DON’T WAIT

Arbeit und Ausbildung für AsylwerberInnen!
HANDBUCH ZUR BERUFSBEZOGENEN BERATUNG FÜR ASYLWERBERINNEN UND ASYLWERBER

DON’T WAIT
HANDBUCH ZUR BERUFSBEZOGENEN BERATUNG FÜR ASYLWERBERINNEN UND ASYLWERBER
HerausgeberInnen: Stephan Amann und Barbara Götsch Medieninhaber: Volkshilfe Österreich EQUAL-GmbH, 1010 Wien, Auerspergstraße 4, 2004 Coverfotos: ProjektteilnehmerInnen von DON'T WAIT, aufgenommen von Annunziata Schmidt-Chiari und Lisi Poller-Frischengruber. Gestaltung: Lisi Poller-Frischengruber. Druck: Friedrich VDV, Linz. Alle Rechte vorbehalten; Nachdruck – auch auszugsweise – nur mit Quellenangaben gestattet.

DON’T WAIT
Arbeit und Ausbildung für AsylwerberInnen!
HANDBUCH ZUR BERUFSBEZOGENEN BERATUNG FÜR ASYLWERBERINNEN UND ASYLWERBER

VOLKSHILFE Österreich EQUAL-GmbH

VORWORT
Flüchtlinge, die auf den Ausgang ihres Asylverfahrens warten, sind in Österreich weitgehend zum Nichtstun verurteilt. Bis ein Asylverfahren abgeschlossen ist, können mehrere Jahre vergehen. Während dieser Zeit dürfen sogenannte AsylwerberInnen fast keiner legalen Erwerbstätigkeit nachgehen. Der Besuch von (teuren) Deutschkursen oder anderen Weiterbildungsmaßnahmen scheitert dementsprechend oft an Geldmangel oder externer Finanzierung. Dass Nichtstun zermürbt, ist kein Geheimnis; speziell, wenn man traumatische Erfahrungen zu verarbeiten hat. Hier setzte DON’T WAIT – Arbeit und Ausbildung für AsylwerberInnen! an.

WER / WAS WAR DON’T WAIT?
DON’T WAIT war ein Projekt im Rahmen von EQUAL, einer EU-Initiative zur Bekämpfung von Diskriminierung und ungleicher Behandlung am Arbeitsmarkt, das zu gleichen Teilen vom Europäischen Sozialfonds und vom Wirtschaftsministerium finanziert wurde. Es lief von Herbst 2002 bis Dezember 2004. Das Projekt wurde von einer Entwicklungspartnerschaft getragen, die sich aus den Nichtregierungsorganisationen Volkshilfe, Integrationshaus, Diakonie, Caritas, und Superintendentur Kärnten, sowie der Sozialökonomischen Forschungsstelle (SFS) zusammensetzte, und durch die SozialpartnerInnen, das Innenministerium, und das Bundesministerium für Wirtschaftliche Angelegenheiten unterstützt wurde. Das Projekt setzte sich in sieben österreichischen Bundesländern gemeinsam dafür ein, dass die Fähigkeiten und Kenntnisse von AsylwerberInnen auf dem österreichischen Arbeitsmarkt für beide Seiten (Firmen und AsylwerberInnen) zielgerecht eingesetzt werden können.

WAS WOLLTE DON’T WAIT?
Die beteiligten NGO’s wissen aus ihrer Arbeit in den Beratungsstellen und Heimen, dass vielen Flüchtlingen die speziellen Fähigkeiten und Kenntnisse in unterschiedlichen Arbeitsbereichen im Verlauf von (über)langen Wartezeiten verloren gehen. Sie wissen auch, dass Flüchtlinge enorm gefährdet sind, ihre Lebensenergie, und Initiative zu verlieren, und mitunter in Depression verfallen; zumal viele bereits durch die Flucht und die damit verbundenen traumatischen Erfahrungen psychisch schwer belastet sind. Das Projekt DON’T WAIT zeigte daher einen neuen Weg auf, wie die Zeit des Wartens gut genutzt werden könnte, indem versucht wurde, Flüchtlinge auf die Situation und Erfordernisse des Arbeitsmarktes vorzubereiten – für den Fall, dass sie später Asyl bekommen. Außerdem wollte DON’T WAIT vorhandene Potentiale fördern und der weit verbreiteten De-qualifizierung von AusländerInnen am österreichischen Arbeitsmarkt – d.h. einer Beschäftigung, die weit unter dem Niveau des Bildungsabschlusses der betreffenden Person liegt – entgegenwirken.

WAS TAT DON’T WAIT KONKRET?
Im Oktober 2002 ging es los. In Zusammenarbeit der beteiligten humanitären Organisationen wurde eine detaillierte Modulstruktur ausgearbeitet, mit dem Hauptziel AsylwerberInnen durch Beratung und Qualifizierung eine berufliche Perspektive zu ermöglichen, sodass die Zeit des Wartens sinnvoll genutzt werden kann. In sieben Bundesländern wurde „Berufsbezogene Beratung“ angeboten. Dabei wurde an 13 Standorten eine vernetzte „allgemeine“ Beratung mit Qualifizierungsmöglichkeiten angeboten. Mit diesem (beinahe) österreichweiten Beratungsnetzwerk hatten erwachsene Asylsuchende erstmals die Möglichkeit, sich bei Spracherwerb, bei der Anamnese ihres Berufs- und Bildungshintergrundes, beim Sichtbarmachen ihrer Kompetenzen, bei Arbeitsmarktorientierung und Berufszielfindung, beim Erstellen eines Bildungsfahrplanes, bei der Suche nach Qualifizierungsmaßnahmen, bei der Anerkennung von Bildungsabschlüssen und bei der Suche nach Volontariats- und Arbeitsplätzen beraterisch begleiten zu lassen. AsylwerberInnen erarbeiteten Zukunftsperspektiven, setzten sich Kurz- und

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Langzeitziele und gingen Schritt für Schritt an deren Umsetzung. Manche von ihnen brachten Berufsausbildungen und Erfahrungen aus ihrem Herkunftsland mit, hatten bis jetzt aber noch keine Möglichkeit, die deutsche Sprache zu lernen; andere wollten ein Universitätsstudium aufnehmen, konnten sich aber nicht im reichhaltigen Studienangebot orientieren; wieder andere beabsichtigten ihre Ausbildung anerkennen zu lassen oder die Zeit des Asylverfahrens dahingehend zu nutzen, eine Schule zu besuchen. Die Vielfalt der Anliegen war groß; die Vielfalt der erreichten Erfolge ebenso. Parallel zu dieser „allgemeinen“ berufsbezogenen Beratung wurde in Wien eine „spezielle“ Gründungsberatung angeboten. Leider wurde kurz vor Projektbeginn die Gewerbeordnung novelliert, mit der Folge, dass AsylwerberInnen nunmehr keinen Gewerbeschein erhalten können. Die einzig verbleibende Möglichkeit sich selbständig zu machen ist seitdem nur die Form der „Neuen Selbständigkeit“. Ziel und Aufgabe der DON’T WAIT Gründungsberatung war es, AsylwerberInnen zu unterstützen als „Neue Selbständige“ tätig zu werden. In den beiden Beratungsmodulen wurden insgesamt etwa 700 ProjektteilnehmerInnen kontinuierlich beraten und qualifiziert. Neben den beiden Eckpfeilern „berufsbezogene Beratung“ und „Gründungsberatung“, wurde DON’T WAIT von einer Studie und einer Kampagne begleitet. Ein Teil der Studie, und zwar die Ergebnisse einer Befragung der ProjektteilnehmerInnen relativ zu Anfang des Projekts, können im Anhang eingesehen werden. Die darin reflektierte eher pessimistische Einschätzung der AsylwerberInnen sollte sich zwar im Laufe des Projekts wandeln, die Abhängigkeit von den Entscheidungen der Asylbehörde, sowie die Einschränkungen am Arbeitsmarkt stellten allerdings weiterhin erhebliche Belastungen für die ProjektteilnehmerInnen dar. Einen weiteren wichtigen Teil des Projekts bildete eine Öffentlichkeitskampagne zur Sensibilisierung der Bevölkerung für die Situation von AsylwerberInnen auf dem Arbeitsmarkt. Bisher waren Flüchtlinge nur als schutzbedürftige passive Menschen in Kampagnen vertreten. Dass sie aber durchaus berufliche Kompetenzen mitbringen, und diese auch anwenden wollen, oder gar einen volkswirtschaftlichen Beitrag leisten können, wurde bisher nicht aufgegriffen. Die Kampagne informierte, und trat an die Bevölkerung für die Probleme von AsylwerberInnen zu sensibilisieren und das Image von AsywerberInnen zu verbessern. Nach einer Pressekonferenz im Jänner 2003, dem Online Gehen der Homepage, und einem Foldermailing im Winter/Frühling 2003, fand im Sommer 2003 eine österreichweite Plakat- und Inseratenkampagne statt. Im Mai 2004 fand in Wien eine Aktionswoche statt. DON’T WAIT führte gemeinsam mit dem Tiroler EQUAL Projekt job shop eine Fachtagung durch, und organisierte einige öffentliche Veranstaltungen (Pressekonferenzen, Podiumsdiskussion, Aktion im öffentlichen Raum), um das Dilemma der AsylwerberInnen in den Brennpunkt des öffentlichen Interesses zu rücken. Zum Abschluss fand im Dezember 2004 eine Tagung gemeinsam mit der Arbeiterkammer, der Wirtschaftskammer und zahlreichen anderen NGOs statt, und zu unserer großen Freude schrieb Der Standard eine Weihnachtsgeschicht über einen unserer erfolgreichen Projektteilnehmer: der gebürtige Afghane fand nachdem er Asyl erhalten hatte nahtlos eine Anstellung als Schuhmacher in einer Schuhmanufaktur. Die Kampagne stieß durchwegs auf großes Interesse, was DON’T WAIT auch einige Auftritte in Fernsehen und Radio einbrachte. Aufgrund der strengen rechtlichen Rahmenbedingungen, die dem Willen zur Arbeitsleistung entgegenstehen, wurden AsylwerberInnen in der Kampagne als in einem Grunddilemma gefangen präsentiert: als Menschen, die eine wertvolle Leistung anbieten möchten, das aber nicht dürfen. Es mag auffallen, dass die Beschreibung unserer zahlreichen Aktivitäten in der Mitvergangenheit formuliert ist. Dies hat seinen (nicht so) guten Grund: Ende 2004 schlossen unsere Beratungsstellen endgültig ihre Pforten. Ein Fortsetzungsantrag wurde von den zuständigen Behörden leider abgelehnt. Und dies, obwohl das Projekt seitens der EU mehrfach als best practice gelobt worden war und trotz des Engagements der Sozialpartner für die Fortführung und Weiterentwicklung der in DON’T WAIT gesammelten Erfahrungen ...

WAS STEHT HIER DRIN?
Die Inhalte des Handbuches beruhen auf Recherchen und Ergebnissen des DON’T WAIT Beratungsteams und sollen AnwenderInnen den Weg zu vertiefenden und erweiternden Informationen weisen. Im Idealfall soll das Buch BeraterInnen von AsylwerberInnen den Einstieg in die Bildungs- und Berufsberatung erleichtern, und zwar durch Hintergrundinformation, Fallbeispiele, Kontaktadressen. Das Handbuch ist nicht als ein Kompendium gedacht, da eine
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umfassende Darstellung der Bereiche Beratung, Bildung, Anerkennung, Volontariat und Beschäftigung für AsylwerberInnen den Rahmen eines Handbuches bei weitem sprengen würde.

DANKE!
Wir möchten uns an dieser Stelle sehr herzlich bei den ausgezeichneten, und extrem engagierten, BeraterInnen im gesamten Beratungsnetz bedanken! Ohne sie wäre ein derartiges Druckwerk nicht möglich gewesen. Vielen Dank an Gülcan Gigl und Alireza Sadegi von der Volkshilfe, Andreas Bärnthaler und Elisabeth Stauder vom Integrationshaus, Andrea Baldemair, Elisabeth Blankenhorn, Andrea Ellek, Daniela Schiefermair, und Silvia Unterberger von der Diakonie, Alexandra Achatz, Marianne Domby, Roswitha Kettl, Josef Lederer, Marianne Pantic und Annunziata Schmidt-Chiari von der Caritas, sowie Christina Ball-Mitteregger von der Ausländerberatung der Superintendentur Kärnten! Auch der karenzierten Koordinatorin für die Öffentlichkeitsarbeit, Ruth-Schelander-Glaser, Diakonie, und der ausgeschiedenen Koordinatorin für die Studie, Andrea Rosenberg, SFS, sei für ihr Engagement gedankt! Unser großer Dank gebührt selbstverständlich den AutorInnen der Beiträge in diesem Buch, die außerdem allesamt großartige KoordinatorInnen der einzelnen inhaltlichen Arbeitsschwerpunkte bei DON’T WAIT waren: Christiane Stofner („Berufsbezogene Beratung“, Integrationshaus), Susanne Schweiger („Gründungsberatung“, Volkshilfe) und Lucie Prochazkova (Studie, SFS) & Co-Autoren! Viel Vergnügen beim Lesen & alles Gute für die Arbeit mit Flüchtlingen wünschen Stephan Amann (Gesamtkoordinator, Volkshilfe) & Barbara Götsch (Öffentlichkeitsarbeit, Diakonie)

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INHALT
BERUFSBEZOGENE BERATUNG VON ERWACHSENEN ASYLWERBERINNEN UND ASYLWERBERN
Christiane Stofner 11 11 11 12 13 15 15 16 19 24 24 26 26 26 27 28 28 28 29 29 30 31 32 32 42 44 45 46 46 46 49 49 49 50 51 51 52 52 52 52 53 54 55 55 55

1. GRUNDLAGEN DER BERUFSBEZOGENEN BERATUNG
1.1. DEFINITION 1.2. BERATUNGSTHEMEN UND -ZIELE 1.3. BESONDERHEITEN EINER BERUFSBEZOGENEN BERATUNG MIT DER ZIELGRUPPE ASYLWERBERINNEN 1.4. BERATUNGSPHASEN 1.5. BERATUNGSINSTRUMENTE IN DON’T WAIT 1.5.1. DER BERATUNGSVERLAUF IN DON’T WAIT 1.5.2. ANAMNESE DER BERUFS- UND BILDUNGSBIOGRAFIE 1.5.3. KOMPETENZBILANZIERUNG UND KOMPETENZEINSCHÄTZUNGSBLATT 1.5.4. DER BILDUNGSFAHRPLAN 1.6. FALLBEISPIEL: BILDUNGSFAHRPLAN ZUM STUDIUM DER TECHNISCHEN CHEMIE

2. QUALITÄTSKRITERIEN
2.1. DAS DON’T WAIT-QUALITÄTS-FÜNFECK 2.1.1. RAHMENBEDINGUNGEN 2.1.2. AUFGABEN 2.1.3. KOMPETENZEN: FACH-, METHODEN- UND SOZIALKOMPETENZEN 2.1.4. EINSTELLUNGEN UND HALTUNGEN 2.1.5. QUALITÄTSSICHERUNG

3. BILDUNGSMÖGLICHKEITEN
3.1. DER ERSTE BILDUNGSWEG 3.2. INTERNATIONALE BILDUNGSSYSTEME 3.3. DER ZWEITE BILDUNGSWEG 3.3.1. ÜBERSICHT: BILDUNGSMÖGLICHKEITEN IM ZWEITEN BILDUNGSWEG 3.3.2. SCHULABSCHLÜSSE 3.3.3. BERUFSAUSBILDUNGEN 3.4. AUSBILDUNGEN NACH DER MATURA 3.4.1. KOLLEG 3.4.2. AKADEMIE 3.4.3. FACHHOCHSCHULE 3.4.4. UNIVERSITÄT

4. ANERKENNUNG UND NOSTRIFIKATION
4.1. BEGRIFFSKLÄRUNG 4.2. ANERKENNUNG AUSLÄNDISCHER SCHULZEUGNISSE 4.2.1. ANERKENNUNG AUSLÄNDISCHER REIFEZEUGNISSE ZUR WEITERBILDUNG 4.2.2. ANERKENNUNG AUSLÄNDISCHER BERUFSREIFEZEUGNISSE ZUR BERUFSAUSÜBUNG 4.2.3. BM:BWK-ANSPRECHPARTNERINNEN FÜR DIE NOSTRIFIKATION AUSLÄNDISCHER SCHULZEUGNISSE 4.3. ANERKENNUNG AUSLÄNDISCHER STUDIENABSCHLÜSSE 4.4. ANERKENNUNG AUSLÄNDISCHER BERUFSAUSBILDUNGEN 4.4.1. GLEICHHALTUNG EINES AUSLÄNDISCHEN LEHRABSCHLUSSES 4.4.2. AUSSERORDENTLICHE ZULASSUNG ZUR LEHRABSCHLUSSPRÜFUNG 4.4.3. NOSTRIFIKATION VON IM AUSLAND ABSOLVIERTEN AUSBILDUNGEN IN EINEM GESUNDHEITSBERUF 4.5. BERATUNGSSTELLE ZU ANERKENNUNG UND NOSTRIFIKATION

5. VOLONTARIAT UND PRAKTIKUM
5.1. DEFINITION VOLONTARIAT 5.2. VOLONTARIATSNUTZEN
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55 56 56 57 58 58 59 59 60 61 61 62 62 62 68 68 68 69 69

5.3. VOLONTARIATSANZEIGE 5.4. VOLONTARIATS-UNFALLVERSICHERUNG 5.5. VOLONTARIATE BEI KONVENTIONSFLÜCHTLINGEN 5.6. VOLONTARIATSVEREINBARUNG 5.7. FALLBEISPIEL: VOLONTARIAT FÜR DIE HERSTELLUNG HANDGENÄHTER SCHUHE 5.8. DEFINITION FERIAL- UND BERUFSPRAKTIKUM

6. BESCHÄFTIGUNG
6.1. DER RECHTLICHE RAHMEN 6.2. BESCHÄFTIGUNGSZUGANG DURCH EINE BESCHÄFTIGUNGSBEWILLIGUNG 6.3. BESCHÄFTIGUNGSZUGANG DURCH BEFRISTETE KONTINGENTE NACH § 5 DES AUSLBG 6.4. BESCHÄFTIGUNGSZUGANG DURCH EINE ARBEITSERLAUBNIS 6.5. BESCHÄFTIGUNGSZUGANG DURCH EINEN BEFREIUNGSSCHEIN 6.6. TÄTIGKEITEN, DIE AUS DEM AUSLBG HERAUSFALLEN 6.6.1. AUSNAHMEN VOM AUSLBG UND TÄTIGKEITEN INNERHALB DER AUSLBGVO 6.6.2. HILFSTÄTIGKEITEN IN BETREUUNGSEINRICHTUNGEN UND GEMEINWESENARBEIT 6.6.3. BETREUUNG VON PATIENTINNEN 6.6.4. NEUE SELBSTÄNDIGKEIT 6.6.5. BEWILLIGUNGSFREIE BESCHÄFTIGUNG IM RAHMEN EINER KÜNSTLERISCHEN GESAMTPRODUKTION 6.6.6. TÄTIGKEITEN ZUM ZWECKE DER FORTBILDUNG VOR ABLEGUNG DER NOSTRIFIKATIONSPRÜFUNG BEI BERUFEN IM GESUNDHEITSBEREICH

SPEZIALFALL: GRÜNDUNGSBERATUNG
Susanne Schweiger 74 75 75 76 76 77 77 77 77 78 78 78 79 79 79 80 80 80 80 80 81 81

1. EINLEITUNG 2. NEUE SELBSTÄNDIGE
2.1. TÄTIGKEITEN 2.2. VORAUSSETZUNGEN 2.3. BEISPIELE 2.4. BETEILIGUNG AN GESELLSCHAFTEN 2.4.1. KOMMANDITISTIN IN EINER KOMMANDITERWERBSGESELLSCHAFT (KEG) 2.4.2. ANDERE BETEILIGUNGEN AN ANDEREN GESELLSCHAFTEN 2.4.3. BEISPIEL

3. WERKVERTRAG UND HONORARNOTE
3.1. WERKVERTRAG 3.2. HONORARNOTE

4. SOZIALVERSICHERUNG
4.1. DEFINITION 4.2. MITVERSICHERUNG 4.3. FRAGEN ZUR SOZIALVERSICHERUNG 4.3.1. VERSICHERUNGSANSTALT 4.3.2. MELDEPFLICHT 4.3.3. VERSICHERUNGSPFLICHT 4.3.4. EINKOMMENSGRENZEN 4.3.5. OPTING IN 4.3.6. HÖHE DER PFLICHTVERSICHERUNG

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82 82 82 82 82 82 82 83 84 84 85 85 85 85 85 86 86 87 87 87 87 87 88 88 89 90 90 92 93 94 95 97

5. STEUERN
5.1. ALLGEMEINES 5.1.1. EINKOMMEN BERECHNEN 5.1.2. STEUERN DER „NEUEN SELBSTÄNDIGEN“ 5.2. MELDEPFLICHT 5.3. STEUERPFLICHTIG 5.3.1. UMSATZSTEUER 5.3.2. EINKOMMENSSTEUER

6. EINNAHMEN- UND AUSGABENRECHNUNG
6.1. DAS KASSABUCH

7. PLANUNG & KALKULATION
7.1. DEFINITION 7.2. PLANRECHNUNG 7.3. DATEN FÜR DIE PLANRECHNUNG 7.3.1. SCHÄTZUNG DER MONATLICHEN UMSATZENTWICKLUNG 7.3.2. SCHÄTZUNG DER ERFORDERLICHEN INVESTITIONEN 7.3.3. SCHÄTZUNG DER LAUFENDEN ZAHLUNGEN

8. ANMELDUNG UND BERATUNG
8.1. UNTERNEHMENSGRÜNDUNG GENERELL 8.2. SOZIALVERSICHERUNG 8.3. FINANZAMT 8.4. ANDERE INSTITUTIONEN 8.5. KOOPERATIONEN 8.6. SPEZIELLE ANGEBOTE FÜR FRAUEN

9. LITERATURHINWEISE 10. ANHANG
10.1. BEISPIEL EINES WERKVERTRAGES 10.2. BEISPIEL EINER HONORARNOTE 10.3. KASSABUCH OHNE UMSATZSTEUER 10.4. KASSABUCH MIT UMSATZSTEUER 10.5. PLANRECHNUNG 10.6. ENTWICKLUNG MEINER GESCHÄFTSIDEE

ERGEBNISSE EINER ERHEBUNG ZUR LEBENSSITUATION VON ASYLWERBERINNEN UND ASYLWERBERN ZU PROJEKTBEGINN
Ken Horvath, Lucie Prochazkova, Tom Schmid 104 105 106 119

1. EINLEITUNG 2. GRUNDGESAMTHEIT 3. ZUSAMMENSETZUNG DER STICHPROBE 4. SCHLUSSFOLGERUNGEN
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BERUFSBEZOGENE BERATUNG VON ERWACHSENEN ASYLWERBERINNEN UND ASYLWERBERN
Christiane Stofner

Berufsbezogene Beratung hat die Themenbereiche Bildung, Beruf und Arbeit zum Ziel: Themen, die für eine Integration in die österreichische Gesellschaft von zentraler Bedeutung sind. Aus beiden beziehen AsylwerberInnen und Menschen allgemein einen erheblichen Teil ihres Selbstwertes und oft sind Bildung und Arbeit im subjektiven Bewusstsein eines Menschen die einzige Möglichkeit, einen einigermaßen passablen Lebensstandard zu erreichen und damit ein Leben in Würde zu führen. In Österreich fehlen derzeit für AsylwerberInnen finanzielle Ressourcen und breit gefächerte Angebote zu berufsbezogener Beratung, ebenso wie zu Spracherwerb und Qualifizierung. Eine Arbeitsaufnahme ist durch die Bestimmungen des Ausländerbeschäftigungsgesetzes gar nicht oder nur in wenigen Fällen möglich. Dies, obwohl die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948 festlegt, dass jeder Mensch ein Recht auf Arbeit einschließlich freier Berufswahl (Artikel 23) sowie ein Recht auf Bildung hat, verbunden mit einem allgemein zugänglichen fachlichen und beruflichen Unterricht sowie mit einem Zugang zu höheren Studien nach Maßgabe der Fähigkeiten und Leistungen des Menschen (Artikel 26). Dies, obwohl der Artikel 6 des Internationalen Paktes über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (IPWSKR 1966) ebenfalls das Recht auf Arbeit als ein Recht für alle festlegt. Mit 1. Mai 2004 wurde in Österreich für AsylwerberInnen die Grundversorgung eingeführt und damit der Grundstein für ein Leben in Existenzsicherung gelegt. Somit ist die Voraussetzung für einen nächsten Schritt geschaffen, einen Schritt in Richtung sinnvolle Nutzung der Zeit des Asylverfahrens, in Richtung Bildung und Beschäftigung. Allein aus humanitären und volkswirtschaftlichen Überlegungen heraus sollte in Zukunft für alle AsylwerberInnen Zugang zu Bildung und Arbeit gegeben sein. Berufsbezogene Beratung kann dabei orientierend und informierend unterstützen.

1. GRUNDLAGEN DER BERUFSBEZOGENEN BERATUNG
1.1. DEFINITION
Berufsbezogene Beratung für AsylwerberInnen ist eine prozessorientierte Beratung zu den Themen Bildung, Anerkennung, Beruf und Beschäftigung. DON’T WAIT fasst unter dem Begriff der berufsbezogenen Beratung alle Beratungsinhalte zusammen, die in Zusammenhang mit Fragen der Aus- und Weiterbildung, der Anerkennung von Ausbildungen, der Berufswahl und der Beschäftigung stehen. Da jede Beratung zu Bildung auch Konsequenzen für den Beruf impliziert und umgekehrt jede Berufsberatung auch Elemente der Bildung und Qualifizierung beinhaltet, ist aus DON’T WAIT-Sicht eine Beratung zu Bildung nicht von der Berufsberatung zu trennen. Zusätzlich ist bei AsylwerberInnen die Beratung zum Spracherwerb wichtig, da die Kenntnis der deutschen Sprache Grundlage für jeden weiteren Qualifizierungsschritt und für jede entwicklungsorientierte Arbeitsmarktintegration ist. Kennzeichen der berufsbezogenen Beratung ist, dass sie kein punktuelles und kein einmaliges Ereignis darstellt, sondern ein langfristiger Beratungsprozess ist, der Zeit benötigt. Davon ausgenommen ist eine einmalige Bildungsinformation, die als ein bloßes Bereitstellen von Informationen und/oder Informationsmaterial verstanden werden kann. Mit der berufsbezogenen Beratung einher geht das Entwickeln von Zukunftszielen und -perspektiven der KlientInnen. Entscheidungen durch die KlientInnen, wie z.B. eine Ausbildungsentscheidung, stellen dabei die zentralen Elemente des Beratungsvorganges dar. Die Beratung unterstützt AsylwerberInnen somit dabei:        individuelle bildungs- und berufsbezogene Perspektiven und Ziele zu entwickeln. eigene Potenziale, Ressourcen und Begabungen zu erkennen. angestrebte Teilziele zu realisieren. die Wartezeit des Asylverfahrens in eine Zeit der Entwicklung und des Lernens überzuführen. einer Dequalifikation vorzubeugen und arbeitsmarktrelevante Qualifikationen zu erwerben. Kontakte nach außen zu knüpfen und ein soziales Netz aufzubauen. sich in einer von außen bestimmten Situation sich innerhalb der rechtlichen Möglichkeiten wieder Selbstbestimmung über das eigene Leben anzueignen.  das eigene Selbstvertrauen zu stärken.

Insgesamt werden sich AsylwerberInnen, die Krisen und Rückschläge erlebt haben und häufig auch den „Glauben“ an ihre eigenen Fähigkeiten, ihre eigene Wirksamkeit „verloren haben“, durch den Prozess einer berufsbezogenen Beratung wieder ihrer Fähigkeiten in Hinblick auf den Arbeitsmarkt bewusst und können sich aktiv am Integrationsprozess beteiligen.

1.2. BERATUNGSTHEMEN UND -ZIELE
Hauptthemen und -ziele innerhalb einer berufsbezogenen Beratung für AsylwerberInnen sind:  Kompetenzerhebung und -stärkung  Orientierung im österreichischen Bildungssystem und am Arbeitsmarkt, verbunden mit dem Kennenlernen von Berufsbildern und -anforderungen in Österreich  Erarbeiten von Bildungs- und/oder Berufszielen

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 Aus- und Weiterbildung, Studium, das Nachholen von Bildungsabschlüssen, Spracherwerb, interkulturelle Bildung  Information zu den gesetzlichen Rahmenbedingungen betreffend Bildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten sowie Anerkennung von Ausbildungen  Beschäftigungssuche und Vorbereitung auf Bewerbungssituationen Der Beitrag des Beraters/der Beraterin im Beratungsprozesses besteht im: KLÄREN DES IST, d.h. im  Sortieren von Fakten, Gedanken und Gefühlen  Herausarbeiten von Stärken, Schwächen, Sehnsüchten, Zielvorstellungen und Rahmenbedingungen GEBEN VON NEUEM durch  Informationen, Feedback, Ideen, Impulse, Erfahrungen, Kontakte und Motivationsarbeit  Realitätscheck  dem zur Verfügung stellen von Arbeitsmaterialien ERMÖGLICHEN DER UMSETZUNG DER VOM KLIENTEN/VON DER KLIENTIN DEFINIERTEN ZIELE durch:  das Erleichtern von Entscheidungsprozessen  das Erarbeiten konkreter Handlungsschritte  die Wertschätzung der Erfolge

UNTERSTÜTZEN BEI DER BEWÄLTIGUNG VON KRISEN
Seitens der KlientInnen ist es hilfreich, wenn:  im Laufe des Beratungsprozesses klare Ziele formuliert werden.  eine klare Fokussierung auf das erfolgt, was erreicht werden soll.  die Bereitschaft da ist, sich auf Neues, Unbekanntes einzulassen.

1.3. BESONDERHEITEN EINER BERUFSBEZOGENEN BERATUNG MIT DER ZIELGRUPPE ASYLWERBERINNEN
Eine berufsbezogene Beratung für AsylwerberInnen unterscheidet sich von einer allgemeinen Bildungs- und Berufsberatung insofern, als die Rechts-, Herkunfts- und Lebenssituation der Asylsuchenden in Österreich andere bzw. ergänzende Beratungsstrategien und -schwerpunkte mit sich bringen. Erwähnt seien hier:

DIE AUFENTHALTSRECHTLICHE SITUATION
Der zeitlich begrenzte und rechtlich mit Einschränkungen verbundene Aufenthaltsstatus von AsylwerberInnen, die nicht bekannte Dauer des Asylverfahrens und der unbekannte Verfahrensausgang stellen für Asylsuchende im Beratungsprozess einen großen Unsicherheitsfaktor dar und führen immer wieder zu Verunsicherung und Verstörung. Zudem unterliegen AsylwerberInnen dem Ausländerbeschäftigungsgesetz (AuslBG) und haben damit zum größten Teil während des Asylverfahrens keinen oder nur einen begrenzten Zugang zum Arbeitsmarkt. Dementsprechend wichtig sind ein Realitätscheck bei beruflichen Zielsetzungen bzw. eine Unterscheidung zwischen Kurzzeit- und Langzeitzielen sowie ein ständiger Ausblick nach möglichen Nischen und Ausnahmen vom AuslBG. Die Kenntnis des Ausländerbeschäftigungsgesetzes gehört zu den Grundvoraussetzungen jedes/jeder berufsbezogenen Beraters/Beraterin.
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DIE BILDUNGS- UND BERUFSLAUFBAHN
AsylwerberInnen haben schulische und berufliche Ausbildungen in Ländern absolviert, deren Bildungssystem und deren Arbeitsmarktanforderungen sich vom Bildungssystem und Arbeitsmarkt in Österreich zumeist stark unterscheiden. Zudem fehlen oft Nachweise in Form von Zeugnissen und Arbeitszeugnissen/-büchern. Für eine Einordnung der Ausbildungen und Berufsprofile in das österreichische Bildungssystem und in den österreichischen Arbeitsmarkt sind Kenntnisse der BeraterInnen zu länderspezifischen Ausbildungssystemen, Berufsprofilen und Arbeitsmarktstrukturen eine Grundvoraussetzung. Zugleich ist Know-how über Anerkennungsmöglichkeiten bzw. über darauf spezialisierte Beratungsstellen wichtig. Letztendlich bedingen nicht-österreichische Schulabschlüsse spezifische Aufnahmevoraussetzungen für schulische und berufliche Qualifizierungen in Österreich.

DIE ALLGEMEINEN LEBENSUMSTÄNDE
Aufgrund des nicht oder nur im eingeschränkten Maße vorhandenen Beschäftigungszuganges sind AsylwerberInnen zumeist mittellos und auf staatliche Versorgung angewiesen (Grundversorgung bzw. Sozialhilfe). Die vom Staat zur Verfügung gestellten Quartiere liegen oft weit weg von städtischer Infrastruktur, weswegen viele schon rein aus geografischen Aspekten von einem Zugang zu Beratung, Qualifizierung und Arbeitsmarkt ausgeschlossen sind. Zudem verlieren AsylwerberInnen im Falle eines dennoch möglichen Arbeitseinkommens Leistungen aus der Grundversorgung/Sozialhilfe, was die Selbsterhaltungsfähigkeit oft beeinträchtigt.

DIE FEHLENDEN FINANZIELLEN RESSOURCEN
AsylwerberInnen sind größtenteils von geförderten Bildungsprojekten ausgenommen. Selbst für Spracherwerb fehlen derzeit flächendeckende Angebote und finanzielle Mittel. Berufsbezogene Beratungsangebote für erwachsene AsylwerberInnen gibt es praktisch gar nicht. Dasselbe gilt bezüglich Alternativkonzepten für einen „Einstiegsarbeitsmarkt“ oder für einen „zweiten Arbeitsmarkt“. Ausgenommen dabei sind  die Möglichkeit einer Gemeinwesenarbeit  die Möglichkeit von Hilfstätigkeiten in Betreuungseinrichtungen im Zuge der Grundversorgung sowie  Pilotprojekte der Equal-Gemeinschaftsinitiative mit Zielgruppe AsylwerberInnen Alle diese Rahmenbedingungen gilt es bei der Steuerung eines Beratungsprozesses mit zu berücksichtigen. Trotz der schwierigen Lebensbedingungen ist nach Erfahrungen von DON’T WAIT das Interesse von AsylwerberInnen an einer berufsbezogenen Beratung jedoch enorm hoch. Das ist wohl darauf zurückzuführen, dass im Zuge eines jahrelangen Wartens und „Nichts-Tun-Könnens“, wie es derzeit in Österreich der Fall ist, Lebensjahre verloren gehen. Lebensjahre, die später nicht mehr einzubringen sind und die mit zunehmender Dauer des Asylverfahrens in einen Verlust des Selbstbewusstseins, in Hoffnungs- und Sinnlosigkeit münden können.

1.4. BERATUNGSPHASEN IN EINER BERUFSBEZOGENEN BERATUNG
Wie bereits angeführt, ist die berufsbezogene Beratung, sofern es sich nicht um eine einmalige Bildungsinformation handelt, eine prozessorientierte Beratung. Zentrales Moment im Beratungsprozess ist für den Asylsuchenden/die Asylsuchende das Erkennen der eigenen, informell, formell und durch persönliche Lebenserfahrung erworbenen Kenntnisse sowie das Erlernen der deutschen Sprache. Das ist die Grundvoraussetzung um eigene Kompetenzen in Österreich nach außen transportieren, erweitern und einsetzen zu können. Von der Anamnese des Bildungs- und Berufshintergrundes über die Orientierung im österreichischen Bildungssystem und Arbeitsmarkt, der Definition eines Beratungszieles, dem Realitätscheck bis zur Zielumsetzung und letz13

tendlichen Zielerreichung lassen sich in der Beratung mehrere Beratungsphasen unterscheiden:

1. DAS CLEARING zu/zur
 Klärung der Erwartungen des Klienten/der Klientin  Besprechung der Rahmenbedingungen und möglicher Hindernisse  einer ersten Klärung des Aufenthalts- und Betreuungsstatus sowie des Sprachen-, Ausbildungs- und Berufshintergrundes

2. ANAMNESE UND ORIENTIERUNG
mit den zentralen Fragen:  Wer bin ich? Was kann ich? Welche persönlichen und fachlichen Erfahrungen und Kenntnisse bringe ich mit?  Wie lassen sich meine Kompetenzen in einer Kompetenzbilanz zusammenfassen?  Wo gibt es für mich während der Zeit meines Asylverfahrens Möglichkeiten meine Kompetenzen zu erweitern und/oder einzusetzen?  Was ist mein Ziel innerhalb der berufsbezogenen Beratung?

3. ZIELPLANUNG UND UMSETZUNG
In dieser Phase wird ein zuvor formuliertes Beratungsziel vom Klienten/von der Klientin Schritt für Schritt umgesetzt. Fragen, die sich auftun, sind:  Wie kann ich mein Bildungs- bzw. Berufsziel erreichen?  Welche Schritte muss ich dazu setzen, wie schaut mein Bildungsfahrplan aus?  Welchen zeitlichen Rahmen benötige ich? Welche finanziellen Mittel sind notwendig? Umsetzungsschritte können z.B. eine Qualifizierung, die Anerkennung eines Bildungsabschlusses, ein Volontariat oder die Suche eines Arbeitsplatzes sein.

4. ZIELERREICHUNG UND BERATUNGSABSCHLUSS
Ist das Beratungsziel erreicht, ist es sinnvoll in einem Abschlussgespräch  im Sinne einer besonderen Wertschätzung der Leistungen des Klienten/der Klientin das Erlernte und Erreichte noch einmal zusammenzufassen und damit sichtbar zu machen.  Feedback von KlientInnen-Seite einzuholen, um die Beratung laufend deren Bedürfnissen anpassen zu können.  eine Beratungsmappe mit dem Kompetenzprofil, mit allen Kursbestätigungen, Zeugnissen, Dokumenten, Kontaktadressen auszugeben, sofern dies nicht bereits während des Beratungsprozesses erfolgt ist.  einen Ausblick in die Zukunft zu werfen.  bestehende offene Fragestellungen zu besprechen. Hilfreich für den Beratungsprozess als Ganzes haben sich innerhalb von DON’T WAIT Beratungsleitfäden und –mindmaps erwiesen. Diese können zur Orientierung eingesetzt werden, ersetzen jedoch keinesfalls das „Beratungs-Handwerkzeug“ an sich, also Tools und Methoden der Beratung, Gesprächsführung und Berufsorientierung. Im Anschluss werden einige der in DON’T WAIT verwendeten Orientierungs- bzw. Arbeitsinstrumente vorgestellt. Ein ressourcenorientierter und lösungsfokussierter Beratungsansatz lenkt dabei den Blick auf die Stärken und Fähigkeiten der AsylwerberInnen und unterstützt diese, ihr berufsbezogenes Lebenssetting innerhalb der gesetzlichen Rahmenbedingungen selbst zu gestalten.

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1.5. BERATUNGSINSTRUMENTE IN DON’T WAIT
1.5.1. DER BERATUNGSVERLAUF IN DON’T WAIT BERATUNGSAUFBAU

5. Bildungsfahrplan
Umsetzung

6. Zielerreichung

1. Wer bin ich?
Herkunft und Familie

DON’T WAIT Beratungsaufbau
Zielformulierung formeller Bereich

4. Was? Wo? Wie?
Realitäts-Check Möglichkeiten der Umsetzung der eigenen Kompetenzen

2. Was kann ich?

informeller Bereich

Innovationsperspektiven

3. Kompetenzprofil

persönliche Lebenserfahrung

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1.5.2. ANAMNESE DER BERUFS- UND BILDUNGSBIOGRAPHIE
Quelle der drei folgenden DON’T WAIT-Mindmaps ist die Kompetenzbilanz für MigrantInnen des Deutschen Jugendinstituts. Die Mindmaps wurden für BeraterInnen und KlientInnen entwickelt. Sie sind gedacht als eine Orientierungshilfe im Anamneseprozess, indem sie Punkt für Punkt zu den verschiedenen Erfahrungsfeldern führen, aus denen sich Fähigkeiten und Kompetenzen generieren.

HERKUNFT UND LEBENSLAUFSTATIONEN
Wie lange bin ich schon in Österreich? meine Kontakte und Netzwerke in der Heimat meine Kontakte zu Verwandten im Heimatland?
(Wie sieht der Kontakt aus? Telefon, e-mail, Pakete, ...)

Warum bin ich nach Österreich gekommen (Gründe)?

7. Persönliches Netzwerk 6. Fluchthintergrund

meine Kontakte und Netzwerke in Österreich Zeichnen Sie ein Soziogramm Ihrer Kontakte!

Wie fühle ich mich hier?

Wo bin ich geboren? Wer ist meine Ehefrau/ Ehemann? Wann und wo habe ich geheiratet?

1. Herkunftsfamilie 5. eigene Familie

Wer sind meine Eltern/Geschwister? Wo haben wir gelebt?

Wieviele Kinder habe ich?

Wer bin ich?

(Wohnung, Haus, Hof)

Mit wem wohne ich? Wer aus der (weiteren) Familie war mir wichtig? Vorbilder
(ich war inspiriert von / wollte sein wie...)

Für wen sorge ich noch?

2. wichtige Bezugspersonen/Vorbilder
Wo habe ich bereits überall gelebt? Warum? Deshalb habe ich mich angestrengt, um Folgendes tun/leisten zu können... meine Muttersprache/n weitere Sprachen, die ich gelernt habe

3. Sprache
Was habe ich von dort mitgenommen?

4. Stationen meines Lebenslaufes

Welche Nachweise gibt es für meine Herkunft und meine Lebenslaufstationen?

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ANAMNESE DER FORMELL ERWORBENEN KENNTNISSE
Welche Schulen habe ich wie viele Jahre besucht? Welche habe ich abgeschlossen?

Herkunftsland
Schule & Beruf

Welche beruflichen oder anderen Ausbildungen habe ich? Welche Abschlüsse? Welche meiner Abschlüsse wurden in Österreich anerkannt? Welche nicht / sind noch offen?

Was kann ich?
Tätigkeiten, Erfahrungen, Kenntnisse, Fertigkeiten Interessen

formeller Bereich

andere Länder
Welche beruflichen Tätigkeiten hatte ich? Wo habe ich bereits gearbeitet?

Österreich

Was in der Ausbildung / Arbeit hat mich besonders interessiert/ begeistert/angeprochen?

War ich beim Militär? Welche Aufgaben habe ich dort ausgeführt? Führungsfunktion? Unterrichten? Anleiten? Anderes?

Berufserfahrungen am „schwarzen Arbeitsmarkt Habe ich in Nebenjobs gearbeitet?

Habe ich Aus- oder Fortbildungen beim Militär erhalten? Technische Qualifikationen? Logistik? Fahrzeuge? Andere?

Militär

Berufserfahrungen am „schwarzen“ Arbeitsmarkt

Habe ich in Familienbetrieben ausgeholfen?

Welche Nachweise gibt es für meine formellen Kompetenzen? Welche Fähigkeiten waren für meine Erfahrungen/Tätigkeiten im formellen Bereich notwendig, welche habe ich dadurch erlangt?

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ANAMNESE DER INFORMELL ERWORBENEN KENNTNISSE
Welche besonderen Aufgaben/Rollen hatte ich? im Heimatland? in der Nachbarschaft? in der Gemeinde in Vereinen in der Glaubensgemeinschaft in der Familie in Haus und Hof in ehrenamtlichen Tätigkeiten

Habe ich zu Hause beim Gartengestalten/-bau mitgearbeitet/eigenverantwortlich gearbeitet? Welche Tätigkeiten habe ich da durchgeführt? Kenntnisse über Krankheiten, Heilen, Pflegen, Heilkräuter, Medizin, Hausmittel Musik, Tanz, Theater, Musikinstrumente spielen PC-Kenntnisse Führerschein Unterrichten/Anleiten Reiten

Gartenbau Gemeinschaft

weitere Qualifikationen Haushalt

Welche Tätigkeiten habe ich ausgeführt? Welche mache ich besonders gut/tue ich gerne?

Herkunftsland

Kochen

Für wen habe ich gekocht? (Familie, Hochzeiten, Feste, Verwandtschaft)

Was kann ich?
Tätigkeiten, Erfahrungen, Kenntnisse, Fertigkeiten Interessen

Informeller Bereich

Kindererziehung/ der eigenen Kinder, -betreuung Kinder von Verwandten, Nachbarn

andere Länder
für Ältere / Kranke sorgen Fremdsprachen Handwerkliches Arbeiten

Habe ich bereits Altenpflege gemacht? (in Familie, Verwandtschaft, Nachbarschaft) Welche Sprachen habe ich gelernt? Wie gut beherrsche ich sie? Tätigkeit als ÜbersetzerIn/DometscherIn? Reparaturen, Renovierung, Verschönerung in Haus & Wohnung Nähen/Schneidern Weben Kunsthandwerk Schweißen, Zimmern, Arbeiten am Bau Holzbearbeitung, z.B. Möbel restaurieren Auto-/Fahrradreparatur Anderes

Österreich

Erfahrungen mit Tieren, Haus & Hof, Landwirtschaft

Malen, Zeichnen Kreatives Musik, Tanz, Theater Schriftstellerisches Sport, Hobbys

Welche Nachweise gibt es für meine informellen Kompetenzen? Welche Fähigkeiten waren für meine Erfahrungen/Tätigkeiten im informellen Bereich notwendig, welche habe ich dadurch erlangt?

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ANAMNESE DER PERSÖNLICHEN LEBENSERFAHRUNGEN
Materielle Rückschläge/
Unfälle/finanzielle Verluste

Mittellosigkeit (Geld zusammenhalten,
verwalten, mit wenig auskommen)

Arbeitslosigkeit

Herkunftsland

Was hat mich das Leben noch gelehrt? Schwierige Situationen, zu deren Lösung/Bewältigung ich beigetragen habe?

auf andere Menschen zugehen, Menschen aus Familie, Nachbarschaft zusammenbringen etwas Besonderes herstellen/ erarbeiten einen Konflikt schlichten/ bewältigen ein Ziel auch gegen Widerstände durchsetzen, hartnäckig sein, immer wieder ansetzen

Was kann ich?
Tätigkeiten, Erfahrungen, Kenntnisse, Fertigkeiten Interessen

persönliche Lebenserfahrung

andere Länder

Österreich

Auskommen in der Gemeinschaft; Gastfreundschaft, Hilfsbereitschaft ich habe ich auf verschiedene Mentalitäten und Sitten eingestellt

Andere Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse, die noch nicht angesprochen wurden

Was hat mein Leben in verschiedenen Orten/Ländern mich gelehrt?

Ich habe gelernt, Dinge aus unterschiedlichen kulturellen Perspektiven zu sehen ich habe gelernt, mich in unterschiedlichen kulturellen Kontexten zu bewegen ich musste oft neu anfangen, mich neu orientieren

Welche Nachweise gibt es für meine erlangten Kompetenzen im Zuge meiner persönlichen Lebenserfahrung? Welche Fähigkeiten waren für m eine Erfahrungen/ Tätigkeiten in diesen Bereichen notwendig, welche habe ich dadurch erlangt?

1.5.3. KOMPETENZBILANZIERUNG UND KOMPETENZEINSCHÄTZUNGSBLATT
Kompetenzen können indirekt über Befragung oder Beobachtung erschlossen werden. Sie sind nach spezifischen Zielen und Interessen erfass- und bewertbar, jedoch nicht messbar. Damit haben sie einen sehr stark subjektiven Charakter. Im Anamneseprozess sichtbar und bewusst gemachte Kompetenzen können zu einem Kompetenzprofil/einer Kompetenzbilanz zusammengefasst werden. Nach Erpenbeck und Heyse, zwei führenden Kompetenzforschern, beinhaltet ein Kompetenzprofil/eine Kompetenzbilanz die Summe aller Fach-, Sozial-, Methoden-, Personal- und Handlungskompetenzen einer Person:

FACHKOMPETENZEN
Dazu gehören Sprachkenntnisse, Allgemeinwissen, EDV-Wissen, organisatorische Fähigkeiten, betriebswirtschaftliche Kenntnisse, fachliche Fähigkeiten und Fertigkeiten, Markt-Know-how, unternehmerisches Denken und Handeln.

SOZIALKOMPETENZEN
Dazu zählen Teamfähigkeit, Einfühlungsvermögen, Kommunikationsfähigkeit, Kooperationsbereitschaft, Konfliktlösungsbereitschaft, partnerzentrierte Interaktion, Konsensfähigkeit und Verständnisbereitschaft.

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METHODENKOMPETENZ
Darunter fallen analytisches Denken, konzeptionelle Fähigkeiten, strukturierendes Denken, das Erkennen von Zusammenhängen und Wechselwirkungen, das ganzheitliche Denkvermögen, das Gefühl für künftige Entwicklungen, Kreativität und Innovationsfähigkeit.

PERSONALE KOMPETENZEN
Dazu gehören Selbstentwicklungs-, Selbstreflexions-, Leistungs-, Risiko- und Lernbereitschaft, Offenheit, Belastbarkeit, Glaubwürdigkeit und Flexibilität.

HANDLUNGSKOMPETENZEN
Darunter versteht man die Fähigkeiten und die Bereitschaft, die in den vier ersten vorher angeführten Kompetenzkategorien erlangten Erkenntnisse, Werte und Verhaltensweisen im beruflichen und im persönlichen Lebensbereich anzuwenden und zielorientiert umzusetzen. Aus DON’T WAIT-Sicht fließen in eine Kompetenzbilanz alle erworbenen, formellen und informellen Qualifikationen sowie die gesamten Kompetenzen, die im Zuge der persönlichen Lebenserfahrungen gesammelt wurden, ein. Gerade bei AsylwerberInnen ist informell erworbenes Wissen ein wichtiger Teil eines Kompetenzprofils. Von FORMELL ERWORBENEN KENNTNISSEN spricht man dabei, wenn diese in strukturierten Lernprozessen erworben wurden und es darüber Nachweise, wie Kursbestätigungen, Zertifikate, Diplome, etc. gibt

INFORMELL ERWORBENES WISSEN BZW. INFORMELL ERWORBENE KENNTNISSE
hingegen sind Kenntnisse, die nicht in formell strukturierten Lernprozessen erworben wurden, sondern aus Lebenserfahrungen und situativen Herausforderungen in der täglichen Lebens- und Arbeitspraxis entstanden sind. BITTE BEACHTEN SIE: Kompetenzen lassen sich nicht einfach abfragen, Kompetenzen müssen als solche erlebt werden. So z.B. kann eine reflektierte Migrations- und Fluchterfahrung zu einer hohen Ambiguitätstoleranz führen. Dabei handelt es sich um die Kompetenz, mit mehrdeutigen Situationen, die das Leben in zwei Kulturen mit sich bringt, umgehen zu können. Durch ein „Sich-Bewusst-Werden“, dass ein Leben zwischen zwei Kulturen Unsicherheit erzeugt, wird die Voraussetzung dafür geschaffen, unbekannten Herausforderungen in Zukunft flexibel und offen begegnen zu können. Unsicherheit wird dann nicht mehr als Defizit erlebt sondern als etwas, das mehrdeutige Situationen mit sich bringen. Ein Verfahren zur Nutzbarmachung nicht formal erworbener Kenntnisse ist der APEL-Ansatz (Accreditation of prior experimental learning) aus Großbritannien. Zentrales Moment in diesem Prozess ist die Reflexion der eigenen Fähigkeiten, das Erkennen von eigenen Kompetenzen. DON’T WAIT sieht in einem ausführlichen Anamneseprozess des Bildungs- und Berufshintergrundes einen Weg, Kompetenzen sichtbar und erlebbar zu machen. Im Zuge eines solchen Prozesses können sowohl informell als auch formell als auch durch persönliche Lebenserfahrungen erworbene Kenntnisse reflektiert, aufgezeigt und damit als eigene Kompetenzen bewusst gemacht werden. In der Folge kann der Klient/die Klientin anhand eines Kompetenzeinschätzungsblattes ihre Kompetenzen einschätzen und dieses Eigenbild um die Einschätzung eines Freundes/einer Freundin oder eines Beraters/einer Beraterin erweitern bzw. diskutieren. Im Anschluss finden Sie ein Beispiel für den Aufbau eines Kompetenzeinschätzungsblattes.

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KOMPETENZEINSCHÄTZUNGSBLATT
PERSÖNLICHE DATEN
Name Geburtsdaten Familienstand Telefon Herkunftsland Adresse E-mail Geschlecht

SPRACHKENNTNISSE
DEUTSCH in Wort in Schrift ENGLISCH in Wort in Schrift FRANZÖSISCH in Wort in Schrift WEITERE SPRACHEN in Wort in Schrift in Wort in Schrift in Wort in Schrift in Wort in Schrift in Wort in Schrift

gar nicht

gering

mittel

gut

sehr gut

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AUSBILDUNGSHINTERGRUND
Zeitraum Ort/Schultyp Kompetenzen

BERUFLICHE KOMPETENZEN
FORMAL (Z.B. VOLONTARIAT, PRAKTIKUM, LEHRE, UNSELBSTÄNDIGE UND SELBSTÄNDIGE BESCHÄFTIGUNG)
Zeitraum Ort/Tätigkeit Kompetenzen

INFORMELL
Zeitraum Ort/Tätigkeit Kompetenzen

PERSÖNLICHE LEBENSERFAHRUNGEN
Zeitraum Ort/Art der Erfahrung Kompetenzen

ZUSATZKENNTNISSE
EDV Führerscheinklassen

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SOZIALE KOMPETENZEN
Kommunikations- und Ausdrucksfähigkeit Einfühlungsvermögen Kontaktfähigkeit Kooperationsbereitschaft Teamfähigkeit Konfliktfähigkeit

gar nicht

gering

mittel

gut

sehr gut

INTERKULTURELLE KOMPETENZEN
Mehrsprachigkeit Reflexion des eig. kulturellen Hintergrundes Ambiguitätstoleranz Umgang mit mehrdeutigen Situationen Kenntnis kulturell bedingter unterschiedlicher Gesprächsstile, Deutungs- und Denkmuster

PERSONALE KOMPETENZEN
Verlässlichkeit Flexibilität Initative und Selbständigkeit Selbstmotivation und Einsatzbereitschaft Ehrgeiz hinsichtlich Lebensziele Frustrations- /Misserfolgstoleranz

WEITERE SCHLÜSSELKOMPETENZEN

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1.5.4. DER BILDUNGSFAHRPLAN
Hat der Klient/die Klientin ein persönliches Beratungsziel formuliert und sich dieses als realistisch und erreichbar herausgestellt, beginnt die Phase der Planung und Umsetzung, innerhalb derer der Klient/die Klientin dem formulierten Ziel Schritt für Schritt entgegen schreitet (z.B. der Aufnahme eines Studiums). Oft ist der Weg bis zum Endziel lang und oft sind dazu mehrere Bildungsschritte zu setzen. Um diese zu veranschaulichen und um ein realistisches Zeitbild zu erhalten, besteht die Möglichkeit, am Anfang der Umsetzungsphase einen Bildungsfahrplan zu erstellen. Dieser zeigt die einzelnen Schritte und Meilensteine auf, die zum Erreichen des gesteckten Endzieles notwendig sind. Wird der Bildungsfahrplan grafisch erstellt, kann er bei veränderten Umständen sehr schnell an die neuen Anforderungen angepasst werden.

1.6. FALLBEISPIEL: BILDUNGSFAHRPLAN ZUM STUDIUM DER TECHNISCHEN CHEMIE
Dezember 2002: Frau C. sucht zum ersten Mal eine DON’T WAIT Beratungsstelle auf. Sie kommt aus Nigeria, ist Alleinerzieherin einer Tochter und hat in ihrem Heimatland in der Lebensmittelkontrolle gearbeitet. Während der Anamnese kristallisieren sich immer mehr ihre Kompetenzen im Berufsfeld Chemie heraus, verbunden mit einem enormen Interesse für dieses Fach. Weiters stellt sich heraus, dass Frau C. sich beruflich weiterbilden möchte. Das durch eine Weiterbildung erworbene Wissen wird für sie später – wie auch immer sich ihre Zukunft gestalten wird – einen Wissensbaustein in ihrem Berufsleben darstellen. März 2003: Frau C. recherchiert zusammen mit ihrer Beraterin, welche Berufsbilder es in Österreich im Bereich Chemie gibt, welche Ausbildungsanforderungen daran geknüpft sind und ob eine Richtung dabei ist, in der sie sich eine berufliche Zukunft vorstellen kann. Dazwischen lernt Frau C. Deutsch. Obwohl sie bereits seit drei Jahren in Österreich lebt, hatte sie bis jetzt keine Möglichkeit zu einem intensiven Lernen der Sprache. September 2003: Frau C. hat sich für das Studium der technischen Chemie entschieden. Es ist kein einfaches Studium, doch Frau C. bringt durch ihre Tätigkeit in Nigeria schon sehr viele Kenntnisse mit. Diese kann sie nun vertiefen, erweitern und aktualisieren. Zur Aufnahme des Studiums braucht Frau C. eine Universitätszulassung. Ihrem diesbezüglichen Antrag wird stattgegeben unter der Voraussetzung des Nachweises der Kenntnis der deutschen Sprache. Frau C. inskribiert daher als außerordentliche Hörerin in den Vorstudienlehrgang der Wiener Universitäten, einem Lehrgang für internationale Studierende zur intensiven Vorbereitung auf die Ergänzungsprüfung aus Deutsch. März 2004: Frau C. hat das erste Semester des Vorstudienlehrganges positiv abgeschlossen. Zwei weitere Semester muss sie noch besuchen. Was sie derzeit in der Beratung beschäftigt, sind ihre nicht vorhandenen PC-Kenntnisse. Bei einem technischen Studium sind diese aber Grundvoraussetzung. Frau C. besucht daher zusätzlich zum Vorstudienlehrgang ECDL-Module. September 2004: Frau C. hat alle ECDL-Prüfungen bestanden und damit das ECDL-Zertifikat erworben. Ein eigener, gebrauchter PC, an dem sie übt, verhindert ein Vergessen der angeeigneten EDV-Kenntnisse. Weiters befindet sich Frau C. bereits im letzten Semester des Vorstudienlehrganges. Sie ist sich sicher, im Sommersemester 2005 mit dem Studium der technischen Chemie beginnen zu können.

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BILDUNGSFAHRPLAN VON FRAU C.
02 Mar Jan Dez Apr Mai Feb 2003 Sept Juni Aug Nov Mar Jan Dez Juli Apr Mai Okt Feb 2004 Sept Juni Aug Nov Dez
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Juli

PROJEKTAUFNAHME, ANAMNESE BERATUNG

DEUTSCHGRUNDKURS

DEUTSCHAUFBAUKURS

EDVEINFÜHRUNG WINDOWS VORSTUDIENLEHRGANG 1. SEMESTER VORSTUDIENLEHRGANG 2. SEMESTER ECDL

VORSTUDIENLEHRGANG 3. SEMESTER

Studium der technischen Chemie ab Sommersemester 2005

Okt

2. QUALITÄTSKRITERIEN
Qualität ist die Gesamtheit der Merkmale, die eine Dienstleistung zur Erfüllung vorgegebener Forderungen geeignet macht. Sie wird gemessen an definierten Standards, deren Einhaltung zu Qualitätssicherung führt.
Für die berufsbezogene Beratung liegt die Bedeutung von Qualitätsstandards in:  der Sicherung von Transparenz und Professionalität  der Messbarkeit der Beratungsleistung  einem klaren Berufsbild mit klar definierten Kompetenzen und Aufgabenbereichen  der Anerkennung als eigenes Berufsbild Derzeit gibt es für die berufsbezogene Beratung mit Zielgruppe AsylwerberInnen weder definierte Qualitätskriterien, noch allgemein gültige Standards.

2.1. DAS DON’T WAIT-QUALITÄTS-FÜNFECK
1. Die Rahmenbedingungen einer berufsbezogenen Beratung

5. Instrumente zur Qualitätssicherung

2. Die Aufgaben in der berufsbezogenen Beratung

4. Einstellungen und Haltungen in der Beratung

3. Kompetenzen für die berufsbezogene Beratung: Fach-, Methoden und Sozialkompetenzen

Das DON’T WAIT-Qualitäts-Fünfeck identifiziert und formuliert für die berufsbezogene Beratung von AsylwerberInnen Qualitätskriterien und Kernkompetenzen mit dem dahinter liegenden Ziel, Qualität in der Beratung zu entwickeln und zu sichern. Es wurde vom Beratungsteam basierend auf zwei Jahren Beratungserfahrung entwickelt. Grundlegende Voraussetzung für eine berufsbezogene Beratung ist dabei die Existenzsicherung des Klienten/der Klientin! Ist diese nicht gegeben, hat der tägliche Überlebenskampf Priorität. Ein berufsbezogener Beratungsprozess würde in einem Leben ohne gesicherte Unterkunft nur zusätzlich belasten.

2.1.1. RAHMENBEDINGUNGEN
Die Rahmenbedingungen einer berufsbezogenen Beratung setzen sich zusammen aus:  einer klaren Rollendefinition des Beraters/ der Beraterin gegenüber dem Klienten/der Klientin  genügend Zeitressourcen  für einzelne Beratungsgespräche
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 für Recherchen zu Ausbildungen, zu Berufsbildern, zum Thema Arbeitsmarkt  für die Beratungsdokumentation  dem Vorhandensein von finanziellen Ressourcen inklusive Budget für Fahrtkosten, damit für den Klienten/die Klientin die Erreichbarkeit der Beratungsstelle und der Bildungsangebote gegeben ist.  einer Sicherung der Kinderbetreuung in den Fällen, in denen auf keine externe Betreuungs-angebote zurückgegriffen werden kann.  entsprechenden räumlichen Ressourcen zum ungestörten Verlauf der Beratungsgespräche. Eine Rollenvermischung (Wohnungsberatung, Rechtsberatung, usw.) erschwert die Errichtung eines klaren Beratungskontrakts sowie eine zielgerichtete Prozessunterstützung. In diesem Zusammenhang gehört es zu den Aufgaben des Beraters/der Beraterin, den Klienten/die Klientin an die jeweils zuständige Stelle weiter zu verweisen. Sinnvoll ist ein gemischtes Team aus Berufs-, Sozial- und RechtsberaterInnen mit fachbezogenen Zuständigkeiten.

2.1.2. AUFGABEN
Die Aufgaben einer berufsbezogenen Beratung für AsylwerberInnen umfassen:                 die Unterstützung im Clearingprozess die Kompetenzstärkung des Klienten/der Klientin die Unterstützung bei der Erstellung eines Kompetenzprofils Informationen zu Berufsbildern, zum österreichischen Arbeitsmarkt und Bildungssystem ressourcen- und zielorientierte Berufsorientierung die Unterstützung bei der Berufswahlentscheidung die Unterstützung bei der Umsetzungsplanung (Dauer und Kosten) die Unterstützung bei der Suche nach einer geeigneten Aus- oder Weiterbildungsmöglichkeit, bei der Studienwahl, beim Nachholen von Bildungsabschlüssen, bei Deutschqualifizierung die Unterstützung und Begleitung bei der Anerkennung von Ausbildungen die Recherche bestehender Projekte als mögliche Förderquellen Informationen zum Ausländerbeschäftigungsgesetz Bewerbungsunterstützung Motivationsarbeit die Dokumentation der Beratungsgespräche in Form von Beratungsprotokollen die Evaluation der Beratungsgespräche und -prozesse die Sicherstellung der Vertraulichkeit aller klientInnenbezogenen Daten und Informationen

DIE BERATUNG SELBST KANN IN FORM VON
 Einzelberatung und  Gruppenangeboten, wie z.B. eines Berufsorientierungskurses, eines interkulturellen AwarenessTrainings, eines Workshops zum österreichischen Bildungssystem oder zur Einführung in das Ausländerbeschäftigungsgesetz erfolgen

GRUNDVORAUSSETZUNG VON KLIENTINNENSEITE
sind Kenntnisse der deutschen Sprache, wenn als Beratungsziel eine schulische, eine fachliche Qualifizierung, ein Volontariat oder ein Arbeitsmarkteinstieg angedacht ist. Bei nicht vorhandenen Deutschkenntnissen gilt es einzuplanen, dass für das Erlernen der deutschen Sprache ein langer Zeitraum (ein bis zwei Jahre) notwendig ist, bis – aufbauend auf den erworbenen Deutschkenntnissen – der Klient/die Klientin z.B. eine schulische Qualifizierung beginnen kann. Für den Beratungsprozess selbst ist eine Beratung in der Muttersprache des Klienten/der Klientin unterstützend und hilfreich.

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2.1.3. KOMPETENZEN: FACH-, METHODEN- UND SOZIALKOMPETENZEN
WICHTIGE FACHKOMPETENZEN FÜR BERUFSBEZOGENE BERATERINNEN SIND:
 psychologische, pädagogische und arbeitsmarktspezifische Kenntnisse, die für die berufsberaterischen Tätigkeiten relevant sind.  spezifische rechtliche Kenntnisse betreffend den Arbeitsmarktzugang für AsylwerberInnen  Wissen im Umgang mit traumatisierten Personen  Kenntnis des österreichischen Bildungssystems sowie der Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten für AsylwerberInnen  Überblick über Berufsfelder und Einzelberufe  Kenntnis des regionalen und überregionalen Arbeitsmarktes  Kenntnisse über andere Kulturen/Länder und deren Bildungs- und Berufsstrukturen  Kenntnis der Anerkennungsmöglichkeiten und -voraussetzungen  Kenntnis von Transparenzinstrumenten für die Anerkennung von Bildungs- und Berufsabschlüssen

WICHTIGE METHODENKOMPETENZEN SIND:
 Methoden der Gesprächsführung und der grundlegenden Kommunikationstheorien  Methoden für die Arbeit mit Gruppen, falls die Beratung nicht nur in Form einer Einzelberatung erfolgt  Instrumente in der Berufsorientierung  Methoden, um das soziale und kulturelle Umfeld der KlientInnen wahrzunehmen und in die Beratung mit einzubeziehen

WICHTIGE SOZIALKOMPETENZEN SIND:
       Empathie ressourcen- und lösungsorientiertes Denken und Handeln die Fähigkeit, KlientInnen zu ermutigen und zu motivieren der bewusste Umgang mit eigenen Werten und Normen, mit der eigenen Kultur der professionelle Umgang mit Nähe und Distanz (Abgrenzung) Lebenserfahrung die Fähigkeit zu systematischer Selbstreflexion

2.1.4. EINSTELLUNGEN UND HALTUNGEN
Die Einstellungen und Haltungen in der berufsbezogenen Beratung umfassen:  Respekt gegenüber der Eigenverantwortlichkeit des Klienten/der Klientin: die Entscheidungsmacht liegt bei den KlientInnen  Wertschätzung gegenüber dem Klienten/der Klientin  die Berücksichtigung der eigenen beraterischen Möglichkeiten und Grenzen sowie das Wissen um eine möglichen Unterstützung im Außen  das Schaffen eines Klimas von Vertrauen und Verlässlichkeit

2.1.5. QUALITÄTSSICHERUNG
Instrumente zur Qualitätssicherung sind:  die kontinuierliche Aktualisierung des Fachwissens durch den Berater/die Beraterin  die Möglichkeit einer Einschulung und regelmäßigen Weiterbildung für den Berater/die Beraterin in den zuvor genannten Kompetenzen  eine Perspektivenerweiterung und das Einbringen von Außensichten durch regelmäßige Supervision  eine regelmäßige Evaluation der beraterischen Arbeit
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3. BILDUNGSMÖGLICHKEITEN
Bildung gehört zu den wichtigsten integrationsfördernden Faktoren. Daher ist ein Zugang für AsylwerberInnen besonders wichtig. Erwachsene AsylwerberInnen können in Österreich bei Vorliegen entsprechender Voraussetzungen im Zuge des zweiten Bildungsweges Schul- und Berufsabschlüsse nachholen. Sie können ein Studium aufnehmen sowie Akademien, Kollegs, Fachhochschulen und Kurse von Erwachsenenbildungsanbietern besuchen. Während öffentliche Schulen dabei kostenlos sind, fallen für eine akademische Ausbildung je nach Herkunftsland und Universität sowie für Kurse von privaten AnbieterInnen Kosten an.

3.1. DER ERSTE BILDUNGSWEG

Grafik: Das Bildungssystem in Österreich Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit und IBW – Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft

In Österreich besteht für alle Kinder, die sich dauernd in Österreich aufhalten, eine allgemeine Schulpflicht. Diese beginnt mit dem auf die Vollendung des sechsten Lebensjahres folgenden 1. September und dauert neun Schuljahre. Nach Beendigung dieser Pflichtschulzeit können verschiedene Bildungswege gewählt werden:  Der Weg zur Matura über die Oberstufe einer Allgemeinbildenden Höheren Schule (AHS) oder über eine Berufsbildende Höhere Schule (BHS)  Der Besuch einer ein- bis vierjährigen Berufsbildenden Mittleren Schule (BMS) ohne Matura  Eine Lehrausbildung, die nach dem dualen System „Lehrbetrieb und Berufsschule“ aufgebaut ist und mit der Lehrabschlussprüfung endet. Mit dem erfolgreichen Abschluss einer AHS oder BHS (Matura) oder mit Ablegung der Berufsreifeprüfung steht in Folge der Zugang zu Akademien, Kollegs, Fachhochschulen und Universitäten offen.

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HINWEIS: Eine Kurzdarstellung des österreichischen Bildungssystems können Sie in den Sprachen Deutsch, Chinesisch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Slowenisch, Tschechisch und Ungarisch unter www.berufsinfo.at/ 03_ausbildung/bildungssystem/bildung.htm downloaden. www.schule.at ist das österreichische Schulportal für Fragen rund um das Thema Schule. Die Domain www.eduhi.at/edusearch beinhaltet eine österreichische Bildungssuchmaschine, www.bmbwk.gv.at/ medien/2290_PDFzuPubID196.pdf die Broschüre „Bildungswege in Österreich. Und unter dem Link www.bmbwk.gv.at/medien/9874_PDFzuPubID84.pdf? finden Sie die Broschüre „Bildungswege zur Matura an AHS“. Adressen von Schulberatungsstellen für AusländerInnen und von außerschulischen Lernhilfeinitiativen sind abrufbar unter www.integrationsportal.at/icmpd/public/?&. Rechtliche Informationen über die Zugänglichkeit öffentlicher Schulen, über Schulpflicht, Einstufungs- und Aufnahmeprüfungen oder muttersprachlichen Unterricht bietet das Informationsblatt Nr.1 „Gesetzliche Grundlagen schulischer Maßnahmen für SchülerInnen mit einer anderen Erstsprache als Deutsch: Gesetze und Verordnungen“ des Referats für Interkulturelles Lernen, zu finden unter www.bmbwk.gv.at/medienpool/6416/nr1_2003.pdf. Ansprechstelle für die schulische Integration von schulpflichtigen Kindern ist das bm:bwk – Referat für Interkulturelles Lernen Abt. V/12a, in Wien 1, Freyung 1. AnsprechpartnerInnen sind: MinR Mag. Gila Dibaian: Tel.: +43/1/53120 -2553, Gila.Dibaian@bmbwk.gv.at MinR Mag. Elfie Fleck: Tel.: +43/1/53120 -2552, Elfie.Fleck@bmbwk.gv.at

3.2. INTERNATIONALE BILDUNGSSYSTEME
Die Bildungssysteme anderer Länder unterscheiden sich in ihren Ausbildungssystemen oft erheblich von denen in Österreich. Daher fällt ein Vergleich, welche Ausbildung bzw. welcher Schultyp einer bestimmten Ausbildungsstufe in Österreich entspricht oder am nächsten ist, oft schwer. Weiters ist die Unterschiedlichkeit der Ausbildungssysteme und Ausbildungsinhalte die Ursache, dass Anerkennungen von Ausbildungen oft gar nicht oder nur im Zuge langwieriger Nostrifikations- bzw. Nostrifizierungsverfahren möglich sind. HINWEIS: http://bildungssysteme-international.dipf.de ist eine Datenbank mit Informationen zu den Bildungsinformationen von 235 Ländern. Zu finden sind Fakten, Statistiken, Volltexte, Links zu Bildungsministerien, Forschungseinrichtungen, Fachgesellschaften und zu länderbezogenen Datenbanken. Das datenbankgestützte Informationssystem http://anabin.de informiert für eine Vielzahl von Ländern über Bildungsabschlusstypen und Hochschulabschlüsse und enthält Informationen über die Äquivalenz der ausländischen Hochschulabschlüsse und akademischen Grade. Die Datenbank enthält zu jedem Land Angaben betreffend der Bildungsinstitutionen, Institutionstypen, Abschlusstypen, Abschlüsse, Studienrichtungen, sowie über zuständige Stellen und AnsprechpartnerInnen. Damit unterstützt sie beim Eruieren: welche Schule/Universität ein Asylwerber/eine Asylwerberin in seinem/ihrem Herkunftsland besucht hat  inwieweit der Bildungsabschluss in Österreich als gleichwertig anzusehen ist  welche Stellen AnsprechpartnerInnen zum Nachfordern von Zeugnissen sind Die Datenbank ist ein deutsches Produkt, das zusammen mit dem Äquivalenzzentrum des österreichischen bm:bwk entwickelt wurde und daher auch auf Österreich abgestimmt ist.

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3.3. DER ZWEITE BILDUNGSWEG IN ÖSTERREICH
Der zweite Bildungsweg ermöglicht berufstätigen, nicht mehr schulpflichtigen Jugendlichen und Erwachsenen in Österreich das Nachholen aller Schulabschlüsse bis zur Universitätsreife sowie das Nachholen von Berufsausbildungen. Dieser sog. zweite Bildungsweg kann durch den Besuch einer Schule für Berufstätige oder durch den Besuch eines entsprechenden Kursangebotes bei einem privaten Bildungsinstitut oder durch das Ablegen einer ExternistInnenprüfung ohne Schulbesuch beschritten werden. Wird dabei eine öffentliche Schule besucht, ist kein Schulgeld zu zahlen. Private Bildungsinstitutionen erheben Gebühren. Je nach Schultyp gelten für die Zulassung unterschiedliche Aufnahmevoraussetzungen. Prinzipiell steht der zweite Bildungsweg nur Personen offen, die in Österreich berufstätig waren oder sind. Damit hätte der Großteil der AsylwerberInnen (alle diejenigen, die keine Berufserfahrung in Österreich nachweisen können) keinen Zugang zu dieser Ausbildungsform. Schulen agieren in Österreich jedoch autonom und können sich dafür entscheiden, bei einer Schulaufnahme über eine gewesene oder bestehende Berufstätigkeit hinwegzusehen. Dies ist besonders dann der Fall, wenn vor dem eigentlichen Schulbesuch ein zweisemestriger Vorbereitungslehrgang angeboten wird. Nach Erfahrung der DON’T WAIT BeraterInnen sollten AsylwerberInnen in jedem einzelnen Fall mit dem Direktor/ der Direktorin der Schule, die sie besuchen möchten, ein persönliches Aufnahmegespräch führen. Dies auch dann, wenn auf der Website Berufstätigkeit als Voraussetzung genannt wird. So gab es innerhalb von DON’T WAIT mehrere AsylwerberInnen, die trotz negativer telefonischer Auskunft nach einem persönlichen Gespräch in die Schule aufgenommen wurden. HINWEIS: AsylwerberInnen, die in Wien eine öffentliche Schule im zweiten Bildungsweg besuchen und nicht älter als 26 Jahre sind, können zur Benutzung der Wiener Linien eine Nachmittagsbildungskarte erhalten. Diese Karte besteht aus einer Grundkarte, die im Zentrum der Wiener Linien gegen Vorlage eines SchülerInnenausweises (einer Schulbesuchsbestätigung) abgeholt werden kann sowie aus den Monatsmarken, die pro Monat an jeder Vorverkaufsstelle um € 5,50,- gekauft werden können. Die Nachmittagsbildungskarte kostet somit statt € 45,- pro Monat € 5,50,-. Sie gilt immer ab 13:00 Uhr bis Betriebsschluss. Die Kontaktadresse lautet: Wiener Linien GmbH & Co KG 1030 Wien, Erdbergstr. 202 Tel: +43 (0)1 / 79 09-120 Schülerkartenauskünfte www.wienerlinien.at www.bmbwk.gv.at/medien/6403_PDFzuPubID197.pdf ist der Link zur Broschüre „Bildungswege nach dem 18. Lebensjahr“. Ein großer Teil davon ist dem zweiten Bildungsweg gewidmet.

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3.3.1. ÜBERSICHT: BILDUNGSMÖGLICHKEITEN IM ZWEITEN BILDUNGSWEG

Grafik: www.biber.salzburg.at/zbw.htm

3.3.2. SCHULABSCHLÜSSE
3.3.2.1. HAUPTSCHULABSCHLUSS Der Hauptschulabschluss ist Voraussetzung für den Besuch einer weiterführenden Schule. AsylwerberInnen, die in ihrem Herkunftsland die Pflichtschule nicht abgeschlossen haben oder keine Zeugnisse vorweisen können, können bei entsprechenden Deutsch-Kenntnissen in Österreich den Hauptschulabschluss nachholen. Wenn sie eine weiterführende Schule besuchen möchten und acht Jahre Pflichtschule in ihrem Herkunftsland abgeschlossen haben, akzeptieren viele weiterführende Schulen für eine Aufnahme das Zeugnis aus dem Herkunftsland. In solchen Fällen ist es zumeist nicht notwendig den Hauptschulabschluss in Österreich zu machen. Voraussetzungen für eine Aufnahme in einen Hauptschulabschlusskurs sind ein Mindestalter von 16 Jahren und ausreichende Deutschkenntnisse. Gegebenenfalls muss ein Einstufungstest gemacht werden. Insgesamt sind zum Erwerb des Pflichtschulabschlusses 13 Prüfungen an einer öffentlichen Schule abzulegen. In den Hauptgegenständen Deutsch, Englisch und Mathematik finden mündliche und schriftliche Prüfungen statt. Geographie und Wirtschaftskunde, Musikerziehung, Bildnerische Erziehung, Biologie und Umweltkunde, Ernährung und Haushalt, Physik/Chemie und Geometrisches Zeichnen enden mit einer mündlichen Prüfung. Die Vorbereitung auf die Prüfungen kann im Selbststudium oder im Rahmen von Kursen und ExternistInnenlehrgängen, die von Einrichtungen der Erwachsenenbildung angeboten werden, erfolgen.

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Die Kursdauer variiert je nach Vorkenntnissen, erstreckt sich aber mindestens über zwei Semester. Die Angebote reichen von kostenlosen Lehrgängen bis zu Angeboten mit Kosten von € 704,-. Im Anschluss finden Sie einige Institutionen, bei denen Don’t wait-ProjektteilnehmerInnen Vorbereitungslehrgänge für den Hauptschulabschluss besucht haben.

VORBEREITUNGSLEHRGÄNGE FÜR DEN HAUPTSCHULABSCHLUSS (STAND 2004)
STEIERMARK ISOP – INNOVATIVE SOZIALPROJEKTE EU-Projekt: Externe Hauptschule 8010 Graz, Glacisstraße 25 Tel.: +43 (0) 316/ 38 13 54 www.isop.at OBERÖSTERREICH VEREIN MAIZ – AUTONOMES INTEGRATIONSZENTRUM FÜR MIGRANTINNEN 4020 Linz, Hofgasse 11 Tel.: +43 (0) 732/ 77 60 70 maiz.at/cms/front_content.php OTTO-GLÖCKEL-SCHULE kostenpflichtig: € 218,4020 Linz, Dürnbergerstraße 1-3 Tel.: +43 (0) 732/ 65 41 08 VORARLBERG VHS GÖTZIS kostenpflichtig 6840 Götzis, Wiedengasse 25 Tel.: +43 (0) 55 32/ 55 15 00 www.vhs-goetzis.at IFS – INSTITUT FÜR SOZIALDIENSTE kostenpflichtig: € 218,6800 Feldkirch, Schießstätte 14 Tel.: +43 (0) 5522/ 759 02 www.ifs.at WIEN BFI WIEN kostenlos; für Personen bis 21 Jahre 1100 Wien, Gudrunstraße 187 Tel.: +43 (0) 1/ 602 05 24 – 16 www.bfi-wien.or.at UKI – UNTERSTÜTZUNGSKOMITEE ZUR INTEGRATION VON AUSLÄNDERINNEN kostenlos; für Personen zwischen 15 u. 19 Jahren vorbereitender Deutschkurs vor Kursbeginn 1140 Wien, Felbigergasse 38 Tel.: +43 (0) 1/914 88 70 – 27 office.uki@aon.at STADTSCHULRAT FÜR WIEN kostenlos; für Personen bis 18 Jahre 1160 Wien, Richard-Wagner-Platz 19 Tel.: +43 (0) 1/491 96 – 16 156 Herr Walter Maitz www.magwien.gv.at/ssr VEREIN IBISOK kostenlos; für Personen zwischen 15 u. 20 Jahren 1110 Wien, Hugogasse 8 Tel.: +43 (0) 699/192 34 561 Herr Mag. Michael Nussbaumer mihi42@yahoo.com POLYCOLLEGE STÖBERGASSE kostenpflichtig: € 550,Für TeilnehmerInnen mit geringeren Deutschkenntnissen wird ein begleitender Deutschkurs angeboten 1050 Wien, Siebenbrunnengasse 37 Tel.: +43 (0) 1/545 32 44 – 11 www.polycollege.ac.at VHS OTTAKRING kostenpflichtig: € 508,1160 Wien, Ludo-Hartmann-Platz 7 Tel.: +43 (0) 1/492 08 83 www.vhs.at/ottakring VHS FLORIDSDORF kostenpflichtig: € 508,1210 Wien, Angererstraße 14 Tel.: +43 (0) 1/271 32 36 www.vhs21.ac.at

HINWEIS: Adressen zu Hauptschulabschluss-Vorbereitungslehrgängen in ganz Österreich sind unter www.erwachsenenbildung.at nachzulesen. Links zu außerschulischen Lernhilfeinstituten für (jugendliche) MigrantInnen und Flüchtlinge in ganz Österreich enthält die Plattform www.nachhilfe.at. Dabei handelt es sich um Angebote mit Nachhilfe-Charakter mit dem Ziel der Unterstützung bei der Bewältigung des Lehrstoffes.

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3.3.2.2. AHS-MATURA GYMNASIUM, REALGYMNASIUM UND WIRTSCHAFTSKUNDLICHES GYMNASIUM IM ZWEITEN BILDUNGSWEG Gymnasium, Bundesgymnasium und wirtschaftskundliches Gymnasium für Berufstätige haben die Aufgabe, Personen, die bereits in das Berufsleben eingetreten sind oder eine Berufsausbildung abgeschlossen haben, zur Matura zu führen. Hausfrauen und -männer gelten dabei als Berufstätige. Ausnahmen betreffend des Nachweises der Berufstätigkeit sind möglich. In solchen Fällen ist der AHS- Bildungsweg bei entsprechenden Deutschkenntnissen auch für AsylwerberInnen offen. Bei einer positiven achten Schulstufe dauert die Schule neun Semester, wobei durch Prüfungen Semester übersprungen werden können bzw. bei Vorlage von anrechenbaren Zeugnissen eine Einstufung in ein höheres Semester möglich ist.

GYMNASIEN, REALGYMNASIEN UND WIRTSCHAFTSKUNDLICHE REALGYMNASIEN IM ZWEITEN BILDUNGSWEG
KÄRNTEN BUNDESABENDGYMNASIUM, BUNDESREALGYMNASIUM FÜR BERUFSTÄTIGE 9020 Klagenfurt Ferdinand Jergitsch-Str. 21 Tel: +43 (0) 463 / 56 925 www.abendgym-klagenfurt.at BUNDESGYMNASIUM UND BUNDESREALGYMNASIUM ST. MARTIN 9500 Villach, St. Martiner Str. 7 Tel. +43 (0) 4242 / 56305-0 www.it-gymnasium.at OBERÖSTERREICH BUNDESGYMNASIUM UND BUNDESREALGYMNASIUM FÜR BERUFSTÄTIGE 4020 Linz, Spittelwiese 14 Tel: +43 (0) 732 / 772637 schulen.eduhi.at/abendgym/framesa.htm SALZBURG BUNDESABENDGYMNASIUM, BUNDESREALGYMNASIUM UND WIRTSCHAFTSKUNDLICHES BUNDESREALGYMNASIUM FÜR BERUFSTÄTIGE 5020 Salzburg, Franz-Josef-Kai 41 Tel: +43 (0) 662 / 434575 www.abendgymnasium.salzburg.at STEIERMARK BUNDESABENDGYMNASIUM, BUNDESREALGYMNASIUM UND WIRTSCHAFTSKUNDLICHES BUNDESREALGYMNASIUM FÜR BERUFSTÄTIGE 8010 Graz, Lichtenfelsgasse 3-5 Tel: +43 (0) 316 / 318899 www.abendgymnasium.at/graz/abendgymnasium%20graz.htm TIROL BUNDESABENDGYMNASIUM, BUNDESREALGYMNASIUM UND WIRTSCHAFTSKUNDLICHES BUNDESREALGYMNASIUM FÜR BERUFSTÄTIGE 6020 Innsbruck, Adolf-Pichler-Platz 1 Tel: +43 (0) 512 / 584488 www.abendgym.tsn.at WIEN BUNDESGYMNASIUM FÜR BERUFSTÄTIGE 1150 Wien, Henriettenplatz 6 Tel: +43 (0) 1 / 8925433 www.henriettenplatz.at

HINWEIS: www.abendgymnasium.at ist das Webportal der österreichischen Gymnasien für den zweiten Bildungsweg.

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3.3.2.3. BHS-MATURA BERUFSBILDENDE HÖHERE SCHULEN IM ZWEITEN BILDUNGSWEG Berufsbildende höhere Schulen werden im zweiten Bildungsweg in unterschiedlichen Fachrichtungen angeboten. Die Schulen dauern vier Jahre. Liegt kein Abschluss einer Lehre, einer einschlägigen Fachschule oder einer Werkmeisterschule vor, muss zusätzlich ein einjähriger Vorbereitungslehrgang absolviert werden. Aufnahmevoraussetzungen sind eine gewesene oder bestehende Berufstätigkeit (Hausfrauen/-männer gelten als Berufstätige), die positive achte Schulstufe und das vollendete 17. Lebensjahr. Wie bei den AHS-Maturaschulen für Berufstätige sind Ausnahmen für den Nachweis der Berufstätigkeit möglich. In diesen Fällen ist der BHS-Bildungsweg bei entsprechenden Deutschkenntnissen auch für AsylwerberInnen offen. Es können folgende BHS-Fachrichtungen unterschieden werden:       Fachrichtung Handelsakademie Fachrichtung Bautechnik – Hochbau Fachrichtung Chemie Fachrichtung Datenverarbeitung und Organisation Fachrichtungen Elektronik und Elektrotechnik Fachrichtungen Maschineningenieurs- und Wirtschaftsingenieurswesen

Die berufsbildenden höheren Schulen schließen mit einer Reife-/Diplomprüfung ab, ersetzen je nach Fachrichtung die Lehrabschlussprüfungen einiger Berufe und ermöglichen den Zugang zu Universitäten und Fachhochschulen. AbsolventInnen technischer Fachrichtungen bekommen nach drei Jahren Berufspraxis die Standesbezeichnung „Ingenieur/in“ verliehen. HINWEIS: www.berufsbildendeschulen.at/de/default.asp ist das Webportal der berufsbildenden Schulen in Österreich.

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FACHRICHTUNG HANDELSAKADEMIE
In dieser berufsbildenden höheren Schule werden eine höhere kaufmännische Bildung und eine umfassende Allgemeinbildung in integrierter Form vermittelt. Folgende Qualifikationen können erreicht werden:  Nach vier Semestern besteht die Möglichkeit, den Handelsschulabschluss zu machen. Dieser ersetzt diverse Lehrzeiten (z.B.: Bürokaufmann/frau, Industriekaufmann/frau, usw.)  Nach acht Semestern kann die vollwertige Matura (Reife- und Diplomprüfung mit EU-Gültigkeit auf Diplomebene) abgelegt werden.

BUNDESHANDELSAKADEMIEN UND BUNDESHANDELSSCHULEN IM ZWEITEN BILDUNGSWEG
KÄRNTEN BHAK UND BHS II 9020 Klagenfurt, Mosteckyplatz 1 Tel: +43 (0) 463 / 511770 www.hak2.at NIEDERÖSTERREICH BHAK UND BHS 2500 Baden, Mühlgasse 65 Tel: +43 (0) 2252 / 88568 www.hak-baden.ac.at BHAK ST. PÖLTEN 3100 St. Pölten, Waldstr. 1 Tel: +43 (0) 2742 / 71840 oder 71841 www.hakstpoelten.ac.at OBERÖSTERREICH BHAK BRAUNAU 5280 Braunau am Inn, Raitfeldstr. 3 Tel: +43 (0) 7722 / 63 3 29 www.hak-braunau.eduhi.at BHAK KIRCHDORF AN DER KREMS 4560 Kirchdorf, Weinzierlerstraße 22 Tel: +43 (0) 7582 / 606 81-0 kirchdorf.eduhi.at BHAK UND BHS LINZ 4020 Linz, Rudigierstraße 6 Tel: +43 (0) 73 / 77 22 06 www.hak-linz.eduhi.at BHAK STEYR (mit Fernstudium) 4400 Steyr, Leopold Werndlstraße 7 Tel: +43 (0) 7252 / 52 6 49 www.hak-steyr.eduhi.at BHAK UND BHS VÖCKLABRUCK 4840 Vöcklabruck, Englweg 2 Tel: +43 (0) 7672 / 23 2 96 schulen.eduhi.at/hakvoecklabruck/index.htm BHAK UND BHAS WELS 4600 Wels, Stelzhamerstraße 20 Tel: +43 (0) 7242 / 45576 www.hak1wels.eduhi.at SALZBURG ABENDAKADEMIE FÜR WIRTSCHAFTSBERUFE SALZBURG (BHAK UND BHAS) 5020 Salzburg, St. Julienstraße 2 Tel: +43 (0) 662 / 87 43 37 www.abendakademie.salzburg.at STEIERMARK BHAK UND BHAS GRAZBACHGASSE 8010 Graz, Grazbachgasse 71 Tel: +43 (0) 316 / 829 456-0 www.hak-graz.at BHAK UND BHAS LIEZEN 8940 Liezen, Dr.-Karl-Renner-Ring 40 Tel: +43 (0) 316 / 829 456-0 TIROL BHAK UND BHAS INNSBRUCK 6020 Innsbruck, Karl-Schönherr Straße 2 Tel: +43 (0) 512 / 58 10 07 www.abendschulen.at BHAK UND BHAS WÖRGL 6300 Wörgl, Innsbrucker Str.34 Tel: +43 (0) 3612 / 22 3 32 http://www.bhak-liezen.stsnet.at VORARLBERG: BHAK UND BHAS BREGENZ 6900 Bregenz, Hinterfeldgasse 19 Tel: +43 (0) 5574 / 71350 www.hak-bregenz.ac.at WIEN BHAK UND BHAS PERNERSTORFERGASSE 1100 Wien, Pernerstorfergasse 77 Tel: +43 (0) 1 / 602 51 91 www.bhakwien10.at BHAK UND BHAS, INTERNATIONAL BUSSINESS COLLEGE HETZENDORF 1120 Wien, Hetzendorferstr. 66-68 Tel: +43 (0) 1 / 804 35 79 www.ibc.ac.at

Abkürzungen: Bundeshandelsakademie = BHAK und Bundeshandelsschule = BHAS HINWEIS: www.abendschulen.at ist das Webportal der kaufmännischen Abendschulen.

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FALLBEISPIEL: BESUCH EINER HANDELSSCHULE
September 2003: Frau V. ist gerade in einen Hauptschulabschluss-Vorbereitungslehrgang aufgenommen worden, ohne Zeugnisse; sie besitzt keine. Juni 2004: Ein Jahr später, am 25. Juni, tritt Frau V. zu ihrer letzten Prüfung an und erreicht damit den Hauptschulabschluss. Dieser ist für sie ein wichtiger Schlüssel auf dem Weg zu einer Ausbildung im Bürobereich, ihrem eigentlichen Bildungsziel. September 2004: Frau V. beginnt mit dem Besuch einer dreijährigen Handelsschule mit der Option einer Erweiterung auf fünf Jahre und damit auf eine Matura.

FACHRICHTUNG CHEMIE
Diese Ausbildung vermittelt die theoretischen und praktischen Grundlagen zur Lösung von Problemen im Berufsfeld CHEMIE. Ausbildungsdauer und Aufnahmevoraussetzungen siehe BHS-Matura im zweiten Bildungsweg.

HÖHERE LEHRANSTALTEN FÜR CHEMIE IM ZWEITEN BILDUNGSWEG
OBERÖSTERREICH HTL WELS Ausbildungsschwerpunkt Chemische Betriebstechnik 4600 Wels, Fischergasse 30, Tel: +43 (0) 7242 / 65 801 www.htl-wels.ac.at WIEN HBLVA ROSENSTEINGASSE Ausbildungsschwerpunkt Biochemie und Biochemische Technologie, Molekularbiologie und Gentechnologie 1170 Wien, Rosensteingasse 79 Tel: +43 (0) 1 / 486 14 80 www.htl17.at

Abkürzungen: HTBLVA = Höhere technische Bundeslehr- und VersuchsanstaltHTL = Höhere technische Lehranstalt

FACHRICHTUNG BAUTECHNIK – HOCHBAU

HÖHERE TECHNISCHE LEHRANSTALTEN FÜR BAUTECHNIK IM ZWEITEN BILDUNGSWEG
KÄRNTEN HTBLVA VILLACH 9500 Villach, Tschinowitscherweg 5 Tel: +43 (0) 4242 / 370 61-0 www.htl-vil.ac.at NIEDERÖSTERREICH HTBLVA WIENER NEUSTADT 2700 Wiener Neustadt, Dr.-Eckener-Gasse 2 Tel: +43 (0) 2622 / 278 71 www.htlwrn.ac.at/htlwrn.htm OBERÖSTERREICH HTL 1 BAU UND DESIGN LINZ 4020 Linz, Goethestr. 17 Tel: +43 (0) 732 / 66 26 02 www.htl-goethe.eduhi.at/page.php STEIERMARK HTL – ORTWEINSCHULE GRAZ 8013 Graz, Körösistraße 157 Tel: +43 (0) 316 / 60 84-0 www.ortweinschule.at TIROL HTBLVA, BAU UND KUNST 6020 Innsbruck, Trenkwalderstr. 2 Tel: +43 (0) 512 / 28 15 25 WIEN BAU-HTL – CAMILLO SITTE LEHRANSTALT 1030 Wien, Leberstr. 4c Tel: +43 (0) 1 / 799 26 31-103 www.camillo-sitte-lehranstalt.at

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FACHRICHTUNG DATENVERARBEITUNG UND ORGANISATION

HÖHERE LEHRANSTALTEN FÜR DATENVERARBEITUNG UND ORGANISATION IM ZWEITEN BILDUNGSWEG
OBERÖSTERREICH HTL LEONDING 4060 Leonding, Limesstr. 12-14 Tel: +43 (0) 732 / 67 33 68-0 www.htl-leonding.ac.at WIEN HTBLVA WIEN V – FACHBEREICH INFORMATIK 1050 Wien, Spengergasse 20 Tel: +43 (0) 1 / 546 15-169 www.htl-tex.ac.at

FACHRICHTUNGEN ELEKTRONIK UND ELEKTROTECHNIK

HÖHERE LEHRANSTALTEN FÜR ELEKTRONIK UND ELEKTROTECHNIK IM ZWEITEN BILDUNGSWEG
KÄRNTEN HTL MÖSSINGERSTRAssE: ELEKTRONIK UND ELEKTROTECHNIK 9020 Klagenfurt, Mössingerstr. 25 Tel: +43 (0) 463 / 379 78 www.htblmo-klu.ac.at NIEDERÖSTERREICH HTBLVA ST. PÖLTEN: ELEKTROTECHNIK 3101 St. Pölten, Waldstr. 3 Tel: +43 (0) 2742 / 750 51 www.htlstp.ac.at HTBLVA WIENER NEUSTADT: ELEKTROTECHNIK 2700 Wiener Neustadt, Dr.-Eckener-Gasse 2 Tel: +43 (0) 2622 / 278 71 www.htlwrn.ac.at/htlwrn.htm OBERÖSTERREICH LITEC – LINZER TECHNIKUM: ELEKTRONIK UND ELEKTROTECHNIK 4020 Linz, Paul-Hahn-Str. 4 Tel: +43 (0) 732 / 77 03 01-210 www.htl2.asn-linz.ac.at SALZBURG HTL SALZBURG: ELEKTROTECHNIK 5020 Salzburg, Itzlinger Hauptstr. 30 Tel: +43 (0) 662 / 453 61 00 www.htl.fh-sbg.ac.at STEIERMARK HTL UND TECHNOZENTRUM BULME GRAZ: ELEKTRONIK UND ELEKTROTECHNIK 8051 Graz-Gösting, Ibererstr. 15-21 Tel: +43 (0) 316 / 60 81-0 www.htl-bulmegraz.ac.at HTBL KAPFENBERG: ELEKTROTECHNIK 8605 Kapfenberg, Viktor-Kaplan-Str. 1 Tel: +43 (0) 3862 / 222 40 www.htl-kapfenberg.ac.at HTBLA WEIZ: ELEKTROTECHNIK 8160 Weiz, Dr. Karl-Widdmann-Str. 40 Tel: +43 (0) 3172 / 4550 www.htbla-weiz.ac.at TIROL HTL INNSBRUCK: ELEKTRONIK UND ELEKTROTECHNIK 6020 Innsbruck, Anichstr. 26-28 Tel: +43 (0) 512 / 597 17-0 www.htlinn.ac.at WIEN TGM – TECHNISCHES GEWERBEMUSEUM: ELEKTRONIK 1200 Wien, Wexstr. 19-23 Tel: +43 (0) 1 / 331 26-0 www.tgm.ac.at HTL DONAUSTADT: ELEKTRONIK 1220 Wien, Donaustadtstr. 45 Tel: +43 (0) 1 / 201 05-0 www.htl-donaustadt.at

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FACHRICHTUNGEN MASCHINEN- UND WIRTSCHAFTSINGENIEURINNENWESEN

HÖHERE LEHRANSTALTEN FÜR MASCHINEN- UND WIRTSCHAFTSINGENIEURINNENWESEN IM ZWEITEN BILDUNGSWEG
KÄRNTEN HTL WOLFSBERG WIRTSCHAFTSINGENIEURWESEN 9400 Wolfsberg, Gartenstr. 1 Tel: +43 (0) 4352 / 48 44-0 www.htl-wolfsberg.at HTL 1 KLAGENFURT: MASCHINENINGENIEURWESEN 9020 Klagenfurt, Lastenstraße 1 Tel: +43 (0) 4363 / 316 05 www.htl1-klu.at Schwerpunkte: Betriebs- und Qualitätsmanagement; Automatisierungstechnik 4020 Linz, Paul-Hahn-Str. 4 Tel: +43 (0) 732 / 77 03 01-210 www.htl2.asn-linz.ac.at HTBL VÖCKLABRUCK MASCHINENINGENIEURWESEN 4840 Vöcklabruck, Bahnhofstr. 42 Tel: +43 (0) 7672 / 246 05 schulen.eduhi.at/htlvoecklabruck SALZBURG HTL SALZBURG MASCHINENINGENIEURWESEN Schwerpunkt: Maschinen- und Anlagentechnik 5020 Salzburg, Itzlinger Hauptstr. 30 Tel: +43 (0) 662 / 453 61 00 www.htl.fh-sbg.ac.at HTBL HALLEIN WIRTSCHAFTSINGENIEURWESEN 5400 Hallein, Davisstr. 5 Tel: +43 (0) 6245 / 804 62 www.htbl-hallein.salzburg.at STEIERMARK HTL UND TECHNOZENTRUM BULME GRAZ: WIRTSCHAFTS- UND MASCHINENINGENIEURWESEN Schwerpunkt: Qualitätsmanagement 8051 Graz-Gösting, Ibererstr. 15-21 Tel: +43 (0) 316 / 60 81-0 www.htl-bulmegraz.ac.at HTBL KAPFENBERG: WIRTSCHAFTSUND MASCHINENINGENIEURWESE Schwerpunkte: Maschinen- und Anlagentechnik; Betriebsmanagement 8605 Kapfenberg, Viktor-Kaplan-Str. 1 Tel: +43 (0) 3862 / 222 40 www.htl-kapfenberg.ac.at HTBLA WEIZ WIRTSCHAFTSINGENIEURWESEN 8160 Weiz, Dr. Karl-Widdmann-Str. 40 Tel: +43 (0) 3172 / 4550 www.htbla-weiz.ac.at WIEN TGM – TECHNISCHES GEWERBEMUSEUM WIRTSCHAFTSINGENIEURWESEN Schwerpunkte: Betriebs-, Informations-, Qualitätsmanagement, Umweltökonomie, Europäische/r Umweltbeauftragte/r 1200 Wien, Wexstr. 19-23 Tel: +43 (0) 1 / 331 26-0 www.tgm.ac.at

NIEDERÖSTERREICH
HTBLVA ST. PÖLTEN MASCHINENINGENIEURWESEN Schwerpunkt: Automatisierungstechnik 3101 St. Pölten, Waldstr. 3 Tel: +43 (0) 2742 / 750 51 HTBLVA WIENER NEUSTADT MASCHINENINGENIEURWESEN Schwerpunkt: Automatisierungstechnik 2700 Wiener Neustadt, Dr.-Eckener-Gasse 2 Tel: +43 (0) 2622 / 278 71 www.htlwrn.ac.at/htlwrn.htm OBERÖSTERREICH LITEC – LINZER TECHNIKUM WIRTSCHAFTS- UND MASCHINENINGENIEURWESEN

Abkürzungen: HTBLVA = Höhere technische Bundeslehr- und Versuchsanstalt HTL / HTBL / HTBLA = Höhere technische (Bundes)lehranstalt

FALLBEISPIEL: HTL – FACHBEREICH INFORMATIK
Juli 2003: Herr A. hat gerade den Hauptschulabschluss nachgeholt; ein Jahr lang hatte er sich in einem Vorber eitungslehrgang der VHS Ottakring auf die ExternistInnenprüfungen vorbereitet und gerade die letzte Prüfung bestanden. Vor kurzem hat er von DON’T WAIT gehört; er kommt in die Beratung, weil er zwar weiß, er möchte sich schulisch weiterbilden, jedoch noch nicht ganz sicher ist, in welche Richtung es gehen soll. September 2003: Herr A. hat sich für die einjährige Schule für elektronische Datenverarbeitung des bfi entschieden. Er besteht den Aufnahmetest und vertieft sich in die theoretischen und praktischen Grundlagen der EDV. Im Juni 2004 schließt er die Schule positiv ab und macht sich sofort auf die Suche nach einer dreimonatigen Volontariatsmöglichkeit im EDV-Support-Bereich. Eine große Bank nimmt Herrn A. als Volontär auf, sodass er das theoretisch Erlernte nun praktisch vertiefen und erweitern kann. Im September 2004 ist das mittlerweile vier Jahre dauernde Asylverfahren von Herrn A. immer noch nicht abgeschlossen. Beendet hat Herr A. inzwischen aber sein Volontariat. Durch diese Tätigkeit hat er zudem das Selbstvertrauen bekommen, eine HTL schaffen zu können. Sein Interesse ist die EDV und in diesen Bereich soll auch seine berufliche Zukunft gehen. Herr A. startet daher im September 2004 mit dem Vorbereitungslehrgang einer HTL mit Fachbereich Informatik.
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3.3.2.4. STUDIENBERECHTIGUNGSPRÜFUNG (SBP) Die Studienberechtigungsprüfung bietet Erwachsenen die Möglichkeit, ohne Reifeprüfung ein fachbezogenes Studium an einer Universität, Fachhochschule, einem Kolleg oder einer Akademie aufzunehmen. Im Unterschied zur Berufsreifeprüfung ermöglicht die Studienberechtigungsprüfung damit nur den Zugang zu jener Ausbildungsform, für die die Studienberechtigungsprüfung abgelegt wurde. BITTE BEACHTEN SIE: AsylwerberInnen werden zur universitären Studienberechtigung nur dann zugelassen, wenn ihr Lebensmittelpunkt seit mindestens fünf Jahren in Österreich liegt. Bei der schulischen Studienberechtigungsprüfung (SBP für eine bestimmte Akademie, ein bestimmtes Kolleg) fällt diese Bedingung weg.

ZULASSUNGSVORAUSSETZUNGEN
Um eine Studienberechtigungsprüfung ablegen zu können, muss an der dafür zuständigen Ausbildungsinstitution (Universität, Akademie, Kolleg) ein Antrag auf Zulassung gestellt werden. Dabei sind drei Voraussetzungen zu erfüllen:  ein Mindestalter von 22 Jahren bzw. bei mindestens vierjähriger Berufsausbildung von 20 Jahren  eine studienbezogene, berufliche oder außerberufliche Vorbildung im angestrebten Studium: Fehlt diese, kann die Vorbildung in den meisten Fällen mittels zusätzlicher Prüfungen nachgeholt werden  Bei der universitären SBP der Besitz der österreichischen Staatsbürgerschaft oder eine studienrechtliche Gleichstellung im Sinne des Universitäts-Studiengesetzes. Bei einem Asylwerber/einer Asylwerberin liegt eine studienrechtliche Gleichstellung nur dann vor, wenn er/sie während der letzten fünf Jahre den Lebensmittelpunkt in Österreich hatte.

PRÜFUNGEN
Für jede Studienberechtigung sind fünf Einzelprüfungen (je nach Fach schriftlich und/oder mündlich) abzulegen:  ein Aufsatz über ein allgemeines Thema  ein, zwei oder drei vorgeschriebene Pflichtfächer je nach Studienrichtung  ein, zwei oder drei von der Kandidatin/dem Kandidaten zu wählende studienrichtungsbezogene Fächer (Wahlfächer)

VORBEREITUNG
Die Vorbereitung auf die Studienberechtigungsprüfung kann im Selbststudium, im Fernstudium oder im Rahmen von Lehrgängen erfolgen, die von Universitäten und Einrichtungen der Erwachsenen-bildung angeboten werden und kostenpflichtig sind. Durchschnittlich ist mit einer Dauer von einem bis eineinhalb Jahren bis zum Ablegen der Studienberechtigungsprüfung zu rechnen. HINWEIS: Die Broschüre „Studienberechtigungsprüfung – Studieren ohne Matura“ enthält eine genaue Übersicht über die Fächer der Studienberechtigungsprüfung für die verschiedenen Studienrichtungen. Sie ist beim bm:bwk erhältlich. Telefonische Auskunft erhalten Sie unter: Tel: (0) 1/53120-5905, -5906, -6211 Infos zur Studienberechtigungsprüfung sind weiters abrufbar unter: www.erwachsenenbildung.at/default1.htm (Bereich Zweiter Bildungsweg) Dabei handelt es sich um die Broschüre „Erwachsenenbildung in Österreich – Ein Überblick“. Kontaktadressen zur Beratung und zu Vorbereitungslehrgängen auf die Studienberechtigungsprüfung in Erwachsenenbildungsinstitutionen finden Sie in der Broschüre „Bildungswege nach dem 18. Lebensjahr“. Diese ist unter dem Link www.schulpsychologie.at/download/bwnach18.pdf herunterladbar.

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FALLBEISPIEL: STUDIENBERECHTIGUNG FÜR MEDIZIN
Dezember 2003: Herr F. lernt innerhalb von DON’T WAIT intensiv Deutsch. Im Zuge der beruflichen Orientierung hat er sich entschlossen ein Medizin-Studium zu beginnen. Im ersten Moment scheint dies daran zu scheitern, dass Herr F. die Voraussetzungen für die Zulassung zum Universitätsstudium nicht erfüllt. Jänner 2004: Herr F. und seine DON’T WAIT Beraterin überlegen sich Ausweichmöglichkeiten für eine Aufnahme des Studiums. In der Beratung wird die Studienberechtigungsprüfung zum Thema. Dafür bringt Herr F. alle Voraussetzungen mit: die Länge der notwendigen Aufenthaltsdauer sowie eine berufliche Vorbildung im angestrebten Studium durch seine siebenjährige Tätigkeit als Assistent einer Apotheke in Afghanistan. Zudem ist sich Herr F. ganz sicher, dass er Medizin studieren möchte und sich später nicht für ein anderes Studium entscheiden wird. Dies ist insofern wichtig, als die Studienberechtigungsprüfung den Zugang zur Universität auf ein bestimmtes Studium einschränkt. Ein späteres Wechseln ist gar nicht oder nur sehr schwierig möglich. Februar 2004: Herr F. hat auf der Universität Wien die Zulassung zur Studienberechtigungsprüfung für das Studium der Medizin beantragt. Dem wird stattgegeben. Daraufhin beginnt er auf einer Volkshochschule mit einem Vorbereitungslehrgang auf die Studienberechtigungsprüfung. Seine ersten Prüfungen sind Biologie und Physik. Dezember 2004: Als das Projekt DON’T WAIT endet, ist Herr F. gerade dabei sich für Chemie und Anatomie vorzubereiten. Seine anfänglichen Schwierigkeiten in Physik konnte er mit wenigen Nachhilfestunden bewältigen. Sie haben Herrn F. nicht von seinem Langzeitziel, dem Studium der Medizin, abgebracht. 3.3.2.5. BERUFSREIFEPRÜFUNG (BRP) Die Berufsreifeprüfung ist eine ExternistInnenprüfung im Sinne des § 42 des Schulunterrichtsgesetzes. Sie entspricht einer vollwertigen Matura und ermöglicht den Zugang zu Universitäten, Fachhochschulen, Akademien und Kollegs. Zulassungsvoraussetzungen zur Berufsreifeprüfung sind:  die erfolgreiche Ablegung einer Lehrabschlussprüfung oder  einer mindestens dreijährigen mittleren Schule oder  einer Krankenpflegeschule oder  einer mindestens 30 Monate umfassenden Schule für den medizinisch-technischen Fachdienst. AsylwerberInnen erfüllen diese Voraussetzungen dann, wenn z.B. eine Nostrifikation zur dipl. Krankenschwester/ zum dipl. Krankenpfleger vorliegt oder wenn z.B. durch das Ablegen einer externen Lehrabschlussprüfung ein Lehrabschluss erreicht wurde. Für die Berufsreifeprüfung müssen vier Teilprüfungen abgelegt werden:     Deutsch Mathematik eine lebende Fremdsprache sowie eine Prüfung aus einem Fachbereich des erlenten oder tatsächlich ausgeübten Berufes.

Dieser Prüfungsteil entfällt für Personen mit Meisterprüfung, Werkmeisterschule oder Fachakademie. Für das Ablegen der ersten Teilprüfung muss man das 17. Lebensjahr vollendet haben, für das Ablegen der letzten Teilprüfung das 19. Lebensjahr. Das Ansuchen um Zulassung ist bei jener Schule einzubringen, vor deren Prüfungskommission der Kandidat/die Kandidatin die Berufsreifeprüfung ablegen möchte. Zum Lernen des Prüfungsstoffes bieten private Bildungsinstitutionen Vorbereitungslehrgänge an, die gebührenpflichtig sind und je nach Vorkenntnissen und anrechenbaren Zeugnissen in der Regel ein bis zwei Jahre dauern.

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HINWEIS: www.erwachsenenbildung.at enthält Links zu Einrichtungen, die Berufsreifeprüfungs-Vorbereitungslehrgänge anbieten. Unter www.bmbwk.gv.at/schulen/bw/zb/Berufsreifepruefung1568.xml ist das Bundesgesetz über die Berufsreifeprüfung downloadbar. Kontaktadressen zur Beratung und zu Vorbereitungslehrgängen auf die Studienberechtigungsprüfung in Erwachsenenbildungsinstitutionen finden Sie in der Broschüre „Bildungswege nach dem 18. Lebensjahr“. Diese ist unter dem Link www.schulpsychologie.at/download/bwnach18.pdf abrufbar. 3.3.2.6. GEGENÜBERSTELLUNG AHS/BHS/BERUFSREIFEPRÜFUNG/STUDIENBERECHTIGUNGSPRÜFUNG

BILDUNGSTYP JAHRE KOSTEN

ANZAHL DER PRÜFUNGEN
wie Vollschule

PRÜFUNGSGEGENSTÄNDE
je nach Schule (AHS, HAK, HTL)

MATURA

HOCHSCHULZUGANG
ja

Höhere Schule für Berufstätige: AHS & BHS

4–5

gebührenfrei Bei Privatschulen und Bildungsinstituten besteht Gebührenpflicht gebührenpflichtig gebührenpflichtig

ja

Studienberechtigungs- 1–1,5 prüfung Berufsreifeprüfung 1–2,5

5 4 oder 3

unterschiedlich je nach Studienrichtung – Deutsch – Mathematik – lebende Fremdsprache – Fachbereich

nein ja

ja, eingeschränkt ja

Grafik: Broschüre „Zweiter Bildungsweg“ – AK Wien

3.3.3. BERUFSAUSBILDUNGEN (LEHRABSCHLUSS)
3.3.3.1. AUSSERORDENTLICHE ZULASSUNG ZUR LEHRABSCHLUSSPRÜFUNG Mittels der außerordentlichen Zulassung zur Lehrabschlussprüfung können Personen, die keine Lehrausbildung absolviert, sondern ihre Kenntnisse auf andere Weise (z.B. durch Kurse, berufliche Praxis oder Anlerntätigkeit) erworben haben, unmittelbar zur Lehrabschlussprüfung zugelassen werden. Zweck der Lehrabschlussprüfung (LAP) ist es, festzustellen, ob sich der Kandidat/die Kandidatin die im betreffenden Lehrberuf erforderlichen Fertigkeiten und Kenntnisse angeeignet hat und in der Lage ist, die für diesen Beruf notwendigen Tätigkeiten selbst fachgerecht ausführen zu können. BITTE BEACHTEN SIE: AsylwerberInnen haben in Österreich aufgrund der schlechten Lage des Lehrstellenmarktes praktisch keinen Zugang zu einer Lehrstelle. Die dafür notwendige Beschäftigungsbewilligung wird laut § 4 Abs.2 AuslBG für Personen, die unter das AuslBG fallen, nur dann erteilt, wenn die Lage auf dem Lehrstellenmarkt dies zulässt und wichtige Gründe bezüglich der Lage und Entwicklung des übrigen Arbeitsmarktes nicht entgegenstehen. Dies trifft derzeit nicht zu. Erwachsene AsylwerberInnen können jedoch unter bestimmten Voraussetzungen zu einer externen Lehrabschlussprüfung zugelassen werden und mit dem Bestehen dieser Prüfung den formalen Lehrabschluss erlangen. Die gesetzliche Grundlage dazu ist der § 23 Abs. 5 des Berufsausbildungsgesetzes. Danach kann die zuständige Bezirksverwaltungsbehörde nach Anhörung der Landeskammer der gewerblichen Wirtschaft und der Kammer für Arbeiter und Angestellte einen Prüfungswerber/eine Prüfungswerberin ausnahmsweise auch ohne Nachweis einer formalen Ausbildung (Lehre oder Schule) zur Lehrabschlussprüfung zulassen, wenn
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 diese/r das 20. Lebensjahr vollendet hat und den  Nachweis erbringt, dass die erforderlichen Fertigkeiten und Kenntnisse des betreffenden Lehrberufes durch eine entsprechend lange und einschlägige Anlerntätigkeit oder sonstige praktische Tätigkeit oder durch den Besuch einer entsprechenden Kursveranstaltung erworben wurden. Dieser Nachweis kann z.B. ein Arbeitsbuch/-zeugnis einer Beschäftigung in einem Betrieb des Herkunftslandes sein. Um zur Lehrabschlussprüfung zugelassen zu werden, ist somit keine formale Ausbildung (Lehre oder Schule) im Herkunftsland oder in Österreich zwingend notwendig! Abzulegen ist die Lehrabschlussprüfung vor der Prüfungskommission der örtlich zuständigen Lehrlingsstelle der Wirtschaftkammer, wobei die zuständige Bezirksverwaltungsbehörde diese Lehrlingsstelle von der rechtskräftigen Zulassung zur Lehrabschlussprüfung zu verständigen hat. Die Prüfung besteht aus einem praktischen und einem theoretischen Teil, wobei sich letzterer am Sachkunde-Lehrstoff der Berufsschulen orientiert. Soweit es möglich ist, werden InteressentInnen auch eingeladen, bei Prüfungen zuzuhören. Private Bildungsinstitutionen bieten Vorbereitungskurse auf die Prüfung an. BITTE BEACHTEN SIE: Ein Lehrabschluss für kaufmännische und wirtschaftliche Berufe wird auch durch das Zeugnis einer Handelsschule ermöglicht. Wer eine solche abgeschlossen hat, kann bei der Wirtschaftskammer zur Lehrabschlussprüfung antreten.

LEHRLINGSSTELLEN DER WIRTSCHAFTSKAMMERN – ANSPRECHPARTNERINNEN FÜR PRÜFUNG UND BERATUNG
BURGENLAND 7000 Eisenstadt, Robert-Graf-Platz 1 Tel. +43 (0)2682 / 695-160 www.wko.at/bgld/lehrlinge KÄRNTEN 9020 Klagenfurt, Koschutastraße 3 Tel. +43 (0 )463 / 5868-850 www.wko.at/ktn/lehrlingsstelle NIEDERÖSTERREICH 1014 Wien, Herrengasse 10 Tel. +43 (0)1 / 53466-1314 www.wko.at/noe/bildung OBERÖSTERREICH 4024 Linz, Wiener Straße 150 Tel. +43 (0)732 / 7800-301 www.wko.at/ooe/bp SALZBURG 5027 Salzburg, Faberstraße 18 Tel. +43 (0)662 / 8888-318 www.wko.at/sbg/lehrlingsstelle STEIERMARK 8021 Graz, Körblergasse 111-113 Tel. +43 (0)316 / 601-327 www.wko.at/stmk/lehrlingsstelle TIROL A-6021 Innsbruck, Egger-Lienz-Straße 116 Tel. +43 (0)5 / 90905-7301 www.wko.at/tirol/bildung/lehrling VORARLBERG 6800 Feldkirch, Wichnergasse 9 Tel. +43 (0)5522 / 305-260 www.wko.at/vlbg/ba WIEN 1030 Wien, Rudolf Sallinger-Platz 1 Tel. +43 (0)1 / 51450-2421 www.wko.at/wien/lehrling WIRTSCHAFTSKAMMER ÖSTERREICH 1045 Wien, Wiedner Haupstr. 63, Postfach 108 Tel. +43 (0)5 / 90900-4076 www.wko.at

HINWEIS: www.bmwa.gv.at/BMWA/Service/Lehrlingsservice/default.htm, das Lehrlingsservice des BMWA und www.berufsinfo.at/lehre/default.htm enthalten Informationen zum Thema Lehre einschließlich der gesetzlichen Bestimmungen und einer Lehrberufsliste. Unter www.bmwa.gv.at/NR/rdonlyres/C1E1F973-9778-4638-8A7C-F3CE0293A521/15799/Berufsausbildungsgesetz04.pdf ist das Berufsausbildungsgesetz downloadbar. www.wkw.at/docextern/abtbipol/lap.htm ist das Portal der Wirtschaftskammer Wien zum Thema Lehrabschluss einschließlich dem Formular für den Antrag auf außerordentliche Zulassung zur Lehrabschlussprüfung. www.wkw.at/docextern/abtbipol/llstell.htm ist der Link zu den Lehrlingsstellen der Wirtschaftskammern.

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FALLBEISPIEL: HERRENKLEIDERMACHER
Mai 2003: Herr M. lebt seit Dezember 2000 in Österreich. Im Iran hat er den Beruf eines Schneiders erlernt, in der Türkei als solcher mehrere Jahre gearbeitet. Und Herr M. hat schriftliche Nachweise für diese seine Tätigkeit. Da seine Fachkenntnisse in Österreich denen des Lehrberufes eines Herrenkleidermachers gleichkommen, sucht Herr M. bei der zuständigen Bezirkshauptmannschaft um die ausnahmsweise Zulassung zur Lehrabschlussprüfung zum Herrenkleidermacher an. Im Juni 2003 wird Herr M. zur Prüfung zugelassen. Zusammen mit sechs anderen KandidatInnen tritt er bei der Lehrlingsstelle der Wirtschaftskammer Niederösterreich zu einem vorgegebenen Prüfungstermin an. Drei KandidatInnen bestehen die Prüfung, einer davon ist Herr M., der damit in Österreich den formalen Lehrabschluss zum Herrenkleidermacher erlangt hat. 3.3.3.2. LEHRABSCHLUSS DURCH DEN ABSCHLUSS EINER HANDELSSCHULE UND DAS ABLEGEN DER HANDELSKAMMERPRÜFUNG

FALLBEISPIEL: BÜROKAUFMANN
Juni 2003: Herr B. sucht zum ersten Mal eine DON’T WAIT Beratungsstelle auf. Er möchte die Zeit seines Asylverfahrens dahingehend nutzen, eine Ausbildung als Bürokaufmann zu absolvieren. Dieser Beruf ist jedoch in Österreich ein Lehrberuf und damit für Herrn B. als Asylwerber nicht zugänglich. Für eine Lehrstelle würde er eine Beschäftigungsbewilligung brauchen, die er nicht erteilt bekommt. Seine DON’T WAIT Beraterin weiß jedoch, dass es die Möglichkeit gibt, bei der Wirtschaftskammer die Handelskammerprüfung zum Bürokaufmann abzulegen. Voraussetzung für die Zulassung ist der Abschluss einer Handelsschule. September 2003: Herr B. beginnt mit einem einjährigen, sehr komprimierten Office Management Lehrgang in einer Bundeshandelsschule. Im Juni 2004 schließt er den Lehrgang positiv ab. Das ist eine außergewöhnliche Leistung. Doch hat Herr B. immer noch keinen formalen Lehrabschluss als Bürokaufmann. Dies zu erreichen wird in der Folge sein nächstes Ziel sein. Juni 2004: Um den Lehrabschluss zu erreichen, legt Herr B. am 29. Juni bei der Wirtschaftskammer Wien die Handelskammerprüfung zum Bürokaufmann ab und besteht. Herr B. hat sein Ziel erreicht: er hat den formalen Lehrabschluss eines Bürokaufmannes.

3.4. AUSBILDUNGEN NACH DER MATURA
AsylwerberInnen, deren Reifeprüfungszeugnis einem österreichischen Maturazeugnis gleichgestellt ist bzw. die in Österreich die Reifeprüfung abgelegt haben, haben die Möglichkeit zum Besuch eines Kollegs, einer Akademie, eines Fachhochschulstudienganges oder eines Universitätsstudiums. HINWEIS: Informationen zu berufsorientierten Bildungsangeboten nach der Matura finden Sie in:

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WEITERBILDUNGSBEREICH
Ausbildungsmöglichkeiten im helfenden Bereich Ausbildungen zum Lehrer/zur Lehrerin Berufsbildende Schulen Fachhochschulen Studienmöglichkeiten an Universitäten und Fachhochschulen Postsekundäre Bildungseinrichtungen

BROSCHÜRE
Bildungswege im helfenden Bereich Bildungswege im lehrenden Bereich ABC Berufsbildende Schulen Fachhochschulen. Studiengänge in Österreich Universitäten, Hochschulen. Studium und Beruf Universitäten, Fachhochschulen, Akademien, Konservatorien, Wirtschaftsschulen

HERAUSGEBER
bm:bwk bm:bwk bm:bwk bm:bwk bm:bwk + AMS bm:bwk

Weiters im Internet unter www.bmbwk.gv.at/universitaeten/index.xml bzw. unter www.bmbwk.gv.at/medienpool/10238/postsek04.pdf

3.4.1. KOLLEG
Ein Kolleg ist eine vier bis sechs semestrige berufsqualifizierende Ausbildung, die mit einer Diplomprüfung endet. Voraussetzung für den Besuch eines Kollegs ist eine Reife-, Berufsreife- oder Studienberechtigungs-prüfung. Bei ausländischen Maturazeugnissen entscheidet der Direktor/die Direktorin der jeweiligen Schule, ob eine Kollegaufnahme erfolgt. In manchen Fällen ist für eine Aufnahme zusätzlich zur Matura der Nachweis eines zweijährigen Universitätsstudiums notwendig. Eingerichtet sind die Kollegs in berufsbildenden höheren Schulen. Es werden folgende Fachrichtungen unterschieden:              Bau und Holz Bildung und Erziehung Chemie Datenverarbeitung und Organisation Elektronik und Elektrotechnik Feinwerktechnik Grafik, Druck, Papier, Medien Kaufmännische und wirtschaftliche Berufe Kunstgewerbe, Kunst und Design Maschineningenieurwesen, Metall- und Kunststoffbearbeitung Textil Tourismus Wirtschaftsingenieurwesen, Facility-Management

AbsolventInnen technischer Fachrichtungen können nach mindestens dreijähriger einschlägiger Berufspraxis beim BMWA die Standesbezeichnung Ingenieur/in beantragen. HINWEIS: Informationen zu den Kollegformen und -standorten finden Sie unter www.berufsbildendeschulen.at sowie unter www.ams.or.at/b_info/ychoice/index.htm.

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3.4.2. AKADEMIE
Akademien vermitteln eine gehobene Berufsausbildung und dauern in der Regel drei Jahre. Die Aufnahmevoraussetzungen sind denen eines Kollegs ähnlich. Es werden Personen mit einer Reife-, Berufsreifeoder Studienberechtigungsprüfung aufgenommen. Für AsylwerberInnen mit einem ausländischen Reifezeugnis ist eine Hochschulberechtigung im Ausland und eine Gleichwertigkeit der Reifeprüfung Bedingung für eine Zulassung. Zudem sind in einigen Akademien für eine Aufnahme Eignungsprüfungen abzulegen. Dies gilt auch für ÖsterreicherInnen. Die Akademien unterteilen sich in:  Pädagogische Akademien mit dem Ziel, LehrerInnen für Volks-, Haupt- und Sonder- sowie Polytechnische Schulen auszubilden.  Medizinisch-technische Akademien mit den Ausbildungsrichtungen Medizinisch-technischer Laboratoriumsdienst, Physiotherapeutischer-, Radiologisch-technischer-, Ergotherapeutischer-, Logopädisch-phoniatrisch-audiologischer-, Orthoptischer-Dienst, Diätdienst und ernährungs-medizinischer Beratungsdienst  Hebammenakademien  Militärische Akademien HINWEIS: Eine Auflistung aller Akademien mit weiter weisenden Links enthält das Dokument „Postsekundäre Bildungseinrichtungen“, downloadbar unter www.bmbwk.gv.at/medienpool/10238/postsek04.pdf.

3.4.3. FACHHOCHSCHULE
Ein Fachhochschulstudium ist ein mindestens dreijähriges, praxisorientiertes Studium auf Hochschulniveau. Voraussetzung für eine Aufnahme in eine Fachhochschule ist eine Reife-, Studienberechtigungs- oder Berufsreifeprüfung oder eine einschlägige berufliche Qualifikation. AsylwerberInnen benötigen für eine Aufnahme den Nachweis der allgemeinen Universitätsreife. Dieser kann z.B. dadurch erbracht werden, dass die Studiengangsleitung der Fachhochschule ihr ausländisches Reifezeugnis einem österreichischen Reifezeugnis gleich setzt. Die genauen Zulassungsvoraussetzungen sind im Fachhochschulstudiengesetz (§4) nachzulesen. Dieses ist unter www.fhr.ac.at/fhr_inhalt/03_studium/zugangsvoraussetzungen. htm#allg_universitaetsreife downloadbar. Je nach Studiengang werden zudem für die Fachhochschul-Studiengangsaufnahme unterschiedliche Auswahlverfahren eingesetzt. In der Regel umfassen sie:  eine schriftliche Bewerbung  einen schriftlichen Test und eine Präsentation sowie zumeist auch  ein Aufnahmegespräch HINWEIS: Informationen über Studiengänge und anbietende Einrichtungen finden Sie unter www.fhr.ac.at sowie unter www.fachhochschulen.at

3.4.4. UNIVERSITÄT
Ein Studium an einer Universität dauert in Österreich seit dem Wintersemester 2001/02, also seit der Einführung von Bakkalaureatstudien, mindestens drei Jahre. Es ist geplant, dass dieser Studientyp in Zukunft das klassische Diplomstudium ersetzt. Mit dem Bakkalaureat erwirbt man den akademischen Grad „Bakkalaureaus“ bzw. „Bakkalaurea“. Anschließend kann man sich entscheiden, ob man noch ein Magisterstudium, das zwischen zwei und vier Semestern dauert und
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in dem wie bisher eine Diplomarbeit zu schreiben ist, anhängt. Das Magisterium ist Voraussetzung für ein eventuelles Doktoratsstudium.

ZULASSUNG ZUM STUDIUM
AsylwerberInnen müssen für die Zulassung zu einem Universitätsstudium folgende Nachweise erbringen:  NACHWEIS DER ALLGEMEINEN UNIVERSITÄTSREIFE Dieser kann durch ein österreichisches Reifezeugnis oder durch ein gleichwertiges ausländisches Reifezeugnis bzw. durch ein Zeugnis über die Zuerkennung der Studienberechtigung erbracht werden. Für die Bewertung der Gleichwertigkeit ist die Studienabteilung der jeweiligen Universität zuständig. Kapitel 4.2.1 des Handbuches informiert über die Anerkennungsmöglichkeiten und das Anerkennungsprocedere ausländischer Reifezeugnisse.  NACHWEIS DER BESONDEREN UNIVERSITÄTSREIFE Das ist ein Nachweis, dass der Antragsteller/die Antragstellerin für das in Österreich geplante Studium zu demselben Studium im Ausstellungsland des Reifezeugnisses zugelassen ist. Gibt es das in Österreich angestrebte Studium in diesem Land nicht, wird das ähnlichste zum Vergleich herangezogen. BITTE BEACHTEN SIE: Mit der Aufnahme von AsylwerberInnen in die Personengruppenverordnung (im Jahr 2004) entfallen für AsylwerberInnen der Nachweis der besonderen Universitätsreife sowie die Antragsfristen auf Zulassung bis 1. September für das Wintersemester bzw. bis 1. Februar für das Sommersemester. Trotzdem verlangen manche Universitäten für eine Zulassung weiterhin den Nachweis der besonderen Universitätsreife.  NACHWEIS DER KENNTNIS DER DEUTSCHEN SPRACHE AsylwerberInnen, die die deutsche Sprache nicht nachweislich beherrschen, müssen vor Beginn des ordentlichen Studiums die Universitäts-Sprachprüfung aus Deutsch ablegen. Der Vorstudienlehrgang bietet Kurse zur Vorbereitung auf diese Deutsch-Prüfung sowie für eventuell zusätzlich abzulegende Ergänzungsprüfungen an. Vorstudienlehrgänge können von außerordentlichen HörerInnen besucht werden. BITTE BEACHTEN SIE: Wenn die Zulassung zu einem Doktoratsstudium von AbsolventInnen ausländischer Universitäten beantragt wird, tritt an die Stelle des gleichwertigen Reifezeugnisses der Nachweis eines geeigneten universitären Studienabschlusses.

BEGLAUBIGUNG
Für den Antrag auf Zulassung sind alle Dokumente im Original oder in beglaubigter Abschrift vorzulegen und müssen  mehrstufig beglaubigt werden, wenn es zwischen dem Ausstellungsland des Reifezeugnisses und Österreich kein bilaterales Abkommen gibt. Bei einer mehrstufigen Beglaubigung erfolgt  eine Zwischenbeglaubigung durch die zuständige Stelle des Außenministeriums,  eine Überbeglaubigung durch die österreichische Vertretungsbehörde im Land, in dem das Zeugnis ausgestellt wurde, oder durch die Botschaft dieses Landes in Wien und  eine Letztbeglaubigung durch das Legalisierungsbüro des Bundesministeriums für auswärtige Angelegenheiten. BMAA – Legalisierungsbüro, 1014 Wien, Ballhausplatz 2, Herr Zcencic – Tel: +43 (0)1 53115-4425  Ist das Ausstellungsland des Reifezeugnisses Mitgliedsstaat des Haager Beglaubigungsübereinkommens, ist nur ein einfacher Beglaubigungsweg notwendig, d.h. die Beglaubigung erfolgt mittels Apostille.  Bei einem Reifezeugnis aus einem Land mit einem bilateralen Abkommen mit Österreich ist keine Beglaubigung notwendig. HINWEIS: Eine Länderliste mit der jeweils notwendigen Beglaubigungsform finden Sie unter www.bmbwk.gv.at/ medienpool/10639/14018_beglaubigung.pdf

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STUDIENBEITRAG
Mit dem Jahr 2004 wurden österreichische Universitäten autonom, d.h. jede Universität hat Selbstentscheidungscharakter. Dies betrifft auch die Regelungen bezüglich der Studiengebühren. Für AsylwerberInnen bedeutet das, dass sie möglicherweise an einer Universität Semesterstudiengebühren von € 726,72 zu entrichten haben, an einer anderen ihnen die Hälfte der Gebühren erlassen wird oder sie an einer dritten von den Studiengebühren befreit sind bzw. diese zur Gänze oder Hälfte rückerstattet bekommen. Eine für alle Universitäten gültige Regelung bezüglich der Höhe der Studiengebühren gibt es nicht mehr!

FALLBEISPIEL
Frau L. möchte Informatikmanagement studieren, ein Bakkalaureatstudium, das sie sowohl an der Technischen Universität Wien (TU) als auch an der Allgemeinen Universität Wien studieren kann. Sie kommt aus Nigeria und hat ein nigerianisches Reifezeugnis. An der Universität Wien ist sie damit derzeit von Studiengebühren befreit, sofern sie sich nur an dieser immatrikuliert. An der TU würde sie pro Semester, da sie ein ausländisches Reifezeugnis besitzt, derzeit € 726,72 zahlen. Frau L. entscheidet sich daher, ihr Studium an der Universität Wien aufzunehmen. HINWEIS: Auskunft über zu entrichtende Studiengebühren erhalten Sie in der zuständigen Studienabteilung oder dem zuständigen AusländerInnenreferat oder auf den Webseiten der jeweiligen Universitäten. www.portal.ac.at ist das Portal zu allen österreichischen Universitäten. www.studieren.at gibt eine Übersicht aller Studienmöglichkeiten an Österreichs Universitäten inklusive Detailbeschreibungen. Das Bundesministerium für Inneres vergibt an AsylwerberInnen,  die eine Zulassung an einer österreichischen Universität erhalten haben und einen auf das ordentliche Studium vorbereitenden Kurs besuchen oder  sich im ordentlichen Studium befinden und bereits bei den studienvorbereitenden Kursen eine Förderung erhalten haben, Stipendien. Dabei handelt es sich bei AsylwerberInnen um eine einmalige Unterstützung pro Semester. Im außerordentlichen Studium beträgt sie € 676,- und im ordentlichen Studium € 319,-. Das Stipendium kann maximal vier Semester lang bezogen werden. In Ausnahmefällen ist eine Verlängerung um ein Semester möglich. Zuständig für den Antrag und die Vergabe ist der Österreichische Integrationsfonds 1014 Wien, Bräunerstr. 5, Tel.: +43 (0)1 531 26-5224, www.integrationsfonds.at

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4. ANNERKENNUNG UND NOSTRIFIKATION
AsylwerberInnen können im Ausland erworbene Bildungsabschlüsse und Berufserfahrungen in Österreich unter bestimmten Voraussetzungen formal anerkennen lassen. Ist dies der Fall, werden mit der Formalanerkennung alle Rechte, die in Österreich mit der entsprechenden Qualifikation verbunden sind, erworben. Lässt ein Asylwerber/eine Asylwerberin z.B. sein/ihr Studium nostrifizieren, kann er/sie den entsprechenden österreichischen akademischen Titel tragen.

4.1. BEGRIFFSKLÄRUNG
Die Formalanerkennung von im Ausland erworbenen Bildungsabschlüssen und Berufserfahrungen ist in Österreich oft die Voraussetzung für die Fortsetzung einer Ausbildung bzw. für eine Tätigkeit im erlernten Beruf. Es wird dabei zwischen folgenden Begriffen unterschieden:  NOSTRIFIKATION bei der Anerkennung von Schulabschlüssen  NOSTRIFIZIERUNG bei der Anerkennung von Studienabschlüssen  ANRECHNUNG bei der Anerkennung von Einzelprüfungen  GLEICHSTELLUNG bei der Anerkennung von Berufserfahrungen

4.2. ANERKENNUNG AUSLÄNDISCHER SCHULZEUGNISSE
Bei der Nostrifikation ausländischer Schulzeugnisse werden diese österreichischen Zeugnissen gleichgestellt. Die Nostrifikation beruht dabei auf einem Vergleich der abgelegten Prüfungen und des besuchten Unterrichtes auf Basis der österreichischen Lehrpläne. Sie ist nur bei Zeugnissen möglich, auf denen die benoteten Unterrichtsgegenstände aufscheinen. Schulbesuchsbestätigungen sind nicht nostrifizierbar. Keine Nostrifikation ist erforderlich bzw. möglich, wenn ein Antragsteller/eine Antragstellerin die Aufnahme in eine Schule anstrebt und die Ablegung von Einstufungsprüfungen zulässig ist. Das Schulunterrichtsgesetz, das für alle öffentlichen und mit Öffentlichkeitsrecht ausgestatteten Schulen gilt, ausgenommen für Schulen für Berufstätige und Akademien, legt dazu in § 75 Folgendes fest: Zeugnisse über einen im Ausland abgelegten Schulbesuch oder über im Ausland absolvierte Prüfungen sind mit einer Schule oder mit abgelegten Prüfungen in Österreich dann als gleichwertig anzuerkennen (Nostrifikation), wenn der Antragsteller/die Antragstellerin glaubhaft machen kann, dass die Nostrifikation für das Erlangen einer angestrebten Berechtigung oder eines angestrebten Anspruches erforderlich ist. Sollten einzelne Gegenstände nicht ausreichend nachgewiesen sein, wird eine entsprechende Nostrifikationsprüfung vorgeschrieben, welche bei einem der österreichischen Landesschulräte bzw. dem Stadtschulrat für Wien abzulegen ist. Eine Nostrifikation ist nicht erforderlich, wenn die Aufnahme in eine Schule angestrebt wird und die Ablegung von Einstufungsprüfungen zulässig ist! BITTE BEACHTEN SIE: Jede Schule kann Zeugnisse bis zur achten Schulstufe selbst anerkennen, wobei sie ein ausländisches Zeugnis einer achten Schulstufe genauso behandeln muss wie ein inländisches. Allerdings kann die Schule den Nachweis von entsprechenden Deutschkenntnissen verlangen, sofern im Zeugnis Deutsch nicht als Unterrichtsfach angeführt ist. Das bedingt, dass ein Nostrifikationsantrag für einen Hauptschulabschluss mit der Begründung, eine weiterführende Schule besuchen zu wollen, bzw. als präventive Vorbereitung für eine Arbeitsplatzsuche abgelehnt wird. Eine besondere Regelung gilt für weiterführende Schulen zu Gesundheitsberufen. So ist für eine PflegehelferInnenausbildung der Nachweis einer positiv abgeschlossenen achten Schulstufe Voraussetzung, für eine Krankenpflegeschule der einer zehnten Schulstufe. Die Nostrifikations-stelle des bm:bwk stellt in solchen Fällen bei Vorlegen entsprechender Schulzeugnisse aus dem Herkunftsland eine Bestätigung aus, dass das vorgelegte Zeugnis einer achten bzw. zehnten Schulstufe in Österreich entspricht. Hierbei handelt es sich jedoch um keine Nostrifikation, da keine Gleichstellung des Zeugnisses mit dem österreichischen Zeugnis erfolgt!
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4.2.1. ANERKENNUNG AUSLÄNDISCHER REIFEZEUGNISSE ZUR WEITERBILDUNG
 Die volle Gleichstellung eines ausländischen Reifezeugnisses mit einem österreichischen erfolgt in Form der Nostrifikation durch das bm:bwk. Mit der Nostrifikation werden alle Rechte erworben, die mit dem entsprechenden österreichischen Reifezeugnis verbunden sind.  Die Anerkennung von Reifezeugnissen zum Zwecke der Weiterbildung (z.B. für eine Zulassung zu einem Studium oder zu einer Fachhochschule) erfolgt durch die Studienabteilung der gewählten österreichischen Universität bzw. bei einer Fachhochschule durch die Studiengangsleitung. Mit der Anerkennung erlangt der Antragsteller/die Antragstellerin die Allgemeine Universitätsreife. Die Besondere Universitätsreife, d.h. der Nachweis der unmittelbaren Zulassung zur gewählten Studienrichtung im Ausstellungsstaat des Reifezeugnisses, wird von der Anerkennung nicht erfasst. Als Reifezeugnis gilt dabei jedes ausländische Zeugnis oder Diplom, das im Ausstellungsstaat dazu berechtigt, eine Ausbildung auf einem Kolleg, einer Akademie, einer Fachhochschule und einer Universität zu absolvieren.  Die Gleichhaltung zum Zweck der Ausübung einer gewerblichen Tätigkeit erfolgt durch das BMWA. Im Folgenden wird auf die Anerkennung ausländischer Reifezeugnisse zum Zwecke der Weiterbildung eingegangen. Je nach Antragsfall gibt es dabei drei Möglichkeiten, durch Anerkennung die Allgemeine Universitätsreife zu erreichen, nämlich durch eine: 1. NOSTRIFIKATION DES REIFEZEUGNISSES Mit der Nostrifikation wird die volle Gleichstellung des ausländischen Reifezeugnisses mit einem österreichischen Maturazeugnis erreicht. 2. GLEICHWERTIGKEIT DURCH ABKOMMEN Das ausländische Reifezeugnis ist durch ein multilaterales oder bilaterales Abkommen zwischen Österreich und dem Ausstellungsstaat gleichwertig. Daher wird keine weitere inhaltliche Gleichwertigkeitsüberprüfung des Zeugnisses vorgenommen. HINWEIS: Eine Liste der Staaten, deren Reifezeugnisse durch Abkommen gleichgestellt sind, finden Sie unter www.wequam.at/reifezeugnis_weiterbildung.htm#zeugnisse oder www.bmbwk.gv.at/universitaeten/fragen_studrecht/Fragen_zum_Studienrecht_5124.xml 3. GLEICHWERTIGKEIT DURCH ENTSCHEIDUNG DER HOCHSCHULE Ist weder eine Nostrifikation des Reifezeugnisses noch eine Gleichwertigkeit möglich/gegeben, kann die Studienabteilung der Universität oder die Studiengangsleitung einer Fachhochschule ein ausländisches Reifezeugnis zum Zweck der Zulassung zum Studium einem österreichischen Reifezeugnis für gleichwertig erklären. Sie kann allerdings diese Gleichwertigkeit von der Ablegung von Ergänzungsprüfungen abhängig machen (z.B. dem Ablegen von Prüfungen im Rahmen eines Vorstudienlehrganges) oder von Nachweisen absolvierter Studienzeiten auf einer ausländischen Universität. HINWEIS: Die Universität Wien listet für verschiedene Länder unter www.univie.ac.at/studienabteilung/laenderliste.html die Anzahl der nachzuweisenden Studienjahre zur Erlangung der Gleichwertigkeit der Reifeprüfung auf. Auskunft zu allgemeinen Fragen der Anerkennung von Reifezeugnissen erteilt: NARIC AUSTRIA bm:bwk – Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur 1014 Wien Teinfaltstraße 8, Tel.: +43 (0)1 531 20/5921, naric@bmbwk.gv.at BITTE BEACHTEN SIE: Als AsylwerberIn ist es nicht immer notwendig das ausländische Reifezeugnis zu nostrifizieren. Die Universität, Fachhochschule oder das Ausbildungsinstitut, die/das besucht werden möchte, kann am besten Auskunft darüber geben, ob das ausländische Reifezeugnis

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 durch Entscheidung der Hochschule gleichwertig gesehen wird,  durch ein bilaterales oder multilaterales Abkommen gleichwertig ist oder ob  eine Nostrifikation durch das bm:bwk notwendig ist.

ERSATZBESTÄTIGUNGEN FÜR VERLORENE REIFEZEUGNISSE
Ist das Reifezeugnis verloren gegangen, kann beim bm:bwk ein Antrag auf Ausstellung einer Ersatzbestätigung gestellt werden. Der Antragsteller/die Antragstellerin muss dabei glaubhaft machen, dass die Bemühungen um die Wiedererlangung des verlorenen Zeugnisses oder die Ausstellung einer Zweitschrift ohne sein/ihr Verschulden ergebnislos geblieben sind. Mit einer ausgestellten Ersatzbestätigung sind die gleichen Berechtigungen wie mit dem verlorenen Zeugnis verbunden. Die Ersatzbestätigung kann damit auch einer Nostrifikation unterzogen werden.

4.2.2. ANERKENNUNG AUSLÄNDISCHER BERUFSREIFEZEUGNISSE ZUR BERUFSAUSÜBUNG
Es gelten grundsätzlich dieselben Kriterien wie die bei Anerkennung von Reifezeugnissen zur Weiterbildung. Zuständige Stelle für den Antrag auf Nostrifikation der ausländischen Berufsreifeprüfung ist das bm:bwk. Der zuständige Referent/die zuständige Referentin beurteilt die Gleichwertigkeit bzw. fertigt einen Bescheid aus, in dem die für eine Nostrifikation abzulegenden Prüfungen aufgelistet sind. Je nach Typ der Ausbildung sind die Prüfungen an unterschiedlichen Schulen abzulegen. HINWEIS: Die je nach Schultyp zuständigen Prüfungsstellen finden Sie unter www.wequam.at/matura_beruf.htm#

4.2.3. BM:BWK-ANSPRECHPARTNERINNEN FÜR DIE NOSTRIFIKATION AUSLÄNDISCHER SCHULZEUGNISSE

ARBEITSGEBIET

REFERENTINNEN

TELEFON
+43 (0)1 53120- 4485 +43 (0)1 53120- 4484 +43 (0)1 53120- 4415 +43 (0)1 53120- 4427 +43 (0)1 53120- 4493 +43 (0)1 53120-2832 +43 (0)1 53120- 4494

Pflichtschulzeugnisse und Pflichtschulabschlüsse Maturazeugnisse und Jahreszeugnisse Höhere technische Lehranstalten Handelsakademie (HAK) u. Handelsschulen (HAS) Ausbildungen in den Bereichen Mode, Wirtschaft und Tourismus Ausbildungen zum/r KindergärtnerIn u. ErzieherIn Ausbildungen in den Bereichen Mode, Wirtschaft, Tourismus sowie im Höheren Land- und forstwirtschaftlichen Schulwesen Ersatzbestätigungen für Zeugnisse aller Art Ersatzbestätigungen für Zeugnisse aller Art

Johannes Baumühlner, I/5, johannes.baumuehlner@bmbwk.gv.at Amtsdirektor Silvia Bauer, I/2d, silvia.bauer@bmbwk.gv.at Sabine Smutni, II/2d, sabine.smutni@bmbwk.gv.at Norbert Hanauer, II/3, norbert.hanauer@bmbwk.gv.at OR Mag. Gerhard Orth, II/4b, gerhard.orth@bmbwk.gv.at ADir. Anna Hummel, anna.hummel@bmbwk.gv.at Mag.a Karin Hainz-Sator, II/4, karin.hainz-sator@bmbwk.gv.at

OR Mag. Erich Rochel, III/A/4b, erich.rochel@bmbwk.gv.at OR Dr. Peter Rumpel, Z/A/10a, peter.rumpler@bmbwk.gv.at

+43 (0)1 53120- 2388 +43 (0)1 53120- 2366

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4.3. ANERKENNUNG AUSLÄNDISCHER STUDIENABSCHLÜSSE
Für Anerkennungsfragen im Hochschulbereich ist in Österreich das National Academic Recognition Information Centre die offizielle Anlauf- und Kontaktstelle. Arbeitsschwerpunkte sind:     Beratung zur Anerkennung ausländischer Studienabschlüsse, Diplome und Prüfungen Beratung zu Vergleichsempfehlungen sowie zur Bewertung ausländischer Hochschulqualifikationen Beratung über die Zulassung zu Studien an Universitäten und Fachhochschul-Studiengängen Beratung zur Führung akademischer Grade

Je nach dem Ausstellungsland des ausländischen Studienabschlusses bzw. des Reifezeugnisses stehen für die Beratung verschiedene LänderexpertInnen zur Verfügung. Die Kontaktadresse ist: NARIC AUSTRIA bm:bwk – Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur; Abt: VII/D/3 1014 Wien Teinfaltstraße 8, Tel.: +43 (0)1 531 20/5921, naric@bmbwk.gv.at www.bmbwk.gv.at/naric

4.4. ANERKENNUNG AUSLÄNDISCHER BERUFSAUSBILDUNGEN
4.4.1. GLEICHHALTUNG EINES AUSLÄNDISCHEN LEHRABSCHLUSSES
Bei der Gleichhaltung eines Lehrabschlusses wird eine im Ausland absolvierte Berufsausbildung einem in Österreich einschlägigen Lehrabschluss gleichgestellt. Voraussetzung für einen Antrag auf Gleichhaltung ist eine im Ausland absolvierte Berufsausbildung mit entsprechenden Zeugnissen der Berufsschule. Zuständige Stelle für die Bearbeitung des Gleichhaltungsantrages ist das BMWA – Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit Frau Andrea SPIESZ oder Frau Rosemarie KILLEK 1011 Wien, Stubenring 1, Tel: +43 (0)1 711 00 -5613; -2368 www.bmwa.gv.at Ist die volle Gleichwertigkeit laut Bescheid des BMWA nicht gegeben, können in einer Lehrabschlussprüfung fehlende Prüfungsgegenstände abgelegt und auf diese Weise eine volle Anerkennung des Lehrberufes in Österreich erreicht werden. Zuständige Stelle für die Anmeldung zur Lehrabschlussprüfung ist die jeweilige Lehrlingsstelle der Wirtschaftskammer (Adressen siehe Kapitel 3.3.3.1 „Außerordentliche Zulassung zur Lehrabschlussprüfung“) HINWEIS: Der Gleichhaltungsantrag ist unter www.wkw.at/docextern/abtbipol/gleichhaltlap.htm downloadbar.

4.4.2. AUSSERORDENTLICHE ZULASSUNG ZUR LEHRABSCHLUSSPRÜFUNG
Eine außerordentliche Zulassung zur Lehrabschlussprüfung kann dann erfolgen, wenn der Antragsteller/dieAntragstellerin sich durch entsprechend einschlägige Anlerntätigkeiten, praktische Tätigkeiten oder Kursbesuche die für
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einen bestimmten Lehrberuf erforderlichen Fertigkeiten angeeignet hat. Eine ausführliche Darstellung dazu finden Sie unter dem Kapitel 3.3.3.1 „Außerordentliche Zulassung zur Lehrabschlussprüfung“ HINWEIS: Der Antrag auf die Zulassung zur außerordentlichen Lehrabschlussprüfung ist bei den Lehrlingsstellen der Wirtschaftskammern zu erhalten. Adressen und Websites finden Sie unter www.wkw.at/docextern/abtbipol/llstell.htm

4.4.3. NOSTRIFIKATION VON IM AUSLAND ABSOLVIERTEN AUSBILDUNGEN IN EINEM GESUNDHEITSBERUF
Für die Nostrifikation von einer im Ausland absolvierten Ausbildung in einem Gesundheitsberuf muss die Gleichwertigkeit der ausländischen Ausbildung zu der in Österreich gegeben sein, und zwar sowohl in der theoretischen als auch in der praktischen Ausbildung. Fehlen für die Ausübung des Berufes in Österreich notwendige Kenntnisse und Fähigkeiten, ist eine Ergänzungsausbildung zu absolvieren, deren Prüfungsbereiche im Nostrifikationsbescheid aufgelistet sind. Erst mit dem erfolgreichen Ablegen der dort angeführten Prüfungen ist die im Ausland absolvierte Ausbildung in Österreich nostrifiziert. Ausbildungen in Gesundheitsberufen beruhen in den einzelnen Ländern auf sehr unterschiedlichen Ausbildungskonzepten und -systemen. Daher wird die Anerkennung in Österreich im Allgemeinen an die Bedingung geknüpft, dass eine theoretische und/oder praktische Ausbildung an einer Krankenpflegeschule bzw. in einem Ausbildungskurs absolviert wird und/oder kommissionelle Ergänzungsprüfungen mit Erfolg abgelegt bzw. Nachweise über erfolgreich absolvierte Praktika erbracht werden. Zuständige Behörde für die Antragstellung von Staatsangehörigen, die nicht aus EU- oder EWR-Staaten sind, ist das Amt der zuständigen Landesregierung, sofern es sich um folgende Berufe handelt:                Diplomierte/r Gesundheits- und Krankenschwester/-pfleger Diplomierte/r Kinderkrankenschwester/-pfleger Diplomierte/r psychiatrische/r Gesundheits- und Krankenschwester/-pfleger PflegerhelferIn Sanitätshilfsdienst Medizinische Masseurin/medizinischer Masseur Heilmasseurin/Heilmasseur medizinisch-technischer Fachdienst SanitäterIn Spezial- oder Sonderausbildung im Bereich: Intensivpflege Anästhesiepflege Pflege bei Nierenersatztherapie Pflege im Operationsbereich Krankenhaushygiene

Zuständige Behörde für die Antragstellung von Staatsangehörigen, die nicht aus EU- oder EWR-Staaten sind, ist das Bundesministerium für Gesundheit und Frauen, sofern es sich um  Angehörige der gehobenen medizinisch-technischen Dienste sowie um  Hebammen handelt. Die Kontaktadressen finden Sie im Kapitel 7.6.6: „Tätigkeiten zum Zwecke der Fortbildung“. Für den Nostrifikationsantrag notwendige Unterlagen sind:

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 das Abschlusszeugnis oder Diplom einer staatlich anerkannten Ausbildung  der detaillierte Lehrplan, aus dem die Dauer der Ausbildung sowie die auf die einzelnen Unterrichtsfächer entfallenden Lehrstunden – aufgeschlüsselt nach Theorie und Praxis – zu ersehen sind.  der Nachweis über bisherige fachspezifische Berufstätigkeiten  Heiratsurkunde oder andere Urkunden, falls der derzeitige Name nicht mit jenem auf dem Diplom oder Zeugnis übereinstimmt.  die Übersetzungen aller Urkunden durch einen gerichtlich beeideten Dolmetscher/eine gerichtlich beeidete Dolmetscherin, wobei die Unterlagen auch im Herkunftsland übersetzt werden können. Bei englischsprachigen Unterlagen ist keine Übersetzung erforderlich.  ein in Deutsch verfasster Lebenslauf  Asylkarte und Meldezettel Sofern es kein zwischenstaatliches Abkommen oder internationale Verträge zwischen Österreich und dem Land, in dem die Ausbildung absolviert wurde, gibt, müssen die im Nostrifikationsverfahren vorgelegten Urkunden beglaubigt werden. D.h. die Echtheit der Unterlagen muss sowohl vom Herkunftsstaat innerstaatlich beglaubigt und durch die zuständige österreichische Vertretungsbehörde (Botschaft, Konsulat) letztbeglaubigt werden.

4.5. BERATUNGSSTELLE ZU ANERKENNUNG UND NOSTRIFIKATION
Das Equal-Projekt „wequam“ ist auf die Anerkennungsberatung von Personen nicht österreichischer Herkunft spezialisiert. Auf der Website finden Sie Rechtsgrundlagen, Antragsformulare, Abkommen, Gesetze und Informationen rund um das Thema Anerkennung. Kontakt: wequam – Weiterbildungs- und Qualifizierungsberatung für Migranten und Migrantinnen 1050 Wien, Grüngasse 9/16, Telefon: +43 (0)1 585 80 19 wequam@migrant.at, www.wequam.at

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5. VOLONTARIAT UND PRAKTIKUM
5.1. DEFINITION VOLONTARIAT
Der Zweck eines Volontariates liegt in der Ausbildung und nicht in einem Arbeitsverhältnis.
Laut § 3 Abs. 5 des AuslBG liegt ein Volontariat dann vor, wenn eine Person  ausschließlich zur Erweiterung und Anwendung von Kenntnissen oder zum Erwerb von Fertigkeiten für die Praxis  ohne Arbeitspflicht und ohne Entgeltanspruch  bis zu drei Monaten in Österreich beschäftigt wird (Verlängerungsvoraussetzungen siehe § 3 Abs. 9 AuslBG). BITTE BEACHTEN SIE: Werden Hilfsarbeiten, einfache angelernte Tätigkeiten oder Arbeiten auf Baustellen verrichtet, liegt kein Volontariat im Sinne des AuslBG vor. Die verrichteten Tätigkeiten sind keine Hilfsarbeiten, wenn sie zumindest in die Qualifikationskategorie „Facharbeit“ fallen. Ein Volontär/eine Volontärin im Sinne des AuslBG darf kein Entgelt – auch kein Taschengeld – erhalten. Es darf ihm auch kein Naturallohn, wie z.B. unentgeltliche Unterkunft oder unentgeltliche Verpflegung zur Verfügung gestellt werden (VwGH 93/09/0275, VwGH 89/09/0127), widrigenfalls liegt eine bewilligungspflichtige Beschäftigung vor.

5.2. VOLONTARIATSNUTZEN
Volontariate stellen für AsylwerberInnen eine Brücke zur Arbeitsmarktintegration dar und haben aus arbeitsmarktbezogener Sicht eine mehrfache Funktion:      die Vertiefung und Erweiterung praxisbezogener beruflicher Kenntnisse das Kennenlernen von Arbeitsabläufen nach österreichischem Standard das Erlernen und Vertiefen der berufsbezogenen deutschen Fachausdrücke die Möglichkeit eines Trainings ohne den Leistungsdruck eines Arbeitsverhältnisses das Erlangen eines schriftlichen Nachweises (Volontariatszeugnis) über Berufsfertigkeiten

5.3. VOLONTARIATSANZEIGE
VolontärInnen bedürfen laut AuslBG keiner Beschäftigungsbewilligung. Der Betriebsinhaber/die Betriebsinhaberin muss jedoch das Volontariat spätestens zwei Wochen vor Beginn dem zuständigen regionalen Arbeitsamt anzeigen. Das AMS hat binnen zwei Wochen eine Anzeigebestätigung auszustellen. Nach Ablauf dieser Frist darf das Volontariat auch vor Ausstellung der Anzeigebestätigung aufgenommen werden. Bei einer Ablehnung der Anzeigebestätigung nach Ablauf der Frist muss das bereits begonnene Volontariat umgehend, spätestens jedoch binnen einer Woche nach Zustellung der Ablehnung beendet werden. Eine Bescheidausfertigung ist gemäß § 20 Abs. 6 AuslBG auch dem/der Volontär/in zuzustellen. Eine Berufung gegen den Bescheid ist zulässig. Laut Gesetz ist die Anzeigebestätigung nur auszustellen, wenn die Gewähr gegeben ist, dass der wahre wirtschaftliche Gehalt der beabsichtigten Beschäftigung dem eines Volontariates entspricht (BGBl. Nr. 201/1996). HINWEIS: Das Anzeigebestätigungsformular ist auf den AMS-Webseiten der einzelnen Bundesländer herunterladbar oder liegt bei den regionalen Arbeitsmarktservicestellen auf. Über die Website www.ams.or.at können Sie direkt zu den bundesländerspezifischen AMS-Seiten gelangen.
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BITTE BEACHTEN SIE: Wer AusländerInnen als VolontärInnen beschäftigt, für die keine Anzeigebestätigung ausgestellt wurde, begeht gem. § 28 Abs. 1 Z. 1 lit. a AuslBG eine Verwaltungsübertretung und ist pro Person mit einer Geldstrafe von € 1.000,- bis € 5.000,- strafbar. Viele regionale AMS-Stellen fordern einen Qualifikationsnachweis für die Berufskenntnisse des Volontärs/der Volontärin, andernfalls wird der Feststellungsbescheid negativ ausgestellt. DON’T WAIT BeraterInnen haben in diesem Zusammenhang positive Erfahrungen mit Werkstücken und fachbezogenen Vorstellungsgesprächen gesammelt. Der Hintergrund: Der Nachweis über das Beherrschen beruflicher Kenntnisse kann nicht nur über Zeugnisse, sondern auch über Anschauungsobjekte und Fachfragen erbracht werden. Besonders handwerkliche Berufe bieten hierzu eine gute Möglichkeit.

5.4. VOLONTARIATS-UNFALLVERSICHERUNG
Volontäre sind hinsichtlich ihrer Tätigkeit nur in der Unfallversicherung pflichtversichert (§ 8 Abs.1 Z 3 lit. c ASVG). HINWEIS: Als unbürokratischer Versicherungspartner hat sich die AUVA – Allgemeine Unfall-versicherungsanstalt bewährt. Zum Abschließen der Volontariatsversicherung muss an die zuständige Landes- bzw. Außenstelle ein ausgefülltes, vorgefertigtes Formular geschickt bzw. ein formloses Fax mit Name, Geburtsdatum, Adresse der Volontärin/des Volontärs, dem Zweck des Volontariates und dem Zeitraum gesendet werden. Die Kosten der Volontariatsversicherung belaufen sich auf 11 Cent pro Tag und Person.

AUVA Außenstelle St. Pölten 3100 St. Pölten Wiener Straße 54 Tel: +43(2742)258950 AUVA Landesstelle Linz 4020 Linz, Blumauer Platz 1 Tel: +43(732)6920-0 Fax: +43(732)6920-204

AUVA 7400 Oberwart, Hauptplatz 11 Tel: +43(3352)35356-0 Fax: +43(3352)35356-606 AUVA Außenstelle Klagenfurt 9020 Klagenfurt Waidmannsdorfer Straße 35 Tel: +43(463)5890-4000 Fax: +43(463)5890-4040

AUVA Landesstelle für Wien 1200 Wien, Webergasse 4 Tel: +43(1)33133- 238 Fax: +43(1)33133-211 AUVA 6850 Dornbirn Eisengasse 12 Tel: +43(5572)26942-0 Fax: +43(5572)26942-85

AUVA Landesstelle für Salzburg 5020 Salzburg Dr.-Franz-Rehrl-Platz 5 Tel: +43(662)2120-0 Fax: +43(662)2120-4338

5.5. VOLONTARIATE BEI KONVENTIONSFLÜCHTLINGEN
Auch Konventionsflüchtlinge können ein Volontariat durchführen, sofern sich dieses für einen Arbeitsmarkteinstieg als sinnvoll erweist und folgende Voraussetzungen vorliegen:      Das Volontariat dient ausschließlich dem Kennenlernen von Arbeitsabläufen. Der Volontär/die Volontärin darf nicht für Hilfstätigkeiten eingesetzt werden. Er/sie darf durch keine Formvorschriften (z.B. Arbeitszeiten) eingeschränkt sein. Das Volontariat dauert maximal drei Monate. Der Volontär/die Volontärin erhält vom Volontariatsgeber/von der Volontariatsgeberin kein Entgelt für erbrachte Leistungen.

Im Gegensatz zu AsylwerberInnen dürfen jedoch VolontärInnen, die nicht unter das AuslBG fallen, ein Taschengeld beziehen, solange der Betrag nicht darauf schließen lässt, dass es sich um ein Entgelt handelt. Der Betrag des Taschengeldes muss unter der Geringfügigkeitsgrenze liegen und sollte nach Auskunft der Wiener Wirtschaftskammer maximal bei € 200,- pro Monat liegen.
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BITTE BEACHTEN SIE: Außer im AuslBG gibt es keine gesetzliche Grundlage für das Volontariat. Als rechtliche Basis wird die Rechtssprechung herangezogen (siehe www.wko.at -> Arbeit und Soziales -> Bereich Arbeitsrecht -> Thema Ausbildungsverhältnisse).

5.6. VOLONTARIATSVEREINBARUNG
Zum Festlegen der rechtlichen Bedingungen und der Lerninhalte empfiehlt es sich, zwischen dem Volontariatsunternehmen und dem Volontär/der Volontärin eine Volontariatsvereinbarung einzugehen. Diese könnte, wenn es sich bei dem Volontär/der Volontärin um einen Asylwerber/eine Asylwerberin handelt, wie folgt lauten:

VOLONTARIATSVEREINBARUNG
abgeschlossen zwischen dem Unternehmen (im Folgenden als „Unternehmen“ bezeichnet)

und Herr/Frau (im Folgenden als „Volontär/in“ bezeichnet)

Das Unternehmen erklärt sich bereit, dem Volontär/der Volontärin ein Volontariat gemäß § 3 Abs. 5 AuslBG in der Zeit von ______________ bis ______________ zu ermöglichen. Lerninhalt des Volontariats: Das Volontariat dient ausschließlich dem Vertiefen von Arbeitsabläufen in den Bereichen

und dem Kennenlernen von neuen Arbeitsabläufen in den Bereichen

Die Arbeitsabläufe betreffen im Konkreten:

Der Volontär/die Volontärin unterliegt während der Volontariatszeit in unserem Unternehmen keinerlei Weisungsrecht und ist nicht durch Formvorschriften eingeschränkt. Er/Sie ist im Interesse der eigenen Sicherheit an die betrieblichen Ordnungsvorschriften gebunden. Verpflichtungen zu Arbeitsleistungen bestehen nicht. Er/Sie unterliegt nicht den Arbeitszeiten. Es besteht kein Entgeltungsanspruch. Das Volontariat dauert maximal drei Monate. Das Unternehmen erklärt sich damit einverstanden, den Volontär/die Volontärin in Schadensfällen, die durch geringfügige Fehlleistungen oder leichte Fahrlässigkeit entstanden sind, haftungsfrei zu stellen. In Schadensfällen, die durch schwere Fahrlässigkeit oder vorsätzlich entstanden sind, liegt die Haftung beim Volontär/bei der Volontärin.

Wien am _______________________________________________________________________________________________ Unternehmen VolontärIn

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5.7. FALLBEISPIEL: VOLONTARIAT FÜR DIE HERSTELLUNG HANDGENÄHTER SCHUHE
Dezember 2003: Herr M. kommt das erste Mal in eine Wiener DON’T WAIT Beratungstelle. Er ist afghanischer Asylwerber und hält sich seit 1999 in Österreich auf. Trotz seines vierjährigen Aufenthaltes in Österreich hatte er bisher noch keine Möglichkeit die deutsche Sprache zu erlernen. Daher lernt er in den folgenden Monaten in einem ersten Schritt intensiv Deutsch. Der Herkunftsberuf von Herrn M. ist das Herstellen handgefertigter Schuhe. In seinem Herkunftsland war er sogar Besitzer eines eigenen, gut gehenden Schuhgeschäftes. In der Beratung erzählt Herr M., dass er Schuster mit Leib und Seele ist und in diesem Berufsfeld bleiben bzw. sobald die rechtliche Möglichkeit dazu besteht, auch arbeiten möchte. April 2004: Herr M. hat inzwischen in vier Kursen gut Deutsch gelernt und beschließt nach Rücksprache mit seinem DON’T WAIT Berater einen Volontariatsplatz bei einem Schuster für handgefertigte Schuhe zu suchen. Er verfolgt das Ziel, seine Fachkenntnisse zu aktualisieren, zu vertiefen und dem österreichischen Standard anzugleichen. In kurzer Zeit findet Herr M. einen Volontariatsgeber, einen renommierten Fachbetrieb für handgefertigte Schuhe im ersten Wiener Gemeindebezirk. Mai 2004: Für den Start des Volontariates gilt es noch eine Hürde zu überwinden: Herr M. verfügt über keine Zeugnisse, die seine Qualifikation als Schuster belegen. In einem ersten Anlauf fällt daher die Anzeigebestätigung negativ aus. Der Berater von Herrn M. nimmt Kontakt mit dem zuständigen AMS auf, erklärt die politische Situation in Afghanistan und die Unmöglichkeit für Herrn M., angesichts der derzeitigen Lage, Zeugnisse vorlegen zu können. Weiters weist er daraufhin, dass Herr M. mittels Werkstücken und eines Fachgespräches beim Volontariatsunternehmen sein Schuster-Know-how unter Beweis gestellt hat. Juni 2004: Die Anzeigebestätigung wird ausgestellt. Herr M. beginnt mit einem dreimonatigen Volontariat und erhält währenddessen Asyl. September 2004: Nach Beendigung des Volontariates stellt der Schuhbetrieb Herrn M. sofort als Mitarbeiter an. Heute hat Herr M. eine eigene Wohnung und einen Job in seinem Herkunftsberuf. Die Brücken hierzu waren das Erlernen der deutschen Sprache und ein Volontariat.

5.8. DEFINITION FERIAL- UND BERUFSPRAKTIKUM
Beim Ferial- und Berufspraktikum steht immer der Ausbildungszweck im Vordergrund. Laut § 3 Abs. 5 des AuslBG gilt eine Tätigkeit nur dann als Ferial- oder Berufspraktikum, wenn diese Tätigkeit SchülerInnen eines geregelten Lehr- oder Studienganges an einer inländischen Bildungseinrichtung mit Öffentlichkeitsrecht als Teil ihrer Ausbildung vorgeschrieben ist. So z.B. beinhaltet die Ausbildung zum Altenfachbetreuer/zur Altenfachbetreuerin ein Pflichtpraktikum.  Wie beim Volontariat ist die Beschäftigung eines/einer AsylwerberIn vom Praktikumsbetrieb anzuzeigen.  Ebenso darf keine Bindung an die betriebliche Arbeitszeit sowie keine Weisungsgebundenheit vorliegen.

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6. BESCHÄFTIGUNG
6.1. DER RECHTLICHE RAHMEN
AsylwerberInnen unterliegen dem Ausländerbeschäftigungsgesetz (AuslBG) und bedürfen daher für jede unselbständige Beschäftigungsaufnahme einer Beschäftigungsbewilligung. Ausgenommen vom AuslBG sind nur solche Personen und Tätigkeiten, auf welche die Bestimmungen des AuslBG nicht anzuwenden sind. Einige wichtige Rechtsgrundlagen, die den Beschäftigungszugang für AsylwerberInnen derzeit regeln sind:  die AuslBG-Novelle mit dem EU-Erweiterungsanpassungsgesetz (01. Mai 2004)  der Durchführungserlass zum EU-Erweiterungsanpassungsgesetz (01. Mai 2004)  die EU-Aufnahmerichtlinie = Richtlinie 2003/9/EG des Rates zur Festlegung von Mindestnormen für die Aufnahme von AsylwerberInnen in den Mitgliedsstaaten (27. Jänner 2003) AUSLBG-NOVELLE UND EU-ERWEITERUNGSANPASSUNGSGESETZ In Umsetzung des Artikels 11 der EU-Aufnahmerichtlinie ist mit dem EU-Erweiterungs-anpassungsgesetz und der AuslBG-Novelle vom 01.05.04, § 4 Abs. 3 Z 7 dahingehend geändert worden, dass eine Beschäftigungsbewilligung dann erteilt werden kann, wenn  seit über drei Monaten ein nicht rechtskräftig abgesprochener Asylantrag eingebracht wurde und das Verfahren nicht eingestellt wurde oder  wenn AusländerInnen über eine § 10.4 Aufenthaltserlaubnis verfügen oder  über eine befristete Aufenthaltserlaubnis gemäß § 15 oder  sie aufgrund einer Verordnung gemäß § 29 FrG zum Aufenthalt im Bundesgebiet berechtigt sind oder  der Ausländer/die Ausländerin über eine Niederlassungsbewilligung (ausgenommen nach §19 Abs 5 FrG) verfügt oder  Sichtvermerks- und Niederlassungsfreiheit genießt (ausgenommen im Falle eines Antrages auf Verlängerung der Beschäftigungsbewilligung oder im Falle des § 27FrG) Bei der Erteilung einer Beschäftigungsbewilligung werden:  die Arbeitsmarktprüfung nach § 4b Abs.1 (Ersatzkraftverfahren) und  das erschwerte Bewilligungsverfahren nach § 4 Abs. 6+7 AuslBG angewendet. Danach muss der Regionalbeirat den Antrag auf Beschäftigungsbewilligung einhellig befürworten oder eine Beschäftigung muss im Hinblick auf die fortgeschrittene Integration des Ausländers/der Ausländerin geboten erscheinen. DURCHFÜHRUNGSERLASS ZUM EU-ERWEITERUNGSANPASSUNGSGESETZ Mittels des Durchführungserlasses zum EU-Erweiterungsanpassungsgesetz wurde der Zugang für AsylwerberInnen mit § 19 (36b) Aufenthaltsberechtigung nach dreimonatiger Wartefrist auf Beschäftigungsbewilligungen im Rahmen von Kontingenten gemäß § 5 AuslBG eingeschränkt. Damit ist für diese AsylwerberInnen der Eintritt in den Arbeitsmarkt auf Saisonbeschäftigungen und auf Tätigkeiten als ErntehelferInnen beschränkt. Gleichzeitig legt der Durchführungserlass fest, dass im Rahmen von Kontingenten gemäß § 5 bei Anträgen auf eine Beschäftigungsbewilligung, solche neuer EU-BürgerInnen bevorzugt zu bewilligen sind (§ 5 Abs 3 -> Gemeinschaftspräferenz). Somit haben derzeit nur AsylwerberInnen mit § 10.4 und § 15 (36c) Aufenthaltserlaubnis Zugang zu einer Beschäftigungsbewilligung außerhalb von § 5 Kontingenten. Für AsylwerberInnen mit einer Aufenthaltsberechtigung nach § 29 FrG gibt es zur Zeit keine Aufenthaltsverordnung. EU-AUFNAHMERICHTLINIE 2003/9/EG Ihr Zweck ist die Festlegung von Mindestnormen für die Aufnahme von AsylwerberInnen in den Mitgliedsstaaten.
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Artikel 11 legt den Zugang zu Beschäftigung fest, wobei in Absatz 1 definiert wird, dass die Mitgliedsstaaten einen mit der Einreichung des Asylantrages beginnenden Zeitraum festlegen, in dem der Asylwerber/die Asylwerberin keinen Zugang zum Arbeitsmarkt hat. Österreich hat diesen Zeitraum mit 3 Monaten definiert (AuslBGNovelle 2004). Weiters können nach Absatz 2 die Mitgliedsstaaten beschließen, unter welchen Voraussetzungen AsylwerberInnen Zugang zum Arbeitsmarkt gewährt wird. Für Österreich gelten diesbezüglich die Bestimmungen in der AuslBGNovelle und des EU-Erweiterungsanpassungsgesetzes. BITTE BEACHTEN SIE: Dem überwiegenden Teil der AsylwerberInnen ist derzeit der Zugang zum Arbeitsmarkt verwehrt. Nischen und Ausnahmen gibt es nur wenige und sie sind immer an die Erfüllung besonderer Voraussetzungen gebunden.

6.2. BESCHÄFTIGUNGSZUGANG DURCH EINE BESCHÄFTIGUNGSBEWILLIGUNG
Die Beschäftigungsbewilligung wird vom Unternehmen beantragt, in dem die Ausländerin/der Ausländer beschäftigt werden soll. Sie gilt für höchstens ein Jahr, wird für einen Arbeitsplatz erteilt und gilt für den politischen Bezirk, in dem der Beschäftigungsort liegt. Als ArbeitgeberInnen ausgenommen sind Leasingfirmen. Die AuslBG-Novelle vom 01.05.04 legt in § 4 fest, unter welchen Bedingungen Personen, die in das AuslBG fallen, eine Beschäftigungsbewilligung erteilt bekommen können. Demnach würden AsylwerberInnen unter Anwendung des Ersatzkraftstellungsverfahrens nach § 4b Abs.1 des AuslBG und dem erschwerten Bewilligungsverfahren nach § 4 Abs. 6+7 dann rechtlichen Zugang zu einer Beschäftigungsbewilligung haben, wenn sie über  eine Aufenthaltserlaubnis nach § 10.4 AsylG oder  nach § 15 (36c) AsylG oder  nach § 29 FrG verfügen oder  wenn ihr Asylantrag seit über 3 Monaten eingebracht ist, nicht rechtskräftig abgesprochen wurde und das Verfahren läuft. Gemäß diesen Bestimmungen hätten auch AsylwerberInnen mit § 19 (36b) Aufenthaltsstatus drei Monate nach Einreichung des Asylantrages Zugang zu einer Beschäftigungsbewilligung. Der Durchführungserlass zum EU-Erweiterungsanpassungsgesetz schränkt diesen Zugang jedoch wieder – wie bereits erwähnt – auf Beschäftigungsbewilligungen in den Bereichen Saison- und Erntearbeit ein. BITTE BEACHTEN SIE: Im Zuge des Ersatzkraftstellungsverfahrens werden offene Stellen bevorzugt mit BezieherInnen von Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung – unabhängig von deren Staatsanghörigkeit – besetzt. Weiters werden neue EU-BürgerInnen gegenüber gleichrangig vorgemerkten Drittstaatsangehörigen bevorzugt.

FALLBEISPIEL: BESCHÄFTIGUNGSBEWILLIGUNG MIT § 15 AUFENTHALTSSTATUS
Dezember 2003: Herr A., ein 28jähriger Afghane, ist mittlerweile vier Monate in DON’T WAIT Beratung. In diesen vier Monaten hat er seine Deutschkenntnisse verbessert und die Zeit dahingehend genutzt, eine Anamnese seines Bildungs- und Berufshintergrundes durchzuführen. Herr A. war in Afghanistan Herrenschneider. Im Vergleich zu den Fertigkeiten eines in Österreich ausgebildeten Herrenkleidermachers unterscheidet ihn, dass er zudem ein ausgezeichneter Weißnäher ist. Diese Qualifikation wird am österreichischen Arbeitsmarkt derzeit nur selten gebraucht. Daher gibt es aber auch praktisch keine WeißnäherInnen, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Aus diesem Grund beschließt Herr A., der über einen § 15 Aufenthaltsstatus verfügt, zusammen mit seiner DON’T WAIT Beraterin eine Stelle als Weißnäher zu suchen. In wenigen Monaten findet er ein Unternehmen, das seit Monaten einen Weißnäher aufnehmen möchte.
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Das Unternehmen stellt einen Antrag auf Beschäftigungsbewilligung. Im Ersatzkaftstellungsverfahren können keine bevorzugten Ersatzkräfte mit den im Antrag formulierten Qualifikationen gefunden werden. März 2004: Am 1. März 2004 wird vom zuständigen AMS die Beschäftigungsbewilligung erteilt. Herr A. nimmt die Tätigkeit als Weißnäher auf und hat damit als Asylwerber die Integration in den Arbeitsmarkt geschafft, vorerst für ein Jahr.

6.3. BESCHÄFTIGUNGSZUGANG DURCH BEFRISTETE KONTINGENTE NACH § 5 DES AUSLBG
Beschäftigungsbewilligungen im Rahmen von § 5 Kontingenten, sind zeitlich beschränkt, werden für einen Arbeitsplatz erteilt und gelten für den politischen Bezirk, in dem der Beschäftigungsort liegt. Der Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit ist im Falle eines vorübergehenden Arbeitskräfte-bedarfs ermächtigt, per Verordnung Kontingente für die Zulassung zeitlich befristeter Arbeitskräfte (Saisonkräfte) oder für die kurzfristige Zulassung ausländischer ErntehelferInnen festzulegen, insofern die benötigten Arbeitskräfte nicht aus dem zur Verfügung stehenden Arbeitskräftepotenzial abgedeckt werden können. Erteilt werden dürfen die Beschäftigungsbewilligungen für Saisonarbeit für höchstens sechs Monate und für EntehelferInnen für höchstens sechs Wochen. Dabei sind AusländerInnen, die bereits über einen Aufenthaltstitel verfügen oder Niederlassungsfreiheit genießen, bei der Bewilligung zu bevorzugen, ebenso wie neue EU-BürgerInnen (§ 5 Abs 3 -> Gemeinschaftspräferenz). Das bedingt, dass AsylwerberInnen zunehmend weniger Chancen sogar auf eine Erteilung einer Beschäftigungs-bewilligung im Rahmen von § 5 Kontingenten haben. Insgesamt werden befristete Beschäftigungsbewilligungen für höchstens zwölf Monate innerhalb von 14 Monaten erteilt. Im Falle einer durchgehenden Beschäftigung bis zu einem Jahr wird eine neue Beschäftigungsbewilligung für dieselbe Person frühestens zwei Monate nach Beendigung der letzten bewilligten Beschäftigung erteilt. HINWEIS: Alle Bundesgesetze, Verordnungen und Kundmachungen sind unter ris1.bka.gv.at abrufbar.

6.4. BESCHÄFTIGUNGSZUGANG DURCH EINE ARBEITSERLAUBNIS
Die Arbeitserlaubnis wird vom Ausländer/von der Ausländerin selbst beantragt, darf für höchstens zwei Jahre ausgestellt werden und ist auf das Bundesland eingeschränkt, für welches sie ausgestellt wird. Nach § 14a darf einem Ausländer/einer Ausländerin dann eine Arbeitserlaubnis ausgestellt werden, wenn dieser/diese in den letzten 14 Monaten insgesamt 52 Wochen im Bundesgebiet mit einer dem Geltungsbereich des AuslBG unterliegenden Tätigkeit erlaubt beschäftigt war. Nicht berücksichtigt werden dabei Tätigkeiten im Rahmen  von Volontariaten, Berufs- oder Ferialpraktika  von Entsendebewilligungen  von Kontingenten gemäß § 5 AuslBG  von Beschäftigungsbewilligungen für Künstler gemäß § 4a AuslBG § 4a des AuslBG legt fest, dass einem Ausländer/einer Ausländerin eine unselbständige Tätigkeit, die überwiegend
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aus Aufgaben der künstlerischen Gestaltung besteht, auch bei Fehlen der Voraussetzungen gemäß § 4 Abs. 1 bis Abs. 3 des AuslBG zu erteilen ist, außer die Beeinträchtigung der öffentlichen Interessen wiegt schwerer als die Beeinträchtigung der Kunstfreiheit des Ausländers/der Ausländerin. Bei der Erteilung der Beschäftigungsbewilligung darf weder ein Urteil über den Wert der künstlerischen Tätigkeit noch über die künstlerische Qualität des Künstlers/der Künstlerin maßgebend sein. Bei begründetem Zweifel muss das Vorliegen der künstlerischen Tätigkeit im Sinne des § 4a AuslBG glaubhaft gemacht werden.

6.5. BESCHÄFTIGUNGSZUGANG DURCH EINEN BEFREIUNGSSCHEIN
Der Befreiungsschein wird vom Ausländer/von der Ausländerin selbst beantragt. Er ist auf jeweils fünf Jahre auszustellen und gilt für das gesamte Bundesgebiet. Nach § 15 AuslB ist der Befreiungsschein auf Antrag des Ausländers/der Ausländerin dann auszustellen, wenn:  er/sie während der letzten acht Jahre mindestens fünf Jahre in Österreich erlaubt beschäftigt war, oder  er/sie das letzte volle Schuljahr vor Beendigung seiner Schulpflicht in Österreich absolviert hat, über eine Niederlassungsbewilligung verfügt und wenigstens ein niedergelassener Elternteil während der letzten fünf Jahre mindestens drei Jahre im Bundesgebiet erwerbstätig war oder  er/sie mindestens fünf Jahre mit einem österreichischen Staatsbürger/einer österreichischen StaatsbürgerIn verheiratet war und seinen/ihren Wohnsitz in Österreich hat oder  er/sie durch ihre/seine Tätigkeit im Rahmen von EU-Aus- und Weiterbildungs- oder EU-Forschungsprogrammen nicht dem Geltungsbereich des AuslBG unterliegt und sich während der letzten fünf Jahre mindestens zweieinhalb Jahre in Österreich rechtsmäßig aufgehalten hat. BITTE BEACHTEN SIE: Die Voraussetzung der fünfjährigen Ehedauer entfällt, wenn der Ehegatte/die Ehefrau verstorben ist. Die Voraussetzung der mindestens dreijährigen Erwerbstätigkeit eines Elternteils entfällt, wenn der erwerbstätige Elternteil verstorben ist.

6.6. TÄTIGKEITEN, DIE AUS DEM AUSLBG HERAUSFALLEN
6.6.1. AUSNAHMEN VOM AUSLBG UND TÄTIGKEITEN INNERHALB DER AUSLBVO (AUSLÄNDERBESCHÄFTIGUNGSVERORDNUNG)
Das Ausländerbeschäftigungsgesetz definiert in § 1 Absatz 2, in welchen Fällen eine Beschäftigungsaufnahme nicht unter die Bestimmungen des AuslBG fällt. Diese Ausnahmen sind im Folgenden zusammen mit den Ausnahmen durch die Ausländerbeschäftigungsverordnung des Bundesministers für Arbeit und Wirtschaft in Form zweier Mindmaps zusammengefasst. BITTE BEACHTEN SIE: Sollten AsylwerberInnen Zugang zu einer vom AuslBG ausgenommenen Beschäftigung erhalten bzw. eine Beschäftigung annehmen, die unter die AuslBVO fällt, bedarf es keiner Beschäftigungsbewilligung.

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TeilnehmerInnen von DON'T WAIT bei der Beratung und bei der Ausübung ihres Berufes. Fotos: Annunziata Schmidt-Chiari.
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AUSLÄNDERBESCHÄFTIGUNGSGESETZ

§ 1.2l AuslBG • EWR BürgerInnen • Drittstaatsangehörige Ehegatten/-frauen österreichischer StaatsbürgerInnen oder anderer EWR-BürgerInnen sowie • drittstaatsangehörigen Kindern österreichischer StaatsbürgerInnen oder anderer EWR-BürgerInnen (einschließlich Adoptiv- und Stiefkinder), wenn diese noch nicht 21 Jahre alt sind oder wenn ihnen vom österreichischen oder EWR Elternteil Unterhalt gewährt wird. Der Ehegatte/die Ehefrau bzw. das Kind muss in Österreich aufenthaltsberechtigt sein.

§ 1.2j AuslBG AusländerInnen hinsichtlich ihrer Tätigkeit im Rahmen von • Aus- und Weiterbildungsprojekten der EU (mit dem Durchführungserlass zum EU-Erweiterungsanpassungsgesetz vom 1.5.04 sind davon EQUAL Projekte ausgenommen) • Oder Forschungsprogramme der EU

AusländerInnen hinsichtlich Tätigkeiten, die von den Bestimmungen des AuslBG ausgenommen sind § 1.(2)

§ 1.2i AuslBG AusländerInnen hinsichtlich ihrer Tätigkeit als HonorarprofessorInnen, GastprofessorInnen, LektorInnen, InstruktorInnen, Lehrbeauftragte oder VertragsassistentInnen • an österreichischen Universitäten • an der Akademie der bildenden Künste • an Kunsthochschulen

§ 1.2g AuslBG AusländerInnen hinsichtlich ihrer Tätigkeiten • als BerichterstatterInnen für ausländische Medien in Wort, Ton und Bild für die Dauer ihrer Akkreditierung als AusländerkorrespondentInnen beim Bundeskanzleramt, sowie • AusländerInnen hinsichtlich ihrer für die Erfüllung der Aufgaben dieser Berichterstatter unbedingt erforderlichen Tätigkeiten für die Dauer ihrer Notifikation beim Bundeskanzleramt

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§ 1.2a AuslBG AusländerInnen, denen in Österreich Asyl gewährt wurde

§ 1.2b AuslBG AusländerInnen hinsichtlich ihrer wissenschaftlichen, pädagogischen, kulturellen und sozialen Tätigkeiten an Unterrichtsanstalten oder in Instituten wissenschaftlichen, kulturellen oder sozialen Charakters, die aufgrund eines zwischenstaatlichen Kulturabkommens errichtet wurden.

§ 1.2c AuslBG AusländerInnen hinsichtlich ihrer Tätigkeiten • in diplomatischen oder berufskonsularischen • in mit diplomatischen Vorrechten ausgestatteten zwischenstaatlichen Organisationen • in ständigen Vertretungen bei solchen Organisationen • als Bedienstete solcher AusländerInnen

§ 1.2d AuslBG AusländerInnen hinsichtlich ihrer seelsorgerischen Tätigkeiten im Rahmen von gesetzlich anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften

§ 1.2e AuslBG AusländerInnen hinsichtlich ihrer Tätigkeiten als Besatzungsmitglieder von See- und Binnenschiffen, es sei denn sie üben eine Tätigkeit bei einem Unternehmen mit Sitz im Bundesgebiet aus.

§ 1.2f AuslBG Besondere Führungskräfte (§ 2 Abs. 5a), ihre drittstaatsangehörigen Ehegatten/ -frauen und Kinder sowie ihre ausländischen Bediensteten, die seit mindestens einem Jahr in einem direkten und rechtmäßigen Arbeitsverhältnis zur besonderen Führungskraft stehen und deren Weiterbeschäftigung unter Einhaltung der geltenden Lohn- und Arbeitsbedingungen sowie der sozialversicherungsrechtlichen Vorschriften zur Unterstützung der Führungskraft erforderlich ist.

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AUSLÄNDERBESCHÄFTIGUNGSVERORDNUNG

§ 1.10 AuslBVO AusländerInnen zwischen 18 und 28 Jahren für eine sechs Monate dauernde Tätigkeit als Au-Pair Kraft, sofern diese Tätigkeit von der Gastfamilie der zuständigen regionalen Geschäftsstelle des AMS zwei Wochen vor Beginn der Tätigkeit angezeigt wurde und das AMS eine Anzeigebestätigung ausgestellt hat (BGBl Nr. 124/2001)

§ 1.9 AuslBVO AusländerInnen hinsichtlich ihrer wissenschaftlichen oder pädagogischen Tätigkeit oder im Rahmen ihrer Ausbildung an der Diplomatischen Akademie und an der Sicherheitsakademie (§ 10a SPG) (BGBl Nr. 666/1994 und BGBl Nr. 469/2003)

§ 1.8 AuslBVO AusländerInnen hinsichtlich ihrer militärfachlichen Tätigkeit an einer Dienststelle des Bundesministeriums für Landesverteidigung (BGBl Nr. 666/1994)

Ausnahmen vom AuslBG aufgrund der Ausländerbeschäftigungsverordnung (AuslBVO)

§ 1.7 AuslBVO AusländerInnen hinsichtlich ihrer Lehr- und Forschungstätigkeit an Einrichtungen zur Durchführung von FachhochschulStudiengängen gemäß dem Bundesgesetz über Fachhochschulstudiengänge, BGBl Nr. 340/1993 (BGBl Nr. 666/1994)

§ 1.6 AuslBVO AusländerInnen hinsichtlich ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit in der Forschung und Lehre, in der Entwicklung und Erschließung der Künste sowie in der Lehre der Kunst (BGBl II Nr. 469/2003)

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§ 1.1 AuslBVO das ausländische Personal des aufgrund eines Übereinkommens zwischen den Vereinten Nationen und der österreichischen Bundesregierung errichteten Europäischen Zentrums für Ausbildung und Forschung auf dem Gebiet der sozialen Wohlfahrt hinsichtlich seiner wissenschaftlichen, kulturellen und sozialen Tätigkeiten im Rahmen dieses Zentrums (BGBl Nr. 609/1990)

§ 1.2 AuslBVO das ausländische Lehrpersonal hinsichtlich seiner pädagogischen Tätigkeiten einschließlich der Betreuung der Vorschulstufen ab dem dritten Lebensjahr an der internationalen Schule in Wien, der Amerikanischen internationalen Schule in Wien, der Danube International School, der Graz International and Bilingual School, der Linz International School Auhof und der American International School Salzburg (BGBl Nr. 609/1990 666//1994und BGBl II Nr. 469/2003

§ 1.3 AuslBVO AusländerInnen hinsichtlich ihrer Tätigkeiten als AustauschlehrerInnen und SprachassistentInnen an Unterrichtsanstalten und Universitäten im Rahmen zwischenstaatlicher Abkommen und Austauschprogramme (BGBl Nr. 729/1993 und BGBl Nr. 469/2003

§ 1.4 AuslBVO AusländerInnen hinsichtlich ihrer technischen Tätigkeit im Rahmen zwischenstaatlicher Abkommen über den Luftverkehr (BGBl Nr. 609/1990)

§ 1.5 AuslBVO ausländische StudentInnen oder AbsolventInnen im Rahmen eines auf Gegenseitigkeit beruhenden Austauschprogramms, sofern der Austausch über Vereine, bei denen entweder eine österreichische Hochschule Mitglied ist oder welche in Zusammenarbeit mit einer österreichischen Hochschule tätig sind, abgewickelt wird (BGBl Nr. 609/1990)

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6.6.2. HILFSTÄTIGKEITEN IN BETREUUNGSEINRICHTUNGEN UND GEMEINWESENARBEIT
Bei Hilfstätigkeiten und Gemeinwesenarbeit im Sinne der Definition des § 7 des Bundesbetreuungsgesetzes entsteht für AsylwerberInnen kein Dienstverhältnis. Daher sind für diese Art von Tätigkeiten die Bestimmungen des AuslBG nicht anzuwenden. Das Bundesbetreuungsgesetz legt in § 7 fest, dass AsylwerberInnen, die in einer Betreuungseinrichtung von Bund oder Ländern untergebracht sind, mit ihrem Einverständnis  für Hilfstätigkeiten, die im unmittelbaren Zusammenhang mit ihrer Unterbringung stehen, wie z.B. für Arbeiten in den Bereichen Reinigung, Küchenbetrieb, Transport, Instandhaltung,  und für gemeinnützige Hilfstätigkeiten für Bund, Land und Gemeinde herangezogen werden können. Letztere Tätigkeiten können z.B. Arbeiten in der Landschaftspflege und -gestaltung, in der Betreuung von Park- und Sportanlagen oder in der Administration sein. AsylwerberInnen, deren Verfahren gemäß § 24a AsylG zugelassen wurde, können ebenfalls mit ihrem Einverständnis zu Hilfstätigkeiten im Sinne einer Gemeinwesenarbeit herangezogen werden, sofern sie von Dritten betreut werden. Für diese Hilfstätigkeiten bekommen AsylwerberInnen laut Bundesbetreuungsgesetz eine „angemessene“ Entschädigung. Entschädigung deswegen, weil kein Dienstverhältnis vorliegt. Ein Beispiel für praktizierte Gemeinwesenarbeit ist die Gemeinde Hall in Tirol. Dort werden AsylwerberInnen gegen ein Taschengeld in gemeinnützige Arbeiten eingebunden, und zwar im Bereich der Altenbetreuung (Begleitung von SeniorInnen bei Spaziergängen), als Küchenhilfe, in der Friedhofsgärtnerei, beim Laubrechen oder beim Aufräumen von Müll. Während der Hilfstätigkeiten im Sinne des § 7 des Bundesbetreuungsgesetzes sind AsylwerberInnen krankenversichert.

6.6.3. BETREUUNG VON PATIENTINNEN
Private Vereine vermitteln auf selbständiger Basis AsylwerberInnen als „PatientInnenbetreuerInnen“ an private Haushalte mit einem Entgelt von circa € 33 pro Nacht (Stand November 2004). Vom Ausbildungshintergrund werden v.a. Personen vermittelt, die dipl. Krankenschwestern/-pfleger, PflegehelferInnen, HeimhelferInnen, AbsolventInnen einer MTD-Akademie, einer Sozialakademie und Medizin-StudentInnen sind. Ganz klar ist die gesetzliche Grundlage dieser selbständigen Tätigkeit aus DON’T WAIT Sicht nicht. Die Tätigkeit „Betreuung für PatientInnen“ ist nicht gewerbescheinpflichtig. Eine neue Selbständigkeit liegt jedoch jedenfalls nur dann vor, wenn mehrere AuftraggeberInnen vorliegen und nicht die Betriebsmittel der AuftraggeberInnen verwendet werden.

6.6.4. NEUE SELBSTÄNDIGKEIT
AsylwerberInnen können aufgrund ihres Aufenthaltstitels keinen Gewerbeschein bekommen. Diese Tatsache bezieht sich auf den § 14 der Gewerbeordnungs-Novelle 2002, in dem festgehalten wird, dass für die Ausübung einer selbständigen Erwerbstätigkeit die Erteilung eines Aufenthaltstitels erforderlich ist, der die rechtmäßige Ausübung dieses Gewerbes zulässt. Aufenthaltstitel während eines Asylverfahrens genügen dieser Anforderung aufgrund der ungewissen Dauer der Asylverfahren und dem Risiko entstehender Kosten nicht. AsylwerberInnen können jedoch Tätigkeiten ausführen, die in eine Neue Selbständigkeit fallen, da Neue Selbständige von der Gewerbeordnung ausgenommen sind.

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HINWEIS: Eine Beschreibung der möglichen Tätigkeiten als Neue Selbständige finden Sie in dem Abschnitt „Spezialfall: Gründungsberatung“.

6.6.5. BEWILLIGUNGSFREIE BESCHÄFTIGUNG IM RAHMEN EINER KÜNSTLERISCHEN GESAMTPRODUKTION
Laut § 3 Abs. 4 lit b (künstlerische Gesamtproduktion) des Durchführungserlasses zur AuslBG-Novelle vom 01. Jänner 2003 können Konzert-, BühnenkünstlerInnen oder Angehörige der Berufsgruppen Artisten, Film-, Rundfunk-, Radioschaffende oder MusikerInnen bis zu vier Wochen bewilligungsfrei beschäftigt werden, wenn eine künstlerische Veranstaltung oder Produktion sichernde Tätigkeit im Rahmen einer Gesamtproduktion ausgeübt wird. Das ist z.B. ein Konzert, eine Theateraufführung, eine Konzert-, Theatertournee, Filmaufnahme. Von dieser Sonderregelung sind alle an der Gesamtproduktion mitwirkenden AusländerInnen erfasst, auch wenn deren Tätigkeiten für sich betrachtet keine künstlerischen sind.

6.6.6. TÄTIGKEITEN ZUM ZWECKE DER FORTBILDUNG VOR ABLEGUNG DER NOSTRIFIKATIONSPRÜFUNG BEI BERUFEN IM GESUNDHEITSBEREICH
Gesetzliche Grundlage für diese Form der Beschäftigung sind die Bundesgesetze zur Ausbildung und Berufsausübung in den medizinischen Gesundheitsberufen. Personen/AsylwerberInnen, die eine außerhalb Österreichs erworbene Ausbildung      im gehobenen Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege, im gehobenen medizinisch technischen Dienst, im medizinisch-technischen Fachdienst, als Heilmasseur/in, als Hebamme besitzen,

dürfen bei entsprechenden Voraussetzungen zum Zwecke der Fortbildung arbeiten. Dabei werden diese Personen von einem Dienstgeber/einer Dienstgeberin angestellt und bekommen monatlichen Lohn ausbezahlt. Voraussetzungen für die Antragstellung auf Bewilligung einer Tätigkeit zu Fortbildungszwecken sind:  der Nachweis einer im Ausland anerkannten Ausbildung Ausländische Dokumente bedürfen dabei grundsätzlich der innerstaatlichen Beglaubigung des Herkunftsstaates. Außerdem ist eine Letztbeglaubigung entweder durch die zuständige österreichische Vertretungsbehörde oder durch das Legalisierungsbüro (Bundesministerium für auswärtige Angelegenheiten) erforderlich. Lediglich Dokumente aus Staaten, mit denen entsprechende bilaterale Verträge bestehen, bedürfen keiner Letztbeglaubigung.  die Bestätigung über ein Dienstverhältnis zu einer bestimmten Krankenanstalt oder einer bestimmten sonstigen, unter ärztlicher Aufsicht oder pflegerischer Leitung oder Aufsicht stehenden Einrichtung oder zu einem bestimmten freiberuflich tätigen Arzt.

ANTRAGSTELLUNG
Der Antrag ist vom Antragsteller/der Antragstellerin beim jeweiligen Amt der Landesregierung oder beim Bundesministerium für Gesundheit und Frauen zu stellen. Die zuständige Stelle ist abhängig von dem zu nostrifizierenden Beruf und gilt für AsylwerberInnen, die nicht aus EU- oder EWR-Ländern kommen.

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ERFORDERLICHE UNTERLAGEN
Diese sind auf den Websites der zuständigen Stellen nachzulesen bzw. in persönlicher Absprache zu klären. Die Kontaktadressen finden Sie auf den nachfolgenden Seiten dieses Kapitels.

BEWILLIGUNG
Die Bewilligung wird unter Bedachtnahme der Kenntnisse und Fertigkeiten, die in der Ausbildung des Heimatlandes vermittelt worden sind, erteilt. Fehlendes Wissen in grundlegenden berufsspezifischen Fächern oder mangelnde Kenntnisse der deutschen Sprache schließen eine Tätigkeit zu Fortbildungszwecken aus.

GEBÜHREN
 für den Antrag € 43, für die Beilagen je € 3,60  für den Bescheid € 76, für Verwaltungsabgaben € 3,20

GESUNDHEITSBERUFE & TÄTIGKEITEN ZUM ZWECKE DER FORTBILDUNG
1. Angehörige des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege Sie umfassen die Berufe der allgemeinen Gesundheits- und Krankenpflege, Kinder- und Jugendlichenpflege sowie der psychiatrischen Gesundheits- und Krankenpflege.  Gesetzliche Grundlage ist der § 34 Abs. 1 des Gesundheits- und Krankenpflegegesetzes (GuKG).  Der Antrag auf Tätigkeit zum Zwecke der Fortbildung ist beim Amt der zuständigen Landesregierung zu stellen.  Die Bewilligung wird für die Dauer von einem Jahr mit einer Verlängerungsmöglichkeit auf ein weiteres Jahr ausgestellt. 2. Angehörige der gehobenen medizinisch-technischen Dienste Sie umfassen die Berufe: dipl. Physiotherapeut/in, MTA, RTA, Logopäde/in, Orthopist/in, Ergotherapeut/in, Diätassistent/in.  Gesetzliche Grundlage ist das Bundesgesetz über die Regelung der gehobenen medizinisch-technischen Dienste (§ 9 Abs. 1 des MTD-Gesetzes)  Der Antrag auf Tätigkeit zum Zwecke der Fortbildung ist beim Amt der zuständigen Landesregierung zu stellen. Der Antrag kann schon vor dem Nostrifikationsbescheid gestellt werden, da ein eigener Sachverständiger/eine eigene Sachverständige prüft.  Die Bewilligung wird für die Dauer von zwei Jahren vom Landeshauptmann/von der Landeshauptfrau ausgestellt. BITTE BEACHTEN SIE: Der Nostrifikationsantrag ist beim Bundesministerium für Gesundheit und Frauen zu stellen. 3. HeilmasseurInnen  Gesetzliche Grundlage ist das Bundesgesetz über die Regelung des medizinisch-technischen Fachdienstes und der Sanitätshilfsdienste (§ 44 Abs.1 des MMHm-Gesetzes).  Der Antrag auf Tätigkeit zum Zwecke der Fortbildung ist beim Amt der zuständigen Landesregierung zu stellen.  Die Bewilligung wird für die Dauer von maximal sechs Monaten vom Landeshauptmann/von der Landeshauptfrau erteilt mit einer Verlängerungsmöglichkeit auf weitere sechs Monate.

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4. Hebammen  Gesetzliche Grundlage ist das Bundesgesetz über die Regelung des Hebammenberufes (§ 17 des Heb-Gesetzes)  Der Antrag auf Tätigkeit zum Zwecke der Fortbildung ist beim Amt der zuständigen Landesregierung zu stellen.  Die Bewilligung wird vom Landeshauptmann/von der Landeshauptfrau für die Dauer eines Jahres erteilt und kann um ein Jahr verlängert werden. Eine weitere Fortbildung ist jeweils frühestens nach Ablauf von fünf Jahren für die Dauer von jeweils höchstens einem Jahr möglich.  Die Bewilligung ist auf die Ausübung der Tätigkeit in Krankenanstalten beschränkt. BITTE BEACHTEN SIE: Im Gegensatz zum Antrag auf eine Tätigkeit zum Zwecke der Fortbildung ist der Antrag zur Nostrifikation der Hebammenausbildung beim Bundesministerium für Gesundheit und Frauen zu stellen. 5. Angehörige des medizinisch-technischen Fachdienstes (MTF)  Gesetzliche Grundlage ist das Bundesgesetz über die Regelung des medizinisch-technischen Fachdienstes (§ 52a des MTF-SHD-Gesetzes)  Die Bewilligung zu einer Tätigkeit zum Zwecke der Fortbildung wird vom Landeshauptmann/von der Landeshauptfrau erteilt und zwar bis zu einer Höchstdauer von zwei Jahren.  Der Antrag ist bei der zuständigen Landesregierung zu stellen. BITTE BEACHTEN SIE: Bewilligungen für dipl. Krankenschwestern/-pfleger erfolgen nach Erfahrung von DON’T WAIT in Wien und Niederösterreich problemlos, sofern eine entsprechende Ausbildung, mehrjährige Arbeitspraxis im Herkunftsland und gute Deutschkenntnisse vorliegen. In Wien sind als „ArbeitgeberInnen“ nur privat geführte Spitäler und Pflegeheime für eine Tätigkeit zum Zwecke der Fortbildung offen, da öffentliche Spitäler mit PraktikantInnen eine kostengünstigere Lösung bevorzugen.

BEWILLIGUNGEN FÜR HEILMASSEURINNEN
sind insofern schwer zu erhalten, da zumeist die Ausbildungen anderer Länder „nur“ einem medizinischen Masseur/einer medizinischen Masseurin gleichwertig gestellt werden und es dafür keine Arbeitsmöglichkeit zum Zwecke der Fortbildung gibt.

BEWILLIGUNGEN FÜR HEBAMMEN
Dazu gibt es in Wien laut Auskunft der MA 17 keine Erfahrungen. Einer der Gründe liegt darin, dass es sehr schwierig ist ein Krankenhaus zu finden, das einen Antrag auf Tätigkeit zum Zwecke der Nostrifikation stellt. Es gibt derzeit genügend Hebammen am Arbeitsmarkt. Im Gegensatz zu den anderen Gesundheitsberufen ist die Bewilligung für Hebammen jedoch auf die Ausübung der Tätigkeit in Krankenanstalten beschränkt. HINWEIS: Informationen zu den Voraussetzungen, den erforderlichen Unterlagen und den Antragsformularen sind entweder auf den Websites der jeweils zuständigen Ämter downzuloaden oder dort direkt anzufordern. Anbei die Kontaktadressen für Anträge auf eine Tätigkeit zum Zwecke der Fortbildung, gültig für AntragstellerInnen, die keine EU- oder EWR-StaatsbürgerInnen sind.

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ÄMTER DER LANDESREGIERUNGEN
AMT DER BURGENLÄNDISCHEN LANDESREGIERUNG 7001 Eisenstadt, Europaplatz 1 Abteilung 6 Tel: +43 (2682) 600-2667 www.burgenland.at AMT DER KÄRNTNER LANDESREGIERUNG 9021 Klagenfurt, Arnulfplatz 2 Tel: +43 (463) 536-31408 Abteilung 14 – Sozial- & Gesundheitsrecht www.ktn.gv.at AMT DER VORARLBERGER LANDESREGIERUNG 6901 Bregenz, Römerstr. 15 Eduard-Wallnöfer-Platz 3 Tel: +43 (5574) 511-0 www.vorarlberg.at AMT DER OBERÖSTERREICHISCHEN LANDESREGIERUNG 4020 Linz, Klosterstr. 7 Tel: +43 (732) 7720-0 www.ooe.gv.at AMT DER SALZBURGER LANDESREGIERUNG 5010 Salzburg, Postfach 527 Sebastian-Stief-Gasse 2 Tel: +43 (662) 8042-0 www.land-sbg.gv.at AMT DER STEIERMÄRKISCHEN LANDESREGIERUNG 8010 Graz, Trauttmansdorfgasse 2 Tel: +43 (316) 877-4400 www.steiermark.at AMT DER TIROLER LANDESREGIERUNG 6020 Innsbruck, Landhaus Eduard-Wallnöfer-Platz 3 Tel: +43 (512) 508-0 www.tirol.gv.at AMT DER NIEDERÖSTERREICHISCHEN LANDESREGIERUNG 3100 St. Pölten, Landhausplatz 1 Abteilung Sanitäts- und Krankenanstaltenrecht Tel: +43 (2742) 9005-13479 www.noel.gv.at/service/gs/gs4/ fortbildung.htm MAGISTRATSABTEILUNG 15 1030 Wien, Am Modenapark 1-2 Frau Maria Djabbari Tel: +43 (1) 53114-87433 oder -87421 www.wien.gv.at BUNDESMINISTERIUM FÜR GESUNDHEIT UND FRAUEN Abteilung I/B/6 1030 Wien, Bundesamtsgebäude Radetzkystr. 2 8. Stock, Zimmer 8K03, 8K10, 8K12 Tel: +43 (1) 71100-4128, -4646, -4686 www.bmgf.gv.at

HINWEIS: Linkverweise zum Ärzte-Gesetz, GuK-Gesetz, Heb-Gesetz, MTD-Gesetz, MTF-SHD-Gesetz, San-Gesetz finden Sie unter www.pflegerecht.at/Berufsrecht/Berufsrecht.htm

FALLBEISPIEL: TÄTIGKEIT ALS KRANKENSCHWESTER ZUM ZWECKE DER FORTBILDUNG
März 2003: Frau N. kommt aus dem Kosovo und hat dort als diplomierte Krankenschwester gearbeitet. Als sie im März zum ersten Mal eine DON’T WAIT Beratungsstelle aufsucht, geht es im Beratungsgespräch um die Frage des Lebenssinns: „Wie kann ich in dieser langen Zeit des Wartens mit nicht vorhersehbarem Ausgang Lebenssinn kreieren, in einer Situation ohne Betätigungsmöglichkeit, ohne die Möglichkeit einer produktiven Lebensstruktur, ohne verfolgbares Ziel?“ Eine Tätigkeit als Krankenschwester würde Frau N. dabei helfen in ein für sie sinnvolles Leben zu treten, jedoch sieht sie als Asylwerberin keine Möglichkeit dazu. Ihre DON’T WAIT Beraterin macht Frau N. auf die Möglichkeit der Nostrifikation ihrer Ausbildung aufmerksam und auf eine mögliche Tätigkeit als Krankenschwester zum Zwecke der Fortbildung. Frau N. beschließt, diesen Weg zu versuchen. Sie lässt ihre Zeugnisse übersetzen und stellt noch im März beim Amt der Niederösterreichischen Landesregierung einen Nostrifikationsantrag. November 2003: Sechs Monate wartet Frau N. bereits auf ihren Nostrifikationsbescheid und erhält diesen am 11. November zugestellt. Teile ihrer Ausbildung sind anerkannt worden, Teile – sowohl theoretische als auch praktische – muss sie nachholen. Frau N. meldet sich daraufhin bei einer Krankenpflegeschule für die Ergänzungsausbildung zur diplomierten Krankenschwester an. Gleichzeitig sucht sie mit Unterstützung ihrer Beraterin nach einer Einrichtung, die sie zum Zwecke der Fortbildung beschäftigt. Mai 2004: Frau N. stellt sich bei einem Pflegeheim vor und beginnt dort, nachdem ihr Antrag auf eine Tätigkeit als Krankenschwester zum Zwecke der Fortbildung bewilligt wurde, zwanzig Stunden pro Woche zu arbeiten. Nach einem Jahr wird Frau N. einen Antrag auf Verlängerung stellen. Inzwischen besucht sie neben ihrer Arbeit die Ergänzungsausbildung zur diplomierten Krankenschwester. Sobald sie ihre letzte Prüfung bestanden hat und ihre Arbeitszeiten als Praktikumszeiten anerkannt worden sind, ist ihre Nostrifikation abgeschlossen. Die Zeit des Asylverfahrens konnte Frau N. damit für sich auf sinnvolle Weise nutzen.
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SPEZIALFALL:

GRÜNDUNGSBERATUNG
Susanne Schweiger unter Mitarbeit von Andreas Bärnthaler, Elisabeth Blankenhorn und Annunziata Schmidt-Chiari

1. EINLEITUNG
WARUM ASYLWERBERINNEN ALS „NEUE SELBSTÄNDIGE“ ARBEITEN DÜRFEN
AsylwerberInnen (§ § 7, 8, 36b, 15 bzw. 36c) sind auf dem Arbeitsmarkt in Österreich stark benachteiligt. Die Möglichkeiten, einer legalen unselbständigen oder selbständigen Erwerbsarbeit nachzugehen, sind äußerst gering. Im Bereich der Selbständigen Erwerbsarbeit ist es den AsylwerberInnen gesetzlich nicht erlaubt, ein Gewerbe anzumelden bzw. einen Gewerbeschein dafür zu bekommen. Die „Neue Selbständigkeit“ ist die einzige Möglichkeit für AsylwerberInnen, legal einer selbständigen Beschäftigung nachzugehen. Weder im Gewerberecht, noch im Ausländerbeschäftigungsgesetz oder im Asylgesetz gibt es Zugangsbeschränkungen für AsylwerberInnen.

Die Ausübung der „Neuen Selbständigkeit“ hat keinen Einfluss auf das laufende Asylverfahren und führt auch nicht zu einem (anderen) Aufenthaltsrecht in Österreich!

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2. „NEUE SELBSTÄNDIGE“
2.1. TÄTIGKEITEN DER „NEUEN SELBSTÄNDIGEN“
Beispiele:
 LEHRTÄTIGKEITEN
z.B. SporttrainerIn: KaratetrainerIn, AerobictrainerIn, LauftrainerIn z.B. SprachlehrerIn: RussischlehrerIn

 AUTORINNEN  JOURNALISTINNEN  LITERARISCHE ÜBERSETZERINNNEN  KÜNSTLERINNEN
z.B. MalerIn, PianistIn, OpernsängerIn

 PHYSIOTHERAPEUTINNEN, PSYCHOTHERAPEUTINNEN, HEBAMME,

HEILMASSEURINNEN
für diese Berufe ist ein Ausbildungsnachweis erforderlich!

 MUTTERSPRACHLICHE KINDERBETREUUNG  REISEBEGLEITUNG  MODELS  ERSTELLEN EINES BESTIMMTEN EDV-PROGRAMMS  RESTAURATORINNEN

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2.2. VORAUSSETZUNGEN FÜR „NEUE SELBSTÄNDIGE“
Folgende Voraussetzungen müssen für das Vorliegen einer „Neuen Selbständigkeit“ erfüllt werden:
 Weisungsfreiheit, Marktpräsenz, eigenes wirtschaftliches Risiko, eigene Betriebsmittel, Arbeit nach eigenem Plan, eigene Gewährleistung, Vertretbarkeit, Herstellung eines eigenen Werkes oder Erbringung eines Erfolges.  D.h., auch andere selbständige Berufe, die nicht unter Punkt 2.1. erwähnt sind, aber diese Voraussetzungen erfüllen, KÖNNEN als „Neue Selbständige“ ausgeübt werden. Voraussetzung dafür ist:  Die Tätigkeiten dürfen nicht unter die Gewerbeordnung fallen: Sind diese Tätigkeiten, trotz der erfüllten Voraussetzungen in der Gewerbeordnung geregelt, liegt automatisch ein Gewerbe vor!  Eine Beschäftigungsbewilligung ist für „Neue Selbständige“ ebenfalls nicht erforderlich, wenn beide Voraussetzungen erfüllt werden, da dann keine unselbständige Erwerbsarbeit vorliegt.

2.3. BEISPIELE
 Herr G. ist als Französischlehrer tätig: Er unterrichtet an einem privaten Sprachinstitut mehrmals pro Woche Französisch. Daneben hat er 3 Privatschüler, die er im Einzelunterricht unterrichtet.  Frau M. ist als Sängerin und Stimmbildnerin tätig: Sie tritt in Konzerten auf, singt in einem Chor und gibt Musikstudierenden Unterricht in Stimmbildung.  Herr A. ist als „long distance“-Lauftrainer tätig: Er leitet zweimal pro Woche eine Laufgruppe, und trainiert in Einzeltrainings speziell Lauf-Sportler, die sich auf einen Marathon vorbereiten.  Herr A. ist als Journalist tätig: Er schreibt für drei afrikanische Zeitschriften (Zielpublikum: AfrikanerInnen in Europa), zwei österreichische Zeitungen, und ist Mitarbeiter der Redaktion eines Bezirksblattes in Wien.

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2.4. BETEILIGUNG AN GESELLSCHAFTEN
Durch die Beteiligung an einer Gesellschaft, kann der/die Beteiligte unter bestimmten Voraussetzungen, zum „Neuen Selbständigen“ werden, auch wenn ein Gewerbe vorliegt.

2.4.1. KOMMANDITISTIN IN EINER KOMMANDITERWERBSGESELLSCHAFT (KEG)
 Speziell im Bereich Handwerk werden viele Kleinbetriebe in Österreich als Kommanditerwerbsgesellschaften, kurz: KEGs, geführt.  Der Hauptverantwortliche, sprich: Komplementär einer KEG, muss einen Gewerbeschein besitzen oder die Voraussetzungen für den Gewerbeschein erfüllen.  AsylwerberInnen können sich als Kommanditisten mit einer Einlage (=finanzielle Beteiligung) an der KEG beteiligen oder eine KEG gründen.  Übt der/die AsylwerberIn „persönlich und tatsächlich einen wesentlichen Einfluss auf die Geschäftsführung aus“ (siehe §2.4 AuslBG), kann er/sie als „Neuer Selbständiger“ in dieser KEG arbeiten und legale Einkünfte erwerben.  Ob wirklich alle Voraussetzungen einer „Neuen Selbständigkeit“ erfüllt werden, kann der/die AsylwerberIn überprüfen, wenn er/sie einen Antrag auf Beschäftigungsbewilligung beim Arbeitsmarktservice stellt.

2.4.2. ANDERE BETEILIGUNGEN AN ANDEREN GESELLSCHAFTEN
Es gibt durchaus noch andere Möglichkeiten der Beteiligung an einer GesmbH (geschäftsführende GesmbH-Gesellschafter ab einer bestimmten Beteiligung) oder einer anderen Gesellschaftsform. In diesem Fall empfehlen wir die Konsultation eines Steuerberaters/Steuerberaterin.

2.4.3. BEISPIEL
 Hr. D. betreibt mit einem Bekannten, der österreichischer Staatsbürger ist und den Gewerbeschein hat, einen Kebab-Stand in Wien. Sie haben eine KEG gegründet. Hr. D. hat sich mit einer Einlage von € 100,– als Kommanditist daran beteiligt. Sie betreiben den Kebab-Stand gemeinsam, d.h. sie arbeiten gemeinsam und entscheiden gemeinsam alle betrieblichen Dinge.

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3. WERKVERTRAG UND HONORARNOTE
3.1. WERKVERTRAG
„Neue Selbständige“ schliessen einen mündlichen oder schriftlichen Werkvertrag mit ihren Kunden/AuftraggeberInnen ab.
Es müssen folgende Vorrausetzungen für einen Werkvertrag vorliegen:  Herstellung eines Werkes oder Erbringung eines Werkes  Nach eigenem Plan, auf eigenes Risiko  Auftragsweitergabe an andere muss möglich sein  Verwenden eigener Betriebsmittel  Man kann sich vertreten lassen  Weisungsfrei  Es gibt eine „Marktpräsenz“, d.h. mehrere verschiedene Auftraggeber, Werbung über Homepage, Zeitung etc.

Der Werkvertrag bildet die Basis für eine „Neue Selbständigkeit“. Beispiel eines Werkvertrages befindet sich im Anhang auf Seite 92.

3.2. HONORARNOTE
Der „Neue Selbständige“ (Ausnahme: der Kommanditist in einer KEG!), schreibt nach Erbringung einer Leistung oder vorher festgelegten Zeitabständen (z.B. wöchentlich oder monatlich) eine Rechnung. Diese Rechnung an den Auftraggeber nennt sich Honorarnote. Beispiel einer Honorarnote befindet sich im Anhang auf Seite 94.

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4. SOZIALVERSICHERUNG
4.1. DEFINITION
Die Sozialversicherung ist eine Versicherungsleistung Das heisst, dass über das Einkommen regelmässig Versicherungsbeiträge an die Sozialversicherungsanstalten abgeführt werden. Im Gegenzug ist der/die Versicherte bei Krankheit, Unfall und Pension finanziell abgesichert.

VON DER SOZIALVERSICHERUNG WERDEN FOLGENDE LEISTUNGEN ABGEDECKT:
 Arztkosten  Krankenhauskosten  Pensionsversicherung  Unfallversicherung keine Arbeitslosenversicherung!

4.2. WAS IST EINE „MITVERSICHERUNG“ IN DER SOZIALVERSICHERUNG?
Die EhepartnerInnen und Kinder können, wenn sie nicht selbst versichert sind, mitversichert werden, und zwar:  EhepartnerInnen & Kinder & LebensgefährtInnen müssen für den Krankenschutz grundsätzlich einen monatlichen Zusatzbeitrag in Höhe von 3,4 Prozent der Beitragsgrundlage des Versicherten zahlen.  Gratis mitversichert sind: Frauen und Männer, die ein Kind erziehen oder sich mindestens vier Jahre der Kindererziehung gewidmet haben. Personen, die ihren Partner pflegen Personen mit geringem Nettoeinkommen und sozialer Schutzbedürftigkeit. Kinder und Enkel bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres ODER bis zur Vollendung des 27. Lebensjahres bzw. Ende der Schul-/Berufsausbildung.

• • • • •

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4.3. FRAGEN ZUR SOZIALVERSICHERUNG
 Welche Versicherungsanstalt ist für die „Neuen Selbständigen“ zuständig?  Ab wann muss ich mich bei der Sozialversicherungsanstalt melden?  Ab wann muss ich mich pflichtversichern?  Ist es überhaupt notwendig sich zu versichern?

4.3.1. VERSICHERUNGSANSTALT
Für die „Neuen Selbständigen“ ist die Sozialversicherungsanstalt der Gewerblichen Wirtschaft (GSVG) zuständig. Die Adresse in Wien: Wiedner Hauptstraße 84-86, 1051 WIEN, Tel.01 54654-0.

4.3.2. MELDEPFLICHT
Grundsätzlich gibt es eine Meldepflicht. Alle „Neuen Selbständigen“ müssen sich innerhalb eines Monats nach Arbeitsaufnahme bei der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (GSVG) melden (=“Versicherungsmeldung“), selbst wenn sie die Einkommensgrenze noch nicht überschritten haben bzw. nicht überschreiten werden. Eine nicht sofortige Meldung bei der Sozialversicherungsanstalt ist grundsätzlich nicht mit Strafe bedroht, kann aber zu einer Nachzahlung führen.

4.3.3. VERSICHERUNGSPFLICHT
Ob der/die „Neue Selbständige“ Sozialversicherungsbeiträge bezahlen muss oder nicht, ist abhängig:  vom Einkommen aus Geschäftstätigkeit  vom Nebeneinkommen, falls vorhanden  und von der eigenen Entscheidung, ob man sich versichern möchte

4.3.4. EINKOMMENSGRENZEN
Bei Überschreitung der Versicherungsgrenze (I oder II), muss man sich pflichtversichern. Wenn der Gewinn eines Kalenderjahres diesen Betrag nicht überschreitet, besteht keine Versicherungspflicht. Man kann sich freiwillig versichern.  Versicherungsgrenze 1 = (2004) € 3.794,28, (2005) € 3.881,52 gilt für jene, die in dem betreffenden Kalenderjahr noch ein anderes Einkommen haben (egal wie hoch dieses ist). Das könnte auch Arbeitslosenunterstützung sein.  Versicherungsgrenze 2 = (2004) € 6.453,36, (2004) € 6.453,36 gilt für jene, die ausschließlich dieses Einkommen aus Selbständiger Erwerbstätigkeit haben.

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4.3.5. FREIWILLIGE KRANKENVERSICHERUNG: „OPTING IN“
Man kann sich kostengünstig freiwillig krankenversichern, wenn man unter der Versicherungsgrenze (I oder II) liegt. Diese freiwillige Sozialversicherung nennt man „opting in“. „OPTING IN“: Anlässlich der (Erstan-)Meldung bei der Sozialversicherungsanstalt kann man erklären, dass man jedenfalls freiwillig kranken- und unfallversichert sein möchte. Die Krankenversicherungsbeiträge sind auf Basis der Versicherungsgrenze I zu entrichten:

2004:
 Die Unfallversicherung kostet im Jahr 2005 € 85,08 jährlich  Die Krankenversicherung kostet zum Zeitpunkt des Verfassens € 48,94 monatlich  Man ist nicht pensionsversichert! „Opting in“ entfällt bei Überschreitung der Versicherungsgrenze

4.3.6. HÖHE DER PFLICHTVERSICHERUNG
GENERELLE BEITRAGSGRUNDLAGE:
Alle Einkünfte bzw. Beitragsgrundlage aus „Neuer Selbständigkeit“ (Einnahmen – Ausgaben) x 24 % = Versicherungsbeitrag Dieser Betrag ist in Teilbeträgen 4x im Jahr zu bezahlen Zusätzlich dazu ist die Unfallversicherung zu bezahlen. Sie beträgt € 81,3/Jahr (2005) € 85,08 (1x zu bezahlen)

BEITRÄGE FÜR KÜNSTLERINNEN (KUNSTSCHAFFENDE):
Es gibt eine eigene sozialversicherungsrechtliche Lösung für alle Kunstschaffenden bezüglich Pensionsversicherung. Diese ist geregelt über den Künstler-Sozialversicherungsfonds (K-SVFG). Der Fonds kann einen regelmäßigen Zuschuss zum Pensionsversicherungsbeitrag von max. € 72,67 (2005) vorraussichtlich maximal € 85,16 pro Monat gewähren.

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5. STEUERN
5.1. ALLGEMEINES
Die Steuerbelastung stellt eine zusätzliche finanzielle Belastung für den „Neuen Selbständigen“ dar. Es ist wichtig, alle Rechnungen und sonstige Belege gehören gesammelt und mindestens 7 Jahre lang aufgehoben!!! Das errechnete Einkommen ist die Basis für die Höhe der Steuerabgaben

5.1.1. WIE BERECHNET MAN DAS EINKOMMEN?
Wenn man von den Einnahmen alle beruflichen Ausgaben abzieht, bleibt das Einkommen übrig:

EINKOMMEN:

EINNAHMEN — AUSGABEN = GEWINN

5.1.2. WELCHE STEUERN MÜSSEN „NEUE SELBSTÄNDIGE“ ZAHLEN ?
EINKOMMENSSTEUER UMSATZSTEUER

5.2. MELDEPFLICHT BEIM FINANZAMT
Alle „Neuen Selbständigen“ müssen sich innerhalb eines Monats ab Beginn der Tätigkeit beim Finanzamt melden. Es genügt eine kurze schriftliche Mitteilung. Gleichzeitig sucht man um die Zuteilung einer Steuernummer an. Für die Einkommenssteuer und die Umsatzsteuer ist das Betriebsfinanzamt zuständig. Das Finanzamt sendet daraufhin einen Fragebogen zu. Der voraussichtliche Umsatz und Gewinn des Folgejahres muss angegeben werden.

5.3. AB WELCHEM GEWINN MUSS MAN STEUERN ZAHLEN?
5.3.1. UMSATZSTEUER
Grundsätzlich: Die Umsatzsteuer ist gewinnneutral, d.h. die Umsatzsteuer die ich dem Kunden weiterverrechne, muss ich in der gleichen Höhe an das Finanzamt weiterbezahlen. Unternehmer, die in einem Jahr nicht mehr als € 22.000,– Umsatz erzielen, sogenannte „Kleinunternehmer“, sind von der Umsatzsteuer befreit. Das bedeutet, dass man aber auch keine Umsatzsteuer auf die Rechnung schreiben bzw. weiterverrechnen kann, und kein Recht auf Vorsteuerabzug hat.

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VORTEILE WENN MAN VON DER UMSATZSTEUER BEFREIT IST:
Weniger Arbeit, weil man keine Vorsteuererklärung machen und monatlich nicht die abzuführende Umsatzsteuer errechnen muss. Wenn man nur Endverbraucher als Kunden hat, kann man seine Leistungen billiger anbieten als andere Mitbewerber.

NACHTEIL WENN MAN UNSATZSTEUERBEFREIT IST:
Bei größeren Investitionen kann ich mir vom Staat keine Vorsteuer (=Umsatzsteuer) zurückholen.

5.3.2. EINKOMMENSTEUER (Einkommen = Gewinn)
Achtung: Grundversorgung gilt nicht als Einkommen! Die Einkommensteuer ist vierteljährlich dem Finanzamt abzuführen. Betriebsgründer müssen im Normalfall erst nach Vorliegen des ersten Steuerbescheides die Einkommensteuer nachzahlen. Das kann dazu führen, dass für bis zu zwei Jahre die Einkommensteuer nachbezahlt werden muss, und gleichzeitig die erste vierteljährliche Vorauszahlung fällig wird — was eine äußerst hohe einmalige Belastung des Unternehmens darstellt, und durch laufende Ansparungen des Unternehmens ab Unternehmensgründung abgefedert werden sollte.

BESTEUERUNGSGRENZE = € 6.975 EINKOMMEN / JAHR (2004)
Bis zu einem Gewinn von € 6.975 im Jahr (bzw. einem Gewinn von € 8.720 pro Jahr wenn auch Lohneinkünfte vorhanden sind), muss man keine Einkommensteuer zahlen, bzw. keine Steuererklärung abgeben.

EINKOMMENSTEUER-HÖHE
EINKOMMEN /JAHR bis € 3.640 über € 3.640 bis € 7.270 über € 7.270 bis € 21.800 über € 21.800 bis € 50.870 über € 50.870 0% 21 % 31 % 41 % 50 % Sogenannte „Absetzbeträge“ können die Einkommensteuerlast verringern (sie sind in der Steuererklärung anzugeben). Beispiele für Absetzbeträge sind: Alleinerzieherabsetzbetrag, Kinderabsetzbetrag, Allgemeiner Absetzbetrag u.Ä.

STEUERERKLÄRUNG
Jedes Jahr (bis Ende Mai, mit Steuerberater bis Ende September möglich) ist für das Vorjahr eine Steuererklärung beim Finanzamt abzugeben. In dieser Einkommen-Steuererklärung sind alle in diesem letzten Kalenderjahr erzielten Einkünfte anzugeben. Das Ergebnis der Steuerklärung ist die Basis für die zukünftigen vierteljährlichen Einkommensteuerbeiträge und auch für eine Nachzahlung zuwenig bezahlter Einkommensteuer im Vorjahr oder Rückzahlung durch das Finanzamt für zuviel bezahlte Einkommensteuer.

83

6. EINNAHMEN- UND AUSGABENRECHNUNG
Die einfachste Form der Buchführung bzw. der Gewinnermittlung, die sich auf die Aufzeichnung von Zahlungsvorgängen beschränkt, ist die Ein- und Ausgabenrechnung. Bei der Ein- und Ausgabenrechnung wird der jährliche Betriebsgewinn ermittelt, indem man von den (tatsächlichen) Betriebseinnahmen die (tatsächlichen) Betriebsausgaben abzieht. Dieser so ermittelte Betriebsgewinn (oder im schlechtesten Fall „Betriebsverlust“) ist die Basis für die Besteuerung. Diese „baren Aufzeichnungen“ (Kassenaufzeichnungen der Kassaein- und der -ausgänge) sind vollkommen unabhängig und verschieden vom jeweiligen (Hand-) Kassastand bzw. Kassabuch. Daneben müssen „unbare Aufzeichnungen“, d.h. Aufzeichnungen über das Geld das auf das Bankkonto überwiesen oder abgebucht wird, geführt werden. Gibt es angestellte DienstnehmerInnen oder Warenverkehr, müssen zusätzliche Bücher geführt werden (Lohnkonten, Wareneingangsbuch, Anlagekartei). Eine komplizierte „Doppelte Buchhaltung“ ist erst ab einem Umsatz von € 400.000,— bzw. € 600.000,— gesetzliche Pflicht.

6.1. DAS KASSABUCH
Im Kassabuch werden alle täglichen Bareingänge und Barausgänge erfasst. Der Saldo der Ein- und Ausgänge muss identisch mit dem (Hand-)Kassensaldo sein. Alle Belege gehören mit Datum und Belegnummer eingetragen und in Ordnern abgelegt. Das Kassabuch wird nicht zur Gewinnermittlung eingesetzt, sondern spiegelt den reellen täglichen Bargeldfluss (egal ob es sich um Geschäfte oder z.B. private Bargeldentnahmen handelt), wider. Je nachdem ob man Umsatzsteuer abführen (und sich Vorsteuer zurückholen) muss, gibt es zwei verschiedene Varianten für das Kassabuch. Beispiele für das Kassabuch finden Sie im Anhang auf den Seiten 93 und 94.

84

7. PLANUNG UND KALKULATION
7.1. DEFINITION
Was meinen wir mit „Planung und Kalkulation?“ Immer die Finanzplanung (Umsatzplanung, Sachkostenplanung ...), denn das Geld/das Budget steht im Mittelpunkt.

GRUNDSÄTZLICHES
 vor der Durchführung der Geschäftsidee: Planrechnung, Produktkalkulation (Deckungsbeitragsrechnung)  Während der Durchführung der Geschäftsidee: Planrechnung, Buchhaltung, Kennzahlenanalyse, Controlling, kurzfristige Erfolgsrechnungen...

7.2. PLANRECHNUNG
Spätestens wenn die Geschäftsidee/Businessplan einstweilen fertig ausgearbeitet ist. Die Planrechnung ist ein Hilfsmittel, um die praktische Umsetzbarkeit der Geschäftsidee zu überprüfen und realistische Verkaufspreise zu eruieren.

7.3. DATEN FÜR DIE PLANRECHNUNG
7.3.1. SCHÄTZUNG DER MONATLICHEN UMSATZENTWICKLUNG:
 Wieviele Leistungseinheiten kann ich verkaufen  Gibt es bereits einen Marktpreis?

KONKURRENZ-ORIENTIERTE PREISFESTLEGUNG:
Welche Preise werden auf dem Markt verlangt/bezahlt? Kann ich „add ons“ einbauen, die einen höheren Preis rechtfertigen? (Geschenke, Probierpreis, Einführungspreis, Multipack, Angebot des Monats, incl. Montage, Lieferung, Zugaben, Abverkäufe, Treueprämien, Stammkunden- oder Mengen-Rabatte usw.)

KOSTEN-ORIENTIERTE PREISFESTLEGUNG:
Wie groß ist mein Gewinn bei diesen Preisen bzw. wo ist meine Gewinnschwelle?

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NACHFRAGE-ORIENTIERTE PREISFESTLEGUNG
 Gibt es Markt-Trends?  Gibt es bereits konkretes Kundeninteresse?  Was bringt Werbung?  Ab wann sind MitarbeiterInnen notwendig?

7.3.2. SCHÄTZUNG DER ERFORDERLICHEN INVESTITIONEN 7.3.3. SCHÄTZUNG DER LAUFENDEN ZAHLUNGEN
 Kapitalbedarf  Umsatzerlöse minus laufende Zahlungen

Beispiel einer Planrechnung im Anhang auf S 95.

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8. ANMELDUNG UND BERATUNG
8.1. UNTERNEHMENSGRÜNDUNG GENERELL
GRÜNDER-SERVICE DER WIRTSCHAFTSKAMMER WIEN
Stubenring 8-10, 1010 Wien Tel. 514 50/13 47, 514 50/12 65, www.gruenderservice.net Hier gibt es kostenlose Kurzberatungen (tel. und persönlich) und Gründer-Workshops zur Unternehmensgründung und Unterstützung beim Anmelden eines Gewerbes. Die einzelnen Sparten der Gewerbekammer (z.B. Gastronomie, Handel, Reisebüros etc.) informieren über alle Einzelheiten betreffend ihrer Sparte, wie z.B. über die genauen Erfordernisse zur Erlangung eines Gewerbescheines.

MAGISTRATISCHES BEZIRKSAMT — GEWERBEABTEILUNG
Im Magistratischen Bezirksamt in Wien (Bezirk des Firmensitzes) bzw. in den Bundesländern bei der Gewerbeabteilung der Bezirkshauptmannschaft wird das Gewerbe angemeldet und der Gewerbeschein ausgestellt

8.2. SOZIALVERSICHERUNG
SOZIALVERSICHERUNGSANSTALT DER GEWERBLICHEN WIRTSCHAFT WIEN
Wiedner Hauptstr. 84-86, 1051 Wien, www.sva.or.at Hier gibt es kostenlose Beratung bezüglich aller Fragen zur Sozialversicherung. Ansprechpartner bez. „Neuer Selbständigkeit“ ist Herr Paulis Tel. 546 54/34 51

8.3. FINANZAMT
Zuständig ist das Finanzamt im örtlichen Einzugsbereich des Firmensitzes. Hier kann man die Steuernummer beantragen und alle Fragen bez. Steuern klären.

STEUERBERATER
Der Steuerberater informiert über Sozialversicherung, Steuern, macht die Einkommensteuererklärung u.Ä. Ab einer gewissen Einkommensgrenze ist es ratsam, einen Steuerberater zu engagieren. Dieser ist dann für den korrekten Ablauf der Geschäftsgebarung verantwortlich.

8.4. ANDERE HELFENDE INSTITUTIONEN
BUNDESMINISTERIUM FÜR WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Kostenloses Ständiges „Service für Unternehmensgründung“ von Mo — Fr 08:00 bis 16:00 Tel. 0810-01 35 71 (Ortstarif) oder 01-71 100, www.bmwa.gv.at

BERATUNGSFÖRDERMODELLE FÜR WR. JUNGUNTERNEHMER DES WIFI WIEN
WIFI Wien Tel. 514 50/12 11, 514 50/13 47, www.wifiwien.at  Start Up-Information: 1. mal kostenlos  Jungunternehmer-Beratung (themenspezifisch, max. 40 Beratungsstunden innerhalb von 2 Jahren, rel. günstige Tarife)  Jungunternehmer-Coaching (Prozessbegleitend, rel. günstige Tarife)

ÖSTERREICHISCHE NOTARIATSKAMMER
Zwei kostenlose Rechtsberatungen, außerdem 50 % Tarifermäßigung für Erstgründer bei Abschluss Gesellschaftsvertrag und Firmenbucheintragung www.hqu.at/notar
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KAMMER DER WIRTSCHAFTSTREUHÄNDER
Kostenlose Erstberatung für Jungunternehmer und Betriebsübernehmer. Kontakt über die jeweilige Landesstelle oder www.kwt.or.at

ÖSTERREICHISCHE PATENTANWALTSKAMMER
Für Jungunternehmer kostenlose Erstberatung zu Themen des gewerblichen Rechtsschutzes (Patente, Marken etc.) www.patentanwalt.at

IG KULTUR
Ist die Interessensvertretung für freie Kulturarbeit und bietet allgemeine Beratung und Rechtsberatung für KünstlerInnen. Tel. 01-503 71 20, www.igkultur.at

8.5. KOOPERATIONEN
 Die Nachfolgebörse der Wirtschaftskammern www.nachfolgeboerse.at  „rent a rentner“ Pensionierte Experten beraten GründerInnen kostenlos (ganz ähnlich: der ASEP Austrian Senior Experts Pool www.iv-net.at/asep)  Sucht man einen Kopperationspartner gibt es dafür eine Internet-Plattform (ganz ähnlich: die Kooperationsbörse des WIFI www.kooperationsbörse.at )  Suchen und Anbieten von Geschäftsräumlichkeiten auf einer Internet-Plattform Persönliche Beratungen hierzu für Wien, NÖ: Fr. Tieber, Tel. 501 05/32 26

8.6. SPEZIELLE ANGEBOTE FÜR FRAUEN
DIE „FRAU IN DER WIRTSCHAFT“
mit Internet-Plattform für Kooperationen, Büroflächen-Teilung u.Ä. www.frauinderwirtschaft.at

WWFF-FRAUENSERVICE
Mag. Sabine Pramreiter Ebendorferstr. 2/Rathausplatz 2, 1010 Wien Tel. 01-4000/86 160 , Fax 01-4000/79 80, spramreiter@wwff.gv.at Das Frauenservice des Wiener Wirtschaftsförderungsfonds bietet umfangreiche Hilfe für weibliche GründerInnen: kostenlose Beratung und Büroflächen uvm. www.businessguide.at

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9. LITERATURHINWEISE
„LEITFADEN FÜR GRÜNDERINNEN UND GRÜNDER“
des Gründerservice der Wirtschaftskammer ausführliche kostenlose Broschüre rund ums „Gründen“ www.gruenderservice.net

„GRÜNDEN IN ÖSTERREICH“
Leitfaden und Ratgeber des BMWA: ausführliche kostenlose Broschüre www.bmwa.gv.at

„GRÜNDUNGSLEITFADEN FÜR KÜNSTLERINNEN“
erstellt vom Equal-Projekt „Artworks“. Eine sehr ausführlicher und verständlicher Gründungsleitfaden speziell für KünstlerInnen, zu beziehen unter: www.frauinderwirtschaft.at

„UNTERNEHMER WERDEN IN WIEN. WICHTIGE ANSPRECHPARTNER UND SERVICESTELLEN“
des Gründerservice der WK Wien (dünne Broschüre)

„NEUGRÜNDUNGSFÖRDERUNGSGESETZ“
Alle Regelungen und fast alles Finanzielle rund ums Gründen, aus dem Internet herunterladen unter

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10. ANHANG
10.1. BEISPIEL EINES WERKVERTRAGES

WERKVERTRAG
NEUE SELBSTÄNDIGE

1. PRÄAMBEL
Herr/Frau Geboren am Wohnhaft in schließt einen Werkvertrag mit

2. WERKLEISTUNGSVEREINBARUNG
Der Unternehmer verpflichtet sich, für den Besteller folgende Werkleistung zu erbringen:

Der Unternehmer entwickelt diese Tätigkeiten selbständig, ist an keine Arbeitszeit gebunden. Der Unternehmer hat selbst auf eigene Rechnung für die zur Erfüllung des Vertrages bzw. zur Durchführung der von ihm übernommenen Tätigkeit erforderlichen wesentlichen Betriebs- und Hilfsmittel zu sorgen.

3. TÄTIGKEITSORT
Der Unternehmer ist an keinen Tätigkeitsort gebunden.

4. HONORAR
Der Besteller bezahlt dem Unternehmer für die von ihm zu erbringende Tätigkeit nach Fälligkeit einen Betrag von € .

90

Das Honorar ist fällig, nachdem der Unternehmer die dem Besteller zur Verfügung gestellt hat. Der Besteller ist verpflichtet, das Honorar für die zu erbringende Leistung nach mangelfreier Fertigstellung der Arbeit und nach Vorlage der Honorarnote unverzüglich zur Auszahlung zu bringen.

5. ABGABEN UND SOZIALVERSICHERUNG
Da es sich bei gegenständlicher Vereinbarung um einen Werkvertrag handelt, unterliegt die Versteuerung des Honorars dem Unternehmer. Für die Abfuhr von Sozialversicherungsbeiträgen bzw. den Abschluss einer eventuellen Pflichtversicherung sorgt der Unternehmer selbst.

6. VERTRETUNGSBEFUGNIS
Der Unternehmer ist berechtigt, sich geeigneter Vertreter oder Gehilfen zu bedienen.

7. WEISUNGSFREIHEIT
Ein Weisungsrecht des Bestellers gegenüber dem Unternehmer besteht nicht.

8. BEENDIGUNG DES WERKVERTRAGES
Der Unternehmer und der Besteller sind beiderseits berechtigt, mit sofortiger Wirkung das Vertragsverhältnis für beendet zu erklären.

9. SONSTIGES
Der guten Ordnung halber wird festgehalten, dass arbeitsrechtliche Bestimmungen auf das vorliegende Vertragsverhältnis keine Anwendungen finden.

Ort, Datum

Unterschriften

91

10.2. BEISPIEL EINER HONORARNOTE

AUFTRAGNEHMER
Name Adresse Tel.

HONORARNOTE NR.
NEUE SELBSTÄNDIGE AUFTRAGGEBER
Name Adresse Tel. Für die Erstellung des nachstehenden Werkes:

Zeitraum Bei dessen Erbringung ich mich vereinbarungsgemäß auf eigene Kosten und eigenes Risiko vertreten lassen konnte bzw. eigener Erfüllungsgehilfen bedienen durfte und die ich weisungsfrei und ohne Bindung an Ordnungsvorschriften des Auftraggebers wie z. B. über Arbeitsort, Arbeitszeit oder Arbeitsabfolge, sowie in wirtschaftlicher Unabhängigkeit erbracht habe. Honorar

GESAMTSUMME* IN WORTEN * Die Gesamtsumme ist ohne Umsatzsteuer, da Umsatzsteuerbefreit
Ich ersuche um Überweisung auf mein Konto BLZ Kontonr.

die Summe wurde bereits bar bezahlt die Summe wurde bereits auf mein Konto überwiesen

Ort, Datum

Der Rechnungsleger

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10.3. BEISPIEL KASSABUCH OHNE UMSATZSTEUER

VOM BIS DATUM BELEG-NR. VORGANG EINNAHMEN IN € AUSGABEN IN €

GESAMT — Ausgaben Gesamt = KASSENBESTAND

—€ —€ —€

—€

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10.4. BEISPIEL KASSABUCH MIT UMSATZSTEUER

VOM BIS DATUM BELEG-NR. VORGANG EINNAHMEN IN € brutto USt netto AUSGABEN IN € brutto Vorst. netto

GESAMT — Ausgaben Gesamt = KASSENBESTAND

—€ —€ —€

—€

94

10.5. BEISPIEL EINER PLANRECHNUNG

MONAT. . . EINNAHMEN 1. 2. 3. 4. EIGENMITTEL KREDITAUFNAHME FÖRDERUNG SUMME EIN AUSGABEN TELEFONKOSTEN MIETE PRIVATENTNAHME BÜROMATERIAL INVESTITIONEN 1. 2. WERBEKOSTEN FAHRTKOSTEN VERSICHERUNGEN STEUERBERATER DIVERSE KOSTEN 1. 2. 3. 4. 5. TILGUNG KREDIT ZINSEN KREDIT SOZIALVERSICHERUNG EINKOMMENSTEUER SUMME AUS SALDO MONAT KONTOSTAND

MONAT. . . MONAT. . . MONAT. . .

MONAT. . .

MONAT. . .

95

ÜBERLEGUNGEN UND HYPOTHESEN

Überlegungen zu „Geld verlangen“...
Wieviel Geld/Euros kann ich für meine Leistung verlangen? Was verlangen meine Mitbewerber? Welche Zusatzvorteile bietet meine Leistung, mein Produkt? Welche Zahlungsvereinbarungen sind für mich und meine Kunden sinnvoll?

Welche „Variablen“ (Kosten, Synergieeffekte usw.) kann ich noch positiv verändern?
Welche Kosten kann ich wie senken? Was brauche ich nicht unbedingt? Was kann jemand anderer erledigen?

Wenn wirklich alles schief geht, was kann ich alles verlieren?
Steht meine Existenz auf dem Spiel? Kann ich weiter in meiner Flüchtlingsunterkunft bleiben? Bekomme ich Probleme mit den Behörden in Österreich? Kann ich meine Familie im Herkunftsland nicht mehr versorgen?

Rentiert sich der grosse zeitliche und emotionale Aufwand?
Was ist eigentlich mein Stundenlohn – zahlt es sich aus so viel dafür zu arbeiten? Bin ich in dieser rechtlich so unsicheren Situation bereit für so ein Risiko und so viel Vorbereitungsarbeit?

96

10.6. HILFE BEI DER ENTWICKLUNG MEINER GESCHÄFTSIDEE
MEINE IDEE
Was ich machen möchte:

Was ist an meiner Geschäftsidee besonders:

97

„SCHATZ“-SUCHE

Tragen Sie in die folgenden Felder alles ein, was Ihnen zum jeweiligen Themenbereich einfällt. Auch, wenn es nicht direkt mit Ihrer Geschäftsidee zu tun hat. Ihre Antworten sollten auch die Zeit vor Ihrer Ankunft in Österreich inkludieren. Meine Ausbildung:

Meine Berufserfahrung:

Meine Hobbies und Interessen:

98

Meine Talente:

Arbeiten die ich ohne Bezahlung gemacht habe (zum Beispiel in Vereinen oder Clubs; für Freunde, Verwandte oder in der Gemeinde):

Kontakte in Österreich, die mir in irgendeiner Art helfen könnten bei meiner Geschäftsidee (egal ob mit Material, Information, anderen Kontakten, gutem Rat oder in einer anderen Art und Weise) :

99

Beschreiben Sie in ein paar Worten ob und wie diese Begriffe auf Sie zutreffen: Disziplin:

Selbstorganisation:

Eine Idee präsentieren:

Mit Stress umgehen:

Kompromissfähigkeit:

Ausdauer:

100

ENTWICKLUNG DER GESCHÄFTSIDEE

Füllen Sie die folgenden Felder aus, indem Sie ausführlich über die generelle Situation in Ihrer Branche nachdenken. (Zum Beispiel: Maler schreiben über die gesamte Kunstbranche, Fussballtrainer über die ganze Sportbranche usw...)

Welche MARKTLÜCKE gibt es in dieser Branche? Welche Angebote gibt es hier in Wien NICHT?

Welche besondere Fähigkeiten, Talente, Erfahrungen oder Wissen besitze ich, die andere Leute in dieser Branche NICHT haben?

Welche Kunden suchen etwas in dieser Branche, was es jetzt noch nicht gibt? Welcher Wunsch oder Bedarf wird nicht erfüllt?

Was wollen oder brauchen die Kunden in dieser Branche wirklich? Was fehlt Ihnen?

101

MEINE NEUE GESCHÄFTSIDEE

Überdenken Sie Ihre Antworten auf den vorherigen Seiten und überlegen Sie, wie Sie Ihre Geschäftsidee daraufhin verändern und verbessern könnten.

102

ANHANG:

ERGEBNISSE EINER ERHEBUNG ZUR LEBENSSITUATION VON ASYLWERBERINNEN UND ASYLWERBERN ZU PROJEKTBEGINN
Ken Horvath, Lucie Prochazkova, Tom Schmid

1. EINLEITUNG
Teil der Begleitforschung des Equal-Projektes „DON’T WAIT“ war eine schriftliche Befragung der vom Projekt betreuten AsylwerberInnen. Aufgabe dieser Studie war die Darstellung der persönlichen Lebenssituation der AsylwerberInnen in Österreich und ihrer Zukunftsperspektiven. Bei dieser Erhebung wurden alle am Projekt beteiligten AsylwerberInnen ersucht, in einem Fragebogen Fragen zu ihrer Herkunft und ihrem persönlichem Umfeld, zur Arbeitsmarktsituation und ihren Erfahrungen mit der österreichischen Gesellschaft zu beantworten. Diesen Fragebogen gab es in acht Sprachen. Insgesamt konnten 185 AsylwerberInnen unterschiedlicher Herkunft befragt werden. Die Auswertung kam zu folgenden zentralen Ergebnissen:  Die sozioökonomische Lebenssituation der AsylwerberInnen ist – unabhängig von Alter, Geschlecht und Herkunft – von Mangel gekennzeichnet. Fast ein Drittel der Befragten gibt an, von einem Euro pro Tag oder weniger leben zu müssen. Eine Minderheit der Befragten konnte in Österreich einer Tätigkeit nachgehen – im Normalfall entsprach die Beschäftigung dabei jedoch nicht der Qualifikation der befragten Person.  Die Flucht bedeutet für die Betroffenen in mehrfacher Hinsicht einen bedeutenden Bruch: von der Form des Zusammenlebens mit anderen Menschen bis zur Berufssituation.  Dabei zeigt sich eine paradoxe Dynamik: Jene mit dem besten Berufs- und Bildungshintergrund kommen überproportional aus kulturellen Räumen, die einen vergleichsweise schwierigen Integrationsprozess erwarten lassen.  Der kulturelle Hintergrund ist in vielerlei Hinsicht von Bedeutung. Dies wird z.B. daran deutlich, dass das Beherrschen des lateinischen Schriftsystems die Möglichkeiten, Deutsch zu lernen und damit die Arbeitsmarktintegration, deutlich verbessert. Die Bedeutung von Geschlecht, Bildung und Berufsstatus in der Heimat erweist sich gegenüber der Herkunft als untergeordnet.  Über Erfahrungen mit Diskriminierung berichten vor allem Personen aus Regionen der Welt, die kulturell Europa sehr fern sind.  Von besonderer Bedeutung ist der Zugang zu Informationen. Je früher dieser möglich ist, desto weniger werden Diskriminierungserfahrungen berichtet und desto positiver ist das Österreichbild. Auch auf den Erfolg bei der Arbeitsmarktintegration hat der Informationszugang Auswirkungen.

104

2. GRUNDGESAMTHEIT
Bis zum Zeitpunkt der Erhebung (~2003) war ein Anstieg der Asylanträge zu vermerken. Die Zahl ist allerdings seit 2004 rückläufig. Die für die Studie erhältlichen Daten stammen aus dem Jahr 2002. Die für 2002 erhältliche Zahl von 30.000 Asylanträgen spiegelt die reale Situation nur unzureichend wider. Im Jahr 2001 wurden bloß 3.642 Asylverfahren tatsächlich abgeschlossen, davon waren 1.114 positiv. Nur auf die abgeschlossenen Verfahren bezieht sich die offizielle Anerkennungsquote, die 2001 entsprechend bei 24,3% lag. Die Chancen, auf längere Sicht in Österreich bleiben zu können, sind unter den Herkunftsgruppen höchst unterschiedlich verteilt. Für AfghanInnen lagen sie 2002 bei 46,1%, GeorgierInnen kamen auf 8,7% und ArmenierInnen auf 4,7%. Die Zahl der abgeschlossenen Verfahren übersteigt dabei mit der Ausnahme von Jugoslawien nie 10% der im selben Jahr eingebrachten Anträge. Für „DON’T WAIT“ sind vor allem jene Personen interessant, die erstens ein Verfahren bekommen und zweitens eine realistische Aussicht auf Anerkennung haben. Im Jahr 2002 stechen dabei Afghanistan mit 571 abgeschlossenen Verfahren (davon 46,1% positiv) und der Iran (296/54,1%) hervor. Andere Länder haben entweder eine hohe Zahl an abgeschlossenen Verfahren, dafür aber geringe Anerkennungsquoten (Türkei, Armenien, Georgien) oder umgekehrt (Kongo, Kamerun, Syrien ...).

1 www.bmi.gv.at

105

3. ZUSAMMENSETZUNG DER STICHPROBE
3.1. ALTER UND GESCHLECHT
Ähnlich der Grundgesamtheit ist auch die Stichprobe männlich dominiert: 32,6% der Befragten sind weiblich. Die Männer sind dabei etwas gleichmäßiger über die Altersgruppen verteilt: Jeweils rund ein Fünftel der männlichen Befragten fällt in die Altersgruppen „21 bis 25“, „26 bis 30“ bzw. „31 bis 35“. Dagegen dominiert unter den Frauen deutlich die Altersgruppe der 26- bis 30-Jährigen mit einem Anteil von 28%. Der Altersschnitt der Frauen liegt bei 30,75, jener der Männer bei 30,92.

ALTERSVERTEILUNG NACH GESCHLECHT
17 — 20

21 — 25

Frauen Männer

26 — 30

31 — 35

36 — 40

41 — 45

45 plus

0

0,05

0,1

0,15

0,2

0,25

0,3

Abbildung 1 Altersverteilung nach Geschlecht Anteile; n=184

3.2. HERKUNFTSREGIONEN
Fast die Hälfte der Befragten kam aus nur zwei Ländern: Afghanistan (41 Befragte bzw. 22,5%) und Iran (35 bzw. 19,2%). Jene Nationalitätengruppen, die die Population der anerkannten Flüchtlinge in Österreich dominieren, sind demnach auch in der Stichprobe stark vertreten. Für die weitere Auswertung wurde der Iran mit Syrien und dem Irak (Naher Osten) sowie Pakistan und Bangladesch (Mittlerer Osten) jeweils zu einer Gruppe zusammengefasst, insgesamt fallen in diese Gruppe 48 Personen (26,4%) der Befragten. Ebenfalls stark vertreten sind afrikanische Staaten mit einem Anteil von zusammen 24,7%, wobei die zentralafrikanischen Staaten Nigeria, Kamerun, Angola und Kongo (inkl. Dem. Rep. Kongo) mehr als die Hälfte dieser Gruppe ausmachen. Als weiterer großer Bereich zeichnen sich Staaten der ehemaligen UdSSR ab: hier dominieren der Kaukasus (19 Befragte bzw. 10,4%) und Tschetschenien (9 bzw. 4,9%). Im Vergleich zur Bedeutung in der Grundgesamtheit sind europäische Staaten unterrepräsentiert: die Türkei, Staaten des ehemaligen Jugoslawien etc. kommen zusammen auf gerade einmal 7,1% (13 Personen) – sie wurden in der Folge mit der Ukraine und Moldawien zusammen gefasst. In der nächsten Tabelle wird eine Übersicht über die Zusammenfassung der Herkunftsstaaten gegeben.

106

REGION
Afghanistan Naher und Mittlerer Osten

STAATEN
Afghanistan Iran, Irak, Syrien; Pakistan, Bangladesch; außerdem Mongolei (wegen geringer Fallzahl) Türkei; Kosovo, Jugoslawien, Mazedonien; Moldawien, Urkraine Armenien, Aserbeidschan, Georgien; Tschetschenien, Russland Zentral: Nigeria, Kamerun, Angola, Kongo, Dem. Rep. Kongo; West: Ghana, Togo, Burkina Faso; Ost: Sudan, Somalia, Äthiopien; Nord: Algerien, Ägypten

HÄUFIGKEIT ANTEIL
41 48 22,5 26,4

Europäische Staaten Kaukasus, Tschetschenien u.a. Afrika

20 28 45

11 15,4 24,7

Tabelle 1 Zuordnung einzelner Herkunftsstaaten zu groben Herkunftskategorien

Im weiteren Beitrag wird vor allem diese grobe Einteilung der Herkunftsregionen verwendet. Fallweise wird auf eine feinere Differenzierung zurückgegriffen. Im Fragebogen wurden neben dem Herkunftsland auch die Staatsbürgerschaft und die Volksgruppenzugehörigkeit abgefragt. Die Angaben der Befragten zu ihrer Staatsbürgerschaft stimmen mit den Angaben zu den Herkunftsländern bis auf kleine Abweichungen (russische Staatsbürgerschaft für Personen aus Tschetschenien, ein Iraner, der Deutschland als Herkunftsland angegeben hat...) überein – daher konnte auf eine gesonderte Betrachtung der Staatsbürgerschaften verzichtet werden. Auch die Betrachtung nach Zugehörigkeit zu Volksgruppen musste vorerst entfallen, da in den wenigen Fällen, in denen eine entsprechende Angabe gemacht wurde, die Streuung auf unterschiedliche Gruppen zu groß und damit die Fallzahlen in den einzelnen Gruppen zu klein waren. Das Geschlechterverhältnis ist in den einzelnen Herkunftsgruppen der Stichprobe sehr unterschiedlich: Gerade mal 9,8% der Personen aus Afghanistan sind weiblich, unter den AfrikanerInnen sind 29,5% Frauen, der Kaukasus bzw. Tschetschenien folgen mit 39,3%, europäische Staaten kommen auf 45%. Der Nahe/Mittlere Osten hat mit einem Frauenanteil von 45,8% das ausgeglichenste Geschlechterverhältnis. Aufschlussreich ist eine Betrachtung der sozial-räumlichen Herkunft im Heimatland. 67,2% der Befragten wohnten in ihren Herkunftsländern in Großstädten, weitere 20,6% in Kleinstädten. Nur 12,2% gaben eine ländliche Herkunftsregion an. Damit wächst mit der Distanz (sowohl im geografischen Sinn als auch bezogen auf wirtschaftliche Aspekte) die Bedeutung urbaner Herkunftsräume: Während von den Flüchtlingen aus Europa nur 30% aus Großstädten kommen, sind es von jenen aus Afghanistan 83% und von jenen aus dem Nahen/Mittleren Osten 81%. Dazwischen liegen die Staaten des Kaukasus/Tschetschenien und die Afrikanischen Staaten mit 57 bzw. 64%.

RAUM NACH HERKUNFT
Afghanistan 83 % 15 % 2%

Naher/Mittlerer Osten

81 %

14 %

5%

Afrikanische Staaten

64 %

18 %

18 %

Ländlich Kleinstadt Großstadt

Kaukasus, Tschetschenien

57 %

25 %

18 %

Europäische Staaten

30 % 0% 25 %

45 % 50 %

25 % 75 % 100 %

Abbildung 2 Sozialer Raum nach Herkunftsregion; n=177

107

3.3. AUFENTHALTSDAUER UND -STATUS
Die Mehrzahl der Befragten hatte zum Zeitpunkt der Erhebung bereits zwei Jahre oder mehr in Österreich verbracht. Jene, die seit zwei bis drei Jahren in Österreich waren, stellen zusammen 69,1% der Stichprobe dar. Ein Jahr Aufenthalt geben 11,6% an, ganze 16,1% waren seit vier Jahren oder länger in Österreich. Nach Herkunftsregion aufgeschlüsselt sind AfrikanerInnen und Personen aus dem Kaukasus bzw. Tschetschenien relativ kurz, Personen aus europäischen Staaten relativ lang in Österreich. Afghanistan und der Nahe/Mittlere Osten liegen im Mittelfeld. Das bedeutet, dass das Projekt DON’T WAIT vor allem Personen erfasste, die bereits weitgehend in Österreich „angekommen“ sind. Dabei spiegelt sich die Länge des Aufenthalts auch im Aufenthaltsstatus wider: jene Befragten, die ein Jahr oder kürzer in Österreich sind, befinden sich zu 87,5% in einem laufenden Asylverfahren (nach § 19 des Asylgesetzes). Dieser Anteil geht bei zwei bis drei Jahren Aufenthalt auf 77,4% und bei mindestens vierjährigem Aufenthalt auf 57,1% zurück. Parallel dazu steigt der Anteil jener, die über subsidiären Schutz (§ 8 des Fremdengesetzes) oder eine befristete Aufenthaltsberechtigung (§ 15) verfügen: von 12,5% auf 15,7% und 17,9%. Daraus folgt, dass Menschen aus bestimmten Regionen infolge ihres kürzeren Aufenthalts auch einen weniger sicheren Aufenthaltsstatus haben. 95,1% der AfrikanerInnen und 80,1% der Personen aus Tschetschenien bzw. dem Kaukasus stehen in einem laufenden Asylverfahren. Dagegen genießen beinahe 40% der AfghanInnen subsidiären Schutz oder eine befristete Aufenthaltsgenehmigung.

AUFENTHALTSTITEL
Subsidärer Schutz/befristete Aufenthaltsberechtigung Laufendes Asylverfahren Sonstiges

BIS 1 JAHR
12,5 87,5 0

2 BIS 3 JAHRE 4 JAHRE PLUS
15,7 77,4 6,9 17,9 57,1 25

GESAMT
15,6 75,4 9

Tabelle 2 Aufenthaltstitel nach Aufenthaltsdauer, Angaben in Prozent von Aufenthaltsdauer; n=167

3.4. FAMILIE
Fast die Hälfte der Befragten (46,2%) ist ledig, 41,2% sind verheiratet. Von den restlichen Personen sind 8,2% geschieden und 3,8% verwitwet. 0,5% geben eine Lebensgemeinschaft an (genauer: ein Befragter). Dabei lässt sich naturgemäß ein enger Zusammenhang mit dem Alter erkennen. Der Anteil der ledigen Personen sinkt von 80,8% bei jenen aus der Altersgruppe bis 25 auf 44,9% bei jenen aus der Altersgruppe der 25- bis 35-jährigen und schließlich auf 13,9% bei den über 35 Jahre alten. Im Gegensatz dazu steigt der Anteil der Verheirateten von 11,5% auf 62,3% und 69,5%. Auch zwischen Männern und Frauen gibt es erkennbare Unterschiede: Die Hälfte der Männer, aber nur 37,3% der Frauen sind ledig, dafür ist unter den Frauen der Anteil der Geschiedenen und der Verwitweten höher (11,6% gegenüber 6,6% bzw. 8,5 gegenüber 1,6%).

MÄNNER
Ledig Verheiratet Geschieden Verwitwet Lebensgemeinschaft 50 41 6,6 1,6 0,8

FRAUEN
37,3 42,4 11,9 8,5

BIS 25
80,8 11,5 5,8 1,9

26 BIS 35
44,9 42,3 7,7 5,1

35 PLUS
13,5 69,2 11,5 5,8

GESAMT
46,2 41,2 8,2 3,8 0,5

Tabelle 3 Familienstand nach Alter (n=182) und Geschlecht (n=181); Angaben in Prozent von Geschlecht/Alter

108

Die Mehrheit der verheirateten Personen hat auch Kinder – von insgesamt 75 verheirateten Befragten haben 63 Kinder. Im Schnitt hatten die Befragten – jene ohne Kinder nicht miteinbezogen – 1,95 Kinder, das Durchschnittsalter lag bei 7,82 Jahren. Dabei macht die Gruppe jener mit nur einem Kind mit 41,9% den größten Anteil aus, mehr als zwei Kinder haben 24,4%. Bei 75% der befragten Elternteile waren die Kinder 10 Jahre alt oder jünger. 62,1% der Eltern gaben an, dass ihre Kinder mit ihnen in Österreich seien. Bei den restlichen 37,9% war als Aufenthaltsort der Kinder bis auf wenige Ausnahmen das Herkunftsland der Befragten angegeben. In den meisten Fällen war eine Trennung von den Kindern mit einer Trennung von der/dem Partner/in verbunden: 85,7% jener, deren PartnerIn in Österreich war, hatten auch ihre Kinder bei sich, aber nur 19% jener, die ohne PartnerIn gekommen waren. Auch das Alter der Kinder macht einen Unterschied: Während jene, deren Kinder im Schnitt fünf Jahre alt oder jünger sind, zu fast drei Vierteln ihre Kinder bei sich haben, sinkt der Anteil bei den im Schnitt älter als 10Jährigen auf knapp über 50%. Während es keine nennenswerten Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt, was die Trennung von ihrer/m Partner/in anbelangt, sind Frauen zu einem weit höheren Anteil mit ihren Kindern gekommen: 51,9% der Männern sind mit ihren Kindern in Österreich, bei Frauen sind es 77,1%. Das Zurücklassen der Familie kann als eine Facette des vielschichtigen Bruchs im Leben der Flüchtlinge gelten – von dem in der Stichprobe immerhin fast 30% der Verheirateten und beinahe 40% der Eltern betroffen sind.

3.5. BRÜCHE IN DER LEBENSFORM
Mehr als die Hälfte der Befragten (59,7%) lebte im Heimatland in einer Kleinfamilie. In einer Großfamilie lebten 15,5% und als Paar 11,6%, alleine lebten 8,3%. Für unterschiedliche Herkunftsregionen zeigen sich dabei auch unterschiedliche Lebensformmuster. Der Anteil der Kernfamilie schwankt zwischen 44,44% (Kaukasus/Tschetschenien) und 76,92% (Afghanistan).

LEBENSFORM NACH HERKUNFT
Afghanistan 77 %

Europäische Staaten

70 %

Naher/Mittlerer Osten

60 %

Kernfamilie Großfamilie Als Paar Allein Mehrere Nichtverwandte
10 % 20 % 30 % 40 % 50 % 60 % 70 % 80 % 90 % 100 %

Afrikanische Staaten

45 %

Kaukasus, Tschetschenien

44 % 0%

Abbildung 3 Lebensformen nach Herkunftsregion; n=178

Der Bruch, den die Migration bedeutet, wird greifbar, wenn man die aktuelle Lebensform der ursprünglichen gegenüberstellt. In Österreich leben nur 27,3% der Befragten in einer der Kleinfamilie vergleichbaren Form. Der Anteil der allein Lebenden steigt auf 35%. Auffällig auch die Steigerung bei jenen, die angeben, mit mehreren nicht verwandten Personen zusammen zu wohnen: er steigt von 5% auf 16,4%. Jene Personen, die in der Heimat als Paar lebten, schafften es am ehesten, ihre Lebensform aufrecht zu erhalten. Auffällig ist aber in praktisch allen Gruppen der hohe Anteil an jetzt allein oder mit Unbekannten lebenden Personen.
109

In Österreich lebt die Mehrzahl der Befragten in Flüchtlingslagern (39,2%), ein Umstand, den 29,6% als „allein leben“ und 22,5% als „mit Unbekannten leben“ wahrnehmen. 26,9% der Personen in Flüchtlingslagern sind dort mit ihrer Familie untergebracht. 26,5% der Befragten wohnten zum Zeitpunkt der Erhebung in einer Pension, 19,3% zur Untermiete und 10,5% in Hauptmiete. Woher die Befragten kommen, hat auf die Wohnform in Österreich keinen nachweisbaren Einfluss. In Anbetracht dessen, dass die ursprüngliche Lebensform sehr wohl unterschiedlich war, ein interessanter Umstand. Vergleicht man den sozio-geografischen Herkunftsraum mit den Orten, an denen die Befragten in Österreich ihre erste Zeit verbrachten, bestätigt sich das Bild vom Bruch der Lebensformen. 20,8% kamen in einen ländlichen Raum, 34,5% in eine Kleinstadt und 44,6% in eine der Landeshauptstädte. 36,3% der Befragten kamen dabei in eine ihrem Herkunftsraum vergleichbare Umgebung. Von den Menschen, die ursprünglich am Land gelebt hatten, kamen 40% in eine Klein- und 45% in eine Großstadt. Ehemalige GroßstädterInnen mussten zu 22,4% mit einer ländlichen und zu 35,3% mit einer kleinstädtischen Umgebung Vorlieb nehmen.

3.6. LEBENSSITUATION
Die folgenden Ergebnisse beruhen auf Informationen über die Situation vor dem 1. Mai 2004. Zu diesem Zeitpunkt ist mit einem neuen Asylgesetz die sogenannte „Grundversorgung“ in Kraft getreten, wodurch die Einkommenssituation und die Wohnsituation von AsylwerberInnen flächendeckend stabilisiert wurde.

3.6.1. EINKOMMEN
Die Einkommenssituation der Befragten ist von Mangel geprägt. Das monatliche Netto-Durchschnittseinkommen liegt bei rund 255 Euro – ein Wert, der durch einige Ausreißer nach oben verzerrt wird. Der Median liegt bei 200 Euro. Berücksichtigt man die Anzahl der Personen, die von diesem Einkommen leben müssen, verschärft sich das Bild noch einmal. Zwar müssen 56,2% der Befragten nur sich selbst erhalten, aber immerhin 19,6% haben vier oder mehr Personen zu ernähren. Das Pro-Kopf-Einkommen liegt im Mittel bei 138,13 Euro. 29,2% geben an, von einem Einkommen leben zu müssen, das einen Euro pro Kopf und Tag oder weniger ausmacht. Die Armutsgefährdung ist dabei für Menschen aus Europa am geringsten, von ihnen kommen zwei Drittel auf über 300 Euro Monatseinkommen – ein mehr als doppelt so hoher Anteil als für jene Personen an zweiter Stelle aus dem Kaukasus/Tschetschenien (28,9%). Auch das Alter hat einen signifikanten Einfluss auf die Armutslage, je älter die Befragten, desto höher das Einkommen. Der Zusammenhang ist allerdings relativ schwach.

EINKOMMEN NACH HERKUNFT
Afrikanische Staaten

Naher/Mittlerer Osten

Afghanistan

bis 100 Euro 100 bis 300 Euro über 300 Euro

Kaukasus, Tschetschenien

Europäische Staaten

0%

10 %

20 %

30 %

40 %

50 %

60 %

70 %

80 %

90 %

100 %

Abbildung 4 Einkommen nach Herkunftsregion

110

80,2% der Befragten erhalten finanzielle Unterstützung. Davon entfallen 46,2% auf Bundesbetreuung und 26,9% auf Unterstützung durch NGOs. 23,4% erhalten Sozialhilfe. Reich wird man durch die Unterstützung aber nicht: 46% jener, die Unterstützung bekommen, haben ein Monatseinkommen von 100 Euro oder weniger, weitere 27,3% kommen auf bis zu 300 Euro. Aber jene Befragten, die keine Unterstützung erhalten, stehen noch schlechter da. Die entsprechenden Prozentwerte liegen bei 36,4 und 13,6. Dabei gehen niedrige Einkommen vorwiegend mit einer Unterstützung durch den Bund einher. 67,2% der Befragten in Bundesbetreuung müssen mit höchstens 100 Euro monatlich auskommen. Bei den durch NGOs Unterstützten liegt der entsprechende Wert bei 41%.

3.6.2. UNTERKUNFT
Eine schlechte Einkommenslage spiegelt sich meist in einer prekären Wohnsituation wider. Von den 40,4% der Befragten, die in Flüchtlingslagern untergebracht sind, kommen 56,9% auf höchstens 100 Euro Monatseinkommen, weitere 23,1% erhalten bis zu 300 Euro. Personen, die in Untermiete oder Hauptmiete wohnen, sind überproportional in den oberen Einkommensgruppen zu finden.

WOHNFORM UND EINKOMMEN
Flüchtlingslager

Pension/Hotel

Untermiete

bis 100 Euro 100 bis 300 Euro über 300 Euro
0% 10 % 20 % 30 % 40 % 50 % 60 % 70 % 80 % 90 % 100 %

Hauptmiete

Abbildung 5 Einkommen und Unterkunft

Die Bezahlung der Unterkunft (nicht deckungsgleich mit der allgemeinen finanziellen Unterstützung) erfolgt in den meisten Fällen durch den Bund (47,7%). 27,6% bekommen ihre Unterkunft von NGOs bezahlt, weitere 21,8% bezahlen sie selber. Bezahlung durch den Bund impliziert dabei, dass die Betroffenen entweder im Flüchtlingslager oder in Pensionen untergebracht sind. NGOs kommen vor allem für Personen in Flüchtlingslagern auf. Selbstversorger wohnen meist in Untermiete.

3.6.3. UNTERSTÜTZUNG BEI KINDERBETREUUNG
Von den Befragten mit Kindern erhalten 65,6% Unterstützung bei der Kinderbetreuung. Die Unterstützung erfolgt dabei zu 97% aus öffentlichen Mitteln – der kleine Rest kommt aus privaten Initiativen bzw. NGOs. Fehlende Unterstützung bei der Kinderbetreuung wirkt sich dabei auf die Einkommenssituation deutlich negativ aus: jene ohne Unterstützung fielen zu 47,37% in die Einkommensgruppe unter 100 Euro, jene mit Unterstützung hingegen nur zu einem Anteil von 17,95%.

2 Mittelwert

111

3.7. QUALIFIKATIONEN
3.7.1. BILDUNGSNIVEAU
Das Bildungsniveau ist in der Stichprobe relativ hoch. 35,9% geben an, einen Uni- oder Fachhochschulabschluss zu haben. Weitere 28,3% schlossen eine höhere Schule ab. Am anderen Ende des Spektrums stehen 14,13% mit keinem bzw. höchstens einem Grundschulabschluss. 21,74% haben einen mittleren Bildungsabschluss – Personen mit Lehr- und Meisterabschluss mitgerechnet. Kulturelle und bildungspolitische Unterschiede zwischen den Herkunftsregionen erschweren einen Vergleich. Kreuzt man die Angaben zum Bildungsabschluss mit jenen zu den Bildungsjahren, werden diese Unterschiede offensichtlich: 40,91% der Uni- oder FachhochschulabsolventInnen geben an, 12 oder weniger Bildungsjahre genossen zu haben. Dem stehen 53,03% gegenüber, die 15 oder mehr Jahre für denselben formalen Abschluss investiert haben. Unter Berücksichtigung dieser Interpretationsschwierigkeiten lassen sich Tendenzen zum Bildungsniveau nach Herkunftsregion erkennen. Dem formalen Bildungsabschluss nach kommen Personen aus dem Kaukasus/Tschetschenien auf das höchste Bildungsniveau: 74,1% geben einen Uni- oder Fachhochschulabschluss an. Damit liegen sie deutlich vor den Personen aus afrikanischen (37,8%) und aus europäischen Staaten (30%). EuropäerInnen verfügen überdurchschnittlich häufig über einen mittleren Schul- bzw. einen Lehrabschluss. Der Anteil jener mit keinem oder nur einem Grundschulabschluss ist unter AfghanInnen mit 24,4% besonders hoch. Auch aus europäischen Staaten kommen immerhin 20% mit einem entsprechend niedrigen Bildungsniveau nach Österreich.

BILDUNGSABSCHLUSS
Kaukasus, Tschetschenien

Afrikanische Staaten

Europäische Staaten

Uni, Fachhochschule Höherer Abschluss Mittlerer Abschluss, Lehre kein Abschluss, Grundschule

Afghanistan

Naher/Mittlerer Osten

0%

10 %

20 %

30 %

40 %

50 %

60 %

70 %

80 %

90 %

100 %

Abbildung 6 Bildungsabschluss nach Herkunftsregion; n=179

Nach Bildungsjahren betrachtet liegen Personen aus europäischen und afrikanischen Staaten – die insgesamt ein sehr ähnliches Bildungsprofil aufweisen – voran. Die Mehrzahl (54,7%) der Befragten kommt auf zwischen 9 und 12 Jahre Schulbildung, bei Personen aus dem Kaukasus/Tschetschenien sind es 85,2%. Im Durchschnitt kommen die Befragten auf 11,52 Bildungsjahre. Nach dem Geschlecht betrachtet lässt sich bei Bildungsniveau und -abschlüssen kein Unterschied feststellen. Die formalen Bildungsabschlüsse werden in Österreich insofern entwertet, als eine offizielle Anerkennung (Nostrifizierung) selten stattfindet. Nur 19,4% der Befragten verfügen über nostrifizierte Zeugnisse.

112

BILDUNGSJAHRE
Afrikanische Staaten

Europäische Staaten

Naher/Mittlerer Osten

12 Jahre und mehr 9 bis 12 Jahre bis 8 Jahre

Afghanistan

Kaukasus, Tschetschenien

0%

10 %

20 %

30 %

40 %

50 %

60 %

70 %

80 %

90 %

100 %

Abbildung 7 Bildungsjahre nach Herkunftsregion; n=179

3.7.2. BERUFSSTATUS IM HERKUNFTSLAND
Dem Bildungsniveau entsprechend, hatte ein großer Teil der Befragten im jeweiligen Herkunftsland einen relativ guten Berufsstatus. 25,86% waren in leitenden Funktionen oder selbstständig, 40,23% waren anderweitig erwerbstätig, die restlichen 33,91% zum Großteil in Ausbildung. Vor allem die afrikanischen Befragten kamen aus hohen beruflichen Positionen: 41,5% von ihnen geben eine leitende oder selbstständige Position an. Allerdings wird mit der Selbstständigkeit ein weites Tätigkeitsfeld abgedeckt. In der überwiegenden Zahl der Fälle arbeiteten die Selbstständigen als FriseurIn, Lebensmittelhändler, KFZ-Mechaniker – auf österreichische Verhältnisse umgelegt also typisch kleingewerbliche Tätigkeiten. Ebenso vertreten sind unter den Selbstständigen KünstlerInnen, SportlerInnen, LehrerInnen und spezialisierte AkademikerInnen. Unter den übrigen „Erwerbstätigen“ finden sich entsprechend viele Personen mit einem ähnlichen Tätigkeitsspektrum. Auffällig ist in dieser Gruppe eine gewisse Häufung von Soldaten. Auch wissenschaftliche MitarbeiterInnen finden sich mehrere. Die häufigsten Berufe sind LehrerInnen und medizinisches Personal. Während sich beim Bildungsstand keine systematischen Unterschiede zwischen den Geschlechtern nachweisen lassen, kommen die Frauen tendenziell aus niedrigeren beruflichen Positionen. Der Zusammenhang ist allerdings nicht signifikant. Ein hoher Berufsstatus im Herkunftsland macht sich allerdings in Österreich nicht unbedingt in einer besseren sozialen Lage bemerkbar. Jene, die eine leitende oder selbstständige Tätigkeit angaben, fallen zu 55,3% in die niedrigste Einkommensklasse (bis 100 Euro) – und erweisen sich damit als einkommensschwächer als jene, die im Herkunftsland nicht erwerbstätig waren – von ihnen fallen 51% in die entsprechende Einkommensgruppe. Auch auf die Art der Unterkunft o.ä. ist kein positiver Effekt festzustellen. Derselbe Effekt lässt sich für die Bildung zeigen. 61,7% der AbsolventInnen einer höheren Schule und 40,3% der AkademikerInnen fallen in die unterste Einkommensklasse, von jenen ohne Schulabschluss sind es 36,4%, von AbsolventInnen einer mittleren Schule oder Lehre 29%. Auf die Frage, wie weit hohe Bildung und der Berufsstatus in der Heimat generell zur Arbeitsmarktintegration in Österreich beitragen, wird weiter unten eingegangen. Der negative Zusammenhang von hoher Bildung bzw. hohem Berufsstatus auf die Lebenssituation lässt sich zumindest zum Teil durch die unterschiedliche Qualifikationsstruktur in den einzelnen Herkunftsgruppen erklären. Fast 68,1% der Selbstständigen und Personen in Führungspositionen entfallen auf die beiden einkommensschwächsten Gruppen: afrikanische Staaten und Naher/Mittlerer Osten.

113

3.7.3. SPRACH- UND SCHRIFTKENNTNISSE
Ein zentraler Teil der Erhebung war die Erfassung von Sprach- und Schriftkenntnissen. Der überwiegende Teil der Befragten beherrscht zumindest eine Fremdsprache, nur 6,5% sprechen keine Fremdsprache. In den meisten Fällen wurde dabei auch die Muttersprache angegeben, bei den tatsächlichen Fremdsprachenkenntnissen sind die Werte dementsprechend nach unten zu korrigieren.

ANZAHL SPRACHEN
eine Sprache

zwei Sprachen

Häufigkeit

drei Sprachen

vier Sprachen

fünf Sprachen

sechs Sprachen

sieben Sprachen

0

5

10

15

20

25

30

35

40

45

50

55

60

65

Abbildung 8 Anzahl gesprochener Sprachen; n=184

25,9% der Befragten geben an, zwei Sprachen zu sprechen, 35,1% nennen drei. Immerhin 22,7% kommen auf vier Sprachen, 9,4% beherrschen mehr als das. Neben diversen lokalen Dialekten stechen Englisch, Französisch, Persisch und Russisch als wichtigste Fremdsprachen heraus. Englisch sprechen 47,6%, Französisch 26,5%. Persisch geben 28,6% an – überwiegend handelt es sich dabei um muttersprachliche Personen. Russisch sprechen 11,4% – hauptsächlich Personen aus Staaten der ehemaligen Sowjetunion. 17,3% beherrschen eine andere europäische Sprache. 36,5% sprechen zumindest zwei der genannten Sprachen. Nur 12,4% beherrschen keine von ihnen. Immerhin 8,6% sprechen sowohl Englisch als auch Französisch; für die Arbeitsmarktintegration scheinen vor allem diese beiden Sprachen von Bedeutung, abgesehen natürlich von Deutsch.

3.7.4. DEUTSCHKENNTNISSE
Ihre Deutschkenntnisse beurteilen die Befragten positiv – berücksichtigt man die relativ kurze Aufenthaltsdauer. Immerhin 78,5% stufen sie als „mittel“ oder besser ein (gut: 23,8%, sehr gut: 12,2%), nur zwei Befragte meinen, über keine Deutschkenntnisse zu verfügen. Dabei lässt sich ein positiver Zusammenhang zwischen den allgemeinen Fremdsprachenkenntnissen und den Deutschkenntnissen nachweisen. Sehr stark wirken sich Lateinschriftkenntnisse auf den Spracherwerb aus. Andere spezielle Determinanten des Spracherwerbs lassen sich nicht erkennen, getestet wurden Aufenthaltsdauer, Herkunftsregion, Geschlecht, Bildungsjahre, höchster Schulabschluss und Berufsstatus. Der Einfluss von Lateinschriftkenntnissen auf den Spracherwerb lässt deren Relevanz erkennen. Zwar geben 72,8% an, gut oder sehr gut Lateinschrift lesen zu können – die restlichen 27,2% schätzen ihre diesbezüglichen Fähigkeiten aber als höchstens mittelmäßig ein. Auf die Frage, selbst Lateinschrift schreiben zu können, stufen sich 32,8% der Befragten als höchstens mittelmäßig ein. Dafür geben 30,8% an, zumindest eine andere Schriftart zu beherrschen.
114

DEUTSCHKENNTNISSE
keine

gering

HÄUFIGKEIT

mittel

gut

sehr gut 0 5 10 15 20 25 30 35 40 45 50 55 60 65 70 75 80

Abbildung 9 Deutschkenntnisse, Häufigkeiten; n=185

3.7.5. ANDERE KENNTNISSE UND FÄHIGKEITEN
45,6% der Befragten verfügen über einen Führerschein. Davon entfällt der überwiegende Teil auf PKW-Führerscheine (41,1% der Befragten), weit abgeschlagen folgen InhaberInnen eines LKW-Führerscheins (6,5%). Nur ein Befragter hat einen Kran-Führerschein, fünf geben an, über andere Führerscheine zu verfügen. 13,89% der FührerscheinbesitzerInnen verfügen über mehr als einen Führerschein. In Österreich umgeschrieben wurden die Führerscheine von 21,8% der Befragten, weitere 6% haben ihn teilweise umgeschrieben. Computerkenntnisse haben 49,2% der Befragten. Dabei überwiegen allgemeine Windows-Kenntnisse und InternetKenntnisse mit einem Anteil von 34,6% und 35,1% an der Gesamtstichprobe. Spezifischere Kenntnisse haben nur wenige: Excel beherrschen 15,7%, Powerpoint 8,1%. 17,3% geben drei oder mehr spezifische Kenntnisse an. Computerkenntnisse weisen dabei einen starken Zusammenhang mit Herkunft und Geschlecht auf. Während mehr als zwei Drittel der AfghanInnen über keine Computerkenntnisse verfügen (68,3%), kehrt sich dieses Verhältnis bei EuropäerInnen und AfrikanerInnen um: 60% bzw. 65,1% können mit Computern umgehen. Ebenso lässt sich ein starker Geschlechtereffekt feststellen: 56,1% der Männer, aber nur 34,5% der Frauen haben Computerkenntnisse.

COMPUTERKENNTNISSE I
Frauen 34,50 % 65,50 %

Ja Nein
43,90 %

Männer 0%

56,10 % 25 % 50 %

75 %

100 %

Abbildung 10 Computerkenntnisse nach Geschlecht; n=178

115

COMPUTERKENNTNISSE II
Afghanistan 32 % 68 %

Ja Nein
57 %

Kaukasus, Tschetschenien

43 %

Naher/Mittlerer Osten

48 %

52 %

Europäische Staaten

60 %

40 %

Afrikanische Staaten

65 %

35 %

0%

25 %

50 %

75 %

100 %

Abbildung 11 Computerkenntnisse nach Herkunft; n=176

Daneben geben die Befragten eine Reihe weiterer Fertigkeiten an. Dabei dominieren Sport (52,97%) sowie Kochen /Haushalt (43,24%). Auch Unterricht (37,3%), Musik (29,73%) und Pflege (23,78%) werden häufig genannt. Nach Geschlecht und Herkunft gibt es keine auffälligen Unterschiede, mit zwei Ausnahmen: Haushalt und Kochen sind wenig überraschend hauptsächlich weibliche Fertigkeiten (61,67% unter den Frauen, 33,87% unter den Männern), Sport eine überwiegend männliche Angelegenheit (33,33% unter den Frauen, 62,1% unter den Männern). Die Befragung wurde beim Eintritt in das Projekt Don’t wait vorgenommen und gibt daher keine Auskünfte über jene Kompetenzen, die im Projektverlauf dazu gewonnen wurden. Soweit dies nachzuvollziehen war, haben die eigenen Fähigkeiten und Interessen natürlich eine Auswirkung auf die beruflichen Ziele in Österreich. In praktisch allen Fällen entsprachen die beruflichen Ziele den in den Herkunftsländern ausgeübten Tätigkeiten. Die Realität sieht jedoch anders aus.

3.8. TÄTIGKEITEN IN ÖSTERREICH
72,4% der Befragten besuchten in Österreich einige Kurse. In derselben Zeit konnten nicht einmal 30% einer bezahlten Tätigkeit nachgehen. Auf mehr als eine Tätigkeit kamen gerade einmal 8,6%. Kassiererin bei McDonalds, Abwäscher, Arbeit im Imbissstand, Zeitungsausträger, Küchenhilfe, Reinigungskraft und MA48: das sind häufig genannte Formen von Tätigkeiten. Daneben geben drei Befragte eine Ausbildung an, die sie in Österreich begannen, einige probierten Volontariate. Die Dauer der jeweiligen Tätigkeiten reicht dabei – unabhängig vom Tätigkeitsprofil – von wenigen Wochen über bis zu drei Jahre, von wenigen Stunden die Woche bis zu Vollzeitbeschäftigungen. Von jenen, die eine Beschäftigung fanden, ist exakt ein Drittel über eine Beschäftigungsbewilligung angestellt – die Tätigkeiten liegen hier vor allem im Küchenbereich (rund ein Drittel der Beschäftigungsbewilligungen) und im Reinigungswesen. Eine wirkliche Anstellung haben nur zwei Befragte, 13 sind als TagelöhnerInnen oder auf Werkvertragsbasis tätig. Das Tätigkeitsprofil lässt keine besonderen Qualifikationserfordernisse erkennen. Trotzdem ist davon auszugehen, dass gewisse „Schlüsselkompetenzen“ die Jobsuche für Flüchtlinge erleichtern. Eine zu hohe Qualifikation könnte – so die Annahme – allerdings erschwerend wirken. Dieser Effekt wird durch die schon beschriebene Verteilung der Qualifikationen auf die verschiedenen Herkunftsgruppen verstärkt. Als zentrale Schlüsselfertigkeit können Sprachkenntnisse genannt werden, wobei davon ausgegangen wird, dass vor allem Deutsch- und Lateinschriftkenntnisse von Bedeutung sind. Fasst man die entsprechenden Variablen zusammen, zeigt sich tatsächlich ein markanter Zusammenhang. Auch mit den allgemeinen Sprachkenntnissen, also inklusive der Fremdsprachen, lässt sich ein Zusammenhang nachweisen.
116

Mitgebrachte Computerkenntnisse und Führerscheine brachten keinen Einfluss auf die Arbeitsmarktintegration. Nach dem Geschlecht betrachtet, zeigt sich eine etwas bessere Ausgangssituation für Männer: 31,5% der männlichen entgegen 25% der weiblichen Befragten gingen mindestens einer bezahlten Tätigkeit nach. Außerdem zeigt sich eine Tendenz, dass Männer länger beschäftigt sind: 50% der Männer, aber 64,3% der Frauen sind ein halbes Jahr oder weniger beschäftigt, bei jenen Frauen, die länger als zwei Jahre beschäftigt sind, liegt der Anteil bei 7,1%, bei den Männern bei 12,5%. Auch die Herkunftsregion macht einen gewissen Unterschied: 40% der Personen aus europäischen Staaten waren schon einmal beschäftigt, es folgen der Nahe/Mittlere Osten (33,3%) und Kaukasus (32,1%), schwieriger ist es für AfghanInnen (22%) und Personen aus afrikanischen Staaten (22,2%). Mitgebrachte Vorbildung wirkt sich nicht positiv auf die Arbeitsmarktintegration aus: wenn der Zusammenhang auch nicht signifikant ist, zeigt sich doch die Tendenz, dass Personen mit weniger Schuljahren eher einer Tätigkeit nachgingen. In der Gruppe der Personen mit bis zu acht Schuljahren liegt der Anteil bei 32,1%, bei jener mit 12 und mehr Ausbildungsjahren nur mehr bei 24,1%. Nach dem Schulabschluss betrachtet, ergibt sich dasselbe Bild: 34,6% der GrundschulabsolventInnen und Personen ohne Schulabschluss sind schon einmal einer Tätigkeit nachgegangen, aber nur 28,8% der Uni- oder FachhochschulabsolventInnen. Allerdings gibt sich eine schwach ausgeprägte Tendenz, dass sich mehr Bildungsjahre positiv auf die Art des Beschäftigungsverhältnisses auswirken. Ebenfalls negativ scheint sich ein guter Berufsstatus im Herkunftsland auszuwirken. Während 37,7% jener, die nicht erwerbstätig gewesen waren, in Österreich schon zumindest einer Tätigkeit nachgegangen sind, sind es nur 22,2% der Selbstständigen und Personen in leitenden Positionen. Am Beispiel der Bildung lässt sich das komplexe Wechselverhältnis kultureller und qualifikationsbezogener Faktoren für die Arbeitsmarktintegration erkennen. Es sind die Personen aus Europa, die am ehesten Arbeit finden – also jene, mit einem vergleichsweise niedrigen Bildungsniveau. Das Ausüben einer Tätigkeit in Österreich wirkt sich unmittelbar positiv auf die Lebenssituation aus. Jene, die zumindest einmal einer Tätigkeit nachgingen, verdienen im Mittel 201,67 Euro pro Kopf, jene ohne Beschäftigung kommen auf 110,23 Euro. Auch mit der Wohnsituation zeigt sich ein Zusammenhang: Personen mit Beschäftigung leben fast doppelt so häufig in Unter- oder Hauptmiete als Personen ohne Tätigkeit (27,3% bzw. 16,4% gegenüber 15,6% bzw. 8,6%). Die fehlende Arbeitsmarktintegration schlägt sich unmittelbar in der Tagesgestaltung der Betroffenen nieder. Abgesehen von Schlaf sind Leerzeiten (98 Nennungen) die am häufigsten genannten Tagesbeschäftigungen der Befragten. Es folgen Kommunikation (87), Behördenwege (81) und Familienbetreuung (77). 35 Befragte gaben an sich mit Arbeitssuche zu beschäftigen, 24 mit Wohnungssuche. Bezieht man die Länge der mit den Tätigkeiten verbrachten Zeit mit ein, liegen die Leerzeiten mit 7,34 ebenfalls nur knapp hinter dem Schlaf mit 7,71 Stunden täglich. Frauen müssen in ihrer Tagesgestaltung deutlich mehr Leerzeit unterbringen als Männer, sie verbringen im Schnitt 9,1 Stunden täglich mit Leerzeiten (im Gegensatz zu 6,61 bei den Männern). Abgesehen von der Familienbetreuung, für die Frauen im Schnitt 4,23 Stunden und damit um 1,65 Stunden mehr als die Männer aufwenden und die von 51,67% der Frauen, aber nur von 36,29% der Männer als Teil ihrer Tagesgestaltung genannt werden, zeigen sich keine markanten Unterschiede in der Tagesgestaltung von Frauen und Männern. (Arbeitssuche wird nur von 8,3% der Frauen angegeben, aber von 23,4% der Männer).

3.9. ERFAHRUNG MIT UND EMOTIONALER BEZUG ZU ÖSTERREICH
Die Mehrzahl der Befragten kam nicht gezielt nach Österreich. 80,4% geben an, per Zufall hier gelandet zu sein. Anregungen von Familienmitgliedern (10,6%) und andere Formen von Empfehlungen (9%) spielen dagegen nur eine untergeordnete Rolle. Dementsprechend überrascht es nicht, dass 52% angeben, vor ihrer Migration nichts über Österreich gewusst zu haben.
117

Wenn, dann wurden Informationen aus Medien oder Schule bezogen – 25,9 bzw. 22,2% geben diese als Informationsquellen an. Auch Verwandte und Freunde spielten für 10,3% eine Rolle, offizielle Stellen (0,5%) und Erzählungen (3,2%) sind dagegen wenig relevant. 85,5% hatten aus keiner oder höchstens einer Quelle Informationen. Äußerst wohlwollend fällt das Urteil über Österreich aus. 48,8% fühlen sich hier willkommen oder gut aufgenommen, dazu kommen 24,1%, die sich neutral aufgenommen fühlen. Negative Wahrnehmungen werden weniger berichtet: 10,3% fühlen sich gar nicht, 6,3% mit Ablehnung, 10,3% mit Skepsis aufgenommen. Noch positiver fallen die Antworten auf die Frage, ob Österreich den Befragten gefällt, aus: 5% geben ein negatives, 76,1% ein positives Urteil. Die ÖsterreicherInnen werden zu 8,3% als unangenehm, aber zu 68,3% als (sehr) angenehm empfunden. Auffällig positive Beurteilung Österreichs, seiner EinwohnerInnen und der Aufnahme hier ist bei AfghanInnen zu finden. Positive Erfahrungen mit ÖsterreicherInnen wirken sich positiv auf den Spracherwerb aus. Zu bedenken ist dabei der zentrale Stellenwert von Sprachkenntnissen für die Arbeitsmarktintegration. Die positive Einschätzung Österreichs wird durch häufige Diskriminierungserfahrungen konterkariert. Nur 31% erfuhren noch nie ablehnende Reaktionen wegen ihrer Herkunft, bei 22,4% war dies selten der Fall. 35,1% geben an manchmal, 11,5% schon öfter solche Erfahrungen gemacht zu haben. Ablehnungen wegen des Geschlechtes spielen demgegenüber kaum eine Rolle, sie kamen bei 77,9% der Befragten noch gar nicht vor. 7,6% berichten, selten und 5,2% häufig solche Erfahrungen gemacht zuhaben, „Manchmal“ hatten sie 9,3% der Befragten gemacht. Die Wahrscheinlichkeit, diskriminierende Erfahrungen zu machen, ist von der Herkunft abhängig. Am ehesten sind AfrikanerInnen betroffen, dementsprechend wird Österreich von AfrikanerInnen auch am negativsten beurteilt.

DISKRIMINIERUNGSERFAHRUNG NACH HERKUNFT
Naher/Mittlerer Osten 37 % 63 %

manchmal, öfter nie, selten

Afghanistan

38 %

62 %

Kaukasus, Tschetschenien

44 %

56 %

Europäische Staaten

47 %

53 %

Afrikanische Staaten

66 %

34 %

0%

25 %

50 %

75 %

100 %

Abbildung 12 Diskriminierungserfahrungen nach Herkunft; n=171

JedeR sechste Befragte verbrachte in Österreich einige Zeit in Schubhaft. Dabei macht das Geschlecht keinen Unterschied. Die Herkunft allerdings schon: Während nur 5,6% der EuropäerInnen schon in Schubhaft saßen, mussten 21,1% der AfghanInnen, 19,2% der Personen aus Kaukasus/ Tschetschenien, 17,4% jener aus dem Nahen/ Mittleren Osten und 14% der AfrikanerInnen eine solche Erfahrung machen. Schwierig gestaltete sich für die Befragten in Österreich der Zugang zu Informationen. 34,3% empfanden es als „kaum möglich“ an Informationen zu gelangen, 45,3% gaben an, dass ihnen das „nicht so rasch“ gelungen sei. Nur jedeR fünfte kam sofort an Informationen. Je besser dabei die Deutschkenntnisse, desto besser auch die Informationsmöglichkeiten – oder umgekehrt: da die Qualität des Informationszugangs in direktem Zusammenhang mit der Beurteilung der Erfahrungen in Österreich steht und diese ihrerseits den Spracherwerb erleichtern, ist auch die entgegengesetzte Wirkungsrichtung plausibel. Bildung, Berufsstatus, Herkunft und Geschlecht hatten dagegen keinen nennenswerten Einfluss auf den Informationszugang.

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Dabei ist auch in den Fällen, in denen es Informationen gibt, die Anzahl der Informationsquellen in der Regel beschränkt: rund vier Fünftel der Personen, die Zugang zu Informationen hatten, nannten nur eine Informationsquelle, jedeR sechste Befragte mit Informationszugang nannte zwei Beratungsstellen (NGOs, kirchliche Einrichtungen...) waren dabei die wichtigsten Ansprechpartner: 30,3% der Befragten fanden hier nützliche Informationen. Mit 22,7% folgen an zweiter Stelle informelle Netzwerke wie Bekannte oder andere Personen derselben Herkunft. Nur 10,3% geben an, von Behörden oder Polizei informiert worden zu sein. Dafür bringen Behörden und Polizei einen Zeitvorteil: 44,4% der durch entsprechende Stellen Informierten geben an, sofort Zugang zu Informationen gehabt zu haben. Der Gang zu Beratungsstellen und zu Bekannten ging dagegen eher mit der Einschätzung einher, dass es nicht sehr rasch oder kaum möglich war, an Informationen zu gelangen. (Allerdings ist hier auch auf qualitative Aspekte zu achten: der Anteil der von Behörden Informierten ist unter Schubhäftlingen doppelt so hoch wie unter jenen, die nicht in Schubhaft waren.) Die Wirksamkeit der Beratung im Hinblick auf Arbeitsmarktintegration variiert beträchtlich. Am positivsten wirkt sich eine Beratung durch NGOs aus: Während jene, die nicht von NGOs beraten wurden, nur zu 22,5% zumindest einer Tätigkeit nachgehen konnten, steigt der Anteil bei den von NGOs Beratenen auf 46%. Bei Information durch Bekannte zeigt sich ein deutlich schwächerer, bei jener durch Behörden und Polizei sogar ein leicht negativer Zusammenhang. Je besser der Zugang zu Informationen insgesamt funktionierte, desto positiver wird die Zeit in Österreich – das Land, die BewohnerInnen und die Aufnahme hier – bewertet. Diskriminierungserfahrungen werden deutlich seltener berichtet. Der Aufenthalt in Österreich wird von den meisten Befragten mit einer Reihe von Hoffnungen verbunden. 80,5% nennen zumindest drei Zukunftswünsche, bei nur jeder/m Zehnten finden sich dazu keine Angaben. Abgesehen von relativ allgemeinen Wünschen nach Frieden und Glück dominieren dabei drei Arten von Wünschen: auf die Familie und ihre Gesundheit, auf Arbeit und Ausbildung sowie auf den Aufenthalt in Österreich bezogene. Zwar äußern Frauen und ältere Personen etwas öfter als Männer bzw. Jüngere familienbezogene Wünsche. Abgesehen davon sind die Antwortmuster über Herkunfts-, Geschlechter und Altersgruppen relativ homogen. Die Formulier ungen unterscheiden sich – aber die genannte Richtung der Wünsche lässt doch Schlüsse auf aktuelle Problemlagen zu.

SCHLUSSFOLGERUNGEN
Obwohl die gegenwärtige Rechtslage in Österreich eine Integration in den Arbeitsmarkt für AsylwerberInnen nahezu unmöglich macht (unselbständige Erwerbstätigkeit: nur AsylwerberInnen mit befristeter Aufenthaltsbewilligung gem. § 15 AsylG können eine unbefristete Beschäftigungsbewilligung erhalten; AsylwerberInnen im laufenden Verfahren gem § 19 AsylG dürfen nur im Saisonbereich beschäftigt werden; selbständige Erwerbstätigkeit ist im Grunde nur über „Neue Selbständigkeit möglich), zeigt die Erfahrung, dass AusylwerberInnen zumindest nach einer gewissen Aufenthaltsdauer eine umso bessere Integrationschance in den Arbeitsmarkt haben, je besser ihre aktiven und passiven Deutschkenntnisse sind und je effektiver sie durch NGOs beraten werden. Diese Vorbereitung auf eine Arbeitsmarktintegration verbessert die Lage der Menschen in den Monaten nach dem positiven Asylbescheid, denn dann bestehen alle Integrationshemmnisse weiter – mit Ausnahme der Arbeitsmarktblockade.

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Arbeit und Ausbildung für AsylwerberInnen!

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