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Zeit und Ewigkeit

Zeit und Ewigkeit

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Mit einem Zitat des Nobelpreisträgers für Physik von 1933
Erwin Schrödinger (1887–1961), wollen wir uns hinfüh-
ren lassen zu einem Aspekt der Zeit, der über die Physik
hinausgeht. Zeit geht uns Menschen als Person an. Schrö-
dinger
sagte: „Denn die Zeit ist wahrlich unser gestrenges-
ter Herr, indem sie … das Dasein eines jeden von uns in
enge Grenzen zwängt – 70 bis 80 Jahre, wie im Psalm 90
zu lesen ist.“

Wo finden wir die beste Deutung der Zeit für unser Le-
ben? In einem Physikbuch? Bei den Philosophen? Bei den
Psychologen? Neben verschiedenen anderen unzutreffen-
den Auffassungen lehrten die griechischen Philosophen,
dass die Zeit und ihre Ereignisse sich wie ein großes Rad
drehen würden und wiederkehrenden Charakter hätten.
Philosophie und Psychologie können zwar manch hilfrei-
che Denkanstösse geben, ihre Vorstellungen greifen je-
doch zu kurz, um uns eine letzte und verbindliche Ant-
wort zu geben.

Kein Mensch kann uns das wirkliche Wesen der Zeit hin-
reichend beschreiben. Wollen wir Tiefgründigeres und
bleibend Gültiges erfahren, so müssen wir den befragen,
der die Zeit gemacht hat. Viele Autoren sind sich darin
einig, dass es Zeit nicht schon immer gab. Zeit gibt es erst
seit der Schöpfung der Welt. Mit dem Raum und der
Materie wurde auch die Zeit erschaffen. Konsequenter-
weise müssen wir uns an den Schöpfer wenden, wenn wir
mehr erfahren wollen als mit physikalischen Messgerä-
ten ermittelbar ist. In seinem Buch, der Bibel, hat er uns
ausgiebig darüber informiert. Aus der Bibel entnehmen
wir, dass es keinen ewigen Kreislauf der Dinge gibt, son-

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dern dass die uns zur Verfügung stehende Zeit einmalig
ist. Sie hat fernerhin einen Anfang und auch ein Ende. In
einem der ältesten Teile der Bibel – im Buch Hiob – steht,
dass die Zeit ein von Gott uns zugeteiltes und festgesetz-
tes Maß ist:

„Der Mensch, vom Weibe geboren, lebt kurze Zeit, …
er geht auf wie eine Blume und fällt ab, flieht wie ein
Schatten und bleibt nicht. … Er hat seine bestimmte
Zeit, die Zahl seiner Monden steht bei dir; du hast ein
Ziel gesetzt, das wird er nicht überschreiten“ (Hiob
14,1-2.5).

Diesen Gedanken greift Jesus im Neuen Testament auf:
„Wer ist unter euch, der seines Lebens Länge eine Span-
ne zusetzen kann?“ (Mt 6,27). Diese rhetorische Frage
aus der Bergpredigt hat eine kurze Antwort: Niemand!
Es ist gut, wenn wir diesen Wesenszug der Zeit beden-
ken. Ein bestimmtes Kontingent an Zeit ist jedem von
uns zugeteilt. Das Wort Jesu ist präzise formuliert; wir
können unsere Zeit nicht verlängern, wohl aber verkür-
zen. Durch unsere Lebensweise, insbesondere durch Ni-
kotin, Alkohol, Drogen, falsche Ernährungsweise, kön-
nen wir – wie uns die Mediziner bestätigen – von dem
Kontingent der uns zugedachten Lebenszeit etwas weg-
nehmen, aber niemand kann etwas hinzufügen. Friedrich
von Bodelschwingh
(1831–1910) sagte einmal treffend:
„Alles ist heilsam, was uns daran erinnert, dass die Zeit
ein Ende hat.“

Die Bibel lenkt unseren Sinn nicht in die Vergangenheit,
sondern in die Gegenwart und in die Zukunft. Wir sollen
unser Leben vom Ziel her gestalten, darum heißt es auch
in Psalm 90,12: „Lehre uns bedenken, dass wir sterben

Teil II: Die Zeit – eine anthropologische Größe

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müssen, auf dass wir klug werden.“ Ich habe für mich fol-
genden Leitsatz gefunden:

„Ich möchte meine Zeit heute so einsetzen, dass ich fünf
Minuten nach meinem Tode sagen kann, so wollte ich sie
genutzt haben.“

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