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© Uwe Fengler

Wenn ich sterbe...

… dann kann ich mir sicherlich nicht


aussuchen wie es passieren wird. Aber daran
denken und mir vorstellen wie es vielleicht
sein könnte, darf ich schon. Wir können uns
als Menschen nicht früh genug mit diesem
Thema auseinander setzen, denn wir sind nun
mal sterblich und können nichts dagegen tun.
Bei den vielen Milliarden Menschen die
inzwischen auf der Erde leben, stirbt
bestimmt irgendwer, während wir gerade
einatmen. Grund genug, sich für dieses
Thema zu interessieren.

Mancher Mensch möchte im Stehen sterben,


ein anderer wiederum in den Armen einer
Frau. Ich hoffe es ist nicht zu vermessen zu
sagen, dass ich dann sterben möchte, wenn
ich gerade einen Schluck meines
Lieblingsgetränkes (Bier) zu mir genommen
habe. Noch bin ich mir allerdings nicht im
Klaren darüber, ob es eher ein Pils sein soll,
oder doch besser ein Hefeweizen. Und in
letzter Zeit mag ich auch gerne das Goldbier,
dass von einigen Discountern verkauft wird.

Und sollte ich mich in meinen letzten


Sekunden in einem Krankenhaus oder einem
Altersheim in irgendeinem Bett mit weißen
Laken befinden, dann werde ich mich auf
keinen Fall durch ein anderes Getränk
täuschen lassen. Sollte ich nach meinem
letzten Schluck Bier verlangen, dann möchte
ich auch ein solches und nicht vielleicht
schwarzen Tee oder Milch mit Honig (sollte
evtl. ein Schluck Rum mit drin sein, dann
ließe ich vielleicht mit mir handeln)

Auf Ouzo, den ich unheimlich gerne trinke,


oder auch Sambuka mit 4 statt 3
Kaffeebohnen
(ich liebe den Geruch und Geschmack des
Anis bei beiden Getränken) will ich gerne
verzichten. Meine Henkersmahlzeit sollte aus
mindestens einem Glas Bier bestehen. Und
umso länger ich darüber nachdenke, komme
ich zu dem Entschluss, es sollte ein ordentlich
gezapftes Bier sein, eins wie ich es noch nie
zuvor in meinen Händen gehalten habe. Und
austrinken möchte ich das Glas auf jeden
Fall... In aller Ruhe natürlich.

Wenn ich den letzten Schluck genommen


habe, dann darf er bei mir anklopfen, der Tod.
Aber auf keinen Fall eine Sekunde eher.

Da fällt mir ein, dass ich für ein gezapftes


Bier auf jeden Fall das Haus verlassen und
mich in irgendeine Kneipe oder Bar begeben
müsste.
Dort würde ich zwischen unzähligen
Menschen stehen, die sich lautstark
unterhalten und die unterschiedlichsten
Gerüche ausdünsten. Schon bei dieser
Vorstellung wird mir total übel.
Und ich wünsche mir darum nichts
sehnlicher, als gerade heute nicht sterben zu
müssen. Denn dann müsste ich nicht das
sichere Haus verlassen. Das habe ich schon
seit Jahren nicht mehr getan.

Ob ich mich vielleicht doch in diesem letzten


Moment mit irgendeiner billigen Flasche aus
einem Supermarkt zufrieden geben muss?

© Uwe Fengler

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