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Das Geoweb - Potenziale digitaler Kartografie für Kommunikation und E-Business

Das Geoweb - Potenziale digitaler Kartografie für Kommunikation und E-Business

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Die Mastersthesis beschäftigt sich mit den aktuellen Entwicklungen und Trends der webbasierten Verarbeitung von geografisch kodierten multimedialen Daten und zeigt, dass Methoden und Werkzeuge des Geowebs eine Reife erreicht haben, die es Unternehmen erlauben, Geowebanwendungen zur Steigerung des Geschäftserfolges einzusetzen.
Die Mastersthesis beschäftigt sich mit den aktuellen Entwicklungen und Trends der webbasierten Verarbeitung von geografisch kodierten multimedialen Daten und zeigt, dass Methoden und Werkzeuge des Geowebs eine Reife erreicht haben, die es Unternehmen erlauben, Geowebanwendungen zur Steigerung des Geschäftserfolges einzusetzen.

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Geobrowser wirken vitalisierend auf den Geoinformationsmarkt und wecken das all-
gemeine Bewusstsein um Geodaten [Maguire, 2008; Buhmann/Wiesel, 2003]. Dieses

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http://www.blueskypositioning.com

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5 Chancen für Geowebanwendungen und Faktoren für den langfristigen Erfolg

Dienst

Signaldaten

Positions Informationen

Abbildung 5.2: Eine intelligente Positionsbestimmung setzt für ein bestmögliches Resultat auf
die Kombination von verschiedenen Systemen und Infrastrukturen zur Positi-
onsbestimmung.

trägt auch dazu bei, dass die Diskussion über eine Infrastruktur basierend auf Inter-
nettechnologien für den einheitlichen Zugriff auf Geodaten und Geofunktionen forciert
wird.

Abschnitt 3.4 stellte den offiziellen Bestrebungen zu einer GDI, die vollkommene Trans-
parenz und Vereinheitlichung über Standards bewerkstelligen soll, die Aktivitäten der
Suchmaschinenbetreuer, die Daten des Geowebs als Insellösungen vorhalten und der
Integration und Harmonisierung entgegenwirken, gegenüber. Im Hinblick auf Forma-
te setzt der von Behörden und Industrie verfolgte Ansatz auf de jure-Standards und
ignoriert de facto-Standards wie KML, was derzeit deutlich an der Konzeption und
Entwicklung der GDI-DE zu sehen ist. GML als universale Modellierungssprache für
geografische Daten wird von der durch GIS geprägten Gemeinde favorisiert. KML dage-
gen hat sich als Webstandard durchgesetzt, da es die dort nötige Funktionalität bietet.
Das Potential von KML wird durch die zwischenzeitliche Aufnahme in die ISO Stan-
dards verdeutlicht. Eine Annäherung beider Seiten hin zu einem kompatiblen bzw.
gemeinsamen Standard vereinfacht die Handhabung von Geodaten unterschiedlicher
Herkunft.

An verschiedenen Beispielen wurde bereits die Wertigkeit von VGI für Unternehmen als
zusätzliche Datenquelle verdeutlicht, obwohl die Daten nicht offiziell erhoben wurden
und Qualitätsmerkmale nicht identifizierbar sind. Im Kern adressiert die kontrollierte
Verwendung von geografischen Informationen globale Bedürfnisse. Gleichzeitig treten
Probleme unterschiedlicher Datenqualität oder Inkonsistenz von Daten auf und auf-
grund fehlender Koordination und urheberrechtlichen Belangen, ist eine multiple Date-
nerhebung notwendig [Yeung/Hall, 2007, S.503]. Langfristig bildet daher die Integra-
tion von Anwendern in das Data Mining eine wirtschaftlich logische Konsequenz, auch
um eine Kostendeckung auf Betreiberseite zu gewährleisten [Vogel, 2002, S.3]. Dass
Systeme dieser Art funktionieren zeigen Wiki-Anwendungen, die als selbst regulierend
beschrieben werden [Drösser, 2007].

Auf Anwendungsebene verbreiten sich zunehmend mehr Lösungen, die Schnittstellen zu

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5 Chancen für Geowebanwendungen und Faktoren für den langfristigen Erfolg

geografischen Informationen, speziell im Rahmen der Positionsbestimmung, anbieten.
Zwar abstrahieren diese Schnittstellen von technischen Details, dennoch konkurrieren
sie miteinander und wirken einer universalen Lösung entgegen. Die Heterogenität der
Lösungen am Markt ist vermutlich zurückzuführen auf das noch frühe Stadium des
Geoweb, so dass sich eine „Best-of-Breed“ Lösung noch nicht entwickeln konnte. Mit
dem Ziel einer kontinuierlichen Entwicklung sollten proaktive Maßnahmen ergriffen
werden, in denen Vertreter aller beteiligten Interessengruppen gemeinsame Standards
entwickeln und verabschieden. Standards für den Zugriff, wie es zum Beispiel die Geo-
location API vorsieht und Standards für den Austausch von Geodaten, wie es das OGC
erarbeitet.

Die Entwicklung von Technologien und Methoden für die Verwaltung und gemeinschaft-
liche Nutzung räumlicher Informationen, ist primär auf das Internet zurückzuführen und
gängige Handhabe. Die Interaktion zwischen zeitgemäßen spatialen Systemen und dem
Internet ist daher nicht mehr länger nur ein Option, sondern stellt einen kritischen Fak-
tor für langfristige Wirtschaftlichkeit und ökonomischen Wohlstand dar [Delphi, 2003,
S.14]. Eine Ausdehnung auf niedrigen Schichten, für eine Integration auch auf der Pro-
tokollebene ist daher sinnvoll, um einen effizienten Austausch von beispielsweise GPS
Daten zwischen Systemen zu ermöglichen. Eine mögliche Lösung hat hier die Firma
GPSOverIP GmbH4

mit dem GPSOverIP Protokoll entwickelt. Es verfügt über offene
Schnittstellen und soll aufgrund eines im Vergleich zu anderen Netzwerkprotokollen wie
TCP/IP geringen Ressourcenverbrauches auch in Netzwerk mit niedriger Bandbreite
eingesetzt werden können.

Die Erhebung von Geodaten ist aufgrund eines hohen Ressourcenbedarfs und teuren
Sachinvestitionen kostenintensiv [Vogel, 2002, S.3]. Da jedoch der Nutzen für den An-
wender im Gegensatz zu Geofachdaten verhältnismäßig gering ist, entsteht ein Ungleich-
gewicht bei der Zahlungsbereitschaft für Geobasisdaten. Den hohen Erhebungs- und Ak-
tualisierungskosten für Rohdaten stehen abnehmende Kosten auf jeder Veredelungsstufe
entgegen. Gleichzeitig erhöht sich jedoch der Markwert [Fornefeld/Oefinger/Jaenicke,
2004, S.16]. Dieses Wertschöpfungsparadoxon begründet sich dadurch, dass der Nutzen
eines Geodienstes nicht technischer sondern anwendungsspezifischer Natur ist. Da der
Anwender das letzte Glied der Wertschöpfungskette bildet, ist dort der größte Nutzen
sichtbar. Zur Ermittlung geeigneter Verrechnungsmodelle für Webservices ist deshalb
die kundenorientierte Betrachtung unter Berücksichtigung von Zahlungsbereitschaft
und Nutzen erforderlich [Fornefeld/Oefinger, 2005, S.5]. Gleichzeitig müssen diese eine
unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten sinnvolle Gewinnverteilung auf alle an der Pro-
zesskette beteiligten Parteien sicherstellen. Die Heterogenität in Bepreisungsstrategien
reflektiert die unterschiedlichen Gruppierungen im Geoweb und zeigt gleichzeitig die
Komplexität der Thematik. So besitzen identische Geodaten für unterschiedliche Grup-

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http://www.gpsoverip.de/

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5 Chancen für Geowebanwendungen und Faktoren für den langfristigen Erfolg

pen abweichenden Nutzwert [Peyke, 2004; Maguire, 2008]. Dabei variieren gleichzeitig
die Qualitätsansprüche an die Daten, sowie eine Zahlungsbereitschaft für diese. Plausi-
bel wird dieses bei der Gegenüberstellung zwischen dem privaten Sektor und dem nicht-
privaten Sektor. Privaten Anwendungen setzen Geobasisdaten meist als Mittel zum
Zweck ein und tolerieren geringfügige Abweichungen in Präzision. Nicht-private An-
wendungen dagegen verwenden beispielsweise detaillierte Lagepläne als Basis für Ver-
messungen, so dass die Präzision höchste Priorität besitzt, was hohe Preise für Geodaten
rechtfertigt. Bepreisung und Qualitätskontrolle sind daher zentrale Themen für einen
sich entwickelnden Markt im Geoweb. Während die ISO 19138 die Qualität von Geoda-
ten standardisiert, fehlen bezüglich Kostenmodellen noch Standards für eine einheitliche
Abrechnung [Wagner/Gartmann, 2002; ISO/TC211, 2006].

In Anbetracht der skizzierten Probleme und Herausforderungen erfordert eine erfolg-
reiche Kooperation in einem harmonisierenden Umfeld, ein Umdenken auf konzeptio-
neller, technischer und anwendungsbezogener Ebene. Hier ist sowohl die Arbeit von
regulierenden Institutionen als auch die Bereitschaft von Anwendungsanbietern zum
Dialog gefordert, um einheitliche und auf Standards basierende Schnittstellen zu eta-
blieren, die eine kontinuierliche Entwicklung erlauben, sowie einen hohen Interaktions-
grad zwischen Systemen garantieren. Tendenziell wird auch der Trend hin zu einer
SOA bei der Softwareentwicklung die Bereitschaft, Standards zu etablieren und zu
propagieren positiv beeinflussen, da daraus die Portabilität der Daten sowie die Wert-
steigerung existierender und zukünftiger Informationssysteme einhergeht [Delphi, 2003,
S.5,16].

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