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DIE ERFORSC1;IUNG DER ANTIKEN ASTROLOGIE

Vortrag, gehalten auf der 4-9. Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner
in Basel
Von FRANZ BüLL

Es gibt schwerlich einen zweiten Wahnglauben, dessen Grundlagen so völlig


zerstört sind wie die der Astrologie. Das · Spiel mit den sieben Planeten war
einfach, aber es wird unerfreulich kompliziert, wenn Uranns und Neptun und gar
noch einige hundert Planetoiden sich hineinmengen. 1) In der stummen Unendlich-
keit des Weltalls, .in die die Fixsterne zurückgetaucht sind, hat die Schrift am
Himmel ihre leuchtende Klarheit verloren. Der Verfall der Astrologie; di~ bis
gegen Ende des XVII. Jahrh. die Geister beherrscht hat, ist die Ursache ge'-
worden, daß man sich lange förmlich gescheut hat, si(\h wissenschaftlich damit
zu befassen; was konnte dabei bestenfalls zu gewinnen seil). als ein Stück Ge-
schichte menschlicher Narrheit? So ist das Studium der antiken Astrologie
bis etwa ins letzte Viertel des · vorigen Jahrhunderts ziemlich brftchgelegen.
Die Notwendigkeit, das vernachlässigte und ;verachtete Gebiet wieder aufzu-
suchen, ergab sich vog zwei Seit~l). her: den Historikern der antiken Religion,
vor allem der orientalischen Religionen im römischen Kaiserreich, war das
Verständnis der Astrologie auf die Länge ebenso unentbehrlich wie den
Forschern auf dem Gebiet der antiken Wissenschaft. Nac4 beiden Seiten hat
.vor .aUem Hermann U sener wie auf so vielen ancleren Gebieten aggeregt und
selbst Hand angelegt. 2) Wie auch er hervorhob, galt und gilt es hier zunächst

1) Es ist bemerkenswert, daß eine Ahnllng vQn der Möglichkeit, es seien mehr iLls .d ie
fünf Wandelsterne vorhanden, schon den. Griechen a ufgedämmert ist, vgl. Artemidoros von
Parion bei Seneca, Quaest. N at. VII 13: Adversus hoc .rJ,b Artemidoro illa dieuntur, no'it has
trJ,'ittum stellas quinque discwn'M'e, sed solas observata$ esse - eine Wendung, die auch einem
modernen Naturforscher nicht uneben klingen wird. Wie Kauffmann in seinem guten Ar-
tikel über Artemidor in WissQwas R.-E . Il 1332 bemerjrt, llat ArteIllidor, der wohl vor Po-
seidoniQs lebte, darin vielle.i cht Ahnungen des DeIllQkrit aufgenommen, vgl. Sene.CiL .ebd.
VII 3: Demo01'#us quoque s11btilissimus antiquorum omniurn SUSpic.a.1'i ait se plures esse stellas
qUrJ,e eurrant; sed nee numentm illarum posuit nee nornina, nondum eomprehensis quinq.ue
!Jiderurn eursibus. - Zu den zwei oben :1bgebildetenMünz~n s. u.nten S. 113, 4.
2) Es sei hi!Jr beson(lgrs auf LTseJ;lers Bespre.chung von Bouche7~e.c1ercqs Werk 'L'astro-
logiegrecque' in der Byzant, Zllitsc):u. X ~46 ff.hingew~esen, w9 die eminente geschicht-
liche Bedeutung dieses 'WiJdling§tl'iebes der Wi~senschaft' in tiefgehellder 13etrachtung ge-
würdigt wirq..
F. Boll: Die Erforschung der antiken Astrologie F. Boll: Die Erforschung der antiken Astrologie 105
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sich Wle einst Scaliger und Sahnasius des Materials wieder zu bemächtigen, losen Kapitel, die aus dem Arabischen und indirekt dem Indischen und Persi-
das ungekannt in den Bibliotheken und Museen ruht; und von dem Fortgang schen ins .iYIittelgriechische übersetzt sind, müssen wir hier fast ganz beiseite
dieser Sammlungs~ und Sichtungsarbeit habe ich zunächst einige einleitende lassen, so wenig sie für die Geschichte der mittelalterlichen Kultur bedeutungslos
Worte zu sagen. sind. Die größe )fasse der alt griechischen Kapitel ist anonym überliefert;
Als Bouclu:i-Leclercq vor acht Jahren sein dankenswertes großes Werk aber selbst so sind schon etwa 70 Schrift;:;tellernamen aufgetaucht, die großen-
L'astrologie grecque herausgab, konnte er nach den damals gedruckten Schriften teils der griechischen Literaturgeschichte bisher völlig fremd waren; auch ein
des PtolemaiosI ManiliusFirmicus u. a. wohl' den Durchschnitt der astrologi- paar Poeten, die in Hexametern, einer sDgar im elegischen Versmaß, schrieben, sind
' .
sehen Lehre darstellen, aber noch keinen Versuch wagen, eine Geschichte der darunter. i ) Die Mehrzahl bezeichnet sich mit ihrem eigenen ehrlichen Namen;
astrologischen Literatur auch nur zu beginnen; die Handschriften waren noch aber auch die Großen der griechischen Vergangenheit von Pythagoras bis auf
wenig erschlossen. Hier, hat der Oatalogus codicum astrologorum. Graecorun;t
eingegriffen, dessen Begründung wir Franz Oumont verdanken. In den letzten
zehn Jahren sind die italienischen Handschriften bis auf die Hälfte der Vati-
l Apollonios von Tyana sind ebenso mit Apokryphen vertreten wie uralte grie-
chische und ägyptische Offenharungsgötter, Heroen, Könige und Seher und
jüdische Patriarchen. Von wenigen haben wir noch ganze Werke, wie von
cani, die deutschen und österreichischen vollständig beschrieben worden 1); es Vettius Valens aus der Antoninenzeit, den uns Kroll in wenigen Wochen voll-
fehlen größtenteils die Pariser und was in England und sonst in europäischen ständig vorlegen wird, von anderen nur einzelne Kapitel. So sind uns die
Bibliotheken sich noch finden mag. Die größere Hälfte der Katalogisierungs- meisten diesel' dunklen Ehrenmänner als schriftstellerische Individualitäten und
arbeit ist immerhin getan, und aus den beschriebenen Codices sind Inedita publi- nach der literarischen Form ihrer Werke wenia , am besten noch die
'" erkennbar·
..

ziert, die schon jetzt etwa 900 Seiten ausmachen. Jene Handschriften enthalten mystisch-dunkle Weisheit des ~ echepso-Petosiris und die selbstbewußte und
bloß zum kleineren Teile geschlossene astrologische Werke; weitaus die Mehrzapl wortreiche Art des 6T(JUTic(rf'Y}S rfjs sL,uaQ/-dv1jS, Vettius Valens, in ihrem tiefen
sind astrologische Anthologien, Auszüge aus den verschiedensten Astrologen, die Gegensatz zu der nüchternen Gelehrsamkeit des Ptolemaios.
es gilt, Kapitel für Kapitel zu beschreiben und auf 'ihreHerkunft zu bestimmen. In dieses Ohaos von Schriftstellernamen kanu nur die Oh1'ono100'ie o Ord-
Jene Exzerpte aber stammen aus 18 Jahrhunderten des griechischen Schrift,- Ilung bringen, und dazu sino. wir in der 'l'at auf dem Wege. Immer ruehr er-
tums, von ca. 200 vor Ohr. bis 1600 nach Ohr., und ihre Wichtigkeit für die astrologischen Terminologie und der Zeitbezeichnuügen ganz abgesehen. Ein kleines Bei-
Geschichte der griechischen Sprache ergibt sich schon hieraus. 2) Die zahl- spiel ist vielleicht für diese letzteren Dinge nicht unwillkommen. Bei Hel'odot IX 10 hat
man gezweifelt, ob al'av(lm.ft1] wirklich eine Sonnenfinsternis bezeichnen könne; eine Stelle
1) Erschienen sind seit 1898 bisher (in Brüssel bei H. Lamertin) 7 Faszikel, I-iV aus einem Astrologen (andere könnten hinzugefügt werden) entscheidet die Sache. ohne
(Codd. Florentini, Veneti, Mediolanenses, Italici), V 1 und 2 (Romani), VI (Vindobonenses), weiteres im positiven Sinne (vgL in meinem Artikel 'Finsternisse' bei Pauly-Wissowa das
von VII (Germanici) stehen die letzten Bogen im Satz, so daß er in kurzem abgeschlossen zum Jahr 480 vor ChI'. Bemerkte).
werden .wird. Damit sina im ganzen etwa 170 Handschriften erledigt. Mitarbeiter sind 1) Iu Hexametern schreiben Antiochos von Athen, Maximos, Manetho, Ammon, Doro-
außer Cumontbishcr Bassi, Kroll, Martini, Olivieri 1).nd der Verfasser; die beiden Faszikel theos von Sidon (die Fragmentc von Kroll, Catal. VI 89 ff. zusammengestellt), 'Orpheus',
V 2 una VI h~t.· Kroll allein bewältigt. Über den Inhalt der einzelnen Bände habe ich über dessen'Astrologica jetzt J. Heeg, Die angeblichen Orphischen "E(ll'lX UlXL1JI1,E(!lXt, Würzh.
in der Byzant. Zeitsehr. VIII 523 ff., XI.139 ff., XV 645 ff. berichtet. Diss., München 1907 zu vergleichen ist; im elegischen Versmaß Anubion, von dem einzelnes
2) Ich kann hier darauf nicht weiter eingehen, aber ich möchte die Erforscher fler auch unter die Manethoniana geraten ist. Vielleicht interessiert es manchen Leser, einmal
griechischen Spmcbgeschichte nachdrücklich auf das reiche Matcrial hinweisen, das hier (ohne Gewähr dafür, daß nicht der eine oder andere übersehen ist) die weiterhin in diesen
vorliegt. Im Anschluß an den vorstehenden Vortrag hat in Basel A. Deißmann namentlich Hss. begegnenden Namen aus älterer griechisch-römischer Zeit bis zum Ende des VIII. J ahrh.
auf die hohe, ja geradezu epochemachEmde Bedeutung des Vettius Valens für die Erkenntnis zu überblicken. Vermutlich oder sicher echte Namen sind Ammonios, Antigonos, Apolli-
des Septuagintagriechisch aufmerksam gemacht: er hält nach mündlicher Mitteilung sogar narios, Apollonios Myndios, Asklation, Asklepiades (von Myrlea), Astrampsychos, Barbillos,
die Möglichkeit für erwägenswert, daß der Antiochcuer Valens selbst von der Septuaginta Demetrios, Demophilos , Erasistmtos, Eutokios, Heliodoros, Hephaestio 'l'heban., Heraiskos,
beeinflußt war. Kroll hat imCatalogus V 2 S. 141 ff. in einer reichhaltigen Mantissa Hermippos, Hipparch, Iulianus Laodic., Kastorios, Kidenas, Kritodemos, Leo Sapiens, Oda,psos,

I
observationumVettianarum bereits die wesentlichsten Eigentümlichkeiten dieser ungemein Orion, Palchos, Pancharios, Paulus Alexandr., PoIles, Porphyrios, Proklos , Protagoras N i-
reichen Sprache hervorgehoben. 'Ich wüßte in der Tat keinen Autor', sagtWendland, caenus, Cl. Ptolemaeus, Rhetorios, Serapion, Seuthes, Sextus <I .b(!O%(llt-rW(!, Stephanus Alexandr.,
. Hellenist.-Röm. Kultur S. 128, 'der den Gegensatz des reichen Wortvorrats und der Bild~ Stephanus Philosophus, Sudines, Teukros der Babyionier, Theodosios, Theophilos von Edessa,
su,mkeit der hellenistischen Sprache gegen die Vemrmungdurch den Attizismus so lehr- Timaios, V u,lens, Zenu,ria, Zenarios. Von Patriarchen-, Propheten-., Götter- und Königs-
reich veranschaulichte und die Sprachfülledes Paulus zu erklären mehr geeignet wäre'. namen Abraham, Asklepios, Daniel, Deukalion, Esdra, Hermes Trismegistos, Kerasphoros,
Aber auch dieiibrigenästrologischenTexte liefern nicht nur gelegentliche Berührungen Melampus, N echepso, N echeus, Petosiris, Salomon, Zoroaster,der Anonymus von Heliopolis;
mit 'Septuaginta und N. T., sondern stellen auch außerdem, schon weil sie trotz ihres seltsam ist der IXv.ftQwnoS 'tov K(!ovov ASl'0/LSVOS (Catal. V 1 S. 52 und 102). Von
l,seudogelehrten Charakters vielfach geringe Tagesliteratur bewahrt haben, ein Stück Ge- Fälschungen auf griechische Schriftstellernamen : Apollonios von Tyana, Aristoteles, Demo-
schichte der uow~ dar, das die lexikogmphische und grammatische Arbeit nicht mehr lange krit, Eudoxos, Hemkleitos von Ephesos, PI atoll ,Pythagoras. Man sieht, daß die wahr~
außer acht lassen kann, von wichtigen Beiträgen zur Geschichte der astronomischen und scheinlich ec4ten doch stark an Zahl überwiegen.
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geben sich, z. T. durch astronomische Berechnung, feste Zeitansätze für einzelne keit geschichtlicher Betrachtung auch der astrologischen Systematik sich in der
Schriftsteller, und Quellenverhältnisse werden sichtbar, durch die auch auf die Ferne zeigt.
römischen Astrologen Manilius und Firmicus ein neues Licht fällt. Wir sind Was ist nun die Bedeutung dieser ungeheuren Fülle von neuen Texten für
wobl alle mehr oder weniger von der Anschauung ausgegangen, es hier fast unsere Kenntnis des antiken Geisteslebens? Die Astrologie hat einen eigen-
nur mit Erzeugnissen der Kaiserzeit zu tun zu haben. Das ist nicht der Fall. tümlichen Doppelcharakter , und ihn gilt es zu würdigen. W[an wird ihr nicht
Das Hauptwerk der griechischen Astrologie, die Bücher des Nechepso-Petosiris gerecht, wenn man sie lediglich als Sterndeuterei, als einen bloßen / Einzelfall
sind jetzt durch Kroll mit Sicberheit dem H. Jahrb. vor Cbr. zngewiesen; neue der Divination betrachtet, etwa wie Leberschau und Blitzdeutung ,in Etrurien.
:Fragmente 1) zeigen, daß wir sie uns sogar vor 150 vor Chr. denken müssen. Die Astrologie ist weit mehr; sie ist tatsächlich ein großartiger Versuch eines
Mit ihrer Quelle, den 'Hermetischen Unterweisungen' C'EQP,IXLUC<[ d'tC<TtX~HS), von einheitlichen Weltbildes, nach mißverständlichen aber unverbrüchlichen Natur-
denen ein Teil den rätselhaften Titel EaAp,e6xoWLlXUtX oder 2]aAp,EVlXUXUtX führte gesetzen: certa stant omnialege. W oUte man jene große Verkettung von Ur-
~ die Papyri haben uns 1903 ein großes Stück davon wiedergegeben 2) -, sache und 'Wirkung, jene cLlLccQlLEVl/ der Stoa in konkreter Gestalt schauen,
kommen wir bereits mindestens an den Anfang des 1I. Jahrh. vor Chr.. Krito- so mußte notwendig unter dieser Unendlichkeit wirkender Kräfte die erste Rolle
demos und Epigenes 3 ) sind gewiß nicht viel jünger als Berossos. Die Tradi- den gewaltigsten Weltkörpern zukommen, den Gestirnen; ihren Einfluß auf alles,
tion dieser Literatur wird also in Wahrheit in frühhellenistischer Zeit ge- was der Erde angehört, maß man an der augenscheinlichen Wirkung von Sonne
schaffen; denn eben jenes umfangreiche Werk des N echepso-Petosiris bildet die und Mond, und er muß nur um so mächtiger erscheinen, je mehr man erkennt,
eigentliche unerschöpfliche Fundgrube für die Späteren, was die außerordent- wie weit sie der kleinen Erde an Größe überlegen sind. Goethe hat auch hier
liche Konstanz dieser Literatur erklärt; es ist recht eigentlich die Astrologen- 'Ältestes bewahrt mit Treue', wenn er in dem tiefsinnigen Spiel seiner 'Orphi-
bibel, die man fortgesetzt kommentiert und umschreibt. - ~Iit jener Zurück- schen Urworte' die Heimarmene gerade in der Form der Astrologie symboli-
datierung der Anfänge der astrologischen Literatur entschwindet zuglei ch ein siert; tatsächlich ist das astrologische Weltbild, in diesem Sinne gefaßt, der
Hauptbedenken, das wir einst trotz der Zeugnisse gegen die Einreihung des wahre und notwendige Ausdruck jeder Schicksalslehre auf dem Boden des geo-
großen Astronomen Hipparch 4) in diese Literatur hegte~; und wil' verstehen es zentrischen Denkens:die Gestirne sind hier Jlicht so überflüssig wie in einer
jetzt erst ganz, wenn er nach Plinius (N. H. II 95) als Vorgänger des Posei- religiös geozentrischen Weltauffassung, die der Wissenschaft notgedrungen die
donios auch in der religiösen Grundstimmung, jenem Glauben der Verwandt- Unendlichkeit des Weltalls und die Kleinheit der Erde zugibt, aber den Ge-
schaft der Menschenseele mit den göttlichen Sternen erscheint, der übeJ:all im stirnen dabei höchstens den Beruf von Leuchtkörpern und Zeitmessern geben
Gefolge der Astrologie auftritt. Niemand braucht ihn darum tiefer zu stellen kann. Wenn man die Großartigkeit dieses astrologischen Weltbildes, seine
als etwa Kepler, der Zeit seines Lebens sich mit ähnlichen Träumen herum- Einheit und Erhabenheit empfinden will, muß man die PToömien und Epiloge
schlug, obwohl er die Verkehrtheit der Genethlialogie, also der Individual- des Manilius lesen,· die dem Lukrez an innerer Ergriffenheit der Darstellung
astrologie erkannte. - Auf die zahlreichen anderen Punkte, die sich auf dem wenig nachgeben. :Man versteht d'a, wie der Stolz auf die Vernunft bei Posei·
.Wege der Astrologie von 200 vor ChI'. bis 1600 nach ChI'. fixieren ließen, darf ich donios und anderen sich gar wohl mit der Astrologie vertragen kann. Alles hat
hier nicht weiter eingehen; genug, wenn aus dem Gesagten deutlich wird, daß diese Weltanschauung allmählich an die Sterne geknüpft: die Geschicke des IIlcli-
die Quellen sich hier langsam zeitlich zu sondern beginnen und die Möglich- viduums und die Politik großer Reiche; Leib und Seele des Einzelmenschen
und den seelischen und körperlichen Habitus ganzer Völker; die Altersstufen
1) Sie werden im (Jatal. VII 129 ff. erscheinen: die Hellenen ~ind hier noch unabhängig im Menschenleben und die Dauer der großen geschichtlichen Perioden und der
gedacht, Rom nicht ein einziges Mal erwähnt. Weltreligionen 1); und für die Ulliversalhistorie findet Diodor in seiner Ein-
2) Vgl. Oxyrhynchui> Papyri In 126 ff. Über den seltsamen Namen habe ich mir in der leitung kein besseres Gleichnis als jene stoische uowi} avoclo}'(a, in der die
Zeitschr. f. Ägypt. Sprache XXXIX 15j! von den Ägyptologen Aufklärung erbeten, aber
leider bis jetzt umsonst. Einen Erklärungsversuch hat C. Dyroff in meiner Sphaera S. 378
gemacht.
I Ordnung der Sterne und die Natur des Menschen zu eiuem Kosmos nach den
Gesetzen der %e%(,JCOlLEV'Y) vereinigt sind. Nur wenn man diese relative Ver-
3) Über Epigenes s. jetzt llehm in Wissowas R-E., wo jedoch beachtenswerte Bedenken
Ta;nnerys, Rev. de philol. XXI 182 ff., übersehen sind. 1) Über die Altersstufen vgl. einstwenl3n meine Studien über P.tolemaeus S. 123, 1 und
4) Vgl. die Zitate bei Hephaestion I 1, Valens I 19, Firmicus III praef. und das in Catal. Roscher, Ennead. Fristen, Abh. Phil.-Hist. Kl. der Kgl. Sächs. Ges. d. Wiss. XXI 4 S, 51 ff.;
II 85 f. von Cumont Ausgeführte, auch Kroll in dieser Zeitschrift VII 573, sowie Catal. V 2 über die 7 Weltalter (bni Firmicus IU 1,10 ff. sind es 5) Catal. IV 113 ff. 183 f.; V 2, 1:35 ff.;
S. 128, 14. Schon Hugo Berger .hat in der Rezension meiner Studien über Ptolemaio~ auf über die Berechnung der Zeitdauer der Weltreligionen nach den Planetl3nstufen CataL
Hipparch als Astrologen hingewiesen (Litt. Centralbl. 1895 S. 62), Auch Serapio;n,ein
direkter oder indirekter Schüler des Hipparch, ist wahrscheinlich Astrolog gewesen (ßyzant.
I VII 95 f. und F. v. Bezold, Deutsche Zeitschrift f. Geschichtswiss. VIII 29 ff. Roger Bacon u. a.
haben die Kühnheit, das letztere mit Einscbluß des Christentums zu lehren. Vgl. auch
Zeits~hr. VIII 525 f). Burckhardt, l\ultur d. Renaiss. Ir 7 243.
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108 F. Boll: Die E~forschung der antiken Astrologie
Man darf nun nicht glauben, daß das Mittelalter jene heidnische Grund-
nünftigkeit der Astrologie erkennt, begreift man, wie sie ungezählte Jahr- lage der Astrologie nicht begriffen hätte. Nicht nur, daß die Berechnung
hunderte nicht bloß die Toren anziehen konnte. Daß übrigens irgend ein
der Nativität Christi als ein todeswürdiger Frevel giltl): man hat auch zahl-
Chaldäer oder ÄG"ypter
b
die GroßartlG"keit
b
dieses Weltbildes in seinem
.
Zusammen- reiche positive Versuche gemacht, den Himmel und was mit ihm zusammen-
hanG"e schon erfaßt und vollends dargestellt hätte, dafür ist mir keinerlei
hänG"t seines heidnischen Gewandes zu entkleiden. Schon byzantinische Astro-
Zeu~nis bisher bekannt; so, wie es Poseidonios ausspricht, hat es die Entwicklung b
nomen haben, wie später fromme Protestanten, an Stelle der heidnischen
der griechischen Philosophie und Wissenschaft zur notwendigen Voraussetzung.
Götter- und Heroennamen für die Sternbilder christliche und alttei'!tamentliche
Das astrologische System besitzt also den Hintergrund einer philosophisch~n " gesetzp); die Wochentage will man statt nach den sieben Planeten vielmehr
Weltanschauung, und der Aufbau der Systematik ist ebenfalls dem Anschem nach Christus und den Heiligen benennen, wobei die -um den Sohn klagende
nach nur rechnende Wissenschaft, Mathematik. Sobald man aber nach ' der
Mutter an die Stelle der Aphrodite für den J?reitag tritt. 3) Auch der persische
Herkunft der Elemente fragt, auf denen diese Berechnungen beruhen, findet oder arabische Übersetzer des Teukros setzt für die Isis und den Horosknaben
man sich auf einem ganz anderen Boden. Warum sind die Planeten Jupiter und seiner Vorlage ohne weiteres die Madonna mit J esus. 4) All das hat wenig Er~
Venus gütig )llld heilbringend" Mars und Saturn Schadenstifter? Das erklärt I folg; jeder empfindet, wie noch auf unseren 'Sonntag' durch die Verbindung
sich zuletzt durch keine wissenschaftliche Beobachtung der Gestirne, sondern I
I mit dem leuchtenden Tagesgestirn ein eigentümlicher physischer Glanz fällt,
allein durch alte Gestirnreligion. Ebenso ist es mit dem Charakter der Tier-
der dem Tag des Herrn allein nicht zu eigen sein würde. Desto stärker aber
kreisbilder, deren Verbindung mit den Planeten das System astrologischer
:1 ist der Schaden, den die Überlieferung der astrologischen Schriften. durch diese
V oraussagung im wesentlichen . ergibt. Die Religion, die den Zodiacus . ge- christianisierende Tendenz erlitten hat, zu der sich mit gleicher Wirkung auch
I
schaffen hat, konnte erst daran sein, den Tierkultus zu überwinden; sie versetzte I die wesentlich praktische Absicht der Schreiber gesellt. Unsere astrologischen
die rriergötter in die Gestirne, die droben leuchtend ihre Bahnen ziehen. Die
Exzerpthandschriften geben uns in oft ,unerträglicher Wiederholung die Defi-
Religion selbst emanzipiert sich allmählich von diesen Tiergotthei~en; gerade. der nition der astrologischen Grundbegriffe, die Erklärung jeder Geburtskonstella-
Sternkultus bringt eine Erhabenheit in den Gottesbegriff, die für das hIsto-
rische Urteil über die Astrologie neuerdings mit Recht betont worden ist!):
die Astrologie erniedrigt den Menschen zum Sklaven des Schicksals, aber sie 1) Cecco d' Ascoli hat dafür 1327 in Florenz auf dem Scheiterhaufen geendigt; : vgl.
Burckhardt, Kultur der Renaiss. 117 243, wo noch viel anderes Material, auch die Nach-
hilft die Gottheit zum VVeltenherrscher auf und über den Sternen erhöhen.
weise für die Pflege der Astrologie durch die Renaissancepäpste, zu finden sind. Daß
Aber in der DeutunG" o
der in den Sternen zu lesenden Schrift wirken jene .
alten namentlich die alte christliche Kirche (ganz besonders Augustin) die Gefahr der Astrologie
Tiergötter und ebenso die Planetengötter aus der Religion der Vorzeit ms Un- erkannt und sie in ihren offiziellen Kundgebungen heftig bekämpft hat, soll darum durch-
endliche weiter; und eben aus diesen Rudimenten ergibt sich auch die kindische aus nicht bestritten werden; nur beweist das für die Praxis der Päpste natürlich gar nichts.
Torheit der Astrologie im einzelnen, die ja jedem bekannt ist. Wessen Geburt Zu Savonarolas Zeit war, wie seine Predigten bezeugen (Beil. z. Allg. Ztg., Spektatorbrief
vom 1. Okt. 1898) kein italienischer Prälat ohne seinen Astrologen. - Für die Fortdauer
unter bestimmten ungünstigen Voraussetzungen mit dem Tierkreisbild des
des astrologischen Glaubens in älterer Zeit unter den Christen s. Schtirer, Zeitschr. f. alt-
Löwen zu tun"hat, dessen Los ist eS,von wilden Tieren zerrissen zu werden; testam. Wiss. VI (1905) S. 46 ff.
und Mars und Venus zusammen müssen Ehebrecher hervorbringen, usw. ins 2) Vgl. einstweilen Cata1. II 214 ff. und IV 158 ff.; auch Byzant. Zeitschr. XI 142; XV 646.
Unendliche. Je törichter das sein mag (ich habe dabei freilich die verwickelte Da erscheinen der Stern der Kreuzeserhöhung, der h1. Thekla, des hl. Thomas usw.; die h1.
und verhüllende astrologische Systematik weggelassen), desto erstaunlicher ist Thekla ·z. B. tritt offenbar an Stelle der Ähre, d. h. der Jungfrau, und für den Drachen-
töter Apollon erscheint im Sternbild .der Zwillinge der h1. Georg. Näheres bei anderer Ge-
die Hartnäckigkeit, mit der sich hier alter Glaube nicht nur durch Jahrhunderte,
legenheit. Hoffentlich werden auch die persischen Sternnamen in dem Text des Zanatas
sondern durch Jahrtausende hält. Ist es denn nicht fast ungeheuerlich, daß im (Catal. IV 145) sich bald weiter aufklären.
XVI. Jahrh. Papstkrönungen und Abhaltung von Konsistorien von der Ent- 8) Der Text steht Catal. IV 99; die Reihe von Sonntag bis Samstag ist hier: Sonntag,
scheidung des Astrologen abhängig gemacht werden, die doch nur auf den · Tag der Gerechtigkeit Christi des Gottes (als der 'Sonne der Gerechtigkeit', Sol Iustitiae,
alten Namen der Planeten und Tierkreisbilder, also im letzten Grunde nur auf wie Cumont anmerkt); Montag, Ta,g der Engel; Dienstag (Arestag) , Tag des Vorläufers
den fossil gewordenen Resten der alten Sternreligion beruht? Und zur gleichen Johannes; Mittwoch (Merkurstag), Tag des Kreuzes, in ausdrücklicher Parallele des '.DyOS
des Kreuzes mit dem 'E(!/Li)s 7.oyws;Donnerstag, Tag der Apostel; Freitag (Aphroditetag),
Zeit bearbeitet im deutschen Norden Melanchthon die Ptolel!läische Astrologie, Tag der Gottesmutter, 'wegen der Kreuzigung des Sohnes'; Samstag (Saturnstag , also Tag
die jene Abkunft d~ch auch nur schlecht verleugnen kann. . Man muß sagen, des Göttervaterd), Tag von Gott Vater, 'wo wir ihn bitten für die verstorbenen Väter und
die Astrologie ist die zäheste geheime Fortexistenz alter Religion, die wir kennen. Brüder'. ~ Aus der. Schöpfungsgeschichte in der Genesis begründet dagegen der Christ
j
Tbeophilus von Edessa im VIII. Jahrh. die heidnischen Wochentagsnamen, Catal. V 1, 235 ff.
Yg1. auch Maaß, Tagesgötter S. 272, 35.
I) Von Cumont in seinen vortrefflichen Vorlesungen 'Les religions orientales dans le 4) Vg1. meine Sphaera S. 417. 428 f. und Gruppe, Griech. Mytho1. S. 1613, 3.
paganisme Romain' (Paris 1907) S. 211.
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tion und die Rezepte für Tag und Stunde jedes Kleiderwechsels und jeder alles andere: die Papyri nennen das Sternbild, von dem sie reden, statt TO
Mahlzei t. J u venals <capiendo nulla videtur aptior hora cibo nisi quam dederit /X(fTQOV lieber ö %cos.1) Es ist außerordentlich bezeichnend, daß Poseidonios
Petosiris' können wir jetzt aufs ergötzlichste durch griechische Texte belegen. 1) das übernimmt; wenn er in streng astronomischen AUSführungen bei Kleomedes
Aber wo die Schreiber unmittelbar die Spuren des Heidentums wittern, da von dem Aufeinandertreffen der Mittelpunkte von Sonne und Mond bei den
werden ste rasch scheu und zum Auslassen und Überspringen geneigt; manche zentralen Sonnenfinsternissen spricht, so sagt er in geradezu barocker Weise
schm uggeln die verbotene Ware nur unter Geheimschrift weiter. 2) Dagegen 'ist nicht Ta X8VTQIX TWV (XeFtQOJv, sondern TU X8VTQIX TWV %cwv. 2) Ptolemaios ahmt
es geradezu frappierend, wie stark in den Papyri augenblicklich diesel' religiöse das nicht nach: und in der Tat wird, wer von ihm kommt, jenen/ stark reli-
Charakter der Astrologie sich geltend macht; oft taucht eine kleine Welt von giösen Charakter der Astrologie sich zunächst, wie es mir selbst/ erging, nur
verschollenen Göttergestalten auf. 3) Eine Kleinigkeit spricht hier lauter als schwer eingestehen wollen; Ptolemai.os versucht wirklich - allerdings um-
) sonst - mit · dem wissenschaftlichen Charakter der Astrologie aus Gesichts-
') Vgl. das im Catal. IV 94 abgedruckte anonyme Kapitel: IIeQl -rov elMViXt -rov aci- punkten einer primitiven Astrophysik Ernst zu machen. Er und andere Astro-
%VOV -r'~v xa-ra6XeV1jV; z. B.: 'Wenn der Mond beim Mars steht, mußt du der Einladung
no m e n sagen für den Planeten Saturn ö TOV KQovov cXOTt/Q: aber der falsche
nicht folgen, denn unter den Teilnehmern wird es Unannehmlichkeiten geben; wenn du
aber eingeladen bist bei Vereinigung von Saturn und Mond, so wirst du notwendig Ver-
Ptolemaios und andere Astrologen, und wiederum bezeichnenderweise Areios
dauungsbeschwerden bekommen, und beim Mahl selber wird dir der Aufwärter die Sauce Didymos und auch einmal die Schrift IIcQL X06110V, sagen direkt ö KQovos -
über deine Kleider- schütten und du wirst dicb ärgern. "Venn aber bei der Einladung der der Stern ist identisch mit dem Gott selbst. 3)
Mond bei Venus und Merkur steht, so geh hin: denn da gibt es eitel Freude und Heiter-. Ich mußte das vorausschicken, ehe ich nun vOn dem Gewinn sprBChen darf,
keit, Scherz und Tanz und gute Witze und Ohrenschmaus von schönen Reden.' Dagegen den unsere astrologischen Dokumente für die Religionsgeschichte bringen
wenn Saturn in den Fischen steht, gibt es zwar Seefische und Austern, daß sich der Tisch
biegt, aber auch Aufgewärmtes - daran ist natürlich der 'grämlich-finstere Greis mit dem
können. Denn alles was der antiken Religion entstammte, ist selbstverständ-
trllbgelben Stern', der entthronte Qötterherrscher von gestern, schuld. lich in den Handschriften eben doch nicht getilgt worden, so wenig wie auf
2) Solche Geheimschrift wird zwar auch angewendet für die verfänglichen oder auch lebens- den Monumenten. Der Zuwachs an Erkenntnis gilt naturgemäß vor allem den
gefährlichen Fragen nach 9.er Treue des Ehegatten und nach der Regierungsdauer des Fürsten orientalischen Religionen im römischen Kaiserreich: die Astrologie ist recht
(so z. B. im Marcianus 334 und in mehreren Parisini, vgL einstweilen Catal. II 24 und 217). eigentlich, wie es Cumont kürzlich dargelegt hat, die wissenschaftliche rrheologie
Aber besonders bezeichnend ist die Anwendung der Geheimschrift in dem anonymen Astro-
logendes Jahres 379 nach Chr.: hier sind die Namen der heidnischen Götter, von denen man
in gewisser Situation Hilfe erwartet, zwar in dem äußerst wertvollen Kodex 29 der Biblio- ') So auch das ehen genannte Münchener Pergamentbruchstück, vgl. a. a. O. S. 499.
teca Angelica in Rom erhalten, aber in der noch älteren Pariser Handschrift 2506 und 2) Cleomed. ed. Ziegler S. 190, 20, vgl. auch 192, 16ff.: 7:0 a/lrpi%vQt:Ov -rils .fTwv 6xfj/1a;
ihren Kopien sind sie in Geheimschrift wiedergegeben, und vollends TheOlJhilus von Edessa, S. 200, 15. 220, 4. Das ist freilich nur Fortbildung des Glaubens an die Göttlichkeit der
der fromme christliche Astrolog desVIIL Jahrh. - der gleiche, der den Homer ins Syrische Gestirne, den ja [l,uch Platon und Aristoteles mit den Orientalen (vgl. z. B. Diodor II 31, 6 f.)
übersetzt hat ~ entfernt fast alle Spuren heidnischen Glaubens außer den Planetennamen. teilen; aber so direkt in die nüchterne astronomische Darlegung eingemengt, wirkt es
Vgl. Cumont im Catal.V 1 S. 210. 213. 218 und Relig. orient. S. 206. - Analog steht es höchst seltsam. - Über den habylonischen analogen Gebranch vgl. Kugler, Sternkunde in
mit der astrologischen Botanik unter Hermes Namen, vgl. Pitra, Anal. sacra et prof. V 2 Babel I 11.
S. 282; Catal. . IV 134 ff. VI 83 und meine Edition in Catal. VII aus einem Erlangensis. S) Auf diesen Gegensatz zwischen dem echten und dem falschen Ptolemaioshabe ich
Wenn man die Pflanze %o/'vyovov umbindet !l-s-ra -rov r;/"~axov Övo!l-a-ros, heißt es im Er- schon in meinen 'Studien üher Cl. Ptolemaeus' S. 181 aufmerksam gemacht, schärfer be-
langensis, so heilt sie von jeder Augenkrankheit. Das Heidnische darin hat der Schreiber tont ihn mit Rücksicht auf seine ' religionsgeschichtliche Bedeutung Schürer, Zeitschr. für
des Moskauer Codex wohl gefühlt und daher den Namen der Sonne ersetzt durch die neutestam. Wissenschaft VI 61 ff. Der falsche Ptolemaios, der Verf. des Ka(>%os, ist auch sonst
Wendung 6VV -rj) eis .fTeov eVXfI; die Hss.von Wien und Neapel lassen den bedenklichen ein Mystiker; er verkündet (§ 8), daß r; 60rp~ 1pvX~ 6VVe(>yei -rj) ovt}avlCf $Ve(!'YlilCf - fast als
Zusatz ganz aus. Ähnlich ist in einer Chiromantie der gleichen- Erlanger Hs. die in einem hät~e er Goethes Makarie mit ihrem 'ganz eigenen Verhältnis zu den Gestirnen' voraus"
Parisinus erhaltene Bezeichnung der Sterne als Götter und das Bekenntnis ZUlll Fatalismus geahnt. Sein Satz: r; E%t-r1)acl« 1pVX~ 7t(>os yvro6t1' %UOV E%~-rvyxa1Je~ -rov &/'lJ.fTovs ~ 6 &xQ(f)S
ausgetilgt (vgl. ebenfalls .Cat. VII im letzten Bogen). . a6%1)6as -r~v t%w-r1j/11)V könnte als Motto über jenem Kapitel der Wanderjahre (I 8) stehen:
S) Besonders hingewiesen sei auf die Menge seltsamer ägyptischer Göttergestalten und Makarien sind 'die· Verhältnisse unseres Sonnensystems von Anfang an, erst ruhend, sodann
Namen des Kalenders Oxyrhynchus P apyri III 126 ff., sowie auf den saitischen Kalender sich nach und nach entwickelnd, fernerhin sich immer deutlicher belebend, gründlich ein-
mit seinem Isisgeburtstag und anderen Götterfesten , Hibeh Papyri I 138 ff., auch auf das geboren', so daß sie sich in dem Sonnensystem als ein 'integrierender Teil' bewegt und
alte Uncialbruchstück aus Ägypten auf Pergament, das ich im Arch. f. Papyrusforschung 'die Calculs des Astronomen auf eine unglaubliche Weise durch ihre Aussagen bestätigt'.
I 492 ff. publiziert habe. Den Zusammenhang von Religion und Astronomie bei den Ägyp- Ohne die Annahme einer ähnlichen mystischen Empfindung wird man wohl auch Fechners
tern zeigt neuerdingR wieder anschaulich der Satz in jenem Kalender Hibeh Papyri I 145,43 : Träume von der Gestirnbeseelung kaum verstehen können. - Für Areios Didymo~ vgl. Diels,
XQrov-ra~ -rais xa-ra 6e/'1jV1)V r;!l-fQats oi a6-r(>0/,oYOt xal oi iel!0'l'(>a!l-!Lcx-reiS %(>os -ras aV6HS (a66HS Doxogr_ S. 466, 11 nach Chrysippos, ein übrigens durch das Regens 6rpai(!a gemilderter
der Pap.) xat ava-ro/'as -rrov &6-rQ(f)V. - Mehr zur sachlich-nüchternen Lehrhuchsart gehören Fall; für II. i66/LOV S. 399 a 9; an einen Zwang in der Benennung der Planeten als
Papyri wie der lVIünchener (Arch. f. Pap.-l<'orsch. I 500 f. ) und die beiden in den Tehtunis- 6 KQovos u. s. f. muß man natürlich nicht denken (die letztgenannten und auch die neuen
Papyri II 29 ft·. TebtuDispapyti wechseln darin), nur an eine Neigung.
F. Boll: Die Erforschung der ,antiken Astrologie F. Boll: Die Erforschung der antiken ·Astrologie H3
112
des sinkenden Heidentums. 1) Die Kulte des persischen Mithras und der syri- Den reichsten Gewinn hat natürlich die Kenntnis der eigentlichen Stern-
schen Gottheiten sind nicht weniger von astrologischen Elementen erfüllt als gött er davongetl'agen. Die ägyptischen Dekane - Gottheiten von je zehn
die religiösen· Spekulationen der hermetischen Schriften, ~er Gnosis ul1d der Tagen und Graden des Tierkreises -- kennen wir jetzt in einer Reihe von Listen,
Neuplatoniker. Ich muß und darf mich hier unter V ~rweisun~ ~esonder~. auf Emblemen und Bildern bis tief ins Mittelalter. l ) Wichtiger sind die Funde für
Oumonts Dieterichs und Reitzensteins Arbeiten 2) mit ememJ Betspiel begnugen, die Geschichte der Konstellationen oder Sternbilder. Wir waren bisher für sie
das bes~nders Reitzenstein 3) erörtert hat. Wenn wir beim Apostel Paulus auf griechischem Boden wesentlich auf die mit Amt, d. h. Eudoxos zusammen-
lesen (Galat. 4, 10): fU-LE(,)(tS 7taQa7:'/]Qci:oifc xal fifivas xal xa~Qovs xal Ev~a~'t~vs, häJ?gende Literatur angewiesen; nur die Eratosthenischen KatastElr ismen und.
so wird der Sinn . und die Richtung diesel' Polemik geradezu handgrelfhch, ihre Klientel ließen uns die Fülle von Sternsage und Sterndicht\lng erkennen,
wenn man etwa daneben Vettius Valens legt: E7tcl ovv 'tüV /-"I;v l'tovs xVQws die die Alexandriner gekannt und geschaffen haben. Nun sehen wir durch die
'AQ'Y)S, 'tüV OE /-"'Y)vos/ AcpQoiW't'Y), 'tfig 01; ~/-"EQas
'EQ/-"fis, 'tfjs .01; fhQas "'H1w s.. xd. Sphaera barbarica des Asklepiades von Myrlea, Teukros, Antiochos und Valens
lautet eines seiner Beispiele. 4) Wer die xaLQo{ hier vermlßt, kann demnachst in eine ganz neue Welt hinein, in eine Welt der Möglichkeiten und des Wer-
im VII. Heft des Oatalogus den neuen Apollonios von Tyana nachlesen, wo dens statt der abgeschlossenen Eudoxischen Terminologie, die durch seinen
neben 6JQa~ und ~/-"EQa~ jeder xa~Q6s, d. h. jede Jahreszeit ihren beso~d.eren Dichter Amt noch heute unser Himmelsbild beherrscht. 2) Die Geschichte des
Engel hat. Ich möchte dieses Stück auch sonst dem Interesse der RehglOns- Tierkreises, dessen babylonischer Ursprung heute feststeht, ist durch jene Texte
historiker empfehlen; ein stärkeres Beispiel für heidnisch-jüdi~ch-chri~tlichen vielfach deutlicher geworden; berühmte und fl'üher viel umstrittene Himmels-
Synkretismus wüßte ich kaum als diese Offenbarung, wO Apollomos erkl~rt, alle bilder ägyptischer Tempel in Delldera und Esne haben durch sie endlich eine
seine Wunder aus der Kraft dessen, der von Bethlehem kommen Wird, ge- authentische Interpretation erhalten. Auch vom babylonischen Himmel haben
schaffen zu haben; darum werde auch sein Tempel verehrt bleiben, wenn alle wir
.
dadurch manches Neue erfahren, und es freut mich hinzufüO'en
0
zu können '
anderen Heiligtümer der Idole gefallen seien. 5) daß bereits die neueste assyriologische Forschung zur Aufklärung dessen bei-
tragen kann, was ich vor fünf Jahren im Ungewissen lassen mußte. 3) Merk-
würdig ist daneben eine Anzahl von phrygischen Katasterismen, die schon von
') In den genannten Vorlesungen über die Religions orientales S. 239: L'astrologie Asklepiades von Myrlea im 1. J ahrh. \Tor Ohr. vorausgesetzt nnd bei Teukros im
chaldeenne dont les pj·€tj·es sYj'iens furent les disciples enthousiastes, leur avait fowrni les
1. nach Ohr. in größerer Zahl genannt werden: die große Mutter mit ihrem
elements d'une theologie scientifique. .
. 2) Ich denke natürlich vor allem an CUII)onts Mithras und .s eine e~en g~nannten Vor- Löwen, Gordios, Marsyas, die Tänzer, die Flöten und Kymbeln des Meterkultes
lesungen, an Dieterichs Abraxas und Mithrasliturgie. und an Re1tzens~ellls P~Imandres, u~ erscheinen hier mehr oder weniger deutlich am Sternhimmel. Ich war vordem
zahlreichere kleinere Arbeiten zu übergehen; für dIe Lehre des Mam und Ihre astrologl~ geneigt, alexandrinische Katasterismendichtung hier zu ver~uten, glaube aber
schen Elemente möchte ich doch den kürzlich erschienenen Aufsatz von Cumont 'Notes de jetzt, daß die weitere Forschung gut tun wird, auch den Gedanken an die von
mythologie ManicMenne' (Revue d'hist. et de litterat. relig. XII [1907] S. 134 ff.) als be~
Reitzenstein aufgehellteil CPQvr~a rQ&/-"/-,,arlX zu erwägen})
sonders aufschlußreich erwähnen.
3) Poimandres S. 287 f. . . . .
4) S. 27, 12 der demnächst erscheinenden ~ditio .prince~.s von K;roll. Das .BeISpiells.t sanctiores Apollonius von Tyana neben Christus, Abraham und Orpheus standen (Hist. Aug.,
ganz zufallig herausgegriffen, dutzend andere heßen SIch anf~gen: ,etwa ~er P.anser Zaub~r­ Alex. c. 29, 2). Etwa im IILjIV. Jahrh. mag also di eses wunderliche Gebilde so geformt
papyrus bei Wessely, Zauberpapyri 1888 S. 53, v. 343: EVUXV-r:ovs i~~v~/Xv-r:rov, iL1)v/Xs E% iL1)vrov, worden sein, wie es uns vorliegt. ' .
rWfQ/XS E~ TJiLEQ(;w, fhQ/Xs E~ o,Qrov und vieles andere. _ 1) Vgl. 1:l,atal. II 152 ff. ; V 1, 156 ff.; VI 73 ff. (mit Abbildungen der Figuren S. 74);
") Catal. VII 174 ff. • Ser oben zitierte Satz heißt: '0 ~s iLfJ,l-rov sv BS{TA~siL Slt 7:1)S II/XQ- Oxyrhynch'rtg,;Papyri IU 127 ; ferner die Darstellungen auf dem Marmorfragment des Bian-
{TEvov y~vva6{T/X~ /Xv-r:os iLEy/XS · ~~&~6lt/XJ..OS YSV'l)6S-r:/Xt %ClL -r:o av{TQdnw/Jov Y$VO S 6ro6S~ lt/XL -r:ovs chini (Tafel V meiner Sphaera) und noch im Lapidar des Königs Alfons X. von Kastilien
8l~roJ..rov v/Xovs %/X-r:ClJ..V6S~· -r:i)v ~s a1to-r:EJ..~6iL/X-r:~lti)v ~v EYro 1t0~'I)6ro OV% arp/Xvi6SL, ~~61tfQ 1tav aus dem Jahre 1250, ebd. S. 433 f. Für das ältere Material vgl. den eingehenden Absch;it t
,,' '''' o " i's
31tI!Q a1t~",sJ..1!6/X iL~-r:tX -r:i)s /Xv-r:ov ~vvcfl1~ros a1ts",s).E6/X ~/X~ E6-r:~(}~ro6/X: 0 U c V/X S ov, yro : bei Bou6l:),e-Lecler ~ q, L'astrol. grecque c. VII § II.
;p
Tvcfvo~s cplto~6iL1)6Cl, tv ltClL XQV60VV 6-r:VAOV ~67:1)6/X, ov-r:os 1t/XQ/X 1t/Xv-r:rov 1tQ~<I%vv~-r:os "sv'/)- 2) Ovid hat richtig prophezeit : Cum Sole · et Luna sempe1' A1'atus erit.
Daß auf ähnliche Stücke von Eusebios, Adv. Hierocl. (S. 40 7, 27 III Phtlostr. ed. 3) S. Anhang S. 122 f.
6~7:/X~. • ff b
Kayser, vol. I) angespielt und das vorliegende von dem Antioc.hene: .AnastasI~.s o. en a~ 4) Vgl. Sphaera S. 546 und Reitzensteins Poimandres S. 164: ich muß b ei anderer Ge-
zitiert wird habe ich a. a. O. S. 174 f . gezeigt. F. Nau, der gleIchzeitIg das Stuck III II 1 legenheit darauf zurückkommen. - Auf eine kleinasiatische Parallele (Münzen des Mithra-
seiner Pati:~logia Syriaca aufgenommen hat (S. 1363 ff.), weist darauf .hin, da,ß Sch~iften dates Eupator mit weidendem Hirsch, Stern und Halbmond ) hat Cumont in der Rezension
1tEQL ltA'I)6EroV . /Xis {TEol XalQOV6~ (davon handelt unser Traktat) schon v~n dem an,gebhch~n meiner Sphaera (Rev. arcMol. IV Serie tom. 1 S. 440, 1) für das seltsame Sternbild des
Damis bei Philostr. II! 41 für Apollonios bezeugt werden. In der v~rhegenden Gestalt 1st schlangenfressenden Hirsches (Sphaera S. 255 ff.) hingewiesen ; vgl. Th. Reinach , Mithra- _
die Schrift jedenfalls erst denkbar in der Zeit des nahenden Sieges d~1l Christentums; ~nder­ dat.es Eupator (Leipzig 1895) S.476 (Münze Pharnakes' 1.) und 477 f. (Mithradates Eupator).
Beit s zeigt der oben ausgehobene Satz eine ähnliche Tendenz, ChrIstus und Apollomo~ zu Es ist aber noch. nicht betont, daß auf den Münzen des Mithradates in ganz gleicher Lage
vereinigen, wie das Lararium des Kaisers Alexander Severus, wo unter den ammae und Umgebung der weidende Hirsch und der Pegasus miteinander abwechseln (vgl. die zwei am
Keue J a hrbücher. 1908. J 8
F. BoH: Die Erforschung der antiken Astrologie 115
F. Boll: Die Erforschung der. antiken Astrologie
114 Eudoxios, d. h. Eudoxos Namen die Frage, wie ich glaube, zugunsten jener Hypo"
die direkt der astrologischen Deutung die~stbar
Mit jenen Sternbilderlisten, k was wir den AnteIl der these entscheiden. 1) - Ein anderer noch unpu blizierter Kalender, der des Antiochos,
. . bereits zu dem ge ommen., . griechisch-ägyptisch, verzeichnet außer einem Nilfest (am 22; Oktober) in ge-
sein wollen, Sllld WIr . k" Der Gewinn den dIe astro-
d A t olog16 nennen onnen. , nauer Parallele zum Chronographen von 354 am 25. Dezem ber : 'H)Jov YEvs-l}lwv,
Wissenschaft an er R r , . f T h nicht auf die astro-
. b erstreckt SICh nun rel JC )
logischen Handschnften erge en, ., 11 l' en über Beiträge zur Ge- den Geburtstag der Sonne ; aV~H q:;6'Js steht dabei. Ich will bei dieser Gelegen-
. h f"- n 'n' es ware a er ei zu sag Ib t heit einschalten, daß die von Wachsmuth publizierten griechisch~n Kalen~er
uomische Wissensc a ~ a e1 . . . 'k G hie Ethnographie; se s
. h' h Medlzm Botam, eograp , .' . lediglich ein Teil des Erhaltenen und selbst die von ihm gesanlmelten z. 'r.
schichte der gne c ISC en 'f'" . 11·.h Druidenweisheit 1st elmges
. h G.. tt lehre und UI ga ISC e d noch weit reichhaltiger vorhanden sind. Die Textgeschichte des Lydus wird
für die etfusklsc e 0 er . 11 . ht . bt ohne Nutzen von em
· H' t 'ker werden Vle elC mc . t .
abaefallen.1) D - Ie IS on ' K" H d 'an und anderer hIS 01'1- dabei ebenso wie die der Geoponica durch neue Funde erhellt werden. 2) - Zur
e> • H kop des alsers a n .
ausführlich kommentIel·ten o~os 2 Ab . h muß daran vorbeieüen, Geschichte des Kaiser kultu s liefert einen Beitrag der antiochenische Kalender
't K tms nehmen ) er lC , mehrerer astrologischer Handschriften: er datiert nach Monaten, die ihren Namen
scher Persönlichkel en enn ' .' d G b' et der Astronomie, vor
d . ht' en Ergebmsse auS em e 1 von Augustus und anderen Mitgliedern des Kaiserhauses, wie Livia, Octavia,
um die beson ers WIC Ig . d Alten kurz zu besprechen. -
allem der mathematischen Chro'~bolOgI.e elr wichtiae Kalenderfunde. Es ist bi!'! Agrippa usw. haben: der damit zeitlich genau fixierte Kalender, der jene Monats-
· , . Worte u er emze ne t' h benennung im praktischen Gebrauc~e zeigt, tritt durch sie der berühmten In-
Zunäch st -em paar
I:>
d ß . 'gendwan n ein ägyp ISC es
· H pothese gewesen, a es 11 .
heute eine unb eWIesene Y . b' . t t kein äayptisches und kein gne- schrift von Priene zur Seite. 3) - Für die Geschichte der Wo ch e ist von hervor-
h
Orionja r ge~e en
b habe' WIr hatten IS Je z ,
'
~
. d d' Auffindung eines griechischen Textes un er
t ragender Bedeutung ein schon genannt~r Papyrusfund 4 ): ein astrologischer Ka-
chisches Zeugms: nun aber WIr Ie lender aus Ägypten, der höchstwahrscheinlich den früher erwähnten hermeti-
- - K I M" kabinetts schen Salmeschoiniaka angehört und die Götter von je 10 und je 5 Tagen in
- -- ., "ß' b ebildeten Exemplare des g. unz
Kopf dieses Aufsatzes in 0,9 der Ongmalgro eda gp asus steht am nördlichen Himmel, über ägyptischer halbtierischer Gestalt mit ägyptischen Namen anführt. Das Wich~
d d Platz wo er e g , . d H'· h s tigste daran ist die fünftägige Woche, die hier, in einem Werk um 200 vor Chr.)
. M"uehen)'
m n · und gera , e an e m , h F' mlCUS . un d T euk'ros das Sternblld , es HSC e
den Fischen, hatte ich Sphaeta S. 257r;.C h lr a f jenen Mün~en wohl endgültig gedeutet: uns noch entgegentritt. Keine Spur dagegen von der siebentägigen Planeten-
O"esucht. Damit ist das Symbol des l~SC es ': astrale Bedeutung und zwar dieselbe woche. Das ist gerade in einem astrologischen Denkmal VOll besonderem Wert;
'" h H lb d und :stern Welsen" - b . d
es hat, worauf ja aue. a mon des Hirsches als Schlangenfressers wird also el em es spricht, auch wenn man das argumentum ex silentio nicht überschätzt, doch
. der Pegasus. DIe Darstellung .
WIe . h sem . h stark dafür, daß in der Tat die letztere erst ein Erzeugnis hellenistischer Zeit
Sternbild nicht unumgänghc gewes~n . . I P b Zur Geschichte der griechlsc en .
. k' Hmwelsea s ro en. Ph t sei. Dazu stimmt aufs beste, daß neuestens von nüchterner assyriologischer
"). Hier nur em paar Ulze. , Schriften des Hermes Trismegistos (Ideler, y~. e
Medizin val. die iatromathematrschen '{T 8' 6 "08 ff . Diels Die Handschriften der gneeh. Forschung die wissenschaftlich begründete Planeten ordnung, die auch der sieben-
'" ff C t I I 126 128' v 1, 1 . ~ ., " 6) D . -
med. ur. min. I 391 ., a a. . 'P h' (ebd 118') Protagoras (ebd. 12 , 010 tägigen Woche zugrunde liegt, mit großer Bestimmtheit als ein Werk griechi-
'" . (C t 1 I 101) ane anos . , . t
Ärzte II 43 ff.), SeraplOn a a . ~ (VII 111 ff) Die Humoralpathologre as ro-
the os (II 157), Petosiris (IV 120) , AntlOchos I - h e B·o·tanik . Catal. IV 134 ff.; VI 83 f.
'{rn 04 14 - Astro OglSC , ' . ß - ") Der Text . wird Catal. VII 181 ff. 7.U finden .sein. Noch Ginzel hatte in seinem Hand-
logisch begründet Catal. v i , . I " h, Geographie und EthnographIe: au er
und im letzten Bogen von VII. -: As~ro Ogl.~C e . Studien über Cl. ptolemaeus S. 181 ff. ' buch der Chronol. (1907) I 219 erklärt: 'Weder die ägyptischen Denkmäler wissen etwas
Manilius und Ptolemaios, über dIe elDstw~l ent'me;~ens Rhetorios Abu Ma' sar (Catal. Il85; von einem mit dem Frühaufgang , des Orion beginnenden Jahr, noch das griechisch-römische
zu vergleichen sind, z. B, Hipparchos, Hep )aes ~o, Material hat si~h in den letzten andert- . Altertum' - nun ist das vermißte Zeugnis für diese Rielsche Hypothese, wenn ich nicht
IV 126; V 2, 137 ff. , Sphaera S. 296 u~: Neub::rbeitung ist erforderlich und i~ ~erke. -
irre, wirklich da (mir selbst nach meinen Ergebnissen bei der Prüfung anderer Rielscher
halb Jahrzehnten stark vermehrt, und elD . B't ä e zu Thulins Schrift 'DIe Gotter des Hypothesen sehr unerwartet), und zwar anscheinend aus hellenistischer Zeit. Die J<lolgerungen
,, ' S h '" ' S 478 und meme el r g . . b Ver daraus kann ich nicht zu ziehen wagen;, aber ich weise noch darauf hin, daß auch auf
Etruskisches: vgl. p aela . p' a' Gl'eßen 1906 (= Rehgronsg esc . -
. B leber von lacenz , , IV 290 f· babylonischem Boden nach Kugler, Sternkunde Babels I 257 f. eine Periode (von 27 Jahren)
Martianus Ca11.ella und dIe ronze , ' C t I V 1 179 und Revue des etud. anc. .,
uche III 1). - Gallisches: Cumont, "a a' G 'XXIV 6 S. 200 ff.; angelsächsische Belege an den Stern aOrionis geknüpft worden ist. Der 'Eudoxos'kalender knüpft einen Zyklus
s 1h Abh d Sachs es. , ' . h' f" von 12 Jahren daran.
Roscher, Hebdomaden eren, . . '. mir 'mein :Kollege M. Förster nachweIst, lDzuug en
besonders aus Glossen lassen SlC~.' wl[~oudOn 1884] 182, 38-39. 289, 4. 800, 25-26; Mar- 2) Ich hoffe dieses seit Jahren von mir z. T. fertiggestellte Supplement zu Wachsmuths
. ht-'Vülcker O. E. Vocabulanes Calendaria Graeca quae extant omnia (in seinem Lydus de ostentis) in diesem Jahre zum
(W ng , 00] 40 20) I Druck zu bringen.
tyrology ed. Herzfeld [London 19 . ' . N'kaia s. II./III. herausg. von Kroll, Cata.
' 2) Hadrians Horoskop nach Antlgonos vo~ 1 h'storischen Grundlagen auf ihre Quellen; 3) Diesen Kalender habe ich mit H. Useners wertvoller Unterstützung im Catal. II 139 ff.
. U tersuehung selDer 1 h' t . he'
,{TI, 67 f verdiente woh1 eIne n kt . t'k _ Andere Horoskope 18 onsc , r - herausgegeben. Die Namen der 12 Monate, die sich sonst nur im, Liber glossarum in latei-
v :' . ' h d Personalcbara ens 1 . . " d . nischer Überlieferung (vg1. Goetz, Thesaurus gloss. fasc. 2 S. 692) erhalten haben, heißen
es ist eineziemhch elnge en e J XVI Jahrh. hat man dergleIchen ban ewels.e
Persönlichkeiten ebd. S. 66 ff. u~d .1 1~~~ di7 Mün~hener lateinische Handschrift. 10667 mIt hier: .1:f ßOCCiTOS, 'AyQl7t7taws, Alßaws, 'Ouuxßaws, 'Iov'}.,aws, NfQ6JVaWS, AQovoaws, 'ApQOirloLOs ,
melt· ein interessantes Belsplel , , M' '1' I Rudolf H. Dürer, Mlchelangelo, 'AYXlol!UOS, 'Pro(.talos, AlvHXirHoS, Ka7tfT6J'}.,tOS.
g ems a , lrieh von Hutten, aXlml lan ., '. <) Oxyrh. Pap. III 126 ff.
Horoskopen des ~rasmus, U der Städte Byzanz, Rom, Bologna, Venedrg.
8*
Petrarca, Kopermkus usw., auch ,
116 F. Ball: Die .I<;rforschung der antiken Astrologie F. Boll: D'e
1
E r ~orsch ung der antiken Astrologie
117
scher Wissenschaft bezeichnet wird. Kommt doch statt jener richtigen Planeten- ~ie vor .dem von den Griechen selbst niemals O"eleu . ...
reihe ~elbst in den wissenschaftlichen babylonischen Tafeln der letzten sechs Ihrer WIssenschaft außerordentl'ch . . ht' " gneten und fur dIe Anfänge
. 1 WIC Igen Zusamme h . 'h
Jahrhunderte vor ChI'. nur eine ganz andere vor, die den Bewegungszeiten der mIt der babylonischen nachzuO"ehen d'h' . . n ang I rer Astronomie
Planeten völlig widerspricht. Es bleiben noch mancherlei Fragen zu beant- und Unparteilichkeit zu wu.. d? ubn 1 n m aller selbstverständlichen Ruhe
r Igen' a er wenn . d
worten, die nur von assyriologischer Seite gelöst werden können; aber es ist parchischen Fixsternverzeichnisses' d. . 1. un; Jeman angesichts des Hip-
vielleicht nicht unnütz, darauf hinzuweisen, daß die auf vier Bände berechnete der ionischen Lehre von der Kug '1 etl Itgedllla en lanetentheorie des Eudoxos
Grun dl age der griechische A e ges a er Erde de . , h '
Sternkunde Babels von dem als astronomisch und assyriologisch kompetent t. ' I' ganzell. mat ematischen
anerkannten Jesuiten F. X, Kugler 1) mit dem bezeichnenden Satz beginnt: 'Die Kodifikation der O"eozentri:che: rAontomle, ~er. in ihrer Art / auch _ großartigen
buc h des Ptolemaios '" s ronomIe In dem w· · . h f'-l'
älteste der mir bekannten datierten babylonischen Tafeln, in denen eine wissen- und dl' h d Y Issensc a L lChen Hand-
d. urch den Griechen Aristarch en lC er orwegnahm K
schaftliche Planetenkunde sich kundgibt, stammt aus dem siebenten Jahr des I , Z .
~englllsses für irgend etwas d
S.
von amos ohne Jede S . .
. '1 ·
. e von opernik.us' System
b b
pUl' emes a ylonischen
Kambyses' (522 vor Chr.): was vorhergeht, sind astrologische Omina ohne
.alle genauere Rücksicht auf astronomische Fakpa. Ich will keinerlei un- · denn überhaupt die griechischeavAonst' In a .le?~ Ernst die Frage stellt: 'Wo ist
'd . ronomle und wen 't f .
berechtigte Folgerung daraus ziehen, aber es tut wohl, auf diesem Gebiet st an en denn die griechischen St t . . n er wel er ragt: 'Wo
.Y . . .. ern war en?' statt doch . t
wo man sonst mit den Jahrtausenden so freigebig umgeht, wieder die Sprache erzelChms.- davon bei Ptol . ' S' Welllgs ens das lanO"e
. . emalOS am chluß der P h ' h Ö

der nüchternen Tatsachen zu hören, . und es scheint · einige Aussicht zu be- WIrd die Diskussion J'edenL"11 .. ..t. LaseiS nac zulesen ~ dann
J . .. . w S Unll? Ig erschwert. 1)
stehen, daß vor solcher kühlen astronomischen Nachrechnung noch mehr als ~ och eme weItere chronologische Erkenntnis h b
schon bisher von dem Phantasiegebilde der 'altorientalischen Weltanschauung' und Im Z· h 1 . a en uns die Handschriften
.. ~usammell a t nut ihnen auch Kunstdenkmäl' .
sich still wieder auseinander begeben wird, wie eine ungesetzliche Yersamm- beruhmte MarmorfraO"ment de.s B' h' " . er WIe das emst hoch-
k . . . 0 Lanc Im Im Louvre g·el h t . '
lung, wenn die Polizei kommt, um mit Meister Gottfried von Zürich zu reden. reIS, der in der Tat nur . T' . er: emen neuen Tier-.
Wir werden uns durch di~ üble Verwertung nicht abhalten lassen können, nach besteht. Er hat nach Teuk::: d~:e~ !a:ze .: Hund, Schlange, Krokodil usw.
Doppelstunden bezeichnet und . h . a y Olller Dodekaoros geheißen, zwölf
h auc emen Zyklus von ··lf J h
C ronologische System ist b' . d.. . zwo . a ren. Dieses
1) F. :x;. Kugler, Sternkunde und Sterndienst in Babel. Assyriologische, astronomische J ". 18 m . en außersten 0 t A··. ·
und astralmythologische Untersuchungen, 1. Buch, Münster 1907. Die Stelle über die Pla- apan, ~lam usw. verbreitet: in unseren ethno ~ en von . sIen, lU Chma und
netenordnung steht dort S. 223-: 'Wir haben nicht nur keinen Grund zur Annahme, daß die Zyklus auf Teppichen Hol h ·tt graphischen Museen findet man den
griechisch_arabische Anordnung der fünf eigentlichen Planeten älter sei als die der neu- Yo··lkerbeziehunO"en ist 'die . ReZSCk 11lf'- en dusw 2) Für die G h· ht
.y . . . es.c lC e der antiken
babylonischen astronomischen Tafeln, sondern sogar positive Veranlassung, darin eine I nteresse. Die Hauptfrage ::. . - . I' un L un erb1'81ttmg· d T' k ' .
he'ßt h' . h . . .' . es leI' reIses .vo. n hohem .
spätere Schöpfung griechischer Systematik zu sehen. . . . Man erinnere sich doch nur, wie bb' . 1181'. andeltesslCh ··lt A
. a ylomscher Kultur oder u 1h '. . um a ere . 1lsstrahlllngen
lange es dauerte, bis man selbst in der babylonischen Spätzeit die Periode des Merkur zu C.hina ist dieser einst f"' m slo c e aus Agypten III hellenistischer Zeit? In
bestimmen wagte, bezw. wußte!' Hommels Versuch, diese Anordnung in babylonischen F ur ura tausgegebene Jah kl
Texten darzutun, und die von ihm angenommene Vertauschung der babylonischen Planeten- ... orschllngen von Chavannes 3) . t . cl' . . rzy us nach den neuesten
namen in spätbabyronischer Zeit 'scheitern an astronomischen Unmöglichkeiten, wie der, daß zuweise. n. Dazu hat Reitzetrs,•.. :)m d . 18 Ze~t ba.ld. nach Christi Ge.b.urt nach-
der Merkur, der sich nur etwa 2!J° von der Sonne entfernen kann, darnach beim Sonnen- Zauberpapyri und ZWar als ens elll
ät· h M
18 ReIhe Je T'
. ner 1ere auf griechischen.
aufgang in der Mitte des Himmels ZU stehen käme. - Vgl. alJ-ch noch Kugler S.2: 'Irgend- kann ich jetzt . auf einen b bgYIP l~che onds. tatlOnen . nachgewiesen. DaO"egen
wie genauere Angaben dürfen wir aus der älteren babylonischen Zeit nicht erwarten; denn a y omsc en T t l' . ::.
selbst die Astrologen Assurbanipals (VII. Jahrh.) und ihre zeitgenössischen Kollegen bieten -
Schlange die Rede zu sein sche' t. . I e~ . JlllW81Sen, wo vom Jahr der
III , WIe a t dIeser Text freilich ist, vermag ich
solche Leistungen in keiner Weise' - Vielleicht ist es zweckmäßig, hinzuzusetzen, daß es
mir natürlich ganz fern liegt, mich deswegen allen Resultaten und allen Meinungen Kuglers 1) S. auch den Anhang S. 123, .
anzuschließen; was mir sympathisch ist, das ist, wie ich wiederhole, vor allem die solide 2) Vgl. darüber Kapitel XII meiner S h
astronomische rechnerische Basis, ohne die es in diesen Dingen keine Sicherheit geben kann, st~ll~nge~ kann ich jetzt einen japanisch~na;ea. iZn den dor~ erwä~nten orientalischen Dar-
und der Respekt vor den Tatsachen. - Sehr' beachtenswert sind auch die schon vor Kuglers mit Je elllem der Tiere auf dem Kopf b'd pp.eh und werter 12 Japanische Götteistatuen
Werk erschienen gründlich en Ausführungen meines hiesigen Kollegen J. Hehn in seinem (S. 1433 und B. 2268) hinzufügen .· , e I es 1m Münchener Ethnographischen Museum
3) E , . " . .
Buche 'Siebenzahl und Sabbat' (Leipz. Semitist. Stud. II 5), wo.n ach es 'höchst wahrschein- d. Chavannes, Le cy. cle turc d. es d .. .
Ou~e alllmau E t . 't
lich ist, daß der Kult der Planeten als der weltbeherrschenden Siebenheit, also der eigent- vo I '. VII. n. 1 (Leiden 1906) Ch . .. . x,. x rai du 'T' oung"p· ao' Serie II
.. . . avannes glaubt d ß d . '
liche Planeten kult, gar nicht im alten Babylonien, sondern erst in Alexandria zur vollen nach Ag.ypten im I. Jahrh. nach Ch ...., ' , .. a er Zyklus sowohl nach China wie
·1 ß . r. von \:len lurk "lk . .k
Ausbildung -und zu seiner hervorragenden Bedeutung gelangte. In der Tat läßt sich der ( a mIr gegen dieses Ergebnis der I h t vo ern ge ommen sei. Ich gestehe
Glaube an die Herrschaft der sieben Planeten über je einen Tag erst im I. Jahrh. vor Chr. Zweifel geblieben sind die ich' . ge eren und . dankenswerten Abhandlung stark~
wer . d e. ' In ellleill Aufsatz ··b
. .' u er d en G'egenstand näher darleaen
.
nachweisen. ,So oft auch in den Keilschriften l1ie sieben Götter vorkommen, so sind doch
ni e speziell die sieben Planeten götter gemeint' (S. 51). 4) Poiml:\ndres S. 256 tf. "
118 F. Boll: Die Erforschung der antiken" Astroiogie
F. Boll: Die Erforschung der antiken Astrologie
119
nicht zu sageil. 1) Die Frage dieses Zwölf-J ahr-Zyklus gewinnt ~ber ein be'-
sonderes Interesse weil wir nicht nur ein orphisches Gedicht LfcmJEuaC'I?YIQ[OEg ~.ußten. 1). Stark ~aben sie sich gewiß nicht für diese Dinge interessiert, sonst
kennen, .von dem' ~uns versprengte Bruchstücke erhalten sind 2), sondern weil .
hatten w~r unzweIfelhaft lautredende Zeugnisse: aber für ein gewisses Wissen
vielleicht - ich möchte dieses Wort betonen - au~h in dem höchst sonder- ~er Pythagor~er um. einzelne Grundvoraussetzungell der Astrologie glaube ich
J;tzt den BeweIS erbrll1gen zu können. Die feste Basis liefert das berühmte
baren späten Stück der Hesiodischen Kataloge in den Berl.iner Papyri 3) der
Fragment 107 des Pindar über eine Sonnenfinsternis, wahrscheinUch des Jahres
Zyklus . eine Rolle spielt. Die Schlange darin, doch wohl Echidna o~er T!ph?n,
463. Der pythagoreische .Einfluß auf dieses Gedicht, den s<";h6n O. Schröder
zeugt ~der gebiert 'tQ{up ETa 'tQta dUVet; in der Dodekaoros .aber .Ist ~Irkh~h
vermutet hat, läßt sich zur Gewißheit erheben, wenn man "den vielfa~h miß-
die Schlange das dritte Tier, und das Jahr der Schlange 1st em aV.XW11QOS
verstaudenen befremdenden Ausdruck, daß die Sonne den WeO' der Weisheit
uet~Q6S auch in der orphischen Dodekaeteris, gerade wie das Jahr, das m d~m
Ps.-Hesiod vorkommt. Ich will nicht versäumen, nochmals zu betonen, daß ICh
(j~fJJ';as M6v, zerstört habe, aus Philolaos richtig deutet, der sei~erseits darnach
weit entfernt " von dem Anspruch bin, mit dieser Parallele schon endgültige
hl~r ~ltpJ:~hagoreische Weisheit, wie öfter, wiedergibt. Nun sind die Deutungs-
moghchkelten für das gefürchtete Phänomen, die Pindar hier in einer Reihe
Aufschlüsse zu bieten, auch stellt der Papyrus J:;-'ragen, deren Lösung mir noch
von Fragen ohne Entscheidung, also ohne Unterwerfung unter ein System brinO't
völlig dllnkel ist. . . .
ganz überraschend identisch mit denen der späteren AstrolOO'en deren wörtlich~I~
Mit dem neuen Hesiodfragment sind wir in die vorh~llenistische RegIOn vor-
Z.usammenhang mit babylonischen Tafeln hier sicher ist.o Hat also wirklich
gedrungen, und über den Gewinn für diese. Zeit. bitte i~h mir zum .S~hluß noc~
dleps:thagor.eische Lehre ein Stqck solcher allgemeiner (nicht individueller,
einige Ausführungen zu gestatten. Sind dIe Gnechen m vorhellemstlscher Zelt
also mcht ell1zelner Menschen Schicksal prophezeiender) AstroloO'ie aekannt
im Bann der Astrologie gewesen? Man kann die Frage bei ruhiger Erwägung der
und gel~gentlich beachtet? Die~e Frage, die ich mir nach jener W:hrn:hmung
angeblichen Zeuo'nisse nur nach wie vor verneinen; wir haben genug Literatur
notwendlg stellen mußte, hat mICh auf den gleichen Weg geführt wie Professor
aus dem V. und "'IV. Jahrh., um deutliche Anspielungen darauf, z. B. bei Rednern
und Komikern, mit Sicherheit erwarten zu müssen, wenn es sie gegeben hätte.
New~old in Philadelphia (in seinem Aufsatz über Philolaos im Arch. f. Gesch.
d. Phllos. XIX); nur glaube ich präzisere Resultate geben zu können. Ich kann
Als Eudoxos es aussprach: Chaldaeis in praedictione et in notatione cuiusque vitae
das Er~ebnis nur mit einem Worte hier andeuten: die Benennung der Seiten
ca; die natali minime esse credendum, hat er nur die herrschende Anschauung aller
Griechen bis dahin formuliert: die Kunst, Menschenschicksal aus den Sternen vor-
de~ ~reIecks nach Göttern bei Philolaos, die wir durch Eudoxos kennen ist im
Prll1ZIp .völlig identisch mit einem System der Trigona im Tierkreis, das aus
herzusagen, hat erst seit dem Hellenismus in ihrem Leben eine. Rolle g~spi~lt.
dem gleIChen Eudoxos in Vettius Valens übergegangen ist (auch der römische
Etwas völlig anderes ist die Frage, ob wir be~ den älteren Gnechen WIrklIch
keinerlei Wissen um die Existenz der Astrologie in Babyion voraussetzen dürfen.
~auernkalender hängt damit zusammen). Es ist darnach mehr als wahrscheinlich:
Es ist das bei näherer Überlegung kaum denkbar. Die babylonische Astrologie
~ene nach Göttern benannten Dreiecks- und Viereckswinkel beziehen sich schon
verband sich unlösbar mit dem Namen der Gestirne und der Abteilungen des
l~ alter Zei~ bei den Pythagoreern speziell auf den Tierkreis, also den Stern-
hImmel. DIe Wahl des Zeus für die Zwölfzahl und das Zwölfeck die viel
Tierkreises. Wenn die Griechen, wie jetzt niemand mehr bezweifelt, die Kenntnis
Ko~fzerbrech~Il verursacht hat, erklärt sich nun mit einem Schlage: de; Planet
JupIte~ hat ~:nen Zyklus von 12 Jahren. Damit erweist sich die schon früher 2)
der Ekliptik, der Tierkreisbilder und meisten Planeten von den Babyloniern emp-
fangen haben, ist es da denkbar, daß sie von der in ~abylon. herrschenden
Astrologie gar nichts gehört ha~en sollten? Sie h~be~ dIe ~.ra~tIsche Ver~en­
~on mIr b~kampfte Annahme, die Bezeichnungen ~d2ßOJv, lJJa{vOJv usw. seien
alter .als dIe Benennung der Planeten nach Göttern, als. ein - u"b ~M~
. h
dunO' nicht mit aufgenommen smd also gottlob keme Chalda81 geworden, das . . .
gar mcht begründeter '-- Irrtum. Ob nun jene Dreiecke, Vierecke usw. schon
ist das Griechische an den Griecb,en der klassischen Zeit; nicht aber, daß sie
die Augen gewaltsam verschlossen hätten gegen etwas, was SIe geradezu sehen
~onden .Babylon~ern, ~der~ was .durchaus möglich scheint, erst von den Pytha-
go.reern 111 den TIerkreIS emgezeIChnet woiden sind: in jedem Falle ist der Ge-
dntt. u~d Geviertschein im Zodiacus nur eine ingeniösere Fortsetzung der sicher
') Herausgegeben von Peiser, Zeitschr. f. Assyriol. IV 361 ff. Be~old verda,~ke ich " babylOlllschen Betonung ·der diametralen Stellung im Tierkreis. So ist em
einige weitere freundliche Aufschlüsse über den '~ehr. sch~;ren: Te~t; dIe Lesung. 1m J~r Element babylonischer Astrologie bei den Pythagoreern nachzuweisen. 3)
der großen Schlange' ist nicht sicher, aber 'möglIch 1st SIe , WI~ mIr ~ezold. schreIbt. .Fur
die -Entstehungszeit der Karte, die mit dem Text verbunden 1st, gIbt Pelse~ nur emen
terminus post quem des Originals., von dem die Tafel kopiert wurde: 'schwerlIch vor dem l)S. den Anhang S. 125.
IX.J ahrh. entstanden'.
2) Vgl. darüber J. Heeg a. a. O. S. 11-30. . 2) In meinen Bemerkungen zu . Roschers Artikel Planeten, im Mythologischen Lexikon
III2522 Anm.
S) Berliner Klassikertexte V 1 S. 34ff. Ich hoffe bel Gelegenheit auf die Sache zurück-
S) Ich hoffe die Untersuchung, die hier skizziert ist sehr bald in den Druck O"eb
zukommen. k" d " ht d h . ' . . . "en zu
onnen un:proc e a er hIer auf nähere Belege verzichten: der günstige Leser wird
120 F. Boll: Die Erforschung der antiken Astrologie F. Boll: Die Erforschung der antiken Astrologie 121
Es haben sich mir bei jener Untersuchung die Worte eines Briefes von dem Marmorfragment des Bianchini im Louvre der erste der 36 Dekane (also
Diels bestätigt, der mit Rüc~icht auf ein neues Heraklitfragment die An- offenbar ihr Führer, gerade so wie Zeus der Führer der Zwölfgötter in Pla tons
schauung aussprach, wir wüßten von der archaischen Astronomie bisher nur Phaidros ist) das Doppelbeil. . Diese in der astrologischen Überlieferung nicht
allzuwenig. Ganz ähnlich ist auch ein nur hebräisch überli~fertes Anaxagoras- isolierte Tatsache 1) läßt sich zunächst sehr verschieden deuten. Aber es kommt
fragment erst durch den Vergleich der von rreukrosbeschriebenen Sternbilder ein Zweites hinzu. Eine Berliner griechische Handschrift, die ich kürzlich
klar geworden i die Porta Vesperis am Sternhimmel, von der allem Anschein untersucht habe, enthält gleich mancher anderen eine Reihe :von Geheimalpha-
nach Anaxagoras gesprochen hat, ist der Beginn der westlichen oder Hades- beten. 2) Foat und Wünsch haben bereits auf die Ähnlichkeit einiger Buchstaben
hälfte . des Himmels, und sie liegt gerade da, wo die Milchstraße mündet, die 1
I
solcher Geheimalphabete mit kretischen Schriftzeichen hingewiesen. 3) Aber das
schon"" für Herakleides vom Pontos und andere der Sitz der unsterblichen Merkwürdigste scheinen ihre Handschriften und Papyri nicht hergegeben zu
Seelen ist. 1)
Und nun bitte ich mir noch einen Augenblick ein Stück weiter zurück zu
j haben: das kretische Doppelbeil ~ steht völlig klar in einem Ed(liX 'Y()(X/lr
ft(XT;1X (so!) bezeichneten Alphabet jener Berliner Handschrift als Buchstabe ft.

folgen zur kretischen Kultur. Das Attribut des kretischen Blitzgottes, das Das gleiche Alphabet wird eröffnet und geschlossen mit zwei Bu.chstaben, die
Doppelbeil, hat sich merkwürdiger Weise in gewissen karischen und sonstigen sich ebenso sicher als kretisch nachweisen lassen: "6 (= IX) und 8 (= OJ). In
asiatischen Kulten erhalten; am bekanntesten ist es in der Hand des Jupiter dem folgenden nicht überschriebenen Alphabet sieht man auch den dreiteiligen
Dolichenus. 2) Ob ein direkter Zusammenhang zwischen 'dieser jungen Winkel- doppelten Blitz als Buchstaben ~ (also Anfangsbuchstabe von Zeus, übrigens
l'eligion und der kretischen Kultur' vorliegt, wie neuerdings ausgesprochen gen au in der gleichen For)11 und Bedeutung auch auf libyschen Inschriften)
worden ist S), möchte ich zunächst dahingestellt sein lassen. Nun trägt auf unmittelbar neben einem als altkretisch nachgewiesenen 2, das hier == r; sein
müßte. Ob der Entzifferer der kretischen Schrift mit der hier überlieferten
es dem mir freundlich vorges.chlagenen Vortragsthema nachsehen müssen, wenn ich auch
sonst genötigt war, hier mehr, als es mir lieb ist, Resultate u~veröffentlichter, allerdings Deutung des kretischen Doppelbeilbuchstabens als ft (Anfangsbuchstabe von
z. T . seit Japren abgeschl()ssener Arbeiten ohne vollen Beweis vorwegzunehmen. MtvOJs, was ja r einer Zufall sein kann) irgend etwas wird ' anfangen können,
1) Näheres darüber ist in dem /loeben erschienenen 2. Band von Diels' Fragmente~ wage ich natürlich nicht zu vermuten. 4) Aber noch eine andere merkwürdige
der Vorsokratiker, 2. Auflage S. 707 zu finden. - Über die Milchstraße als Sitz der Seelen Berührung der astrologischen Sternkunde mit der kretischen Kunst möchte ich
vgl. Rohde, Psyche 385, 1; Gruppe a. a. O. 1036 f. Ich bemerke dazu nebenbei, daß es mir
erwähnen. Jeder erinnert sich der 'japanisch' lebendigen Darstellung der ge-
immer wahrscheinliche!: wird, daß der 0 phi u eh 0 s, der Schlangenhalter , am griechischen
Himmel ursprünglich Todesdämon oder Totengott war: die Schlange paßt dazu (vgl. bei- flügelten Fische auf dem melischen Fresko und anderen Denkmälern mykeni-
spielsweise Usen er, Arch. f. Religionswiss. VII 328), und ersteht gerade bei der Milchstraße scher Epoche. 5) Der Gegenstand kommt in der ganzen griechischen Kunst nach
über dem Skorpion, in dessen Scheren nach Teukr.o.s und Firmicus dilr Hades liegt (Sphaera Mitteilung meines KollegenW olters nicht mehr vor. Aber die Aratscholien
S. 246 ff. ) und nun schon bei Anaxagoras die 'Pforte des Westens' erscheint. Später setzen erklären, daß die Chaldäer den nördlichen Fisch i)11 Tierkreis lX{tvs xsläJoVLIXS.
die Alexandriner statt des namenlosen 'Schlangenhalters' den Asklepios an den Himmel:
aber auch der ist ursprünglich ein chthonischer Gott (Rohde, Psyche 132). Bei Teukros,
dem Babyionier, kommt statt oder neben ihm auch Hygieia vor: auch am babylonischen 1) VgI. Tafel V meiner Sphaera und die Abbildung S. 433 (aus dem Lapidar des Königs
Hin:nnel steht eine 'große Ärztin', diil Gula, 'welche die Toten lebendig macht'wie Askle- Alfonso X., also noch 1250 n. Chr.!) nebst meinen Bemerkungen dazu. Daß es sich utn
pio s . Wenn a]:)ill" Kug~r a. a. O. 1261 f. Recht hat (dessen Ausführungen jedoch gerade ein Doppelbeil bei deni "n!A-EltVS (Teukros ebd. S. 8) handelt, hatte ich damals noch nicht
hier recht unsichere Schlü.sse bieten, nicht wie sonst meistens astronomisch errechnete Tat- beachtet.
sachen), so würde diese Göttin freilich gleich dem Aquarins sein. Auch hier hat die 2) Cod. Phillipp. gr. 1577 saec. XIV-XV fol. 85 v , vgl. Catal. codd. astrol. gr. VII 53 f.
Sphaera barbarica des Teukros eine Göttin, Hebe (Sphaera S. 281 f.), die aber doch der Das Alphabet mit dem Doppelbeil ist überschrieben hi(!r< y(!rx/L/Lara (sie!); vorher gehen
Gula viel ferner zu stehen scheint. Vielleicht ist hier volle Aufklärung nicht mehr fern . .~ 2:tßvA-A-trxua, ' lsQoYA-vrptlta, IIs(!litueX, · IIv.fhxyo(}tltik y!!a/L/LfX1;rx. Die hieToglyphischen Buchstaben
Daß ich Westen oder i$vqtS ohne weiteres dem Hades parallel setze, wird keinen Keuller scheinen kaum etwas mit dem ägyptischen Alphg,bet zU tun zu habiln ; in anderen aber
dieser Dinge überraschen; vgl. aus tauELend Zeugnissen etwa das schöne platonische Epi- finden sich anscheinend ägyptische Charaktere. · .
gramm auf den Jüngling 'A61:t}(! (Anthol. PaI. VII 670). 3) Foat, Journ. of Hell. Stud. XXII (1902) S. 169; Wünsch, Za)lbergeräte aus Pergamo,n
') Vgl. Cumont, Rev. archeol. IV. Serie t. 5 (1905) S. 189; Relig. orient ales S. 177 f. - S.32 f. Ich habe die dort. genannte Wiener Handschrift philos. gr. 108 s. XVI, wo. diese
Auf dem berühmten Tetradrachmon des Demetrios Poliorketes, dessen Rückseite die Nike 'Zauberalphabete' f. 370 stehen, inzwischen hier einsehen können; aber die Alphabete sind
von Samothrake zeigt, steht neben dem dreizackschwingenden Poseidon das Doppelbeil bier so um ihre charakteristischen Eigentümlichkeiten gebracht, daß damit schwerlich
(Abb. z. B. bei Th. Reinach, L'hist. par les monn. S. 13), aber bloß als Münzzeichen; auf etwas anzufangen sein wird. Auch die übrigen von Wünsch verzeichneten Alphabete (außer
Münzen von Tenedos dagegen (Catal. of Greek Coins in the Brit. Mus., Troas, Pl. XVII) dem in :Neapolit. II C 3.3 f. 7") habe ich angesehen; sie haben sämtlich für die vorliegende
FTage kiline direkte Bedeutung.
ist ein · Doppelbeil groß dargestellt (vgl. Paroemiogr. gr. 317). . .
3) Lietzmann bei Wendland , Hellenistisch-römische Kultur S. 189: 'Sowohl die Doppel- 4) S. den Anhang S. 126.
axt wie die Rosette auf der Stirn des Stieres machen einen Zusammenhang dieser jungen 5) Vgl. die Abbildungen und Nachweise .i n Excavations at Phylakopi (Society for the
Winkelreligion mit der 1500 Jahre älteren kretisch-mykenischen Kultur wahrscheinlich.' Promot. of Hell. Stud. SllPPl. Pap. u.4) S. 70 ff. und PI. IJI.
F. Boll: Die Erforschung der antiken Astrologie 123
F. Boll: Die Erforschung der antiken Astrologie
122
paar Deutungen von Sternbildern bei Teukros, die sich aus der anscheinend wohlbegrün-
nennen, und ein in Ägypten gefundenes Horoskop tut das auch. 1) Ist etwa deten astralen Auffassung des Gilgames.r;hepos (KugIer, Stimmen aus Maria Laach 1904 und
hier ein irgendwie vermittelter ~der direkter Einfluß kre~ischer Kuns~ auf d~s Jensen) ergeben .würden. Bei T,eukros kommen zum 'Tierkreiszeichen des Steinbocks die
astroloo-ische Himmelsbild anzunehmen? Denn im Zweistromland gIbt ?,S Ja Rebe oder auch 'to XWQlov 'tiJw &/k%il.OlV vor, ferner die Nereide. Im Gilgameschepos aber
den fli:genden Fisch nicht, der nur in Meert.n, besonde~s im südlichen Agäi- folgen sich nach Kuglers Deutung in der Region des Skorpions und Schützen, also un-
mittelbar vor dem Steinbock, der Götterpark «Laßt Reben hängen' sagt das Epos da-
sehen vorkommt. Ist es vielleicht doch kein Zufall, daß gerade aus Kreta, wo
von a. a. ,0. S. 547), dann die Meereskönigin, nachher die Wasser des Todes und die
Zeus 'als 'AodQws verehrt wird, so zahlreiche Katasterismen und Gestirngötter- Mündung der Ströme am Lande der Seligen. Das wäre also vielleicht, was/Kundigere
namen 2) stammen? . prüfen mögen, das XOlQiov 'ti1Jv &/k%i/,wv, die N'TjQ'Tjis und der 'HQL(JavoS %~'F&/kOS bei Teu-
Ich muß hier mit Fragen statt mit Antworten schlIeßen. un~ darf auc~ kros? - Bei dem Astrologen Antiochos kommt ein Sternbild Atlas vor, das mit dem En-
nicht mehr versuchen, auf die zahlreichen neuen Aufgaben, dIe dIe astrologl- gonasin identisch zu sein scheint. Cumont hatte auch schon in der Rezension meiner
Sphaera auf seine Monum. de Mithra I 90 verwiesen, wonach der Name Atlas auf mehrere
sehen Funde stellen, noch weiter einzugehen oder ein Programm des C?rpus
- orientalische Gottheiten, besonders in Mesopotamien, angewendet wurde, und in seiner
astroloo-orum Graecorum) das in geschickt zusammenfassender Form emmal neuesten Arbeit, Note de mythol. ManicMenne (vgl. o. S. 112,2), S. 145 finde ich weiteres Mate-
komme: muß, zu entwerfen. Ich habe nur noch die Bitte hinzuzufügen, den rial' für diese Darstellung eines Himmelsträgers mit der geflügelten Scheibe. Nun kommt in
fragmentarischen Charakter des Mitgeteilten ein wenig auch dem Stoff zugute dem Excerptum Baroccianum (Sphaera S. 465 f.) zu den Zwillingen ein iJLrJltciJS vor, welches
zu halten. Ausgrabungen bringen nun einmal Vielerlei, Erwartetes und U~er­ neUe Wort ich früher als Verderb von Gr)r5EiJs faßte: ist es etwa der als orientalischer
Atlas gefaßte Engonasin, der untergeht, wenn die Zwillinge aufsteigen? - Manches andere
wartetes; mag das Gesagte wenigstens den Eindruck hinterlassen, daß es mcht
läßt sich nicht· in Kürze ausführen. Statt dessen will ich noch darauf hinweisen, daß meine
der unergiebigste Boden ist, auf dem wir den Spaten angesetzt haben. Ausführungen (Sphaera S.271) über das tr'iste 1YIinervae sidus bei Virgil, Aen. XI.259 -
I
es ist das Sternbild des Widders gemeint - einen weiteren Beleg durch Oatal. VI 109, 11
ANHANG erfahren; darnach ist ,die Reise &6V/kqJOQov EV K(!Lfp' OV (Lovov yaQ %).oV &Ua Kal E/k%o(!llXS
Um dem Vortrag im wesentlichen die_ Gestalt zu belassen, .in der er gehalten worden ua'ttX(!XErJf1'at &'TjO$S' <I oe .dOlQO{tcOS ov OiXE'tat 'tOiit:o. Also bringt das sidus Minervae, der
ist, habe 'ich alles speziellere Material in die Noten verwiesen. Ein paar Anmerkung~n, Widder, gerade Seestürme; daher tr-iste bei Virgil.
die allzulang geraten 'sind, Ulll unt~r dem Text Platz zu finden, mögen hier anhangsweIse Zu S. 117,3: Die hier zitierten zwei Fragen finden sich wörtlich in der Besprechung
noch f o l g e n . ' . . meiner Sphaera von Hugo Winckler, Orientalistische Literaturzeitung 1904 n. 2 und 3. Ich
Zu S. 113, 3: In meiner Sphaera, auf die ich für das hier Gesagte al~gemelll v_erweIsen erkenne gerne an, daß der verdiente Assyriolog sich trotz des Gegensatzes unserer An~
muß hahe ich S. 262 f.ein nur bei Vettius Valens genanntes SternbIld'to 8EV Y/klX be- schauungen in seiner Weise bemüht hat, meiner Arbeit, über die ich freilich einen klareren
spro~hen, das bei ihm mitten unter Eudoxischen Sternbildern ersche~nt, die mi~ dem Löwen Bericht gewünscht hätte, gerecht zu werden, und mein Widerspruch weiß sich also von jeder
untergehen. Ich ließ damals die Möglichkeit offen, ob hier etwa elll babylomsches Stern- persönlichen Animosität durchaus frei. Aber ich kann nach wie vor in dem 'astralmytho-
bild gemeint sei, wie es unter den Göttersymbolen auf den Grenzsteinen vorzuko~men logischen System' lediglich eine große Phantasie erblicken, in der Wahres und Unmögliches
scheint. Nun finde ich bei Kugler, Sternkunde und Sterndienst in Babel I 252, mit der zu einem fast unentwirrbaren Knäuel verachlungen ist., Was soll ich mit einem <mit der
dem Verf. eigenen erfreulichen astronomischen Exaktheit ausgerechnet, daß zu BIR,. d~m Sicherheit einer mathematischen Formel' wirkenden Prinzip anfangen, das, wie ich auf
<Jochgestirn' am babylouischen Himmel, ~ virginis gehören muß, und daß wa?rschemhch Wunsch jederzeit zeigen kann, dazu führt, Sonne und Mond an d en Nordpol zu bringen?
die vier kleineren nördlichen Sterne der Jungfrau mit ~ zusammen das Joeh bIldeten. Da, (Vgl. Winckler a. a. 0. Sp. 103 und dazu Tafel V und VI meiner Sphaera). Oder was soll
läge denn wirklich' das Joch dicht neben dem Löwe.n; ~alens hätte also dies~.s %lXQlXva- man vollends mit der Gleichung Sonn~= Unterwelt = Pleiaden(!) = Brunnen = Wasser-
'tt),/,ov unter die rJvyltlX't(X(%vovrlX gebracht, wie das Ja bel Teukros u. a. ung~zahlte Male region des Himmels machen? (S. Orient. Lit.-Ztg. 1906 S. 490 f.) Ebensogern, wie ich den
vermengt worden ist. - Weniger sicher, aber doch recht bestechend erschemen mir ein Wandelstern gleich sieben Fixsternen setze und den Weltkörper gleich der Region am
Himmel, die er .zu gewisser Zeit durchwandelt, will ich auch das Hexeneinmaleins für un-
') Die im Text genannten Stellen über den lX{tv s X8/,toovllXs oder Xc/,t~ovLai~s, n.eugr, Xc/'L- widerlegbare Wahrheit halten. Warum nicht auch Milchstraße = Tierkreis, oder Nordpol
OOVO'!fJlXQlX, stehen in den Schol. zu Arat v. 242 und im Horoskop des TltoS' .Plt.emos, Greek = Hundsstern, oder a= non a? Von dem grellen Widerspruch der Doktrin vom <Zwillings'-
Pap. Brit. Mus. I 136, 104, vgl. meine Sphaera S. 196 f. und 439, 1. ?aher g.~lt m der As:ro- 'Stier'- und 'Widder'zeitalter (das Walfisch alter fehlt eigentlich ohne jed.en berechtigten
logie das Zodiakalbild der Fische als %'tcQonov. Ich ha~e a., 0. eme .. Erklarun g aus eme); Grund!) mit der nachgewiesenen 'gänzlichen Vernachlässigung' der Präzession noch in neu-
babylonischen Sternsage versucht, wäre aber frOh, wenn IchQ-lese Erklarung, deren Bedenk- babyloniwhen Tafeln zur Zeit des Hipparch (vgl."Kugler, Sternkunde in Babel I 94) will ich
lichkeit ich selbst schon damals hervorgehoben habe, jetzt mit einer besseren vertauschen hier nicht weiter reden, um den Ausführungen in Kuglcrs'II. Band und einer eigenen Prüfung
der Geschichte der Präzession auf griechischem Boden nicht vorzlwreifen' aber die Tatsache
daß noch im VI. Jahrh. vor Ohr. durch ungeschickte Schaltung in"Babyl~n das Jahr nahez~
könnte. . '
2) Außer Amaltheia, Helike, Kynosura ,und Ariadrie ~st be~o~ders bemerk~ns~ert dle
Verstirnung des Talos, der nach einer Hesyc?glosse (TaA.OlS 0 HJ.ws) ur~~run~hc~ ein einen vollen Monat zu früh begann (Kugier, Sternk. I 242) spricht für sich selbst. Wir sollen
Sonnengott ist, womit der Mythus von dem täghchen Umlaufen der Insel gut u~erelllstImmt, glauben, der Eintritt dei: Sonne inden Frühlingspunkt sei der Mittelpunkt der ganzen
in spä,ter Überlieferung aber zum Sternbild des Engonasin herabgesunken I~t (vg1. den babylonischen und damit überhaupt aller Mythologie und Religion gewesen: und diese
Nachweis Sphaera S" 279). Von mythischen Namen auf Kreta pa~sen ~ster~os, ?e~ahl Priesterwissenschaft hätte noch nicht einmal in dem für sie zentralsten Punkt in Tausenden
der Europa, Telephas~a, Pasiphae, Phaidra in diesen, Vorstellungskrels. DIe Elgentumhch- von Jahren auch nur annähernd richtig aufmerken gelernt! Warum Übrigens diese einzige
keit des kretischen Zeuskultushat Wilamowitz, Herakles l' 100, 63 betont. Wichtigkeit gerade des Eintritts in den Frühlingspunkt, der sich doch der ursprünglicheu--
F. Boll : Die Erforschung der antiken Astrologie F. Boll: Die Erforschung der antiken Astrologie 125
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Beobachtung ungleich weniger bemerkbar machen muß als der 'Geburtstag der Sonne' am bildes in weit' ältere
d' . Zeit zurückreichen,' leugnet niemand. DesweD'en ", aber zu gla
. u b en,
25. Dezember, wo die Tage wieder länger zu werden beginnen - ein Vorgang, den selbst leses ganze Weltblld habe berl'nts 3000 Jahre vor Ohristus in der O'leichen Gestalt b -
der heutige Europäer noch bemerkt oder empfindet? Warum also nicht statt des Zwillings-, et an.den, ' t . b e
• . lS mlr ebenso l1nverständlich,
J a h r DO . . .- wie etwa. die Annahme ' das Ohristentum .el • . ums
Stier- und Widderzeitalters lieb"er, nach dem Eintritt der Sonne in diese Zeichen am 25. De- III der Fl1ssung des Tndentlllums g epredigt worden. Will man aber die Lehre im
zember, ein Steinbocks-, Wassermanus- und Fischzeitalter? Hoffen wir, daß diese Neu- g~nzen und einz.el~en bis zum Urspr~ng ~urü.ckverfolgen, was bleibt dann anderes übl'ig als
gestaltung von Wincklers System nicht mehr lange auf ' sich wart en läßt, und daß daruach mIt
. all der pelllhchen Sorgfalt, Wle sIe dle 'philologische' oder historischelVIethod . e nun
die ganze lVIythologie ein neues Angesicht erhält. - Das 'Gesetz' der Entsprechung am Himmel emmal nicht aufhören kann Zll fmdern, jeglichem in seinem Werden und Wachsen nachzugehen?
ist eine absolut unb erechtigte Vemllgemeinerung einer mir und anderen wie z. B. schon . Zu S. 119, 1: Gruppe hat dIe Frage, ob die Griechen in älterer Zeit/ Astrologie besaßen
Robert in seinem Eratosthenes längst wohlbekannten und leicht zu erklärenden Neigung, mit der ihm eigenen Selbständigkeit in seiner Griech. Mythol. S. 1588 ff, kürzlich O'estellt'.
die Katasterismen in innere Beziehung zu bringen, also z. B. dem Schützen (übrigens eben- aber ich vermisse allerdings in Formulierung und Beantwortung des Pr0blems die voll~
falls am Süd himmel!) einen zweiten Kentauren entgegenzustellen u . dgl. m.; ich . muß mich Klarheit. Die ' Astl'ometeorologie' oder die Lehre von der Wiederkehr gewisser Wetterum-
dagegen verwahren, meine Worte Sphaera S. 215 mir in Wincklers Sinne umdeuten zu schläge an b:stimmten durch die .Aufgänge von Fixsternen kalend.arisch festgelegten Tagen
lassen (Sp. 102, 1). Ich k önnte zu der ganzen KritikWincklers fast von Anfang bis zu kann man hIer ohne Sprachverwlrnmg nicht hereinziehen, sonst wird auch Eudoxos der
Plude solche Randglossen setzen und habe sie auch in meinem Handexemplar seit langem ' gege~ die As~rologie protestiert hat, zum Astrologen. Schon Sextus Empiricus hat das
stehen, auch einen Aufsatz;über 'Griechische Astronomie und altorientalische Weltanschauung' de~tl~~h g eschIeden .~am Anfan? des Buc~es IIQuS &öt'QoJ.6yovs), und bei aller Anerkennung
vor drei Jahren begonnen; aber er ist teils aus Überhäufung mit anderer Arbeit, teils aus deI Nahe und des haufigen Inelllandergreifens der zwei Gebiete muß man in jedem einzelnen .
Unlust am Erwidern auf R ezensionen liegen geblieben und wird es voraussichtlich bleiben. Fall so ge~au w~e möglich die Grenzen zwischen primitiver Meteorologie und Astrologie fest-
Nicht nur d er Schlußsatz meiner Sphaera, sondern der ganze Inhalt meiner Arbeiten zeigt, l~gen . . Bel HeslOd~ Tagwählerei in den 'H(1,EQoa ist die Anknüpfung an den lVIond oder
wie ich hoffe, zur Genüge. daß ich durchaus bereit und geneigt bin, die orientalischen eIgentlIch nur an dle Mondtage so hauernmäßig kunstlos , daß sie mit dem astroloO'ischen
Einschläge in die griechische Wissenschaft vorurteilslos zu würdigen. Aber Winckler kann System ~er h:llenistischen Zeit nichts zu tun hat: nas ist ungefähr so gut und so s~hlecht
sich leider kaum mehr vorstellen, daß zwischen der großen Erfindung des b abylonischen I
AstrologIe, wIe wenn sich noch heute viele Leute die Haare nicht bei abnehmendem Mond
. astralmythologischen Systems lange vor 3000 vor Ohr. wie er meint und etwa der Neuerung schneiden.' um ke~ne Glatze zu bekommen. Die Grundanschauung' der Sympatheia von
des Kopernikus lVIElllschen irgend etwas Eigenes erdacht hab.en sollen; ich verweise z. B. auf ~twas IrdIschem mIt etwas Himmlischem, in diesem Fall mit den jedem Menschen, auch
Sp. 101, Mitte jener Rezension (das ein wenig billige Spiel mit Idelers Ausdruck 'Trivial" J~de~ Naturm e~schen notwendig auffallenden u&(1) des Mondes, ist gewiß die letzte Basis
name' wird W. wohl inzwischen selbst nicht mehr ganz geschmackvoll finden), oder gleich fur ?le Astrologl€; aber Astrologie selbst ist sie noch nicht, sonst wäre der Philister wenn
am besten direkt auf seine Worte in 'Religionsgeschicbtler (sic) ]Jnd geschichtlicher er smgt : 'Es kann ja nicht immer so bleiben hier unter dem wechselnden Mond' a~ch ein
Orient' (1 906): 'Eine gemeinsame Urlehre liegt allen Mythologien zugrunde. Diese ist schon Astrolog. Es ist ein allgemein menschlicher Trieb; alles zum Symbol für alles zu machen,
fertig ausgebildet da, wo unsere Kenntnis der Geschichte der Menschheit beginnt: im äl- aus allem Vorbedeutung zu erkunden, also unter anderem n~tiirlich auch aus dem was sich
testen Babylonien und Ägypten . .. , Es gibt keine Beduinen- und keine Bauernreligion in am Hi~mel.zeigt; aber das geschieht allenthalhen ganz kunstlos, und von da zur Astr'ologie ist
dem Sinne, daß die betreffende Lehre aus den Köpfen der Beduinen und Bauern heraus noch em :veIt.er Schritt. Für den Sympatheia-Gedanken ist mir immer. besonders lehrreich eine
selbständig entstanden wäre, ohne von der alten wissenschaftlieben Lehre, dem Erzeugnis Stelle b~l Llc~tenberg erschienen (Vermischte Schriften I 26 - ich gestatte mir der Kürze
einer langen geschichtlichen Kulturentwicklung aus zugehen und beeinfiußt zu werden' (S. 8 ha~ber eme k~eme U ~s~ellung darin -). zu der gewiß mancher Leser seine eigenen Erfahrungen
und 21). Arme Völker des Erdballs, die so unglücklich waren, 5000 Jahre lang selbständig beIsteuern konnte: E mer der merkwürdigsten Züge in meinem Oharakter ist gewiß der
nichts N eues mehr sehen und schließen zu .Können oder zu dürfen! O. Bezold hat nur zu seltsame Abergl~ub e , womit ich aus jeder Sa,c he eine Vorbedeutung ziehe, und in einem
recht, wenn er daran die zarte Ande1ltung knüpft (Arch. f. l~eligionswiss. X 123) , o.b es ~age ~un d ~rt Dmge zum Orakel mache . . Ich brauche es hier nicht zu beschreiben, indem
nicht vielleicht das einfachste wäre, hier wieder zu einer Uroffenbarung an Adam und ICh n:wh h18r nur allzuwohl verstehe. Jedes Kriechen eines Insekts dient mir zur Antwort
Eva zurückzukehren. Winckler~erklärt, 'daß es sich um ein scharf durchgebildetes System auf em e F rag~ u"b e~ mem . achlCksal.
Cl •
Ja, meiuen Aberglauben recht auseinanderzusetzen. Z. E.
handelt, welches ,. auf der Himmelskunde beruhend, alle Erscheinungen des Weltalls, des daß . wenn el~ fnsch angestecktes Licht wieder ausgeht, ich meine Heise nach Italien
Himmels wie der Erde, vom Größten bis ZUm Kleinsten umfaßt.' Wir fragen, wie ist dieses d~rau~ beurtelle. Ist d as nicht sonderbar von 'l)inem Professor der Physik? Ist es aber
System aus sein6U Anfängen heraus geworden und zu seiner in der griechischen Astrologie ~lcht l~ der m e~schlic~~n.Natur ~egründet, und nur bei mir monströs geworden, ausgedehnt
vorliegenden in ihrer Art staunenswerten Durchbildung gelangt; für Winckler ist all d as ub.er dIA Proportion naturhcher lVIlschung, die an sich heilsam ist?' - Die Her odotstelle II 82
schon vor 3000 längst dagewesen und seit 3000 nur mehr verfallen. Man sollte denken, zeIgt auf alle Fälle nur ein ·Wissen von einer der Hesiodeischen ähnlichen TaO'wählerei in
hier könnten nur die umsichtig gesammelten und vorsichtig gedeuteten Zeugnisse ent- fremdem
. . Lan, d· auc h R unpl "d es f r. 482 (aus der weisen .lVIelanippe) beweist nicht '" mehr ja
scheiden; für Winc1der ist diese Forderu~ nur ein Rest der überwundenen 'Besonnenheit' mcht e:nmal soviel mit voller Sicherheit; und das Heraldit fragment 105 bewiese auch ~ur
und methodischen Pedanterie: er gibt in der Wissenschaft Losungen, 'Formeln' aus, für die K.en~tllls der astrologischen Grundanschauung , selbst wenn sich die von Diels erhobenen auf"
er Unterwerfung verlangt (vgl. 8p. 57 der genannten Rezension, Z. 4 - 2 v. u.). So wird dIe altere
. Bedeutung vo' ,'
n fX U'C(!OhOYOS = fX, öt'(!OVOILOS
, gestützten Bedenken ('der Grammatiker
diese sich als ganz besQJlders modern geberdende Richtung im Grunde wieder zuletzt nichts der d18 Erwähnung·
. des '0Il1)Qos <XÖt'(!OhOYOS,
" ' d. 'L Astronom, mit Homerzitaten in astrologi-'
anderes als ein Glaube, ein Dogma. Was daran namentlich den Laien besticht, ist, wie h
sc er AbSIcht. ve:k nup . t von (1en Ausschreibel'll mißverstanden worden, als ob Heraklit
.. ft ,1S
ich wiederhole, die Tatsache, daß wirklich einmal ein solches System, wenn auch schwer- s~lb~t dle .Homerverse zitiert hätte') beseitigen ließen, was ich nicht glaube. Damit sind
lieh in einem Kopfe in seinem ganzen Umfang existiert hat, nämlich im Hellenismus und dIe
'0' ZeuO'lllsse
b . . . erschö p. ft·' lC
. h h oue,
'" d a ß Gruppe mlt . der 1m
. Text gegebenen Ansicht seine
in der Kaiserzeit auf dem Boden der griechisch-römischen Weltkultur; die sogenannte 'alt- €loene sch.arfer formulIert und berichtigt finden wird. Wir dürfen uns durch Einzelheiten
orientalische Weltanschauung' ist in dem, was an ihr geschichtlich und nicht bloß moderne ll!~ht . ver~uhren~assen, den fundamentalen Gegensatz der älteren und der spätgriecl:rt!lchen
Phantasie ist ,das Weltbild der griechischen Astrologie. Daß die 'Wurzeln dieses Welt- Zeit m dIesen Dmgen zu verwischen.
126 F. Boll: Die Erforschung der antiken Astrologie

Zu S. 121: Vgl. das reiche Abbildungsmaterial für das Doppelbeil als kretisches Schriftzeichen
bei Evans, Journ. Hell. Stud. XIV 282.291. 299. 304. 348. 353. 360. 365; XVII 33G. 386 usw. Die
Doppelaxt ist auch, worauf schon Evans (XIV 360) aufmerksam gemacht hat, in die griechische
Schrift übergegangen, in Sikyon für Jr'(Kretschmer, Griech. Vaseninschriften S. 51), in Pam-
phylien für :S, beidemal aufreehtsteheml Z (gerade so aueh auf Zaubel'papyri, z. B. Greek Pap.
Brit. Mus. 197, 111 und auf libyschen Inschriften, Evans Journ. XVII 386), überall aber ohne
Stiel, während die Berliner Hs. gerade darin sieh genau mit altkl'etischen Zeichen berLlhrt, also
die genannten griechischen (auch die kyprischen, Evans XIV 3Öll) Formen nicht Vorbild sein
können. - Für das Zeichen 6' das als Alpha das Alphabet des Doppelbeils eröffnet, vgl. Journ.
XVII 384 rechts unten auf der 'l'ftfel die entsprechende .Form 6, wobei die genau gleiche
Lage übrigens Zufallsprodukt ist. Für das Zeichen 8 = co im gleichen Alphabet vgl. die
Abbildungen bei Evans, Journ. Hell. Stud. XIV 292 (fünfmal nebeneinander), 303;XVII 349f.,
auch XIV 273. Schon Evans hat XIV 360 nach einem Hinweis von Halbherr die gleiche Form
in archaischen griechischen Inschriften von Kreta (Comparetti, Leggi di Gortyna, Mon. dei
Lincei III 431, vgl. für Thera und anderwärts lIinrichs in lW.Müllers Handb. l' 422f.) verglichen;
und hier ist das Zeichen wirklich = 0; Kircbhoff hat sogar die mit Punkt versehene Form
in Thera speziell als co deuten wollen (Studien z. Gesch. des griech.Alphabets 4 63). Von
weiteren Berührungen mit kretischen Zeichen finde ich in dem gleichen AIl,habet elen Bueh-
stauen y (= 0), der identisch ist mit einem der Aegr,un Signs fo~md in Egypt und einem
kyprischen, Journ. XIV 349, Nr. 20 der Tafel; ferner das Zeichen X (üblerweise steht es
gerade als %I), lthJllich wie n. '2 7"- ebd.; endlich ist cl aB Zeichen für S ziemlich ähnlic;h wie
n. 14 auf diese~ Tafel und noch etwas mehr XVII 347 dlls mittlere Zeichen von Fig. 19 b. -
In dem nächsten, nicht Überschriebenen Alphabet steht als' 1) der oben im Texte angeführte
Buchstabe 2 , der z. B. bei Evans XVII 360 zu finden ist; vgl. allch Wünsch, Zaubergerät
S.33. Daneben, als S, jener Doppelblitz *, vgl. die Wiedergabe des analogen libyschen Buch-
stabens bei Evans XVII 386, n. 31; doch könnte das Zeichen auch [1US dem kretischen, das
eine Spinne darstellt, entiltanden sein, vgl. die .Abbildung ebd. XVII 339 und 335 Fig. 5 b.
Nahe verwandt ist auch der einfache dreiteilige Blitz (1), dicht neben 2 bei Evans, Annual of
Brit. School VII 10. Sonst begegnet in einem dervorhcrgehemlen Alphabete, den .l.WvJ.).uxy.<X
YQa/L/LCl'C(Jl, am Sc~luß die liegende 800 als co, sehr ähnlich auch in den 'I8(!oyAvtpLy.<X YQa/-"-
/L1X'r(Jl ab·fJ und in denIIv.ftCl')'o(!L1t,x y(!a/L/LCl'C(Jl als Cl; die kretischen Parallelen s. bei Evans,
Journ. XVII 336. il39, vgl. auch Wünsch a. a. O. Mit Zeiehen wie I/Y (Schiff) =.ft (vgl.
XIV 308 und Wünsch S. 34), r = L (vgl. rund F XIV 349, n. 13), 11 (= v [IJ, vgl. ebd.
S. 285 Fig. 13 TI) wird man sich wohl besser überhaupt nicht einlassen - das sind zu all-
gemein mögliche Zeichen, als daß ihre Provenienz festzulegen wäre. Genug, wenn für
einige Zeichen Wirklich eine Fortexistenz altkretischer Schrift in diesen Alphabeten wahre
scheinlich ist, die im übrigen durchauil einen :ßTischcharakter tragen und vielfach nur durch-
sichtige umbildungen der gewöhnlichen griechischen Schrift sind. Wie viele Zufälle die Erc
haltung der wahren Buchstabenbedeutung, wenn sie den Urhebern diesel' Alphabete bekannt

oben als richtig' nachgewiesenen Gleichungen 0 = co und *


war, beeinträchtigt haben können,brauche' ich kaum zu betonen; immerhin geben die zwei
s = ein wenig mehr Anlaß, die
gleiche Möglichkeit für die übrigen Buchstaben wenigstens nicht von vornherein zu leugnen.