Eines Tages begibt sich trägt er bei sich: es sind unser geliebter Prophet gerade zehn Dirhem.

Er auf den Markt, sucht sich ein Hemd aus um sich ein neues Hemd zu und zieht es gleich an Ort kaufen. Sein ganzes Geld und Stelle an.

Auf dem Heimweg begegnet ihm ein Mann. "O Gesandter Gottes !" sagt jener. "Möge Gott dich mit reichen Gaben segnen. Schau mich an: ich bin arm und brauche viele

Dinge. Am dringendsten aber brauche ich ein Hemd." Ohne zu überlegen schenkt unser Prophet dem armen Mann das Hemd, das er gerade gekauft hat.

Der erhabene Prophet liebte die Waisen, beschützte die Armen und speiste die Hungrigen. Das wußten die armen

Leute. Sie gingen zu ihm, wenn sie in ihrem Kummer nicht weiter wußten, und ihnen wurde geholfen.

Unser edler Herr, unser erhabener Prophet, der die Armen liebte und die Bedürftigen behütete, er ging ein zweites Mal in

jenes Geschäft und kaufte sich ein neues Hemd, sodaß ihm schließlich nur noch zwei Dirhem verblieben waren.

Als er sich dann erneut auf den Weg machte und um eine Ecke bog, da sah er dort ein Mädchen von acht oder

neun Jahren, das fieberhaft nach etwas Verlorenem suchte und dabei zum Herzzerbrechen weinte.

Der Prophet ging zu dem Mädchen hin und fragte es: "Sag' doch nur, Kleine, wonach du hier

so mutterseelenallein suchst. Und hör' auf zu weinen, ja ? Ich will versuchen, dir zu helfen".

Von Herzen froh, daß jemand sich um es kümmerte, sagte das Mädchen: "Ich bin kein freier Mensch, ich bin eine Sklavin. Heut' hat mir die Herrin zwei Dirhem gegeben, und mich auf den Markt geschickt, um Obst einzukaufen. Ich bin aber zu schnell gelaufen, und da ist mir das Geld heruntergefallen, und nun ich kann es nicht wiederfinden. Was soll ich bloß machen ?"

Und schon wieder schössen der Kleinen die Tränen in die Augen. Der Prophet aber, der sich das Wehklagen des Kindes teilnehmend angehört hatte, sagte jetzt: "Weine nicht, mein

Kind ! Wisch dir die Tränen ab und nimm diese zwei Dirhem. Siehst du, nun hast du dein Geld wiedergefunden, Jetzt lauf aber und laß deine Herrin nicht länger warten!"

Die Kleine rührte sich nicht vom Fleck. "Aber", schluckte sie erfreut und doch immer noch ängstlich. "Aber sie werden wissen wollen,

wo ich so lange geblieben bin. Sie werden denken, daß ich mich mit Spielen aufgehalten habe, und mich vielleicht sogar schlagen".

Der Prophet war betrübt über das, was er da von dem kleinen Mädchen hörte. Er trocknete ihm die Tränen., und strich ihm über das Haar: "Niemand soll dich schlagen. Niemand

soll mit dir schimpfen, Wenn du so große Angst hast, dann komme ich mit dir". Glücklich legte die Kleine ihre Hand in die Hand des Propheten,

An dem Haus angekommen, in dem das Mädchen wohnte, klopften sie beide an

das Hoftor. Der Prophet grüßte freundlich, und die Hausleute erkannten ihn sofort an der Stimme.

"Welch ein Glück für uns!" So hießen sie ihn willkommen. "Bitte, kommt doch herein.

gebt uns die Ehre! Damit Segen in unser Haus und Glück in unsere Herzen einzieht !"

Freundlich lächelnd sagte dann der Prophet: "Bitte, seid der Kleinen, die mich hierhergeführt und mich mit euch bekanntgemacht hat, nicht böse! Schimpft nicht mit ihr ! Eure Sklaven sind ja eure Brüder und Schwestern, darüber müßt ihr euch immer klar sein. Sie sind in eure Obhut gegeben, und ihr müßt ihnen von allem geben, was ihr selber habt". Froh sagte der Hausherr: "O Gesandter Gottes ! Diese Kleine hat deine Teilnahme gewonnen und dich zu uns gebracht. Sie soll uns von nun an sein wie eine Schwester.

Zu Ehren dieses Glückstages gebe ich ihr hiermit die Freiheit !" Mit strahlenden Augen hörte dies das klein Mädchen, und ihr Herz war voller Freude. Als unser Herr dann wieder ging, hörten die Hausleute ihn noch sagen: "Wie segensreich waren doch jene zehn Dirhem ! Gott hat damit einem armen Mann und einem Propheten zu neuen Hemden verholfen. Dazu hat er seine kleine Dienerin aus der Sklaverei befreit und ihr eine helle Zukunft bereitet. Dank sei dir, o mein Herr, für diese Gnadenfülle !"

ElNE GOLDENE ZEIT
Laßt uns beginnen Im Namen des Herrn. Laßt uns fliegen in die goldene Zeit Auf den Flügeln der Phantasie. Vor fünfzehn Jahrhunderten Gab es eine wirklich goldene Zeit. Es war die Zeit, In der unser Prophet lebte. Glücklich die Menschen, Die ihn sehen durften. Glücklich auch die Welt, Die ihn tragen durfte.

Festtag war es gerade in der Stadt Medina. Von Haus zu Haus zogen die Kinder,um ihre Glückwünsche aufzusagen. Festlich gekleidet waren sie alle, und wenn sie Sprünge machten, dann konnte man das Feiertags-Taschengeld in den Taschen klingeln hören.

Abseits von alldem Trubel saß in einer Ecke ein Kind, das den anderen von ferne sehnsüchtig zusah.

Sein Gewand war geflickt, seine Schuhe zerrissen. Kein Spielzeug hatte es, und kein Taschengeld wie die anderen.

Bitter ist es, niemanden zu haben. Schwer ist es, allein zu sein. Und der Schmerz des Armseins drückt aufs Herz.

Vom anderen Ende der Straße sah der Prophet im Vorübergehen das Kerlchen dort sitzen. Die anderen Kinder kamen ihm jubelnd entgegen gesprungen, umringten ihn, um einen Gruß von ihm zu erhäschen.

Lächelnd und liebevoll Die Kinder machten vor winkte der Prophet ihnen Freude Luftsprünge, zu: "Es-Selämu aleykum !" Der Gruß des Propheten sagte er: Friede sei mit euch! hatte sie glücklich gemacht.

Der traurige Kleine aber bemerkte nichts von alldem, Er träumte immer nur von einem freundlichen Gesicht, von Armen, die sich für ihn

ausbreiteten. Dabei hingen ihm die Wimpern voll Tränen. Still weinte er vor sich hin, den Kopf in die Hände gestützt.

Das Kind seufzte tief. Dann begann es zu sprechen, ohne aufzublicken, ohne sich darum zu kümmern, wer ihm diese Frage stellte: 'Ich muß an meinen Vater denken. Darum weine ich. Beim letzten Fest da lebte er noch. Jetzt ist er nicht mehr da. Er war mit im Krieg. Der Prophet hat neben ihm gestanden, als er getötet wurde. Und jetzt bin ich ganz allein. Darum weine ich, Onkel. Bitte, laß mich in Ruhe. Für mich gibt es kein Fest".

"Mein Kind", sagte der Prophet. "Wisch dir die Tränen ab, und höre, was ich dir sage. Sieh mich einmal an: Wie

wäre es, wenn ich dein Vater würde, Fatima deine Schwester und Ayse deine Mutter ? Was meinst du dazu ?"

Bei diesem Gedanken wurde dem Kleinen seltsam zumute. Vor Freude begann sein Herz zu klopfen. Er machte richtige Kulleraugen:

Dann machten sie sich gemeinsam auf den Weg zum Haus des Propheten, Der Kleine hüpfte seelig neben diesem daher.

"Es tut mir leid, was ich Über die warme Hand, eben gesagt habe. Bitte, die er hielt, floß Glück enstchuldigt, guter Herr !" herüber m sein Herz. In seinem neuen Heim fand er Geborgenheit und Liebe, wie er sie sich nie erträumt hätte.

Nun waren es die anderen Kinder, die die Waise beneideten, und sie fragten den Kleinen nach dem Grund seiner Freude. Er ließ das Taschengeld in seiner neuen Jacke klimpern. Dann erklärte er ihnen, was ihn so glücklich machte: "Ich habe jetzt auch einen Vater, aber einen, wie ihn keiner hat ! Soll ich mich da nicht freuen? Ayse ist meine Mutter, die ist so lieb zu mir. Jetzt bin ich nicht mehr traurig, Ich habe ja jemanden, der mich liebhat.

Meine große Schwester Fatima hat mich gestreichelt, hat mich angezogen und mir die Haare gekämmt. Darum bin ich so froh, so glücklich wie noch nie ! Auf der ganzen Welt gibt es keinen, der so froh und glücklich ist, wie ich !"

Das glaub ich wohl, du kleiner Mann, Daß du so glücklich bist ! Wer dem Propheten nah' sein kann, Ein Liebling Gottes ist. Wer seine Stimme hören darf, Und seinen Hauch verspürt, Hat alles, dessen er bedarf, Und was zum Glück gehört. Ach, war das eine schöne Zeit, In der alldies geschah ! Wohl dem der gläubig und bereit Noch den Propheten sah !

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