-Faustische, welches in das Dunkel der Tiefen hinunterdrängt und sich in ihnen verliert, statt die Tiefen ans Licht zu heben und sie im Tagesglanz Leib werden zu lassen", ist eher die Gegenkraft des "geheimen Deutschland". Eben dies Eine haben alle Heroen des "geheimen Deutschland" gemein, dass sie die Tiefen der Urmächte Bild werden lassen, dass sie auch das Dämonische - ohne es zu verbannen - im Lichte gestalten .. und hier denken Sie etwa an Nietzsches Wort über die Deutschen: "Es ist etwas an ihnen, das hellenisch sein könnte, das erwacht bei der Berührung mit dem Süden." So erscheint das "geheime Deutschland" "der hellenischen Götterwelt darin verwandt, dass" hier die Welt der Mütter einwächst in die der Väter, auf dass sie"

23 Stefan George, "Du sprichst mir nie von sünde oder sitte", in: Der Teppich des Lebens und die Lieder von Traum und Tod, mit einem Vorspiel. Gesamt-Ausgabe der Werke. Endgültige Fassung, Bd.5, Berlin 1932, S.19. 24 Stefan George, .Kolmar: Grünewald", in: Der Siebente Ring. Gesamt-Ausgabe der Werke. Endgültige Fassung, Bd.617, Berlin 1931, S.201.

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nicht wieder" von den Schicksalsmächten getrennt und losgerissen werde. Jede dieser Welten wird erst transparent durch die andre .. während das Faustische sich als einzelne Kraft von den Vätern löst und zu den Müttern entflieht. Überhaupt: das Bildwerden der dunklen Triebe und Träume ist Merkmal des "geheimen Reichs". So gehören hierher jene "Opferbereiten, die sterben für einen Traum". An den dritten Ottonen, das "Wunder der Welt", sei hier erinnert und an Konradin, die bei den letzten Sprossen der machtvollen Herrscherhäuser .. Knaben, in denen der deutsche Herrschertraum mit solcher Dichte zur Tat rief, dass es fast schien, Kinder könnten ihm Wirklichkeit geben. Und hierher gehören auch die Bewohner des "geheimen Deutschland", welche durch Anmut geadelt sind seltsam verwandt den Opferbereiten, welche einem breiten Glück entsagend früh entrückt werden. Wer wollte unter ihnen einen Manfred, der um des sizilischen Reichstraumes willen bei Benevent das Leben liess, wer wollte unter den Anmutigen einen Mozart missen, dessen Werk seine zarten Kräfte verzehrte. Immer ist Anmut einem inneren Adel verbunden und vom Opfer untrennbar: Was dient, sei sie auch mehr als frommer wahn, Gleichheit von allen und ihr breitstes glück! Wenn uns die anmut stirbtf25

V. YDen Heroen des "geheimen Reiches", den Bildwerken, den Taten ist aber noch andres zu entnehrnenr. Denn von den Herrschern des "geheimen Deutschland" allein können Sie die- echte deutsche Geste erlernen, den ewig-deutschen Stil. Gewiss, jede menschliche Geste kann auf hundert verschiedene Weisen erfolgen .. aber nur Eine ist bei neunundneunzig falschen die Richtige. Ein Blick auf ein griechisches Grabrelief, ein griechisches Vasenbild sagt Ihnen, dass - solange es Menschen gibt - nur eine Art, die Hand zu reichen, die richtige ist. Freilich meinte ich mit der deutschen Geste nicht nur die einzelne Bewegung, sondern ajene leibliche Gebärde, die" bei aller Beherztheit auch die Beseeltheit aufweist. Und solche Beseeltheit schliesst Kämpferisches nicht etwa aus .. denn gibt es Beseelteres als einen Achill, dem man gern den staufischen Enzio zur Seite stellen möchte, auf dass er aus dem "geheimen Deutschland" heraus in jede Gegenwart wirken möge?

25 Stefan George, .Brv.St,", in: Das Neue Reich. Gesamt-Ausgabe der Werke. Endgültige Fassung, Bd.9, Berlin 1928, S.108.

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F: Aus allen diesen Heroen des "geheimen Reiches", die ich Ihnen hier nicht weiter aufzählen kann, aus den Bildwerken, aus den Taten ist aber noch andres abzulesen. F: auch die a-a F: jenen Habitus, der
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Solche Beseeltheit vermittelte wohl einstens die römische Kirche den Deutschen: denken Sie an das Bildnis des Bischofs Hohenlohe im Dome zu Bamberg oder an den adligen Geist des Cusaners .. und auch heute ist diese menschenformende Kraft der Kirche, bzumal in ihrem eigensten Bereich" noch ungebrochen. Wem jemals das Glück beschieden war, in Rom an der Vaticana zu arbeiten, dem wird unvergesslich jenes schönste Greisenhaupt sein, welches ein schwäbischer Kirchenfürst, der Kardinal Ehrle26 , über ceinen Pergamentband- beugt - auch er durch seine Beseeltheit zum "geheimen Deutschland" gehörig. Aber dden Meistend wird heute die beseelte Geste aus dem Umgang mit musischen Menschen oder überhaupt: mit den Musen erwachsen können", sofern dieser! Umgang verpflichtend und nicht nur genüsslich ist. Man klage nicht, dass solches ein Luxus sei und dass die Zeit Menschen aus härterem Holze benötige. Gegenüber der metallischeng Härte Apollons wird der härteste Staatsmann sich stets noch als Wachs erweisen - und dennoch schuf dieser Gott die Staaten, rief die goldene Leier jegliche Gesetze hervor (Pindar, Nem.V, 24f.) <\>0Plltyy''AnoAAroV ... ayel:ro novroirov vOllroV.27 Darum gilt auch für Sie, die Studenten, welche eine frühere" Zeit "Musensöhne" genannt hat, das Wort des Euripides: "Keine Gemeinschaft mit Denen unmusischer Art", 'wollen Sie Ihr Eigenstes bewahren': Das züchtet gewiss keinen Dünkel. Denn wer den Verkehr mit den Musen beherrscht, weiss sich erst recht in jeglichen Schichten des Volkes zu bewegen. Dünkel ist stets nur ein Kennzeichen dafür, dass Musen und Grazien einer Wiege gleich fern waren.

VI. So wird das Mythenreich des "geheimen Deutschland", welches zugleich da und nicht da, zugleich zeitlich und ewig ist, immer die Besten des heranwachsenden Deutschland in seinem Sinn formen. Wenn Jean Paul einmal sagt: "Ein Genius

26 Franz Ehrle (* 1845, t 1934), Jesuit, Philosophiehistoriker, von 1895 bis 1914 Präfekt der Vatikanischen Bibliothek, wurde 1922 Kardinal, war von 1929 an Kardinalarchivar und -bibliothekar der Römischen Kirche; seinem Wirken verdanken die Vatikanische Bibliothek und ihre Einrichtungen ihren heutigen Charakter; s. NDB 4 (1959) S.360 f. 27 Pindar, Fünfte nemeische Ode, 24f.: [Sang dort] der Musen schönster Chor, schlug

mitten in ihm / Die Harfe Apollon, die siebenzüngige mit dem Schlagholz / Und führte an vielfältige Weisen. (Übersetzt von Oskar Werner, Pindar. Siegesgesänge und Fragmente, Mün-

chen 1967, S. 245).
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wie Caesar, Friedrich, Napoleon wirbt nur Menschen an, um sie als Helden abzudanken ..", so wird das "geheime Deutschland", in welchem neben den Helden auch die Dichter und Weisen thronen, die kjungen Deutschen zum Kult von Adel Schönheit Grösse erziehen und sie dann vielleicht als neue Kalokagathoi entlassen, auf dass sie in Staat und Volk wirken". Nur in jenem geheimen Reich sind ja' auch die ewigen Wahrheiten des Volkes geborgen. Darum'" sprechen Sie nicht mit jenem Politiker der Nachkriegszeit": "Wer sich für die ewigen Wahrheiten interessieren will, der bleibe bei seinen Büchern und möge nicht auf den Kampfplatz der Gegenwartsprobleme treten.v-" (Max Weber)? Denn dem sei entgegengehalten: "Wer von den ewigen Wahrheiten nichts weiss, kann auch auf dem Kampfplatz der Gegenwartsprobleme nichts erreichen." Auch der Politiker muss - um mit Dante zu sprechen - zumindest "von der heiligen Stadt die Türme sehen .." Sie aber, die Sie Historiker sind oder werden> wollen und sich aus ihrem Berufe heraus genötigt wissen, auch über die Vergangenheit zwar nicht zu richten, wohl aber zu urteilen und sie zu beurteilen: wie wollen Sie Ihrer Aufgabe gerecht werden, wenn Sie Ihr Urteil nur aus Ihrem kleinen Lebensraum, aus stiller" Studierstube und aufgepeitschter' Gasse allein schöpfen wollen? Keiner kann als Deutscher ein Historiker sein, der von dem "geheimen Deutschland" nichts weiss. Denn "Urteil erfordert Rang" .. den Rang aber kann keiner von sich aus ermessen, sondern kann ihn nur ablesen aus dem "Anderen", sdas ausserhalb seiner ist und dennoch deutsch, eben:" den unsterblichen' Genien des "geheimen

28 Ernst Kantorowicz zitiert hier ungenau Max Weber, Parlament und Regierung im neugeordneten Deutschland, in: Gesammelte politische Schriften, München 1921, S.260, wo es am Ende der Abhandlung - entstanden im Sommer 1917 - heißt: "Ein nationaler Politiker wird den Blick gewiß auch auf jene universellen Entwicklungstendenzen gerichtet halten, die über die äußere Ordnung des Lebensschicksals der Massen in Zukunft Gewalt haben werden. Aber wie ihn als Politiker das politische Schicksal sei n e s Volkes bewegt (demgegenüber jene universellen Entwicklungstendenzen sich ja völlig gleichgültig verhalten), so rechnet er auch für politische Neugestaltungen mit den nächsten zwei bis drei Generationen: denen, die über das entscheiden, was aus sei n e m Volk wird. Verfährt er anders, so ist er ein Literat und kein Politiker. Er möge sich dann für die ewigen Wahrheiten interessieren und bei seinen Büchern bleiben, nicht aber auf den Kampfplatz der Gegenwartsprobleme treten. Auf diesem wird darum gerungen: ob uns e r e Nation innerhalb jenes ganz universellen Prozesses entscheidend mitspricht. "

k-k F: Menschen zum Kult auch des Schönen erziehen, um die Gläubigen als Kalokagathoi abzudanken. I Fehlt in F m F: Aber n F: Vorkriegszeit o Fehlt in F P F: sein q Fehlt in F r Fehlt in F s-s Fehlt in F I Fehlt in F

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Deutschland". Nur auf diesem Hintergrunde betrachtet, gewinnt die Geschichte Leben und die "jeweils rechte" Beziehung zur Gegenwart, bis dereinst "geheimes Deutschland" und das sichtbare Reich miteinander eins werden, ineinander übergehen und einander "nur widerspiegeln". So wie Dante das Mysterium der Menschwerdung Gottes erschaute, als er in dem göttlichen Licht - umrissen mit der eignen Farbe des Lichts - die Züge schimmern sah .xlella nostra effigie'<", so mag - wenn sich die Verheissungen erfüllen - das wirkliche Deutschland in dem "geheimen Reich" Wmit den ihm gleichen Farben" [sich] abzeichnen. Dann aber gibt es kein "geheimes Deutschland" mehr sowenig wie in xden Tagen" der Staufer, als das "geheime Deutschland" der damaligen Zeit, das man "römisch" nennen mag, Yvon den Staufernr zum offiziellen Deutschland erhoben wurde zund das im Berg nur auf seine Erweckung wartet'. Bis dahin ist aber noch ein weiter Weg .. bis dahin hat anoch über die verborgnen Kräfte das "geheime Deutschland" zu wachen, dessen Herrscher, selbst" unangreifbar und ewig, dem jeweiligen Feinde innen und aussen zurufen: Hemmt uns! untilgbar ist das wort das blüht. Hört uns! nehmt an! trot: eurer gunst: es blüht Übt an uns mord und reicher blüht was blüht!3o

30 Stefan George, "So will der fug", in: Der Stern des Bundes.Gesamt-Ausgabe Endgültige Fassung, Bd.8, Berlin 1929, S.94. 29 Dante, Divina Commedia, Paradiso 33,130.

der Werke.

F: jeweilige F: spiegeln w-w Fehlt in F x--x F: der Zeit y-y Fehlt in F z-z Fehlt in F a-a F: das "geheime Deutschland" noch über die verborgnen Kräfte zu wachen, um selbst
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