Der große Facebook

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Fe b r u a r 2 0 1 1

Autoren:
Sven Hennings Christine Gregor Anno Thenenbach Kai Hoffmann Veikko Hille Marco Goldbach Drehe Hannah Charlotte-Ann Raudies Ronny Hoeher Harry Dierstein Olle VanderWingen Daniela Poppema Akki Horseman Ilona Blinn Lala Bleu de Coup Peter Schaefer Sebastian Steller Nina Marewski Andreas Uhde Natalie Sofinskij Danilo Klöfer Simone Mueller Markus Steinkemper Daniela Lang Anja Stough Marie Louise Seidl Andreas Breunig Stefan Vonderstein Johann Mertun Jean Cremerius Jamie Wong-Li Samuel Inderbitzi Rasmus Henicz Michael Domsalla Patrick Breitenbach Florian Meimberg Marie Lou Trappen Rolf Zischka Christopher Nothegger Anja Kriegel Claudia Wächter Martin Sponticcia Hija del Sol Ruth Eickhoff André Paetzel Cordelia Eucker-Apsel Christian Serfati Wolfgang Bark Phillip Benner Carmen Schnitzer Jan Mocka Claudia Mai Derya Dik Diana Büchner Björn Grooß Sina Hawk Miriam Paneth Stefan Heitz Alexander Rehm Patricia Hohendorf Birgit Maria Hoepfner Marc Schülling Patric Schäfer Dorothea Katharina Stencel Guido Seibert Michaela Semenka Johann Mertun Gün Güley Claudia Bach Daniel Kreuzberg Gerd von Krüchten Loubna K-a Mark Schulze Steinen Manou Spahn Jonas Winter-Scholz

Der große Facebook Kettenroman

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Es regnete ohne unterlass, als Herr M. seine Wohnung verließ, um eine Flasche Wein zu kaufen. Sein Ziel war der Abduls Laden an der Ecke, in den sich um diese Zeit kaum Kundschaft verirrte. So dachte er zumindest, als ihn plötzlich jemand am rechten Arm packte. Nicht umdrehen, jetzt nur nicht umdrehen“, schoss es ihm wie ein Salve violetter Leuchtspurmunition durch den Kopf, während er eine imaginäre Vodkaflasche hinter der Ladentheke fixierte und mit den Fingern seiner linken Hand eine Jakobsmuschel umklammerte, die er seit seiner Jugend für Fälle wie diesen in seiner Hosentasche bereithielt. “Scheiß Phantomschmerz!“ raunte er. Seinen rechten Arm hatte M. als US-Soldat im 1. Golfkrieg verloren. Das Verlangen nach Abduls seltenen arabischen Weinen wurde stärker. Nur noch 2 Häuserblocks... Erschöpft, aber erleichtert betrat er Abduls Laden und erschrak.. Mit einem Kopftuch erdrosselt zu werden ist kein schöner Tod, aber was ist schon ein schöner Tod. Vielleicht sollte ich eingreifen, überlegte er. Abdul röchelte. Die Brünette hatte Panik im Blick...denn in der anderen Ecke des Ladens sah der Sandra, das Mädchen, der Teenager und nun die wunderschöne Frau die seine Träume berherrschte..sah er sie wieder und vergaß alles um sich herum. Er ging auf sie zu.... doch ein kleiner windiger Affenpinscher stellte sich in seinen Weg. Er sah ihn nicht, stolperte über den kleinen Kläffer und landete im Regal für Tiernahrung. „Was für`n Scheiß“ brüllte er vorsichtig um sich, denn sein Ziel war klar: Sandra. Was um Himmels Willen wollte sie mit diesem Köter hier? Sie hatte eine Hundeallergie seit dem Embryonalstadium und wurde deshalb sogar ausgemustert. Trotzdem kämpfte sie in Kambodscha gegen die Roten Khmer.... “Schieß auf Abdul.“ MARC MANSON holt seine abgesägte Pumpgun mit dem verbleibenden linken Arm aus seinem Schulterhalfter, knallt erst Abdul und dann den Affenpinscher ab. Mit einem routinierten Ritschratsch lädt er die Pumpung nach und steckt sie wieder ins Halfter. Er taumelt zum Weinregal, greift sich einen 1985er Al Maktum. Dann schaut er auf die zitternde Sandra... ... lah Brut und lässt die sublim nach 2

Nougat und Seidenraupen duftende vignoble Rarität rektal im noch zuckenden Kadaver des Affenpinschers verschwinde “Und jetzt zu dir, Sandra“, zischt er, während er nervös versucht, den Schraubverschluss der im Hinterteil des Pinschers verkeilten Flasche zu öffnen. „Denkst du wirklich, ich hätte unser letztes Treffen vergessen? Beirut, 1979? Das Palistinänserlager, hemmungsloser Sex unter freiem Himmel und eine Kiste Allah Brut?“ Sandra zuckt zusammen und mit Genugtuung beobachtet er, wie sich ihr schlanker Körper windet, als sie ihn erkennt. „Du mieses Schwein“, entfährt es ihr leise. Was Du, als ahnungsloser Mitläufer von gruppendynamischen Reaktionären als hemmungslosen Sex bezeichnest, ist mehr als komlpetter Unfug!“ Er hatte Mühe zu verstehen, was Sandra ihm sagen wollte, überspielte jedoch geschickt die Situation, indem er nach dem Pinscher-Kadaver griff und sich einen Schluck des deliziösisen Rebensaftes gönnte:“ Willst du damit sagen, ich sei für dich nicht mehr als ein billiges Flittchen?“ fragte er mit tränenerstickter Stimme, während er nebenbei die Kotreste des Pinschers aus den Mundwinkeln wischte. Zugegeben, der Geschmack von gemeinem Pinscherkot war an Bitternis nur noch zu überbieten durch das, was Sandra ihm gerade verächtlich schmunzeld in sein linkes Ohr flüsterte: „Du hast da noch etwas Eigenkot an deiner rechten Arschtasche...“ eine kleine Gemeinheit, die ihn allerdings an das eigentliche Dings in seiner rechten Arschtasche erinnerte. Den kleinen Zettel, den der falbe Araber ihm heute Morgen überreicht hatte. Er hatte nur noch das Wort „Riebesehl“ flüstern können, bevor er blutspuckend zusammen brach. Gift, hatte sich Marc noch lakonisch gedacht. Eine blonde Versuchung in Krankenschwestertracht brachte ihn zurück ins Leben. Sie beugte sich mit Ihrem einladenden Dekolleté über sein Gesicht und hauchte in sein Ohr: „Wir mussten Ihnen leider den Magen auspumpen und haben etwas sehr interessantes in Ihrer Hosentasche gefunden...“ Marc war noch immer benommen. Und sehr verwirrt. Warum wurde sein Magen ausgepumpt, wenn doch der falbe Araber vergiftet wurde? Wie konnte er gerade noch in Abduls Laden stehen und im nächsten 3

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Moment im Krankenhaus aufwachen? Lag es am Pinscherkot? Er riss sich die Infusionsschläuche aus den Venen und schwang sich aus dem Bett. Der Zettel in seiner Tasche... Riebesehl... Waren das zwei Schlüssel zum gleichen Geheimnis? Er stieß die Krankenschwester rüde beiseite und ging. Das Leben war kein Ärzteroman. Jetzt nicht mehr. Zuviel Blut war geflossen. Und noch immer regnete es. Marc trat vor das Krankenhaus und zündete sich eine seiner selbstgedrehten französischen Zigaretten an. Er musste an sein letzten Konzertbesuch denken . „The sadest thing I ever saw was smokers outside the hospital door“ schallte es ihm damals entgegen - doch bevor er seinen Gedanken weiterausführen konnte , klingelte sein Handy. „Richard Alpert hier „ sagte eine unbekannte Stimme.. Marc verdrehte die Augen. Diese Richard-Alpert-Nummer wurde auch nach dem dritten Mal nicht besser. „Ha, ha“ antwortete er müde. „Na, Gilbert – wie geht der Bau voran?“ Richard war Herps Bruder, er war im Baugeschäft unten in Tijuana... Es folgte eine wilde Tirade von Obszönitäten, teils auf Englisch, teils auf Spanisch. Die All-time-greats aus der längst vergangenen „großen“ Ära der Fluchens wie Cocksucker oder Motherfucker ...Erst bei dem Wort Dogpooeater zuckte Marc heftig zusammen... denn obwohl er sonst nie im Leben etwas peinlich fand stieg in diesem Moment das Gefühl von Scham langsam und klamm in ihm hoch. Das Bild des kotverschmierten, massakrierten Pinschers drängte sich wieder mit aller Macht vor sein inneres Auge und es erinnerte ihn an den tiefsten Punkt seines Lebens, als seine Mutter starb. Zusammen mit diesem fettigen alten Säufer hatte er beide in ein Fass gesperrt und im Nil versenkt. Urlaub kann so befreiend sein, dachte Marc und steckte sich träumend eine neue Kippe an. Diese miesen Bewährungsauflagen gingen ihm langsam wirklich auf den Sack. Nur zu gerne würde er mal wieder Urlaub am Nil machen… Apropos Urlaub, wo war der Zettel geblieben? Mit fiebrigem Zittern durchsuchte er seine Hose, die fein säuberlich über dem Besucherstuhl hing, aber vergebens ... Konzentriere dich verdammt, dachte er ... was stand darauf? 4

Köpke hatte mit Bleistift geschrieben, der Zettel war zerknittert und die Schrift kaum noch zu lesen. Doch er konnte es auswendig: Riquelme links hoch, Crespo langer Anlauf/rechts, kurzer Anlauf/links,Heinze links flach, Ayala lange warten, langer Anl. rechts, Messi links, Aimar lange warten links, Rodríguez links. Er trug den Zettel noch immer wie eine Trophäe bei sich, sollte er auch in diesem Jahr wieder Glück bringen? Langsam verließ er den Laden, um im strömenden Regen nach Hause zu laufen. Aber wozu jetzt und an diesem Ort die Strickanleitung für Oma‘s Winterpullover entziffern, wo er doch wichtigeres zu erledigen hatte? Zum Beispiel Sandra wiederfinden. Ihre Beleidigungen über sein Verkehrsvermögen konnte er so nicht auf sich sitzen lassen. Saß sie im „Kanönchen“ der versifften Nachtbar vor ihrem Lieblingswodka oder …oder was? Was wollte Sandra? Warum immer wieder Sandra? Er hatte das Gefühl, er würde diese Frau nie los, seit er sie damals im Edeka Paschmann ausversehen in die Gemüsablage geschubst hatte. Und dann die darauf folgenden Stunden, in denen sie gemeinsam entdeckt hatten, wieviel Freude man mit einer gut gewachsenen Salatgurke haben kann. Die Erinnerung ließ ihn lächeln. Er beschloss, seine Suche nach Sandra im Kanönchen zu beginnen und schaute sich nach einem Taxi um, als plötzlich eine dunkle Limousine um die Ecke bog, mit Vollgas an ihm vorbei bretterte und ihn reflexartig einen Schritt nach hinten stolpern ließ, wo sein Fuß in etwas weichem landete. „Scheiss Reiche“ dachte Marc und schaute an sich herunter auf seinen rechten Fuss. „Scheiss Scheisse.“ Und er dachte weiter: ‚Warum zieh ich eigentlich immer die Scheisse an, erst in der Tasche, dann am Fuss, ach was im ganzen Leben. Wo ist eigentlich Sandra, wo ist dieses dämliche Kanönchen! Und plötzlich, während er immer noch voller Ekel seinen rechten Schuh begutachtete, krachte vor ihm die Radaufhängung einer einmotorigen Cesna vor ihm zu Boden - genau an der Stelle, wo er vor eingen Sekunden noch gestanden hatte. Er dachte: keine Limousine, keine Scheiße ... Instinktiv blickte Marc in den wolkenverhangen Himmel und ein erster Regentropfen landete auf seinem rechten Brillenglas. ‎“¡Puta la hueva!“ dachte er. Die Ereignisse der letzten Stunden waren einfach zu viel für ihn. Resigniert hockte er sich auf das verbogene Gestänge 5

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der Radaufhängung. Plötzlich regnete es in Strömen. Er verzog sich schnell in den nächsten Kiosk um endlich seine Flasche Wein zu kaufen. Immerhin wartete nun seit Stunden seine Nachbarin in seiner Wohnung, mit der er eigentlich den Abend verbringen wollte. Der neue Wein war schnell gefunden. „Scheiß auf Sandra“ sagte er sich und verließ... den Kiosk, sich noch einmal freundlich nach der Verkäuferin umdrehend. Als er nach vorne blickte, traf ihn unvermittelt aber heftig eine Faust mitten ins Gesicht. Als er nach einem kurzen Blackout auf dem Bürgersteig liegend zu sich kam, neben ihm die zerborstene Weinflasche, blickte er auf und sah, dass der Kiosk bereits geschlossen war. Wie lange hatte er hier gelegen? Er war durchnässt, seine Brille und ganz im eimer „Kontaktlinsen!!“ dachte er, er schüttelte sich, rappelte sich hoch und sah einen alten Bekannten vor sich: Seinen Vater, der vor ihm am Bett stand, ihn schüttelte und rief „Junge, los komm! Der Rasen mäht sich nicht von selbst“ Er hatte die ganze Zeit nur geträumt. Beruhigt fiel er noch mal zurück ins Bett, bevor er erschrocken das sah, was vorm Bett lag. Die Radaufhängung einer einmotorigen Cesna. Verdammt!“, dachte er, „mich hätte es genauso erwischen können, dort vorm Kiosk“, als er die verbeulte Radaufhängung sah. „Hat Dad mich etwa gefunden und das Ding gleich mitgenommen?“, fragte er sich. Verschwiegen und immer etwas undurchsichtig wie er war verlor sein Vater kein Wort über das merkwürdige Trümmerteil. „Ich geh ja schon...,“ quängelte er entnervt und verlies sein Zimmer in Richtung Garten. Er hatte das verdammte Teil mit nach Hause genommen. Langsam kam die Erinnerung zurück. Natürlich lag es hier! Schließlich sollte niemand erfahren, dass seine Sabotage zum Absturz geführt hatte. Nur welchen Teil der Geschichte hatte er geträumt? Seine Finger trommelten gegen seine Schläfen, irgendwie musste er das Puzzle zusammen fügen. Es wollte ihm einfach nicht gelingen, sie miteinander in Verbindung zu setzen. Ein vergifteter Araber. Ein toter Pinscher. Sandra. Riebesehl. Was hatten sie gemeinsam? Nach einer belebenden Dusche, einem Kaffee und ein paar Zigaretten machte er sich auf den Weg dorthin, wo alles begonnen hatte: 6

Als er bei Abduls Laden ankam, sah Marc… traute er seinen Augen kaum: die komplette Straße war abgesperrt. Die Feuerwehr begann bereits mit den Aufräumarbeiten. Irgendjemand hatte den Laden in die Luft gejagt. „Nichts wie weg hier,“ dachte M. und ... Traum? Realität? Traumatische Wirklichkeit? Traumatisierendes Trauma? Was denn nun? Wo bin ich? Wo war ich? Warum eigentlich? Was war gestern? Was ist heute? Wer ist Papa? Wer war Sandra? Vielleicht doch nur seine Nachbarin, die er stundenlang in seiner Wohnung hatte warten lassen? Oder ein immer wiederkehrendes Phantombild hervorgerufen durch jahrelange Erzählungen seiner Großmutter über die Nachkriegszeit...er musste ganz woanders forschen... nämlich in seiner Hosentasche! Waren diese kleinen bunten Pappdingsbums, die ihm sein Kumpel Herbert gestern mit verschwörerischem Blick zugesteckt hatte, vielleicht.... konnte ihm das weiterhelfen!? Doch bevor er das Dings näher inspizierte, spielte er erst mal eine ausgiebige Partie Taschenbilliard. „Aaah“, grunzte M. zufrieden. Es gab doch wirklich nichts auf der ganzen gottverdammten Welt, was ihn mehr zu entspannen vermochte. Außer vielleicht das beruhigende Geräusch der gerade im Schritttempo an ihm vorbeifahrenden Kehrmaschine. Und kaum hatte sie sich ein paar Meter weiter den Rinnstein entlang geschoben ...machte es in M.‘s Kopf ‚klick‘: „Rinnstein... Rinnstein... Aber natürlich!! Der Kuss im Rinnstein!! War ist nur, was alle sagen und aus Mitleid erwächst Leid!! Jajaja, aber nicht mit mir Freunde!“ sagte sich M., der leider vergessen hatte, dass so ein ‚Klick‘ im Kopf auch bedeuten kann, dass dort etwas bedenklich locker sitzt und der nun…dazu führte, dass er sich nieder kniete und den Kanaldeckel zu seinen Füssen genauer unter die Lupe nahm. Er hob den Deckel mit einer gebogenen Aluminiumstange, ein Überbleibsel der Cesna, an. Als er nun in das Dunkel spähte, konnte er kaum fassen, was sich im Inneren des Kanals abspielte. Zunächst hörte M. nur dumpfe Stimmen, gefolgt von unverkennbar weiblichem Auflachen. Dann Stille. Gleich darauf: Musik. Diffuse Klänge von Gitarren und einem brüllenden Chor, 7

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der zum Refrain ansetzte. Es klang versoffen. Was läuft da unten? Duft von frischem Gebäck und Marihuana wehte ihm entgegen. Aha. Plötzlich: Reflektion eines schwachen Lichts. Interessant. Keine Frage. M. machte sich auf in die Unterwelt. Als er die letzte Sprosse des Kanaleinstiegs erreichte, ertönte es lakonisch aus der Dunkelheit: „Sieh mal an. Unser kleiner Freiheitskämpfer. Und ich dachte, du würdest nie auftauchen. Hast du‘s dabei?“ Refl...Refl...Refl... „Dachte ich es mir doch“, dachte M. „Nur eine Platte, die einen Sprung hat.“ Aber woher kam der Geruch? Kaum passierte er das Kioskfenster, mit einem raschen Blick auf die unverschämt gutaussenhende Verkäuferin sah er aus dem Lichtschacht das Rauch aufstieg.“Shit“ nicht schon wieder! Schnell ging er auf das Gebäude zu, doch als er gerade aus unerfindlichen Gründen die Frage nach dem Geruch verdrängt hatte, erhaschte M aus dem Augenwinkel die mondlichterne Silhuette eines Landstreichers, der auf einen devot vor ihm kauernden Videojockey urinierte und dabei lüstern an einer Tranche russischen Zupfkuchens nagte. „Franck ...Ribery, Du alter Tunichtgut“ brüllte Ihn M. an „Solltest Du nicht in Madrid sein?“ M. ärgerte sich, das sich sein französisch nur auf MERDE beschänkte und davon hatte er Dank des Pinschers schon genug. Franck drehte sich um und gab M. etwas Kleines in einem terracotta-farbenden Jutesack versteckt. Hastig öffnete er das darin enthaltene Lederset mit den Skalpellen seines Großvaters, die zwar seit über 50 Jahren schwiegen, aber ihre letzte aktive Nacht, damals, hinter dem Container, nicht vergessen hatten. Und jetzt meldeten sie sich. Oder waren das die Stimmen in seinem Kopf? Die ignorierte er meist und konzentrierte sich auf seinen Restverstand. Bevor er den Wein holte, hatte seine Nachbarin einen Kaffee vorbeigebracht. Das war es. In dem Kaffee muss sie irgendeine Droge versenkt haben. Bestimmt dieses neue ... Zwiebeldüsenextrakt aus der Yukkapalme seines angeberischen Rutenpinschers. Meine Fresse Rübezahl und zugenäht wie kommt er da nur wieder drauf und runter - ZWOOOOooooSCHHHHHHHHHHH - Stille Und dann endlich ... Dr. Foster! Der schon wieder vor ihm stand und mit seinem lächerli8

chen Klemmbrett wedelte. Und wie immer brabbelte er irgendwas von paranoider Schizophrenie. Wie er das hasste. Er räusperte sich: ... ‎..Shergo oder wie das auch immer hiess... er trank den Kaffee... oh je und der Wein stand auch noch da ein 2008 Chardonnay... er lass Land: Italien Anbauregion: Venetien..... Urlaub dachte er.... was zum Teufel ist Shergo... und während er dabei versuchte nichts zu sagen, was ihm wieder diese fürchterlichen Schmerzen bereiten würde durch die Spritze, die Dr. Foster als Sicherheitsmaßnahme immer bei sich trug, nestelte er nervös an dem hinter seinem Rücken versteckten Lederset rum - aber es war leer. Dr. Foster hielt ihm den Inhalt lächelnd vor das Gesicht und M. konnte ihm ansehen, dass er sich darauf freute, ihn auch einzusetzen. Dabei hatte das noch keiner gewagt. Und er wusste auch, warum, aber mehr als ein Röcheln brachte er nicht zustande, hätte er doch jetzt ein Paroli Lutschbonbon im Mund. Ach nee. das wird ja schon lange nicht mehr produziert. Und Schimanski ist auch schon so gut wie tot. „Doktor“, röchelte er. „Mein Großvater.“ Er schluckte und man vernahm dabei fast schon ein hölzernes Knarzen in seiner ausgetrockneten Kehle. „Er ... ...ster! LOL! pwned! ... Moment. War er das wirklich? Gerade war er noch in der realen Welt und plötzlich ... lauter ... ja was eigentlich? Bei TRON sah das alles noch cool aus, bei Alice in Wonderland hat es sich immerhin noch gut angehört. Das hier war anders. Irgendwie ....zweidimensional. ja, ganau so fühlte sich das an. Dr. Foster, das Büro und das Lutschbonbon verschmolzen in seinem Kopf zu dem Klemmbrett, das Foster eben noch unter dem Arm trug. In seinem Kopf ... meldete sich plötzlich ein alter Bekannter. Er hatte gedacht, Zac sei schon lange tot. Mitnichten! Heiser erhob er seine Stimme: ... „Herr Mennson? Können Sie mich hören?“ HERR MENSSON?“ hörte er diesmal den Doktor sagen, der die Erscheinung von Zac in Sekundenbruchteile zu verschlucken schien. Marc schnaufte: „Für Sie immer noch Herr M‎... oriarty - hätte er fast gesagt. Er musste lachen. Er wusste, wie er wirklich hieß. Wer versuchte da, Kontrolle über sein Denken - und sein Sprechen zu bekommen? Konnte das Zac sein? Und wenn ja: Hätte er 9

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gedanklichen Zugriff auf alles, was, nunja, beide je gelesen und gesehen haben? Wie konnte das sein, wenn doch Zac damals ...zusammen beide Zac und Marc immer eine Einheit gewesen waren, die nichts erschüttern konnte, aber alle anderen...In seiner aufkommenden Verzweiflung tat er für diesen einen Moment aus einem alten Instinkt heraus das einzig richtige. Er griff sich den massiven Nachtschrank... Corinna Winter gefällt das. ... und steckte ihn in das Lederset, das er noch immer hinter seinem Rücken versteckt hielt. Wenn Foster, der gerade mit seinem Klemmbrett hantierte, nichts davon bemerkte, hatte sich die ganze Show gelohnt. Im Besitz dieses massiven Nachtschrankes würde er zweifelsohne der mächtigste Mann der Welt werden. Wahrscheinlich sogar das mächtigste Wesen des Universums. Weil er sofort erkannt hatte, dass dieser Nachtschrank kein gewöhnlicher Nachtschrank war. Es handelte sich um einen typischen Vertreter des Modells TX310, dass zu Zeiten des kalten Krieges gerne vom KGB zur Möblierung im Westen befindlicher Spione genutzt worden war. Insidern war nur allzugut bekannt, dass weltweit nur noch zwei solcher Modelle existierten. Und nur ganz wenige dieser Insider wussten auch, dass in einem komplizierten Mechanismus im Innern des Möbels geheime Pläne versteckt waren, die... er mit einem mal zum ersten mal in seinem Leben ganz deutlich wusste, was er tun muss und wohin es als nächstes geht: weg. Einfach nur ganz vollkommen weg. Weg von Zac, den ganzen Nutten, Franck und dem ukrainischen Vodka. Als er 37 Stunden später endlich kriechend den nahegelegenen Flughafen erreichte, blinkte auf der Anzeigentafel ganz oben der Flug, den er nehmen würde. Der Flug ging nach: ... Frankfurt Hahn. Endlich zu Hause. Bei Sandra. Bei Abdul. Dem Laden. Und seiner geliebten Jakobsmuschel! Marc zuckt. Tränen sprießen und rinnen ganz langsam an seinen Wangen herunter. Er schluchzt, schließt die Augen und keiner beachtet ihn. Weder Sandra. Weder Abdul. Schon gar nicht Abdul. Der ist nur damit beschäftigt Marcs Aufmerksamkeit von dem Lippenstift abzulenken, der auf seinem Hemdkragen prangt. Der Farbe nach ist er von Sandra. Marc lässt sich nicht täuschen, greift in 10

das Lederset entnimmt einen marquisförmigen Diamantring von gut und gerne 8.5 Carat, von erstklassiger Fancy-Vivid-Yellow Farbe, der einst Maria Callas gehört hatte... Eine unendliche Sekunde lang hält er inne. Dann sinkt er ganz langsam vor Abdul auf die Knie und streckt ihm das Juwel entgegen. „Abdul. Wir kennen uns jetzt schon so viele Jahre und es ist mir eine große Ehre diesen Diamanten in Deiner Obhut zu wissen.“ Im Hinterstübchen sah er es bildhaft vor sich: Brachinowitch der alte Gangster, dem er den Diamanten in einem rasanten Coup gestohlen hatte und seine eiskalte Killermeute, die schon längst die Spur des Diamanten aufgenommen hatten... So würde sich die Geschichte mit Abdul nämlich von ganz allein erledigen. Marc musste schmunzeln. Am Ende gewann eben doch immer er. Und ohne Abdul wäre auch endlich die Bahn frei für seinen eigentlichen Plan: ... Die Skalpelle von Dr. Foster an sich nehmen, Großvater ausbuddeln und endlich seinen mysteriösen Tod mit Hilfe einer eigenhändigen Obduktion auf den Grund gehen. Er hatte nämlich schon lange die Vermutung dass Abdul seinen Großvater getötet hatte. Denn Abdul wusste ganz genau, dass Großvater die roten Gummibärchen am liebsten mochte. Dieses Wissen hatte bestimmt genutzt, um ihn hinterhältig zu vergiften. Aber was hatte Abdul nur von seinem Tod? Adul kann dann als Alleinerbe die 3,5 Millionen seines Großvaters geniessen und sich seinen Kindheitstraum erfüllen. - er wollte schon immer eine eigene Gummibären Fabrik bauen. Nachdem auch Sir Norman Foster keinen Bock hatte, die Fabrik zu entwerfen, wurde Abdul richtig sauer...“Vielleicht sollte ich doch eher eine Brause-Fabrik bauen“, dachte er und griff zum Telefon...und änderte sein Hintergrundbild. Nicht die Notwendigkeit,sondern der zufall ist voller Zauber.Soll die Liebe unvergesslich sein,so müssen sich vom ersten Augenblick an Zufälle auf ihr niederlassen .... Er starrte auf das TFT-Display. „Näää, doch zu kitschig der Spruch!“ 11

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grunzte er und switchte wieder auf den Playboy-Bunny-Screen. Er wollte gerade den Computer herunterfahren, als die E-Mail eintraf und dann wurde er nervös, weil damit hätte er jetzt nicht gerechnet, wie hungrige Schmetterlinge auf einer halbvergorenen Mango, dachte Marc, und tat endlich das, wozu er eigentlich zum Telefon gegriffen hatte: behände wählte er eine geheime, aber ihm alt vertraute Nummer in Amsterdam ... TOOT TOOT...Eine menschliche Zwitschermaschine flötete ihm entgegen: „Máxima, Prinzessin der Niederlande, Prinzessin von OranienNassau, Frau von Amsberg, geborene Zorreguieta... ‎“Max, ich bin‘s. Abdul. Ich fürchte, es ist soweit. Du musst den Code aktivieren...!“ Er antwortete nicht...eine leise Angst überkam ihn, weil er absolut keine Ahnung hatte, was er jetzt tun sollte. Er hatte noch genau 1 Stunde und 39 Minuten Zeit. Eine Schauer lief ihm über den Rücken: „Oh Gott, was mache ich, wenn Max just in diesem Moment einen Herzinfarkt bekommen hat und wo soll er dann heute das Finale der Champions League schauen?“ ... Er kannte ja das Geheimnis der roten Gummibärchen, solche Menschen sind vor Herzinfarkten vollkommen gefeit - aaaaaaaaaaaber - wat is mit prins pilsje?? mir schwante Fürchterliches...willem mit all diesen Weibern im Haus und alle in hautengen, klatschnassen Arjen Robben Trikots, die zu allem überfluss traurig in die Kabine laufen und ganz genau wissen was der Trainer jetzt sagen wird...Doch es kam ganz anders als sie dachten, denn in ihrer Kabine stand ein... ...Holländer?... Und dieser miese Holländer, der in Wirklichkeit ein Jedi-Ritter - verkleidet als Louis van Gaal - war impfte den Spielern ein, dass die Welt untergehen wird, wenn sie auch nur in die Nähe des Tores kommen. Mit einer einzigen Handbewegung entschied er also das Spiel. Aber was hatte das nun alles mit Marc zu tun? Was für eine irre Geschichte. M. fühlte sich wie vom Zug überrollt, als er den Kopf hob. Es war eiskalt. Ein dumpfes Dröhnen rauschte in seinen 12

Ohren, während er versuchte, in der Dunkelheit etwas zu erkennen. Der Boden unter ihm schwankte. Der feuchte Geruch einer aufgeweichten Zigarre kroch ihm in die Nase. Wo zum Teufel war er? Der feuchte Geruch kam NICHT von einer Zigarre - denn er befand sich im Haus von Madame X.... Immer diese Frauen, diese verfickten Weiber, durchfuhr es M. ganz zart. Können die mich nicht einfach mal ganz kurz von schwitzenden Männern halluzinieren lassen? Doch dann zog das (soeben den mit mittelalterlichen Jagdszenenen geschmückten Gobelin restlos ruinierende) klatschnasse Ribery Trikot seinen Blick auf sich und er folgte folgsam der Wasserlache richtung Schlafzimmer, doch ...Oh Gott, dachte er ich in einem Bayerntrikot, was wird sie von mir denken? Doch Silvia nahm ihn in die Arme, blickte in seine Augen und sagte: Verste bitte, du bist einfach nicht mein Typ. So gerne ich dich mag, liebe ich nun mal einen anderen. Bitte versteh‘ das.“ Natürlich verstand er. Schliesslich hatte er das falsche Trikot an. Doch angesichts dessen, dass er von Weibern die Schnauze sowieso voll hatte, war ihm dies recht. Er hatte jetzt anderes zu tun. In seinem Panini-Album klaffte beim Bild Nummer eins ein unangenehm grosses Loch, das er heute zu füllen gedachte: der Pokal...als plötzlich jemand im Türrahmen stand, den er bisher für eine fiktive Figur gehalten hatte: ... Da stand er tatsächlich vor ihm in voller Lebensgröße.“ Größer als ich dachte“, rumorte es in Marcs Hirn, „aber sein Matrosenanzug ist wirklich so schick, wie ich immer glaubte“...Dann nahme er Donald in einem überschwenglichen Gefühl einfach in den Arm und bemerkte, wie ihm der Geruch von Bürzeldrüsenöl in die Nase stieg. „Puhhh, den müsste man erst einmal in die Wanne stecken und ordentlich abseifen“, dachte er. Doch im nächsten Moment fiel ihm schon ein, dass Donald dann nicht mehr wie ein milchschaumcremiger Schokoriegel schwimmen könnte, sondern bei jeder Gelegenheit titanicartig absoff. „Hmmm, egal. Dann gebe ich ihm später einfach die alten Schwimmflügel von Brigitte mit“. „Hxybaaslgjsabasbksbasrgnaabaahccchhhhhh 13

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„, quakte Donald und wollte damit mitteilen, dass der Boss hinter ihm stand. „Hinter ihm stand ...“, las der Boss vor, mit dieser Stimme, die immer so klang als würde der Sand aus einem Riss in deiner Lebensuhr rauslaufen, von einem Regenwurm gefressen, verdaut und wieder ausgeschissen werden, „das geht aber ziemlich am Kern des Rumpelstilzchens vorbei ...“ Der Boss trat ins Licht und zum ersten Mal blickte Marc in die wilden Augen Bin Ladens. Er erinnerte sich: Wie Bin Laden den Plan fasste, in die Gedankengebäude der westlichen Welt zum Einsturz zu bringen, indem er ihr größtes Werk umschrieben liess. Wie die Hüter ihm (Marc) den Auftrag gaben, den Plan zu vereiteln ... „zurück an den Schreibtisch“, schrie Bin Laden. Er musste sich was einfallen lassen. Aber zum Glück war das hier seine Geschichte und so griff er zu einem fetten roten Edding und kritzelte in einem Anfall von Trotz quer über seine letzten Zeilen: „BIN BADEN!“ Ein Seufzer tiefer Befriedigung entfuhr ihm, während er ins Badezimmer stapfte. Nun ja, im Grunde war es mehr ein kindisches „Ätsch!“, doch das war im Grunde noch viel befreiender. Feierlich ließ er die Wanne volllaufen, goss eine halbe Flasche Badeöl ins Wasser und rief Donald zu sich. Gibt‘s was Besseres als ein Schaumbad zu zweit . . ? (zwei Mal „im Grunde“, ich Depp... :-S) Den Kopf voll frivoler Gedanken stieg er in die Wanne und flötete „Köpfchen in das Wasser, Schwänzchen in die Höh‘, hmm, Donald..?“ Er schloss die Augen und hörte Donalds Flossen patschend auf den Badezimmerzimmerfliesen näher kommen. Seine Vorfreude stieg. Doch plötzlich war da noch ein Geräusch. Eines, dass ihn entfernt an das Durchladen einer Pumpgun erinnerte. Und tatsächlich: Daisy Duck schien aus dem Nichts aufgetaucht zu sein. Mit der Nudelhoz-schwingenden Geliebten des trotteligen Erpels, die er in all den Jahrzehnten Lustiger Taschenbücher so liebgewonnen hatte, schien dieses bösartige Wesen allerdings nicht allzuviel gemeinsam zu haben ... vielmehr gemahnte es an die entsetzlich groteske Phantasie eines unendlich kranken Geistes. Die blutunterlaufenen Augen ließen M direkt in die Hölle schauen, als das Daisy-Wesen Donalds Kopf mit einem aufgesetzten 14

Schuss in den Hinterkopf in einem roten Nebel explodieren ließ. Dann wandte es sich M zu, der anfing zu laufen. M. rannte, wie er noch nie in seinen Leben gerannt war. Über Berge zum Meer aus dem Frühling in den Sommer. Er vergass Zeit und Raum. Bis er zu diesem wunderschönen Platz kam. Der lag mitten in einem Wald. M. hörte Musik und Stimmen. Aber er sah niemanden. Als er zu einem Strauch mit violetten Blüten kam sah er ..“sah er ...“ Greg zögerte und las sich die beiden letzten Sätze noch einmal in Ruhe durch. Irgendwie schien ihm die Geschichte um Marc zu entgleiten. War es ein Fehler gewesen, sich auf die zahlreichen Kommentare seiner Leser einzulassen? Konnte das Projekt tatsächlich glücken, wenn er wirklich alle Wünsche bedienen wollte? Er blickte auf seinen Bildschirm. Der Strich im Texteditor seines Blogs blinkte fordernd ... Florian Meimberg gefällt das. ... und wurde aber dennoch nicht beachtet! „Ei der Daus“, sprang es Marc über die Lippen, als er sah, dass er sich bei einem Outdoor-Swingertreffen wiederfand. Hinter jedem Strauch, Ast und selbst Grashalm kopulierten wild Männer und Frauen miteinander als wäre zur letzen Fortpflanzung des Jahrtausends geblasen worden. „Dann eben nicht Köpfchen unter`s Wasser, aber auf jeden Fall Schwänzchen in die Höh“, trillerte er sich selbst zu und bog ein Blaubeerbüschchen zur Seite, hinter dem er Jörg Kachelmann mit... Doch bevor er irgendetwas unternahm musste er erst einmal über seinen eigenen kalauer schmunzeln. Dann stürzte er sich ins Getummel.. schliesslich bietet sich nicht jeden Tag so eine Gelegenheit.. Er stand am Scheideweg! Kachelmann, Schmunzeln oder was geschah?! Schicken Sie eine SMS mit „Sex“, „Witz“ oder „Ereignis“ an die 81141 und stimmen Sie ab! Florian Meimberg gefällt das. Doch die SMS erreichte nicht das angestrebte Ziel. Denn am Ende der Leitung wartete .... Sandra. ‎“Was ist jetzt mit dem Sex“, fragte sie, ihre durchgeladene Vagina in der Hand. Sie entsicherte ihre Brüste und warf sie auf Marc, der hinter einem kopulierenden Flamingopaar in Deckung ging. Eine Sekunde später 15

Der große Facebook Kettenroman

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explodierten die Dinger und Marc ging es ähnlich. Oh Gott!!! Er stöhnte. Damit hatte er nicht gerechnet. Verwirrt strich er sich eine rosa Feder aus dem Haar und ging sich erstmal ordentlich kalt abduschen. „Scheiss Billig-Viagra!“ --- das war ein SEO bezahltes Stück Text --- raunte Marc, „Das nächste mal kauf ich keinen Dreck mehr aus ... nein er musste zur Besinnung kommen ...und er hielt den Atem an. Fünf Sekunden atmen, sechzig Sekunden anhalten ,zehn atmen, neunzig anhalten,funfzehn atmen,hundertzwanzig anhalten ..war er jetzt komplett verrückt geworden? Durch das Luftanhalten wurde ihm schummrig vor Augen. Er glitt zu Boden und einige Momente später öffnete er sie wieder und atmete tief durch. Nach ein paar Minuten ging es Ihm besser. Marc versuchte festzustellen, wohin er überhaupt gegangen war und dann sah er, dass unter ihm nur Luft war. Würde ihn das Glück nochmals retten oder war er heillos verloren? Warum mochte er den Mond nicht? War das nicht wieder einer dieser durchgeknallten Kicks die er nun schon zum wiederholten mal bekam „Immer wenn er Pillen nahm?“ Schweissgebadet wachte er aus diesem Alptraum auf und schaute in die gütigen Augen seiner Mutter, die ihm die schweissnasse Stirn mit einem alten Taschentuch seines Großvaters trockentupfte und in diesem Augenblick wurde Ihm klar, dass er nicht mehr unterscheiden konnte, was real war und was der puren Fiktion seines Hirns entsprang. Er sah seine Mutter. Aber er konnte sie nicht berühren. Immer wenn er die Hand nach ihr ausstreckte, griff er ins Leere. Aus einem Traum erwacht und doch noch nicht wach. Wie sollte er sicher sein, dass er wirklich erwachte, wenn er Realität und Traum nicht zu unterscheiden vermochte. Dann kam er auf eine Idee... Es gab da mehr in seinem Leben, als er bisher geglaubt und zu hoffen gewagt hatte. Die Idee. Jahre später wird man diesen Geistesblitz so nennen. Die Idee. Die Idee, die alles veränderte, die Systeme brach, die Normen ausradierte, die endlich wahres Licht ins grelle Dunkel brachte. Wer konnte ahnen, was er mit der Formulierung dieses einen Gedankens auslösen würde. Viel wichtiger, was würde Judith sagen, wenn sie wüsste 16

… Wenn er nur wüsste, was sie wüsste. Wüsste sie, dass sie was wissen müsste? Oder müsste er vielmehr mehr wissen, als er zu wissen wusste? Fragen schossen ihm wie die Geschosse eines Bolzenschußgerätes durch den Kopf. Nein, warum auch. Pfeif auf das Wissen der Welt. Auf die Pyramiden und den Koloss von Rhodos. Nieder mit der Raltivitätstheorie. und wenn pi auch genial ist, heute leckt die Pipeline, das Kruzifix geht zum Teufel, und eines Tages wird‘s eh zu heiß auf diesem Planeten. Judith würde wie immer sagen: Es ist wie es ist........ Es würde nie anders werden. Warum sollte es auch? Es änderte sich schließlich auch nichts. Also würde sie morgen wieder, wie jeden Tag, aufstehen, duschen, ins Büro fahren und sich wünschen, es wäre anders. Der Wecker klingelte und Carolin stand nicht auf. Einfach so. „Mal sehen, was so kommt“, sagte sie sich, halb ängstlich und halb mutig. An sich ist allgemein anerkannt, dass sich auf die andere Seite drehen eine gute Idee ist, wenn man noch ein bisschen schlafen will. Judith hingegen würde da eine Einschränkung machen: Wenn man noch ein bisschen schlafen will, dann ist es nur dann eine gute Idee sich noch mal umzudrehen, wenn neben dir kein Typ liegt, der eine Ölpipeline um den Kopf gewickelt hat und an ein viel zu kleines Kruzifix genagelt ist, auf dem zu allem Überfluss auch noch MARC steht. Und das hat nichtmal was damit zu tun, dass Judiths Exfreund Marc hieß, den sie in einer bierseligen Laune am Abend vorher angequatscht hatte. Nicht genau wissend was denn genau am Abend vorher passiert war, drehte sie sich trotzdem um und war erleichtert... Marc saß aufrecht neben ihr im Bett und reichte ihr vielsagend grinsend einen Becher frisch aufgebrühten Kaffee und sagte herablassend: „Gar nicht mal so übel...“. Judith hatte keinen blassen Schimmer, was er damit meinte, aber sein durchdringender Blick zwang sie, ihm zu glauben! Ja. IHM zu glauben, daß ER es war, der SIE angesprochen hatte, obwohl SIE kotzend in der Herrentoilette überm Pissoir hing und 5 Liter Alkohol 17

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entleerte.. Trotzdem fand ER SIE toll..... denn Sie sagte nur eins danach: es IST wie es IST... und schritt an Ihm wie eine arrogante Ziege vorbei und brüllte aus voller Kehle: „Chantalle, Kevin, Cindy, Mandy, Jaqueline, Leon-Pascal - AUFSTEHEN! Die Mutti ist völlig auf Zack! Die Mutti will jetzt so richtig ‚ihr eigenes Ding durchziehen‘, nicht nur heute, sondern generell! Also kommt in die Puschen!“ Margot war heute wirklich voll auf 180 und platzte fast vor Tatendrang. Der gestrige generalstabsmässig angegangene Frühjahrsputz hatte neue Energien geweckt. Energien, die es nun in Taten umzusetzen galt! Sie dachte da zum Beispiel an ihren von langer Hand vorbereiteten Plan, die Weltherrschaft an sich zu reissen und die Menschheit zu unterjochen. Sie kramte ihre Notizen hervor. „Schritt 1: ..2 Eier, 250 Gramm Mehl... verdammt, das falsche Notizbuch. Panik stieg in ihr auf. sollte der Plan ihr um die Ohren fliegen, bevor sie ihn auch nur begonnen hatte? Wo war das verflixte Buch? Da sah sie Marc mit seinem blöden, kalten Kaffee im Bett. Bleich sah er aus, etwas verstört schaute er sie an, ein Fragezeichen im Blick. Hilflos hielt er ein Buch hoch. Kopfschüttelnd, eine Frage formulierend blickte er seinem schnellen Ende entgegen als er in die durchgeladene 44er Magnum blickte, doch innerlich schnurrte sein Herz ruhig vor sich hin. <<Sie würde abdrücken und er würde sich mit einem Sprung auf den Boden werfen. Theatralisch würde er auf den Blutbeutel unter seinem Hemd drücken und das Kunstrot würde die Schlafzimmerwände dalistisch dekorieren. >> Das alles ging durch seinen Kopf noch bevor die Kugel von der 1cm dicken Stahlplatte zwischen den Blättern aufgehalten wurde... Wie eine Furie warf sie sich auf ihn. Endlich war sie wieder sie selbst. Nach Jahren endloser Putz-Exzesse und verlogener Familien-Idylle dachte sie für einen Augenblick an die Zeit zurück, da sie noch mrs. Smith hieß und diesem talentfreien Wohnzimmer-Agenten die liebende Ehefrau vorgaukelte. Nichts als ein armseliges Vorspiel, ein kleines warm-up. Wenngleich nicht ohne Reiz. Marc sank ohnmächtig in die Kissen. Als er wieder zu sich kam, wanderte sein Blick träge über das blitzende Metallgestell und 18

den Tropf, der mit unerträglicher Regelmäßigkeit eine dunkelrote Flüssigkeit in einen Plastikschlauch entließ … Er sagte mit einem grunzigen Laut zu sich selbst: „Zeit für Fruhstuck“. Aber es war eigentlich noch zu fruh fur fruhstuck. ‎“Fruhstuck?“ Hatte er das wirklich gesagt, gedacht? Jetzt dämmerte es ihm. Die Flüssigkeit im Beutel war das Blut dieses Osmanen, dessen Sprachzentrum nicht vollständig funktionierte. „Ü“s, „Ä“s und auch „Ö“s - einfach gelöscht. Marc hatte darüber gelesen. BOSES UNGLUCK ANDERT OZALS LEBEN lautete die Überschrift des Artikels. Er hatte Özal aufgesucht, um Judith einen Gefallen zu tun. Damals. Aber warum jetzt das hier? Warum hatte Judith ihm das angetan? Er fingerte auf der Tastatur, ein Freizeichen, nur die Mailbox, egal: „Doktor Grun, Sie mussen mir helfen, etwas furchterliches ist passiert! Konnten Sie bitte schnell zuruckruf...?“ Dann stand Judith neben ihm. „Hast Du mich erschreckt, habe Dich gar nicht kommen horen!“ Leicht verwirrt streichelte sie ihm über die Einstichstelle der Infusionsnadel: „Horen? Was ist los mit Dir, Marc?“ Jetzt brach es aus ihm heraus...die Ohrfeige brachte ihn zurück ins Leben. „Tur mir leid, ich musste das tun,“ sagte Dr. Foster mit dem Klemmbrett in der Hand, „sie haben jetzt seit dem 19. Mai herum fantasiert, ich denke wir müssen die Dosis verringern. Sonst werden wir nie heraus finden, was eigentlich mit Sandra und Abdul geschehen ist!“ Der 19. Mai! Traum? Realität? Traumatische Wirklichkeit? Traumatisierendes Trauma? Was denn nun? Wo bin ich? Wo war ich? Warum eigentlich? Was war gestern? Was ist heute? Wer ist Papa? Wer war Sandra? Vielleicht doch nur seine Nachbarin, die er stundenlang in seiner Wohnung hatte warten lassen? Oder ... egal. Das war z... …Sandras Ohrläppchen, was Özal irgendwie anzumachen schien. Marc wartete kurz ab, wie Sandra reagieren würde. Doch sie zeigte keine Reaktion. „Ok, sieht aus, als hätten wir hier einige Leute zuviel“ brummte Marc, griff nach der Desert Eagle unter seinem Kopfkissen und erschoss Abdul, Özil und Sandra. Nach Judiths obligatorischem Schreikrampf verfrachtete er sie in ein Taxi und…fuhr drauf los – ohne ein konkretes Ziel vor Augen … –, getreu dem Motto „almost unterwegs“... aber wohin 19

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sollte sie die Reise führen und was sollte aus ihnen werden ...? Im Rückspiegel sahen sie den verwinkelten Horizont der Großstadt verschwinden. Vor ihnen ein Gefühl aus Ungewissheit, Freiheit und ein Hauch von Sex. Als plötzlich … (Herr Schäfer, und dennoch haben MÄNNER einen weichen Kern... IHR werdet bei der WM wieder weinen, fluchen und und und... aber ich verzeihe diese unsensiblen Eskapaden beim Kettenroman doch gern! Rock on... Schon geschehen (das „Rock on“). Und das mit dem weichen Kern werde ich in den kommenden Wochen sehr genau beobachten.) und unerwartet eine röhrende Ducati dem Taxi den Weg abschnitt. Der gelbe Motoradhelm flog durch die Windschutzscheibe und der Pilot schien, wie die Maschine vorhin, auf 300 zu sein. Es war Özal, wenn auch schwer zu erkennen unter dieser krustigen Blutmaske, die sein Gesicht versiegelte. Eine Maske, deren Nachbild einige Jahre später den Grundstein für eine fragwürdige Hip-Hop-Karriere legen wird. „Patient 8627139“ stand noch lange Zeit auf dem Schild an seinem Bett. Bis ihn jedoch eines Tages der Mensch erkannte, dem er für immer Vergessen schenken wollte... Nicht Lena, sondern er selbst! Zurück zum Dreiergespann: Da standen sie nun: Judith, – deren Gesichtsakrobatik nicht mehr vor Erstaunen enden wollte – Marc und der tot geglaubte Özal... Im Radio erklimmte Satellite. Und plötzlich, ganz plötzlich fing es an zu Regnen. Warm und erregend. Die Mischung aus Gefahr und schicksalhafter Anziehungskraft, die die einander fremd gewordenen wie schwimmende Kompassnadeln unwiderstehlich aufeinander zutreiben ließ, trieb Judith den Schweiß auf die erhitzte Haut. Sie griff sich an den Hals. Was war das ...? Wie ein vages Echo flimmerte plötzlich die Erinnerung einer Bio-Klausur in ihr Bewusstsein. „Nervengifte und ihre Wirkung“. Atemlähmung. Schmerz in der Bauchgegend. 20

Muskelkrämpfe. Herzstillstand... Judith schnappte nach Luft. Weil sie sich erinnerte. An Herrn Lemke, der sie während der Bio-Klausur beim Abschreiben erwischte und völlig ausrastete. Es war schrecklich. Denn Herr Lemke kannte sich aus mit Giften. Er war es, der einst die Vokalelimination bei Özal vornahm. Er war es, der bei einem Selbstversuch das „b“ aus seinem eigen Geist und Blut verbannte. Er war es, der plötzlich Autogrammkarten mit Roert Lemke unterschrieb. Damals als er noch fragte „welches Schweinerl hättens gern“. Heute stellt er keine Fragen mehr. Aber Roert Lemke lebt! Und kennt sich aus mit Giften. Es war also nur eine Frage der Zeit bis sich Judith fragte: „Was bin ich?“ Nur wer, wer konnte ihr diese Frage beantworten. Wer würde für sie mit voller Inbrust die Hosen runterlassen... WER!? Sie brüllte diese Frage heraus. Laut und schrill durch das ganze Stadion. Genau in diesem Augenblick war da nichts: kein Fangegröle, keine Musik, nichts. Stille. Nur ihr „Wer?“ hörten die 80.000 und starrten auf Judith. Auf Judith und ihre Inbrust. Und alle hatten sie dabei ihre Hose runtergezogen. Der Anblick war unfassbar irritierend. Denn auch alle Vuvuzelas wurden schlagartig zweckentfremdet. Und so verstummte auch der letzte südafrikanische Flair...bis es wieder anfing zu regnen. Da erklang es aus allen Ecken in erhellender Lautstärke: Wo sind all die Indianer hin? Das „... wo sind sie geblieben... ?“ konnte man gerade noch unter dem ohrenbetäubenden Lärm erahnen, den die heißglühenden Auspuffrohre von Özals Ducati unsensibel in die jubelnde Menge prasseln ließen. Judith fuhr wie Ron Hammer. Auf dem Sozius klammerte sich Marc und Herr Lemke (die in dieser Romandichtung fast vergessenen Jungs) auf engstem Raum, um gemeinsam mit Judith Özals Ducati zu verfolgen. Wie ein bereits jahrelang eingespieltes und funktionierendes Team legten sie sich geschmeidig in die Kurven und gaben Ihre Stimmzettel während der turbulenten Verfolgungsjagd ab, bzw. wollten sie ihre Stimmzettel abgeben. Doch dann fiel es Judith siedend heiß ein und brüllte lauthals: „Özal, du bist doch Türke. Du darfst doch gar nicht wählen.“ Özal kostete ihre verdammte Unwissenheit nur ein müdes Lächeln. Ein wirklich ganz müdes Lächeln. Sie hatte ja nicht die geringste Ahnung. 21

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Besser hätte sein Plan nicht sein können. Der Bundesrat und seine ganzen mickrigen Ministerpräsidenten tanzten nach seiner Pfeife. Ganz allein nach seiner. Bald würde er - also Özal - Bundespräsident sein. Oder hatte er etwa irgendwas vergessen? Hatten seine Verfolger vielleicht doch eine Kartoffel in den Auspuff der Ducati gestopft? Die Maschine stotterte bis zum völligen Stillstand. Es roch schwer nach... Kartoffelbrei! .. der Motor der Duc erholte sich nur langsam von dem Streich, was aber niemanden wirklich störte. „Wir brauchen noch Bratzwiebeln“...rief Marc. Kartoffelbrei mit Bratzwiebeln, sein Leibgericht früher bei Oma Plunsig. Aber zum vollständigen Glück fehlte natürlich noch ein schönes Stück Leber...Sein Blick verfing sich Jack Bauer mässig auf der Magengegend von Özal...(Fokus) .. nein, wir werden nicht die Leber von Özal kochen. Das geht nicht, dann wird Oma sauer. Und was für eine Schweinerei. Stattdessen hatte sie viel größere Lust aus dem Kartoffelbrei Kartoffelpuffer zu machen und Özals Leber zu braten. Wie kam er nur auf die hirnverbrannte Idee? Leber kochen? Das ist doch eklig. Das Rezept von Oma ist ganz einfach. Man nehme 2 Eier, 250 Gramm Mehl... aber das hatte sie sich doch aufgeschrieben! Wo war nur der Zettel.. den Zettel, den sie beim Durchsuchen ihrer Taschen fand, war keineswegs der, den sie erwartete. Auf diesem Zettel schien sich vielmehr eine Punkt-für-Punkt-Anleitung zur Eroberung der Weltherrschaft zu befinden! Ungläubig las sie die erste Zeile: Punkt 1: Erstelle eine Liste der wichtigsten Feinde! Punkt 2: Lade sie alle zu einer großen Feier ein! Punkt 3: Koche deine leckersten Rezepte, aber vergiss nicht, du willst sie damit ausschalten Und dann der wichtigste aller Punkte, Punkt 4: stecke während der Zubereitung eine frische Vuvuzela in die kochende Vorsuppe und lass sie darin schmelzen. Nur eine frisch gepflückte Vuvuzela in der Suppe gibt diesen unverwechselbaren afrikanischen Geschmack. Aber das nutzte ihr alles nichts, schließlich wollte Judith nunmal nicht die Weltherrschaft an sich reißen, sondern Kartoffelpuffer machen. 22

Kurzum: sie liess die Tröte, Tröte sein und machte sich endlich an die Arbeit. Wirbelwindmässig wurden Kartoffeln geschält, gewaschen Achtung! nicht die kleinen Fingerchen in der Reibe verheddern, .. noch einmal gut gegangen. Alles in den Topf, ein bisschen zusammen rühren: fertig. Jetzt fehlten nur noch die Gäste. Ah ... es klingelt an der Tür. Er schon wieder. Joost, der sabbernde Nachbar stand wieder da in der offenen Türe. Mit offener Hose. Er war einfach widerlich. Als Vorwand wie immer seine Frage: „Judith, kannst Du mir vielleicht etwas Mehl borgen?“ Judith ließ Joost im Flur ihrer Wohnung warten. Joost sabberte auf den Eichenparkett. Und Carl, Judiths kleiner Dackel, machte sich hechelnd an Joosts Wade zu schaffen. Als Judith mit einem angebrochenen Beutel Mehl aus der Küche zurückkam, lag der kleine Dackel Carl regunglos vor Joost Füßen. Judith wurde kreidebleich. Joost schloss schnell noch den Reißverschluß seiner Hose, bevor, ja bevor Carl zum Sprung ansetzen konnte! Leider wollte Carl so sein wie der englische Torwart David James - und sprang 4mal daneben. Nun überlegte Joost, ob sie a) einen neuen Hund brauchte oder b) mit Carl zum Tierpsychologen gehen sollte um ihm c) beizubringen, dass es gravierende Unterschiede zwischen Würstchen und Würstchen gibt. Doch Carl interessierte das einen feuchten Hunddreck. Er riss sich noch einmal zusammen und setzte zum 5ten Sprung an. Doch dann zögerte er (Mooment mal): wenn die eine Wurst nicht ist, wie die Andere, dann kann das hier unmöglich Joost sein. Oder doch? Um das herauszufinden, musste er ran. Ran an die Wurst, an die Buletten oder wie das auch immer heissen mag. Egal, Carl biss zu. In seiner Schnauze zappelte zuckend das glibbrige glitschige... Würstchen. Im selben Moment war es um ihn geschehen: Seine Beinchen zuckten, sein Schwanz zog sich in das Innere seines Körpers zurück und seine eigene Schnauze zerrte an seinem Leib - er verwandelte sich, langsam und schmerzvoll, in eine Fischfrikadelle. Sein neues Dasein war neu, aber nicht unschön. Er hatte es sich gerade in einem pappigen Weißmehlbrötchen gemütlich gemacht, als, eine tiefe stimme sagte: „ nenene...wir sind doch in Hamburg und Dackel sind nun mal keine Fischfrikadellen!“ nickte und zog sein Fleischermesser durch den Scharf23

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machblock, was wiederum Joost erneut scharf machte. Judith schüttelte verzweifelt mit dem Kopf, was dafür sorgte, dass die frisch erbrochene Paella im ganzen Raum ihren Platz fand. Carl begann zu schlecken, Joost wieder zu sabbern und Judith... ja, Judith wurde schlagartig klar: In was fuer einem Streifen war sie hier gelandet? Schnell zog sie ihr kleines Notizbuch aus der Tasche. Hier musste doch irgendwo die Handynummer des einsamen tibetischen Gebetsmönch sein, den sie vor Jahren in der Fussgängerzone am Ballermann kennengelernt hatte...und da war sie auch schon, kurzerhand begann Judith die Nummer in ihr iPhone einzutippen. Während dessen kamen die alten Erinnerungen an die Erlebnisse mit dem tibetischen Gebetsmönch namens Tibudor in ihren Kopf geschossen – es war eine kurze, aber intensive Sinnesreise ... So stieg ihr sofort wieder der Duft in die Nase, den Tibudor damals schon meilenweit verstreute. Es war nicht dieser miese Duft nach schalem Bier, kaltem Zigarettenqualm und altem Schweiss, den man sonst vom Ballermann gewohnt ist - nein, vielmehr war es der Duft von Salz auf seiner Haut, vermengt mit dem suesslichen Duft exotischer Kraeuter und dann war da noch etwas anderes: Erdbeeren! Hübsch, nacheinander aufgereihte Erdbeeren. Es war Tibudor, der eine der roten Früchte der akkuraten Reihe entriss und als Judith ihre Hand danach ausstreckte und der zuckrige Kräutergeruch immer extremer wurde, da Tibudor somit die 300derste Erdbeere gegessen hat. Jeder, der den alten, ägyptischen Mythos kennt, weiss, welches Schicksal er nun erleiden wird ... nämlich: nämlich! die 300 unverdauten Erdbeeren 24 Stunden im Magen herumzutragen und sie dann Stück für Stück zu erbrechen.Tibudur musste erkennen,dass es keinen Mythos gab und er lediglich zu schnell ,zu hastig ,zu viele Erdbeeren gegessen hatte.Zumal er vorher diesen gruselig sauren Tischwein getrunken hatte.Judith hatte ihm die ganze Zeit beigestanden und betrat nun frisch geduscht den Raum. An der Hand hatte sie den gemein24

samen Sohn, dieser Erdbeerenverkäufer. Sein Vater hatte Ihm welche abgenommen, die wären sonst in der Mülltonne gelandet. Der Junge hatte ein schlechtes gewissen gehabt. Der Vater hat ihm, als Strafe, das erbrochene putzen lassen. Judith hatte auch noch den Heiko rein gelassen. Er sollte den Raum sich anschauen der gestrichen werden sollte. Davon wusste der Vater nicht wie er es tun sollte. Streichen? Und warum überhaupt erbrechen? Nein, nein, nein ... 300 Erdbeeren in Tibudors Magen haben ihn zu einer Katze gemacht! ... aua Aua aua, das tat weh! Dieses stänige „sich putzen“ mit einer Zunge, die eine Oberfläche hat wie 300 nebeneinander aufgereihte Sägeblätter. Dann lieber 300 wesensverändernde Erdbeeren im Bauch. Ja, genau das war‘s! Tibudor musste Judith dazu bringen, ihr noch einmal die selbe Menge an Erdbeeren zu verfüttern, damit er sich wieder zurückverwandeln konnte. Doch das war leichter gesagt als getan. Denn erstens: als Katze konnte Tibudor Erdbeeren nicht ausstehen. Und zweitens: war die Erdbeersaison vorbei. (Tiefgekühlt geht nicht). Genug Zeit um Tage im Leben einer Katze, eines Hundes, zu ergründen. Z.B. kann man direkt auf einen Baum klettern und sich dann von der Feuerwehr retten lassen, oder könnte es sein,das sich dort oben im Baum der große Katzenhasser versteckt.Vielleicht war es jetzt auch an der Zeit sein Bündel zu packen und zu versuchen per Anhalter in den Süden zu gelangen,wo die Erdbeersaison noch voll im Gange war.Er versuchte sich an den Reiseführer aus ‚per Anhalter durch die Galaxy‘ zu erinnern. Stand da nicht drin, wie man so was anstellt? Er konnte sich beim besten Willen nicht erinnern. Zum Glück stand das Buch ja in seinem Regal. Hastig schlug er das Inhaltverzeichnis auf. Doch schon ein erster flüchtiger Blick zeigte, dass er hier nicht weiterkam. Denn statt „Erdbeeren“, „Katzen“, „Süden“ und „Sonne“ fand er nur folgende Stichworte: ‎‘Heute ist Ihr Glückstag‘! .... in einer hübschen, von Hand geschriebenen, zarten Schrift; stand nun dieser Satz da. Das gab ihm zu denken.Könnte es eventuell sein,dass er sich die Reise sparen konnte? Der große Zauberer Magor müsste doch mittlerweile 25

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wieder im Dorf sein und für ihn war es ein leichtes ihm seine alte Gestalt wiederzugeben. Er begab sich auf den Weg zu dessen Hütte,als ihn plötzlich eine Hand am Ohrläppchen packte und eine durchdringende Stimme säuselte: ‎“.. SIIEEEEE, Siiee, SIEEEE .... „ Der einzige der ihn siezte war sein alter Lehrer Prinzipius.Wo kam der denn jetzt her und wieso hat er ihn in seiner jetzigen Gestalt erkannt. Er riss sich los und rannte...er rannte so schnell er konnte. wohin ? Das wusste er auch nicht. Einfach nur weg, so schnell es ging... Der Lehrer folgte ihm nicht und da war auch schon Magors Hütte... Margors Hütte, welch ein Lichtblick. Er näherte sich der Tür. S C H E I ß E...sie war verschlossen. Mist, mist, mist dachte er die ganze Zeit. Seine Gedanken drehten sich im Kreis. Ständig muste er an das Geschehene denken. Eine Erinnerung die ihm in der Brust schmerzte und zugleich auf der Zunge lag: Judith, Tibudor, Joost! prasselte es aus ihm heraus, als ‎..der Lehrer plötzlich hinter ihm stand...er schrie förmlich ihre Namen... JUDITH, TIBUDOR, JOOST...ihr habt Carl im Stich gelassen.Ihr wisst, dass er in seiner jetzigen Erscheinungsform, als Fischfrikadelle, großen Gefahren ausgesetzt ist.Tibudur hörte nur „Fischfrikadelle“. Sollte er verhungern bis er Magor fand? Wer war schon Carl. Da fiel ihm auf, dass Gerd seinen Namen ständig falsch schrieb.“Tibudor...dor,merk dir das !“Er schwankte jetzt zwischen Magor und Fischfrikadelle,als... Judith mit den frischen Erdbeeren kam. Man wo hatte sie die denn her. Um diese Jahreszeit, frische Erdbeeren. Carl oder Erdbeeren? Das war hier die Frage. Joost verdrehte nur die Augen, denn er konnte die Gedanken von Tibudor lesen. „Vielfrass“ dachte er...armer Carl so allein gelassen, als Fischfrikadelle in der nähe der „Nordsee“... Ja,aber andererseits würden ihn die Erdbeeren erlösen und er könnte sich die Suche nach Magor ersparen.Und Carl? Was war der Fluch und wer hatte die Gegenformel? War es... ‎...magor‘s oma, die die formel hatte ? sie hatte schon immer etwas geheimnisvolles, die dunklen Augen und die weiße haut, was hatte sie mit der ganzen Sache zu tun ?? so viele fragen und keiner schien eine 26

antwort zu haben. doch plötzlich...es war...es war sieben Uhr und der Wecker klingelte. sie stand auf, zog sich an, nahm ihren Stahlhelm und ging zur arbeit. schon wieder dieser fürchterliche Albtraum, dachte sie.... . und nahm eine Ladung Rohypnol. Als die Wirkung einsetzte, fühlte sich der Stahlhelm auf ihrem Kopf an wie...Er machte nicht einmal Halt vor dem kleinen, grünen Stängelchen in den Erdbeeren. ... die Wirkung des Rohypnol bereitete ihm Schwierigkeiten. Was so hastig anfing wurde langsamer und langsamer; laaaangsamer. Alles drehte sich, ihm schwirrte der Kopf. Judith, Oma, .. Oma! Hat Oma nicht immer gesagt: mach immer etwas, was Du Dich nicht traust: und schau‘, was passiert. Und eine andere Oma, die war aus der Ukraine, wohnte in einem Buch hat gesagt: Eine Geschichte, die mit einer roten Beete anfängt, Endet mit dem Teufel. Dann ging das Licht aus. Gerade jetzt in der Jahreszeit, die man auch den Tanz der Lemminge nennt und die Tierchen in rauen Mengen, von den oberhalb des Dorfes liegenden Klippen, flogen, wäre so ein Teil nützlich. Die Langsamkeit hatte jetzt ihren Höhepunkt erreicht und die Landschaft begann sich zu dehnen die Landschaft färbte sich...Grün, Organge, Geld, Schwarz und Rot. HALT rot...da war sie wieder, die Farbe, der Liebe ?! Nein die Farbe der Verwirrung...rot war sein Leben und DAS war Chaos pur. Er fühlte wie er abhob und Richtung Himmel transportiert wurde. Was war das für ein Sog, den er spührte? War er echt oder war das nur seine Phantasie...plötzlich sah er wieder nur ROT. Eine riesen Erdbeere über ihm, öffnete sich.... was ist hier los. es geht nichts voran.... das war sein letzter Gedanke in Trance. Schlagartig ließ die Wirkung des Rohypol nach und was er im Rausch als Erdbeere wahrgenommen hatte,war in Wirklichkeit ein geplatzter Lemming.Er duckte sich im letzten Moment wegals er aus den Augenwinkeln einen heranbrausenden Ford Mustung sah ,aus dem Joost und Judith fröhlich winkten... diese Idioten, dachte er. Sie hätten ihn beinahe umgefahren. Was machten sie im Ford Mustang von Magor ??? Ja wo waren Magor & Tibudor? Und wo 27

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war eigentlich Carl?? War er als Fischfrikadele schon verspeist? Der Gedanke ließ ihn schaudern. Joost und Judith, das ergab keinen Sinn. Sie sahen auch ein wenig „zu fröhlich“ aus. Wollten sie ihn etwa los werden ??? das war also ihr Plan: die Reste des Rohypol schienen doch mehr Wirkung zu haben,als er sich eingestehen wollte.Wieso suchte er nach Tibudor,das war er doch selber! Er spurtete los, um sich auf die Rücksitze des Cabriolets zu schwingen. Da kam das Flash Back..... ..dann ging nichts mehr voran...Langeweile räumte sich ein...wo bleibt ihr denn.. die ganze Welt war in ein Kontinuum der Starre verfallen.. . ..ist das jetzt das ende????.... ...das atmen fiel jetzt schwer... Manou Spahn wo bleiben die anderen, die neue informationen bringen... die Geschichte muss weiter gehen...wo sind die Ideen....ausgegangen ????

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