Interview with Prof. Dr. Klaus M.

Beier on pornography
(Excerpt in German and English)
Schupelius Und hier geht es weiter mit Professor Beier vom Institut für Sexualwissenschaft [und Sexualmedizin] der Charité und der Frage: "Wie kann es eigentlich kommen, dass unsere Kinder massenweise Pornografie im Internet sehen?" Klaus Beier, Sie haben vorhin schon darauf hingewiesen, dass die Jungen sich das lieber angucken als die Mädchen, aber in dem Gruppendruck die Mädchen auch viel Pornografie konsumieren. Das Frauenbild in einem herkömmlichen, normalen produzierten Porno ist ja eigentlich immer das gleiche – man könnte eigentlich auch politisch korrekt von "frauenfeindlich" sprechen, würde ich mal sagen. Wie kommt es eigentlich aus Ihrer Sicht, Ihrer Erfahrung: Warum ist das alles so akzeptiert? Wir sind doch sonst heute sehr sensibel, wenn es um Gleichberechtigung geht. Allein in der pornografischen Darstellung spielt das alles keine Rolle, und die Frau darf also getrost Objekt sein wie in den letzten Jahrhunderten. Warum ist das so? Prof. Beier Das ist auch für mich sehr rätselhaft. Ich staune sehr, dass mit Blick auf diese Entwicklung nicht ein viel größerer Protest von relevanten Kräften der Gesellschaft erkennbar wird. Ich bin da überrascht; ich halte das ja ohnehin für einen unethischen Menschenversuch, der hier läuft an unseren Kindern und Jugendlichen. Ein Menschenversuch, weil ja wir davon ausgehen müssen, dass wir doch bei einigen solche irreversiblen Weichenstellungen vornehmen, die dann zu Präferenzbesonderheiten in ihren Gehirnen führen, die sie im Leben nicht mehr loswerden. Schupelius Man könnte auch sagen, ihnen werden sexuelle Störungen praktisch verpasst. Prof. Beier Zumindest kann man das nicht ausschließen; und es ist ja nicht nachvollziehbar, warum Kinder in diesem Alter – also noch vor 14, das sind ja juristisch Kinder – warum diese in diesem Umfang solche Materialien zugänglich gemacht bekommen sollten. Und da würde ich mir schon wünschen, dass stärker auch gesellschaftliche Kräfte – Frauen, überhaupt die gesamte feministische Bewegung, ich vermisse sie hier sehr, denn ich stimme ihnen zu: Ein Kennzeichen dieser Filme ist, dass die Frau vollkommen Objekt wird, dass sie willig alle verschiedenen Praktiken von möglichst vielen Männern hintereinander, mit Sperma in den Mund - und zwar auch wiederum von möglichst vielen Männern - beglückend entgegennimmt. Und jeder weiß, das haut so nicht hin; das ist Austauschbarkeit von Menschen, das ist Beliebigkeit, das ist meilenweit weg von dem, was wir uns wünschen in intimen Beziehungen: nämlich, dass wir nicht austauschbar sind, dass es nicht beliebig ist, dass es um uns geht, dass wir wichtig sind für den anderen und eine Bedeutung haben. Und das ist eine Botschaft, die in diesen Filmen mitklingt, die sich natürlich in den Kindergehirnen dann auch hinsichtlich der Geschlechterrollen-Stereotype wiederfinden kann. Man muss sich klarmachen – vielleicht darf ich das noch sagen – , dass Kinder am Modell lernen. Und es ist nicht einzusehen, warum das nicht auch bei sexuellen Handlungen so sein sollte, die sie entgegennehmen von der Erwachsenenwelt. Und der neurobiologische Hintergrund dafür sind die Spiegelneuronen. Das weiß auch kaum jemand, dass man, wenn man Handlungen sieht, im Gehirn genau die Neuronenverbände aktiviert, die man aktiviert hätte, wenn man diese Handlungen selber begangen hätte. Das heißt, Sie bilden sozusagen in sich im Gehirn diese Bewegungsabläufe nach. ... Source: http://www.tvbvideo.de/video/iLyROoaf8qZ3.html

Translation
Schupelius We are continuing our interview with Professor Beier of the Institute of Sexology and Sexual Medicine at the Charité [in Berlin] on the question "How is it possible that our children consume large amounts of pornography on the internet?" Klaus Beier, you have just pointed out that boys like watching porn more than girls do, but due to peer pressure, girls also consume a lot of pornography. In fact, the image of women that is conveyed by conventional porn is always the same - politically correct we could call it "misogynistic". In your view and in your experience: how is it possible that all this is so widely accepted? For generally, we are now very sensitive when it comes to equality. Only in pornography this isn't an issue at all, and women may be represented as objects, as they used to be objects in previous centuries. What's the reason? Prof. Beier This is very puzzling for me as well. I am frankly amazed that with regard to this development, there is no larger protest from relevant forces in society. I am really surprised. Anyway, in my view it is an unethical human experiment that is done on our children and young people. A human experiment, because we must assume that in some of them irreversible foundations will be laid in their brains for certain preferential structures, which they will never get rid of in their life. Schupelius So one could say that practically sexual disorders are imposed on them. Prof. Beier At least, this cannot be excluded; and there is no reason at all why children at this age – i.e. under the age of 14, these are legally children – should be made available such materials to such an extent. And here I would like to see a stronger involvement of social forces - women, in general the whole feminist movement, I do miss them here, for I agree with them: a characteristic of these films is that women are completely reduced to objects; that they willingly accept all sorts of practices from as many men as possible, one after the other, with sperm in their mouth – also from as many men as possible. And everyone knows that this cannot work; this makes people exchangeable, this is arbitrariness, this is miles away from what we wish for ourselves in intimate relationships: namely, that we are not exchangeable, that it is not arbitrary, that it is us who are important for the other one and have a meaning. But that message is conveyed in those porn movies, which can then of course be found in the children's brains, also in terms of gender stereotypes. We have to realize - if I may add this - that children learn from models. And there is no reason why this shouldn't be the case in models of sexual behavior which they take over from the adult world. The neurobiological background are the mirror neurons. Hardly anyone knows that when we are just watching somebody do something, the brain activates the same neuronal complexes that would have been activated, if we had done it ourselves. This means that these actions are emulated in our brains, so to speak. ...

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