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Billct d'amour von 1822 mit Adam und Lv.i

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Fitltbchuitt mit bäuerlicher Malerei

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Im Kantoa Bern, an der Hauptstraße von Oltrn nach Solothurn, liegt ein Miniaturstädtchcn, das schon im dreizehnten Jahrhundert von sich reden machte. «Wietlispach, ein stättle boy einer mcyl wägs under Solothorn geläge . . :: hrißt es auf einer
erinnert daran, daß 17. Jahrhundert der Wolffang in dieser Gegend vertraglich geregelt Taggeld belohnt wurde, und und mit zwölf Batzen das «Schwarze Brett» von 1822 verbot den «Nachstehenden Persohnen» den Besuch in den «Wirthsund Pintenscliciikhäuscrn» des Oberamtes Wangen. Zum köstlichsten Sammlungsgut aber, das vor kurzem aus der im Laufe der Jahrzehnte als Museum zu klein gewordenen Katharinenkapelle in das ehemalige «Kornhaus», unweit des alten Stadtturms, verlegt wurde, gehört ein großes Buch, in dem neben Taufanzeigen eine Anzahl von Liebesbriefen zum größten Teil in Gedichtform vom Ende des achtzehnten und aus der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts enthalten sind. Die Briefe, deren Verzierungen mit Pinsel und Feder, manchmal auch mit Schere und Nadel geschaffen worden, sind bezaubernde Zeugnisse einer einst lebendigen Volkskunst. Zeile für Zeile abwechselnd mit grüner, roter und schwarzer Tinte schrieb ein glühender Verehrer auf ein mit Zacken und gemalten Böglein geschmücktes Blatt am «lten Tag Heumonat 1764» an seinen «Hertz vilgeliebten Schatz, nähen dausendfelligcn Dienst und Gruß» und allen guten Wünschen: «Wir lassen Euch grüßen durch Nachtigallgesang.» Und der verliebte Schreiber wünsehte sich, «daß die Liebe nimmermer vergan», sondern blühen und gedeihen möge «So menge blumen daß wachsen
dem

Wappcnschcibc der Herren von WicllUpach, und der Chronist Johannes Stumpf giht ein Bild von der Wehrhaftigkeit des «Städtlin» und seiner «burgenses». Als Kaiser Josef II. von Ocsterreich in den siebziger Jahren des achtzehnten Jahrhunderts zu* seiner Schwester Marie Antoineltc über Bern nach Paris reiste, stärkte er sieh angeblich im «Schlüssel» von Wicdlishnch, und noch heute erinnert der Spruch «Im Schlüssel gibt's gut Bier und Wein, schon Kaiser Josef kehrte ein» an den Aufenthalt des Soh,nn von Maria Theresia. Auch G o e t h soll auf einer e seiner Schweizer Reisen durch Wiedlisbach gekommen srin, das ihn in «Hermann, und Dorothea» zum Lob des Bürgers, «welcher ländlich Cewerb und Bürgergewerb paart», angeregt haben mag.

mag, von Ostren biß am Michels dag». Wenig später entstand in Rumisbcrg ein Brief, dessen Verzierung typisch für den bäuerlich-barocken Stil der Zeit ist; Blumen und Ranken erheben sich aus symmetrischen Henkelvasen, und unter der mit naiver Unbefangenheit farbig gezeichneten Kirche auch der Hahn auf dem Turm wurde nicht vergessen zieht sich das Schriftband originellerweisc als vierfacher Mcander über das Papier und enthalt unter anderem das Geständnis «Ich kan niet lenger warr ten . . .» Sollte der Meande vielleicht an jene Irrgärten erinnern, von denen ein spöttischer Schriftsteller des 18. Jahrhunderts schrieb: «Oh diese duftenden Gänge und Lauben mit ihrem Vogelgezwitscher! Die Wendungen und Kehren dieser sorgfältig angelegten kleinen Wildnis sind so verwickelt, daß
sich schon die erfahrensten Mütter auf der Suche nach ihren Töchtern selbst verirrt haben.»? Die Technik des Faltschnittes, verbunden mit fröhlich bunter Malerei, findet sich in der Wiedlisbacher Sammlung zum erstenmal auf einem runden Blatt aus dem Jährt) 1781, das der «tugendsamen Jungfer Verena Uebersax» gewidmet ist. «Du wirst noch mit der Zeit erfahren in der That, daß keiner Dich so Treu wie ich geliebet hat . . . Wenn Du mir nicht kannst werden, so wird mein Herz vor kummer sterben» prophezeite der Absender.

mit verlangen, liebes Herz dich zu umfangen» heißt es auf einem der Felder, während er sich auf einem anderen nagenden Zweifel von der Seele schrieb: «Mein Herz brent in liebes glut, doch weis ich nicht Anmutig wie Goethes wie deines tlmt. thea» erscheint uns das Mädchen, das aus dem Blumengarten und der Küche die Köstlichkeiten wählte, die es dem Geliebten wünscht: «Von Rosen ein Bett mit Rossnieri iibersteckt, von Holdcrhlust ein Chüssi, von Vergißnichtmein ein Dcchi . . . von Nägcli ein

Vor mehr als fünfzig Jahren wurde die aus dem vierzehnten Jahrhundert stammende und durch ihre Fresken berühmt gewordene Katharinenkapelle in ein Museum umgewandelt, das neben kostbarer Keramik aus der Umgebung, wertvollen Gläsern, altem Zinn und einem gotischen Minnekästchen mit kunstvollem Schnitzwerk allerlei andere «Trouvaillcs» und Kuriositäten beherbergte. Ein «Wolfsgarn» ein riesiges Netz aus fingerdicken Schnüren aus

Ein zärtlicher Bräutigam gab seinem Liebesbrief zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Konturen strahlenförmig auseinanderstrebender Herzen, schmückte sie mit Vöglciu, Zweigen und Blüten und sandte seiner Braut Maria erbauliche und rührende Sprüch-

lein, wie sie wohl auch in manchem Poesiealbum oder «Vergißmeinnicht» zu finden waren. «Ich warte

laubt, der int in der Zahl der Thoren, der sich selbst der Lieb beraubt» stellte ein leider unhekannter Schreiber fest, und ein anderer fand «Ohne Wein und Liebe scheint das Lehen trübe», aber hoffentlich besannen sie sich rechtzeitig auf die Warnung «Und u en du wilt liehen, so nini dich in acht, sonst wirst du betrogen und ausgelacht», denn mancher «Schatz» dachte vielleicht: «Nur für Dein Gold bin ich Dir hold.» Von gefügiger Hand geschrieben, erscheint rin «hillet d'amour» von 1822, dessen Milieu mit Adam und Eva verziert ist. Mit kunstvoll verschnörkelten allerdings ein Initialen und zierlichen Buchstaben wenig im Kampf mit der Orthographie bekennt der verliebte Absender «Liebstes Herz ich muß .dir schreiben . . . Nur allein nur dich zu lieben war ich stets dahin bedacht, nirgends fand ich kein .vergnügen als in deiner Schönhcits Pracht . . . Nimmer deiner thät ich denken, wenn du in so kurzer Zeit, dein Gemüthc thätest lenken zu der Unbeständig-

Umhang, von Müschgediuiß ein Umschlag, von Lebkuchen ein Tliiir, von Zimmet ein Rigel darfür . . .» «Lieben ist uns angebohren, treue Liebe ist er-

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Jona Bach

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Liebesbrief in l'oriu von Herzen vom Beginn des 19. JahrhundorU

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ifnde dei 18. JubrliumlcrU

Neue Zürcher Zeitung vom 25.03.1961

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