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Freitag, 11. Februar 2011 HF2 Süddeutsche Zeitung Nr.

34 / Seite 3
DIE SEITE DREI

Ein Herz für Deutsche


In der Bundesrepublik sollen sich Ausländer schön integrieren. Aber was, wenn Münchner oder Düsseldorfer in die Fremde gehen?
Eine kleine Fallstudie aus den Nachbarländern Österreich und der Schweiz – mit Leuten, auf die keiner gewartet hat.

Von Hilmar Klute Wer Christian Unger nun auf seine Inte-
grationstechniken abfragt, gewinnt rasch
Wien / Zürich – Schwer zu sagen, ob die den Eindruck, dass er sich fast planmäßig
Kellnerin mit der Modebrille, die im Café eingefügt hat. Als klar war, dass er die
Sperl den großen Mokka bringt, auch bei nächsten Jahre in Zürich leben würde,
einem Österreicher sofort abkassiert hät- hat er seine drei Kinder von der Internati-
te. Ob sie ebenfalls so spinnenhaft neben onalen Schule genommen und in die
der Durchreiche gekauert hätte, um dann Schweizer Schule geschickt. Denn Inte-
die drei, vier resoluten Schritte zum Platz gration, das muss man begreifen, bedeu-
am Fenster zu gehen und mit Lauerblick tet zu einem gewissen Grad eben doch As-
die Rechnung vorzulegen. Ja, vermutlich similation und das verstehen viele nicht,
hätte sie das auch bei einem Wiener so ge- sagt Unger: „Viele Deutsche unterschät-
handhabt, und man sollte sich hüten, als zen, dass sie in ein Land mit einer ande-
Deutscher immer den Verdacht zu hegen, ren Kultur ziehen, einem anderen politi-
man sei in Wien Freiwild für die allgemei- schen System und ecken an.“
ne Germaniaphobie, zu Österreichisch: Wie denn? Indem sie die Schweiz als
den Piefkehass. Durchgangsstation betrachten, sich nicht
Andererseits sagen sie einem ja doch beheimaten wollen und manchmal doch
immer wieder, die Deutschen benähmen auch ein bisschen zu laut und direkt re-
sich wie die Wildsäue hier in Wien, auch den. Oder wie Christian Unger es in die-
und gerade weil sie in lärmenden Rotten sem wunderbaren Managersatz hier sagt:
auftreten. Natürlich ist es keine gute Ent- „Indem man es a priori bestimmt, den
wicklung, wenn in den medizinischen Se- Mietvertrag der Wohnung so zu kalibrie-
minaren der Wiener Universität kaum ren, dass man schon wieder den Auszug
noch ein Österreicher sitzt. Fremde Kultu- definiert hat.“
ren, allen voran die deutsche, mögen zwar Und die Sprache? Ja, die Sprache zu
in Teilen bereichernd sein, aber es muss verstehen, ist natürlich immer wichtig,
eben alles seinen Rahmen haben, und der wobei Christian Unger eher darauf ver-
war spätestens dann gesprengt, als der zichten möchte, sich das Schweizerische
Anteil der deutschen Studenten in Wien anzueignen. Er hat einige Jahre in China
in zehn Jahren von 2,3 schussartig auf 7,1 gelebt und dort die Idee entwickelt, mögli-
Prozent angestiegen war. Und weil dem- cherweise Chinesisch zu lernen, um näher
nächst in der Bundesrepublik die allge- an die Leute heranzukommen. Aber die
meine Wehrpflicht abgeschafft wird, Kollegen haben ihm abgeraten, weil er
kommt vermutlich in den nächsten Semes- die Sprache ohnehin nie korrekt sprechen
tern eine noch größere Rotte von Piefkes könne und am Ende als eine Art Hybrid-
mit schlechten Abiturnoten nach Öster- version eines Deutsch-Chinesen umherge-
reich. hen müsste. Immerhin, sagt Unger, könne
Andererseits – es muss einen Weg ge- man als Deutscher in der Schweiz die vol-
ben, auch Deutsche so zu integrieren, le Akzeptanz genießen, wenn man sich
dass sie einem Land mehr Freude als Är- auf alles einlässt. Und das ist sowieso eine
ger bereiten. Seit ein paar Monaten debat- schöne Regel für alle, die sich in einem
tieren die Deutschen darüber, ob sie es Land einleben möchten: Wer sich integrie-
mit einer Rotte integrationsunwilliger ren will, muss bleiben wollen.
Türken, Albanern und Senegalesen zu
tun haben; ob sie auf dem Weg sind, ihr
Kultur- und Lebensverständnis preiszu- Manchmal ist es gut zu wissen,
geben zugunsten von muslimischen Ein- dass ein kleiner Betrug zur
wanderern, die angeblich nichts davon
wissen wollen, was den Deutschen lieb
Begrüßung hilfreich sein kann.
und wichtig ist. Dass sich all jene, die in
ihr Land kommen, möglichst schnell und Oder er muss wenigstens einen Mittel-
reibungslos einklinken, das wollen die weg zwischen gelegentlichem Dasein und
Deutschen. Aber wie ist es umgekehrt? geschickter Handhabung der Schweizer
Können die Deutschen, die im Ausland le- Lebensart finden – so, wie der extrem
ben, vormachen, wie es mit der ordnungs- wortgewandte Fußballreporter Marcel
gemäßen Assimilation geht? Reif. Reifs letzte Ehefrau war Schweize-
rin, er lebt teils bei seinen Kindern in Zü-
rich – oder eben bei seiner neuen Frau, die
„Ich war im ganzen Leben Ärztin in München ist. Reif sitzt im sehr
noch nie so deutsch wie hier.“ münchnerischen „Franziskaner“, er skal-
piert behende eine Weißwurst und ruft,
Das macht sie fassungslos. dass er „integrationswütig“ sei. Eine Ei-
genschaft, die Reif auf die Kapriolen sei-
Kann es Dirk Stermann vielleicht? Der ner frühen Jahre zurückführt: in Polen in
geht jetzt erst einmal durch das aufwen- eine jüdische Familie hineingeboren, ein
dig gemachte, sarkophagartige Eingangs- paar Jahre in Israel: „Ich hab ja nirgends
portal ins Café Sperl, in welchem die richtig was gekonnt. Weder Hebräisch
weltgewandte Verkommenheit der Stadt noch Deutsch noch richtig Polnisch. Das
Wien hübsch ausgestellt ist: Eng neben- ist für ein Kind traumatisch, verstehen
einander liegen die Erzeugnisse der inter- Sie? So hab ich mir meine Sprachbega-
nationalen Presse auf dem alten Billard- bung erklärt im Nachhinein.“
tisch. An den Wänden hängen farbintensi- Diese Sprachbegabung gestattet Reif
ve Fotos aus besseren Tagen, als das Kaf- sogar, das schwer zugängliche Schweizer-
feehaus noch die Verlängerung der Kai- „Aber es bleibt doch immer, das Fremdheitsgefühl“ – Caroline Peters, Burgschauspielerin aus Deutschland, wohnhaft in Wien. deutsch so flüssig zu sprechen, dass er
serzeit war – und nicht die rührend-siffi- dem Schweizer damit unter Umständen
ge Konkurrenz von Starbucks. Stermann eins auswischen kann. „Wenn ich meine,
bestellt einen Espresso, der hier eigent- etwas Böses sagt, schimpfen die Österrei- Weil die Wiener ihr das Deutschsein im- eigentlich Schauspieler und Fotograf ist deln, denn in den Verwaltungs- und Vor- es müsse mal nach meinem Tempo gehen,
lich korrekt kleiner Schwarzer heißt. cher und raten ihm, nach Deutschland zu mer wieder unter die Nase reiben wie je- wie in Berlin und einem lustlos das Essen standsetagen sitzen die Deutschen so zahl- dann switche ich ganz plötzlich ins Hoch-
Der Kabarettist Dirk Stermann ist ein gehen. „Die sagen, ich sei ein linker nen scharfen Kren, den man hier zur Bu- auf den Tisch knallt, das – nebenbei – in reich wie auf den Lehrstühlen der Zür- deutsche – was den Effekt niemals ver-
schönes Beispiel dafür, wie sich ein Staatskünstler, der von deren Steuergel- renwurst isst. „Jedes Gespräch“, sagt sie, Wien nicht so sagenhaft schlecht ist wie cher Hochschulen, und es ging damals so- fehlt. Niemals!“ Der Effekt ist der, dass
integrationswilliger Deutscher in dieses dern lebt. Aber ich sei zu schlecht, um in „endet mit dem Satz: Na, auf Wiederse- in der deutschen Hauptstadt. Und dass gar so weit, dass sich die deutschen Aka- der Schweizer nicht mehr mitkommt.
merkwürdig stolze und doch so komplex- Deutschland zu leben.“ Für Deutschland hen, hams sicher auch deutliches Heim- der ältere Herr am Nebentisch im Imperi- demiker in Zürich mit einem Protestbrief Aber einer wie Reif muss auch vorsichtig
beladene kleine Österreich erfolgreich zu schlecht, für Österreich gerade gut? weh nicht wahr? Wollns noch lange blei- al im grauen Anzug dasitzt und das Szege- in der Neuen Zürcher Zeitung gegen ihre sein in der allzu ironischen Brechung
einschmeicheln kann – freilich erst nach- Was kann es Rätselhafteres geben als ben?“ Sie hat versucht, mit Engelszungen diner Gulasch mit Bedacht zum Mund Diskriminierung wehren wollten. seines Verhältnisses zu den Schweizern:
dem er die Höllenkreise des Integrations- einen Hochmut, der sein Fundament im zu reden, aber das half wohl alles nichts. führt, behagt ihr auch: „In Deutschland Heute, ein Jahr nach dem großen Er steckt mitten in einem Einbürgerungs-
prozesses durchlaufen hat. Minderwertigkeitsgefühl hat! „Jetzt schlag ich hier einen anderen Ton hätte der vermutlich was Lockeres an.“ Schweizer Angriff auf die Deutschen, verfahren. Dazu wird er die Kantone aus-
Vor mehr als zwanzig Jahren kam der Ein erfolgreicher Immigrant, der Fall an. Ich blaffe die an. Ich sage dem Taxi- hört man nicht mehr so viel davon. Deut- wendig wissen müssen und ein paar Politi-
gebürtige Duisburger Stermann als Nu- Stermann zeigt das sehr schön, muss ler- fahrer: Da, fahr den Weg!“ sche ziehen weiterhin in die Schweiz, bis kernamen. Ansonsten gilt: Wer Deut-
merus-clausus-Flüchtling aus seiner Stu- nen, die Widersprüche seiner Wahlhei- Ein schöneres, weil eleganteres Integra- Er hat die Kinder von der zu 30 000 sind es pro Jahr, sie nehmen hö- scher ist und ausreichend Geld ins Land
dienstadt Düsseldorf nach Wien, und da mat auszuhalten. Er muss begreifen, dass tionsgeheimnis von Caroline Peters lau- Internationalen Schule here Posten und Ränge ein und besitzen bringt, wird nicht an der helvetischen Be-
fegte ihm die Wiener Wut gleich um die er zwar nicht grundsätzlich willkommen tet hingegen: Man muss die Hierarchien ein feines Sensorium für die Empfindsam- harrlichkeit scheitern.
Ohren: Polizisten zogen ihn aus dem Stra- ist, sich aber Respekt erarbeiten kann, bespielen, auf welche die Österreicher so
genommen – eine kluge Idee. keiten der Gastgeber. Der Münchner Und wer in Wien Burgschauspieler ist,
ßenverkehr und schleppten ihn auf die wenn er nur zäh genug bleibt. Das ist unfassbaren Wert legen. All die Titel, all Christian Unger ist seit 2009 Leiter des wird nicht an der Impertinenz der Wiener
Wache: „Der Piefke kann in Deutschland wichtig, weil Integration von Deutschen die Magister und Habilitanten. Und es Aber einmal, erzählt Caroline Peters, Ringier-Verlags, des größten Medienun- zugrunde gehen. Als Caroline Peters ein
so fahren, hier nicht“; Deutschlandfähn- auch gehörig schiefgehen kann, wie der war auch das integrationsfördernde hat sie im Kino gesessen, das war zur Zeit ternehmens der Schweiz. CEO nennt man Konto eröffnen wollte, fragte sie der
chen steckten in Hundehaufen, und wenn Fall Peters zeigt. Glück von Frau Peters, dass ihr ein paar der Fußballweltmeisterschaft. Es lief eine diesen Posten und die Anzahl der Deut- Schalterbeamte nach ihrer Adresse. Da
er, der Wahlwiener, sich verabschiedete, Caroline Peters ist vor ein paar Stun- Österreicher den Weg zur Optimierung Kinowerbung, aus der hervorging, wie schen auf diesem hohen, wie man so sie in Wien nicht gemeldet war, verfügte
hieß es immer: „Dann noch schönen Auf- den erst aus Deutschland in Wien ange- ihrer Einbürgerung gewiesen – respekti- dumm die Deutschen seien. Das ganze Ki- schön sagt Entscheidersegment liegt in sie über keine. Der Bankmann stellte die
enthalt in Wien!“ Ein Deutscher, denkt kommen, das heißt, sie ist in Wahrheit ve die Tür geöffnet haben zum guten Be- no hat gelacht. „In Deutschland wäre es der Schweiz bei 31 Prozent. Frage abermals. Dann half er Peters mit
der Wiener, kann niemals auf ewig in Ös- nicht angekommen hier in Wien, wo sie nehmen. Und das im wahren Wortsinn, undenkbar, dass ein großes Auditorium Unger ist ein Manager, der auf angeneh- einem wunderbaren Satz: „Wir hier sind
terreich bleiben. Stermann blieb und seit mehr als zehn Jahren Burgschauspie- denn Türen öffnen in Wien grundsätzlich über einen rassistischen Witz lacht.“ me Weise auf dem Sprung wirkt. Dabei zum Beispiel gerade in der Mariahilfer
machte aus seinem Deutschsein einen Be- lerin ist, aber im täglichen Leben frem- die männlichen Begleiter, und eine Frau Rassistisch? Das ist ein großes Wort. ist der 43 Jahre alte Mann gerade dabei, Straße 83.“ So sollte ebendiese Adresse ih-
ruf. Er moderiert heute eine Radiosen- delt wie eine Figur von Beckett. Im deut- schlüpft auch nicht selbständig in ihren Und es klingt auf integrationswillige sich richtig festzusetzen in diesem Land, ren Weg in Caroline Peters’ Meldeunterla-
dung im ORF, ist einer der sehr wenigen schen Fernsehen spielt sie die Sophie Mantel. All die in Deutschland mühevoll Deutsche gemünzt ein wenig seltsam. Um in dem er Geld verdient, und es ist viel gen finden, und die Schauspielerin war
wirklich komischen Kabarettisten im Haas in der Serie „Mord mit Aussicht“, errungenen sogenannten Emanzipations- ihm Kontur zu geben, empfiehlt sich ein Geld, das Unger hier verdient. Dem um die Erfahrung reicher, dass der elegan-
Fernsehen und hat ein erschütterndes die im kommenden Jahr fortgesetzt wird techniken – in Österreich lässt man sie als Blick, genauer: Rückblick in die Schweiz Ringier-Verlag gehören ein Großteil der te Betrug eine Spielart der wienerischen
Buch geschrieben: „6 Österreicher unter – eine Kommissarin aus Köln, die in der Integrationssuchender alle fahren, denn des vorigen Jahres. Damals lancierte die Schweizer Boulevardzeitungen und zwei Bewillkommnung darstellt. Man wird nie
den ersten 5“ – die Geschichte seiner qual- Provinz nicht zurande kommt. Peters hier herrscht, das hat Caroline Peters ver- sehr konservative Schweizerische Volks- Radiosender sowie die deutschen Magazi- ankommen, wenn man diese Spielregeln
vollen, am Schluss aber rundgelaufenen wirkt immer noch fassungslos, so jeden- standen: „eine Dreiklassengesellschaft, partei die bemerkenswerte These, es han- ne Monopol und Cicero. Christian Unger nicht beherrscht. Aber es bleibt doch im-
Integration. falls sitzt sie im Café des Hotels Imperial wie es sie in Deutschland nicht mehr dele sich bei den Deutschen um eine eige- baute das Unternehmen weiter aus, einer mer, sagt Caroline Peters, das Fremdheits-
Was er in seinem Buch beschreibt, erle- am Kärntner Ring: „Ich war im ganzen Le- gibt“. Und ein bisschen findet sie es dann ne Rasse. Aber es muss sich um eine zähe, der letzten Jahresumsätze lag bei knapp gefühl: „Wenn ein Türke dreißig Jahre
ben Ausländer in Deutschland genauso: ben noch nie so deutsch wie hier.“ doch gut, dass in Wien nicht jeder Kellner um Rang und Posten bemühte Rasse han- 1,3 Milliarden Schweizer Franken. lang in Kreuzberg lebt, wird er immer
die Willkür der Behörden; das gezielte noch als Türke bezeichnet.“
Abfragen von Wörtern, die ein Fremder Die große Integrationskunst besteht
nicht aussprechen kann: Wie oft musste darin, wie man sich fremd und trotzdem
Stermann das österreichische Wort für zu Hause fühlt. Wie man letztlich seine
Eichhörnchen aufsagen! Wahrscheinlich, Identität – mag es die kulturelle, nationa-
sagt Stermann, würde jemand, der nicht le und religiöse sein – bewahrt und den-
gut Deutsch spricht, manche Demütigun- noch die Angebote des Wahllandes ernst-
gen auf Ämtern nicht in ihren feinen Ver- und wahrnimmt. Dirk Stermann hat das
ästelungen mitbekommen. verstanden. Er setzt im Wiener Café Sperl
Dirk Stermann ist 45 Jahre alt, trägt seine Skimütze auf und wird dann drau-
einen kurzgeschorenen grauen Vollbart ßen vor der Tür zum Fremdenführer
und hat allen Verlockungen widerstan- durch diese im kalten Glanz der Geschich-
den, auch nur den Hauch eines wieneri- te badende Stadt. Gleich neben dem Café
schen Zungenschlags in seiner Rede zuzu- Sperl rutscht die Girardigasse grau und
lassen. „Das Problem ist: Wenn man sich eng zum Naschmarkt runter, und Dirk
anbiedert, ist es doof, wenn man Hoch- Stermann zieht die schwere Tür zu Num-
deutsch redet, ist es auch doof.“ Am bes- mer zehn auf. Man steht jetzt in einem
ten sei, möglichst wenig zu reden und in Hinterhof mit erstaunlich veronahaften
diese wenigen Worte eine schöne Melodie Balkonen. Hier, sagt Stermann, standen
zu legen, denn Wien, sagt Stermann, ist früher die Wiener Madeln, schön aufge-
eine musikalische Stadt. Überhaupt sei reiht. Und der Wiener Bürger konnte in
die Kunst, möglichst undeutsch zu reden dieses stille Kabinett des moralenthobe-
schon eine Integrationsleistung für sich. nen Laisser-faire treten und sich einfach
Als er Ende der achtziger Jahre zum ORF eine Frau aussuchen.
kam, musste Stermann den sogenannten Man ist wohl angekommen in einem
Entpiefkenisierungskurs belegen: „Da Land, in einer Stadt, wenn man um das
lernst du so zu sprechen, dass du nicht „Grundsätzlich integrationswütig“: Sportmoderator Marcel Reif (li.) und der Chef des Ringier-Verlags, Christian Unger (Mi.), leben in Zürich. Kabarettist Dirk Gemüt seiner Gastgeber weiß. Und wenn
störst.“ Manchmal, wenn er im Fernsehen Stermann (re.) zog nach Österreich. „Dann noch einen schönen Aufenthalt in Wien!“, das hört er seit zwanzig Jahren. Fotos: Intertopics, Robert Hass, Picturealliance man solche Orte kennt.