Die androgyne Symbolik der Atalanta Fugiens

Joannes Richter

Abb. 1: Der Stein der Weisen enthält Mann & Frau

Inhaltsverzeichnis
Michael Maier............................................................................2 Sonne und Mond........................................................................4 Die Drachentöter – gemeinsam stark....................................4 Sonne und Mond als Erdtrabanten........................................5 Sonne und Mond als androgynes Paar..................................6 Hahn & Henne wie Sonne & Mond......................................7 Vermählung von Sonne & Mond...........................................8 Hermes.......................................................................................9 Geburt eines Hermaphroditen...............................................9 Hermaphrodit auf dem Scheiterhaufen...............................10 Hermes begegnet Hermes....................................................11 Mann und Frau.........................................................................12 Einigung der beiden Antipoden...........................................12 Der Stein der Weisen...........................................................13 Die Heirat der Geschwistern...............................................14 Atalanta fugiens...................................................................15

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Michael Maier1
Das bekannteste Werk Michael Maiers ist wohl die 1618 erschienene kunstvoll komponierte Sammlung von Abhandlungen mit dem Namen Atalanta fugiens, zu der Matthäus Merian ein Titelbild, ein Porträt Maiers und 50 Kupferstiche im Text beisteuerte. Der Aufbau der Atalanta fugiens weist auf ein spirituelles Anliegen und Wissen Michael Maiers hin. Nach dem Titelblatt, folgt eine Widmung und eine Vorrede. Der Hauptteil besteht aus 50 Kapiteln von je 4 Seiten, deren viergliedrige Struktur sich bei allen 50 Kapiteln wiederholt. Auf der ersten Seite ist jeweils eine Fuge auf einen lateinischen Text abgedruckt. Darunter eine deutsche Übersetzung des Liedes. Auf der zweiten Seite befindet sich ein Kupferstich Merians zum Text des Gedichtes. Darunter der lateinische Text des Liedes. Die dritte und vierte Seite enthalten jeweils eine alchemistische Abhandlung erklären sollen. In diesem Punkt unterscheidet sich Maiers Schrift grundlegend von älteren alchemistischen Schriften. Er bemüht sich, die drei Formen der spirituellen Erfahrung, nämlich Bild, Ton und Wort dem Verstand zugänglich zu machen, indem er sie durch einen rein denkerisch und empirisch bestimmten Teil ergänzt. Die Texte dieser Erläuterungen und Lieder enthalten eine Fülle von Zitaten aus der alchymischen Literatur, aber auch vernünftige Überlegungen.

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Info aus Wikipedia: Michael Maiers

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Atalanta fugiens enthält eine Fülle an androgyner Symbolik, die in nachfolgendem Skript in einer Folge von 12 hervorragenden Merian-Stichen kondensiert wird. Die Folge stimmt allerdings nicht mit der Reihenfolge in der Atalanta fugiens überein. Im gesamten Werk wird der göttliche Name IU-piter / Jovis mehrfach erwähnt. Diese Art der mittelalterlichen Darstellungen muss insbesondere den weiblichen Adligen fasziniert und beflügelt haben, die sie die Rolle der Weiblichkeit hervorhebt. Es war wohl eine frühe Form der Gleichberechtigung, die den mittelalterlichen, adligen Damen in der androgynen Symbolik eine minimale Kompensation zur männlichen Dominanz bieten konnte.... Die Kompensation hat sich vielleicht gar noch erweitert in den Kleiderfarben, die gerade zur mittelalterlichen Zeit in den androgynen Symbolfarben Rot und Blau eine Blütezeit erlebten. Ein gutes Dutzend von 50 Stichen stellen die androgyne Symbolik in den Vordergrund. Diese Quote verdeutlicht beispielhaft die Bedeutung der androgynen Gestalt HermesMerkur, der im Mittelalter wohl die Brücke zwischen altgermanischen Religion und Christentum gebildet hat. Atalanta fugiens dokumentiert die standardisierten Symbolik des Mittelalters. Ähnliche Abbildungen wird man auch in Farben in den mittelalterlichen Skripten überall begegnen, aber nirgendwo in so gekonnt-gestochen scharf wie in diesem Buch.

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Sonne und Mond
Die Drachentöter – gemeinsam stark
In der Tafel 25 ist klar erkennbar, dass der Mann (& Bruder) als Sol und die Frau (& Schwester) als Mond dargestellt werden. Allerdings muss es schon damals den Alchemisten aufgefallen sein, • dass die lateinischen Sprache der Sonne eine Männlichkeit und dem Mond eine Weiblichkeit zugewiesen hatte. dass die deutschen Sprache der Sonne eine Weiblichkeit und dem Mond eine Männlichkeit zugewiesen hatte.

Abb. 2: Die Drachentöter aus Atalanta Fugien Seite 5 von 16

Sonne und Mond als Erdtrabanten
Tafel 45 beschreibt eine runde Sonne und den gesichelten Mond als Satelliten der Erde.

Abb. 3: Sonne und Mond als Erdtrabanten Der Sonnenfarbe kann im Spektrum Rot-Orange-Gelb und der Mondfarbe Weiß-Blau zugeordnet werden. In gefärbten mittelalterlichen Stichen und illuminierten Bibeln sind es die androgyne Symbolfarben - männliches Rot und weibliches Blau - , die als Antipoden dargestellt werden sollen. Gary Gilligan hatte ja bereits früher notiert, dass die Ägypter die Sonne immer nur in roter Farbe dargestellt haben sollen2.
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Why was Egypt's Re (Ra) RED and not yellow? By Gary Gilligan

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Sonne und Mond als androgynes Paar
Tafel 11 zeigt Sonne und Mond als ein androgynes Kinderpaar.

Abb. 4: Sonne und Mond als ein androgynes Kinderpaar

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Hahn & Henne wie Sonne & Mond
Tafel 30 wurde mit dem Titel Sol indiget luna, ut gallus gallina beschriftet: Die Sonne benötigt den Mond, wie der Hahn die Henne.

Abb.5: Sol indiget luna, ut gallus gallina Ja, gewiss doch. Es ist nicht gut, dass der Mensch alleine sei... Alleine würde er aussterben. Diese Erkenntnis ist so alt wie die Religion selbst.

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Vermählung von Sonne & Mond
Tafel 34 symbolisiert das androgyne Ehepaar Sonne & Mond

Abb. 6: Vermählung von Sonne & Mond

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Hermes
Geburt eines Hermaphroditen
In der Tafel 28 wird die Geburt eines Hermaphroditen aus Merkur (Hermes) und Venus (Aphrodite) abgebildet.

Abb. 7: Hermaphrodit als Kind von Hermes & Aphrodite

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Hermaphrodit auf dem Scheiterhaufen
Tafel 23 dokumentiert einen Hermaphroditen auf dem Scheiterhaufen, die typische Symbolik des mittelalterlichen Alchemisten.

Abb. 8: Hermaphrodit auf dem Scheiterhaufen

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Hermes begegnet Hermes
Tafel 10 illustriert die Bedeutung des geflügelten Merkurs (Hermes) mit dem ärztlichen Heilungsstab für die Alchemie. Ungewollt bezieht sich wohl der Hermes immer noch auf die wichtigsten, früheren germanischen Göttern, die von Tactitus und Julius Caesar auch als Hermes bezeichnet worden sind. Hermes wurde jedoch auch als zweiköpfige Gestalt – ursprünglich wohl auch androgyn – dargestellt.

Abb. 9: Hermes begegnet Hermes Seite 12 von 16

Mann und Frau
Einigung der beiden Antipoden Stich Nr. 40 symbolisiert die Einigung des androgynen Ehepaars: Aus den beiden Wasserströmen wird Eins.

Abb. 10: Aus den beiden Wasserströmen wird Eins

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Der Stein der Weisen
Der Stein der Weisen in Abbildung 21 symbolisiert als Antipoden ein androgynes Ehepaar.

Abb. 11: Der Stein der Weisen enthält Mann & Frau

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Die Heirat der Geschwistern
Ein Lobgesang auf die Ehe wird in Tafel 4 symbolisiert.

Abb. 12: Die Heirat der androgynen Geschwistern

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Atalanta fugiens
Atalante hatte sich den Versuchen, sie günstig zu verheiraten, lange entzogen. Da sie eine schnelle Läuferin war, versprach sie, dem zu eigen sein zu wollen, der sie im Laufen besiegen würde. Beim letzten Wettkampf gelang es ihr nicht den Bewerber Hippomenes einzuholen, so dass er sie gewonnen hatte. Das Paar betrat sogleich den Tempel der Venus und vereinigte sich leidenschaftlich. Venus, dadurch erzürnt, verwandelte sie in ein „Ehe“-Paar Löwen.

Abb. 13: Atalanta und Hippomenes als ein Ehepaar Löwen Seite 16 von 16

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