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Betty Edwards

Garantiert zeichnen lernen
Das Geheimnis der rechten Hirn-Hemisphäre und die Befreiung unserer schöpferischen Gestaltungskräfte Deutsch von Modeste zur Nedden Pferdekamp

Rowohlt Taschenbuch Verlag

Janice Gallagher. Lynn Tyner. von der California St Long Beach und von der University of California Auch meinen Schülern möchte ich an dieser St reichen Beiträge zu diesem Buch danken. dieses Buch zu schreiben. . William Bergquist. \ Trade-Technical College. Winifred Wasden. die mir geduldig i gemacht haben. Mein gilt Dr. der mir mit wertv< und seiner selbstlosen Hilfsbereitschaft zur Sei Auch die folgenden Personen haben mich bei me stützt: Anne Bomeisler. Brian Bomeisler.Dank Für Anne und Brian Ich möchte all denen danken. meine Kollegen von der Venice High School. J. John Farrell. John Brogna. Kathryn Bomeisler. Jeremy Tarcher.

Los Angeles Sonderausgabe Juni 2000 Veröffentlicht im Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH. Leck Printed in Germany ISBN 3 499 60694 ' . P. A Course in Enhancing Creativity and Artistic Confidence» im VerlagJ. Juni 1998 Copyright © 1982 by Rowohlt Verlag GmbH.«Drawing on the Right Side of th Brain.. Tarcher. Inc. Reinbek bei Hamburg. Reinbek bei Hamburg «Drawing on the Right Side of the Brain» Copyright © 1979 by Betty Edwards Alle deutschen Rchte vorbehalten Umschlaggestaltung Beate Becker Gesamtherstellung Clausen & Bosse.

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Zeichnen aus dem Gedächtnis: Ihr künstlerischer Werdegang 77 6.Inhalt Vorwort 9 1 Zeichnen und die Kunst des Radfahrens 2. Die Umgehung des Symbolsystems: Wir zeichnen Ränder und Konturen 7. Die zwei Hälften unseres Gehirns 39 4. Sich selbst zum Ausdruck bringen: Die nonverbale Sprache der Kunst 33 3. Von Angesicht zu Angesicht: Wir zeichnen Porträts 177 11. Vorstoß in die dritte Dimension: Wir sehen Licht und zeichnen Schatten 12. Das Zen des Zeichnens: Der Künstler in uns erwacht Anhang 223 Postskriptum 224 Glossar 230 Bibliographie 233 217 205 . Ausdehnung in alle Richtungen: Perspektivisch zeichnen auf eine neue Art 9. Von links nach rechts. Raumformen wahrnehmen: Das Raum-Negativ wird zum Positiv 99 117 137 13 8. von rechts nach links: Die Erfahrung des Hinübergleitens 61 5. Jeder Strich ist Teil des Ganzen: Richtige Proportionen 155 10.

daß die wenigen. als ich zu unterrichten begann. Jahre später. es nicht allmählich lernten. sobald sich diese andere Sehweise in mir einstellte. Ich kann mich noch genau entsinnen. nur eine Zeitlang «anzuschauen» brauchte. Doch wollte das nicht so recht funktionieren. Ich war wohl eines von den wenigen Kindern. Sie ist ein Naturtalent. die zum Zeichnen befähigt. daß ich den Gegenstand. als die pinge auf jene besondere Weise anzuschauen. Zugleich fing ich an. und in einer Klasse mit etwa dreißig Schülern lernten zu meiner Verzweiflung immer nur einige wenigej richtig zu zeichnen. doch ich wußte.» Wie alle Kinder fand ich es schön. sagten die Leute. neun Jahren. wie ich als Kind. bevor ich etwas zeichnete. versuchte ich. als es noch nicht so gut ging?» Sie gaben mir fast alle dieselbe Antwort: Sie würden jetzt . die Schüler mit meinen Ansichten über das Zeichnen vertraut zu machen. Ich nahm diese Schüler ins Verhör: «Was macht ihr jetzt beim Zeichnen anders als in der letzten Woche. was ich eigentlich tat. «Großartig». Dann ging es «wie von selbst». erst muß ich «so» machen. die meine Zeichenkünste sahen. das mir keine Ruhe ließ: Warum fiel es eigentlich der Mehrzahl meiner Schüler so schwer. mich selbst beim Zeichnen zu beobachten. mit acht. den ich abzeichnen wollte.Vorwort Dieses Buch ist das Ergebnis einer zehnjährigen Suche nach einer neuen Methode des Kunstunterrichts für Menschen der verschiedensten Altersstufen und Berufe. Angesichts dieser unbefriedigenden Ergebnisse begann ich. ein Rätsel lösen. Dieses «So» habe ich nie genauer zu bestimmen versucht. die das Glück hatten. und war ernsthaft in Gefahr. konnte ich ganz anständig zeichnen. zeichnen zu lernen. Auffallend war. auch daran zu glauben. ich versuchte herausfinden. Ich wollte. Zeichnen war doch so leicht — man brauchte ja nichts weiter zu tun. während es mir selbst stets leicht von der Hand gegangen war und großen Spaß gemacht hatte? Schon als Kind. meine Schüler zu befragen. die es zu etwas brachten. Natürlich wurde ich von allen. vielmehr kam der Durchbruch plötzlich. als ich mich auf die Suche begab. Doch im stillen empfand ich solches Lob als unangebracht. «wie begabt Betty ist. auf jene besondere Art und Weise zu sehen. im stillen zu mir sagte. bis dieses «So» eintrat. für etwas Besonderes gehalten zu werden. bewundert und gelobt.

ine neue Spur. äufig. Es stellte sich lülern wirklichkeitsgetreuere Zeichnungen nicht auf die Form konzentrierten. eine ganze Reihe von Unter:reich der Gehirnforschung. Doch riß ich mich schließlich zusamSatz fort — und mußte dann feststellen. das Prinzip : diese Beobachtungen in eine Ordnung n begann ich. Ihn wiederanzuknüpfen fiel mir eigentlich wollte ich es in solchen Augentlich. sie ermd machte mir Schwierigkeiten. daß ich mitten im Satz steckenblieb Faden. Warum sollte das Zeichnen der Zwischenräume zwischen den Gegenen Darstellung ihrer Umrisse führen? Ich eigenes Vorgehen beim Zeichnen nach. Hedenstellende Antwort auf diese Fragen. inem Rätsel. ergaben sich aus dem den mit dem leeren Raum. verteilte ich Reprohnung eines alten Meisters und schlug vor. mit Worten zu erändert hatte. daß ng zur Zeichnung verloren hatte. ob richtig oder falsch herum — blieben iber auch Fragen. insbesondere Hlirnspaltungs-Forschung zu lesen. . Ich zeichnete beim Unterl meinen Schülern zu erklären. Auf diese Ich konnte entweder sprechen oder zeichsugleich. was ich taf imerk richtete und warum ich bestimmte mte Weise wiedergab und nicht anders. Wie war das :gal.u stellen und es umgekehrt abzuzeichnen. lemühte — es gelang mir nicht. die sie .Zschauen.Doch so viele Fragen ich ihnen n nicht in der Lage zu sein. über den Vorgang des Zeichnens ergaben h Zufall. berraschung (der ihren wie der meinen) ere Zeichnungen zustande. Als sich meine Schüler einmal mit besonders abmühten. die m ziger Jahren von dem Neurophysiologen dizin-Nobelpreisträger 1981) und seinen .rn auf den sie umgebenden leeren Raum.

das Problem zu lösen. Ich bin davon überzeugt.halfen mir.in der praktischen Arbeit mit Schülern unterschiedlichsten Niveaus hat sich meine Methode. die auf dieser Zuordnung basiert. Diese Erkenntnisse . analytischen Verarbeitung (in meinem Buch «LinksModus». eine Antwort auf die Frage zu finden.der Fähigkeit nämlich. war ich damit beschäftigt. die theoretischen Voraussetzungen meiner Grundthese zu formulieren und die Reihenfolge der Zeichenübungen festzusetzen. indem er bestimmte Funktionen seiner rechten Gehirnhälfte «anzapft». . warum manche meiner Schüler leichter zeichnen lernten als andere. Wie auch immer Wissenschaftler in zukünftigen leiten die strikte Trennungibestimmter Hirnfunktionen und ihre Zuordnung zu jeweils einer der beiden Hirn-Hemisphären beurteilen mögen . Meine These lautet. Bei der Beschäftigung mit den Untersuchungen Sperrys kam mir unversehens die Idee. Mit Hilfe dieser Lehrmethode ist es mir gelungen. die den Aufbau dieses Buches bestimmt. «R-Modus» bezeichne). und nicht nur einigen wenigen.von einer sprachlichen. ganzheitlichen Verarbeitung (die ich als «Rechts-Modus». daß meine in diesem Buch modellhaft beschriebene Lehrmethode des Hinundherwechselns zwischen dem verbalen.ich werde sie im dritten Kapitel genauer darstellen . vor allem während der Arbeit an meiner Dissertation. das der Ausgangspunkt meiner Überlegungen war: wie man allen Teilnehmern eines Zeichenkurses das Zeichnen beibringen kann. von der «normalen» Informationsverarbeitung zu einer ganz anderen Form des Umgehens mit optischen Wahrnehmungen überzuwechseln .übernommen und weiterentwickelt wird. logischen Denken und dem ganzheitlichen intuitiven Erfassen der Umwelt auch von anderen Lehrern und Forschern . Von nun an.sei es auf dem Gebiet der Kunst oder auch in anderen Fächern . daß beide Gehirnhälften (Hemisphären) an der Steuerung der höheren kognitiven Funktionen des Menschen beteiligt sind und daß sie Informationen auf unterschiedliche Weise verarbeiten. und daß er dadurch auf eine einfache Weise zeichnen lernen kann. daß das zeichnerische Können eines Menschen in erster Linie von einer anderen Fähigkeit abhängen muß . daß sich der Mensch eine neue Art zu sehen anzueignen vermag. Auf dieses Ziel hin ist die Reihenfolge der Übungen angelegt. als brauchbar und zuverlässig erwiesen.- Vorwort Mitarbeitern betrieben worden waren. Dieses Forscherteam hatte festgestellt. «L-Modus» genannt) zu einer räumlichen.

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1 Zeichnen und die Kunst des Radfahrens .

und ab geht's. Die Künstler selbst tun von sich aus im allgemeinen nur wenig. erstaunlicher Weise zu bereichern vermag. die mit dem Problem des Zeichnens nicht fertig werden. Zeichnen . Die Schwierigkeit besteht jedoch darin. die das Leben in . und so werden Sie schließlich sagen: «Laß mich mal aufsteigen. seine «Sehweise zu verändern» und überhaupt erst einmal «sehen zu lernen». die Frage: «Wie machen Sie das nur. werden Künstler oft für gottbegnadete Wesen gehalten. was Sie da zeichnen. Vielen Menschen erscheint das Zeichnen als eine geheimnisvolle. halt die Balance. mit den Augen des Künstlers zu sehen . und oft enden die Erklärungsversuche des Lehrers damit.» Natürlich haben Sie damit überhaupt nicht erklärt. werden Sie schon eines Tages dahinterkommen.» So ist es auch mit dem Zeichnen. werden Sie vielleicht sagen: «Also. daß das. bewußt genug zu sehen. oder «Weiß ich selber nicht.» Während fast jeder radfahren lernt. so aussieht wie in Wirklichkeit?» (zum Beispiel ein Porträt oder eine Landschaft). Unterricht im Radfahren zu geben: Beides läßt sich mit Worten kaum beschreiben. daß beides kaum voneinander zu trennen ist. um zeichnen zu können. daß sich diese Sehweise ebenso schwer beschreiben läßt wie das Balancehalten beim Radfahren. Wenn Sie fleißig üben. jetzt steig einfach auf. probier irgendwas aus und mach immer so weiter».eine magische Fähigkeit? Da anscheinend nur wenige Menschen von Natur aus die Fähigkeit besitzen. tritt immer feste auf die Pedale. wie ich es mache. wie man radfährt. Wenn Sie jemandem das Radfahren beibringen wollen. Guck zu. ich werd's dir zeigen. Richten wir an einen Künstler.eine Sehweise. um diese Aura des Geheimnisvollen aufzulösen. Genauer gesagt: Die meisten Menschen lernen es nie. Es ist mit dem Sehen so eng verknüpft. ich hab eben eine künstlerische Ader». der naturalistisch zu zeichnen versteht.Zeichnen und die Kunst des Radfahrens Das Zeichnen ist ein unbegreiflicher Vorgang. gibt es viele. Ich fange einfach an. Die meisten Zeichenlehrer und Verfasser von Zeichenlehrbüchern beschwören den Anfänger. Einen Menschen in die Kunst des Zeichnens einzuführen ähnelt in vieler Hinsicht dem Versuch. so wird er womöglich antworten: «Tja. richtig zu sehen und zu zeichnen. daß er sagt: «Sehen Sie sich dies als Vorbild an und probieren Sie einfach drauflos. . Die Fähigkeit zu zeichnen hängt von der Fähigkeit ab. jenseits des menschlichen Begriffsvermögens liegende Tätigkeit.

sich um eine Lehrstelle als Maurer zu bewerben. der nicht an einem Französischkurs teilnehmen wollte. veranlaßt die Menschen zwar dazu. zeichne ich. Durch die Beschäftigung mit diesem Buch werden Sie sehen lernen. Die Auffassung. und was ich sehe. die Menschen selbst zum Zeichnen zu ermutigen. sie sollten sich lieber nicht zu einem Zeichenkursus anmelden. weil er keine Ahnung hat. daß sehr viele Menschen glauben. Diese unterscheidet sich von der Ihnen gewohnten Verarbeitung visueller Informationen: sie scheint von Ihnen zu verlangen. zeichnen lernen kann. daß Sie Ihr Gehirn auf eine andere Weise betätigen als sonst.Zeichnen und die Kunst des Radfahrens oder er sagt: «Ich schau mir den Menschen an (oder die Landschaft). daß Zeichnenkönnen eine unbegreifliche. wie Ihr Gehirn mit visuellen Informationen umgeht. daß jeder normale Mensch. sondern vielmehr zur Bestätigung des Eindrucks. Sie werden lernen. oder jemand. Doch näher betrachtet trägt sie keineswegs zur Klärung unserer Frage bei. künstlerische Fähigkeiten seien ein Wunder. 1).» Die letzte Antwort wirkt logisch und freimütig. doch sie trägt keineswegs dazu bei. mit optischen Eindrücken auf die dem Künstler eigene besondere Weise umzugehen. Das heißt. So kommt es. Ist Ihnen schon mal jemand begegnet. magische Fähigkeit ist (Abb. doch über das Auge können wir uns nicht gründlich genug unterhalten. dann reicht Ihre Fingerfertigkeit vollkommen aus. wie man ein Haus baut? Zeichnen kann man lehren und lernen Bald werden Sie die Entdeckung machen. Im Gegensatz zur landläufigen Meinung ist die manuelle Geschicklichkeit keineswegs das Wichtigste beim Zeichnen. Auf die Hand. weil er kein Wort Französisch versteht. eine Nadel einzufädeln oder einen Ball aufzufangen —. mit der Sie zeichnen. und sie erschwert den Lehrern ihre Aufgabe. Verfügen Sie über eine leserliche Handschrift oder Druckschrift. brauchen wir hier zunächst nicht weiter einzugehen. Es ist deshalb wichtig. daß Sie sich damit vertraut machen. der es nicht wagt. der einigermaßen gute Augen hat und bei dem Augen und Hände aufeinander abgestimmt sind — der zum Beispiel imstande ist. um zeichnen zu lernen. den Schülern den Zeichenvorgang zu erklären. Zeichnen zu lernen bedeutet mehr als die Aneignung einer gewissen handwerklichen Geschicklichkeit. Künstler und ihre Werke zu bestaunen. weil sie nicht zeichnen können. Forschungen auf .

Das Zeichnen und das Sehen Das Geheimnis der zeichnerischen Gabe scheint zumindest teilweise in der Fähigkeit begründet zu sein. etwas genauer kennen. Sie sähen die Dinge recht genau. genauer ausgedrückt. . seine Umwelt «mit den Augen des Künstlers» wahrzunehmen. Im Augenblick werden Sie mir diese Behauptung vielleicht nicht glauben können. zu einer anderen Art des Sehens und Wahrnehmens überwechseln zu können. nur weil wir die Vorgänge im Gehirn. dieses Wunder an Kapazität und Komplexität. Sie werden sich mit Hilfe der Übungen zwei Fähigkeiten aneignen. sich die Wahrnehmungsweise des Künstlers — und sei es nur für Augenblicke — anzueignen. die wir zu verstehen beginnen. sie zu zeichnen. die zu ihrer Erschaffung führten. Wer wirklichkeitsgetreu zeichnen kann. auf jene besondere. dann können wir auch zeichnen. zutage gefördert. das Überwechseln zu einer besonderen Sehweise. Gelingt es uns. Im Gegenteil. wie die besonderen Eigenschaften unseres Gehirns uns dazu befähigen. und zweitens werden Sie auf Grund dessen lernen. Die Sehweise des Künstlers Zeichnen ist wahrhaftig nicht schwer. Künstlern eigene Weise zu sehen. Doch das Gegenteil trifft zu . dem es gelingt. und die Schwierigkeit bestehe darin. Ihnen zu helfen. Und eines der Dinge. die von ihnen ausgeht. ist noch lange kein Künstler! Doch die Grundlagen des Zeichnens kann jeder erlernen. Ihre Umwelt auf eine andere Art zu sehen. dieses geistige Umschalten zu vollziehen. daß die Zeichnungen großer Künstler wie Leonardo da Vinci oder Rembrandt auch nur den geringsten Teil der einzigartigen Kraft. ist. unsere Wahrnehmungen bildlich festzuhalten. Das Problem ist das Sehen oder.Zeichnen und die Kunst des Radfahrens dem Gebiet der Neurophysiologie haben in den letzten Jahren viele völlig neue Erkenntnisse über das menschliche Gehirn. im Lichte wissenschaftlicher Forschung erscheinen solche Meisterwerke sogar noch bewundernswerter. weil sie auch den Betrachter dazu anregen können. Sie meinen. Das heißt jedoch nicht. einbüßten.und deshalb habe ich die Übungen in diesem Buch mit dem Ziel entwickelt und zusammengestellt. die beide von großem Nutzen für das Zeichnenlernen sind: Erstens werden Sie sich den Zugang zu Ihrer rechten Hirn-Hemisphäre bewußt und wissentlich eröffnen und dadurch in einen leicht veränderten Bewußtseinszustand gelangen können.

den fast alle beim Zeichnen. sind zum Beispiel Meditieren. Viele Leute stellen fest. sie sind «mit ihrer Arbeit eins». Laufen. Tippen. Weitere Tätigkeiten. ist auch Ihnen vermutlich nicht ganz unbekannt. Die r ünde dafür werde ich im dritten Kapitel erörtern. Malen oder Modellieren oder bei irgendeiner anderen kreativen. ihre Gedanken lassen sich kaum noch in Worte kleiden. oft jedes Zeitgefühl verlieren und eine angenehme Gelöstheit verspüren. künstlerischen Tätigkeit empfinden. den sie als lustvolle. . die wir auch beim Zeichnen benutzen. die mit dem Bewußtseinszustand während des Zeichnens einige Ähnlichkeit hat. Wenn allerdings dichter Verkehr herrscht. die unverkennbar ein Überwechseln in einen anderen Bewußtseinszustand hervorrufen. stellt sich der andere Bewußtseinszustand nicht ein. Sie sind vollkommen wach und konzentriert und dennoch entspannt und gelöst — ein Zustand. müssen wir doch die ständig sich verändernden Verhältnisse erfassen und verarbeiten und viele komplizierte Situationen innerhalb der gesamten Verkehrslage überblicken. Auch das Fahren auf der Autobahn kann zu einer geringfügig veränderten geistigen Verfassung führen. Vielleicht aktivieren diese geistigen a tigkeiten die gleichen Gehirnfunktionen.Zeichnen und die Kunst des Radfahrens Viele Künstler machen die Beobachtung. die ihnen im alltäglichen Leben entgangen waren. daß sie die Gegenstände beim Zeichnen anders sehen und dabei eine leichte Veränderung ihres Bewußtseinszustandes empfinden. Immerhin haben wir es auf der Autobahn mit optischen Wahrnehmungen zu tun. mit dem Gefühl des Abwesendseins verbundene Bewußtseinszustand. Auch Sie haben vielleicht schon einmal eine solche geringfügige Veränderung während einer ganz alltäglichen Handlung beobachtet. Auf den Bewußtseinszustand achten Der leicht veränderte. Sie erfassen und entdecken Beziehungen und Zusammenhänge. venn wir es eilig haben oder wenn der Beifahrer ständig auf uns -inredet. Sie verlieren jedes Zeitgefühl. Dafür gibt es Beispiele genug: etwa das gelegentliche Hinübergleiten vom gewohnten Wachbewußtsein zum Tagtraum oder die «Selbstvergessenheit» bei der Lektüre eines Buches. Musikhören und natürlich auch Zeichnen. Handarbeit. fast mystische Aktivierung des Geistes empfinden. In diesem subjektiven Zustand fühlen sie sich geistig abwesend. daß sie während des Fahrens kreative Denkarbeit leisten.

Beim Zeichnenlernen werden Sie nämlich die Kräfte und Fähigkeiten der rechten Hirnhälfte anzuzapfen beginnen. sich selbst die Bedingungen zu schaffen. klar. damit Sie sich bewußt Zugang zu Ihrer Intuition. Sie werden anders zu sehen lernen und — wie der große Bildhauer Rodin es poetisch ausdrückte — zum Vertrauten der Natur. Ihrem Selbst zeichnerisch Ausdruck zu verleihen. Wenn Sie diesen Zustand herbeiführen können. die Dinge in ihrer Totalität neu wahrzunehmen und die ihnen zugrunde liegenden Strukturen und zahllose Möglichkeiten zu neuen Kombinationen zu erkennen. was Sie sehen . daß sich Ihre kreativen Kräfte durch das sich erweiternde Bewußtsein Ihrer geistigen Fähigkeiten entfalten werden. Ihrer Erfindungsgabe und Vorstellungskraft verschaffen können -jenen Potentialen.auch dann. mit dem Zeichenstift festzuhalten. Während des Zeichnens werden Sie tief in einen Bereich Ihres Geistes eintauchen. Wissenschaft und Technologie ausgerichteten Kultur und Erziehung weitgehend ungenutzt bleiben. wird es Ihnen leichtfallen. Ihr Auge wird aufgeschlossen für die schöne Sprache der Form. der die Tür zu anderen Zielen öffnet. Mag das Zeichnen auch noch so viel Freude machen und als lohnende Beschäftigung empfunden werden. sich in dieser Sprache auszudrücken. es ist doch nur ein Schlüssel. Die Übungen in diesem Buch sollen Ihnen helfen. Ist Ihnen diese besondere Art der Wahrnehmung und Verarbeitung optischer Eindrücke erst einmal vertraut. Mein Ziel ist. genau zu sehen. doch das ist für mich nur ein Mittel zum Zweck. der Sie in die Lage versetzt. so daß es Ihnen leichtfällt. der durch das endlose Einerlei unseres Alltags so häufig verdeckt wird.Zeichnen und die Kunst des Radfahrens Der Schlüssel zum Zeichnenlernen ist also die Fähigkeit. Schöpfen Sie aus Ihrem kreativen Selbst In meinen Augen verfügen Sie über das kreative Potential. wenn Sie niemals Zeichenunterricht gehabt haben. Ich hoffe. die den Übergang zu jenem anderen Modus der Informationsverarbeitung fordern —zu jenem leicht veränderten Bewußtseinszustand. werden Sie ohne Schwierigkeiten in den anderen Bewußtseinszustand überwechseln können. Sie mit den Mitteln zur Freisetzung dieses Potentials zu versehen. wann immer Sie es wollen. Sie werden zwar durch die Beschäftigung mit diesem Buch zeichnen lernen. die infolge unserer einseitig auf sprachliche Kommunikation. Diese Erfahrung wird Ihnen helfen. mehr Vertrauen zu gewinnen zu .

Indem wir uns dieses wahre Ziel vor Augen halten. die kindliche Kreativität zu fördern. die ich vermitteln will. ob sie begabt genug sind. imaginativen Hemisphäre ist nahezu unbegrenzt. zur künstlerischen Sehweise überzuwechseln — also . Auch Lehrern und Eltern können Theorie und Praxis meiner Methode hilfreiche Anregungen geben. über die Sie bereits verfügen und die Sie nur zu entdecken und zu erschließen brauchen. sich selbst zu offenbaren. und am Ende haben sie fast ausnahmslos eine Fähigkeit zu zeichnen entwickelt.besser nutzen und deshalb die Blockierung dieses Potentials lösen möchte. die sie selbst überrascht und Ihnen das nötige Selbstvertrauen gibt. lernen. Doch schon bald werden sie zuversichtlicher. kann von den Übungen in diesem Buch profitieren. in dem ich einige allgemeine Vorschläge für die Übertragung meiner Methode auf den Unterricht mit Kindern mache. die überhaupt nicht zeichnen können und glauben. verblüffend ist. Die meisten meiner Schüler bringen nur sehr geringe Vorkenntnisse mit und sind voller Zweifel. unterscheidet sich insofern von den Verfahren anderer Zeichenlehrbücher. jedenfalls bei der Mehrzahl der Schüler. Das Kräftepotential der schöpferischen. Jeder. Das Zeichnen ist nur ein \Veg. Mit einem weiteren Postskriptum wende ich mich an Kunststudenten. die es aber doch gern lernen möchten. Die Methode.Zeichnen und die Kunst des Radfahrens Ihren persönlichen Entscheidungen und zu Ihrer Fähigkeit. Wenn Menschen. Dieses Buch basiert auf einem Kursus von neun Lektionen. Probleme zu lösen. die im Zeichnen ungeübt sind. das Ziel des Kurses zu erreichen. das schnelle Tempo ihrer Fortschritte bei der Entfaltung ihres zeichnerischen Könnens.auf welchem Gebiet und zu welchem Zweck auch immer . den Schlüssel zu schmieden. Ein Weg zur Kreativität Die Übungen und Anleitungen in diesem Buch sind für Menschen gedacht. diese Kräfte kennenzulernen. wollen wir nun darangehen. als die Übungen auf die Förderung von Fähigkeiten abzielen. sie hätten wenig oder gar kein Talent dazu. ihre schöpferischen Ausdruckskräfte in anderen Kursen oder durch selbständiges Arbeiten weiter zu schulen. der seine kreativen Kräfte .und Berufsgruppen halte. den ich seit ungefähr fünf Jahren für Personen der verschiedensten Alters. Es zwingt Sie. Am Ende des Buches finden Sie ein kurzes Postskriptum.

einzeln. Eine wirksame Hilfe. Anders ausgedrückt: Sie können bereits zeichnen doch alte Sehgewohnheiten blockieren diese Fähigkeit in Ihnen Mit Hilfe der Übungen in diesem Buch können Sie diese Blockierung beseitigen. wie sie Ihnen erscheinen.unu uic rvunst aes Kaaianrens zum «R-Modus» (vgl. Selbst Menschen. Zweitens gewinnt man Vertrauen in seine schöpferischen Fähigkeiten. mit anderen Darstellungsformen und -mittein. Wirklichkeitsgetreu zeichnen ein Mittel zum Zweck Die meisten Übungen. die blockierte Fähigkeit zum realistischen Zeichnen freizusetzen. besteht darin. daß sie es als Mangel empfanden. einen Gegenstand oder eine Person möglichst so mit dem Zeichenstift abzubilden. genauer: wie Ihre beiden Gehirnhälften arbeiten . 56) —. sich ohne weitere Anleitung zeichnerisch weiterzubilden. gemeinsam oder einander entgegengesetzt. Durch die Übungen werden Sie bewußter wahrzunehmen lernen. sind darauf ausgerichtet. Ihre Fähigkeit zum wirklichkeitsgetreuen (akademischen) Zeichnen zu fördern. Um diesen Mangel zu verbergen. Sie werden lernen. ist in dreierlei Hinsicht eine wertvolle Gabe. Naturalistisch zeichnen zu können. Graphiker. auf welche Weise Ihr Denken funktioniert.von Eltern und Erziehern gefördert werden. mußten sie sich bisweilen komplizierter. nahmen an meinen Kursen teil und vertrauten mir an. Damit will ich indes keineswegs andeuten.ein seltener Idealfall . Ihr neu gewonnenes kreatives Potential auch in anderen Bereichen künstlerischen Schaffens. weil Sie mehr und intensiver sehen. die Sie in diesem Buch finden. die ein Mensch zumeist bereits als Kind im Alter von etwa zehn bis zwölf Jahren hinter sich läßt. aber auch Maler und Bildhauer -. wie Sie sie vor sich sehen. um diesem Dilemma zu entgehen. diese Blockierungen zu durchbrechen und Ihnen Mut zu machen. Die in diesem Buch dargelegten Methoden können dazu beitragen. In gewissem Sinne halte ich das Streben nach wirklichkeitsgetreuer Darstellung für eine Durchgangsphase. zu . wenn seine schöpferischen Ausdrucksfähigkeiten . nicht naturgetreu zeichnen zu können. die sich in den Augen vieler Laien allein in der Beherrschung der naturalistischen Zeichenkunst kundtun. daß eine solche naturalistische Darstellung höher zu werten sei als andere Arten des künstlerischen Ausdrucks. dann sind sie meinen Erfahrungen zufolge auch imstande. Wie den meisten meiner Schüler wird Ihnen Ihr Leben reicher erscheinen. komischer und zugleich trauriger Strategien und Winkelzüge bedienen. Erstens wird man geschult. Designer. S. die in künstlerischen Berufen arbeiten-Kunstlehrer. genau und gründlich hinzusehen.

weshalb ich der Meinung bin. doch ein gewöhnlicher Schreibstift Nummer 2 ist fast ebenso gut. Warum nun habe ich für bestimmte Übungszwecke das Porträtzeichnen ausgesucht? Aus dreierlei Gründen. Erstens: Viele Anfänger glauben. die nicht zum Radieren geeignet ist. ist der. daß die rechte Hemisphäre des Gehirns auf das Wiedererkennen von Gesichtern «spezialisiert» ist. Ein zweiter Grund. was man sieht. Porträts zu zeichnen. Nun aber finde ich seltsamerweise jedes Gesicht schön.» Zeichenmaterial Für die Übungen in diesem Buch brauchen Sie nur ganz einfaches Material: normales. Da wir ja gerade zur rechten Gehirnhälfte Zugang finden möchten. Am besten geeignet ist ein Bleistift Nummer 4B. Gegenständen aller Art — auch imaginäre — oder um Porträts handelt. dem R-Modus. Wenn sie feststellen. Einer meiner Schüler sagte einmal: «Ehe ich zu zeichnen anfing. habe ich niemals ein Gesicht wirklich gesehen. Figuren. daß Porträtzeichnen auch gerade für den Anfänger von Nutzen ist. Später werden Sie noch . Warum Gesichter? Eine Reihe von Übungen und Lernsequenzen in diesem Buch sollten Sie in die Lage versetzen. dessen Mine weich ist und eine klare dunkle Linie zeichnet. Drittens werden Sie lernen. Lassen Sie mich erklären. von Landschaften. Es ist immer der gleiche Vorgang: man sieht etwas «da draußen» (imaginäre Gegenstände werden mit dem geistigen Auge «gesehen»). und dann zeichnet man. werden Sie sein Gesicht wirklich wahrnehmen. Probleme . das Gesicht eines Menschen zu zeichnen. sich für einen Gegenstand zu entscheiden. wichtiger noch. mit dem umzugehen sie gewohnt ist. stets ist dasselbe Können und dieselbe Sehweise notwendig. Erst wenn Sie einen Menschen zeichnen.Zeichnen und die Kunst des Radfahrens erproben. zu einer neuen Art zu denken überzuwechseln. der Ihnen helfen wird.auf eine kreative und klarsichtige Weise zu lösen. Alle Aufgaben haben den gleichen Schwierigkeitsgrad. Ferner brauchen Sie einen Bleistift und einen Radiergummi. Und drittens sind Gesichter faszinierend. daß sie durchaus imstande sind. saugfähiges Schreibmaschinenpapier (eine Sorte.welcher Art auch immer . ein Porträt zu zeichnen. fühlen sie sich ermutigt und machen schnellere Fortschritte. Generell gilt: Jede Art zu zeichnen ist gleich schwer. die Ihrem Modell gleichen. das Schwerste von allem sei. da Bleistiftstriche darauf leicht verschmieren) oder einen einfachen Zeichenblock. liegt es nahe. Ob es sich um das Zeichnen von Stilleben.

Bleistift und Radiergummi vollkommen aus. Immer nur ein Schritt auf einmal Im Verlauf meiner Lehrtätigkeit habe ich mit den verschiedensten Schritt für Schritt aufeinander aufbauenden Übungen. In den ersten drei Kapiteln gebe ich einen Teil der Theorie wieder. desto schneller werden Sie vorankommen. daß Sie die Anleitung ganz durchlesen. Noch ein Tip: Bewahren Sie alle Ihre Zeichnungen auf. wie man Menschen auf eine einfache und effektive Weise das Zeichnen beibringen kann. und sich auch die abgebildeten Zeichnungen anderer Schüler genau ansehen. zunutze gemacht habe. Ich habe die Zahl der Übungen. die ich mir bei der Lösung des Problems. damit Sie am Ende des Buches überblicken können.Zeichnen und die Kunst des Radfahrens anderes Material dazunehmen wollen — vielleicht Kohle oder einen Filzstift oder grau und braun getönte Zeichenstifte und so fort. Im Glossar habe ich . die meiner Unterrichtsmethode zugrunde liegt. doch wenn es Ihre Zeit erlaubt. Es ist wichtig. Es ist bei den meisten Übungen wichtig. Die Übungsfolge ist so angelegt. die ich Ihnen empfehle. Die in diesem Buch aufgeführten Sequenzen haben sich in meinen Kursen als die erfolgreichsten erwiesen. Wenn Sie im vierten Kapitel mit den Übungen beginnen. wie ich diese Übungen entwickelt habe und warum sie zu den jeweils notwendigen Lernschritten führen. zeichnen Sie mehr. Je mehr Sie aus eigenem Antrieb zeichnen. ehe Sie zu zeichnen beginnen. die Übungen in der hier festgelegten Reihenfolge durchzuführen. die die im Text gestellten Aufgaben ergänzen. daß bei diesem Lernprozeß die gewohnte Art zu denken so wenig wie möglich verunsichert wird. darunter eine kurze Darstellung neuester Erkenntnisse der Hirnforschung. Definition der Fachausdrücke Am Ende meines Buches finden Sie ein Glossar. Manche Begriffe werden schon im Text ausreichend erklärt. werden Sie bereits über ein Vorwissen verfügen. wenn ich Ihnen dies empfehle. Doch für die meisten Übungen reichen Papier. Deshalb bitte ich Sie. welche Fortschritte Sie gemacht haben. auf ein Minimum beschränkt. auf Grund dessen Sie erkennen können. daß man auf jeder Stufe Lernerfolge erzielt und Zugang zu jenem bereits beschriebenen neuen Modus der Informationsverarbeitung erhält. Lernsequenzen und Übungskombinationen experimentiert. als verlangt wird: Wählen Sie sich selbst Gegenstände aus und erfinden Sie eigene Übungen hinzu. Zu diesem Zweck schlage ich in der Randspalte häufig Übungen vor.

und zeichnen Sie ihn Benutzen Sie keine Fotografie als Vorlage! Wenn Sie fertig sind: Schreiben Sie Zeichnungen meiner Schüler vor und nach dem Kursus Nun möchte ich Ihnen gern einige Zeichnungen meiner Schüler vorlegen. Später werden wir sie wieder betrachten und sehen. Die ersten vier Zeichnungen Nehmen Sie Bleistift und Papier. daß Sie wirklich zeichnen lernen können. Zweite Aufgabe: Zeichnen Sie den Kopf eines Menschen ab — zum Bi spiel während er schläft oder vor c Fernsehgerät sitzt. zum Beispiel die Begriffe «Valeurs» oder «Komposition». bevor Sie von der im folgenden dargelegten Theorie «infiziert» werden. Sobald sie nämlich Fortschritte machen. sind Sie Linkshänder. . die längst Eingang in unsere Umgangssprache gefunden haben. Die meisten Schüler. deren Zeichnungen auf den folgenden drei Seiten abgebildet sind. von gr ßem Interesse für Sie sein. je nach Wunsch. wie Sie Ihre Fähigkeit zu zeichnen weiterentwickelt haben. Bewahren Sie alle Ihre Zeichnungen auf. die typische Veränderungen ihres zeichnerischen Könnens während des etwa zwei Monate laufenden Kurses erkennen lassen. zwanzig Minuten oder läng verwenden. wenn Sie alle Übung hinter sich gebracht haben. Anfängern ist diese Bitte meist recht unangenehm: Sie werden noch befangener. Sie vergessen. Sie können siel auch vor einen Spiegel setzen und Ihr eigenes Gesicht zeichnen. zeichnen Sie Ihre rechte Hand ab Vierte Aufgabe: Stellen Sie einen St vor sich hin. zunächst einen Blick auf das Glossar zu werfen. Erste Aufgabe: Zeichnen Sie einen Menschen. Viele meiner Schüler waren im nachhinein froh. werden sie anscheinend von Gedächtnisschwund befallen. Wichtig ist. Die «Vorher»Zeichnungen liefern einen recht zuverlässigen Maßstab für Ihre Fortschritte. Verj sen Sie nicht. jedoch in der Terminologie der bildenden Künste bisweilen eine ganz andere Bedeutung haben. kein dell zum Abzeichnen verwenden. ehe Sie sich in den Text vertiefen. und Sie werden eine größere Bereitschaft spüren. die ich vorher nicht so präzis definiert habe. vier Zeichnungen anzufertigen. Doch wenn Sie ihr jetzt folgen. Daher empfehle ich. f zehn. Zeichnungen vor Kursusbeginn: Der Beweis Ihrer künstlerischen Fähigkeiten Ehe Sie weiterlesen. die Entwicklung ihres zeichnerischen Könnens abzuschätzen. die den Stand Ihres zeichnerischen Könnens demonstrieren.nicht. Sie sind nie ganz zufrieden. werden Sie bei der ersten Aufgabe im vierten Kapitel zuversichtlicher sein. nahmen an einem Neun-Wochen- die Rückseite jedes Blattes eine ku Bewertung — was Ihnen an Ihrer Zeichnung gefällt und was. wie ihre Zeichnungen aussahen. Und mit dem Fortschritt wächst auch ihre Kritik gegenüber den eigenen Werken. zeichnen ! Ihre linke. möchte ich Sie nun bitten. Ihre Zeichnungen n einem Datum zu versehen.Zeichnen und die Kunst des Radfahrens deshalb vor allem Ausdrücke zusammengestellt. i jede Zeichnung dürfen Sie zehn. daß Sie be dieser Übung keine Vorlage. Diese Bemerkungen werden in ein gen Wochen. ehe sie mit dem Kursus begannen. sich auf die Übungen einzulassen. Sie waren für sie eine große Hilfe. als sie es sowieso schon sind. Ben zen Sie keine Fotografie als Vorlai Dritte Aufgabe: Zeichnen Sie Ihre < gene Hand! Die Haltung ist beliet Sind Sie Rechtshänder. daß sie diese ersten Zeichnungen angefertigt hatten.

Zeichnen und die Kunst des Radfahrens .

Zeichnen und die Kunst des Radfahrens .

eicnnen und die Kunst des Radfahrens ./.

Führen Sie den Stift noch einmal über einige Linien zurück. die Zeichnungen stammten jeweils von zwei verschiedenen Personen. daß man meinen könnte. das Papier und die Formen. ihre Fähigkeit. um alle vier Ecken herum. als weißes. beginnend an einem Rand des Blattes.als einen sichtbaren Beweis für die Verfeinerung der Wahrnehmungsfähigkeit.und «Nachher»-Zeichnungen sollen deutlich machen. empfehle ich Ihnen die folgenden Übungen. Abb. Denken Sie sich. Ziehen Sie. und nehmen Sie einen Bleistift zur Hand. daß sich sowohl die Sehweise der Kursusteilnehmer als auch ihre zeichnerischen Fähigkeiten drastisch veränderten. und machen Sie sich bewußt. aber auch auf viele erfahrene Künstler. wider. 2 . Machen Sie sich mit dem Zeichenpapier vertraut Nichts wirkt einschüchternder auf einen Anfänger. wo Sie sie ein wenig abrunden. Eine Möglichkeit. genau hinzusehen. Betrachten Sie die Zeichnungen unter diesem Aspekt . Die «Vorher». Damit Sie sich an das Zeichenmaterial gewöhnen und Ihre Scheu vor dem leeren Papier verlieren. Die deutliche Verbesserung ihres zeichnerischen Könnens spiegelt eigentlich nur die rasche Entfaltung ihrer Beobachtungsgabe. Achten Sie dabei immer auf den Abstand der Linie zum Blattrand und zu den daneben verlaufenden Linien. Legen Sie einen weißen Bogen vor sich hin. die den Stift führt. während Sie weiterzeichnen. dann mit waagerechten Linien (Abb. betont werden. Bewegungen für Ihre Hand aus. Der Unterschied ist so auffällig. Sie zeichneten einmal wöchentlich drei Unterrichtsstunden lang unter meiner Anleitung und bekamen in etwa die gleichen Aufgaben gestellt. einfach munter draufloszuzeichnen. unberührtes Zeichenpapier. Nehmen Sie den Bleistift nicht vom Papier! Überziehen Sie nun allmählich das Blatt zunächst mit senkrechten. ziehen Sie sie immer weiter. so daß diese dunkler erscheinen. daß Sie die Linie erschaffen und daß die Linien. diese Hemmung zu überwinden. die sich die Teilnehmer im Verlauf des Kurses aneignen. freihändig eine deutliche Linie. Sie auf eine ganz natürliche Weise zu Ihrer nächsten Bewegung hinführen. Bewußt wahrzunehmen — das ist die Grundfähigkeit. besteht darin. die Sie da zeichnen.Zeichnen und die Kunst des Radfahrens Kursus teil. Sie dienen zugleich auch zur Erholung von Ihren ersten Zeichenversuchen und zur Lockerung der Hand. Spielen Sie mit den auf diese Weise entstehenden Mustern. 2). die Sie in diesem Buch finden.

Harris Brisbane Dick Fund. Abb.Zeichnen und die Kunst des Radfahrens Nehmen Sie ein neues Blatt Papier. Das kapriziöse Spiel der Linien fugt sich hier zum Bild. Die Zeichnung des großen französischen Malers Eugene Delacroix (Abb. die die Ränder des Bogens betonen (Abb.mit senkrechten und waagerechten Linien. 4) soll Ihnen die Ausdruckskraft spielerischer Linien demonstrieren. Nach einer Lithographie von Eugene Delacroix. 4: <Une Femme d'Alger>. wie sie Ihnen gerade in den Sinn kommen. Und zum Schluß zeichnen Sie irgendwelche Linien. 1928. und spielen Sie auf dieselbe Weise mit diagonalen. 3). Dann machen Sie auf jeweils neuen Blättern die gleichen Versuche mit Kreisen und mit Karos oder Rhomben. . Mit freundlicher Genehmigung des Metropolitan Museum of Art. aber zugleich auch — wie bei der ersten Übung.

daß auch ein Shakespeare mit dem Schreiben einfacher Sätze beginnen. Zweitens: Wenn Sie nach der in diesem Buch dargestellten Methode zeichnen lernen. Doch zwei Jahre später. der die schöpferischen. wie er in seinen ersten Versuchen noch mit Problemen der Proportion und der formalen Anordnung gerungen hat. was Sie vor Ihren Augen sehen. vom siebenundzwanzigsten bis zum siebenunddreißigsten Lebensjahr. den wir zum Wachsen bringen wollen. Vielleicht ist es ein Trost für uns zu wissen. aufs Papier zu bannen. Nur in den letzten zehn Jahren vor seinem frühen Tod. Wie weit Sie Ihre Fähigkeiten nach Abschluß dieses Kurses weiterentwickeln. auch in anderen Bereichen Ihres Lebens schöpferischer zu sein.hatte van Gogh diese Schwierigkeiten überwunden. eignen Sie sich eine Grundvoraussetzung der Zeichenkunst an: die Fähigkeit.ein Keim. An seiner Zeichnung <Zimmermann) (Abb. Doch das Wichtigste immer zuerst! Das schöpferische Potential ist jedenfalls vorhanden . Während der ersten zwei Jahre dieser Dekade hat er nur gezeichnet — er brachte es sich selbst bei. schuf van Gogh seine Kunstwerke. wird von anderen Faktoren — von Ihrer Energie und Wißbegier zum Beispiel . die man lehren und lernen kann und die in zweifacher Hinsicht sehr nützlich sein kann. werden Sie die Fähigkeit erwerben. daß auch ein Beethoven Tonleitern üben und daß — wie auf den Abbildungen 5 und 6 zu sehen ist — auch ein van Gogh zeichnen lernen mußte.Zeichnen und die Kunst des Radfahrens Zusammenfassung Ich habe Sie mit der grundlegenden Prämisse dieses Buches bekannt gemacht: daß Zeichnen eine Fähigkeit ist.an der Zeichnung von der trauernden Frau ist das deutlich festzustellen . Seine Zeichnungen hatten nun eine ungeheure Ausdruckskraft.abhängen. Indem Sie sich Zugang zu dem Teil Ihres Gehirns verschaffen. 5) kann man erkennen. intuitiven Geisteskräfte steuert. .

Mit freundlicher Genehmigung des Rijksmuseum Kröller-Müller. 5: Vincent van Gogh (1853-1890): <Zimmermann). Otterlo. Zeichnung aus dem Jahre 1880.Zeichnen und die Kunst des Radfahrens Abb. .

6: Vincent van Gogh: (Trauernde) (1882).Zeichnen und die Kunst des Radfahrens AM. . Otterlo. Mit freundlicher Genehmigung des Rijksmuseum Kröller-Müller.

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m 2 Sich selbst zum Ausdruck bringen: Die nonverbale Sprache der Kunst .

Auch in dem Skizzenblatt Picassos (Abb. einen «Leitfaden für jedermann» zu schreiben mit dem Thema «Wie bringe ich am besten meine Persönlichkeit zum Ausdruck?». Versuchen Sie nun. Smith ein eher extravertierter als introvertierter Mensch ist. Schreiben Sie Ihren Namenszug auf ein Blatt Papier. wie Sie die grundlegenden Fähigkeiten des Sehens und Zeichnens erwerben können. was für ein Mensch das ist. geben Sie sich selbst mit den vielfach geschwungenen Linien der Unterschrift einen ganz persönlichen Ausdruck. sie ist geprägt von den kulturellen Einflüssen Ihrer Umwelt. weil Sie sich beim Schreiben Ihres Namens der nonverbalen Sprache der Kunst bedienen. das der Künstler hier verwendet.Die nonverbale Sprache der Kunst Dieses Buch soll Ihnen einen Weg zeigen. daß wir bereits in der Lage sind. wie Picassos Linien Ausdruck Picassos sind. Vermutlich werden Sie meinem Eindruck zustimmen können. wird er ebenso Ausdruck Ihrer selbst. unsere Persönlichkeit durch ein zeichnerisches Mittel zum Ausdruck zu bringen . Betrachten wir einmal unsere Handschrift als zeichnerische Ausdrucksform: Wir entdecken. Die Linien können also «gelesen» werden. sich von stereotypen Formen des Sich-selbst-zum-AusdruckBringens zu befreien. Freilich. das folgende System von Linien zu lesen. Dieser Lernprozeß wiederum kann Ihnen den Weg zum individuellen Ausdruck Ihrer selbst öffnen — zu Ihrem eigenen persönlichen Zeichenstil.und zwar mit Hilfe eines Grundelements der Kunst: der Linie. 7) ist die Linie das Grundelement. Ich habe jedoch nicht die Absicht. Ich möchte Ihnen lediglich helfen. ja sich bisweilen sogar theatralisch gibt. Wenn Sie Ihren Namenszug viele Male übereinander «zeichnen». die Sie selbst geschaffen haben. Und nun sagen Sie mir. Ihre Unterschrift zu «sehen»: Sie erblicken eine Zeichnung vor sich. gesprächig ist. Doch welche künstlerischen Schöpfungen unterliegen nicht solchen Einflüssen? Jedesmal wenn Sie Ihren Namen schreiben. daß Dale G. zumindest dem Anschein nach leicht aus sich herauskommt. . um eine Zeichnung zu «schreiben». Versuchen wir einmal.

daß die meisten Menschen dies dem nonverbalen Ausdruck des Namenszuges entnehmen würden. es ist möglich. The Arthur Mason Knapp Fund. weil es das ist. Mit freundlicher Genehmigung des Museum of Fine Arts. was Dale G. ist. Boston. Smith (ohne Worte) in ihm mitteilt. . Freilich. y: <Skizzenblatt> von Pablo Picasso (1881—1973). daß diese Annahmen falsch sind.Die nonverbale Sprache der Kunst Abb. Sehen wir uns nun andere Unterschriften an. Worauf es jedoch ankommt.

Halten Sie sich vor Augen. wahrscheinlich nicht sehr risikofreudigen Typ handelt. daß es sich um einen konservativen. daß er juristisch als allein dieser einen Person «eigen» anerkannt wird. Können Sie vielleicht sogar die Musik hören. . Ihre Individualität und Ihre Kreativität zum Ausdruck. Der Schriftzug eines Menschen ist ein so einmaliger individueller Ausdruck des Schreibers. Ihre Identität festzustellen oder zu beweisen. und lassen Sie die Botschaft jeder dieser drei Unterschriften auf sich wirken. In diesem Sinne beherrschen Sie bereits die nonverbale Sprache der Kunst: Sie verwenden die Linie. auf eine durch Druckstärke und Anspannung beziehungsweise durch eine kraftlose. Und wie steht es mit den anderen beiden Dale G. Die Linienführung bringt in diesen japanischen Holzschnitten zwei verschiedene Arten des Tanzes zum Ausdruck. 1949. in Worte zu fassen. zuverlässigen. weichliche Linienführung gekennzeichnete Schrift.Die nonverbale Sprache der Kunst Bei der ersten der drei Unterschriften würden Sie vermutlich den Eindruck haben. Schreiben Sie Ihren Namen auf dreierlei verschiedene Weise. 1708). den Strich — Grundelemente jeder Zeichnung — auf eine Ihnen eigentümliche ausdrucksvolle Weise. Mit freundlicher Genehmigung des Metropolitan Museum of Art. sich diese Tänze bildlich vorzustellen. Links oben: Torii Kiyotada (schuf zwischen 1723 und 1750): (Tanzender Schauspieler). Ihre Unterschrift ist eine wahrheitsgetreue Aussage Ihrer selbst. Smith? Lassen Sie diesmal die nonverbale Sprache der beiden Unterschriften auf sich wirken. daß die «Zeichnungen» auf der verbalen Ebene immer dieselbe Information vermittelten: Ihren Namen. auf Größe und Abstand der einzelnen Zeichen. Worauf aber haben Sie dann eigentlich reagiert? Sie sahen und empfanden die individuellen Eigenarten jeder «gezeichneten» Linie beziehungsweise Linienanordnung. Harris Brisbane Dick Fund. die sie Ihnen vermitteln. Darunter: Torii Kiyonobu (1664-1729): <Tänzerin> (ca. wie bei den vorigen Unterschriften. von seiner nonverbalen Botschaft ansprechen. wie unterschiedlich Sie auf die Namenszüge reagiert haben. Nun betrachten Sie Ihren eigenen Namenszug und lassen Sie sich. auf die einheitliche beziehungsweise unregelmäßige Schriftlage — kurz: auf den Schriftzug als Ganzes sowie auf alle seine einzelnen Elemente zugleich. Ihr Namenszug dient jedoch nicht nur dazu. Er bringt vielmehr Sie selbst. Versuchen Sie. ohne die Informationen. nach der die Figuren tanzen? Versuchen Sie sich vor Augen zu fuhren. Sie reagierten gefühlsmäßig auf den Schwung der Schrift. ruhigen. Nun vergegenwärtigen Sie sich. wie die charakteristische Anordnung der Linien die Eigenart der Musik wiedergibt und Ihre Reaktion auf die Zeichnung bestimmt.

Statt dessen ist es mein Ziel. bildlicher Ausdruck der Persönlichkeit des Künstlers. das zeichnen können. Die Zeichnung . was Sie sehen. was Sie schon können. Da unsere Übungen sich auf die Erweiterung Ihrer Wahrnehmungsfähigkeit konzentrieren sollen. was Sie wahrnehmen. der sie geschaffen hat. Und je deutlicher Sie Ihre Umwelt wahrzunehmen und das Wahrgenommene zu zeichnen vermögen. Daher ist jede Zeichnung zugleich auch Metapher. Bei der Betrachtung der Zeichnung spüren wir. durch die Sie sich selbst auf eine ganz individuelle Weise zum Ausdruck bringen. wie der Künstler die Landschaft wahrgenommen hat und wie er emotional auf ihre Ruhe und Stille reagiert. daß Sie mit den Strichen und Linien. und desto mehr erfahren Sie über sich selbst.Spiegel und Ausdruck der Künstlerpersönlichkeit In einer Zeichnung bilden Sie nicht nur die von Ihnen wahrgenommene Außenwelt ab. wie Ihre Fähigkeit zu sehen zunimmt. In dem Maße. Rembrandt zeichnete diese kleine Skizze mit den flüchtigen Strichen eines Kalligraphen. Abb.Die nonverbale Sprache der Kunst In den folgenden Kapiteln werden wir daher nicht bei dem verweilen. desto deutlicher — so paradox es klingt — kann der Betrachter Ihrer Zeichnungen Sie erkennen. sondern immer auch zugleich sich selbst. Hegen und pflegen Sie ihn. 8: <Winterlandschaft> (um 164g) von Rembrandt van Rijn (1606—1669). . wird Ihr persönlicher Stil — Ihre einmalige Art zu zeichnen — unangetastet bleiben. Wie der Zen-Meister in der Kunst des Bogenschießens sind Sie beim Zeichnen selbst Ihr Ziel. ist er doch Ausdruck Ihrer Person. wie sich Ihr Stil von selbst zu entwickeln beginnt. und Sie werden beobachten. Sie so sehen zu lehren. Mit freundlicher Genehmigung des Fogg Art Museum. wächst auch Ihre Fähigkeit zu zeichnen.

3 Die zwei Hälften unseres Gehirns .

die pure Faktizität transzendierende Sprache umzuwandeln.Die zwei Hälften unseres Gehirns Ein Mensch ist kreativ. Diese neuen Entdeckungen lassen sich unmittelbar auf unser Vorhaben. 10). ein Musiker Noten. abgerundete Hälften. Ein Schriftsteller verwendet Worte. daß Sie sich mit den beiden Hälften des Gehirns vertraut machen. der die linke Hemisphäre in Mitleidenschaft zieht. Es ist für die Freisetzung Ihres kreativen Potentials wichtig. Das Nervensystem ist kreuzweise mit dem Gehirn verbunden. die rechte Hand von der linken Hemisphäre gelenkt (vgl. schöpferische. und alle müssen sie über das in ihrer Kunst jeweils notwendige handwerkliche und technische Geschick verfügen. die Freisetzung kreativer Kräfte. Auf Grund dieser kreuzweisen Verbindung der Nervenbahnen mit dem Gehirn wird die linke Hand von der rechten Hemisphäre.die gewohnten Sinneseindrücke auf eine neue Weise zu verarbeiten. wenn er imstande ist. Doch das allein macht noch keine kreative Persönlichkeit aus. die in der Mitte des aus ihnen bestehenden Ganzen miteinander verbunden sind (Abb. so wird sich das auf Ihre rechte Körperhälfte auswirken und umgekehrt. anwenden. In diesem Kapitel möchte ich von jüngsten Untersuchungsergebnissen der Hirnforschung berichten. . die alltäglichen Gegebenheiten in eine neue. gewundene und gefurchte. die unser theoretisches Wissen über das menschliche Bewußtsein um gänzlich neuartige Erkenntnisse erweitert haben. die ihm unmittelbar zufließenden Informationen . Wir lernen beide Hälften unseres Gehirns kennen Von oben gesehen ähnelt das menschliche Gehirn den zwei Hälften einer Walnuß. Diese beiden Hälften nennt man «linke Hemisphäre» und «rechte Hemisphäre». Die neuesten Entdeckungen der Hirnforscher erhellen diesen zweifachen Vorgang in den letzten Jahren mehr und mehr. Erleiden Sie einen Schlaganfall oder einen Hirnschaden. Sie sieht intuitiv immer neue Möglichkeiten. Abb. der bildende Künstler setzt optische Wahrnehmungen um. 9). Es sind zwei gleich aussehende. so daß die linke Hemisphäre die rechte Körperhälfte und umgekehrt die rechte Hemisphäre die linke Körperhälfte steuert. Schon immer haben schöpferische Naturen zwischen der Wahrnehmung ihrer Umwelt und der kreativen Umsetzung dieser Wahrnehmungen unterschieden.

10: Die linke Hand ist mit der rechten Gehirnhälfte. Der auffallendste Ausdruck der asymmetrischen Entwicklung bestimmter Nervenzentren des menschlichen Gehirns ist die Rechts. Das doppelte Gehirn Bei Tieren gleichen sich die Hirn-Hemisphären. Diese Erkenntnis hatte man hauptsächlich aus der Beobachtung der Auswirkungen von Hirnverletzungen gewonnen. die rechte Hand mit der linken Gehirnhälfte verbunden.und Körperhälfte verläuft symmetrisch. Die menschlichen Hirn-Hemisphären entwickeln sich hinsichtlich ihrer funktionalen Zuordnung zu den Körperhälften asymmetrisch. Die funktionale Verbindung zwischen Gehirn. Da Sprache und Sprechen so eng mit dem Denken. dem Verstand und den höheren geistigen Funktionen.in der linken Hemisphäre liegt. Es fiel zum Beispiel auf. daß das Sprachzentrum und alle mit ihm verbundenen Fähigkeiten und Funktionen bei den allermeisten Menschen .Die zwei Hälften unseres Gehirns Abb.beziehungsweise Linkshändigkeit. daß Verletzungen der linken Hemisphäre weit häufiger den Verlust der Sprechfähigkeit zur Folge hatten als eine ebenso schwerwiegende Schädigung der rechten Hemisphäre. Bereits seit etwa hundertfünfzig Jahre"h ist der Wissenschaft bekannt. durch die sich Men- .bei etwa 98 Prozent der Rechtshänder und etwa zwei Dritteln der Linkshänder .

die rechte hingegen hielten sie für untergeordnet und klassifizierten sie als minor. Doch zum Erstaunen der Wissenschaftler stellte sich heraus. Diese Verbindung wird Corpus callosum oder Balken genannt (vgl. Durch eine Reihe von Tierversuchen. Schon seit langem konzentrierte sich die Forschung der Neurophysiologen auf die noch unbekannten Funktionen eines aus Millionen von Nervenfasern bestehenden Stranges. Nach der bis in die jüngste Zeit allgemein vorherrschenden Ansicht war die rechte Gehirnhälfte weniger entwickelt und ausgebildet als die linke. die ungeheure Zahl von Nervenfasern.Die zwei Hälften unseres Gehirns sehen grundsätzlich von den anderen Geschöpfen unseres Planeten unterscheiden. verbunden sind. . daß der Balken vollständig durchtrennt werden konnte. ohne daß sich irgendwelche bedeutsamen Folgen zeigten. der von der linken Hemisphäre gelenkt und «mitgeschleppt» wurde. Abb. 11). hielten die Wissenschaftler des 19. legten den Schluß nahe. Jahrhunderts die linke Hemisphäre für die dominante und gaben ihr die Zusatzbezeichnung major. 11: Graphische Darstellung einer Hälfte des menschlichen Gehirns mit dem Corpus callosum (Balken) und den dazugehörigen Verbindungsbahnen. der die beiden Hemisphären miteinander verbindet. ein stummer Zwilling mit geringwertigeren Fähigkeiten. aus denen er zusammengesetzt ist. die vor allem im California Abb. daß es sich um ein wichtiges Teil des Gehirns handelt. und die Tatsache. Die auffallende Größe dieses Stranges. daß er als das einzige Bindeglied zwischen den beiden Hemisphären fungiert.

daß die rechte Gehirn hälfte seitens unserer Gesellschaf kriminiert wird. Die Operation führte tatsächlich zu dem erhofften Erfolg: Es gelang. Auf diese Weise wollten sie verhindern. stellte man fest. seinen Schülern Ronald Myers. die Anfälle unter Kontrolle zu bringen. die unter so schweren Anfällen litten. Unser Bildungssystem wie a unsere Wissenschaft allgemein n« dazu. Da sich aus dieser gewandelten Sicht für Erziehung und Bildung im allgemeinen und für das Zeichnenlernen im besonderen wichtige Folgerungen ergeben. In den sechziger Jahren begann man. führten die Ärzte Phillip Vogel und Joseph Bogen an diesen Patienten eine Operation durch. bei der sie das Corpus callosum und die dazugehörigen Kommissuren. die si herauszukristallisieren scheint. daß beide Gehirnhälften stark in Mitleidenschaft gezogen wurden. Diese Forschungen führten zu gänzlich neuen Erkenntnissen über die Funktionen des Corpus callosum. Sie konzentrierten ihr Forschungsinteresse auf eine kleine Probandengruppe . Golwyn Trevarthen und anderen in den fünfziger Jahren durchgeführt wurden. is daß es anscheinend zwei Denkwf gibt die verbale und die nonvei bale —.auf jene Menschen. die weitgehend getrennt \ einander von der linken und der ten Hemisphäre repräsentiert we den. daß die beiden Hemisphären nach einer Kommissurotomie. höchst komplexe Denkmodi «spezialisiert» sind. Sie zwangen die Wissenschaftler zu einer Revision ihrer Auffassungen über die Fähigkeiten der Hirn-Hemisphären: Beide Gehirnhälften sind an hochentwickelten kognitiven Prozessen beteiligt. daß der von einer Gehirnhälfte ausgehende Anfall auch auf die andere übergeht und damit den Epileptiker vollkommen handlungsunfähig macht. Trotz seiner Ra- «Die wichtigste Erkenntnis. die unter der Bezeichnung «Split-brain-Patienten» in die Medizingeschichte eingegangen sind. wobei beide auf unterschiedliche'. die nonverbale Form der I ligenz zu vernachlässigen. . Wenn alle anderen Mittel versagten. die Kommunikation zwischen den beiden Hemisphären zu gewährleisten und im Gedächtnis gespeicherte Informationen und erlerntes Wissen zu übermitteln. Sperry <Lateral Specializaüon ofCerebral Functions in the Surgically Separated Hemispheres>. die Querverbindungen zwischen den beiden Hemisphären. möchte ich hier kurz auf die Erkenntnisse der sogenannten Split-brain-Forschung eingehen. unabhängig voneinander weiter funktionierten — eine Entdeckung. Die Patienten wurden wieder gesund.Die zwei Hälften unseres Gehirns Institute of Technology von dem Neurophysiologen Roger W. durchgeführt wurden. ähnliche Untersuchungen bei Patienten in neurochirurgischen Abteilungen durchzuführen. Colwyn Trevarthen und Robert Nebes. Darüber hinaus zeigte sich. zur Folge. daß eine der Hauptfunktionen des Corpus callosum darin besteht. vor allem Michael Gazzaniga.» Roger W. Sperry. Jerre Levy. Es waren Epileptiker. durchtrennten. der Durchtrennung des Balkens. die ebenfalls im wesentlichen von Sperry und seinen Schülern. Das h. die sich gegenseitig ergänzen. auf Grund derer man wenigstens zum Teil las Ausbleiben jeglicher Auswirkung der Operation auf das Verlalten und die Körperfunktionen erklären konnte.

daß die linke Hemisphäre verbal und analytisch. Denken und Sprechen steuernde Hemisphäre dominierte bei den operierten Personen zumeist ebenso deutlich wie bei Menschen mit intaktem Gehirn. voneinander getrennten Funktionen der beiden Hemisphären aufzudecken. Sie gingen darüber hinaus der Frage nach. Sie stellte die These zur Diskussion. zeigte sich. eine einzige Person zu sein.und dem linkshemisphärischen geistigen Erleben hervorgerufen wird. Die Untersuchungen ergaben. daß sich die beiden Verarbeitungsweisen leicht gegenseitig überlagern und stören und dadurch ihre Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. daß durch den chirurgischen Eingriff eine Trennung zwischen dem rechts. erhalten bleibt. Zu ihrer eigenen Überraschung konnten sie beweisen. als habe sich ihr Alltagsverhalten kaum verändert. die verschiedenen. ganze Strukturen räumlich-bildlich aufnehmenden Weise abläuft . die rechte hingegen auf eine nonverbale. Sperry und seine Mitarbeiter setzten ihre Untersuchungen an den Split-brain-Patienten mit einer Reihe von sorgfältig vorbereiteten. ganzheitliche Weise mit Sinneswahrnehmungen umgeht. ihr jedoch hinsichtlich seiner Komplexität durchaus gleichwertig ist. daß sich im Laufe der Evolution die Asymmetrie des menschlichen Gehirns . Die linke. daß uns das Empfinden. auf ihre Lebensart und ihre Körperbeherrschung aus. Darüber hinaus stieß Jerre Levy auf Anzeichen dafür. Es gelang ihnen. daß die Verarbeitung der rechten Hirnhälfte blitzschnell in einer komplexen.ein Modus. Als die Wissenschaftler jedoch die abgetrennte rechte Hemisphäre testeten. Außerdem konnte Jerre Levy im Verlauf der Vorarbeiten zu ihrer Dissertation nachweisen. In unserem eigenen intakten Gehirn mit einem unversehrten Corpus callosum werden die beiden unterschiedlichen Wahrnehmungen durch die Kommunikation zwischen den Hemisphären so vermischt und aufeinander abgestimmt. und bei unsystematischer Beobachtung schien es. Doch die Wissenschaftler gaben sich nicht mit der Beobachtung zufrieden. daß jede Gehirnhälfte in gewissem Sinne ihr eigenes Bild von der Realität wahrnimmt. welche Unterschiede hinsichtlich der Art der Informationsverarbeitung zwischen den beiden Hemisphären bestehen. eigens zu diesem Zweck entwickelten Tests fort.Die zwei Hälften unseres Gehirns dikalität wirkte sich dieser Eingriff nur geringfügig auf das äußere Erscheinungsbild der Patienten. daß auch sie auf Sinneswahrnehmungen und Gefühle reagiert und — auf ihre Weise — Informationen verarbeitet. daß diese Neigung zur gegenseitigen Behinderung ein möglicher Grund dafür sei. der sich zwar von dem der linken Gehirnhälfte grundlegend unterscheidet.

Als er gebeten wurde. 12: Skizze der Testanordnung zur Feststellung der Assoziationen von Split-brain-Patienten auf optische Wahrnehmungen und Tastempfindungen. Auf diese Weise empfing jede Hemisphäre ein anderes Bild. den Gegenstand. zu nennen. Nach Michael S. Auf der linken Seite des Schirms war ein Löffel zu sehen. Auf Grund der Ergebnisse der Hirnspaltungsforschung setzte sich allmählich die Auffassung durch. gab er zwei verschiedene Antworten: Auf die Bitte hin. Bei einem Test würden zum Beispiel für einen Moment zwei Bilder nebeneinander auf eine Leinwand projiziert. wie jede Hemisphäre unabhängig von der anderen «ihre» Realität erfaßt und aufweiche besondere Weise jede die Wahrnehmungen verarbeitet.» Vor der Versuchsperson war ein Vorhang angebracht. ebenso für Menschen. In den letzten Jahren seit der ersten Veröffentlichung von Levy und Sperry im Jahre 1968 — haben Wissenschaftler eine Fülle von Beweisen zusammengetragen. Daraufhin griff der Patient den Löffel heraus. daß sie nicht nur für Patienten mit einem Gehirnschaden zutreffen. daß beide Hemisphären über hochentwickelte Formen der kognitiven Verarbeitung von Sinneswahrnehmungen verfügen.war genau auf einen Punkt in der Mitte zwischen den beiden Bildern fixiert. Dadurch wurde verhindert. jede der beiden Verarbeitungsweisen auf ihre jeweilige Hemisphäre zu beschränken. dem Patienten die Antwort ein: «Ich hab ein Messer gesehen. darunter auch ein Messer und ein Löffel. zu komplexen geistigen Leistungen befähigt sind. Abb. aber nicht über die sprachlichen Mittel verfügte. die diese Erkenntnisse und Hypothesen belegen und zeigen. sondern. indem sie den Abb. deren Gehirn normal funktioniert. den Gegenstand. Als man den Patienten hinterher befragte. gab die sprachkundige linke Hemisphäre.als ein Mittel. Der Blick der Versuchsperson . Gazzaniga. der auf der Leinwand erschienen war. dessen Bild auf dem Schirm erschienen war. wichtiger noch. 12). die sich ihrer Sache ganz sicher war.» Die rechte Hemisphäre. zu benennen. . auf der rechten ein Messer (vgl. hinter dem verborgen auf einem Tisch verschiedene Gegenstände lagen.Die /wei Hälften unseres Gehirns 45 entwickelt habe . Durch die Schilderung einiger eigens für die operierten Patienten entwickelten Tests möchte ich verdeutlichen. <The Split Brain in Man>. schien er einen Moment lang verwirrt zu sein. sagte dann jedoch: «Ein Messer. um die linke Hemisphäre zu korrigieren. daß der Patient die Bilder mit beiden Augen «abtasten» konnte.einer der Split-brain-Patienten . die — bei aller Unterschiedlichkeit — beide zum Denken und verständigen Urteilen. die wußte. Der Patient wurde nun aufgefordert. mit der linken Hand (rechte Hemisphäre) hinter den Vorhang zu greifen und den Gegenstand auszuwählen. griff in den Dialog ein. daß die Antwort falsch war. den er — hinter dem Vorhang — in der Hand hielt.

Schließlich blieb dem Patienten nichts anderes übrig. es mit beiden Händen zu versuchen. daß die Hemisphären auch in Widerstreit geraten können — und zwar dann. daß sich die rechte Hemisphäre besser auf Probleme der räumlichen Anordnung versteht. als sich auf seine linke Hand draufzusetzen. daß sie sie besser zu lösen versteht. Und es scheint. von der die andere «weiß». um sie von den Holzstückchen fernzuhalten. daß jede Hälfte ihre speziellen Fähigkeiten beisteuert und den für ihren Modus der Informationsverarbeitung geeigneten Teil der Aufgabe übernimmt. Mit anderen Worten: In jedem von uns existieren zwei geistige Welten. Ein wichtiges Ergebnis dieser in den vergangenen fünfzehn Jahren durchgeführten Untersuchungen ist die Erkenntnis. ihre eigene Wahrnehmungsweise besitzt. zwei verschiedene Bewußtseinsformen. gab man einem männlichen Patienten verschiedene Holzstücke in die Hand. die sich durch einen Strang aus Millionen von Nervenfasern einander vermitteln und ergänzen. daß jede Hemisphäre eine Möglichkeit hat. ihm dabei zu helfen — mit der linken Hand.die rechte Hand wirklich nicht weiß. Wir haben erfahren. die immer wieder eingreifen wollte. Darüber hinaus könnte es sein. mußte die im Umgang mit räumlichen Strukturen äußerst «gewandte» Linke die in dieser Hinsicht «unbegabte» Rechte beiseite schieben. die andere mehr oder weniger «ausgeschaltet» ist. wenn die eine Hälfte eine Aufgabe auszuführen versucht. eine Person zu sein — mit einem Gehirnpaar ausgestattet sind und daß jede der beiden Hälften ihr eigenes Erkenntnisvermögen. was die linke tut. stumm den Kopf zu schütteln. die er zu einer bestimmten Form zusammensetzen sollte. Seine Versuche. damit sie ihr nicht in die Quere kam. daß — wie es in einer Redensart heißt . der zeigte. Daraufhin wunderte sich die linke Hemisphäre laut: «Warum schüttele ich denn den Kopf?» Bei einem anderen Test. daß wir — unbeschadet unseres Empfindens. Ein andermal kann eine Hemisphäre allein arbeiten. doch sie ließ sich von ihren Annäherungsversuchen nicht abhalten. wobei die eine Hälfte «ein-». der anderen bestimmte Kenntnisse vorzuenthalten. Als die Wissenschaftler dem Probanden schließlich vorschlugen. Seine rechte Hemisphäre versuchte ständig. . daß die beiden Hemisphären auf die verschiedenste Weise zusammenzuarbeiten vermögen. diese Aufgabe mit der rechten Hand (linke Hemisphäre) zu lösen.Die zwei Hälften unseres Gehirns Patienten veranlaßte. bisweilen in der Form. mißlangen wieder und wieder. als ob sie sie verscheuchen wollte. und es ist durchaus möglich. Die rechte Hand schlug nach ihr. ihr eigenes Wissen.

mit dem Zeichnenlernen zu tun? Neuere Forschungen über die Funktionen der HirnHemisphären lassen daraufschließen. als ob das rechte Hirn visuelle Informationen auf die Weise aufnimmt und verarbeitet.ob Sie in der Lage sind. die sich deutlich voneinander unterscheiden. die notwendig ist. Das Rechte (also der linken Hemisphäre Zugeordnete) wird mit «gut. Die Sprache gibt Aufschluß Unter den Gesichtspunkten. Alles. <wie ich im Dunkeln rechts von links ui terscheiden?>» Idries Shah <Die verblüffenden Weisheiten und Spa des unübertrefflichen Mullah Masreddi Unsere Sprache und unser Denken sind mit Wörtern und Redewendungen durchsetzt. löst Vorstellungen von Anarchie und unkontrollierten Gefühlen aus und ist daher schlecht. Es sieht so aus. daß die Menschen schon immer ein Gespür für die Unterschiedlichkeit der beiden Hirnhälften gehabt haben.Die zwei Hälften unseres Gehirns Die doppelte Realität der Split-brain-Patienten Doch was hat dies alles. Übertragen wir diese Wertungen auf die Gehirnhälften. — die rechte Hemisphäre bei diesen Sprachassoziationen schlechter ab. sa der Mann. Wie soll einem das helfen. Das uralte Vorurteil gegen die linke Hand und damit gegen die rechte Hemisphäre hat sich bis in jüngste Zeit erhalten und ver- . die zum Beispiel der linken und der rechten Körperhälfte charakteristische Eigenschaften zusprechen. Sprache und Sitten bringen unsere Vorurteile zum Ausdruck «Nasreddin unterhielt sich bei her einbrechender Dunkelheit mit ein* Freund. was «links» ist (und damit der rechten Hemisphäre entspricht). gerecht. die dominante. so schneidet —entsprechend der linken Körperhälfte. werden Sie fragen. richtig» verbunden. moralisch. verbale linke Hemisphäre «aus-» und die rechte «einzuschalten». ob Sie Zugang zu den Fähigkeiten der durch unsere Erziehung in eine untergeordnete Rolle gedrängten rechten Gehirnhälfte haben . die unsere Auffassungen über «links» und «rechts» kundtun. <es ist schon dunkel. Gleich zu deiner Linken liegt eine <Du Narn. Wir sprechen von «linkischem» Verhalten. Das geht aus unserer Sprache hervor. gefährlich. sagte der Mullah. die ich in den vorangegangenen Abschnitten erläutert habe. fällt es uns leicht. sondern werden zugleich auch häufig als qualitative Wertungen verwendet. während das linke Hirn die Außenwelt auf eine Weise wahrnimmt. um sehen und zeichnen zu können. der linken Hand usw. zeichnen zu lernen? werden Sie fragen. die dem Zeichnenkönnen zuwiderläuft. Sie enthält zahlreiche Wörter und Redewendungen. Die Wörter «rechts» und «links» bezeichnen nicht nur verschiedene Richtungen oder Seiten. <Zünde eine Kerze an>. unmoralisch. Beweise dafür zu finden. vom «rechten» Lebenswandel und so weiter. daß Ihr zeichnerisches Vermögen davon abhängt.

«dumm» herleitet. ist konservativ und widersetzt sich dem sozialen Wandel. es würde uns seltsam vorkommen. die anders . Doch begriff das Wort ursprünglich noch den Mangel an moralischer Stärke ein. zu deutsch «ungeschickt». oft einer radikalen. . das den deutschen Wörtern «korrekt» und «richtig» entspricht. mag ein Vorurteil der Mehrheit der Rechtshänder gegenüber einer Minderheit widerspiegeln. wenn wir uns die linke schüttelten. «finster». «richtig» verwendet wird. Bei einer Trauung steht der Bräutigam rechts. was wiederum auch in der Bedeutung von «gut». linkshändige Kinder zur Benutzung ihrer rechten Hand beim Schreiben. «tölpelhaft» oder sogar «mißlich» entspricht und aus dem sich auch das Wort «gawky» gleich «einfältig». was soviel wie «Geschicklichkeit» und «Erfahrenheit» bedeutet. Das französische Wort für «links» lautet «gauche». die oft Probleme verursachte. Das lateinische Wort für links heißt «sinister». Aus diesem «reht» und dem ihm analogen lateinischen Wort «rectus» leitete sich das englische «correct» her. Essen usw. zu zwingen — eine Praxis. Im Extrem neigt die politische Rechte zum Faschismus. bedeutet das angelsächsische Wort für «rechts». die politische Linke dagegen zur Anarchie. «gerecht». Kulturellen Bräuchen und Anstandsregeln zufolge gebührt dem ranghöchsten Gast bei einem formellen Essen der Ehrenplatz zur Rechten des Gastgebers. Wir geben uns die rechte Hand.Die zwei Hälften unseres Gehirns anlaßte Eltern und Lehrer dazu. Die Linke dagegen strebt nach Autonomie für den einzelnen und nach Veränderung. «unheilvoll» bedeutet. Die Rechte begeistert sich für nationale Stärke. Seit Menschengedenken und in fast allen Sprachen gibt es diese Nebenbedeutungen: gut für die rechte Hand beziehungsweise linke Hemisphäre und schlecht für die linke Hand beziehungsweise rechte Hemisphäre.war. die dem Kind selbst als Erwachsenem noch zu schaffen machten. was auch «schlecht». aus dem sich zum Beispiel das englische Wort «dexterity» herleitet. Diese Vorstellungen wirken sich auch auf unser politisches Denken aus. Der gleichen Tendenz folgend. was «schwach» oder «wertlos» bedeutet. was dem englischen «awkward». «reht» (oder «riht»). Und «rechts» heißt auf Französisch «droit». und tatsächlich ist die linke Hand bei den meisten Rechtshändern schwächer. auch «rechtschaffen» oder «gerecht». die Braut links — eine Sitte. Das lateinische Wort für rechts hingegen ist «dexter».eben linkshändig. Daß man dem Wort «links» einen geringschätzigen Beiklang verlieh. Das englische «left» kommt vom angelsächsischen «lyft». die auf eine nonverbale Weise die Unterschiede im sozialen Status von Mann und Frau zum Ausdruck bringt.

aber irgend etwas an diesem Menschen gefallt mir (gefällt mir nicht).Die zwei Hälften unseres Gehirns Das Wörterbuch der Synonyme führt unter «linkshändig» die «falsche Hand». Philosophen und Wissenschaftler der verschiedensten Zeiten und Kulturen das Prinzip des Dualismus — der «Zweiseitigkeit» — alles Irdischen als gegeben betrachtet. als sich die Sprache einst in der linken Gehirnhälfte des Menschen zu entwickeln begann. in denen Forscher sich lange mit einem Problem herumschlugen. «linkisch». objektiver Analyse und subjektiver Erkenntnis.beide Gehirnhälften sind dabei in Aktion. bis ihnen die Lösung schließlich im Traum in bildlicher Form erschien und von ihnen intuitiv erfaßt wurde.» Oder: «Ich kann zwar nicht sagen. Hierbei sollten wir uns vor Augen halten. 50). Die Hauptgegensätze bestehen für uns zwischen Denken und Fühlen. Manchmal denken wir während eines Gespräches oder nachdem wir einen Menschen kennengelernt haben: «Was er (sie) sagt. ihm (ihr) nicht zu trauen. Bogen <Some Educational Aspects qf H i h Specialization> Zwei Erkenntnisweisen Doch darüber hinaus haben auch Weise. woran es liegt. Parallele Erkenntnisweisen Verstand intuitives Erfassen konvergent divergent digital analog sekundär primär abstrakt konkret zielgerichtet freischweifend propositional imaginativ analytisch relational linear nichtlinear rational intuitiv sequentielles multiples Erfassen Erfassen analytisch ganzheitlich objektiv subjektiv sukzessiv simultan Joseph E. daß die Menschen eine Frage zwar meist auf ihre guten und schlechten Seiten hin prüfen. «ungewandt». parallele «Erkenntnisweisen» verfügt. das engliche Wörterbuch aber auch «unaufrichtig» und «boshaft» an. intuitiven Beobachtungen . daß der Mensch über zwei verschiedene. Sozialwissenschaftler behaupten. Unter «rechtshändig» finden wir die «schöne Hand». Dieser Auffassung liegt die Vorstellung zugrunde. Die Geschichte der Wissenschaften kennt zahlreiche Fälle. daß all diese Ausdrücke entstanden.» Solche Feststellungen beruhen auf unwillkürlichen. für «rechts» im Englischen «zuverlässig» und «unentbehrlich». Der Dualismus von Yin und Yang Yin Tang weiblich negativ Mond Dunkelheit nachgiebig linke Seite warm Herbst Winter unbewußt rechtes Hirn Gefühl Emotion männlich positiv Sonne Licht aggressiv rechte Seite kalt Frühling Sommer bewußt linkes Hirn Verstand Vernunft (I Ging> (<Buch der Wandlungen) . Vermutlich ist Ihnen dieses dualistische Prinzip bereits vertraut. sie dann aber doch nach ihrem Gefühl zu beurteilen pflegen. Die linke Hemisphäre machte die rechte schlecht! Und die rechte — das Opfer dieser Diskriminierung — war sprachlos und nicht in der Lage. sich dagegen zu wehren. doch ein inneres Gefühl rät mir. Wie die Begriffe «rechts» und «links» ist es in unsere Sprachen und Kulturen eingebettet. hört sich richtig an. Der berühmte französische Mathematiker und Physiker Henri Poincare hat diesen Vorgang einmal sehr lebendig beschrieben (vgl. verarbeiten jedoch ein und dieselbe Information auf unterschiedliche Weise. zwischen Intellekt und Intuition. S.

. Wir verfügen jedoch noch über eine andere Erkenntnisweise den Modus der rechten Hemisphäre. Zum Beispiel: «Angenommen. träumen. b und c. abstrahiert. folgerichtig. reißt die Führung an sich und hindert die andere Hälfte daran. um es zu beschreiben. Die linke Hemisphäre analysiert. zählt. in einem unversehrten Gehirn seine Funktionen unbeeintrachtigt erfüllt. wie die Dinge im Raum existieren und wie sich ihre Teile zu einem Ganzen zusammenfügen. Dieser «Doppelexistenz» und den unterscheidbaren Eigenschaften der beiden Hälften liegt eindeutig eine physiologische Basis zugrunde. ohne eine Spirale in die Luft zu zeichnen. aktiv zu werden. Da das Corpus callosum. Entweder teilen sich die beiden Hemisphären diese Aufgabe .» Eine solche Implikation veranschaulicht den Modus der linken Hemisphäre: Sie geht analytisch. Machen wir von dieser rechten Hemisphäre Gebrauch. sind wir auch fähig. Wenn etwas zu komplex ist. (Können Sie mir zum Beispiel auf Anhieb sagen. wie sie sich bei den erwähnten Tests an Menschen mit durchtrenntem Balken zeigen.Die zwei Hälften unseres Gehirns Zwei Arten der Informationsverarbeitung Unterhalb unserer Schädeldecke befindet sich also ein Hirnpaar mit zwei verschiedenartigen Erkenntnisweisen. neue Ideenverbindungen herstellen. logisch begründete Feststellungen. oder eine der Hemisphären. mißt Zeit. plant schrittweise Operationen. der ihrem spezifischen Modus entspricht —. oft die dominante linke. formt in Sprache um und macht rationale. rechnerisch. Wenn auch jede der Hemisphären die gleichen Sinneswahrnehmungen speichert. werden wir es mit Hilfe von Gesten mitteilen: Versuchen Sie mal. der verbindende Nervenstrang. verbal. Durch ihn «sehen» wir Dinge. eine Wendeltreppe zu beschreiben. Bilder von unseren Wahrnehmungen zu zeichnen. und Dinge. werden die Konflikte zwischen den Hemisphären. können wir Bilder verstehen. und a ist größer als b und b größer als c. wir haben die drei Größen a. linear und objektiv vor. so können sie sie doch auf unterschiedliche Weise verarbeiten. wie Ihre Eingangstür aussieht?) Wir sehen. dann ist a notwendigerweise auch größer als c. die imaginär sind. Wenn wir uns der rechten Hemisphäre bedienen. von einem Gesunden nur selten bewußt erfahren. die tatsächlich vorhanden sind oder waren und die wir uns mit Hilfe des R-Modus in unsere Erinnerung zurückrufen. also nur vor unserem «geistigen Auge» existieren.wobei jede den Teil der in den Wahrnehmungen vermittelten Informationen verarbeitet.

in dem ich d Bedeutung dessen. zeitgemäßen linken Hemisphäre ausgerichtet. Sie ist. bildlich gesprochen. Sie fängt einfach irgendwo an oder mit allem zugleich. rationalen. vernünftige linke Hemisphäre weiß das hingegen sehr genau). Und dem Leben.Die zwei Hälften unseres Gehirns Der «Ich hab's»-Effekt Wenn wir unsere Sinneseindrücke mit Hilfe der rechten Hemisphäre verarbeiten. unsere Einsichten erfolgen plötzlich. Der R-Modus (und zugleich «linkshändige Modus») ist ein intuitives. Rudyard Kipling zum Beispiel schrieb schon vor mehr als fünfzig Jahren die folgenden Gedichtzeilen: «Ich danke dem Boden. ganzheitliches. was «Zeitverschwendung» ist (die gute. bedienen wir uns also der Intuition. Ferner hat sie nicht viel Sinn für Systematik. obwohl es uns nicht gelungen war. Dies ist ein typisches Beispiel für die Verfahrensweise der rechten Hemisphäre. Sie ist nicht dazu zu bewegen. Mit ihr läßt sich nicht argumentieren. der mich gebar. das mich genährt. in ihrer ganzen faszinierenden Komplexität. Es gibt Augenblicke. die einzelnen Teile in eine logische Ordnung zu bringen und in dieser Ordnung zu begreifen. Sie scheint die Dinge einfach so zu nehmen. die ihm die Formulierung des berühmten Archimedischen Prinzips ermöglichte. Er wird in unserer westlichen Kultur weitgehend mißachtet und ig»oriert. Der Überlieferung zufolge war ihm beim Baden blitzartig eine Erkenntnis gekommen. Doch am meisten Allah. So ist zum Beispiel unser ganzes Bildungswesen allein auf die Förderung der sprachlichen. zeitloses Erfassen.» Rudyard Kipling <Kim> «Mich den Vierzig nähernd. der meinen Kopf Zwei verschiedene Seiten beschert. Das halbe Hirn eines jeden Schulkindes bleibt buchstäblich ungenutzt. wie Sie und ich ihn hinter uns gebracht haben fehlen alle Voraussetzungen. «Ich hab's!» — «Jetzt ist's mir klar!» rufen wir in solchen Momenten aus. wie und was sie gerade sind. in denen es uns «wie Schuppen von den Augen fällt». Zudem hat die rechte Hemisphäre kein Zeitgefühl und scheint nicht zu begreifen.so. subjektives. logische Behauptungen aufzustellen. was in vergeudet Zeit zerstörerisch wirkt. Lieber verlöre ich Hemd und Schuh Und Freunde und Tabak und Topf Als nur für einen Augenblick Eine Seite von meinem Kopf. Die Zweigeteiltheit unseres Hirns scheint von schöpferischen Mensche bisweilen intuitiv erfaßt zu werden. Sie ist nun einmal in sprachlicher Hinsicht nicht gerade leicht zu überprüfen und unter Kontrolle zu bringen. Das klassische Beispiel für diesen Vorgang ist Archimedes' freudiger Ausruf «heureka!» («Ich hab's gefunden»). Cyril Connolly (Pseudonym Palinuris) Ein ganzes Gehirn ist besser als ein halbes Im herkömmlichen Schulunterricht mit seinen vor allem auf den sicheren Umgang mit Wörtern und Zahlen ausgerichteten Lernsequenzen . Auch im Analysieren und <Das Grab ohne Frieden) . relationales. Sie ist auch nicht gut im Kategorisieren und Benennen. ein «Linkshänder» mit sämtlichen Nebenbedeutungen dieser Bezeichnung. hatte ii einen seltsamen Traum. in denen sich «alles von selbst zusammenfügt». beinahe erfaßte und seine Wesensart verstand. um den Gebrauch der rechten^Hemisphäre zu fördern.

Die Lehrer verteilen Noten. des Schöpfers und Erfinders —: In unserem Unterrichtssystem ist sie verloren. Der Unterricht ist in aufeinanderfolgende Lernschritte strukturiert.und Wahrnehmungsvermögen im allgemeinen. Schreiben und Rechnen be- . die Fähigkeit. Und jeder spürt. das Gefühl für räumliche Strukturen.nur halb im Scherz . Zum Glück finden diese Anlagen häufig Wege. erfinderisches Denken und Handeln zu fördern. in der die herkömmliche wissenschaftliche Ausbildung an den Hochschulen die rechte Hemisphäre vollkommen zerstört haben werde. Im Abrufen der gleichen — erwarteten — Antworten wird ihr Denken in einander ähnliche begrenzte Bahnen gelenkt. Wir mögen im Lehrplan ein paar Stunden Kunstunterricht. daß an der ganzen Sache etwas faul ist. die Welt bewußt und umfassend wahrzunehmen. Obwohl sich die Erzieher heute zunehmend der Bedeutung des intuitiven und schöpferischen Denkens bewußt zu werden beginnen. doch ist es höchst unwahrscheinlich.eine Zukunft ausgemalt. Natürlich sind wir uns der Auswirkung eines unzureichenden Trainings im Lesen. Sprechen. sind Unterricht und Lehrpläne weiterhin im wesentlichen auf die Ausbildung der linkshemisphärischen Fähigkeiten zugeschnitten. intuitives. Jerre Levy hat einmal . analytischen Fähigkeiten ganz von selbst auch ihre Phantasie. ein wenig Musikunterricht und vielleicht etwas. das Empfindungs. Vermutlich glauben sie. Schreiben. Dennoch legen die Erzieher Wert auf solche Fähigkeiten. daß wir irgendwo auf Unterrichtspläne stoßen. ein paar Stunden «Werken». Die Schüler sitzen in Reih und Glied. kreatives. Rechnen. um schließlich zum erwünschten Lernziel zu gelangen. Stundenpläne sind einzuhalten. die das Ziel haben. das «kreatives Schreiben» genannt wird. daß Schüler und Studenten durch die Ausbildung ihrer verbalen. die der Schüler nachvollziehen muß. daß so mancher einen Großteil der von der rechten Hemisphäre gesteuerten Fähigkeiten einbüßt. sind Wort und Zahl — Lesen. die Phantasie.Die zwei Hälften unseres Gehirns Abstrahieren deutlich erkennbarer Merkmale ist sie völlig untalentiert. Das tägliche Einmaleins der Schüler. entfalten. sie durchläuft diesen Unterricht weitgehend ununterrichtet. ihre intuitiven Kräfte und ihre Fähigkeit. sich trotz der Lehrpläne zu entwickeln. Ein dreifach Hoch auf die Überlebensfähigkeit der rechten Hemisphäre! Doch ist unsere Kultur so nachdrücklich darauf ausgerichtet. sich etwas bildlich vorzustellen. die Voraussetzung des Lernerfolgs. die Fähigkeiten der linken Gehirnhälfte zu belohnen. Die rechte Hirn-Hemisphäre —die des Träumers. aufgeführt finden. des Künstlers.

für das Denken und Sprechen «zuständige» Hemisphäre scheint nie wieder vollends aufholen zu können. dann fährt er mit dem Zeichnen fort. «nimmt» ein geistiges Bild von seinem Objekt «auf». das Visualisieren wie das Imaginieren. einen Lehrplan zu entwickeln. habe ich ein paar kurze Vorübungen entwickelt. Der Künstler sieht den Gegenstand oder die Person an. Das Gehirn hat die Kraft. den Blick auf das Papier geheftet. ein imaginäres Bild vor dem geistigen Auge zu sehen. Beide Vorgänge. hält dieses Bild in seinem Gedächtnis fest und beginnt zu zeichnen. Nach einer Weile wirft er wieder einen Blick auf das Modell. es zu «erblicken». und so weiter. die er zeichnen will. was damit gemeint ist. ein Bild heraufzubeschwören und es dann «anzusehen». sind wesentliche Komponenten des Zeichnens. die sich als schweres Handicap im Leben eines Menschen auswirken kann. könnten wir jetzt darangehen. bedeuten fast das gleiche.als effizientes Mittel. Zuerst machen Sie sich ein geistiges Bild (ein «Foto») von den folgenden Schriftzeichen: . Bildliche Vorstellung in rechter Manier Eine der wunderbarsten Fähigkeiten der rechten Hirn-Hemisphäre ist die Vorstellungskraft — die Fähigkeit. Die linke. Um diese Fähigkeit der rechten Gehirnhälfte zu demonstrieren.Die zwei Hälften unseres Gehirns wußt. Sicher würde ein Schwerpunkt dieses Lehrplans ein neuer Zeichenunterricht sein . Beim Imaginieren wird Ihnen aufgehen. Zur Vereinfachung der Terminologie bediene ich mich das ganze Buch hindurch der Abkürzungen «L-Modus» und «R-Modus». um das Bild erneut «festzuhalten». Visualisation und Imagination. die so gut wie gar nicht trainiert wird? Nachdem die Neurologie eine begriffliche Basis für das Training der rechten Hemisphäre geschaffen hat. uns die Fähigkeiten der rechten Hemisphäre zu erschließen. die Ihnen die Vorstellungskraft als Mittel zum Verstehen und Erinnern komplexer Inhalte und Informationen verdeutlichen sollen. der die Förderung aller Gehirnfunktionen anstrebt. Wie steht es nun in dieser Hinsicht mit der rechten Hemisphäre. was sie einmal versäumt hat — eine Tatsache. Dennoch beinhaltet der Ausdruck Visualisieren für mich Bewegung. Die Fachausdrücke für diese Fähigkeit. Imaginieren hingegen ist in meinen Augen das Sichvorstellen eines unbewegten Bildes. als wäre es real.

kantig. 1. wobei zuweilen die eine. phantasievoller. Sehen Sie das L nun in Farbe vor sich. in seinen überraschenden Kurven und Bögen verspielter. die für den Stil des L-Modus charakteristisch sind: Wörter. Vergrößern Sie das Bild. Stellen Sie sich das wuchtige. Zahlen. Manchmal wirken auch beide zu gleichen Teilen an der Lösung einer Aufgabe mit. Wissenschaftlern. Bei allen unseren Tätigkeiten benutzt das Gehirn beide Hemisphären zugleich. eventuell auch Bilder von Mathematikern. Stellen Sie sich das L als Pyramide oder als Wolkenkratzer vor. zuweilen die andere die «Führung» übernimmt. gerade. dicke L. Bitte sehen Sie sich diese Übersicht genau an. Die Eigenschaften und Funktionen. Zeitangaben. ganz gleich in welcher. bei denen jeweils die eine oder die andere Art der Informationsverarbeitung das Übergewicht zu haben scheint. Buchhaltern — ganz nach . Juristen. biegsam. Mit diesen beiden «Schriftbildern» möchte ich Ihnen die beiden verschiedenen Bewußtseinszustände veranschaulichen. Bücher. Haben Sie sich diese beiden Modi fest eingeprägt. geschwungen.Die zwei Hälften unseres Gehirns Der L-Modus ist der «rechtshändige» Modus der linken Hemisphäre. phantasielos. seine geraden Seiten und seinen rechten Winkel vor. komplexer. Sehen Sie es vor Ihrem geistigen Auge. damit Sie einen Größenvergleich ziehen können. kraftvoll. mathematische Gleichungen. leicht erfaßbar. Landkarten. und fügen Sie von sich aus eine weitere Form hinzu. habe ich in dem Kasten auf Seite 56 noch einmal zusammengefaßt. korrekt. Führen Sie deshalb die folgenden Imaginations-Übungen sorgfältig durch. die Anleitungen in den nächsten Kapiteln zu verstehen. wird es Ihnen leichter fallen. die ihnen gemeinhin zugeordnet werden. Das R ist schräg gestellt. Als nächstes fügen Sie dem L auf eine beliebige Weise Dinge hinzu. Das L ist fest und aufrecht stehend. Der R-Modus ist der «linkshändige» Modus der rechten Hemisphäre. Diagramme.

Sie legten es in Ihre linke Hirnhälfte. Zeichnen. Wissenschaftler und andere Denker können sich über den Corpus callosum hinweg bewußt Zugang zum R-Modus verschaffen. Wie soll man sich zum Beispiel Nicht-Zeit vorstellen? Vielleicht frei nach Art des surrealistischen Malers Dali: als eine Uhr ohne Zifferblatt. bis Sie merken. Wenn Sie Ihr Vorstellungsbild vom R-Modus richtig vor sich sehen. zum L-Modus überzuwechseln. Kreative Mathematiker. Modellieren. Sie werden sich die Bilder länger und genauer merken. wie Sie von einem Bild zum anderen schalten. Jetzt lassen Sie Ihr Vorstellungsbild vom L-Modus zusammenschrumpfen und stellen sich vor. wenn sie ästhetischkünstlerische Probleme analysieren wollen. Diese Übung wird Ihnen beim Zeichnen zustatten kommen. indem Sie Ihre Hand (ganz gleich welche) an die linke Seite Ihres Kopfes legen. 3.Die zwei Hälften unseres Gehirns Ihrer Wahl. Wiederholen Sie dies mehrmals. um mit Hilfe von Imagination und Traum zu neuen Einfällen und Ideen zu gelangen. Wie soll man sich analoge — einander gleichende oder ähnliche — Dinge vorstellen? Und wie imaginiert man den «Ich hab's»-Effekt? Lassen Sie sich Zeit. Versuchen Sie. Wenn Sie wollen. mag dies Ihre Vorstellungskraft auf eine harte Probe stellen. / Umgekehrt sind Künstler und musisch begabte Menschen in der Lage. legen Sie Ihre Hand an die rechte Seite Ihres Kopfes und stellen Sie sich wieder den zusammenschrumpfenden R-Modus vor. bei dem Sie ja auch dieses geistige Überwechseln zum R-Modus vollziehen müssen. Dann fügen Sie einige für den Stil der rechten Hemisphäre typischen Tätigkeiten in Ihr Vorstellungsbild ein: Stellen Sie sich Leute beim Malen. Musizieren. Sehr wichtig ist: Lokalisieren Sie den Sitz des L-Modus. wenn Sie sie selbst zusammengestellt haben. Jetzt stellen Sie sich das geschwungene R vor. . Da sich diese Tätigkeiten nicht so klar umrissen festlegen lassen (typisch L-Modus!). Nun lassen Sie die beiden Bilder von einer Seite zur anderen wechseln. die dabei jedes Zeitgefühl verlieren. Träumen vor. 2. der in Ihrer rechten Hirnhälfte Platz findet. können Sie es vergrößern oder verkleinern. von der linken Gehirnhälfte mit Ihrem Bild vom L-Modus zur rechten Hälfte mit Ihrem Bild vom R-Modus und zurück. es mit seinen vielfachen Windungen vor sich zu sehen.

Modelle oder Bilder durch plötzliche Eingebung. äußerst geringer Bezug zu sprachlichem Ausdruck. Synthetisch: Wahrnehmungen werden zu einem Ganzen zusammengefügt. Symbolisch: Benutzt Symbole. macht stets eins nach dem anderen. zum Beispiel das Zeichen <■> für Auge. Ganzheitlich: Erfaßt etwas auf einmal und als Ganzes. zum Beispiel ein mathematischer Lehrsatz oder eine unumstößliche Beweisführung. ist bereit. Beschreibung und Definition. Nichtzeitlich: Ohne Zeitgefühl. Digital: Rechnerische Verwendung von Zahlen. Linear: Verkettet Gedanken — aus einem folgt immer direkt der nächste —. Räumlich: Erschaut Dinge in ihrem Verhältnis zu anderen Dingen und Teile in ihrem Verhältnis zum Ganzen. Nichtrational: Bedarf keiner rationalen oder faktischen Basis. Erschaut Systeme. Logisch: Zieht Schlußfolgerungen auf der Basis logischer Gesetze: Eins folgt in logischer Ordnung aus dem anderen. nimmt durchgehende Muster und Strukturen wahr. Nonverbal: Innewerden der Dinge. Konkret: Bezieht sich auf die Dinge in ihrem jeweils gegenwärtigen Zustand. Intuitiv: Schließt vorhandene Lücken.und R-Modus: Typische Eigenschaften und Funktionen im Vergleich Verbal: Gebraucht Wörter zur Bezeichnung. was zu konvergenten Schlüssen führen kann. Analog: Entdeckt Übereinstimmungen und versteht bildliche Zusammenhänge. Abstrakt: Wählt einen kleinen Teil der in einer Wahrnehmung enthaltenen Information aus und benutzt ihn zur Widergabe des wahrgenommenen Ganzen. das Zeichen + für die Addition. auf eine Entscheidung oder Beurteilung zu verzichten. . Zeitlich: Achtet auf Zeit und Reihenfolge. was oft zu divergierenden Schlüssen führt. die für etwas anderes stehen.Die zwei Hälften unseres Gehirns L. R ti des Verstandes auf l Grundlage it Hilfe l Zi ht S hl ßf der von Fakten. Analytisch: Wahrnehmungen werden Schritt für Schritt und Teil um Teil zergliedert.

» 1. Stellen Sie sich den Zauberwebstuhl bildlich vor. dann zu einem anderen Teil hinüberströmen in ewig wechselndem Muster: ständig aufblitzend und wieder verlöschend. eine winzige Gewichtsverlagerung. Stellen Sie sich vor. dann wieder verlöschen.was immer Sie wollen. dieses Zusammenziehen der Schiffchen verursache eine kaum wahrnehmbare physische Empfindung in Ihrem Gehirn. Stellen Sie sich die Bahnen. und zwar erst auf der einen. vielleicht Grün oder Gelb. dann auf der anderen Seite Ihres Gehirns. daß viele Menschen imstande zu sein scheinen. auf dem Millionen von blitzenden Schiffchen ein sich immer wieder auflösendes Muster weben. aber nie von Dauer . einen leichten Druck. zwischen Ihrer linken Hemisphäre und Ihrer rechten Körperhälfte bestünden Verbindungsbahnen: Drähte. in alle Teile Ihrer rechten Körperhälfte erstrecken. die sich einen Moment lang in einem Teil Ihres Gehirns vereinigen. sich an einer Stelle zu sammeln. Nun stellen Sie sich das Gesamtsystem der über Kreuz verlaufenden Verbindungen vor. ein stets bedeutungsvolles Muster. in einer anderen Farbe vor.Die zwei Hälften unseres Gehirns Wir stellen uns die Verbindungen zwischen Gehirn. als sähen sie ihrem Gehirn bei . sich dann wieder aufzulösen und an einer anderen Stelle erneut zu vereinigen. wie sie sich. elektrischer Strom . Wir sehen dem Webstuhl zu Psychologen haben entdeckt. 3. die Ihre rechte Gehirnhälfte mit Ihrer linken Körperseite verbinden. mit seinen Milliarden von blitzenden Schiffchen. Nun stellen Sie sich vor. aus sich «herauszutreten» und sich ihrer wechselnden Geisteszustände bewußt zu werden. Wechseln Sie auf die andere Seite über. von der linken Seite des Gehirns ausgehend. Stellen Sie sich weiter vor. 2. Nun geben Sie diesen Verbindungsbahnen eine Farbe — sagen wir Blau oder Rot — und stellen sich vor. .und Körperhälften vor 1. 2. Sie könnten das Muster bestimmen und die zahllosen blitzenden Schiffchen dazu veranlassen. . Der verzauberte Webstuhl * Ein bekanntes «Wort-Bild» für das Gehirn stammt von dem englischen Wissenschaftler Sir Charles Sharrington: Das Gehirn sei «ein verzauberter Webstuhl. eine minimale Erwärmung oder Abkühlung oder einen schwachen summenden Ton.

Tart: «Viele Meditations-Schulen vertreten den Standpunkt.» George Orwell <Politics and the English Language> . auf Kosten des Sinnes. der Mensch einen <Beobachter> besitzt (oder entwickeln kann). müssen wir die linke Hemisphäre davon abhalten. mit Hilfe von Bildern und Empfindungen klarwerden. die man für treffend hält. meinen. die einen ziemlich gut entwickelten «Beobachter» zu haben glauben. der das persönliche Verhalten mit einem hohen Grad an Objektivität betrachtet.zum R-Modus trainieren können. sich um sie zu kümmern — entweder weil die Arbeit zuviel Zeit in Anspruch nehmen würde oder zu umständlich ist oder einfach. es sei denn. nicht nur während eines besonderen. Vielleicht sollte man auf die Benutzung von Worten so lange wie möglich verzichten und sich über den Sinn zunächst. sie hat keine Lust. Untersuchungen an Splitbrain-Patienten und an Menschen mit einem gesunden Gehirn nehmen die Wissenschaftler an. sondern auch während des Übergangs zwischen zwei oder mehreren solcher diskreten Zustände.» Manche Menschen. Denkt man an einen konkreten Gegenstand. will man dann aber beschreiben.wird der jeweilige Jargon durchbrechen und die Sache für einen erledigen. daß es von der Art der Aufgabe abhängt. welche der Hemisphären «eingeschaltet» wird beziehungsweise die führende Rolle übernimmt? Auf Grund von Tierversuchen. mit Wörtern und Symbolen «herbeizustürzen» und sogar Aufgaben an sich zu reißen. Dies wiederum wird Ihnen helfen. . man versucht. von Anfang an Worte zu benutzen. welche der Hemisphären ihre Ausführung «übernimmt» und kraft dieser «Führungsposition» die andere Hemisphäre daran hindert. die Rolle dieses heimlichen «Beobachters» einzuüben und somit auf bewußterer Ebene des sanften Hinundherwechselns zwischen den Bewußtseinszuständen gewahr zu werden. daß das «Einschalten» der einen Hemisphäre das «Ausschalten» der anderen verursacht. so gut man kann. Wie bereits erwähnt. bis man die Worte findet. ist. welche Hemisphäre eine Handlung jeweils lenkt. aber eine von ihnen dominiert und bestimmt das Handeln (das sichtbare Verhalten) des Individuums. keine Aufgaben an ihren «tumben» Partner abzutreten. was man sich bildlich vorgestellt hat. und dann — es sei denn. «daß dieser (Beobachter) fortgesetzt in Aktion sei. wird man eher dazu neigen. was man beim Schreiben von Prosa tun kann. Die Frage lautet nun: Welche Faktoren entscheiden darüber. Diesen Übungen liegt die Annahme zugrunde.» Charles T. sich einzumischen. zum anderen durch die Motivation (Welche der Hemisphären interessiert sich am meisten für die Aufgabe oder mag sie am liebsten?). daß die linke Hemisphäre dominant und blitzschnell ist und dazu neigt. den R-Modus «einzuschalten». Tart <Putting the Pieces Togethen Die zwei Hälften unseres Gehirns der Arbeit zu. weil die linke Hemisphäre «Das Schlimmste. aktiv zu werden. hat er selbst keine individuellen Merkmale. es bewußt zu verhindern . Die vorangegangenen Imaginationsübungen werden Ihnen zusammen mit einigen der folgenden Zeichenübungen helfen. nehmen viele Wissenschaftler an. daß die Hemisphären entweder in der Form wechselweise tätig werden. denkt man nicht in Worten. die ihr eigentlich gar nicht liegen. daß die Frage. diskreten Bewußtseinszustandes. sich den Worten zu unterwerfen. den sie verdunkelt oder gar entstellt. Da das Abzeichnen einer wahrgenommenen Form weitgehend in den Funktionsbereich der rechten Gehirnhälfte fällt. Denkt man an etwas Abstraktes. Unser Problem ist nur. durch zwei Faktoren entschieden wird: zum einen durch die Schnelligkeit (Welche Hemisphäre findet am raschesten Zugang zu der Aufgabe?). Sie spielt sich gern als Chef auf und ist darauf bedacht. Da dieser (Beobachten seinem Wesen nach die reine Aufmerksamkeit und Bewußtheit ist. muß man erst lange herumsuchen. . Voraussetzungen für das Umschalten Anhand der Übungen im nächsten Kapitel werden Sie das Überwechseln vom L.58 In seinem Buch über wechselnde Bewußtseinszustände schreibt der Psychologe Charles T. daß . oder beide sind «eingeschaltet».

und frühgeschichtlichen Kulturen die Rechtshändigkeit weit weniger deutlich überwog. wenn er den Bleistift mit den Zähnen oder zwischen den Zehen festhalten muß — weil er zu sehen gelernt hat. doch gibt es Hinweise darauf. Die Schwierigkeit. die Angaben. Eines scheint klar zu sein: daß in den westlichen Nationen etwa fünf bis zwölf Prozent der Bevölkerung ausgeprägte Linkshänder sind. Und genau das ist es. die die dominante linke Gehirnhälfte von sich weisen wird. Früher hat man geglaubt. was wir brauchen: Aufgaben. Ein Mensch mit zeichnerischem Geschick kann auch dann zeichnen. Ob die Linkshändigkeit den Zugang zu Funktionen der rechten Hemisphäre — zum Beispiel zum Zeichnen — erleichtert. bei ihnen übernimmt möglicherweise die rechte Hemisphäre verbale Funktionen. Dies scheint auch für die meisten anderen Kulturen zuzutreffen. daß die verbalen Funktionen bei der Mehrzahl der Linkshänder ebenfalls von der linken Hemisphäre gesteuert werden.) bei Rechtshändern von der linken Hemisphäre ausgehen. wie sich Linkshändigkeit auf das Zeichnen und auf die Tätigkeit der Hemisphären auswirkt. . deren Mütter bereits linkshändig waren. Eine Frage jedoch — sie wird mir oft in den Kursen gestellt — scheint eindeutig verneint werden zu können: ob der Rechtshänder die Kräfte der rechten Hirnhälfte «anzapfen» kann. nahm man an. Die folgenden Übungen sind so angelegt.Die zwei Hälften unseres Gehirns nicht fähig ist. daß in vor. Meine Anleitungen in den folgenden Kapiteln richte ich an Rechtshänder. indem man die andere Hand benutzt. zeichnen zu lernen. möchte ich noch die Frage zu beantworten versuchen. sie auszuführen. Eine Ausnahme bilden jene Linkshänder. einfach umzukehren. ist noch ungeklärt. Doch neuere Forschungen haben ergeben. Links. die die linke Hemisphäre nicht erfüllen will oder nicht zu erfüllen vermag.und Rechtshändigkeit Ehe wir nun mit den Zeichenübungen beginnen. Sie gelten jedoch in gleicher Weise für Linkshänder. die manche Menschen daran hindert. daß bei Linkshändern die Organisation des Gehirns einfach umgekehrt sei wie bei Rechtshändern: da die verbalen Funktionen (Sprache. Diese wenigen bitte ich. die die Hemisphärenfunktionen betreffen. deren Mütter schon linkshändig waren. dadurch wird die Zeichnung höchstens noch ungeschickter. Schrift usw. daß sie nicht fähig sind zu sehen. daß sie das Gehirn vor eine Aufgabe stellen. ausgenommen jene. daß sich bei Linkshändern das Sprachzentrum in der rechten Hemisphäre befände. wenn er beim Zeichnen die linke Hand benutzt. besteht darin. Dieses Problem verschwindet nicht einfach.

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von rechts nach links: Die Erfahrung des Hinübergleitens .4 Von links nach rechts.

Vasen und Gesichter: Eine Übung für unser zweigeteiltes Gehirn Die folgenden Übungen sollen Ihnen helfen. Wie schon erwähnt. Ich könnte damit fortfahren. Schauen Sie sie länger an. sieht man zwei Gesichter im Profil. Wenn Sie die Voraussetzungen für dieses geistige Umschalten schaffen und den dadurch hervorgerufenen winzigen Unterschied im Fühlen spüren. . von tiefer Aufmerksamkeit für Umrisse. Sind Sie Linkshänder. «Wenn du anfängst zu fragen. vom Vergessen aller Ängste. von einem Gefühl der Zuversicht. 15). «wirst du es niemals begreifen. hat Fats Waller einmal gesagt. scheinen sie sich zu verwandeln. zeichnen Sie das Profil auf die rechte Seite. 14). 13). Es ist wichtig.Die Erfahrung des Hinübergleitens Eine wahrgenommene Form abzuzeichnen ist weitgehend Sache der rechten Hemisphäre. Es scheint für das Zeichnenlernen sehr hilfreich zu sein. daß Sie dieses Überwechseln vom einen Modus zum anderen bewußt erleben. in dem die rechte Hemisphäre «führt». von der Unfähigkeit. Ehe Sie zu zeichnen beginnen: Lesen Sie erst alle Anweisungen für die Übung durch. sie bilden die Umrisse einer Vase (vgl. ebenfalls zur Mitte blickend (Abb. zu sprechen oder gesprochene Worte anderer aufzunehmen. lassen wir beim Zeichnen einer wahrgenommenen Form den L-Modus weitgehend «aus-» und den R-Modus «angeschaltet». die namenlos bleiben. Zwischenräume und Formen. denken Sie sich selbst ein Profil aus. werden Sie diesen Zustand bald erkennen und fördern können. was Jazz ist». 1. Abb. was einen leicht veränderten subjektiven Zustand hervorruft — den Zustand. doch nur Sie selbst können es wirklich erfahren. Zeichnen Sie auf die linke Seite Ihres Bogens das Profil eines Gesichtes.» Vasen-Gesichter (i) Vermutlich haben Sie sich diese Zeichnung mit der auf dem Grundprinzip des Vexierbildes beruhenden optischen Täuschung der Vasen-Gesichter schon angesehen: Betrachtet man sie auf eine bestimmte Weise. vom Verlust des Zeitgefühls. dieses Umschalten wieder und wieder zu beschreiben. das zur Mitte blickt (Abb. von Ihrem dominanten L-Modus auf Ihren unterdrückten R-Modus umzuschalten. Wenn Sie wollen. Von diesem typischen Zustand sprechen auch die Künstler: von intensiver «Hingabe» an die Arbeit. Dies ist inzwischen empirisch überprüft und belegt worden.

Hals. wie Sie das Problem lösen. Sie werden feststellen. Das erste Profil haben Sie höchstwahrscheinlich ziemlich schnell gezeichnet und auch schnell während des Benennens der einzelnen Teile l nachgezogen. Vielleicht haben Sie dabei gar nicht mehr das Gefühl gehabt. Beim Zeichnen des zweiten Profils. 2. Wiederholen Sie dies mindestens einmal. daß Sie das zweite Profil auf eine andere Weise zustande bringen. Es ist möglich. Das zweite Profil sollte nach Möglichkeit dem ersten in den Proportionen genau entsprechen. so daß die Vase symmetrisch wird. ausgehend vom oberen und vom unteren Ende Ihrer Profilzeichnung. Wenn Sie fertig sind: Denken Sie darüber nach. Dadurch vervollständigen Sie die Vase. und achten Sie darauf. daß Sie beim Zeichnen des zweiten Profils an bestimmten Stellen einen inneren Konflikt spüren. aber umgekehrt verlaufende zweite Profillinie. Das Benennen symbolischer Formen ist eine Funktion des L-Modus. die vorspringenden und zurückweichen. die aller V nach eine . 4. Beobachten Sie sich dabei.den Kurven und die Länge der einzelnen Linienabschnitte in ihrem Verhältnis zu den gegenüberliegenden Umrissen verglichen. Um die' Zeichnung von der Vase zu vollenden. Lippen. die darauf hindeuten. Nun ziehen Sie die Linie des Profils mit dem Bleistift noch einmal nach. Als nächstes zeichnen Sie auf der anderen Hälfte des Blattes eine analog zur ersten. 3. daß Sie zwischen den beiden Profilen hin und her guckten und die Winkel. und sich dabei ertappt. eine leichte Verwirrung gespürt. nennen Sie sie im stillen beim Namen: Stirn. daß Sie von einem Modus auf den anderen umschalten. Als nächstes ziehen Sie. zwei gerade waagerechte Linien: den Rand und den Boden der Vase (Abb. mußten Sie bei der zweiten Profillinie anders vorgehen. Kinn. 14 und 15). Wir können c hen.uns fre Bedeutung und W haben. Anders ausgedrückt: Sie «[Es] drängte sich dessen Richtigkeit schütten geblieber daß unser normale sein — unsei ration wie wir es nennen bestimmte Art von und daß um dassel tielle Bewußtseinsf ganz andersartig u durch ganz dünne sind. so ze leisesten Berührun lichkeit: bestimmte Lebens.Die Erfahrung des Hinübergleitens wenn Sie Ihre eigenen. 15: Für Rech shänd er dus. Ziehen Sie auch diese Linie von oben nach unten. ohne ihr Das« wenn nur das nötii wendet wird. die nun unbenannt und unbenennbar waren.» William James <Die religiöse Erfahr faltigkeil> . im Gedächtnis gespeicherten Symbole für ein menschliches Profil verwenden. ein Profil zu zeichnen.) Achten Sie auf die leisen Signale. (Werfen Sie noch einmal einen Blick auf die Abbildung 13. Während der Bleistift über die Züge gleitet. bei dem sich die Umrisse einer Vase ergaben. Das ist die ^eichenmethode des R-Mo- Abb. haben Sie vielleicht — wie ich es angekündigt habe — einen inneren Konflikt. wie Sie die Vasen-Gesichter-Zeichnung zustande gebracht haben. Dies war ein Vorgehen nach dem L-Modus: Sie haben aus der Erinnerung symbolische Formen gezeichnet und sie benannt. Nase. Bevor Sie nun weiterlesen. führen Sie bitte diese Übung durch.

Es war leichter. die Verhältnisse betreffenden Faktoren. weil die linke Hemisphäre nicht daran gewöhnt ist. Ihr verborgener Beobachter kann zu ihr sagen: «Halte dich da bitte raus. Wenn Sie beim Zeichnen nach dem R-Modus dennoch in Worten denken. doch es ist notwendig. ausgeschlossen zu werden. versuchen Sie. Daher muß man sie gewissermaßen beschwichtigen. die einzelnen Teile zu benennen. daß Sie ein Gesicht zeichneten.Die Erfahrung des Hinübergleitens haben die Linie beim Zeichnen ständig korrigiert und darauf geachtet. Die andere Hälfte wird mit dieser Aufgabe gut fertig. Sie haben sich am Zwischenraum zwischen dem ersten Profil und dessen entstehender Umkehrung orientiert. noch Schlüsse gezogen wie: «Das Kinn muß sich ebensoweit vorwölben wie die Nase» oder: «Nasen sind auf eine bestimmte Weise geformt. und dabei eine leichte Verwirrung gespürt. Bald wenden wir uns dir wieder zu. berechnet. Vielleicht haben Sie auch beim Zeichnen des zweiten Profils versucht. Beim Zeichnen des zweiten Profils hingegen sind Sie — wie der Südseeinsulaner — nach dem R-Modus verfahren: Sie haben sich am Raum orientiert.» (Dies mag sonderbar klingen. sie zum Schweigen zu bringen. beim Namen genannt. Weder werden Feststellungen getroffen.» Denken Sie bei der nächsten Übung an die nichtsprachlichen. wenn Sie überhaupt nicht denken mußten. Wir zeichnen nach der «Navigationsmethode» des R-Modus Beim ersten Profil sind Sie — wie der europäische Seemann — nach dem L-Modus vorgegangen: Sie haben Abschnitt für Abschnitt geplant. sich nach den Umrissen des Raums zwischen den beiden Profilen zu richten. Es ging besser. wenn Sie nicht daran dachten. Anders ausgedrückt: Das Zeichnen ist Ihnen wahrscheinlich leichtergefallen.) . wo Sie mit dem Stift entlangglitten und wie die Linie weiterge- führt werden mußte. dann beschränken Sie sich nur auf Fragen wie: «Wo setzt dieser Bogen an?» — «Wie groß ist der Winkel im Vergleich zum Rand des Bogens?» .«Wie lang ist diese Linie im Vergleich zu jener?» «Wie weit ist dieser Punkt vom oberen und vom unteren Rand meines Blattes entfernt?» Diese Fragen entsprechen dem R-Modus: Sie beziehen sich auf den Raum und die Größenverhältnisse und beruhen auf dem Vergleich. Mischt sich Ihre linke Hemisphäre mit verbalen Äußerungen ein. um den «Kurs» Ihrer Linie zu ermitteln. Denken Sie immer daran: Die einzelnen Teile werden nicht benannt. jedenfalls nicht in Worten.

se. Sie zeichneten symbolische Formen. bevor Sie beginnen. dieses Hinüberwechseln zu spüren. Warzen. . daß Sie versuchen. Die Abbildungen 16 und 17 liefern Ihnen ein Beispiel dafür. Lesen Sie auch diesmal die Anweisungen genau durch. wie Aldous Huxley es ausdrückte. als Linkshänder auf die rechte Seite des Blattes — ein Profil. indem man zum R-Modus überwechselt. Versuchen Sie. ly: Für Rechtshänder. willentlichen Entschei- dung darüber besteht. fügen Sie oben und unten waagerechte Linien an. eine Form mit Hilfe des L-Modus abzuzeichnen. sich der Verschiedenheit der Modi bewußt zu werden. ein Monster. so daß sich Boden und Rand einer Vase ergeben. Zeichnen Sie — als Rechtshänder auf die linke. haben Sie den ersten wichtigen Lernschritt zu unserem Ziel hin vollzogen. die ein Gesicht bilden. Dazu müssen Sie die Blockierung der rechten beseitigen oder. das in der Fähigkeit zur bewußten. einen Dämon. doch erfinden Sie möglichst ein eigenes Profil. Sie sollen nun eine zweite Vasen-Gesichter-Zeichnung anfertigen. Wieder zählen Sie die einzelnen Teile des Gesichts von oben nach unten beim Zeichnen auf. Es ist die Kompliziertheit der Form. Und schon ist die Vase fertig — diesmal ist es eine Barockva.eine Hexe. Diesmal zeichnen Sie das abwegigste Profil. Es kommt bei dieser Übung nicht auf die Vollkommenheit Ihrer Zeichnung an. Doppelkinn usw. 3. Zumal bei diesen komplizierten Vasen-Gesichtern kann man das zweite Profil am besten — vielleicht sogar überhaupt nur — zustande kriegen. Wenn Sie mit diesem ersten Profil fertig sind. das Umschalten wahrzunehmen. Was Sie lernen müssen. ebenso alle «Ausschmückungen» wie Falten. «die Tür in der Mauer» öffnen. mit dem Fuß einen Faden durch ein Nadelöhr zu ziehen. Wichtig ist vielmehr. Wenn wir uns bemühen. die linke Hemisphäre «auszuschalten» und die rechte zu aktivieren. so entspricht das dem Versuch.Die Erfahrung des Hinubergleitens Vasen-Gesichter (2) Die Barockvase und das Monstergesicht Abb. Nun zeichnen Sie wie bei der ersten Übung ein entsprechendes umgekehrtes Profil. Wie bei der vorangegangenen Übung ist das erste Monsterprofil nach dem R-Modus entstanden. 1. 2. das Sie sich nur vorstellen können . welche Seite Ihres Gehirns Sie bei einer bestimmten Aufgabe jeweils aktivieren wollen. ist. Es funktioniert nicht. Wenn es Ihnen gelingt. die Sie zum Umschalten auf den R-Modus zwingt. Die nächste Übung soll Ihnen ein noch vollständigeres Umschalten auf den R-Modus ermöglichen.

18: . daß wir die Dinge immer auf diese gewohnte Weise sehen: mit der oberen Seite nach oben. ein Unten und mehrere Seiten . Denn auf Grund des «richtigen» Obens und Untens sind wir in der Lage. und wir gehen davon aus. Abb. — zu. ein Oben. rechts. wenn man sie auf den Kopf stellt. hinten usw. bekannte Dinge wiederzuerkennen.links. vorne. die wir wahrnehmen. Automatisch schreiben wir den Dingen. zu benennen und durch Vergleich mit unseren gespeicherten Erinnerungen und Vorstellungen zu kategorisieren.Die Erfahrung des Hinübergleitens Auf den Kopf gestellt: So schaltet man auf den R-Modus um Vertraute Dinge sehen ganz anders aus.

wenn sie um 180 Grad gedreht werden (vgl. Selbst Ihre eigene Handschrift wird. Kennedy darstellt. Um dies nachzuprüfen. 18)? Erkennen Sie ihn sofort? Vermutlich mußten Sie erst das Foto . 20) ist. suchen Sie sich einen alten Einkaufszettel oder einen alten Brief heraus. Eine komplizierte Zeichnung wie die von Tiepolo (Abb. um dem R-Modus die Chance zu geben. Das auf Seite 68 abgebildete Porträt des Komponisten Igor Strawinsky. steht auf dem Kopf. kaum zu enträtseln. werden Sie die Abb. auf den Kopf gestellt. obwohl Sie sie doch seit Jahrzehnten kennen. Ihre Aufgabe besteht nun darin. wirkt das Gesicht noch immer fremd. Wenn Sie in den R-Modus umschalten. Selbst nachdem Sie wissen. für eine Weile die dominierende Rolle zu übernehmen. Wir sehen Formen und Flächen aus Licht und Schatten. das Picasso 1920 gezeichnet hat. wie Sie sie sehen. um zu sehen. Diese Aufgabe brächte uns zur Verzweiflung: Auf den Kopf gestellt. zu identifizieren. 19 und 20). Suchen Sie sich einen ruhigen Ort. daß es John F. Das (linke) Gehirn muß hier einfach «passen». wenn Sie wollen.abzuzeichnen. diese umgedrehte Zeichnung zu kopieren. drehen ihn «verkehrt herum» und versuchen ihn so zu entziffern. was wir sehen. Abb. das Hirn verwirrt. Sie können während dieser Übung Musik hören. Mit anderen Worten: Sie sollen die PicassoZeichnung genau so kopieren. 20: <Der Tod des Seneca> von vanni Battista Tiepolo (1696—17' Mit freundlicher Genehmigung c Art Institute of Chicago. Wir werden es nicht gerade ablehnen. Die Botschaft wird verfremdet. wenn man sie auf den Kopf dreht. Wir drehen ein Bild auf den Kopf und zeichnen es ab Diese Lücke in den Fähigkeiten der linken Hemisphäre wollen wir nutzen. um wen es sich handelt. 1. das heißt von oben nach unten — so. 19: Fälscher pflegen beim K pieren von Unterschriften das Oi nal auf den Kopf zu drehen. Ehe Sie anfangen: Lesen Sie zunächst die folgenden Instruktionen. um < Form der Buchstaben exakter wa nehmen zu können.wenigstens im Geist um 180 Grad drehen. wo niemand Sie stören wird. Alle Bilder und Gemälde sind schwer zu erkennen. Joseph Helen Regenstein Collection. auf den Kopf gestellte Bilder zu betrachten — nur darf man uns nicht auffordern. für Sie kaum zu lesen sein. stimmen unsere optischen Anhaltspunkte nicht mehr. . Wer ist zum Beispiel der berühmte Amerikaner auf dem Foto (Abb. wie sie hier abgebildet ist . Abb. sind selbst sehr bekannte Gesichter kaum wiederzuerkennen.Die Erfahrung des Hinübergleitens Steht ein Bild auf dem Kopf.

Führen Sie die Zeichnung in einem Durchgang zu Ende und lassen Sie sich dafür mindestens dreißig bis vierzig Minuten Zeit. Stellen Sie sich einen Wecker oder eine Stoppuhr. die Winkel und . Und wichtiger noch: Drehen Sie Ihr Bild erst richtig herum. 2. wenn Sie wollen. wenn Sie fertig sind. Privatbesitz. damit Sie nicht an die Zeit zu denken brauchen (was ja eine Funktion des L-Modus ist). 21). aus dem Jahre 1920. Musik nicht mehr bewußt wahrnehmen. si: Pablo Picasso (1881—1973): (Portrat von Igor Strawinskj». Sie würden sonst einen «Rückfall» in den L-Modus erleiden.Die Erfahrung des Hinübergleitens Abb. Sehen Sie sich die Umrisse. was wir ja gerade vermeiden wollen. Betrachten Sie eine Minute lang die auf dem Kopfstehende Zeichnung (Abb.

Beginnen Sie oben mit dem Abzeichnen (vgl. fängt eine andere an. 5. Mit der Zeit je mehr Sie sich ins Zeichnen versenken . was diese Formen bedeuten sollen. Jetzt hat sich Ihr R-Modus eingeschaltet. die nach dem Zufallsprinzip ausgewählt wurden) entstandenen Zeichnungen an (Abb. dem Gefüge der Linien zu folgen. gehen Sie von einer Linie zur angrenzenden weiter. 22). daß alle Linien zusammentreffen: Wo eine Linie aufhört. Es enthält für Sie alle Informationen. zum Beispiel die H-ä-n-d-e oder das G-e-s-i-c-h-t (Achtung: Wir nennen die Dinge nicht beim Namen!). die durch die Linien eingeschlossen werden. wie gut sie gelungen ist. In der Tat ergeben sich aus den Linien die Umrisse der Zwischenräume.eine zweite Linie verläuft quer zur ersten . Es ist tatsächlich so einfach. die einzelnen Teile zu erkennen und zu benennen. 3. die Sie benötigen .im Gegenteil: stoßen Sie auf Teile. 4. Abb. . Die Linien bilden untereinander und zu den Rändern des Blattes bestimmte Winkel.von einer Linie zur anderen. die einzelnen Teile zu benennen. daß Sie beim Zeichnen über nichts anderes Bescheid zu wissen brauchen als über das Bild.auf den R-Modus. die Sache geht ihr zu langsam. und kopieren Sie jede einzelne Linie.beide zusammen bilden die Umrisse jener kleinen Form» usw. Das ist nicht nötig . die die linke Hemisphäre bereitwillig übernimmt. das Sie unmittelbar vor Augen haben. und fügen Sie das Ganze wie ein Puzzle zusammen. von einem Teil zum angrenzenden Teil.wird sich Ihr L-Modus von selbst ausschalten (auf den Kopf gestellte Bilder abzuzeichnen gehört nicht zu den Aufgaben. Wenn Sie fertig sind: Wenn Sie Ihre Zeichnung nach Beendigung der Übung richtig herum drehen. Beginnen Sie jetzt mit dem Abzeichnen. 22: Das Abzeichnen eines auf den Kopf gedrehten Bildes erzwingt das Umschalten vom L. Sie werden feststellen. dann konzentrieren Sie sich weiterhin allein auf formale Kriterien: «Diese Linie formt sich zu einem Bogen . Gebogene Linien grenzen genau bestimmte Leer. Arbeiten Sie sich langsam vor . Haben Sie erst einmal begonnen. Komplizieren Sie die Dinge nicht. und es ist alles so schwer zu erkennen). werden Sie vermutlich überrascht sein. werden Sie entdecken. 23). verzichten Sie auf alle Bemühungen. Sehen Sie sich die auf eine ähnliche Weise (bei einem kontrollierten Experiment mit College-Studenten.Die Erfahrung des Hinübergleitens Linien an. Versuchen Sie keinesfalls. Achten Sie auf die Formen der Leerräume.und das erleichtert Ihnen die Sache. Ich wiederhole: Denken Sie nicht daran.und Zwischenräume ab. Die Zeichnungen links lassen das zeichnerische Geschick zur Zeit des Experiments erken- Abb. wie interessant es ist. die Sie vielleicht benennen könnten. Bedenken Sie.

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Sehen Sie sich die Zeichnungen in der rechten Spalte der Abbildung 23 an. Die Studenten A und B kopierten die Picasso-Zeichnung richtig herum. Wie Sie sehen, sind ihre Zeichnungen keineswegs besser als die von C und D, und sie weisen die gleichen stereotypen symbolischen Formen auf wie ihre zum Vergleich in der linken Spalte abgebildeten, freihändig gezeichneten Figuren. An der Kopie des Studenten B wird erkennbar, welche Verwirrung der verkürzte Stuhl und Strawinskys übergeschlagenes Bein ausgelöst haben. Die Studenten C und D dagegen, die etwa das gleiche zeichnerische Geschick besaßen, kopierten die PicassoZeichnung umgekehrt, auf dem Kopfste-

Die Erfahrung des Hinübergleitens

hend. Die Abbildungen zeigen das Ergebnis: Überraschenderweise lassen die Kopien des auf den Kopf gestellten Bildes eine viel präzisere Wahrnehmung erkennen. Sie scheinen von einem geübteren Zeichner angefertigt worden zu sein. Wie läßt sich das erklären? Dieses Phänomen widerspricht dem gesunden Menschenverstand. Auch Sie würden wahrscheinlich nicht ohne weiteres glauben können, daß eine auf den Kopf gestellte Figur weit besser zu beobachten und zu zeichnen ist als «richtig herum» auf normale Weise. Die Linien bleiben die gleichen. Daß man die Picasso-Zeichnung auf den Kopf stellte, veränderte die Linien überhaupt nicht und machte sie auch nicht leichter zu zeichnen. Auch hatten die beiden Studenten nicht schlagartig mehr «Talent».

Abb. 23: Ergebnisse der Übung «Zeichnen Sie einen Menschen»

Strawinsky

Die Erfahrung des Hinübergleitens

nen. (Die Studenten wurden aufgefordert, irgendeinen Bekannten aus dem Gedächtnis zu zeichnen.) Wie Sie sehen, befinden sich alle auf dem Niveau von Zehn- bis Zwölfjährigen, was bei Erwachsenen unserer Kultur, deren zeichnerische Fähigkeiten nicht ausgebildet worden sind, als Normalfall betrachtet werden muß.
Das linke Hirn im «Aus»

Die vorangegangene Übung hat die linke Gehirnhälfte aus dem Rennen geschlagen. Wo kam plötzlich dieses zeichnerische Können her, wo man doch sie, die allwissende linke Hemisphäre, vom Spielplatz gewiesen hatte? Da sie jeden bewundert, der seine Sache gut macht, muß sie nun in Erwägung ziehen, daß die geringgeschätzte rechte Hemisphäre «gut im Zeichnen» ist. Im Ernst - eine plausible Erklärung für dieses der Logik widersprechende Resultat liefert die Vermutung, daß die linke Hemisphäre die Verarbeitung des auf dem. Kopf stehenden Bildes ablehnte. Vermutlich schaltete sie — verwirrt und blockiert durch das ihr ungewohnte Bild und damit außerstande, es zu benennen oder in ihre Symbolsprache umzuwandeln — einfach ab, und so ging diese Aufgabe an die rechte Hemisphäre über. Und das war gut!
Denn die rechte Gehirnhälfte ist für die Ausführung zeichnerischer Aufgaben

wie geschaffen. Sie ist darauf «spezialisiert» und empfindet solche Aufgaben daher nicht als schwer. Es macht ihr Spaß, sie zu lösen.

Bewußtes Umschalten lernen Zwei wichtige Fortschritte lassen sich als Erfolg der vorangegangenen Übung erkennen. Erstens ist es Ihnen jetzt möglich, sich ins Gedächtnis zurückzurufen, wie Ihnen zumute war, nachdem Sie auf die Funktionen der rechten Gehirnhälfte umgeschaltet hatten. Der Bewußtseinszustand des R-Modus ist anders beschaffen als der des L-Modus. Diese Unterschiede kann man jedoch erst wahrnehmen, nachdem man das Umschalten selbst erfahren hat. Seltsamerweise sind wir nicht in der Lage, den Augenblick des Überwechseins von einem Bewußtseinszustand in den anderen wahrzunehmen. Wir merken zwar zum Beispiel, wie wir vollkommen wach und wenig später in einen Tagtraum versunken sind, doch der Moment des Umschaltens selbst entgeht uns. Die Unterschiede zwischen den beiden Bewußtseinszuständen hingegen können wir sehr wohl erkennen, nachdem wir sie selbst erlebt haben. Dies wird uns helfen, das Umschalten bewußter zu steuern. Und das ist ja eines unserer wichtigsten Ziele.

Die Erfahrung des Hinübergleitens

Lewis Carroll

Der zweite Gewinn aus dieser Übung ist die Erfahrung, daß das Umschalten auf den R-Modus Sie befähigt, mit den Augen eines Künstlers zu sehen - und nun auch zu zeichnen, was sie wahrnehmen. Es versteht sich von selbst, daß wir die Dinge, die wir zeichnen wollen, nicht immer auf den Kopf stellen können. Ihre Modelle werden nicht für Sie Kopfstand machen, noch wird die Landschaft das Unterste zuoberst oder ihr Inneres nach außen kehren. Deshalb sollen Sie lernen, wie Sie auch beim Abzeichnen von Dingen und Personen umschalten können, die «richtig herum» stehen. Sie werden sich eine künstlerische Sehweise aneignen,

Die Erfahrung des Hinübergleitens

indem Sie Ihre Aufmerksamkeit auf Wahrnehmungen richten, die die linke Gehirnhälfte nicht verarbeiten will oder kann. Mit anderen Worten: Sie sollten versuchen, Ihrem Gehirn so oft wie möglich Aufgaben zu präsentieren, die die linke Hemisphäre ablehnt, und so der rechten die Chance geben, mit ihren zeichnerischen Fähigkeiten einzuspringen.

Ein Rückblick auf die R-Modus-Erfahrungen Es kann eine große Hilfe für Sie sein, wenn Sie sich noch einmal Ihre gefühlsmäßigen Erfahrungen während des eingeschalteten R-Modus vergegenwärtigen. Blicken Sie zurück. Das Umschalten ist Ihnen schon mehrmals gelungen- bei Ihren Vasen-Gesichtern und beim Abzeichnen des Strawinsky-Porträts. Als die rechte Hirn-Hemisphäre aktiv wurde, merkten Sie nicht oder kaum, wie die Zeit verging. Sie hatten das^Zeitgefühl verloren und stellten erst nach der Übung fest, wie lange Sie gebraucht hatten, um die Zeichnung anzufertigen. Und wenn Menschen in Ihrer Nähe waren, konnten Sie ihnen zuhören? Wollten Sie überhaupt verstehen, was sie sagten? Sie mögen ihre Stimmen gehört haben, aber die Bedeutung ihrer Worte war Ihnen wahrscheinlich vollkommen gleichgültig. Und haben Sie gespürt, wie aufmerksam und doch entspannt Sie sich fühlten, was für eine Zuversicht, was für ein Interesse in Ihnen wach war? So oder ähnlich haben jedenfalls die meisten meiner Schüler die Wirkungen des R-Modus beschrieben, und diese Charakterisierungen stimmen mit meinen eigenen Erfahrungen und mit den Schilderungen bekannter Künstler überein. Ein Maler erzählte mir einmal: «Wenn ich so richtig am Arbeiten bin - das ist für mich eine Erfahrung, die sich mit nichts anderem vergleichen läßt. Ich fühle mich eins mit der Arbeit: Maler und Malen, sie sind eins. Ich spüre eine tiefe Erregung und bin doch ruhig, ich bin in Hochstimmung und habe mich doch ganz unter Kontrolle. Das ist kein Glücksgefühl mehr, das ist fast schon Seligkeit.» Nach dem R-Modus zu arbeiten ist eine schöne Erfahrung, und es läßt sich gut zeichnen unter der Leitung der rechten Hemisphäre. Darüber hinaus befreit Sie das Umschalten auf den R-Modus eine Zeitlang von der Herrschaft des sprach- und symoolbesessenen L-Modus. Den meisten ist diese zeitweilige Loslosung sehr willkommen. Die Freude, die Sie empfinden, mag darauf beruhen, daß Sie die linke Hemisphäre zur Abwechslung ma -l zum Schweigen gebracht haben, daß Sie endlich einmal nicht

«Ich weiß nur zu gut, daß es mir nun in glücklichen Augenblicken gelingt, mich in meiner Arbeit zu verlieren. Maler und Dichter spüren genau, daß ihr wahres unwandelbares Wesen jenem unsichtbaren Reich entstammt, das ihnen ein Bild der ewige Wirklichkeit vermittelt . . . Ich habe das Gefühl, als ob ich nicht in der Ze existiere, als ob vielmehr die Zeit in mir existiere. Ich bin mir auch darüber klar, daß es mir nicht gegeben ist, das Rätsel der Kunst vollständig zu lösen. Nichtsdestoweniger gelang! ich fast zu dem Glauben, daß ich im Begriff bin, mit meinen Händen das Göttliche zu berühren.» Carlo Carrä
<The Quadrant ofthe Spint>

Schroeder and Coburn Fund. der dem herkömmlichen rationalen Denken unzugänglich ist. E.Die Erfahrung des Hinübergleitcns Abb. Mr. uns weit überragenden Geist einströmen zu lassen heißt. die Stunden andauern kann und uns zutiefst beglückt. Drogen. liegt zumindest teilweise auch den jahrtausendealten Praktiken der Meditation und anderen Methoden zur Herbeiführung veränderter Bewußtseinszustände wie Fasten. Dasselbe Bedürfnis. aber auch Zeichnungen nach dem eigenen Geschmack auswählen.und Alkoholgenuß zugrunde. Versu- . Mit freundlicher Genehmigung des Fogg Art Museum. Bevor Sie weiterlesen. fertigen Sie bitte mindestens noch zwei weitere Zeichnungen nach einer auf den Kopf gestellten Vorlage an. Das Zeichnen nach dem R-Modus führt zu einer Veränderung der Bewußtseinslage. 24: <Der Hofzwerg> (um 1535). Unsere Köpfe frei zu machen von allen Gedanken und in die Leere einen anderen. Harvard University. den L-Modus abzuschalten.» Edward Hill <The Language qf Drawing> auf ihr Geplapper hören müssen. Sie können dazu die Abbildung 24 benutzen. unser Bewußtsein auf einen Bereich auszudehnen.

indem Sie sich des geeigneten Modus — des «rechten» Modus — beim Zeichnen bedienen. daß Sie mit mir auf die Entwicklung Ihrer Kinderzeichnungen vom Kleinkindalter an zurückschauen . die eng mit entwicklungsbedingten Veränderungen des Gehirns verbunden ist. in der das Kind beim Zeichnen ständig in Konflikte gerät: Sein Symbolsystem scheint in dieser Entwicklungsphase die Oberhand über die Wahrnehmung zu gewinnen und die erscheinungsgetreue Abbildung der Wahrnehmungen zu behindern. Darüber hinaus behauptet die sprachlich orientierte linke Hemisphäre in diesem Alter bereits ihre dominierende Rolle. sich einen eigenen Zugang zur rechten Hemisphäre zu verschaffen. Aus verschiedenen Gründen ist es wichtig. für die eigentlich das rechte Hirn «zuständig» ist. . Dadurch wird die Lage noch komplizierter. daß der Konflikt dadurch entsteht. Erinnern Sie sich Ihrer Kinderzeichnungen Im nächsten Kapitel werden wir auf Ihre künstlerische Entwicklung in der Kindheit zurückblicken. Die Vermutung liegt nahe. Die Verteilung spezieller Funktionen auf die eine oder andere Gehirnhälfte — die Lateralisierung — geht beim Kind nur allmählich vor sich.damit Sie sich die wachsende Kompliziertheit der Zeichnungen bei Herannahen der Jugendjahre vergegenwärtigen. denn das Benennen von Gegenständen und ihre Darstellung durch festgelegte Symbole erhalten Vorrang vor der ganzheitlichen räumlichen Wahrnehmung. Erst im Alter von etwa zehn Jahren ist die Lateralisierung vollständig ausgebildet. Dieser Moment fällt mit einer Periode zusammen. damit Sie mit ihnen vertraut werden. daß die Kinder die «falsche» Gehirnhälfte — die linket— zur Lösung einer Aufgabe benutzen. Die Malerei der Kinder ist eine Phase. damit Sie Ihre Kinderzeichnungen mit weniger kritischen Augen als noch in diesem Moment betrachten und damit Sie schließlich die Symbolik Ihrer Kindheit hinter sich lassen und hinsichtlich der gestalterischen Wiedergabe optischer Eindrücke das Niveau eines Erwachsenen erreichen. die mit dem Umschalten auf den R-Modus verbundenen Gefühle bewußt zu empfinden. damit Sie sich die Diskrepanz zwischen Ihren Wahrnehmungen und Ihrem zeichnerischen Können ins Gedächtnis zurückrufen. Vielleicht gelingt es ihnen einfach nicht. In den ersten Jahren der Kindheit sind die Hirn-Hemisphären noch nicht auf gesonderte Funktionen spezialisiert.Die Erfahrung des Hinübergleitens chen Sie dabei stets.

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5 Zeichnen aus dem Gedächtnis: Ihr künstlerischer Werdegang .

bis Zehnjährige erreicht hatten.Ihr künstlerischer Werdegang Die meisten Erwachsenen der westlichen Kulturen gelangen in ihrer künstlerischen Entwicklung nie über das Niveau hinaus. denn das Zeichnen gehört — im Gegensatz zum Lesen und Schreiben — in unserer Kultur nun einmal nicht zu den lebenswichtigen Fähigkeiten. Hinterher berichtete er. ein paar Striche zog. welche Fähigkeiten sie auf anderen Gebieten. in denen ein Kind erwachsen wird — zum Beispiel die Sprache und die Handschrift. Das ist auch nicht verwunderlich. Sie stammen von einem außerordentlich klugen jungen Mann. Allmählich wurde er unruhig. 25 Abb. unabhängig davon. daß er seine Zeichnungen abscheulich fände und daß ihm das Zeichnen überhaupt verhaßt sei. Abb. Daher scheint es kaum jeman- . Nahezu alle geistigen und körperlichen Fähigkeiten entwickeln und verändern sich im Laufe der Jahre. beobachtete. als er diese Zeichnungen anfertigte. doch die meisten Erwachsenen zeichnen gleichfalls wie Kinder. sie wieder wegradierte und es noch einmal versuchte. In unserer Kultur zeichnen Kinder eben wie Kinder. Die Entwicklung der zeichnerischen Fähigkeiten jedoch scheint für die meisten Menschen schon in frühen Jahren beendet zu sein. Wollten wir diese Unfähigkeit klassifizieren — wie zum Beispiel Pädagogen Leseschwierigkeiten als «Dyslexie» bezeichnen -. Die folgenden Zeichnungen (Abb. wirkte angespannt und frustriert. der zur Zeit ihrer Entstehung an seiner Doktorarbeit schrieb. Doch bislang ist noch niemand auf diese Idee gekommen. 25 und 26) verdeutlichen dieses Verharren auf einem kindlichen Darstellungsniveau. das sie als Neun. in anderen Lebensbereichen ausgebildet haben. 26 Ich sah dem Mann zu. könnten wir sie «Dyspiktorie» oder «Dysartistie» nennen. wie er auf die Vorlage schaute. etwa zwanzig Minuten lang.

halten sie für mißlungen. daß so viele Erwachsene nur Kinderzeichnungen zustande bringen und daß die meisten Kinder mit neun oder zehn Jahren das Zeichnen einfach aufgeben. um ihrem Idealbild möglichst nahe zu kommen. einen Menschen oder nur ein Gesicht zu zeichnen. Dabei kommen doch nur Kinderzeichnungen heraus.wie viele andere Kinder auch . Aus diesen Kindern werden dann später Erwachsene. In solchen Situationen heißt es dann oft: «Brauch ich gar nicht erst zu versuchen kann ich sowieso nicht.in einen Konflikt zwischen ihrer ständig komplexer werdenden Wahrnehmung der Welt ringsum und ihrem zeichnerischen Können. Vielleicht können Sie sich entsinnen. wie Sie selbst in jenem Alter versuchten. sie hätten überhaupt kein Talent zum Zeichnen und könnten noch nicht einmal einen graden Strich ziehen. als Sie bei den Vorübungen die ersten vier Zeichnungen anfertigen sollten. die behaupten. wenn es Ihnen nicht gelang. So haben Sie wahrscheinlich . Alles.» Ähnliches werden vielleicht auch Sie empfunden haben. ^ Die kritische Phase Zu Beginn der Reifezeit geraten Kinder in eine gestalterische Krise . daß sehr tüchtige und selbstsichere Erwachsene plötzlich verlegen. auf die Sie vorher stolz gewesen wären. weil sie das Gefühl hatten. Die Folge dieses frühen Abbruchs der künstlerischen Entwicklung ist. die Dinge «richtig» zu zeichnen. Sie glaubten. Doch geben diese Erwachsenen dann oft zu.nach einigen Versuchen und kritischen Blicken auf die Ergebnisse gesagt: «Schreck- . wenn man sie auffordert. was nicht absolut «wie in Wirklichkeit» aussieht. schienen Ihnen nun hoffnungslos unzulänglich und beschämend. Im Alter von neun bis elfjahren etwa haben die meisten Kinder eine ausgeprägte Vorliebe für möglichst wirklichkeitsgetreues Zeichnen und Malen. Ich komme mir dabei so dumm vor. mit dem Zeichnen aufhören zu müssen.Ihr künstlerischer Werdegang den zu stören. Sie beginnen in dieser Hinsicht sehr selbstkritisch zu werden und zeichnen bestimmte Lieblingssujets wieder und wieder. daß sie es ja doch nie lernen würden. daß sie gern zeichnen gelernt hätten — um endlich die Schwierigkeiten beim Zeichnen zu überwinden. unsicher und ängstlich werden. und wie enttäuscht Sie waren.» Oder: «Ich mag nicht zeichnen. Zeichnungen. die ihnen in ihrer Kindheit so arg zu schaffen gemacht hätten.

die ihnen verläßlicher erscheinen und den Schülern weniger Qualen bereiten. Um ihr noch ungefestigtes Ich vor weiterem Schaden zu schützen. reagieren sie verständlicherweise meist defensiv. Es hat mir sowieso nicht viel Spaß gemacht . an denen sie bereits im Alter von zehn Jahren verzweifelt waren. komplizierte Bilder. den die Zeichnungen des Kindes hatten. Kunstunterricht in der Schule Selbst einfühlsame Lehrer. Die Lehrer erinnern sich der Freiheit und des bezaubernden Reizes. und nur sehr wenige unternehmen später noch einmal einen Versuch. was ihnen noch schmerzhaft deutlich in Erinnerung* war. Nur selten unternehmen sie je wieder den Versuch.besser. als es noch jünger war. Viele Erwachsene haben mir erzählt. was da passiert sein mag. daß die Mehrzahl der Schüler der Unter. angestrengte Bemühungen um eine wirklichkeitsgetreue Wiedergabe. Collagen. ihre zeichnerischen Fähigkeiten auszubilden. Ihre Selbstkritik verfestigt sich. das Zeichnen und Malen aufzugeben: die abfälligen oder spöttischen Bemerkungen gedankenloser Erwachsener über die kindlichen Kunstprodukte. der Kinder sehr häufig dazu veranlaßt. Die Folge ist. Infolgedessen nehmen die Pädagogen ihre Zuflucht zu mehr handwerklichen Aufgaben . ich lasse es jetzt ganz. Schnurbilder und ähnliche Übungen im Umgang mit vorgefundenem Material-. .Papiermosaiken. einen Menschen zu zeichnen. fühlen sich dann doch oft entmutigt durch die in diesem Alter bevorzugte Art zu zeichnen: mit Details überladene. wie sich in ihrer Kindheit ältere Leute über ihre zeichnerischen Bemühungen lustig gemacht hatten. Wie der bereits erwähnte Doktorand bilden sie ihr Können in den verschiedensten Gebieten aus. endlose Wiederholung der Lieblingsthemen wie Rennwagen und dergleichen.Ihr künstlerischer Werdegang lieh! Ich habe kein Talent. die sich über ungerechte Kritik an den Zeichnungen der Kinder entrüsten und ihnen wirklich helfen wollen. bittet man sie indes. Leider suchen Kinder die Ursache für ihren Schmerz oft in ihrer vermeintlichen Unzulänglichkeit anstatt in der unbedachten Kritik. was sie für «Verklemmtheit» und «Mangel an Kreativität» halten. und fragen sich. Sie bedauern.» Leider gibt es noch einen anderen Grund. Oft entwickeln sich die Schüler selbst zu ihren unerbittlichsten Kritikern. zeichnen zu lernen.und Mittelstufe nie zeichnen lernt. so entstehen die gleichen kindlichen Darstellungen.

Handgelenk. Das Stadium der Symbolik Abb. der die Grundlage aller Kunst bildet. Die kreisförmige Bewegung ist eine natürliche Bewegung — natürlicher zum Beispiel als die Armbewegungen. Doch bald begann es. Haben sie erst einmal erfaßt. die zum Zeichnen eines Vierecks notwendig sind. Nach den ersten Versuchen werden Sie vermutlich voller Entzücken jede Ihnen zugängliche Fläche bekritzelt haben. wenn Sie einen Stift in die Hand bekamen. . was man in seiner Umgebung sieht. wenn es einen Strich unter dem Stift hervorkommen sieht. Das Kind zeichnet ein kreisförmiges Gebilde.» Edward Hill <The Language 0/Drawing> Vom Kleinkindstadium bis zur Reifezeit Für die Mehrzahl meiner Schüler hat es sich als große Hilfe erwiesen. Abb. eine Linie. die sich wahrscheinlich automatisch aus dem Zusammenwirken von Schulter. Sie und ich. Schwerlich können wir uns das Erstaunen eines Kindes vorstellen. Sie haben diese Striche aus eigenem Antrieb gezogen. Schon allein dies muß ihm wie ein Zauber vorkommen. Hand und Fingern ergibt. wir alle haben diese Erfahrung einmal gemacht. Zuerst war Ihr Gekritzel ein ganz ungezieltes Herumfahren mit dem Stift (vgl. einschließlich der Lieblingsbücher Ihrer Eltern und der Schlafzimmertapeten. 27: Kritzelzeichnung eines Zweieinhalbjährigen. betrachtet es. sich an die Kinderjahre zu erinnern und sich vor Augen zu halten. die mit dem Stift über die Zeichenfläche gleitet und dabei eine Linie hinterläßt. durch ein gezeichnetes Symbol abbilden. fügt zwei Zeichen als Augen hinzu. bestimmte Formen anzunehmen. wie sehr es sich den Empfindungen während der ziellosen Bewegungen seiner Hand hingibt. weist auf die Zeichnung und sagt: «Mami» oder «Papi» oder «das bin ich» oder «mein Hund» oder was auch immer. 27). Eine der grundlegenden Kritzelbewegungen ist die kreisförmige. eines Picasso. Auf diese Weise haben wir alle den einzigartigen Erkenntnissprung vollzogen. Nach einigen Tagen oder Wochen machen Kleinkinder. wie das Symbolsystem ihrer Kinderzeichnungen zustande kam. eines Rembrandt. von den prähistorischen Höhlenzeichnungen bis hin zu den Gemälden eines Leonardo da Vinci.anscheinend alle Menschenkinder — die grundlegende künstlerische Entdeckung: Man kann alles.Ihr künstlerischer Werdegang 81 «Die Kritzeleien des Kleinkindes lassen deutlich erkennen. deren Verlaufes selbst lenken kann. Das Kritzelstadium Schon mit etwa anderthalb Jahren haben Sie Striche auf ein Blatt Papier gemacht. scheinen sie ihre künstlerischen Fähigkeiten leichter freisetzen und sich ein dem Erwachsenenalter angemessenes Darstellungsvermögen aneignen zu können. wie sich ihre bildlichen Vorstellungen beim Zeichnen vom Kleinkindalter bis zur Reifezeit entwickelten. Arm.

Ich habe bis zu 31 Finger an einer Hand gezählt. eine Knospe. später auch Finger darstellen sollen (Abb.Ihr künstlerischer Werdegang Abb. Das kleine Hand-Symbol dient auch zur Darstellung der Katzenpfoten. Sie kann — mit geringfügigen Variationen — fast alles darstellen: eine Katze. meist aber schon aus dem Körper — bisweilen zunächst unterhalb der Taille. mag er auch kleiner sein als der Kopf. Die Arme wachsen manchmal noch aus dem Kopf heraus. kreisförmige Umriß ist eine von allen Kindern auf der Welt benutzte Grundform. Als Sie ein kleines Kind waren. dann mit Strichen. Ihre Zahl variiert je nach Phantasie. 2g: Achten Sie darauf. wenn Sie auch vermutlich rührende. Entzückt versieht das Kind seine Kreise erst mit Augen und Mund. Am Ende der Arme und Hände tauchen Finger auf. werden die Darstellungen des Kindes komplexer. Im Alter von vier Jahren wird sich das Kind vieler Einzelheiten der Kleidung bewußt. einen Elefanten. eine Qualle. Dieser symmetrische. eine Blume. wie sich die Formen bei allen Figuren gleichen. etwa im Alter von dreieinhalb Jahren. 28). äußerst feine Veränderungen an der Grundform vornahmen. die Sonne. 28). um Ihre Vorstellung auch richtig zu vermitteln. am Ende der Beine und Füße Zehen. . Manche Hände oder Füße dagegen müssen mit einem Finger oder einem Zeh auskommen (vgl. Abb. auf den Zeichnungen erscheinen Knöpfe und Reißverschlüsse. sogar bei der Katze. Dem Kopf wird nun ein Körper angefügt. Sie spiegeln das wachsende Bewußtsein und die sich verfeinernde Wahrnehmung der Umwelt wider. Allmählich. was immer Sie wollten. die Arme und Beine. Die Beine werden an den Körper angehängt. stellte das Bild dar.

der anscheinend von morgens bis abends von seiner älteren Schwester herumkommandiert wird. Abb. worauf es ihm ankommt. aber auch schon gröbere Veränderungen der Grundformen entwickelt. von dem die Zeichnung auf Abb. 30 Seine symbolische Grundform für eine Figur benutzend. 30 stammt. Durch diese Lieblingsdarstellungen verfestigen sich bestimmte Bildelemente im Gedächtnis. Bilder. den gestaltlosen Empfindungen Gestalt gegeben hatte. Dann fügte er noch den Vater hinzu. mit nur geringfügigen » Wanderungen . Kinder werden nicht müde. Zum Schluß zeichnete er seine Schwester . die Geschichten erzählen Mit etwa vier bis fünf Jahren beginnt das Kind. im Vergleich zum anderen Arm riesengroß gemacht: der Arm mit dem Schirm ist das. sich besser gegen seine übermächtige Schwester zu wehren. wobei es kleine. Ein anderes Beispiel für die Art und Weise. ihre Lieblingsbilder immer wieder zu zeichnen. wie Kinder in ihren Zeichnungen Gefühle ausdrücken.mit gewaltigen Zähnen. zeichnete er daneben seine Mutter. wird es wohl in der Lage gewesen sein. Unter Anwendung der gleichen Grundform. Nachdem das Kind seine Gefühle für seine Schwester gezeichnet. zeichnete der Fünfjährige zunächst sich selbst. Sie prägen sie sich auf diese Weise ein und fügen ihnen im Laufe der Zeit immer mehr Einzelheiten hinzu. Abb. Zum Beispiel hat der junge Künstler. . Selbst Picasso hätte eine Empfindung kaum stärker zum Ausdruck bringen können. von ihm bevorzugte Darstellungsform.Ihr künstlerischer Werdegang 83 Obwohl Kinderzeichnungen sich in vieler Hinsicht ähneln. 29).langes Haar und Kleid -. erwirbt sich doch jedes Kind durch ständiges Probieren und Korrigieren («trial and error») eine eigene. die es allmählich verfeinert. in seinen Zeichnungen Geschichten zu erzählen und Probleme zu verarbeiten. den Arm. die sich über Jahre hinweg als außerordentlich beständig erweisen (vgl. der kahl ist und eine Brille trägt. um die gewünschte Bedeutung zum Ausdruck zu bringen. ist das auf dieser Seite in seinen Entstehungsphasen gezeigte Familienbild eines schüchternen Fünfjährigen. der den Schirm hält.

Versehen Sie das Ergebnis mit einer Bezeichnung wie: «Landschaftszeichnung aus meiner Kindheit. Wenn Kinder mit Farbe arbeiten. die Blumen. heben sie diese Unterscheidung hervor. nehmen Sie bitte ein Blatt Papier und versuchen Sie. denn nur so kommt man in das Haus hinein. die Sie mit fünf oder sechs Jahren gezeichnet haben. 31). Vielleicht erinnern Sie sich jetzt langsam an die übrige Landschaft: an die Sonne (war sie viereckig oder rund. Was gab es da noch? Einen Weg. gingen Strahlen von ihr aus?). an die Wolken. daß das Bild . der in die Landschaft oder zum Haus führte? Einen Zaun? Oder Vögel? Ehe Sie nun weiterlesen. Versuchen Sie sich während dieser Übung daran zu erinnern. daß der Boden unten und der Himmel oben ist. der obere der Himmel (vgl. Möglicherweise erinnern Sie sich Ihrer Kinder-Landschaft als ganzes Bild mit überraschender Deutlichkeit. mit all ihren einzelnen Elementen. Woraus setzte sich diese Landschaft zusammen? Zunächst einmal aus Himmel und Erde. welche Freude Ihnen das Zeichnen als Kind gemacht hat. an dem ein Türgriff fehlt. welche Befriedigung ausging von dem Gelingen eines jeden Symbols und von dem Gefühl. Ich habe noch nie eine Kinderzeichnung von einem Haus gesehen. Erinnern Sie sich daran. Daher ist der untere Rand des Blattes der Boden. Da das Kind in Symbolen denkt. Auch hier entscheidet sich das Kind nach einer Probierphase meist für eine einzige Landschaftsversion. den Schornstein. indem sie einen zumeist grünen Strich entlang des unteren Randes und einen blauen entlang des oberen Randes malen. Versuchen Sie einmal. hatte sie einen Türgriff? Natürlich. Die meisten Kinderlandschaften enthalten die gleiche HausVersion. sich zu entsinnen. Vielleicht können Sie sich noch an die Landschaft erinnern.Ihr künstlerischer Werdegang Die Landschaft Im Alter von etwa fünf bis sechs Jahren haben Kinder bereits eine Reihe von Landschaftssymbolen entwickelt. und an Ihr Empfinden. die es ständig wiederholt. daß nichts ausgelassen werden durfte. daß jedes Symbol innerhalb der Zeichnung seinen rechten Platz erhielt. oder aber sie taucht erst allmählich wieder in Ihrer Erinnerung auf. welche Art von Haus Sie gezeichnet haben. weiß es. die Berge. Blätter?). aus dem Gedächtnis wiedergegeben». Abb. Ihre Kinder-Landschaft aus der Erinnerung nachzuzeichnen. den Fluß. Hatte es Fenster? Mit Vorhängen? Und was noch? Wie war die Tür. wenn Sie zu zeichnen beginnen. den Baum (hatte er Äste.

daß ältere Kinder ihre Aufmerksamkeit auf einzelne Dinge in einem undifferenzierten Raum richten. ist das wahrscheinlich ganz einfach ein Zeichen dafür. Achten Sie auch auf die Komposition (die Art und Weise. daß Sie den Zugang zu dieser Erinnerung aus irgendeinem Grund gesperrt haben. Vielleicht fällt sie Ihnen später wieder ein. 33 fertig war. . Dagegen scheinen für ältere Kinder die Ränder des Blattes kaum zu existieren. den sie jedö^h meist in der Jugend verlieren und den sie sich später erst wieder mühsam aneignen müssen. Vergleichen Sie die beiden Zeichnungen und sehen Sie. Wenn nicht. Kinder scheinen zunächst mit einem stark entwickelten Sinn für Komposition ausgestattet zu sein. Bevor es weitergeht. Der Grund dafür besteht meiner Meinung nach darin.Ihr künstlerischer Werdegang Abb. so wie es auch im offenen realen Raum keine Begrenzungen gibt. was geschieht. Etwa zehn Prozent meiner Schüler sind gewöhnlich nicht in der Lage. daß kein einziges Element hinzugefügt oder entfernt werden kann. wollen wir einen Moment lang innehalten. die sich deutlich voneinander unterscheiden. von den vier Rändern des Blattes begrenzte Vorstellungswelt schafft. wie die Elemente eines Bildes auf der gegebenen Fläche zusammengefügt beziehungsweise verteilt sind): sie scheint genau richtig in dem Sinne zu sein. während sich das Kleinkind eine in sich ruhende. Probieren Sie dies selbst an ihren erinnerten Landschaften aus. wenn Sie allen Symbolen ihren Platz zugewiesen hatten. 32 Abb. wenn man eine Form (in diesem Fall den Baum) wegnimmt. indem Siejeweils ein Element der Zeichnung mit der Hand oder mit einem Stück Papier abdecken. Sie werden feststellen: Das Gleichgewicht des Bildes ist dadurch zerstört. Wenn Sie sich im Moment nicht mehr an Ihre Kinder-Landschaft erinnern können. sich ihrer Kinderzeichnungen zu erinnern. ohne das Gleichgewicht des Ganzen zu stören. um einige von Erwachsenen aus der Erinnerung wiedergegebene Kinderzeichnungen zu betrachten. Als erstes werden Sie bemerken. Die Abbildungen 32 und 33 sollen Ihnen dies veranschaulichen. daß alle Landschaften sehr persönlich gestaltete Bilder sind. machen Sie sich keine Sorgen.

35: Landschaftszeichnung eines Sechsjährigen. Für ein Kind scheint jedes Teil der Fläche eine symbolische Bedeutung zu haben: Der leere Raum stellt Luft dar.86 Abb. Das Haus steht sehr weit vorn. durch die Sonnenstrahlen dringen und Vögel fliegen. Ihr künstlerischer Werdegang ibb. 34: Landschaftszeichnung eines Sechsjährigen. Der untere Rand des Blattes dient gleichzeitig als Boden. Hier liegt das Haus veiter hinten und wird von einem Regenbogen umschlossen. . Es strahlt ine große Selbstzufriedenheit aus. in die Rauch aufsteigt.

Ihr künstlerischer Werdegang Die Abbildungen 34 bis 36 zeigen einige andere charakteristische Merkmale kindlicher Landschaftszeichnungen. Decken Sie ein Element ab. Nachdem Sie sich diese Beispiele angesehen haben. dann in einigen gesprochenen oder geschriebenen Sätzen. wohin jedes Teil gehörte? Haben Sie nicht für jedes Element ein in sich vollkommenes Symbol gefunden. betrachten Sie Ihre eigene Kinder-Landschaft. was das Haus für Sie ausdrückt . Erinnern Sie sich daran. Fühlten Sie sich nicht absolut sicher bei der Entscheidung.zunächst im stillen ohne Worte. und stellen Sie fest. der ein wichtiger Aspekt der Komposition ist. wie Ihnen eben beim Zeichnen der Kinder-Landschaft zumute war. wie sich das auf die Komposition auswirkt. Beachten Sie die Komposition. Achten Sie auf den Abstand zwischen den einzelnen Bild teilen. Versuchen Sie zu beschreiben. das genau zu den anderen Symbolen .

zu ihnen gehört auch eine Comic-Zeichnung. Auffällig ist auch die Verwendung von Blockbuchstaben. Wespentaillen und winzigen Füßen. zugleich aber deuten sie auf eine geringere Sicherheit hin als die Landschaftszeichnungen der frühen Kindheit. das ihnen sehr imponiert. Die Abbildungen 37 bis 40 sollen hier als Beispiele für diese Zeichnungen aus der beginnenden Adoleszenz dienen. Jungen zeichnen nun mit Vorliebe Autos . Mädchen hingegen bevorzugen harmlosere Themen: Vasen mit Blumen. sich in die Phase Ihrer kindlichen Entwicklung hineinzuversetzen. die der eben geschilderten folgt. die hierin zum Ausdruck kommen. Comics werden von Jungen . Wahrscheinlich sind es die Wirkungen kultureller Einflüsse. die Hände auf dem Rücken. zum Beispiel (ein Prachtexemplar!) ein Augapfel mit eingestochenem Degen und Blutpfützen. fiktive und historische Heldengestalten — bärtige Piraten. auf diese Weise eine möglichst erscheinungsgetreue Abbildung des Gesehenen zu erreichen.Ihr künstlerischer Werdegang " paßte? Vielleicht haben Sie sogar die gleiche Befriedigung gespürt. Supermänner. scheinen eine besondere Anziehungskraft auszuüben. Die Stufe der Komplexität Nun bitte ich Sie. Tiefseetaucher. Besondere Aufmerksamkeit widmet es den Details seiner Formen. Dieser «Naturalismus» ist jetzt ein Ideal. Kriegsszenen mit Bombern und Panzern und Raketen. Schiffe. hübsche Mädchen. vierten oder fünften Klasse. Etwa in diesem Alter kann man auch die ersten geschlechtsspezifischen Unterschiede von Kinderzeichnungen feststellen. wenn alle Formen den rechten Platz hatten und somit das Bild fertig war. In dieser Phase bemühen sich die Kinder beim Zeichnen zunehmend um die Darstellung von Details in der Hoffnung. Sie achten immer weniger auf die Komposition. Flugzeuge. Durchweg werden die Zeichnungen älterer Kinder komplexer.und zehnjähriges Kind angefertigt haben — etwa in der dritten. die sich in stillen Seen spiegeln. Möglicherweise können Sie sich noch an einige der Zeichnungen erinnern. Mannequins mit unglaublich langen Augenwimpern. weil Hände «so schwer zu zeichnen» sind. Fernsehstars. mit schicken Frisuren.vor allem Rennwagen -. Das Aussehen der Dinge wird für das Kind offensichtlich wichtiger als ihre Placierung auf dem Zeichenblatt. die Sie als neun. Berge. insbesondere Monogrammen. Bestimmte seltsame Phantasien. die Sie als Kind empfanden. Bergsteiger. die rennen oder im Gras sitzen. die Formen werden fast auf gut Glück auf der Fläche verteilt. Wasserfälle.

Bilder dieser Art so detailliert und vollkommen wie möglich zu gestalten. daß das Geschmacksniveau bei Kindern dieser Altersstufe allgemein recht niedrig ist. Die Kunstpädagogin Miriam Lindstrom schreibt.Ihr künstlerischer Werdegang 89 Abb. in durchsichtigen Vasen — das ist ein immer wiederkehrendes Lieblingsthema in Kinderzeichnungen aus dieser Phase. weil es ihm hoffnungslos unzureichend erscheint. Abb. 3g: Komplexe Zeichnung einer Neunjährigen. eine Zeichnung zustande zu bringen. Sie erproben dabei die unterschiedlichsten Symbole und Darstellungsformen. . die viele Lehrer als unschöpferisch verurteilen. Abb.Ge- genstände unter Wasser oder durch Glasfenster gesehen. ist es doch viel wahrscheinlicher. Die Comic-Zeichnung ist eine sehr beliebte Kunstform unter Heranwachsenden dieses Alters. Obwohl man hieran die verschiedensten psychologischen Hypothesen anknüpfen könnte. Achten Sie auf die geduldige Wiederholung des Symbols für «Gesicht in der Menge». Durchsichtigkeit . auf der alles «wie in echt» aussieht. wie in dieser Zeichnung. 38: Komplexe Zeichnung eines Zehnjährigen — ein Beispiel für jene Art von Zeichnungen. daß diejungen Künstler an diesem Motiv ausprobieren wollen. Diejungen Künstler strengen sich jedoch sehr an. oder. /jo: Komplexe Zeichnung eines Zehnjährigen. ob sie es schaffen. Doch wird das Kind sehr bald auf dieses Symbol verzichten.

In dieser Altersstufe geben sich die Kinder die allergrößte Mühe. Ich glaube. sie in der Seitenansicht zu zeichnen. Besondere Anziehungskraft üben figürliche Darstellungen auf sie aus. daß ihre Zeichnungen «kindisch» sind.was bedeutet. Beachten Sie das von vorn gesehene Auge in der Darstellung des Profils und die Tatsache. Kompositionelle Gesichtspunkte sind unberücksichtigt geblieben. 42: Wirklichkeitsnahe Zeichnung eines Zwölfjährigen. Zehn. daß sie «wie in Wirklichkeit aussehen».Ihr künstlerischer Werdegang und von Mädchen gezeichnet und sind hoch angesehen. Die «realistische» Phase Etwa im Alter von zehn bis elf Jahren sind die Kinder vollständig von der Leidenschaft für realitätsnahe Darstellungen (vgl. die Dinge so wiederzugeben. ihre Zeichnungen «stimmen nicht richtig» . In dieser Zeichnung wurden Symbole einer früheren Phase in die neue Wahrnehmungsweise eingepaßt. daß sie ihnen nicht wirklichkeitsgetreu genug erscheinen -. . Wenn sie meinen. den Gedanken von sich zu weisen. zusammenhanglose Formen. 41 und 42) ergriffen. weil in ihnen vertraute Symbolformen in hochentwickelter Manier verwendet werden. 41: Wirklichkeitsnahe Darstellung eines Zwölfjährigen. Die Aufmerksamkeit konzentriert sich hier auf einzelne. daß das Wissen des Kindes um die Form einer Stuhllehne es nicht daran gehindert hat.bis zwölfjährige Kinder suchen nach Wegen. sie üben auf Kinder dieser Altersstufe deshalb eine besonders große Anziehungskraft aus. verlieren Kinder oft den Mut und Abb. Abb. was den Heranwachsenden hilft. Das Bewußtsein für die Fläche und ihre Begrenzung durch den Rand verblaßt. Jedes Teil hat eine Funktion für sich. erscheinungsgetreue Darstellungen zustande zu bringen. Abb. die auf gut Glück willkürlich auf der Fläche verteilt werden.

Formen zusammensetzt. daß Würfel rechtwinklige Ecken haben. (Vielleicht erklärt dies zum Teil Picassos Bemerkung. Diese Formen jedoch sind nicht quadratisch. Der Würfel.und Anfängerzeichnungen. Da Schüler wissen. wird nur dann wie ein Würfel aussehen. bei denen es diese Art von Gestaltungsproblemen zu bewältigen gibt. bringen Heranwachsende zur Verzweiflung (vgl. ein zehnjähriges Kind hat sich vorgenommen. beginnen sie ihre Darstellung eines Würfels gewöhnlich mit einem rechten Winkel.Ihr künstlerischer Werdegang bitten ihre Lehrer um Hilfe. Beim Weiterzeichnen häufen sich ihre Fehler. wenn man seine . Dann erhalten sie vielleicht die Antwort: «Du mußt eben ganz genau hinsehen». die «falschen» Zeichnungen (Abb. denn dann würde der Würfel aussehen wie eine quadratische Fläche. den es zeichnet. die ihm «komisch» vorkommen. Damit der Würfel möglichst «wie in Wirklichkeit» aussieht. und so werden sie immer verwirrter. Ich möchte das an Hand eines Beispiels verdeutlichen. einen an sich unlogischen Umsetzungsprozeß akzeptieren. dann kommt es zu «falschen» Darstellungen. muß das Kind die aus seiner Perspektive recht seltsam gewinkelten Formen nach ihrem Erscheinungsbild zeichnen . einen Würfel zu zeichnen. daß die Malerei eine Lüge sei. der mit Bildern des Kubismus und der abstrakten Kunst vertraut ist. Nehmen wir an. Das Kind muß also sein Wissen. Obwohl ein Experte und erfahrener Betrachter von Kunstwerken. vielleicht einen dreidimensionalen Holzklotz. der zwei oder drei seiner Seiten erkennen läßt — also nicht direkt von vorn. 43) vielleicht interessanter findet als die «richtigen» auf Abb. 44 (dies gilt sicher iür viele in diesem Buch abgebildete Kinder. ihn aus einem Winkel zu zeichnen. versucht es.) Wenn das Wissen des Schülers um die wirkliche Form des Würfels die Oberhand über seine optische Wahrnehmung gewinnt. wie das Bild auf die Netzhaut trifft. die der «wahre Künstler» als «wahre Kunst» bejubeln ma g)> ist es für einen jungen Schüler unfaßbar.das heißt: genau so. Mit anderen Worten: Das Kind muß ein Paradoxon. was sie sich genau ansehen sollen. ziehen sie an seiner Unterseite eine gerade Linie. Abb. daß der Würfel quadratisch ist. denn Kinder wissen nicht. Um diesen Plan in die Tat umzusetzen. Da sie wissen. unterdrücken und Formen zeichnen. daß der Würfel auf einer glatten Fläche ruht. die die Wahrheit ausdrücke. 43). wenn er sich aus nichtquadratischen. der seinem rationalen Verständnis zuwiderläuft. Zeichenaufgaben. doch eine solche Aufforderung hilft ihnen kaum weiter.

indem er den Schülern zeigt. 44: «Richtige» Darstellungen eines Würfels. wie sie es machen müssen — indem er es ihnen vorzeichnet.Ihr künstlerischer Werdegang Abb. der Lehrer kann gut zeichnen und besitzt genügend Selbstvertrauen. daß er hinsichtlich seiner manuellen Geschicklichkeit durchaus zum Zeichnen befähigt ist. «Ich kann nun mal nicht zeichnen». wird er sagen. . «falschen» Darstellungen lobt. ihn daran hindert. Seine gezeichneten Formen verraten. daß sein Wissen. schöpferische Lösung zu werten. Die Schwierigkeit besteht darin. die Dinge so zu sehen. als eine beifallswürdige. Doch das Gegenteil ist wahr: Er kann sehr wohl zeichnen. Das Kind wollte ja den Würfel so «wirklich» wie möglich darstellen. vorausgesetzt. Daher ist diese Zeichnung in seinen Augen mißlungen. Eine positive Beurteilung erschiene ihm ebenso absurd wie der Versuch. das Problem zu lösen. um vor der Klasse sein zeichnerisches Können zu demonstrieren. Aus solchen «falschen» Darstellungen beim Zeichnen eines Würfels wird so mancher Schüler seine Konsequenz ziehen. die Behauptung. Das Vorzeichnen ist eine altehrwürdige Methode des Kunstunterrichts. die auch funktioniert. Bisweilen versucht der Lehrer. wie sie ihm erscheinen. Abb. das in anderen Verwendungszusammenhängen von großem Nutzen ist. daß «zwei und zwei gleich fünf» sei. 43: «Falsche» Darstellungen eines Würfels (Schülerzeichnungen).

die Dinge als Wörter.Ihr künstlerischer Werdegang Unglücklicherweise haben Lehrer in dieser Hinsicht oft ein ebenso roßes Gefühl von Unzulänglichkeit wie die Kinder. die auf den Ergebnissen der modernen Gehirnforschung basieren. Meiner Meinung nach neigen Kinder dieser Altersstufen zum Realismus (der für sie natürlich eine ganz andere Bedeutung als der kunsttheoretische Begriff «Realismus» hat). Die naheliegende Frage lautet: Was hindert einen Menschen daran. wie man die Dinge außeine andere Weise — durch «Einschalten» des R-Modus — sieht. sehr viel Energie und Anstrengung zu investieren. Glücklicherweise sind wir heute im Begriff. Viele Lehrer sind der Meinung. daß er sie zeichnen kann? Teil können wir diese Frage durch den Hinweis darauf beantworten. die Dinge so genau anzusehen. weil sie sich bemühen. Sie wollen wirklichkeitsgetreue Abbildungen schaffen oder aber das Zeichnen für immer aufgeben. daß ihre Zeichnungen dem entsprechen. als Begriffe zu erfassen und in unser Sprachsystem einzufügen: Wir benennen sie und eignen uns ein faktisches Wissen über sie an. wie man das macht. Das Symbolsystem des Kindes prägt die Sehweise des Erwachsenen rücken wir dem eigentlichen Problem und seiner Lösung langsam näher. daß wir von Kindheit an gelernt haben. daß ich zu den Kindern gehörte. Sie werden die Lehrer in die Lage versetzen. Wie ich bereits im Vorwort erwähnt habe. Doch sosehr auch manche Lehrer das Beharren ihrer Schüler auf diesem naturalistischen Ideal beklagen die Kinder selbst sind in dieser Hinsicht unnachgiebig. wenn die Ergebnisse ermutigend sind. sehen zu lernen. und sie wollen wissen. denen sie das wirklichkeitsgetreue Zeichnen beibringen wollen. Und sie sind bereit. Die dominante linke Hemisphäre ist nicht an der . Nur wenige Kinder haben das Glück. glaube ich. das Geheimnis durch Zufall zu entdecken: nämlich. denen dieser Wahrnehmungsvorgang in den Schoß fällt. Doch die meisten Kinder müssen das «Umschalten» erst lernen. neue Unterrichtsmethoden zu entwickeln. was sie sehen. daß Kinder in diesem Alter freier in ihrem Schaffen und weniger um realitätsnahe Darstellung bemüht sein sollten. Sie wollen. das Verlangen der Kinder nach einer Ausbildung ihres Wahrnehmungsvermögens und ihres zeichnerischen Könnens zu befriedigen.

Sie möchte nur gerade so viel von den Dingen wissen. Allgemein betrachtet. . die den menschlichen Geist nach ihren Bedürfnissen modelt . nützliche Einrichtung. 45: Studie zum (Heiligen Hieronymus> (1521) von Albrecht Dürer. und das ist es: an Stelle der konkreten Bilder treten die Begriffe.Ihr künstlerischer Werdegang Sobald das Kind mehr als ein Gekitzel zustande bringt. ist dieser Filter eine sehr wichtige. erhalten die Dinge ihren Namen. . ein Hund usw. Je mehr die Herrschaft der Sprache. . scheint eine seiner Funktionen darin zu bestehen.» Karl Bühler Grundriß der geistigen Entwicklung des Kindes- ganzen Vielfalt der Informationen interessiert. daß sie sie zu erkennen und zu kategorisieren vermag. einen raschen Blick auf das Objekt zu werfen und festzustellen: «Richtig. bei dem eine große Zahl von Einzelheiten wahrgenommen. die Oberhand gewinnt. die Sprache hat das Zeichnen erst verrdorben und dann verschluckt. damit wir unser Denken auf bestimmte Dinge konzentrieren können. die in unseren Wahrnehmungen enthalten sind. . und im Geist des Kindes beginnt die Bildung der Begriffe. . ein Vogel. einen großen Teil der Wahrnehmungsvielfalt auszufiltern. gründliches Hinsehen. gibt es seine natürlichen Zeichenversuche auf.). . Die Zeichnungen des Kindes sind in gewissem Sinne graphische Erzählungen . Doch das Zeichnen erfordert ein langes.» Da unser Gehirn die meiste Zeit mit hereinströmenden Informationen überfüttert wird. . . . Dies ist notwendig. Sie hat gelernt. das sprachlich formulierte begriffliche Wissen beherrscht sein Gedächtnis und sein zeichnerisches Werk . ein Baum. das ist ein Stuhl (oder ein Schirm. im Alter von drei bis vier Jahren. so viele Informationen wie möglich ge- Abb.

Haare. wenn man das Gehirn vor Aufgaben stellt. als Sie Ihre Kinder-Landschaft zeichneten. die allein sie zum Zeichnen befähigt. sind gewöhnlich nicht in der Lage. das du schon immer benutzt hast. mit den Augen eines Künstlers zu sehen. wenn er sie zeichnen wolle. und übersetzen diese Wahrnehmung dann auf der Stelle in Wörter und Bildsymbole. dieses Ideal zu verwirklichen. Die linke Hemisphäre bringt nicht die Geduld für eine solche detaillierte Wahrnehmung auf. die zeichnen lernen wollen. Hier hab ich ein fertiges Symbol für dich. wie sie sind. wenn Sie zum Beispiel ein Gesicht zeichnen. Das tüchtige linke Hirn sagt dann: «Augen — kein Problem. Sie registrieren. aber laß mich bitte mit diesem ganzen verdammten Sehkram zufrieden. Wimpern? Für alles steht ein fertiges Bildsymbol bereit. wirklich zu sehen. Sie macht es sich in dieser Hinsicht leicht und versucht. Ebenso stehen Symbole auf Abruf bereit. Hier hab ich das Symbol für Augen. Wenn du willst.» Woher stammen diese Symbole? Sie sind in den Jahren der Kinderzeichnungen entstanden. Die Symbole prägen sich dem Gedächtnis ein und können somit jederzeit abgerufen werden — was auch bei Ihnen geschah. scheint dies am besten zu gelingen. was sich vor ihren Augen abspielt ~ sie nehmen ihre Umwelt nicht auf die besondere Weise wahr. Um es zusammenzufassen: Erwachsene. was sie erblicken. Die Abbildung 45 zeigt einen Versuch Dürers. und damit basta. so macht man's. mit denen die linke Hemisphäre weder umgehen kann noch will. Und eine Nase? Schau hin. So lernen Sie. Wenn Sie dieser Prämisse folgen. die vorwiegend auf dem in ihrer Kindheit entwickelten Symbolsystem und auf ihrem Wissen über das wahrgenommene Objekt beruhen.Ihr künstlerischer Werdegang neichert werden — im Idealfall alle. Mehr brauchen wir doch gar nicht zu wissen. Gib dich bloß nicht so lange mit diesem bescheuerten Stuhl ab — du verdirbst dir ja die Augen. sie also genau so wahrnehmen. kannst du ja noch ein paar Details hinzufügen.» Mund. Jeder Mensch entwickelt in dieser Zeit ein Symbolsystem. der Künstler müsse die Dinge «spiegeln». ihre Kollegin zur Rechten von ihren Ansichten zu überzeugen: «Es ist ein Stuhl. Mit einer Reihe solcher Aufgaben haben Sie es schon zu tun gehabt: das Vasen-Gesichter-Zeichnen und das Um- . so müssen Sie Ihren dominanten L-Modus — die sprachlichen Kategorisierungsmechanismen — «abschalten» und den R-Modus «einschalten». Wie können wir diese Schwierigkeit überwinden? Der Psychologe Robert Ornstein meint. Wieder lautet die Schlüsselfrage: Wie bringt man dieses Umschalten zustande? Wie bereits im vierten Kapitel dargelegt.

Ihrem Beobachter den Rücken zu stärken. . Wenn jemand Sie anspricht. was Sie tun. Die Übungen im nächsten Kapitel sollen Sie tiefer in ihn hineinführen. daß Sie in diesem Zustand fähig sind. Auch ein äußerer Beobachter ist in der Lage. dann versuchen Sie sich die charakteristischen Merkmale dieses Zustandes zu vergegenwärtigen. aktiv und angstfrei. dabei ganz ruhig. Zunächst einmal verlieren Sie das Gefühl für Zeit. Sie mögen sie hören. bedeutet Einssein. Zweitens widmen Sie Worten. Es ist wichtig. . Es ist ein höchst angenehmer Zustand. Sie denken nicht in Worten. keine Aufmerksamkeit. Doch ein Mensch. Sie werden sich des Vergehens der Zeit nicht im Sinne der Uhrzeit bewußt. in Übereinstimmung mit seinem Gegenstand sein . Unser Ziel ist. . beim Lesen usw. gefördert werden. sich bewußt und absichtlich in einen Zustand zu versetzen. Sie müßten sich sehr anstrengen.» D. und zumal beim Zeichnen wird Ihr Denken von dem Objekt Ihrer Wahrnehmung «gefesselt». gut auszuführen. H. Ich möchte an dieser Stelle ein letztes Mal die Charakteristika des R-Modus aufzählen. in dem sich dieses Hinübergleiten in den R-Modus wie von selbst vollzieht. wieder in Worten zu denken und zu antworten. Vielleicht haben Sie dabei schon festgestellt. sind Sie nicht ermüdet. genauer hinzusehen. . sondern in Bildern. Zudem erscheint Ihnen alles.96 «Kunst ist eine Art äußerst feinen Bewußtseins . Sie sind voller Energie. wird niemals etwas von den vielen Übergängen von einem Identitätszustand in den anderen bemerken. mit der Sie beschäftigt sind. Sie sind aufmerksam und konzentriert bei der Sache und fühlen sich «eins» mit den Dingen. Das Bild muß ganz aus dem Innern des Künstlers kommen . das Umschalten zu steuern. diesen Zustand klarer erkennen und bewußter lenken zu lernen. daß es Ihnen gelingen wird. Sie spüren ein großes Selbstvertrauen und die Zuversicht. Und bis zu einem gewissen Grade haben Sie ja den anderen Bewußtseinszustand bei «eingeschaltetem» R-Modus bereits bewußt erlebt und auch wiedererkannt. der diese BeobachterFunktion nicht besonders gut entwickelt hat. das im Bewußtsein lebendig ist. Wenn Sie ihn verlassen. die Sie vielleicht auch bei anderen Tätigkeiten (beim Fahren auf der Autobahn. Wenn Sie an Ihre neuen Zeichenerfahrungen seit Beginn der Lektüre dieses Buches und an Ihr Erleben leicht veränderter Bewußtseinsstände zurückdenken. . Lawrence Ihr künstlerischer Werdegang «Die Entwicklung eines inneren Beobachters kann einem Menschen die Wahrnehmung unterschiedlicher Identitätszustände ermöglichen. Tart (Alternative States of Consciousness> gekehrt-herum-Abzeichnen. können ihren Sinn jedoch nicht aufnehmen. Auf diese Weise lernen Sie. enorm interessant. haben Sie das Gefühl. um wieder umzuschalten. auf die Sie sich konzentrieren. .» Charles T. lebendig wie eine Vision. Wir stehen nun also vor der Aufgabe. sondern erfrischt. die Aufgabe. diesen Zustand zu erkennen. von seinen Wahrnehmungen auf solche verschiedenen Identitätszustände zu schließen. . doch unbekannt. die man an Sie richtet.) bewußt empfunden haben. daß Sie Ihren verborgenen Beobachter noch intensiver ausbilden und sich so langsam die Fähigkeit aneignen. Zugleich soll Ihre Fähigkeit. Das ist das Vorstellungsbild.

Ihr künstlerischer Werdegang Einen ähnlichen Übergang schildert Lewis Carroll in seinem Buch <Alice hinter den Spiegeln): «Ach. ach! so herrliche Dinge zu sehen! Tun wir doch so. . daß man hindurchsteigen könnte. wenn wir in das Spiegelhaus hinüber könnten! Sicherlich gibt es dort. als ob aus dem Glas ein weicher Schleier geworden wäre. Aber es wird ja tatsächlich zu einer Art Nebel! Da kann man mit Leichtigkeit durch . Mieze! Wie schön das wäre.» . .

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6 Die Umgehung des Symbolsystems: Wir zeichnen Ränder und Konturen .

warum diese Methode so außerordentlich erfolgreich ist. wenn man sich eine Aufgabe stellt. sich bei der Arbeit vorzustellen. werden wir uns nun einer noch drastischeren Methode bedienen. und ironischerweise ist gerade sie zu abfälligen Bemerkungen nur allzu bereit. stürzt sie sich mit ihren an die Sprache gebundenen Symbolen darauf. es könne zeichnen. Er empfahl ihnen. daß die Schüler veranlaßt würden. beim Zeichnen von zwei Sinnen Gebrauch zu machen: vom Sehen und vom Tastsinn. In den vorigen Kapiteln habe ich zu zeigen versucht. Auf Grund der Ergebnisse der modernen Gehirnforschung können wir uns heute erklären. die Effektivität seines Verfahrens beruhe darauf. Nach den Vasen-Gesichtern und dem Abzeichnen einer auf den Kopf gedrehten Vorlage. scheinen die zeichnerischen Symbole der Kinderzeit die spätere künstlerische Entwicklung eher zu behindern. . Lesen. die die linke Gehirnhälfte weder erfüllen kann noch mag. daß die linke Hemisphäre hartnäckig darauf besteht. in das rechte Hirn verlagert worden ist. Ihrer linken Hemisphäre wird es vermutlich ein Greuel sein. lange nachdem die Fähigkeit zur Verarbeitung von Informationen. Sieht sich die linke Hemisphäre mit einer Zeichenaufgabe konfrontiert. Schreiben und Rechnen. wie Sprechen. die die Sprache unserer Kinderzeichnungen bestimmten. wenn die Zeichnung nachher kindlich oder naiv wirkt. um den L-Modus «matt zu setzen» und uns den Zugang zum R-Modus zu erschließen. In gewissem Sinne «denkt» das linke Hirn unglücklicherweise immer noch. von ihren im Gedächtnis gespeicherten Symbolen beim Zeichnen auch dann Gebrauch zu machen. wenn sie für die Aufgabe nicht mehr geeignet sind. Der Kunstpädagoge Kimon Nicolaides hat das reine Konturenzeichnen in seinem 1941 erschienenen Buch < The Natural Way to Draw> zu einer Unterrichtsmethode ausgearbeitet. Das zentrale Problem beim Unterricht im naturgetreuen Zeichnen besteht also vom zehnten Lebensjahr an darin.Wir zeichnen Ränder und Konturen Wir haben auf unsere Kinderzeichnungen und auf die Entwicklung einer Reihe von Bildsymbolen zurückgeblickt. Diese Entwicklung verlief parallel zu der Herausbildung anderer Symbolsysteme. Dieses Verfahren ist das «reine Konturenzeichnen». Während diese und andere Symbolsysteme eine nützliche Grundlage für die spätere Entwicklung verbaler und rechnerischer Fähigkeiten bilden. daß man ganz leicht die dominante linke Hemisphäre «ab-» und statt dessen die rechte «anschalten» kann. Nicolaides glaubte damals offensichtlich. die von zahllosen Kunsterziehern in den USA aufgegriffen wurde. die räumliche Strukturen und Relationen zwischen Dingen betreffen.

wo Fingernagel und Haut aneinandergrenzen oder zwei Hautfalten eine Runzel bilden usw. «Sehen allein reicht.Wir zeichnen Ränder und Konturen Haß sie die Formen während des Zeichnens abtasten. Betrachten Sie Ihre Hand: Überall dort. (Mit den Rändern werden wir im nächsten Kapitel aufs neue zu tun bekommen. als Sie die Ränder «blind» zeichnen sollen. Kurzum. den man zeichnet. das genaue Nachzeichnen von Konturen entspricht nicht der Arbeitsweise der linken. Die Methode des Konturenzeichnens. Ein Rand entsteht dort. erfordert insofern eine besonders genaue.oder Umrißlinie. wenn alle Teile einer Komposition ineinandergefügt ein zusammenhängendes Ganzes ergeben. lebhaften. wie das Gehirn seine Arbeitslast auf seine zwei Hälften verteilt. Begrenzungen von Formen zu sehen und sich vorzustellen. empfehle ich Ihnen die folgenden Übungen. Ränder.. die ich Ihnen vorstellen will. ergibt sich ein Rand. mit seiner Einheit zusammenhängt. vielschichtige Erfassen räumlicher Strukturen und läßt deshalb die Verarbeitung dieser Wahrnehmungen nach dem R-Modus gern zu. . ja vielleicht das wichtigste Prinzip der bildenden Kunst. Diese Einheit kommt zustande. da sie mit der inneren Geschlossenheit eines Bildes. eine Begrenzung. aber auch an den Stellen. Mit ihrer Hilfe können Sie Ihre Fähigkeit trainieren.) Diese Vorstellung von der gemeinsamen Begrenzung ist ein fundamentales Element. Übung zum Erfassen von Rändern Damit Sie sich die Vorstellung von den durch gemeinsame Ränder miteinander verbundenen Formen und Zwischenräumen fest einprägen. wohl aber der der rechten Gehirnhälfte. wo sie von Luft umgeben ist (die in einer Zeichnung als Hintergrund oder Zwischenraum erscheint). . möchte ich die Bedeutung einiger Begriffe klären. was uns sehr gelegen kommt. überaus sorgfältige. scheint mir die Wirksamkeit dieser Methode eher in einer anderen Ursache begründet zu liegen: Die linke Hemisphäre sperrt sich gegen das langsame. mit Hilfe so vieler Sinne wie möglich — vor allem mit dem Tastsinn. Unter Kontur verstehe ich die Begrenzung einer Form. intensive Beobachtung. physischen Kontakt mit dem Gegenstand treten. Diese gemeinsame Grenze von zwei nebeneinanderliegenden Formen kann mit einer einzigen Linie dargestellt werden: der sogenannten Kontur. so wie wir sie wahrnehmen. nicht aus.» Kimon Nicolaides < The Jiatural Way lo Draw> . wo zwei Dinge aneinandergrenzen. das heißt ohne beim Zeichnen aufs Blatt zu schauen. Man muß in einen anregenden. wobei ein jedes sein eigenes Gewicht in die Ganzheit des Bildes einbringt. Da wir inzwischen wissen. Bevor ich nun diese Methode beschreibe.

Doch glücklicher- . einen Bootssteg. Alle Stücke zusammen — Raum (Himmel und Wasser) und Formen (Boot. stellen Sie sich vor. Nun passen Sie die Stücke in Ihrer Vorstellung ineinander. Stellen Sie sich die verstreut herumliegenden Einzelteile — etwa sechs bis acht — eines Puzzles für Kinder vor.Wir zeichnen Ränder und Konturen 1. in denen er im Gesamtbild erscheint. Stellen Sie sich vor. räumliche Wahrnehmung zu verhindern. Während Ihr Blick langsam an der gewählten Randlinie entlanggleitet. Stellen Sie sich weiter vor. daß Sie diesen Rand in Gestalt einer einzigen präzisen Linie langsam auf einem Stück Papier nachzeichnen. wie immer zwei Ränder aneinandergrenzen und eine einzige Linie bilden (natürlich muß das Puzzle Präzisionsarbeit sein). Diese jeweils zwei Formen gemeinsamen Grenzen bilden Umrisse oder Konturen. 2. Achten Sie darauf. Stellen Sie sich Ihre Hand mit dem sie umgebenden Raum als Puzzle vor. Ein weißes Stück stellt das Segel dar. wie der Fingernagel und die ihn umgebende Haut. wie zwei Hautpartien an den Falten jeweils gemeinsame Ränder bilden. Denken Sie sich die übrigen Teile nach Belieben aus — das Ufer. daß jedes Puzzle-Teil immer nur einen Gegenstand abbildet. Was Sie sehen. doch nach etwa fünf Minuten gerate ich mitten im Satz ins Stocken.) — ergeben das Puzzle-Bild. und zwar genau mit den Umrissen. Sehen Sie. Meistens geht das zunächst gut. weiterzureden (eine Funktion des L-Modus) und gleichzeitig beim Zeichnen meine rechte Gehirnhälfte einzusetzen. Nun richten Sie Ihren Blick auf irgendeine der zahlreichen Randlinien. Als nächstes betrachten Sie bitte Ihre Hand und schließen dabei ein Auge. Segel. wie man es machen soll .wenn es mir gelingt. 3. «Blindes» Konturenzeichnen als Weg zur Umgehung des Symbolsystems In meinen Kursen führe ich das «blinde» Konturenzeichnen an einem Beispiel vor und beschreibe dabei. wie die Zwischenräume zwischen den Fingern und die Finger selbst. Ufer etc. eine Wolke oder etwas Ähnliches. daß sie im selben Moment — wie von einem Zauberseismographen — gezeichnet wird. um eine plastische. aus denen sich Ihr Bild von Ihrer Hand zusammensetzt. wirkt jetzt flächig. 4. das ein Segelboot auf einem See zeigt. Die Stücke lassen sich zu einem Bild zusammenfügen. Das aus Formen und Zwischenräumen bestehende Ganze des Bildes ist wie ein Puzzle zusammengefügt. ein rotes Stück das Boot usw.

5. Sie sollen Ihre Hand zeichnen. versäumen Sie nicht. Bevor Sie beginnen: Damit Sie sich Startbedingungen schaffen.Wir zeichnen Ränder und Konturen 103 weise haben meine Schüler bis dahin zumeist schon erfaßt. was Sie (auf Grund des L-Modus) wissen. da der Impuls. Ihre linke. Sie sollen nun Ihre eigene Hand zeichnen . Abb. was Sie zeichnen (vgl. Dieses Wegsehen ist aus mehreren Gründen wichtig: Erstens konzentrieren Sie dadurch Ihre ganze Aufmerksamkeit auf die visuellen Informationen. Halten Sie diese Hand bequem und stützen Sie sie irgendwie auf. Setzen Sie sich so hin. in der Kindheit entwickelten und gespeicherten Symbolmuster — «so zeichnet man eine Hand» — plötzlich selbständig machen. und das würde den L-Modus reaktivieren und damit den Zweck der Übung zunichte machen. Wenn Sie in der . werden Sie . die das Anschauen Ihrer Hand erbringt.normalen Haltung zeichnen. den folgenden Anleitungstext genau zu lesen und die Schülerzeichnungen (S. denn Sie werden in dieser Stellung eine ganze Weile verharren müssen. ohne daß es Ihnen möglich ist. die mit der Ausgangssituation in meinen Kursen weitgehend identisch sind. Wenn Sie jedoch viel Zeit haben und es Ihnen gleich ist. Suchen Sie sich einen Platz. Sich ganz abzuwenden ist notwendig. Im Anschluß an diese Erläuterungen zeige ich den Kursteilnehmern Beispiele für Konturenzeichnungen. Das Festkleben ist notwendig.wenn Sie Rechtshänder sind. Ihre rechte. beim Zeichnen auf das Papier zu sehen.gegen alle guten Vorsätze verstoßend — wahrscheinlich doch irgendwann einen kurzen Blick aus den Augenwinkeln riskieren.sicher bequemeren . daß sich Ihre alten. zuerst überwältigend stark ist. wie lange Sie mit der Durchführung der Übung beschäftigt sind. 1. sind Sie Linkshänder. einen Wecker. was ich ihnen zeigen wollte. verzichten Sie auf einen Zeitmesser. und befestigen Sie ihn mit Klebstreifen. wenn Sie wollen. 4. so daß Sie nicht auf die Zeit zu achten brauchen. wo Sie mindestens zwanzig Minuten lang ungestört sein werden. Jetzt wenden Sie Ihr Gesicht vom Papier und dem Zeichenstift ab und blicken auf die Hand. 2. Sie wollen nur das zeichnen. daß sich Ihre Zeichenhand ungehindert auf dem Papier bewegen kann. und nicht. 3. 108 f) eingehend zu betrachten. Legen Sie einen Bogen Papier auf den Tisch. damit der Bogen beim Zeichnen nicht hin und her rutscht. 46). was Sie (mit Hilfe des R-Modus) sehen. die von früheren Schülern stammen. . zu sehen. Stellen Sie sich. die Sie abzeichnen wollen. Zweitens lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit von der Zeichnung selbst ab und verhindern dadurch.

Im gleichen langsamen Tempo bewegen Sie Ihren Bleistift über das Papier und verzeichnen dabei alle Abweichungen oder Biegungen der Randlinie. und nehmen Sie eine Randlinie aufs Korn. das Sie im Augenblick beobachten. Millimeter um Millimeter. lassen Sie Ihren Blick an der gewählten Randlinie entlanggleiten. beachten Sie dabei auch die winzigsten Abweichungen und Biegungen der Linie. die Sie zur selben Zeit mit den Augen wahrnehmen. Er registriertjedes Detail. 6. 46: Abgewandte Haltung beim «blinden» Konturenzeichnen. daß die Informationen über den beobachteten Gegenstand (in diesem Fall Ihre Hand) bis in alle Einzelheiten von Ihnen optisch wahrgenommen und gleichzeitig vom Stift aufgezeichnet werden. Vertrauen Sie darauf. 7. Gleichzeitig setzen Sie die Spitze Ihres Stiftes aufs Papier (irgendwohin mit einem ausreichenden Abstand vom Bogenrand). Fixieren Sie in dieser abgewandten Haltung den Blick auf eine bestimmte Stelle Ihrer Hand. Ganz langsam.Wir zeichnen Ränder und Konturen A. .

restlos verstehe. . selbst diese mickrigen kleinen Falten. werde ich dir anständige Kopfschmerzen bereiten. sondern fahren Sie in langsamem. Passen Sie die Bewegungen Ihres Stiftes genau den Bewegungen Ihrer Augen an. Meiner Meinung nach treten derartige Beschwerden immer dann auf. daß Sie Ihre Wahrnehmung auf jeweils nur ganz kleine Teilchen beschränken. g. was Sie irgendwo an den Konturen wahrnehmen. Bleiben Sie in der Position sitzen. geschieht es auf eine ganz natürliche und leichte Weise.) . lernen Sie. Machen Sie sich keine Sorgen über die Frage. wo das Denken aufhört? Haben Sie jemals versucht. das nicht so langweilig ist. im gleichen Augenblick auf. Dadurch.» J. Ihre Augen werden wie Ihr Stift Stück um Stück jede Veränderung der Konturen vermerken. . Zugleich versuchen Sie sich bewußt zu machen. Zeichnen Sie alles. Sie mögen Außen. . Zunächst fühlen Sie sich vielleicht ein wenig unbehaglich — manche Schüler klagen über plötzlich auftauchende Kopfschmerzen oder Angstgefühle. nicht wahr? Das Denken versucht sich selbst Einhalt zu gebieten. . Halten Sie einfach durch. es ganz sehe. So kommt es zum Konflikt.und Kontrollfunktionen für eine lange Zeit an die rechte Gehirnhälfte über. zu schauen. wie sie sind. Der eine Gedanke sucht den anderen Gedanken zu unterdrücken.» 8. gehen die Leitungs. die Sie zu Beginn der Übung eingenommen haben. daß Sie diese wunderliche Komplexität des Knshnamurti: «Es ist ein anderes Denken. werden die Proteste der linken Gehirnhälfte allmählich verstummen. ohne auf das Papier zu sehen. um zu beobachten. Halten Sie beim Zeichnen nicht inne. in welchem Verhältnis die Kontur. die Sie gerade zeichnen. . Sie werden entdecken. mit Denken aufzuhören?» Fragesteller: «Wie macht man das?» Knshnamurti: «Ich weiß es nicht.Wir zeichnen Ränder und Konturen 105 Krishnamurh: «Wo also beginnt die Welt? Beginnt sie. Während Sie weiterzeichnen. wenn die linke Hemisphäre ihre dominante Rolle ernsthaft gefährdet sieht. Ihnen «davonzulaufen». Und wenn der Geist still ist. Wenn ich dies als eine Tatsache betrachte. die Ihnen in den Blick geraten. das dem Denken Einhalt zu gebieten sucht?» Fragesteller: «Der Denker. zu dem sich aus dem komplizierten Linienspiel ergebenden Ganzen steht. . und laß uns etwas anderes machen. Während Sie Ihre Hand ansehen.oder Innenkonturen zeichnen oder zwischen ihnen hin und her wechseln. da Sie ja die Proportionen nicht überprüfen können. Ich habe sie doch bereits alle für dich benannt. dann werde ich eines wunderbaren Zustands teilhaftig. und in Ihnen wird es ganz still. die Dinge genau so zu sehen. Das Denken sagt: <Ich muß aufhören zu denken. aber haben Sie es jemals versucht? Zunächst einmal: Wer ist das Wesen.» Ignorieren Sie diese Beschwerde. und so kommt es zum Kampf zwischen Denker und Denken . Deshalb reagiert die linke Hemisphäre ausgesprochen ungnädig: «Höre sofort mit diesem dummen Zeug auf! So genau brauchen wir uns die Dinge nicht anzusehen. gleichmäßigem Tempo fort. Nun sei vernünftig. ob Ihre Zeichnung nachher auch wirklich wie eine Hand aussieht. Krishnamurti <Tou Are the World) . Die Augen oder der Zeichenstift könnten versuchen. dann ist der Geist still. Aber wenn du nicht auf mich hören willst. in seinem Wesen erkenne . Schauen Sie auf keinen Fall auf das Papier. Wahrscheinlich nicht. In solchen Momenten fühlt sie sich vielleicht schmählich behandelt. Solche «Fluchtversuche» dürfen Sie nicht zulassen. ziehen Sie jeweils Abschnitt für Abschnitt die Ränder nach. Wenn Sie das komplizierte Gewirr der Linien Ihrer Hand in einem derart langsamen Tempo verfolgen. zu erkennen.

Der L-Modus ist während dieser Übung vom Zeichenvorgang abgeschnitten — und damit auch vom visuellen «Input». die tiefste Versenkung in den Bewußtseinszustand des R-Modus hervor. daß das Zeichnen so langsam vonstatten geht. Sie wollten ja gar nicht ganz auf sie verzichten. wie Sie sich zu Beginn der Übung gefühlt haben und wie Ihnen dann später. Die linke Hemisphäre wird gezwungen. werden Sie ihn wiedererkennen? Bei den meisten Menschen ruft das «blinde» Konturenzeichnen vor allen anderen Übungen das weitgehendste «Umschalten». sich auf etwas zu konzentrieren. Wenn Sie fertig sind: Denken Sie nun daran zurück. als Sie tief in die Arbeit versunken waren. das eine Benennung. Auf jeden Fall wird Ihre Zeichnung die Tiefe Ihrer Wahrnehmung auf eine schöne Weise wiedergeben. so seien Sie geduldig mit sich selbst. ihre Rivalin übernimmt den Job. immer noch tiefer in diese Linienund Formenvielfalt vorzudringen. ob das. Sie haben nichts zu befürchten und brauchen sich nicht zu beunruhigen. was dabei herauskommt. Es geht uns nicht darum. Sie fühlt sich zurückgewiesen. Geben Sie diesem Wunsch nach. Sie sollten sie daher beruhigen. Haben Sie bei dieser eben durchgeführten Zeichenübung das Umschalten auf den R-Modus noch nicht gespürt. das Sie da vor sich sehen. was Sie sahen? Wenn Sie in diesen Zustand zurückkehren. Die Tatsache. zumute war. Reden Sie ihr gut zu. Allmählich wird die linke Hemisphäre das Hinübergleiten in den R-Modus zulassen. Sie wollten nur etwas ausprobieren. immer mehr fasziniert. tatsächlich aussieht wie eine Hand. oder sie hat Angst. Bei manchen Menschen ist die linke Hemisphäre sehr hartnäckig. ihre Leitungsund Kontrollfunktionen ganz an die rechte abtreten zu müssen. Was haben Sie empfunden? Hatten Sie nicht jedes Gefühl für den Ablauf der Zeit verloren? Waren Sie nicht fasziniert von dem. das Gehirn zum «Umschalten» zu zwingen.Wir zeichnen Ränder und Konturen Dinges. Das Konturenzeichnen überhaupt hat sich als ein derartig wirksames Mittel erwiesen. scheint den L-Modus mehr und mehr zu neutralisieren und «auszuschalten». Machen Sie ihr aber unmißverständlich . Kategorisierung und Umsetzung in Symbole gestatten würde. Uns geht es um die Aufzeichnung Ihrer Wahrnehmungen. daß viele Künstler routinemäßig ihre Arbeit zumindest mit einer kurzen Vorübung nach dieser Methode beginnen. was sie als ein unzumutbares Zuviel an Informationen empfindet. und Sie werden den Wunsch haben.

unverfälscht vor den Zeichnenden Liegende. auf die Dinge in ihrem So-Sein. stereotypen Strich. empfindsame Reaktionen auf das unverstellt. können Sie weiterzeichnen und immer weiter. in den der Zeichnende hinüberwechselt. Statt dessen sehen wir eine Vielfalt von tiefgründigen Strichen vor uns. die Schriftstellerin Judi Marks. Was für wunderbare «Gravuren» sind dabei herausgekommen! Daß einige der Zeichnungen mehr. zum Beispiel der Falten seiner grauen Flanellhose. flotten. Als eine meiner Freundinnen. . das. Blinde Schwimmer. andere weniger einer Hand gleichen. dem «modifizierten Konturenzeichnen». sagte sie spontan: «Keiner würde so eine Zeichnung unter Einfluß der linken Hemisphäre zustande bringen!» Fertigen Sie nun weitere Konturenzeichnungen nach der geschilderten Methode an. der bei der unbekümmerten. eine Stunde und mehr.» An einer anderen Stelle schreibt Huxley: «Die Fähigkeit. wenigstens dreißig Minuten lang zu zeichnen. Schülerzeichnungen -Zeugnisse eines anderen Bewußtseinszustandes Auf den Seiten 108 und 109 finden Sie einige Konturenzeichnungen abgebildet. wenn der R-Modus «eingeschaltet» ist.Wir zeichnen Ränder und Konturen 107 klar. wann immer Ihnen danach zumute ist. Nirgends entdecken wir In seinem Buch <Die Pforten der Wahr- eine Spur von dem glatten. kümmern. Beim «blinden» Konturenzeichnen geht es uns um Güte und Charakter der einzelnen Striche. sie zu kritisieren und damit Ihren Gewinn zu schmälern. was wir übrigen nur unter dem Einfluß von Meskalin sehen. Bald jedoch werden wir auch ihr Urteil beim Zeichnen hinzuziehen. die auf eine besonders ausdrucksvolle Weise das unergründliche Geheimnis des reinen Seins versinnbildlichen . das erste Mal eine solche Konturenzeichnung zu sehen bekam. daß Sie ihr nicht gestatten werden. Diese lebendigen Hieroglyphen sind Aufzeichnungen von Wahrnehmungen. Natürlich können Sie diese Übung abbrechen. doch versuchen' Sie. und dann werden Sie besser zeichnen können als je zuvor. die gesehen haben — und sehend zeichneten. auf die Umsetzung des Wahrgenommenen in fertige Symbole abzielenden Verarbeitung nach dem L-Modus entsteht. ist dem Künstler angeboren. Wenn Sie ein Umschalten auf den R-Modus deutlich bemerken. Um die erscheinungsgetreue Gestaltung werden wir uns erst in der nächsten Übung. Zur Zeit wollen wir ihre Kritik noch nicht hören. die von Schülern in meinen Kursen angefertigt worden sind. Ihre Konturenzeichnung lächerlich zu machen. spielt hier keine Rolle. ausgewirkt hat: «Für den Künstler wie für den Meskalinnehmenden sind Faltenwürfe lebendige Hieroglyphen. ohne innezuhalten oder auf Ihre Zeichnung zu blicken. allezeit zu sehen. . Diese Bilder halte ich für Visualisierungen des Bewußtseinszustandes.» . auf welche Weise sich das Meskalin auf seine Wahrnehmung alltäglicher Dinge. nehmung) beschreibt Aldous Huxley. die Falten meiner grauen Flanellhose [waren] mit <Istigkeit> geladen.

Nehmen Sie sich für diese Übung mindestens dreißig Minuten Zeit. b und c durchzuführen. möchte ich Ihnen empfehlen. beginnen Sie. Modifiziertes Konturenzeichnen Ergänzende Übungen 6a. Überspringen Sie sie nicht. Betrachten Sie sie genau. Doch ehe wir mit dieser neuen Übung beginnen. eine Rose oder eine Geranie. Folgen Sie dabei der Anleitung für das «blinde» Konturenzeichnen.Wir zeichnen Ränder und Konturen Schülerzeichnungen: Ergebnisse des «blinden» Konturenzeichnens. Nachdem Sie gelernt haben. die Erfahrung des Umschaltens zu vertiefen. eine Chrysantheme. mit den Augen des Künstlers zu sehen. Nehmen Sie eine Blume mit einer möglichst komplizierten Linien. die nebenstehenden Übungen 6a. Sie helfen Ihnen.und Formenvielfalt in die Hand. Wenn Sie sich darüber hinaus mit der Methode des «modifizierten Konturenzeichnens» vertraut gemacht haben. ohne auf das Zeichenblatt zu sehen. Dann zeichnen Sie sie ab. werden Sie fast schon in der Lage sein. . wie Sie sich Zugang zur rechten Hälfte Ihres Gehirns verschaffen — wie Sie die Pforten der Wahrnehmung öffnen -. ein wirklichkeitsgetreues Bild zu zeichnen. zum Beispiel eine Iris. Der R-Modus-Zustand soll Ihnen angenehm und vertraut werden. Dann wird Ihnen der Übergang zum modifizierten Konturenzeichnen leichter fallen.

eine Muschel. daß Sie mindestens eine halbe Stunde lang ungestört bleiben. Das modifizierte Konturenzeichnen gleicht dem reinen Konturenzeichnen . nehmen Sie sich eine Stunde Zeit für diese Übung. 6c. Schauen Sie nicht auf Ihr Zeichenblatt. die den R-Modus-Zustand herbeigeführt hat und aufrechterhält. Sorgen Sie dafür. einen Felsen oder ein Stück Treibholz. Längen. Sie werden lernen. Suchen Sie sich wieder ein kompliziertes Objekt aus. Proportionen usw. Wenn möglich. 6b. kein Tier!). Zeichnen Sie jetzt irgendeinen Naturgegenstand (keinen Menschen. wieder ohne auf Ihren Bogen zu sehen. z. wenn es darum geht. intensive Beobachtung fortzusetzen.mit dem einzigen Unterschied. B. Bevor Sie beginnen: Lesen Sie den ganzen Anleitungstext. Größen-. kurze Blicke auf Ihre Zeichnung zu werfen und zugleich die langsame. .und Winkelverhältnisse festzulegen. Gehen Sie genauso vor wie bei der vorigen Übung. daß Sie dabei hin und wieder auf Ihre Zeichnung blicken dürfen — aber nur dann. Nehmen Sie sich mindestens dreißig Minuten Zeit. zur Überprüfung von Linienverlauf. Knüllen Sie ein Stück Papier zusammen und zeichnen Sie es ab. 1.Wir zeichnen Ränder und Konturen Beth Glick 109 Judy Schülerzeichnungen: Ergebnisse des «blinden» Konturenzeichnens.

47). gebogenen oder gespreizten Fingern. Teile Ihrer Hand zu sehen. Wir brauchen nur eine einfache Ansicht von der Hand. . 4. 3. Fixieren Sie Ihren Blick auf die Hand. Wie in der vorigen Übung sollen Sie Ihre eigene Hand zeichnen. denn die rechte Hemisphäre scheint komplizierte Aufgaben zu bevorzugen. sie würde Ihre Zeichnung verderben. versuchen Sie nicht.Wir zeichnen Ränder und Konturen 2. daß Sie weder die Stellung Ihrer Hand noch Ihre Kopfhaltung verändern. Abb. 47: Die Haltung beim modifizierten Konturenzeichnen gleicht der üblichen Haltung beim Zeichnen. weil es das «Umschalten» auf den R-Modus in Gang setzt. offene. Setzen Sie sich bequem an einen Tisch. daß in unmittelbarer Nähe der Hand Abb. was immer Sie wollen. keine mehrfache. die Ihnen aus Ihrem Blickwinkel verborgen bleiben. Eine schwierige Stellung der Hand dient unseren Zwecken besser als eine einfache. damit es nicht rutschen kann. diesmal in der üblichen Haltung (vgl. Wieder befestigen Sie das Papier mit Klebstreifen auf dem Tisch. wenn Sie einmal mit dem Abzeichnen angefangen haben. Stellen Sie sich vor. Behalten Sie die von Ihnen gewählte Kopfhaltung bei. Das ist die beste Vorbereitung. Achten Sie darauf. Machen Sie aus Ihrer Hand eine möglichst komplizierte Form mit gekreuzten.

die Sie brauchen. was Sie sehen. von einer Form zur jeweils angrenzenden überzugehen. wo er an die Finger grenzt. wenn Sie die Position eines bestimmten Punkts feststellen oder eine Proportion überprüfen wollen. den Sie zeichnen . Versuchen Sie zu spüren. Schauen Sie sich ihn so lange intensiv an. Auf diese Weise werden Sie vermeiden. Heften Sie Ihren Blick an irgendeiner Stelle fest auf eine Kontur. nicht beim Namen.dort. die Sie gerade zeichnen. irgendwelche Symbole aus Ihrer Kindheit auszugraben. empfinden Sie wortlos. den Kopf ganz weit zur Seite beugten. Während Ihr Blick langsam die Kontur entlanggleitet.Alle logischen Unterscheidungsversuche sind überflüssig. wie Sie in Ihrem Innern auf den R-Modus überwechseln. wie lang oder wie breit ein Teil im Verhältnis zu dem anderen ist.Wir zeichnen Ränder und Konturen eine senkrechte und eine waagerechte Linie verläuft. Konzentrieren Sie sich auf das. 5. Blicken Sie nur auf das Papier. bis Sie seine Ränder genau sehen . wie klein oder wie groß ein Winkel im Vergleich zu einem anderen ist und wo eine neue Kontur aus einer anderen. Sprechen Sie nicht mit sich selbst. er habe des öfteren beobachtet. den sie gerade gezeichnet haben. Nennen Sie die Teile. Sie setzen sich ausschließlich mit den visuellen Informationen auseinander. soeben gezeichneten hervorzugehen scheint. der Winkel wäre bereits darauf gezeichnet. daß wir die Dinge nicht beim Namen nennen). und dann die innen liegenden Formen. die an die Nägel grenzen — nicht die iN| agel selbst. zeichnet Ihr Stift sie in dem gleichen langsamen Tempo auf das Papier. Zeichnen Sie nicht erst den ganzen Umriß der Hand. zeichnen Sie die Formen. Dies geht stumm vor sich.fast genauso wie beim reinen Konturenzeichnen. wird auch die geringsten Richtungsänderungen und Biegungen der Umrißlinie verzeichnen. Es ist viel leichter. . Überprüfen Sie den Winkel. Nehmen Sie sich dann die nächstliegende Kontur vor. Nun blicken Sie auf Ihren Zeichenbogen und stellen sich vor. die zum erstenmal ein liegendes Modell abzeichnen. Etwa neunzig Prozent der Zeit sollten Sie Ihre Augen auf den Gegenstand richten. Beobachten Sie in welchem Verhältnis ein beliebiger durch die Linien der Hand gebildeter Winkel entweder zur Senkrechten oder zur Waagerechten steht.Wenn Sie bei den F-i-n-g-e-r-n-ä-g-e-1-n angelangt sind (denken Sie daran. Denn das linke Hirn tnnt keine Bezeichnung für Formen. die Fingernägel umgeben. Wie beim reinen Konturenzeichnen wird Ihr Stift auch hier alle Ränder registrieren. daß Anfanger. denn alle Informationen. Worte sind dabei unnütz. Dann wählen Sie sich einen Zwischenraum aus — zum Beispiel zwischen zwei Fingern. 6. können Sie direkt mit den Augen wahrnehmen. Warum? Weil sie das Modell in aufrechter Stellung sehen wollten — so wie sie es gewohnt waren. 7. den die Kontur hier zu den vorgestellten Senkrechten und Waagerechten bildet. der Leiter des Kunstinstituts der California University in Los Angeles. In einem Gespräch erzählte mir Professor Elliot Elgart.

. Sie werden zuversichtlich. die das linke Hirn zurückweisen wird. Ihre erste Zeichnung mag einige Fehlwahrnehmungen hinsichtlich der Proportionen und der Winkelverhältnisse bloßlegen. was Sie sehen. Die Übungen im nächsten Kapitel werden Ihnen helfen. Bremsen. so wie Sie sie sehen . Sie brauchen lediglich zu empfinden. bei dem man eine Reihe von Vorgängen. wodurch Ihnen der Zugang zum Modus der rechten Hemisphäre offensteht. der mit dem schwierigen Teil die gemeinsame Randlinie bildet. unmittelbar vor Ihren Augen befindet. Doch Sie brauchen nicht daran zu denken. Beim ersten Versuch fällt es Ihnen schwerer als beim zweiten. 8. So wird Ihnen das Zeichnen nicht schwerfallen. auf Autos achten. Wenn Sie fertig sind: Lassen Sie vor Ihrem Geist noch einmal Revue passieren. zu beobachten und aufzuzeichnen. wie bei einem Puzzle. nachdem Sie absichtlich die Bedingungen für das «Umschalten» geschaffen hatten. um sie abzuzeichnen — alle erforderlichen visuellen Informationen —. mit ■ Problemen der Proportion fertig zu werden. Das Zeichnen ähnelt in dieser Phase dem Lernprozeß eines Fahrschülers. Sie haben günstige Bedingungen für dieses Umschalten geschaffen. Das modifizierte Konturenzeichnen ist. wie sich alle Teile. Es ist ein ganzheitliches Tun. wie Sie in diesen Zustand hinüberglitten. Denken Sie noch einmal daran. Bald haben Sie alle Tätigkeiten und Fähigkeiten zu einem Ganzen integriert. und es wird sich mühelos von selbst vollziehen. daß sich alles. entspannt. im Bewußtseinszustand des R-Modus zu sein. Beginnen Sie nun zu zeichnen. Zuerst machen Sie sich mit den einzelnen Vorgängen vertraut: Gas geben. Im Laufe der Zeit lernen Sie.mit Strichen. die vor. eine Aufgabe. bei der dritten Fahrt geht es schon leichter als bei der zweiten. Dazu ist das Denken nicht erforderlich. was Sie über Ihre Hand zu wissen brauchen. alle diese Handlungen zu verbinden. vollkommen mit der Sache beschäftigt sein. hinter und neben einem fahren. zum angrenzenden Umriß beziehungsweise Zwischenraum über. die Aufzeichnungen Ihrer Wahrnehmungen sind. wenn Sie mit irgendeinem Teil Schwierigkeiten haben. Verfahren. ineinanderfügen. wie es sich anfühlte. So ähnlich ist es auch mit dem Zeichnen. Ihre Wahrnehmungen zu Papier zu bringen. Blinker betätigen. Es wird Sie faszinieren. Ihre Aufgabe besteht einfach darin. die Sie zeichnen wollen. wie die anderen Übungen. wie Sie beim Zeichnen verfahren sind.Wir zeichnen Ränder und Konturen Gehen Sie überhaupt jedesmal. Innerhalb weniger Minuten werden Sie in den R-Modus-Zustand übergewechselt sein.

werden Sie den Eindruck haben. . die den Übergang in den Bewußtseinszustand des R-Modus erleichtern. Fleisch und Muskeln zu bestehen. Bilder widerzuspiegeln (beim Zeichnen der Vasen-Gesichter). Besonders wichtig dabei ist. sollten Sie sorgsam die Übungen 6d bis 6g auf Seite 115 ausführen. plastisch. echt. Sie scheinen aus Haut und Knochen. zum Beispiel der Druck eines Fingers auf den anderen. Vorsorge zu treffen. Damit Sie noch mehr praktische Erfahrungen sammeln und ein größeres Selbstvertrauen gewinnen. für das Zusammenfügen von Räumen und Formen zu einer Einheit. visuelle Informationen ohne Einmischung der dominanten linken zu verarbeiten. Die Hände wirken dreidimensional. um der rechten Hemisphäre die Chance zu geben. Schülerarbeiten: Ergebnisse des modifizierten Konturenzeichnens Wenn Sie sich die folgenden Schülerarbeiten ansehen.Wir zeichnen Ränder und Konturen Bewegungen zu koordinieren hat. Das Schwergewicht wird daher auf dem Umgang mit dem negativen (leeren) Raum liegen. daß Sie nicht gestört werden. Wir machen uns ihre Schwächen zunutze. Ehe Sie damit beginnen. Binnen kurzem wird diese Verfahrensweise ebenso automatisch ablaufen wie Gas geben oder Bremsen oder Blinken. Im nächsten Kapitel sollen Sie das am Ende Ihrer Kindheit verlorengegangene intuitive Gefühl für Komposition. die Spannung gewisser Muskeln und die Struktur der Haut. sie kann mit auf den Kopf gestellten Bildern nichts anfangen (wie beim Strawinsky-Porträt). versuchen Sie sich immer die Bedingungen zu schaffen. zurückgewinnen. sorgfältige Verarbeitung komplexer Wahrnehmungen (wie beim «blinden» und beim modifizierten Konturenzeichnen). Auch ganz feine Einzelheiten sind wiedergegeben. sie verweigert eine langsame. Der nächste Schritt: Die linke Hemisphäre wird mit dem leeren Raum überlistet Mittlerweile haben wir also einige Lücken in den Fähigkeiten der linken Hemisphäre entdeckt: Sie hat Probleme. daß die Hände von Personen gezeichnet worden sind. die beträchtliche Übung im Zeichnen haben.

.Wir zeichnen Ränder und Konturen Schülerarbeiten: Ergebnisse des modifizierten Konturenzeichnens.

51). in welchem Zustand sie sich befindet und ob sie steht oder liegt usw. zum Beispiel einen Quirl. Zeichnen Sie irgendein Küchengerät ab. 49 Georgette Zuleski werden. 48) als Beispiel an. 6e. Zeichnen Sie einen Tannenzapfen ab. einen Korkenzieher oder einen Büchsenöffner. Abb. (Wenn Sie Ihr Knie so. (vgl. Abb. 50). Die folgenden vier Übungen sollen nach dem Verfahren des modifizierten Konturenzeichnens durchgeführt Abb. Zeichnen Sie Ihren Fuß ab. Abb. Dies spiegelt sich in der «Genauigkeit» Ihrer Wahrnehmungen wider. mit zeichnen. Zeichnen Sie eine Papiertüte ab. Sehen Sie sich vorher die Zeichnung von Martha Kalivas (Abb. 50 Nora Thomas Abb. beachten Sie seine Größe im Verhältnis zur Größe des Fußes. Beachten Sie. 5/ Charlotte Doctor Ihre R-Modus-Zeichnungen. 6g . Denken Sie daran. Es ist egal. in dem Sie sich befanden. wie Sie es beim Blick auf den Fuß sehen. Auf diese Weise bereiten Sie das Umschalten auf den R-Modus vor. mit oder ohne Schuh (vgl. welche Stellen erkennen lassen. 6d. daß Sie von ihnen während des Zeichnens besonders «gefesselt» waren. als Sie diese Stelle gezeichnet haben.) Wenn Sie fertig sind: Betrachten Sie • 48 Martha Kalivas Abb. 49).Wir zeichnen Ränder und Konturen Ergänzende Übungen 115 Bevor Sie beginnen: Zeichnen Sie fünf bis zehn Minuten lang irgendeinen formenreichen Gegenstand nach dem Verfahren des «blinden» Konturenzeichnens. 6f. Versuchen Sie sich den Bewußtseinszustand zu vergegenwärtigen. daß die rechte Hemisphäre komplizierte Gegenstände vorzuziehen scheint (vgl. .

7 Raumformen wahrnehmen: Das Raum-Negativ wird zum Positiv .

Innen und Außen gehören zusammen. Das größte Problem ergibt sich. Sie werden feststellen. die beiden Grundkomponenten eines Bildes. Diese mangelnde Beachtung der Zeichenblattränder. Die Komposition eines Werkes erschafft der bildende Künstler also. Sie werden feststellen. Ein Künstler ist sich der Bedeutung des Formats vollauf bewußt. in Einklang zu bringen. daß Kleinkinder ein tiefes Verständnis für die Bedeutung des Bildformats besitzen. wenn es einem mißlingt.118 Das Raum-Negativ wird zum Positiv Mit dem Ausdruck Komposition ist in unserem Zusammenhang die Anordnung der Elemente (oder Komponenten) einer Zeichnung (eines Gemäldes usw. 52) einzusetzen. 52: Einige Bildformate. Kinder haben ein sicheres Gefühl für Komposition «Sie können niemals das Innere einer Tasse ohne die Außenseite benutzen. daß eine Form. die sowohl den leeren Raum als auch die Formen auf der Zeichenfläche begrenzen.» Alan Watts Im fünften Kapitel haben wir festgestellt. bei einem anderen falsch wirkt. die sie gerade abzeichnen. beim Zeichnen gewöhnlich ein rechteckiger Bogen Papier. indem er positive Formen und den negativen Raum innerhalb des Bildformats ineinanderpaßt. Abb. Hauptelemente der Komposition sind unter anderem die positive Form (Gegenstände oder Personen) . die zum einen Format paßt. diesen einen Baum nacheinander in jedes der nebenstehenden Formate (Abb. daß Sie automatisch die Umrisse des Baumes beziehungsweise des ihn umgebenden leeren Raumes bei jedem Format verändern wollen. vielleicht eine Eiche oder eine Kiefer. Kindern gelin- . Sie richten ihre Aufmerksamkeit fast ausschließlich auf die Personen oder Objekte.) gemeint. Form und Raum. Sie sind eins. Anfänger im Zeichnen und Malen hingegen berücksichtigen die Begrenzungen der Bildfläche meistens zuwenig. beeinflußt weitgehend die Verteilung der Formen und des Leerraums innerhalb des Bildrandes (der Ränder der jeweiligen Fläche). in der sie Formen im vorgegebenen Raum verteilen. Die Ränder des Blattes scheinen für sie nicht zu existieren. Versuchen Sie trotzdem. Nun versuchen Sie. Das Format bestimmt die Komposition. Ihr Bewußtsein für die Bildgrenzen bestimmt die Art und Weise. der negative (leere) Raum sowie Form und Format der Bildfläche. schalten Sie bitte auf den R-Modus um und stellen sich einen Baum vor. wirklich die gleichen Umrisse in jedes Format einzupassen. verursacht fast allen Anfängern erhebliche Schwierigkeiten. die Länge und Breite der Zeichenblattränder. Um sich dies klarzumachen. Anders ausgedrückt: Die Form der Bildfläche.

einschließlich der negativen Räume: des Himmels. Die Bildkomposition. Es ist das erste Mal in meinem Leben. zu verwenden und dann erst sozusagen «den Hintergrund auszufüllen». Das Interesse für die einzelnen Dinge scheint an die Stelle der weitgehend ganzheitlichen Weltsicht des kleineren Kindes zu treten. Anfänger dagegen pflegen zunächst ihre ganze Aufmerksamkeit auf die Personen oder Formen. 53) recht gut stand. sie ist ja weg!> rief er. sagte er. James Lord berichtet. das Künstlern sehr geläufig ist. 53: <Personnages ä £toile> (1933) vonjoan Miro. daß Sie es mir im Augenblick noch nicht glauben. 54) auszeichnet. hält einem Vergleich mit der Komposition eines Bildes von Joan Miro (Abb. läßt diese Fähigkeit unglücklicherweise nach. davon zu überzeugen.)» James Lord <A Giacometti Portrait> «Nichts ist wirklicher als nichts. Maler und Zeichner Alberto Giacometti auf den leeren Raum reagierte: «Er fing aufs neue zu malen an. sie ist noch da. Ich hab hingeguckt und plötzlich die Leere gesehen.» Samuel Beckett <Malone stirbt) . Wie bereits erwähnt. <Ach. daß Diego sie fortgenommen hatte. Der Grund für diese Entwicklung ist vermutlich die zunehmende Herrschaft der linken Hemisphäre und deren Hang zum Definieren. behaupte ich. Das ist ein Prinzip. Ich hab sie wirklich gesehen. Ich erinnerte ihn daran. Benennen und Kategorisieren. Gewöhnlich bedarf es eines jahrelangen Trainings. Mit freundlicher Genehmigung des Art Institute of Chicago. wo die Büste gestanden hatte. daß mir das passiert. die die hier abgebildete Zeichnung eines Sechsjährigen (Abb.Das Raum-Negativ wird zum Positiv 119 Abb. <Ja>. für das alles gleich wichtig ist. als wolle er noch einmal einen Blick auf sie werfen. Auf die Gefahr hin. die sie zeichnen wollen. des Bodens und der alles umgebenden Luft. wenn die Kinder sich der Adoleszenz nähern. daß die negativen Räume innerhalb des Bildgefüges das gleiche Gewicht haben und genauso sorgfältig berücksichtigt werden müssen wie die positiven Formen. wie der berühmte Bildhauer. um Erwachsene. «aber ich dachte. Abb. 54 gen oft nahezu einwandfreie Kompositionen. die zeichnen lernen wollen. doch nach einigen Minuten wandte er sich um und blickte auf die Stelle.

wenn der leere Raum von Anfang an in die Komposition einbezogen wird. Mr. Jedes einzelne Teil ist gleich wichtig. die Proportionen: dies alles hat seinen Teil daran. wie sich Raum und Form in der Zeichnung von Henri de ToulouseLautrec (Abb. Die Zitate des Schriftstellers Samuel Beckett und des ZenPhilosophen Alan Watts fassen das Prinzip in komprimierter Form zusammen. . wenn man sie alle ineinanderfügt. füllen sie die Fläche innerhalb der Zeichenblattränder — das vorgegebene Format — restlos aus. 55: <Der Jockey> von Henri de Toulouse-Lautrec (1864-1901). Ich will Ihnen das an einigen Beispielen erläutern. Das Innen und das Außen sind eins. Mit freundlicher Genehmigung des Cleveland Museum of Art. Im vorigen Kapitel habe ich darzustellen versucht. Sehen Sie sich zur Verdeutlichung dieses Grundsatzes an. «Der Ausdruck steckt für mich nicht etwa in der Leidenschaft.» Henri Matisse (Notizen eines Malerst daß sich die Formen von selbst ergeben. and Mrs. Prasse Collection. die leeren Partien um sie. daß sich die Gegenstände und der sie umgebende Raum zusammenfügen wie die Teile eines Puzzles. Er ist vielmehr in der ganzen Anordnung meines Bildes: der Raum. und nur. die auf einem Gesicht losbricht oder sich durch eine heftige Bewegung kundgibt. den die Körper einnehmen. 57) zusammenfügen. in dem Stilleben von Paul Cezanne (Abb. Charles G. sagt Beckett. ist das Nichts (der leere Raum) real. schreibt Alan Watts. In der Kunst. 56) und in der Aktzeichnung von Albrecht Dürer (Abb. 55).120 Das Raum-Negativ wird zum Positiv Abb.

über die sie verfügt. Die rechte Hemisphäre dagegen findet alle Gegenstände und K-äume interessant — egal. Auch der negative Raum. Mit freundlicher Genehmigung der National Gallery of Canada (Ottawa). ihn zu benennen und zu definieren. desto neugieriger wird sie. Die Kategorien und vorgefertigten Symbole. 56: < Tulpen und Äpfeb von Paul Cezanne (1839—1906). ob sie bekannt sind oder unbekannt. Wenn der leere Raum Gestalt annimmt In der folgenden Übung wollen wir uns eine andere Schwäche des L-Modus zunutze machen: Die linke Hemisphäre kann nicht gut mit dem leeren Raum umgehen. Je unvertrauter und komplizierter eine über das Auge vermittelte Information ist. Das müssen wir ausprobieren! Um den L-Modus nicht gleich zu verstimmen.Das Raum-Negativ wird zum Positiv 121 Abb. Mit freundlicher Genehmigung des Art Institute of Chicago. Der leere Raum scheint die linke Hemisphäre sogar zu langweilen. Indem Cezanne die Formen den Bildrand berühren läßt. So fällt diese Aufgabe dem rechten Hirn zu — und das kommt uns sehr gelegen. Die linke Hemisphäre scheint den leeren Raum nicht zu beachten. . ob sie benannt werden können oder nicht. 57: (Weiblicher Akt mit Stock von Albrecht Dürer (1471-1528). Es fällt ihr schwer. fangen wir mit einigen Gegenständen an. sich mit ihm zu beschäftigen. Abb. passen nicht so recht auf ihn. der die Figur umgibt. Die auf diese Weise entstandenen negativen Formen tragen zum Reiz des Bildes und zum Gleichgewicht der Komposition ebensoviel bei wie die positiven Formen. ist in seinen Ausmaßen und seiner Anordnung sehr abwechslungsreich gestaltet. begrenzt er den negativen Raum und teilt ihn auf. sie lehnt es ab.

sie lehnt es ab. Die linke Hemisphäre scheint den leeren Raum nicht zu beachten. sich mit ihm zu beschäftigen. Der leere Raum scheint die linke Hemisphäre sogar zu langweilen. Die rechte Hemisphäre dagegen findet alle Gegenstände und Räume interessant — egal. Die Kategorien und vorgefertigten Symbole. ob sie bekannt sind oder unbekannt. über die sie verfügt. . So fällt diese Aufgabe dem rechten Hirn zu . ihn zu benennen und zu definieren. passen nicht so recht auf ihn. Es fällt ihr schwer.und das kommt uns sehr gelegen. Das müssen wir ausprobieren! Um den L-Modus nicht gleich zu verstimmen. fangen wir mit einigen Gegenständen an. Je unvertrauter und komplizierter eine über das Auge vermittelte Information ist. desto neugieriger wird sie. ob sie benannt werden können oder nicht.Das Raum-Negativ wird zum Positiv Wenn der leere Raum Gestalt annimmt In der folgenden Übung wollen wir uns eine andere Schwäche des L-Modus zunutze machen: Die linke Hemisphäre kann nicht gut mit dem leeren Raum umgehen.

Ich bin nicht daran interessiert. 58 Abb. daß die einzelnen Teile . 4.122 Das Raum-Negativ wird zum Positiv Abb.» Gut! Genau das haben wir uns gewünscht. Dazu brauchen Sie ein wenig Zeit. ziehen Sie bitte sorgfältig und aufmerksam die Umrisse der leeren Räume . Achten Sie darauf. Betrachten Sie die Seesterne auf Abbildung 58. Ich kann damit nichts anfangen.einschließlich der Ze/ichenblattränder. was das ist. 2. Wiederholen Sie das mehrmals (vgl. 60). durch die ja teilweise die negativen Räume/Formen entstehen ~ mit kräfti- gen Strichen nach. mußt du damit fertig werden. 59). 3. sich in eine bestimmte Verfassung zu versetzen. denn die linke Hemisphäre muß sich. daß Ihre Formen . Er nannte sie die «negative Capability». «in Ungewißheiten.was immer Ihnen einfällt. so daß sie deutlich dunkler werden als die Formen (vgl. sagt sie schließlich zu ihrer Kollegin: «Ich weiß nicht. und es wird sich für Sie als Form abzuzeichnen beginnen. ohne nervöses Verlangen nach Tat und Ursache». Helmut Viebrock <John Keats> 1. Rätseln und Zweifeln zu verweilen.schreibt der Dichter John Keats .wie die Seesterne . wenn sie mit einer unbenannten Form konfrontiert wird. daß die Teile des leeren Raumes einer Zeichnung ebenfalls als Formen zu betrachten sind. So prägt sich Ihnen die Tatsache noch fester ein. Damit Sie sich die Vorstellung fest einprägen. drei Pfeifen. ein paar abstrakte Formen .bereit sein. Abb. und wenn du da weiter so hinstarrst. die er als Fähigkeit des Menschen definiert. müsse man . Schraffieren Sie die Teile des negativen Raums. die «Fähigkeit zum Negativen». Starren Sie nur unbeirrt weiter auf eines der Raumteile. Musikinstrumente. Das sind positive Formen. bis Sie es als eigenständige Form hervortreten sehen. Zeichnen Sie einige große Formen auf ein Blatt Papier: zwei Seesterne.zumindest an zwei Stellen den Bildrand berühren. Abb. Die die Seesterne umschließenden leeren Räume ergeben den negativen Raum. ob sie sie kennt oder nicht. Wolle man eine Dichtung verstehen. Da sie den leeren Raum nicht in die ihr bekannten Dinge einzuordnen vermag. Nun schauen Sie sich bitte eines dieser nachgezogenen Teile so lange konzentriert an. erst einen Augenblick besinnen.

und schneiden Sie die schraffierten negativen Teile Ihrer Zeichnung aus. wenn man nur die Teile des negativen Raums auf den neuen Papierbogen kleben würde (vgl. Wenn Sie die einen zeichnen.Das Raum-Negativ wird zum Positiv Abb. Sicherlich haben Sie im Kino oder im Fernsehen schon einnmal einen Zeichentrickfilm gesehen. daß die positiven Formen und die negativen Räume gemeinsame Grenzen haben.zum Beispiel die Schere. dieselben Randlinien haben. 5. Dieser Teil der Übung ist wichtig. Abb. haben Sie unversehens auch die anderen dargestellt. 61). Da negative und positive Formen dort. Form (es können auch mehrere Formen sein) zusammen. Nehmen Sie nun eine Schere zur Hand. die Sie benutzt haben.nta7. Probie- ren Sie das im stillen noch einmal aus. wo sie aneinandergrenzen. eine nach der anderen. würde sich die positive Form (des Seesterns) auch von selbst ergeben. Schon beim Konturenzeichnen haben Sie feststellen können. der nach Möglichkeit eine andere Farbe hat. ergeben die Ränder dieser negativen Räume zugleich die inneren Ränder der Scherengriffe. mit Klebstoff wieder mit der nichtschrafFierten/>o. Dann fügen Sie sie auf einem neuen Bogen. Sehen Sie sich irgendeinen Gegenstand an . 61 des leeren Raums und der Raum insgesamt Formen sind. VVenn Sie die Umrisse der beiden Löcher der Scherengriffe abzeichnen. Drehen Sie sie in verschiedene Richtungen. Fixieren Sie diese Formen noch einmal. Eine Analogie Ich möchte Ihnen dieses Prinzip noch auf andere Weise verdeutlichen. 60 Abb. bis Sie sie wirklich als Formen wahrnehmen. in dem eine der Figuren . Betrachten Sie die Formen dieser Ausschnitte.

bis Sie also den Zwischenraum als Form hervortreten sehen. Benutzung eines Motivsuchers zur Wahl des Ausschnitts Nun wollen wir die Wahrnehmung des Ganzen . bis Sie den Zwischenraum als Form hervortreten sehen. bevor Sie weiterlesen.und die feste Tür haben gemeinsame Ränder. Richten Sie nun Ihren Blick auf ein Möbelstück mit offenen Zwischenräumen . warten Sie. Schneiden Sie sich einen dünnen Karton zurecht (es kann auch starkes Papier sein). zusätzlich die Übung 7a (S. Wir nehmen dazu einen Motivsucher zu Hilfe. an dessen Ende durch eine geschlossene Tür kracht und in der Tür ein Loch hinterläßt. Stellen Sie sich dieses scheinbare Paradoxon vor: daß die innere Umgrenzung der positiven Form der Tür Zugleich den Umriß einer negativen Form — der des von der Trickfilm-Figur hinterlassenen Loches . . Behalten Sie diese Vorstellung im Sinn. Mit anderen Worten: Das Loch . daß der Stuhl (oder was immer Sie sich anschauen) plötzlich verschwunden ist.positive Form und negativen Raum — auf einen bestimmten Ausschnitt begrenzen. Üben Sie dieses Wahrnehmen der negativen Räume mehrere Male. 62 und 63) durch Pfeile markiert sind. stellt aber fest.auf einen Schemel zum Beispiel oder auf einen Schaukelstuhl. Die linke Hemisphäre erblickt den Zwischenraum vermutlich ebenfalls.bildet. das den Umriß der Figur hat. unverändert und greifbar zurückgeblieben sind. Diesen Motivsucher können wir leicht selber machen: 1. bis sich der Umriß des jeweiligen Zwischenraums abhebt. Stellen Sie sich vor. ein Nichts . 126) durchzuführen. die am Stuhl (Abb. und wenn Sie das eine abzeichnen. Bitte denken Sie daran. Lassen Sie Ihren Blick fest auf dieser Stelle ruhen. daß dies ein oder zwei Minuten dauern wird. der das gleiche Format hat wie Ihr Zeichenbogen. die ihn umgeben hatten.Das Raum-Negativ wird zum Positiv einen langen Gang hinunterrast.eine Leere. und warten Sie so lange. Gehen Sie von einem Zwischenraum auf den anderen über. und fixieren Sie nun einen der Zwischenräume. daß diese Form für ihren Verarbeitungsstil ungeeignet ist. Ich empfehle Ihnen. daß die Teile des negativen Raums jedoch. und läßt deshalb der rechten Hemisphäre den Vortritt. haben Sie zugleich das andere gezeichnet.

Das Raum-Negativ wird «um Positiv 2. Er wird Ihnen helfen.wie bei der von der Trickfilm-Figur durchstoßenen Tür — nur die negativen Räume als Form übrigbleiben. die sich nur hinsichtlich ihrer Größe unterscheiden. daß der Stuhl verschwindet und daß . Vielleicht müssen Sie den Sucher näher ans Auge heran oder weiter weg halten. Wie Sie sehen. denn sie haben mit dem leeren Raum der sie umgibt. den negativen Raum bewußter wahrzunehmen. dessen Proportionen dem Verhältnis der Seiten des Kartons und damit auch des Zeichenbogens entsprechen (vgl. Jetzt stellen Sie sich vor. Warten Sie. warum diese Technik so gut funktioniert und ein so wertvolles Hilfsmittel beim Zeichnen ist. auf dem ein Filmprojektor steht. und schließen Sie das andere (oder halten Sie eine Hand davor). indem wir «nichts» zeichnen Die Abbildungen 67 und 69 zeigen einen Stuhl und einen Roll- tisch. bis Sie ihn als Form hervortreten sehen. bis der Stuhl mindestens an zwei Stellen den Rand des Rahmens berührt (vgl. Wenn Sie diese vier Punkte durch zwei senkrechte und zwei waagerechte Linien verbinden. werden Sie in Kürze abzeichnen. Sehen Sie sich durch die Öffnung den Stuhl an.Sucher. 64). zeichnet man ungewollt auch den Gegenstand. und zwar mühelos. Verbinden Sie die Ecken des Kartons durch zwei Diagonalen Durch den Schnittpunkt werden die Diagonalen in vier gleich lange Geraden aufgeteilt. Zunächst möchte ich jedoch weitere Beispiele anführen und dann zu erklären versuchen. Nun halten Sie Ihren Sucher vor ein Auge. Als nächstes schneiden Sie das kleine Rechteck aus. 4. Zeichnet man die Umrisse dieses leeren Raumes ab.5 Zentimeter vom Schnittpunkt entfernt liegt. Markieren Sie auf allen vier Geraden jeweils den Punkt. der 1. Verkehrte Welt: Wir zeichnen «etwas». Abb. Nun fixieren Sie mit Ihrem Blick einen der negativen Räume. die den Stuhl umgeben. Bewegen Sie den Sucher so lange hin und her.den negativen leeren Raum -. Was Sie in Ihrer Vorstellung sehen . Die Gegenstände sind nur im Umriß wiedergegeben. indem er dem die Formen umgebenden Raum einen Rahmen — also Außenränder — gibt. gemeinsame Randlinien. so wie Sie es beim Seestern geübt haben. und vergleichen Sie die Form der ausgeschnittenen Öffnung mit der Form des Kartons. Abb. 6. 3. Diesen Karton mit dem Ausschnitt nennt man — wie beim Fotoapparat . 66). 5. sind es zwei gleiche Formen. als seien sie vollständig dargestellt. Dennoch sieht es beinahe so aus. erhalten Sie ein Rechteck. Halten Sie den Karton hoch. Und wenn man den Leerräumen . Der Stuhl muß möglichst vollständig in dem durch den Ausschnitt gegebenen Rahmen zu sehen sein.

oval oder rund sind. Macht sich nun der Anfänger daran. Das erwähnte kompositorische Problem ist damit gelöst: Indem wir jedes «Puzzle-Teil» innerhalb der begrenzenden Randlinien des Zeichenblattes gleichrangig behandeln. Amsterdam. einen Stuhl oder einen Tisch zu zeichnen. steht ihm dieses gespeicherte sprachlich-analytische L-Modus-Wissen beim Wahrnehmen der visuellen Infor- . daß Tische gleich hohe Beine haben. indem Sie ein Foto aus einer Zeitschrift oder die Zeichnung eines alten Meisters wie die von Boucher (vgl. die man sich gern anschaut. wenn wir die Umrisse des leeren Raums wiedergeben? Ich glaube. Fügen Sie nur die Teile des negativen Raums wieder aneinander. Warum fällt uns das Zeichnen leichter. mit ihrem Wissen über die Gegenstände wegen der Konzentration des Zeichnenden auf den Leerraum nicht mehr in den Vorgang eingreift und dem rechten Hirn das Feld überläßt. ist: Wir wissen zuviel über sie. Wir wissen. die wir noch zeichnen möchten. daß der Stuhlrücken etwa rechtwinklig zum Sitz angebracht ist usw. daß die linke Hemisphäre. 65: Weiblicher Akt von Francois Boucher (1703 1770 . Mit freundlicher Genehmigung des Rijksmuseum. Üben Sie sich im Sehen des negativen Raums. keine passende Kategorie für den negativen Raum verfügt. Abb. daß Tischplatten flach und viereckig.Das Raum-Negativ wird zum Positiv Ergänzende Übung: 7a. 65) auseinanderschneiden. Das Problem beim Zeichnen von Stühlen und Tischen und all den anderen Gegenständen. daß der Sitz eines Stuhles meist flach oder leicht gewölbt ist. Abb. verbinden wir Formen und Raum zu einer kompositorischen Einheit. die ja über keinen gleichwertigen Begriff. und kleben Sie diese auf ein Blatt schwarzes Papier. dann ergibt sich zumeist aus irgendeinem Grund eine Zeichnung. Aus diesen Stücken des negativen Raums werden sich die Umrisse der Figur von selbst ergeben: Sie hat mit dem Raum gemeinsame Randlinien. das gleiche kompositorische Gewicht zuerkennt wie den gegenständlichen Formen.

weist der Gegenstand unter Umständen keine der ihm zugeschriebenen Eigenschaften sichtbar auf: Tischecken verwandeln sich in schräge Winkel. 67).beziehungsweise Stuhlbeine können drei oder sogar vier verschiedene Längen haben (vgl.mit dem. Vielleicht können Sie in ihr Hinweise auf Ihre eigenen Bemühungen entdecken. was Sie sehen. Wahrnehmungen im Widerstreit Die Zeichnungen vom Projektortisch (Abb. das Problem der Darstellung von Tischen und Stühlen usw. Daher versucht der Neuling. Abb. das. 67 . was er Abb. was Sie wissen. auf zweierlei Weise zu lösen. die Tisch. anschauliche Wiedergaben dieses Konfliktes und seiner ösung. Sieht er den Stuhl oder den Tisch aus einem schrägen Blickwinkel. sein gespeichertes Wissen —wie ein Projektor und der dazu gehörende Tisch «auszusehen haben» . runde Flächen in Ovale oder gar in grade Linien. Vergegenwärtigen Sie sich noch einmal Ihre imaginäre Stuhl-Zeichnung. 68 und 69) sind inter-ssante. mit dem. in Einklang zu bringen.Das Raum-Negativ wird zum Positiv mationen im Wege. Auf der ersten Zeichnung hatte der Schüler noch große Schwierigkeiten. Er bedient sich zweier widersprüchlicher Informationssysteme und gerät dadurch in Konflikte.

setzen wir ein Sehen nach dem R-Modus in Gang und wirken der Herrschaß des Abb. Und so war es tatsächlich: Der Schüler hatte seine linke Hemisphäre «ausgetrickst» und zum Schweigen gebracht. Suchen Sie sich einen zum Abzeichnen geeigneten Stuhl aus — einen wirklichen Stuhl. Damit hat aller Widerstreit ein Ende. ermöglicht uns die räumliche. Schließlich haben Raum und Form gemeinsame Grenzen. selbst die Negativ-Zeichnung eines Stuhles anzufertigen. bei dem zwei sich leicht überschneidende Bilder aufeinander projiziert werden. in Einklang zu bringen. Bevor Sie beginnen: Lesen Sie die folgenden Anweisungen.) Wenn es Ihnen unangenehm ist. wirkt das Wahrgenommene flächig. Abb. gelang ihm die Wiedergabe sehr viel besser. die dem Arbeitsstil der linken Hemisphäre nicht entsprechen. 6g Robert Dominguez L-Modus entgegen. 2. Die visuellen Informationen konnten offensichtlich ungehindert aufgenommen und auf die Zeichnung projiziert werden. Doch indem wir unseren Blick auf den Raum fixieren. (Sieht man nur mit einem Auge. die die Betrachtung des negativen Raumes erbringt. daß die Beine des Tischchens alle gleich lang und daß die Räder durch ein Symbol dargestellt sind. Sie wirkt überzeugend und ungezwungen. so können Sie ruhig das andere . keinesfalls weniger komplex als die Eindrücke. Erst das binokulare Sehen — das Wahrnehmen mit zwei Augen zugleich -. 66). Anders ausgedrückt: Indem wir uns auf Informationen konzentrieren. denn nach dem R-Modus kann das Gehirn Informationen über räumliche Strukturen und über Beziehungen zwischen Dingen im Raum viel leichter verarbeiten. und die Verarbeitung der optischen Wahrnehmungen wird von der für das Zeichnen zuständigen rechten Hemisphäre übernommen. dreidimensionale Sicht. die das Anschauen einer gegenständlichen Form vermittelt. Als er dann aber auf den R-Modus umschaltete. schalten wir den dominanten L-Modus ab. Dabei sind die visuellen Informationen. Es ist soweit: Zeichnen Sie einen Stuhl Sie sind jetzt in der Lage. einen «Sucher» zu Hilfe nahm und nur die Umrisse des leeren Raums zeichnete. Beachten Sie. kein Foto.128 Das Raum-Negativ wird zum Positiv sah. Schauen Sie mit einem Auge — das andere soll geschlossen oder verdeckt sein — durch Ihren Sucher hindurch auf den Stuhl (vgl. 1. nur mit einem Auge zu sehen.

Betrachten Sie diesen Ausschnitt eine Weile. bis Sie ihn als Form hervortreten sehen. Nun schauen Sie auf Ihren Zeichenbogen. 8. wie Sie ihn sehen. 4. den Sie durch den Sucher gesehen haben. auf das Papier übertragen. Sehen Sie wieder durch den Sucher. Fixieren Sie mit Ihrem Blick den negativen Raum an einer der Stuhlseiten. Denken Sie daran. Zeichnen Sie den Umriß einfach so ab. Nehmen wir an. daß die Ränder des Suchers den Rändern Ihres Bogens entsprechen. 5. Sie sehen im Ausschnitt Ihres Suchers. \ 3. lediglich die Teile des den Stuhl umgebenden leeren Raumes abzuzeichnen. Über den Stuhl selbst brauchen Sie sich gar keine Gedanken zu machen. daß der negative Raum einen eckigen Rand hat (vgl. Ich möchte versuchen. Die meisten Künstler bedienen sich zumindest gelegentlich dieser Technik. so wie Sie ihn durch den Sucher gesehen haben.Dimensionen. Nun schauen Sie wieder auf den Zeichenbogen und stellen sich die Umrisse des Raums auf dem Papier vor. Doch ist es um einiges leichter. als alle Formen wie die Stücke eines Puzzles zusammenpassen. warum sie hier eine scharfe Ecke bildet und sich dort sanft wölbt. Sie können mit den äußeren Raumteilen beginnen und dann zu den Zwischenräumen übergehen oder umgekehrt. fragen Sie sich: «Welchen Winkel bildet sie im Verhältnis zum vertikalen Seitenrand des Suchers?» Wenn Sie dann von der entsprechenden Vertikalen am Rand Ihres Zeichenbogens ausgehen. ein flaches. Abb. Biegt die Umrißlinie um die Ecke. Und fragen Sie sich nicht. Auf Ihrem Zeichenpapier ziehen Sie diese Randlinie des Raumes in dem Winkel. wie Sie ihn sehen. warum die Umrißlinie eines Raumteils in diese oder jene Richtung verläuft. daß die Form des Stuhls auf dem Blatt erscheint. Ihre Aufgabe ist es nun. Dabei orientieren Sie sich an den Rändern des Zeichenbogens (vgl. zweidimensionale Zeichenbogen zu übertragen. Warten Sie. daß dieser den Rand der Öffnung mindestens an zwei Stellen berührt. 71).Das Raum-Negativ wird zum Positiv wieder öffnen. _ 6. 72 und 73). Vergessen Sie ihn am besten. Mit anderen Worten: Die Ränder Ihres Suchers und die Ränder Ihres Bogens stehen stellvertretend für «senkrecht» und «waagerecht» . so als wollten Sie ihn sich fest einprägen. . in denen Ihnen auch Ihre reale Wahrnehmungswelt erscheint. können Sie den Winkel so. diesen wichtigen Punkt noch etwas anschaulicher darzustellen. Abb. Richten Sie den Sucher so auf den Stuhl. Stellen Sie sich vor. ist insofern unwichtig. 7. zweidimensionales Bild auf flache. Womit Sie anfangen.

vom Bild «gefesselt».Das Raum-Negativ wird zum Positiv 9. liegt vor Ihren Augen und ist Ihnen uneingeschränkt zugänglich. was Sie beim Zeichnen wissen müssen. Sie werden beim Zeichnen feststellen. was Sie während des Zeichnens fühlen . wie lang ist sie usw. bis sich Ihr R-Modus auf das Problem eingestellt hat. Versuchen Sie wieder bewußt zu spüren. . von der Schönheit des Wahrgenommenen tief ergriffen sind usw. komplexen Struktur mehr und mehr zu interessieren beginnt. mit dem leeren Raum umzugehen.ob Sie jedes Zeitgefühl verlieren. Schätzen Sie auf die gleiche Weise auch die Horizontallinien ab: In welchem Winkel verlaufen sie im Verhältnis zu den Horizontalen (zu den oberen und unteren waagerechten Begrenzungslinien Ihres Sichtfeldes und Ihres Zeichenbogens)? 10. Wenn Sie beim Zeichnen auf irgendeine Schwierigkeit stoßen. Wenn Sie fertig sind: Zur weiteren Förderung Ihrer Fähigkeit. dann fragen Sie sich: «Welche Form begrenzt diese Linie (in welchem Winkel verläuft sie.)?» Warten Sie. daß der negative Raum Sie auf Grund seiner ungewöhnlichen. Und vergessen Sie nicht: Alles. empfehle ich Ihnen die Übungen 7b-f (Seite 133 f).

Der perspektivischen Darstellung werden wir uns im folgenden Kapitel zuwenden. Der Grund für diesen Reiz liegt vielleicht darin. daß dieses Vorgehen zu besonders interessanten Raumaufteilungen führt. Hocker Solche Negativzeichnungen finde ich außerondentlich reizvoll.Das Raum-Negativ wird zum Positiv Schülerarbeiten: Stühle. Während Sie durch das Zeichnen bewußter zu sehen lernen. Sessel. selbst wenn es sich um ganz banale Gegenstände handelt. bilden Sie zugleich Ihre Fähigkeit aus. darstellerische Probleme zu erkennen und die Dinge in der rechten Perspektive zu sehen. Alle diese Schülerzeichnungen heben sich durch eine reizvolle Gliederung von Raum und Form hervor. daß diese Art der zeichnerischen Darstellung die Einheit von positiven Formen und negativen Räumen bewußter werden läßt. Ein weiterer Grund ist vielleicht. .

Das Raum-Negativ wird zum Positiv .

J4 Ed Gonzales . die einen möglichst kompli zierten Umriß haben sollte (vgl. Abb. 74).Das Raum-Negativ wird zum Positiv 1: Wendy Pickercll Ergänzende Übungen: 7b. uVn den Ausschnitt einzurahmen. Zeich nen Sie den negativen Raum einer Pflanze. Abb. Benutzen Sie Ihren Sucher.

Kombinieren Sie diesmal beide Zeichenmethoden: Stellen Sie das Foto auf den Kopf und zeichnen Sie den leeren Raum ab. 7d. 7c Schauen Sie sich an. Diese «schwierigen» verkürzten Formen lassen sich viel leichter wiedergeben. eine Ballettänzerin oder einen Bauarbeiter. Abb. 75 Fay Conn . 75). eines Bügelbretts oder eines Büchsenöffners (vgl. 7f. 78). Abb. Drehen Sie dazu die Abbildung auf den Kopf.134 7c. der die Formen umgibt. Abb. zum Beispiel einen Fußballspieler. Zeichnen Sie den negativen Raum eines Haushaltgeräts ab. Die Ränder des Fotos entsprechen Ihrem Bildrahmen. Benutzen Sie den Sucher. und zeichnen Sie die negativen Räume ab. wenn Sie sich auf den leeren Raum konzentrieren. Kopieren Sie die Zeichnung von Peter Paul Rubens (vgl. die gerade eine komplizierte Bewegung ausfuhrt. Achten Sie darauf. aufweiche Weise Winslow Homer den negativen Raum in seiner Zeichnung (vgl. Abb. Das Raum-Negativ wird zum Positiv Abb. 76). y6 Urba Dean Bury Abb. und zeichnen Sie die Details innerhalb der Formen ab. Drehen Sie dann die Zeichnung wieder richtig herum. sie abzuzeichnen. Suchen Sie sich eine Gestalt aus. um den Rahmen genau festzulegen. 77) verwendet. Versuchen Sie. zum Beispiel eines Schneebesens. Zeichnen Sie den negativen Raum um einen Menschen auf einem Foto ab. daß die Proportionen Ihrer Zeichnung mit denen des Fotos übereinstimmen (vgl.

im Ro/intuhl silzend' 1874. Mit freundlicher Gene] Boymans-Van Beunigen Museum. Mit freundlicher Genehmigung des Sterling and Francine Clark Art Institute. von Winslow Homer (1836—191 o).Das Raum-Negativ wird zum Positiv Abb yy: <Kind. Abb. y8: Arm. R .und Beinstudien von I (1577 1640).

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8 Ausdehnung in alle Richtungen: Perspektivisch zeichnen auf eine neue Art .

. Stiftung von Felix M. Wir müssen unsere Vorurteile. 79: <Der Zeichner des liegenden Weibes> (1538) von Albrecht Dürer. Warburg. wie sich die dreidimensionale. 1918. Sie ist die uns vertrauteste Darstellungsform. wie etwas sein müßte. wie sie sind. das heißt in ihrer tatsächlichen Bedeutung. die verschiedenen Aspekte eines Problems in ihrem wahren Verhältnis. die oft nur auf unserer Meinung darüber beruhen.oder Bildfläche darstellen läßt. unsere im Gedächtnis gespeicherten Klischees und Denkgewohnheiten ablegen.138 Perspektivisch zeichnen Einer der ersten Schritte zur Lösung eines Problems besteht gewöhnlich darin. Mit freund- licher Genehmigung des Metropolitan Museum of Art. in der Sie sich schon geübt haben: die Dinge in der Außenwelt so wahrzunehmen. Mit Hilfe der Linearperspektive vermochte der Künstler nun sichtbare Veränderungen von Linien und Formen so darzustellen. Jahrhundertelang haben Künstler nach Wegen gesucht. räumliche Welt auf der zweidimensionalen Zeichen. Wir müssen Fehldeutungen überwinden. was etwa «in die Weite blicken» bedeutet. bedarf es einer Fähigkeit. Dazu bedarf es der Fähigkeit. Abb. Die Linearperspektive (oder Zentralperspektive) ist in der Renaissancezeit Von europäischen Künstlern zur Vollkommenheit ausgestaltet worden. New York. Wichtiges von Unwichtigem zu trennen und die Dinge «in die rechte Perspektive» zu rücken. Die Bezeichnung «Perspektive» leitet sich von dem lateinischen Wort perspicere her. wie sie im dreidimensionalen Raum erscheinen. obwohl wir uns dieses «etwas» vor unseren Augen niemals wirklich genau angesehen haben. Es sind in den verschiedenen Kulturen unterschiedliche perspektivische Systeme entwickelt worden. zu sehen. Um das perspektivische Zeichnen zu erlernen.

Vor dem Zeichner auf dem Tisch liegt ein Bogen Papier. der mit einer starren. Der Künstler beginnt nun zu zeichnen. Der Holzschnitt von Albrecht Dürer (Abb. Er richtet auf seiner Zeichnung die Ecken und Rundungen der Linien und die Länge der einzelnenAbschnitte genau an den Horizontalen und Vertikalen des Netzes aus. Nach diesem oft auch von Kindern angewandten System sind die am weitesten oben angeordneten Formen. und Formen wirken um so kleiner. Aus diesem Grund wird eine naturgetreue Darstellung in hohem Maße durch diese beiden Prinzipien bestimmt. In neuerer Zeit haben die Künstler gegen die starren Konventionen hinsichtlich der_perspektivischen Gestaltung rebelliert und neue Systeme erfunden. während die näher gelegenen Teile (Knie und Unterschenkel) größer wirken. So ergibt sich Abb. Dürers Zeichenschema Dürers Holzschnitt stellt einen Zeichner dar. gleichbleibenden Kopfhaltung (beachten Sie den seitlich vor seinem Gesicht stehenden Augenpunktmarkierer) an seinem Arbeitstisch sitzt und aufmerksam durch ein vor ihm aufgestelltes Drahtgitter schaut. 80: So ungefähr hat Dürers Zeichner die Frau gesehen. Unserer Wahrnehmung zufolge scheinen parallele Linien am Horizont (in Augenhöhe des Betrachters) zusammenzulaufen. Die traditionelle Perspektive der Renaissance-Kunst stimmt indes am genauesten mit der Wahrnehmungsweise der Menschen in unserer westlichen Kultur überein. unabhängig von ihrer Größe. senkrechten und waagerechten Linien überzogen ist. 79) kann uns dieses Wahrnehmungssystem veranschaulichen. als die am weitesten entfernt liegenden anzusehen. . Linien und Umrissen zunutze machen. was er durch das Quadratnetz erblickt. der dieselben Ausmaße hat wie das Drahtgitter und .entsprechend dem Muster des Gitters .Perspektivisch zeichnen In anderen Kulturen — in der ägyptischen und orientalischen zum Beispiel — entwickelten Künstler eine Art gestufte Perspektive. die zahlreiche Quadrate bilden. Der Körper des liegenden Modells erscheint aus seiner Perspektive stark verkürzt. als sie in Wirklichkeit sind. Aus dieser Sicht erscheinen die am weitesten entfernten Körperteile (Kopf und Schultern) kleiner.mit parallelen. bei der die räumliche Anordnung der Gegenstände und Figuren durch ihre Placierung zwischen dem oberen und dem unteren Bildrand dargestellt wurde. je weiter sie von uns entfernt sind. Die senkrechte Körperachse der Frau verläuft genau in Augenhöhe des Künstlers. Struktur. in denen sie sich abstrakte räumliche Eigenschaften von Farbe.

wie die Illusion der räumlichen Tiefe auf der zweidimensionalen Bildfläche erzeugt werden könne — eine Neuschöpfung der sichtbaren Welt. 80). geradezu mathematischen Systems nach sich. zwingt er sich dazu. daß diese geistige Anpassung des optisch Wahrgenommenen sich zunächst hemmend auswirkt. deuten wir die gezeichneten Linien als eine von einem bestimmten Blickpunkt aus wahrgenommene. was wir sehen. wie sie dem Auge erscheinen — einschließlich der durch den Blickpunkt des Betrachters beeinflußten optischen Verzerrungen. daß die meisten Formen der liegenden Figur nicht den uns bekannten menschlichen Körperformen entsprechen. Was hat Dürers Künstler durch dieses Gitternetz gesehen? Ich habe es zu skizzieren versucht (vgl. wird seine Zeichnung erscheinungsgetreu wirken. Die Schwierigkeiten. Die getreue Projektion der Linearperspektive setzt die Einhaltung eines festen Standpunktes. Formen und Ausmaße werden im Widerspruch stehen zu dem. Die sich dabei ergebenden Proportionen. den geistigen Widerstand gegen die optische Verzerrung der Dinge zu überwinden und erscheinungsgetreue Darstellungen hervorzubringen. Es war «die» Lösung des Problems. Das zu verhindern war der Zweck der von Dürer dargestellten (und auch selbst verwendeten) Vorrichtung: Indem der Künstler durch das Gitternetz blickt und sich und seinen Blickpunkt starr beibehält. was der Künstler über Proportionen.Perspektivisch zeichnen auf dem Papier die verkürzte Ansicht des Modells. weil wir das. die uns das Zeichnen verkürzter Formen bereitet. Die große Leistung der Renaissance-Perspektive besteht also darin. was wir erblicken. Wenn wir es jedoch als ein Ganzes betrachten. wie er sie sieht — mit all ihren «falschen» Proportionen. was wir wissen. und nicht. Wenn Sie sich dieses Bild Teil für Teil ansehen. was wir wissen. rühren nun daher. Abb. Dieses Verfahren funktionierte ausgezeichnet. Dürers einfache Vorrichtung zog die Entwicklung eines komplizierten. die Form genau so wiederzugeben. dreidimensionale. werden Sie schnell feststellen. liegende Gestalt. Die Verzerrungen nehmen wir gar nicht zur Kenntnis. das uns in die Lage versetzt. Formen und Maße des menschlichen Körpers weiß. im Geist dem anpassen. und so zeichnen wir. Doch nur wenn er die verzerrten Proportionen wiedergibt. das Verharren auf einem einmal ein- . Doch brachte dieses Verfahren auch Probleme mit sich. daß sie den Künstlern eine Methode zur Ausschaltung ihres Wissens von den Dingen geliefert hat und es ihnen ermöglichte. die er wahrnimmt. Formen so darzustellen.

Das ist. ist s doch für die natürliche Sehweise d< Künstlers tödlich. kaum noch Gebrauch von perspektivischen Systemen. es ist ein unmittelbares optisches Wahrnehmen visueller Informationen.» Graham Collier <Form. in der Kunst der Frühren. Hier geht es um Fluchtpunkt und Horizontlinie (vgl. zum Dogma gewo den ist. ist ein L-Modus. Für das Peilen brauchen wir keine Reißschiene. Doch das schwerwiegendste Problem im Umgang mit der Linearperspektive besteht darin. Space and Vision> Das Visieren: Winkelbestimmung mit Hilfe der Zeichenblattränder Die meisten Künstler machen heute. wenn Sie die Dinge so wiedergeben. in nuce. theoretische Denken. tranceartigen Wesen. leblosen Ergebnissen führen. gerade Ka: ten usw. wie sie wirklich aussehen. und nicht statt dessen das zeichnen. Diese nenne ich Visieren. Wenn Sie erst einmal in der Lage sind. Der Kunstprofessor Graham Collie schreibt. Zudem kann eine strikte Anwendung der perspektivischen Regeln zu recht langweiligen. daß die vertikalen Linien vertikal bleiben und daß die horizontalen Randlinien im Fluchtpunkt auf de Horizontlinie zusammentreffen (di stets in Augenhöhe des Zeichners v läuft). in der von mir immer wieder so nachdrücklich erwähnten Weise zu sehen. die i weit jenseits der Ränder des Zeicht papiers liegen. Die durch die räumliche Anordnung hervorgerufene Verzerrung der Formen wird von ihnen optisch erfaßt: Sie zeichnen nach Augenmaß. Abb. Abb. kein Lineal. braucht man sie zum Glück nicht mehr zu beachten. sondern nach einer bestimmten methodischen Art zu sehen. 81). die vom Künstler unverändert in die Zeichnung umgesetzt werden. daß sie so ausgeprägt «linkslastig» ist. als Sy stem akzeptiert. der genaue Gegensatz zum künstlerischen R-Modus und dessen ebenso bizarren wie ernsthaften. Mit Hilfe des Visierens kann man die Verhältnisse messen. Punkte. was Sie von ihnen wissen. die darüber hinaus noch erfüllt sein muß. Perspektiven mit zwei oder drei Fluchtpunkten.Perspektivisch zeichnen genommenen Blickwinkel voraus. keine Dreiecke oder Winkelmesser . brauchen Sie sich um die Perspektive nicht zu kümmern. sobald sie. sie gehen also nicht nach einem vorgegebenen starren Regelsystem vor. der sich nicht einmischt und auch nicht protestiert. eine Reißschiene. sance sei die Perspektive auf eine se schöpferische und phantasievolle Weise angewandt worden und hab ein intensiveres Raumgefühl vermi telt. um perspektivische Darstellungen von Kreisen und Ellipsen und so fort. in denen Winkel.nur Papier und Bleistift müssen zur Hand sein. Er fährt fort: «So wirkungsvoll die Perspektive auch sein mag. logische. Für sie braucht man einen großen Zeicher tisch. Das Verfahren ist umständlich und mühsam. Das Anvisieren nach dem R-Modus ist viel einfacher und rei< in den meisten Fällen vollkommen . Doch hat man die Regeln der perspektivischen Darstellung erst einmal in ihren Grundzügen erfaßt. Formen und Räume zueinander stehen. die EinPunkt-Perspektive.87: Eine klassische perspektivische Darstellung. Beim Visieren mißt der Künstler die Perspektive mit dem Auge. Die einzige Bedingung. rechnerische. selbst wenn sie naturalistisch zeichnen oder malen. Beim Vorgehen nach diesen Regeln ist der Verarbeitungsmodus der linken Hemisphäre eingeschaltet. das analytische. Beachten Sie. zählen bereits zu de komplizierten Systemen. und Künstler pflegen beim Arbeiten ihre Augen eben nicht starr auf einen Punkt gerichtet zu halten.

als ein Maß für Horizontale und Vertikale. die Sie vor Augen haben.Perspektivisch zeichnen «Was Eugene Delacroix über das Studium der Anatomie sagte. im Verhältnis zur Vertikalen. diese Methode selbst zu praktizieren. auf der zweidimensionalen Papierfläche räumlich wiederzugeben. Ragen Dinge in die Luft — eine Leiter zum Beispiel oder ein Gebäude —. um Winkel und Linienverläufe im Verhältnis zu den Horizontalen und Vertikalen ihrer Blickrichtung wahrzunehmen und dann in Relation zu den Rändern des Papierbogens. zu Ihrem Bleistift. Versuchen Sie nun für eine Weile. abzuzeichnen. Mit anderen Worten: Sie benutzen den R-Modus.» Nathan Goldstein <The Art of Responsive Drawing> Im fünften Kapitel habe ich bereits erwähnt. Sie helfen Ihnen. schlagt sich in der Wahrnehmung nieder. Doch die Zeichenpapierränder sind für die perspektivische Darstellung von großer Bedeutung. so als existiere er überhaupt nicht. zum Beispiel ein Stuhl. Die Ränder des Bogens stehen stellvertretend für die senkrechten und waagerechten Begrenzungslinien unserer Wahrnehmung. unteren und seitlichen Ränder des Blickfeldes. die von Mensch zu Mensch verschieden ist und durch die jeweiligen Empfindungsbedurfnisse bestimmt wird. daß die meisten Anfänger dazu neigen. . die die Horizontalen und Vertikalen repräsentieren. den ein Gegenstand. gilt auch für die perspektivische Konstruktion: Man soll sie Jemen . Die meisten Kleinkinder erfassen dies — wie wir gesehen haben intuitiv. Abb. und beobachten Sie mit dem anderen den Winkel. sondern als Umgrenzung des Bildes. Halten Sie Ihren Bleistift genau senkrecht vor Ihr Gesicht. als Orientierungsrahmen zur Abmessung der durch die Perspektive gebildeten Winkel und der Richtung der Linien. bildet (vgl. Was von dem Gelernten übrigbleibt ein Gefühl für Perspektive -. Künstler benutzen die Ränder des Blattes auf eine andere Weise — nicht als die tatsächlichen oberen. den Rand ihres Zeichenbogens zu ignorieren. zeichnen Kinder sie parallel zu den Seitenrändern ihres Blattes. Schließen Sie ein Auge. die dreidimensionalen Formen. Bei Kinderzeichnungen ist der Boden auch zugleich der untere.und sie dann wieder vergessen. der Himmel zugleich der obere Rand des Papiers.

O. Beobachten Sie. 84).Perspektivisch zeichnen Ergänzende Übungen: 8a. den Neigungswinkel seines Kopfes im Vergleich zu einer (gedachten oder wirklich vorhandenen) Vertikalen. 8b. Havemeyer Collection. Kopieren oder fotografieren Sie die Inneneinrichtung eines Zimmers oder eine Landschaft mit einer Straße und mit Gebäuden. 85).) Schließen Sie wieder ein Auge und beobachten Sie. Abb. 85 . Abb. Ob dieser Stuhlteil. dann ist es leichter. wie in Abbildung 84. 83). Benutzen Sie dabei nun an Stelle des Stiftes den linken Rand Ihres Bogens als Meßlinie (vgl. Mit freundlicher Genehmigung des Metropolitan Museum of Art. Dann zeichnen Sie diesen Winkel auf Ihr Zeichenpapier. 86: (Tänzerin. in welchem Verhältnis ein anderer Teil des Stuhls zu der durch Ihren Bleistift gebildeten Horizontalen steht (vgl. Nun halten Sie Ihren Bleistift genau waagerecht in Augenhöhe vor Ihr Gesicht. wenn Sie mit jemandem sprechen. (Fassen Sie ihn an beiden Enden an. Abb. Abb. 82). ihren Schuh richtend) (1873) von Edgar Degas (1834-1917). aus Ihrer Sicht waagerechte und damit parallel zu Ihrem Stift verlaufende Linien oder einen Winkel zur Bleistifthorizontalen bildet (vgl. Schauen Sie sich die Winkel im Verhältnis zu den Rändern des Fotos an. The H. spielt dabei Abb. Zeichnen Sie dann die gleichen Winkel auf Ihren Bogen.

Perspektivisch zeichnen

keine Rolle. Was immer Sie sehen, stets werden Sie nun den richtigen Winkel beim Zeichnen durch Vergleich mit dem oberen beziehungsweise unteren Rand Ihres Zeichenbogens ermitteln und abzeichnen können. Damit Sie sich diese Methode einprägen, empfehle ich Ihnen, zusätzlich die Übungen 8a und 8b durchzuführen.
Visieren beim figürlichen Zeichnen

Diese Methode ist eine wichtige Grundlage beim figürlichen und gegenständlichen Zeichnen. Auf vielen Skizzen bekannter Maler sind Spuren solcher leicht angedeuteten Hilfslinien zu erkennen, wie zum Beispiel in Edgar Degas' Zeichnung von einer Tänzerin (Abb. 86). Degas hat vermutlich die Lage der linken (vom Betrachter aus gesehen rechten) Zehenspitze im Verhältnis zum Ohr anvisiert und den Winkel des Arms nach der Ohr und Fuß verbindenden Vertikalen bestimmt.

Dürers Zeichenschema heute Als nächstes wollen wir das Visieren an Hand einer modernen Version des Dürerschen Zeichenschemas ausprobieren. 1. Nehmen Sie einen Bogen Butterbrotpapier oder ein rechteckiges Stück Klarsichtfolie. Legen Sie die Folie glatt auf eine Fensterscheibe, durch die man auf eine Straße blicken kann, und befestigen Sie sie an der Scheibe. Zeichnen Sie nun mit einem Filzstift ein Netz aus waagerechten und senkrechten Geraden, die im Abstand von etwa fünf Zentimetern parallel zueinander verlaufen, auf die Folie. 2. Stellen Sie sich in Armeslänge vom Fenster entfernt hin, schließen Sie ein Auge, und schauen Sie mit dem anderen auf die
Straße. Bewegen Sie jetzt nicht mehr den Kopf. Nun zeichnen Sie die

Umrisse von Straße, Gebäuden, Autos, Bäumen — das gesamte Bild vor Ihren Augen — auf Ihrem durchsichtigen Bogen nach. 3. Auf diese Weise erhalten Sie eine perspektivische Zeichnung. Lösen Sie die Folie vorsichtig vom Fenster ab und legen Sie sie auf eine helle Fläche, so daß Sie die Linien deutlich erkennen. Jetzt nehmen Sie einen Bogen Zeichenpapier und unterteilen auch ihn mit ganz leichten Bleistiftstrichen in Quadrate, die denen der Folie genau gleichen. Übertragen Sie nun bitte die Zeichnung auf der Folie auf Ihr Zeichenpapier. 4. Nun treten Sie mit dieser Zeichnung wieder vor das Fenster und visieren die Winkel an, wobei Sie Ihren Bleistift als Peilgerät

Perspektivisch zeichnen

benutzen. So können Sie mit Hilfe Ihrer Zeichnung überprüfen, wie genau Sie bei der Übertragung von der Folie auf das Zeichenblatt Linien und Winkel abgemessen haben. 5. Stellen Sie sich wieder genau an dieselbe Stelle vor dem Fenster wie beim Anfertigen Ihrer ersten Umrißzeichnung. Nun halten Sie Ihren Bleistift mit ausgestrecktem Arm vollkommen senkrecht und parallel zur Fensterscheibe und decken mit ihm die Seitenkante eines Gebäudes ab. Es ist eine Vertikale. Prüfen Sie das an Ihrer Zeichnung nach: Die seitliche Umrißlinie des Hauses muß parallel zu den Seitenrändern Ihres Zeichenbogens verlaufen. Alle lotrecht zum Boden verlaufenden Linien bilden vollkommene Vertikalen. 6. Peilen Sie nun eine der gewinkelten Formen an, die Sie gezeichnet haben — vielleicht die Straßenecke oder die Spitze eines Dachgiebels. Berühren Sie dabei den Umriß dieser Form mit dem waagerecht gehaltenen Bleistift an irgendeiner Stelle. 7. Betrachten Sie den Winkel zwischen Ihrem waagerecht gehaltenen Bleistift und der Umrißlinie, beachten Sie ihre Richtung im Verhältnis zur Horizontalen. Nun sehen Sie sich den gleichen Winkel auf Ihrer Zeichnung an, und prüfen Sie, wie Sie ihn (mit Hilfe der Dürerschen Methode) gezeichnet haben. Vergleichen Sie die beiden Winkel. Das Gezeichnete sollte mit dem, was Sie durchs Fenster sehen, übereinstimmen. 8. Nun überprüfen Sie auf die gleiche Weise noch andere Winkel und Linienrichtungen.
Um es zusammenzufassen: Auf diese Weise gehen die meisten Künstler beim perspektivischen Zeichnen vor. Da sie wissen, daß vertikale

Linien immer vertikal verlaufen (wenn man von der Sicht aus der Vogel- oder der Froschperspektive einmal absieht) und daß waagerecht verlaufende Ränder von Formen oder Flächen im Fluchtpunkt auf der Horizontlinie (der Augenhöhe des Betrachters) zusammenlaufen, können sie durch einfaches Peilen jeden beliebigen Winkel in seinem Verhältnis zu den horizontalen oder vertikalen

Konstanten bestimmen und ihn in eben diesem Verhältnis aufs Zeichenpapier übertragen. Worauf es ankommt, ist, daß man sich den Bleistift mit ausgestrecktem Arm genau horizontal oder vertikal vor die Augen hält; dann kann man die Winkel genau bestimmen. Auf diese Weise kann jeder Winkel gemessen und überprüft und auf das Zeichenpapier übertragen werden, ohne daß es irgendwelcher komplizierter Verfahren der perspektivischen Darstellung bedarf. Sie brauchen nur die Dinge, die Sie vor Augen haben, mittels des R-Modus in ihrer relativen Lage wahrzunehmen.

Perspektivisch zeichnen

Visieren zum Vergleich von Längen und Breiten Das Visieren kann man auch dazu benutzen, das Verhältnis der Längen und Breiten von Formen zu bestimmen. Wenn Sie zum Beispiel einen Tisch aus schräger Sicht zeichnen wollen, bestimmen Sie zunächst nach der Peilmethode Winkel und Ränder in ihrem Verhältnis zur Horizontalen und Vertikalen (vgl. Abb. 87). Als nächstes müssen Sie (vom selben Blickpunkt aus) die Breite des Tisches im Verhältnis zu seiner Länge feststellen. Diese scheinbare Breite im Verhältnis zur Länge wird von Blickpunkt zu Blickpunkt variieren. Sie hängt von der Relation zwischen der Höhe des Tisches und der Augenhöhe des Betrachters ab. (Vgl. Abb. 88, wo verschiedene Ansichten eines Tisches dargestellt sind.) Im folgenden möchte ich Ihnen zeigen, wie Sie auch Größenverhältnisse mit Hilfe dieser Methode bestimmen können. 1. Den Bleistift mit ausgestrecktem Arm in Augenhöhe haltend, den Ellbogen durchgedrückt, damit Sie den gleichen Maßstab beibehalten, messen Sie jetzt die Breite des Tisches: Halten Sie den Bleistift so, daß sich sein stumpfes Ende mit einer Tischecke deckt, und legen Sie Ihren Daumen an der anderen Tischecke an (Abb. 89). 2. Lassen Sie Ihren Ellbogen durchgedrückt, und messen Sie nun die Längsseite des Tisches ab. Halten Sie dabei den Bleistift weiterhin in Augenhöhe (vgl. Abb. 90). Wie lang ist der Tisch im Verhältnis zu seiner Breite? Sagen wir, er ist um ein Viertel länger. 3. Kennzeichnen Sie auf einer der beiden Schenkellinien eines rechten Winkels, den Sie gezeichnet haben, die Breite des Tisches durch einen Punkt. (Sie können ihn an eine beliebige Stelle setzen — Sie bestimmen, wie breit der Tisch, den Sie zeichnen wollen, sein soll.) Seine Länge jedoch soll in jedem Fall relativ zu der von Ihnen abgesteckten Breite bestimmt werden, in unserem Beispiel also um ein Viertel länger sein als die Breite. Markieren Sie entsprechend diesem relativen Maßstab die Länge des Tisches auf der anderen Schenkellinie des Winkels. Zeichnen Siejetzt bitte die Tischplatte. 4. Als nächstes visieren Sie die Tischbeine an. Halten Sie dabei den Bleistift senkrecht (vgl. Abb. 91), und stellen Sie fest, in welchem Winkel das Bein zu der durch den Stift sichtbar gemachten Vertikalen steht. Sind die Beine vollkommen senkrecht oder schräg? Zeichnen Sie zuerst die Beine, die Ihnen am nächsten sind. Die Länge der Beine im Verhältnis zur Breite können Sie wiederum durch Visieren ermitteln. Wenn Sie dann Ihren Bleistift so in waagerechter Stellung halten, daß er mit dem Fuß des Ihnen am nächsten gelegenen Tischbeins zusammenläuft, können

Abb. 87: Visieren der Winkel mit Hilfe des waagerecht gehaltenen Bleistifts.

Abb. 89

Perspektivisch zeichnen

nehmu ngen

Sie, ebenfalls durch das Anvisieren der Winkel, auch die Länge der anderen Tischbeine festlegen (vgl. Abb. 92). Üben Sie das Visieren von Größenverhältnissen bei jeder möglichen Gelegenheit. Der wesentlichste Vorgang bei dieser Methode ist die Ausschaltung Ihres L-Modus-Wissens über die tatsächlichen Größenverhältnisse. Zum Beispiel können Sie von bestimmten Blickpunkten aus zu einem Breiten-Längen-Verhältnis gelangen, das Ihrer Meinung nach bestimmt nicht richtig sein kann: etwa ein Verhältnis von eins zu zehn (vgl. Abb. 93). Ihr sprachliches Wissen sagt Ihnen, daß der Tisch bestimmt nicht so lang und so schmal ist. Dennoch: Eins zu zehn ist das wahrgenommene Verhältnis, und genau so müssen Sie es zeichnen. Sie müssen glauben, was Sie sehen, und zeichnen, was Sie wahrnehmen, ohne es Ihrem Wissen gemäß zu verändern oder zu überprüfen. Dann wird der Tisch paradoxerweise so breit wirken, wie er Ihrem Wissen zufolge tatsächlich ist.

werden komple

Ecken

xer und damit

In der folgenden Übung werden Sie Ihre neue Fähigkeit zur relationalen Winkelbestimmung an der Darstellung von Raumecken erproben und weiter schulen können. Bevor Sie beginnen: Lesen Sie die gesamte Anleitung durch, und sehen Sie sich die Schülerzeichnungen auf Seite 150 f an, ehe Sie mit dem perspektivischen Zeichnen beginnen. Sorgen Sie dafür, daß Sie genug Zeit haben — mindestens eine halbe Stunde. Da diese Art des relationalen Zeichnens dem Arbeitsstil der rechten Hemisphäre entspricht, werden Sie wieder in den leicht veränderten Bewußtseinszustand des L-Modus hinübergleiten. Ihre Wahr-

interess anter sein, und Sie werden entdec ken, daß es Ihnen Vergnü gen

2. 3. wie bereits auf das Papier gezeichnet.Vertikale und alle Horizontale. Abb. was Sie gern in Ihrer Zeichn ung darstell en möchte n.bereitet Sie sie wahrnehmen. daß die sich Ränder Ihres Bogens die Konstanten darstellen . Und vergessen Sie nicht. Teile zu einem Ganzen zusam menfüg en. Ste llen Sie sich vor. bis alles in dem Aussch nitt enthalte n ist. Schiebe n Sie ihn so lange hin und her. wie Abb. . Ra hmen Sie mit Ihrem Sucher die Ecke ein. $2 . daß Sie genau auf eine Zimmer ecke blicken. Set zen Sie sich so hin. 1. 90 Abb. die Ecke sei so.

Zeichnen Sie die beiden Kanten und die senkrechte Ecklinie (vgl. Abb. Visieren Sie zuerst die obere Ecke des Zimmers an. wenn Sie sich vor Ihrem Gesicht im Abstand einer Armeslänge eine Fensterscheibe vorstellen ähnlich der. Abb. Schränken. Abb. Der häufigste Fehler.) im Verhältnis zur Vertikalen und Horizontalen. 5. 95). besteht darin. auf die Sie die Straßenansicht gezeichnet haben . (Die Ecke verläuft natürlich vertikal. Bildern. jede Kante (von Leisten.und dann den Bleistift parallel zu dieser gedachten Scheibe halten. die parallel zur Erdoberfläche verlaufen — verändern je nach der Perspektive des Betrachters ihre Winkel.Perspektivisch zeichnen r L 4. Türöffnungen usw. und strecken Sie beide Arme in voller Länge aus. Liegt der Bleistift genau waagerecht zwischen Ihren Fingern. Benutzen Sie zusätzlich zum Visieren von Winkeln die Visiertechnik zur Bestimmung von relativen Breiten und Längen beim Abzeichnen von Bücherbrettern. Vielleicht hilft es Ihnen. Fahren Sie mit dem Abzeichnen der Wände fort. 94). wo die Decke mit zwei Zimmerwänden zusammentrifft (vgl. Überprüfen Sie dabei jeden Winkel. bis er die obere Ecke zu berühren scheint — dort. 7. 94). daß sie den Bleistift parallel zum angepeilten Winkel anstatt zur Augenhöhe halten. Sie benutzen beide Hände. und diese Linien sind immer vertikal. die Winkel der oberen Kanten der beiden Wände im Verhältnis zu der durch den Stift dargestellten Horizontalen zu sehen. Halten Sie dazu Ihren Bleistift mit den Fingerspitzen beider Hände (vgl. weil sie eine lotrecht zur Erdoberfläche verlaufende Linie ist. Nur die horizontalen Linien — das heißt Linien. Stühlen oder . führen Sie ihn ein wenig nach oben beziehungsweise nach unten.) 6. Jetzt sollte es Ihnen möglich sein. weil Sie den Bleistift auf diese Weise leichter konstant parallel zur Augenhöhe halten können. den Schüler beim Peilen machen.

Schrecken Sie nicht davor zurück. Wenn Sie sich erst einmal an diese Techniken gewöhnt haben. Alle haben bei den Ecken angefangen und sich dann von Umriß zu Umriß. Ecken. Gelingt es jedoch. haben sich als außerordentlich nützlich erwiesen. von einem Raum zum angrenzenden übergehen. von Landschaften und Gestalten ist sie eine wesentliche Hilfe. ist es immer leicht und macht Spaß. . von Linie zu Linie vorangetastet. fangen Sie noch einmal von vorn an. und so spiegelt auch die Auswahl der hier gezeigten Schülerzeichnungen etwas von diesem anderen Bewußtseinszustand wider. auf den R-Modus «umzuschalten». die sich möglicherweise in der Zimmerecke befinden. überhaupt nicht in Worten zu denken. Zimmerwände Die Ecken. daß einige Schüler vom negativen Raum ausgegangen sind und sich zugleich des perspektivischen Visierens bedient haben. Zeichnen Sie dabei so oft wie möglich die Umrisse des negativen leeren Raumes. Viele meiner Schüler sind richtig erschrocken. Wenn Sie während des Zeichnens mit dem L-Modus in Konflikt geraten. sie trauen es sich nicht so recht zu. sind von sehr unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad. Beginnen Sie nun mit der Übung. Bemühen Sie sich. sich eine komplizierte Ecke auszusuchen — sehr interessant sind zum Beispiel Küchen. weil dadurch das Überwechseln in den R-Modus behindert werden würde. bis sie die Formen wie bei einem Puzzle zusammengefügt hatten. daß Ihnen das Zeichnen so leicht fiel. Wenn Sie fertig sind: Sie sind womöglich überrascht. Die Methoden. Beim Betrachten der folgenden Zeichnungen fällt Ihnen vielleicht auf. Schülerzeichnungen: Kanten. werden Sie sehr schnell deutliche Fortschritte beim Zeichnen machen und schon bald auf sie verzichten können.Perspektivisch zeichnen anderen Möbelstücken. So werden Sie die linke Hemisphäre schließlich zum Schweigen bringen. weil Ecken «so kompliziert» sind. indem Sie von einer Form zur nächsten. Versuchen Sie. die die Schüler zum Abzeichnen auswählen. andere wiederum sind reich an Formen und Details. eine Ecke zu zeichnen. die ich in diesem Kapitel vorgestellt habe. Auch beim Zeichnen von Stilleben. wenn ich sie bitte. Auf manchen Zeichnungen sind nur wenige Gegenstände dargestellt. die Dinge nicht beim Namen zu nennen.

Perspektivisch zeichnen .

Perspektivisch zeichnen Martha Kalivas .

98 sehen Sie eine Zeichnung von Charles White. die Sie abzeichnen wollen. die Übungen 8c. die Illusion der Räumlichkeit auf der Fläche Ihres Papiers entstehen läßt. damit Sie die Hand als Fläche sehen). Wenn es Ihnen notwendig erscheint. empfehle ich Ihnen. den Bleistift mit ausgestreckten Armen zwischen beiden Händen vor Ihr Gesicht zu halten. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal die Bedeutung des Dürerschen Experiments hervorheben. Gehen Sie von den Umrissen des leeren Raums aus. den Sie auf diese Weise gemessen haben. daß Sie stets relative Größen messen. Wenn Sie nach dem R-Modus vorgehen. bevor Sie zum nächsten Kapitel übergehen. zum Beispiel drei Äpfel. dann die angrenzenden Finger. daß Sie den Bleistift parallel zu Ihrer Augenhöhe halten. 2. Zeichnet man eine Figur. Wahrnehmung von Verkürzungen. den genauen Winkel zu bestimmen. Je öfter Sie die Erfahrung machen. 3. Auf diese Weise erhalten die Dinge die «richtige Proportion». Fragen Sie nicht. die die Grundlinien Ihrer Wahrnehmung der Außenwelt sind. den zweiten in die Mitte und den dritten an den hinteren Tischrand. und ermitteln Sie die Winkel der Teile Ihrer Hand im Verhältnis zur Vertikalen und Horizontalen durch Visieren (vgl. die Dürer genial zu lösen verstand: die Verkürzung. Doch wir brauchen sie uns nur genau anzusehen. bis Sie ihn als Umriß hervortreten sehen (schließen Sie ein Auge. dann den Finger. 8d. Wir nehmen solche perspektivischen Verzerrungen ständig mit dem Auge wahr. Zeichnen Sie erst den Fingernagel. was Sie sehen. Kopieren Sie sie. Abb. 8e. Erinnern Sie sich daran. sie mit dem Zeichenstift wiederzugeben. irgendeine Form oder auch nur einen Teil von ihr.152 Ergänzende Übungen: Bevor Sie beginnen: Üben Sie die Perspektivisch zeichnen Ein Rückblick auf das Kapitel 1. Imaginäre senkrechte und waagerechte Linien sind die Konstanten mit deren Hilfe Sie beim Zeichnen alles abzuschätzen vermögen. den eine Form. . Damit Sie Ihr Gefühl für Perspektive weiter vertiefen. Ich empfehle Ihnen. Bedenken Sie beim Anvisieren der jeweiligen Längen und Breiten. Die einfachste Möglichkeit. das heißt. daß das genaue Abzeichnen dessen. d und e durchzuführen. kann beispielsweise der Kopf «Abschnitt 1» sein. bildet. 96). Wichtig ist. einen Bleistift entweder senkrecht oder waagerecht an den Winkel anzulegen. desto sicherer werden Sie sich diese Methode als persönliche Sehweise zu eigen machen. und warten Sie. Wichtig ist dabei. Fixieren Sie einen der Fingernägel. Es ist die Sehweise des Künstlers. 8c. drehen Sie sie dafür auf den Kopf. die Größenverhältnisse der einzelnen Teile untereinander sind — jeweils unter Rückbeziehung auf den «Abschnitt 1» — gewahrt worden. wählen Sie sich einen «Abschnitt 1» aus. besteht darin. Das perspektivische Zeichnen bringt gewöhnlich eine Schwierigkeit mit sich. auf das Zeichenblatt. daß die Ränder Ihres Bogens stellvertretend für die Horizontale und die Vertikale stehen. Sie zeigt starke Verkürzungen. Daumen und Hand. Legen Sie den einen dicht an den vorderen Tischrand. Anfänger scheuen davor zurück. wie viele Zentimeter eine Strecke mißt — das wäre ja eine L-ModusMethode. als Beispiel die Schülerzeichnung auf Abb. Betrachten Sie diese Darstellung eingehend. 98) ist ein anschauliches Beispiel für eine stark verkürzte Darstellung. indem Sie eine Hand vor Ihre Augen halten. Auf Abb. Übertragen Sie dann den Winkel. Charles Whites Zeichnung eines schwarzen Predigers (Abb. Legen Sie drei gleich große Gegenstände auf einen Tisch. 97 als Beispiel). Messen Sie ihre relative Größe durch Peilen und zeichnen Sie Abschnitt für Abschnitt die Äpfel und die Tischplatte ab (vgl. daß dann alle anderen Teile des Körpers in einem bestimmten Größenverhältnis zu ihm stehen.

Perspektivisch zeichnen .

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9 Jeder Strich ist Teil des Ganzen: Richtige Proportionen .

abstrakt oder ungegenständlich (das heißt Formen. Chirurgen. Auf Abbildung 99 sehen Sie eine schematische Landschaftsskizze mit vier Bäumen. wie sie sind . die uns viele Informationen vermitteln) beziehungsweise die Teile. deren Beruf die Fähigkeit zum richtigen Abschätzen von Größenverhältnissen erfordert . eine Landschaft. die wir für größer halten oder die unserer Meinung nach größer sein sollten. beides zu sehen: die Bäume und den Wald. Teppichverleger usw. Umgekehrt sehen wir unwichtige Teile beziehungsweise die Teile. Das scheint mir daran zu liegen.Richtige Proportionen Eine der wichtigsten Voraussetzungen beim Sehen. Der rechte Baum scheint der . auch kleiner.in ihren jeweiligen Größenverhältnissen. Die Wahrnehmung von Proportionen — insbesondere der räumlichen — gehört zu den Funktionen der rechten HirnHemisphäre. von großem Vorteil. —. die Teile eines Gegenstandes in einer hierarchischen Ordnung zu sehen: Die wichtigen Teile (jene. Schneider. Zahnärzte. die wir für kleiner halten oder die unserer Meinung nach kleiner sein sollten. eine Gestalt oder ein Gesicht darstellen und ob wir naturgetreu. sehen wir auch größer. was wir glauben Fast alle Anfänger haben Schwierigkeiten mit den Proportionen: oft zeichnen sie einzelne Teile zu groß oder zu klein im Verhältnis zu anderen Teilen oder zum Ganzen. Mit seiner Hilfe gelingt es ihnen. Zeichnen hat immer mit Proportionen zu tun.Tischler. die wir in unserer sichtbaren Außenwelt nicht wahrnehmen) zeichnen wollen. Denken. Dabei spielt es keine Rolle. Für alle kreativ denkenden Menschen ist ein geschärftes Bewußtsein für das Verhältnis. daß das Anfertigen solcher Zeichnungen eine besonders gute Übung für das Auge ist. Ich möchte Ihnen einige Beispiele für solche Fehleinschätzungen geben. daß die meisten von uns dazu neigen. Doch scheint mir die Stimmigkeit der Proportionen bei naturgetreuen Zeichnungen am wichtigsten zu sein. Lernen und Lösen von Problemen ist die richtige Wahrnehmung der Größenverhältnisse — der Verhältnisse jedes Teils zu den anderen und zum Ganzen. ob wir ein Stilleben. in dem Teile zu einem Ganzen stehen. die Dinge zu sehen. Wir sehen. und ich glaube. entwickeln im Laufe der Zeit eine große Sicherheit im Wahrnehmen und Abschätzen von Proportionen. als sie tatsächlich sind. Personen. als sie tatsächlich sind. Beim Zeichnen nennt man diese Verhältnisse Proportionen.

Doch in Wirklichkeit ist er genauso groß wie der am weitesten links stehende Baum. Diese proportionale Fehleinschätzung ist das Resultat Ihres Wissens und Ihrer Erfahrung. daß die beiden Bäume gleich groß sind. erscheint uns der rechte Kaum fälschlicherweise noch immer größer als der linke. Doch kommen wir auf unser Landschaftsschema zurück: Selbst nachdem wir die Bäume gemessen und unwiderleglich bewiesen haben. Sie können die Richtigkeit dieser Behauptung prüfen. Damit beharren Wir in übertriebener Weise auf einem an sich sinnvollen Wahrnehmungsprinzip! Und genau diese Art der Übertreibung bereitet . Doch selbst nach einer solchen Messung — nachdem Sie sich selbst den Beweis erbracht haben. wird Ihnen der rechte Baum weiterhin größer erscheinen als der linke. Dies ist eine sinnvolle Art der Wahrnehmung. so wird Ihnen der weiter entfernt liegende Gegenstand kleiner erscheinen. daß sich die Distanz zwischen Ihnen und einem Gegenstand auf Ihre Wahrnehmung von seiner Größe auswirkt: Wenn sich zwei gleich große Gegenstände in einem verschieden großen Abstand von Ihnen befinden. gg größte zu sein. indem Sie die Höhe der beiden Bäume mit einem Lineal oder Bleistift abmessen. daß sie gleich groß sind.Richtige Proportionen Abb. die wir keineswegs anzweifeln wollen.

Wie groß ist das Bild Ihres Kopfes im Spiegel? Ist es ebenso groß wie Ihr Kopf? Nehmen Sie einen Filzschreiber oder ein Stück Kreide. daß Sie ihn mit ausgestrecktem Arm berühren können. wenn Sie die Abbildung auf den Kopf drehen? Ihre linke Hemisphäre weist diesen für sie ungewohnten Anblick zurück — der R-Modus wird aktiviert —. daß die Größe eines Gegenstandes proportional zu seiner Entfernung vom Beobachter abnimmt. Sie stellen ohne Schwierigkeiten fest. Sie erfaßt die Größenverhältnisse richtig. Wir glauben nicht. Dieselbe visuelle Information löst zwei ganz unterschiedliche Reaktionen aus. strecken . daß die Baume gleich groß sind. was wir sehen Ein weiteres Beispiel: Stellen Sie sich so vor einen Spiegel.Richtige Proportionen Anfängern Probleme bei der Darstellung von Proportionen: Wir schieben unsere im Gedächtnis gespeicherten begrifflichen Vorstellungen wie ein Raster vor unsere optischen Wahrnehmungen. Die rechte Gehirnhälfte läßt sich offensichtlich weniger von der Regel beeinflussen. Was geschieht aber.

wenn Sie auch daraus auswählen. . Wir rücken der Realität näher Wir wollen nun versuchen. doch gilt diese Methode. ist es sehr hilfreich. Zu diesem Zweck müssen wir sie ein wenig mitwirken lassen und ihre analytischen Fähigkeiten zur Korrektur ihrer eigenen Fehldeutungen benutzen. Achten Sie darauf. Abb. Fünf bis sechs solcher Fotos genügen.Richtige Proportionen Sie Ihren Arm aus. Er wird durchschnittlich etwa zwölf bis dreizehn Zentimeter betragen. ebenso für jeden anderen Gegenstand. die richtig wiederzugeben allen Anfängern anhaltende Schwierigkeiten bereitet: die Augenhöhe im Verhältnis zur Kopflänge und die Lage des Ohrs bei der Darstellung im Profil oder im Halbprofil. daß gewisse Proportionen wirklich sind. Doch zunächst einmal lassen Sie mich genauer erklären. Sie werden diese Bilder brauchen. Wenn Sie Bücher mit Zeichnungen bekannter Meister besitzen. Wir werden versuchen. schneiden Sie bitte einige ganz gewöhnliche Porträtfotos aus Zeitungen. Wir werden auch noch andere Proportionen des Kopfes unter die Lupe nehmen. Zeitschriften usw. und markieren Sie mit zwei Strichen auf dem Spiegel den höchsten und den tiefsten Punkt des Umrisses Ihres Kopfes (vgl. Sie sehen also. aus. was Sie sehen. warum dem Zeichnen des Kopfes so viele Übungen in diesem Buch gewidmet sind. Oder benutzen Sie das hier abgebildete Foto von George Orwell (Abb. daß das Abbild Ihrem Kopf in den Maßen genau entspricht. Mit anderen Worten: Das Spiegelbild Ihres Kopfes ist nur halb so lang wie Ihr wirklicher Kopf. mit Hilfe der Logik zu beweisen. und glauben nicht. Messen Sie den Abstand zwischen diesen beiden Strichen. ioo). Bei den Übungen zur Wahrnehmung der Proportionen — und auch bei einer Reihe von Zeichenübungen in den folgenden Kapiteln — wird der menschliche Kopf als Sujet dienen. die linke Hemisphäre von ähnlichen Täuschungen hinsichtlich der Kopfproportionen abzubringen. möchten Sie schwören. Ehe wir damit anfangen. Es sollten möglichst Ansichten von vorn. 101). was Sie glauben. Diese Übungen werden sich auf zwei entscheidende Relationen konzentrieren. Dennoch: Wenn Sie die Markierungen vom Spiegl entfernen und noch einmal hineinschauen. im Profil und im Halbprofil darunter sein. Proportionen zu erfassen. wenn Sie die folgende Übung durchgeführt haben. was sie sind. daß die Gesichter aus verschiedenen Perspektiven fotografiert beziehungsweise gezeichnet sind.

Je bewußter Sie sehen. lohnende Aufgabe angesehen. Ein Bild von einem Menschen anzufertigen. 101: Der bekannte Schriftsteller George Orwell (1903 1950). Je genauer ein Künstler sein Modell angesehen hat. nach uns selbst suchen. paradoxerweise jenseits der Ähnlichkeit der dargestellten Person — den Künstler. Abb. sollen Sie nun Gesichter von Menschen zeichnen. Mit freundlicher Genehmigung der BBC. ihn auf eine Weise darzustellen. daß hinter der Maske der wahre Mensch sichtbar wird — dies haben Künstler aller Zeiten und Kulturen als eine reizvolle. desto besser werden Sie zeichnen und desto umfassender werden Sie sich selbst Ausdruck verleihen. die Betrachter. Doch wie jede Darstellung eines genau beobachteten Sujets gibt auch das Bildnis eines Menschen nicht sosehr Aufschluß über Erscheinung und Persönlichkeit des Modells als vielmehr über das Wesen des Künstlers selbst. Und weil auch wir in den Bildern.160 Richtige Proportionen Von Angesicht zu Angesicht sehen Das menschliche Antlitz hat seit jeher eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf Künstler ausgeübt. die wir schaffen. . desto deutlicher sehen wir. das diesem ähnlich sieht.

Porträtzeichnen ist hinsichtlich unserer Ziele aus folgenden Gründen nützlich: Zunächst einmal werden Sie sich dabei die Kräfte Ihrer rechten Hemisphäre zugänglich . Anfänger glauben oft. Die visuelle Information ist ja da. was wiederum eine äußerst sorgfältige. Dafür ist gerade der menschliche Kopf ein typisches Beispiel. Verwandte. Jeder von uns . dauerhaftes System von Symbolen für das. einen Kopf erscheinungsgetreu darzustellen. feine Wahrnehmung erfordert. wie genau unsere Wahrnehmungen sind. Viele Hirngeschädigte. Freunde.Richtige Proportionen Da es beim Porträtzeichnen sehr auf Ähnlichkeit ankommt. sind wir vollends in der Lage. Wir haben sie in früher Kindheit entwickelt und im Gedächtnis gespeichert. denn wir alle sehen auf den ersten Blick. soll hier noch einmal bekräftigt werden: Es geht beim Zeichnen stets um das gleiche — bewußt und genau zu sehen und das auf diese Weise Wahrgenommene darzustellen. Das eine Sujet ist nicht schwerer oder leichter zu zeichnen als das andere. daß das Zeichnen von Köpfen uns eine besonders gute Möglichkeit bietet. vermutlich weil sich eingewurzelte Symbolsysteme bei ihnen in stärkerem Maße als Störfaktor bemerkbar machen als bei anderen. halte ich es für ein gutes Anfängertraining. Diese Symbole scheinen uns jetzt am Sehen zu hindern. was ein Kopf zu sein hat. Deshalb sind nur wenige Menschen imstande. Fassen wir zusammen. denn die meisten Menschen besitzen ein stark entwickeltes. das dem Modell einigermaßen ähnelt. uns Zugang zu den Funktionen unserer rechten Hemisphäre zu verschaffen. schnell und sicher zu beurteilen. Eine der grundlegenden Behauptungen. Denn die rechte Gehirnhälfte ist auf das Wiedererkennen von Gesichtern «spezialisiert». ein Porträt zu zeichnen. daß Menschen am schwersten zu zeichnen seien. Sie sind bemerkenswert stabil und widerstandsfähig.verfügt über eine Vielzahl von Symbolen. Und wenn wir darüber hinaus das Modell noch kennen. haben Schwierigkeiten. Sie irren sich. und von diesen ist wiederum nur ein Bruchteil in der Lage. direkt vor unseren Augen. Indes.ich habe im fünften Kapitel darüber geschrieben . deren rechte Hemisphäre verletzt wurde. kennen solche Probleme nicht. bestimmte Dinge scheinen uns oft schwieriger. Doch wichtiger ist vielleicht noch. Die Richtigkeit der Darstellung kann sofort und mit Sicherheit überprüft werden. für jeden greifbar. Patienten. die eine Schädigung der linken Hemisphäre erlitten haben. die ich in diesem Buch vertrete. ob die Zeichnung eines Kopfes in den allgemeinen Proportionen stimmt oder nicht. Das Problem ist das Sehen. ja sogar ihr eigenes Gesicht im Spiegel wiederzuerkennen.

Zweitens wird das Zeichnen von Gesichtern Ihren Sinn für proportionale Verhältnisse schärfen. Ihnen bei der Analyse von Proportionen ein wenig zu helfen. Doch zuvor sollen Sie sich an Ihre linke Hemisphäre wenden und sie bitten.Richtige Proportionen machen. die notwendig sind. Im zehnten Kapitel werden Sie lernen. zur Sehweise des Künstlers überzuwechseln. daß es gar nicht so schwer ist. zunächst eine Profil-. dann eine Halbprofilzeichnung und schließlich ein En-face-Bild nach dem lebenden Modell anzufertigen. Drittens ist das Zeichnen von Gesichtern eine hervorragend geeignete Übung zur Umgehung eingewurzelter Symbolsysteme. dies auszusprechen? — eine Begabung zum Zeichnen besitzen. die über eine besondere Fähigkeit verfügt. Die Linke darf wieder mitmachen aber in Maßen Wie Sie bereits beim Abzeichnen eines auf den Kopf gestellten Porträts und beim Zeichnen des leeren Raums erfahren haben. Und viertens wird die Fähigkeit. Gesichter wiederzuerkennen. Und wie bei allen anderen Sujets werden Sie auch beim Zeichnen von Gesichtern feststellen. das heißt jene feinen Unterscheidungen vorzunehmen. die dem Modell ähneln. kann man alle Proportionen ganz einfach erfassen. Doch habe ich entdeckt. wenn man auf die Größen Verhältnisse achtet. wenn Sie erst einmal imstande sind. die dem Modell ähnelt. um eine Zeichnung anzufertigen. da richtige Proportionen ein wesentlicher Bestandteil der Porträtkunst sind. Ihrer stets kritischen linken Hemisphäre überzeugend demonstrieren. daß Sie — dürfen wir es wagen. Porträts zu zeichnen. daß meine Schüler größere Fortschritte machen und sich ihrer Wahr- .

Dann nehmen Sie wieder Ihren Bleistift und messen Ihre Augenhöhe ein zweites Mal aus. 102). Zeichnen Sie eine «Leerform». 105). Abb. daß die Augen in jedem Gesicht auf einer Linie liegen. Nun schieben Sie den Bleistift nach oben (vgl. Wiederholen Sie die Messung vor einem Spiegel. anzuerkennen und auch zuzulassen. Abb. Nehmen Sie einen Bleistift. wie Künstler es zur schematischen Darstellung des menschlichen Schädels benutzen (vgl. Wie man eine Leere zeichnet und besser sieht als je zuvor 1. müssen wir sie mittels logischer Argumente in die Enge treiben. Wenn Sie diese Proportion noch nicht deutlich wahrnehmen. und markieren Sie mit Hilfe Ihres Daumens unten am Bleistift den unteren Rand des Kinns (vgl. Sie werden feststellen. Abb. Abb. die Sie gesammelt haben (oder benutzen Sie das Foto von George Orwell). Holen Sie die Fotos und Zeichnungen. daß die beiden Abstände ungefährgleich sind. das heißt ihr unwiderlegliche Beweise vorlegen. die den Umriß in zwei Hälften teilt. Um die logische Linke nun davon zu überzeugen. 3. Halten Sie dabei das nicht angespitzte Ende Ihres Stiftes nach oben. messen Sie zuerst den Abstand zwi- . 104). die den Kinnrand anzeigte. daß Sie ihn weiterhin an der Stelle festhalten. wenn wir die linke Hemisphäre dazu zwingen. 2. daß sie sich möglicherweise irren kann. Sie werden feststellen. 4. 103). ein Oval. Achten Sie darauf. die sie falsch wahrnimmt (wie zum Beispiel die Größe der beiden Bäume in der Landschaftsskizze oder die Größe Ihres Kopfes im Spiegel). die die senkrechte Mittelachse ziemlich genau in der Mitte kreuzt und damit das Kopfoval in etwa gleich große Hälften teilt. damit Sie das Auge nicht verletzen können. Vergleichen Sie nach Augenmaß die untere Hälfte Ihres Kopfes mit der oberen. und messen Sie an Ihrem eigenen Kopf den Abstand zwischen Ihrem inneren Augenwinkel und dem unteren Rand Ihres Kinns. Vergleichen Sie den ersten Abstand (zwischen Auge und Kinn) mit dem Abstand zwischen dem Auge und der höchsten Stelle Ihres Kopfes (ertasten Sie diese mit der Hand über das Bleistiftende hinweg). Legen Sie dazu den Bleistift flach auf die Abbildungen. Betrachten Sie Ihr Spiegelbild.Richtige Proportionen nehmungen leichter bewußt werden. ehe sie zugeben wird. messen Sie sie auf den Bildern nach (vgl. Ziehen Sie durch das Oval eine senkrechte Mittelachse. Schätzen Sie bei allen Porträts die Augenhöhe ab. bestimmte Tatsachen.

wie wichtig die obere Kopfpartie ist Als sich wieder einmal einige meiner Schüler mit der richtigen Wiedergabe der Proportionen des Kopfes abmühten. Können Sie die Proportion jetzt deutlich erkennen? Wenn Sie nun schließlich glauben. sagte ich: «Weiß vielleicht einer von euch eine bessere Möglichkeit. Vielleicht findet die linke Gehirnhälfte diesen Teil des Kopfes langweilig und hat Schwierigkeiten. was Sie sehen. 106). wie zum Beispiel bei Werken von Picasso. meinen sie. Lassen Sie mich an einigen Beispielen erläutern. werden Sie entdecken. dann den zwischen Augenhöhe und Schädeldecke. die nicht von dieser Proportion bestimmt sind. Abb. Dieser Fehlwahrnehmung liegt meiner Meinung nach ein mangelndes Interesse dieser Menschen an der Stirn. Jedenfalls ist die obere Kopfhälfte den meisten Menschen offenbar weniger wichtig als das Gesicht und wird daher kleiner wahrgenommen. daß die Augen fast immer auf der halben Länge des Kopfes liegen. Die maskenhafte Vergrößerung des Gesichts auf Kosten des oberen Schädel teils kann natürlich eine gewaltige Ausdruckskraft haben. welche Folgen die falsche Wahrnehmung des Schädels beim Zeichnen hat. Nun legen Sie den Bleistift wieder beiseite. Dieser Irrtum hat zur Folge. entspreche nur etwa einem Drittel der gesamten Kopflänge. Das Geheimnis des abgeflachten Schädels Den meisten Menschen fallt es schwer. Der Teil oberhalb der Augen. Es gibt nur sehr wenige Gesichter. und betrachten Sie die Gesichter noch einmal. das Problem der Proportionen oberhalb und unterhalb der Augen- . Matisse und Modigliani. daß solche Künstler dieses Mittel der Darstellung absichtlich und nicht aus Mangel an Können verwenden. Wir beweisen der linken Hemisphäre. die oft von Kinderzeichnungen und der Kunst der Primitiven ausgeht. daß die meisten Anfänger beim Porträtzeichnen vor einer großen Schwierigkeit stehen. Diese Schädelverkürzung erzeugt jene maskenähnliche Wirkung.Richtige Proportionen sehen Augenhöhe und Kinn. Ich nenne sie «abgeflachter Schädel». ihn durch gängige Symbole darzustellen. Gesicht und Schädel in den richtigen Proportionen wahrzunehmen. Bei vollem Haarwuchs allerdings wirkt die obere Kopfhälfte (die Stirn-Schädel-Haar-Hälfte) länger als die untere (vgl. Doch der entscheidende Punkt dabei ist.und Schädelpartie zugrunde.

das andere im Halbprofil (vgl. Wie Sie ein solches Gesicht zeichnen können. wie van Gogh in dieser frühen Zeichnung offensichtlich mit dem gleichen Problem zu kämpfen hatte. Die erste Zeichnung stellt nur die Gesichtszüge dar. ihn zu erklären. deren obere Schädelpartie im Verhältnis zum Gesicht stufenweise kleiner wird. das eine im Profil. werden wir es auch sehen. Er hat vielen meiner Schüler geholfen. 109) an: Auf ihr sind vier Köpfe im Profil dargestellt. Den meisten Schülern bereitet das Sehen und Zeichnen der Gesichtszüge nur geringe Probleme. Dann sehen Sie sich die Radierung von Dürer (Abb. werde ich Ihnen im nächsten Kapitel im einzelnen zeigen. Abb. Schauen Sie sich auf Abbildung 5 (S. meinen Schülern zum «Glauben» zu verhelfen. Wenden Sie sich nun wieder den von Ihnen zusammengetragenen Fotos und Zeichnungen zu. die dritte schließlich das Gesicht mit einer vollständigen oberen Schädelpartie. Ich will versuchen. Ich halte ihn für sehr wirksam. sondern auf die obere Schädelpartie zurückzuführen ist.den unteren Teil des Kopfes -. den Gesichtszügen einen vollständigen oberen Kopfteil hinzuzufügen — ihn eben nicht abzuflachen. die jenes erst richtig ergänzt und zur Geltung bringt. Auch der Zimmermann hat einen «gestutzten» Schädel. Vergleichen Sie das Größenverhältnis der unteren Hälfte des Kopfes mit der oberen.» Schließlich stieß ich durch Zufall auf einen Weg. Ihnen und Ihrer linken Hemisphäre möchte ich jetzt beweisen. Messen Sie noch einmal mit dem Bleistift die Strecken zwischen Augenhöhe und Kinnspitze und zwischen Augenhöhe und Schädeldecke. Mit Hilfe Ihrer logischen linken Hemisphäre werden Sie erkennen. den gravierendsten und hartnäckigsten aller Fehler beim Zeichnen eines Kopfes zu vermeiden. In Abbildung 108 sehen Sie zwei Reihen mit jeweils drei Zeichnungen. nur weil er weniger interessant zu sein scheint als das Gesicht. daß das Problem der falschen Proportionen nicht auf die Gesichtszüge.Richtige Proportionen 165 höhe zu erklären?» Daraufhin erwiderte ein Schüler: «Wenn wir es glauben können. die zweite die gleichen Züge mit einem «platten» Schädel. 30) noch einmal an. . in denen sich die meisten Anfänger mit den Proportionen abmühen. Ich zeichne zwei Gesichter . wie wichtig es ist. Sind Sie jetzt überzeugt? Und Ihre logische linke Hemisphäre auch? So können Sie sich die unzähligen Stunden ersparen. Die Schwierigkeiten fangen erst bei der Wahrnehmung der oberen Schädelpartie an. 107).

In der folgenden Übung sollen Sie Abschnitt für Abschnitt die Beziehungen der verschiedenen Teile Ihres eigenen Kopfes zueinander betrachten und sie schematisch darstellen. Die Zahlen in den beiden genannten Abbildungen entsprechen den numerierten Übungsanweisungen. Setzen Sie sich mit dem von Ihnen gezeichneten Oval und einem Bleistift vor einen Spiegel.Richtige Proportionen Wir füllen das leere Oval aus Schauen Sie sich nun bitte die Abbildungen 110 und 111 an. Schauen Sie noch einmal in den Spiegel und zeichnen Sie dann die Augenhöhe in Ihr leeres Oval ein. . Die Ovale stellen die Umrisse von Köpfen dar. 1. Gehen Sie als erstes die Augenhöhe wieder.

Betrachten Sie Ihr Gesicht: Auf welcher Höhe zwischen Augenlinie und Kinn liegt der unterste Punkt Ihrer Nase? Markieren Sie diesen Punkt durch einen kleinen Strich quer zur Mittelachse.Richtige Proportionen 167 2. Achten Sie darauf. Doch viele Anfänger übersehen diese Tatsache und zeichnen die Gesichtszüge schief. 110). weiterhin im rechten Winkel zueinander verlaufen. Neigen Sie Ihren Kopf ein wenig zur Seite (vgl. 5. 111).) 3. 115 und 116. aber auch Abb. Abb. 114. (Das erscheint Ihnen vielleicht selbstverständlich. Wie groß ist der Abstand zwischen Ihren Augen im Verhältnis zur Breite jedes einzelnen Auges? Der Abstand entspricht der . In welcher Höhe liegt die Mittellinie Ihres Mundes? Etwa am oberen Ende des unteren Drittels der Strecke zwischen Nase und Kinn. daß die Mittelachse und die Augenhöhe. Die senkrechte Mittelachse haben Sie ja bereits gezogen. Vgl. Abb. Abb. Er wird irgendwo zwischen dem Ende des oberen Drittels und der Mitte der Strecke liegen. 112. die Sie sich vorstellen. 4. Markieren Sie auch diese Linie durch einen Strich in Ihrem Oval. in welchem Winkel auch immer Sie Ihren Kopf zur Seite neigen. Betrachten Sie jetzt wieder Ihr Gesicht im Spiegel und stellen sich die Mittelachse Ihres Gesichtes und die im rechten Winkel zu ihr verlaufende Augenhöhe bildlich vor (vgl.

6. Markieren Sie die Randlinien des Halses an Ihrem Oval. 9. Markieren Sie die Abb. überprüfen Sie Ihre Beobachtungen durch Nachmessen. worauf treffen Sie dann? Bei den meisten Gesichtern auf den Abschnitt zwischen Nase und Mund. wie wir es vorhin getan haben. wie sie wirklich sind. unteren Ränder der Ohren an Ihrem Oval. 8. Münder sind meist breiter. Ohren sind meist größer. Wenn Sie von den Mittelpunkten Ihrer Augen aus je eine senkrechte Linie nach unten ziehen. als Sie glauben. dann aber beim Zeichnen der Züge nach gewohntem Muster verfahrt: Er passt sie gerade und parallel zu den Zeichenblatträndern ein. Nasen sind meist breiter. 7. Wenn Sie von Ihren inneren Augenwinkeln aus je eine senkrechte Linie nach unten ziehen. weil der Schüler die Neigung des Kopfes zwar wahrnimmt. Wenn es Ihnen notwendig erscheint. Versuchen Sie. und markieren Sie die Mittelpunkte Ihrer Augen. der feinen individuellen Unterschiede zwischen den Gesichtern gewahr zu werden. Nun überprüfen Sie Ihre Wahrnehmungen an anderen Menschen. an Bildern von Menschen auf dem Fernsehschirm und so weiter. Bei manchen Menschen ist er genauso breit oder sogar breiter. als Sie glauben. in ihrer Gänze. worauf treffen Sie dann? Auf Ihre Mundwinkel. worauf treffen Sie dann? Auf die oberen Ränder Ihrer Ohren. 113) an. Tasten Sie Ihr Gesicht und Ihren Hals ab: Wie breit ist der Hals im Verhältnis zur Breite des Kiefers direkt unterhalb der Ohren? Sie werden feststellen. worauf treffen Sie dann? Auf die seitlichen Ränder Ihrer Nasenflügel. als Sie glauben. sondern alle Teile gleichzeitig und in ihrer vollständigen Bedeutung für das Ganze. Markie- ren Sie diese Punkte in Ihrem Oval. Führen Sie diese Wahrnehmungsübungen immer wieder durch. daß auch Hälse zumeist breiter sind. an Fotos von Menschen. 112: Die Schrägstellung der Gesichtsachsen entsteht meiner Meinung nach deshalb. Sehen.Richtige Proportionen Breite eines Auges! Teilen Sie die Augenhöhe in fünf gleich lange Abschnitte. daß Ihr Hals fast so breit ist wie Ihr Kiefer. 11. Als Beispiel sehen Sie sich die folgende Zeichnung (Abb. Markieren Sie diese Punkte in Ihrem Oval. in welchem Verhältnis die einzelnen Teile des Kopfes zueinander stehen. Wenn Sie von den Ohrläppchenspitzen ausgehend waagerechte Linien in das Oval hineinziehen. Achten Sie darauf. als Sie glauben. Merken Sie sich. Beobachten — nur darauf kommt es an. nehmen Sie die Gesichter der Menschen so wahr. . Markieren Sie diese Punkte an Ihrem Oval. Wenn Sie die Augenhöhe mit Ihrem Bleistift auf beiden Seiten ein wenig über die Umrißlinie des Ovals hinaus verlängern. 10. Betrachten. nicht Stück für Stück oder in hierarchischer Folge. Gehen Sie dabei nicht analytisch nach Art der linken Hemisphäre vor.

Ein interessantes Beispiel für die Wirkung schiefachsiger Gesichtszüge. 114. Radierung <Dr. Mit freundlicher Genehmigung der National Gallery °f Art.Richtige Proportionen Abb. C. Gachet> (1890) von Vincent van Gogh. Rosenwald Collection. Washington D. 113 Abb. .

um eine bestimmte Wirkung zu erzielen. daß der Abstand von der Augenhöhe bis zum Kinn (a) dem Abstand von der Augenhöhe bis zum Schädeldach (b) gleicht. uj: Skizze nach Vorlage eines Selbstporträts von Lovis Corinth (1858 1925). 115) entstand vor dem Schlaganfall. daß Sie es absichtlich einsetzen. Entscheidend ist wiederum. 116: <Selbstporträt> ( 1 9 2 1 ) von Lovis Corinth. welche Ausdrucksmöglichkeiten in dieser Schrägstellung der Achsen liegen. Dieses etwa zehn Jahre später gezeichnete Selbstbildnis weist schiefe Gesichtszüge auf. Abb. Beachten Sie. . 117 und 118: Kopfumriß von der Seite. Auch Sie werden sich vielleicht bei bestimmten Zeichnungen dieses Kunstmittels bedienen. Achten Sie darauf. bevor er 1911 schwer erkrankte. Das andere Selbstporträt (Abb. Abb.Richtige Proportionen Abb. das er zeichnete. Der deutsche Maler Lovis Corinth erlitt infolge eines Schlaganfalls im Dezember 1911 eine schwere Schädigung der linken Gehirnhälfte.

Ziehen Sie jedoch zunächst durch die Mitte der Form die Augenlinie. und legen Sie den Bleistift nun in Augenhöhe waagerecht an der Seite Ihres Kopfes an. da sie Ihnen helfen sollen. Beachten Sie. der sie umgibt (vgl. was Ihnen wiederum die richtige Wahrnehmung der Breite des Kopfes im Profil erleichtern wird. 118). die Lage des Ohres zu bestimmen. 119 Abb. 120 . einen Kopf im Profil zu zeichnen Zeichnen Sie nun eine andere gerundete Form. 117) hat nun einmal. Augenhöhle. Abb. an Ihrem eigenen Kopf einige Messungen vorzunehmen. von der Seite aus betrachtet. 119). Messen Sie mit Ihrem genau lotrecht gehaltenen Bleistift den Abstand zwischen den inneren Augenwinkeln und der Kinnspitze (vgl. eine unsymmetrische Form. Ich möchte Sie nun noch einmal bitten. Der menschliche Schädel (Abb. Abb.Richtige Proportionen Wir füllen einen zweiten leeren Umriß aus und lernen dabei. symbolisieren Sie Nase. die etwa dem Umriß eines von der Seite gesehenen Kopfes entspricht. die ich für besonders wichtig halte. Halten Sie dieses Maß wieder mit dem Daumen fest. Sie sieht ein wenig anders aus als das Gesichtsoval — eher wie ein sonderbar geformtes Ei. wenn Sie sich auf die Umrisse des leeren Raums konzentrieren. Sie ist leichter zu zeichnen. Das stumpfe Ende des Stiftes soll dabei Abb. Mund und Kinn durch entsprechende Umrisse. daß der negative Raum an jeder der vier Ecken anders aussieht. Wenn es Ihnen beim Sehen hilft.

121). Abb. Markieren Sie durch einen senkrechten Strich auf der Höhe der Augenlinie die Lage des Ohrs (vgl. doch wenn Sie sie ausmessen und feststellen. können Sie sich dadurch einen weiteren hartnäckigen Fehler beim Zeichnen des menschlichen Kopfes ersparen: Die meisten Anfänger setzen das Ohr in ihren Profilzeichnungen zu nahe ans Gesicht heran. 123: (Norbert Wein (1920) von Oskar Kokoschka (1886-1980). Diesem Fehler Abb. Sie werden feststellen. Sitzt das Ohr zu weit vorn. mit dem Sie den vorher gemessenen Abstand markieren. entsteht wieder der Eindruck eines «gestutzten» Schädels. Worcester. den hinteren Ohrmuschelrand berührt. Mit anderen Worten: Der Abstand zwischen Augenhöhe und Kinnspitze gleicht dem Abstand zwischen dem inneren Punkt der Augenhöhle und dem hinteren Rand des Ohrs.Ric htige Proportionen genau mit dem äußeren Augenwinkel zusammentreffen. Vielleicht kommen Ihnen diese Proportionen ein wenig wirr vor. Mit freundlicher Genehmigung des Worcester Art Museum. diesmal am Hinterkopf. Massachusetts: . daß sie — entgegen ihrem Gefühl — stimmen. daß Ihr Daumen.

liegen in der Vergrößerung der Gesichtszüge beziehungsweise in der Verkleinerung oder Verkürzung der Schädelpartie sehr vielseitige Ausdrucksmöglichkeiten und Symbolisierungseffekte. Auf diese Weise ist es ganz einfach. Wie Sie sehen. Vor einiger Zeit stieß ich auf eine ähnliche. von diesen Möglichkeiten Gebrauch machen.Richtige Proportionen mag wieder die gleiche Ursache zugrunde liegen: Die Wangenund Kiefernfläche erregt weniger Interesse. 124). . aber einfachere und ebenso zuverlässige Methode. wenn Sie die normalen Proportionen beherrschen. das Ohr richtig zu placieren. können Sie ein gleichschenkliges rechtwinkliges Dreieck konstruieren. Da der Abstand zwischen Augenhöhe und Kinn mit dem Abstand zwischen dem hinteren Punkt der Augenhöhle und dem hinteren Rand des Ohrs weitgehend identisch ist. Abb. das diese drei Punkte verbindet (vgl. in der dieser Wahrnehmungsfehler deutlich erkennbar ist. 123) weist diese verzerrte Darstellung auf. 122). Auch Sie werden wahrscheinlich später. das Ohr an der richtigen Stelle einzuzeichnen. Auf der gegenüberliegenden Seite sehen Sie eine Schülerzeichnung (Abb. Auch die Zeichnung von Oskar Kokoschka (Abb. Hier ist sie wahrscheinlich absichtlich verwendet worden. und so nehmen Anfänger die Breite dieser Fläche nicht richtig wahr.

Markieren Sie es durch eine Linie auf dem Umriß. Achten Sie bei der Betrachtung Ihres Modells oder Ihrer Vorlage genau darauf. Die richtige Stelle im Verhältnis zu den Gesichtszügen. Dieser Fehler wiederum führt zu einem weiteren Problem beim Zeichnen: Der Hals wird zu dünn (vgl. wo der Kopf in den Hals übergeht. Trainieren Sie weiterhin Ihre Fähigkeit zur bewußten. die die Einmaligkeit jedes Gesichts ausmachen. beginnt der Hals gewöhnlich unterhalb des Schädelrunds. Abb. Er liegt höher. Wenn sie die Seitenansicht eines Kopfes unter Verwendung ihrer fertigen. als die meisten Anfänger glauben. indem Sie sich Fotos oder Zeichnungen von Menschen im Profil ansehen und sich dieses Dreieck bildlich vorstellen. Halten Sie nun noch einmal Ihren Bleistift in waagerechter Stellung unter Ihr Ohr und führen Sie ihn diesmal nach hinten. Abb. 126 . Dies wird Sie vor vielen Fehlern beim Porträtzeichnen bewahren. Dieser Fehler wird häufig gemacht: falsche Placierung der Nackenbeuge.Richtige Proportionen Abb. Dabei stoßen Sie mit dem Bleistiftende auf den Raum zwischen Nase und Mund. 125 Üben Sie weiterhin das bewußte Wahrnehmen von proportionalen Verhältnissen. so daß die Nackenbeuge etwa auf derselben Höhe wie das Kinn liegt. tief verwurzelten Symbole zeichnen. wo der Hals am Hinterkopf ansetzt. Markieren Sie auch diesen Punkt auf Ihrem Umriß. Abb. Üben Sie sich im Beobachten von Gesichtern. im Erkennen der individuellen Züge. im Wahrnehmen der Beziehungen zwischen den verschiedenen Kopfpartien. 126). Dabei stoßen Sie auf die Stelle. Zuerst halten Sie Ihren Bleistift in waagerechter Stellung genau unter Ihr Ohrläppchen (vgl. Der Schädelknochen und die Halsmuskulatur bilden hier eine Einbuchtung. Nun müssen wir noch zwei weitere Messungen an unserem leeren Profilumriß vornehmen. genauen Wahrnehmung. Auf dieser Höhe liegt also etwa der untere Rand des Ohrläppchens. 125). Sehen Sie sich die Menschen an.

Dabei werden Sie all das anwenden können. bis Sie merken. wie sie wirklich sind. bietet das reine Konturenzeichnen. und jeder einzelne Teil muß die richtige Proportion im Verhältnis zu den anderen Teilen erhalten. Sie sollten das eine oder andere Verfahren wiederholen.Richtige Proportionen Jetzt verfügen Sie über alle Voraussetzungen. die Größenverhältnisse zu taxieren: wie lang ist diese Form im Verhältnis zu jener? — und schließlich: die Proportionen so wahrzunehmen. Sie sind alle wichtig. dann kehren Sie noch einmal zu den entsprechenden Kapiteln zurück. ohne die alten. daß Sie für diesen Vorgang eine zusammenhängende Zeitspanne ohne Unterbrechungen brauchen). die notwendig sind. Das kann für die weitere Ausbildung Ihres zeichnerischen Könnens eine große Hilfe sein. Wenn Sie in diesem Moment das Gefühl haben. sich Zugang zu Ihrer rechten Hemisphäre zu verschaffen und die linke zum Schweigen zu bringen. was Sie vor sich sehen. . um ein Porträt aus der Seitenansicht zu zeichnen. nur das zu zeichnen. was Sie bisher gelernt haben: Nur das zu zeichnen. in dem Ihre rechte Hemisphäre die Führung übernimmt und die linke Hemisphäre still sein muß (denken Sie daran. Ihre Aufmerksamkeit auf negative Räume und kompliziert geformte Flächen zu konzentrieren. Ein besonders gut geeignetes Training Ihrer neu entdeckten Fähigkeit. daß Sie in den anderen Bewußtseinszustand übergewechselt sind. und dabei jede begriffliche Identifizierung und Etikettierung zu vermeiden. was Sie vor sich sehen. im Gedächtnis gespeicherten Symbole aus Ihrer Kindheit zu verwenden. ohne sie Ihrer vorgefaßten Meinung hinsichtlich der Bedeutung der Teile anzupassen. um Ihre Erinnerung aufzufrischen. die Winkel in ihrem Verhältnis zu den senkrecht und waagerecht verlaufenden Rändern Ihres Zeichenbogens abzuschätzen.

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10 Von Angesicht zu Angesicht: Wir zeichnen Porträts .

wir werden die einzelnen Komponenten Ihrer Wahrnehmungsfähigkeit miteinander verbinden. was vor Ihnen liegt. Wir lernen in der Fahrschule erst einzelne Handgriffe. Drei Ansichten Dieses Kapitel ist in drei Teile gegliedert. Im dritten Teil schließlich geht es um die Darstellung des Kopfes von vorn. wie eine Zeichnung aus Ihrer einmaligen kreativen Linienführung entsteht.doch zunächst werden Sie wieder die Bedingungen herstellen. —. tausendmal gedachten Wort-Ersatz. Die En-face-Darstellung ist nicht deshalb ans Ende dieses Kapitels gestellt. werden verwundert feststellen. Wir setzen sie vielmehr gewöhnlich aus einzelnen Fertigkeiten zusammen. So können Sie sich selbst und anderen an Hand Ihrer Zeichnungen beweisen. begriffliche Hülle. der En-face-Ansicht. Sie sollen in diesem Kapitel Gesichter zeichnen . durchanalysierten. Im zweiten Teil finden Sie Anleitungen zum Zeichnen von Köpfen im Halbprofil. Sie werden die Pforten der Wahrnehmung öffnen. symbolhafte. weil sie die höchsten Anforderungen an das zeichnerische Können stellt. daß Ihre Fähigkeiten — wie einzelne Schritte sich zum Tanz zusammenfügen — beim Zeichnen zu einer Tätigkeit verschmelzen. daß wir von nun an über diese Fähigkeit verfügen.die Bedeutung der Verkehrszeichen. Der erste Teil besteht aus Anleitungen zum Anfertigen von Profilzeichnungen nach einem Modell. Bewegungen . in denen Sie sich anderen mitteilen. und erst allmählich koordinieren wir alle diese Komponenten zu der Fähigkeit «Autofahren». bestehen die Fahrprüfung und beweisen damit uns und den anderen. ihre matte. wobei der Kopf des Modells ein wenig zur Seite gewandt ist. die wir allmählich in einem Lernprozeß erwerben. Wahrnehmungen. Und Ihre rechte Hemisphäre wird ihren großen Tag haben: Sie werden Ihre Freude an der erstaunlichen Vielfalt der Konturen haben.Wir zeichnen Porträts Eine neue Fähigkeit eignen wir uns nicht schlagartig an. eine kleine Ruhepause einzulegen. die Ihre linke Hemisphäre dazu veranlassen. ihren gespeicherten. Sie werden mit den Augen des Künstlers das Wesen der Dinge erblicken und nicht ihre Oberfläche. das Einlegen der Gänge. das Achten auf die anderen Fahrzeuge usw. daß Sie richtig zu sehen verstehen. Unser Grundprinzip lautet: Es kommt beim Zeich- . Sie werden Bilder zeichnen. damit Sie bewußt sehen. Sie werden erleben. So ähnlich werden wir bei den Übungen in diesem Kapitel vorgehen.

Aus dem wegen der zahlreichen Beschreibungen und Bezeichnungen umständlich anmutenden Vorgang wird bei Ihnen ein wortloser «Tanz» werden. Doch das aus der Kindheit stammende Symbolsystem für die Darstellung der Vorderansicht des Gesichts ist besonders stabil und widerstandsfähig.oder zweimal eine kurze Pause gönnen. werden Sie nach meiner Erfahrung besser imstande sein. beim Fernsehen oder bei irgendeiner anderen alltäglichen Handlung abzeichnen. das schwerer zu zeichnen ist als das andere. die Sie zeichnen wollen. 2. eine Forschungsreise. Ich würde vielmehr beim Vorzeichnen auf die verschiedenen Flächen und Formen zeigen und von «diesem Umriß». Mund und so fort beim Namen nennen. harten. Befestigen Sie Ihren Bogen mit Klebstreifen oder mit Reißzwecken auf einem Zeichenbrett oder auf irgendeiner anderen glatten. ebenen Unterlage. die Symbole unbeachtet zu lassen. die Ihnen Spaß macht und bei jeder neuen Entdeckung auf eine geheimnisvolle Weise mit der vorangegangenen und der zukünftigen verknüpft ist. 1. Der Abstand zwischen Ihnen und Ihrem Abb. Sie werden für diese Übung 30 bis 45 Minuten benötigen. wie die aus der Frontalperspektive gesehenen Gesichtszüge. «dieser Kontur». 189 f). Doch wenn Sie erst einmal einige Profilund Halbprofilzeichnungen angefertigt und dabei erkannt haben. Diesem Grundsatz zufolge gibt es kein Motiv. und verhindern. einen Nachbarn oder ein Familienmitglied. Lesen Sie zuerst alle Anleitungen durch. Sie sollte eine ungezwungene Haltung einnehmen. Sie können die von Ihnen ausgewählte Person beim Lesen. Außerdem sollten Sie Ihrem Modell ein. Doch der Verständlichkeit halber muß ich beim Schreiben notgedrungen Auge. beim Schlafen. würde ich die einzelnen Gesichtsteile natürlich nicht beim Namen nennen. daß der Schlüssel zum Gelingen im bewußten Sehen mit Hilfe des R-Modus liegt. Die Profilzeichnung Bevor Sie beginnen: Suchen Sie sich ein Modell — einen Freund. und betrachten Sie die Schülerzeichnungen (S. daß Sie sie im Profil sehen. Nase. ehe Sie zu zeichnen beginnen. «diesem Winkel» oder «dieser Kurve» sprechen. wieder einschleichen.Wir zeichnen Porträts nen stets auf dasselbe an — auf das bewußte Sehen. 127 . daß sie sich beim Zeichnen so vertrauter Formen. Könnte ich Ihnen das Porträtzeichnen hier selbst vormachen. Setzen Sie sich so vor die Person.

ohne dabei das Papier zu berühren. es «im Geist zu zeichnen». Abb. doch das ist nur eine von vielen Möglichkeiten. jedoch keineswegs mehr als 180 Zentimeter betragen. Konzentrieren Sie sich bei der Betrachtung des Ausschnitts zunächst auf den leeren Raum rund um den Kopf und warten Sie. 127). wie groß der Kopf sein wird und wie Sie ihn auf der Zeichenfläche unterbringen werden. indem Sie ein Auge schließen und Ihren Bleistift in senkrechter Stellung an die Umrißlinie der Nasenspitze halten (vgl. und stellen Sie sich den Umriß des Kopfprofils Ihres Modells darauf vor . wie Sie es im fünften Kapitel geübt haben. 5. Nun wissen Sie. wieder auf alte Symbole zu verfallen. die Winkel (zum Beispiel den der Nase) ab. Wenn Sie wollen. Ich beginne gewöhnlich bei der Stirn und zeichne die Umrißlinie des Profils von dort aus bis zum Hals hinunter. Bevor Sie den ersten Strich ziehen. und konzentrieren Sie Ihren Blick auf den leeren Raum hinter Stirn und Nase. das heißt mit Ihrem Bleistift über dem Zeichenbogen die Umrisse des Kopfes nachzuzeichnen. Schätzen Sie. Es ist daher unwesentlich. bis Sie ihn als Form hervortreten sehen (das heißt. 128). den Sie zeichnen wollen — entweder mit dem «Sucher» oder mit einer Hand und einem Bleistift (vgl. Umgrenzen Sie noch einmal den Kopf Ihres Modells. bis die linke Hemisphäre die Aufgabe an die rechte abgetreten hat). Ist die Entfernung zu groß. jeder Teil steht in Beziehung zu den anderen Teilen. bis Sie den Raum als Form hervortreten sehen. Abb. Konzentrieren Sie jetzt Ihren Blick auf den leeren Zeichenbogen.den gesamten Umriß des Kopfes (der zugleich die innere Konturlinie des leeren Raums ist). 3. können Sie die Details nicht mehr deutlich genug erkennen und laufen Gefahr. negativen Raum umgeben ist — wie der leere Umriß. Warten Sie. ist es oft eine große Hilfe. massiven. Fangen Sie nach Belieben irgendwo mit dem Zeichnen an. Alle Formen und Räume werden wie bei einem Puzzle ineinandergreifen. Wenn es Ihnen nicht gleich gelingt. dieses Vorstellungsbild auf dem Papier hervorzurufen. die von einem festen. auf dem Papier vor.Wir zeichnen Porträts Modell sollte etwa eineinviertel Meter. die die TrickfilmFigur in der Tür hinterläßt. umgrenzen Sie den Ausschnitt. wo Sie anfangen. Welchen Winkel bildet die Umrißlinie im Verhältnis zur Senkrechten? Während Sie die Profillinie weiter nach . stellen Sie sich den ganzen Kopf mit Gesichtszügen usw. Dann ziehen Sie nach dem Verfahren des modifizierten Konturenzeichnens die innere Randlinie dieses Raumteils (die der äußeren des Profils entspricht). Betrachten Sie den Umriß des Kopfes als eine leere Form. 6. 4.

daß Sie sie noch bewußter zu sehen lernen. Achten Sie bei der Betrachtung Ihres Modells auf diesen Winkel . Abb. 130 Abb. werden Sie automatisch die Iris richtig wiedergeben. Wenn Sie diese weiße Fläche abzeichnen. daß die Augenlider eine gewisse Dicke haben. 131). Diese Umgehungstaktik ist bei der Wiedergabe alles dessen eine große Hilfe. Natürlich können Sie alle diese Beziehungen einfach durch ein genaues Hinschauen wahrnehmen. Der Augapfel liegt hinter den Lidern (vgl. 131 . die Länge der einen Konturlinie im Verhältnis zur anderen. Abb. Das Augenweiß kann als negativer Raum aufgefaßt werden. sondern das Weiß des Augapfels ab (vgl. auf diese Weise umgehen Sie Ihr im Gedächtnis gespeichertes Iris-Symbol. daß Sie statt der als schwierig empfundenen Form einen angrenzen- den Umriß oder Raum abzeichnen. wenn ich Ihnen einige Fingerzeige auf spezielle Details gebe. Schauen Sie sich genau an. was Sie bereits gezeichnet haben. doch glaube ich. Abb. daß die oberen Augenwimpern zunächst nach unten wachsen und sich (bisweilen) dann erst nach oben biegen. Abb. Achten Sie darauf. Es folgen nun einige spezielle Anleitungen für die Darstellung einzelner Gesichtsteile. was nach Ihrem Gefühl «schwer zu zeichnen» ist. schätzen Sie alle Punkte und Größen ab: Vergleichen Sie die Lage des einen Punktes im Verhältnis zum anderen.Wir zeichnen Porträts unten verfolgen. 129). Die Augen Beachten Sie. wie der Umriß des Auges in einem bestimmten Winkel zur äußeren Profillinie schräg gestellt ist (vgl. Sie besteht darin. der mit der Iris einen gemeinsamen Rand bildet. und vergleichen Sie immer wieder die Abschnitte mit dem. zeichnen Sie besser nicht sie. Wenn Sie die Iris zeichnen.er ist ein wichtiges Detail. 130). 129 Abb. 7.

Nun beachten Sie bitte. der Ober. und merken Sie sich den Winkel der Linie. Betrachten Sie bei Ihrem Modell zunächst das Verhältnis dieser Partie zum gesamten Kopfumriß. 132). Abb. wenn Sie die Punkte verbinden. Sehen Sie sich diese Punkte bei Ihrem Modell genau an. die man im Profil betrachtet. Bedienen Sie sich wieder der Umgehungstaktik. die entsteht. liegen die äußeren Punkte der Nasenspitze. wie die Iris. und wenn Sie Ihr Modell genau betrachten. werden Sie merken. Sie werden feststellen. 132: Achten Sie auf die Umrisse des Raums unterhalb des Nasenflügels. Die . dann die Beziehungen ihrer Teile zu Teilen anderer Partien des Kopfes und schließlich die Beziehungen ihrer Teile untereinander. 133). und wechseln Sie von diesem symbolbefrachteten Teil zum unmittelbar angrenzenden Teil über. gern mit Hilfe symbolischer Formen wiedergegeben. nicht in Stereotypen gepreßte Formen zum Zeichnen. daß bei den meisten Menschen diese leichte Farbveränderung am besten mit einer ganz zarten. Die Trennungslinie zwischen Ober.182 Wir zeichnen Porträts Die Nase Auch Nasenlöcher werden. Wollen Sie die Nasenlöcher richtig zeichnen. Auch hier leistet der negative Raum hervorragende Hilfe und bietet Ihnen neue. konzentrieren Sie Ihren Blick auf den Raum unterhalb des Nasenflügelrandes. Abb. daß diese Kontur kräftiger ist als bei den Außenrändern der Lippen. daß der Umriß der Lippen nicht durch eine deutliche Randlinie. Der Mund Bei vielen Gesichtern.und Unterlippe und des Kinns auf einer schräg verlaufenden Geraden (vgl. sondern durch den Farbwechsel der Haut entsteht. und zeichnen Sie diesen genau ab (vgl. Abb.und Unterlippe hingegen ist klar konturiert (hier gehen zwei Randlinien in eine über). keinesfalls dunklen oder harten Linie wiederzugeben ist. Sie sind bei jedem Menschen verschieden und sollten daher besonders sorgfältig betrachtet werden.

Wir zeichnen Porträts Abb. 134: Wollen Sie die Form der Oberlippe wiedergeben. 134). was Sie sehen. die Sie bereits gezeichnet haben. Wo liegt zum Beispiel der Mundwinkel im Verhältnis zum vorderen Rand der Pupille? (Überprüfen Sie stets die Lage dessen. was Sie gerade zeichnen. Schauen Sie sich an. 136: Um das Symbol zu verme den. Abb.) Das Kinn Überprüfen Sie. . den Raum zwischen Nase und Oberlippe (vgl. Form der Oberlippe spielt eine wichtige Rolle bei der Wiedergabe des Ausdrucks Ihres Modells. Abb.beide Teile haben Sie ja bereits gezeichnet. Brillenträger. 135: Das Symbol besonders Stellung einer Brille ist hartnäckig. Abb. daß Sie Ihre Wahrnehmung des negativen Raums nicht in Frage stellen. sondern den angrenzenden Raum. die Ihnen Modell sitzt. Wichtig ist bei diesem Vorgehen natürlich. durch Vergleich mit den Teilen. betrachten Sie die die Brille um£ benden Teile des Gesichts als negativi Raum und zeichnen diesen ab. Brillen Ist die Person. dann zeichnen Sie nicht die Brille als solche — zu ihrer Darstellung stehen nämlich besonders hartnäckige Symbole bereit (vgl. Abb. Zeichnen Sie. 135). wie lang die Innenlinie des Mundes ist. zum Beispiel zur Nase. Wenn Sie die Form der Oberlippe richtig abzeichnen wollen. dann zeich nen Sie die Umrisse des durch den Pfeil markierten für die DarRaumes genau ab. Zeichnen Sie statt dessen die rings um die Brille gelegenen Negativfor- men (vgl. Stellen Sie die Länge des Kinns im Verhältnis zu anderen Teilen fest. Abb. 136). dann zeichnen Sie nicht sie. wo die vordere Konturlinie des Kinns im Verhältnis zur Stirn oder zur Oberlippe liegt .

(Diese Umgehungstaktik funktioniert natürlich deshalb so gut. und bedienen Sie sich auch beim Zeichnen von Kragenecken.Wir zeichnen Porträts Abb. den Punkt festzustellen. um den oberen Rand des Kragens richtig wiederzugeben. die fest mit begrifflichen. nur schwer zu benennen sind und weil für sie keine fertigen Symbole bereitstehen. von unseren Kinderzeichnungen her im Gedächtnis gespeicherten Symbolformen verbunden sind. 137: Vergessen Sie nicht festzustellen. Prüfen Sie. die den Kragen umgeben. stereotypen. Abb. auch sie mit Hilfe sehr widerstandsfähiger Symbole darzustellen (vgl. Vergessen Sie nicht. an dem der hintere Teil des Halses in den Schädel übergeht. 138: Wenden Sie bei der Wiedergabe von Teilen. welchen Winkel die vordere Randlinie des Halses im Verhältnis zur Vertikalen bildet. Abb. Der Hals Abb. Zumeist liegt dieser Punkt etwa auf der Höhe der Linie zwischen Nase und Mund (vgl. Die Konturlinie der vorderen Halsseite bildet in fast allen Fällen einen schrägen Winkel im Verhältnis zur Vertikalen. weil Formen wie jene. denn wir neigen dazu. Verwenden Sie jetzt statt dessen den Hals als negativen Raum. die Umgehungstaktik an.) . 138). Der Kragen Zeichnen Sie keine Kragen. 137). die die Wahrnehmungen verfälschen könnten. wo der hintere Halsansatz im Verhältnis zur Nase beziehungsweise zum Mund liegt. Verwenden Sie den leeren Raum vor dem Hals zur Wiedergabe der Konturlinie unterhalb des Kinns und entlang der vorderen Halsseite. offenen Hemdkragen und der Rückenkontur des negativen Raums.

weil Sie glauben. Jetzt versetzen Sie den Bleistift zur Kopfmitte hin und markieren die Stelle auf Ihrer Zeichnung. die dem unteren Rand des Kinns entspricht. 139). der vorher den Rand des Kinns anzeigte. Halten Sie dabei Ihren Bleistift direkt an den Kopf Ihres Modells. Legen Sie Ihren Bleistift so auf Ihre Zeichnung. Wahrscheinlich wird er —je nach Haarwuchs — sogar etwas größer sein. daß Sie schon daran denken werden. Verzichten Sie nicht auf diese Messung. wo der oberste Punkt des Schädeldachs liegen muß. und halten Sie ihn an der Stelle mit Daumen und Zeigefinger fest. den oberen Teil des Kopfes groß genug zu zeichnen. Diese Maße übertragen Sie nun auf Ihren Bogen. Nun schieben Sie ihn nach oben. und messen Sie den Abstand zwischen Augenhöhe und Kinn. legen Sie das stumpfe Ende des Bleistifts an den Augenwinkel.Wir zeichnen Porträts Das Ohr Nachdem Sie nun mit den Gesichtszügen mehr oder weniger fertig sind. bis der Punkt. Der Abstand zwischen der Augenhöhe und der höchsten Stelle des Haares wird mindestens genauso groß sein wie der Abstand zwischen Augenhöhe und Kinn. und messen Sie ihn aus (vgl. daß er eine Senkrechte bildet. messen Sie am Modell das Größenverhältnis zwischen dem unteren Teil des Kopfes (Augenhöhe bis Kinn) und der oberen Kopfhälfte (Augenhöhe bis Schädeldach) ab. in Augenhöhe liegt. Als . Abb.

oder stellen Sie sich bildlich ein gleichseitiges rechtwinkliges Dreieck zwischen den drei Punkten vor (vgl. Abb. Ziehen Sie an der Stelle Ihrer Zeichnung. die Sie als Negativraum verwenden. Übertragen Sie dieses Maß auf die Strecke zwischen dem hintersten Punkt des Auges und dem hinteren Ohrrand (vgl. 140). einen senkrechten Strich. wo der hintere Ohrrand liegen muß. Versäumen Sie nicht. . Zeichnen Sie zuerst die Umrisse des Raums hinter dem Ohr ab. Zeichnen Sie dann das Innere der Ohrmuschel. daß Ohren überraschend groß sind. 141). den Blick immer auf die jeweils angrenzende Form gerichtet.186 Wir zeichnen Porträts nächstes messen Sie die Lage des hinteren Ohrmuschelrandes aus: Legen Sie den Bleistift wieder auf Ihre Zeichnung und messen Sie noch einmal den Abstand zwischen Augenhöhe und Kinn. Abb. die Größe des Ohrs im Verhältnis zu den Gesichtszügen zu überprüfen: Wo liegt der obere Rand des Ohres im Verhältnis zu Auge und Augenbraue? Wo das Ohrläppchen im Verhältnis zu Nase und Mund? Denken Sie daran.

doch ist es wichtig. auf ihre Drehungen und Krümmungen. Mit freundlicher Genehmigung des Victoria and Albert Museum. das Haar auf Ihrer Zeichnung zumindest zum Teil in seiner Linienvielfalt wiederzugeben. die meisten Anfänger meinen damit: «Zeigen Sie mir eine Methode. daß Sie sich die Zeit nehmen. auf Wellenmuster usw. in seiner ganzen Komplexität. die schnell geht. Halten Sie nach den Stellen Ausschau. wie es ist. London. «wie man Haar zeichnet». Das heißt nicht. und so kann die Aufzeichnung Ihrer Wahrnehmungen bei diesem Teil des Porträts Abb. Da die rechte Hemisphäre komplizierte Formen liebt.Wir zeichnen Porträts 187 Das Haar Meine Schüler bitten mich oft. was Sie sehen. Achten Sie genau auf den Verlauf der einzelnen Strähnen. geht man genauso vor wie bei allem anderen: Sie müssen es wahrnehmen. wo sich das Haar teilt. und benutzen Sie diese als negative Räume. das besser ist als mein eigenes. ihnen zu zeigen. . Ich vermute. wird sie fasziniert sein vom Anblick des Haares. daß Sie jedes Haar einzeln zeichnen sollen. leicht ist und bei der das Haar blendend aussieht!» Mit anderen Worten: «Zeigen Sie mir ein Symbol für Haar. 142: <Stolze Maisie> von An- thony Frederick Augustus Sandys (1832-1904). Wenn man Haar zeichnet.» So etwas gibt es natürlich nicht. Sie müssen das wiedergeben.

woran es liegt: Halten Sie die Zeichnung vor einen Spiegel. und suchen Sie sich dann selbst den Ihnen am geeignetsten erscheinenden Platz aus. — erst am Modell. wie meine Studenten es waren. der Sie daran erinnert. Vermeiden Sie dünne. Dann decken Sie die Stelle mit einem Ruck wieder auf. werden Sie einen Fehler entdecken. Da Sie sie jetzt seitenverkehrt sehen. Ist dieser Teil nicht richtig wiedergegeben . daß Sie etwa dreißig bis vierzig Minuten brauchen werden. Erscheinen Ihnen einige Stellen an Ihrer Zeichnung nicht ganz stimmig. Stellen Sie sich das Modell auf Ihrem Papier vor. wie Sie auf den R-Modus umschalten — auf jenen Bewußtseinszustand.falsch placiert oder zu klein oder was auch immer —. mit der Hand oder einem Stück Papier abzudecken und sich dann vorzustellen. wie bei Sandys' Bildnis (Stolze Maisio (Abb. die sogenannten «Vorher»- . versuchen Sie auf folgende Weise herauszufinden. daß Sie während der Sitzung nicht fähig sein werden zu sprechen. Behalten Sie diese Vorstellung vor Augen. wo die Umrisse der negativen Räume von Wirklichkeit und Abbild nicht übereinstimmen. Und sagen Sie Ihrem Modell.Wir zeichnen Porträts sehr wirkungsvoll sein. Konzentrieren Sie Ihren Blick auf den Raum rings um die Gestalt. daß Ihr Modell eine Pause braucht. wäre es jetzt an der Zeit. denken Sie daran. können Sie genausogut das Wort Haar in Buchstaben quer über den Schädel schreiben. oberflächliche Striche. Sie werden es spüren. Immer dort. Nun lassen Sie Ihr Modell eine Ihren Wünschen entsprechende Stellung einnehmen. lassen sich die Verhältnisse objektiver erfassen. wo Sie Veränderungen durchführen müssen. Eine andere sehr nützliche Technik zum Aufspüren von Fehlern besteht darin. wird Ihnen der Fehler sofort auffallen. Stecken Sie die Bildgrenzen ab. während Sie auf Ihre Zeichnung blicken. Damit Sie nicht zu kritisch gegenüber Ihren Zeichnungen werden. nachdem sie ihr erstes Porträt gezeichnet hatten. Wenn Sie sie verwenden. Bevor Sie zu zeichnen beginnen. die Winkel und die Längen zu überprüfen usw. dann auf Ihrer Zeichnung. in dem Sie genau zu sehen vermögen. Sie sehen Ihre Zeichnung mit neuen Augen und erkennen auf den ersten Blick. die Zeichnung direkt neben das Modell zu halten und jeden Teil des Negativraums zu vergleichen. die Stelle. Nachdem Sie fertig sind: Seien Sie stolz auf sich — Sie haben es geschafft! Ich hoffe. Sie sind mit Ihrer Zeichnung ebenso zufrieden. 142). die Ihnen nicht gelungen zu sein scheint. Eine dritte Methode besteht darin. wie diese Stelle aussehen müßte. Stellen Sie sich einen Wecker.

werden Sie vielleicht in den Gesichtszügen noch Relikte Ihrer alten Symbole entdecken. vollziehen Sie noch einmal im stillen die einzelnen Schritte nach. Krones . Schülerarbeiten: Profilzeichnungen Nachdem Sie die Anleitungen zu den Detailproblemen und ihrer Bewältigung gelesen haben. indem Sie Ihren Bleistift an jede Zeichnung anlegen und den Abstand zwischen Augenhöhe und Kinn.Wir zeichnen Porträts Zeichnungen hervorzuholen. die Sie am Ende des ersten Kapitels angefertigt haben. sehen Sie sich diese Schülerarbeiten an. Und wenn Sie Ihre Zeichenversuche vor Beginn der ersten Übung mit Ihrer Zeichnung eines Menschen aus der Erinnerung (dem Ergebnis der «Zeichne-einenMenschen»-Aufgabe) vergleichen. um diese Porträts zustande zu bringen. Mit dieser Porträtzeichnung sind Sie auf dem besten Weg. die erforderlich waren. die Lage des Ohrs Kevin Schley P. Während Sie den Blick über sie gleiten lassen. sich selbst auf dem zeichnerischen Niveau eines Erwachsenen zum Ausdruck zu bringen. Wiederholen Sie die wichtigsten Messungen. In Ihrer soeben vollendeten Profilzeichnung jedoch wird keines Ihrer alten Symbole wiederzufinden sein. zwischen Augenhöhe und Schädelspitze. Ein Vergleich wird Sie überzeugen — genauso wie die Betrachtung der «Vorher-Nachher-Zeichnungen» am Ende jenes ersten Kapitels.

Wir zeichnen Porträts Sherlyn Arch Rona Kramer Janice Gallagher Sheila Kalivas .

Ergänzende Übungen Bevor Sie beginnen: Als weitere Übun Das Halbprofil Kleine Kinder zeichnen selten Menschen mit halb zur Seite gewendetem Kopf — im Halbprofil. die Ihnen im Laufe des Tat begegnen. stellen Sie sicr vor. und das Überwechseln wird sich immer schneller vollziehen. Wenn Sie wollen. daraufhin alle Menschen. richtig wiederzugeben. . das beste Gegenmittel. Diese Übung gibt Ihnen die Möglic keit zu studieren. Versuchen Sie zu erraten. Während Sie eine solchi Zeichnung kopieren. Im Laufe der Zeit wird sich Ihr Gehirn an diese Prozedur gewöhnen. Etwa mit zehn Jahren beginnen sie. Abb. Zweitens scheinen die beiden Gesichtshälften verschieden breit zu sein — die hintere ist schmaler als empfehle ich Ihnen das Kopieren vi Porträtzeichnungen alter Meister. um schwierige Gegenstände wie Brillen. Fixieren Sie mit Ihrem Blick zunächst die Negativräume. sich «warmzulaufen». wie die Porträts dieser Person im Stil jener alten Meister. wo die Zeichenschüler Umrisse von Teilen des negativen Raums abgezeichnet haben. 143). Iris. Wir setzen unsere Fähigkeiten frei Bevor Sie weiterlesen. Wenn Sie fertig sind: Überprüfen Si< Ihre Zeichnung auf mögliche Fehl hin. Kopieren Sie einen von einem alten Meister gezeichneten Kopf in Profil. Ich emp fehle Ihnen. wie ein großer Künstler den Kopf eines Menschen der ganzen Vielfalt seiner Proportic nen erfaßt. sind die gleichen wie zuvor: Die optischen Wahrnehmungen geraten mit den im Kindesalter beim Zeichnen von Profilen und En-face-Ansichten entwickelten Symbolen in Konflikt. daß Sie für eine Situation sorgen. Ihrem Modell hin und wieder eine Pause zu gewähren. 10b. zum Ausdruck zu bringen. Gehen Sie sowohl außerhalb auch innerhalb des Kopfumrisses j( weils vom negativen Raum aus (Stichwort: Umgehungstechnik). Befinden Sie sich einmal im Zustand des R-Modus. dann kopieren 5 als zweites das Meisterporträt eine Männerkopfes (und umgekehrt). ist eine kurze Übung in reinem Konturenzeichnen. Die Probleme. Sorgen Sie dafür.vielleicht deshalb. wie wir sagen. die die jungen Künstler mit dem Halbprofil haben. auch Halbprofile zu zeichnen . a sehen würden. Worauf beruhen diese Konflikte? Erstens sieht die Nase anders aus als im Profil (vgl. bleibt nur noch ein Problem: nicht zu vergessen. Voraussetzung beim Zeichnen ist stets. als seien potentielle Modelle. führen Sie bitte die Übungen 10 a und b durch.Wir zeichnen Porträts usw. weil diese Ansicht besonders gut geeignet ist. entweder nach dem Modell oder irgendeinem komplizierten Gegenstand. Das reine Konturenzeichnen scheint das Umschalten auf R-Modus zu forcieren und ist insofern eine gute Möglichkeit. Sollte die linke Hemisphäre keine Ruhe geben — das kommt bisweilen vor —. daß Sie mindestens eine halbe Stunde Zeit zum Zeichnen haben. deren Zeichnungen Sie kopiert haben. in der das kognitive Umschalten auf den R-Modus möglich ist. prüfen. Ohr usw. den sie darstellen wollen. Sie seien selbst jener Künstler. könn Sie das von Ihnen ausgewählte Bil< umgekehrt herum abzeichnen (vgl Abb. 144). zu betrachten. Gewöhnlich zeichnen Kinder Gesichter entweder im Profil oder von vorn. Verwenden Sie dabei die bei 1 seren Übungen im Porträtzeichne: geschilderten Techniken. Wenn Sie einen Frauenkopf a gezeichnet haben. die Persönlichkeit des Menschen. Stellen Sie sie vor. 10a. Meiden Sie die «schwierigen» Teil und zeichnen Sie die jeweils angrenzende Form.

Diese Wahrnehmung ungleicher Züge widerspricht den im Gedächtnis gespeicherten Symbolen für gleichmäßige Züge. mit deren Hilfe Sie die Klarheit und Bewußtheit Ihrer Wahrnehmungen aufrechterhalten können. 144: Skizze nach dem Halbprofil-Porträt < Kopf eines Jünglings mit roter Kappe> von Lucas Cranach (14721553)- die vordere. Die Lösung lautet auch hier wieder: Zeichnen Sie nur das. Abb. mit dem wir die uns Einhalt gebietende Pforte öffnen können. 143: Schülerzeichnung nach einem der < Vier Köpfe> von Dürer. Bevor Sie beginnen: Noch einmal möchte ich Ihnen zeigen. würde ich kein Teil benennen. Viertens ist auch der Mund von der Mitte bis zum hinteren Mundwinkel kürzer und anders geformt als der vordere Teil des Mundes. warum es so ist. und Ihnen Methoden vermitteln. und ohne die wahrgenommene Form den im Gedächtnis gespeicherten Symbolen für Gesichtszüge anzupassen. Drittens erscheint auch das Auge auf der vom Betrachter weiter entfernten Seite schmaler und anders geformt als das vordere Auge. was Sie sehen. lediglich . Die Dinge als solche in ihrer einmaligen und wunderbaren Vielfalt zu sehen — das ist der Schlüssel.Wir zeichnen Porträts Abb. und so werden sie in Schülerarbeiten fast immer symmetrisch auf jeder Gesichtshälfte angeordnet. Auch für die folgende Übung gilt: Wenn ich Ihnen das Zeichnen des Halbprofils in der Praxis selbst demonstrieren könnte. wie Sie Schritt für Schritt vorgehen. ohne zu fragen.

Dieser Winkel ist ein sehr wichtiges Hilfsmittel. 4. Wenn Ihnen das nicht gleich gelingt. den Blick auf Abb. die Sie wiedergeben. Messen Sie die Linien am Modell (mit ausgestrecktem Arm) und auf dem Papier nach. Stellen Sie sich wieder den ganzen Kopf auf Ihrem Bogen vor. daß die Augenlinie genau auf der Hälfte der gesamten Kopflänge liegt. 145). Verfolgen Sie zuerst mit den Augen die Mittelachse — die imaginäre Linie. den Arm ausgestreckt. um die Ähnlichkeit der Zeichnung mit dem Modell herzustellen. eine eingeschlossene Form. bis Sie auch ihn als reine Form sehen. wie Sie sehen.Wir zeichnen Porträts 193 auf diese oder jene Stelle weisen. 145: Beachten Sie die Neigung der Mittelachse im Verhältnis zur Vertikalen Ihres Bleistiftes. machen Sie eine «Geisterzeichnung». bis Sie ihn als Form hervortreten sehen. Dann zeichnen Sie ganz leicht die Augenhöhe im rechten Winkel zur Mittelachse ein. und stellen Sie sich die ganze Kopfform auf dem Papier vor. . nicht im stillen beim Namen. Heften Sie nun Ihren Blick auf Ihren leeren Bogen. So entgehen Sie der im neunten Kapitel erwähnten Gefahr. die Züge abkippen zu lassen. Abb. und vergewissern Sie sich. das heißt. Bei jedem Modell ist der Kopf in einem anderen charakteristischen Winkel geneigt. vergleichen Sie den Winkel oder die Neigung der Mittelachse mit der Senkrechten Ihres Bleistifts. und warten Sie. Bei diesem ersten Versuch lassen Sie Ihr Modell am besten eine Stellung einnehmen. Stellen Sie sich diesen Teil der Achse als dünnen Draht vor. Abb. Versuchen Sie. '45). 1. Bei einem Gesicht in Dreiviertelansicht passiert sie zwei Punkte: die Mitte der Nasenwurzel und die Mitte der Oberlippe. 5. Fixieren Sie Ihren Blick so lange auf den leeren Raum. beim Zeichnen überhaupt nicht mit sich selbst zu sprechen. Indem Sie. der den Kopf umgibt. 3. Wie beim Profilzeichnen rahmen Sie den Kopf mit einem Ausschnittsucher oder mit Hand und Bleistift ein. 2. Die Augenhöhe bildet im Verhältnis zur Mittelachse einen rechten Winkel. Taxieren Sie diesen Winkel im Verhältnis zur Vertikalen (Ihrem Bleistift). der genau durch die Nase hindurchgeht (vgl. skizzieren Sie die Umrißlinie mit ganz leichten Strichen auf die Zeichenfläche. die genau senkrecht durch die Mitte des Gesichts verläuft. Sehen Sie sich Ihr Modell genau an. Nennen Sie also während des Zeichnens die Gesichtsteile. Dann lassen Sie Ihren Blick auch auf dem Gesamtumriß des Kopfes ruhen.Dadurch entsteht. bei der seine Nasenspitze beinahe die Umrißlinie der abgewandten Gesichtshälfte berührt (vgl. 145). und ziehen Sie dann die Mittelachse des Kopfes im richtigen Winkel auf dem Papier nach (vgl. Ihren Bleistift senkrecht in Richtung des Kopfes Ihres Modells halten. Verfahren Sie nun nach der Methode des modifizierten Konturenzeichnens: Zeichnen Sie ganz langsam. Abb.

doch ist jede andere Reihenfolge ebenso gut. Vielleicht wollen Sie nach der auf Abbildung 148 angegebenen Reihenfolge vorgehen. Randlinien gerichtet. nach der Sie vorgehen können. geben Sie damit zugleich bereits die Kontur der Nase wieder. und warten Sie. 6. Als nächstes bestimmen Sie die richtige Lage des Auges auf der Ihnen näher liegenden Gesichtshälfte. 147). 7. dann die Form unter dem Auge (4). bis Sie sie als solche hervortreten sehen. Der Winkel der Mittelachse soll im Verhältnis zur Vertikalen (Ihres Blattrandes) gezeichnet werden. 146: Die Ränder Ihres Bogens stellen die Vertikale und Horizontale dar. wo Sie wollen (ich beginne meist bei der Form zwischen dem Nasenrücken und der Außenkontur der rückwärtigen Gesichtshälfte (vgl. was Sie zeichnen. und gehen Sie dabei stets von der einen zur angrenzenden über. Winkel usw. Innerhalb dieser soeben gezeichneten Form liegt das hintere Auge in der seltsamen Verkürzung der Schrägansicht. weil diese Form leicht auszumachen ist. doch vielleicht werden Sie eine andere Reihenfolge vorziehen. Auch hier können Sie anfangen. Wollen Sie das Auge zeichnen. Zuerst zeichnen Sie die Form über dem Auge (1 ). daß der .Wir zeichnen Porträts Abb. dann die Form des weißen Augapfelteils (3). zeichnen Sie es besser nicht. Heften Sie Ihren Blick auf diese Form. Zeichnen Sie nur den Umriß jeder Form. dann die Form neben dem Auge (2). Beachten Sie. Denken Sie nicht darüber nach. Beobachten Sie die Größenverhältnisse. Zeichnen Sie ihre äußeren Konturlinien. Abb. Ich beschreibe Ihnen hier eine bestimmte Reihenfolge. Zeichnen Sie statt dessen die an das Auge angrenzenden Formen. genau. Wie Sie sehen.

wieweit dieses vordere Auge von der Konturlinie der Nase entfernt ist. Abb. daß sie das Auge zu dicht an die Nase setzen. Nehmen Sie diese Wahrnehmung nicht zurück. Dieser Fehler macht alle übrigen Bemühungen zunichte. Abb. 149). Schätzen Sie. Prüfen Sie am Modell. die parallel zur Mittelachse verläuft (vgl. Dann betrachten Sie die Mittellinie des Mundes. 148). Nun gehen Sie zur Nase über. Dieser Abstand beträgt fast ausnahmslos eine Augenbreite. Dann zeichnen Sie den Nasenflügel. Markieren Sie diese Stelle. bis Sie (durch Visieren) die Breite dieses Abstandes sehen. er kann die ganze Zeichnung verderben. 149). bereits gezeichneten Teil. Diese Kurve ist sehr wichtig für die Wiedergabe des . Anfänger machen beim Zeichnen des Halbprofils sehr häufig den Fehler. und zeichnen Sie ihre Kurve genau so ab. Denken Sie daran. 8. 147: Betrachten Sie bitte als erstes diese Fläche als Form. als Sie glauben. Warten Sie. Taxieren Sie im Vergleich mit einem anderen. 148 innere Augenwinkel bei Ihrem Modell auf der Augenhöhe liegt.Wir zeichnen Porträts Abb. Abb. Abb. wie weit unten die Mittellinie des Mundes liegt (die Linie zwischen den Lippen). Achten Sie besonders darauf. daß Nasen größer sind. wie Sie ihn sehen. 9. wo der Rand des Nasenflügels im Verhältnis zum inneren Augenwinkel liegt: Ziehen Sie eine senkrechte Linie nach unten. Gehen Sie dabei von den Umrissen der rings um die Nase gelegenen Räume aus. Als nächstes ist der Mund an der Reihe. wo der Mundwinkel im Verhältnis zum Auge liegt (vgl. wie Sie sie wahrnehmen. und dann zeichnen Sie ihn. auch bei unserem Beispiel gleicht er der Breite des vorderen Auges (vgl. beispielsweise mit der Länge der Nase.

dessen obere Grenze der Haaransatz ist. Vergessen Sie nicht. wo der obere Ohrrand liegt und wo das Ohr unten endet. die Sie beim Zeichnen des Auges auf dieser Seite angewendet haben. auf den Sie reagieren . gehen Sie nach der gleichen Negativ-Technik vor. dann den oberen und unteren Rand der Lippen. um sie bewußt zu sehen. was Sie sehen. Der Abstand zwi- schen Augenhöhe und Kinn gleicht ungefähr dem Abstand zwischen dem inneren Augenwinkel und dem hinteren Rand des Ohrs. Bei dieser Zeichnung würden Sie vielleicht gern ein wenig mit Schattierungen arbeiten. indem Sie zuerst die Mittellinie des Mundes auf der Ihnen näher gelegenen Gesichtshälfte zeichnen. 13. Wie bei jeder stark mit Symbolen vorbelasteten Form müssen Sie auch diese Umrisse umgehen. Sehen Sie sich die Form der Schatten . Wenn Sie genau hinsehen und exakt zeichnen. nicht mit Worten. Wenn Sie den Kragen oder den Rand des Kleides am Hals zeichnen. wo der Umriß des Halses aus dem Umriß des Kinns hervorgeht.natürlich nach Art des R-Modus. wenn Sie es am Modell nachmessen. an denen das Haar sich teilt. Zeichnen Sie die rundum den Mund liegenden Räume ab. indem Sie von den um das Ohr liegenden Teilen des negativen Raums ausgehen. dann zeichnen Sie das Ohr. Das Ohr: Bestimmen Sie die Lage des Ohrs durch sorgfältiges Visieren oder regelrechtes Messen am Modell. daß das Ohr genügend weit hinten liegt. Dann sehen Sie sich zumindest einen Teil des Haares genau an. Dieses Verhältnis werden Sie feststellen. gehen Sie von den angrenzenden Formen aus: vom Hals. 11. Wie groß ist der Winkel des Halses unterm Kinn im Verhältnis zur Vertikalen? Nun zeichnen Sie dementsprechend die Konturen. Achten Sie genau auf die Biegung der Mittellinie in dieser hinteren Hälfte. 10. Achten Sie dann darauf. Überzeugen Sie sich davon. dann haben Sie ja schon den Ausdruck erfaßt. verfolgen Sie den Verlauf der Strähnen. Sprechen Sie nicht mit sich selbst. Fahren Sie fort. ihre Struktur und die dunklen Stellen. Hals und Kragen: Sehen Sie sich bei Ihrem Modell genau an. die Sie beim Profilzeichnen anwandten: Nehmen Sie die Stirn als negativen Raum.Wir zeichnen Porträts Gesichtsausdrucks. Konzentrieren Sie sich nur auf die optischen Wahrnehmungen. das Sie bereits gezeichnet haben. von den Flächen rings um den Kragen und unterhalb davon. und so weiter. 12. Wenn Sie die andere Hälfte des Mundes zeichnen. daß diese Linien zart sein müssen. Das Haar: Zeichnen Sie den Umriß des Haares nach der gleichen Methode.

mit dem Zeichnen des Halbporträts zu beginnen. sind Sie genügend darauf vorbereitet. eventuell auch neben der Nase und unter dem unteren Augenlid eine Schattenform. iod. Achten Sie darauf. Konzentrieren Sie Ihren Blick auf den Negativraum — und schon wechseln Sie zum R-Modus über. wobei die Lampe starke Hell-Dunkel-Kontraste auf Ihrem Gesicht hervorruft. Sara Clippinger. Handelt es sich dabei um den Kopf einer Frau. damit Sie die dreidimensionale Wirkung in Ihren Zeichnungen noch steigern können. Stellen Sie sich die Formen. Umgrenzen Sie den Ausschnitt. Ergänzende Übungen: ioc. Abb. Zeichnen Sie Ihren Kopf im Halbprofil. und legen Sie Ihren Zeichenblock bereit. Vielleicht entdecken Sie zum Beispiel unter der Unterlippe. Diese Schatten können Sie mit dem Bleistift leicht tönen. Stellen Sie zwei Spiegel und ein< Lampe so vor sich hin. und. Lassen Sie Ihr Modell die von Ihnen gewünschte Stellung einnehmen. Abb. Schauen Sie sich die Beispiele auf den Seiten 202 und 203 an. . daß Sie Ihr eigenes Gesicht im Halbprofil sehen. und schattieren Sie ei nige der Schattenformen. daß Sie die Schattenformen genau so tönen und anbringen. Nachdem Sie all diese Weisungen gelesen haben. wie Sie sie sehen.Wir zeichnen Porträts 19 an. die Sie zeichnen wollen. Ihre Formen verdanken sie dem Knochenbau und dem Lichteinfall. 150). auf Ihrem Bogen vor. 10e. Kopieren Sie eine altmeisterliche Zeichnung von einem Kopf im Halbprofil (vgl. den Ton mit dem Finger vorsichtig verwischen. 150: Schülerarbeit nach der Zeichnung eines alten Meisters. Im nächsten Kapitel will ich Ihnen die Anwendung von Licht und Schatten genauer erklären. zeichnen Sie einen weiteren Halbprofilkopf nach einem männlichen Modell ab. unter dem Kinn oder unter der Nase. wenn Sie wollen.

Sehen Sie sich noch einmal die Proportionen der Gesichtsteile an. bis Sie den Negativraum und den Gesamtumriß des Kopfes als Formen hervortreten sehen. und vielleicht fallen Ihnen Fehler auf. Jedoch sollten Sie immer nach dem Modell zeichnen. d und e durch. Machen Sie wieder eine «Gei- . So gehen auch Künstler vor. 1. um das kognitive Überwechseln zum R-Modus zu beschleunigen. wechseln sie wieder auf den R-Modus über. Mittlerweile werden Ihnen diese Vorbereitungen wohl reibungslos von der Hand gehen. schlägt die Pforte der Wahrnehmung zu. Wenn Sie erst einmal anfangen. rekapitulieren Sie bitte noch einmal die Anweisungen zum Zeichnen eines Porträts im Halbprofil. prüfen sie kritisch nach den Maßstäben der linken Hemisphäre. Wir zeichnen ein Gesicht von vorn Bevor Sie anfangen: Bitte lesen Sie wieder sämtliche Anleitungen durch. den Sie wiedergeben wollen. Vor allem bei Ihren ersten Zeichnungen müssen Sie den Gegenstand. Wenn sie dann aufs neue den Pinsel oder den Bleistift ergreifen und sich an die Arbeit machen. lassen Sie Ihr Modell die von Ihnen gewünschte Stellung einnehmen. Betrachten Sie darüber hinaus die Schülerzeichnungen auf den Seiten 202 und 203. eine Zeichnung zu «verbessern». den Sie zeichnen wollen. und Sie könnten die Zeichnung verderben. Ihre Zeichnung noch einmal zu überarbeiten. Jetzt sehen Sie Ihre Zeichnung kritischer. ohne auf das Modell zu schauen. und warten Sie. glatten Unterlage. daß sie nichts mehr daran zu verbessern brauchen. Befestigen Sie Ihren Bogen auf einer harten. Stellen Sie sich diese Formen auf Ihrem leeren Blatt vor.so lange. vor Augen haben. Dieses Hinundherschalten geht während der Arbeit weiter .Wir zeichnen Porträts Nachdem Sie fertig sind: Beobachten Sie sich selbst: Sie lehnen sich zurück und betrachten die Zeichnung auf andere Weise. Umgrenzen Sie den Ausschnitt. als Sie es während der Arbeit taten. stellen Sie sich einen Wecker und so fort. Sie analysieren sie. überlegen. Vielleicht haben Sie den Wunsch. Sie schalten nach Fertigstellung der Zeichnung auf den L-Modus zurück. Ehe Sie mit der nächsten Übung beginnen. wie Sie sie bei einer Übung im neunten Kapitel in das leere Oval eingezeichnet haben. bis sie den Eindruck haben. und führen Sie die Übungen 10 c. diese oder jene Unterschiede zwischen Ihrer Zeichnung und dem Modell. 2. welche Korrekturen notwendig sind und welche Stellen noch einmal überarbeitet werden müssen.

Dieses Dreieck hat bei jedem Modell eine andere Form. 5. Zeichnen Sie deshalb die Formen unter den Nasenlöchern ab. Als nächstes sehen Sie sich am Modell genau an. das heißt. Deuten Sie (ganz leicht) die Augenhöhe an. daß der Abstand zwischen den Augen meist genau eine Augenbreite beträgt). Die Nase: Betrachten Sie Ihr Modell genau. Blicken Sie genauer hin. und verwenden Sie sie als Negativraum. wie breit die Nase an den Nasenflügeln im Vergleich zu den inneren Augenwinkeln ist. richten Sie Ihren Blick auf die Form oberhalb des Auges (zwischen Lid und Augenbraue). 6. und stellen Sie sich vor. die Anweisungen in einer bestimmten Reihenfolge geben. Oft unterscheiden sie sich voneinander. verbessern Sie nichts — zeichnen Sie einfach das.und Schattenfelder eine bestimmte Form haben. Beobachten Sie genau die Form der Lider und der Wimpern. indem Sie Ihren Bleistift mit ausgestrecktem Arm senkrecht halten. Prüfen Sie die Neigung der Mittelachse.was für den Anfänger oft ein Problem ist. 3. skizzieren Sie ganz leicht vor. nicht auf beiden Seiten. die Länge der Nase richtig zu treffen . die Sie jedoch später nach Wunsch abändern können. 4. um die Sache zu vereinfachen. die beiden äußeren Augenwinkel seien mit der Nasenspitze durch ein Dreieck verbunden. Nun stellen Sie sich das Dreieck. Wieder will ich. was Sie sehen. das Sie im Gesicht Ihres Modells gesehen haben. Inzwischen haben Sie auf den R-Modus umgeschaltet. Zeichnen Sie zuerst die . Wenn Sie nun die Umrisse des Licht. Betrachten und zeichnen Sie die Konturen jedes Auges genau. zum Beispiel im Verhältnis zur Nasenlänge. daß diese Licht. wo die Nasenspitze liegen soll. 7. Tun Sie das — aber nur auf einer Seite der Nase. Meistens werden Sie auf der einen Seite der Nase Licht und auf der anderen Schatten sehen. Dies ist eine sehr gute R-Modus-Methode. haben Sie bereits die Knochenstruktur der Nase wiedergegeben. wohin die einzelnen Partien kommen und wie groß sie sein sollen. Damit Sie diese Konturen schärfer sehen können.Wir zeichnen Porträts sterzeichnung». die vom besonderen Knochenbau der jeweiligen Nase abhängig ist. Zeichnen Sie die Augen ein (beachten Sie. auf Ihrer Zeichnung vor. werden Sie feststellen. Der Mund: Taxieren Sie die Länge der Oberlippe. Ändern Sie nichts. ist beliebig. Jetzt fangen Sie an zu zeichnen.oder des Schattenfeldes abzeichnen (entweder das eine oder das andere). wie sie entlang der Nase verlaufen. Beobachten Sie Licht und Schatten. Die meisten Menschen haben sich sehr beharrliche Symbole für die Wiedergabe der Nasenflügel und -löcher bewahrt. Wo Sie beginnen. und markieren Sie den Punkt.

In welchem Verhältnis steht jeder dieser Abstände zu anderen. Dann zeichnen Sie die äußeren Ränder der Lippenbögen ein. wo der am weitesten außen liegende Konturlinienabschnitt des Kopfes verlaufen soll. zum Beispiel der Breite des Auges. Wie bereits erwähnt. Markieren Sie sich auf dem Papier. sie entsteht lediglich durch den Farbunterschied der Haut. Harte Linien um die Mundwinkel sind meist auf ungenaue Beobachtung oder auf das Eindringen eines Symbols zurückzuführen. auf die Stellen. indem Sie sich beim Zeichnen in diesen oder jenen komplizierten Teil des Haares vertiefen. Beachten und zeichnen Sie die Details . 8. so daß er wirklich weiß. subtiler Weise den Gesichtsausdruck mit bestimmen. Achten Sie auf den Fall des Haares. mit dem gleichen Strich darzustellen. genau an. Das Gesicht: Achten Sie auf den Abstand zwischen einzelnen Gesichtszügen und dem Umriß des Gesichts. Die Eigenart der Linie. Dadurch wird es Ihnen leichter fallen. die Tönung und die Detailtreue sollten der Darstellung der Züge entsprechen. haben die Lippenränder in Wirklichkeit keine scharfe Kontur. Wenn Sie das Gesicht zum Beispiel mit harten. Achten Sie besonders sorgfältig auf Lage und Form der Mundwinkel. Bemühen Sie sich darum. wo sich Strähnen teilen und dunklere Töne zum Vorschein kommen. Betrachten Sie Ihr Modell sehr genau. Es kann leicht geschehen. Das Haar: Wieder sehen Sie sich den äußeren Umriß des Haars sowie dessen innere Randlinie. die Umrisse des Gesichts richtig darzustellen. da diese in besonderer. das Haar im gleichen Stil. kräftigen Strichen gezeichnet haben. von Ihnen bereits gezeichneten Breiten. daß man den Mund schief zeichnet. wie es sich Ihnen zeigt. dessen Sie sich bei der Wiedergabe der Gesichtszüge bedienten. was den Gesichtsausdruck stark verändern würde. Die Unterlippe wird sich vielleicht nur durch den Schatten unter der Lippe abheben. Umgehen Sie Ihre Haar-Symbole. Versorgen Sie Ihren «Betrachter» mit genügend Informationen über das Haar. daß diese Linie im rechten Winkel zur Mittelachse des Kopfes steht. wie es aussieht. Der Oberschädel: Messen Sie am Modell den Abstand zwischen Augenhöhe und dem oberen Rand des Haares im Vergleich zum Abstand zwischen Augenhöhe und Kinn. sollten Sie auch die Konturen der Haarpartie . auf welche Weise es um Stirn und Schläfen liegt. der Nase oder des Mundes? Wie lang ist das Kinn im Verhältnis zur Nase? Geben Sie auch den Umriß des Gesichts nach dem Verfahren des modifizierten Konturenzeichnens wieder.Wir zeichnen Porträts Mittellinie des Mundes. 10. die es gemeinsam mit dem Gesicht bildet. 9. und achten Sie darauf.ob es gewellt ist oder glatt.

Hals. wobei Sie Ihr Ge sieht von der Seite mit einer Lamp anleuchten. Denken Sie beim Kopieren daran. werden Sie gewiß verstehen. Kopieren Sie diese Zeichnung. Wenn Sie das Bildnis eines Mannes kopiert haben. auf welche Weise jeder der Zeichner vorgegangen ist. dann sehen Sie die Verhältnisse deutlicher. daß die Schultern breit genug sind. Ergänzende Übungen: Sehen Sie sich die folgenden Porträ und Kopien von Schülern als Beispiele an. vielfältigen Konturen nach Belieben. suchen Sie sich nun ein männliche Modell. Mit ihrer Hilfe werden Sie Ihre Wahrnehmungsfähigkeit noch mehr entfalten.Wir zeichnen Porträts auf diese Weise wiedergeben. Zeichnen Sie ein Selbstbildni vor dem Spiegel. Breiten usw. Wenn Sie das Gesicht mit kräftigen Linien. Überprüfen Sie die gesamten Prop tionen. nach. damit der Hals nicht zu dünn wird. Überprüfen Sie den leeren Raum oberhalb der Schulter. log. Zu schmale Schultern sind ein typischer Anfängerfehler. Messen Sie alle Längen. Vergewissern Sie sich. drehen Sie die Zeichnung den Kopf. suchen Sie sich eine Frau. Zeichnen Sie es von vorn. wird Ihre Zeichnung optisch auseinanderfallen. 11. schattieren. diesmal mit einem Hut auf dem Kopf. die Ihnen Modell s: ioh. Nachdem Sie nun mit so viel Sorgfalt die Gesichter anderer Menschen beobachtet haben. Benutzen Sie beim Zeichnen des Kragens die ihn umgebenden Teile des negativen Raums (zeichnen Sie also die Räume unter und um den Kragen). daß ein jedes menschliche Gesicht seine eigene Schönheit habe. Kragen und Schultern: Prüfen Sie die Breite des Halses im Verhältnis zur Breite des Gesichts. und fragen Sie sich dabei stets: «Wo liegt die Schulterkuppe im Vergleich zum unteren Rand des Gesichts?» 12. versuchen Sie nachzuvollziehen. was gemeint ist. Betrachten Sie die Um risse der Schatten auf Ihrem Gesicht Schülerzeichnungen: Gesichter von vorn Wenn Sie jetzt die Schülerzeichnungen auf den folgenden Seiten betrachten. eine Frau d. die Sie als Formen sehen. es wird Ihr Gefühl für Proportionen und fi den negativen Raum verfeinern. bevor Sie zum nächsten Kapitel übergehen. indem Sie die Schattenpartien. Messen Sie beides nach. wenn Künstler behaupten. g und h durch. Wenn es Ihnen notwendig erscheint. Suchen Sie sich ein En-facePorträt eines alten Meisters aus. 10f. Stellte die En-face-Zeichnung die Sie kopiert haben. Vervollständigen Sie diese Zeichnung mit all ihren schönen. So wird aus Gesicht und Haar eine Einheit. Das ist ein gutes Training für Ihre zeichnerischen Fähigkeiten und für Ihre Augen. indem Sie Ihre Zeichnung dem Bleistift Stück für Stück nachm sen. . das Haar hingegen nur skizzenhaft mit leichtem Strich wiedergeben. Zeichnen Sie weitere Porträts Führen Sie die Übungen 10 f. daß schon eine minimale Abweicht von den Längen oder von der Ricr tung einer Linie oder einer Form d Gesichtsausdruck verändern kann.

Wir zeichnen Portrats Georgette Zuleski Beispiel für Übung 10 f Kimberly Leyman Beispiel für Übung 10 e .

Shours Beispiel für Übung 10 g Bob Jean Beispiel für Übung 10 h .Wir zeichnen Porträts Dolores Stewart Urba Dean Bury M.

.

11 Vorstoß in die dritte Dimension: Wir sehen Licht und zeichnen Schatten .

und dann kurz einige Methoden des Schattierens beschreiben. Abb. Sie scheinen von der linken Hemisphäre auf die gleiche Weise ignoriert oder abgelehnt zu werden. wie wir es beim negativen Raum getan haben. Ich möchte Sie deshalb bitten. wo viele Lagen von Strichen übereinander die größte Annäherung ans Schwarz erzeugen. Beim Schattieren geht man von der Wahrnehmung der unterschiedlichen Tonwerte zwischen Hell und Dunkel aus.Wir sehen Licht und zeichnen Schatten Eines der ersehntesten Ziele von Zeichenschülern ist die Fähigkeit. die man mit einem Bleistift erreichen kann. Der dunkelste Ton dagegen wird sich an der Stelle ergeben. Die Abbildung 151 zeigt eine sehr grobe Skala mit einer kleinen Auswahl der möglichen Tonwerte. Die linke Gehirnhälfte kann mit Schatten nichts anfangen — es sei denn. sie vermitteln ihr Informationen über jene dreidimensionalen Gegenstände. um Gegenstände zu deuten und zu erkennen. enthüllt sich uns dessen Form: Mittels der verschiedenen Abstufungen zwischen Licht und Schatten nehmen wir die Form dreidimensional.und Schattenflächen seltsamerweise nur geringe Aufmerksamkeit. Diese Tonabstufungen werden Valeurs genannt. Die Rolle der rechten Gehirnhälfte bei der Wahrnehmung von Schatten Wenn Licht auf einen Gegenstand fällt. Doch Licht. wie die auf den Kopf gestellten Bilder und der leere Raum. 151: Skala der Tonwerte. Die Zwischentöne entstehen durch Anwendung verschiedener Methoden: durch mehr oder weniger kräftiges Schraffieren. bis die linke Gehirnhälfte das Bild abgesucht hat — sie wird nicht erkennen. durch Kreuzschraffur usw. 152). sich zunächst einmal einen Schatten sehr intensiv anzuschauen (zum Beispiel den Schatten auf dem Gesicht des Malers Johann Heinrich Füßli.und Schattenfelder können ebenso als Formen gesehen werden wie der leere Raum. plastisch wahr. Die Skala der Tonwerte erstreckt sich vom reinen Weiß bis zum reinen Schwarz über buchstäblich Tausende von feinsten Abstufungen. In diesem Kapitel werde ich Ihnen zunächst zeigen. Warten wir einen Augenblick. und die Aufgabe Abb. wie man Schatten sieht. was es darstellen soll. Doch obwohl wir die Hell-Dunkel-Valeurs benutzen. . Dingen durch das sogenannte «Schattieren» ein dreidimensionales Aussehen zu verleihen. Bei einer Bleistiftzeichnung wird der hellste Ton das Weiß des Papiers sein. widmen wir den Umrissen und Formen der Licht. wenn wir genauso vorgehen. die sie zu benennen vermag.

Diese Form können Sie zeichnen oder malen. (Wenn Sie das Buch auf den Kopf stellen und den Schatten auf Füßlis Gesicht betrachten. London. ihn als Form zu sehen. ist es ganz leicht. dann wird der Schatten als Form vor Ihren Augen erscheinen. deshalb an die rechte Gehirnhälfte weitergeben —. hier zum Beispiel über den Umriß von Füßlis Nase und die Form seiner linken Wange. und sie wird auf den Betrachter genauso wirken wie der Schatten in der realen Welt: Sie wird über den Umriß einer dreidimensionalen Form Aufschluß geben.) . Mit freundlicher Genehmigung des Victoria and Albert Museum.Wir sehen Licht und zeichnen Schatten Abb. 152: (Selbstbildnis} von Johann Heinrich Füßli (1741-1825).

in unserer Bereitschaft. . nun bedeutungsvolle Muster zu sehen. Wollen Sie Ihre Zeichnung tönen (schattieren). sondern auch auf die Erfassung von zusammenhängenden Schattenpartien. 153 «Jener Bruchteil einer Sekunde. bruchstückhaften Schattenpartien (vgl. geben Sie damit zugleich auch die genaue Form der Nase und der mit der Hand hochgeschobenen Wange wieder. müssen Sie den Schatten richtig sehen und zeichnen und innerhalb der Schattenformen noch die relativen Tonwerte ermitteln: welche Schattenteile am dunkelsten und welche am hellsten sind. Patienten mit Gehirnschäden an der rechten Hemisphäre hatten oft große Schwierigkeiten. dunkle . zur Sehweise des Künstlers überzuwechseln. Wenn Sie also den Schatten richtig abzeichnen. Wie gelangt die rechte Hemisphäre zu der schlagartigen Einsicht. wo einen Augenblick zuvor nichts als Schatten zu sein schienen. . Solche Durchbrüche ereignen sich zu selten. denn die meiste Zeit stecken wir tief im Weltlichen und Trivialen. Lindaman < Thinking in Future Tense> Lassen Sie mich diesen Punkt noch etwas genauer darstellen. von einer verwirrend fremden Aura umgeben. so lassen Sie ihn eine ungezwungene Haltung einnehmen und stellen Sie eine Lampe neben ihn. und welche mittlere Töne aufweisen. die Teile auf vollkommen neue Weise zusammenzufügen und dort. verwandelt. Schockierend ist. die zum Erkennen der Bedeutung dieses Musters aus Lichtund Schattenflächen notwendig ist? Offenbar erfaßt sie die Beziehungen der sich zu einem Ganzen fügenden Formen. aus dem die Träume sind. Wenn jemand bereit ist. 153) zu erkennen. Dieses besondere Sehvermögen werden Sie leicht erwerben. Sie läßt sich durch fehlende Einzelheiten nicht abschrecken.» Edward B. Abb. sich trotz aller Unvollständigkeit «ein Bild zu machen». ist einer der beglückendsten Augenblicke des Lebens . Der Unterschied besteht allein in der Perspektive.Wir sehen Licht und zeichnen Schatten Abb. indem ich ihn auf eine andere Weise erkläre: Der Schatten auf Füßlis Gesicht verdankt seinen Umriß der Form von Nase und Wange. so daß sein Gesicht hell von der Seite angeleuchtet wird und auf der unbeleuchteten Gesichtshälfte scharf abgegrenzte. wenn Sie erst einmal in der Lage sind. in dem sich Vertrautes schlagartig in etwas ganz und gar Neues. Neuere Forschungen lassen erkennen. Ihnen Modell zu sitzen. daß gerade dieses Weltliche und Triviale der Stoff ist. daß die rechte Hemisphäre nicht nur auf die Wahrnehmung der Formen einzelner Schatten «spezialisiert» ist. Licht und Schatten . sind eher die Ausnahme als die Regel. einen Zusammenhang zwischen den komplexen.ein Gesicht Wir wollen nun einen Versuch unternehmen.

(Vgl. 4. Lippen usw. Wenn Sie sich über die Form des Schattens klargeworden sind. Wenn Sie jedoch die Schattenformen malen . die Sie bereits gemalt haben.) 3. Malen Sie diesen Schatten. Warten Sie. 1. in der Sie niemand stört. etwa auf den Schatten unter der Oberlippe. malen Sie sie mit Tusche und Pinsel.) nachdenken und sie dabei mit den geläufigen Bezeichnungen versehen. Sie sollen auf alle Zwischentöne verzichten. 155). Beides können Sie im Bastelladen.Wir sehen Licht und zeichnen Schatten Schatten entstehen. Abb. Abb. Die Übung soll Sie dazu befähigen. vielleicht auf den Seitenschatten der Nase. bis Sie ihn als Form sehen können. zum Beispiel auf den unter der Unterlippe liegenden. Bevor Sie anfangen: Lesen Sie alle Anleitungen genau durch. Richten Sie Ihren Blick auf den nächsten Schatten. Schattenformen zu erkennen. Sie werden durch das Weiß Ihres Zeichenpapiers dargestellt. Wenn Sie kein Modell zur Verfügung haben.so zum Beispiel könnte eine solche Form aussehen. Die Schattenformen werden Sie mit Ihrer schwarzen Tusche oder Tinte malen. 155 . Sorgen Sie dafür. achten Sie darauf. Malen Sie auch diesen Schatten ab (vgl. Richten Sie Ihren Blick auf einen Schatten. Die angeleuchteten hellen Teile des Kopfes brauchen Sie nicht zu zeichnen. Auch hier werde ich die Formen wieder benennen. daß Sie nicht über die einzelnen Teile des Gesichts (Nase. auf der ein stark von der Seite angestrahltes Gesicht zu sehen ist.in der folgenden Übung und bei allen späteren Versuchen -. 154 . Achten Sie auf seine Beziehungen zu den Formen. Es stehen Ihnen nur die beiden Tonwerte Weiß und Schwarz zur Verfügung. Für die folgende Übung brauchen Sie einen Aquarellpinsel und ein Fläschchen schwarze Ausziehtusche. Abb. daß Sie reichlich Zeit zur Verfügung haben. Richten Sie Ihren Blick auf den nächsten Schatten. im Papiergeschäft oder im Warenhaus kaufen. 2. können Sie sich auch selbst im Spiegel abzeichnen oder auch eine Fotografie.

und achten Sie dabei auf die Größenverhältnisse zu den zuvor dargestellten Formen. und warten Sie. wie Sie sie sehen (vgl. Abb. 759: (Selbstbildnis) (1634) von Rembrandt van Rijn. wie Sie sie sehen . Den leeren Raum hinter dem Kopf können Sie mit schwarzer Farbe ausmalen . Mit freundlicher Genehmigung des Kaiser-Friedrich-Museums. Vermeiden Sie symbolische Formen — sehen Sie sich die Schattenformen genau an (vgl. 158).Sie können ihn aber auch so weiß lassen. Abb. 157). Berlin. Dann malen Sie diese ab. malen Sie diese große Form genauso ab. 7. wie er ist (vgl. Richten Sie Ihren Blick auf die kleinen Schatten auf der beleuchteten Seite des Gesichts. Abb. 8. 156). Führen Sie Ihre Tuschzeichnung zu Ende. Betrachten Sie die Schattenformen auf der beleuchteten Seite des Hutes. . Malen Sie diese Schatten.in ihren vielfältigen Umrissen.Wir sehen Licht und zeichnen Schatten 5. bis Sie diese als Formen sehen. Da die eine Hälfte des Gesichts vollkommen im Schatten liegt. i58 Abb. 6. Abb.

und der Gedanke «Das klappt!» durchfährt Sie.Wir sehen Licht und zeichnen Schatten Nachdem Sie fertig sind: Vielleicht waren Sie überrascht. Wenn Sie dies bei der ersten Tuschzeichnung nicht erlebt haben. Dazu steht Ihnen eine Reihe von Techniken und Mittel zur Verfügung. schnelle. . Man kann mehrere solcher Schichten übereinander legen.in der Richtung um einige Grade verändert . 2. dann können Sie neben Weiß und Schwarz noch andere Tonwerte. um Schatten sehen zu lernen. über die . vor allem die Kreuzschraffur. Fangen Sie zunächst mit einer einfachen Schraffur an (vgl. Dieser Vorgang scheint sich folgendermaßen abzuspielen: Sie malen eine Reihe von Formen. benutzen. stellen Sie die Abbildung des Rembrandt-Gemäldes auf den Kopf. Leistet Ihre linke Hemisphäre immer noch Widerstand. parallele Striche zustande. werden Sie bald Ihren eigenen Stil entwickeln. als sich Ihre Tuschzeichnung plötzlich für Sie zu einem Gesicht verdichtete. In diese Grundtechnik werde ich Sie hier kurz einführen. Abb. Vielleicht ist Ihnen in diesem Moment die dreidimensionale Wirkung Ihrer Zeichnung mit einem Schlag bewußt geworden. Sie können auch das Bild eines alten Meisters. 159). dann versuchen Sie es noch einmal. daß Sie die Schattenformen durch das Malen mit Tusche zu sehen gelernt haben. wie dunkel die Tönung sein soll. die anscheinend keinen Zusammenhang haben — dann plötzlich «springt» Ihnen das Bild entgegen. je nachdem. nämlich auch graue Zwischentöne. 161). sich in das Schattenmalen hineinzufinden. zum Beispiel Rembrandts (Selbstbildnis) (Abb. 160). Die sogenannte Kreuzschraffur kommt durch kurze. Zeichnen Sie mit schnellen Handbewegungen über diese einfache Schraffur eine zweite Schicht von parallelen Strichen (vgl. und kopieren Sie sie aus dieser Sicht. 1. ehe Sie den Pinsel aufs Papier setzen. Abb. kopieren —das hat sich als eine gute Möglichkeit erwiesen. Da Sie hier nicht radieren können. ebenfalls mit Pinsel und Tusche. müssen Sie sich die Schattenform besonders gut einprägen.eine weitere Schicht von Strichen gezeichnet wird. Da man auf verschiedenste Weise schraffieren kann. Ihre Richtung soll nur geringfügig von der der ersten Striche abweichen. Wir zeichnen zarte Schatten: Das Schraffieren Wenn Sie das Gefühl haben. Das Arbeiten mit Tusche ist besonders geeignet. die sich als eine der besten Möglichkeiten zur Darstellung zarterer Schatten erwiesen hat. so wie Sie auch einen eigenen Stil im Umgang mit Linien gefunden haben.

11b. Achten Sie auf die komplexen Schattenformen. Kopieren Sie mit Tusche und Pinsel das Selbstbildnis von Rembrandt (Abb. auf welche Weise Morandi in seinem Stillleben (Abb. Beleuchten Sie es mit einer Lampe von der Seite. 161 Ergänzende Übungen 11a. 164). Vergessen Sie nicht. zeichnen Sie und entwickeln Sie beim Schraffieren Ihren eigenen linearen Stil. Bauen Sie sich selbst ein Stilleben auf. 11d. 163) Kreuzschraffuren verwendet hat. 159).212 Wir sehen Licht und zeichnen Schatten Abb. Zeichnen Sie mit dem Bleistift eine Papiertüte ab (vgl. 160 Abb. als Beispiel Abb. Abb. Schauen Sie sich genau an. 162 . die das Auge umgeben. Kopieren Sie mit Zeichenkohle oder Bleistift das Selbstporträt von Käthe Kollwitz (Abb. damit Sie das Ohr an die richtige Stelle setzen. 165). sich das Dreieck vorzustellen. 11c.

Mit freundlicher Genehmigung des Fogg Art Museum. Nehmen Sie mit Ihrer Hand eine andere Haltung ein. kann man mit der Kreuzschraffur eine lebendige Oberflächenwirkung und den Eindruck von Licht und Luft um die Kugel herum erzielen. darüber. wiederum in einer anderen Richtung. wie der Farbton an bestimmten Stellen immer dunkler wird. und setzen Sie noch eine dritte Lage. Schaffen Sie.) Wie Sie sehen. Harvard University. achten Sie darauf. 4. 163: (Großes Stilleben mit Kaffeekanne) (1934) von Giorgio Morandi. Abb. .Wir sehen Licht und zeichnen Schatten Abb. wenn nötig. 162 .ein Beispiel für die Anwendung der Kreuzschraffur beim «Schattieren» einer Kugel. (Vgl. durch zusätzliche Striche sanfte Übergänge zwischen helleren und dunkleren Partien. 3. Zeichnen Sie immer weitere Lagen solcher paralleler Linien übereinander.

Ihre Geschicklichkeit und Ihren Blick für die Möglichkeiten der räumlichen Darstellung mit Hilfe des Lichtes zu fördern. 168). . 11g. Ein Ziel Ihrer künftigen Entwicklung zeichnet sich am Horizont ab: Diese Tuschübungen waren der erste Schritt zur Malerei und in die phantastische Welt der Farbe. 165: <Selbstbildnis im Profil) Abb.Wir sehen Licht und zeichnen Schatten 11e. als Beispiele Abb. Ausblick Dies war nur eine kurze Einführung in die Freuden des Zeichnens von Licht und Schatten. und malen Sie ein Porträt. Zeichnen Sie mit Kohle ein Porträt (vgl. 11f. Abb. mit dem Sie die beleuchteten Partien Ihres Gesichts freilegen. Schwärzen Sie einen Bogen Zeichenpapier in gleichmäßigem Ton mit Kohle. 165 und 166). Mit freundlicher Genehmigung des Fogg Art Museum. Zeichnen Sie ein Selbstporträt mit dem Radiergummi. 166 Tom Nelson von Käthe Kollwitz (1867-1945). Die zusätzlichen Übungen 11 a bis 11 g sind dazu gedacht. das ein Licht-undSchatten-Muster zeigt (vgl. Verdünnen Sie schwarze Tusche mit etwas Wasser. Abb. Ihre Reise hat also gerade erst begonnen.

167 Ly Chen Sreng Abb. 168 G. Smith .Wir sehen Licht und zeichnen Schatten Abb.

12 Das Zen des Zeichnens: Der Künstler in uns erwacht .

können Sie Ihre Reise zu dem genannten Ziel allein fortsetzen. persönliche Art der Wahrnehmung und des Umsetzens der Wahrnehmungen wider. Darüber hinaus können auch Sie selbst sich in Ihren Zeichnungen erkennen.und Fingermuskulatur. wie durch Zauber ein gewöhnliches Blatt Papier in ein Bild verwandeln. Es spiegelt die nur Ihnen allein eigene. können Sie sich mit Hilfe des Zeichnens in einen Zustand der Ruhe. wie Sie die Dinge sehen und empfinden. gehen dabei nach den Gesetzen der Logik vor und drücken Ihre Gedanken in Worten aus. Das Zeich- . daß Ihre nächste Zeichnung besser sein wird — daß Sie wahrhaftiger sehen. die Ihnen vielleicht bislang durch Ihr sprachliches Selbst verborgen geblieben waren. besondere. Ist die Bildstruktur unvollständig und Worten und rationalem Denken nicht zugänglich. Facetten Ihrer Persönlichkeit entdecken. Sie widmen sich dieser Tätigkeit. Ihre Zeichnungen können auch Ihnen offenbaren. Nachdem Sie nun sich selbst in Ihren Zeichnungen entdeckt haben. ohne in Worten zu denken. analogische Erfassen des Bildganzen kann zur Lösung des Problems führen. Schalten Sie dann wieder auf Ihren sprachlichen Modus zurück. wo sie.Sie. können Sie Ihre Gefühle und Wahrnehmungen mit Hilfe der mächtigen Fähigkeiten Ihres linken Hirns interpretieren . Die Hemisphären haben unbegrenzte Möglichkeiten der kooperativen Zusammenarbeit. ohne zu sprechen. das Wesen der Wirklichkeit tiefer erfassen. treibt Sie stets das Gefühl voran. schalten Sie auf den R-Modus zurück — das intuitive. Dieses Bild ist Ihr Bild. dem Unaussprechlichen mehr Ausdruck verleihen und das Geheimnis jenseits des Geheimnisses entdecken werden. umgeformt in feinste Bewegungen. Zuerst zeichnen Sie nach dem R-Modus. Die in diesem Buch beschriebenen Übungen sind natürlich nur die allerersten Schritte auf dem Weg zu einem fernen Ziel — beide Arten des Denkens kennenzulernen und ihre Kräfte zu nutzen. daß das Zeichnen einem magischen Kunststück gleiche: Ist Ihr Gehirn des ständigen Geschwätzes und Geplappers überdrüssig. Durch Ihre aufs Zeichenpapier gebannte Vision hindurch erkennt der Betrachter .Sie denken über das Geschaffene nach. Haben Sie einmal den Anfang gemacht. des Schweigens versetzen und dabei einen flüchtigen Blick in die jenseits der Begriffswelt liegende Realität werfen. Ihre optischen Wahrnehmungen strömen blitzschnell und ohne Umwege von der Netzhaut in die Hirn-Hemisphären und von dort über die Nervenbahnen in die Hand.Das Zen des Zeichnens Am Anfang dieses Buches habe ich geschrieben.

Das Zen des Zeichnens

219 «Vom sechsten Lebensjahr an war ich darauf versessen, die Formen der Dinge zu zeichnen. Mit fünfzig hatte ich unzählige Zeichnungen veröffentlicht; dennoch war das, was ich vor meinem siebzigsten Jahr hervorgebracht habe, nicht der Rede wert. Mit dreiundsiebzig hatte ich ein wenig vom wahren Gefüge der Natur, der Tiere, Pflanzen, Vögel, Fische und Insekten begriffen. So werde ich mit achtzig ein Stück vorangekommen sein. Mit neunzig werde ich in das Geheimnis der Dinge eindringen. Mit hundert werde ich eine wunderbare Stufe erreicht haben; und bin ich erst hundertundzehn geworden, wird alles, was ich mache, Punkt oder Strich, voll Leben sein.» - «Dies schrieb ich mit fünfundsiebzig Jahren - ich, Hokusai, heute Owakio Rojin, ein alter Mann, vom Zeichnen besessen.» «Charakteristisch für bedeutende Zeichner ist die uneingeschränkte Akzeptierung des eigenen Stils. Es ist, als sage die Zeichnung dem Künstler: <Da bin ich.>» Nathan Goldstein
<The Art of Responsive Drawing>

nenlernen, schreibt der große japanische Künstler Hokusai, ist ein Voranschreiten ohne Ende. Nachdem Sie zu der neuen Sehweise übergewechselt sind, entdecken Sie nun vielleicht, daß Sie das Wesen der Dinge erblicken und damit über eine Form des Erkennens verfügen, die im ZenBuddhismus «Satori» genannt wird. (Das Zitat aus einem Aufsatz Suzukis soll diesen Begriff ein wenig erläutern.) Während sich Ihr Wahrnehmungsvermögen entfaltet, entdecken Sie neue Wege zur Lösung von Problemen, korrigieren altgewohnte Fehlwahrnehmungen und befreien sich Schicht für Schicht von den Stereotypen, die Ihnen die Wirklichkeit verschleiern und Sie am bewußten Sehen hindern. Da Ihnen nun die Kräfte beider Gehirnhälften und die zahllosen Schaltmöglichkeiten zwischen ihren Funktionsbereichen zur Verfügung stehen, sind alle Wege für Sie frei, eine immer umfassender werdende Wahrnehmungsbewußtheit zu erlangen, durch die Sie jene verbalen Prozesse unter Kontrolle zu bringen vermögen, die zu Störungen des Denkens, ja sogar zu körperlichen Erkrankungen führen können. Das logische, systematische Denken ist sicherlich eine entscheidende Voraussetzung für das Überleben jedes einzelnen in unserer Kultur. Doch damit unsere Kultur überlebt, ist es unbedingt notwendig zu wissen, wie unser Gehirn auf unser Verhalten einwirkt. Dieser Frage können Sie nachgehen, indem Sie in sich selbst hineinschauen. So werden Sie zum «Beobachter» und wenigstens bis zu einem gewissen Grade verstehen, wie Ihr Gehirn funktioniert. Wenn Sie Ihrem eigenen Gehirn bei der Arbeit zuschauen können, werden sich Ihre Wahrnehmungsfähigkeiten erheblich erweitern. Sie werden die Kräfte beider Gehirnhälften zu nutzen verstehen. Es stehen Ihnen nun zwei verschiedene Wege zur Verfügung, mit einem Problem fertig zu werden: zum einen das abstrakte, sprachliche, analytische Denken, zum andern das ganzheitliche, intuitive Erfassen, das ohne das Hilfsmittel der Sprache auskommt. Nutzen Sie diese zweifache Fähigkeit. Zeichnen Sie alles, was Ihnen in den Blick gerät. Kein Sujet ist zu schwer oder zu leicht; jedes ist so schön, daß es sich lohnt, es zu zeichnen. Alles kann Ihnen als Gegenstand dienen: ein paar Quadratmeter Unkraut, ein zerbrochenes Glas, die Weite einer Landschaft, ein Mensch. Versuchen Sie, immer etwas dazuzulernen. Die Werke großer Meister der Vergangenheit und der Gegenwart sind Ihnen jederzeit und zu erschwinglichen Preisen in Drucken und Kunstbüchern zugänglich. Studieren Sie diese Bilder. Kopieren Sie nicht

Das Zen des Zeichnens

den Stil ihrer Schöpfer, sondern lesen Sie in ihren Gedanken. Lernen Sie von ihnen, die Schönheit des Gegenständlichen neu zu sehen. Lassen Sie sich von ihnen zeigen, wie man neue Formen erfindet und sich neue Sehweisen erschließt. Beobachten Sie, wie sich Ihr Stil entwickelt. Bewahren und pflegen Sie ihn. Schaffen Sie sich Zeit zum Üben, damit sich Ihr Stil, seiner selbst sicher, herausbilden kann. Wenn Ihnen eine Zeichnung mal nicht gelingt, brauchen Sie sich nicht zu beunruhigen. Hören Sie eine Zeitlang mit Ihren endlosen Selbstgesprächen auf. Denken Sie daran: Alles, was Sie zu sehen brauchen, liegt vor Ihren Augen. Lassen Sie keinen Tag vergehen, ohne etwas zu zeichnen. Warten Sie nicht auf Inspirationen. Gehen Sie so vor, wie Sie es in diesem Buch gelernt haben: Treffen Sie Ihre Vorbereitungen, und stellen Sie sich auf das Zeichnen ein. So wird Ihnen der Übergang in den anderen Zustand zu einer gewohnten, leichten Übung. Durch stetiges Training wird Ihnen dieses Umschalten zunehmend leichterfallen. Wenn Sie es jedoch vernachlässigen, werden Sie die freigelegten Wege erneut blockieren. Bringen Sie auch anderen das Zeichnen bei. Ein Rückblick auf die einzelnen Lernschritte wird für Sie von unschätzbarem Wert sein. Indem Sie sie weitervermitteln, werden Sie nicht nur Ihr eigenes Verständnis von der Zeichenkunst vertiefen, sondern zugleich auch anderen Menschen neue Möglichkeiten erschließen. Entwickeln Sie Ihre Vorstellungskraft, Ihre Imagination — Ihre Fähigkeit, mit dem geistigen Auge zu sehen. Was auch immer Sie zeichnen, es wird sich tief in Ihr Gedächtnis eingraben. Lassen Sie diese Bilder noch einmal erscheinen — stellen Sie sich die von Ihnen kopierten Zeichnungen alter Meister vor, die Gesichter von Freunden, die Sie porträtiert haben. Stellen Sie sich auch Szenen und Dinge vor, die Sie in Wirklichkeit nie gesehen haben, und zeichnen Sie, was Sie mit Ihrem geistigen Auge sehen. Das Zeichnen wird dem Vorstellungsbild Eigenleben und Realität verleihen. Benutzen Sie Ihre Vorstellungskraft zur Lösung von Problemen. Betrachten Sie sie von mehreren Seiten, aus verschiedenen Perspektiven. Sehen Sie sich jeden einzelnen Problemfaktor im Hinblick auf seinen Anteil am Gesamtproblem an. Beauftragen Sie Ihr Gehirn, sich mit dem Problem zu befassen, während Sie schlafen oder Spazierengehen - oder zeichnen. Prüfen Sie das Problem mit dem Blick eines Forschers, damit Sie es in allen seinen Facetten sehen. Stellen Sie sich Dutzende von Lösungen vor, ohne zu werten oder zu verwerfen. Spielen Sie mit den Problemen

Das Zen des Zeichnens

unverkrampft und doch ernsthaft. Hören Sie dabei auf Ihre Intuition. Höchstwahrscheinlich wird die Lösung plötzlich von selbst auftauchen — in einem Augenblick, wo Sie es am wenigsten erwarten. Während Sie sich der Kräfte Ihrer rechten Gehirnhälfte bedienen, entfalten Sie Ihre Fähigkeit, immer tiefer in das Wesen der Dinge vorzudringen. Wenn Sie Menschen und Gegenstände in Ihrer Umgebung betrachten, stellen Sie sich vor, daß Sie sie zeichnen. Dann werden Sie plötzlich anders sehen — mit wachen Augen, mit dem Blick des Künstlers in Ihnen.

«Ein Mönch fragte seinen Meistei <Was ist das, mein Selbst?) Der Me antwortete: (Tief in deinem Selbst etwas verborgen, mit dessen verbc genem Tun du dich vertraut macl mußt.> Darauf bat der Mönch, er möge ihm sagen, was das für ein v borgenes Tun sei. Der Meister öffnete nur die Augen und schloß sie wieder.» Frederick Franck
< The Zen of Seeing>

Postskriptum
Für Eltern und Lehrer

Da ich nicht nur Lehrerin, sondern auch Mutter bin, war ich selbst stark daran interessiert, neue Unterrichtsmethoden zu finden. Wie den meisten Eltern und Pädagogen wurde auch mir (bisweilen schmerzlich) bewußt, daß dem Unterricht an unseren Schulen recht verschwommene Konzepte zugrunde liegen, ja daß er mehr oder weniger auf gut Glück geplant und durchgeführt wird. Die Schüler lernen nicht, was wir sie zu lehren glauben, und das, was sie wirklich lernen, entspricht nur allzuoft ganz und gar nicht den von uns für gut befundenen und angestrebten Unterrichtszielen. Ein Beispiel dafür, wie schwer es ist, einem Schüler klarzumachen, was er eigentlich lernen soll, ist mir deutlich in Erinnerung geblieben. Vielleicht haben Sie selbst ähnliche Erfahrungen mit Schülern oder mit eigenen Kindern gemacht. Vor Jahren war ich einmal bei einer Freundin zu Besuch, als ihr Junge aus der Schule nach Hause kam — voller Freude darüber, daß er etwas Neues gelernt hatte. Er war im ersten Schuljahr, und die Lehrerin hatte gerade mit dem Unterricht im Lesen angefangen. Der Junge verkündete, er habe ein neues Wort gelernt. «Großartig», sagte seine Mutter. «Wie heißt denn das Wort?» Das Kind dachte einen Augenblick nach und meinte dann: «Ich werde es dir aufschreiben.» Auf eine kleine Tafel schrieb er sorgfältig in Druckbuchstaben das Wort HAUS. «Sehr schön, mein Junge», sagte die Mutter. «Und was heißt das?» Er sah auf das Wort, dann blickte er seine Mutter an und gab zur Antwort: «Das weiß ich nicht.» Offenbar hatte das Kind gelernt, wie das Wort aussah ~ die mit den Augen wahrnehmbare, schriftliche Form des Wortes hatte sich ihm eingeprägt. Der Lehrerin war es jedoch um einen anderen Aspekt des Lesens gegangen — um das, was Wörter bedeuten, wofür sie stehen, was

sie symbolisieren. Wie so oft wichen Lernziel und Lernergebnis — das, was ein Lehrer vermitteln will, und das, was beim Schüler «ankommt» - weit voneinander ab. Im Laufe der Zeit stellte sich heraus, daß der Sohn meiner Freundin in allen Bereichen besser und schneller über visuelle Vermittlungswege lernen konnte. Das trifft auf viele Kinder zu. Leider ist das Bildungssystem überwiegend auf den Umgang mit Sprache und Symbolen ausgerichtet, und so müssen sich viele Lernende anpassen. Sie sind gezwungen, sich die ihnen gemäße Weise des Lernens abzugewöhnen und sich den Lehrstoff so anzueignen, wie es die Schulbehörden verfügen. Der Junge meiner Freundin war zum Glück imstande, diese Anpassung zu vollziehen. Doch wie viele Schulkinder bleiben dabei auf der Strecke? Die erzwungene Umstellung des Lernstils muß mit der erzwungenen Umstellung von der Links- auf Rechtshändigkeit in irgendeine Beziehung gebracht werden, die sie einander vergleichbar macht. Früher war es üblich, Personen, die von Natur aus Linkshänder waren, zur Rechtshändigkeit zu zwingen. Vielleicht werden wir in Zukunft den Zwang zur Änderung des Lernstils gleichermaßen mißbilligen wie heute die erzwungene Rechtshändigkeit. Bald werden wir in der Lage sein, auf Grund von Tests festzustellen, welcher Lernstil einem Kind am meisten liegt, und über Unterrichtsmethoden verfügen, die es ermöglichen, daß Kinder visuell und verbal lernen können. Daß Kinder über unterschiedliche Auffassungsgaben verfügen, haben die Pädagogen schon immer gewußt, und mittlerweile hoffen alle, die sich für die Förderung junger Menschen verantwortlich fühlen, daß die Gehirnforschung ihnen helfen wird, das Problem zu lösen, wie man alle Schüler gleichermaßen fördern kann. Bis vor etwa fünfzehn Jahren schienen die neuen

Entdeckungen der Gehirnforschung im wesentlichen von rein wissenschaftlichem Nutzen zu sein. Doch werden diese Erkenntnisse mittlerweile auf vielen verschiedenen Gebieten angewendet und scheinen auch einer fundamentalen Veränderung der Unterrichtsmethoden eine sichere Basis liefern zu können. Neben anderen Forschern hat vor allem David Galin darauf hingewiesen, daß den Pädagogen drei Hauptaufgaben gestellt sind: Erstens müssen sie Wege finden, beide Gehirnhälften zu trainieren — nicht nur die mit Sprache, Symbolen und logischem Denken reagierende linke Hemisphäre, die man bisher in den traditionellen Unterrichtskonzepten allein zu fördern bedacht war, sondern auch die Relationen und räumliche Strukturen wahrnehmende, ganzheitlich erfassende und verarbeitende rechte Gehirnhälfte, die in unserem heutigen Bildungssystem noch weitgehend vernachlässigt wird. Die zweite wichtige Aufgabe besteht darin, den Schülern beizubringen, wie sie das der jeweiligen Aufgabe angemessene kognitive Vorgehen erkennen und ihm entsprechend handeln können. Und drittens werden sie ihnen die Fähigkeit vermitteln müssen, beide kognitive Verarbeitungsweisen - die der linken und die der rechten Hemisphäre - bei der Problemlösung zu integrieren. Werden Lehrer erst einmal imstande sein, die sich ergänzenden Modi zu einem Gespann zusammenzuführen oder der jeweiligen Aufgabe den entsprechenden Modus zuzuordnen, wird der Unterricht zu einem weitaus deutlicher urarissenen, durchschaubaren Vorgang. Vorrangiges Ziel wird es sein, beide Gehirnhälften und die von ihnen gesteuerten Fähigkeiten auszubilden. Beide Modi sind für eine vollkommene Entfaltung des Menschen unentbehrlich, und ebenso für alle kreativen Tätigkeiten, sei es Malen oder Schreiben oder die Entwicklung neuer physikalischer Theorien oder die Lösung von Umweltproblemen.

In der Zeit, da das Bildungssystem ohnehin von den verschiedensten Seiten unter Beschuß genommen wird, hat man leicht reden, Pädagogen und Lehrer auf dieses Ziel zu verweisen. Doch ist unsere Gesellschaft einem immer schneller voranschreitenden Veränderungsprozeß unterworfen, so daß immer schwerer vorauszusehen ist, über welche Fähigkeiten die Menschen künftiger Generationen verfügen müssen, um ihre Probleme lösen zu können. Obwohl wir uns bislang bei der Planung der Zukunft unserer Kinder und bei der Lösung von Problemen, die sich ihnen auf ihrem Weg in jene Zukunft stellten könnten, weitgehend auf die rationale linke Gehirnhälfte verlassen haben, ist doch unser Vertrauen in das technologische Denken und damit auch in die alten Unterrichtsmethoden angesichts der Heftigkeit des sozialen Wandels stark erschüttert. Ohne auf die traditionellen sprachlichen und rechnerischen Fähigkeiten verzichten zu wollen, halten besorgte Pädagogen doch Ausschau nach Unterrichtstechniken, die der Förderung der intuitiven und kreativen Kräfte des Kindes dienen und es somit darauf vorbereiten, neuen Herausforderungen mit Flexibilität, Erfindungsgabe und Phantasie begegnen zu können. Dieser zukünftige Mensch soll fähig sein, komplexe Zusammenhänge wechselseitig verbundener Ideen und Fakten blitzschnell zu erfassen, die einem Geschehen zugrunde liegenden Strukturen zu erkennen und die alten Probleme in neuem Licht zu sehen. Was können Sie als Eltern und Lehrer schon jetzt in pädagogischer Hinsicht für die Entwicklung beider Hemisphären der Kinder und Jugendlichen tun? Wichtig ist, daß Sie sich erst einmal über die spezialisierten Funktionen und Verarbeitungsmodi der Hemisphären informieren. Bücher wie dieses können Ihnen eine gewisse theoretische Grundlage und auch einiges von der Erfahrung des kognitiven Hinundherwechselns von einem Modus zum anderen

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Postskriptum

vermitteln. Doch bin ich der Meinung, daß die eigene Erfahrung in dieser Hinsicht von außerordentlicher, vielleicht von entscheidender Bedeutung ist. Erst wenn Lehrer das «Umschalten» aus eigenem Erleben kennen, können sie versuchen, dieses Wissen an andere weiterzugeben. Zweitens sollten Sie sich besonders intensiv mit den Wirkungen befassen, die spezielle Aufgaben auf die Aktivierung der einen oder der anderen Hemisphäre haben. Versuchen Sie zunächst festzustellen, welche Gehirnhälfte Ihre Schüler unter bestimmten, von Ihnen geschaffenen Bedingungen benutzen und welche Aufgaben die Schüler zum kognitiven Hinundherwechseln zwischen den beiden Modi ermuntern beziehungsweise zwingen. Lassen Sie zum Beispiel einen beliebigen Textabschnitt auf seinen Inhalt, auf die in ihm aufgezählten Fakten hin analysieren und bitten die Schüler, ihr Ergebnis vorzutragen oder niederzuschreiben. Dann lassen Sie denselben Text auf seine Bedeutung, seinen tieferen, nur dem imaginativen, metaphorischen Denken zugänglichen Sinngehalt prüfen. Das gleiche könnten Sie auch mit einem Gedicht, einem Gemälde, einem Rätsel, einem Wortspiel, einer Fabel oder einem Lied versuchen. Ein anderes Beispiel: Zur Lösung bestimmter arithmetischer und mathematischer Aufgaben bedarf es des linearen logischen Denkens. Andere können nur durch imaginäres Hinundherschieben der Formen oder durch geschickten Umgang mit Zahlen gelöst werden, was am leichtesten mit Hilfe bildlicher Projektionen möglich ist. Versuchen Sie, durch Beobachtung Ihrer eigenen Denkvorgänge und der Ihrer Schüler festzustellen, bei welchen Aufgaben die Verfahrensweise der rechten Hemisphäre und bei welchen der Modus der linken beansprucht wird. Beobachten Sie auch, bei welchen Problemen verschiedenartige Verarbeitungsstile komplementär oder simultan eingesetzt werden.

Drittens: Versuchen Sie, andere Bedingungen im Unterrichtsraum herzustellen, wenigstens soweit Sie darauf Einfluß nehmen können. So werden die Schüler zum Beispiel durch Unterrichtsgespräche oder durch einen längeren Vortrag des Lehrers dazu gezwungen, starr am Modus der linken Hemisphäre festzuhalten. Wenn es Ihnen gelingt, Ihre Schüler zu einer entschiedenen Hinwendung zum Rechts-Modus zu bewegen, werden Sie einen heutzutage in Unterrichtsräumen seltenen Zustand hervorrufen: vollkommene Stille. Ihre Schüler werden ruhig sein und sich zugleich intensiv und eifrig mit der jeweils gestellten Aufgabe beschäftigen. Das Lernen wird zum Vergnügen. Allein dieses Aspektes wegen lohnt es sich, ein Vorgehen nach dem R-Modus anzustreben. Achten Sie darauf, daß Sie selbst dieses Schweigen fördern und aufrechterhalten. Darüber hinaus können Sie mit der Beleuchtung oder der Sitzordnung experimentieren. Auch Körperübungen, vor allem gleichmäßige, rhythmische Bewegungen wie zum Beispiel beim Tanzen, können das kognitive Umschalten fördern — und in noch viel stärkerem Maße die Musik. In diesem Buch habe ich zu zeigen versucht, daß auch Zeichnen und Malen eine starke Verlagerung zum R-Modus notwendig machen beziehungsweise voraussetzen. Sie könnten es auch mit selbsterfundenen Sprachen versuchen, vielleicht mit einer Bildersprache, in der die Schüler während des Unterrichts kommunizieren. Ich empfehle Ihnen, soviel wie möglich Tafel und Kreide zu benutzen, nicht nur zum Aufschreiben von Wörtern, sondern auch zum Zeichnen von Bildern, Skizzen, Schemata usw. Der Idealfall wäre, alle Informationen zumindest in zweierlei Form anzubieten: in sprachlicher und in bildlicher Form. Auch könnten Sie den verbalen Anteil Ihres Unterrichts reduzieren und ihn durch nonverbale Kommunikationsformen ersetzen, wenn es Ihnen angebracht erscheint.

Und schließlich baue ich darauf, daß Sie Ihre eigenen intuitiven Gaben zur Entwicklung von Unterrichtsmethoden benutzen und auf Fortbildungsseminaren und durch Veröffentlichungen in Fachzeitschriften auch andere Lehrer davon in Kenntnis setzen werden. Vermutlich haben Sie ohnehin schon längst — intuitiv oder ganz bewußt — eine Reihe von Techniken entwickelt, die das kognitive Umschalten fördern. Da wir Lehrenden in einer ausgewogenen, integrativen Entwicklung des gesamten Gehirns ein gemeinsames Ziel für die Zukunft unserer Kinder sehen, müssen wir auch unsere Entdeckungen, die uns diesem Ziel näher bringen können, einander mitteilen. Auch Eltern können eine Menge zur Verwirklichung dieses Ziels beitragen, indem sie ihren Kindern helfen, alternative Erkenntnisweisen zu entwickeln — eine sprachlich-analytische und eine visuell-räumliche. In den ersten, entscheidenden Lebensjahren der Kinder können Eltern ihnen Lernbedingungen schaffen, die verhindern, daß die Worte einen dichten Schleier bilden, der die Wahrnehmung der sprachlich nicht erfaßbaren Wirklichkeit unmöglich macht. Die in meinen Augen wichtigste Anregung, die ich Eltern weitergeben möchte, betrifft den Umgang mit Worten, besser gesagt: die Einschränkung der einseitigen Ausrichtung auf Spracherwerb. Ich bin nämlich der Meinung, daß die meisten von uns im Umgang mit Kleinkindern zu schnell mit der Benennung von Dingen bei der Hand sind. Wenn wir nämlich auf die Frage «Was ist das?» lediglich den Gegenstand, auf den das Kind dabei zeigt, beim Namen nennen und es dabei belassen, geben wir ihm zu verstehen, daß die Bezeichnung, das Etikett das wichtigste sei und daß es genüge, das Ding zu benennen. Wenn wir auf eine solche Frage die Dinge der gegenständlichen Welt nur etikettieren und kategorisieren, berauben wir unsere Kinder jeder Fähigkeit kindlichen Staunens und der Ent-

deckerfreude. Ein Beispiel: Anstatt einen Baum einfach «Baum» zu nennen, geben Sie Ihrem Kind die Möglichkeit, den Baum mit allen Sinnen zu erforschen — ihn zu betasten, an ihm zu riechen, ihn aus den verschiedensten Perspektiven anzuschauen, ihn mit anderen Bäumen zu vergleichen, sich das Innere des Baumes und die Wurzeln unter der Erde vorzustellen, dem Rauschen der Blätter zuzuhören. Lassen Sie das Kind den Baum mehrmals am Tag und zu verschiedenen Jahreszeiten betrachten, seine Früchte einsammeln und aussäen, lassen Sie es beobachten, welche anderen Geschöpfe - Vögel, Motten, Käfer - den Baum bewohnen und so fort. Nachdem es entdeckt hat, wie faszinierend und vielgestaltig jedes Ding ist, wird dem Kind aufgehen, daß das Etikett nur ein kleiner Teil des Ganzen ist. Wenn es diese Erfahrung gemacht hat, wird es seine Fähigkeit zu staunen bewahren — sie wird nicht unter den Wortlawinen unserer modernen Zeit verschüttet. Zur Förderung auch der künstlerischen Fähigkeiten Ihres Kindes empfiehlt es sich, ihm schon in frühestem Alter eine Fülle von Material zu geben und es reichlich mit Wahrnehmungserfahrungen nach Art der soeben beschriebenen zu konfrontieren. Die Kunst Ihres Kindes wird etwa die vorhersehbaren, von mir beschriebenen Entwicklungsstufen durchlaufen. Wenn Ihr Kind Sie beim Zeichnen um Hilfe bittet, fordern Sie es auf, sich gemeinsam mit Ihnen den Gegenstand, den es zeichnen will, genau anzuschauen. Es wird die neuen Wahrnehmungen in sein Symbolsystem eingliedern. Lehrer und Eltern können auch den Heranwachsenden bei ihren von mir an früherer Stelle erörterten künstlerischen Problemen Hilfestellung leisten. Wie erwähnt, machen alle Kinder im Alter von etwa zehn Jahren eine «realistische» Phase durch. Sie wollen sehen lernen, und sie haben Anspruch auf die Hilfe, die sie fordern. Die in diesem Buch angeführten Übungen — einschließlich der Informationen über die Funk-

daß das Zeichnen. Für Kunststudenten Viele Maler unserer Zeit sind der Meinung daß die Fähigkeit. haben die Chance. scheuen sie keine Anstrengung. naturgetreu zu zeichnen. Haben sie einmal ihre Angst vor dem Mißlingen überwunden. Da so viele zeitgenössische Künstler das Zeichnen als überflüssig abtun. Es sollten vor allem Bilder von Gegenständen. und so sind Jugendliche im Porträtieren von Freunden und Familienangehörigen meist recht geschickt. Auch das Konturenzeichnen und das Zeichnen des leeren Raums machen Kindern in diesem Alter Spaß. daß sie auf jegliche künstlerische Ausbildung verzichten zu können glauben. als Erwachsene beide Gehirnhälften bewußt nutzen zu können. für die sich das Kind in dieser Phase besonders interessiert. Wenn sie in Galerien und Museen den Werken der modernen Kunst begegnen —jener Kunst. unwichtig sei. Doch wichtiger noch für die Zukunft ist. die Abbildung unten). wenn Sie sie ein Wenig vereinfachen — können schon von Zehnjährigen bewältigt werden. wie Sie es durch die in diesem Buch beschriebenen Übungen gelernt haben. Besonders beliebt bei dieser Altersgruppe ist das Porträtzeichnen. Zugang zu den Funktionen der rechten Hemisphäre zu finden und sie unter Kontrolle zu bringen. Bereitwillig machen sie von diesen Techniken beim Zeichnen Gebrauch (vgl. Nur wenige ernsthaft bemühte Studenten sind von ihren kreativen Fähigkeiten und ihren Erfolgsaussichten in der Welt der Kunst so fest überzeugt. daß in der zeitgenössischen bildenden Kunst da zeichnerische Können keine unbedingt notwendige Voraussetzung für das bildnerische Schaffen darstellt. Allgemein gesehen trifft es sicher zu. und ihr Erfolg wiird ihr Selbstvertrauen stärken. auf den Kopf gestellt abgezeichnet werden. und so manches moderne Kunstwerk trägt die Signatur eines bedeutenden Künstlers. gerät der Anfänger leicht in eine Zwickmühle. daß sie diese Fähigkeit besitzen weil sie ihre ästhetische Sensibilität mit anderen Mitteln als denen der traditionellen Kunstschulen — vor allem durch das Zeichnen nach einem Modell sowie von Stilleben und Landschaften ausgebildet haben. ein effektiver Weg ist. der überhaupt nicht zeichnen kann Ich vermute. deren Schöpfer Zeichnungen eines Schülers der vierten Klasse: Entwicklung innerhalb von drei Unterrichtsstunden.Postskriptum tionen der beiden Hemisphären. die durch Zeichnen sehen lernen. . ihr Können zu vervollkommnen. Kinder.

wird Ihr visuelles Gespür bald nachlassen. wie es der Zweck des Joggens ist. die häufig einen einzigen. blockiert worden. was für ein Ergebnis dabei herauskommt. Ich erinnere damit noch einmal an meine Empfehlung im vorigen Kapitel. bevor sie überhaupt wissen. warum das Zeichnenkönnen so wichtig ist. im Gegenteil. zu oft verpflichten sie sich dadurch auf die Variation einer beschränkten Zahl von Motiven. Für Kunststudenten ist die frühzeitige Festlegung mit Sicherheit gefährlich. Üben Sie Ihren Blick. Zweitens: Versuchen Sie sich klarzumachen. ohne sich allzu viele Gedanken darüber zu machen. wenn sie sich der abstrakten oder nichtgegenständlichen Kunst widmeten. und legen sich so bald wie möglich auf einen engen Kunststil. daß das Lernen nach traditionellen Schulen für sie keinen Sinn hat. Hin und wieder können Sie Ihre besten Zeichnungen aussortieren und die übrigen wegwerfen — oder sogar alle. Als bildender Künstler werden Sie sich (höchstwahrscheinlich) visueller Ausdrucksmittel bedienen. bringen langweilige und «unkünstlerische» naturalistische Bilder hervor. würden auch dann öde. was sie sagen wollen. . Zeichnen Sie jeden Tag. sofort als «Signatur» zu erkennenden Stil pflegen. mit den Mitteln ihrer Kunst Aussagen zu machen. zum Beispiel durch Meditieren. ein Zweig. Und schließlich: Zeichnen Sie jeden Tag. Noch nie sind die schöpferischen Kräfte durch dieses zeichnerische Können. Das Zeichnen versetzt Sie in die Lage.rostsKnptum auf alle traditionellen Fertigkeiten zu verzichten scheinen . die Wirklichkeit immer bewußter wahrzunehmen. sondern unzählige weitere große Künstler können hier als Beispiel und Beweis für diese Behauptung angeführt werden. Gewiß kann man seine ästhetische Sensibilität auch auf andere Weise entfalten. wenn Sie wollen. mit den Augen des Künstlers zu sehen. an ein bestimmtes Ziel zu gelangen. Ihr Ziel ist. Um aus dieser Zwickmühle auszubrechen. ein angebissener Apfel. Zweck des Zeichnens ist nicht. auf eine bestimmte «Richtung» fest. der virtuos zeichnen konnte. Lesen oder Reisen. Auf Grund meiner pädagogischen Erfahrungen mit angehenden Künstlern von unterschiedlichstem darstellerischem Niveau möchte ich allen Studierenden auf dem Gebiet der Kunst. Der zeitgenössische englische Maler David Hockney betrachtet solche Einengung der künstlerischen Möglichkeiten als Falle (vgl. Erstens: Haben Sie keine Angst davor. Und diejenigen. Doch meiner Meinung nach sind diese anderen Weg für einen Künstler riskanter und weniger effektiv.beschleicht sie das Gefühl. weil sie für Kunststudenten besonders wichtig ist. ein Mensch. auf die diese Kritik zutrifft. einige Empfehlungen geben. naturgetreu zeichnen zu lernen. eintönige und pedantische Bilder «produzieren». Ihr Ziel ist die unverstellte Begegnung mit der Realität Ihrer Erfahrungen. der Grundlage aller Kunst. Ihr zeichnerisches Können wird Sie in Ihrer Arbeit niemals behindern. Es spielt keine Rolle. Sie versuchen. Mit der Kunst ist es in gewisser Weise ähnlich wie mit Gymnastik oder Sport: Wenn Sie nicht täglich üben. immer tiefer werden Sie Ihre Umwelt erfassen. das Zitat im ersten Kapitel). die zeichnen können. leicht nachahmbaren. unterlassen sie es oft. wirklichkeitsgetreu zeichnen zu lernen. welches Sujet Sie wählen — es kann ein Aschenbecher sein. Sie eifern modernen Künstlern nach. und Zeichnen schärft das visuelle Gespür. irgendwelche Linien auf dem Papier erscheinen zu lassen — ebensowenig. Immer bewußter. Nicht nur Picasso. Bei weitem nicht alle Künstler. es wird ihr förderlich sein. insbesondere allen Anfängern.

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